LIZEI EIN ARTNER - bei Polizeifeste.de

polizeifeste.de

LIZEI EIN ARTNER - bei Polizeifeste.de

koeln09 09.04.2009 10:19 Uhr Seite 1

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LIZEI

EIN

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Kreisgruppe Köln und

Kunst am Waidmarkt e. V.

Gewerkschaft der Polizei

ARTNER

Politisches Kabarett von Feinsten

mit Wilfried Schmickler

Bord-Polizeifest

28. April 2009


koeln09 09.04.2009 10:19 Uhr Seite 1

www.VDPolizei.de

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Köln und

Kunst am Waidmarkt e. V.

28.04.2009

20.00 Uhr

Anlegestelle unterhalb

der Bastei in Köln

Konrad-Adenauer-Ufer

MS Siebengebirge

Impressum

Verantwortlich für den redaktionellen Teil:

Friedhelm Kramp, Köln

Fotos: Die Verfasser

www.photocase.com

Nachdruck des redaktionellen Teils nur nach

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© 2009

08/2009/04

VERLAG DEUTSCHE POLIZEILITERATUR GMBH

Anzeigenverwaltung

Bord-Polizeifest

mit

Wilfried Schmickler

Grußwort

Programm

Artikel

Danksagung

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Grußwort

Wir wünschen gute Unterhaltung,

viele interessante

Gespräche und

damit insgesamt einen

vergnüglichen Abend.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe

Gäste,

man will es kaum glauben – aber seit unserem

letzten Bord-Polizeifest ist schon wieder

fast ein ganzes Jahr vergangen. Höchste

Zeit also für einen entspannten Abend,

der wieder in der Zusammenarbeit der

Kreisgruppe Köln der Gewerkschaft der

Polizei und dem Verein „Kunst am Waidmarkt“

organisiert wurde. Willkommen

an Bord!

Wir wünschen gute Unterhaltung, viele

interessante Gespräche und damit insgesamt

einen vergnüglichen Abend. Ein

Garant dafür ist allein schon Wilfried

Schmickler, der in diesem Jahr den Deutschen

Kleinkunstpreis in der Sparte

„Kabarett“ erhalten hat. Wir freuen uns

sehr, ihn heute Abend live bei uns erleben

zu dürfen.

Natürlich werden wir auch dieses Jahr

wieder attraktive Tombolapreise verlosen.

Deshalb: Eintrittskarte wegen der dort aufgedruckten

Ziehungsnummer zumindest

bis zur Verlosung aufbewahren!

Unser besonderer Dank gilt den Sponsoren

der Veranstaltung, den Inserenten, die

zum Entstehen dieser Festschrift beigetragen

haben und den vielen hilfreichen Menschen

der GdP und des Vereins Kunst am

Waidmarkt, ohne die ein solcher Abend

nicht zu gestalten wäre.

Eine kurze Nachricht noch in eigener

Sache. Unser langjähriger GdP-Vorsitzender

Andreas Kossiski hat uns vor knapp

zwei Monaten verlassen. Der Grund ist

nicht nur für ihn sondern für die gesamte

GdP eine große Ehre: Andreas wurde

hauptamtlicher Vorsitzender des DGB-

Kreises in der Region Köln – Leverkusen

– Rhein-Erft-Kreis und Rheinisch-Bergischer

Kreis.

Nun aber wünschen wir allen einen angenehmen

Abend an Bord, bei bester Stimmung

und guter kölscher Laune.

Jörg Jansen (GdP)

Uwe Steen (Kunst am Waidmarkt)

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Programm

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Köln und

Kunst am Waidmarkt e. V.

Programm

Die Gewerkschaft der Polizei,

Kreisgruppe Köln und

Kunst am Waidmarkt e. V.

begrüßen alle Gäste der heutigen

Veranstaltung auf der MS Siebengebirge

Politisches Kabarett vom Feinsten

WILFRIED SCHMICKLER

Träger des Deutschen Kleinkunstpreises

2009, präsentiert aus seinem Programm

„Es war nicht alles schlecht“

TOMBOLA

mit attraktiven Preisen

– Verlosung unter allen Gästen anhand der

Nummerierung der Eintrittskarte –

Schiffsabfahrt:

Dienstag, den 28. April 2009, 20.00 Uhr

ab der Anlegestelle unterhalb der Bastei Köln

Einlass ab 19.30 Uhr

Wir wünschen allen Besuchern

des heutigen Bord-Polizeifest

frohe Stunden in beschwingter

und heiterer Atmosphäre.

Schiffsankunft:

Ca. 23.00 Uhr, Anlegestelle unterhalb der

Bastei Köln

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Programm

Programm

WILFRIED SCHMICKLER

„Es war nicht alles schlecht“

– Politisches Kabarett vom Feinsten –

Mit Wilfried Schmickler präsentieren wir den diesjährigen Preisträger des

Deutschen Kleinkunstpreises in der Sparte „Kabarett“. Der vom Mainzer Forum-Theater

unterhaus verliehene Deutsche Kleinkunstpreis gilt als die bedeutendste

Auszeichnung, die im deutschsprachigen Raum jährlich in den

Sparten Kabarett, Chanson/Musik/Lied und Kleinkunst vergeben wird.

Damit zeichnete die Jury einen politischen Kabarettisten aus, der mit ungeheurer

Wucht wie mit dem

Beil das Publikum spaltet,

weil er gnadenlos die politische

Klasse richtet. Seine

Wut ist echt, seine Fähigkeit,

sie in Worte zu fassen, von

subtiler Perfidie. Als Überzeugungstäter

einfach überzeugend.

Drei Jahrzehnte ist Wilfried

Schmickler bereits auf Kabarett-Tour

durch Deutschland.

Seit 1992 gehört er zum

Stammpersonal der „Mitternachtsspitzen“.

Regelmäßig

ist er auf WDR 2 und WDR 5

zu hören, wie er auch ständiger

Gast in allen deutschen

Kabarett-Sendungen ist und

seine bisherigen Solo-Programme

mehrfach in Fernsehen

und Radio gesendet

wurden.

Pünktlich zum 30jährigen

Bühnenjubiläum präsentiert

er nun sein viertes Solo-Programm

mit dem Titel „Es war

nicht alles schlecht“.

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Karin Lange

Migration

MIGRATION

Heute noch ist der Weg zum gemeinsamen Asyl- und Einwanderungsrecht

der EU weit. In Deutschland und in der „Festung Europa“ gibt es durchaus

Zugänge für eine große Zahl von erwünschten oder doch tolerierten

Migranten. Zugleich gibt es auch den Ausschluss einer um ein Vielfaches

größeren Zahl von unerwünschten Migranten.

Als Kehrseite der Abschottung Deutschlands

und Europas gegen unerwünschte

Zuwanderungen haben sich im Grenzfeld

zwischen Legalität, Illegalität und Kriminalität

neue Zuwanderungs- und Aufenthaltsformen

etabliert. Grenzschutzbehörden,

Polizei und Nachrichtendienste

kooperieren immer dichter, vor allem

wenn es um die Beobachtung, Kontrolle

und Abwehr von organisierter illegaler

Migration geht. Die „nassen“ Grenzen

Europas werden zu Wasser und aus der

Luft überwacht. An den „trockenen“ Grenzen

im Osten der EU ist ein neuer, elektronisch

hochgerüsteter Endpunkt/ eine

Hauptgrenze errichtet worden, der/die

mit der EU-Erweiterung 2004 nach Osten

vorrückt: Mit dem Beitritt Polens zur EU

wird die circa 1.200 km lange Grenze

Polens zu seinen östlichen Nachbarstaaten

Weißrussland, Ukraine und zu der russischen

Enklave Kaliningrad Teil der europäischen

Ostgrenze. Zu deren Sicherung

gegen illegale Einwanderung, Menschenschleusung,

Menschenhandel und

Schmuggelaktivitäten werden die internationale

Kooperation der Grenzschutzbehörden

zunehmend intensiviert und die

Grenzkontrollen entscheidend verschärft.

Illegale Zuwanderungswege

nach Deutschland

Wie dem Namen zu entnehmen ist, gibt

es eine Differenzierung zwischen legaler

und illegaler Zuwanderung. Im Folgenden

geht es um die illegitime Zuwanderung.

Unter die Bezeichnung Illegale zählen

Ausländer, die sich unberechtigt in

Deutschland aufhalten. Für die Bundesrepublik

lassen sich drei Haupteinstiegswege

in die aufenthaltsrechtliche Illegalität

unterscheiden:

Erstens: Illegalität durch einen gesetzwidrigen

Grenzüberschritt. In den meisten Fällen

erfolgt dieser über die sogenannten

„grünen“ und „blauen“ Grenzen sowie

versteckt in Hohlräumen von Pkws, Lkws,

Bussen, Güter- und Personenzügen sowie

Flugzeugen. In zunehmendem Maße

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Karin Lange

Migration

erfolgt diese Variante durch Schleuserbanden,

die spezialisiert auf den Menschenschmuggel

sind.

Es wird immer wieder von den armen illegalen

Arbeitsemigranten gesprochen, die

sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen

möchten und sich aus ihrer erdrückenden

Armut befreien wollen. Es stellt

sich die Frage, ob diese Emigranten wirklich

so arm sind Für Einschleusungen

werden mittlerweile Preise in einer Höhe

von 30.000 US-Dollar verlangt. In der Regel

verkaufen die Emigranten ihr gesamtes

Hab und Gut, um die Schleuser zu finanzieren.

In ihren Herkunftsländern zählen

diese Emigranten nicht zur Unterschicht,

sondern gehören meistens der Mittelschicht

an.

Zweitens: Illegalität durch eine scheinlegale

Einreise. Mittels gefälschter Papiere

erfolgt die Einreise der betreffenden Personen

scheinbar legal. Gefolgt vom illegalen

Inlandsaufenthalt oder illegaler

Arbeitsaufnahmen, unangemeldet oder

registriert aufgrund gefälschter Papiere.

Meistens operieren in diesem Bereich international

organisierte, oft über die Netze

der Mafia verbundene Schlepperorganisationen,

die die Hauptprofiteure der

Abgrenzung Europas gegen unerwünschte

Zuwanderungen sind. Fließende Grenzen

gibt es hier zum illegalen Kontakthandel,

zu modernen Formen der Schuldknechtschaft

und zum Menschenhandel

als international organisiertes Kapitalverbrechen,

zum Beispiel in Gestalt des Frauenhandels

in Europa. Diese Kapitalverbrechen

stehen häufig in Überschneidung mit

einschlägigen Vermittlungsgeschäften.

Drittens: Die wichtigste Erscheinungsform

der Illegalität beginnt mit der legalen Einreise

von Männern und Frauen, zum Beispiel

als Touristen, als Saisonbeschäftigte,

als Geschäftsreisende, Asylsuchende oder

Flüchtlinge. Die Illegalität beginnt mit der

Arbeitsaufnahme ohne Arbeitserlaubnis

und mit dem Überschreiten der Aufenthaltsfrist.

Oder sie beginnt mit dem Abtauchen

des Asylgesuchs, der Anreiseaufforderung

oder der Ankündigung von aufenthaltsbeendenden

Maßnahmen, gemeinhin

„Abschiebung“ genannt.

Eine konsequente Bekämpfung der Illegalität

würde innerhalb des Dienstleistungssektors

zu folgenschweren Einbrüchen

führen und in der Praxis auf jeden Fall

mehr Staat, mehr Polizei, mehr Kontrollen,

mehr Befugnisse für Polizei und

Behörden, ebenso mehr Bürokratie bedeuten.

Man erhält den Eindruck, sofern man

das Wesentliche aus dieser Aussage

herausfiltert, dass der Dienstleistungssektor

ohne illegale Arbeiter nicht mehr bestehen

könnte und sie deshalb wiederum notwendig

und legitim für unsere Wirtschaft

sind. Die Realität stellt sich jedoch anders

dar. Einerseits kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung,

die durch die illegalen

Arbeiter verursacht wird, denn immerhin

genießen Betriebe mit solchen Personen

Kostenvorteile gegenüber anderen

Betrieben. Außerdem kommt es zum

„Lohn- und Sozialdumping“, weil die illegalen

Arbeiter für wesentlich niedrigere

Löhne arbeiten, im Vergleich zu den Einheimischen.

Der wirtschaftliche Schaden

für den Staat und die Sicherheitssysteme

sollte dabei nicht unterschätzt werden. Der

Finanzverlust beläuft sich jährlich auf über

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Karin Lange

Migration

364 Milliarden EURO, dabei

werden alleine über 36 Milliarden

von schwarzarbeitenden

Ausländern verursacht.

Tatsache ist, dass für diese

Arbeitskräfte keine Sozialabgaben

entrichtet werden. Einnahmebußen

beim Sozialversicherungsträger

sind die

Folge. Weiterhin entgehen

dem Staat Einnahmen aus

der Lohn- und Einkommenssteuer.

Das generelle Steueraufkommen

geht außerdem

zurück. Unter der Bezeichnung

illegale Migration fallen

nicht nur Einnahmebußen,

sondern ebenfalls finanzielle

Verluste, weil Kosten

für die medizinische Versorgung

entstehen und für Haft

und Abschiebung. Die größte

Gefahr der illegalen

Beschäftigung besteht in der

Verlagerung der regulären Produktion in

der Schattenwirtschaft. Eine entsprechende

Verlagerung würde Arbeitsplätze

gefährden. Daraus resultierend führt eine

höhere Arbeitslosenzahl zu einer stärkeren

Belastung der Arbeitslosenversicherungen

und der Sozialhilfe. Auf den

Punkt gebracht bedeutet dieses: Die Einnahmen

der öffentlichen Hand sinken

durch illegale Arbeiter, weshalb keine

neuen Einzahlungen in die Sozialversicherung

einfließen.

Der Staat und die Sicherheitssysteme profitieren

durch die Bekämpfung der Illegalität

und sind daher mit mehr Polizei, mehr

Behörden und mehr Bürokratie vertretbar.

Begriff

Schwarzarbeit

Was den Begriff der

Schwarzarbeit betrifft,

ist dieser juristisch

nicht einheitlich definiert.

Generell wird

als Schwarzarbeit eine

selbständige oder

unselbständige

Erwerbstätigkeit

bezeichnet, die unter

Missachtung gesetzlicher

Vorschriften ausgeübt

wird. Die Bandbreite

erstreckt sich

dabei von kleinen

Handwerkerleistungen

nach Feierabend

bis hin zu einer illegalen

Erwerbstätigkeit

unter Umgehung des

Sozialversicherungs-,

Wettbewerbs-, Steuer- und vor allem des

Ausländerrechts. In Verbindung mit den

meisten Formen der Schwarzarbeit wird

teilweise ein erheblicher Umfang an öffentlich

rechtlichen Abgaben umgangen.

Was bedeutet Erwerbstätigkeit bzw.

„beschäftigen oder arbeiten lassen“ im Sinne

des Ausländerrechts

Jede Tätigkeit, die sozusagen über eine reine

Gefälligkeit hinausgeht und normaler

Weise gegen Entgelt erfolgt, ist als Erwerbstätigkeit

zu qualifizieren. In dem Zusammenhang

ist es unerheblich, was die Dauer

der Erwerbstätigkeit angeht und ob es

sich um eine Haupt- oder Nebentätigkeit

handelt.

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Karin Lange

Migration

Migration und Integration in

Deutschland / Verschiedene

Flüchtlingsgruppen

Deutschland nimmt bereits seit vielen Jahren

als vorübergehender oder dauerhafter

Zufluchtsort, von Flüchtlingen aus der

ganzen Welt, eine bedeutende Position

innerhalb Europas ein. Es gibt ganz unterschiedliche

Gruppen von Flüchtlingen, die

sich hauptsächlich nach ihrer Rechtsgrundlage

und Aufnahme unterscheiden.

Asylmigration

Die Mütter und Väter des Grundgesetzes

schreiben 1948 in den Artikel 16 der Verfassung

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“,

dass Deutschland künftig unter

dem Eindruck der nationalsozialistischen

Terrorherrschaft all denen eine Zuflucht

ermöglichen sollte, die irgendwo auf der

Welt wegen ihrer politischen Auffassung

um ihre Gesundheit oder ihr Leben zu

fürchten haben. Auf dieses Grundrecht

konnte sich jeder berufen. Demnach

erhielten Asylsuchende und ihre Familienangehörigen

mindestens so lange ein

sicheres Aufenthaltsrecht, bis über ihren

Antrag entschieden wurde. In Anbetracht

der steigenden Zahlen von Asylsuchenden,

was die Jahre 1980 und 1990 angeht,

wurde zunächst das Asylverfahren

gestrafft. Das bedeutet, 1993 kam es zu

einer erheblichen Einschränkung des

Asylgrundrechts. Seitdem ist die Zahl der

Anträge stetig zurückgegangen. Asylbewerber

und Asylberechtigte bilden in

Deutschland weiterhin eine zentrale Kategorie

von Flüchtlingen.

„Konventionsflüchtlinge“

Als sogenannte Konventionsflüchtlinge

erhält eine zweite Gruppe eine Aufnahme

in Deutschland. Die von mehr als 140

weiteren Staaten und von Deutschland

unterzeichnete Genfer Flüchtlingskonvention

(Abkommen über die Rechtstellung

der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951

bzw.1967) garantiert ihnen Schutz vor

Abschiebung. Es sind Zugewanderte, die

zum Beispiel in ihrem Heimatstaat auf

Grund ihrer Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit

oder wegen ihrer Zugehörigkeit

zu einer bestimmten sozialen Gruppe

gehören und sich bedroht fühlen,

jedoch nicht nach dem Grundgesetz asylberechtigt

sind.

„De-facto-Flüchtlinge“

In Deutschland werden viele Flüchtlinge

nur geduldet oder erhalten ein

beschränktes Aufenthaltsrecht, weil sie

nach § 16 des Grundgesetzes kein Asylverfahren

beantragt haben bzw. ihr Asylantrag

abgelehnt wurde, gleichzeitig die

Abschiebung ins Herkunftsland nicht

durchgeführt werden konnte. Aus humanitären,

politischen oder völkerrechtlichen

Gründen, kann ein Abschiebungshindernis

vorliegen; unter anderem, weil

zum Beispiel die Ausweispapiere fehlen

oder das Herkunftsland den Flüchtlingen

die Einreise verwehrt. Meistens

erhalten diese Personen nur eine kurzfristige

Duldung. Mittlerweile können

seit Ende 2006 langjährig geduldete

Flüchtlinge unter bestimmten Voraussetzungen

ein dauerhaftes Bleiberecht für

sich und ihre Familienangehörigen beantragen.

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Karin Lange

Migration

Die Novellierung des Zuwanderungsgesetzes

2007

Als das Zuwanderungsgesetz bereits

Anfang 2005 in Kraft trat war offenkundig,

dass es bald reformiert werden musste,

damit einige EU-Richtlinien in deutsches

Recht umgesetzt werden konnten. Unter

Federführung von Bundesminister Wolfgang

Schäuble ist diese Novelle erarbeitet

und innerhalb der Bundesregierung ausführlich

diskutiert worden. Im Zentrum der

Debatte um die Reform standen die Änderungen

bezüglich des Bleiberechts, der Integration,

der Einbürgerung und des Nachzugs

von Ehepartnern. Die Große Koalition einigte

sich Ende März 2007 auf die Umsetzung

von elf EU-Richtlinien, auf weitreichende

Änderungen und teilweise auch Verschärfungen

im Ausländerrecht sowie auf eine

Regelung für „Geduldete“. Die erste umfassende

Novellierung des Zuwanderungsgesetzes

ist vollzogen. Am 14. Juni wurde es

im Bundestag beschlossen, passierte am 6.

Juli den Bundesrat und trat am 28. August

2007 in Kraft. Parallel hierzu führte die Große

Koalition eine Debatte über weitere

Reformoptionen im Zuwanderungsrecht.

Was das Bleiberecht betrifft, enthält das

Gesetz eine Übergangsregelung, nach der

langjährig geduldete Flüchtlinge ein Aufenthaltsrecht

bekommen können, wenn sie

sich zum Stichtag des 1. Juli 2007 seit mindestens

acht Jahren in Deutschland aufhalten.

Leben minderjährige Kinder in einem

Haushalt, gilt eine Aufenthaltsdauer von

mindestens sechs Jahren. Wesentliche

Voraussetzungen für die Antragsteller sind

über ausreichend Wohnraum zu verfügen,

grundlegende Deutschkenntnisse müssen

vorhanden sein, gegebenenfalls muss der

Schulbesuch der Kinder nachgewiesen

werden. Ferner dürfen sie die Behörden

nicht getäuscht oder sich ihrer Arbeitsverpflichtung

bzw. Abschiebung widersetzt

haben. Sie müssen straffrei sein und dürfen

keine Beziehungen zu Organisationen

unterhalten haben, die als extremistisch

und terroristisch eingestuft werden. Werden

diese Voraussetzungen erfüllt, erhalten

Betroffene und ihre Familien eine Aufenthaltserlaubnis,

jedoch nur auf „Probe“.

Das bedeutet, sie wird nur unter der

Voraussetzung verlängert, dass sie ihren

Lebensunterhalt bis zum 31.12.2009 durch

eine eigene Erwerbstätigkeit bestreiten

können.

Geduldete, die keinerlei Anspruch auf

einen solchen Aufenthaltstitel haben,

erhalten trotzdem Zugang zum Arbeitsmarkt,

wenn sie seit mindestens vier Jahren

in Deutschland leben. Wie viele der

180.000 Geduldeten letztendlich begünstigt

sein werden, kann nicht prognostiziert

werden. Kritiker gehen davon aus, dass es

nur einigen wenigen Tausend gelingen

werde, eine bezahlte Tätigkeit dauerhaft

zu finden. Maria Böhmer (CDU), Integrationsbeauftragte

der Bundesregierung,

appellierte deshalb an die Arbeitgeber,

Bewerber mit Anspruch auf ein Bleiberecht

genauso zu behandeln wie andere

Arbeitsplatzanwärter.

Bereits Anfang des Jahres 2007 hatten sich

die Fraktionen der Großen Koalitionen auf

die Grundzüge dieser Regelung geeinigt,

die den Bleiberechtsbeschluss der Innenministerkonferenz

vom 17. November 2006

ins Bundesrecht überführen sollte. Einige

unionsgeführte Länder unter der Führung

Bayerns hatten sich bis zuletzt gegen den

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Karin Lange

Migration

Kompromiss gesperrt. Eine wesentliche

Begründung lag in der Befürchtung von

Mehrausgaben bei der Sozialhilfe, wenn es

Ausländern nicht innerhalb einer kurzen

Frist gelänge, eine ausreichend bezahlte

Erwerbstätigkeit zu verrichten. Im März

2007 konnten sich die Bundesländer in einer

Nachverhandlung insofern durchsetzen,

als sie nun über die Option verfügen, von

den Vorschriften des Sozialgesetzbuches

II (Grundsicherung für Arbeitssuchende)

abzuweichen. Per Landesgesetz können sie

bestimmen, dass die vormals Geduldeten

weiterhin lediglich Sachleistungen nach

dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten.

Trotz Aufenthaltserlaubnis sind sie

vom Bezug der Grundsicherung ausgeschlossen

und können in Sammelunterkünften

untergebracht werden.

Integration, Einbürgerung

und Ehegattennachzug

Das Gesetz enthält zahlreiche umstrittene

Einschränkungen im Bereich des Aufenthalts-

und Integrationsrechts. Künftig

sollten bei einer Verletzung der Teilnahmepflicht

an einem Integrationskurs

finanzielle Sanktionen möglich sein; dieses

bezieht sich zum Beispiel auf die Kürzung

von Sozialleistungen. Zukünftig

werden von Einbürgerungswilligen

Kenntnisse der Verfassung und der

Rechtsordnung verlangt. Weitestgehend

sollen für junge Migranten unter 23 Jahren

die gleichen Einbürgerungsvoraussetzungen

gelten im Vergleich zu älteren

Erwachsenen. Insofern sind sie privilegiert,

weil sie ihren Lebensunterhalt nicht

komplett selbst finanzieren müssen, um

den deutschen Pass zu erhalten. Außerdem

sollen Ehepartner aus Nicht-EU-

Staaten erst dann nach Deutschland nachziehen

dürfen, wenn sie deutsche Sprachkenntnisse

nachweisen können und mindestens

18 Jahre alt sind. Die Maßnahme

wertete Innenminister Schäuble als Beitrag

zur Integration sowie zur Vermeidung

„arrangierter Ehen“.

Bürgerkriegsflüchtlinge, Kontingentflüchtlinge

und heimatlose Ausländer

Als eine weitere Gruppe können aufgrund

von Kriegen, Bürgerkriegen oder

sonstigen humanitären Aktionen aufgenommene

Flüchtlinge unterschieden

werden. Vor allem was die Flüchtlinge

der Kriege in Ex-Jugoslawien betraf, wurde

ein vorübergehendes Aufnahmeverfahren

geschaffen. Entsprechend erhalten

Kontingentflüchtlinge, die im Rahmen

humanitärer Hilfsaktionen aufgenommen

werden, ein dauerhaftes Bleiberecht.

Juden aus den Staaten der ehemaligen

Sowjetunion

Jüdische Flüchtlinge aus der Sowjetunion

bzw. ihren Nachfolgestaaten werden

seit 1990 wegen der dortigen Pogrome

und antisemitischen Übergriffe relativ

unbürokratisch aufgenommen. Nach

einem ähnlichen Verfahren wie bei Kontingentflüchtlingen

erfolgt die Aufnahme.

Aus diesem Grund wird häufig auch

von „jüdischen Kontingentflüchtlingen“

gesprochen. Ein neuer rechtlicher Rahmen

wurde mit dem Zuwanderungsgesetz

von 2004 geschaffen, der die Zuständigkeit

für die Aufnahme den Bundesländern

übertrug. Die Innenministerkon-

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Karin Lange

Migration

ferenz beschloss deshalb die jüdische

Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion

deutlich zu begrenzen. Daraufhin

entwickelte sich zwischen Politik und

jüdischen Verbandsvertretern ein Disput

um die Kriterien der Aufnahme.

Unter anderem wurden Voraussetzungen

wie deutsche Sprachkenntnisse,

eigene Sicherung des

Lebensunterhaltes und Kontakt

zu einer deutschen jüdischen

Gemeinde festgelegt.

„Illegale“ Zuwanderer

In dem Zusammenhang

spricht man auch von den

sogenannten Papierlosen, die

nicht in das skizzierte Kategoriensystem

der verschiedenen

Flüchtlingsgruppen passen.

Schätzungsweise leben mehrere

hundertausend Zuwanderer

im Untergrund, entweder weil

sie unerlaubt eine deutsche

Grenze passiert, ihr Visum

„überzogen“, oder sich durch

„Untertauchen“ einer drohenden

Ausreisepflicht bzw.

Abschiebung entzogen haben,

befinden sie sich häufig in

unangemeldeten Beschäftigungsverhältnissen.

Bisher

beziehen sich die Vorschläge

der Politik auf restriktive Maßnahmen

wie Strafandrohungen

und verstärkte Grenzkontrollen.

Leider haben sie bisher

noch zu keiner Lösung des

„Problemkomplex Illegale“

geführt.

Politisch motivierte

Kriminalität (PMK)

Zum 1. Januar 2001 wurde das Definitionssystem

„Politisch motivierte Kriminalität“

nach einem Beschluss der Ständigen

Konferenz der Innenminister und

Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem

Bereich „Politisch motivierte Ausländerkriminalität“

in den Ländern

01.01.-31.12.2006

01.01.-31.12.2007

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Karin Lange

Migration

Innensenatoren des Bundes und der Länder

eingeführt. Zentrales Erfassungskriterium

dieses Meldesystems ist die politische

Motivation einer Tat. Als politisch

motiviert gilt eine Tat insbesondere

dann, wenn die Umstände der Tat oder

Politisch motivierte Kriminalität (PMK)

Dem Bereich „PMK“ wurden für das Jahr 2007 902 (2006:691) Straftaten, hiervon 129 (2006:

121) Gewalttaten zugeordnet. In diesem Bereich wurden 747 (2006: 477) Straftaten

mit extremistischem Hintergrund, drunter 108 (2006: 95) Gewalttaten erfasst.

Damit stieg die Zahl der Straftaten im Bereich „PMK“ mit extremistischem hintergrund um

56,6 %; die Zahl der Gewalttaten in diesem Bereich stieg um 13,7 %

Gewalttaten 2006 2007

Tötungsdelikte 0 0

Versuchte Tötungsdelikte 0 2

Körperverletzungen 45 54

Brandstiftungen 16 17

Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion 1 2

Landfriedensbruch 8 23

Gefährliche Eingriffe in den Bahn-,

Luft-, Schiffs- und Straßenverkehr

6 1

Freiheitsberaubung 0 0

Raub 1 3

Erpressung 11 5

Widerstandsdelikte 7 1

Sexualdelikte 0 0

gesamt 95 108

Sonstige Straftaten

Sachbeschädigungen 38 107

Nötigung/Bedrohung 34 25

Andere Straftaten 310 507

gesamt 382 639

Straftaten insgesamt 477 747

Die Zahlen basieren auf Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Übersicht enthält – mit Ausnahme der Tötungsdelikte

– vollendete und versuchte Straftaten. Jede Tat wurde nur einmal gezählt. Sind zum Beispiel während

eines Landfriedensbruches zugleich Körperverletzungen begangen worden, so erschein nur die Körperverletzung

als das Delikt mit der höheren Strafandrohung in der Statistik. Wurden mehrere Straftaten verübt, wurde

ausschließlich der schwerer wiegende Straftatbestand gezählt.

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Karin Lange

Migration

die Einstellung des Täters darauf schließen

lassen, dass sie sich gegen eine Person

richtet, bezogen auf ihre politische

Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit,

Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung,

Herkunft, sexuelle Orientierung,

Behinderung oder ihres äußeren

Erscheinungsbildes bzw. ihres gesellschaftlichen

Status. In Verbindung mit

den erfassten Sachverhalten werden insbesondere

Feststellungen getroffen, u.a.

zur Qualität des Delikts, zur objektiven

thematischen Zuordnung der Tat, zum

subjektiven Tathintergrund, zur möglichen

internationalen Dimension der Tat

und zu einer ggf. zu verzeichnenden

extremistischen Ausprägung der Tat. In

diesem Zusammenhang wurde auch der

Bereich der Gewaltdelikte erweitert und

bundeseinheitlich festgelegt. Die differenzierte

Darstellung ermöglicht eine

konkret bedarfsorientierte Auswertung

der Daten und bildet damit die Grundlage

für den zielgerichteten Einsatz

geeigneter repressiver und präventiver

Bekämpfungsmaßnahmen. Die im Verfassungsschutzbericht

veröffentlichten

Zahlen zu den politisch motivierten

Straftaten mit extremistischem Hintergrund

basieren auf Angaben des Bundeskriminalamtes

(BKA).

Aktuelle Entwicklungen

im internationalen

islamistischen Terrorismus

Für die internationale Staatengemeinschaft

und die innere Sicherheit Deutschlands

stellt der islamische Terrorismus weiterhin

eine der größten Gefahren dar.

Deutschland ist Teil eines weltweiten

Gefahrenraums und befindet sich im

unmittelbaren Zielspektrum islamistischterroristischer

Gruppierungen. In Medebach-Oberschledorn

(Nordrhein-Westfalen)

wurden am 4. September 2007 zwei

deutsche und ein türkischer Staatsangehöriger

wegen des Verdachts der Mitgliedschaft

in einer ausländischen terroristischen

Vereinigung („Islamische Jihad

Union“ – IJU) sowie der Vorbereitung von

Sprengstoffanschlägen in Deutschland

festgenommen. Ein Ferienhaus hatten die

Tatverdächtigen angemietet, in dem die

letzten Anschlagvorbereitungen durchgeführt

werden sollten. Haftbefehl wurde

gegen sie am 5. September 2007 erlassen.

Seit Januar 2007 gelang es einem der Verdächtigen

insgesamt rund 730 kg Wasserstoffperoxidlösung

in einer 35%-igen Konzentration

zu erwerben, die zur Herstellung

von Sprengstoff verwendet werden

kann. Der Polizei war es gelungen, die

Fässer mit der 35%-igen Wasserstoffperoxidlösung

gegen Fässer mit einer 3%-

igen Lösung auszutauschen. Die Ermittlungen

dauern an.

In Düsseldorf begann vor dem Oberlandesgericht

(OLG) am 18. Dezember 2007

der Prozess gegen den mutmaßlichen

Haupttäter der geplanten Anschläge auf

zwei Regionalzüge der Deutschen Bahn

am 31. Juli 2006. Ein weiterer Tatverdächtiger

wurde am 18. Dezember 2007 in Beirut

(Libanon) zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe

verurteilt.

Was die Entwicklungen im europäischen

Ausland betreffen, wurden u.a. in Däne-

25


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 27

Karin Lange

Migration

mark, Großbritannien, Österreich und Spanien

ebenfalls islamistisch-terroristische

Strukturen aufgedeckt. In dem Fall sind

hier die fehlgeschlagenen Anschläge in

London und Glasgow am 29. und 30. Juni

2007 hervorzuheben.

In London, in der Nähe eines Nachtclubs,

konnten am 29. Juni 2007 zwei Spreng- und

Brandvorrichtungen in abgestellten Kraftfahrzeugen

entschärft werden.

Ein mit zwei Attentätern besetzter Geländewagen

fuhr am 30. Juni 2007 in den Eingangsbereich

der Abflughalle des Flughafens

Glasgow und ging dabei in Flammen

auf. Insgesamt wurden sieben Personen im

Zuge der Ermittlungen festgenommen.

Einer der beiden Attentäter erlag später

seinen Verletzungen. Nach Angaben der

britischen Polizei steht der Anschlag in Verbindung

mit dem tags zuvor in London

entschärften Bomben.

Komplexität des

islamistisch-terroristischen

Spektrums in Deutschland

In Deutschland reicht das islamistisch-terroristische

Spektrum von Gruppierungen,

die enge Beziehungen zu islamistischen

Organisationen im Ausland haben, bis hin

zu unabhängigen Kleingruppen oder

selbstmotivierten Einzeltätern.

Strukturen- oder Strukturansätze sind von

besonderer Bedeutung, die sich aus radikalisierten

Personen der zweiten und dritten

Einwanderergeneration sowie radikalisierten

Konvertiten zusammensetzen.

Diese „Homegrown“-Strukturen stellen –

das zeigen die Anschläge am 7. Juli 2005

in London und möglicherweise auch die

Festnahmen in Deutschland am 4. September

2007 – die Sicherheitsbehörden vor

besondere Herausforderungen. Obwohl

die Personen zumeist in europäischen

Ländern geboren und/oder aufgewachsen

sind, die zu diesem Täterspektrum

gehören, stehen sie aufgrund religiöser,

gesellschaftlicher, kultureller oder psychologischer

Faktoren dem hiesigen Wertesystem

ablehnend gegenüber. Ein

wesentlicher Indikator von „Homegrown“-Terroristen

ist die Radikalisierung

in Europa. Ein gemeinsames Kennzeichen

dieses Personenkreises beruht

darauf, dass er von der pan-islamischen

„al-Quaida“-Ideologie beeinflusst wird,

eine Verbindung zu den internationalen

Terroristengruppen besteht häufig allenfalls

indirekt.

Gewaltbereite Islamisten versuchen auch

in Deutschland neue Anhänger zu rekrutieren,

das heißt für islamistisch motivierte

Gewalttaten zu gewinnen. Radikalisierungsprozesse

gehen zwar einer möglichen

Rekrutierung voraus, führen aber

nicht notwendiger Weise hin bis zu terroristischen

Aktivitäten. Es gibt keinen allgemeingültigen

Radikalisierungs- und

Rekrutierungsverlauf. Art und Gewichtung

radikalisierungsfördernder Faktoren,

wie zum Beispiel soziale Situation,

kulturelle Herkunft und Persönlichkeitsstruktur

unterscheiden sich teilweise

erheblich. Für eine fortschreitende Radikalisierung

kann jedoch als eines der

Motive die propagierte islamistische

Interpretation der Ursachen für internationale

Krisenherde mit (vermeintlichem)

27


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 29

Karin Lange

Migration

Islam-Bezug angesehen werden. Als Orte

des „Kampfes der Muslime gegen Juden

und Kreuzritter“ werden diese Konflikte

wahrgenommen und der Eindruck vermittelt,

hinter alle dem stehe eine „christlich-jüdische

Weltverschwörung“. Was

die aktuellen Entwicklungen betreffen –

etwa im Irak oder Afghanistan – ist eine

Abschwächung dieses motivationsstiftenden

Faktors nicht zu erwarten.

Festnahmen

und Verurteilungen

Trotzdem zahlreiche Fahndungserfolge in

der Vergangenheit zu verzeichnen sind,

in deren Rahmen viele strategisch wichtige

Personen der „al-Qaida“ und ihrer

Verbündeten verhaftet oder bei NATO-

Einsätzen getötet wurden (darunter

befand sich im Mai 2007 der „Taleban“-

Führer und „al-Qaida“-Sympathisant

Mullah Dadullah in Afghanistan), kann

von einer Zerschlagung des globalen

Netzwerkes nicht ausgegangen werden.

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf

verurteilte am 5. Dezember 2007 drei

Angeklagte in einem Prozess mit „al-Qaida“-Bezug

zu Freiheitsstrafen zwischen

dreieinhalb und sieben Jahren. Die Angeklagten

wurden der Mitgliedschaft in

einer terroristischen Vereinigung im Ausland

bzw. deren Unterstützung sowie des

versuchten bandenmäßigen Betruges in

28 Fällen für schuldig befunden. Durch

einen groß angelegten Betrug hatten die

Angeklagten versucht etwa 4,3 Millionen

Euro aus Lebensversicherungen für „al-

Qaida“ zu beschaffen; dieses sah das

Gericht als erwiesen an. Verschiedenen

Versicherungsunternehmen sollte dafür

der tödliche Verkehrsunfall eines der

Angeklagten vorgetäuscht werden. Die

Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Das OLG Schleswig verurteilte am 24.

Januar 2008 einen Deutsch-Marokkaner

zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren

und neun Monaten. Das Gericht sah es als

erwiesen an, dass der Angeklagte in sechs

Fällen eine ausländische terroristische

Vereinigung unterstützt und in einem Fall

eine solche gegründet hatte. Das Urteil ist

noch nicht rechtskräftig.

Nutzung des Internets

Das Internet stellt das wichtigste Kommunikations-

und Propagandamedium für

Islamisten und islamistische Terroristen

dar. Über das Internet kann eine weltweite

Öffentlichkeit mit vergleichsweise

geringem Aufwand erreicht werden.

Abgeschottete Chaträume, verschlüsselte

E-Mails und Internettelefonie können

zum Austausch sensibler Informationen

und damit auch zur Planung von Anschlägen

genutzt werden. Das Internet bietet

auch Gelegenheit zum Beispiel über Chat-

Foren erste Kontakte zum Zwecke der

Rekrutierung zu knüpfen. Anonym über

das Internet kann ebenfalls die ideologische

und militärische Schulung erfolgen.

In diesem Bereich stellt die rasante technische

Entwicklung, insbesondere hinsichtlich

der Möglichkeiten der Verschlüsselung,

die Sicherheitsbehörden vor

besondere Herausforderungen.

29


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 31

Dr. Frank Robertz

Prävention

Wann und wie wirken

kriminalpräventive

PROGRAMME

AN SCHULEN

Die Prävention von Straftaten durch Kinder und Jugendliche im Rahmen von

allgemeinen belehrenden Gesprächen bildet schon seit Jahrzehnten einen

wichtigen Aspekt des polizeilichen Aufgabenverständnisses. In den letzten

Jahren erlebte dieser Zweig der Polizeiarbeit eine erhebliche Stärkung.

31


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 33

Dr. Frank Robertz

Prävention

Neben der Einrichtung spezieller

Dienststellen und Aufgabenbereiche wurden

parallel zur zunehmenden Ressourcenknappheit

der staatlichen und freien

Jugendhilfe zunehmend spezielle kriminalpräventive

Projekte ins Leben gerufen.

Trotz in der Regel eingangs fehlender

pädagogischer oder sozialarbeiterischer

Kenntnisse entwickelten einzelne Beamtinnen

und Beamte und später ganze

Dienststellen mit Ideenreichtum und

Idealismus moderne Methoden zur Präventionsarbeit

mit Jugendlichen. Nicht

immer stößt diese Arbeit auf ungeteilte

Freude in Jugendhilfe und Schulwesen.

Nicht zuletzt, weil die Polizei in Deutschland

aufgrund des Legalitätsprinzips

rechtlich verpflichtet ist, beim Verdacht

auf eine Straftat von Amts wegen ein

Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Gleichwohl

liegt in der Präventionsarbeit durch

Polizistinnen und Polizisten ein erhebliches

Potential:

Auf Seiten der Polizei wird durch die Neuorientierung

zur Verstärkung der Präventionsarbeit

einerseits der polizeiliche Handlungsspielraum

erweitert und andererseits

die moderne Ausprägung einer „Dienstleistungspolizei“

betont. Dies dient neben

der Vorbeugung von Straftaten auch einer

gezielten Öffentlichkeitsarbeit und einer

Image-Verbesserung, die wiederum eine

effektivere Arbeit mit aufgeschlossenen

Bürgern und Bürgerinnen erlaubt.

Auf Seiten der Jugendhilfe und Schule

ergeben sich nicht nur neue Ressourcen,

sondern auch die Möglichkeit einer

gesamtgesellschaftlich orientierten und

ressortübergreifenden Kriminal- und

Gewaltprävention.

Zudem verfügt die Polizei gerade bei jüngeren

Kindern als ordnende Macht über

einen Vertrauensvorschuss und natürliche

Autorität. Wird dies durch Engagement

und einen persönlichen Zugang zu Kindern

und Jugendlichen ergänzt, besteht die

große Chance, die Energie der Kinder und

Jugendlichen in gesellschaftlich als positiv

bewertete Bahnen zu lenken.

Damit eben dieser persönliche Zugang

gelingt und Kinder und Jugendliche gezielt

im Sinne einer Kriminalprävention

gestärkt werden können, sind professionelle

und wissenschaftlich fundierte Konzepte

ebenso wichtig wie grundlegende

pädagogische Kenntnisse.

Präventionsprogramme der

Polizei an Schulen

Im Zeitraum 2005/2006 wurde ein polizeiliches

Schulprojekt, das „Präventionsprogramm

Kinder- und Jugenddelinquenz“

in Hamburg, evaluiert. Ziel war einerseits,

eine umfassendere Evaluation vorzubereiten

und andererseits, Empfehlungen für

die Modifikation des Programms zu geben.

Hierzu wurden neben der detaillierten

Erfassung der langjährigen Projektentwicklung

zunächst Hospitationen durchgeführt.

Als Kern der Erhebung wurden

dann Erwartungen und Bewertungen von

Lehrern, die das Programm nutzten und

Lehrern, die es bislang abgelehnt hatten,

ebenso aufgenommen wie umfangreiche

Daten, Vorgehensweisen, Einstellungen

und Bewertungen der durchführenden

Beamtinnen und Beamten selbst.

33


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 35

Dr. Frank Robertz

Prävention

Weil die Begeisterung einzelner Beamtinnen

und Beamter anderer Bundesländer in

den letzten Jahren zudem dazu geführt hatte,

dass das seit über 20 Jahren bestehende

Projekt in leicht abweichenden Formen

genutzt wird, halfen eine zusätzliche

Betrachtung der Vorgehensweise und Rahmenbedingungen

in anderen Bundesländern,

die Bedeutung des Hamburger Programms

im gesamtdeutschen Kontext einzuordnen.

Ziele des evaluierten Programms

Während die offiziell formulierten Ziele

des Programms sich mitunter je nach Bundesland

und Entwicklungsstand des Konzepts

unterscheiden, wird in der Regel von

den Verantwortlichen formuliert, dass

Schüler mit Hilfe des Programms

• in Konfliktsituationen delinquentes

Verhalten vermeiden lernen,

• Handlungsalternativen entwickeln

und

• Rechtsbewusstsein sowie Normakzeptanz

entwickeln sollen.

Vorbereitung der Programmumsetzung

Die im Programm tätigen Polizeibeamtinnen

und -beamten werden zumeist von

Lehrern in den Schulunterricht eingeladen,

um dort aus ihrer alltäglichen Arbeit zu

berichten. Die konkreten Inhalte wurden

im Vorfeld mit den Lehrern abgesprochen.

Thematische Schwerpunkte sind in der

Regel Gewalt- und Eigentumskriminalität,

Sanktionen und Reaktionen auf Straftaten

(einschließlich der Aspekte Gewalt an Schulen,

Bewaffnung, Opferverhalten, Zivilcourage,

Fremdenfeindlichkeit) sowie das Kennenlernen

der Polizei und ihrer Aufgaben.

Verantwortlichkeit

Im bundesdeutschen Vergleich liegen für

zwölf Bundesländer und sechs Großstädte

detaillierte Informationen zu den Rahmenbedingungen

analoger Projekte vor.

Während die offizielle Federführung dieser

polizeilichen Präventionsprogramme

durch andere Instanzen als die Polizeibehörde

selbst durchaus nicht ungewöhnlich

zu sein scheint, wurden die laufenden Kosten

dieser Projekte (vor allem die Personalkosten)

zumeist von der Polizei getragen.

Nur in Einzelfällen gab es Unterstützungen

durch öffentliche und private Sponsoren

oder eine zumindest partielle Unterstützung

von Bildungsministerien oder

Stadtverwaltungen.

Ausbildung

Sechs Bundesländer und zwei Großstädte

verfügten über keine spezielle Ausbildung

für die im Projekt tätigen Beamtinnen und

Beamten. Die übrigen befragten Länder

und Städte schulten entweder regelmäßig

bereits spezialisierte Beamtinnen und

Beamte, hatten das Programm in die Ausbildung

an Hochschulen der Polizei integriert

oder schulten interessierte Beamte

in zwei- bis fünftägigen Grundseminaren.

Einige boten zudem regelmäßige Weiterbildungsmöglichkeiten

an.

Intensität der Nutzung

Die Anzahl der im Jahr 2004 an den Programmen

beteiligten Beamtinnen und

Beamten, die insgesamt geleisteten Stunden

und die Zahl der beschulten Schulen

wich weit voneinander ab: So wiesen die

Programme bspw. in den Bundesländern

zwischen einem und 330 beteiligten Beam-

35


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 37

Dr. Frank Robertz

Prävention

tinnen und Beamten auf, die zwischen 160

und über 8.500 Stunden an zwei bis über

500 Schulen durchgeführt hatten. Das

Hamburger Programm erreichte dabei

recht hohe Werte, wurde also vergleichsweise

intensiv und umfassend genutzt.

Die Programme im Kontext

von Metastudien

In Deutschland existieren im internationalen

Vergleich bedauerlicherweise wenige

Evaluationen kriminalitätspräventiver

Programme an Schulen. Noch problematischer

ist, dass bei solchen Wirkungsstudien

zumeist nur auf ein bestimmtes Programm

eingegangen wird. Der Grund ist

weitgehend in sehr eingeschränkten finanziellen

Ressourcen zu suchen. Oft werden

Studien in erster Linie dann in Auftrag

gegeben, wenn der Fortbestand eines Programms

legitimiert werden muss.

Wünschenswert wäre es hingegen, sich auf

übergreifende Wirkmechanismen zu konzentrieren,

damit diese im Erfolgsfall als

„Blaupause“ für weitere Projekte dienen

können. Auch ein nachgewiesen funktionsfähiger

Theorie-Praxis-Transfer sollte

idealerweise überprüft werden. Einerseits

sollte die Wissenschaft tunlichst anwendungsorientierte

Fragestellungen verfolgen

sowie ihre Ergebnisse sprachlich verständlich

darstellen und andererseits die

Praxis eine Evaluation nicht nur als Weg

zur Weiterfinanzierung einer Maßnahme

begreifen, sondern sie regulär als Hilfsmittel

zu Rate ziehen und wissenschaftlich

nachgewiesene Wirksamkeit von Präventionselementen

bei der Durchführung ihrer

Maßnahmen nutzen.

In diesem Sinne sollte in Bezug auf die Analyse

der Wirkung von Präventionsprogrammen

nicht nur auf Einzelstudien

zurückgegriffen werden, sondern eine

übergreifende „Meta-Evaluation“ erfolgen,

welche die Ergebnisse von Einzelstudien

zusammenführt und die erfolgreichen

Wirkmechanismen herausfiltert.

Ein erster Versuch einer solchen übergreifenden

Metastudie zum Themenkomplex

der Gewalt- und Kriminalitätsprävention

entstand zu Beginn der 1970er Jahre in den

USA. Der New Yorker Soziologe Robert

Martinson veröffentlichte Studienergebnisse

unter dem Titel „What Works“, die

derart negativ ausfielen, dass sein Artikel

schon bald unter dem Spitznamen „Nothing

Works“ Furore machte. Die Einsicht,

dass gut gemeinte Präventionsprogramme

auch kriminalitätsfördernde Folgen für die

jeweilige Zielgruppe haben konnten, während

Martinson zufolge gleichzeitig erfolgreiche

Elemente nahezu nicht vorhanden

zu sein schienen, verunsicherte die USamerikanische

Bevölkerung. Als Konsequenz

erfolgte bald eine nachhaltige Verschärfung

des Strafvollzugs. Martinson

revidierte zwar seine Meinung wenige Jahre

später, fand damit jedoch kein Gehör

mehr.

Dennoch führte seine Studie zumindest

dazu, dass bereits 1976 etwa 600 Millionen

Dollar in Wirkungsstudien sozialer Dienstleistungsprogramme

flossen und in den

USA das Jahrzehnt der Evaluation eingeläutet

wurde. Erst 25 Jahre nach Martinsons

pessimistischer Analyse entstand eine

weit differenziertere Metastudie, die 1998

37


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 39

Dr. Frank Robertz

Prävention

von einer Forschergruppe der Universität

Maryland unter der Leitung von Lawrence

W. Sherman vorgelegt wurde. Mit

besonderer Berücksichtigung von Jugendkriminalität

und Jugendgewalt wurden

mehr als 500 einzelne Evaluationsstudien

analysiert. Die Ergebnisse dieses „Sherman-Reports“

decken sich erfreulicherweise

mit dem drei Jahre später veröffentlichen

„Report of the Surgeon General:

Youth Violence“, bei dem zahlreiche

große Behörden zusammengearbeitet hatten.

Während viele Programme sich als

wirkungslos oder sogar schädlich erwiesen,

konnten sechs Modellprogramme und

21 vielversprechende Programme identifiziert

werden. Ihre Kernelemente spiegeln

im Hinblick auf die Prävention an Schulen

die Idealfaktoren von Sherman.

Kernerkenntnisse der Metastudien

für die Kriminalitätsprävention

an Schulen

Vorschulisch stellen sich Familientherapie

und Elterntraining als besonders wertvoll

dar, während sich in den Schulen selbst

vor allem die folgenden Elemente als wirkungsvoll

im Sinne einer effektiven Prävention

erweisen:

• Soziales Lernen (Fertigkeitentraining)

– z. B. Problemlösung, emotionale Intelligenz,

Kommunikation oder Stressmanagement

• Schulentwicklung

– z. B. Klassenmanagement oder die

Verbesserung struktureller Elemente an

Schulen und

Der Autor

Dr. Frank J. Robertz, Kriminologe, Leiter

des freien Instituts für Gewaltprävention

und angewandte Kriminologie, langjährige

Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen

und Erwachsenen, diverse Lehr- und

Forschungsaufträge. Buchpublikationen u.

a. zu den Themen Gewaltprävention, Schulgewalt

und Tötungsdelinquenz. Fortbildungs-

und Trainingsarbeit in den Bereichen

Strafvollzug, Polizei, Psychologie und

Schule. Dr. Robertz führt regelmäßig praxisorientierte

Seminare zur Prävention von

Gewalt an Schulen durch. Nähere Informationen

unter fr@igak.org (www.igak.org).

• Normverdeutlichung

– z. B. gemeinsame klare Normfindung

und Sanktionsfindung sowie -durchsetzung.

Erfreulicherweise verließ man sich hierzulande

nicht auf die These einer Übertragbarkeit

amerikanischer Verhältnisse auf

deutsche Gegebenheiten. 2002 erschien

unter der Bezeichnung „Düsseldorfer Gutachten

– empirisch gesicherte Erkenntnisse

über kriminalpräventive Wirkungen“

eine deutsche Metastudie. Die Forscher

bewerteten die US-amerikanischen Ergebnisse

für Deutschland und sammelten

zusätzlich weltweit weitere Wirkungsstudien.

Als besonders sinnvoll hoben sie neben den

skizzierten US-amerikanischen Ergebnissen

eine „informelle Sozialkontrolle in einer

möglichst geordneten Umgebung auf allen

Ebenen und in allen gesellschaftlichen Institutionen“

hervor. Wichtige Elemente stellen

daher die Vernetzung von Institutionen

39


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 41

Dr. Frank Robertz

Prävention

mit der Schule als Handlungszentrale sowie

die soziale Kontrolle dar.

Die vielleicht beste Umschreibung der Rahmenbedingungen

einer solchen inneren

und äußeren sozialen Kontrolle stellte der

amerikanische Kriminologe Travis Hirschi

her. Er beschrieb, dass die soziale Kontrolle

(bzw. das „Band an die Gesellschaft“)

dann am stärksten wirkt, wenn bei einem

Jugendlichen

• stabile emotionale Beziehungen zu Bezugspersonen

im konventionellen Normensystem

bestehen (etwa zu Eltern

oder Lehrer),

• ihm bewusst ist, dass das eigene Handeln

den eigenen Status Quo beeinflusst,

• er gut in herkömmliche Beschäftigungsstrukturen

eingebunden ist

(Schule, Hobby, Beruf) und

• ein Glaube an konventionelle Werte

vorherrscht.

Werden diese Elemente gestärkt, wird auch

die soziale Kontrolle gestärkt und damit

die Abweichung von Normen vermieden.

Zur Erfüllung solch komplexer kriminalpräventiver

Bedingungen sind umfassende

Änderungen im Schulsystem und

umfassende Maßnahmen im Umgang mit

den Schülern notwendig.

Konsequenzen für polizeiliche

Präventionsprogramme

Durch die erfolgte Evaluation liegen

bereits Belege über Sichtweisen zum Programm

von beteiligten Beamtinnen und

Beamten, Schülerinnen und Schülern

sowie Lehrerinnen und Lehrern in Hamburg

vor. Hierbei zeigt sich ein sehr hoher

Grad der Zufriedenheit aller Beteiligten.

Allerdings bezieht sie sich oftmals auf

Bereiche, die nicht mit den ursprünglichen

Zielen der Präventionsprogramme übereinstimmen:

Während Lehrerinnen und Lehrer häufig

die „Belebung des Unterrichts durch

externe Praktiker“ loben, weisen Polizeibeamtinnen

und -beamte auf „die Verbesserung

des Bildes der Polizei bei den jungen

Leuten“ hin. Diese Wirkungsweisen

sind zwar positiv zu sehen, jedoch bieten

sie keinen Hinweis auf eine nachhaltige

kriminalitätspräventive Wirkung der Programme.

Deutlich wurde auch, dass einmalige

Besuche der Polizei komplexe und nach-

Ein Beispiel für ein nachhaltiges Präventionsprogramm

ist das Interventionsprogramm

des norwegischen Psychologen

Dan Olweus, der mit umfangreichen

und schulweit getragenen Maßnahmen

zur Verbesserung des Schulklimas

und der Beziehungen zwischen

den Schülern sowie zur Steigerung der

sozialen Kompetenz auf Schul-, Klassen-

und persönlicher Ebene nachweisliche

Rückgänge der Gewaltvorfälle an

Schulen um 50 % erreicht. Diese Wirkung

wurde bereits von einigen Länderpolizeien

erkannt und unterstützt (z. B.

in NRW). Ein entsprechender Leitfaden

„Herausforderung Gewalt“ für Lehrerinnen

und Lehrer kann kostenlos über

jede (Kriminal-) Polizeiliche Beratungsstelle

bezogen werden.

41


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 43

Dr. Frank Robertz

Prävention

gewiesenermaßen sehr wirkungsvolle

Programme, wie das Interventionsprogramm

von Dan Olweus, nicht ersetzen,

sondern eher unterstützen können. – Die

Verbesserung der Schulstrukturen, die

Normstärkung durch innere und äußere

Kontrolle, das Ermöglichen sozialen Lernens

und die institutionelle Vernetzung,

sowie die Nutzung von präventiven Mehrebenenmodellen

ist nicht durch den einmaligen

isolierten Besuch einer Polizeibeamtin

oder eines Polizeibeamten in einer

Klasse erreichbar, wie manche Lehrkräfte

immer noch annehmen.

P

Zusammenfassend:

Das Engagement der deutschen

Polizei in den skizzierten

schulischen Präventionsprogrammen

ist

prinzipiell als sehr positiv

hervorzuheben. Dennoch

muss beachtet werden,

dass der einmalige Besuch

im Unterricht umfassende

und systematische Präventionskonzepte

in Schulen

nicht ersetzen kann. Daher

ist es außerordentlich hilfreich,

wenn Polizeibeamtinnen

und -beamte die

Lehrerinnen und Lehrer

vor Ort neben ihrem „Präventionsunterricht“

auch

auf komplexe Präventionsprogramme

mit nachgewiesener

starker Wirkung

hinweisen. Eine Vernet-

D

zung mit pädagogischen Fachteilen

(etwa mit dem Jugendamt oder speziellen

Gewaltpräventionsabteilungen der

Kultusministerien) kann sich diesbezüglich

als außerordentlich hilfreich erweisen

und wirkungsvolle Kooperationen

anstoßen. Und manchmal genügt vielleicht

schon das Zurücklassen der richtigen

Informationsbroschüren auf dem

Schreibtisch eines Lehrers, um diesen

auch zur Umsetzung eines umfassenden

Präventionsprogramms an Schulen

zu motivieren.

LIZEI

EIN

P

Gewerkschaft der Polizei

ARTNER

Tatort Schule

mehr zu diesem Thema:

www.VDPolizei.de

43


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 45

Karin Lange

Gesundheit

WER SIND DIE

BETROFFENEN

VON BURN-OUT

Es gibt Menschen, die halten das Burn-out-Syndrom für ein mentales

Problem; wobei das Ausbrennen dann einem „Akt der Selbstverbrennung“

gleichkommt. Erstmals in den siebziger Jahren wurden besonders in den helfenden

Berufen Erkenntnisse über das berufliche Ausbrennen untersucht und

veröffentlicht. Allerdings handelt es sich um ein weit verbreitetes Phänomen.

Forscher und Psychotherapeuten erlebten die Verzweiflung bezüglich der

Arbeitssituation ihrer Klienten und Patienten und bekamen die Resignation zu

spüren, die mit falschen Erwartungen an die Karriere und die damit gesteckten

Ziele einherging.

45


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 47

Karin Lange

Gesundheit

Selbständige, leitende Angestellte, höhere

Beamte oder ebenfalls Personen mit

hohem Publikumsverkehr, gehören zu der

Gruppe der ernsthaft Gefährdeten. In Verbindung

mit diesen Berufsgruppen ist ein

Merkmal besonders kennzeichnend und

zwar ist von allen der Beruf einst selbst

gewählt worden, das heißt, für sie alle stellt

ihr Beruf gleichermaßen die Berufung dar;

sie lieben ihren Beruf und sind stets zu

Hochleistungen motiviert. Sie beabsichtigen

innerhalb ihres Berufes etwas zu bewirken

und zu bewegen. Ob es die Krankenschwestern,

Piloten/innen, Polizisten/innen

oder Psychologen/innen oder

andere Berufsgruppen sind, das Ausbrennen

wirkt wie eine Bedrohung für Personen

in interessanten, anregenden und fordernden

Tätigkeitsfeldern. Das Ausmaß des

intensiven persönlichen Kontaktes zu anderen

Menschen und die Intention, auf diese

in irgendeiner Form einzuwirken, stellt

einen weiteren Risikofaktor dar. Man kann

es wie folgt auf den Punkt bringen: Wer sich

weniger unter Druck begibt, bei anderen

Menschen etwas erreichen zu wollen, sitzt

am (entspannenden) längeren Hebel. Es

sind deshalb Personen in helfenden Berufen

anfälliger, weil ihre Hauptaufgabe darin

besteht, sich intensiv mit Ratsuchenden und

deren Belangen zu beschäftigen, auf sie einzuwirken

und sich für sie einzusetzen. Meistens

ist es zutreffend, dass sich die Klienten

mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer

schwierigen Situation oder sogar in einer

Notlage befinden. Neben den klassischen

Berufen wie Psychologen/innen, Ärzten/

innen, Psychotherapeuten/innen, Krankenschwestern,

Erzieher/innen und Lehrern/innen

sind ebenfalls Gastwirte/ innen,

Friseure/innen, Taxifahrer/innen usw.

betroffen; Menschen, denen die Sorgen des

Alltags häufig nebenbei anvertraut werden

und die in der Regel nur mit ihrem Naturtalent

reagieren können. Sogar Stewardessen

oder Gefängnispersonal erfahren täglich

immer wieder neu, wie aufreibend und

auszehrend die Beschäftigung mit eigenwilligen

und problematischen Mitmenschen

sein kann. Anfälliger für Ermüdung

und Resignation werden diese Menschen,

bedingt durch den Druck. Angestellte und

Beamte in bürokratischen Organisationen

sind gleichermaßen betroffen. Oft erleben

sie sich als wären sie einer doppelten Belastung

ausgesetzt: Die Institution und Ihr

schwerfälliger Charakter führen oft zu

einem Überdruss, abgesehen davon erhöht

die sozial helfende Komponente die Gefahr

des Ausbrennens. Nicht zuletzt seien hier

speziell die Frauen erwähnt, die immer

noch den bekannten Mehrfachbelastungen

ausgesetzt sind. Sie befinden sich bereits in

dem Rollenkonflikt zwischen beruflichem

Erfolg, mütterlicher Präsenz und hausfraulicher

Perfektion, so müssen sie zusätzlich

einen weiteren schwer zu managenden Spagat

vollführen. Im Vergleich zu ihren männlichen

Kollegen auf der gleichen Karrieresprosse

benötigen sie eine höhere Durchsetzungskraft.

Darüber hinaus wird Einfühlungsvermögen

und mehr Geduld gegenüber

anderen Menschen erwartet.

Mangelnder Rückfluss (durch Geld, Anerkennung

und öffentliche Unterstützung),

körperliche Belastungen, gefährliche Situationen

sind Burn-out-Beschwerden von

Polizeibeamten/innen; ähnliches gilt für

Soldaten und Feuerwehrleuten. Zeit- und

Wettbewerbsdruck, verbunden mit Infor-

47


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 49

Karin Lange

Gesundheit

mations- und Freizeitmangel, reibt Manger

auf. Schuld- und Angstgefühle kommen

bei berufstätigen Frauen hinzu, wenn sie

unter der bekannten Doppel- und Dreifachbelastung

leiden.

Burn-out in bürokratischen

Organisationen

Es beginnt damit, sich zwischen zu vielen

Möglichkeiten entscheiden zu müssen und

zumeist nicht genau zu wissen, ob das, was

sie erledigt haben, oder ob das, wofür sie

sich entschieden haben, auch das Richtige

oder das Beste war. Dadurch wandelt sich

situatives Stressempfinden in ein Gefühl des

permanenten Gestresstseins, der Überbeanspruchung

und der Überforderung.

Nicht nur Menschen in sozialen Berufen sind

besonders vom Burn-out betroffen. Mittlerweile

gibt es kaum einen Beruf, in dem nicht

auf irgendeine Weise die Gefahr des Ausbrennens

besteht. Matthias Burisch (1994)

weist darauf hin, dass viele Betroffene das

Gefühl haben, mit einem immer größeren

Energieaufwand immer weniger zu erreichen.

Die Distanzierung von anderen Menschen

führe zur Vereinsamung und zum

Zynismus. Außerdem werde häufig ein

Gefühl von Überdruss beschrieben. In bürokratischen

Organisationen ist der Überdruss

besonders auffallend (Aronson, 1983), der

durch drei Faktoren verursacht wird:

• Überbelastung

• Mangel an Autonomie

• Mangel an Belohnung und

Anerkennung

Überbelastung

Den meisten Menschen erscheinen Zeitdruck

und Aufgabenüberbelastung als Hauptstressoren.

Weitestgehend wird „Hetze“ in Beruf

und in der Freizeit beklagt. Zu viel gleichzeitig

erledigen zu müssen, dieser Eindruck entsteht

bei immer mehr Menschen.

Mangel an Autonomie

Oft sind komplexe Organisationen mit einer

steilen Hierarchie ausgestattet und neigen

dazu von oben nach unten „anzuordnen“,

wenig Verantwortung zu delegieren und

möglichst viel zu kontrollieren. Dadurch

kann es passieren, dass Mitarbeiter/innen

ihre Potentiale nicht genutzt sehen, sich ausgeliefert

und entmündigt sehen.

Eine Folge davon ist nicht nur nachlassende

Motivation und Effizienz, sondern ebenfalls

die Herausbildung von „dem Erwarten

an Misserfolgen“, die Erfolge nicht für die

Ergebnisse eigener Leistungen, Misserfolge

dagegen für eigenes Verschulden halten.

Die Mitarbeiter/innen fallen in eine passive

und niedergeschlagene Haltung, die

Selbstachtung der Mitarbeiter/innen sinkt.

Mangel an Belohnung und

Anerkennung

Eine hinreichende Kultur der Wertschätzung

der Mitarbeiter und damit auch ein

System von Belohnung und Anerkennung

49


koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 51

Karin Lange

Gesundheit

gibt es in der Regel nicht für bürokratische

Organisationen. „Nach Vorschrift“

reglementiert sind Beurteilungen und

Beförderungen nicht durchschaubar und

wirken auf die Mitarbeiter oft willkürlich,

allerdings nicht leistungsgerecht. Für die

Zufriedenheit des Mitarbeiters am Arbeitsplatz

und für seine Bereitschaft, sich mit

dem Unternehmen zu identifizieren, sind

eine leistungsbezogene Bezahlung und die

Anerkennung eines persönlich erbrachten

Beitrages zum Unternehmenserfolg notwendig.

Burn-out fördernde Arbeitsplatzbedingungen

Die Bürokratie ist es,

an der wir alle kranken.

Otto von Bismarck

Bezogen auf die Ausstattung von Arbeitsplätzen,

die Gestaltung des Betriebsklimas

und über die vielfältigen Möglichkeiten,

eine Organisation zu strukturieren, ist in

erschöpfendem Umfang geforscht und

geschrieben worden. Ein Trend wird in

Amerika deutlich, diesen Faktoren ein

erhebliches Gewicht beim Zustandekommen

des Ausbrennens beizumessen. Es

wird kaum jemanden geben, der es wohl

bestreiten wird, dass die Bedingungen der

Arbeitsumwelt sich auf Arbeitsfreude und

begeisterten Einsatz oder eben auf Leistungsfrust

und Überdruss auswirken. In

den USA räumt man den Arbeitsplatzbedingungen

als Auslöser für Burn-out entsprechend

gravierende Aspekte ein, dass

die Gründe darin bestehen, die persönliche

Verantwortung des Einzelnen für sein

Ausbrennen zu mindern. Es könne durchaus

zu einer resignativen Haltung kommen,

wenn die Menschen nur sich selbst

die „Schuld am Versagen“ zuschreiben

wollen. Sogar für konstruktive institutionelle

Wandlungen festgefahrener Strukturen

wird ein gesundes Selbstvertrauen,

Zuversicht und Energie sowie eine verlässliche

Kollegialität benötigt.

Wie bereits anfangs erwähnt, neigen in erster

Linie Menschen zu einem Ausbrennen,

die mit großem Eifer und persönlichem

Einsatz ihre Aufgaben wahrgenommen

haben. Wenn diese Menschen in

öffentlichen Dienststellen, Verbandsbüros

und Unternehmen bereits durch eine

schlechte Ausstattung ihres Arbeitsplatzes

in ihrem Entfaltungsdrang gebremst werden,

verkümmert die Motivation recht

bald. Türmen sich bereits die Aktenberge,

bleibt die Arbeitslust meistens auf der Strecke.

Eine mangelhafte Technik, Elektronik

oder Telekommunikation kann genauso

hinderlich sein für ein motiviertes Arbeiten

wie eine unzureichende Bestuhlung

oder Klimatisierung.

Einer Leiterin von einer Kindertagesstätte

wurde bewusst, dass sie das Zimmer ihrer

Vorgängerin übernommen hatte, ohne dieses

nach Kriterien ihres persönlichen Wohlfühlens

zu gestalten. Bezogen auf bürokratische

Institutionen gibt es einen wichtigen

Auslöser von Arbeitsstörungen wie innerliches

Kündigen und Ausbrennen. Diejenigen

Menschen sind besonders betroffen,

die ihren Beruf als engagierte Einzelfallhilfe

für Personen in schwierigen Situationen

vor Ort verstehen und nun im bürokrati-

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Karin Lange

Gesundheit

schen Sumpf der Organisation, zwischen

Aktenordnern, Computer und einer bremsenden

Verantwortlichkeit versinken. Eine

umständliche und undurchsichtige Verantwortungs-

und Führungsaufteilung,

Schreibtischroutine mit überformalisierten

Berichtwesen sowie verwirrende hausinterne

Abläufe und Änderungen jeweils

gültiger Bestimmungen und Richtlinien

ersticken so manches lodernde Leistungsfeuer

im Keim. Wenn der eigene Einsatz

im Gewirr der behäbigen Institution versickert,

Vorbild- und Anleitungsfunktion

mangelhaft ausgeübt werden und selbst

die eigene Person als Zahnrädchen im

Getriebe (beispielsweise eines Unternehmens)

überflüssig ist, wird sich bald ein

Ausbrennen bemerkbar machen oder, falls

seitens der Person eine Resignation eintritt,

der Weg der inneren Kündigung gewählt.

Eine dauerhafte Überbelastung bzw. Überforderung

führt zu Stress, Erschöpfung

und kann zu einem Zusammenbruch führen.

Übersteigt die Menge der zu betreuenden

Kunden oder Klienten, der zu

schreibenden Berichte, der zu organisierenden

Abläufe die energetische Kapazitätsgrenze,

ist es nur noch eine Frage der

Zeit, wann die Batterie leer ist. Zahlreiche

Betroffene schildern ein beherrschendes

subjektives Empfinden der Überbelastung

und der zu hohen Anforderungen. Oft lag

bei diesen Mitarbeitern, die in einem

Unternehmen beschäftigt waren, ein Mangel

an menschlicher Führung vor, an positiver

Rückmeldung und an Wertschätzung

für die geleistete Arbeit. Menschen, die sich

in ihrer Firma geschätzt und angemessen

belohnt fühlen, klagen kaum über Symptome

des Ausbrennens. Übrigens führt eine

schlechte Bezahlung allein noch nicht zu

einem Burn-out. Das Burn-out Risiko stellt

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koeln09 09.04.2009 10:20 Uhr Seite 55

Karin Lange

Gesundheit

die starke Kluft zwischen dem eigenen

Wertgefühl und der tatsächlichen Bezahlung

dar. Ermöglicht eine Institution ihren

Mitarbeitern nur sehr begrenzte oder gar

keine Möglichkeiten Einfluss auf innerbetriebliche

Abläufe zu nehmen, das bedeutet

auch bei betriebsinternen Angelegenheiten

mitzusprechen, sind hier ebenfalls

die Faktoren des Rückzuges und der

Unzufriedenheit vorprogrammiert. Immer

mehr Unternehmen verstehen zum Glück,

dieses menschliche Potential zu nutzen.

Kleine, effiziente und selbständige

Arbeitseinheiten werden von ihnen

geschaffen und erhöhen die Effizienz an

Stabsarbeit sowie Delegation. Hierüber

wird den Menschen das Gefühl vermittelt,

freiwillig und selbstbestimmt zu arbeiten.

Unter anderem ist für ein Ausbrennen eine

belastende zwischenmenschliche Atmosphäre

am Arbeitsplatz mitverantwortlich.

Dazu zählen beispielsweise überholte,

autoritäre oder lasche und desinteressierte

Führungsstrukturen genauso wie eine

mangelnde Kommunikation. Ganz besonders

der nach unten dünner werdende

Informationsfluss birgt hohe Risiken.

Gefahr droht, wenn sich das Firmenklima

verschlechtert. So wie engagierte Menschen

in ihrem Beruf ausbrennen, wenn

die Enttäuschungen überhand nehmen,

sind ebenfalls die mit ihrem Unternehmen

hochidentifizierten Menschen dann

gefährdet, wenn der Anerkennungs- und

Erfolgsfluss nicht mehr stimmt. Sind

bereits bei führenden und verantwortlichen

Personen Arbeitslust und Initiative

derartig blockiert wie bei einem Ausbrennen,

so neigen sie oft dazu ihre bitteren

Erfahrungen väterlich-verständnisvoll

kund zu tun: „Sie werden auch noch die

Erfahrungen machen, dass Ihre Mühe völlig

vergebens ist“; oder: „Mit solch blauäugigen

Vorstellungen haben wir alle mal

angefangen; kommen Sie mal in unsere

Jahre, und Sie werden alles etwas anders

sehen.“ Ein bestes Beispiel dafür, dass die

Resignation vererbt wird.

Wir wissen, dass die angeführten Aussagen

weniger mit der äußeren als mit der

inneren frustrierten Realität der „alten

Hasen“ zu tun hat. Ebenso offensichtlich

ist, dass ohne Visionen keine Entwicklung

gedeihen kann. Bezogen auf ein geringschätziges

Abschmettern neuer Ideen

durch Bemerkungen wie: „Das haben wir

immer so gemacht“, „Das haben schon

ganz andere versucht“, „Das ist doch gar

nicht genügend abgesichert“ usw. werden

Kreativität, Engagement und Leistungsbereitschaft

unterbunden. Arbeitgeber

stellen dadurch eine nachweislich wirksame

Burn-out-Vorsorge zur Verfügung,

indem sie durch Reisen, Prämien,

Geschenke, Vergünstigungen und gemeinsame

Aktivitäten motivieren, für angemessene

Fortbildungen sorgen und innerbetriebliche

Supervisionen bereitstellen. Wer

hier am falschen Ende spart, der darf sich

nicht über innere Kündigung und Burnout-

Folgeschäden wundern.

Literatur: Prof. Dr. Sven Max Litzcke, Prof.

Horst Schuh, Stress, Mobbing und Burn-out

am Arbeitsplatz, Springer Medizin Verlag,

Heidelberg 2005.

Eckhart H. Müller, Ausgebrannt – Wege aus

der Burn-out-Krise, Verlag Herder Freiburg

im Breisgau 1994.

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Danksagung

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VIELEN

DANK!

Liebe Inserenten!

Mit der Beteiligung in der Festschrift anlässlich unseres

Bord-Polizeifestes haben Sie uns sehr geholfen.

Wir danken Ihnen dafür sehr herzlich!

Liebe Leser!

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Bitte berücksichtigen Sie diese Unternehmen bevorzugt bei

Ihrer nächsten Disposition.

Ihre

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Köln und

Kunst am Waidmarkt e. V.

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