ewe-aktuell 1/2015

eineweltengagement

Jahrgang 18 · März 2015

Weg vom Schwarz-Weiß-Denken

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE:

In deutschen Traditionen Nur ein kleiner Teil Sambias Halbzeit


Seite 2

Editorial

Liebe Leser,

vor Kurzem war ich mal wieder in

Sambia. Zum ersten Mal seit sechs Jahren.

13 Jahre nach meinem Freiwilligendienst.

Beruflich. Nur drei Tage. Und nur in

Lusaka. Natürlich wäre ein Abstecher nach

Süden schön gewesen, mal wieder ins

Bistum Monze, endlich mal wieder in meine

alte Heimat Mazabuka. Aber schön war

es trotzdem. Weil es sich so einfach anfühlte,

so vertraut. Die Interaktion mit den

sambischen Kollegen.

Und dazu die

Überraschung der

Sambier, dass sich

der deutsche Kollege

Chicken mit Nshima

bestellt und dann mit

den Händen isst.

Dass er ein paar

Brocken Tonga

spricht und abends

einen gemeinsamen

Kneipenbesuch anlässlich eines Spiels der

Chipolopolo Boys vorschlägt. Auch das

war schon ein Stück Heimkommen. Und

ein Regal zu Hause in Bonn ziert nun eine

Getränkedose eines bekannten Brauseherstellers:

eine Sonderausgabe zur 50-

jährigen Unabhängigkeit Sambias – noch

schnell am Flughafen, der nun auch eine

elektronische Anzeige hat, erstanden. Ich

schaue sie an, lächle und freue mich auf

das nächste Mal – dann auch gerne wieder

in Mazabuka.

Nun aber wünsche ich beim Eintauchen

in die Welt des nun ein halbes Jahrhundert

alten Landes viel Vergnügen!

Johann Müller

Inhaltsverzeichnis

3

5

8

11

20 Monate Bewährungsprobe

Halbzeit

Weg vom Schwarz-Weiß-Denken

Gasteltern werden

In deutschen Traditionen

4

Nur ein kleiner Teil Sambias

6

Weise Menschen sagen, man solle seine

Samen nicht vor der Regenzeit säen…

9

Herausgeber: eine-welt-engagement (ewe) e.V.

Internet: www.eine-welt-engagement.de

Redaktion: Johann Müller

E-Mail: johann.mueller@eine-welt-engagement.de

Postfach 100523, 52305 Düren

Layout/Satz: Type Art, Herzogenrath

Druck: saxoprint.de

Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt

eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen.

ewe aktuell“ ist im Abonnement gegen eine Spende

erhältlich. Info unter Telefon 02421- 8 79 88

oder unter: info@eine-welt-engagement.de

ViSdP: Guido Schürenberg

Impressum


20 Monate Bewährungsprobe

Edgar Lungu ist neuer

Präsident Sambias...

Nach dem Tod von Präsident Michael

Sata im November vergangenen Jahres (die

ewe berichtete) mussten innerhalb von 90

Tagen Neuwahlen stattfinden, um seinen

Nachfolger zu bestimmen. Mit einer hauchdünnen

Mehrheit von rund 28.000 Stimmen

setzte sich dabei Satas politischer

Ziehsohn Edgar Lungu durch.

In der Movement for Democracy (MMD),

der Partei, die mit Frederick Chiluba, Levy

Mwanawasa und Rupiah Banda die ersten

drei Präsidenten nach Einführung der Mehrparteiendemokratie

1991 stellte, war ein offener

Machtkampf zwischen Banda und

Parteipräsident Nevers Mumba ausgebrochen,

an dessen Ende Mumba zwar als

offizieller MMD-Präsidentschaftskandidat

stand, aber politisch derart stark beschädigt

war, dass er keine ernstzunehmende Rolle

spielte. Somit war klar, dass sich der Einzug

ins State House zwischen den Kandidaten

Sambia wählt im Regen

der von Michael Sata gegründeten Patriotic

Front (PF) und dem Herausforderer von der

United Party for National Development

(UPND) entscheiden werden würde. Während

sich Hakainde Hichilema, ein Geschäftsmann

aus Monze, der seit 2006 bei

jeder Präsidentschaftswahl antrat, schnell

als UPND-Kandidat herauskristallisierte, war

die Kandidatur innerhalb der PF lange offen.

Edgar Lungu wäre wohl der Wunschkandidat

Satas gewesen, Interimspräsident

Michael Scott (ebenfalls PF) versuchte jedoch

lange alles, dessen Kandidatur zu verhindern.

Scott verdarb es sich mit vielen

einflussreichen PF-Kadern, indem er Lungu

zwischenzeitlich als Generalsekretär absetzte.

So konnte er eine Kandidatur des

ebenso wie sein Vorgänger zu Populismus

neigenden Lungu nicht

verhindern.

Die Wahl am 20.Januar (die z.T.

wegen schwerer Regenfälle verlängert

wurde) verlief weitgehend

friedlich, die Auszählung kam wie

auch bei den vergangenen Urnengängen

nur schleppend voran.

Trotzdem wurde bereits einen Tag

nach Bekanntgabe des offiziellen

Ergebnisses am 24.1. Edgar Lungu

ins höchste Staatsamt eingeführt.

Mit 48,33 % der Stimmen hatte er Hakainde

Hichilema (46,67 %) knapp besiegt. Hichilema

hatte in seiner Heimat, der Southern

Province sowie im Westen

und Nordwesten vorne gelegen,

während Lungu in den restlichen

Landesteilen dominierte. In fast

traditioneller Reaktion witterte die

Opposition Wahlbetrug. Die Vorsitzende

der Wahlkommission wies

die Vorwürfe jedoch zurück.

Edgar Lungu hat nun 20 Monate

Zeit, um dringende Herausforderungen

des Landes anzugehen.

Er wird lediglich Satas Legislaturperiode

beenden, bevor im September

2016 dann erneut gewählt wird. Hier

scheint schon sicher zu sein, dass es wieder

zu einem Showdown zwischen Lungu

und Hichilema kommen wird. Lungu wird

sich dann daran messen lassen müssen,

ob er die Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs

bannen und zu einer Verringe-

Seite 3

Edgar Lungu bei der Amtseinführung

rung der nach wie vor großen Armut der

meisten Landsleute beitragen konnte. Eine

zentrale Rolle wird hierbei seine Kupferpolitik

spielen: Sambia ist einer der größten

Kupferexporteure weltweit. Einnahmen aus

dem Kupfergeschäft machen mehr als 70 %

der Deviseneinnahmen aus und tragen ein

Viertel zum Staatshaushalt bei. Zuletzt war

der Kupferpreis jedoch stark gefallen. Nachdem

der Preis für eine Tonne vor vier Jahren

bei 10.000 Dollar lag, erreichte er im Januar

2015 nur noch 6000. Dies schwächte auch

die sambische Währung.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte

die Sata-Regierung die Steuern für die Einnahmen

aus dem Kupfergeschäft verdreifacht,

um eine stärkere Umverteilung des

Wohlstandes herzustellen. Dass dieser

Schuss nach hinten gehen könnte, wurde

deutlich, als die kanadische Minengesellschaft

Barrick, die im Kupfergürtel die Lumwana-Mine

betreibt, offen mit Rückzug

drohte. Die sambische Minenaufsicht warnte

bereits, dass die Kupfereinnahmen in

den nächsten fünf Jahren um 7 Milliarden

Dollar zurückgehen und 12.000 Arbeitsplätze

verloren gehen könnten.

Es ist also eine unruhige Zeit, in der der

58-jährige Jurist Lungu Präsident wird. Ob

er sie ruhiger gemacht hat, wird der sambische

Wähler in 20 Monaten entscheiden.

Johann Müller

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Seite 4

WEIHNACHTEN: Der deutsche Weihnachtstag

hat mir super gefallen. Während

der Adventszeit hatten wir zuhause, in der

Schule und in dem Dorf, in dem ich wohne,

einen Adventskalender. In der Schule

haben die Kinder Süßigkeiten bekommen.

Zuhause haben wir Geschenke für alle gekauft

oder gebastelt, und in meinem Dorf

sind wir jeden Samstag von Haus zu Haus

gegangen und haben Lieder gesungen

und Geschichten erzählt. Glühwein gab es

auch.

Eines Samstags kamen die Bewohner

aus meinem Dorf zu uns nach Hause.

Mein Papa (Gastvater) und ich haben

Glühwein ausgeteilt. Außerdem habe ich

zusammen mit meiner Mutter (Gastmutter)

in einem Chor mitgesungen, der „Gospel

Train“ heißt. Es war wunderbar. Zu

Weihnachten habe ich viele Bücher geschenkt

bekommen, denn ich lese sehr

gerne. Meine Gastfamilie hat auch Geschenke

von mir bekommen.

URLAUB IM SCHNEE: Nach Weihnachten

sind meine Familie, mein Gastonkel,

meine Gasttante, ihre Kinder und ich ins

Sauerland gefahren (ich fand es lustig dass

ein Land als sauer bezeichnet werden

kann), um Ski zu fahren. Am ersten Tag fiel

es mir schwer, aber im Laufe der Woche

klappte es immer besser. Als ich meiner Familie

in Sambia erzählte, dass ich Ski fahren

kann, konnten sie mir nicht glauben.

Ich hatte Spaß, und ich bedanke mich bei

meiner Familie für so eine super Erfahrung.

In deutschen Traditionen

Auf Englisch sagt man, „ Time flies

when you are having fun“, das bedeutet,

dass die Zeit schnell vergeht, wenn man

Spaß hat. Ich sage das, weil sechs Monate

so schnell vorbei gegangen sind und ich es

einfach nicht fassen kann, dass ich nach

ein paar Monaten nach Afrika zurückgehen

werde. Die Leute in Deutschland haben

mich akzeptiert, und ich fühle mich hier

sehr wohl.

Trotzdem vermisse ich meine Familie in

Afrika, besonders an Weihnachten, weil wir

an diesem Tag immer mit der ganzen Familie

zusammen waren. In Sambia besuchen

wir von Weihnachten bis Silvester immer

unsere Großeltern.

EIN NEUES JAHR: So weit so gut. Ich

bin gut im Jahr 2015 angekommen und ich

hoffe, da seid ihr auch!

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist es,

eine Deutsch-Prüfung zu bestehen. Diesen

habe ich in die Tat umgesetzt und mich für

den Deutschunterricht angemeldet.

In Sambia haben sich währenddessen

viele Dinge verändert. Meine Familie ist

umgezogen, mein zweijähriger Bruder hat

mit der Vorschule (Pre-school) angefangen,

und mein anderer Bruder, Tony, hat seine

Abschlussprüfung für die neunte Klasse bestanden.

Jetzt ist er in der zehnten Klasse.

KARNEVAL: Ich muss sagen, dass ich

noch nie etwas wie Karneval erlebt habe.

In der Schule habe ich zusammen mit meiner

Kollegin ein Theaterstück für die Kinder

aufgeführt, welches wir selbst geschrieben

haben. Ein Teil des Theaterstücks war, dass

wir uns als Fliege verkleidet in eine Mülltonne

reingesetzt haben. Die Kinder fanden

es sehr lustig. Außerdem wurde mit

Süßigkeiten herumgeworfen und getanzt.

Ich hatte sehr viel Spaß.

Ich bin noch gespannt auf das, was

noch auf mich zukommt. Soweit ist es super

gelaufen und ich hoffe, dass es so

bleibt, damit ich meine Zeit hier weiterhin

genießen kann. Ich bedanke mich bei meinen

Kolleginnen und Kollegen, die mir immer

helfen. Natürlich bedanke ich mich

auch bei den Kindern in meiner Schule und

bei meiner Gastfamilie sowie beim ewe. Ihr

seid toll!!

Evans Chali


Seite 5

Halbzeit

Nach fünf Monaten gibt es natürlich

viel zu erzählen. Ich habe viel gelacht, viel

erlebt und auch viel gelernt.

Passend zur Halbzeit stand das

Zwischenseminar in Tansania an. Dort trafen

wir auf Freiwillige aus Tansania, Uganda

und Kenia. Während des Seminars

sprachen und diskutierten wir über die

verschiedensten Themen. Wir sprachen

auch über das Thema „Pauschalisierung“,

genauer gesagt darüber, dass das Verallgemeinern

eines einzelnen Lebensbereichs

auf ganz Afrika nicht möglich ist. Ich

habe gemerkt, dass wir in der Gastfamilie

noch mal eine ganz andere Erfahrung machen

als die anderen Freiwilligen in ihren

Einsatzstellen. Das Leben in der Gastfamilie

eröffnet uns tiefe Einblicke in das afrikanische

Leben. Natürlich gehen mit den tieferen

Einblicken auch viele Fragen einher.

Für mich persönlich aber haben sich viele

Fragen in den letzten Monaten von alleine

geklärt.

Viele Dinge habe ich auch anders erlebt

als ich sie zuvor kannte, wie zum Beispiel

Weihnachten und Neujahr. Kein

Weihnachtsbaum, kein Adventskranz, aber

dafür eine schöne Zeit bei meiner Tante.

Wir planten die große „Family Reunion“,

die ganz oben auf der Prioritätenliste

stand. Alle Kinder und

deren Kinder versammelten

sich fast vollständig

in Monze. Der Organisationsstress,

der Wochen

und Tage zuvor herrschte,

löste sich an diesem

Tag wie in Luft auf. Das

zeigte mir, wie wichtig

meiner Familie das „Zusammensein“

ist. Es freute

mich sehr, nun die

komplette Familie, bestehend

aus 11 Kindern,

kennenzulernen.

Im Krankenhaus ha-

be ich meinen Aufgabenbereich gewechselt,

bin jedoch nun wieder im „Social Office“

gelandet, da mir die Arbeit dort am besten

gefällt. Ich bin mittlerweile dabei, die

Patienten zu ihren Behandlungsterminen

zu begleiten und Befreiungen von Behandlungskosten

auszustellen. Im Krankenhaus

arbeite ich mittlerweile von montags

bis freitags, da die Preschool momentan

geschlossen hat.

Wenn ich zwischendurch Zeit hatte

und nicht im Krankenhaus arbeiten war

oder Treffen an der Kirche hatte, begleitete

ich meinen Gastbruder John zu seinem

Bauprojekt. Es ist ungefähr eine halbe

Stunde von unserem Zuhause entfernt. In

Monze wollte er bauen, weil er sagte „home

is where your heart is“. Man kann

auch sagen, dass auch in seinem Projekt

Halbzeit ist, denn im August passend zur

Hochzeit wird er dort mit seiner Frau einziehen.

Insgesamt merke ich, dass mir die anfänglichen

Unterschiede zu meinem Leben

in Deutschland immer weniger bewusst

sind und die Zeit wie im Flug vergeht.

Das Leben 7.345, 54 km (Luftlinie) von

der deutschen Heimat entfernt hat mir viele

Fragen und Eindrücke gegeben. Und auf

die immer auftretende Frage „Nurit, how is

Zambia compared to Germany?“ kann ich

immer mit „It‘s very hot here, in Germany

it’s freezing“ antworten.

Nurit Rudolph

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Seite 6

Nur ein kleiner Teil Sambias

Nach einem halben Jahr mit Höhen und

Tiefen, schwierigen, aber auch wunderschönen

Momenten ertappe ich mich manchmal,

zu denken, dass ich jetzt das sambische Leben

wirklich kenne.

Sambische Gewohnheiten wie beispielsweise

das gegenseitige „Escorting“,

die anfangs noch ungewohnt waren, sind

für mich jetzt ebenfalls alltäglich und mir

ans Herz gewachsen. Trifft man sich mit einem

Freund, verabschiedet man sich nicht

an der Haustür. Man begleitet den anderen

zumindest ein Stück, bringt ihn manchmal

auch ganz nach Hause, um dann seinerseits

wieder nach Hause gebracht zu werden. Eine

Wertschätzung, dass der andere sich die

Zeit genommen hat, vorbeizuschauen!

Doch obwohl so viele Dinge für mich

nun so normal geworden sind, stelle ich immer

wieder fest, wie klein der Teil ist, den

ich von Afrika, Sambia, ja sogar Mazabuka

kenne. Es gibt nicht DAS sambische und

schon gar nicht DAS afrikanische Leben, und

daher ist es so wichtig, Afrika oder Sambia

nicht über einen Kamm zu scheren.

Nachdem meine Preschool, in der ich in

den ersten vier Monaten meines Aufenthaltes

hier in Sambia gearbeitet habe, für die

Ferien im Dezember schloss, hatte ich in der

Adventszeit ein wenig mehr Freiraum und

Gelegenheit, für mich neue Seiten des Lebens

hier kennenzulernen. Gemeinsam mit

einem Freund besuchte ich die Lehrerin, mit

der ich in der Preschool gearbeitet hatte, in

einem Stadtteil Mazabukas, in dem ich zuvor

noch nie gewesen war. Hier wurde mir

bewusst, wie wenig ich von Mazabuka ei-


Seite 7

„Es gibt nicht DAS

sambische und schon

gar nicht DAS

afrikanische Leben, und

daher ist es so wichtig,

Afrika oder Sambia

nicht über einen Kamm

zu scheren.“

gentlich kenne und wie unterschiedlich das

Leben schon innerhalb einer Stadt sein

kann. Gerade die Gegend, in der ich in Mazabuka

mit meiner Familie lebe, ist in vielerlei

Hinsicht sicherlich nicht „typisch“. Da

mein Gastvater als Lehrer an der Privatschule

von „Zambia Sugar“ arbeitet, leben wir in

der sogenannten „Staff Area“ der Firma. Die

Gegend ist sehr ruhig, die Häuser und

Grundstücke sind

großzügig, und die

Nachbarn bleiben –

so habe ich jedenfalls

das Gefühl –

eher unter sich.

Spielt sich das Leben

anderswo viel

Dar-es-Salaam mehr draußen ab,

verbringt man hier

mehr Zeit im Haus oder zumindest in seinem

eigenen Garten. Zu Beginn dachte ich

oft, das sei ja gar nicht „Afrika“ sondern eher

Europa. Nun weiß ich aber: Auch das ist

Afrika, nur eben eine Seite, die man nicht direkt

erwartet.

Ein anderes Mal nahm mich eine

Freundin aus der Nachbarschaft mit zu ihrer

Kirche. Schon vorher wusste ich, dass

es in Sambia weitaus mehr Kirchen gibt als

in Deutschland und dass die Unterschiede

zwischen ihnen viel größer sind als die

zwischen der doch ähnlichen deutschen

evangelischen und katholischen Kirche.

Doch wie unterschiedlich sie sind, überraschte

mich dann doch. Hatte ich bisher

nur katholische Messen in Sambia kennengelernt,

hatte sich in meinem Kopf irgendwie

festgesetzt, dass diese Form des Glaubens

und Betens zum „sambischen“ Leben

dazugehört. Doch dass viele Sambier

ganz anders beten, wurde mir bei dem Besuch

der „Pentecostal Church“ mit meiner

Freundin ganz deutlich. Keine geregelten

Abläufe oder gemeinsames Rezitieren von

Gebeten, kein Priester, sondern sehr freies,

individuelles und emotionales Beten und

ein Prophet, der durch sein Wort – so wurde

mir gesagt – Kranke heilen könne, begegneten

mir hier. Wieder einmal wurde

mir also bewusst, dass auch dies ein Teil

Sambias ist, dass ich bisher nicht Sambia,

sondern nur einen Teil davon kenne und

ich deswegen immer offen für neue Eindrücke

sein muss.

Dass andere afrikanische Länder dann

noch einmal völlig anders sind, liegt jetzt

eigentlich auf der Hand. Durch das

Zwischenseminar in Dar es Salaam hatten

wir die Chance, auch noch einen kleinen

Teil Tansanias kennenzulernen. Schon die

ersten Eindrücke waren ganz anders: heißfeuchtes

Klima, Palmen, verhüllte Frauen,

Straßenverkäufer, die mit ihren Münzen in

der Hand klappern und irgendwie allgemein

mehr los auf den Straßen. Doch bereits

in der nächsten Stadt wieder ein anderes

Bild und Neues zu entdecken!

Kurzum: Auch nach einem halben Jahr

hier in Sambia warten noch viele neue Eindrücke

auf mich, es gibt noch viel kennenzulernen

und ins Herz zu schließen, und

ich freue mich auf das, was kommt!

Lea Hennemann


Seite 8

Weg vom Schwarz-Weiß-Denken

„Muzungu!”, „Mugua!”, „Weiße!“ – egal

wohin ich gehe, diese Rufe werden mich

immer begleiten hier. Ich bin eben weiß.

Dass ich damit hier auffalle, ist ja klar. Aber

warum genau ist das in dem Maße so etwas

Besonderes? Die Kinder werden nämlich

– so wurde mir erzählt – heimlaufen

und freudestrahlend erzählen, dass sie von

einem weißen Mädchen gegrüßt wurden.

Eine Zeitlang habe ich mit einigen

Freunden viel darüber geredet. Mir wurde

zum Beispiel erklärt, dass Kindern erzählt

wird, jeder Weiße habe „english manners“,

benimmt sich also immer richtig. Selbst diese

Freunde von mir sagten, sie hätten sich

genauso gefreut, wenn eine weiße Person

ihnen antwortete, als sie noch klein waren

– bis dann irgendwann der Punkt kam, an

dem sie einsahen , dass ein schwarzer

Mensch genau die gleichen Dinge tun und

schaffen können wie ein weißer Mensch,

dass wir im Endeffekt alle gleich – oder jedenfalls

gleich viel wert, denn einen sichtbaren

Unterschied gibt es ja doch – sind.

Doch selbst dann, sagte ein Freund, ist

es für ihn immer noch schwierig, über mich

„Was ich aber kann,

ist, Einstellungen,

Denken oder Vorurteile

einiger weniger

Menschen ein bisschen

zu beeinflussen“

auf dieselbe Weise zu denken wie über jedes

andere Mädchen. Wie viele Leute ist er

überrascht, dass ich genauso auch putzen,

waschen und kochen kann.

Aber nicht nur die Denkweise Weißen

gegenüber ist anders. Auch das Verhalten.

Manche der Jugendlichen reden oder laufen

sogar anders in meiner Gegenwart,

wurde mir gesagt. Da spielt wieder das „jeder

Weiße ist Englisch“ hinein. Wobei ich

als Deutsche dann sagen muss, dass es mir

ja vermutlich nicht mal auffällt, ob jemand

mit mir normales Englisch redet oder versucht,

einen gewissen Slang zu benutzen.

So langsam glaube ich zu verstehen,

was Sister Chrisencia gemeint hat, als sie

sagte, ein Austausch komplett auf Augenhöhe

sei fast nicht möglich, da ein gewisses

Denken aus allen Köpfen einfach nicht

rauszudenken ist.

Ich hätte nie gedacht, dass es so eine

große Rolle spielt bzw. dann doch zumindest

im Denken einiger Leute irgendwie

wichtig ist, welche Hautfarbe ich habe.


Seite 9

Manchmal fühle ich mich auch unwohl,

wenn manche Leute mir offensichtlich Respekt

zeigen, obwohl ich jünger bin oder

gesellschaftlich es definitiv andersrum angemessen

wäre. Viel tun kann ich nicht, außer

ihnen den Respekt zu zeigen, der ihnen

zusteht. Ich hoffe bloß, dass ich innerhalb

meines Jahres dadurch, dass ich versuche,

das ganz normale Leben einer sambischen

Jugendichen zu leben, in meinem Umfeld

ein bisschen das Bewusstsein verändern

kann.

Dass ich als Abiturientin die Welt nicht

verbessern kann, ist offensichtlich. Aber das

ist ja auch nicht der Sinn unseres Programms.

Was ich aber kann, ist, Einstellungen,

Denken oder Vorurteile einiger weniger

Menschen ein bisschen zu beeinflussen.

So kann ich also nur hoffen, dass nach

meinem Jahr hier wenigstens die Jugendlichen,

mit denen ich ja doch einiges an

Zeit verbringe, diesbezüglich ein wenig anders

denken können und – das ist mein

Ziel – ihre Kinder nicht mehr im Glauben

erziehen, dass ein Weißer immer alles richtig

mache.

Anna Hofbeck

Weise Menschen sagen, man solle seine

Samen nicht vor der Regenzeit säen…

auf mich ausüben, dann will ich immer im

Krankenhaus sein und genieße jede Minute

meiner Arbeit. Inspiration ist sehr wichtig für

mich, denn zu Beginn meiner Arbeit dachte

ich, dass es bestimmt sehr ermüdend sein

würde – auch weil ich Sprache und Kultur

nicht kannte. Aber mein Arbeitsalltag ist anders.

Ich habe mich angepasst und werde

nicht müde. Ich habe endlich mein Ziel gefunden:

das Krankenhaus ist mein Haus,

mein Freund, mein…

Hallo,

ich fühle mich glücklich und geehrt, die

Möglichkeit zu haben, meine Erfahrungen

hier in Deutschland mit den Lesern der ewe

zu teilen. Ich werde über drei Dinge schreiben:

meine Arbeit, meine Gastfamilie und

meine Freizeit.

Zunächst werde ich über meine Arbeit

berichten und all das, was mit ihr zusammenhängt.

INSPIRATION: Ein stimulierender Einfluss

auf den Intellekt oder die Gefühle.

Wenn meine Arbeitskollegen diesen Einfluss

MOTIVATION: Interner und externer Faktor,

der mir Energie gibt, so dass ich die ganze

Zeit den Wunsch habe, weiter zu arbeiten.

Ich schaffe es gar nicht richtig, meine

Gefühle für meine Arbeit in Worte zu packen.

Meine Arbeit und meine Kollegen im

St.Marien-Krankenhaus auf Station 5 haben

mir den Mut gegeben, dass ich mit allen

Schwierigkeiten und Herausforderungen gut

klargekommen bin. Ich habe im Krankenhaus

auch gelernt, wie ich meine Ängste besiegen

kann. Anfangs war ich nervös und

traute mich nicht, an Türen zu klopfen, jetzt


eine-welt-engagement e.v.

Seite 10

komme ich mit allen gut klar und lebe meinen

Traum. Wenn mich jetzt jemand fragt,

was ich studieren will, sage ich „Medizin“.

Ich möchte Chirurg werden.

Nun werde ich über meine Gastfamilie

schreiben:

FAMILIE: Was ist eine Familie? Die meisten

Leute werden sagen, das ist eine Gruppe

von Leuten, die durch Blutsverwandtschaft

bzw. Heirat zusammengehalten wird.

Aber nach meinem Verständnis bedeutet Familie

jetzt, dass es die Menschen sind, mit

denen man zusammen ist. Wenn man lebt,

wenn man stirbt, wenn man Schmerzen hat

oder wenn man glücklich ist. Einfach gesagt:

Ich habe eine tolle Familie, die so viel für

mich macht, weil sie immer gern ein Lächeln

von mir sieht. Meine Familie bringt mich

zum Lachen, sie ist ein echter Segen für

mich.

LIEBE: Darüber zu sprechen ist schwierig.

Für mich ist Liebe ein Gedanke. Meine

Familie denkt die ganze Zeit an mich. Um

die Wahrheit zu sagen: Ich liebe sie und sie

liebt mich. Ich bin bei ihr in guten Händen.

GASTFREUNDSCHAFT: Die meisten Leute

werden sagen, dass Gastfreundschaft bedeutet,

dass dir jemand etwas zu essen

oder ein Dach über dem Kopf gibt. Für meine

Gastfamilie würde ich sagen: Für sie bedeutet

Gastfreundschaft Freundlichkeit und

Großzügigkeit, ihre Gastfreundschaft ist einzigartig.

MENSCHLICHKEIT: Meine Gastfamilie

ist einfach menschlich. Dafür danke ich Gott,

es gibt keine Worte, um auszudrücken, wie

wichtig meine Gastfamilie für mein Wohlbefinden

ist.

POTENTIAL: Meine Gastfamilie gibt mir

die Möglichkeit, mein Potential auszuschöpfen

und mich zu entwickeln.

Vor einigen Wochenhabe ich ein Seminar

besucht. Dafür danke ich dem Bundesfreiwilligendienst

und der Seminargruppe.

Sie haben mir geholfen, mein Deutsch und

meine Arbeitskultur zu verbessern.

Zur Krönung kann ich sagen, dass

ich eine richtig tolle Zeit hier habe. Ich

danke dem ewe und Caritas Monze für alles,

was sie für mich getan haben. Sie sind

hinter jedem von meinen Lächeln. Dankeschön!

Lweendo Kaluwae

Fotonachweise

The Telegraph 1

BBC 1

Evans Chanli 1

Nurit Rudolph 2

Lea Hennemann 3

Anna Hofbeck 2

Lweendo Kaluwa 3

Irmela Kuhlen 1

Ralf Pauli 1


Seite 11

eine welt erleben - Gasteltern werden

„Wir haben uns dafür entschieden Gasteltern für einen sambischen

Jugendlichen zu werden, weil wir die Räumlichkeiten haben,

schon oft Austauschschüler bei uns zu Gast haben und wir

immer wieder aufs Neue neugierig sind, eine andere Kultur kennenzulernen.

Wir würden jederzeit wieder jemanden aufnehmen.

Es ist sehr spannend, eine solche Erfahrung zu machen!“

(Gastmutter, Jahrgang 2014/15)

„Evans ist ein Teil unserer Familie geworden. Wir haben ähnliche

Interessen und verstehen uns super. Ich war nie sonderlich an

Afrika interessiert, und habe mich spontan und ohne viele Erwartungen

entschieden, Evans aufzunehmen. Jetzt erfahre ich

eine ganz neue Dynamik in unserer Familie und mache Dinge,

die ich sonst nie gemacht hätte. Es bereitet mir große Freude

und ich weiß nun, dass eine Familie in Sambia nicht anders

funktioniert als hier in Deutschland.“

(Gastmutter, Jahrgang 2014/15)

Die neuen Freiwilligen sind:

Nelly Kabila aus Zimba und Melody Namano aus Kalomo

Es ist wieder soweit: Wir suchen deutsche Gastfamilien für

zwei sambische Freiwillige!

Jedes Jahr leisten drei deutsche Freiwillige über den Verein eine-welt-engagement

ein Freiwilliges Soziales Jahr über den sozialen

Dienst für Frieden und Versöhnung im Süden Sambias ab. Sie

sind dort zu Gast in sambischen Gastfamilien

und den Pfarrgemeinden.

Um den interkulturellen sozialen

Jugendaustausch nachhaltig zu fördern,

bieten wir auch sambischen Jugendlichen,

im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes

an, ein Jahr in

Deutschland zu leben.

Sie möchten die deutsche Kultur

und Lebensweise kennenlernen, Teil

einer deutschen Pfarrgemeinde und

Bergfest von Lweendo und Evans, den derzeitigen

Freiwilligen aus Sambia

Jugendgruppe werden und sich durch Sozialpraktika beruflich

orientieren.

Wir sind der Meinung, dass dieses Eintauchen in die deutsche

Kultur und Lebensweise am besten durch das Leben und Teilhaben

in einer Gastfamilie geschehen kann. Ähnlich wie unsere Freiwilligen

in Sambia, die auch in sambischen Familien leben.

Aus diesem Grund suchen wir Sie!

Wir, eine-welt-engagement e.v. mit dem Sitz in Düren organisieren,

finanzieren und begleiten den interkulturellen Jugendaustausch.

Die Gastfamilien erhalten von uns bezüglich aller Fragen

ausreichend Unterstützung.

Die sambischen Jugendlichen sollen nach einem Sprachkurs

(der ca. sechs Wochen dauert) ab August jeweils 5 - 6 Monate in

den Familien leben (dabei ist es egal, wie viele Personen im

Haushalt leben).

Wenn Sie Interesse daran haben ein Teil dieses Austausches

zu werden und für einige Monate einen

Platz in Ihrer Familie anbieten

können, setzen Sie sich mit uns in Verbindung!

Wir freuen uns auf Sie!

Irmela Kuhlen: 02429-2301

Nina Braun: 0176-72138505 oder

per Email: NinaBraun92@gmx.de

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Bitte

vormerken!

Dienstag, 23.Juni 2015:

Mitgliederversammlung des ewe

Samstag, 3.Oktober.2015:

20 Jahre ewe - Partnerschaft

entwickelt

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