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Profiwissen_Flachdach_2016_ohne_JL_gesamt

B. Systeme Konstruktion

B. Systeme Konstruktion 1. Dichtungen auf Schalungen, unbelüftet Dampfbremse Winterfall (Tauperiode): Verläuft der Dampfstrom von innen nach außen, soll die Dampfbremse den Feuchteeintrag in die Konstruktion reduzieren. Der s d -Wert sollte möglichst hoch sein. Sommerfall (Verdunstungsperiode): Die Aufheizung des Daches bewirkt einen Dampfstrom zum Raum - außen ist es wärmer als innen. Die Konstruktion kann zum Raum austrocknen, der s d -Wert sollte möglichst gering sein. Feuchtevariable/feuchteadaptive Dampfbremsen können die zuvor gestellten Anforderungen in einem bestimmten Umfang leisten. Man akzeptiert, dass die Konstruktion in der Tauperiode maßvoll an Feuchte zunimmt und dies in einer höheren Menge, als bei einer Dampfsperre wie sie früher üblich war. Auf der Positivseite steht allerdings das hohe Maß an Austrocknung während der Verdunstungsperiode. Die Mengen sind so beträchtlich, dass die Konstruktion bei korrekter Ausführung über die Jahre insgesamt an Feuchte verliert. DIN 68800 hat zu dem Adaptivverhalten Vorgaben gemacht, die sich auf den s d -Wert bei bestimmter Luftfeuchte beziehen (siehe Tab. 2). In der Norm wird für diese Art von Dampfbremsen ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis gefordert, der z. Zt. lediglich von nur wenigen Produkten erfüllt wird. Zur besseren Einschätzung der s d -Werte werden in [9] die Hintergründe erläutert. Vorgaben der DIN 68800 a s d -Wert trocken (Winterfall) s d -Wert feucht (Sommerfall) ≥ 3,0 m bei rLf. ≤ 45% 1,5 ≤ s d ≤ 2,5 m bei rLf. = 70% pro clima INTELLO b 1,7 m ± 20% bei rLf. 71,5% 34 m ± 20% bei rLf. 25% 0,3 m ± 40% bei rLf. 90% Tab. 2 s d -Werte von feuchtevariablen/feuchteadaptiven Dampfbremsen in Bezug auf die Luftfeuchte. a Als Anforderung gilt ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis. b Beispiel für ein zugelassene feuchteadaptive Dampfbremse (Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-9.1-853). Angegeben wird der Ausgangswert, der für die Berechnungen nach DIN EN 15026 maßgebend ist. Ausführungshinweise Bei geringem Gefälle < 5% soll die Dachabdichtung bei Bitumenbahnen zweilagig ausgeführt werden. Die untere Lage dient zunächst u. a. als Notabdichtung auf der Schalung. Diese schützt die Holzkonstruktion während der Bauphase. Die zweite Lage wird mit der ersten homogen verschweißt (Vermeidung von Blasenbildung, Seite 26). Früher übliche Konstruktion In einer früheren Ausgabe von DIN 4108-3 galt die Ausführung mit einer inneren diffusionshemmenden Schicht (Dampfsperre) mit s d -Wert ≥ 100 m als nachweisfrei und wurde in großer Zahl baulich umgesetzt. Jedoch gilt gerade diese Konstruktion schon länger nicht mehr als Stand der Technik, sondern als schadensträchtig. Daher ist mit Neufassung der DIN 4108-3 (November 2014) diese Dachkonstruktion nicht mehr als „nachweisfrei“ aufgeführt. 12

... mit Zusatzdämmung 1. Dachabdichtung (hier als Bahn, dunkel) 2. druckfeste Dämmung mit Gefälle (≥ 2%) 3. optional Notabdichtung (kann als hygrische Trennung der oberen und unteren Bauteilschichten wirken) 4. tragende Holzschalung (Empfehlung: Rauspund; Holzwerkstoffplatte im Feuchtbereich) 5. tragende Holzbalkenlage 6. vollständige Hohlraumdämmung 7. feuchteadaptive Dampfbremse / Luftdichtung 8. raumseitige Bekleidung Beschreibung geringe Bauteilhöhe Elementierung und Vorfertigung möglich Gefälleausbildung mit Dämmkeilen möglich + Anschluss der Luftdichtung von innen Deckschichten u. U. möglich zwei Abdichtungsebenen – ... ,,, V E druckfester Zusatz-Dämmstoff erforderlich Feuchteschutznachweis notwendig Deckschichten möglich Feuchteschutznachweis (hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026) erforderlich Metalldeckung mit speziellen Haften in der Hauptdämmebene verankert U-Werte siehe Tabelle 5 auf Seite 20 Empfehlung bei höheren Wärmeschutzanforderungen und gleichzeitiger Kostenreduzierung sowie bei ungenutzten Dächern bei Deckschichten und Nutzung Verwendung und Nutzung Die Notwendigkeit für diese Konstruktion stammt aus steigenden Anforderungen aus dem Wärmeschutz und der Verbesserung des Feuchteschutzes gegenüber Bauteil B.1. Um den Balkenquerschnitt auf einem statisch erforderlichen Maß zu belassen, wird eine ergänzende Dämmschicht oberhalb der Schalung ausgeführt. Damit entwikkelt sich ein Hybrid aus den Systemen B.1 / B.2. Wobei die bauphysikalischen Notwendigkeiten aus B.1 bestehen bleiben. Feuchteschutz / Tauwassernachweis Die Dämmschicht hat einen positiven Einfluss auf das Feuchteverhalten der Konstruktion. Zwar sind die Temperaturen an der Holzschalung in der Verdunstungsperiode reduziert, allerdings sind die Tauwassermengen (Winterfall) erheblich geringer. Dies führt zu einem gemäßigten Klima im Bereich der Holzschalung und damit insgesamt zu einer Reduzierung der Tauwassermenge. Die Pflicht zu einem Feuchteschutznachweis nach DIN EN 15026 wie auf Seite 11 beschrieben bleibt allerdings bestehen. Es muss gewährleistet sein, dass das Dach in der Bauart und Nutzung entsprechend den Planungsvorgaben bestehen bleibt (Beläge und andere Nutzungen, Verschattung, Installationen jeder Art und stauendes Wasser). Bei Änderungen ist ein entsprechender modifizierter Feuchteschutznachweis zu führen. 13