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E_1938_Zeitung_Nr.089

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AUTOMOBIL-REVUE FREITAG,

AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 4. NOVEMBER 1938 — N° 89 Die Unfälle auf der Strasse « Kampf dem Verkehrsunfall» Ist im Gefolge zunehmender Motorisierung in allen Ländern zu einer mit wachsendem Nachdruck vertretenen Parole geworden. Wirksam bekämpfen aber lässt sich jedes Uebel selbst bei Wahl der geeignetsten Mittel nur, wenn seine Ursachen abgeklärt sind. Für Erhöhung der Verkehrssicherheit wirken kann man erfolgreich deshalb erst nach Eruierung der Gefahrenquellen. Beschäftigen wir uns deshalb einmal etwas mit der Statistik unserer Verkehrsunfälle, die wir zu diesem Zweck graphisch ausgewertet! Wohl sind im Jahr 1937 die Unfälle in ihrer Gesamtzahl weiter angestiegen (Fig. 1), Slrassenverkehrs-Unfälle nach Gemeinden ßccidents de la circulahon rouliere par communes IM^WHl doch zeigt sich erfreulicherweise ein Rückgang der tödlich verlaufenen Unfälle — von 629 im Jahre 1936 auf 599 im Vorjahre. Die Zahl der tödlich Verunfallten ging seit drei Jahren allmählich zurück und weist pro 1937 einen verhältnismässigen Tiefstand auf. Etwas an unserer graphischen Darstellung überrascht ganz ohne Zweifel den Grossteil der Betrachter: die Unfallzifier der Landgemeinden, welche sich im Vergleich zu den mittelgrossen Städten und den eigentlichen Großstädten als relativ hoch erweist. Offenbar wird durch die kleinen Ortschaften mit grössern Geschwindigkeiten gefahren als in den grossen Städten. Auf jeden Fall ruft diese Entwicklung einer intensiveren Verkehrsaufklärung und -erziehung, sowie einer besseren Verkehrsüberwachung in diesen Orten, dann aber vor allem der vermehrten Anbringung verkehrsregelnder Einrichtungen, also der Anlage von Fussgängerstreifen, und weiter einer wirksamen Trennung der verschiedenartigen Verkehrsteilnehmer voneinander. Ein Kapitel für sich verkörpern die chaotische Handhabung der 700 600 500 •00 300 200 uhrwerke Chat aride ifGemeinden mit 30000 und mehgl Gemeinden unter 10000 Einwohnerrb Communes de moins de 1000O habitante. emeinden mir KJOQO-30'000 Einwohnern CommunesdeW000-30000 habitants I 1930 1931 1932 1933 4nn A 4A->e «nie Bei Srrassenverkehrsunfällen verunfallten Personen bei einem Objekt. Motorrad Hoiocydem aswaqtn Cämon." Fig. 1. "ahrrad Bicyclerie in^ft mal «noo in la 4n?i « — — Personenwagen - Vbitureautomobil« **' Lastwagen • Camion 0EE2 " Fahrrad • Bkyderre • — Fuhrwerke • Char ituit " — Motorrad • Motocyderle "—•—— Fussganger • Pieion Fig. 2. 1935 1936 1937 Beleuchtungsvorschriften auf dem Lande, sei es bezüglich der hunde- oder kinderbespannten Milchwägelchen oder der sorglosen Velofahrer. Hinsichtlich Erhöhung der Verkehrssicherheit bedürfen die Landgemeinden demnach mindestens derselben Aufmerksamkeit wie die grossen Städte. Gerade die Erziehung der Fussganger und Radfahrer zu vernünftiger Strassenbenützung, ihre Gewöhnung an die neuzeitlichen Verkehrserfordernisse lässt hier noch stark zu wünschen übrig. Sodann wären bei Strassenbauten in Ortschaften die Trasses in vermehrtem Masse im Hinblick auf häufige Unfallursachen — Ueberholen, Missachtung des Vortrittsrechtes, zu schnelles Fahren, unrichtiges Einbiegen und Beleuchtung — zu beurteilen. Fig. 2 illustriert die Statistik der durch ein Objekt ausgelösten Strassenverkehrsunfälle, resp. der dabei verunfallten Personen. Die verschiedenen Kurven wiederspiegeln übrigens ganz deutlich auch die Bestandentwicklung der jeweiligen Fahrzeugkategorie. In den Jahren 1930—1937 verzeichneten diese nämlich nachfolgende Zu- und Abnahmen : 1930 1931 1932 1934 1935 1936 1937 FahrrMtr 823000 841000 864000 892 000 937 000 981000 1056 000 1132 000 Autoi 60 700 63 900 66 400 69 700 70 800 70 000 71500 Lastwagan Autobus» 17 500 20 400 20 300 21000 21100 19 700 21800 MotorrUar 46 400 46 900 31200 34 500 32 500 28 600 27 400 Bei StrassenverkehrsuntäHen verunfallte Personen zwischen Personenwagen und 2200 y^ 2100 / 2000 • -f 1900 / >< / 1800 / ^ _ — -___ • ,1 .Fahrrad • — — — 1700 , BwWte 1600 /' ' 1500 y ~— ——- '• —-• 1400 / «oo l_ ^. s 1000 £S== -=? — 900 _,..«••' \ Mottna*. % aoo '" "*"" •""•«y** *S 700 «^ . ;;; -2^-^ 400 .»*••"""' 300 .

— FREITAG, 4. NOVEMBER 1938 AUTOMOBIL-REVUE Leiteinr ichtnn g'en steigern die Verkehrssicherheit Die zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, d. h. in verkehrsregelndem Sinne installierten Leiteinrichtungen, verkörpern längst nicht für alle Automobilisten einen oft sehnsüchtig herbeigewünschten, mit dankbarer Erleichterung begrüssten Begriff. Wer in der glück- Abb. 1. Manchmal genügen schon ein paar Kübel Farbe! Hier auf dieser Waldstrasse, entlang dem rechten Ufer des Neuenburgersees, wird sich der Motorfahrzeugführer auch im dichtesten Nebel zurechtfinden. liehen Lage, sich für seine Fahrten ausnahmslos gutes Wetter und Tagesbeleuchtung auszulesen, dürfte sie in den meisten Fällen achtlos passieren. Wenn aber zu allen liehe Nebelwand vor der Windschutzscheibe. Mit Vollicht zu fahren, wird zum Ding der Unmöglichkeit; doch auch das Ausdrehen der Scheinwerfer verbessert die Situation nur unmerklich. Weisse wogende Fetzen scheinen den Wagen dicht und dichter einzuhüllen, man weiss nicht mehr, ob man rechts oder links der Strassenmitte dahinschleicht. Aehnliche Situationen vermag eine regnerische Nacht hervorzubringen. Die Strasse scheint das Licht der Scheinwerfer restlos aufzusaugen; das rechtzeitige Erkennen einer Strassenbiegung ist trotz grösster Konzentration und angestrengtem Hinausstarren schon mehr ein Erraten geworden. Wie nützlich erweisen sich in solchen Momenten gute und richtig angebrachte Leiteinrichtungen ! Man vertraut der weissen Randsteinbemalung, ein markierter Baum gibt Gewissheit : doch, wir befinden uns auf der richtigen Strassenseite. Das Aufleuchten von Katzenaugen, längs einer Kurve in die Prellsteine eingelassen, geleitet uns sicher um die geahnte, aber nicht mit Sicherheit zu erkennende Ecke. Doch unter Leiteinrichtungen werden auch noch andere Vorkehrungen eingereiht, etwa Trennstriche, Leitsteine oder -pflöcke, Strassengeländer, Übersichtsspiegel usw. Sie alle dienen dem gemeinsamen Zwecke, eine sichere und leichte Benützung der Strasse zu jeder Tages- und Nachtzeit, und soweit möglich auch bei jeder Witterung, zu gewährleisten. Was wesentlich zur bessern Beachtung dieser stummen Helfer beitragen würde, wäre deren möglichst einheitliche Gestaltung — nicht etwa nur auf dem kleinen Gebiete unseres Landes, sondern in der ganzen Welt. Die internationalen Strassenkongresse haben diese Notwendigkeit längst erkannt und ihre diesbezüglichen unermüdlichen Bestrebungen zeitigten ja auch schon Abb. 3. Auf der Strasse Basel—Pratteln, resp. Schweizerhöhe—Äugst, trennen schwarz-weisse Pfähle rechtswie linksseitig der Strasse deren eigentliche Fahrbahn von den Radfahrwegen. Diese in der Schweiz einzig dastehende Leiteinrichtungs-Konstruktion mag gut gemeint gewesen sein; geraten ist sie jedenfalls schlecht. Die zu geringe Höhe der Pfähle, 56,5 cm, verunmöglicht deren richtige Einschätzung vom Führersitze aus. Kein Wunder, dass gerammte, umgefahrene Exemplare an der Tagesordnung! Man sehe sich das Bild nur genau an: Der vorderste der Pfähle scheint in einen Maulwurfhaufen gesteckt zu sein, d. h. er ist frisch gesetzt, wurde also erst kürzlich wegrasiert. Diese unbefriedigende Lösung der Trennung von Autofahrbahn und Radfahrweg besitzt noch einen weitern Nachteil: bei höheren Geschwindigkeiten halten die Motorfahrzeugführer automatisch nach der Strassenmitte hin, denn aus der Perspektive lässt sich der tatsächliche Verlauf der Pfahlreihe nur schwer und ungenau abschätzen. Die an und für sich ausgezeichnete Fahrbahn wird infolgedessen nur teilweise ausgenützt und die Verkehrssicherheit dadurch erheblich beeinträchtigt. Abgeholfen kann diesem Uebeistande nur durch Beseitigung der vorhandenen und Einbringung neuer Pfähle von mindestens 1 m Höhe, oder aber dui-ch Strichbezeichnung event. durch Einlagerung leicht erhöhter Pflastersteine werden. Abb. 2. Die durch unser Mittelland führenden Hauptstrassen basieren punkto Linienführung grösstenteils noch auf den althergebrachten Grundsätzen. Infolgedessen siebt sich der Fahrer oft unversehens in einer fast rechtwinkligen Kurve. Im Interesse einer Erhöhung der Verkehrssicherheit und weiterhin auch mit Rücksicht auf ortsunkundige Motorfahrzeugführer sollten derartige Richtungswechsel früh genug und gut sichtbar gekennzeichnet werden. Tages- und Nachtzeiten gefahren werden jnuss, dann wirken oft die bescheidensten dieser Zeichen als wahre Retter in der Not. Plötzlich türmt sich etwa eine undurchdring- i Abb. 8. Ein grosser Kübel weisse Farbe, ein Pinsel und fleissige Hände — mehr braucht es nicht, um eine bei Nacht und Nebel hervorragend sichtbare Leiteinrichtung hervorzuzaubern! Abb. 5. Zur Nachahmung nicht warm genüg empfohlen werden, kann die oben widergegebene Leit- und Bremseinrichtung für Fussgünger. Ein Fussgängerßtreifen, resp. ein Fussweg quert an dieser Stelle (in Solothurn) unmittelbar die nach Bern führende Ausfallstrasse. Ein Trottoir, das auf das Ausmünden des Wegleins in die Hauptstrasse aufmerksam machen würde, fehlt. Die hier verwendete Konstruktion verhindert mit einfachen Mitteln durch sinnvolle Anordnung der Elemente jedes unachtsame auf die Fahrbahn treten und dürfte eine der besten Verkehrsschutz-Einrichtungen für Fussgänger darstellen. Welch unschätzbare Dienste vermöchte diese Konstruktion zur Sicherung von auf die Fahrbahn ausmündenden Schulwegen leisten! Abb. 4. Diese des Nachts von innen beleuchtete Spinne .stellt infolge ihrer Höhe von 25 cm ein Verkehrshindernis sondergleichen dar. Ortsunkundige Automobilisten erkennen diese Leiteinrichtung ganz zweifellos zu spät; unter einer Eisenbahnbrücke bei Solothurn montiert, entgeht sie leicht der durch die zu passierende Unterführung voll in Anspruch genommenen Aufmerksamkeit des Fahrers. Ja — bei der heutigen Tieflagerung der Motorfahrzeuge — kann diese Spinne leicht zur Gefahrenquelle werden. Deren Ersetzung durch einen weissen Trennstrich schüfe unter Aufwand geringer Mittel eine bedeutend höhere Sicherheit mmm Abb. 6. Diese markante Kurvenabschrankung leitet den Fahrer bei jeder Witterung — trotz einem Winkel 1ÖQ° «— eichet eur CeaeripasshöUe h'"*"t Abb. 7. Eine in zunehmendem Masse Verwendung findende Leiteinrichtung stellt sodann der Strassenspiegel dar. Dies Behelfsmittel ermöglicht es den Motorfahrzeugführern tatsächlich «um die Ecken zu sehen», d. h. sie vermögen eine rechtwinklig zur eigenen Fahrbahn verlaufende Strasse zu überblicken und sind damit vor diesbezüglich unliebsamen Ueberraschungen. gesichert.