rik Juni / Juli 2021

blumediengruppe

05.2021 І JUNI • JULI І HEFT 414

KÖLN

VIP

MARCELLA

ROCKEFELLER

im exklusiven Gespräch

GESELLSCHAFT

POLEN:

Eine Community

in Angst

STYLE

Unsere DESIGN-

Highlights für 2021

05

4 193289 501903

1,90€

INTERVIEWS: JENDRIK, OWEN PALLETT, MARINA, BRIX SCHAUMBURG


NIVEA

IST FÜR ALLE DA

UNSERE INITIATIVE

#FÜRMEHRMITEINANDER

nivea.de/miteinander


STADT 3

Inhalt

CORONA UND DIE FOLGEN

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld,

der Bundesverband Trans*, der

Verein Intersexuelle Menschen und

der Lesben- und Schwulenverband

Deutschland veröffentlichten ihre

Studie zu den Auswirkungen der Corona

Pandemie auf die Community. Ziel der

Veröffentlichung ist es, die Betroffenen

stärker in den Fokus der kommenden

Bundestagswahl zu rücken.

Kostenlos

epaper.männer.media

Alle Magazine online!

Liebe Leser/innen,

MARCELLA STARTET DURCH

Seit über zehn Jahren ist Marcella

Rockefeller in der Kölner Szene und auch

in den Medien eine feste Größe. Was sie

so besonders macht, ist, dass sie eine

Sängerin ist. Wir sprachen mit La Rockefeller

über ihr erstes Album, Céline Dion,

Rosenstolz und Drag.

MÖBEL SPEZIAL

In unserem Spezial beschäftigen wir

uns dieses Mal stark mit kleinen Objekten,

die dem Wohnraum persönliche

Akzente verleihen. Natürlich keine

Staubfänger, sondern künstlerisch

schön gestaltete Objekte. Außerdem

werfen wir einen Blick in besonders

kleine Apartments und deren kreativen

Raumaufteilung.

der Sommer kann kommen! Der letzte Lockdown

ist vorbei, die Impfkampagne nimmt

Fahrt auf und Reisen werden wieder möglich.

Auch die Community blickt nach vorne auf

einen neuen Sommertraum. Es heißt, die

Gewohnheit macht den Genuss schal und die

Entbehrung unerträglich. Manches, was uns

selbstverständlich erschien können wir neu

entdecken und genießen. Vielen Locations

brauchen nun unsere Unterstützung, indem

wir sie fleißig besuchen. Wahrscheinlich

werden sich manche Türen nicht mehr öffnen,

dafür versucht vielleicht eine jüngere, queerere

Generation ihr Glück, die bislang an den Platzhirschen

nicht vorbeigekommen ist. Auch die

heißen wir herzlich willkommen und freuen

uns auf die Bereicherung. Möglicherweise erübrigen

sich auch Kämpfe der Vergangenheit

und man stellt fest, dass wir alle in einem Boot

sitzen und uns mehr verbindet, als trennt.

Euer rik-Team!

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IMPRESSUM

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4 SZENE

Regenbogenfamilie

werden

Nicht jedes Kind hat das Glück, in einer

Familie mit liebevollen Erwachsenen

aufzuwachsen. Es gibt Kinder, die bereits früh Erfahrungen

mit Vernachlässigung und mangelnder

Fürsorge gemacht haben. Für diese Kinder sucht

Context e.V. in Köln und Umgebung ein liebevolles

Zuhause in Erziehungsstellen.

„Colours of Change“ erhalten

funkelndes Dankeschön

Auf Missstände aufmerksam machen, dafür auf die Straße zu gehen

und für Solidarität zu werben, ist unter den aktuellen Begebenheiten

seit über einem Jahr alles andere als leicht. Dem Kölner Kollektiv

„Colours of Change“ ist dies dennoch eindrucksvoll gelungen. Es

besteht aus Gianni Jovanovic, Ibrahim Willeke und Anbid Zaman. Sie

haben im Rahmen des letztjährigen CSD-Wochenendes auch unter

dem Eindruck der Black Lives Matter Bewegung nicht nur das Kollektiv

„Colours of Change“ ins Leben gerufen, sondern innerhalb von nur

zwei Wochen eine Kundgebung auf dem Rudolfplatz mit dem Ziel

organisiert, auf die Mehrfachdiskriminierung von queeren People of

Colour (PoC) hinzuweisen und die LGBTIQ*-Community zur Solidarität

aufzurufen. Aus diesem Grund zeichnen die Aidshilfe Köln und der

Checkpoint das Kollektiv mit dem funkelnden Dankeschön aus.

Erziehungsstelleneltern sind Menschen, die

Kindern ein neues Zuhause geben, wenn diese

nicht in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen

können. Die Kinder können durch das Erfahren

von Sicherheit und Geborgenheit und den Aufbau

stabiler Beziehungen „Familie“ neu erleben und

Versäumtes nachholen. Eine Erziehungsstelle

kann eine Familie, Lebensgemeinschaft oder auch

Einzelperson sein, unabhängig von Familienstand,

Herkunft oder sexueller Orientierung. Entscheidend

ist die persönliche Eignung. „Wir freuen uns

über Interessierte aus der LGBTIQ*-Community.

Unsere Kinder und Erziehungsstellen sind so bunt

wie das Leben selbst. Die eigene Vielfaltserfahrung

kann oft helfen, Kindern mit ungewöhnlicher

Biografie verständnisvoll zu begegnen.“, sagt

Britta Schlüter von Context e.V. Wer mehr über die

Arbeit von Context e.V. erfahren möchte oder mit

dem Gedanken spielt ein Kind aufzunehmen, findet

auf www.context-ev.de weitere Informationen

zum Verein oder kann über Tel. 0221 96881296

mit Britta Schlüter und dem Team in Köln in

Kontakt treten.

CSD im August

Aufgrund von Terminüberscheidungen seitens der Stadt Köln ist es notwendig,

das Straßenfest und die Demonstration auf den 27. bis 29. August statt

wie bislang geplant im September zu schieben. Nach intensiven Gesprächen

mit der Stadt Köln und um nicht mit dem WorldPride und den EuroGames

2021 in Kopenhagen zu kollidieren, finden das Straßenfest und die Demonstration

in diesem Jahr erstmalig nicht als Abschluss, sondern in der Mitte

des zweiwöchigen Festivals statt. Außerdem wurde eine Kooperation mit

dem zeitgleich stattfindenden CSD Münster vereinbart. Die in Münster am

Samstag und in Köln am Sonntag stattfindende Demonstrationen werden

zusammen eine noch größere Strahlkraft für die LGBTIQ Community in NRW

haben. Nach so einer langen Zeit, bringt der CSD wieder Farbe in die Stadt

und sendet unter dem Motto „FÜR MENSCHENRECHTE – Viele. Gemeinsam.

Stark!“ wieder ein Zeichen in die Welt.


SZENE

5

PRINCESS CHARMING

Die Kölner Rechtsanwältin Irina Schlauch ist die Frau, die in der neuen lesbischen

Dating-Show „Princess Charming“ auf die Suche nach ihrer großen

Liebe geht. Ab dem 25. Mai 2021 darf man sich auf neun Folgen bei TVN online

freuen. Es geht um die große Liebe und ehrliche Gefühle – allein unter Frauen.

Wie gehen die Ladys untereinander auf

Tuchfühlung? Wie daten Frauen, die auf

Frauen stehen? Bei Sonnenschein und in

lauen Sommernächten gibt’s heiße Dates

und Partys am Pool in einer luxuriösen

Villa. „Princess Charming“ verspricht viele

Magic Moments, aber bei aller Romantik

wird auch Spannung bei der Suche nach

der großen Liebe unter Frauen sicher nicht

ausbleiben.

In aufregenden Einzel- und Gruppendates

hat Princess Irina in jeder Episode die

Chance, ihre potenziellen Damen kennenzulernen

und ihnen näher zu kommen.

Am Ende einer jeden Folge steht eine

Entscheidung an und im Finale zittern

schließlich zwei Single-Ladys darum, wer

von ihnen die bessere Hälfte von Irina

werden wird. Bei einer Frau achtet Irina vor

allem auf den Charakter, sie mag Selbstbewusstsein

und Humor. Ihr Coming Out

sie mit 23 Jahren, alles lief harmonisch

und unkompliziert ab: „Ich bin sehr tolerant

erzogen worden, insofern war das für

meine Familie kein Thema.“ Zu ihren Eltern

und ihrer Zwillingsschwester hat Irina auch

ansonsten ein super Verhältnis. Toleranz

und Vertrauen sind ihr in der Liebe

besonders wichtig. Ihre erste Beziehung

hatte Irina mit 17 Jahren mit einem Mann,

die folgenden ausschließlich mit Frauen.

Die Powerfrau mag jeden Sport, bei dem

sie ein Brett unter den Füßen hat, wie

Snowboarden, Wakeboarden oder Surfen.

rik sprach mit der Kandidatin.

Warum denkst Du, dass es wichtig

ist, dass es jetzt „Princess Charming“

gibt?

Irina: Mir ist bewusst, dass wir lesbische

Frauen auch kleiner Teil einer großen und

bunten Community sind. Aus diesem

Grund freue ich mich umso mehr, dass

wir nun die Möglichkeit haben, uns zeigen

können. Für mich ist es selbstverständlich,

eine Frau zu sein, die auf andere Frauen

steht, aber für viele ist Homosexualität

noch keine Normalität.

Wie gehst du an das Kennenlernen

heran?

Irina: Die größte Herausforderung wird

sein, allen Frauen in so kurzer Zeit zu

begegnen und auch den Frauen die

Chance zu geben, mich kennenzulernen.

Dass ich jemanden finde, die zu mir passt,

ist die eine Sache, aber die Frauen müssen

auch herausfinden können, ob ich zu

ihnen passe. Das geht nur, indem man viel

Zeit miteinander verbringt. Ich bin Single

und 30, es wird Zeit, dass die Traumfrau

kommt!


6 SZENE

STUDIE

EIN JAHR CORONA:

Wie geht es uns?

300 queere Organisationen und

Expert*innen wurden befragt, 41 Seiten

bedruckt: Der Corona-Bericht zum Stand

der Dinge in der queeren Szene ist fertig und

kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen.

Bestehende Probleme verschärfen sich

dramatisch.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

(BMH), der Bundesverband Trans* (BVT), der

Verein Intersexuelle Menschen (IM e.V.) und

der Lesben- und Schwulenverband Deutschland

(LSVD) veröffentlichten diese Woche ihre

Broschüre „Auswirkungen der Coronapandemie

auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans*,

intergeschlechtliche, queere und asexuelle

Personen in Deutschland“. Ziel der Veröffentlichung

ist es, LGBTIQ*-Rechte stärker in den

Fokus der kommenden Bundestagswahl zu

rücken. Hier ein paar Ausschnitte:

FINANZIELLE ÄNGSTE

Finanzielle Probleme von Beratungsstellen

und kulturellen Orten verstärkten sich unter

anderem durch die notwendig gewordene

technische Aufrüstung. Initiativen befürchten

zudem, dass ihre Arbeit in der Pandemie

vom Staat für unnötig erklärt und unter

kommenden Haushaltskürzungen besonders

leiden wird:

„ Angestellte verzichten zu Jahresbeginn

in manchen Fällen sogar auf einen Teil

ihres Gehalts, damit keine Kolleg*innen

entlassen werden müssen.“

Tammo Wende von RosaLinde Leipzig

VERANSTALTUNGEN UND HILFSANGE-

BOTE WERDEN SELTENER

Fast 40 Prozent der im Heft befragten

Initiativen gaben an, dass sie den Großteil

ihrer Veranstaltungen absagen mussten. Der

Rest wurde ins Digitale verlagert. Obwohl

viele queere Menschen unter dem Verlust

von Präsenzveranstaltungen leiden, freuen

sich viele ältere, chronisch kranke und

behinderte Menschen über Online-Formate,

die ihre Teilnahme erstmals ermöglichen.

KATASTROPHALER ZUGANG ZUR

GESUNDHEITSVERSORGUNG

Queere Menschen leiden besonders

oft unter mentalen Krankheiten. Die

Dauerpräsenz von Diskriminierungserfahrungen

verbindet sich nun mit den

Auswirkungen der Corona-Krise: Isolation,

Existenzangst, Sorge um sich und andere.

Der Bedarf an diskriminierungssensiblen

Psychotherapeut*innen ist dementsprechend

weiter gestiegen.

„In einer Erhebung des Deutschen

Instituts für Wirtschaftsforschung

aus dem Jahr 2017

berichteten lesbische, schwule

und bisexuelle Menschen doppelt

so häufig wie heterosexuelle

Menschen, dass bei ihnen schon

einmal eine depressive Erkrankung

diagnostiziert wurde.“

Noah Rieser von TransInterQueer e.V.

und das Universitätsklinikum Hamburg

Eppendorf berichten unabhängig

voneinander, dass das ständige Gängeln

durch medizinisches Personal bei inter- und

trans*geschlechtlichen Personen zur


SZENE 7

Vermeidung von Corona-Tests führt. Dazu

kommt, dass sich die Bearbeitungsdauer

von Anträgen auf Namensänderung etc. bei

trans* Personen verlängert und Operationen

abgesagt werden. Tragisch, da auch ohne

Pandemie eine rechtliche und medizinische

Transition Jahre dauern kann.

SOZIALE ISOLATION

Queere Geflüchtete sind in der Pandemie

unterschiedlichsten Gefahren ausgesetzt:

Einer Corona-Infektion durch überfüllte

Sammelunterkünfte, schlechtere

Chancen auf Asyl durch den Wegfall von

rechtlicher Beratung und Isolation wegen

der Streichung von Community-Treffen.

Wegen der schlechten Internetverbindung

in ihren Unterkünften können sie nicht

auf digitale Angebote zurückgreifen.

Angesichts dieser schwierigen Umstände

gelangen Lilith Raza vom Queer Refugees

Deutschland und Ibrahim Willeke von

der Landeskoordination der Anti-Gewalt-

Arbeit für Lesben, Schwule & Trans* in

NRW zu folgender Einschätzung:

„Seit Beginn der Pandemie haben wir

[die beiden] einen deutlichen Anstieg

von Suizidalität, Gewalterfahrungen,

Depressionen und Angst unter geflüchteten

LSBTIQA+ beobachtet.“

Viele queere Menschen arbeiten selbstständig, um Diskriminierung zu entgehen. In der Pandemie sind sie besonders oft

von Hartz 4 betroffen, da sie als Soloselbstständige nicht arbeitslosenversichert sind und die Corona-Maßnahmen des

Bundes für sie größtenteils unwirksam waren. So auch DJ Seet, der im hinnerk 8/20 von seinen Erfahrungen berichtete.

Carolina Brauckmann vom Verband Lesben

und Alter weist neben den Schwierigkeiten

der Pandemie auf die Krisenerfahrenheit von

älteren queeren Menschen hin: Sie besäßen

durch lesbische, schwule, bisexuelle und

trans* Kämpfe in der letzten Jahrhunderthälfte

erprobte Bewältigungsstrategien.

VERORDNETE FAMILIENIDYLLE

Im Zuge des Infektionsschutzes

wird laut Rebekka Blum, Francis Seeck

und Ilka Quindeau die Familie wieder

traditioneller: Der Kontakt zu Herkunftsfamilien

und monogamen Partner*innen

wird weniger streng eingeschränkt, als bei

Freund*innen und mehreren Partner*innen.

Fatal für queere Menschen, da viele

LGBTIQ*-Personen sich mit einer selbst

gewählten Familie enger verbunden fühlen.

Polyamore Menschen werden durch solche

Regelungen gezwungen, sich zwischen

Partner*innen zu entscheiden. *vf

DHL hisst

Regenbogen

Bunt, groß und außergewöhnlich

ist der Auftrag, der bei der

Wuppertaler Firma Fahnen

Herold hereingeflattert ist: 750

Regenbogenfahnen sind in den Produktionshallen

angefertigt worden. Auftraggeber

war der Logistikkonzern Deutsche Post

DHL, der damit ein starkes Zeichen rund um

die Themen Diversität und Akzeptanz setzt.

Die Regenbogenfahnen wurden am

17. Mai, dem „Internationalen Tag gegen

Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“ an

zahlreichen Betriebsstätten der Deutschen

Post in der gesamten Bundesrepublik

gehisst. „Wir setzen ein starkes Zeichen

für Diversität. Mir ist kein Unternehmen in

Deutschland bekannt, das je eine Diversity-

Aktion in solch einer Größenordnung

umgesetzt hat“, sagt Initiator Peter

Steinhoff von der Deutschen Post.

Das unternehmensinterne Netzwerk RainbowNet

wurde 2008 für LGBTI-Beschäftigte

gegründet. Es soll dazu beitragen, dass

alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung und

geschlechtlichen Identität unbelastet ihrer

Arbeit nachgehen können, um einen Raum

für Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

Das Netzwerk, das nicht nur in Europa,

sondern auch in Asien, Südamerika und den

USA Mitglieder hat, unterstützt Beschäftigte

und Führungskräfte in beratender

Funktion. Der Konzern vereint Menschen

aus einer Vielzahl von Kulturkreisen und

kulturellen Hintergründen. Dies spiegelt sich

auch im Motto des Diversity-Managements

wider: „Alle verschieden - gemeinsam

erfolgreich“. Der Konzern bekennt sich

darüber hinaus ausdrücklich zu Chancengleichheit,

was im Verhaltenskodex sowie

in der konzerneigenen Erklärung zu Vielfalt

und Inklusion hervorgehoben wird. Deutsche

Post DHL Group feiert seit mehreren

Jahren im Monat Mai eine gesamte Diversity

Week.

www.dpdhl.com


8 SZENE

JUBILÄUM

CAZZO

WIRD 25

Vadim Romanov:

„Mein tiefster Respekt

für CAZZOs enormen

Beitrag zur Pornoindustrie

und mein Wunsch, eine

unerschöpfliche Quelle

sexueller Energie

und Fantasie zu

bleiben.“

Amanda Cox:

„Wow, 25 Jahre!

Eine Legende, die

verdammt weit und oft

GEKOMMEN ist.“

Ein Vierteljahrhundert voller Testosteron.

Seit 1996 steht das in Berlin

an den Start gegangene Pornolabel

für schwulen Spaß und auch schwule

Emanzipation. Seit 2016 leitet Felix Kamp das

Studio, 2021 wird das Jubiläum begangen.

1995, als Jörg Andreas per Zufall Jürgen Brüning

begegnete, ging alles los. Der erste Film war 1996

„Berlin Techno Dreams“ und wurde aufgrund der

kernigen Darsteller, der rasanten Schnitte und

des Technobooms sogleich ein großer kommerzieller

und medialer Erfolg. Es folgten weltweit

vertriebene DVDs und seit einiger Zeit natürlich

auch digitale Angebote mit Stars wie Thom Barron

und Fred Faurtin. 2021 ist CAZZO – italienisch

für „Schwanz“ – international ein angesehener

Name in der Pornobranche, auch weil man

sich weiterhin nicht festlegen lässt: Skinheads,

„Normalos“, Punks, ungewöhnliche Drehorte oder

extremere Fetisch-Sexpraktiken – alles und fast

jeder ist dabei, 2009 zum Beispiel Tim Kruger.

Gut zu wissen: Das erste Cover unseres Magazins

für Berlin, sergej (heute blu), zierten 1997 zwei

knutschende CAZZO-Kerls. *rä

NACHGEFRAGT

Henning von Berg über seine Zeit

bei CAZZO

Der weltweit bekannte Fotograf

verriet uns, was ihn mit dem Label

verbindet.

„CAZZO-Film? Ein inspirierendes

und aufregend-erregendes Medium

mit echtem Berliner Lokalkolorit,

welches das Image (Berlin = sexy)

ganz entscheidend mitgeprägt

hat. Sogar weltweit! Pur, rau und

authentisch; dabei stets unterlegt

mit hartem Techno-Sound“, so der

Fotograf, der fast ins Schwärmen

gerät. „Spannende Pornoerzählungen

visualisierten das außergewöhnliche

Flair der Nachwendezeit in

der frisch wiedervereinigten Stadt.

Ein kerliger Look, der prompt Heerscharen

von erwartungsfreudigen

Gay-Touristen in die Metropole

lockte.“ Die von vielen bemängelte

Prüderie der heutigen Zeit war noch

weit weg. „CAZZO gehörte damals

zur schwulen Szene Berlins wie

heute die Schwaben zum Prenzlauer

Berg. Dabei war den meisten Fans

sicherlich noch nicht mal die italienische

Bedeutung des Firmennamens

geläufig.“ Und wie ging es eigentlich

los? „1996 hatte ich den beiden

Geschäftsführern eine geräumige

Altbauwohnung nahe Mehringdamm

als allererste Büroadresse vermittelt.

Bald stand ich Zweimeter-Mann

sogar selbst vor der Kameralinse

als gestrenger Partisanen-Offizier.

Später als Häftlingskomparse und

als Aktfotograf. Nur logisch, dass

ich 1997 den Beruf wechselte und

tatsächlich Fotograf wurde. Eine

verrückte Zeit mit tollen Erlebnissen,

die ich nicht missen möchte.“

Wer hätte das gedacht? Künstler

durch Porno. Wobei: Irgendwie waren

die ersten CAZZO-Filme mehr als

nur Pornografie, da war jede Menge

Zeitgeist und Kunst mit im Spiel. Ein

Stück queere Geschichte! *rä

FOTO: J. SCHOMMER


Schmuck zur Verteidigung

SZENE 9

Kaum eine Woche, in der wir nicht über Gewalt gegen

Queers berichten. Obwohl in den Firmen und in den

Medien weitaus mehr Toleranz und Akzeptanz als vor zwanzig

Jahren gelebt wird, steigen die queerfeindlichen Übergriffe auf

den Straßen an. Da gibt es einem ein Gefühl von Sicherheit,

wenn man weiß, dass man sich verteidigen könnte, wenn es

denn sein muss. Hier setzt das von Frauen geführte Start-up

„Not Just A Jewel“ an. Es sei „eine umfassende Lösung für

persönliche Sicherheit und umfasst ein smartes Schmuckarmband

zur gewaltfreien Selbstverteidigung mit angeschlossener

Schutz- und Community-App“.

Entwickelt wurde das Schmuckarmband zur gewaltfreien

Selbstverteidigung für Frauen, aber auch Dragqueens und Queers

können davon profitieren. Verrate uns doch mal, wie es genau

funktioniert.

Wir haben unser Armband im ersten Schritt für alle Menschen

entwickelt, die Design und Schmuck lieben und mit uns

gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt setzen wollen! Polizei und

Selbstverteidigungsexpert*innen empfehlen das Tragen eines

lauten Alarms als besonders wirksame Methode, potenzielle

Angreifer*innen abzuschrecken, den Überraschungsmoment

zu nutzen und andere auf sich aufmerksam zu machen, um

Hilfe zu organisieren. Hier gehen wir einen Schritt weiter. Über

unsere App kann man Freunde und Familie dazu einladen, zum

persönlichen Schutzengel zu werden. Diese können dann im

Notfall schnell Hilfe organisieren oder die Polizei rufen. Und so

funktioniert das Ganze: Für unser erstes Produkt integrieren

wir einen 120 dB lauten Alarm in ein stylish designtes und

IoT-fähiges Schmuckarmband und verbinden es mit unserer

Schutz- und Community-App.

Mit einem Zwei-Wege-Auslösemechanismus kann man ganz

intuitiv entweder den lauten oder einen stillen Alarm mit nur

einem Finger auslösen. Im Fall einer Alarmaktivierung geht

dann eine SMS mit den GPS-Daten an die vorab über die App

ausgewählten Notfallkontakte und andere App-Nutzer*innen

im Umfeld für die erste Hilfe. Der Link in der SMS führt zu einer

gesicherten Website, wo dann der Live-Standort verfolgt werden

kann und die Kontakte entweder schnell selbst vor Ort sind oder

die Polizei zu Hilfe rufen können.

GAYBOYS

LIVE AM

TELEFON

RUF AN!

FOTO: R. KATER

NUR

14

Cent/ Min.

Uns ist es besonders wichtig, das Sicherheitsgefühl der

Träger*innen zu stärken, indem sie unser Armband ganz

selbstverständlich in ihren Alltag und auch ihren Lifestyle

integrieren können. Zu wissen, dass man sich im Fall der Fälle

selbst helfen kann und Hilfe rufen kann, selbst wenn das Handy

aus oder unerreichbar ist, beruhigt ungemein. Eltern können ihre

Teenager beruhigter ausgehen lassen. Freund*innen wissen, dass

sie informiert werden, wenn eine Situation außer Kontrolle gerät,

ohne dass ein dauerhaftes Tracking nötig wird. Um im Notfall

helfen zu können, braucht der Schutzengel die App nicht selbst

runterzuladen – ein Handy mit SMS-Funktion reicht aus. *rä

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10 KULTUR

INTERVIEW

FOTO: SVEN SERKIS

BRIX SCHAUMBURG,

Schauspieler und trans*

Sichtbarkeit muss sein, sonst

vergisst einen die heterosexuelle

Mehrheit. Diskriminierung

kann nur durch Wissen abgebaut

werden. Und ja, auch Serien können

helfen, progressive queere Gedanken

und Beispiele „anderer“

Lebensformen in die deutschen

Haushalte zu bringen. Es ist wichtig,

Anderssein zu thematisieren, nur

so können Menschen im Selbstfindungsprozess

entdecken, dass sie

nicht alleine sind.

Brix Schaumburg aus der Serie „SUNNY

– Wer bist du wirklich?“ über sein Leben

als Transmann, die Geburt seines Kindes.

Seit Ende 2020 hat er auch einen Podcast

am Start: https://audionow.de/podcast/

herzfarben. *rä

Sunny ist „revolutionär“, „eine

Eventserie, die es so in Deutschland

noch nie gab“ – was ist denn das

Besondere, Einzigartige an eurer

Produktion?

Die Storyline und auch die Bilder sind sehr

auf den Punkt, ehrlich und viel aussagend.

Ich bin gespannt, wie die Zuschauer damit

umgehen werden. Es ist definitiv revolutionär

und neu.

Wen spielst du und was macht deine

Rolle aus?

Ich verkörpere „Nik“, einen tollen, lieben

und sehr aufmerksamen Charakter. Er ist

ein lieber Kerl und für seine Mitmenschen

da. Natürlich lässt auch er sich von der

Clique in gewisse Situationen reinziehen,

aber er weiß auch immer, wie er für sich

wieder zurückfindet.

Was unterscheidet dich von deiner

Rolle?


Nik ist mir zu ruhig und lässt sich immer noch zu viel

gefallen, vor allem, wie in seinem Beisein über seine Freunde

geredet wird. Des Weiteren ist diese Trans-Thematik nicht in

diesem Ausmaß Teil meines Lebens.

Was habt ihr gemeinsam?

Einen flotten Sinn für Stil und ein aufmerksames Auge für

die Dinge, die um einen geschehen.

Design /// BODY /// TRAVEL ///

Wie sehr ähneln sich Niks und deine Biografie?

Nicht wirklich sehr stark, aber viele Kostüme würde ich

privat tragen, oder sind manche sogar vielleicht von mir?

Tja ...

Was ist dein Geheimnis?

Ich weiß, wie es ist, als Frau durch die Welt zu laufen, wie

man Frauen erobern kann und wie sie wirklich denken.

Männer, wollt ihr einen Lehrgang buchen?

Wie wichtig ist es dir, dass das Thema Transgender

eine Plattform bekommt durch Nik in „SUNNY“?

Sehr wichtig, da ich mich als Botschafter sehe. Für mich

persönlich spielt das ganze Thema kaum noch eine Rolle,

denn ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Aber es gibt

genug Menschen, die eben nicht auf dem Regenbogen

fliegen. Es muss sich noch einiges in unserer Gesellschaft

tun, damit sich einfach alle akzeptiert fühlen und auch

akzeptiert werden. Dies beinhaltet in meinen Augen aber

viele Themen wie z. B. Bodyshaming, Sexualität, Herkunft,

Menschsein … Da ist noch so viel Luft nach oben!

Vielleicht dadurch auch eine größere „Normalität“

in der öffentlichen Wahrnehmung?

Akzeptanz und Respekt, das ist mir ein

großes Anliegen – miteinander

für eine bessere Welt. Jeder

kann immer nur sein

eigenes Handeln

maximieren und damit

andere inspirieren.

Du sagtest mal, das

sei eine Herzensangelegenheit

für

dich – was erhoffst

du dir durch diese

Rolle?

Ich erhoffe mir durch meine Rolle

mehr Akzeptanz und Miteinander. Ich

möchte denjenigen Mut machen, die dies brauchen, und

laut werden für diejenigen, die dies nicht alleine können.

Zusammen sind wir stärker.

Du bist in der Zeit, als ihr für SUNNY in der

Quarantäne gewesen seid und gedreht habt, Vater

geworden. Wie hat sich das für dich angefühlt?

WOW, einfach nur WOW. Wir haben Leben geschaffen, und

was für eine kleine süße Maus. Ich bin so unfassbar stolz auf

meine Frau und sehr dankbar, dass ich nun den Titel „PAPA“

tragen darf.

&

JETZT AUF

READLY.COM

LESEN!

TABLET

ONLY:

BONUSBILDER

AUS DEN FOTO-

STRECKEN

Wie ist es jetzt als Vater?

Es ist wundervoll und sehr, sehr schön! Jetzt gerade grooven

wir uns ein und arbeiten und lernen uns kennen.

www.brixschaumburg.de,

www.instagram.com/treesoul


12 KULTUR

NACHGEFRAGT

JULIAN

F.M.

STOECKEL:

„No hate!“

FOTO: M. RÄDEL

Lagerkoller? Zusammensein

mit Plauderei bei Kaffee

und Kuchen an der frischen Luft,

das geht. Oder auch auf Social

Media schauen und lauschen, zum

Beispiel Julian F.M. Stoeckel. Für

uns nahm sich der Queer Zeit für

einen Chat.

Unlängst warst du im BKA Theater

zu sehen. Woran sitzt du gerade?

Ich bin gerade aus Köln gekommen. Dort

habe ich die letzten 14 Tage für RTL.DE

einen Livestream moderiert. Natürlich

geht mein Engagement am BKA Theater

ebenfalls weiter und wir starten eine

zweite Staffel meiner Late-Night-Show

„Bitte bleiben Sie doch auf dem roten

Teppich“. Ich freue mich sehr darauf …

Alltagsrassismus ist seit letztem

Jahr stärker in den Fokus der

Öffentlichkeit gerückt. Wie verhältst

du dich, wenn du Rassismus

etwa auf Social Media bemerkst?

Rassismus, Homo- oder Transphobie und

Antisemitismus haben auf meinen Social-

Media-Kanälen absolut keinen Platz – ich

verweise auch Menschen von meinen

Portalen, und wenn es sein muss, dann

werden User auch entfernt oder geblockt.

No hate!

Du selbst wurdest oft als oberflächlich

bezeichnet und aufgrund deiner

Sexualität Zielscheibe von homophober

Häme im Netz. Verletzt dich

das?

Wirklich? Siehst du, so was weiß ich gar

nicht – ich bin so oberflächlich und desinteressiert,

dass mir solche Dinge gar nicht

auffallen. Es ist mir auch vollkommen

Wurscht, was Leute über mich sagen,

denken oder schreiben. Ich kenne auch

gehässige Kollegen, die sich am liebsten

über mich erheben. Aber: Es interessiert

mich nicht! Null, nada, niente …

Inwiefern trifft dich die Corona-

Pandemie, hast du Angst?

Die Corona-Pandemie ist eine Situation

mit der wir uns alle beschäftigen müssen,

und gewinnen kann man diese Situation

nur, wenn man sich in der für uns alle

schwierigen Situation auch über andere,

neue Wege und Lösungen Gedanken

macht. Wie es ist, kann es ja nicht bleiben.

Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst

gehen wir mit der Zeit …

Wie trifft die Pandemie den

Geschäftsmann Julian F.M.

Stoeckel?

Das kann man weder in Worten noch in

Zahlen bemessen. Meine gesamten Events

(Public Viewing zum Dschungelcamp,

meine CSD-Tour und meine „Julian F.M.

Stoeckel & Friends – die Show“) können

nicht stattfinden. Natürlich laufen meine

Fernseh- und TV Produktionen weiter,

aber am meisten bin ich froh über mein

Engagement im BKA Theater … Das rettet

mich auch vor der totalen Langeweile …

*Interview: Michael Rädel


Immer aktuell informiert

Newsletter

der Kölner Philharmonie

Foto: Oleg Laptev

koelner-philharmonie.de/newsletter

0221 280 280


14 KULTUR

STREAMING

FOTOS: ARD DEGETO / ANDREA HANSEN

ARD mit schwuler Serie

Der Wonnemonat wirft seinen Schatten

voraus, nein, er lässt seinen queeren

Schein strahlen: Ab Mai soll die Serie „All

You Need“ über den Alltag vierer schwuler

Männer in der ARD-Mediathek zu sehen

sein – in einem für die junge Zielgruppe

maßgeschneiderten Shortform-Format,

fünf Folgen à 20 Minuten. Die Serie gibt es

ab 7. Mai in der ARD-Mediathek zu sehen.

Sie wird am 16. Mai auch auf ONE ausgestrahlt.

*rä

„Noch immer werden im deutschen Fernsehen

Charaktere aus der LGBTIQ*-Community

hauptsächlich als Nebenfiguren erzählt.

Ich freue mich, dies mit All You Need

ändern zu können. Und das ist hoffentlich

nur der Anfang“, so Regisseur Benjamin

Gutsche. „Wir fangen endlich an, auf den

Bildschirmen abzubilden, wie unsere

Gesellschaft wirklich aussieht. So rückt

Diversität ganz selbstverständlich in die

Mitte unserer Arbeit“, ergänzt Nataly Kudiabor,

Produzentin UFA Fiction **. Worum

geht es in der Serie, die unter anderem im

SchwuZ und in der Sauna Boiler gedreht

wurde? Um Themen, die jeden betreffen

können, natürlich in geballter Serienfassung

und aus der queeren Perspektive (obwohl

die Hauptdarsteller alle heterosexuell sind

...): „Die langjährige Beziehung, die plötzlich

vor der Zerreißprobe steht. Der finanzielle

Schuldenberg, der unaufhörlich wächst. Der

One-Night-Stand, der nicht lockerlässt. Der

Lebenstraum, der wie eine Seifenblase zu

platzen droht. Die große Liebe, die unerwidert

bleibt. Die Dramedy-Serie behandelt

universelle Themen, mit denen sich jeder

identifizieren kann“, wird schriftlich vorab

verraten. Die Serien-Charaktere sind: Langzeitstudent

und Nachtschwärmer Vince

(29), der geheimnisvolle Robbie (27, kleines

Bild rechts), der zum Spießer mutierende

Webdesigner Levo (34) und der erst spät

geoutete Familienvater Tom (43). Schwuler

Serienspaß mit Drama, Leidenschaft und

einem diversen Cast, wir sind gespannt!

VIER FRAGEN

Frédéric Brossier, der den Robbie spielt,

hatte Zeit für einen kurzen Chat mit uns.

Es wurde im Vorfeld kritisiert, dass

keiner der Hauptcharaktere im realen

Leben wirklich schwul lebt, wie

stehst du dazu?

Ich kann die Irritation nachvollziehen

und gleichzeitig habe ich nicht in diesen

Kategorien gedacht, als man mir die Rolle

angeboten hat. In einer Liebesbeziehung,

die gezeigt wird, interessiert mich die sexuelle

Ausrichtung der Schauspieler*innen

nicht. Ich persönlich hätte es sogar schwierig

gefunden, wenn mich die Produktion

bei den Casting-Aufnahmen nach meiner

sexuellen Orientierung gefragt hätte. Der

Anstoß von Kampagnen wie #ActOut, die

dieses Jahr veröffentlicht wurde, verändert

sicherlich bei zukünftigen Produktionen die

Besetzungsprozesse von queeren Rollen.

Berührungsängste gab es nicht?

Da ich vor der Kamera generell noch nie

jemandem so nahe gekommen bin, war

ich sehr gespannt, wie die Situation dann

sein würde. Ich habe aber schnell Vertrauen

in meine Kollegen und das Team gefasst,

sodass ich mich gut aufgehoben gefühlt

habe.

Warum ist diese Serie wichtig?

Einfach, weil es immer noch einen großen

Teil unserer Gesellschaft gibt, der im

Fernsehen nicht stattfindet. Es ist längst

überfällig, dass es auch hierzulande eine

Serie mit queeren Hauptrollen gibt. Dabei

sollte das doch 2021 eine Selbstverständlichkeit

sein. Als ich meinen Freunden aus

der Heimat erzählt habe, dass ich Robbie

spiele, waren sie erst einmal ein wenig

erstaunt. Das hat mich aber auch noch mal

mehr darin bestätigt, diese Rolle spielen

zu wollen! Ich habe auch das Gefühl, dass

immer mehr Bewusstsein für die Vielfalt

unserer Gesellschaft entsteht und dass

vor allem in der jüngeren Generation viel

mehr Offenheit dafür herrscht. Deshalb

ist es schön, daran anknüpfen zu können

und dies mit einer Serie wie „All you need“

weiter zu fördern.

Was erhoffst du dir von der Serie?

Ich erhoffe mir, dass die Leute bei der Serie

in vielerlei Hinsicht mitfühlen und erleben,

dass Liebe nichts mit der Sexualität zu tun

hat. Liebe ist frei und es ist egal, ob ich als

Mann einen Mann liebe, als Frau eine Frau

oder als Mann eine Frau – oder eben divers.

Das Schöne an dieser Produktion für uns als

Schauspieler war, dass auch wir uns in die

Figuren verliebt haben.

www.ardmediathek.de

** Die UFA Fiction produziert damit erstmalig Content im

Auftrag der ARD Degeto exklusiv für die ARD-Mediathek


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Moltkestraße

16 STADTPLAN

KÖLN

Bars

SZENE

1. Altstadt-Pub,

Unter Käster 5-7

2. Barcelon,

Vor St. Martin 10

3. Baustelle 4U,

Vor St. Martin 12

• Cafe Familich,

Im Stavenhof 5-7

8. Casino Eck,

Kasinostr. 1a

9. Coco Schmitz,

Aachener Str. 28

10. Era Bar,

Friesenwall 26

11. Ex-Corner,

Schaafenstr. 57-59

12. Exile on Mainstreet,

Schaafenstr.

61a

13. Gentle-Bears,

Mühlenbach 53,

gentlebearscologne.de

17. Hühnerfranz,

Hühnergasse 5-7

18. Iron, Schaafenstr. 45

20. Mariechen,

Am Rinkenpfuhl 51

21. Marsil, Marsilstein 27

22. Die Mumu,

Schaafenstr. 51

23. My Lord,

Mühlenbach 57

24. Phönix Sauna,

Richard-Wagner-

Str. 12

26. Ruhrpott,

Balduinstraße 20/

Ecke Schaafenstraße

27. Schampanja,

Mauritiuswall 43

31. Zum Pitter,

Alter Markt 58-60

Cafés/Bistros

33. Café Rico,

Mittelstr. 31

34. inSide Cafe,

Am Rinkenpfuhl 46,

www.inside-cafe.com

35. Zentral Garderobe,

Schaafenstr. 49

36. Regenbogen-Café,

Beethovenstr. 1

• Saint Louis,

Deutzer Freiheit 89

37. Diner‘s,

Neumarkt 16

Party-Locations

44. Rich Club

Cologne,

Brabanter Str. 15 am

Rudolphplatz

45. Sartory Säle,

Friesenstr. 44

• Wartesaal im

Zollhafen,

Im Zollhafen 2

Cruising-Bars

49. Pullerman,

Mathiasstr. 22

50. Deck 5,

Mathiasstr. 5

51. Station 2b,

Pipinstr. 2

Saunen

52. Sauna Babylon

Cologne,

Friesenstr. 23-25

53. Sauna Vulcano,

Marienplatz 3-5

Einkaufen

58. Brunos,

Kettengasse 20

59. COLOGNE DOME

House of Fetish,

Händelstraße 27

60. Gay Sex Messe,

Mathiasstr. 13

61. MGW.Cologne,

Händelstr. 53

62. Sex- & Gay Center,

Mathiasstr. 23

BUSINESS

Apotheken

63. Birken-Apotheke,

Hohenstaufenring 59,

Tel. 2402242

• Flora-Apotheke,

Neusser Str. 192,

Tel. 0221 733535

• Paradies Apotheke,

Severinstr. 162a,

Tel. 329215,

www.paradies-apo.de

64. Westgate-

Apotheke,

Habsburgerring 2,

Tel. 2402243

Ärzte

65. Dr. med.

Jochem Hay,

Allgemeinmedizin,

Hohenstaufenring

55,Tel. 2717870

• Dr. Jochen May,

Zahnarzt, Sülzburgstr.

21-23, Tel. 9411222,

www.praxis-may.com

69. mereaPraxis,

Michael Henderson

& Partner,

Hohenzollernring 48,

Tel. 443872,

www.merea.de

• Praxis am

Eberplatz,

Dres. med. Kümmerle,

Theisen, Wyen, Voigt,

Ebertplatz 1,

Tel. 7604648,

www.praxis-ebertplatz.de

70. Dr. Stefan-

Scholten, HIV-

Schwerpunktpraxis,

Richard-Wagner-

Str. 9-11, Tel.

35505450

• Zahnarzt Tobias

Fuchte,

Kirchstraße 1-3,

Tel. 0221 – 392 580,

www.zahnarztfuchte.de

Beauty

• Mister Attractive,

Hansaring 19,

0221 95816471,

www.mrattractive.net

71. Duftkunsthandlung,

Brabanter Str. 27,

0221 - 97 76 59 85,

duftkunsthandlung.de

Handwerker

• Dirk Eßer,

Malermeister,

Niehler Str. 93,

50733 Köln,

Tel. 0173 3792233,

www.maler-esser.de

• Felix Forsbeck,

Tischlermeister,

Bachstraße 27,

50354 Hürth,

Tel. 0176/40301844,

www.felix-forsbeck.de

Optiker

• Hesse &

Holländer,

Venloer Str. 363,

Tel. 0221-50608780,

hesseundhollaender.de

Rechtsanwälte

• Ralf Bergmann,

Braugasse 12,

Tel. 02234-405769,

bergmann-anwalt.de

KULTUR

Bühne

• Atelier Theater,

Roonstr. 78,

Tel. 0221 24 24 85,

www.ateliertheater.de

• Horizont Theater,

Thürmchenswall 25.

• Opernhaus,

Rheinparkweg 1,

Tel. 0221 22128400

72. Philharmonie,

Bischofsgartenstr. 1

73. Scala,

Hohenzollernring 48

• Schauspielhaus:

Depot 1, Depot 2,

Grotte,

Schanzenstraße 6-20

107. Theater am Dom,

Glockengasse 11,

Opern Passagen

Museen

108. Museum für

Ange-wandte

Kunst Köln, An

der Rechtschule, Tel.

22123860,

www.makk.de

109. Museum Ludwig,

Bischofsgartenstr. 1,

Tel. 22122370

• Rosa Archiv,

Salierring 4,

Tel. 78 98 60 19,

Mo-Fr nach Vereinbarung,

rosa-archiv.de

RAT & TAT

Gesundheit

110. Aids- und STD-

Beratung,

Gesundheitsamt,

Neumarkt 15-21,

Tel. 22124602

111. Lebenshaus-

Stiftung,

Beethovenstr. 1,

Tel. 202030,

www.lebenshausstiftung.de

112. Aidshilfe Köln,

Beethovenstr. 1

113. Looks e.V.,

Beratung und

Unterstützung

für Jungs, die

anschaffen,

Pipinstr. 7,

Tel. 2405650,

www.looks-ev.de

114. Checkpoint der

Aidshilfe Köln, HIV

Schnelltest sowie

Syphilis, Tripper,

Chlamydien und

Hep-C. Wir sind für

euch da: Montag

bis Donnerstag von

19 Uhr bis 22 Uhr,

Pipinstr. 7,

Tel. 0221 99 57 12-17,

www.schnell-test.de

Info

115. Anyway,

Jugendzentrum,

Kamekestr. 14,

Tel. 5777760,

anyway-koeln.de

116. Rubicon, Beratungszentrum

für Lesben &

Schwule (Sozialwerk

e.V.), Rubensstr. 8-10,

Tel. 27669990,

www.rubicon-koeln.de

117. Schwules

Netzwerk NRW,

Lindenstr. 20, Tel.

2572847,

www.schwul-nrw.de

Christophstraße Gereonstraße

Marzellenstraße

HbF

U

Breslauer Platz/

Hauptbahnhof

Venloer Straße

Kamekestraße

115

U

Appellhofplatz/

Zeughaus

Komödienstraße

U

Dom/

Hauptbahnhof

Kölner Dom

U

Lütticher Straße

Roonstraße

Aachener Straße

24

Richard-Wagner-Straße

64

10

55

59

61

Lindenstraße

44

71

Brabantner Straße

70

117

Mozartstraße

U

Moltkestraße

Friesenplatz

Beethovenstraße

64

66

Hohenstaufenring Habsburgerring Hohenzollernring

111

36 112

69

105

65

U

14

Zülpicher

Platz

U

Friesenwall

Schaafenstraße

27

Mauritiuswall

68

Rudolfplatz

12

60

Friesenstraße

Magnusstraße

Ehrenstraße Breite Straße

Kettengasse

45

Pfeilstraße

Mittelstraße

18 26

22 35

13

19

33

63

Rubensstraße

Hahnenstraße

116

20

52

34

Marsilstein

21

U

Mauritiuskirche

Mauritiussteinweg

37

dem Berlich

Auf

Neumarkt

Thieboldsgasse

Zeughausstraße

U

Neumarkt

110

Krebsgasse

Cäcilienstraße

Poststraße

U

Appellhofplatz/

Breite Straße

107

Glockengasse

Schildergasse

U

Poststraße

Tunisstraße

Blaubach

Neuköllner Straße

108

Große Budengasse

Hohe Pforte

Hohe Straße

Gürzenichstraße

51

Obenmarspforten

Pipinstraße

8

53

Am Hof

Stephanstr. Marienplatz

11

Alter Markt

31

Heumarkt

Augustinerstraße

Mathiasstraße

17 1

15 2 3 4

114

23

62

113

60

An der Malzmühle

49

Mühlenbach Filzengraben

50

48

U

Rathaus

U

Heumarkt

104 109

Hohenzollernbrücke

Deutzer Brücke

Am Leystapel

Severinsbrücke

Perlengraben

U

Severinstraße

Severinstraße

icher Straße

U

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• Facharzt für Allgemeinmedizin

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• Facharzt für Innere Medizin

Dieter Künz

• Facharzt für Allgemeinmedizin (privatärztlich)

Für Dich vor Ort

in Nippes






Tätigkeitsschwerpunkte:

• Hausarztpraxis für Allgemein- und Innere Medizin

• HIV-Hepatitis-Schwerpunktpraxis - PrEP

• Infektiologie, Immunologie,

Geschlechtskrankheiten

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18 STADTPLAN

ogstraße

ESSEN

SZENE

Bars

1. Im Briefkasten,

Hachestr. 21

2. gentleM,

Kettwigerstr. 60

3. Zum Pümpchen,

Kopstadtplatz 23

Party-Locations

4. Studio,

Schützenbahn 31

• Zeche Carl,

Wilhelm-Nieswandt-Allee

100

Saunen

5. Pluto Sauna Essen,

Viehoferstr. 49

6. Metropol Sauna

Essen, Maxstr. 62

Sexkinos

7. Man Moviethek,

Vereinstr. 22

8. Wiscot,

Friedrich-Ebert-

Str. 70

BUSINESS

Rechtsanwälte

• Rechtsanwältin

Kerstin Titze,

Huyssenallee 83

KULTUR

Bühne

• Aalto-Theater,

Opernplatz 10

9. GOP Varieté,

Rottstr. 30

10. Grillo Theater,

Theaterplatz 11

• Philharmonie

Essen,

Huyssenallee 53

11. Theater im

Rathaus, Porscheplatz

1

RAT & TAT

Gesundheit

• AIDS-Beratung

des Caritasverbandes

für

die Stadt Essen

e.V., Niederstr.

12-16

12. AIDS-Hilfe

Essen e.V., Varnhorststr.

17

Community

• together essen,

Kleine Stoppenberger

Str. 13-15

• Essen X-Point,

Varnhorststr. 17

Segerothstraße

6

Maxstr.

Friedrich-Ebert-Straße

Hindenburgstraße

ecker Straße

9

3

11

2

7

10

Vereinstr.

10

Hachestraße

1

Kettwiger Str.

5

8

4

Schützenbahn

Gerlingstraße

12

Steeler Straße

Bars

DÜSSELDORF

Rheinkniebrücke

Oberkasseler Brücke

SZENE

1. Club Levent,

Grupellostr. 32

3. Comeback,

Charlottenstr. 60

4. K1, Bismarckstr. 93

5. Ludwigs Bier & Brot,

Mertensgasse 11

7. Nähkörbchen,

Hafenstr. 11

8. Queenz,

Charlottenstr. 62

9. Sternschnuppe,

Sternstr. 2

10. Studio 1, Jahnstr. 2a

11. Zum goldenen Einhorn,

Ratinger Str. 18

16

Reichsstraße

12

Hafenstr.

7

5

Cafés / Bistros

12. ARTCafé, Im Dahlacker

70 (Ecke Aachener Str.)

13. Wilma next Generation,

Charlottenstr. 60

Party-Locations

14. Nachtresidenz,

Bahnstr. 13

15. Stahlwerk,

Ronsdorfer Str. 134

16. Ufer 8, Rathausufer 8

17. Zakk, Fichtenstr. 40

Restaurants

11

18. Hirschchen,

Alt-Pempelfort 2

19. Laurens Restaurant,

Bismarckstr. 62

26

Bahnstr.

29 14

Graf-Adolf-Straße

Herzogstraße

9

27

Berliner Allee

10

31

22

24

32

Corneliusstraße

17

Saunen

21. Phoenix Sauna

Düsseldorf,

Platanenstr. 11a

BUSINESS

Ärzte

• Dr. med Martin &

Anselm K. Gottstein,

Werdener Straße 8

• Tim Oliver Flettner,

Kaiserswertherstr. 55

22. Zahnarztpraxis

Dr. Stolley, Berliner

Allee 56

Autohäuser

• Auto-Park Rath,

Oberhausener Str. 2

3

8

18

Kölner Straße

6

19

30

4

1

• smart Vertriebs

GmbH, Mercedesstr. 11

Dienstleistungen

23. Düsseldorf Tourismus,

Marktstr./

Ecke Rheinstr. bzw.

Immermannstr. 65b

• Stadtwerke Düsseldorf

AG, Höherweg 100

Finanzen & Recht

• Laureus AG Privat

Finanz, Ludwig-

Erhard-Allee 15

• Parilis, Hansaallee 249

Fitness

25

Karlstraße

28

21

16

15

17

23

24. Bodystreet Berliner

Allee, Berliner Allee 56

• Bodystreet Düsseldorf

Münsterplatz,

Ulmenstr. 270

• Fit IN Düsseldorf,

Ringelsweide 14

• My Beauty Fit,

Rethelstr. 98

25. Olymp-Fitness-

Center,

Pempelforther Str. 47

Möbel & Einrichtung

26. Maßlos, Steinstr. 3

27. Habitat Düsseldorf,

z.Hd. Jan Kutterolf

Schadow Arkaden,

Martin-Luther-Platz 22

Optiker

28. Hesse und Holländer

Augenoptik,

Ackerstraße 158,

Tel. 0211 63962200,

hesseundhollaender.de

Rechtsanwälte

• Rechtsanwalt

Gelbke,

Königsallee 61

29. Semra Sanliünal,

Kaiser-Friedrich-

Ring 45

Sexshops

30. book&xxx,

Bismarckstr. 86

Schulen

• GoAcademy!

Sprachschule Düsseldorf,

Grafenberger

Allee 78-80

KULTUR

Bühne

• Capitol Theater,

Erkrather Str. 30

• Jazz Schmiede,

Himmelgeister Str. 107g

31. Komödie Steinstr,

Steinstr 23

• Takelgarn, Philipp-

Reis-Str. 10

RAT & TAT

Gesundheit

• AIDS-Beratung des

Gesundheitsamts,

Kölner Str. 180

• AIDS-Hilfe Düsseldorf

e.V.,

Johannes-Weyer-Str. 1

Beratung

• Schwules Überfalltelefon,

Tel.

0211-19228

32. PULS - Treff für junge

Lesben, Schwule

& Bisexuelle,

Corneliusstr. 28

33. SchLAu Düsseldorf

c/o Aidshilfe

Düsseldorf

Wirtschaft

• TARGOBANK,

Nordstr. 14

•Mietrecht

•Verkehrsunfallrecht

•Antidiskriminierung

•Arbeitsrecht

•Strafrecht

•u.a.

Braugasse 12

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20 GESELLSCHAFT

INTERVIEW

FOTO: ARNE WEYCHARDT (CHANGE - DAS MAGAZIN DER BERTELSMANN STIFTUNG)

GENDERGAGA

im Kindergarten: vorbildlich!

Der zur PEDIA-Gruppe

gehörende Deutsch-Chinesische-Kindergarten

in Hamburg

hat mit der PRIDE Kindergruppe

ein kleines, aber feines Pilotprojekt

gestartet, das zur Nachahmung

empfohlen ist. Wir sprachen mit

dem Geschäftsführer des Unternehmens,

Stefan Hensel.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Vielen Menschen fehlt der

zwischenmenschliche Austausch.

Entwicklungspsychologisch gesehen

verpassen Kinder eine Menge, wenn

sie nicht mit Gleichaltrigen sozialisiert

werden. Wir haben viele queere Familien

kennengelernt, die niemanden anderen

kannten oder vielleicht nur eine andere

gleichgesinnte Familie. Dabei ist es sehr

wichtig zu sehen, dass es andere Familien

mit ähnlichen Problemen gibt: Ob sie ein

Kind adoptiert haben, ein Kind pflegen

oder durch eine Leihmutterschaft ein

Kind bekommen haben – sie sitzen alle

im gleichen Boot, egal ob es sich um

ein lesbisches oder schwules Elternpaar

oder um andere Konstellationen handelt.

Unsere Grundidee war, diese Eltern und

ihre Kinder zusammenzubringen. Für die

Zukunft würde ich mir wünschen, dass

es selbstverständlich ist allen Eltern

und Kindern mit ihren Bedürfnissen

gerecht. Wir machen jetzt kein großes

Bohei und sagen, dass wir schwulen- und

lesbenfreundlich sind. Für uns ist das

selbstverständlich.

„Mit einer offen gelebten

Homosexualität macht

man sich immer noch

angreifbar, da man

schnell mit Missbrauch

in Verbindung gebracht

wird.“


Ihr seid im Sommer 2020 gestartet,

mitten in der Pandemie. Wie

läuft das Angebot?

Wir treffen uns nach wie vor und halten

das Angebot unter Einhaltung der

Hygienemaßnahmen aufrecht. Bewusst

haben wir uns dafür entschieden unser

Angebot nicht in eine digitale Form zu

überführen, das hätte gar keinen Sinn.

Wir sind davon überzeugt, das gerade für

junge Kinder der direkte Kontakt, auch

bzw. gerade in der Pandemie, unglaublich

wichtig ist. In ihrem ganzen Alltag in

der Pandemie sind die Kinder bereits

drastisch eingeschränkt. In der PRIDE

Kindergruppe haben wir wenigsten in

eingeschränkter Form die Möglichkeit

etwas Normalität und Austausch mit

anderen Kindern und Familien zu bieten.

Wie groß ist der Andrang?

Normalerweise kommen zwischen vier

und sechs Eltern. Die Größe ermöglicht

es den Eltern zum einen eine Verbindung

untereinander einzugehen. Zum anderen

ist die Gruppengröße natürlich wichtig,

um unser Hygieneschutzkonzept

umzusetzen. Wir bekommen auch immer

wieder Beratungsanfragen. Diese leiten

wir an pro Familia oder an die Caritas

weiter, diese Initiativen können die

Familien zielgerichtet und gegebenenfalls

längerfristig begleiten.

Welches Echo hattet ihr mit eurem

Kindertreff?

Wir hatten ein bisschen Zuspruch, aber

auch die schwul-lesbische Community

hat sich relativ zurückgehalten.

Irgendwie freut mich das auch, weil das

bedeutet, dass schwule und lesbische

Eltern bereits die Möglichkeit sehen, ihre

Kinder einfach in die Kita um die Ecke

zu bringen. Andererseits sind viele Eltern

auf uns zugekommen und haben gesagt,

dass sie die Idee des Austausches super

finden, weil sie ihre Lebensentwürfe in

anderen organisierten Angeboten nicht

wiederfinden.

„Kinder spüren schon

früh Präferenzen und

zeigen, wen sie mögen.“

Stigmatisierung homosexueller Sexualität

zu erleben als bei anderen Themen.

Wir durchbrechen bekannte Muster,

denn bei uns dürfen sich die Kinder

beispielsweise aussuchen, von wem sie

gewickelt werden möchten und von

wem nicht. Kinder spüren schon früh

Präferenzen und zeigen, wen sie mögen.

Viele Kolleginnen und Kollegen zeigen

ihr privates Leben nicht nach außen,

weil sie Bedenken haben. Das ist nicht

nur bei uns so, sondern findet sich in

allen Berufsfeldern, die mit Kindern und

Jugendlichen zu tun haben, wieder. Mit

einer offen gelebten Homosexualität

macht man sich immer noch angreifbar,

da man schnell mit Missbrauch in Verbindung

gebracht wird. Die Unterscheidung

zwischen Missbrauch und sexueller

Orientierung ist nicht bei allen angekommen.

Hier Bedarf es gesamtgesellschaftlich

gesehen weiterhin Aufklärung.

Wie geht ihr an das Thema Rollenbilder

ran, was würdet ihr euch

wünschen?

Ich glaube, dass es schon einen großen

Unterschied machen würden, wenn in

jeder Kita ein, zwei Bücher mit von dem

klassischen Rollenmodel abweichenden

Lebensentwürfen zu finden wären.

Konkret heißt das zum Beispiel auch,

dass man Kinder, wenn sie etwas aus der

FOTO: SHARON MCCUTCHEON / PEXELS

GESELLSCHAFT 21

Bekleidungskiste nehmen, machen lässt.

Die Betreuung von Kindern hat mittlerweile

einen höheren Stellenwert erlangt.

Durch gesellschaftspolitische Veränderungen,

werden Kinder bereits unter drei

Jahren in Krippen betreut. Entsprechend

prägend sind Erfahrungen, die Kinder in

unseren Bildungseinrichtungen machen.

Gerade Diversität ist in bzw. durch

Bilderbücher sind super vermittelbar. So

kann gezeigt werden, dass Familien auch

zwei Väter haben können. Bei einem

lesbischen Paar fragen wir das Kind:

Wo warst du mit Mama und Mama im

Urlaub? Wenn Eltern oder Kinder fragen,

warum es keinen Papa gibt, erklären wir

auf einfache Weise, dass, egal wer das

Kind gezeugt hat, diese beiden Personen

die Eltern sind, weil sie sich um das Kind

kümmern. Bisher hat das immer funktioniert,

denn um das zu verstehen, reicht

der gesunde Menschenverstand aus.

*Interview: Christian Knuth

Regenbogenfamilienstunde, jeden

zweiten Dienstag im Monat, 16:00–17:00

Uhr, Deutsch-Chinesischer-Kindergarten

Hamburg, Anmeldung über

office@chinesischer-kindergarten.de

oder 040-18071011,

chinesischer-kindergarten.de

Eine spitze Frage: Braucht es eine

dezidiert lesbisch-schwule Gruppe

in unserer Gesellschaft noch?

Wir sind ein Unternehmen mit ca. 110 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern.

Obwohl sich unsere homosexuellen

Kolleginnen und Kollegen bei uns wohlfühlen,

erlebe ich es oft, dass viele von

ihnen in Bezug auf ihre Sexualität sehr

zurückhaltend sind. Denn im frühkindlichen

Bildungsbereich ist eine größere


22 GESELLSCHAFT

Eine*e Femminiello in Italien

FOTO: PUBLIC DOMAIN COMMONS.WIKIMEDIA.ORG

Geschlechtsdiverse Menschen um 1865 in damaligen Britisch-Indien

ALLER GUTEN DINGE

Geschlechtersysteme, die rein

zweigeschlechtlich denken, sind die

Ausnahme, nicht die Regel.

SIND VIELE

Trans*geschlechtlichkeit ist ein westliches

Konzept, Menschen und ihre Geschlechtsidentität

zu verstehen. Trans* zu sein

bedeutet in der weitesten Definition,

dass das bei der Geburt zugewiesene

Geschlecht nicht (mehr) mit der eigenen

Geschlechtsidentität übereinstimmt. Cis

zeigt an, dass das Geschlecht mit dem

zugeteilten Geschlecht übereinstimmt.

Das heißt, dass Trans*- und Cisgeschlechtlichkeit

nur etwas darüber aussagen, wie

man zu seinem Geschlecht gekommen ist,

aber nichts darüber, welches Geschlecht

man hat. Das heißt, wenn einer Person

kein Geschlecht zugewiesen worden ist,

kann es auch nicht trans* oder cis sein. In

verschiedenen Kulturen und Religionen

der Welt werden Geschlechter anders

verstanden als in der westlichen Welt,

sodass diese theoretisch anmutende

Spielerei Realität ist.

Zweigeschlechtlichkeit, also die Idee, dass

es nur Männer oder Frauen gibt, ist ein

westliches und vergleichsweise junges

Konzept, Menschen mit ihren Körpern

und Geschlechtern zu verstehen. Erst

während der letzten Jahrhunderte wurde

das binäre Geschlechtersystem durch

die europäische Kolonisation gewaltvoll

anderen Bevölkerungen übergestülpt.

Jeder Lebensbereich wurde kolonisiert,

so auch das Verständnis und Ausleben

des eigenen Geschlechts. Die damalige

Inca-Bevölkerung im heutigen Peru

kannte beispielsweise das Geschlecht

der Quariwarmi, die eine wichtige Rolle im

spirituellen Leben des Volkes übernahmen.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden sie von

spanischen Kolonisatoren als homosexuelle

Männer verfolgt. Im britischen Indien

wurden geschlechtsdiverse Menschen,

die bis dato gesellschaftlich respektiert

waren, 1871 durch den Criminal Tribes Act

(dt. Gesetz der kriminellen Stämme) als

Kriminelle klassifiziert: Sie wurden unter

anderem in einem polizeilichen Register

geführt und ihr Bewegungsfreiraum wurde

eingeschränkt.

Kultur- und religionsspezifische

Geschlechter sind an eine bestimmte

Kultur oder Religion gebunden und ergeben

nur in diesem Kontext Sinn. Aus den mehr

als 50 Geschlechtern, die wir gefunden

haben, werden wir sechs von ihnen näher

vorstellen.

RELIGION

Im Judentum gibt es sechs Geschlechter,

obwohl sie vielen Jüd*innen selbst nicht

mehr bekannt sind. Sie nennen sich

Zachar, Nekeivah, Androgynos, Tumtum,

Ay’lonit und Saris. In einer westlichchristlichen

Lesart könnten sie als Mann,

Frau, zwei inter Geschlechter und zwei

trans* Geschlechter verstanden werden.

Aus diesem Grund nannte die jüdische

Kolumnistin Debora Antmann das System

binär, ohne zweigeschlechtlich zu sein.

EUROPA

In und um Neapel herum existieren

Femminielli, die Menschen mit einer


GESELLSCHAFT

23

femininen Geschlechtsidentität darstellen. Traditionell

wird ihr Geschlecht mit der griechischen Mythologie in

Zusammenhang gebracht. Bis zum 20. Jahrhundert waren

sie in einer privilegierten Position, da ihre Präsenz als

glückbringend verstanden wurde.

AFRIKA

In Madagaskar leben Sekrata: Kinder, aus denen später

Männer werden würden, werden, wenn sie früh in ihrer

Kindheit als feminin wahrgenommen werden, als Sekrata

erzogen. In der Bevölkerung werden sie als etwas Besonderes

und somit Schützenswertes angesehen.

ASIEN

Im muslimischen Indonesien werden fünf verschiedene

Geschlechter anerkannt: makkunrai, oroané, calalai, calabai

und bissu. Während die ersten beiden für Mann und Frau

stehen, sind die nächsten drei Geschlechter, die wir nicht

kennen. Die Geschlechtsidentität von bissu ist mit einer

spirituellen Tätigkeit verbunden.

AUSTRALIEN UND OZEANIEN

Auf den samoanischen Inseln in Ozeanien werden neben

Frauen und Männern noch Fa’afafine und Fa’afatama anerkannt.

Bei diesen beiden Geschlechtern werden die Kinder,

wenn sie sich feminin oder maskulin verhalten, als das

jeweilige Geschlecht großgezogen. Ähnliche Geschlechter

unter anderen Namen sind auf den Inseln Hawaii und

Tonga zu finden.

SÜD- UND NORDAMERIKA

Die indigene Bevölkerung Nordamerikas kennt je nach

Bevölkerungsgruppe viele verschiedene Geschlechter, die

oft unter dem Begriff Two-Spirit subsumiert werden: Das

Diné-Volk respektiert beispielsweise neben Frauen und

Männern auch nadleehi und dilbaa. Bei den Lakota gibt es

das dritte Geschlecht winkte. *vf

Ein*e Bissu in Indonesien

BIOGRAFIE

Olivia Jones

„Mein schrilles Doppelleben“

Sie ist eine der bekanntesten Dragqueens Deutschlands,

umflittert von Stars und Sternchen, Kiez-

Wirtin, RTL-Star und Sat.1-Moderatorin. Ende April soll eine

Biografie über die bunte Laute erscheinen: „Olivia Jones:

Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben“.

„Geschichten von Enttäuschungen, familiären Tragödien, von

Armut, Liebe, Tod, Humor, Skandalen und Durchhaltevermögen“

– Das über 250 Seiten dicke Buch mit 60 Bildern, das

am 21. April beim Rowohlt Verlag erscheinen soll, entstand

zusammen mit Lena Obschinsky und verspricht jede Menge

spannender Einblicke auf das sicherlich ungewöhnliche Leben

der Reeperbahn-Größe, die spätestens seit ihrer Teilnahme

an „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ bundesweit

bekannt wurde. Und diese Prominenz auch nutzte, um sich

gegen Rechts und für Queers

einzusetzen. Und vor allem

wurde sie zu einem queeren

Vorbild in Sachen Mut und der

Freude am bunten Leben in all

seinen Facetten. Sie hat viel

erlebt! Und viele getroffen: So

kommen in dem Buch dann

auch Weggefährt*innen wie

TV-Legende Hella von Sinnen,

Porno-Ikone Dolly Buster

und auch Designer Guido

Maria Kretschmer („Shopping

Queen“) zu Wort.

FOTO: Y. SCHMEDEMANN

Über Olivia Jones: Die im November 1969 in Niedersachsen

Geborene ist gern gesehener Talkgast, beliebte Moderatorin

und auch mal Model für Marmeladenwerbung. Olivia

Jones betreibt inzwischen mehrere Läden auf der Großen

Freiheit in Hamburg, veranstaltete vor Corona Reeperbahn-

Rundgänge und Hafenfahrten. Ja, den Titel der Königin von

St. Pauli trägt sie zu Recht. Gut zu wissen: Sie ist eine enge

Freundin von Gloria Glamour. *rä


24 ADVERTORIAL

NACHGEFRAGT

Axel Springer queerseite_

Wir trafen Nele Fritsche von

Diversity & Inclusion und

Simon Durchholz, Philipp Kaste und

Daniel Schulmann von queerseite_

im Axel-Springer-Neubau in Berlin.

Simon, wie bist du zum Netzwerk Axel

Springer queerseite_ gekommen?

Simon: Ich hatte bei meinem früheren

Arbeitgeber mit einer homophoben Kollegin

zu tun. Danach habe ich mir überlegt,

was mir zukünftig im Arbeitsumfeld wichtig

ist. Ein Punkt für mich ist: klare Stellung

zu LGBT+. Dabei bin ich auf queerseite_

gestoßen. Da war mir schnell klar, dass ich

zu Axel Springer will. Und so bin ich seit

meinem ersten Arbeitstag nun Mitglied der

queerseite_.

Wie war dein Start dort, wie engagierst

du dich bei der queerseite_?

Simon: Generell gibt es große Akzeptanz

im Konzern. Viele Kolleg*innen im Haus

unterstützen die queerseite_. Nach außen

ist es noch etwas anders. Wir haben auf

unseren Social Media Channels auch mit

Homophobie zu kämpfen. Aber größtenteils

ist das Feedback positiv.

Was sind die Ziele des Netzwerkes?

Daniel: Zum einen geht es um Vernetzung,

intern im Konzern, aber auch extern

mit anderen Netzwerken. Wir bieten

Plattformen zum Treffen und Austausch

an. Zum anderen wollen wir füreinander

über Firmengrenzen hinaus einstehen und

aufklären.

Nele, was machst du genau bei

Diversity & Inclusion?

Nele: Ich bin zuständig für alle 16.000

Mitarbeiter*innen über alle Länder und

Brands hinweg. Wir arbeiten an der Vision,

dass alle Menschen zu uns kommen

können und alle Mitarbeitenden sich

wohlfühlen, sich zugehörig fühlen und

ihr ganzes Potenzial am Arbeitsplatz

entfalten können.

Es ist dir also ein persönliches

Anliegen, dich in dieser Abteilung

zu engagieren?

Nele: Ja, absolut. Ich bin einhundertprozentig

davon überzeugt, dass alle

Menschen ein Recht darauf haben, sie

selbst zu sein. Es ist schön, das aktiv

mitzugestalten. Ich verstehe mich als

LGBTIQ+ Supporter!HR Philipp: Ja, seit

dem ersten Tag, also seit Gründung

2014. Wir und das Anliegen wurden mit

offenen Armen empfangen. Unser CEO

Mathias Döpfner unterstützt die Gruppe

persönlich.

Ihr seid auch in Ländern mit weniger

LGBTIQ*-freundlichen Gesetzen

aktiv. Wie unterstützt ihr die queeren

Netzwerke in diesen Ländern?

Philipp: Wir sind als Medien- und Tech-

Unternehmen beispielsweise auch in

Polen und Brasilien aktiv. Gemeinsam mit

dem Diversity & Inclusion Team machen

wir unsere Kolleg*innen weltweit sichtbar,

aktivieren Gruppen vor Ort und planen mit

ihnen verschiedene Aktionen wie die Safe

Zones.

Was versteht ihr unter den Safe

Zones?

Philipp: Es bedeutet, alle Menschen

bekommen Schutz – rechtlich und inhaltlich.

Ein Aufkleber am Eingang ist ein erster

Hinweis. Global wollen wir alle bei Axel

Springer aufrufen, unsere Büros für queere

Menschen zu Safe Zones zu erklären.

Wie geht ihr mit Hass von außen,

auch von Kunden, um?

Philipp: Im Geschäftskundenbereich erleben

wir wenig Hass. Im Customer-Bereich

bilden wir mit unseren Medien die gesamte

Gesellschaft jedoch ab. Hier lösen wir

den Umgang mit Hass intern durch einen

„News-Crawler“, der Nachrichten nach

queeren Gesichtspunkten durchsucht

und analysiert. Die Redaktionen sind

queer-offen.

Was sind deine Wünsche für die

Zukunft?

Simon: Dass wir als Netzwerk nicht mehr

gebraucht werden. Wenn irgendwann alle

Mitarbeiter*innen in den Unternehmen

gleichgestellt sind.

*Interview: Ulli Pridat


Vogel checkt: Liefern die auch das beste Klimapaket?

„Post und DHL setzen nicht nur auf eine umweltfreundliche Flotte – mit 15.000 E-Transportern und 16.000 E-Bikes

und -Trikes die grünste der Branche. Die versenden auch seit 10 Jahren unsere privaten Pakete komplett CO₂-neutral.

Und durch die bald über 12.000 Packstationen können wir alle dabei helfen, CO₂ zu sparen.“

LÄUFT.

Selber checken auf: VogelCheckt.de


26 WELLBEING

SPORTSWEAR

FIT IM PARK

Ob und wann du wieder im Fitnessstudio

oder im Sportkurs trainieren kannst, ist

derzeit schwer einzuschätzen. Also raus in

die Sonne und an die frische Luft!

Ob Laufen, Slacklining oder Stand-Up-

Paddling – die aktuelle Tchibo Kollek-tion

bietet hochwertige Funktions-kleidung und

praktisches Equipment für deinen Outdoor-

Sport. Und um noch mehr zu bewegen, werden

dafür nachhaltige Materialien genutzt.

www.tchibo.de

Gesunde Zähne

Um die eigenen Zähne bis ins hohe Alter erhalten

zu können, sind gute häusliche Mundhygiene und

gesunde Ernährung die wichtigsten Voraussetzungen.

Trotz gründlichen Zähneputzens lassen

sich Zahnschäden durch Zahnbeläge jedoch nicht

immer vermeiden. Hartnäckige Ablagerungen

und bakterielle Beläge an schwer zugänglichen

Zahnflächen erfordern eine zusätzliche professionelle

Zahnreinigung. Die Praxis Dr. Fuchte in Köln

Rodenkirchen bietet außerdem zahlreiche weitere

prophylaktische Leistungen an.

Die gereinigten Zähne lassen sich durch

ein Bleaching weiter aufhellen: Dazu wird ein

Zahnaufhellungs-Gel auf die Zähne aufgetragen.

Dies kann entweder „chairside“ direkt in einer

Sitzung in der Praxis oder zu Hause mit passenden

Kunststoff-Schienen als Träger für das Gel erfolgen.

Veneers sind dünne keramische Verblendschalen,

die auf die Frontzähne aufgeklebt werden, um

einheitlich geformte Zahnreihen herzustellen.

Die meisten optischen und funktionalen Makel

wie ungleichmäßige, zu kurze und abgebrochene

Zähne lassen sich auf diese Weise ohne großen

Aufwand für viele Jahre überdecken, ohne dass es

zu funktionalen Einschränkungen beim Zubeißen

kommt.

www.zahnarzt-fuchte.de

MEDICARE - 80 Mal in Deutschland

Der Verbund der MEDICARE Testzentren

zählt mit rund 200.000 durchgeführten

Tests pro Monat und zur Zeit 70 Standorten

u.a. in Köln und Düsseldorf zu den

führenden Anbietern in Deutschland.

MEDICARE bietet neben den klassischen

Antigen-Schnelltests auch PCR-Tests

mit Laborauswertung, PCR-Schnelltests

sowie einen mobilen Testservice an.

Die Testdurchführung verläuft immer

nach einem festen Ablauf:

1. Auf www.covid-testzentrum.de

Standort und Termin auswählen

2. Testdurchführung ohne Wartezeit

durch medizinisches Personal am

Standort

3. Ergebnis innerhalb von 15 Minuten

per E-Mail

Damit können bundesweit mehrere

tausend Personen pro Tag unter

höchsten Qualitätsstandards getestet

werden. Durch seine Teststationen an

Flughäfen kann MEDICARE tägliche

Öffnungszeiten fast rund um die Uhr

anbieten.

www.covid-testzentrum.de


LIFE’S 2

SHORT 2

WEAR UGLY

GLASSES

Venloer Straße 363 / 50823 Köln / T: 0221. 50 60 87 80

Ackerstrasse 158 / 40233 Düsseldorf / T: 0211 63 96 22 00

info@hesseundhollaender.de

hesseundhollaender.de


28 DESIGN

RAUM

WUNDER

Small Living, Miniature Houses, Kompaktwohnen

… Egal wie man es nun nennen mag: Den

persönlichen Lebensraum zu reduzieren, liegt

voll im Trend.

Bereits in Ausgabe #60 von Mate haben wir dir

das Miniatur-Fertighaus des japanischen Möbelund

Textilherstellers MUJI vorgestellt. Auf

gerade einmal neun Quadratmetern (plus drei

Quadratmeter Terrasse) soll hier ein einzelner

Bewohner Platz zum Schlafen, Waschen und

Kochen haben. Kompakte Wohneinheiten wie

diese sind in Zeiten immer schneller wachsender

Millionenstädte nicht nur platzsparend, sie sind

zudem äußerst klimafreundlich.

In der Betrachtung Deutschlands stellen

die Privathaushalte mit über 100 Millionen

Tonnen CO2 einen der größten Posten der

Gesamtemissionen pro Jahr (über 800 Millionen

Tonnen) dar. Grund dafür ist, dass immer mehr

Menschen alleine oder lediglich zu zweit auf

großem Raum leben. Gleichwohl können auch

kleine Wohnungen Großes leisten und sind

gleichzeitig sooo gemütlich.

Wo Fahrrad, Unterwäsche und Hanteln unterbringen,

wenn der Platz begrenzt ist? „Raumwunder“

aus dem gestalten Verlag zeigt eine

ganze Reihe von Apartments, in denen Treppen

zu Kleiderschränken werden und Schränke zu

Betten. Dass man auch auf wenig Wohnfläche

ein schönes und modernes Zuhause schaffen

kann, wird auf 256 Seiten eindrucksvoll und mit

vielen Fotos bewiesen. Dazu gibt es praktische

Tipps für die eigenen vier Wände.

Raumwunder erschienen im gestalten Verlag


DESIGN 29

Raumwunder

Große Ideen für kleine Wohnungen

Große Ideen für kleine Wohnungen


30 DESIGN

HYGIENE IM AUTO

Wer sich ein Auto mietet, achtet gerade in Corona-Zeiten

besonders auf Hygiene und Sauberkeit. Der Autovermieter

Starcar versiegelt den Innenraum seiner Fahrzeuge jetzt mit

einem neuen Schutzmittel und bewirkt damit bakterienund

virenfreie Kontaktflächen. Die Fahrzeuge werden wie

gewohnt innengereinigt, das zusätzliche Desinfizieren ist

aber nicht mehr notwendig. Der spezielle Schutz "That's it"

von der Nation-E Innovation soll ungefähr ein Jahr wirken. Im

Ergebnis werden mit dem Mittel Viren wie die Erreger von

Covid-19, Influenza, Masern oder Hepatitis sowie auch

einige Bakterien unschädlich

gemacht. Das Schutzmittel

wird mit einem Putztuch

aufgetragen. So

wird durch wenige

Handgriffe der

Fahrzeuginnenraum

geschützt.

BULLFROG

Made in Germany

bullfrog ist eine fränkische Marke, die stilvoll gestaltete,

zeitgenössische Polstermöbel herstellt. Darunter Sofas,

Loveseats, Eckgruppen, Betten, Hocker und Stühle. Ihr Motto ist

es, mit Poesie zu gestalten und die optimale Kombination aus

Qualität, Funktionalität und Sinnlichkeit zu erreichen. Sorgfältig

verarbeitete Stoffe und exklusive Anilin-, Rinds- und Wasserbüffelleder

machen die Polstermöbel von bullfrog zu absoluten

Lieblingsstücken.

Das Sofa Pirou bietet auf kleinem Raum eine unglaubliche Flexibilität,

da es mit einem drehbarem Sitzpolster ausgestattet ist.

Im Handumdrehen lässt es sich zu einer Liegefläche umrüsten,

wobei die zweifach verstellbare Armlehne zur Beinauflage wird.

Dreht man beide Sitze entsteht sogar eine Doppelliege und jede

Menge Platz zum Lümmeln. Das Design von Kurt Beier und Kati

Quicker ist auch als Eckkombination (ab EUR 2.910) erhältlich.

Erhältlich bei living

wohndesign in

der Luxemburger

Straße 245

FOTOS: TEAM 7

sidekick Beistelltisch Naturholzblöcke flaye Tisch, aye Stühle

NATURHOLZ aus Österreich

TEAM 7 hat sich Nachhaltigkeit

und Verantwortung auf die Fahnen

geschrieben. Die Liebe zum Holz und zum

Design beginnt daher mit nachhaltig

bewirtschaftetem Wald in Europa und der

sorgfältigen und achtsamen Verarbeitung.

SIDEKICK

Du suchst einen vielseitig verwendbaren

Beistelltisch, der dich von Raum zu Raum

begleitet? Dann hol dir den den Allrounder

sidekick! Ob flach stehend als Couchtisch

oder aufrecht stehend als Beistelltisch im

Wohnzimmer oder als Frühstückstablett

am Sonntag Morgen neben deinem Bett.

EIN STARKES STÜCK HOLZ

Diese Naturholzblöcke in geräucherter

Eiche machen die lebendige Kraft des

Holzes spürbar. Sie können in allen Wohnbereichen

eingesetzt werden: ob als Hocker,

Couchtisch, Ablage oder Nachttisch.

AYE UND FLAYE

Der flaye Tisch überzeugt durch stimmige

Proportionen und organisches Design.

Mit einem neuartigen Auszug lässt er sich

mühelos und sekundenschnell um einen

Meter verlängern. So ist im Handumdrehen

Raum für vier weitere Sitzplätze – im

besten Fall für aye, den preisgekrönten

Stuhl, der Formschönheit und Komfort

perfekt verbindet.

www.team7.de/team7-stores


DESIGN

31

BALIN

Für Visionnaire hat Armando Bruno eine Miniserie von

Spiegeln aus Glas und edlem Marmor designt, die 2018 mit

dem NYCxDesign Award ausgezeichnet wurde.

www.visionnaire-home.com

X-CHAIR

Mit dem X-CHAIR hat das Berliner Designstudio OBJEKTE

UNSERER TAGE einen Stuhl geschaffen, der gänzlich aus

recycelten Materialien und fair produziert wird und sowohl

für den Innenraum als auch für den Outdoor-Bereich

geeignet ist.

... UND WO SOLL DIE

NEUE KÜCHE HIN?

www.objekteunserertage.com


32 DESIGN

SILVA

Unverpackt in Braunsfeld

Obwohl Deutschland schon

ein beeindruckendes Recycling

System für Verpackungen

aufgebaut hat, kuriert dies nur

die Symptome aber nicht die

Ursachen der immer größer

werdenden Müllberger. Überall

im Land entstehen daher neue

Läden, die ihre Produkte ohne

Verpackung anbieten. Köln ist

dabei eine Hochburg und mit

Silva nun auch in Braunsfeld

vertreten.

Das Sortiment von Gründerin

Silke umfasst u.a. Trockenlebensmittel,

kleine Geschenke

sowie Putzmittel und Kosmetik

wie Seifen oder Cremes, die

meisten bio-zertifitiert. Außerdem

wird darauf geachtet,

dass die Produkte möglichst

regional sind. Der Kaffee kommt

beispielsweise aus Mühlheim

und der Honig aus Junkersdorf.

Der Likör wird im Hinterhaus

hergestellt. Für einen Einkauf

braucht es nichts weiter, als

ein paar Verpackungen wie

Tupperware oder Gläser, die

vor Ort gefüllt werden. Die

Ware wird nach Menge abzgl.

Eigengewicht berechnet.

Silva, Aachener Straße 567

RUBY LUNA

in Düsseldorf

Das ikonische, denkmalgeschützte ehemalige

Commerzbank Gebäude erbaut in den 1960ern ist

ein Paradebeispiel für die Aufbruchsstimmung der

Wirtschaftswunder-Zeit und gilt architektonisch als

eines der wichtigsten Hochhäuser Deutschlands. Für

das neue Ruby Luna wurde das offene Erdgeschoß

rundum verglast und lässt durch die sichtbare

überdimensionale Betonstruktur ein einzigartiges

Raumgefühl in den öffentlichen Bereichen

entstehen. Die ehemalige Betonrampenzufahrt ins

Untergeschoß wurde mit Glaspanelen versiegelt

und gibt den Blick nach unten frei. Die längste Bar

in einem Ruby Hotel steht mit gold-getönten Glasscheiben

im glanzvollen Kontrast zu dem offenen

rauen Beton des öffentlichen Bereichs. Das Design

der Zimmer zeigt unverkennbar die bekannte Ruby

Handschrift. Viel frisches Weiß, hohe offene Decken,

ins Zimmer integrierte Glas-Regenduschen, Holz-

Wandvertäfelungen und hochwertige Eichenböden

lassen Luxus Feeling aufkommen.

www.ruby-hotels.com/luna

ELEGANZ trifft Performance

Der dynamische Auftritt des PEUGEOT 508 wird beim neuen

Modell PEUGEOT 508 PSE* durch viele Nuancen weiter geschärft:

Für eine noch sportlichere Optik sorgen zum Beispiel der neue

Kühlergrill in Schwarz mit schwebenden Lamellen, Seitenschweller

sowie Felgen mit einem Durchmesser von 20 Zoll, die mit Michelin

Pilot Sport 4S-Reifen ausgestattet sind. Die Lufteinlässe tragen

die Farbe Kryptonit, die sich auch im PEUGEOT Cockpit wiederfindet.

So etwa in den Grafiken des digitalen Kombiinstruments

und im zentralen Bildschirm. Drei Karosseriefarben stehen für

den PEUGEOT 508 PSE* zur Wahl: Selenium Grau, Perla Nera

Schwarz und Perlmutt Weiß. Alle Monogramme des PEUGEOT

508 PSE* sind schwarz gehalten, um die Sportlichkeit des Modells

hervorzuheben.

Der neue PEUGEOT 508 PSE* erreicht durch die Kombination eines

Verbrennungsmotors mit zwei Elektromotoren eine Leistung von

265 kW (360 PS). Für optimale Traktion bei allen Wetterbedingungen

sorgt der Allradantrieb bis 190 km/h. Zusätzlich zum Allradantrieb

ist der PEUGEOT 508 PSE* mit nahezu allen Fahrerassistenzsystemen

des PEUGEOT 508 ausgestattet. So bieten

beispielsweise das Nachtsichtsystem Night Vision, der

Automatische Geschwindigkeitsregler ACC mit STOP

& GO-Funktion inklusive Spurpositionierungsassistent

und die Active Safety Brake Plus noch

mehr Komfort und Sicherheit.

PSA Retail GmbH,

Vorgebirgsstraße 94


DESIGN 33

NENOU

Raus aus der konventionellen Enge veralteter Interior-Konzepte und

rein in den offenen Dialog mit den eigenen vier Wänden. Hersteller COR

und Designer Jörg Boner haben mit „Nenou“ eine Kollektion entworfen,

die sich in allen Räumen wohlfühlt. Der Name der Serie ist angelehnt an

das spanische Wort für Seerose: nenúfar. Wie die Blätter des Teichgewächses

sollen sich die unterschiedlichen Sitzgelegenheiten modular

an die Bedürfnisse des Raumes anpassen, in dem sie sich befinden.

www.cor.de

• Beratung

• Möblierung

• Wandgestaltung

• individuelle Raumplanung

• 3D Visualisierung

• Bemusterungsservice

• Maßanfertigung

• fachgerechter Aufbau

Geschäftsführer Martin Pfannes

Hohenstaufenring 48

50674 Köln

0221 992 33 40

www.pfannes-virnich.de


34 DESIGN

INDIVIDUELLE SCHRANKPLANUNG

mit Pfannes & Virnich

Immer häufiger gibt es das Bedürfnis nach

intelligenten und innovativen Schranklösungen,

da räumliche Voraussetzungen

für konventionelle Schränke selten

optimal sind. Dachschrägen, ungenutzte

Nischen oder fehlende Raumtrennungen

erfordern kreative Lösungen. Hier kommt

die jahrelange Erfahrung von Schreinern

wie bei Pfannes & Virnich ins Spiel.

Gemeinsam mit dem Planungsteam

werden einmalige Lösungen gesucht

und gefunden. Die Umsetzung erfolgt

dann entweder gemeinsam mit dem

Schrankhersteller raumplus oder auch als

komplette Anfertigung nach Maß durch

die Schreinerei. Maßgeschneidert, perfekt

und einmalig - aus der Idee wird ein Unikat

nach Kundenwunsch. Lieferung, Aufbau

und Montage erfolgt ausschließlich durch

eigene Mitarbeiter und keine Drittfirmen.

Ein Service-Plus, das nur ausgewählte

Fachhändler bieten. Die hohe Qualität der

Möbel sorgt für Nachhaltigkeit und an den

fertigen Schranksystemen erfreut man

sich über viele Jahre.

www.pfannes-virnich.de

D.754.1

Auch wenn dieser Teppich aussieht wie eine

Neuinterpretation des klassischen Kuhfellvorlegers,

seine Unterseite ist aus Pferdeleder

gefertigt. Er erschien erstmals 1954 bei Molteni

und stammt aus der Feder von Gio Ponti.

www.molteni.it

UNIVERS BATH SET

Im Bad haben wir oft weniger Platz und Stauraum als

beispielsweise im Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Deshalb

ist es umso wichtiger, dass dort, wo Dinge herumstehen,

Ordnung herrscht. Dieses Set aus unterschiedlich großen

Aufbewahrungsmöglichkeiten von OTHR besteht aus

3-D-gedrucktem Porzellan. Das besondere Herstellungsverfahren

dürfte auch den Preis der Badezimmer-Accessoires

erklären: Stolze 740 US-Dollar rufen die Designer auf.

www.othr.com


DESIGN

BESTES AUS

ARCHITEKTUR

JAPAN

Der japanische Architekt Shigeru Ban ist ein Paradebeispiel dafür, dass man niemals

nur an die unmittelbaren Tätigkeiten des eigenen Berufs gebunden ist. Er hat bewiesen:

Der Blick über den professionellen Tellerrand kann die Karriere sogar vorantreiben.

Seine humanitären Bemühungen auf internationalem Boden haben ihm nicht nur den Ruf

eines engagierten Philanthropen eingebracht, sondern auch den wichtigsten Preis der

Architekturszene.

Shigeru Ban wurde 1957 in Tokio geboren. Er studierte am

Southern California Institute of Architecture in Los Angeles

und später an der Cooper Union’s School of Architecture in

New York. Das Resultat sowohl japanischer als auch westlicher

Stileinflüsse lässt sich heute gut an Bans Arbeiten ablesen.

Bekannt wurde er aber vor allem durch den Einsatz von Papier

und Pappe als Baumaterial. Papier wird aus nachwachsenden

Rohstoffen hergestellt und kann vollständig recycelt werden.

Ban wird deshalb auch zu den Vertretern des sogenannten

Ökologischen Bauens gezählt. So schuf er 2013 eine Kirche

in Neuseeland, die teilweise aus Karton besteht, und zeichnete

bereits im Jahr 2000 für den japanischen Pavillon auf

der Expo in Hannover verantwortlich, für das vornehmlich

die Ban-typischen Pappröhren verwendet wurden. Seit 1995

setzt er sich außerdem für die Katastrophenhilfe ein, für die er

ein eigenes Netzwerk von Architekten (Voluntary Architects’

Network) gründete. Mithilfe von simplen Materialien wie Papier,

Pappe, Bierkästen oder Sandsäcken hat Ban Notunterkünfte

in der ganzen Welt geschaffen, die schnell auf- und abzubauen

sind. Für seine Aktivitäten als Architekt und Wohltäter erhielt

er 2014 den Pritzker Architecture Prize. Der TASCHEN Verlag

hat Shigeru Ban ein Sammelwerk seiner wichtigsten Arbeiten

gewidmet. *fj

www.shigerubanarchitects.com / www.taschen.com

„Shigeru Ban. Das vollständige Werk 1985 – 2015“, Philip

Jodidio, Hardcover, 22,8 x 28,9 cm, 2,90 kg, 568 Seiten


ARCHITEKTUR

THE YORK

DESIGN

HOUSE

Architekt Alex Nerovnya erlangte dank dem ungewöhnlichen Einsatz von Glas und dem Spiel mit

geometrischen Formen Bekanntheit über die Grenzen seiner russischen Heimat hinaus. Das im letzten Jahr

von ihm konzipierte York House verbindet seine beiden großen Stärken auf ungewöhnliche Weise.

Eigentlich könnte das York

House ein ganz normales

Ferienhaus in irgendeinem

Tannenwald in Nordosteuropa

oder Kanada sein, wenn es nicht

mit einer Front daherkäme, die

anmutet, als hätte jemand das

Gebäude in der Mitte schlichtweg

durchgeschnitten und die

andere Hälfte weggeworfen.

Darüber hinaus hat Alex Nerovnya

die klassische Form des

Spitzdachhauses leicht entrückt

und die links und rechts vom

Mittelblock verlaufenden Seiten

einige Meter versetzt angelegt.

Das ausgefallene Design soll

zum einen die Interaktion mit

der natürlichen Umgebung

intensivieren und das Gefühl

aufkommen lassen, Innen- und

Außenbereiche würden verschwimmen.

Zum anderen will

Nerovnyas Entwurf einer bereits

unzähligen Male verwendeten

Form einen modernen Anstrich

verleihen. Insgesamt sollen auf

200 Quadratmetern bis zu acht

Personen in vier Schlafzimmern

Platz haben. *fj

en.alex-nerovnya.com


REISE

SPARTACUS CRUISE

die einzige deutschsprachige

Gay Cruise

Endlich ist es so weit: Die zweite Gay

Cruise der blu Mediengruppe sticht in See.

Termin ist der 8. bis 18. Februar 2022 mit

einer Route vor der afrikanischen Küste.

Bei deutlich über 20 Grad im Schatten und

acht Sonnenstunden pro Tag kann man

den Winter hinter sich lassen und Wärme

tanken. Gleichzeitig sind es angenehme

Temperaturen für Ausflüge. Die Cruise wird

ohne Social-Distancing-Maßnahmen und

Maskenpflicht durchgeführt. Daher muss

jeder Gast spätestens 14 Tage vor der

Abfahrt eine abgeschlossene Covid-Impfung

oder Immunitätsbescheinigung nachweisen.

Diese Kreuzfahrt kombiniert die unbekannteren

Inseln der Kanaren mit der

Blumeninsel Madeira. Damit auch Raum

für Erkundungen ohne Zeitdruck bleibt,

ist an mehreren Orten ein Overnight

eingeplant. Geplant ist folgende Route:

Neben diesen Anläufen sind zahlreiche

Highlights, die dem späteren Ausflugsprogramm

entnommen werden können,

geplant. Dazu gehört die kleine Schwester

Madeiras, Porto Santo, wo man wandern

oder edlen Wein verkosten kann.

Zurück auf den Kanaren lernt man

Lanzarotes imposante Vulkanlandschaft

kennen und besucht auch La Graciosa,

die kleinste der Kanarischen Inseln. Auf

Gomera warten in den Nebeln des hoch

gelegenen Nationalparks Garajonay dichte

Wälder aus Farnen und moosbedeckten

Bäumen. La Palma bietet neben engen

Gassen aus Kopfsteinpflaster und

Häusern mit Holzbalkonen in der

Hafenstadt Santa Cruz auch spektakuläre

Sehenswürdigkeiten der Natur wie den

Wasserfall der Farben oder den Idafe Rock

/ Roque Idafe im Nationalpark Caldera

de Taburiente. Wer seine Reise nicht

8. – 18. FEBRUAR 2022

8.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Abfahrt um 18 Uhr

9.2. FUNCHAL (MADEIRA) Ankunft um 15 Uhr (Overnight)

10.2. Abfahrt Funchal um 20 Uhr

11.2. At sea

12.2. ARRECIFE (LANZAROTE) Ankunft um 7 Uhr (Overnight)

13.2. Abfahrt Arrecife um 20 Uhr

14.2. At sea

15.2. SANTA CRUZ (LA PALMA) von 8 bis 24 Uhr

16.2. LA GOMERA von 8 bis 21 Uhr

17.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Ankunft um 8 Uhr (Overnight)

18.2. Ausschiffung


REISE

verlängern will, hat am vorletzten Tag die

Gelegenheit, die Dünen von Maspalomas

auf Gran Canaria zu besuchen. Zwei Seetage

an Bord der Vasco da Gama schaffen

eine echte Kreuzfahrtatmosphäre, die wir

mit Poolspielen verbringen werden.

DAS BORDPROGRAMM

Zusätzlich zum Bordprogramm des

Schiffes werden auf der Spartacus Cruise

wieder zahlreiche Künstler der Community

auftreten. Auf der Agenda stehen

außerdem zahlreiche Themenpartys am

Pool wie „White“, „Wig“ oder „Kinky“, bei

denen der Kreativität bei den Outfits

keine Grenzen gesetzt sind. Auch die

beliebten Pool Games mit der Wahl

zum „Mr. Cruise“ werden auf keinen Fall

fehlen. Alle Gäste sind natürlich wieder

herzlich eingeladen, ihre Türen individuell

zu gestalten, wobei die verrückteste Idee

prämiert wird. Die Details zu Künstlern

und DJs werden im Laufe der kommenden

Wochen ständig ergänzt. Zu den

Künstlern gehört Joel von Lerber, der die

Tea Times mit seinem Harfenprogramm

von Klassik bis Pop begleiten wird. Für

den fetten Sound sorgt u. a. Star-DJ Chris

Bekker.

SINGLE MATCH

Kreuzfahrten sind leider keine optimale

Reiseform für Singles, da sich die Preise

nach Kabinen in Zweierbelegung berechnen.

Das heißt, für die alleinige Nutzung

einer Kabine ist immer der Preis einer

Zweierbelegung zu entrichten. Auf der

letzten Cruise wurden erfolgreich

vierzig Singles verknüpft, die sich eine

Kabine geteilt haben. Auch dieses Mal

wird es in der Buchungsmaske wieder die

Option „Singlematch“ geben. Wer sich

dafür entscheidet, wird kontaktiert und

kann im persönlichen Gespräch ein paar

Anhaltspunkte zu seinem gewünschten

Match geben. Gesichtspunkte a) ähnliches

Alter, b) ähnlicher Tagesrhythmus

(Morgenmensch versus Nachtmensch),

c) gleiche Kabinenkategorie. Selbstverständlich

können sich auch Zweiermatches

melden, die sich bereits gefunden

haben. Dafür gibt es auf Romeo einen

Club unter dem Namen „mCruise“.

Mehr Infos unter

www.spartacus.cruises


GESELLSCHAFT

ZWEI

REPORT

GESICHTER

EINER STADT

LANGE WIRKTE KRAKAU WIE EIN SICHERER HAFEN DER LGBTIQ*-COMMUNITY IM

FEINDSELIG GESTIMMTEN POLEN. DOCH SEIT DIESEM JAHR MEHREN SICH AUCH

HIER DIE ANGRIFFE AUF DIE QUEERE GEMEINSCHAFT. NUN REGT SICH WIDERSTAND

GEGEN DEN HASS.

Eigentlich wollte Han nur seinen Freund

besuchen. Doch als er eine Straße

überquerte, bemerkte er, dass ein

parkender Autofahrer ihn beobachtete.

„Als er mich gesehen hat, hat er den Motor

angelassen – und ist in mich reingefahren“,

erzählt Han, friemelt eine Zigarette aus der

Packung und steckt sie sich zwischen die

Lippen. Er verharrt einen Moment, bevor

er sie anzündet, und blickt in die Ferne, als

sehe er dort die Situation, in der er vor ein

paar Monaten am Stadtrand von Krakau

war. „Der Typ machte das Fenster runter

und starrte mich böse an. Er sagte nichts,

bis ich weggerannt war.“

Das Auto hatte nicht genug Geschwindigkeit,

um Han ernsthaft zu verletzen.

Trotzdem ging an diesem Tag etwas

kaputt: Krakau ist Hans Heimat, hier

wurde er geboren. Und doch fühlt sich der

21-Jährige nun nicht mehr sicher, denn

Han möchte sich nicht festlegen, welchem

Geschlecht er sich zugehörig und von welchem

er sich angezogen fühlt. Bisexuell,

non-binär, queer – es gibt viele Labels, mit

denen er sich identifiziert. Jedes einzelne

ist gefährlich, wenn es die falsche Person

in der falschen Ecke Krakaus zur falschen

Uhrzeit erkennt – oder sich von seinen

auffälligen roten Haaren provoziert fühlt.

Es sind die zwei Seiten einer Stadt,

die damit ringt, wer sie ist und wer

sie sein möchte. Im Zentrum der

800.000-Einwohner-Metropole gibt es

queere Klubs, Regenbogenfahnen hängen

in den Fenstern. An den Stadträndern, wo

die Häuserblocks abgelöst werden von

Einfamilienhäusern mit Garten und Garage,

ist es für Han, als sei er in einer anderen

Stadt. „Wenn ich an die Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame Blicke, ich werde

angeschrien, auf mich wird gezeigt und

ich werde verfolgt“, sagt Han, setzt die

Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug.

Krakau bei Nacht ist ein anderer Ort als

Krakau bei Tag. Sich bloß nicht von der

Gruppe trennen, nicht alleine unterwegs

sein, nicht auffallen: Han kennt die Regeln,

er erinnert seine Freunde daran, wenn sie

abends gemeinsam unterwegs sind. Muss

Han alleine los, hat er inzwischen eine

Dose Pfefferspray bei sich, „nur für den

Fall“. Außerdem trainiert er seit einigen

Monaten Selbstverteidigung, „weil viele

meiner Freunde angegriffen worden sind,

vor allem in letzter Zeit.“

MIT MESSERN GEJAGT

In diesem Jahr häufen sich die Angriffe auf

queere Menschen, beobachtet Mateusz

Gędźba. „Die Gewalt von Bürger*innen

gegenüber der LGBTIQ*-Community

wächst. Im Sommer hatten wir einige

besorgniserregende Vorfälle, bei denen

queere Menschen vor Schwulenbars

wie dem „Club Papuga“ mit Messern

gejagt wurden“, sagt er. Mateusz ist

Vorstandsvorsitzender von DOM EQ, einer

Föderation, die verschiedenste LGBTIQ*-

Gruppierungen zusammengebracht hat.

Gemeinsam versuchen sie, die Situation

für queere Menschen in Krakau zu verbessern.

Im vergangenen Jahr eröffnete

das Team ein Gemeinschaftszentrum: ein

altes Einfamilienhaus, mit Glitzer am Zaun

und Regenbogenlichterkette, umfunktioniert

zum queeren Hauptquartier Krakaus.

Hier treffen sich verschiedene Selbsthilfegruppen,

der queere Chor probt in den

Räumen und Literaturliebhaber*innen

organisieren Gedichtlesungen. Für

Mateusz mit am wichtigsten sind die

Beratungsangebote. Sowohl rechtlich

als auch psychologisch können sich


GESELLSCHAFT

LGBTIQ*-Personen hier helfen lassen:

„Wenn jemand selbstmordgefährdet ist,

lädst du ihn nicht auf ein Bier in einer Bar

ein“, sagt der 36-Jährige. Deshalb sei es so

wichtig gewesen, einen sicheren Ort wie

das DOM EQ zu schaffen.

Wie es scheint, ist DOM EQ gerade

zur rechten Zeit entstanden. Mateusz

erschreckt, wie schnell Szenen wie vor der

Schwulenbar Papuga Alltag geworden sind,

wie selbstverständlich die LGBTIQ*-Community

zur Zielscheibe wahlloser Angriffe.

Für ihn ist klar, wer dafür verantwortlich

ist: „Der Ton wird von oben angegeben,

das ist mehr als deutlich. Wenn hohe

Offizielle im Staat nach Aggression rufen,

sie rechtfertigen, die Täter*innen schützen,

dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle

anderen glauben, das sei normal.“

Auch Han hat bemerkt, wie sich die

Stimmung in Krakau seit der letzten Wahl

verändert hat. Trotzdem geht er weiter

feiern, Freunde besuchen, versteckt seine

roten Haare nicht unter der Kapuze: „Ich

will nicht so viel Angst haben, dass ich

nicht mehr mein Leben leben kann.“

„MEINE KIRCHE

HASST MICH“

Nicht nur die Politik ist Auslöser für die

wachsende LGBTIQ*-Feindlichkeit. Auch

die katholische Kirche ist eine treibende

Kraft des Hasses. Von einer „Regenbogenpest“

sprach der Erzbischof von Krakau,

Marek Jedraszewski, im Sommer 2019.

Nicht sein erster Kommentar gegen

die queere Community und nicht sein

letzter. Regelmäßig stellt er die LGBTIQ*-

Gemeinschaft als eine Ideologie des

„Wenn ich an die

Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame

Blicke, ich werde angeschrien,

auf mich wird

gezeigt und ich werde

verfolgt“

HAN


GESELLSCHAFT

KAROL

„Hier in Polen scheinen die Kirche und die LGBTIQ*-

Community das Gegenteil voneinander zu sein

und klar getrennt. Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden Identitäten

miteinander zu verbinden.“

Westens dar, die bekämpft werden müsse.

Was der Erzbischof sagt, hat Gewicht:

Etwa neunzig Prozent der polnischen

Bevölkerung sind katholisch.

„Meine Kirche hasst mich.“ So fasst Karol

Szymonik die aktuelle Situation zusammen.

Der 26-Jährige ist gläubiger Christ

– und schwul. „Ich habe zu Gott gebetet,

dass er das von mir nimmt“, sagt er, wenn

er an seine Schulzeit zurückdenkt. Karol

stammt aus der kleinen Stadt Oświęcim.

Dort kannte er keinen anderen schwulen

Mann. Sich zuzugestehen, homosexuell

zu sein, fiel ihm schwer. „Erst als ich für

mein Studium nach Krakau kam, habe

ich mich freier gefühlt.“ Dort hörte er das

erste Mal von anderen schwulen Männern

und vertraute sich seinen engsten

Freund*innen an. Nach und nach erzählte

er es mehr Kommiliton*innen, ehe er sich

schließlich outete. Am schwersten war

es für Karol, gegenüber seinen streng

katholischen Eltern offen zu sein: „Sie

waren sehr überrascht, sie haben nicht

einmal in Erwägung gezogen, dass so

etwas möglich ist.“ An das Gespräch

mit seiner Mutter kann er sich noch gut

erinnern, obwohl es inzwischen vier Jahre

her ist: „Als ich mich geoutet habe, hat

meine Mutter heftig geweint. Das war

eine schwierige Unterhaltung zwischen

uns. Danach wusste ich nicht, ob das für

sie in Ordnung ist oder nicht.“ Seit dem

Gespräch wird über Karols Sexualität in

der Familie geschwiegen.

Karol arbeitet inzwischen in Krakau als

Tierarzt. „Während meines Studiums

habe ich darüber nachgedacht, aufs

Land zu ziehen und Kühe zu behandeln.

Aber dann habe ich mir gedacht: Ich

bin schwul – so kann ich nicht leben.

Auf dem Land ist es viel gefährlicher für

mich.“ In Krakau fühlt sich Karol wohl,

zumindest bis zu einem gewissen Grad:

„Es gibt Orte, an denen wir uns gemeinsam

treffen können, es gibt Kirchen, in

die wir gehen können, wo wir akzeptiert

sind – es ist sehr viel angenehmer als

in den Dörfern. Aber trotzdem gibt es

überall Zeichen von Homophobie.“ Es

fällt Karol schwer, diese Ambivalenz in

Worte zu fassen. Auf der einen Seite eine

Freiheit, von der er in seinem Heimatdorf

nicht einmal träumen konnte, auf der

anderen Seite die ständige Angst, doch

auf die falschen Leute zu treffen. „Wenn

ich nachts mit meinen Freunden unterwegs

bin, habe ich diesen Gedanken im

Kopf, dass die Leute erkennen, dass wir

schwul sind, und uns deswegen zusammenschlagen

werden.“ Vieles könnte

besser sein in Krakau, „aber es ist gerade

nun einmal, was es ist“, sagt Karol..

ABLENKEN VOM MISS-

BRAUCHSSKANDAL

Karol redet ruhig und konzentriert, nur

wenn er über die Ungerechtigkeiten in

seinem Land spricht, wird er merklich

aufgebrachter, seine Stimme wird

schneller, er fängt an zu gestikulieren.

„Hier in Polen scheinen die Kirche und

die LGBTIQ*-Community das Gegenteil

voneinander zu sein und klar getrennt.“

Um das zu ändern, engagiert sich Karol in

der Initiative „Glaube und Regenbogen“.

„Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden

Identitäten miteinander zu verbinden.“

Mit der aktuellen Kirchenführung fällt das

nicht immer leicht, aber Karol hat einen

Weg für sich gefunden: „Die Bischöfe in

Polen sind die eine Sache, mein Glaube ist

etwas anderes. Ich höre nicht so genau hin,

worüber die Priester in ihrer Predigt reden

– denn das tut mir manchmal weh.“

Dass sich die Rhetorik der katholischen

Kirche in den vergangenen Monaten noch

einmal verschärft hat, ist für Karol kein

Zufall. Ähnlich wie in Deutschland erschütterte

auch in Polen ein Missbrauchsskandal


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Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


GESELLSCHAFT

der katholischen Kirche die Öffentlichkeit.

Die Enthüllungsdokumentation „Aber

sag es nur keinem“ zeigte 2019, wie

Kirchenoberste missbrauchende Priester

schützten und sie beispielsweise in andere

Gemeinden versetzten, anstatt sie anzuzeigen.

Seitdem kämpft die katholische

Kirche mit Ablenkungsmanövern gegen

den Imageschaden. Weil mehr Jungen

als Mädchen vergewaltigt wurden, müsse

es einen Zusammenhang zwischen

Pädophilie und Homosexualität geben,

so die haltlose Behauptung der Kirche.

„Sie musste irgendetwas angreifen, und

wir als Minderheit in Polen sind leicht zu

fassen“, sagt Karol. Besonders für Teenager

sieht Karol die Rhetorik der Kirche als

große Gefahr. „Jugendliche, die gerade

erst verstehen, wer sie sind, die glauben,

vielleicht bin ich schwul ... Wenn sie Worte

wie ,Regenbogenpest‘ hören, was halten

die dann von sich selbst? Ich mag mir das

gar nicht vorstellen.“

100 „LGBTIQ*-

FREIE“ ZONEN

Besonders schwierig ist die Situation

für queere Jugendliche im ländlichen

Polen, sind sich Karol und Han einig. Dort

gibt es keine Klubs, keine Treffs, keine

Gemeinschaft wie in Krakau. „Wenn du

auf dem Land als LGBTIQ*-Person keine

Unterstützung deiner Familie hast, bist

du ziemlich allein“, sagt Han. Und auch

der Druck der Politik auf die LGBTIQ*-

Gemeinschaft ist stärker. Seit 2019 riefen

sich mehr als 100 Kommunen als frei von

„LGBTIQ*-Ideologie“ aus. „Du kannst doch

nicht einfach ein Gebiet für LGBTIQ*-frei

erklären und dann gibt es dort keine

queeren Menschen mehr“, sagt Han. „Die

Politiker erreichen nur eines: Sie verletzen

diese Personen.“ Rechtlich gesehen

haben die Deklarationen keine Wirkung

– bislang. Aber DOM-EQ-Leiter Mateusz

Gędźba blickt mit Bangen nach Russland,

wo zunächst ähnliche Erklärungen

verabschiedet und dann in einem zweiten

Schritt auch die Gesetze angepasst wurden.

„Wir befinden uns an einem ziemlich

traurigen und empfindlichen Moment,

der für ganz Europa gefährlich ist. Wenn

wir sagen: ‚Ach Werte, was bedeuten die

schon?‘, dann wird das einen Moment

lang funktionieren. Aber bald werden

die Probleme auch in anderen Ländern

losgehen. Es ist wie Krebs: Wenn wir nicht

früh genug dagegen kämpfen, wird es sich

weiter ausbreiten.“

Fünf der 16 polnischen Woiwodschaften,

vergleichbar mit den deutschen Bundesländern,

verabschiedeten inzwischen

eine entsprechende Deklaration. Darunter

auch Kleinpolen, die Woiwodschaft, in der

Krakau liegt. Doch Krakau machte bei der

homophoben Kampagne nicht mit. Stadtpräsident

Jacek Majchrowski betonte in

einem offenen Brief, dass Krakau eine

tolerante und weltoffene Stadt sei: „Alle,

darunter auch Vertreter der LGBTIQ*-

Community, sind hier willkommen. Wir alle

sollen uns in Krakau wie zu Hause fühlen“,

schrieb er darin.

Mateusz sieht Statements wie dieses

kritisch. Er glaubt, hinter der Erklärung

stecke vor allem politisches Kalkül. 2023

sollen in Krakau die Europaspiele stattfinden.

Das bedeutet viel Aufmerksamkeit

und viel Geld für die Stadt. Ausländische

Politiker*innen kritisierten den

Austragungsort aufgrund der Erklärung

Kleinpolens zur LGBTIQ*-freien Zone

und forderten, die Spiele nicht in Krakau

zu veranstalten: „Krakau profitiert enorm

von den europäischen Geldern. Wenn das

Geld zurückgehalten wird, steckt Krakau

in großen Schwierigkeiten. Das haben die

Politiker*innen recht schnell verstanden“,

sagt Mateusz. Mit Blick auf das Ausland

unterstütze man die Community, gehe

„Wenn hohe Offizielle Aggression

rechtfertigen, die Täter*-

innen schützen, dann ist es

nur eine Frage der Zeit,

bis alle anderen glauben,

das sei normal.“

MATEUSZ


GESELLSCHAFT

es aber um echte Bekenntnisse, etwa

finanzielle Unterstützung, halte sich die

Stadt zurück.

Gleichzeitig gehen kirchliche rechtskonservative

Gruppen immer aggressiver vor,

um auch die etwas besser geschützten

LGBTIQ*-Gemeinschaften in den Städten

anzugreifen – wie in Krakau. Regelmäßig

fahren Trucks mit großen Lautsprechern

durch die Städte des Landes und rufen

homophobe Propaganda aus. Damit

schüren sie in den Großstädten den Hass

und verunsichern queere Menschen. Vor

einigen Monaten hatte Han endgültig

genug davon. Mit ein paar anderen

queeren Aktivist*innen Krakaus schloss

er sich zur Bewegung „Der Regenbogen

ist nicht tot“ zusammen. Gemeinsam

starteten sie eine Petition, in der sie den

Stadtrat aufforderten, das Fahren dieser

Trucks durch Krakau zu verbieten. Dafür

sammelten sie Unterschriften, organisierten

Veranstaltungen und versuchten,

bei der Bevölkerung ein Gegengewicht

zur Homophobie von Politik, Kirche und

Medien zu sein: „Das Wichtigste ist, Aufmerksamkeit

zu erzeugen, die Bevölkerung

aufzuklären und ein Bewusstsein für

die LGBTIQ*-Community zu erzeugen“,

sagt Han. Große Erfolgschancen rechnet

sich DOM-EQ-Sprecher Mateusz Gędźba

für die Petition nicht aus: „Um ehrlich zu

sein, bin ich mir ziemlich sicher, dass der

Stadtrat den Bürgervorschlag ablehnen

wird – aber trotzdem hat es etwas Gutes:

Es wird eine Diskussion angestoßen, die

die Stadt weiter unter Druck setzen wird,

etwas gegen die Trucks zu unternehmen.“

OPTIMISTISCH

TROTZ ALLEM

Je stärker der Gegenwind, desto selbstbewusster

wird die Gemeinschaft, meint

Gędźba: „Vor ein paar Jahren waren wir

eine soziale Gruppe hier in Krakau. Aber wir

hatten kein Bewusstsein für unsere verschiedenen

Herkünfte, keine gemeinsame

Identität. Mein Eindruck ist, dass Initiativen

wie DOM EQ dabei geholfen haben, so

eine gemeinsame Identität entstehen zu

lassen.“

Wenn Han an die Zukunft denkt, ist er

vorsichtig optimistisch: „Es gibt viele junge

Personen, die aufstehen, ihre Stimme

erheben und Pride-Proteste organisieren

– mit 15 Jahren. Ich bin so stolz, dass sie

vieles in die eigene Hand nehmen und viel

motivierter sind, als ich es in ihrem Alter

war.“ Und nicht nur die Jugend macht ihm

Hoffnung für die Zukunft: „Ich sehe auch

Menschen über vierzig, die sich auf einmal

outen und sagen: ‚Ich habe genug von dem

Scheiß‘, die protestieren gehen und sich

zeigen.“

Auch Karol will sich nicht länger verstecken:

„Ich versuche, sehr extrovertiert zu

sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir

uns als LGBTIQ*-Personen den anderen

Menschen zeigen. Wenn sie uns nicht

sehen, dann denken sie auch nicht über

uns nach.“ Seit diesem Jahr bietet er in

Krakau Tanzkurse für gleichgeschlechtliche

Paare an und ist damit polenweit ein Vorreiter.

„Bei heterosexuellen Paaren ist klar,

der Mann führt. Aber wie ist das bei gleichgeschlechtlichen

Paaren? Das bringe ich

ihnen bei“, sagt er. Bis Karol coronabedingt

pausieren musste, betreute er zwölf Paare.

Das Feedback sei sehr positiv, berichtet

Karol. Wenn er von seinen Tanzkursen

spricht, erzählt er mit einer Freude, dass

man meinen könnte, als schwuler Christ

Tanzkurse für gleichgeschlechtliche Paare

im streng katholischen Krakau anzubieten,

sei das Normalste auf der Welt. Und

vielleicht ist es das bald auch. Aktuell ist in

Polen einiges in Bewegung. Die Menschen

gehen auf die Straße, um gegen das

Abtreibungsverbot zu demonstrieren, und

damit auch gegen die Regierung, gegen

die Einmischung der katholischen Kirche

in die Politik, für Menschenrechte. Karol

macht eine kurze Pause, als müsse er über

die nächsten Worte gut nachdenken. Als er

sich entschieden hat, bringt er diese Sätze

mit einer Überzeugung zum Ausdruck,

dass man ihm am liebsten glauben will:

„In den Köpfen der Leute passiert etwas –

langsam, aber es gibt eine Veränderung.“

*Astrid Benölken und Tobias Zuttmann

„In den Köpfen der Leute

passiert etwas – langsam,

aber es gibt eine

Veränderung.“


ADVERTORIAL

GABLE

das LGBTQ+ Netzwerk von P&G

Bei Procter & Gamble sind

Chancengleichheit, Vielfalt und

Inklusion zentrale Elemente der

Unternehmenskultur.

Procter & Gamble hat es sich zur Aufgabe

gemacht, gleiche und inklusive Arbeitsplätze

für alle Mitarbeitenden zu schaffen.

Dies schließt ganz ausdrücklich auch die

Gruppe der LGBTQ+-Gemeinschaft ein.

Die Unternehmenspolitik von Procter

& Gamble wendet sich sehr klar gegen

Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung

oder geschlechtlicher Identität.

GABLE (GAY, ALLY, BISEXUAL,

LESBIAN AND TRANSGENDER

EMPLOYEES)

1996 gründete Procter & Gamble

das Netzwerk GABLE für LGBTQ+-

Mitarbeitende und ihre Unterstützer in

den USA. Im Jahr 2014 startete GABLE

in Deutschland und ist seither schnell

gewachsen. Inzwischen ist das Netzwerk

an zehn Standorten in der DACH-

Region, darunter acht in Deutschland,

aktiv – sowohl in städtischen als auch in

ländlichen Gegenden. Ziel des Netzwerks

ist es, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen,

in der LGBTQ+-Menschen sich vollständig

und ohne Einschränkungen in ihre Arbeit

einbringen können. Ein wesentlicher

Faktor, um dieses Ziel zu erreichen, sind

Unterstützer – sogenannte „Allies“. Sie

sind ausgebildet, Verantwortung für ihr

eigenes Verhalten zu übernehmen und

einzugreifen, wenn sie in der Sprache oder

dem Verhalten anderer eine Diskriminierung

gegen LGBTQ+-Menschen erkennen.

Die Unterstützer erhalten außerdem

Sticker mit denen sie ihre Hilfe für die

LGBTQ+- Gemeinschaft visuell deutlich

machen können.

#WEAREUNIQUEANDUNITED

Jedes Jahr im März feiert Procter

& Gamble seine Equality&Inclusion

Woche – in diesem Jahr wurde daraus

ein ganzer Monat unter dem Motto

#WeAreUniqueAndUnited. Mitarbeitende

aus verschiedenen Netzwerken haben

Workshops, Vorträge und Mitmach-

Aktionen organisiert mit dem Ziel, das

Bewusstsein für Vielfalt zu fördern, für

dieses Thema weiter zu sensibilisieren und

Bias zu reduzieren. GABLE nutzt die Veranstaltungen,

um Informationen zu seinen

Zielen im Unternehmen vorzustellen, um

neue Mitglieder zu finden und als Allies

auszubilden.

CAN’T CANCEL PRIDE

Zusätzlich unterstützt das Netzwerk

Procter & Gamble dabei, sich auch extern

und weltweit gegen die Diskriminierung

der LGBTQ+-Community einzusetzen,

beispielsweise durch die Organisation

der Hilfsaktion „Can’t Cancel Pride“

mit iHeartRadio während der Corona-

Pandemie zur Unterstützung betroffener

LGBTQ+-Gemeinschaften oder durch

verschiedene LGBTQ-zentrischen

Marketing-Kampagnen.

AUSZEICHNUNGEN

Im letzten Jahr war das GABLE-Netzwerk

von P&G einer der Prout At Work-Award-

Gewinner in der Kategorie GLOBAL

LEADER NETWORK. Diese Würdigung

bezog sich auf diverse Aktivitäten, wie

der Produktion einer Film-Trilogie zur

Unternehmensgeschichte im Hinblick

auf LGBTQ+ -Inklusion. Die Filme,

die in Zusammenarbeit mit CNN

entstanden sind, erhielten internationale

Auszeichnungen.

Vor wenigen Wochen hatte P&G einen

weiteren Grund zum Feiern: Das Unternehmen

wurde mit dem PRIDE Champion

Arbeitgebersiegel in Silber ausgezeichnet.

Dieses wird von der UHLALA Group vergeben

und steht für eine offene, inklusive

und wertschätzende Unternehmens- oder

Organisationskultur. Das Siegel ist nicht

käuflich und kann nur durch Nachweise

und eine Prüfung in Form des PRIDE

Audits erhalten werden.

P&G freut sich über viele Bewerber:innen

aus der LGBTQ+-Community. Offene

Stellenangebote sind hier zu finden:

www.pgcareers.com


INTERVIEW

Die Sprache der Liebe entschlüsselt?

GESELLSCHAFT

FOTO: ELITE CONTACTS

Anita G. und ihr Sohn Philipp Schwarzenberg

bezeichnen sich mit einer

angemessenen Portion Stolz als Partnervermittler.

Wir trafen Philipp in Berlin und

hatten viele Fragen – denn er weitete das

Geschäft mit der Partnerschaftsvermittlung

auf die Liebe Homo-sexueller aus.

Wie kam es denn dazu?

Meine ersten Berührungspunkte mit homosexuellen

Paaren waren glückliche Männer in

langfristige Partnerschaften. Für mich war es

damals klar, dass da einfach ein Mann einen

Mann liebt und mit ihm zusammen ist. Erst

heute ist mir vollumfänglich bewusst, dass

das Thema offene Homosexualität damals

nicht so einfach war. In den 2010ern wurde

Liebe zu einem Konsumgut und unzählige

Menschen machten sich auf die Suche

nach einem kurzfristigen (gemeinsamen)

Endorphinrausch. Zurückzuführen ist

dies auf unsere Gesellschaft selbst, dem

menschlichen Streben nach Perfektion

sowie dem Trend der Digitalisierung durch

Smartphones und Apps. Das was wir dort

finden, ist aber etwas völlig anderes als das

sich in einer langfristigen Partnerschaft

entwickelnde Wir-Gefühl. Ich betone das

immer wieder: Egal, wer wen liebt, der

Kern des Ganzen und damit auch unserer

Arbeit, ist die Sprache der Liebe. Die hat mit

Hormonen und Geschlechtern erst einmal

nichts zu tun.

Es gibt moderne Formen von

Partnerschaften jenseits dem

„Standardmodell“ Zweierbeziehung.

Kommen auch zum Beispiel polyamore

Menschen zu euch?

Es ist spannend, wie sich der Mensch in

dieser Beziehung weiterentwickelt hat.

Das Gros unserer Klientel ist jedoch nach

wie vor auf der Suche nach einer stabilen

Zweierbeziehung mit den klassischen

Parametern Treue, Wir-Gefühl, Vertrauen

und emotionaler Identifikation.

Bemerkenswert finde ich, dass sich die

Wünsche und Ziele von heterosexuellen

und homosexuellen

Singles

in vielerlei Hinsicht

gleichen. Was mich auch noch

mal zu dem Satz bringt, dass es nicht

darum geht, wer wen liebt, sondern um

die Sprache der Liebe.

*Interview: Christian Knuth

www.elite-contacts.com

Das ganze Interview findet ihr auf

www.männer.media.

#Diversity

#Inventingforlove

MSD.PARTNER.HIV.

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Auf MSD Gesundheit finden Sie Informationen zu HIV: http://m.msd.de/rwQ

MSD Sharp & Dohme GmbH, Lindenplatz 1, 85540 Haar

www.msd.de


GESUNDHEIT

Welchen Einfluss eine

HIV-Therapie im Alltag hat

Mit HIV kann man heutzutage ein

gesundes und langes Leben führen.

Dennoch kann die Diagnose ein einschneidendes

Ereignis sein und viele neue

Fragen aufwerfen. Eine davon ist, wie man

die HIV-Therapie nun bestmöglich in den

eigenen Alltag integrieren kann.

Das erste, woran viele dabei denken, sind

klassische Einnahmevorschriften – wie

zum Beispiel die Einnahme zum Essen. Bei

der modernen HIV-Therapie sind solche

strikten Vorschriften mittlerweile eher

Ausnahme als Regel.

HERAUSFORDERUNG ARBEITSALLTAG

Es gibt aber auch einige Punkte, die

man vielleicht nicht gleich im Kopf hat.

Beispielsweise spielt der Arbeitsrhythmus

eine wichtige Rolle: Wenn man geregelte

Arbeitszeiten hat, lässt sich die täglich

etwa zeitgleiche Einnahme der Medikamente

deutlich leichter planen, als wenn

man in einem Beruf mit Schichtdienst

arbeitet. Selbst mit geregelten Arbeitszeiten

kann es zu Herausforderungen im

Arbeitsalltag kommen, etwa wenn eine

Dienstreise mit Zeitverschiebung ansteht.

DIE FREIZEIT GESTALTEN

Auf die Wahl der Freizeitaktivitäten hat

eine HIV-Therapie so gut wie keinen

Einfluss. Dennoch gibt es für HIV-positive

Menschen einige Punkte zu beachten,

um eine erfolgreiche Behandlung

sicherzustellen: Natürlich sollte man bei

Ausflügen immer daran denken, seine

Medikamente mit einzupacken, falls

es mal später wird. Aber auch Hobby-

Sportler*innen sollten bei der Einnahme

von Nahrungsergänzungsmitteln, um zum

Beispiel den Muskelaufbau zu fördern,

im Hinterkopf behalten: Nahrungsergänzungsmittel

können Wechselwirkungen

mit HIV-Medikamenten verursachen, die

im ungünstigsten Fall den Therapieerfolg

gefährden.

MUSS MAN SICH ALSO MIT HIV

EINSCHRÄNKEN?

Natürlich ist das jetzt nicht gleich ein

Grund, um mit dem Sport aufhören. Man

sollte allerdings mit seinem/r Ärzt*in

darüber sprechen, was es zu beachten

gilt. Das ist wichtig, um auch mit HIV-

Therapie den bisherigen Lebensrhythmus

beibehalten und vor allem die eigene

Lebensqualität hochhalten zu können.

Nur weil man HIV-positiv ist, muss sich

also nicht gleich der gesamte Alltag

ändern.

VERÄNDERUNGEN IM BLICK BEHALTEN

Viele Dinge im Alltag verändern sich ja

meist nicht über Nacht, sondern Stück für

Stück. Diese oft unbemerkten Veränderungen

sollte man im Blick behalten, denn

sie können zu Reibungspunkten mit der

HIV-Therapie führen. Gerade in solchen

Situationen ist ein offenes Gespräch mit

dem/r Ärzt*in sehr wichtig.

HIV ZU EINEM KLEINEN TEIL IM

LEBEN MACHEN

Es kann manchmal herausfordernd

sein, die eigene HIV-Therapie in den

persönlichen Tagesablauf zu integrieren.

Manchmal liegt das auch daran, dass die

momentan eingenommenen Medikamente

plötzlich nicht mehr in den eigenen

Alltag passen.

Es gibt für jeden Lebensrhythmus eine

geeignete individuelle Therapie. Wenn man

diese gemeinsam mit seinem/r Ärzt*in für

sich findet, wird HIV dadurch zu einem

kleineren Teil im eigenen Leben.

Weitere Infos sowie persönliche Geschichten

zum Leben mit HIV findest

du unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


SCHLAU ZU HIV

Warum du an der IAS

teilnehmen solltest

Der alle zwei Jahre stattfindende

Kongress der IAS (International

AIDS Society) ist die weltgrößte

offene wissenschaftliche Konferenz

zum Thema HIV/Aids.

Ihre 11. Ausgabe findet vom

18. bis 21. Juli in Berlin und

erstmals auch online statt. Also

ist die Konferenz sogar aus dem

heimischen Wohnzimmer heraus

bequem zu besuchen.

DAS PROGRAMM

Fast alle namhaften Akteure

im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit

werden die

neuesten Erkenntnisse vorstellen

und die dringendsten aktuellen

Themen erörtern. Aufgeteilt in

vier Themenblöcke.

Im Block Grundlagenforschung

wird unter anderem über

den Stand der Forschung zur

Regulierung und Heilung der HIV-

Reservoirs diskutiert. Außerdem

soll über den Einfluss von

Geschlecht und Bevölkerungsdiversität

auf die Bekämpfung des

Virus gesprochen werden.

Der Block klinische Wissenschaft

hält eine für unsere Kernleserschaft

sicher besonders interessanten

Thematik vor: HIV und

sexuell übertragbare Krankheiten.

Es geht aber ausnahmsweise

nicht um die Aufforderung,

regelmäßig zum Test zu gehen,

sondern um das Ausloten von

Möglichkeiten, aus der HIV-

Therapie für den Umgang mit

Antibiotika-Resistenzbildungen

zu lernen.

Mehr Informationen zum

Programm und zur Anmeldung

unter ias2021.org!


GESUNDHEIT

Die Konferenz der

„International

Aids Society“,

kurz IAS ist

neben der

„Conference

on Retroviruses

and Opportunistic

Infections“

(CROI) die wichtigste

internationale Konferenz zu

HIV, bei der Wissenschaftler

aus aller Welt Ergebnisse aus

Grundlagenforschung und

Studien präsentieren.

Siegfried Schwarze, Aids-Aktivist

und Vorstand Projekt Information e.V.

(www.projektinfo.de)


# HIVersity

Weil wir mehr sind als nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-200009-11/2020


FILM

INTERVIEW

JAKOB M.

ERWA:

„Da habe ich

viel von mir und

meiner Welt

hineingepackt“

Panische Menschen, dichter Rauch

und ein Meer an Einsatzkräften:

Was für ein Unglück hat sich am Münchner

Hauptbahnhof ereignet? Diesem Ereignis

geht die brandneue Coming-of-Age-Serie

„Katakomben“ auf den Grund.

Jakob, „Katakomben“ ist Ihr erstes

Projekt seit dem Kinofilm „Die Mitte

der Welt“. Wie kam es dazu?

Nach der Verleihung des Bayerischen

Filmpreises, den ich für „Die Mitte der

Welt“ bekommen habe, haben mich die

Jungs von der Produktionsfirma NEUE-

SUPER angesprochen. Die mochten, was

ich da auf der Bühne gesagt hatte, und

fragten, ob wir nicht einmal zusammen

ein Projekt entwickeln wollen. So habe ich

dann angefangen, mit Florian Kamhuber

an einer Geschichte über moderne Liebe

zu arbeiten, an der wir auch nach wie

vor noch dran sind. Doch irgendwann

kam uns „Katakomben“ in die Quere,

weil Flo einen Zeitungsartikel über das

Tunnelsystem unter München gelesen

hatte und mich fragte, ob wir nicht schnell

mal eine Geschichte dazu pitchen wollen.

Wir haben uns dann drei Tage in Berlin

eingeschlossen, einen groben Plot überlegt

und die Figuren entwickelt.

Entstanden ist jetzt eine spannende

Mischung aus Coming-of-Age-

Geschichte und Sozialdrama mit

Gruselthriller-Elementen ...

Geschichten über junge Menschen finde

ich immer cool, denn über die sogenannte

First-Life-Krise kann man einfach spannende

Sachen erzählen. Aber besonders

interessant an unserer Idee fand ich

tatsächlich die soziale Komponente. Das

ist schließlich schon eine perfide Sache.

München ist einerseits diese schicke,

cleane, teure Stadt, in der es immer heißt,

dass es kein Drogenproblem gibt. Doch

andererseits gibt es eben diese Katakomben,

wo plötzlich eine Grauzone und

all die Leute akzeptiert werden, die oben

das saubere Stadtbild zerstören würden.

Also Drogensüchtige, Obdachlose oder

Sexarbeiter*innen. Das fand ich heftig. Und

ich wollte unbedingt einen Weg finden,

diese beiden Welten aufeinanderknallen zu

lassen und – bei aller Unterhaltung – etwas

Kritisches über unsere Gesellschaft zu

erzählen.

War von Anfang an klar, dass Sie

die Geschichte als Serie erzählen

wollen?

Ja, das war tatsächlich von Anfang an klar.

Da habe ich nie drüber nachgedacht, ob

man auch einen Film draus hätte machen

können. Mich hat diese Art des Erzählens

eh interessiert, und ich habe auch andere

serielle Ideen, an denen ich arbeite. Schon

damals in Österreich habe ich nach meinem

ersten Film „Heile Welt“ eine kleine

Miniserie gemacht: „Tschuschen:Power“.

Ich finde das Format einfach toll, weil man

viel länger und kleinteiliger erzählen und

sich tiefer auf Figuren einlassen kann.

Aber nicht zu früh freuen – ich werde auch

weiterhin Filme drehen. Hahaha.

Gibt es unter den vielen Figuren der

Serie welche, die Ihnen besonders

am Herzen liegen?

Janosch, der queere Influencer und beste

Freund der Protagonistin, ist auf jeden Fall

eine Figur, die mir sehr wichtig und nah

ist. Da habe ich viel von mir und meiner

Welt hineingepackt. Und an ihm Fragen

von Zugehörigkeit, Entwurzelung und dem

Zwiespalt, zwischen mehreren Welten

zu stehen, durchgespielt, die man nicht

zuletzt als queerer Mensch kennt. Mir war

sehr wichtig, dass er nicht nur schillernd

ist, sondern auch eine echte Breite und

Tiefe bekommt. Aus der eher oberflächlichen

Figur am Anfang wird schließlich

eine ganz traurige, feine und suchende.

Mit der ActOut-Aktion und

dem zugehörigen Manifest

hatten kürzlich 185 deutsche

Schauspieler*innen ihr öffentliches

Coming-out. Wie fanden Sie das?

Das war ein ganz großer, längst

überfälliger Schritt. Ich habe darüber

mit vielen Kolleg*innen vor und hinter

der Kamera in den letzten Jahren immer


FILM

FOTOS: JOYN / NEUESUPER / A. UHLIG

wieder gesprochen und mir genau so

etwas gewünscht. Eine breite Front,

die daherkommt und sagt: „Wir sind

hier und wir sind überall.“ Dass man die

Privatleben eines Schauspielers oder einer

Schauspielerin von ihrer Arbeit trennen

kann, sollte eigentlich kein Problem

sein. Aber auch das ist noch lange nicht

selbstverständlich, deswegen muss man

immer mal wieder solche großen Bretter

fahren.

Es geht in diesem Kontext immer

auch darum, wen man für welche

Rollen besetzt. In der neuen Serie

„It’s a Sin“ zum Beispiel werden alle

queeren Rollen auch von queeren

Schauspielern gespielt ...

Ich würde das jedes Mal als Einzelfall

behandeln. Ich arbeite seit Langem an

einem Film mit dem Titel „Valeska“ über

eine trans* Frau, den ich unter anderem

deswegen noch nicht umgesetzt habe,

weil ich einfach noch keine perfekte

trans* Schauspielerin für die sehr herausfordernde

Rolle gefunden habe. Da muss

man sich dann die Frage stellen, ob ein

Projekt gar nicht stattfinden soll, bloß weil

man nicht „politisch korrekt“ besetzen

kann? Ist das sinnvoll, wenn es gleichzeitig

bedeutet, dass die entsprechenden

Themen womöglich gar nicht auf der

Leinwand behandelt werden? Man kann

außerdem nicht unsere Situation hier im

deutschsprachigen Raum mit den USA

oder so vergleichen.

In welcher Hinsicht?

Englischsprachige Produktionen wie

gerade „It’s a Sin“ haben es natürlich

wesentlich leichter, alle queeren Rollen

mit queeren Schauspieler*innen zu

besetzen. Schon einfach, weil der Markt

riesig ist – und es gleichzeitig sehr viel

früher Role Models gab und sich das

Selbstbewusstsein entwickelt hat,

dass man queer sein und trotzdem als

Schauspieler*in zum Star werden kann. So

weit sind wir noch nicht. Weswegen eben

ActOut auch so ein Meilenstein war. Allein

um zu zeigen, was für einen großen Pool

an queeren Schauspieler*innen es gibt,

der einem zur Verfügung steht, wenn man

bewusst so besetzen und die Community

stärken will.

Kurz noch ein Blick zurück zu

Ihrem Film „Die Mitte der Welt“,

der in diesem Jahr seinen fünften

Geburtstag feiert. Wie haben Sie es

damals erlebt, dass der ganz große

Erfolg an der Kinokasse ausblieb?

Angesichts der wahnsinnig langen

Entstehungsgeschichte und der Tatsache,

dass die Vorlage ein Bestseller war, war ich

im ersten Moment schon sehr ernüchtert

und enttäuscht, dass die Sache nicht so

aufgegangen ist, wie ich es erhofft hatte.

Und war auch eifersüchtig auf Filme

wie „Love, Simon“ und „Call Me By Your

Name“, die als queere Filme groß und

aufwendig vermarktet wurden und stolz

riesige Banner gedruckt bekamen. Während

bei unserem Film die Thematik eher

versteckt wurde und man nicht wusste,

wie man damit umgehen soll. Das hat

mich schon sehr frustriert. Aber natürlich

freue ich mich auch, dass der Film dann

trotzdem noch ein kleines Eigenleben

entwickelt hat. Es gibt sehr viele Leute,

die den Film kennen, und denen er – so

wie mir damals das Buch – irgendwie

geholfen hat.

Würde er heute besser laufen?

Vielleicht. Gerade durch Streamer wie

Netflix ist die queere Community im

Moment ja wieder stärker vertreten in

den Geschichten, die erzählt werden.

Dadurch kommen diese Themen und

Figuren in der Gesellschaft stärker an

und werden selbstverständlicher. Und die

Leute wollen das scheinbar sehen. Es ist

traurig, das sagen zu müssen, aber wenn

ich im Moment einen queeren Stoff hätte,

würde ich damit vermutlich eher bei

einem Streamingdienst anklopfen als bei

einem Kinoverleih.

*Interview: Patrick Heidmann


FILM

FOTO: WARNER / HBO

STREAMING

SIE KOMMEN ZURÜCK

Seit Ende der 1990er war die US-Serie „Sex and the

City“ ein Muss für Frauen und Queers, wenn man sich

auch über die zum Teil klischeehafte Darstellung der

(queeren) Charaktere ärgern konnte. Trotzdem waren

die Serie und die beiden Kinofilme extrem lustig und sorgten

auch für den ein oder anderen Denkanstoß. Jetzt wird an der auf

der Original-TV-Serie und dem Buch basierenden Nachfolgeserie

„And Just Like That“ gearbeitet, so HBO Max, der Streamingdienst

von Warner.

Die in der weißen oberen Mittelschicht New Yorks angesiedelte

Glamour-Soap ließ uns teilhaben am geselligen Leben einer

Frauenclique und ihren Liebschaften. Lange bevor es Social Media

gab, wurde hier kommentiert, polarisiert und gelacht. Vor allem

Schauspielerin Sarah Jessica Parker wurde in Sachen Mode zur

Influencerin, die auch bestens mithalten konnte, als Social Media

dann den Ton angab. Waren die vier Freundinnen –Lifestyle- und

Modefachfrau Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Heimchen

Charlotte York (Kristin Davis), Vamp Samantha Jones (Kim Cattrall)

und Anwältin Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) – zu Beginn

der Serie in ihren 30ern, Samantha schon damals wesentlich älter,

so können wir uns jetzt auf Damen freuen, die auf die sechzig

zugehen. Ein wichtiger und sicherlich unterhaltsamer Kontrapunkt

zum überall herrschenden Jugendwahn. Nicht mehr dabei sein

wird allerdings Kim Cattrall, die vor allem in den letzten Jahren ihre

Abneigung gegenüber Sarah Jessica Parker betonte.

In „Sex an the City“ ging es eigentlich immer um die Suche nach

der wahren Liebe in der hektischen und so extrem hippen Großstadt.

Darum, den einen Mann zu finden, für intensive Stunden

oder für immer. Aufs Amüsanteste unterbrochen wurde dieser,

bei aller etwaigen Melancholie immer lebensfroh umgesetzte,

rote Faden durch Episoden und Szenen, die mal ironisch, mal

traurig das Leben in seiner manchmal abstrusen Art abbildeten.

Gaststars waren unter anderem Bradley Cooper, Liza Minnelli,

Matthew McConaughey, Heidi Klum, Alanis Morissette und auch

David Duchovny. Und Dido sang im Soundtrack. *rä

Funfact: Donald Trump hatte ebenfalls einen Cameo-Auftritt in

„Sex and the City“. Gottlob nur kurz. Aber wo war er nicht?

FOTOS: ITV STUDIOS

SERIE

Ausgezeichneter Serienspaß:

„Schitt’s Creek“

Die kanadische Serienproduktion „Schitt’s Creek“ ist nicht nur extrem erfolgreich,

diese humorvolle Gesellschaftssatire zeigt auch, wie man queere Charaktere

sinnvoll und nicht nur als „skurrile Minderheit“ einsetzen kann. Dafür gab es zum

Beispiel den „GLAAD Media Award für herausragende Comedy-Serien“.

Autor, Regisseur und Schauspieler Daniel Levy, der gemeinsam mit seinem Vater

Eugene die Idee zur Serie hatte und auch als David und Johnny Rose zum Hauptcast

gehören, war dann auch sehr gerührt: „Ich möchte unseren Fans danken, die eine

Bewegung für das Gute geschaffen haben [...] Wir lieben euch alle. Ich kann mir keine bessere

Fanbase vorstellen – Menschen, die für die Botschaft unserer Serie einstehen, für Liebe, für

Akzeptanz und dafür, füreinander da zu sein. Die queeren Charaktere zu kreieren, war die größte

Freude meines Lebens [...] Diese Serie zu machen, war sechs Jahre lang mein absolutes Glück.“

Die Serie erzählt von einer einst reichen, dann verarmten Familie, die dorthin ziehen muss, wo sie noch

Besitz hat: in ein Motel nach Schitt’s Creek. Die exzentrische Großstadtfamilie Rose muss sich fortan

mit Rednecks und Dorfturbulenzen rumschlagen. Schreiend komisch! *rä


meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria FEBRUAR 2022

Alle neuen Infos im Newsletter unter

www.mcruise.de/newsletter


MUSIK

INTERVIEW

MARCELLA

ROCKEFELLER

Seit über zehn Jahren ist Marcella in

der Szene und auch in den Medien

eine feste Größe. Was sie so besonders

macht, ist, dass sie eine Sängerin ist. Wir

sprachen mit La Rockefeller über ihr erstes

Album, Céline Dion, Rosenstolz und Drag.

Ein großer Einfluss war Rosenstolz.

Ja, ich fand das schon immer extrem

verblüffend, wie diese Texte mein Leben

repräsentiert haben. Zum Beispiel „Wenn

Du jetzt aufgibst“, was habe ich dieses

Lied nächtelang gehört, weil ich dachte,

es geht nicht mehr! Aber die Botschaft

ist: Du hast schon einen Riesenberg hinter

dir, du schaffst es. Diese Ehrlichkeit der

Texte!

Ein gutes Stichwort. Ist Ehrlichkeit

in der Musik wichtiger als Glamour

und Show?

Nun, ich sage mal so: Showbusiness ist

eben Show. Aber ich bin einfach eine

sensible Seele, die sehr viel Wert darauf

legt, dass Texte etwas ausdrücken, womit

man sich identifizieren kann. Oft hatte

ich etwas „Angst“, Stars kennenzulernen,

weil sich mitunter rausstellte, dass die gar

nicht so cool sind, dass da mehr Show

als Sein war … Und bei Peter und Ulf (von

Rosenstolz, Anm. d. Red.) ist das genau

das Gegenteil, da steht SO viel mehr

hinter der Musik.

Glaubst du, dass deine perfekte

Optik deiner „handgemachten“

Musik im Weg steht? Oder dass du

eine Dragqueen bist?

Ich mache mir aus der Erscheinung

überhaupt nichts. Aber ich habe

schon vor zwölf Jahren gemerkt, dass

Marcella ein viel größeres Sprachrohr

für mich ist, als wenn ich als Marcel

stehe und singe. Ich habe diesen Weg

und dass ich dieses Album machen

konnte, Marcella zu verdanken! Wenn

eine Dragqueen singt oder auf der Bühne

steht, dann schauen die Leute … Es ist

einfach schön, bei jungen Leuten, bei

Kindern, dieses Leuchten in den Augen

zu sehen. Ich bin es aber auch gewohnt,

von manchen Menschen Abneigung zu

erfahren. Authentischer als Marcella

kann ich nicht sein.

Glaubst du, es ist heute einfacher als

vor zehn Jahren, als Dragqueen ernst

genommen zu werden?

Ich muss sagen, dass ich selbst immer

wieder überrascht bin, wie ernst ich

genommen werde. Aber dafür kämpft

man ja als Musiker. Das macht mich

unendlich glücklich. Ich bin ja kein

Clown, der Stimmung macht! Meine

Musik ist auch nicht Drag-typisch, ich

breche die Erwartungen der Leute, die

Elektronisches oder Lady Gaga erwarten.

Ich mache melancholische Musik, aber

keine depressive …

Wie ist das Album entstanden?

Warst du in Drag?

Nein, ich habe die Lieder als ungeschminkter

Mann aufgenommen. (lacht)

Wobei, manchmal hatte ich tatsächlich


„Das hätten

noch 100

mehr werden

können“

MUSIK

eine Perücke auf, wenn wir danach noch

etwas gedreht haben. Entstanden ist

es mit Elias Kunz in Hannover, der zwar

etwas jünger als ich, aber auch eine

„alte Seele“ ist. Wir haben einige Songs

von Rosenstolz und von Peter Plates

Soloplatte überarbeitet. 2020 hatten wir

„Der größte Trick“ rausgebracht, eigentlich

war das nur ein Projekt, nachdem mich

Peter Plate zuvor auf Instagram mit

Sarah Connors „Vincent“ entdeckt hatte.

Dann kam „Der blaue Sonntag“ … Das hat

alles so Spaß gemacht, dass Peter mir

vorschlug, ein ganzes Album zu machen.

Wir hatten so viele Ideen … Das hätten

noch 100 Lieder mehr werden können.

Verzeih mir das Wort: „Verstellst“ du

deine Stimme beim Singen?

Alles gut, ich weiß, was du meinst. Heute

mache ich das nicht mehr. Tatsächlich

habe ich aber früher gedacht: „Ich muss

die Höhen von Céline Dion treffen, egal,

wie beschissen das nachher klingt.“ Ich

habe lange versucht, meine Stimme

zu verstellen, heute bin ich bei meiner

Stimme angekommen und fühle mich

sehr wohl so, wie ich singe.

Welches Lied sollte ein hektischer

Spotify-Hörer mal anhören, um

einen guten Eindruck vom Album zu

erhalten?

Hm, ich würde „Die Liebe kennt mich

nicht“ empfehlen, jeder hatte schon mal

das Gefühl, dass man an den Falschen

geraten ist, der es nicht gut mit einem

meint. Einfach eine wunderschöne

Nummer, und „Lass sie reden“, im Original

von Rosenstolz.

FOTOS: MIRKO PLENGEMEYER

Findest du deine Version besser?

Ich würde mich nie mit AnNa R. oder

Rosenstolz messen. Ich kann es nicht

vergleichen, ich möchte es auch nicht.

Meine Follower kennen die Lieder im

Original nicht, sie folgen mir, weil ich bin,

wie ich bin. Und ich freue mich, dass ich

einer neuen Generation die Message

von Rosenstolz, von Peter, AnNa und Ulf,

weitergeben kann.

Du bist ein sensibler Mensch. Ist

dann der Beruf im Showbusiness

eine Mutprobe?

Ich habe schon viel Schlimmes gelesen,

vor allem damals beim „Supertalent“, die

Kommentare kann man ja heute noch

lesen. Es ist mir eigentlich relativ egal.

Was mich damals getroffen hat, ist, dass

es meine Mutter getroffen hat, sie hatte

mich auf Facebook verteidigt … Ich habe

einen extrem festen und lieben Inner

Circle im Freundeskreis, auch Peter und

Ulf stehen voll und ganz hinter mir. Diese

Unterstützung stärkt. Aber ich war zwölf

Jahre lang Dragqueen, ich habe eine harte

Schule hinter mir! (lacht)

*Interview: Michael Rädel

www.facebook.com/

MarcellaRockefellerOfficial


MUSIK

NACHGEFRAGT

OWEN

FOTO: YUULA BENIVOLSKI

PALLETT

„Es ist so wichtig,

mit Fremden zu

reden“

Es hat lange gedauert, bis Owen

Palletts neustes Album „Island“

erscheinen konnte – der Vorgänger „In

Conflict“ stammt immerhin schon aus

dem Jahr 2014. Woran es lag? Zum Großteil

an ihm selbst.

Der Kanadier, der seine ersten Schritte

unter dem Namen Final Fantasy gemacht

hat und mittlerweile für seine Arbeit mit

Arcade Fire mit einem Grammy ausgezeichnet

wurde, hat einfach viel zu tun.

Ob Arrangements für Frank Ocean und

Christine and The Queens, Taylor Swift

oder die Pet Shop Boys oder die zahlreichen

Aufträge für Filmmusik. Es dauerte

einfach. „Dabei habe ich gar nicht hart

an dem Album arbeiten müssen, es kam

schnell zusammen. Sehr schnell. Es hat

sich nur lange hingezogen aufgrund all der

anderen Projekte.“ Selbst die Aufnahmen

mit dem London Contemporary Orchestra

in den Abbey Road Studios waren kein

Drama. „Das war ein symbiotisches

Verhältnis. Und es ist auch einfach meine

Aufgabe als Arrangeur, so zu schreiben,

dass man mich versteht.“

Zu seiner eigenen Überraschung setzt

Owen auf „Islands“ eine Geschichte fort,

die er mit seinem Solodebüt „Heartland“

2010 begonnen hat, und die von einem

Mann namens Lewis und seinem Ringen

mit einem Gott namens Owen handelt –

und die am Ende des neuen Albums dazu

führt, dass Lewis in den Weltraum gefickt

wird („Lewis Gets Fucked Into Space“

heißt dieses Lied dann auch bestechend

direkt). Erst als Owen mit dem Album

fast durch war, spürte er, wie gut er mit

diesen dunklen, intensiven Liedern Lewis’

Story fortsetzen konnte. „Ich hatte die

meisten Lyrics fertig, als mir auffiel, dass

es Sinn ergibt, wenn die Songs in sein

Narrativ eingepasst werden.“ Jetzt weiß

Owen auch, dass es irgendwann ein drittes

Album um diesen eigenartigen Charakter

geben wird, selbst wenn es unsicher ist,

wann es kommt. Bis dahin schwebt Lewis

einfach weiter im Weltraum umher.

Doch selbst so eine eigenartige Handlung

wie diese hat es schwer, mit unserer

Realität zu konkurrieren, denn es waren

auch für Owen Pallett sehr eigenartige

zwölf Monate. „Dabei hat sich mein

Leben weniger als das Leben anderer

Menschen geändert. Ich habe wie immer

zu Hause gearbeitet, mein Studio ist ja

auch hier. Irgendwo war es zwar schon

enttäuschend, nicht auf Tour zu sein –

andererseits war ich aber auch seit 2017

nicht mehr unterwegs.“ Was Owen am

meisten berührt, ist, wie sich die Pandemie

auf seine Freunde, Familie und Liebhaber

auswirkt: „Sie sind so gestresst, so einsam.“

Owen selbst fehlt es vor allem, neue

Menschen zu treffen. „Es ist so wichtig,

mit Fremden zu reden, für dich, für dein

Gehirn. Bei mir in Toronto begegne ich

normalerweise immer neuen Leuten.“

Inwieweit sich das alles auch auf ihn

auswirkt, kann er kaum sagen, er weiß nur,

dass er in diesen Monaten nichts Neues

geschrieben hat, „ich fühlte mich nicht

so. Aber ich habe Aufträge gesucht und

viele gefunden.“ Doch vor allem hat er die

Zeit genutzt, um an seinem Instrument

zu üben, der Violine. „Ich bin richtig gut

geworden!“, sagt er, obwohl er sie bereits

seit dem dritten Lebensjahr spielt und

am Anfang seiner Karriere gerade für sein

Geigen berühmt wurde. Doch jetzt habe er

ein ganz neues Niveau erreicht, berichtet

er stolz. „Wenn ich wieder auf der Bühne

bin, werde ich richtig spektakulär sein.

Diese Wochen waren wie musikalische

Push-ups für mich. Allerdings“, lacht er,

„habe ich dafür keine echten gemacht.

Ich bin in einer schlechteren körperlichen

Verfassung als jemals zuvor in meinem

Leben!“ Und er klingt dabei nicht, als würde

ihm das Sorgen bereiten. *fis


MUSIK

TIPP

Ungewöhnlich:

Charlotte Cardin

Hier ist es also, das Debütalbum der kanadischen Sängerin:

„Phoenix“. Für sie sei das stimmige Werk eine Befreiung

gewesen, „und wenn andere sich damit ebenfalls von Druck

und Erwartungen befreien können“, habe es seinen Zweck

erfüllt. Ganz wunderbarer Pop mit Kanten, Ecken und

Melodien einer großen

Singer-Songwriterin mit

starker und wandlungsfähiger

Stimme. Unsere

Anspieltipps sind

„XOXO“, „Meaningless“

sowie „Je quitte“ und

„Passive Aggressive“. *rä

JAZZ

ERIK LEUTHÄUSER:

„Gegen jede Art von

Depression hilft ja

bekanntlich Lachen“

Der queere Sänger ist einer DER Geheimtipps der Jazz-

Welt. Sein kommendes Album nimmt sich des Œuvre

eines weniger bekannten US-Songwriters an: Kent

Carlson.

Über sein neues Album „In The Land of Kent Carlson“

verrät der Künstler: „Kents Song-Lyrics erinnern mich

manchmal an die Direktheit und den Witz eines Dave

Frishberg oder Bob Dorough.“ In der Tat: Doppeldeutige

oder ungewöhnliche Geschichten scheinen in den Texten

immer durch. Etwa bei „The Obsessing-on-my-Baby

Blues“, darüber verrät Erik Leuthäuser: „Er erzählt von

einer Zeit, in der man die besessene Verrücktheit nach

einer Person noch durchaus poetisch als Krankheit

bezeichnen konnte, die einem den ,Blues‘ gibt. Aber

gegen jede Art von Depression hilft ja bekanntlich

Lachen. Und lachen musste ich zahlreich beim Lernen

dieses fast schon absurden Textes.“ „Alle Songs von Kent

haben die Zeitlosigkeit von Jazzstandards gemischt mit

tollen authentischen Texten. Bei ,You Never Have to Say

(I Love You)‘ speziell schätze ich sehr die Message: Liebe

braucht keine vielen Worte. Love is action!“ Das Album,

übrigens eingespielt

mit dem Pianisten

Wolfgang Köhler, soll

am 11. Juni erscheinen.

*rä

www.facebook.com/

erikleuthaeuserpage,

erik-leuthaeuser.de

IM NAMEN DER LIEBE TOUR 2022

MIT

NEUEN HITS

UND

GROSSEN

KLASSIKERN

NACHHOLTERMIN

22.04. NÜRNBERG

26.04. MÜNCHEN

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29.04. BERLIN

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DAS NEUE ALBUM „IM NAMEN DER LIEBE“ JETZT ÜBERALL!

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09.05. DRESDEN

11.05. LEIPZIG

12.05. HANNOVER

13.05. HAMBURG

15.05. BOCHUM


MUSIK

INTERVIEW

JENDRIK:

Auf einmal ist er da: Jendrik Sigwart,

26 Jahre alt, Hamburger und von

Beruf Musicaldarsteller, war ein komplett

unbeschriebenes Blatt, als er im Februar

von der zuständigen Jury zum deutschen

Teilnehmer am diesjährigen Eurovision

Song Contest am 22. Mai in Rotterdam

auserkoren wurde. Sein federleicht

klingender Popsong „I Don’t Feel Hate“

geht ohne Umwege in die Ohren, hat eine

sinnvolle Botschaft und eine Ukulele. Aber

wer ist dieser Typ überhaupt? Am Telefon

erlebten wir einen aufgeweckten, quirligen

und komplett sympathischen Jendrik.

Der Name Jendrik ist ziemlich

ungewöhnlich. Gibt es dazu eine

Geschichte?

Es ist einfach so, dass meine Eltern Namen

mögen, die ein bisschen besonders sind.

Oder sie haben herkömmlichere Namen

genommen und einfach einen Buchstaben

ausgetauscht. So wie bei mir. Oder bei

meinem älteren Bruder Marten. Tatsächlich

habe ich in meinem gesamten Leben

bisher nur einen einzigen anderen Jendrik

kennengelernt.

Wie viele Geschwister hast du?

Vier. Die fiebern jetzt natürlich alle mit

mir mit. Aber ich bin definitiv der einzige

richtige Mega-ESC-Fan in der Familie.

Wie sehr bestimmt die Teilnahme am

Eurovision Song Contest momentan

dein Leben?

Tatsächlich ist mein Leben aktuell noch

recht entspannt. Vorhin hatte ich sogar

noch Zeit zum Playstation-Spielen.

Was hast du gespielt?

„Dead by Daylight“. Das ist ein Horrorspiel,

das man online mit mehreren Leuten spielt.

So eine Art virtuelles Versteckspiel. Mir

macht das sehr viel Spaß, obwohl ich mir

Horrorfilme absolut nicht angucken kann.

Warum das nicht?

Weil ich vor ihnen Angst habe. (lacht) Ich

bin sehr schreckhaft, und einmal musste

ich während eines Gruselfilms im Kino laut

schreien. Ich konnte es nicht unterdrücken

und habe mich ein bisschen geschämt.

Obwohl du keine Horrorfilme guckst,

hast du dir also doch einen angeschaut.

Zwei Freunde und ich. Wir sind immer zu

einer ganz bestimmten Uhrzeit ins Kino

gegangen und haben dann grundsätzlich

den Film ausgesucht, der als Nächstes lief.

Warst du beliebt in der Schule?

Innerhalb unserer Klasse war ich einer von

den „coolen“ Kids, aber nach außen galten

wir komplett als die Loser- und Opferklasse.

Also ja und nein. Ich selbst war auch beides:

der Mobber und der Gemobbte.

Die Aussage deines ESC-Songs ist ja,

dass du auf Hass nicht mit Gegenhass,

sondern mit Gelassenheit und

Mitleid reagierst. Erinnerst du dich,

wann und warum du dieses Lied

geschrieben hast?

Als wäre es gestern gewesen! Das war im

Frühsommer 2019, nachdem mich eine

andere Person respektlos und von oben

herab behandelt hat. Ich dachte „Was

bist du für ein übler Mensch“, aber dann

beschloss ich, eben nicht aggressiv auf

diesen Angriff zu reagieren. Denn dadurch

lernt die oder der andere nichts. Stattdessen

habe ich der Person ganz ruhig gesagt,

dass ich ihr Verhalten respektlos finde.

Daraus ist dieser Song entstanden.

Funktioniert dieses Konzept?

Sehr häufig ja. Wobei es, grob gesagt, zwei

Arten von Anfeindungen gibt: Auf oberflächliche

Sprüche wie „Deine Frisur finde

ich scheiße“ reagiere ich überhaupt nicht.

So was ist mir echt egal, denn ich mag

meine Frisur ja. Bei wirklich diskriminierenden

Beleidigungen, bei Homophobie oder

Rassismus sollte man aber etwas sagen.

Man sollte dem anderen klarmachen, dass

das, was er sagt, absolut falsch ist. Diesen

Weg versuche ich in dem Song aufzuzeigen.

Auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Klar. Ich habe „I Don’t Feel Hate“ ja auch

geschrieben, um gute Laune zu verbreiten

und negative Gefühle in etwas Positives zu

verwandeln.

Hast du persönlich Erfahrungen mit

Diskriminierung gemacht?

Natürlich. In letzter Zeit vor allem online.

Kommentare wie „Du Schwuchtel“ gibt es

immer wieder. Ich reagiere sachlich darauf

und antworte: „Das verletzt mich.“

*Interview: Steffen Rüth

Das ganze Interview findet ihr auf

männer.media. Mehr Features dieser Art

gibt es auf Instagram/blumediengruppe.


www.männer.media

immer aktuell

informiert


MUSIK

FOTO: WARNER MUSIC

NACHGEFRAGT

MARINA

Zoom-Interview mit Katze

Marina Diamandis plagen gleich

mehrere Allergien. Dauernd muss

sie niesen und schniefen, sie unterbricht

sogar kurzfristig das Gespräch, um sich

neue Taschentücher zu holen. Weil sie

nicht in Bestform ist, möchte die Sängerin

während des Zoom-Interviews die Kamera

lieber ausgeschaltet lassen.

Auch ohne Bildübertragung kriegt man

allerdings einiges von ihrem Leben in Los

Angeles mit. Eigentlich wollte sie dort

lediglich ihr fünftes Album „Ancient Dreams

in a Modern Land“ aufnehmen und dann

wieder nach London zurückkehren, doch

während des ersten Lockdowns beschloss

die Waliserin, ganz nach Kalifornien zu

ziehen. Mit ihrer schwarzen Katze, die sich

lautstark bemerkbar macht, nachdem sie

aufgewacht ist. Daran ist die 35-Jährige

gewöhnt, somit bringt sie das Miauen nicht

gleich aus der Fassung. Sie redet völlig

gelassen weiter über das Konzept ihres

jüngsten Langspielers. Im Grunde sei er in

zwei Teile geteilt, sagt sie: „Die erste Hälfte

fokussiert sich mehr auf das Sozialkritische,

dann kommen die Trennungssongs.“

Zu ihnen zählt zum Beispiel „I Love You,

But I Love Me More“. Mit diesem Lied

verabschiedet sich Marina, die ihren

Künstlernamen Marina and the Diamonds

schon mit ihrer letzten Platte „Love + Fear“

abgelegt hat, endgültig von ihrem Exfreund.

Es knüpft musikalisch zweifellos mit seinem

eingängigen Indie-Pop an das Debüt

„The Family Jewels“ an – was im Übrigen für

die meisten Nummern gilt. Eine bewusste

Entscheidung sei das aber nicht gewesen,

hält Marina dagegen: „Wahrscheinlich stellt

sich dieser Sound einfach ein, wenn ich

alleine schreibe.“

So entstanden Ohrwürmer wie „Purge

the Poison“. In dieser Powerpop-

Nummer bringt Marina allerlei Themen

von Rassismus über Frauenhass, #MeToo,

Quarantäne und Mutter Natur bis zu

Menschlichkeit aufs Tableau. „Es hat 91

Botschaften“, witzelt sie. „Im Ernst: Dieser

Track entstand zu Beginn der Pandemie,

also in einer äußerst verwirrenden Zeit.

Mein Ziel war es, Schnappschüsse des 21.

Jahrhunderts einzufangen.“ Mal erinnert

sie daran, wie sich Britney Spears 2007 ihre

Haare abrasiert hat. Mal beschwört sie den

Harvey-Weinstein-Missbrauchsskandal

herauf: „Letztlich wirft dieser Song die Frage

auf: Was ist eigentlich Weiblichkeit?“

Die Bedürfnisse der Frauen treiben

Marina auch in dem Stück „Man‘s World“,

für dessen Produktion sie sich ein rein

weibliches Team zur Seite stellte, um. Da

spricht sie mit der Zeile „I don‘t wanna live

in a man‘s world anymore“ Klartext. „Ich

kämpfe jeden Tag gegen das Patriarchat“,

erklärt sie. „Meiner Ansicht nach profitieren

Männer von Gleichberechtigung nicht

weniger als wir Frauen.“ Ginge es nach ihr,

dann dürfte sich niemand über andere

erheben. Insbesondere die Diskriminierung

von Minderheiten wie LGBTIQ*-Bewegung

geht ihr gegen den Strich. Nicht umsonst

spielt sie in „Man‘s World“ auf einen Sultan

an, der in seinem Land die Todesstrafe für

Homosexuelle eingeführt hat. Gemeint

ist Hassanal Bolkiah, ihm gehört das

„Beverly Hills Hotel“ in Los Angeles. „Wie

kann jemand auf der einen Seite ein

wunderschönes Hotel besitzen, das bei

der queeren Community extrem angesagt

ist und auf der anderen Seite homophob

sein“, empört sich Marina. „Ich habe gehört,

dass dieser Mann in seiner Heimat Schwule

zu Tode steinigen lässt.“ Nicht nur für die

Künstlerin ist das ein Verstoß gegen die

Menschenrechte: „Keiner sollte aufgrund

seiner Sexualität verurteilt werden.“

*Dagmar Leischow


POP

Lana Del Rey

Seit etwa zehn Jahren lässt die Sängerin uns

melancholisch werden – und das auch noch

genießen. Unlängst erschien ihr neues Album:

„Chemtrails over the Country Club“, das einmal

mehr chillen und träumen lässt. „Vielleicht war ich

mit meiner Geschichte und meinen Erlebnissen,

die ich in die Songs einfließen ließ, zu ehrlich? Komplexität im Pop ist immer noch verwirrend

für manche Menschen. Ich habe tatsächlich aus meinem Leben berichtet, und

nicht nur nichtssagende, freundliche Sommerliedchen geträllert.“ Vertonte Sehnsucht,

großer Pop. Lana Del Rey (geboren am 21. Juni 1985) haucht, singt und flüstert und

macht auch ihr siebtes Studioalbum „Chemtrails over the Country Club“ – erhältlich als

CD, Kassette, Download und auf Vinyl – zum großen Wurf. *rä

COMEBACK

KLEE trotz alledem

Das Kölner Pop-Duo KLEE meldet sich zurück!

2021 starten Suzie und Sten mit neuen Hits und

dem Album „TROTZALLEDEM“ wieder durch.

Gerade jetzt in der Pandemie machen sie Mut

und lenken ab von den alltäglich gewordenen

(Corona-)Hiobsbotschaften aus aller Welt.

Über KLEE: 2002 begann die Karriere der Band mit dem Klub-Hit „Erinner dich“,

einem melancholischen Rückblick auf eine Beziehung, umschmeichelt von sanften

Elektrobeats. 2005 gelang KLEE dann mit dem poppigen „Gold“ der erste richtige

Hit und 2008 mit „Zwei Herzen“ aus dem Album „Berge versetzen“ dann der bisher

größte Wurf in Sachen Vielfalt. 2011 folgte das bis dato erfolgreichste Album „Aus

lauter Liebe“. Musiziert hat die Band bereits schon ab 1997, damals nannte man sich

aber noch Ralley. 2015 erschien ihr letztes Album „Hello Again“ – Platz 23 war für die

neuinterpretierten Schlager drin. Unsere Anspieltipps auf „TROTZALLEDEM“ sind

„Kopfüber“, „Glitzer drauf“ und „Septembernebel“. *rä

www.kleemusik.de

EURODANCE

Retro-Freuden

auf Platte

In den 1990ern gab es unzählige Musikprojekte,

die mit wechselnden Sängerinnen sowie von Techno,

Trance und House inspirierten Beats und nicht mehr

als vier Sätzen pro Lied weltweit Hits landeten.

Nicht alle waren schlecht.

Zu den Guten gehört zum Beispiel Odyssey (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen

Soul-Disco-Formation). Dieses deutsche Eurodance-Projekt landete zwischen

1993 und 1998 diverse Hits und veröffentlichte zwei Alben – das eine gibt es jetzt

erstmals auf Vinyl: „Love Train“. Unsere Anspieltipps sind die Chart-Erfolge „Move

Your Body“, „Into The Light“ und „Riding on a Train“. Mit involviert bei Odyssey waren

unter anderem DJs wie Quicksilver und Projekte wie U.S.U.R.A., gesungen hat immer

die großartige Lisa Cash, die auch heute noch Erfolg hat – etwa mit und bei Nina

Hagen, den Brothers Keepers/Sisters Keepers oder Samy Deluxe. *rä

www.maschinarecords.com

CD, 2xLP & DIGITAL

“Unter all den großen

Werken, die uns Pallett in

den letzten anderthalb

Jahrzehnten geschenkt

hat, ist dies das größte,

berührendste - und

das verstörendste.“

ROLLING STONE GERMANY

JULY 2020


KUNST

FOTOGRAFIE

MÄNNER

AUS STOCKHOLM

Der Fotograf Jonas Norén war gerade einmal vier

Jahre alt, als er das erste Mal eine Kamera in den

Händen hielt.

Mittlerweile ist der Skandinavier einer der ganz

Populären in der queeren und homoerotischen

Fotografenszene. Wir haben einige seiner besten

Bilder für dich versammelt. „Ich finde meine Models

im Fitnessstudio, auf Facebook und auf Instagram.

Und manchmal finden sie mich ...“, verriet uns

Jonas Norén im Chat. Wer von dem schwedischen

Künstler abgelichtet werden will, der kann sich via

Social Media bei ihm melden. Vor Kurzem erschien

auch ein Buch von Jonas Norén (wir berichteten):

„Human Behind the Penis“. Schwule Kunst, die

durch das Können des Machers und ihre innewohnende

Erotik überzeugt. *rä

www.jonasnoren.se,

www.facebook.com/jonasnoren.se,

www.instagram.com/jonasnoren.se,

mehr Features dieser Art auf instagram.com/

blumediengruppe


MALEREI

ROSS

WATSON

Oft widmete sich der australische

Künstler Ross Watson der malerischen

Neuinterpretation von Stilen

und Werken alter Meister, momentan

erfreut er mit nackten Ansichten

und Uniformen.

KUNST

Unbekleidete Trainierte neben den

Wachen der Königshäuser! Das mag

den einen oder anderen sicher vor

den Kopf stoßen, schafft aber auch

eine Intensität, die sonst selten so

schnell beim Betrachter hervorgerufen

wird. Denn so verbindet sich

der erotische Muskelmann mit dem

ehrwürdigen Traditionellen, was ja

auch schon fast wieder etwas Sakrales

hat. Der 1962 geborene australische

Maler Ross Watson stellte

schon erfolgreich in London, Berlin

und Los Angeles aus und nahm an

Gruppenausstellungen zeitgenössischer

internationaler Künstler in

der australischen Nationalgalerie

und auf der Kunstmesse Toronto

teil. Weltstar Sir Ian McKellen ist Fan

und unser aller Piano-Meister Sir

Elton John hat auch schon Watsons

Kunst gekauft. *rä

www.rosswatson.com,

mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe

3DVD

mit beiden

Halbfinals und

Finale

ab 25. Juni

erhältlich!

Album

mit allen

Teilnehmersongs

ab sofort als

2CD und

Download

erhältlich!

www.eurovision.tv · www.universal-music.de/eurovisionsongcontest


BUCH

ROMAN

Noch immer erleben Trans* Gewalt, werden umgebracht, verjagt, verspottet

und zur Prostitution gezwungen. Harter Tobak, thematisiert in

einem wunderbaren Buch.

Die 1982 in Argentinien geborene Autorin und Schauspielerin Camila Sosa Villada

erzählt in ihrem unlängst beim Berliner Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „Im

Park der prächtigen Schwestern“ (im Original erschienen als „Las Malas (Tusquets

Editores, Planeta de Libros, Buenos Aires“) vom Zusammenhalt und dem Leid

einer Gruppe von Trans*-Prostituierten in einem Park in Córdoba, der nachts „zur

Wildnis“ wird. Hierher, in den Sarmiento, verschlägt es die junge Camila, als sie vor

familiärem Hass in die angebliche Anonymität der Stadt flüchten muss ... Hier

erlebt sie Fürsorge, Freundschaft und Akzeptanz. Sie alle wollen keine Opfer sein,

sie wollen leben. *rä

KINDER

ELIAS

LIEBT EINEN MÄRCHENPRINZEN

Gleichgeschlechtliche Liebe

kommt in den allermeisten

Geschichten nicht, kaum oder

nur am Rand vor. Schön, dass es

Bücher wie diese gibt: „Elias und

die Märchenrevolution“ und „Elias

und die Konferenz der Gefühle“.

Beide Bücher stammen aus der

Feder des in Bayern geborenen

Wahl-Wieners Harald Buresch,

der als Musical-Darsteller

tätig war und jetzt hinter den

Bühnenkulissen in der Kinder- und

Jugendpädagogik wirkt. Und

eben als Buchautor in diesen

belastenden Zeiten von Krisen-,

Pandemie- und Internet-Hass-

News ganz wunderbar ablenkt.

„ELIAS, ein moderner Held in Märchengeschichten,

die Klein und

Groß gleichermaßen begeistern.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte

zwischen ELIAS und dem

Märchenprinzen sowie viel Humor

machen die ELIAS-Bücher zu

etwas ganz Besonderem“, verrät

uns der Autor via E-Mail.

„Die altbekannten Märchen von

Rotkäppchen bis Aschenputtel

haben ausgedient: Kinder von

heute interessieren sich nicht

mehr für sie. Es herrscht Welt-

Märchen-Krise! Elias gibt ihnen

neue Botschaften und verhilft

den märchenhaften Held*innen

zu einem modernen und

zeitgemäßen Neuanfang“, so der

Wiener Queer. In seinen Büchern

treffen wir auch alte Bekannte,

doch Queerness scheint in dieser

Märchenwelt keine neue Erscheinung:

„Selbst Rotkäppchens

** Großmutter hat darüber die

ein oder andere Story parat“, so

Harald Buresch. *rä

www.maerchenheld.com

** Es gibt viel ältere Versionen als die der

Gebrüder Grimm. Nicht in allen hilft ein Jäger,

mitunter befreit sich Rotkäppchen selbst. Immer

schwingt aber mit, dass sich Mädchen nicht

auf fremde Männer einlassen, „nicht vom Weg

abkommen“ sollen.


DATES. FREUNDE. LIEBE.

Willkommen bei ROMEO, dem offensten Netzwerk weltweit für Schwule, Bi-Männer

und Transgender. Lade die App herunter oder logge dich in unsere Webseite ein.

app.planetromeo.com


BUCH

BILDBAND

ZWANZIG NACKEDEIS

IN DER NATUR

Und im Pool! Diese Jungs hatten dabei viel Spaß – und lassen dich dank

Salzgeber an ihren Erinnerungen teilhaben.

Die Macher der Vollerotikseite CockyBoys, Jake Jaxson und RJ Sebastian,

veröffentlichten gerade zusammen mit Salzgeber diesen äußerst

erotischen, aber nicht peinlichen, Bildband. „SUMMER BOYS“ bietet auf 160

Seiten farbenfrohe, schwule und vom Sommer geküsste Fotografie(-Erotik)

in Buchform. Entstanden seien diese Bilder in einem Camp im Wald samt

Ferienhütte und Pool ... Dort war der Sommer dann doch schöner als in

den überhitzten deutschen Großstädten mit zu wenigen Straßenbäumen,

oder? Zwanzig Models der Vollerotik-Seite CockyBoys waren dabei, hundert

Fotografien sind herausgekommen. Schwul! *rä

FOTOS: SALZGEBER


Alle 11 Minuten

1)

verliebt sich ein

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