RDT 4/2011 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

RDT 4/2011 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

Dezember 2011

DAS RECHT DER TIERE

T IERSCHUTZMAGAZIN VOM B UND G EGEN M ISSBRAUCH DER T IERE E.V.

HILFE IM AUSLAND

Wie Tierschützer

kriminalisiert werden!

JAGD IM

UMBRUCH?

SCHLUSS MIT

PRIVILEGIEN

FÜR JÄGER!

UNHALTBARE

ZUSTÄNDE!

BERND SCHINZEL

MIT WDR AUF

DEM TIERMARKT

IN LÜTTICH

WACHTELEIER

NEUES PRODUKT

AUS DER MASSEN- MASSEN-

TIERHALTUNG


Das Recht der Tiere 4/2011

2

I NHALT

4

Jagd im Umbruch

Keine Privilegien mehr für Jäger!

8

Hilfe im Ausland

So werden Tierschützer kriminalisiert!

23

Tierische Momente 2012

Der große bmt Tierschutzkalender

4 TITELTHEMA JAGD

Immer mehr Bundesländer fordern

die Umgestaltung des Jagdrechts

8 AKTUELL

Wie Tierschützer in Deutschland

kriminalisiert werden!

12 TIERSCHUTZPOLITIK

Für die Fußball-EM 2012

Hundemorden in der Ukraine

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 4/2011 Mitgliederzeitschrift des Bund

gegen Missbrauch der Tiere e. V.; Herausgeber: Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V, Viktor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Deutschland, Email:

mail@bmt-tierschutz.de; Redaktion: Verantwortlicher Redakteur .i.S.d.P.:

Claudia Lotz, Tel.: (030) 80 58 33 -38, Fax: -39, Petra Zipp, Tel.: (07121)

820 17 -0, Fax: -18; Rubrik Tierschutzpolitik Verantwortlicher Redakteur

i.S.d.P.: Torsten Schmidt, Tel.: (04642) 92 24 97;

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm;

14 MASSENTIERHALTUNG

Wachteleier sind keine Delikatesse

16 TESTAMENTE

So treffen Sie Vorsorge für Ihr Tier

20 bmt-EHRENAMTLICHE

Ehepaar Haas -

ein Leben für den Tierschutz

23 "TIERISCHE MOMENTE" 2012

Der große bmt-Tierschutzkalender ist da

24

45 ADRESSEN

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN

24 TH Köln Bernd Schinzel auf Tiermarkt Lüttich

26 TH Arche Noah Sicherstellung von acht Staff´s

28 TH Hage Trauriger Rekord: Über 100 Katzen im TH

30 Katzenhaus Die Geschichte von David und Goliath

32 TH Kassel Berufsbetreuer und Haustiere

34 Franziskus TH Der Hundehandel im Internet

36 TSZ Pfullingen Wundervolle Hunde wollen wieder vertrauen

38 Gst NRW Von außergewöhnlichen Hunden

40 Berlin Gazhals ungewöhnliche Erkrankung

42 TH Elisabethenhof Erinnern Sie noch an Muckel und Puh?

46 NACHLESE

Leser-Kommentar zu "Liebe geht durch den Magen"

ANZEIGEN Markt & Service 7 und 13

24 Tiermarkt in Lüttich

Wie ein Rückfall ins Mittelalter!

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern;

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 40.000 Exemplare,

Titel: Straßenhund in Brasov, fotografiert von Stefan Kirchhoff

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Anzeigen-Büro Udo Kraushaar,

Email: bmt@anzeigen-buero.de,

Tel. (0 28 45) 53 86, Fax (0 28 45) 80 69 49


Wo geht unsere Gesellschaft hin?

Tierschützer auf der Anklagebank!

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

Straßentiere werden in einem nie gekannten Ausmaß auf

brutalste Weise eingefangen, eingesperrt und umgebracht,

obwohl der humane Weg zur Bewältigung des Problems längst bmt-Vorsitzende Petra Zipp

bekannt ist: Kastrieren, kastrieren, kastrieren. Um für die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine

die Straßen sauber zu haben, setzt man selbst mobile Krematorien ein, und Rumänien kündigt wider

jede Vernunft das erneute Einfangen und Töten von Hunden an. Und die Politik schweigt, das Rufen

der Tierschützer und fühlenden Menschen hat wenig Echo.

Noch schlimmer, engagierte Menschen, die den Tieren helfen wollen, die in ihrer Heimat nur der

grausame Tod erwartet, werden in Deutschland teilweise wie Verbrecher verfolgt, als illegale

Hundehändler bezeichnet - so z.B. Flugpaten, die Hunde für Tierschutzorganisationen mitbringen.

Gewerbliche Hundehändler und Internetanbieter mit Hunderten von Welpen dubioser Herkunft

dagegen kommen ungeschoren davon.

Politiker und Bürokraten wacht endlich auf! Was passiert denn mit den Tieren, die nicht mehr nach

Deutschland in eine Familie vermittelt werden dürfen? Sie werden umgebracht, denn die Politik

interessiert sich nicht für diese bedauernswerten Lebewesen - Tiere haben keine Wählerstimmen. Geht

bitte mal in eine Tötung, so wie ich es machen musste, und seht zu, wie gesunde Tiere getötet werden,

nur weil sie am falschen Platz in dieser Welt geboren wurden - ein grenzenloses Europa gibt es derzeit

nur für Menschen, aber nicht für Tiere.

Gegner des Auslandstierschutzes informiert Euch erst einmal über die tatsächlichen Gegebenheiten

vor Ort, bevor Ihr anprangert. Träumt nicht von Kastrieren und Wiederaussetzen allerorten, wenn man

die Tiere vor Ort nicht duldet und vergiftet. Hier hilft nur Vermittlung ins Ausland, bis sich die

Verhältnisse geändert haben, denn Entsorgen gesunder Tiere wie Sondermüll darf die heutige

Gesellschaft nicht billigen.

Politiker - stoppt erst einmal den gewerblichen Import von Hunderttausenden billigst produzierter

Rassehundwelpen aus dem Ausland und helft dem Tierschutz bei der Bewältigung seiner Aufgaben,

behindert ihn nicht, sondern unterstützt ihn durch gesetzliche Vorschriften. Menschen, die den Ärmsten

der Armen helfen, verdienen unsere Hochachtung und nicht die staatliche Verfolgung.

Der bmt wird sich weiterhin für diese Tiere einsetzen - politisch und praktisch durch Hilfe vor Ort und

durch Vermittlung nach Deutschland!

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung unserer Arbeit und Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Tieren

ein gesegnetes Weihnachtsfest

Ihre

Petra Zipp, bmt-Vorsitzende

A UF EIN W ORT

Das Recht der Tiere 4/2011

3


Das Recht der Tiere 4/2011

4

T ITELTHEMA

Grundlegende Änderungen des deutschen

Jagdrechts sind überfällig. Immer

noch fußt es auf den Regelungen des

Reichsjagdgesetzes aus den 30er Jahren

des letzten Jahrhunderts, das den

Jägern bis heute weit reichende Privilegien

einräumt - fast immer zu Lasten

des Tier- und Naturschutzes.

Insbesondere die vielfachen Probleme,

die aus einer falsch verstandenen Hege

entstanden sind, haben sich im Laufe

der Zeit derart verschärft, dass viele

Bundesländer endlich zu einem Kurswechsel

bereit sind.


KEINE

PRIVILEGIEN MEHR

Die Fallenjagd

Im August sorgte ein Fernsehbeitrag

des bekannten Journalisten Manfred

Karremann für Aufsehen: In der Reihe

"ZDF-Zoom" berichtete er über eine

weitgehend unterschätzte (und sicher

den wenigsten bekannte) Gefahr, die

von der Fallenjagd in Deutschland ausgeht.

Anhand der Leidensgeschichte

des Hundes Benno wurde dem Publikum

exemplarisch gezeigt, welch dramatische

Folgen ein ganz normaler Familienspaziergang

haben kann …

Benno wurde durch eine Totschlagfalle

am Waldrand schwer verletzt - ein traumatisches

Erlebnis für die Familie. In

Deutschland dürfen Jäger Totschlagfallen

auslegen; sie müssen jedoch sicherstellen,

dass von den Fallen keine

Gefahr für Menschen oder andere Tiere

ausgehen.

Die verwendeten Köder sollen nur ganz

bestimmte Arten wie Füchse, Marder

oder Waschbären in die Fallen locken,

aber Fehlfänge sind an der Tagesordnung.

Nicht nur Hunde und Katzen

können in solchen Fallen ums Leben

kommen, auch für Kinder und Erwachsene

sind sie gefährlich, wenn die Fallen

an Wegesrändern oder auf Wiesen

ohne entsprechende Absicherung aufgestellt

werden. In fast allen Bundesländern

ist das Jagen mit solchen Fallen

noch erlaubt.

Besonders problematisch ist es, dass

jeder solche Fallen ohne Nachweis einer

Sachkunde im Internet kaufen

kann, selbst die EU-weit verbotenen

Immer mehr Bundesländer fordern

die Umgestaltung des Jagdrechts

Tellereisen sind erhältlich. Dieser Fallentyp

wurde europaweit geächtet, da

er besonders grausam tötet und unselektiv

zuschlägt.

Allein dies unterstreicht, dass die Anstrengungen

verstärkt werden müssen,

damit Totschlagfallen in Zukunft bestenfalls

in Museen besichtigt werden

können. Die Bundesländer Nordrhein-

Westfalen und Saarland haben angekündigt,

ihr Jagdrecht "ökologisch" umzugestalten

und dabei die Fallenjagd

zu verbieten.

Der "Wald-Wild-Konflikt"

"Der deutsche Wald ist krank auf den

Tod", so resümierte Horst Stern vor

ziemlich genau 40 Jahren und machte

damit auf ein für Jäger unliebsames

Problem aufmerksam, das bis heute an

Aktualität nicht verloren hat. Schon damals

erkannte Stern, dass für die explosionsartige

Vermehrung von Hirschen

und Rehen vorrangig die

Jägerschaft die Schuld trägt.

Die Weidmänner betreiben einen "unvorstellbaren

Kult mit Geweihen, weil

sie schmucklose Ricken, Hirschkühe

und Jungtiere nur ungern schießen".

Ein einziger Hirsch, so errechnete

Stern, richtet im Laufe seines Lebens

Baumbestände im Wert von 15.000

Euro zugrunde: Die Tiere schälen mit

Vorliebe die nahrhafte Rinde von Kiefern

und Laubbäumen - die Stämme

vertrocknen und sterben ab.

Seit gut 50 Jahren wird dieses Problem

unter dem Stichwort "Wald-Wild-Konflikt"

allseits diskutiert. Tatsache ist, dass

T ITELTHEMA

FÜR JÄGER !

heute die Schalenwilddichten so hoch

wie nie zuvor sind. Im Vergleich zu

1989/90 sind allein die Rehwildbestände

um mindestens 500.000 Tiere

bundesweit angewachsen. Aktuelle

einschlägige Inventuren weisen auf

großen Flächen auf die damit einhergehenden

Waldschäden hin.

So kommt eine Studie des Deutschen

Forstwirtschaftsrates (DFWR), des Bundesamtes

für Naturschutz (BfN) und der

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße

Waldwirtschaft (ANW) von 2010 zum

Ergebnis, dass diverse Vorgaben erforderlich

wären, um hier gegenzusteuern.

Während Forstleute, Naturschutzverbände

und Waldbesitzer für eine

Reduktion der Schalenwildbestände

plädieren, um den angestrebten Waldumbau

voranzubringen, lehnen große

Teile der Jägerschaft eine Verringerung

ab, da sie keine Einschränkung an Hege

und Jagderfolg wünschen.

Diskussion um Bleimunition

Jäger werben gerne damit, dass das

von ihnen geschossene Wild ein Stück

Natur sei. Umso empörter reagierten

sie auf die im September herausgegebene

Pressemeldung des Bundesamts

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

6

T ITELTHEMA

für Risikobewertung: Wildschwein, Reh

und Hirsch gehörten zu den am höchsten

mit Blei belasteten Lebensmitteln.

Ursache dafür sei überwiegend die

üblicherweise bei der Jagd verwendete

Bleimunition. Das Schwermetall ist giftig

und reichert sich im Organismus an.

Die Diskussion um die Giftigkeit von

bleihaltiger Munition ist keineswegs

neu. Innerhalb der Tierwelt sind wahrscheinlich

die seltenen Seeadler die

auffälligsten Opfer. Viele starben elendig,

nachdem sie sich von mit Bleischrot

angeschossenen Beutetieren ernährt

hatten. Die meisten Bundesländer

haben die Verwendung von Bleischrot

zumindest bei der Jagd an Gewässern

mittlerweile untersagt. Jedoch

wäre es an der Zeit, das Blei aus der

Munition, auch der Kugelschussmunition,

zu verbannen.

Viele Jäger sehen jedoch in der ganzen

Diskussion eine Stimmungsmache der

Tier- und Naturschützer. Gerne behaupten

Jäger, die bleifreie Munition

töte schlechter und berge die Gefahr

von Querschlägern. Dies können die

Jäger des Nationalparks Eifel nicht bestätigen,

die bereits freiwillig auf bleifreie

Munition umgestiegen sind.

Auch ein Gutachten der Deutschen Versuchs-

und Prüfanstalt für Jagd- und

Sportwaffen (DEVA) hat im Auftrag des

Bundesministeriums für Ernährung,

Landwirtschaft und Verbraucherschutz

intensiv die physikalischen und ballistischen

Eigenschaften von bleihaltiger

und bleifreier Munition untersucht und

verglichen. Die Gutachter kamen im

Mai 2011 zu dem Schluss, dass die

bleifreie Munition ähnlich sicher ist wie

bleihaltige.

Ausbildung an Tieren

Tier- und Naturschutzverbände setzen

sich seit langem für die Abschaffung

der Jagd auf Vögel ein. Abgesehen von

dieser grundsätzlichen Forderung stellt

der Schrotschuss ein besonderes Problem

dar. Da mit zunehmendem Abstand

des Jägers zum Vogel die Streubreite

des Schrotschusses rasch

zunimmt, steigt die Gefahr, dass Vögel

nur angeschossen, aber nicht augenblicklich

getötet werden. Schätzungen

gehen davon aus, dass rund jeder dritte

Vogel bei der Vogeljagd angeschossen

wird. Damit angeschossene Tiere

nicht unnötig weiter leiden, sind Jäger

zur Nachsuche verpflichtet. Dabei sind

sie auf Mithilfe gut ausgebildeter Jagdhunde

angewiesen.

In der Bundesrepublik bilden immer

noch Jäger ihre Hunde nach den Bestimmungen

des Jagdgebrauchshundverbandes

aus. Dieser schreibt unter

anderem die Ausbildung der Jagdhunde

an lebenden Enten, meist speziell für

diesen Zweck gezüchtete wildstämmige

Stockenten, vor. In den meisten Bundesländern

werden der Ente, die im Schilf

eines Gewässers ausgesetzt wird und

vom Hund aufgestöbert werden soll,

zuvor die Schwungfedern der Flügel mit

einer Papiermanschette verbunden.

Das flugunfähig gemachte Tier versucht,

durch wildes Flügelschlagen,

schnelles Schwimmen oder Tauchen

dem Hund, der die Ente aufs offene

Wasser treiben soll, zu entkommen -

ein ungeheurer Stress, verbunden mit

Todesangst, für das gehetzte Tier.

Derzeit wird diese - von Tierschützern

scharf kritisierte - Ausbildungsmethode

in Baden-Württemberg neu diskutiert.

Die zentrale Frage ist, ob man bei der

Ausbildung von Jagdhunden auch voll

flugfähige Enten verwenden kann, so

wie dies in Hessen und Schleswig-Holstein

(seit 2008) erfolgreich umgesetzt

wird. Hierbei werden die Tiere manuell

nicht manipuliert, sondern behalten ihre

natürliche Fluchtmöglichkeit. Dies

mindert den Stress der Tiere deutlich.

Nach Aussage der hessischen Tierschutzbeauftragten,

Dr. Madeleine

Martin, hat sich die Methode in Hessen

bewährt. Auch eine Studie von Prof.

Wunderlich im Auftrag des Landesjagdverbandes

Schleswig-Holstein

(2010) stützt die Aussage. Tatsächlich

sollte jedoch immer die tierschutzgerechteste

Form der Hundeausbildung

gewählt werden.

So empfiehlt die bekannte Kieler Hundeforscherin

Frau Dr. Feddersen-Petersen,

dass deutlich mehr als bisher vom

"Tradieren" Gebrauch gemacht werden

sollte. Das heißt, dass dem im Feldrevier

erfahrenen und dort vorstehenden

Hund ein ihn begleitender, junger unerfahrener

Jagdhund sekundiert. Durch

Nachahmung der gewünschten Verhaltensweisen

erlernt der Hund ohne

menschlichen Dressureingriff und ohne

künstliche Hilfsmittel das nötige Rüstzeug.

In anderen europäischen Ländern, z.B.

Irland, wird es bereits so gehandhabt

und die dabei gewonnenen Erfahrungen

werden "positiv gewertet". Würde

bundesweit so verfahren, könnte die

tierschutzrelevante Ausbildungsmethode

an lebenden Enten beendet werden.

Jäger und Jagdbehörden in Baden-

Württemberg haben aber schon signalisiert,

dass man lieber am Althergebrachten

festhalten möchte.

Allein diese wenigen, exemplarisch angesprochenen,

Problemfelder der Jagd

lassen erkennen, dass die notwendigen

Veränderungen nur eine Frage der

Zeit sind. Jäger müssen zu Kenntnis

nehmen, dass man nicht mit den Konzepten

und Vorstellungen, die vor rund

80 Jahren entstanden, den heutigen

Erfordernissen des Tier- und Naturschutzes

gerecht werden kann.

Text: Torsten Schmidt


Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 2/2009 4/2011

68

A USLANDSTIERSCHUTZ

In der letzten Ausgabe unseres Tierschutzmagazins

"Das Recht der Tiere" berichteten

wir ausführlich über die intensiven und jahrelangen

Bemühungen des bmt im rumänischen

Brasov und im ungarischen Pecs um

eine Verbesserung des Tierschutzes vor

Ort. Viele von Ihnen haben uns dabei

unterstützt und mit Geld- und Sachspenden

unermüdlich dazu beigetragen, dass es für

Wie Tierschüt

die Tiere dort endlich Hoffnung gibt - wenn

auch in kleinen Schritten!

Umso mehr ist es ein Schlag ins Gesicht

unzähliger Tierfreunde, wie hier bei uns in Deutschland Politiker, Behörden und Gerichte die uneigennützige

und aufopferungsvolle Tätigkeit von Tierschutzorganisationen zu kriminalisieren versuchen!

Von "Hundehandel" ist da die Rede, von "Gewinnerzielung" und "Profitorientierung"!

So hat das Verwaltungsgericht

Schleswig-Holstein mit einem

Urteil vom 17. August 2011 die Klage

einer Tierschutzorganisation auf

Feststellung abgewiesen, die von ihr

durchgeführte Verbringung von Hunden

aus dem europäischen Ausland

nach Deutschland unterliege nicht den

Vorschriften über den gewerblichen

Handel.

Auch wenn dies Urteil derzeit noch

nicht rechtskräftig ist und Revision ein-

gelegt wurde, bedeutet das im Klartext

auch für andere im Ausland engagierte

Tierschützer und Tierschutzorganisationen,

dass man versucht, ihre gemeinnützige

Tätigkeit und die Vermittlung

von in Not geratenen Hunden

aus dem europäischen Ausland nach

Deutschland rechtlich auf die gleiche

Stufe zu stellen wie den grenzüberschreitenden

Hundehandel, gegen den

eben dieselben Tierschutzorganisationen

immer wieder zu Felde ziehen!

Zynische Unterstellung:

Auslandstierschutz

als verdeckter Hundehandel

Hundehändler, für die einzig der

schnelle Profit zählt, die Rassehundwelpen

zu Tausenden aus Vermehrungsanstalten

größtenteils aus dem Ausland

einführen und im Internet, auf Tiermärkten

und häufig direkt aus dem

Kofferraum an gutgläubige, ahnungslose

Käufer hierzulande verschachern,

haben bei uns leichtes Spiel!


Trotz aller Aufklärungsversuche seitens

der Tierschutzorganisationen, trotz

zahlreicher Presseberichte und eindringlicher

Reportagen über die unsäglichen

Zustände in diesen Hunde-Vermehrungsbetrieben,

über enttäuschte

und traurige Hundekäufer, denen

ihr scheinbar preiswert erstandener

Hundewelpe binnen weniger Tage

unter den Händen weggestorben ist,

weil er weder geimpft noch sonst medizinisch

betreut war - gibt es anscheinend

immer noch genügend Abnehmer

für diese Welpen, um dieses

grausame Geschäft florierend weiter zu

betreiben!

Aber anstatt diese rein kommerziellen

Händler endlich rechtlich zur Verantwortung

zu ziehen und ihre kriminellen

Machenschaften zu unterbinden, torpediert

man die mühevollen Versuche

der Tierschützer, dem unsagbaren Tierelend

in unseren Nachbarländern zu

begegnen und den Menschen dort dabei

zu helfen, die Probleme langfristig

und vor allem auf humane Weise in

den Griff zu bekommen!

Hier muss eine klare Trennung zwischen

Handel und Tierschutz vollzogen

werden und nicht der Auslandstierschutz

in den Topf der Hundehändler

geworfen werden.

A KTUELL

"Menschen, die den Ärmsten der

Armen helfen, verdienen unsere

Hochachtung" (Petra Zipp)

Wo geht unsere

Gesellschaft hin?

zer kriminalisiert werden!

Wie Hundehändler gesetzliche

Bestimmungen ignorieren

(können)

Selbstverständlich müssen sich Tierschützer

wie alle anderen auch an die

bei uns geltenden Einreisebestimmun-

Das Recht der Tiere 2/2009 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

gen für Tiere aus den EU-Mitgliedsstaaten

oder aus Drittländern halten

und tun dies auch - ganz im Gegensatz

zu den besagten Händlern, welche ihre

Investitionen zugunsten eines größtmöglichen

Profits minimal halten und

meist mit gefälschten Impfpapieren

über die Grenze kommen (sofern sie

überhaupt kontrolliert werden!).

Da jedoch die Einreisepapiere von den

Behörden des Landes ausgestellt werden

müssen, aus dem das jeweilige

Tier stammt, sehen sich Tierschützer,

die sich um offizielle Dokumente bemühen,

auch hier vor Probleme gestellt:

"In Deutschland landen die Hunde

im Versuchslabor!" wird da zum

Beispiel in Griechenland gerne unterstellt,

um die benötigten Unterlagen

dann einfach zu verweigern. Es ist eine

Zwickmühle, in der sich die Helfer befinden

- in den Ländern, in denen sie

WO ZEHNTAUSENDE HUNDE IHR LEBEN LASSEN MUSSTEN

bis 2008 in Brasov getötet: mind. 20.000 Hunde

2008 in Brasov getötet: 7.353 Hunde

2009 in Brasov getötet: nicht veröffentlicht

2009 wurden keine Zahlen veröffentlicht, weil Tötungen da offiziell illegal

wurden (allmähliche Einstellung der Fangaktionen außerhalb, daher weniger

Hunde; Übernahme der meisten Hunde durch das Tierheim Brasov)

ab 1.1.2010 offiziell: keine Tötungen mehr

Zwar wurde seit 1.1. 2010 offiziell nicht mehr getötet, aber es gab weiterhin

viele Todesfälle durch mangelnde Versorgung. Weiterhin regelmäßige

Übernahme von Hunden durch das Tierheim Brasov

am 1.8.2011 de facto: Schließung Tötungstation

Mit dem heutigen Tag wird die Verantwortung für die städtische Tötungs-

Anlage mit aktuell 329 Hunden auf den Tierschutzverein Millions of

friends von Cristina Lapis übertragen

24.11.2011 Auflösung Tötungstation

10

Offizielle Todesbilanz der Stadt Brasov:

(Stadtgebiet 2.282, Umland und andere Städte 5.071)

Der letzte Hund verlässt die Tötungsstation

helfen wollen, stoßen sie auf Unverständnis

für ihr Anliegen, und hier zuhause

werden sie ebenfalls an den

Pranger gestellt!

Umso bemerkenswerter und höher ist

die Tatsache zu werten, dass sich so

viele tierliebe Menschen trotzdem nicht

von ihrem Ziel abbringen lassen, den

Tieren zu helfen und den Tierschutz vor

Ort zu verbessern! Denn das allein

muss der Weg für die Zukunft sein: Zu

verhindern, dass weiter so viele Hunde

ins Elend geboren werden, und die

Zahl herrenloser, ausgesetzter Hunde

in den Ländern um uns herum auf ein

erträgliches Maß zu bringen, indem gut

organisierte Kastrationsprogramme

mit intensiver Schulung und Aufklärung

der Bevölkerung über eine verantwortungsvolle

Tierhaltung kombiniert werden!

Unsere langjährigen Bemühungen in

Brasov und in Pecs tragen nun Früchte

und zeigen, dass wir mit Beharrlichkeit

und Durchhaltevermögen entgegen allen

Widrigkeiten das Ziel erreichen

können. Unsere Projekte vor Ort wären

zum Scheitern verurteilt, wenn wir die

Zahl der Tiere in unseren Partnertierheimen

nicht durch Vermittlung nach

Deutschland auf einem tragfähigen

Maß halten könnten. Es muss Platz sein

für Kastrationsaktionen und vorübergehend

unterzubringende Tiere.

Juris Geschichte -

für Tierschützer zählt das

Leben jedes einzelnen Hundes

Jeder, wenn auch noch so kleine Erfolg,

jeder Hund, der in ein besseres Leben

gerettet werden konnte, ist der beste -

und auch einzige - Lohn für diese uneigennützige

Arbeit! Juri ist so ein Beispiel:

Juri ist ein kleiner Mischlingswelpe, gerade

mal 6 Wochen alt, mit braun-weißem

Fell und kurzen Beinchen. Seine

Mutter lebt auf einem Bauernhof in der

Nähe von Brasov. Dort geht es ihr sogar

relativ gut, sie bekommt ausreichend

zu fressen und hat sogar ein kleines

Dach, unter dem sie schlafen kann.

Juri und seine fünf Geschwister sind bereits

der 3. Wurf dieser Hündin, denn

sie ist nicht kastriert, und immer wenn

sie läufig ist, sammeln sich die Rüden

aus der Umgebung und machen ihr

den Hof.

Der Bauer meint es gut mit seiner Hündin,

aber die vielen Welpen kann er

nicht alle auf dem Hof behalten, sie

müssen weg. Früher, noch vor ein paar

Jahren, hätte er sie vielleicht ertränkt

oder erschlagen, oder er hätte sie einfach

ausgesetzt und ihrem Schicksal


überlassen, denn streunende Hunde

gab es ja genug in der Gegend.

Heute weiß er aber, dass es in Brasov

eine Adresse gibt, wo man sich solcher

Hunde annimmt und sich kümmert.

Und bei seinem nächsten Besuch in der

Stadt packt er die Welpen in den Wagen

und bringt sie dorthin. Sie werden

aufgenommen, bekommen eine kleine

Ecke mit warmen Decken und Futter,

und schließlich treten sie eine Reise an,

die viele Stunden dauert. Am Ende der

Reise wartet auf Juri ein freundliches

Zuhause, mit Kindern, die ihn lieb haben

und mit ihm spielen, und mit Menschen,

die sich um ihn kümmern. Er ist

glücklich und zufrieden mit seinem

Hundeleben!

Gott sei Dank weiß Juri nicht, wie anders

sein Leben verlaufen wäre, wenn

er nur wenige Jahre vorher auf diese

Welt gekommen wäre. Seine Mutter

wurde inzwischen im Tierheim Brasov

kastriert und wird keinen unerwünschten

Nachwuchs mehr auf die Welt

bringen.

Text: Heike Pankatz

Fotos: Stefan Kirchhoff

bmt-SPENDENKONTO AUSLAND

Stichwort: Rumänien oder Ungarn

Frankfurter Sparkasse

Konto 847 275

BLZ 500 502 01

IBAN DE 795005 0201 0000847275

SWIFT BIC HELADEF 1822

Cristina Lapis (Millions of Friends),

und Petra Zipp (bmt)

auf dem Gelände der Tötungsstation

Die städtische Anlage, hinter

deren Mauern sich unvorstellbares

Leid abspielte, ist

am 30. November endgültig

geschlossen worden. Der

letzte Hund, der die "City

Hall" verließ, soll ein Botschafter des Friedens werden.

Nie wieder Gewalt gegen Straßenhunde, nie wieder

Missachtung des Lebens - das ist unser Wunsch, die wir

die Entwicklung in Brasov seit über einem Jahrzehnt begleitet

und entscheidend mitgestaltet haben.

Wir in Deutschland haben ein Tierschutzgesetz

- damit sind wir vielen anderen

Mitgliedstaaten der EU schon ein

gutes Stück voraus!

Wir in Deutschland haben Tierschutz-

Organsisationen wie den bmt - die kümmern

sich um Tiere, nehmen sich ihrer

an und treten für ihre Rechte ein!

Wir in Deutschland haben keine

Probleme mit streunenden, herrenlosen

Hunden - das verdanken wir den

zahlreichen Tierheimen, die sich hierzulande

um die Hunde kümmern, die

keiner haben will!

Wir in Deutschland blicken über

den Tellerrand und sehen, dass es in

vielen Ländern um uns herum ganz anders

aussieht und viele Hunde dort in

Not sind - ohne Rechte, ohne Schutz

und hilflos der Willkür der Menschen

und Behörden ausgeliefert, die sie einfach

loswerden wollen!

Wir in Deutschland wollen dieses

Elend nicht einfach mit ansehen - Tierschützer

engagieren sich, um den Hunden

zu helfen und ihre Not zu lindern!

Wir in Deutschland haben Politiker

und Bürokraten, die diese Hilfe behindern,

wo es nur geht, und die sogar

nicht davor Halt machen, die Tierschützer

mit kriminellen Hundehändlern

auf eine Stufe zu stellen!

Wir in Deutschland müssen endlich

Position beziehen - für einen grenzenlosen

Tierschutz und die Anerkennung

der Mitgeschöpflichkeit aller

Tiere, egal ob innerhalb oder außerhalb

unserer Grenzen!

Das Recht der Tiere 4/2011

11


Das Recht der Tiere 4/2011

12

T IERSCHUTZ-

POLITIK

"Fußball ist unser Leben…" sang

vor vielen Jahren einmal die

deutsche Fußball-Nationalmanschaft

- in der Vorbereitung auf

die Fußball-Europameisterschaft

2012 heißt es nun für unzählige

Tiere in den großen Städten der

Ukraine "Fußball ist unser Tod…"!

Wie von Tierschützern aus Kiew und

anderen Großstädten berichtet wird,

ziehen die dortigen Behörden vehement

gegen die vielen herrenlosen

Hunde und Katzen auf den Straßen zu

Felde, um den internationalen Besuchern

und Gästen im Zuge der Euro

2012 ein "sauberes" Stadtbild präsentieren

zu können. Es gibt Augenzeugenberichte,

zum Teil filmisch dokumentiert,

wonach die Tiere brutal

erschossen, erschlagen, vergiftet oder

sogar in mobilen Hochöfen verbrannt

werden! Tierfreunde und internationale

Tierschutzorganisationen versuchen

nun, dieses Massaker zu stoppen, und

protestieren bei den zuständigen Stellen

der Ukrainischen Regierung und

der UEFA als Veranstalter der "Euro

2012". Auch der bmt wandte sich mit

einem eindringlichen Appell an den

Vorsitzenden der "Kommission für Fairplay

und soziale Verantwortung" der

UEFA, Peter Gilliéron, sowie an den

Präsidenten der UEFA, Michel Platini

und den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger,

damit das grausame Töten rasch

beendet wird.

Dabei ist das Problem der übergroßen

Population von herrenlosen Haustieren

nicht neu - in zahlreichen Ländern Süd-

und Osteuropas gehören streunende

Hunde und Katzen zum Stadtbild (RdT

berichtet immer wieder darüber).Und

immer wieder gibt es Berichte darüber,

wie die zuständigen Behörden versuchen,

durch groß angelegte Fang- und

Tötungsaktionen dieses Problem zu lösen.

Das dies der völlig falsche Weg ist,

bestätigt sich allein dadurch, dass die

Tierpopulationen nicht kleiner werden,

sondern gleich bleiben oder zum Teil

sogar noch anwachsen. Für jeden

Hund und jede Katze, die aus ihrem

angestammten Revier entfernt werden,

können neue Tiere einwandern oder

vermehren sich die übrigen Tiere entsprechend

stärker, weil sich die Futtersituation

kurzfristig verbessert.

Die Weltorganisation für Tiergesundheit

(OIE) weist in ihrem "Codex zur

weltweiten Tiergesundheit" (im Internet

auf: www.oie.int) in einem eigenen Kapitel

auf Möglichkeiten der Populationskontrolle

für herrenlose Hunde

hin. So wird dargestellt, dass nach einer

möglichst genauen Feststellung der

Populationsgröße in einem bestimmten

Gebiet die Tiere eingefangen, unfruchtbar

gemacht und nach der medizinischen

Betreuung in ihrem angestammten

Revier wieder angesiedelt

werden sollten. In Verbindung mit einer

umfangreichen Information und Aufklärung

der Bevölkerung auch im Hinblick

auf eine verantwortungsvolle Tierhaltung

und einer weiteren Betreuung

und Beobachtung der Streunerpopulation

vor Ort stellt dies laut OIE die bestmögliche

Lösung zur Reduzierung des

Problems dar. Da es aber keine rechtliche

Grundlage für diese Vorgehensweise

gibt und sich offensichtlich, wie

im Fall der Ukraine, eine regelrechte

"Tötungsindustrie" entwickelt hat, die

an den unsinnigen und grausamen

Vernichtungsaktionen auch noch bestens

verdient, scheint eine Lösung zugunsten

der Tiere und des Tierschutzes

nicht in Sicht.

Wir bitten daher dringend um Unterstützung

in unserem Protest anlässlich

der Fußball-Europameisterschaft:

Schreiben auch Sie eindringliche

Protestbriefe an die nachfolgend

aufgeführten Adressen und drohen

Sie mit einem Boykott der EM

2012, wenn die Verantwortlichen nicht

einschreiten und dem grausamen Töten

rasch ein Ende bereiten!

Präsident der UEFA

Herrn Michel Platini

Route de Genève 46

CH-1260 Nyon 2

UEFA - Kommission für Fairplay

und soziale Verantwortung

Herrn Peter Gilliéron

Route de Genève 46

CH-1260 Nyon 2

Präsident Dt. Fußball-Bund e.V.

Herrn Theo Zwanziger

Hermann-Neuberger-Haus

Otto-Fleck-Schneise 6

60528 Frankfurt / Main

Weitere Protestmöglichkeiten finden Sie

auf unserer homepage

www.bmt-tierschutz.de


Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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TESTAMENTE

Vor Jahren wurde das Tierheim Elisabethenhof

zu einem Missstand gerufen. Ein Boxer

sei in eine Garage gesperrt worden und

heule Tag und Nacht. Dem bmt erklärt die

beschämte Familie, dass sie die Hündin Alexa

von der verstorbenen Mutter geerbt hätten

und mit dem Tier nicht umzugehen wüssten.

Es sei ihnen fremd, die Kinder

fürchteten Alexa und sie alle fühlten sich

mit der entstandenen Situation überfordert.

Leider kein Einzelfall. Immer wieder gehen

Erblasser wie selbstverständlich davon aus,

dass ihre Angehörigen im Ernstfall das eigene

Tier aufnehmen und wie sie selbst große Freude an ihm empfinden müssten - doch

oft lassen die Lebensumstände der Familienmitglieder eine (spontane) Tierbetreuung

nicht zu. Darum appelliert der bmt an alle Haustierbesitzer: Kümmern Sie sich rechtzeitig

um eine verantwortungsbewusste Versorgung Ihres Tieres, und halten Sie dessen Absicherung

in Ihrem Testament fest! Dr. Hans Hammann, Fachanwalt für Erbrecht, erklärt,

wie Tierbesitzer testamentarisch Vorsorge für ihren vierbeinigen Freund treffen können

und wie wichtig die wirksame Bestimmung des "Letzten Willens" ist.

RdT: Gerade Alleinstehende machen

sich häufig Sorgen, was im Ernstfall mit

ihrem Haustier geschieht. Was können

Tierbesitzer zu Lebzeiten tun, um die

Betreuung ihres vierbeinigen Gefährten

über den eigenen Tod hinaus sicher

zu stellen?

Dr. Hans Hammann: Verantwortungsbewusste

Tierbesitzer sollten ein

Testament errichten, in dem sie die Versorgung

ihres Haustiers im Einzelnen

regeln.

Allerdings reicht ein Testament für sich

genommen noch nicht aus. Denn bis es

gefunden, beim Nachlassgericht abgegeben

und von dem Nachlassrichter

schließlich eröffnet wird, dauert es re-

gelmäßig Wochen bis Monate. Diese

Zwischenzeit muss man bei der Planung

berücksichtigen und bereits heute

eine Person oder eine Einrichtung suchen,

die sich unmittelbar nach dem

Todesfall zuverlässig um das Haustier

kümmert.

RdT: Warum ist die vorsorgliche Absicherung

für das Haustier nicht nur eine

wichtige Maßnahme für ältere, sondern

auch für jüngere Tierbesitzer?

Dr. Hans Hammann: Jeder von uns

kann schnell in die Situation kommen,

dass er sich nicht mehr ausreichend um

sein Haustier kümmern kann. Das ist

nur bedingt eine Frage des Alters…

RdT: In USA und England können

Haustiere als Erben eingesetzt werden,

um ihre lebenslange Betreuung zu gewährleisten.

Warum sieht das Deutsche

Recht eine derartige Verfügung im Testament

nicht vor?

Dr. Hans Hammann: Nach dem

Deutschen Recht können nur natürliche

und juristische Personen erben. Eine juristische

Person ist zum Beispiel der

bmt, der als Erbe ohne weiteres in Frage

kommt. Tiere gelten zwar nicht mehr

als Sachen, wie dies Jahrzehnte lang

der Fall war, aber der Gesetzgeber ist

nicht soweit gegangen, Tieren das

Recht zuzusprechen, Erbe werden zu

können.


helfen Tieren

Ganz im Gegenteil sind für (Haus-)Tiere

nach wie vor die für Sachen geltenden

Vorschriften anzuwenden. Sie können

deshalb weder als Erbe noch als

Vermächtnisnehmer eingesetzt werden.

Vielmehr erfolgt ihre Absicherung über

einen Umweg, nämlich über eine so

genannte Auflage, die oft mit der Anordnung

von Testamentsvollstreckung

verbunden wird. Der Testamentsvollstrecker

nimmt dann die Interessen des

Haustieres wahr.

RdT: Wenn Hunde und Katzen, wie Sie

gerade ausgeführt haben, nicht erben

können, wäre es doch möglich, sie an

Familienmitglieder oder Freunde zu

vererben?

Dr. Hans Hammann: Theoretisch

ist es ohne weiteres möglich, das

Haustier bestimmten Familienmitgliedern

oder Freunden zuzuwenden. Das

sollte allerdings nur in ausdrücklicher

Absprache mit der Person erfolgen, die

sich um das Haustier kümmern soll.

Denn werden die Familienmitglieder

oder die Freunde nicht im Vorfeld gefragt,

lehnen sie es möglicherweise ab,

sich um das Haustier zu kümmern, vielleicht,

weil es mit dem Partner, Beruf

oder Kinderwunsch nicht vereinbar ist

oder weil eine Tierhaarallergie besteht.

Mit anderen Worten sollte im Interesse

des Haustiers von vornherein eine tragfähige

Lösung gesucht werden. Enthält

ein Testament keine bestimmte Regelung,

wer das Haustier erhalten und

sich darum kümmern soll, gehört es

ganz normal zum Nachlass und wird

von dem Erben automatisch mitgeerbt.

Ob er will oder nicht, wie obiges Beispiel

mit der Boxerhündin Alexa zeigt.

RdT: Dagegen bietet der bmt als Erbe

oder Vermächtnisnehmer die Gewähr,

das Tier gut und liebevoll bis an sein

natürliches Ende zu betreuen. Welche

juristisch einwandfreien Formulierungen

schlagen Sie vor, um die optimale

Versorgung des Tieres abzusichern?

Dr. Hans Hammann: Möchte zum

Beispiel eine allein stehende Person

den bmt als Erben einsetzen, kann sie

formulieren:

"Ich setze den Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V., Viktor-Scheffel-Str. 15

80803 München, zu meinem Alleinerben

ein. Im Wege der Auflage ordne

ich an, dass der Verein sich um mein

Haustier .......... (hier: Angaben zu Tierart,

Name, Rasse etc.) zu kümmern, es

zu pflegen und zu versorgen hat. Insbesondere

soll mein Haustier mindestens

ein Mal alle sechs Monate tierärztlich

untersucht werden. Weiterhin

soll sichergestellt sein, dass ..... (hier

wären weitere, konkrete Wünsche und

Anordnungen zu treffen)".

RdT: Auf welche Weise kann der bmt als

seriöse Tierschutzorganisation in einem

Testament bedacht werden?

Dr. Hans Hammann: Der bmt kann

in einem Testament auf zweierlei Art

bedacht werden. Man kann ihn als Erbe

einsetzen oder dem Verein ein Vermächtnis

zuwenden. Der Unterschied

besteht darin, dass das Erbe sich automatisch

auf alles bezieht, was dem Erblasser

gehörte, einschließlich des

Haustiers.

Demgegenüber ist ein Vermächtnis regelmäßig

auf einen konkreten Gegenstand

gerichtet, zum Beispiel auf einen

bestimmten Geldbetrag. Es berechtigt

T ESTAMENTE

Tieren

Wichtig: Treffen Sie rechtzeitig Vorsorge

für Ihren vierbeinigen Freund!

den Vermächtnisnehmer dann, von

dem Erben den Vermächtnisgegenstand

heraus zu verlangen. Bei einem

Vermächtnis liegt also kein Automatismus

vor.

RdT: Wenn ich mein Vermögen dem

bmt vermachen würde - könnte ich

dann besondere Verwendungszwecke

festlegen?

Dr. Hans Hammann: Natürlich! Im

Rahmen eines Testaments kann ohne

weiteres angeordnet werden, welchen

Verwendungszweck ich mit der Zuwendung

verbinde. Geht es zum Beispiel

um die Absicherung des Haustiers, kann

dem bmt zur Auflage gemacht werden,

sich in einer ganz bestimmten Art und

Weise um das Haustier zu kümmern.

Zusätzlich kann das Testament zum

Beispiel einen Testamentsvollstrecker

vorsehen, der die Aufgabe hat, die Einhaltung

der Auflage bis zum Ableben

des Haustiers sicherzustellen.

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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DR. HANS HAMMANN IM INTERVIEW

RdT: Wie muss ein wirksames Testament

aussehen und bei Vorliegen mehrerer

Testamente, welches ist gültig?

Dr. Hans Hammann: Ein Testament

kann in notarieller Form oder handschriftlich

errichtet werden. Daneben

gibt es noch Sonderformen für Notfälle,

die in der Praxis allerdings so gut wie

keine Rolle spielen. Wichtiger als die

Frage nach der Form eines Testaments

ist allerdings die nach seinem Inhalt.

Hier kann und sollte ein Berater hinzugezogen

werden, der idealer Weise regelmäßig

mit der testamentarischen

Absicherung von Tieren vertraut ist.

Liegen mehrere Testamente vor, greift

generell das jüngere. In der Praxis ist es

allerdings oft schwierig zu bestimmen,

ob das jüngere Testament das ältere

komplett aufheben oder ob das ältere

in Teilbereichen weiter gelten soll. Deshalb

empfiehlt sich auch hier, eine klare

Regelung zu treffen. So vermeidet

man Auslegungsprobleme.

RdT: Entstehen Kosten beim Aufsetzen

von Testamenten?

Dr. Hans Hammann: Wenn ein

Rechtsanwalt oder ein Notar mit der

Ausarbeitung eines Testaments beauftragt

wird, fallen hierfür regelmäßig

Kosten an. Bei notariellen Testamenten

richten sich die Kosten ausschließlich

nach der Höhe des Vermögens, um das

es geht. Rechtsanwälte haben insoweit

mehr Spielraum, als sie u.a. den

Schwierigkeitsgrad des konkreten Testaments

mitberücksichtigen können.

RdT: Kann ich den bmt um Hilfe beim

Verfassen meines Testaments bitten?

Dr. Hans Hammann: Selbstverständlich

können Sie sich an den bmt

wenden. Der Verein darf zwar das Testament

nicht für Sie entwerfen. Er wird

Sie aber an einen kompetenten Ansprechpartner

in Ihrer Nähe verweisen

können, der Ihnen hilft.

RdT: Noch kurz zum Erbschaftsrecht:

1.

Wenn kein Testament

vorliegt …

… erbt wer, wenn die/der

Verstorbene keine

engeren Familienangehörigen

hat?

Dr. Hans Hammann: Liegt kein Testament

oder Erbvertrag vor, richtet sich

die Frage, wer mit welcher Quote Erbe

wird, nach dem Gesetz. Man spricht

von "gesetzlicher Erbfolge". In diesen

Fällen erbt - soweit vorhanden - der

länger lebende Ehegatte und daneben

die Verwandten des Erblassers.

Gibt es, wie in Ihrer Frage, keine näheren

Familienangehörigen, wird das

Nachlassgericht nach weiter entfernten

Verwandten suchen. Diese Suche kann

sich in der Praxis als extrem schwierig

und zeitaufwendig herausstellen. Dann

wird regelmäßig ein Nachlasspfleger

bestellt, der die Aufgabe hat, die unbekannten

Erben zu ermitteln. Gibt es tatsächlich

einmal keinerlei Verwandten

mehr, erbt letztendlich der Fiskus.

2.

Wenn kein Testament

vorliegt …

… erbt wer aus der

hinterbliebenen Familie?

Dr. Hans Hammann: Wer von den

Verwandten gesetzlicher Erbe wird,

richtet sich danach, welcher - so der

Fachbegriff - Ordnung er angehört. Es

gibt Erben erster, zweiter bis hin zu fünfter

Ordnung. Beispielsweise sind gesetzliche

Erben erster Ordnung die Abkömmlinge

des Erblassers. Hierunter

versteht man die Kinder, Enkelkinder

etc.

Enkelkinder kommen allerdings erst

und nur dann als gesetzliche Erben in

Betracht, wenn ihre Eltern vorverstorben

sind. Dahinter steht als durchgängiges

Prinzip, dass weiter entfernte Verwandte

von der Erbschaft ausgeschlossen

sind, wenn es nähere Verwandte

gibt. Dementsprechend verdrängen

Erben erster Ordnung die Verwandten

weiter entfernter Ordnungen.

3.

Wenn kein Testament

vorliegt …

… erben nur die/der Ehepartner

oder inzwischen

auch die (unverheirateten)

Lebensgefährten?

Dr. Hans Hammann: Möchte ein

Erblasser seinen Partner, mit dem er

nicht verheiratet ist und in einer so genannten

eingetragenen Lebenspartnerschaft

zusammenlebt, bedenken,

muss er zwingend ein Testament errichten.

Anderenfalls geht der (nicht

verheiratete) Partner erbrechtlich selbst

dann leer aus, wenn es gemeinsame

Kinder gibt.

Hiervon unabhängig sind ausschließlich

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner

erbschaftssteuerrechtlich

DER bmt IST VON DER ERBSCHAFTSSTEUER BEFREIT !

Jede Zuwendung kommt zu 100% den Tieren zugute

Es gibt mehrere Wege, Tieren zu helfen und den Tierschutz zu fördern. Entweder kann der

bmt als Erbe oder Vermächtnisnehmer eingesetzt werden. Dabei gilt: Der bmt ist als gemeinnütziger

und besonders förderungswürdiger Verein von der Erbschafts- und Schenkungssteuer

ausgenommen. So kommt jede testamentarische Zuwendung und Spende zu

100% den Tieren zugute.

Mit einer Spende kann - abgesehen von der wichtigen Hilfe für den Verein - das zu versteuernde

Einkommen verringert werden. Ein Beispiel: Bei einem Jahresverdienst von 30.000

Euro können bis zu 6000 Euro steuerbegünstigt gespendet werden. Das zu versteuernde Einkommen

verringert sich so auf 24.000 Euro.

Unser Schatzmeister, Herr Bernd Stephan, berät Sie gerne. Kontakt über das

Tierschutzzentrum Pfullingen, Telefon: 07121/820 17 0


privilegiert. Ein nicht verheirateter Lebensgefährte

wird erbschaftssteuerlich

wie ein x-beliebiger familienfremder

Dritter behandelt. Seine Freibeträge liegen

bei lediglich 20.000 EUR und der

Steuersatz bei mindestens 30%.

RdT: Die gesetzliche Erbfolge, wie Sie

eben dargelegt haben, ist ein Vorschlag

des Gesetzgebers. Was muss ich

tun, wenn ich mein Vermögen auf andere

natürliche oder juristische Personen

übertragen möchte? Wird mein Testament

dann möglicherweise von der

Familie angefochten?

Dr. Hans Hammann: Möchte ich

eine von der gesetzlichen Erbfolge abweichende

Regelung treffen, muss ich

zwingend ein Testament errichten. Das

ist in aller Regel beispielsweise dann erforderlich,

� wenn ich meinen Ehegatten als Alleinerben

einsetzen möchte,

� wenn ich neben meinen Kindern zusätzlich

meine Enkelkinder bedenken

möchte oder

� wenn ich durch die Anordnung einer

Auflage sicherstellen möchte, dass

die Versorgung meines Haustiers über

mein Ableben hinaus gewährleistet ist.

Wende ich mein Vermögen beispielsweise

dem bmt zu, kann ein solches Testament

von den übergangenen Familienangehörigen

nur dann angefochten

werden, wenn ein Anfechtungsgrund

vorliegt. Hat der Erblasser sich

aber durch einen Fachmann bei der

Abfassung seines Testaments beraten

lassen, mindert das regelmäßig ganz

erheblich das Anfechtungsrisiko bzw.

kann die Anfechtung ganz ausgeschlossen

werden.

RdT: Wonach richtet sich die Höhe der

Erbschaftssteuer?

Dr. Hans Hammann: Die Höhe der

Erbschaftssteuer richtet sich nach zwei

Faktoren. Zum einen kommt es darauf

an, welcher Erbschaftssteuerklasse der

Erbe angehört und daneben auf die

Höhe des unter Berücksichtigung der

jeweiligen Freibeträge zu versteuernden

Erbes.

Beispielsweise gehören Ehegatten und

Kinder der Erbschaftssteuerklasse I an

und haben ganz erhebliche Freibeträge

Rechtsanwalt Dr. Hans Hammann, geboren 1967 in

Kaiserslautern. Ausbildung zum Bankkaufmann. Studium

der Rechtswissenschaften in München (Ludwigs-

Maximilian-Universität und Berlin (FU)). Referendariat

in Tübingen. Seit 1998 Mitglied der Kanzlei Voelker

& Partner, 2002 "Wirtschaftsmediator" (DIRO/Universität

Münster)", 2004 Aufnahme als Partner, 2005 einer

der bundesweit ersten Fachanwälte für Erbrecht,

2009 geprüfter Testamentsvollstrecker.

(Ehegatten: 500.000,00 EUR; Kinder

jeweils: 400.000,00 EUR).

Ist der Erbe allerdings nicht mit dem Erblasser

verwandt, was regelmäßig bei

allein stehenden Erblassern der Fall ist,

liegen die Freibeträge lediglich noch

bei 20.000,00 EUR. Jeder Euro, der

T ESTAMENTE

ITELTHEMA

darüber hinausgeht, ist dann mit mindestens

30 % zu versteuern. Das wiederum

gilt allerdings nicht für gemeinnützige

Einrichtungen wie den bmt. Er ist

komplett von der Erbschaftssteuer befreit.

Interview: Claudia Lotz

Tierschutz über das Leben hinaus -

Ihr Testament hilft Tieren

Sprechen Sie uns an.

Wir sind für Sie und Ihre Tiere da!

www.bmt-tierschutz.de

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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So werden Wachteln in einem

Betrieb in der Nähe von

Berlin gehalten

Wachteleier sind neben

den wesentlich bedeutenderenHühnereiern

die einzigen

wirtschaftlich genutzten

Vogeleier in Europa

- dennoch gibt es keine

rechtlich verpflichtendenHaltungsverordnungen

für Züchter

und Mäster. Unter dieser

Gesetzeslücke leiden

vor allem die Tiere.

Erstmalig wurden in

Deutschland Wachtelbetriebe

dokumentiert

- mit erschreckenden

Ergebnissen.

Ein Bericht von Roman

Kriebisch.

Ca. 500.000 Wachteleier werden jedes Jahr in Deutschland

gegessen, Tendenz steigend, denn die Eier gelten nicht nur

als Delikatesse unter Feinschmeckern, ihnen werden auch

gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt: Wachteleier

enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als Hühnereier,

prozentual weniger Cholesterin und werden von Heilpraktikern

und der Traditionellen Chinesischen Medizin

(TCM) gegen Allergien und Arthrose eingesetzt und zur Stärkung

der Abwehrkräfte geschätzt. Wissenschaftlich eindeutig

nachgewiesen sind diese "Heilkräfte" jedoch nicht.

Nahezu 90% der angebotenen Wachteleier stammen aus

der Massentierhaltung und damit aus dem Käfig. Da die

Haltung von Wachteln nicht von verbindlichen Vorschriften

geregelt wird, ist der Profit der Züchter das Hauptkriterium:

In Gruppen von bis zu 25 Tieren werden Wachteln meist in

flachen Drahtgitterkäfigen mit einer Größe von etwa 80 x

40 cm gehalten - jedem Tier bleibt so etwa der Platz einer

Postkarte. Ein Sandbad zum Reinigen von Milben und

Schmutz ist nicht vorhanden, eine besondere Tränke und

ein abgeschirmter Ruheplatz meist ebenso wenig; da Wachteln

ihre Eier nicht ausschließlich in Nester legen, wird auf

diesen "Luxus" gerne verzichtet.

Wachteleier

AUCH HIER HAT DIE QUÄLERISCHE

Hobbyzüchter empfehlen für die Wachtelhaltung Volieren mit

einer Mindestgröße von 1 x 2 m und einer Mindesthöhe von

50 cm, darüber hinaus ein Sandbad sowie geschützte Ruheund

Nistplätze, außerdem wird vor allem dringend eine weiche

Einstreu empfohlen, damit die scheuen Tiere sich verstecken

können und nicht im eigenen Kot stehen müssen. Ein

Minimum an Möglichkeiten zum Ausleben artgemäßen Verhaltens

wird damit erreicht - in der Massentierhaltung wird

es wie so oft unterdrückt: Picken und Sandbaden sind nicht

möglich, in der Regel erfolgt die Haltung in dunklen Hallen

ohne Sonne und natürliche Luftzufuhr, die Tiere zeigen Verhaltensstörungen

und Aggressionen bis hin zum Kannibalismus.

Freilebende Wachteln sind sehr bewegungsfreudig,

sie rennen, fliegen und springen senkrecht in die Höhe (v. a.,

um Artgenossen in Stresssituationen zu warnen) - durch die

fehlende Bewegungsmöglichkeit entwickeln viele Tiere in den

zu engen Ställen Haltungsschäden sowie Abszesse und typische

Gelenkerkrankungen.

Kontinuierliche Tierschutzarbeit und erfolgreiche Verbraucheraufklärung

konnten dazu führen, dass wenigstens die klassische

Haushühner-Legebatterie mit der Haltung in Einzelkäfigen

in Deutschland der Vergangenheit angehört, zur Wach-


sind keine Delikatesse

MASSENTIERHALTUNG EINZUG GEHALTEN

telhaltung gibt es jedoch

noch nicht einmalHaltungsverordnungen.

Besonders

unverständlich ist die

ungeklärte rechtliche

Situation vor dem

Hintergrund einer

Entscheidung des

Bundesverfassungsgerichtes

1999 zur

In einer Legebatterie

Situation von Lege-

zusammengepfercht leiden hier hennen: Allen Lege-

tausende Wachteln

hennen, auch denen

in Käfighaltung, wird

seitdem ein Befriedigen von Grundbedürfnissen wie Picken,

Scharren und Zugang zu einem Sandbad zugestanden. Auf

die Wachtelhaltung indes wurde diese Feststellung nicht ausgedehnt,

obwohl die Wachtel der kleinste europäische Hühnervogel

und damit eine der nächsten Verwandten der "Legehühner"

ist.

In der Schweiz sowie in Österreich ist die reine Käfighaltung

von Wachteln, wie sie in Deutschland praktiziert wird, längst

verboten, dortige Tierschützer warnen daher dringend vor

dem Kauf von nicht gekennzeichneten Produkten auch aus

dem deutschen Ausland.

Vielen Verbrauchern und offenbar auch Vertreibern sind die

Produktionsbedingungen für Wachteleier unbekannt, wie

jüngst ein Fall aus Berlin zeigte: Nachdem Tierschützer den

Verantwortlichen erstmals entsprechendes Videomaterial aus

Wachtellegebatterien zeigen konnten, wurde der Verkauf von

Wachteleiern in mehreren großen Supermärkten sowie in einem

der bekanntesten Feinkostläden der Stadt sofort gestoppt.

Ein offenbar bevorstehendes Engagement des Kontrollvereins

KAT zeigt, wie groß der Handlungsbedarf

gegenüber den gut abgeschirmten Produktionsbetrieben ist.

Da es aber bisher keine Kennzeichnungspflicht gibt, ist der

Verbraucher vor allem auf sich selbst gestellt und sollte Wachteleier

nur aus Biohöfen oder ihm bekannten Betrieben kaufen,

um das Elend der kleinen Vögel nicht ungewollt zu unterstützen.

Fotos: Jan Peifer,

www.tierschutzbilder.de

Diese Tiere haben die Qual in der

Legebatterie nicht überstanden

A KTUELL

“Vermarktung” jetzt

auch in

Supermärkten

Seit einiger Zeit beobachten

wir die deutliche

Zunahme der Vermarktung

und des

Verzehrs von Wachteleiern.

Mittlerweile wird

die "Delikatesse" nicht

nur in Feinkostläden,

sondern auch im

Supermarkt zum Kauf angeboten. Beworben werden die Eier

als cholesterinarm und gut verträglich. Kaum einem Verbraucher

dürfte aber bekannt sein, dass Wachteln ebenso

wie Hühner in Legebatterien gehalten werden - eine Tatsache,

die Erzeuger und Händler verständlicherweise nicht gerne

öffentlich machen. Dabei kam ihnen bislang zugute, dass

es keinerlei Bilder aus deutschen Wachtelbatterien gab. Jetzt

liegt erstmalig Bildmaterial vor, das die nicht artgerechten

Haltungsbedingungen in Wachtelbatterien aufzeigt. In den

Betrieben werden die Tiere in kleinen, kahlen Gitterkäfigen

gehalten, ohne die Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen

auch nur annähernd auszuleben. Es gibt keine Nester,

keine Rückzugsmöglichkeit, keinen Naturboden, kein

Beschäftigungsmaterial. Aus Tierschutzsicht verstoßen die

Haltungsbedingungen in den Wachtelbetrieben gegen das

deutsche Tierschutzgesetz. Dagegen rechtlich vorzugehen ist

jedoch schwierig, denn in Deutschland gibt es bislang keine

Haltungsvorgaben für Wachteln. In anderen Ländern, wie in

der Schweiz, existiert bereits seit Jahren eine gesetzliche Verordnung,

die Haltungsbedingungen, wie sie in Deutschland

anzutreffen sind, verbietet.

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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E HRENAMTLICHE

MARGA UND HANS HAAS

Ohne das Ehepaar Haas (hier auf der Gnadenbrotweide)

hätte es das Tierheim Köln-Dellbrück

vielleicht gar nicht gegeben …

Ponystute Hallah lebt

heute auf dem

Pferdehof von Hans-

Hermann Lange in

Niedersachsen.

T

Ein beweg

IERSCH

ENG VERBUNDEN MIT DER

Marga Haas (79) ist seit 44 Jahren bmt-Mitglied;

Jahrzehnte, die intensiv mit dem Tierschutz verbunden

sind. 1967 überzeugt sie den Bürgermeister,

der damaligen Geschäftsstelle Köln ein

Grundstück für ein Tierheim zuzugestehen - heute

kann das - auf über 7000 Quadratmeter angewachsene

Gelände - über 500 Tiere aufnehmen.

Weil immer öfter auch Weidetieren geholfen werden

muss, sucht das Ehepaar Haas Anfang der 80er

Jahre eine geeignete Weide und versorgt dort fast

30 Jahre lang Ponys, Ziegen und Schafe. Im Jahr

2000 erhält die engagierte Tierschützerin das

Bundesverdienstkreuz für ihre großartigen Leistungen

im Tierschutz - und fünf Jahre später stirbt

Gnadenbrotpony Flicka mit über 50 Jahren als ältestes

Pony der früheren Bundesrepublik.

"Das Pony kaufen?" Sie sehen mich verzweifelt!" Vermutlich

nur wenige Minuten, denn Ratlosigkeit scheint im Verhaltensrepertoire

der jungen Kölnerin nicht vorzukommen. An

dieses Gespräch von 1982 erinnert sich die inzwischen

79jährige mit einem Schmunzeln. Vor ihr stand ein Anhänger

der Bhagwan-Sekte, selbst Ponybesitzer, und berichtete

ihr von dem unmittelbar bestehenden Schlachttransport für

eine kleine Stute.

Jennys Rettung

Das Pony war von seinen Haltern auf einer Weide ohne weitere

Zahlungen zurück gelassen worden und wurde von

dem Betreiber des Pensionsstalls entsprechend mangelhaft

versorgt. Mitleidige Pferdebesitzer sammelten gelegentlich

für den Unterhalt der Stute, doch scheinbar gab es immer

weniger Unterstützer für das Tier.

Marga Haas war schon seit längerem auf die stets isoliert

stehende, vernachlässigt wirkende Ponystute aufmerksam

geworden und hatte den Pensionsstall wegen dieses Missstands

bereits angezeigt. Nun also sollte die kleine Stute, der

sie täglich ihre Mohrrüben brachte, in wenigen Minuten zum

Schlachter und nach verantwortungslosem Weiterreichen

von Besitzer zu Besitzer ihr kurzes Leben beenden?


tes

UTZ-LEBEN

GESCHICHTE DES TIERHEIMS KÖLN-DELLBRÜCK

"Hans, setz´ dich hin; wir sind gerade

Pferdebesitzer geworden", teilt Marga

Haas ihrem Ehemann am Abend mit.

Sie hatte 500 DM für das Tier gezahlt,

dem jungen Bhagwan-Anhänger vertrauensvoll

die Scheine in die Hand gedrückt

und voller Spannung auf seine

Rückkehr gewartet. Würde der ihr fast

unbekannte Mann Wort halten und mit

dem Geld tatsächlich das Tier freikaufen?

Ihre Menschenkenntnis obsiegte -

und so stand die Kölnerin wenig später

mit dem Pony am Halfter und versuchte,

eine geeignete und dauerhafte

Unterkunft zu finden - vergeblich.

Die Tierheim-

Gnadenbrotweide

Nun kommt höchstens, wie das Ehepaar

nach erfolgloser Suche bis in den

Westerwald, die Eifel und Westfalen

feststellt, noch ein ungenutztes Grundstück

am Tierheim in Frage. Das Areal

eignet sich nur bedingt, ist voller Schrott

und muss erst in mühevoller Arbeit für

das Pferdchen hergerichtet werden.

Kurzerhand sagen die Beiden ihren Urlaub

ab, informieren sich, wie Krippen,

Tröge und ein Unterstand beschaffen

sein müssen und gehen ans Werk.

Doch die Nähe zu den Hunden ist für

die Weidetiere - inzwischen werden

auch Schafe und Ziegen im Tierheim

abgegeben - nicht ideal, und so

schaut sich Marga Haas bald nach

einer eigenen Gnadenbrotweide um.

Schließlich kann sie dank ihrer Tätigkeit

im Landschaftsschutz in unmittelbarer

Nachbarschaft ihres Wohnhauses

ein reizvoll gelegenes Gelände

nahe einer alten Wasserburg pachten

Hallahs Tochter Bonnie

und mit Jenny an der Führleine umziehen.

"Eigentlich", sagt die alte Dame lächelnd,

"hatte ich Angst vor Pferden."

Als sie noch im Gespräch um die künftige

Weide stand, erreichte sie schon

der nächste Notfall. Die "ausgediente"

Ponystute Flicka sollte zum Schlachter,

eine Richterin hatte sich Hilfe suchend

an das Tierheim Köln-Dellbrück gewandt.

26 Jahre ist die kleine, dunkle Shetlandstute.

Ein Vorderhuf ist deformiert,

als sei er mit einem Beil bearbeitet worden,

wie Marga Haas sich empört erinnert.

Ein junger Schmied pflegt den

Huf über Monate, bis die Stute ihn endlich

wieder mit ihrem vollen Gewicht

belasten kann und von da an schmerzfrei

ist.

Der nächste Kandidat ist Benjamin, ein

winziges Pony, für das sich einige Kinder

stark machten. Über ihre Rettungsaktion,

die sie ins Tierheim Köln-Dellbrück

führen sollte, berichtete damals

die BILD-Zeitung. Leider kann Benjamin

seine neue Freiheit nicht lange genießen

- er legt sich eines Abends hin

und steht nicht wieder auf. Doch Flicka

und Jenny bleiben noch 20 lange

schöne Jahre Weidegefährtinnen. Als

Pony Jenny schließlich an einer schweren

Kolik leidend eingeschläfert werden

muss, schließt sich die dunkle Shet-

E HRENAMTLICHE

Bundesverdienstkreuz für

Marga Haas im Jahr 2000

landstute eng an den Ziegenbock Felix

an, die beiden werden unzertrennlich.

Das Tierheim Köln-Dellbrück

entsteht

Neben der Betreuung der Gnadenbrottiere,

die das Ehepaar Haas auch

finanziell übernimmt, engagiert sich

die Kölnerin weiter im Tierheim. Seit sie

1965 zum bmt stieß, hatte sie die damalige

Kölner Geschäftsstellenleiterin

Frau Scholl ehrenamtlich unterstützt. Zu

dieser Zeit kümmern sich die Aktiven

um die Versorgung und Kastration herrenloser

Katzen, verfolgen Missstände,

nehmen Hunde aus schlechten Haltungen

auf und lassen sie - in Ermangelung

eines eigenes Tierheims - in drei Tierpensionen

und einem ehemaligen Bauernhof

außerhalb der Stadt pflegen.

Diese Unterbringung ist teuer und sehr

ineffektiv, befindet Marga Haas und

wendet sich gegen den Rat des damaligen

Vorstands, dem solch ein Vorhaben

zu arbeits- und kostenintensiv erschien,

an den Oberbürgermeister der

Stadt Köln - und der Angeschriebene

sieht die Notwendigkeit ein, dem Verein

ein Grundstück für ein eigenes Tierheim

zuzugestehen. Ein Jahr später,

1968, bezieht der bmt das direkt am

Wald gelegene Gelände am Stadtrand

von Köln.

Quadratmeter um Quadratmeter

wächst das rechtsrheinisch gelegene

Tierheim, nachdem Ehemann Hans

Haas selbst die ersten vier Hundezwinger

aufgebaut und voller Freude gesehen

hatte, wie die Tiere ihre neue Bleibe

aufnahmen. Seine Ehefrau übernimmt

die Schriftführung für die dama-

Das Recht der Tiere 4/2011

21


Das Recht der Tiere 4/2011

22

E HRENAMTLICHE

lige Geschäftsstelle Köln und ist auch

für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Ein Abend im Jahr 1983 ist ihr dabei

besonders in Erinnerung. Marga und

Hans Haas hatten gerade noch an einem

neuen Holzhaus für Schafe und

Ziegen gearbeitet, die seit Beginn des

Jahrzehnts immer öfter im Tierheim

Aufnahme fanden, als sie plötzlich die

Feuerwehr auftauchen sahen. Der ungewöhnliche

Gast, der sie durch einen

Drahtkäfig anschaute, war, wie sich

später herausstellte, ein weiblicher Larvenroller.

Ein Larvenroller zieht ein

Ein Jahr lang bewohnte die asiatische

Schleichkatze (Familie der Palmenroller)

einen der geräumigsten Zwinger

am Haupteingang, ihm gegenüber ein

Affe, der in die Wohnung eines Kölners

geklettert war und den überraschten

Mann auf dem Kronleuchter schaukelnd

erwartete. Das zutrauliche Äffchen

siedelte kurz darauf in einen Zoo

über - und die nachtaktive Larvenrollerin

zog bei Ehepaar Haas in ein Gehege

mit Innen- und Außenbereichen,

Baumhaus und allerlei Beschäftigungsmöglichkeiten

ein.

Die in Burma beheimateten Tiere leben,

bis auf die Zeit der Paarung, als

Einzelgänger, und so wurde der erste

Gedanke einer Vergesellschaftung mit

einem männlichen Pendant schnell verworfen.

Entsprechend wichtig war die

Ausstattung des Geheges mit Spiel,

Kletter- und Ruhemöglichkeiten. Über

17 Jahre lebte Mungi bei ihrer Pflegefamilie

- und starb ein Jahr nach der

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

an Marga Haas.

Im Jahr 2000 wurde die engagierte

Tier- und Naturschützerin mit dem

Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

"Durch Ihren bereits drei Jahrzehnte

andauernden Einsatz für herrenlose

Tiere im Stadtgebiet, die Sie unter Zurückstellung

eigener Interessen mit

außergewöhnlicher Opferbereitschaft

wahrnehmen, waren und sind Sie Vorbild

für andere (…)", schrieb ihr der

Stadtdirektor von Köln, Bernhard Wimmer,

anerkennend.

Marga Haas im Mai 2011 auf dem Kastanienhof

in Niedersachsen, hier mit Hans-Hermann Lange

Fünf Jahre später stirbt Flicka. Sie wurde

über 50 Jahre alt, und in der Presse

als ältestes Pony der (damaligen)

Bundesrepublik gefeiert. Zuletzt muss

sie mit Brei und geriebenen Möhren ernährt

werden, doch die Freude am Leben

scheint ungebrochen, bis sie

schließlich aufgrund einer Dauerkolik

eingeschläfert werden muss.

Besuch bei Hallah und Bonnie

2011

Und nachdem Marga Haas Jahrzehnte

Tiere gerettet, sie geschützt, ihnen zu

einem besseren Leben verholfen hat,

benötigt sie nun erstmalig selbst intensiven

Beistand. 2009 bekommt sie eine

lebensgefährliche Hirnblutung, liegt

fünf Wochen wie besinnungslos in der

Klinik, dann folgen vier Monate Rehabilitation.

Doch entgegen den Befürchtungen

der Ärzte bleibt bis auf eine

leicht "verwaschene Sprache", wie die

Kölnerin es bezeichnet, kaum eine Beeinträchtigung

zurück. "Mit meinem

Rolli", sagt die 79jährige, "komme ich

überall hin."

Überall - das ist zum Beispiel die Jahreshauptversammlung

des bmt in München,

der Tag der Offenen Tür im Tierheim,

den sie selbstverständlich mit

eigenem Antiquitäten-Stand wenige

Monate nach ihrer Entlassung aus der

Klinik betreut oder der Pferdehof von

Hans-Hermann Lange in Lüchow-Dannenberg.

Niedersachsen? Was zieht

Marga Haas im Frühjahr dieses Jahres

dort hin?

"Tiere natürlich", sagt sie lächelnd. Ihr

Neffe fährt das Ehepaar an einem

Wochenende auf den Kastanienhof

von Hans Hermann Lange,

der für den bmt Ponys und

Pferde betreut. Darunter

die Ponystute Hallah,

die aus einer Beschlagnahmung

im Raum Köln

stammt.

Hier ließ ein

unverantwortlicher

Züchter

Ponystu-

17 Jahre lebte Larvenroller

Mungi bei Ehepaar Haas

ten von Kaltblütern decken und brachte

darüber hinaus Großpferde in kleinen

Ponyställen unter. Als das Veterinäramt

den verwahrlosten Stall

schließt, müssen elf schlecht genährte

Pferde auf die Schnelle untergebracht

werden - das Ehepaar Haas sagt ihre

Hilfe zu. Gemeinsam holen sie die kleine

Schimmelstute ab und wollen sie gerade

verladen, da wiehert es im Hintergrund

laut und vernehmlich. "Sie hat

noch ein Fohlen", sagt einer der anwesenden

Polizisten gerührt.

Natürlich darf auch Bonnie, das von einem

Kalbluthengst gezeugte Fohlen

mit, und so siedeln Mutter und Tochter

erst auf die Tierheim-Gnadenbrotweide

um und später auf den Kastanienhof

nach Lüchow-Dannenberg. "Ich wollte

sie unbedingt sehen", sagt Marga Haas

in diesem Mai zu Hans-Hermann Lange

und lässt ihren Blick über das weite

Land schweifen…

An dieser Stelle möchten wir

Danke sagen. Danke, dass es

Sie gibt, Marga und Hans Haas!

Text: Claudia Lotz


Tierische Momente

beim bmt

Tierschutz-

Kalender 2012

"Wage es, weise zu sein! Höre auf,

Tiere zu töten! Wer die Stunde des

rechten Lebens hinausschiebt,

gleicht nur dem Bauern, der darauf

wartet, dass der Fluss versiegt,

ehe er ihn überquert",

hat der römische Dichter Horaz (65-8.

v. Chr.) seine Mitmenschen schon zu

einer Zeit ermahnt, als der Schutz von

Tieren kaum Popularität genossen haben

dürfte.

Freuen Sie sich auf elf weitere Zitate

bekannter Persönlichkeiten aus Kultur,

Politik und öffentlichem Leben, die Sie

zwölf Monate lang begleiten und in

gewisser Hinsicht das gewählte Bildmotiv

verstärken.

Diesen wunderschönen Kalender - Tierische

Momente beim bmt - hat Stefan

Kirchhoff fotografiert. Der Tierheimleiter

aus dem bmt-Tierheim Arche Noah

in Stuhr/Brinkum hat den ganz besonderen

Blick, der jedes Foto zum Erlebnis

werden lässt. Berührende Augenblicke,

wenn die beiden ehemaligen

Straßenhunde vorsichtig die Nähe des

anderen suchen, nachdem sie beide

gerade mit dem Leben davon gekom-

“OLDIES BUT GOLDIES”

Der neue Kalender aus dem Tierheim Köln-Dellbrück

Unter den Motto "Oldies but Goldies" stellen wir Ihnen zwölf unserer liebenswerten

Senioren vor. Immer mehr ältere Tiere werden bei uns im Tierheim abgegeben.

Oft können oder wollen die Besitzer die Kosten für Tierarzt

oder Medikamente nicht tragen, anderen sind die Krankheiten ihrer Senioren

einfach lästig. In unserem neuen Kalender möchten wir Ihnen

einige unserer charmanten Oldies vorstellen und hoffen darauf, dass

früher oder später alle von ihnen ein schönes Plätzchen finden.

Der Kalender hat die Maße 21 x 21 cm.

Sie können den Kalender für 6,- Euro bei uns im Tierheim direkt kaufen

oder ihn zuzüglich 2,- für Paket und Versand bestellen.

Bestellung: Tierheim Köln-Dellbrueck,

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln , Tel: (0221) 68 49 26

Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Konto 924 02-505

KÜNSTLERIN AUS NORDEN HILFT TIEREN!

W EIHNACHTEN

men sind (Titel) oder die Katzen einem

jene intensiven Blicke zuwerfen, zu denen

nur Katzen in der Lage zu sein

scheinen.

Der Kalender kostet 10 Euro (zuzüglich

Porto von 1,45 Euro), der Erlös kommt

dem Tierschutz zugute. Sein Format:

DIN A4, aufgehängt DIN A3.

Bestellung: bmt@anzeigen-buero.de,

Tel: (02845) 53 86,

Fax: (02845) 80 69 49

Bankverbindung:

Volksbank Niederrhein e.G.,

Konto 801 703 2012 . BLZ 354 611 06

Die Weihnachtskarten zugunsten des Tierheims Hage

Wie in den vergangenen Jahren stellt

Ursula Karge aus Norden den Erlös ihrer kleinen Kunstwerke

wieder dem Tierheim Hage zur Verfügung. Hier abgebildet

das aktuelle Tierheimmotiv, weitere direkt bei der Künstlerin.

Bitte erfragen Sie die Adresse in der Geschäftsstelle Norden.

Hier können Sie auch diese schöne Weihnachtskarte bestellen.

Fünf Karten kosten 10 Euro, zuzüglich Porto von 1,50 Euro.

Bestellung: Tierheim Hage, Geschäftsstelle Norden

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum, Tel. (04933) 99 28 24

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden,

BLZ 283 615 92, Konto 6302020300

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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Malerisch liegt der Markt an der belgischen

Maas. Auch an diesem Sonntag

im nebligen November schieben sich

Besucher aus aller Welt an den Ständen

vorbei. Antiquitäten, Schmuck, Stoffe,

Kleidung, Kulinarisches und Hausrat -

der traditionelle Altstadtmarkt bietet,

als wäre all dies nicht genug, auch

noch Tiere an.

Tauben, Hühner, Meerschweinchen,

Kaninchen, Hasen, Degus, Ziervögel -

sie alle werden gnadenlos dem Zuschauerstrom

präsentiert. Ohne Futter,

Wasser, Käfigstangen oder Rückzugsmöglichkeiten

sitzen die zum Verkaufsobjekt

verdammten Tierchen auf bloßem

Plastik- oder Gitterboden.

Jung, schutzlos, halb starr vor Angst,

schwer atmend oder schon völlig apathisch

hocken, sitzen, liegen, drängen

sich Tiere aller Art. Davor die Besucher:

Sie fassen auf die Kartons, die Käfige,

die Plastikverhältnisse, sie stoßen, damit

die "faulen Tiere" sich doch bewegen,

sie trommeln an die Scheiben

Mit dem WDR auf dem

40 Kilometer von Aachen liegt das belgische Lüttich und am Quai de la Batte

der gleichnamige Markt. Reiseveranstalter preisen den jeden Sonntag

stattfindenden Markt "La Batte" als unvergessliches Erlebnis und ein Stück

Geschichte.

Was vor allem Tradition hat, ist der Verkauf von Tieren. 1561 fand an den Ufern der Maas der erste

Tiermarkt in Lüttich statt, und noch heute strömen die Besucher aus dem In- und Ausland, um Hunde,

Katzen, Kleintiere, Geflügel und Vögel so kostengünstig wie möglich zu erwerben.

Für Bernd Schinzel, der mit dem WDR für "Tiere suchen ein Zuhause" dreht und aus Tierschutzsicht die

vorgefundenen Zustände kommentieren soll, ein schwerer Tag: "So viel tierisches Leid, so viel menschliche

Gleichgültigkeit - die entsetzlichen Szenen von zur Ware herabgewürdigten Tieren werde ich lange

nicht vergessen können."

und rütteln am Gitter. Bei Interesse werden

Tiere herausgeholt: Am Flügel, am

Kopf, am Hinterbein, bei mangelnder

Kaufabsicht achtlos hineingedrückt.

"Wie viele Tiere diesen Tag nicht überleben

werden, mag ich gar nicht schätzen."

Bernd Schinzel, der für den WDR

die Haltungsbedingungen nach Tierschutzgesichtspunkten

beurteilen soll,

findet kaum Worte. Er, der über 30 Jahre

Tierschutzarbeit hinter sich hat, ist

emotional stark berührt, weil hier Welten

unversöhnlich aufeinander treffen:

Der Profit auf der einen und das Leid

von Lebewesen auf der anderen Seite,

dazwischen die Menschen, denen es

vorrangig um ihren Vorteil geht, in diesem

Fall, um ein gutes (kostengünstiges)

Geschäft.

Da verhandeln Asiaten um den besten

Preis für Tauben und junge Hühner,

nachdem sie ausgiebig die "Ware" befühlt

und befasst haben. Die vor Angst

erstarrten Tiere werden verpackt und

den Käufern überantwortet, die mit ih-

TIERSCHÜTZER

ren Kartons, aus denen es leise noch

piepst, sich weiter über den Markt treiben

lassen. Hinter allen Marktständen

hängen Planen, hinter denen der

"Nachschub" je nach Witterungsverhältnissen

friert oder schwitzt. Käfig auf

Käfig, Karton auf Karton, so dicht, so

hoch die Reihen, als müssten die unteren

ersticken.

"Chiens" und "Cats" steht auf den

Shops und Läden entlang des Markts.

Hier werden Hunde und Katzen aller

Rassen verkauft. Vor und in den Läden

schieben sich die Menschen, schauen

in Käfige oder Glasbehälter, machen

auf sich aufmerksam, wollen die verstörten

Welpen in Aktion sehen - doch

die meisten liegen apathisch, sind ganz

ruhig, suchen Schutz am Körper des

Artgenossen. Wieder kein Wasser, kein

Futter, keine Beschäftigungsmöglichkeit,

nur helles Licht, unter dem die

Kleinen schutzlos den Blicken und Griffen

der Menschen ausgesetzt sind.

"Als wäre dieser Markt aus der Zeit ge-


Tiermarkt Lüttich

BERND SCHINZEL: "UNHALTBARE ZUSTÄNDE!"

fallen", äußert Bernd Schinzel fassungslos

dem WDR-Team gegenüber.

Sorgfältig muss er seine Kommentare

für die Fernsehzuschauer wählen, damit

seine Emotionen nicht Überhand

gewinnen. Die "Chiens" und "Cats" werden

in Läden verkauft, die ein weit gespannter

Hundehändlerring gemietet

hat. Besorgt werden die Kleinen in osteuropäischen

Massenzuchten, auch sie

ausnahmslos wenige Wochen alt.

Eine deutsche Familie ersteht gleich

drei Welpen einer kleinen Rasse in einem

Shop, obwohl sie nicht in Kaufabsicht

nach Lüttich kamen. "Weil die

Hundchen so süß sind", antworten sie

auf Nachfrage des WDR. "Hatten Sie

denn schon mal einen Hund?"

"Ja, aber den haben wir abgegeben,

weil er zu groß wurde", gibt die Familie

auf die zweite Frage bereitwillig Auskunft.

Was ist mit dem Impfpass, hakt

Bernd Schinzel nach, doch hier winken

sie ab, das sei Vertrauenssache, sie

hätten die Kleinen ohne Pass genommen,

glauben aber den Verkäufern,

dass die Tiere geimpft seien.

Doch wer genau hinschaut, erkennt,

dass nicht alle Tiere in den sterilen Verkaufsbehältnissen

auch wirklich gesund

sind. Viele Welpchen wirken

krank, haben verklebte Augen, zittern,

hyperventilieren oder haben sich fluchtbereit

in die hinterste Ecke verkrochen.

Ab und zu setzen sich die Verkäufer direkt

auf die Gitter und rauchen, unter

ihnen ihre erschreckte, jaulende "Ware",

die sie mit Schlägen an die Käfige

und harschen Worten zum Schweigen

bringen.

Ein Händler spricht in die Kamera, dass

er seine Welpen aus Slowenien beziehe.

Währenddessen tritt ein Polizist hinzu

- die Dreharbeiten waren stets von

aufmerksamen Beamten begleitet -

und greift in die Brusttasche des Interviewten.

Er holt einen Schlüssel heraus,

schließt einen Hundekäfig auf, zieht einen

Welpen heraus und drückt ihn einem

Kind unsanft in den Arm. Die Familie

geht zur Kasse.

Helfen Sie , die Massenproduktion

von Welpen zu verhindern

Alle Märkte in Belgien verkaufen Tiere,

der Markt "La Batte" an der Maas ist dabei

der größte und älteste im Land. Einen

reinen Vogelmarkt, der ebenfalls

sonntags stattfindet, gibt es zusätzlich

noch in Antwerpen. "Viele Menschen",

sagt der Tierheimleiter aus Köln-Dellbrück

abschließend, "scheinen tatsächlich

aus Mitleid zu kaufen - und genau

auf diese Gefühlsregung setzen die

Händler. Sie präsentieren ihre Tiere so,

dass manche Besucher kaum weitergehen

mögen, ohne wenigstens diesem

einem Vierbeiner geholfen zu haben."

TH KÖLN-DELLBRÜCK

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Leiterin (GSt): Sylvia Bringmann

Leiter (TH): Bernd Schinzel

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Doch Mitleid ist in diesem Fall falsch!

Die einzige Chance, das Leid der unter

tierschutzwidrigsten Bedingungen gezüchteten,

angebotenen und verkauften

Tiere dauerhaft zu beenden, ist die

einbrechende Nachfrage. Wenn kein

Interesse mehr an den unzähligen und

zutiefst bedauernswerten Geschöpfen

besteht, muss auch die "Produktion von

Lebewesen heruntergefahren" werden.

Übrigens: Viele Hunde, die aus eben

diesen spontanen Gefühlsregungen

auf dem Lütticher Markt erstanden wurden,

landeten später im Tierheim Köln-

Dellbrück. Zu groß, zu schwierig, zu

unbeherrschbar, zu krank, zu hoch die

Tierarztkosten - die Folgen des derzeit

völlig entgleisten, weil umsatzstarken

Tierhandels in Europa tragen wie so oft

die Tierheime.

Hinweis: Die Ausstrahlung der Sendung

"Tiere suchen ein Zuhause. Tiermarkt

Lüttich" erfolgte im WDR am

26.11.2011. Auf dem gesamten Gelände

war das Fotografieren nicht

gerne gesehen; die Bilder entstanden

unter erschwerten Bedingungen.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Stephan Klein

Hier werden "Chiens" und "Cats" verkauft

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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TH ARCHE N OAH

Am 08.11.2011 bekommen wir einen Anruf vom Veterinäramt.

Ein "Züchter" hat sich auf und davon gemacht

und seine Tiere unversorgt zurückgelassen. Es sind acht

Hunde - und ich soll sie alle auf einmal aufnehmen, erfahre

ich. So viele Tiere werden in der Regel auf die umliegenden

Tierheime verteilt. Doch in diesem Fall müssen

wir alle Hunde aufnehmen. Die anderen Tierheime

haben aufgrund vorheriger Sicherstellungen keine Kapazitäten

frei. Um was für Hunde handelt es sich? frage

ich nach, und die Antwort lässt nicht nur mich, sondern

sicher jeden Tierheimleiter erst einmal die Stirn

runzeln. Es sind American Staffordshire Terrier …

60 cm x 70 cm

Acht so genannte Kampfhunde aufzunehmen

heißt, acht schwer vermittelbare

Tiere gleichzeitig aufzunehmen

und sich die Zwinger auf unbestimmte

Zeit zu blockieren. Schwer vermittelbar,

nicht weil sie verhaltensauffällig sind,

sondern durch die Gesetzgebung in

vielen Bundesländern und die negative

Berichterstattung der Medien zu pauschal

aggressiven und angriffslustigen

Hunden gemacht werden. KIA

Wir können aus Platzgründen die acht

Staffs nur in unseren "Notzwingern" -

das heißt in Außenhaltung - unterbringen.

Keine ideale Lösung für die kurzhaarigen

Hunde im schon sehr kalten

November. Aber es nützt nichts, die Tiere

müssen aus ihrer tierschutzwidrigen

Haltung so schnell wie möglich heraus

- und vorher hatten sie es auch nicht

wärmer.

und kein

Entkommen

Ich betrete das Gelände, das mitten in

einer Siedlung liegt, und wundere mich

immer mehr, dass diese Zucht unter

schlechtesten Bedingungen nicht aufgefallen

sein soll. Und tatsächlich war

das Veterinäramt bereits vor zwei Jahren

da. Aber scheinbar war alles in

Ordnung.

Zucht unter tierschutzwidrigen Bedingungen

Das Züchten von Staffordshire Terriern

ist in Niedersachsen erlaubt. Jeder darf

Hunde züchten - und jeder darf auch so

viele Tiere züchten, wie er möchte. Solange

die Person weniger als vier Zuchthündinnen

hat, braucht sie nicht einmal

einen Sachkundeschein nach § 11

des Deutschen Tierschutzgesetzes.

Ich gehe in den

Schuppen und

traue meinen

Augen kaum.

Hier stehen völlig

verdreckte

kleine Zwinger

und eine Quarantänebox.

Sie

besteht aus vier

kleinen, ca. 60

cm breiten und


70 cm tiefen Käfigen,

die selbst für eine vorübergehendeUnterbringung

von Katzen

zu klein wären.

In jedem Käfig sitzt ein

Hund und das bereits

seit über einem Jahr. Die Hunde,

die mich jetzt aus großen Augen

anschauen, sind hier geboren

worden und sicherlich nicht allzu

oft aus ihren Gefängnissen heraus

gekommen. Das zeigt auch

ihr noch recht unsicheres Verhalten

beim Spaziergang, später

mit unseren Ehrenamtlichen

an der Leine.

Eine Hündin ist

unterernährt, ein Rüde

hat Ekzeme und eine

schwere Bindehautentzündung,

die nie behandelt

wurde.

Die Augen sind bereits

angeschwollen. Die

anderen Hunde sind,

den Umständen entsprechend,

in einem guten Zustand.

Trotz der ungewöhnlichen Situation

sind die Hunde allen Beteiligten

gegenüber absolut freundlich, nur ein wenig unsicher. Ein Rüde

knurrt mich an, als ich ihn in die Transportbox zu heben

versuche, doch ich kann es ihm nicht verübeln.

Im Tierheim angekommen bestätigt sich wieder einmal, dass

diese Hunde zu unrecht als pauschal aggressiv bezeichnet

werden. In unseren großzügigen Ausläufen toben sie voller

Lebensfreude umher und genießen die ungewohnte Aufmerksamkeit,

die sie von uns bekommen.

Niedersachsen hat seit 2004 keine Kampfhundeverordnung

mehr und gilt deswegen als Listenhund-freundliches Bundes-

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Leiterin (GSt): Anke Mory

Tel. (0152) 33 51 32 16

Leiter (TH): Stefan Kirchhoff

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

land.

Wie Thüringen hat

sich Niedersachsen

gegen eine entsprechendeVerordnungausgesprochen,

weil es

wissenschaftlich bis

heute nicht haltbar

ist, die Gefährlich-

TH ARCHE N OAH

keit eines Hundes von

der Rasse abhängig

zu machen.

Ganz im Widerspruch

dazu steht es, dass

Halter von Staffs und

Co gezwungen werden,

eine Kampfhundesteuer zu bezahlen, auch wenn ihr

Hund noch nie auffällig geworden ist. Die Höhe können Gemeinden

und Städte selbst entscheiden. So hat unsere Vertragsgemeinde

Weyhe, trotz unseres Einwands, die Steuer für

"Kampfunde" auf 600 Euro im Jahr festgesetzt. Unsere Nachbarstadt

Bremen verbietet dagegen die Einfuhr von Listenhunden

aus anderen Bundesländern ganz und schränkt damit

die Vermittlungschancen rigoros ein.

Niedersachsen hat

seit diesem Jahr - und

erstmalig in Deutschland

- ein innovatives

Hundegesetz, wie wir

es seit Jahren fordern.

Alle Hunde, unabhängig

von ihrer Rasse,

müssen gechipt

und versichert sein,

und die Hundehalter

brauchen, wenn sie

noch keinen Hund besessen haben, einen theoretischen und

praktischen Sachkundenachweis. Es bleibt zu hoffen, dass die

anderen Bundesländer ihre, sich als unsinnig heraus gestellten

Gesetze, dem niedersächsischen Modell angleichen.

Wie können Sie uns helfen?

Vielleicht ist einer aus der Achtergruppe dabei, dem Sie ein

schönes Zuhause schenken möchten, nachdem der Start ins

Leben schon so schwierig war.

Genauso freuen wir uns über eine Spende von Ihnen, damit

wir unsere veralteten Notfallzwinger ersetzen und die Unterbringung

für kommende

Hunde verbessern

können.

Daneben können

Sie auch Patenschaften

für Hunde

oder für einen Gemeinschaftszwinger

übernehmen, wie es

die Firma "WirKönnens"

gerade für

Rocky und Sheila

gemacht hat.

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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Bitte unterstützen Sie unser

Kastrations-Projekt!

100 Katzen

werden im TH Hage

versorgt

Die Menschen bereiten sich auf die Adventszeit vor - und das Tierheim

mit banger Vorahnung auf die Zeit danach. Die lebenden Weihnachtsgeschenke

landen in der Regel in bmt-Tierheimen, so auch in Ostfriesland.

Schon jetzt betreut das Tierheim Hage doppelt so viele Katzen wie

Plätze vorhanden sind, weil in Ostriesland das Thema Kastration von

Freigängerkatzen nach wie vor ein Fremdwort zu sein scheint. Trotz aller

Aufklärung, Sozialsprechstunde und Angebot des Tierheims, die Kastration

von Katzen hälftig für die Besitzer zu tragen, mussten gerade

in diesem Jahr noch mehr Tiere aufgenommen werden als je zuvor.

Im kommenden Jahr wird das Tierheim seinen Katzentrakt erweitern

müssen - und kann auch bei der Hundevermittlung kaum aufatmen.

Mehrere schwer bis gar nicht mehr vermittelbare Tiere blockieren die Zwinger, für alle werden Paten gesucht,

die bei der Versorgung der Hunde finanziell helfen können. Und in dieser angespannten Situation

muss sich das Tierheim Hage noch mit einem Fall auseinandersetzen, der seit Monaten Anwälte, Ordnungsämter,

Pflegestellen und Angehörige beschäftigt und das Tierheim bereits einige Tausend Euro gekostet

hat.

Es geht um eine Frau und ihre vier Hunde.

Im Juli meldete sie sich im Tierheim

Hage und kündigte an, ihre

Hunde sofort auszusetzen,

wenn ihr nicht geholfen und

die Tiere aufgenommen werden

würden. Sie wisse nicht

mehr weiter.

Tage später ruft die Frau erneut an, angeblich

habe sie eine Arbeit und ein

Haus in Aussicht und könne die Hunde

dann zu sich holen. Doch bevor sie mit

erbetenem Miet- und Arbeitsvertrag ins

Tierheim kommt, möchte sie mit ihren

Vierbeinern spazieren gehen. In Anwesenheit

ihres erstaunten Lebensgefährten

lässt sie die Hunde dann von der

Leine und jagt sie davon. Die Kleinen

kann ihr Partner noch einfangen, die

großen Hunde flüchten.

Die Polizei wird ins Tierheim gerufen,

die emotional stark erregte Hundebe-

sitzerin droht mit Selbstmord, sie wird

daraufhin von einem Notarztwagen in

die Klinik gebracht. Dieter

Kuhn hatte selbst

nach den vertriebenen

Hunden gesucht und die

Landwirte in der Umgebung

alarmiert. Gegen Abend werden

sie endlich gefunden, einer ist durch eine

Beißerei leicht verletzt.

Hundehalterin

ohne

Verantwortung

Um diese vier Hunde geht es…

Bis Anfang November belaufen sich die

Zahlungen für den Unterhalt der vier

Hunde, die das Tierheim Hage vertraglich

als Pensionshunde aufgenommen

hatte, auf annähernd 5.000 Euro.

Alle Beteiligten, Hundeschule, Pflegestelle

etc. sind sich einig, dass die Frau

zu keiner verantwortungsvollen Hundehaltung

fähig sei.

Nachdem sie bis zur festgesetzten

Frist, 15. November 2011, die offenen

Posten nicht beglichen hat, steht es

dem Tierheim vertraglich zu, die Tiere

zu vermitteln.

Wir würden uns sehr freuen, wenn die

Hunde, die sich Menschen und Artgenossen

gegenüber sehr freundlich und

sozial verhalten, noch die Chance auf

ein schönes Zuhause bei liebevollen

Menschen erhalten würden.


Für diese kompliziertenKandidaten

hingegen

haben wir die

Hoffnung auf ei-

ne gute Vermittlung jedoch weitgehend

aufgegeben, was nicht heißen soll, dass

wir einer Vermittlung (abgesehen von

Tammy) ablehnend gegenüberstünden.

Doch solange sich niemand ernsthaft für

die Hunde interessiert, bitten wir alle

Tierfreunde herzlich, uns bei der Dauerversorgung

von Berber, Chicco, Tammy,

Bibi (nicht abgebildet) und Bobby als Paten

zu unterstützen. Die Hunde fühlen

sich Tierheim weitgehend wohl, haben

ihre festen Gassigänger und Freundschaften

mit Artgenossen geschlossen.

Woran scheitert

die Vermittlung bisher?

Tammy (6) ist seit 3,5 Jahren im Tierheim.

Die Schäferhündin hört sehr gut,

beißt Fremde jedoch ohne Vorwarnung.

Da ihrem Angriff keine Drohgebärden

voraus gehen, stellt ihre Vermittlung ein

nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Zu

ihrer Bezugsperson,

die sich ehrenamtlich

um sie kümmert, hat

sie ein Vertrauensverhältnis

aufgebaut,

ebenfalls akzeptiert

sie die Tierpfleger.

Chicco (7) ist ein überzeugter

Jäger, der seine Leidenschaft

durch unaufhörli-

CHICCO ches Bellen kundtut. Der

Mischling überwindet auf

der Suche nach Beute jeden

Zaun und ist mit ruhigen Spaziergängen nicht zufrieden zu

stellen. Im Tierheim verbringt er das Frühjahr bis zum Herbst

auch nachts mit einem Artgenossen im Freilauf und ist seitdem

sehr viel ausgeglichener geworden.

Berber (7) hat durch seinen obdachlosen Vorbesitzer gelernt,

nachts auf der Hut sein zu müssen. Entsprechend greift

er bei Dunkelheit jeden, oft auch die eigenen Bezugspersonen,

an. Erzieherische Maßnahmen, wie bei allen vorgestellten

Patenhunden, schlugen fehl.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Ursula Sottmeier

Unsere

schwierigen

Fälle ...

TAMMY

Bobby (4) ist ein

sehr ausdruckstarker,

schöner Rüde,

möglicherweise

ein Labradormischling.

Wenige

Wochen im neuen

Zuhause übernimmt

er konsequent

die Führung

und setzt diesen

BOBBY

Anspruch auch

mit seinen Zähnen durch.

T IERHEIM H AGE

Wie Sie wissen, bieten wir seit Jahren neben der Sozialsprechstunde

die hälftige Übernahme von Kastrationen

bei Katzen an. Auch wenn derzeit die Aufnahme

von (geschwächten und medizinisch aufwändig zu versorgenden)

Katzen wieder zugenommen hat, sind wir doch von

einem überzeugt: Unser Angebot, die Kastration von Katzen

zu 50% zu übernehmen, hat viel Leid verhindert. Es wurden

weniger Kätzchen geboren und auf der Straße sich selbst

überlassen.

Darum unsere große

Geschäftsstelle Norden

Bitte an Sie: Machen

Sie durch Ihre Spen- Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

den möglich, dass wir

Leiter: Dieter Kuhn,

weiterhin unser Ange-

und Ursula Sottmeier

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

bot aufrechterhalten

Tierheim Hage

können und so dazu

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

beitragen, das Katzen- Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

elend dauerhaft zu

Raiffeisen-Volksbank

verringern. Ohne Ihre Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Unterstützung geht es

Konto 6302020300

dabei nicht! Das Tier-

www.tierheim-hage.de

heim erwirtschaftet

keine Überschüsse und ist bei seiner wichtigen Tierschutzarbeit

und schnellen, meist lebensrettenden Hilfe für Tiere auf

Sie angewiesen. Wir danken Ihnen im Namen der Tiere.

BERBER

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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K ATZENHAUS

"Wenn Goliath nicht seinen über alles geliebten Bruder gehabt

hätte", sagt Silvia Koch, "wäre er gestorben." Dass tiefe

Bindungen zu einem anderen Tier vierbeinigen Patienten so

viel Kraft geben können, dass sie auch mit schweren Erkrankungen

fertig werden, hat die Mitarbeiterin des Katzenhauses

in der Vergangenheit schon öfter erlebt. Nicht jedoch,

dass ein kleiner Kater fast an Morbus Crohn verendet...

Im Juli werden im Katzenhaus

drei schwarze Kater abgegeben.

Sie sind sechs Wochen alt und

haben - wie so oft bei ausgesetzten

Welpen und Jungtieren -

schweren Katzenschnupfen.

Goliath, ohnehin der schwächste

der Brüder, scheint an der

Erkrankung fast zu Grunde zu

gehen. Um ihm überhaupt eine

Überlebenschance zu geben,

holt Silvia Koch das zierliche

Tierchen zu sich in die Wohnung

und betreut es intensiv. Da sie

Die Geschichte von zwei ungleichen

Brüdern

David

Aus der biblischen

Geschichte kennen

wir den legendären

Kampf

von David

gegen

Goliath.

Der junge Hebräer

David besiegt im Zweikampf den

Riesen Goliath aus dem Reich der Philister,

der die Israeliten herausgefordert hatte.

Goliath von Gat soll der Überlieferung zufolge zwischen zwei und drei Meter groß gewesen sein -

unser Goliath hingegen ist mit fünf Monaten noch so klein und leicht wie ein acht Wochen altes

Kätzchen. Und David ist nicht sein unerschrockener Gegner, sondern sein Bruder, großer Freund

und Lebensretter.

gerade Urlaub hat, ist ihr die fast 24-stündige Versorgung

des kleinen Patienten möglich.

Nach 14 Tagen scheint Goliath über den Berg, doch dann

setzt ein Durchfall ein, wie ihn die erfahrene Tierpflegerin

noch bei keinem Tier beobachtet hat.

Der immer schwächer werdende Kater verliert den Kot unverdaut

und flüssig wie Wasser, sobald er sich bewegt oder

vom Boden gehoben wird. Jedes Futter,

das er zu sich nimmt, verlässt den Körper,

ohne ihm die wichtigen Nährstoffe

zuzuführen. Entsprechend treten starke

Mangelerscheinungen auf. Goliath

wächst einfach nicht mehr, seine

Schnurrhaare brechen und in seinem

Fell zeigen sich weiße Flecke, Pigmentstörungen.

Der kleine Goliath auf seinem Krankenlager

rettet

Goli

Wochen geht das so. Einzig die Elektrolyte,

zugeführt über das Trinkwasser, halten

den Kater am Leben und der Kontakt

zu David. Nachdem auch das dritte Brü-


derchen kurz nach der Ankunft verstarb,

hatte Silvia Koch David aus

dem Katzenhaus in ihre Wohnung

geholt, um dem kleinen Patienten

Geborgenheit durch die Anwesenheit

eines Artgenossen zu geben.

Und über Wochen gibt es auch keine

Diagnose,

die Tierärzte

tappen im Dunkeln.

Goliath hat keine Infektion, keine

Parasiten und keine Futtermittelun-

ath

verträglichkeit - und wird doch scheinbar

von einer verborgenen Erkrankung

geradezu aufgezehrt. Wenige hundert

Gramm wiegt das Tier noch, und man legt Silvia Koch nahe,

Goliath einzuschläfern. Doch so lange der Kater und mit ihm

sein schwarzer Bruder David um das schwache Flämmchen

Leben ringen, das noch in Goliath flackert, gibt auch die Katzenhausmitarbeiterin

nicht auf.

Nach zehn Wochen, in denen Silvia Koch das Katerchen nur

mit den Elektrolyten über Wasser hält, kommt die erklärende

Diagnose: Goliath leidet an Morbus Crohn, einer entzündlichen

Erkrankung, die alle Abschnitte des Verdauungstraktes

erfassen kann und sich im Fall des Katers als

chronische Dickdarmentzündung manifestiert hat.

Das Medikament, das in der Humanmedizin bei entsprechenden

Krankheitsbildern eingesetzt wird, schlägt bei Goli-

WIR BRAUCHEN IHRE HILFE!

MORITZ

Während Goliath seinen

Tiefpunkt überwunden

hat, ist Kater

Willi das nächste große

Sorgenkind. Der

Vierjährige wurde Anfang

Oktober mit

dem acht Jahre alten

Kater Moritz abgegeben,

weil ihre Besitzerin

ins Ausland zog und die Tiere nicht mitnehmen konnte.

Die Trennung vom alten

Zuhause und die

Eingewöhnung ins Katzenhaus

fiel Beiden

sichtlich schwer. Sie

blieben schreckhaft,

fraßen kaum und wirkten

sehr unglücklich in

der neuen, ungewohn-

ath schnell an. Der Darm beruhigt sich, und sein Körper kann

endlich das Futter verwerten, das zuvor ungenutzt ausgeschieden

wurde. Mit der einsetzenden Nährstoffversorgung

kehrt auch seine Kraft zurück, die er nun in spielerischen Balgereien

mit David erprobt.

"Goliath "kämpft" wie ein Großer", sagt Silvia Koch, die überglücklich

über die Fortschritte ihres ehemaligen Patienten ist.

Zwar wiegt der schwarze Kater erst die Hälfte seines Bruders

und muss auch beim Wachsen noch ordentlich zulegen, aber

die Entwicklung geht unaufhörlich bergauf.

"Ich bin froh", fährt die bmt-Mitarbeiterin fort, "dass ich auf

mein Herz gehört und nicht aufgegeben habe. Ich habe auch

in den schwächsten Stunden Goliaths Lebenswillen gespürt -

und nun hoffe ich, dass die beiden Freunde ein wunderbares

Zuhause finden.

Es braucht nicht extra betont zu werden, dass die Brüder nur

gemeinsam vermittelt werden.

ten Umgebung.

Und nun scheint

sich der grau-weiß

getigerte Kater

Willi aufzugeben.

Er verweigert das

Futter, und seine

Temperatur ist auf

36 Grad gesunken.

Willi sitzt in

seiner Box unter

L UTTERTAL

Endlich gesund - jetzt muß Goliath nur noch kräftig wachsen.

Gegen seinen Bruder David ist er noch eine halbe Portion.

WILLI

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin (GSt): Gabriele Missalla

(06678) 91 85 67

Leiterin (TH): Monika Bossmann

Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

der Rotlichtlampe - und wir hoffen alle sehr, dass er wieder

genesen wird.

Im nächsten "Recht der Tiere" werden wir Ihnen berichten, ob

der Kater es geschafft hat. Gerne können Sie natürlich schon

vorab Kontakt zu uns aufnehmen, sei es, weil Sie einen unserer

Schützlinge kennen lernen oder unsere Hilfe für Katzen

mit einer Spende oder Mitgliedschaft unterstützen möchten.

Text und Fotos: Karsten Plücker

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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Berufsbetreuer

von hilfsbedürftigen

Menschen:

Kassel, 07.04.2011, 14:00 Es klingelt an unserer Haustür. Der Amtstierarzt

steht mit einem Hund, einem Nymphensittich und einem Kaninchen

vor der Tür. Alle Tiere befinden sich in einem erbarmungswürdigen

Zustand. Der 12jährige Mischlingsrüde Lord hat einen

faustgroßen Hodentumor, eingewachsene Krallen, Geschwüre am

Darm und - wie sich beim späteren Röntgen herausstellt - innerlich

Metastasen und Spondylosen. Der Pflegezustand des Kaninchens lässt

zu wünschen übrig, und der Nymphensittich ist stellenweise kahl und

hat sich blutig gerupft. Bilder, die man in Deutschland heutzutage eigentlich

nicht mehr erwartet.

Unser erster Gedanke war, dass der

Hund wohl irgendwo in einem Verschlag

bei Tierquälern gehalten wurde.

Tatsächlich lebte er bei einem 84jährigen

Mann und dessen Sohn in einer

Dreizimmerwohnung. Die beiden Männer

waren nicht in der Lage, sich selbst

zu versorgen und standen deshalb unter

Aufsicht eines Berufsbetreuers. Wer

jetzt jedoch denkt, dass der Betreuer

erst seit kurzem dort tätig war und das

Veterinäramt über den schlechten Allgemeinzustand

der Tiere verständigt

hat, der irrt. Die Anzeige kam von aufmerksamen

Nachbarn, der Betreuer

fühlte sich für die Tiere nicht zuständig.

Ein Einzelfall? Keinesfalls! Allein im ersten

Halbjahr 2011 haben wir 102 Tiere

von Menschen aufgenommen, die

unter gesetzlicher Betreuung standen.

Im Februar wurden wir zu einem Fall gerufen,

wo ein betreutes junges Paar über

90 Wüstenrennmäuse in einer Zweizimmerwohnung

hielt. Auch diese Tiere

waren leider in einem sehr schlechten

Pflegezustand, unkastriert und nicht

nach Geschlechtern getrennt. Sie wiesen

schwere Bissverletzungen auf und

mussten in zu kleinen Käfigen mit nicht

artgerechter Ausstattung leben.

Für Tiere

nicht zuständig?

56 Rennmäuse wurden dem Tierheim

übereignet, die restlichen Tiere durften

auf Betreiben des Betreuers dann dort

bleiben. Jeder kann sich vorstellen, wie

rasant sich diese Tiere vermehren, unter

welchen Umständen sie hausen

müssen, und es stellt sich die Frage,

wann der nächste Notruf bei uns eingeht.

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Leiterin (GSt): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

Auch Filou, ein neunjähriger, absolut

liebenswerter und sehr verträglicher

Lurcher-Mischling, und Katze Rosamunde,

eine zweijährige schüchterne

Schildpatt-Schönheit lebten bei Menschen,

die unter gesetzlicher Betreuung

standen. In beiden Fällen waren die

Tiere während der Abwesenheit des

Halters tagelang unversorgt in deren

Wohnung zurückgelassen worden.

Wussten die Betreuer nichts von dem

Krankenhausaufenthalt

oder von den Tieren ihrer

Klienten? Nur dank der

Anzeigen aufmerksamer

Nachbarn beim Veterinäramt

wurden die Tiere sichergestellt

und zu uns gebracht.

Es stellt sich hier natürlich

die grundsätzliche Frage, ob

es nicht auch zu den Aufgaben/Pflichten

eines Betreuers

gehört, sich um die Haustiere

seiner Klienten zu kümmern.

Die Internetrecherche

brachte zum Stichwort `Gesetzlicher

Betreuer und

Haustier´ keine Ergebnisse.

Aber es ist Pflicht des Betreuers,

sich um die Gesundheit

des Klienten zu

kümmern, und ein verflohter

und verwurmter Hund ist

nicht gerade förderlich für

die Gesundheit des Besitzers.

Ebenso soll der Betreuer

dessen Angelegenheiten

zu dessen Wohl erledigen

und in diesem Rahmen

dafür Sorge tragen,


dass der Betreute so weit wie möglich ein Leben nach eigenen

Wünschen und Vorstellungen gestalten kann. Gehört ein

vierbeiniger Freund nicht ebenso dazu wie beispielsweise die

Wahl des Aufenthaltsortes?

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass Menschen, die

unter Betreuung stehen, auch Haustiere halten. Dies erfordert

aber aus unserer Sicht ganz klar, dass der Betreuer

dann auch auf das Wohlergehen

der Tiere achtet und

nicht durch Untätigkeit und

Vernachlässigung den Tieren

unnötig Schmerzen und Leiden

zufügt.

Gerade weil die Fälle, in

Zu spät:

Lord verstarb

kurz

nach seiner

Rettung an

den Folgen

seiner

Erkrankung

denen ein Betreuerzugewiesen

wird, stetig

ansteigen, ist es

nach unserer

Auffassung

mehr als zwingenderforderlich,

hier entsprechende

gesetzliche Regelungen

zu finden,

um das Wohlergehen

der Tiere

sicherzustellen.

Man fragt sich

auch, warum ein

Betreuer überhaupt

die Betreuung eines

Menschen mit Haustieren

übernimmt, wenn er sich

nicht um Tiere kümmern

will.

Am 09.06.2011 klingelt

wieder der Amtstierarzt.

Diesmal bringt er einen

Kanarienvogel in

einem völlig verdreckten

Käfig, der bei demselben

Halter sichergestellt

wurde, von dem auch unser Mischlingsrüde

Lord kam. Der Betreuer

wusste wieder einmal nicht

Bescheid. Dem kleinen Lord konnten

wir aufgrund der schweren

Erkrankung nur noch vier Wochen

FILOU

ROSAMUNDE

TH WAU-MAU-INSEL

Liebe, Fürsorge und

Geborgenheit schenken,

bevor er leider

an den Folgen seiner

Krankheit starb.

Ich persönlich habe

bereits vorgesorgt

In diesem Käfig wurde der

und meine Betreuung

Nymphensittich gehalten!

im Bedarfsfall aufgrund

meiner Erfahrungen geregelt und hier gezielt Menschen

eingesetzt, denen ich und meine Tiere vertrauen können.

Ich kann jedem Tierbesitzer nur empfehlen, eine

schriftliche Betreuungsverfügung zu hinterlegen.

Treffen Sie somit rechtzeitig Vorkehrungen,

wer Sie und Ihre Haustiere

versorgen soll, falls Sie dazu selbst

nicht mehr in der Lage sein sollten. So

mancher Betreuer oder Erbe klopfte

an unsere Haustür, um die Haustiere

loszuwerden, da war der Betreute gerade

unter Vormundschaft bzw. noch

nicht einmal unter der Erde.

So mancher Tierfreund würde sich

übrigens im Grabe umdrehen, wenn

er wüsste, was mit seinen Tieren geschieht,

sobald er sich nicht mehr um

sie kümmern kann.

Weitere Informationen finden Sie beim

Bundesministerium der Justiz unter

dem Stichwort Betreuungsrecht unter

www.bmj.de

Text und Fotos: Claudia Bioly

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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F RANZISKUS-TH

Experten gehen davon aus, dass die

Zahl der pro Jahr nach Deutschland

importierten Rassewelpen in die Hunderttausende

geht. Das zeigt, wie groß

dieser Markt ist. Und wie viele Menschen

sich einen Hund anschaffen. Ungefähr

70 Prozent aller Hunde in

Deutschland sind Rassehunde.

Die Massenware Hund wird in Zuchtfabriken

am Fließband produziert. Die

Zustände, die in der Massentierhaltung

herrschen, sind bekannt. Der Profit, der

sich damit machen lässt, ist genauso

groß wie das Elend der vierbeinigen

Gebärmaschinen. Eine ganze Industrie

lebt davon, dass die "Geiz ist geil"-

Mentalität auch vor dem besten Freund

des Menschen nicht halt macht. Der

Vermarktung der vierbeinigen Ware

haben sich durch das Internet ungeahnte

Möglichkeiten eröffnet. Alleine

unter Tiermarkt.de werden an einem

einzigen Tag 8322 Rassehunde und

3057 Mischlinge von Privat oder ge-

Ein Blick ins Internet genügt. Während in den Tierheimen

in Hamburg rund 400 Hunde manchmal

Jahre auf ein neues Zuhause warten, werden auf

verschiedenen Seiten im Internet rund um die Hansestadt

täglich über 2000 Vierbeiner zum Kauf angeboten.

Allein in Hamburg:

werblich zum Verkauf angeboten. Die

Gewinne, die hier erzielt werden, gehen

in die Millionen.

Der Hundehandel

über das Internet

stellt auch die Tierheime

vor massive

Probleme. Wer will

schon einen Mischlingshund

mit

Macken aus dem

Tierheim, wenn

man einen süßen

Mischlingswelpen

zum Dumpingpreis angeboten bekommt?!

Am besten noch mit Lieferung

"frei Haus"! Und es sind nicht die kleinen,

netten, verträglichen unkomplizierten

Tiere, die im Tierheim abgegeben

werden. Für die findet sich im

Internet schon jemand, der sie kauft.

Bei uns landen diejenigen Vierbeiner,

die man nicht zu Geld machen kann.

Franziskus-Tierheim

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Leiter: Frank Weber

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

2000

Oft, weil sie schon mehrfach über das

Internet verhökert worden sind. Mindestens

einmal pro Woche hören wir die

gleiche Geschichte:

www.franziskustierheim.de

Man(n) hat den

Hund übers Internet

gekauft, kommt mit

ihm nicht zurecht,

ist schon der vierte

Besitzer - und nun

will ihn keiner haben.

Wann kann er

in Tierheim aufgenommen

werden?

Bezeichnenderweise sind es selten Rassehunde,

die im Tierheim abgegeben

werden. Wenn, dann sind es fast immer

"schwierige" Fälle (s. Kasten). An Staffordshire,

Rottweiler, Dobermann,

Schäferhund und Herdenschutzhunden

herrscht meistens kein Mangel. An guten

Interessenten, die mit solchen Hunden

umgehen können, aber schon.

DER


Was nur noch sehr selten im Tierheim abgegeben wird, sind

gesunde, sozialverträgliche und freundliche Hunde. Und

eben diese Hunde sind es, die sich der normale Hundehalter

gerne in seine Familie holen würde. Wohin kann man

denn eine sympathische Familie mit netten Kindern schicken

wenn man im Tierschutz keinen geeigneten Hund hat? Soll

man ihnen sagen, sie sollen sich mal im Internet umschauen

oder besser gleich beim nächsten Hundehändler - da ist es

billiger?

Und gleichzeitig sitzen in den Tierheimen und Tötungsstationen

im uns umgebenden Europa Tausende von armen Seelen

unter erbarmungswürdigen und lebensbedrohlichen Bedingungen.

Darunter Hunderte unkomplizierte freundliche

Tiere, die in ihren Herkunftsländern ein grausamer und

schmerzhafter Tod erwartet.

Da wundert man sich immer wieder über die Argumentation,

wegen dieser Hunde würden die deutschen Hunde im Tierschutz

kein Zuhause finden. Das ist definitiv ein Trugschluss.

In der Realität ist das Gegenteil der Fall. Wenn man nette, gut

vermittelbare Hunde aus dem seriös praktizierten Auslandstierschutz

hat, kommen wesentlich mehr Interessenten in die

Vermittlung. Wie die Erfahrung zeigt, erhöht das definitiv

auch die Chancen der "schwierigeren" Hunde, unter diesen

tierlieben Menschen ein neues Herrchen zu finden.

Das Problem sind nicht die von anerkannten Tierschutzorganisationen

eingeführten Auslandshunde, sondern der im

Internet völlig unkontrolliert ablaufende Hundehandel durch

gewerbliche und "pseudo" private Geschäftemacher. Diesen

Leuten geht es nur ums Geld - uns geht es um die Tiere.

F RANZISKUS-TH

Hunde täglich im Angebot!

HUNDEHANDEL IM INTERNET UND SEINE FOLGEN

Border Collie Sam (links) hat nach neun Vorbesitzern

endlich ein Zuhause gefunden

Und das ist die Verpflichtung, die wir als Tierschützer eingegangen

sind - für setzen uns für Not leidende Tiere ein, egal,

wo sie in Not sind.

Sam und Joker

Zwei Beispiele von vielen

Der Border Collie auf den Bildern heißt Sam. Er hatte mit einem

Jahr bereits neun (!) Vorbesitzer, die sich offensichtlich

wenig mit der Rasse auseinandergesetzt hatten. Border Collies

sind Arbeitshunde, die körperlich und geistig ausgelastet

werden müssen. Doch ungeachtet dieser genetischen Vorbedingungen

schaffen sich viele Menschen Border Collies an,

weil sie schöne Tiere sind und darüber hinaus als äußerst intelligent

gelten.

Sam stellte sich im Franziskus Tierheim als sehr folgsam, lernwillig

und überaus freundlich gegenüber Mensch und Tier heraus.

Der einjährige Rüde hat nach vier Wochen Tierheimaufenthalt

nun bei Menschen ein Zuhause gefunden, die mit der

Rasse vertraut sind und aus Erfahrung wissen, wie viel Arbeit

es bedeutet, einen Border Collie artgerecht auszulasten.

Sams Spielkamerad heißt Joker und ist ein Malinois. Er wurde

im Alter von zehn Wochen als Fundhund abgegeben. Ein

Malinois gehört in fachkundige Hände, denn die Rasse gilt

als sehr arbeitsfreudig und temperamentvoll. Für Joker konnten

wir nach zwei Monaten ebenfalls verantwortungsvolle

und erfahrene Hundehalter finden.

Text: Frank Weber

Fotos: Birte Peters,

www.birte-peters.com

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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T IERSCHUTZZENTRUM

Sie haben die

Hölle

Hölle

Das bmt-Tierschutzzentrum ist die erste

Anlaufstelle in Deutschland für die

Hunde aus unserem Partnertierheim im

rumänischen Brasov. Im dortigen Tierheim

kümmert man sich um die medizinische

Versorgung, Impfung, Kastration

und - soweit zeitlich möglich - auch

schon um eine positive Kontaktaufnahme

zum Menschen, geht mit den Hunden

spazieren und lässt sie unter Aufsicht

mit Artgenossen spielen.

Englische Verhaltenstrainer sind mehrfach im Jahr im Tierheim Brasov, um sich mit den schwierigen Hunden

zu beschäftigen. Doch den Sprung nach vorne zum geliebten Familienhund können diese Tiere erst wirklich

bei uns in Deutschland machen.

Wir, die Mitarbeiter aus dem Tierschutzzentrum,

werden immer wieder

in unserer Ansicht bestärkt, dass viele

rumänische Hunde einen Besitzer gehabt

haben müssen. Sie waren nur zur

falschen Zeit am falschen Ort, als die

Hundefänger kamen und erbarmungslos

Jagd auf sie machten.

Diese Zeiten des Schreckens sind glücklicherweise

vorbei. Nun bergen Tierschutzmitarbeiter

die Tiere vor Ort und

prüfen gleich, ob sie einen Besitzer haben.

Es wird allerdings aus logistischen

Gründen noch eine Weile dauern, bis

wir allen Hunden, die die Hölle in der

städtischen Tötungsanlage Stupin

überstanden haben und derzeit im

hinter sich

UND WOLLEN DEN MENSCHEN

DOCH WIEDER VERTRAUEN!

Flori

Tierheim Brasov versorgt werden, ein

schönes neues Zuhause geben können.

Wenn die Hunde zu uns nach Pfullingen

kommen, leben sie eigentlich

schon nach wenigen Stunden sichtlich

auf. Gutes Futter und Zuwendung bewirken

Wunder; Halsband und Leine

kennen die wenigsten und müssen erst

daran gewöhnt werden und lernen,

dass diese Dinge nicht gefährlich, sondern

nur nützlich sind. Interessanterweise

geht auch das oft in ganz kurzer

Zeit.

Viele Tiere, die von den Hundefängern

mit der Betäubungspistole geschossen

wurden, verkriechen sich, wenn man

eine Kamera auf sie richtet, dies wird


Lola

auf Fotos besonders deutlich. Andere

ziehen sich, sobald Besucher vor den

Zwingern stehen, lieber in ihre geheizten

Innenräume mit den gemütlichen

Körbchen zurück. Manche wollen ihr

"Fünf- Sterne-Hotel" nicht einmal für einen

Spaziergang verlassen - deshalb

muss der Übergang in die neue Familie,

ohne längeres Probieren im Tierheim,

zügig erfolgen.

Nach der Vermittlung ist die Situation

ähnlich: Bloß nicht zu weit weg von der

Wohnung! Wir raten den neuen Besitzern:

Bitte lasst diesen Hunden Zeit,

Neues zu erkunden. Nach drei Schultagen

kann auch kein Kind lesen. Erwartet

bitte auch nicht, dass ein rumänischer

Hund am ersten Tag freiwillig in

ein Auto steigt, schließlich musste er

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

Leiter (GSt): Dr. Uwe Wagner

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Leiterin (TH): Petra Zipp

Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.tierschutz-bmt-bw.de

diesen "gefährlichen Objekten" blitzschnell

ausweichen, um zu überleben.

Nach kurzer Zeit werden die meisten

Hunde aber begeisterte Mitfahrer, weil

sie das Autofahren mit schönen Erfahrungen

verknüpfen.

Das Geheimrezept für die neuen Besitzer

heißt: Geduld und Liebe!

Positives Merkmal vieler rumänischer

Hunde ist ihre Sozialverträglichkeit und

ihre Liebe zu Kindern, denn von den

Jüngsten wurden sie in ihrer Heimat oft

gefüttert und gestreichelt. Bei Männern

zeigen die Vierbeiner am Anfang oft

Unsicherheit, weil sie fast alle mit (eben

männlichen) Hundefängern Erfahrung

gemacht haben.

Unsere Mischlingshündin Bibi hat zum

Beispiel Vorbehalte bei Männern,

die sich nach kurzer Zeit aber legen.

Leider fehlte hier bis-

lang die notwendige

Gelassenheit bei Interessenten.

Für Bibi wünschen wir

uns ein sehr geduldiges

ruhiges Herrchen, das

zunächst nichts von ihr

erwartet und ihr Zeit

lässt. Ein souveräner

Ersthund in ihrem neuen

Zuhause wäre eine

große Hilfe für das Einleben.

Ähnlichkeiten im Wesen

zeigen Mandy (großes

Bild), Lola und Flori.

Sie alle und viele mehr

warten im bmt Tierschutzzentrum

auf Tierfreunde,

denen es nicht

um Rasse oder den

"perfekten Hund" geht,

sondern die einen echten

Freund suchen und

dabei auch noch ein

gutes Werk tun möchten.

Für alle, die ihren Hund

P FULLINGEN

verloren haben und denen es heute

noch unmöglich scheint, den leeren

Platz eines Tages wieder zu besetzen,

sei das Testament eines Hundes von

Margaret Trowton ans Herz gelegt.

TESTAMENT EINES HUNDES

Bibi

Wenn Menschen sterben, machen sie

ein Testament,

um ihr Heim und alles, was sie haben

denen zu hinterlassen, die sie lieben.

Ich würde auch solch´ ein Testament machen,

wenn ich schreiben könnte.

Einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen

Streuner würde ich mein glückliches Zuhause

hinterlassen, meinen Napf, mein kuscheliges Bett,

mein weiches Kissen, mein Spielzeug

und den so geliebten Schoß,

die sanft streichelnde Hand,

die liebevolle Stimme,

den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte,

die Liebe, die mir zu guter Letzt

zu einem friedlichen

und schmerzfreien Ende helfen wird,

gehalten im liebenden Arm.

Wenn ich einmal sterbe, dann sag' bitte

nicht: "Nie wieder werde ich ein Tier haben -

der Verlust tut viel zu weh."

Such´ Dir einen einsamen, ungeliebten Hund

aus und gib' ihm meinen Platz.

Das ist mein Erbe.

Die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles

was ich geben kann.

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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G ST NRW

Es gibt sie noch!

“Nach nunmehr 18 Jahren - davon 15 Jahren beim bmt - ehrenamtlicher

Tierschutzarbeit, hauptsächlich Vermittlung von Hunden,

kann ich sagen - es gibt sie noch. Gäbe es sie nicht mehr,

könnte ich diese Arbeit, die neben einem Vollzeit-Beruf mein

Denken und Handeln ausfüllt, nicht machen. “

Mechthild Sody, die für den bmt Pflegestellen im Hunsrück betreut,

erklärt, warum die Vermittlung oft so schwierig ist. Schwierig,

weil die Ansprüche der Menschen an ihre neuen Hausgenossen

häufig so hoch sind, dass die Hunde ihnen kaum genügen

können - aber glücklicher Weise gibt es sie noch!

Bevor ich das Geheimnis lüfte, wer sie

sind, hier einige Gedanken über meine

Tierschutzarbeit. Man ist ständig

konfrontiert mit dem schlimmstem Tierelend

und grausamen Untaten, verursacht

durch uns Menschen. Im In- und

Ausland.

Aber auch die großen und kleinen Dramen

um die Ecke. Das alte Pudelchen,

dass man nach dem Tod der Oma, die

man reichlich beerbt hat, schnellstens

an den Tierschutz abgeben will, und

weil da nicht sofort ein Platz frei ist, mit

fadenscheinigen Begründungen einschläfern

lässt. Die vielen Familien, die

auseinander gehen und von Streitigkeiten

traumatisierte Hunde hinterlassen.

Den 15jährigen Mischling, der von

Welpenzeit an in der Familie gelebt hat,

mit den Kindern groß geworden ist -

und dann hat Papa eine neue Frau gefunden

und niemand will ihn mehr.

Den 13jährigen Collie, den man nicht

mehr halten kann, weil man durch einen

Unfall "gelähmt" ist, aber einige

Wochen später nach einem jungen

Hund fragt.

Vergleichbar harmlos gegen die fast

nicht zu ertragenden Tierquälereien.

Wie der Hündin, der man das Fell bei

lebendigem Leibe abgezogen hatte

und sie lebend im Straßengraben liegen

ließ. Sie hat mit großem Einsatz

überlebt und hatte noch einige gute

Jahre. Unvergessen auch der Hund,

der mit einer Drahtschlinge an einen

Baum gebunden wurde, chancenlos in

einer einsamen Gegend. Zwei Wanderer,

die vom Weg abkamen fanden ihn

in letzter Sekunde. Ich könnte ein Buch

schreiben. Es würde ein Bestseller

menschlicher Verfehlungen.

Die Vorstellung vom jungen,

schönen, gesunden, fertigen

Hund ...

Fast schlimmer ist manchmal noch der

Vermittlungsalltag. Der Anspruch unserer

Mitmenschen an seinen neuen

Hausgenossen sieht oft folgendermaßen

aus:

Jung muss er sein, möglichst ein

Welpe, denn man will ihn ja noch erziehen

können, aber bitte stubenrein,

kaputt machen darf er auch nichts mehr,

einige Stunden brav alleine zu bleiben,

kann man ja wohl auch erwarten.

Schön muss er sein - ja wie sieht

Schönheit denn nun aus? So vielfältig

wie die Menschen sind, so vielfältig

kann auch das Hundeschönheitsideal

sein, nicht selten total konträr zum

Herrchen.

SELINA ELINA

Über

besondere

Menschen und

außer-

gewöhnliche

Hunde

Gesund muss er sein. Natürlich,

und wehe, wenn nicht, dann bekommt

man mal wieder zu hören, beim Tierschutz

gäbe es ja nur kranke Hunde.

Die vom Züchter sind ja immer gesund!?

Und gesund muss er bleiben,

bis er alt ist, denn der Tierarzt ist teuer.

Impfungen, ja in Ordnung, eine Wurmtablette

jedes halbe Jahr geht ja auch

noch, aber bitte nicht mehr.

Billig muss er sein. Ja so ein

Mischling aus dem Tierschutz dürfte

eigentlich gar nichts kosten. Die sollen

doch froh sein, dass wir uns herab

lassen und nicht zum Züchter gehen

und einen teuren Rassehund

holen.

Kinderlieb muss er sein. Die Kinder

müssen ALLES(!) mit ihm machen

können. Keineswegs darf er nach den

Kindern schnappen. So einen Hund -

nicht mit uns.

Kastriert muss er sein, dass kann

man vom Tierschutz ja wohl erwarten.

Man will ja keine Jungen von einem

Mischling haben und die Sauerei einer

läufigen Hündin auf dem Teppich - nur

das nicht.

MARIT


ENEKIN NEKIN

MARTIN ARTIN

Es gibt sie noch, diese besonderen

Menschen,

denen obige Bedingungen völlig egal

sind. Die gerade einen alten Hund nehmen,

weil ihn niemand mehr will, die

den Krüppel haben wollen, dem ein

Auge fehlt, ein Bein, der blind, taub ist

oder humpelt. Die sich mit Engelsge-

Geschäftsstelle NRW

Hundevermittlung Hunsrück der Gst NRW

Mechthild Sody

Tel. (06764) 15 02

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

duld den ängstlichen Hunden widmen,

die oft einen langen, schweren Weg mit

ihrem Tier gehen, die nicht aufgeben,

egal, was kommt. Die bewusst einen

Hund adoptieren, von dem sie genau

wissen, dass er Dauerpatient sein wird,

dass er nur noch eine kurze Lebenserwartung

hat.

Hier einige unserer "Schätze",

die auf unseren Pflegestellen

so dringend auf ein

schönes Zuhause warten:

Selina, vom Leben nur gebeutelt. Sie kommt aus den Vernichtungslagern

in Rumänien, hat nur noch ein Auge, hatte

einen Tumor, der entfernt wurde, eine Chemotherapie gerade

so überlebt, ist jetzt topfit, hat ihre Ängste verloren und

sprüht vor Lebensfreude.

Marit, kam als Junghund zu uns aus Rumänien und hat mit

der Muttermilch schon die Todesangst in sich aufgesogen.

Mittlerweile wird sie selbstsicherer, geht an der Leine, ist

schon über ein Jahr bei uns und braucht schnellstens ein bleibendes

ruhiges Zuhause. Sie ist

winzig und zart wie ein Chihuahua.

ELI LI

MAJA AJA

MAYA & HANS HANS

Eli, unser Angsthase, aber nur

lieb, ein wunderbarer Zweithund,

sehr verspielt, im Haus ruhig,

braucht geduldige Menschen,

die ihr Vertrauen geben.

MANDY AND

POLLY OLL

G ST NRW

Und diesen Menschen möchte

ich herzlich DANKE sagen. Sie

sind diejenigen, die mich weitermachen

lassen in meiner Arbeit,

die mich nicht verzweifeln lassen.

Ich habe im Laufe der Jahre

die Ehre gehabt, einige wunderbare

Menschen dieser Art

kennenlernen zu dürfen.

Denjenigen, die sich angesprochen

fühlen, sage ich, denken

Sie mal über meine Worte nach.

Sie selbst sind doch auch nicht

perfekt, warum haben Sie diese

hohen Ansprüche an Ihren neuen

Hausgenossen? Erlauben Sie

ihm doch ein Individuum zu sein,

wie Sie selbst auch eines sind.

Bevor Sie zum Züchter gehen oder sich

einen Hund via Internet aus dubiosen

Kanälen kaufen, gehen Sie bitte zu einem

seriösen Tierschutzverein, der Sie

berät und ein ganzes Hundeleben lang

für diesen Hund gerade steht.

Wir suchen dringend Pflegestellen im

Großraum Simmern/Hunsrück!

Und hier einige Hunde, die trotz Alter, Behinderung oder

Angst ihre Menschen gefunden haben:

Enekin - drei Beine, wo ist das Problem? Er lebt jetzt glücklich

in Berlin.

Maya - nur ein Auge und trotzdem eine Schönheit.

Martin - 10 Jahre seines Lebens an ein Abflussrohr gekettet.

Aber noch einige schöne Jahre im Alter.

Mandy - die Trennung ihrer Familie, in der sie von Welpenzeit

an gelebt hat, hatte sie todtraurig gemacht. Trotz fortgeschrittenen

Alters und schwarzer Farbe fand sie ein neues

Glück.

Polly - ein Leben an der Kette, sie hat auch im Alter erst ihr

Glück gefunden. Für ihre Familie der schönste Hund der

Welt.

Maja & Hans - zwei ältere Hunde aus Rumänien, die beide

ein schweres Leben hinter sich hatten. Hans, humpelnd

mit Arthrose - eine Pflegestellenliebe, die zusammen bleiben

durfte und ihr Frauchen mit Familie überglücklich gemacht

haben.

Text: Mechthild Sody

Das Recht der Tiere 4/2011

39


Das Recht der Tiere 4/2011

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Schrecken

auf dem

Kastanienhof

STREPTOKOKKEN-INFEKTION

BEI SCHIMMELWALLACH GAZHAL

Seit über 30 Jahren betreut Hans-Hermann Lange auf seinem Kastanienhof

in Lüchow-Dannenberg Pferde und Ponys für den bmt. Früher

aktiver Reiter und Züchter ist der inzwischen 70jährige sein Leben lang

mit Pferden vertraut - und doch völlig ratlos, als ihm bei seinem täglichen

Kontrollgang über die Weiden der scheinbar über Nacht erkrankte

Schimmelwallach Gazhal auffällt.

Wie üblich steht der Einzelgänger abseits der anderen Pferde, doch

heute lässt er den Kopf hängen, Bauch und Beine sind angeschwollen.

Gazhal hat auch Fieber, wie der Niedersachse beunruhigt feststellt,

und er frisst nicht.

Trotz der offensichtlichen Krankheitsanzeichen

zeigen sich im Blutbild keine

Auffälligkeiten, und so beschränkt sich

die Therapie erst einmal darauf, den

Zustand des 25jährigen Wallachs durch

Aufbauspritzen und besonders nährstoffreiches

Futter (Eisenzugabe etc.) zu

stabilisieren. Und tatsächlich bessert

sich das Allgemeinbefinden des Schimmels,

Schwellungen und Fieber klingen

ab, und der Appetit kehrt zurück.

Doch der Tierarzt und Hans-Hermann

Lange bleiben aufmerksam, denn

schließlich gab es keine Diagnose für

die massiven Krankheitssymptome.

Und richtig: Nach vier Wochen kommt

der erneute Rückfall: Abermals werden

die Beine dick, das Fieber steigt wieder

und nun kommen noch Veränderungen

am Haarkleid hinzu.

Das Tier ist am ganzen Körper mit

Schuppen übersäht, festsitzende, stark

fettende Hautpartikel, die das Fell verkleben

und deren Entfernung dem

Schimmel Schmerzen bereitet. Auch

sein Futter rührt er nicht mehr an, und

Hans-Hermann Lange fürchtet um das

bmt-Pferd, das er ganz besonders ins

Herz geschlossen hat.

"Gazhal ist ein Einzelgänger, wie ich

noch nie einen erlebt habe", sagt er.

"Immer alleine, abgesondert von den

übrigen Pferden, dabei aber unendlich

lieb." Möglicherweise liegt es an der

schlechten Haltung, die der Schimmel

über Jahre isoliert von Artgenossen er-

Schimmel Gazhal ist ein

Einzelgänger

dulden musste, die es ihm heute nicht

mehr erlaubt, auf andere Pferde zuzugehen

oder ihre unmittelbare Nähe zu

ertragen, vermutet der Pferdehof-Besitzer.

Von Hans-Hermann Lange lässt sich

Gazhal dagegen gerne liebkosen und

unterscheidet sich mit diesem Verhalten

zumindest nicht von den übrigen Pferden,

die alle im Laufe der Zeit und unabhängig

von ihren durchlittenen Erfahrungen

ein Vertrauensverhältnis zu dem

Pferdefreund aufgebaut haben.

Der Tierarzt, der sich bereits beim ersten

Erkrankungsausbruch täglich um

seinen Patienten gekümmert hatte, lässt

weitere Blutuntersuchungen durchführen.

Doch abermals ist das Blutbild bis

auf erhöhte weiße Blutkörperchen und

einen Selenmangel weitgehend unauffällig

und auch die parasitologischen

und mykologischen Untersuchungen

sind negativ. Dann endlich ein Hinweis:

Der bakteriologische Befund ist positiv;

Gazhal hat eine Infektion mit Streptokokken,

von denen es mehrere Arten

mit unterschiedlichen Krankheitsausprägungen

gibt.

Den Schimmel hat es jedenfalls besonders

schwer erwischt, nur einmal

habe er, sagt der Tierarzt, einen derartigen

Befall am gesamten Körper des

Pferdes beobachtet. Aber auch dieses


Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Leiterin (GSt): Claudia Lotz

(030) 80 58 33 -38, Fax -39

claudia.lotz@bmt-tierschutz.de

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10, Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

Neben den Pferden finanziert die Geschäftsstelle

Berlin noch den Unterhalt

von zwei Grauwölfen. Für Akila und

Rufus (und damals noch zwei weitere

Wölfe) machte der Berliner bmt die

Umsiedelung in den Wildpark Johannismühle

möglich. Mit einer Patenschaft

ab 15 Euro monatlich helfen Sie

uns sehr, die laufenden Kosten für Futter

und die tiermedizinische Versorgung

der Gnadenbrottiere zu tragen.

Alle Gnadenbrottiere des bmt finden

Sie auf unserer homepage

www.bmt-tierschutz.de.

Infos zu Patenschaften erhalten Sie in

der Geschäftsstelle Berlin.

Fohlen habe sich dank der Medikation

wieder erholt - und für Gazhal,

der abgesehen von dieser

akuten Erkrankung in einer stabilen

gesundheitlichen Verfassung

ist, stehen die Prognosen ebenfalls

gut.

Als ich mich Ende November nach

dem Befinden des sanften

Wallachs erkundige, hat Hans-

Hermann Lange ihn gerade in die

Halle gebracht, damit er sich Bewegung

verschafft. In der kalten

Jahreszeit kommen die Tiere nicht

mehr auf die Weiden, sondern

nach dem Frühstück in die Sandausläufe

oder in Einzelfällen in die

Reithalle.

Obwohl er die Nähe von Artgenossen

nicht sucht, duldet Gazhal

ohne Feindseligkeiten Pferde in

seiner Nähe. Heute hält er sich mit

den beiden Berliner Ponys Schneewittchen

und Stoppelchen in der

Halle auf und scheint sogar ein

wenig Gefallen an ihrer Gesellschaft

zu finden.

Die weiße PonystuteSchneewittchen

ist mit weit

über 40 Jahren

nicht nur auf dem

Kastanienhof das

älteste Pferd, son-

Die Grauwölfe Akila und Rufus

G ST B ERLIN

dern auch unter

den bmt-Gnadenbrottieren.

Als würde

sie ihr Leben

noch einmal nachholen

wollen, das

in der ersten Hälfte

als Reitpony im Zirkus

unter katastrophalenBedingungen

verlief, scheint Die ehemaligen Zirkus-

sie mit jedem Jahr pferdchen Stoppelchen (links)

jünger zu werden.

und Schneewittchen

Auch Gefährte Stoppelchen, der ihr Schicksal teilte und in

Anbindehaltung im dunklen Zelt täglich von neuem auf seinen

Einsatz als Reitpony auf engstem Hufschlag wartete,

hat sich längst von seiner belastenden Vergangenheit erholt

und ist in guter körperlicher Verfassung.

Wenn Sie uns bei dem Unterhalt unserer Gnadenbrotpferde

unterstützen möchten, freuen wir uns sehr. Eine Patenschaft

ist ein wunderbares, weil sehr sinniges, Weihnachtsgeschenk

und hilft uns, den geretteten Tieren einen

friedlichen Lebensabend zu ermöglichen.

Und an den beiden Ponys sehen Sie, wie wunderbar solch

eine Hilfe sein kann: Kaum jemand hätte erwartet, dass die

geschwächten Pferdchen nach ihrem Freikauf aus dem Zirkus

sich je wieder so weit erholen würden, dass sie die Jahre

hinter sich lassen, als wären es Monate …

… mögen sie noch viele Jahre ihr Leben auf den weitläufigen

Weiden des Kastanienhofs genießen - und dabei

vielleicht von einem Pferd beobachtet werden, das sich abseits

hält, aber dennoch dazugehört, ein Teil von dieser

schönen Gemeinschaft aus Pferden und Menschen ist.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Familie Lange, Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2011

41


Das Recht der Tiere 4/2011

42

Was wurde eigentlich aus

Was

Schon seit über einem Jahr im Tierheim?

Das geht überhaupt nicht, fand die Kass-

Muckel & Puh?

lerin Friederike Seitz (Bild) im September

2010, als sie die Meerschweinchenbrüder

Muckel und Puh unter den Vermittlungstieren

(Rdt 3/2010) "so traurig" in WARUM ZWEI MEERSCHWEINCHEN

die Kamera schauen sah. Die 170 Kilometer

von Reichelsheim nach Kassel - VON REICHELSHEIM NACH KASSEL UMZOGEN

nur ein kleines Hindernis auf dem Weg

zum ganz großen Glück für die beiden Böckchen. Friederike Seitz, bmt-Mitglied und engagierte Ehrenamtliche

im Tierheim Kassel, feierte am 8. Oktober mit den inzwischen umgetauften Meerschweinchen

Ben und Paul (siehe großes Bild) ihr einjähriges Jubiläum.

Dem RdT erklärt die 24Jährige, wann sie ihre Liebe für die kleinen Tiere entdeckte und wie wichtig

die umfassende Information über die Bedürfnisse von Meerschweinchen sind.

RdT: Wie sind Sie auf die beiden Meerschweinchen

Muckel und Puh aufmerksam

geworden?

Friederike Seitz: Ich bin Mitglied beim

bmt, weil ich den regionalen Tierschutz

(bmt-Tierheim Wau-Mau-Insel) unterstützen

möchte. Im "Recht der Tiere"

wurden im September 2010 Notfälle

vorgestellt, die eine Behinderung haben,

schon lange im Tierheim warten

oder alt sind. Dort habe ich ein Bild von

Ben & Paul (damals noch Muckel (Ben)

und Puh (Paul)) entdeckt.

Die Brüder waren gleich in mehrfacher

Hinsicht "schwer zu vermitteln": sechs

Jahre alt, ein Jahr im Tierheim, Zahnfehlstellung,

die einer regelmäßigen

Zahnkorrektur beim Tierarzt bedürfen,

zwei Böckchen, einer davon auch noch

unkastriert. Trotzdem sollten auch diese

Tiere ein Recht auf ein schönes Zuhause

haben, so dass sie schließlich für

ihr Gnadenbrot zu mir zogen. Im Tierheim

wurde ich schon vorgewarnt, dass

es nur noch einige Monate sein könnten…aber

am 08.10.2011 hatten sie

nun schon ihren ersten Jahrestag bei

mir.

Sie wären sehr gute Einsteigertiere gewesen,

weil sie unnatürlich zutraulich

sind, vor nichts und niemandem Angst

haben, ungewöhnlicherweise Kontakt

zu Menschen suchen und einfach glücklich

und zufrieden sind. Sie hätten viel

eher aus dem Tierheim geholt werden

sollen, doch leider können sich Besucher

bei einer kurzen Visite nicht lang

genug mit den Tieren beschäftigen, um

dies heraus zu finden.

RdT: Woher rührt Ihre Liebe zu Meerschweinchen?

Friederike Seitz: Seit meinem 10. Geburtstag

beleben Meerschweinchen

meine Tage - das sind inzwischen fast

15 Jahre. Zu Beginn haben wir alles

falsch gemacht, was man nur falsch

machen kann (Einzeltier, Trockenfutter,

1-m-Minikäfig etc.); man muss in der

Tierhaltung über den Tellerrand schauen

können und sich lernbereit zeigen!

So eine Haltung ist heute nicht mehr zu

akzeptieren, da inzwischen über das


Internet, Bücher und Beratung in Notstationen

ausreichend Informationen

zu finden sind, die meist aus Unkenntnis

entstandene schlechte Haltungen

verhindern sollten.

Meerschweinchen sind fröhlich! Sie begrüßen

mich beim Heimkommen mit

einem Quietschen - auch wenn sie nur

Futter haben wollen, zaubert das ein

Lächeln ins Gesicht.

Sie sind wunderbar zu beobachten, haben

ein fröhliches Gemüt und zeigen

bei artgerechter Haltung ein spannendes

Sozialverhalten.

RdT: Wie viele Tiere halten Sie, und welche

Anforderungen stellen die Meerschweinchen

an ihre Besitzer?

Friederike Seitz: Derzeit halte ich eine

Gruppe von elf Tieren, die aus dem

Kastraten Bommel und seinen zehn

Damen besteht. Daneben leben noch

Ben & Paul hier. Insgesamt sind es also

13 Tiere.

Zusammensetzung:

Ich halte das Zusammenleben von einem

Kastraten mit mindestens einem,

besser aber mehreren Damen für optimal

und natürlich.

Eigenbau mit Rennstrecke und

Verstecken

Platz & Eigenbau:

Meerschweinchen haben einen Platzbedarf

von ca. 0,5qm pro Tier. Bei einer

größeren Gruppe relativiert sich

der Bedarf pro Tier etwas. Aber zu viel

Platz kann man nie haben. Erst mit ausreichend

Freiraum kann man all die

schönen Verhaltensweisen von Meerschweinchen

wie flitzen durch Tunnel

und Röhren sowie Wettrennen mit Artgenossen

sehen. Eine Rennstrecke von

minimal 1,50

m am Stück ist

artgerecht,

mehr immer erwünscht.

Eine

große Grundfläche

ist für

Meerschweinchen

immer

schöner als Etagen,

weil sich

die Tiere besser

aus dem Weg

gehen können.

Es sollten viele

Tunnel und

Unterstände als

Verstecke vorhanden

sein.

Entsprechend

meiner großen

Anzahl an Tieren habe ich auch einen

sehr großen Eigenbau, der viel Raum

im Wohnzimmer einnimmt.

Abgesehen davon, dass es im Handel

keine ausreichend großen Käfige gibt,

ist ein Eigenbau immer schöner als ein

Käfig. Mit wenigen Handgriffen kann

man aus einer OSB-Platte, etwas PVC

und Plexiglas eine argerechte und

praktische Behausung zimmern.

Ernährung:

Ein oft zu leicht genommenes

Thema ist die Ernährung von

Meerschweinchen, weil hier

viel falsch gemacht werden

kann: Meerschweinchen benötigen

24 Stunden am Tag gutes

Heu, frisches Wasser und Frischfutter

wie Gemüse, Gras und Kräuter, frische

Zweige und ab und zu Obst. Leider informieren

sich viele Halter nicht ausreichend

über die Ernährung

der kleinen Nager.

Viele wissen es nicht, aber

Getreide und Zucker sind

sehr ungesund und schädigen

den Magendarmtrakt.

Trotzdem gibt es im Handel

eine Vielfalt an Trockenfutterarten,

Knabberstangen und

Leckerlis, die schädlich sind,

aber dem menschlichen Be-

TH ELISABETHENHOF

dürfnis nach dem Verwöhnen nachkommen.

Grundsätzlich benötigen

Meerschweinchen überhaupt kein

Trockenfutter.

Ich gebe meinen Tieren zwischendurch

auch gerne mal etwas zur Abwechselung.

Das sind dann Erbsenflocken, getrocknete

Kräuter oder getrocknetes

Gemüse. Letzteres besonders im Winter,

wenn die Gemüsepreise sehr hoch

sind. Es ersetzt natürlich in keiner Weise

die Gabe von Frischfutter.

Als Richtwert für die Frischfütterung

setzt man 10% des Körpergewichtes

an. Hierbei handelt es sich aber um das

Minimum, es sollte mehr sein. Bei meiner

Gruppe mit elf Tieren, denen ich

morgens und abends eine Portion

Frischfutter gebe, muss ich daher pro

Fütterung als Minimum 600g anbieten.

Dabei kommt es vor allem auf Vielfalt

und Abwechslung an. Karotte, Gurke

und Paprika sind bei einem Großteil

der Meerschweinchenhalter Standard.

Täglich Obst und Gemüse sind ein Muss und

dienen außerdem der Beschäftigung

Das Recht der Tiere 4/2011

43


Das Recht der Tiere 4/2011

44

TH ELISABETHENHOF

Allerdings gibt es noch viel mehr Sorten

Gemüse und Obst, die verfüttert

werden können. Ausführliche Futterliste:

www.diebrain.de/Iext-vitamine.html

RdT: Warum werden die Bedürfnisse

von Meerschweinchen Ihrer Meinung

nach so oft verkannt?

Friederike Seitz: Das hat mehrere

Gründe. An erster Stelle steht die mangelhafte

Information: Es beginnt schon

bei den Büchern über Meerschweinchen,

die man im normalen Zoohandel

oder in der nächsten Buchhandlung

bekommt. Es gibt kaum eines, das eine

artgerechte Haltung erläutert. Bes-

sere Lektüre bieten viele Notstationen

als Flyer oder kleine Büchlein an.

Falsche Vorstellung bei den

Menschen

Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere,

werden aber oft genau aus diesem

Zweck gekauft, weil sie niedlich

und handlich sind. Sie werden auch besonders

gerne für Kinder verkauft, für

die sie auf Grund ihres Daseins als

Fluchttier gänzlich ungeeignet sind.

Artgerechte Haltung und Information

setzen sich kaum durch

Auf dem Gebiet der Meerschweinchen

wird wenig geforscht. Aber neue Dinge

setzen sich zudem schwer durch. Hier

hört man oft Sprüche wie "Mein Meerschweinchen

vor zehn Jahren war auch

alleine und glücklich". Fraglich ist, woran

der Halter das Glücklichsein festmacht;

das Schweinchen wird es nicht

selber bestätigt haben. Hierbei ist zu

sagen, dass die Laute der Meerschweinchen

leider viel zu oft und immer

stark verkannt werden.

RdT: Was raten Sie Familien, die ihren

Kindern Meerschweinchen schenken

möchten?

Friederike Seitz: Das Wichtigste ist, sich

VORHER ausführlich zu informieren.

Und das nicht über eine meist (unzureichende)

Beratung im Zoofachhandel,

sondern besonders durch aktuelle

Seiten im Internet (www.nager-info.de)

oder bei örtlichen Notstationen.

Den Familien muss klar sein,

� dass Meerschweinchen keine

Kuscheltiere sind,

� sie nicht gerne auf dem Schoß

sitzen,

� dass sie nicht in einem

"Ein-Meter-Käfig" leben wollen,

� welches Futter sie brauchen und

� dass immer mindestens zwei

Tiere zusammenleben müssen.

Gerade der Aspekt "kein Kuscheltier"

sollte vorher mit den Kindern geklärt

werden. Kinder brauchen dazu eine

verständliche Erklärung - nämlich, warum

der erzwungene Körperkontakt oft

große Ängste in den Meerschweinchen,

die eher Beobachtungstiere sind, auslöst.

Hierzu ist es nötig, sich über das

Verhalten der Tiere zu informieren,

denn meistens wird ihr Verhalten falsch

interpretiert.

Ein Meerschweinchen, das auf dem

Schoß sitzt und still hält, genießt das

Streicheln nicht, auch wenn Halter das

gerne so interpretieren. Die Tiere sind

dann viel eher in eine Angststarre verfallen

und hoffen, dass ihnen nichts

passiert, wenn sie sich einfach nicht

bewegen. Oft wird dieses Stillhalten

wie auch das Gurren als

Wohlfühlen interpretiert, was

völlig falsch ist. Zeigt die

Katze durch Schnurren

Wohlbefinden an,

drückt das Meerschweinchen

durch Gurren

seine Abwehr

aus. Man

sieht also

ganz klar,

dass es

wichtig

ist, sich über die Verhaltensmuster zu

informieren. Kein liebevoller Tierhalter

möchte seine Tiere unnötig stressen.

Kinder können nicht alleine für die Tiere

sorgen. Wenn die Eltern nicht bereit

sind, sich selber und im Zweifel auch

alleine um die Meerschweinchen zu

kümmern, dann sollten keine angeschafft

werden. Kinder verlieren einfach

schnell das Interesse.

Außerdem sollten Eltern ihren Kindern

nicht einfach ein Tier schenken, sondern

es gemeinsam mit ihnen aussuchen,

um das Interesse länger zu erhalten.

Auch wenn ich meinen Eltern

trotzdem sehr dankbar bin, dass sie mir

Moritz damals, ohne mich vorher zu

fragen, geschenkt haben. Wer weiß,

welches Hobby ich heute sonst hätte …

Interview: Claudia Lotz

Fotos: Friedericke Seitz

So viel Platz wie möglich für die

Meerschweinchen. Hier erkunden

sie einen ihrer zusätzlichen

Ausläufe


10 Geschäftsstellen , 8 Tierheime und ein Tierschutzzentrum

Geschäftsstelle Norden Franziskus-Tierheim

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

GSt.: Tel. (0152) 33 51 32 16

Tierheim: Tel. (0421) 890171,

Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke,

BLZ 291 517 00, Kto. 113 000 29 57

ww.tierheim-arche-noah.de

Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 46 97, Fax 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

GSt: Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Tierheim: Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.tierschutz-bmt-bw.de

GSt Issum

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

www.franziskustierheim.de

TH Hage/

GSt Norden

TH Köln

www.bmt-tierschutz.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

VORSTAND

TH Arche Noah

TH Elisabethenhof

Franziskus-TH, Hamburg

Katzenhaus, TH

TH Wau-Mau-Insel

GSt Bayern

Vorsitzende: Petra Zipp

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -23, Fax 820 17 -18

Stellv. Vorsitzender: Bernd Stephan

Kaiser-Friedrich-Promenade 82

61348 Bad Homburg

Tel. (06172) 138 80 26, Fax 23 691

Weiteres Vorstandsmitglied: Karin Stumpf

Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax 950 51 57

GSt Berlin

DER bmt

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Tel. (030) 80 58 33 -38, Fax -39

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10,

Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79, 37075 Göttingen

GSt.: Tel. (06678) 91 85 67

Tierheim: Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

GSt.: Tel. (06035) 96 11 11

Tierheim: Tel. (06035) 59 16,

Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15,

80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Postbank München,

BLZ 700 100 80, Kto. 142 20-802

www.bmt-bayern.de

Das Recht der Tiere 4/2011

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Das Recht der Tiere 4/2011

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Leser-Kommentar

An dieser Stelle haben Leser die Möglichkeit,

zu Artikeln der vergangenen Ausgabe(n) Stellung

zu nehmen. Heute lesen Sie einen Kommentar

von Gundula Ort zu Alexander Siepmanns

Beitrag "Tierliebe geht durch den

Magen" (RdT 3/2011, Seite 44-45). Gundula

Ort ist langjähriges Mitglied des bmt, der

Menschen für Tierrechte und der Deutschen

juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht.

Zunächst ist klar zu stellen, dass Vegetarier nicht nur

"in der Regel" kein Fleisch essen. Sie essen niemals

Fleisch. Zur vegetarischen Lebensweise gehört aber

auch der Verzicht auf Fisch. Auch diese sind leidensfähige

Wirbeltiere.

Fische sterben durch Menschenhände einen besonders

grausamen Tod: Nicht nur beim Fang mit

Schleppnetzen, bei dem sie anschließend elend auf

den Schiffen verrecken, sondern auch beim idyllisch

verklärten Angeln, bei dem der Fisch erst nach langem,

ungleichem "Kampf" mit dem Angler den Tod findet.

So führt Foer in seinem Buch "Tiere essen" aus:

"Kein Fisch stirbt einen guten Tod. Nicht ein einziger."

Schon daraus ergibt sich, dass es der Ethik des Vegetariers

entgegensteht, Fisch zu essen.

Im eindeutigen Widerspruch zur ethisch begründeten

vegetarischen Lebensweise steht es aber auch, Kosmetik

mit tierischen Fetten und sonstigen tierischen Bestandteilen

zu nutzen. Mittelbar wird auch durch solche

Nutzung der Tiere ihre Tötung mitgetragen.

Des Weiteren lässt es sich auch nicht mit vegetarischer

Lebensweise vereinbaren, Leder zu nutzen, obwohl

dies, da hat Herr Siepmann recht, viele Vegetarier tun.

Deren Argument, Leder sei im Gegensatz zu Pelz, den

Vegetarier natürlich nicht tragen, nur ein Abfallprodukt

der Fleischproduktion, ist nur teilweise stichhaltig,

da durch den Absatz auch noch dieses "Abfalls" die

Verdienstmöglichkeiten der Fleischproduzenten und

damit der Anreiz zur Tiertötung weiter erhöht werden.

Im Übrigen stimme ich aber mit Herrn Siepmann

überein, dass der Konsum von Ei- und Milchprodukten

unschwer eingeschränkt werden kann und sollte.

Selbst bei der besten artgerechten Haltung, bei denen

die Hühner freien Wiesenauslauf haben, hat das Essen

von Eiern einen bitteren Beigeschmack, weil die

nicht passenden, frisch geschlüpften männlichen Küken

keine Chance auf ein noch so kurzes Leben haben,

sondern gleich nach Feststellung ihres für den

menschlichen Nutzen falschen Geschlechts durch

Schreddern oder Vergasen grausam getötet werden.

(


zum RdT 3/2011

Tier-) Liebe

Auch das Schicksal von Milchkühen und ihren Kälbern ist

selbst bei Bio- und auch sonst artgerechter Haltung von so

gnadenloser Ausbeutung geprägt, dass nicht nur dem Veganer

der Konsum von Milchprodukten vergällt werden sollte.

Eine Kuh trägt ihr Kalb ca. neun Monate aus. Die Geburt ist

im Schwierigkeitsgrad der eines menschlichen Kindes vergleichbar

(s. u.a. Florian Werner "Die Kuh"). Komplizierte Geburten

sind nicht ungewöhnlich, wie die verschiedenen, oft

archaisch anmutenden Werkzeuge zur Geburtshilfe zeigen (s.

Ulrich Daniel "Kühe halten"). Nachdem die Kuh neun Monate

ihr Kalb in sich heranwachsen gespürt hat und von der Geburt

erschöpft ist, kann sie ihr Kalb selbst in ansonsten artgerechter

Biohaltung nur ganz kurz behalten.

Oft darf sie es nicht mal mehr, dem Muttertrieb folgend, trockenlecken,

sondern das Kalb wird sofort entfernt, damit gar nicht

erst eine Prägung der Kuh auf ihr Kalb entsteht (s. Daniel

a.a.O.). Das sofortigeAuseinanderrei-

ßen von Kalb und

Kuh geschieht, um

dem Menschen

möglichst problem-,

verlust- und ausnahmslos

die Milch,

die von der Natur für

das Kalb gedacht ist,

zu erhalten (s. auch

Daniel a.a.O.). Das geschilderte Leid von Milchkuh und Kalb

ist ebenso ethisch abzulehnen wie die Tötung eines Tieres.

Dennoch meine ich, dass man auch "anständig essen" kann,

wenn man nicht ausschließlich vegan lebt. Der wesentliche

Unterschied zum Fleischessen besteht darin, dass dieses immer

mit der gewaltsamen Tötung eines Tieres verbunden ist,

während Ei- und Milchprodukte auch mit noch vertretbarer

Beeinträchtigung der genutzten Tiere gewonnen werden

könnten. Wer Hühner artgerecht und bis an ihr natürliches

Lebensende hält, beeinträchtigt diese nicht unverhältnismäßig,

wenn er ihre Eier für sich nutzt.

Aber auch die Milchnutzung wäre, wenn auch schwieriger, einigermaßen

"anständig" möglich, wenn zu sonst einwandfrei

tierschutzgerechter Haltung noch die so genannte "muttergebundene

Kälberhaltung" kommt, bei der Kalb und Kuh jedenfalls

zwei bis drei Monate zusammenbleiben dürfen und

N ACHLESE

GEHT DURCH DEN MAGEN

RdT-Leserin Heidi Stümges per

Mail:

“Was für ein fortschrittliches Thema!

Tausend Dank an Alex Siepmann

für den Bericht, denn die

Zukunft kann nur eine Richtung

haben: Veganismus!“

erst nach langsamer

Entwöhnung getrennt

werden. Der Saugtrieb

hat zu dieser Zeit

nachgelassen und die

Mutter kann wieder in

ihren sozialen Verband

zurück, was für

Kühe auch sehr wichtig

ist.

Diese Milchkuhhaltung

wird aber nur von

sehr wenigen Höfen

praktiziert, da der Milchverlust für die Landwirte natürlich

größer ist und damit die Einnahmen geringer. Dem stehen

aber, so die Diplomarbeit von Eva Wolters, Universität Kassel

(im Internet), ein geringerer Arbeitsaufwand

gegenüber, da das Kalb nicht vom Menschen ge-

tränkt werden muss, sowie geringere Anfälligkeit

des Kalbes, was den Verdienstausfall durch geringeren

Milchverkauf relativiert. Leider kann

man so gewonnene Milch derzeit nur von den Höfen

direkt beziehen.

Ferner lässt sich gegen die Nutzung von Schafswolle

meines Erachtens grundsätzlich nichts sagen,

wenn sie sorgfältig und ohne Verletzungsgefahr

für die Schafe geschieht. Zur rechten,

nämlich der warmen, Jahreszeit durchgeführt, kann das

Scheren für die Schafe im Hinblick nicht nur auf Abkühlung,

sondern auch auf die Befreiung von Parasiten erforderlich

sein.

Ich halte daher die Nutzung von tierischen Produkten entgegen

der veganen Lebensansicht nicht per se für unethisch.

Zwar enthält jede Nutzung eine Einschränkung des genutzten

Lebewesens. Wenn dieser Nutzung aber Gewährung von

Unterkunft, Ernährung, Versorgung und Pflege gegenüberstehen

und das Tier bis an sein natürliches Lebensende leben

darf, ist diese Nutzung keine Ausnutzung oder Ausbeutung,

sondern der Preis, den jedes Lebewesen für entsprechende

Gegenleistungen zu erbringen hat. Auch Menschen müssen

für Nahrung, Unterkunft etc. etwas leisten und Einschränkungen

hinnehmen.

Fotos: Sara Meißner

Das Recht der Tiere 4/2011

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In den vergangenen Ausgaben haben wir

Ihnen viel von unserer Tierschutzarbeit in

Brasov berichtet. Anders als im Land derzeit

diskutiert geht diese Stadt einen zukunftsweisenden

Weg: Sie lässt keine Hunde

mehr töten, setzt auf Kastration und

Vermittlung.

Doch noch finden nicht genügend Tierheimtiere

in Brasov ein Zuhause, so dass

wir - der bmt und Sie - die Vermittlung

unterstützen müssen. Die meisten Rumänen,

wie diese bezaubernde Junghundegruppe,

betreuen wir im Tierschutzzentrum

Pfullingen. Informieren Sie sich unter

www.bmt-tierschutzzentrum.de

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