Erfolg Magazin Ausgabe 6-2019

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Der Weltfußballer Christiano Ronaldo

ist bekannt dafür mehrere Schlafpausen

pro Tag zu machen, um so fit

im Kopf und auf dem Fußballfeld zu

bleiben.

Es ist also erwiesen, dass die Reduzierung

der Konzentration auf ein Problem die

Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, genau

dieses Problem zu lösen. Aber wie sieht es

jetzt mit Ruhephasen oder dem Nickerchen

aus?

Was genau nach einer komplexen Entscheidung

im schon erwähnten Hippocampus

passiert, hat die Forschungsgruppe NeuroCode

am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

(MPIB) gemeinsam mit

Wissenschaftlern der Princeton University

untersucht: 33 Probanden mussten in

mehreren Blöcken eine komplexe Entscheidungsaufgabe

bearbeiten. Dabei lagen sie

im Magnetresonanztomografen (MRT).

So wurde die Hirnaktivität aufgezeichnet.

Im Fokus stand dabei der orbitofrontalen

Cortex, der vordere, stirnseitige Teil des

Gehirns und der Hippocampus. In dem

vorderen Teil des Gehirn spielen sich bekanntlich

die mentalen Entscheidungsprozess

ab. Jede Art von Entscheidung bildete

hier ein spezifisches neuronales Aktivitätsmuster.

Nach jedem Aufgabenblock sollten sich

die Probanden für fünf Minuten ausruhen

und ruhig im MRT liegen bleiben. Die

Wissenschaftler wollten so herausfinden,

was genau in dieser Ruhephase nach dem

Bearbeiten der komplexen Entscheidungsaufgaben

im Gehirn passiert. „Während

die Probanden in den Pausen zwischen den

Aufgaben ruhig dalagen, spielte der Hippocampus

die soeben erledigte Entscheidungsaufgabe

erneut ab. Dabei konnten wir

die Reihenfolge der zuvor stattgefundenen

Erlebnisse beobachten. Unsere Ergebnisse

lassen vermuten, dass diese Wiederholung

im Gehirn beschleunigt – quasi im Zeitraffer

– geschieht.“, so Nicolas Schuck, Leiter

der Forschungsgruppe NeuroCode. Für die

Wissenschaftler ist dies ein Beleg, dass Ruhephasen

eine positive Rolle beim Erlernen

neuer Aufgaben spielen.

Schlaf trägt zur Bildung unsres Langzeitgedächtnisses

bei. Er festigt also zuvor erworbenes

Wissen. Über Nacht wird dauerhaft

im Gehirn abgelegt, was wir den Tag über

an Wissen erworben haben. Auch kürzere

Schlafphasen haben so eine Wirkung.

Wissenschaftler vom Institut für Medizinische

Psychologie und Verhaltensneurobiologie

der Universität Tübingen haben

in einer aktuellen Studie die Lernleistung

am Beispiel vorhersehbarer Abläufe im Zusammenhang

mit Schlaf untersucht. Dazu

ließen sie zwei Personengruppen an einem

Bildschirm festgelegte Sequenzen von visuellen

Mustern lernen. Nach entweder einer

Schlaf- oder einer Wachphase testeten die

Wissenschaftler, wie die Probanden auf

Abweichungen in den gelernten Abläufen

reagierten. Dabei zeigte sich, dass die

Gruppe mit Schlafphase die Abläufe stärker

Ruhephasen und

Schlaf haben also

einen nachhaltig

positiven Effekt

auf Gedächtnis und

Arbeitsleistung.

verinnerlicht hatte und sicherer beherrschte,

auch wenn die Sequenzen in schnellerer

Abfolge präsentiert wurden.

Ruhephasen und Schlaf haben also einen

nachhaltig positiven Effekt auf Gedächtnis

und Arbeitsleistung. Ist dies dann ein Plädoyer

für das Nickerchen am Arbeitsplatz?

Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen.

Auf jeden Fall muss hier aber der

ein oder andere „Chef“ seine Sichtweise

ändern. Es ist ein Plädoyer Freiräume und

Ruhephasen für die Mitarbeiter nicht nur

zuzulassen sondern auch aktiv zu fördern.

Der Autor

Uli Funke

ist deutscher Keynote Speaker, Berater,

Fotograf und ehemaliger Radio-Chefredakteur.

Er ist außerdem Mitglied der

Akademie für neurowissenschaftliches

Bildungsmanagement und der German

Speakers Association.

Bilder: Depositphotos/vverve, Christina Pörsch

10 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2019 . ERFOLG magazin

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