11.02.2022 Aufrufe

ocean7 2/2022

Schön klug. Das erfinderische Genie der Hollywood-Diva Hedy Lamarr. Sailswoman. Coach Hildegard Etz über die großen Fähigkeiten und kleinen Ängste der Frauen an Bord. Blue Water Womans Challenge. Der österreichische Segelverein von Frauen für Frauen. Miles & Meer. Von Andalusien nach Sardinien – 1.000 Meilen unter Segel mit Skipper und Blogger Markus Silbergasser. Gefangen im Taifun. Weltumsegler Wolfgang Hausner im Kampf gegen den Supertaifun Rai. Modern lernen. Mit Blue-2 und In2TheBlue aktiv und interaktiv zum Skipperschein. Silent Yachts. Die Erfolgsgeschichte der österreichischen Solar-Katamarane – jetzt auch mit Kite-Antrieb. Jeanneau. Schöne Aussichten: die neue Sun Odyssey 380 mit cleverem Walkaround-Konzept, drei Kielvarianten und hohem Wohlfühl-Faktor. Kaufcharter. Maßgeschneiderte Modelle sind mehr denn je das Um und Auf für zufriedene Kunden, so der Experte Albert Grassl von Trend Travel & Yachting. Project Manaia. So gelingt Recycling von gesammeltem Plastikmüll an Bord. Blaue Flotte. Meeresbiologe Dr. Reinhard Kikinger über die Lebensformen entlang der maritimen Wasserlinie.

Schön klug. Das erfinderische Genie der Hollywood-Diva Hedy Lamarr.
Sailswoman. Coach Hildegard Etz über die großen Fähigkeiten und kleinen Ängste der Frauen an Bord.
Blue Water Womans Challenge. Der österreichische Segelverein von Frauen für Frauen.
Miles & Meer. Von Andalusien nach Sardinien – 1.000 Meilen unter Segel mit Skipper und Blogger Markus Silbergasser.
Gefangen im Taifun. Weltumsegler Wolfgang Hausner im Kampf gegen den Supertaifun Rai.
Modern lernen. Mit Blue-2 und In2TheBlue aktiv und interaktiv zum Skipperschein.
Silent Yachts. Die Erfolgsgeschichte der österreichischen Solar-Katamarane – jetzt auch mit Kite-Antrieb.
Jeanneau. Schöne Aussichten: die neue Sun Odyssey 380 mit cleverem Walkaround-Konzept, drei Kielvarianten und hohem Wohlfühl-Faktor.
Kaufcharter. Maßgeschneiderte Modelle sind mehr denn je das Um und Auf für zufriedene Kunden, so der Experte Albert Grassl von Trend Travel & Yachting.
Project Manaia. So gelingt Recycling von gesammeltem Plastikmüll an Bord.
Blaue Flotte. Meeresbiologe Dr. Reinhard Kikinger über die Lebensformen entlang der maritimen Wasserlinie.

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YACHTING, REISEN UND MEER

2/2022 März/April

www.ocean7.at

AUF WIND

Wachsende Verkaufszahlen, größere Werften, neue

Modelle: SILENT YACHTS mit Sitz in Kärnten ist mit

seinen rein solarbetriebenen Luxuskatamaranen

auf international beachtenswertem Erfolgskurs, der

vom Bestseller Silent 60 nun auch beflügelt wird.

1.008 MEILEN

Schön Meter

machen

Flott von Andalusien

nach Sardinien.

COACHING

Keine halben

Sachen

Hildegard Etz über

Frauen am Ruder.

SUN ODYSSEY 380

Barrierefrei

segeln

Mit Walkaround-Deck

und Schwenkkiel.

Mit News der österreichischen

Verbände YCA und MSVÖ


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Editorial

Step by step

Erotik-Filmstar und Erfinder-Genie Hedy Lamarr.

Männer sind Draufgänger, Frauen sind Strateginnen. Das ist wohl der Grund dafür, dass sie ihre Ziele

meist sicher erreicht, während er den direkten Kurs sucht und dabei das eine oder andere Risiko in

Kauf nimmt. Bei wem würden Sie an Bord gehen?

Ein schillerndes Beispiel dafür

ist die in Wien geborene Hollywood-Diva

Hedy Lamarr

(1914–2000). Mit für damalige Verhältnisse

skandalösen Nacktszenen

erleuchtete sie die Kinosäle und

wurde als Sexbombe berühmt, kam

aber im Privatleben über die Rolle

der schönen Ehefrau nicht hinaus.

Welch kluger Geist jedoch in der

Ingenieurstochter steckte, ist den

wenigsten Menschen bekannt. Die

stets neugierige und jahrelang forschende

Autodidaktin erfand im

Rahmen der Wirren des Zweiten

Weltkriegs das „Frequency Hopping“.

Ein Funksystem, das die

Torpedos der US-Kriegsschiffe in

den Seeschlachten auf dem Atlantik

sicher ins Ziel führen sollte.

Was Hedy 1941 patentieren ließ,

ist heute Grundlage für Datenverund

-entschlüsselung bis hin zur

Übermittlung von GPS-Daten –

aber lesen Sie selbst ab Seite 26.

Keine Seeschlachten, aber doch

die eine oder andere Regatta zu gewinnen

ist das gesteckte Ziel der

Mitglieder der Blue Water Womens

Challenge. Der Verein mit Sitz in

Bruck an der Leitha wurde vor

21 Jahren gegründet, um Frauen

Mut zu machen, es mal mit dem

Segeln zu probieren, und um sich

untereinander besser zu vernetzen.

Die Aktivitäten der aktuell rund

70 Seglerinnen können sich sehen

lassen, gemeinsames Segeln (von

der Anfängerin bis zur Profi skipperin)

steht natürlich ganz oben

auf der Charta. Interesse? In Wien

und Graz werden regelmäßig

Stammtische organisiert – aber

lesen Sie selbst ab Seite 36.

Lehrjahre sind bekanntlich keine

Herrenjahre, Frauen benötigen

aber in der Segelschule sailswoman

von Coach Hildegard Etz oft nur

Tage bis Wochen an Bord, um die

Kunst des Segelns vom einfachen

Crew-Mitglied bis zur versierten

Schiffsführerin zu erlernen.

„Frauen lernen step by step –

kein Schritt wird übersprungen“,

weiß die Profiskipperin.

Danach steht dem Erwerb eines

Schiffsführerpatents nichts mehr

im Wege. Beim YCA zum Beispiel,

mit 2.500 Mitgliedern (17 %

Frauen) der größte Yachtclub

Österreichs. Die Prüfung kann

sie sich professionell vom MSVÖ

abnehmen lassen – bisher sind

13,5 % aller Skipperscheinbesitzer

Frauen.

Sie sind diese Wege bereits gegangen

und haben den FB2 oder

FB3 bereits in der Tasche? Gratuliere

herzlich, bei Ihnen würde ich

ohne Bedenken als Crewmitglied

anheuern!

FOTO: UDO REICHMANN

TAHSIN ÖZEN

Journalist, Segler und

Liebhaber aller Reviere

und Yachten, Skipper,

Chefredakteur.

redaktion@ocean7.at

2/2022 3


WELTPREMIERE 2022

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ILLUSTRATION: INGA BEITZ, WWW.INGABEITZ.JIMDO.COM

2/2022 5


Inhalt 2/2022

LANGSTRECKE. Unser Mittelmeerexperte Markus Silbergasser 18segelte in drei Wochen von Andalusien bis nach Sardinien.

FOTOS: MARKUS SILBERGASSER (O.), BWWC (L.), GILLES MARTIN-RAGET (R.)

ab 26

UNSER FRAUEN-SPECIAL. Mit der genialen Schauspielerin Hedy Lamarr, eigenen

Segelkursen für Skipperinnen und einem Segelclub für Frauen.

70

DIE KUNST DER VERKLEINERUNG. Lässt sich ein 14-Meter-Konzept auch auf

11 Metern umsetzen? Die Jeanneau Sun Odyssey 380 sagt: „Ja!“


Mit News der österreichischen

Verbände YCA und MSVÖ

Rubrik

8 SCHAUFENSTER

Racen und Rasten in der Scuderia 65.

57 IMPRESSUM

Kolumnen

10 BOBBY SCHENK

Von der sicheren Halse bei

Blauwasserfahrten.

16 OCEAN WOMAN

Die Seenomaden Doris und Wolf

segeln seit 30 Jahren um die Welt.

38 GOTTFRIED RIESER

Frauen übernehmen an Bord

immer öfter das Ruder. Gut so!

56 SKIPPER’S DIARIES

Der junge Pottwal Jonathan lernt

die Jagd kennen.

82 SAILING POETRY

Penelope sucht Odysseus und findet

dessen zahlreiche Liebhaberinnen.

Reisen

18 WESTLICHES MITTELMEER

Meilen suchen, Genuss finden: eine

Langfahrt von Andalusien nach

Sardinien.

40 PHILIPPINEN

Wie Weltumsegler Wolfgang Hausner

letzten Dezember den Supertaifun

Rai erlebte.

Features

24 CHARTER-CHARTS

Was, wo und wie Österreichs Skipper

am liebsten buchen.

26 DIE GENIALE GÖTTIN

Schön klug: das beeindruckende

Lebenswerk der Hedy Lamarr.

32 AUSBILDUNG ZUR SKIPPERIN

Frauen lernen anders –

auch das Segeln.

36 FRAUEN IM VERBAND

Bei der BWWC können Skipperinnen

ihre Freude am Segeln teilen.

46 RECYCLING AN BORD

So kann man mit einfachen Mitteln

Plastik müll aus dem Meer sammeln

und wiederverwerten.

50 GRENZGÄNGER DER MEERE

Welche Tiere und Pflanzen in den

Ozeanen in der Grenzschicht

zwischen Wasser und Luft leben.

58 KAUF-CHARTER

Die Auswirkungen der Pandemie

auf den Yacht- und Chartermarkt.

60 SKIPPER-AUSBILDUNG

Theorie und Praxis aus Meisterhand.

Yachten

64 SILENT 60

Testschlag mit dem neuesten Modell

der solarelektrischen Luxuskat-Flotte

mit Klagenfurter Wurzeln.

70 JEANNEAU SUN ODYSSEY 380

Große Features in der Klasse der

kleinen 11-Meter-Fahrtenyachten.

Im Verband

76 YACHT CLUB AUSTRIA

78 MOTORBOOTSPORT UND

SEEFAHRTS VERBAND ÖSTERREICH

YACHT-POOL

YACHT-POOL

Versicherungen

j j

46 46

Versicherungen

Jahre Jahre

j

Innovator

& &

Trendsetter

46

Pionier

der Allgefahrendeckung für

Yachteigner

Erfinder

Charterskipper

Erfinder

der Haftpflichtversicherung für

Jahre da kann auch kommen auch ko

was man man nicht will. nich

FOTO: ALBERTO COCHI

Österreichische Post AG | MZ 12Z039473 M | ocean7, Feschnigstraße 232, 9020 Klagenfurt

YACHTING, REISEN UND MEER

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AUF WIND

Wachsende Verkaufszahlen, größere Werften, neue

Modelle: SILENT YACHTS mit Sitz in Kärnten ist mit

seinen rein solarbetriebenen Luxuskatamaranen

auf international beachtenswertem Erfolgskurs, der

vom Bestseller Silent 60 nun auch beflügelt wird.

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Schaufenster

Schön

schnell

FOTO: MAX RANCHI

HARRY MIESBAUER

lernte als Kind das

Segeln am Traunsee

und ist heute Yachtdesigner

mit Sitz am

Comer See.

Der vom österreichischen Yacht-

Designer Harry Miesbauer

konstruierte 20-Meter-Racer

Scuderia 65 hat den prestigeträchtigen

A’ Design Award in der Kategorie

Yachten und Wasserfahrzeuge

gewonnen.

Das Besondere an der bei Adriasail

in Fano (nördlich von Ancona) gefertigten

Vollkarbon-Rennyacht ist, dass

sie ohne viel Aufwand in einen familienfreundlichen

Segler verwandelt werden

kann. Die geschlossene U- förmige

Kombüse an Backbord ist gut ausgestattet

und geräumig, und es gibt

drei Kabinen mit eigenen Duschräumen,

die aus leichtem Verbundwerkstoff

gefertigt sind. Teile des Komfort

schaffenden Interieurs wie z. B. die

Waschmaschine sind modular aufgebaut

und können für den Renneinsatz

leicht ausgebaut werden.

Dass sie aber auch eine Vollblut-

Sportlerin ist, bewies die Scuderia 65

in ihrem ersten vollen Wettbewerbsjahr

mit tollen Platzierungen: Bei

den vom Circolo Nautico Porto Santa

Margherita (CNSM) organisierten,

hart umkämpften lokalen Regatten

gewann das Boot zweimal den ersten

Platz und wurde einmal nur

von einer 76-Fuß-Yacht geschlagen.

Bei der Aegean 600 kam

sie als drittes Boot ins Ziel,

und bei der Barco lana

belegte sie unter 1.700

teilnehmenden Booten

den 14. Platz.

è www.hmyd.it

è www.adriasail.it

8 2/2022


FOTO: DEDE DE LUCA


In den Wind gesprochen

Das Kreuz mit der Wende Teil 2

In der letzten Ausgabe habe ich aufgrund einer Leseranfrage erörtert, dass der Segeleleve leider lernt, dass eine Wende

ungefährlich ist, nicht aber eine Halse. Richtig für den Anfänger in einer Jolle, falsch für den Dickschiff-Segler, denn

eine Einrumpf-Yacht sollte unfähig sein zu kentern.

FOTO: WIKIMEDIA COMMONS

BOBBY SCHENK

ist Weltumsegler,

Navigations-Experte

und Buchautor.

kolumne@ocean7.at

Der Großbaum ist per

Bullenstander fixiert,

ungewolltes Halsen

somit unmöglich.

Auf einer Hochseeyacht ist

die Halse für die Manschaft

sicher nicht so „gefährlich“

wie das Wenden. Wenn es sachkundig

durchgeführt wird. Dann ist es

auch für eine kleine Mannschaft, die

ja die meisten Weltumsegler sind,

ein völlig unaufgeregtes Manöver,

für das man sich Zeit lassen kann,

für das man nur in den seltensten

Fällen aufs Vorschiff muss, um der

umherflappenden Genua auf den

anderen Bug zu helfen. Das liegt

nicht nur an dem einige Windstärken

niedrigeren Wind und der

somit glatteren See, sondern auch

daran, dass die Yacht während des

ganzen Manövers stabile Fahrt

macht – ohne Stampfen und ohne

übertriebenes Rollen wie beim haltlosen

Wenden. Wer möchte denn

schon nach achtern, in den Wind

und in die aufgewühlte See eine

Wende fahren? Dann doch lieber

auf dem jetzigen Kurs bleiben und

eine gemütliche, absolut sichere

Halse durchziehen! Voraussetzung

hierfür ist lediglich, dass der Großbaum

immer(!) fixiert ist, also niemals

frei umherschlagen kann.

Dies kann kinderleicht mit einem

Bullenstander erreicht werden. Der

ist nichts anderes als ein Kälberstrick

(ich nenne ihn absichtlich so

despektierlich, um seine Einfachheit

aufzuzeigen), der von der Nock des

Großbaums zu einem festen Punkt

außen auf das Deck führt. Gesetzt

wird er ganz simpel, indem er an

Deck festgezurrt wird, um anschließend

die Großschot dicht zu holen.

So kann er kein Unheil mehr anrichten.

PROBLEM PATENTHALSE

Es ist zweckmäßig, aus Sicherheitsgründen

bei gesetztem Bullen schon

auf Raum-Kurs oder höchstens auf

etwas achterlichem als Raum-Kurs,

keinesfalls platt vorm Laken, das

Groß dicht zu holen, nach Möglichkeit

mittschiffs, und dann bei ruhiger

See anders als beim Gegenangehen

vergleichsweise gemütlich

„rund achtern“ zu segeln. Erst wenn

die Yacht anschließend wieder auf

Raum-Kurs geht, wird das Großsegel

je nach Wunsch-Kurs gefiert.

Interessant: In Deutschland ist es

zu einer gerichtlichen Verurteilung

gekommen, weil eine Segelschülerin

einen Schädelbruch erlitten hat, als

ein Schüler eine Halse hätte segeln

müssen und der Großbaum auf der

anderen Seite ein- und zugeschlagen

hat: „Grob fahrlässig vom

Schiffsführer“ urteilte der Richter.

Wäre nie passiert, wenn der Baum

mit Talje gesichert gewesen wäre.

Wahrscheinlich würde auch Frankreichs

großer Seeheld Éric Tabarly

noch leben, der in der Nacht wahrscheinlich

vom Großbaum über

Bord gewischt wurde. Der nicht

durch eine Talje (Bullenstander)

gesicherte Großbaum ist für die

Mehrzahl der Fälle „Mann über

Bord“ verantwortlich.

Wenn jetzt jemand meint, er würde

ja schon keine unbeabsichtigte

und damit gefährliche Patenthalse

bauen, dann stimmt das vielleicht,

wenn der Rudergänger durchwegs

auf Vorwindkursen den spürbaren

(relativen) Wind oder „Bordwind“

zum Beispiel durch Klicker oder

elektronischen Windanzeiger kontrolliert.

Bei Blauwasserfahrten jedoch

ist das Ruder fast immer einer

Selbststeueranlage überlassen, die

bei Winddrehungen aus dem Ruder

laufen kann. Genauso kann der

stützende Wind einschlafen, sodass

dann der Großbaum keinen Halt

mehr hat. Haben wir doch schon

oft gelesen: „… wurde ich durch ein

wildes Herumschlagen des Großbaums

geweckt“. Oder so ähnlich.

Bitte eine sichere Halse ruhig mal

ausprobieren! Wenn per Bullenstander

der Großbaum sicher fixiert ist,

dann ist Halsen auf einer Yacht ein

unaufgeregtes, sicheres und völlig

ungefährliches Manöver ohne

Stampfen und übermäßiges Rollen,

weil ja immer Fahrt im Schiff ist!

Einen Nachteil bringt die Halse

gegenüber der Wende: Die verlorene

Kabellänge macht bei einer Gesamtstrecke

über den Atlantik von

siebenundzwanzigtausend Kabellängen

natürlich unwahrscheinlich

viel aus, oder?

Für erfahrene Langfahrtsegler ist

dies dennoch nicht in den Wind

gesprochen!


10 2/2022


PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Lifestyle-Yachten live erleben

PROBE FAHREN. Seit letztem Jahr vertritt

Baotic Yachting die in Barcelona

beheimatete De Antonio-Werft in

Deutschland, Österreich, Kroatien und

Slowenien. Die Palette der stylischen

Motoryachten reicht von 28 bis 50 Fuß,

also vom Binnensee-Hüpfer bis zum

Offshore-tauglichen Weekender. Dank

der eigenen Marina Baotic in Seget

Donji kann der Importeur sogar einen

besonderen Service anbieten: Eine De

Antonio D42 Open steht in der Marina

für Testfahrten und Tagescharter bereit.

Alternativ lässt sich eine D28 Cruiser

auf dem Bodensee zur Probe fahren.

è www.baotic-yachting.de

De Antonio D42 Open.

Blaue Reise mit hohem Schutzfaktor.

Urlaub impfen

CHARTERN & COVID-19. Pantaenius

hat den Versicherungsschutz seiner Charterversicherungen

an das Risiko durch

Covid-19 angepasst. In Kraft tritt das Paket

sowohl bei Reiserücktritt als auch bei

Reiseabbruch. Erstattet werden bei Ausfall

eines oder mehrerer Crewmitglieder die

vertraglich geschuldeten Stornokosten für

Charter und An- und Abreise sowie bei

Abbruch der Reise die zusätzlich entstehenden

Rückreisekosten inklusive anteiliger

Charterkosten.

Gegen Aufpreis kann bei Abschluss

eines der Charterpakete ab sofort auch die

Zahlungsunfähigkeit der Agentur oder

des Vercharterers in der Reiserücktrittskostenversicherung

mitversichert werden.

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10.–18. Oktober 2022

Sei mit dabei bei und sammle Seemeilen bei unserem

Segelörn in Norwegen! An Bord einer 40-Fuß Delphia

starten wir in Tromsø und segeln inmitten wunder schöner

Inseln und unberührter Natur in den Norden.

Information und Buchung:

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1170 Wien

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www.fischerpanda.de


PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Passion seit 160 Jahren

SPORTBOOTHÄNDLER. Die in Aggsbach

an der Donau beheimatete traditionsreiche

Bootswerft Meyer

feiert heuer ihr 160-jähriges Firmenjubiläum!

War man anfangs noch mit

dem Bau von Holzzillen beschäftigt,

liegen heute die Schwerpunkte des

Familienbetriebs beim Handel und

Service von Sport booten. Zu den

Parademarken der Niederösterreicher

zählt Quicksilver, dessen

Axess-Reihe 2022 Premiere feiert.

Angeboten werden in der Werft

in Aggsbach die 475 und 525 Axess,

Bei Meyer erhältlich: Raymarine 525 Axess und die

Modelle von Easy Marine. Im Bild oben das Team

der 160 Jahre alten Traditionswerft an der Donau.

zwei offene Bowrider, die als preiswerter

Einstieg in die Welt der Motorsportboote

konzipiert sind und

auf wenigen Metern viel Platz und

eine umfangreiche Serienausstattung

wie beispielsweise Bimini und Radio

bereithalten.

Ganz neu im Meyer-Programm

sind die offenen Sportboote von Easy

Marine, die mit elektrischen Außenbordern

angetrieben werden. Derzeit

werden in Italien Modelle mit 5, 5,50

und 6 Metern Länge hergestellt, die

über recht viel Platz verfügen und

mit Motoren von 40 bis 150 PS bestückt

werden können.

è www.bootswerft-meyer.at

„ Zwischen Können und Tun liegt ein Meer und auf

seinem Grunde gar oft die gescheiterte Willenskraft.“

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916), österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin.

frühlinGsGefühle

...es geht wieder auf’s Meer!

Schwebende Bretter

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zum Träumen

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die neue Basen in den

schönsten Charter-

Revieren der Welt.

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WELLENLOSES SURFEN. Der

Niederösterreicher Alexander

Neuriesser ist Hersteller und

Importeur von elektrischen

Foilboards und Surfboards und

bietet auch spezielle Kurse mit

den E-Toys an. Wake up heißen

die beiden schwebenden Bretter,

die aus Carbon gefertigt

sind. Beim in zwei Längen

erhältlichen Foilboard, schon

rein optisch die spektakulärere

Variante, betreibt der E-Motor

einen Propeller, das Surfboard

wird hingegen von einer Jetpumpe

angetrieben. Für beide

Boards ist ein fein austariertes

Gleichgewichtsgefühl gefragt,

das bei den entsprechenden

Kursen trainiert werden kann,

deren Preise beim Kauf zurückerstattet

werden.

è www.e-surfboard.at

Wake Up E-Foilboard: Lautlos

auf dem Wasser schweben.


Ständige Messe – kommen Sie zu uns!

Süddeutschlands größte

Ausstellung mit ständig über

150 neuen und gebrauchten

Booten.

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PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

50 Jahre Yacht Club Austria

Der größte Wassersport-Verein Österreichs feiert Jubiläum! 1972 gegründet,

zählt der YCA fünf Jahrzehnte danach mehr als 2.500 Mitglieder. Zur Feier

des Jubiläums ist eine YCA-Festschrift als -Sonderausgabe erschienen.

ZUM NACHLESEN. In dieser Jubiläumsausgabe

ist nicht nur die Historie des

YCA, sondern auch sein Portfolio sowie

zahlreiche Themen und Vereinsaktivitäten

rund um den Club in Wort und

Bild aufbereitet. Die

Festschrift ist nun als

E-Paper auch für Nichtmitglieder

zugänglich:

è ocean7.at/50-jahre-yca

Zur Feier des Jubiläums

verlost der

Yacht Club Austria

in Kooperation

mit

tolle Preise, als Hauptpreis

winkt eine 50-Jahre-Gratismitgliedschaft!

Ebenfalls zu gewinnen sind

ein YCA Regattatraining, YCA Segeltage

auf dem Attersee, eine Holzkern-

Armbanduhr, ein Konus-Fernstecher

u. v. m. – mehr Infos siehe Kasten rechts!

Die Verlosung findet im Rahmen

der YCA Hausmesse am 5. März statt.

Alle Infos zur Hausmesse mit umfangreichem

Festprogramm – auch Nichtmitglieder

sind herzlich einge laden –

sind online einsehbar unter

è www.yca.at

50 Jahre YCA – als Hauptpreis werden eine

50-Jahre-Gratismitgliedschaft und

viele weitere Preise

verlost! Teilnahmeschluss

ist der

28. Februar 2022,

die Gewinner werden

am 5. März im

Rahmen der YCA-Hausmesse

bekannt gegeben und per E-Mail verständigt. Alle

Infos, Preise und Teilnahmebedingungen unter

è www.ocean7.at/50-jahre-yca

4G an Bord

NETZWERK-ROUTER. Das neue Yacht-

Sense Link von Raymarine ist ein voll

marinetaugliches 4G-Mobilnetz-Breitband-Terminal

für den Internet-Zugang.

Je nach Ausbaustufe ist auch die Verbindung

zu den NMEA2000/SeaTalkNG

Geräten auf dem Schiff möglich. Damit

kann man z. B. einen Geofence- oder

Ankerwachenalarm erhalten oder über

das Smartphone die Ankerlichter einschalten,

wenn man länger im Restaurant

an Land sitzt. Das YachtSense Link

hat zwei SIM-Karten-Slots und kann

über GSM oder das Marine W-LAN

arbeiten. Es wird auch ein WiFi-Netzwerk

an Bord erstellt.

Mit den externen Antennen für GPS,

WiFi und GSM sowie den Raynet-

Ethernet-Anschlüssen kann das Yacht-

Sense auch als Hub in einem System mit

mehreren Plottern verwendet werden.

è www.yachtelektronik.at

Alles, was man für das eigene Yacht-Netzwerk

von Raymarine braucht.


Generator-Dominator

LADEGERÄT. Die „Hybrid Power“

Batterielade-Generatoren DC von

Fischer Panda sind jetzt mit der

Steuerung fpControl erhältlich. Mit

der neuen Steuerung lassen sich viele

Sagt dem Generator, wo es langgeht: die fpControl.

Parameter wie Anfangsspannung, konstante

Ladespannung, Erhaltungsspannung

und der Batteriewächter einfach

über das digitale Panel einstellen. Die

fpControl verfügt standardmäßig über

einen Autostart-Modus – fällt die Batteriespannung

unter einen voreingestellten

Wert, startet der Generator automatisch

und stoppt wieder, wenn die

Batterie geladen ist. Die Generatoren

können übrigens neben Lithium-Ionen-

Batterien mit Batterie-Management-

System (BMS) alle Batterietypen laden.

è www.fischerpanda.de

Elektrische Erhebung

E-TRAGFLÄCHENBOOT. Carbonrümpfe,

Elektroantrieb und Hydrofoils: Gleich

drei Hightech-Zutaten verwendet der

schwedische Hersteller Candela für

seine Premium-Cruiser. Mit der C-8 versuchen

die Schweden jetzt den Sprung

von der Einzel- zur Großserienfertigung.

Das Modell bietet Platz für acht Personen,

eine große Sonnenliege, ein komfortables

Cockpit sowie eine Vorderkabine

mit Betten für zwei Erwachsene und

zwei Kinder und eine Marinetoilette.

Angetrieben wird das foilende Boot vom

55-kW-Motor von Torqeedo und der

BMW i3-Lithiumbatterie mit 40 kWh. In

Österreich hat man mit der Schmalzl

Bootswerft am Wörthersee einen

renommierten Händler gefunden.

è www.boote-schmalzl.at

Candela C-8 im Stelzenmodus.

Bowrider vom Wolfgangsee

VORNE OFFEN. Der österreichische

Spezialist für luxuriöse Sportboote mit

Elektroantrieb Marian Boats hat sein

Flaggschiff um eine Bowrider-Version

erweitert: Die M 800 Spyder besitzt im

Vorderdeck eine zusätzliche Sitz- und

Liegemöglichkeit mit direktem Zugang

vom Cockpit. Wie die im Bug verplankte

Schwester kann die geöffnete Variante

mit E-Motoren von

10 bis 150 kW geordert

werden. Mit der

stärksten Motorisierung sind 63 km/h

möglich. Gefertigt werden die Boote per

Hand in der Werft am Wolfgangsee, bei

jedem Modell sind Farbe, Ausstattung,

Materialien, Um- und Einbauten individuell

gestaltbar.

è www.marianboats.at

Die Marian M 800 Spyder

öffnet Windschutzscheibe und Bug.

Fragen Sie nach

Besichtigungen in unserem

Schauraum in Linz direkt

in der Werft oder im

Marine-Test-Zentrum.

Bootshändler • Bootsservice

TopYacht

www.topyacht.eu


Ocean Woman

FOTOS: WOLFGANG SLANEC???

Tänzerin im Sturm

So gut wir uns kennen, so knapp verpassten wir uns auf dieser Reise. Doris. Die Seefrau,

die ich schon kannte, bevor ich selbst überhaupt daran dachte, eine zu werden.

Wolf, Peters Freund seit

über 30 Jahren, fragte

Doris bei ihrem ersten

Rendezvous, ob sie mit ihm um

die Welt segeln würde. Sie sagte

ja, ohne je zuvor ein Boot betreten

zu haben. So weit, so romantisch.

Und dann wurde sie seekrank.

„Zum Kotzen – du möchtest

sterben“, sagt Doris heute noch.

Dennoch, sie ist zweimal um

die Welt gesegelt und das Schiff

Nomad ihr zu Hause. Sie, die in

bürgerlichen Verhältnissen aufwuchs,

maturierte, deren Laufbahn

als Fremdsprachensekretärin vorgezeichnet

war. Nett, hübsch, brav.

Aber dann: Kap Hoorn, die Gebirge

Chiles, die Flauten der Salomonen,

der Tafelberg, die Osterinseln,

St. Helena, die Kapverden, die

Nordwestpassage, Alaska, Grönland,

Hawaii.

„Es war so kalt in Patagonien,

dass ich sechs Wochen meinen

Kuschelfleecepulli anließ und mir

nicht die Haare wusch. Und einmal,

bei ganz schlimmen Böen am

Ankerplatz in Pitcairn, packte ich

die Pässe ein. Ich hatte Angst. Wir

fürchteten, die Nomad zu verlieren.

„Daheim“ ist Nomad, ihr Schiff.

Schlimm war, als die Mutter so

krank war zu Hause. Immer wieder

flogen sie in Abständen nach Österreich.

Aber das ist teuer. Leben auf

dem Schiff braucht wenig. Und

dann stirbt die „Mutti“. Allein

fliegt Doris von den Marshall-

Inseln ins triste Winter-Wien.

Zum Begräbnis. Schattenseiten

einer Aben teurerin.

Krautfleckerl à la Nomad

DANCING STARS

Lieblingsrezept? „Krautfleckerl –

das geht immer und überall auf

unserer Welt. Sie sind auch Wolfis

Leibspeise! Und Kraut, das hält

doch ewig.“

Wir telefonieren heute in Wien.

Zurzeit sind sie wieder da, die

Seenomaden, nach einer atemberaubenden,

zweijährigen Corona-

Odyssee. Davon werden sie demnächst

berichten!

Australien hatte die Risho Maru

ausgelassen, während die Nomad

es anlief. Knapp verpasst – das ist

eben auch Segeln!

Doris liebt Wolf und Wolf liebt

Doris. Und sie lieben ihre Freiheit,

die nicht immer leicht zu tragen,

aber das ist, was sie wollen. Das

Beste in Doris’ Leben: „Wolf getroffen

zu haben und die Welt zu

sehen.“ Und Tanzen – das war auch

immer eine große Leidenschaft –

und nun tanzt Doris eben auf den

Wellen!


Infos zu Vorträgen und Büchern:

è www.seenomaden.at

FOTO: STEFAN HARING

ALEXANDRA SCHÖLER

ist Weltumseglerin,

Sängerin, Regisseurin,

Buchautorin und seit

2010 Ocean Woman.

kolumne@ocean7.at

Zutaten: 400 g Pasta (Penne, Hörnchen, Farfalle), ½ Krautkopf, fein geschnitten, 1 große Zwiebel, geschnitten, 100 g Öl, etwas Gemüsebrühe,

2 TL Zucker, Salz, Pfeffer, Kümmel.

Zubereitung: Zwiebeln in Öl andünsten. Zucker dazugeben, kurz karamellisieren, mit Essig und Brühe ablöschen. Kraut unterheben,

mit Salz, Pfeffer und Kümmel würzen. Das Kraut 40 bis 50 Minuten dünsten. Man erkennt auch an der bräunlichen

Farbe, dass das Kraut gar ist.Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die al dente gekochten Nudeln untermischen,

nochmals abschmecken.

Luxus: Die Fleckerl – typisch österreichisch die kleinen viereckigen Pastastückchen! Daher auch der Name

„Fleckerl“, so werden in heimischen Gefilden genau genommen kleine Stoffstückchen genannt. Noch ein

Luxus: frische Petersilie!

Tipp: Krautfleckerl in eine gefettete Auflaufform füllen, mit Käse bestreuen und circa 20 min im

Ofen backen. Wenn die Oberfläche braun und knusprig ist, schmeckt’s besonders gut! Und wenn die

Gäste aus der Auflaufform die letzten knusprigen Reste kratzen, war das Kochen ein voller Erfolg.

Kraut gibt es „around the world“. Es hält sehr lange, wenn die äußeren Blätter braun werden, einfach

abschälen, innen bleibt das Kraut wochenlang frisch.

FOTO: SHUTTERSTOCK

16 2/2022


35 Jahre Pitter Yachtcharter!

AM PULS DER ZEIT. Als Klaus Pitter

in den 1980ern mit dem Erwerb einer

Yacht im Kaufcharter erstmals in

Kontakt mit der Charterbranche kam

und ins Agenturgeschäft einstieg,

konnte er wohl noch nicht ahnen,

welch großen Grundstein er damals

legte. Heute, 35 Jahre später, zählt

Pitter Yachtcharter mit Sitz im steirischen

Hartberg zu den bedeutendsten

Playern in Europa und ist mit

15 Basen der größte Flottenbetreiber

in Kroatien.

Das Erfolgsrezept des österreichischen

Unternehmens ist kein

Geheimnis und daher weit über die

Landesgrenzen bekannt: Langjährige

Erfahrung, umfassende Kompetenz,

erfreulich persönliche Kundennähe

und hohe Qualität zu fairen Preisen

sind Garant für unbeschwerten Yachturlaub.

Stets am Puls der Zeit zu bleiben

zählt natürlich ebenfalls dazu, so

erstrahlt beispielsweise rechtzeitig mit

Beginn des Jubiläumsjahres die Pitter

Yachtcharter-Website im neuen Design.

Diese bietet noch mehr Service

und wurde für alle mobilen Endgeräte

optimiert. Dazu gibt es noch mehr Information

zu den Charterbasen und

Revieren, noch genauere Beschreibungen

und Abbildungen der Yachten,

noch mehr News sowie einen

Blog zu Themen wie Segelinfos, Leben

an Bord, Urlaubsplanung, Umweltschutz

u. v. m.!

Hat man seine Lieblingsyacht zur

gewünschten Zeit im passenden Revier

gefunden, so ist diese nun über

eine vereinfachte Menüführung sicher,

schnell und bequem zu buchen. Bezahlt

werden kann je nach Wunsch

mit der Kreditkarte oder wie gewohnt

auch auf Rechnung. „Für unsere Kunden

soll schon die Vorbereitung auf

den nächsten Törn – egal ob online

oder persönlich – ein entspanntes

Erlebnis sein“, so Klaus Pitter.

è www.pitter-yachting.com

Die Homepage von

Pitter Yachtcharter

im neuen Design.

YACHTCHARTER

UND KREUZFAHRTEN

Segel setzen für

den Sommer!

James Bond war hier!

007 auf der Spur

FILMLOCATIONS. Unser aller Lieblingsgeheimagent

hatte schon immer ein Faible

für die schönsten Gegenden dieses Planeten.

Sich mit einer Privatyacht auf die Spuren von

James Bond zu begeben, ist daher keine so

schlechte Idee, versichert The Moorings.

Zum Beispiel auf den Bahamas von den Basen

in Marsh Harbour/Abacos oder Exumas aus,

wo als Ziele das Schiffswrack Tears of Allah

oder der „Love Beach“ auf Paradise Island aus

dem Film „Sag niemals nie“ warten.

Neben der Karibik bieten sich als Bond-geführte

Törnziele auch Sardinien („Der Spion,

der mich liebte“) und Korfu („In tödlicher

Mission“) an.

è www.moorings.de

1 500 professionelle

Vercharterer

15 000 Boote in

über 180 Revieren

ÜBER 12 JAHRE ERFAHRUNG

UND LEIDENSCHAFT

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GlobeSailor ist

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bei Reisebeschränkungen

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Von Andalusien nach Sardinien

Miles &

Meer

1.000

Meilen, Kurs Ostnordost: In drei Wochen von Andalusien

nach Sardinien segeln, sich dazwischen viel Zeit für ausgedehnte

Landausflüge nehmen und es sich vor allem kulinarisch gut gehen

lassen. Unser Mittelmeerexperte Markus Silbergasser zeigt,

wie aus Meilentörns Genussreisen werden können.

Text und Fotos MARKUS SILBERGASSER

Nachdem ich seit Ende

Februar in Almerimar/

Andalusien mit Arbeiten

an meiner SY Nambawan

beschäftigt war, sollte die Segelsaison

am 1. Mai mit einem Törn nach

Mallorca beginnen. Ein wenig war

ich in Sorge, ob der Termin halten

würde, denn zum einen war nicht

sicher, ob die Gastcrew wegen der

Corona-Reisebeschränkungen

pünktlich in der Marina in Almerimar

erscheinen würde, und zum

anderen sorgten ein Blitzschlag und

eine Ratte dafür, dass ich die gesamte

Schiffselektronik erneuern musste.

Doch am 1. Mai präsentierten

sich sowohl Crew als auch Yacht

segelbereit. Das Programm für die

nächsten zehn Tage war ambitioniert:

Möglichst viel Seemeilen

unter Segeln sammeln und rasch

auf die Balearen übersetzen, dabei

aber die Freude an der schönen

18 2/2022


Blick aus den Höhlen der Ankerbucht

Portal Vells auf Mallorca.

Landschaft und am guten Essen

nicht zu kurz kommen lassen.

VON ANDALUSIEN AUF

DIE BALEAREN

Schon beim ersten Schlag nonstop

nach Mar Menor konnten wir 160

Seemeilen in genau 24 Stunden zurücklegen,

das ist ein Schnitt von

6,66 Knoten – für eine 40-Fuß-

Fahrtenyacht eine sehr hohe Pace.

Weiter ging es die nächsten Tage

von der Insel Tabarca zur Kleinstadt

Calpe und von dort teilweise

in der Nacht nach Formentera, wo

wir uns zwei Tage lang beim Baden

und Wandern von den Segelstrapazen

erholten.

Für Ibiza blieb uns nur ein Tag.

Aufgrund des immer stärker werdenden

Nordwinds und eines

herannahenden Tiefs drängte ich

auf eine weitere Nachtfahrt Richtung

Mallorca. Es war dann eine

2/2022 19


Von Andalusien nach Sardinien

herrliche Überfahrt mit kitschigem

Sonnenuntergang auf offener See

und einer Just-in-time Nachtansteuerung

der Ankerbucht Portal Vells

um halb vier Uhr in der Früh, wo

während des Ankermanövers Starkregen

und Starkwind einsetzten.

OFFSHORE NACH SARDINIEN

In Palma de Mallorca wechselte

nach zehn Tagen die Crew. Das

Ziel mit den beiden neuen Mitseglern:

über Menorca 200 Meilen

Offshore nach Sardinien. Mit sehr

gutem Wind aus NNW setzten wir

in zwei Tagen über Portocolom

nach Menorca über.

Am nächsten Morgen starteten

wir sehr zeitig in der Früh, da tagsüber

der Nordwind auffrischen

würde und wir da dann lieber

schon den nordwestlichsten Teil

der Insel erreicht haben wollten.

Danach ging es die Nordküste

Menorcas entlang in die tief ins

Inselinnere einschneidende Bucht

von Fornells. Wer sich noch an

meinen Menorca-Revierbericht

in Ausgabe 6/2019 er -

innern kann, weiß vielleicht noch,

dass es in Fornells die besten Langusten

des Mittelmeers gibt, und

an diesen wollten wir uns noch vor

der mehrtägigen Überfahrt nach

Italien laben.

Nach einem kulinarisch perfekten

Abend in Fornells gingen wir

am nächsten Morgen zeitig Anker

auf. Ideal hatte über Nacht der

Wind auf Südwest gedreht. Bei

konstant zwischen 7 und 8 Knoten

Speed über Grund machten wir

stündlich einen Eintrag ins Logbuch.

Wir wähnten uns schon im

seglerischen Elysium, aber dann

kam es noch besser: Am Nachmittag

fingen wir mit der Schleppangel

einen großen Thunfisch!

Die sternenklare Nacht unter

Segeln war ein weiteres Highlight

des One-Way-Meilentörns. Am

nächsten Nachmittag erreichten

wir nach 32 Stunden und 215 geloggten

Seemeilen (Durchschnitt:

6,7 Knoten) die kleine Insel San

Pietro mit dem gemütlichen Ort

Carloforte.

MARKUS SILBERGASSER

hat bereits mehr als

40.000 Seemeilen Erfahrung

im Kielwasser und

wird auch im kommenden

Jahr wieder segel- und

wanderbegeisterte MitseglerInnen

auf seinen

Entdeckungstouren durch

das östliche Mittelmeer

mitnehmen.

è www.untersegeln.eu

Formentera: ideales Eiland

zum Pausieren.

„ Das Ziel der ersten Etappe: viele Meilen und

viel Genuss in südspanischen Gewässern.“

2° 47’ W

Korsika

Spanien

CALP

Tabarca

MAR MENOR

Balearen Meer

Ibiza

Formentera

CALA PORTAL

VELLS

Mallorca

PALMA

PORTOCOLOM

FORNELLS

Menorca

Mittelmeer

CARLOFORTE

OLBIA

Sardinien

Tavolara

PORTO

TAVERNA

PORTO FRAILIS

PORTO CORALLO

36° 42’ N GIBRALTAR

Straße von Gibraltar

ALMERIMAR

CABO DE GATA

Alborán-Meer


CORONA HOLT UNS EIN

Wegen der aktuellen Corona-

Einreisebestimmungen durften

wir aus Spanien kommend nicht

den Steg betreten, bis wir einen

unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten

Antigentest negativ nachweisen

konnten. Dies dauerte leider

bis zum nächsten Vormittag.

Uns störte aber das Warten nicht

sonderlich, da wir ohnehin genug

selbstgefangenen Fisch an Bord

zum Verspeisen hatten und auch

noch müde von der Überfahrt

waren, daher war ein ausgiebiges

Ausschlafen gar nicht so verkehrt


Am nächsten Morgen kam dann

die Ärztin in kompletter OP-Ausrüstung

zu uns aufs Schiff. Kurze

Zeit später konnte Entwarnung

gegeben werden – wir waren alle

negativ getestet und bekamen ein

handschriftlich ausgefertigtes

Bestätigungsschreiben von der

Ärztin. Auf so kleinen Inseln

l aufen die Uhren sichtlich noch

etwas langsamer …

Nach einem gemütlichen Frühstück

an Land und einer kurzen

Ortsbesichtigung legten wir am

Meeresfrüchte-Tapas sind

ein wichtiger Bestandteil des

kuli narischen Programms.

ÜBER

JAHRE

Durchfahrt durch die

Klappbrücke Estacio

Bascule bei Mar Menor.

Sicher segeln im

Mittelmeer!

Balearen

Ist der Thun an der Angel,

freut sich die Crew.

Sardinien

Am aussichtsreichen Penyal

d’Ifac in Calpe mit Blick auf

unsere vor Anker liegende Yacht.

Mallorca im

Relaxmodus.

+49 (0) 611 - 66 05 1

mail@argos-yachtcharter.de

www.argos-yachtcharter.de


Von Andalusien nach Sardinien

„ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht segelten wir

vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung.“

Porto Taverna im Nordosten Sardiniens.

Im Hintergrund unsere SY Nambawan

und die Punta Cannone auf Tavolara.

frühen Nachmittag aus der Marina

ab und segelten noch knapp 40

Seemeilen weiter bis zur Südküste

Sardiniens in die S’Acqua Durci.

Als einzige Yacht weit und breit

gingen wir südwestlich der kleinen

Insel Su Giudeu vor Anker. Ein

Paradies aus feinstem weißen

Sand mit flach abfallendem Meeresgrund,

gut haltendem Ankergrund

und glasklarem Wasser.

SEGELN WIE DIE SELIGEN

Wegen der Pandemie ließen wir

später die Inselhauptstadt Cagliari

backbord liegen und nahmen Kurs

auf das im Südosten liegende Capo

Carbonara. Die nächsten zwei Tage

sollte der Wind für unser Vorhaben

wieder einmal perfekt passen. Mit

Wind aus WNW konnten wir die

Ostküste Sardiniens ohne Welle,

aber mit Top-Speed gen Norden

segeln – Champagner segeln vom

Feinsten! Mit einem breiten Grinser

im Gesicht segelten wir quasi

vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung,

gingen bereits in der

Früh oder am Abend in traumhaft

klarem Wasser schwimmen und

versorgten uns – da die Restaurants

entlang der Küste zu der Zeit ohnehin

noch geschlossen hatten – immer

noch vorrangig mit unserem

selbstgefangenen Thunfisch, zubereitet

in allen möglichen Varianten.

Den Abschluss des Törns bildete

eine Klettersteigtour auf der Insel

Tavolara auf die 564 Meter hohe

Punta Cannone, damit meine

Vorne Dolce, hinten immer

noch Punta Cannone.

Crewmitglieder von den in der

Zwischenzeit antrainierten Seebeinen

wieder auf Land- bzw. Bergsteigerwadeln

für die Rückkehr

nach Hause umrüsten konnten.

In Summe hatte ich mit zwei

Crews in drei Wochen genau 1.008

Seemeilen zurückgelegt, 772 davon

unter Segel. Mit insgesamt vier

Nachtfahrten und nur zwei Nächten

in einer Marina, alle weiteren

Nächte vor Anker. Fantastische

Verpflegung, wunderschöne Landausflüge,

tolle Erfahrungen, unvergesslich

schöne gemeinsame Stunden

mit motivierten Mitseglern.

So geht Meilensammeln!

Gipfelsieg auf der

Punta Cannone.

Die SY Nambawan aus

der Möwenperspektive.

Meilentörn von Andalusien nach Sardinien

Empfohlene Revierführer und Seekarten. Wir haben so ziemlich alle

gängigen Hafenhandbücher und Revierführer von den Balearen, Sardinien

und Umgebung. Folgende Literatur verwenden wir persönlich gerne und

können sie euch auch guten Gewissens weiterempfehlen:

Portbook Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera inkl. Cabrera National

Park von Martin Muth, BonaNova Books.

Küstenhandbuch Italien. Ventimiglia – Brindisi, mit Sardinien, Sizilien

und Malta; von Rod Heikell, Edition Maritim.

Diese Revierführer sind unverzichtbare Standardwerk für jeden Yachtsegler

in diesen Gewäs sern. Es beschreibt sämtliche Küsten und Inseln und ist so

dem Yachteigner oder Charterskipper ein zuverlässiger Begleiter vor und

während des Törns. Genaue Informationen zu sämtlichen Häfen und Ankerplätzen

werden ergänzt durch wichtige Informationen zu Formalitäten und

Vor schriften, Klima, Wetter, Land und Leuten.

Yachtcharter. Beispielsweise ab Cannigione/Sardinien eine Oceanis 41.1,

Bj. 2018, 3 Kabinen/2 Nasszellen, ab € 1.840,– pro Woche (Buchungszeitraum:

Mitte Mai). è www.argos-yachtcharter.de

Blog. „Sardinien – Segeln um den Smaragd des Mittelmeers“,

mit vielen informativen Revier-, Kulinarik- und Kulturtipps sowie

verschiedenen Törnbeispielen für ein bis zwei Wochen ab 44 Meilem

(bis 227 Meilen inkl. Korsika und Maddalena-Archipel).

è www.argos-yachtcharter.de/s/o7-so

22 2/2022


Alleskönner:

Merry Fisher Sport 795 S2. Luxus-Daycruiser: DB 43.

Bonne journée

Familien-Dayboat:

Cap Camarat 7.5 WA Série3.

Seit 35 Jahren Ihr verlässlicher

und sicherer Partner für

Ihren Yachturlaub

Hohe Qualitätsstandards und bester

Rundum-Service zu fairen Preisen

Viele neue Yachtmodelle

DAYBOOTE. Als Generalimporteur der

Jeanneau-Motorboote in Österreich hat

Boote Mayer mit der Cap Camarat 7.5

WA S3 und der Merry Fisher Sport 795 S2

beide Neuheiten der Franzosen für 2022 im

Programm und kann teilweise auch noch

Modelle zu den günstigeren 2021- Preisen

liefern. Für die wichtigste Neuvorstellung

bei Jeanneau muss man sich noch etwas

gedulden: Die Weltpremiere der DB-Serie

wurde auf Ende März in Südfrankreich

verschoben. Die luxuriös ausgestatteten

Daycruiser wird es in unterschiedlichen

Motorkonfigurationen geben.

Den Start der neuen Serie macht die

DB 43, die mit 2 x Volvo Penta D6 im

Motorraum oder mit drei Außenbordmotoren

erhältlich sein wird. Besonderer

Clou: Die achternen Bordwände der DB

sind ausklappbar und sollen das Boot auf

bis zu sechs Meter verbreitern.

è www.bootemayer.at

KROATIEN

15 Basen

Ihr Charter

Spezialist

X X X X

10. bis 14. APRIL 2022, ŠIBENIK/KROATIEN

Gebirgssegler ahoi!

REGATTA. Der von der YCA-Crew Steiermark

unter der Leitung von Mike Hecker

organisierte 15. Gebirgssegler Cup findet

2022 im Raum Šibenik statt und wird

Gebirgssegler Cup.

wieder zu den Regatten der Austrian Offshore

Throphy zählen. Grundsätzlich wurde

die offene Klasse nach ORC beim GSC immer

ohne Beisegel ausgetragen. Heuer gibt

es für Eigner die Möglichkeit der Teilnahme

mit dem eigenen Schiff und allen im ORC-

Messbrief enthaltenen Segeln. Das ergibt

interessante Möglichkeiten für Eigner, sich

spannend zu messen, ohne chartern zu müssen.

Die offene Klasse ohne Beisegel und

die Einheitsklasse First 35 mit Spinnaker

bleiben natürlich erhalten. Infos/Auskunft:

è www.yca.at è mike.hecker@yca.at

TÜRKEI

SLOWENIEN

GRIECHENLAND

ITALIEN

Schöner schmökern

KATALOG. Beim Bootszubehör hat sich das

Verkaufsgeschäft fast vollständig ins Internet

verlagert, was ein wenig schade ist, weil

es die Kataloge zum Blättern und Schmökern

kaum noch gibt. Eine der wenigen

löblichen Ausnahmen ist der Katalog von

Maritimo, der Ende Februar in der aktualisierten

Ausgabe erscheint. Wer es beim

Kaufen noch analoger mag, kann auch

direkt im Geschäft in Bisamberg erscheinen.

Und wer doch lieber

mit der Computermaus

einkauft: Onlineshop

hat Maritimo natürlich

auch einen.

è www.maritimo.at

NIEDERLANDE

KARIBIK

Entdecken Sie unsere

neue Website!

pitter-yachting.com


Austro-Charts

Mehr Optimismus wagen

Reisebeschränkungen, Stornierungen und große Unsicherheiten – die Yachtcharter-Branche musste in den vergangenen

zwei Jahren einige Herausforderungen und Rückschläge einstecken. Welche Auswirkungen die Pandemie

auf die Charterindustrie hatte, welche Trends bei den österreichischen Kunden zu erkennen sind und mit welchen

Er wartungen auf die Saison 2022 geblickt wird – darüber sprachen wir mit Kirsten Richarz, Country-Managerin

für den deutsch sprachigen Markt bei der Yachtcharter-Agentur GlobeSailor, im Interview mit .

Welche Herausforderungen sind Ihnen

im Jahr 2021 begegnet?

Das Jahr 2021 war eine Berg-und-

Tal-Fahrt. Zum einen waren wir zu

Beginn des Jahres, wie bereits 2020,

noch mit Stornierungen und Umbuchungen

konfrontiert. Ab Mai

ist die Nachfrage, besonders nach

Yachten in Kroatien und Griechenland,

explodiert, während die Verfügbarkeiten

sehr rar wurden. Gegen

Ende des Jahres, mit weltweit

ansteigenden Infektionszahlen und

Reisebeschränkungen, wurde die

Unsicherheit sowohl bei Kunden

als auch bei Vercharterern allerdings

wieder deutlich mit starken

Auswirkungen auf die klassischen

Winterreviere. Erneut wurden Anfragen

storniert und wir bekamen

vermehrt von unseren Kunden die

Rückmeldung, dass sie zunächst

die allgemeine Situation abwarten,

bevor sie den nächsten Charter mit

der Crew planen möchten. Trotz

unsicherer Zeiten konnten wir im

letzten Jahr knapp neun Prozent

mehr Buchungen mit österreichischen

Kunden abschließen als im

Jahr 2019.

Wie würden Sie den typischen österreichischen

Charterkunden beschreiben?

Etwa ein Sechstel unserer Kunden

sind Österreicher, davon sind rund

90 % männlich. Viele von ihnen

haben schon mehrfach mit uns

einen Charter gebucht und erfreuen

sich an dem persönlichen Kundenservice,

den wir ihnen bieten.

Sogar während der Pandemie können

wir überdurchschnittlich viele

Buchungen mit unseren österreichischen

Kunden verzeichnen.

17 Prozent aller Abfahrten für den

DACH-Markt kamen 2021 aus

Österreich. Fast 95 Prozent unserer

österreichischen Kunden haben in

dem Jahr bareboat gechartert. Entgegen

der allgemeinen Tendenz

entschieden sich nur fünf Prozent

für einen Charter mit Skipper –

ein Sektor, der 2021 sonst starkes

Wachstum verzeichnete. Bei der

Wahl des Schiffes fiel die Entscheidung

von über der Hälfte unserer

aus Österreich kommenden Kunden

auf die Segelyacht. 27 Prozent

mieteten einen Katamaran, 13 Prozent

ein Motorboot. Im Schnitt

gaben die Österreicher 4.000 Euro

für die Buchung ihres Yachtcharters

aus.

Welche Reiseziele sind bei österreichischen

Kunden besonders beliebt?

Vor allem die europäischen Destinationen

sind in der Pandemie

stärker in den Fokus gerückt. Im

Jahr 2021 hatten wir in etwa halb

so viele Buchungen für Charter in

außereuropäischen Destinationen

wie 2019. Das beliebteste Reiseziel

der Österreicher im vergangenen

Jahr war ohne große Überraschung

mit rund 70 Prozent Kroatien.

Knapp elf Prozent entschieden sich

für eine Yacht in Griechenland,

knapp sieben Prozent in Italien und

rund sechs Prozent in Frankreich.

Als Reiseziel außerhalb Europas

waren im Jahr 2021 vor allem die

Seychellen beliebt. Wir sind gespannt,

ob andere Fernreiseziele

wie Thailand, Guadeloupe oder

die British Virgin Islands in diesem

Jahr wieder an Attraktivität gewinnen

werden.

FOTO: SHUTTERSTOCK

FOTO: SHUTTERSTOCK

Nach Kroatien (70 %) war Griechenland (11 %) das am meisten von

Österreichern gebuchte Charterrevier 2021 (im Bild Lakka auf Paxos).

KIRSTEN RICHARZ

ist Country-Managerin

für den DACH-Markt

bei GlobeSailor.

è www.globesailor.de

Was bringt die Saison 2022?

Wir blicken positiv auf das neue

Jahr und hoffen, dass viele Urlauber

das Gleiche tun. Dank der Einführung

von Test- und Schutzmaßnahmen

konnten viele Grenzen

wieder geöffnet werden und insbesondere

für geimpfte Personen ist

das Reisen wieder einfacher geworden.

Außerdem wurde der Wunsch

nach einem Charterurlaub bei vielen

Bootsfreunden in diesem Jahr

stärker denn je. Schon jetzt können

wir zunehmend Buchungen für den

Sommer verbuchen. Besonders bei

unseren österreichischen Kunden ist

die Reiselust spürbar – verhältnismäßig

viele Buchungen im DACH-

Markt erhalten wir von ihnen. Angesichts

der sich gerade zügig füllenden

Buchungspläne sollte man

auch nicht mehr zu lange abwarten.

Als Reiseziel außerhalb Europas waren 2021 vor allem die Seychellen beliebt.

24 2/2022


Den Funk

gewechselt

Garmin hat das in Auckland,

Neuseeland, ansässige

Unternehmen Vesper Marine

übernommen, das für Innovationen

im Bereich der

Schiffskommunikation

bekannt ist. Die Neuseeländer

bieten Lösungen für

das automatische Identifizierungssystem

(AIS), die Ultrahochfrequenz

(UKW) und die

Schiffsüberwachung für die

Schifffahrtsindustrie. U. a.

hat Vesper mit dem Cortex-

System das erste UKW-Seefunkgerät

mit Smartphoneähnlichem,

kabellosem

Touchscreen-Bedienteil

entwickelt, das zudem

UKW-Funk mit intelligentem

AIS-Transponder und Fernüberwachungstechnologie

für Schiffe verbindet.

è www.garmin.de

Neu im Programm von TopYacht: Luxuriöses aus Italien …

Frisch ins Frühjahr

NEUHEITEN. Von sehr praktisch bis sehr

üppig reicht die Palette an Neuerscheinungen,

die der Linzer Importeur TopYacht für dieses

Frühjahr ankündigen kann.

Sehr praktisch ist die neue Sea Ray SDX

250, die als Innen- und Außenbordervariante

zur Verfügung steht. Der seitliche Eingang in

den Bug-Bereich ist eine Neuheit in diesem

Segment. Der Bowrider ist als Familiensportboot

mit enorm vielen Sitzgelegenheiten,

reichlich Stauraum und einer Mittelkabine

unter Deck mit WC ausgelegt. Produziert

wird in Polen, wobei das gar nicht mehr notwendig

ist, da die europäischen Strafzölle auf

PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

für in den USA produzierte Boote heuer weggefallen

sind. Sehr üppig ist die zweite Neuvorstellung,

mit der TopYacht aufwarten kann:

Die Cranchi Sessantasette (oder 67) ist die

kleinere Schwester der vor zwei Jahren präsentierten

Settantotto (oder 78) aus der Flybridge-

Linie. Das Konzept ist dasselbe: Viel Design

und Hightech auf 20,8 Metern. Besonderheiten:

Die herkömmliche Essnische wird durch

einen Salon mit freistehendem Esstisch ersetzt.

Die Ausführung mit drei Kabinen verfügt in

der Eignersuite über einen großen Wohnbereich,

der auch als Büro genutzt werden kann.

è www.topyacht.eu

… und Familientaugliches aus Polen.


Genie und Schönheit

Die

geniale

Göttin

Hätten sich Hedwig Eva Maria

Kiesler und der amerikanische

Avantgarde musiker George

Antheil im Sommer 1940

nicht auf einer Dinnerparty

in Hollywood kennengelernt,

würden wir heute einiges an

technischen Errungenschaften

vermissen. Die atemberaubend

schöne Schauspielerin wurde

zwar als Sexbombe berühmt,

doch ihr wirkliches Verdienst

um die moderne Kommunikationstechnologie

blieb lange

unerkannt.

Text STEFAN DETJEN

Die in Wien geborene

Hedwig Kiesler wusste

schon immer, was sie

wollte. Im Alter von

16 Jahren haute sie von ihrer Mädchenschule

in der Schweiz ab, um

Schauspielerin zu werden. Genau

so fulminant gelang ihr Filmdebut

– mit einem Riesenskandal.

Kaum neunzehnjährig, spielte sie

die Eva im tschechisch-österreichischen

Film „Ekstase“.

Zum ersten Mal war in einem

seriösen Kinofilm eine Schauspielerin

nackt zu sehen und dazu

mimte sie auch noch einen Orgasmus

vor der Kamera. Ihr damaliger

Ehemann, der österreichische Waffenmagnat

Fritz Mandl, tobte und

investierte rund 1,5 Millionen Dollar,

um den Film zu unterdrücken,

indem er jede vorhandene Kopie

des Skandalfilms aufkaufte.

Mandl betrachtete seine schöne

Ehefrau als persönliches Kleinod,

das er stolz präsentierte, um seinen

Ruf und sein Ansehen zu steigern.

Er nahm sie auch oft zu Gesprächen

mit seinen Waffenkunden mit. Und

Hedy tat, was die Schmuckstück-

Rolle verlangte. Stumm dasitzen

und mit großen Augen in die Ferne

blicken. Aber sie hörte auch gut zu

und bildete sich ein Wissen um

Waffentechnik, denn sie war wissbegierig

und aufgeweckt dazu.

AUF NACH HOLLYWOOD

Nach vier Ehejahren hatte sie 1937

von ihrem eifersüchtigen Ehemann

und Kontrollfreak die Nase voll.

Sie floh inkognito mit ihrer Zofe

und einem Vertrauten und bestieg

in Le Havre den Ozeandampfer

Normandie, welcher sie über

den großen Teich brachte.

Die clevere Hedy hatte

einen ganz bestimmten

Abfahrtstermin

gewählt.

Durch die veröffentlichten

Passagierlisten

wusste sie,

wann Louis B. Mayer, Chef der

MGM Studios, an Bord des ultraluxuriösen

Dampfers sein würde.

Frau Mandl traf Mayer und überzeugte

den MGM-Boss, sie unter

Vertrag zu nehmen. Mayer hoffte,

Hedy würde eine weitere Greta

Garbo oder Marlene Dietrich

werden, und willigte ein. Als Hedy

den Dampfer in Amerika verließ,

nannte sie sich Hedy Lamarr und

begann ein neues Leben.

Den Künstlernamen Lamarr

übernahm sie vom Pseudonym des

Stummfilmstars Barbara La Marr,

die im Alter von 29 Jahren an

Tuberkulose und Nephritis starb.

Wenn diese unglückliche Schauspielerin

„das Mädchen, das zu

schön war“ genannt wurde,

26 2/2022


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Genie und Schönheit

könnte man Hedy Lamarr „das

Mädchen, das zu intelligent war“

nennen. Sie war so berühmt und

beliebt, dass sie als Vorlage für

Disneys Schneewittchen diente.

Irgendwie verfluchte sie ihre unheimliche

Schönheit, die ihr, wie

sie sagte, „Tragödie und Herzschmerz“

brachte und „sechs

unglückliche Ehepartner“ sowie

mehrere Liebhaber anlockte.

Und während sie ihren Ruhm

von Film zu Film steigerte und

ihr Gesicht auf Kinoplakaten und

Magazintitelseiten allgegenwärtig

war, bemerkten nur die wenigsten,

dass hinter dem schönen Gesicht

ein heller und kluger Kopf steckte.

Hedy war eine emanzipierte

Frau, der ihr Vater seine Leidenschaft

für das Ingenieurwesen

vermittelte hatte und deren Intelligenz

über falsche Bescheidenheit

hinausging.

VOM KLAVIER ZUM KONZEPT

Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs

ging von den deutschen U-Booten

eine immer größere Bedrohung

aus. Im Frühjahr 1940 hatte die

Schlacht um den Atlantik begonnen,

und immer öfter griffen deutsche

U-Boote die Versorgungsschiffe

der Alliierten an und versenkten

sie. Die Unterseeboote

der US Navy waren in der Abwehr

wesentlich weniger erfolgreich.

Hedy hatte mehrere Zeitungsartikel

zu dem Thema gelesen und

dabei herausgefunden, dass die

Lenkung der Torpedos das Hauptproblem

darstellte. Anfangs steuerte

man die Geschosse über Drähte, die

bis zur Detonation eine direkte Verbindung

zwischen U-Boot und Torpedo

herstellten – die Trefferquote

lag bei unter 50 Prozent. Dann kam

die Funkfernsteuerung auf, die ein

bisschen zuverlässiger war. Aber die

Deutschen hatten herausgefunden,

dass man die Steuerungssignale mit

Störfreuqnzen beeinflussen und somit

die Torpedos vom Kurs abbringen

konnte.

Darüber dachte die erfolgreiche

Diva nun nach – und hatte eine

Idee: Wenn die Funk frequenz der

Steuerung schnell wechseln könnte,

wäre die Gefahr von Übertragungsausfällen

geringer, und die Signale

könnten kaum noch abgehört

oder gestört werden. Sie

hatte das erfunden, was heute

„Frequenz-Hopping“ genannt

wird. Nur hatte sie

keine Ahnung, wie ihre

Idee praktisch umgesetzt

werden könnte.

Und da kam ihr

Nachbar und Komponist

George Antheil

ins Spiel.

Ganz im Stile

des Futurismus

und Konstruktivismus hatte er

in den Zwanzigerjahren das Ballet

mécanique komponiert, das bei

seiner Uraufführung aus technischen

Gründen in einem legendären

Desaster endete. Weil er immer

noch davon träumte, ein vollautomatisches,

mechanisches Ballett

aufzuführen, bei dem die Instrumente

von Maschinen gespielt werden

sollten, hatte er sich massiv mit

dem Rollenpiano befasst, einem

automatischen Klavier, bei dem die

Tasten durch eine Art Lochstreifen

gesteuert werden.

Hedy erkannte, dass sich dieses

Prinzip für die Synchronisierung

nutzen ließ, und entwarf ein Torpedolenksystem

auf 88 Frequenzen –

entsprechend den 88 Tasten der

Klaviatur. Die geniale Idee: Das

Funksignal, mit dem der Torpedo

gelenkt wird, sollte nicht auf einer

einzelnen Frequenz übermittelt

werden, sondern auf einer willkürlich

gewählten Folge unterschiedlicher

Frequenzen. Damit würde es

einem Gegner, der diese Folge nicht

„Any girl can be glamorous.

All you have to do is stand

still and look stupid.“

Hedy Lamarr über das Filmbusiness.

28 2/2022


George Antheil

kennt, nahezu unmöglich, das Leitsignal

zu belauschen oder zu stören.

Es kam nur darauf an, die Sequenz

bei Sender und Empfänger zu synchronisieren.

Im Juni 1941 reichten die beiden

ihre Idee beim amerikanischen

Patentamt ein – am 11. August 1942

wurde das Patent gewährt. Seine

Nutzung überließen die beiden

Erfinder dem US-Militär, dort verschwand

die Erfindung von Lamarr

und Antheil in den gut verschlossenen

Schubladen.

Dass die US-Streitkräfte während

des Zweiten Weltkriegs von den Plänen,

die ihnen Lamarr und Antheil

kostenlos überlassen hatten, nie

Gebrauch machten, lag vor allem

an irgendwelchen Generälen mit

Widerwillen gegen alles, was von

Zivilisten stammte – und von einer

Hollywood-Diva erwartete niemand

einen großen Coup.

Erst 1962 kam es während der

Kuba-Krise zu einem ersten Einsatz

dieser Technik. In den darauffolgenden

Jahren jedoch wurden die Prinzipien

des Patents unter den Fachbegriffen

„Spread Spectrum“ und

„Frequency Hopping“ eine Grundlage

in der Kommunikationstechnologie

der amerikanischen Militärs.

Mitte der 1980er-Jahre deklassifizierten

die USA die „Spread Spectrum“-Technologien

und machten

sie für die kommerzielle Nutzung

verfügbar. Im Frequenz-Hopping ist

auch das Prinzip der Datenver- und

entschlüsselung enthalten. Das Konzept

erlaubt nämlich nicht nur eine

schnelle, abhör- und störungssichere

Datenübermittlung per Funk, es ermöglicht

darüber hinaus die gemeinsame

Nutzung von Funkfrequenzbereichen

durch eine hohe Anzahl

unabhängig voneinander kommunizierender

Funkteilnehmer.

Angesichts des knapp bemessenen

Frequenzspektrums und teurer Kabelwege

ist es vor allem diese Eigenschaft,

die Hedy Lamarrs Patent zu

einem nach wie vor revolutionären

technologischen Fortschritt macht.

Das Prinzip des Frequenz-Hoppings

ist die Basis für das Funktionieren

aller Mobilfunknetze sowie der

drahtlosen Datenübertragung nach

dem Bluetooth-Standard. Ebenso

basiert die Wireless-LAN-Technik

bis hin zur Übertragung von GPS-

Signalen auf dem gleichen Prinzip.

Das alles verdanken wir der schönen

Hollywood-Diva, die sich nie als

Schauspielerin gesehen hat, und dem

Skandalkomponisten, der zufällig

ihr Nachbar war.

Auf die Frage eines Reporters,

warum ihre Handabdrücke nicht

auf dem Hollywood Boulevard zu

sehen seien, antwortete sie: „Ich werde

schon genug zertrampelt, auch

ohne auf dem Bürgersteig zu stehen.“

ERFINDERIN HEDY

Die Frequenz-Hopping-

Erfindung war kein einzelner

Glückstreffer. Obwohl

Hedy Lamarr keine

formale wissenschaftliche

Ausbildung besaß und

hauptsächlich Autodidaktin

war, hatte sie einen separaten

Raum voller wissenschaftlicher

Bücher in ih-

Hedy Lamarr hat sich

selbst nie als Schauspielerin

gesehen.

Multihull Sailing – die Spezialisten für

Trimarane und Mehrrumpfsegelboote

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Genie und Schönheit

„Ich zeigte Howard meine Skizzen

und er sagte: ,Du bist ein Genie‘.“

rem Haus. Hier arbeitete sie in ihrer

Freizeit an verschiedenen Hobbys

und Erfindungen, darunter eine

verbesserte Ampel und eine Tablette,

die sich in Wasser auflöste, um

ein kohlensäurehaltiges Getränk

herzustellen Das Getränk war erfolglos;

Hedy Lamarr selbst sagte,

„Es schmeckte wie Alka-Seltzer.“

Luftfahrt-Tycoon Howard

Hughes schickte seine besten Flugzeug-Ingenieure

wegen Aerodynamik

und anderer Probleme zu

Lamarr. In einem Interview, kurz

vor ihrem Tod sagte das Multitalent:

„Howard unterstützte meine ,Bastel-Hobbys‘

aktiv. Er stellte mir sein

Team von Wissenschaftsinge nieuren

zur Verfügung und sagte, sie

würden alles tun, was ich wollte.

Bei einer Gelegenheit versuchte

Howard, seine Flugzeuge so zu modifizieren,

dass sie schneller fliegen.

Er bat mich um Ideen. Er verließ

sich auf mich.“

Lamarr begann die Aerodynamik

der Vögel und die Formen der Fische

zu studieren und präsentierte

ihm anschließend skizzierte Ideen,

um Flugzeugflügel weniger quadratisch

und effizienter zu machen.

„Ich zeigte es Howard und er sagte:

,Du bist ein Genie‘.“ Anders formulierte

es ihr Sohn Anthony John

Loder: „Aus ihren Erfindungen

machte sie selbst nie viel Hehl“, erzählt

er, „Meine Mutter hatte aber

für jedes Problem eine Lösung …“

SPÄTE ANERKENNUNG

„It’s about time“, meinte Hedy

Lamarr, als sie 1997 mit dem Pioneer

Award der Electronic Frontier

Foundation (EFF) ausgezeichnet

wurde. Bereits 1990 hatte mit

einem Artikel im US-Wirtschaftsmagazin

„Forbes“ die Wiederentdeckung

dieser faszinierenden

Frau eingesetzt, deren

Erfindung damals von

40 Hightech-Unternehmen

genutzt wurde.

Heute dürfte sich das

mit der Entwicklung von

Mobiltelefonen bis hin

zu drahtlosen Netzwerk-

„It’s about time“, meinte Hedy Lamarr, als sie 1997

mit dem Pioneer Award ausgezeichnet wurde.

systemen locker multipliziert haben.

Dem EFF Pioneer Award folgten

weitere Preise, bis zur letzten großen

Ehrung 2014, als sie in die Hall

of Fame der National Inventors

auf genommen wurde. Posthum,

denn Hedy Lamarr starb bereits

im Jänner 2000 in Florida, wo sie

bis zuletzt zurückgezogen von der

Öffentlichkeit gelebt hatte.

Ihre Schönheit verging,

aber die Erinnerung an

Hedy bleibt. Denn in Österreich,

Deutschland und der

Schweiz ist am 9. November,

dem Geburtstag von

Hedy Lamarr, nun der

Erfindertag.


Dokumentarfilm „The

Hedy Lamarr Story“ (Die

geniale Göttin), von der

Schauspielerin Susan

Sarandon koproduziert

und von Diane Kruger

erzählt.

30 2/2022


Perfekte Welle

PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

WASSERSPORT. Jürgen Kaiser versucht

sich in seiner kleinen, aber feinen

Bootsmanufaktur im bayrischen

Strasskirchen jetzt auch an Wakeboard-

und Wasserskibooten. Angeboten

werden eine 6,70- und

eine 7-Meter-Version,

mit und

ohne Tower,

mit Piktronik-Elektroantrieb (100

bis 200 kW) oder als Mercruiser-

Verbrenner (V6 und

V8). Ausgestattet

werden die

Kaiserliches Wassersportvergnügen.

Zugboote mit Wake-Klappen und

riesigen Ballast-Tanks, mit denen

sich Wellenhöhe und Einsatzgebiet

individuell anpassen lassen. Ebenfalls

neu im Programm: ein hauseigener

Jetantrieb, der auf die jeweiligen Motoren

(von 4,4 kW Elektro bis 600 PS

Benziner) abgestimmt werden kann.

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Kurz und gut

SKIPPER-HAFTPFLICHT. Der Hamburger

Yacht-Versicherer Schomacker beweist Herz

für kurze Törns: Bei der Skipper-Haftpflicht-

Versicherung ist auch ein 3-Tage-Tarif ab

49,50 Euro möglich. Die Skipper-Haftpflicht

ist essenziell für den Chartertörn, denn sie

schließt Deckungslücken, falls beispielsweise

ein Schaden am Boot aufgrund grober Fahrlässigkeit

abgelehnt wird. Außerdem sind

Ansprüche der Crew untereinander abgedeckt.

Sollte also ein unglückliches Manöver zu einer

Verletzung eines Crewmitglieds führen, sind

etwaige Ansprüche gegen den Skipper abgesichert.

Eine Privathaftpflichtversicherung deckt

diese Schäden in der Regel nicht.

è www.schomacker.de

Unbesorgt kurz-chartern.


Skipperin

Frauen sind keine

kleinen Männer!

Spätestens seit dem Bestseller „Männer sind vom Mars, Frauen

von der Venus“ ist auch im alltäglichen Umgang miteinander

angekommen, dass Frauen nicht nur anders aussehen, sondern

auch – abseits der hormonellen Situationen und mancher

ungemachen Stimmungen – anders ticken als Männer.

Text HILDEGARD ETZ, PETRA WEISS

32 2/2022


FOTOS: SHUTTERSTOCK (3), SAILSWOMAN.AT

In der Pharmakologie, dem Radrennsport,

aber auch in Bereichen

wie dem Bildungswesen

hat die Erkenntnis schon Fuß

gefasst, dass Frauen in vielerlei

Hinsicht andere Herangehensweisen

bzw. Bedürfnisse haben.

Jetzt ist die Frage berechtigt, was

das für uns im Segeltraining, wie

wir es anbieten, denn zu bedeuten

hat. Warum schreibe ich das alles?

Im Breitensport, Hobby- und Fahrtensegeln

von zyklusgerechten

Trainingsplänen zu sprechen ist

doch etwas hoch angesetzt.

Aber welcher ambitionierte,

wohlgesonnene und hilfsbereite

Segler kennt das nicht: Neues Boot

oder neue Segel, geiles Wetter, bissi

windig; man ist heiß, der Freundin/Gattin

das Neuerworbene und

die eigenen Kompetenzen vorzuführen,

zu beweisen, welch toller

Hecht Mann im See ist – und dann

geht das Unterfangen völlig daneben,

die Frau steigt blass und bleich

am Ende einer misslungenen Runde

aus dem Boot, flucht vor sich

hin, droht gar am Ende mit Streik

in der Küche und damit, nie wieder

aufs Boot zu steigen …

Ja, diese Szene ist absichtlich

überspitzt dargestellt, wenngleich

wir genau das auch schon öfters so

beobachten konnten. Nicht zuletzt

sind es aber genau solche Situationen,

die uns Frauen schildern,

wenn sie sich bei uns für ein reines

Frauentraining – von Frauen für

Frauen – anmelden.

Frauen sind nicht ängstlich, sind

nicht zaghaft, sind auch nicht feige.

Sie sind evolutionstechnisch bedingt

vorausschauender (Anbau

und Beeren sammeln), verantwortungsbewusster

(wer kümmert

sich um den Nachwuchs), weniger

kompetitiv (Das Sprüchlein: „Zwei

Boote sind eine Regatta“ ist eher

unbekannt) und müssen auch nicht

ein Mammut erlegen. Frauen haben

meist eine geringere körperliche

Kraft, dafür sind sie lösungsorientiert

und nicht problemfixiert.

Und genau das braucht ein guter

Skipper: Erst wenn du das Boot

und die Crew aus der Gefahrenzone

bekommen hast, ist es Zeit

zu überlegen, warum du da eigentlich

überhaupt hineingeraten bist!

Aber auch genau darin liegt oft der

Hund begraben, warum selbst liebevolle

Ehemänner in bester Absicht

nicht das vermitteln können,

was ihre Frauen gerade an Informationen

und Fertigkeiten bräuchten

und lernen möchten, oder sie

auch nur einfach dazu ermutigen

können, sich doch selbst mal ans

Ruder zu stellen.

SPASS AN DER SACHE HABEN

Die körperliche Überlegenheit und

das Draufgängertum, das Selbstvertrauen

der Männer, ermöglicht

es ihnen, manche Stufen im Lernprozess

vorerst einmal zu überspringen

– irgendwann kommt

dann der Punkt, an dem sie merken,

dass da was von der Basis

fehlt, das sie dann nachholen.

Frauen hingegen lernen gerne step

by step, wiederholen so oft, gehen

oft einen Schritt zurück, bis sie

selbst den Eindruck haben, dass

sie es können.

Kein Schritt wird übersprungen,

denn meist ist die Körperkraft

nicht vorhanden, eventuell fehlendes

Know-how auszugleichen

(Leinenziehen z. B.). Frauen muss

man die schweren Dinge nicht aus

der Hand nehmen und ihnen helfen,

sondern erklären, wie es gehen

könnte, mehrere Möglichkeiten

aufzeigen, Zeit geben zu überlegen,

zu üben, zu wiederholen und die

Geduld haben, es sie selbst erforschen

zu lassen.

Wir haben in unseren Trainings

viele Techniken entwickelt, wie

Frau sich das Leben an Bord leichter

machen könnte, diese geben

wir dann gerne situationsangepasst

weiter. Es geht auch nicht immer

darum, möglichst viel Lernstoff in

kurzer Zeit reinzupacken (Null auf

100-Kurs – FB2 Theorie und Praxis

mit Prüfung in fünf Tagen – wir

sind keine Segelschule mit Prüfung),

sondern so viel und jenen

Inhalt zu vermitteln, wie gewünscht

ist, und genug Zeit einzuräumen,

dies zu üben und auch wirklich

einwirken zu lassen.

Und das ohne Erfolgsdruck – wir

trainieren ja nicht für die Olympia-

Teilnahme, sondern dafür, dass

sich Frauen an Bord sicher und

wohl fühlen, kompetent im Rahmen

ihrer Wünsche werden oder

einfach nur wieder Spaß an der

Sache haben können. Viele Frauen

Rund 70 Prozent unserer

Damen, die wir an Bord

begrüßen durften, gaben

an, keine Lernschritte

überspringen zu wollen!

2/2022 33


Skipperin

kommen mit dem Wunsch zu uns,

konkrete Themen zu üben und

nicht das Gesamtpaket nehmen

zu müssen. Dinge zu üben, Fragen

zu stellen und diese so aufbereitet

beantwortet zu bekommen, dass

sie damit arbeiten können.

LASST DIE FENDER

KNUTSCHEN

Oftmals erzählen sie uns, dass der

liebmeinende Göttergatte immer

das (höchst komplexe und nervenaufreibende)

Anlegemanöver

macht und dann ganz stolz das

Ruder fest umklammert, während

sie mit der schweren Mooring rennen

darf und ihr das Kreuz dabei

abfällt, bei dem Versuch, entsprechenden

Zug aufzubauen …

Wir entmystifizieren die männliche

Leistung des In-die-Lücke-

Findens und zeigen, wie man mit

Maschinenhilfe oder unter Nutzung

des Körpergewichts keinen

Kraftakt aus der Leinenarbeit machen

muss. Ein Thema, das ganz

oft aufpoppt, ist die Angst, irgendetwas

kaputtmachen zu können –

meist bei Anlegemanövern. Durch

viele Situationen im Straßenverkehr,

aber auch eben durch die oft

hektischen und schlecht vorbereiteten

Manöver, die Frauen als Leinenarbeiterinnen

erleben mussten,

sitzt die Angst sehr tief, dass das

Boot einen Schaden erleidet, wenn

der Fender mit dem benachbarten

Boot knutscht.

Klar, beim Auto gibt es sehr

schnell sehr kostspielige Kratzer,

beim Boot hilft jedoch oftmals ein

„ Frauen sind evolutionsbedingt vorausschauender,

verant wortungsbewusster, weniger kompetitiv und

müssen auch kein Mammut erlegen können.“

Sie führt.

So geht Treibanker.

Gut gecoacht mit

Hildegard Etz und Petra Weiß.

Auch die Bergetechniken nach erfolg -

reichem POB-Manöver können mit Spaß

und Leichtigkeit geübt werden.

Wir können

über alles reden.

Kleine hilfreiche Tricks

bei der Leinenarbeit.

Kenter-Training auf dem Neusiedler See.

Teamwork statt Muskelkrampf.

FOTOS: SAILSWOMAN.AT (7), SHUTTERSTOCK (2)

34 2/2022


nasses Tuch mit Spüli und der

„Schaden“ ist behoben. Lasst die

Fender ihre Arbeit tun, sonst

wären sie ja unnötig!

LÖSUNGEN AUF NEURO-

KOGNITIVER EBENE

Diese Ängste sind oft Thema, das

beim geselligen Beisammensitzen

in kleiner Runde gerne diskutiert

wird. In reinen Damenrunden hat

keine die Angst, dass sie in ihren

Sorgen, Bedenken und Ängsten

nicht ernst genommen wird oder

diese als lächerlich und völlig absurd

abgetan werden. In den lauschigen

Pflichtgesprächen entsteht

oftmals eher eine selbsthilfegruppenartige

Stimmung, wo sich jede

ihre eigenen Erlebnisse und Bedenken

von der Seele reden kann

und auch Gleichgesinnte mit gleichen

Erlebnissen trifft.

Hier werden untereinander

mögliche Herangehensweisen

besprochen und wir entwickeln

gemeinsam individuelle Lösungen.

Als Coaches haben wir auch immer

Techniken im Gepäck, Angstsituationen

auf neurokognitiver

Ebene zu lösen, einfache Übungen,

um Situationen umzuprogrammieren.

Denn ist die Angst

einmal mit einem Erlebnis fest

assoziiert, kann sie durch rationale

Erklärungen nicht genommen

werden (z. B. starke Krängung –

Panik vorm Kentern), was zum

Teil bis zur Handlungsunfähigkeit

führen kann.

Das mag nun alles sehr steif und

trocken klingen. Aber in unseren

nunmehr fast neun Jahren Damen-

Trainingserfahrung mit unzähligen

Teilnehmerinnen und Wiederholungstäterinnen

haben wir

folgende Erkenntnis gewonnen:

Frauen sind keine halben Männer.

Und Frauen machen auch keine

halben Sachen!


Segeltraining von Frauen für Frauen

Hildegard Etz ist professionelle Skipperin mit Coaching-Ausbildung und Petra Weiß Skipperin

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Frauen im Verband

Unter

Seglerinnen

Die Blue Water Womens Challenge hat sich das Ziel gesetzt, die Schönheit, den

Spaß und die Faszination des Segelns mit möglichst vielen Frauen zu teilen.

Text WOLFGANG GEMÜND | Fotos BWWC

Noch immer ist Segeln ein sehr

von Männern dominierter Sport,

erzählt Veronika Siegl, Gründungsmitglied

der Blue Water Womens

Challenge (BWWC): „In der gesamten

Seglerszene machen Frauen einen Anteil

von nur gut zehn Prozent aus. Reine

Männertörns sind selbstverständlich,

aber haben Sie schon einmal von reinen

Frauentörns gehört?“

Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt

Siegl. Für viele Frauen sei es immer noch

schwierig, sich die nötige Freizeit für

das Segeln herauszunehmen. Der organisatorische

Aufwand, um Familie und

Haushalt während des Törns gut versorgt

zu wissen, sei erheblich, und viele

Frauen hätten zudem das Gefühl, sich

rechtfertigen zu müssen, warum sie

denn schon wieder auf dem Meer unterwegs

seien. So mancher Frauentörn

scheitere aber auch an den Kosten –

größere Crews bräuchten schließlich

größere und daher auch teurere Yachten.

Um Frauen Mut zu machen, es mal

mit dem Segeln zu probieren, und um

sich untereinander besser zu vernetzen,

wurde vor 21 Jahren der BWWC gegründet.

Zu Beginn waren es 15 Seglerinnen,

die sich vor allem bei Skippertrainings

trafen und reine Damenteams bei Regatten

bildeten.

Inzwischen hat sich der Verein neben

dem sportlichen Aspekt auch anderer

Facetten angenommen und zählt über

70 segelbegeisterte Frauen. Es werden

neben den vier bis acht Regatten im Jahr

auch gemeinsame Urlaubs- und Kulturtörns

organisiert, in Graz und Wien

werden regelmäßig Stammtische abgehalten

und seit 15 Jahren findet am

Neusiedler See ein jährliches BWWC-

Wochenende statt, an dem die Damen

mit eigenen Booten teilnehmen oder

mitsegeln können.

Pläne für weitere Aktivitäten gibt es

viele, erzählt Veronika Siegl. So möchten

die Seglerinnen die Kontakte zu Frauensegelvereinen

in Slowenien, Kroatien

und Deutschland vertiefen. Mehr sportliche

Wettfahrten auf den heimischen

Seen und mehrtägige Hochsee-Regatten

stehen ebenfalls auf der To-do-Liste.

è www.bwwc.at

Damen im

Regatta-Modus.

An Bord von

Frau zu Frau.

Von der Seglerin

zur Skipperin.

36 2/2022


Jubiläumstörn „20 Jahre BWWC“

PANORAMA

Frauen im Verband

GRIECHENLAND. Im Dezember 2000

wurde die Blue Water Womens Challenge

(BWWC) gegründet. Zum 20.

Geburtstag des Vereins war 2020 ein

Jubiläumstörn in der Ägäis angesetzt,

der coronabedingt erst ein Jahr später

realisiert werden konnte.

Ende September 2021 war es aber

so weit: 13 Frauen – jüngere und

erfahrenere, Segelprofis und -neulinge

– lichteten auf einer Oceanis 45

und einer Elan Impression 40 in Alimos

die Anker. Die Route führte eine

Woche lang über Ägina, Palaia, Epidaurus

(Peloponnes), Vathi (Halbinsel

Methana) und Perika (Ägina)

zurück nach Alimos.

Zu den angenehmen Seiten abseits

der sportlichen Challenge zählten

das sonnige Wetter und der günstige

Wind. Zu den unangenehmeren die

vielen anderen Segelyachten, die es

manchmal schwierig machten, einen

Liegeplatz im nächsten Hafen zu bekommen.

Der letzte Tag brachte dann das

vermeintlich ersehnte Abenteuer:

Endlich war starker Wind angesagt!

Mit gerefften Segeln überquerten die

beiden Frauencrews den Saronischen

Golf und waren dort mehrere Stunden

unterwegs.

Der Wind blies immer wieder mit

bis zu 30 Knoten in die Segel, doch

der Ausgangshafen wurde sicher und

souverän von den perfekt eingespielten

Crews erreicht.

Links Ankermanöver bei

Lagouses, rechts die

Crew der Oceanis 45.

Gemütlich bis sportlich

Die BWWC-Crews

am Neusiedler See.

BURGENLAND. Es waren sehr intensive,

sportliche, unterhaltsame, lustige

und lehrreiche vier Tage, die die

die Teilnehmerinnen an den Ladies

Days 2021 in Rust und Illmitz verbracht

haben.

Der Donnerstag begann in Rust

sehr heiß und mit Verspätungen.

Nachdem letztlich alle drei Boote des

BWWC ablegen konnten, erwischten

die Crews noch in der Ruster Bucht

einige heftige Böen. Mit gutem Wind

und etwas Regen wurde nach Illmitz

gesegelt, wo man dann auch einen

urigen „Hüttenabend“ verbrachte.

Nach einer gemeinsamen Yogaeinheit

und einem guten Frühstück

am Freitag weckte der aufkommende

Wind die Segelfreude. Unter Anleitung

der Trainerinnen Hildegard

und Petra (www.sailswoman.at)

wurde zügig nach Rust gesegelt.

Der Regatta-Samstag zeigte sich

anfänglich von der sonnigen Seite.

Schnell ins Boot und auf ging es

Richtung Süden zur Startlinie –

gegen 13 Uhr zogen dunkle Regenwolken

hinter Fertörakos und etwas

hellere aus Richtung Neusiedl auf.

Und dann fielen auch schon die

ersten großen Regentropfen.

Wenig überraschend folgte das

Motorboot, von dem aus die Wettkampfleiterin

die Absage der Regatta

verkündete: Sturmwarnung wegen

drohenden Gewitters! Also zurück in

den Hafen, die Boote wurden rasch

versorgt und danach trafen sich die

Crews in der Kantine auf eine zünftige

Jause und ein paar Spritzer.

Am Sonntag kamen die Damen

noch in den Genuss einer privaten

Stadtführung durch Rust mit vielen

Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen

Details, die zum Teil sogar

bekennende Neusiedler-See-Fans

überraschten. Eine Flasche burgenländischer

Wein als Erinnerung an

die Ladies Days wurde bei der Heimreise

natürlich auch eingepackt.

2/2022 37


Wissen und Meer

FOTO: SHUTTERSTOCK

Frauen

ans Ruder

Immer wieder erlebe ich diese oder ähnliche

Geschichten im Hafenkino: Die Yacht steuert den

Liegeplatz an, der Mann steht lässig am Ruder, die

Frau übernimmt die Leinenarbeit am Heck oder

am Bug. Und gar nicht so selten hört man dann

den berühmten Satz: „Spring, Schatzi, spring!“

Ganz abgesehen davon, dass

Springen beim Anlegen

ein absolutes No-Go ist,

passt das bei der gendermäßigen

Betrachtung dieser Situation überhaupt

nicht. Die Fragen sind schon

erlaubt, ob nun das Steuern einer

Yacht oder das Werfen einer Leine

die körperlich schwerere Tätigkeit

ist. Oder warum das Festmachen

der 15-Tonnen-Yacht bei Seitenwind,

wo manchmal auch Muskelkraft

gefordert ist, unbedingt der

Frau überlassen wird. Es stimmt

schon, Männer haben gerne das

Ruder in der Hand, aber ob das

am Beginn der dritten Dekade im

3. Jahrtausend noch zeitgemäß ist,

wage ich zu bezweifeln.

Ich organisiere, entwickle und

begleite die nautische Bildung nun

doch schon seit einigen Jahren

und ich bemerke tatsächlich eine

Trend umkehr. Waren vor Jahren

noch die Lehrsäle gefüllt mit

Männern und die Frauen Exoten,

so bemerke ich jetzt, dass manche

Theoriekurse zur Erlangung des

Befähigungsausweises für den

Fahrtenbereich 2 bereits zur Hälfte

von Frauen belegt sind. Im Jahresdurchschnitt

sind immerhin fast

30 % der TeilnehmerInnen Frauen

– das bestätigt eindeutig den

Trend: Frauen übernehmen auch

beim Segeln die Führung.

Noch ein kleine Statistik: Der

größte Yacht Club Österreichs bietet

Kojensegeln in ausgewählten

Revieren an, der Frauenanteil

betrug 2021 ebenfalls fast 30 %.

Was heißt das nun für die Bildungsverantwortlichen

in den

Vereinen und in den Segelschulen?

Nun, der erste Schritt ist klar, wir

sollten die Zeichen der Zeit wahrnehmen

und erkennen, dass auch

Frauen endlich die nautischen Bereiche

(egal ob auf dem Motorboot

oder auf der Segelyacht) erobern.

FÜHRUNGSQUALITÄT

Ein bekannter Charterunternehmer

bestätigt den Trend, dass immer

mehr Familien ihren Urlaub

gemeinsam mit den Kindern auf

einem Boot verbringen. Damit

liegt der zweite Schritt auf der

Hand, nämlich die Bedürfnisse

und die Nachfrage ernst nehmen:

Da sind einerseits die Frauen,

die nicht nur Hilfsdienste in der

Pantry erledigen, sondern sich

andererseits auch aktiv am Bordgeschehen

und in der Seemannschaft

beteiligen wollen.

Übrigens ein nicht zu unterschätzender

Sicherheitsaspekt. Wir

wissen, ein gut ausgebildeter und

erfahrener Skipper ist die beste

Versicherung für die Partnerin an

Bord. Aber welche Versicherung

hat der Skipper, wenn was passiert,

wenn etwa ein medizinischer Notfall

eintritt, wer steuert dann die

Yacht? Wer setzt den Notruf ab?

Der dritte Schritt in diesem

Reigen ist eindeutig die Förderung

und Ausbildung von ambitionierten

Frauen. Sei es bei Regatten, sei

es bei einer expliziten Unterstützung

in den Führungsetagen der

Vereine und Verbände. Im Präsidium

des Österreichischen Segelverbands

finden sich bereits zwei

Frauen, damit wird der OeSV

seiner Vorbildfunktion gerecht.

Die p. t. Leserschaft ahnt schon,

was jetzt zum Schluss kommt: Der

Appell an die Frauen: „Nehmt das

Ruder in die Hand!“ Und ein Zuruf

an die Männer: „Lasst die Frauen

ans Ruder!“


GOTTFRIED

TITZL RIESER

ist Ausbildungsreferent

des Yacht Club Austria.

Er ist passionierter

Fahrtensegler und hat

insgesamt so um die

20.000 Seemeilen in

seinen Logbüchern

dokumentiert.

Sein Motto: „Die See ist

der beste Lehrmeister!“

kolumne@ocean7.at

38 2/2022


Strom

sucht Leiter

Die Palette der e’dyn-Elektromotoren

reicht von 2,8 bis 20 kW.

Aktuell wird ein Händler für

Österreich gesucht.

E-POWER. Der slowenische Hersteller

Podkrižnik, der seit Jahrzehnten

Konzerne wie Bosch, Porsche oder

Siemens be liefert, produziert unter

dem Markennamen e’dyn (Abkürzung

für Electric Dynamic Nautics)

elektrische Antriebstechnik für

die Schifffahrt. Neben

Elektromotoren für

Segelyachten sowie Innen-

und Außenboardern

für Motorboote bieten

die Slowenen mit den

Free Time-Modellen auch

tragbare Aggregate für Nachen,

Zillen und Co. an.

Podkrižnik betont, dass

man bei der Konstruktion

neben optimaler Leistung

auch auf minimales Gewicht

achtet. Der Einstiegsmotor

e’dyn 0305

bringt denn auch nur

schlanke 17 kg auf die

Waage. Insgesamt gibt es fünf Modelle,

deren Leistung von 2,8 bis beachtliche

20 kW reichen. Die beiden

Topmodelle e’dyn 1120 und

2035 wiegen jeweils 45

kg. Entwickelt wurde

auch ein zu den E-

Motoren passender,

ebenfalls gewichtsreduzierter

Akku

mit 2,5 kW/h.

Interessenten

müssen derzeit

noch über die Grenze

blicken, für den Vertrieb

in Österreich ist

Podkrižnik noch auf der Suche

nach einem passenden Händler.

è www.edyn-marine.com

Topmodell e’dyn

2035 mit 20 kW.

e‘dyn-Präsenz

auf der Boot

Tulln 2020.

Besuchen Sie uns

in unserem

Schauraum in Traun

und vereinbaren Sie noch

heute einen unverbindlichen

Beratungstermin.

Frisch aus der Nobelwerft

LUXUSCHARTER. Als kroatischer

Azimut-Händler, der zugleich Motor -

yachten verchartert, verfügt Splendid

Yachting stets über die neueste und

feinste Ware der italienischen Nobelwerft.

Ganz frisch aus den Werkshallen

in Viareggio ist eine Azimut 78 Fly eingetroffen,

die in der Marina Mandalina

in Šibenik für Törns in die Adria vermietet

wird. Um die Yacht und die bis

zu acht Gäste kümmert sich eine 3-köpfige

Crew. Auf die Gäste warten u. a.

vier extravagante Kabinen mit eigenen

Bädern, Klimaanlage und TV im Salon

und in allen Kabinen, eine große Fly -

bridge mit Sundowner-Bar, ein sportliches

Tenderboot, ein Seadoo Jetski,

ein Seabob und ein Radinn Jet-Board.

Wichtig: Dank ihres abgetrenntem

Crewbereichs im Bug bietet die Azimut

Gästen Privatsphäre wie keine andere

Yacht dieser Größe.

è www.splendidyachting.com

Azimut 78 Fly zu chartern.

Ihr Importeur für Österreich

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Tanz um

Philippinen

FOTO: NASA/TERRA-MODIS

Supertaifun Rai aus der

Weltraum-Perspektive.


Tropenstürme sind auf den Philippinen keine Seltenheit –

jährlich rund 20 Taifune fegen über den Inselstaat hinweg.

Kurz vor Weihnachten des letzten Jahres jedoch zog Rai eine

Spur der Verwüstung nach sich. Mutiert zu einem Supertaifun

mit bis zu 140 Knoten Speed, machte er auch uns in der an

sich gut geschützten Tambobo Bay das Leben schwer.

Text und Fotos WOLFGANG HAUSNER

den Taifun

Wir lagen in der Bucht

im Süden der Insel

Negros, als der österreichische

Kat Emma

Peel einlief. Der Eigner Robert

Winkler ist ein alter Freund, wir

hatten schon öfter einen netten

Ankerplatz auf den Philippinen

geteilt.

Robert ist mit einer Filipina verheiratet

und unternimmt wie ich

und Loida Fahrten durch Südostasien.

Sein zehnjähriger Sohn Louis

ist auf dem Boot aufgewachsen und

kennt kein anderes Leben als das

auf dem Wasser. Robert kaufte den

Holz-Kat in Thailand, aber gebaut

wurde er viele Jahre zuvor in Carmen

auf Cebu von einem gemeinsamen

Bekannten, dem Amerikaner

Mike Allen. Jetzt wollte Robert sein

Boot auf den Strand setzen, um das

Antifouling zu erneuern.

Nur 200 Meter weiter stand

bereits eine andere Yacht im Sand.

Sie gehörte Mark, einem Engländer

im Rasta-Look, der vor langer Zeit

einen Gaffelkutter von dem Belgier

Eric erstanden hatte. Aber je mehr

sich Mark damals in die Tiefe des

Schiffes wühlte und mit faulem

Holz um sich warf, desto mehr

Schäden kamen zum Vorschein.

Der vorherige Eigner hatte eine

kleine, aber bedeutungsvolle Episode

unerwähnt gelassen. Auf seiner

letzten Fahrt wollte Eric seinen

Eigenbau nach der Touristen-Insel

Boracay segeln, um dort über die

Weihnachtsfeiertage die Puppen

tanzen zu lassen.

Aber so weit kam es nicht, auf

dem Weg dorthin geriet er in den

Außenbereich eines Taifuns und

wurde kurzerhand auf den Strand

einer der Cuyo-Inseln geworfen.

Eric konnte von Glück reden, nur

einen Streifschuss abbekommen zu

haben. Egal wie, er hinkte zurück

nach Tambobo, reparierte so gut

es ging, aber ab dann wollte er verkaufen.

Mark war dann die nächsten

zehn Jahre damit beschäftigt,

einen neuen Rumpf um den noch

brauchbaren Rest zu bauen. Jetzt

stand der Gaffelkutter aufrecht am

Sandstrand, total im Lot, abgestützt

durch angebolzte Aluminiumrohre

mit Bodenplatten an den unteren

Enden. Mark hatte diese teleskopartige

Konstruktion eigens aus

England kommen lassen. Dort

wird sie häufig in Tidengewässern

verwendet, versicherte er mir.

Ich konnte ihm nur beipflichten,

denn Jahre zuvor fiel sein Boot

plötzlich auf dem Strand um, als

die verwendeten Bambusrohre

nicht ihren Zweck erfüllten. Sein

damaliger Arbeiter Nelson ließ zu

dem Zeitpunkt den Farbtopf fallen

und rettete sich durch einen blitzschnellen

Hechtsprung, ansonsten

wäre er ebenso zerquetscht worden

wie das Beiboot.

MÜCKE WIRD ELEFANT

Mit Mark lag ich in der Vergangenheit

öfter im Clinch, weil wir uns

dauernd um Delfin stritten, den

besten Tischler weit und breit. Er

arbeitete öfter für Mark, ich benötigte

ihn aber jedes Mal, wenn ich

in Tambobo war, für anfallende

Reparaturen. Jetzt, nachdem Mark

endlich mit seinem Bootsbau fertig

war, hatte sich auch unser Verhältnis

gebessert und wir konnten

wieder normal miteinander reden.

Der innere Teil der Bucht war

mit etwa drei Dutzend Yachten

belegt, die alle an einer Muring

2/2022 41


FOTO: SHUTTERSTOCK

Philippinen

Die Bucht von Tambobo ist ein auch unter

Weltenbummlern beliebter Liegeplatz.

Emma Peel, der Katamaran des Österreichers Robert Winkler. Robert segelt mit Frau und Kind. Marks Gaffelkutter wurde von einem Taifun an Land gespült.

FOTO: GERNOT WEILER

WOLFGANG HAUSNER

ist Weltumsegler,

Schriftsteller und

ocean7-Autor. Derzeit

weilt er mit seiner

Taboo III, einem

18-Meter-Katamaran,

auf den Philippinen

und bietet individuelle

Mitsegel gelegenheiten

an.

wolfgang-hausner.com

hingen. Nur wenige davon zeigten

Leben an Bord, der Großteil der

Besitzer hielt sich gar nicht auf den

Philippinen auf, viele waren schon

seit Jahren abwesend. Kein Wunder,

Tambobo war eine sehr gut

geschützte Bucht und praktisch

sicher vor Stürmen.

Die Crews der wenigen bewohnten

Yachten trafen sich öfter in

einem der Stelzenrestaurants am

Ufer, um sich am leckeren Buffet

den Bauch vollzuschlagen und die

letzten Neuigkeiten auszutauschen.

Gestört wurde dieses beschauliche

Leben vom Taifun Rai, der

eine Woche vor Weihnachten unerwartet

zuschlug. Die tropische

Depression in Mikronesien, die

langsam nach dem Westen wanderte,

fand erst wenig Beachtung.

Schließlich passiert das regelmäßig,

ohne dass gleich ein Wirbelsturm

daraus wird. Kurz vor dem philippinischen

Archipel machte das Tief

allerdings eine Metamorphose zu

einem Taifun durch, der zusehends

stärker wurde – und damit begann

ein allgemeines Aufwachen.

SUPERTAIFUN

Jetzt wird es ernst, dachte jeder,

zumal die Zugbahn diesmal viel

südlicher als üblich verlief. In der

allgemeinen Hektik wurden die

Muringe gecheckt, Extra-Seile ausgebracht

und unnötige Sachen vom

Deck entfernt. Taboo III lag nahe

dem Ufer, vertäut an zwei Palmen

mit zwei Anker achteraus. Bombensicher,

außer ein Baum wird

entwurzelt und kracht auf den Kat

oder Fischerboote schlieren bei

auflandigem Wind und zerquetschen

Taboo III. Aber man sollte

sich nicht gleich das schlimmste

Szenario ausmalen.

Windy.com lieferte ein eindrucksvolles

Bild am Donnerstag,

dem 16. Dezember 2021. Taifun

Rai schraubte sich bereits durch die

42 2/2022


Philippinen und es war jetzt eindeutig,

dass Tambobo in weniger als

zwölf Stunden in der Schusslinie

liegen würde. Zuerst waren sehr heftige

westliche Winde angesagt. Für

Taboo III würde das ablandige Böen

bedeuten, aber gemildert durch die

Landzunge und die Bäume, solange

sie stehen bleiben. Später würde es

aus dem Südwesten und Süden pfeifen,

praktisch schräg auflandig.

Was mich beunruhigte, war das riesige

Fischerboot, das sich vormittags

bei noch gutem Wetter ebenfalls an den

Strand schräg hinter Taboo III gelegt

Tischler Delfin (hinten)

stand leider die meiste

Zeit in den Diensten

von Mark (links).

„ Es war eindeutig, dass Tambobo

in weniger als zwölf Stunden in

der Schusslinie liegen würde.“

hatte. Momentan saß es bei Niedrigwasser

auf, aber in der Nacht mit der

hohen Tide würde es schwimmen,

gerade zu dem Zeitpunkt, an dem die

stärksten Winde zu erwarten waren.

Über das Internet konnte ich den

Fortschritt von Rai beobachten, der

sich jetzt zu einem Supertaifun mit

bis zu 140 Knoten Geschwindigkeit

gemausert hatte. Das gilt allerdings

nur für die Winde, die unmittelbar

um das Zentrum rasen. Je weiter man

davon entfernt ist, desto weniger wird

man in Mitleidenschaft gezogen.

Mit der hereinbrechenden Dunkelheit

begann der Wind immer mehr zu

heulen und ab zehn Uhr abends war

es dann mit dem Internet vorbei. Der

TAUSEND GRÜNDE,

EIN PARTNER


Philippinen

Aufräumarbeiten in der Tambobo

Bay nach dem Taifun Rai.

„ Fischerboote verkeilten sich

ineinander, wurden von den

brechenden Wellen vollgeschlagen

und gingen auf Tauchstation.“

QUELLE: WIKIPEDIA

Supertaifun Rai

Der Taifun Rai, auf den Philippinen als Taifun Odette bekannt, war der neunte Taifun der

Hurrikansaison 2021 im Ocean Pacific Northwest.

Kategorie

5 (SSHWS)

Entstehung 12. Dezember 2021

Auflösung 22. Dezember 2021

Spitzenwind-

geschwindigkeit

Niedrigster Luftdruck

220 km/h (140 mph) (10 Minuten anhaltend)

295 km/h (185 mph) (1 Minute anhaltend)

915 hPa hPa (mbar)

Tote 393

Sachschäden 737 Millionen US-$ (2021)

Betroffene Gebiete


Das große Fischerboot schräg

achtern war keine Gefahr …

… für Taboo III, andere Schiffe

kamen nicht so glimpflich davon.

Caroline Islands, Palau, Philippinen,

Spratly Islands, Vietnam, Südchina, Hongkong, Macau

Stromausfall, hier Brown-out

genannt, ließ alle Lichter rundherum

erlöschen. Zu sehen war

nichts, der peitschende Regen

dämpfte die Geräuschkulisse,

nur einmal hörte ich etwas auf

ein Wellblechdach donnern.

Taboo III wurde zusehends mit

Blättern und Zweigen bombardiert,

der Aufenthalt an Deck

wurde gefährlich.

Mittlerweile hatte der Wind

auf Südwest gedreht, das große

Fischerboot vor mir wurde jetzt

weiter in die Bucht geblasen, also

hatte ich eine Sorge weniger.

Als der Orkan auf Süd drehte

lag niemand mehr vor mir und

bald danach begann sich die

Situation langsam zu bessern.

AUF TAUCHSTATION

Zu Morgengrauen war der Spuk

vorbei. Unzählige grüne Blätter

klebten auf dem nassen Deck. Die

Yacht Nemo, die nicht weit von

Taboo III an einer Muring lag,

registrierte über 60 Knoten. Der

schwedische Trimaran Papillon

maß allerdings 80 bis 90 Knoten,

was aber wahrscheinlich auf einen

lokalen Düseneffekt zurückzuführen

war.

Tambobo befand sich 50 Seemeilen

südlich des Zentrums.

Das mag nicht viel erscheinen,

machte aber einen großen Unterschied.

Der Schaden in der Bucht

hielt sich in Grenzen, einige

Yachten schlierten und strandeten

am Ufer, Fischerboote verkeilten

sich ineinander und andere

kleinere wurden von den brechenden

Wellen vollgeschlagen

und gingen auf Tauchstation.

In anderen Worten: Tambobo

war glücklicherweise mit einem

blauen Auge davongekommen,

wogegen die Verwüstungen auf

Bohol und Cebu verheerend

waren, wie sich später herausstellten

sollte.


44 2/2022


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Ocean Cleanup

Recycling an

Viele Wassersportler kennen dieses Bild: Kaum läuft man aus dem Hafen aus, taucht immer wieder

schwimmender Plastikmüll auf. Selbst bei einem Blick unter die Wasseroberfläche ist oft der gleiche

Unrat zu beobachten – den man aber an Bord wieder in einen Rohstoff verwandeln kann.

Text und Fotos MANUEL MARINELLI

In nahezu jeder Ankerbucht, in

jedem Bojenfeld und vor allem

auch nahe den Anlegern für

Fischerboote sind Abfälle jeder

Art zu finden. Von alten Netzen

und Leinen über Plastikbesteck

und Geschirr bis hin zu Sesseln

und Tischen gibt es beinahe nichts,

das es nicht gibt.

Seit drei Jahren dokumentieren

wir an Bord unserer SY Independence

jede Sichtung von Plastik

während verschiedener Überfahrten

– und durchwegs haben wir

leider mehr Plastik als Makrofauna

(wie etwa Delfine, Wale, Schildkröten

und andere von der Oberfläche

aus sichtbare Meereslebewesen) zu

vermelden.

Dass es ein Problem gibt, war

schon lange klar. Die große Frage

war und ist, wie man dieses Problem

lösen kann. Aus dieser Überlegung

heraus wurde die Idee eines

Wettbewerbs für Schulen geboren.

Mit einer einfachen Aufgabe für alle

Teilnehmer: Was sind eure besten

Ideen, um mit möglichst einfachen

Mitteln so viel Müll wie möglich

aus dem marinen Ökosystem zu

entfernen? Die Gewinner sind eingeladen,

für je eine Woche mit an

Bord zu kommen, ihre Prototypen

zu bauen und natürlich auch gleich

in der Praxis zu testen! Schon im

ersten Probelauf – aufgrund von

46 2/2022


Sea trials mit „Oliver“.

Prototyp „Oliver” zum Entfernen

von Plastik aus dem Meer.

Workshop im Hafen von Palermo.

Bord

Project Manaia

Reisebeschränkungen leider erst

einmal nur für Schulen in Sizilien –

hatten wir zahlreiche inno vative

Teilnehmer.

Während unseres Stopps in Palermo

durften wir zwei Gruppen von

jungen Erfindern an Bord begrüßen

Project Manaia ist eine österreichische Non-Profit Organisation, die sich aktiv um den

Schutz der Meere bemüht. An Bord ihres Forschungsbootes Independence segeln

Manuel und Pinar Marinelli seit vier Jahren im Dienste der Umwelt durch das Mittelmeer.

So konnten wichtige Forschungsergebnisse in Zusammenarbeit mit verschiedenen NGOs

sowie Feldstationen und Tauchzentren gesammelt werden. Nähere Informationen und die

Möglichkeit, das Project Manaia auch finanziell zu unterstützen, gibt es auf der Webseite

è www.projectmanaia.at

Wer selbst Cleanups organisieren oder mehr über die verschiedenen Recycling-Optionen

an Bord erfahren möchte, kann sich gerne direkt per E-Mail melden unter

è info@projectmanaia.at

und mit ihnen gemeinsam die Entwürfe

in funktionstüchtige Prototypen

verwandeln. Wilson und

Oliver, wie die Geräte getauft wurden,

sind aus Alltagsgegen ständen,

die in jedem Baumarkt zu finden

sind, gebaut worden und können

mit jedem Boot leicht geschleppt

werden.

Schließlich sollen ja langfristig

auch andere Segler motiviert werden,

mit solchen Geräten Mikround

Makroplastik aus dem Meer

zu entfernen (Mikroplastik steht

für alle Teile, die kleiner als 5 mm

sind, Makroplastik ist alles, was

größer als 5 mm ist).

Der Besuch der Gruppen war

allerdings nicht nur für die Schüler,

sondern auch für unsere Crew an

Bord eine Erfahrung: Innerhalb

der wenigen Tage mit den Jugendlichen

konnten wir nicht nur zusehen,

wie aus Skizzen auf dem

Papier tatsächlich funktionierendes

Gerät wurde, das, vom Boot gezogen,

auch wirklich Müll sammelte.

Wir konnten auch beobachten, wie

innerhalb der kurzen Zeit in der

Gruppe ein ganz neues Verständnis

für das Ökosystem „Meer“

entstand.

WEG VON DER SCHULBANK,

HINAUS AUFS MEER

Obwohl Palermo (wie viele andere

Großstädte Italiens) direkt am

Meer liegt, war das Stadtzentrum

historisch gesehen nicht an der

Küste zu finden, da Angriffe auf

solche Siedlungen in der Regel

vom Meer aus erfolgten.

Mit der Folge, dass bis heute nur

ein Bruchteil der Einwohner auf

dem Wasser war und noch weniger

mit einer Taucherbrille im Gesicht

einen Blick unter die Wasseroberfläche

geworfen hat.

Entsprechend überrascht war

auch das Feedback der Teilnehmer:

„Ich hatte keine Ahnung, wie viel

Müll, aber auch Leben in unserem

Meer hier in Palermo zu finden

ist“, oder: „Das war eine ganz

besondere Erfahrung, nach sechs

Jahren Gymnasium auch einmal

praktisch arbeiten zu können und

etwas von der Idee bis zur Umsetzung

selbst in die Hand zu nehmen,

einfach großartig!“

Natürlich spielte die Tatsache,

dass aufgrund der Pandemie viele

Schulen für längere Zeit geschlossen

waren und sich die Schüler

daher kaum treffen konnten, eine

2/2022 47


Ocean Cleanup

Detailaufnahme

von Plastikteilen, die

gesammelt wurden.

Untersuchung der gesammelten

Proben (Plastik).

Rai Uni (italienisches Fernsehen)

zu Besuch an Bord.

Manuel Marinelli beim

Beach Cleanup.

Müll nach einer

Aufräumaktion.

„ Ich hatte keine Ahnung, wie viel Müll, aber auch

Leben in unserem Meer zu finden ist.“

gewichtige Rolle. Mit ein Grund

dafür, dass dieses Projekt in den

Sommerferien durchgeführt wurde

und die Schüler offen und freiwillig

ihre Freizeit einbrachten, um daran

teilzunehmen.

RESTMÜLL ALS RESSOURCE

Eine der großen Fragen, die bei

jeder Aufräumaktion und folglich

auch während dieses Projekts immer

wieder aufkommen: Was passiert

jetzt mit all dem gesammelten

Restmüll? Die traurige Wahrheit

ist, dass auch wir es meist nicht

genau sagen können. Selbst wenn

alles fein säuberlich getrennt und

entsorgt wird, bleibt immer noch

die Frage, wo der Abfall letztendlich

landet.

Je nachdem, in welchem Teil der

Welt man sich befindet, kann es

leider auch vorkommen, dass derselbe

Abfall am nächsten Tag wieder

vorbeischwimmt. Inzwischen

gibt es aber viele Möglichkeiten,

auch im eigenen kleinen Rahmen

Recycling zu betreiben.

Mit Werkzeugen wie einem

Shredder (zum Zerkleinern der

Plastikteile in etwa 5 mm große

Flocken) bis zu einem Extruder

(der die geschmolzenen Flocken

in Formen presst) sind interessante

Recycling-Geräte online erhältlich.

Probleme an Bord bereiten jedoch

Platzmangel und vor allem die erforderliche

Energie, um produktiv

arbeiten zu können.

Nach langer Recherche konnten

wir aber auch dafür eine praktikable

Lösung finden: Ein großer

Teil des Plastiks, das wir täglich

aus dem Meer sieben, sind PET-

Flaschen. Diese können bei minimalem

Energieaufwand effizient

und flexibel recycelt werden.

Mit einem „PetBot“ lassen sich

die Flaschen in kleine Streifen

schneiden und in ein Filament

einschmelzen, das wiederum von

einem gängigen 3D-Drucker weiterverarbeitet

werden kann. Und

mit einem 3D-Drucker kann beinahe

alles hergestellt werden.

AUS ALT MACH NEU

Die Energiebilanz? Beide Geräte

benötigen etwa so viel Strom wie

ein Kühlschrank an Bord, können

also auch gut vor Anker mit Solarkraft

betrieben werden. Die neu

gewonnenen Produkte? Von

Schlüsselanhängern bis hin zu

Teilen für den Bordgebrauch

sind der Vorstellungskraft kaum

Grenzen gesetzt.

An Bord unserer Independence

konnten wir auf diesem

Wege mittlerweile nicht nur

Plastikmüll in großen Mengen

einsammeln, sondern

diesen auch recyceln und

in der Marina Ersatzteile,

Halterungen für Kameras,

aber auch Geräte für Beach

Cleanups entwerfen und

gleich selbst ausdrucken!

Schwimmende Forschungsstation

Nützliche Kleinigkeiten

aus recyceltem Plastik.

Die SY Independence ist eine Bruce Roberts Mauritius 43. Gebaut in einer britischen

Werft, ist sie trotz ihrer mehr als 30 Dienstjahre immer noch gut in Schuss. Eines der

wenigen Stahlsegelboote, die noch im Mittelmeer kreuzen.

Forschungsrouten. 2021: Monfalcone–Umag–Pula–Lošinj–Zadar–Split–Cavtat–Brindisi–Santa

Maria di Leuca–Messina–Palermo–Favignana–Licata. 2022: Messina–Napoli–

Rom–Elba–Korsika–Sardinien–Favignana–Sizilien. è projectmanaia.at/schedule

48 2/2022


Raum schaffen

SPORTTOURER. Nach den Absagen der

Bootsmessen in Düsseldorf und Tulln

sucht Bavaria noch nach einer Gelegenheit,

die Weltpremiere seiner Motorsport -

yacht SR36 würdig zu begehen. Aber dafür

gibt es jetzt schon die ersten echten

Fotos vom fertig gestellten Prototypen.

Auf 10,87 m haben die Bayern auf und

unter Deck sehr geschickt viele Komfortfeatures

untergebracht. Die serienmäßige

Badeplattform und die hintere Sitzgruppe

haben schon fast Beach-Club-Charakter.

Am Vorschiff findet man eine große Sonnenliege,

der Weg vom Heck zum Bug

wird durch breite Gangboards erleichtert.

Für den Eigner ist die große Kabine Mittschiffs

reserviert. Mit einem Bett, das

man auf zwei mal zwei Meter ausweiten

kann, und einem Sofa ist diese Kabine ein

Aus der Sitzgruppe

im Heck wird auch fix

eine Sonnenliege.

kleines Apartment. Für die Kabine im

Vorschiff haben Kunden beim Kauf die

Wahl: Ent weder mit Loft-Charakter offen

zum Salon, oder mit geschlossenen

Hauptschott, damit die Gäste ungestört

sind. Mehr Infos hat der Österreich-Importeur

Boote Riedl in Klagenfurt.

è www.boote-riedl.com

è www.bavariayachts.com

CRUISE

WITHOUT

LIMITS

Alles, was man braucht

Ein Kompendium

des Nützlichen.

WETTERSCHUTZ. Der auf nachhaltige Yacht-Bekleidung

spezialisierte Hersteller 4Sea aus Deutschland

hat mit der Black-Jack-Linie seine erste Jacke und

Hose für Schlechtwetter vorgestellt. Das aus recycelten

Fischernetzen hergestellte Material ist mit einem biobasierten

wasserabweisenden Finish namens ecore pell-

BIO behandelt. Die sehr leichten Stoffe sind nicht nur

recycelt, sondern können auch wiederverwertet werden.

è www.4sea.com

BOOTSZUBEHÖR. Vom Abdeckband bis zur Zylinderklemme:

Seit 25 Jahren versorgt Familie Ascherl

von Hard am Bodensee aus alle Wassersportfreunde

mit Bootszu behör – mit „GA-Nautic“

sogar mit einer eigenen Produktlinie.

Der über 400 Seiten stärke Jubiläumskatalog

wurde gerade druckfrisch aufgelegt

und umfasst über 7.000 Artikel,

darunter viele neue nützliche Produkte wie

Ferngläser, Uhren, Druckwasserpumpen, Unterwasser-LED

oder Verstärker.

è www.ascherl.at

Für stürmische Zeiten

DER NEUE AXIOM+

SMARTER, HELLER UND

NOCH ROBUSTER

Die besten Multifunktionsdisplays sind

jetzt noch besser. Die Geräte der

Axiom+ Serie sind mit einer High-

Resolution IPS LCD und HydroTough TM

Nano-Beschichtung ausgestattet, um

bei jedem Wetter perfekt via Touchscreen

bedient werden zu können. Mit

dem Quad-Core-Prozessor, dem

überragenden GPS und den komplett

neuen LightHouse Seekarten wird die

Navigation noch einfacher!

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Gefertigt aus

Fischernetzen.

raymarine.com


xxxxx xxxx

Die Blaue

Flotte

Es ist eine sehr spezielle Flotte, die an der Oberfläche der

Meere segelt und driftet. Ihre Vertreter umspannen mehrere

Größenklassen und besitzen unterschiedliche Baupläne.

Manche sind schwer bewaffnet, andere kapern diese

Waffen für eigene Zwecke. Gemeinsam ist ihnen ihre

Grund färbung, ein mehr oder weniger intensives Blau.

Ihr Revier ist der offene Ozean. Manchmal werden

sie aber in Küstengewässer verdriftet und es kann im

schlimmsten Fall zu Massenstrandungen kommen. Alle

zusammen zählen zu einer Kategorie von Lebewesen,

die Pleuston oder Epineuston genannt wird.

Text REINHARD KIKINGER

Was ist Pleuston? Als

sehr grobe Unterteilung

aquatischer

Lebensformen kann

die Art und Weise ihrer Fortbewegung

dienen. Aktive Schwimmer

wie Fische, Wale, Kalmare etc. werden

als Nekton zusammengefasst.

Dem gegenüber steht Plankton,

dessen räumliches Auftreten eher

durch Strömungen und nicht durch

aktive Fortbewegung bedingt ist.

Dazu zählen z. B. Quallen und

die ungeheure Fülle mariner

Kleinkrebse und Algen.

Die Gemeinschaft von Organismen,

die bevorzugt die obersten

Zentimeter der Wassersäule bewohnen,

wird als Hyponeuston

bezeichnet. Vor allem Kleinorganismen,

aber auch fliegende Fische

zählen dazu. Schließlich gibt es

einige Spezialisten wie die Vertreter

der Blauen Flotte, die an der

Grenzschicht von Wasser und Luft

leben bzw. segeln, sie werden als

Pleuston oder Epineuston zusammengefasst.

Diese künstlichen

Einteilungen können nur grob die

fließenden Übergänge in der Natur

reflektieren, selbst wenn immer

feinere Unterteilungen und neue

Zuordnungen definiert werden.

50 2/2022


©GARY BELL, WALLPAPER GOOGLE CHROME

Zwei Organismen der Blauen Flotte in Aktion. Die Nacktschnecke

Glaucus atlanticus frisst an den Tentakeln der

kreisrunden Polypenkolonie Porpita porpita. Die Tentakel

der Polypen besitzen zahlreiche Nesselzellen, aber die Nacktschnecke

schafft es, deren Giftentladung zu verhindern und

diese funktionsfähigen Waffen zu ihrer eigenen Verteidigung

in ihre fadenförmigen Fortsätze einzubauen. Diese „gestohlenen“

Nesselkapseln werden Kleptocniden genannt.

ANPASSUNGEN AN HARTE

UMWELTBEDINGUNGEN

Wahrscheinlich kann man sich

nur als Schiffbrüchiger vorstellen,

was es heißt, lange Zeit und völlig

schutzlos auf dem offenen Meer

zu treiben. Sengende Sonne, peitschender

Regen, Windstille und

Stürme, schwankende Temperatur

und Salinität, brechende Wellen,

spiegelglatte See und hohe UV-

Strahlung. Dazu kommt im Fall

der Blauen Flotte, dass sie Angriffen

durch Prädatoren aus dem

Wasser und aus der Luft ausgesetzt

ist. Fische, Meeresschildkröten und

andere Meeresbewohner zählen

ebenso zu potenziellen Fressfeinden

wie Hochseevögel.

Unter solchen Umständen zu

überleben erfordert ein hohes Maß

an Anpassung. Eine davon ist

Dieser „Schmetterling“ wird auch Seeschwalbe

oder Blauer Drache genannt und ist eine Schnecke.

Der Lebensraum von Glaucus atlanticus ist die

Wasseroberfläche der Hochsee.

ILLUSTRATION: SHUTTERSTOCK

2/2022 51


Auf dem Ozean

Porpita porpita ist eine Kolonie von Hydro -

polypen, die an der Unterseite und am Rand

eines zentralen Floßes angeordnet sind.

wohl die Färbung. Viele Vertreter

der Blauen Flotte sind entweder

transparent, oder sie sind an der

Oberseite blau, an der Unterseite

hell gefärbt. Das erschwert es, sie

aus der Luft oder aus der Unterwasserperspektive

zu erkennen.

Weil die meisten dieser Spezialisten

sehr klein sind, keine auffälligen

Eigenbewegungen vollführen,

sondern passiv an der Oberfläche

driften, hilft ihnen auch das, der

Aufmerksamkeit optisch jagender

Fressfeinde zu entgehen. Manche

der Flottenmitglieder sind stark

nesselnd und dadurch oft davor

geschützt, verspeist zu werden.

ZARTE SCHÖNHEIT

Der englische Name „blue button“

bezeichnet das Aussehen von Porpita

porpita sehr gut. Diese blau gefärbte

Kolonie von kleinen Hydropolypen

ist rund um ein knopfförmiges

Floß angeordnet. An dessen

Unterseite befindet sich ein

zentraler Fresspolyp, die Ränder

des Floßes sind von zahlreichen

kleineren Polypen mit zarten

Tentakeln besetzt.

Als Nesseltiere besitzen die Polypen

Nesselzellen zum Beuteerwerb

und zur Verteidigung. Die an der

Wasseroberfläche treibenden Kolonien

erreichen einen Durchmesser

von 3–4 Zentimeter und sind in

warmen Meeren weit verbreitet.

So wie die meisten Vertreter der Blauen

Flotte ist auch die Nacktschnecke Glaucus

atlanticus nur wenige Zentimeter groß.

Exakte Radiärsymmetrie.

Das gekammerte Chitinfloß von

Porpita porpita besticht durch

die Schönheit seiner Struktur und verleiht

der Kolonie den erforderlichen Auftrieb für das

Leben an der Wasseroberfläche.

SEGELQUALLE

Der englische Name „By-the-windsailor“

ist korrekter als die Bezeichnung

Segelqualle. Es handelt sich

nämlich bei Velella velella nicht um

eine Qualle, sondern um eine Verwandte

von Porpita, also ebenfalls

um eine Kolonie von Hydropolypen.

Velella besitzt ein ovales Chitinfloß,

das zusätzlich mit einem

hornigen Kamm ausgestattet ist,

der als Segel dient.

An diesem Floß sitzen Fress-,

Wehr- und Geschlechtspolypen.

Letztere produzieren winzige Medusen,

die in große Tiefen absteigen

und dort ablaichen. Die freigesetzten

Larven besitzen einen

kleinen Öltropfen, steigen dadurch

zur Wasseroberfläche auf und entwickeln

sich dort wieder zu Segelquallen,

die etwa 4 Zentimeter

groß und in warmen und tropischen

Meeren anzutreffen sind.

Auflandige Strömungen und Wind

können den Organismen des Pleustons

zum Verhängnis werden.

FOTOS/ILLUSTRATIONEN: SHUTTERSTOCK (6), REINHARD KIKINGER (1)

52 2/2022


Ihr Vorteil ist unsere

Erfahrung – seit 35 Jahren!

Die Schwimmblase mit einem transparenten

Kamm ist ein deutliches Erkennungsmerkmal der

Portugiesischen Galeere Physalia physalis.

Kamm

Gonozoide

Dactylozoide

Pneumatophor

Segeln ist Quelle

der Energie, Kraft

und Lebensfreude!

Der größte Teil der Portugiesischen Galeere befindet sich unter

Wasser. Ihre Tentakel können meterlang sein und sind stark

nesselnd. Fische der Gattung Nomeus nützen den Aufenthalt

in der Nähe dieser Nesseltentakel als Schutz vor Fressfeinden.

PORTUGIESISCHE GALEERE

Sie ist wohl die bekannteste

Vertreterin der Blauen Flotte.

Physalia physalis ist mit etwa

15 Zentimeter Körpergröße und

langen Tentakeln sozusagen das

Flaggschiff des Verbandes und

verfügt noch dazu über die

größte Nesselkraft. Sie ist eine

Staatsqualle, also eine driftende

Kolonie spezialisierter Hydropolypen.

Der auffälligste dieser Polypen

ist der Pneumatophor, der eine

Blase bildet, die den Verband an

der Wasseroberfläche hält. Dazu

kommt eine Vielzahl von spezialisierten

Polypen, die dem Nahrungserwerb,

der Reproduktion

und der Verteidigung dienen.

Die Verbreitung der Portugiesischen

Galeere erstreckt sich

über tropische und warmtemperierte

Meere. Unbedingt Berührungen

mit dieser Staatsqualle

vermeiden, denn sie nesselt sehr

stark.

BLAUER DRACHE

Dieser martialische Name gilt

der bis zu 6 Zentimeter großen

Nacktschnecke Glaucus atlanticus.

Sie wird aber auch unter

den freundlicheren Namen Seeschmetterling

oder Seeschwalbe

geführt. Sie ist pantropisch

verbreitet und driftet mit der

Bauchseite nach oben upsidedown

an der Wasseroberfläche.

Als Nacktschnecke ist sie

schalenlos. Ihr Körper besitzt

auf beiden Seiten stielartige

Verbreiterungen, an denen sich

büschelige Papillen befinden. An

deren Spitze werden funktionsfähige

Nesselkapseln eingelagert,

die von ihren Futtertieren stammen.

Das sind bevorzugt Nesseltiere

wie die zuvor genannten

Physalia, Velella und Porpita.

VEILCHENSCHNECKE

Die pelagische Schnecke Janthina

janthina hat eine fragile, dünne

und zart violette Schale. Die

Tentakel

Physalia zählt zu

den Staatsquallen,

sie ist also eine Kolonie

spezialisierter

Polypen. Dazu zählen

der Pneumatophor

mit Kamm (Auftriebskörper),

die

Gonozoide (Reproduktion),

Dactylozoide

(Wehrpolypen) und

lange Tentakel zum

Beutefang.

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Yachten der

Spitzenklasse

Jeanneau 51, 54, 60, neu: 65

Zu besichtigen ab 10. März

in Pula/Marina Veruda

(Anmeldung erforderlich):

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Auf dem Ozean

Auch im Tod gefährlich: Angeschwemmte Portugiesische Galeeren nicht berühren, da sie immer noch kräftig

nesseln können. Wegen des Aussehens ihrer Schwimmblase werden sie auch „blue bottles“ genannt.

Schalenöffnung ist eckig ausge -

zogen, ein Deckel ist nicht ent -

wickelt.

Diese Schnecke hat eine sehr

spezielle Methode entwickelt, um

ein Leben an der Wasseroberfläche

hängend führen zu können. Ihr

Fuß besitzt seitliche Verbreiterungen

mit Längsfalten an der Sohle.

Dort ist ein Schaumfloß befestigt,

das die Schnecke mit speziellen

Drüsen produziert. Dieses Floß

dient nicht nur als Schwimmkörper,

sondern auch der Laich

wird unter das Floß abgelegt.

Die Schnecke ernährt sich von

anderen Vertretern der Blauen

Flotte. Trifft sie auf Porpita oder

Velella, so weidet sie mit ihrer

Raspelzunge die Unterseite der

Polypenkolonien ab. Ihre Schale

ist etwa 4 Zentimeter groß, ihre

Verbreitung weltweit.

EIN NAHEZU UNERFORSCHTER

LEBENSRAUM

Bekanntlich bedecken die Ozeane

über 70 % unseres Planeten. Die

Grenzschicht Wasser-Luft, der Lebensraum

des Pleustons, ist also

riesig. Über die Biologie dieser

Organismen und über die ökologischen

Beziehungen innerhalb dieser

ozeanischen Lebensgemeinschaft

ist noch wenig bekannt. Das

liegt an den metho dischen Schwierigkeiten

der Untersuchungen in

der Hochsee, an der Kleinheit der

Tiere und wohl auch an fehlenden

kommerziellen Verwertungsmöglichkeiten.

Eines ist aber schon jetzt klar: die

Pleuston Organismen driften mit

Wind und Strömungen – genauso

wie der Plastikmüll, und sie werden

daher auch in denselben Regionen

wie der Müll konzentriert.

„By-the-wind-sailor“ – das ist der treffende Name der Segelqualle Velella

velella. Ähnlich wie Porpita besitzt auch sie ein Floß aus Chitin, das in ihrem

Fall aber größer, oval und mit einem Kamm ausgestattet ist.

Wird dieser Müll mit den in

Nr. 5/2021 vorgestellten

Methoden herausgefischt, dann

bedeutet das auch den Massentod

vieler Pleuston Organismen – noch

ein Argument dafür, den Müll eintrag

in die Meere zu verhindern.

Die zart lila gefärbte

Schnecke Janthina

janthina baut sich ihr

eigenes Floß aus Schaum,

mit dem sie an der

Wasseroberfläche treibt.

„ Die Pleuston Organismen

driften mit Wind und Strömungen,

so wie der Plastik ­

müll, sie werden daher auch

in denselben Re gio nen wie

der Müll konzentriert.“

FOTOS/ILLUSTRATIONEN: SHUTTERSTOCK

54 2/2022


BÜCHERSCHAPP

Tipps, Trends & Neuheiten

Bock an Bord

ERZÄHLUNG. In der Erzählung „Der

Schiffskoch“ des niederländischen Autors

Mathijs Deen spielt neben einem in der

Nordsee vor Anker liegenden Feuerschiff

auch ein Ziegenbock die Hauptrolle, der

eigentlich als Hauptzutat eines indonesischen

Currygerichts gedacht war, in der

Zwischenzeit aber die Crew des schwimmenden

Leuchtturms verrückt macht.

Eine fein versponnene Geschichte mit

wenig Dialogen, viel Atmosphäre und

vor allem viel Meer, das wunderschön

beschrieben wird.

Mathijs Deen: Der Schiffskoch.

Mareverlag, 112 Seiten, € 18,–.

è www.mare.de

Auszeit auf dem Atlantik

REISEBERICHT. So geht Hochzeitsreise!

Anke und Uwe Müntz haben ihren Honeymoon

als 500 Tage dauerndes und sich

über 8.500 Meilen erstreckendes Segelabenteuer

auf dem Atlantik gestaltet.

In dem nun erschienenen Buch „Blaugemacht.

500 Tage zwischen Geysir und

Bazar“ berichtet das Paar vom Wind auf

den Färöern, dem Regen in Irland, von

Walen vor Island und Tintenfischen in

Galicien, vom Sternenhimmel der Sahara

und vom Dschungel der Azoren.

Anke und Uwe Müntz: Blaugemacht.

500 Tage zwischen Geysir und Bazar.

Mitteldeutscher Verlag, 320 Seiten, € 28,–.

è www.mitteldeutscherverlag.de

Ocean Woman, Band 2!

FRAU AN BORD! Fünf Jahre

lang segelte Alexandra Schöler-

Haring mit Mann Peter und

Sohn Finn auf einem Wharram-Katamaran

um die Welt.

Wieder in Wien angekommen,

schilderte sie sehr unterhaltsam

das Blauwassersegeln

mit all seinen Höhen und Tiefen

– nachzulesen in ihrem

Buch „Wellenzeit: Drei segeln

um die Welt“. Als ocean7-Autorin

hat sie 2010 angeheuert –

seitdem schreibt sie in launigen

Worten auch als Ocean Woman-

Kolumnistin über Freud und

Leid der Frauen am, im und

auf dem Wasser.

Die Fangemeinde wuchs,

sodass 2018 eine erste ocean7-

Sonderausgabe sozusagen mit

dem „Best of Ocean Woman“

erschien. Eine Erfolgsgeschichte,

die nun, vier Jahre und viele

Kolumnen später, ihre Fortsetzung

findet: „Ocean Woman –

Band 2“ erscheint rechtzeitig

zu Frühlingsbeginn am

21. März!

Beide Bände werden als

Print magazin oder als

E-Paper erhältlich sein:

è ocean7.at/news/oceanwoman

Besuchen sie unseren

virtuellen Bootsmarkt auf:

www.boote-schmalzl.at

Die ocean7-Sonderausgaben

Ocean Woman 2018 und neu:

Ocean Woman 2022.


Skipper’s Diaries

Jonathan der Wal

Die Tiefen der Ozeane stecken immer noch voller Geheimnisse, die es zu erkunden gilt. Ein

Tauch gang kann aber auch gefährlich sein, wie der junge Pottwal Jonathan selbst erlebt hat.

THOMAS PERNSTEINER

ist Skipper, allgemein

beeideter und gerichtlich

zertifizierter

Sachverständiger

für Schifffahrt und

Wasserfahrzeuge.

kolumne@ocean7.at

So komm doch, Jonathan“,

rief die Pottwalmutter ihrem

Jungen zu. „Du bist mittlerweile

alt genug, um selbst für deine

Nahrung zu sorgen, und heute ist

ein guter Tag für die Jagd. Trödel

nicht so herum.“

Jonathan füllte seine Lungen

kräftig mit Luft und tauchte folgsam

hinter seiner Mutter ab. Ein

bisschen bang war ihm schon bei

dem Gedanken, die sonnendurchflutete

Oberfläche des Meeres zu

verlassen und dorthin zu schwimmen,

wo noch nie ein Sonnenstrahl

hingedrungen war. Nach

50 Metern wurde das ihn umgebende

Blau immer dunkler und

das Wasser immer kälter. Doch

der große Wal vor ihm schwamm

unbeirrt mit kräftigen Schlägen

seines Schwanzes in die Tiefe.

Es dauerte nicht mehr lange und

er konnte seine Mutter vor Dunkelheit

nicht mehr sehen. Er spürte

nur noch ihren Körper neben sich

und versuchte ängstlich, diesen

Kontakt nicht zu verlieren. Seltsame

Tiere konnte er im Vorbeischwimmen

erkennen. Manche

Seite an Seite: Pott wal-

Mutter mit ihrem Kind.

FOTO: SHUTTERSTOCK

waren fast durchsichtig, andere

hatten furchterregende, spitze Zähne

und von den meisten ging ein

eigentümliches, fluoreszierendes

Licht aus. Die beiden Pottwale waren

mittlerweile bei gut 350 Meter

Wassertiefe angelangt, als die Mutter

plötzlich ihre Geschwindigkeit

verringerte.

„Spürst du diese Bewegungen im

Wasser? So bewegt sich der gefährliche

Riesenkalmar“, flüsterte sie

Jonathan zu. „Ich werde versuchen,

ihn zu fangen. Das wird ein Festmahl

für uns werden.“

Langsam drehte sie ihren Kopf,

öffnete ihre mächtigen Kiefer. Als

ob das Wasser explodieren würde,

kam es Jonathan vor, als seine Mutter

einen der langen Fangarme der

Beute mit ihren Zähnen schnappte.

Der Kalmar, an die 20 Meter lang,

schlang die anderen Fangarme mit

den riesigen Saugnäpfen um den

Körper der Angreiferin und wehrte

sich mit seinem messerscharfen

Schnabel. Ein Kampf auf Leben

oder Tod begann.

Jonathan wurde jäh durch das

Getümmel von den Kämpfenden

getrennt und konnte nur noch an

eines denken: „Auftauchen, auftauchen

zur hellen Oberfläche, nie

wieder hinunter in die Dunkelheit

tauchen!“ Er sorgte sich zwar um

seine geliebte Mutter, wusste aber,

dass sie ein sehr erfahrener Wal

war und dieses Abenteuer, wie

viele zuvor, sicher überleben

würde. Jonathan machte kehrt,

um auf zutauchen.

SPOTT UND STOLZ

Plötzlich spürte er, wie etwas

Langes, Kaltes seine Brustflossen

berührte, sich um seinen Körper

zu wickeln begann. „Ein zweiter

Kalmar“, schoss es Jonathan durch

den Kopf. „Er wird mich, unerfahren

wie ich bin, töten!“ Voller

Angst versuchte er das Unheimliche

abzuschütteln und biss mit

seinen Zähnen immer wieder in

das fremde Wesen, während er mit

Höchstgeschwindigkeit nach oben

schoss.

Fast gleichzeitig tauchten die

beiden Wale, inmitten ihrer Schule,

an der Oberfläche auf. Jonathan

spürte noch immer die Umklammerung

seines Feindes und rief:

„Wo ist meine Mutter?“ Sie hatte

den Riesenkalmar erlegt und nach

oben gebracht.

Die anderen Pottwale bemerkten

Jonathans Aufregung und schwammen

neugierig näher. Erst als er das

prustende Gelächter der anderen

Wale hörte, traute sich Jonathan,

seine Augen zu öffnen. „Eine tolle

Beute hat Jonathan gefangen“, oder

„Hoffentlich schmeckt ihm das

Ding“, konnte Jonathan vernehmen,

als er an sich hinunterblickte.

Sein unheimlicher Gegner entpuppte

sich als eine dicke, alte

Ankertrosse, die im Meer getrieben

war.

Als der Spott kein Ende nehmen

wollte, kam der Anführer der Walherde

herbeigeschwommen und

wies die anderen zurecht: „Jeder

von euch muss erst beweisen, dass

er bei seiner ersten Jagd eine Begegnung,

wie sie Jonathan hatte,

so besonnen übersteht, noch auftauchen

kann und sich außerdem

zuerst um seine Mutter sorgt.“

Später, als Jonathan gemeinsam

mit seiner Walmutter den gefangenen

Riesenkalmar genüsslich verspeiste,

spürte er großen Stolz in

sich, während ihn die Dünung

langsam schaukelte.


56 2/2022


X X X X

22. bis 26. MAI 2022, PUNAT/KROATIEN

Regatta unter

Freunden

ALPE ADRIA SAILING WEEK. Die

15. Auflage (mit dem 32. Austria Cup)

steigt 2022 ab der Marina Punat, Insel

Krk. Das besondere Highlight bei

dieser Regatta ist die neue Elan E4

als Einheitsklasse-Flotte, mit der

auch der Austria Cup erstmals ausgesegelt

wird und die bereits ausgebucht

ist. Die Organisatoren arbeiten

aber schon an einer zusätzlichen

„kleinen Einheitsklasse“ mit vier bis

fünf Yachten, die bei den offenen

Klassen wie dem Alpe Adria Cup

und der Kärntner Cruising Trophy

zum Einsatz kommen soll.

è www.aasw.at è www.yca.at

Neu in der 15.

Auflage der AASW

wird die flotte

Elan E4 Einheitsklasse

sein.

BOOTSHANDEL

SERVICE

WINTERLAGER

ZUBEHÖR

Prompt verfügbare

Lagerboote unter:

www.bootswerft-meyer.at

Auf mehreren Beinen stehen

LIEFERZEITEN. Der Spezialist für

Mehrrumpfsegelboote Multihull

Sailing veranstaltet als Ersatz für

die abgesagten Messen in Tulln und

Düsseldorf die Segel- und Wassersporttage

in Breitenbrunn am Neusiedler

See (20.–22. Mai). Aufgrund

der Pandemie sind auch die Verfügbarkeiten

der Kats und Trimarane

e twas durcheinandergeraten. Heuer

noch lieferbar sind alle XCAT Multisport-Katamarane

sowie ein ASTUS

20.5-Trimaran. Erst 2023 kann man

mit den Modellen von Dragonfly,

WETA und Windrider rechnen. Als

Gebrauchtmodell ist jetzt noch eine

Wind rider WR17 erhältlich.

è www.multihull-sailing.net

Astus 20.5 Trimaran.

Quicksilver 505 Cabin

Quicksilver 525 Axess

ÖSTERREICH

PREMIERE

IMPRESSUM

HERAUSGEBER UND EIGENTÜMER: Satzund

Druck-Team GmbH, Feschnig straße 232,

9020 Klagenfurt, Tel. +43 463/461 90 25, www.

ocean7.at, redaktion@ocean7.at, office@ocean7.at,

Firmenbuchnummer 105347 y, Landesgericht

Klagenfurt, UID ATU 25773801 · AN-

WENDBARE VORSCHRIFT: Österreichische

Gewerbeordnung, Medien gesetz (www.ris.

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Wolfgang Forobosko · CHEF REDAKTION:

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Blauwassersegler, Motoryachtfahrer und alle

Wassersport-Fans. Die Redaktion berichtet in

Zusammenarbeit mit namhaften Autoren aus

dem gesamten deutschsprachigen Raum nicht

nur über die neuesten Yachten und schönsten

Reviere weltweit, sondern widmet sich mit

besonderem Engagement auch den Themen

Charter, Equipment, Lifestyle, Genuss, Reisen,

Umwelt und Meer. ocean7 erscheint

zweimonatlich als Print-Magazin und ist auch

als E-Paper erhältlich. Die laufende Bericht -

erstattung inkl. Marketingaktivitäten erfolgt

weiters auch über die Homepage www.ocean7.

at sowie über Social Media · MIT ARBEITER

DIESER AUSGABE: Inga Beitz, Alberto

Cocchi, Stefan Detjen, Hildegard Etz, Mag.

Wolfgang Gemünd, Albert Grassl, Wolfgang

Hausner, Bernd Hofstätter, Dr. Reinhard

Kikinger, Manuel Marinelli, Gilles Martin-

Raget, Thomas Pernsteiner, Kirsten Richarz,

Gottfried Titzl Rieser, Dr. Bobby Schenk,

Markus Silbergasser, Alexandra Schöler-

Haring, Petra Weiß, Dr. Alfred Zellinger ·

PRODUK TION UND DRUCK: Satz- und

Druck-Team GmbH · ANZEIGEN: Bernd Hofstätter

+43 664/ 552 09 32, b.hof staetter@ocean7.at

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sechs Ausgaben: € 29,– · ABO- BE STELLUNG:

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MSVÖ: Motor bootsport und Seefahrts Verband

Österreich, Forchheimergasse 34/118,

1230 Wien, www.msvoe.at

JURY

Quicksilver 675 Weekend

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office@bootswerft-meyer.at


Kauf-Charter

Nur ein Blick in

die Kristallkugel

Lange Wartezeiten bei neuen Yachten und ungewisse Preise haben auch dem Kauf-Chartermarkt zugesetzt.

Worin die Probleme liegen und worauf man als Interessent besonders achten sollte, weiß Albert Grassl, Gründer

und CEO des Tiroler Familienunternehmens Trend Travel & Yachting, ganz genau. Mit 35 Jahren Erfahrung

ist er ein Kenner der Branche und Experte in Sachen Yachtinvestment. Wir haben nachgefragt …

Die Pandemie hat den Verkauf

von Yachten und damit auch

den Verkauf in den Kauf-

Charter beinahe zum Erliegen gebracht.

Es hatte den Anschein, dass

die Zukunft des Chartermarktes

und damit auch der Yachthandel

dem Blick in eine Kristallkugel

gleichkommt.

Zum Glück hat sich der Ausblick

in den letzten Wochen stark gewandelt

und man kann durchaus

ab 2023 wieder mit Normalität

rechnen. Der Großteil der Charterfirmen

hatten Covid-bedingt finanziell

zu kämpfen und jene, die wie

die „Großen 3“ nicht vom Charter,

sondern vom Yachtverkauf gelebt

hatten, kamen ins Trudeln.

Der jüngste Einstieg neuer Investoren

bei zwei der großen Charterfirmen

erfolgte 5 vor 12, da es sonst

auf dem Chartermarkt große Probleme

gegeben hätte. Es wären weltweit

über 1.000 Yachten und vor

allem die Eigner davon betroffen

gewesen. Das meiste Kapital für

die Rettung dieser Firmen kam

von einem Hedgefonds. Wenn man

jedoch die Vorgangsweisen der

Hedgefonds kennt, weiß man auch,

dass solche Engagements ein jähes

Ende haben können.

Aufgrund des Rückstaus in der

Produktion und der Lieferkettenprobleme

können die Werften 2022

keine großen Stückzahlen liefern.

Zurzeit ist die Produktion fast aller

Werften für 2022 nahezu ausverkauft.

Bei Katamaranen ist die

Liefersituation noch schlimmer,

da die Produktion auch für 2023

sehr stark gebucht ist.

YACHTPREISE

Fest steht, dass sich bei fast allen

Werften die Preise gegenüber 2021

um mindestens 10 % erhöht haben.

Geschuldet war dies in erster Linie

den gestiegenen Preisen für Ausgangsprodukte

und Lieferkettenproblemen.

Diese Probleme werden

sich aber noch 2022 lösen las sen.

Für unsere Jeanneau-Yachten und

Neel-Trimarane gibt es aber fixe

Preise für die Auslieferungen 2023.

Der Chartermarkt und natürlich

auch der Kauf-Charter hat sich in

den letzten Jahren immer mehr zu

den größeren Yachten bis 15 Meter

entwickelt. Der Trend geht aber

immer stärker zu mehr Komfort –

soll heißen weniger Kojen, jedoch

mit mehr Platz im Cockpit, im

Salon und den Kabinen. Die Zeit

der Kojenschiffe mit bis zu fünf Kabinen

ist unseres Erachtens vorbei.

Es werden auch mehr Schiffe mit

Skipper nachgefragt, da immer

mehr einen Aktivurlaub auf dem

Schiff einem Hotelurlaub vorziehen,

ohne selbst segeln zu können.

Dieser Trend wird sich auch in den

2022 wird eine sehr gute Chartersaison,

eine Kauf-Charteryacht ist für Eigner

daher nach wie vor eine ökonomische

Alternative zur Privatyacht.“

Albert Grassl, Experte für Yachtverkauf und Kauf-Charter

FOTO: SHUTTERSTOCK

58 2/2022


FOTOS: BERTRAND DUQUENNE

SICHERHEIT

FÜR JEDES

ANLEGEMANÖVER

MIT UNSERER

NYLON 8-PLAIT.

Drei Kabinen sind Trumpf, so Albert Grassl von Trend Travel & Yachting mit Sitz im Tiroler Kirchbichl. Der Händler von Jeanneau-

Yachten empfiehlt ganz besonders die Sun Odyssey 440 in der 3-Kabinen-Version, da diese nicht nur auf dem Charter-, sondern

später auch auf dem Second-Hand-Markt einen hohen Wert hat.

nächsten Jahren fortsetzen. Der Run

auf Katamarane ist ungebrochen,

das wird vermutlich auch in den

nächsten Jahren so bleiben. Dem

sind jedoch auch Grenzen gesetzt,

da speziell in der Adria und generell

im Mittelmeer die Liegeplätze

knapp werden und Kats doch sehr

viel mehr Platz benötigen.

WENIGER KABINEN

HABEN MEHR WERT

Wie wir jetzt schon sehen, ist die

neue Sun Odyssey-Reihe von Jeanneau

mit dem Walkaround-Konzept

ein Verkaufshit im Yachthandel wie

auch im Charter. Wir sind auch gespannt,

wie sich die neue SO 380

machen wird. Die SO 440 in der

3-Kabinen-Version zählen jedenfalls

zu den besten Yachten in unserer

Flotte – mit sehr guter Auslastung.

Gerade diese Yachten sind für die

Eigner interessant, da diese nach

Charternutzung (6–10 Jahre) entweder

privat gesegelt werden oder

einen extrem guten Verkaufspreis

haben. Diese Wiederverkaufspreise

für reine 4- oder 5-Kabinen-Yachten

sind schon seit Jahren schlecht und

liegen ca. 15 % unter dem einer

3-Kabinen-Yacht, da im Second-

Hand-Markt überwiegend 2- und

3-Kabinen-Yachten gesucht werden.

Wir sind mit Trend Travel &

Yachting seit 35 Jahren im Charter

tätig. Als kleineres familiengeführtes

Unternehmen können wir

schnell auf den Markt reagieren

und vor allem können wir die Yacht

anbieten, die für den jeweiligen

Eigner am besten geeignet ist.

Und wir kennen den regionalen

Markt besser als multinationale

Konzerne und Hedgefonds.

Kauf-Charter nach Maß

Das österreichische Familienunternehmen Trend Travel &

Yachting bietet Kauf-Charter (auch für Gebrauchtyachten)

mit individuellen Abrechnungsmodellen an. Im Mittelmeer

z. B. das System 65:35, bei dem der Eigner 65 % der Chartereinnahmen

erhält und der Vercharterer 35 %. Aus dem

Anteil des Eigners werden die laufenden Kosten bezahlt.

Die verbleibenden Nettoeinnahmen werden an den Eigner

ausbezahlt. Detaillierte Infos und Anfragen unter

è www.trend-travel-yachting.com

www.roblineropes.com


Skipper-Ausbildung

Blue is

professional

2008 setzte Michael Menard mit der Blue-2 The Sailing Academy

neue Maßstäbe auf dem Gebiet der Segelausbildung in Theorie

und Praxis, seine interaktiven Lernunterlagen haben sich bis heute

tausendfach verkauft. 2019 wurde mit In2TheBlue ein Tochterunternehmen

gegründet und damit die praktische Ausbildung in

die Hände von Julian und Linda Kircher gelegt. Neu im Management

ab 2022 ist Christian Kargl und mit ihm die Angebote rund um die

Sicherheit an Bord. Wir baten die glorreichen Vier zum Interview.

Christian, du bist neu im Mana gement,

aber nicht wirklich neu im Team …

Ich arbeite schon länger mit der

Blue-2-Familie zusammen und wir

haben schon das eine oder andere

Abenteuer gemeinsam bestanden,

sowohl auf dem Ocean Racer als

auch bei Regatten auf dem Mini.

Umso mehr freue mich auf die

kommenden Projekte. Beim Filmdreh

für das Sicherheitstraining

habe ich die unglaubliche Leidenschaft

von Michael für die Ausbildung

kennengelernt und auch

hier gibt es noch viele spannende

Themen zu bearbeiten.

Welche Agenden übernimmst du?

Ich bin für die operativen Agenden

der Segelschule verantwortlich und

werde mich auch um die Prozessoptimierung

innerhalb des Unternehmens

einsetzen. Weiters werden

wir meine ehemalige Firma

2Sail in das Projekt einbinden

und auf die nächste Stufe heben.

Michael, mit Christian ist jetzt ein

weiterer Experte mit an Bord …

Es freut uns sehr, dass wir einen

so langjährigen Partner im Boot

haben. Mit Christian ist nun ein

echter Profi im Team, wenn es um

die Schwerpunkte Sicherheit an

Bord und Regatta-Trainings geht.

Die Sicherheitstrainings sind weit

über die Grenzen bekannt und

beliebt – und dieses Know-how

werden wir bei uns bündeln und

unseren Kunden gleich mit anbieten

können. Christian ist im Team

auch für strategische Entscheidungen

und Innovationen rund um

den Segelsport eingebunden. In unserem

Skipper 360° – dem Video-

Portal mit mehr als 200 Lernvideos

aus allen Bereichen der Seemannschaft

– ist er ja bereits seit Jahren

fixer Bestandteil und diesen Part

werden wir in der Blue-2 in den

nächsten Jahren weiter aus bauen.

So werden in Zukunft viele Beiträge

zum Thema Sicherheit, wie zum

Beispiel das Thema „Bergen eines

über Bord Gegangenen“, professionell

aufbereitet und gut verständlich

erläutert werden.

Julian, mit Christian kommt frischer

Wind in die Segelschule …

Und was für ein neuer Wind!

Letztes Jahr war das mit Abstand

erfolgreichste Jahr von in2TheBlue

und wir waren wirklich überrascht,

wie viele Segler ein Training bei

uns machen wollten. Und so wie es

derzeit aussieht, dürften wir dieses

tolle Ergebnis 2022 noch bei Weitem

übertreffen. Aufgrund unserer

vielen neuen Projekte, über die

Linda dann noch berichten wird,

bin ich leider zeitlich schon sehr

am Limit. Als wir dann mit Chris

seine Atlantiküberquerung feierten

und über die Zukunft plauderten,

war schnell klar, dass es nur Sinn

macht, diese gemeinsam zu begehen.

Viele Synergien können

genützt werden – fürs Management

ist das auch eine Entlastung.

Die glorreichen Vier:

(v. l. n. r.) Linda und

Julian Kircher, Michael

Menard, Christian Kargl.

60 2/2022


Linda, du als Chefin auf höchster

Verwaltungsebene warst in der

Pandemie am meisten gefordert …

Nun, die Blue-2 ist seit unserem

Einstieg vor zwei Jahren zunächst

einmal sehr stark gewachsen. Gemeinsam

mit Michael wollten wir

immer wieder neue Akzente in der

Seefahrtsausbildung setzen und

haben keine Mühen gescheut, neue

Wege und Konzepte zu entwickeln.

Der FB2- und FB3-Online-Kurs

kommt bei unseren Kunden extrem

gut an. 2020 war aufgrund der

Corona-Krise zwar ein hartes Jahr,

aber sehr viele Kunden haben uns

die Stange gehalten, so auch unser

Trainerteam. Und es war wirklich

rührend zu sehen, wie unsere Jungs

in der schweren Zeit zu uns gestanden

sind und einfach mitgeholfen

haben, das Beste aus der oft nicht

ganz einfachen Situation zu machen.

Ja, unser Trainerteam ist

deutlich gewachsen, hat aber nichts

vom familiären Charakter verloren,

und das war uns allen sehr wichtig.

Letztes Jahr haben wir auch die

Marke In2TheBlue gegründet, die

sich als moderne Segelschule um

das operative Geschäft der Blue-2

angenommen hat. Damit unsere

Segelschule in Punat auch ein nettes

Zuhause bekommt, wird heuer

eine Bar auf dem Dorfplatz von

Punat eröffnet. Unter dem Namen

in2thebar wird sie hier im April

ihre ersten Gäste empfangen. Hier

haben wir mit der Firma Moodley

aus Graz ein neues „Store in Bar“-

Konzept entwickelt. Mit einher

geht auch eine eigene Bekleidungslinie

und natürlich unsere

Segelausbildung für Mono

und Kat auch mittels interaktiver

Lernunterlagen

wie z. B. Hafenmanöver-

Simulator (l.) oder Skipper

360°-Video-Portal (r.) –

dafür steht die Blue-2

The Sailing Academy.

è www.blue-2.at

2/2022 61


Skipper-Ausbildung

Hafenmanövertraining in der Marina Punat – eine von vielen praktischen Ausbildungsangeboten

der In2TheBlue Sailing Academy. è www.in2theblue.com

Ab 2022 mit an Bord: Der zweifache Mini-Transat-Teilnehmer Christian Kargl wird Sicherheitstrainings

einbringen und die Regatta-Ausbildung weiter ausbauen. è www.2sail.com

Partnerschaft mit Helly Hansen,

Garmin und Bliz.

Was dürfen sich eure Kunden in der

kommenden Saison noch erwarten?

Wir beginnen weiters ab 2022 damit,

unsere gebrauchten Segel upzucyceln,

und verwandeln diese mit

einem jungen Syrer in richtig coole

Taschen. Rechtzeitig vor Saisonbeginn

wird unsere Schulschiff-Flotte

um vier weitere Yachten anwachsen.

Unser Hauptaugenmerk liegt natürlich

auf der Ausbildung. Zusätzlich

zu unseren sehr gefragten Hafenmanövertrainings

bieten wir ab

sofort auch Segelmanövertrainings

und Übungstörns, um die Seemannschaft

hautnah zu erleben. Die FB2-

Praxisausbildung ist natürlich der

Klassiker, mit den Sicherheitstrainings

von Christian Kargl runden

wir unser Angebot ab 2022 harmonisch

ab.


„ Mit den Sicherheitstrainings von Christian Kargl

runden wir unser Angebot ab 2022 harmonisch ab.“

Neu ab 2022: Mit Blue-2 und Boats2Sail zum FB1 auf der Donau in Wien

Kroatien ist für uns Österreicher das Segelrevier schlechthin.

Es liegt quasi vor der Türe und ist mit dem Auto bequem

erreichbar. So tummeln sich jedes Jahr tausende

Segel- und Motoryachten in den schönen Buchten mit

türkisem Wasser.

Viele sind sich aber unsicher, welches Patent man in

Kroatien für die Bootsführung braucht oder ob man als

Crewmitglied Erfahrungen mitbringen muss. Für viele ist

der FB2-Schein zu aufwendig und auch zu teuer, da man

ja zwei Wochen im Blauwasser verbringen muss.

So war es bis Ende 2000 mit dem österreichischen Binnenschein

möglich, auch Motorboote in Kroatien zu chartern.

Seit einigen Jahren braucht man auch für kleine Boote,

wie z. B. das Beiboot (keine PS-Freigrenze mehr), eine

Lizenz. Aber welche?

Michael Menard von der Blue-2 hat nun gemeinsam mit

Markus Hiebeler von Boats2Sail an der Donau in der

Marina Wien zwei Schiffe am Steg, um Interessierte für

den FB1-Schein, den es seit 2008 gibt, auszubilden.

Der FB1 ist nicht nur weltweit gültig (International Certificate),

sondern berechtigt auch zum Chartern von Segelund

Motorbooten bis max. 10 m Länge auf einer max.

Strecke von 3 sm vor der Küste (detaillierte Informationen

siehe Seite 76). Von Insel zu Insel kommt man so auch bis

in die Kornaten!

„Wir werden die komplette Ausbildung in der Marina Wien

durchführen und können hier alle An- und Ablegemanöver

auf einem Segel- und Motorboot anbieten. Damit ist man

auch als Crewmitglied oder Fahrer des Beibootes perfekt

abgesichert und hat einen Überblick über alle Tätigkeiten

an Bord – Stichwort „Competent Crew“. Wir haben auch

unseren Hafenmanöver-Simulator mit an Bord, wo wir alle

Manöver vorher kurz besprechen und testen“, so Michael

Menard über das neue und einzigartige Angebot ab 2022

im Portfolio.

„Der Kurs ist für alle, die in Kroatien kleinere Motorboote

zum Insel-Hopping chartern möchten oder sich als Crewmitglied

gut auf einen Segeltörn vorbereiten wollen. Wir

bieten einen kompakten Kurs an, der vollständig in der

Marina abgehalten wird – Michael in der Theorie und ich

in der Praxis“, so Markus Hiebeler. Für die Anmeldung sind

lediglich 50 sm als Seemeilenbestätigung notwendig.

Die Vorteile des FB1 (Fahrtenbereich 1)

im Überblick:

– Internationales Patent – weltweit gültig

– Perfekte Ausbildung als Competent Crew

– Fahren von Beibooten und Jetskis erlaubt

– Chartern von Booten bis 10 m bis 3 sm vor der Küste

– Ausbildung in Theorie und Praxis in Wien möglich

Bei Besitz des Donaupatentes bzw. des Schiffsführerpatentes

entfällt beim FB1 die Praxisprüfung. Alle Infos, Termine

(ab April) und Angebote:

è www.blue-2.at/fb1-motor-und-segel-in-wien

è www.boats2sail.com/marina-wien

FB1-Ausbildung für Segel- und Motorboote: ab sofort

leicht gemacht in Theorie und Praxis auf der Donau

in Wien – weltweit gültig!

62 2/2022


MOTORYACHTEN

Tipps, Trends & Neuheiten

My boat is my castle

Auch dank der Flybridge verfügt die Swift Trawler

über viel Platz für bis zu zwölf Passagiere.

REISEBOOT. Mit dem Swift Trawler

48 bringt Beneteau ein neues Flaggschiff

in seiner auf Funktionalität getrimmten

Reiseboot-Reihe auf den

Markt. Im Lastenheft standen so solide

Werte wie Komfort, Seetüchtigkeit

und Zuverlässigkeit, zudem hat man

der 48 ein paar Designelemente der

größeren Schwester Grand Trawler 62

spendiert. Der Halbgleiter verfügt über

drei Kabinen und zwei Nasszellen,

kann mit zwei 380 oder 425 PS starken

Dieselmotoren bestellt werden

und ist mit über 600 Seemeilen bei 9

Knoten auch für Langfahrten geeignet.

è www.beneteau.com

Maxi Mimi

WEEKENDER. Die neapolitanische Werft

Gozzi Mimì stellt offene Motorboote

mit klassischen Elementen, hochwertigem

Holzausbau und italienischem Stil

her. Mit der Libeccio-Reihe haben die

Boote auch Kabinen bekommen und mit

der neuen Libeccio 13,5 erreicht man

jetzt schon Weekender-Dimensionen.

Auf 13,5 m zählt das Flaggschiff zwei

Kabinen, eine Küche innen (die in eine

dritte Kabine umgewandelt werden

kann), Kochgelegenheit außen, zwei

Nasszellen und sehr viel Teak.

Motorisiert ist die große Gozzi mit

zwei Yanmar-Diesel mit 370 PS, die

für eine Höchstgeschwindigkeit von

30 Knoten sorgen.

è www.gozzimimi.it

Gozzi Mimì steht für eigenständiges

Design mit viel Holzapplikationen.

M800

SPYDER

WWW.MARIANBOATS.AT

MEET US:

BOOT TULLN 2022

HALLE 3, STAND 320 | 3.-6. MÄRZ

MARIANBOATS.AT MARIAN.BOATS MARIANBOATS


Sonnige Au

Silent 60

Mallorca, Porto Adriano –

die Marina mit Starck-

Design ist allererste

Adresse für noble Yachtbrands.

Silent Yachts hat hier sein

Mittelmeer-Office eröffnet.

Die Edelmarina bietet den passenden

Rahmen für die standesgerechte

Präsentation der solarbetriebenen

Motorkatamarane.

Das gestiegene Interesse an Silent

Yachts auch jenseits des großen

Teichs deckt ein Office in Fort

Lauderdale ab. Die Firmengründer

Michael und Heike Köhler

aus Klagenfurt pendeln zwischen

dem Headquarter am Wörthersee

und den Produktionsstätten in

Thailand, Italien und der Türkei

hin und her. Man gönnt ihnen den

Erfolg ihres Solarkonzepts, das sie

seit mehr als 15 Jahren unbeirrt

verfolgen. Die experimentierfreudigen

Pioniere haben sich zu etablierten

Trendsettern für nachhaltige

Yachtkonzepte entwickelt. Und die

zwölf im Bau befindlichen Solarkats

zeigen, dass ihr Konzept auf

der ganzen Linie von 55 bis 80 Fuß

aufgeht.

Wer noch den Prototyp Solarwave

46 vor dem geistigen Auge hat,

dem wird beim Anblick der neuen

Silent 60 erst richtig klar, was für

ein Quantensprung hier stattgefunden

hat. Vom Test- und Labor-

Katamaran zu einer ausgereiften

High-End-Yacht – nicht nur technisch

auf der Höhe, sondern dank

Designer Marco Casali auch in

einem überzeugenden und selbstbewussten

Look.

Durch ihre Breite bieten Katamarane

innen und außen schon jede

Menge Platz – doch die Silent 60

64 2/2022


ssichten

Wenn man über Silent Yachts mit Sitz in Kärnten schreibt, geht es nicht bloß

um ein einzelnes Yachtmodell. Man muss das ganze Erfolgskonzept im Blick

behalten. Unser Augenschein in Porto Adriano zeigte, dass Silent Yachts und

seine Kunden eine sonnige Zukunft vor sich haben.

Text STEFAN DETJEN | Fotos ALBERTO COCCHI

punktet auch mit mehr Raumgefühl

in der Höhe. Im Salon kann

ich die Hände nach oben ausstrecken,

die Decke erreiche ich trotzdem

nicht. Der Salon, die Pantry,

die Kabinen, die Nasszellen – überall

großzügige Dimensionen und

gepflegtes Ambiente. Selbst der

futuristische Steuerstand passt ins

gestylte Ganze. Kein Wunder, erhielt

die Silent 60 doch den German

Design Award in der Kate gorie

Excellent Product Design.

Doch nicht nur der Style, sondern

auch der hohe technische

Stand wurde prämiert – beim

Gustave Trouvé Award for Excellence

in Electric Boating holte sich

die Silent 60 den ersten Rang in

der Kategorie Serienboote ab acht

Meter. Nicht umsonst nennt man

die Silent Yachts bereits die „Teslas

der Meere“.

Wen wundert es dann noch, dass

in der auf 40 Personen angewachsenen

Silent-Crew jetzt auch Jochen

Rudat im Vorstand sitzt – er war

vorher Tesla Central Europe Director

und berichtete direkt an Elon

Musk. Who’s next?

ENERGIE GRATIS FREI HAUS

Captain Mike startet die beiden

250 kW-E-Motoren. Die Silent 60

ist State-of-the-Art. Ihr solar-elektrischer

Antriebsstrang der nächsten

Generation verfügt über leistungsfähigere

Elektromotoren, größere

Batteriebänke und eine höhere

Spitzenleistung als die Vorgängermodelle.

E-Boote sind ja eigentlich absolut

nichts neues, bereits 1838 (also

vor fast 200 Jahren!) wurde in

St. Petersburg ein erfolgreicher Testlauf

eines elektrisch angetriebenen

2/2022 65


Silent 60

„ Scheint die Sonne, ist die Reichweite unbegrenzt. Legt man keinen Wert

auf rasende Geschwindigkeit, kann man Tag und Nacht durchfahren.“

Das Dach der Fly

ist absenkbar, das

Platzangebot riesig

und am Steuerstand

steht man an den

Schalthebeln der Yacht.

Bootes gefeiert. Neu ist heute die

Speisung mit Sonnenenergie, die

gratis und frei Haus vom Himmel

kommt. Durch die ständige Optimierung

von Solarzellen und Batterien

konnte Silent Yachts von

Modell zu Modell verbesserte und

leistungsfähigere Yachten vorstellen.

Auf die Frage, welches denn die

beste Yachtgröße für sein solarelektrisches

Konzept sei, antwortet

Michael Köhler lächelnd: „Matchbox

Size! Dann wäre die Effizienz

am höchsten.“ Da es aber keinen

Markt für zündholzschachtelgroße

Yachten gibt, bietet Silents Yachts

von 55 über 60 und 80 bis zukünftig

100 Fuß eine schöne Auswahl an.

Die neue Hunderter wird dann auch

über ein Helipad verfügen, wenn

die Solarpanels auf dem Fly Deck

(nomen est omen) zur Seite gleiten.

Auch wir gleiten – geräuschlos

aus dem Hafen. Auf einer Segelyacht

würden wir jetzt die Segel

setzen, aber hier bleibt alles ruhig

und entspannt. Rigg und Segel

würden nur Schatten auf die Solarpanels

werfen und den Wirkungsgrad

reduzieren. Deshalb sind die

besten Plätze an Bord auch für die

Solarzellen reserviert. Auch das (absenkbare)

Dach der Fly ist bestückt

mit (leichteren) Solarpanels. Das

Kabinendach geht weit bis aufs Vorschiff,

das ergibt ganz schön Fläche

für die Sonnenscheinsammler.

KITE-SEGELN

Ein Netz sucht man auf dem Vorschiff

vergeblich, dafür verbirgt sich

auf dem Vordeck ein Kite sys tem

für den Segler in uns. Als Back-up-

Antrieb oder eben, weil es cool ist

und sich einfach be dienen lässt. Der

kurze Trägermast wird ausge fahren,

der Kiteschirm aufgeblasen und mit

einem Sensor versehen. Dann lässt

man den Drachen auf 120 bis 150

Meter steigen, wo der Wind beständiger

bläst. Der Kitecomputer empfängt

derweil die Sensorsignale und

66 2/2022


steuert den Kite so, dass er eine liegende

Acht fliegt – das „Infinity“-

Zeichen ist das optimale dynamische

Flugmuster und liefert dann

die Zugpower für den 29-Tonner

auf zwei Rümpfen.

Aber auch ohne Wind geht es

vorwärts. Scheint die Sonne, ist

die Reichweite unbegrenzt. Und

legt man keinen Wert auf rasende

Geschwindigkeiten, kann man Tag

und Nacht durchfahren. Energie ist

genug da, den drei Batteriebänken

mit 210 kWh Kapazität gehört

unser Dank.

Ich schaue dem Kapitän über die

Schulter. Gesteuert wird mit einem

kleinen Simrad-Hebelchen – oder

dann mit Autopilot. Das klassische

Steuerrad ist nur für den Notfall da,

sollte das elektrische System einmal

gänzlich ausfallen. Nachdem der

obligate Speedtest abgehakt ist (die

Silent 60 schafft 13 Knoten), ziehen

wir – wie die meisten Silent-Kunden –

Entschleunigung und Ruhe vor.

Am Steuerstand sehen wir das

Resultat unserer weisen Entscheidung

auf den Displays in Echtzeit:

Reduzieren wir den Speed von 9,8

auf angenehme 5,5 Knoten, brauchen

wir nur ein Sechstel der Power

für die E-Motoren (7 anstatt 42 kW).

Wir cruisen entspannt die Küste

entlang mit Kurs auf die Bucht von

Santa Ponsa.

Als wir vor Anker liegen, tippt

der Captain auf dem Display auf

„Ankermodus“, ab jetzt geht sämtliche

Energie automatisch in die

Hotelfunktionen wie Klimaanlage,

Kühlschrank oder Espressomaschine.

Selbst für diese Stromfresser

liefern die Panels genug Energie.

Und sollte es wirklich einmal tagelang

schneien, dann sorgt ein

Volvo-Generator für Abhilfe

SCHWIMMDENDE VILLA

Die Welt entdecken auf nachhal tige

Art und Weise. Und mit dem Komfort,

wie man ihn an Land gewohnt

ist. Die schwimmende Villa bietet

eine überdachte Lounge auf dem

Achterdeck. Die äußere Sofalehne

Das Kitesystem auf dem Vordeck der Silent 60 dient als Back-up-Antrieb. Der Kiteschirm steigt auf 120 bis 150 Meter, wo der Wind

beständiger bläst, und liefert dann im „Infinity“-Flug die Zugpower für den 29-Tonner auf zwei Rümpfen.

lässt sich umklappen, so kann man

nach innen oder ins Weite blicken.

Die Plattform lässt sich bis unter

das Wasser absenken und erleichtert

so das Tenderhandling ungemein.

Durch die Schiebetüren gelangt

man ins Innere, wo sich nach der

gut ausgerüsteten Pantry der Salonteil

anschließt.

Der Eigner dieser Silent hat sich

rechts für ein opulentes Schubladenmöbel

entschieden, in dem ein

hochfahrbarer Mega screen untergebracht

ist. Am Salontisch links finden

sieben oder mehr Personen auf

weichen Polstern Platz. Klassisch an

Steuerbord ist das Kommando- und

Kontrollpult platziert. Mittschiffs

geht es hinunter zur Master Cabin,

mit Betonung auf „Master“. Sie erstreckt

sich inklusive Bad fast über

die gesamte Schiffsbreite. Wer sich

hier eingeengt fühlt, der hat wirklich

ein Problem.

Ebenso chic und fast so groß ist

die VIP-Doppelkabine im Steuerbordrumpf.

Natürlich mit eigenem

Bad wie die anderen „normalen“

Der Kitecomputer empfängt

die Sensorsignale

und steuert den Kite so,

dass er eine liegende

Acht fliegt, während die

Crew an Bord chillt.

2/2022 67


Silent 60

Solarpaneele auch auf

dem Dach der Fly, die

Sonne liefert Energie

frei Haus; selbst im

„Ankermodus“ steht

genug Strom für jeden

Bedarf in der Luxusvilla

zur Verfügung.

drei Doppelkabinen. Der Skipper

hat auf der Backbordseite eine

eigene Kabine, ebenfalls mit Bad,

Zugang via Lukeneinstieg von

außen.

Gefallen haben uns auch die seitlichen,

alkovenartigen Rückzugsorte

an Deck. Nicht zu vergessen

die großzügige Lounge auf der Fly

Bridge (oder ist es schon ein Fly

Deck?) – auf dieser Yacht findet

jeder sein Lieblingsplätzchen.

MEINE ERSTE YACHT

Ich war insgesamt fast zwei Tage

mit der Silent 60 unterwegs, bei

wechselnden Seegangsbedingungen,

Sonnenschein und tiefen Wolken.

Der Wohlfühlfaktor war immer

sehr hoch, ob auf der Flybridge oder

im Salon. Man lernt sehr schnell die

wohltuende Ruhe zu schätzen – das

lauteste Geräusch sind Wind und

Wellengeplätscher. Der Weg wird

zum Ziel, die Lebensqualität bekommt

eine neue Dimension, die

Entschleunigung setzt rasch ein.

Der typische Silent-Kunde? Ein

Unternehmer, der bereits eine Solaranlage

auf dem Dach seiner Fabrik

hat und die Leistungsdaten auf

seinem Smartphone abruft. Oder

ein Early Adapter, der bereits seit

fünf Jahren Tesla fährt. Entweder

aus grüner Überzeugung und/oder

aus Liebe für ausgereifte Technik.

50 % der Kunden haben vorher

noch nie eine Yacht besessen. Mit

ihren Traum vom Leben auf dem

Wasser verwirklichen, ohne erst

eine Seglerausbildung durchlaufen

zu müssen. So oder so – klassische

Verbrenneryachten sehen plötzlich

ziemlich alt aus …


Silent 60

Länge

Breite

Tiefgang

Solarpaneele

Verdrängung

CE-Zertifizierung

Reisegeschwindigkeit

Höchstgeschwindigkeit

17,99 m

8,99 m

0,93 m

17 kWp

29 t

A

6–8 kt

13 kt

Kabinen 4–6

E-Antrieb

Generator

Treibstoff

Wasser

Schwarzwasser

2x 250 kW

100 kW

600–1.600 l

1.000 l

2 x 500 l

Preis ab € 2.390.000,–

Silent Yachts Trading GmbH,

Pirk 22, 9064 Magdalensberg

è www.silent-yachts.com

„ 50 Prozent der Kunden

haben vorher noch nie

eine Yacht besessen.“

68 2/2022


Luxus in spe

SEGELYACHTEN

Tipps, Trends & Neuheiten

SUPERKAT. Der polnische Kat-Hersteller

Sunreef plant einen Segel-

Superkatamaran mit über 40 Meter

Länge. Die Sunreef 140 verfügt dem

Trend der Zeit folgend achtern über

ausklappbare Bordwände, die den

Badebereich im Heck vergrößern.

Das luxuriöse Innere soll Platz für

bis zu 12 Gäste bieten und eine Eignersuite

mit Panoramablick und privatem

Zugang zum Lounge-Bereich

und Spa-Pool auf der Bugterrasse

umfassen.

Angeboten wird auch eine Eco-

Version mit umweltfreundlichem

Antrieb und werfteigenem Solarenergiesystem.

è www.sunreef-yachts.com

Sunreef 140 in der Planungsphase.

ohne anstehen, ohne Messestress!

Schnelles Update

RUNDERNEUERT. Eine überarbeitete

Version seiner Y8 hat YYachts

vorgestellt. Also von jenem Modell,

mit dem die deutsche Werft vor gut

sechs Jahren den Markt betrat. Am

Relaunch der Vollcarbon-Luxusyacht

arbeitete das mallorquinische

Designstudio Surge Projects mit, das

für seine schnellen Yachten bekannt

ist. Ein breiteres Heck und der weiter

hinten stehende Mast sollen beim

neuen Modell für höhere Leistung

sorgen. Das Interior-Volumen der

Yacht ist um satte 20 Prozent gewachsen,

dadurch ergeben sich verschiedene

Layout-Optionen: So kann die

Eigner-Suite samt separatem Salon

entweder im Bug oder auch im Heck

mit direktem Zugang ins Cockpit angeordnet

und die Galley offen oder

geschlossen installiert werden und

es können drei oder vier Kabinen

eingebaut werden.

è www.yyachts.de

YYachts Y8.

Eroberung

des Dachs

Erst letztes Jahr die neue Lagoon 55 und

heuer die Lagoon 51: Die Katamarantochter

der Bénéteau-Gruppe legt bei ihren

Neuvorstellungen eine hohe Schlagzahl

an. Die neue 51, die die erst 2017 eingeführte

Lagoon 50 ersetzt, wurde vor

allem an Deck neu gestaltet. Die Flybridge

nimmt 80 Prozent des Dachs ein,

was eine sehr disziplinierte Führung des

laufendes Guts verlangte. Die nur durch

zwei kleine Stufen vom Cockpit getrennte

Heckplattform wurde verlängert und der

Bug mit einer Sitz-Liegegruppe

sehr wohnlich eingerichtet.

Innen profitieren der Salon

und die Eignerkabine durch

die vordere

Positionierung

des Masts, der

nicht mehr im

Raum steht.

Weltpremiere feiert

die neue Lagoon im Frühling

auf der International Multihull Show in La

Grande Motte (20.–24. April).

è www.cata-lagoon.com

ohne ohne anstehen, anstehen, ohne ohne Messestress!

Messestress!


Jeanneau Sun Odyssey 380

Jeanneau hat das, was die Sun Odyssey-Reihe ausmacht, noch einmal

geschrumpft und in der Klasse der 11-m-Fahrtenyachten umgesetzt.

Herausgekommen ist mit der Sun Odyssey 380 ein sehr ausgeklügeltes

Charter- und Familienboot, das mit Walkaround-Konzept, Schwenkkiel,

Einhandtauglichkeit sowie vielseitigem Layout und Segelplan überzeugt.

Text WOLFGANG GEMÜND | Fotos GILLES MARTIN-RAGET

Feilen und

70 2/2022


Feilschen

2/2022 71


Jeanneau Sun Odyssey 380

Flaches Profil, ein breites

Heck und ein langer

Bugspriet, der als

Ankerhalterung dient.

Was bisher geschah:

2017 präsentierte

Jeanneau mit der

Sun Odyssey 440

eine 13-Meter-Fahrtenyacht mit

einem komplett neuen Deckslayout,

das es dank sanft abfallender

Seitendecks ermöglicht, barrierefrei

vom Cockpit bis zum Vorschiff

zu gelangen. Das heißt, der

Weg von der Plicht zum Bug führt

nicht mehr zwangsweise über eine

Kletterpartie über die Süllränder,

sondern kann über einen kleinen

Umweg um die Steuerräder herum

bequem und stufenlos auf dem seitlichen

Laufdeck bewältigt werden.

Das Walkaround-Konzept fand

auch in der fast zeitgleich vorgestellten

Sun Odyssey 490 Verwendung

(kein Wunder, hat man auf

dem größeren Boot doch mehr

Platz für so einen Rundgang) und –

kleine Überraschung – auch in der

ein Jahr später nachgereichten 410.

Diese ist immerhin gute 60 Zentimeter

kürzer und vor allem 30

Zentimeter schmäler als die 440,

aber trotzdem gelang es den Franzosen

irgendwie, die begehbaren

Seitendecks unterzubringen.

Die noch größere Überraschung

ist jetzt allerdings, dass Jeanneau

den barrierefreien Zugang rund

um das Cockpit auch in der nochmals

um 23 Zentimeter schmäleren

Sun Odyssey 380 umgesetzt hat.

Man kann sich vorstellen, wie

hier die Konstrukteure mit der

Lupe am Modell gefeilt und um

jeden Millimeter gefeilscht haben:

Wie viel Platz darf der Rundgang

haben, damit es im Cockpit mit

seinem ausklappbaren Tisch nicht

zu beengt zugeht? Mag sein, dass

die Plicht etwas filigraner als bei

den größeren Geschwistern ausgefallen

ist, aber zusammengepfercht

fühlt man sich auch bei Mahlzeiten

im Freien trotzdem nicht.

KLEIN, LEICHT, BELIEBT

Wir befinden uns mit der neuen

Sun Odyssey 380 in der Klasse

der Familienyachten um 11 Meter

Rumpflänge. Wobei die kleine

Jeanneau mit einer Rumpflänge

von 10,77 Metern sogar zu den kleineren

Vertretern ihrer Klasse zählt.

Sie ist mit 6,9 Tonnen auch ziemlich

leicht. Das alles muss aber kein

Nachteil sein, denn zum einen werden

kompaktere Dimensionen beispielsweise

im Hafen sehr geschätzt.

Und zum anderen scheint sich der

Trend in den letzten Jahren zu immer

größeren Segelyachten gerade

umzukehren. Small is beautiful ist –

vielleicht auch als Folge der Pandemie

– derzeit wieder angesagt.

Wichtiger ist sowieso, was man

mit dem zur Verfügung stehenden

Platz anfängt, und da ist Jeanneau

wirklich vif vorgegangen. In der

Bugkabine ist beispielsweise das

Doppelbett dank der breiten Vor-

„ Zur Verfügung steht neben einem

Flachkiel und einem Tiefkiel auch ein

hydraulisch aufholbarer Schwenkkiel.“

72 2/2022


schiffpartie schräg aufgestellt und

macht damit (freilich auf Kosten

eines zweiten Schranks) Raum für

ein eigenes Bad. Die Betten sind

überhaupt im ganzen Schiff recht

groß, mindestens 1,50 m breit

und 2 m lang. Mittschiffs befindet

sich auf Steuerbord die L-förmige

Pantry, davor eine Sitzgruppe in

U-Form. Gegenüber dieser hat

erfreulicherweise ein kleines Sofa

Platz gefunden, das auch als Tageskoje

dienen kann. Das ganze Interieur

wirkt sehr zweckmäßig, hell

und freundlich.

VIELFALT IST ANGESAGT

Die kleine Sun Odyssey wird wohl

sowohl bei Charterunternehmen

als auch bei privaten Eignern

großen Anklang finden. Um hier

wirklich für jede Zielgruppe das

passende Package anbieten zu

können, setzen die Franzosen auf

Vielfalt. Die 380 wird mit zwei

oder drei Kabinen und mit ein

oder zwei Nasszellen ausgeliefert.

In der Version mit nur einer Heckkabine

kann neben dem Aufgang

eine separate Dusche mit eigenem

Eingang eingebaut werden.

Ungewöhnlich flexibel ist man

auch bei den Kielvarianten. Zur

Verfügung steht neben einem

Flachkiel mit 1,56 m und einem

Tiefkiel mit 2 m Tiefgang auch ein

hydraulisch aufholbarer Schwenkkiel

mit einer Bandbreite von 1,29

bis 2,70 m. Mit Letzterem hat die

Crew Zugang zu sehr flachen Liegeplätzen,

z. B. in Binnengewässern

oder bei versandeten Einfahrten,

wie sie etwa an der oberen Adria

immer wieder vorkommen.

Weiterer Vorteil des Schwenkkiels:

In der unteren Position hat

die neue Sun Odyssey einen hochoptimierten

Kiel, der die Segeleigenschaften

auch gegenüber dem

Tiefkiel nochmals verbessert!

Wie alle anderen Sun Odyssey

Yachten besitzt auch die 380 ein

Doppelruder. Das Rigg ist ohne

Achterstag ausgeführt, damit kann

ein Großsegel mit sehr großer

Achterstags-Rundung gefahren

werden. Das wird besonders Segler

interessieren, die in Revieren mit

eher leichteren Winden segeln.

Beim Segelplan kann zwischen der

Selbstwendefock im Standard und

überlappender Genua gewählt werden.

Optional sind auch ein Rollmast

und für mehr Vortrieb ein

leistungsstärkeres, im Topp ausgestelltes

Großsegel erhältlich.

EINHANDTAUGLICH

UND ZU BESICHTIGEN

Mit welchen Segeln auch immer

ausgerüstet – die 380 wird auf jeden

Fall komfortabel, ja sogar einhandtauglich

zu segeln sein. Die Segelschoten

laufen über das Kabinendach

und die Süll zur hinteren

So klein und besitzt als

Einzige in ihrer Klasse

schon ein seitliches

Laufdeck. Ebenfalls

nette Details: die

breite, ausklappbare

Heckplattform und

die saubere Führung

der Schoten.

2/2022 73


Jeanneau

Sun Odyssey 380

Länge ü. a. (mit Bugspriet)

Breite

Verdrängung Tiefkiel

Tiefgang

Tiefkiel

Flachkiel

Schwenkkiel


Motor Standard

Dieseltank

Frischwassertank

11,75 m

3,76 m

6.896 kg

2,00 m

1,56 m

1,29 m eingeschwenkt,

ausgeschwenkt 2,70 m

Yanmar Diesel, 29 PS

130 l

330 l

Segelfläche

Großsegel 36 m²

Selbstwendefock 23,1 m²

Genua 29,5 m²

Gennaker 95 m²

CE-Kategorie

Max. Personen 8

Preis ab € 168.000,–

Händler: Trend Travel & Yachting GmbH

6322 Kirchbichl, Tel. +43 5332/74291

è www.trend-travel-yachting.com

A

Hier lebt es sich hell und freundlich: der Salon mit Pantry und Sitzgruppe, hübsches Bad, Tageskoje und das

schräg eingebaute Bett in der Eignerkabine.

Winsch, die vom Steuermann –

dem abfallenden Seitendeck sei

Dank – sehr bequem, weil stehend

bedient werden kann. Die Fallen

und Leinen müssen auch nicht

nach jedem Manöver sorgfältig am

Süllrand sortiert, sondern können

am Seitendeck liegen gelassen werden.

Einhandfreundlich ist auch

das Bugstrahlruder, das für mehr

Beweglichkeit für die Manöver im

Hafen sorgt.

Nach Österreich importiert wird

die Sun Odyssey 380 wie gehabt

vom Team von Trend Travel &

Yachting aus Kirchbichl in Tirol,

das das neue Modell gern auf der

Boot in Tulln ausgestellt hätte.

Nach der Absage von Österreichs

größter Bootshow wurde das Ausstellungsstück

aber gleich weiter

nach Kroatien transportiert. Dort,

nämlich in der Marina Veruda in

Pula, kann die Sun Odyssey ab

10. März mit ihren drei großen

Geschwistern besichtigt und verglichen

werden.


„ In der Marina Veruda in Pula

kann die Sun Odyssey 380

ab 10. März mit ihren drei

Geschwistern besichtigt

und verglichen werden.“

74 2/2022


Im Atlantik lernen

PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Alex und Klemens wissen Meer.

TRAINING. Österreichs größte Seefahrtschule

b3onwater verlegt den

Unterricht im März weit in den Westen.

Vom 19. bis 26. März steigt auf

den Kanarischen Inseln das Atlantik-

Training mit Skipper Stephan Probandt.

Gesegelt werden ca. 150 bis

200 nautische Meilen auf einer Oceanis

51, Start und Ziel ist Teneriffa.

Das Training eignet sich auch zur

Vorbereitung auf den FB3. Wer im

Winter noch Theorie büffeln will,

kann im Seminarzentrum in Korneuburg

auch ein umfassendes Wetterseminar

belegen. Alle Kurse und Preise:

è www.b3-onwater.at

Funken lernen

SHORT RANGE CERTIFICATE. Als anerkanntes

RYA Training Center bietet die

Seefunkschule Adlmanninger Kurse

für das englische SRC-Zeugnis für den

Seefunk (GMDSS) an. Es gibt regelmäßig

Ein- bzw. Zweitageskurse mit gleich anschließender

Prüfung, die österreichweit

(Bregenz, Graz, Kufstein, Linz, Ried im

Inn kreis, Villach und Wien) abgehalten

werden. Wer es noch bequemer mag,

kann den Kurs auch selbständig zu Hause

online durcharbeiten. Am Ende des interaktiven

Kurses steht ein Vor-Test an, nach

dessen positiver Absolvierung die Prüfung

vor Ort abgelegt werden kann. Termine:

è www.seefunk.net

Mit Franco Del Fabbro zur Funklizenz.

NEW AZIMUT 78 FLY

EXCLUSIVE MOTOR YACHT CHARTER IN CROATIA

COVID-SAFE HOLIDAYS

BITCOIN ACCEPTED

SPLENDIDYACHTING.COM


M

V

S

Ö

MOTORBOOTSPORT UND SEEFAHRTS VERBAND ÖSTERREICH

News März/April 2022

Bootsführerschein für

trailerbare Boote

Warum

das österreichische „International

Certificate für FB1“ so attraktiv ist.

Text HARALD MELWISCH

DI HARALD MELWISCH

Präsident des „King

Yachting Club“,

Prüfungsreferent des

MSVÖ – Motorbootsport

und Seefahrts Verband

Österreich und langjähriger

Experte auf

dem Gebiet der Berufsund

Freizeitschifffahrt.

kolumne@ocean7.at

Viele österreichische Bootseigner

haben ihr Boot auf

österreichischen Binnengewässern

liegen, möchten es aber

für den Urlaub ans Meer trailern.

Der Haken dabei ist, dass das österreichische

Schiffsführerpatent für

Binnengewässer nicht anerkannt

wird am Meer. Das gilt nicht nur

für österreichische Binnenpatente,

sondern ganz allgemein. Der Unterschied

in den Fahrregeln, Seezeichen

und der Navigation auf

dem Meer ist zu groß für einen

einheitlichen Befähigungsausweis.

Bis in die beginnenden 2000er-

Jahre wurde bei österreichischen

Urlaubern in Kroatien das österreichische

Binnenpatent trotzdem

noch akzeptiert. Das ist jetzt nicht

mehr der Fall, es wird ein Befähigungsausweis

für das Meer gefordert.

Dies unabhängig davon, ob

es sich um ein Motorboot oder ein

Segelboot handelt. Es gilt, sobald

das Boot einen Motor für einen

eventuellen Vortrieb besitzt.

TÜRÖFFNER FÜR ALLE MEERE

Die österreichischen Befähigungsausweise

für das Meer waren

schon immer eingeteilt in die

Fahrtbereiche FB2 bis FB4. 2008

wurde auf Anregung des MSVÖ

für den oben geschilderten Fall zusätzlich

der Befähigungsausweis

„Fahrtbereich 1“ eingeführt, definiert

als „Watt- oder Tagesfahrt“.

Er ist zwar beschränkt auf Schiffslängen

bis 10 Meter und Fahrten

bis 3 Seemeilen von der nächs ten

Insel, dafür bietet er aber einige

Vorteile:

1. Das österreichische „Interna tional

Certificate FB1“ gilt weltweit.

2. Für Besitzer eines österreichischen

Schiffsführerpatents für

Binnengewässer und für Personen,

welche dieses gerade erwerben,

genügt eine Theorieprüfung

ohne Praxisprüfung. Die Theorieprüfung

besteht aus 30 Theoriefragen

und einer Kartenarbeit

mit 10 Fragen.

3. Der Befähigungsausweis FB1

kann natürlich auch ohne ein

österreichisches Schiffsführerpatent

für Binnengewässer erworben

werden. Die Prüfung besteht

dann aus Theorie- und Praxisprüfung.

Die Praxisprüfung

unterscheidet sich von der des

Binnenpatents, kann aber auch

auf einem Binnengewässer in

Österreich absolviert werden.

4. Der Befähigungsausweis FB1

kann ab einem Alter von 16 Jahren

erworben werden. In diesem

Alter will man schon gerne ein

wenig mit dem Beiboot fahren,

das wird dadurch legal möglich.

Eines ist für die Ausstellung des

österreichischen „International

Certificate FB1“ allerdings nicht

vermeidbar: Man muss nachweisen,

dass man 50 Seemeilen auf

dem Meer absolviert und dabei

auch eine Nachtansteuerung gemacht

hat (Einlaufen 2 Stunden

nach Sonnenuntergang).

Boot trailern und mit dem FB1 ab ans Meer.

76 2/2022


Österreichische Weltklasse

Im Alter von 16 Jahren holte sich Jetski-Rennfahrer Kevin Reiterer

seinen ersten WM-Titel. Im Jänner wurde er nun zum dritten Mal

Weltmeister und überholte damit sein Kindheitsidol Jeff Jacobs (SA).

Text TAHSIN ÖZEN | Fotos KEV-RACING

FOTOS: SHUTTERSTOCK

Während der Ausbildung

zur Prüfung zum FB1 muss

man sich mit der Navigation,

Fahrregeln und der Sicherheit

auf Schiffen auseinandersetzen.

Aber dafür hat man dann

das Rüstzeug, um als Skipper

mit Booten bis 10 Meter Länge

fast die ganze kroatische Küste

mit ihren Inseln (oder ein anderes

beliebiges Revier weltweit)

zu erkunden, sei es mit

dem eigenen oder einem gecharterten

Boot.

Wer sich mit Segeln näher

beschäftigen will, kann auch

den Segelzusatz dazu machen.

Das sind zusätzliche 10 Theo -

rie fragen bei der Theorieprüfung

und eine praktische Segelprüfung

mit 6 Prüfungspunkten.

Letztere kann auch

auf öster reichischen Binnengewässern

abgelegt werden.

Sollte man dann noch Lust

bekommen auf weitere Seefahrten

mit größeren Booten,

dann gibt es ja noch die österreichischen

Befähigungsausweise

für FB2 bis FB4.

Mitte Jänner fand im

thailändischen Pattaya

das prestigeträchtigste

Rennen der Jetskiwelt statt. Der

Österreicher Kevin Reiterer

(Europameister und Weltmeister

2021) reihte sich neben den

besten Piloten der Welt auf der

Startlinie in Thailand ein. Mit

einem zweiten und einen ersten

Platz übernahm Reiterer die

Halbzeitführung, doch nach

einem souveränen Sieg des

Belgiers Quinten Bossche im

dritten Lauf hieß es für den Bad

Fischauer alles oder nichts im

finalen Showdown.

Bossche und Reiterer platzierten

sich nebeneinander für den

Start ins Finale. Die Spannung

war zu spüren als die besten 16

der Welt auf die erste Boje zurasten.

Quinten gewann den

Start und Reiterer konnte sich

erst nach Runde drei auf Platz

zwei vorkämpfen. Nun hieß es

alles geben für den zweifachen

Champion. Völlig überraschend

stürzte der führende Belgier in

ein Wellental und verlor seinen

Ski. Im letzten Moment konnte

Reiterer dem

schwimmenden

Konkurrenten

ausweichen,

übernahm die

Führung, fuhr zu

einem fehlerfreien

Sieg und sicherte

sich den dritten

WM-Titel.

Nachdem bei

der Siegerehrung

die österreichische Bundeshymne

erklang und die rotweiß-rote

Landesflagge gehisst

wurde, empfing er die Trophäe

durch die königliche Garde.

Reiterer: „Ich kann es noch

nicht fassen. Diese Möglichkeit

blieb mir lange verwehrt. Doch

dieses Jahr konnte ich mein

Bestes zeigen und mir den Titel

sichern.“

Kevin Reiterer holte sich seinen

ersten Titel im Jahr 2008 im

Alter von 16 Jahren. Nun ist er

ein dreifacher Champion und

überholt damit den erfolgreichsten

Fahrer der Geschichte und

sein Kindheitsidol Jeff Jacobs

(USA, 2-facher Sieger).

Seine dritte WM-Trophäe

wurde Kevin Reiterer von

der thailändisch-königlichen

Garde überreicht.

Nach dem Sturz des

Belgiers Quinten

Bossche übernahm

Kevin Reiterer die

Führung – und siegte.

2/2022 77


YCA-AUSBILDUNG

YACHT CLUB AUSTRIA

News März/April 2022

Die Straße

von Gibraltar

Bei der RYA Yachtmaster-Ausbildung steht vor allem die Praxis

im Vordergrund. Sie ist eine spannende Herausforderung und

bietet viel Erfahrung in nicht alltäglichen Revieren und unter

nicht alltäglichen Bedingungen.

Text und Fotos CHRISTIAN SPERNER, OSI

Der Felsen von Gibraltar und

der Leuchtturm von Tarifa

sind weithin sichtbare Signale,

um sich auf eine fordernde

Passage vorzubereiten. Strömungen,

verursacht durch unterschiedliche,

zusammenwirkende Elemente,

und ein reger Schiffsverkehr

verlangen höchste Aufmerksamkeit

und gute Vorbereitung ab.

Die Südküste Portugals und

Spaniens, von der immer wieder

Orca-Angriffe vermeldet werden,

haben wir hinter uns gelassen.

Es ist eine Nachtpassage, Cabo de

Trafalgar liegt querab, Kurs 110°

liegt an. Wir halten Ausschau nach

dem Leuchtturm von Tarifa, der

uns in Richtung Straße von Gibraltar

leitet.

Schon bei der Planung haben

wir uns über die Besonderheiten

der Straße von Gibraltar genau

erkundigt, nun kommt aber die

Realität auf uns zu. Die Strömung

zum Zeitpunkt der Passage unterstützt

uns und auch der Wind aus

Südwest passt gut. Zuletzt blies er

noch mit über 20 Knoten aus Ost,

was unser Vorhaben erheblich erschwert

hätte.

Tarifa liegt querab und der

Felsen von Gibraltar wird neben

der aufgehenden Sonne sichtbar.

Die markante Wegmarke hat eine

faszinierende Aura. Zusammen

mit dem Berg Sidi Musa an der

Spitze Marokkos bildet er die Säulen

des Herkules. Westlich dieser

berühmten Meerenge liegt der

rast lose Atlantik, den wir nun verlassen

und das Alborán-Meer, den

westlichsten Teil des Mittelmeers

ansteuern.

Hauptursachen für die Strömungen

sind die normalen Gezeiten,

die schnelle Verdunstung von

Wasser im Mittelmeer, die durch

den Zufluss von Wasser aus Flüssen

und Regen nicht ausgeglichen

wird, und die Schichten des Meerwassers,

die jeweils eine andere

Dichte und einen anderen Salzgehalt

aufweisen. Daraus ergeben

sich Strömungen von ungefähr

3 Knoten in Richtung West und

ungefähr 4–7 Knoten in Richtung

Ost. Die Strömungen unterteilen

sich in den zentralen Hauptstrom

und in zwei Neerströme, die vor

der spanischen bzw. marokkanischen

Küste verlaufen. Durch die

Düsenwirkung kommt es auch zu

starken Winden.

Hohe Aufmerksamkeit fordert

auch der rege Schiffsverkehr. Der

Hafen Algeciras liegt in der Bucht

von Gibraltar und ist die Nummer

sechs der europäischen Häfen, mit

einer Kapazität von 5,1 Millionen

TEU (Twenty-foot Equivalent

Unit) Containern. Die detaillierte

Vorbereitung und laufende Beobachtung

des Umfelds und der Inst-

FOTO: SHUTTERSTOCK FOTO: SHUTTERSTOCK

FOTO: SHUTTERSTOCK

Leuchtturm Tarifa in Andalusien.

Im Wechselbad von

Strömungen und Gezeiten.

Die Meerenge von Gibraltar

aus der NASA-Perspektive.

Die Barbary Macaque-Affen von

Gibraltar sind die einzige wild

lebende Affenpopulation auf dem

europäischen Kontinent.

rumente bringen uns sicher durch

diesen Streckenabschnitt.

Wenn man einen Hafen in Gibraltar

anläuft, empfiehlt sich ein Ausflug

auf den Felsen von Gibraltar. Neben

der beeindruckenden Aussicht garantieren

die berühmten Affen ein besonderes

Erlebnis.

Weitere Informationen gibt es auf

der YCA-Homepage mit der Blog-

Serie „Tides & Streams“. Interesse?

Anfragen gerne per E-Mail an

è christian.sperner@yca.at

Reger Schiffsverkehr in

der Straße von Gibraltar.

78 2/2022


YCA-VORSCHAU

5. März:

Virtuelle YCA-Hausmesse

Die Boot Tulln wurde auf 2023 verschoben, was bei den Verant wort lichen

im Yacht Club Austria zu langen Gesichtern geführt hat. Denn 2022 ist das

YCA-Jubiläumsjahr – dieser wird heuer 50 Jahre alt. Wir feiern trotzdem!

Text GOTTFRIED RIESER, YCA AUSBILDUNGSLEITER

Programm YCA-Hausmesse am 5. März 2022

Wir beschreiten dafür neue Wege:

und organisieren eine virtuelle

Hausmesse im Internet am

Samstag, den 5. März.

Wie funktioniert das? Auf der Homepage

wähle man den Beitrag „YCA-Hausmesse“

und es erscheint der Zugangslink,

einfach anklicken und schon ist man in

der virtuellen Messehalle am Stand des

YCA. Unsere Besucher bekommen ein

Feuerwerk an Beiträgen und Informationen

aus dem reichhaltigen Portfolio des

Yacht Club Austria.

PS: Das Special Offer für unsere Nochnicht-Mitglieder:

Wer an diesem Tag

Mitglied im größten Yacht Club Österreichs

wird, bekommt ein Jahr Gratismitgliedschaft

mit all ihren Benefits

( Rabatte, ocean7-Abo, Zugang zum

Kompetenzzentrum, Clubyachten nützen

u.v.m.)!

è www.yca.at

09.30–10.00 Uhr Frühstück auf Venezianisch mit Wolfgang Siebenhandl

10.00–10.30 Uhr ocean7: Verlosung des Preisausschreibens „50 Jahre YCA“

10.30–11.00 Uhr Mike Hecker: Der Gebirgssegler-Cup

11.00–12.00 Uhr Melanie Swatosch: „Mitkochen mit Melanie” – eine Kochshow für die Pantry

12.00–13.00 Uhr Michael Menard: virtuelles Skippertraining/Anlegemanöver von der Picke auf!

13.00–13.30 Uhr Michael Guggenberger: Meine Teilnahme am Golden Globe Race/Round the world 2022

13.30–14.00 Uhr Gottfried Rieser: Ich möchte Skipper werden und den Schein machen

14.00–14.30 Uhr Mit dem YCA zum RYA-Yachtmaster Offshore/Ocean

14.30–15.00 Uhr Präsentation AASW/Auslosung der Einheitsklasse

15.00–15.30 Uhr YCA/ÖSYC: Präsentation Freundschaftsregatta

15.30–16.00 Uhr Gottfried Rieser: Traditionssegeln mit einem Plattbodenschiff im IJsselmeer

16.00–16.30 Uhr Franz Vogler & Ingrid Krismer: Segeln mit einer Brigg über den Atlantik

16.30–17.00 Uhr Mike Hecker: Langfahrt Überstellung Alicante – Primošten

17.00–17.30 Uhr Gottfried Rieser: Segeln in Schottland

17.30–18.00 Uhr Die Seenomaden: Beratung und Coaching für Langfahrtsegler

Kurzfristige Änderungen vorbehalten!

YACHT CLUB AUSTRIA

GENERALSEKRETARIAT

Estermannstraße 6, 4020 Linz

+43(0)732 781086, office@yca.at

www.yca.at

COMMODORE

Christian Schifter

+43(0)664 5315353

cschifter@yca.at

CREW WIEN, NÖ, BURGENLAND

Crew-Commander

Günther Holzinger

+43(0)664 2108020

guenther.holzinger@yca.at

CREW SALZBURG

Crew-Commander

Hubert Kraft

+43(0)664 9645011

hubert.kraft@yca.at

CREW OBERÖSTERREICH

Crew-Commander,

Generalsekretär

Thomas Hickersberger

+43(0)676 3067224

thomas.hickersberger@yca.at

CREW TIROL UND VORARLBERG

Crew-Commander

Johannes Lindig

+43(0)660 5208136

j.lindig@tsn.at

CREW KÄRNTEN

Crew-Commander

Fritz Abl

+43(0)664 2436871

office@yca-crew-ktn.at

www.yca-crew-ktn.at

CREW STEIERMARK

Crew-Commander

Mike Hecker

+43/(0)0676 6086035

mike.hecker@yca.at

AUSBILDUNG

YCA-Ausbildungsleiter

Gottfried „Titzl“ Rieser

+43(0)664 3706027

gottfried.rieser@yca.at

YCA: 2022 nicht

auf der Boot

Tulln, aber im

Rahmen der

YCA-Hausmesse

online zu erleben.

NAUTISCHES

KOMPETENZ-ZENTRUM

Wolfgang Hurch

+43 (0)732 781086

wolfgang.hurch@yca.at

2/2022 79


YACHT CLUB AUSTRIA

News März/April 2022

YCA-CLUBREISE

Toskana und Elba

Eine italienische Reise der Crew Kärnten mit kulturellen und kulinarischen

Highlights in Florenz, Siena, Pisa und auf Elba.

Text FRITZ ABL, YCA CREW-COMMANDER KÄRNTEN | Fotos DR. UDO REICHMANN

Geplant war die Reise bereits

für März 2020. Nach einer

langen Corona-bedingten

Wartezeit war es im November 2021

endlich so weit.

Die YCA-Reisegruppe startete

in einem bequemen Reisebus aus

Klagenfurt in die Toskana. Während

Kunstliebhaber aus anderen

Ländern eine lange Reise auf sich

nehmen müssen, sind wir in wenigen

Stunden in der Altstadt von

Florenz gelandet. Bewundern

konnten wir die geniale Kuppel

des Doms von Filippo Brunelleschi,

Michelangelos David, die älteste

Brücke über den Arno, die Ponte

Vecchio, sowie viele weitere Spuren

von Leonardo da Vinci bis Galileo

Galilei.

Am nächsten Tag landeten wir

in Siena an der Piazza del Campo,

Schauplatz des Palio di Siena, eines

der härtesten Pferderennen der

Welt, wo wir nach dem Mittagessen

einen herrlichen Stadtrundgang

starteten. Anschließend ging es

weiter nach San Gimignano (mit

dem besten Eis Italiens). Und dazwischen

immer wieder unglaublich

schöne Ausblicke auf die

herbstliche Landschaft, deren Farben

auch bei diesigem Wetter ihren

ganz besonderen Reiz hatten.

Am dritten Tag hieß es auf nach

Elba, der grünen Insel im toskanischen

Archipel. Auf Granitfelsen

inmitten mediterraner Vegetation,

mit Klippen und weißen Kiesstränden,

die mit dem Nationalpark

„Parco Nazionale Arcipelago Toscano“

vor dem Massentourismus

bewahrt werden. Sonne, blauer

Himmel und ein ebenso blaues

Meer haben uns auch hier im

November erwartet. Besonders

beeindruckend waren die Orte

Portoferraio und Porto Azzurro

(= Blauer Hafen), einer der schönsten

Häfen der Insel.

Am vierten Tag kamen wir zum

nächsten Highlight der Reise: der

Stadt Pisa. Wir waren sofort überwältigt

von der grandiosen romanischen

Kathedrale und natürlich

vom 56 Meter hohen schiefen

Glockenturm aus weißem Marmor,

der sich bereits bei seiner Fertigstellung

im Jahr 1372 zur Seite neigte.

Nach Restaurierungsarbeiten ist er

inzwischen sogar wieder begehbar.

Nach diesen beeindruckenden vier

Tagen traten wir die Heimreise an.

In Erinnerung bleiben die schönsten

Bilder aller Kunstwerke und der

herrlichen Landschaft. Aber auch

die tollen Informationen der örtlichen

Reiseführer und Reiseführerinnen,

die uns bei langen Busfahrten

viele Stunden lang mit ihrem

Wissen über die Region Toskana

die Zeit kurz werden ließen.

YCA-Clubtörns

Jährlich gibt es die sehr beliebten und daher rasch ausgebuchten YCA-Clubtörns in die

spannendsten Segel-Reviere, meist abseits der überlaufenen Massen-Tourismusziele.

Weiters im Angebot: Rafting-Touren auf der Moldau, Radtouren entlang der Thaya sowie

Hausboot-Touren in Venedig etc. Warum also nicht auch YCA-Clubreisen, wie zuletzt vier

Tage in die Toskana? Echt schön, beim Yacht Club Austria zu sein.

Naturjuwel San Gimignano.

Bei Michelangelos David in Florenz.

Kultiviert in Siena.

Der schiefe Turm von Pisa.

80 2/2022


YCA-TRAINING

Katamaran-Training

auf einer Lipari 41

Text und Foto K A R L F L O R I A N ,

YCA CREW-COMMANDER TIROL UND VORARLBERG

Katamaran-Training mit

dem YCA in Kroatien.

YCA-Events und -Veranstaltungen

5. März online YCA-Hausmesse

5. März Ansfelden SRC Short Range Certificate, 1 Tag

12. März Raum Graz LRC – Long Range Certificate

19. März 1040 Wien „Medizin auf See“ Holger Ferstl

25. März Izola YCA Trainer Lehrgang, 3 Tage

27. März Portsmouth/Solent 8T YCA Tidal Training Solent, 8 Tage

29. März Linz-Dornach OÖ Clubabend „Mit S. Kummer ohne Sorgen“

2. April Primosten FB2 Ausbildungs/Prüfungstörn Stmk., 7 Tage

2. April Portorož FB2 Trainingstörn, 14 Tage

2. April Pula Katamaran-Training Lipari 41, 8 Tage

3. April Portsmouth Channel Crossing (RYA Yachtmaster

Prerequisite), 8 Tage

9. April Murter, Kroatien Langstreckentörn über 400 sm, 8 Tage

10. April Raum Šibenik GSC Regatta Gebirgssegler Cup 2022, 6 Tage

23.–24. April Attersee Schiffseinweisung SY Isabell

30. April Izola 8T FB2-Trainingstörn

30. April Attersee Schiffseinweisung SY Isabell

30. April–1. Mai Weyregg Schiffseinweisung Melges 24

14. Mai Linz, MS Schönbrunn 50 Jahre YCA-Jubiläumsveranstaltung

22. Mai Punat/Kroatien AASW 2022 Alpe Adria Sailing Week, 5 Tage

Allfällige Änderungen vorbehalten.

Ab der Marina Veruda

bei Pula, im Kvarner

Revier bis Mali Lošinj,

wird der Umgang mit den

Eigenheiten eines Katamarans

in Theorie und Praxis gelernt.

Nach einer Woche intensiven

Trainings hat jeder Segler die

Scheu vor diesem Schiffstyp

verloren.

Trainiert werden das Handling

beim An- und Ablegen im

Hafen, „Drehen am Teller“ auf

engstem Raum sowie alle üblichen

Segelmanöver nach kundiger

Anleitung. Nähere Informationen

auch auf der YCA-

Homepage unter „Veranstaltungen“.

Die Teilnehmerzahl bei

diesem Training ist auf max.

sieben Personen + erfahrenem

Ausbildner/Skipper beschränkt.

Falls der erste Trainingstermin

vom 2. bis 9. April 2022 bereits

ausgebucht sein sollte, steht

Karl Florian gerne für weitere

Termine zur Ver fügung. Anfragen

unter

è karl.florian@aon.at

Clubabende

Sämtliche YCA-Clubabende (online oder real), Aus- und Weiterbildungs-Möglichkeiten

tagesaktuell abrufbar unter è www.yca.at/vereinonline

Crew Kärnten: Clubabende 14-tägig, siehe è www.yca-crew-ktn.at

Gäste und Freunde sind an den YCA-Clubabenden ebenfalls willkommen!

„ Stark im Verband – der YCA

(seit 1972) ist der größte Yachtclub

Österreichs.“

Fehlerteufelchen

In Ausgabe 1/2022 haben wir auf Seite 78 die „Fancyknoten“ erwähnt. Diese zählen zu

jenen kunstvollen Knoten, die in liebevoller Handarbeit mit viel Muße geknüpft werden.

Im Gegensatz zu den Knoten, die der Sicherheit an Bord dienen.

YCA-Services und -Vorteilspartner

Wir bauen laufend unser Netzwerk zu

starken Partnern aus. Damit können wir

unseren YCA-Mitgliedern attraktivste

Konditionen in vielen Bereichen anbieten,

siehe unsere Service-/Vorteilspartner

auf è www.yca.at

Marinas: Sondertarif für Tages- bzw.

Jahres-Liegeplätze. Italien: Marina Certosa

(Venedig), Marina Aprilia Marittima

(Lignano*). Kroa tien: Marina Vrsar, Marina

Funtana, Marina Punat, Marina Frapa

* In Kooperation mit der Agenzia Adrianautica und Agenzia Immobiliare-Nautica & Yachting San Marco.

in Rogoznica und Dubrovnik. Spanien:

Marine Project Iberia (Barcelona).

Charter: Müller Yachtcharter, Pitter

Yachtcharter, My SeaTime Yachtcharter

d.o.o. (Kroa tien), Ionian Charter (Griechenland),

four seasons yachting GmbH

(Deutschland).

Service: MEC-Energietechnik, SeaHelp,

Seemannsladen.at, Thomas Pernsteiner,

Schiffs-Sachverständiger, ocean7-Magazin,

Marina-Buchungsplattform seasy.at

Versicherung: Pantaenius.

YCA-Stützpunkte: Alle Marinas wie links

angeführt + Ionian Charter.

Interessierten Sponsoren und Partnern

bieten wir gerne attraktivste Kooperationsformen

und Möglichkeiten für eine

erfolgreiche Zusammenarbeit. Wir freuen

uns auf Ihre Anfragen und Vorschläge:

è marketing@yca.at

2/2022 81


Sailing Poetry

Penelope lässt

sich scheiden

STATUE IM VATIKAN, FOTO: WIKIMEDIA/PROJECT GUTENBERG

Odysseus und Gilgamesch segeln nach Ithaka / doch Penelope ist

nicht mehr da. Die ist des Wartens überdrüssig und hat ein Schiff

gerüstet, ihren Herumtreiber zu suchen.

Penelope, des Wartens überdrüssig.

Im Sturm strandet ein Schiff auf

Ithaka, dessen Skipperin wird zu

Penelope gebracht, stellt sich vor

als der Amazonenkönigin Penthesileas

Tochter, genannt Penthi und

erzählt von ihrer Fahrt übers Meer /

von Illios her. Penelope klagt, Odysseus

ist noch immer nicht zurück!

Sie habe schon einen offenen Brief

an die Küstenzeitungen gesandt, in

dem sie ihn zur schleunigen Rückkehr

auffordert. Ovid habe den Text

in seinen „Heroides“ veröffentlicht:

„Dies sendet dir deine Penelope,

säumiger Ulixes / es hilft mir nichts,

wenn du zurück schreibst / komm

lieber selbst! Troja ist längst gefallen

und diese Helena / war den ganzen

Aufwand nicht wert! Ich weiß, dass

du unversehrt überlebt hast. Und

ich warte. Und warte. Wo trödelst

du herum? Bist du von der Liebe

zu einer andern gefesselt, wie es so

eure Art ist, ihr Männer?“

Mir wurde aufgetragen, erzählt

Penthi, Gilgamesch zu suchen, den

König von Uruk; auch der treibt sich

herum wie dein Odysseus, sucht

angeblich die Unsterblichkeit, wird

aber dringend in Uruk erwartet,

seinen Pflichten als König nachkommen.

SIEBEN JAHRE LIEBESDIENST

Penelope reicht es, sie will selbst

nach Odysseus suchen in den Häfen

des Mittelmeeres, wo er sich gewiss

irgendwo herumtreibt mit einer

Fischersfrau oder einer Königstochter.

Den Kerl werde ich in den

Hintern treten, sagt sie, wenn ich

ihn finde! Die beiden neuen Freun-

dinnen rüsten also ein Schiff und

stechen in See. Zunächst segeln sie

zum Kap Circeo; Circe, Tochter des

Helios erzählt, Odysseus habe hier

sein Boot auf den Strand gezogen,

die Winterstürme abgewartet und

sie geschwängert, jetzt ist er wieder

weg. Dies ist unser Sohn Telegonos

… Penelope lädt den jungen

Mann ein, sie auf Ithaka zu besuchen,

wo er seinen Bruder Telemachos

kennen lernen würde.

Dann suchen sie nach Odysseus

bei der Göttertochter Kalypso auf

deren Insel Ogygia und hören, auch

von hier sei er schon weg, nach

sieben Jahren des Liebesdienstes.

Die Götter haben mich bestimmt,

sagt Kalypso, ihn ablegen zu lassen,

obwohl ich ihn liebte und ihm

ewiges Leben versprach.

Dann versuchen sie es bei Nausikaa,

Tochter des Königs von Scheria,

im Land der Phäaken, doch auch

hier war Odysseus nur kurz zu Gast.

Er habe sie bald verlassen, sagt sie,

gemeinsam mit einem gewissen

Gilgamesch. Ich hatte den beiden

beschieden, dass sie bleiben könnten,

als meine offiziellen Liebhaber.

Doch sie zogen es vor, ein Schiff

nach Ithaka zu besteigen.

Odysseus ist also unterwegs nach

Hause, sagt Penny. Was aber nicht

heißen muss, sagt Penthi, dass auch

wir jetzt gleich zurück nach Ithaka

segeln. Lassen wir uns Zeit, sollen

die Herren doch warten. Würde

noch gern nach Spalato, pardon:

Split segeln, Kaiser Diokletians

Palast soll dort eingeweiht werden,

viele Feste, auf nach Spalato. Partiii!

Auf der Suche nach Odysseus.

ICH KANN ALLES ERKLÄREN

Jahre später, Penny und Penthi

amüsieren sich gerade in einer

Schenke namens In Vino Veritas,

oben bei der Kirche über der früheren

kroatischen Königsstadt Biograd,

wo eben alte Fischer mit schönen

Stimmen schwermütige Lieder

singen, als Odysseus und Gilgamesch

das Lokal betreten. Begrüßung

und Wiedersehensfreude,

Odysseus ist schuldbewusst. Ich

kann alles erklären, sagt er. Damit

wirst du dich anstrengen müssen –

nach 20 Jahren, antwortet Penelope.

Doch bald hebt man gemeinsam

Nestors Becher.


Im nächsten Sailing Poetry, meine

Damen und Herren, wird die Themse

in London unser Segelrevier sein,

zwischen dem Shadwell Segelclub

und den St. Katherine Docks, und

wir erzählen die Geschichte vom

Stadtfuchs im 72. Stock von Renzo

Pianos „Shard“.

ALFRED ZELLINGER

ist Schriftsteller und

erlernte das Segeln in

der O-Jolle des Vaters

auf dem Traunsee. Dort

segelt er heute einen

30er-Schärenkreuzer,

auf dem Meer eine

46er Grand Soleil.

kolumne@ocean7.at

82 2/2022


Die Firma

G. Ascherl GmbH

präsentiert den neuen

MARINE KATALOG 2022!

Jetzt per Telefon, Fax

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