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E_1929_Zeitung_Nr.107

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22 AUTOMOBIL-REVUE 102»

22 AUTOMOBIL-REVUE 102» — 107 der mich: Wirst auch du denselben Weg gehen, Georg? Und wenn du deinen klaren Kinderglauben verloren hast, der nach und nach von so. angsterfüllten Schamwellen überflutet wird, wirst auch du über dich selbst und über das Leben lachen, wirst auch du an dir selbst und am Leben verzweifeln, nur weil du andere spotten und zweifeln siehst? Georg geht noch neben mir her, ganz unberührt vom Aufruhr meiner Gedanken: seine Augen sind klar, immer klarer, je mehr der einbrechende Abend die Luft verfinstert, und nach der gelinden Wärme der kleinen Hand in der meinigen zu urteilen, schlägt das Blut in seinen Venen immer noch den ruhigen Rhythmus von vorhin, einen unbestechlichen Rhythmus, von dem man nicht weiss, entspringt er der Ferne von Jahrhunderten oder der geheimnisvollen Harmonie der Dinge um uns. Obschon wir uns die Hände drücken, besteht doch keine Gefahr, dass meine Angst auf die Unbekümmertheit des Kindes übertragen werde. Wie sollte ich es denn nun wagen, ihn es merken zu lassen, dass ich sein Geheimnis entdeckt habe? Wie soll ich meine Vaterpflicht erfüllen, ihn zu ermahnen, seine Glaubenshandlungen nicht zu verbergen, heute nicht und nie, sich dessen nicht zu schämen, wenn er mit dem unschätzbaren Gut des Glaubens und der Liebe zum Leben unter die Menschen gekommen, dass die Strafe dafür nicht ausbleiben würde, ihn zu ermahnen, dass er alles Sichere in ihm sammle und damit dem Zweifel entgegentrete, der auch seinen Tagen auflauern wird. Ich bin nun schon auf dem Wege der Rückkehr; ich habe schon graue Haare, und doch weiss ich all dies der unerfahrenen Kindheit, den krausen Locken Georgs nicht zu sagen. Es muss etwas, das über mir steht, eingegeben von der väterlichen Liebe oder von Gott — wer weiss, vielleicht eine übersinnige Geste jenseits aller Gesetze — für mich sprechen. Doch, wer gibt mir Kühnheit und woher kommt mir Eingebung? Und trotzdem, doch! Es ist ausserhalb meiner entstanden, gleichsam ohne dass ich mich dessen bewusst war, das Zeichen, das ich vollführe: Wie ein Riese oder ein Verrückter, wie wenn ich die nötige Kraft nicht von meinen Muskeln oder meinem Gehirn nähme, sondern unmittelbar aus einem Gedanken, deT Welt, der gereift hinter der lichten, faltenlosen Stirne des Himmels. Ich ergreife mit meinem einzigen, lebenden Arm den schmächtigen Körper Georgs, seinen tanzen Körper, Fleisch von meinem Fleisch, das nie und nimmer von meinem Uebel befallen sein soll, und hebe ihn empor wie eine Hostie: hoch hinauf, bis sein Gesicht, frisch wie ein regennasses Blatt, das meinige, glühende, berührt, dann hebe ich ihn zur rechten Schulter und darauf zur linken, und noch zum Herzen; und mein Mund findet die verlorenen Worte von damals. Das ist die Bekreuzigung, das ist es, das Zeichen des Glaubens, nicht mehr verborgen in der hohlen Hand, nicht mehr heimlich angedeutet auf der Höhe der Brust, sondern eingezeichnet mit dem zitternden und knospengrünen Körper des Sohnes auf den Leib des runzligen und zähen Vaters, der für immer in seinem traurigen Schicksal verwurzelt ist, eingezeichnet im Angesicht der Bsrge und des Himmels. — Aber Georg, den ich immer noch auf den Armen halte, zittert und lacht ob dem tollen Spiel des Vaters: «Was machst da, Vater? da lfisst mich fallen, Vater!» Und er lacht und lacht tmd Der Abend Ist schon hernieder, und wenn du hinschaust zu den Höhen der Berge, so kannst du die tiefsten Sterne nicht unterscheiden von den Lichtern in den höchsten Häusern der Menschen. Und die ganze Welt ist ein Altar. Sprache and Liebesgeständnisse der Urzeit Ueber dieses Thema hat iu einer englischen Wissenschafterversammlung Sir Richard Paget berichtet, und-ist dabei zu mindestens verwunderlichen Resultaten gekommen. Unsere Stammväter hätten danach ihre Ausrufe jeglicher Gemütsbewegung durch Gesang von sich gegeben. Ihre Gefühle dagegen sollen sie durch Grunzen geäussert haben. Nur die Ausdrucksmöglichkeit durch die Geste sei entwickelt gewesen. Und zwar hätten sich die Urmenschen nicht nur der Hände und ihrer Arme bedient, sondern auch noch ihrer Füsse und Beine. Erst viel später hätte sich dann eine geordnete Sprache entwickelt. Unsere männlichen Vorfahren müssen sonderbare Kerle gewesen sein, dass sie nur auf die Angrunzerei der Eva hin von dem dargebotenen Apfel assen. Ein englisches Blatt schliesst den Bericht mit den Worten: «Man muss ja Sir Paget glauben, dabei gewesen ist niemand. Auf jeden Fall wissen wir, dass unsere Vorfahren nicht Liebe geflüstert, sondern gegrunzt haben.» Vom Steckenpferd zum Kinderauto Wie Baby zu Weihnachten ein „Babymobil" bekam Jeder Eidgenosse weiss, dass der ältere Platter seinem jüngsten Bruder Thomas aus dem Krieg mit Savoyen jenes hölzerne Rösslein mitbrachte, von dem dieser erzählt: «Das zog ich an eim Faden vor der Tür, da meinet ich gänzlich, das Rösslein könnte gan, daran ich kann verstan, dass die Kind oft meinend, ihre Tütten und was sie hand, seien lebendig.» Damals wimmelte es noch von solchen hölzernen Rösslein, so zahlreich, dass sie schliesslich, auch nur aus einer Gerte oder einem Stab hergestellt, den Liebling der Knaben, den Dockenhansl, einen Vorläufer des Bleisoldaten, verdrängten. Auch Thomas Platters Dockenhansl, «wo, so man zog, fechten konnte,» musste vor dem hölzernen Rösslein das Feld räumen. Es waren gewiss rassige Tiere, diese hölzernen Rösslein, gemeinhin Steckenpferde genannt, da auch Schiller, dessen Söhnlein Kar] von seiner Tante Ulrike ein solches geschenkt bekommen hatte, darüber in Ekstase geriet, berichtend, wie sehr glücklich der Kleine gewesen, wie er in einem fort «hotto gerufen und gepeitscht und mit dem frühen Morgen schon wieder hotto gemacht» habe. Ein Beweis für das Alter wie die Lebenszähigkeit der Steckenpferde (im besonderen wie im allgemeinen!) ist die Tatsache, dass der 1598 verstorbene Johannes Fischart bereits eingehend von solchen allerhand zu vermelden weiss: «Mit Schiffchen aus Papier, mit Finderlestecklen und formen dran ein Windspiel von den Flügeln einer Windmühl und mit Steckenpferden spielen die Knaben, auch mit ein bogelgin oder klein Armbrost und einem klein pferdla.» Ein solches Pferdla, überzogen «mit Geishäuten» wünschte sich damals zu Weihnachten jeder Knabe. Die grosse Zahl der Darstellungen solcher «allerliebster Steckenperd reitender Knaben» in kirchlichen Büchern 'des Mittelalters, in Holzschnitt hergestellten Bordüren und Einfassungen von Drucken des 15. und 16. Jahrhunderts, wie überhaupt der ganzen Miniaturmalerei jener Zeit, zeugt für die weite Verbreitung dieser Pferdespezies. «Häufig sind diese Steckenpferdreiter mit Windmühle, Drehmühle, Windfahne oder Windspiel ausgerüstet, die sie wie eine Turnierlanze halten, während sich die aus Papierblättchen gebildete Fahne oder Blume lustig im Winde dreht.» Zu dieser Zeit, da es noch keine Eisenbahnen gab und der ganze Verkehr durch Pferde aufrechterhalten wurde, war es begreiflicherweise der höchste Wunsch eines jeden Knaben, ein Steckenpferd aus Holz oder, fast noch mehr begehrt, einen kleinen Frachtwagen zu besitzen, wie denn die jugendliche Phantasie ihre Anregungen immer aus der Umgebung schöpft und der Trieb zur Nachahmung ron Sitten und Gewohnheiten der Erwachsenen sie zum spielerischen Kopieren derselben drängt. So spiegeln auch die Spielgeräte die jeweilige Epoche wieder, und wie in unserer Zeit sein edles Vorbild, das Pferd, wird auch das Hottopferdchen wohl bald für immer ausgespielt haben, in des Kindes Gunst verdrängt durch das Auto, das als Spielzeug im Begriffe ist, sich den Weihnachtsmarkt zu erobern. Fanden dort noch, vor wenig Jahren höchstens 10—12 selbsttätige Kinderautos Käufer, so geht die Zahl dieser «Selbstfahrer» trotz ihres immeT noch hohen Anschaffungspreises heute in die Hunderte, während zusammensetzbare Baukästen, deren Einzelbestandteile ein kon.plettes Automobil ergeben, bei alljährlich steigender Nachfrage zu Tausenden Absatz finden. Selbst Weltfirmen wie die Citroen-Werke, die ein absolut getreues MiniatuTmodell ihres bekannten Wagens auf den Markt bringen, fabrizieren Spielzeuge in Form von Kinderautos, « richtiggehende» Wagen mit allen Schikanen. Wer würde es heute, da Knirpse schon so gut damit Bescheid wissen, auch riskieren, sie mit solchen nicht auszustatten? Sogar das «Babymobil» — sein Name ist die Erfindung Roellinghoffs — dürfte den letzten Kaprizen eines Autosäuglings genügen, wenn es auch dem seit Jahren so beJiebten «Holländer», mit dem Unterschied allerdings, dass um das «Getriebe» zeitgemäss eine Auto- Nur den Inhalt V, Its Kaffee Hag bezahlen Sie zum regulären Preis von Fr. 4.25. Gönnen Sie sich und anderen die Freude, welche die für jeden Haushalt praktischen Gratis-Dosen immer wieder auslösen. Sollte sie Ihr Kaufmann nicht führen, so schreiben Sie bitte an KAFFEE HAG. FELDMEILEN, karosserie herumgebaut wurde, verdammt ähnlich sieht! Beim «Babymobil», der Weinsten PS- Type, lieferbar in X und */ 8 PS, wurde besondere Sorgfalt auf die Konstruktion dec elektrischen Hupe verwandt. Sie spielt in vollendeter Wiedergabe den neuen Schlager; «Das Hupen ist des Babys Lost, das Hu — u — pen, das müssf kein rechtes Baby sein, dem niemals fiel das Hupen ein, das Hu — u — pen!» An- und Ablasser sowia elektrische Innenbeleuchtung sind vorhanden, und — eine Neuerung! — an der Hinterseite ein Trittbrett für die polizeilich geprüfte Amme mit Führerschein. Das «Babymobil* ist die führende Marke aer Zukunft, da mit besten Be-Be-Reifen ausgestattet, von sanftester Gangart. Störende Nebengeräusche, die des Autosäuglings ausgenommen, sind ausgeschlossen. Im «Babymobil» gelang dem Konstrukteur, nach Ueberwindung der technischen Kinderkrankheiten, das Auto «nach Mass», bestimmt, auch die kühnsten Träume des «Kleinsten» zu erfüllen. Das «Babymobil», ist die «Hush-Hush»-Dauermaschine. Das «Babymobil > ist deshalb der Traum jeder Frau, die sich Mutter fühlt, die no h ein Herz für die «Leiden» eines Babys im Leibe hat. «Wie sage ich's meinem Manne?»» das ist ihre Frage. Das Familien-Intermezzo. Der Mann: «...und ich bleibe dabei! Als meine Urgrossmutter noch lebte, da waren die Kinder noch glücklich. Sie wussten beim Spiele aus allem alles zu machen, wieder Altmeister Goethe sagte, ein Stab wurde zur Flinte, ein Stückchen Holz zum Degen, jedes Bündetahen zur Puppe. Ja, ich bleibe dabei, es gibt keine Kinder mehr, die neue Sachlichkeit tötet sie noch alle!» (Hier wird das elterliche Zwiegespräch unterbrochen. Baby schreit: «Hu — hu — hu—< hup, hup!») (Nach der Beruhigungspause) — «und ich bleibe trotzdem dabei, es gibt kein© Kinder mehr!» (Hier schreit Baby noch lauter: «Hu — hu — hup, hup!>) Die Frau: « ...und ich bleibe dabei: Die Entwicklung ist gesund!» Hier kräht Baby wie von ungefähr: «HMhopalaialaaa!») Der Mann (heftiger werdend):

N° 107 — 1929 AUTOMOBIL-REVUE grfisst Schloss Bonndorf. Lenzkirch, das alte Städtchen am Eingang des Schwarzwaldes, nimmt uns freundlich auf und weist von weitem schon auf die mannigfachen Kehren, die zur Höhe des Schluchsees führen. Mählich gelangen wir tiefer in den Forst. Mitten drin, wie in einem unübersehbaren Räume, machen wiT halt. Es ist etwas Eigenartiges, weit und breit Ruhe und Stille — der Wald träumt. Es wird Abend. Feierlich klingt aus der Ferne die Glocke eines Bergkirchleins. Wir lauschen ihren Klängen. Ueber die Höhe des Feldberges steigt der Mond. Wie von einer unsichtbaren Hand angezündet, flammt Licht an Licht auf und übergiesst den Wald, als ob sich am heimatlichen Christbaum die Kerzen entzünden würden. Der Wald feiert heilige Nacht. Unendlich erscheinen sie, die riesigen Weihnachtstannen der Natur. Sachte ziehen Wolken darüber hin — Schemen aus einer andern Welt — den Dunst der Nacht mit sich tragend. Auto-Philosophie Aber natürlich gibt es eine Philosophie des Autos! Sie braucht durchaus keine «mechanistische Weltanschauung zugrunde zu legen. Im Gegenteil, jeder, der einen Wagen steuert, kann ihre Weisheiten in der freien Natur konzipieren und damit zu höchst lebendigen Ergebnissen kommen! Je nachdem, ob Sie auf den holprigen löchergesegneten Landstrassen Norddeutschlands oder auf dem schwarzen Parkett schnurgerader Platanenalleen Südfrankreichs Ihre Betrachtungen anstellen, wird Ihr philosophisches System eine pessimistische oder optimistische Grundtendenz erhalten. Die einzelnen Gebiete sind noch wenig bearbeitet. Immerhin glaube ich, für die Ethik schon ein Sittengesetz aufstellen zu können; der kategorische Imperativ des Autofahrers lautet: fahre so, dass dir stets jemand entgegenkommen kann! Welche merkwürdigen Umgestaltungen sich die Logik gefallen lassen muss, wird Ihnen sicher noch in Erinnerung sein, denken Sie nur an die Argumente Ihrer Gattin beim Autokauf. Erkenntnistheoretisch kommt man zu interessanten Ergebnissen: man braucht nicht Einsteins Lehre zu studieren, um die Kategorien Raum und Zeit zu relativieren. Beim Autofahren werden sie durcheinander gemessen, der Raum erhält erst durch die Relation zur Zeit Gegenständlichkeit für unser Denken und umgekehrt. «Sehr bald werden wir in Heidelberg sein, nur noch 60 km!» sagt Ihr kartenlesendes Maskottchen, ohne zu ahnen, dass es hier zwei Anschauungsformen vermengt; «genau 17 Minuten mit Ihrem Wagen,» antwortet Ihnen der Herrenfahrer auf der Landstrasse, wenn Sie ihn um die Weglänge bis zur nächsten Tankstelle fragen! Auch die experimentelle Psychologie — wir wollen sie galanterweise als «Grenzgebiet> betrachten — dürfte durch die umwälzenden Wirkungen des Autos manche Bereicherungen erfahren. Das Fechnersche Gesetz, nach dem die Reizempfindlichkeit der Sinnesorgane abnimmt, wenn der Reiz andauert oder in regelmässigen Abständen wiederkehrt, wird täglich durch unsere Ohren überprüft: hie Fechners Anhänger — sie behaupten fröhlich, dass das viele und laute Hupen sie gar nicht mehr störe, sie hören es schon nicht mehr; dort — die Antilärm-Liga! Geschichtsphilosophische Perspektiven tun sich auf. Der mittelalterliche Mensch wurde von den Aussätzigen durch Geschrei und Lärmen mit Holzklöppeln gewarnt; der Autofahrer kündet heute seine Ankunft durch Gehupe und Geräusch an. Wer will hier das Problem des Fortschritts anschneiden? Ohne Ueberschrift Die Tage sind kurz und verschwommen, Und die Abende schwer und lang. So rasch ist sie wieder gekommen, Die Zeit, die uns einst so durchdrang Mit seliger Freude und hohem Erwarten, Die wir ihrer mit stürmischer Ungeduld harrten. Die Weihnacht steht schon vor der Türe, Und wenig später auch Neujahr. Die Kinder ireun sich und ich spüre Ein leises Rühren sogar. Ja, noch heut bin ich froh und vergnügt, wenn ich denke 'An den schönen Baum und die vielen Geschenke. Jetzt freilich hat sich alles verschlimmert. Kein Mensch hat sich seither um mich bekümmert. Dafür werde ich mir aber viel Süsses kaufen, Einen ganzen Haufen Schokolade. Sonst wäre es ja zum Davonlaufen... Und das, bei der Kälte, wäre schade, -en. Weihnachtsabend Dass die Aesthetik ihr Gebiet ungeheuer bereichern konnte, steht wohl ausser Frage. Ich will gar nicht von den Auto-Schönheitskonkurrenzen reden. Aber grundlegende Begriffe der Wissenschaft vom Schönen erhalten erst durch das Auto Präzision. Konnte man sich vielleicht vorher unter « schnittig » etwas vorstellen? Jetzt dagegen kostet schon jeder Sextaner bei diesem Wort mit Geniesserausdruck die Linie vom Kühler zur Spritzwand, vom Kotflügel zum Reserverad. Man sieht also, die Philosophie des Autos liegt geradezu in der Luft. Das Sorgenkind jeder Philosophie ist nun einmal die Metaphysik. Sie beginnt bekanntlich dort, wo die Erfahrung aufhört; das vernünftige Denken versagt. Im Rahmen eines streng wissenschaftlichen Artikels wie dieser hier ist natürlich kein Platz für metaphysische Erklärungen. Aber ich will sie Ihnen trotzdem nicht vorenthalten: draussen steht mein Wagen, steigen Sie ein, wir wollen 150 Kilometer in der Stunde fahren! Wenn wir nach Hause kommen, werden Sie überzeugt sein, dass wirklich alle Ansätze zu einer vollständigen Philosophie des Autos gegeben sind. (Ruth Ludwig in der Frankf. Zeitung.) Die Uhr, die Sie nie aufziehen - Sie zieht sich selbst auf AUS DEM Geschenke and Beschenkte Grotesken, wie man sie erleben kann. Es war, es ist und es wird ein ewiges Problem sei-n, was man Kindern zu Weihnachten schenken soll. Der grösste- Sachverständige, J. H. Williams, der Besitzer eines Warenhauses für Kinderspielzeuge in New York, meinte einmal : «Wir sollen unseren Kindern nur solche Spielzeuge kaufen, die uns selbst Freude machen, mit denen auch wir noch spielen möchten, denn wir wollen doch nicht vergessen, dass auch wir Erwachsene eigentlich noch grosse Kinder sind.» Im vorigen Jahre wohnte ein bekannter amerikanischer Reporter der Weihnachtsbescherung einer amerikanischen Familie bei und erzählte darüber folgendes: Die grosse Familie, die ich am Weihnachtsabend beobachtete, bestand aus folgenden Personen: Eltern, Grosseltern, Onkel, Tante, einem Gast, Gouvernante, Köchin, dem dreijährigen Baby, der fünfjährigen Jessie, dem achtjährigen Jackie, dem zehn- •ULLHORN DES AHRHUNDERTS HARWOOP HÖCHSTE PRÄZISION UND ZUVERLÄSSIGKEIT Lassen Sie sich die HARWOOD-Uhr bei Ihrem Uhrmacher unverbindlich vorlegen VERTRIEB FDR DIE SCHWEIZ: HARWOOD-UHREN-AKTIENGES., GRENCHEN jährigen Harry und dem dreizehnjährigen Tomy. Ein drei Meter hoher Weihnachtsbaum stand im Zimmer. Grossmuter hatte in Paar warme Pantoffeln bekommen, Baby ein Püppchen, das sprechen und schlafen konnte. Grossvater wurde mit einer langen Pfeife beglückt, Harry mit einem Luftdruckgewehr. Mutti erhielt einen Blaufuchs, Papa ein Pyjama. Jackie bekam ein Gesellschaftsspiel «Mensch, ärgere dich nicht*. Die Gouvernante freute sich riesig über ein Grammophon, Jessie erhielt ein Märchenbuch mit zahlreichen farbigen Illustrationen. Tomy nannte eine Kegelbahn sein «igen und die Köchin bekam ein in roten Sammet gebundenes Gedenkbuch. Und wie die Geschenk© verwendet wurden? Vater, Mutter und Tante spielten bte in die späte Nacht hinein «Mensch, ärgere dich nicht»! Tante lief zum Schluss wütend fort und erklärte, Mutti habe falsch gespielt. Baby fabrizierte aus Grossvaters langer Pfeife ein Saxophon und bohrte zu diesem Zweck mit einer Schere, die sie weT weiss woher genommen hatte, Löcher in das Rohr. Jackie machte mit dem Grammophon der Gouvernante ein Kaffeegesehäft auf, schüttete gerösteten Kaffee hinein und Hess ihn mahlen. Grossvater und Onkel spielten mit Tomys Kegelbahn und zerbrachen dabei eine kostbare Kristallschale. Jessie legte Papas Pyjama an und setzte sich, in Ermangelung einer anderen Sitzgelegenheit, in die ETdbeermarmelade. Tomy, dessen Traum es war, Seemann zu werden und- der bestimmt geglaubt hatte, wenigstens ein Segelboot zu bekommen, Hess Wasser in die Badewanne und spielte mit Grossmutters Pantoffel Motorboot. Muttis Blaufuchs übernahm hierbei die Rolle eines Eisbären. Harry, der Zeichenkünstler, bemalte inzwischen das Gedenkbuch der Köchin. Die Köchin dagegen wollte gerne schiessen lernen und schoss dem Gast ins Auge. Grossmutter merkte überhaupt nicht, was vor sich ging, da sie sich in Jessies Märchenbuch vertiefte. Die Gouvernante aber herzte und kilsste Babys Püppcheo und träumte von ein«; schönen Zukunft (Lissi Alexandra in der • Mfinohenar Tel»* graimm-Zeitunsr >.) „Gibt es das Glück?" Einer, der es seit dreissig Jahren sacht In London ist ein höchst sonderbarer Reisender eingetroffen. Es ist der 85jährige Bostoner Rechtsanwalt George Tienkham, der, wie er selbst erzählt, seit dreissig Jahren dem Glück nachjagt und es noch nicht gefunden Tiat. eich will nur zehn Minuten glücklich sein>, sagt der Mann, der, um dieses Ziel zu erreichen, bereits zweimal um die Welt gereist ist. Er hat auf seiner Hetze mannigfaltige Erlebnisse und Abenteuer gehabt, er hat in Afrika und Indien wilde Tiere gejagt, er hat auf den Südseeinseln gefischt, er ist durch die bayrischen Wälder gewandert, hat das Nachtleben in Paris und Berlin genossen, in Wien getanzt, Bier in alten englischen Gasthöfen getrunken — und das Glück doch nicht gefunden. . Der alte Glücksjäger ist jetzt in London, nicht etwa, uni sich auszuruhen, im Gegenteil, wie er einem Berichterstatter erzählt, ist er mehr denn je auf der Suche nach dem Glück. Im Gespräch zieht er hunderte Photographien hervor, die ihn immer in anderer Umgebung, in einem andern Teil der Welt zeigen. Auf einem Bild liegt ein riesiger Leopard zu seinen Füssen, auf dem andern ein grosser Löwe, den er erlegt hat. Wieder andere Bilder zeigen ferne, exotische Gegenden und Städte, die er besucht hat. Wehmütig blickt er auf diese Photographien. cSie erinnern mich nicht an Triumphe, sie sind nur Andenken an Misserfolge und Enttäuschungen. Mein Geschick will es,» sagt er, «dass ich immer weiter dem Glück nachjage, aber ich kann es nicht finden. Kann denn überhaupt jemand das Glück finden?» Auf einen Einwand, dass er wohl Anfälle von seelischer Depression habe, antwortet Mister Tienkham: «Keine Spur, ich bin viel zu gesund, um unter Depression zu leiden, ich bin genau so wie alle Amerikaner in meinem Alter. Ich glaube, dass unser Klima schuld daran ist. Es ist zu anregend. Die Eng« länder arbeiten, um zu leben, wir aber müssen leben, um zu arbeiten, genau so wie ein gefrässiger Mensch lebt, um zu essen. Der Engländer ist der glücklichste Mensch in der Welt, denn sein Klima bringt das Glück mit sich. Zum erstenmal bin ich im Jahre 1888 nach England gekommen, seitdem komme ich jedes Jahr, denn ich finde, dass England wie eine Erholung von dem intensiven amerikanischen Leben wirkt. Man hat mir oft vorgeschlagen, dass Ich mich in England niederlassen soll. Denn hier würde ich das Glück! finden. Aber das kann ich nicht. Denn wenn ich lange hier bin. bekomme ich Heimweh nach Amerika.»