Die Malteser-Zeitung 1/2017

malteseraustria

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2017

Ehrenamt: Helfen macht doppelt glücklich

Trend: Der Weg zurück in die Kirche

Malteser International: Perspektive und Hoffnung


INHALT

MALTESERORDEN

04 Fra‘ Ludwig Hoffmann-Rumerstein –

Statthalter ad Interim

05 Amtsverzicht des 79. Großmeisters

04 10

IMFOKUS

07 MALTESER helfen! Dort, wo Not ist.

10 MALTESER Sommercamp 2017 in Österreich

16

29

VORBILDER

12 Im Gespräch mit Hanna Paradeiser

MALTESERSPIRITUELL

14 Serie – Die acht Seligpreisungen

MALTESERWELTWEIT

16 Irak – Hoffnung auf eine bessere Zukunft

18 Kolumbien – Endlich eine Perspektive

20 Haiti nach dem Wirbelsturm „Matthew“

21 Einsatzfall Haiti

36 31 36 52

RELIGIONAKTUELL

23 Kirche und Spiritualität wieder im Trend

26 Priesterberufungen im Malteser Hospitaldienst

MEDIZINAKTUELL

29 Heilung durch Fasten

MALTESERÖSTERREICH

31 Vielfältige Initiativen und Dienste

KLOSTERKÜCHE

56 Vorösterliche Rezepte

GELESENEMPFOHLEN

58 Interessante Neuerscheinung

TAGEBUCH

60 Menschen und Events

ÜBERBLICK

66 Termine und Kontakt

2

DIE MALTESER 1/2017


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

das Osterfest steht vor der Tür. Wir feiern den Tod, die Auferstehung

und das Leben. Im Johannes-Evangelium heißt es

dazu: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

Und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben,

in Ewigkeit nicht.“ (Johannes 11, 25) Jedes Ende ist

also ein neuer Anfang. Ein Mensch, der an Gott, Jesus und

den Heiligen Geist glaubt, überwindet Schmerz, Trauer und

Tod. Er muss sich vor nichts mehr fürchten.

Warum ist trotz dieser positiven Botschaft so viel Furcht in

der Welt? Warum haben Menschen, die – wie wir hier in Österreich

– in einem friedlichen Umfeld, in Sicherheit und im

Wohlstand leben, so viel Angst? Warum sind sie so besorgt

über ihr Leben, wo sie doch scheinbar alles haben?

In einer Zeit des Überflusses ist für uns vieles selbstverständlich

geworden, das für andere nicht einmal vorstellbar

ist. Die österliche Fastenzeit ist eine Bußzeit, und Fasten

ist mehr, als nur auf Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol zu

verzichten. Wir sind angehalten, auch das Gebet zu intensivieren

und Opfer zu bringen. Besinnen wir uns darauf,

wer wir sein wollen, in der Nachfolge Christi. Versuchen wir

zu erkennen, dass wir von Gott Beschenkte sind und diese

Gaben auch weitergeben sollen. Stellen wir unser Handeln

und Tun um.

Nur so werden wir demütig und können wieder Empathie

für jene Menschen empfinden, die kein Dach über dem Kopf

haben, auf der Flucht sind, krank sind, in Not sind, und

für alle, die unsere Hilfe benötigen. Unser Glaube, und die

christliche Nächstenliebe sind die wesentlichen Triebkräfte

für die Arbeit der Malteser. Diese gilt es zu sichern und zu

erhalten, um Gottes Frieden in die Welt bringen zu können.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und Freunden ein

gesegnetes und friedvolles Osterfest. Feiern Sie es – im

Bewusstsein dessen, wofür es steht.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

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IMPRESSUM

Medieninhaber: Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden, Großpriorat Österreich, 1010 Wien,

Johannesg. 2, Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: richard.steeb@malteser.at. Chefredaktion: Katharina Stögner

Mitarbeiter bzw. Autoren dieser Ausgabe: Manuel Weinberger, Edith Holzer, Richard Steeb, Martin

Kratky, Georg Male, Prof. DDr.Hubert Ritt, Katharina Kiecol, Isaure Faivre d‘Arcier, Kathpress, Anton

F. Gatnar, Isabella hartmann, Matthias Lammerhuber, Jan Ledochowski, Lukas Krupitza, Pavlo

Titko, Henriette Blanckenstein, Angela Thierry, Markus L. Huber, Thomas Braun, Anne Schlumprecht,

Sr Karin Weiler, Tita Andras, Christoph Cornaro, Hemma Zingerle, Georg Reichlin-Meldegg,

Susanne Wick, Gottfried Kühnelt-Leddihn, H.C. Hanfeld, Richard Mischak. Fotos: iStockphoto.com,

fotolia.com, Daniel Klein, Malteser International, MC, MALTESER Austria, BMEIA/Tatic, maltacamp,

Georg Male, „Sonntag“, Emmerich Mädl Kurhaus Marienkron, SALK, Chris Lendl, Missio, Angela

Thierry, Ines Freitag SPÖ Bezirksparteiorganisation Amstetten, Sr.Karin Weiler-Kardinal König

Haus, Thomas Meyer, italic, Christian Mari, pixabay.com. Gestaltung: Karin Mayer, werbeproduktion.at,

Wien. Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien. Offenlegung gemäß

§25 Mediengesetz: Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art. Namentlich gekennzeichnete Beiträge

müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: 14. Februar 2017. 54. Jahrgang,

Ausgabe1/2017

DIE MALTESER 1/2017 3


MALTESERORDEN

BAILLI FRA‘ DR. LUDWIG

HOFFMANN-RUMERSTEIN

STATTHALTER

AD INTERIM

Von Richard Steeb

Großkomtur Bailli Fra‘ Dr. Ludwig Hoffmann-Rumerstein

hat nach dem Amtsverzicht des Großmeisters am

28. Jänner 2017 die Amtsgeschäfte des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens als Interimistischer Statthalter

übernommen. Er ist Österreicher, ein langjähriges Ordensmitglied

des Großpriorates von Österreich und Mitglied

des Malteser Hospitaldienstes Austria.

Amt des Stellvertreters des Großmeisters bis 2004 inne.

In dieser Zeit unterstützte er den damaligen 78. Großmeister

Fra‘ Andrew Bertie bei der Verwirklichungen der

Ordens-Charismen, war verantwortlich für die Priorate

und die Wallfahrten des Ordens sowie religiöser Oberer

der Ordensmitglieder des 1. (Profess) und des 2. Standes

(Oboedienz).

Am 21. Jänner 1937 in Innsbruck geboren, studierte er

nach der Matura Rechtswissenschaften sowie Philosophie

an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom

und wurde Rechtsanwalt in Innsbruck. 1970 trat er in

den Malteserorden ein und war einer der Mitbegründer

des Bereiches Tirol des MHDA. Sehr aktiv im ehrenamtlichen

Dienst am Herrn Kranken wurde er 1977 bis 1979

Bereichsleiter und von 1979 bis 1986 auch Vizekommandant

des MHDA.

1985 legte er nach der vorgesehenen Vorbereitungszeit

die ersten Zeitlichen Gelübde zum Professritter ab,

1988 die Ewige Profess, mit der er sich ganz dem Orden

verschrieb. Bereits 1980 war Dr. Ludwig Hoffmann-Rumerstein

in das Kapitel des Großpriorates von Österreich

berufen worden und gehörte er diesem bis 2008

an. 1984 erstmals auch Mitglied im Souveränen Rat,

gehörte er der Ordensregierung bis 2004 durchgehend

an. 1994 zum Großkomtur gewählt, hatte er dieses hohe

Im Mai 2014 wurde Bailli Fra‘ Dr. Ludwig Hoffmann-

Rumerstein nach einer zehnjährigen Pause, in der er von

2008 bis 2012 Mitglied des Kapitels des Großpriorates

Lombardei-Venetien war, wiederum zum Großkomtur gewählt.

Seine Aufgabe als Statthalter ad Interim ist es nun, den

Großen Staatsrat, bei dem ein neuer Großmeister oder

Großmeister-Statthalter zu wählen ist, einzuberufen

und die laufenden Geschäfte des Ordens bis zur Ende der

Vakanz zu führen.

Zusammen mit dem Päpstlichen Sonderdelegaten wird er

die aktuellen religiösen Aspekte des Ordens beleuchten

und mögliche notwendige Reformen anstoßen. Statthalter

ad Interim Bailli Fra‘ Dr. Ludwig Hoffmann-Rumerstein ist

auf Grund seiner langjährigen Erfahrung ein Garant dafür,

dass diese Schritte in Besonnenheit und gemäß der Verfassung

und des Codex des Ordens gesetzt werden.

4

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERORDEN

AMTSVERZICHT

DES 79. GROSSMEISTERS

FRA‘ MATTHEW FESTING

Von Richard Steeb

Am 24. Jänner 2017 verzichtete Fra‘ Matthew Festing,

der auf Lebenszeit vom Großen Staatsrat 2008 gewählte

79. Fürst und Großmeister unseres Ordens, während

einer Audienz beim Heiligen Vaters auf sein Amt. Am

25. Jänner nahm der Heilige Vater die Resignation entgegen

und dankte Fra‘ Matthew für seine Treue und Hingabe

gegenüber dem Nachfolger Petri und seine Bereitschaft,

demütig zum Besten des Ordens und der Kirche

zu dienen.

Der Amtsverzicht des Großmeisters wurde vom Souveränen

Rat (der Ordensregierung) am 28. Jänner

2017 ratifiziert. Wie in der Ordensverfassung vorgesehen,

übernahm am selben Tag der bisherige Großkomtur,

Bailli Fra‘ Dr. Ludwig Hoffmann-Rumerstein, als

Interimistischer Statthalter die Führung des Ordens. Am

8. Dezember 2016 wurde mangels rechtlicher Grundlage

Bailli Albrecht Freiherr von Boeselager wieder in

sein Amt eingesetzt.

Dem Amtsverzicht waren Differenzen zwischen dem

Großmeister und dem Großkanzler des Ordens, Bailli

Albrecht Freiherr von Boeselager, vorausgegangen, die

in einer Abberufung des Großkanzlers am 8. Dezember

2016 mündeten. Diese geschah offenbar in enger Abstimmung

mit Kardinal Raymund Leo Burke, dem Kardinalpatron

des Ordens.

Albrecht Freiherr von Boeselager berief gegen diese

Entscheidung und die Bestellung eines Nachfolgers im

Amt. Er teilte mit, dass er sich nichts zu Schulden habe

kommen lassen und seine Abberufung nicht verfassungskonform

sei.

Diese Vorgänge in der Ordensregierung und die dadurch

ausgelöste Krise führten zu einer großen Medienpräsenz,

welche wir für unsere weltweiten karitativen

Aktivitäten oft gerne hätten.

Klarheit in die Vorgänge und ihre Rechtmäßigkeit brachte

schließlich eine von Papst Franziskus noch vor Weihnachten

2016 eingesetzte Kommission. Sie legte bereits

am 23. Jänner 2017 dem Heiligen Vater ihren Bericht

vor. Papst Franziskus empfing am nächsten Tag den

Fürsten und Großmeister in einer Audienz, bei der der

Großmeister dann – einem Wunsch des Heiligen Vaters

entsprechend – seinen Rücktritt erklärte.

Am 2. Februar 2017 ernannte der Heilige Stuhl Erzbischof

Msgr. Giovanni Angelo Becciu zum Päpstlichen

Sonderbeauftragten beim Orden. Er wurde beauftragt, in

enger Zusammenarbeit mit dem Interimistischen Statthalter

zu einer moralischen und spirituellen Erneuerung

des Ordenslebens, insbesondere der Professritter, beizutragen,

wobei die Souveränität des Ordens in vollem Umfang

gewahrt werden soll.

DIE MALTESER 1/2017 5


MALTESERORDEN

Jede Krise ist auch eine Chance.

Die Chance besteht darin, die

gemachten Fehler zu erkennen und sie

nicht zu wiederholen!

Für den 29. April 2017 wurde durch den Interimistischen

Statthalter der Große Staatsrat einberufen, bei dem ein

neuer Großmeister oder ein Großmeister-Statthalter gewählt

werden wird.

Es ist zu hoffen, dass unser Orden die Chance ergreift und

hiernach augenscheinlich notwendige Veränderungen der

Verfassung unseres Ordens in einem Generalkapitel, der

obersten Ordensversammlung, beschlossen werden.

Wie unser Prokurator betont hat, wird es auch weiterhin

unsere Aufgabe im Großpriorat von Österreich und in

seinen karitativen Werken sein, uns für den Glauben und

die „Herren Kranken“ einzusetzen und zu versuchen,

das Leid und die Not etwas geringer und erträglicher zu

machen. Dies getreu den göttlichen Geboten, geleitet

von der Lehre der Kirche sowie auf Basis unserer Ordensverfassung

und unseres Codex.

ES WURDE GETWITTERT …

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DIE MALTESER 1/2017


IMFOKUS

MALTESER HELFEN!

DORT, WO NOT IST.

Seit mehr als 900 Jahren leisten die Malteser Dienst an Bedürftigen, Armen und Kranken. Sie helfen aus Nächstenliebe,

barmherzig, mit professionellem Fachwissen, qualitätvoll und achtsam, in Ehren- und Hauptamt, dabei nicht auf ihre

Spiritualität vergessend. Und sie helfen mit Freude, weil sie ihre Arbeit erfüllt und dankbar macht.

Von Katharina Stögner

In ganz Österreich sind rund 2.200 Malteser ehrenamtlich

tätig. Sie stellen viele Stunden ihrer Freizeit unentgeltlich

in den Dienst am Nächsten. Neben persönlichen

Besuchs- und Betreuungsdiensten für behinderte, alte

und kranke Menschen sowie der Arbeit mit Menschen

ohne festen Wohnsitz veranstalten sie Ausflüge, Wallfahrten

und internationale Sommercamps für jüngere

Menschen mit Handicap (2017 in Salzburg, mehr auf

Seite 10). Sie erbringen Sanitäts- und Rettungsdienste,

kümmern sich um die Verpflegung Obdachloser und

unterstützen die Integrations- und Flüchtlingshilfe. Für

Menschen mit Behinderung und nicht mobile Menschen,

die einsam und allein sind, organisieren sie Ausflüge, gemeinsame

Kaffeejausen oder abwechslungsreiche Museums-,

Theater- und Konzertbesuche.

Die Malteser schenken behinderten und hilfsbedürftigen

Menschen Freude. Ehrenamtlich

tätige Mitglieder organisieren

sonntags Hl. Messen

mit anschließender Kaffeejause,

veranstalten Ausflugsfahrten

per Bus und besuchen

ehemalige Obdachlose,

diese unterstützen sie auch

im Zuge von Amtswegen,

Erledigungen, Arztbesuchen

oder Behandlungszyklen.

DIE MALTESER 1/2017 7


IMFOKUS

Die Malteser unterstützen behinderte

und einsame Menschen bei ihren alltäglichen

Verrichtungen. Der Schwerpunkt

liegt auf regelmäßigen Besuchsdiensten

in Pflegeheimen, Seniorenresidenzen,

privaten Wohnungen, Hospizen und

der lebenslangen Begleitung durch die

immer gleiche Besucherin. Die Malteser

übernehmen Arztbesuche und Besorgungen

für die betreuten Personen bzw.

begleiten sie bei deren Erledigungen.

Malteser kümmern sich ehrenamtlich um HIV-positive und an AIDS

erkrankte Menschen. Angesichts der Auswirkungen einer HIV-Infektion

auf das Leben des Einzelnen ist die Aufrechterhaltung der Lebenssouveränität

der Betroffenen grundlegend. Wir fragen nicht nach Schuld

oder Unschuld, sondern versuchen durch den Aufbau einer persönlichen

Beziehung mit den Betroffenen einen Weg aus Not und Vereinsamung zu

finden.

www.malteser.or.at • www.malteser.at

Malteser Care ist ein auf Gemeinnützigkeit ausgerichtetes Unternehmen, das in fast allen Bundesländern

in Österreich mit einem professionellen Case and Care Management Hilfe für pflegebedürftige

Menschen aller Pflegestufen zu Hause organisiert. So können die Betroffenen im gewohnten Umfeld und

im Kreis ihrer Familie stundenweise oder im Rahmen einer 24-Stunden-Betreuung bis zuletzt optimal

versorgt werden. Malteser Care bietet diese Betreuung auch für kranke und pflegebedürftige Kinder und

Jugendliche an. Deren Eltern und Geschwister können dabei weiterhin mit dem Kind oder Jugendlichen

im Familienverband zusammenwohnen. Zusätzlich unterstützt das Case and Care Management die Angehörigen,

indem es sich um organisatorische Fragen und eine etwaige psychologische Betreuung kümmert.

www.malteser care.at

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DIE MALTESER 1/2017


IMFOKUS

Das Haus Malta ist der Senioren-Sitz der Malteser, hier bieten die Malteser jedem Bewohner die

bestmögliche Betreuung und Pflege, nach den neuesten pflegewissenschaftlichen Methoden. Der

besondere Fokus liegt darauf, auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Bewohners einzugehen

und so ein spezifisches, den jeweiligen Bedürfnissen angepasstes Programm erstellen zu

können. Das Haus Malta ermöglicht nicht nur „Wohnen wie zuhause“, sondern bietet gleichzeitig

eine liebevolle Pflege, Betreuung, sodass ältere Menschen eine würdevolle Begleitung im Sinne

der christlichen Gemeinschaft und Nächstenliebe erfahren können.

www.hausmalta.at

Bei den Maltesern ist es möglich, im

Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit

eine Palliativausbildung zu absolvieren.

Mensch mit lebensverkürzenden

Erkrankungen wird dadurch

ein würdiges und qualitätvolles Leben

ermöglicht. Außerdem helfen die

Malteser den Angehörigen in der Zeit

der Pflege und des Abschiednehmens.

Malteser mit Palliativausbildung (siehe

Seite 45) sind beispielsweise auf

der Palliativstation des Wiener Wilhelminenspitals,

bei Malteser Care,

im Haus Malta und im Krankenhaus

St. Elisabeth tätig.

www.malteser.or.at/werke/mpd

Mit der Malteser Kinderhilfe als Betreiber des HILDE UMDASCH

HAUSES wurde erstmals in Österreich ein völlig neuartiges Pflege- und

Betreuungskonzept realisiert. Das Haus bietet Platz für zehn Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene mit einer lebensverkürzenden Diagnose,

bei denen hochkomplexer Pflegebedarf gegeben ist. Die Mitarbeiter/innen

der Malteser Kinderhilfe ermöglichen, dass das Hilde Umdasch Haus ein

Ort der Geborgenheit, Ruhe, Entspannung, Begleitung, der Würde, aber

vor allem auch des Lebens ist.

www.hildeumdaschhaus.at • www.malteser-kinderhilfe.at

DIE MALTESER 1/2017 9


IMFOKUS

22. BIS 29. JULI IN SALZBURG: JUGENDTREFFEN

DER MALTESER FÜR JUGENDLICHE MIT HANDICAP

MIT RUND 500 TEILNEHMERINNEN

UND TEILNEHMERN AUS 25 LÄNDERN

DAS INTERNATIONALE

MALTESER SOMMERCAMP

KEHRT 2017 NACH

ÖSTERREICH ZURÜCK!

SALZBURG 2017

SALZBURG 2017

SALZBURG 2017

SALZBURG 2017

Das Internationale Malteser Sommercamp (IMS) ist eine echte österreichische Erfindung. Seit 1984 bringt es jedes Jahr

eine Vielzahl junger Menschen mit Behinderung zu einer gemeinsamen Woche voller Erlebnisse, Aktivität und Gemeinschaft

zusammen. Dieses Jahres-Highlight im Malteser-Kalender findet heuer wieder in Österreich, konkret in Salzburg,

statt. Dabei ist es auch ein Ziel, gemeinsam mit der Stadt Salzburg das Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse

junger Menschen mit Behinderung in Salzburg und Umgebung zuzu verstärken. Spenden werden nach wie vor benötigt

– das Malteser Sommercamp freut sich über Ihre Unterstützung!

Von Martin Kratky

Das Internationale Malteser Sommercamp (IMS) ist seit

1984 ein jährliches Highlight für viele junge Menschen

mit Behinderung. „Die Woche setzt vor allem auf das Erleben

einer großen Gemeinschaft und das Knüpfen vieler

neuer Kontakte. Außerdem bietet das IMS eine Zeit

voller intensiver Erlebnisse, die für unsere jungen Gäste

in ihrem Alltag sonst nur schwer zugänglich sind – vor

allem auch auf Grund ihrer Behinderung“, so Stephan

Mühlmann, Einsatzleiter „IMS 2017“ bei den MALTE-

SERN in Österreich.

Das IMS ist dabei eine echte österreichische Erfindung:

1984 fand erstmals ein Sommercamp (IMS) in Öster-

reich statt, ein weiteres im Stift Melk folgte einige Jahre

danach. Zuletzt wurde 2008 die von den österreichischen

MALTESERN organisierte gemeinsame Woche in Stams

zu einem vollen Erfolg.

Größtes Jugendtreffen in Salzburg

Das Sommercamp 2017 (www.maltacamp2017.at) findet

in Salzburg statt. Mit ihrem internationalen, offenen

Flair bietet die Stadt den perfekten Rahmen für die

besonderen Bedürfnisse der jungen Menschen. Die Stadt

Salzburg wurde außerdem erst im Jahr 2012 durch die Europäische

Kommission mit dem „Access City Award“ als

behindertenfreundlichste Stadt Europas ausgezeichnet.

10

DIE MALTESER 1/2017


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbringen hier

mit ihren Betreuerinnen und Betreuern eine unvergessliche

Woche mit verschiedensten gemeinsamen Aktivitäten.

Dadurch erfahren sie neue Lebensfreude, tanken

Energie und finden neuen Mut für ihren Alltag. „Wir peilen

mit 500 Personen, darunter rund 150 Rollstuhlfahrerinnen

und -fahrern, einen neuen Teilnehmerrekord

an“, so Stephan Mühlmann. Die Unterbringung erfolgt in

zentrumsnahen Schulen, die auf Grund der Sommerferien

leer stehen. Eine Reihe von Kooperationspartnern,

z.B. das Österreichische Bundesheer für die benötigten

Schlafstätten sowie mehrere Sponsoren für Verpflegung

und Infrastruktur leiste wesentliche Beiträge zum Zustandekommen

dieser Initiative.

„Zusätzlich erweitern wir diesmal den Fokus um eine wesentliche

Facette: Wir wollen im Rahmen des Sommercamps

auch das allgemeine Bewusstsein für die Situation

von Menschen mit Behinderung und Barrierefreiheit im

öffentlichen Raum fördern. Wir sprechen derzeit mit einer

Reihe von Kooperationspartnern, um über die reine

Aktionswoche hinaus auch einen breiten Dialog anzustoßen

und damit die Public Awareness zu fördern.“ So kann

etwa ein Popup Store in einer belebten Salzburger Einkaufsstraße

die Sichtbarkeit des Sommercamps und der

wohltätigen Arbeit der MALTESER weiter erhöhen. Auch

von Salzburger Kaufleuten gibt es bereits viele Zusagen,

zum Gelingen des Sommercamps beizutragen.

Das Programm:

Berge, Sport und gemeinsame Ausflüge

Geplant sind u.a. Aktivitäten wie die gemeinsame Erkundung

von Salzburg und Umgebung, eine Eröffnungsmesse

im Salzburger Dom mit Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck

Ocist, Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten und

in die umgebenden Berge sowie diverse sportliche Aktivitäten.

Einen Höhepunkt wird jedenfalls ein Konzert

in Kooperation mit den Salzburger Festspielen bilden.

Ein beliebter Fixpunkt jedes Sommercamps ist zudem

die abends stattfindende legendäre Disco – auch dies ein

Vergnügen, das für junge Menschen mit Behinderung im

Alltag oft nur sehr eingeschränkt möglich ist.

www.maltacamp2017.at

www.facebook.com/malteser.austria/

So können Sie das Malteser Sommercamp unterstützen

Das Internationale Malteser Sommercamp ist auf Spenden angewiesen. „Wir rechnen mit einem finanziellen Gesamtaufwand

von rund 500.000 Euro“, so Stephan Mühlmann, „Bis dato sind wir erst zum Teil ausfinanziert. Die MALTESER

freuen sich daher über jede Zuwendung. Informationen dazu finden Sie auf der Website www.maltacamp2017.at.“

Die Bankverbindung lautet: Schoellerbank AG, IBAN: AT57 1920 0615 2372 3243, BIC: SCHOATWW

Sie können Ihre Spenden an den Malteser Hospitaldienst steuerlich absetzen.

DIE MALTESER 1/2017 11


VORBILDER

„... ICH KÖNNTE

STUNDENLANG ERZÄHLEN ...“

Im Gespräch mit Hanna Paradeiser, einem langjährigen Mitglied des Malteser Betreuungsdienstes.

Vier Jahrzehnte lang war Hanna Paradeiser im Malteser

Betreuungsdienst (MBD) aktiv, darüber möchte ich mit

ihr sprechen. Was hat sie bewegt, was hat sie erlebt in

diesen vielen Jahren, welche Begegnungen haben sie geprägt?

Als ich die knapp 97-jährige um ein Treffen bitte,

sagt sie sofort zu. „Gehen kann ich nicht mehr gut, aber

der liebe Gott hat mir bis ins hohe Alter mein klares Hirn

und mein Gedächtnis gelassen, wohl damit ich erzählen

kann.“ Schon unser Telefonat ist inhaltlich wie zeitlich

recht ausgiebig, wir springen angeregt von Thema zu

Thema.

Ähnlich dann unser Gespräch einige Tage später. Das mit

einer kurzen Schrecksekunde

beginnt, denn

als Hanna Paradeiser

mir die Tür öffnen will,

stürzt sie im Vorzimmer

und muss sich erst

mühsam aufrichten, bevor sie mich einlassen kann. Doch

kein Klagen ist zu hören, sondern energische Selbstkritik:

„Ich bin so etwas von dumm, hätte eben besser aufpassen

sollen.“ Klein und etwas gebeugt steht sie vor mir

und wirkt etwas gebrechlich, aber umso lebhafter spricht

sie und strahlt mich aus wachen, fröhlichen Augen an.

„Ich habe ja so viel erlebt, ich könnte stundenlang erzählen.“

Bremsen soll ich sie, wenn es zu viel wird. Aber dazu

besteht kein Anlass, zu fesselnd sind ihre Schilderungen.

Langjährige Mitarbeiterin im MBD ...

Über den MBD reden wir dann beinahe am wenigsten.

Es scheint ihr gar nicht zu behagen, ihre Leistungen

auszubreiten, als viel zu selbstverständlich empfindet

sie es wohl, anderen beizustehen und zu helfen. „Ich

bin viele Jahre lang jede Woche unterwegs gewesen zu

Schützlingen in ganz Wien, immer neue Gegenden habe

ich kennengelernt. Alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln

natürlich.“ Näheren Kontakt zu den Maltesern erhält

sie über ihre Töchter, die zu den frühen Mitgliedern

des MHDA zählen, und ihre verstorbene Schwester Zita

Thanner, die damals im MBD tätig ist. „Ich war sogar

dreimal mit in Lourdes und habe im Zug gekocht, in einem

gewöhnlichen Coupé war das kein einfaches Unterfangen.

Beim MBD habe ich mich darauf konzentriert,

die Menschen zu besuchen und mit ihnen zu reden. Das

war nach meinem Empfinden das Wichtigste, denn die

meisten haben eine regelmäßige Ansprache vermisst. Die

Heimhilfen erledigen zwar alle notwendigen Haushalts-

„Unser Vater war ein Vorbild in jeder Hinsicht, und es

war sicher prägend für uns Kinder, dass er aufrecht und

sehenden Auges sein Leben für seinen Glauben und seine

politische Überzeugung riskiert hat.“

Von Georg Male

und Pflegearbeiten, aber

sie führen keine Gespräche.

Doch die Menschen

möchten ihre Lebensund

Leidensgeschichte

loswerden.“

Vier Jahrzehnte bleibt sie dem MBD treu, drei Leiterinnen

– die Gründerin Gabrielle Thun-Hohenstein, deren

Schwiegertochter und Nachfolgerin Marilda Thun-Hohenstein

und zuletzt Angela Thierry – erlebt sie und damit

einen Großteil der Geschichte des 1964 gegründeten

Werks. Doch vor einigen Jahren musste sie ihren Dienst

aufgeben. „Ich hatte mir einen Schenkelhalsbruch zugezogen

und konnte nicht mehr Straßenbahn fahren. Damit

war es mit den regelmäßigen Besuchen leider vorbei.

Aber in die Schulen gehe ich immer noch!“

... und aktive Zeitzeugin

Und damit sind wir bei ihrem zweiten Herzensanliegen:

Zeitzeugin zu sein für fast ein Jahrhundert bewusst erlebter

Geschichte. Im Vordergrund steht dabei die Zeit

12

DIE MALTESER 1/2017


VORBILDER

des Nationalsozialismus, den die 1920 Geborene schon

sehr bewusst – und buchstäblich am eigenen Leib – erlebt.

Ihr Vater, der Jurist und Nationalökonom Hans

Karl Zeßner-Spitzenberg, wird bereits wenige Tage nach

dem Anschluss von der Gestapo verhaftet und nach einigen

Monaten Gefangenschaft in Wien in das KZ Dachau

überstellt, wo er bereits am 1. August 1938 infolge

schwerer Misshandlungen und barbarischer Haftbedingungen

stirbt. Hans Karl Zeßner-Spitzenberg, tiefgläubiger

Katholik und glühender Österreicher, hatte aus seiner

Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie kein

Hehl gemacht und sich auch als Professor an der Universität

für Bodenkultur (einem „Nazinest“, wie es Hanna

Paradeiser ausdrückt) sehr offen zu seiner Einstellung

bekannt. Er weiß selbst, dass ihm mit dem Einmarsch

Hitlers in Österreich große Gefahr droht. Seine Tochter

erinnert sich: „Nach der berühmten Radioansprache

Kurt Schuschniggs am 11. März 1938 hat er sich mit uns

allen niedergekniet und den Schmerzhaften Rosenkranz

gebetet.“

Regelmäßige Vorträge in Schulen

„Unser Vater war ein Vorbild in jeder Hinsicht, und es

war sicher prägend für uns Kinder, dass er aufrecht und

sehenden Auges sein Leben für seinen Glauben und seine

politische Überzeugung riskiert hat.“ Und das möchte

sie weitergeben: „Die Jungen können sich ja heute überhaupt

nicht vorstellen, wie es ist, wenn man nie offen

sprechen kann und jedem misstrauen muss, wenn man

dem Staat vollkommen ausgeliefert ist.“ Deshalb geht sie

regelmäßig in Schulen und berichtet dort über ihr Leben

und ihre Erlebnisse. „Ich beobachte immer, ob die Jugendlichen

zu schwätzen beginnen oder mit ihren Handys

herumspielen – doch sie hören jedes Mal mit großen

Augen hoch konzentriert zu.“ Das wundert einen nicht,

denn sie schildert ausgesprochen lebendig und plastisch.

Trotz der langen Zeit, die seit dem Krieg vergangen ist,

erinnert sie sich an unzählige Details, die sie sehr präzise

wiederzugeben vermag.

Vieles erzählt sie mir, dessen Wiedergabe den Rahmen

dieses Berichts jedoch sprengen würde. Sie spricht von

den Schwierigkeiten, vor die sich die Familie nach der

Verhaftung und dem Tod des Vaters gestellt sieht, in

wirtschaftlicher Hinsicht ebenso wie in menschlicher.

Den ständigen Hausdurchsuchungen während der Haftzeit

des Vaters. Den abgebrochenen Studien der älteren

Schwestern und ihrer eigenen unfreiwilligen Tätigkeit

als Erzieherin im Kinderheim der Stadt Wien für schwer

erziehbare Buben. Es ist eine Art Strafeinsatz, denn als

Kindergärtnerin wird sie mit ihrem familiären – und

ideologischen – Hintergrund nicht aufgenommen. Sie

erzählt vom Tod ihres Bruders Heinrich in Stalingrad

und dem tödlichen Autounfall ihrer Schwester Maria bei

einem Caritas-Kindertransport kurz nach dem Krieg in

Belgien. Der Angst vor den Russen, als diese das ganze

Haus polternd durchsuchen – und das Versteck, in dem

sie mit Mutter, Schwestern und Nachbarinnen bange

wartet, letztlich nicht finden.

Sie erzählt aber auch vom Jugendrosenkranzfest im Wiener

Stephansdom am 7. Oktober 1938, zu dem Kardinal

Innitzer eingeladen hatte. „Nachdem er dazu aufgerufen

hatte, bei der Volksabstimmung im April für den Anschluss

zu stimmen, hatte er unsere Herzen verloren“,

DIE MALTESER 1/2017 13


MALTESERSPIRITUELL

erinnert sich Hanna Paradeiser. „Dennoch sind wir

der Mundpropaganda – anders konnte man so einen

Anlass damals ja nicht kommunizieren – gefolgt und

voll Neugier zum Dom aufgebrochen. Der war dann

– anders als erwartet – mit rund 7.000 Jugendlichen

übervoll, man hatte nur 300 Gebetstexte vorbereitet.

Und alle waren derart andächtig, so etwas hat

der Dom davor noch nie gesehen.“ Auch der Kardinal

habe eine Ansprache gehalten und ganz offen davon

gesprochen, dass er zu seinem Aufruf gedrängt und

mit falschen Versprechungen getäuscht worden sei.

Eine offene Provokation – die am nächsten Tag bekanntlich

zu einer Verwüstung des erzbischöflichen

Palais durch die HJ führen würde.

„Mit dieser Offenheit und diesem Mut hat der Kardinal

bewirkt, dass ihm unsere Herzen sofort wieder

zugeflogen sind. Draußen vor dem Dom gab es dann

Sprechchöre ‘Wir wollen unseren Bischof sehen’, natürlich

in Anspielung auf die Naziparole ‚Wir wollen

unseren Führer sehen’ – bis der Kardinal uns alle gebeten

hat, in Ruhe nach Hause zu gehen. Das haben

wir dann auch getan – in absoluter Hochstimmung.

Dieser Abend war eines der größten Erlebnisse meines

Lebens.“

Und was erzählt sie ihren jungen Zuhörerinnen und

Zuhörern als Fazit dieser Zeit? Hanna Paradeisers

Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Dass

wir unendlich viel gelernt haben; dass man dankbar

sein muss für das, was man hat – sein Leben, ein Dach

über dem Kopf, etwas zu essen; dass man bescheiden

sein soll und selbst in kargen Zeiten immer noch etwas

verschenken kann; und dass man für andere da

sein muss. Das ist mir ein Leben lang geblieben, und

das habe ich auch versucht, meinen Kindern und Enkeln

weiterzugeben.“

SERIE

DIE ACHT ELENDE:

DIE ACHT SELIGPREISUNGEN

SELIG DIE

TRAUERNDEN,

LIEB-LOSIGKEIT

Unter den acht Elenden, gegen die der Malteser-Ritter-Orden ankäm

Die Philosophen und Theologen definieren das Böse als die „Abwe

Gegensatz zur Liebe nicht der Hass, sondern die Lieb-losigkeit.

SIE WERDEN GE-

TRÖSTET WERDEN“

(MT 5,4)

In der Darstellung des Endgerichts zählt Jesus keine einzelnen

Sünden auf, die zur Verdammung führen, sondern

er gibt die Unterlassung der Werke der Barmherzigkeit,

also Lieb-losigkeit, als Grund zur Verurteilung an. Eindringlich

ist auch das Gleichnis vom Prasser und dem

armen Lazarus. In den Augen der damaligen wie der

heutigen Welt wäre der reiche Mann durchaus als „anständiger“

Mensch durchgegangen, denn „er hat nicht gemordet,

nicht gestohlen und nicht geraubt“. Doch in

seiner Beschränktheit auf die eigene „Wellness“ hat er den

armen Lazarus unter seinem Tisch nicht einmal bemerkt.

Von Univ.-Prof. DDr. Hubert Ritt, Pfarrer in Wien-Grinzing

Alles kann, wer glaubt! Woran? Was längst der Prophet

verheißen hat (Jes 61,1), dass „Gott den Messias sendet,

um den Armen die Frohe Botschaft zu bringen, um diejenigen

zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, und um

die Gefesselten zu befreien…“. Glaubst du an dieses Gotteswort?

Wenn „ja“, dann wird sich dein Herz für die beglückende

Botschaft Jesu öffnen , dass „das Reich Gottes“

schon „jetzt“ anbricht (vgl. Mk 1,14), und dass dein ganzes

Leben in der Liebe Gottes geborgen ist. Die Entscheidung

liegt an dir:

Absolutes Fehlen von Liebe ist Hölle

Schriftsteller wie Charles Dickens oder Victor Hugo beschreiben

in ihren Romanen zwar pathetisch, damit aber

aufrüttelnd, welches Elend Lieblosigkeit hervorruft. Nach

der Lehre aller Religionen ist der Ort, an dem es absolut

keine Liebe gibt – und das für alle Ewigkeit –, die Hölle.

Die Konzentrations- und Vernichtungslager unserer Welt

lassen ahnen, dass eine solche Glaubenslehre durchaus

realistisch ist, falls mit dem Tod des Menschen die Freiheit

der Person nicht enden sollte.

Wenn du dich felsenfest der Frohbotschaft Jesu anvertraust

– das heißt: „wenn du glaubst“, dass Gott hundertprozentig

an deiner Seite steht, dann kann dir die Bergpredigt

Jesu zu einer unverzichtbaren Lebensorientierung

werden. Wie einst Mose am „Berg der Gottbegegnung“ auf

die „zehn Worte (Gebote) Gottes“ (Ex 20,2-17; Dtn 5,6-21)

verpflichtet wurde, so fordert dich Jesus in der Bergpredigt

(Mt 5-7) auf, das dir aufgetragene Lebensschicksal zu

bewältigen (Seligpreisungen Mt 5,3-12) und Handlungsimpulse

anzunehmen, die aus der „Gnade“ Gottes möglich

werden: Gottes „Gabe“ wird für dich zur „Aufgabe“, der Realität

des Lebens aktiv zu begegnen.

Nach christlichem Glauben hat der Sohn Gottes in seinem

Todesleiden den Zustand der Hölle auf sich genommen,

um sie mit seiner Liebe zu überwinden. Anders lassen sich

die Schilderungen des Gebets Jesu in Gethsemane, bei

Du wirst „jetzt“ seliggepriesen…

Die drei ersten Seligpreisungen gehen auf den irdischen

Jesus zurück (vgl. Lk 6,20-21). Sie sind keine Vertröstung

dem

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14

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERSPIRITUELL

von Tag zu Tag armseliger, ihr sozialer Niedergang ist vorprogrammiert.

Die Ärmsten der Armen sind am meisten

betroffen, wenn wir an die Umweltverschmutzung und an

den Klimawandel denken, an den Wasservorrat, an die katastrophalen

Zustände der Unterdrückung in zahlreichen

politischen Systemen …

auf die Zukunft, sondern „jetzt“ wird den Bettelarmen,

den Hungernden und den Weinenden Gottes kraftvolle

Zuwendung zugesprochen. Es handelt sich nicht um

Wunschträume, die auf das Jenseits projiziert werden,

sondern es geht um die unermesslich große Zahl derer,

die „gegenwärtig“ von harten Schicksalsschlägen getroffen

sind; es geht um die bitter leidenden Menschen; es sind

diejenigen gemeint, die über das himmelschreiende Unrecht

klagen, das hunderte Millionen bedrückt; der Blick

ist auf die Verzweiflung derer gerichtet, die keine Lobby

(politische Interessengruppe) hinter sich haben und deshalb

nicht protestieren können; ja es ist das Elend gemeint,

das niemand wahrhaben will, das in dieser so genannten

hochzivilisierten Gesellschaft nicht zur Sprache kommt …

Nicht morgen, sondern heute ist Gott mit dir …

Wenn du nicht hundertprozentig davon überzeugt bist,

dass Gott auf deiner Seite ist, würdest du auf der Schattenseite

des Lebens alle Hoffnung aufgeben. Das Wort Jesu

lautet: „Selig sind die Trauernden“. Es gibt wohl kaum eine

radikalere Provokation als unsere Seligpreisung: Dir wird

jetzt Gottes Heil zugesprochen, der du jetzt der Trauernde

(Weinen-de) bist. Diese Seligpreisung steht im direkten

Widerspruch zu den gesellschaftlichen Auffassungen der

Antike, in der nur die „Reichen“ selig gepriesen werden.

Und genauso ist es ist es immer noch. Zu diesem Urteil

kommt der realistische Blick auf die weltweite soziale Ungerechtigkeit,

die von Papst Franziskus in seiner Enzyklika

„Laudato sí“ beschrieben wird. Große Teile der Weltbevölkerung

sind zutiefst traurig, weil sie verwahrlost und misshandelt

ihr Leben fristen müssen, ihre Lebensqualität wird

Sie alle, die aus der Kraft ihres Gottesglaubens die

Energie gewinnen, ihr unermessliches Leid – in großer

Traurigkeit, aber im Gottvertrauen – ertragen zu können,

ja die sogar unendlich viele Initiativen ergreifen, an einer

besseren und gerechteren Welt mitzubauen, sie alle werden

selig gepriesen. Sie dürfen ihren inneren Reichtum

(Gegensatz von Armut) und ihre innere Freude (Gegensatz

von Traurigkeit) daran erkennen, dass ihnen die grenzenlose

Liebe Gottes zugesagt ist. Dieses Angebot Gottes –

SEINE Liebe – ist imstande, sie vor dem Zusammenbruch

zu retten und sie aus der Hoffnungslosigkeit herauszuholen.

Sie setzen ihr Vertrauen „alternativlos“ auf die

Treue Gottes und lassen sich niemals verwirren.

„Ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3.10) – „Sie

werden getröstet werden“ (Mt 5,4)

Die Seligpreisungen sind eingerahmt von der Verheißung

des „Himmelreiches“. Jesus hat in Wort und Tat den Anbruch

der Gottesherrschaft verkündet (Mt 3,2; 4,17). Denen,

die stets – auch als Leidgeprüfte und Trauernde – auf

Gottes Beistand vertraut haben, wird nun im Blick auf die

Endzeit die unzerstörbare Gottesgemeinschaft zugesichert.

Die endgültige Heilszusage folgt der Heilsbewährung.

Es steht fest: Trost ist nicht weniger als Brot!

• Wir sind noch nicht am Ende:

Das ist der erste Trost dieser Tage.

• Aber es wird ein Ende sein: Das ist der zweite Trost.

• Und das Ende wird Gott sein:

Das ist der alles überragende Trost aller unserer Tage.

Gottes Solidarität mit den – auf Gott vertrauenden – Armen

und Trauernden wird in einprägsamer Weise in der

Beispielerzählung Jesu ausgedrückt, wenn er vom „reichen

Mann und vom armen Lazarus“ spricht (Lk 16,19-

31). Die unabänderliche Regel der Seligpreisung wird bestätigt:

Der Trost Gottes wendet die Trauer zur Freude

(vgl. Jes 40,1-2).

DIE MALTESER 1/2017 15


MALTESERWELTWEIT

HOFFNUNG

AUF EINE BESSERE ZUKUNFT

Entführt, missbraucht, geflüchtet: Ein Lokalaugenschein von Isaure Faivre d’Arcier von Malteser International in Dohuk,

einer Stadt in Nordirak, wo ISIS-Opfer zu überleben versuchen.

Von Isaure Faivre d‘Arcier

In der Nacht vom 3. August 2014 startete ISIS im Irak

eine Offensive in den Dörfern der Sinjar-Region, westlich

von Mossul. 5.000 Angehörige der religiösen Minderheit

der Jesiden wurden getötet, tausende Frauen wurden

als Sex-Sklavinnen entführt, Kinder und Jugendliche

als ISIS-Kämpfer missbraucht. Rund 50.000 Menschen

konnten fliehen und ließen alles zurück. Die meisten haben

Zuflucht in Dohuk gefunden.

Dohuk ist eine malerische Stadt, umgeben von Bergen

und blühenden Feldern. Der Himmel ist während meiner

gesamten Reise strahlend blau, die Luft klar. Fast könnte

es ein schöner Ort sein, wenn nicht die vollen Flüchtlingslager

und die vielen Militär-Check-Points an den

Straßen immer wieder daran erinnern würden, dass der

Krieg nicht weit weg ist. Genauer gesagt: 70 Kilometer.

Dort liegt Mossul, eine umkämpfte Stadt, die in Teilen

noch vom sogenannten Islamischen Staat (ISIS) besetzt

ist und nun von den irakischen Truppen zurückerobert

werden soll.

3,3 Millionen Vertriebene

Die Menschen haben auf der Flucht vor der Terrororganisation

und den Kämpfen alles, was sie hatten, zurückgelassen.

In acht Camps und vielen Dörfern im irakischen

Kurdistan sind sie untergekommen. Das irakische

Kurdistan ist eine autonome Region, die seit Beginn der

Aufstände von ISIS im Sommer 2014 rund 3,3 Millionen

intern Vertriebene aufgenommen hat. Ihnen hilft Malteser

International gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen

bei ihrem Neuanfang.

Im Camp Bersevi II treffe ich Fatima und ihre Familie.

Ihre Familie, das sind ihr Mann und ihr fünf Jahre alter

Sohn. Die meisten anderen Familienmitglieder leben

nicht mehr. Ermordet von ISIS. Die 25-jährige Fatima

hat nur knapp überlebt. Zehn Monate lang, erzählt sie

mir, lebte sie als Sklavin, ohne Rechte und Freiheiten. Es

war im August 2014, als sie, zusammen mit ihrem damals

dreijährigen Sohn, aus dem Dorf Tell Samat in den

Sinjar-Bergen im Irak von ISIS entführt wurde. Die Terrorgruppe

kam in das Dorf und rief alle Einwohner zusammen.

Die Männer wurden von den Frauen, Kindern

und älteren Menschen getrennt.

Verkauft und eingesperrt

„Wir waren im Haus, als sie kamen. Sie brachten alle Männer

in eine Grube und dann erschossen sie sie. Danach

brachten sie uns Frauen und die Kinder nach Syrien“, berichtet

Fatima mit leiser Stimme. Ihr Mann war an diesem

Tag glücklicherweise nicht bei ihr. Das rettete ihm

das Leben. Fünf Mal wurde Fatima in den kommenden

16

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERWELTWEIT

zehn Monaten verkauft und nach Raqqa, in die syrische

ISIS-Hochburg gebracht. Dort musste sie monatelang

eingesperrt in einem Zimmer bleiben. Ihr einziger Trost:

Ihr Sohn war immer bei ihr. Doch er wird schwer verletzt.

Tiefe Narben zeichnen das kleine Gesicht des Fünfjährigen

noch heute. Mit Kabeln wurde er geschlagen, weil er

den Koran nicht auswendig konnte. Nach etwa zehn Monaten

Gefangenschaft wurde Fatima für 1.000 US-Dollar

freigekauft. Wie durch ein Wunder fand sie in Kurdistan

ihren Mann wieder. Im Camp leben sie nun zusammen

und in Sicherheit.

„Cash for Work“-Programm

Fatima ist eine von etwa 3.800 Frauen, die in den Flüchtlingslagern

am sogenannten „Cash for Work“-Programm

von Malteser International teilgenommen hat. „Die Menschen

haben schreckliche Dinge erlebt, die sie kaum verarbeiten

können. Wir versuchen sie zum einen psychisch

zu stabilisieren und zum anderen auch zu beschäftigen,

damit sie sich nicht isolieren. Sie müssen raus aus ihren

engen Zelten und unter Menschen. Sie müssen sich austauschen

und über das Erlebte reden. Und wenn wir dies

auch noch damit verbinden können, dass die Menschen

etwas lernen und Geld verdienen können, umso besser“,

sagt Stefanie Heil, Länderkoordinatorin von Malteser International.

Eine Woche lang wurde Fatima in Themen wie Hygiene,

Wasser und gesunde Ernährung geschult. Mit dem neuerworbenen

Wissen hat sie ihre Familie und Nachbarn

unterrichtet und somit die Lebensbedingungen in den

Camps wesentlich verbessert. „Es war schön, neue Aspekte

zu lernen, in einer anderen Atmosphäre zu sein.

Ich konnte vergessen, was Schreckliches passiert ist“, erzählte

mir Fatima. Auch wenn das Leben in dem Camp

für Fatimas Familie nun sicher ist, fühlt es sich dort

nicht wie ein Zuhause an. Ihr größter Wunsch: zurückzukehren

und ihre Heimat neu aufbauen.

Gesundheitszentren und mobile Kliniken

Seit August 2014 ist Malteser International in der Region

Erbil und Dohuk tätig und kümmert sich vorwiegend

um die medizinische Versorgung der Vertriebenen

mit Gesundheitszentren in den Camps und durch mobile

Kliniken in den Dörfern. 2016 haben insgesamt 23.500

Vertriebene Hygiene-Kits erhalten, und 161.440 Verletze

und Kranke konnten medizinisch behandelt werden.

DIE MALTESER 1/2017 17


XXXXX

ENDLICH EINE PERSPEKTIVE

In Kolumbien sind Millionen von Menschen innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht vor einem Bürgerkrieg, der

schon zu lange dauert. Malteser International zeigt den Binnenvertriebenen neue Wege in der Landwirtschaft – in der

Hoffnung auf ein neues, selbstbestimmtes Leben in Frieden.

Von Katharina Kiecol

„Wir hoffen, dass der Frieden kommt. Hoffentlich kommt

er. Wir wollen diese Gewalt nicht mehr erleben. Bevor

wir geflohen sind, mussten wir Bombardierungen der

Guerilla und der Armee ertragen“, sagt Jimmy Chacón.

Vier Mal ist der 45-Jährige mit seiner Familie bereits vor

der Gewalt geflohen. Und jedes Mal musste er alle Habseligkeiten

zurücklassen.

Nach einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg sind in Kolumbien

fast sieben Millionen Menschen innerhalb ihres

Heimatlandes auf der Flucht – mehr als in jedem anderen

Land. Ende Juni haben sich zumindest zwei der verschiedenen

Kriegsparteien, die kolumbianische Regierung

und die linke Guerillaorganisation Farc, auf einen

Waffenstillstand geeinigt. Nun muss sich zeigen, ob der

Frieden von Dauer sein wird.

Nirgendwo Ruhe

Als Jimmy Chacón das erste Mal mit seiner Frau flüchten

musste, waren seine vier Kinder noch ganz klein.

Sie kennen nur ein Leben auf der Flucht. Jedes Mal

musste die Familie den großen Teil ihrer Habseligkeiten

zurücklassen und Chacón begab sich an jedem neuen

Ort wieder auf die Suche nach Arbeit. Als Tagelöhner

versuchte er, sich und seine Familie zu ernähren.

Aber zur Ruhe kam die Familie an keinem Ort.

Nachdem die Familie in Higueronal von bewaffneten Gruppierungen

bedroht wurde, wollte Chacón in Barranquilla Arbeit

finden. Aber auch hier herrschte Gewalt und so zog die

Familie 2001 nach Riohacha und kaufte von ihren Ersparnissen

ein Haus. Kurze Zeit später kam eine Sondereinheit

der Polizei und riss das Haus ab. „Weinend musste ich mit

ansehen, wie mein Haus zerstört wurde. Meine Tochter war

gerade einmal eine Woche alt“, berichtet Jimmy Chacón.

Schließlich gab die Familie auf und zog erneut weiter.

Inzwischen arbeitet Chacón als Landwirt in La Guajira. Er

pflanzt Bananen und Kochbananen. Hilfe bekommt er dabei

von Mitarbeitern von Malteser International. In speziellen

landwirtschaftlichen Schulungen lernen die Bauern,

wie sie mit den schwierigen Bedingungen in einem für sie

unbekannten Gebiet bessere Erträge erwirtschaften. „In

den Trainings haben wir gelernt, wie man am besten mit

so einer Dürre, wie wir sie momentan erleben, umgehen

können. Das hat uns sehr geholfen und dieses Wissen ist

viel wichtiger als alles Materielle“, sagt Chacón. Von Malteser

International haben sie auch Saatgut bekommen.

18

DIE MALTESER 1/2017


„Wir hingen in der Luft“

Überfälle und anhaltende Gewalt zwangen auch Obencio

Uriana und seine Frau vier Mal dazu, fast alles, was sie

besaßen, hinter sich zu lassen, um ihr Leben zu retten.

Uriana, 45, ist Ziegenzüchter. Dort, wo er und seine Frau

zuletzt Zuflucht fanden, wurden die meisten ihrer Ziegen

getötet, weil sie dem Nachbarn die Maniokpflanzen

wegfraßen. „Wir stießen immer wieder auf Verachtung.

Das wichtigste, was ich zurücklassen musste, war mein

Grund und Boden. Nach dem wir aus unserer Heimat weg

mussten, hingen wir in der Luft“, erzählt Uriana.

Auch Marina und Obencio Uriana leben inzwischen in La

Guajira, wo Malteser International über verschiedene Projekte

Binnenvertriebene unterstützen. „Ich habe ein Hektar

Land, auf dem ich Kochbananen anbaue. Das notwendige

Saatgut haben wir von den Maltesern bekommen“, sagt

Uriana.

„Jetzt haben wir Hoffnung“

So wie seiner Familie geht es in den Regionen La Guajira

und Magdalena im Norden Kolumbiens vielen Menschen.

Sie wurden aus fruchtbaren Anbaugebieten vertrieben

und können auf den neuen Flächen ihre traditionellen

Anbaumethoden nicht mehr anwenden. Hinzu kommt,

dass die Region sehr stark vom Wetterphänomen El Niño

betroffen ist und es seit drei Jahren nur wenig geregnet

hat – mit der Folge, dass fast 60 Prozent der Einwohner

unter Mangelernährung leiden.

Mitarbeiter von Malteser International zeigen Uriana

und Chacón nicht nur, wie sie ihre Flächen nachhaltig

und möglichst ertragreich bewirtschaften, sondern auch,

wie sie ihre Ernte anschließend sicher lagern und die Lebensmittel

gesund zubereiten. Uriana hofft auf eine gute

Ernte, doch zunächst heißt es erst einmal abwarten: „Sobald

der Regen kommt, können wir aussäen, was wir von

Malteser International erhalten haben. Heute haben wir

eine größere Sicherheit und eine bessere Perspektive für

die Zukunft.“ Und Chacón fügt hinzu: „Wegen der Dürre

waren wir schon wieder kurz davor, die Zelte abzubrechen.

Die Lage war wirklich schwierig, aber jetzt haben

wir Hoffnung.“

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2015

Alle Jahre wieder: Malteser Lourdes-Zug

Umstritten: Fortpflanzungsmedizingesetz

Vorbild: Flüchtlingshelferin Ute Bock

Die Malteser-Zeitung 2/2015_2906 OK.indd 1 29.06.15 18:19

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2016

Christen auf dem Rückzug?

Malteser Flüchtlingshilfe

Aktivitäten in aller Welt

Die Malteser-Zeitung 1_2016_1603 OK.indd 1 16.03.16 09:32

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Die

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Die

Ausgabe 2/2016

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

60 Jahre Malteser-Werke in Österreich

Amoris laetitia – Die Freude der Liebe

Social Media – Eine Glaubenssache?

Die Malteser-Zeitung 2_2016_end ok.indd 1 28.06.16 11:50

Ausgabe 3-4/2016

Italien-Erdbebenhilfe aus Österreich

Legate: In guter Erinnerung bleiben

Ein Jahr Hilde Umdasch Haus

DIE MALTESER 1/2017 19


MALTESERWELTWEIT

„DIE SCHAFFEN DAS!“

Uganda verfolgt ein spezielles Konzept zur Lösung der Flüchtlingsproblematik. Es ist ein Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe,

eine Ermutigung zum eigenverantwortlichen Leben, und wird von internationalen Hilfsorganisationen wie Malteser

International mitgetragen.

Von Katharina Kiecol

Sie sehen aus wie einfache afrikanische Dörfer. Wenige

weiße Zeltplanen sind zu sehen, die typischen Erkennungszeichen

der Flüchtlingslager. Auf der ganzen Welt

sehen sie eigentlich immer gleich aus. Große weiße Zelte,

gespickt mit den Logos der internationalen Hilfsorganisationen,

die gerade hier im Einsatz sind.

In Uganda ist alles etwas anders. Hier bekommen die

Flüchtlinge nicht nur eine Zeltplane über den Kopf, sondern

Material, um sich ein eigenes kleines Haus zu bauen.

Vom UNHCR bekommen die Südsudanesen Baumaterial

wie Holz und Wellblech und von der ugandischen

Regierung ein Stück Land, auf das sie dieses Haus bauen.

Hacke und Saatgut inklusive. Es ist ein anderes Konzept,

mit Flüchtlingen umzugehen und dieses Konzept geht

auf – bis jetzt. Ein Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe, zum

eigenverantwortlichen Leben, unterstützt von internationalen

Hilfsorganisationen wie Malteser International.

In Sicherheit leben

Seit Jahren fliehen die Menschen aus dem krisengeschüttelten

Südsudan über die Grenze in das ruhige

Uganda. Zwar sind die Ugander, die in diesen Regionen

leben, auch nicht gerade wohlhabend, aber es herrscht

zumindest kein Bürgerkrieg. Die Menschen sind hier in

Sicherheit und brauchen keine Angst vor marodierenden

Banden zu haben.

Über 440.000 Flüchtlinge allein aus dem Südsudan sind

bislang nach Uganda gekommen. Insgesamt sind es mehr

als eine Millionen Flüchtlinge, die hier eine neue und sicherere

Heimat gefunden haben. Allein in den letzten

vier Monaten kamen mehr als 200.000 neue Flüchtlinge

aus dem jüngsten Staat der Welt, in dem noch immer

oder auch immer wieder gekämpft wird.

20

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERWELTWEIT

Die Regierung als Flüchtlingskoordinator

Die Flüchtlingspolitik in Uganda ist Chefsache. Die Regierung

selbst organisiert den Zustrom der Flüchtlinge

und überlässt dies nicht, wie meist, der UN. Auch die Zusammenarbeit

der internationalen Hilfsorganisationen,

die hier tätig sind, wird von der Regierung koordiniert.

Roland Hansen, Leiter der Afrikaabteilung bei Malteser

International ist von der ugandischen Flüchtlingspolitik

begeistert: „Bislang organisiert die ugandische Regierung

den erneuten Flüchtlingsansturm aus dem Südsudan

im Gegensatz zu vielen anderen Aufnahmeländern

erfolgreich. Sie zeigt, wie Flüchtlingspolitik auch gehen

kann und ist in meinen Augen ein wirklich gutes Vorbild

für andere Länder.“

Von Uganda lernen

Natürlich profitieren von der Arbeit der vielen Hilfsorganisationen,

die sich um die Flüchtlinge kümmern, auch

die Einheimischen. Zum Beispiel, wenn in der Nachbarschaft

eine Klinik gebaut wird, die ebenso für die lokale

Bevölkerung geöffnet ist. Auch von den Hilfsmaßnahmen

von Malteser International profitieren alle: Acht

solarbetriebene Brunnen wurden allein im Rhino Camp

gebaut. Damit werden rund 20.000 Menschen mit Wasser

versorgt. Durch die Flüchtlinge sind in den Regionen

zusätzliche Absatzmärkte für die lokalen Waren entstanden,

was wiederrum den Bauern aus der Gegend hilft. Die

Flüchtlinge in Uganda dürfen nicht nur reisen, sondern

sie dürfen auch arbeiten. Und das tun sie – zum Beispiel

in die Hauptstadt Kampala.

Uganda ist in Sachen Flüchtlingspolitik durchaus ein

Land, von dem andere Regierungen lernen könnten, vor

allem in Europa. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie

sich die Situation entwickeln wird, wenn sich die Lage im

Südsudan in den nächsten Monaten nicht beruhigt und

die Flüchtlingszahlen weiterhin so rasant steigen. Dann

wird es eines Tages vielleicht kein Stück Land mehr für

alle Flüchtlinge geben können.

EINSATZFALL

HAITI

Malteser International: Sie sorgen dafür, dass es nach Naturkatastrophen

rasch zu einem nachhaltigen Wiederaufbau

und einer effizienten Katastrophenvorsorge kommt.

Dabei arbeiten sie mit lokalen Partnern zusammen.

Von Katharina Kiecol

Weltweit sind Millionen Menschen von den Folgen extremer

Naturkatastrophen und bewaffneter Konflikte bedroht.

In den von Erdbeben, Überflutungen, Dürren oder

kriegerischen Auseinandersetzungen betroffenen Ländern

ist vielfach die Infrastruktur zerstört, meist fehlt

es der Bevölkerung an Nahrungsmitteln, Unterkünften,

medizinischer Versorgung und Zukunftsperspektiven.

Eine Katastrophe besonderen Ausmaßes war das Erdbeben

2010 in Haiti. Nach anfänglicher Nothilfe und Unterstützung

beim Wiederaufbau konzentrieren sich die

Mitarbeiter von Malteser International heute darauf,

Kapazitäten und zivilgesellschaftliche Strukturen in der

Wasser- und Sanitärversorgung sowie der Hygienesituation

aufzubauen. Besonderen Wert wird auf eine gesunde

Ernährung der Bevölkerung gelegt. Um die Menschen vor

Wirbelstürmen besser zu schützen, baut Malteser International

die Katastrophenvorsorge aus. In Haiti arbeiten

20 Mitarbeiter für Malteser International. Viele Projekte

werden mit lokalen Partnern gemeinsam umgesetzt.

DIE MALTESER 1/2017 21


MALTESERWELTWEIT

„HOCH MOTIVIERTE UND

ENGAGIERTE MENSCHEN“

Marlene Müller ist eine Mitarbeiterin aus dem Team von

Malteser International. Im Interview erklärt sie, wie ihre

Arbeit als Program & Partner Projects Officer in Port-au-

Prince/Haiti aussieht.

Seit wann bist Du bei Malteser International und

wo wurdest Du eingesetzt?

Ich bin seit November 2015 dabei und arbeite in Haiti

in den Bereichen Administration, Finanzen, Logistik und

Betreuung der Partnerorganisationen. Die meiste Zeit

bin ich im Büro und ständig in Austausch mit meinen lokalen

Kolleginnen und Kollegen bzw. unseren Kolleginnen

und Kollegen im Headquarter. Hin und wieder fahre

ich in die Zielgebiete, um mir ein Bild über den jeweiligen

Projektfortschritt zu machen und mit den Begünstigten

zu sprechen. Unsere Projekte befinden sich in Cité Soleil

und Tabarre in der Hauptstadt Port-au-Prince sowie in

Belle Anse, welches sich im Südosten des Landes nahe

der Grenze zur Dominikanischen Republik befindet.

Was macht Dir besonders Spaß bei der Arbeit?

Das ist vor allem die Abwechslung der Aufgaben, die Zusammenarbeit

mit meinen Kolleginnen und Kollegen

und Partnerorganisationen und die Nähe zu den Projekten.

Was verbindest Du mit Malteser International?

Hoch motivierte und engagierte Menschen und vor allem

natürlich mein Team.

Wie entwickelt sich das Programm in Haiti?

Sehr gut! Malteser International ist seit dem verheerenden

Erdbeben 2010 in Haiti. Inzwischen setzen wir

in Zusammenarbeit mit unseren haitianischen Partnerorganisationen

mehrjährige Projekte um. Zum Bespiel

arbeiten wir an einem Projekt, das zur Stärkung der Resilienz

im Bereich Ernährungssicherung im abgelegenen

Distrikt Belle Anse durch Sicherstellung des Zugangs zu

Name: Marlene Müller

Alter: 35 Jahre

Einsatzort: Port-au-Prince, Haiti

Ausbildung: Staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin

(Englisch, Französisch,

Spanisch) in Wirtschaft und Verwaltung; Studium

der Betriebswirtschaftslehre/Internationales

Management in Deutschland und Frankreich

Nutz- und Trinkwasser und Kapazitätsaufbau im Zusammenspiel

von Umwelt, WASH (Water, Sanitation, Hygiene)

und Ernährung beitragen soll. Aktuell haben wir mit

lokalen Partnerorganisationen ein Projekt begonnen, das

zur Stärkung der Resilienz vulnerabler Slum-Gemeinden

gegenüber Auswirkungen des Klimawandels durch natürlichen

Ressourcenschutz, Katastrophenvorsorge und

Ernährungssicherung in Port-au-Prince führen soll.

Wohin möchtest Du Dich mal entwickeln?

Ich bin sehr glücklich in meinem Bereich und kann mir

vorstellen, meine aktuellen Aufgaben langfristig auszuführen.

Neue Herausforderungen bringt das Arbeitsumfeld

automatisch mit.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Gesundheit, Glück und Frieden.

22

DIE MALTESER 1/2017


RELIGIONAKTUELL

KIRCHE UND SPIRITUALITÄT

LIEGEN WIEDER IM TREND

Die katholische Glaubensgemeinschaft in Österreich verzeichnet regelmäßig auch Zuwächse, die Kirchentüren für

Neu- und Wiedereintretende stehen weit offen. Gleichzeitig muss die Kirche wichtige Weichen für die Zukunft stellen.

2016 sind insgesamt 5.265 Menschen in Österreich wieder

oder neu in die katholische Kirche eingetreten. Im

Jahr davor waren es 5.064, also um vier Prozent weniger

(siehe Grafik). Demgegenüber ist die Zahl der Kirchenaustritte

gesunken. Mit 54.886 Abgängen gab es 2016

einen Rückgang um rund drei Prozent gegenüber dem

Vorjahr mit 56.599 Austritten. Diese Zahlen, die Anfang

2017 von den österreichischen Diözesen veröffentlicht

wurden, lassen hoffen, stimmen aber auch nachdenklich.

Warum treten Menschen aus der Kirche, die doch ein

Ort der Zuversicht ist, die spirituelle Orientierung und

Sicherheit gibt, aus?

Eine differenzierte Betrachtung zeigt, dass Kirchenaustritte

selten ideologisch motiviert sind. Vielmehr sind sie

die Folge einer in unserer marktwirtschaftlich geprägten

Welt verankerten Servicementalität, bei der konkrete

Kosten-Nutzen-Rechnungen und Erlebnis-Erwartungen

im Vordergrund stehen. Das heißt: Wer für sich keinen

Nutzen in der Kirchenmitgliedschaft sieht, tritt aus. Wer

immer weniger Berührungspunkte mit der Kirche emotional

erlebt, verliert die Motivation, als Mitglied dabei

zu bleiben. Kirchenaustritte sind ein Zeichen davon, dass

die Menschen nicht mehr damit zufrieden sind, wie ihnen

Kirche begegnet und was sie ihnen bietet.

DIE MALTESER 1/2017 23


RELIGIONAKTUELL

„Deine Hoffnung liegt bei der Kirche.

Dein Heil ist die Kirche. Dein Zufluchtsort ist die Kirche.

Sie ragt höher als der Himmel und ist breiter als die Erde.

Und sie altert nie: Ihre Lebenskraft ist ewig.“

Zitiert nach dem Hl. Johannes Chrysostomus

Die gute Nachricht

Die meisten Ausgetretenen bleiben jedoch Kirchensympathisanten

– mit intakten Chancen auf eine Rückkehr.

Es braucht nur den richtigen „Auslöser“. Zumeist sind

es persönliche Krisen oder die Einladung von Freunden

und Verwandten, als Tauf- bzw. Firmpate zu fungieren,

die die Menschen in die Kirche zurückkehren lässt. Sie

finden dort wieder, was sie verloren haben: spirituelle

Verankerung und Gemeinschaft. Pater Martin von der

Malteserkirche in Wien fasst die Beweggründe für Wiedereintretende

und deren als unbefriedigend empfundene

Austrittserfahrung mit den Worten des Heiligen

Johannes Chrysostomus zusammen: „Trenne dich nicht

von der Kirche! Keine Macht der Welt kommt der ihrigen

gleich. Deine Hoffnung liegt bei der Kirche. Dein Heil ist

die Kirche. Dein Zufluchtsort ist die Kirche. Sie ragt höher

als der Himmel und ist breiter als die Erde. Und sie

altert nie: Ihre Lebenskraft ist ewig.“

Das Reich Gottes will wachsen

Im europäischen Vergleich ist Österreich mit rund 60

Prozent Kirchenmitgliedern weiterhin überdurchschnittlich

katholisch. Angesichts der Tatsache, dass lebenslange

Mitgliedschaften heute keine Selbstverständlichkeit

mehr sind, kann das zahlenmäßige Kleinerwerden der

Institution Kirche aufgrund der verstärkten gesellschaftlichen

Individualisierung und Fragmentierung auch als

Normalisierung gesehen werden. Ganz pragmatisch betrachtet,

sind also die durchschnittlich 1,2 Prozent Austritte

pro Jahr für eine Organisation mit freiwilligen Mitgliedern

wie die katholische Kirche ein hervorragender

Wert. Die Stärke der Kirche ergibt sich allerdings nicht

aus einem Berechnen, Gegenrechnen und Vergleichen

von Anteilen an gesellschaftlichen Größenordnungen

oder ökonomischen Maßen. Gerade in Zeiten, die verunsichern

und ängstigen, braucht es Werte, Grundsätze

und Strukturen, die dem einzelnen Menschen Halt geben.

Dazu muss die Kirche die Weichen für die Zukunft

richtig stellen und Antworten auf drei wesentliche Fragen

finden:

• Wie kann die Kirche aufgrund der bestehenden Milieuverengung

pluraler aufgestellt werden?

• Wie kann die Kirche junge Menschen und vor allem die

gebildeten erreichen?

• Wie geht sie insgesamt mit den demographisch und

migrantischen Veränderungen um?

Der Weg zurück in die katholische Kirche

Vor allem die dritte Frage führt zu einer interessanten

Entwicklung der jüngeren Zeit. Die verstärkte Präsenz

der muslimischen Religion bewegt Menschen vermehrt

dazu, den Weg zurück in die katholische Kirche und zu

ihren Wurzeln zu finden. Ursächlich geht es dabei nicht

um die in der öffentlichen Debatte kritisierten Ausformungen

des islamischen Glaubens wie etwa das Kopftuch.

Vielmehr dürfte das Vorleben einer anderen Religion

zu einer verstärkten Rückbesinnung zum eigenen

Glauben, zum Christsein in der katholischen Kirche,

führen. Muslime zeigen vor, wie wichtig Familie ist, wie

viel Halt der Glaube schenken kann und wie erfüllend

Traditionen – zum Beispiel das Fasten im Ramadan –

sein können.

24

DIE MALTESER 1/2017


RELIGIONAKTUELL

Blicken wir in der christlichen Tradition auf die Urkirche

zurück, so haben Christen damals Solidarnetze gebildet,

Nachbarschaft gelebt und sich jener angenommen, um

die sich niemand mehr gekümmert hat. Sie haben dabei

nicht nur die Armen erreicht, sondern auch die Eliten,

weil es ihnen gelungen ist, den christlichen Glauben intellektuell

darzustellen. Angesichts der drohenden Vereinsamung

und der sozialen Nöte in der heutigen Welt

kann die Kirche genau hier ansetzen und mit Hilfe einer

zeitgemäßen Sprache in der Glaubensweitergabe für ein

besseres „Beziehungsmanagement“ mit den Menschen

sorgen. Dafür braucht es allerdings Experimentierfreude

und Fehlerfreundlichkeit.

Nicht von Trost sprechen, sondern trösten

Die Stärke der Kirche ergibt sich daraus, ob und wie sehr

es uns gelingt, Räume des Herzens und eines barmherzigen,

solidarischen und spirituell verwurzelten Anteils gerade

mit den Anteillosen und Armen zu eröffnen. Wenn

Kirche den von allen weltlichen Macht- und Einflussbereichen

Anteillosen einen Anteil, den Stimmlosen eine

Stimme geben kann, hat sie Strahlkraft. Gerade in Zeiten,

in denen oft Ängste über zukünftige Perspektiven

und Orientierungen die Handlungs- und Herzenskraft

vieler Menschen zu lähmen drohen, kann und soll sich

Kirche als ein Raum der Zuversicht durch die Kraft der

Liebe positionieren.

Quelle: Kathpress

VORARLBERG

238.848 gesamt

2.690 Austri-e

225 Eintri-e

Oberösterreich

965.950 gesamt

9.236 Austri-e

904 Eintri-e

Niederösterreich

501.221 gesamt

4.836 Austri-e

352 Eintri-e

WIEN

1.210.828 gesamt

15.149 Austri-e

1.226 Eintri-e

TIROL

385.459 gesamt

3.379 Austri-e

400 Eintri-e

SALZBURG

470.141 gesamt

4.611 Austri-e

454 Eintri-e

STEIERMARK

823.759 gesamt

10.538 Austri-e

1.203 Eintri-e

BURGENLAND

194.621 gesamt

1.281 Austri-e

110 Eintri-e

KÄRNTEN

371.795 gesamt

3.166 Austri-e

391 Eintri-e

Grafik: Die katholische Kirche in Zahlen

Gesamtzahl der Katholiken per 31.12.2016,

Aus-, und Eintritte je Bundesland im Jahr 2016.

DIE MALTESER 1/2017 25


XXXXX

PRIESTERBERUFUNGEN

IM MALTESER HOSPITALDIENST AUSTRIA

Der Moment zur Berufung kann ganz plötzlich kommen oder sich aus einem langen Reifeprozess und besonderen Begegnungen

im Leben ergeben. Drei Priester erzählen, wie sie auf unterschiedlichen Wegen zum gleichen Ziel gekommen sind.

Von Anton F. Gatnar

Als ich 1968 in den Malteser (damals noch) Hilfsdienst

aufgenommen wurde, haben uns ältere Priesterpersönlichkeiten

wie P. Heinrich Segur SJ oder Monsignore

Adolf Zimmermann, der berühmte Domprediger aus

dem Stephansdom, geprägt. Neben vielen spannenden

Einsätzen und berührenden Begegnungen mit unseren

Herren Kranken waren auch damals Malteser-Messen

und geistliche Betrachtungen ein wichtiger Schwerpunkt

unseres Malteser-Daseins. In Exerzitien, bei Pilgerfahrten

nach Mariazell und Lourdes waren Priester immer

unsere wichtigen Begleiter, kamen aber meist von „außen“.

Umso größer ist unsere Freude, heute auf zahlreiche

Berufungen aus unserer gar nicht so großen Gemeinschaft

blicken zu können. Elf Priester, einen Diakon und

zwei geistliche Schwestern, die zuerst im MHDA waren

und dann ihre Berufung erfahren haben, konnte ich in

meinen – möglicherweise – gar nicht vollständigen Aufzeichnungen

finden.

Wir sind stolz auf Stephan Turnovszky, heute Auxiliarbischof

in der Erzdiözese Wien, mit dem so mancher

von uns noch seine Krankentransport-Dienste und Lourdesfahrten

als Malteser in Erinnung hat. Altabt Gregor

Henckel-Donnersmark OCist war lange, bevor er Abt

in Heiligenkreuz, Spiritual des Großpriorats und zeitweise

auch Bundesseelsorger des MHDA war, Mitglied

der legendären „Staffel“, die in Malteser-Uniform im

Rahmen des Roten Kreuzes Dienst gemacht hat. Felix

Selden war lange unser Bundesseelsorger, bevor er Delegat

des Apostolischen Stuhles für die Konföderation

der Oratorien des heiligen Philipp Neri wurde, und der

emeritierte Nationaldirektor von Missio Österreich,

P. Leo Maasburg, ist auf dem Gründungsphoto des

MHDA Tirol deutlich in unserer Uniform zu erkennen.

Drei Priester habe ich gebeten, ihre Gedanken zu

ihrer Berufung zusammenzufassen:

Konstantin (Koni) Spiegelfeld, erst Dipl.Ing. und

Techniker, dann 1990 zum Priester geweiht, ist heute

Bundesseelsorger und steter Begleiter bei unseren Wallfahrten

und Einsätzen. Über seine Berufung sagt

Koni: „Meine Berufung zum Priester hat eine längere

Geschichte. Ich bin mit einer gewissen Selbstverständlichkeit

im katholischen Glauben aufgewachsen. Meine

Eltern und die ganze Familie haben ihn mit mir liebevoll

erfahrbar gelebt und ohne Druck an mich weitergegeben.

Mit 27 Jahren, im Rahmen eines Vorbereitungstreffens

des MHDA für den Papstbesuch von Johannes Paul II.

1983 in Mariazell, habe ich in der dortigen Basilika beim

abschließenden Gebet am Gnadenaltar der Muttergottes

eine sehr prägende Gotteserfahrung gemacht. Die Bitte

und Frage „Willst Du nicht Priester werden?“ war für

mich ganz plötzlich präsent. Nie zuvor hatte ich eine so

26

DIE MALTESER 1/2017


XXXX

starke Inspiration und einen geistlichen Impuls für diesen

Dienst.“

Und was bedeutet heute Malteser-Sein für Koni?

„Gebet und Tätigkeit sind eng miteinander verbunden

und beleben einander gegenseitig.“, „Ich werde konkret

mit meinen Fähigkeiten gebraucht.“, „Wir sind eine frohe

kirchliche Gemeinschaft.“, „Junge Mädchen und Burschen

haben ein gutes Herz und finden in ihrer Fantasie

oft neue Wege zu und mit den Menschen.“, „Ich helfe

Menschen, lerne ihr Schicksal, sehr oft ihren Glauben

kennen, höre ihnen zu, merke, wie sie ihr Leben bewältigen,

was ihnen Freude und Zuversicht schenkt, wie sie

mit Enttäuschungen umgehen und weiß mich dadurch

oft selber beschenkt und ermutigt.“, „Ich lerne, was es

bedeutet, Verantwortung für einen anderen Menschen

zu übernehmen.“, „Jesus liebt jeden von unseren Betreuten

mit einer „zärtlichen“ Liebe, als Priester darf ich ihnen

die Sakramente schenken. Die Krankensalbung ist in

diesem Zusammenhang besonders berührend und stärkend!“,

„Im Sanitätsbereich lernt man ganz unterschiedliche

Menschen kennen, die für eine persönliche Zuneigung

und tatkräftige, kompetente Hilfe dankbar sind.“

Auch Konstantin Reymair war eifriger Malteser, bevor

er sich entschlossen hat, Priester zu werden, wenn er

auch schon früh begonnen hatte, darüber nachzudenken:

Konstantin über seine Berufung: „Einen genauen

Zeitpunkt für meine Berufung kann ich nicht angeben.

In Bewegung kam die Frage erstmals im Kontext meiner

Vorbereitung auf die Erstkommunion. Diese wurde

vom damaligen Domprediger und Konventualkaplan ad

Honorem, Adolf Zimmermann, geleitet. Er war eine faszinierende

Persönlichkeit, die es verstand, auch Kinder

(oder zumindest mich) für die Gegenwart und den Ruf

Gottes zu öffnen. Neben ihm erlebte ich eine Reihe von

anderen, sehr beeindruckenden Priesterpersönlichkeiten:

unseren Familiengeistlichen, den damaligen Dompfarrer

Karl Hugel oder unseren alten, sehr einfachen und

bescheidenen Pfarrer Josef Hochnegger im südsteirischen

Spielfeld.“

Konstantin hat sichtlich einen langen Reifeprozess hinter

sich, bevor er sich entschieden hat, ins Priesterseminar

einzutreten. Die Tätigkeit bei den Maltesern

hat ihn beim Nachdenken begleitet: „Die Frage, den

geistlichen Weg einzuschlagen, hat sich bei mir immer

wieder verdeckt und lange hinausgezögert. Nach einem

ersten, zweijährigen Versuch im Kloster absolvierte ich

mein Musikstudium und betrieb die Theologie gewissermaßen

hobbyartig nebenbei. Die Tätigkeiten im MHDA

waren stark pastoraler Natur. Sie waren nicht nur gelebte

Nächstenliebe, sondern regelmäßig kamen Fragen nach

Sinn und Bewältigung des Leides in Gesprächen auf, in

denen geistlicher Trost erhofft wurde. Der damalige Bereichsseelsorger

Toni Berger sprach mich wiederholt auf

eine mögliche Berufung an, aber der Zeitpunkt war noch

nicht reif. Einerseits war das Verlangen nach einer Karriere

in der Welt sehr groß, andererseits suchte ich nach

einem Kompromiss zwischen Theologie und Musik. Musikalisch

war ich recht erfolgreich in Oxford und Cambridge

tätig. Die Zeit meiner Professur an der Kunstuniversität

Graz zeigte mir allerdings die Notwendigkeit

einer klaren Entscheidung. Im Herbst 2005 übersiedelte

ich nach Wien ins Priesterseminar und wurde 2009 geweiht.

Während meines ersten Kaplansjahres in Hernals

wurde ich zum Leiter des Referats für Kirchenmusik ernannt

und zum Domkurat an St. Stephan bestellt.“

Heute ist Konstantin eifriger Wallfahrer und begleitet

uns bei zahlreichen Gelegenheiten: „Meiner Erfahrung

nach gehören im Bereich des Glaubens Empfangen

und Weitergeben zusammen; sie sind die zwei Seiten der

DIE MALTESER 1/2017 27


XXXXX

gleichen Medaille. Jedes geistliche Gespräch, jede geistliche

Handlung, jedes Sakrament trägt deshalb zu einer

Vertiefung meines Glaubens bei. Besonders dicht erlebe

ich das in Lourdes: Der Ort scheint den geistlichen Austausch

nicht bloß zu begünstigen, er motiviert regelrecht

dazu. Insofern ist die jährliche Wallfahrt dorthin für

mich nicht nur der Höhepunkt meines Malteser-Jahres,

sondern eine wichtige Quelle der Kraft für alle verschiedenen

Aufgaben, die mir als Priester von meinem Bischof

zugedacht wurden.“

Ein dritter Priester, der aus unseren Reihen kommt,

ist heute Präpositus (Ordensoberer) im Oratorium St.

Rochus und Seelsorger des Bereiches Wien. P. Rudolf

Schaffgotsch CO war aktiver Gruppenleiter in Wien

und erfolgreicher Student der Forstwirtschaft. Dann

kam die Berufung: „Den Moment meiner Berufung

zum Priester gibt es aus meiner Sicht nicht. Zwei besonders

markante „Meilensteine“ des Weges – es fallen mir

noch mehr ein – nenne ich hier: Als Bub habe ich zusammen

mit meinem (um zwei Jahre älteren) Bruder ministriert;

oft hatten wir dann abends noch den Herrn Pfarrer

zu Gast. Ich erinnere mich, dass ich manchmal vor Freude

fast zerspringen konnte – eine große Liebe zu Christus

in der Eucharistie, die sich damals ganz unmittelbar in

Hilfsbereitschaft „Bahn gebrochen“ hat, und mir immer

geblieben ist. Der zweite Punkt hat mit dem Hospitaldienst

zu tun und war auf der Romreise 1995. Die Freundschaft

und das persönliche Gebet mit anderen Maltesern

und von ihnen für mich haben mir wesentlich geholfen,

ja sagen zu können. Das waren Momente, die ich heute

noch voll freudiger Dankbarkeit empfinde (und ich hoffe,

die damals Beteiligten lesen das – danke Euch!).“

Was bedeutet P. Rudolf das Malteser-Sein? „In meinem

Leben habe ich nur zwei Entscheidungen schnell

getroffen und beide waren gut. Eine davon war, zu den

Maltesern zu gehen. Der Einfluss des Malteser-Seins war

positiv und zuerst indirekt. Im Hospitaldienst bin ich

durch die Berührung und Freundschaften mit Menschen

in so unterschiedlichen Lebenssituationen, wie ich sie

in Valletta, bei Krankentransporten, Ärztefunkdienst,

Wallfahrten und unter den Maltesern selber gefunden

habe, glaube ich, sehr gewachsen und habe viel Schüchternheit

überwunden. Und dann kam eben dazu, dass es

da Freunde gibt, denen ich das zarte Pflänzchen meiner

recht zaghaft angenommenen Berufung zeigen konnte,

und die mir Mut gemacht und für mich gebetet haben.“

P. Rudolf ist Seelsorger für ganz junge Mitglieder und für

uns ältere. Er findet immer die richtigen Worte, die einem

Mut machen, den oft steinigen Weg unseres Lebens freudig

zu gehen. Hilft das Malteser-Sein? „Das ist schwer

zu beantworten. Es gibt so viele Wege zu Gott wie es Menschen

gibt, hat Papst Benedikt XVI. gesagt. Tatsächlich

liegt es auch bei den Einzelnen, wie sehr jeder aus seinem

Malteser-Leben geistlichen Gewinn zieht bzw. den Hospitaldienst

zu einem Gewächshaus macht, in dem alle in

ihrer Freundschaft mit Gott wachsen. Das Potenzial ist

jedenfalls da und groß, und ich beobachte eine sehr schöne

Entwicklung. Mir scheint, dass immer mehr von uns

die Verwurzelung in Christus suchen und lieben und die

schöne Erfahrung machen, dass mit ihr auch die Freundschaften

untereinander tiefer und reicher werden.“

Drei Priester mit unterschiedlichen Aufgaben, die mitten

im Leben stehen – ihre Berufung leben und uns mit

ihrem Wirken helfen und unterstützen. Es ist wohl kein

Zufall, dass alle hier gezeigten Photos in Lourdes entstanden

sind. Allen unseren Priestern sei an dieser

Stelle besonderer Dank für ihren Dienst für uns

und unsere Herren Kranken gesagt.

28

DIE MALTESER 1/2017


MEDIZINAKTUELL

HEILUNG

DURCH FASTEN

Fasten ist ein alterprobtes Reinigungsverfahren, um sich auf neue Herausforderungen oder Zeiten vorzubereiten. Und

das nicht nur im Frühling! Doch gerade diese Jahreszeit ist besonders beliebt für Fastenkuren – sei es, um den Körper zu

regenerieren, oder aus spiritueller Sicht, weil die Osterzeit näher rückt.

Von Katharina Stögner

Fasten ist so alt wie die Menschheit selbst. Kulturhistorisch

gab es das Fasten schon immer, und es spielt in der

Spiritualität und den großen Religionen der Welt eine

wichtige Rolle. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran

offenbart wurde. Moses stieg auf den Berg Sinai und

fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing. Jesus zog

sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten

in die Wüste zurück. Aber was ist Fasten eigentlich?

„Unter Fasten versteht man den freiwilligen, vorübergehenden

Verzicht, insbesondere beim Essen und Trinken“,

erklärt Dr. Ulrike Göschl, Ärztliche Leiterin des Kurhauses

Marienkron im Burgenland. „Im Hinblick auf die österliche

Fastenzeit geht es um den zeitlich begrenzten

Verzicht auf einzelne Nahrungs- und Genussmittel wie

Fleisch, Zucker, Süßspeisen oder Alkohol. Beim therapeutischen

Heilfasten dagegen, einer medizinisch betreuten

Form des Fastens, steht vor allem die Kalorienreduktion

im Vordergrund. Die Tagesenergiezufuhr beläuft sich auf

maximal 600 Kilokalorien“, so Göschl.

Damit soll das Fasten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes

bewirken. Diese heilende Wirkung ist bereits

aus der Antike bekannt. So hat der griechische Arzt

Hippokrates das Fasten als erste Wahl vor jede Arznei

gestellt. Daneben führt Fasten zu einer geistig-seelischen

Sensibilisierung. Es kann längerfristige Verhaltensänderungen

anregen und den Einstieg in eine – nicht nur auf

das Essen und Trinken bezogene – gesündere Lebensweise

im Alltag ermöglichen.

DIE MALTESER 1/2017 29


MEDIZINAKTUELL

FASTEN UND

ABNEHMEN IST

NICHT DASSELBE

Im Alltag hört man immer wieder: „Ich muss fasten.“

Dahinter steckt meistens der Wunsch, ein paar Kilo

abzuspecken. Aber Achtung: Fasten zum Abnehmen

ist nicht der richtige Weg. Warum das so ist, erklärt

Dr. Ulrike Göschl, Ärztin für physikalische und psychosomatische

Medizin.

Was ist der Unterschied zwischen Fasten und

Abnehmen?

Fasten ist immer nur für kurze Zeit gedacht. Es geht

darum, den Körper zwischendurch zu entlasten.

Wer sein Gewicht dauerhaft über Fasten regulieren

möchte, tut sich nichts Gutes. Beim Fasten wird die

Energiezufuhr vorübergehend stark reduziert und

das ist keinesfalls als generelle Ernährungsform geeignet.

Zur nachhaltigen Gewichtsregulierung muss

man seine Lebensgewohnheiten umstellen und regelmäßig

Bewegung – am besten in Kombination mit

Krafttraining – machen.

Das klingt nach Dauerverzicht auf alles, was

schmeckt und Spaß macht

So eine Veränderung kann am Anfang schwer fallen.

Sie heißt aber nicht, dass man nicht mehr genießen

darf. Im Gegenteil! Süßes oder gelegentlich

ein Gläschen Wein komplett zu streichen, wäre der

falsche Weg. Diäten, die auf Verboten basieren, funktionieren

bekanntlich nicht. Vielmehr muss man

schauen, wie man das gelegentliche Stück Schokolade

oder das Genuss-Achterl ab und zu weiterhin in

seinen Lebensalltag integrieren kann.

Zurück zum Fasten: Was ist dabei besonders

zu beachten?

Man muss sich bewusst sein, dass der Körper durch

die kurzfristig stark reduzierte Energiezufuhr nicht

zu körperlichen Höchstleistungen bereit ist. Ein intensives

Trainingsprogramm ist also während der

Fasttage nicht zu empfehlen. Das würde den Organismus

zu sehr belasten. Bei Schwangerschaft, allgemeiner

Schwäche und bestimmten Erkrankungen

wird Fasten nicht empfohlen. Daher werden im Kurhaus

bei allen Fastern ärztliche Eingangsuntersuchungen

durchgeführt.

Kann man bei Ihnen in Marienkron fasten?

Sehr gut sogar! Das Marienkroner Fasten wurden,

ausgehend vom Buchinger-Saftfasten, der Mayr-

Kur und dem von-Bingen-Fasten, zu einem eigenständigen

Fastenangebot weiterentwickelt. Dabei

stehen Suppen-und Saftfasten beziehungsweise

zwei Entschlackungsdiäten zur Auswahl. Die Kurärzte

stimmen die Fastenform auch mit den persönlichen

Vorlieben der Fastengäste ab. Der eine

will eher klare Gemüse- oder Kartoffelsuppen essen,

der andere greift lieber zu frisch gepressten

Obst- und Gemüsesäften. Beim Entschlacken halten

unsere Getreideschleimsuppen den Blutzuckerspiegel

stabil, das gekochte Gemüse und Getreide

sättigt zusätzlich bei der milden Basendiät. In jedem

Fall wird der Marienkroner Fastengast medizinisch

begleitet. Therapeutische Anwendungen wie

Kneipp-Güsse, Massagen und Wickel unterstützen

das Entgiften beim Fasten und bewirken eine Regeneration

des Körpers.

30

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

Marilda und Mimi – ziemlich beste Freundinnen

KLEIN, ABER SCHON EIN GANZER THERAPIEHUND

DACKEL MIMI IM EINSATZ

Hunde sind treue, gelehrige und lehrende Begleiter. Sie können die Beziehungsfähigkeit von Menschen verbessern, neue

Lebensfreude vermitteln und sind lustige Spielgefährten – nicht nur für Kinder.

Von Isabella Hartmann

Lange hatten die Kinder um einen Hund gebettelt und

immer wieder betont, dass sie noch nie ein Haustier gehabt

hätten. Vor drei Jahren entschlossen wir uns, die

sechsköpfige Familie um einen Vierbeiner zu erweitern.

Eigenschaften und Bedürfnisse verschiedener Hunderassen

wurden abgewogen, bis wir uns auf einen Langhaardackel

einigten. Dackel hatten das Familienleben

schon in unserer Kindheit bereichert. Sie sind klein, lustig

und unkompliziert.

Und dann kam Mimi

Mimi, der kleine Dackelwelpe aus Bayern, für den wir uns

entschieden hatten, war gerade einmal zwölf Wochen alt,

als wir ihn – pardon, sie – abholten. Nach ein paar Monaten

ging es zum ersten „Junghundekurs“ in die Hundeschule,

wo sich Mimi als sehr gelehrig und folgsam

erwies. Sie zeigte große Freude am Kontakt zu Kindern,

ließ sich im Schulhof geduldig streicheln und zauberte

den Betreuten bei Malteserdiensten, zu denen wir sie

mitnahmen, ein Lächeln ins Gesicht.

Mimi wurde wie viele andere Hunde auch als geeignet

zur Ausbildung bei Humanis et Canis zugelassen (Verein

zur Aus- und Weiterbildung von Mensch/Hund Therapieteams)

bei der Aufnahme in die Ausbildung zum Therapiehund.

Dort starteten wir im Frühjahr 2014 mit einem

Kurs, der in mehreren Modulen rund ein Jahr dauerte.

Meist war Mimi in diesem Kurs die Kleinste neben vielen

Labradors, Retrievern, Border Collies und diversen

Mischlingen, die alle lernten, nebeneinander zu arbeiten

und sich zu respektieren. Oft begleiteten wir in diesem

Jahr auch andere Therapiehundeteams bei ihren Besuchen

in Jugend- und Behinderteneinrichtungen, um

praktische Erfahrung zu sammeln.

„Nichts an uns Menschen auszusetzen“

Fertig ausgebildet, schlossen wir uns dem Verein „Kibello“

(Verein für Begegnungen von Kindern und Hunden)

in Salzburg an und besuchen seit Herbst jede Woche

die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Christian-Doppler-Klinik.

Dort warten jeden Freitag um zehn Uhr zwei

bis drei Kibello-Teams auf die jungen Patienten, die sich

jeweils eine halbe Stunde lang mit einem Hund beschäftigen

dürfen. Der weitläufige Park der Klinik lädt zum

Spazierengehen ein, die Hunde werden gebürstet, über

kleine Hindernisse geführt, ausgiebig gestreichelt und

DIE MALTESER 1/2017 31


MALTESERÖSTERREICH

immer wieder mit Hundekeksen von den Kindern belohnt.

Gerne zeigen die Vierbeiner auch ihre individuellen

„Kunststücke“, suchen versteckte Spielzeuge, jagen Frisbees

nach oder geben die Pfote. Mimi macht besonders

gerne die „Rolle“, tanzt auf den Hinterbeinen um ein

Hundekeks oder läuft einen von den Kindern gelegten

„Hundekeks-Parcours“. Nach einer halben Stunde gibt

es einen Wechsel und andere Kinder dürfen sich mit den

Hunden beschäftigen. Da viele junge Patienten mehrere

Wochen oder Monate bleiben, können sie die Hunde

gut kennenlernen und manche kommen jedesmal auf

neue Ideen, wie sie den Hund beschäftigen können.

Andere freuen sich auf eine ruhige halbe Stunde mit einem

freundlichen Begleiter an der Leine, denn „Was uns

so fest mit Hunden verbindet, ist nicht ihre Treue, ihr

Charme oder was es sonst noch so sein mag, sondern die

Tatsache, dass sie nichts an uns Menschen auszusetzen

haben“, wie es treffend auf der Homepage von Humanis

et Canis heißt.

wartet. Trotz der kurvigen Autofahrt zu Marilda erkennt

Mimi genau das Ziel und stimmt jedes Mal schon im Auto

lautes Freudengeheul an. Sobald sich die Haustür öffnet,

gibt es eine große Begrüßung und dann wird gestreichelt

und gefüttert.

Elegante russische Windhunde

Die Idee, Therapiehunde ins Malteserleben zu integrieren,

wurde vor einigen Jahren von unserem lieben verstorbenen

Josef Mayer angestoßen, der eine Gruppe Therapiehunde

zu einer Begegnung mit unseren Betreuten

in die Malteserzentrale eingeladen hatte. Dieser Initiative

folgend, wurden nicht nur Dackel Mimi, sondern auch

elegante russische Windhunde – Barsois – kürzlich in

Salzburg zu Therapiehunden ausgebildet. Ab dem Frühjahr

verbringen sie regelmäßig Nachmittage mit unseren

Betreuten. Wir werden gerne davon berichten!

Fellnasen als Lehrer

Kibello Hundeteams besuchen nicht nur kranke Kinder,

sondern gestalten auch gerne eine Stunde im Kindergarten

oder in der Schule, um den Kindern mit Hilfe

der vierbeinigen Lehrer das richtige Verhalten gegenüber

fremden und eigenen Hunden beizubringen und

Verständnis für die „Sprache“ der Hunde zu entwickeln.

Manch langjähriger Kibello-Hund hat durch diese Besuche

schon einen richtigen „Fanclub“, der sich einmal

jährlich zur Segnung der Kinder und Hunde am Festtag

des Hl. Franziskus, dem 4. Oktober, in der Salzburger

Franziskanerkirche zu einem Kindergottesdienst trifft.

Mimi hat inzwischen viele Freunde – nicht nur unter den

Kindern. Einer ihrer größten Fans ist Marilda Thun-Hohenstein,

eine der engagiertesten und längst dienenden

Malteser-Damen, die für Mimis Besuche, seit sie ein

Welpe ist, immer mit den allerbesten Hunde-Leckerlis

32

DIE MALTESER 1/2017

Razim ist als staatlich geprüfter Therapie-

Begleithund in Salzburg im Einsatz


MALTESERÖSTERREICH

Die Ziele der Tiergestützten Therapie (TT) sind

vielfältig, der Nutzen groß. TT hilft Menschen in

Therapie dabei,

• die Beziehungsfähigkeit durch Beobachten der Reaktionen

des Tieres auf menschlichen Ausdruck

zu verbessern. Die Reaktionen erfolgen unmittelbar

und sind völlig wertfrei. Über diese tierische

„Rückmeldung“ kann das Kinder/der Jugendliche

sein Verhalten anpassen, klarere Anforderungen

stellen, Belohnungen richtig einsetzen und emotionale

Äußerungen richtig bewerten lernen.

• (wieder) Lebensfreude durch das Tollen und Spielen

mit einem aktiven Spielpartner zu gewinnen.

• die Übernahme von Verantwortung in der Führung

und Pflege des Tieres zu trainieren. Die TT

führt insgesamt zu einer beruhigenden und leicht

antidepressiven Wirkung, verbessert – vor allem

bei alten Menschen – die geistigen Fähigkeiten,

verbessert die Kontaktfähigkeit und erhöht nachgewiesenermaßen

die Agilität. Hunde im Klassenzimmer

erhöhen die Lernfreudigkeit und verbessern

das soziale Klima einer Klassengemeinschaft.

Antidepressive Wirkung: „Tiergestützte Therapie

ist mittlerweile ein fester

Bestandteil der therapeutischen

Möglichkeiten in der

Arbeit mit psychisch kranken

Kindern und Jugendlichen“,

so Univ.-Prof. Dr. Leonhard

Thun-Hohenstein, Vorstand

der Universitätsklinik für

Kinder- und Jugendpsychiatrie

am Universitätsklinikum

Salzburg (www.salk.at).

SCHLEUDERN

ERLAUBT

Von Matthias Lammerhuber

Die Anforderungen an die Lenker der Einsatzfahrzeuge

im Malteser-Rettungsdienst sind enorm. Schließlich gilt

es, so schnell und sicher wie möglich das Ziel zu erreichen,

dabei den Verkehr im Auge zu behalten, mögliche

Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend

zu reagieren. Um diese Fähigkeiten zu perfektionieren,

absolvierten zwölf Einsatzfahrer der Malteser

Ende Jänner ein Training im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum

Teesdorf/NÖ. Dieses findet zwei mal pro Jahr statt

und garantiert, neben den sonstigen, sehr umfassenden

Teilen einer kompetenten Fahrerausbildung, die sichere

Teilnahme am Straßenverkehr.

DIE MALTESER 1/2017 33


DAS GEBET

IN DIE FAMILIE HOLEN

Der Alltag mit Beruf und Familie macht es oft schwer, gemeinsam zu beten. Die Johannesgemeinschaft hat einen Weg gefunden,

alles gut „unter einen Hut“ zu bringen.

Von Jan Ledochowski

Der heilige Franz von Sales schreibt in seiner Philothea,

dass jeder Christ berufen ist, die Frömmigkeit gemäß seinem

Stand zu leben. Damit ist die Einsicht gemeint, dass

jeder nach seinen Möglichkeiten, die durch berufliche

und familiäre Verpflichtungen definiert sind, berufen ist,

Gott in Liebe zu dienen.

Dieser Gedanke war vielen von uns in der Johannesgemeinschaft

sehr hilfreich, als wir feststellten, dass wir

uns plötzlich in einem anderen „Stand“ befanden als zum

Zeitpunkt unseres Beitritts zur Gemeinschaft. Aus Studenten

waren Berufstätige geworden, es wurde geheiratet,

die ersten Kinder kamen zur Welt. Damit war es für

die Ehepaare häufig nicht mehr möglich, gemeinsam am

wöchentlichen Gebetsabend teilzunehmen. Hinzu kam

ein Aspekt, auf den uns unser geistlicher Leiter, Pater Florian

Calice, hingewiesen hat: Mit der Ehe geht man einen

Bund vor Gott und den Menschen ein und beschreitet von

da an auch den Weg des Glaubens gemeinsam. Wie sollten

wir nun unser Gemeinschaftsleben gestalten, damit

sich Ehepaare, jüngere und nicht verheiratete Mitglieder

zu 100 Prozent einbringen konnten? Unseren Weg

könnte man unter den Titel stellen: „Das Gebet in die

Familien holen“. Die Gebete finden jetzt in Hauskreisen

in unseren Wohnungen statt – für die jüngeren und unverheirateten

Mitglieder jede Woche und für die Ehepaare

alle drei Wochen. So lässt sich auch ein Babysitter

gut organisieren. In den Hauskreisen beten wir unser

Gemeinschaftsgebet, den Rosenkranz und die Komplet

oder beschäftigen uns mit einem Text aus den Evangelien.

Drei- bis viermal im Jahr feiern wir einen Gemeinschaftsnachmittag,

an dem auch die Kinder teilnehmen.

SPASS BEIM SCHWIMMEN

Von Lukas Krupitza

Therapieschwimmen ist ein Grundpfeiler des Betreuungsangebots der Tiroler

Malteser und findet schon sehr lange statt. Übungen im warmen Wasser

entlasten die angespannte Muskulatur und den beeinträchtigten Bewegungsapparat.

Je nach Personalbesetzung sind wir zumindest zu zweit, maximal

zu viert und idealerweise Mann/Frau gemischt, damit sowohl männliche als

auch weibliche Betreute mitkommen können. Donnerstags um 18 Uhr holen

wir unsere Schützlinge ab, gegen 19 Uhr kommen wir im Becken an. Beim

Schwimmen hat jeder seine persönlichen Vorlieben: Manche der Betreuten

wollen lieber ins Kinderbecken, andere drehen ihre Runden im „großen“ Becken.

Um 20:30 Uhr haben wir seit Jahren einen fixen Platz in der Schwimmbadkantine,

wo wir den Abend bei Toast und Pommes ausklingen lassen.

34

DIE MALTESER 1/2017


HILFE FÜR DIE UKRAINE

Von Pavlo Titko

Drei Jahre dauern nun schon die bewaffneten Auseinandersetzungen

zwischen russischen Rebellen u. der

Ukraine an. Erschütternde Bilanz im ostukrainischen

Krisengebiet: 10.000 Tote, 22.000 Verwundete, 3,8

Millionen Menschen, die humanitärer Hilfe bedürfen.

Wer konnte, ist längst geflüchtet. Diese Möglichkeit

steht jedoch nicht allen offen. Zurückgeblieben

sind Familien, die es sich finanziell oder aus anderen

Gründen nicht leisten konnten, den Kriegswirren zu

entkommen. Besonders hart getroffen hat es Familien,

in denen Kinder mit Behinderungen leben und für die

es nun keine Therapiemöglichkeiten mehr gibt. Es fehlen

staatliche Strukturen, die diese Aufgaben erfüllen

könnten, es fehlen private Initiativen und die nötigen

Geldmittel, die dafür erforderlich wären.

Seit April 2016 haben nun wenigstens einige der

schwer traumatisierten bzw. behinderten Kinder die

Chance, im Rahmen eines Projekts der Malteser physische

und psychische Linderung zu erfahren. Mit Hilfe

von Hippotherapie, also der Arbeit mit Pferden aus

dem ehemaligen Reitstall von Oksana Lesna, wird ihnen

kostenlos vor Ort geholfen.

Unsere Bilanz

nach neun Monaten:

700 Therapieeinheiten

oder 350 Stunden für

insgesamt 32 bedürftige

Menschen, darunter

17 Kinder mit

Kinderlähmung und 15 Jugendliche,

die dringend psychologische Hilfe brauchten.

Wir, die Johannesgemeinschaft, freuen uns,

wenn Sie uns helfen, das Projekt der MALTESER

in der Ukraine mit Spenden oder fachlicher Hilfe

vor Ort zu unterstützen. Nähere Informationen

erhalten Sie unter Tel. 0664 82 43 738 oder per

E-Mail: charlotte.kraus@malteser.at

Konto: Johannesgemeinschaft

IBAN: AT92 1953 0007 0002 6260 BIC: SPAEAT25

Bankhaus Carl Spängler & Co. AG

DIE MALTESER 1/2017 35


MALTESERÖSTERREICH

Besuch in

Laxenburg

HAUS MALTA

GEBORGENHEIT

Am Punschstand

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DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

Ausstellung Sixtinische Kapelle

in der Votivkirche

AM LEBENSABEND

1987 als Verein gegründet, betreibt das „Haus Malta“ in der Wiener Bürgerspitalgasse eine

Seniorenresidenz für die Malteser.

Von Henriette Blanckenstein

Bewohner und Mitarbeiter bilden eine Hausgemeinschaft und sind in einer Atmosphäre gegenseitigen

Vertrauens, Rücksichtnahme und stets aufmerksamer Hilfsbereitschaft um ein

Zusammenleben in christlicher Nächstenliebe bemüht. Die individuelle Persönlichkeit und die

Bedürfnisse jedes Bewohners stehen bei der Pflege und Betreuung an oberster Stelle. Neben

einem professionellen Team für die medizinische, therapeutische und psychologische Versorgung

und Begleitung engagieren sich ehrenamtliche Helfer, die vor allem durch ihre Besuche

und Ausflüge mit den Heimbewohnern für Abwechslung im Tagesablauf sorgen.

Ein Haus mit Seele

Das Haus Malta verfügt über 30 Wohneinheiten für insgesamt 35 Bewohner und ein Gästeappartement.

Die Ein- bzw. Eineinhalb-Zimmer-Appartements (mit Dusche, WC, Kochnische)

DIE MALTESER 1/2017 37


MALTESERÖSTERREICH

Malgruppe

können nach eigenen Wünschen und je nach Pflegebedarf ausgestattet

werden, nur die Betten werden vom Haus gestellt. Im

Speisesaal mit Cafeteria wird täglich zu Mittag ein Drei-Gänge-Menü

serviert, das in der hauseigenen Küche frisch zubereitet

wird. Für die Freizeitgestaltung bieten ein Gartensalon,

ein Bridge-Zimmer, ein Veranstaltungs- und Fitnessraum im

Kellergeschoß sowie ein Innenhofgarten ein anregendes und

gemütliches Ambiente. Für spirituelle Bedürfnisse steht eine

Kapelle zur Verfügung.

Regelmäßiger Besuch eines

38

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

Eisessen nach Museumsbesuch

Sie interessieren sich für „Wohnen im Haus Malta“? Dann

freuen wir uns auf Ihren Anruf oder Ihre Nachricht per

E-Mail. Gerne vereinbaren wir einen individuellen Besichtigungstermin

und nehmen Vormerkungen entgegen.

Kontakt:

Haus Malta, Bürgerspitalgasse 1, 1060 Wien

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at, I: www.hausmalta.at

Kindergartens im Haus

DIE MALTESER 1/2017 39


MALTESERÖSTERREICH

Dr. Walburga Litschauer, Else Paschke und Georg Wagner-Wagenried.

DREI „NEULINGE“

IM MALTESER BETREUUNGSDIENST

Ein herzliches Willkommen drei besonderen Menschen, die sich nun im Namen der Malteser mit viel Freude, Energie und

Dankbarkeit engagieren: Dr. Walburga Litschauer, Else Paschke und Georg Wagner-Wagenried.

Von Angela Thierry

Die Kinder sind aus dem Haus, das Pensionsalter ist erreicht.

„Was tun?“, fragt sich da so mancher der Betroffenen,

die sich plötzlich in einer neuen Lebensphase

wiederfinden. Die eigene Existenz ist mehr oder weniger

gesichert, plötzlich ist der Wunsch da, auch einmal „etwas

für andere zu tun“. Gottlob gibt es heutzutage eine große

Vielfalt von Möglichkeiten, sich helfend für andere Menschen

einzusetzen. Warum es gerade ein Engagement bei

den Maltesern geworden ist und welche Motivationen bei

dieser Wahl eine Rolle gespielt haben, wurde von der Leiterin

des Malteser Betreuungsdienstes, Angela Thierry, im

Gespräch mit den drei „Neuen“ auf den Punkt gebracht.

Wie hast Du von den Maltesern erfahren?

Georg: Mein Vater wurde mit einem UNESCO-Vertrag im

Jahr 1950 nach Aleppo versetzt. Unsere ganze Familie ist

dorthin ausgewandert und ich wurde dort geboren. Von

Kindheit an habe ich mich für Geschichte interessiert

und da besonders für soziale Hilfswerke in der ganzen

Welt. Als wir nach Österreich zurückkehrten, stellte ich

fest, dass viele unserer Verwandten bei den Maltesern tätig

waren, sodass ich mich weiterhin im Bereich der vielfältigen

Sozialengagements informieren konnte. Durch

persönliche Betroffenheit – meine Mutter starb im Jahr

2004 mit 88 Jahren an Alzheimer – war ich persönlich

selbstverständlich an vorderster Front gefordert, und

mein soziales Engagement wurde in der Praxis auf eine

harte Probe gestellt.

Else: Auch ich bin nicht in Österreich, sondern in New

York geboren. Mein Vater wurde als Elektrotechniker

1955 in die USA berufen und wir lebten bis 1968 in New

Jersey. Beide Eltern hatten eine stark ausgepräge soziale

Ader, d. h. Helfen hatte bei uns in der Familie stets einen

hohen Stellenwert. Ich habe bis heute viele internationale

Kontakte, in Wien lernte ich auch etliche Malteser

kennen, u. a. Therese Backhausen vom MHDA, die mich

an den Betreuungsdienst weiter vermittelte. Ich habe

keinerlei Berührungsängste mit Menschen aus Randgruppen

wie Obdachlosen, Alkoholikern oder psychisch

kranken Menschen. Auch bei mir steht heute die Fürsorge

für meine Mutter an erster Stelle; trotzdem habe ich

Zeitkapazitäten frei, um eine Patientin des MBD regelmäßig

zu besuchen, was ich mit großer Begeisterung tue.

Walburga: Den ersten Kontakt zu den Maltesern bekam

ich in Kärnten durch die uns benachbarte Familie Mayerhofer-Grünbühel.

Mein Vater führte mit großem Engagement

die Firma Leitgeb, meine Mutter kam durch Dr.

Felix Mayerhofer-Grünbühel ins Haus Malta, in dem sie

sich sehr wohl gefühlt und viele interessante Menschen

kennengelernt hat.

40

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

Welche Beweggründe hattest Du, um Dich aktiv bei

den Maltesern einzubringen und Mitglied in einem

Hilfswerk zu werden?

Georg: Ich möchte mich in meiner neu gewonnenen Pensionszeit

mit anderen Menschen beschäftigen, neue Vertrauensverhältnisse

aufbauen, um auf dieser Basis helfen

zu können. Dabei lerne ich vieles im Bereich der sozialen

Netzwerke kennen – die Geschichte des Malteser-Ordens

hat mich da schon immer ganz besonders interessiert.

Else: Mir ist in letzter Zeit klar geworden, wie alleine

und unverstanden viele Menschen sind. Menschen

wollen Gespräche führen und Zuwendung erfahren. Ich

wurde bei meinem ersten Besuch im Haus Malta von

Direktor Bercal begleitet, wo ich meine erste Patientin

kennenlernte, und es war „Liebe auf den ersten Blick“.

Seither weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen

habe und freue mich darauf, bald mehr über die

Geschichte des Malteser-Ordens zu erfahren.

Walburga: Ich wollte schon als Kind immer gerne anderen

helfen, später tat ich das während meiner Studienzeit

und während meiner Tätigkeit an der Universität.

Man konnte sich immer auf mich verlassen, wenn „Not

am Mann/an der Frau“ war. Ich bin bis heute in vielfacher

Hinsicht beruflich gefordert. Neben der Betreuung meiner

Mutter, die nahtlos in die Betreuung meines an Parkinson

erkrankten Vaters überging, managte ich die Führung des

elterlichen Betriebs und führte unser Haus in Klagenfurt.

Ich bin also Vielseitigkeit gewöhnt und lerne bei meinen

Besuchsdiensten immer noch viel Neues dazu.

Welches waren die bisher schönsten Momente im

Zuge Deiner Tätigkeit im MBD?

Georg: Das war ganz eindeutig meine erste Teilnahme

an der von Angela organisierten Weihnachtssitzung, an

der ich als „Neuling“ teilnahm. Ich wurde so herzlich

aufgenommen und fühlte mich vom ersten Moment an

in dieser Gruppe so wohl. Es war, als ob ich die anderen

schon längst kennen würde. Keinen Moment lang hatte

ich das Gefühl „neu“ zu sein.

Else: Ich fand Direktor Bercal so besonders sympathisch

und hilfreich, er hat mir bei meinem ersten Besuch

großartig geholfen. Außerdem freue ich mich jedes Mal,

wenn ich feststelle, wie viele meiner österreichischen Bekannten

bei den Maltesern mitarbeiten. Das festigt das

Freundschaftsband um vieles mehr und gibt mir ein ganz

besonderes Zugehörigkeitsgefühl.

Walburga: Für mich war es schön, anlässlich unserer

ersten Sitzung diesmal von einer ganz anderen Seite

ins Haus Malta zurückzukehren. Auch die herzliche und

fröhliche Aufnahme durch unsere Leiterin hat mir gut

gefallen. Meine Betreute lebt ja nicht im Haus Malta,

sondern in einem Pflegeheim. Da finde ich es ganz besonders

wichtig, ihr die nicht vorhandene Familie wenigstens

einmal in der Woche für kurze Zeit zu ersetzen und

nebenbei ihre wirklich spannende Biografie schrittweise

kennenzulernen. Ich betrachte es als ein Geschenk, wenn

sich jemand wie meine Betreute mir gegenüber öffnet,

und ich bin für diese unerwartete Bereicherung meines

Lebens zutiefst dankbar.

DIE MALTESER 1/2017 41


MALTESERÖSTERREICH

SOZIALMINISTER STÖGER

BESUCHT DAS HILDE UMDASCH HAUS

1. Reihe v. l. n. r.: Dr. Jörg Jakobljevich (Stiftungsvorstand H.U. Privatstiftung), Norbert Salburg-Falkenstein

(Prokurator des Großpriorats von Österreich), KR Hilde Umdasch (Stifterin des Hauses), Sozialminister Alois

Stöger, Olivier Loudon (GF Malteser Kinderhilfe), NRAbg. Ulrike Königsberger-Ludwig.

2. Reihe v. l. n. r.: Johannes Hauser (stv. Bereichsleiter Pflege), Mag. Sabine Grünstäudl (Bereichsleiterin Pädagogik),

GR Regina Öllinger, Veronika Karner (Haus- und Pflegedienstleiterin Hilde Umdasch Haus), LAbg. Bgm.

Helmut Schagerl, SR Mag. Gerhard Riegler, Siegfried Köhsler (Bezirksgeschäftsführer SPÖ Amstetten), Helmut

Lutz (GF Malteser Care)

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Geschäftsführer

der MALTESER Kinderhilfe, Olivier Loudon,

und die Hausleiterin Veronika Karner sowie einer

Vorstellungsrunde, im Besonderen der Stifterin des

Hauses Frau KR Hilde Umdasch und des Prokurators

des Großpriorates von Österreich Norbert Salburg-

Falkenstein, gab es eine eingehende Besichtigung des

Hauses und eine Erklärung der Philosophie, die nicht

das medizinische, sondern das Menschliche, das Familiäre

und die Individualität ganz gezielt in den Vordergrund

stellt, um den Kindern ein echtes „Zuhause“ zu

bieten.

CAFÉ MALTA IN TIROL

Von Markus Leopold Huber

Mehr oder weniger koffeinhaltige Heißgetränke, selbstgemachte

süße und salzige Köstlichkeiten, angeregte

Gespräche: Allmonatlich weht für einen Freitagnachmittag

ein Hauch Kaffeehausatmosphäre durch die

Leopoldstraße 41 in Innsbruck. Unser „Café Malta“ ist

zu einer netten Tradition geworden, die Betreuten und

Maltesern gleichermaßen eine kleine Pause vom Alltag

und Zeit für ein gemütliches Beisammensein beschert.

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DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

EINE SCHILDKRÖTE

NAMENS „PUPPI“

Von Anne Schlumprecht

Unser Ausflug gemeinsam mit unseren Betreuten und Freunden, begann

direkt vor dem Eingang des Haus des Meeres in Wien 6. Sobald alle vor Ort

waren, ging es auch schon in die spannende Welt der Unterwassertiere. Im

ersten Stock begegneten wir riesigen Schlangen, Echsen und vielen kleinen

Ameisen, die über eine mehr als 70 Meter lange Ameisenstraße durch

zwei Stockwerke unterwegs waren. Einige Räume weiter bestaunen wir

Aquarien mit leuchtenden Fischen und beobachteten kleine Seepferdchen

von der Größe einer Stecknadel. Besonders hatten es uns die Weißbüscheläffchen

im Tropenhaus angetan, die sich mutig den Besuchern näherten

und frech vor unserer Kamera posierten.

Im vierten Stock kamen wir gerade noch rechtzeitig an, um bei der berüchtigten

Haifischfütterung dabei zu sein. Im großen Becken tummelten sich

aber nicht nur Haie, sondern auch allerhand kleinere Fische und eine 100

Kilo schwere Schildkröte namens „Puppi“. Vor vielen Jahren war Puppi

von einer Touristin aus Wien auf den Malediven vor dem Verzehr gerettet

worden. Die damals zehn Zentimeter kleine Schildkröte war auf einem

Markt als Frühstückssnack angeboten worden.

In der Zwischenzeit hatten auch wir mächtig Hunger bekommen und verzehrten

unsere selbstbelegten Weckerln auf der Terrasse des Haus des

Meeres, während wir über die Dächer von Wien blicken. Was für ein gelungener

Ausflug!

Am 27. Jänner unterstützte uns dabei eine Gruppe

Firmlinge der Pfarre Rum. Die Jugendlichen beschäftigen

sich im Rahmen ihrer Firmvorbereitung unter

anderem mit den Themen „Behinderung“ und „selbstbestimmt

leben“ und diskutierten eifrig darüber mit

unseren Gästen. – Wir freuen uns schon auf das nächste

Café Malta!

DIE MALTESER 1/2017 43


MALTESERÖSTERREICH

MUSIK IM HAUS MALTA

Musizieren im Alter kann einen wichtigen Beitrag zum psychischen und physischen Wohlbefinden leisten. Im Haus Malta

weiß man deshalb die Musikgeragogik – eine Fachdisziplin an der Schnittstelle von Musik- und Alterspädagogik – überaus

zu schätzen.

Von Thomas Braun

Die Musikgeragogik als Wissenschaft steckt zwar noch in

den Kinderschuhen, aber in der Praxis zeigt sich schnell,

dass Musik biografische Erinnerungen wecken kann und

ältere Menschen damit besondere Erlebnisse in Verbindung

bringen können. Für unsere Seniorenbetreuerin

Sonja Katzberger ist Musik gerade bei der Betreuung von

an Demenz erkrankten Menschen ein wichtiges Instrument,

da „Musik, wenn sie den Bewohnern gefällt, beruhigen

oder beleben, Aggressionen abbauen sowie Aufmerksamkeit

fördern kann.“

In gemütlicher Atmosphäre gemeinsam singen

Nicht nur für an Demenz erkrankte Menschen spielt Musik

im Seniorenheim eine wichtige Rolle. Schon seit 19

Jahren wird mit Frau Mag. Johanna Malfèr einmal wöchentlich

im Gartensalon – in gemütlicher Atmosphäre

und mit Gitarrenbegleitung – gemeinsam gesungen. Auf

diesem Wege lässt sich zusammen eine gute Zeit verbringen,

und bei bekannten Volksliedern, Schlagern und Operetten

kann so mancher Bewohner sich sicherlich schöne

Erinnerungen ins Gedächtnis rufen.

Bewohner spielen Klavierkonzerte

Dass Musik im Seniorenheim nicht wegzudenken ist,

beweisen uns auch zwei unserer Bewohner. Clothilde

Prinzessin Auersperg und DDipl. Ing. Hans Rumpf nehmen

nun schon seit einigen Jahren Klavierunterricht im

Haus Malta. Mit harter Arbeit, viel Spaß und Liebe zur

klassischen Musik sowie herausragendem Talent haben es

die beiden sogar geschafft, ein Klavierkonzert für unsere

Bewohner und deren Verwandte und Bekannte zu spielen.

Reaktions- und Gedächtnistraining in einem

Unterrichtet werden sie von Frau Klara Nowak, die neben

ihrem Studium der Instrumental- und Gesangspädagogik

an der Universität für Musik und darstellende Kunst auch

zwei Jahre Psychologie an der Universität Wien studiert

hat. Seit 2013 ist sie Lehrbeauftragte der Pädagogischen

Hochschule Wien und betreut erfolgreich eine Privatklasse

(http://www.klanghorizont.at). „Klavierunterricht –

das heißt Gehörschulung, Technik, das Auswendiglernen

der Noten und verschiedene Koordinationsübungen –

fördert die Funktion des Gehörs, des Gehirns, ist Reaktionstraining

und Gedächtnistraining in einem“, berichtet

Frau Nowak, „mit Musik sind diese Übungen lustiger und

bringen Spaß, bei dem man auch noch viel trainiert.“

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DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

„DEN TOD ALS FREUND

BETRACHTEN“

Der einfühlende Umgang mit Sterben und Trauer ist lernbar und ungemein bereichernd. Wie Kurse für die Hospizbegleitung

ablaufen und was Absolventen darüber berichten, lesen Sie hier.

Von Sr. Karin Weiler

Bereits zum 80. Mal fand der Einführungskurs für Lebens-,

Sterbe- und Trauerbegleitung im Kardinal-König-Haus,

dem Bildungszentrum der Jesuiten und der

Caritas in Wien, statt. Dieser Kurs qualifiziert für die

Begleitung von Menschen am Lebensende und deren

An- und Zugehörigen. Begründet wurde das Kursangebot

von Hospizpionierin Sr. Hildegard Teuschl CS. Im

Bereich Hospiz, Palliative Care und Demenz ist derzeit

Sr. Karin Weiler CS für die Kurse verantwortlich. Sie hat

nachfolgend Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt.

An wen richtet sich das Kursangebot?

Es steht allen am Thema „Sterben, Tod und Trauer“ Interessierten

und zukünftigen Ehrenamtlichen des Malteser

Palliativdienstes offen. Viele der TeilnehmerInnen

besuchen den Kurs, weil sie schon als Kind mit dem

Sterben eines Angehörigen konfrontiert waren oder

dazu beitragen wollen, dass das Bewusstsein für die

Bedürfnisse von Menschen in der letzten Lebensphase

wächst.

Was sind die Inhalte des Kurses?

Inhalte sind sowohl die Selbstreflexion in Bezug auf

Krankheit, Sterben, Tod und Trauer, die Auseinandersetzung

mit der ehrenamtlichen Rolle im Kontext der

Hospizbegleitung und Sensibilität in Kommunikation

und Begleitung am Lebensende. Grundkenntnisse zu

den Themen Schmerz, Trauer, Demenz, zu ethischen,

rechtlichen und spirituellen Aspekten der Begleitung

werden erarbeitet. Im Anschluss an den Kurs ist ein

Praktikum in der Begleitung vorgesehen, um im mobilen

oder stationären Bereich, auf der Palliativstation,

im Pflegeheim oder auch in anderen Bereichen mit

schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen ehrenamtlich

tätig zu werden. Der Kurs entspricht den

Standards zur Befähigung von ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen

des Dachverbands Hospiz Österreich.

Wie wird in diesem Kurs gelehrt und gelernt?

Die Gruppe bildet einen Lernraum für den Umgang mit

ganz unterschiedlichen Bedürfnissen von Menschen.

Die KursbegleiterInnen setzen Methoden der Erwachsenenbildung

ein und bringen Erfahrung aus der Praxis

der Hospizarbeit mit. Dazu die Stimmen von zwei KursteilnehmerInnen:

„Ich hätte mir nicht gedacht, dass es

bei diesem Thema auch so humorvoll zugehen kann.“

und „Ich wollte etwas für die Begleitung von Menschen

am Lebensende lernen. Darüber hinaus habe ich ganz

viel für mein eigenes Leben gelernt.“

DIE MALTESER 1/2017 45


MALTESERÖSTERREICH

WAS SAGEN BISHERIGE MALTESER

ABSOLVENTINNEN ÜBER DEN KURS?

Hier einige Auszüge aus den Rückmeldungen in Stichworten:

• Wichtige Informationen, tatsächliches „Werkzeug“, Impulse, die eigene

Haltung zu finden, tiefe Erkenntnisse über Respekt, Selbstbestimmung,

Begleitung

• Sehr gut konzipiertes Heranführen an das Thema Tod und Sterben

• Persönliche Bereicherung, sehr geeignet für Selbstreflexion, Überdenken

der eigenen Haltung, Horizonterweiterung

• Persönliche Reflexion und fachliche Information

• Klarheit über ein angstbesetztes Thema – Mut!

• Sehr gutes Rüstzeug für ehrenamtliche Arbeit

• Vorbereitung auf dem Umgang mit Sterbenden, chronisch Kranken und

deren Angehörigen

Der langjährige Malteser Christoph Cornaro, Botschafter im Ruhestand, und Malteser-Dame Tita Andras berichten über

ihre Erfahrungen und machen Mut, es ihnen gleichzutun.

Warum hast du dich entschlossen, die Ausbildung

zur Befähigung für Hospiz- und Demenzbegleitung

zu absolvieren?

Tita Andras: Mein lieber Mann hat mir einen Internet-Link

geschickt: Da stand, dass bei den Maltesern

eine neue Idee entstanden war: die Gründung des Malteser

Palliativdienstes. Das hat meine Aufmerksamkeit geweckt,

da ich mich schon seit einiger Zeit gefragt hatte:

Was hat der liebe Gott für mich vor, wenn unsere Kinder

aus dem Haus ausziehen?

Was war besonders spannend und vielleicht unerwartet

im Zuge der Ausbildung?

Christoph Cornaro: Der vier Monate dauernde Ausbildungskurs

für zwischen 40 und 50 Leute aller Altersklassen

hat mir viele neue Aspekte gezeigt. Unerwartet war

einerseits die zwischenmenschlich positive Wirkung

unter den Teilnehmern und andererseits das deutliche

Bemühen von Sr. Karin Weiler, keinerlei religiöse Aspekte

aufzuzeigen: strikte Neutralität im Kardinal-König-Haus!

Tita Andras: Diese Wochen, die der Kurs in Anspruch

genommen hat, haben mich sehr bereichert: Die Gruppe

aus unterschiedlichen Personen und verschiedenen

Altersgruppen hatte großes Interesse an der noch unbekannten

Aufgabe Palliativbereich, und es ergab sich, total

spontan, eine sehr nette und freundliche Atmosphäre.

Ich gewann mehr und mehr Vertrauen in die Gruppe und

konnte meine Ängste und Hemmungen bezüglich Palliativarbeit

mit anderen teilen. Das tat mir sehr gut.

Was war für dich die größte persönliche Erfahrung

im Zuge deiner ehrenamtlichen Tätigkeit nach der

Ausbildung?

Christoph Cornaro: Die ehrenamtliche Tätigkeit im

Wilhelminenspital war interessant und lehrreich, wenn

auch nicht immer ganz einfach. Im Wilhelminenspital

gab es ausreichend Ehrenamtliche und durch den Häu-

46

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

Werden weiterführende Kurse angeboten?

Die Kurse für „Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“ haben langjährige Tradition.

Seit einigen Jahren gibt es auch eine gezielte Weiterbildung für „Demenzbegleitung“

und die weiterführende Fortbildung für „Trauerbegleitung“. Die

nächsten Kurse starten im Herbst und wenden sich an alle, die sich informieren,

austauschen, vorbereiten wollen – egal, ob für eine konkrete Aufgabe oder für das

Leben „an sich“.

Der nächste Kursstart

Kurstitel: Einführung in die Lebens-, Sterbe-, und Trauerbegleitung

Wann: 18.9.2017 um 17:30 Uhr, sowie 15 weitere Abende und drei ganze Samstage bis Jänner 2018

Information und Anmeldung: Mag. Martina Schürz, Tel.: 01-804 75 93-629,

E-Mail: schuerz@kardinal-koenig-haus.at, www.kardinal-koenig-haus.at

Malteser Palliativdienst: Dr. Johannes Mlczoch, palliativdienst@malteser.at

figen Wechsel der Betreuten konnte ich dort in meinem

Zeitbudget keine echte Beziehung und sohin durch meine

Besuche, nach meinem Empfinden, nicht genug Hilfestellung

geben. Daher habe ich gerne ins Haus Malta

gewechselt, wo längerfristige Besuchsdienste möglich

waren. Ich hatte dadurch das Gefühl, den Leuten irgend

etwas Angenehmes durch die Besuche geben zu können.

Ich hatte dadurch das Gefühl, den Leuten irgend etwas

Angenehmes oder für sie Brauchbares durch die Besuche

geben zu können. Ich konnte dann ins Haus Malta wechseln,

wo längerfristige Besuchsdienste möglich waren.

Tita Andras: Ich begann meine Dienste ziemlich schnell

nach Beendigung des Kurses im Wilhelminenspital. Alle

Ehrenamtlichen wurden dort von den Krankenschwestern,

dem Pflegepersonal und der Sozialarbeiterin sehr

herzlich willkommen geheißen. Meine Dienste waren jeweils

samtags am Vormittag. Ich erinnere mich an eine

Patientin namens Gaby, die mir durch ihre innere Freude

besonders ans Herz gewachsen war. Ich habe sie auch unter

der Woche besucht und durfte ihre Tochter kennenlernen.

Sie zeigte mir, was es bedeutet, sich auf den Tod

vorzubereiten und ihn als „Freund“ zu betrachten.

Wie kannst du dein erworbenes Wissen bei den

Maltesern einbringen?

Christoph Cornaro: Ich kann mich selbst von Zeit zu

Zeit, vor allem bei dementen Personen im Haus Malta, einbringen.

Ich habe dort zum Beispiel angeregt, zu meinem

Klaviervortrag vor kurzem auch demente Patienten hinzubringen

und hatte das sichere Gefühl, dass diese die Musik

besonders erlebt und für sich „mitgenommen“ haben.

Tita Andras: Was ich in der Ausbildung und bei den

praktischen Diensten im Wilhelminenspital gelernt habe,

kann ich auf jeden Fall ehrenamtlich bei den Maltesern

einbringen. Als Malteserdame bete ich: „… dem Nächsten

will ich in Liebe begegnen, besonders den Armen und unseren

Herren Kranken …“ In der Palliativarbeit darf ich

dieses Gebet der Malteser verwirklichen und konkret darf

ich im Haus Malta meine Dienste zur Verfügung stellen.

DIE MALTESER 1/2017 47


WENN AUS FREMDEN

FREUNDE WERDEN ...

Im Oktober 2015 lernte ich bei einem der wöchentlich stattfindenden

Friedensgebete Tony S. kennen. Tony war aus Syrien geflüchtet und hatte in

Tirol eine neue Heimat gefunden. Für „Die Malteser“ gab er mir ein Interview.

Danke, Tony!

Von Hemma Zingerle

Tony, was hast du in Syrien gemacht?

Ich wurde 1975 in Homs geboren und habe nach dem Gymnasium

in Damaskus Pharmazie studiert. Später habe ich in

meiner Heimatstadt meine eigene Apotheke geführt.

Warum hast du Syrien verlassen?

Ich wurde unter Druck gesetzt und bedroht. Ich wollte

zunächst mit meiner Frau und meinen Kindern zu meiner

Schwester und deren Familie nach Australien fliegen.

Ein Anwalt in Sydney hatte uns dabei beraten und geholfen.

Dafür musste man aber in Beirut registriert werden.

Als wir dort waren, hatte sich die Lage im Libanon

derart verändert, dass es nicht mehr möglich war, nach

Australien auszureisen. Viel Geld war weg. Im Libanon

wollten und konnten wir nicht bleiben. So ging es zurück

nach Syrien. Dort musste ich mich verstecken und wollte

schließlich nur noch weg. Im Internet liest man über

mögliche „Reiseziele“. Für mich war schnell klar, dass ich

nach Österreich, Belgien oder Norwegen möchte.

Wie ist es dir auf der Flucht ergangen?

Am 13. Juli 2015 habe ich meine Familie verlassen, bin

mit einem Kleinbus nach Beirut und auf legalem Weg

nach Izmir geflogen. Von dort ging es nach Marmaris

und mit Hilfe eines Schleppers auf einem viel zu kleinem

Boot nach Rhodos. Dort wurde ich registriert und

konnte legal nach Saloniki fliegen. Weiter ging es nach

Athen, wo ich elf Tage bleiben musste, da es Schwierigkeiten

gab. Ein Schlepper versprach uns – inzwischen

waren wir zu einer Gruppe von sieben syrischen Christen

angewachsen –, uns für 2.300 Euro pro Person bis nach

Wien zu bringen. Über Mazedonien, Serbien und Ungarn

ging es abwechselnd in Kleinbussen und PKWs bis an die

österreichische Grenze. Dort ließ uns der Schlepper am

13. August mit den Worten aussteigen: „Gleich hier ist

Wien.“ Wenige Meter weiter wurden wir von einem österreichischen

Polizisten aufgeschnappt, in eine Polizeistation

gebracht und mit einem Bus ins steirische Vordernberg

gebracht. Zu Maria Himmelfahrt, diesem für mich

so besonderen Tag, stellte ich den Antrag, in Österreich

bleiben zu dürfen, und wurde nach Traiskirchen überstellt.

Und dann hatte ich großes Glück. Eigentlich sollte

ich nach Graz kommen. Da aber meine inzwischen neu

gewonnenen Freunde alle nach Tirol sollten, durfte ich

bei ihnen bleiben.

Deine ersten Eindrücke von Österreich?

Die wunderbare Natur! Ich habe als einziger im Bus von

Traiskirchen bis Innsbruck nicht geschlafen, sondern nur

geschaut und geschaut. Und dann die Ernüchterung in

meinem neuen Quartier. Ich habe nur noch geweint: „Da

besitzt du daheim zwei Wohnungen, eine Apotheke und

hast Zukunftspläne, und jetzt ist alles dahin!“, dachte

ich. Aber ich weiß, dass ich viel Glück gehabt habe. Im

November nahm uns eine Familie in einer kleinen Wohnung

auf, im März 2016 folgte der positive Asylbescheid

und ich bekam sofort Arbeit, ab Juli sogar wieder in einer

Apotheke.

Dann kam mit

5. Jänner 2017

der wunderbare

Tag, als ich

meine Familie in

Schwechat wieder

in die Arme

schließen durfte.

48

DIE MALTESER 1/2017


DER TURMKOLOSS

VON KOLÓSSI

Eine Reise nach Zypern lohnt sich – nicht nur für Malteser. Die Insel hat aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte eindrucksvolle

Zeugnisse mittelalterlicher Baukultur zu bieten.

Von Georg Reichlin-Meldegg

Nach dem Verlust von Akkon im Jahr 1291, der letzten

Bastion der Christenheit im Heiligen Land, zog sich der

Johanniter-Orden mit seiner Ordensregierung zunächst

nach Limassol auf Zypern und folgend, im Jahre 1309,

unter dem Kommando des Großmeisters Fra’ Foulques de

Villaret, auf die Insel Rhodos zurück. Dieses heute eher als

kürzeres „Zwischenspiel“ deklarierte Ereignis in der mehr

als 900-jährigen Geschichte des Ordens hat auf dieser seit

1974 in einen türkischen Nordteil und einen griechischen

Südwestteil (Republik Zypern) geteilten Insel mehrere

historisch bedeutende steinerne Zeugen hinterlassen.

Beeindruckende Militärarchitektur

Reisender aus Austria, kommst Du nach Zypern, so liegt

westlich von Limassol, im Zentrum eines üppig überwucherten

Tales im Süden, eines der bedeutendsten Monumente

der mittelalterlichen Militärarchitektur vor dem

Linsenauge deiner Kamera: der Turmkoloss von Kolóssi.

Schon am Beginn des 11. Jahrhunderts wird dieses

fruchtbare Tal an der Mündung des Kouris-Flusses wegen

seiner reichen Zuckerrohr und Baumwoll-Plantagen,

seiner Weinberge und Olivenhaine in Dokumenten

jener Zeit erwähnt. Weit vor dem Fall Akkons hatte der

über Zypern herrschende König, Hugo I. von Lusignan,

um 1210 dem Johanniter-Orden dieses Gebiet samt der

Burg Kolossi zu Lehen gegeben, welches sich zuvor im

Besitz des Feudalherren Garinus de Colos befunden hatte.

Sein Name war zur Benennung der Gegend auf die zu

jener frühen Zeit wesentlich kleinere Burganlage übergegangen.

Päpstliches Edikt und Intrigen

Nachdem sich der Tempelritter-Orden nach Zypern zurückgezogen

hatte, kam 1306 die Burg für kurze Zeit in

den Besitz dieses Ordens. Der Templerorden war insoweit

unter Zugzwang geraten, als ein Edikt von Papst

Clemens V. und Intrigen in Frankreich diesen veranlassten,

einen Teil seines Vermögens in Zypern anzulegen.

Die Burg Kolóssi ging jedoch schon 1309, nach gewaltsamer

Auflösung des Templerordens, wieder in den Besitz

der Johanniter über, die zu diesem Zeitpunkt die

Ordensregierung nach Rhodos verlegt hatten. Die Kommende

Kolóssi wurde erst 1488, etwa zeitgleich mit den

Besitzungen auf den Inseln Kos und Nisyros verkauft, als

DIE MALTESER 1/2017 49


„... WIEDER ZURÜCK

die Erträge aus der Landwirtschaft

deutlich im Sinken begriffen waren.

Zuvor konnten sich diese Erträge

durchwegs sehen lassen: Auf den

Besitzungen der Kommende, zu

der auch rund 60 Dörfer gehörten,

wurden Getreide, Wolle, Olivenöl,

Zucker und der traditionell süße

Rotwein Zyperns produziert. Dieser

Wein wird noch heute zur Erinnerung

an den Johanniter-Orden

„Commandaria“ genannt.

Süße Handelsware

Verheerende Angriffe der Genuesen

im Jahre 1373 und der Mameluken

in den Jahren 1413, 1425 und 1426

sowie eine Reihe katastrophaler

Erdbeben bewirkten, dass die einst

stattliche Burg zur Ruine verkam.

1454 errichtete der Großkomtur,

Louis de Magnac, eine neue, weitaus

mächtigere Burg, somit die

heute noch gut erhaltene Burg von

Kolóssi. An der Ostseite der Burg

sind Reste einer Zuckerraffinerie zu

besichtigen: ein großer überwölbter

Raum, in dem eine Brennerei sowie

eine Zuckermühle untergebracht

waren. Diese „süße Handelsware“

erzielte über 200 Jahre schmackhafte

Einnahmen für den Comun

Tesoro, das Schatzamt des Johanniter-Ordens.

Genau vor einem Jahr berichteten wir in der Ausgabe 1/2016 vom Fall einer

jungen Mutter von drei kleinen Kindern mit der Diagnose Krebs. Damals hat

unsere Mitarbeiterin von Malteser Care die Betreuung der Familie organisiert

und sie während des gesamten Behandlungszeitraums begleitet und unterstützt.

Vor Kurzem haben wir Frau Edletzberger zum Interview getroffen.

Von Susanne Wick

Liebe Frau Edletzberger, als wir Sie vor einem Jahr besuchen durften,

waren Sie noch mitten in Ihrem Behandlungszyklus mit Chemotherapie

und Bestrahlungen. Im Juni 2016 schlossen Sie diese mit

einer onkologischen Rehabilitation ab. Wie geht es Ihnen heute?

Soweit geht es mir gut, danke. Mein Körper hat sich zum Glück schnell von

den Strapazen erholt.

Sowohl physisch als auch psychisch?

Körperlich bin ich noch nicht so fit wie vorher, aber ich versuche wieder regelmäßiger

Sport zu machen. Ich bin mittlerweile zu 95 Prozent schmerzfrei.

Seit zwei Wochen habe ich keine Physiotherapie mehr, weil sie nicht mehr

nötig war. Psychisch geht es mir auch gut. Meine drei Kinder halten mich auf

Trab. Natürlich steigt meine Angst vor Untersuchungen und vor Befundbesprechungen

immer extrem. Ich denke mir dann oft: „Was ist, wenn ...?“ Aber

man muss positiv sein und das Beste daraus machen.

Können Sie uns kurz beschreiben, wie die letzten Monate für Sie waren?

Sie liefen gut, der letzte Sommer mit den Kindern war wirklich schön. Wir

haben die Sonne unbeschwert genießen können. Wir setzten uns immer wieder

kleine Highlights, an denen wir etwas gemeinsam als Familie unternehmen

konnten. Man vergisst so schnell, wie gut man es hat. Alle sind gesund

– was will man mehr? Ich gehe seit Oktober wieder arbeiten und fühle mich

sehr wohl dabei. Der Schritt zurück ins Arbeitsleben war mir sehr wichtig,

ich fühle mich dadurch auch lebendiger. Ich arbeite jetzt 20 Stunden pro Woche.

Weniger wäre mir lieber, weil ich durch die Krankheit doch noch schnell

müde werde. Aber mit weniger Stunden geht es sich finanziell nicht aus.

Gab es für Sie ganz besondere Highlights?

Die beste Nachricht erhielt ich letztes Jahr am 8. April. Da erfuhr ich endlich,

50

DIE MALTESER 1/2017


MALTESERÖSTERREICH

IM LEBEN...“

„Alle wissen wieder, dass ich

für sie da sein kann, und wir

halten zusammen.“

dass sich die Bestrahlungen und die Chemotherapie ausgezahlt

haben und ich in Vollremission bin. Und vor zwei

Wochen hatte ich erst wieder eine Blutuntersuchung –

alles bestens, zum Glück!

Was waren in letzter Zeit besondere familiäre Ereignisse?

Mein großer Sohn, Leon, kam im September in die Schule.

Es geht ihm mittlerweile gut und er kommt sehr gut

zurecht. Er hat viele Freunde und Spaß in der Schule. Anfangs

gab es einige Konzentrationsschwierigkeiten und

verständnislose Lehrer. Im letzten Kindergartenjahr lag

der Fokus von meinem Sohn wahrscheinlich nicht auf

der Vorschularbeit, sondern eher darauf, ob seine Mama

wieder gesund wird. Mithilfe einer Kinderpsychologin,

die wir über Malteser Care bekamen, und einer Ergotherapeutin

konnten wir aber daran arbeiten und auch Unklarheiten

in der Schule klären.

Wie geht es Ihrem Mann und Ihren Kindern heute?

Können Sie sagen, dass für sie wieder eine stabile

Familiensituation eingetreten ist?

Ja. Alle wissen wieder, dass ich für sie da sein kann und

wir halten zusammen. Natürlich gab es ein paar Änderungen.

Ich liebe meinen Mann und meine Kinder, aber

man muss auch mal Prioritäten setzen und sich für sich

selbst ein wenig Zeit nehmen, das ist sehr wichtig.

Seit September 2016 werden Sie nicht mehr von

uns betreut, bekommen Sie derzeit noch externe

Hilfe oder bewältigen Sie Ihren familiären Alltag

wieder ganz alleine?

Ich bewältige alles allein. Ich teile mir die Hausarbeit gut

ein und mein Mann unterstützt mich sehr.

Inwieweit haben die Unterstützung und Begleitung

durch unsere Case Managerin, Frau Gruber-Polak,

zur Verbesserung Ihres Gesundheitszustandes und

zur Stabilisierung Ihrer Familiensituation beigetragen?

Die für uns zuständige Case Mangerin von MALTESER

CARE ist ein Engel. Sie war immer für uns da. Sie wusste

immer, was zu tun ist und hat uns unterstützt, wo es nur

ging. Egal, ob Kinderbetreuung, Mut zusprechen, medizinische

Unterstützung – sie war immer da. Ich weiß

nicht, ob das alles ohne sie genauso gut verlaufen wäre.

Mit der 24-Stunden-Betreuung war uns sehr geholfen.

Ich hätte das ohne diese Unterstützung nicht schaffen

können. Sehr positiv in Erinnerung habe ich noch die

Palliativstation in Lilienfeld. Ein so nettes Team von

Schwestern und Ärzten habe ich selten erlebt. Besonders

zu schaffen haben mir immer wieder die Fragen meines

großen Sohnes gemacht: „Tut das weh?“ und „Wirst du

sterben?“ Kinder brauchen eine Mama. Seine Ängste waren

begründet.

Liebe Frau Edletzberger, vielen herzlichen Dank,

dass Sie unsere Fragen beantwortet haben. Wir

wünschen Ihnen und Ihrer Familie weiterhin viel

Kraft, Glück und Gesundheit.

DIE MALTESER 1/2017 51


MALTESERÖSTERREICH

UND PLÖTZLICH IST MAN

„OHNE GEIST“

Demenz kann jeden treffen. Umso wichtiger ist zu wissen, wie man „im Fall des Falles“ damit umgeht, wo es Hilfe für

Betroffene und Angehörige gibt, und wie man den Krankheitsverlauf zwar nicht stoppen, aber günstig beeinflussen kann.

Von Susanne Wick

Laut der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft leiden

etwa 100.000 Österreicher/innen an einer dementiellen

Erkrankung. Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl auf etwa

230.000 Personen steigen. Die am häufigsten auftretende

Form ist die Alzheimer-Erkrankung, die für 60 bis 80

Prozent der Demenzen verantwortlich ist, gefolgt von

der Vaskulären Demenz, der Frontaltemporalen Demenz

und der Lewy-Körperchen-Demenz. Demenzerkrankungen

betreffen mehrheitlich Menschen im dritten Lebensabschnitt,

bestimmte Formen der Demenz können allerdings

bereits wesentlich früher auftreten.

So liest sich die trockene Statistik. Dahinter stecken

Einzelschicksale von Menschen, die – hört man ihre Geschichten

– zutiefst betroffen machen. Nehmen wir zum

Beispiel Frau F., 79 Jahre alt. Sie erklärt ihrem Mann,

sie müsse jetzt nach Hause, denn ihre Mutter warte mit

dem Essen auf sie. Die Mutter ist bereits vor 30 Jahren

verstorben. Oder Herr B., 82 Jahre alt. Er steht immer

häufiger in der Nacht auf, zieht sich verschiedene Kleidungsstücke

an, steckt Gläser und andere Gegenstände

in seine Taschen und erklärt seiner Frau, er müsse jetzt

auf die Universität. Oder Frau W., 77 Jahre alt. Sie verlässt

ohne adäquate Bekleidung zu Fuß ihr Haus und wird

zehn Kilometer davon entfernt auf der Landstraße von

einem aufmerksamen Autofahrer angesprochen. Sie war

auf dem Weg zum Bauern, um Milch zu holen. Den Hof

gibt es seit 20 Jahren nicht mehr.

Verlust bereits erworbener Fähigkeiten

Die Demenz ist ein Zustand, bei dem allmählich immer

mehr Nervenzellen und Nervenkontakte zugrunde gehen.

Es kommt zum Abbau der kognitiven, emotionalen

und sozialen Fähigkeiten, was zu einer Beeinträchtigung

der sozialen und beruflichen Kompetenzen führt. Betroffen

sind vor allem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen,

die Sprache, die Motorik und schließlich die

ganze Persönlichkeit. Das Entscheidende bei dementiellen

Erkrankungen ist der Verlust von bereits erworbenen

Fähigkeiten.

Erstes Anzeichen von Demenz ist Vergesslichkeit. Zwar

ist es zunächst normal, dass die körperliche und geistige

Leistungsfähigkeit im Alter abnehmen. Das Gehör wird

DIAGNOSE UND UNTERSTÜTZENDE MASSNAHMEN

Die Abklärung einer Demenzerkrankung basiert auf

klinisch-neurologischen Befunden, Zusatzuntersuchungen

der Blut- und Liquor-Analysen sowie CT/

MRT- und PET-Untersuchungen.

Es gibt bis heute kein Medikament, das präventiv eingesetzt

werden kann, und keine Therapie, die die Alzheimer-Erkrankung

heilen kann. Bei Früherkennung kann

jedoch ein rechtzeitiger Therapiebeginn die Prognose

günstig beeinflussen. So gibt es Arzneimittel, die den

Krankheitsverlauf verzögern und die geistige Leistungsfähigkeit

für eine begrenzte Zeit stabilisieren. Außerdem

können unterstützende Maßnahmen wie Physiotherapie,

Logopädie und Ergotherapie dabei helfen, die

Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeiten zu erhalten.

Musiktherapie, Kunsttherapie, Erinnerungsarbeit, tiergestützte

Therapie, Sport und eine gesunde Ernährung

mit viel Obst und Gemüse wirken sich ebenfalls positiv

auf den Allgemeinzustand aus.

52

DIE MALTESER 1/2017


schwächer, die Augen lassen nach, die Bewegungen werden

langsamer und das Gehirn altert. Es wird schwerer,

neue Dinge zu lernen oder sich etwas zu merken. Immer

häufiger auftretende Vergesslichkeit – vor allem das

Kurzzeitgedächtnis betreffend –, ist jedoch ein ernst zu

nehmendes Warnsignal.

Die „Fassade“ aufrecht erhalten

Am Beginn der Erkrankung erkennen die Betroffenen

meist selbst, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Sie

schaffen es aber noch, für ihr Umfeld die „Fassade“ aufrecht

zu erhalten. Mit fortschreitender Erkrankung lässt

sich dieser Zustand nicht mehr verbergen. Die selbstständige

Lebensführung im Alltag wird beeinträchtigt, ein unabhängiges

Leben mit fallweiser Hilfestellung von außen

ist aber möglich. Bei fortgeschrittener Demenz können

nur noch einfache Tätigkeiten selbstständig ausgeführt

werden. Ein unabhängiges Leben ist hingegen nicht mehr

möglich, externe Anleitung und Hilfe sind erforderlich.

Im schweren Stadium der Demenz bedarf es schließlich

einer dauerhaften Betreuung und Beaufsichtigung.

Ein Schock für alle

Partner, Angehörige und Freunde sind in solchen Fällen

vor große Herausforderungen gestellt. Die Diagnose „Demenz“

ist ein Schock für alle. Ihnen wird klar: Die geliebte

Person wird irgendwann nicht mehr so sein, wie sie einmal

war! Viele Angehörige wissen anfangs nicht, wie sie

sich dem Betroffenen und den Reaktionen des äußeren

Umfelds gegenüber verhalten sollen. Man möchte den

Patienten zu Hause in seiner gewohnten Umgebung pflegen

und betreuen, doch mit fortschreitender Erkrankung

werden die täglichen Herausforderungen, die eine professionelle

und würdevolle Pflege eines Demenzpatienten zu

Hause mit sich bringen, zu einer enormen physischen,

psychischen und gesundheitlichen Belastung. Parallel

zum Krankheitsverlauf des Betroffenen kann das Risiko

steigen, als Pflegender selbst zu erkranken. Erschöpfung

und Burnout sind bei Personen mit Doppelbelastung,

Beruf und pflegebedürftiger Angehöriger, sehr hoch. In

Deutschland beispielsweise werden rund 70 Prozent der

2,5 Millionen Pflegebedürftigen zuhause gepflegt - größtenteils

von Frauen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Hilfe bieten Einrichtungen wie Malteser Care GmbH

(MC), die sowohl Betroffene als auch Angehörige berät

und durch verschiedene Formen der Pflege und spezielle

Dienstleistungen entlastet. Aktuell leiden rund zwei

Drittel der Klientinnen und Klienten, die MC betreut, an

unterschiedlichen Formen dementieller Erkrankungen.

Über ein individuell ausgerichtetes Case Management

wird für sie nach eingehender Beratung und Fallanalyse

die optimale Pflege- und Betreuungsform gefunden.

HILFE für pflegende, berufstätige Angehörige

Rund 80 Prozent der demenzkranken Menschen in

Österreich werden zu Hause von ihren Angehörigen

betreut und gepflegt. Viele dieser Angehörigen sind

nebenbei voll berufstätig oder zumindest in Teilzeit

beschäftigt. Dies führt zu Doppelbelastungen, die

nicht selten im Burnout enden. Wie kann man solchen

Situationen vorbeugen? Wie kann ein Pflegender

gut für sich selbst sorgen?

Für eine Beratung zu Unternehmens-Informationsveranstaltung

oder bei persönlichen Anfragen

kontaktieren Sie Bitte: Herrn Helmut

Lutz (GF Malteser Care) per Mail lutz@mcr.or.at

oder Frau Ilse Hummer (Pflegedienstleiteitung)

per E-Mail: hummer@mcr.or.at und telefonisch

unter +43 1 361 97 88 - 10.

DIE MALTESER 1/2017 53


MALTESERÖSTERREICH

EINE REISE DURCH

DIE GESCHICHTE TIROLS

Kaum eine Familie hat das Land Tirol so nachhaltig über Generationen geprägt wie die Familie Wolkenstein. Sie versammelt in

ihrer einzigartigen Historie Künstler, Politiker und Bischöfe und hatte von jeher ein offenes Ohr für soziale Belange.

Von Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn

„In Ratzes am Schlern“

Der bekannteste Vertreter der Familie Wolkenstein und direkter Vorfahre unseres verstorbenen Delegaten Leonhard

Wolkenstein-Rodenegg ist der Dichter, Sänger und Politiker Oswald von Wolkenstein (1377 bis 1445). Im Alter

von zehn Jahren machte er sich auf den Weg, um als Knappe die Welt kennenzulernen. Seine rege Reisetätigkeit,

teilweise als Berater des Landesfürsten Herzog Friedrich IV. von Tirol („Friedl mit der leeren Tasche“) und des deutschen

Kaisers Sigismund, beschreibt er im „Hauensteinlied“:

Durch Barbarei, Arabia,

durch Hermani in Persia,

durch Tartari in Suria,

durch Romani in Türggia,

Ibernia,

der sprüng han ich vergessen.

Durch Reussen, Preussen, Eiffenlant,

gen Litto, Liffen, übern strant,

gen Tennmarkh, Sweden, in Prabant,

durch Flandern, Frankreich, Engelant

und Schottenland

hab ich lang nicht gemessen,

Durch Arragon, Kastilie,

Granaten und Afferen,

auss Portugal, Ispanie

bis gen dem vinstern steren,

von Profenz gen Marsilie –

In Races vor Saleren,

daselbs beleib ich an der e,

mein ellend da zu meren

vast ungeren.

Auff einem runden kofel smal,

mit dickem wald umbfangen,

vil hoher berg und tieffe tal,

stain, stauden, stöck, sneestangen

der sich ich teglich ane zal.

noch aines tuet mich pangen,

das mir der klainen kindlin schal

mein oren dick bedrangen

hand durchgangen

Durch die Berberei, Arabien,

durch Armenien nach Persien,

durch die Tartarei (= Krim?) nach Syrien,

durch das Land der „Römer“ (= Byzanz) in die Türkei,

nach Georgien:

diese Reisen habe ich vergessen.

Durch Russland, Preussen, Estland,

nach Litauen, Livland, an die Nehrung,

nach Dänemark, Schweden, nach Brabant,

durch Flandern, Frankreich, England

und Schottland

bin ich lange nicht mehr gefahren.

(Ebensowenig) durch Aragon, Kastilien,

Granada und Navarra,

aus Portugal und Spanien

bis zum Kap Finisterrae (dem Ende der Welt),

von der Provence nach Marseille.

In Ratzes am Schlern

da steck ich in der Ehe,

um dort mein Elend zu vermehren,

und zwar ganz unfreiwillig.

Auf einem runden kleinen Berghügel,

der umschlossen ist von dichtem Wald.

Hohe Berge und tiefe Täler,

Felsen, Buschwerk, Baumstöcke und Schneestangen,

die sehe ich jeden Tag in großer Menge.

Noch etwas macht mir Angst:

Nämlich dass mir das Geschrei der kleinen Kinder

die Ohren bedrängt

und sie durchbohrt

54

DIE MALTESER 1/2017


Ein Nachruf im letzten Heft war dem ehemaligen Delegaten

von Tirol und Vorarlberg, Leonhard Wolkenstein-

Rodenegg, gewidmet. Der Name dieser Tiroler Familie

weckt unweigerlich Erinnerungen an den Deutschunterricht:

Es gibt wohl kaum einen Österreicher, der noch nie

etwas vom Dichter und Sänger Oswald von Wolkenstein

gehört hat. Was aber ist mit den anderen Mitgliedern

dieser uralten, immer noch bestehenden Tiroler Familie?

Ich lade Sie zu einem kleinen Streifzug durch die Geschichte

ein. Begonnen hat sie 1293, als die Herren

von Vilanders, eine seit dem 12. Jahrhundert nachweisbare

Familie, die fortan namengebende Burg und

Herrschaft Wolkenstein im Grödental im Fürstbistum

Brixen erwarben. Von dieser Burg steht heute zwar nur

noch ein kleiner Teil als Ruine, doch der Eingang vom

Eisacktal ins Grödental bei Waidbruck wird nach wie

vor von der eindrucksvollen Trostburg beherrscht. Sie

befindet sich seit 1981 im Besitz des Südtiroler Burgeninstituts.

Diese markante Festung war Namensgeber

für einen Zweig der Familie, ein anderer nannte

sich nach der Burg Rodenegg am Eingang des Pustertales

oberhalb von Brixen.

Zwischen 1594 und 1632 wurde die Trostburg von Engelhard

Dietrich von Wolkenstein im Renaissance-Stil

ausgebaut, die teilweise dekorativen Befestigungsanlagen

hatten sich aber nie zu bewähren. Der Ausbau von

Rodenegg im 16. Jahrhundert erfolgte schlossähnlich.

Besonders erwähnenswert sind die Wandmalereien zur

Iwein-Sage aus den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts.

Sie gelten als die ältesten profanen Wandmalereien

in Tirol. Beide Burgen sind für Besichtigungen

geöffnet und sollten bei einem Tirol-Besuch unbedingt

auf der Liste Ihrer Ausflugsziele stehen!

Nähere Informationen:

burgeninstitut.com, burgenwelt.org, pustertal.org

Mein herzlicher Dank gilt Oswald Wolkenstein-Rodenegg und

Alexander Hohenbühel für die Durchsicht dieses Artikels und für

die Fotos.

PROMINENTE

Als weitere bedeutsame Vertreter der Familie Wolkenstein,

unter denen sich Bischöfe, Gewerken (Betreiber von Bergbauen),

Offiziere und Gesandte befanden, seien beispielhaft

erwähnt:

• Christoph Freiherr von Wolkenstein-Rodenegg Er

war ab 1568 Alleingewerke des Prettauer Kupferbergwerks,

das die Familie seiner Mutter, Susanna von Welsperg,

seit etwa 1500 betrieben hatte. Er brachte das von

Raubbau gezeichnete Werk durch bedeutende Investitionen

wieder in die Höhe. Den Handel mit dem Kupfer zog

er an sich und baute in Lienz eine Messinghütte (1564).

Die Wirtschaftskrise zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges,

Inflation und Raubbau führten 1643 zur Zwangsverwaltung

und 1654 zum Verkauf.

• Nikolaus Freiherr von Wolkenstein Er lebte von 1587

bis 1624 und war Bischof von Chiemsee. Dieses Suffraganbistum

von Salzburg umfasste u. a. den heutigen Tiroler

Teil des Erzbistums Salzburg.

• Michael Freiherr von Wolkenstein Als Landhofmeister

Maximilians I. war er auch im Besitz der Hohen

Herrschaft von Lienz gewesen. Durch den finanziellen

Schaden, der im Jahre 1609 beim Stadtbrand in Lienz

entstand, sahen sich die Freiherren von Wolkenstein

1647 gezwungen, die Herrschaft an die Tiroler Landesfürsten

zurückzugeben, die sie an das Damenstift in Hall

in Tirol verkauften.

• Sigmund Ignaz Graf von Wolkenstein-Trostburg

Dieser Vertreter der Familie Wolkenstein lebte von 1644

bis 1697 und wirkt u. a. als Bischof von Chiemsee.

• Theodor Graf von Wolkenstein-Rodenegg Als kaiserlicher

Generalmajor und Landoberst von Tirol starb er am

29. Oktober 1795 bei Mainz im ersten Koalitionskrieg.

• Leopold von Wolkenstein-Trostburg lebte von 1800

bis 1862 und war Tiroler Landeshauptmann.

• Anton Graf von Wolkenstein-Trostburg Geboren

1832 und kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges 1913

gestorben, wirkte der österreichische Diplomat als Botschafter

zu St. Petersburg.

• Arthur Graf Wolkenstein-Rodenegg Auch unter dem

Pseudonym Arthur von Rodank bekannt, lebte der 1837

in Silz geborene Schriftsteller und Politiker bis 1907. Er

starb in Innsbruck.

DIE MALTESER 1/2017 55


KLOSTERKÜCHE

VORÖSTERLICHE GRÜSSE

AUS DER KLOSTERKÜCHE

von Sr. Dr. Margareta An der Lan

Mit großer Freude sehen wir dem Osterfest entgegen, aber bevor wir dieses hohe

Fest feiern dürfen, kommt für uns Katholiken noch die Zeit des Fastens und des

in sich Kehrens. Aber wozu fasten wir und warum 40 Tage? Fasten ist seit Jahrhunderten

ein fester Bestandteil aller Weltreligionen. Der Verzicht soll Körper und

Seele reinigen und so Raum für Gebet, Besinnung, Nachdenken und Bewusstsein

schaffen.

Von Susanne Wick

Mit großer Freude sehen wir dem Osterfest entgegen,

aber bevor wir dieses hohe Fest feiern dürfen, kommt

für uns Katholiken noch die Zeit des Fastens und des in

sich Kehrens. Aber wozu fasten wir und warum 40 Tage?

Fasten ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil aller

Weltreligionen. Der Verzicht soll Körper und Seele reinigen

und so Raum für Gebet, Besinnung, Nachdenken

und Bewusstsein schaffen.

Von Aschermittwoch bis Karsamstag

Die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das Osterfest

wurde erstmals in einem Hirtenbrief des Athanasius von

Alexandrien um 334 erwähnt; mit Ende des vierten Jahrhunderts

war die Quadragesima (lat. 40) allgemein eingeführt.

Die Zahl 40 hat in der Bibel einen hohen symbolischen

Stellenwert, denn 40 Tage fastete der Prophet

Elija in der Wüste, das Volk Israel wanderte 40 Tage nach

dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste, und Moses

verbrachte 40 Tage auf dem Berg Sinai.

40 Tage hat Jesus der Überlieferung nach in der Wüste

gefastet und gebetet, davon leitet sich auch die Dauer der

Sättigende Grießsuppe

Zutaten:

100 g Weizengrieß

50 g Butter

1,5 l Gemüsesuppe (Würfel)

Schnittlauch

Zubereitung:

Wasser kochen und Gemüsesuppenwürfel darin

auflösen. Die Butter in einem Topf erhitzen und

leicht anbräunen, den Grieß einrühren, die Suppe

dazugießen und unter ständigem Rühren eindicken.

Vorsicht, dass sich keine Klumpen bilden!

Sollte die Suppe zu dick werden, noch Wasser dazugeben

und köcheln, bis der Grieß weich ist. Mit

Salz abschmecken und mit Schnittlauch bestreuen,

ev. geröstete Schwarzbrot-Croutons dazureichen.

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DIE MALTESER 1/2017


KLOSTERKÜCHE

Fastenzeit ab, die am Aschermittwoch beginnt und am

Karsamstag endet. Die Sonntage („kleine Auferstehungstage“)

sind vom Fasten während dieser Zeit ausgenommen.

„Szegediner Kraut“

mit gekochten Kartoffeln

Reinigende Kohlsuppe

Zutaten:

1 Weißkohl

2 Stangen Lauch

6 Karotten

1 Dose geschälte Tomaten

1 Stangensellerie

1-2 Würfel Gemüsesuppe

Ev. 1 TL Kümmel

Zubereitung:

Ca. 4 l Wasser in einem Topf zum Kochen bringen

und die Suppenwürfel darin auflösen. Den Weißkohl

teilen, den Strunk entfernen und die Blätter

in Streifen schneiden. Den Lauch der Länge nach

durchschneiden, waschen und ev. vom Sand befreien,

ebenfalls in Streifen schneiden. Karotten

und Stangensellerie schälen und würfelig schneiden.

Das Gemüse, die geschälten Tomaten und

den Kümmel in die kochende Suppe geben und

solange kochen, bis da Gemüse bissfest ist. Bei

Bedarf noch mit Salz und Pfeffer abschmecken

und mit frisch gehackter Petersilie bestreuen.

Zutaten:

600 g Sauerkraut aus der Packung

1 große Zwiebel

250 ml Sauerrahm mit 1-2 TL Maizena verrühren

1 EL Butter

Salz

1 EL Zucker

Salz, Kümmel, Paprikapulver, Tomatenmark

8 mittelgroße festkochende Kartoffeln

Zubereitung:

Kartoffeln schälen, vierteln und in Salzwasser

kochen. Die Zwiebel würfelig schneiden und

in der Butter andünsten. Das Kraut mit dem

Saft dazugeben, mit Paprikapulver stäuben,

Salz, Zucker, Kümmel, Sauerrahm mit Maizena

glattrühren, Tomatenmark beifügen und bei

niedriger Hitze köcheln, bis das Kraut bissfest

ist; sollte es zu dick werden, mit Wasser aufgießen.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit

den Kartoffeln in Suppentellern servieren.

Sich neu ausrichten

Beim traditionellen Fasten geht es nicht darum schlank

zu werden, sondern um eine innere Reinigung durch die

bewusstere Aufnahme von einfacheren, leichteren Speisen.

Eine gewisse Zeit auf kulinarische Genüsse zu verzichten,

soll den Geist freier machen und dabei helfen,

sein Leben zu überdenken und sich neu auszurichten.

Vorreiter beim Fasten sind seit jeher wie so oft die Klöster,

und daher freue ich mich sehr, Ihnen einige unserer

altbewährten Rezepte vorstellen zu dürfen. Alle Rezepte

gelten für vier Personen.

Viel Freude beim Nachkochen, Ihre Schwester Margareta

DIE MALTESER 3-4/2016 57


GELESENEMPFOHLEN

„... UNGLÄUBIG ZU SEIN

WIDERSPRICHT DEM NATÜRLICHEN

GEFÜHL DES MENSCHEN ...“

Von Georg Male

Woran kann man in einer Welt, in der religiöse Themen

für viele an den Rand des Alltags gerückt sind, noch glauben?

Auf diese Frage gibt Rudolf Taschner, 1953 geborener

österreichischer Mathematiker und Autor, Initiator

des Projekts math.space im Wiener MuseumsQuartier

und Wissenschafter des Jahres 2004, in seinem Buch

vielerlei Antworten. Oder zumindest Hinweise für die

Suche danach. Aber nicht, wie man angesichts des Titels

annehmen könnte, in Form einer Glaubensanleitung,

sondern in Form eines Essays, der die verschiedensten

Ansatzpunkte und „Betätigungsgebiete“ von Glauben

auslotet. Leichtfüßig, vergnüglich und kenntnisreich

tut er das, ohne zu belehren, sondern indem er Gedankenrichtungen

aufzeigt, Themen anreißt, Türen zu neuen,

vielleicht unerwarteten Pfaden aufstößt. Sich selbst

bezeichnet Rudolf Taschner dabei übrigens als „frommen

Agnostiker“ – also einen, der „nicht weiß“ (griech.

„agnoein“), aber dennoch betet.

Nach einem Prolog, in dessen Mittelpunkt er den mathematischen

Gottesbeweis des berühmten Logikers

Kurt Gödel stellt, der seinerseits auf der Argumentation

des Scholastikers Anselm von Canterbury aufsetzt,

nimmt Rudolf Taschner den Leser mit auf eine Reise

durch zehn verschiedene „Glaubenslandschaften“: Mit

dem Glauben „an 313“ (seine eigene Lieblingszahl, gemeint

ist jedoch Aberglaube), „an die Natur“, „an die

Geschichte“, „an den Genuss“, „an die Zukunft“, „an die

Kirche“, „an die Kunst“, „an Gott“, „an das Ich“ und „an

Dich“ beschäftigt er sich. Auf den ersten Blick mag der

eine oder andere Ansatz unerwartet, ungewohnt sein –

was hat zum Beispiel „Genuss“ mit Glauben zu tun? Und

doch versteht es Taschner, in jedem der zehn Abschnitte

glaubwürdig den Bogen zum Transzendenten zu schlagen.

Im Fall des „Genusses“ kommt er etwa von Hedonismus

und Sucht über die (auf den himmlischen Genuss

hin ausgerichtete, aber häufig überzogene) Askese

schließlich zur Eleganz und Leichtigkeit der wirklich frei

genießenden Epikureer, zu denen er auch Thomas von

Aquin zählt. („Sie wissen sowohl die Verblendung der

Süchtigen als auch die Unduldsamkeit der Asketen zu

meiden.“) Im Abschnitt „Der Glaube an Dich“ wiederum

gelangt er über die Ausrichtung des Menschen auf ein

„Du“ zum wirklichen Menschsein, das sich auch in der

Entwicklung von Gewissen und Moral äußert.

Rudolf Taschner streift in seinem Buch viele zentrale

Lebensthemen, leuchtet geistes- und ideengeschichtliche

Hintergründe aus und stellt sie in Beziehung zu

unserer Welt, die mit klassischem Glauben immer weniger

anzufangen weiß. Auch Bibelzitate und theologische

Bezüge ziehen sich durch den Text, der dennoch frei von

Dogmatik und festen Glaubenssätzen ist. Ein spannendes,

kurzweilig zu lesendes Buch – für sich selbst genommen,

aber ebenso als Anregung, die Lektüre da und

dort weiter zu vertiefen. Das wird dem Leser im Vorwort

auch explizit nahegelegt. Den Abschluss bildet ein

Epilog (unter dem Titel „Der unbeweisbare Glaube“), in

dem Taschner Karl Jaspers’ Schrift „Der philosophische

Glaube“ zitiert, die sich anhand der Schicksale Giordano

58

DIE MALTESER 1/2017


GELESENEMPFOHLEN

Brunos und Galileo Galileis mit dem Unterschied zwischen

Glauben und Wissen auseinandersetzt. Während

Bruno – vom Glauben angetrieben – auf seinen Thesen

beharrt und auf dem Scheiterhaufen endet, widerruft

Galilei und überlebt. Denn es wäre, so Jaspers, „ungemäß,

für eine Richtigkeit, die beweisbar ist, sterben zu

wollen“. Anders sieht es für Giordano Bruno aus, wie

Rudolf Taschner ausführt: Auch wenn der Glaube „keinen

unerschütterlichen Beweis seiner Gültigkeit kennt,

knüpft der von seinem Glauben Überzeugte daran Haut

und Haar, seine Existenz.“ Und, wie er gleich im Vorwort

schreibt, „jeder Mensch hat, wie seinen Fingerabdruck,

einen Glauben, woran auch immer.“ Und zitiert Alexis de

Tocqueville: „... absolut ungläubig zu sein widerspricht

dem natürlichen Gefühl des Menschen und versetzt seine

Seele in einen trostlosen Zustand.“ Ein gutes Fazit

für das ganze Buch.

Rudolf Taschner, Woran glauben – 10 Angebote für aufgeklärte

Menschen, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2016, 271 Seiten,

ISBN 978-3-7106-0063-0, 24,90 EUR

Wer ist

DER

MANN

auf dem Tuch?

Eine Spurensuche

AUSSTELLUNG

8. Juni bis 16. Juli 2017

Erzbischöfl. Palais Wien

Eingang in der Wollzeile 2

www.turinergrabtuch.at

DIE MALTESER 1/2017 59

MALTESER


TAGEBUCH

PRO MERITO MELITENS

Im Rahmen eines Festaktes in den Salons der Spanischen

Hofreitschule in Wien überreichte kürzlich der Leiter der

diplomatischen Vertretung des Souveränen Malteserordens

bei den Vereinten Nationen in Wien, Botschafter

Prof. Günther A. Granser, dem Vorstandsvorsitzenden der

AGRANA Beteiligungs-AG, DI Johann Marihart, die vom

Fürsten und Großmeister des Ordens verliehene höchste

Auszeichnung, das Großkreuz „Pro Merito Melitensi“.

Johann Marihart, der in Eggenburg in Niederösterreich

geboren wurde, besuchte das Bundesgymnasium Horn, wo

er 1969 maturierte. Danach begann er sein Studium der

Technischen Chemie, Fachrichtung Biotechnologie an der

TU Wien, welches er 1975 mit dem akademischen Grad

Diplom-Ingenieur abschloss. Seine berufliche Karriere in

der Zuckerindustrie begann Marihart 1975 in der AGRA-

NA Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfelde. 1976

wechselte er ins Werk nach Gmünd, wo er über Labortätigkeiten

und konsequenter Mitarbeit in der Forschung

und Entwicklung bis zum Werksleiter aufstieg. Seit 1988

ist Marihart Mitglied des Vorstandes der AGRANA Beteiligungs-AG

und seit 1992 dessen Vorsitzender.

Seit nunmehr 25 Jahren führt Diplom-Ingenieur Marihart

die AGRANA als Vorstandsvorsitzender mit

nachhaltigen Strategien und hat aus dem nationalen österreichischen

Unternehmen einen global tätigen Vorzeigekonzern

geformt. So ist AGRANA heute im Segment

Frucht Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen und

einer der führenden Produzenten von Fruchtsaftkonzentraten

in Europa, im Segment Stärke ein führender Anbieter

von Spezialprodukten und Bioethanol sowie einer

der größten Anbieter von Zucker und Isoglukose in Zentral-,

Ost- und Südosteuropa. Des Weiteren engagiert sich

der Niederösterreicher auch als Präsident der Spanischen

Hofreitschule, Präsident des TÜV Austria, sowie als Vorsitzender

und Mitglied des Präsidiums in internationalen

Organisationen und Verbänden, wie der Vereinigung der

europäischen Zuckerfabrikanten (CEFS), deren langjähriger

Präsident er ist.

V. l. n. r. Botschafter Prof. Dr. Günther A. Granser bei der Überreichung

des Großkreuzes „Pro Merito Melitensi“ an Herrn Gen.Dir.

DI Johann Marihart.

V. l. n. r. Norbert Salburg-Falkenstein, Prokurator des Großpriorates

Österreich; Gen.Dir. DI Johann Marihart; Botschafter Prof. Günther A.

Granser; Präsident Brigadier Mag. Erwin Hameseder

60

DIE MALTESER 1/2017


TAGEBUCH

SCHECKÜBERREICHUNG

Am 14. Jänner konnte unser Ordenskanzler wieder einen Scheck über € 12.223,92 für das Spital unseres Ordens

zur Heiligen Familie in Bethlehem übernehmen und bei dieser Gelegenheit der langjährigen Organisatorin des

Weihnachtsbasars der Klosterneuburger Stiftspfarre, Mag. Andrea Stimpfl-Abele, herzlich danken.

EIN HOCH AUF UNSEREN ARCHIVAR!

Von Richard Mischak

Am 17. Februar 2017 gratulierten der Prokurator, der

Kanzler und die Mitarbeiter des SMRO Med.-Rat Dr.

Gerhart Feucht zu seinem 95. Geburtstag sowie zu seinem

40-jährigen Jubiläum beim Malteser Hospitaldienst. Der

Jubilar hatte in jungen Jahren in Wien Medizin studiert

und nach dem zweiten Weltkrieg gemeinsam mit seiner

Frau eine Ordination eröffnet. Im Jahr 1977 wurde er in

den SMRO aufgenommen. Zusätzlich übernahm Dr. Feucht

das Archiv des Ordens in der Wiener Johannesgasse. Dort

wird er heute von Dr. Mischak unterstützt, der die Digitalisierung

der umfangreichen Bestände vornimmt. Die

Malteser gratulieren dem Jubilar sehr herzlich!

62

DIE MALTESER 1/2017


16. Dezember 2016

Maria Caroline von

Watteck

Ehren- und Devotionsdame

Am 16.12.2016 ist Maria Caroline von Watteck, geb.

Gräfin von und zu Clam-Martinic, im 75. Lebensjahr ihrer

mit Gelassenheit ertragenen Krankheit erlegen. Sie

war seit 1996 Ordensmitglied in der Delegation Salzburg,

in der Betreuung von physisch Kranken tätig und

Mitarbeiterin der Heimatmission. Im Sinne von „tuitio

fidei“ war es ihr immer ein Anliegen, den Willen Gottes

durch öffentliche Bezeugung des Glaubens zu verwirklichen.

Das heilige Requiem und die anschließende

Beisetzung fanden am 23. Dezember 2016 in der Stiftskirche

von St. Peter in Salzburg statt. Die Delegation

Salzburg und unser Orden verlieren mit ihr eine liebenswürdige

Persönlichkeit und danken für ihr starkes Glaubenszeugnis.

17. Dezember 2016

Apostolischer Nuntius

Msgr. Dr. Edmond Farhat

Konventualkaplan-Großkreuz

„ad honorem“

Von 2005 bis 2009 vertrat unser Ordensbruder den

Heiligen Stuhl bei der Republik Österreich. Am 17.

Dezember 2016 hat unser Herrgott Erzbischof Edmond

Farhat, nach längerer Krankheit im Alter von 83

Jahren, zu sich gerufen. Edmond Farhat wurde am 20.

Mai 1933 in Ain Kfaa in der maronitisch-katholischen

Eparchie Dschubail im Libanon geboren. Er studierte

Theologie, Philosophie und kanonisches Recht, promovierte

über die Qumran-Schriften und wurde 1959

vom damaligen maronitischen Patriarchen von Antiochien

zum Priester geweiht. In Rom war er ab 1962

u.a. als Leiter der arabischen Abteilung von Radio

Vatikan und an der Glaubenskongregation tätig. 1989

wurde er von Papst Johannes Paul II. in den diplomatischen

Dienst des Heiligen Stuhls berufen und zum

Titularerzbischof von Dschubail (Biblos) ernannt. In

der Folge repräsentierte der Erzbischof den Heiligen

Stuhl in Algerien, Tunesien, Slowenien und Mazedonien

und dann in der Türkei und in Turkmenistan.

Erzbischof Fahrat wurde 11. März 2000 in der Malteserkirche

in Wien als Konventualkaplan ad honorem

in den Orden aufgenommen und 2007 zum Großkreuz

rangerhöht. Er sprach neben italienisch, französisch,

englisch, deutsch auch arabisch, verfasste zahlreiche

wissenschaftliche Arbeiten und Bücher und war ein

äußerst profunder Kenner des Islam. Immer wieder

warnte er vor den Gefahren des muslimischen Extremismus

und des Krieges. „Die Christen und alle Menschen

brauchen Freiheit, Rechte und Verantwortung,

um ihren Glauben in aller Freiheit zu leben. Was heute

im Nahen Osten passiert, interessiert die ganze Welt.

Wir dürfen es nicht nur sehen, wir müssen es auch kennen

und davon reden und suchen, wie man das „Gute

ermutigen und das Böse“ verhindern kann.“ Erzbischof

Msgr. Dr. Edmond Farhat war ein Bischof der Ökumene,

des Gebetes und des Friedens.

R.I.P.

64

DIE MALTESER 1/2017


WIR TRAUERN UM

=

XXXX

22. Jänner 2017

Clemens Graf und

Herr zu Brandis

Ehren- und Devotions-Ritter

Ein weit gespanntes Leben

fand am 22. Jänner dieses

Jahres sein Ziel, als Ehren- und Devotionsritter Clemens

Graf und Herr zu Brandis, Freiherr zu Leonburg,

Forst und Fahlburg, auf Schloss Brandis im 93. Lebensjahr

verstarb. Er war ein Zeuge der prägenden Entwicklungen,

und gewaltigen und rasanten Veränderungen in

der Welt. Geboren am 27. Februar 1924 in Buchwald in

Niederschlesien, übersiedelte die Familie bald danach

nach Sebes bei Presov - in die heutige Ostslowakei.

Dort prägte ihn eine sehr glückliche Kindheit und dann

der einschneidende Besuch des Jesuiten Internats in

Kalksburg bei Wien. Als der Krieg ausbrach ging Sebes

verloren und die Familie ging nach Gotha. Graf Brandis

wurde eingezogen, besuchte die Offiziersschule der

Luftwaffe und kam im letzten Kriegsjahr an die finnische

Front. Sein älterer Bruder Heinrich fiel in Russland

und er übernahm den Stammsitz Brandis in Südtirol.

Nach dem Jus-Studium in Innsbruck und Wien heiratete

er und wurde glücklicher Vater von fünf Kindern.

1971 in den Orden aufgenommen, blieb er ihm immer

verbunden. Nach einer misslungen Operation wurde

Graf Brandis an den Rollstuhl gefesselt, verzagte aber

nicht. Allen Widrigkeiten des Lebens trotzend, hörte

man von ihm immer wieder den Satz: „Lei nit lugg

lossn.“ Seine Tage wurden ihm durch seine Großfamilie,

seine liebe Frau, die siebzig Jahre an seiner Seite stand,

16 Enkelkinder und 18 Urenkel verschönert. 25 Jahre

im Deutschen Adelsrechtsausschuss in Marburg tätig,

war er bis zuletzt in der Tiroler Matrikelstiftung engagiert.

Eine ehrenvolle Verpflichtung mit historischem

Hintergrund, waren doch die Grafen Brandis Oberst-Erblandsilberkämmerer

in Tirol.

05. Februar 2017

Dr. Dieter Usner

Magistral-Ritter

Geboren 1940 in Pressburg

geboren, stieg nach Schule,

Jus-Studium und verschiedenen

Praktika im Ausland als Mitgesellschafter in die

familieneigene Firma ein. 1985 wurde er, nach langjähriger

Unterstützung des MHDA und aktives Mitglied

in seinem Pfarrgemeinderat als Magistralritter in den

Orden aufgenommen. Nach dem frühen Tod seiner

ersten Frau Gabriele kümmerte er sich besonders um

seine 5 Kinder. Vor 20 Jahren fand er in seiner 2. Frau

Madeleine, geb. von Oswald, erneut sein Glück und

hatte mit ihr nochmals eine Tochter. Dr. Usner war

Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg und

ehrenamtlich auch Präsident von Live Music Now in

Wien. Seine christliche Lebenseinstellung und seine

Hilfsbereitschaft waren sprichwörtlich und sein sonniger

Humor ließen ihn auch die späteren Leiden leichter

ertragen. Am 5. Februar 2017 hat ihn unser himmlischer

Vater zu sich in die Ewigkeit gerufen. Das feierliche

Requiem mit anschließender Beisetzung fand am

11. Februar in seiner Stadtpfarrkirche zum Hl. Vitus in

Salzburg- Morzg statt.

R.I.P.

DIE MALTESER 1/2017 65


TERMINE

Termine 2017

APRIL 2017

06 – 09 Straßensammlung Salzburg MHDA

10 - 13 Malteser Reitcamp im Lavanttal

SMRO/MHDA

28 Treffen der Professen Rom SMRO

29 Großer Staatsrat Rom SMRO

MAI 2017

04 – 08 Wallfahrt Lourdes SMRO/MHDA

25 – 28 Straßensammlung Tirol MHDA

JUNI 2017

01/06 – 16/07 Sonderausstellung Turiner Grabtuch

(Erzbischöfliches Palais Wien)

SMRO

01 Lastkrafttheater Schlosshotel Mailberg SMRO

05 Familienwallfahrt nach

Hemmaberg Slowenien

SMRO

09 Lange Nacht der Kirchen –

Wien/Malteserkirchen, Graz, Salzburg SMRO

15 Fronleichnamsprozession SMRO/MHDA

24 Hochfest, Aufnahme und 50-Jahr-Feier

MHDA Bereich Salzburg

SMRO/MHDA

JULI 2017

22 – 29 IMS 2017 – Internationales Malteser Camp

in Salzburg

SMRO/MHDA

AUGUST 2017

15 Pfarrfest Maria Pulst SMRO

SEPTEMBER 2017

28/09 – 02/10 Wallfahrt zu unserer Lieben Frau

von Philermos nach Montenegro

SMRO

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ 12.00 Uhr Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

Hl. Messe mit der Johannesgemeinschaft Jeden ersten Montag im Monat, 19.30 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser.or.at

AIDS-Dienst Malteser

Teresa Grill

T: +43 650 41 61 958

E: adm@malteser.at

I: www.aids-dienst-malteser.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Mag. Jan Ledóchowski

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

Malteser Alten- und Krankendienst

Dr. Anna Schlanitz-Bolldorf

T: +43 676 311 00 32

E: ordination@schlanitz.at

I: www.malteser.or.at/werke/makd

Malteser Betreuungsdienst

Angela Thierry

T: +43 1 405 13 49

F: +43 1 402 95 66

E: mbd@malteser.at

I: www.malteser.or.at/werke/mbd

Malteser Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo – So 8.00 – 20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

Malteser Hospitaldienst Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: mhda@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser Kinderhilfe

Olivier Loudon

DGKS Veronika Karner

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Malteser Palliativ-Dienst

Univ.-Prof. Dr. Johannes Mlczoch

T: +43 1 512 72 44

E: mpd@malteser.at

I: www.malteser.or.at/werke/mpd

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

66

DIE MALTESER 1/2017


TERMINE

HOSPITALDIENSTSCHLUSS

... IRGENDWANN DARF

EINMAL PAUSE SEIN.

GEFÜHLE

EINSCHALTEN

DIE MALTESER 1/2017 67


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Ein Körper

im Gleichgewicht

kennt keine Krankheiten.

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Fasten, Regeneration, Natur, Spiritualität.

Kompetenz-Zentrum für Ernährung.

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7123 Mönchhof, Birkenallee 2

T +43 (2173) 80205 - 0, F +43 (2173) 80205 - 40

info@marienkron.at, www.marienkron.at

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

www.malteser.or.at

MALTESER Hospitaldienst Austria

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

office@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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