BOGART 16 (BeOurGuestARTist)

reinhard46

Das Gießener Mitmachmagazin für Creative
– Aktuelles und Zeitloses aus Kunst-Kultur-Comic

BE OUR GUEST, ARTIST!

BOGART

Aktuelles und

Zeitloses aus Kunst, Kultur & Comic

DAS GIESSENER

MITMACHMAGAZIN

FÜR CREATIVE

Nr. 16 - 2013 | Juni/Juli/August

6. Jahrgang | € 3,90

© Johannes Wosilat (Giessen/Stuttgartt)

WADIM REIS:

Artifizielles Wechselspiel

von Formen und Gedanken

ANJO/HIRTH/HOGENKAMP:

Heimische Fotokünstler mit

Posen, Poesie und Präzision

COMIC:

»Bubble« mit Gießens

SUPERCHATTER

EXCLUSIV:

4tlg. Kurzroman

"MADRINA

DELLA LUCE"

bebildert von

Johannes Wosilat


3STEPS SPRAYCAN RED (2013)

Kai Krieger, Uwe Krieger, Joachim Pitt

3-Farb-Siebdruck auf 220g Papier; Format 60 cm ×42 cm;

233,- EUR (zzgl. Versand) – Limitierte Edition von 3 (nummeriert und signiert)

3Steps Store · Bleichstr. 35 · 35390 Gießen · 0641.580930 -33 · http://store.3steps.de/


INHALT

EDITORIAL

KUNST – KULTUR

INSIDE BOGART

WADIM REIS: MAL so und so

SINGER/WOSILAT/WICKLEIN: "Madrina della Luce"

JOACHIM KNOSSALLA: A New Ton In Town

ANITA KNOSSALLA: Im richtigen Augenblick

CARSTEN HIRTH: Nichts ist so wo es scheint

JENS HOGENKAMP: Sportler+Fotograf=Sportfotograf

SERIE: "115 Jahre Kino" (Folge 15)

LONDORF/Freigässerwinkel: 5. Kunst im Garten

SEHENSWERTES an Lahn und Main

SASCHA A. WANKE: Behind the Song You're so vain

WERKSTATT OGONJOK: LandArtPoetry by Anna Isdath

CROWDFUNDING: Projektfinale für "Rockabillys"

FRÜHLING 2013: Gizmorians-3-Mon.-Kalendarium

– COMIC

SUPERCHATTER (1): Law & Order in der Plockstraße

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Neu bei SPLITTER: Millennium-Trilogie und Sukkubus 29

Neu bei EHAPA: Goethe-Biographie als GraphicNovel 30

FOTOCOMIC: 2. "Battle Of The DJs" im RITZI'S 31

Li'l Sushi goes Yokohama...: "A Classic Lasts Forever" 32

BOGART

BeOurGuestARTist

Das Mitmachmagazin für Creative

mal ernsthaft

mal rätselhaft

mal augenzwinkernd

Redaktion, Gestaltung und Realisation:

Reinhard Müller-Rode

c/o MediaART-Werbung

Lonystraße 19, 35390 Gießen

Tel.: 0641.9845451, email: r.mr@gmx.de

Mitarbeit:

Hans-Michael Kirstein,

Sascha A. Wanke, GIZMORIAN

www.gi-mix.de/bogart

Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Reinhard Müller-Rode

© 2012 für alle Beiträge liegt beim Verlag bzw. den Autoren; alle

Rechte vorbehalten. Die auf § 49 UrhG gestützte Übernahme

von Artikeln in gewerbliche Pressespiegel bedarf der vorherigen

schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Die nächste Ausgabe erscheint

am 1. September 2013

Wie schnell spontane Ein- und

Unfälle auf Lustigkeit und mögliche

Weiterverwertung getestet werden können,

lässt sich dank FACEBOOK und anderer

Internet-Plattformen leicht erproben. So hat

die BOGART-Redaktion im Selbstversuch

bei der heute-show dieses verbal(l)hornte

Szenario des neuen SPD-Schattenquartetts

gepostet, was schwuppdiwupp von anderen

Nutzern "geliked" und geteilt wurde....

Gagschreiber und Sprücheklopper

"Wenn ich einen Gag erdacht habe... ...setze ich ihn in Umlauf

und warte, bis ihn mir einer wiedererzählt. Daran mißt sich seine

Reichweite. Manchmal sehr interessant", kommentierte Leser

genrik auf "Zeit-Online" den Beitrag von Autor Markus Schleufe über

GAGSCHREIBER aus dessen Serie "Berufe der Woche".

So schmücken sich mit wortspieligen und illustrierten Zoten und Cartoonagen aus

fremder Feder gern u.a. die "Late-Night-Show"–Aktivisten Welke, Raab, Schmidt &

Co., deren eigener unstrittiger Mutterwitz offensichtlich nicht die Qualität und Quoten

erreichen würde, ihre Befähigung als Interpreten der "volksmauligen Beobachtungen"

aber das angestrebte Sendungsniveau – wie zu Sehen und zu Hören – garantieren.

Werden diese "Spitzbuben" dank ihrer comedianten Präsenz fürstlich honoriert, fällt

für den "Ghostwriter" mit knapp dreistelligen Beträgen eher nur lächerlicher Brosamen

ab. – "Es ist nicht einfach, einen guten Gag zu schreiben, den auch viele Menschen

verstehen", sagt der professionelle "Witzigmann" Christian Eisert in dem Artikel. Sein

Knowhow gibt er inzwischen in Seminaren an die "Sponti-Szene" weiter, denen er für

ihre "il-lustrige" Berufswahl allerdings hartes Arbeiten prognostiziert.

Mit der Verbreitung seiner polit-satirischen Postkarten unter dem Tenor Plakative

Munition gegen Dumm-Dumm-Geschosse ist der Gießener Künstler Egon Kramer über

die Onlineschiene inzwischen ganz in der Nähe seiner "Zielscheiben" angekommen

und schießt seine "Pfeilspitzen" aktuell in Berlin im Foyer des nicht minder stachligen

DISTEL Kabarett-Theaters (s. S. 5) treffsicher auf das Hauptstadtpublikum ab.

Dass renommierte

Großmaler auch ihre

bildkonzeptionellen

Fähigkeiten launig

kultivieren, bewies

Erhard Göttlicher 1981

mit seiner Widmung

zum 75. Geburtstag

der Galerie-Remmele

"Seele" Cherie, für

die er das kombinierte

"Cognac-Ascherbecher-

Glas" creierte. Ein

wahrer Schwank,

dessen Serienreife

allerdings noch erprobt

wird.

Übrigens, die süffisante Sentenz "Gestern habe ich meine zukünftige EX kennengelernt",

erlauschte ich neulich am Nachbartisch. Und der Gag? Lesen Sie das Editorial einfach

noch mal von vorn..., empfiehlt

Reinhard Müller-Rode

Das Mitmachmagazin für Creative

Bogart 3


INSIDE

Es ist eine weite Strecke

und ich schreite sie entlang

Kalter Abendwind umhüllt mich

doch ich bleibe auf dem Weg

Es ist ein helles Licht

und ich erfreue mich

an der großen Hoffnung

solange ich auf dem Weg bleibe

Es ist ein Stück Papier

und ich nehme einen Stift

Geschriebene Worte fließen

damit ich auf dem Weg bleibe

Eine immer muntere und buntere Mischung angehender und talentierter

BildschöpferInnen gibt sich inzwischen in der im Frühjahr dieses

Jahres eröffneten MALWERKSTATT 44 (Heuchelheim) "den Pinsel in

die Hand". Die

Atelierinhaberin,

Diplom-

Psychologin und

freischaffende

Künstlerin

Susanne

Brückmann,

leitet hier die

thematisch

strukturierten

Kurse sowohl

berufsbegleitend

für z. B.

HeilprakterInnen

der Paracelsus-

Schule im Bereich

der Kunst- und

Kreativtherapie

(siehe Foto) als

auch für betriebliche und institutionelle Mitarbeiter- bzw. Gruppenangebote

(u.a. Kreisvolkshochschule). Das Programm der zertifizierten Malbegleiterin

für "Ausdrucksmalen und kunsttherapeutisches Gestalten" wendet sich

darüberhinaus an farbgestalterisch interessierte Personen aller Altersklassen

und umfasst Kurse für Ausdrucksmalen, "Kreative Techniken" (Collage

und mehr) und "Freie Malerei". Als ambitionierte Künstlerin mit eigenen

Ausstellungen ihrer Malereien, Collagen sowie Skulpturen kennt Susanne

Brückmann das Metier und die Szene aus dem "Effeff", was Manchem/r

auf dem Weg zur ersten Vernissage hilfreich ist. – Informationen und

Anmeldungen können telefonisch unter 0641.62688 oder auf email-Anfrage

(farbknall@arcor.de) abgerufen werden.

Sascha A. Wanke

Mehr vom Autor zu lesen und zu hören

gibt es im 60seitigen Gedichtband

"Augenblicke" mit Zeichnungen

von Otti Wanke u.a. bei Amazon/5.95)

und auf Audio-CD für 5.95 direkt bei

autor-wanke@gmx.de.

"Oh Boy! Jetzt rockt's im Gießener Treppenhaus!!!"

Die Ikonen der internationalen Popmusik – in einem Großbild von HMK malerisch arrangiert –

schmücken jetzt den Etagenaufgang eines ambitionierten Gießener Beatmusikers. Im Format 1,20 x 1

Meter lässt Illustrator

Hans-Michael Kirstein

die Legenden Chuck

Berry, Fats Domino,

Bob Dylan, Tina

Turner und Buddy

Holly mit vielfacher

Verstärkung der

Klassiker ihrer Vorbzw.

Nachzeit zu einer

klangfarbigen Jam-

Session auftreten.

Das stimmungsvoll

inszenierte

Ensemble ist nicht

nur liebgewonnene

Erinnerung an die

"Helden" von damals

(und teilweise noch

heute), sondern

auch ein zeitloser

Sinnesgenuss

bildnerischer

Kunstfertigkeit mit

Ohrwurmgarantie.

4 Bogart

Das Mitmachmagazin


Hurra, Humor ist eingeplant! hieß das erste Programm der

1953 in der gegründeten DISTEL, die dort mit "List und

Tücke" das mehrfach drohenden Aus überwand. – Seit August

1991 ist die DISTEL ein privates Theater. Völlig kompromisslos

kann sie nun mit ebenso bissigem wie feinsinnigem Witz alle

Fragwürdigkeiten der gegenwärtigen "Bombenstimmung" und

des "Diesseits von Gut und Böse" bloßlegen (distel-berlin.de).

Foto: Sabine Walther

35 aktuelle politische

Grafiken von Egon Kramer sind jetzt

voraussichtlich ein Jahr lang im Foyer des Berliner

Kabarett-Theater DISTEL (direkt am Bahnhof

Friedrich-Straße) ausgestellt. Auch das laufende

Programm der "Stachel am Regierungssitz" mit

u.a. Die Kanzlerflüsterer, Jenseits von Angela,

Wie geschmiert! kann sich sehen lassen und

bietet dazu Gastspiele von Henning Venske,

Max Uthoff, Frank Lüdecke neben anderen

sozialkritischen ZeitgenossInnen, sodass bei den

alljährlich über 100.000 Besuchern Kramers

Botschaften nicht unbeachtet bleiben werden.

(egonkramer.de).

HAUSGEMACHTES – das ist das kulturelle

Veranstaltungs-Projekt von Patricia Stasch

und Alexander Liebe – präsentiert jeden 1.

Sonntag im Monat* regelmäßig von 17-22 Uhr

in Zusammenarbeit mit dem Café GIRAMONDI

beziehungsreich seinen “Lazy Sunday

Afternoon”. Der Titel ist eher zufällig adaptiert

vom 68-Hit der "Small Faces", bleibt aber nicht

minder zutreffend, wenn es dann heisst: "Open

Stage" für Musik, Kabarett, Tanz, Texte, Gedichte,

Poesie und alles was man selber macht! Auch

war es eher unbeabsichtigt, dass 2 von WIR,

Nine Hippinen und Alena Wieske, diesmal als

Quintett konzertierten, erhielten sie doch mit

Teilen der "Sergio-Leone-Musicians" von Wadim

Reis (s. S. 16), dessen Ausstellung die aktuelle

Kulisse bildete, lautmalerische Verstärkung für

ihr poesievolles Liedgut aus dem Hintergrund,

das Stephan Pussel rhythmisch und akustisch

flankierend stimmungsvoll aufwertete.

"Wir wollen deine hausgemachte Musik,

dein hausgemachtes Kunstwerk oder deine

hausgemachte Fotografie, deine hausgemachte

Marmelade, deinen hausgemachten Wein oder

dein hausgemachtes Produkt und natürlich

alles andere was du HAUSGEMACHT hast

"Lazy Sunday Afternoon"

weckt Emotionen

wertschätzen!", ist Credo und Konzept der beiden

"Macher", die damit die so Angesprochenen

auffordern, mit ihrem musischen und creativen

Talent die launigen Events zu bereichern.

Mit "Zeitlos um 7" bieten Stasch/Liebe – er

ist profilierter Musiker und leidenschaftlicher

Liedermacher (u.a."Schönes Gießen" im Stile Ingo

Insterburgs; s.a. Youtube) – ihr "Hausgemachtes"

gleichwohl wieder ab Herbst auch im Gießener

Café Zeitlos erlebnisnah an.

Termine, Infos und Kontakt unter:

guteshausgemachtes.wordpress.com

* nach der Sommerpause wieder am 6. Oktober

Fotos: Reinhard Müller-Rode

für Creative

Bogart 5


Wadim reis: Mal so Und so

Maler · Illustrator · Comiczeichner

Herderweg 10 · 35398 Gießen

Fon 06 41.9 72 75 57 / 01 76.86 16 85 17

gi-mix.de/wadimreis

wadim_r@yahoo.com

Der 1990 in Turkmenistan geborene Gießener beweist bereits durch sein vielfältig

aufgestelltes Œuvre als Maler, Grafiker und Erzähler, dass von ihm in naher Zukunft noch

als ein hoch erwartungsfähiges Talent gesprochen wird. Seine aktuellen Werke umfassen

malerische Beschreibungen persönlichen Empfindens über zeitgeistige Strömungen – d.h.; die

formale und narrative Auseinandersetzung mit menschlich-technischen Seinsbedingungen.

Aber er vermag es auch, leichtere Sujets wie weibliche Physiognomien und Körperlichkeiten

ironisch respektvoll umzusetzen. Der junge Künstler sieht das offene Experimentieren mit

artifiziellen Formen und Gedanken natürlich auch als Möglichkeit an, nach einheitlichen

Stilismen zu streben. Paradigmatisch für seine momentane Befindlichkeit als suchender

Gestalter möge die Illustration „Mind Game“ gelten. Die bislang von drei Grafiken bestimmte

„Sergio-Leone-Westernband(e)“, die ihn als comical ambitionierten „Strichkünstler“ ausweisen,

wird um weitere Prärie-Musicians erweitert. - Seine ikonographischen Wurzeln begründen sich

auch in dem Album „Entwerfferikus“, einer manga-orientierten Sequenzgeschichte mit vielerlei

biografischen Unter- und Obertönen. Ein von Gießener „Typen“ eingeleiteter Comicroman

wird von Wadim Reis derzeit entwickelt. / Hans-Michael Kirstein – Repros: R. Müller-Rode

Mind Game, Illustration (2013)

Lady in Blue, Öl auf Leinwand, 50 cm x 70 cm (2013)

6 Bogart

Das Mitmachmagazin


* Wax Castle

Illustration

(2013)

Maiora Giessenia

* Illustration (2013)

Die hier und auf der Homepage

platzierten Werke können als

Reproduktionen auf FINE-ART-Papier

oder Leinwand im gewünschten

Format erworben werden.

* auch als Postkarte erhältlich

2 6 "Best of" seines noch jungen Schaffen hat Wadim Reis im ersten Bildband "Mind Games" aufgelegt, in

dem auch die hier vorgestellten Arbeiten eingebunden sind (Edition BOGART, 2013; Hardcover - € 19 90 ). Eine

Teilveröffentlichung des Mangaepos der Gebrüder Reis Co.-Produktion "Entwerfferikus" liegt

mit Prolog und dem ersten Kapitel aus Band 1 sowie einer ausführlichen Werksbeschreibung

(Zeichnungen: Wadim; Texte: Wladimir) zum Lektorieren vor. Kryptisch untertitelt: "Alles, nur

nicht das, was Du erwartest.", hoffen die Autoren auf das Placet angesprochener Comicverlage.

In dieser "Never-Ending-Homestory" schöpfen die Autoren dabei voll und ganz aus der Ressource

"Kreative Freiheit", wobei ihre Befindlichkeiten bei der alltäglichen Auseinandersetzung mit sich

selbst dabei immer wieder neue "böse und gute Geister" spontan auf den Plan rufen, die bei der

Konfliktlösung dienlich oder lästig sind. Macher und Leser sind dabei niemals vor Überraschungen

gefeit und fiebern stets gespannt der Fortsetzung entgegen... Mal sehen, wie's ausgeht! So oder so...

* Sergio Leone I, II, III

Illustrationen (2013)

für Creative

Bogart 7


Markus Singer / Johannes Wosilat (Bilder) / Anna Maria Wicklein

Teil I

Madrina Della Luce

„La Banda -

das Band“

Das herrschaftliche Anwesen war das

höchstgelegene der ganzen Umgebung. Es

wachte über dem darunterliegenden See und

lag gleichauf mit den bewachsenen Hängen der

gegenüberliegenden Seite. Eine gepflasterte

Straße führte hinab zum Dorf. Ihr Ende war

durch Windungen und die Neigung des

Berges verborgen. Irgendwo unten am Fuß des

Berges mündete sie in das kleine Städtchen

Locarno. Enge, schräge Gassen, die Steine so

braun wie die Haut der Menschen.

Als kleines Mädchen saß Vida Ylenia Scorrano

still auf der weißen Mauer, diese umgab das

Anwesen und den weitläufigen Garten. Alleine

und abseits der sommerlichen Hochzeit wurde

sie von den Steinen der Mauer gewärmt.

Der laue Wind mischte ferne Stimmen mit dem

süßlichen Duft von lila Hyazinthen.

Caprice Scorrano war Vidas Mutter, eine schöne,

launenhafte und lustvolle Frau, aus einfachen

Verhältnissen. Bellisario Callisto Reale, ein

mächtiger und zorniger Mann, würde Caprice

an diesem Tage ehelichen. Sein ja-Wort machte

Caprice Scorrano zur Caprice Reale, machte sie

zu "la prima donna".

Vidas leiblicher Vater war ein aufrechter und

ehrlicher Mann, aber durch ein Unglück

schwach und arm; nichts wert in den Augen

einer Caprice Reale.

Wie Nebel schlich der fade Geruch von Wasser

die Hänge herauf. Die Luft wurde schwer und

die Wolken drückten.

Jeden Moment konnte Regen losbrechen, die

kleine Vida aber wollte sitzenbleiben, für immer.

Ihre Gedanken machten aus Jahren Sekunden:

Ihr Körper welkte und zerfiel, ihr Sommerkleid

verwitterte und Vidas Knochen zerstachen die

blauen Rosen darauf.

Die ganze Villa Reale war festlich geschmückt.

Mit Hunderten von Blüten tanzte der Wind

durch die Flure. In den Marmorböden spiegelten

sich maskenhafte Fratzen. Im Wettlauf

verpackten Lippen Falsches, Verächtliches und

Hundsgemeines in geschickten Phrasen und

erregenden Tönen. Achtlose Sohlen zertraten

die Blüten und beendeten den Tanz. Ihr feiner

Saft verschmierte den Boden und gab den

Spiegelbildern ihren wahren, dunklen Ausdruck

wieder. Das Brautpaar stand unter dem Schutze

stolzer Bäume. Das letzte starke Licht drang

durch die Wolken, wurde vom Wasser des Sees

reflektiert und fiel in die Augen der Gäste. Das

8 Bogart

Das Mitmachmagazin


Kurzroman in 4 Folgen: "Taufpatin des Lichts"

Funkeln offenbarte jene Verdorbenheit, die

Haut und Haare sonst verbergen. Blaue Rosen

leuchteten auf dem Kleid der strahlenden Braut

Caprice, bis ihr künftiger Mann seinen Schatten

auf sie niederwarf und die Kraft der Farben

vertrieb. Callisto Reale baute sich vor ihr auf.

Und in ihre Augen,

noch viel dunkler als die selben,

nistet sich der Lichtverschlinger

und füllt sie mit Verderben.

dort herüberblicken. Ihr Sinn versuchte dies

Mädchen zu fassen, aber sogleich verschwand

die Erscheinung im Nichts. Wo Vida das Mädchen

gesehen hatte, ragte die ausgebrannte Villa

Reale aus dem Hang und Vida wandte ihren

Blick ab. Die Wasser des Sees waren tief. Kein

Sonnenlicht erhellte je seinen Grund. Die

Schwärze war von solcher Vollkommenheit,

dass sie alles anzog und nichts ihr entkommen

konnte. Wer sich einmal unter Wasser befand,

abgewandt vom Licht und schwebend über

einer so unendlichen Nacht, der schwört, dass

die Nacht selbst ein Lebendiges sein muss. Aus

diesem dunklen Boden stachen die Gebeine

ihrer Mutter Caprice und flüsterten lautlos.

Deren feiger Ehemann, Callisto Reale, hatte

ihr im Schlaf, mit einem Morgenstern, den

Kopf zertrümmert. Sowie das Leben aus dem

Außen, bei der kleinen Vida, frischte der Wind

auf und pfiff in den Ohren, sog die Wärme

aus den Steinen. Verkrampft hielt sie die

Hände im Schoß. Hilflose Boshaftigkeit und

Trotz verengten ihr die Züge. Im braunen

Haar trug Vida das Band ihrer Mutter und im

selben Moment, da im Garten die ja-Worte

gesprochen wurden, löste die geschickte

Hand des Windes jenes Band und trug es

fort. Was jetzt geschah war äußerst selten

und doch verdrängte es Vida und vergaß für

lange Zeit: Der Regen kam die Straße herauf.

Sie wandte den Kopf, in fester Absicht allem zu

trotzen. Der Regen und sein wolkenreitender

Kumpan brausten über Hänge und Straßen.

Mit ungeheurem Chaos und sinnloser Hast

peitschten sie Dunkelheit über das Land.

Vida wünschte all ihre Kraft herbei, aber der

Wind schnitt ihr in die Augen und schloss sie

mühelos. Was kümmern Wind und Regen die

Wünsche eines Mädchens.

„Sussuro -

Das Flüstern“

Als Vida ihre Augen öffnete waren es die einer

verheirateten Frau. Ihr Ehemann, Bertrame

Nero Accardo, war ein schlechter Mensch

voller Gewalt. Eine Partie, die das Schicksal nur

vergibt, wenn es eine Frau hasst. Er hatte Vidas

Jahre wirklich zu Sekunden gemacht. Ihr Haar

war schwarz, das Braun der Kindheit im Ansatz

verdrängt. Hier stand sie, auf den Stufen der

steinernen Villa Accardo und blickte über den

See. Der Stein war gebrochen, in neue Form

gehauen, geschliffen und an seinen festen

Platz gestellt: Wie auch sie. Getrennt vom

Ursprung wussten weder Stein noch Frau, wie

Mutter Natur sie gewollt und geschaffen hatte.

Die Haltung, auch die Blicke, sind studiert,

Gedanken wohl gelenkt,

die Seele grob verrenkt und gut verschnürt.

Ergriffen von erhabener Ruhe, wurde der

See in den Abendstunden vom Firmament

mit sanftem Purpur bedacht. Der Herbst

lichtete bereits die gegenüberliegenden

Hänge. Da sah Vida ein kleines Mädchen von

Der Quell dieser Hitze Kraft kommt aus dem Leben

und in ihrem Leib beginnt ein Neues frisch zu streben

für Creative Bogart 9


Madrina Della Luce Taufpatin des Lichts (1)

Schädel der Frau geplatzt war, war es aus der

Seele des Mannes gewichen. Kaum mehr als die

übliche Ansammlung von Haut, Knochen und

Fleisch war von ihm geblieben. So stand er da,

betrachtete, benutzte träge, was zum Denken

übrig war und ließ das Zimmer reinigen. Vida

war Vierzehn, als Reale ihr die Mutter nahm. Der

Anblick des Sees erinnerte still, aber immer aufs

Neue an das Ende der Caprice Reale, der "prima

donna" . Heute aber hörte Vida zum ersten Mal

jenes Flüstern aus der Tiefe. Es machte sie fühlen,

als tauche man ihren halberfrorenen Körper

unter heißes Wasser. Das dunkelrot glühende

Blut, getrieben von ungemeiner Hitze, pumpte

mit aller Gewalt durch Vidas Körper.

Monate später gebar Vida ihre Tochter

Amaranta. Die Zeit verging schnell und die

Tochter von Nero und Vida wuchs zu einem

kleinen Mädchen heran. Stets war die junge

Mutter an der Seite ihrer Tochter. Jeden

Morgen schob Vida ihre Finger sacht zwischen

Tür und Rahmen des Kinderzimmers und im

Spalt erschien ihr Gesicht. Sie schlich über den

Teppich und jedes Mal hielt sie vor dem Fenster

inne und betrachtete das kleine Geschöpf.

Dann öffnete Vida das Fenster und bahnte dem

Morgenlicht den Weg. Unter der Decke begann

es zu rascheln und tiefschwarzes Haar kam zum

Vorschein. Kleine Hände wischten es beiseite

und das Haar rahmte ein waches, heiteres

Gesicht.

Wenn “Il Nero”, der Oberste aller Clans,

der Ehemann und Vater, das Haus betrat,

hallten seine Schritte durch den enormen

Eingangsbereich. Gewundene Treppen aus

Marmor und poliertem Teak nahmen die

Seiten der Halle ein. Die Türen aller Räume

waren geöffnet, das Innere licht und weitläufig.

Wenige, aber ausgewählte Möbel standen an

ihrem Platz. Das Weiß dominierte. Das Innere

eines Zuhauses zeigt das Bild der Seele, heißt

es. Nero verkehrte es und erfreute sich daran. Es

geschah nach seinem Willen, dass keine Tür des

Hauses je verschlossen war: Eine Bekundung

seiner Macht und eine stete Erinnerung, dass

nicht Türen und Schlösser Mutter und Tochter

gefangen hielten.

Rückblickend gab es keinen Punkt in Vidas

Vergangenheit, zu dem sie die Gefangenschaft

hätte abwenden können. Der letzte von Neros

Feinden war der Ehemann und Mörder von

Vidas Mutter gewesen, Callisto Reale. Nero

nutzte die launenhafte, naive Natur der Caprice

aus und verführte sie. Er kannte auch Reales

Gemüt und sorgte dafür, dass dieser von der

Affäre seiner Frau erfuhr. Nachdem Reale die

Caprice mit dem Morgenstern getötet hatte,

wurde ihr Körper kleingemacht und in der

selben Nacht, in Reales Beisein, auf den See

hinausgefahren.

Toll vor Wut wollte Reale Nero suchen, den

Verräter, der sich an seiner Frau Caprice

vergangen hatte. Aber Nero stand breits in

Reales Rücken, am Ende des Anlegestegs,

und versperrte den Weg. Er grinste schief und

hinter ihm erhoben Lagerhallen und Container

ihre Umrisse in den Nachthimmel. Bevor Reale

ein Wort herausbrachte, blitzten dutzende

Mündungsfeuer aus der Dunkelheit hinter

Nero. Der Kugelhagel zerriss Reales Männer.

Reales letztes Gefühl war ein bitterer Ekel vor

dem schiefen Lächeln Neros, denn es ähnelte

sehr dem seinen.

Nero sperrte Sippschaft und Getreue Reales

in dessen Anwesen: Mit einer Ausnahme,

Vida. Nero nahm sie als Vierzehnjährige an

seine Seite und sie wurde seine Frau. Die Villa

Reale schoss als großes Feuer in den Himmel.

Aus den schwarzen Mauern ließ Nero die

Reste der Leichen kratzen. Die verkohlten

Knochen wurden in das Fundament der

neuen Villa Accardo geworfen, die Nero am

gegenüberliegenden Hang errichten lies. Er

zerschnitt den Körper des toten Erzfeindes,

brach die Knochen heraus und mauerte sie in

den Grundstein, wie es ihrer beider Natur zur

Ehre gereichte.

Einer Natur, die in Gewalt sich eint,

und die, in sich, seit erster Zeit,

den Keim des eig’nen Untergangs verneint.

Eines Tages traten Vida und Amaranta

durch die Eingangstüre der Villa Accardo.

Hammerschläge hallten durch das Innere. Mit

drei stramm platzierten Hieben trieb Nero den

letzten Nagel in die Wand. Die Halterung war

fixiert. Gegenüber dem Kinderbett hing sie an

der Wand. Auf sie legte er den Morgenstern.

Das hereinfallende Licht verlieh dem

Mordinstrument eigentümliche Faszination.

Der Mann schickte nach Frau und Tochter. Die

Mutter musste sich mit der Kleinen auf das Bett

setzen und die Geschichte des Morgensterns

erzählen. Das Kind zeigte große Bewunderung

für die Waffe.

Die Mutter wirkte dem entgegen, wollte aber

weder die Tochter mit ihren Worten verstören,

noch den Zorn des Mannes wecken. Sie wandt

sich kläglich. Das gefiel ihm. Etwas streifte,

während Vida sprach, durch die verschlungenen

Windungen ihres Gehirns. Es nährte sich an

etlichen schlechten Erinnerungen, wucherte,

bis zur Größe eines zerstörerischen Gedankens

und schlug Vida durch die Stirn ins Bewusstsein.

Dieser Gedanke änderte Alles.

Forsetzung folgt in BOGART 17 (1.9.13)

Impressum

©2011

Herausgeber:

Johannes Wosilat, Markus Singer, Anna Maria Wicklein

Autor:

Markus Singer (markus.singer@live.de)

Fotografie + Bildbearbeitung:

Johannes Wosilat (www.wosilat.de)

Gestaltung:

Anna Maria Wicklein (www.herzblut-studio.de)

Models:

Vida Ylenia Scorrano (Mutter): Elena Beser

Amaranta Vida Caprice (Kind): Sophie Alexandra Beser

Copyright:

Alle Rechte vorbehalten.

Dieser Buch oder Teile dieses Textes dürfen ohne die schriftliche

Genehmigung der Herausgeber nicht vervielfältigt, in Datenbanken

gespeichert oder in irgendeiner Form übertragen werden.

Markus Singer

Dipl. Mediendesigner

Seine Welt ist Wort, ist Bild - ist Story.

Den Bachelor of Arts erwarb er 2009 an der Lazi Akademie in

Esslingen am Neckar mit dem Schwerpunkt „Schreiben für den

Film“. Im Anschluss folgte 2010 das weiterführende Studium an

der Interspherial Drehbuchschule in Stuttgart.

Als freiberuflicher Texter und Autor findet er Story in der

Dramatik wie der Lyrik. „Story ist, was uns zu den Menschen

macht, die wir sind. Story ist Kraft.“ Selbsterklärtes Ziel des

jungen Autors ist es ganz nah an diese Kraft zu kommen, dort zu

sein – dort zu arbeiten.

Johannes Wosilat

Dipl. Fotodesigner

„Don‘t think... feel!“

Seit 2008 positioniert Johannes Wosilat Serien wie Einzelwerke

in den Segmenten Werbung, Fashion und People. Leidenschaft

und Innovation verbinden Licht, Mode und Mensch durch

einwandfreies Handwerk, Einfühlungsvermögen und Liebe zum

Detail.

Den Bachelor als Fotodesigner erwarb er 2010 und bestand mit

der „Auszeichnung für hohen Standard“. Kreation nimmt ihren

Anfang in Emotion. Diese Wahrheit schafft das Credo, welches

seinen Arbeiten voransteht: „Don‘t think... feel!“

Anna Maria Wicklein

Dipl. Designerin

(Fotografie + Bildbearbeitung /Gestaltung des Buches)

Nach einer Ausbildung als Mediengestalterin und darauf

folgendem Studium erwarb Anna Wicklein den Bachelor in

Kommunikations- und Grafikdesign 2011 an der Lazi Akademie

in Esslingen mit einer „Auszeichnung für Bestleistungen und

Hohen Standard“. Sie arbeitet als Grafik Designerin in einer

Agentur für Markeninszenierung und Markenkommunikation

und ist nebenher freiberuflich tätig. – Für sie ist Werbung nicht

einfach nur Gestalten, sondern das bewusste Beeinflussen der

unbewussten Gefühle und Gedanken der Menschen.

10 Bogart

Das Mitmachmagazin


für Creative Bogart 11


A NEW TON IN TOWN

Waren ihre ersten Arbeiten Mitte der 90er noch an der Bildsprache

von Helmut Newton (* 31. Oktober 1920 in Berlin; † 23. Januar 2004

in Los Angeles) und Jan Saudek (* 13. Mai 1935 in Prag) angelehnt,

entwickelten Anita und Joachim Knossalla für ihre "provozierenden

Fotografien" dann ganz persönliche Sichtweisen aufreizender Erotik. Bewies

Alice Schwarzer mit ihrer durch 19 (!) Newton-Fotos dokumentierten

Sexismus-, Rassismus- und Faschismus-EMMAattacke nicht nur wegen

der aktenkundigen Urherberverletzung ein Übermaß an Moralinsäure,

wurde Joachims spezifische Ausstellung 1995 im emanzipierten Gießen mit

respektvollem Augenmaß gewürdigt.

Den teilweise mit Profimodels arrangierten Studio-Produktionen gibt Anitas

Bodypainting und Styling den inspirierenden Touch, während Joachim am

Set out- oder indoor mit lichtbildnerischen Akzenten den objektiven Blick für

subjektives Betrachten öffnet...

Die größtenteils im Pirvatbesitz befindlichen Arbeiten erscheinen jetzt als

Hardcover-Fotobuch auf 48 Seiten in der BOGART-Edition (s. nächste Seite).

Darin veröffentlicht sind auch Porträtstudien von Anita Knossalla, die unlängst

die Wände im "Café de Paris" (Goethestraße) anschaulich belebten.

Die limitierten anjofoto-Artworks sind auch als Kunstdrucke im Format ca.

30 cm x 40 cm für je € 25,- über BOGART erhältlich.

1

12 Bogart

machmagazin


4

1 Ohne Titel

2 Striptychon

3 A Tribute To HN I

4 A Tribute To HN II

5 Tickling

© anjofoto.de

3

5

für Creative Bogart 13


IM RICHTIGEN AUGENBLICK

Den ersten Doppel-Bildband ihres bisherigen fotografischen

Schaffens legen jetzt Anita und Joachim Knossalla – mit

originellem Flipcover eingebunden – vor. Auf 48 Innenseiten

zeigen sie Anregendes, Aufregendes und Alltägliches ihrer analogen und

digitalen Fotografien, sowohl in heimischer Kulisse wie auch in

Gießener Locations creativ und kunstvoll arrangiert

(Edition BOGART, € 19 50 ).

Waren die Sichtweisen bei der Umsetzung ihrer

schöpferischen Anliegen anfänglich von kollegialen

Vorbildern geprägt, hat sich der persönliche Stil

zur Visualisierung der selbstgestellten Themen oder

spezieller Auftragsarbeiten auf signifikante Weise

durchgesetzt.

So ist es legitim, dass anjo bei Pose und Portrait, Akt und

Aktion inzwischen ähnlich professionell und tabulos wie

die arrivierten Kollegen agieren, ohne allerdings dabei gutbürgerliche

Empfindungen über zu strapazieren. Diese Gratwanderung ist in dem

Hardcover eingefassten s/w und farbig illustrierten Buch eindrucksvoll

gelungen und nimmt den Betrachter bei der Lust am Zeigen, Sehen und

Spiegeln à la Knossalla respektvoll mit.

1

3

10 Bogart

Das Mitmachmagazin


2

1 Flotter Käfer

2 Locki und Smoki

3 Russian Beauty

4 Mauerblume

© anjofoto.de

4

für Creative

Bogart 15


CARSTEN HIRTH: NICHTS IST SO WIE ES SCHEINT...

GEBOREN / Schotten, 1965

WOHNORT / Gießen

WARUM KUNST / Irgendwann

einmal überkam mich

die fi xe Idee, etwas tun zu

wollen, was über das normale

alltägliche Dasein hinausverweist...

MOTTO / Weitermachenweitermachenweitermachen...

SALE / ehemalige Galeria Kaufhof f in Gießen

A-N-D 1 / AntiNaziDemo in Gießen 2011

Alle hier und auf der Website

abgebildeten Motive können

als Fine-Art-Print bzw.

Fotografi e unter Wachs

erworben und für Ausstellungen

bereit gestellt werden.

FRIEDPARK

Collage aus Gießener

Grünanlagen

www.ka-lichtbilder.de

16 Bogart Das Mitmachmagazin


"NICHTS IST

WIE ES SCHEINT"

Heute ist prinzipiell alles möglich.

Es gibt nichts mehr, was unmöglich

erscheint. Das gestellte, inszenierte,

das manipulierte und vielfach bearbeitete,

transformierte und digitalisierte

Foto ist eine Realität, die allgegenwärtig

ist. Es gibt keine festen

Grenzen mehr im gestalterischen

Umgang mit dem fotografi schen

Prozess. Fehler werden kultiviert,

dem Zufall wird Tür und Tor geöffnet.

Die Vision Man Rays hat sich

erfüllt.

(Der Sieg des Künstlers

über den Apparat,

Gottffried Jäger, 1988)

Die Abgrenzung von dokumentarischer

zu künstlerischer Fotografe

wird verwischt, in dem z.B. auf

den ersten Blick durchaus real

erscheinende Szenen lediglich

Dokumentarismus vortäuschen.

Die angewandten Multishot-Techniken erlauben es, sehr

tiefgreifende Manipulationen an den Bildideen vorzunehmen.

Gebäude, Menschen oder beliebige Objekte werden

aus ihrem eigentlichen Kontext herausgelöst und neu

defi niert. Die so veränderte Wiedergabe des Gesehenen

erlaubt eine erweiterte Sichtweise, die über den dokumentarischen

Aspekt hinausreicht. Es ist der ständige Versuch,

Eindrücke und Empfi ndungen, die während des Sehens erlebt

wurden, im späteren Bild als eine Art subjektives Echo

der Realität wiederzugeben...

A-N-D 3a / AntiNaziDemo in Gießen 2011 (Fotografi e unter Wachs auf Trägermaterial)

ALTE POST 1

Gießen, obere Bahnhofstraß

rechts:

GRAFFITI

Gießen, Innenstadt

für Creative

Bogart 17


Auch unter dem Wasserspiegel kennt die Liebe zum Surfen keine (fotografischen) Grenzen...

"Fotos haben mich seit ich denken kann fasziniert."

So war das Jugendzimmer des gebürtigen

Wetzlarers voll tapeziert mit Actionsbildern der

Stars seiner sportlichen Aktivitäten aus Mountainbike,

BMX, Snowboard, was zunächst unbewusst

seinen Blick für die spätere Profession schulen

sollte.

Dann zunächst nur "angefixt" von der digitalen

Möglichkeit, per visuellem Sofort-Feedback die

Bewegungfehler bei Ausübung der eigenen Disziplinen

zu korrigieren, wurde eine neue Leidenschaft

im wahrsten Sinne des Wortes ausgelöst;

nämlich sich lichtbildnerisch mit den Sportmagazin-Autoren

einmal messen zu wollen.

Der anfänglich kritischen Distanz folgten alsbald

erste Veröffentlichungen in den nationalen Fachmagazinen.

Die Nachfrage auch von Sportausrüstern

und aus Aktivenkreisen erleichterten dann

2008 den Schritt in die Selbständigkeit. Die hier

gezeigten Beispiele seiner spezifischen Bildkunst

spiegeln die inzwischen herausragende Stellung

als Sportfotograf eindrucksvoll wider.

"Ich fordere viel von den Leuten vor meiner Kamera,

gebe dafür aber auch immer selbst 100%, um

das bestmögliche Resultat zu erzielen. Und das

Tolle daran ist, dass sich dieses Engagement linear

in den Fotos ausdrückt - eine unglaublich gerech-

THE BOYS WENT OUT - A KITBOARD ROADTRIP

In diesem Film zeigen Jan Schiegnitz, Christophe Tack, Henning

Sandström und viele andere herausragende Kiteboarder spektakuläre

Momente ihres Sports und geben einen tiefen Einblick in

das Szenario (s.a. jenshogenkamp.com/projects).

18 Bogart


Ringstraße 63 . 24114 Kiel

BOGART MEETS SPORTART

Kapstadt: Christophe Tack (World-Cup Kitesurfer)

Südafrika:

Silvester Ruckdaeschel

(Kitesurfer-Profi und

Foto-Model)

Innenstadt Kiel:

Jan Schiegnitz

(City-Surfer)

Mit dieser spritzigen

Illuminierung belegte

das Team um

Jens Hogenkamp

Platz zwei beim

ION Photo Award 2008,

einem innovativen

Fotowettbewerb unter

Wassersportlern.

Frankfurt/M.:

Marvin

für Creative

Bogart 19


CINEMA

115 Jahre Kino

Ein Streifzug durch die

Filmgeschichte (15)

So schloß Teil 14:

fokussiert von

Hans-Michael Kirstein

Stand der "Neue deutsche Film" und die mal

hintersinnig-subtile, mal düster-kraftvolle Beschreibung

menschlichen Mit- und Gegeneinanders

skandischer Leinwandproduktionen

zuletzt auf dem Programm, waren "Ost und

West" nicht minder cineastisch schaffensfroh.

Die Beziehung von Mensch zu Mensch,

aber auch das Verhältnis des Homo sapiens

zu seinem unmittelbar existenten wie

subjektiv vermuteten(!) Lebens-Raum waren

und sind die Säulen im filmischen Wirken

des in Polen geborenen Roman Polanski

(1933). Der zumeist international agierende

Beschwörer gebrochen-grimmiger, sehr

doppelbödiger Bilderwelten erreicht oft eine

stimmungsstarke, kompositionsdicht erzielte

Verunsicherung seiner Zuschauer; sind die

Erlebnisse seiner Protagonisten nur das Ergebnis

des halluzinatorischen Ausdrucks deren

seelischer Abnormität und Verformung

... ? Eine Reihe von Polanskis elementaren

Werken sind Repulsion (1964), Cul-De-Sac

(1965), Rosemory's Baby (1967), Chinatown

(1974; eine "Film-noir"-hafte Studie

des individuellen wie des sozialen Zerfalls)

oder Death And The Maiden (1995; Lynchjustiz

als Ausdruck individueller Desorientierung).

Mit Pirates (1986) drehte Polanski

eine "unheroische", demontierende Parodie

auf das "Swashbuckler"-Genre; die alten

Flynns und Lancasters, sie sind dem verkommenen

Schlawiner Captain Red (Walter

Matthau in einer Paraderolle) gewichen.

Roman Polanski beschwört

doppelbödige Filmwelten

Im postkommunistischen Osten sorgt der

Wegfall staatlichen Drucks dafür, daß sich

neue kreative Kräfte um eine ehrlichere Darstellung

des Lebens kümmern können; so in

der ehemaligen Sowjetunion W. Pitschul

1988 mit Kleine Vera, einer semidokumentarischen

Fixierung des Alltags Jugendlicher.

Eine verdichtende Reise durch den imageund

kommerzmäßig weltdominierenden US-

Film wird diese Beschreibung filmkünstlerischer

Facetten beenden: Jerry Lewis (1924)

spielte bis in die sechziger Jahre hinein den

debil-infantilen Typ in den kontrastscharf

modellierten Grotesken des ehemaligen

Comic- und Trickfilmzeichners Frank Tashlin

(1913-85) und das mittelstandsfrische Duo

Doris Day/Rock Hudson dominierte mildsatirische

Beziehungskampfkomödien.

Genreregisseur Henry Hathaway (1898 -

1985) gehörte wiederum auch in den 60ern

zu den Praktikern gehobener Unterhaltung.

Bereits debütierend in den Dreißigern, drehte

er in den 50er Jahren einen definitivern

Ritterfilm (Prince Vaillant, 1954 – nach dem

legendären Comic Strip von Hal Foster),

gab in den grimmigen "Film noir" Niagara

(1955) die betörende "Sirene" Marilyn

Monroe – in den 60ern schuf Hathaway

dann das nuancenreiche Westernepitaph

The Sons of Katie Elder (1965) und in True

Grit (1969) ironisierte er "Duke" Wayne als

verkommenes Westernschlachtroß.

Die gesellschaftlichen Perspektivenwechsel

jener Jahre (als grob aufgeschäumte

Stichworte seien hier Begriffe wie rassisch

begründete Bürgerrechtsbewegungen, Vietnamkrieg,

Kennedymord, Hippiebewegung,

Psychedelic, Rockmusik oder Charles

Manson notiert... ) erreichten natürlich auch

den primär eskapistischen, konsumorientierten

Hollywoodfilm jener Zeit (Ausnahmen

bestätigen die Regel... ). Außerdem erwuchs

aus der zunehmenden sozialen Ausdifferenzierung

der sogenannte Avantgardefilm zu

Die Gewaltigen

The War Wagon

Western (USA 1967)

Blu-ray / ca. 100 min

© 2013 UNIVERSUM FILM

völlig ungeahnten Höhen empor. Die Zeit

war reif für innovative und ästhetische Fragestellungen.

Der Popart-Multimedialist Andy Warhol

(1928-87) als alle Medienklaviaturen

bespielender, vermeintlicher Hofnarr,

war einer der bekanntesten Filmer des

antihollywood'schen Tuns – in keinem Fall

sollten aber auch bedeutsame Kreative wie

Kenneth Anger, Stan Brackhage, Gregory

Markopoulos, Jonas Mekas oder Michel

Snow vergessen werden. Das Wesen des

Avantgarde-/Undergroundfilms bestand vor

allem in der formalästhetischen Abkehr von

"traditionellem" Raum-/Zeitdeutungen, also

den üblichen Spielfilmdramaturgien. Antiillusionistische

Bild- und Tonumformungen

sowie eine intellektuell völlig subjektive (von

Filmfirmen und ihrer massenkompatiblen

"Politik" freie) Argumentationshaltung waren

die Säulen dieses filmischen Ausdrucks,

der auch durch technische Neuerungen

(Stichwort "Steadycam") begünstigt wurde.

Manche gewonnenen "Erfahrungen" flossen

aber sogleich in die Produktionen junger,

ambitionierter Filmemacher (John Boormann,

Robert Altman, Sam Peckinpah) mit

ein. Gerade Altman (1925) bleibt mit seinen

forciert kalkulierten Bild- und Tonmontagen

ein konsequent-konstanter Entlarver

In diesem actiongeladenen Western raufen sich John Wayne

und Kirk Douglas zusammen. Wayne ist als Rancher Taw

Jackson wild entschlossen, die eisengepanzerte Kutsche eines

Viehbarons (Bruce Cabot) zu kapern, der ein paar Jahre zuvor

sein Geld gestohlen und seinen guten Namen in den Schmutz

gezogen hat. Um seinen Plan auszuführen, sucht Jackson

Unterstützung bei einem alten Eigenbrötler (Keenan Wynn),

einem halbzivilisierten Indianer (Howard Keel) und einem

großspurigen Revolverhelden (Kirk Douglas). Der bunt

zusammengewürfelten Truppe gelingt das Unmögliche, als sie

eine halbe Million Dollar in Goldbarren in ihren Besitz bringt. Die

Musik stammt von Oscar®-Gewinner Dimitri Tiomkin.

20 Bogart

Das Mitmachmagazin


© 2013 Universal Studios

von Gesellschafts- und Geschichtsmythen in

Filmen wie Nashville (1975), Mash (1970),

Quintett (1978), The Player (1991) und

dem Modetorheiten desavouierenden Prêt-à-

Porter (1994).

Autorenfilmer in Hollywood -

Woody Allen, Robert Altmon

und Sam Peckinpah

Woody Allen (1935) ist der liebevoll zugetane

Satiriker metropolischer Macken

und Neurosen; seine Werke sind technisch

kompetente, von der narrativen Struktur her

oszillierende Vignetten aus Autobiographie

und karikierender Überspitzung. Als

Hauptwerke seien hier genannt: Annie Hall

(1977), Manhattan, (1978 – die Hymne

auf New York), Zelig (1982 – eine Studie

über Opportunismus und Medien), Hannah

and her Sisters (1986) sowie der Gangsterfilmmythen

ergötzlich parodierende Bullets

Over Broadway (1993).

Sam Peckinpah (1925-84) war nun der

archaische, verbitterte Rebell im System

Hollywooder Filmproduktion. Harsche, vieldiskutierte

Violenz, aber auch ein sicheres

Gespür für melancholische Stimmungsmalerei

sowie für nuancierte Charaktermodelle

und natürlich ein hochelaborierter Einsatz

filmischer Sprache (Zeitlupe, Zoom) gaben

seinen Filmen – oft "Endzeit"-Western

– Stil und unverwechselbares Typenprofil.

Zu seinen Vergänglichkeit und Identitätsverlust

markierenden Filmen gehören u.a.: The

Wild Bunch (1969), The Ballad Of Cable

Hogue (1970), Junior Bonner (1972) oder

von genialer Raum-Zeit-Montage geprägte

Krimi The Getaway (1973). Andere Regisseure

individueller Autorenschaft waren – sie

sind zum Teil heute noch tätig – Hal Ashby,

Peter Bogdanovich, Francis Ford Coppola,

Alan J. Pakula, Sidney Pollack, Martin Ritt

oder Martin Scorcese (1942; der mit Taxidriver

1975 das frostige Psychogramm eines

realitätsgestörten Vietnam-Veteranen

schuf).

„Macht ist das beste Alibi“

ARBITRAGE

im Vertrieb von Universum Film

Gordon Gekkos legendärer

Spruch „Gier ist gut“ wäre für

Robert Miller (Richard Gere) in

seiner Direktheit viel zu vulgär.

Er steht für eine Klasse, die ihre

Privilegien skrupellos nutzt und

nicht darüber spricht. Miller protzt nicht mit seinem

Reichtum, er verkörpert ihn. Der Hedgefonds-Manager

ist deutlich von Bernard Madoff inspiriert, aber statt auf

polemische Erregung zu setzen, zieht Regisseur Nicholas

Jarecki Bilanz. Und letztlich erzählt „Arbitrage“ ganz

direkt von der Sorte Finanziers, die bewusst betrügen -

im Wissen, dass sie immer davonkommen werden...

Mit Tim Roth als Detektiv, Susan Sarandon als Ehefrau,

Laetitia Casta als Geliebte sowie Brit Marling und Nate

Parker in den weitereren Rollen.

Als DVD, Blu-ray sowie als Video on Demand erhältlich!

Wie es mit

der Kinobewegung

weiterging,

lesen Sie in

der nächsten

Ausgabe.

Das komplette Skript

der ersten „100

Jahre Kino“ (s. Bild)

ist als 16seitige

illustrierte Broschüre

im Format 34 x 24 cm für 9 Euro bei mediaART, Lonystr. 19,

35390 Gießen erhältlich.

für Creative

Bogart 19


Kunst im Garten

YOKO ONO: HALF-A-WIND SHOW

5.Freigasse 27 · Rabenau-Londorf

Samstag, 15. und Sonntag, 16. Juni 2013

Pjervoj Ogonjok, Wieseck

Literatur und mehr

Luisa Junk, Fronhausen

Bildhauerin

Klaus Doppler, Ettingshausen

Airbrush-Design

Jürgen Wissner

Kinetische Plastiken

Peter Stein, Climbach

Acrylbilder

Erich Klein, (Gastgeber) Plastiken,

Acryl-, Öl- und Aquarellbilder

Tausende von ein- und mehrjährigen Blumen bilden die farbenprächtige Kulisse der Ausstellung, wie auch der weitläufige

„Wüstengarten“ mit über 120 Sorten (ca. 1500 Pflanzen) verschiedener Gattungen der Mittagsblumen-Stauden die Ambivalenz

von Muse und Muße kultiviert. – (Mehr über pflegeleichte sukkulenten Pflanzen: freigaesserwinkel.de!

© Reinhard Müller-Rode

Muse, Muße, Musik & Märchen

Die grüne Open-Air Galerie im alten Ortskern von Londorf

öffnet am dritten Juni-Wochenende wieder ihre Tore. Bilder,

Plastiken und Installationen von sechs ambitionierten

Kunstschaffenden

unterschiedlichster

Ausdrucksweisen

aus

dem heimischen

Raum (s. o.),

beschwingte

Musik und

beziehungsreiche

Märchen

erwarten

die

Besucher

in dem von

"unzähligen"

Blumen und

Pflanzen

übersäten

„Freigässer

Winkel“ bei

Erich und

Sigrid Klein.

Das Rahmenprogramm:

Samstag, 15. Juni, 16 – 17 Uhr

„Rabenjazz Quintett“ Jazz, Swing der 40er Jahre

Easy Listening Music mit "Fußwippgarantie" bei unbeschränkter Haf-

tung ist angesagt, wenn Stefan Blahowetz (Piano), Werner Dietz (Gitarre),

Artur Schulz (Kontrabass) Louis Phil Teitge (Schlagzeug) sowie

Kalle Pfeil (Altsaxophon) zu den Instrumenten greifen.

Sonntag, 16. Juni, 15 – 17 Uhr

Gartenmärchen trifft Musical

Nimm Platz im Garten Deiner Träume.....

TV-Moderatorin Michaele Scherenberg

(„Hessen a la carte“) hat für diese besonderen

Umegbung einige ihrer Lieblingsmärchen

zusammengestellt. Sie erzählt

ihre Märchen ganz und gar frei, liest nichts

ab, hat nichts auswendig gelernt. Umrahmt

werden die "Gartenmärchen" mit

Lieder über die Liebe (u.a. aus bekannten

Musicals) interpretiert den Scherenberg-

Töchtern Vanessa und Verena .

(www.märchengarten.com)

Eintritt an beiden Tagen frei!

Förderer des Kulturevents sind auch diesmal die Stiftung der Sparkasse

Grünberg, Bürgermeister Kurt Hillgärtner und die Gemeinde

Rabenau.

Erich Klein

"Vergänglichkeit"

22 Bogart


Mick Rock: David Bowie at Earl’s Court, May 1973

Exhibition print 463 x 347 mm © Mick Rock

Römerberg

GLAM!

THE PERFORMANCE OF STYLE

Di, Fr–So 10–19; Mi, Do–22 Uhr

14. Juni – 22. Sept. 2013

Karl Stoecker & Allen Jones: Amanda Lear (Siren), 1972-73

C-type crystal archive print on paper © Karl Stoecker

3STEPS

GALERIE

sehenswertes an Lahn und Main

Bleichstr. 35

Gießen

“EAST VS. WEST COAST”

Urban Street Photography of America

der Zwillinge Uwe H. Krieger & Kai H. Krieger

Fr., 28. Juni (Vernissage: 18 h)– 31. Aug. 2013

Die Glam-Bewegung der frühen 70er hatte ihren Ursprung

hatte die Bewegung u.a. in den Konzepten Andy Warhols

wie in der britischen Kunsthochschulszene, wo der Maler

und Grafiker Richard Hamilton mit der These, dass alle Kunst

gleichberechtigt sei, starken Einfluss auf seinen Schüler Bryan

Ferry ausübte. Dieser sollte als Kopf der Band Roxy Music zum

Inbegriff des absoluten Kunstprodukts des Glam werden, indem er

Avantgarde, Pop-Art, Art Déco, Camp-, Trash- und Kitschelemente

sowie klassischen Hollywood-Chic zu einer ultraartifiziellen Ästhetik

verband. Die Ausstellung in der Schirn zeigt erstmals den vielfältigen

Einfluss der Glam-Ära auf Film, Fotografie, Mode, Grafikdesign,

Performance- und Installationskunst, Malerei und Bildhauerei.

Neben rund 100 Werken von u. a. Guy Bourdin, Gilbert & George,

Peter Hujar, Ray Johnson, Allen Jones, Jürgen Klauke, Ed Paschke,

Sigmar Polke, Cindy Sherman und Ulay runden Fotografien von

Mick Rock und Karl Stoecker, Originalkostüme und umfangreiches

Dokumentationsmaterial die Ausstellung ab.

Ob Stylisten, Visagisten, Modedesigner wie Antony Price, Models

wie Gala und Amanda Lear oder Künstler wie David Hockney,

Derek Jarman, Peter Phillips, Duggie Fields und Andrew Logan

– sie alle prägten gemeinsam den neuen, eklektischen, gänzlich

postmodernen Stil.

„Glam! The Performance of Style“ wurde organisiert von der Tate

Liverpool in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt und

dem Lentos Kunstmuseum Linz.

Karl Stoecker: Bryan Ferry wearing stage costume

designed by Antony Price, 1973

C-type crystal archive print on paper

© Karl Stoecker

Cape Neddick Chevrolet Bel Air

NYC Times Square Police Call

Seit 2007 arbeiten die

Zwillinge gemeinsam an

ihrer „East vs. Westcoast“

Serie entlang der amerikanischen Ost- und

Westküste. Schwerpunkt der Ausstellung bilden

farbintensive Fotografien aus den beiden Metropolen

New York und San Francisco. In ihren Fotografien gefrieren

temporärere Gegebenheiten aus poppigen Farben, gedämpftem

Licht und zufälligen Ereignissen zu einem Stillleben urbaner Kultur.

Seit nunmehr 30 Jahren prägt die POSTER GALERIE mit seiner wechselnden Schaufensterauslage das Straßenbild in

Gießens Goethestraße malerisch mit. Inhaber Jens Koch animiert hier mit ex- und impressionistischen Blickfängen die

Vorbeigehenden immer wieder aufs Neue zur Auseinandersetzung mit traditonellen und zeitgenössichen Werken bekannter

und talentierter Bildschöpfer, aufmerksam "bewacht" von Jack-Russel-Terrier "Jerry". So sind in den Sommermonaten

neben seinen "Klassikern" auch aktuellen Arbeiten von Wadim Reis (s.S.6) platziert, der im GIRAMONDI kürzlich seine Premiere

feierte und auch hierorts bei "Fluss mit Flair" debütiert. - Mehr Klein- und Großkunst gibt es darüberhinaus im Ladenlokal zu

entdecken, wie auch professionelle Rahmungen und Reproduktionen auf FineArtPrint oder Leinwand ausgeführt werden.

Und das Gießener Mitmachmagazin für Creative BOGART git's hier auch!

für Creative

Bogart 23


POP CORNER

...und welcher "eitle Fatzke" steckt dahinter ?

Behind

the Song:

Carly Simon

"You're so Vain"...

Vor 41 Jahren schaffte die amerikanische

Sängerin und Songschreiberin Carly Simon

(*25. Juni 1945) ihren internationalen

Durchbruch mit dem Album „Secrets“ und

der davon ausgekoppelten Single „You're

So Vain“. Der Song begründete zugleich

eines der langlebigsten Geheimnisse der

Rock-Geschichte. Wer kennt nicht die eingängigen,

von Klaus Voormann gespielten

Bassläufe, die das Lied anstimmen? Wir

alle genießen noch heute das einsetzende

Piano und die klare Stimme Simons, die

von einem Mann singt, der ein eitler Gockel

sein muss, der sich für den Besten hält

und glaubt er sei der Nabel der Welt.

„Du denkst bestimmt, dieser Song ist über

dich? Nicht wahr?“, so eine Liedszeile. Es ist

eine Abrechnung mit jemandem, der Carly

Simon wohl sehr nahe stand. Sarkastisch

geschrieben, böse, vernichtend:

„You had me several years ago

When I was still quite naive

Well, you said that we made such a pretty pair

And that you would never leave

But you gave away the things you loved

And one of them was me

I had some dreams they were clouds in my coffee

Clouds in my coffee and

You're so vain“

Nach Erscheinen der Single und dem großem

Erfolg begannen Medien und Fans zu

fragen, wer denn dieser schreckliche Kerl

sein könnte, um den es hier geht. Bis heute

wird gerätselt, vermutet, geraten, verschworen,

denn es kursieren Namen über

Namen. Über die Jahre entstand eine erstaunlich

lange Liste von Prominenten und

Nicht-Prominenten, die alle in den Verdacht

gerieten, der aufgeblasene Fatzke zu

sein, von dem in diesem Song die Rede ist.

Erster in dieser Liste war Mick Jagger. Carly

Simon war bereits im Studio als Mick Jagger

das Gerücht hörte, Simon nehme einen

bösen Song über ihn auf. Ein Song über die

eitlen Eigenschaften des großen Rockstars

und Frauenhelden Jagger. Konnte das

stimmen? Mick Jagger fuhr in das Studio –

und ihm gefiel der Song. Er entschied sich

spontan mit zu singen. In der Tat, wenn

man genau hin hört, erkennt man Jaggers

Stimme im Refrain.

Carly Simon ließ ziemlich schnell wissen,

noch bevor der Titel 1972 erschien, er bezihe

sich nicht auf eine spezielle Person. Also

alles nur Erfindung? Künstlerische Freiheit?

Erst 1983, nachdem die Welt bereits über

zehn Jahre rätselte, verriet sie der Washington

Post: Es ist nicht Mick Jagger.

1989 gab Carly Simon bekannt, dass der

Song ein wenig Warren Beatty beschrieb,

einen der drei Männer aus ihren Zeiten in

Los Angeles. 2007 äußerte Beatty in einem

Interview: „Ja, der Song handelt über

mich!“ Bestätigt ist auch, dass Beatty Carly

Simon in einem Telefonat für diesen Song

dankte.

In „You're So Vain“ ist von einem aprikot

farbenen Schal die Rede, den der vermeintliche

Ex-Liebhaber trug. 2001 sagte Carly

Simon, dass der Schauspieler Nick Nolte

einen solchen Schal einst besaß. War es

also der eitle Nolte?

A, E und R

Im Laufe der Jahre heizte Carly Simon das

Spiel über die Suche nach dem geheimnisvollen

arroganten Widerling immer mehr

an, in dem sie Buchstaben nannte, die im

Namen des Betreffenden vorkämen: A, E

und R: Mick JAggER? _ WARREn BeAtty?

Bevor Carly Simon den Song schrieb, war

sie mit dem hoch dekorierten Singer-Songwriter

James Taylor verheiratet (1972-83).

Immer wieder bestätigte sie, dass er definitiv

NICHT derjenige sei, über den sie so

bitter her zog. – Die Presse brachte weitere

Namen ins Spiel: David Bowie, David

Cassidy, Cat Stevens...

2003 wurde das Rätselraten sogar zu einer

Geschäftsidee: Auf einer Benefiz-Auktion

wurde das Recht versteigert, den wirklichen

Namen zu erfahren. Für 50.000 US$ ersteigerte

der Präsident von NBC Sports, Dick

Ebersol, die wahre Identität des "Übeltäters".

Carly Simon trat in Ebersols Haus auf,

sang den Song und flüsterte anschließend

den wirklichen Namen in Ebersols Ohr.

Leider war mit dem „Erwerb des Namens“

nicht das Recht verbunden den Namen zu

veröffentlichen. Ebersol schweigt sich bis

heute darüber aus. Den einzigen Hinweis

den er gab: Der Buchstabe E kommt in

dem Namen vor. Was für eine Neuigkeit!

Das wusste die Welt bereits.

2005 sagte Simons Ex-Mann Jim Hart

(1987-2007), dass er sicher sei, das der betreffende

Mann kein Prominenter ist.

Im November 2009 war Carly Simon zu

Gast in der Radio-Sendung WNYC's Soundtrack

und verriet, dass in einer frühen Version,

einer alten Aufnahme, zu hören ist, wie

sie den Namen des Betreffenden flüstert.

Am nächsten Tag fand die Radio-Crew des

Senders etwas anderes heraus: Rückwärts

gespielt erkennt man in dem Song ein

geflüstertes „ovid“, dass sich wie „David“

anhöre. Aha!! Der Beschuldigte ist also ein

David! Es kam der Name David Geffen ins

Spiel, der berüchtigte Platten-Produzent.

Das konnte aber nicht stimmen, denn Carly

Simon lernte David Geffen erst nach der

Entstehung des Liedes kennen.

Um die Verwirrung noch größer zu machen,

erzählte Carly Simon, dass der Mann

des Songs „You're So Vain“ sich eigentlich

aus drei verschiedenen Männern zusammensetze,

sozusagen eine Mischung aus

drei eitlen Herren sei, die die "arme Frau"

so gequält hatten.

Heute wissen wir noch immer nicht wer

es denn nun wirklich war, den Carly Simon

mit diesem Song unsterblich machte. Wollen

wir es denn wissen? Ist es nicht besser,

es bleibt ein Geheimnis und wir können

immer wieder darüber spekulieren? Wer

trägt die Buchstaben A, E und R in seinem

Namen?

Sascha AlExandeR Wanke, der Autor dieses

Beitrages: "Ich war bei Erscheinen von

You're So Vain ein Jahr alt, hatte nie persönlichen

Kontakt mit Carly Simon, also

denken Sie nicht mal daran..."

Sascha A. Wanke

Anmerkungen:

Das Album Never been gone, das Neuinterpretationen

früherer Erfolge sowie einen

bis dato unveröffentlichten Song enthielt,

war 2009 Carly Simon's vorerst letzte Einspielung

nach ihrer von Krankheiten unterbrochenen

Karriere, die 1989 mit der

OSCAR-Verleihung in der Kategorie "Bester

Song" (Let the River Run / 1988) aus dem

Film Die Waffen der Frauen einen weiteren

Höhepunkt erlebte.

Eine Coverversion ihres topfrischen Evergreens

You're so Vain stellte u.a. einst Roland

Kaiser unter dem Titel So bist Du vor.

24 BOGART

Das Mitmachmagazin


Werkstatt Ogonjok

LAND ART POETRY

von Anna Isdath

Artenschutz für Poesie und Lyrik in Reinkultur pflegt die

Wiesecker Wort- und Reim-Werkstatt Ogonjok auf immer

wieder anschaulich naturnahe Weise (u.a. Bücherschirm,

Stock und Hut, Kulturlaterne). Das ausgegrabene Gedankengut

längst vergessen geglaubter Philosophen unterschiedlicher

Provenienzen ist stets kreativ verpackt und lässt an unterschiedlichsten

Stätten den Hauch dichterischer Freiheit tief

einatmen. – Neues Sae- und Sehgut aus

überlieferten Ton- bzw. Schriftstücken

von Anna Isdath (*1969 in Haifa) sind

aktuell in mittelhessischen Landen

platziert, sorgen aber auch daheim

in den illustrierten Bänden Das Lied

von der ersten Erde (als Rockoper

1980 aufgeführt) und Die Brille für

den ersten Blick – philosophische

Zaubersprüche für den Eintritt in

die Gegenwart für expressive literarische

Seitensprünge.

edition-ogonjok.de

GIESSENer Tenöre treffen sich am Stadttheater,

im Botanischen Garten, am KIZ, in den Cafés des

Paris und Giramondi, am Alten Friedhof, am Röntgen-

Grab, im Klatschmohn sowie auf der BOGART-Parzelle.

Außerdem: GRÜNBERG, LONDORF, ALLENDORF,

ARNSBURG, LAUBACH, MARBURG, LICH

LICHte Momente erleben poetische Schatzsucher

hier: Schlossgasse, Dammann Augenoptik, Schlosshof,

Licher Naturkostecke, Kreisvolkshochschule, Kino Traumstern,

Hofapotheke, Stadtbücherei

für Creative Bogart 25


Culture & Art to Go

Bringen Sie zur Finanzierung Ihres Creativ-Projektes

risikolos Freunde und Gönner zum Schwärmen

Nachdem

u.a. auch "ZEIT-online" am 14. Mai mit einer

Fotostrecke für die Realisierung seines Bildbandes

kräftig gerockt hat, sehen PAULS "Supertollen und

Petticoats" dem Budgetziel hoffnungsvoll entgegen.

Das bis dato größte Crowdfunding

(Schwarmfinanzierungs-)-Projekt in

Deutschland startete BRAINPOOL Ende

2011. Für den geplanten Film zur TV-Serie

Stromberg sammelte das Unternehmen

bereits innerhalb einer Woche die benötige

Summe von einer Million Euro aus der

Community ein.

Besonders für künstlerische und kreative

Projekte sind dafür geschaffenen kostenlosen

Plattformen (z.B. indiegogo, Kickstarter,

Startnet) von hohem Interesse, da

die Unterstützer schon mit kleinen Beiträgen

die Realisierung verwirklichen helfen

können. Sei es aus idealistischem Spaß an

der Sache oder aber auch angereizt durch

Gegenleistungen (Perks), die ihnen Teilhabe

daran gewähren. So erwarben die Mitfinanzierer

des off-Roadmovies "Hatschi

Madame – sorry Monsieur" zu der vorverkauften

Eintrittskarte auch noch einen

Platz im Abspann.

* Stand: 20.5.13

BOGART goes ROCKABILLY

Für die noch bis 21. Juni ausgeschriebene

Kampagne zur Druckherstellung seines

exclusiv und impressiv gestalteten 96seitigen

Bildbandes über die kultigen japanischen

Rockabillies im Tokyoer Yoyogi-Park

benötig der Hamburger Fotoprofi PAUL

insgesamt *7.500,- Euro, die mit differenzierten

Anreizen für potentielle Supporter

verbunden sind. Mit einem namentlich via

FACEBOOK verknüpften "BIG Thank You"

für 5 Euro über Postenkartensets (10 €)

und Mini-Poster (15 €) bis hin zum Hauptwerk

(30 €) sollen die Spender für das

hehre Publikationsziel motiviert werden.

Für den "ganz großen Schub" ist das "BIG

Logo Special" (1500 €) gedacht, das neben

Extras das Markenzeichen des Förderers

im Buch "Tokyo Rockabilly Club" enthält.

Einen vielbeachteten Vorgeschmack

auf die wohl einzigARTige Hommage an

dieses Subculture-Genres konnte neben

Szene-Magazinen auch BOGART in der

Ausgabe 3 bieten, wofür sich der Verlag

per indiegogo mit einem "kleinen Dankeschön"

erkenntlich zeigte und auf Nachahmer

aus seiner Szene setzt.

Der Zweck heiligt die Mittel

Übrigens, der eingesammelte Betrag wird

garantiert zweckgebunden verwendet und

bei Nichterreichen der angestrebten Summe

erhalten die Crowdfunder ihr Geld

frank und frei zurück.

Indiegogo und Co. bieten somit eine risokolose

Option, einerseits die Nachfrage für

eigene creative Idee zu überprüfen, um sie

eben bei breiter pekuniärer Zustimmung

zur Marktreife zu führen.

Let's go Indiegogo!

Das Mitmachmagazin


MIT GIZMORIAN DURCH DIE JAHRESZEITEN

© GIZMORIAN: Come to the safe side (2008 digital) gizmorian.com

MO DI MI DO FR SA SO MO DI MI DO FR SA SO MO DI MI DO FR SA SO MO DI MI DO FR SA SO MO DI MI DO FR SA SO

JUNI 2013 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

JULI 2013 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

AUG. 2013 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

für Creative

Bogart 27


COMIC & CARTOON

Wenn ich mich so umsehe,

hier sind nur redliche

Leute unterwegs...

SUPERCHATTER ( 1 )

❢ ❢❢


❢❢ ❢

SUPPENMAN

Tja, in Gießen

scheint die

Welt

noch in

Ordnung!

»l feels turrible, orficer.

This´ll ruin me repitation«,

sagte einst der

disproportionierte und

knarzige »Spinatmatrose«

Popeye in einer

fatalen Situation. Nun,

er war der Hauptdarsteller

einer klassischen

Comic-Serie und dies bedeutet heutzutage

alles andere, als angeschlagen im sozialen

Schatten zu stehen. Die Comics, ein bisher

an Druck und Papier gebundenes, kulturelles

Phänomen, das Geschichten in Bildern und

Bildsequenzen erzählt, sind ein moderner

und vielgestaltiger Ausdruckskanal mit großer

Vergangenheit, schillernder Gegenwart

und möglicher Zukunft. Das Anliegen dieser

Serie ist es, die ungeheure formale und thematische

Vielfalt des Bildgeschichtenkosmos

aus kunsthistorischem und soziokulturellem

Focus heraus, konzentriert aufzuzeigen.

Mit diesen Vorworten stimmte die Gießener

Institution für derart komplexe Unterfangen,

der Autor und Illustrator einschlägiger Alben*,

Hans-Michael Kirstein, das erwartungsfreudige

Publikum auf seinen Diavortag im Oberhessischen

Museum zum Thema "100 Jahre Comics"

ein. Daraus entwickelte mediaARTgiessen für

ihr damaliges Kulturprojekt COLLAGE eine

großformatige, 8seitige Schrift mit zahlreichen

historischen Abbildungen. In den BOGART-

Folgeausgaben wird diese in der Fachwelt

vielzitierte Dokumtation "Von Altamira bis Entenhausen

– Comics: Erscheinungsbilder einer

populären Kunstform" in aktualisierter Fassung

die Helden der eigenen Kindheit und Jugend

wieder aufleben lassen. Ungeduldige können

SPLASHSH

MAN

LAGA

2014

Guckt mal, die schieben

sogar ihre

Fahrräder

in der Fußgängerzone!!!

MAYOR

WOMAN

das 1995 für eine Schutzgebühr von 3DMark50

herausgebene Magzin (s. l.) für jetzt € 1,75

erwerben.

*Comicband- und Buchveröffentlichungen:

Kirstein/Häring:

„Derryclare“;

BOGART, Gießen, 2010

Hermann/Kirstein:

„Das ausschweifende Leben des Nylonmanns“;

Splitter Verlag, 2011

(aus dem französischen LA VIE EXAGÉRÉE DE L‘HOMME NYLON

© EDITIONS DU LOMBARD / Dargaud-Lombard, 2007

Kirstein:

„Das sieht Dir ähnlich!“ – Facetten des Portraits1

BOGART, Gießen, 2011

Kirstein/Müller-Rode:

Illugraphische Manga-Parodie „Li‘l Sushi Goes Yokohama...“

BOGART, Gießen, 2011

Kirstein:

Schamlos ...oder: Die illustrierte Leibhaftigkeit

BOGART, Gießen, 2013

BOGART-

BUBBLE

Die "Sprechblasen" unseres verheis

verheissungsvollen

SUPERGAUCK (s. Nrn.

11-15) sind an dieser Stelle nun

verplatzt. Mit ihrem ersten Auftritt personalisieren

und verbalisieren ab jetzt die

SUPERCHATTER in der BOGART-BUBBLE,

was hierzulande und speziell ganz nah vor

Ort die Menschen so umtreibt.

Dem schon in vielfachen Charakteren

agierenden Gießener Kulttrio wurde von

Zeichner Wadim Reis ein lokalcoloriertes

Outfi t angepasst, und drängt sie aus der

statischen Beobachterrolle im Zentrum

der Stadt ganz nach den amerikanischen

Vorbildern* in eine aktive "Kümmerer"-

funktion, um Gut vor Böse zu bewahren.

Die Assoziation der "Law and Order"-

Vertreter Suppenman, Splashman und

Mayor Woman mit "Localheroes" ist keineswegs

zufällig und interpretiert deren

experimentierfreudiges Engagement für

ein soziales Miteinander...

*Die Gerechtigkeitsliga (Justice League) begründete

sich 1960 in "The Brave and the Bold"

(Band 28) von DC Comics. Das vielköpfi ge

Superheldenteam erlebte in den späten

1990ern eine Wiederbelebung mit u.a. auch

Superman, Batman sowie Wonder Woman

und bilden auch heute noch spektakulären

Lese- und Kinostoff vom stets "faszinierenden"

Kampf der edlen Bewahrer gegen die machtgierigen

Störer des Weltfriedens – im Großen

wie im Kleinen...

Szenario: Wadim Reis

Text: R. Müller-Rode

Wow, Schwein gehabt!

Mit der Justice League

ist nämlich nicht zu spaßen...

.

28 Bogart

Das Mitmachmagazin


Sukkubus

Eanna (Band 3 von 4)

Hardcover, 48 S., € 13,80

Autor: Thomas Mosdi

Zeichner: Acciarino

Millennium-Trilogie

i i

Verblendung (Band 1/2 von 6)

Hardcover, 64 S., € 14,80

Stieg Larssons atemberaubende e

schwedische Bestseller-Trilogie e

wird hier in der Comic-Ad--

aption von Sylvain Runberg (Text) und José Homs

(Zeichnungen) in spektakulären Bildern neu erzählt:

Der Journalist Mikael Blomkvist wird von einem alten, zurückgezogen

lebenden Konzernchef engagiert, um im Fall seiner 1966 verschwundenen

Großnichte zu ermitteln. Blomkvist wird bei seinen Recherchen

von der Punkerin und Top-Hackerin Lisbeth Salander unterstützt, die

eine Menge emotionalen Ballast mit sich herumschleppt. Gemeinsam m

stoßen die beiden auf eine grauenhafte Mordserie, die bis in die Gegenwart

reicht…

Seit Anbeginn

der Zeit beeinflussen

Sukkuben heimlich

den Lauf

der Geschichte.

Im Schatten der

Großen dieser

Welt arbeiten sie

mittels eines umfassenden

Plans

auf verborgene

Ziele hin… Doch

sind sie wirklich

diese legendären

Monster, weibliche

Dämonen,

die einen Mann

im Schlaf heimsuchen,

um ihn zu

verführen und unter

ihre Kontrolle

zu bringen?

18.07. - 03.11.2013:

Rattelschneck wird 100!

- Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17

AUSSTELLUNGEN:

F. W. Bernstein

bis 7. Juli 2013

Neue Frankfurter Schule 2013

bis Anfang Januar 2014

Erich SOKOL

Eröffnung: 17. Juli 2013, 18 Uhr

18. Juli bis 3. November 2013

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr,

Mittwoch 10–21 Uhr

www.caricatura‐museum.de

Rattelschneck ist ein meisterhaftes

Zeichnerdoppel, bestehend

aus Marcus Weimer, 1963 in München

geboren, und Olav Westphalen,

1963 in Hamburg geboren,

berühmt für absonderliche Cartoons

und famose Bildergeschichten

der ganz eigenen Art. Dieses

Jahr wird Rattelschneck 100 Jahre

alt – das muss gefeiert werden!

Über ihr Programm sagen sie

selbst: „Rattelschneck ist keine

Person, sondern ein Kollektiv; gegründet

als utopisches Projekt.“

Rattelschneck heißt seit ca. 1984

Rattelschneck. Seitdem hat Rattelschneck

acht Bücher und seine

Zeichnungen in zahlreichen Zeitungen

und Zeitschriften veröffentlicht,

z.B.: Titanic, 11 Freunde,

taz, FAZ, SZ, Die Zeit. Gegenwärtig

lebt Rattelschneck in Berlin und

gleichzeitig in Stockholm.

Ausstellungseröffnung ist am

Mittwoch, 17. Juli 2013 um 18 Uhr.

für Creative

Bogart 29


COMIC & Cartoon

ZARTER ZAHNARZT,

BÄRBEISSIGER BARKKEEPER

Miura ist ein ernsthafter und äußerst gewissenhafter Zahnarzt. Da ist es nicht

verwunderlich, dass er den rauen Barkeeper Watabe aus der Kneipe gegenüber

und dessen loses Mundwerk nicht ausstehen

kann! – Eines Tages jedoch steigt Miura auf

Watabes Herausforderung ein... und trinkt viel

zu viel! Sturzbetrunken ist er auf Watabes Hilfe

angewiesen, und erntet dann auch noch einen

Kuss von Ihm... Der Beginn einer Lovebattles

der besonders heißen Art!

AWESOME DARLING (ab 16 Jahre)

Autorin: Nase Yamaton (178 S.; 7 €)

www. manganet.de

Anmerkung für Manga-Newcomer:

Die Zielgruppe in dem hier vorgestellten Album, das

dem Genre "Shōnen Ai" (Boys' Love) entspringt,

ist nicht entgegen vielfach fälschlicher westeuropäischer

Annahmen das männliche Geschlecht, sondern

Mädchen und Frauen. In den Geschichten stehen

Emotionen und Entwicklung zwischenmenschlicher

Beziehungen im Mittelpunkt, die ganz ohne "Vordergründigkeiten"

illustriert sind. So wird mit dem Thema "Jungenliebe"

u.a. japanischer Mentalität entsprochen, nach der Leserinnen und Autorinnen

ihre "anerzogene" Scheu vor erotischen Darstellungen von Mann und Frau umgehen

können. Und noch eines: Klassische Mangas werden von hinten nach vorn gelesen...

"JUNGE, KOMM BALD WIEDER!"

An den "Tollen Tagen" in seiner Ludwigstraßen-Hochburg

RITZI'S noch in ansteckender

Feierlaune, gilt es für den Gießener Unterhaltungskünstler

Hansi Ahlborn aktuell,

sich auf dem klinischen "Schlachtfeld" zu

behaupten. Wie hier der "Punk" ab geht, bekam

der Sunnyboy hautnah mit spitzer Klinge

zu spüren. Und mit Sicherheit wird ihm

dabei kein tröstender Titel aus dem "Herz-

Schmerz"-

Repertoire

s e i n e r

Schlagerfavoriten

eingefallen

sein...

Lebensgefährtin

Nanny und

Sohn Nils nebst seiner großen Fangemeinde

warten inzwischen sehnsüchtig am "Szenehafen",

dass sein Schiff recht bald wieder

hier ankert, um ähnlich wie bei der vorläufigen

"Abschiedsparty" statt Sentimal-Songs

heurige Willkommenslieder anzustimmen.

Goethe - Sammelband

Zum Sehen geboren / Zum Schauen bestellt

Friedemann Bedürftig (Text), Christoph Kirsch, Thomas von

Kummant und Benjamin von Eckartsberg (Zeichnungen)

Hardcover, 112 S.; 14 €

"...außerdem

finde ich diese

Stadt hässlich!",

ist das wenig

nachbarstadtfreundliche

Zitat des Dichterfürsten

über Wetzlar, wohin der besorgte Vater

den jungen Anwalt zur weiteren

Ausbildung ans Reichskammergericht

schickte. So gab es hier auch im Frühling

1772 kein Happy-End in seiner Zuneigung

zu Charlotte Buff, wonach "Die

Leiden des jungen Werthers" mit Freitod

des Protagonisten zum Ausdruck

stellvertretender Befindlichkeit wurden.

Die Comic-Biographie über Johann

Wolfgang von Goethe wurde zusammen

mit dem deutschen Goethe Institut

realisiert, um den bedeutendsten

deutschen Poeten, Lyriker und Dramatiker

in einer modernen, unterhaltsamen

und auch menschlichen authentischen

Form nahezubringen. Autor Friedemann

Bedürftig und die beiden Künstler Christoph

Kirsch und Thomas von Kummant

transportieren eindrucksvoll Leben und

Werk des Frankfurter Weltenbürgers in

das Medium der reich illustrierten grafischen

Erzählung, die durch Zeittafeln

und repräsentative Werkproben angereichert

wird.

30 Bogart

Das Mitmachmagazin


THE BATTLE OF THE DJ S (2)

für Creative

Bogart 27


aus "Li‘l Sushi goes Yokohama......because Alice is out of town!"(Manga-Obscura mit Iillugraphischen h Japanerien von

Reinhard ih Müller-Rode (i (Pics/Digs) i und Hans-Michael ih Kirstein i (Inks/Story); k/ 24 S., Hardcover, 20x30 cm; € 29 90 /Edition /dii BOGART)

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