fehlt ir was! - Diakonie Leipzig

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fehlt ir was! - Diakonie Leipzig

Leipzig

Jahresbericht

2010

Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Vielfalt

für das Leben


2 Jahresbericht 2010 Vorwort

Vorwort

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der

Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

Dieses Wort lag der Predigt des „Gottesdienstes inklusive“

zugrunde, der am 19. September 2010 in der Michaeliskirche

in Leipzig stattfand. Dieser Gottesdienst, an dem etwa 340

Menschen teilnahmen und der gemeinsam von der Michaelis-

Friedens-Kirchgemeinde, dem Berufsbildungswerk Leipzig,

der Diakonie am Thonberg und dem Diakonischen Werk

Innere Mission Leipzig gefeiert wurde, war ein Ergebnis der

Podiumsdiskussion zum Thema „Inklusion“ im Alten Rathaus

anlässlich des 140. Jahresfestes unseres Werkes im Jahr

2009. In diesem Jahresbericht ist ein eigener Bericht über

diesen Gottesdienst enthalten, der in Zukunft auch in anderen

Kirchgemeinden gefeiert werden soll.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der

Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Dieses Wort soll auch

über diesem Jahresbericht stehen, der im November des

Jahres 2010 anlässlich der Mitgliederversammlung und des

141. Jahresfestes des Diakonischen Werkes Innere Mission

Leipzig e.V. vorgelegt wird.

Im Jahresbericht des letzten Jahres war bereits die Vermutung

geäußert worden, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise

den sozialen Bereich vermutlich zeitversetzt erreichen wird.

Die aktuellen öffentlichen Debatten um die Kürzung von

Mitteln der öffentlichen Hand für soziale Arbeit zeigen, dass

diese Vermutung nun tatsächlich Realität geworden ist bzw. in

verstärkter Weise noch werden wird. Dies wird sich auch in

unserer Arbeit schmerzlich niederschlagen.

Wir sehen trotzdem zunächst dankbar, welche Chancen wir in

der letzten Zeit trotz nicht immer idealer Rahmenbedingungen

hatten und auch nutzen konnten.

Die neuen Einrichtungen bzw. Erweiterungsbauten wie die

Erweiterung der Lindenwerkstätten, Werkstatt II in Panitzsch,

die Kindertagsstätte „Nathanael“ in Leipzig-Lindenau, der

Erweiterungsbau der Förderschule „Werner Vogel“ und die

stationäre Einrichtung der Jugendhilfe zum Wohnen für

Kinder, Jugendliche und junge Eltern „Haus Lebensweg“ in

der Martinstraße sind Beispiele dafür. Dazu gehören auch die

aktuellen Umbauten und Sanierungsvorhaben im Haus der

Stadtmission, die erst in einigen Jahren endgültig abgeschlossen

sein werden.

Im Berichtsjahr von September

2009 bis August 2010

wurden viele Dienste auch

inhaltlich fortentwickelt.

Einiges davon wird in diesem

Heft exemplarisch dargestellt.

Der Abschnitt, der die

finanzielle Entwicklung des

Werkes beinhaltet, bezieht

sich schwerpunktmäßig auf

den Zeitraum von Januar bis

Dezember 2009.

Missionsdirektor Pfr. Christian Kreusel

Wir stehen im Moment an einem Punkt in der Entwicklung

unseres Werkes, von dem aus wir einerseits dankbar zurückblicken,

da viele positive Entwicklungen geschehen konnten.

Andererseits müssen wir feststellen, dass die Refinanzierung

durch die Kostenträger einerseits und unsere steigenden

Personalkosten andererseits immer weiter auseinander

driften. Dies führt langfristig zu einer Gefährdung unserer

wirtschaftlichen Substanz, da wir nicht genügend Rücklagen

für später notwendige Investitionen bilden können.

In der nächsten Zeit werden wir damit leben müssen, dass

die Ressourcen sozialer Arbeit nicht immer steigen, sondern

auch einmal stagnieren oder gar etwas abgesenkt werden

können, wie dies in der Geschichte unseres Werkes bereits

mehrfach zu erleben war. In diesem Umfeld mit Besonnenheit

zu agieren, die vorhandenen Kräfte zu bündeln und optimal

einzusetzen und weiterhin Nächstenliebe zu praktizieren wird

unsere Aufgabe sein.

Wir danken auch im 141. Jahr des Bestehens unseres Werkes

wieder sehr herzlich allen Mitarbeitenden unseres Werkes für

ihren engagierten Dienst. Ebenso danken wir allen, die diese

Dienste durch Spenden, durch Ehrenamt, auch durch Gebet

oder auf andere Weise unterstützt haben. Sie haben damit

dazu beigetragen, dass auch im Berichtsjahr wieder unzählige

Menschen Hilfe, Begleitung oder Beratung bekommen

konnten.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der

Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Es bleibt zu wünschen,

dass im Sinne dieses Bibelwortes die Dienste unseres

Werkes auch unter sich ändernden Rahmenbedingungen zum

Nutzen und zum Segen für Menschen geleistet werden

können.


Inhalt

02 Vorwort

04 Altenhilfe

06 Kirche und Diakonie - Zusammen leben

08 Seelsorge in der Altenhilfe

10 Behindertenhilfe

12 Förderschule Werner Vogel wächst

13 Gottesdienst inklusive

14 Kunstprojekte im Martinstift

16 Vielfalt in der Freizeit - Wohnstätte Katharina von Bora

18 Kindertagesstätten

20 Beratungs- und Betreuungsdienste

24 Telefonseelsorge - Zuhören will gelernt sein

26 Wohnungslosenhilfe

27 Diakonischer Jugendtag - Parallelwelten

28 Spenden helfen weiter

29 Sozialstunden - Wenn der Richter gesprochen hat

30 Diakonie - bekannt wie noch nie

32 Wirtschaftsbericht

38 Bericht Verwaltungsrat

40 Anschriften

43 Kurzchronik 2010

Jahresbericht 2010 Inhaltsverzeichnis 3


4 Jahresbericht 2010 Altenhilfe

Unsere Angebote für

alte Menschen

individuelle Pflege und

Betreuung

Pflegeheime - Auslastung der stationären Einrichtungen

Die Belegungen der Einrichtungen sind mit dem Vorjahr

vergleichbar, sie schwanken zwischen 91 und 100%. In der 2.

Jahreshälfte 2009 gelang ein Anstieg der Belegung, die

jedoch immer saisonal bedingt ist. Der März 2010 zeigte sich

in unseren Einrichtungen als „schlechtester Monat“ mit

teilweise nur 92% Belegung, die jedoch zum Sommer hin

wieder auf bis zu 100% anstieg. Mit diesen Zahlen liegen wir

jedoch über dem Bundesdurchschnitt, der mit 85% angegeben

wird, und können somit auch zufrieden auf dieses

Ergebnis schauen.

Belegung versteht ein belegtes Zimmer mit einem Bewohner.

Muss der Bewohner in das Krankenhaus, was bei der Hochaltrigkeit

unserer Bewohner oft nicht zu vermeiden ist, ist das

Zimmer belegt, jedoch fällt dann die komplette Finanzierung

des Pflegesatzes weg und die Einrichtung erhält nur noch den

Anteil aus der Unterkunft. Diese Umstände sind von uns nicht

zu beeinflussen.

Oft sind Plätze frei und werden auch nachgefragt, jedoch

haben viele unserer Einrichtungen noch einen Großteil von

Doppelzimmern, die baulich nicht in Einzelzimmer umgestaltet

werden können. Angehörige suchen vermehrt Einzelzimmer.

Der Anspruch der Pflegededürftigen hat sich in den letzten

zehn Jahren verändert und wird sich weiter differenzieren.

Hier müssen wir ansetzen und ganz individuelle Strukturen

und Konzepte schaffen, die unsere Einrichtungen auch

nachhaltig attraktiv gestalten. Unsere Aufgabe für die kommenden

zwei Jahre wird sein, Wohn- und Betreuungsangebote

im stationären, aber auch ambulanten Bereich zu

schaffen, um den vielfältigen Bedürfnissen nach individuellem

Altwerden gerecht zu werden.

Die Tagespflegen werden immer noch sehr wenig genutzt,

Herr Haufe berichtet beispielhaft für alle drei unserer Tagespflegen:

„Die Tagespflege im Matthäistift war in etwa so wie im Jahr

2008 ausgelastet. Der Vor- und gleichzeitige Nachteil ist die

Heimnähe. Relativ oft erfolgt schon nach kurzer Zeit des

Besuchs der Tagespflegeeinrichtung eine Heimunterbringung.

Positiv für die Pflegebedürftigen wirkt sich aus, dass sie durch

den Besuch der Tagespflege die Einrichtung schon kennenler-

nen konnten und der Umzug leichter fällt. Aus dieser Sicht ist

die Nähe zum Heim sinnvoll. Die Tagespflegeeinrichtung

verliert aber dann wieder einen Gast und die Nachfrage ist

noch nicht entsprechend hoch, als dass sich dies nicht auf

die Wirtschaftlichkeit auswirken würde.

Angehörige wünschten sich für ihre Urlaubszeit oft eine

Kurzzeitpflege in der bekannten Umgebung, was optimal

wäre, aber leider nur in Ausnahmefällen möglich ist, nämlich,

wenn gerade zufällig ein Platz in der vollstationären Pflege frei

ist. Für eigene Kurzzeitpflegeplätze ist aber die Nachfrage

wiederum zu gering.“

Personalsituation

Schwankende Auslastungen bis zu 10% machen eine ausgeglichene

Personaleinsatzplanung fast unmöglich. Langzeiterkrankte

und hohe Krankenstände erschweren eine Kontinuität,

die den alten Menschen eigentlich gesichert werden sollte

und die der Pflegealltag dringend benötigt. Überalterung und

Fachkräftemangel werden leider die Schlagworte der nächsten

Jahre werden, wie wir bereits jetzt zu spüren bekommen.

Höhere Individualität der Betreuten versus mangelnde

Pflegefachkräfte - damit ist die Qualität der Pflege schlecht zu

halten - Qualität die wir uns doch in den vergangenen Jahren

mühsam erarbeitet haben.

Ausbildung

Umso mehr erfreut es uns, dass wir neun Auszubildende zum

Ausbildungsjahr 2010/2011 begrüßen können. Somit lernen

bei uns derzeitig 16 Auszubildende. So viele, wie nie zuvor.


Zusätzlich betreuen wir auch SchülerInnen, die mit einem

Bildungsgutschein über die Agentur für Arbeit gefördert

werden.

Viele unserer Einrichtungen bieten auch Plätze zur Leistung

eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder auch für den

Zivildienst an. Leider werden die Plätze des FSJ zukünftig

nicht mehr ausreichend finanziell vom Bund unterstützt. Diese

drastischen Einsparungen werden das Angebot im FSJ

minimieren oder sogar nicht mehr möglich machen.

Gern absolvieren auch Schüler verschiedener Schulen und

Ausbildungsgänge ihre Praktika in unseren Einrichtungen. Sie

sind uns oft eine willkommende Bereicherung und werden von

den Bewohnern gut aufgenommen und akzeptiert.

Diakonie Sozialstation - Ambulanter Pflegedienst

Nach dem tiefen Sommerloch 2009 erlebte der Ambulante

Pflegedienst Ende des Jahres einen Aufschwung, was durch

personelle Veränderungen möglich wurde. Ein insolventer

privater Pflegedienst überließ uns in einer „Nacht- und

Nebel-Aktion“ seine Patienten, die auch gern bei uns in der

Versorgung blieben. Weitere Patienten gingen einen Pflegevertrag

mit uns ein. Von anfänglich 35 Patienten stieg die Zahl

bis zum Jahresende 2009 auf 50 - in der ersten Jahreshälfte

2010 weiter auf 75 Patienten. Nun galt es, die Personaldecke

zu stabilisieren und fachlich gut ausgebildetes Personal zu

werben. Es gelang uns, fünf sehr motivierte Fachkräfte

einzustellen. Dies wurde auch notwendig, da auch das

Betreute Wohnen in Borsdorf Interesse an einer Begleitung

durch den Pflegedienst signalisiert hatte. Mit der Übernahme

der Versorgung der Schwestern und „Zivilen“ (Schwesternausdruck)

kann dort fast durchgängig (von 6-20Uhr) Pflegeunterstützung

angeboten werden, was bei steigendem Alter und

immer mehr Pflegebedürftigkeit der BewohnerInnen notwendig

wurde. Die Vielfältigkeit des Werkes lässt Synergieeffekte

zu. Wir sind dabei, diese zu erkunden und mit Leben zu füllen.

Instandhaltungsbedarf

Investitionen für die Verbesserung der Lebensqualität unserer

Bewohner an Beispielen: Für das Marienheim wurden einige

Dinge für die Heimbewohner angeschafft - so z.B. im Rahmen

der Fußball-WM ein großer Flachbild-Fernseher, als Ergänzung

der Kino-Anlage eine elektrische Leinwand und im

Rahmen der Erweiterung der Tiertherapie zwei Hasen.

Albert-Schweizer- Haus: Die zwei „Snoezel-Sinneswagen“,

die wir seit Juli 2009 für pflegeintensive Bewohner nutzen,

haben sich sehr bewährt. Auch konnte im März 2010 eine

hauseigene Bibliothek eingerichtet werden, die ausschließlich

aus Bücherspenden besteht und von einem ehrenamtlichen

Mitarbeiter geführt und verwaltet wird. So finden jeden

Montag Buchlesungen und jeden Mittwoch Buchvorstel-

Jahresbericht 2010 Altenhilfe 5

lungen mit Lesungen statt. Die Bewohner dürfen hier gern ihre

Wünsche äußern. Seit Juni 2010 erfreuen sich die Bewohner

an einem Wii- Computerspiel - am virtuellen Sport und Spiel.

Johann-Hinrich–Wichern: Im Frühjahr 2010 entstand auf einer

ungenutzten Fläche ein Kräuter- und Bauerngarten. Durch

Spenden konnten hier die nötigen Materialien eingekauft

werden. Mitarbeiter brachten Pflanzen zur Begrünung mit. In

Zusammenarbeit mit der „Leipziger Oase“ - Tagestreff für

wohnungslose Menschen, entsteht gegenwärtig auf unserem

Gelände ein Erzgebirgsdorf in Modellbauweise mit Garteneisenbahn.

Qualitätsprüfungen der Pflegekassen

Mit der Reform der Pflegeversicherung 2008 wurde eine Reihe

von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Qualität und

Transparenz in der Pflege zu steigern. Ein wichtiger Baustein

sind die Prüfungen von stationären Pflegeeinrichtungen und

ambulanten Pflegeanbietern durch den Medizinischen Dienst

der Krankenkassen (MDK). In der Öffentlichkeit werden diese

Prüfungen auch als „Pflege-TÜV“ bezeichnet. Denn ähnlich

wie die technischen Sicherheitskontrollen finden die unangekündigten

Prüfungen bei den Pflegeanbietern nach vorab

definierten Kriterien und in regelmäßigen Abständen statt, ab

2011 mindestens einmal jährlich.

Erstmals werden die relevanten Ergebnisse aus den Prüfungen

anschließend zu Transparenzberichten zusammengefasst

und in verständlicher Form veröffentlicht. Zuständig

dafür sind die Landesverbände der Pflegekassen. In Sachsen

kann jeder über den Pflegenavigator der AOK die Ergebnisse

der Prüfungen einsehen. Auch die Pflegeanbieter selbst, d.h.

die Heime und Dienste, müssen ihr Prüfergebnis an gut

sichtbarer Stelle publik machen. Die Bewertungssystematik

ist an das Schulnotensystem angelehnt. Es gibt die Noten

sehr gut (1,0) bis mangelhaft (5,0).

Geprüft wurden:

- im März 2010 der Ambulante Pflegedienst mit der

Gesamtnote 2,8

- im Juli 2010 das PH Matthias Claudius mit der

Gesamtnote: 1,9

- im August 2010 das PH Johann Hinrich Wichern mit

der Gesamtnote: 1,2

- im August 2010 das PH Matthäistift mit der Gesamt-

note: 2,0.

Maria Dösinger-v. Wolffersdorff I Fachbereichsleiterin der

Altenhilfe und Beratungs- und Betreuungsdienste


6 Jahresbericht 2010 Kirche und Diakonie - Zusammen Leben

Kirche und Diakonie -

zusammen leben

Pflegeheim Matthias

Claudius und Kirchgemeinde

in der Nachbarschaft

Im Pflegeheim Matthias Claudius herrscht angespannte Stille.

Gleich werden die Kindergartenkinder von der Kindertagesstätte

nebenan hereinkommen und sich mit ihren eingeübten

Liedern dem Publikum stellen. Wie jeden Mittwochmorgen

werden die Kinder mit den dementen Bewohnern und dem

Pflegepersonal die Zeit gemeinsam verbringen und ihnen ein

Lächeln in die Gesichter zaubern. Nachdem die Bewohner

durch aufmunternde Lieder ihre restliche Müdigkeit abwerfen

konnten, folgen ein paar Gedächtnisübungen, um das

Langzeitgedächtnis der Bewohner zu trainieren. Sprüche, wie

zum Beispiel: „Lügen haben…“, werden im Handumdrehen

vollendet: „kurze Beine“. „Die Kinder sind uns immer willkommen

und wir freuen uns besonders darüber, dass sie auch zu

Veranstaltungen und Festen mit bei uns sind. Das gibt den

Bewohnern das Gefühl, nicht allein zu sein, und so werden die

Kinder oft mehr beachtet als die einzelnen Attraktionen auf

den jeweiligen Festen.“ So beschreibt die Heimleiterin, Frau

Schüler-Tecklenburg, die Kooperation mit der Kindertagesstätte

der Heilandsgemeinde. Wenn zum Beispiel eine

Postlieferung mit großen Paketen im Pflegeheim eingeht,

werden die Kartons nicht etwa weggeworfen, sondern zu den

Kindern nebenan gebracht, die daraus nur allzu gern Verstecke

und andere Spielsachen bauen. Durch die günstige

Nachbarschaftslage bekommen die Kinder sofort mit, wenn

etwas Aufregendes im Pflegeheim vor sich geht und können

auch jederzeit zu Besuch hinüber gehen.

Die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde der Heilandskirche

umfasst aber auch andere Bereiche. So fand am

20.09.2009 der erste gemeinsame Gottesdienst statt, der

seitdem zweimal im Jahr im Andachtsraum des Pflegeheims

veranstaltet wird. Die gemeinsamen Gottesdienste sind

gerade bei Gemeindegliedern beliebt, die aufgrund ihrer

Behinderung nicht in die Kirche gelangen, denn die Kirchentreppen

bieten keinen rollstuhlgerechten Zugang. Ein großes

Problem bei der Umsetzung der gemeinsamen Gottesdienste

sind die besonderen Ansprüche, die die Bewohner des

Pflegeheims an die Ausgestaltung stellen. Zu lange Predigten

sind nicht geeignet für die demenzkranken Menschen. Lieder

aus dem Gesangbuch hingegen werden gern gesungen, denn

die sind tief im Gedächtnis eingespeichert. Weiterhin sind

sinnliche Eindrücke sehr bedeutend und wichtig für die

Bewohner, damit kann oftmals mehr erreicht werden, als mit

predigenden Worten.

Die Kooperation erstreckt sich aber noch weiter: Die Kirchgemeinde

kann den Speisesaal des Pflegeheims jederzeit für

eigene Veranstaltungen nutzen. Ein berufsunfähiger Rentner

aus der Gemeinde engagiert sich als Ehrenamtlicher im

Pflegeheim. Die Konfirmanden kommen im Rahmen ihres

Unterrichts zu Besuch und erhalten einen Einblick in das

Alltagsleben der Bewohner und zur Adventszeit singt ein

gemischter Chor aus Kindern und Erwachsenen der Gemeinde

auf jeder Etage im Pflegeheim.

„Die Öffnung in den Stadtteil dagegen erweist sich als

schwierig.“, meint Frau Schüler-Tecklenburg, „Die Kommunikation

zu diesem Thema fehlt im öffentlichen Leben – wen

interessiert schon ein Pflegeheim, dass sich im Stadtteil aktiv

integrieren will?“ Die Idee, mehr im Stadtteil gesehen zu

werden, stößt an die Grenzen des Machbaren. Der Pflegespiegel

liegt dafür viel zu niedrig, denn bei dementen Menschen

braucht man für jeden Bewohner mindestens einen

Betreuer, um sich im öffentlichen Raum sicher bewegen zu

können. Einen Versuch dahingehend hat es aber dennoch

schon gegeben: einen Besuch im Leipziger Zoo, der allen

Beteiligten viel Spaß und Freude und auch viele Erinnerungen

geschenkt hat.

Christina Schwabe I Praktikantin in der Öffentlichkeitsarbeit


Bewohnerin des

Pflegeheimes

Marthahaus

7


8 Jahresbericht 2010 Seelsorge in der Altenhilfe

Seelsorge in der

Altenhilfe

Andachten - Gespräche -

Lieder - Besuche

Seit einem Jahr sind in unserem Werk zwei Pfarrerinnen in

Teilzeit für die Seelsorge und das geistliche Leben in unseren

Pflegeheimen tätig. Beiden sind jeweils bestimmte Pflegeheime

zugeordnet. Frau Pfarrerin Helbig besucht die Pflegeheime

Marienheim, Albert Schweitzer und Matthias Claudius

und Frau Pfarrerin Dr. Anne-Kristin Kupke kommt in die

Pflegeheime Emmaus, Johann Hinrich Wichern, Marthahaus,

Matthäistift und Paul-Gerhardt (Bad Lausick). Durch diese

Teilung kann die Regelmäßigkeit der Besuche und gottesdienstlichen

Andachten wieder gewährleistet werden. In der

Regel kommt die entsprechende Pfarrerin nun wöchentlich

einmal in jedes der ihr zugeordneten Heime.

Frau Pfarrerin Dr. Anne-Kristin Kupke berichtet über ihre

Arbeit:

„Ein Jahr bin ich nun in den Pflegeheimen der Diakonie tätig.

Zurückblickend kann ich sagen: Dass diese Arbeit so vielfältig

und so sinnvoll ist, hätte ich vorher nicht gedacht. Und: Ich

erlebe immer wieder fragende Blicke, wenn ich früh in einen

Wohnbereich eines Altenpflegeheimes komme. Sie scheinen

zu fragen: Für wen sind Sie denn da? Nur für Kirchenmitglieder?

Was machen Sie da? Mit welcher Absicht kommen

Sie? Deshalb will ich von meiner Arbeit erzählen, ohne das

Seelsorgegeheimnis zu verletzen (alle Gespräche unterliegen

der Schweigepflicht).

Grundsätzlich wendet sich das Gesprächsangebot an alle, die

in einem Pflegeheim wohnen und arbeiten, egal, ob sie

religiös gebunden sind oder nicht. Ein Angebot, das selbstverständlich

auch abgelehnt werden kann. Ich komme ohne

Absicht. Meine Gesprächspartner sollen nicht zum Glauben

überredet werden. Sie können selbst bestimmen, worüber sie

sprechen wollen. In Bezug auf den Inhalt der Gespräche

erlebe ich eine große Vielfalt: Zentral ist – bei geistig orientierten

Bewohnerinnen und Bewohnern – das Gespräch über

das eigene Leben. Der Einzug ins Heim als Beginn der letzten

Lebensetappe, die Konfrontation mit schweren Krankheiten

oder altersbedingten Gebrechen, das Einsamwerden durch

den Tod von Angehörigen und Freunden lösen intensive

Gefühle und ein Nachdenken aus: Was macht mein Leben

aus? Warum passiert mir das? Was bringt die Zukunft – werde

ich auch einmal dement? Worauf und auf wen kann ich mich

verlassen? Manches verdrängte Ereignis der Vergangenheit

kommt zum Vorschein. Ob es das Wissen um die Verschwiegenheit

des Gespräches ist, dass auch als unerlaubt empfundene

Gefühle geäußert werden?

Eine wichtige Erfahrung: Indem ich Gefühle, z. B. Trauer und

Ärger, als subjektive Wahrheit ernst nehme, fühlen sich die

Menschen angenommen. Manchmal kann sich erst dann der

Blick weiten; das Bild des eigenen Lebens wird differenzierter

wahrgenommen. Gründe für Verletzungen werden sichtbar.

Eigene Stärken und Fähigkeiten zur Bewältigung von Herausforderungen

werden wieder bewusst. Die Hilfe von Menschen

auf dem Lebensweg – in Vergangenheit und Gegenwart – wird

dankbar erinnert. Manche spürten und spüren Gottes Begleitung

wie ein Geländer zum Festhalten. Manche entdecken,

dass sie innerlich stark waren – hat Gott ihnen geholfen?

Auch andere Begegnungen seien hier erwähnt:

• Begegnung mit demenziell Erkrankten (Validation der

Gefühle, Wecken lebendiger Erinnerungen z. B. durch

das Betrachten alter Fotos). Gerade bei ihnen erlebe

ich die positive Wirkung der alten Lieder, die sie in

der Kindheit gelernt haben.


• Begleitung von Bewohnern, die gerade in Angst (z. B.

vor einer Behandlung), in Stress (z.B. durch andere

Bewohner) sind oder trauern, zum Beispiel weil ein

Mitbewohner gestorben ist.

• kurze Andachten mit Lied, Bibellese, Gebet und

Segnung

• Sterbebegleitung

• Begegnung im Gefühl der Einsamkeit

• „Tür- und Angelgespräche“: Manchen Mitarbeitern

liegt etwas auf dem Herzen, das sie mit einem

Außenstehenden teilen wollen – z. B. das Gefühl der

Erschöpfung oder ein Konflikt. Vereinzelt gibt es

auch Begegnungen mit Angehörigen der Bewohner.

Oft klopfe ich an die Türen – ohne Anlass. Doch ich frage

auch regelmäßig in den Wohnbereichen, ob mir die Pflege-

oder Betreuungskräfte einen Bewohner nennen können: Und

dann werden mir neu Eingezogene, momentan durch Krankheit

belastete oder die Pflege herausfordernde Menschen wie

auch Sterbende genannt. Ich bin sehr dankbar für jede

Zusammenarbeit! Und ich hoffe, mit meiner Arbeit Pflegekräfte

in ihrem schweren Alltag entlasten zu können.“

Zu den seelsorgerlichen Tätigkeiten gehören natürlich auch

Gottesdienste, die regelmäßig in den Heimen gefeiert werden,

die gesprächsorientierten Bibelstunden und Wochenschlussandachten

und Andachten für Mitarbeitende. Missionsdirektor

Pfr. Christian Kreusel, 16 Pfarrerinnen und Pfarrer, z.T. im

Ruhestand sowie Musikerinnen und Musiker, die Klavier oder

Orgel spielen, wirken mit. Einzelne Pfarrer i.R. sind in manchen

Häusern wiederholt da, so dass auch eine Vertrautheit

entsteht. Gut ist, wenn vor und nach den Gottesdiensten

noch Zeit zum Gespräch besteht. Aber auch schon die

persönliche Begrüßung vor und die persönliche Verabschiedung

nach dem Gottesdienst geben jedem einzelnen Besucher

das Gefühl, willkommen zu sein.

Für viele alte Menschen hat die Liturgie, haben die gottesdienstlichen

alten Lieder und Gebete eine besondere Bedeutung.

In der Kindheit gelernt und über den jahrelangen

Jahresbericht 2010 Seelsorge in der Altenhilfe 9

Gebrauch vertraut und verankert, kann ihnen auch eine

Altersvergesslichkeit oder gar eine Demenz nichts anhaben.

Das heißt, die Bewohner können oftmals eine oder auch

mehrere, manchmal erstaunlich viele Strophen wohlbekannter

Lieder mitsingen. Diese Lieder sind wie Schätze, die - angestoßen

durch die Begleitung und die singende Gemeinschaft

- zum Vorschein kommen, Gemeinschaft stiften und die

Bewohner erleben lassen, dass sie immer noch dabei sind

und mitwirken können. Ähnliches gilt für die Liturgie, die in

ihrer Beständigkeit über die Zeiten hinweg eine Verbindung

von der aktuellen Situation zu Menschen und Erlebnissen

früherer Zeiten schaffen kann.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

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10 Jahresbericht 2010 Behindertenhilfe

Fürsorge - Normalisierung

- Integration -

Inklusion

Woher wir kommen - wohin

wir gehen.

Wir sind nur die Begleiter, oder fachlich korrekt ausgedrückt,

die Assistenten auf dem Weg von Menschen, die uns um

Unterstützung und Hilfe bitten. In diesem Jahresbericht will

ich, ein sogenannter Profi, einmal einen Blick aus der Perspektive

von Menschen versuchen, die wir - immer noch

- Menschen mit Behinderungen nennen.

Besser wäre es da natürlich, die Menschen, welche mit

Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Diakonie Leipzig leben, arbeiten und lernen und dabei von

ihnen begleitet und beraten werden, selbst zu Wort kommen

zu lassen. Da dies ein langfristig angelegtes Thema im

Rahmen der Selbstbestimmung und der, wie es in der Politik

so schön heißt „Teilhabe von Menschen mit Behinderungen“

ist, will ich es für einen späteren Jahresbericht in Aussicht

stellen.

Schule – Ort des Lernens und der Gemeinschaft für alle

Ich darf hier eine sehr eindrückliche Geschichte weitergeben,

welche uns der Missionsdirektor i.R., Pfarrer Manfred

Rentzsch, zur Einweihung des dritten und herrlich bunten

Erweiterungsbaues der Förderschule Werner Vogel im

Grußwort nahegebracht und ans Herz gelegt hat. Er berichtete

von der Einsegnung der ersten „Schüler“ in der Tagesstätte

für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in der damaligen

Emilienstraße zu Beginn der achtziger Jahre. Nachdem

im Gottesdienst alle „Schüler“ eingesegnet und im Anschluss

Zuckertüten übergeben worden waren, nahm ein Vater unter

Freudentränen seinen Sohn auf den Arm, drückte ihn und

sagte: „Nun bist auch du ein Schulkind, genau wie dein

Bruder.“

Es ist ein weiter Weg, den wir in der Inneren Mission Leipzig

zurückgelegt haben. Deutlich wurde schon damals, dass für

uns Kinder und Jugendliche mit Behinderungen dazu gehören,

in einer Gesellschaft, die noch das Wort „schulbildungsunfähig“

kannte. Heute suchen und finden wir Partner, welche

mit uns über eine gemeinsame Schule für alle Kinder - zur

Verdeutlichung – mit und ohne Behinderung - nachdenken,

diese planen, ausprobieren und umsetzen.

Bewohner und Mitarbeiter der Wohnstätte Heinz Wagner I

Arbeit – auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt

Damals, als auch die Tagesstätte für erwachsene Menschen

mit Behinderung eröffnet wurde, werden sich ganz ähnliche

Szenen, geprägt von Dankbarkeit und Anerkennung, abgespielt

haben. Aus den 15 Plätzen in der Demmeringstraße 18

sind mittlerweile 400 Arbeitsplätze für die so genannten

Mitarbeiter mit Behinderungen in den Lindenwerkstätten in

Leipzig, Panitzsch und Schkeuditz geworden. Das ist bei aller

Freude über das Erreichte in den wirtschaftlich bewegten

Zeiten immer auch eine neue große Herausforderung, die

unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – mit und ohne

Behinderungen – viel abverlangt. Und doch ist dies auch nur

ein Schritt auf dem Weg dorthin, wo alle arbeiten.

Zwei Mitarbeiter der Lindenwerkstätten erhielten vor einigen

Monaten die Chance für einen Außenarbeitsplatz in einem

metallverarbeitenden Betrieb in Leipzig. Nach wenigen

Wochen fragt der Betriebsleiter nach: Haben Sie noch mehr

solche Mitarbeiter? Zunächst dachten meine Kolleginnen und

Kollegen daran, dass etwas schief gegangen sei. Weit gefehlt.

Weiter sprach der Betriebsleiter: Freundliche Kerle sind das,

die können morgens ja noch grüßen, die machen ihre Pause

ja wirklich, wenn Pausenzeiten sind, die kommen und gehen

pünktlich, freuen sich auf ihre Arbeit und sind immer hilfsbereit.

Haben Sie nicht noch zehn solche Mitarbeiter für meinen

Betrieb?


Leben – so wie ich es will

Früher prägten die bei uns arbeitenden Diakonissen entscheidend

das Bild unserer Heime, heute Wohnstätten genannt.

Mit ihrem bescheidenen Auftreten, dem freundlichen Winken

und Grüßen, dem Gesang aus vollem Herzen, textsicher und

auswendig. Ja, sie werden weniger, diese Frauen, welche zum

großen Teil mit einer schweren Kindheit, Verfolgung, Krieg,

Flucht und Vertreibung groß geworden sind. Auf den leider

zahlreichen Trauerfeiern erzählen sie über das mit der Verstorbenen

Erlebte, aber auch aus ihrer eigenen Vergangenheit.

Dann kommen die Erinnerungen an Schlafsäle und Waschräume,

Wäscherei und Hausarbeit, an strenge Vorschriften und

Zucht und Ordnung, aber auch an kleine Freuden und den

Zusammenhalt und die Gemeinschaft. Sie erzählen auch, was

sich in den letzten Jahren so alles für die Bewohner verändert

hat. Jetzt hat jede und jeder einen Platz für sich selbst und

kann über viele Dinge, die das eigene Leben betreffen, selbst

bestimmen: Wofür Geld ausgegeben wird, welches Fernsehprogramm

man sehen möchte, wo und mit wem die Freizeit

verbracht wird. Manchmal heißt es auch: Was die heute alles

machen können und alles tun dürfen, ohne um Erlaubnis zu

fragen!

Seit dem Jahr 2000 entstanden zirka 90 Wohnplätze in

Außenwohngruppen und im Ambulant betreuten Wohnen für

Menschen mit Behinderungen.

Wer heute dort

wohnt, kennt die Diakonissen

und ihre Geschichte und

Geschichten kaum noch.

Wenn sich die Gelegenheit zu

einem Gespräch ergibt,

staunt man nur über die

Erfahrungen des jeweils

anderen. Die Aufgabe der

Begleitung und Assistenz

verändert sich oft schneller,

als wir uns selbst verändern

können. Oder wollen? Wir

sind hier gefordert – Menschen

mit und ohne Behinderung

- und können hier

voneinander lernen.

Beratung – mit guten Ideen

und viel Gottvertrauen

In der Finanzierung der

Beratungsarbeit setzen zur

Zeit alle politischen Ebenen

und in deren Auftrag alle

Verwaltungen den Rotstift an,

Jahresbericht 2010 Behindertenhilfe 11

weil Beratungstätigkeit gesetzlich am schlechtesten geschützt

ist und als freiwillige Leistung zuerst geschröpft werden kann.

Warum gerade hier? Wo doch die Beratung Wege aufzeigen

kann, wo zarte Pflänzchen aufwachsen und gedeihen können.

Es ist viel Phantasie notwendig, um trotzdem den suchenden

Menschen eine Hilfe sein zu können, für ehrenamtliche

Mitarbeit zu begeistern und immer wieder Finanzierungsmöglichkeiten

zu finden. Hier brauchen alle, die Ratsuchenden

und die Beratenden, gute Ideen, zahlreiche Unterstützung und

viel Gottvertrauen.

Selbstbestimmung – selbstverständlich?

Vieles ist bereits geschehen, vieles muss sich noch verändern,

damit Menschen mit Behinderungen wirklich selbstbestimmt

leben können. Es wird unsere Aufgabe sein, gemeinsam

für mehr Selbstbestimmung zu sorgen. Dies ist eigentlich

ganz einfach. Die Experten für ihr Leben sind die Menschen

selbst. Wir sollen sie dabei nur unterstützen. Dieses Ziel

werden wir auch in Zukunft weiter verfolgen.

Josef Brandt I Fachbereichsleitung Behindertenhilfe


12 Jahresbericht 2010 Förderschule Werner Vogel

Die Förderschule

Werner Vogel wächst

Erweiterungsbau überrascht

Die Förderschule Werner Vogel ist durch einen Anbau erweitert

worden. Entstanden ist ein architektonisches Schmuckstück,

das von den Schülerinnen und Schülern gern genutzt

wird.

Der Bau war nötig geworden, da sich die Schülerzahlen seit

Gründung der Förderschule Werner Vogel im Jahre 1998

nahezu vervierfacht haben. Insbesondere in den letzten

Jahren stiegen die Schülerzahlen weiterhin kontinuierlich.

Waren es im Jahre 2000 noch 53 so sind es jetzt über 80

Schülerinnen und Schüler. Deshalb wurden Räume, die

eigentlich für Physiotherapie, Handarbeit oder Rhythmik

gedacht waren, als Klassenzimmer genutzt. Hinzu kam, dass

die Werkstufe, die ja eigentlich die Berufsschulpflicht abdeckt,

von den anderen Schülerinnen und Schülern räumlich abgetrennt

werden sollte.

Diese Raumknappheit führte schließlich zu der Überlegung,

die Räumlichkeiten der Förderschule zu erweitern, indem auf

den vorderen Teil des Gebäudes ein Stockwerk daraufgesetzt

wird. Mit dem Architekten Uwe Brösdorf, wurde diese Überlegung

schließlich architektonisch verwirklicht. In nur 6-monatiger

Bauzeit wurde der Anbau fertiggestellt.

Für das Konzept Erweiterungsbau sprachen verschiedene

Argumente wie geringere Betriebskosten und die kurze

Bauzeit. Der Anbau ermöglicht außerdem, dass weiterhin alle

Schülerinnen und Schüler über das bestehende Foyer die

Schule betreten. Damit sind eine gesicherte Zugangskontrolle,

die eindeutige Orientierung und kurze Wege in der Schule

weiterhin gewährleistet.

Folgende Räume sind nun entstanden: 2 Klassenzimmer für

12 Schüler und ca. 4 Mitarbeiter, 2 Gruppenräume, die von

den Klassen genutzt werden können, 1 Personalraum sowie

eine entsprechende Anzahl an notwendigen Nebenräumen.

Das Raumkonzept macht es möglich, die Schule auch für

andere Schüler - ohne speziellen Förderbedarf - zu öffnen.

Damit kann in zunehmenden Maße gemeinsames Lernen und

Leben von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen

ermöglicht werden.

Der ergänzende Baukörper legt sich über den Baukörper, zu

welchem auch der Haupteingang gehört. Über das gemeinsame

Foyer der Förderschule im Erdgeschoss führt eine

Treppe in das Obergeschoss. Beide Klassen- und Gruppenräume

sind über den gemeinsamen Flur erschlossen und über

die jeweils angrenzenden Dachterrassen miteinander verbunden.

Dazwischen liegt der Personalraum. Die Nebenräume

befinden sich im rückwärtigen Bereich der Treppenanlage.

Über einen Verbindungsgang zum südlichen zweigeschossigen

Unterrichtsgebäude ist eine Anbindung an den bestehenden

Aufzug sichergestellt. Teilverglaste Flächen neben den

Türen ermöglichen interessante Ein- und Durchblicke und

dienen auch einer verbesserten Aufsicht und Kontrolle der

Schüler durch die Lehrer.

Es wurde darauf Wert gelegt, dass sich dieser neue Schulteil

auch farblich von dem übrigen Bereichen der Förderschule

deutlich abhebt. Mit dem Erweiterungsbau erreicht die

Förderschule eine größere Außenwirkung. Damit wird das

äußere Erscheinungsbild der Förderschule deutlich aufgewertet.

Ulrich Weber I Schulleiter

Uwe Brösdorf I Architekt


Gottesdienst inklusive

von der Idee zur Wirklichkeit

Anlässlich des 140. Jahrestages des Diakonischen Werkes

Innere Mission Leipzig e.V. fand am 8. November 2009 ein

Öffentliches Podiumsgespräch im Alten Rathaus zu Leipzig

(Festsaal) statt. Das Thema lautete: „Besser – gleich – zusammen.

Inklusion – eine Herausforderung für Kirchgemeinde und

Nachbarschaft.“ Auf dem Podium sprachen unter anderen

Klaus-Dieter Kottnik, Präsident der Diakonie der Evangelischen

Kirche Deutschlands, Prof. Dr. Ulf Liedke von der

Fachhochschule Dresden, Steffen Randolph, Leiter einer

Wohnstätte in Panitzsch, und Christiane Burger, Schulleiterin

der Förderschule Werner Vogel darüber, wie Menschen mit

unterschiedlichem Assistenzbedarf in Nachbarschaften,

Kirchgemeinden, Betrieben, Sport- und Musikvereinen

zusammen leben und arbeiten können.

Menschen mit Behinderungen haben vielfältige und unterschiedliche

Beziehungen zu ihrem Wohnumfeld, zu den

Nachbarn, zum Bäcker nebenan, zum Szenelokal, zur Kirchgemeinde,

zum Sportverein. An manchen Orten sind sie ganz

normal „einfach mit dabei“, an anderen stoßen sie auf Vorurteile

und Ablehnung oder auf Mitleid und gut gemeinte

Bevormundung. Die Bemühungen, ein Höchstmaß an

Selbstbestimmung und weitgehende Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben zu erreichen, haben teilweise Erfolg,

gelangen aber oft auch an Grenzen.

An Grenzen gelangen Menschen mit Behinderungen oftmals

auch in den Kirchen. Viele sind nicht behindertengerecht

gebaut, haben keinen Zugang für Rollstuhl-Fahrer, für andere

wiederum sind die Gottesdienste zu lang und zu textlastig.

Aus dieser Erkenntnis heraus entstand bei den Beteiligten der

Wunsch, einmal einen anderen Gottesdienst zu gestalten, an

dem Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen

beteiligt sind – einen Gottesdienst, der alle mit einschließt –

einen „Gottesdienst inklusive“.

Im September 2010 schließlich wurde dieses Vorhaben in die

Tat umgesetzt. Der erste Leipziger „Gottesdienst inklusive“ für

Menschen mit und ohne Behinderungen wurde in der Michaeliskirche

am Nordplatz gefeiert. Unter die üblichen Besucher

Jahresbericht 2010 Gottesdienst inklusive 13

der Michaeliskirchgemeinde mischten sich Menschen mit

Behinderungen aus Leipzig und Umgebung: Gehörlose,

Rollstuhlfahrer, Menschen mit geistigen oder psychischen

Behinderungen. Eine transportable Rampe machte den

Zugang für die Rollis möglich. Viele Helfer standen bereit, um

Menschen im Rollstuhl in die Kirche zu helfen. Der gesamte

Gottesdienst wurde in Gebärdensprache übersetzt. Es gab

Liedblätter in Punktschrift und in Großdruck. Musikalisch

gestaltet wurde der Gottesdienst von Singkreis und Kurrende

der Michaelis-Friedens-Kirchgemeinde und der Trommelgruppe

„Dissonanz“ vom Schloss Schönefeld e.V.

Die Predigt begann mit einem Anspiel der Gruppe „Die

Holpersteine“ von der Diakonie am Thonberg. Beim Fürbittengebet

und den Lesungen wirkten Menschen mit Behinderungen

mit. Das Vaterunser wurde – unter Anleitung von

Pfarrer Günzel vom Berufsbildungswerk – von der gesamten

Gemeinde mitgebärdet.

Inklusion meint: „Menschen mit Behinderungen sollen selbst

entscheiden können, wo und mit wem sie wohnen möchten.

Sie sollen nicht gezwungen werden, in speziellen Einrichtungen

zu leben, sondern sie sollen da, wo sie leben wollen,

die nötige Assistenz erhalten.“ Damit dies in Zukunft auch in

unseren Kirchgemeinden besser möglich wird, soll der

Gottesdienst inklusive regelmäßig in verschiedenen Kirchgemeinden

der Stadt Leipzig stattfinden.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising


14 Jahresbericht 2010 Kunstprojekte im Martinstift

Kunstprojekte im

Martinstift

Inklusion durch Kunst

Die Anfänge – ein Programm für unsere Feier

Gut fünf Jahre ist es nun her, dass wir im Frühjahr 2005 mit

unseren ersten Kunstprojekten den Grundstein legten für

einen wesentlichen Schwerpunkt unserer pädagogischen

Arbeit: künstlerische Betätigung als Förderung von Menschen

mit geistiger Behinderung. Anfänglich war diese Arbeit noch

gar nicht so sehr von konzeptionellen oder pädagogischen

Aspekten geleitet, sondern wir waren ganz pragmatisch auf

der Suche nach Programmpunkten für unsere Festwoche zum

125-jährigen Bestehen des Martinstiftes. So wurde im Mai

2005 gemeinsam mit dem österreichischen Maler Günter

Auracher auf ehrenamtlicher Basis ein erstes einwöchiges

Malprojekt für unsere BewohnerInnen durchgeführt, das in

eine integrative Ausstellung während der Festwoche auf dem

eigenen Gelände mündete. Zeitgleich probten 12 BewohnerInnen

mit dem „Circus Bombastico“, damals noch im

Martinstift, ihr ersten Programm ein, um es bei den Feierlichkeiten

aufzuführen. Die Erfolge beider Projekte – wie sie sich

inhaltlich auf unsere BewohnerInnen auswirkt, und in Form

von Zustimmung und Applaus von außen, der unseren

Klienten besonders gut tat - haben uns darin bestärkt, dies zu

einem zentralen Teil unserer Arbeit zu machen.

Malprojekt - Malen als Ausdruck der Seele

Ziel des Malprojektes war und ist es, wegzukommen vom

Zeichnen und Malen mit dem Kopf, als Abbilden realer

Situationen und Gegebenheiten, wie wir es in unseren

Bildungseinrichtungen lernen und das die Messlatte für

„Können“ oder „Nichtkönnen“ darstellt, hin zum lustvollen und

emotionalen Einsatz von Farbe – aus dem Bauch raus, als

Ausdruck der Seele! Es liegt uns auch daran, mit einer

Herangehensweise, die dem Menschen nicht defizit-, sondern

ressourcenorientiert begegnet, zu zeigen, wie viel Künstler in

jeder Seele von uns steckt. Wir wollen mit diesem, wie mit

allen unseren Kunstprojekten, aber auch immer Grenzen

überschreiten, Begrenzungen aufheben. Zeigen, dass Definitionen

abhängig sind von gesellschaftlich festgelegten Normen

was ist Kunst und wer ist Künstler – wer ist behindert und

wer normal? Wir wollen nicht Therapie machen, nicht wieder

das Behindertsein in den Mittelpunkt stellen, sondern den

Menschen mit seinem ureigensten Ausdruck. Unter dem

Die Theatergruppe „Südstaatler“ bei ihrem Auftritt in der naTo.

Gesichtspunkt der Normalisierung und Inklusion gingen wir im

Frühjahr 2007 nach draußen und zeigten die Werke in einer

großen integrativen Ausstellung im Neuen Rathaus. Weitere

Ausstellungen im öffentlichen Raum und bei Kulturveranstaltungen,

die nicht extra für uns veranstaltet, bzw. auf Menschen

mit Behinderungen zugeschnittenen waren, folgten.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Maler 2009/2010

kein Projekt in gewohnter Form durchführen, weshalb wir

glücklich sind über die Zusammenarbeit mit der Kunsttherapeutin

Frau Yvonne Melzer, die unsere BewohnerInnen

eineinhalb Jahre lang bis September 2010 mit einem wöchentlichen

Kunstangebot begleitet hat. Ein Teil der Werke

war in einer Ausstellung zu unserem diesjährigen Jahresfest

zu sehen.

Circusprojekt – als Clown auf Tour

Das Circus-Projekt führen wir mittlerweile jährlich im Rahmen

einer 10-tägigen „Circusfreizeit“ im mitteldeutschen Raum

durch. Es wird intensiv, aber mit viel Spaß und Freude

miteinander geprobt und am Programm gearbeitet und

genauso intensiv miteinander gelebt, gefeiert, getanzt und

gelacht. Danach geht die Truppe auf Tournee und spielt ihr

Programm - meist in 4 bis 5 Vorstellungen - in anderen

Einrichtungen wie Werkstätten, Altenheimen, Kindergärten

und Schulen. Der Applaus als Zeichen des Erfolges ist jedes

Mal wohltuender Lohn für die doch mitunter recht intensive

Arbeit und spiegelt sich in den glücklichen Gesichtern der


Artisten wider. Es macht glücklich, Stärke zeigen und auf einer

„Bühne“ erfolgreich sein zu können, also derjenige zu sein,

der andere bereichert. Unsere diesjährige Tournee führte uns

10 Tage durch Österreich, wo wir unter anderen, auch in den

Medien beachteten Auftritten, einen ganz besonderen Auftritt

vor 200 Zuschauern im „Institut Hartheim“ hatten, einer sehr

großen Behindertenhilfeeinrichtung. Im Angesicht von Schloss

Hartheim, das nur einen Steinwurf von unserer Spielstätte

entfernt lag, und die größte Euthanasieeinrichtung des Dritten

Reiches war, in der während der Nazi-Herrschaft 70.000

behinderte Menschen vergast wurden, weil ihnen kein Wert für

diese Gesellschaft zuerkannt wurde, war der tosende Applaus

des Publikums ein sehr intensives Erlebnis für uns, das uns

tief berührte.

Theaterprojekt – die „Südstaatler“ erobern den Leipziger

Süden

Zu diesen beiden Kunstprojekten kam dann 2007 eine

Theatergruppe, die aufgrund einer Förderung durch den

Europäischen Sozialfonds mit dem professionellen Theaterpädagogen

Sebastian Mandla arbeiten konnte, womit wir erneut

Neuland beschritten haben. Durch theaterpädagogische

Methoden sollte das erzählerische und schauspielerische

Potenzial bei den Beteiligten geweckt und gefördert werden,

und am Ende des Projektes standen zwei Präsentationen

unseres ersten Theaterstückes in der Leipziger Südvorstadt

im Kulturzentrum „naTo“. Durch die Verankerung in der

eigenen Lebensumwelt wurde damit ein wirklicher Beitrag zur

Inklusion geleistet und neben der Freude am Spiel und der

Verbesserung der Ausdrucksmöglichkeit hat sich eine merkliche

Steigerung im Selbstwertgefühl unserer Klienten gezeigt.

Durch eine Förderung von „Aktion Mensch“ erhielten wir im

September 2009 die Chance, ein neues Theaterprojekt für

drei Jahre auf die Beine zu stellen und legten die beiden

Theatergruppen mit Bewohnern der Wohnstätten „Martinstift“

und „Heinz Wagner Haus 2“ zu einer Gruppe mit 12 Spielern

zusammen. Die Spieler probten seit September 2009 wöchentlich

im Martinstift und konnten nun als die Gruppe

„Südstaatler“ am 21. August mit ihrem Stück „Anspruch auf

Leistung“ wieder im Kulturzentrum „naTo“ in der Leipziger

Südvorstadt Premiere feiern. 7 Vorstellungen folgten und

waren durchwegs gut besucht. „Die „Südstaatler“ wollen sich

in der soziokulturellen Szene etablieren und planen unter

Regie des Theaterpädagogen Sebastian Mandla bereits

weitere Inszenierungen. Damit gelingt es der Gruppe und

ihren Helfern vielleicht, das Leipziger Miteinander etwas mehr

von Berührungsängsten zu befreien. Und hoffentlich erhalten

sich die Darsteller auch mit zunehmender Routine ihr ergreifendes

Jubeln zum Applaus.“ (LVZ, 23.08.2010)

Jahresbericht 2010 Kunstprojekte im Martinstift 15

So kann aus den positiven und wohltuenden Aspekten eines

kreativen Schaffensprozesses, der an und für sich schon

förderlich ist, durch hinaus und in die Gesellschaft hinein

gehen ein „Mehrwert“ entstehen und Inklusion passieren.

Anton Auracher I Wohnstättenleiter Martinstift


16 Jahresbericht 2010 Wohnstätte Katharina von Bora

Vielfalt in der Freizeit

Wohnstätte Katharina von

Bora in Markkleeberg

Ein Besuch in der Wohnstätte Katharina von Bora in Markkleeberg

lässt schon auf den ersten Blick erkennen, dass es

viele Angebote gibt, die den Bewohner/innen den Alltag

bereichern und abwechslungsreich gestalten. So hängen an

den Wänden zahlreiche Fotocollagen auf denen lachende,

aufgeregte und gespannte Gesichter der Bewohner/innen und

Mitarbeiter/innen zu verschiedenen Veranstaltungen und

Ausflügen sowie Urlauben dieses Jahres zu sehen sind. Aber

auch selbst gestaltete Kunstwerke fangen den Blick des

Betrachters ein.

Die Wohnstätte bietet ihren Bewohner/innen im Rahmen der

Tagesgestaltung und Projektarbeit verschiedene kreative

Gestaltungsmöglichkeiten an. Dazu gehören Handarbeiten,

jahreszeitlich bezogene Bastelarbeiten sowie ein Mal- und

Zeichenkurs.

Ein Mal- und Zeichenkurs wird seit diesem Jahr aktiv in einem

Wohnbereich betrieben. In der Regel finden sich ein bis

zweimal im Monat die Interessierten zusammen, um ihre

versteckten malerischen Fertigkeiten zu entwickeln. So

entstanden schon Malereien in verschiedenen Größen

und Arten. Jeder kann sich seinen eigenen Kalender und

eigene Poster gestalten, die dann gern in den Zimmern

aufgehängt werden. Auch größere, gemeinsame Werke

sind schon angefertigt worden. Eine Collage aus 24

kleinen Einzelbildern zeigt die unterschiedlichen Stile der

Bewohner/innen, die alle in einem Gesamtwerk zum

Thema „Sommer“ verschmelzen.

Mit Hilfe von Spenden kann der Andachtsraum im

Obergeschoss des Hauses mit neuen Stühlen ausgestattet

werden. Als nächstes großes Projekt wollen die

Teilnehmer des Mal- und Zeichenkurses ein Altarbild

gestalten.

In der Wohnstätte werden außerdem unterschiedliche

Projektarbeiten angeboten:

Auf der anderen Seite des ausgebauten Dachgeschosses

künden große Transparente und gemalte

Kulissen vom künstlerischen Schaffen der Theatergrup-

pe. Hier treffen sich vorwiegend jüngere Bewohner/innen, die

in den Werkstätten tagsüber arbeiten gehen, zum Proben und

entwickeln ihre Fähigkeiten weiter. Momentan wird das

Märchen der Gebrüder Grimm „Schneewittchen und die

sieben Zwerge“ geprobt. Die erste Aufführung zum Tag der

Offenen Tür im September war ein großer Erfolg und die

Mitwirkenden freuen sich auf die nächste Vorführung zum

Herbstfest am 13. Oktober. Die Schauspieler werden von

einer Mitarbeiterin während der Proben unterstützt. Ihre

Kostüme haben sie sich aus eigenen Kleidungsstücken

zusammengestellt, die Kulissen wurden von einer Künstlerin

gestellt. Auch die älteren Bewohner/innen der unteren Etage

studieren gern kleinere Theaterstücke ein. In diesem Jahr

inszenierten sie die Lebensgeschichte von Katharina von

Bora. Das Tanz- und Musikprojekt wird von einer Mitarbeiterin

begleitet .


Die Teilnehmer/innen treffen sich in der Regel zweimal im

Monat und kommen aus allen Wohnbereichen. Das ist auch

typisch für die anderen Projekte hier in der Wohnstätte, dass

die jungen und alten Bewohner/innen ihre Freizeit gemeinsam

gestalten können. Ein weiteres Projekt lautet „Geschichte

erleben“, in dem es jährlich wechselnde Themen gibt, die

dementsprechend auch immer andere Bewohner/innen

ansprechen. In leichter Sprache werden den Interessenten

die Hintergründe und Geschehnisse der jeweiligen Themenkomplexe

näher gebracht. In diesem Jahr setzen sich die

Teilnehmer/innen mit Vernichtungslagern der Nazizeit

auseinander. Eingeschlossen ist der Besuch einer Gedenkstätte

in Pirna im November.

Weitere Projekte lauten: „Gesundheit“ und „Partnerschaft

zwischen Frau und Mann“.

Besonderer Wert wird auf sportliche Aktivitäten entsprechend

den individuellen Fähigkeiten gelegt. Dazu zählen auch die

sommerlichen Ausflüge mit Rädern/ Dreirädern und das Inline

Skaten um den Cospudener See, der in unmittelbarer Nähe

der Einrichtung liegt.

Aber auch während der kalten Jahreszeit gibt es verschiedene

Sportmöglichkeiten wie z. B: Tischtennis, Fahrradergometer,

Boxsack sowie Bewegungsspiele bzw. Sitztänze für die

Bewohner/innen. Gern gehen die Bewohner/innen zum

Bowling, was unweit der Wohnstätte möglich ist. Neben den

internen Angeboten, nehmen die Bewohner/innen an Veranstaltungen

außerhalb der Wohnstätte teil: Sie besuchen

Stadtfeste, Diskotheken, Konzerte, Feierlichkeiten anderer

Einrichtungen der Diakonie Leipzig, Gottesdienste der

Gemeinde sowie erstmalig den „Gottesdienst inklusive“ in der

Michaeliskirche. Auch bei einem Podiumsgespräch im Neuen

Rathaus, bei dem es um den Stadtführer in leichter Sprache

ging, waren einige Interessierte aus der Wohnstätte vertreten.

Es finden Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung statt,

wobei die Wünsche der Bewohner/innen beachtet werden.

Einkaufszentren, Zoo und Zirkus sind beliebte Ausflugsziele,

ebenso wie die Eisdiele unweit der Wohnstätte.

Höhepunkte im Jahresablauf stellen die halbjährlich stattfin-

Jahresbericht 2010 Wohnstätte Katharina von Bora 17

denden Modenschauen in der Wohnstätte mit anschließendem

Bekleidungsverkauf dar. Die jüngeren Bewohner/

innen gehen zwar größtenteils selbst einkaufen, aber die

Modenschau will trotzdem keiner verpassen. Die jüngeren

Bewohner/innen welche in der Wohnstätte speziell auf ein

Leben außerhalb der Wohnstätte vorbereitet werden, erfuhren

auf Weiterbildungen zahlreiche Informationen zum Themenfeld

der alternativen Wohnformen und zur Förderung der

Selbstbestimmung. Bildung steht für die Bewohner/innen aller

Altersgruppen auf dem Plan. Eine Lehrerin aus der Volkshochschule

bietet Unterricht im Lesen, Schreiben und

Rechnen an.

In der Wohnstätte ist also wirklich für jeden und jede etwas

dabei und alle gestalten mit ihren Ideen und Fähigkeiten den

Alltag und einzelne Höhepunkte mit. Bleibt zu wünschen,

dass die Verbundenheit und der Gemeinsinn der Bewohner/

innen und Mitarbeiter/innen auch weiterhin so vielfältig

erfahrbar und erhalten bleiben.

Christina Schwabe

studiert Theologie an der Universität Leipzig und absolvierte

bei der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Leipzig ein vierwöchiges

Praktikum


18 Jahresbericht 2010 Kindertagesstätten

Kindertagesstätten

Finanzierung und Personalschlüssel

Die Kindertagesstätten unseres Werkes haben eine lange

Tradition. Bereits 1876 wurde die erste „Kinderaufbewahrungsanstalt“

in der Löhrstraße als eine der ältesten Kindereinrichtung

in Leipzig eröffnet. Über 100 Kinder wurden von

einer Person betreut. Schnell wurde aber klar, dass eine

zweite Betreuerin eingestellt werden muss …

Zu unseren traditionellen drei Kitas: „Mosaik“, „Das Samenkorn“

und „Unter dem Regenbogen“ sind neu hinzugekommen:

2008 Kita „Kinderarche“ (Übernahme von der Genezareth-Kirchgemeinde),

2009 fanden umfangreiche Bauarbeiten

und die Erweiterung dieser Kita statt. 2008 Neubau Kita „St.

Moritz“ in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde St. Moritz

in Taucha. 2009/ 2010 Neubau Kita „Nathanael“ in Zusammenarbeit

mit der Nathanaelkirchgemeinde.

Insgesamt haben wir nun in den sechs evangelischen Kindertagesstätten

eine Gesamtplatzkapazität von 395 Kindern,

darunter 91 Krippenkinder (von 1 bzw. 2 Jahren bis Schuleintritt)

und 9 Kinder mit Integrationshintergrund. Diese Kinder

werden von derzeit insgesamt 50 Erzieherinnen und einem

Erzieher sowie vielen Praktikantinnen und Praktikanten in

ihrem Kinderalltag begleitet. Das erscheint immer wieder als

zu wenig Personal.

Warum ist nicht mehr Personal vorgesehen?

Der Personalschlüssel für Krippenkinder ist im Kindertagesstättengesetz

(SächsKitaG) bei 1:6, im Kindergarten bei 1:13

festgeschrieben. Aber hier werden nicht Kinder an sich

gezählt, sondern die vertraglich vereinbarten Betreuungsstunden.

Dies rechnet sich immer auf Neun-Stunden-Verträge auf.

Also: eine Erzieherin müsste 9 Stunden arbeiten, um 6

Krippenkinder zu betreuen, aber unsere Öffnungszeiten sind

länger als 9 Stunden, nämlich in der Regel von 6:30 bis 17:00

Uhr. Die Eltern können in dieser Zeit ihr Kind bringen und

holen, wie es familiär günstig ist. Somit erhöht sich bereits

durch die langen Öffnungszeiten der Schlüssel um ein

Wesentliches. Auch sind ganz vielfältige Tätigkeiten mit dem

Personalschlüssel abzudecken, wie Zeiten für Vor- und

buntes Treiben in der neuen Kindertagesstätte Nathanael

Nachbereitung von Angeboten und Projekten für die Kinder,

Erstellen von verschiedenen Dokumentationen wie z.B. den

Portfolios für jedes Kind, Aushänge für die Eltern zur Visualisierung

der Arbeit mit den Kindern, Dienstberatungen,

Elternabende, Fort- und Weiterbildungen etc. und natürlich

auch Arbeitsunfähigkeit, Urlaub, Mutterschutz. Die Interessengemeinschaft

Freier Träger der Kindertagesstätten in Leipzig

– ein Gremium von insgesamt vierzig Freien Trägern - hat

somit einen tatsächlichen Personalschlüssel von 1:26 im

Kindergartenbereich errechnet. Kein Wunder also, sondern

strukturell so vorgegeben. Übrigens haben Kinder auch nicht

den gleichen Urlaub wie die Eltern. Das Arbeitsgesetz geht

von einem Grundurlaub von mindestens 24 Tagen aus, unsere

Kinder fehlen im Durchschnitt aber nur 15 Tage wegen Urlaub.

Wie finanziert sich das Ganze, warum können wir nicht selbst

mehr Personal anstellen?

In Leipzig arbeiten wir mit dem Jugendamt in der Finanzierung

mit einem sehr modernen und wenig aufwendigen

System zusammen, nämlich der Finanzierung einer „Pro-

Kopf-Pauschale“. Alle Verträge werden in das 9-Stunden-

System aufgerechnet, dies ergibt eine Pauschale pro Kind.

Die Pauschalen hat die Stadt Leipzig für jede Einrichtung bzw.

für alle Einrichtungen eines Trägers auf der Basis der Betriebskostenabrechnung

des Jahres 2004 festgelegt. Hier

wurden alle anrechenbaren Kosten einer Kita berücksichtigt,

wie Gehälter, Nebenkosten (Telefon, Versicherungen usw.),


pädagogisches Material (Bücher, Bastelmaterial), Ersatzbeschaffungen

(keine Investitionen!). Um die Pauschalen jährlich

nicht neu festzulegen, wurde eine Dynamisierung vereinbart,

welche tarifliche Erhöhungen der Gehälter und den Inflationsausgleich

berücksichtigt.

Ende 2009 stellte die Verwaltung der Stadt Leipzig fest, dass

ein Haushaltsloch von ca. 3 Millionen Euro im Bereich der

Kitas/Kindertagespflege entstanden ist. Prognostisch sollen

nur 33% der Krippenkinder und 95% der Kindergartenkinder

eine Einrichtung besuchen. Durch die Umgestaltung des

Erziehungsgeldes in Elterngeld waren Krippenplätze für

Kinder ab einem Lebensjahr seit 2008 stark nachgefragt und

die Finanzierung war nicht gesichert. So kam die Verwaltung

- mittels Stadtratsbeschluss – zu der Entscheidung, die

vereinbarte Dynamisierung für 2009 im Haushalt 2010 zu

streichen. Das bedeutet, die Anhebung unserer Gehälter hier

im Werk werden in diesem Jahr nicht refinanziert, Steigerungen

im Bereich der Sachkosten finden keine Beachtung.

Neben dieser Pauschale der Stadt Leipzig, welche auch den

Anteil des Landes Sachsen enthält, erhalten wir zudem direkt

von den Eltern die Beiträge, deren Höhe im Rahmen des

SächsKitaG die Stadt mittels Stadtratsbeschluss wiederum

festlegt. Diese staffeln sich in ihrer Höhe, abhängig vom

Betreuungsumfang (4h bis 11h/pro Tag).

Neben dem wirtschaftlich vernünftigen Einsatz der Mittel sind

wir, auf Grund der knappen Finanzierung,

stets angehalten, über Einsparungen

jeglicher Art nachzudenken

sowie die Ausgaben immer wieder

nach Priorität zu staffeln. So kann es

leider sein, dass z.B. die Sanierung

eines Sanitärbereichs nicht im erforderlichen

Zeitraum umgesetzt wird,

sondern vielmehr mit einigen Jahren

Verspätung. Über den Einsatz von

Personal über den gesetzlich vorgeschriebenen

Schlüssel hinaus müssen

und können wir somit überhaupt nicht

nachdenken, da im Bereich der

Sachkosten keine Mittel als Personalkosten

aufgewandt werden können.

Leider!

In der Stadt Taucha werden die

Betriebskosten im Rahmen der Fehlbedarfsfinanzierung

abgerechnet und

erstattet. Jährlich wird ein Haushaltsplan

der Kommune vorgelegt, der

Personalkosten und viele weitere

Jahresbericht 2010 Kindertagesstätten 19

Einzelpositionen ausweist. Aus diesem Haushaltsplan werden

dann „nichtanrechenbare Kosten“, in Abhängigkeit von der

Haushaltslage der Stadt, meist gestrichen. So kann z. B. die

dringende und von den Eltern massiv geforderte Umgestaltung

der Außenspielfläche nur sehr sensibel geschehen, da

wir dies im Rahmen von Ersatzbeschaffungen realisieren

müssen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Stadt Taucha

bei der Finanzierung dieser Baumaßnahme sehr kooperativ

eine vernünftige Lösung mit uns entwickelt hat.

Wesentlicher Unterschied zu dem Finanzierungssystem in der

Stadt Leipzig ist, dass in Taucha keine Kostenverschiebungen

möglich sind, d.h. in Leipzig kann in den Sachkostengruppen

etwas getauscht werden (z.B. Buntpapier gegen Gartenpflege).

Dies ist in der Kita „St. Moritz“ somit auch nicht möglich.

Insgesamt können wir mit den verfügbaren Mitteln und

gesetzlichen Vorgaben eine gute Arbeit in unseren Kindertagesstätten

leisten, eine optimale jedoch nicht. Dies muss uns,

aber auch den Eltern und anderen am System Beteiligten,

bewusst sein.

Corinna Neugebauer I Bereichsleiterin Kindertagesstätten


20 Jahresbericht 2010 Beratung und Betreuung

Beratungs- und

Betreuungsdienste

Drastische Haushaltskürzungen

erschweren Arbeit.

Die Angebote dieses Fachbereiches werden nach wie vor

stark genuzt. In manchen Einrichtungen übersteigt die Nach-

frage die Kapazität bei weitem.

Die Beratungsstelle „Diakonie im Zentrum“ hat in der zentralen

Lage der Leipziger Innenstadt eine wichtige Funktion

übernommen. In Zusammenarbeit von KirchenBezirksSozialarbeit,

Lebensberatung, Jugendhilfe, Beratungsstelle für

Altenhilfe und auch der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative, die

sich im gleichen Gebäude befindet, existiert nunmehr ein gut

funktionierendes Hilfesystem.

In der Kirchenbezirkssozialarbeit werden die allgemeine

soziale Beratung sowie die Beratung zu Mutter/Vater/Kind-

Kuren häufig genutzt. Die Stärkung diakonischen Handelns

und die Gemeinde- und gemeinwesenorientierte Arbeit sind

ein Grundanliegen der KBS. Mit den Kirchgemeinden im

Leipziger Norden wurde das Projekt „Starke Nachbarschaften

durch aktive Beteiligung“ voran gebracht. Mit der Methode

„Community Organizing“ (CO) wollen hier Kirchgemeinden in

den Stadtteil wirken. Ziel ist es, Menschen zu aktiver Beteiligung

zu motivieren und bürgerschaftliches Engagement zu

provozieren. In Zusammenarbeit mit der evangelischen

Jugend Sachsen fand im Mai ein Diakonischer Jugendtag

unter dem Motto „Parallelwelten“ statt. Dabei konnten

Jugendliche von 13 bis 18 Jahren einen Tag in einer diakonischen

Einrichtung verbringen. Ziel war es, die „Parallelwelten

Hilfebedürftiger“ der heranwachsenden Generation ins

Bewusstsein zu bringen. In den Kirchgemeinden sind die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KBS aktiv bei der

Weiterbildung und Beratung von Ehrenamtlichen. Die Zusammenarbeit

mit den Kirchgemeinden wurde intensiviert, der

Kontakt zu Superintendent Henker entwickelt sich weiterhin

sehr gut. Es gibt regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch.

Bei der Evangelischen Lebensberatungsstelle führte die

starke Nachfrage teilweise zu Wartezeiten von mehreren

Wochen. Die Kapazitätsgrenzen sind erreicht. Ein Großteil der

Klientinnen und Klienten kam anlässlich einer aktuellen bzw.

Bewohnerin mit ihrem Kind im Mutter-Kind-Wohnen im Haus

Lebensweg

vorangegangenen Trennung oder Scheidung in die Beratungsstelle.

Der Bedarf an Prophylaxe und Unterstützung, um eine

Trennung oder Scheidung zu vermeiden, zeigt sich am hohen

Bedarf für Paarberatung. Gerade auch jüngere Paare nehmen

dieses Angebot gern in Anspruch. Zunehmendes Interesse

erfuhren auch die Kommunikationskurse für Paare, für die es

mittlerweile Wartelisten gibt. Armut und die Angst vor Armut

sowie seelische, körperliche und sexuelle Gewalt blieben wie

in den Vorjahren präsente Themen in der Erziehungs-, Einzel-

und Paarberatung.

Bei der Evangelischen Jugendhilfe ist 2009 im Bereich der

ambulanten Hilfen zur Erziehung generell eine sehr gute

Auslastung zu verzeichnen gewesen. Seit Jahresbeginn 2010

wurden jedoch in einzelnen Bereichen (Sozialpädagogische

Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft und die Aufsuchende

Familientherapie) generell weniger Fälle durch die Stadt

Leipzig vermittelt, dies trifft die gesamte Trägerlandschaft in

Leipzig. Durch die persönlichen Kontakte und das Engagement

der einzelnen Mitarbeiter konnte die Auslastung dennoch

relativ konstant gehalten werden. Dem entgegen steht

eine steigende Nachfrage und Kapazitätserweiterung bei der

familiären Bereitschaftspflege und den Erziehungsstellen. Die

ständige Suche nach geeigneten Pflegeeltern, die ein Kind bei

sich aufnehmen können, ist ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit

in diesem Bereich. Hier arbeitet die Evangelische


Jugendhilfe mit anderen freien Trägern der Jugendhilfe

erfolgreich in einem Trägerverbund zusammen.

In der Stationären Einrichtung der Hilfen zur Erziehung

zeichnete sich eine Schwerpunktverlagerung ab. Da das

Jugendamt generell weniger Jugendliche in stationäre

Einrichtungen vermittelt, wurden diese Kapazitäten verringert

zugunsten einer höheren Belegungszahl für Mütter/Väter mit

ihren Kindern. Zur Zeit können bis zu 10 Plätze im Mutter/

Vater-Kind-Bereich belegt werden. Es hat sich aber gezeigt,

dass die Räumlichkeiten in der Delitzscher Straße so nicht

mehr ausreichten. Daher zog die Einrichtung im Juni in die

Martinstraße 17 in 04318 Leipzig. Hier steht den Bewohnern

ein komplettes Mehrfamilienhaus mit begrüntem Grundstück

zur Verfügung. Außerdem gibt es hier einen großen Gemeinschaftsraum,

als großes Wohnzimmer für alle, in dem auch

Gemeinschaftsangebote stattfinden. Auf dem Hof entsteht ein

Spielplatz für die Kinder. Dieser wird aus Spendenmitteln

finanziert. Am 6. Oktober 2010 wurde die Einrichtung eingeweiht

und hat den Namen „Haus Lebensweg“ erhalten.

In der Ökumenischen Kontaktstube für Wohnungslose

Leipziger Oase werden täglich durchschnittlich 65 warme

Mahlzeiten ausgeteilt. Außerdem finden jeden Tag ca. sechs

Beratungsgespräche statt. Schwerpunkte im vergangenen

Berichtszeitraum war unter anderem die Besetzung der

Anleiterstellen im Garten und in der Werkstatt mit geeigneten

Mitarbeitern, welche die Gäste, die in diesen Bereichen

arbeiten wollen, anleiten können. Sowohl im Garten als auch

in der Werkstatt konnten für ein Jahr über die ARGE Leipzig

geförderte Mitarbeiter angestellt werden. Im Berichtszeitraum

war wieder ein Zuwachs an Gästen zu verzeichnen. Die Zahl

junger Menschen unter den Klienten der Wohnungslosenhilfe

hat zugenommen, ebenso die Zahl der drogenabhängigen

oder straffällig gewordenen Jugendlichen. Im Sozialbüro ist

für ein Jahr eine zweite Stelle durch eine AGH geschaffen

worden. Damit können die Angebote der Sozialarbeit erweitert

und die Beteiligung der Klienten intensiviert werden. Außerdem

wird dadurch nun einmal pro Woche Straßensozialarbeit

möglich. Der jährliche Wechsel der durch die ARGE geförderten

Mitarbeiter ist für die Gäste und die anderen Mitarbeiter

eine sehr hohe Herausforderung und manchmal eine

unerträgliche Belastung. Die Einarbeitungszeit beträgt in der

Regel mehr als ein halbes Jahr. Die Suche nach geeigneten

Mitarbeitern kostet viel Zeit. Entsprechend dem Konzept

„vom Gast zum ehrenamtlichen Mitarbeiter“ arbeiten in der

Oase viele aktuelle oder ehemalige Gäste der Oase ehrenamtlich

mit – zur Zeit etwa die Hälfte der Ehrenamtlichen. Sie

finden damit eine sinnvolle Tätigkeit und können ihren Tag

besser strukturieren. Diese Personalsituation (ständig wech-

Jahresbericht 2010 Beratung und Betreuung 21

selnde ABMs, viele zum Teil selbst bedürftige Gäste der Oase

als Ehrenamtliche) erfordert allerdings ein hohes Maß an

Begleitung und Personalführung. Hier sind ständig Gespräche

mit den Mitarbeitern nötig. Ein festes Team kann sich so nicht

bilden. Dringend ist ein zweiter Sozialarbeiter nötig.

Das gemeinsame Projekt Kleiderkammer „Passgenau“ und

Änderungsschneiderei des BBW am Adler ist nach zwei

Jahren ausgelaufen. Die Kleiderkammer „Passgenau“ zog

zum 31. 07. 10 in die Georg-Schumann-Straße 132 in 04155

Leipzig-Gohlis um und eröffnete dort im August ein neues

Ladengeschäft.

Die Vielfalt der Arbeit im TeeKeller Quelle war 2009 aufgrund

des Rückgangs der Zahl der Ehrenamtlichen sowie deren zur

Verfügung stehenden Zeit nicht zu halten. Dafür haben sich

die Gäste umso mehr engagiert und kleine Dienste übernommen.

Die neu gegründete Gästevertretung ist ein weiteres

Anzeichen für das verstärkte Engagement der Gäste. Der seit

2009 gepachtete Kleingarten ist gemeinsam von Gästen und

Ehrenamtlichen zuverlässig bewirtschaftet worden und hat mit

seinen Erträgen das Abendessen bereichert.

Die Suchtberatungsstelle „Blaues Kreuz“ hat – wie in den

Vorjahren – ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Dies betrifft auch

die räumliche Situation. Hier sind unbedingt Veränderungen

nötig. Die Anzahl der betreuten Klienten bewegte sich auf

dem Niveau des Vorjahres. Die Tendenz geht zu verstärkter

therapeutischer Gruppenarbeit. Das Jahr 2009 war auch von

dem Beginn der ersten Therapiegruppe der Ambulanten

Rehabilitation geprägt. Dieser Bereich soll weiter ausgebaut

werden, was bis jetzt an mangelnden Räumen scheitert. Im

Oktober 2009 konnte eine zusätzliche Mitarbeiterin für die

Zielgruppe der russischsprachigen Migrantinnen und Migranten

im Rahmen des Bundesmodellprojektes IKUSH

angestellt werden. Ziel des Projektes ist es, durch muttersprachliche

Sozialarbeiter die kulturellen und sprachlichen

Barrieren beim Zugang zum Suchtkrankenhilfenetz zu reduzieren.

Auf Grund von guten Kontakten zu Einrichtungen der

Behindertenhilfe wurde 2009 mit einer angeleiteten Gruppe

für suchtkranke bzw. suchtgefährdete Menschen mit einer

geistigen Behinderung begonnen.

Das Wohnprojekt „Funke“ besteht seit nunmehr drei Jahren

und ist ein erfolgreiches Kooperationsprojekt der Suchtberatungsstelle

und der Leipziger Wohnungsbaugenossenschaft

(LWB). Sozial bedürftige Menschen, die in diesem Wohnhaus

der LWB wohnen, werden von einem Sozialarbeiter der

Diakonie begleitet. Dieser bietet lebenspraktische Hilfen und

soziale Beratung für die Mieter an und vermittelt bei Bedarf in


22 Jahresbericht 2010 Beratung und Betreuung

professionelle Behandlungs- und Unterstützungsangebote.

Durch gemeinsame Freizeitangebote und gemeinschaftliche

Aktionen wird die Lebenssituation der Mieter verbessert und

die Hausgemeinschaft gefördert. Menschen, die aufgrund

diverser Schwierigkeiten nicht woanders wohnen können,

finden hier ein Zuhause und die nötige Hilfe. Die Suchtberatungsstelle

„Blaues Kreuz“ der Diakonie hat selbst 6 Wohnungen

angemietet. Hier können Menschen leben, die

vorübergehend Unterstützung bei der Lebensgestaltung

brauchen. Diese sechs Übergangswohnungen sind fast immer

voll belegt. Einige Bewohner sind wieder ausgezogen und

wohnen nun selbständig in eigenen Wohnungen. Manche von

ihnen kommen aber noch regelmäßig hierher, um Kontakt zu

halten, an den Freizeitangeboten teilzunehmen oder sich

beraten zu lassen.

Im Beschäftigungsprojekt „BeTa“ konnten insgesamt 10

Klienten der Suchtberatungsstelle und des ambulant betreuten

Wohnens beschäftigt werden. Haupteinsatzbereiche

waren die Kindertagesstätten des Fachbereiches. Das Projekt

ist sehr erfolgreich, weil es suchtkranken Menschen ohne

Beschäftigung eine sinnstiftende Tätigkeit bietet. Dies hilft

ihnen dabei, ihr Leben in Freiheit vom Suchtmittel zu führen.

Das Psychosoziale Gemeindezentrum „Blickwechsel“ ist für

viele Menschen mit psychischen Krankheiten eine wichtige

Anlaufstelle. Hier finden sie Beratung und Begleitung auf

ihrem Weg zur sozialen Integration und beim Umgang mit

Behörden. Hier finden sie aber auch Gemeinschaft und

Kontakt mit anderen Menschen. Erkennbar ist ein differenzierter

Bedarf nach Gemeinschaft. Einige Klienten bevorzugen

die weniger strukturierte, zwanglose Cafésituation, andere

schätzen bestimmte Themen und Vorgaben, die sie mehr in

einzelnen Gruppen finden. Mehr als vierzig unterschiedliche

Begegnungs-, Interessen- und Gesprächsgruppen sowie

Veranstaltungsreihen fanden wieder im Rahmen der Blickwechselangebote

statt. Im Sozialcafé steigen die Besucherzahlen

und die Anzahl der ausgegebenen Mittagessen.

Gleichzeitig mit dieser Besucherzunahme wird das Publikum

spürbar jünger. Auch die Bürgerwerkstatt verzeichnete eine

erheblich gestiegene Auslastung. Die Werkstatt hat sich zum

Treffpunkt für Beschäftigung und auch für soziales Beisammensein

entwickelt. Ehrenamtliches Engagement spielt nach

wie vor eine große Rolle. Etwa 50 Personen arbeiten ehrenamtlich

mit – etwa die Hälfte sind Klienten. Die Arbeit wird als

sinnvolle Beschäftigung gewertet, Einsatzbereiche sind

Veranstaltungshilfe, Thekendienst im Café, Hauswirtschaft,

Werkstattprojekte, Soziokulturangebote, Besuche. Hier ist zu

beachten, dass das Nebeneinander von Haupt- und Ehrenamt

sowie die hohe Zahl ehrenamtlicher Klienten ein hohes Maß

Mitarbeiter des Psychosozialen Gemeindezentrum „Blickwechsel“

an Betreuung und Begleitung für die Arbeitsorganisation, die

Schlichtung von Konflikten, Regelung von Arbeitszeiten, die

Einigung auf bestimmte Abläufe erfordert. Ebenso ist anzumerken,

dass gerade für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen

mit ihren häufigen krankheitsbedingten Antriebshemmungen

die „Aufwandsentschädigung“ auch eine

Art „therapeutischen“ Aktivitätsanreiz darstellt. Eine Kürzung

dieser Mittel könnte sich fatal auf diesen Personenkreis

auswirken. Die Außenwohngruppen haben sich mittlerweile

als fester Bereich etabliert und sind voll ausgelastet. In

Zukunft wird es darum gehen, die Betreuungsprozesse zu

Gunsten der Bewohner zu optimieren, einheitliche Vorgehensweisen

im Rahmen der Betreuung, der Dokumentation und

Evaluation herauszuarbeiten und eine feste, am Bedarf

ausgerichtete interne Tagesstruktur zu installieren und

auszubauen.

Die Ökumenische Telefonseelsorge in Leipzig ist seit Jahren

ein fester Bestandteil im Versorgungsnetz der Region Leipzig.

Menschen in einer schwierigen Lebenslage rufen an, weil

ihnen hier jemand vorbehaltlos zuhört. In den Gesprächen

geht es vor allem um Probleme in Partnerschaft und Familie,

um Einsamkeit und psychische Belastungen, um Burn out

und die Sorge um die Zukunft. Um die Zahl der ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am Telefon

arbeiten, stabil halten zu können, hat Ende 2009 ein neuer

Ausbildungskurs begonnen.


Die gute Zusammenarbeit und Vernetzung der Einrichtungen

untereinander wird immer wieder positiv wahrgenommen. Für

die Zukunft ist in der „Diakonie im Zentrum“ ein neues

Kooperationsprojekt geplant: „Kinder im Blick“ – Elterntraining

für Familien in Trennung. Dieses Projekt trifft auf den bei der

Jugendhilfe, Lebensberatung, Kirchenbezirkssozialarbeit und

Telefonseelsorge immer wieder festgestellten großen Handlungsbedarf

in diesem Bereich. Dieses Programm wird bereits

in verschiedenen Städten mit Erfolg durchgeführt.

Für die Zukunft erwarten wir in einigen Einrichtungen drastische

Kürzungen der Mittel. Angekündigt sind diese bereits

für die Jugendhilfe, die Suchtberatung und die Arbeit mit

psychisch kranken Menschen. Empfindlich getroffen werden

wir auch von Einschränkungen in der Förderung ehrenamtlicher

Tätigkeit. Gerade Klienten, die durch ehrenamtliche

Arbeit wieder Fuß im Leben fassen, sind auf die Zahlung von

Aufwandsentschädigungen angewiesen – sowohl finanziell als

auch in Bezug auf die Motivation und Anerkennung, die sich

damit verbindet. Die Kürzungen durch Spenden oder andere

Eigenmittel aufzufangen wird nicht möglich sein. Wir werden

daher verstärkt mit dem Problem der erreichten Kapazitätsgrenzen

umgehen müssen, möglicherweise auch mit einer

tatsächlichen Einschränkung in einigen Bereichen. Gleichwohl

hoffen wir, unsere Arbeit in der gewohnten hohen Professionalität

und Qualität weiterführen zu können.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

Jahresbericht 2010 Beratung und Betreuung 23


24 Jahresbericht 2010 Telefonseelsorge

Zuhören will gelernt sein

Ausbildung zur ehrenamtlichen

Mitarbeit bei der Telefonseelsorge

Rund um die Uhr ist das Telefon bei der Telefonseelsorge

besetzt. An manchen Tagen klingelt es mehrmals pro Stunde.

Menschen, die sich in einer persönlichen Krise befinden, oder

einfach mal jemanden zum Reden brauchen, finden dort

jemanden, der ihnen zuhört und den Anrufenden mit seinen

Problemen annimmt – Tag und Nacht. Viele verschiedene

Themen, Sorgen und Nöte kommen dabei zur Sprache:

Einsamkeit, psychische Belastungen, Beziehungsprobleme,

Sorgen über die Kinder, Existenzängste, Tod eines Angehörigen.

Doch wer sind die Menschen, die am anderen Ende der

Leitung sitzen? Wie sind sie auf ihre Aufgabe vorbereitet

worden? Warum tun sie diesen manchmal sicher nicht ganz

einfachen Dienst?

Bei der Telefonseelsorge arbeiten ca. 70 bis 80 ehrenamtliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie werden in einer einjährigen

Ausbildung mit insgesamt 120 Stunden intensiv auf ihre

Tätigkeit bei der Telefonseelsorge vorbereitet. Ganz unterschiedliche

Menschen bewerben sich für die jährlich stattfindende

Ausbildung: die Jüngsten (23 bis 25 Jahre sind das

Mindestalter) sind Studenten verschiedener Fachrichtungen.

Es gibt Psychologie- oder Theologiestudierende, die erste

Erfahrungen in der seelsorgerischen Beratung machen

möchten, aber auch verschiedene andere Studienrichtungen

sind vertreten. Dann gibt es Menschen mittleren Alters, die

noch etwas Neues lernen möchten. Eltern, deren Kinder aus

dem Haus sind, und die noch eine neue sinnvolle Tätigkeit für

sich suchen. Oder Rentner, die die Dankbarkeit über ihr

eigenes gutes Leben ausdrücken möchten, indem sie jetzt für

andere da sind. Sie wollen sich selbst weiter entwickeln und

weiter bilden. Und sie möchten etwas für andere tun.

Wer am Telefon mitarbeiten möchte, muss sich zunächst für

die Ausbildung bewerben. Anhand von Fragebögen wird eine

Vorauswahl getroffen. Interessentinnen und Interessenten, die

in die engere Auswahl kommen, werden zu einem persönlichen

Gespräch eingeladen. Hierbei wird geprüft, ob sie für

die Arbeit am Telefon geeignet sind. Erst danach ist eine

Entscheidung über die Teilnahme am Ausbildungskurs

möglich. Für das helfende Gespräch am Telefon sind außer

gutem Willen und Hilfsbereitschaft bestimmte Eigenschaften

und Fähigkeiten nötig, wie Einfühlungsvermögen, Offenheit,

Belastbarkeit, Distanzfähigkeit, Verschwiegenheit und die

Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit der eigenen Person.

Die Ausbildung dauert dann etwa ein Jahr und umfasst 120

Stunden. Der erste Ausbildungsabschnitt dient der Arbeit an

der eigenen Persönlichkeit, denn die Person der Telefonseelsorgerin

/ des Telefonseelsorgers ist das wichtigste Arbeitsmittel

im späteren TS-Dienst. Die oftmals sehr intensive

Selbsterfahrungsgruppe von 12 bis 14 Auszubildenden trifft

sich einmal wöchentlich von 18.00 bis 21.00 Uhr zum freien

Gruppengespräch. Dabei wird über ein Thema gesprochen,

das die Gruppe bewegt oder das ein einzelner in die Gruppe

einbringt. Dabei geht es weniger um das Thema selbst als

darum, festzustellen, wie die Teilnehmer miteinander umgehen,

wie sie aufeinander achten, wie sie das aufnehmen, was

der oder die andere sagt. Nach der Hälfte der Zeit findet eine

Auswertung statt. Hier sagt jeder zu jedem etwas: Wie habe

ich dich erlebt? Würde ich dich gern anrufen, wenn ich

Probleme habe? Was müsstest du noch für dich tun? Die

Selbsterfahrung hat den Sinn, dass die zukünftigen Ehrenamtlichen

besser lernen, mit sich und ihrem eigenen Leben

umzugehen. Sie sollen später am Telefon das Gespräch nicht

mit ihren eigenen Problemen, Erfahrungen und Lebensweisheiten

dominieren. Sie sollen erkennen, wo ihre eigenen


Schwächen und Stärken liegen und was gerade ihre vorrangigen

„Lebensthemen“ sind. Durch die zahlreichen Rückmeldungen

erfahren sie aber auch, wie sie auf andere wirken.

Reiße ich das Gespräch an mich oder lasse ich mich vom

Anrufer durch das Gespräch führen? Wirke ich mitfühlend

oder eher sachlich und kühl? Hat mein Gesprächspartner das

Gefühl, ernst genommen und verstanden zu werden? Es

passiert nicht selten, das die Rückmeldung der anderen sehr

von der eigenen Vorstellung, wie man „rüberkommt“ abweicht.

Hier auch die „Fremdperspektive“ zu kennen, ist für

die spätere Arbeit am Telefon besonders wichtig.

Im zweiten Ausbildungsabschnitt geht es um die Arbeit an der

Fähigkeit, Gespräche zu führen. Bei den Rücken-an-Rücken-

Gesprächen sitzen zwei Auszubildende Rücken an Rücken

aneinander und spielen eine Gesprächssituation am Telefon

durch. Die anderen hören zu. Auch hier spielt wieder nicht das

Thema die entscheidende Rolle, sondern der Mitarbeiter, der

das Gespräch annimmt, also die Rolle des Mitarbeiters am

Telefon hat. Für ihn gibt es im Anschluss eine Auswertung mit

allen Zuhörenden.

Ein weiterer Bereich ist die Biographiearbeit: Hier erzählen die

zukünftigen Mitarbeiter aus ihrem Leben – wo sie her kommen,

wie ihr Lebensweg war, was sie an schönen und

schweren Situationen erlebt haben, welche Erfahrungen sie

gemacht haben. Viele zeigen dabei auch Fotos aus ihrer

Vergangenheit. Die Biographiearbeit hilft ihnen, besser zu

verstehen, wo sie in ihrem Leben gerade stehen. Aber auch

die anderen profitieren von den unterschiedlichen Berichten

und Erfahrungen.

Über die gesamte Ausbildungszeit hinweg erhalten die

Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer Informationen zu den

verschiedenen Problemfeldern der Telefonseelsorgegespräche,

denn manche Anliegen der Anrufenden können nur

dann hilfreich besprochen werden, wenn die Gesprächspartner

in der Telefonseelsorge die wichtigsten Problemzusammenhänge

kennen. Hierzu gehören unter anderem ein Besuch

in der Soteria-Klinik (Suchtkrankenhaus), bei einer Lebensberatungsstelle

sowie Informationen zu den wichtigsten psychischen

Krankheitsbildern. Oftmals werden auch die Weiterbildungsveranstaltungen

der Ehrenamtlichen für die

Kursteilnehmer genutzt.

Nicht alle Kursteilnehmer machen die Ausbildung bis zu Ende.

Etwa ein Drittel steigt vorher aus. Manche, weil sich ihre

Lebensumstände ändern – etwa durch Aufnahme einer neuen

Arbeit, Umzug oder Schwangerschaft - manche, weil sie mit

dem Medium Telefon nicht zurecht kommen. Sie vermissen

Jahresbericht 2010 Telefonseelsorge 25

das direkte Gegenüber im Gespräch. Es kommt aber auch

vor, dass die Kursleiter oder –teilnehmerinnen jemanden als

nicht geeignet empfinden. Hier muss dann für die Betroffenen

nach einer anderen Möglichkeit einer ehrenamtlichen Tätigkeit

gesucht werden.

Nach Beendigung des Kurses unterschreiben die Teilnehmer

eine Verschwiegenheitserklärung über die Anonymität des

Ortes, der Mitarbeiter und der Anrufenden und verpflichten

sich, für drei Jahre am Telefon mitzuarbeiten. Jedes Jahr

Anfang Dezember werden die neuen Ehrenamtlichen in einem

Gottesdienst in ihren Dienst am Telefon eingeführt. Sie

können nun selbständig als Ehrenamtliche Gespräche führen.

In der ersten Zeit gibt es noch eine intensive Begleitung durch

die Ausbilder. Auch die Gruppe bleibt noch ein Vierteljahr

zusammen. Später verteilen sie sich dann auf die bereits

bestehenden Supervisionsgruppen.

Die fertig ausgebildeten Ehrenamtlichen können jederzeit die

Angebote an Einzel- und Gruppensupervision sowie an den

Weiterbildungen der Telefonseelsorge teilnehmen.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

Steffi Brachmann, Agenturleiterin

Walnußweg 1 . 04249 Leipzig

Telefon 0341 4250584 . Fax 4250588

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26 Jahresbericht 2010 Wohnungslosenhilfe

Wohnungslosenhilfe

Leipziger Oase bietet sinnvolle

Tätigkeiten für Langzeitarbeitslose

und Gäste.

Dieter Hentschel, 54 Jahre alt, war schon von 1990 bis 1999

Gast der Leipziger Oase. Der gelernte Baufacharbeiter war

nach der Wende in ein tiefes Loch gefallen. Er verlor seinen

Job und seine Familie und flüchtete wie so viele in den

Alkohol. 10 Jahre hat er auf der Straße gelebt. In der Oase –

damals noch im alten Quartier – hat er sich regelmäßig

aufgewärmt und etwas zu essen bekommen. 1999 erschien

ein Artikel in der Zeitung über sein Leben. Dies war für ihn Anlass,

die vergangenen Jahre zu überdenken und eine Änderung

herbeizuführen. Er hörte ohne jede fremde Hilfe von

einem Tag auf den anderen Tag auf zu trinken und verbrachte

die folgenden drei Jahre auf einem Bauernhof – weg von

Leipzig, weg von den alten Kumpanen. Später kehrte er

wieder zurück in seine Heimatstadt, auch zurück in die Oase,

die ihm eine Art Heimat geworden war. Dies fiel in die Zeit, als

die Oase ihr neues Quartier mit ehrenamtlicher Mitarbeit der

Gäste aus- und umbaute. Eine sinnvolle Betätigung zu haben,

kam ihm gerade recht, und so machte Dieter Hentschel

regelmäßig mit – immerhin war er als gelernter Maurer einer

vom Fach.

Inzwischen hat er längst wieder eine eigene Wohnung, lebt

von Hartz IV. Eine Anstellung zu finden ist für ihn aufgrund

seines Alters äußerst schwer. Seit 2006 arbeitet er ehrenamtlich

im Lager der Oase mit. Sein Aufgabengebiet sind die

Lebensmittelspenden. Diese muss er sortieren und in Listen

erfassen. Mit der Küche spricht er ab, was sofort verbraucht

wird und was eingefroren werden muss, und danach stellt er

dann die notwendigen Lebensmittel für den täglichen Bedarf

der Küche bereit. Diese Arbeit macht er gern. Und er sitzt

nicht zu Hause herum, sondern kommt unter Leute.

Diese Tätigkeit umfasst 56 Stunden im Monat, 4 Monate im

Jahr sogar 70 Stunden. Von der Tauris Stiftung e.V., einer

Stiftung zur Förderung ehrenamtlicher und gemeinnütziger

Tätigkeiten Langzeitarbeitsloser, bekommt er eine Aufwandsentschädigung

von 78 Euro, in den Monaten mit 70 Stunden

89 Euro. Das ist nicht viel, aber immerhin kann er davon seine

Fahrtkosten bezahlen und ein paar zusätzliche Anschaffungen

(Kleidung, Schuhe etc.), die er für die Arbeit in der Oase

Dieter Hentschel bei der Arbeit im Lager der Leipziger Oase

braucht. Leider läuft die Förderung von Tauris zum 15.

Dezember 2010 aus. Dann weiß er nicht, ob er sich die

ehrenamtliche Arbeit in der Oase noch „leisten“ kann...

So wie Dieter Hentschel geht es vielen Ehrenamtlichen in der

Oase. Nur zwei der regelmäßig arbeitenden Ehrenamtlichen

können ohne Probleme auf jegliche Aufwandsentschädigung

verzichten, darunter eine promovierte Mathematikerin im

Ruhetand, die regelmäßig in der Küche aushilft, und eine

Friseuse, die den Gästen unentgeltlich die Haare schneidet.

Insgesamt sieben werden zur Zeit (Stand Oktober 2010) von

Tauris gefördert, davon sind vier ehemalige Gäste der Oase.

Neun weitere bekommen eine Aufwandsentschädigung von

der Bürgerstiftung. Ohne deren ehrenamtliche Tätigkeit würde

die Arbeit in Küche und Lager gar nicht funktionieren. Für die

Ehrenamtlichen ist diese Tätigkeit und die Aufwandsentschädigung,

so gering sie auch ist, auch ein Anreiz, sich wieder an

regelmäßige Arbeit zu gewöhnen und ihre handwerklichen

oder sozialen Kompetenzen zu trainieren. Ein Großteil der

Ehrenamtlichen sind Hartz-IV-Empfänger und auf jeden Cent

angewiesen. Mit dem Wegfall der Förderung für die Aufwandsentschädigung

steht ihr ehrenamtliches Engagement auf

dem Spiel. Weil sie es sich nicht mehr leisten können. Hier

muss auch für die Zukunft eine Lösung gefunden werden.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising


Parallelwelten

Erster Diakonischer

Jugendtag in Leipzig

Am 7. Mai 2010 fand der erste Diakonische Jugendtag in

Leipzig statt. Organisiert worden war er von der Diakonie

Leipzig und der Evangelischen Jugend Leipzig. 40 Jugendliche

aus ganz Leipzig im Alter von 13 bis 18 Jahren haben

daran teilgenommen. An diesem Tag hatten sie die Möglichkeit,

eine soziale Einrichtung in Leipzig hautnah zu erleben,

mitzuarbeiten, Bedürftige zu begleiten, mit Mitarbeitern ins

Gespräch zu kommen, dabei und mittendrin zu sein in der

sozialen Arbeit in all ihrer Vielfalt.

Was geht, wenn es nur mit Hilfe geht? In welcher Gesellschaft

will ich leben? Die Begegnung mit Problemen wie Benachteiligung,

sozialer Ausgrenzung, Armut und Lebenswirklichkeiten

von sozial schwachen Menschen, Alter und Behinderung hat

bei vielen der Teilnehmer das Nachdenken über Gesellschaftsentwürfe

befördert.

Die Jugendlichen haben einen Eindruck von sozialer Arbeit

bekommen. Für manche mag dies der Anstoß sein, sich

selbst ehrenamtlich zu engagieren, ein Freiwilliges Soziales

Jahr zu absolvieren oder einen Beruf im sozialen Bereich zu

ergreifen.

Marie Simmat, 18 Jahre, beschreibt ihre Erfahrungen an

diesem Tag in der Wohnungsloseneinrichtung „Leipziger

Oase“: „Ich fand es sehr interessant festzustellen, wie viele

Menschen eigentlich Hilfe brauchen und wie wenig man

selbst im alltäglichen Leben von der Arbeit in diakonischen

Einrichtungen erfährt. Besonders die OASE fand ich sehr

interessant, auch weil es nicht die typische Institution ist, an

die man denkt, wenn man über Diakonie spricht. Die meisten

kennen nur Altersheime oder Behindertenwerkstätten und

dieser Jugendtag gibt allen, die daran teilnehmen, Einblick in

vielleicht völlig unbekannte Probleme anderer Menschen. Es

hat mir gut gefallen, dass ich alle verschiedenen Bereiche in

der Oase kennen lernen konnte. Das waren z.B. die Arbeit in

der Kleiderkammer für Obdachlose, in der Werkstatt und das

Helfen in der Küche. Ich kann mir jetzt viel besser ein Bild

davon machen, wie viele Menschen eigentlich bedürftig sind,

und dass man die meisten im öffentlichen Leben so gut wie

Jahresbericht 2010 Diakonischer Jugendtag 27

gar nicht wahrnimmt. Die Mitarbeiter waren alle sehr entgegenkommend

und extrem sympathisch und man konnte von

ihnen viel über die Arbeit und die Menschen erfahren. Die

Tatsache, dass viele der Mitarbeiter ehrenamtlich dort arbeiten,

hat mein Interesse geweckt, mich auch mal auf diese

Weise zu engagieren. Ich finde es wichtig, dass Menschen,

denen es gut geht, andere, denen es schlechter geht, unterstützen.

Das halte ich in einer Gesellschaft für äußerst wichtig.

Der Chef der Oase hat mich angefragt, ob ich Lust hätte, bei

der nächsten Geburtstagsfeier, die einmal im Monat für die

Geburtstagskinder des Monats gemacht wird, zusammen mit

der Praktikantin Lieder mit Gitarre zu begleiten. Ich habe

natürlich zugesagt und freue mich schon sehr, alle wieder zu

sehen. Dass es in der heutigen Zeit solche Parallelwelten gibt,

ist, denke ich, schwer zu vermeiden. Trotzdem sollte man

darauf achten, die anderen nie aus den Augen zu verlieren.

Der Tag hat mir in soweit geholfen, dass ich jetzt in Zukunft

mit offeneren Augen durch das Leben gehen werde und

gesellschaftliche Probleme besser wahrnehmen kann und

nicht einfach an mir abperlen lasse.“

Nach dem Tag in den verschiedenen Einrichtung trafen sich

alle Jugendlichen am Veranstaltungsort (Gemeindehaus der

Bethlehem Kirchgemeinde, Kurt-Eisner Straße 22), um das

Erlebte zu reflektieren und den Tag mit Abendessen, Musik

und geselligem Beisammensein ausklingen zu lassen. Der

Diakonische Jugendtag war ein voller Erfolg für alle Beteiligten

und soll in den kommenden Jahren wiederholt werden.


28 Jahresbericht 2010 Spenden helfen weiter

Spenden helfen weiter

Wir danken für alle großen

und kleinen Spenden.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an alle, die uns mit

einer Spende unterstützt haben. Viele Menschen spenden

regelmäßig einen Betrag an unser Werk bzw. an eine spezielle

Einrichtung, andere unterstützen gezielt ein besonderes

Projekt, das ihnen besonders am Herzen liegt. Auch viele

Gewerbebetriebe sowie Banken haben uns Spendengelder

zukommen lassen. Dafür sind wir ebenfalls sehr dankbar. Da

es nicht möglich ist, sie alle aufzuzählen, verzichten wir der

Gerechtigkeit halber an dieser Stelle auf die Nennung der

Firmen.

Das gesamte Spendenvolumen liegt mit ca. 300.000 Euro

leicht über demErgebnis des Vorjahres. Angesichts wirtschaftlich

schwerer Zeiten können wir damit zufrieden sein, werden

jedoch nicht nachlassen in unserem Bemühen, das Spendenaufkommen

zu erhöhen.

Im Berichtszeitraum haben wir drei zentrale Mailing-Aktionen

durchgeführt. Dabei haben wir Spendenaufrufe für einen ganz

bestimmten Spendenzweck an unsere Mitglieder und Freunde

geschickt. Einige Einrichtungen haben auch selbst Spenden

gesammelt, von Firmen und Geschäftspartnern, aber auch

Freunden und Nachbarn der Einrichtung.

Dezember 2009: Aufruf für die Ambulanten Hilfen für Menschen

mit Behinderungen. Über 3.000 Euro sind dafür

überwiesen worden. Mit dem Geld werden die Freizeitangebote

sowie der Zugang für Rollstuhlfahrer im Haus der

Stadtmission verbessert.

März 2010: Aufruf für die Jugendhilfe – Betreutes Mutter/

Vater-Kind-Wohnen. Hierfür wurden ebenfalls 3.000 Euro über

den Spendenaufruf gesammelt, dazu kommen 750 Euro, die

uns von Firmen überwiesen worden sind. Von dem Geld

werden Spielgeräte für das Außengelände dieser Einrichtung

angeschafft. Im Betreuten Mutter/Vater-Kind-Wohnen leben

zur Zeit zehn jugendliche Mütter/Väter mit ihren kleinen

Kindern. Sie werden bei der Gestaltung ihres Lebens von

Erziehern und Sozialarbeitern betreut und auf ein selbständiges

Leben mit ihren Kindern vorbereitet.

Das Spendenvolumen

2009 liegt mit ca.

300.000 Euro leicht über

dem Ergebnis des

Vorjahres.

Sommer 2010: der Aufruf für die Kindertagesstätte Nathanael

erbrachte über 4.000 Euro. Dazu kommen insgesamt 1850

Euro von verschiedenen Firmen, u.a. aus dem „Gewinnsparen“

der Volksbank Leizig eG. Auch dieses Geld wird für den

Bau der Außenanlagen, für Klettergeräte, Kinderfahrzeuge

und anderes Spielzeug verwendet.

Anlässlich ihrer Hochzeit hat ein junges Paar Spenden in

Höhe von 2.400 Euro für unsere Schulsozialarbeit gesammelt.

Bei der Schulsozialarbeit werden Kinder und Jugendliche mit

starken Verhaltensauffälligkeiten und Schulproblemen in den

Regelschulen bzw. in speziellen Förderschulen von speziell

ausgebildeten Sozialarbeitern begleitet. Sie helfen in Krisen,

unterstützen Eltern, Lehrer und Kinder bei der Bewältigung

des Schulalltags und suchen bei Konflikten nach gemeinsamen

Lösungen. Unser herzlicher Dank gilt dem Hochzeitspaar

und allen Spendern.

Die Leipziger Oase erhielt wieder die nötigen Sachspenden

(Lebensmittelspenden) von verschiedenen Firmen und Läden.

Darüber hinaus wurde sie auch mit Geldspenden bedacht.

Immer wieder werden Sammlungen und Kollekten von

Kirchgemeinden an die Leipziger Oase überwiesen – so zum

Beispiel anlässlich des Erntedank-Festes.

Die Ausschüttung der Zweckerträge aus dem Verkauf von

PS-Losen der Sparkasse Leipzig brachte 2.500 Euro für

unser Psychosziales Gemeindezentrum Blickwechsel ein. Das

Geld fließt in die Bürgerwerkstatt für die Anschaffung von

neuen Materialien. Bei der Bürgerwerkstatt des PSGZ Blickwechsel

können Menschen mit psychischen Krankheiten eine

sinnvolle Beschäftigung finden.

Wir danken den vielen Spendern, die uns regelmäßig oder

sporadisch mit Geld- und Sachspenden, aber auch durch

ehrenamtliches Engagement unterstützen. Wir werden auch

weiterhin darauf angewiesen sein.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising


Wenn der Richter

gesprochen hat

Sozialstunden in unseren

Einrichtungen

Für die umgangssprachlich „Sozialstunden“ genannte

gemeinnützige Arbeit kann es viele Gründe geben. Zum einen

kann das Jugendgericht mit diesen Sozialstunden als Erziehungsmaßnahme

auf eine Straftat eines Jugendlichen oder

Heranwachsenden reagieren. Diese Erziehungsmaßregeln

gelten dann nicht als Strafe, sondern stellen vielmehr Gebote

oder Verbote dar, die sich auf die Lebensführung der Jugendlichen

auswirken sollen. Aber auch erwachsene Straftäter

können bei kleineren Delikten ihre Strafe „abarbeiten“ oder

sogar mit dem Angebot einer gemeinnützigen Tätigkeit die

(vorläufige) Einstellung des Strafverfahrens erreichen.

In vielen unserer Einrichtungen (Pflegeheime, Wohnstätten für

Menschen mit Behinderungen, Kindertagesstätten) leisten

Männer und Frauen solche Sozialstunden ab. Oft sind

wiederholtes Schwarzfahren mit der Straßenbahn oder

Verkehrsdelikte der Grund für die Strafe, oder aber eine uneinbringliche

Geldstrafe wird in Sozialstunden umgewandelt.

Manche der Einrichtungen beschäftigen mehrere Personen

gleichzeitig, in anderen ist nur von Zeit zu Zeit mal eine

Person tätig. Auch die Anzahl der abzuleistenden Stunden

differiert stark – von 20 bis 800 Stunden. Die Männer und

Frauen arbeiten in der Regel in der Hauswirtschaft (z.B.

Reinigung der Räume), in Hof und Garten oder sie werden

dem entsprechenden Hausmeister zugeordnet. Immer ist

jemand der Hauptangestellten für sie da, so dass sie niemals

allein in einer Einrichtung unterwegs sind. Das Ableisten von

Sozialstunden hat neben dem Strafgedanken für viele auch

den Sinn, in eine geregelte Tätigkeit zu führen. Für unsere

Einrichtungen sind sie zum Teil eine zusätzliche Arbeitskraft,

es muss aber auch Zeit und Energie in die Anleitung, Betreuung

und Begleitung ihrer Tätigkeiten gesteckt werden. Immer

wieder passiert es, dass jemand einfach nicht mehr kommt

oder wegen unangebrachtem Verhalten weggeschickt werden

muss. Es gibt aber auch viele positive Beispiele. Nicht selten

geschieht es sogar, dass die Sozialstundenableistenden

später noch freiwillig den Kontakt zur Einrichtung halten und

sogar ehrenamtlich weiter arbeiten. So bietet zum Beispiel ein

ehemaliger Sozialstundenableister jetzt regelmäßig Spielstunden

mit der Spielkonsole Wii im Pflegeheim Albert Schweitzer

Jahresbericht 2010 Sozialstunden in unseren Einrichtungen 29

an – auf Ehrenamtsbasis. Manche der Delinquenten haben

eine Berufsausbildung und damit spezielle Fähigkeiten und

Kenntnisse, die sie einsetzen können. Häufig sind aber auch

Alkoholprobleme mit im Spiel. Hier besteht die Möglichkeit,

die Angebote vom „Blauen Kreuz“ in Anspruch zu nehmen,

um das Alkoholproblem bewältigen und beim Beschäftigungsprojekt

der Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz „Beta“

mitzuarbeiten. Bei Beta arbeiten suchtkranke Menschen

regelmäßig und freiwillig in einer angeleiteten Gruppe zusammen.

Sie führen handwerkliche Tätigkeiten aus sowie Ausbesserungsarbeiten

für die unterschiedlichen Einrichtungen

unseres Werkes. So sind sie beispielsweise maßgeblich

beteiligt am Bau der Außenspielanlage der Stationären

Jugendhilfe in der Martinstraße.

Es gibt Bewährungshelfer, die ihre „Schützlinge“ gezielt in die

Einrichtungen der Diakonie schicken, und es gibt Straftäter,

die erst hier wieder lernen, eine regelmäßige Tätigkeit auszuüben.

Unsere Einrichtungen haben sozusagen einen „guten

Ruf“ – sowohl bei den Angestellten der Justiz als auch in den

„Kreisen“ derer, die immer mal wieder straffällig werden.

Wichtig ist, dass sie eine sinnvolle Tätigkeit haben, sich hier

gut aufgehoben fühlen und als Mensch angenommen und

respektiert und nicht verurteilt werden. Im Projekt Beta finden

sie eine klare Aufgabenstruktur und eine gute Arbeitsanleitung

durch den Vorarbeiter der Gruppe, aber auch ein Gehör für

ihre sozialen und menschlichen Sorgen und Nöte durch

Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken oder

selbst ähnliche Probleme erlebt haben.

Susanne Straßberger I Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising


30 Jahresbericht 2010 Kennen Sie die Diakonie?

Diakonie bekannt wie

noch nie

Kampagnen und gemeinsmaes

Erscheinungbild zeigen

Wirkung

Die meisten Leser dieses Artikels kennen die Plakatwerbung

der Diakonie in Deutschland. Oft schon wurde ich gefragt, ob

denn die Diakonie so zahlungskräftig ist und sich solche

kostenintensive Werbung im öffentlichen Raum leisten kann.

„Was das wohl kostet und was das bringen soll…?“

Seit 2003 macht die Diakonie mit drei Plakat- und Anzeigenkampagnen

in Städten und Gemeinden bundesweit darauf

aufmerksam, für welche Werte, Hilfefelder und Angebote sie

steht. Eine repräsentative Befragung im Jahr 2001 hatte

ergeben, dass die Diakonie in unserer Gesellschaft ein hohes

Ansehen genießt, ihr Bekanntheitsgrad jedoch unter dem

anderer Wohlfahrtsorganisationen liegt. Nun, 2010, wurde das

Marktforschungsinstitut aexea aus Leipzig mit einer neuen

Studie beauftragt, und die Ergebnisse können sich sehen

lassen.

Danach hat die Telefonbefragung ergeben, dass 92 Prozent

der Deutschen die Diakonie kennen. Der Abstand zur Caritas

(96 Prozent) hat sich deutlich verringert. Diese 92 Prozent sind

zehn Prozent mehr als 2005. Vor allem bei uns in den neuen

Bundesländern und auch bei jungen Menschen konnten

deutliche Verbesserungen in der Bekanntheit erzielt werden.

Diese Steigerung schafft der Studie zufolge keine andere

Wohlfahrtorganisation.

Warum ist Bekanntheit eigentlich so wichtig?

Man kann aber auch fragen: „Was nützt es, Leistungen und

Angebote in hoher Qualität zu entwickeln, wenn man diese

nicht öffentlich bekannt macht und anbietet, diese zu nutzen.

Bei der Inanspruchnahme von sozialen Dienstleistungen

verhalten wir Menschen uns genauso wie beim Konsum von

Waren und Produkten. Wir orientieren uns an den Marken, die

uns bekannt sind.

Michael Handrick, der Referent der Diakonie für Kampagnenmanagement

und Markenkommunikation beschreibt das so:

„Nur wer eine klar profilierte Marke kommuniziert, erzielt

Bekanntheit. Nur wer bekannt ist, schafft Vertrauen. Nur wer

Vertrauen besitzt, erreicht Zielgruppenbildung. Das wirkt sich

beispielweise beim Spenden aus oder beim ehrenamtlichen

Engagement – aber nicht nur dort. Verkürzt könnte man

sagen: Nur wer eine bekannte Marke ist, die für Qualität ihres

Angebotes steht, erhält die optimale Unterstützung. Und das

gilt beispielweise auch für das anwaltschaftliche Lobbying der

Diakonie – denn auch hier wirken die Kampagnen unterstützend.“

Wie werden diese Plakat- und Anzeigenkampagnen finanziert?

Diese große Medienpräsenz konnte sich der Bundesverband

der Diakonie nur leisten, weil viele Medialeistungen gesponsert

wurden (z.B. Anzeigenschaltung im Spiegel, Städtewerbung).

So stehen der Ausgabenseite von 400.000 Euro ein

Gegenwert an gesponserten Werbeleistungen von 17,6 Mio.

Euro gegenüber. Das heißt, jeder von der Bundesdiakonie in

die Kampagne investierte Euro hat einen Gegenwert von 44

Euro.


Auch das einheitliche Erscheinungsbild der Diakonie trägt

maßgeblich zur gesteigerten Bekanntheit und den Erfolg der

Plakat- und Anzeigenkampagnen bei.

Es erhöht die Wahrnehmbarkeit und Wiedererkennbarkeit der

Diakonie – und die 20 Landesverbände, 76 Fachverbände und

28.000 Einrichtungen in Deutschland können ihre Zugehörigkeit

zeigen und zugleich ihre Eigenständigkeit unterstreichen.

So kommt diese erfreuliche und wichtige „Vielfalt für das

Leben“ unter einem Dach erst richtig zur Geltung. Ein schlüssiges

gemeinsames Auftreten diakonischer Einrichtungen in

Leipzig genauso wie in Hamburg und anderswo in Deutschland

ist die Grundlage für das weitere Wachsen der Bekanntheit

der Diakonie und ihrer Angebote für die Menschen der

Region.

Die gesamte Auswertung der Firma aexea finden Sie im

Internet unter www.diakonie-leipzig.de > Mitarbeiterservice.

Matthias Möller I Öffentlichkeitsarbeit

Jahresbericht 2010 Kennen Sie die Diakonie? 31


32 Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht

Wirtschaftsbericht

1. Grundsätzliche Überlegungen

Die krisenhafte Entwicklung der Gesamtwirtschaft wurde mit

einer Minderung der Wirtschaftsleistung um rd. 5 % in

Deutschland 2009 akut. Diese Verminderung der gesamtwirtschaftlichen

Leistung und damit auch der Steuerkraft in

Deutschland wird sich für unser Werk in unterschiedlicher

Weise niederschlagen.

Verstärkt wird Subsidiarität in Politik und Verwaltung zunehmend

darin gesehen, dass freigemeinnützige Organisationen

Leistungen kostengünstiger erbringen könnten als staatliche

Organisationen. Es ist irrig, anzunehmen, dass Mitarbeitende

freigemeinnütziger Wohlfahrtsverbände gleiche Leistung zu

geringeren Entgelten erbringen als im öffentlichen Sektor,

obwohl die Arbeitsplätze dort erheblich sicherer sind. Gleiche

Leistung verdient gleiches Entgelt.

Auch fordern leitende Mitarbeitende der Kostenträger nur in

allgemeinen Aussagen die Absenkung der Standards sozialer

Versorgung. Wird allerdings über konkrete Einzelprojekte

verhandelt, so werden wir meist darauf verwiesen, gerade

dort sei Absenkung von Standards nicht möglich. Der Finanzrahmen

allerdings, der uns zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben

gewährt wird, wird tendentiell eingeschränkt. Diesbezüglich

wünschen wir uns mehr Ehrlichkeit in Politik und Verwaltung.

Die an dieser Stelle in den Vorjahren getätigten weiteren

Aussagen gelten leider fort.

Verstärkt hören wir, insbesondere aus der Politik, die Forderung

nach Ausschreibung auch sozialer Leistungen. Dazu

erlauben wir uns den Hinweis, dass auch in volkswirtschaftlicher

Forschung und Lehre sehr kontrovers diskutiert wird, ob

Marktmechanismen bei Erbringung sozialer Leistungen

sinnvoll eingesetzt werden können.

2. Geschäftsverlauf

In diesem Jahr konnten wir - trotz der Auswirkungen der

Finanz- und Wirtschaftskrise einerseits und sich verändernden

inhaltlichen Erfordernisse wie der steigenden Anzahl

von Menschen mit Demenz in den Pflegeheimen und mehr

Klienten mit kreativem Verhalten in verschiedenen Einrichtungen

andererseits - die ordentlichen Erträge der zu unserem

Werk gehörenden Einrichtungen um rund 4,6 Prozent steigern.

Der Anstieg der Sachaufwendungen blieb mit 4,4

Prozent ebenso wie das Wachstum der Personalaufwendungen

leicht hinter dem Ertragszuwachs zurück.

Die vollstationären Plätze unserer Pflegeheime waren mit

über 97 Prozent noch gut ausgelastet. Die Auslastung

sichern wir durch Angebote zur seelsorgerlichen Betreuung,

durch Spezialisierung und Individualisierung der Betreuung

sowie weitere bauliche Verbesserungen. Im Berichtsjahr nahm

die Zahl jüngerer pflegebedürftiger Menschen in einigen

unseren Einrichtungen zu. Den daraus sich ergebenden

Herausforderungen begegnen wir durch entsprechende

Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Der ambulante Pflegedienst

hat seine Leistungen stark erhöhen können, die

angestrebten wirtschaftlichen Ziele aber noch nicht erreicht.

Im Jahr 2009 verzeichneten wir in den Wohnstätten für

Menschen mit (geistigen) Behinderungen eine Auslastung von

über 98 %, die allerdings zwischen den Häusern stark variiert.

Die Wohnstätte „Heinz Wagner, Haus 1“ wird nicht in einem

der Kapazität des Hauses entsprechenden Maße durch das

Jugendamt der Stadt Leipzig „gefüllt“, das heißt, es werden

nicht genügend Kinder und Jugendliche in diese Einrichtung

vermittelt. Andererseits dulden das Sächsische Staatsministerium

für Soziales und der Kommunale Sozialverband keine

Veränderung der Belegungskonzeption. Damit werden wir

sozusagen unverschuldet auf der schlechten Auslastung des


Hauses sitzen gelassen. Das wirtschaftliche Risiko staatlichen

und kommunalen Handelns haben damit wir und unsere

Mitarbeitenden zu tragen.

Das zweifelsohne gut gemeinte, aber praxisferne Wohn- und

Betreuungsvertragsgesetz entwickelt sich auf Grund seines

übermäßigen Verwaltungsaufwandes zu einer Belastung für

unsere Verwaltung. So muss bei jeder notwendigen kleinen

Veränderung des Vertrages ein komplett neuer Vertrag

aufgesetzt werden. Diese in unseren Augen übertriebene

Bürokratie bindet unsere Personalkosten, die an anderer

Stelle, nämlich bei der Betreuung der Menschen, fehlen. Der

Nutzen für die Bewohner ist mehr als fraglich.

Die Leistung in unseren drei Lindenwerkstätten konnte trotz

schwieriger werdender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen

mit ca. 1.043 T€ (netto) fast konstant gehalten werden. Der

Anteil der für Einrichtungen unseres Werkes erbrachten

Leistungen lag im Berichtsjahr bei über 11 Prozent des

Gesamtumsatzes der Werkstatt.

Integration und Verzahnung der Angebote der Ev. Lebensberatung,

der Ev. Jugendhilfe, der Kirchenbezirkssozialarbeit

und weiterer Beratungsangebote werden durch den gemeinsamen

Standort in der Stadtmitte Leipzigs (Diakonie im

Zentrum) ermöglicht, dies kommt den Hilfe und Rat suchenden

Menschen zu Gute. In unserer stationären Jugendhilfe,

die neue Räume bezog, nahm die Tendenz zur Aufnahme von

Eltern oder Müttern mit Kleinstkindern zu. Bei Neubesetzung

von Arbeitsplätzen in den Kindertageseinrichtungen spürten

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 33

wir den Mangel an Erzieherinnen, konnten jedoch bisher alle

freien Stellen besetzen.

Unsere Suchtberatungs- und Behandlungsstelle wurde

stärker in Anspruch genommen, die öffentlichen Stellen haben

jedoch die Finanzierung nicht im gleichen Maße wachsen

lassen, so dass weniger Zeit für Prävention und individuelle

Betreuung blieb. In unseren Wohnstätten reagierten wir auf

Probleme, die aus der Kombination von Alkoholabhängigkeit

und geistiger Behinderung entstehen.

In unseren Einrichtungen für obdachlose und von Obdachlo-

sigkeit bedrohte Menschen wird der Einsatz von Klienten als

ehrenamtliche Helfer immer problematischer. Dieses Konzept

setzt einen stabilen Kern an Stammkräften voraus, der

allerdings durch die prekäre Finanzierungssituation kaum

gegeben ist.

Am 31.12.2009 waren 919 Menschen in unserem Werk

beschäftigt, von denen allerdings 53 langfristig abwesend

waren. Die verbleibenden 866 Personen füllten fast 697

Vollzeitarbeitsplätze aus.

Im Jahr 2009 wandten wir etwa 94 T€ für Fort- und Weiterbildung

sowie Supervision auf.

Die Möglichkeiten der Beschäftigungsförderung nutzen wir,

dabei verzeichneten wir überwiegend positive Erfahrungen,

teils konnten wir Übernahmen in dauerhafte Arbeitsverhältnisse

vornehmen. Zum Ende des Jahres 2009 gaben wir 12

Auszubildenden in unseren Pflegeheimen die Möglichkeit, den


34 Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht

praktischen Teil ihrer Ausbildung zu absolvieren. Unsere

Beschäftigungspflichten nach dem Schwerbehindertenrecht

haben wir eingehalten.

Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken wir für ihre

engagierte Leistung, die innerhalb wie außerhalb unseres

Werkes hoch geschätzt wird.

3. Vermögens- und Finanzlage

Das langfristig gebundene Vermögen unseres Werkes in Höhe

von fast 63,9 Mio. € ist durch Eigenkapital (etwa 21,7 Mio. €),

Sonderposten (rund 41,6 Mio. €) und lang- und mittelfristig

verfügbares Fremdkapital (rund 8,1 Mio. €) finanziert. Wir

konnten weitere Kredite in Höhe von knapp 415 T€ außerplanmäßig

zurückzahlen. Auch im Jahr 2009 haben wir, wenn

auch nicht in uns befriedigendem Umfang, Reserven zur

Abdeckung künftiger baulicher Risiken gebildet.

Die Eigenkapitalquote konnte auf 27,5 % verbessert werden,

wobei wir Sonderposten nicht dem Eigenkapital zurechnen.

Der Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit nahm

gegenüber dem Vorjahr zu. Die Verwendungsnachweise für

den III. Ersatzneubau in Borsdorf (fertig gestellt im Jahr 2005)

und die Werkstatt I für Menschen mit Behinderungen in

Leipzig (fertig gestellt im Jahr 2000) wurden abschließend

geprüft, daraus resultierende Zahlungen haben wir geleistet.

Kapitalverluste oder Zinsausfälle mussten wir auch im

Berichtsjahr nicht hinnehmen. Derivative Finanzgeschäfte

haben wir nicht getätigt. An den Beteiligungen unseres

Werkes hat sich nichts verändert.

4. Ertragslage

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnten

wir auf rund 496 T€ steigern, das Finanzergebnis fiel aufgrund

sinkenden Anlagevolumens und sinkender Marktzinsen mit

minus 283 T€ rd. 75 T€ schlechter als im Jahr 2008 aus.

Unser Ziel, positive, zumindest ausgeglichene Betriebsergebnisse

auch in den einzelnen Einrichtungen zu erwirtschaften,

haben wir noch nicht erreicht. Der in unserer Werkstatt für

Menschen mit Behinderungen erzielte Überschuss kommt

den dort Beschäftigten zu Gute und wird zur Stärkung der

Rücklagen genutzt. Die zur Finanzierung der Förderschule

erhaltenen Mittel werden nur dort verwendet. Außerordentliche

Erträge wurden durch Auflösung von Rückstellungen

ermöglicht, nachdem Unsicherheiten in der Schulfinanzierung

fortfielen. Dies prägt das außerordentliche Ergebnis.

Auch im Berichtsjahr hat es keine die Existenz des Werkes

bedrohenden Sachverhalte gegeben. Die Zahlungsfähigkeit

des Werkes und seiner Einrichtungen war stets gegeben,

Zahlungen wurden und werden unter Nutzung von Skonti

vorgenommen. Das Spendenaufkommen konnte erneut

gesteigert werden. Gute Erfahrungen verzeichneten wir mit

einer Fokussierung auf spezielle Projekte, auch baulicher Art.

Dabei kommt einer verlässlichen Berichterstattung über die

vereinnahmten Spenden besonderes Gewicht zu.

5. Bericht zur Steuerung des Vereins

Die wirtschaftliche Verantwortung nehmen Vorstand und

Fachbereichsleitungen mittels festgelegten Reportings auf der

Basis eines über mehrere Stufen aufgebauten Systems des

Controlling wahr.

Das inhaltliche Controlling ist im Aufbau. Eine aus der neuen

Fassung der Satzung abgeleitete Geschäfts- und Zuständigkeitsordnung

unseres Vereins befindet sich in der Abstimmung

zwischen den Gremien.

Mit der Mitarbeitervertretung unseres Werkes konnte eine

Dienstvereinbarung abgeschlossen werden, die es ermöglicht,

jene Instrumente anzuwenden, die in den AVR vorgesehen

sind, um wirtschaftlichen Krisensituationen zu begegnen

(Öffnungsklauseln zur Abwendung von wirtschaftlichen

Notlagen). Wir sind als Vorstand sehr dankbar, dass wir damit

diese Möglichkeiten nutzen können, ohne gegen gesetzliche

Vorgaben verstoßen zu müssen.

Größere Risiken aus unterlassener Instandhaltung sind derzeit

nicht zu erkennen, die Aufwendungen für laufende Instandhaltungen

haben wir gesteigert.

6. Entwicklung unserer Leistungsangebote

Zur Zeit steht nur noch für unsere Einrichtung in Borsdorf der

Ersatz einer Wohnstätte für meist ältere Menschen mit

Behinderungen an, im Jahr 2010 konnten wir mit einem ersten

Bauabschnitt beginnen. Die negative Veränderung der

Förderbedingungen wird einen gegenüber den bisherigen

Bauten verminderten Standard zur Folge haben.

Eine Außenstelle unserer WfbM II in Panitzsch konnte, in

deren direkter Nähe, in gemieteten Räumen fertig gestellt und

in Nutzung genommen werden. Den zunehmenden Problemen

bei Beschäftigung psychisch behinderter und/oder seelisch

kranker Menschen in den Betriebsteilen unserer WfbM

begegnen wir durch verstärkte Fort- und Weiterbildung

unserer Mitarbeitenden.

Am 01.10. dieses Jahres konnten wir eine bauliche Erweite-


ung unserer Förderschule

einweihen. Mit dem Anbau

schaffen wir bessere Möglichkeiten,

die Schule nach

außen zu öffnen und auch

Schülerinnen und Schülern

ohne speziellen Förderbedarf

zugänglich zu machen. Damit

reagieren wir auf den gesellschaftlichen

Wunsch nach

mehr Inklusion – also gemeinsames

Leben, Lernen,

Wohnen und Arbeiten von

Menschen mit und ohne

Behinderungen.

Die Aufnahme des Betriebes

der Kindertagesstätte

„Nathanael“ in den Räumen

der gleichnamigen Kirchgemeinde

in Leipzig-Lindenau

konnten wir am 26.09.2010

feiern. Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten, insbesondere

jenen, die zur Finanzierung des Baus und der Ausstattung

beitrugen und beitragen. Dem Wunsch des Sozialamtes

der Stadt Leipzig, dort eine sprachlich orientierte heilpädagogische

Fördergruppe zu bilden, werden wir gern nachkommen,

sofern die beteiligten öffentlichen Stellen dafür sorgen,

förderrechtliche Hindernisse zu beseitigen. Die Stadt Leipzig

hat die Dynamisierung der Leistungen auch für unsere

Kindertagesstätten für das Jahr 2010 ausgesetzt, es wurde

versichert, dass zum einen dies ein einmaliges Vorgehen sei

und zum anderen der Ausfall in kommenden Jahren aufgeholt

werde.

Die Gebäudesubstanz unseres Werkes erhalten wir durch

laufende Instandhaltungen, die Finanzierung erfolgt ohne

Aufnahme von Fremdmitteln. Der Prüfbescheid zum Verwendungsnachweis

für die im Jahr 2004 fertig gestellten Umbaumaßnahmen

an der Förderschule ging ein, es gab keine

Beanstandungen. Auch der Verwendungsnachweis zum im

Jahr 2002 fertig gestellten Neubau der Werkstatt in Panitzsch

ging ein, es erfolgte eine Zahlung von 12 T€ an die Zuschussgeber.

7. wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Während die Erträge auch im laufenden Jahr weitgehend

innerhalb der Planung liegen, nahmen die Personalkosten

insbesondere in der Behindertenhilfe stärker zu als geplant.

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 35

Die Verzögerungshaltung des Kommunalen Sozialverbandes

bei der Einstufung der Bewohner unserer Wohnstätten

(Metzler-Verfahren) ist möglicherweise auf eine interne

Auseinandersetzung innerhalb des KSV zwischen fachlicher

Beurteilung (medizinisch-pädagogischer Dienst) und finanzieller

Auswirkung (Entgelt-Abteilung) zurückzuführen. Es hat

aber vor allem zur Konsequenz, dass Entgeltvereinbarungen

nicht getroffen werden können. Den, auch aus Sicht des

Vorstandes, berechtigten Steigerungen der Einkommen

unserer Mitarbeitenden stehen damit keine höheren Erträge

gegenüber. Selbstverständlich sehen auch wir, mit welcher

Härte die Wirtschaftskrise auf die Einnahmesituation der

öffentlichen Kassen, besonders der Kommunen durchschlägt.

Dies hat geringere oder nicht ausreichend gesteigerte Entgelte

zur Folge. Die Konsequenz in unseren Einrichtungen und

Diensten ist, bei Einhaltung der Mindeststandards, eine

Minderung der Versorgungsqualität. Darüber muss offen

gesprochen werden, insbesondere von Verwaltung und

Politik erwarten wir Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung. Es

kann nicht gleichbleibende oder gar steigende Qualität und

Quantität der Leistung gefordert und gleichzeitig das Entgelt

gesenkt werden. Wenn, meist in Sonntagsreden, aus den

gleichen Mündern die Einkommensdifferenz zwischen Ost

und West und die absehbare Altersarmut beklagt werden,

gewinnt dies eine besondere Schärfe.

Neben Maßnahmen zur Ertragssteigerung werden wir weitere

Potentiale zur Kostensenkung und –vermeidung ausloten und


36 Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht

ausnutzen. Wenn dabei weitere schmerzhafte Einschnitte im

Personalbereich unvermeidlich sein werden, wollen wir um

möglichst einvernehmliche und sozial abfedernde Lösungen

bemüht bleiben. Das Finanzergebnis wird sich vermutlich

nicht verbessern, dies veranlasst uns aber nicht, unsere

konservative Anlagenpolitik zu verändern.

Infrastruktur und Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten

unserer EDV werden überprüft. Ziele sind die Erfüllung

gestiegener Sicherheitsbedürfnisse, die Optimierung der

Prozesse und damit eine Minderung der Gesamtkosten. Am

System des Risikomanagements wird weiter gearbeitet.

Internen Prüfungen werden wir zukünftig stärker unser

Augenmerk schenken.

8. Ausblick

Direkte Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die öffentlichen

Haushalte und damit auch auf die finanzielle Ausstattung aller

Kostenträger zeigten sich bereits 2010. Neben der bereits

erwähnten Finanzierung der KiTas sind für uns ebenfalls die

Kürzungen in der Jugendhilfe von Bedeutung.

Eklatant wird die Wirkung allerdings erst mit dem Doppelhaushalt

2011/12 des Freistaates Sachsen sowie den Haushalten

2011 und folgende der Stadt Leipzig. Einfrieren oder

Absenkung der Entgelte sind insbesondere für unsere Beratungs-

und Betreuungsdienste angekündigt. Möglicherweise

müssen wir sogar mit der Streichung ganzer Leistungsgruppen,

insbesondere freiwilliger Leistungen der Kommune,

rechnen. Aktuelles Zahlenwerk und zielgenaues Kostencontrolling

ermöglichen uns eine schnelle Reaktion.

Das weite Teile sozialer Leistungen abdeckende Angebot

unserer Einrichtungen ermöglicht Vernetzungen, die einerseits

dem Klientel zu Gute kommen und andererseits Synergien

bergen. Die Diversität und die Größe unseres Unternehmens

lassen es uns wenig wahrscheinlich erscheinen, dass kurz-

oder mittelfristig Problemstellungen in einzelnen Diensten

oder Einrichtungen existenzgefährdend auf das ganze Werk

durchschlagen. Auch können wir mit großer Wahrscheinlichkeit

jenen Mitarbeitenden, die in Folge entfallender Finanzierung

ihren Arbeitsplatz verlieren, den Wechsel in andere

Beschäftigungen anbieten. Dies setzt allerdings auch Bereitschaft

zur Flexibilität, möglicherweise auch zum teilweisen

Einkommensverzicht auf Seiten der betreffenden Mitarbeitenden

voraus. Im Bemühen, durch strukturelle Veränderungen,

Überprüfung und Anpassung von Arbeitsabläufen sowie

Einsatz weiterer Instrumente im Rechnungswesen und im

Controlling wirtschaftliches Potential freizusetzen, dürfen und

werden wir nicht nachlassen.

Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass Arbeitslosigkeit

nicht unbedingt zur Bereitschaft zum Ehrenamt führt, dem

stehen auch interne Regelungen der Arbeitsverwaltung

entgegen. Auch schränkt der Freistaat Sachsen die Förderung

des Ehrenamtes, des bürgerschaftlichen Engagements ein.

Dennoch werden wir uns um die Bindung freiwillig, unentgeltlich

tätiger Menschen an unser Werk weiter bemühen. Wir

verbinden das mit den Hinweisen, dass auch Ehrenamt nicht

frei von (finanziellem) Aufwand wahrzunehmen ist und Ehrenamt

nicht Hauptamt ersetzen kann. Nur gemeinnützige

Vereinigungen sind in der Lage, bürgerschaftliches Engagement

im sozialen Bereich erfolgreich zu fördern. Kirchgemeinden

und andere diakonischen Vereinigungen sind dabei

unsere natürlichen Ansprechpartner.

Als Dienstleister auf dem Sozialmarkt wie auch als Dienstgeber

am Arbeitmarkt genießen wir ein großes Vertrauen, für das

wir sehr dankbar sind, das uns stärkt. Um dieses Vertrauen

muss aber auch jeden Tag neu geworben werden. Und wir

müssen beweisen, dass wir diesen Vertrauensvorschuss nicht

missbrauchen. Dies ist uns bewusst und bestimmt unser

Handeln.

Sönke Junge I Kaufm. Vorstand


Diakonie im Zentrum

Beratungsstelle Altenhilfe

Evang. Jugendhilfe

Evang. Lebensberatungsstelle

KirchenBezirksSozialarbeit

Müttergenesung

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 37


38 Jahresbericht 2010 Bericht Verwaltungsrat

Rückblick und zukünftige

Entwicklung

Bericht des Verwaltungsrates

Im Berichtszeitraum von September 2009 bis August 2010 hat

der Verwaltungsrat sechsmal getagt. Der Hauptausschuss

des Verwaltungsrates tagte viermal.

Themen, die im Verwaltungsrat besprochen wurden, waren

vor allem:

- die wirtschaftliche Entwicklung des Werkes,

- die Fachkraftsituation im Bereich der Erzieherinnen,

- die Schwerpunktsetzung inhaltlicher Arbeit in Bezug

auf die Verwendung der Eigenmittel des Werkes,

- der Beginn einer Diskussion hinsichtlich des Um-

gangs mit möglichen Missbrauchsfällen,

- Informationen über konkrete Arbeitsbereiche,

- im Hauptausschuss: Vorbereitung der Sitzungen des

Verwaltungsrates sowie Diskussion der Geschäfts-

und Zuständigkeitsordnung zur Vorbereitung der

Inkraftsetzung.

Aktivitäten und Projekte, die für die weitere Entwicklung des

Werkes bedeutsam sind:

Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass gleich mehrere Bauvorhaben

abgeschlossen wurden und es möglich war, neue bzw.

erweiterte Einrichtungen in Dienst zu stellen:

Am 26. März 2010 konnten wir eine Erweiterung der Werkstatt

für Menschen mit Behinderungen, Lindenwerkstätten, Werkstatt

II in Panitzsch in Dienst stellen.

Am 26. September 2010 wurde die Kindertagesstätte „Nathanael“

im Rahmen eines Familiengottesdienstes gemeinsam

mit der Nathanael-Kirchgemeinde in Leipzig-Lindenau

eröffnet.

Am 1. Oktober 2010 haben wir den Erweiterungsbau der

Förderschule „Werner Vogel“ seiner Bestimmung übergeben.

Damit können in dieser Schule jetzt über 80 Kinder unter

weitgehend optimalen Bedingungen lernen.

Am 6. Oktober 2010 wurde die Einrichtung des Wohnens für

Kinder, Jugendliche und junge Eltern, „Haus Lebensweg“, in

der Martinstraße 17 eingeweiht. Das Haus gehört seit 2003

zur Gruppe des Berufsbildungswerkes Leipzig und wurde von

diesem grundlegend saniert. Wir sind nun in der Lage, die

Räume für die Einrichtung der Jugendhilfe zu mieten und an

diesem geschichtsträchtigen Ort diakonische Arbeit fortzuführen.

Weitere Details zu einigen der genannten Einrichtungen

sind an anderer Stelle in diesem Jahresbericht zu lesen.

Auf dem Gelände des Diakonissenhauses in Borsdorf konnten

wir am 8. Mai 2010 den Grundstein für den 2. Ersatzneubau,

das „Haus am Viadukt“, legen. Dieses Haus soll im Jahr 2011

seiner Bestimmung übergeben werden.

Der Verwaltungsrat befasste sich im Rahmen der Finanzplanung

für das Jahr 2010 mit Schwerpunktsetzungen diakonischer

Arbeit. Zusätzlich zu den Mitteln der öffentlichen Hand

brachte das Diakonische Werk Innere Mission Leipzig e.V.

etwa 470.000 € an Eigenmitteln und 270.800 € aus Mitteln der

Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens dafür auf. Damit ergänzen

wir als Diakonie die im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips

eingesetzten öffentlichen Mittel um fast ¾ Millionen Euro.

Ehrenamtlich erbrachte Leistungen sind hierbei nicht hinzugerechnet.

Im Wesentlichen werden diese Mittel eingesetzt in den

Bereichen: Seelsorge und Verkündigung in Pflegeheimen, im

Fachbereich Behindertenhilfe und für Mitarbeitende, Kirchbezirkssozialarbeit

und Müttergenesung, Ev. Lebensberatungsstelle,

Psychosoziales Gemeindezentrum „Blickwechsel“,

Arbeit mit wohnungslosen Menschen in der Ökumenischen

Kontaktstube „Leipziger Oase“ und im Gemeinschaftsprojekt

mit der Michaelis-Friedenskirchgemeinde „Teekeller Quelle“,

Unterstützung der Bahnhofsmission (Betriebsträger: Caritas-

Verband Leipzig e.V.), Besuchs- und Begleitdienst, ambulante

Hilfen für Menschen mit Behinderungenk, Unterstützung der

Schulsozialarbeit und der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle

„Blaues Kreuz“, Unterstützung der Betreuung der

Diakonissenschwestern im Diakonissenmutterhaus Borsdorf.

Die Arbeit der Ökumenischen Telefonseelsorge wird in

besonders hohem Maße aus diesen Eigenmitteln finanziert.

Durch die zu erwartenden Kürzungen der öffentlichen Kostenträger

müssen die Schwerpunktsetzungen für den Einsatz

dieser Mittel im kommenden Jahr überprüft werden.

Schutz vor Missbrauch Schutzbefohlener: In der ersten Hälfte

des Jahres 2010 bestimmten Fälle des Missbrauchs von

Schutzbefohlenen - auch in kirchlichen Einrichtungen - die

öffentliche Diskussion. Obwohl in unserem Werk dazu grundlegende

Verfahrensweisen geregelt sind, wurde im Verwaltungsrat

eine Diskussion über eine Präzisierung dieser

Verfahrensweisen begonnen. Der Vorstand hat - abgeleitet

von entsprechenden Regelungen der Landeskirche - die

Erstellung eines Entwurfes für eine weitergehende Regelung


in unserem Werk begonnen, die in der nächsten Sitzung des

Verwaltungsrates diskutiert und in der Folge verabschiedet

werden soll.

Prioritäten für die kommenden Monate

Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die im letzten Jahr die

öffentlichen Diskussionen bestimmte, hat nun mit der erwarteten

Verzögerung auch den sozialen Bereich erreicht. Es gibt

bereits konkrete Aussagen bzw. Beschlüsse zu Kürzungen

finanzieller Mittel im Bereich der Suchtberatung. Im Bereich

der Jugendhilfe sind ebensfalls schon konkrete Summen in

der Diskussion. Die Leistungen der Ökumenischen Kontaktstube

„Oase“ sollen ausgeschrieben werden. Falls dies

tatsächlich geschieht, ist gerade in diesem Bereich ein

deutlicher Qualitätseinbruch zu erwarten. Es ist fraglich,

inwieweit ein neuer Träger auch nur annähernd den jetztigen

Umfang an Spenden und Ehrenamt akquirieren kann, der

besonders durch die Kirchgemeinden unserer Region erschlossen

wird. Falls diese Mittel nicht mehr zu den Mitteln

des öffentlichen Kostenträgers hinzu kommen, ist zu befürchten,

dass von Wohnungslosigkeit betroffene oder bedrohte

Menschen nur noch eine Basisversorgung erfahren – nach

dem Motto „satt und sauber“ - und es kaum noch die Möglichkeit

gibt, durch zielgerichtete professionelle Sozialarbeit

ihre Lebensumstände bzw. ihren sozialen Status nachhaltig zu

verbessern.

Da die durch die Arbeitsrechtliche Kommissionen vorgegebenen

Tarifvereinbarungen für uns verbindlich und vor

Arbeitsgerichten auch einklagbar sind, bedeuten Kürzungen

der Refinanzierungen weithin die Verringerung der entsprechenden

Personalschlüssel. Da aufgrund des fehlenden

Inflationsausgleichs in den vergangenen Jahren faktisch

bereits Kürzungen erfolgten, haben wir nur geringen Spielraum,

durch Effizienzsteigerungen neue Senkungen der

Refinanzierung auszugleichen. Von den Akteuren der Politik

und den zuständigen Verwaltungen erwarten wir deshalb,

dass sie auch in der öffentlichen Diskussion zu den zu

erwartenden Qualitätssenkungen stehen. Darüber hinaus

erwarten wir die Anpassung von Gesetzen und Verordnungen,

die Personalschlüssel und Qualitätsstandards festschreiben.

Die durch den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes festgelegten

Vergütungen sind in letzter Zeit deutlich gestiegen. Vor

diesem Hintergrund wäre es nicht fair, zu erwarten, dass

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen von

Wohlfahrtsverbänden und anderer sozialer Bereiche sinkende

Vergütungen hinnehmen müssten. Bei allem Verständnis für

die Notwendigkeit eines möglichst ausgeglichenen Staatshaushaltes

erwarten wir aber auch, dass die Entscheidungen

Jahresbericht 2010 Bericht Verwaltungsrat 39

zur Kürzung von Finanzierungen im sozialen Bereich auf ihre

langfristigen Konsequenzen hin geprüft werden. Wir sind

weiterhin gern bereit, zu diesen Themen mit den entsprechenden

Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.

Weitere Themen, die in den nächsten Monaten hohe Priorität

haben, sind:

- die (Weiter)bildung der Mitarbeitenden zum Thema:

Grundlagen christlichen Glaubens,

- weitere Gestaltung eines Systems der Personalent-

wicklung,

- Zusammenführung der Bereiche Gesundheits- und

Arbeitsschutz,

- Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Kirchge-

meinden - in besonderer Weise im Hinblick auf die

Dienste von Kindertagesstätten,

- Fortentwicklung der internen Organisation

- Weiterentwicklung von Angeboten der Altenhilfe.

Wir danken an dieser Stelle im 141. Jahr des Bestehens

unseres Werkes den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre

engagierten Dienste, die sie an den ihnen anvertrauten

Menschen tun.

Den etwa 1600 Mitgliedern unseres Werkes sowie allen

Freunden und Helfern danken wir für ehrenamtliche Dienste,

für Spenden, für das Mitbeten und Mittun sowie für andere

Formen der Unterstützung, ohne die viele Aktivitäten unseres

Werkes nicht möglich gewesen wären.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der

Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Alle Generationen vor uns haben in den mittlerweile 141

Jahren des Bestehens unseres Werkes in diesem Geist der

Kraft, der Liebe und der Besonnenheit versucht, in möglichst

guter Weise Menschen zu begleiten. Dies ist in erstaunlicher

Weise auch gelungen, so dass wir heute auf einem guten

Fundament diese Dienste weiter entwickeln können. Es ist

jedoch zu erwarten, dass wir in der nächsten Zeit mit deutlichen

Veränderungen der Rahmenbedingungen sozialer

Arbeit zu rechnen haben.

Wir wünschen allen Beteiligten auch weiterhin den Geist der

Kraft und der Liebe, aber auch der Besonnenheit, um auch im

Hinblick auf unsere Dienste die Balance zwischen verständlichen

Wünschen einerseits und den realistischen Möglichkeiten

andererseits finden zu können.

Prof. Dr. Martin Petzoldt I Vorsitzender des Verwaltungsrates


40 Jahresbericht 2010 Anschriften

Anschriften (Stand 1.10.2010)

Diakonisches Werk Innere Mission Leipzig e.V.

Geschäftsstelle - Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig;

Tel.: 0341. 56 12 - 0 Fax: 0341. 56 12 - 11 35

Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhaus Borsdorf

Am Diakonissenhaus 7, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 891 21

Stadtmission

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 03

Fachbereich Altenhilfe

Beratungsstelle Altenhilfe

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 58 61 72 19

Diakonie Sozialstation - Ambulanter Pflegedienst

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 230 56 56

Pflegeheime:

< Albert Schweitzer + Tagespflege

Täubchenweg 14/16, 04317 Leipzig

Tel.: 0341. 684 50

< Marienheim

Chopinstr. 14, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 70 22 00

< Marthahaus

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 127 20

< Matthäistift + Tagespflege

Kommandant-Prendel-Allee 85, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 30

< Matthias Claudius

Weißenfelser Str. 18, 04229 Leipzig

Tel.: 0341. 870 97 10

< Johann Hinrich Wichern

Seeburgstraße 11, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 866 39 08

< Paul Gerhardt

Ludolf-Colditz-Str. 3, 04651 Bad Lausick

Tel.: 034345. 530

Betreutes Wohnen am Matthäistift

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 31 13

Betreutes Wohnen Paul Gerhardt, Bad Lausick

Ludolf-Colditz-Str. 1, 04651 Bad Lausick;

Tel.: 034345. 530

Fachbereich Behindertenhilfe

Ambulante Hilfen für Menschen mit Behinderungen

Demmeringstraße 20, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 44

Besuchs- und Begleitdienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 91

Blinden- und Sehbehindertendienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 90

Wohnstätten für Menschen mit Behinderungen:

< Ev.-Luth. Diakonissenhaus Borsdorf

August-Bebel-.Str. 8, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 89-0

< Alte Posthalterei

Hauptstr. 21, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 424-300

< Heinz Wagner

Haus 1 - Scheffelstr. 42, 04277 Leipzig

Tel: 0341. 305 48-60

Haus 2 - Nieritzstr. 9, 04289 Leipzig

Tel.: 0341. 863 850-460

< Katharina von Bora

Freiburger Allee 74, 04416 Markkleeberg

Tel.: 0341. 350 14 71 10

< Martinstift

Arndtstr. 51 a-c, 04275 Leipzig

Tel.: 0341. 30 63 50


Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

Lindenwerkstätten WfbM

< Werkstatt I

Roßmarktstr. 17/19, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 00

< Werkstatt II

An den Werkstätten 4, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 44 02 50

< Werkstatt III

Edisonstraße 26-28, 04435 Schkeuditz

Tel.: 034204. 704 80

Förderschule Werner Vogel

Hans-Marchwitza-Str. 12, 04279 Leipzig

Tel: 0341. 33 63 80

Fachbereich Beratungs- und

Betreuungsdienste

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3

04109 Leipzig

< KirchenBezirksSozialarbeit

Tel.: 0341. 58 61 72 22

< Evangelische Jugendhilfe

Tel.: 0341. 58 61 72 12

< Müttergenesung

Tel.: 0341. 58 61 72 20

< Evangelische Lebensberatungsstelle

Zugang über Ritterstraße 5

Tel.: 0341. 140 60 40

Psychosoziales Gemeindezentrum BLICKWECHSEL

< Beratungsstelle und Ambulant Betreutes Wohnen

Eisenacher Str. 44, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 56 11 40

< Sozialcafé

Natonekstr. 2, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 561 14 40

< Kreative Bürgerwerkstatt

Eisenacher Str. 68, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 462 43 94

Suchtberatungs- und ambulante Behandlungsstelle

Blaues Kreuz

Theresienstr. 7, 04129 Leipzig;

Tel.: 0341. 92 65 70

Evangelische Kindertagesstätten

< Das Samenkorn

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig;

Tel.: 0341. 87 07 98-0

< Mosaik

Ferdinand-Rhode-Str. 7 B, 04107 Leipzig

Tel.: 0341. 124 79 90

< Nathanael

Rietschelstraße 12, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 47 83 91 72

< Unter dem Regenbogen

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 12 452 80

< Kinderarche

Goldsternstraße 21a, 04329 Leipzig

Tel.: 0341. 251 92 72

Jahresbericht 2010 Anschriften 41

< St. Moritz

Max-Liebermann-Straße 2, 04425 Taucha

Tel.: 034298. 98 97 57

Angebote in gemeinsamer Trägerschaft mit dem

Caritasverband Leipzig:

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose „Leipziger Oase“

Nürnberger Str. 31, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 268 26 70

Ökumenische Telefonseelsorge Leipzig

Geschäftsstelle, Paul-List-Str.19, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 994 06 76

Ökumenische Bahnhofsmission Leipzig

Hauptbahnhof, Westseite (Betriebsführung: Caritasverband)

Willy-Brandt-Platz 2a, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 968 32 54


42 Jahresbericht 2010 Kurzchronik

Kurzchronik 2010

Januar:

19. Januar - Einweihung der „Tagesoase für Menschen mit

Demenz“ - im Diakonie-Pflegeheim „Matthias Claudius“

wurden mit Hilfe von Fördergeldern der ARD Fernsehlotterie

„Ein Platz an der Sonne“ und zahlreichen Privatspenden

Wintergärten gebaut.

Baubeginn der Umbauarbeiten in der Stadtmission - In

diesem ersten Bauabschnitt erfolgte der Einbau eines Aufzuges

und von rollstuhlgerechten Sanitärräumen, der Anbau

einer Fluchttreppe und die Sanierung der Küche.

März:

Erweiterungsbau der Lindenwerkstätten in Panitzsch

eingeweiht - Am 26. März 2010 wurde der Erweiterungsbau

der Lindenwerkstätten Panitzsch feierlich eingeweiht. Hier

finden 36 Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz.

Verabschiedung von Frau Bartsch - Am 27. März wurde die

langjährige Leiterin der Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen

„Katharina von Bora“ in Markkleeberg verabschiedet.

Für ihre langjährigen Dienste bei der Diakonie bekam sie

das Goldene Kronenkreuz der Diakonie überreicht.

April:

Landesbischof Jochen Bohl besucht die Ökumenische

Kontaktstube für Wohnungslose „Leipziger Oase“ und die

Diakonie im Zentrum im Rahmen seiner Visitation des

Kirchenbezirks Leipzig vom 12. bis 18. April.

Mai:

Parallelwelten – 1. Diakonischer Jugendtag in Leipzig

Am 7. Mai fand in Leipzig der erste Diakonische Jugendtag

unter dem Motto „Parallelwelten“ statt. Organisiert wurde er

vom Jugendpfarramt Leipzig und der Diakonie Leipzig.

Grundsteinlegung in Borsdorf - Am 8. Mai 2010 wurde im

Ev.-Luth. Diakonissenhaus Borsdorf der Grundstein für das

„Haus am Viadukt“ gelegt. Hier entsteht ein Wohnhaus für 16

Bewohnerinnen und Bewohner, die in einer Werkstatt für

Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Juni:

Wohnprojekt „Funke” – Wohnen für Menschen mit Suchtproblemen

und sozialen Schwierigkeiten wird drei Jahre.

„Funke“ ist ein erfolgreiches Kooperationsprojekt der Suchtberatungsstelle

Blaues Kreuz der Diakonie Leipzig und der

Leipziger Wohnungsbaugenossenschaft (LWB).

Juli:

Die Kleiderkammer „Passgenau“ hat in der Georg-Schumann-Straße

132 ein neues Quartier bezogen und befindet

sich jetzt in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsamt.

September:

Am 19. September fand der erste „Gottesdienst inklusive“

für Menschen mit und ohne Behinderungen in der Michaeliskirche

statt - in Zusammenarbeit von Kirchgemeinde und

Diakonie.

Vom 21. bis 24. September waren 8 Delegierte der Weltkonferenz

der Stadtmissionen (Wittenberg) zu Gast bei der

Diakonie Leipzig. Sie kamen aus Indien, Uganda und Sambia.

Am 26. September wurde die neu gebaute und und mit der

Kirchgemeinde gemeinsam geführte Kindertagesstätte

„Nathanael“ in Lindenau eingeweiht.

Oktober:

Am 1. Oktober wurde der Erweiterungsbau der Förderschule

Werner Vogel feierlich eingeweiht.

Am 6. Oktober erfolgte die Einweihung und Namensgebung

der Stationären Jugendhilfe – Betreutes Mutter/Vater-Kind-

Wohnen - „Haus Lebensweg“ in der Martinstraße.

November:

Am 6. November findet der Fachtag für Erzieherinnen zum

Thema - Sexualpädagogik in der Kindertagesstätte - statt.

7. November - Gottesdienst zum 141. Jahresfest in der

Kirche St. Thomas zu Leipzig

Dezember:

3. Advent: Weihnachtsmusik des Diakonischen Werkes

Innere Mission Leipzig e.V. in der Nikolaikirche in Leipzig


Der Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.

für die 5. Legislaturperiode (2007-2011)

Gewählte Mitglieder (stimmberechtigt)

• Jürgen Distelrath

• Prof. Dr. Rolf Haupt

• Wolfgang Menz

• Prof. Dr. Martin Petzoldt

• Pfarrer Hans-Christoph Runne

• Pfr. i. R. Dr. Hans-Jürgen Sievers

• Kristin Unverzagt

• Dr. Jürgen Zimmermann

Geborenes Mitglied (stimmberechtigt)

• Superintendent Martin Henker

Berufene Mitglieder (stimmberechtigt)

• Dr. Siegfried Haller - Leiter des Jugendamtes

der Stadt Leipzig

• Jasmine Schwarzer - Richterin Arbeitsgericht

Impressum

Herausgegeben vom Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes

Innere Mission Leipzig e.V.

Leipzig, Oktober 2010

Haus der Diakonie I Gneisenaustraße 10 I 04105 Leipzig

Redaktion: Susanne Straßberger und Matthias Möller

Gestaltung: Matthias Möller

Druck: Merkurdruck

Personen, die an der Sitzung des Verwaltungsrates

gemäß der Satzung § 8 Abs. 4 beratend teilnehmen

• Rektorin des Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhauses

Borsdorf - Pfarrerin Friederike Müller

• Fachbereich Altenhilfe, Leiter des 2. Heimverbundes

- Diakon Dieter Haufe

• Fachbereich Behindertenhilfe,

Leiter der Förderschule - Ulrich Weber

• Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste

Leiter der SBB Blaues Kreuz - Benjamin Förster

• Vorsitzender der Mitarbeitervertretung

André Müller

• Direktor des Diakonischen Amtes Radebeul

Pfarrer Christian Schönfeld ständig vertreten

durch Kfm. Vorstand Friedhelm Fürst

Fotos:

Grazina Hartmann

Seite 7

Christina Schwabe

Seite 6

Susanne Straßberger

Seite 13, 16, 26

Haramis Kalfar - Fotolia.com

Seite 29

Uwe Brösdorf

Seite 12

Torsten Höse

Seite 14

Matthias Möller

Seite 1, 2, 4, 6, 8, 10, 16, 18, 22, 24, 27, 28, 37


Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10

04105 Leipzig

Telefon 0341. 56 12 - 0

Telefax 0341. 56 12 11 35

E-Mail info@diakonie-leipzig.de

www.diakonie-leipzig.de

Spendenkonto

Volksbank Leipzig eG

Konto: 100 100 100

BLZ: 860 956 04

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