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WIKO 2022 – Das Wirtschaftsmagazin für Altmühlfranken

Der Wirtschaftskompass Altmühlfranken stellt leistungsfähige Unternehmen der Region vor und widmet sich in Reportagen, Interviews und Meinungsbeiträgen der Gegenwart und Zukunft der regionalen Wirtschaftswelt.

Der Wirtschaftskompass Altmühlfranken stellt leistungsfähige Unternehmen der Region vor und widmet sich in Reportagen, Interviews und Meinungsbeiträgen der Gegenwart und Zukunft der regionalen Wirtschaftswelt.

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www.wiko-wug.de<br />

AUSGABE <strong>2022</strong><br />

WIRTSCHAFTSKOMPASS ALTMÜHLFRANKEN<br />

50 Jahre<br />

WUG<br />

...und jetzt!?<br />

Warum wir<br />

den Landkreis<br />

neu denken müssen.


MARATHON<br />

DES JAHRES<br />

2019 *<br />

* In Mittelfranken und der Metropolregion Nürnberg (marathon4you.de).


Editorial<br />

Liebe Leserin, lieber Leser<br />

zum dritten Mal halten Sie den gedruckten Wirtschaftskompass <strong>für</strong> <strong>Altmühlfranken</strong><br />

in der Hand. Diese Ausgabe unterscheidet sich jedoch schon optisch stark<br />

von ihren Vorgängerinnen. Wir haben dem <strong>WIKO</strong> ein neues Erscheinungsbild<br />

verpasst. Dieser Relaunch dient der besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit.<br />

Wir haben den <strong>WIKO</strong> frischer, moderner und zeitgemäßer gemacht. Was wir nicht<br />

getan haben: unseren Qualitätsanspruch verwässert.<br />

Mehr denn je will der <strong>WIKO</strong> Spannendes von und aus der heimischen Wirtschaft<br />

erzählen. Von Industrie und Handwerk, Handel und Dienstleistung, Sozialunternehmen<br />

und Kommunen. Wir beschreiben die Herausforderungen, vor denen alle<br />

stehen, und wie sie diese angehen. Wir lassen junge Leute mit ihren Erwartungen<br />

und Zukunftsplänen zu Wort kommen. Wir stellen Frauen vor, die in der heimischen<br />

Wirtschaft herausragende Rollen spielen, und zeigen die Hindernisse, auf<br />

die sie stoßen. Wir lassen einen Top-Wissenschaftler einen analytischen Blick von<br />

außen auf dieses <strong>Altmühlfranken</strong> werfen. Wir hinterfragen, wie unsere Automobilzulieferer sich <strong>für</strong> die gewaltigen<br />

Veränderungen der Mobilität rüsten und wie sich die Kunststoffbranche in Zeiten des Klimaschutzes neu<br />

erfindet. Und wir schauen, wie es um die erneuerbaren Energien hier steht.<br />

Unser Anspruch ist es, Wirtschaft zu erzählen. Anhand von Menschen, Trends und Entwicklungen. Ausgangspunkt<br />

da<strong>für</strong> ist in diesem Heft das 50-jährige Bestehen des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. Doch,<br />

keine Angst <strong>–</strong> dieser <strong>WIKO</strong> ist keine Festschrift. Er glorifiziert weder Jubiläum noch Landkreis, sondern analysiert<br />

und richtet den Blick in die Zukunft.<br />

Für all dies haben wir wieder ein eigenes <strong>WIKO</strong>-Team zusammengestellt. Eine gute Mischung aus jungen Talenten<br />

und erfahrenen Medienmachern ist nun am Werk. Wir haben Uwe Ritzer als Autor und neuerdings auch<br />

als redaktionellen Berater stärker an uns gebunden, den mehrfach preisgekrönten Wirtschaftsjournalisten und<br />

Buchautor aus Weißenburg, der in einschlägigen Rankings zuletzt zu den Besten des Landes gezählt wurde.<br />

Es ist mit dem <strong>WIKO</strong> eben wie im normalen Wirtschaftsleben auch: Fortschritt entsteht aus Wandel heraus.<br />

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erkenntnisgewinn beim Lesen.<br />

Ihr Jan Stephan<br />

Wiko-Redaktionsleiter<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong><br />

<strong>WIKO</strong> 3


HERAUSGEBER<br />

Braun & Elbel GmbH & Co. KG,<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Wildbadstraße 16-18 | 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90<br />

www.wiko-wug.de | info@wiko-wug.de<br />

PROJEKTMANAGEMENT<br />

Felix Oeder<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 25<br />

oeder@wiko-wug.de<br />

REDAKTION<br />

Jan Stephan (Leitung) | Uwe Ritzer (Berater)<br />

Miriam Zöllich | Kathrin Lucia Meyer<br />

Celine Ritzer | Steffen Zellfelder<br />

Mathias Hochreuther | Selina Yildiz<br />

LAYOUT UND DESIGN<br />

be media <strong>–</strong> Werbeagentur<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Sven Katheder | Erik Körner<br />

info@be-media.de<br />

LEKTORAT<br />

Ingrid Philipp<br />

DRUCK UND VERTEILUNG<br />

Buch- und Offsetdruckerei<br />

Braun & Elbel GmbH & Co. K.G.<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Wildbadstraße 16-18 | 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90<br />

Erscheinung als Beilage im Weißenburger Tagblatt,<br />

Treuchtlinger Kurier und Altmühl-Boten<br />

Auflage: ca. 25.000 Exemplare<br />

Ist der Kunststoff die industrielle<br />

Zukunft der Region, wenn die<br />

Automobilzulieferindustrie es<br />

mittelfristig schwer haben wird?<br />

Und wie geht es in der Ära des<br />

Homeoffice weiter mit dem<br />

flachen Land? Zwei der Fragen,<br />

die der <strong>WIKO</strong> <strong>Altmühlfranken</strong> in<br />

dieser Ausgabe beantworten will.<br />

4<br />

<strong>WIKO</strong>


Inhaltsverzeichnis<br />

Zeit, dass sich was dreht:<br />

Warum sich der Landkreis nach<br />

50 Jahren neu ausrichten muss<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Radikal: In der Industrie bahnt sich<br />

ein historischer Umbruch an<br />

Von Jan Stephan<br />

06<br />

10<br />

Handel: Zweirad Gruber, Möbel<br />

Rachinger, Velovita<br />

Kulinarik und Genuss: Metzgerei<br />

Struller, HeimaTeil.de, Fürst Carl<br />

Warum die Welt die Provinz<br />

braucht: Interview mit<br />

Landforscher Prof. Bätzing<br />

66<br />

69<br />

72<br />

Industrie: Verpa Folie, HP-T,<br />

Heizomat, Ossberger, SSW,<br />

Krause Präzision, Hetzner,<br />

Reinle, Alfmeier, Gore<br />

Die Jugend von heute:<br />

Was sie von der Berufswelt erwartet<br />

Von Selina Yildiz<br />

Dienstleistung: Löffler | Wulff &<br />

Partner, Dres. Schacht, SWR,<br />

Osbelt, Meyerhuber, Geilhardt,<br />

be media<br />

18<br />

34<br />

41<br />

Interview: Jan Stephan<br />

Handwerk: Mory Haustechnik,<br />

Felleiter & Schmidt, Fenster<br />

Rachinger, Fliesen Wolf, Kipf,<br />

Rieger & Kraft, Braun & Elbel<br />

Die lokale Energiewende:<br />

Provinzstrom <strong>für</strong> die Großstadt?<br />

Von Jan Stephan<br />

Gesundheit und Soziales:<br />

Diakonie, BRK, Diakoneo,<br />

Hensoltshöhe<br />

78<br />

85<br />

92<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> 2030 <strong>–</strong><br />

was soll das? Interview mit<br />

Landrat Manuel Westphal<br />

48<br />

Die Pflegekräfte von morgen?<br />

Von Mängeln in der<br />

Gesundheitsversorgung<br />

97<br />

Kommunen und Behörden:<br />

Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen,<br />

Stadt Gunzenhausen, Stadt<br />

Weißenburg, Stadt Treuchtlingen,<br />

Agentur <strong>für</strong> Arbeit<br />

53<br />

Von Jan Stephan<br />

Die lokale Jobbörse<br />

Impressum<br />

99<br />

101<br />

Frauen nach vorn: Warum es zu<br />

wenige weibliche Führungskräfte<br />

in Wirtschaft und Politik gibt<br />

60<br />

Von Kathrin Lucia Meyer und<br />

Miriam Zöllich<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

5


6<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Zeit,<br />

dass sich was dreht<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Der Landkreis Weißenburg-<br />

Gunzenhausen wird 50<br />

Jahre alt. Ein guter Anlass,<br />

um sich endlich von einer<br />

Lebenslüge zu verabschieden:<br />

Er ist keine Einheit<br />

und wird nie eine werden <strong>–</strong><br />

selbst wenn man sich noch<br />

ein halbes Jahrhundert<br />

krampfhaft darum bemüht.<br />

Aber das ist auch<br />

nicht schlimm.<br />

Im Gegenteil.<br />

Ein Hoffest im Landratsamt. Familienwanderungen.<br />

Ein Fotowettbewerb.<br />

Tage der offenen Tür in den Recyclinghöfen<br />

(da kommt man ja auch sonst nie<br />

hin ...). Kugelschreiber und Blumensamen.<br />

Ach ja, nicht zu vergessen <strong>–</strong> ein<br />

„Aktionstag“. An dem sollen Bürgerinnen<br />

und Bürger Apfelsaftflaschen mit<br />

Landkreis-Etiketten bekleben. Wozu<br />

das alles? Um das „Wir-Gefühl“ im<br />

Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen<br />

zu fördern. 100.000 Euro sind da<strong>für</strong><br />

veranschlagt.<br />

Ernsthaft?<br />

Was da Mitte Februar als Aktionsplan<br />

von der sogenannten „Zukunftsinitiative<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>“ vorgestellt und<br />

von Kreisräten durchgewunken wurde,<br />

ist das unfreiwillige Eingeständnis<br />

eines krachenden Scheiterns. Wie<br />

armselig muss es um das Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

in diesem Landkreis<br />

bestellt sein, wenn er mit, nun ja, überschaubar<br />

originellen Ideen wie kollektivem<br />

Etikettenkleben, Recyclinghofbesuchen<br />

und Samentütchen versuchen<br />

muss, ein „Wir-Gefühl“ zu inszenieren?<br />

Ein halbes Jahrhundert nach<br />

seiner Gründung!<br />

Es mag Menschen geben, Kommunalpolitiker<br />

zum Beispiel, die <strong>2022</strong><br />

tatsächlich feiern wollen, dass der<br />

Freistaat Bayern vor 50 Jahren die<br />

selbstständigen Landkreise Weißenburg<br />

und Gunzenhausen sowie die<br />

kreisfreie Stadt Weißenburg zum neuen<br />

Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen<br />

zwangsvereinigte. Eine Erfolgsgeschichte<br />

ist daraus nicht geworden,<br />

im Gegenteil. Dieser Landkreis fand<br />

nie zu innerem Zusammenhalt, er hat<br />

und er findet kein gemeinsames Ziel,<br />

kein Selbstverständnis, keine Identität.<br />

So viele Apfelsaftflaschen gibt es gar<br />

nicht, die man bekleben müsste, um<br />

das zu ändern.<br />

Was hat man nicht alles schon versucht.<br />

Zum Beispiel den Begriff „<strong>Altmühlfranken</strong>“<br />

kreiert, mit dem sich<br />

auch nach zehn Jahren kaum jemand<br />

im Landkreis identifzieren und außerhalb<br />

davon keiner etwas anfangen<br />

kann. Oder der von Sängerin Alex Seubert<br />

mit ihrer tollen Stimme gerappte<br />

Landkreis-Song <strong>–</strong> kaum auserwählt,<br />

schon wieder vergessen. Nur wenige<br />

Organisationen haben seit 1972 kreisübergreifend<br />

zusammengefunden. Die<br />

Freiwilligen Feuerwehren, die Bauernschaft,<br />

der ein oder andere Interessenverband.<br />

Aber schon eine Kreissparkasse,<br />

die ein wichtiges Instrument <strong>für</strong><br />

die regionale Wirtschaftsförderung<br />

gewesen wäre, ist an lokalen Eitelkeiten<br />

gescheitert. Und selbst etwas<br />

so Banales wie der Zusammenschluss<br />

der Volkshochschulen Weißenburg<br />

und Gunzenhausen zu einer schlagkräftigen<br />

Bildungseinheit <strong>für</strong> alle 27<br />

kreisangehörigen Kommunen geriet<br />

dank kleinkarierter Bockigkeiten, Animositäten<br />

und Rivalitäten zum zähen,<br />

monatelangen Politikum.<br />

Beim öffentlichen Personennahverkehr<br />

macht die Stadt Gunzenhausen<br />

lieber gleich ihr eigenes Ding. <strong>Das</strong><br />

Seenland, mit großen Hoffnungen gestartet,<br />

ist auch nie die Klammer geworden,<br />

die den Kreis zusammenhält,<br />

wie es sich sein Erfinder Ernst Lechner<br />

gewünscht hatte. Und was die Zukunft<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

7


angeht: Die regionalen Verteilungskämpfe<br />

mag man sich lieber gar nicht<br />

ausmalen, die ausbrechen werden, sollten<br />

zwei Krankenhäuser wirtschaftlich<br />

nicht mehr überlebensfähig sein.<br />

Wer Weißenburger Stadtpolitiker ärgern<br />

will, muss auch nach 50 Jahren<br />

nur behaupten, die in Gunzenhausen<br />

könnten es besser. Umgekehrt funktioniert<br />

das ganz genauso. Wobei die<br />

Fronten der Eifersüchtelei und des<br />

Misstrauens keineswegs nur zwischen<br />

den beiden größten Städten verlaufen,<br />

sondern sich ziemlich unübersichtlich<br />

durch den Landkreis ziehen. Mag der<br />

amtierende Landrat noch so eifrig mit<br />

einem Ideensammel-Köfferchen auf<br />

PR-Tour zwischen Muhr am See und<br />

Solnhofen, Pleinfeld und Polsingen<br />

hin- und herkurven <strong>–</strong> dieser Landkreis<br />

ist keine Einheit und er wird auch keine<br />

werden.<br />

Nun kann man es sich intellektuell<br />

einfach machen und sagen, daran seien<br />

nur Kirchturmpolitiker schuld. Bürgermeister,<br />

Stadt- und Gemeinderäte, die<br />

nur ihren Ort sehen, nicht aber darüber<br />

hinaus. Wer so redet, macht es sich zu<br />

einfach, tut den in ihrer Mehrheit redlichen<br />

Kommunalpolitikern Unrecht<br />

und verkennt, dass es auch nach 50<br />

Jahren schlichtweg keine Kohäsionskräfte<br />

gibt, keinen regionalen Zeitgeist,<br />

nichts, was zusammenschweißen könnte,<br />

was nicht zusammengehört.<br />

<strong>Das</strong> ist aber auch überhaupt nicht<br />

schlimm, im Gegenteil. Es ist sogar<br />

eine große Chance.<br />

Denn würde man sich endlich ehrlich<br />

eingestehen, dass dieser Landkreis eine<br />

regionalpolitische Fehlkonstruktion ist,<br />

könnte man ihn endlich neu ausrichten<br />

<strong>–</strong> und neue Wege gehen. Warum nicht<br />

seine Diversität, seine Heterogenität<br />

als Chance begreifen und nutzen.<br />

Was das heißt? Nun, Gunzenhausen<br />

etwa, samt seinem unmittelbaren Einzugsgebiet,<br />

ist mental, sozial, kulturell,<br />

aber auch wirtschaftlich von jeher<br />

stark nach Ansbach orientiert und mit<br />

dem angrenzenden Schwaben verzahnt.<br />

Diese Bindungen haben sich<br />

längst als stärker erwiesen als etwa jene<br />

nach Weißenburg. In der Gegenwart<br />

setzt Gunzenhausen strategisch so erfolgreich<br />

wie keine andere Kommune<br />

im Landkreis auf Fremdenverkehr und<br />

Dienstleistung. <strong>Das</strong> ist absolut schlüssig,<br />

denn keine Kommune profitiert<br />

mehr vom Seenland als die Altmühlstadt.<br />

Als Industriestandort hingegen hat<br />

Gunzenhausen über die Jahre hinweg<br />

massiv an Bedeutung verloren, sprich:<br />

an Arbeitsplätzen. Lange vorbei die<br />

Zeit, als Mitte der 1980er-Jahre allein<br />

bei der SEL 1.600 Menschen arbeiteten.<br />

Gerade wurde das Pressmetall-<br />

Werk geschlossen; noch einmal 500<br />

Jobs weniger. Ein großer Arbeitgeber<br />

nach dem anderen ging verloren. Was<br />

man vor Ort auch nicht als Problem<br />

sieht, sonst wäre die Ansiedlung des<br />

geplanten Hetzner-Rechenzentrums<br />

nicht an Grundstücksproblemen gescheitert.<br />

Gunzenhausen geht längst<br />

seinen eigenen, touristischen Weg.<br />

Ganz anders ist die Struktur im Osten<br />

des Landkreises, präziser formuliert:<br />

entlang der Bundesstraße 2. Von jeher<br />

waren es stets die großen Handelswege,<br />

an denen wirtschaftliches Handeln<br />

zuvörderst gedieh. Pleinfeld, Ellingen,<br />

Weißenburg, Treuchtlingen, dazu das<br />

unmittelbare Hinterland mit dem Jura<br />

und dem durch die Steinindustrie geprägten<br />

Dreieck Pappenheim-Solnhofen-Langenaltheim<br />

im Süden <strong>–</strong> sie<br />

orientierten sich allesamt stets entlang<br />

der B 2 nach Norden oder Süden. Und<br />

seit einigen Jahren werden die ökonomischen<br />

Bezüge ins Audi-Land Ingolstadt/Eichstätt<br />

immer enger. Nach<br />

Ansbach hingegen, ja schon nach Gunzenhausen,<br />

sind die Verzahnungen vergleichsweise<br />

minimal.<br />

Was spricht also dagegen, dieses Kraft-<br />

8<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


zentrum entlang der B 2 von Pleinfeld<br />

bis Langenaltheim separat zu stärken<br />

und auszubauen? Hier leben gut 60<br />

Prozent der Kreisbevölkerung; allein<br />

Weißenburg wuchs binnen 20 Jahren<br />

um 800 Einwohner (Gunzenhausen<br />

übrigens um knapp 330). Die Große<br />

Kreisstadt prosperiert ökonomisch<br />

schon seit Jahren und kam auch weitaus<br />

besser durch die Pandemie als viele<br />

vergleichbare Kommunen. In Weißenburg<br />

und entlang der B 2 arbeiten<br />

mit Abstand die meisten sozialversicherungspflichtigen<br />

Beschäftigten<br />

im Landkreis, hier wird die größte<br />

Wertschöpfung erzielt, hier sind zwei<br />

Hochschuleinrichtungen angesiedelt,<br />

hier besteht ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt,<br />

den die Bahn erklärtermaßen<br />

stärken will.<br />

Dieser Vergleich zwischen dem Gunzenhausener<br />

und dem Weißenburger<br />

Land beinhaltet keinerlei Auf- oder<br />

Abwertung. Die Botschaft dahinter ist<br />

schlicht: Jede Teilregion dieses Landkreises<br />

tut gut daran, sich auf ihre Stärken<br />

zu konzentrieren, anstatt noch ein<br />

halbes Jahrhundert Energie damit verschwenden,<br />

den Einheitsbrei zu rühren.<br />

Dazu braucht es einen gemeinsamen<br />

Plan all der Kommunen, die zu diesem<br />

Kraftzentrum gehören. Eine Strategie,<br />

wie sie künftig nicht mehr nebeneinander<br />

herwursteln, sondern sich gemeinsam<br />

entwickeln können. Wo es<br />

nicht mehr Pleinfeld oder Ellingen,<br />

Weißenburg oder Treuchtlingen heißt,<br />

sondern Pleinfeld, Ellingen, Weißenburg<br />

und Treuchtlingen miteinander.<br />

In der Standortentwicklung, in der<br />

Außendarstellung als ein Wirtschaftsraum,<br />

im Flächenmanagement, in der<br />

Aufteilung von Aufgaben. Hier würde<br />

wirklich zusammenwachen, was auch<br />

zusammengehört.<br />

„ Weißenburg und<br />

Treuchtlingen sollten<br />

zusammenarbeiten„<br />

De facto ist es doch ohnehin so: Sollte<br />

die Firma Hetzner ihr in Gunzenhausen<br />

gescheitertes Mega-Rechenzentrum<br />

tatsächlich in Ellingen ansiedeln,<br />

wäre das nicht nur <strong>für</strong> die Deutschordensstadt,<br />

sondern <strong>für</strong> das gesamte<br />

Weißenburger Land ein Zugewinn an<br />

Zukunftstechnologie und Arbeitsplätzen.<br />

Und was die Firma Alfmeier seit<br />

Jahren erfolgreich praktiziert, nämlich<br />

das Hauptquartier in Weißenburg, den<br />

Hauptstandort aber in Treuchtlingen<br />

zu haben, könnte auch <strong>für</strong> die beiden<br />

Städte ein Modell sein. Nicht auszudenken,<br />

welche Kräfte sich entfalten,<br />

welche Chancen sich eröffnen würden,<br />

wenn die Städte Weißenburg und<br />

Treuchtlingen anstatt zu rivalisieren,<br />

eine gemeinsame wirtschafts-, standort-<br />

und strukturpolitische Strategie<br />

entwickeln und verfolgen würden.<br />

Die größte und die drittgrößte Stadt im<br />

Landkreis, wo addiert ein Drittel der<br />

Kreisbevölkerung lebt.<br />

Was hindert sie daran, in Zukunft enger<br />

zusammenzuarbeiten? Warum kein<br />

gemeinsames Entwicklungskonzept?<br />

Warum nicht darüber nachdenken, wie<br />

die Hochschuleinrichtungen in beiden<br />

Städten (wenn auch die eine privat,<br />

die andere öffentlich) vernetzt werden<br />

könnten? Oder die Wasserstoffinitiative<br />

der agilen Treuchtlinger Bürgermeisterin<br />

<strong>–</strong> sie kann auch <strong>für</strong> Weißenburg<br />

ein interessantes Thema sein.<br />

50 Jahre Weißenburg-Gunzenhausen<br />

<strong>–</strong> es ist an der Zeit, diesen Landkreis als<br />

das zu begreifen, was er ist: eine Verwaltungseinheit,<br />

ein administratives<br />

Konstrukt, nicht mehr, aber auch nicht<br />

weniger. Was er definitiv nicht hat, ist<br />

ein Auftrag zur Zwangsbeglückung<br />

in Sachen regionaler Identität. Statt<br />

sich selbst <strong>für</strong> nichts zu feiern, könnte<br />

man dieses Jubiläumsjahr auch sinnvoll<br />

nutzen. Um einen komplett anderen<br />

Ansatz zu diskutieren und daraus<br />

neue Strategien zu entwerfen. Einen<br />

Versuch wäre es wert. Und besser als<br />

Flaschenkleben wäre es allemal.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

9


Die radikalste<br />

Veränderung<br />

seit dem<br />

2. Weltkrieg<br />

Von Jan Stephan<br />

10<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Just zum Jubiläum stehen<br />

die beiden wichtigsten<br />

Branchen des Landkreises<br />

vor gewaltigen Veränderungen.<br />

Die Automobilzuliefer-Industrie<br />

muss<br />

sich neu erfinden und<br />

die Kunststoffbranche<br />

kämpft mit einem Imageproblem.<br />

Was bedeutet<br />

das <strong>für</strong> die Region?<br />

Tourismus, Automobilindustrie, Kunststoff<br />

<strong>–</strong> die Schwerpunktbranchen des<br />

Landkreises. So hat man sich das unter<br />

Landrat Franz Xaver Uhl 2010 ins Zukunftskonzept<br />

geschrieben. Schauen<br />

wir uns die Sache mit ein paar Jahren<br />

Abstand an. Die Tourismusbranche<br />

liegt nach dem Center-Parcs-Debakel<br />

in Trümmern. Die Automobilindustrie<br />

schafft sich in Teilen selbst ab. Der<br />

Kunststoff gilt als Geißel der Umweltverschmutzung.<br />

Noch ist nirgends etwas Schlimmes<br />

passiert, aber es riecht in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

nach Sturm. Nun muss man<br />

deswegen nicht gleich das Landkreis-Jubiläum<br />

absagen, aber ein paar<br />

Grundüberzeugungen sollten vielleicht<br />

doch auf den Prüfstand.<br />

Wie so häufig kann man sich im Detail<br />

streiten, ob man das Glas mit Blick<br />

auf die Landkreis-Zukunft halb voll<br />

oder halb leer sieht. Woran man nicht<br />

zweifeln sollte: Dieses Glas wird demnächst<br />

jemand in die Hand nehmen<br />

und es sehr kräftig schütteln. Was <strong>Altmühlfranken</strong><br />

braucht, um gut durch<br />

die nächsten zwei Jahrzehnte zu kommen,<br />

sind Dinge, <strong>für</strong> die man bislang<br />

nicht unbedingt berühmt war: Offenheit,<br />

digitale Kompetenz und innovative<br />

unternehmerische Ideen.<br />

Die Automobilindustrie<br />

Wenn die Autoindustrie hustet, hat der<br />

Landkreis Lungenentzündung … So<br />

geht die lokale Erzählung von der Bedeutung<br />

der Branche <strong>für</strong> <strong>Altmühlfranken</strong>.<br />

Ein Blick in die Statistik zeichnet<br />

ein differenzierteres Bild. Acht der<br />

20 größten Arbeitgeber im Landkreis<br />

verdienen ihr Geld überwiegend als<br />

Zulieferer der Automobilindustrie. Allein<br />

diese acht bringen es auf mehr als<br />

2.100 Arbeitsplätze. Dazu kommen etliche<br />

kleinere Firmen sowie eine Vielzahl<br />

von Unternehmen, die indirekt an<br />

den großen Zulieferern hängen. Vom<br />

Recyclingbetrieb über die Zeitarbeitsfirma<br />

bis hin zum Kantinenbetreiber.<br />

Es gibt also keinen Zweifel, dass die<br />

Automobilzulieferindustrie im Landkreis<br />

wichtig ist. Aber: Sie war in ihrer<br />

Bedeutung <strong>für</strong> Wohl und Wehe des<br />

Landstrichs schon wichtiger. Insgesamt<br />

gibt es in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

mehr als 33.000 sozialversicherungspflichtige<br />

Arbeitsplätze. Unter<br />

den Top Ten der Arbeitgeber in<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> finden sich zum Beispiel<br />

auch vier Betriebe aus dem sozialen<br />

Bereich. Was aber auch zur<br />

wirtschaftlichen Wahrheit gehört: Bei<br />

den Arbeitsplätzen, die durch die Krise<br />

der Automobilindustrie in Gefahr sind,<br />

handelt es sich gerade um jene, von<br />

denen der Landkreis nicht sonderlich<br />

viele hat: gut bezahlte, tariflich abgesicherte<br />

Industrie-Jobs in großen Unternehmen.<br />

Wenn der deutschen Autoindustrie also<br />

der Husten chronisch zu werden droht,<br />

muss man sich nach wie vor um die<br />

Gesamtkonstitution <strong>Altmühlfranken</strong>s<br />

Sorgen machen. Und einen Schatten<br />

sieht man auf der Lunge der altmühlfränkischen<br />

Zulieferindustrie längst.<br />

Unternehmen <strong>–</strong> wie Plastic Omnium,<br />

Alfmeier, Nifco, Schaeffler, Gore,<br />

Leoni, Oechsler oder RF Plast <strong>–</strong> geraten<br />

unter Druck. Und zwar von mehreren<br />

Seiten aus.<br />

Etwa durch das Ende des Verbrenners.<br />

Europa hat die letzte Runde eingeläutet<br />

<strong>für</strong> jene Form von Mobilität, die die<br />

moderne Welt erst möglich gemacht, sie<br />

aber zugleich an die Grenzen ihres Bestehens<br />

gebracht hat. Spätestens 2035<br />

sollen nur noch Null-Emissions-Fahrzeuge<br />

zugelassen werden. <strong>Das</strong>s dieser<br />

Trend kippt, steht nicht zu erwarten.<br />

„Es wird in einigen Jahren nicht mehr<br />

sinnvoll machbar sein, in Europa Verbrenner-Autos<br />

zu erzeugen“, stellt Andreas<br />

Gebhardt, CEO bei Alfmeier,<br />

klar. Bei dem weltweit agierenden Konzern<br />

mit Sitz in Treuchtlingen beurteilt<br />

man die Perspektiven der Technologie<br />

in anderen Teilen der Erde zwar noch<br />

ergebnisoffener, aber in Europa ist das<br />

Thema durch. Mit sehr konkreten Folgen<br />

<strong>für</strong> Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

„Ich kann mit großer Sicherheit sagen,<br />

dass wir in zehn Jahren in Treuchtlingen<br />

keine Kunststoffventile <strong>für</strong> Tanks<br />

mehr herstellen werden.“ Logisch, wo<strong>für</strong><br />

auch, wenn es im E-Auto keinen<br />

Tank mehr gibt.<br />

Und das ist kein Einzelfall. „Allein<br />

durch die Anzahl an Teilen, die in<br />

einem E-Motor weniger verbaut sind,<br />

fallen massiv Zulieferbedarfe weg“, erklärt<br />

Dr. Simon Amesöder, Geschäftsführer<br />

von RF Plast in Gunzenhausen.<br />

„Man sieht das ja ganz deutlich, wenn<br />

man mal schaut, was so ein E-Auto<br />

eigentlich an Bord hat“, erklärt Gebhardt.<br />

„Man hat keinen Motor, keinen<br />

Kolben, kein Getriebe, keinen Auspuff<br />

…“ Wie schwer diese Entwicklung die<br />

hiesigen Zulieferer trifft, hängt davon<br />

ab, wie stark sie am Verbrenner-Antrieb<br />

hängen. Stoßstangen wie bei Plastic<br />

Omnium, Achsmanschetten wie bei<br />

Ossberger? Eher kein Problem. Tanks<br />

wie bei Alfmeier, spezielle Schrauben<br />

<strong>für</strong> den Motorraum wie bei Gutmann<br />

Aluminium Draht? Eher schon ein<br />

Problem.<br />

Aber damit hören die Sorgen der Automobilzulieferer<br />

hierzulande nicht auf.<br />

„Es gibt einen Trend zur Globalisierung<br />

bei der Produktion“, erklärt Amesöder.<br />

„<strong>Das</strong> heißt, die Werke, in denen<br />

die Autos gebaut werden, stehen nicht<br />

mehr unbedingt in Deutschland. Und<br />

die fehlende Nähe ist auf Dauer auch<br />

ein Faktor, der <strong>für</strong> einen Rückgang<br />

sorgen könnte.“ Immerhin gilt es in<br />

Zukunft die Lieferwege kurzzuhalten,<br />

wenn man CO2-neutral produzieren<br />

will. Dazu kommt, dass die Verschiebung<br />

der Produktion in einem satten<br />

Markt stattfindet. Gebhardt: „Die<br />

Frage ist, wie viele zusätzliche Autos<br />

verträgt eine Welt mit acht Milliarden<br />

Menschen, die erhebliche Umweltprobleme<br />

hat? Wie viele Autos mehr kann<br />

man denn in die verstopften Metropolen<br />

noch hineindrücken?“<br />

Man hört es an der Formulierung:<br />

Gebhardt zweifelt. „In der Perspektive<br />

wird in dieser Branche kein Wachstum<br />

mehr zu machen sein“, erklärt er knapp.<br />

„Und unser Wirtschaftsmodell basiert<br />

im Moment auf Wachstum. Hat man<br />

das nicht, fressen einen die Kosten auf,<br />

weil die von ganz allein steigen.“ Hat<br />

da gerade einer der größten Automobilzulieferer<br />

der Region das Ende der Automobilzuliefer-Industrie<br />

vor Ort aus-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

11


gerufen? Ja, hat er. Zumindest so, wie<br />

wir sie kennen.<br />

Die Auswirkungen wären <strong>für</strong> die Region<br />

gewaltig. „<strong>Das</strong> ist in unserem Umfeld<br />

wahrscheinlich die radikalste Veränderung,<br />

die wir wirtschaftlich seit<br />

dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt<br />

haben“, fasst Gebhardt zusammen.<br />

Auch und vor allem mit Blick darauf,<br />

dass der Tourismus in der Region in<br />

puncto Wertschöpfung und Jobs überschaubar<br />

geblieben ist und dass auch<br />

der Kunststoffbranche aufregende Zeiten<br />

ins Haus stehen. „Wir stehen vor<br />

einem Umbruch, der die nächsten 20<br />

bis 30 Jahre dauern wird.“<br />

<strong>Das</strong> ist die allgemeine Großwetterlage<br />

einer Branche <strong>–</strong> Ausnahmen bestätigen<br />

in diesem Fall die Regel. Bei<br />

Ossberger etwa sieht man die Dinge<br />

gelassener. Was allerdings Produktgründe<br />

hat. <strong>Das</strong> Weißenburger Unternehmen<br />

liefert keine Massenwaren <strong>für</strong><br />

die Automobilindustrie, sondern baut<br />

die Maschinen, mit denen andere Firmen<br />

die Massenware herstellen. Konkret<br />

geht es um Achsmanschetten und<br />

Faltbälge <strong>für</strong> die Ummantelung der<br />

Aufhängungen von Rad, Lenkung und<br />

Stoßdämpfer. Ob das Auto mit Strom<br />

oder Diesel fährt, ist <strong>für</strong> diese Bauteile<br />

egal, Hauptsache, es fährt. Da Ossberger<br />

nicht kontinuierlich viele kleine<br />

Teile, sondern einmal ein sehr großes<br />

liefert, macht man sich auch weniger<br />

Sorgen um die weitere Globalisierung<br />

der Endmontage-Werke. „Unsere Kunden<br />

sitzen überall auf der Welt, wo<br />

wir produzieren, ist nicht so entscheidend“,<br />

stellt Klaus Haub fest, der Leiter<br />

der Abteilung Kunststofftechnik bei<br />

Ossberger. Diese Einschätzung trifft<br />

man allerdings etwas leichter, wenn<br />

man seit fast 40 Jahren Weltmarktführer<br />

mit Technologievorsprung in einer<br />

Nische des Marktes ist.<br />

Anders ist das bei Alfmeier, der mit<br />

einem seiner beiden Hauptgeschäftsfelder<br />

so nah am Verbrenner hängt,<br />

wie es nur geht. Die Entwicklung und<br />

Produktion von Tanksystemen macht<br />

in der neuen, zumindest europäischen<br />

Welt des Verbrenners auf Sicht keinen<br />

Sinn mehr. In Treuchtlingen arbeitet<br />

man daher bereits an der Umstrukturierung<br />

des Geschäftsmodells. Und befindet<br />

sich damit im Windschatten der<br />

Autokonzerne. Die haben selbst schon<br />

lange auf die mittelmäßigen Marktaussichten<br />

reagiert. In Zukunft will man<br />

nicht mehr nur am Verkauf des Autos<br />

verdienen, sondern auch an dessen<br />

Betrieb. Ein Auto der Zukunft könnte<br />

bereits in der Serienausstattung alles<br />

können, nur müssten die einzelnen<br />

Zusatzleistungen per kostenpflichtiger<br />

App-Buchung freigeschaltet werden.<br />

Die Bandbreite reicht dabei vom Kinoprogramm<br />

<strong>für</strong> die Rückbank über<br />

einen speziellen Nebelscheinwerfer<br />

oder die Sitzheizung im Winter bis hin<br />

zur Fähigkeit des autonomen Fahrens.<br />

„<strong>Das</strong> kann ein nachhaltigeres Geschäftsmodell<br />

sein, weil man kontinuierlicher<br />

an der Nutzung des Autos<br />

verdient“, erklärt Andreas Gebhardt.<br />

Bei Alfmeier sieht man die Chance,<br />

als Zulieferer mit auf den Digital-Zug<br />

aufzuspringen. Es ist allerdings eine<br />

Frage des Produkts, wie man mit den<br />

Herausforderungen der Zukunft umgeht.<br />

So aussichtslos der Tankbereich<br />

<strong>für</strong> Alfmeier ist, so hoffnungsfrohe<br />

Perspektiven verspricht das zweite<br />

Schwerpunktthema. <strong>Das</strong> Treuchtlinger<br />

Unternehmen entwickelt und baut<br />

Sitzsysteme <strong>für</strong> Autos. <strong>Das</strong> ist komplex<br />

und anwendernah genug, um zahlreiche<br />

Services anzugliedern. Gebhardt:<br />

„Sitzen ist ja wirklich ein Top-Gesundheitsthema.“<br />

Tatsächlich soll falsches Sitzen volkswirtschaftlich<br />

nach Berechnung der<br />

Krankenkasse <strong>für</strong> unglaubliche Schadenssummen<br />

sorgen, und Rückenleiden<br />

sind ohnehin Volkskrankheit<br />

Nummer eins. Alfmeier will in Zukunft<br />

also etwa Massage-Optionen <strong>für</strong><br />

Autositze per App freischalten lassen<br />

oder Systeme entwickeln, die automatisch<br />

die Sitzposition korrigieren.<br />

Spannend ist auch, dass man mit der<br />

richtigen Sensorik über den Autositz<br />

eine Menge medizinischer Daten sammeln<br />

kann, die bei der Gesundheitsüberwachung<br />

und der Diagnostik verschiedener<br />

Krankheiten hilfreich sein<br />

können.<br />

„Wir versuchen unser Thema Sitzen<br />

gerade digital umzustellen und mittelfristig<br />

dann mit dem Streaming von<br />

Leistungen Geld zu verdienen“, erklärt<br />

Gebhardt. Eine Umstellung, die dann<br />

leicht auch aus dem Autogeschäft heraustreten<br />

kann, denn gesessen wird in<br />

der modernen Welt ja nun wahrlich genug.<br />

Rund 80.000 Stunden seines Lebens<br />

verbringt ein durchschnittlicher<br />

Arbeitnehmer sitzend im Büro.<br />

Die Alfmeier-Reaktion auf den Umbruch<br />

in der Automobilbranche wird<br />

kaum eins zu eins auf alle anderen<br />

Unternehmen umzusetzen sein, aber<br />

sie zeigt eine Richtung. Wenn in der<br />

Automobilindustrie auf lange Sicht<br />

Geld verdient werden soll, kommt man<br />

an digitalen Leistungen nicht vorbei.<br />

Mal können sie auf bestehende Produkte<br />

aufgesetzt, mal müssen sie vielleicht<br />

neu erfunden werden. Ist eine<br />

Digitalisierung des Geschäftsmodells<br />

nicht möglich, kann auch Flucht eine<br />

angemessene Reaktion sein.<br />

„Es gibt im Moment ein Umorientieren“,<br />

hat Simon Amesöder von RF<br />

Plast bemerkt, der in der Branche bestens<br />

vernetzt ist. „Man schaut, dass<br />

man Industrieprojekte kriegt, dass man<br />

Projekte in der Medizintechnik bekommt.“<br />

Gut möglich, glaubt der Gunzenhausener,<br />

„dass die Automobilindustrie<br />

<strong>für</strong> uns als Kunststoffregion<br />

nicht mehr die ganz große Rolle spielt“.<br />

Womit wir bei der zweiten großen<br />

Schwerpunktbranche des Landkreises<br />

wären.<br />

Dem Kunststoff …<br />

… und der hat vor allem ein Imageproblem.<br />

Er ist zu einem Symbol <strong>für</strong> die<br />

Wegwerfgesellschaft geworden. Die<br />

Kraft der Bilder ist groß. Im Kleinen<br />

<strong>–</strong> die Meeresschildkröte mit eingewachsenem<br />

Plastikring <strong>–</strong> im Großen<br />

<strong>–</strong> ein schwimmender Müllteppich im<br />

Pazifik, der fast fünfmal so groß wie<br />

Deutschland ist. <strong>Das</strong> aber ist nur die<br />

Spitze des Plastikbergs. Sorgen macht<br />

sich die Welt auch um das Mikroplastik,<br />

das seit einem halben Jahrhundert<br />

in die Welt rieselt. Die winzigen Partikel<br />

sind überall, ob Sahara oder Arktis,<br />

Nordsee oder Zugspitze. Auch in<br />

Tieren wie Muscheln, Fischen oder<br />

Vögeln. Welche Auswirkungen das auf<br />

Umwelt und Menschen hat? Unklar.<br />

Angesichts dieser Sorgen wirkt es fast<br />

verschmerzbar, dass der Kunststoff<br />

auch ein Rohstoff-Problem hat. 99<br />

Prozent der industriell verwendeten<br />

Kunststoffe sind aus Erdöl hergestellt.<br />

Eine fossile Ressource, die klimaschädlich<br />

wird, wenn sie am Ende ihrer<br />

Kunststoff-Nutzung in einer Müllverbrennungsanlage<br />

in Flammen aufgeht.<br />

12<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Auch nicht gerade glitzernde Aussichten<br />

<strong>–</strong> immerhin ist man gerade dabei,<br />

den Anfang vom Ende des fossilen<br />

Zeitalters einzuläuten.<br />

So weit die objektive Lage. Die subjektive<br />

Lage sieht allerdings nicht besser<br />

aus.<br />

Unverpackt-Läden schießen in den<br />

deutschen Innenstädten aus dem Boden,<br />

es gibt Seminare und Vortragsreihen<br />

zum plastikfreien Leben, und<br />

Plastik-Fasten gehört zur Grundausstattung<br />

des umweltbewussten Menschen.<br />

Plastik ist imagetechnisch die<br />

neue Zigarette. Eine Sache, dessen<br />

Konsum einem peinlich ist. Nicht umsonst<br />

hat die EU „Strohhalme“ verboten<br />

und seit 1. Januar dieses Jahres den<br />

Bann der Einweg-Plastiktüten deutlich<br />

verschärft. Verheerende Aussichten<br />

also <strong>für</strong> die zweite Schwerpunktbranche<br />

im Landkreis? Ist gar ein Ende des<br />

Kunststoffs in Sicht?<br />

Nein, schizophrenerweise trifft genau<br />

das Gegenteil zu. Während der Werkstoff<br />

so umstritten wie nie ist, wird jedes<br />

Jahr mehr von ihm verbraucht. <strong>Das</strong><br />

vergleichsweise junge Material gilt als<br />

„Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ <strong>–</strong> Umweltprobleme<br />

hin, Umweltprobleme<br />

her. Man geht davon aus, dass im Jahr<br />

2030 weltweit rund 400 Millionen<br />

Tonnen Kunststoff pro Jahr verbraucht<br />

werden <strong>–</strong> noch 2019 waren es keine<br />

200 Millionen.<br />

Mag also sein, dass die Kritik am<br />

Kunststoff wächst, sein Umsatz wächst<br />

schneller.<br />

Und das hat <strong>–</strong> genau wie die Kritik an<br />

diesem Werkstoff <strong>–</strong> nachvollziehbare<br />

Gründe. Kunststoff steckt nicht nur<br />

in Billig-Plastiktüten und Wegwerfflaschen,<br />

er macht durch Leichtbau<br />

E-Autos erst konkurrenzfähig und<br />

spart in Verbrennern schon jetzt jede<br />

Menge Energie, er dämmt Häuser und<br />

ermöglicht Anwendungen in der Medizintechnik,<br />

die Leben retten. Der<br />

Kunststoff hat eindeutig auch eine helle<br />

Seite der Macht. Schon deswegen,<br />

weil Produktion und Verarbeitung von<br />

Glas, Stahl oder Aluminium viel mehr<br />

Energie verbrauchen als das beim Umgang<br />

mit Kunststoff der Fall ist.<br />

„Eine Zukunft ohne Kunststoff ist<br />

nicht denkbar“, stellt Professor Dr.<br />

Dmitry Rychkov fest. <strong>Das</strong> trifft sich <strong>für</strong><br />

ihn ganz gut, er hätte sonst bald keinen<br />

Job mehr. Rychkov ist seit 2019 der<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

13


Forschungsleiter des Kunststoffcampus<br />

in Weißenburg. Man trifft ihn an<br />

dessen Sitz, einem schicken Betonbau<br />

mit weiten, hellen Fluren und wenig<br />

Menschen im Weißenburger Gewerbegebiet.<br />

Von Rychkovs Büro aus geht<br />

der Blick über die Panoramascheiben<br />

weit hinaus ins altmühlfränkische<br />

Land. An der Wand lehnen zwei E-Gitarren,<br />

eine Dämmplatte und auf dem<br />

Schreibtisch liegt ein Sack voller geschredderter<br />

Plastikteile.<br />

„Der Werkstoff ist absolut zukunftsfähig“,<br />

erklärt der blonde Wissenschaftler.<br />

Er formuliert ansonsten vorsichtig,<br />

erläutert Voraussetzungen von Aussagen<br />

und mögliche alternative Entwicklungen.<br />

In diesem Punkt allerdings hat<br />

er keine Zweifel. „<strong>Das</strong>s Kunststoff so<br />

beliebt ist, so viel eingesetzt wird, liegt<br />

nicht daran, dass es ein billiges Material<br />

ist“, erklärt er. „Es liegt daran, dass er<br />

sehr variabel ist, dass man ihn mit vielen<br />

Dingen kombinieren kann und dass<br />

er so leicht zu verarbeiten ist.“ Und das<br />

wird in Zukunft noch viel wichtiger.<br />

„Smart Materials und das Internet<br />

der Dinge. <strong>Das</strong> wird ein großes Thema<br />

<strong>für</strong> den Kunststoff“, ist Rychkov<br />

überzeugt. Er selbst forscht an Kunststoff-Materialien,<br />

die Sensorik in sich<br />

tragen, die auf Druck, Flüssigkeit oder<br />

Temperatur spezifisch reagieren und<br />

sie so messbar machen. Als Feld der<br />

Zukunft gelten auch die sogenannten<br />

Professor Dr. Dmitry Rychkov<br />

Formgedächtnis-Polymere. Materialien,<br />

die sich an ihren Ausgangszustand<br />

„erinnern“ und nach Verformung, auf<br />

einen Reiz hin, in ihn zurückkehren.<br />

Klingt auf den ersten Blick nicht nach<br />

einer Revolution, aber im Grunde handelt<br />

es sich um das Prinzip des menschlichen<br />

Muskels, den man mit dieser<br />

Technik eines Tages nachbauen und so<br />

ganz neue Formen der Robotik ermöglichen<br />

könnte.<br />

Eine Menge Zukunftsvisionen werden<br />

gerade in Kunststoff geträumt. Auch<br />

Wundnähte aus Kunststoff, die sich<br />

parallel zur Heilung der Wunde zusammenziehen,<br />

oder Oberflächen, die<br />

sich bei Rissen und Löchern selbst reparieren,<br />

sind Anwendungen. Smart<br />

„ <strong>Das</strong> Internet der<br />

Dinge wird ein großes<br />

Thema <strong>für</strong> den<br />

Kunststoff„<br />

Floors existieren bereits, weiß Professor<br />

Rychkov. Fußböden also, die mit<br />

Sensoren versehen sind und so zum<br />

Beispiel registrieren, wenn Altenheimbewohner<br />

das Gelände verlassen oder<br />

stürzen. Theoretisch sind Böden auch<br />

<strong>für</strong> Energy Harvesting spannend. Über<br />

piezoelektrische Effekte ließe sich in<br />

Fußgängerzonen oder Schulen mit den<br />

geeigneten Bodenbelägen Strom erzeugen.<br />

Auch in der Diagnostik können<br />

mit Sensoren ausgestattete Kunststoffböden<br />

eine Rolle spielen und frühzeitig<br />

Krankheiten etwa an Schrittmustern<br />

erkennen.<br />

„Grundsätzlich ist entwicklungstechnisch<br />

da noch ganz viel Fantasie drin“,<br />

glaubt auch Simon Amesöder von RF<br />

Plast in Gunzenhausen. „Wir sind ein<br />

relativ junger Bereich. So richtig ist<br />

es erst nach dem Krieg losgegangen.<br />

Und das sieht man auch an den Lehrstühlen.<br />

Wir haben vielleicht 20 oder<br />

25 Kunststoffprofessoren in Deutschland,<br />

vergleicht man das mit Glas,<br />

Keramik oder Metall, ist das sehr wenig.“<br />

Amesöder geht fest davon aus,<br />

dass in den nächsten Jahren größere<br />

Dynamik in die Kunststoff-Forschung<br />

kommen wird. Und dabei geht es nicht<br />

nur darum, neue Anwendungen und<br />

Funktionen <strong>für</strong> das Material zu finden,<br />

sondern genauso sehr darum, ihm die<br />

problematischen Umwelteinflüsse he-<br />

rauszuentwickeln. Nur so ließe sich<br />

die Schizophrenie einer Branche auflösen,<br />

die zwischen öffentlicher Verdammung<br />

und weltweiten Produktionsrekorden<br />

schwankt.<br />

„Wir werden eine Evolution in der Materialforschung<br />

brauchen“, ist Rychkov<br />

überzeugt. Und der Weißenburger<br />

Kunststoffcampus will Teil dieser Entwicklung<br />

sein. Man arbeite in einem<br />

Projekt daran, Reifenabrieb am Fahrzeug<br />

zu filtrieren und so zu verhindern,<br />

dass es überhaupt auf die Straße und in<br />

die Umwelt gelangt. <strong>Das</strong> klingt nach<br />

einem kleinen Schritt, wäre tatsächlich<br />

aber ein gewaltiger Satz. Reifenabrieb<br />

ist die mit Abstand größte Quelle von<br />

primärem Mikroplastik. Ein bisschen<br />

Weltrettung aus Weißenburg also.<br />

„Ich bin eigentlich überzeugt, dass wir<br />

Lösungen finden werden“, sagt Rychkov.<br />

„Wir als Menschheit sind sehr<br />

innovativ, wenn wir uns richtig hinter<br />

ein Thema klemmen, dann kommen<br />

wir da auch vorwärts.“ Die Frage sei<br />

eher, ob die gefundenen wissenschaftlichen<br />

Lösungen auch sinnvoll in der<br />

Praxis umsetzbar sind. Sie stellt sich<br />

etwa bei den biobasierten Kunststoffen<br />

aus Zuckerrohr, Holz oder Maisstärke.<br />

„Es gibt keinen Zweifel, dass<br />

wir uns kurz- bis mittelfristig auf den<br />

Nachhaltigkeitspfad begeben werden<br />

müssen“, bestätigt Amesöder. Nur<br />

sieht er die Bio-Kunststoffe als noch<br />

nicht ausgereift an. „Wir brauchen da<br />

einfach noch ein bisschen Zeit und<br />

Forschung.“ <strong>Das</strong>s diese Art „nachwachsende<br />

Kunststoffe“ die Basis <strong>für</strong><br />

die neue heile Plastik-Welt ist, glaubt<br />

Professor Rychkov nicht. Allerdings<br />

aus anderen Gründen. Bio-Kunststoffe<br />

haben Probleme mit der Beständigkeit,<br />

außerdem sind auch nachwachsende<br />

Rohstoffe endlich.<br />

„ Da wird teilweise<br />

auch ganz klar hartes<br />

Greeenwashing<br />

betrieben„<br />

Marco Stenglein, Mitglied der Geschäftsleitung<br />

bei Verpa Folie in Gunzenhausen,<br />

sieht bei Bio-Kunststoffen<br />

in manchen Fällen gar „klares Greenwashing“<br />

am Werk. Etwa wenn <strong>für</strong><br />

die CO2-Berechnung von Zuckerrohr-<br />

Kunststoff erst ab dem Hamburger Hafen<br />

gerechnet wird <strong>–</strong> wo bekanntermaßen<br />

wenig Zuckerrohr wächst.<br />

14<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Die Folienproduktion im Gunzenhausener Werk von Verpa.<br />

Wenn es hier größere Durchbrüche<br />

geben sollte, dann dürften es eher Materialien<br />

aus dem Reagenzglas sein,<br />

die helfen können. Etwa Kunststoffe,<br />

deren Ausgangsmaterial von Milchsäurebakterien<br />

produziert wird. Aber<br />

hier steht man noch am Anfang der<br />

Forschung. Man wird vermehrt auch<br />

Bio-Kunststoffe entwickeln müssen,<br />

die aus organischen Abfallprodukten<br />

hergestellt werden könnten und <strong>für</strong> bestimmte<br />

Nutzungen ausreichend haltbar<br />

sind.<br />

Die Diskussion um die Zukunft des<br />

Kunststoffs zeigt, die eine Lösung wird<br />

es nicht geben. Man muss an allen<br />

Ecken und Enden arbeiten, um diesem<br />

so vielversprechenden Material die<br />

Sorgen auszutreiben. Ganz sicher zählt<br />

auch das Recycling zu diesen Ecken<br />

und Enden. Und damit wäre man beim<br />

Lieblingsthema von Marco Stenglein<br />

angelangt. Der junge Mann, der im<br />

Gunzenhausener Werk von Verpa die<br />

Fäden zieht, ist am nächsten dran am<br />

Recyclingproblem.<br />

Zigtausende Tonnen von Kunststoff<br />

laufen hier durch die Extruder, die<br />

aussehen wie Triebwerke von Raketen.<br />

Vor allem in die Lebensmittelindustrie<br />

gehen die bedruckten Folien. Von<br />

Frosta über Coca-Cola bis zu Altmühltaler<br />

... Trotz aller Imagesorgen<br />

rechnet man bei Verpa mit massivem<br />

Wachstum und investiert in den Ausbau<br />

in Gunzenhausen. Auch weil<br />

man eine eigene Entwicklungsabtei-<br />

lung hat und die vergangenen Jahre<br />

kontinuierlich Innovationen produziert<br />

hat. Etwa indem man die Dicke<br />

der Folien bei gleichen mechanischen<br />

Eigenschaften ein ums andere Mal reduzieren<br />

konnte.<br />

„<strong>Das</strong> Recycling ist die Zukunft, da<br />

gibt es keinen Zweifel“, ist Stenglein<br />

überzeugt. „Und wir sind auch der<br />

Meinung, dass das <strong>für</strong> uns eine Riesenchance<br />

ist.“ Verpa hat mit seinem<br />

Verpackungskunststoff Verpalin das<br />

größte Recyclingproblem des Materials<br />

ohnehin schon gelöst. Bislang scheiterte<br />

die Wiederverwertung oft daran,<br />

dass in einem Material mehrere Kunststoffe<br />

gemischt waren, die man kaum<br />

wieder getrennt bekam. „Wir verwenden<br />

einen sogenannten Monokunststoff,<br />

und der kann eigentlich eins zu<br />

eins wiederverwendet werden.“<br />

Verpa hat ein eigenes Recyclingsystem<br />

mit seinen Kunden aufgebaut und<br />

sammelt Material ein, wo es möglich<br />

ist. <strong>Das</strong> funktioniert bei Verpackungen,<br />

die nicht beim Endverbraucher<br />

landen, sondern in Gewerbebetrieben.<br />

Aber in Zukunft will Verpa auch regional<br />

Folie aufkaufen. Etwa die auf den<br />

Recyclinghöfen getrennt gesammelten<br />

Kunststoffe. „Aus unserer Sicht geht es<br />

jetzt darum, sich so viel Kunststoff wie<br />

möglich zu sichern. <strong>Das</strong> Ziel muss der<br />

Closed Loop sein.“<br />

Von diesem geschlossenen Kreislauf<br />

ist man im Endverbraucherbereich allerdings<br />

weit weg. Zwischen 50 und<br />

60 Prozent des Inhalts eines Gelben<br />

Sacks werden verbrannt, nur 40 Prozent<br />

wiederverwertet, und das oft mit<br />

deutlich schlechterer Qualität als das<br />

Ausgangsmaterial. „Wir müssen sehen,<br />

dass Kunststoff nicht ein oder zwei<br />

Lebenszyklen hat, sondern drei oder<br />

vier“, stellt Simon Amesöder von RF<br />

Plast mit Blick auf dieses Thema fest.<br />

Und das ist auch eines der in Ellingen<br />

und Raitenbuch beheimateten Firma<br />

Höglmeier Polymer-Tech GmbH,<br />

kurz HP-T. Hier sammelt man Kunststoffabfälle<br />

aus der Industrie und verwertet<br />

sie. Vom klumpigen Anguss<br />

von Spritzmaschinen bis zu ganzen<br />

Stoßstangen mit Produktionsfehlern<br />

ist alles dabei. Sie landen in großen<br />

Mühlen, die das Material brechen und<br />

in Einzelteile schreddern. <strong>Das</strong> Mahlgut<br />

rieselt in großen Säcken. Je reiner<br />

das Ausgangsmaterial, desto einfacher<br />

die direkte Wiederverwendung. Für<br />

höhere Anforderungen stellt HP-T aus<br />

den geschredderten Abfällen in einem<br />

Schmelzprozess frisches Granulat her,<br />

mit dem Spritzguss oder Spritzblasmaschinen<br />

neu befüllt werden können.<br />

In der Theorie gibt es kaum ein Geschäftsfeld,<br />

in dem man mit mehr Zuversicht<br />

in die Zukunft schauen kann<br />

als im Recycling von Kunststoff. Einem<br />

Stoff, der immer mehr verbraucht wird,<br />

aber immer weniger neu hergestellt<br />

werden soll. In der Praxis allerdings<br />

sieht es ein wenig anders aus. „Zum<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

15


Beispiel die Autoindustrie ziert sich<br />

immer noch, wenn es um recycelten<br />

Kunststoff geht“, sagt Simon Amesöder<br />

von RF Plast. Und auch Harald<br />

Höglmeier weiß, dass es die sogenannten<br />

Rezyklate in der Praxis schwerer<br />

haben, als es sein müsste. Ein Beispiel<br />

da<strong>für</strong> klopft er gerade mit einigem Verdruss<br />

auf den Konferenztisch seines<br />

Besprechungszimmers in Ellingen.<br />

„Da reden sie immer alle, aber wenn<br />

man dann mal was hat, wo das passen<br />

würde, ist doch keiner bereit, auf irgendwas<br />

zu verzichten.“ Im konkreten<br />

Fall ist es die Farbe, die der jüngsten<br />

Neuentwicklung aus der Materialschmiede<br />

von HP-T einen Riegel vorschiebt.<br />

<strong>Das</strong> recycelte Material ist <strong>für</strong><br />

ein ganzes Bündel an Verwendungen<br />

genauso gut geeignet wie teure und<br />

energieaufwendig herzustellende<br />

Neuwaren: Nur will sie im Moment<br />

keiner. <strong>Das</strong> Problem: Wegen des Ausgangsmaterials<br />

bekommt man den Silberton<br />

nicht aus dem neuen Granulat<br />

heraus, und silberne Flaschen lehnt die<br />

Getränkeindustrie flächendeckend ab.<br />

Auch wenn sich in der Branche also<br />

viel geändert hat, die Suche nach der<br />

nachhaltigsten Lösung rangiert noch<br />

nicht auf Platz eins der Prioritätenliste.<br />

Bei Höglmeier aber ist man weiter<br />

davon überzeugt, dass ihr eigentliches<br />

Geschäftsfeld der Zukunft nicht im<br />

Re-, sondern im Upcycling besteht.<br />

Darin also, aus wiedergewonnenem<br />

Material und eigenem Know-how höherwertige<br />

Materialien zu schaffen.<br />

Deswegen leistet man sich bei HP-T<br />

auch eine kleine, aber eigene Forschungs-<br />

und Entwicklungsabteilung.<br />

Christopher Schmal, ein Oberpfälzer,<br />

der am Weißenburger Kunststoffcampus<br />

studiert hat und darüber zu<br />

Höglmeier kam, leitet die Abteilung.<br />

Immer wieder arbeitet er direkt mit<br />

Ingenieuren zusammen, um benötigte<br />

Kunststoffmaterialien durch Rezyklate<br />

zu ersetzen. Und es enden nicht alle<br />

Projekte mit einem Silberstich. Gerade<br />

ist man auf der Zielgeraden einer besonderen<br />

Zusammenarbeit, die einen<br />

Höglmeier-Kunststoff in den südamerikanischen<br />

Regenwald bringen<br />

könnte. Aus dem in Ellingen neu entwickelten<br />

Recycling-Material sollen<br />

Gehäuse <strong>für</strong> nahezu unverwüstliche<br />

Brandmeldeanlagen gemacht werden,<br />

die bei Waldbränden Alarm schlagen<br />

können. „Bei so einem Projekt zum<br />

Umweltschutz ist dann natürlich explizit<br />

gewünscht, dass das verwendete<br />

Material recycelt ist“, freut sich Christopher<br />

Schmal.<br />

<strong>Das</strong> Industrierecycling des Kunststoffs<br />

ist aber sogar noch eine vergleichsweise<br />

einfache Sache. Zumindest im Vergleich<br />

zum Verbraucher-Kunststoff.<br />

Womit wir wieder im Kunststoffcampus<br />

wären.<br />

„ Nur fünf Prozent des<br />

weltweit geförderten<br />

Erdöls werden in Kunststoff<br />

umgewandelt„<br />

Professor Rychkov öffnet hier gerade<br />

einen Sack mit buntem Kunststoffgranulat<br />

und steckt seine Nase hinein.<br />

„<strong>Das</strong> ist ein geschredderter Gelber<br />

Sack, und das riecht man auch“, stellt<br />

er erfreut über den schlechten Geruch<br />

fest. Er zeigt ein grundsätzliches<br />

Problem beim Recycling von Verpackungskunststoffen.<br />

Im Gelben Sack<br />

landen nicht nur allerlei verschiedene<br />

Kunststoffmaterialien, die kaum sinnvoll<br />

sortenrein zu trennen sind, sie sind<br />

auch mit organischen Resten verunreinigt.<br />

Arg viel mehr als Verbrennen ist<br />

damit nicht mehr zu machen. Wobei<br />

das schon ein Fortschritt ist, wie Amesöder<br />

betont. Früher habe man den<br />

Müll immerhin einfach auf Deponien<br />

abgeladen … Nun werde er zumindest<br />

thermisch verwertet, was <strong>für</strong> einen<br />

erdölbasierten Rohstoff ja keine ungewöhnliche<br />

Art der Verwendung ist.<br />

„Nur fünf Prozent des weltweit geförderten<br />

Erdöls werden in Kunststoff<br />

umgewandelt, der Rest wird immer<br />

noch in Form von Heizöl, Diesel oder<br />

Benzin verbrannt. Solange das so ist,<br />

brauchen wir uns eigentlich keine Sorgen<br />

um die thermische Verwertung von<br />

Kunststoff zu machen“, findet Amesöder.<br />

Kunststoff ist in dieser Sicht der<br />

Dinge nur Erdöl mit Zwischennutzung.<br />

Rychkov und seine Kollegen am<br />

Kunststoffcampus haben aber den Ehrgeiz,<br />

auch hier an Recycling-Lösungen<br />

mitzuarbeiten. Deshalb auch das Päckchen<br />

geschredderter Kunststoff aus<br />

dem Gelben Sack auf dem Tisch. Es<br />

gibt Ansätze, doch der Weg ist weit.<br />

Aber der Campus soll ja nicht nur<br />

Grundlagenforschung betreiben, sondern<br />

die Unternehmen in der Region<br />

aktiv bei ihren eigenen Projekten mit<br />

wissenschaftlichem Know-how und<br />

Gerät unterstützen. Mit Alfmeier hat<br />

man in der Vergangenheit eine intensive<br />

Zusammenarbeit gepflegt und mit<br />

16<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


dem Weißenburger Leuchten-Entwickler<br />

Dotlux gerade ein Forschungsprojekt<br />

abgewickelt, bei dem durch<br />

technische Innovationen ein neues<br />

Leuchtendesign möglich wurde, das<br />

unter anderem die Lichtverschmutzung<br />

deutlich reduziert. Ein Projekt<br />

mit Vorbildcharakter, von denen es<br />

insgesamt aber zu wenige gibt, beklagen<br />

manche aus der Branche. „Die Zusammenarbeit<br />

mit den Firmen dürfte<br />

noch ein wenig intensiver sein“, räumt<br />

Rychkov ein. Die Corona-Zeit habe zuletzt<br />

einen intensiveren Austausch verhindert,<br />

aber man spüre, dass die Bereitschaft<br />

zuletzt wieder zugenommen<br />

habe. „Es tut sich wieder was.“<br />

Aus der Wirtschaft hört man allerdings<br />

auch ein paar hinter den Kulissen vorgetragene<br />

Beschwerden. Zu unflexibel,<br />

zu teuer, zu langsam <strong>–</strong> ärgert sich ein<br />

Unternehmer über den Campus, der<br />

ja immer auch als technischer Dienstleister<br />

<strong>für</strong> die regionalen Unternehmen<br />

gedacht war. Man erhoffe sich in dieser<br />

Richtung noch etwas mehr, drückt sich<br />

Simon Amesöder diplomatisch aus.<br />

<strong>Das</strong> muss er auch, der Geschäftsführer<br />

von RF Plast ist auch Vorsitzender des<br />

Fördervereins des Kunststoffcampus.<br />

<strong>Das</strong> Fazit<br />

Am Ende dieser Bestandsaufnahme<br />

der beiden wichtigsten Branchen des<br />

Landkreises bleibt hängen, dass es<br />

sich beim Kunststoff um den deutlich<br />

freundlicher aussehenden Teil<br />

der beiden Schwerpunktbranchen<br />

handelt. Was angesichts internationaler<br />

Plastik-Verbote nicht zu erwarten<br />

stand. Die Freude wird allerdings geschmälert,<br />

denn so einfach zu trennen<br />

sind die beiden Branchen gar nicht.<br />

Viele der Automobilzulieferer liefern<br />

Kunststoffteile an die Autoindustrie.<br />

Für sie gelten bei aller Hoffnung auf<br />

den Kunststoff die Probleme des Automarkts<br />

mit.<br />

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass<br />

durch die spannenden Perspektiven<br />

im Kunststoff nicht die Sorgen kleiner,<br />

sondern vielleicht nur die Hoffnungen<br />

größer werden. „Wir stehen als Region<br />

massiv unter Druck“, wiederholt Alfmeier-Chef<br />

Andreas Gebhardt. Er ist<br />

einer der großen Warner, was die wirtschaftliche<br />

Zukunft betrifft, und fordert<br />

intensive Bemühungen ein. „Eine<br />

Zeit großer Herausforderungen ist natürlich<br />

immer auch eine Zeit unglaublich<br />

spannender Chancen.“ Und auch<br />

Gebhardt blickt hier auf den Kunststoff.<br />

Der sei trotz seiner Imageprobleme<br />

„eine Riesenchance“. Wenn es<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> gelingt, jetzt die Innovationen<br />

von morgen vorzubereiten.<br />

Und Gebhardt hat hier konkrete Vorschläge,<br />

die offenbar auch Gehör gefunden<br />

haben. Liest man das <strong>Altmühlfranken</strong>-2030-Entwicklungskonzept<br />

des Landkreises aufmerksam, findet<br />

man an einigen Stellen im wirtschaftlichen<br />

Bereich das Echo der Überlegungen<br />

des Treuchtlinger Unternehmers.<br />

„ Eine Zeit großer<br />

Herausforderungen ist<br />

immer auch eine Zeit<br />

spannender Chancen„<br />

Will man an der Digitalisierung des<br />

Geschäfts rund um das Auto teilhaben,<br />

braucht man Digitalkompetenz vor<br />

Ort, ist eine seiner Überzeugungen.<br />

„Wir müssten sehen, dass wir hier eine<br />

Ausbildung bekommen“, sagt Gebhardt.<br />

Genau das findet sich im <strong>Altmühlfranken</strong>-Konzept<br />

als Ziel <strong>für</strong> die<br />

Berufsschule Weißenburg, die inzwischen<br />

Platz hat, nachdem sie ein paar<br />

Lebensmittelberufe nach Gunzenhausen<br />

abtreten musste. Der Weg dahin<br />

ist sicher weit, aber die Idee klingt<br />

schlüssig. Wenn in vielen Bereichen<br />

Digitalisierung ein Geschäftsmodell<br />

wird, bräuchte es digitale Umsetzungskompetenz,<br />

um der Region ein neues<br />

Wachstumsfeld zu bescheren, das in<br />

Einklang mit seiner Struktur steht.<br />

Und es wäre auch eine passende Ergänzung<br />

des zweiten Wachstumsfelds,<br />

das Gebhardt sieht. „Die Medizintechnik<br />

könnte die neue Automobilindustrie<br />

hier bei uns werden“, sagt er.<br />

„<strong>Das</strong> ist eine Boombranche mit hohen<br />

Wachstumsraten, und Kunststoff wird<br />

hier dauerhaft als Material gefragt<br />

sein.“ Die Idee hat Charme, denn<br />

ähnlich wie früher in der Automobilindustrie<br />

wäre auch mit Blick auf die<br />

Medizintechnik die geografische Lage<br />

des Landkreises spannend. Nur dass<br />

man dann nicht nach Ingolstadt oder<br />

Augsburg sieht, sondern nach Erlangen,<br />

wo ein internationales und hochinnovatives<br />

Zentrum der Medizintechnik-Forschung<br />

zu Hause ist, das sich<br />

nicht ohne Grund als Medical Valley<br />

feiert. Bereits jetzt haben viele lokale<br />

Kunststoff-Unternehmen einen Fuß in<br />

der Medizintechnik, allerdings war das<br />

<strong>für</strong> viele im Vergleich zum Automotive-Geschäft<br />

eher Beifang. Eine Sache,<br />

die sich ändern könnte.<br />

Dritter Punkt auf Gebhardts Bucket<br />

List <strong>für</strong> die altmühlfränkische Wirtschaft<br />

der Zukunft: Strukturen vor Ort,<br />

die Start-ups und Neugründungen befördern.<br />

„Wir müssen schauen, dass<br />

wir uns einem der Inkubatoren <strong>für</strong> Innovation<br />

und Gründung anschließen,<br />

entweder in Erlangen oder in München“,<br />

glaubt der Alfmeier-Chef. <strong>Das</strong><br />

sollte ergänzt werden von einem <strong>Altmühlfranken</strong>-Hub,<br />

einem Art Gründerzentrum,<br />

das günstige Fläche, gute<br />

Ausstattung, Beratung und vor allem<br />

Kontakte etwa zu Banken und Unternehmen<br />

bietet. Auch diese Idee findet<br />

sich in der Zukunfts-Charta des Landkreises<br />

wieder. Im Grunde aber handelt<br />

es sich um einen Aufguss.<br />

Denn als der Kunststoffcampus 2013<br />

in Weißenburg entstand, war immer<br />

wieder die Rede davon, dass in naher<br />

Zukunft ein Gründerzentrum in der<br />

direkten Nachbarschaft entstehen<br />

sollte. Hinter den Kulissen waren die<br />

Pläne auch weit gediehen. Ein Zusammenschluss<br />

von Unternehmern wollte<br />

investieren, es ging um einen niedrigen<br />

zweistelligen Millionenbetrag. Am<br />

Ende scheiterte das Projekt nach Informationen<br />

unseres Magazins an einer<br />

Grundsatzfrage im Weißenburger<br />

Stadtrat. In nicht öffentlicher Sitzung.<br />

Bis heute wurde nie offen debattiert,<br />

warum dieses Projekt zum Scheitern<br />

kam und welche Überlegungen den<br />

Stadtrat dabei trieben.<br />

<strong>Das</strong> dürfte nicht die Einstellung sein,<br />

die Andreas Gebhardt fordert, wenn er<br />

davon spricht, dass man „Offenheit <strong>für</strong><br />

Veränderungen braucht“. „Wir werden<br />

neue Wege gehen müssen, das muss<br />

den Menschen klar sein. Vieles Althergebrachte<br />

will man bewahren, das verstehe<br />

ich, aber es wird vielleicht nicht<br />

in allen Fällen möglich sein.“ Aufregende<br />

Zeiten <strong>für</strong> <strong>Altmühlfranken</strong><br />

also. „Wir haben stürmische See“, sagt<br />

er, „aber mit dem richtigen Boot und<br />

einer guten Navigation bin ich schon<br />

der Meinung, dass wir zu neuen Ufern<br />

kommen können.“ Nun, das werden<br />

die nächsten Jahre zeigen müssen. Die<br />

Großwetterlage lässt be<strong>für</strong>chten, dass<br />

es erst mal stürmisch bleibt.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

17


Industrie<br />

18<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Innovative und<br />

nachhaltige<br />

Folienlösungen<br />

S!<br />

BEI<br />

Dünn, dünner, Verpalin: Wer sich das Vorzeigeprodukt der Verpa<br />

Folie Weidhausen GmbH anschaut, der muss ganz genau<br />

hinsehen. Die patentierte Folie ist nämlich so hauchzart, dass<br />

sie im Querschnitt fast verschwindet <strong>–</strong> robust und belastbar<br />

ist sie trotzdem. „Unser Ziel ist es, ® Folien so dünn wie möglich<br />

zu gestalten“, sagt Marco Stenglein, Werkleiter und Prokurist<br />

bei Verpa Folie in Gunzenhausen.<br />

240 Jobs hat das Unternehmen dort geschaffen. Zusammen<br />

mit Weidhausen den Produktionsstandorten • Gunzenhausen • Gunzenhausen<br />

• Wrocław in Weidhausen, Wroclaw (Polen)<br />

und Tabor Wrocław (Tschechien) verarbeitet man mit einer Mannschaft<br />

von fast 600 MitarbeiterInnen mehr als 65.000 Tonnen<br />

Material pro Jahr. Spezifisch angepasst an individuelle Kundenanforderungen<br />

und dank eigener Forschungsabteilung<br />

auch mit immer besseren Eigenschaften <strong>–</strong> und immer dünner.<br />

„Heute schaffen wir eine Folienstärke von sechs Mikrometer,“<br />

sagt Stenglein stolz. Zum Vergleich: Um auf die Dicke einer<br />

Euromünze zu kommen, müsste man davon fast 400 Lagen<br />

aufeinanderlegen.<br />

Wozu denn so dünne Folien? „Je dünner die Folie, desto mehr<br />

Ressourcen sparen wir“, erklärt André Baumann, Geschäftsführer<br />

bei Verpa Folie. „Vom Rohmaterial über Transport- und<br />

Lagerkosten bis hin zum Energieverbrauch in der Fertigung.“<br />

Verpa Folie hat heute Kunden in fast allen Branchen, darunter<br />

auch Playmobil, Coca-Cola und der Treuchtlinger Mineralwasserproduzent<br />

Altmühltaler.<br />

Vom Handelsbetrieb<br />

zum Großproduzent<br />

1979 gründet Joachim Baumann<br />

die Verpa GmbH in Weidhausen<br />

als Handelsbetrieb. 1986 erfolgt die<br />

Eintragung des Markenzeichens<br />

Verpalin, 1988 beginnen die ersten<br />

Extrusionsanlagen mit einer Monatsproduktion<br />

von 80 Tonnen. 2009<br />

erreicht die monatliche Produktionskapazität<br />

bereits 3.000 Tonnen.<br />

2011 dann die Umfirmierung in die<br />

Verpa Folie Weidhausen GmbH.<br />

2015 folgt die Inbetriebnahme einer<br />

10-Farben-Druckanlage, es ist eine<br />

der modernsten weltweit. 2019 feierte<br />

das Unternehmen sein 40-jähriges<br />

Jubiläum, 2021 beträgt die jährliche<br />

Produktion stolze 65.000 Tonnen.<br />

Dünne Folien bedeuten Sparsamkeit, und die ist Verpa Folie<br />

nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. „Wir möchten<br />

im Sinne einer ganzheitlichen Ökobilanz überzeugende<br />

Produkte schaffen“, sagt Baumann. „Da<strong>für</strong> haben wir schon<br />

60.000 Bäume gepflanzt, mit eigenen PV-Anlagen auf reinen<br />

Ökostrom umgestellt und Recyclingzentren an jedem Standort<br />

gebaut. Wir holen die Kunststoffabfälle vom Kunden auch<br />

wieder zurück und bereiten sie auf.“ Solches Engagement zeigt<br />

Wirkung: „Noch in diesem Jahr wird Verpa Folie komplett CO 2<br />

-<br />

neutral!“ <br />

-sz-<br />

Mehr Infos unter:<br />

bewerbung@verpa.de<br />

www.verpalin.com<br />

Verpa Folie Gunzenhausen GmbH<br />

Industriestraße 18<br />

91710 Gunzenhasuen<br />

Tel. 0 98 31 / 50 03 - 0<br />

www.verpa.de<br />

info@verpa.de<br />

Geschäftsführer: André Baumann,<br />

Joachim Baumann, Thomas Grebner<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

19


Anzeige<br />

Teil des Mühlenparks der HP-T Höglmeier Polymer-Tech GmbH & Co. KG<br />

Wo der Kreislauf anfängt<br />

Kunststoff, Plastik, Folie: Für viele sind das negative Begriffe.<br />

Man assoziiert damit Umweltsünden, Mikroteilchen<br />

und das ziemliche Gegenteil von Nachhaltigkeit.<br />

Dabei sind technische Polymere, wie sie der Fachmann<br />

nennt, echte Wunderstoffe <strong>–</strong> sie sind leicht, wetterbeständig<br />

sowie hochgradig flexibel. Dazu wirtschaftlich,<br />

robust und <strong>–</strong> ja, tatsächlich auch nachhaltig. „Wenn man<br />

richtig damit umgeht“, sagt Johannes Höglmeier, der bei<br />

der HP-T Höglmeier Polymer-Tech GmbH künftig <strong>für</strong><br />

den Vertrieb und die Strategie zuständig ist.<br />

Gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian stellt er die<br />

dritte Generation im Familienunternehmen dar, das sich<br />

heute ausschließlich auf Kunststoffrecycling im industriellen<br />

Bereich spezialisiert. „Innovative Recyclingkonzepte,<br />

Nachhaltigkeit und eine CO2-freie Produktion <strong>–</strong><br />

das ist der Kern unserer Arbeit.“<br />

lingen wurde ein Investitionsprogramm von rund zwei<br />

Millionen Euro abgeschlossen. Es wurde in sieben neue<br />

Mühlen sowie in hochmoderne IT-Infrastruktur investiert.<br />

Pro Jahr können jetzt bis zu 20.000 Tonnen Kunststoff<br />

verarbeitet werden. „Und fast 20.000 Tonnen schicken<br />

wir Jahr <strong>für</strong> Jahr wieder zu unseren Kunden. Wir<br />

recyceln hier nämlich fast 100 Prozent“, erklärt Christopher<br />

Schmal, zuständig <strong>für</strong> Forschung und Entwicklung.<br />

„Wer bei HP-T und Recycling an den Gelben Sack denkt,<br />

der hat aber ein völlig falsches Bild unserer Arbeit“, sagt<br />

Johannes Höglmeier. „Dieses Verwertungskonzept ist<br />

abwärtsgerichtet, das ist alles Downcycling.“ Damit<br />

meint man, dass das Polymer bei der Verarbeitung an<br />

Qualität verliert, was eine höherwertige Verwendung<br />

schwierig macht. <strong>Das</strong> liegt an der haushaltsnahen Erfas-<br />

Die Firma, ursprünglich als Recyclingzentrum<br />

gegründet, hat sich<br />

über die Jahre auf Vermahlung und<br />

Compoundierung von technischen<br />

Kunststoffen spezialisiert. Mit dem<br />

Ende letzten Jahres vollzogenen<br />

Umzug der Vermahlung und Verwaltung<br />

von Raitenbuch nach El-<br />

Hoego-PET®<br />

20<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

sung und den groben Vermischungen verschiedener Kunststoffe, die<br />

dann kaum noch trennbar sind. „Wir arbeiten hier aber mit sortenreiner<br />

Ware von Industriekunden und entwickeln nachhaltige Recyclingkonzepte,<br />

die echte Kreisläufe ermöglichen <strong>–</strong> und das seit 30 Jahren.“<br />

Und diese Kreisläufe sind beeindruckend: Anstatt Kunststoffreste nach<br />

Asien zu exportieren, werden sie bei Höglmeier aufbereitet und beinahe<br />

zu 100 Prozent im Kreislauf gehalten. „Daraus können wieder jegliche<br />

Kunststoffartikel produziert werden.“ Ein Kreislauf, der nahezu endlos<br />

fortgesetzt werden kann. Genau das macht Kunststoffe bei Höglmeier<br />

zu einem nachhaltigen Produkt: Aus Recycling wird Upcycling.<br />

Ein bedachter Umgang mit Ressourcen, Wiederverwendung und Umweltbewusstsein<br />

hat im Unternehmen eine lange Tradition. „Alles geht<br />

hier auf meinen Großvater Otto zurück. Der hat in Weißenburg mit Recycling<br />

angefangen, als das gesellschaftlich noch gar kein Thema war<br />

<strong>–</strong> auch wenn er anfangs da<strong>für</strong> noch belächelt wurde“, erzählt Maximilian<br />

Höglmeier stolz. 1972 war das. Anstatt Altpapier und Kartonagen<br />

zu verbrennen oder auf der Mülldeponie zu vergraben, wollte sie der<br />

Pionier in den Rohstoffkreislauf zurückführen.<br />

Von diesem Pioniergeist sind seine Nachfahren noch 50 Jahre später<br />

beseelt. Auch den Mut, neue Wege zu gehen, hat er ihnen vererbt. Da<br />

ist es kein Wunder, dass das Unternehmen schon zahlreiche eigene<br />

Materialien, sogenannte Compounds, entwickelt hat. Hinter Namen<br />

wie Hoegerin ®, Hoegolup ® oder Hoegomid ® verbergen sich geniale<br />

Kunststoffverbindungen, die unter anderem außergewöhnlich guten<br />

Brandschutz, Laserbeschriftbarkeit und eine hohe Stabilität bei der Fertigung<br />

aufweisen. Sie werden aus bis zu 100 Prozent post-industriellen<br />

Recyclingmaterialien erzeugt und dabei nahezu ausschließlich mit regenerativen<br />

Energieträgern verarbeitet.<br />

Beim Recycling<br />

ein Vorreiter<br />

Maximilian, Harald und<br />

Johannes Höglmeier v. l.<br />

Im Jahr 1990 gründete Otto Höglmeier<br />

in Raitenbuch das erste Kunststoff-Recyclingzentrum<br />

Süddeutschlands.<br />

Hieraus ging 2001 die HP-T<br />

Höglmeier Polymer-Tech GmbH<br />

& Co. KG als familiengeführtes<br />

Mittelstandsunternehmen hervor, das<br />

seither eigenständig agiert. Heute beschäftigt<br />

es sich mit der Vermahlung,<br />

Regranulierung und Compoundierung<br />

von technischen Kunststoffen,<br />

erarbeitet individuelle Recyclingkonzepte<br />

<strong>für</strong> Industriekunden und<br />

entwickelt eigene Polymerwerkstoffe.<br />

<strong>Das</strong> Lieferportfolio umfasst über<br />

1.000 verschiedene Kunststofftypen<br />

mit unterschiedlichsten Eigenschaften.<br />

Von Laserbeschriftbarkeit über<br />

flammgeschützt bis hin zu UV-stabilisiert:<br />

Eigenprodukte wie<br />

Hoegolup ®, Hoegomid ® oder<br />

Hoegoblend ® können in fast allen<br />

Bereichen der Industrie eingesetzt<br />

werden.<br />

Farbvariationen Hoegolen® und Hoegerin®<br />

Nachhaltigkeit und Umweltschutz begleiten Besucher auf dem Firmengelände<br />

bei Höglmeier dann auch auf Schritt und Tritt. Jeder freie<br />

Quadratmeter auf dem Firmendach trägt ein Solarpanel, Gabelstapler<br />

fahren rein elektrisch, Ladesäulen <strong>für</strong> E-Autos werden gebaut und in<br />

Lagerhallen setzt man auf Zeltplanen statt Aluminium oder Beton. Die<br />

Dachentwässerungen werden alle ökologisch in Biorückhaltebecken<br />

(Teichanlagen) gesammelt und der Umwelt wieder zugeführt.<br />

„Uns ist hier aber auch die soziale Nachhaltigkeit sehr wichtig, deswegen<br />

haben wir uns viele Sonderleistungen <strong>für</strong> unsere Mitarbeiter einfallen<br />

lassen“, erklärt Maximilian Höglmeier. Der Mensch ist in der Firma mehr<br />

als eine Ressource: Von großzügigen Prämiensystemen über Firmenwagen,<br />

neueste IT oder Weiterbildungen bis hin zu sogenannten Soft<br />

Benefits: „Wir möchten, dass sich unsere Leute wohlfühlen und wissen,<br />

dass wir sie gerne hier haben. Wir haben nämlich noch viel vor.“ -sz-<br />

HP-T Höglmeier Polymer-Tech<br />

GmbH & Co. KG<br />

Ziegelweg 15<br />

91792 Ellingen<br />

Tel. 0 91 47 / 9 41 00<br />

www.hp-t.de • info@hp-t.de<br />

Mitarbeiter: 25<br />

Geschäftsführer: Harald Höglmeier<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

21


Anzeige<br />

Energie im Kreislauf<br />

der Natur<br />

„Energie im Kreislauf der Natur“ ist<br />

seit der Gründung 1982 bis heute der<br />

Leitsatz von Heizomat. <strong>Das</strong> weltweit<br />

tätige Unternehmen entwickelt hocheffiziente<br />

Biomasse und Hackgutkessel<br />

in einem Leistungsbereich von 30<br />

bis 990 kW und fertigt seine Produkte<br />

ausschließlich in der Region. An<br />

den beiden Produktionsstandorten in<br />

Maicha und Heidenheim hat Heizomat<br />

knapp 300 Mitarbeiter. Da das<br />

Heizen mit regenerativen Energien in<br />

aller Munde ist, wächst das Unternehmen<br />

stetig und möchte auch in<br />

gesundem Rahmen expandieren.<br />

Stellengesuche werden regelmäßig<br />

auf der Website veröffentlicht.<br />

Heizomat + Gerätebau <strong>–</strong><br />

Energiesysteme GmbH<br />

Maicha 21 • 91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 36 / 97 97 0<br />

www.heizomat.de<br />

info@heizomat.de<br />

Unternehmensgründung: 1982<br />

Mitarbeiter: 300<br />

Geschäftsführer: Robert Bloos,<br />

Robert Bloos jun.<br />

Einzigartig<br />

in Europa<br />

Maicha ist der Nabel der Welt, zumindestens wenn es um Biomasse<br />

geht. Denn im Gunzenhausener Ortsteil gibt es etwas<br />

in dieser Form einzigartiges: „Die größte Biomasseausstellung<br />

in Europa“, sagt Verkaufsleiter Gerd Christ mit Blick auf die<br />

Heizomat-Welt, die im Jahr 2021 auf 35.000 Quadratmetern<br />

fertiggestellt wurde. Nachhaltiges Heizen, zukunftsorientierte<br />

Technik und der richtige Umgang mit ihr sind die Hauptthemen<br />

der Ausstellung und machen sie zur ersten Anlaufstelle,<br />

wenn es um regenerative und erneuerbare Energien geht.<br />

Erneuerbare Energie, die Heizomat aus Hackschnitzel gewinnt.<br />

Der Biomassepionier produziert vollautomatische Holzkessel<br />

und hat so Heiztechnik <strong>für</strong> Privatleute, die Landwirtschaft,<br />

Kommunen, Industrie und Nahwärme im Portfolio. Für die Herstellung<br />

der CO 2<br />

-neutralen Hackschnitzel fertigt Heizomat den<br />

Heizohack: Holzhackmaschinen, die je nach Größe Stämme<br />

von 300 bis 800 Millimetern Durchmesser verarbeiten können.<br />

Doch mit dem Bau der Heizomat-Welt kamen neue Herausforderungen<br />

und die Produktpalette wurde erweitert. „Wenn<br />

jemand baut, stellt er sich die gleichen Fragen, die wir uns<br />

auch gestellt haben“, berichtet Gerd Christ über die Entstehung<br />

des Kompetenzzentrums. Eine davon betraf zum Beispiel die<br />

Entlüftung des Heizsystems. „Es laufen hier über 35000 Liter<br />

Wasser im System. Wie bringe ich da die Luft raus?“, so Gerd<br />

Christ. Noch dazu, wenn die Entlüftung auf zehn Metern Höhe<br />

stattfindet. Fragen, auf die es in Maicha natürlich Antworten<br />

gibt. „Wir haben die Firmen angesprochen, die bei solchen<br />

Themen mit im Boot sind. Wir stellen also nicht nur unsere<br />

Produkte aus, sondern die unserer Partner gleich mit. Vom Einfamilienhaus<br />

bis zum Nahwärmenetz“, erklärt Christ.<br />

Tina Gerhardt, Tochter von Firmengründer Robert Bloos, bedauert<br />

es, dass die Heizomat-Welt coronabedingt noch nicht<br />

offiziell vorgestellt werden konnte. Mit einer Terminvereinbarung<br />

gehe das zwar, einen Tag der offenen Tür hat die Familie<br />

Bloos aber noch im Hinterkopf. <br />

-mho-<br />

22<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Eine Idee,<br />

die zum Welterfolg<br />

wurde<br />

Um „Made in Weißenburg“ zu finden, muss man an einem beliebigen<br />

Ort der Welt nur unter das nächste Auto kriechen. „Den<br />

schwarzen Faltenbalg, den man da sieht, der ist zu 90 Prozent<br />

auf einer unserer Maschinen hergestellt worden“, sagt Klaus<br />

Haub. Der Leiter der Abteilung Kunststofftechnik beim Maschinenbauer<br />

OSSBERGER müht sich um vornehme Zurückhaltung,<br />

aber die Fakten machen es ihm schwer. „Also wenn man<br />

ehrlich ist, dann sind wir in diesem Bereich einfach die Nummer<br />

eins.“<br />

Wasser, Kunststoff,<br />

Oberfläche<br />

Die OSSBERGER-Maschinen produzieren bei Firmen auf der<br />

ganzen Welt flexible Kunststoff-Manschetten, die Antrieb, Lenkung<br />

und Stoßdämpfer bemanteln. Die Anforderungen an das<br />

Material sind extrem. „Es kann bei minus 40 Grad frieren oder<br />

extremer Hitze ausgesetzt sein und es gibt starke Knautschbewegungen.<br />

Trotzdem muss es verlässlich Wasser und Salz<br />

draußen und das schmierende Fett drinnen halten.“<br />

<strong>Das</strong> Geheimnis des OSSBERGER-Erfolgs ist Genauigkeit. „Wir<br />

können trotz unterschiedlicher Faltenkonturen die Wanddicken<br />

exakt gleich halten“, erklärt Haub. <strong>Das</strong> vermeidet Schwachstellen,<br />

an denen das Material nachgeben würde. <strong>Das</strong>s OSSBERGER<br />

heute Maschinen in die Autozulieferer-Branche liefert, daran ist<br />

die Kosmetik schuld. In den 1960ern stellte man spritzgeblasene<br />

Tuben <strong>für</strong> Cremes her, bei denen exakte Wanddicken wegen<br />

des Drucks ein ganz entscheidendes Thema waren.<br />

Mitte der 1980er-Jahre stellte man fest, dass dieses Verfahren<br />

perfekt auf die Anforderungen <strong>für</strong> Faltenbälge passt. Die<br />

neu entwickelte Maschine wurde ein Welterfolg <strong>–</strong> auch weil in<br />

den 1990er-Jahren die Globalisierung richtig in Schwung kam.<br />

<strong>Das</strong> Kosmetikgeschäft ist heute Vergangenheit, die Automobilindustrie<br />

Gegenwart und Zukunft zugleich. „Die Anforderungen<br />

verändern sich, die Kunststoffe auch, aber das Verfahren ist immer<br />

noch das beste.“ Bei OSSBERGER blickt man guten Mutes<br />

in die Zukunft und arbeitet an den nächsten Sensationsideen<br />

<strong>für</strong> morgen. <br />

-js-<br />

Kreativität und Innovationskraft,<br />

da<strong>für</strong> steht die Firma OSSBERGER<br />

seit 1873. Der Fokus lag von Anfang<br />

an auf innovativen und umweltverträglichen<br />

Technologien im Maschinenbau.<br />

Aus der Wasserkraft im Jahr<br />

1906 hervorgegangen, kamen über<br />

die Jahrzehnte neue Geschäftsfelder<br />

hinzu: 1966 die Kunststoff- und<br />

2003 die Oberflächentechnik. Heute<br />

beschäftigt OSSBERGER rund<br />

135 Mitarbeiter und steht <strong>für</strong> einen<br />

international erfolgreichen, regional<br />

verwurzelten Mittelstand.<br />

OSSBERGER GmbH + Co. KG<br />

Otto-Rieder-Straße 5-11<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 77 0<br />

www.ossberger.de<br />

info@ossberger.de<br />

Unternehmensgründung: 1873<br />

Mitarbeiter: 135<br />

Geschäftsführer:<br />

Dr. Karl-Friedrich Ossberger<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

23


Anzeige<br />

<strong>Das</strong> Bienotop: Artenschutz<br />

vom SSW<br />

Ob Straßenbau, Treppen oder Zahncreme: Steine prägen<br />

unseren Alltag und begleiten uns selbst dort, wo wir sie<br />

kaum wahrnehmen: „Steine geben uns ein Dach über<br />

dem Kopf, ermöglichen Mobilität von der Schiene bis<br />

zur Straße und machen Böden fruchtbar“, erklärt Jens<br />

Geiger, Geschäftsführer beim Schotter- und Steinwerk<br />

Weißenburg (SSW). „Deshalb ist ein verantwortungsvoller<br />

Umgang mit diesem natürlichen Bodenschatz auch<br />

so wichtig.“<br />

Die rund 100 MitarbeiterInnen des SSW leben mit ihren<br />

Familien alle im nahen Umkreis, viel mehr als 20 KIlometer<br />

fährt hier niemand zur Arbeit. „Ein nachhaltiger und<br />

naturverträglicher Abbau liegt uns schon deswegen am<br />

Herzen, weil wir damit unseren eigenen Lebensraum intakt<br />

halten“, so Geiger.<br />

Was das SSW im Weißenburger Wald zutage fördert, ist<br />

zu 100 Prozent von der Natur gemacht und schlummert<br />

dort schon seit Äonen: Rohstoff <strong>für</strong> Schotter und Natursteinblöcke<br />

aus dem 150 Millionen Jahre alten Jura.<br />

Steine sind laut Geiger ein nachhaltiges Produkt: „Sie<br />

liegen ja schon fertig im Boden, man muss sie nur noch<br />

herausholen.“ Dabei ist ihm die Umweltverträglichkeit<br />

im Werk besonders wichtig. „Was wir uns von der Natur<br />

nehmen, das wollen wir auch wieder zurückgeben.“<br />

zusetzten, steht nach der Rekultivierung ein robuster<br />

Mischwald mit Eichen und Lärchen. Mehr als 120.000<br />

Bäume hat man schon gepflanzt <strong>–</strong> alles in Abstimmung<br />

mit Forstexperten. „Gleichzeitig haben unsere Natursteine<br />

aber auch eine bessere Ökobilanz als viele andere<br />

Baustoffe“, erklärt der Geschäftsführer.<br />

Neben Schotterprodukten und Natursteinen <strong>für</strong> Bauunternehmen,<br />

Landschaftsarchitekten oder Weiterverarbeiter<br />

hat das SSW jetzt erstmalig ein Produkt <strong>für</strong><br />

Endverbraucher im Angebot: „Ein Stück lebendiger Steinbruch<br />

<strong>für</strong> zu Hause <strong>–</strong> unser Bienotop“, freut sich Geiger.<br />

<strong>Das</strong> Bienotop ist ein Steingarten zum Selbermachen,<br />

den Kunden mit variantenreicher Pflanzenauswahl im<br />

Onlineshop unter www.bienotop.com direkt nach Hause<br />

bestellen können. In den Briefkasten passt die rund<br />

Was er damit meint, sieht man im Steinbruch auf einen<br />

Blick: Mit einer umfangreichen Renaturierung unterstützt<br />

und fördert das SSW nach dem Abbau die Artenvielfalt<br />

und die Gesundheit des Waldes: Wo früher<br />

Borkenkäfer und Klimawandel den anfälligen Fichten<br />

24<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

1.000 Kilogramm schwere Lieferung zwar nicht, da<strong>für</strong> hat der vierteilige<br />

Natursteinsack alles, was Kleintiere und Pflanzen lieben <strong>–</strong> und was<br />

einem Garten Charakter verleiht.<br />

Trotz eines gewaltigen Steinanteils handelt es sich beim Bienotop<br />

nicht um einen Schotter-, sondern um einen Steingarten. „<strong>Das</strong> ist ein<br />

Unterschied wie Tag und Nacht“, stellt Geiger klar. Denn während im<br />

Schottergarten kaum etwas wächst, sondern fast alles stirbt, fühlt sich<br />

in diesem Steingarten vor allem das Besondere heimisch: Ähnlich wie<br />

der Kalkmagerrasen des Altmühltals ist es ein Lebensraum mit wenig<br />

Nährstoffen und guter Wasserdurchlässigkeit.<br />

Qualitätsführer<br />

im Gala-Bau<br />

Genau diese Eigenschaft macht das neue Produkt des SSW so artenreich,<br />

denn es bietet Spezialisten in Nischen, Ritzen und Höhlen Wohnraum.<br />

Erdnistende Bienen und Hummeln suchen die offenen Stellen <strong>für</strong><br />

ihren Nestbau. Die unterschiedlichen Bienenpflanzen im Paket sichern<br />

den Insekten mit versetzten Blütezeiten zudem das ganze Jahr über<br />

ein natürliches Nahrungsangebot.<br />

Die Idee zum Bienotop entstand, als den Schotterwerkern auffiel, dass<br />

ausgerechnet an scheinbar unwirtlichen Orten wie den Randflächen<br />

oder Wegen im Steinbruch ein reges Blühen und Summen herrscht.<br />

„Da haben wir beobachtetet, entwickelt und Mischungen ausprobiert,<br />

bis uns ein Steingartensubstrat gelungen war, das auch aus wissenschaftlicher<br />

Sicht <strong>für</strong> viele gefährdete Insektenarten wertvoll ist.“<br />

Dieses Steingartensubstrat bildet die Grundlage <strong>für</strong> eine zerklüftete<br />

und biologisch vielfältige Lebenswelt, in der Schlupflöcher und Abbruchkanten<br />

auf Bewohner warten. „Damit entsteht keine öde Schotterwüste,<br />

sondern ein lebendiges Stück Garten, in dem sich Flora und<br />

Fauna frei entwickeln“, schwärmt<br />

der Geschäftsführer. Ohne Bodenversiegelung<br />

oder Mikroplastik<br />

wächst damit ein Naturparadies<br />

heran, das Besitzern viel Raum<br />

<strong>für</strong> ihre Gestaltungsideen gewährt.<br />

Auch gärtnerische Laien<br />

und Kinder können sich da kreativ<br />

austoben und sich ihren ganz<br />

persönlichen Garten erschaffen.<br />

<strong>Das</strong> Bienotop ist ein Naturgarten<br />

im Kleinformat, den jeder Kunde<br />

individuell formen kann und der jedes Mal ein anderes, aber stets ein<br />

lebendiges Bild abgibt.<br />

Am Ferienhof Waldblick in Haundorf hat das SSW im vergangenen Jahr<br />

ein Pilotprojekt angelegt: 13 Tonnen Bienotop auf 25 Quadratmetern.<br />

Innerhalb von zwei Tagen hat das Team vom Steinbruch dort eine Naturlandschaft<br />

modelliert: mit unterschiedlichen Strukturen, Millionen<br />

Jahre alten Findlingen und mit mehr als 100 Pflanzen <strong>–</strong> ein autarkes<br />

System. „Da muss man jetzt nichts mehr machen. Die Anlage lebt und<br />

erhält sich von ganz alleine.“<br />

Auch in Weißenburg hinter der Bäckerei Herzog am alten Sportplatz<br />

kann man sehen, wovon er spricht: Auf 80 Quadratmetern ist hier mit<br />

50 Tonnen Material ein Natursteinparadies entstanden, das sich keine<br />

Biene schöner wünschen kann. „Da gibt es Bereiche <strong>für</strong> Kräuter, Blumen<br />

und <strong>für</strong> Halbschattengewächse“, erzählt Geiger. „Genau wie bei uns im<br />

Steinbruch findet dort die Natur ihren Raum. Jung und Alt haben Spaß<br />

an der lebendigen Minilandschaft und können die Lebensrhythmen von<br />

Insekten und die Handschrift der Jahreszeiten mitten in der Stadt und<br />

direkt vor ihrer Haustür miterleben.‘‘ <br />

-sz-<br />

Mit fünf Mitarbeitern wird 1983 die<br />

Schotter- und Steinwerk Weißenburg<br />

GmbH & Co. KG gegründet. 1985<br />

geht das Schotterwerk in Betrieb, aus<br />

15 Silos werden granulierte Steine<br />

bedarfsgerecht vermischt. 1991 entwickelt<br />

man ein eigenes Reißzahn-<br />

System <strong>für</strong> Großradlader, es wird bald<br />

zum Standard in allen Jura-Steinbruchbetrieben.<br />

1995 beginnt die<br />

Produktion von Garten- und Landschaftsbauprodukten.<br />

2007 eröffnet<br />

eine zweite Produktionshalle, es ist<br />

damals die modernste und leistungsfähigste<br />

Spaltanlage Europas. 2019<br />

wächst die Belegschaft auf stolze 100.<br />

SSW ist jetzt Qualitätsführer <strong>für</strong><br />

Mauersteine im Gala-Bau und betreibt<br />

ein globales Vertriebsnetz. 2021<br />

kommt mit dem Bienotop das erste<br />

Endverbraucher-Produkt ins Angebot.<br />

Schotter- und Steinwerk Weißenburg<br />

Eichstätter Landstraße 55<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 77 83<br />

www.bienotop.com<br />

www.schotterwerk-weissenburg.de<br />

info@schotterwerk-weissenburg.de<br />

Unternehmensgründung: 1983<br />

Mitarbeiter: 100<br />

Geschäftsführer: Jens Geiger<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

25


Anzeige<br />

Der Mensch<br />

steht im<br />

Mittelpunkt<br />

Tradition <strong>–</strong> Emotion <strong>–</strong><br />

Vision<br />

Krause Guss ist mehr als eine<br />

Kokillengießerei. <strong>Das</strong> 1977 gegründete<br />

Familienunternehmen aus dem<br />

Pappenheimer Ortsteil Bieswang<br />

sieht sich nicht nur als Sparringspartner<br />

<strong>für</strong> seine weltweiten Kunden<br />

in den unterschiedlichsten Branchen,<br />

sondern auch <strong>für</strong> seine Mitarbeiter<br />

und Mitarbeiterinnen sowie die Menschen<br />

in der Region <strong>Altmühlfranken</strong><br />

und darüber hinaus. Krause Guss<br />

lässt sich nicht gerne in eine Schublade<br />

stecken. Vielmehr bewahrt sich das<br />

Unternehmen die Freiheit, mit immer<br />

neuen, kreativen Ideen und Freude<br />

am Tun im und auch außerhalb des<br />

Unternehmens neue Maßstäbe zu<br />

setzen.<br />

Krause Präzisions-Kokillenguss<br />

Am Solnhofer Weg 6<br />

91788 Pappenheim<br />

Tel. 0 91 43 / 14 80<br />

www.krause-guss.de<br />

info@krause-guss.de<br />

Unternehmensgründung: 1977<br />

Mitarbeiter: 95<br />

Geschäftsführer: Uli Krause und<br />

Britta Strunz<br />

Prokurist: Jochen Strunz<br />

„Wir haben viel erreicht, es geht aber noch mehr. Alleine wissen<br />

wir allerdings nicht mehr weiter.“ Diese Gedanken trieben<br />

die beiden Geschäftsführer und Geschwister Britta Strunz und<br />

Uli Krause sowie den Betriebsleiter Jochen Strunz vor einiger<br />

Zeit um. <strong>Das</strong> Führungstrio der Krause Präzisions-Kokillenguss<br />

GmbH wollte den Blick auf das Bieswanger Unternehmen erweitern<br />

und investieren. Aber nicht nur im herkömmlichen<br />

Sinn. „Klassisch ist die Investition in Hallen beziehungsweise<br />

Produktionsanlagen“, sagt Jochen Strunz, „aber rund 50 Prozent<br />

unserer Kosten sind Lohnkosten, da wollten wir einen<br />

größeren Blick drauf werfen.“ Sicherlich geht es auch in Bieswang<br />

darum, Geld zu verdienen, „aber wir sehen uns auch als<br />

Gemeinschaft, die Arbeit soll Spaß machen“, so der Prokurist.<br />

Und die rund 100 Mitarbeiter sollten mehr Verantwortung bekommen,<br />

im Gegenzug aber auch mehr Vertrauen genießen.<br />

„Es geht auch um Identifikation mit dem Unternehmen und<br />

dessen Weiterentwicklung“, sagt Uli Krause. So ging im vergangenen<br />

Jahr ein Herzensprojekt von Britta Strunz an den<br />

Start: Mit LEBENS(wert), welches seinen Ursprung im Unternehmen<br />

hat, widmet man sich im, aber auch außerhalb des<br />

Unternehmens auf den ersten Blick eher untypischen unternehmerischen<br />

Themen. So können Mitarbeiter zum Beispiel<br />

die LEBENS(wert)-Sprechstunde nutzen oder an Projekten<br />

wie der Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht teilnehmen.<br />

Themen, die damit auf den zweiten Blick als grundlegender<br />

Baustein zum Erfolg eines Unternehmens beitragen können.<br />

Dazu gehört auch, „raus aus dem gewohnten Arbeitsumfeld,<br />

von Problemen erzählen, Abläufe im Unternehmen hinterfragen.<br />

<strong>Das</strong> ist wirklich produktiv“, hat Jochen Strunz gelernt. Und<br />

er hat, wie auch die beiden Geschäftsführer, festgestellt, dass<br />

es sich durchaus lohnt, an diesem Thema dranzubleiben.<br />

26<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Und dann kam schließlich der Adventure Campus der Hochschule<br />

<strong>für</strong> angewandtes Management in Treuchtlingen ins<br />

Spiel. „Wir sind die Base <strong>für</strong> Firmen, die ihre Mitarbeiter schulen<br />

oder ihnen ein besonderes Erlebnis ermöglichen wollen“,<br />

sagt Sami Sigl, der am Campus als Planer <strong>für</strong> Teambuilding,<br />

Workshops und Seminare tätig ist. Der Ablauf sieht wie folgt<br />

aus: „Wir bekommen eine Kundenanfrage, ich erstelle dann via<br />

Fragebogen eine Bedarfsabfrage und dementsprechend entwickle<br />

ich ein individuelles Programm <strong>für</strong> die Firma und die Mitarbeiter“,<br />

sagt Sigl, der in letzter Zeit nicht wenig zu tun hatte.<br />

„Seit Corona kommen mehr Anfragen <strong>für</strong> Teamevents. Durch<br />

vermehrte Arbeit im Homeoffice kommen die Menschen nicht<br />

mehr zusammen, viele wollen aber gemeinsame Erlebnisse.“<br />

Die sehen am Campus vielfältig aus. „Wir wollen die Menschen<br />

raus in die Natur bringen. Mountainbiken, Bogenschießen, gemeinsam<br />

draußen kochen und am Lagerfeuer sitzen“, zählt<br />

Professor Manuel Sand nur einige Beispiele auf. Seminarbegleitung<br />

oder Firmenfeiern sind weitere.<br />

Perfekte<br />

Rahmenbedingungen<br />

Der Adventure Campus Treuchtlingen<br />

ist ein einzigartiges Seminarund<br />

Erlebnishotel und gleichzeitig<br />

ein Studien- und Trainingszentrum<br />

der Hochschule <strong>für</strong> angewandtes<br />

Management, der größten privaten<br />

Hochschule in Bayern. Die staatlich<br />

akkreditierte Bildungseinrichtung<br />

begleitet den Adventure Campus mit<br />

ihrer wissenschaftlichen Expertise<br />

im Bereich des Outdoor-Sports und<br />

der Erlebnispädagogik. Die daraus<br />

resultierenden Synergieeffekte bieten<br />

perfekte Grundlagen <strong>für</strong> Firmenveranstaltungen<br />

und Seminare am<br />

Standort Treuchtlingen.<br />

Sand ist akademischer Leiter am Campus, der sich mittlerweile<br />

auch zu einem Tagungs- und Seminarhotel mit 90 Betten<br />

weiterentwickelt hat. Für einen oder mehrere Tage lassen sich<br />

die Outdoor-Möglichkeiten und Seminarräume des Adventure<br />

Campus nutzen. Die Azubis der Deutschen Bahn, weitere<br />

Firmen oder Vereine wüssten die Kombination von erlebnispädagogischen<br />

Teambuilding-Angeboten und akademischem<br />

Know-how zu schätzen.<br />

„Man muss nur offen <strong>für</strong> Neues sein und nicht mit Scheuklappen<br />

herumlaufen“, sagt Professor Sand. Bei Krause Guss<br />

muss er diese Be<strong>für</strong>chtung nicht haben, denn es gibt bereits<br />

viele weitere Ideen <strong>für</strong> gemeinsame Projekte. -mho-<br />

Adventure Campus<br />

Hahnenkammstraße 19<br />

91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 0 91 42 / 80 61 00<br />

www.adventure-campus.com<br />

info@adventure-campus.com<br />

Unternehmensgründung: 2010<br />

Mitarbeiter: 24<br />

Geschäftsführer: Prof. Dr. Dr. Christian<br />

Werner, Wolfgang Feldner<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

27


Anzeige<br />

Vom Fränkischen Seenland<br />

in die Welt<br />

Nicht weniger innovativ als die großen Tech-Konzerne<br />

aus Übersee, aber eine ganze Ecke bodenständiger<br />

und nahbarer, so lautet die Philosophie des Tech-<br />

Dienstleisters Hetzner, mit Firmenzentrale in der<br />

Industriestraße in Gunzenhausen.<br />

„Wir verstehen uns in erster Linie als technologischer<br />

Dienstleister mit einer ausgeprägten Leidenschaft <strong>für</strong><br />

IT und Technik und einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein<br />

gegenüber unseren Kunden, unseren<br />

Mitarbeitern und der Gesellschaft in der wir leben<br />

und arbeiten.“ So beschreibt Andreas Fischer, Head of<br />

Marketing bei Hetzner, seinen Arbeitgeber mit derzeit<br />

rund 400 Mitarbeitern.<br />

Auf Grundlage dieser Firmenphilosophie,<br />

mit einem ausgeprägten<br />

Gespür <strong>für</strong> die Anforderungen und<br />

Wünsche von großen und kleinen<br />

digitalen Playern auf der ganzen<br />

Welt und gut durchdachten, zukunftsträchtigen<br />

Konzepten, hat sich<br />

Hetzner in den vergangenen 25<br />

Jahren zu einem global agierenden<br />

Internet-Dienstleister <strong>für</strong> Cloud- und<br />

Serverhosting-Kunden aus über 150<br />

Ländern entwickelt.<br />

Der Mensch mit seinen individuellen<br />

Fähigkeiten steht <strong>für</strong> Hetzner<br />

im Mittelpunkt.<br />

Entgegen dem Trend, soviel Outsourcing<br />

wie möglich zu betreiben, setzt<br />

Hoster<br />

Ein Hoster ist ein Unternehmen,<br />

das anwendungsbereite Server<br />

zum Mieten anbietet. Für viele<br />

Webseitenbetreiber lohnt es sich<br />

nicht, einen eigenen Server anzuschaffen,<br />

da das aufgrund von<br />

Wartung, Kühlung, Stromversorgung,<br />

und Ausfällen mit einem<br />

hohen Aufwand verbunden wäre.<br />

Einen Server zu mieten, ermöglicht<br />

es hingegen sich ganz auf<br />

die eigene Webanwendung zu<br />

konzentrieren, während der Hoster<br />

im Hintergrund die Technik<br />

stellt und pflegt.<br />

Hetzner darauf, möglichst viel Know-how im Unternehmen<br />

zu bündeln, um schnell und agil auf Veränderungen<br />

reagieren zu können. Als Wettbewerber auf einem sehr<br />

dynamischen Technologiemarkt ist Flexibilität und<br />

schnelles Handeln unerlässlich. Vom Bau der Datacenter,<br />

der Entwicklung der Serverprodukte, der Serverproduktion,<br />

über den internationalen Direktvertrieb und<br />

Kundensupport, Inhouse-Videoproduktion in der Marketingabteilung,<br />

bis hin zur Anwendungs- und Softwareentwicklung,<br />

arbeiten unzählige Gewerke und Spezialisten<br />

Hand in Hand um das teils digitale, teils analoge Räderwerk<br />

nicht nur am Laufen zu halten, sondern stetig zu<br />

verbessern und bis ins kleinste Detail weiterzuentwickeln.<br />

<strong>Das</strong> macht Hetzner als regionalen<br />

Arbeitgeber sehr begehrt. Fachkräfte<br />

aus unterschiedlichsten Bereichen<br />

haben ihre Arbeitsstelle im internationalen<br />

Umfeld des Unternehmens<br />

quasi direkt vor der Haustür und<br />

müssen nicht in die nächstgelegene,<br />

größere Stadt pendeln oder gar<br />

umziehen.<br />

„Wir sind immer auf der Suche<br />

nach geeigneten Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeitern. Unser Jobportal<br />

unter career.hetzner.com ist seit<br />

Jahren gut gefüllt mit Stellenausschreibungen<br />

<strong>für</strong> Produktionsmitarbeiter*innen,<br />

Fachinformatiker*<br />

innen, Softwareentwickler*innen,<br />

Spezialisten*Spezialistinnen, Kaufleuten,<br />

Auszubildenden und vielen<br />

28 xx<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Server<br />

Server sind Maschinen, auf<br />

denen ein Betriebssystem und<br />

Programme laufen können. Sie<br />

werden vor allem da<strong>für</strong> genutzt,<br />

Daten oder Informationen zu<br />

übermitteln. Wenn Sie also beispielsweise<br />

eine Webseite aufrufen,<br />

übermittelt der Server die<br />

Informationen, die <strong>für</strong> Sie zum<br />

Anzeigen der aufgerufenen Seite<br />

benötigt werden. Da der Server<br />

da<strong>für</strong> durchgehend erreichbar<br />

sein muss, ist dieser im Gegensatz<br />

zu einem Computer vor<br />

allem auf einen Dauerbetrieb<br />

ausgelegt und dadurch meist<br />

auch wesentlich leistungsstärker.<br />

Georedundanz<br />

mehr.“ so Kathrin Schuster, Head<br />

of People Operations bei Hetzner.<br />

Und es ist noch lange kein Ende in<br />

Sicht. Letztes Jahr wagte das<br />

Unternehmen den Sprung über<br />

den großen Teich in die USA. Dort<br />

wurde neben Gunzenhausen,<br />

Nürnberg, Falkenstein/Vogtland<br />

und Helsinki ein weiterer Standort<br />

in Betrieb genommen, um den<br />

Cloud-Dienst georedundant zu<br />

erweitern. Auch in der Region<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> ist der Webhoster<br />

weiterhin auf der Suche nach<br />

einem Grundstück <strong>für</strong> ein Datacenter<br />

mit eigenem Solarpark.<br />

Die Mitarbeiter bei Hetzner sind<br />

übrigens am Gewinn des Unternehmens<br />

beteiligt und können so durch ihren Einsatz und ihre Ideen<br />

direkten Einfluss auf die<br />

eigene finanzielle Situation<br />

nehmen. Mit einem persönlichen<br />

Spendenbudget kann<br />

jeder Angestellte seine<br />

gemeinnützigen Herzensprojekte<br />

Jahr <strong>für</strong> Jahr unterstützen<br />

und fördern.<br />

Bei Hetzner wird auch gerne<br />

gefeiert. Neben regelmäßigen<br />

Barbecues und kleineren<br />

internen Events und<br />

Feiern, werden auch erreichte<br />

Meilensteine bewusst<br />

zusammen begangen. Ab<br />

und zu organisiert das<br />

Unternehmen auch große<br />

Open-Air-Konzerte, wie das<br />

2017, zum 20. Jahrestag<br />

der Firmengründung am<br />

Standort in Falkenstein, mit<br />

Cloud<br />

Christina Stürmer und ca. 5000 Gästen aus der Region. Im kommenden<br />

Sommer steht das 25-jährige Jubiläum an.<br />

Unter Georedundanz versteht man<br />

eine Art der Ausfallsicherung, die<br />

vorsieht, dass mindestens zwei<br />

Datacenter an jeweils unterschiedlichen<br />

Standorten zur Verfügung<br />

stehen müssen. Sollte<br />

eines der Datacenter aufgrund eines<br />

unerwarteten Ereignisses (z. B.<br />

Hochwasser) nicht mehr einsatzbereit<br />

sein, kann auf das zweite<br />

Datacenter außerhalb der betroffenen<br />

Region zurückgegriffen werden.<br />

Über die Cloud ist es möglich<br />

einen virtuellen Server zu mieten.<br />

Der Unterschied zwischen einem<br />

physischen bzw. materiell greifbaren<br />

Server und einem virtuellen<br />

Server liegt darin, dass ein<br />

virtueller Server selbst auf einem<br />

physischen Server läuft. Durch<br />

die Virtualisierung kann die<br />

Leistung des Servers flexibel an<br />

die aktuellen Anforderungen angepasst<br />

werden. Bei Hetzner<br />

sind die physischen Server als<br />

sogenannte Dedicated Server<br />

verfügbar und die virtuellen<br />

Server als Cloud Server.<br />

Auch hier<strong>für</strong> plant Hetzner ein<br />

großes Open-Air-Event. Diesmal<br />

auf dem Festplatz in Gunzenhausen.<br />

Save the Date: 22. Juli <strong>2022</strong>!<br />

Mehr wird noch nicht verraten.<br />

Im Internet<br />

zu Hause<br />

Anzeige<br />

Anzeige<br />

Home Office, Online-Shopping und<br />

das Streamen der Lieblingsserie: All<br />

das gehört mittlerweile zu unserem<br />

Alltag und ist ohne Rechenzentren<br />

nicht möglich. Hetzner Online<br />

zählt mit mehreren Hunderttausend<br />

Servern zu den größten Webhosting-<br />

Anbietern und Rechenzentren-Betreibern<br />

in Europa. Seit 25 Jahren stellt<br />

Hetzner Privat- und Geschäftskunden<br />

leistungsstarke Hosting-Produkte<br />

sowie die nötige Infrastruktur zur<br />

Verfügung.<br />

Hetzner Online GmbH<br />

Industriestraße 25<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 505 - 0<br />

www.hetzner.com<br />

info@hetzner.com<br />

Unternehmensgründung: 1997<br />

MitarbeiterInnen: 400<br />

Geschäftsführer: Martin Hetzner,<br />

Stephan Konvickova, Günther Müller<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong><br />

<strong>WIKO</strong><br />

29 xx


Anzeige<br />

Nachhaltigkeit<br />

ist Verantwortung<br />

en<br />

Wachstum <strong>–</strong><br />

in jeder Hinsicht<br />

<strong>Das</strong> Pleinfelder Unternehmen Reinle<br />

Gummi & Kunststoff GmbH passt<br />

sich dem ständigen Wandel schnell<br />

an und arbeitet dennoch sehr bodenständig.<br />

Gegründet wurde Reinle<br />

in den 80-er-Jahren von Hans-Peter<br />

Reinle. Damals noch als Unternehmen,<br />

welches mit Dichtstoffen<br />

handelte. Heute wird es mit einer<br />

Standortfläche von rund 20000 m 2<br />

vom einstigen ersten Mitarbeiter,<br />

Herrn Edwin Koller, geführt. Über<br />

Jahrzehnte hat Reinle es geschafft,<br />

sich von einem kleinen Handelsunternehmen<br />

zu einem international<br />

erfolgreichen und angesehenen<br />

Produktionsbetrieb in fast allen Branchen<br />

der Industrie zu entwickeln.<br />

Blickt man unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes auf<br />

die Reinle Gummi & Kunststoff GmbH, so zieht man zwangsläufig<br />

den Hut. Denn woran viele andere Unternehmen scheitern<br />

und wo<strong>für</strong> sie sich lange Vorlauffristen setzen, hat es die<br />

Pleinfelder Firma längst geschafft. Nämlich komplett CO 2<br />

-neutral<br />

zu sein.<br />

<strong>Das</strong> bedeutet, Reinle erzeugt selbst mehr Energie aus eigenen<br />

regenerativen Quellen als sie in Produktion und laufendem Geschäftsbetrieb<br />

verbraucht. Auch auf ein bewusstes, internes<br />

Recycling und eine papierlos(er)e Fertigung wird im Unternehmen<br />

geachtet. Zudem wird der Anteil der zu verwendeten<br />

Recyclingmaterialien und Biokunststoffe kontinuierlich ausgebaut<br />

und neue Alternativen werden ausgetestet.<br />

Alternativen, die viel bewirken<br />

können. Denn<br />

das Produktspektrum<br />

der Firma Reinle ist lang.<br />

Von Dichtungen über<br />

Isolierungen, Profile, Antirutschbeläge<br />

bis hin zu<br />

Produkten <strong>für</strong> die Energiewende.<br />

Hinzu kommen<br />

Dienstleistungsangebote<br />

von Beratung bis<br />

Logistik. Ebenso Lohnfertigung<br />

in den Bereichen Stanzen, Fräsen und Vulkanisieren.<br />

Reinle stellt sich als Experte breit auf und bleibt dennoch dynamisch<br />

und flexibel. Nicht nur bei der Entwicklung der Mitarbeiter<br />

heißt es: „Wer rastet, der rostet.“ Auch das Unternehmen<br />

selbst bleibt in Bewegung und passt sich den Kundenwünschen<br />

sowie aktuellen Erfordernissen an. So zum Beispiel mit<br />

der LOGIS GRIPS® Antikeimfolie <strong>–</strong> ein Schutzfilm gegen Coronaviren.<br />

Oder mit der seit 2019 existierenden Produktsparte:<br />

Antirutschbeläge. Dahinter verbirgt sich eine spezielle Oberflächenbeschichtung<br />

<strong>für</strong> Ladungssicherungen in Lkws.<br />

e<br />

Reinle Gummi & Kunststoff GmbH<br />

Röttenbacher Straße 30<br />

91785 Pleinfeld-Mischelbach<br />

Tel. 0 91 44 / 6 08 67 - 0<br />

Durch unser www.reinle-gk.de<br />

stetiges Wachstum sind wir laufend auf<br />

der www.antirutsch-belaege.de<br />

Suche nach engagiertem Personal:<br />

info@reinle-gk.de<br />

bewerbung@reinle-gk.de<br />

Unternehmensgründung: 1981<br />

Mitarbeiter: 90<br />

Geschäftsführer: Edwin Koller<br />

30<br />

+49 (0)9144 60 86 7 0<br />

info@reinle-gk.de<br />

www.reinle-gk.de<br />

Röttenbacher Str. 30<br />

91785 Pleinfeld - Mischelbach<br />

Nicht nur die Nachhaltigkeit liegt dem Unternehmen am Herzen,<br />

auch die Aus- und Weiterbildung bei der Belegschaft. Derzeit<br />

zählt die Firma Reinle rund 90 Mitarbeiter, davon vier Auszubildende.<br />

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur wurde<br />

das Projekt WeGebAU im Betrieb auf den Weg gebracht, das<br />

darauf ausgerichtet ist, angelernten Mitarbeitern das Nachholen<br />

einer Ausbildung im eigenen Haus anzubieten. Oder eine<br />

Fortbildung umzusetzen, um im Unternehmen neue Herausforderungen<br />

antreten zu können. Beides dient auch hier dem<br />

großen Ziel Nachhaltigkeit: Denn was ist nachhaltiger, als langfristig<br />

beständige Lösungen zu schaffen? <br />

-cr-<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe xx<strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Ein Global<br />

Player mit<br />

tiefen Wurzeln<br />

Von Weißenburg auf die Weltbühne: Die Alfmeier Präzision SE<br />

wurde in den 60er-Jahren in der alten Römerstadt als Kunststoffspritzerei<br />

gegründet. „<strong>Das</strong> ist zwar 60 Jahre her, den Pioniergeist<br />

unseres Gründers haben wir uns aber erhalten. Heute<br />

sind wir natürlich viel breiter aufgestellt“, sagt Dr. Klaus Beetz,<br />

President Automotive Europe. Richtig: Alfmeier ist heute ein<br />

internationaler Konzern, der mit Forschung und Produktion an<br />

elf Standorten in sechs Ländern zum tragenden Glied globaler<br />

Wertschöpfungsketten erwachsen ist.<br />

<strong>Das</strong> Unternehmen konzentriert sich auf technologisch<br />

anspruchsvolle Bereiche der Automobilund<br />

Medizintechnik: fluidische Systemlösungen,<br />

Präzisionskomponenten aus Kunst-<br />

60 Jahre starkes<br />

Wachstum<br />

Die Alfmeier Präzision SE geht auf<br />

die Walter Alfmeier KG zurück,<br />

eine Kunststoffspritzerei, die 1960 in<br />

Weißenburg gegründet wurde. Hans<br />

Gebhardt, der Vater der heutigen Geschäftsführer,<br />

kaufte die Firma 1978<br />

auf. In den Jahren 1992 und 1993<br />

stiegen seine Söhne Markus und<br />

Andreas Gebhardt in die Geschäftsleitung<br />

ein. <strong>Das</strong> Familienunternehmen<br />

beschäftigt am Hauptsitz in<br />

Treuchtlingen rund 400 Mitarbeiter*<br />

Innen, weltweit sind es bereits 2.400.<br />

stofftechnik, Mechatronik und Elektronik. Man fertigt<br />

hochkomplexe Ventile und Aktuatoren, entwickelt innovative<br />

Konzepte mit SMA-Technologie <strong>für</strong> höchsten Sitzkomfort in<br />

Fahrzeugen. Smart Tech aus der Smart Factory <strong>–</strong> bei Alfmeier<br />

ist das Alltag.<br />

<strong>Das</strong> inhabergeführte Unternehmen ist in der Welt zu Hause,<br />

aber in Treuchtlingen daheim. Hier befindet sich der Hauptsitz<br />

der Firma, die Eisenbahnerstadt liegt den Geschäftsführern<br />

Markus und Andreas Gebhardt besonders am Herzen, es ist<br />

ihre Heimat. „Auch wenn die Infrastruktur im Großraum Nürnberg<br />

vielleicht besser sein mag“, sagt Klaus Beetz, „wir bevorzugen<br />

diesen Standort. Hier sind wir groß geworden, und darum<br />

möchten wir dem Landkreis auch etwas zurückgeben.“<br />

Verantwortung, Treue, Umweltbewusstsein <strong>–</strong> bei Alfmeier sind<br />

das mehr als Worte. „Die Nachhaltigkeit unserer Produkte und<br />

Anlagen ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Lawrence Mukaronda,<br />

Chief Sustainability Officer. „Wir haben alle Standorte<br />

in Europa auf erneuerbare Energien umgestellt und arbeiten<br />

stets mit unseren Zulieferern daran, den CO 2<br />

-Abdruck der gemeinsamen<br />

Wertschöpfungskette weiter zu reduzieren.“ -sz-<br />

Alfmeier Präzision SE<br />

Industriestraße 5<br />

91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 0 91 42 / 7 00<br />

www.alfmeier.de<br />

info@alfmeier.de<br />

Unternehmensgründung: 1960<br />

Mitarbeiter: 2400 weltweit<br />

Geschäftsführende Direktoren:<br />

Andreas Gebhardt, Markus Gebhardt,<br />

Stephan Schulak<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

31


Anzeige<br />

Gore: Innovationsschmiede<br />

<strong>für</strong> Produkte mit hohem<br />

gesellschaftlichen Nutzen<br />

Im Gewerbegebiet in Pleinfeld haben sich so manche<br />

Unternehmen erfolgreich angesiedelt. Doch kaum eines<br />

sticht so hervor wie die Niederlassung der W. L. Gore<br />

& Associates GmbH <strong>–</strong> ein Hidden Champion am Nordring<br />

mit vielen innovativen Lösungen <strong>für</strong> Menschen auf<br />

der ganzen Welt. „Mit knapp 400 Mitarbeitern zählen wir<br />

zu einem der größten Arbeitgeber in der Region. Was<br />

unsere beiden Werkhallen verlässt, ist international gefragt<br />

und findet auf direktem oder indirektem Weg Anwendung<br />

in Produkten mit hohem gesellschaftlichen<br />

Nutzen“, sagt Werkleiter Pascal Wucher.<br />

Gore in Pleinfeld ist Teil eines globalen<br />

Unternehmens mit rund<br />

11500 Mitarbeitern, das seit seiner<br />

Gründung Standards setzt.<br />

Langjähriges Know-how in der<br />

Materialwissenschaft im Bereich<br />

der Fluorpolymere ermöglicht es,<br />

Produkte und Technologien <strong>für</strong><br />

komplexe Herausforderungen in<br />

einer Vielzahl von Märkten und<br />

Branchen zu entwickeln. Dazu zählen<br />

die Luft- und Raumfahrt, Automobile,<br />

Textilien, Medizintechnik,<br />

Digitalisierung und viele mehr. „An<br />

unserem Standort geht es primär<br />

um Kabelproduktion, Konfektion<br />

von Serien- bzw. komplexen Einzelanfertigungen<br />

<strong>für</strong> Spezialanwendungen<br />

sowie die Herstellung<br />

von Flugzeugdichtungen“, erklärt<br />

Wucher.<br />

Der Clou und damit das Beson-<br />

dere <strong>für</strong> die Kabel, Antennen und Dichtungen ist die<br />

eigens entwickelte Technologie. Gore kann den Fluorpolymer-Kunststoff<br />

so weiterentwickeln, dass er einer<br />

großen Vielfalt von Herausforderungen gewachsen ist.<br />

Die Grundlagen da<strong>für</strong> gehen noch auf den Unternehmensgründer<br />

Bill Gore Ende der 50er-Jahre zurück. Mit<br />

dem Wandel der Anwendungsgebiete sind auch Gores<br />

technische Kompetenzen gewachsen: 1958 entwickelte<br />

Gore Prototypen von fluorcarbon-isolierten Drähten und<br />

Flachbandkabeln <strong>für</strong> Raumfahrzeuge, Ausrüstung von<br />

Bodenstationen und militärische Luftfahrzeuge.<br />

„Heute nutzen wir unser umfassendes<br />

Fachwissen über Polymerwerkstoffe<br />

und Signalintegrität,<br />

um unseren Kunden Hochleistungskomponenten<br />

unter anderem<br />

<strong>für</strong> Verkehrsflugzeuge, Ölbohrausrüstung<br />

und die Herstellung<br />

von Halbleitern zu bieten“, sagt<br />

Wucher. In der Luft- und Raumfahrt<br />

müssen Gore-Produkte extreme<br />

Belastungen im Temperaturbereich<br />

von -200°C bis +200°C<br />

aushalten, gleichzeitig ist das Gewicht<br />

ein entscheidender Faktor.<br />

Etwa in der Stromversorgung von<br />

Raumstationen, Satelliten oder bei<br />

der Übermittlung wichtiger Daten<br />

an Luft- oder Raumfahrzeuge. „Ob<br />

Hubschrauber, Flugzeuge oder Satelliten<br />

<strong>–</strong> wenn es fliegt, dann sind<br />

fast immer unsere Technologien<br />

gefragt.“<br />

32<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Auch das Innovationsfeld der Digitalisierung und das damit verbundene<br />

Wachstum in der Halbleiterindustrie haben die Pleinfelder früh besetzt.<br />

Lösungen <strong>für</strong> Produktionsanlagen der Mikrochip-Herstellung in<br />

EUV/UV-Lithografiesystemen müssen extrem sauber, extrem haltbar<br />

und sehr langlebig sein, um konsistente Ergebnisse zu liefern.<br />

Seit 2010 kann Gore in Franken mit entsprechenden Reinräumen <strong>für</strong><br />

die Fertigung aufwarten und blickt auch in diesem Bereich optimistisch<br />

in die Zukunft: „Der Halbleitermarkt verändert die Welt, zum Beispiel<br />

mit 5G-Verbindungen <strong>für</strong> Datennetze rund um den Globus, daher<br />

waren die richtungsweisenden Maßnahmen am Standort vor einigen<br />

Jahren sehr richtig“, sagt Wucher zufrieden. „Da reiten wir heute die<br />

Welle eines absoluten Megatrends.“<br />

Alles begann mit<br />

einem Geniestreich<br />

<strong>Das</strong> James Webb Teleskop mit<br />

Kabeln zur Datenübertragung<br />

von Gore aus Pleinfeld<br />

Aber nicht nur die Entdeckung besonderen Materials sorgt seit<br />

der Gründung des Unternehmens <strong>für</strong> viele Innovationen. Auch die<br />

ganz eigene Unternehmenskultur ist etwas Besonderes und verbindet<br />

die MitarbeiterInnen, die sogenannten Associates, weltweit.<br />

In flachen Hierarchien gibt es keine Chefs, sondern jeder Associate<br />

kann mit jedem direkt in Kontakt treten, der <strong>für</strong> seine Arbeit wichtig ist.<br />

Unterstützung bekommen sie dabei<br />

von sogenannten Leadern und Sponsoren,<br />

die dabei helfen, das persönliche<br />

Potenzial auszuschöpfen. „Wir<br />

wollen bei unseren Associates den<br />

,Sweet Spot‘ zwischen persönlichen<br />

Interessen und individuellen Fähigkeiten<br />

finden“, erklärt Madlin Bussinger,<br />

HR Business Partner. „Denn nur wer wirklich Freude an seiner Arbeit<br />

hat, wird sich zum Besten des Unternehmens einsetzen.“<br />

Der Erfolg des Unternehmens ist bei Gore gleichzusetzen mit dem Erfolg<br />

der Associates <strong>–</strong> und andersherum. Für Bussinger und Wucher<br />

ist das auch ein Quell ihrer Arbeitsfreude, das sieht man ihnen an. „Die<br />

Menschlichkeit im Arbeitsalltag, das herzliche Miteinander und die Tatsache,<br />

dass man immer einen Ansprechpartner hat <strong>–</strong> sowohl <strong>für</strong> Berufliches<br />

wie auch <strong>für</strong> Privates <strong>–</strong> das macht die Arbeit bei Gore zu etwas<br />

ganz Besonderem“, erklärt die HR-Managerin.<br />

Wucher ergänzt: „Wir stellen natürlich auch extrem anspruchsvolle<br />

und spezialisierte Produkte her. Wenn unsere Associates dann sehen,<br />

dass ihre Arbeit das Weltall oder andere Planeten erreicht, ist das<br />

natürlich etwas Besonderes und eine wunderbare Bestätigung.“ -sz-<br />

Am 1.1.1958 gründeten Wilbert Lee<br />

„Bill“ und Genevieve „Vieve“ Gore<br />

das Unternehmen im Keller ihres<br />

Hauses in Newark, Delaware, in den<br />

Vereinigten Staaten. Der erfolgreiche<br />

Chemiker hatte die Idee, neue<br />

Vermarktungsmöglichkeiten <strong>für</strong><br />

Fluorpolymere zu erschließen.<br />

Von Anfang an sollte das Material<br />

gesellschaftlich sinnvoll eingesetzt<br />

werden. Bei der Unternehmensorganisation<br />

gingen die beiden unkonventionell<br />

vor, sie wollten möglichst<br />

viel kreatives Potenzial bei ihren<br />

Mitarbeitern ausschöpfen. 1969 fand<br />

Sohn Bob Gore heraus, wie man das<br />

Fluorpolymer PTFE zu einem widerstandsfähigen,<br />

offenporigen Material<br />

macht, ein entscheidender Schritt <strong>für</strong><br />

die Zukunft des Unternehmens. Er<br />

bahnte damit den Weg zum wasserdichten,<br />

atmungsaktiven GORE-TEX<br />

Funktionsmaterial und vielen weiteren<br />

Innovationen.<br />

W. L. Gore & Associates GmbH<br />

Nordring 1 • 91785 Pleinfeld<br />

Tel. 0 89 / 46 12 28 00<br />

www.gore.com<br />

recruiting@wlgore.com<br />

Unternehmensgründung der<br />

Gore Tochtergesellschaft in<br />

Deutschland: 1966<br />

Mitarbeiter: ca. 400 in Pleinfeld<br />

Geschäftsführer: Karsta Goetze<br />

und Volker Gronauer<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

33


34 <strong>WIKO</strong>


Wie planen die<br />

Arbeitnehmer von<br />

morgen ihre Zukunft?<br />

Von Selina Yildiz<br />

Schule rum und dann?<br />

Wir haben <strong>Altmühlfranken</strong>s<br />

Jugendliche und<br />

junge Erwachsene gefragt,<br />

wie sie ihre berufliche<br />

Zukunft planen.<br />

Was sie denken, wovon<br />

sie träumen, wie sie<br />

ihre Entscheidung treffen.<br />

Zehn Interviews<br />

mit zehn Menschen<br />

über zehn Leben.<br />

Wie geht‘s jetzt weiter? Diese Frage<br />

bekam auch ich nach meinem Abi im<br />

vergangenen Jahr immer wieder gestellt.<br />

Klar <strong>–</strong> ist ja auch wichtig, die<br />

Sache mit der Berufswahl. Immerhin<br />

bestimmt sie unser Leben. Im besten<br />

Fall finden wir einen Job, in dem wir<br />

aufblühen und unser Hobby zum Beruf<br />

machen. Im schlechtesten Fall tingeln<br />

wir von Idee zu Idee und kommen<br />

nirgends so richtig an.<br />

Unsere Eltern sagen gerne, dass wir<br />

doch alle Möglichkeiten haben, alle<br />

Chancen. <strong>Das</strong>s es an uns liegt, „das<br />

Beste draus zu machen“. Aber: Was<br />

ist das denn bitte, das Beste? Für jeden<br />

und jede von uns<br />

etwas anderes, so<br />

viel liegt auf der<br />

Hand. Gerade,<br />

dass wir theoretisch<br />

alles werden können, macht es <strong>für</strong><br />

uns aber nicht leichter. Wer Ja zu einer<br />

Sache sagt, sagt eben zugleich auch<br />

Nein zu vielen anderen.<br />

Für diesen Artikel habe ich zehn unterschiedliche<br />

Jugendliche und junge<br />

Erwachsene zwischen 15 und 26 getroffen<br />

<strong>–</strong> die Arbeitnehmer und -geber<br />

von morgen, könnte man sagen. Ich bin<br />

schnell auf sehr viel Offenheit gestoßen<br />

und war fasziniert. Von denen, die<br />

ihr Leben schon mit 16 durchgeplant<br />

zu haben scheinen, und genauso von<br />

denen, die sich einfach treiben lassen<br />

wollen.<br />

Obwohl diese zehn Menschen sehr<br />

unterschiedlich waren, musste ich eine<br />

Gemeinsamkeit feststellen: Wir sprechen<br />

offenbar viel zu wenig über Berufe.<br />

In der Schule, wo die Aufklärung<br />

über die Berufswahl meist nicht über<br />

einen BAM-Besuch oder ein Orientierungspraktikum<br />

hinausgeht. Und auch<br />

im persönlichen Umfeld. Es wirkte,<br />

als freuten sich meine Interviewpartnerinnen<br />

und Interviewpartner sehr<br />

darüber, jemandem von ihren Plänen<br />

erzählen zu können. So, als würde ihnen<br />

sonst zu wenig zugehört.<br />

<strong>WIKO</strong> 35


Nach dem Abitur 2021 war <strong>für</strong> Marlene<br />

vieles unklar. Ein Jahr Pause<br />

machen, um zu reisen, war ihr Plan.<br />

Etwas von der Welt sehen nach dem<br />

ganzen Stress. Dann kam Corona und<br />

aus den Reiseplänen wurden wacklige<br />

Vielleichts. Sie zog in Betracht,<br />

nach Köln zu ihren Großeltern zu ziehen,<br />

um dort „mehr Chancen“ zu haben,<br />

aber die Großstadtträume gingen<br />

in der Pandemie ein. Eine neue Stadt,<br />

ohne Anschluss, weil alle vor ihren<br />

Online-Kursen hocken oder Angst<br />

haben, sich beim Feiern anzustecken?<br />

Dann lieber doch hierbleiben, wo das<br />

soziale Umfeld ist.<br />

Marlene Hiller<br />

19 Jahre, Weißenburg,<br />

duales Studium,<br />

Handelsfachwirtin<br />

Aber was tun? Die Auswahl an<br />

Ausbildungsberufen kann einem zu<br />

schaffen machen, wenn man sich vieles<br />

vorstellen kann. Marlene hat sich<br />

nach dem Abi allein mit dieser Entscheidung<br />

gefühlt, war unsicher und<br />

im Zwiespalt. Auch weil sie wenig<br />

konkrete Vorstellungen von den Ausbildungsmöglichkeiten<br />

in der Nähe<br />

hatte.<br />

Letztendlich ging sie zur Agentur <strong>für</strong><br />

Arbeit und ließ sich beraten. Trotz<br />

vermeintlichen Entscheidungsdrucks<br />

sah Marlene die Situation locker:<br />

„Wir sind noch so jung. Wenn ich<br />

eine Ausbildung anfange und mir die<br />

nicht gefällt, kann ich immer noch drei<br />

weitere machen.“ Sie entschied sich<br />

schließlich <strong>für</strong> ein duales Studium zur<br />

Handelsfachwirtin, das die IHK in<br />

Zusammenarbeit mit Unternehmen<br />

an unterschiedlichen Standorten anbietet<br />

und finanziell unterstützt.<br />

Neben der Ausbildung bei der HSM<br />

Georgensgmünd geht sie regelmäßig<br />

auf die Academy in Nürnberg, dort<br />

lernt sie den theoretischen Teil der<br />

Arbeit in Form eines Studiums. Bis<br />

jetzt gefällt ihr der Beruf, den sie gewählt<br />

hat, sehr gut. Sie bekommt Einblicke<br />

in alle Bereiche: Vertrieb, Logistik,<br />

Verwaltung, Export und Verkauf.<br />

„<strong>Das</strong> ist die beste Vorbereitung <strong>für</strong><br />

die Gründung eines eigenen Unternehmens“,<br />

findet sie. Also irgendwann.<br />

Anton Bittner<br />

20 Jahre, Stopfenheim,<br />

Berufsbildung der<br />

Weißenburger Werkstätten<br />

Anton Bittner hat bei Weitem mehr<br />

Betriebe von innen gesehen als die<br />

meisten anderen: Am Müßighof war<br />

er im Ladenverkauf, hat im Café<br />

LebensKunst in Treuchtlingen und<br />

Gunzenhausen gearbeitet und auch<br />

in der Landwirtschaft war er schon<br />

tätig. Als er alle seine bisherigen Praktikumsplätze<br />

aufzählt, muss Guido<br />

Franz schmunzeln. Er ist Leiter der<br />

Weißenburger Werkstatt und beim<br />

Interview als Unterstützer dabei.<br />

Anton ist im Berufsbildungsbereich<br />

der Werkstatt. Nach dem Abschluss<br />

der Integrationsklasse der Mittelschule<br />

in Pleinfeld ging er drei Jahre<br />

auf die Sonderberufsschule auf der<br />

Wülzburg und machte anschließend<br />

ein Freiwilliges Soziales Jahr.<br />

Hier in der Werkstatt lernt er, wie<br />

man stanzt, prägt oder an der Presse<br />

arbeitet. Nach zwei Jahren ist der<br />

Berufsbildungszweig abgeschlossen.<br />

Es gibt dann zwar kein offizielles<br />

Zertifikat, das ihn zum Beispiel als<br />

„Schlosser“ auszeichnen würde, und<br />

auch keine Abschlussprüfung, aber er<br />

beherrscht dann, was man ihm in der<br />

Lebenshilfe beigebracht hat.<br />

Während des Gesprächs ist Anton<br />

ruhig und bedächtig, auf Fragen antwortet<br />

er kurz und überlegt. Ob es<br />

Chancen <strong>für</strong> ihn gibt, auf dem ersten<br />

Arbeitsmarkt unterzukommen. Guido<br />

Franz hält es <strong>für</strong> möglich <strong>–</strong> Anton<br />

sei einer der fittesten in seiner Gruppe,<br />

beim Arbeiten gebe er sich große<br />

Mühe. Mit dem Team versteht er sich<br />

sehr gut.<br />

Obwohl er zu Beginn des Gesprächs<br />

in sich gekehrt wirkt, bricht das Eis, als<br />

ich Anton nach seinem Lieblingsfach<br />

frage. <strong>Das</strong> ist schon immer Deutsch,<br />

sein Lieblingsgedicht ist der Erlkönig.<br />

Den fängt er an, mir auswendig<br />

aufzusagen: „Wer reitet so spät durch<br />

Nacht und Wind? Es ist der Vater mit<br />

seinem Kind ...“<br />

Nicht gerade, was man von einem<br />

jungen Mann mit Downsyndrom erwartet.<br />

Aber Anton interessiert sich<br />

<strong>für</strong> eine Menge Dinge. Wenn es um<br />

seine Arbeit geht, wirkt er unbekümmert:<br />

Klappt es mit dem ersten Arbeitsmarkt,<br />

dann klappt es. Und wenn<br />

nicht, dann wird er ganz sicher einen<br />

anderen Arbeitsplatz finden, den er<br />

mit seiner Gelassenheit bereichern<br />

wird.<br />

36<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Jan lebt im Moment mit seiner Freundin<br />

in Würzburg, wo er ein FSJ am<br />

Uniklinikum in der Neurochirurgie<br />

macht. Eigentlich will Jan Medizin<br />

studieren, aber sein Abischnitt von<br />

1,7 reichte nicht <strong>für</strong> einen direkten<br />

Studienplatz. Er will nun Bonuspunkte<br />

<strong>für</strong> das neue Zulassungssystem zur<br />

Humanmedizin sammeln <strong>–</strong> und Praxiserfahrung.<br />

Denn Arzt möchte er unbedingt<br />

werden: „Ich finde die Vorstellung,<br />

dass du einer Person mit einer rechtzeitigen<br />

Diagnose das Leben retten<br />

kannst, sehr schön.“ Seine Hoffnungen<br />

setzt er auf den Medizinertest im<br />

Mai <strong>2022</strong>.<br />

Würzburg gefällt ihm, er wollte ohnehin<br />

„mal raus aus Weißenburg“, vor<br />

allem jetzt, wo der Großteil seiner<br />

Freunde weggezogen ist. „Klingt es<br />

böse, wenn ich sage, hier bleibt mir<br />

nichts?“, fragt er und lacht. Es wäre <strong>für</strong><br />

ihn keine Option, immer am gleichen<br />

Ort zu bleiben. Würzburg bedeutet<br />

Großstadtleben, aber nicht zu sehr.<br />

Auf die Frage, wie es ihm nach einem<br />

Arbeitstag gehe, grinst Jan: „Ich hab‘ ja<br />

12 Jahre lang nichts gemacht. Nichts<br />

gearbeitet, war lieber auf der Couch<br />

gelegen oder hab‘ Basketball gespielt.“<br />

Die ersten zwei, drei Wochen im<br />

neuen Job fühlte er sich einfach nur<br />

platt. 100 Prozent <strong>für</strong> ein Hobby wie<br />

Basketball sind jetzt nicht mehr drin:<br />

„Weil ich schon mindestens 50 Prozent<br />

auf der Arbeit verliere.“<br />

Jans Eltern sind Ärzte. Viele Leute<br />

fragten ihn, ob er nur Medizin studieren<br />

will, um die Praxis seines Vaters<br />

zu übernehmen. Aber im Moment<br />

sieht Jan sich dort nicht. Durch seine<br />

Eltern habe er aber von klein auf<br />

einen anderen Zugang zur Medizin<br />

bekommen. Schon früh hätte seine<br />

Mutter ihm und seinem Bruder gezeigt,<br />

wie man Wunden vernäht oder<br />

Zugänge legt.<br />

Er zeigt mir, wie ich meine Venen<br />

ohne Stauen ertasten kann, und ist in<br />

seinem Element. „Die Venen, die blau<br />

durch die Haut schimmern, sind die<br />

Jan Michel<br />

18 Jahre, Weißenburg,<br />

Freiwilliges Soziales Jahr,<br />

Uniklinikum Würzburg<br />

dünnsten, da passiert‘s leicht, dass<br />

man durchsticht.“ Dann weist er<br />

mich an, einen Finger auf die Vene<br />

meiner Hand zu legen. „Mach mal<br />

Deine Augen zu, spürst Du das?“<br />

Ich muss sagen, den Arzt hab‘ ich<br />

spätestens an dieser Stelle in ihm gesehen.<br />

Mara Ludwig ist im fünften Jahr ihrer<br />

Ausbildung zur Erzieherin. Aktuell ist<br />

Regens Wagner in Zell Maras Arbeitgeber<br />

<strong>für</strong> ihr Berufspraktikum. Sie<br />

arbeitet dort mit Kindern, die durch<br />

mehrfache Sinnesbehinderungen stark<br />

eingeschränkt sind. Für Mara war<br />

Mara Ludwig<br />

20 Jahre, Weißenburg,<br />

Ausbildung zur Erzieherin<br />

der Einstieg nicht leicht, denn sie beherrscht<br />

die Gebärdensprache noch<br />

nicht richtig.<br />

Trotzdem grinst sie, als sie mir von<br />

ihrer ersten Nachtschicht im Heim<br />

erzählt. Mit zwei Kindern, die weder<br />

hören noch sehen konnten, war sie<br />

allein. Rückblickend meint sie, war<br />

es vielleicht nicht schlecht, ins kalte<br />

Wasser geworfen zu werden. Die<br />

Leichtigkeit, mit der sie die Geschichten<br />

von ihren Betreuungskindern erzählt,<br />

fasziniert mich. Mara scheint<br />

ihren täglichen Herausforderungen<br />

auf der Arbeit mit sehr viel Positivität<br />

entgegenzutreten.<br />

Natürlich habe der Job auch Nachteile:<br />

Die Schichtarbeit hat Auswirkungen<br />

auf ihre Freizeit. „Ich hab‘<br />

frei, wenn die anderen arbeiten, und<br />

wenn die Party machen, muss ich<br />

oft zur Nachtschicht.“ Oder die Bezahlung.<br />

Hier würde Mara sich mehr<br />

Wertschätzung wünschen. An einem<br />

gewissen Punkt, sagt sie, „muss sich<br />

die Gesellschaft entscheiden, was ihr<br />

wichtiger ist: gut gebaute Autos oder<br />

gut erzogene Kinder“. Aber einen anderen<br />

Beruf zu ergreifen, nur um mehr<br />

Geld zu verdienen? Dann würde<br />

Mara gegen sich selbst arbeiten <strong>–</strong> und<br />

das käme nicht infrage.<br />

Als ich sie nach ihren Zukunftsplänen<br />

frage, erzählt sie, auf jeden Fall vorerst<br />

in der Region bleiben zu wollen.<br />

„Nach der Schulzeit und vor dem Berufsleben<br />

kommt so viel Neues. Wenn<br />

du in der Region bleibst und deinen<br />

Freundeskreis behältst, dann hast du<br />

trotzdem noch deinen sicheren Hafen<br />

<strong>–</strong> etwas, was dir Halt gibt. Wenn du<br />

woanders hingehst, bist du komplett<br />

auf dich allein gestellt. Ich finde den<br />

Rückhalt im Umfeld hier schon wichtig.“<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

37


Magdalena<br />

Schauenberg<br />

18 Jahre, Weißenburg,<br />

Volunteer bei einem<br />

Hilfsprojekt in Südafrika<br />

Magdalena Schauenberg hat ihr Abitur<br />

2021 in Weißenburg gemacht.<br />

Nach der Schule entschied sie sich,<br />

<strong>für</strong> eine soziale Organisation nach Afrika<br />

zu fliegen. Von Oktober bis Dezember<br />

war sie dort im Einsatz.<br />

Magdalena, wie kommt es, dass Du<br />

jetzt in Kapstadt bist?<br />

Kapstadt hat mich als Stadt einfach<br />

interessiert. Außerdem wollte ich mal<br />

raus aus Europa: Neues sehen, neue<br />

Menschen und Lebensweisen. Afrika<br />

schien wie der perfekte Ort da<strong>für</strong>. Da<br />

ich nach dem Studium keinen Plan<br />

hatte, was ich studieren soll, war auf<br />

jeden Fall schon länger die Idee, ins<br />

Ausland zu gehen.<br />

Was machst Du dort?<br />

Ich bin als Volunteerin über die Organisation<br />

Rainbow Garden Village<br />

hier. Ich helfe bei einem Projekt, wo<br />

es darum geht, <strong>für</strong> Kinder und Jugendliche<br />

aus schwierigen Verhältnissen<br />

einen sicheren Raum zu schaffen. Jugendliche,<br />

deren Eltern alkohol- oder<br />

drogenabhängig sind. Wir schaffen<br />

einen Ort abseits der familiären Probleme,<br />

des Drogenmissbrauchs und<br />

der Gangs, die es vor allem in den<br />

Townships häufig gibt.<br />

Was nimmst Du <strong>für</strong> Dich persönlich<br />

nach Deiner Zeit dort mit?<br />

Wie gut wir es hier in Deutschland<br />

haben, über was <strong>für</strong> belanglose Dinge<br />

wir uns aufregen. Auch neue Kontakte<br />

und Teile einer anderen Sprache.<br />

Außerdem viel mehr Weltoffenheit,<br />

ganz viele Erfahrungen und Erlebnisse<br />

und Teile einer neuen Kultur, die<br />

ich verinnerlichen durfte.<br />

Hat Dich irgendetwas besonders bewegt?<br />

Ich war bei der Familie von einem Jungen<br />

in unserem Alter zu Weihnachten.<br />

Ich habe ihn gefragt, was er sich<br />

wünscht, aber er hatte sich nichts gewünscht<br />

<strong>–</strong> um die Eltern zu entlasten.<br />

Es wäre ohnehin nichts drin gewesen,<br />

und <strong>für</strong> ihn war das normal. Aber ich<br />

musste an die ellenlange Wunschliste<br />

denken, die wir als Kinder immer vor<br />

Weihnachten gemacht haben. Für die<br />

Jugendlichen, mit denen ich gearbeitet<br />

habe, waren schon 30 Rand viel<br />

Geld. <strong>Das</strong> sind umgerechnet 1,68 €.<br />

Wie geht es <strong>für</strong> Dich zurück in<br />

Deutschland weiter?<br />

Wenn ich bis September weiß, was<br />

ich studieren will, dann auf jeden<br />

Fall Studium, und wenn nicht, mach‘<br />

ich einfach noch ein Jahr Pause und<br />

mach‘ noch irgendetwas Freiwilliges<br />

oder anderes Spannendes. Ich will<br />

mich da nicht so wirklich stressen<br />

und einfach drauflos studieren. Am<br />

Schluss macht mir das dann doch keinen<br />

Spaß <strong>–</strong> deswegen lass‘ ich mir da<br />

Zeit. Früher hat man auch erst später<br />

mit dem Studium angefangen.<br />

Paul hat vor Kurzem sein erstes Berufspraktikum<br />

im Kindergarten absolviert.<br />

Er hatte Glück, einen tollen<br />

Platz gefunden zu haben <strong>–</strong> viele<br />

seiner Freunde hatten sich sogar in<br />

Nürnberg umgesehen. Für fast alle<br />

war es hart, sich entscheiden zu müssen.<br />

„Und das war nur <strong>für</strong> eine Woche“,<br />

sagt er. <strong>Das</strong> Thema Berufswahl<br />

müsste in der Schule noch mehr Platz<br />

kriegen, findet er.<br />

Im Gegensatz zu einigen seiner Klassenkameraden<br />

ist Paul sich sicher,<br />

dass er im sozialen Bereich arbeiten<br />

will. <strong>Das</strong>s der oft als „Frauenberuf“<br />

abgestempelt wird, auf dieses Klischee<br />

springt er gar nicht erst an. Er<br />

habe nach beiden Praktika im Kindergarten<br />

die Rückmeldung bekommen:<br />

Paul Schmidt<br />

15 Jahre, Weißenburg,<br />

M-Zweig der Mittelschule<br />

Es müsste viel mehr Männer in dem<br />

Berufsfeld geben.<br />

„Im Kindergarten sind die vielleicht<br />

nicht unbedingt“, sagt er <strong>–</strong> aber in<br />

Behinderteneinrichtungen zum Beispiel<br />

wüsste er von einigen Männern,<br />

die dort arbeiten. Und das seien auch<br />

Erzieher. Was ihm am Praktikum am<br />

besten gefallen hat? „Wenn ich zur<br />

Tür reingekommen bin, die Kinder<br />

mich angestrahlt und laut meinen Namen<br />

gerufen haben.“<br />

Obwohl ich Paul in unserem kurzen<br />

Gespräch kaum kennenlernen konnte,<br />

kann ich ihn mir im Kindergarten-<br />

Alltag vorstellen <strong>–</strong> umringt von einer<br />

Horde kleiner Mädels und Jungs, die<br />

ihn anhimmeln.<br />

38<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Luca Leibig<br />

19 Jahre, Ellingen,<br />

Ausbildung zum Elektroniker,<br />

Polizeischule Bamberg<br />

Luca ist 19 Jahre und hat vor zwei<br />

Jahren den M-Zweig der Mittelschule<br />

abgeschlossen. Sein Traum ist es, bei<br />

der Bundespolizei zu arbeiten, aktuell<br />

aber macht er eine Ausbildung zum<br />

Elektroniker <strong>für</strong> Energie- und Gebäudetechnik<br />

bei Mory in Pleinfeld, wo<br />

er als Schüler sein Berufspraktikum<br />

gemacht hat.<br />

Luca, gefällt Dir die Arbeit als Elektroniker?<br />

Ja, jetzt gerade schon. Aber ich könnte<br />

mir nicht vorstellen, in 20 oder 30<br />

Jahren immer noch auf dem Bau zu<br />

arbeiten. Ich hab‘ in den letzten Monaten<br />

gemerkt, dass ich auch mal ein,<br />

zwei Tage im Büro Schreibarbeiten<br />

machen will. Die Abwechslung zwischen<br />

der Arbeit auf der Straße und<br />

auch mal im Büro sein, das reizt mich<br />

mehr.<br />

Du fängst im März bei der Bundespolizei<br />

an <strong>–</strong> wie lief die Bewerbung ab?<br />

Ich hab‘ mich Anfang des Jahres<br />

beworben. Im Juli hatte ich meine<br />

Deutsch- und Sporttests, und im Oktober<br />

war das Vorstellungsgespräch.<br />

Danach hab‘ ich recht zügig meine<br />

Zusage bekommen und ab dem 1.<br />

März werde ich in Bamberg auf die<br />

Polizeischule gehen.<br />

Was waren Deine Gründe, Dich bei<br />

der Polizei zu bewerben?<br />

Also erst mal würde ich gern Menschen<br />

helfen, das steht im Vordergrund.<br />

Mir gefällt‘s aber auch, im<br />

Team zu arbeiten, und der Sport ist<br />

mir wichtig. Außerdem ist der Beruf<br />

ziemlich abwechslungsreich, das<br />

taugt mir am meisten.<br />

Was denkst Du machst Du in 5 Jahren?<br />

Also erst mal hoffe ich, meine Ausbildung<br />

nach zweieinhalb Jahren abgeschlossen<br />

zu haben. Danach mal<br />

schauen, die Einsatz-Hundertschaft,<br />

also die Bereitschaftspolizei, interessiert<br />

mich sehr, die sind vor allem auf<br />

Demos und zum Beispiel in Fußballstadien<br />

aktiv. Und wenn dann noch<br />

die Möglichkeit besteht, würde ich<br />

vielleicht in den gehobenen Dienst<br />

gehen. Da<strong>für</strong> müsste ich noch mein<br />

Abitur nachholen. Die Polizei ermöglicht<br />

es, mit dem Realschulabschluss<br />

in den mittleren Dienst einzusteigen,<br />

und danach kann man nach zwei<br />

Jahren Studium quasi übergreifend<br />

in den gehobenen Dienst einsteigen.<br />

Bei Simon sieht die Sache anders aus<br />

als bei meinen bisherigen Interviewpartner*innen:<br />

Er arbeitet bereits seit<br />

zehn Jahren <strong>–</strong> und zwar bei derselben<br />

Firma. Hetzner in Gunzenhausen,<br />

erzählt er mir, sei <strong>für</strong> ihn mittlerweile<br />

mehr als ein x-beliebiger Arbeitgeber,<br />

der zur passenden Zeit einen Fachinformatiker<br />

<strong>für</strong> Systemintegration<br />

gebrauchen konnte.<br />

Für Computer und deren Inneres hatte<br />

sich Simon schon recht früh interessiert.<br />

Medienteam in der Realschule,<br />

zur Konfi dann der erste eigene<br />

Rechner, an dem er gerne auch selbst<br />

herumschraubte. „Was man halt so<br />

macht.“<br />

Was ihm an der Firma Hetzner gefällt,<br />

sind die flachen Hierarchien und<br />

das entspannte Miteinander unter<br />

den Kollegen. Der Betrieb ist mittlerweile<br />

um einiges größer als zu Zeiten<br />

seiner Ausbildung in Nürnberg, doch<br />

die fast schon familiäre Atmosphäre<br />

gehe nicht verloren. Spricht Simon<br />

von seinem Team, seiner Abteilung<br />

oder der Firma im Allgemeinen, dann<br />

immer in der Wir-Perspektive.<br />

Simon Beißer<br />

26 Jahre, Sammenheim,<br />

Abteilungsleiter lT-Sicherheit,<br />

Hetzner Gunzenhausen<br />

Ich frage ihn, ob es erfüllend sein<br />

kann, ein Leben im selben Betrieb<br />

zu arbeiten. Simon schwelgt kurz in<br />

einer vergangenen Karriereidee: Er<br />

hatte überlegt, zur Polizei zu gehen<br />

und IT-Forensiker zu werden. Doch<br />

das Studium habe ihn davon abgehalten<br />

<strong>–</strong> noch einmal „so viel Unnötiges<br />

lernen, nur um eine Prüfung zu bestehen“,<br />

war ihm zuwider.<br />

Er antwortet mit einer Mischung aus<br />

Bedächtigkeit und Pragmatismus <strong>–</strong><br />

und wirkt ein bisschen, als würde ihn<br />

die Antwort selbst erstaunen: „G‘rade<br />

im IT-Bereich kann man sich das eigentlich<br />

gar nicht vorstellen. Aber im<br />

Moment bin ich zufrieden. Warum<br />

sollte ich gehen? Nur um mal was anderes<br />

noch zu sehen <strong>–</strong> ich weiß nicht,<br />

ob‘s das wert ist.“<br />

Inzwischen hat Simon zusammen mit<br />

einem Kollegen die Hauptaufgabe der<br />

IT-Sicherheit und der IT-Administration<br />

übernommen. Spricht er über<br />

seine Aufgaben in der Firma, wirkt er<br />

sicher und kommt ins Reden. Obwohl<br />

ich mit den Fotos von den riesigen<br />

Serverwänden, die er mir zeigt, nicht<br />

viel anfangen kann, hätte mich seine<br />

Begeisterung fast angesteckt. Trotzdem<br />

bleibt er bei allem, was er sagt,<br />

bescheiden: <strong>Das</strong>s er Abteilungsleiter<br />

der Abteilung interne IT ist, das erfahre<br />

ich erst spät im Gespräch, am<br />

Rande sozusagen.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

39


„Nur weil ich jetzt die Ausbildung<br />

gemacht habe, heißt das ja nicht, dass<br />

mein Leben jetzt abgeschlossen ist“,<br />

sagt Theresa, die alle Theri nennen.<br />

„Ich muss nicht <strong>für</strong> immer in dem Beruf<br />

bleiben.“ Sie ist im Sommer mit ihrer<br />

Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin<br />

fertig geworden. Danach wurde<br />

sie von ihrem Betrieb in Kammerstein<br />

bei Schwabach übernommen. Nach<br />

dem Abitur 2018 hatte sie keine klare<br />

Idee, in welche Richtung es gehen<br />

sollte <strong>–</strong> und studieren ohne Plan erschien<br />

ihr sinnlos.<br />

Draußen an der Luft und in der Natur<br />

zu sein, hatte ihr dagegen immer<br />

schon getaugt. Auf den GaLa-Bau<br />

wäre sie ohne ihre Oma wahrscheinlich<br />

nie gekommen. Die hatte in der<br />

Zeitung eine Anzeige der Firma gesehen.<br />

„Ziemlich spontan war das dann<br />

alles“, sagt Theri. Wenn man Landschaftsgärtnerin<br />

höre, dann denke<br />

man immer nur an Pflanzen, aber eigentlich<br />

gehe es sehr viel um Pflaster-<br />

und Steinarbeiten. „<strong>Das</strong> mit<br />

den Pflanzen hatte ich schnell raus.<br />

Bei den Steinarbeiten hab‘ ich mich<br />

während der Ausbildung schwerergetan.<br />

Deshalb wollte ich danach dann<br />

Theresa Reif<br />

22 Jahre, Kalbensteinberg,<br />

Garten- und Landschaftsbau<br />

besser werden, wo‘s noch gehakt hat.“<br />

Ich frage sie, ob die meisten Leute es<br />

nicht eher andersherum getan hätten,<br />

Theri lacht nur: „Ich such‘ mir einfach<br />

gerne Herausforderungen.“<br />

Vor der Winterpause hat sie in ihrem<br />

Betrieb gekündigt <strong>–</strong> nicht, dass es ihr<br />

nicht mehr gefallen hätte, aber sie hat<br />

nicht den Eindruck, dass ihr Berufsweg<br />

schon zu Ende ist. Um ihr Spektrum<br />

zu erweitern, schaut sie sich jetzt<br />

<strong>für</strong> fünf Monate an der Nordsee in<br />

Cuxhaven den sozialen Bereich etwas<br />

näher an.<br />

Die Wohnung in Abenberg aufgegeben,<br />

das Auto verkauft. Aber sie hat<br />

ein Fahrrad in Cuxhaven, und die<br />

Wohnung wird ihr von der freikirchlichen<br />

Organisation gestellt, bei der sie<br />

angefangen hat, Praktika zu machen.<br />

Zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe<br />

oder in der Mittelschule vor Ort. Ob<br />

sie danach zurückkommt oder ob es<br />

sie wo ganz anders hin verschlägt, das<br />

weiß sie noch nicht <strong>–</strong> „man trifft ja<br />

immer irgendwelche Leute, die einen<br />

inspirieren“.<br />

Ob sie ihr Zuhause vermisst? „Gunzenhausen<br />

ist so richtig Heimat <strong>–</strong><br />

wenn ich zu Eltern oder Freunden<br />

nach Hause fahr‘ und den See seh‘,<br />

das ist schon immer richtig schön. Ich<br />

würd‘s aber einfach schade finden,<br />

wenn ich immer nur mein Zuhause sehen<br />

würde.“ Sie fühlt sich verbunden<br />

mit dem Ort, an dem sie ihre Jugend<br />

verbracht hat, aber „vielleicht schätzt<br />

man sein Zuhause auch einfach mehr,<br />

wenn man öfter mal woanders ist“.<br />

Lindas genaue Vorstellung von dem,<br />

was sie einmal machen möchte, hat<br />

mich verblüfft <strong>–</strong> kein Hin und Her,<br />

kein „Vielleicht irgendwie“: Linda<br />

wird nach dem Abitur nach Berlin<br />

ziehen und an der Humboldt-Universität<br />

Deutsche Literatur und Philosophie<br />

studieren.<br />

Literatur, weil sie es beeindruckend<br />

findet, wie man allein durch Worte<br />

Welten erschaffen kann. Philosophie,<br />

weil es sie fasziniert, wie sich die alten<br />

Griechen schon ihre Vorstellung von<br />

Moral und Leben gebildet haben, wie<br />

sie sich ihre Sicht auf die Welt gebildet<br />

haben. „Ich mag den Gedanken<br />

von einem Lichtblick, auf den ich<br />

hinarbeite: raus aus Bayern kommen,<br />

etwas Neues sehen. Eine andere Umgebung,<br />

andere Leute. Ich will auf<br />

eigenen Beinen stehen. Anonym sein,<br />

im Ameisenhaufen versinken und<br />

mein eigenes Ding machen.“<br />

<strong>Das</strong> letzte Jahr brachte viel Chaos<br />

mit sich <strong>–</strong> manchmal, erzählt sie mir,<br />

fühle sie sich ein bisschen eingeengt<br />

von ihrer Umwelt. „Ich bin ziemlich<br />

introvertiert. Deswegen brauche ich<br />

auch die Ameisenhaufen“, sagt Linda<br />

von sich.<br />

Und warum ausgerechnet Berlin?<br />

„Berlin ist als Hauptstadt einfach sehr<br />

interessant. Und mich hat ein Buch<br />

beeinflusst. Mit der Protagonistin<br />

in dem Thriller konnte ich mich gut<br />

identifizieren <strong>–</strong> auch sie wusste nicht<br />

ganz, wo ihr Zuhause ist. Sie ist nach<br />

Berlin an die Humboldt, um wo ganz<br />

anders das Gefühl von Zuhause zu<br />

entwickeln“, erzählt Linda mir über<br />

ihre Beweggründe.<br />

Nicht ein bisschen naiv und verträumt?<br />

In die Hauptstadt, und dann<br />

auch noch etwas so Elitäres studieren<br />

… „Dann bin ich in Deinen Augen<br />

naiv. Mir auch egal“, entgegnet Linda.<br />

Sie sieht sich als „Großstadtmädchen“.<br />

Als Kind hat sie mit ihrer Familie<br />

in München gelebt.<br />

Mit Weißenburg fühlt sich Linda<br />

trotz gut vernetzten Umfelds nicht<br />

wirklich verbunden. Außerdem, erzählt<br />

sie mir, was sie hier störe: „Hier<br />

in Weißenburg habe ich oft das Gefühl,<br />

dass Du über Connections alles<br />

regeln kannst. <strong>Das</strong> finde ich manchmal<br />

ungerecht.“<br />

40<br />

Linda Scheler<br />

16 Jahre, Weißenburg<br />

11. Klasse, Oberstufe Gymnasium<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Dienstleistung<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong> 41


Anzeige<br />

Wo Steuern<br />

alles andere<br />

als langweilig<br />

sind<br />

Steuerkanzlei in<br />

dritter Generation<br />

1956 gründete Herbert Löffler<br />

die Steuerkanzlei im Herzen von<br />

Weißenburg. 1975 stieg sein Sohn<br />

Werner Löffler in die Kanzlei mit<br />

ein, er gründete 1981 gemeinsam<br />

mit Winfried Wulff die Gesellschaft<br />

Löffler | Wulff + Partner, die bis heute<br />

besteht. 2016 kam mit Sandra Löffler<br />

bereits die dritte Generation hinzu.<br />

Mit der Ernennung von Tobias<br />

Gruber und Andreas Renger zu<br />

weiteren Gesellschaftern wurde die<br />

Führungsebene in den letzten Jahren<br />

deutlich verjüngt.<br />

Löffler | Wulff + Partner<br />

Steuerberatungsgesellschaft mbH<br />

Auf der Wied 6 • 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 86 08 - 0<br />

www.loeffler-steuer-beratung.de<br />

info@loeffler-steuer-beratung.de<br />

Unternehmensgründung: 1956<br />

Mitarbeiter: 35<br />

Geschäftsführer: Werner Löffler,<br />

Sandra Löffler, Tobias Gruber,<br />

Andreas Renger<br />

Steuern <strong>–</strong> ist das nicht furchtbar langweilig? „Ach nein“,<br />

sagt Sandra Löffler und lacht. „Wir haben hier täglich mit<br />

interessanten Personen, Anliegen und Unternehmen zu tun.<br />

<strong>Das</strong> ist genau das Gegenteil von langweilig!“ Die Steuerberaterin<br />

ist Geschäftsführerin von Löffler | Wulff & Partner.<br />

Die Leitung der Steuerkanzlei und die Begeisterung <strong>für</strong> ihren<br />

Beruf teilt sie sich mit ihrem Vater Werner Löffler sowie den<br />

weiteren Geschäftsführern Tobias Gruber und Andreas Renger.<br />

Im Quartett führen sie eine Kanzlei, die Mandanten seit 1956<br />

mit viel Leidenschaft und Engagement bei allen Steuerfragen<br />

begleitet und professionell unterstützt. Ob Unternehmensgründungen,<br />

Umstrukturierungen oder Nachfolgeplanungen <strong>–</strong><br />

in bereits dritter Generation greifen die Steuerprofis mit einem<br />

Team aus über 35 geschulten Köpfen auf einen tiefen Erfahrungsschatz<br />

zurück <strong>–</strong> ein direkter Vorteil <strong>für</strong> jeden Mandanten.<br />

Besonders Unternehmen profitieren von der ganzheitlichen<br />

Betreuung in allen Steuerfragen und einer engen Partnerschaft<br />

mit der Anwaltskanzlei Dres. Schacht & Kollegen. „Weil sich<br />

Zivil- und Steuerrecht oft überschneiden und fast jede betriebliche<br />

Überlegung auch steuerrechtliche Konsequenzen hat,<br />

ist diese Kooperation <strong>für</strong> unsere Mandanten sehr vorteilhaft“,<br />

erklärt Andreas Renger.<br />

Mit Zweigstellen in Treuchtlingen und neuerdings auch in<br />

München ist das wachsende Unternehmen breit aufgestellt.<br />

Bei einem Besuch im Hauptquartier in Weißenburg erlebt<br />

man engagiertes Personal in einem positiven Arbeitsumfeld<br />

mit viel Gestaltungsspielraum und einem herzlichen Umgang.<br />

Trotzdem herrscht, wie aktuell in vielen Branchen, unter dem<br />

Dach der Steuerprofis Fachkräftemangel. „<strong>Das</strong> ist hier aber<br />

auch ein Wahrnehmungsproblem“ ist sich Sandra Löffler<br />

sicher. „Viele wissen einfach nicht, wie interessant und<br />

attraktiv Ausbildung und Beruf in unserem Metier sein können.“<br />

Aktuell sind einige Stellen zu haben: „Vom Azubi über Steuerfachwirte<br />

bis hin zum Steuerassistenten, auf Wunsch auch mit<br />

Homeoffice“, schwärmt Tobias Gruber. Lukrative Tätigkeiten<br />

also. Und alles andere als langweilig.<br />

-sz-<br />

42<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Gebündelte Rechts-<br />

Power aus einer Hand<br />

Eine echte Erfolgsgeschichte aus dem Landkreis Weißenburg-<br />

Gunzenhausen begann vor 70 Jahren als „Ein-Mann-Unternehmen”.<br />

In dritter Generation zählt die Rechtsanwaltskanzlei<br />

Schacht heute zu den renommiertesten Anwaltskanzleien in<br />

der Metropolregion Nürnberg. Mit Niederlassungen in Weißenburg,<br />

Treuchtlingen und Schwabach ist das Familienunternehmen<br />

auch in der Fläche präsent und bietet Service auf Topniveau<br />

ganz nah beim Kunden.<br />

<strong>Das</strong> Erfolgsrezept bringt Inhaberin Dr. Bettina Schacht auf<br />

den Punkt: fair, kompetent und guter Service. Da<strong>für</strong> steht das<br />

Team aus 34 Mitarbeitern, davon 14 Rechtsanwältinnen und<br />

-anwälte. Ganz gleich, welches Rechtsgebiet im konkreten Fall<br />

gefragt ist: Alle Kunden erhalten genau den Berater, der ihre<br />

Probleme löst. 11 Fachanwaltstitel weist die Kanzlei aus und<br />

kann daher auf allen Rechtsgebieten ein überdurchschnittliches<br />

Kompetenzniveau garantieren.<br />

Der Service endet aber nicht an der Kanzleitür. Zum Kompetenznetzwerk<br />

zählen regionale Dienstleister wie die Steuerkanzlei<br />

Löffler, Wulff + Partner, aber auch Partnerkanzleien in<br />

Europa und der ganzen Welt. Stefan Schröter, ein überregional<br />

bekannter Arbeitsrechtsspezialist, sieht in dieser Verzahnung<br />

von Service gerade <strong>für</strong> Unternehmen einen besonderen Vorteil:<br />

„Oftmals sind bei Rechtsfragen mehrere Fachgebiete gleichzeitig<br />

von Bedeutung. Und da bietet das Anwaltsteam den<br />

ganzheitlichen Ansatz. Damit juristische Fragen <strong>für</strong> die Mandanten<br />

auch bis zum Ende durchdacht sind.“<br />

Mit der neuen Abteilung <strong>für</strong> internationales Wirtschaftsrecht<br />

geht Dres. Schacht & Kollegen den Weg konsequent weiter:<br />

„Unsere Kunden werden immer internationaler. Wir gehen mit“,<br />

so Dr. Stephan Ebner. Der Jurist mit Zulassung auch in New<br />

York begleitet zusammen mit einem Spezialistenteam Firmenkunden<br />

bei Geschäften und Firmenübernahmen weltweit. So<br />

finden sich namhafte Unternehmen aus ganz Deutschland in<br />

den Aktenordnern der Gunzenhäuser Rechtsanwaltskanzlei.<br />

Auch wenn die Kanzlei Schacht eine überregionale Erfolgsgeschichte<br />

schreibt, hat das Haus seinen Charakter als bodenständiges<br />

Familienunternehmen behalten. Fest in der Region<br />

verwurzelt und immer nah an den Mitarbeitern und Kunden.<br />

„<strong>Das</strong> ist mir eine Herzensangelegenheit“, betont Dr. Bettina<br />

Schacht. „Und das inspiriert das Team und davon profitieren<br />

unsere Kunden.“ Eine gute Grundlage <strong>für</strong> die Fortsetzung der<br />

über 70-jährigen Geschichte. <br />

-mz-<br />

Jura Erfahrung in<br />

dritter Generation<br />

1950 gründete Dr. jur. Sigurd<br />

Schacht die Anwaltskanzlei<br />

„Dr. Schacht“ in Gunzenhausen.<br />

21 Jahre später übernahm dann sein<br />

Sohn Dr. jur. utr. Sigurd Schacht den<br />

Betrieb und baute die Kanzlei weiter<br />

aus. Mit der Zeit entstand aus dem<br />

kleinen Unternehmen eine über die<br />

Landkreisgrenzen gefragte Rechtsanwaltskanzlei.<br />

Im Jahr 2014 übernahm<br />

Dr. Bettina Schacht den Familienbetrieb<br />

in der dritten Generation. Seit<br />

nun 70 Jahren schreibt Dres. Schacht<br />

& Kollegen eine Erfolgsgeschichte, die<br />

ihresgleichen sucht.<br />

KOLLEGEN RECHTSANWÄLTE<br />

Dres. Schacht & Kollegen<br />

Rechtsanwälte<br />

• 91710 Gunzenhausen*<br />

Tel. 0 98 31 / 67 07 - 0<br />

• 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 87 72 23 - 0<br />

• 91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 0 91 42 / 20 45 39 - 0<br />

• 91126 Schwabach<br />

Tel. 0 91 22 / 8 88 63 - 0<br />

(* Hauptsitz)<br />

www.dres-schacht.de<br />

rechtsanwaelte@dres-schacht.de<br />

Unternehmensgründung: 1950<br />

Mitarbeiter: 34<br />

Geschäftsführer: Dr. Bettina Schacht<br />

und Stefan Schröter<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

43


Anzeige<br />

SWR auf einen Blick<br />

„Kompetent“ - „Zuverlässig“ - „sehr<br />

weiterzuempfehlen“, so nur ein<br />

kleiner Aussschnitt aus den Bewertungen<br />

der Kanzlei SWR. <strong>Das</strong>s<br />

hier Hand in Hand gearbeitet wird,<br />

spielt dazu sicherlich eine tragende<br />

Rolle. Die direkte Zusammenarbeit<br />

unterschiedlicher Berufsgruppen<br />

innerhalb der Partnerschaft verkürzt<br />

Wege und optimiert die Kommunikation.<br />

Ob Mittelständler oder<br />

Privatperson <strong>–</strong> eine effektive Beratung<br />

in den Fachbereichen Steuer, Wirtschaft<br />

und Recht und die langjährige<br />

Zusammenarbeit mit qualifizierten<br />

Partnern zeichnen die Weißenburger<br />

Kanzlei aus.<br />

SWR Albrecht Körzendörfer Forster<br />

Partnerschaft<br />

Jahnstraße 31<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 97 30<br />

www.steuer-wirtschaft-recht.de<br />

info@steuer-wirtschaft-recht.de<br />

Unternehmensgründung: 1948<br />

Mitarbeiter: 25<br />

Geschäftsführer: Gustav Albrecht,<br />

Bernd Körzendörfer, Bastian Forster<br />

Selbstbestimmt<br />

und miteinander<br />

„Spannend. Krisensicher. Persönlich“. Knapp beschreibt Gustav<br />

Albrecht, Partner bei SWR, die Vorzüge der Arbeit dort.<br />

Spannend <strong>–</strong> entgegen der landläufigen Meinung sind Berufe<br />

im Steuerrecht keineswegs trocken. „Wir wissen manchmal<br />

mehr als die Familie des Mandanten“, sagt Albrecht augenzwinkernd,<br />

„der Mandant steht immer im Mittelpunkt.“ Krisensicher<br />

<strong>–</strong> vor allem in schwierigen Zeiten benötigen die Mandanten<br />

einen kompetenten Partner an ihrer Seite. Und am<br />

Ende zählt vor allem der persönliche Kontakt. Für Gustav Albrecht<br />

der Grund, warum er den Job nach so langer Zeit immer<br />

noch gern macht.<br />

SWR sucht keine Solisten, sondern Teamplayer. Nicht umsonst<br />

ist das Herzstück der Kanzlei ein Konferenzraum, in dem<br />

15 Personen an einem Tisch Platz finden. Ein riesiger Monitor<br />

ziert die Wand. „Wir können alle Daten innerhalb kürzester Zeit<br />

aufgrund unserer vollständigen Digitalisierung abrufen“, sagt<br />

Albrecht. „Einer unserer größten Mehrwerte ist,<br />

dass wir alle unter einem Dach arbeiten. Steuerberater,<br />

Rechtsanwalt, Steuerfachwirte, Bilanzbuchhalter,<br />

Steuerfachangestellte und Lohnsachbearbeiter.<br />

Wir bieten das Gesamtpaket<br />

und optimale Ergebnisse <strong>für</strong> die Mandanten.“<br />

Arbeiten bei SWR ist in jeder Funktion attraktiv. Azubis steigen<br />

meist nach der Realschule ein und bringen Grundkenntnisse<br />

in Buchhaltung mit. „Nach der Einarbeitung bekommen<br />

sie ihre eigene Mandantenliste, können schnell mit Unterstützung<br />

erfahrener Kollegen Theorie und Praxis verknüpfen und<br />

selbstbestimmt arbeiten“, sagt Albrecht. Die Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

sind groß und erlauben eine Weiterqualifikation,<br />

etwa zum Steuerfachwirt oder Steuerberater. SWR betreut<br />

Mandanten weit über das Steuerrecht hinaus. Den Partnern ist<br />

zudem ein attraktives Arbeitsklima wichtig. Dem dienen neben<br />

entsprechender Vergütung auch Betriebsveranstaltungen und<br />

Sachzuwendungen. Viele Beschäftigte arbeiten schon lange<br />

bei SWR. „Wir sind nur als Team erfolgreich“, sagt Albrecht. -cr-<br />

44<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Beratung und<br />

Vermittlung<br />

im Wandel<br />

Nicole Osbelt macht ihren Job seit über 20 Jahren. Der Sinn ihrer<br />

Tätigkeit ist dabei gleich geblieben. Sie vermittelt Personal<br />

in offene Stellen, arbeitet mit Firmen wie Bewerbern gleichermaßen<br />

zusammen. Spezialisiert hat sich „Osbelt Recruiting<br />

Process“ dabei auf kleine und mittelständische Unternehmen<br />

aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe. „Ich<br />

komme beruflich selber aus der Produktion, aber wichtig ist<br />

mir der Faktor Mensch.“<br />

Und da hat sich laut Nicole Osbelt in den vergangenen Jahren<br />

einiges geändert <strong>–</strong> und ihre Tätigkeit damit ein Stück weit<br />

gleich mit. Freilich spielt Corona und Digitalisierung dabei eine<br />

Rolle, sie hätten aber laut Osbelt nur als Beschleuniger gewirkt.<br />

Es gehe in erster<br />

Linie um verschobene<br />

Wertigkeiten der Arbeitnehmer:<br />

„Die Wochenarbeitszeit<br />

ist vielen inzwischen<br />

wichtiger als<br />

das Gehalt, Stichwort<br />

Work-Life-Balance“,<br />

sagt Osbelt. <strong>Das</strong> Thema<br />

Homeoffice spiele<br />

eine große Rolle. „Es<br />

gibt Firmen, die sind<br />

ultraflexibel, andere sind ultrastatisch. Es gibt aber auch Mitarbeiter,<br />

die können mit so vielen Freiheiten gar nicht umgehen.“<br />

Nicole Osbelt berät beide Seiten vorab und bereitet sie auf<br />

Ansprüche und Befindlichkeiten der jeweils anderen vor. Im<br />

Bewerbungsgespräch ist sie dann mit dabei und moderiert<br />

es auch häufig. Wobei auch hier Digitalsierung und Corona<br />

massive Änderungen mit sich brachten. „Größere Firmen führen<br />

Erstgespräche digital, erst im zweiten Gespräch ist dann<br />

ein Vor-Ort-Termin zwingend nötig“, berichtet Osbelt, die viele<br />

ihrer Kunden auch zunächst auf ein solches digitales Vorstellungsgespräch<br />

vorbereitet. „Der Small Talk und das Zwischenmenschliche<br />

bleiben digital oft auf der Strecke, das wird dann<br />

manchmal als sehr schroff wahrgenommen.“<br />

Und dann gibt es wieder Anlässe, bei denen sie im Nachhinein<br />

lachen muss. „Bei einem Vorstellungsgespräch hat sich ein<br />

Bewerber, der vor seinem Bildschirm im heimischen Wohnzimmer<br />

saß, mitten im Gespräch ganz nebenbei eine Zigarette<br />

angezündet. Ich dachte erst, das gibt‘s doch jetzt nicht. Aber<br />

er war in seiner gewohnten Umgebung und hat das gar nicht<br />

wirklich registriert.“ Die Vermittlung von Menschen wird offenbar<br />

auch nach 20 Jahren nicht langweilig. <br />

-mho-<br />

Fachwissen<br />

und Nachhaltigkeit<br />

Seit 1997 unterstützt das Unternehmen<br />

aus Merkendorf kleine und<br />

mittelständische Unternehmen aus<br />

bestimmten Branchen bei der Vermittlung<br />

von Personal. Seit 2001 gehört<br />

es zum Personalberater-Verband<br />

der „Executive Services Group“ mit<br />

sieben Standorten in ganz Deutschland.<br />

2017 übernahm Nicole Osbelt<br />

den väterlichen Betrieb, der mit Ehemann<br />

Jürgen Osbelt und Eva Sippl<br />

zwei feste Mitarbeiter hat. Die langfristige<br />

und nachhaltige Besetzung<br />

vakanter Stellen mit Top-Führungskräften<br />

ist <strong>für</strong> die Kunden von Osbelt<br />

Recruiting Process ausschlaggebend.<br />

Dabei sind Fachwissen gefragt und<br />

Berater, die ihren Markt kennen.<br />

osbelt I RECRUITING PROCESS<br />

Am Wiesengrund 21<br />

91732 Merkendorf<br />

Tel. 0 98 26 / 8 72 90 00<br />

www.osbelt-personal.de<br />

info@osbelt-personal.de<br />

Unternehmensgründung: 1997<br />

Mitarbeiter: 3<br />

Geschäftsführerin: Nicole Osbelt<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

45


Anzeige<br />

Der Partner<br />

<strong>für</strong> den<br />

Mittelstand<br />

Die Größten im<br />

Kleinen<br />

Meyerhuber Rechtsanwälte Partnerschaft<br />

ist die größte Rechtsanwaltskanzlei<br />

Mittelfrankens <strong>–</strong> außerhalb<br />

von Nürnberg. Mit ihren Standorten<br />

in Gunzenhausen, Weißenburg,<br />

Ansbach, Feuchtwangen, Dinkelsbühl<br />

und Fürth ist sie vor allem im<br />

ländlichen Raum zu Hause.<br />

In der Pandemie musste sich Dienstleistung neu erfinden. Wo<br />

Kontakt verdächtig ist, tut sich Beratung schwer. Eine Wahrheit,<br />

die auch <strong>für</strong> Kanzleien gilt. „Unser Geschäft ist davon abhängig,<br />

dass man sich trifft“, erklärt Holger Pütz-von Fabeck,<br />

einer der Partner der Kanzlei. „Die Menschen wollen ihren Anwalt<br />

sehen, da geht es um Vertrauen.“ Also erfand man bei der<br />

Kanzlei Meyerhuber die Rechtsberatung ein bisschen neu.<br />

Termine wurden anders vorbereitet, Unterlagen vorab gesichtet,<br />

Themen recherchiert und Besprechungstermine digital<br />

und per Telefon angeboten. Vor allem Letzteres im Privatkundengeschäft<br />

der Juristerei eine kleine Revolution. „Der<br />

Punkt ist: Wir haben in der Pandemie unser Angebot nicht<br />

eingeschränkt, sondern das Portfolio erweitert“, so Pütz-von<br />

Fabeck. Die persönlichen Treffen sind wieder Normalität, die<br />

digitalen Wege aber geblieben.<br />

ihr recht in guten händen<br />

wir laden ein<br />

zu unseren vortragsveranstaltungen<br />

<strong>Das</strong>s der altmühlfränkische Rechtsanwalt erzählt, wie die<br />

Kanzlei reagierte, hat gute Gründe. Nicht erst seit der Pandemie<br />

ist man in der Beratung des Mittelstands engagiert <strong>–</strong> und<br />

zwar über das rein Juristische hinaus. Auch zu Themen ansbach wie<br />

Beschwerdemanagament, Führungskultur oder Change-Ma-<br />

„neustart!<br />

arbeitsrecht <strong>für</strong><br />

berufs- und wiedereinsteiger“<br />

rechtsänwaltin susanne gebhardt<br />

referat <strong>für</strong> arbeitsrecht<br />

Meyerhuber Rechtsanwälte am dienstag, den 26.07.2016, um 19:00 uhr<br />

Partnerschaft mbb<br />

Nürnberger Straße 11<br />

und<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 73 39 - 0 „der ärztliche behandlungsfehler“<br />

www.meyerhuber.de<br />

rechtsanwältin christine krieg<br />

wug@meyerhuber.de<br />

fachanwältin <strong>für</strong> nagement medizinrecht, hat die mediatorin Kanzlei Expertise.<br />

Unternehmensgründung: 1977 am dienstag, den 02.08.2016, um 19:00 uhr<br />

Mitarbeiter: 70<br />

Geschäftsführende Partner: in unseren kanzleiräumen in der<br />

Harald Schwarz, Holger Johannes obertorstraße 20,<br />

Pütz-von Fabeck, Ulrike Alt,<br />

91781 weißenburg<br />

Dr. Sylvia Meyerhuber, Christine wir freuen uns auf ihr kommen.<br />

Krieg, Dr. Malte Schwertmann,<br />

Markus Pferinger<br />

der eintritt ist frei.<br />

mit der bitte um anmeldung unter<br />

der telefonnummer ihn hinterher 09141/87339-0<br />

austragen. <br />

oder per mail wug@meyerhuber.de<br />

obertorstraße 20<br />

91781 weißenburg<br />

telefon 09141 / 87339-0<br />

telefax 09141 / 87339-29<br />

wug@meyerhuber.de<br />

www.meyerhuber.de<br />

gunzenhausen<br />

„In der Pandemie hatten viele Unternehmer Zeit, dinkelsbühl die Wir-Müssten-Mal-Themen<br />

anzugehen“, erinnert sich Pütz-von Fabeck<br />

an ein aktuelles Thema. „Und wir haben gerne geholfen.“ Ein<br />

Klassiker: AGBs, Arbeitsverträge oder Versicherungen ... „Wer<br />

hier nicht regelmäßig prüft, kann im Streitfall ein feuchtwangen Problem bekommen,<br />

weil die Regelungen nicht mehr adäquat sind.“ Und<br />

das muss und sollte nicht sein, denn die Devise einer modernen<br />

Kanzlei lautet längst: Streit im Vorfeld vermeiden und nicht<br />

-js-<br />

46<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Stärken stärken <strong>–</strong><br />

Business Coaching passgenau<br />

Thomas Geilhardt, erfahrener<br />

Personalleiter und ausgebildeter<br />

Business Coach, unterstützt mit<br />

seinen Coaching-Angeboten die<br />

Selbstverantwortung von Fachund<br />

Führungskräften in herausfordernden<br />

Situationen im Berufsleben.<br />

„Es geht darum das<br />

Handlungsspektrum des Coachees<br />

durch intensive Gespräche<br />

zu erweitern“, sagt er.<br />

Geilhardt bietet Business Coaching<br />

in drei Varianten an: Classic,<br />

Training und Intensiv.<br />

In der Classic-Variante geht es<br />

um ein spezifisches, persönliches<br />

Thema des Coachees <strong>–</strong> wie<br />

die Wahrnehmung einer erstmaligen<br />

Führungsaufgabe. Hier findet<br />

das Coaching in mehreren Terminen<br />

über ca. ein halbes Jahr<br />

statt. Beim Business Coaching<br />

Training werden die Kompetenzen<br />

des Coachees erhoben und<br />

im Hinblick auf die beruflichen<br />

Anforderungen trainiert, zum Beispiel<br />

die Entscheidungsfähigkeit.<br />

Auch hier erfolgt eine Begleitung<br />

über mehrere Gespräche. Geht es<br />

um unternehmerische Themen<br />

wie die Gestaltung einer Unternehmensstrategie<br />

oder die Verbesserung<br />

der Führungsarbeit im<br />

Unternehmen, ist das Business<br />

Coaching Intensiv angesagt. In<br />

zwei bis drei Workshops werden<br />

hier Lösungen gemeinsam erarbeitet.<br />

Die Angebote bietet Thomas<br />

Geilhardt wahlweise digital, im<br />

Kundenunternehmen oder am<br />

Adventure Campus in Treuchtlingen<br />

an.<br />

-cr-<br />

Thomas Geilhardt<br />

Personal- und Organisationsberatung<br />

Ginsterweg 26<br />

91785 Pleinfeld<br />

Tel. 01 62 / 9 09 99 29<br />

www.thomas-geilhardt.de<br />

thomas.geilhardt@t-online.de<br />

Marketingspezialisten mit<br />

Heimvorteil<br />

Ein besonderes Marketing benötigt<br />

besondere Ideen, das Team der<br />

Werbeagentur be media hat diese.<br />

Konkrete Kundenwünsche werden<br />

hier bereits innerhalb eines ersten<br />

Abstimmungsgesprächs identifiziert,<br />

sodass die Umsetzung zielgerichtet<br />

und immer am Puls der Zeit<br />

erfolgt. Sei es die Neu- oder Umgestaltung<br />

eines Logos, klassisches<br />

Print- und Grafikdesign oder der<br />

Eintritt in die digitale<br />

Welt, die Experten bei<br />

be media lassen die<br />

Köpfe <strong>für</strong> ihre Kunden<br />

rauchen und finden<br />

zusammen mit qualifizierten<br />

Partnern die<br />

richtigen Lösungen.<br />

Den Möglichkeiten<br />

einer Zusammenarbeit<br />

sind dabei kaum<br />

Grenzen gesetzt, bis<br />

hin zur Verwaltung<br />

ganzer Marketingbudgets und der<br />

Entwicklung mehrstufiger Marketingpläne<br />

wurden bereits zahlreiche<br />

Projekte erfolgreich umgesetzt.<br />

Als Full-Service-Werbeagentur vor<br />

Ort profitieren Kunden außerdem<br />

von größtmöglicher Flexibilität. <strong>Das</strong><br />

Team sitzt im Herzen von Weißenburg,<br />

sodass der richtige Ansprechpartner<br />

schnell erreichbar ist und<br />

gerne auch zu einem<br />

Kundentermin vorbeikommt,<br />

um aufkommende<br />

Fragen zu besprechen.<br />

Die Agentur<br />

be media sieht sich<br />

demnach als Marketingspezialist<br />

<strong>für</strong> den<br />

Agenturdarstellung<br />

Agenturdarstellung<br />

Agenturdarstellung<br />

Werbeagentur be media<br />

Werbeagentur be media<br />

Werbeagentur be media<br />

Imagebroschüre<br />

Imagebroschüre<br />

Imagebroschüre<br />

Landkreis Weißenburg-<br />

Gunzenhausen,<br />

gerne jedoch auch <strong>für</strong><br />

Kunden darüber hinaus.<br />

<br />

-jsbe<br />

media <strong>–</strong> Werbeagentur<br />

Wildbadstraße 16-18<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 25<br />

braun-elbel@be-media.de<br />

www.be-media.de<br />

media<br />

BRAUN&ELBEL<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

47


<strong>Altmühlfranken</strong> 2030<br />

<strong>–</strong> wie soll die<br />

Zukunft<br />

aussehen?<br />

Interview: Jan Stephan<br />

Vor eineinhalb Jahren<br />

hat sich Landrat Manuel<br />

Westphal (CSU) auf seine<br />

Zukunftsreise gemacht.<br />

Mit einem blauen Koffer<br />

klapperte er jede der 27<br />

Landkreisgemeinden ab<br />

und fragte nach Wünschen<br />

und Visionen. Fachgespräche<br />

und Workshops<br />

ergänzten den Prozess.<br />

Am Ende steht das Konzept<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> 2030.<br />

Ein Interview mit dem<br />

Landrat über Käse, Kunststoff<br />

und Tourismus.<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> 2030 <strong>–</strong> was ist das<br />

eigentlich?<br />

Es geht darum, dass die Bevölkerung<br />

sagt, was <strong>für</strong> sie wichtig ist. Und darum,<br />

wie man am besten zu diesen<br />

Zielen gelangt. Es haben sich vier<br />

Schwerpunkte ergeben: stark <strong>für</strong> die<br />

Wirtschaft, stark <strong>für</strong> die Umwelt, stark<br />

<strong>für</strong> die Menschen und Gemeinsam<br />

stark. Daran gliedern sich 15 Leitziele<br />

mit konkreten Punkten.<br />

Und die setzen wir jetzt alle um bis<br />

2030?<br />

Grundsätzlich brauche ich <strong>für</strong> alle<br />

Projekte eine politische Willensbildung.<br />

<strong>Das</strong> haben die Fraktionen im<br />

Kreistag deutlich gemacht. Sie halten<br />

es <strong>für</strong> sinnvoll, was in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 steht, aber einen Freibrief gibt es<br />

nicht. <strong>Das</strong> ist auch völlig in Ordnung:<br />

Der Kreistag muss Mittel zur Verfügung<br />

stellen. Also muss man sich in der<br />

politischen Diskussion in den nächsten<br />

Jahren immer wieder die Frage stellen,<br />

welchen Punkt wollen wir wann umsetzen.<br />

Aber gibt es nicht eine gewisse moralische<br />

Verpflichtung zur Umsetzung?<br />

Nachdem sich so viele Bürger an dem<br />

Konzept beteiligt haben. <strong>Das</strong> schürt Erwartungshaltungen.<br />

Ja, das ist richtig. Aber man muss das<br />

konkrete Projekt und die Situation anschauen,<br />

wenn es um die Umsetzung<br />

geht. Die Frage ist, was kann, was will<br />

der Landkreis sich leisten. Bei einigen<br />

Punkten stehen Dinge in dem Konzept,<br />

die abstrakt sind. Da muss diskutiert<br />

werden, wie man sie umsetzt.<br />

48<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Die Bandbreite der aufgeführten Projekte<br />

ist sehr groß. Von einem unspezifischen<br />

„Masterplan <strong>für</strong> die Wirtschaft“<br />

bis zur sehr konkreten Regionalkäserei.<br />

Woran liegt das?<br />

Wir wollten vor allem erst mal Ideen<br />

sammeln <strong>–</strong> so breit wie möglich. Aber<br />

wir haben uns bemüht, dass <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 sich gleich im Haushalt<br />

widerspiegelt. Etwa im Bereich Klimaschutz.<br />

Da haben wir Mittel eingestellt.<br />

Für das Energie- und Klimaschutzmanagement,<br />

das Klimaschutznetzwerk<br />

oder den Klimaschutzmanager zum<br />

Beispiel. <strong>Das</strong> ist ein konkreter Ausfluss<br />

aus <strong>Altmühlfranken</strong> 2030. Da haben<br />

viele Bürger gesagt, wir brauchen eine<br />

bessere Vernetzung der Gemeinden<br />

bei diesem Thema. Und das haben wir<br />

dann in Projekte übersetzt.<br />

Gibt es weitere konkrete Beispiele, wo<br />

man schnell vorankommen will?<br />

Die sieht man in den Projekten, die wir<br />

<strong>für</strong> die neue Förderperiode des Regionalmanagements<br />

angemeldet haben.<br />

Etwa das Radwegeverkehrskonzept,<br />

die E-Lade-Infrastruktur oder im Bereich<br />

der Wirtschaft der Masterplan.<br />

<strong>Das</strong> wird jetzt umgesetzt. Und zwar<br />

in einem ersten Schritt, bei dem es<br />

darum geht, Konzepte und Ideen zu<br />

entwickeln. <strong>Das</strong> nächste Thema ist das<br />

Leader-Förderprogramm, da steht in<br />

diesem Jahr die neue Periode an und<br />

auch da werden sich Projekte aus <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 finden. Da sind wir<br />

dann schon bei der Finanzierung der<br />

Realisierung. Ein Beispiel könnte die<br />

Regionalkäserei sein …<br />

Bis 2030 haben wir dann also regionalen<br />

Käse?<br />

Ich glaube, dass sich ein Großteil der<br />

Maßnahmen in den nächsten Jahren<br />

umsetzen lässt. Aber es kann auch<br />

nicht sein, dass der Landkreis allein<br />

alle Projekte übernimmt. Manchmal<br />

können wir nur die Leute zusammenbringen,<br />

beraten und helfen. Wir brauchen<br />

auch Leute, die sagen, wir wollen<br />

das, wir investieren Geld und Zeit.<br />

Mein Ziel ist es jetzt als Landkreis<br />

nicht, eine Regionalkäserei selbst zu<br />

betreiben.<br />

Der blaue Koffer war das Markenzeichen<br />

der Zukunftstour von Landrat<br />

Manuel Westphal durch den Landkreis.<br />

Ich glaube schon, dass regionale Produkte<br />

heute einen anderen Stellenwert<br />

haben als vor 15 oder 20 Jahren. Regionalität<br />

spielt eine ganz andere Rolle.<br />

Von daher glaube ich, dass das auch<br />

wirtschaftlich durchaus interessant ist.<br />

Es muss nicht immer das Großunternehmen<br />

sein mit 150 Mitarbeitern.<br />

Wir leben in unserer Struktur gut davon,<br />

dass wir auch kleine Unternehmen<br />

haben, dass wir Selbstständige<br />

haben. Der zweite Punkt ist ganz klar,<br />

dass es <strong>für</strong> die regionale Identität wichtig<br />

ist. Es ist ein Punkt, den kann jeder<br />

sehen, essen, anfassen. Wir wollen in<br />

Zukunft stärker die komplette Kette<br />

der Wertschöpfung abdecken. <strong>Das</strong><br />

heißt, die Idealvorstellung wäre: der<br />

Landwirt, der das Urprodukt herstellt,<br />

der regionale Metzger oder die Mühle,<br />

die das weiterverarbeiten, und dann<br />

der Verbraucher oder die Gastronomie<br />

vor Ort.<br />

In Weißenburg hat man mit großem<br />

Aufwand ein Integriertes Städtebauliches<br />

Entwicklungskonzept (ISEK) erstellt.<br />

<strong>Das</strong> braucht man, um weiter an<br />

Fördermittel zu kommen, arg viel gehört<br />

hat man inhaltlich davon aber<br />

nicht mehr. Steht das auch <strong>für</strong> <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 zu be<strong>für</strong>chten?<br />

<strong>Das</strong>s das Konzept in der Schublade<br />

verschwindet, die Angst habe ich bei<br />

uns nicht. Aus mehreren Gründen.<br />

Wir haben das Papier, mit den konkreten<br />

Projekten. Da kann jeder Kreisrat<br />

oder auch die Presse kommen und das<br />

Punkt <strong>für</strong> Punkt abhaken: erledigt, erledigt,<br />

offen, offen … <strong>Das</strong> heißt, man<br />

kann mir und der Verwaltung auf die<br />

Finger schauen. Und ich gehe davon<br />

aus, dass das die Kreisräte auch machen.<br />

Der zweite Punkt: Der Prozess<br />

ist nicht abgeschlossen. Alle drei Jahre<br />

findet wieder eine Zukunftskonferenz<br />

statt. Da kann man sich einen Überblick<br />

verschaffen, was passiert ist, und<br />

man kann darüber reden, was man als<br />

Nächstes angehen will.<br />

Man hat den Eindruck, dass der Prozess<br />

diesmal breiter aufgestellt war als beim<br />

letzten Leitbild, das man sich vor rund<br />

zehn Jahren gegeben hat.<br />

Dadurch, dass wir verschiedene Wege<br />

angeboten haben, sich zu beteiligen, haben<br />

wir einen deutlich breiteren Querschnitt<br />

als 2009/2010. Damals war der<br />

Prozess sehr stark von verschiedenen<br />

Interessenvertretern sämtlicher Bereiche<br />

geprägt, was nicht schlecht war.<br />

Diesmal haben wir Leute erreicht, die<br />

bisher nicht dabei waren, und die alten<br />

von 2010 sind an Bord geblieben.<br />

Wichtig waren die Gemeindebesuche.<br />

Thema Regionalprodukte … <strong>Das</strong> liegt<br />

im Trend, aber kann das wirklich wirtschaftlich<br />

größer zur Wertschöpfung in<br />

unserer Region beitragen?<br />

Die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Landkreis<br />

wurden durch eigene Termine miteinbezogen.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

49


Weil viele Bürgermeister das sehr gut<br />

genutzt und nicht nur den Gemeinderat<br />

eingeladen haben, sondern auch<br />

Unternehmer oder Ehrenamtliche.<br />

Ein tolles Beispiel war Nennslingen.<br />

Da hatten wir oben im Lehmeiersaal<br />

eine große Runde mit den Bäckern,<br />

den Handwerkern, der Landjugend,<br />

und jeder hat seinen Beitrag geleistet.<br />

Da kamen völlig unterschiedliche Themen<br />

zur Sprache. Hätte man konventionell<br />

eingeladen, wären die Üblichen<br />

gekommen. Die brauche ich, keine<br />

Frage, aber wir wollten diesmal eben<br />

mehr.<br />

Gab es dabei Überraschungen, also<br />

Themen, die man nicht so auf dem Zettel<br />

hatte?<br />

Es war in vielen Bereichen auch eine<br />

Bestätigung. Zum Beispiel beim Radwegenetz.<br />

Da waren es sehr viele Meldungen.<br />

Natürlich oft konkrete Hinweise,<br />

also jetzt als Beispiel, dass der<br />

Radweg Meinheim nach Dittenheim<br />

ausgebaut werden soll. Aber alleine<br />

durch die große Anzahl merkst du, das<br />

ist etwas, was eine breite Schicht der<br />

Bevölkerung bewegt, was ihr wichtig<br />

ist.<br />

Die Kultur findet sich dagegen kaum …<br />

Da war das Interesse auch nicht so<br />

groß. <strong>Das</strong> heißt nicht, dass die Theatergruppen<br />

oder Festivals aus meiner<br />

Sicht nicht wichtig sind oder nicht unterstützt<br />

gehören, aber es gab einfach<br />

nicht so viele Meldungen. Aber das ist<br />

ein tolles Beispiel da<strong>für</strong>, dass <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 nicht abgeschlossen ist.<br />

Da müssen noch andere Initiativen<br />

dazukommen und das abrunden. Man<br />

darf das nicht so verstehen: Alles, was<br />

da drinsteht, machen wir jetzt, und alles,<br />

was nicht drinsteht, wird nicht gemacht.<br />

<strong>Das</strong> Zukunftsprogramm heißt <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030, der Landkreis heißt Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

Steht doch<br />

noch eine Umbenennung an? Mit der<br />

hatte Ihr Vorgänger Gerhard Wägemann<br />

ja schon mal geliebäugelt ...<br />

Ich glaube, eine Umbenennung des<br />

Landkreises wäre der letzte Schritt<br />

einer Entwicklung. Bevor man so weit<br />

ist, muss erst mal die Basis geschaffen<br />

werden. Den Menschen ist es wichtig,<br />

dass man die Gemeinsamkeit mehr<br />

herausstellt, aber ich glaube, dass wir<br />

einfach noch mehr daran arbeiten müssen,<br />

dieses Gemeinschaftsgefühl zu<br />

kriegen. Erst am Schluss einer solchen<br />

Entwicklung könnte stehen, dass man<br />

sich umbenennt. Aber das muss dann<br />

auch eine Entscheidung sein, die wirklich<br />

von einer großen Mehrheit der Bevölkerung<br />

getragen wird.<br />

Beim Blick auf den Klimaschutz will<br />

der Landkreis noch schneller klimaneutraler<br />

sein als der Freistaat. Und der<br />

will schon schneller sein als der Bund.<br />

Beim genauen Blick auf die Zahlen<br />

stellt man fest, dass das vor Ort kaum<br />

möglich scheint.<br />

In unserem Projekt Energienutzungsplan<br />

ist der erste Schritt eine Bestandsaufnahme.<br />

<strong>Das</strong> heißt, was haben wir<br />

an erneuerbaren Energien, aber auch<br />

welche Wärmenetze haben wir, weil<br />

die bisher aus meiner Sicht nicht ausreichend<br />

berücksichtigt werden. Und<br />

da muss man mal schauen, wo wir da<br />

stehen. Der zweite Schritt im Energienutzungsplan<br />

ist dann, zu prüfen, was<br />

können wir als Region noch tun, um bei<br />

der Energiewende voranzukommen.<br />

„ Eine Umbenennnung<br />

des Landkreises wäre<br />

der letzte Schritt„<br />

Unstrittig dürfte sein, dass es einen<br />

massiven Ausbau der erneuerbaren<br />

Energien braucht, wenn man die Klimaneutralität<br />

erreichen will, oder? Ist<br />

die Region da<strong>für</strong> bereit?<br />

Man ist abhängig von der politischen<br />

Großwetterlage, die wir nicht beeinflussen<br />

können. Natürlich wird man<br />

sich im Rahmen des Energienutzungsplans<br />

Gedanken machen, wo können<br />

wir ausbauen, wo wollen wir ausbauen.<br />

Und wir haben aus meiner Sicht bei<br />

PV-Anlagen, was Auf-Dach betrifft,<br />

noch Möglichkeiten, und wenn ich mir<br />

anschaue, was derzeit an Freiflächen-<br />

Anlagen passiert, dann kommt da auch<br />

noch einiges.<br />

Es gibt Ideen, dass der Landkreis den<br />

Ausbau der Erneuerbaren vor Ort mitsteuern<br />

sollte. Gerade auch, um die<br />

Wertschöpfung gut zu verteilen. Würde<br />

eine Art Kreiswerke <strong>für</strong> diese Aufgabe<br />

Sinn machen?<br />

Wir müssen uns Gedanken machen,<br />

wie wir es schaffen, dass die Vergütung<br />

bei uns im Landkreis bleibt und nicht<br />

der Investor aus Berlin, Köln, Hamburg<br />

die Gelder rauszieht. Ich glaube aber,<br />

dass da kleinere Einheiten besser sind.<br />

Wenn ich mir zum Beispiel Burgsalach<br />

anschaue, was da geplant ist, wo dann<br />

jeder auch Genosse werden kann in<br />

der Genossenschaft, dann ist das Erfolg<br />

versprechender, als wenn man das auf<br />

Landkreisebene macht. Da haben wir<br />

als Landkreis nicht die Strukturen, das<br />

ist was anderes, wenn ich Stadtwerke<br />

im Hintergrund habe. In Sachen Wind<br />

ist es unverzichtbar, dass auch die Belange<br />

der örtlichen Bevölkerung berücksichtigt<br />

werden. Diesen Zwiespalt<br />

wird man immer haben, wenn ich sage,<br />

die Energiewende ist zu stemmen, und<br />

auf der anderen Seite die Frage, was<br />

gefällt mir als Einwohner einer Ortschaft.<br />

Söders 10-H-Regelung war nicht gerade<br />

ein Konjunkturprogramm <strong>für</strong> die<br />

Windbranche …<br />

Na ja, mit 10 H ist es ja immer noch<br />

so, dass die Kommunen die Planungshoheit<br />

haben.<br />

Davon hat aber kaum eine Gemeinde je<br />

Gebrauch gemacht <strong>–</strong> nicht zuletzt aus<br />

Sorge vor Bürgerprotesten.<br />

Aber da ist aus meiner Sicht die Frage,<br />

woran liegt es? Ist es wirklich 10 H oder<br />

ist es nicht auch die deutlich schlechtere<br />

Vergütung im Vergleich zu früher?<br />

Und wenn ich mir bei uns die Projekte<br />

im Landkreis anschaue, die gescheitert<br />

sind oder in der Schwebe sind, dann ist<br />

es nicht an der 10-H-Grenze gescheitert,<br />

dann war es eher Artenschutz<br />

contra erneuerbare Energien.<br />

Aber in Weißenburg gab es durchaus<br />

Planungen <strong>für</strong> Windräder unter 10 H,<br />

die dann aber aus Sorge vor Bürgerprotesten<br />

in der Schublade verschwanden<br />

…<br />

Ja, gut, aber wenn ich Entscheidungsmöglichkeiten<br />

haben möchte, dann<br />

muss ich halt auch unangenehme Entscheidungen<br />

treffen, oder ich sage, ich<br />

halte es nicht <strong>für</strong> notwendig. Ob es<br />

immer besser ist, das auf den Landesgesetzgeber<br />

abzuwälzen und zu sagen,<br />

ich nehme diese Möglichkeit nicht<br />

wahr, muss jeder politisch Verantwortliche<br />

<strong>für</strong> sich selbst entscheiden.<br />

50<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


In <strong>Altmühlfranken</strong> 2030 finden sich<br />

auch ganz andere Ideen einer regionalen<br />

Wertschöpfung im Zuge des<br />

Klimaschutzes. Wird die Region bald<br />

zum CO2-Speicher und verdient damit<br />

Geld?<br />

Natürlich müssen wir zunächst Energie<br />

einsparen, und wenn wir welche<br />

verbrauchen, muss sie möglichst CO2-<br />

neutral sein, aber der dritte Schritt ist<br />

die Kompensation von CO2. Und<br />

CO2 einspeichern kann ich über den<br />

Humusaufbau auf Ackerflächen oder<br />

über den Zuwachs im Wald. <strong>Das</strong> ist<br />

ein Thema, das waldreiche Kommunen<br />

beschäftigt, aber auch die privaten<br />

Waldbauern. <strong>Das</strong> Problem ist noch,<br />

dass daraus keine echten Zertifikate<br />

generiert werden können.<br />

<strong>Das</strong> Projekt Klima-Landwirt im Landkreis<br />

geht aber schon sehr konkret in<br />

diese Richtung, oder?<br />

Beim Klima-Landwirt geht es darum,<br />

dass man erst mal zeigen will, wie ist<br />

denn überhaupt der Humusaufbau,<br />

wie viel CO2 kann man da speichern.<br />

Und dann muss auf Bundesebene die<br />

Möglichkeit geschaffen werden, dass<br />

Zertifikate gehandelt werden können.<br />

<strong>Das</strong> bringe ich auch immer wieder bei<br />

uns in der Partei ein. Ich verstehe nicht,<br />

warum das im Urwald in Südamerika<br />

möglich sein soll, wo die CO2-Speicherung<br />

vielleicht nicht so geprüft, nicht<br />

so getestet wird, und in Deutschland<br />

soll ich es nicht machen dürfen. CO2-<br />

Speicherung kann <strong>für</strong> unsere Region<br />

einen zusätzlichen Erlös bringen. Die<br />

Idealvorstellung wäre, dass die CO2-<br />

Zertifikate auch noch von einem regionalen<br />

Unternehmen genutzt werden<br />

und so auch dem geholfen ist.<br />

Zum Beispiel von den beiden Schwerpunktbranchen<br />

im Landkreis, Automobilzulieferer<br />

und Kunststoff. <strong>Das</strong> sind<br />

aber gerade zwei Zweige, die mit großen<br />

Herausforderungen zu kämpfen haben.<br />

Steht zum Landkreis-Geburtstag das<br />

wirtschaftliche Rückgrat der Region<br />

auf dem Prüfstand?<br />

Großteil unserer Betriebe sind mittelständische<br />

Unternehmen, die alteingesessen<br />

und auch innovativ sind. Da<br />

glaube ich, dass die Bereitschaft groß<br />

ist, Veränderungen mitzugehen. Wir<br />

als Landkreis wollen das unterstützen,<br />

die Entscheidungen wird aber der Unternehmer<br />

selbst treffen müssen.<br />

Einen konkreten Ansatz gibt es schon<br />

<strong>für</strong> die Weißenburger Berufsschule.<br />

Hier ist die Rede davon, dass man gerne<br />

einen Informatiker-Standort hätte. Eine<br />

beachtlich konkrete Ansage.<br />

„ Es ist eine ernste<br />

Situation, und dessen<br />

sind sich alle bewusst„<br />

Wenn ich mir die Wirtschaftsstruktur<br />

in Weißenburg anschaue, ist es auf jeden<br />

Fall zielführend und sinnvoll. Die<br />

nächsten Schritte wären jetzt, dass<br />

man sich noch mal mit den Unternehmen<br />

abstimmt und fragt, was braucht<br />

ihr genau. Dann müsste man mit dem<br />

Ministerium sprechen. <strong>Das</strong> ist sicher<br />

noch ein langer Weg, und man muss<br />

ehrlich sagen, es ist nicht so, dass der<br />

Landkreis schnippt, und dann kommt<br />

das.<br />

Aber das ist ein Weg, an dessen Ende<br />

man nicht grundsätzlich eine unüberwindbare<br />

Mauer sieht?<br />

Ja, wir rechnen uns schon Möglichkeiten<br />

aus.<br />

Der „Masterplan Wirtschaft“ ist eines<br />

der am schwersten zu greifenden Projekte<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> 2030. <strong>Das</strong><br />

klingt ein bisschen wie Wirtschaftspolitik<br />

aus früheren Zeiten. Wie „Der große<br />

Sprung nach vorn“ …<br />

Nein, wobei ein großer Sprung kann es<br />

ja vielleicht werden … Da ist aus meiner<br />

Sicht ganz entscheidend die Wirtschaft<br />

gefordert, wir als Landkreis begleiten<br />

das. Am Schluss sollte aus dem<br />

Masterplan ersichtlich sein, was glauben<br />

wir, was wir in Zukunft brauchen,<br />

um als Wirtschaftsstandort erfolgreich<br />

zu sein. <strong>Das</strong> war etwas, was wir in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 noch nicht so konkret<br />

machen konnten, weil noch viel<br />

Diskussion notwendig ist. Es soll am<br />

Schluss ja auch nichts rauskommen,<br />

wo man sagt, das ist jetzt noch mal ein<br />

Papier, sondern es sollen sich konkret<br />

Möglichkeiten der Umsetzung ergeben.<br />

Wir wollen auf jeden Fall eine<br />

professionelle Standortanalyse durchführen.<br />

Wie stehen wir heute da, wo<br />

sind Zukunftsbranchen, wie kommen<br />

wir aus der Transformation gut raus?<br />

Die Abstimmung zwischen Politik,<br />

Wirtschaft und Wissenschaft ist ganz<br />

wichtig.<br />

Auch die Gründerszene im Landkreis<br />

soll gefördert werden. Von einem <strong>Altmühlfranken</strong><br />

Hub mit Co-Working-<br />

Space etc. ist die Rede. Ist das das Echo<br />

des Gründerzentrums, das einst an den<br />

Kunststoffcampus nach Weißenburg<br />

sollte und dann rückstandslos aus der<br />

öffentlichen Diskussion verschwunden<br />

ist?<br />

Wir entwickeln hier ein neues Netzwerk,<br />

damit sich die Leute in dem Bereich<br />

mal kennenlernen. <strong>Das</strong> ist nämlich<br />

nach wie vor ein Problem, dass<br />

man gar nicht weiß, was der andere<br />

Ich glaube schon, dass das eine ernste<br />

Situation ist, und dessen sind sich<br />

auch alle bewusst. Mir ist in den beiden<br />

Branchen zumindest niemand<br />

bekannt, der sagt, es läuft alles weiter<br />

wie bisher. <strong>Das</strong> wird kein Spaziergang.<br />

Aber wir haben gute Chancen. Der<br />

Sind bald angehende Informatiker zu Hause? Politik und Wirtschaft<br />

sehen darin eine Chance <strong>für</strong> die Berufsschule Weißenburg.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

51


gerade so macht. Wenn man dann<br />

sieht, da ist Bedarf, kann man sich im<br />

nächsten Schritt überlegen, macht es<br />

Sinn, das auch irgendwie örtlich zu fokussieren.<br />

Und wo das dann ist, ob das<br />

der Kunststoffcampus ist oder was anderes,<br />

da habe ich mir jetzt noch keine<br />

Gedanken gemacht.<br />

Thema Fachkräfte. Der Landkreis will<br />

eine Heimspiel-Kampagne fahren und<br />

Fachkräfte in die Region zurückholen.<br />

Wie soll das gelingen?<br />

„ Es geht auch darum,<br />

Fachkräfte gar nicht erst<br />

wegzulassen„<br />

Es geht auch darum, Fachkräfte gar<br />

nicht erst wegzulassen. Die Berufsausbildungsmesse<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> zählt<br />

<strong>für</strong> mich da auch dazu: Jeder Schüler,<br />

der sagt, er bleibt da, ist ein Gewinn<br />

<strong>für</strong> uns. Aber wenn es ums Zurückholen<br />

geht: Wir haben bislang nicht nach<br />

außen kommuniziert, dass wir uns über<br />

jeden freuen, der zurückkommt. Wir<br />

haben auch keinen Ansprechpartner<br />

<strong>für</strong> Leute, die zurückwollen. <strong>Das</strong> heißt,<br />

wenn ich mich da<strong>für</strong> interessiere, was<br />

ich hier in der Region alles machen<br />

kann, weiß ich nicht sofort, wo ich hinsoll.<br />

Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit,<br />

Arbeitnehmer aktiv abzuwerben<br />

und wieder zurückzuholen. Am<br />

Ende ist es natürlich auch eine Frage<br />

des Geldes. Was können wir finanziell<br />

leisten, das ist in diesem Bereich<br />

theoretisch nach oben offen. Werbeanzeigen<br />

<strong>für</strong> die Region kann ich in allen<br />

großen Medien schalten, wenn ich es<br />

bezahle.<br />

An verschiedensten Stellen in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2030 heißt es, dass man<br />

Wohnraum <strong>für</strong> Fachkräfte zur Verfügung<br />

stellen soll. Wie viel Wohnheime<br />

müssen denn in Zukunft in der Region<br />

gebaut werden?<br />

Im Bezzelhaus haben wir Wohnraum<br />

<strong>für</strong> Schüler der Berufsschule Gunzenhausen.<br />

Vom Klinikum, wenn es um die<br />

Pflegeschulen geht, wird immer wieder<br />

gesagt, wenn sich Leute aus weiter entfernten<br />

Regionen <strong>für</strong> die Ausbildung<br />

interessieren, ist der Wohnraum immer<br />

eine Frage. Auch mit Blick auf die<br />

weitere Entwicklung der Berufsschule<br />

und des Studienzentrums in Weißenburg<br />

wären Unterbringungsmöglich-<br />

keiten von Vorteil. Vor allem, wenn<br />

man eine Ausbildung haben möchte,<br />

die vielleicht landesweit interessant<br />

wäre. <strong>Das</strong> ist aus meiner Sicht schon<br />

ein grundsätzlicher Vorteil. Aber das<br />

ist ein Konzept, wo Mittel notwendig<br />

sind, und da müssen wir auch im Kreistag<br />

die Diskussion führen, ob man dazu<br />

bereit ist, <strong>für</strong> sinnvoll erachte ich das<br />

auf jeden Fall.<br />

Mit der Initiative „Danke Tourismus“<br />

will man das Bewusstsein <strong>für</strong><br />

den Fremdenverkehr vor Ort steigern.<br />

Zuletzt hatte man allerdings eher den<br />

Eindruck, dass viele Anwohner im<br />

Seenland eher „Nein, danke“ zum Tourismus<br />

sagten.<br />

„ Ich habe im vergangenen<br />

Jahr viel dazugelernt„<br />

mus“ soll den Tourismusbetrieben in<br />

der Region zeigen, ihr seid wichtig und<br />

wir stehen hinter euch, aber sie soll<br />

auch klarmachen, wo wir alle letztlich<br />

vom Tourismus profitieren.<br />

Man verfolgt in <strong>Altmühlfranken</strong> 2030<br />

immer noch das alte Tourismusbild.<br />

Man will durch größeres Investitionen<br />

von außen eine Saisonverlängerung<br />

erreichen und so den Fremdenverkehr<br />

wirtschaftlich attraktiver machen. Ist<br />

das nach dem Center-Parcs-Debakel<br />

denn eigentlich noch realistisch?<br />

Ich glaube nicht, dass eine Saisonverlängerung<br />

in der Bevölkerung so<br />

kritisch gesehen wird. Die Probleme<br />

tauchen doch durch die Hotspot-Tage<br />

an den Seen auf. Die hatten wir 2020,<br />

im letzten Jahr war es aus meiner Sicht<br />

Wie haben uns in der Vergangenheit<br />

stark bemüht, unseren Tourismus nach<br />

außen darzustellen. Ich glaube aber,<br />

dass es mindestens genauso wichtig<br />

ist, deutlich zu machen, dass jeder von<br />

unserer einheimischen Bevölkerung<br />

von touristischen Angeboten profitieren<br />

kann. <strong>Das</strong> heißt, ich habe was davon,<br />

dass es die Seen gibt, ich kann die<br />

Wakeboard-Anlage testen, ich kann<br />

die gastronomischen Angebote nutzen.<br />

Es gibt viele Angebote die letztlich<br />

<strong>für</strong> die Gäste entwickelt wurden, aber<br />

eben auch <strong>für</strong> die Einheimischen da<br />

sind. Die Initiative „Danke Tourisschon<br />

wieder eine ganze andere Situation.<br />

Da muss man sich natürlich<br />

Gedanken machen, wie man eine solche<br />

Situation in den Griff kriegt. Was<br />

Investoren anbetrifft, glaube ich, dass<br />

Interesse da ist. Da gibt es aus meiner<br />

Sicht ein breites Spektrum, von Ansiedlungsprojekten<br />

bis zu Investitionen<br />

im Hotelbereich. Es ist auch eine Frage<br />

der Ausrichtung, ich kann naturnah<br />

sein, ich kann mir <strong>für</strong> bestimmte Zielgruppen<br />

Gedanken machen, die Frage<br />

der Inklusion zum Beispiel … Bei größeren<br />

Projekten muss man sich jedes<br />

Projekt einzeln anschauen, und ich<br />

sehe da den Zug nicht generell abgefahren.<br />

Aber ich muss auch ganz selbstkritisch<br />

sagen, dass ich im vergangenen<br />

Jahr viel dazugelernt habe.<br />

Eine Tourismusservice-Agentur steht<br />

ebenfalls auf der Agenda. Will man so<br />

den stetigen Verlust an privaten Ferienwohnungen<br />

stoppen?<br />

Ja, die Notwendigkeit resultiert aus<br />

meiner Sicht daraus, dass sich das Familienbild<br />

geändert hat. Vor 20 Jahren<br />

war es noch die klassische Ein-Verdiener-Familie.<br />

Der Mann auf der Arbeit,<br />

die Frau daheim oder auch in der Landwirtschaft,<br />

da ging das Vermieten einer<br />

Ferienwohnung einfacher. <strong>Das</strong> ist jetzt<br />

anders, und jetzt sagen viele: <strong>Das</strong> will<br />

ich am Wochenende nicht auch noch<br />

machen. Aber wenn es da ein Angebot<br />

zur Entlastung gibt, kann ich mir gut<br />

vorstellen, dass es Bereitschaft gibt,<br />

auch zu investieren, wenn es ein familienfreundlicheres<br />

Betriebsmodell gibt.<br />

Braucht es nach <strong>Altmühlfranken</strong> 2030<br />

eigentlich noch ein <strong>Altmühlfranken</strong><br />

2040? Oder sind wir dann erst mal<br />

durch mit dem Reformieren?<br />

Ich glaube, mit den Projekten und<br />

Ideen, die da drinstecken, kommen<br />

wir ein gutes Stück weiter. Und wir<br />

sind ja nicht fertig. Wir haben immer<br />

peinlichst genau darauf geachtet, dass<br />

da nirgendwo der Eindruck entsteht,<br />

die Zukunftskonferenz wäre beispielsweise<br />

eine Abschlussveranstaltung.<br />

Man hat den Prozess gemacht, man hat<br />

das in die Gremien gegeben, aber jetzt<br />

geht es weiter. Man muss flexibel sein,<br />

deshalb die regelmäßige Zukunftskonferenz,<br />

aber auch die Möglichkeit,<br />

dass man zwischendrein neue Ideen<br />

reinbringt. <strong>Das</strong> ist ein offener Prozess <strong>–</strong><br />

und das bleibt auch so.<br />

52<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Kommunen & Behörden<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

53


Anzeige<br />

Zwei Behörden<br />

in einer<br />

Die Landratsämter haben in Bayern<br />

eine Doppelaufgabe. Sie kümmern<br />

sich zum einen darum, die politischen<br />

Vorgaben ihres Kreistags umzusetzen,<br />

zum anderen vollziehen sie vor Ort<br />

die von Land und Bund erlassenen<br />

Gesetze. <strong>Das</strong> ist auch in Weißenburg-<br />

Gunzenhausen nicht anders. Landrat<br />

Manuel Westphal ist der politisch<br />

gewählte Chef einer Kreisbehörde<br />

und qua Amt zugleich der Leiter des<br />

staalichen Teils des Landratsamtes.<br />

Auf Kreisebene hat man politische<br />

Gestaltungsmöglichkeiten, beim Vollzug<br />

staatlicher Gesetze dagegen ist<br />

umzusetzen, was auf den übergeordneten<br />

Ebenen beschlossen wurde.<br />

Als Sachaufwandsträger ist man zudem<br />

<strong>für</strong> Gebäude und Unterhalt der<br />

weiterführenden Schulen im Landkreis<br />

zuständig.<br />

Landratsamt<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Bahnhofstraße 2<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 02 - 0<br />

www.landkreis-wug.de<br />

poststelle.lra@landkreis-wug.de<br />

2018<br />

Gründung: 1972<br />

Mitarbeiter: 500<br />

Landrat:<br />

Gefeiert.<br />

Manuel<br />

Wird.<br />

Westphal<br />

Hier.<br />

Kirchweihkalender<br />

Gefeiert. Wird. Hier.<br />

Der Mensch<br />

hinter der<br />

Planstelle<br />

Es gibt keinen Arbeitgeber im Landkreis, der so verschiedene<br />

Berufsbilder zu bieten hat wie der Landkreis selbst. Fast 500<br />

Menschen sind hier beschäftigt. Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei,<br />

die Hausmeister der Schulen, die Verwaltungskräfte,<br />

Ingenieure, Tierärzte, Humanmediziner, Marketing-Experten,<br />

Juristen … Sie alle gehören zur großen, bunten Familie des<br />

Landratsamtes.<br />

<strong>Das</strong>s bei aller Diversität die Einheit nicht verloren geht, darum<br />

kümmert sich etwa die Pressestelle mittels der internen<br />

Kommunikation, indem sie eine Mitarbeiterzeitung herausgibt.<br />

Auch Behördenchef Manuel Westphal meldet sich in „Landrat<br />

aktuell“ regelmäßig zu Wort. Die Idee der Veröffentlichungen:<br />

Die Mitarbeiter sollen über den Tellerrand ihres Sachgebiets<br />

schauen und wissen, was im Rest der Behörde vor sich geht.<br />

Als Arbeitnehmer hat der öffentliche Dienst gute Argumente.<br />

Im Landratsamt werden beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle<br />

angeboten. Die Behörde hat auch die AG „Beruf und<br />

Familie“, die sich verschiedene Maßnahmen überlegt, um<br />

die Vereinbarkeit von Beruf und Familie praktisch umzusetzen.<br />

Ein Projekt ist eine Art „Kontakthalteprogramm“ <strong>für</strong> Mitarbeiter<br />

während der Elternzeit. Längst ist auch das Homeoffice<br />

am Landratsamt eine Option und wird es nach dem<br />

Ende der Pandemie auch bleiben.<br />

Seit Anfang des Jahres haben Azubis die Möglichkeit, einen erfahrenen<br />

Mitarbeiter als Pate zur Seite gestellt zu bekommen.<br />

So soll den Neuzugängen die Eingewöhnung bis zum ersten<br />

richtigen Berufsjahr erleichtert werden. <strong>Das</strong> Landratsamt als<br />

Arbeitgeber sorgt sich generell um seine Angestellten. Die<br />

Personalstelle organisiert etwa regelmäßig Fortbildungen. Bei<br />

denen geht es nicht nur darum, die Arbeitskraft zu optimieren,<br />

sondern um den Menschen hinter der Planstelle. Während der<br />

Pandemie gab es Online-Seminare zu den Herausforderungen<br />

des Homeoffice oder zum Thema Resilienz. <br />

-js-<br />

onen.<br />

rmine<br />

54<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Wirtschaftsförderung<br />

ist<br />

Chefsache<br />

Die Wirtschaftsförderung ist die schnelle Eingreiftruppe des<br />

Landkreises <strong>für</strong> die Belange der Unternehmen. Man sei Ansprechpartner<br />

und Kümmerer, wenn es um Förderungen geht,<br />

wenn Objekte und Flächen <strong>für</strong> Ansiedlungen oder Erweiterungen<br />

gesucht werden oder es sonst Herausforderungen <strong>für</strong> die<br />

Unternehmen gibt, erklären Sabine Unterlandstaettner und ihr<br />

Kollege Tobias Ander. Gemeinsam bilden sie die Abteilung, die<br />

stets engen Kontakt zu Landrat Manuel Westphal hält. „Wirtschaftsförderung<br />

ist im Landratsamt nämlich immer auch<br />

Chefsache“, betont Unterlandstaettner.<br />

Neben der Unternehmer-Hilfe zählt das klassische Standort-<br />

Marketing zu den Aufgaben der Wirtschaftsförderung. Zudem<br />

steht man hinter der Berufsausbildungsmesse <strong>Altmühlfranken</strong><br />

(BAM), die der Landkreis auf die Beine gestellt und die sich zu<br />

einem großen Erfolg entwickelt hat. Sie soll gemeinsam mit<br />

der neu geschaffenen Digitalen Berufsorientierungsplattform<br />

da<strong>für</strong> sorgen, dass der Fachkräftebedarf vor Ort so weit wie<br />

möglich mit regionalem Nachwuchs gedeckt werden kann.<br />

Transformation der<br />

lokalen WIrtschaft<br />

Sabine Unterlandstaettner hat<br />

Betriebswirtschaftslehre studiert. Sie<br />

ist seit 2009 beim Landkreis. Zuvor<br />

arbeitete sie in der Industrie im<br />

Bereich Personal und Organisation.<br />

Ihr Kollege Tobias Ander hat einen<br />

Master in Tourismus & Regionalplanung.<br />

Er wechselte 2021 als<br />

Werkstudent direkt von der Uni zum<br />

Landkreis. Die Transformation der<br />

beiden im Landkreis bedeutsamen<br />

Branchen Automobilzulieferer und<br />

Kunststoff halten die beiden Wirtschaftsförderer<br />

zusammen mit der<br />

Digitalisierung, Fachkräftesicherung<br />

und Dekarbonisierung <strong>für</strong> zentrale<br />

Herausforderungen der kommenden<br />

Jahre.<br />

Viel stärker ist der Landkreis in den vergangenen Jahren als Initiator,<br />

Koordinator und Moderator von Netzwerken in Erscheinung<br />

getreten. Die Wirtschaftsförderung ist hier treibende<br />

Kraft. So hat man in der Vergangenheit etwa die Zusammenschlüsse<br />

k-messwerk (Kunststoff), das Netzwerk Einzelhandel,<br />

Naturstein oder Fachkräftesicherung aus der Taufe gehoben.<br />

Nach dem Verständnis von Sabine Unterlandstaettner<br />

und Tobias Ander ist es ein ganz entscheidender Teil moderner<br />

Wirtschaftsförderung, die in der Region relevanten Akteure<br />

in verschiedenen Bereichen zusammenzubringen und sie gemeinsam<br />

nach außen wirken zu lassen. <strong>Das</strong> nächste Projekt<br />

in dieser Hinsicht steckt schon in der Pipeline. Der Landkreis<br />

will unter anderem ein Netzwerk innovativer Gründer aus der<br />

Taufe heben. <br />

-js-<br />

Jetzt wieder erhältlich!<br />

Im Landratsamt<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Landkreis<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Wirtschaftsförderung<br />

Bahnhofstraße 2<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 02 - 2 04<br />

https://wirtschaft.<br />

altmuehlfranken.de<br />

wifoe.lra@landkreis-wug.de<br />

Kirchweihkalender<br />

2018<br />

Gefeiert. Wird. Hier.<br />

Gefeiert. Wird. Hier.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong><br />

<strong>WIKO</strong><br />

55


Anzeige<br />

Nachhaltige<br />

Konzepte <strong>für</strong><br />

die Zukunft<br />

Die Verkehrswende<br />

fest im Blick<br />

Zur Förderung einer nachhaltigen<br />

und umweltfreundlichen Mobilität<br />

im Raum Gunzenhausen wurde die<br />

Mobilitäts- und Verkehrs-GmbH<br />

Gunzenhausen gegründet. Diese<br />

hat zum 1. Januar <strong>2022</strong> den Betrieb<br />

aufgenommen. Die neue Gesellschaft<br />

kümmert sich unter anderem<br />

um die Stadt- und Rufbusangebote,<br />

den Verkauf von Fahrkarten <strong>für</strong> den<br />

gesamten VGN-Bereich sowie die<br />

Weiterentwicklung des ÖPNV,<br />

analysiert individuelle Bedürfnisse<br />

und begleitet die Stadt Gunzenhausen<br />

als Fachstelle in ein neues<br />

Zeitalter der Mobilität.<br />

„Wir arbeiten konzentriert an einer umweltfreundlichen Zukunft<br />

unserer Stadt“, sagt Gunzenhausens Erster Bürgermeister<br />

Karl-Heinz Fitz. Weshalb die Nachhaltigkeit künftig ziemlich<br />

weit oben auf der Agenda stehen wird. Noch weiter oben als<br />

bisher. „In Sachen Nachhaltigkeit ist die Stadt gut aufgestellt“,<br />

sagt Andreas Zuber, Leiter der Wirtschaftsförderung im Rathaus.<br />

Gunzenhausen ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche<br />

Kommunen in Bayern. „Da wird man zertifiziert,<br />

man muss also immer was machen“, so Zuber. 2021 war die<br />

Altmühlstadt zum zehnten Mal am Stadtradeln beteiligt. Zudem<br />

hatte sie im vergangenen Jahr erstmals ein Förderprogramm<br />

<strong>für</strong> Lastenfahrräder aufgelegt: Für die praktischen<br />

Gefährte wurden auch extra zwei Parkplätze im Zentrum ge-<br />

schaffen. Der Fördertopf wurde 2021 komplett augeschöpft,<br />

also geht es <strong>2022</strong> in die nächste Runde. Neben der Förderung<br />

der Anschaffung stellt die Stadt interessierten Bürgern auch<br />

Testgefährte zur Verfügung. Die Förderbedingungen sowie die<br />

Testmöglichkeiten sind auf der Website der Stadt zu finden.<br />

Mobilitäts- und Verkehrs-GmbH<br />

Gunzenhausen<br />

Christian Reichenthaler<br />

Marktplatz 44<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 51 69 00<br />

www.gunzenhausen.de<br />

info@mvg-gun.de<br />

Aber nicht nur auf zwei Rädern will man in Gunzenhausen das<br />

Thema Nachhaltigkeit weiter vorantreiben. So hat die Stadt<br />

vom Landkreis die Trägerschaft <strong>für</strong> den ÖPNV übernommen<br />

und hat eine Stelle <strong>für</strong> einen Klimamanager geschaffen. Ein<br />

Energieleitplan, der beispielsweise passende Flächen <strong>für</strong> Photovoltaikanlagen<br />

ermitten soll, ist ein weiteres Projekt, das<br />

bereits dem Stadtrat vorgestellt wurde. Die Stadt will hier Ansprechpartner<br />

<strong>für</strong> Firmen und die Bevölkerung sein. „<strong>Das</strong> sind<br />

alles Konzepte, um die Bevölkerung und die Wirtschaft bei diesem<br />

<strong>für</strong> die Zukunft so wichtigen Thema Nachhaltigkeit mitzunehmen“,<br />

sagt Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. -mho-<br />

56<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Weißenburg - „attraktiv<br />

und lebenswert“<br />

Herr Oberbürgermeister, Weißenburg zählte zum Halbjahr<br />

2021 insgesamt 18.570 Einwohner und wächst weiter.<br />

Wann werden die 19.000 geknackt?<br />

Schröppel: Innerhalb der nächsten fünf Jahre.<br />

Was denken Sie, warum leben die Menschen gerne in der<br />

Großen Kreisstadt?<br />

Schröppel: Weil alle wichtigen Einrichtungen da sind.<br />

Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, ärztliche Versorgung,<br />

Kinderbetreuung und ein kulturelles Angebot. Und das<br />

alles bei kurzen Wegen. Hier gibt es nicht die Anonymität<br />

einer Großstadt. Man kennt sich.<br />

Die Einwohnerzahl steigt <strong>–</strong> wie reagieren Sie darauf?<br />

Schröppel: Wir haben mehrere Bebauungspläne vorliegen:<br />

der Wohnungsbau zur Rezataue, das Baugebiet<br />

in Hattenhof oder auch das geplante Baugebiet in Hagenbuch.<br />

Baulandentwicklung ist und bleibt ein großes<br />

Thema. Aber wir leben in einem Rechtsstaat, und das<br />

bedeutet in manchen Fällen auch, dass es zu Klageerhebungen<br />

kommt und dass das ein oder andere geplante<br />

Vorhaben nicht (zügig) umsetzbar ist.<br />

Gibt es darüber hinaus Projekte und Vorhaben, die <strong>2022</strong><br />

angegangen werden?<br />

Schröppel: Der Umbau der alten Sigwart-Brauerei in<br />

Verbindung mit dem kommunalen Wohnungsbau ist<br />

ein Mammutprojekt mitten in der Stadt. Um die Entwicklung<br />

anzustoßen, wird nun im Stadtrat über einen<br />

städtebaulichen Ideenwettbewerb diskutiert. Der zweite<br />

Bauabschnitt der Westtangente kommt als Projekt<br />

hinzu. Und natürlich möchten wir bei der Radweg-Ausweisung<br />

Nägel mit Köpfen machen. Zudem stellt uns<br />

die Parkplatzsituation in der Innenstadt vor eine weitere<br />

Herausforderung. Die Waage zu halten zwischen<br />

den Anforderungen und Wünschen der Einzelhändler,<br />

die sich nahe Parkmöglichkeiten <strong>für</strong> ihre Kunden wünschen,<br />

und andererseits den Anwohnern, die einen verkehrsberuhigten<br />

Bereich vor der Haustür bevorzugen,<br />

ist nicht einfach.<br />

Wo sehen Sie mittelfristig das größte Entwicklungspotenzial<br />

und wo die größten Aufgaben?<br />

Schröppel: In drei Bereichen: Wohnbauentwicklung,<br />

Ganztags-Kinderbetreuung und attraktive Arbeitsplätze.<br />

Wir beobachten das Phänomen, dass der pro Kopf<br />

beanspruchte Wohnraum im Verhältnis stärker wächst<br />

als die Anzahl der Einwohner. Da<strong>für</strong> arbeiten wir an Lösungen.<br />

In Sachen Kinderbetreuung ist viel passiert,<br />

aber auch da werden wir weiter optimieren. Vom Arbeitsplatzangebot<br />

ist Weißenburg gut aufgestellt, aber<br />

nicht mit dem Ballungsraum Nürnberg vergleichbar.<br />

Daher müssen wir das gute Angebot, die Vielfalt und<br />

Qualität noch weiter stärken.<br />

Und zu guter Letzt kurz und knapp: Wie beschreiben Sie<br />

die Kreisstadt Weißenburg?<br />

Schröppel: Attraktiv, lebenswert und wirtschaftlich<br />

stark. <br />

-cr-<br />

in Bayern<br />

Stadt Weißenburg i. Bay.<br />

Marktplatz 19<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 07 - 0<br />

www.weissenburg.de<br />

stadt@weissenburg.de<br />

Mitarbeiter: 300<br />

Oberbürgermeister:<br />

Jürgen Schröppel<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

57


Anzeige<br />

Treuchtlingen:<br />

Aus Tradition<br />

modern<br />

Die schnellste Verbindung<br />

zur Zukunft<br />

Die Stadt Treuchtlingen als staatlich<br />

anerkannter Erholungsort mit Heilquellen-Kurbetrieb<br />

zählt rund 13.000<br />

Einwohner. Sie ist nicht nur zentraler<br />

Bahnknoten des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

Hier kreuzen<br />

auch die Bahnstrecken Nürnberg-<br />

Augsburg-München und Würzburg-<br />

Ansbach-Ingolstadt. Zusätzlich eröffnet<br />

die geplante Stärkung des<br />

Schienenverkehrs durch den<br />

„Deutschlandtakt“ neue Horizonte<br />

<strong>für</strong> die Stadtentwicklung.<br />

Treuchtlingen oder Drutelinga, wie es in seiner ersten urkundlichen<br />

Erwähnung aus dem Jahr 899 heißt, ist ein dynamischer<br />

Knotenpunkt im Herzen Bayerns. Kelten, Römer und Franken<br />

haben hier ihre kulturellen Wurzeln hinterlassen, und noch heute<br />

ist die Ortschaft am südlichen Ende des Hahnenkamms von<br />

Charme, Offenheit und Fortschrittsdenken gezeichnet. Durch<br />

die zentrale Lage hatte die ehemalige Eisenbahnerstadt schon<br />

immer eine gute Verbindung in die Zukunft.<br />

„Wir legen viel Wert darauf, dort voranzukommen, wo Bürger<br />

und Gewerbe am meisten profitieren“, sagt Dr. Dr. Kristina Becker,<br />

seit 2020 erste Bürgermeisterin der Stadt. Was sie damit<br />

meint? „Zuallererst die Digitalisierung, den Transport und<br />

erneuerbare Energien. Auch am Thema Wasserstoff sind wir<br />

dran, und mir ist es persönlich ein Anliegen, unsere politischen<br />

Prozesse <strong>für</strong> die Bürger transparent zu machen und eine direkte<br />

Teilnahme zu ermöglichen.“<br />

Also Demokratie, Technologie und Nachhaltigkeit <strong>–</strong> alles durchaus<br />

wichtige Themen <strong>für</strong> eine Stadt, die schon immer modern<br />

war und es auch in Zukunft bleiben möchte. Bei der Energiewende<br />

ist man im Rathaus ebenfalls aktiv und sucht nach neuen<br />

Lösungen <strong>für</strong> eine nachhaltige Versorgung der Stadt. „Dabei<br />

ist es uns wichtig, dass Profite aus Anlagen <strong>für</strong> Photovoltaik,<br />

Windkraft und langfristig auch <strong>für</strong> Wasserstoff bei uns hier im<br />

Landkreis bleiben und nicht anderweitig abwandern.“<br />

Stadt Treuchtlingen<br />

Hauptstraße 31<br />

Tel. 0 91 42 / 96 00 - 0<br />

www.treuchtlingen.de<br />

info@treuchtlingen.de<br />

Mitarbeiter: 260<br />

Erste Bürgermeisterin:<br />

Dr. Dr. Kristina Becker<br />

Die Innenstadt attraktiver und zukunftsfähig zu gestalten, ist<br />

Schwerpunkt kommender Jahre. Bis 2025 erhält Treuchtlingen<br />

da<strong>für</strong> aus gleich drei Förderprojekten rund 1,1 Millionen<br />

Euro. „Damit sind digitale Stadtmöbel, Infoterminals, ein strukturelles<br />

Innenstadtmanagement und Machbarkeitsstudien <strong>für</strong><br />

Leerstände sind geplant.“<br />

Wenn bald die ersten Knospen blühen, erwartet den Landkreis<br />

ein besonderes Event: Am 22. und 23. April <strong>2022</strong> finden erstmals<br />

die „TREUCHTLINGER FRÜHLINGSLICHTER“ statt, ein<br />

großes Innenstadtfest mit Beteiligung des Einzelhandels, der<br />

Gastronomie und der Vereine.<br />

-sz-<br />

58<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Qualifizierte Mitarbeiter?<br />

Im eigenen Haus finden!<br />

„Es gibt keinen Bereich, in dem es<br />

nicht schwierig ist“, sagt Claudia<br />

Wolfinger. Der Fachkräftemangel<br />

ist <strong>für</strong> die Leiterin der Arbeitsagentur<br />

Ansbach-Weißenburg längst<br />

Realität. Aufträge zu generieren, ist<br />

weiter wichtig, Mitarbeiter zu finden<br />

jedoch die eigentliche Herausforderung.<br />

Aber es gibt Lösungen, betont<br />

Wolfinger.<br />

Weil man die Mitarbeiter auch im<br />

eigenen Unternehmen findet. Wenn<br />

man genau hinsieht und die Möglichkeiten<br />

der Weiterbildung und<br />

Förderprogramme der Arbeitsagentur<br />

nutzt. So kann der Produktionshelfer<br />

von heute der Maschinenführer<br />

von morgen werden.<br />

Die Programme laufen auf zwei<br />

Schienen. Erstens: Menschen ohne<br />

formale Ausbildung. Der Berufsabschluss<br />

kann hier mit verkürzter<br />

Ausbildungszeit bei gleichbleibendem<br />

Gehalt nachgeholt werden. In<br />

manchen Berufen ist es auch möglich,<br />

sich berufsbegleitend auf die<br />

Externenprüfung vorzubereiten.<br />

Zweitens geht es darum, Mitarbeiter<br />

mithilfe einer Anpassungsqualifizierung<br />

fit <strong>für</strong> „die Aufgaben<br />

von morgen“ zu machen. <strong>Das</strong> Angebot<br />

richtet sich an alle <strong>–</strong> vom<br />

ungelernten Arbeiter bis hin zur<br />

Führungskraft. Die Arbeitsagentur<br />

übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen<br />

Lehrgangskosten<br />

und gewährt Lohnzuschüsse. Eine<br />

Chance, die sich Arbeitgeber und<br />

Arbeitnehmer nicht entgehen lassen<br />

sollten. Bei Interesse berät der<br />

Arbeitgeber-Service gerne. <strong>–</strong>js<strong>–</strong><br />

Agentur <strong>für</strong> Arbeit<br />

Ansbach-Weißenburg<br />

Schwärzgasse 1<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 71 - 4 40<br />

www.arbeitsagentur.de<br />

Landkreis-Jubiläum - Feiern.Sie.Mit.<br />

Der Landkreis wird 50 <strong>–</strong> und alle feiern<br />

mit. Zum Beispiel beim großen<br />

Hoffest am 24. Juli rund um das<br />

Weißenburger Landratsamt. Kulinarik,<br />

Kultur und die Möglichkeit<br />

„hinter die Kulissen“ der Behörde<br />

zu blicken stehen bei diesem besonderen<br />

Tag der offenen Tür im<br />

Mittelpunkt.<br />

<strong>Das</strong> Jubiläum soll vor allem dazu<br />

dienen, das WIR-Gefühl im Landkreis<br />

zu stärken. Es soll zeigen, dass<br />

man 50 Jahre nach der Vereinigung<br />

der beiden Altlandkreise Weißenburg<br />

und Gunzenhausen zu einem<br />

neuen Gemeinschaftsgefühl gefunden<br />

hat. Dazu wird es verschiedene<br />

Aktionen geben, die in diesem Jahr<br />

starten und in den nächsten Jahren<br />

weitergeführt werden.<br />

Zahlreiche Inititiativen sollen auch<br />

den Mitmach-Charakter des Landkreis-Jubiläums<br />

transportieren.<br />

Zum Beispiel die „Jubiläumssteine<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>“. Kitas aus dem<br />

ganzen Landkreis bemalen diese<br />

Steine und „wildern“ sie in der freien<br />

Natur aus. Wer einen Stein findet,<br />

kann ihn behalten und ein Foto in<br />

den sozialen Medien posten. Oder<br />

er wildert ihn an einer anderen Stelle<br />

aus und schickt ihn so auf eine<br />

Reise quer durch den Landkreis.<br />

Außerdem ist ein Videowettbewerb<br />

mit Kitas geplant. Gesucht wird das<br />

kreativste Video unter dem Motto<br />

„Der Landkreis feiert 50. Geburtstag<br />

<strong>–</strong> Euer Geburtstagswunsch <strong>für</strong><br />

den Landkreis“. Der Gewinner wird<br />

beim Hoffest prämiert. Zudem wird<br />

in jeder der 27 Gemeinden ein Obstbaum<br />

gepflanzt. Der Landkreis<br />

setzt auf seinen Flächen fünf weitere<br />

Bäume. Die stehen <strong>für</strong> fünf Jahrzehnte<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

und seine fünf Landräte, die seitdem<br />

den Landkreis führten.<br />

Weitere Aktionen <strong>für</strong> Schulen, Einrichtungen<br />

und Senioren sind derzeit<br />

noch in Planung. -js-<br />

Landratsamt<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Bahnhofstraße 2<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 02 - 0<br />

www.landkreis-wug.de<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

59


Oft allein auf weiter<br />

Flur: Frauen in der<br />

Führung<br />

Von Kathrin Lucia Meyer<br />

und Miriam Zöllich<br />

Britta Strunz, Geschäftsführerin von Krause Präzisions-<br />

Kokillenguss, im Gespräch mit ihrem Mann Jochen<br />

Strunz, Betriebsleiter und Prokurist. Bild: Johannes Bayer<br />

Haben alle Geschlechter<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> die<br />

gleichen Chancen auf dem<br />

Arbeitsmarkt? Oder brauchen<br />

wir mehr Frauen in<br />

Führungspositionen und<br />

in der Kommunalpolitik?<br />

Eine <strong>WIKO</strong>-Bestandsaufnahme<br />

mit Ausblick.<br />

Frauen und Männer sind in Deutschland<br />

gleichgestellt, zumindest vor dem<br />

Gesetz. An der tatsächlichen Chancengleichheit<br />

aber arbeiten wir noch:<br />

Frauen sind weiterhin in Führungsund<br />

gesellschaftlich entscheidenden<br />

Positionen unterrepräsentiert, werden<br />

schlechter bezahlt, arbeiten häufiger in<br />

Teilzeit und leisten den Löwenanteil<br />

der Sorgearbeit.<br />

Besonders gravierend zeigen sich diese<br />

Unterschiede in ländlichen Regionen,<br />

wie dem hiesigen Landkreis: Nur zwei<br />

der 50 größten Arbeitgeber in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

werden von Frauen geführt,<br />

bei acht Unternehmen sind sie<br />

immerhin an der Führung beteiligt.<br />

Der Anteil an Frauen in den kommunalen<br />

Gremien in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

beträgt 16 Prozent. Noch<br />

nie gab es eine Landrätin und in gerade<br />

einmal zwei der 27 Rathäuser sitzen<br />

Frauen am Bürgermeisterpult.<br />

„Frauen haben es in manchen Bereichen<br />

immer noch nicht leicht und müssen<br />

oft mehr leisten, um mit Männern<br />

konkurrieren zu können“, weiß Erika<br />

Gruber aus jahrzehntelanger Erfahrung<br />

als Geschäftsführerin von Zweirad<br />

Gruber in Gunzenhausen und<br />

ehemalige Vizepräsidentin der IHK<br />

Nürnberg <strong>für</strong> Mittelfranken. 1971 stieg<br />

die gelernte Steuerfachgehilfin ins<br />

Fahrradgeschäft des Vaters ein, damals<br />

noch eine klassische Männerdomäne.<br />

Gruber stammt aus einer Vertriebenenfamilie<br />

aus dem Sudetenland.<br />

Von Kindesbeinen an nimmt sie der<br />

Vater mit ins Radgeschäft, so habe sie<br />

sich vieles abschauen können und sei<br />

früh in die Unternehmerinnenrolle hineingewachsen.<br />

„Es war eine Herausforderung,<br />

als Frau in der Geschäftsführung<br />

akzeptiert zu werden. Und es<br />

kam nicht selten vor, dass die Kunden<br />

nach dem Chef gefragt haben. Man<br />

wurde einfach nicht ernst genommen“,<br />

erinnert sich Gruber. In den Anfangszeiten<br />

habe es gar Versuche gegeben,<br />

einen Klaps auf den Po zu platzieren.<br />

Gruber aber habe sich entschieden dagegen<br />

gewehrt. „Die Geringschätzung<br />

einer Frau, besonders im technischen<br />

Bereich, wettzumachen und mit unternehmerischem<br />

Ehrgeiz und Durchsetzungskraft<br />

erfolgreich zu werden, das<br />

war ein langer Weg“, sagt die heute<br />

Erika Gruber, Geschäftsführerin von<br />

Zweirad Gruber in Gunzenhausen.<br />

60<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


73-Jährige. Ihre Methode: „Bei Ablehnung<br />

aufmerksam und freundlich<br />

nachfragen, ob man denn nicht doch<br />

weiterhelfen könne.“ Und dann einfach<br />

das tun, was man fachlich könne.<br />

„Man kann schon sagen, ich habe einen<br />

Ehrgeiz entwickelt, es den Männern zu<br />

zeigen!“<br />

Und die Kinder? Die habe sie einfach<br />

mit zur Arbeit genommen, als sie noch<br />

klein waren. Die ältere der beiden<br />

Töchter hat das Radgeschäft nun in<br />

dritter Generation mit übernommen.<br />

Eine erfolgreiche Unternehmerinnengeschichte<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong>, bei der<br />

die Frauen eine tragende Rolle im Familienunternehmen<br />

spielen. Sie ist<br />

allerdings eine Seltenheit. Sowohl in<br />

der Selbstständigkeit als auch im Angestelltenverhältnis.<br />

Viermal so viele Männer wie Frauen<br />

in der Führung<br />

Eine Auswertung der Agentur <strong>für</strong><br />

Arbeit zeigt: Fast die Hälfte der knapp<br />

33.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten<br />

im Landkreis sind Frauen.<br />

Doch nur rund 213 davon sind in einer<br />

Führungsposition, während es bei den<br />

Männern rund viermal so viele sind.<br />

Zum Vergleich: In Deutschland liegt<br />

der Frauenanteil in der Führung bei<br />

27,5 Prozent, in Mittelfranken mit 26<br />

Prozent etwas darunter.<br />

Deutlicher fällt das Bild bei den Big<br />

Playern aus: Bei den 50 größten Unternehmen<br />

und kommunalen Verwaltungen<br />

des Landkreises <strong>–</strong> gemessen an der<br />

Zahl der Beschäftigten <strong>–</strong> sitzen in 39<br />

Niederlassungen ausschließlich Männer<br />

in der Chefetage. Bei neun ist die<br />

Leitung gemischt und bei nur zwei der<br />

50 größten Arbeitgeber <strong>Altmühlfranken</strong>s<br />

sitzt eine Frau im Chefsessel: Dr.<br />

Dr. Kristina Becker als Bürgermeisterin<br />

in Treuchtlingen und Claudia Wolfinger<br />

als Vorsitzende der Geschäftsführung<br />

der Bundesagentur <strong>für</strong> Arbeit<br />

Ansbach-Weißenburg.<br />

<strong>Das</strong>s vor allem in größeren Unternehmen<br />

die Führungspositionen<br />

männlich dominiert sind, ist kein rein<br />

altmühlfränkisches Phänomen. Auch<br />

das Institut <strong>für</strong> Arbeitsmarkt- und Berufsforschung<br />

(IAB) bestätigt in seinem<br />

aktuellen Kurzbericht von Januar<br />

<strong>2022</strong>: Mit zunehmender Betriebsgröße<br />

nimmt der Anteil von Frauen auf der<br />

ersten und zweiten Führungsebene ab<br />

und liegt bei Betrieben mit mehr als<br />

500 Beschäftigten bei nur noch 15 Prozent.<br />

Die deutlich geringere Quote ist in<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> zum Teil auch branchenspezifisch.<br />

Die größten Arbeitgeber<br />

sind oft in der Automobil- oder<br />

Kunststoffindustrie zu finden, immer<br />

noch stark männlich dominierte Berufszweige.<br />

Andererseits: Unter den<br />

50 größten altmühlfränkischen Betrieben<br />

ist auch das Sozialwesen mit Pflege-<br />

und Behinderteneinrichtungen gut<br />

vertreten. Und hier arbeiten überwiegend<br />

Frauen. Allerdings eben nicht in<br />

der Führung, wie sich zeigt. Die Chefs<br />

sind Männer.<br />

Hier spielt auch der ländliche und<br />

konservativ geprägte Raum eine Rolle,<br />

glaubt Hedwig Hochreiter, die Beauftragte<br />

<strong>für</strong> Chancengleichheit am<br />

Arbeitsmarkt bei der Arbeitsagentur<br />

Ansbach-Weißenburg: „In urbanen<br />

Regionen ist das Bild schon ein anderes.“<br />

Die klassische Rollenverteilung ist einer<br />

der Gründe, warum so wenig Frauen<br />

an der Spitze von Unternehmen<br />

stehen. Damit gehen strukturelle Probleme<br />

wie die mangelnde Vereinbarkeit<br />

von Familie und Beruf und die<br />

Kinderbetreuung einher. Noch immer<br />

ist die Sorgearbeit <strong>–</strong> von der Kindererziehung<br />

bis zur Pflege von Angehörigen<br />

<strong>–</strong> über-wiegend Frauensache, und<br />

nicht jede Frau kann den Nachwuchs<br />

mit auf die Arbeit nehmen. „Oft wird<br />

den Frauen aber auch das Kümmern<br />

um die Fami-lie unterstellt, obwohl es<br />

in vielen Part-nerschaften schon eine<br />

moderne und gerechtere Verteilung<br />

gibt“, so Hedwig Hochreiter.<br />

Solche Vorurteile spielen ebenfalls eine<br />

Rolle, wenn es <strong>für</strong> Frauen darum geht,<br />

die Chefetage anzusteuern. „Frage ich<br />

Führungskräfte, welche Eigenschaften<br />

sie mit einer erfolgreichen Führungskraft<br />

verbinden, sind dies eher stereotyp<br />

männliche als stereotyp weibliche<br />

Eigenschaften”, erklärt Führungskräfte-Coach<br />

Martina Bohnenstiel. Männer<br />

gelten als wettbewerbsorientiert,<br />

analytisch, durchsetzungsfähig, selbstbewusst<br />

und ehrgeizig. „Frauen werden<br />

nach wie vor eher Eigenschaften<br />

wie empathisch, warm, <strong>für</strong>sorglich,<br />

emotional, sensibel, hilfsbereit etc. zu-<br />

gesprochen.“ Die Folgen solcher Stereotype:<br />

Die Frauen stapeln sich auf<br />

der zweiten Führungsebene, sehen den<br />

möglichen Aufstieg durch die „Gläserne<br />

Decke“ über sich <strong>–</strong> erreichen ihn<br />

aber nur selten.<br />

„Hinzu kommt, dass es Frauen oftmals<br />

an Selbstvertrauen fehlt und sie<br />

ihre Leistung nicht so gut darstellen<br />

können, wenn es um Beförderungen<br />

geht“, denkt die Beauftragte <strong>für</strong> Chancengleichheit,<br />

Hedwig Hochreiter. An<br />

der Qualifikation kann es kaum liegen:<br />

Bei den (Hoch-)Schulabschlüssen und<br />

Ausbildungen haben Frauen mit den<br />

Männern schon lange gleichgezogen,<br />

sie teilweise sogar überholt. Die Arbeitsagentur<br />

bietet deswegen vor allem<br />

<strong>für</strong> Frauen mit hohem Bildungsabschluss<br />

ein intensives Coaching an, in<br />

dem sie etwa lernen, Lohn- und Gehaltsgespräche<br />

zu führen und auf die<br />

eigenen Erfolge hinzuweisen.<br />

Gläserne<br />

Decke<br />

Die künstliche Barriere, die<br />

Frauen und Minderheiten<br />

daran hindert, in leitende<br />

Positionen aufzusteigen.<br />

Gründe <strong>für</strong> die Barriere<br />

sind eher ungeschriebene<br />

Normen und Vorurteile als<br />

tatsächliche Richtlinien.<br />

Auch ein Blick aufs IHK-Gremium<br />

Weißenburg-Gunzenhausen spiegelt<br />

die Situation in Führungsebenen der<br />

größten Unternehmen des Landkreises<br />

gut wider: Der vierköpfige Vorstand ist<br />

rein männlich besetzt, unter den 20<br />

Mitgliedern des Gremienausschusses<br />

der Wahlperiode 2020 bis 2024 befinden<br />

sich nur drei Frauen: Erika Gruber<br />

ist eine von ihnen.<br />

Und dann ist da noch Britta Strunz mit<br />

einer ebenso ungewöhnlichen, aber beeindruckenden<br />

Laufbahn. Die gelernte<br />

Zahntechnikerin hat den Quereinstieg<br />

ins Familienunternehmen gewagt: Zusammen<br />

mit ihrem Bruder Uli Krause<br />

und Mann Jochen Strunz leitet sie die<br />

Krause Präzisions-Kokillenguss GmbH<br />

in Bieswang mit über 90 Mitarbeitenden<br />

in zweiter Generation. Innerhalb<br />

der Dreier-Führungsriege konzentriert<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

61


Interview<br />

Martina Bohnenstiel,<br />

Munich Leadership Group<br />

Welche Probleme haben Frauen, die<br />

Führungspositionen anstreben oder in<br />

einer Führungsposition sind?<br />

Schaffen es Frauen in die Führungsetage,<br />

nehmen sie oft <strong>–</strong> und das passiert<br />

automatisch <strong>–</strong> das Verhalten der Männer<br />

an, da diese mit den Eigenschaften<br />

wie analytischem und strategischem<br />

Denken und Durchsetzungsstärke in<br />

Verbindung gebracht und eher mit<br />

Führung assoziiert werden. Während<br />

männliche Führungskräfte keine Konsequenzen<br />

be<strong>für</strong>chten müssen, wenn<br />

sie dominantes Führungsverhalten zeigen,<br />

kann dies <strong>für</strong> weibliche Führungskräfte<br />

durchaus negative Folgen haben.<br />

Zeigen Frauen in Führungspositionen<br />

eher männliche Verhaltensweisen wie<br />

zum Beispiel ein bestimmendes Auftreten,<br />

werden sie zwar als kompetent<br />

eingeschätzt, zugleich aber auch als unsympathisch<br />

wahrgenommen.<br />

Sollen sich Frauen dann also keinen<br />

„männlichen“ Führungsstil aneignen?<br />

Es braucht ein selbstbewusstes Bekenntnis<br />

zum female Leadership. Ich<br />

habe sogar die Beobachtung gemacht,<br />

dass sich Männer dann auch anders<br />

verhalten. Diversity tut gut und hilft,<br />

beste Ergebnisse zu erzielen.<br />

Mir selbst ist diese Angleichung an<br />

männliches Führungsverhalten unbewusst<br />

passiert. Mein Kleidungsstil<br />

änderte sich vom Kleid zum Hosenanzug,<br />

ich verfiel dem Denglisch, nutzte<br />

all die Buzz Wörter meiner Kollegen<br />

und war durchgetaktet. Mein Freundeskreis<br />

machte mich auf die Veränderung<br />

aufmerksam, und gemeinsam mit<br />

einem Coach gelang es mir, Erfolgskriterien<br />

zu validieren. Ich beschloss einfach<br />

Frau zu bleiben, meinen eigenen<br />

Stil zu finden und durch Kompetenz<br />

zu überzeugen. Wie sagte mein Coach<br />

damals: Die Männer nehmen Dich<br />

auch nicht mit auf den Fußballplatz,<br />

Du wirst immer einen Platz außerhalb<br />

Ihres Kreises haben. Bleibe authentisch<br />

und versuche nicht das Spiel der<br />

Männer zu spielen. <strong>Das</strong> lässt Dich unsympathisch,<br />

verbissen oder sogar als<br />

Emanze wirken. Ein Rat, der mir sehr<br />

geholfen hat.<br />

Brauchen Frauen mehr bzw. ein anderes<br />

Coaching, um in Führungspositionen<br />

zu kommen? Wie wichtig sind<br />

Coaching, Mentoring und Netzwerke?<br />

Grafik: Mentor Verlag Berlin, aus dem Buch<br />

„Wie du erfolgreich wirst, ohne die Gefühle<br />

von Männern zu verletzen” von Sarah Cooper.<br />

Ich halte das <strong>für</strong> Frauen <strong>für</strong> essenziell<br />

wichtig. Eine Frau ist häufiger<br />

auch kritischer und unsicherer als ein<br />

Mann. Ein Headhunter hat mir einmal<br />

erzählt: Er bot einen Vorstandsposten<br />

einer Frau und einem Mann<br />

an. Die Frau fühlte sich geehrt, wollte<br />

darüber schlafen und sich am nächsten<br />

Tag melden. Der Mann sagte: Danke<br />

und nahm den Job. <strong>Das</strong> erlebe ich ganz<br />

oft. Frauen brauchen die Reflektion,<br />

zum Beispiel über die Rolle weibliche<br />

Führungskraft, was ist wichtig in dieser<br />

Rolle, wer bin ich und was kann ich<br />

…, den Austausch und Support eines<br />

Netzwerkes. Dann fühlen sie sich bestärkt<br />

und können Ihre Rolle exzellent<br />

ausfüllen.<br />

sich Britta Strunz unter anderem auf<br />

Personalthemen und sieht darin auch<br />

die weibliche Stärke: „Frauen fühlen<br />

eher, was der Mitarbeiter, was der<br />

Kunde braucht, sie lassen ihre Intuition,<br />

ihr Bauchgefühl spielen. <strong>Das</strong> können<br />

Frauen teilweise besser.”<br />

Dennoch: Die Entscheidung, ins Familienunternehmen<br />

einzusteigen, sei<br />

nicht einfach gewesen, da sie weder<br />

das technische Know-how noch eine<br />

betriebswirtschaftliche Berufsausbildung<br />

gehabt habe. „Andererseits hatte<br />

ich da<strong>für</strong> ja Eltern, Bruder, Mann und<br />

Personal“, sagt sie. „Ich sage aber ganz<br />

offen, wenn ich etwas nicht weiß. Ich<br />

denke, das gehört auch zum typisch<br />

weiblichen Führungsstil. Wenn man<br />

selbstsicher und authentisch ist, auch<br />

wenn man nicht alles weiß, aber dennoch<br />

mal dagegenhält, dann habe nicht<br />

nur ich Spaß daran, sondern auch die<br />

Jungs.“<br />

Auch Katalin Fürstin von Wrede, die<br />

zusammen mit ihrem Schwiegervater<br />

Carl Friedrich Fürst von Wrede und<br />

Mann Carl Christian Fürst von Wrede<br />

die Ellinger Brauerei leitet, glaubt,<br />

dass man als Frau überlegter vorgehen<br />

muss, um sich, vor allem auch in Männerdomänen,<br />

behaupten zu können.<br />

Die ehemalige Investmentbankerin,<br />

die gerade einen „International Master<br />

of Beer“ absolviert, weiß sowohl aus<br />

der Finanz- als auch der Brauerszene:<br />

„Frauen müssen kompetent und selbstbewusst<br />

auftreten. Ich muss mir als<br />

Frau bewusst sein und mir zutrauen,<br />

dass ich aufgrund meiner Qualifikationen,<br />

Fachkenntnisse und Erfahrungen<br />

durchaus wichtige Entscheidungen<br />

treffen und eine Führungsposition anstreben<br />

bzw. ausüben kann. Neben<br />

den beruflichen Erfahrungen geht es<br />

hier daher auch um die persönliche<br />

Entwicklung.“<br />

Und darum, die nötige Unterstützung<br />

zu bekommen, um es auch mit der Familie<br />

und dem Privatleben vereinbaren<br />

zu können. „Es ist definitiv eine große<br />

Herausforderung, beruflich und pri-<br />

62<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Backlash-<br />

Effekt<br />

(Engl. „Konterschlag“)<br />

Negative Auswirkungen,<br />

die durch die Verletzung<br />

von stereotypen Erwartungen<br />

entstehen. Frauen<br />

gelten aufgrund ihrer<br />

„weiblichen“ Eigenschaften<br />

nicht als kompetent in<br />

der Führung. Frauen aber,<br />

die eher „männlich“ und<br />

dominant auftreten, gelten<br />

als nicht typisch weiblich<br />

und daher unsympathisch<br />

<strong>–</strong> was wiederum<br />

eine Führung verhindern<br />

oder erschweren kann.<br />

vat alles unter einen Hut zu bringen.<br />

<strong>Das</strong> möchte ich nicht kleinreden. Der<br />

Partner muss mitspielen und das unterstützen.<br />

Mein Mann und ich waren immer<br />

ein Team“, sagt von Wrede. „Ohne<br />

diese Unterstützung wäre ich heute<br />

nicht dort, wo ich bin, und da<strong>für</strong> bin<br />

ich enorm dankbar.“<br />

<strong>Das</strong> Potenzial der Netzwerke<br />

Die gebürtige Österreicherin, die mit<br />

ihrem Mann und den vier Kindern in<br />

München lebt, glaubt, dass viele Frauen<br />

in ländlicher strukturierten Gegenden<br />

wie <strong>Altmühlfranken</strong> nicht so sichtbar<br />

sind, da ihnen auch die Netzwerke<br />

fehlen oder sie diese zu wenig nutzen.<br />

„Der Weg ist steinig, wenn man als<br />

Frau keine Unterstützung hat. Gerade<br />

Jüngere müssen wesentlich mehr gefördert<br />

werden. Den jungen Talenten<br />

wird zu wenig unter die Arme gegriffen.<br />

Dabei wäre es so wichtig, sich zu<br />

vernetzen und auszutauschen.”<br />

Katalin Fürstin von Wrede,<br />

Geschäftsführerin der Fürst Carl<br />

Schlossbrauerei in Ellingen.<br />

Netzwerke kann man nicht außer Acht<br />

lassen, wenn es um die Frage geht, warum<br />

so wenige Frauen in Führungspositionen<br />

und politischen Ämtern<br />

sind. Und hier haben Frauen offensichtlich<br />

noch gehörig Nachholbedarf.<br />

Lange war ihnen der Zugang zu den<br />

etablierten, sogenannten „Old-Boys“-<br />

Netzwerken wie Rotary Club oder<br />

Lions Club sogar verwehrt. Einige von<br />

ihnen sind mittlerweile <strong>für</strong> Frauen ge-<br />

öffnet, etwa die Lions Clubs in Gunzenhausen<br />

und Treuchtlingen oder der<br />

Rotary Club Weißenburg. „Wäre dies<br />

anders, würden wir etwa 50 Prozent<br />

der Bevölkerung nicht <strong>für</strong> uns gewinnen<br />

können“, erklärt Dr. Martin Röper,<br />

ehemaliger Clubpräsident. Auch wenn<br />

längst nicht alle Frauen die Einladung<br />

annehmen: „Gelegentlich passt bei<br />

Frauen ein Engagement mit hoher Präsenzpflicht<br />

nicht zur eigenen Lebensplanung<br />

mit Vollzeitberuf, Familie und<br />

Freizeitgestaltung.“<br />

Der Weißenburger Lions Club hingegen<br />

konnte sich bis heute nicht dazu<br />

durchringen, Frauen in ihre Reihen<br />

aufzunehmen. Und manchmal liegt<br />

es auch an den Frauen selbst, die sich<br />

davor scheuen, soziale Beziehungen zu<br />

„instrumentalisieren“, wie eine Interviewstudie<br />

aus dem Jahr 2019 zeigt.<br />

Diese Tendenz von Frauen, sich selbst<br />

aufgrund eines Netzwerks nicht zu<br />

bevorteilen, nennt man „beziehungsorientierte<br />

Moralität“. Dabei belegen<br />

diverse Erhebungen, dass Frauen und<br />

Männer branchenübergreifend davon<br />

profitieren, wenn sie durch Netzwerke<br />

und Mentoren gefördert werden.<br />

In dem Bereich ziehen die Frauen<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> aber nach. Der<br />

Zonta Club Fränkisches Seenland ist<br />

die weibliche Antwort auf die Lions<br />

und Rotarier und setzt sich gezielt <strong>für</strong><br />

Frauenprojekte ein. <strong>Das</strong> Frauenforum<br />

unter der Federführung der Gleichstellungsstelle<br />

im Landratsamt ist ein<br />

überparteilicher und überkonfessioneller<br />

Zusammenschluss von Frauen,<br />

die sich über bestimmte Themen aus-<br />

Stammtisch des Frauennetzwerks<br />

„Lauter Frauen<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>“.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

63


Interview<br />

„Frauennetzwerk“<br />

Wer dem offenen Netzwerk<br />

„Lauter Frauen“ bei<br />

Facebook unverbindlich<br />

beitreten möchte, findet<br />

die Gruppe unter „Frauennetzwerk<br />

WUG“ (facebook.com/groups/lauterfrauenaltmuehlfranken)<br />

und bei Instagram unter<br />

lauter_frauen. Weitere Informationen<br />

unter lauter.<br />

frauen.altmuehlfranken@<br />

gmail.com. Neben Frauen<br />

sind explizit auch Männer<br />

eingeladen, die sich <strong>für</strong><br />

Gleichstellungsthemen<br />

einsetzen möchten.<br />

tauschen und an einer aktiven Mitgestaltung<br />

interessiert sind.<br />

Und neu hinzugekommen ist im März<br />

2021 das Frauennetzwerk „Lauter<br />

Frauen <strong>Altmühlfranken</strong>“. Mehr als<br />

170 Frauen und einige, noch wenige,<br />

Männer aus der Region sind es mittlerweile,<br />

die sich in einem lockeren Zusammenschluss<br />

organisieren. Die Ziele<br />

des Frauennetzwerkes: gegenseitiger<br />

Austausch und Unterstützung, der<br />

Einsatz <strong>für</strong> mehr Gleichberechtigung<br />

und Diversität in Unternehmen und in<br />

der Politik, die Förderung eines modernen<br />

Rollenbildes und bessere Entwick-<br />

GLEICHSTELLUNGSSTELLE<br />

LANDRATSAMT<br />

WEIßENBURG-GUNZENHAUSEN<br />

Ines Dirsch<br />

Tel. 0 91 41 / 9 02 - 1 29<br />

ines.dirsch@landkreis-wug.de<br />

Agnes Müller<br />

Tel. 0 91 41 / 9 02 - 2 41<br />

agnes.mueller@landkreis-wug.de<br />

lungsmöglichkeiten <strong>für</strong> Frauen.<br />

Und: der Abbau von Vorurteilen gegenüber<br />

weiblichen Führungskräften<br />

und Frauen in Männerdomänen. „Es<br />

braucht positive Vorbilder“, weiß Hedwig<br />

Hochreiter. „Frauen, die inspirieren.“<br />

Gerade auch junge Frauen <strong>für</strong> die<br />

Kommunalpolitik zu begeistern, sei<br />

eine wichtige Aufgabe der Parteien,<br />

sagt Treuchtlingens Bürgermeisterin<br />

und CSU-Kreisvorsitzende Kristina<br />

Becker. Einen Ansatz, politisch engagierte<br />

Frauen in der Region <strong>–</strong> zumindest<br />

parteiintern <strong>–</strong> besser zu vernetzen,<br />

gibt es mit der Frauen-Union der CSU.<br />

„Um politisch, aber auch gesellschaftlich<br />

voranzukommen, ist es wichtig,<br />

dass mehr Frauen in öffentlichen Ämtern<br />

und verantwortlichen Positionen<br />

mitbestimmen“, ist Renate Gutmann,<br />

stellvertretende Vorsitzende der Frauen-Union<br />

auf Kreisebene, überzeugt.<br />

Und: „Frauen sind schon politisch und<br />

engagieren sich vielfältig, aber durch<br />

die Konzentration auf Kinder und<br />

Familie in traditionellen Rollen fehlt<br />

ihnen meistens die Zeit <strong>für</strong> ein zusätzliches<br />

Amt.“<br />

Demokratie und Wirtschaft leiden darunter,<br />

wenn ein Großteil der Bevölkerung<br />

hier nicht angemessen vertreten<br />

ist. Wenn Frauen bei Entscheidungsprozessen<br />

auf vielen Ebenen des politischen,<br />

wirtschaftlichen, gesellschaftlichen<br />

und kulturellen Lebens fehlen.<br />

Aber auch andere unterrepräsentierte<br />

Bevölkerungsgruppen sollten sich im<br />

Sinne der Diversität noch viel mehr in<br />

der Politik <strong>–</strong> vor allem auch in der Zusammensetzung<br />

von Kreis-, Stadt- und<br />

Gemeinderäten <strong>–</strong> wiederfinden.<br />

Der 4. Atlas zur Gleichstellung von<br />

Frauen und Männern, herausgegeben<br />

vom Familienministerium, gibt einen<br />

umfassenden Überblick über die regionalen<br />

Unterschiede auf Landes- und<br />

Kreisebene in Deutschland. Der bundesweite<br />

Durchschnitt beim Frauenanteil<br />

in den Landesparlamenten lag<br />

2021 bei 31 Prozent. Im Bayerischen<br />

Landtag nehmen Frauen 56 von insgesamt<br />

205 Sitzen ein <strong>–</strong> das sind etwas<br />

über 27 Prozent. Auf kommunaler<br />

Ebene sieht es noch schlechter aus: Gerade<br />

zehn Prozent der Rathäuser und<br />

Landratsämter sind mit Bürgermeisterinnen<br />

und Landrätinnen besetzt.<br />

„Die Quote kann<br />

helfen“<br />

Laut einer Befragung des Forschungsprojekts<br />

„Frida <strong>–</strong> Frauen in die Kommunalpolitik“<br />

liegt es unter anderem<br />

am teilweise aggressiven Umgangston<br />

und an familienfeindlichen Sitzungszeiten,<br />

dass Frauen sich nicht auf öffentliche<br />

politische Mandate bewerben.<br />

Wir haben Mina Mittertrainer<br />

interviewt, die wissenschaftliche Mitarbeiterin<br />

bei Frida ist.<br />

Wie kann es gelingen, Einstiegsbarrieren<br />

<strong>für</strong> Frauen in der Politik, gerade <strong>für</strong><br />

junge Frauen im ländlichen Raum, abzubauen?<br />

Ein wichtiger Faktor ist es, jungen<br />

Frauen zu vermitteln, dass das, was sie<br />

interessiert, und das, was sie in ihrem<br />

Alltag beschäftigt, meistens schon ganz<br />

viel mit Politik zu tun hat. Gerade <strong>für</strong><br />

Frauen ist es wichtig, Vorbilder aufzuzeigen,<br />

zum Beispiel andere Frauen,<br />

die den Schritt bereits erfolgreich gegangen<br />

sind. Und vonseiten aktiver<br />

Politiker braucht es die direkte Ansprache.<br />

Auch mehrmaliges Nachfragen,<br />

wenn es sich jemand nicht zutraut, und<br />

diejenige auf ihrem Weg in die Politik<br />

zu begleiten.<br />

In anderen europäischen Ländern<br />

konnte man durch eine Frauenquote<br />

in der Politik annähernd Parität schaffen.<br />

Brauchen wir in Deutschland auch<br />

64<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


eine Frauenquote <strong>für</strong> politische Ämter?<br />

Die Geschlechterquote ist ein sehr,<br />

sehr wichtiges Werkzeug, aber kein<br />

Allheilmittel. Eine Quote allein reicht<br />

nicht aus, aber ohne wird es vermutlich<br />

nicht gehen, wie die vergangenen 100<br />

Jahre gezeigt haben. Die Quote kann<br />

dabei helfen, alte Strukturen aufzubrechen.<br />

Und davon profitieren dann<br />

nicht nur Frauen. Natürlich gibt es die<br />

berechtigte Angst, als „Quotenfrau“<br />

zu gelten, aber das wird sich normalisieren,<br />

je mehr Frauen tatsächlich politisch<br />

bedeutende Ämter belegen.<br />

Warum ist es so wichtig, dass sie auch<br />

mehr offizielle politische Mandate belegen?<br />

Tatsächlich kann man nicht sagen,<br />

dass Frauen generell weniger Interesse<br />

hätten, sich politisch zu engagieren.<br />

Frauen wählen nur vermehrt andere<br />

Formen der Partizipation, die oft gar<br />

nicht als politisch verstanden werden,<br />

engagieren sich z. B. eher im Elternbeirat,<br />

der Kirche, Protesten wie der<br />

Klimabewegung „Fridays for Future“<br />

usw. Umso wichtiger ist es, dass sich<br />

Frauen auch auf politische Mandate<br />

bewerben, auf jene Posten, wo weitreichendere<br />

Entscheidungen getroffen<br />

werden.<br />

Warum ist der Frauenanteil in politischen<br />

Ämtern in ländlichen Räumen<br />

geringer als in Städten?<br />

Gerade im ländlichen Raum ist das<br />

soziale Gefüge noch ein anderes, und<br />

Frauen werden auch einfach seltener<br />

gefragt, ob sie in die Politik möchten.<br />

Politisches Engagement von Frauen<br />

gilt oft noch als auffällig, und das<br />

kann <strong>für</strong> Frauen ein soziales Risiko<br />

darstellen. Frauen haben Angst davor,<br />

ausgeschlossen zu werden aus ihrer sozialen<br />

Gemeinschaft. Und: Wir haben<br />

in ländlichen Räumen oft noch traditionellere<br />

Familienformen, wo Frauen<br />

auch noch mehr Familienarbeit übernehmen.<br />

Die Rollenbilder sind verfestigter,<br />

das zeigt sich nicht nur beim<br />

Thema der Vereinbarkeit von Familie<br />

und Beruf, sondern eben auch dann,<br />

wenn Frauen sich zusätzlich politisch<br />

engagieren möchten. Man geht auch<br />

hier wieder ein soziales Risiko ein,<br />

muss sich rechtfertigen, weil Frauen<br />

noch vermehrt andere Rollen zugeschrieben<br />

sind.<br />

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen<br />

liegt der Frauenanteil im Kreistag<br />

immerhin bei knapp 22 Prozent.<br />

Aber: In den 27 Stadt- und Gemeinderäten<br />

sind Frauen mit nur 16 Prozent<br />

vertreten, es gibt sogar Gemeinden<br />

ganz ohne Frauen in ihrem Entscheidungsgremium.<br />

An der Spitze sieht es<br />

noch dünner aus: Susanne Feller<br />

(CSU/PWG) in der Marktgemeinde<br />

Heidenheim am Hahnenkamm und<br />

Treuchtlingens Bürgermeisterin Kristina<br />

Becker (CSU) sitzen als einzige<br />

Frauen auf weiter Flur am Bürgermeisterpult.<br />

„Ich bin als Quotenfrau über die Liste<br />

der CSU reingekommen und habe<br />

auch kein Problem damit, so bezeichnet<br />

zu werden“, sagt die 55-Jährige,<br />

die gebürtig aus Wolfenbüttel in Niedersachsen<br />

kommt. Dabei nimmt<br />

Becker nicht nur als erste weibliche<br />

Bürgermeisterin der Stadt Treuchtlingen,<br />

sondern auch als erste weibliche<br />

Kreisvorsitzende in einem Kreisverband<br />

der CSU in Mittelfranken<br />

eine Vorreiterrolle ein. „Wir brauchen<br />

noch viel mehr Frauen in der Politik,<br />

vor allem in der Kommunalpolitik.“<br />

Die Ärztin und Patentanwältin ist<br />

überzeugt davon, dass davon alle profitieren<br />

würden. „Frauen haben einen<br />

anderen Politikstil: Sie können besser<br />

zuhören, lassen eher ausreden und<br />

auch andere Meinungen stehen. Sie<br />

kommen oft schneller auf den Punkt,<br />

sind lösungsorientierter und weniger<br />

dogmatisch.“<br />

Die dreifache Mutter setzt sich in<br />

Treuchtlingen unter anderem da<strong>für</strong><br />

ein, die Strukturen <strong>für</strong> Frauen nicht<br />

nur in der Rathausverwaltung, sondern<br />

auch im Stadtrat so zu gestalten,<br />

dass die berufliche beziehungsweise<br />

ehrenamtliche Tätigkeit in der Politik<br />

leichter mit der Familie und dem Privatleben<br />

zu vereinbaren ist. Gerade<br />

Sitzungszeiten im Stadtrat, abends ab<br />

18 Uhr, seien zwar wenig familienfreundlich,<br />

aber schwer zu ändern, da<br />

ein Großteil der Mitglieder das Amt<br />

mit einer Erwerbstätigkeit vereinbaren<br />

müsse, weiß Becker. Aber das tageweise<br />

Arbeiten im Homeoffice würde man<br />

zum Beispiel auch nach Corona in der<br />

Rathausverwaltung weiter fortführen,<br />

und es gäbe Überlegungen <strong>für</strong> hybride<br />

Formate zur Online-Teilnahme an<br />

Stadtratssitzungen.<br />

Dr. Dr. Kristina Becker, 1. Bürgermeisterin<br />

der Stadt Treuchtlingen.<br />

Die Digitalisierung, angeschoben<br />

durch die Corona-Pandemie, erleichtert<br />

durch Homeoffice-Lösungen das<br />

flexiblere Arbeiten und die Vereinbarkeit<br />

von Beruf und Familie <strong>–</strong> <strong>für</strong> alle<br />

Elternteile. Gute Führung kann dann<br />

auch in einem Teilzeitmodell möglich<br />

sein: „Es kommt nicht auf Voll- oder<br />

Teilzeit an, sondern auf die Klarheit<br />

und die bewusste Identifikation mit<br />

der Rolle als female Leader“, sagt Führungskräfte-Coach<br />

Martina Bohnenstiel.<br />

Die Zeichen stehen allgemein günstig,<br />

dass Frauen bald präsenter in den Spitzenpositionen<br />

sein könnten. Auf dem<br />

Arbeitsmarkt generell und auch auf<br />

den zweiten Führungsebenen ziehen<br />

die Frauen schon seit einigen Jahren<br />

nach, es ist also nur eine Frage der Zeit,<br />

bis sie die „Gläserne Decke“ nach oben<br />

durchbrechen. Den Fachkräftemangel<br />

sieht auch Hedwig Hochreiter, Beauftragte<br />

<strong>für</strong> Chancengleichheit am Arbeitsmarkt,<br />

als große Chance <strong>für</strong> Frauen,<br />

„und zwar in fast allen Bereichen,<br />

von der Industrie bis zum Handwerk“.<br />

Zuletzt kommen aber auch immer<br />

mehr Unternehmen auf den Trichter,<br />

dass Frauen auf den Führungsebenen<br />

nicht nur der Unternehmenskultur<br />

guttun, sondern erwiesenermaßen<br />

auch wirtschaftliche Vorteile mit sich<br />

bringen. „Gerade im IT-Bereich und<br />

in der Digitalwirtschaft, wo hauptsächlich<br />

Männer arbeiten, legt man mittlerweile<br />

bewusst Wert auf mehr Diversität“,<br />

weiß Hedwig Hochreiter. Denn<br />

kundenorientiert arbeiten heißt auch,<br />

sich an Kunden aller Geschlechter und<br />

jeglicher Herkunft zu orientieren.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

65


Handel<br />

66 <strong>WIKO</strong><br />

Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Eine Riesenauswahl und viel Erfahrung<br />

„Qualität durch Erfahrung <strong>–</strong> und<br />

das seit 63 Jahren“, sagt Erika Gruber<br />

stolz. So lange gibt es das Familienunternehmen<br />

Zweirad Gruber<br />

bereits in Gunzenhausen. Ihr Vater<br />

Franz Müller hatte sich 1959 mit<br />

der Geschäftseröffnung seine Existenz<br />

in der Altmühlstadt aufgebaut.<br />

Später übernahmen seine Tochter<br />

Erika und ihr Mann Herbert Gruber<br />

die Geschäftsleitung. Mittlerweile<br />

wird das Fahrradgeschäft in vierter<br />

Generation von Tochter Gabi und<br />

künftig auch Enkel Patrick geführt.<br />

Zweirad-Center Gruber präsentiert<br />

auf über 1000 m² eine Riesenauswahl.<br />

Vom Laufrad <strong>für</strong> Kinder bis<br />

zum großen Sortiment an E-Bikes<br />

berät man fachkundig zu den Themen<br />

Leasing, Versicherung oder<br />

Finanzierung und bietet im Sommer<br />

mit dem Verleih am Altmühlsee eine<br />

Anlaufstelle <strong>für</strong> Freizeitsportler.<br />

Ein besonderes Augenmerk wird<br />

bei den Grubers zudem auf den<br />

Service in der hauseigenen Werkstatt<br />

gelegt. „Wir sind Ihr Partner<br />

auch nach dem Kauf“, ist hier das<br />

Motto. Auf sieben Reparaturplätzen<br />

werden die neuesten Modelle <strong>für</strong><br />

den Kauf vorbereitet, mit passendem<br />

Zubehör bestückt oder nach<br />

Kundenwunsch umgebaut. Aber<br />

auch <strong>für</strong> Reparaturen Flaschenhalter<br />

oder Kundendienste<br />

von Rädern, die ab bereits 16,95 eini-<br />

€<br />

versch. Modelle + Farben<br />

ge Kilometer hinter sich haben, ist<br />

das Werkstatt-Team TOPEAK von Zweirad<br />

Gruber mit Fachwissen Standpumpe und Erfahrung<br />

ausgestattet.<br />

44,95 €<br />

-mho-<br />

Zweirad-Center Gruber,<br />

Weißenburger Straße 49,<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 88 47 90 - 0,<br />

info@radsport-gruber.de<br />

www.radsport-gruber.de<br />

Beleuchtung<br />

Front- & Rücklicht<br />

ab 5,95 €<br />

Abus<br />

Schlösser<br />

ab 27,95 €<br />

Traumhafte Wohnwelten<br />

zum Anfassen<br />

In der Industriestraße 1 in Solnhofen<br />

werden Wohnträume war: Auf<br />

5.500 m² stellt das Möbelhaus Rachinger<br />

hier Küchen, Wohnmöbel<br />

und Böden aus, die geradezu danach<br />

verlangen, dass man sie ausprobiert.<br />

„Wir haben hier alles rund<br />

ums schöne Wohnen. Für jedes Alter<br />

und <strong>für</strong> jeden Anspruch <strong>–</strong> vom<br />

Innenausbau bis zur vollständigen<br />

Zimmerplanung“, sagt Brigitte<br />

Güllich, die mit ihrem Bruder Jörg<br />

Schmidt in dritter Generation die<br />

Geschäftsleitung innehat. „Unsere<br />

Kunden können hier in schönem<br />

Ambiente und ganz gemütlich in ihr<br />

neues Zuhause hineinschnuppern.“<br />

In der eigenen Schreinerei gibt man<br />

auch ausgefallenen Kundenideen<br />

Form und Farbe. „Ob Einbauschränke,<br />

begehbare Kleiderschränke oder<br />

Küchen nach Maß <strong>–</strong> wir gehen<br />

passgenau auf jeden Wunsch ein.“<br />

Vorab gibt es natürlich immer eine<br />

individuelle Beratung: Besucher<br />

können Fotos aus den eigenen vier<br />

Wänden mitbringen oder die Wohnexperten<br />

zu sich nach Hause einladen.<br />

„Gemeinsam finden wir immer<br />

die beste Lösung!“<br />

Diese Hingabe zum schönsten<br />

Wohngefühl zeigt sich Besuchern<br />

auch bei exklusiven Koch-Events:<br />

Profi-Köche stellen da vor Ort hochwertige<br />

Küchen und Geräte vor.<br />

„<strong>Das</strong> ist ein Erlebnis <strong>für</strong> alle Sinne“,<br />

schwärmt Güllich. „Durchs ganze<br />

Möbelhaus schweben dann herrliche<br />

Aromen.“ Termine <strong>für</strong> die kulinarischen<br />

Highlights stehen bald<br />

wieder auf der Homepage zur Verfügung.<br />

<br />

-sz-<br />

MÖBEL RACHINGER GMBH & CO. KG<br />

Industriestraße 1<br />

91807 Solnhofen<br />

Tel. 0 91 45 / 4 67<br />

www.moebel-rachinger.de<br />

info@moebel-rachinger.de<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

67


Anzeige<br />

Die Neu-Erfindung des Rads<br />

David Lischka schaut aus dem Fenster, sammelt sich kurz. Er<br />

hat sich ein Impulsreferat über Nachhaltigkeit vorgenommen.<br />

So wie er sie versteht und sie sich durch alle Ebenen seines<br />

Geschäfts zieht.<br />

„Schau“, sagt er, „überall liest man, dass die Händler keine<br />

Räder mehr bekommen.“ Dann deutet er in den Raum hinein,<br />

macht eine Pause und lässt den Wald aus Aluminium, Carbon<br />

und Gummi wirken. „Da<strong>für</strong> stehen da ziemlich viele, oder?“<br />

Jetzt zahlt sich aus, dass Velovita auf Marken setzt, die in Europa<br />

produzieren. „Wir haben auf Marge verzichtet, weil wir eine<br />

stabile Geschäftsbeziehung wollten“, erklärt der Geschäftsführer.<br />

Da ist Nachhaltigkeit, wie er sie versteht. Auf kurzfristigen<br />

Vorteil verzichten, um langfristig auf Augenhöhe zu arbeiten.<br />

Ein steiler Aufstieg<br />

2017 gründeten David Lischka und<br />

Christian Lang das Radgeschäft Velovita.<br />

Sie fingen an der Weißenburger<br />

Bismarckanlage mit zwei Angestellten<br />

an, und legten eine beeindruckende<br />

Erfolgsgeschichte hin. Schon nach<br />

drei Jahren stand ein Umzug samt<br />

Vergrößerung an. Man bezog die jetzigen<br />

Räume in der Augsburger Straße<br />

und baute das Team aus. Inzwischen<br />

sind rund 20 Mitarbeiter im Velovita<br />

beschäftigt. Aus dem Einzelhandelsgeschäft,<br />

ist ein mittelständischer Betrieb<br />

geworden mit einem engagierten<br />

Team aus Beratern, Servicekräften<br />

und Mechnaikern.<br />

Und dieses Prinzip gilt auch <strong>für</strong> den Umgang mit Kunden. „Hier<br />

muss keiner irgendwas Bestimmtes wegverkaufen, unser Job<br />

ist: genau das Rad zu finden, das unser Kunde braucht“, erklärt<br />

Lischka. Deswegen gehört zu einem Radkauf im Velovita auch<br />

das individuelle Anpassen des Rads auf den Fahrer. „Wenn da<br />

irgendwo Abstände oder Sitzposition nicht passen, macht das<br />

Fahren keinen Spaß und das Rad wandert in den Keller.“ Und<br />

dort kann es keinen einzigen Auto-Kilometer sparen.<br />

Velovita Radsport GmbH<br />

Augsburger Str. 74<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 38 44<br />

www.velovita.de • hallo@velovita.de<br />

Unternehmensgründung: 2016<br />

Mitarbeiter: 20<br />

Geschäftsführer: David Lischka,<br />

Christian Lang<br />

Nachhaltigkeit ist <strong>für</strong> Lischka aber auch im Umgang mit den<br />

Mitarbeitern eine Dimension „Ich will keine 120 Prozent Leistung,<br />

ich will nicht, dass sich hier jemand überfordert, weil das<br />

auf Dauer nicht gut geht.“ Gleitzeitregelungen, weitgehender<br />

Verzicht auf Überstunden und Eigenverantwortlichkeit sind<br />

Teil eines respektvollen Arbeitsklimas.<br />

Der ökologischer Fußabdruck ist ein weiteres Nachhaltigkeitsfeld.<br />

Lischka setzt auf Marken mit kurzen Wegen, die plastikfrei<br />

produzieren, denen faire Produktion wichtig ist. Er selbst will in<br />

Zukunft die Energie, die in seinem Laden verbraucht wird, auch<br />

selbst und nachhaltig erzeugen. Der nächste Schritt auf einem<br />

steilen Weg zu einer Nachhaltigkeit auf allen Ebenen. -js-<br />

68<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Kulinarik & Genuss<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

69


Anzeige<br />

„Kuh‘l mit Herz aus Tradition“<br />

Die „neue“ Metzgerei Struller<br />

Metzgerei Struller<br />

Augsburger Straße 49<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 44 85<br />

www.metzgerei-struller.de<br />

info@metzgerei-struller.de<br />

Unternehmensgründung: 1955<br />

Mitarbeiter: 22<br />

Geschäftsführer: Sebastian Struller<br />

frisch vom Ettenstatter Beck beliefert,<br />

ein Bistro wird Sitzgelegenheiten<br />

bieten. Vier bis sechs Wochen<br />

soll der Umbau in Anspruch nehmen<br />

und pünktlich am 1. April zum<br />

67. Geburtstag soll wiedereröffnet<br />

werden. Damit die Metzgerei Struller<br />

ihren Kunden auch während der<br />

Umbauphase in gewohnter Qualität<br />

zur Verfügung steht, hat Sebastian<br />

Struller eine Lösung gefunden: Ein<br />

begehbarer Verkaufscontainer wird<br />

am Parkplatz in der Augsburger<br />

Straße bereitstehen. Sowohl die<br />

Filiale in der Galgenbergstraße als<br />

auch in Langenaltheim bleibt wie<br />

gewohnt geöffnet. Ebenso wird der<br />

Automat in Langenaltheim weiterhin<br />

beliefert. Kleiner Hinweis zum<br />

Schluss: Die modernisierte Metzgerei<br />

bietet auch attraktive Arbeitsplätze.<br />

<br />

-crseit<br />

1955<br />

Der 67. Geburtstag gilt <strong>für</strong> viele als<br />

das Renteneintrittsalter. Nicht so<br />

<strong>für</strong> die Weißenburger Traditionsmetzgerei<br />

Struller. Diese startet<br />

jetzt erst richtig durch. Mit neuem<br />

Logo, in neuem Design und neu<br />

umgebautem Laden in der Augsburger<br />

Straße in Weißenburg. 1955<br />

gegründet, nun in der dritten Generation,<br />

bekommt das Unternehmen<br />

einen modernen neuen Look. <strong>Das</strong><br />

Logo „Kuh‘l mit Herz aus Tradition“<br />

<strong>–</strong> angelehnt an die moderne Barbecue-Szene.<br />

Was ist damit eigentlich<br />

gemeint? Firmeninhaber Sebastian<br />

Struller möchte weg vom Image<br />

des typischen Metzgers. Moderner,<br />

cooler und ansprechender wird<br />

das neue Erscheinungsbild. Und so<br />

auch die umgebaute Hauptfiliale.<br />

Die Bäckertheke wird in die Metzgertheke<br />

integriert und weiterhin<br />

Regional einkaufen? Mach‘s halt!<br />

HeimaTeil <strong>–</strong> der Regionalladen des<br />

Weißenburger Tagblatts<br />

Wildbadstraße 16-18, Weißenburg,<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90<br />

braun-elbel@be-media.de<br />

www.heimateil.de<br />

Mit ein paar Klicks regionale Spezialitäten<br />

ordern und sie am nächsten<br />

Tag an die Tür geliefert bekommen?<br />

Seit 2021 macht „HeimaTeil“<br />

das möglich. <strong>Das</strong> Start-up des Weißenburger<br />

Tagblatts sammelt Direktvermarkter<br />

aus <strong>Altmühlfranken</strong><br />

unter einem Dach.<br />

Wer wirklich regional kaufen will,<br />

kann es hier tun. Einfach und unkompliziert,<br />

ohne Anmeldung, mit<br />

wenigen Klicks. Von Mehl, Kartoffeln<br />

und Nudeln über Milch, Joghurt,<br />

Marmeladen, Honig bis hin<br />

zu Säften, besonderen Bieren oder<br />

Spirituosen reicht das Produktsortiment.<br />

Aber auch Heimatbücher, Kalender<br />

oder Tickets lassen sich im<br />

Shop bestellen.<br />

Seit diesem Jahr bieter „HeimaTeil“<br />

sogar eine eigene „Fast Food“-Linie<br />

an. Aber so wie Oma sie gemacht<br />

hätte. Unter dem Motto „Essen in<br />

Gläsern“ haben unterschiedliche<br />

Gastronomen aus der Region <strong>für</strong><br />

„HeimaTeil“ vorgekocht und eingeweckt.<br />

Die Bandbreite reichte von<br />

Gulasch- und Kürbissuppe über<br />

grünes Curry bis hin zum ersten<br />

Weißenburger Römergulasch.<br />

Der angebundene lokale Logistikservice<br />

macht die Lieferung in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

am nächsten Werktag<br />

möglich. Bequem und kostenlos vor<br />

die Haustür. Einfacher regional kaufen<br />

geht nicht. Wer also die Region<br />

unterstützen will und gerne weiß.<br />

wo sein Essen herkommt, sollte auf<br />

heimateil.de vorbeischauen.<br />

Aktuell sind um die 150 Produkte<br />

von mehr als 20 Direktvermarktern<br />

in dem Shop erhältlich. <strong>Das</strong> aber<br />

ist erst der Anfang. Es sollen weitere<br />

Händler und Produkte folgen.<br />

Außerdem will man das Angebot<br />

auch um eine Gemüsekiste erweitern<br />

und sich in neue Segmente<br />

vorwagen. Im Lauf des Jahres<br />

sollen auch Kunsthandwerker ihre<br />

Produkte präsentieren können. -js-<br />

70<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Fürst Carl <strong>–</strong><br />

das nächste<br />

Kapitel!<br />

Die Geschichte dieser Brauerei ist die Geschichte einer Familie.<br />

Sie beginnt mit jenem Carl Philipp, der das Königreich Bayern<br />

mitgestaltete und da<strong>für</strong> Ellinger Fürst wurde. Und sie endet<br />

200 Jahre später nicht mit dem heutigen Carl Christian und<br />

seiner Frau Katalin. Tatsächlich beginnt sie sogar neu.<br />

„Vor zehn Jahren mussten wir entscheiden: aufhören oder weitermachen“,<br />

erzählt Fürstin Katalin. Im Grunde taten sie beides:<br />

Sie machten weiter, aber anders. „Allein <strong>für</strong> den lokalen<br />

Markt funktioniert bei uns nicht, wir müssen in größeren Dimensionen<br />

denken“, erklärt die Fürstin. Der Grund steht hinter<br />

ihr. Ein gewaltiges denkmalgeschütztes Ensemble, in dem seit<br />

300 Jahren Bier gebraut wird. „Es geht bei uns nicht nur darum,<br />

ein Unternehmen rentabel zu machen, es geht darum,<br />

eine Grundlage zu schaffen, die diese Geschichte erhält.“<br />

Fürst Carl Erleben<br />

ist das Motto<br />

Die Brauerei ist der Mittelpunkt,<br />

aber Fürst Carl ist bereits jetzt viel<br />

mehr. Auf dem Gelände in Nachbarschaft<br />

des Ellinger Schlosses befinden<br />

sich Bräuladen und Bräustüberl mit<br />

einem großen Biergarten unter alten<br />

Kastanien. Dazu kommt die Sommerrodelbahn<br />

in Pleinfeld mit der neuen<br />

Gastronomie im Rodel Inn und das<br />

Seebräu in Ramsberg direkt am Großen<br />

Brombachsee. Weitere Ideen sind<br />

am Entstehen ...<br />

Der Weg dahin ist <strong>für</strong> Fürst Carl, aus dieser Verpflichtung einen<br />

Segen zu machen. „Wir haben diese Historie, wir haben diese<br />

tollen Gebäude, also müssen wir sie auch inszenieren.“ Eine<br />

Biererlebniswelt soll mittelfristig entstehen, die Gäste und Urlauber<br />

von weit her anzieht.<br />

<strong>Das</strong> aber ist der letzte Schritt einer Entwicklung. „Wir sind zuallererst<br />

Brauerei <strong>–</strong> alles andere leitet sich davon ab.“ Und so<br />

beginnt die Umstrukturierung auch mit und in der Brauerei. Ein<br />

Hightech-Sudhaus ist entstanden, eine eigene Hefereinzuchtanlage,<br />

neue Kühltechnik ... „Es geht darum, dass wir auch in<br />

Zukunft erstklassige Biere produzieren. <strong>Das</strong> ist die Basis <strong>für</strong><br />

alles andere.“ Parallel wird in diesem Jahr die millionenschwere<br />

Sanierung der historischen Gebäude angegangen. Alles<br />

mit dem einen Ziel: das nächste Kapitel der Geschichte einer<br />

Brauerei und einer Familie zu schreiben. <br />

-js-<br />

Fürst Carl Schlossbrauerei der Fürst<br />

von Wrede GmbH & Co.<br />

Unternehmens KG<br />

Schlossstraße 10 • 91792 Ellingen<br />

Tel. 0 91 41 / 97 80<br />

www.fuerst-carl.de<br />

info@fuerst-carl.de<br />

Unternehmensgründung: 1690 erste<br />

urkundliche Erwähnung der Brauerei<br />

Mitarbeiter: 14<br />

Geschäftsführer: Carl Friedrich Fürst<br />

von Wrede, Carl Christian Fürst von<br />

Wrede, Katalin Fürstin von Wrede<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

71


Land in Sicht?!<br />

Weshalb die Welt die<br />

Provinz braucht<br />

Interview: Jan Stephan<br />

72<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


2008 lebten erstmals<br />

in der Menschheitsgeschichte<br />

mehr Menschen<br />

in der Stadt als auf dem<br />

Land. <strong>Das</strong> Ende des Landlebens?<br />

Hoffentlich nicht,<br />

sagt der Kulturgeograf<br />

und Landforscher Prof.<br />

Dr. Werner Bätzing.<br />

Warum braucht eine globalisierte Welt,<br />

der es stets um das Große geht, das kleine<br />

Landleben?<br />

Weil diese globalisierte Welt in Gefahr<br />

steht abzuheben und ihre eigenen<br />

Grundlagen zu zerstören. In immer<br />

mehr Bereichen glaubt der Mensch,<br />

dass er sich mit Technik von seiner<br />

Umwelt unabhängig machen kann.<br />

<strong>Das</strong> ist ein Irrglaube. <strong>Das</strong> Landleben<br />

ist der Gegenentwurf. Den Menschen<br />

hier ist die Abhängigkeit von ihrer Umwelt<br />

seit Jahrtausenden bewusst. Die<br />

Ressourcen <strong>für</strong> die nächste Generation<br />

zu erhalten, war auf dem Land schon<br />

immer eine Frage des Überlebens.<br />

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass diese<br />

jahrtausendealten Strukturen bis heute<br />

die Einstellung der Menschen prägen.<br />

Ich denke, es gibt eine kollektive Erinnerung<br />

an die Zeit der mittelalterlichen<br />

Dörfer, die durch eine starke<br />

Gemeinschaft geprägt waren. Damals<br />

musste man vieles gemeinsam machen,<br />

weil man der Natur noch viel stärker<br />

ausgesetzt war. Dieses Gefühl der Gemeinschaft,<br />

dieses Aufeinanderangewiesen-Sein,<br />

ist immer noch Teil der<br />

Tradition.<br />

Wie werden solche Einstellungen und<br />

Werte über so lange Zeit weitergegeben?<br />

Indem sie gelebt werden. Indem man<br />

den Nachbarn unterstützt, wenn er in<br />

Not ist. <strong>Das</strong>s man das überhaupt nicht<br />

diskutiert, weil es selbstverständlich ist.<br />

Auf dem Land lebt man in viel kleineren<br />

Einheiten zusammen, deswegen<br />

hat man eine stärkere Nähe, weil man<br />

viel mehr aufeinander angewiesen ist.<br />

In der Stadt ist es kein Problem, sich<br />

nur mit Menschen zu umgeben, mit denen<br />

man sehr gut zurechtkommt. Auf<br />

dem Land geht das nicht, man muss mit<br />

denen auskommen, die da sind.<br />

Landleben leitet sich stark aus der<br />

Landwirtschaft ab. Aber kann die bäuerliche<br />

Welt noch die Bezugsgröße <strong>für</strong><br />

die Zukunft sein? Längst gibt es auch<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> Dörfer ohne einen<br />

einzigen Bauern.<br />

<strong>Das</strong> Leben auf dem Land ist immer<br />

noch grundlegend anders als in der<br />

Stadt. Auch wenn die Landwirtschaft<br />

nicht mehr die zentrale Bedeutung<br />

hat. Auf dem Land wohnt man näher<br />

an der Natur. Man bekommt viel unmittelbarer<br />

mit, wie sie funktioniert.<br />

Wenn man einen Sturm hatte, sieht<br />

man die umgeworfenen Bäume, erlebt,<br />

dass die Natur nicht in allem beherrschbar<br />

ist. Aber auch die konkrete<br />

Form der Landschaft ... Mehr als 50<br />

Prozent der Fläche sind nach wie vor<br />

landwirtschaftlich geprägt.<br />

Werden aber von immer weniger Landwirten<br />

bewirtschaftet …<br />

<strong>Das</strong> ist ein großes Problem. Es geht bei<br />

der Landwirtschaft nicht nur darum,<br />

dass wir Lebensmittel bekommen. Die<br />

Landwirtschaft hat eine Basis-Funktion<br />

<strong>für</strong> das Land, weil sie die Natur<br />

erst zu einem menschlichen Lebensraum<br />

macht und weil sie damit den<br />

Menschen das Leben auf dem Land<br />

erst ermöglicht.<br />

„ Es gibt eine kollektive<br />

Erinnerung an die<br />

Zeit der mittelalterlichen<br />

Dörfer„<br />

Sie war der Grund, dass die Menschen<br />

eine so enge Beziehung zu ihrem Dorf,<br />

zu ihrer Heimat hatten. Weil sie täglich<br />

mit ihr umgingen. Weil Arbeit und<br />

Wohnen, Freizeit und Beruf über Jahrtausende<br />

hinweg an einem Ort stattfanden.<br />

Wenn man diese Funktionen<br />

trennt, entstehen öde, leere, lebensunwerte<br />

Dörfer.<br />

Und die Großstadt ist grundlegend anders?<br />

Unsere moderne Welt ist geprägt<br />

durch Funktionsteilungen. Wohnen,<br />

Arbeiten, Einkaufen oder Freizeit<br />

werden an unterschiedlichen Orten<br />

ausgefüllt. Spezialisiert, da, wo es am<br />

effektivsten ist. <strong>Das</strong> unterscheidet das<br />

Landleben heute noch vom Leben in<br />

einer Vorstadtsiedlung.<br />

Warum gibt es das Landleben noch? Eigentlich<br />

ist es doch aus der Zeit gefallen.<br />

Weil die Menschen der Auffassung<br />

sind, dass es das bessere Leben ist.<br />

Auch in der Industriellen Revolution<br />

ist eine ganze Reihe von Menschen<br />

nicht in die industriellen Zentren abgewandert,<br />

sondern auf dem Land geblieben.<br />

Weil sie diese Form von Leben<br />

geschätzt hat und nicht verlieren wollte.<br />

Liest man Ihr Buch, hat man den Eindruck,<br />

dass das Landleben Antworten<br />

auf alle Fragen der Gegenwart bietet.<br />

Die Zerstörung der Natur, die Erodierung<br />

von Gemeinschaft, nachhaltiges<br />

Wirtschaften … Ist das Landleben das<br />

vollständigere Leben?<br />

Nein, das Landleben gibt nicht die<br />

Antwort auf alle Probleme unserer<br />

Zeit. Schon deswegen, weil es nicht die<br />

Antworten auf die Probleme der Stadt<br />

liefern kann. Ich würde auch nie sagen,<br />

dass das Leben in der Stadt nicht vollständig<br />

ist, es handelt sich nur um eine<br />

andere Vollständigkeit. Auf dem Land<br />

haben wir eine integrative Vollständigkeit,<br />

während es in der Stadt eine hoch<br />

spezialisierte Vollständigkeit ist. Beides<br />

hat jeweils Vor- und Nachteile. Die<br />

Stadt hat eine höhere Produktivität,<br />

fällt aber auch leichter auseinander.<br />

<strong>Das</strong> Land dagegen ist nicht hochkomplex,<br />

aber hat da<strong>für</strong> eine Leben, das aus<br />

sich selbst heraus funktioniert.<br />

Sie stellen fest, dass das Landleben immer<br />

mehr unter Druck gerät. Aber zugleich<br />

gibt es eine neue Landlust. Prominente<br />

Bands nennen sich „Provinz“,<br />

Juli Zeh oder Eva Menasse schreiben<br />

Bestseller-Romane über Dörfer … Was<br />

ist denn nun richtig: Landlust oder<br />

Landfrust?<br />

Ich habe das Gefühl, dass diese beiden<br />

Sachen nicht zusammenhängen. Die<br />

neue Landlust ist ein Phänomen, das<br />

sich in den Köpfen der Städter abspielt.<br />

Für mich lässt sich das klar datieren<br />

mit dem Jahr 2005, als die Zeitschrift<br />

Landlust gegründet wurde, die sehr<br />

schnell sehr erfolgreich wurde.<br />

Der Erfolg muss Gründe haben ...<br />

Ja, 2005 ist das Jahr, in dem die neoliberale<br />

Politik durchzuschlagen beginnt,<br />

in dem die Auswirkungen der<br />

Globalisierung in Deutschland negativ<br />

fassbar werden. Durch diese Entwick-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

73


lungen wird das Landleben auf einmal<br />

im Kopf als Idylle, als Gegenwelt stark<br />

gemacht. <strong>Das</strong> hat aber mit dem realen<br />

Landleben sehr wenig zu tun.<br />

Aber führt nicht der neue Charme dazu,<br />

dass mehr Städter sich <strong>für</strong> einen Umzug<br />

aufs Land entscheiden?<br />

Grundsätzlich gibt es Menschen, die<br />

von der Stadt aufs Land ziehen. Aber:<br />

Die Bilanz ist immer noch negativ. Da<br />

ist noch keine Trendwende zu erkennen,<br />

auch wenn sie in den Medien oft<br />

propagiert wird.<br />

Kann Corona einen neuen Impuls bringen?<br />

Wenn das Land jetzt schon in romantischer<br />

Hinsicht schön ist, ist es ja<br />

dank Homeoffice nun auch noch deutlich<br />

weniger unpraktisch?<br />

Nein, ich sehe da keinen neuen Impuls.<br />

Ich sehe nur die Entwicklung, dass<br />

durch Corona die Pendelentfernungen<br />

größer werden, die man bereit ist, zur<br />

Arbeit zu fahren, wenn man vielleicht<br />

nur zweimal die Woche ins Büro muss.<br />

Aber dadurch dehnt sich nur die Stadt<br />

und die städtische Lebensweise in die<br />

Fläche aus, das Land im eigentlichen<br />

Sinn wird nicht aufgewertet.<br />

Also will man gar keine Zuzüge aus der<br />

Stadt?<br />

Doch, das ist schon sinnvoll. Menschen,<br />

die nicht auf dem Land aufgewachsen<br />

sind, sind oft besser in der<br />

Lage, die Potenziale des ländlichen<br />

Raums zu entdecken. Die Alten sagen:<br />

<strong>Das</strong> haben wir immer schon so<br />

gemacht. Die Städter gehen offener an<br />

die Dinge ran. <strong>Das</strong> funktioniert aber<br />

nur, wenn sich die Zuzügler auf den<br />

ländlichen Raum einlassen. Wenn sie<br />

wirklich Kontakt aufnehmen und fragen,<br />

was ist das <strong>für</strong> eine Landschaft<br />

hier, was ist das <strong>für</strong> eine Kultur hier,<br />

was ist das <strong>für</strong> eine Geschichte. Wenn<br />

sie sich also auch verorten und nicht so<br />

wohnen wie Städter es gewohnt sind zu<br />

wohnen. Nämlich auf ihrem Grundstück<br />

mit Garten , ohne Kontakt zur<br />

direkten Nachbarschaft zu haben.<br />

Werfen wir einen Blick auf Weißenburg-Gunzenhausen,<br />

wo befinden wir<br />

uns räumlich?<br />

Der Landkreis liegt in der Mitte zwischen<br />

den beiden großen bayerischen<br />

Verdichtungsräumen Nürnberg und<br />

München, aber die beiden Räume sind<br />

noch nicht so weit gewachsen, dass sie<br />

aneinanderstoßen. Und wenn sie das<br />

tun, dann läuft das entlang der Achse<br />

A9 über Ingolstadt. Da liegt Weißenburg-Gunzenhausen<br />

abseits. <strong>Das</strong><br />

heißt, obwohl der Landkreis großräumig<br />

ziemlich zentral liegt, ist er trotzdem<br />

absolute Peripherie, weil er von<br />

den Suburbanisierungstendenzen der<br />

beiden Großräume nicht erfasst wird.<br />

Wann wurde Weißenburg-Gunzenhausen<br />

zur Peripherie? Immerhin war<br />

man ja mal Zentrum. Weißenburg etwa<br />

war fast 500 Jahre Freie Reichsstadt.<br />

<strong>Das</strong> ist völlig richtig: Jahrhundertlang<br />

ist diese Region keine Peripherie,<br />

sondern verfügt über einen gewissen<br />

Reichtum. Der Niedergang beginnt<br />

mit der Industriellen Revolution und<br />

der territorialen Neuordnung Bayerns<br />

ab 1803 <strong>–</strong> jetzt liegen die neuen industriellen<br />

und politischen Zentren auf<br />

einmal weit weg. Eine weitere Entwertung<br />

findet nach dem Zweiten Weltkrieg<br />

statt, als immer mehr administrative,<br />

wirtschaftliche und kulturelle<br />

Funktionen aus Weißenburg und dem<br />

Landkreis abgezogen sind und aus Kos-<br />

„ Obwohl der Landkreis<br />

großräumig<br />

zentral liegt, ist er<br />

absolute Peripherie„<br />

tengründen zentralisiert, also in den<br />

großen Städten angesiedelt werden.<br />

Dadurch gehen viele Arbeitsplätze verloren.<br />

Aber auf der anderen Seite sind die Einwohnerzahlen<br />

in den meisten Gemeinden<br />

ja gestiegen.<br />

Da seit der Industrialisierung die Einwohnerzahlen<br />

in Bayern, Deutschland<br />

und Europa sehr stark steigen, zeigt sich<br />

die Schwächung des Landkreises darin,<br />

dass sein Bevölkerungswachstum deutlich<br />

unter dem bayerischen Durchschnitt<br />

liegt <strong>–</strong> es handelt sich also um<br />

eine relative Entwertung. Allerdings<br />

gibt es sogar einige Gemeinden, die seit<br />

1840 sogar Einwohner verloren haben.<br />

Etwa Pappenheim oder Heidenheim.<br />

Dabei liegt das Problem im Landkreis<br />

auch darin, dass sogar die Kleinstädte,<br />

die normalerweise Zentren des Wachstums<br />

sein sollten, hier lediglich unterdurchschnittlich<br />

wachsen.<br />

Ist das ein Zeichen <strong>für</strong> die Schwäche des<br />

ländlichen Raums in <strong>Altmühlfranken</strong>?<br />

Ja, weil die Kleinstädte im ländlichen<br />

Raum ganz wichtig sind, indem sie<br />

eine Funktion als Ankerpunkt <strong>für</strong> ihr<br />

Umland besitzen. Wenn Kleinstädte<br />

geschwächt werden, ist das oft ein<br />

Zeichen da<strong>für</strong>, dass der gesamte Raum<br />

Probleme hat. <strong>Das</strong> ist ein Zeichen <strong>für</strong><br />

eine problematische Entwicklung.<br />

Ist dann Weißenburg das neue Zonenrandgebiet?<br />

Die bisherige Entwicklung <strong>–</strong> gerade,<br />

wenn man die Zeit von 2004 bis 2020<br />

anschaut <strong>–</strong> sieht so aus. Weil da ist in<br />

Weißenburg-Gunzenhausen praktisch<br />

eine analoge Entwicklung zu beobachten,<br />

wie sie Landkreise im Bayerischen<br />

Wald, in der Oberpfalz oder in Oberfranken<br />

nehmen. Also da, wo man die<br />

schlechtesten Verhältnisse in Bayern<br />

hat.<br />

Geht das so weiter?<br />

Wenn nichts passiert, dann läuft das so<br />

weiter, ja.<br />

Was muss denn passieren, dass es sich<br />

ändert?<br />

Für mich ist die Identität der Schlüsselfaktor.<br />

Die Menschen müssen sich vor<br />

Ort wohlfühlen, dann übernehmen sie<br />

von sich aus Verantwortung, werden<br />

innovativ und aktiv und delegieren<br />

nicht einfach alles an den Staat. Es<br />

braucht aber auch ein regionales Wirtschaftsprogramm.<br />

Da hatte Herr Ritzer<br />

in seinem Artikel in der vergangenen<br />

Ausgabe des <strong>WIKO</strong> schon recht. Er<br />

hat allerdings den Fokus auf die Aufwertung<br />

von exogenen Potenzialen gelegt.<br />

Ich würde sagen, es braucht noch<br />

stärker die Aufwertung von endogenen<br />

Potenzialen.<br />

Was heißt denn das konkret?<br />

Eine sehr gute Aufwertung von endogenen<br />

Potenzialen, also von vorhandenen<br />

Möglichkeiten, stellt die neu<br />

geschaffene Marke „Altmühltaler Weiderind“<br />

dar, die auf eine überzeugende<br />

Weise Umweltschutz, Landwirtschaft<br />

und Metzgerhandwerk miteinander<br />

verbindet und auf dezentrale Weise<br />

hochwertige Fleischprodukte produziert.<br />

In Ihrem Artikel der vergangenen<br />

Ausgabe fand ich aber auch die Bereiche<br />

Holz und Stein sehr interessant.<br />

74<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Die Bevölkerungsentwicklung von 1987 bis 2020<br />

in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Main-Donau Kanal<br />

Muhr<br />

Abs-<br />

Haun-<br />

dorf<br />

berg<br />

Landkreis<br />

Roth<br />

9<br />

Landkreis<br />

Ansbach<br />

Gunzenhausen<br />

Gnotzheim<br />

Altmühl<br />

Dittenheim<br />

Pfofeld<br />

Ellingen<br />

Pleinfeld<br />

Weißenburg<br />

i. Bay.<br />

Nennslingen<br />

Höttingen<br />

Burgsalach<br />

Bergen<br />

Solnhofen<br />

Theilenhofen<br />

Alesheim<br />

Meinheim<br />

Markt<br />

Berolzheim<br />

Raitenbuch<br />

Ettenstatt<br />

Gemeindeklassen<br />

1987-2020<br />

1987 = 100%<br />

≤ 100%<br />

101 - 110%<br />

111 - 120%<br />

121 - 137%<br />

> 137%<br />

Polsingen<br />

Landkreis<br />

Donau-Ries<br />

0 5<br />

10 20 Km<br />

Treuchtlingen<br />

Pappenheim<br />

Heidenheim<br />

Westheim<br />

Langenaltheim<br />

137% = stark überdurchschnittliches Wachstum<br />

Altmühl<br />

Entwurf: W. Bätzing, Kartographie: S. Adler (<strong>2022</strong>)<br />

© Bätzing, Institut <strong>für</strong> Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg<br />

Gerade beim Stein hat die Region mit<br />

den Solnhofener Platten und dem Juramarmor<br />

ein Potenzial ersten Ranges.<br />

<strong>Das</strong> müsste eigentlich der Baustoff <strong>für</strong><br />

die nähere Umgebung sein, von München<br />

bis Nürnberg. In Zeiten des Klimawandels<br />

ist es absurd, dass Stein aus<br />

China geholt wird.<br />

Die Verwendung heimischer Materialien<br />

ist aber oft eine Kostenfrage.<br />

Natürlich, aber auch eine Imagefrage.<br />

Wenn die Leute exotische Steine wollen,<br />

ist es auch nicht unbedingt eine<br />

Kostenfrage. Deswegen müsste man<br />

die Steine der Region wieder stärker<br />

ins Gespräch bringen.<br />

Sie äußern sich in Ihrem Buch auch<br />

skeptisch zu Fördermitteln, die über<br />

dem Land ausgeschüttet werden. Warum?<br />

Weil mit den Fördermitteln oft eine<br />

Philosophie verbunden ist, die zu<br />

einer latenten Verstädterung führt.<br />

Ich möchte da die Fördermittel des<br />

EU-Regionalprogramms Leader ausnehmen,<br />

weil die da bewusst einen<br />

integrativen und partizipativen Ansatz<br />

verfolgen. <strong>Das</strong> heißt, dass Wirtschaft,<br />

Umwelt und Gesellschaft verbunden<br />

werden sollen und die Betroffenen<br />

aktiv an diesem Prozess teilnehmen.<br />

Diese Projekte finde ich die besten<br />

<strong>für</strong> den ländlichen Raum. Der Landkreis<br />

hat übrigens einen großen Vorteil:<br />

Hier gibt es den Naturpark Altmühltal,<br />

dessen Aufgabe es ist, eine solche Entwicklung<br />

aktiv zu unterstützen und<br />

zu fördern. Und nach meinen Beobachtungen<br />

ist dieser Naturpark dabei<br />

sehr innovativ, und er ist hier einer der<br />

wichtigsten regionalen Akteure.<br />

Wenn Weißenburg-Gunzenhausen<br />

totale Peripherie ist, klingt das wirtschaftlich<br />

verheerend. Aber in Ihrem<br />

Verständnis wäre das ja auch eine Perspektive.<br />

Hier ist das echte Landleben<br />

noch nicht suburbanisiert, hier ist noch<br />

Heimat übrig, die zu retten ist.<br />

<strong>Das</strong> ist auf jeden Fall ein richtiges<br />

Argument. Allerdings hängt eine Aufwertung<br />

des Landkreises auch davon<br />

ab, ob es hier ein lebendiges Landleben<br />

gibt oder ob es kulturell erstarrt ist, was<br />

in peripheren Gebieten immer wieder<br />

vorkommt, wenn sich Menschen abkapseln.<br />

Ich kann aus der Entfernung<br />

nicht beurteilen, ob diese Gefahr im<br />

Landkreis besteht oder nicht, aber eine<br />

kulkturelle Lebendigkeit und Offenheit<br />

ist eine zentrale Voraussetzung <strong>für</strong><br />

eine Aufwertung,<br />

Was müsste man denn tun, um zu verhindern,<br />

dass die Stadt das Land auffrisst?<br />

Die Ausweitung von großen Neubaugebieten<br />

stoppen. Je mehr große<br />

Neubaugebiete es gibt, desto stärker<br />

kommen die Einheimischen in die<br />

Defensive. Wir kriegen anonyme zersiedelte<br />

Strukturen, die Landwirtschaft<br />

gerät unter Druck, weil die<br />

Neubausiedlungen oft auf den besten<br />

landwirtschaftlichen Flächen am Ortsrand<br />

entstehen. Die gesamte Wirtschaftsstruktur<br />

verändert sich, weil die<br />

normalen Läden ersetzt werden durch<br />

die Filialbetriebe aus den Großstädten.<br />

<strong>Das</strong> heißt, es werden sehr viele Men-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

75


schen verdrängt. Landwirtschaft wird<br />

verdrängt. Handwerk wird verdrängt,<br />

der lokale Einzelhandel wird verdrängt.<br />

<strong>Das</strong> ist eine Entwicklung, wo<br />

man im Grunde sagen kann: <strong>Das</strong> ist ein<br />

Verlust von Heimat.<br />

<strong>2022</strong> jährt sich die Gebietsreform <strong>–</strong><br />

Weißenburg und Gunzenhausen wurden<br />

politisch zu einem Landkreis verheiratet.<br />

Sollte man das eigentlich feiern?<br />

Ich sehe die Gebietsreform als ein zentrales<br />

Problem. Dadurch ist die untere<br />

Ebene der Demokratie sehr stark geschwächt<br />

worden. Die Ebene, wo die<br />

Bürger noch mitreden konnten, noch<br />

mitgestalten konnten, ist weit weggerutscht.<br />

<strong>Das</strong> war auch das Ziel. Man<br />

wollte, dass die Gemeinden so groß<br />

werden, dass sie Spezialisten anstellen<br />

können, dass es etwa einen Bauamtsleiter<br />

gibt, der ein Ingenieursausbildung<br />

hat. Aber damit hebt man die Entscheidungen<br />

eben auch auf eine Ebene, zu<br />

der man keinen Zugang mehr hat.<br />

Ist eine Trendwende in Sicht? Also,<br />

dass man wieder mehr Befugnisse nach<br />

unten gibt?<br />

Nein, im Gegenteil! Wenn was überlegt<br />

wird, dann eher die Gemeinden<br />

noch größer zu machen. Aber das ist<br />

heute nicht mehr durchsetzbar. Damals<br />

waren Großprojekte noch möglich.<br />

Auch das Fränkische Seenland zum<br />

Beispiel, in den 60er- und 70er-Jahren<br />

war das noch machbar. Heute wäre die<br />

Politik nicht mehr in der Lage, so etwas<br />

durchzuziehen. Der gesellschaftliche<br />

Konsens, den es <strong>für</strong> so etwas braucht,<br />

existiert nicht mehr.<br />

<br />

Wenn wir schon dabei sind: Was halten<br />

Sie vom Seenland?<br />

VITA PROF. DR. WERNER BÄTZING:<br />

Werner Bätzing wurde 1949 in Kassel geboren.<br />

Nach einem Studium der Theologie und Philosophie<br />

ging er als Religionslehrer nach Berlin. Nach<br />

einem Intermezzo als Buchhändler studierte er<br />

an der TU Berlin Geografie und promovierte. Nach<br />

sieben Jahren an der Universität Bern erhielt er<br />

einen Ruf als Professor an die Friedrich-<br />

Alexander-Universität Erlangen, wo er<br />

nach fast 20 Jahren 2014 emeritiert<br />

wurde. Seitdem widmet er sich weiter<br />

intensiv seinen Forschungen zur<br />

Entwicklung des ländlichen Raums.<br />

Insbesondere in Franken und dem<br />

Alpenraum. Prof. Dr. Werner Bätzing<br />

lebt in Bamberg.<br />

Meine Einschätzung in Sachen Seenland<br />

ist eher positiv. Es war sinnvoll,<br />

dass man das Wasserproblem löste, und<br />

es war auch sinnvoll, dass man einen<br />

dezentralen Tourismus gebaut hat, der<br />

den Einheimischen neue Verdienstmöglichkeiten<br />

schafft. Und das hat ja<br />

auch gut geklappt, wie ein Blick auf<br />

die Karte der Bevölkerungsentwicklung<br />

im Landkreis zeigt. Ich bin der<br />

Meinung, dass man auf diesem Wege<br />

weiterfahren sollte, dass man aus dem<br />

Fränkischen Seenland keine großtouristischen<br />

Strukturen bauen, dass keine<br />

fremden Investoren reinkommen, keine<br />

Großhotels entstehen sollten. Man<br />

sollte versuchen, den Tourismus in die<br />

Fläche zu ziehen. Also weg von den<br />

Seen, ins Hinterland, um diesen dezentralen<br />

Charakter des Tourismus, der<br />

von den Einheimischen geprägt wird,<br />

zu erhalten.<br />

Allerdings ist der Tourismus bei uns vor<br />

allem ein saisonaler. Leben können im<br />

Seenland nur wenige hauptberuflich<br />

vom Tourismus.<br />

Ja, aber es ist klassisch <strong>für</strong> das Landleben,<br />

dass man sein Einkommen aus<br />

mehreren Quellen bestreitet. Und<br />

diese touristischen Jobs sind in Einkommenskombinationen<br />

möglich. Sie<br />

sorgen auch da<strong>für</strong>, dass es eine hohe<br />

Akzeptanz der Einheimischen <strong>für</strong> den<br />

Tourismus gibt. An dem Punkt, wo<br />

hauptberufliche Strukturen entstehen,<br />

werden fremde Arbeitskräfte eingestellt<br />

und die Akzeptanz des Tourismus<br />

in der Bevölkerung sinkt stark.<br />

Dann war es also richtig, dass die Pfofelder<br />

im vergangenen Jahr Center<br />

Parcs weggeschickt haben, die rund 350<br />

Millionen Euro in eine riesige Ferienanlage<br />

am See investieren wollten?<br />

<strong>Das</strong> war genau richtig. Ich finde das<br />

sehr gut.<br />

Aber braucht das Land nicht auch Investitionen<br />

in eine starke Wirtschaft?<br />

Gerade läuft die Diskussion um das<br />

nächste Großprojekt. Ein in Gunzenhausen<br />

ansässiger Rechenzentrums-<br />

Dienstleister will Millionen in einen<br />

Serverpark mit Zigtausenden Computern<br />

investieren.<br />

Ich spreche in meinem Buch bewusst<br />

davon, dass das Land eine Doppelnutzung<br />

braucht. Natürlich braucht es auf<br />

dem Land Firmen, die <strong>für</strong> den Weltmarkt<br />

produzieren. Aber das darf nicht<br />

so stark werden, dass dadurch die regionale<br />

Wirtschaft verdrängt wird. Da<br />

braucht es eine Balance, und man muss<br />

im Einzelfall sehr genau gucken. Prinzipiell<br />

sind Serverfarmen eine Sache,<br />

bei der die Stadt ihre Probleme auf das<br />

Land auslagert. Immer zu glauben, weil<br />

das Land wirtschaftsschwach ist, müsste<br />

sie sich über jede Serverfarm freuen,<br />

ist <strong>für</strong> mich kein Argument. Aber wenn<br />

es sich um ein Unternehmen handelt,<br />

das seinen Sitz in der Region hat, muss<br />

man sich das näher anschauen.<br />

<strong>Das</strong> Land hat die Stadt mit ihrem<br />

Überschuss an Nahrung erst möglich<br />

gemacht, erklären Sie in Ihrem Buch.<br />

Weil Nahrung zumindest in den Industrieländern<br />

kein Mangelfaktor mehr ist<br />

76<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


und man seine Rohstoffe aus der ganzen<br />

Welt bezieht, hat sich diese Verbindung<br />

gelockert. Ändert sich das gerade wieder?<br />

Regionale Kreisläufe werden doch<br />

wichtiger und die erneuerbaren Energien<br />

geben dem Land eine neue Funktion?<br />

Es ist meine Hoffnung, dass das zu einer<br />

Aufwertung führt. Und zwar dann,<br />

wenn das Land Qualitätsprodukte<br />

produziert, die in der Stadt verkauft<br />

werden. Dann kriegt man wieder eine<br />

Gleichwertigkeit hin. Diese Produkte<br />

sind <strong>für</strong> mich im Rahmen der Landwirtschaft,<br />

der Forstwirtschaft, auch im<br />

Rahmen der Energieproduktion, wenn<br />

es auf eine umweltfreundliche und sozialverträgliche<br />

Weise gemacht wird,<br />

aber auch im Rahmen von Handwerk<br />

und Dienstleistungen. Es geht da wirklich<br />

um eine Kette dezentraler Wirtschaftsleistungen.<br />

Und wenn am Ende<br />

eine Wertschöpfungskette auf dem<br />

Land entsteteht, die von der Landwirtschaft<br />

über die Verarbeitung bis hin zu<br />

Marketing und Logistik reicht, dann<br />

könnten ländliche Arbeitsplätze wirklich<br />

aufgewertet werden.<br />

Kann vielleicht letztlich auch der Klimawandel<br />

das Landleben retten? Er<br />

bringt immerhin einen großen Druck<br />

zum Wandel mit sich. Auch in der<br />

Landwirtschaft.<br />

<strong>Das</strong> ist eine ganz schwierige Diskussion.<br />

Die ganze Entwicklung in Richtung<br />

agroindustrielle Landwirtschaft<br />

macht aus der Landwirtschaft eigentlich<br />

eine Klimabelastung. Aber artenreiche<br />

Wiesen speichern ein Drittel<br />

mehr CO2 als Wälder. <strong>Das</strong> weiß nur<br />

keiner. Nicht die Landwirtschaft an<br />

sich, sondern die moderne Intensivlandwirtschaft<br />

ist klimaschädlich. Die<br />

traditionelle Landwirtschaft hat in<br />

vielen Fällen umweltverträglich gewirtschaftet.<br />

In diese Richtung müsste<br />

es wieder gehen. Also konkret die Biolandwirtschaft<br />

oder auch die Regional-Landwirtschaft,<br />

die ganz bewusst<br />

umweltverträglich produziert und sich<br />

an früheren Erfahrungen orientiert.<br />

Ich denke, die könnten in Zukunft<br />

neben ihren Qualitätsprodukten auch<br />

einen Beitrag zur CO2-Reduzierung<br />

leisten.<br />

Hier ist man in Bayern und auch in<br />

Franken ja noch gut aufgestellt, weil die<br />

Reste der kleinbäuerlichen Strukturen<br />

noch vorhanden sind.<br />

Ja, das stimmt. Und dadurch hat man<br />

eben auch viele Potenziale <strong>für</strong> eine<br />

Neuaufwertung.<br />

Aber retten uns Streuobst-Apfelsaft.,<br />

Kirsch-Marmelade und Walnussmehl<br />

wirklich? <strong>Das</strong> klingt immerhin nicht<br />

gerade nach Hunderten Arbeitsplätzen?<br />

Da habe ich das Gefühl ist noch viel<br />

mehr rauszuholen. Aus diesen Nischenprodukten<br />

müssen Produkte<br />

werden, die in den normalen Alltagskonsum<br />

eingehen. Regionalprodukte<br />

haben jetzt schon ein sehr hohes<br />

Image. Ein so hohes, dass Einzelhandelskonzerne<br />

versuchen, ihre Produkte<br />

regional aussehen zu lassen. Da gibt<br />

der Staat im Moment völlig falsche<br />

Anreize, indem er diese Fake-Produkte<br />

sehr einfach ermöglicht. Hier müssten<br />

echte Regionalprodukte viel stärker gefördert<br />

werden.<br />

Welche dezentralen Infrastrukturen<br />

müssen denn wieder aufs Land, damit<br />

es sich dort besser leben lässt?<br />

„ <strong>Das</strong> Land wird aufgewertet,<br />

wenn es zu<br />

Zusammenbrüchen von<br />

Systemen kommt„<br />

wochen in den umliegenden Dörfern<br />

initiiert werden, die die einzelnen Dörfer<br />

näher untersuchen und fragen, wie<br />

sie funktionieren und wo ihre Stärken<br />

und Schwächen liegen. <strong>Das</strong> wäre meines<br />

Erachtens eine wichtige Innovation.<br />

Aber ich weiß, darüber wird bei<br />

den entsprechenden Stellen überhaupt<br />

nicht nachgedacht.<br />

Was ist mit dem Personennahverkehr?<br />

<strong>Das</strong> ist eine große Schwierigkeit, weil<br />

die Nachfragezahlen relativ klein sind.<br />

Nach dem bisherigen Modell funktioniert<br />

der Nahverkehr nicht, das ist zu<br />

teuer. Aber die Frage ist, ob es nicht andere<br />

Möglichkeiten gibt. Der internet-<br />

Die Schulversorgung, sie hat eine ganz<br />

zentrale Aufgabe auch <strong>für</strong> das Dorf<br />

selbst, <strong>für</strong> seine kulturelle Identität. In<br />

der Vergangenheit hat man die Schulen<br />

sehr stark konzentriert, jetzt müssten<br />

sie eine Art Gegenprogramm machen.<br />

Aus den zentralen Schulstandorten<br />

heraus sollten immer wieder Projektgestützten<br />

Multifunktionalität wird<br />

eine große Bedeutung zukommen. Also<br />

nicht zu trennen zwischen Schülerverkehr<br />

und normalem Personen-, Freizeit-<br />

oder Arbeitsverkehr, sondern dass<br />

man Verkehrsströme verbindet. Aber<br />

insgesamt fehlt es am Willen zur Innovation,<br />

neue, dezentrale Infrastrukturen<br />

zu entwickeln.<br />

Sie entwickeln in Ihrem Buch verschiedene<br />

Szenarien, was in den nächsten<br />

Jahrzehnten mit dem Land passieren<br />

wird. Bis auf das letzte enden eigentlich<br />

alle mit dem endgültigen Verlust des<br />

Landlbens.<br />

Ja, und dieses letzte setzt einen Bruch<br />

unserer aktuellen Entwicklung voraus.<br />

Ich habe den Eindruck, dass dieser<br />

Bruch schwer auf normale Weise umzusetzen<br />

ist, weil damit so viele unterschiedliche<br />

Probleme verbunden sind,<br />

die alle gleichzeitig gelöst werden<br />

müssten. Ich <strong>für</strong>chte, dass das Land<br />

erst aufgewertet wird, wenn es zu gewissen<br />

Zusammenbrüchen kommt.<br />

Die Pandemie ist so einer. Keiner hatte<br />

sie auf dem Schirm, aber sie stört jetzt<br />

das gesamte Wirtschaften. Ich habe das<br />

Gefühl, dass unsere globalisierte Wirtschaft<br />

und Gesellschaft extrem anfällig<br />

geworden ist <strong>für</strong> solche Störungen. Es<br />

reichen heute Kleinigkeiten, die sich<br />

unglaublich schnell als Kettenreaktionen<br />

über den ganzen Erdball ausdehnen.<br />

Von daher ist meine Be<strong>für</strong>chtung:<br />

Wir kriegen Teilzusammenbrüche, wo<br />

das System nicht mehr richtig funktioniert.<br />

Aber das wäre zugleich die Möglichkeit,<br />

dass der ländliche Raum seine<br />

Stärken ausspielen kann.<br />

Also muss erst eine Katastrophe passieren,<br />

dass die Stadt das Land nicht endgültig<br />

auffrisst?<br />

Zumindest bin ich derzeit skeptisch,<br />

wie das Land politisch aufgewertet<br />

werden könnte, da die entsprechenden<br />

Interessengruppen ziemlich schwach<br />

sind. Es könnte sein, dass das Land<br />

durch politisches Handeln aufgewertet<br />

werden könnte. Es gibt aber keine<br />

politische Partei, die das wirklich ernst<br />

meint. Alle orientieren sich an den<br />

Städten und an den dortigen Wählern<br />

und haben kein wirkliches Interesse an<br />

der Aufwertung des Landes. Denn dies<br />

würde erhebliche Einschnitte in unser<br />

städtisch geprägtes Leben und Wirtschaften<br />

bedeuten und viele Wählerstimmen<br />

kosten. <br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

77


Handwerk<br />

78<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Höchste Wohnqualität<br />

auf dem<br />

neuesten Stand<br />

der Technik<br />

Gestern Vision, heute Trend: Die moderne und effiziente Haustechnik<br />

von Mory Elektro Wärme Bad aus Pleinfeld macht das<br />

Zuhause zu einem wohligen und energieeffizienten Ort, der<br />

seine Bewohner zum Feierabend charmant empfängt und die<br />

heimische Erholung zum Erlebnis macht. Ob Heizung, Elektrotechnik,<br />

Bad oder Photovoltaik<br />

und Smarthome:<br />

„Wir bieten fortschrittlichste<br />

Lösungen<br />

an, die den Begriff<br />

der Wohnqualität ganz<br />

neu abstecken“, erzählt<br />

Rainer Mory stolz.<br />

Der Geschäftsführer leitet den Familienbetrieb im Pleinfelder<br />

Industriegebiet bereits in fünfter Generation mit Bruder Bernd<br />

und Gerhard Schrank. Eine Kooperation, die menschlich und<br />

fachlich perfekt funktioniert: Schrank ist <strong>für</strong> das Geschäft rund<br />

um Bad- und Heizungssanierungen zuständig, Bruder Bernd<br />

leitet die Elektrosparte und Rainer Mory gestaltet den Bereich<br />

Heizung und Sanitär. <strong>Das</strong> Unternehmen Mory steht so seit<br />

über 140 Jahren <strong>für</strong> maßgeschneiderte, preiswerte und professionelle<br />

Haustechnik. „<strong>Das</strong> geht bei uns Hand in Hand.“<br />

Den Zeichen der Zeit haben sich die<br />

Pleinfelder noch nie verschlossen, sie<br />

setzen auf innovative und intelligente<br />

Gebäudetechnik, die sorglose Erholung<br />

verspricht. Entspannen, Loslassen<br />

und Wohlfühlen <strong>–</strong> diesen Begriffen<br />

geben die Wohnraum-Profis mit<br />

hochmodernen Lösungen eine ganz<br />

besondere Bedeutung. „Moderne<br />

Haustechnik macht aus dem eigenen<br />

Zuhause ein kleines Paradies, eine<br />

perfekt auf die Bedürfnisse seiner Bewohner<br />

abgestimmte Wohlfühl-Oase“,<br />

erklärt Mory.<br />

Die Experten am Nordring in Pleinfeld bieten <strong>für</strong> jedes Zuhause<br />

ein breites Portfolio behaglicher Wohnraumtechnik an. „Dabei<br />

ist unser ganzheitliches Angebot ein entscheidender Vorteil<br />

<strong>für</strong> den Kunden“, sagt Rainer Mory. „Wir kombinieren effiziente<br />

Heiztechnik mit moderner Photovoltaik, richten Wandladestationen<br />

<strong>für</strong> Elektroautos ein und bauen Bäder mit Charakter.“<br />

-sz-<br />

Fünfte Generation<br />

Handwerk<br />

Bereits 1882 hatte Wilhelm Mory<br />

die Vision einer eigenen Schlosserei.<br />

Der erste Meilenstein war das eigene<br />

Ladengeschäft in Pleinfeld in den<br />

1920er-Jahren. Aus bescheidenen<br />

Anfängen entwickelte sich das Unternehmen<br />

zu einem Handwerksbetrieb,<br />

den Fritz Mory im Jahr 2003 an<br />

seine beiden Söhne Bernd und Rainer<br />

Mory weitergab. Der über 140 Jahre<br />

alte Traditionsbetrieb wird seitdem in<br />

bereits fünfter Generation am Hauptstandort<br />

in Pleinfeld weitergeführt.<br />

Mory GmbH<br />

Nordring 8 • 91785 Pleinfeld<br />

Tel. 0 91 44 / 9 29 40<br />

www.mory-haustechnik.de<br />

info@mory-haustechnik.de<br />

Unternehmensgründung: 1882<br />

Mitarbeiter: 90<br />

Geschäftsführer: Bernd Mory,<br />

Rainer Mory und Gerhard Schrank<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

79


Anzeige<br />

Werkstatt wächst weiter<br />

Jedes Fahrzeug<br />

ist willkommen<br />

Im Jahr 2013 haben Thomas Felleiter<br />

und Peter Schmidt die alte Werkstatt<br />

von Auto Meeh in der Ansbacher<br />

Straße in Treuchtlingen übernommen<br />

und Schritt <strong>für</strong> Schritt saniert und<br />

modernisiert. Unter anderem wird<br />

eine neue Heizung installiert und<br />

die Fenster erneuert. 2019 schließlich<br />

wird eine neue Werkstatthalle<br />

gebaut. Spezialisiert sind die beiden<br />

Geschäftsführer und ihr Team auf die<br />

Marken VW, Audi, Seat und Skoda,<br />

kümmern sich nach eigener Aussage<br />

aber in ihrer freien Werkstatt grundsätzlich<br />

um jedes Fahrzeug. Der zweite<br />

Geschäftszweig des Betriebs ist der<br />

Verkauf von Neu- und Jahreswagen.<br />

Auto Felleiter & Schmidt GmbH<br />

Ansbacher Str. 34<br />

91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 0 91 42 / 53 51<br />

www.felleiter-schmidt.de<br />

info@felleiter-schmidt.de<br />

Unternehmensgründung: 2013<br />

Mitarbeiter: 10<br />

Geschäftsführer: Thomas Felleiter<br />

und Peter Schmidt<br />

Thomas Felleiter und Peter Schmidt machen ihren Job gerne,<br />

auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie 2021. „Es ist viel<br />

zu tun, aber wir haben ein sehr gutes Team, mit dem die Arbeit<br />

machbar ist“, sagen die beiden Geschäftsführer der Auto Felleiter<br />

& Schmidt GmbH. Zehn Mitarbeiter sind im Unternehmen<br />

angestellt, im Herbst 2021 gab es zudem „Nachwuchs“.<br />

Erstmals haben die beiden<br />

einen Auszubildenden<br />

unter Vertrag genommen.<br />

„Wir probieren das jetzt<br />

aus, auch wenn es nicht<br />

so einfach ist. Du brauchst<br />

<strong>für</strong> die Ausbildung einfach<br />

wahnsinnig viel Energie<br />

und Zeit“, sagt Kfz-Mechatroniker-Meister<br />

Felleiter,<br />

der damit auch ein Stück weit dem Fachkräftemangel begegnen<br />

will. Der schlägt zwar in anderen (Handwerks-)Berufen<br />

deutlicher zu, doch auch die Automobilbranche bleibe davon<br />

nicht verschont. „Und ein guter Mechaniker oder Handwerker<br />

hat heutzutage seinen Job“, ergänzt Peter Schmidt.<br />

Um die Rahmenbedingungen<br />

<strong>für</strong> das aktuelle Team<br />

stetig zu verbessern und<br />

damit auch den Betrieb<br />

weiterzuentwickeln, wurde<br />

2021 eine neue Montiermaschine<br />

angeschafft.<br />

„<strong>Das</strong> automatisiert die Abläufe<br />

und ermöglicht ein ergonomischeres<br />

Arbeiten“,<br />

sagt Thomas Felleiter, der auch auf eine umgebaute Kaffeeküche<br />

und Aufenthaltsraum <strong>für</strong> die Angestellten verweisen kann.<br />

Neuerungen <strong>für</strong> <strong>2022</strong> sind die Anschaffung eines Abschleppwagens<br />

sowie eines weiteren Diagnose-Testers, um auf die<br />

Steuersoftware zugreifen zu können bzw. diese programmieren<br />

zu können und Updates durchzuführen. „Damit wollen wir<br />

uns noch besser aufstellen“, sagen Felleiter und Schmidt.<br />

Was unverändert bleibt, ist die grundsätzliche Ausrichtung.<br />

„Wir sind eine freie Werkstatt, die sich alle Fahrzeuge anschaut,<br />

man kann mit (fast) jedem Auto zu uns kommen“, betonen beide.<br />

Und: „Autoreparatur ist Vertrauenssache.“ -mho-<br />

80<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Neue Generation<br />

setzt Firmentradition<br />

fort<br />

Höchste Qualität und leidenschaftlicher Service: Da<strong>für</strong> steht<br />

Fenster Rachinger aus Bieswang. Seit 110 Jahren begeistert<br />

der Traditionsbetrieb Kunden mit hochwertigem Handwerk<br />

auf dem neuesten Stand der Technik. „Ob Sicherheitsfunktionen,<br />

Wärmedämmung oder Farbgebung <strong>–</strong> unsere Produkte<br />

haben sich jedes Jahr weiterentwickelt und werden immer<br />

komplexer“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schmidt.<br />

Ob Holz, Holz-Aluminium oder Kunststoff: „Wir liefern maßgefertigte<br />

Produkte, die in Form, Farbe, Material und Ausstattung<br />

optimal zugeschnitten sind. Wir sind qualitativer Marktführer<br />

im hochwertigen Fensterbereich.“ Möglich machen das<br />

zwei große Fertigungsbetriebe (Holz, Kunststoff), eingespielte<br />

Teamarbeit zwischen der Geschäftsleitung und den 55 MitarbeiterInnen<br />

sowie zahlreiche regionale Partnerbetriebe. Qualität<br />

made in Bayern eben.<br />

Schreinerei<br />

seit 1912<br />

Schreinermeister Fritz Wüst gründete<br />

die Firma 1912 in Bieswang. Seine<br />

Tochter Sofie übernahm danach mit<br />

ihrem Mann Karl Schmidt und nach<br />

dessen Tod im Krieg mit Ehemann<br />

Karl Rachinger. In Bieswang begann<br />

die Spezialisierung auf Fensterbau, in<br />

Solnhofen auf Türen und Innenausbau.<br />

Mit Karl und Hermann in der<br />

Geschäftsleitung wurde die Firma in<br />

„Rachinger & Söhne“ umbenannt.<br />

Sohn Karl übernahm 1985 die<br />

Leitung des Fensterbaubetriebs, Sohn<br />

Hermann die des Möbelhauses in<br />

Solnhofen. 1999 trennten sich die Betriebe<br />

einvernehmlich. Es entstanden<br />

„Möbel Rachinger“ und „Fenster Rachinger“.<br />

2002 übernahm Wolfgang<br />

Schmidt die Firma „Fenster Rachinger“,<br />

die seitdem stetig wächst.<br />

Neu in der Geschäftsleitung sind seit einem halben Jahr Tochter<br />

Hanna Ersfeld und ihr Mann Philipp, die in Zukunft übernehmen<br />

werden. „Diesen Generationenwechsel soll auch<br />

unser neuer Firmenauftritt mit neuem Logo symbolisieren“,<br />

sagt Christine Schilberg-Schmidt. Moderner Look und vertraute<br />

Elemente definieren den neuen Stil <strong>–</strong> eine Analogie zur<br />

gemeinsamen Unternehmensführung ist nicht zu übersehen:<br />

Ins bewährte Handwerk fließen neue Ideen und Ansätze der<br />

nächsten Generation ein.<br />

Wie erfolgreich das sein kann, erklärt Philipp Ersfeld: „Wie viele<br />

Betriebe suchen auch wir neue Mitarbeiter.“ Die Lösung: Anzeigen<br />

auf Facebook. Die Resonanz war überwältigend, der erste<br />

Arbeitsvertrag ist bereits unterschrieben. „Auch bei der Suche<br />

nach Auszubildenden <strong>für</strong> den Beruf des Schreiners versprechen<br />

wir uns durch die deutliche Verjüngung weitere Attraktivität<br />

<strong>für</strong> unsere Firma“, sagt Hanna Ersfeld. -sz-<br />

Fenster Rachinger<br />

Am Solnhofer Weg 4<br />

91788 Bieswang<br />

Tel. 0 91 43 / 4 40<br />

www.rachinger.de<br />

info@rachinger.de<br />

Unternehmensgründung: 1912<br />

Mitarbeiter: 55<br />

Geschäftsführer: Wolfgang Schmidt<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

81


Anzeige<br />

Fliesen WOLF mit neuem<br />

Showroom<br />

Fliesen Naturstein Estrich<br />

Qualität<br />

„made by Wolf“<br />

Woconcept <strong>–</strong> das Konzept vom modernen<br />

Familienunternehmen Fliesen<br />

Wolf. Der langjährige Meisterbetrieb<br />

mit neuem Ausstellungsraum und<br />

größeren Räumlichkeiten in Weißenburg.<br />

Die Zusammenarbeit mit<br />

Architekten, Bauträgern, öffentlichen<br />

Auftraggebern und Privatkunden erstreckt<br />

sich weit über die Stadtgrenze<br />

hinaus. Fliesen Wolf ist bekannt im<br />

Raum Nürnberg, Ingolstadt bis nach<br />

München. Eine kompetente Beratung,<br />

der Blick auf Nachhaltigkeit,<br />

Qualität, Langlebigkeit und Ästhetik<br />

liegen dem Unternehmen bei Kundengesprächen<br />

am Herzen. Von der<br />

Inspiration bis zur Realisierung.<br />

Fliesen | Naturstein | Öfen | Holzböden | Estriche<br />

Fliesen Wolf GmbH<br />

Richard-Stücklen-Straße 16<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 90 12 50<br />

www.woconcept.de<br />

info@woconcept.de<br />

Unternehmensgründung: 1928<br />

Mitarbeiter: 13<br />

Geschäftsführer: Matthias<br />

Heidrich-Wolf<br />

Die Eröffnung des neuen Showrooms sollte der krönende Anfang<br />

nach dem Umzug der Firma Fliesen Wolf von Pleinfeld<br />

nach Weißenburg sein. Doch leider mussten ausgerechnet am<br />

geplanten Tag der Feierlichkeiten, dem 01.04.21, pandemiebedingt<br />

alle Einzelhändler schließen. „<strong>Das</strong> komplette Verkaufsteam<br />

war somit ab Tag eins in Kurzarbeit“, schildert Firmeninhaberin<br />

Carolyn Wolf.<br />

Dabei ist der neue Ausstellungsraum das repräsentative Herzstück<br />

der neuen Räumlichkeiten. Hier werden alle verfügbaren<br />

Produkte ausgestellt. „Bei woconcept bekommen Sie nicht<br />

nur alles aus einer Hand, sondern können auch alles selber<br />

anschauen, anfassen und prüfen“, so Wolf. Es werden Fliesen<br />

von namhaften Herstellern wie Deutsche Steinzeug AG, V+B,<br />

Steuler, Porcelaingres oder Marazzi ausgestellt. Ebenso Natursteine<br />

aller Art, wie beispielsweise <strong>für</strong> Treppenanlagen, Beläge<br />

oder Fertigarbeiten. Vinyl und Laminat werden ebenso angeboten.<br />

Auch Kaminöfen zählen zum Repertoire. Eine Neuheit:<br />

Seit August 2021 werden Estriche aller Art angeboten. Der<br />

neue Showroom soll den Kunden die bestmögliche Auswahl<br />

bieten. „Wir können alles verlegen, was wir in unserer Ausstellung<br />

verkaufen“, so Wolf.<br />

Der Standortwechsel war trotz der pandemischen Umstände<br />

sehr wichtig <strong>für</strong> das wachsende Unternehmen. Die Lagerkapazitäten<br />

mussten dringend erhöht und Platz <strong>für</strong> die Verwaltung<br />

geschaffen werden. Mittlerweile zählt Fliesen Wolf 13 Mitarbeiter<br />

und 25 Nachunternehmer. <strong>Das</strong> verfügt über die Kompetenz,<br />

in allen Sparten zu verlegen. Bedeutet: vom Einfamilienhaus<br />

bis hin zu Großobjekten von mehreren 1000 Quadratmetern.<br />

Bis auf den schweren Verkaufsstart während des Lockdowns<br />

hat die Corona-Pandemie glücklicherweise kaum Einflüsse auf<br />

das Geschäft. Durch die neu geschaffenen Lagerkapazitäten,<br />

die langjährige Erfahrung und die guten Geschäftsbeziehungen<br />

zu den Lieferanten kam es kaum zu Lieferengpässen. Ein<br />

Unternehmen, welches sich auch in pandemischen Zeiten bewährt<br />

hat. <br />

-cr-<br />

Holzböden<br />

Kaminöfen<br />

82<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Zufriedene<br />

Kunden<br />

reichen nicht<br />

Foto: warema<br />

Friedrich Kipf will begeisterte Kunden. Mit seinen 80 MitarbeiterInnen<br />

baut er auch jenseits des Landkreises hochwertige<br />

Fenster und Haustüren ein: mit modernsten Sicherheitsstandards,<br />

herausragender Wärmedämmung und mit prächtigen<br />

Designs. „Alles, was wir tun, ist am größtmöglichen Nutzen <strong>für</strong><br />

unsere Kunden ausgerichtet“, sagt der Geschäftsführer.<br />

Im wachsenden Geschäftszweig „OutdoorLiving“ hat man in<br />

Markt Berolzheim auch das schöne Leben im Freien, also im<br />

eigenen Garten im Blick. Ob Terrassenüberdachungen, Lamellendächer,<br />

Sonnensegel oder Markisen: „Da bieten wir das ganze<br />

Spektrum. Natürlich auf dem hohen Qualitätsstandard, den<br />

wir <strong>für</strong> alle unsere Produkte in Anspruch nehmen.“<br />

Brandneu in diesem Segment <strong>–</strong> und ein echtes Highlight <strong>für</strong><br />

Gartenliebhaber: Outdoor-Küchen. Moment mal. Kochstellen<br />

zwischen Rhododendron und Holunder? Werden die nicht<br />

nass? „<strong>Das</strong> werden sie <strong>–</strong> und das dürfen sie auch“, erklärt der<br />

gelernte Schreinermeister den Neuzugang in seinem Sortiment.<br />

„<strong>Das</strong> sind Küchenzeilen mit dickwandigem Aluminium,<br />

pulverbeschichtet und witterungsbeständig.“<br />

Meisterliches Handwerk macht es möglich: Eichenholzelemente<br />

der Freiluft-Kochstellen werden mehrfach mit Seelack<br />

behandelt. „<strong>Das</strong> macht die Oberflächen wasserfest wie ein<br />

Schiff. Auch optisch sieht das richtig klasse aus.“ Ausstatten<br />

können Kunden solche Küchen dann wie sie wollen: „Ceranfeld,<br />

Gasherd oder Smoker sind gar kein Problem.“<br />

Besonders schön: Die Outdoor-Küchen eignen sich perfekt <strong>für</strong><br />

kleine kulinarische Events, die das Unternehmen vor der Pandemie<br />

noch regelmäßig angeboten hat. Bald soll es sie wieder<br />

geben. Im Außenbereich kann man am Standort dann beim<br />

gemütlichen Zusammensein und dem Genuss feiner Speisen,<br />

dargeboten von gastierenden Profi-Köchen erleben, worum<br />

sich bei Kipf alles dreht: höchste Qualität und ein traumhaftes<br />

Wohngefühl.-sz-<br />

60 Jahre<br />

gutes Handwerk<br />

Heinz Kipf startete 1961 mit seiner<br />

Schreinerei in Markt Berolzheim. Er<br />

fertigte Holzfenster, Türen, Sonnenschutz<br />

und Rollläden <strong>–</strong> und Lehrmittel<br />

<strong>für</strong> Schulen. Anfang der 80er-Jahre<br />

erkannte Kipf den aufkommenden<br />

Trend <strong>für</strong> Wintergärten. Der Betrieb<br />

wuchs stetig, das Material veränderte<br />

sich: Alu und Kunststoff wurden zum<br />

Schwerpunkt. Ab 1991 entstanden<br />

Kunststofffenster in der neu gebauten<br />

Fertigungshalle. Seit 2010 entwickelt<br />

und baut Kipf ein eigenes System <strong>für</strong><br />

Terrassendächer. <strong>Das</strong> 50-jährige Jubiläum<br />

geht 2011 mit der Eröffnung<br />

der neuen Fertigungshalle in der<br />

Wettelsheimer Straße einher. 2019<br />

kam eine eigene Alu-Produktion und<br />

-Bearbeitung hinzu. Heute wird der<br />

Familienbetrieb mit 80 Angestellten<br />

von Friedrich Kipf geführt.<br />

KIPF Fenster. Türen. OutdoorLiving.<br />

Wettelsheimer Straße 18+21<br />

91801 Markt Berolzheim<br />

Tel. 0 91 46 / 94 14 - 0<br />

www.kipf.de • info@kipf.de<br />

Unternehmensgründung: 1961<br />

Mitarbeiter: 80<br />

Geschäftsführer: Friedrich Kipf<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

83


Anzeige<br />

Traditionelles Handwerk<br />

trifft moderne Technik<br />

Rieger & Kraft Zimmerei & Solar GmbH<br />

Holzinger Hauptstraße 32<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 92 32 39<br />

Proofdruck <strong>für</strong> www.solar-rieger-kraft.de<br />

1 StadtZeitung www.zimmerei-rieger-kraft.de<br />

Werbeverlag<br />

AuftragsNummer: 0000396928<br />

Druck: 14.08.2020<br />

kontakt@zimmerei-rieger-kraft.de<br />

14:50:53<br />

Leidenschaftliches Handwerk und<br />

moderne Technik gehen bei der<br />

Zimmerei Rieger & Kraft Hand in<br />

Hand. Die Geschäftsführer Frank<br />

Rieger und Uwe Kraft kennen sich<br />

schon lange: 2008 haben sie ihre<br />

Trockenbaubetriebe in Holzingen<br />

zusammengelegt und eine gemeinsame<br />

Zimmerei gegründet, seit<br />

2009 installieren sie auch Photovoltaikanlagen<br />

im ganzen Landkreis.<br />

Die Nachfrage da<strong>für</strong> ist hoch, denn<br />

die Kombination aus Zimmerei und<br />

Solar ergänzt sich optimal. „Unsere<br />

langjährige Erfahrung und das duale<br />

Angebot aus Auftragsnummer: Zimmerei 0000396928und Solar<br />

AuftragsPosition: 1<br />

sind <strong>für</strong> uns klare Wettbewerbsvorteile.“,<br />

sagt Frank Rieger, der die<br />

Zimmerei leitet. „Beratung, Planung<br />

und Montage gibt es bei uns aus<br />

einer Hand.“<br />

Vom Dachstuhl bis zur Indach-Photovoltaikanlage<br />

lässt man keinen<br />

Kundenwunsch unerfüllt, mag er<br />

noch so ausgefallen sein. „Aktuell<br />

sind aber besonders Wallboxen<br />

und Speicheranlagen sehr gefragt“,<br />

sagt Uwe Kraft, Geschäftsführer<br />

der Solar-Sparte. „Zu fast jeder<br />

Photovoltaikanlage installieren wir<br />

mittlerweile auch hochmoderne<br />

Stromspeicherlösungen.“<br />

Ein drastischer Preisfall der Speicheranlagen<br />

und die steigenden<br />

Energiekosten machen solche Lösungen<br />

attraktiv. <strong>Das</strong> ist aber nicht<br />

alles: „Vielen unserer Kunden geht<br />

es auch um Unabhängigkeit. In Verbindung<br />

mit einer Wärmepumpe<br />

machen unserer Solaranlagen den<br />

Endverbraucher nämlich quasi zum<br />

Selbstversorger.“ <br />

-sz-<br />

Druck vor Ort <strong>–</strong> ein Partner <strong>für</strong> alle Fragen<br />

Kann eine lokale Druckerei gegen<br />

die große Konkurrenz im Netz ankommen?<br />

Selbstverständlich! Wenn<br />

sie ihr Handwerk versteht und einen<br />

flexiblen Rundumservice vor der<br />

Haustür bietet. Genau das tut die<br />

Druckerei Braun & Elbel in Weißenburg.<br />

Seit mehr als 125 Jahren wird<br />

in der Wildbadstraße mitten im Herzen<br />

der Weißenburger Innenstadt<br />

gedruckt.<br />

Jetzt profitiert man von der erstklassigen<br />

handwerklichen Ausbildung<br />

der Belegschaft. Denn immer wichtiger<br />

<strong>für</strong> den Geschäftserfolg ist die<br />

Beratung geworden, an der es im<br />

schnellen Online-Geschäft hapert.<br />

Dieser Entwicklung folgend hat der<br />

Verlag Braun & Elbel seine Druckerei<br />

in die Full-Service-Werbeagentur be<br />

media integriert. So kann man dem<br />

Kunden einen Ansprechpartner <strong>für</strong><br />

alle Fragen rund ums Druckprodukt<br />

liefern. Von der Gestaltung über den<br />

Druck bis hin zur Verteilung ist man<br />

der Partner <strong>für</strong> die regionale Wirt-<br />

schaft, aber auch <strong>für</strong> Vereine und<br />

Verbände aller Art.<br />

Ein neues Geschäftsfeld hat sich in<br />

den vergangenen Jahren im Editorial<br />

Design ergeben. In der Druckerei<br />

des Weißenburger Tagblatts entsteht<br />

eine Vielzahl von Magazinen,<br />

Heften und Broschüren. Unter anderem<br />

das Kulturmagazin Carpe diem,<br />

das <strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong>, die<br />

Feuerwehrzeitung <strong>für</strong> den Landkreis,<br />

das vhs-Programm, das RACEMAG<br />

<strong>für</strong> den Altmühltal Classic Sprint<br />

oder die Zeitschrift der Naturfreunde<br />

Mittelfranken. Sie alle profitieren<br />

von einer fachlich kompetenten<br />

Dienstleistung in der Tiefe <strong>–</strong> mit verlässlichen<br />

Ansprechpartnern vor<br />

Ort. <br />

-js-<br />

Buch- und Offsetdruckerei<br />

Braun & Elbel<br />

Wildbadstraße 16-18<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 23<br />

braun-elbel@be-media.de<br />

www.be-media.de<br />

84<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Warum das Land die<br />

Stadt retten muss Von Jan Stephan<br />

Die Energiewende wird<br />

die Aufgabe dieser Generation.<br />

Und sie wird auf<br />

dem Land entschieden.<br />

<strong>Das</strong> bedeutet schmerzhafte<br />

Eingriffe ins Landschaftsbild<br />

<strong>–</strong> gerade<br />

deshalb muss sie vor Ort<br />

auch eine neue, soziale<br />

Wertschöpfung schaffen.<br />

Wenn es um die Energiewende geht,<br />

tut man auf dem Land so, als wäre<br />

man der Kleine, der zwangsverpflichtet<br />

wird, dem Großen den Arsch zu retten.<br />

<strong>Das</strong> ist auf interessante Art und Weise<br />

richtig und falsch zugleich. Geht es<br />

um die Einwohner, ist Weißenburg-<br />

Gunzenhausen tatsächlich ein Zwerg<br />

im Vergleich etwa zur Landeshauptstadt<br />

München. Rund 1,5 Millionen<br />

Münchnern stehen knapp 100.000<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> gegenüber. Geht es<br />

um die Fläche, sieht es allerdings ganz<br />

anders aus. WUG ist mehr als dreimal<br />

so groß wie die Landeshauptstadt.<br />

Da Fläche die Währung der Zukunft<br />

ist, macht sich das „kleine“ München<br />

vielleicht ein bisschen zu Recht Hoff-<br />

nung darauf, vom großen <strong>Altmühlfranken</strong><br />

gerettet zu werden. Immerhin wird<br />

in der Fläche entschieden, ob eines der<br />

größten Menschheitsprojekte glückt<br />

oder scheitert. Die Energiewende.<br />

Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral<br />

sein. <strong>Das</strong> wird zwar eher nicht<br />

funktionieren, aber am Ernst der Bemühungen<br />

sollte man diesmal eher<br />

nicht zweifeln. Wenn der neue grüne<br />

Minister <strong>für</strong> Wirtschaft und Klimaschutz,<br />

Robert Habeck, die Energiewende<br />

versemmelt, kann er in Zukunft<br />

auch gleich mit dem SUV ins Ministerium<br />

fahren, aufs Gendern verzichten<br />

und behaupten, fleischlose Ernährung<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

85


mache krank. Und seit Russland außerhalb<br />

Chinas kein Mensch mehr über<br />

den Weg traut, hat sich die Situation<br />

noch erheblich verschärft. Fragen der<br />

Energieversorgung sind auf einmal<br />

Fragen der Sicherheitspolitik geworden.<br />

Es ist jetzt noch klarer: Die Dekarbonisierung<br />

der Wirtschaft wird bis Mitte<br />

des Jahrhunderts das entscheidende<br />

Thema deutscher Politik sein. Anders<br />

als bei der Industrialisierung wird über<br />

Erfolg oder Misserfolg dieses Projekts<br />

auf dem Land entschieden. Und damit<br />

in besonderem Maße auch in Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

Weil: Wenn man<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> etwas kann, dann<br />

Platz haben … Im Schnitt leben in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

auf den Quadratkilometer<br />

halb so viele Menschen wie im Rest<br />

Bayerns. Und in Bayern leben schon<br />

40 Prozent weniger als im Rest der Republik.<br />

Unter den Einsamen ist man<br />

sozusagen also einer der Einsamsten.<br />

Ortswechsel. Der pandemie-provisorische<br />

Sitzungssaal eines altmühlfränkischen<br />

Gemeinderats. Neonlicht, Stunde<br />

vorgerückt, Stimmung leicht gereizt.<br />

„Müssen wir jetzt wirklich hier bei<br />

uns die Stadt retten?“, fragte ein Kommunalpolitiker<br />

und sieht in den Raum.<br />

Für ihn ist es eine rhetorische Frage.<br />

Er hoffte mit ihr die Diskussion um<br />

die Ausweisung neuer Photovoltaikflächen<br />

aufs rechte Gleis zurückzubringen.<br />

Frei nach dem Motto: Wir haben<br />

genug gemacht, jetzt sind mal die<br />

anderen dran. Aber so einfach ist das<br />

nicht mehr. Auch nicht im Sitzungssaal<br />

einer eher ländlichen Gemeinde<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong>. Die eine Seite<br />

nickt zwar, freilich, man könne hier im<br />

Kleinen nicht die Welt retten … Die<br />

andere Seite schüttelt aber den Kopf:<br />

Wo, wenn nicht hier, soll sie denn bitteschön<br />

gerettet werden, fragen sie.<br />

Und damit wäre man dann auch beim<br />

Punkt. Wenn die Energiewende kommen<br />

soll, wird das Land die Stadt retten<br />

müssen. Anders ist es schlicht nicht<br />

möglich. Gelingt es in den kommenden<br />

Jahrzehnten also nicht, dass die Erneuerbaren<br />

in der Fläche so stark wachsen,<br />

dass sie die industriellen Zentren<br />

mitversorgen, scheitert das ganze Klimaprojekt.<br />

Und das bedeutet möglicherweise<br />

<strong>–</strong> Pathos an <strong>–</strong> das Ende der<br />

Menschheit, wie wir sie kennen.<br />

<strong>Das</strong> ist die politische Großwetterlage,<br />

mit der Weißenburg-Gunzenhausen<br />

mindestens bis zu seinem nächsten großen<br />

Jubiläum zurechtkommen muss.<br />

Aus Sicht <strong>Altmühlfranken</strong>s wird es<br />

nun darauf ankommen, dieses mit<br />

Milliarden und Abermilliarden an Investitionen<br />

versehene Projekt vor Ort<br />

in die richtigen Bahnen zu lenken. Die<br />

Eingriffe in die Landschaft, die unvermeidlich<br />

sein werden, den Ärger, den<br />

das bringen wird, all das sollte mit positiven<br />

Effekten aufgewogen werden.<br />

Und zwar am besten nicht <strong>für</strong> einige<br />

wenige, sondern <strong>für</strong> die Gesamtheit<br />

derer, die hier leben.<br />

„ Wir machen im<br />

Moment eigentlich alles<br />

falsch, was man falsch<br />

machen kann„<br />

<strong>Das</strong> Prinzip „Land versorgt Stadt“ ist<br />

so alt wie die Stadt selbst. Der Überschuss<br />

der Landwirtschaft hat es erst<br />

möglich gemacht, dass viele Menschen<br />

auf einem Fleck leben und sich mit anderen<br />

Dingen beschäftigen konnten,<br />

als damit, ihr täglich Brot zu produzieren.<br />

Vom Mittelalter bis in die Neuzeit<br />

funktionierte die Arbeitsteilung<br />

zwischen Stadt und Land allerdings<br />

weitgehend gleichberechtigt. Bis die<br />

Industrialisierung anrauschte und erst<br />

die Städte reich und dann das Land<br />

arm machte.<br />

Weil das Prinzip der Industrialisierung<br />

nicht in der Fabrikhalle blieb. Es<br />

dehnte sich aus und eroberte bald den<br />

Acker. Mit immer mehr technischem<br />

Gerät erzeugten immer weniger Menschen<br />

auf immer größeren Flächen immer<br />

mehr Lebensmittel. <strong>Das</strong> hatte gute<br />

Seiten, sorgte aber auch da<strong>für</strong>, dass Gewinne<br />

vom Land in die Stadt flossen,<br />

während die Probleme der intensiven<br />

Bewirtschaftung vor Ort blieben <strong>–</strong> und<br />

größer wurden.<br />

Sieht man sich an, wie viel Fläche<br />

heute ein Landwirt braucht, um seinen<br />

Lebensunterhalt zu verdienen,<br />

ist klar, wie wenig Wertschöpfung vor<br />

Ort bleibt, wie wenig Menschen heute<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> von der Landwirtschaft<br />

leben können. <strong>Das</strong> große Geld<br />

verdienen dabei nicht die Bauern, sondern<br />

die Händler, Weiterverarbeiter,<br />

Nahrungsmittelkonzerne und Han-<br />

delsketten. Organisationen, die eher in<br />

der Stadt als auf dem Land zu Hause<br />

sind.<br />

Die Energiewende bringt nun neue<br />

Bedeutung und Wertschöpfung in die<br />

Fläche. Weil die Energie der Städte<br />

nicht mehr aus einem Loch im Boden<br />

des Nahen Ostens und erst recht nicht<br />

mehr aus den Kohlegruben Russlands<br />

kommen darf. Die Herausforderung<br />

ist nun, diese neue Wertschöpfung des<br />

Landes erfolgreicher zu steuern, als das<br />

bei der Landwirtschaft gelungen ist.<br />

Derzeit stehen die Vorzeichen nicht<br />

gut, findet André Goldfuß-Wolf, der<br />

technische Geschäftsführer der Stadtwerke<br />

Weißenburg. „Wir machen im<br />

Moment eigentlich alles falsch, was<br />

man falsch machen kann in Sachen<br />

Energiewende“, betont er.<br />

Er sitzt im dämmrigen Sitzungssaal der<br />

Stadtwerke in Weißenburg und spricht<br />

ruhig über seine Erfahrungen der<br />

letzten Jahre. Aus dem Fenster sieht<br />

man die nahen Bahngleise. Ein paar<br />

Hundert Meter weiter betreiben die<br />

Stadtwerke einen kleinen Solarpark.<br />

Goldfuß-Wolf ist ein Vorreiter der regionalen<br />

Energiewende. Er hat in Zusammenarbeit<br />

mit der lokalen Politik<br />

Photovoltaikmodule auf kommunale<br />

Dächer gebracht, Solarparks entwickelt<br />

und zwei Windräder gebaut, die<br />

den Stadtwerken gehören.<br />

„Ihre Erträge sind ein wesentlicher<br />

Grund da<strong>für</strong>, dass es uns im Moment<br />

noch so gut geht“, erzählt er. Mit den<br />

Überschüssen aus dem laufenden Betrieb<br />

finanzieren die Stadtwerke defizitäre<br />

Bereiche wie das Hallenbad und<br />

das Freibad oder die Stadtbuslinie in<br />

Weißenburg. Ein gutes Beispiel, wie<br />

Wertschöpfung aus den erneuerbaren<br />

Energien dem Allgemeinwohl dienen<br />

kann, findet er.<br />

<strong>Das</strong> allerdings ist bislang noch die Ausnahme.<br />

„Die Gruppe derjenigen, die<br />

im Moment profitieren, ist klein“, stellt<br />

Goldfuß-Wolf fest. Bei denen, die die<br />

Parks planen und bauen, bleibe viel<br />

Geld hängen. Bei denen, die vor Ort<br />

mit den Parks leben müssen, wenig.<br />

„<strong>Das</strong> läuft so, dass die Projektierer<br />

mit den fertigen Projekten zu den Gemeinden<br />

kommen und fragen, ob sie<br />

nicht etwas <strong>für</strong> die Energiewende tun<br />

wollen“, erklärt Goldfuß-Wolf. „Na ja,<br />

und wer will das nicht …“<br />

86<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Da seien oft schon Vorverträge unterzeichnet,<br />

die Gemeinde müsste dann<br />

nur noch den Bebauungsplan ändern<br />

und der Park könne gebaut werden.<br />

Am Ende bleibt eine hohe Pacht <strong>für</strong><br />

einige wenige und ein bisschen Gewerbesteuer<br />

<strong>für</strong> die Gemeinde. „Wir<br />

machen sowas nicht“, stellte Goldfuß-<br />

Wolf klar. Wenn Projektierer in Weißenburg<br />

anklopfen, mache man ihnen<br />

klar, dass man gerne über eine Zusammenarbeit<br />

reden könne, man aber<br />

selbst Herr des Verfahrens und Betreiber<br />

der Anlage sein wolle.<br />

Goldfuß-Wolf plädiert da<strong>für</strong>, dass sich<br />

die Kommunen in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

stärker in die Energiewende einbringen.<br />

Immerhin hätten sie in Bayern sogar<br />

den in der Verfassung festgeschriebenen<br />

Auftrag, die Stromversorgung<br />

in ihrem Gebiet sicherzustellen. „Wir<br />

sollten das auf Landkreisebene organisieren,<br />

genau überlegen, wo wir was<br />

machen, und das dann auch umsetzen.<br />

Es sollten alle profitieren, dann hätte<br />

man auch erheblich weniger Akzeptanzprobleme“,<br />

glaubt der technische<br />

Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Erlöse<br />

aus solchen Projekten könnten dann<br />

in die Verbesserung des öffentlichen<br />

Personennahverkehrs fließen, in die<br />

Subventionierung von Dorfläden, in<br />

Jugendprojekte auf dem Land …<br />

<strong>Das</strong> wirkt fast so, als denke da einer<br />

über eine Art „Kreiswerke“ nach, die<br />

vor Ort selbst massiv in die erneuerbaren<br />

Energien einsteigen. <strong>Das</strong> klingt<br />

ehrgeizig, ist aber gar nichts so Neues.<br />

Schon vor knapp zehn Jahren wurden<br />

derlei Ideen in Strategiepapieren des<br />

Deutschen Landkreistages an- und<br />

durchgedacht. An Aktualität haben<br />

die Ideen wenig verloren, an Brisanz<br />

eher gewonnen, wenn man sich überlegt,<br />

dass erst ein paar Schritte auf dem<br />

langen Weg der Energiewende zurückgelegt<br />

sind.<br />

Auf Landkreisebene betrachtet man<br />

derlei Ideen aber mit Zurückhaltung.<br />

Landrat Manuel Westphal (CSU) hat<br />

die Klimarettung zu einem der Projekte<br />

seiner Amtszeit gemacht (siehe<br />

Interview S. 48), aber den Zubau der<br />

Erneuerbaren vor Ort zu koordinieren,<br />

da sieht er den Landkreis eher nicht.<br />

Da seien die Gemeinden die geeigneteren<br />

Partner, meint er.<br />

Bisher galt die Bürgerbeteiligung als<br />

Königsweg der regionalen Wertschöpfung.<br />

Windräder oder PV-Anlagen<br />

werden ganz oder in Teilen durch<br />

Bürger finanziert, die vom Gewinn<br />

der Anlagen profitieren. Vor allem in<br />

der Windkraft brachte das einige Jahre<br />

sehr ordentliche Renditen und Geld,<br />

das wieder in der Region ausgegeben<br />

werden konnte. Bürgerbeteiligung ist<br />

insofern ein Ansatz regionaler Wertschöpfung,<br />

aber eben auch einer, dessen<br />

Früchte nicht bei allen ankommen.<br />

„Wenn man sich das genau anschaut,<br />

sind das am Ende 100 oder 200 Bürger<br />

von 18.500, die direkt was davon<br />

haben“, kritisiert André Goldfuß-Wolf<br />

mit Blick auf Weißenburg. „Und zwar<br />

diejenigen, die Geld haben. <strong>Das</strong> ist<br />

nicht die Allgemeinheit, die da profitiert.“<br />

Immerhin: Auch andere regionale Akteure<br />

haben längst ein Interesse daran,<br />

dass sich die Energiewende sich vor<br />

Ort lohnt. In Burgsalach ist man dabei,<br />

40 Hektar Flächen <strong>für</strong> neue Photovoltaikanlagen<br />

auszuweisen. Dabei soll es<br />

drei verschiedene Betreibermodelle geben,<br />

die allesamt regional basiert sind.<br />

Ein Landwirt aus dem Ort will auf der<br />

eigenen Fläche einen Park privat betreiben,<br />

ein Teil der Fläche soll zudem<br />

ein Bürgersolarpark werden und einen<br />

kleinen Teil der Gesamtfläche, etwa<br />

vier bis sechs Hektar, will die Gemeinde<br />

selbst betreiben.<br />

„Wir wollen das jetzt mal probieren,<br />

der politische Wille ist da“, stellt Burgsalachs<br />

Bürgermeister Volker Satzinger<br />

fest. „Sonst machen vor allem die<br />

Projektierer den Gewinn.“ Die ersten<br />

Reaktionen auf dem Weißenburger<br />

Jura sind positiv. „Es gibt da eigentlich<br />

im Moment keine Proteste. Da<strong>für</strong><br />

haben sich schon mehr als 200 Leute<br />

als Interessenten <strong>für</strong> den Bürgerpark<br />

gemeldet.“<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

87


Klimastreber nur im Traum<br />

Der Landkreis produziert<br />

mehr grünen Strom, als<br />

er verbraucht. Von einer<br />

echten Energiewende<br />

ist er trotzdem 100 Milliarden<br />

Toast entfernt.<br />

<strong>Das</strong> Land, die Republik, Europa, ach<br />

was, die Welt steht vor gewaltigen Aufgaben.<br />

Nur in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

ist man schon fertig?! Also mit<br />

dem Wechsel vom fossilen Zeitalter zu<br />

einer nachhaltigen Energieversorgung.<br />

Man produziert ja längst mehr Strom<br />

aus erneuerbaren Energien, als man im<br />

Landkreis selbst verbraucht, heißt es<br />

immer wieder.<br />

Während die Welt um ihre Zukunft<br />

kämpft, können wir also mal Pause machen<br />

und den Klimawandel eine gute<br />

Frau, einen guten Mann sein lassen?!<br />

Nein, natürlich nicht.<br />

Tatsächlich produziert man im Landkreis<br />

mehr Strom aus erneuerbaren<br />

Quellen, als man selbst verbraucht.<br />

Laut Energieatlas Bayern kommen<br />

114 Prozent des eigenen Bedarfs aus<br />

Wind, Sonne, Biomasse und Wasser.<br />

<strong>Das</strong> sieht auf den ersten Blick fantastisch<br />

aus, auf den zweiten immer noch<br />

toll, aber auf den dritten geht der Begeisterung<br />

die Luft aus. Aber der Reihe<br />

nach …<br />

Zuerst ein Blick auf die Nachbarn.<br />

Der Landkreis Eichstätt bringt es auf<br />

nur 14 Prozent erneuerbarer Energien<br />

an seinem Stromverbrauch, in Roth<br />

sind es 52 und im Donau-Ries 92 Prozent.<br />

Im Landkreis Ansbach allerdings<br />

glänzt man mit 157 Prozent. Der mittelfränkische<br />

Schnitt liegt bei 42 Prozent,<br />

der oberbayerische bei 39. Fazit:<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> liegt tatsächlich gut.<br />

<strong>Das</strong> ist allerdings auch kein Wunder.<br />

Man ist dünn besiedelt, hat viel Fläche,<br />

in Bayern stabile Sonnenstunden und<br />

mit dem Hahnenkamm und dem Juraanstieg<br />

zwei der in Bayern gar nicht so<br />

häufigen windkraft-geeigneten Gebiete.<br />

Die Region ist prädestiniert, um den<br />

Klimastreber zu geben. Aber ist man<br />

denn auch einer?<br />

„ Es fehlen<br />

mindestens 750.000<br />

Megawattstunden„<br />

Zweifel kommen auf, wenn man eine<br />

Ebene tiefer in die Statistik eintaucht.<br />

Die 114 Prozent Strom aus erneuerbaren<br />

Energien sind ein rechnerischer<br />

Wert. Er ergibt sich, indem man einfach<br />

alle Kilowattstunden zusammenzählt,<br />

die über das Jahr erzeugt werden,<br />

und sie dem Jahresbedarf gegenüberstellt.<br />

Systemversorgungstechnisch ist das<br />

eine Milchmädchenrechnung. Sie lässt<br />

außer Acht, dass man mittags an einem<br />

windigen Sommertag in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

viel zu viel Strom hat und an einem<br />

dunklen, windstillen Dezembertag viel<br />

zu wenig. Um eine Speicherlösung<br />

wird man mittelfristig nicht herumkommen,<br />

wenn man die Energiewen-<br />

de schaffen will. Nur frisst jede Umwandlung<br />

von Strom in eine andere<br />

Energiequelle selbst Energie <strong>–</strong> und das<br />

nicht zu knapp. Der tatsächliche Bedarf<br />

<strong>für</strong> eine komplett klimaneutrale<br />

Energieversorgung ist erheblich höher,<br />

als es die aktuellen Prozentzahlen vorgaukeln.<br />

<strong>Das</strong> ist allerdings noch nicht mal der<br />

entscheidende Punkt. Die eigentliche<br />

Schlacht ums Klima wird nämlich<br />

beim Wärmebedarf geschlagen. Der<br />

Beleg? Weißenburg-Gunzenhausen<br />

braucht pro Jahr in allen Privathaushalten,<br />

Gewerbebetrieben und sonstigen<br />

Einrichtungen rund 500.000 Megawattstunden<br />

Energie aus Strom. Für<br />

Wärme <strong>–</strong> im Wesentlichen Warmwasser<br />

und Heizung <strong>–</strong> braucht es dagegen<br />

gute 1,8 Millionen Kilowattstunden.<br />

Also mehr als das 3,5-Fache.<br />

Und hier sieht die Lage in Sachen regenerativer<br />

Energiequellen erheblich<br />

schlechter aus. Lediglich 27 Prozent<br />

des Energiebedarfs von Weißenburg-<br />

Gunzenhausen werden laut Energieatlas<br />

Bayern im Wärmebereich aus<br />

erneuerbaren Quellen gedeckt. <strong>Das</strong><br />

ergibt locker über den Daumen gepeilt<br />

eine Versorgungslücke von rund<br />

750.000 Megawattstunden pro Jahr in<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>. <strong>Das</strong> ist eine Energiemenge,<br />

die <strong>–</strong> noch ein bisschen lockerer<br />

über den Daumen gepeilt <strong>–</strong> in etwa<br />

dazu reicht, um 100 Milliarden Scheiben<br />

Brot zu toasten oder 7,5 Milliarden<br />

Stunden an einem Desktop-PC zu arbeiten,<br />

was immerhin 850.000 Jahren<br />

entspräche.<br />

Erneuerbare Energien im Landkreis<br />

Strom: Photovoltaik Windkraft Biogas Wasserkraft<br />

Installierte Nettonennleistung: 204 Megawatt 112 Megawatt 46 Megawatt 1,7 Megawatt<br />

Produzierter Strom: 118 000 MWh/a 197 000 MWh/a 229 000 MWh/a 2200 MWh/a<br />

Zahl der Anlagen: 8373 56 170 24<br />

Beanspruchte Fläche: 182 ha 543 ha 11141 ha k.A.<br />

Anteil an Stromverbrauch des Landkreises: 32% 38 % 44 % 0,4%<br />

Technisches Ausbaupotenzial im Landkreis<br />

gemessen am Stromverbrauch im Landkreis: 68 % 357% 27% kleiner 0,5%<br />

88<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


<strong>Das</strong> wäre aber nur die Energie, die<br />

pro Jahr fehlt, um Weißenburg-Gunzenhausen<br />

bei der Energieversorgung<br />

klimaneutral werden zu lassen. Und<br />

das auch nur unter der Voraussetzung,<br />

dass man sich mit einer rechnerischen<br />

Energieneutralität zufriedengibt und<br />

zum Beispiel die Mobilität ignoriert,<br />

die etwa <strong>für</strong> einen Viertel des bundesdeutschen<br />

Energieverbrauchs verantwortlich<br />

ist.<br />

Aber schon da<strong>für</strong> bräuchte man in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

in etwa das 1,5-Fache<br />

dessen an erneuerbarer Energie, was<br />

man schon hat. Also 1,5-mal die Photovoltaikflächen,<br />

Windräder, Biogasanlagen<br />

und Wasserkraftanlagen noch<br />

neu hinzugebaut, die es schon gibt.<br />

<strong>Das</strong> wären allein bei der Windkraft 85<br />

neue Windräder zu den 61, die schon<br />

da sind.<br />

Und damit wäre man nur in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

grün unterwegs,<br />

aber könnte noch längst nicht München,<br />

Nürnberg oder Hamburg beheizen<br />

und beleuchten. Dabei müssen die<br />

doch vom Land gerettet werden, wenn<br />

wir es mit der Energiewende ernst meinen.<br />

Zur Bestätigung ein Blick auf die<br />

Deckungsquote Nürnbergs. Gerade<br />

drei Prozent des Stroms kommen hier<br />

aus erneuerbaren Energien und vier<br />

Prozent des Wärmebedarfs. Insgesamt<br />

verbraucht man in Nürnberg pro Jahr<br />

rund 9,3 Millionen Megawattstunden<br />

an Energie. <strong>Das</strong> ist in etwa das Vierfache<br />

dessen, was Weißenburg-Gunzenhausen<br />

braucht.<br />

Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass<br />

man auch als vermeintlicher Klimastreber<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> noch meilenweit<br />

von einer echten Energiewende<br />

entfernt ist. Passiert nicht noch etwas<br />

völlig Überraschendes, wird man die<br />

nächsten Jahre und Jahrzehnte noch<br />

massiv zubauen müssen. Lokale Experten<br />

rechnen damit, dass <strong>Altmühlfranken</strong><br />

vielleicht fünfmal mehr erneuerbare<br />

Energien produzieren wird<br />

müssen, als das jetzt der Fall ist.<br />

Angesichts dieser Zahlen wirken die<br />

Bekundungen der Politik wie Hohn.<br />

Deutschland soll 2045 klimaneutral<br />

sein, Bayern will es 2040 werden, und<br />

da der Landkreis ja Klimastreber ist, hat<br />

man sich ins aktuelle Zukunftskonzept<br />

geschrieben, dass man in Weißenburg-<br />

Gunzenhausen gerne noch vor 2040<br />

so weit wäre. Die meisten Experten<br />

halten jede einzelne dieser ausgegebenen<br />

Ziele <strong>für</strong> unmöglich. Wenn nicht<br />

ein echtes Wunder passiert. Technologisch,<br />

politisch und gesellschaftlich.<br />

CO2-neutrale Produktion ist längst<br />

Teil des Wettbewerbs. Die Autokonzerne<br />

machen Druck und die Banken<br />

folgen. Deshalb wird auch die lokale<br />

Wirtschaft umtriebig.<br />

Man reibt sich die Augen. Klimaschutz<br />

und Wirtschaft. Waren das nicht mal<br />

die eisigen Pole einer heißen Debatte?<br />

Tja, die Zeit klarer Fronten scheint<br />

vorbei. Inzwischen treibt die Wirtschaft<br />

die Politik im Klimaschutz vor<br />

sich her. Im großen Bund und auch im<br />

kleinen <strong>Altmühlfranken</strong>.<br />

Schluss mit Reden <strong>–</strong> forderte die<br />

Stiftung KlimaWirtschaft nach der<br />

Bundestagswahl. Während die Ampelkoalitionäre<br />

sich noch wund verhandelten,<br />

rief die Stiftung nach einer<br />

Umsetzungsoffensive <strong>für</strong> Klimaneutralität.<br />

Eine Organisation, in der unter<br />

anderem EnBW, Eon oder Rewe vertreten<br />

sind.<br />

Die Wirtschaft will<br />

den Klimaschutz<br />

Vor Ort in <strong>Altmühlfranken</strong> sieht die<br />

Sache nicht anders aus. Auch hier<br />

formiert sich die Wirtschaft, um nach<br />

Klimaauflagen zu rufen. Eindrücklichstes<br />

Beispiel: die UNNA. Ein schickes<br />

Akronym <strong>für</strong> den epischen Titel<br />

„Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit<br />

und CO2-Neutralität <strong>für</strong> <strong>Altmühlfranken</strong>“.<br />

14 der größten Industrieunternehmen<br />

des Landkreises stehen hinter<br />

den vier Buchstaben. Von Alfmeier und<br />

Bosch über Sanmina und Nifco bis Verpa,<br />

Gore oder Ossberger. Ihr Ziel: den<br />

Landkreis zu einer Beispielregion <strong>für</strong><br />

CO2-neutrale Produktion zu machen.<br />

Was ist passiert, dass die Wirtschaft<br />

auf einmal in der vordersten Reihe<br />

der Klimaschützer zu finden ist? Die<br />

Antwort: <strong>Das</strong> Spiel hat sich geändert.<br />

Es geht nicht mehr darum, Abwehrkämpfe<br />

zu führen, es geht darum, die<br />

klimabedingte Systemwende des Wirtschaftssystems<br />

zu überleben.<br />

Und je früher man damit anfängt, desto<br />

besser stehen die Chancen. Eine<br />

CO2-neutrale Produktion ist Teil einer<br />

neuen industriellen Infrastruktur, die<br />

irgendwann genauso wichtig sein wird<br />

wie eine gute Verkehrsanbindung.<br />

Mindestens.<br />

In <strong>Altmühlfranken</strong> ist man aus Unternehmersicht<br />

beeindruckend früh<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

89


dran. „Im ländlichen Raum kenne<br />

ich wirklich nichts Vergleichbares“,<br />

stellt Andreas Gebhardt fest, der als<br />

Alfmeier-CEO einer der Initiatoren<br />

und Antreiber der UNNA ist. „Der<br />

Druck zur Nachhaltigkeit wird immer<br />

größer“, sagt er im Gespräch mit unserem<br />

Magazin. Zum Beispiel, wenn es<br />

darum geht, qualifizierte Mitarbeiter<br />

zu bekommen. „Da ist die Sensibilität<br />

mittlerweile groß“, so Gebhardt. „Die<br />

Mitarbeiter wollen, dass sie <strong>für</strong> ein<br />

Unternehmen arbeiten, das den Nachhaltigkeitsgedanken<br />

umsetzt.“ Simon<br />

Amesöder von RF Plast in Gunzenhausen<br />

bestätigt: „<strong>Das</strong> ist absolut ein<br />

Thema in Vorstellungsgesprächen.“<br />

Aber auch an ganz anderen Fronten<br />

wird Nachhaltigkeit von einem weichen<br />

zu einem harten Faktor. „Banken<br />

werden ihre Zusagen an Nachhaltigkeitskriterien<br />

knüpfen“, glaubt Gebhardt.<br />

Und zwar, weil sie ein Gradmesser<br />

<strong>für</strong> Erfolgsaussichten eines<br />

Unternehmens sind. Vor allem in<br />

der Automobilindustrie ist der Druck<br />

längst Realität. „Gerade die Automobilkonzerne<br />

setzen massiv auf die Erfüllung<br />

der CO2-Vorgaben“, erklärt<br />

Alfmeier-Chef Gebhardt. Schon 2040<br />

will Daimler seine Autos CO2-neutral<br />

produzieren <strong>–</strong> fünf Jahre vor der Bundesregierung.<br />

Damit Daimler und Co<br />

ihre Ziele erreichen, müssen auch die<br />

Fremdunternehmen liefern. „Schon<br />

jetzt werden Auftragsvergaben von der<br />

Erfüllung von CO2-Reduktionszielen<br />

abhängig gemacht und man wird im<br />

schlimmsten Fall von der Vergabe ausgeschlossen“,<br />

erzählt Gebhardt. „<strong>Das</strong><br />

ist ein richtig scharfes Schwert.“<br />

Deswegen beschäftigt man sich in der<br />

UNNA stark mit der Carbon-Footprint-Messung.<br />

Also damit, zu errechnen,<br />

wie groß der CO2-Ausstoß ist, der<br />

durch ein Unternehmen entsteht. Und<br />

zwar inklusive der gelieferten Rohstoffe<br />

und Halbwaren. Ein komplizierter<br />

Prozess. Einzelne UNNA-Unternehmen<br />

haben die Messung schon durchgeführt<br />

und geben ihre Erfahrungen<br />

innerhalb der Initiative weiter.<br />

Etwa Alfmeier, wo man festgestellt hat,<br />

dass der Konzern mit 2.200 Mitarbeitern<br />

an den Standorten in Treuchtlingen,<br />

Mexiko, China und Tschechien in<br />

etwa so viel CO2 pro Jahr ausstößt wie<br />

die komplette Stadt Treuchtlingen mit<br />

ihren rund 13.000 Einwohnern.<br />

„Die Sachen, die man selbst in der<br />

Hand hat, kriegt man gut hin“, ist Gebhardts<br />

Resümee. „Die Gebäude, der<br />

Fuhrpark, die Art der Energie, die man<br />

einkauft.“ Schwieriger werde es, wenn<br />

man sich Lieferanten, Transportwege<br />

oder Dienstleister ansieht. „In der neuen<br />

Welt wird man jeden Handwerker,<br />

der kommt, um etwas zu reparieren,<br />

CO2-bilanzieren müssen“, ist der Alfmeier-CEO<br />

überzeugt. „Nur werden<br />

unsere Handwerker in den nächsten<br />

fünf Jahren nicht so weit sein, eine<br />

komplette CO2-Bilanzierung zu haben<br />

…“ Deshalb werde es mittelfristig ohne<br />

CO2-Neutralisierung nicht gehen.<br />

Womit man verblüffenderweise plötzlich<br />

mitten auf dem altmühlfränkischen<br />

Acker steht. Da nämlich könnte in Zukunft<br />

CO2 untergebracht werden.<br />

„Klima-Landwirt“, lautet die Initiative<br />

von Farm Next, einer Tochterfirma des<br />

Agrar-Riesen Baywa. Im vergangenen<br />

Jahr hat sie in Süddeutschland vier<br />

Pilotprojekte umgesetzt und laut Projektleiter<br />

Kurt Herbinger festgestellt,<br />

„dass das überraschend gut funktioniert“.<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> ist nun Teil der<br />

zweiten Projektwelle, die den Klima-<br />

Landwirt von einer verrückten Agro-<br />

Start-up-Vison zu einer Geschäftsidee<br />

machen soll.<br />

„ Wir reden immer nur<br />

über Milchpreise, warum<br />

nicht über neue Einkommensquellen?„<br />

Die Idee ist ziemlich elegant, weil sie<br />

mit einem Schlag mehrere Probleme<br />

löst. Farm Next organisiert vor Ort<br />

landwirtschaftliche Flächen und bietet<br />

Unternehmen Partnerschaften an,<br />

um auf diesen Flächen die negativen<br />

Umweltfolgen ihres Betriebs in direkter<br />

Nachbarschaft zu neutralisieren.<br />

<strong>Das</strong> soll über spezielle Methoden der<br />

Bewirtschaftung gelingen, die die Humusschicht<br />

im Boden wachsen lässt.<br />

Bis zu 2,5 Tonnen CO2 pro Hektar<br />

könnten pro Jahr so gespeichert werden.<br />

Bei dem Projekt geht es nicht nur um<br />

den Humusaufbau, sondern auch darum,<br />

weiteren Humusabbau zu verhindern<br />

und so CO2-Emissionen gar nicht<br />

erst entstehen zu lassen. Dazu wird<br />

über den Klima-Landwirt nicht nur<br />

CO2-Speicherung entlohnt, sondern<br />

auch Leistungen <strong>für</strong> die Biodiversität<br />

wie etwa die Anlage wertvoller ökologischer<br />

Bereiche innerhalb der Flächen.<br />

Außerdem sorgt der Humusaufbau <strong>für</strong><br />

eine bessere Wasserspeicherfähigkeit<br />

im Boden, was Überschwemmungen<br />

vorbeugt und Dürrephasen besser<br />

überstehen lässt. Die Idee des Klima-<br />

Landwirts ist es, dort <strong>für</strong> eine Verbesserung<br />

des Ökosystems zu sorgen, wo<br />

auch die negativen Folgen durch den<br />

Betrieb eines Unternehmens spürbar<br />

werden.<br />

Farm Next weist die Klimaeffekte mit<br />

Untersuchungen nach und honoriert<br />

die Landwirte mit dem Geld, das sie<br />

vorher bei Unternehmenspaten und<br />

Kommunen eingesammelt haben.<br />

<strong>Das</strong> Projekt soll nicht nur dem Klima<br />

helfen, sondern auch eine neue Wertschöpfung<br />

in die bäuerliche Landwirtschaft<br />

bringen. „Da ist jede Menge<br />

Fantasie drin“, glaubt Andreas Gebhardt.<br />

„Wir reden immer nur über<br />

Milchpreise, warum nicht über neue<br />

Einkommensquellen?“<br />

In <strong>Altmühlfranken</strong> seien Politik und<br />

Unternehmer auf Farm Next zugegangen.<br />

„Da merken wir eine große<br />

Offenheit“, erklärt Herbinger. Nach<br />

ein bisschen Corona-Verzögerung soll<br />

es in diesem Jahr richtig losgehen. „Die<br />

Flächen haben wir, was wir brauchen,<br />

sind Unternehmen als Paten.“ Noch<br />

kann man mit dem Engagement bei<br />

dem Projekt nur symbolisch seinen<br />

CO2-Fußabdruck reduzieren, mittelfristig<br />

hoffen Herbinger und seine Mitstreiter,<br />

dass ihr Modell auch in CO2-<br />

Reduktionsplänen anerkannt wird.<br />

Die jüngsten Entscheidungen der EU<br />

würden in diese Richtungen zeigen.<br />

<strong>Das</strong>s man irgendwann auf einem globalen<br />

Zertifikate-Markt mit altmühlfränkischem<br />

Boden handelt, daran<br />

glaubt Herbinger aber nicht. „<strong>Das</strong> ist<br />

viel zu viel Formalismus, und es ist<br />

auch politischer Wille, die Entwicklungsländer<br />

da zu bevorzugen, als<br />

kleinen Ausgleich da<strong>für</strong>, dass es vor<br />

allem die Industrieländer sind, die <strong>für</strong><br />

die Verschmutzung verantwortlich<br />

sind.“ Aber das muss auch nicht der<br />

Weg sein. Gebhardt: „Wir denken in<br />

anderen Dingen immer stärker in regionalen<br />

Kreisläufen, das wäre eben<br />

auch bei der CO2-Kompensation der<br />

richtige Ansatz.”<br />

90<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Vorbild<br />

Pfeffenhausen<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Die Stadt Treuchtlingen<br />

setzt auf das Zukunftsthema<br />

Wasserstoff. Nicht<br />

nur sie könnte profitieren,<br />

wenn es klappt.<br />

Stahl und Chemie sind nur zwei große<br />

Industrien, die in ihrer Produktion<br />

gewaltige Mengen an fossiler Energie<br />

verbrauchen. <strong>Das</strong> zu ändern und so<br />

enorme CO2-Emissionen einzusparen,<br />

wäre mit Wasserstoff möglich. Vorausgesetzt,<br />

die <strong>für</strong> seine Herstellung<br />

notwendige Energie wird regenerativ<br />

erzeugt. „Ohne grünen Wasserstoff<br />

lässt sich das von der Bundesregierung<br />

beschlossene Ziel, bis 2045 klimaneutral<br />

zu werden, nicht erreichen“,<br />

schrieb kürzlich das Handelsblatt.<br />

Auch die Stadt Treuchtlingen will dabei<br />

eine Rolle spielen.<br />

Selten allerdings bewahrheitet sich die<br />

alte Weisheit vom schweren Anfang<br />

aller Dinge mehr als bei diesem Thema.<br />

Denn der Aufbau entsprechender<br />

Strukturen und Kompetenzen erweist<br />

sich als kompliziert und verlangt von<br />

den Beteiligten einen langen Atem.<br />

Es braucht Know-how, technische Voraussetzungen,<br />

Investoren und Abnehmer.<br />

Warum überhaupt das Thema<br />

Wasserstoff? „Wir brauchen Industrie<br />

und Innovation in Treuchtlingen“, sagt<br />

Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker,<br />

die das Thema seit ihrem Amtsantritt<br />

2020 vorantreibt. „Wasserstoff<br />

ist eine solche Zukunftstechnologie, da<br />

wollen wir dabei sein. Außerdem ist es<br />

kompatibel mit unserer anderweitigen<br />

Strategie in Sachen Kur- und Gesundheitstourismus.“<br />

Also hat man Fachleute eingeladen<br />

und sich informieren lassen. In der Folge<br />

wurde die Neue Energien Treuchtlingen<br />

(NET) GmbH gegründet, die<br />

unter anderem zur Erzeugung erneuerbarer<br />

Energien geeignete Gebiete<br />

erkundet hat. Der Freistaat finanziert<br />

mit 160.000 Euro eine Machbarkeitsstudie,<br />

die spätestens Anfang 2023 vorliegen<br />

soll. Dabei soll auch geklärt werden,<br />

wie etwaiger, in Treuchtlingen<br />

erzeugter grüner Strom zu seinen Abnehmern<br />

transportiert werden könnte<br />

oder wo jene Elektrolyseure sinnvoll<br />

platziert werden, die mit eben diesem<br />

Strom Wasser in seine ursprünglichen<br />

Grundbestandteile Sauerstoff und<br />

Wasserstoff zerlegen.<br />

Ein Problem könnte sein, dass Treuchtlingen<br />

kaum über Flächen etwa <strong>für</strong><br />

Photovoltaikanlagen im großen Stil<br />

verfügt. Mangels ausreichend Wind<br />

scheinen sie die vor Ort am besten<br />

geeigneten Quellen <strong>für</strong> die Erzeugung<br />

von grünem Strom zu sein. Die<br />

Nachbarstadt Weißenburg hätte diese<br />

Flächen durchaus; womöglich ein Ansatz<br />

<strong>für</strong> interkommunale Zusammenarbeit?<br />

Immerhin könnte nicht nur<br />

Treuchtlingen, sondern das ganze Weißenburger<br />

Land profitieren, wenn es<br />

klappt mit dem Wasserstoff.<br />

Als Nächstes steht die Gründung einer<br />

Bürger-Energiegenossenschaft an. Wie<br />

das Wasserstoff-Thema in Gang gesetzt<br />

werden kann, zeigt das Beispiel<br />

Pfeffenhausen im Landkreis Landshut.<br />

Obwohl nur etwa ein Drittel so groß<br />

wie Treuchtlingen haben sich dort<br />

Fachleute, die Bürger-Energiegenossenschaft,<br />

Investoren, der Landkreis<br />

und weitere Partner zusammengetan,<br />

um einen Fünf-Megawatt-Elektrolyseur<br />

sowie ein Verteilzentrum <strong>für</strong><br />

Wasserstoffabfüllstationen samt Busund<br />

Lkw-Tankstelle zu schaffen. Vielleicht<br />

ja ein Vorbild <strong>für</strong> die weitere<br />

Umsetzung der Wasserstoff-Ideen in<br />

Treuchtlingen.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

91


92<br />

Gesundheit<br />

& Pflege<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

„Bei uns wird<br />

niemand<br />

alleingelassen“<br />

<strong>Das</strong> Diakonische Werk Weißenburg-Gunzenhausen ist dort, wo<br />

manchmal niemand ist. Wo Menschen einsam oder verzweifelt<br />

sind, wo sie Hilfe, Zuwendung oder Unterstützung brauchen.<br />

Ob häusliche Pflege, Sucht-, Schuldner- oder Arbeitslosenberatung,<br />

ob Jugendarbeit, Flüchtlingshilfe oder Kinderbetreuung:<br />

Die knapp 400 haupt- und über 260 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />

des christlichen Hilfswerkes bieten Beratung, Unterstützung<br />

sowie direkte, persönliche Hilfe.<br />

„Unser Leitbild sind die sieben Werke der Barmherzigkeit“, erklärt<br />

Martin Ruffertshöfer. „Wir wollen hier ein Angebot <strong>für</strong><br />

jeden Bedarfsbereich stellen, unabhängig von Nationalität,<br />

Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit.“ Seit 25 Jahren ist er<br />

Geschäftsführer der Diakonie. Es ist ihm wichtig, dass sich hilfesuchende<br />

Menschen beim Diakonischen Werk aufgehoben<br />

und verstanden fühlen. „Wir fragen uns, wie kann man helfen?<br />

Und dann helfen wir“, sagt er entschlossen.<br />

Niemand weiß, wann eine Krise kommt, wann die Gesundheit<br />

nicht mehr mitspielt oder wann uns Schicksalsschläge ereilen.<br />

„Im Landkreis kann aber jeder wissen: Wenn es so weit kommt,<br />

dann sind wir da. Mit Beratung, Betreuung und handfester Hilfe.“<br />

Um das umfangreiche Angebot der Diakonie in Weißenburg<br />

flexibel zur Verfügung zu stellen, bedarf es straffer Organisation,<br />

aber auch MitarbeiterInnen, die mit Herz und Seele<br />

bei der Sache sind.<br />

„Dabei müssen unsere Leute aktuell besonders viel leisten“,<br />

sagt Sven Emmerling, Leiter der Altenhilfe. „Sie arbeiten in der<br />

zentralen Diakoniestation, in ambulanten Pflegeeinrichtungen<br />

und im Service mit direktem Kontakt zu den Menschen.“ Eine<br />

Leistung, die viele von Herzen erbringen, da ist sich Ruffertshöfer<br />

sicher: „Wir haben wahrhaftig engagierte Mitarbeiter, die<br />

aus Überzeugung hinter ihren Aufgaben stehen. Darauf bin ich<br />

stolz, denn nur so können wir die Leistungen garantieren, auf<br />

die viele Menschen angewiesen sind: vom Kinderhort bis zur<br />

Altenpflege.“ <br />

-sz-<br />

Nächstenliebe in<br />

Wort und Tat<br />

1951 beginnen die ersten Arbeiten<br />

des eingetragenen Vereins „Innere<br />

Mission der evang. <strong>–</strong>luth. Kirchenbezirke<br />

Pappenheim und Weißenburg“:<br />

mit einem Pfarrer, einer Schreibmaschine,<br />

einem Telefon und mit einem<br />

Fahrrad. In der Nachkriegszeit gibt es<br />

damals viel zu tun. Neben der Einzelfallarbeit<br />

<strong>für</strong> Familien, Behinderte,<br />

Kranke und alte Menschen, die unter<br />

Flucht- und Kriegsfolgen zu leiden<br />

hatten, entwickelte sich bald die<br />

Erholungsverschickung von Kindern<br />

und Jugendlichen und die Führung<br />

von Pflegschaften. Bis heute folgte die<br />

Aufnahme vieler weiterer Aufgaben<br />

der praktisch-christlichen Nächstenliebe<br />

wie ambulante Pflege, Suchtberatung<br />

und betreutes Wohnen.<br />

Diakonisches Werk<br />

Weißenburg <strong>–</strong> Gunzenhausen e. V.<br />

Schulhausstraße 4<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 86 00 - 0<br />

www.diakonie-wug.de<br />

geschaeftsstelle@diakonie-wug.de<br />

Mitarbeiter: 400<br />

Geschäftsführer: Martin<br />

Ruffertshöfer<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

93


Anzeige<br />

Kinderlachen<br />

im Rundumsorglos-Paket<br />

<strong>Das</strong> BRK kann Blaulicht. Denkt man an den Verband mit Sitz in<br />

Weißenburg, fährt im Geiste ein Rettungswagen vor. Aber es<br />

kann mehr! Zum Beispiel Kinderlachen. 18 Kitas betreibt der<br />

Kreisverband Südfranken mittlerweile.<br />

Familiendienstleister<br />

Der BRK-Kreisverband Südfranken<br />

mit Sitz in Weißenburg beschäftigt<br />

mehr als 700 Mitarbeiter. Dazu kommen<br />

2.300 ehrenamtlich Aktive und<br />

ca. 18.000 Mitglieder. Die stärksten<br />

Säulen im Angebotsportfolio sind der<br />

Rettungsdienst, die Pflege und die<br />

Kinderbetreuung. Seit der Fusion<br />

2004 ist das Sozial-Unternehmen in<br />

den Landkreisen Weißenburg-Gunzenhausen,<br />

Roth sowie der kreisfreien<br />

Stadt Schwabach aktiv.<br />

Bayerisches<br />

Rotes<br />

Kreuz<br />

Kreisverband Südfranken<br />

Bayerisches Rotes Kreuz<br />

Kreisverband Südfranken<br />

Rothenburger Straße 33<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 86 99 - 0<br />

www.brk-suedfranken.de<br />

info@brk-suedfranken.de<br />

Mitarbeiter: 700<br />

Geschäftsführer: Rainer Braun<br />

Von Abenberg über Hilpoltstein bis Zell, von Schwabach über<br />

Pleinfeld und Pappenheim bis Solnhofen: Die BRK<strong>–</strong>Kitas stehen<br />

<strong>für</strong> Qualität in der Betreuung und frühkindlichen Bildung.<br />

<strong>Das</strong> kontinuierliche Wachstum kommt nicht von ungefähr. „Der<br />

Betrieb einer Kindertagesstätte wird immer komplexer und erfordert<br />

viel Spezialwissen: <strong>Das</strong> BRK steht mit diesem Wissen<br />

den Städten und Gemeinden in der Region als Full-Service-<br />

Partner zur Seite“, erläutert der zuständige stellvertretende<br />

Geschäftsführer Martin Fickert. „<strong>Das</strong> beginnt mit kompetenter<br />

Beratung und mündet nicht selten in den Bau einer kompletten<br />

Kita auf Bitten der Kommune.“ Was überzeugt, sei letztendlich<br />

immer das umfassende Angebot und der hohe qualitative Anspruch,<br />

ergänzt Stefanie Dietrich-Wägemann, die das Kinderund<br />

Jugendreferat im Kreisverband leitet. Auch innovative Ansätze<br />

machen den Unterschied: In Kürze nimmt etwa die erste<br />

BRK-Kita in konzeptioneller Einheit mit einer Senioren-Tagespflege<br />

den gemeinsamen Betrieb auf.<br />

Bei aller fachlicher Professionalisierung<br />

und Innovation bleibt<br />

aber eines besonders wichtig:<br />

„Im Mittelpunkt muss der<br />

Mensch stehen“, betont Fickert.<br />

„Den Geist des BRK als eine Familie<br />

wollen wir uns bewahren.“<br />

Und der wird auch in der Praxis gelebt. Man duzt sich, flache<br />

Hierarchien und ein offenes, kollegiales Miteinander schaffen<br />

ein attraktives Arbeitsumfeld, in dem sich die Vorgesetzen als<br />

Problemlöser verstehen. Wie in einer Familie sagt man sich,<br />

was man denkt und bewältigt so gemeinsam auch herausfordernde<br />

Zeiten, wie z. B. die letzten beiden Pandemie-Jahre.<br />

Ihre 18 Kindertagesstätten kennt Dietrich-Wägemann aus<br />

dem Effeff. „Mir ist wichtig, dass ich <strong>für</strong> meine Kolleginnen vor<br />

Ort bin, dass mich alle kennen und auch schon mal die Praktikantin<br />

bei mir anruft, wenn etwas besprochen werden muss.“<br />

So erkennt man auch früh Talente und Perspektiven der MitarbeiterInnen<br />

und kann sie gezielt fördern. „Wir haben so schon<br />

zwei Kinderpflegerinnen berufsbegleitend fortgebildet, die<br />

jetzt bei uns als Einrichtungsleitung arbeiten.“ Auch das einer<br />

der Gründe, warum das BRK auf einem schwierigen Arbeitsmarkt<br />

weiter Personal findet. Dietrich-Wägemann: „Wir kümmern<br />

uns um unsere Leute.“ Ganz wie in einer echten Familie<br />

eben. <br />

<strong>–</strong>js<strong>–</strong><br />

94<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Anzeige<br />

Lasst es Euch<br />

schmecken!<br />

Eine attraktive Beschäftigung zu finden <strong>für</strong> Menschen mit Behinderung<br />

und diese Tätigkeit in den dynamischen Arbeitsmarkt<br />

zu integrieren, da<strong>für</strong> benötigt man ein gutes Gespür.<br />

Friedrich Burkhard, Leiter Diakoneo, hatte es. Aus langer Tradition<br />

des Crêpes-Backens wurde die Idee geboren, diese Köstlichkeit<br />

ganzjährig anzubieten und somit attraktive Arbeitsplätze<br />

<strong>für</strong> Menschen mit Behinderung zu schaffen. Aber wie?<br />

Warum nicht einen eigenen Diakoneo-Foodtruck? Gesagt, getan.<br />

Diese Idee entstand schon vor Beginn der Pandemie. Inzwischen<br />

steht das Projekt in den Startlöchern. Ein Foodtruck,<br />

ausgestattet mit einem modularen System, welches wahlweise<br />

die Herstellung süßer und herzhafter Speisen ermöglicht.<br />

Crêpes oder Currywurst sozusagen. Mit einem besonderen<br />

Augenmerk auf Regionalität in der Zutatenliste. Ziel ist es, so<br />

viel wie möglich aus heimischen Produkten selbst herzustellen.<br />

Beispielsweise den Teig der Crêpes. Die Currywurst soll<br />

von einem einheimischen Metzger kommen und die Soße<br />

dazu wird eine Eigenkreation.<br />

Diakoneo liebt<br />

das Leben<br />

Mit mehr als 200 Einrichtungen, von<br />

der Kinderkrippe bis zum Krankenhaus<br />

und vom Betreuten Wohnen bis<br />

zum Kirchenbedarf, gehört Diakoneo<br />

zu den größten diakonischen Unternehmen<br />

in Deutschland. Gesteuert<br />

von Neuendettelsau im Nachbarlandkreis<br />

Ansbach aus, begleitet und<br />

unterstützt Diakoneo Menschen, die<br />

in unterschiedlichsten Lebenssituationen<br />

verlässliche Unterstützung<br />

benötigen. Erklärtes Motto: „weil wir<br />

das Leben lieben.“ Mehr als 10.000<br />

Menschen arbeiten in einer der über<br />

Süddeutschland und Polen verteilten<br />

Einrichtungen des gemeinnützigen<br />

Unternehmens.<br />

Der Truck bietet Platz <strong>für</strong> fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

samt bis zu zwei Betreuern. Ein fester Kern soll zwar bestehen,<br />

jedoch sollen sich die Bewohner der Diakoneo-Einrichtung<br />

unterschiedlicher Standorte abwechseln können. Nachhaltigkeit<br />

und Inklusion, Hand in Hand. Die Diakoneo will mit diesem<br />

Angebot sowohl in Gewerbegebieten als auch in Fußgängerzonen<br />

oder auf Märkten im Umland vertreten sein, um somit<br />

die Aufmerksamkeit auf die Institution selbst zu richten. „Viele<br />

Menschen außerhalb des Landkreises kennen uns gar nicht“,<br />

so Steinberger. Der Erlös des Verkaufs kommt allein der Institution/Werkstatt<br />

selbst zugute. Denkbar wäre auch, hieraus<br />

einen Cateringservice <strong>für</strong> Firmen- oder Privatveranstaltungen<br />

anzubieten. Noch konnte der Foodtruck coronabedingt nicht<br />

starten. Die Bewohner sind aufgrund der Pandemie streng<br />

voneinander getrennt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Situation<br />

bald zum Guten wendet und der Foodtruck dann fleißig<br />

gebucht werden kann. <br />

-cr-<br />

Diakoneo-Werkstatt Laubenzedel<br />

Laubenzedel 58<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 88 41 11<br />

www.diakoneo.de<br />

Friedrich.Burkhard@diakoneo.de<br />

Unternehmensgründung: 1866<br />

Leiter: Friedrich Burkhard<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

95


Anzeige<br />

Ein besonderes und<br />

menschenfreundliches Klima<br />

Stiftung Hensoltshöhe<br />

Hensoltraße 58 • Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 50 70<br />

www.stiftung-hensoltshoehe.de<br />

info@stiftung-hensoltshoehe.de<br />

Gründung: 1909<br />

Mitarbeiter: 500<br />

Stiftungsvorstand: Pfr. Dr. Wolfgang<br />

Becker, Diakonisse Marion Holland,<br />

Burkhard Weller<br />

Die Stiftung Hensoltshöhe ist ein<br />

Diakoniewerk mit einer über einhundertelfjährigen<br />

Tradition. In ihrer<br />

Rehaklinik, ihren Bildungseinrichtungen,<br />

Seniorenheimen, Tagungsund<br />

Gästehäusern arbeiten über<br />

500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

auf Basis des christlichen<br />

Glaubens und Menschenbildes im<br />

Dienst am Menschen.<br />

Als gemeinnütziger Dienstgeber<br />

beschäftigt die Stiftung Hensoltshöhe<br />

Haupt- und Ehrenamtliche<br />

unterschiedlicher Qualifikation, Nationalität<br />

und verschiedenen Alters.<br />

Und sie versteht sich auch als ein<br />

zukunftssicherer Arbeitgeber in<br />

vielerlei Hinsicht. Für ihre Mitarbeiter*Innen<br />

bietet sie gute Rahmenbedingungen<br />

in einer 39-Stunden-<br />

Woche und attraktive Bezahlung<br />

gemäß Tarif Diakonie Deutschland,<br />

eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche<br />

Altersvorsorge und Krankenzusatzversicherung,<br />

Jahressonderzahlung<br />

oder Kinderzulagen.<br />

Und was den Verantwortlichen der<br />

Stiftung besonders wichtig ist: „Als<br />

gemeinnütziges christliches Unternehmen<br />

steht <strong>für</strong> uns nicht die Gewinnmaximierung<br />

an erster Stelle.<br />

Wir helfen Menschen! Unsere vielfältigen<br />

Jobs bieten einen tieferen<br />

Sinn. Mitarbeiter erwartet ein besonderes,<br />

ein menschenfreundliches<br />

Unternehmensklima.“<br />

„Wo Himmel und Leben sich berühren“,<br />

ist Leitspruch und Hoffnung<br />

zugleich. Auf ihrer christlichen<br />

Grundlage wirkt die Stiftung Hensolthsöhe<br />

in die Welt. -mho-<br />

Präsentieren Sie<br />

Ihr Unternehmen<br />

in der nächsten<br />

<strong>WIKO</strong>-Ausgabe!<br />

WIRTSCHAFTSKOMPASS ALTMÜHLFRANKEN<br />

Jetzt Termin buchen<br />

unter 0 91 41 / 85 90 25<br />

Nächste Erscheinung:<br />

März 2023<br />

Sie haben Fragen, Anregungen oder Kritik zum aktuellen Heft: info@wiko-wug.de<br />

96<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2022</strong>


Wo sind die<br />

Pflegekräfte<br />

von<br />

morgen?<br />

Von Jan Stephan<br />

Denkt man an Arbeitsplätze,<br />

sieht man schnell<br />

Fabriken vor sich.<br />

Tatsächlich aber ist das<br />

Gesundheitswesen nach<br />

der Industrie der zweitgrößte<br />

Arbeitgeber im<br />

Landkreis. Einer allerdings,<br />

der sich schwertut,<br />

Arbeitnehmer zu finden.<br />

Von den 32.500 sozialversicherungspflichtigen<br />

Jobs in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

sind rund 10.500 in der Industrie angesiedelt,<br />

bereits auf Rang zwei folgt<br />

aber mit 6.300 Arbeitnehmern das<br />

Gesundheitswesen. Und das hat massiv<br />

aufgeholt. Während die Industrie<br />

in den letzten 15 Jahren knapp sieben<br />

Prozent Jobs zulegte, wuchs der<br />

Gesundheitsbereich um satte 35 Prozent.<br />

Ein Trend, der in einer alternden Gesellschaft,<br />

die immer mehr Bedarf <strong>für</strong><br />

Pflege und Gesundheitsversorgung<br />

hat, so schnell nicht brechen dürfte.<br />

Am deutlichsten wird das in der Pflege,<br />

wo rund 2.500 der 6.300 Gesundheitsjobs<br />

im Landkreis zu Hauses sind.<br />

Bereits jetzt gilt, wer eine Altenpflegeausbildung<br />

hat, muss sich auf dem<br />

Arbeitsmarkt aber wirklich gar keine<br />

Sorgen machen.<br />

„Unsere Schüler im dritten Jahr haben<br />

im Regelfall schon mehrere Angebote<br />

vorliegen“, erzählt Dorothea Eidam,<br />

die die Berufsfachschule <strong>für</strong> Pflege<br />

und Altenpflegehilfe auf der Wülzburg<br />

in Weißenburg leitet. Kein Wunder,<br />

schließlich ist der Arbeitsmarkt<br />

leer gefegt.<br />

„Bei dem, was es da noch gibt, hat es<br />

meist Gründe, dass sie keine Stelle haben“,<br />

sagt einer, der mit dem System<br />

vertraut ist. Nicht umsonst wildern<br />

manche Träger im Landkreis schon<br />

im Bestand der Konkurrenz. Mitunter<br />

werden Kopfprämien <strong>für</strong> abgeworbene<br />

Mitarbeiter bezahlt.<br />

„<strong>Das</strong> Problem der kommenden Jahre<br />

wird ganz klar der Personalmangel“,<br />

ist Willy Bergdolt überzeugt. Er leitete<br />

das Awo-Heim in Weißenburg und<br />

ist seit Jahrzehnten in der Pflegepolitik<br />

engagiert. Die Pflege auf dem Niveau<br />

von vor fünf oder zehn Jahren zu halten,<br />

werde wegen der Personalsorgen<br />

mittelfristig immer schwieriger. „Natürlich<br />

machen wir unsere Arbeit weiter<br />

gut, aber der Qualitätsverlust ist ein<br />

schleichender Prozess“, so Bergdolt.<br />

<strong>Das</strong> Grundproblem: Es entscheiden<br />

sich zu wenige junge Menschen <strong>für</strong><br />

eine Ausbildung in der Pflege. Bei<br />

gleichzeitig steigendem Bedarf wird<br />

die Lücke auf dem Arbeitsmarkt immer<br />

größer. Die Gründe <strong>für</strong> den mangelnden<br />

Nachwuchs <strong>für</strong> die Branche sind<br />

vielschichtig, ganz weit vorne steht<br />

aus Sicht der Altenpflege-Experten im<br />

Landkreis aber ein Imageproblem.<br />

Pflege, das ist doch das, wo man rund<br />

um die Uhr unter extremem Zeitdruck<br />

arbeiten muss und hinterher schlecht<br />

bezahlt wird ... <strong>Das</strong> steckt bei vielen<br />

jungen Menschen in den Köpfen <strong>–</strong><br />

und ist in einigen Punkten falsch.<br />

„Die Pflege bezahlt gut, zumindest im<br />

Grundverdienst“, stellt etwa Dorothea<br />

Eidam fest. Und Willy Bergdolt sieht<br />

das nicht grundlegend anders. Die<br />

Pflege zahle nicht schlecht, sagt er <strong>–</strong><br />

zumindest da, wo Tarifverträge gelten.<br />

Er ärgert sich aber auch in anderer<br />

Hinsicht über das schlechte Image der<br />

Pflegebranche. „Da sind viele Mythen<br />

im Umlauf, die einfach nicht stimmen,<br />

man rennt hier auch nicht immer in<br />

Höchstgeschwindigkeit über den Flur,<br />

weil man keine Zeit hat“, stellt er fest.<br />

„Die Pflege ist objektiv ein interessan-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

97


tes Berufsbild, erst recht, seitdem die<br />

Ausbildung generalisiert ist und man<br />

noch mehr Möglichkeiten hat.“ Dazu<br />

kommt, dass sich in der Pflege selten<br />

die Sinnfrage stellt, was ganz sicher<br />

nicht <strong>für</strong> jeden Bürojob gilt. Man hilft<br />

in seiner täglichen Arbeit Menschen,<br />

die Hilfe dringend brauchen.<br />

Aber natürlich gibt es schon wirklich<br />

ein paar handfeste Gründe <strong>für</strong><br />

die Probleme des Berufsbilds. Etwa<br />

die unregelmäßigen Arbeitszeiten mit<br />

Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsdiensten<br />

oder auch dass man wegen<br />

der dünnen Personaldecke immer<br />

wieder einspringen müsse, wenn Kollegen<br />

ausfallen. <strong>Das</strong> sei <strong>für</strong> viele junge<br />

Menschen ein Grund, sich gegen die<br />

Pflege zu entscheiden, weiß Eidam. Zumal<br />

etwa Nachtschichten und Sonntagsarbeiten<br />

wirklich nicht angemessen<br />

über das Grundgehalt hinaus entlohnt<br />

würden, so Dorothea Eidam von<br />

der Schule auf der Wülzburg.<br />

Bergdolt sieht die Probleme unter anderem<br />

auch in der mangelnden Lobby<br />

des Pflegeberufs begründet. „Wir sind<br />

da als Branche selbst schuld, weil so<br />

wenige hier organisiert sind“, ärgert er<br />

sich. Man müsse sich dann nicht wundern,<br />

wenn man sich in den Verhandlungen<br />

mit den Arbeitgebern schwertue.<br />

„Ich denke, das liegt auch daran,<br />

dass in der Pflege viele schon seit Jahren<br />

am Limit arbeiten und dann, wenn<br />

sie mit der Arbeit fertig sind, sich nicht<br />

schon wieder um die Arbeit kümmern<br />

wollen“, spekuliert Dorothea Eidam.<br />

Tatsächlich lässt sich die mangelnde<br />

Organisation der ganzen Branche auch<br />

im Landkreis beobachten. Obwohl der<br />

Gesundheits- und Pflegebereich der<br />

zweitwichtigste Arbeitgeber im Landkreis<br />

ist, kommt er in der öffentlichen<br />

Diskussion kaum vor. Ganz anders als<br />

die erheblich besser organisierte Industrie<br />

etwa, die schon traditionell vor Ort<br />

das Industrie- und Handelskammergremium<br />

prägt. Die Chefs der großen<br />

Unternehmen vor Ort kommunizieren<br />

direkt und forsch ihre Bedürfnisse in<br />

Politik und Öffentlichkeit hinein.<br />

In der Pflege gibt es diese Stimme <strong>–</strong> zumindest<br />

auf lokaler Ebene <strong>–</strong> nicht. Die<br />

verschiedenen Träger in der Region <strong>–</strong><br />

zum Beispiel Awo, Caritas, BRK oder<br />

einzelne Kommunen <strong>–</strong> treten in der<br />

Öffentlichkeit nicht gemeinsam als<br />

<strong>Das</strong> Haus Hahnenkamm in Heidenheim<br />

muss wachsen, um zu bleiben.<br />

Interessenvertreter auf. <strong>Das</strong> mag darin<br />

liegen, dass sie in einem engen Markt<br />

immer wieder miteinander konkurrieren.<br />

Um Arbeitskräfte, Bewohner,<br />

manchmal auch Zuschläge der öffentlichen<br />

Hand.<br />

Die nahe Zukunft sieht Bergdolt mit<br />

gemischten Gefühlen. Die anstehenden<br />

Reformen wollen den Pflegeberuf<br />

in einer Richtung akademisieren und<br />

in einer anderen Richtung den Zugang<br />

mit einer einjährigen Ausbildung erleichtern.<br />

Im Zusammenspiel von tief<br />

ausgebildeten Pflegeplanern und Assistenzkräften<br />

will man das System neu<br />

aufstellen. Bergdolt findet das grundsätzlich<br />

eine gute Idee, macht sich aber<br />

um die Umsetzung Sorgen.<br />

Im einen Bereich wären die Qualifikationshürden<br />

höher, was manche<br />

abschrecken könnte, in den Beruf zu<br />

gehen. Im anderen Bereich <strong>für</strong>chtet er,<br />

dass man sich schwertun könnte, ausreichend<br />

Menschen zu finden, die die<br />

persönlichen Voraussetzungen <strong>für</strong> die<br />

Pflege haben, sich aber mit einem vergleichsweise<br />

gering qualifizierten Job<br />

zufriedengeben.<br />

Fakt ist <strong>für</strong> ihn aber, dass, wenn die<br />

Umstellung kommen sollte, man den<br />

Pflegeplanern mehr Kompetenzen geben<br />

muss. „In vielen Fällen darf eine<br />

Pflegekraft nicht mal eine Kopfschmerztablette<br />

geben, ohne dass der<br />

Arzt sie verordnet. <strong>Das</strong> sind Sachen,<br />

die sich sonst jeder selbst von der Apotheke<br />

holt“, ärgert sich Bergdolt. Am<br />

Ende werde man in der Pflege nie in der<br />

Lage sein, mit den Gehältern in der Industrie<br />

mitzuhalten. <strong>Das</strong> aber sei vielleicht<br />

auch nicht zwingend nötig „Wir<br />

brauchen diejenigen, die die Arbeit<br />

wirklich gern machen, und wir müssen<br />

ihnen ein Umfeld schaffen, dass sie<br />

diese Arbeit auch gut machen können“,<br />

glaubt Bergdolt.<br />

Gelingt das nicht, drohen ernste Probleme.<br />

„Ich frage mich schon auch<br />

manchmal“, sagt Eidam nachdenklich,<br />

„wer mich eigentlich mal pflegt, wenn<br />

es so weit ist.“ Immerhin sei es schon<br />

jetzt nicht ganz einfach, einen Pflegeplatz<br />

im Landkreis zu kriegen.<br /&