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ECHO Top500 Tirol 2016

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„Die Teilnahme<br />

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JAHRBUCH DER TIROLER W<br />

Inte<br />

Wirtschaft<br />

Chancen,<br />

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DIGITALISIERUNG:<br />

„Wenn sie einen<br />

Scheißprozess digitalisieren,<br />

dann haben sie<br />

einen scheiß digitalen<br />

Prozess.“<br />

rfens/<strong>Tirol</strong> • www.langbau.at<br />

Thorsten Dirks,<br />

Vorstandsvorsitzender<br />

Telefónica Deutschland Holding<br />

IMPRESSUM: <strong>ECHO</strong> Wirtschaft <strong>Top500</strong> <strong>2016</strong><br />

18.10.16 13:32<br />

Herausgeber und Medieninhaber: <strong>ECHO</strong> Zeitschriften- und<br />

Verlags Ges.m.b.H. , Redaktion: Marian Kröll, Marianna Kastlunger,<br />

Julia Wolfschütz, Gernot Zimmermann Layout/Bildbearbeitung:<br />

Daniela Steixner-Winkler, Anzeigen: Manuela<br />

Gabl, Mag. Birgit Steinlechner, E-Mail: anzeigen@echotirol.<br />

at, Geschäftsführung: Mag. Birgit Steinlechner, Redaktions-,<br />

Verwaltungs adresse: <strong>ECHO</strong> Zeitschriften- und Verlags<br />

Ges.m.b.H., A-6020 Innsbruck, Museumstraße 11 ,<br />

Tel.: 0512/34 21 70; Fax: DW -20<br />

Digital ist besser?<br />

Die Digitalisierung ist zweifellos eines der großen Themen unserer Zeit. Sie lässt kaum jemanden<br />

kalt und sicherlich niemanden unberührt, sei es im Privat- oder im Arbeitsleben.<br />

Digitalisierung bringt Chancen, aber auch Risiken mit sich. Über beide Aspekte sollten<br />

sich Unternehmen bereits jetzt im Klaren sein und entsprechende Strategien entwickeln. Dazu<br />

gehört auch das radikale Infragestellen bisheriger Geschäftsprozesse. Der digitale Wandel verläuft<br />

manchmal disruptiv und verdrängt bestehende Produkte und Dienstleistungen von heute auf morgen.<br />

Das Bankenwesen ist eine der Branchen, deren Geschäftsmodell durch die Digitalisierung und<br />

andere Faktoren, wie das historisch niedrige Zinsniveau, stark unter Druck geraten ist. <strong>Tirol</strong>s Banken<br />

haben sich intensiv mit diesen Herausforderungen beschäftigt und Antworten gesucht - und auch<br />

gefunden. Die Zukunft in der Arbeitswelt hat bereits begonnen. Sie kann aktiv gestaltet oder passiv<br />

erduldet werden. Im Land wird außerdem aktiv an der Attraktivierung des Startup-Ökosystems<br />

gearbeitet.<br />

Das Cover-Artwork illustriert die Dynamik der Digitalisierung mit ihren vielen Schichten und<br />

radikalen Brüchen und ihrem Potenzial zur kreativen Zerstörung. Dank dafür gebührt der schöpferischen<br />

Kraft von Patrick Leiber von ICARUS creative.<br />

Eine informative und anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr<br />

Marian Kröll<br />

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Inhaltsverzeichnis<br />

06 „Respekt für alle Haltungen“<br />

Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer<br />

zu den Themen, die die Stadt bewegen<br />

13 Digitalisierung braucht Strategien<br />

Die Arbeitswelt erfährt einschneidende Veränderungen.<br />

Wohin die Reise geht, ist ungewiss.<br />

18 Qualifikation als Schlüssel zum<br />

Arbeitsmarkt<br />

AMS-Chef Anton Kern vermisst den <strong>Tirol</strong>er Arbeitsmarkt.<br />

22 Keine Angst vor dem Handel 4.0<br />

Der Handel ist im Wandel. Herausforderungen sieht<br />

man vor allem als Chancen.<br />

26 Kammerspiele<br />

Die Präsidenten der Arbeiter- und Wirtschaftskammer<br />

in der Gegenüberstellung.<br />

30 Von Büchern und versifften Taxis<br />

Für Cyberguru Wieland Alge ist die Digitalisierung<br />

zwar nicht neu, aber gut.<br />

36 Erfahrung aus erster Hand<br />

IT-Spezialist Christoph Holz über seine Entscheidung,<br />

sich einen RFID-Chip implantieren zu lassen.<br />

42 Die Transformation in der<br />

Industrie läuft<br />

Für WK-Spartenobmann Industrie Hermann Lindner<br />

sind die Hausaufgaben in der Industrie gemacht.<br />

46 Den Wandel gestalten<br />

IV-<strong>Tirol</strong>-Präsident Christoph Swarovski will den<br />

digitalen Wandel aktiv gestalten.<br />

50 Die Vermessung des Start-up-<br />

Ökosystems<br />

Standortagentur <strong>Tirol</strong> GF Harald Gohm im Interview.<br />

56 Eine Lehre am Bau bietet viele<br />

Möglichkeiten<br />

Die Lehrlingsverantwortungen der Bodner Gruppe<br />

über Lehre und Fachkräfte<br />

60 „Auf Time-to-Market<br />

kommt es an“<br />

Travel Partner CEO Michael Poot über mangelnde<br />

Innovationsfreude im Tourismus.<br />

66 The Times They<br />

Are a-Changin’<br />

<strong>Tirol</strong>s Banken und ihre Strategien in<br />

herausfordernden Zeiten.<br />

80 Missverhältnis zwischen<br />

Aufwand und Ertrag<br />

OeNB-WEST-Direktor Armin Schneider über die<br />

Bankenlandschaft<br />

84 Das Klima wandelt sich<br />

Der Klimawandel verursacht immense kosten, weiß<br />

Schoellerbank-Chefanalyst Christian Fegg.<br />

92 „Aus einem Bündel ist ein<br />

Rucksack geworden“<br />

Wirtschaftstreuhänder-Kammerpräsident Klaus<br />

Hilber im Interview.<br />

94Tourismus braucht positive<br />

Zahlen und Gefühle<br />

Mit dem Zahlenwerk bekommt der Tourismus<br />

analytischen Auftrieb.<br />

98 Klaviatur mit neuen Tasten<br />

Vergaberechtsexperte Herbert Schöpf über die<br />

Chance auf eine neue Ära in der Baukultur.<br />

100 „Der Unternehmer steht<br />

am Pranger“<br />

Steuerberater Alexander Gessler im <strong>ECHO</strong>-<br />

Gespräch.<br />

102 „Im Hamsterrad immer<br />

schneller laufen“<br />

Rechtsanwalt Gernot Moser über die<br />

Digitalisierung in der Justiz.<br />

106 Digitalisierung spart keine<br />

Steuern, aber Geld<br />

Die Steuerexperten Markus und Stefan Erharter<br />

über die Digitalisierung.<br />

108 Effiziente Lösungen<br />

Rechtsanwalt Hermann Holzmann über<br />

außergerichtliche Lösungen.<br />

112 Damit der letzte Wille gilt<br />

Rechtsanwalt Christian Pesl über das neue<br />

Erbrecht.<br />

118 Basic Instinct<br />

Die ICARUS-Kreativen über gutes Handwerk als<br />

Basis für Kreatives.<br />

122 Digitale Zukunftsmusik<br />

ab sofort<br />

<strong>Tirol</strong>er Software von p&p erobert Europa.<br />

130 Mit Kooperation über sich<br />

hinauswachsen<br />

Das Förderprogramm K-Regio zeigt bei Oroboros<br />

Wirkung.<br />

136 Atypische Finanzierung<br />

Mit dem Stitfungsmodell Parkinson-Forschung<br />

finanzieren.<br />

140 Englisch lernen nach Maß<br />

Ian Barnes und die neue Art des Lernens<br />

142 Warum Sprache auch<br />

barrierefrei sein muss<br />

b‘kom macht Infos Allen zugänglich<br />

144 Fixpunkt für Recruiter<br />

Die CAREER & Competence ist das Recruiting-<br />

Highlight in <strong>Tirol</strong>.<br />

146 „Eine aktivere Rolle als<br />

Veranstalter spielen“<br />

Olympiaworld-GF Michael Bielowski über<br />

Gegenwart und Zukunft<br />

148 „Wir werden niemals ein<br />

Billiganbieter werden“<br />

Im Gespräch mit planlicht-GF Felicitas Kohler.<br />

152 Der Innovationsmotor surrt auf<br />

der grünen Wiese<br />

Eine Geschichte über World-Direct, eine Innovationsschmiede<br />

aus Sistrans.<br />

154 Wer viele Gruben gräbt sollte<br />

sich gut versichern<br />

Steinmayr-GF Michael Perlornigg über<br />

maßgeschneiderte Versicherungslösungen<br />

162 Teurer Lebens-,<br />

guter Arbeitsraum<br />

Wohnen ist teuer, beim Gewerbe zeigt sich ein<br />

differenziertes Bild.<br />

172 Der Mittelstand kehrt der Stadt<br />

den Rücken<br />

S real-GF Ingmar Schwabl im Gespräch.<br />

176 „Lage, Lage, Lage“<br />

Die Luxus-Immobilienmakler von Bonne Apart<br />

im Interview.<br />

180 Raus aus der Nische<br />

Elektromobilität: Des Menschen liebstes<br />

Fortbewegungsmittel unter Strom.<br />

RANKING<br />

189 Wirtschaftskraft<br />

Die <strong>Tirol</strong>er Bezirke im Vergleich<br />

190 Bezirks-Ranking<br />

Die erfolgreichsten Unternehmen nach Bezirken<br />

192 Top 50<br />

Die 50 umsatzstärksten <strong>Tirol</strong>er Unternehmen<br />

194 51-500<br />

Die 450 <strong>Tirol</strong>er Top-Unternehmen im Überblick<br />

216 Firmen von A-Z<br />

Die <strong>Top500</strong> Unternehmen in alpabetischer<br />

Reihenfolge


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LEHRLINGSAUSBILDUNG<br />

Seit mehr als 50 Jahren bildet Swarovski Lehrlinge aus und investiert damit in einen wichtigen<br />

Pfeiler für den Erfolg des Unternehmens. Derzeit werden in Wattens 100 Lehrlinge ausgebildet.<br />

Die Lehrlingsausbildung wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei Swarovski einnehmen.<br />

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eine optimale Grundlage für eine erfolgreiche<br />

Karriere. Auch kommendes Jahr stehen<br />

wieder Lehrplätze zur Verfügung. 90<br />

Prozent der Lehrlinge werden nach Ende<br />

übernommen. Die Absolventen sind nicht<br />

nur bei Swarovski gefragt, auch andere Industriebetriebe<br />

bemühen sich um die hervorragend<br />

qualifizierten Lehrlinge aus dem<br />

Hause Swarovski.<br />

Die eigene Facharbeiterausbildung bildet<br />

bei Swarovski seit jeher einen wichtigen Bestandteil<br />

der Mitarbeiterentwicklung. Die<br />

Lehrlinge profitieren von erstklassigen Arbeitsbedingungen,<br />

der großzügigen Lehrwerkstätte<br />

mit modernsten Maschinen und<br />

der eigenen Werksberufsschule. Nur wenige<br />

Betriebe in Österreich haben die Möglichkeit,<br />

die praktische und theoretische<br />

Ausbildung so eng zu vernetzen. Zusätzlich<br />

bietet Swarovski den Lehrlingen auch die<br />

Möglichkeit, Lehre und Matura zu machen.<br />

Die Lehrzeit wird dabei nicht verlängert.<br />

Fotos: Swarovski<br />

WATTENS. Bestens ausgebildete<br />

Fachkräfte bilden das Rückgrat<br />

jedes Unternehmens. Als<br />

staatlich ausgezeichneter Lehrbetrieb mit<br />

werkseigener Berufsschule bietet Swarovski<br />

seit über 50 Jahren Ausbildungen in den<br />

Berufen Prozesstechnik, Metalltechnik-Maschinenbautechnik,<br />

Elektrotechnik-Automatisierungs-<br />

und Prozessleittechnik. Der<br />

Ausbildungserfolg ist messbar: Als Lehrling<br />

bei Swarovski lernt man nicht nur von Besten,<br />

sondern gehört auch zu den Besten.<br />

Jahr für Jahr landen Swarovski Lehrlinge<br />

bei Landeswettbewerben auf den ersten<br />

Plätzen.<br />

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Seit der Einführung einer eigenen Lehrlingsausbildung<br />

wurden bei Swarovski<br />

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setzt Swarovski zukunftsgerichtete<br />

Maßnahmen und bietet jungen Menschen<br />

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top 500 | INTERVIEW<br />

„Respekt für alle Haltungen“<br />

Interview. Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer erklärt ihre<br />

Positionen zum Bevölkerungswachstum, der Neuverschuldung, zur Kritik an<br />

den Bürgerbeteiligungsprozessen und zu erneuten Olympischen Spielen in Innsbruck.<br />

<strong>ECHO</strong>: Bis 2035 soll Innsbrucks<br />

Bevölkerung laut Prognose<br />

um rund 20 Prozent auf<br />

etwa 150.000 Menschen anwachsen.<br />

Wohnraum ist bereits<br />

jetzt nicht genügend vorhanden.<br />

Mit welcher Strategie will die<br />

Stadt diese Bevölkerungsentwicklung<br />

bewältigen? Am Bau<br />

neuer Sozialwohnungen wird<br />

wohl kein Weg vorbeiführen.<br />

Inwieweit wird sich die Stadt<br />

dabei auf Nachverdichtung verlassen,<br />

inwieweit will man bestehendes<br />

gewidmetes Bauland<br />

mobilisieren?<br />

Christine Oppitz-Plörer:<br />

Der Zuzug nach Innsbruck als<br />

„Metropol-Region“ beweist, dass<br />

die Stadt Innsbruck aufgrund<br />

der vorhandenen Infrastruktur<br />

sehr attraktiv ist. Wir erleben den<br />

Trend, dass auch ältere Menschen<br />

wieder in die Stadt zurückkehren.<br />

Grundsätzlich ist Zuzug<br />

für eine Stadt eine Auszeichnung,<br />

wenn andere Orte massiv<br />

mit den negativen Folgen von<br />

Abwanderung kämpfen müssen.<br />

Trotzdem werden wir als Stadt<br />

Innsbruck die Abwanderung aus<br />

anderen Regionen nicht allein<br />

schultern können, sondern müssen<br />

als „Metropol-Region“ mit<br />

den anderen Regionen zusammenarbeiten.<br />

Aufgrund der Erfahrungen<br />

der vergangenen zehn<br />

Jahre, in denen der zusätzliche<br />

Wohnraumbedarf zu mehr als<br />

70 Prozent durch Verdichtung,<br />

Umnutzung und Umstrukturieren<br />

im Bestand abgedeckt wurde,<br />

gehen wir davon aus, dass 50 Prozent<br />

des erwarteten Wohnraumbedarfs<br />

durch Nachverdichtung<br />

und Umnutzung abgedeckt<br />

werden. Die übrigen 50 Prozent<br />

werden zu jeweils der Hälfte –<br />

das entspricht zwischen 15 bis<br />

18 Hektar – durch Mobilisierung<br />

bereits gewidmeten Baulands<br />

und durch Neuwidmungen zu<br />

befriedigen sein. Derzeit sind in<br />

Innsbruck fast 90 Hektar unbebautes,<br />

aber für Wohnen gewidmetes<br />

Bauland vorhanden, das<br />

allerdings oft nicht verfügbar ist.<br />

Der geförderte Wohnbau und<br />

insbesondere der geförderte<br />

Mietwohnungsbau hat absolute<br />

Priorität, damit die Vergabe von<br />

Wohnungen weiterhin im Vermögen<br />

der öffentlichen Hand<br />

und damit in der Hand der Innsbruckerinnen<br />

und Innsbrucker<br />

bleibt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Haus der Musik,<br />

MCI-Neubau, Regionalbahn,<br />

Patscherkofelbahn: In der Stadt<br />

Innsbruck herrscht rege Bautätigkeit,<br />

getrieben durch Investitionen<br />

der öffentlichen Hand.<br />

Damit geht auch eine größere<br />

Neuverschuldung einher. Wie<br />

steht die Stadt finanziell da?<br />

Oppitz-Plörer: Mit einem<br />

wirtschaftlichen Impulspaket für<br />

das Jahr <strong>2016</strong> sichern wir Werte<br />

wie Stabilität, sozialen Frieden,<br />

Lebensqualität und Versorgungssicherheit.<br />

Eine noch nie dagewesene<br />

Investitionskraft von 110<br />

Millionen Euro im außerordentlichen<br />

Haushalt und 350 Millionen<br />

im ordentlichen Haushalt<br />

sprechen eine deutliche Sprache.<br />

Damit investieren wir nachhaltig<br />

Foto: Friedle, Innsbrucktourismus/Mario Webhofer<br />

6<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


in unsere Bürger, unsere Stadt<br />

und kommende Generationen.<br />

Von diesen 110 Millonen Euro<br />

kommen zudem 95 Prozent der<br />

regionalen Wirtschaft zugute<br />

und sichern hunderte Arbeitsplätze.<br />

Wir nehmen in Innsbruck<br />

das Heft in die Hand und gehen<br />

die großen Herausforderungen<br />

offensiv an. Nicht jammern, sondern<br />

handeln, ist unsere Devise.<br />

Das Innsbrucker Budget ist engagiert,<br />

mutig, tatkräftig und dynamisch<br />

– wie die Entwicklung in<br />

unserer Stadt. Wir verschwenden<br />

keine Energie in Blockaden – wir<br />

setzen unsere Energie für Lösungen<br />

ein.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie stehen Sie dem<br />

Vorwurf der Schuldenpolitik gegenüber?<br />

Oppitz-Plörer: Wir investieren<br />

nicht auf Kosten der, sondern<br />

für die Kinder und Enkelkinder.<br />

Die Straßen- und Regionalbahn,<br />

das Haus der Musik, das Kletterzentrum,<br />

die Wohnbauten, die<br />

Bildungseinrichtungen wie Kindergärten<br />

oder die Patscherkofelbahn<br />

stehen mindestens die nächsten<br />

50 Jahre der Bevölkerung zur<br />

Verfügung. Deswegen wird auch<br />

die Finanzierung auf mehrere<br />

Jahrzehnte verteilt. Ich vergleiche<br />

dies mit einem verantwortungsbewussten<br />

Privatmenschen, der mit<br />

einem durchschnittlichen Brutto-Jahreseinkommen<br />

von rund<br />

26.000 Euro ebenso für langfristige<br />

Anschaffungen einen Kredit<br />

aufnimmt und dies teils sogar im<br />

Umfang von mehreren Jahresgehältern.<br />

Bei einem Budget von 330<br />

Millionen Euro nehmen wir Gelder<br />

im Rahmen von 150 Millionen<br />

Euro – sozusagen ein halbes Jahresgehalt<br />

– für Finanzierungen auf.<br />

Bei einer privaten Person wird es<br />

positiv gesehen, Geld für langfristige<br />

Investitionen aufzunehmen.<br />

Wir sehen dies als Stadt Innsbruck<br />

gleich und investieren nachhaltig.<br />

Unternehmerisch wie politisch<br />

gesehen gibt es keine bessere Zeit<br />

für Investitionen. Die Zinsen sind<br />

im Keller, Fremdkapital kann so<br />

günstig wie noch nie für sinnvolle<br />

Investitionen aufgenommen werden.<br />

So handeln auch verantwortungsvolle<br />

Privatmenschen. Wir<br />

sind nicht gewählt worden, um<br />

den Stillstand zu verwalten, sondern<br />

um die Stadt in eine sichere<br />

Zukunft zu führen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Stadtteiltage, bei<br />

denen Sie mit den Bürgern in<br />

Dialog treten wollten, wurden als<br />

„Polit-Show“ bezeichnet. Man<br />

wirft Ihnen vor, Bürgerbeteiligung<br />

nicht ernst genug zu nehmen. Was<br />

sagen Sie zu diesem Vorwurf ?<br />

Oppitz-Plörer: Die Innsbrucker<br />

Stadtregierung hat sich darauf<br />

verständigt, die Bürgerbeteiligung<br />

fest zu verankern, um die in Innsbruck<br />

lebenden Menschen stärker<br />

in demokratische Entscheidungsprozesse<br />

miteinzubeziehen. Rund<br />

30 Bürgerbeteiligungsprozesse<br />

wurden bislang abgeschlossen<br />

bzw. sind noch am Laufen. Es wurde<br />

beispielsweise ein Stadtteilprozess<br />

in Anpruggen sowie einer in<br />

Mühlau abgewickelt und ein Leitbild<br />

für den Stadtteil Vill entwickelt.<br />

Aktuell wird die Zukunft der<br />

Talstation Igls intensiv erarbeitet.<br />

Ob BürgerInnenrat, Stadtrundgänge,<br />

Stadtteilkonferenzen oder<br />

Zukunftstage – das Spektrum der<br />

Beteiligungs-Instrumente ist breit.<br />

Wesentlich ist dabei die gute und<br />

umfassende Zusammenarbeit von<br />

Bürgern, Politik und Verwaltung,<br />

die auf gegenseitigem Vertrauen<br />

und einem gelebten Miteinander<br />

fußt. Deswegen haben wir das<br />

neue Format der Stadtteiltage entwickelt,<br />

das von den Bürgern sehr<br />

gut angenommen wird. Es ist ein<br />

Zeichen für die Zukunft des Dialogs.<br />

Denn unter Polit-Shows verstehe<br />

ich herkömmliche konservative<br />

Podiumsdiskussionen, bei de-<br />

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nen oft nur der Auftritt Einzelner<br />

als Show-Effekt übrigbleibt. Bei<br />

den Stadtteiltagen hat jede Bürgerin<br />

und jeder Bürger die Möglichkeit,<br />

mit seinem Anliegen zu uns<br />

zu kommen. Diese Gespräche auf<br />

Augenhöhe mit den Bürgern sind<br />

uns wichtig. Auch künftigen Regierungen<br />

empfehle ich es, dieses<br />

Format weiterzuverfolgen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der „Wutbürger“, der<br />

erst vor wenigen Jahren in die<br />

Sprache Einzug gehalten hat,<br />

findet sich mit seinesgleichen in<br />

(Wut-)Bürgerinitiativen zusammen,<br />

bei denen es scheint, dass es<br />

nicht um Dialog, sondern hauptsächlich<br />

um Obstruktion geht.<br />

Können Sie dieser These etwas<br />

abgewinnen?<br />

Oppitz-Plörer: Auch wenn<br />

die Herangehensweisen und<br />

Sichtweisen manchmal unterschiedlich<br />

sind, so haben doch<br />

alle gemeinsam das Ziel, die hohe<br />

Lebensqualität in unserer Stadt<br />

zu erhalten und Innsbruck noch<br />

lebenswerter zu machen. Uns<br />

freut das große Interesse an den<br />

Projekten der Stadt. In diesem<br />

Sinne möchten wir alle Bürger<br />

transparent auf dem Laufenden<br />

halten. Ich respektiere alle Haltungen,<br />

auch wenn ich sie nicht<br />

teile. Rechte haben und Rechte<br />

erhalten, sind zwei unterschiedliche<br />

Parameter. Wir bemühen<br />

uns, für alle Ansprüche Platz zu<br />

finden und Nutzungskonflikte<br />

möglichst zu vermeiden. Sehr<br />

oft müssen wir dann als gewählte<br />

Mandatare im Gemeinderat entscheiden.<br />

Festzuhalten ist, dass<br />

Entscheidungen, mit denen einige<br />

nicht einverstanden sind, nicht<br />

automatisch „gegen die Bevölkerung“<br />

sind. Nicht jede Gruppe,<br />

die sich „Interessengemeinschaft“<br />

nennt, ist „das Volk“. Konkret:<br />

Soll es im Klosteranger auf einem<br />

etwa 10.000 Quadratmeter großen<br />

Grundstück eine Wohnanlage<br />

mit 129 Wohnungen – die<br />

Hälfte davon gefördert – geben?<br />

Das betrifft wohnungssuchende<br />

junge Familien und insgesamt<br />

150.000 Innsbruckerinnen und<br />

Innsbrucker. Nicht nur einige<br />

Anrainer. Diese haben legitime<br />

Interessen, die selbstverständlich<br />

im Verfahren zu bedenken sind.<br />

Über das „ob“ entscheidet mit<br />

Flächenwidmung und Bebauungsplan<br />

der von den Bürgern<br />

gewählte Gemeinderat, nicht eine<br />

„Interessensgemeinschaft“ von<br />

Nachbarn. Würde sich die Politik<br />

allein an den Rufen der Bürgerinitiativen<br />

orientieren, gäbe es weder<br />

eine Hungerburgbahn noch<br />

ein Rathaus oder das Kaufhaus<br />

Tyrol oder die Autobahnabfahrt<br />

Innsbruck Mitte. Dass wir die Initiativen<br />

aber ernst nehmen und<br />

uns mit diesen auseinandersetzen,<br />

beweisen wir. So gab es unter<br />

anderem zwei intensive Treffen<br />

mit dem Vorstand der Bürgerinitiativen<br />

und weitere Gespräche<br />

werden folgen. Übrigens ist im<br />

Vorstand der Bürgerinitiativen<br />

auch ein politischer Mandatar<br />

vertreten, der ebenso seinen politischen<br />

Zugang wahrnehmen<br />

könnte. Ich befürworte den<br />

Einsatz der Initiativen und freue<br />

mich darauf, sollten sie sich entschließen<br />

bei der nächsten Gemeinderatswahl<br />

teilzunehmen,<br />

um am Ende vielleicht auch aktiv<br />

und konstruktiv im nächsten Gemeinderat<br />

mitzuarbeiten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was haben Sie sich von<br />

der Hereinnahme der ÖVP in<br />

die Koalition während der Legislaturperiode<br />

versprochen?<br />

Oppitz-Plörer: Bereits die<br />

erste Hälfte der Regierungsperiode<br />

2012 bis 2018 war von einem<br />

überaus konstruktiven Miteinander<br />

auf Augenhöhe geprägt.<br />

Aufgrund der für alle europaweit<br />

spürbaren gesellschaftlichen<br />

Herausforderungen war und ist<br />

eine Zusammenarbeit aller produktiven<br />

Kräfte vernünftig. Um<br />

in solch gesellschaftlich herausfordernden<br />

Zeiten nachhaltige<br />

Investitionen für die Zukunft tätigen<br />

zu können, bildet ein geeinter<br />

Stadtsenat ein gutes Fundament<br />

für die weiteren Entscheidungen<br />

zum Wohl der Bevölkerung. <br />

<strong>ECHO</strong>: Innsbruck ist zweimaliger<br />

Austragungsort Olympischer<br />

Winterspiele. Wie stehen Sie einer<br />

dritten Austragung gegenüber, die<br />

vom ÖOC forciert wird?<br />

Oppitz-Plörer: Wie sportbegeistert<br />

die <strong>Tirol</strong>er und im Besonderen<br />

die Innsbrucker sind, zeigt<br />

allein die Zahl von rund 50.000<br />

verkauften Freizeittickets pro<br />

Jahr. Die ausgezeichnete Sportinfrastruktur<br />

hat einen hohen<br />

Stellenwert für die Bevölkerung.<br />

Diese kann in diesem Umfang<br />

zur Verfügung gestellt werden,<br />

weil die <strong>Tirol</strong>er Landeshauptstadt<br />

sowohl in der Vergangenheit als<br />

auch zukünftig Austragungsort für<br />

internationale Sportgroßveranstaltungen<br />

war und ist. Daher gibt es<br />

eine Ausgangsbasis für eine Machbarkeitsstudie.<br />

Die Entscheidung<br />

muss selbstverständlich bedachtsam<br />

vorgenommen werden. Es ist<br />

eine langfristige Entscheidung, die<br />

neben dem sportlichen auch einen<br />

jungen, modernen, kulturellen<br />

Rahmen braucht. Land <strong>Tirol</strong> und<br />

Stadt Innsbruck sind jedenfalls<br />

dafür bekannt, aus Sportgroßveranstaltungen<br />

einen Mehrwert für<br />

die Bevölkerung zu generieren. Bei<br />

den Youth Olympic Games 2012<br />

haben wir eine Trendwende eingeleitet<br />

und den neuen olympischen<br />

Gedanken aufgezeigt: neue nachhaltige<br />

Formate, die ökologisch,<br />

ökonomisch sowie sozial nachhaltig<br />

Wirkung zeigen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Innsbruck ist ein starker<br />

Wirtschaftsraum. Wo sehen Sie<br />

die größten Entwicklungspotenziale?<br />

Oppitz-Plörer: Wir haben eine<br />

herausragende Basis an etablierten<br />

Unternehmen. Neben diesem<br />

Rückgrat der wichtigen hunderten<br />

mittleren Betriebe sind Projekte<br />

wie COWO <strong>Tirol</strong>, welche für die<br />

gelungene Verbindung von Wirtschaft,<br />

Natur und Tourismus stehen,<br />

wichtig. Seit der Übernahme<br />

der Patscherkofelbahnen durch<br />

die Stadt und der Einleitung des<br />

Entwicklungsprozesses rund um<br />

Glungezer und Patscherkofel haben<br />

sich dynamische Prozesse in<br />

wirtschaftlicher, kultureller und<br />

touristischer Hinsicht etabliert.<br />

Mit COWO <strong>Tirol</strong>, dem höchsten<br />

Coworking Space der Alpen<br />

am Patscherkofel, wird die alpinurbane<br />

Marke unserer Stadt weiter<br />

gefestigt. Die Entscheidung<br />

für den Neubau der Bahn wird es<br />

auch künftig rasch ermöglichen,<br />

solche kreativen Kooperationen<br />

von Wirtschaft, Natur und Tourismus<br />

auszubauen.<br />

Interview: Marian Kröll<br />

8<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


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Nr. 82 99<br />

www.langbau.at<br />

Baustoffe | Hoch- und Tiefbau | Fertigteilbau | Baumärkte<br />

Die Firma Ing. Hans Lang GmbH, getragenen hen Leistungsbereitschaft und fachlich bestens getragenen ausgebildeten<br />

fachlich bestens Mitarbeiterstab, ausgebildeten welcher Mitarbei-<br />

alle<br />

und<br />

mit Standorten in Terfens/Vom-<br />

in Vomperbach (Verwaltung, Produkti-<br />

Produktion),<br />

Fritzens Fritzens (Betonmischanlage (Betonmischanlage und Kies-<br />

Einfamilienhaus nen Bauens – vom über Einfamilienhaus den mehrge-<br />

über<br />

Bereiche terstab, welcher des modernen alle Bereiche Bauens des moder-<br />

– vom<br />

und werk), Kieswerk), Jenbach Jenbach und Aschau und im Aschau Zillertal im schossigen den mehrgeschossigen Wohnbau, Wohnbau, Gewerbe-, Gewerbe-,<br />

Industrie- und Kommunalbauten und Kommunalbauten aller aller Art,<br />

Industrie-<br />

Zillertal (Baumärkte, (Baumärkte, Baustoffhandel), Baustoffhandel) Oberndorf<br />

und bei Kitzbühel Oberndorf (Produktion bei Kitzbühel und (Produktionhandel)<br />

Baustoffhandel), sowie der Zweigniederlassung<br />

ist Westösterrei-<br />

technisch zur höchst anspruchsvollen Alchs<br />

hoch3 größter Gewerbbau Baustofferzeuger, in Oberschleißheim<br />

eines der pintechnik (Seilbahnbauten, Lawinenver-<br />

Lawinen-<br />

Baustoff-<br />

Tourismus- Art, Tourismus- und und Hotelbauten bis hin bis zur hin<br />

führenden bei München, Bauunternehmen ist Westösterreichs <strong>Tirol</strong>s größter<br />

Baustofferzeuger, der größten Arbeitgeber eines der führenden<br />

im Bezirk<br />

und verbauungen udgl.) udgl.) abdeckt. abdeckt.<br />

einer<br />

Schwaz. Bauunternehmen Die vier Hauptgeschäftsbereiche<br />

<strong>Tirol</strong>s und einer der<br />

FERTIGTEILBAU<br />

des größten Unternehmens Arbeitgeber sind im die Bezirk Produktion Schwaz. Der Lang-Fertigteilbau ist der größte<br />

von Die Baustoffen, vier Hauptgeschäftsbereiche der Hoch- und Tiefbau, des Unternehmens<br />

Fertigteilbau sind die sowie Produktion der Baustoffhan-<br />

von Bau-<br />

die Produktion und und Montage Montage von Stahlbeton-<br />

von Stahl-<br />

Produzent und Anbieter in in Bezug Bezug auf auf die<br />

der<br />

del stoffen, und die der Baumärkte. Hoch- und Tiefbau, der Fertigteilbau<br />

sowie der Baustoffhandel und Westösterreich. reich. Auch außerhalb Auch <strong>Tirol</strong> außerhalb verzeichnet <strong>Tirol</strong><br />

beton- und Spannbetonfertigteilen und Spannbetonfertigteilen in Westöster-<br />

in<br />

die Baumärkte. BAUSTOFFE<br />

verzeichnet die Firma Lang die Firma eine starke Lang eine Präsenz starke in<br />

Grundlage der LANG-Baustoffproduktion,<br />

welche derzeit BAUSTOFFE an den Werksstandgefertigte<br />

Lang-Betonfertigteile Lang-Betonfertigteile werden vornehmlich werden<br />

Präsenz Südtirol in und Südtirol Oberbayern. und Oberbayern. Vorgefertigte Vororten<br />

Grundlage Terfens/Vomperbach, der LANG-Baustoffproduktion,<br />

welche Zillertal derzeit und Oberndorf an den Werksstandorten<br />

bei Kitzbü-<br />

und bauwerken Kommunalbauwerken sowie im modernen sowie Wohnbau im mo-<br />

Aschau vornehmlich bei Gewerbe-, bei Industrie- Gewerbe-, und Kommunal-<br />

Industrieihel<br />

Terfens/Vomperbach, produziert, ist die Aschau Aufbereitung im Zillertal der dernen eingesetzt. Wohnbau eingesetzt.<br />

grundeigenen Oberndorf mineralischen bei Kitzbühel produziert,<br />

Rohstoffe<br />

mittels ist die Aufbereitung Kalksteintagebau der grundeigenen<br />

in Terfens/ BAUMÄRKTE (BAUSTOFFHANDEL)<br />

Vomperbach mineralischen bzw. Rohstoffe Fritzens mittels und Kalksteintagebau<br />

Veredelung in Terfens/Vomperbach zu den Finalprodukten bzw. und Aschau betreibt die Firma Lang zwei<br />

Schotter/ Fritzens und Kies/Sand, deren Veredelung Transportbeton, zu den Fi-<br />

Kombistandorte mit Baustoff- und Ein-<br />

Beton nalprodukten für die Schotter/ Produktion Kies/Sand, der Fertigteile, Transzelhandel<br />

bzw. Baumärkten. Beide bieten<br />

Wandbausteine portbeton, Beton aus für Kalksplitt die Produktion und Bläh-<br />

der ein Sortiment von ca. 60.000 Artikeln für<br />

ton Fertigteile, (Liapor) Wandbausteine sowie Großflächendecken.<br />

aus Kalksplitt den Heimwerker bis zum Bauprofi. Der<br />

Die und Eigenproduktionen Blähton (Liapor) sowie der Großflächen-<br />

Firma Lang Bereich Baustoffhandel, welcher außer in<br />

sind decken. vornehmlich Die Eigenproduktionen Betonbauprodukte der Fir-<br />

Jenbach und Aschau noch an an den Standor-<br />

Stand-<br />

deren<br />

Mit den LANG hagebau centren Jenbach<br />

bzw. ma Lang solche sind die vornehmlich dem Sammelbegriff Betonbauprodukte<br />

bzw. solche die zugeordnet dem Sammelbegriff<br />

sind. dorf bei Kitzbühel bei Kitzbühel positioniert positioniert ist, vertreibt, ist, ver-<br />

ne-<br />

BAU- orten Terfens/Vomperbach und und Oberndorf Obern-<br />

MASSIV-Baustoffe<br />

BAU-MASSIV-Baustoffe zugeordnet sind. treibt, ben den neben Lang-Eigenprodukten, den Lang-Eigenprodukten, sämtliche<br />

HOCH- UND TIEFBAU<br />

sämtliche Markenbaustoffe Markenbaustoffe und Baumaterialien und Baumaterialien<br />

führenden der Baustofferzeuger, führenden Baustofferzeuger, für die das<br />

der<br />

Der Geschäftsbereich HOCH- UND Hoch- TIEFBAU und Tiefbau,<br />

Der Geschäftsbereich der zu den führenden Hoch- und Bauunternehmen<br />

der zu den <strong>Tirol</strong>s führenden gehört, Bauunternehmen basiert auf einem Ti-<br />

größten wichtigsten und Vertriebspartner wichtigsten Vertriebspartner<br />

in <strong>Tirol</strong> bzw.<br />

Tiefbau, für Unternehmen die das Unternehmen Lang einer der Lang größten einer und der<br />

von rols gehört, einer basiert hohen auf Leistungsbereitschaft<br />

einem von einer ho-<br />

in Westösterreich <strong>Tirol</strong> bzw. Westösterreich ist.<br />

ist.<br />

BETEILIGUNGEN<br />

Tochterfirmen der Ing. Hans Lang GmbH<br />

sind die <strong>Tirol</strong>er Elementbau GmbH, die<br />

IHL Immobilien GmbH und und die IHL die Bau-<br />

IHL<br />

Bauträger & Consulting & Consulting GmbH. GmbH. Außerdem Außerdem<br />

<strong>Tirol</strong>er ist das Familienunternehmen <strong>Tirol</strong>er an der<br />

ist<br />

das<br />

Rieder an der Außenanlagen Vomperbacher GmbH, Rohstoffverarbeitungs<br />

Rohstoffverarbeitungs GmbH, der <strong>Tirol</strong> GmbH, Beton<br />

der Vomperbach<br />

der GmbH VS Hohldielen und der VS West Hohldielen GmbH und West der<br />

Baustahl GmbH beteiligt. 550 GmbH beteilig.<br />

FAKTEN & DETAILS<br />

Beschäftigte 2013: 2015: 447 450 MitarbeiterInnen<br />

Davon Lehrlinge: 37 ca. 30<br />

Die Firma LANG ist seit 1982 mit der Berechtigung<br />

zur Führung des Österr. Staatswappens<br />

im Geschäftsverkehr ausgezeichnet und ist<br />

„Ausgezeichneter <strong>Tirol</strong>er Lehrbetrieb“.<br />

Jahresumsatz 2013 2015 inkl. Beteiligungen:<br />

70.000.000 65.000.000 Euro<br />

Geschäftsführung:<br />

Ing. Mag. Hannes KRONTHALER<br />

■ INFORMATIONEN: ING. HANS LANG GMBH, VOMPERBACH-ALTE LANDSTRASSE 44, A – 6123 TERFENS/TIROL<br />

TEL.+43/5242/6905-0, FAX: +43/5242/65418, OFFICE@LANGBAU.AT, WWW.LANGBAU.AT


www.kama-naturstein.at<br />

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A-6114 Kolsass<br />

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Fax: +43 5224 - 67 989 20<br />

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Top 500 | Personal<br />

Digitalisierung<br />

braucht Strategien<br />

Personal. Der digitale Wandel macht auch vor<br />

der Arbeitswelt nicht Halt. Mehr denn je ist<br />

alles im Fluss. Um auf die Chancen und<br />

Herausforderungen reagieren zu können,<br />

müssen Unternehmen Strategien entwickeln.<br />

12<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


Digitalisierung heißt das Schlagwort,<br />

das derzeit Konjunktur<br />

hat wie kein zweites. Kein<br />

Wunder, wird ihr doch das<br />

Potenzial beigemessen, die Arbeitswelt fundamental<br />

zu verändern. Und nicht nur die<br />

Arbeitswelt, denn die Digitalisierung dringt<br />

in alle Lebensbereiche vor. Digitalisierung<br />

wird zwar in erster Linie als technischer Veränderungsprozess<br />

verstanden, der je nach<br />

Lesart als bedrohlich oder fantastisch empfunden<br />

werden kann. Die mit diesem Prozess<br />

verbundene Dynamik und die scheinbare<br />

Grenzenlosigkeit tragen zur Verunsicherung<br />

bei. Letztlich geht es aber auch um die Frage,<br />

was die Digitalisierung nicht nur gesamtwirtschaftlich,<br />

sondern für das Individuum unterm<br />

Strich bedeutet. Jedenfalls ist die Digitalisierung<br />

ein wohluntersuchtes, bisweilen aber<br />

noch wenig verstandenes Phänomen. Laut einer<br />

wissenschaftlichen Untersuchung aus den<br />

USA arbeiten rund die Hälfte der dortigen<br />

Beschäftigten in Berufen mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit<br />

in den kommenden<br />

ein bis zwei Dekaden. Für Deutschland<br />

sind es rund 40 Prozent, für Österreich kann<br />

man von der selben Zahl ausgehen. Grundsätzlich<br />

sind, so die Untersuchung, Arbeitsplätze<br />

von Menschen mit geringer Qualifikation<br />

stärker bedroht. Qualifikation bleibt<br />

folglich der Schlüssel zum beruflichen Erfolg.<br />

Darum dürften Unternehmen in Zukunft<br />

verstärkt darauf achten, ihre Mitarbeiter an<br />

sich zu binden. Laut einem Report von Deloitte,<br />

der den Titel „Global Human Capital<br />

Trends <strong>2016</strong> – The new organization: Different<br />

by design“ trägt, sieht jeder neunte von<br />

weltweit 7.000 befragten Personalchefs die<br />

Unternehmenskultur als wichtige bis sehr<br />

wichtige Herausforderung, um Top-Talente<br />

zu gewinnen und zu halten. Die Bedürfnisse<br />

und Erwartungen der immer diverseren und<br />

mobileren Belegschaft werden aber bisher zu<br />

wenig berücksichtigt. Aktuell wird nur von<br />

64 Prozent der Unternehmen eine jährliche<br />

Mitarbeiterbefragung durchgeführt. „Die<br />

meisten Unternehmen müssen öfter und regelmäßiger<br />

in Kontakt mit ihren Mitarbeitern<br />

treten. Impulsbefragungen, soziale Netzwerke<br />

und regelmäßiges Feedback sind dafür nützliche<br />

Instrumente“, weiß Deloitte-Experte Julian<br />

Mauhart. Über 90 Prozent der befragten<br />

Führungskräfte sehen die Notwendigkeit, ihre<br />

Organisationsstruktur an die neuen wirtschaftlichen<br />

Herausforderungen anzupassen.<br />

Nur 14 Prozent sehen aber ihr Unternehmen<br />

auch bereit für eine solche Neugestaltung. In<br />

Österreich bestätigt sich der Aufholbedarf<br />

bei der Digitalisierung. Die österreichischen<br />

Studienteilnehmer fühlen sich für die digitalisierte<br />

Zukunft schlecht vorbereitet, so<br />

das Fazit der Studie. Während vor allem die<br />

Industrie ihre Hausaufgaben in Sachen Digitalisierung<br />

– dort unter dem Schlagwort<br />

Industrie 4.0 – durchaus gemacht zu haben<br />

scheint, stecken die Digitalisierungsstrategien<br />

in anderen Wirtschaftszweigen noch in<br />

den Kinderschuhen. Die Zurschaustellung<br />

von Unternehmenskultur qua Marketingaktivitäten<br />

und Employer Branding vermag<br />

jedenfalls echte Anstrengungen in diesem<br />

Bereich nicht zu ersetzen. Schon manches<br />

Unternehmen musste schmerzhaft den<br />

Unterschied zwischen Schein und Sein zur<br />

Kenntnis nehmen, der auf diversen Arbeitgeber-Bewertungsplattformen<br />

zutage tritt. Ist<br />

die Diskrepanz zwischen dem Beworbenen<br />

und dem Gebotenen zu groß, bleibt das in<br />

Zeiten der Digitalisierung auch potenziellen<br />

Arbeitnehmern nicht lange verborgen.<br />

Dass Österreich bei der Digitalisierung<br />

über einen Platz im Mittelfeld nicht hinauskommt,<br />

zeigt auch eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts<br />

WIFO. Diese ge-<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

13


Top 500 | Personal<br />

Bedürfnisse und<br />

Ziele im Einklang<br />

Consalt-Geschäftsführer Mario Angerer erläutert<br />

im Interview seine Sicht der Dinge in Bezug<br />

auf Fachkräfte, die Lehre, Flexibilität und die<br />

Bedürfnisse einer neuen Generation.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Wirtschaft sucht nach Fachkräften<br />

und Lehrlingen, obwohl es eine relativ<br />

hohe Arbeitslosigkeit gibt. Woran liegt<br />

das?<br />

Mario Angerer: Das Thema Facharbeitermangel<br />

begleitet uns schon mehr als<br />

ein Jahrzehnt. Das hat sicher damit zu tun,<br />

dass immer mehr junge Menschen eine<br />

weiterführende Schule und ein Studium<br />

der Lehre vorziehen. Das Image der Lehre<br />

ist zum einen nicht besonders gut, zum anderen<br />

mangelt es jungen Menschen oft an<br />

Informationen und generell Orientierung.<br />

Außerdem sind aus unterschiedlichen Gründen<br />

immer weniger Unternehmen bereit,<br />

Lehrlinge auszubilden. Es werden aber nicht<br />

nur im gewerblichen Bereich händeringend<br />

Fachkräfte gesucht, sondern der Bedarf an<br />

gut ausgebildeten Arbeitskräften steigt quer<br />

durch die Branchen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es scheint noch oft die Überzeugung<br />

zu geben, dass man als Akademiker<br />

automatisch finanziell besser abschneidet<br />

als ein Facharbeiter?<br />

Angerer: Das stimmt sicher nicht mehr.<br />

Auch mit einer abgeschlossenen Lehre oder<br />

gar Meisterprüfung stehen einem alle Türen<br />

offen, man macht Karriere. Es gibt außerdem<br />

sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Gibt es noch andere Gründe für<br />

den Fachkräftemangel?<br />

Angerer: Viele Menschen machen sich bei<br />

der Bildungswahl keine Gedanken darüber,<br />

was sie nach Abschluss der Ausbildung<br />

machen wollen und wie ihre Chancen am<br />

Arbeitsmarkt aussehen. Eine weitere Frage<br />

ist jene nach der Flexibilität, etwa in geografischer<br />

Hinsicht. Hat jemand eine Ausbildung<br />

gemacht, ist er dann auch flexibel<br />

genug, sich örtlich zu verändern?<br />

<strong>ECHO</strong>: Sind die <strong>Tirol</strong>er zu immobil?<br />

Angerer: Es gibt andere Räume, wo die<br />

Mobilität immer schon etwas höher war.<br />

In Ballungsräumen ist die Bereitschaft, eine<br />

Stunde zur Arbeit zu fahren, größer als in<br />

ländlichen Gebieten. Da wird dann häufig<br />

schon die Frage nach der Zumutbarkeit laut.<br />

<strong>ECHO</strong>: Den Arbeitsmarkt kann man nicht<br />

losgelöst vom Bildungssystem sehen. Die<br />

Digitalisierung verändert die Arbeitswelten<br />

massiv. Reagiert das Bildungssystem zu träge<br />

auf die digitale Revolution?<br />

Angerer: Meiner Meinung nach ja. Das Bildungsthema<br />

ist ein sehr großer Brocken. Es<br />

ist kein Geheimnis, dass wir uns nach wie vor<br />

in einem veralteten Bildungssystem befinden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Stellenausschreibungen beinhalten<br />

manchmal unrealistische Anforderungen an<br />

Berufseinsteiger. Sehen Sie das auch so?<br />

Angerer: Es war immer schon so, dass die<br />

sogenannte eierlegende Wollmilchsau gesucht<br />

wird. Wir raten Bewerbern, die nicht<br />

alle Punkte der Ausschreibung erfüllen, sich<br />

trotzdem zu bewerben. Natürlich gibt es<br />

Muss-Kriterien, die ausbildungsspezifisch<br />

sind, und Soll-Kriterien. Für Unternehmen<br />

ist es schwierig, in einer sehr detaillierten<br />

Stellenbeschreibung einzelne Punkte wegzulassen.<br />

Heutzutage sind die jungen Bewerber<br />

selbstbewusst und emanzipiert genug, um<br />

sich von den Anforderungen einer Stellenausschreibung<br />

nicht abschrecken zu lassen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist die heutige Generation freizeitorientierter<br />

und weniger leistungswillig?<br />

Angerer: Der Leistungswille hat nicht<br />

abgenommen. Es haben sich im Vergleich<br />

zur Vorgängergeneration einfach die Werte<br />

verschoben. Schlagworte wie Work-Life-Balance<br />

kann ich gar nicht mehr hören, weil sie<br />

oft falsch interpretiert werden. Es ist nichts<br />

Schlechtes, einen guten Ausgleich zwischen<br />

Karriere und Privatleben zu finden. Das ist<br />

ein gutes Recht einer Generation, die von der<br />

vorhergehenden gelernt hat und eigene Werte<br />

hat. Das ist zu respektieren. Unternehmen<br />

müssen einen Weg finden, diese Bedürfnisse<br />

mit ihren Unternehmenszielen in Einklang<br />

zu bringen.<br />

langt zur Auffassung, dass euphorische ebenso<br />

wie ängstliche Erwartungen in die neuen<br />

technischen Möglichkeiten die kurzfristigen<br />

Auswirkungen des technologischen Wandels<br />

häufig überschätzen lassen würden, während<br />

Unternehmen die langfristigen Wirkungen<br />

unterschätzen würden. Tätigkeiten mit<br />

einem hohen Anteil an standardisierten Arbeitsabläufen<br />

würden wegbrechen, während<br />

Tätigkeiten, die nur zu einem geringen Grad<br />

standardisierbar sind, weiter Bestand hätten.<br />

Das WIFO erwartet, dass sich vor allem die<br />

Arbeitsinhalte innerhalb eines Berufsbildes<br />

ändern und weniger die Berufsstruktur selbst.<br />

Diese Veränderung der Inhalte soll allerdings<br />

schrittweise und nicht abrupt erfolgen.<br />

Gefragt bleiben Nicht-Routine-Tätigkeiten<br />

manueller, interaktiver und analytischer Natur.<br />

Nicht nur formale Qualifikation und<br />

Erfahrungswissen, sondern Problemlösungskompetenzen,<br />

soziale und sprachliche Fähigkeiten,<br />

Kommunikationskompetenz und<br />

Empathie sind im Arbeitsmarkt der Zukunft<br />

besonders gefragt. Für manuelle Routine-<br />

Tätigkeiten sieht die Lage dagegen recht düster<br />

aus: Diese Arbeit wird vorwiegend von<br />

formal Geringqualifizierten erledigt. In der<br />

Folge wird dieses Arbeitsmarktsegment mit<br />

einem erheblichen Beschäftigungsrückgang<br />

konfrontiert sein. Doch die Automatisierung<br />

macht nicht vor einfachen Routinetätigkeiten<br />

Halt, sondern wird zukünftig auch Tätigkeiten<br />

umfassen, die bis vor kurzer Zeit noch<br />

als Domäne des Menschen gegolten hatten,<br />

wie etwa das Lenken von Autos. Algorithmen<br />

erobern mittlerweile auch Tätigkeiten, die als<br />

kreativ und hochspezialisiert erachtet wurden.<br />

Der Journalismus stand im Ruf, eine Hochburg<br />

der intelligenten Arbeit zu sein. Heute<br />

stellt sich aber gar nicht mehr die Frage, ob<br />

die Textroboter kommen, sondern nur noch,<br />

wann.<br />

In der Medizin kommen auch Chirurgie-<br />

Roboter zum Einsatz. Ein mögliches und<br />

plausibles Zukunftsszenario ist, dass künftig<br />

Niedrigqualifizierte durch die Technologie<br />

fremdbestimmt arbeiten werden, während<br />

Hochqualifizierte und Spezialisten sie sich<br />

in Form von Assistenzsystemen zunutze<br />

machen. Bezüglich der Qualifikationsanforderungen<br />

ist die vorherrschende Theorie,<br />

dass der technologische Wandel als Treiber<br />

für steigende Qualifikationsanforderungen<br />

wirkt. Folgt man diesem Ansatz, werden<br />

14 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


VIKING | PROMOTION<br />

Nr. 40<br />

Robotermäher sind derzeit in aller Munde. VIKING bietet hier einige<br />

iMow Modelle für kleine Flächen bis ca. 500 m² (im Bild das Modell<br />

MI 422 P), aber auch für größere bis zu 4.000 m².<br />

Innovativer Komfort, der Maßstäbe setzt: Die C-Modelle („C“ für Communication)<br />

der VIKING iMow Robotermäher der Baureihe MI 6 – mit komfortabler<br />

App. Die Bedienung ist intuitiv und bequem.<br />

Gartengeräte-Hersteller VIKING<br />

– innovativ, familiär, international<br />

Die VIKING GmbH zählt nicht nur zu den umsatzstärksten Unternehmen im<br />

Raum Kufstein, sondern gilt auch als beliebter Arbeitgeber in der Region.<br />

VIKING ist ein relativ junges Unternehmen.<br />

1981 wurde der Gartengeräte-Hersteller<br />

in Kufstein<br />

gegründet. Das erste Produkt war damals<br />

der Garten-Häcksler. Heute produziert<br />

VIKING in Langkampfen Rasenmäher,<br />

Robotermäher, Aufsitzmäher, Vertikutierer,<br />

Garten-Häcksler und Motorhacken.<br />

Seit 1992 gehört das Unternehmen zur<br />

deutschen STIHL Gruppe. Innerhalb der<br />

STIHL Gruppe ist VIKING das Unternehmen<br />

mit Garten-Kompetenz, setzt auf<br />

Premium-Qualität sowie auf die Beratung<br />

und den Service seiner ca. 11.000 Fachhändler.<br />

Von der Produktqualität zeugen<br />

zahlreiche Auszeichnungen, die alljährlich<br />

von unabhängigen Testern und Fachjuries<br />

ans Unternehmen verliehen werden.<br />

AUS FREUDE AM RASEN<br />

Gemäß seinem Leitspruch „Aus Freude am<br />

Rasen“ präsentiert VIKING Jahr für Jahr<br />

ein attraktives Sortiment an Gartengeräten.<br />

So auch im laufenden Jahr - zahlreiche Innovationen<br />

wurden erfolgreich am Markt<br />

eingeführt. Ein Highlight sind die neuen<br />

iMow Robotermäher MI 422 und MI 422 P.<br />

Einmal programmiert, mähen sie kleine<br />

und mittelgroße Gärten zügig, vollautomatisch<br />

und nachhaltig. Mit einem perfekten<br />

Schnittbild und in kürzester Zeit werden<br />

die Rasenflächen gepflegt, während Sie<br />

machen, was Sie gerne machen. Extra<br />

Komfort bieten die neuen C-Modelle der<br />

Robotermäher-Baureihe MI 6 für bis zu<br />

4.000 m², bei denen via App viele Funktionen<br />

über Smartphone oder Tablet vorgenommen<br />

werden können. Wer doch lieber<br />

„klassisch“ mit Rasenmäher selbst mäht<br />

– auch für den hat VIKING einige Neuheiten<br />

zu bieten.<br />

PREMIUM-STRATEGIE<br />

Seit Jahren verfolgt VIKING eine Premium<br />

Strategie mit exklusivem Vertrieb seiner<br />

grünen Gartengeräte. Kernmarkt ist<br />

Europa. Mit einem Exportanteil von ca. 98<br />

Prozent ist der Spezialist für Gartengeräte<br />

derzeit in ca. 60 Ländern vertreten. Die<br />

wichtigsten Exportmärkte sind Deutschland,<br />

Frankreich, die Benelux-Länder, Polen<br />

sowie Großbritannien.<br />

FACTS & FIGURES<br />

Adresse: VIKING GmbH<br />

Hans-Peter-Stihl-Str. 5, 6336 Langkampfen<br />

Geschäftsführer: Peter Pretzsch<br />

Tel.: 05372 6972-0<br />

E-Mail: information@viking.at<br />

Internet: www.viking.at<br />

Facebook: facebook.viking.at<br />

Im VIKING Kompetenzzentrum in Langkampfen waren 2015 373 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

beschäftigt. <strong>2016</strong> ist diese Zahl weiter gewachsen.<br />

Gegründet: 1981<br />

Mitarbeiter: 373 (2015)<br />

Umsatz: € 193,9 Mio. (2015)<br />

Exportanteil: 98 %<br />

Exportmärkte: vorwiegend Europa


Top 500 | Personal<br />

Perspektiven<br />

anbieten<br />

Idealtours-Geschäftsführerin Susanne<br />

Neuhauser schildert ihre Personalsituation.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie würden Sie Ihre Mitarbeitersituation<br />

beschreiben?<br />

Susanne Neuhauser: Wir haben uns<br />

bereits vor über zehn Jahren auf die Digitalisierung<br />

eingestellt und unsere Idealtours-<br />

Akademie eingeführt, mit deren Weiterbildungsangeboten<br />

wir in der Lage sind,<br />

Quereinsteigern das nötige Wissen für<br />

ihren Aufgabenbereich zu vermitteln. Entscheidungskriterium<br />

ist daher für uns nicht<br />

nur das fachliche Können, sondern vor<br />

allem die Begeisterung für die Reisebranche,<br />

Service- und Lösungsorientierung.<br />

Erfreulich ist, dass in den letzten Jahren die<br />

Tourismusschulen und das Tourismuskolleg<br />

auf den Bedarf reagiert haben und es<br />

zumindest ein Reisebüro-Fach gibt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist es über die letzten zehn Jahre<br />

schwieriger geworden, gute Mitarbeiter zu<br />

finden?<br />

Neuhauser: Den größten Wandel sehe<br />

ich darin, dass sich Unternehmen gegenüber<br />

den Mitarbeitern attraktiv präsentieren<br />

müssen, denn gute Mitarbeiter können<br />

zwischen mehreren Stellenangeboten auswählen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was kann man als Arbeitgeber<br />

heutzutage tun, um Mitarbeiter langfristig<br />

an das Unternehmen zu binden?<br />

Neuhauser: Wir versuchen, in Mitarbeitergesprächen<br />

herauszufinden, was den<br />

Mitarbeiter motiviert, um ihm entsprechende<br />

Perspektiven und Ziele anbieten zu<br />

können, auch wenn unsere Hierarchie sehr<br />

flach ist. Unser ausgezeichnetes Betriebsklima<br />

trägt dazu bei, dass wir auch schwierige<br />

Situationen ohne größere Energieverluste<br />

meistern können. Gerade Mitarbeiter, die<br />

bereits anderweitig Erfahrung gesammelt<br />

haben, schätzen das sehr.<br />

zukünftig anspruchsvollere Tätigkeiten weiter<br />

zunehmen und mit ihnen verbunden die<br />

Anforderungen der Unternehmen an die<br />

Arbeitskräfte. Diese Theorie dürfte auch von<br />

den meisten Unternehmen, die sich mit der<br />

Digitalisierung strategisch befasst haben, vertreten<br />

werden. Diese höheren Anforderungen<br />

können sich nicht allein in höheren formalen<br />

Abschlüssen und größerer Weiterbildungsnotwendigkeit<br />

manifestieren, sondern in<br />

multidimensionalen Tätigkeitsprofilen, die<br />

mehrere Aufgaben in sich vereinen, etwa einen<br />

Mix aus technischen, kaufmännischen<br />

und rechtlichen Qualifikationen. Dieser Annahme<br />

steht eine Beobachtung gegenüber,<br />

die auf den Arbeitsmärkten Europas eine zunehmende<br />

Polarisierung ausmacht. Das bedeutet,<br />

dass die Beschäftigungsmöglichkeiten<br />

sowohl am oberen als auch am unteren Ende<br />

der Qualifikations- und Einkommensskala<br />

zunehmen, während gleichzeitig die mittleren<br />

Qualifikations- und Einkommensschichten<br />

wegbrechen. Die Ursache für diese Polarisierung<br />

wird in der Automatisierung von Routinetätigkeiten<br />

ausgemacht, die vorher von den<br />

mittleren Qualifikations- und Einkommensgruppen<br />

durchgeführt wurden.<br />

Gefragte IT-Kräfte<br />

Ein Unternehmen, in dem sehr viel mit Köpfchen<br />

gearbeitet wird ist die zum A1-Konzern<br />

gehörige Innovationsschmiede World-Direct<br />

in Sistrans. Das rund 80 Personen zählende<br />

IT-Unternehmen sucht Querdenker. Die<br />

fachliche Eignung – es muss nicht unbedingt<br />

ein Universitäsabschluss sein – setzt man bei<br />

Bewerbern voraus. Gute Informatiker sind<br />

schon seit längerem Mangelware, weshalb<br />

man bei World-Direct Talenten schon während<br />

des Studiums unter die Arme greift. „Wir<br />

versuchen, den Studierenden eine Partnerschaft<br />

anzubieten, unterstützen Bachelor- und<br />

Masterarbeiten und geben Interessenten die<br />

Möglichkeit, bereits während des Studiums<br />

in Teilzeit bei uns zu arbeiten“, erklärt World-<br />

Direct-Geschäftsführer Jürgen Klösch. Für<br />

Bachelor-Arbeiten stellt das Unternehmen<br />

sogar Kapazitäten im Rechenzentrum zur<br />

Verfügung. Mit dem MCI und der Universität<br />

Innsbruck gibt es eine Kooperation. „Für uns<br />

ist der Zugang zu diesen Studentinnen und<br />

Studenten ganz wichtig“, sagt Klösch. Neben<br />

der fachlichen Kompetenz sind auch Social<br />

Skills und Teamfähigkeit Grundvoraussetzungen,<br />

um im IT-Betrieb reüssieren zu können.<br />

„Wir wollen unsere Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter in der Softwareentwicklung<br />

nicht von der Außenwelt abschotten. In der<br />

Projektumsetzung sollen sie direkt mit dem<br />

Projektpartner kommunizieren. Das hat auch<br />

den großen Vorteil, dass die Identifikation mit<br />

dem Projekt viel größer ist“, so der World-Direct-Geschäftsführer.<br />

Neue Arbeitsformen<br />

Die Digitalisierung wird nicht nur die Arbeitswelt<br />

grundlegend verändern, sondern auch<br />

neue Formen der Arbeit hervorbringen. Für<br />

Unternehmen gibt es neue Möglichkeiten,<br />

bislang von Beschäftigten durchzuführende<br />

Tätigkeiten an den Kunden auszulagern. Das<br />

wird, derzeit noch überwiegend im anglophonen<br />

Raum, unter dem Begriff „Crowdsourcing“<br />

diskutiert. Dieses Phänomen habe das<br />

Potenzial, disruptive Entwicklungen in den<br />

tradierten Modellen der Arbeitsbeziehungen<br />

auszulösen, schreibt das AMS in einer umfassenden<br />

Analyse.<br />

Der Strukturwandel, den die Digitalisierung<br />

auf mehreren Ebenen mit sich bringt, entwickelt<br />

sich nicht-linear und ist von disruptiven<br />

Innovationen geprägt, die sich nicht vorhersagen<br />

lassen. Insofern lässt sich auch nicht<br />

abschätzen, ob und wie viele Arbeitsplätze<br />

verloren gehen werden oder ob in Summe<br />

gar ein positiver Saldo zu verzeichnen ist.<br />

Liegt die Boston Consulting Group mit ihrer<br />

Einschätzung richtig, dürfte zumindest die digital<br />

angetriebene Industrialisierung im Maschinen-<br />

und Anlagenbau bis 2025 zu einem<br />

Plus von 10.000 Arbeitsplätzen in Österreich<br />

führen. Jedenfalls ist es nicht nur für Großunternehmen<br />

von essenzieller Wichtigkeit, sich<br />

mit den Herausforderungen und vor allem<br />

Chancen der Digitalisierung zu beschäftigen,<br />

und entsprechende Strategien zu entwickeln,<br />

sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen<br />

und nicht zuletzt EPUs.<br />

„Mögest du in interessanten Zeiten leben“,<br />

heißt ein chinesisches Sprichwort. Ob wir nun<br />

wollen oder nicht, das tun wir ganz gewiss.<br />

Oder um mit dem griechischen Philosophen<br />

Heraklit zu sprechen: „Panta rhei - alles fließt.“<br />

Das gilt besonders für die Datenströme, die<br />

Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft einschneidend<br />

und stetig verändern. Marian Kröll<br />

16 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


WÜRTHHOCHENBURGER | PROMOTION<br />

BAU AUF<br />

Nr. 36<br />

WÜRTH-HOCHENBURGER<br />

Das <strong>Tirol</strong>er Familienunternehmen ist seit mehr als 90 Jahren ein verlässlicher Garant für beste<br />

Produktqualität und Top-Beratung im Baustoffhandel. Würth-Hochenburger, kurz WH, bietet für alle<br />

Bauphasen und Bereiche, vom Rohbau bis zum Dach und vom Garagentor bis zur Gartengestaltung,<br />

die richtigen Materialien und Werkzeuge sowie das nötige Fachwissen.<br />

Fotos: Würth-Hochenburger<br />

Zahlreiche Kunden und<br />

Lieferanten schenken<br />

Würth-Hochenburger,<br />

einem <strong>Tirol</strong>er Traditionsunternehmen,<br />

seit Jahrzehnten ihr<br />

Vertrauen. Seit der Firmengründung<br />

im Jahr 1922 arbeitet<br />

man mit den Marktführern der<br />

Baustoffbranche, darunter auch<br />

viele regionale Unternehmen,<br />

zusammen. Der Fokus liegt dabei<br />

auf einer servicebasierten<br />

Rundumbetreuung, die perfekt<br />

auf die Bedürfnisse der Kunden<br />

und deren Bauprojekte abgestimmt<br />

ist. Die Wertschöpfung<br />

in der Region und die Sicherung<br />

von lokalen Arbeitsplätzen,<br />

sowie die Jugendförderung<br />

in Form eines umfangreichen<br />

Lehrlingsausbildungsprogramms,<br />

nehmen ebenfalls einen<br />

hohen Stellenwert ein.<br />

MODERNES EIN-<br />

KAUFSERLEBNIS<br />

Den Gewerbe- und Privatkunden<br />

stehen in den Würth-Hochenburger<br />

Baustoffniederlassungen<br />

und Baumärkten, neben<br />

einem hochwertigen Baustoff-<br />

Vollsortiment inkl. Werkzeug,<br />

Maschinen uvm., moderne<br />

Ausstellungen für die Bereiche<br />

Fliesen, Böden, Bauelemente<br />

und Galabau sowie gut sortierte<br />

Baustofflager mit Drive-In-Zone<br />

zur Verfügung. Durch die Eingliederung<br />

der Standorte in das<br />

Würth-Hochenburger Logistik-<br />

und Vertriebsnetz und den<br />

firmeneigenen Fuhrpark mit<br />

moderner Krantechnik, können<br />

In Amstetten wurde heuer im Rahmen eines großen Events eine neue WH-<br />

Baustoffniederlassung eröffnet.<br />

eine hohe Warenverfügbarkeit,<br />

attraktive Preise und eine zeitnahe<br />

Auftragsbearbeitung garantiert<br />

werden. Würth-Hochenburger<br />

konzentriert sich auf<br />

das klassische Kerngeschäft des<br />

Baustoffhandels und beliefert<br />

die Kunden und Verarbeiter mit<br />

hochwertigen Baustoffen von<br />

namhaften Markenherstellern.<br />

NACHHALTIGE UNTER-<br />

NEHMENSFÜHRUNG<br />

Die Gewährleistung der regionalen<br />

Baustoff-Nahversorgung,<br />

die Sicherung der lokalen Arbeitsplätze<br />

und die Stärkung des<br />

heimischen Wirtschaftsstandorts<br />

sind dem über 90 Jahre alten<br />

Traditionsbetrieb ein großes<br />

Anliegen. Kooperationen mit<br />

heimischen Qualitätsherstellern<br />

und Ausbildungsinstitutionen<br />

gehören ebenfalls zu dem modernen<br />

Managementkonzept<br />

wie ein umfangreiches Aus- und<br />

Weiterbildungsprogramm für<br />

die Belegschaft. So stellt Würth-<br />

Hochenburger beispielsweise<br />

36 % aller Absolventen/-innen<br />

des Ausbildungslehrgangs zum<br />

Diplom-Bauprodukte-Fachberater/in,<br />

der seit dem Jahr 2008<br />

vom österreichischen Baustoff-<br />

Ausbildungszentrum angeboten<br />

wird.<br />

FIRMENEIGENES<br />

LEHRLINGSCOLLEGE<br />

Ein besonderes Augenmerk<br />

wird auf die firmeninterne Ausbildung<br />

der Fach- und Führungskräfte<br />

von Morgen gelegt.<br />

Dazu wird neben der dualen<br />

WISSENSWERTES<br />

Ausbildung in der Berufsschule<br />

und in der Praxis ein mehrstufiges<br />

Lehrlingscollege angeboten.<br />

Dieses umfasst interne<br />

Schulungen, fachspezifische<br />

Trainings und Exkursionen.<br />

Das Prädikat „Ausgezeichneter<br />

<strong>Tirol</strong>er Lehrbetrieb“ und<br />

die Tatsache, dass über 44 %<br />

der Lehrlinge im Jahr <strong>2016</strong><br />

ihre Lehrabschlussprüfung mit<br />

ausgezeichnetem oder gutem<br />

Erfolg abgeschlossen haben,<br />

unterstreichen den Erfolg dieses<br />

langjährigen Konzepts.<br />

www.wuerth-hochenburger.at<br />

facebook/wuerth.hochenburger<br />

Gründungsjahr: 1922 in Innsbruck<br />

Geschäftsführung: Alfred Bernhard,<br />

Vorsitzender der Geschäftsführung, CEO<br />

Othmar Lutz, Kaufmännischer Geschäftsführer, CFO<br />

Würth-Hochenburger Gruppe:<br />

- Würth-Hochenburger GmbH<br />

•18 Baustoffniederlassungen (T, Sbg., Vbg., OÖ. NÖ)<br />

• 8 Baumärkte (T, Sbg.)<br />

•1 Produktionsbetrieb und 1 Zentrallager in Fritzens<br />

- Würth-Hochenburger Schweiz AG<br />

•1 Baustoffniederlassung in Regensdorf bei Zürich<br />

- Fritz Baustoffe GmbH & Co. KG<br />

• 5 Baustoffniederlassungen in Bayern und Franken<br />

MitarbeiterInnen: ca. 700, davon 38 Lehrlinge


top 500 | INTERVIEW<br />

Qualifikation als Schlüssel<br />

zum Arbeitsmarkt<br />

Interview. AMS-<strong>Tirol</strong>-Chef Anton Kern über die Situation am <strong>Tirol</strong>er Arbeitsmarkt,<br />

die steigenden Qualifikationserfordernisse, die Rolle von Motivation und die Ängste<br />

vor dem erneuten Lernen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Arbeitslandesrat Johannes Tratter<br />

hat die Situation am <strong>Tirol</strong>er Arbeitsmarkt mit<br />

einem „Lottosechser“ verglichen. Würden Sie<br />

das auch so sehen wollen?<br />

Anton Kern: <strong>Tirol</strong> hat tatsächlich im österreichweiten<br />

Vergleich eine bessere Arbeitsmarktlage.<br />

Das hat auch damit zu tun, dass<br />

die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />

in <strong>Tirol</strong> bessere sind. Dazu hat sicher auch<br />

das Impulspaket der <strong>Tirol</strong>er Landesregierung<br />

einen Beitrag geleistet, vor allem was<br />

den Bau- und Baunebenbereich betrifft. Die<br />

Wirtschaftsstruktur in <strong>Tirol</strong> ist so, dass wir<br />

sehr gute Industriebetriebe haben, die Personal<br />

aufstocken. Der Tourismus läuft auch<br />

sehr gut und profitiert auch von der prekären<br />

internationalen Sicherheitslage. All diese Faktoren<br />

tragen dazu bei, dass <strong>Tirol</strong> eine bessere<br />

Situation hat als der Rest des Landes.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie manifestiert sich das konkret<br />

am Arbeitsmarkt?<br />

Kern: Wir verzeichnen den österreichweit<br />

stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit und<br />

einen deutlichen Anstieg der Arbeitskräftenachfrage.<br />

Wir hatten allein im Zeitraum<br />

bis Oktober um über 4.000 Stellen mehr zu<br />

besetzen als im Vorjahresvergleichszeitraum.<br />

Wir sehen auch eine stärkere Nachfrage<br />

nach Fachkräften. Auch im angelernten Bereich<br />

sucht man verstärkt nach Personen, die<br />

schon irgendeine Berufsausbildung absolviert<br />

haben. Heuer verzeichnen wir generell einen<br />

geringeren Zugang in die Arbeitslosigkeit und<br />

speziell bei Personen, die einen Lehrabschluss<br />

haben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Von vielen Seiten wird ein Fachkräftemangel<br />

ins Feld geführt und diskutiert. Gibt<br />

es einen solchen und falls ja, woran liegt das?<br />

Kern: Eines ist klar: Die Berufsbilder verändern<br />

sich und die Anforderungen, die an Fachkräfte<br />

gestellt werden, steigen ständig. Und<br />

das nicht nur in den technischen Bereichen,<br />

sondern auch im Handel oder der Lagerlogistik.<br />

Ohne EDV-Kenntnisse geht es dort<br />

auch nicht mehr. Von den arbeitslos vorgemerkten<br />

Personen haben 42 Prozent maximal<br />

eine Pflichtschulausbildung. Einen verstärkten<br />

Fachkräftebedarf sehen wir vor allem bei den<br />

technischen Berufen, aber auch im Tourismus.<br />

Der Tourismus ist jene Branche, die über die<br />

vergangenen vier Jahre das stärkste Beschäftigungswachstum<br />

verzeichnet hat. Am Bau sind<br />

verstärkt Personen gefragt, die eine HTL absolviert<br />

haben und Projekte abwickeln können.<br />

Was wir in Zukunft noch vermehrt erleben<br />

werden, ist ein Mangel an Lehrpersonen, vor<br />

allem in bestimmten Fächern.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wir haben es einerseits also mit steigenden<br />

Qualifikationserfordernissen vonseiten<br />

der Wirtschaft zu tun und andererseits mit<br />

einem Arbeitskräftepotenzial, das diese Erfordernisse<br />

nicht erfüllen kann.<br />

Kern: Die Schere zwischen jenen, die verfügbar<br />

sind, und jenen, die nachgefragt werden,<br />

geht merklich auseinander. Personen, die eine<br />

berufliche Fachausbildung mitbringen, sind<br />

gefragt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt verschiedene Initiativen zur<br />

Nachqualifizierung von Arbeitskräften. Wie<br />

entwickeln sich diese?<br />

18<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


STADT INNSBRUCK | PROMOTION<br />

Die Schanze am Bergisel ist als renommierte Etappe der Vierschanzentournee bestens für die Nordische Ski-WM 2019 in Innsbruck und Seefeld gewappnet.<br />

Starker Wirtschaftsstandort,<br />

starke Marke<br />

Innsbruck fasziniert wie kaum eine andere Stadt: Natur, Berge, und Urbanität liegen ganz nah beisammen<br />

und machen die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit der Alpenstadt aus. Innsbruck<br />

präsentiert sich dabei als erfolgreicher Wirtschaftsstandort mit einer starken Marke.<br />

Foto: Robert Müller<br />

Innsbruck ist ein idealer Wirtschaftsstandort,<br />

der sich durch seine zentrale<br />

Lage im Herzen Europas auszeichnet.<br />

Innsbruck bietet beste Flugverbindungen,<br />

Autobahn- und Zuganbindungen, eine<br />

renommierte Universität, Tradition in<br />

Handwerk, Gewerbe und Industrie sowie<br />

eine hohe Dichte und Vielfalt an Dienstleistungsunternehmen.<br />

Rund 35.000 Menschen<br />

pendeln täglich in die Stadt ein. Ein<br />

dicht geflochtenes Netz an Beratungs- und<br />

Fördereinrichtungen bietet ideale Startbedingungen<br />

für Betriebsansiedler.<br />

HOHE INVESTITIONSKRAFT<br />

In Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs<br />

hat die Stadt ihre Schulden zurückbezahlt<br />

und kann trotz stagnierender<br />

Wirtschaftslage enorme Impulse setzen,<br />

um die lokale Wirtschaft zu stützen und<br />

Arbeitsplätze zu sichern. Die Errichtung<br />

des Hauses der Musik, die Wohn- und<br />

Pflegeheimoffensive, die Umsetzung des<br />

Straßen- und Regionalbahnkonzeptes,<br />

die Kanaloffensive mit Investitionen<br />

von ca. 100 Millionen Euro bis 2020, die<br />

Implementierung einer LED-Straßenbeleuchtung,<br />

die Errichtung einer Kletterhalle<br />

um zehn Millionen Euro oder auch<br />

der Innsbrucker Energieentwicklungsplan<br />

sind nur einige der aktuellen und<br />

zukünftigen Projekte der Stadt und deren<br />

Beteiligungsgesellschaften, die diese<br />

Investitionskraft eindrucksvoll beweisen.<br />

Innsbruck erlebt zurzeit auch die größte<br />

Wohnbauoffensive seit den Olympischen<br />

Spielen. Bis zum Jahr 2018 werden 2.000<br />

neue Wohnungen für die Innsbruckerinnen<br />

und Innsbrucker errichtet. Für<br />

die Qualität des Wirtschaftsstandorts<br />

spricht auch die erfreuliche Entwicklung<br />

des Kommunalsteueraufkommens in den<br />

letzten Jahren. Diese Gelder werden von<br />

der Stadt Innsbruck zu nahezu 90 Prozent<br />

wieder regional ausgegeben und<br />

stellen somit eine Wirtschaftsförderung<br />

dar.<br />

SPORTLICHE GROSSEREIGNISSE<br />

ANTE PORTAS<br />

Die Stadt Innsbruck und das Land <strong>Tirol</strong><br />

etablieren sich aber auch zunehmend als<br />

Veranstaltungsort für sportliche Großereignisse.<br />

Im nächsten Jahr findet in Innsbruck/Igls<br />

die die Rodel-WM statt. 2017 ist<br />

Hochfilzen Austragungsort der Biathlon-<br />

WM. Intensiv wird das Jahr 2018 mit gleich<br />

zwei Weltmeisterschaften, der Kletter- und<br />

der Rad-WM, im September bzw. Anfang<br />

Oktober in der Landeshauptstadt. Im<br />

Jahr 2019 folgt dann noch die Nordische<br />

Ski-WM in Seefeld und Innsbruck. Damit<br />

beheimatet Innsbruck und <strong>Tirol</strong> innerhalb<br />

von vier Jahren fünf Weltmeisterschaften,<br />

deren Strahlkraft weit über die Veranstaltungen<br />

hinausreichen wird.


top 500 | INTERVIEW<br />

Kern: Mit unseren arbeitsmarktpolitischen<br />

Programmen versuchen wir natürlich bestmöglich,<br />

Personen zu qualifizieren, welche<br />

die Motivation und Voraussetzungen für eine<br />

berufliche Zweitausbildung mitbringen. Das<br />

ist unser Schwerpunkt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist bei diesen Maßnahmen über die<br />

vergangenen Jahre betrachtet eine quantitative<br />

Zunahme bemerkbar?<br />

Kern: Wir könnten von unseren finanziellen<br />

Möglichkeiten und den Plätzen her<br />

noch wesentlich mehr Personen aus- und<br />

weiterbilden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Da drängt sich fast ein wenig die<br />

Frage nach dem Grad des Motiviertseins der<br />

Arbeitsuchenden auf ?<br />

Kern: Motivation ist sicher ein wichtiger<br />

Punkt. Für Personen, bei denen Aus- und<br />

Weiterbildung lange keine oder nur eine untergeordnete<br />

Rolle gespielt haben, ist es eine<br />

Hürde, eine Ausbildung anzufangen. Diese<br />

Personen müssen wieder lernen lernen, sich<br />

organisieren können und sich das nicht zuletzt<br />

auch leisten können.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt also gewisse Ängste, die von<br />

einer stärkeren Inanspruchnahme von Weiterbildungsangeboten<br />

abhalten?<br />

Kern: Es gibt Ängste, noch einmal zu lernen.<br />

Wenn jemand sagen wir über zehn Jahre als<br />

„Man muss sich eine Ausbildung,<br />

die ein Jahr lang<br />

dauert, in <strong>Tirol</strong> auch leisten<br />

können.“<br />

angelernte Kraft tätig war und dann vor der<br />

Frage steht, noch einmal eine Berufsausbildung<br />

zu machen, dann ist das nicht ganz<br />

ohne. Außerdem muss man sich eine Ausbildung,<br />

die ein Jahr dauert, in <strong>Tirol</strong> auch<br />

leisten können. Ohne Werbung für das Land<br />

machen zu wollen, halte ich die Fachabschlussbeihilfe<br />

diesbezüglich für ein gutes Instrument,<br />

das sukzessive stärker in Anspruch<br />

genommen wird.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wer trägt die Ausbildungskosten?<br />

Kern: Wenn jemand über das AMS eine<br />

Ausbildung macht, erhält er den Arbeitslosenbezug<br />

weiter. Die Ausbildung kostet die<br />

Person nichts, die wird vom AMS bezahlt.<br />

Das durchschnittliche Arbeitslosengeld<br />

liegt bei 830 Euro, da muss man sich eine<br />

Ausbildung über ein Jahr leisten können.<br />

Um noch mehr Menschen für die Aus- und<br />

Weiterbildung zu gewinnen, würde ich mir<br />

noch mehr Unterstützung wünschen, etwa<br />

in Form eines Qualifikationsbonus, wie es<br />

ihn früher gegeben hat. Positiv anzumerken<br />

ist, dass 2017 das Fachkräftestipendium<br />

wiederkommt. Dieses Stipendium wird aller<br />

Voraussicht nach noch breitere Zugangsmöglichkeiten<br />

bieten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie beurteilen Sie die Situation der<br />

Lehre?<br />

Kern: Grundsätzlich haben wir am Lehrstellenmarkt<br />

eine sehr gute Situation. Es gibt<br />

deutlich mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende.<br />

Analog zum normalen Arbeitsmarkt<br />

sind auch in der Lehre die Anforderungen<br />

stark gestiegen. Den Hauptgrund für den<br />

Lehrstellenüberhang sehe ich in der demografischen<br />

Entwicklung. Jugendliche, die sich<br />

in der Schule schwer tun, haben es durch die<br />

gestiegenen Voraussetzungen heutzutage<br />

schwerer, eine Lehrstelle zu finden. Da setzt<br />

das Programm zur überbetrieblichen Lehrlingsausbildung<br />

an. Dieses von AMS und<br />

Land <strong>Tirol</strong> finanzierte Programm hilft mit,<br />

Jugendlichen, die nicht sofort eine Lehrstelle<br />

finden, eine intensive Berufsorientierung zu<br />

geben. Das umfasst auch eine Betreuung, die<br />

sich um schulische Defizite kümmert. 70 Prozent<br />

der Lehrlinge aus der überbetrieblichen<br />

Lehre finden eine reguläre Stelle in einem<br />

Betrieb.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der Tourismus tut sich schwer,<br />

einheimische Arbeitnehmer zu finden. Woran<br />

liegt das?<br />

Kern: Der Tourismus hat strukturell sicher<br />

den Nachteil der Wochenendarbeit und einer<br />

oft unflexiblen Arbeitszeit. Die Vereinbarkeit<br />

mit der Familie ist auch nicht immer gegeben.<br />

Es ist aber nicht so, dass die Zahl der Einheimischen<br />

im Tourismus rückläufig wäre. Der<br />

Tourismus ist schließlich stark gewachsen. Da<br />

kommen einige Faktoren zusammen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben die Vereinbarkeit von<br />

Beruf und Familie angesprochen. Die hängt<br />

wesentlich mit dem Angebot an Kinderbetreuungseinreichtungen<br />

zusammen. Wie<br />

sehen Sie das Land dahingehend aufgestellt?<br />

Kern: Im Bereich der Kinderbetreuung ist<br />

in <strong>Tirol</strong> viel passiert. Das Angebot ist ausgebaut<br />

worden. Das Betreuungsangebot in den<br />

Schulen wächst auch. Das sehe ich positiv.<br />

Grundsätzlich sind die Strukturen in den Ballungsräumen<br />

gut, vor allem in den ländlichen<br />

Regionen gibt es aber noch Aufholbedarf.<br />

Man muss aber dazusagen, dass man auch<br />

bei den Kinderbetreuungseinrichtungen an<br />

Grenzen stößt, wenn am Wochenende gearbeitet<br />

werden muss.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

Foto: Kröll<br />

20<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


top 500 | INTERVIEW<br />

Keine Angst vor dem<br />

Handel 4.0<br />

Digitalisierung. Der Handel steht vor großen Herausforderungen, der Beruf des Händlers<br />

verändert sich grundlegend. Dennoch sehen Vertreter des Handels auch große Chancen<br />

für den stationären Handel und dessen Mitarbeiter.<br />

Es ist bekannt, die Welt befindet sich<br />

gerade in einer ihrer größten Veränderungen,<br />

die Bezeichnung 4.0, die<br />

von der Industrie als Metapher für die vierte<br />

industrielle Revolution geprägt wurde, hat<br />

längst alle Bereiche der Wirtschaft erfasst.<br />

Auch im Handel ist das Bewusstsein, dass<br />

nichts mehr so sein wird, wie es war, dass sich<br />

Unternehmer und Mitarbeiter grundlegend<br />

ändern werden (müssen), angekommen. Vor<br />

diesem Hintgrund lud <strong>ECHO</strong> zum Gespräch<br />

über die Zukunft des Handels.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie wird sich die Digitalisierung<br />

im Handel in den nächsten zehn bis fünfzehn<br />

Jahren zeigen?<br />

Martin Wetscher: Wir haben ja schon in<br />

den 80er und 90er Jahren einen ersten Digitalisierungsschritt<br />

vollzogen. Damals haben<br />

Warenwirtschaftssysteme, Kassensysteme<br />

und Logistiksysteme uns dazu gebracht,<br />

unsere Prozesse computergesteuert abzuwickeln.<br />

Jetzt kommt<br />

aber eine andere Dimension<br />

auf den Handel<br />

zu. Die Beziehung<br />

zum Markt, zum Kunden,<br />

zur Außenwelt<br />

ändert sich fundamental<br />

– dort findet die<br />

Digitalisierung statt.<br />

Das verlangt völlig neue Kompetenzen vom<br />

Unternehmer, vom Mitarbeiter, von der Ausbildung.<br />

Wir müssen lernen, all diese Prozesse<br />

digital zu bewältigen, und die digitale Welt ist<br />

schnell und ständig in Veränderung.<br />

Martin Wetscher, Unternehmer und Obmann<br />

der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer<br />

<strong>Tirol</strong><br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Herausforderungen sehen<br />

Sie auf den Handel zukommen?<br />

Wetscher: Es fehlt<br />

uns im digitalen<br />

„Der Händler wird zum<br />

Wirt, zum Unterhalter mit<br />

viel Kompetenz.“<br />

<br />

Martin Wetscher,<br />

Bereich die Basisausbildung,<br />

wir alle<br />

lernen die grundlegenden<br />

Kulturtechniken<br />

wie Lesen,<br />

Schreiben und<br />

Rechnen, wir haben<br />

Unternehmer<br />

gelernt, wie man ein schönes Schaufenster gestaltet,<br />

wie man sein Geschäft dekoriert und<br />

die Ware präsentiert, aber wie machen wir das<br />

im Internet? Wir müssen uns als Kaufmann<br />

neu erfinden, müssen lernen, uns digital zu<br />

präsentieren und zu erkennen, dass der stationäre<br />

Handel eine andere Rolle bekommt. Der<br />

Händler wird zunehmend zum Gastgeber, er<br />

wird im stationären Handel unterhalten, bewirten,<br />

informieren und seine Kunden klüger<br />

und sicherer machen müssen. Schnöde<br />

Selbstbedienungskonzepte werden hier kaum<br />

noch Platz haben, die werden durch die Möglichkeiten<br />

des Internets ersetzt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie stellen Sie sich den stationären<br />

Handel in ein paar Jahren vor?<br />

Wolfgang Feucht: Lassen Sie es mich am<br />

Beispiel des Textilhandels erklären. Wir müssen<br />

den Einkauf in unseren Geschäften zum<br />

Erlebnis machen. Der Kunde muss sich nach<br />

Barbara Thaler, Unternehmerin und Vizepräsidentin<br />

der Wirtschaftskammer <strong>Tirol</strong>.<br />

Fotos: WKT<br />

22<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


dem Einkauf schöner fühlen, er muss sich<br />

anerkannt, respektiert, ja geliebt fühlen, dann<br />

wird er wiederkommen. Dazu ist vieles notwendig:<br />

Wir müssen unseren Kunden Gastgeber<br />

und Berater sein. Wir müssen mit hoher<br />

Kompetenz und Leidenschaft sein Wohlgefühl<br />

zu unserem Thema machen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das Internet ermöglicht jedem<br />

nahezu unendlich viel Information. Ist es<br />

da nicht ein Widerspruch, dass gerade der<br />

stationäre Handel den Konsumenten klüger<br />

machen will?<br />

Wetscher: Es klingt paradox, ist aber genau<br />

so. Aufgrund der Vielfalt der Information im<br />

Internet entsteht auch oftmals Verunsicherung.<br />

Und genau hier kann der Handel punkten:<br />

Ein Verkäufer, der Vertrauen erweckt,<br />

weil er kompetent ist, weil er meine Wünsche<br />

und meine Person wahrnimmt, wird an Bedeutung<br />

gewinnen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was bedeutet dies für die Mitarbeiter<br />

und deren Ausbildung?<br />

Feucht: Selbstverständlich müssen wir unsere<br />

Ausbildung kritisch hinterfragen, wir<br />

brauchen sicherlich neue Kompetenzen. Der<br />

Handel ist für Mitarbeiter extrem vielfältig<br />

geworden. Wir brauchen Verkäufer, Merchandiser,<br />

IT-Spezialisten, Social-Media-<br />

Spezialisten, Logistiker usw.<br />

Barbara Thaler: Hier ist auch viel in Bewegung.<br />

Wir haben gerade ein Modul in der<br />

Lehre zum Einzelhandelskaufmann integriert,<br />

das sich mit dem digitalen Verkaufen<br />

beschäftigt. Wir arbeiten an einem Konzept,<br />

einen reinen E-Commerce-Kaufmann als<br />

Lehrberuf zu etablieren. Im Bereich der Ausbildung<br />

ist ebenfalls vieles in Bewegung und<br />

Wolfgang Feucht: Unternehmer und Lehrlingsbeauftragter<br />

der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer<br />

<strong>Tirol</strong>.<br />

wir reagieren auf die Anforderungen, die die<br />

Digitalisierung an unsere Unternehmen stellt.<br />

„Wir brauchen die Leidenschaft,<br />

unsere Kunden schöner,<br />

glücklicher zu machen “<br />

<br />

Wolfang Feucht,<br />

Unternehmer<br />

<strong>ECHO</strong>: Derzeit stehen viele Unternehmen<br />

vor dem Problem, dass sie nicht ausreichend<br />

geeignete Lehrlinge und Mitarbeiter finden?<br />

Patricia Niederwieser: Wir müssen die<br />

Lehrberufe im Handel einer Imagekorrektur<br />

unterziehen, was mit Sicherheit Zeit dauern<br />

wird. Wenn sich allerdings wieder vermehrt<br />

„Die Digitalisierung bringt es<br />

mit sich, dass wir „wieder“<br />

mehr sein werden, als „nur“<br />

Händler.“<br />

<br />

MMag. (FH) Barbara Thaler<br />

Unternehmerin und Vizepräsidentin der<br />

<br />

Wirtschaftskammer <strong>Tirol</strong>.<br />

herumspricht, dass man im Handel sehr gut<br />

verdienen kann und viele Jobchancen hat,<br />

wird sich die Lage wieder ändern.<br />

Feucht: Wir haben Mitarbeiter, die deutlich<br />

mehr als Akademiker verdienen.<br />

Wetscher: Es gibt keine andere Branche, die<br />

so viele Möglichkeiten bietet wie der Handel.<br />

Gute Leute haben die Möglichkeit, mit einer<br />

Ausbildung im Handel Vorstandsvorsitzende<br />

Patricia Niederwieser, Unternehmerin und<br />

Vizeobfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer<br />

<strong>Tirol</strong>.<br />

Internet-Shopper in %, 2004/2014<br />

Prognose: Internet-Nutzung<br />

16–74 Jahre<br />

19<br />

16–24 Jahre<br />

74<br />

22<br />

25–34 Jahre<br />

71<br />

34<br />

35–44 Jahre<br />

72<br />

23<br />

45–54 Jahre<br />

44<br />

15<br />

55–64 Jahre<br />

41<br />

6<br />

65–74<br />

20<br />

2<br />

%<br />

Jahre<br />

0 20 40 60 80 100<br />

<strong>Tirol</strong>er zwischen 16 und 74 Jahre, die das Internet zum Kauf von Einzelhandelsprodukten bei inund<br />

ausländischen Anbeitern genutzt haben; gerundete Werte.<br />

<br />

Quellen: KMU Forschung Austria, Statistik Austria<br />

54<br />

2004<br />

2014<br />

100<br />

80<br />

60<br />

40<br />

20<br />

59<br />

43<br />

32<br />

82<br />

73<br />

54<br />

0<br />

%<br />

2006 2014 2022 2030<br />

Informationssuche nach Einzelhandelswaren, Einkauf von Einzelhandelswaren im Internet in % der<br />

<strong>Tirol</strong>er Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren; gerundete Werte, Abschätzung, <strong>2016</strong>–2030.<br />

<br />

Quellen: KMU Forschung Austria, Statistik Austria<br />

90<br />

80<br />

65<br />

95<br />

90<br />

75<br />

Internet-Nutzer<br />

Infosucher<br />

Internet-Shopper<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

23


top 500 | INTERVIEW<br />

„Die innovativen Händler<br />

brauchen sich nicht zu<br />

fürchten.“<br />

<br />

Patricia Niederwieser,<br />

eines Konzerns, Unternehmer oder leitende Angestellte<br />

zu werden. Und eines sollte man auch<br />

bedenken: Wer eine Burnout-Klinik besucht,<br />

wird dort Menschen, die handwerklich arbeiten,<br />

so gut wie nie finden. Die Burnout-Kliniken sind<br />

voll mit Schreibtischarbeitern, die den Bezug zu<br />

ihrem Tun und den Sinn nicht mehr erkennen<br />

können. Menschen, die mit ihren Händen arbeiten,<br />

ereilt ein solches Schicksal höchst selten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze<br />

im Handel kosten?<br />

Anzahl einzelhandelsgeschäfte<br />

in tirol, 2004/2014<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

0<br />

3.300<br />

2.500<br />

Einstandortunternehmen<br />

1.400<br />

Filialisten<br />

Unternehmerin<br />

1.600<br />

2004<br />

2014<br />

Die Studie<br />

Im Auftrag der <strong>Tirol</strong>er Landesregierung<br />

und der Wirtschaftskammer <strong>Tirol</strong>, Sparte<br />

Handel, wurde eine Studie zum Thema<br />

EINZELHANDEL TIROL 2030 erarbeitet.<br />

Die Ergebnisse sind herausfordernd und<br />

optimistisch zugleich. <strong>ECHO</strong> sprach mit<br />

dem Geschäftsführer der Sparte Handel in<br />

der Wirtschaftskammer <strong>Tirol</strong>.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse<br />

der Studie?<br />

Alois Schellhorn: Strukturwandel, demografische<br />

Entwicklungen, Digitalisierung<br />

und Neo-Ökologie stellen den Handel vor<br />

vielfältige Herausforderungen. Der Strukturwandel<br />

und der Konzentrationsprozess<br />

haben dazu geführt, dass die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte<br />

in den letzten zehn Jahren<br />

stetig zurückgegangen ist. Dieser Trend<br />

wird sich fortsetzen. Gleichzeitig ist aber der<br />

filialisierte Einzelhandel in den letzten Jahren<br />

gewachsen. Die demografische Entwicklung<br />

bringt einen Bevölkerungszuwachs in<br />

den Städten. Auch die Tatsche, dass im Jahr<br />

2030 rund 40 Prozent der Bevölkerung über<br />

65 Jahre alt sein werden, wird den Handel<br />

verändern. Die Digitalisierung wird die Verbindung<br />

zwischen Offline und Online und<br />

diverse Ausformungen des Omnichanneling<br />

mit sich bringen. Der vierte Trend, die Themen<br />

Nachhaltigkeit und Regionalität, birgt<br />

Alois Schellhorn, Geschäftsführer Sparte Handel<br />

in der Wirtschaftskammer <strong>Tirol</strong>.<br />

viele Zukunftschancen. Der Megatrend<br />

Gesundheit wird auch im Handel neue<br />

Geschäftsmodelle ermöglichen und Jobs<br />

schaffen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wir wirkt sich der Tourismus auf<br />

den Einzelhandel in <strong>Tirol</strong> aus?<br />

Schellhorn: Der Tourismus spielt für die<br />

<strong>Tirol</strong>er Wirtschaft insgesamt eine große Rolle,<br />

auch für den Handel. Jede Veränderung<br />

im Tourismus zieht auch eine Veränderung<br />

für den Handel mit sich. Insofern ist der Aufschwung<br />

im Sommertourismus gut für den<br />

Handel.<br />

Anteil der<br />

Verkaufsflächen<br />

im stationionären Einzelhandel in <strong>Tirol</strong> nach<br />

Standorten in %, 2004/2014<br />

100 %<br />

80 %<br />

60 %<br />

40 %<br />

20 %<br />

0 %<br />

11 20<br />

17<br />

29<br />

72<br />

51<br />

2004 2014<br />

Einkauf- und Fachmarktzentren<br />

Fachmarktagglomerationen<br />

Einkaufsstraßen/Nebenlagen<br />

Wetscher: Ich bin überzeugt, dass wir im<br />

Handel mehr Leute brauchen, weil eben SB-<br />

Konzepte vom Internethandel abgelöst werden<br />

und der stationäre Handel zum Erlebnis<br />

und zur Unterhaltung werden wird. Dafür<br />

und für die Bewältigung der neuen Herausforderung,<br />

sich digital zu bewegen, brauchen<br />

wir mehr Mitarbeiter.<br />

<strong>ECHO</strong>: Stichwort Sharing Economy: Es<br />

gibt einen Trend zum Teilen und Reparieren.<br />

Thaler: Gerade der Trend Sharing Economy<br />

zeigt, warum die Digitalisierung dafür sorgt,<br />

dass Händler wieder Händler sein können.<br />

Der Handel kann endlich wieder Dienstleistungen<br />

– z. B. Reparaturen – anbieten, die in<br />

den letzten Jahren kaum mehr Businessmodell<br />

waren.<br />

<strong>ECHO</strong>: Man kann behaupten, dass wir in einer<br />

Art digitaler Pionierperiode sind. Wie lässt<br />

sich dies mit einer staatlich überregulierten<br />

Wirtschaft vereinbaren?<br />

Wetscher: Die Überregulierung und hohe<br />

Steuerlast, die Tatsache, dass die Löhne für die<br />

Mitarbeiter zu gering und für die Unternehmer<br />

zu hoch sind führt zu immer größerem<br />

Frust bei den Unternehmern. Dieses Klima<br />

und die dünne Ertragsdecke machen nicht<br />

gerade Lust etwas zu „unternehmen“, etwas<br />

Neues auszuprobieren, wie das in anderen<br />

Ländern durchaus noch möglich ist.<br />

Foto: WK <strong>Tirol</strong><br />

24<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


GEIGER UND PLATTER | PROMOTION<br />

Der starke Partner<br />

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für Ihr Bad<br />

Geiger und Platter: Das Familienunternehmen versteht sich als Bindeglied zwischen<br />

Industrie und dem <strong>Tirol</strong>er Fachhandwerk und punktet beim Kunden mit höchster Qualität.<br />

Mit kompetentem Fachwissen steuert das Traditionsunternehmen einen wichtigen<br />

Beitrag zur Förderung der heimischen Wirtschaft bei.<br />

Fotos: Geiger und Platter<br />

In allen Belangen rund um Sanitär- und<br />

Heizungstechnik ist der <strong>Tirol</strong>er Familienbetrieb<br />

im Herzen von Innsbruck<br />

der richtige Ansprechpartner. Das 1972 gegründete<br />

Unternehmen ist noch heute stark<br />

mit Innsbruck und <strong>Tirol</strong> verbunden. Im<br />

Stadtteil Pradl gegründet, kann man Geiger<br />

und Platter immer noch in der Köldererstraße<br />

finden. Der Betrieb ist in <strong>Tirol</strong>er<br />

Hand geblieben und wird nun in zweiter<br />

Generation von Klaus Platter und Roswitha<br />

Matzler geführt. Traditionell, aber modern,<br />

präsentiert sich Geiger und Platter heute. In<br />

dem 2015 neu eröffneten Schauraum wird<br />

Kunden der Traum von der persönlichen<br />

Wohlfühl-Oase näher gebracht. Wird dieser<br />

spruchreif, punktet der Familienbetrieb<br />

mit kompetenten Mitarbeitern, die in der<br />

Beratung keine Wünsche offenlassen. Mit<br />

modernsten Technologien kann die Wohlfühl-Oase<br />

im Handumdrehen in einem<br />

3D Plan – virtuell – verwirklicht werden.<br />

Qualifizierte Mitarbeiter, welche fast allesamt<br />

selbst Installateure sind und ihr Fach<br />

bestens verstehen, unterstützen mit kompetenter,<br />

individueller Beratung bei der Umsetzung<br />

der Traum-Oase.<br />

HOCHWERTIGE QUALITÄT<br />

Als Fachhändler für Markenware von bester<br />

Qualität, insbesondere im Bereich der<br />

hochwertigen Badezimmerausstattung,<br />

setzt das Unternehmen in der Umsetzung<br />

besonders auf starke Partner in der Region.<br />

Seinem Motto „Ihr Fachmann braucht<br />

einen starken Partner“ bleibt Geiger und<br />

Platter stets treu. Als Bindeglied zwischen<br />

dem Installateur und den Herstellern von<br />

hochwertigen Markenprodukten hat der<br />

Betrieb zahlreiche Partner in und außerhalb<br />

<strong>Tirol</strong>s, wie die Firma Keramag, führender<br />

Markenhersteller für Sanitärkeramik.<br />

Bei Geiger und Platter sind zwanzig bestens<br />

ausgebildete Fachkräfte mitverantwortlich<br />

für den großen Erfolg des <strong>Tirol</strong>er<br />

Betriebs. Mit einem Jahresumsatz von ca.<br />

zehn Millionen Euro schafft es das Unternehmen,<br />

die regionale Wirtschaft tatkräftig<br />

zu unterstützen. Dem Preisdruck durch<br />

zahlreiche No-Name-Produkte aus dem<br />

Internet steuert der Betrieb erfolgreich entgegen.<br />

Gepunktet wird mit persönlicher<br />

Beratung und Markenqualität. Auch Regionalität<br />

wird groß geschrieben. Auch in Zukunft<br />

wird verstärkt regional gedacht und<br />

die heimische Wirtschaft gefördert. Somit<br />

ist die Arbeitskraft der <strong>Tirol</strong>er dementsprechend<br />

geschätzt, regionale Partner werden<br />

unterstützt und der Kunde erhält beste Beratung<br />

und Qualität.<br />

KONTAKT<br />

GEIGER + PLATTER GMBH & CO KG<br />

Köldererstraße 5, 6020 Innsbruck<br />

Tel: 0512-33414, Fax: 0512-392073<br />

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Kammerspiele<br />

Interview. Die Kammerchefs Jürgen Bodenseer (WK) und Erwin Zangerl (AK)<br />

analysieren die Lage am Arbeitsmarkt, im Lehrlingsbereich und in der Wirtschaft.<br />

Bodenseer zeigt im Interview Mut zur Lücke, Zangerl will eine genauere<br />

Analyse des Phänomens „Fachkräftemangel“.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wir haben eine verhältnismäßig hohe<br />

Arbeitslosigkeit im Land. Gleichzeitig sagen<br />

Unternehmen, dass sie sich schwertun, Fachkräfte<br />

zu finden. Wie sehen Sie die Situation?<br />

Erwin Zangerl (AK-Präsident): Diesen<br />

vermeintlichen Fachkräftemangel beklagt die<br />

Wirtschaft immer wieder. Beim Blick auf die<br />

Bilanzen des AMS ergibt sich allerdings ein<br />

völlig anderes Bild: So standen im September<br />

5.020 gemeldeten freien Stellen 19.175<br />

Arbeitslose gegenüber. Ich wäre sogar froh,<br />

wenn es den Fachkräftemangel gäbe. Denn<br />

dann könnten wir sofort mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen<br />

gegensteuern. Leider<br />

stellen wir jedoch fest, dass in Wirklichkeit ein<br />

extremer Verdrängungswettbewerb stattfindet,<br />

und zwar von den älteren, qualifizierten<br />

Beschäftigten hin zu billigeren, kurzfristigen<br />

Arbeitsverhältnissen. So nebenbei sei da auch<br />

auf das internationale Engagement von <strong>Tirol</strong>er<br />

Unternehmen im Ausland verwiesen, die alleine<br />

im Ausland 274 Firmen haben. Diese 274<br />

Auslandstöchter beschäftigten 26.678 Mitarbeiter<br />

und erwirtschafteten im Jahr 2014 einen<br />

Umsatz von 9,4 Milliarden Euro. Jetzt naht der<br />

Winter. Und bald wird die Wirtschaft wieder<br />

behaupten, wie händeringend der Tourismus<br />

doch nach Fachkräften suche. Deshalb möchte<br />

ich an die mehr als 300 Köchinnen und Köche<br />

erinnern, die im Jänner und Februar <strong>2016</strong><br />

– also in der Hochsaison – arbeitslos waren.<br />

In einem Mangelberuf, wohlgemerkt. Von<br />

den rund 700 ausgebildeten Kellnern, den<br />

120 Schankkräften, 322 Stubenburschen bzw.<br />

-mädchen etc. ganz zu schweigen. Wissen sollte<br />

man auch, dass pro Jahr mehr als 850 junge<br />

Menschen eine der <strong>Tirol</strong>er Tourismusschulen<br />

erfolgreich abschließen. Es gäbe also genügend<br />

hochqualifizierte Arbeitskräfte in dieser Branche.<br />

Da liegt die Vermutung schon nahe, dass<br />

der Ruf nach mehr Fachkräften in Wirklichkeit<br />

der Ruf nach billigeren Arbeitskräften ist. Eine<br />

lückenlose Analyse zum behaupteten Fachkräftemangel<br />

ist die Wirtschaft bislang schuldig<br />

geblieben. Wenn es ihn gibt, brauchen Land,<br />

AMS und Sozialpartner zuverlässige Daten<br />

über Mangelberufe, aufgeschlüsselt nach Betrieben,<br />

Branchen und Regionen, um gezielt<br />

gegensteuern zu können. Dann hätten <strong>Tirol</strong>s<br />

Arbeitnehmer eine Perspektive. Die Folgen<br />

wären niedrigere Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher<br />

Aufschwung.<br />

Jürgen Bodenseer (WK-Präsident): Die<br />

Arbeitslosigkeit in <strong>Tirol</strong> ist wesentlich niedriger<br />

als in anderen Bundesländern. Das haben wir<br />

dem investitionsstarken Tourismus, einer guten<br />

Gewerbeauslastung und nicht zuletzt einer<br />

Foto: Kröll<br />

26 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


exportstarken Industrie zu verdanken. Der<br />

Mangel an Fachkräften hat viele Gründe. Ein<br />

wesentlicher ist jener, dass das Schulsystem zu<br />

wenig auf die Berufswelt vorbereitet.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt auch einen Lehrlingsmangel.<br />

Worin sehen Sie diesen begründet?<br />

Zangerl: Wir beobachten seit Jahren, dass<br />

immer weniger Jugendliche sich für eine<br />

Lehre entscheiden, obwohl sich unser duales<br />

Ausbildungssystem mit seinem starken Fokus<br />

auf die betriebliche Praxis zunehmend zum<br />

Exportschlager entwickelt. Wir haben deshalb<br />

gemeinsam mit dem ÖGB die gefragt, die es<br />

wissen müssen: die Lehrlinge. Ein Ergebnis<br />

war, dass jene Branchen, die am lautesten einen<br />

Lehrlingsmangel beklagen, jene sind, in<br />

denen die Jugendlichen nicht bleiben möchten,<br />

etwa wegen unbezahlter Überstunden.<br />

So gaben zuletzt von 400 befragten <strong>Tirol</strong>er<br />

Jugendlichen im zweiten Lehrjahr zwar 61,3<br />

Prozent an, dass sie sich in ihrem Betrieb sehr<br />

wohlfühlen, aber bei immerhin 12,7 Prozent<br />

traf dies überhaupt nicht zu. 65,8 Prozent<br />

müssen Überstunden leisten, 14,8 Prozent<br />

davon sogar regelmäßig. 56,4 Prozent werden<br />

Überstunden als Zeitausgleich vergütet. Aber<br />

7,5 Prozent der Lehrlinge, die Überstunden<br />

machen, erhalten weder Zeitausgleich noch<br />

Geld dafür. Wir sehen gerade in der Qualität<br />

der Ausbildung großen Verbesserungsbedarf,<br />

wenn 15,4 Prozent der Lehrlinge angeben,<br />

dass sie sich selbst für ihre Ausbildung stark<br />

machen müssen, weil sie sonst nichts lernen<br />

würden, und nur bei 34,4 Prozent der Jungen<br />

im zweiten Lehrjahr so etwas wie eine Karriereplanung<br />

mit dem Betrieb erfolgt. Änderungen<br />

braucht es aus unserer Sicht auch bei<br />

der Lehrabschlussprüfung: Hier sollen Lehrer<br />

als Prüfer zum Einsatz kommen, so wie bei<br />

allen anderen Schülern auch, und nicht wie<br />

derzeit z. B. Meister mit eigenen Betrieben,<br />

von denen so mancher einen künftigen Konkurrenten<br />

prüfen muss. Die Zeit drängt. Egon<br />

Blum, der frühere Lehrlingsbeauftragte der<br />

Regierung, sprach sogar von einem „Notstand<br />

am Lehrstellenmarkt“ und präsentierte dramatische<br />

Zahlen: Von 2008 bis 2014 gaben<br />

österreichweit mehr als 7.400 Lehrbetriebe<br />

auf, gleichzeitig sanken die Lehrlingszahlen<br />

um mehr als 22.000. Wir brauchen ein ganzes<br />

Paket an Maßnahmen, damit die Lehre<br />

wieder Karriere macht. AK, ÖGB und ÖGJ<br />

fordern die gesetzliche Einführung eines Qualitätsmanagements<br />

für die Berufsausbildung<br />

in den Betrieben, qualitätsgebundene Fördermodelle<br />

statt des „Gießkannenprinzips“, mehr<br />

Aus- und Weiterbildung für die Ausbildner<br />

in den Betrieben und dass Lehrlinge keine<br />

berufsfremden Tätigkeiten ausüben dürfen.<br />

Fallen für den Besuch der Berufsschule auch<br />

Internatskosten an, so sollen diese von den<br />

Betrieben übernommen werden. Es braucht<br />

eine Lehrlingsfreifahrt, eine Ausweitung der<br />

Berufsschulzeiten und eine stärkere Vernetzung<br />

von Berufsschulen und Betrieben.<br />

Bodenseer: Obwohl die Lehre heute sehr<br />

gute Berufs- und Karrierechancen bietet, ist<br />

das Image immer noch schlecht. Das hängt<br />

auch mit der Wertigkeit des Meistergewerbes,<br />

der Regionalität und Qualität zusammen, die<br />

insgesamt breiten Konsumentenschichten<br />

besser vermittelt und klargemacht werden<br />

müssen. Das Wort „Lehrling“ ist schon für sich<br />

genommen zu wenig cool. Außerdem bin ich<br />

der Meinung, dass die Bezahlung schon in der<br />

Lehrzeit leistungsbezogen und über die Lehre<br />

hinausreichend sein sollte.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Digitalisierung ist das große Thema<br />

unserer Zeit. Wie glauben Sie, dass sich die-<br />

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top 500 | INTERVIEW<br />

se auf das Arbeitsleben auswirken wird?<br />

Zangerl: Die Digitalisierung ist in den Betrieben<br />

bereits fortgeschritten. So belegt eine<br />

Umfrage unter 300 Betriebsräten, die das Meinungsinstitut<br />

IFES im Auftrag der AK durchgeführt<br />

hat, dass viele Technologien schon<br />

seit Längerem eingesetzt werden. Während<br />

fast drei Viertel die Auswirkungen für die Unternehmen<br />

positiv sehen, erkennt nur mehr<br />

knapp die Hälfte auch einen Vorteil für die Arbeitsbedingungen.<br />

Als negative Effekte werden<br />

z. B. Auswirkungen auf ältere Beschäftigte, steigende<br />

Arbeitsbelastungen oder die schwieriger<br />

werdende Vereinbarkeit von Beruf und Familie<br />

genannt. Hier müssen wir ansetzen. Unser<br />

grundlegendes Ziel ist, den digitalen Wandel<br />

nicht einfach nur hinzunehmen, sondern ihn<br />

aktiv im Sinne der Arbeitnehmerfamilien mitzugestalten.<br />

Dabei ist darauf zu achten, dass der<br />

digitale Wandel auch „gute Arbeit“ gewährleistet.<br />

Mit hoher Mitbestimmung und aktiver<br />

Einbindung von Beschäftigten und Betriebsräten<br />

bietet er sogar neue Möglichkeiten: Denn<br />

neue interessante Aufgaben, faire Entlohnung<br />

und mitbestimmte Gestaltung der Arbeitsbedingungen<br />

können alternsgerechte sowie<br />

körperlich und physisch weniger belastende<br />

Arbeitsplätze und eine bessere Vereinbarkeit<br />

von Beruf und Familie bringen.<br />

Bodenseer: Meiner Meinung nach schafft<br />

die Digitalisierung einerseits neue Arbeitsplätze<br />

und vernichtet andererseits andere. Wir werden<br />

gesamtgesellschaftlich nicht umhinkommen,<br />

in weiten Teilen neu zu lernen und umzulernen,<br />

uns für den digitalen Wandel neu aufzustellen.<br />

Wer diese digitale Kurve nicht nimmt , der wird<br />

schon morgen weg vom Fenster sein. Und davon<br />

bleibt niemand unberührt, weil die Digitalisierung<br />

und ihre Konsequenzen betreffen<br />

und durchdringen alle Bereiche der Wirtschaft.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sollten durch die Digitalisierung in<br />

Summe massiv Jobs verloren gehen, halten Sie<br />

ein bedingungsloses Grundeinkommen für eine<br />

Möglichkeit, dieser Situation zu begegnen?<br />

Zangerl: Die Chancen der Digitalisierung<br />

können und müssen beschäftigungssichernd<br />

genützt werden! Wenn weniger Arbeitsplätze<br />

zur Verfügung stehen, ist wohl eher für<br />

eine bessere Verteilung der Arbeit zu sorgen.<br />

Eine ausgewogene Balance von Arbeits- und<br />

Freizeit würde jene entlasten, die zu viel arbeiten<br />

und dadurch erkranken, aber auch<br />

alle, die Arbeit suchen. Natürlich müssen<br />

die Arbeitnehmer aber auch in einer digitalisierten<br />

Arbeitswelt wie bisher auf soziale<br />

Absicherung vertrauen können, etwa wenn<br />

sie den Arbeitsplatz verlieren oder krank<br />

werden.<br />

Bodenseer: Ein sozial gestaffeltes Grundeinkommen<br />

ist aus meiner Sicht in Ordnung.<br />

Das darf aber keinesfalls dazu führen, dass<br />

sich Arbeit und Leistung nicht mehr lohnen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie sehen Sie den Wirtschaftsraum<br />

<strong>Tirol</strong> hinsichtlich seiner Zukunftsfähigkeit<br />

aufgestellt? Was muss angegangen<br />

werden, um für die Zukunft besser gerüstet<br />

zu sein?<br />

Zangerl: Hier müssen wir vor allem auf<br />

Bildung setzen, und zwar in allen Bereichen.<br />

Wir müssen dafür sorgen, dass die Jungen<br />

eine gute Ausbildung erhalten, und all jene<br />

auffangen, die am Übergang von der Schule<br />

ins Berufsleben ihr Ziel aus den Augen verlieren.<br />

Aber wir brauchen auch viele Wege<br />

für die Aus- und Weiterbildung, damit lebenslanges<br />

Lernen nicht nur gefordert wird,<br />

sondern auch stattfinden kann. Das wiederum<br />

kommt den Betrieben im Land zugute,<br />

weil sie auf gut ausgebildete Mitarbeiter<br />

bauen können.<br />

Bodenseer: Wir sind gut durchmischt und<br />

gewinnen zusehends an Fahrt, was Startups<br />

und Neuansiedlungen betrifft. Dazu kommt,<br />

dass wir durch starke Markenprodukte im Bereich<br />

der Industrieexporte und eine gut abgesicherte<br />

Tourismuswirtschsaft zukunftsstark<br />

aufgestellt sind. Das sehen wir am soliden<br />

Landesbudget, an den Wirtschaftszahlen und<br />

der im Vergleich mit anderen Bundesländern<br />

verhältnismäßig niedrigeren Arbeitslosigkeit.<br />

Ich wünsche mir mehr Mut zur Lücke in<br />

der Bürokratie und der Verwaltung. Außerdem<br />

müssen wir die Flexibilisierung in den<br />

neuen Arbeitswelten zulassen. Unser Bildungssystem<br />

muss auch wesentlich praxisorientierter<br />

gestaltet werden. Die Erfindung neuer Steuern<br />

muss auch vermieden werden, der Faktor Arbeit<br />

merklich entlastet. Unsere Arbeitnehmer<br />

sind zu teuer und verdienen zu wenig.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was würden Sie sich von Ihrem Gegenüber<br />

in der Arbeiterkammer wünschen?<br />

Bodenseer: Die Sozialpartnerschaft funktioniert<br />

wieder recht gut bei uns in <strong>Tirol</strong>. Da<br />

wünsche ich mir aber trotzdem, dass wir als<br />

Sozialpartner noch näher zusammenrücken<br />

und als polititisch gestaltende und Zukunftssicherheit<br />

bietende Kraft auftreten. Auch Investitionen<br />

und damit neue Arbeitsplätze brauchen<br />

Vertrauen in die Rahmenbedingungen<br />

und Zukunftssicherheit, mehr Freiräume und<br />

eine weniger ausgeprägte Kontroll- und Bestrafungsmentalität.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Gewerbeordnung ist als wirtschaftlicher<br />

Hemmschuh im Gerede. Ist sie in<br />

dieser Form noch zeitgemäß?<br />

Bodenseer: Unsere Gewerbeordnung wird<br />

mutwillig schlechtgeredet. Sie war und ist<br />

kein wirtschaftlicher Hemmschuh für Gründungen.<br />

Trotzdem ist klar, dass sie historisch<br />

bedingt Kuriositäten enthält, die weggehören.<br />

An der Gewerbeordnung hängt nicht nur<br />

das gesamte Kammersystem, sondern daran<br />

hängen auch die duale Ausbildung, die Meisterprüfung,<br />

Handwerk, Qualität, Kollektivverträge<br />

und Regionalität. Wir müssen uns<br />

nur die Frage stellen, was wäre, wenn das alles<br />

nicht mehr in dieser Form da wäre und alles<br />

„modisch“ liberalisiert wäre? Eine maßvolle<br />

Reform ist längst dringend notwendig. Aber<br />

bitte nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

28<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


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top 500 | INTERVIEW<br />

Von Büchern und<br />

versifften Taxis<br />

Interview. Cyberguru Wieland Alge hat genaue Vorstellungen von der Zukunft. Die<br />

Digitalisierung läuft seit Jahrzehnten, entfaltet aber in letzter Zeit verstärkt ihre<br />

disruptive Wirkung. Im Zentrum steht aber weiterhin das menschliche Bedürfnis.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es ist modern, über die Digitalisierung<br />

zu reden. Dabei wird häufig so getan, als<br />

hätte selbige erst gestern eingesetzt. Wann ist<br />

die Digitalisierung so richtig losgegangen?<br />

Wieland Alge: Angefangen hat das Ganze<br />

schon vor 40, 50 Jahren. Mit der ersten Generation,<br />

die in der Schule Taschenrechner<br />

verwendet hat. Das war auch schon eine Art<br />

digitale Transformation, mit der Dinge möglich<br />

wurden, die es vorher nicht gab. Ende der<br />

70er, Anfang der 80er Jahre wurde diskutiert,<br />

ob der Taschenrechner dazu führen wird, dass<br />

wir alle nicht mehr rechnen können werden.<br />

Dazu hat er natürlich nicht geführt. Die Leute,<br />

die sich vor dem Taschenrechner mit dem<br />

Rechnen schwer getan haben, konnten es danach<br />

auch nicht besser. Damals sind digitale<br />

Technologien erstmals öffentlich sicht- und<br />

greifbar geworden. Später kam die digitale<br />

Transformation des Schreibens, die zu einem<br />

riesigen Print-Boom geführt hat, weil die Herstellungskosten<br />

von Texten stark gesunken<br />

sind. In mehreren Aspekten unseres Lebens<br />

haben wir schon digitale Transformationen<br />

durchgemacht, die nicht nur ganze Wertschöpfungsketten<br />

verändert haben, sondern<br />

auch unser Verhalten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Man hat aber das Gefühl, dass es<br />

noch keine derart tiefschürfende digitale<br />

Umwälzung gegeben hat wie jene, die uns<br />

bevorsteht?<br />

Alge: Bis jetzt waren es gewisse Tätigkeiten<br />

oder Branchen, die digitalisiert wurden, etwa<br />

die Buchhaltung oder die Herstellung von<br />

Medien, die Musikindustrie und der Handel<br />

Foto: Kröll<br />

30<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


gewisser Commodities, angefangen bei Büchern.<br />

Bei aller Sympathie für Buchhändler,<br />

die meisten haben für ihre Konsumenten<br />

kaum einen Wertbeitrag geleistet. Die Beratungsleistung<br />

war sehr limitiert, weil der<br />

Buchhändler nicht wissen konnte, was ich<br />

bereits an Büchern gekauft habe.<br />

<strong>ECHO</strong>: Heutzutage treffen dagegen Algorithmen<br />

im Hintergrund die Entscheidung,<br />

was ich auf verschiedenen Webseiten, etwa<br />

bei Online-Versandhändlern, überhaupt zu<br />

sehen bekomme.<br />

Alge: Genau. Und die Abstimmung der<br />

Kunden ist eindeutig. Es ist unfassbar viel<br />

besser als eine Buchhandlung. Ich weiß, was<br />

ich gekauft habe, was andere gekauft haben,<br />

die Empfehlungen sind auf mich zugeschnitten,<br />

ich kann in der Nacht und an Feiertagen<br />

einkaufen. Ich wollte es lange Zeit nicht wahrhaben,<br />

aber die Beratungsleistung von Algorithmen<br />

ist bei Büchern tatsächlich besser, als<br />

wenn einzelne Menschen miteinander reden.<br />

An diesem Beispiel und an jenem der Musikindustrie<br />

haben wir das erste Mal gemerkt,<br />

wie sich ganze Branchen in relativ kurzer Zeit<br />

radikalst ändern können.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist das dieses disruptive Moment,<br />

das der Digitalisierung zugeschrieben wird?<br />

Alge: Genau. Die Anpassung des Gesamtsystems<br />

an Änderungen verläuft langsamer als<br />

die Änderung selbst. Das wird als disruptiv<br />

wahrgenommen. Es holpert und rumpelt.<br />

Am Beispiel des Buchhandels heißt das,<br />

dass große Ketten gegen den Online-Versandhändler<br />

keine Chance hatten. Kleineren<br />

Buchhändlern blieb dagegen der Weg in die<br />

Spezialisierung.<br />

<strong>ECHO</strong>: Noch einmal zurück zur Einstiegsfrage.<br />

Ist die Digitalisierung eigentlich ein alter<br />

Hut?<br />

Alge: Als vor drei, vier Jahren plötzlich inflationär<br />

über die digitale Transformation geredet<br />

wurde, habe ich mir gedacht, was sind das für<br />

Idioten? Wer kann im Jahr 2012, 2013, 2014<br />

anfangen, über die Konsequenzen der Vernetzung<br />

zu reden? Ich habe meine erste E-Mail<br />

1991 geschrieben. Sechs Wochen, nachdem<br />

im CERN die erste Website online gegangen<br />

ist, hatten wir in Innsbruck auch eine. Was es<br />

aber dennoch rechtfertigt, dass man der jetztigen<br />

Situation eine gewisse Aufmerksamkeit<br />

schenkt, ist die Tatsache, dass sehr viele Branchen<br />

jetzt draufgekommen sind, dass auch in<br />

ihrem Bereich Wertschöpfungsketten, ja ganze<br />

Ökosysteme, neu gedacht werden müssen,<br />

man sich die Frage stellt, wie ein bestehendes<br />

System aussähe, wenn man es von Anfang an<br />

neu aufsetzen würde. In etwa so, wie sich die<br />

Typen von Uber gefragt haben, wie das Taxiwesen<br />

aussehen würde, wenn man es jetzt<br />

neu erfinden würde. Natürlich hätte dann<br />

nicht jede Stadt ihre eigene Funktaxi-Zentrale<br />

mit lustigen selbstständigen Taxifahrern. Es<br />

gäbe keine solchen Vorschriften wie etwa jene<br />

in Deutschland, nach der man als Kunde das<br />

erste Taxi in einer Reihe nehmen muss. Als<br />

Zweiter in der Reihe steht der neue Mercedes<br />

und davor eine acht Jahre alte, komplett versiffte<br />

Karre und als Kunde muss ich zum<br />

selben Preis ins vordere Auto einsteigen. Da<br />

sage ich Nein! Hätte es die heutigen technologischen<br />

Voraussetzungen zum Zeitpunkt<br />

der Entstehung des Taxiwesens schon gegeben,<br />

Uber wäre das Normalste auf der Welt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das Taxiwesen wird von außen verändert.<br />

Es sind aber auch noch andere Branchen,<br />

die „late in the game“ sind?<br />

Alge: Es gibt einige Branchen, wo sich bis<br />

jetzt eigentlich gar nichts getan hat, wie etwa<br />

im Lebensmittelhandel. Ich fahre mit dem<br />

Auto hin, mit dem Wagen durchs Geschäft,<br />

lade alles ein und bringe dann das Zeug noch<br />

nach Hause. Meistens kaufe ich die selben<br />

Sachen und muss mich, wenn ich einmal in<br />

einem anderen Laden einkaufe, wieder völlig<br />

neu orientieren. Wo ist das Mineralwasser?<br />

Ist es mein Kundenwunsch, immer das<br />

verdammte Mineralwasser zu suchen und<br />

herumzuschleppen? Manche unserer Wünsche<br />

als Konsumenten sind uns aber noch<br />

gar nicht bewusst. Vor zwanzig Jahren war<br />

ich überzeugt, kein Mobiltelefon zu brauchen,<br />

so wie 85 Prozent der Österreicher laut<br />

Umfragen der Meinung waren, das ist nur für<br />

Angeber und Trottel. Man hat sich anfangs<br />

lustig gemacht über die Wichtigtuer mit ihren<br />

Mobiltelefonen, bis man draufgekommen<br />

ist, dass es einen fundamentalen Bedarf<br />

gibt, ortsunabhängig mit anderen sprechen<br />

zu können. Man hätte früher erkennen können,<br />

wie zu kurz das Festnetztelefon für den<br />

eigenen Bedarf greift. Die Verbreitung der<br />

„Viele Branchen sind jetzt<br />

draufgekommen, dass<br />

auch in ihrem Bereich<br />

ganze Ökosysteme neu<br />

gedacht werden müssen.“<br />

Mobiltelefone verlief disruptiv, ebenso jene<br />

des Smartphones. Lustigerweise hat sich die<br />

Videotelefonie nicht durchgesetzt. Eine andere<br />

Branche, die vor großen Änderungen<br />

steht, ist das Bankengeschäft. Dort gab es<br />

zwar schon eine Welle der Digitalisierung,<br />

die zweite steht aber erst bevor. Jede Bank hat<br />

ein Rechenzentrum, eine vollständig digitalisierte<br />

Bank ist ein Rechenzentrum mit angeschlossenem<br />

Marketing und Vertrieb. Das<br />

Rechenzentrum ist das Produkt, mein Konto<br />

besteht aus Daten, die dort liegen. Der Bankberater<br />

ist ja eigentlich eine Illusion, der ist in<br />

Wirklichkeit ja ein Verkäufer.<br />

<strong>ECHO</strong>: Unser neues digitales Leben ist<br />

wahnsinnig bequem. Doch wir hinterlassen<br />

überall Daten. Die Frage ist nun, was passiert<br />

mit diesen Daten und wer hat die Kontrolle<br />

über sie? Sehen Sie darin ein Problem oder<br />

muss man einfach damit leben, wenn man<br />

die Annehmlichkeiten des digitalen Lebens<br />

genießen will?<br />

Alge: Ich habe 15 Jahre geglaubt, dass Datenschutz<br />

und Privatheit wahnsinnig wichtig<br />

sind, und ich glaube das nach wie vor. Aber<br />

wir werden nicht umhinkommen, die De-<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

31


top 500 | INTERVIEW<br />

finition dessen, was tatsächlich geheim und<br />

privat ist, neu zu ziehen. Eine überwiegende<br />

Mehrheit der Menschen denkt über dieses<br />

Thema nicht nach und macht es einfach.<br />

Ich habe es aufgegeben, den Leuten zu predigen,<br />

wie sie sich zu verhalten haben. Die<br />

Aussage: „Ich habe ja nichts zu verbergen“,<br />

wie sie Ex-Bundeskanzler Werner Faymann<br />

einmal getroffen hat, ist offenbar falsch und<br />

dumm, aber wie viel man zu verbergen hat,<br />

muss jeder Mensch für sich selbst definieren<br />

und herausfinden. Da ist der paternalistische<br />

Ansatz zum Scheitern verurteilt. Die Datenschutz-Traditionalisten<br />

reden immer von den<br />

personenbezogenen Daten. Die umfassen in<br />

Wirklichkeit alles. Das halte ich inzwischen<br />

für eine Träumerei, weil es viel zu viele nutzenstiftende<br />

Anwendungen gibt, für die Leute<br />

gerne ihre Daten hergeben, weil sie dafür<br />

eine sinnvolle Gegenleistung bekommen.<br />

Man muss den Leuten wieder zugestehen,<br />

sich verkaufen zu dürfen. Google Maps ist<br />

beispielsweise einem herkömmlichen Navigationssystem<br />

weit überlegen, weil es auf die<br />

Daten von Menschen zurückgreifen kann, die<br />

Google Zugriff auf ihren Standort eingeräumt<br />

haben. Google weiß genau, wo der Verkehr<br />

zäh fließt und wo er flüssig läuft. Wenn ich<br />

diesen Nutzen sehe, glaube ich nicht, dass<br />

man die Leute davon überzeugen kann, ihre<br />

Daten geheimzuhalten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Eine Kosten-Nutzen-Abwägung?<br />

Alge: Im Grunde genommen ja.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wenn man sich manches Forum<br />

in den sozialen Medien ansieht, muss man<br />

zur Auffassung gelangen, dass es statt der<br />

behaupteten Schwarmintelligenz eher eine<br />

Schwarmblödheit geben muss, so ganz nach<br />

dem Motto: „Gemeinsam sind wir dümmer.“<br />

Alge: Die Schwarmintelligenz ist ja nicht<br />

zwangsläufig größer als die Intelligenz des<br />

Einzelnen. Wir haben nur unterstellt, dass<br />

sie größer ist als die Intelligenz des Einzelnen.<br />

Auch die Stammtische und Verschwörungstheoretiker<br />

vernetzen sich und halten<br />

es für Schwarmintelligenz zu glauben, dass<br />

es Chemtrails gibt. In den letzten zwei, drei<br />

Jahren habe ich meine zwischenzeitliche Euphorie<br />

wieder abgelegt, dass das Internet eine<br />

zweite Aufklärung bringen wird. Ich habe den<br />

Kulturpessimismus wiederentdeckt. Wikipedia<br />

stellt kostenlos quasi grenzenloses Wissen<br />

zur Verfügung. Und was passiert? Verlage, die<br />

auf Verschwörungstheorien spezialisiert sind,<br />

boomen. Und mit ihnen Propagandasender.<br />

Das Internet hat viele gruppenpsychologische<br />

und soziologische Erkenntnisse zumindest<br />

nicht widerlegt und erst recht nicht<br />

überwunden. Die Milieu- und soziale Blasenbildung,<br />

die es immer gegeben hat, setzt sich<br />

im Internet ebenfalls nahtlos fort. Jeder sucht<br />

sich seine Blase, bleibt in dieser Blase und<br />

fühlt sich dort wohl. <br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

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Wir seit 1816.<br />

Finanzbildung durch die OeNB<br />

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TYROLIT | PROMOTION<br />

<strong>Tirol</strong>s starker Partner<br />

TYROLIT. In vier Geschäftsbereichen punktet das <strong>Tirol</strong>er Familienunternehmen bei Partnern aus<br />

aller Welt. Die ökonomischen und ökologischen Lösungen werden auch individuell auf die Kunden<br />

angepasst und bestechen durch höchste Produkt- und Servicequalität.<br />

Als einer der führenden Hersteller<br />

für gebundene Schleif-, Trenn-,<br />

Bohr- und Abrichtwerkzeuge sowie<br />

von Maschinen für die Bauindustrie,<br />

überzeugt TYROLIT weltweit seine<br />

Kunden mit einer breiten Produktpalette<br />

und höchster Qualität. Künstliche<br />

Hüftgelenke, scharfe Kanten für Ski und<br />

Snowboard, Motorenkomponenten und<br />

Brillengläser, Dehnfugen im Asphalt, Naturstein-Arbeitsplatten<br />

für den Haushalt<br />

und Wandausschnitte für Fenster und Türen<br />

– das sind nur einige Beispiele, wie die<br />

Schleifwerkzeuge des <strong>Tirol</strong>er Unternehmens<br />

zur Anwendung kommen.<br />

TIROLER FAMILIENUNTERNEHMEN<br />

1919 gründete Daniel Swarovski<br />

TYROLIT zur Herstellung von Schleifwerkzeugen<br />

und von Produkten zum<br />

Polieren von Kristallglas. Das Familienunternehmen<br />

kann heute auf eine fast<br />

hundertjährige Erfahrung zurückblicken<br />

und zählt mit über 4.400 Mitarbeitern an<br />

29 Produktionsstandorten in zwölf Ländern<br />

zu den wichtigsten Arbeitgebern in<br />

<strong>Tirol</strong>.<br />

Die Experten bei TYROLIT erarbeiten<br />

täglich maßgeschneiderte Lösungen<br />

für Kunden aus der ganzen Welt und tragen<br />

damit zu deren Unternehmenserfolg<br />

bei. Dank seiner Innovationskraft zählt<br />

TYROLIT heute mit seinen Schleifwerkzeugen<br />

zu den weltweit führenden Unternehmen<br />

in diesem Bereich.<br />

BREITE PRODUKTPALETTE<br />

Die Schwazer Schleifmittelhersteller<br />

bieten ihren Kunden ökonomische und<br />

ökologische Lösungen in derzeit vier Geschäftsfeldern<br />

an. In den Bereichen Metall<br />

Innovative Hand- und Ringsägen für die hohen Anforderungen der Beton- und Sägebetriebe.<br />

und Präzision, Bau, Stein/Keramik/Glas<br />

und Industriefachhandel hat TYROLIT<br />

rund 80.000 Produkte im Programm, mit<br />

denen verschiedenste Materialien jeglicher<br />

Härte bearbeitet werden können.<br />

Mit einem weltweiten Vertrieb und einem<br />

Team aus erfahrenen Anwendungstechnikern<br />

garantiert TYROLIT präzise Individuallösungen,<br />

höchste Qualität und<br />

besten Service. Die Kombination dieser<br />

Faktoren macht die Schleifmittel-Profis<br />

zu langjährigen und geschätzten Partnern<br />

in zahlreichern Industriezweigen rund um<br />

den Globus.<br />

Das TYROLIT-Produktionssortiment<br />

im Geschäftsbereich Metall und Präzision<br />

umfasst Hightech-Werkzeuge für eine Vielzahl<br />

von Anwendungen. Diese reichen von<br />

Präzisionsarbeiten in der Motoren- und<br />

Getriebeindustrie, über die Herstellung<br />

von Trennscheiben mit Durchmessern bis<br />

2.000 Millimeter für die Stahlindustrie, bis<br />

hin zu Mikrowerkzeugen, die nur so groß<br />

wie ein Sandkorn sind und die zur Bearbeitung<br />

von Elektronikkomponenten für<br />

Smartphones zum Einsatz kommen oder<br />

Spezialwerkzeugen zur Herstellung von<br />

Großverzahnungen für die Windkraftindustrie<br />

– TYROLIT ist der starke Partner<br />

für individuelle Schleif-Lösungen.<br />

Ebenfalls führend sind die <strong>Tirol</strong>er<br />

Schleifmittel-Hersteller als Systemlieferanten<br />

für Bohrsysteme, Wand- und Seilsägen,<br />

sowie für Fugenschneider. Diese<br />

Fotos: Tyrolit


Nr. 8<br />

Umfassendes Produktsortiment an Schleifwerkzeugen für die Werkzeugindustrie. Umfangreiches Premium-Produktsortiment für den Industriefachhandel.<br />

hochentwickelten Produkte schleifen<br />

Oberflächen von Autobahnen mit dem<br />

Ziel der Lärmminderung, bearbeiten Landebahnen<br />

auf Flughäfen zur Reduktion<br />

von Aquaplaning oder schneiden Türen<br />

und Fenster in Betonwände.<br />

Auch für Spezialprojekte, wie Offshore-<br />

Arbeiten oder den Rückbau von Kernkraftwerken,<br />

hat TYROLIT individuelle<br />

Werkzeuge im Programm. Damit wird jedem<br />

Kunden die optimale Lösung für das<br />

Bearbeiten von Beton geboten.<br />

Das Angebot des Traditionsunternehmens<br />

wird im Geschäftsbereich Industriefachhandel<br />

durch ein umfassendes<br />

Premium Produktsortiment in den drei<br />

Anwendungsbereichen Trennen, Schleifen<br />

und Oberflächenbehandlung abgerundet.<br />

Tagtäglich sind die Experten von<br />

TYROLIT gemeinsam mit mehreren hundert<br />

Außendienst-Kollegen weltweit bei<br />

Kunden vor Ort und stehen kompetent<br />

mit Rat und Tat zur Seite. Im Geschäftsbereich<br />

Stein/Keramik/Glas werden<br />

hochpräzise Diamantwerkzeuge entwickelt<br />

und hergestellt, welche Materialien<br />

aus Naturstein, Glas oder Keramik in jede<br />

gewünschte Form bringen. TYROLIT-<br />

Werkzeuge sägen beispielsweise Marmorblöcke<br />

aus Steinbrüchen, schleifen Gläser<br />

für Autos und polieren hochwertige Steinoberflächen<br />

für Bad und Küche.<br />

VON DER INDUSTRIE IN<br />

DIE HEIMISCHE KÜCHE<br />

Seit 2014 ist der <strong>Tirol</strong>er Konzern nicht<br />

mehr nur für den Industriekunden interessant.<br />

Mit der Übertragung seiner reichen<br />

Erfahrung in der Entwicklung von Schleiflösungen<br />

auf Anwendungen des täglichen<br />

Lebens wurde eine neue Produktlinie geschaffen.<br />

TYROLIT life verbindet langjähriges<br />

Schleif-Werkzeuge Know-how<br />

Moderne Warenlager und Logistik für die Belieferung von Kunden weltweit.<br />

mit der Herstellung von Produkten für<br />

den täglichen Bedarf und vereint dabei<br />

höchste Funktionalität mit erstklassiger<br />

Optik. Einfache Handhabe, stilvolles<br />

Design und höchste Qualität zeichnen<br />

auch diese Produktlinie aus. Der<br />

TYROLIT Messerschärfer, der Schleifreiniger<br />

Tyfix und die Polierpaste Tyropol<br />

können derzeit exklusiv über den Webshop<br />

tyrolitlife.com erworben werden.


Erfahrung aus<br />

erster Hand<br />

Interview. IT-Spezialist Christoph Holz macht gerne persönliche<br />

Erfahrungen. Deshalb hat er sich auf der CeBIT <strong>2016</strong> einen RFID-Chip<br />

implantieren lassen und geizt nicht mit gewagten Thesen.<br />

RFID-Chip: „hi i am christophs chip, my carrier<br />

born 9th of july 1966. i am very happy with<br />

him.“<br />

36


Fotos: Privat (1), Kröll<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben sich einen Chip in die linke<br />

Hand implantieren lassen. Worum handelt es<br />

sich dabei?<br />

Christoph Holz: Das ist ein RFID-Chip.<br />

Ich kann mich mit diesem Chip, auf dem eine<br />

eindeutige Nummer hinterlegt ist, auf eine<br />

Distanz von wenigen Millimetern identifizieren.<br />

Diese ID kann ich zum Beispiel in Zukunft<br />

bei meinem elektronischen Türschloss hinterlegen.<br />

Das habe ich in der Wirtschaftskammer<br />

schon ausprobiert. Ein solcher Chip ist das<br />

sicherste Identifikationsmittel von allen. Eine<br />

Unterschrift kann man fälschen. Diese ID<br />

funktioniert nur, wenn ich mich bis auf wenige<br />

Millimeter einem Lesegerät nähere. Ich habe<br />

mich schon bei meiner Bank erkundigt, ob ich<br />

mit diesem Chip zahlen könnte. Man hat mir<br />

gesagt, das sei derzeit noch nicht möglich.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie hat man auf Sie reagiert?<br />

Holz: Als ich einem Kollegen mein Röntgenbild<br />

(linke Seite, Anm. d. Red.) gezeigt habe,<br />

hat er mich gefragt, ob ich denn wahnsinnig geworden<br />

sei und gemeint, das sei der Beginn der<br />

Gedankenkontrolle. Das ist eine grobe Fehleinschätzung<br />

dieser Technologie. Generell gibt es<br />

keine normalen Reaktionen. Entweder ruft<br />

dieser Schritt Begeisterung und Interesse hervor<br />

oder Schreck und Ablehnung. Indifferente<br />

Reaktionen bekomme ich jedenfalls nicht.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wo kann man sich chippen lassen?<br />

Holz: Man kann sich via Internet um 160<br />

Euro ein entsprechendes Set bestellen, bestehend<br />

aus einer Spritze und dem Chip. Die<br />

Kanüle hat 2,2 Millimeter im Durchmesser.<br />

Ich habe mir den Chip auf der CeBIT injizieren<br />

lassen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist dieser Vorgang schmerzhaft?<br />

Holz: Nur wie ein Bienenstich, hat man<br />

mir gesagt. Leider habe ich vergessen, wie so<br />

ein Stich schmerzen kann. Den Chip hat ein<br />

Piercer eingebracht. Und zwar ohne Lokalanästhetikum.<br />

Ein Piercing muss wehtun, hieß<br />

es. Und tatsächlich, bei dieser dicken Kanüle<br />

spürt man deutlich den Widerstand der Haut.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der Chip wurde subkutan eingebracht?<br />

Holz: Ganz genau. Der Chip soll nicht in die<br />

Blutbahn gelangen und muss nahe genug an<br />

der Oberfläche sein, damit die Identifikation<br />

funktioniert. Es gibt keine sicherere Identifikationsmethode,<br />

die ich besser kontrollieren<br />

kann, als die mit Chip. Verliere ich meine Kreditkarte,<br />

bemerke ich das nicht, verliere ich<br />

meine Hand, merke ich das dagegen sofort.<br />

<strong>ECHO</strong>: Warum haben Sie sich diesen Chip<br />

implantieren lassen?<br />

Holz: Im Moment hat der Chip für mich<br />

keinen praktischen Nutzen. Ich habe noch<br />

kein elektronisches Türschloss, kann noch<br />

„Es gibt keine sicherere<br />

Identifikationsmethode, die<br />

ich besser kontrollieren kann,<br />

als die mit diesem Chip.“<br />

nicht damit bezahlen und habe auch kaum<br />

Informationen am Chip gespeichert. Über<br />

technologische Entwicklungen kann man<br />

lesen. Das bringt dann höchstens Second-<br />

Hand-Wissen. Fast alles, was wir wissen,<br />

stammt aus zweiter Hand. Nur die Erfahrung<br />

kann meines Erachtens das ultimative Wissen<br />

bringen. In der Philosophie gibt es ein interessantes<br />

Gedankenexperiment namens „Marys<br />

Zimmer“. Mary lebt in einem schwarzweißen<br />

Raum, ist eine brillante Wissenschaftlerin, die<br />

alles über Farben weiß, aber nie Farbe erlebt<br />

hat. Was wird passieren, wenn Sie den Raum<br />

verlässt? Wird Sie etwas Neues lernen? Falls<br />

das so ist und Erfahrung quasi das gesamte<br />

Weltwissen toppt, dann gibt es ein Wissen<br />

außerhalb unseres Bewusstseins. Das Experiment<br />

ist ein Versuch, den Physikalismus zu<br />

widerlegen. Zu zeigen, dass Erfahrung noch<br />

einmal eine ganz andere Dimension ist. Um<br />

wirkliches Wissen zu haben, muss ich mich<br />

einer Erfahrung aussetzen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Praxistauglichkeit war folglich<br />

nicht die Triebfeder hinter der Entscheidung?<br />

Holz: Doch, schon auch. Es gibt neben dem<br />

Erfahrungsaspekt aber noch einen weiteren.<br />

Die Evolution als solche, wie sie den Menschen<br />

geschaffen hat, ist vorbei. Die Evolution<br />

ist tot. Zentraler Mechanismus der Evolution<br />

ist die Selektion. Es sterben jene, die<br />

zu schwach sind. Wir haben die biologische<br />

Selektion abgeschafft, weil sie unmoralisch<br />

ist. Wir wollen, dass jeder überlebt, und das ist<br />

auch gut so. Eine Selektion findet aber nicht<br />

mehr statt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ich behaupte, die Evolution geht<br />

weiter, nur ist sie als sehr langsamer Prozess<br />

für unsere verhältnismäßig kurzen Lebensspannen<br />

nicht nachvollziehbar. Wir leben<br />

seit Jahrtausenden mit einem Gehirn, das<br />

unserer heutigen Zeit in manchen Belangen<br />

nicht mehr gewachsen scheint.<br />

Holz: Dennoch haben wir das klassische<br />

Selektionsprinzip medizinisch und technologisch<br />

ausgehebelt. Das bedeutet, dass die<br />

weiteren Entwicklungsschritte des Menschen<br />

im Transhumanismus münden. Wir haben<br />

bereits binnen sehr kurzer Zeit ungeheure<br />

technologische Entwicklungsschritte hinter<br />

uns gebracht. Es gab einen Geistlichen, der<br />

gesagt hat, wenn Gott gewollt hätte, dass der<br />

Mensch fliegen kann, dann hätte er uns Flügel<br />

gegeben. Blödsinn! Wir können Hubschrauber<br />

und Flugzeuge bauen, kommen sogar ins<br />

Weltall. Wir haben unsere biologischen Limits<br />

hinter uns gelassen. Das ist ein Prozess,<br />

der natürlich nicht nur außerhalb des Körpers<br />

stattfindet, sondern auch im Körper. Wir alle<br />

sind zum Teil bereits Maschine. Das fängt bei<br />

der Brille an. Wir haben Zahnimplantate, es<br />

gibt Herzschrittmacher. Das ist ein Segen.<br />

Und immer, wenn etwas ein Segen ist, wird es<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

37


top 500 | INTERVIEW<br />

plötzlich von der Frankenstein-Idee zum allgemein<br />

akzeptierten Objekt. Am schönsten<br />

finde ich das Cochlea-Implantat, das kleinen<br />

Kindern über einen Schnitt in der Kopfhaut<br />

an der Schädeldecke angelegt und noch mit<br />

bis zu 26 Drähten mit dem Gehirn verbunden<br />

wird. Das ist die Realität. Das ermöglicht<br />

es gehörlosen Kindern, die Sprache zu lernen<br />

und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Da<br />

zweifeln wir überhaupt nicht daran, dass<br />

das wichtig ist. Das erinnert mich an die<br />

Diskussion mit den Mobiltelefonen, über<br />

die zuerst viele die Nase gerümpft haben.<br />

Heute rümpfen wir die Nase, wenn jemand<br />

kein Mobiltelefon mehr hat. Die gesellschaftlichen<br />

Vorbehalte verstehe ich nicht. Ich bin<br />

für alles offen, sofern es sinnvoll und nützlich<br />

ist. Technik ist mittlerweile Teil unserer biologischen<br />

Entwicklung. Sie wird uns immer<br />

stärker verändern.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sind sie gar der Meinung, dass –<br />

um es mit Nietzsche zu sagen – der Mensch<br />

überwunden werden muss, und das auf technischem<br />

Wege?<br />

Holz: Nein, aber der Mensch will entwickelt<br />

werden. Da darf es keine falsch verstandenen,<br />

pikierten Vorstellungen geben. Das<br />

muss erfahren werden. Falsch verstandene<br />

Moralismen sind völlig fehl am Platz.<br />

<strong>ECHO</strong>: Dieser Chip beinhaltet private<br />

Daten. Er kann theoretisch von jedem beliebigen<br />

Objekt ausgelesen werden, mit dem<br />

Sie in Kontakt kommen. Macht Ihnen das<br />

keine Sorgen?<br />

Holz: Ich habe den Chip absichtlich in<br />

die linke Hand implantieren lassen, weil<br />

ich davon ausgehe, dass andere zukünftig<br />

Lesegeräte implantiert haben werden, die<br />

beim Händeschütteln aktiv sind. Es braucht<br />

keine Datenschutzgesetze, es braucht eine<br />

Datenschutz-Grundbildung. Mit meinen<br />

Daten geschieht nichts, was ich nicht will.<br />

Es braucht keine Datenbevormundung der<br />

Bevölkerung aus überkommenen Wertvorstellungen,<br />

die unsere Zukunftsfähigkeit aufs<br />

Spiel setzen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Big Data Literacy ist gefragt?<br />

Holz: Ja. Wir können nicht dem erdrückenden<br />

Staat zugestehen, dass er unsere<br />

Überlebensfähigkeit in einem digitalen Zeitalter<br />

verhindert, indem er unsere Spielräume<br />

einengt.<br />

„Es braucht keine Datenschutzgesetze. Es braucht eine<br />

Datenschutz-Grundbildung. Mit meinen Daten geschieht<br />

nichts, was ich nicht will.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Für das Cochlea-Implantat oder<br />

den Herzschrittmacher, die sie vorhin exemplarisch<br />

ins Feld geführt haben, gibt es medizinische<br />

Indikationen. Ist es nicht ein neues<br />

Phänomen, sich ohne Not etwas implantieren<br />

zu lassen?<br />

Holz: Ich halte es für eine vollkommen verkorkste<br />

Sicht der Dinge zu sagen, es brauche<br />

für alles eine medizinische Indikation. Millionen<br />

Menschen gehen jedes Jahr auf Tauchurlaub<br />

und benutzen ein Tauchgerät. Viele Menschen<br />

riskieren mit Paragleitern ihr Leben. Das<br />

sind künstliche Fluggeräte.<br />

<strong>ECHO</strong>: Diese Hilfsmittel kann ich aber<br />

wieder ablegen und bin dann wieder ganz<br />

Mensch.<br />

Holz: Ja. Aber die Frage war ja, ob es eine<br />

medizinische Indikation braucht, um mich<br />

technischer Hilfsmittel zu bedienen, die einen<br />

Einfluss auf meinen Körper haben. Sind nicht<br />

viele Menschen heutzutage zwar nicht körperlich,<br />

aber zumindest psychisch von ihrem<br />

Smartphone abhängig? Ich halte es für überheblich<br />

zu sagen, dass das nicht in Ordnung<br />

wäre. Es gibt Menschen, die rauchen. Was<br />

könnte dümmer sein als das? Warum sollte<br />

etwas, das nützlich und sinnvoll für mich ist,<br />

per se abzulehnen sein, nur weil es die Grenzen<br />

meines Körpers überschreitet? Sollte es<br />

einmal ein Mobiltelefon geben, das man sich<br />

in einen Stiftzahn implantieren lassen kann,<br />

bin ich der Erste, der das ausprobiert. Es nervt<br />

mich nämlich sehr, dass ich mein Telefon mit<br />

mir herumtragen muss.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das würde bedeuten, ständig online<br />

zu sein.<br />

Holz: Es ist klar, dass ich die Kontrolle über<br />

diese Dinge behalten muss. Ich würde mich<br />

niemals etwas aussetzen, über das ich keine<br />

Kontrolle habe. Ich kann zum Beispiel selbst<br />

bestimmen, was ich mit meinem Chip mache.<br />

Ich schalte mein Mobiltelefon manchmal<br />

aus und lese oft tagelang meine E-Mails<br />

nicht. Das empört die Leute. Es ist für manche<br />

eine persönliche Beleidigung, wenn man<br />

erst zwei Tage später antwortet. Man sollte<br />

gar nicht erst die Erwartungshaltung aufbauen,<br />

dass man von jemandem sofort Antworten<br />

bekommt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Glauben Sie, dass ein solcher Chip<br />

in den nächsten Jahren zum Standard wird?<br />

Holz: Ich glaube nicht, dass funktionale<br />

Körperimplantate kurzfristig irgendeine<br />

Chance auf Durchsetzung haben. Dafür wissen<br />

wir noch zu wenig, was das mit uns tut.<br />

Ich glaube, dass es noch zu einer sehr starken<br />

Miniaturisierung kommen wird und wir winzige<br />

Geräte für einen gewissen Zeitraum am<br />

Körper tragen. Es wird noch länger dauern,<br />

bis die Geräte in den Körper hineinwandern.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

38<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


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im Sockel die neue, moderne<br />

STADTBIBLIOTHEK.<br />

www.pema.at<br />

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top 500 | INTERVIEW<br />

Die Transformation<br />

in der Industrie läuft<br />

Interview. Hermann Lindner, Industrie-<br />

Spartenobmann in der WK <strong>Tirol</strong>, über die<br />

Herausforderungen der Digitalisierung<br />

und Themen, die die Industrie bewegen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Industrie 4.0, oft auch<br />

als vierte industrielle Revolution<br />

bezeichnet, ist zu einem<br />

Leitthema in der Industrie geworden<br />

und meint die zunehmende<br />

Verzahnung industrieller<br />

Produktion mit moderner<br />

Informationstechnologie. Wie<br />

weit ist dieser Prozess in <strong>Tirol</strong>s<br />

Industrie fortgeschritten?<br />

Hermann Lindner: Ich glaube,<br />

dass wir schon relativ weit<br />

sind. Die <strong>Tirol</strong>er Industriebetriebe<br />

sind mehr oder weniger<br />

Spezialisten in ihren Bereichen,<br />

teils Weltmarktführer. Aber<br />

selbstverständlich gibt es noch<br />

Verbesserungsmöglichkeiten.<br />

Es geht darum, unsere Wettbewerbsfähigkeit<br />

auch in Zukunft<br />

sichern zu können. Deshalb ist<br />

Industrie 4.0 ein so großes Thema.<br />

Unter diesem Titel wollen<br />

wir Modernisierung und Effiziensteigerung<br />

in der Industrie<br />

voranbringen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Effiziensteigerung<br />

heißt Produktivitätssteigerung.<br />

Es gibt Befürchtungen, dass dadurch<br />

Arbeitsplätze in großem<br />

Stil verlorengehen. Wie sehen<br />

Sie dieses Thema?<br />

Lindner: Das glaube ich weniger.<br />

Wir alle haben schon<br />

ERP-Systeme zur Ressourcenplanung<br />

eingeführt. Jetzt geht<br />

es darum, die Digitalisierung<br />

und Modernisierung der Produktionsverfahren<br />

noch weiter<br />

zu verbessern. Es ist zu einfach,<br />

diesen Prozess auf die Gleichung<br />

Arbeitsplätze gegen Maschinen<br />

zu reduzieren. Das ist es sicher<br />

nicht. Wir stehen vor der großen<br />

Herausforderung, dass die Digitalisierung<br />

in allen Produktkategorien<br />

Einzug hält – sowohl bei<br />

Fertigungsmaschinen als auch<br />

bei ganzen Prozessen. Dazu<br />

brauchen wir natürlich eine andere<br />

Ausbildung und teilweise<br />

auch andere Berufsbilder. Wir<br />

arbeiten daran, die Ausbildungspläne<br />

zu modernisieren und die<br />

Berufsbilder den neuen Herausforderungen<br />

der Digitalisierung<br />

anzupassen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Inwiefern verändern<br />

sich die Berufsbilder?<br />

Lindner: Wir investieren sehr<br />

viel Geld in Forschung und Entwicklung,<br />

um unsere Produktionsprozesse<br />

und Produkte zu<br />

modernisieren. Unsere Produk-<br />

Foto: WKT<br />

42<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


tionsprozesse werden vernetzter,<br />

intelligenter. Wir brauchen dafür<br />

gut ausgebildete Arbeitskräfte,<br />

über die wir großteils schon<br />

verfügen, aber der Transformationsprozess<br />

bei den Berufen<br />

ist noch lange nicht abgeschlossen.<br />

In meinem Unternehmen<br />

brauche ich zum Beispiel viele<br />

Mechatroniker und Kundendiensttechniker,<br />

in der Entwicklung<br />

auch Programmierer. Die<br />

Industrie braucht insgesamt<br />

sehr gute Fachkräfte, die Mechanik<br />

und Elektronik beherrschen,<br />

aber eben auch zunehmend Programmierer.<br />

<strong>ECHO</strong>: <strong>Tirol</strong>s Industriebetriebe<br />

sind stark exportorientiert.<br />

Was halten Sie vor diesem<br />

Hintergrund von den Debatten<br />

um die Freihandelsverträge wie<br />

CETA und TTIP?<br />

Lindner: Man muss das differenziert<br />

sehen. Wir sind als<br />

<strong>Tirol</strong>er Industrie sehr exportorientiert,<br />

rund 70 Prozent der<br />

Produktion gehen in den Export.<br />

Wobei der größte Teil ins benachbarte<br />

europäische Ausland<br />

geht. So wie es in der EU einheitliche<br />

Normen und Regeln gibt,<br />

macht es auch Sinn, international<br />

Handelshemmnisse abzubauen.<br />

Wir brauchen die Internationalität<br />

und daher auch einen guten<br />

Zugang zu anderen Märkten.<br />

Ganz wichtig ist es, gleiche Regelungen<br />

und gleiche Akzeptanz<br />

von Prüfeinrichtungen zu haben.<br />

Ich halte Freihandelsabkommen<br />

für notwendig. Das heißt nicht,<br />

dass wir irgendwelche Standards<br />

verwässern wollen und bestimmte<br />

Regelungen außer Kraft<br />

setzen. Die europäischen Normen<br />

sind sehr hoch, das gilt aber<br />

auch für die amerikanischen. Das<br />

geht in der Debatte manchmal<br />

unter. Auch die Amerikaner haben<br />

Umweltstandards.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ein lang gehegter<br />

Wunsch der Industrie ist die Arbeitszeitflexibilisierung.<br />

Hat sich<br />

da in den letzten zwölf Monaten<br />

etwas bewegt?<br />

Lindner: Da ist Gott sei Dank<br />

etwas passiert. Wir haben mittlerweile<br />

bessere Möglichkeiten.<br />

Wir müssen unsere Arbeit erledigen<br />

können, wenn sie anfällt.<br />

Es braucht diese Flexibilität.<br />

Prinzipiell sollte es noch etwas<br />

mehr Flexibilität geben. In der<br />

Wirtschaft geht es heutzutage<br />

sehr stark auch um die Dienstleistung.<br />

Und die wird nicht nur<br />

zwischen 8:00 und 17:00 Uhr<br />

verlangt, sondern rund um die<br />

Uhr. Grundsätzlich könnte das<br />

Problem mit den Arbeitszeiten<br />

auf Betriebsebene am besten<br />

gelöst werden, weil es im Betrieb<br />

Verständnis für die Notwendigkeiten<br />

gibt. Starre, generelle<br />

Regelungen bringen uns nicht<br />

weiter.<br />

<strong>ECHO</strong>: Mit dem gesellschaftlichen<br />

Diskurs über die Zukunft<br />

der Arbeit hat auch das Konzept<br />

der Wertschöpfungsabgabe<br />

vulgo Maschinensteuer wieder<br />

Konjunktur. Würde ein derartiges<br />

Modell aus Ihrer Sicht den<br />

Industriestandort gefährden?<br />

Lindner: Auf jeden Fall. Das<br />

würde dieser momentanen Modernisierung<br />

und Digitalisierung<br />

in der Industrie entgegenwirken.<br />

Jeder Unternehmer überlegt<br />

sich dann, ob er hier investieren<br />

„Wir sind stark exportorientiert und brauchen<br />

die Internationalität und daher auch<br />

einen guten Zugang zu anderen Märkten.“<br />

„Eine Maschinensteuer würde der momentanen<br />

Modernisierung und Digitalisierung<br />

in der Industrie entgegenwirken.“<br />

soll oder doch woanders. Jede<br />

zusätzliche Steuer belastet den<br />

Standort und gefährdet Investitionen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der Lehrlings- und<br />

Fachkräftemangel wird allerorts,<br />

wenn auch in unterschiedlicher<br />

Intensität, beklagt. Wie geht es<br />

der Industrie diesbezüglich?<br />

Lindner: Im Prinzip glaube ich,<br />

dass wir über sehr gute Fachkräfte<br />

verfügen. Aber auch wir sind<br />

der demografischen Entwicklung<br />

ausgeliefert. Wir brauchen<br />

zukünftig Fachkräfte und setzen<br />

deshalb sehr stark auf die Lehre,<br />

aber auch auf die berufsbildenden<br />

Schulen wie etwa HTLs.<br />

Wir haben eine sehr intensive<br />

Lehrlingsausbildung, die auf<br />

Betriebsebene meist noch ergänzt<br />

und gefördert wird. In den<br />

MINT-Fächern müssen wir uns<br />

aber noch mehr anstrengen, bei<br />

den jungen Leuten das Interesse<br />

zu wecken. Wir haben aber in <strong>Tirol</strong><br />

schon einiges umgesetzt, etwa<br />

die Mechatronik-Ausbildung von<br />

der Lehre bis zum akademischen<br />

Abschluss. Im Bildungsbereich<br />

müssen wir uns aber sehr anstrengen,<br />

damit wir auch in Zukunft<br />

jene Fachkräfte haben werden,<br />

die wir brauchen.<br />

Interview: Marian Kröll<br />

500 Veranstaltungen an drei<br />

Standorten<br />

CMI | promotion<br />

Hoohes Investitionsvolumen<br />

auf der Hotel-<br />

und Gastronomiefachmesse<br />

FAFGA alpine<br />

superior und reges Shoppingund<br />

Familienerlebnis auf der<br />

Innsbrucker Herbstmesse läuteten<br />

die zweite Jahreshälfte<br />

der Congress Messe Innsbruck<br />

(CMI) erfolgreich ein. Und nun<br />

steht der Bergsport im Fokus<br />

des Veranstaltungshauses: Die<br />

Alpinmesse Innsbruck öffnet<br />

dieses Wochenende ihre Tore<br />

und Hält für „Bergfexe“ und<br />

Sportinteressierte alles rund um<br />

alpine Sportarten sowie fachlichen<br />

Austausch bereit. „Wir<br />

erwarten in unseren Häusern<br />

die stattliche Anzahl von knapp<br />

500 Veranstaltungen in <strong>2016</strong>“,<br />

weiß Congress- und Messedirektor<br />

Christian Mayerhofer<br />

um das dichte Programm der<br />

CMI Bescheid. Denn mit dem<br />

40-Jahr-Jubiläum der Seniorenmesse<br />

SENaktiv, der Antiquitätenmesse<br />

EUROANTIK<br />

(beide 18.–20. Nov.) oder der<br />

Kunstmesse ART (1.–4. Dez.)<br />

stehen weitere Hochkaräter<br />

vor dem Jahreswechsel auf dem<br />

Messeplan. Kulturveranstaltungen,<br />

Konzerte oder Kongresse<br />

ergänzen das vielfältige<br />

Programm des <strong>Tirol</strong>er Leitbetriebes.<br />

An den drei Standorten Congress<br />

Innsbruck, Messe Innsbruck<br />

und congresspark igls<br />

werden 39 variabel bestuhlbare<br />

Säle für 20 bis 3.000 Personen<br />

sowie fünf Ausstellungshallen<br />

angeboten. www.cmi.at


UBIT | PROMOTION<br />

Alles leben ist<br />

Problemlösen<br />

Die Wirtschaftskammerexperten des Fachverbandes für Unternehmensberatung, Buchhaltung<br />

und Informationstechnologie UBIT stehten Mitgliedern beratend zur Seite.<br />

Kurt Seipel, Christian Putzer, Daniela Hinterhözl-Widi und Karin Lindner, Berater der Fachgruppe UBIT<br />

Der Alltag des Unternehmertums<br />

ist geprägt von sehr speziellen Herausforderungen:<br />

Digitalisierung,<br />

Industrie 4.0, Neugründungen, Changeund<br />

Konfliktmanagement fordern <strong>Tirol</strong>s<br />

Unternehmer jeden Tag aufs Neue. „Das<br />

klassische Profil der Unternehmer ist im<br />

Wandel: Sie treten nicht mehr als reine<br />

Einzelkämpfer auf, sind sich ihrer eigenen<br />

Kompetenzen sehr stark bewusst und kennen<br />

ebenso auch ihre Grenzen. Für Neuausrichtung,<br />

Diversifikation und Weiterentwicklung<br />

streben sie Kollaborationen<br />

mit Beratern an“, weiß Karin Lindner,<br />

Unternehmensberaterin, Trainerin, Coach<br />

und Projektmanagerin. Ihre Tätigkeiten,<br />

und ebenso auch die Arbeit ihrer UBIT-<br />

Kollegen, erfolgen branchenübergreifend.<br />

Sie sind unternehmensnahe Dienstleister,<br />

die in die Beratung einen objektiven Blick<br />

von außen einbringen. „Unser Ziel ist kooperatives<br />

Handeln, und zwar gemeinsam<br />

mit unseren Leistungspartnern. In erster<br />

Linie sind wir aber selber Unternehmer,<br />

die gerne auf Menschen zugehen, um gemeinsam<br />

Neues zu denken und umzusetzen“,<br />

fügt Kurt Seipel hinzu, ebenso Berater<br />

und Wirtschaftstrainer.<br />

ZerTIfIZIerTe sPeZIalIsTen<br />

Die Arbeitsbereiche der Berater sind sehr<br />

breit gefächert. Eine zentrale Tätigkeit<br />

besteht aber immer in der Lösung von<br />

Problemen. Hier wird zwischen anlassbezogener<br />

und strategie- oder prozessbezogener<br />

Beratung unterschieden. Sie kann<br />

also punktuell stattfinden oder Unternehmer<br />

über einen längeren Zeitraum begleiten.<br />

Die Experten, die ihren Partnern<br />

dabei zur Seite stehen, verfügen über ein<br />

spezielles Know-how, das nach einem Kanon<br />

etablierter, internationaler Normen<br />

CMC-zertifiziert wurden. So meistern<br />

Unternehmer dank der Spezialisten auch<br />

unangenehme Situationen, erarbeiten Lösungen<br />

und initiieren Veränderungsprozesse.<br />

„Alles Leben ist Problemlösen“,<br />

weiß Christian Putzer, „und so manche<br />

Lernprozesse, die wir in Unternehmen<br />

gemeinsam erarbeiten, sind wirklich toll,“<br />

weiß der Berater und Trainer aus Erfahrung.<br />

Dieselbe Erfahrung hat seine Kollegin<br />

Daniela Hinterhölzl-Widi auch gemacht:<br />

„Wir haben in der Beratung zwar<br />

mit Spitzenmanagern zu tun, treffen dabei<br />

aber auf Menschen.“ So werden besondere<br />

Beziehungen aufgebaut, die auf Vertrauen<br />

fußen, denn „Vertrauen ist unabdingbar,<br />

ebenso höchste Professionalität und Diskretion“.<br />

Da <strong>Tirol</strong> ein traditionell starkes<br />

EPU-Land ist, werden hier viele Einzelunternehmerberatungen,<br />

sogenannte Boutique-Beratungen,<br />

durchgeführt. Gerade<br />

da sei aber eine Beziehung auf Augenhöhe<br />

entscheidend: Falls ein Tischler neue<br />

Marketingmaßnahmen anwenden möchte,<br />

muss der Berater auch seine Fachsprache<br />

sprechen, damit die Umsetzung gelingt.<br />

Berater sind auch in Großunternehmen<br />

tätig, bei Startups und Neugründungen<br />

und begleiten Übergabeprozesse. Für ihre<br />

Arbeit gibt es teilweise auch Förderungen,<br />

die immer stärker in Anspruch genommen<br />

werden. So wird auch die Wirtschaft dynamisiert.


UBIT<br />

Mit seinen knapp 64.000 Mitgliedern gehört<br />

der Fachverband zu den größten und<br />

dynamischsten Fachverbänden der Wirtschaftskammer<br />

Österreich. Er nimmt die<br />

Interessen der Bereiche Unternehmensberatung,<br />

Buchhaltung und Informationstechnologie<br />

wahr. Ziel ist es, berufsrelevante<br />

Rahmenbedingungen zu optimieren<br />

und dem Markt die Leistungen der Berufsgruppen<br />

zu kommunizieren. Mitglieder<br />

können umfangreiche Beratungs- und Serviceleistungen<br />

in Anspruch nehmen.<br />

Incite<br />

Steht für „Institute for Management Consultants<br />

and Information Technology Experts“<br />

und ist die Qualitätsakademie des<br />

UBIT-Fachverbandes. incite ermöglicht<br />

Wettbewerbsvorteile durch das spezielle<br />

Angebot. Das Portfolio von incite beinhaltet:<br />

erstklassige Lehrgänge und Seminare,<br />

internationale Zertifizierungen und hochwertige<br />

Akkreditierungen.<br />

Certified Management<br />

Consultant CMC<br />

Eine CMC-Zertifizierung ist ein Siegel für<br />

hohe Beratungsqualität, die anhand international<br />

anerkannter und objektiv nachvollziebarer<br />

Standards evaluiert wird. Das<br />

CMC ist eine vorzeigbare Qualitätsdarstellung,<br />

die mehr Geschäft durch erfolgreichere<br />

Kundenakquisition ermöglicht. Der<br />

Fachverband UBIT promotet die Marke<br />

CMC. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten<br />

auf dem internationalen Markt,<br />

das Zertifikat ist weltweit in rund 53 Ländern<br />

be- und anerkannt. Zudem ermöglicht<br />

die Zertifizierung ein grenzüberschreitendes<br />

Networking, die Möglicheit<br />

der medialen Darstellung der Qualifikation<br />

sowie ein exklusives Networking über die<br />

Präsentationsplattform des CMC Masters<br />

Club. Alle CMCs sind im Verzeichnis der<br />

Expertinnen mit Zertifikat, auf der Homepage<br />

des CMC Masters Club Austria und<br />

im internationalen Verzeichnis auf www.<br />

globalcmc.com zu finden. Dies erleichtert<br />

es potenziellen KundInnen, die richtige<br />

Auswahl der passenden BeraterInnen zu<br />

treffen. In <strong>Tirol</strong> sind bereits 50 CMC-zertifizierte<br />

Berater tätig.<br />

CONSTANTINUS AWARD<br />

Ist Österreichs Beratungs- und IT-Preis<br />

und gilt als Oskar der Branche. Hier stellen<br />

Beratungs- und IT-Unternehmen und<br />

deren Kooperationspartner ihre qualitativ<br />

hochwertigen Leistungen unter Beweis.<br />

Eine Trophäe gibt es sowohl für die Berater<br />

als auch für die beratenen Unternehmen.<br />

Der Award tourt als Roadshow durch die<br />

Bundesländer, wo auch die Landessieger<br />

gekürt werden. Die „höchste“ Preisverleihung<br />

machte übrigens auch in <strong>Tirol</strong> Halt,<br />

und zwar auf der höchst gelegenen Location<br />

überhaupt: der Seegrube. Am 22. Juni<br />

2017 kommt der Constantinus wieder nach<br />

<strong>Tirol</strong>, die Vorbereitungen haben schon begonnen.<br />

Allen <strong>Tirol</strong>er Einreichern wird ein<br />

kostenloses Einreichercoaching angeboten.<br />

Für Anfragen: ubit@wktirol.at


top 500 | INTERVIEW<br />

Den Wandel gestalten<br />

Interview. IV-<strong>Tirol</strong>-Präsident Christoph Swarovski will den digitalen Wandel aktiv<br />

gestalten, bezieht Stellung zur leidigen Freihandels-Diskussion und sieht die<br />

<strong>Tirol</strong>er Industrie insgesamt auf einem guten Weg.<br />

„Wer heute sagt, dass sehr<br />

viele Arbeitsplätze verloren<br />

gehen, kann das nicht belegen,<br />

genau so wie jene, die<br />

das in Abrede stellen. “<br />

<strong>ECHO</strong>: In der Industrie sind Mechanisierung<br />

und Automatisierung seit jeher definitorische<br />

Merkmale. Unter dem Schlagwort<br />

Industrie 4.0 wird die Digitalisierung und<br />

Vernetzung von Wertschöpfungsketten begriffen.<br />

Wie weit ist dieser Prozess in der <strong>Tirol</strong>er<br />

Industrie fortgeschritten?<br />

Christoph Swarovski: Digitalisierung<br />

und Vernetzung sind bei den <strong>Tirol</strong>er Betrieben<br />

voll im Gang. Spitzenbetriebe werden<br />

nur dann erfolgreich bleiben, wenn sie das<br />

Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 sehr<br />

ernst nehmen und eine Vorreiterrolle dabei<br />

einnehmen. Bei unseren Flaggschiffen mache<br />

ich mir da keine Sorgen. Kleinere und mittlere<br />

Betriebe brauchen aber Unterstützung und<br />

hier ist die IV – gemeinsam mit anderen Organisationen<br />

– sehr aktiv. So hat Fraunhofer<br />

Austria Research seit Anfang September eine<br />

Niederlassung in Wattens eröffnet, um sich<br />

mit der digitalen Transformation der Industrie<br />

zu befassen. Die derzeit entstehende Industrie-Standortstrategie<br />

für <strong>Tirol</strong> wird auch<br />

Antworten auf die Herausforderung Digitalisierung<br />

liefern.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Digitalisierung bringt zweifellos<br />

Produktivitätssteigerungen mit sich.<br />

Wie viele Arbeitsplätze sie kostet, und ob<br />

überhaupt, ist dagegen umstritten. Halten Sie<br />

Produktivitätssteigerungen und neue Arbeitsplätze<br />

für vereinbar?<br />

Swarovski: In der <strong>Tirol</strong>er Industrie arbeiten<br />

derzeit mit 42.500 Menschen, so viele wie nie<br />

zuvor, und das nach dramatischen Umwälzungen,<br />

die es immer wieder gegeben hat. Bei<br />

Industrie 4.0 gehen die Meinungen auseinander.<br />

Klar ist, dass angestammte Berufsbilder<br />

verschwinden werden, aber gleichzeitig werden<br />

neue, die wir heute noch gar nicht kennen,<br />

entstehen. Neu ist allerdings die Dynamik,<br />

mit der die Veränderungen stattfinden.<br />

Das wird schon eine große Herausforderung.<br />

Wer heute sagt, dass sehr viele Arbeitsplätze<br />

verloren gehen, kann das nicht belegen, genau<br />

so wie jene, die das in Abrede stellen. Die Entwicklungen<br />

finden so oder so statt. Wir – das<br />

sind die Unternehmen und auch die Politik<br />

– sind gefordert, das Beste daraus zu machen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was müsste sich an den politischen<br />

Rahmenbedingungen noch ändern, damit<br />

Industrie 4.0 ein Jobmotor werden kann?<br />

Swarovski: Politische Weichenstellungen<br />

müssen sich rasch an die Anforderungen des<br />

digitalen Zeitalters anpassen. Gefragt sind<br />

Maßnahmen, die es der Wirtschaft ermöglichen,<br />

bei dieser unaufhaltsamen Entwicklung<br />

voranzugehen, und nicht Maßnahmen, mit<br />

denen wir versuchen, uns ihr zu widersetzen.<br />

Zu den gefragten Maßnahmen zählen beispielsweise<br />

die Förderung der Investitionsbereitschaft<br />

oder die Anpassung der Bildungsinhalte.<br />

Ideen wie beispielsweise die Einführung<br />

einer Maschinensteuer würden genau<br />

das Gegenteil bewirken! Die Nase werden<br />

Foto: IV <strong>Tirol</strong><br />

46<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


jene vorne haben, die den digitalen Wandel<br />

gestalten. Auszusitzen, das wird sicher nicht<br />

funktionieren.<br />

<strong>ECHO</strong>: <strong>Tirol</strong>s Forschungsquote ist überdurchschnittlich.<br />

Welche Rolle spielt die Vernetzung<br />

mit den universitären und außeruniversitären<br />

F&E-Plattformen für die Industrie?<br />

Swarovski: Forschung und Innovation sind<br />

die starken ökonomischen Triebfedern. Allein<br />

die F&E-Ausgaben der Unternehmen in <strong>Tirol</strong><br />

belaufen sich auf etwa 578 Millionen Euro,<br />

die zu 91 Prozent von Industriebetrieben aufgebracht<br />

werden. Das erklärt, warum sich die<br />

Industrie mit Forschungseinrichtungen vernetzt:<br />

mit der universitären Grundlagenforschung,<br />

mit Einrichtungen der angewandten<br />

Forschung, mit Fraunhofer in Wattens und<br />

mit Instituten an Universitäten und außerhalb<br />

davon. Der Austausch ist unverzichtbar, um<br />

Entwicklungen nicht zu versäumen, zu begleiten<br />

und stets am Puls der Zeit zu bleiben. Die<br />

F&E-Gruppe der IV <strong>Tirol</strong> ist hier ein wertvolles<br />

Bindeglied zwischen Wirtschaft und<br />

Wissenschaft.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die heimische Industrie ist stark exportorientiert.<br />

Wie beurteilen Sie vor diesem<br />

Hintergrund das Ringen um Freihandelsabkommen?<br />

CETA und TTIP werden ja in der<br />

Öffentlichkeit sehr stark gemeinsam diskutiert,<br />

obwohl letzteres Abkommen noch gar<br />

nicht existiert.<br />

Swarovski: Niemand stellt mittlerweile<br />

mehr in Frage, dass der freie Handel für uns<br />

alle grundsätzlich von Vorteil ist. Voraussetzung<br />

dafür ist allerdings, dass faire – im Sinne<br />

von vergleichbaren – Wettbewerbsbedingungen<br />

für unsere Unternehmen herrschen.<br />

Daher haben wir uns für freien Handel nur<br />

mit solchen Ländern einzusetzen, zu denen<br />

wir vergleichbare Rahmenbedingungen vorfinden.<br />

Handelsschranken sind berechtigt<br />

gegenüber Ländern, in denen Unternehmen<br />

nicht mit „fairen“ Wettbewerbsbedingungen<br />

arbeiten, oder wenn begründete Sorge besteht,<br />

dass gesundheitsrelevante Gefahren<br />

durch den freien Handel entstehen. Der<br />

Exportanteil der <strong>Tirol</strong>er Industrie lag im vergangenen<br />

Jahr bei fast 70 Prozent. Unsere<br />

Unternehmen haben 2015 um insgesamt 675<br />

Millionen Euro in die USA und 65 Millionen<br />

Euro nach Kanada exportiert. Das sind schöne<br />

Erfolge mit viel Luft nach oben. Hieraus<br />

erklären sich auch unsere Positionen zu TTIP<br />

und CETA. Für eine offene Volkswirtschaft<br />

ist es geradezu absurd, die Liberalisierung des<br />

Handels mit einem Land wie Kanada zu bekämpfen.<br />

CETA geht in die Zielgerade. TTIP<br />

ist noch zu unkonkret, um darüber ein Urteil<br />

abgeben zu können<br />

<strong>ECHO</strong>: Kürzlich ließ die SPÖ ihre Mitglieder<br />

über CETA abstimmen. Haben Sie den<br />

Eindruck, dass die Öffentlichkeit gut über die<br />

Inhalte des Abkommens informiert ist?<br />

Swarovski: Die Österreicher sind – und<br />

das bestätigen Umfragen – definitiv nicht<br />

über CETA informiert und das gilt sicher<br />

auch für SPÖ-Mitglieder. Nur deshalb war<br />

es auch möglich, CETA für parteipolitische<br />

Zwecke zu missbrauchen. Österreich kann<br />

es sich aber nicht leisten, wichtige Impulse<br />

für die Exportwirtschaft aus populistischen<br />

Gründen aufs Spiel zu setzen. Es ist auch nur<br />

sehr schwer nachvollziehbar, warum gerade<br />

das Freihandelsabkommen CETA mit Kanada<br />

so kritisch gesehen wird. War es mangelnde<br />

Transparenz, war es Informationsdefizit?<br />

Wahrscheinlich beides. Die jüngsten<br />

Diskussionen müssen als Auftrag verstanden<br />

werden, in Zukunft die Menschen bei solchen<br />

Entwicklungen mehr einzubinden.<br />

„Für eine offene Volkswirtschaft<br />

ist es geradezu absurd,<br />

die Liberalisierung des<br />

Handels mit einem Land<br />

wie Kanada zu bekämpfen.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Mit dem Klimavertrag von Paris<br />

nimmt die Weltgemeinschaft ambitionierte<br />

Klimaschutz-Ziele in Angriff. Diese sollen u. a.<br />

mittels Dekarbonisierung erreicht werden. Die<br />

EU hat schon 2005 als erster Wirtschaftsraum<br />

weltweit einen Emissionshandel für Treibhausgase<br />

eingeführt. Wie ist die <strong>Tirol</strong>er Industrie<br />

hinsichtlich ihrer Emissionen aufgestellt?<br />

Swarovski: Wir haben die Hausaufgaben<br />

in diesem Bereich bereits vor Jahren gemacht.<br />

Die <strong>Tirol</strong>er Industrie hat bereits im April 2005<br />

die viel beachtete „Emissionsbilanz der <strong>Tirol</strong>er<br />

Industrie“ veröffentlicht, die aufgezeigt hat,<br />

welche Emissionsreduktionen bei allen relevanten<br />

Schadstoffen von 1998 bis 2005 erzielt<br />

wurden. 2007 wurde in Ergänzung dazu noch<br />

die „Energiebilanz der Industrie <strong>Tirol</strong>s“ vorgelegt.<br />

Darin konnte dargestellt werden, dass der<br />

Einsatz von Kohle und Öl erheblich gesunken<br />

bzw. durch den Einsatz von Erdgas substituiert<br />

wurde – auch dass die insgesamt eingesetzte<br />

Energiemenge trotz steigender Produktion<br />

spürbar verringert wurde. Kurz gesagt: Die<br />

<strong>Tirol</strong>er Industrie ist im Bereich der Emissionen<br />

am aktuell besten verfügbaren Stand<br />

der Technik.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der Wirtschaftsraum <strong>Tirol</strong> hatte speziell<br />

in der Inntalfurche mit den neuen Hochwasser-Gefahrenzonenplänen<br />

zu kämpfen. Ist<br />

dieses Thema mittlerweile für die Industriebetriebe<br />

zufriedenstellend gelöst?<br />

Swarovski: Das kann man nicht behaupten.<br />

Unternehmen, die in der Gefahrenzone liegen,<br />

haben bei Betriebserweiterungen mit besonders<br />

hohen Auflagen zu rechnen, ebenso<br />

bei baulichen Maßnahmen zum Schutz vor<br />

Wasserschäden. Durch die Ausweitung der<br />

Gefahrenzonen werden Unternehmen auch<br />

nicht mehr gerne gegen Hochwasserschäden<br />

versichert. Wir müssen darauf achten, dass<br />

die Entwicklungsfähigkeit der betroffenen<br />

Industrie- und Gewerbebetriebe trotz des<br />

bestehenden Hochwasserrisikos erhalten<br />

bleibt. Das ist zu einem guten Teil Aufgabe<br />

der öffentlichen Hand, so wie der Schutz vor<br />

Lawinen und Steinschlag, für den zu Recht<br />

sehr viel investiert wird.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Wertschöpfungsabgabe, auch als<br />

Maschinensteuer bekannt, ist wieder auf dem<br />

politischen Tapet. Naturgemäß ist die Industrie<br />

von dieser Debatte nicht begeistert. Im Kern<br />

geht es um die künftige Finanzierung unseres<br />

Sozialsystems. Halten Sie das derzeitige Finanzierungsmodell,<br />

das vor allem auf Beiträgen auf<br />

die Lohnsumme fußt, für zukunftssicher?<br />

Swarovski: Wir müssen uns zuerst fragen,<br />

wie viel Sozial- und Regulierungsstaat brauchen<br />

wir für ein gutes, soziales und gerechtes<br />

Österreich. Für mich ist die Antwort klar:<br />

Wenn Leistungsprinzip und Eigenverantwortung<br />

mehr zum Tragen kommen und der<br />

Staat nur das regelt, was notwendig ist, dann<br />

können wir einen gerechten Sozialstaat mit<br />

den bestehenden Möglichkeiten jedenfalls<br />

finanzieren. Das heißt nicht nur, dass wir<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

47


top 500 | INTERVIEW<br />

keine neuen Steuern brauchen, sondern dass<br />

bestehende sogar zurückgenommen werden<br />

könnten. Das geht aber nur, wenn die Politik<br />

bereit ist und die Kraft hat, die wahren Probleme<br />

ernsthaft anzugehen. Die Industrie ist<br />

bereit, an der Neugestaltung des Landes und<br />

auch des Steuersystems mitzuwirken. Wir<br />

sind für vieles offen, aber sicher nicht für weitere<br />

Belastungen wie eine Maschinensteuer,<br />

die Arbeit und Wertschöpfung aus dem Land<br />

vertreiben würde.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie erlebt die Industrie den Lehrlings-<br />

und Fachkräftemangel?<br />

Swarovski: Für Betriebe ist es oft nicht<br />

leicht, die notwendigen Lehrlinge zu bekommen.<br />

Das liegt zum Teil am demografischen<br />

Wandel, aber auch daran, dass Lehre und<br />

Facharbeit einen viel zu geringen Stellenwert<br />

in der Gesellschaft haben. Die Lehre wird dadurch<br />

häufig zur zweiten Wahl, ungerechtfertigt<br />

zur „schlechteren“ Alternative zum Gymnasium.<br />

Das ist nicht richtig! Insbesondere<br />

deshalb, weil das duale Ausbildungssystem in<br />

„Wir sind für vieles offen,<br />

aber sicher nicht für weitere<br />

Belastungen wie eine<br />

Maschinensteuer, die Arbeit<br />

und Wertschöpfung aus dem<br />

Land vertreiben würde.“<br />

den Betrieben und Berufsschulen in Österreich<br />

Weltspitze ist und Lehrlinge in der Industrie<br />

wirklich gute Karrierechancen haben<br />

und auch gute Verdienstmöglichkeiten vorfinden.<br />

Die Berufsorientierung muss besser<br />

unterstützt werden und die Entscheidung ob<br />

Lehre oder Gymnasium fällt mit zehn Jahren<br />

viel zu früh.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was kann gegen den Fachkräftemangel<br />

unternommen werden?<br />

Swarovski: Die Unternehmen, das Land<br />

<strong>Tirol</strong> und die Sozialpartner müssen gezielt<br />

in Aus- und Weiterbildung investieren. Wir<br />

müssen unseren Nachwuchs von „innen“ und<br />

„außen“ sichern, nämlich durch die Anpassung<br />

unserer Bildungssysteme an die Anforderungen<br />

der Zukunft. Es bedarf einer qualifizierten,<br />

effizienten und unsere Gesellschaft<br />

nicht überfordernden Zuwanderungsstrategie.<br />

Eine solche hat derzeit weder Österreich<br />

noch die Europäische Union.<br />

<strong>ECHO</strong>: Zu guter Letzt: Was schätzen Sie<br />

am Wirtschaftsstandort <strong>Tirol</strong>?<br />

Swarovski: An erster Stelle stehen unsere<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die<br />

Menschen lieben das Land und sind loyal<br />

gegenüber ihrem Arbeitgeber. Auch die<br />

Unternehmen stehen zum Standort und<br />

die Mitarbeiter können sich auf sie verlassen.<br />

Das ist die besondere Qualität unseres<br />

Industrie-Standorts <strong>Tirol</strong>. Ganz wichtig sind<br />

aber auch Sicherheit und sozialer Friede, die<br />

unser Land so lebenswert machen. Dann ist<br />

es natürlich auch die hohe Freizeit- und Lebensqualität<br />

in <strong>Tirol</strong>. <strong>Tirol</strong> ist der beste Ort<br />

zu leben und ein guter Ort für Unternehmen.<br />

Passen wir darauf auf ! <br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

Feiern und Veranstaltungen aller Art!<br />

Anfragen unter marketing@villablanka.com<br />

Dienstag – Samstag 18.00 – 24.00 Uhr<br />

Reservierung unter: 0512 / 27 60 70, restaurant@nr8.at<br />

Weiherburggasse 8, 6020 Innsbruck – Kostenlose Tiefgarage<br />

www.nr8.at


GE JENBACH | PROMOTION<br />

GE in Jenbach – auf dem Weg<br />

zur Brilliant Factory<br />

Als einer der weltweit führenden Hersteller von Industrieverbrennungsmotoren ist GE in Jenbach<br />

nicht nur mit ihren technologischen Entwicklungen immer einen Schritt voraus. Auch die Umsetzung<br />

von Industrie 4.0, bei GE „Brilliant Factory“ genannt, ist hier bereits im vollen Gange und sorgt für<br />

noch effi zientere, fl exiblere und intelligentere Produktions- und Logistikprozesse.<br />

Nr. 7<br />

Foto: GE Jenbacher Fotoarchiv<br />

Die digitale Industrierevolution<br />

steht für eine umfassende Vernetzung<br />

von Fertigung, IT, Mitarbeitern,<br />

Produkten und Kunden. Zur<br />

Umsetzung der Vision einer „Intelligenten<br />

Fabrik“ hat GE in Jenbach bereits mehr<br />

als 80 Produktionsmaschinen an das betriebliche<br />

Datennetz angeschlossen. Dies<br />

ermöglicht wichtige Rückschlüsse auf die<br />

Verfügbarkeit, die Nutzung und den Leistungsgrad<br />

der Maschinen – und das in<br />

Echtzeit.<br />

Zu den 80 Produktionsanlagen, die bereits<br />

an das betriebliche Datennetz angeschlossen<br />

sind, zählen unter anderem 3D-<br />

Drucker für Produktionswerkzeuge und<br />

Prototypen. Insgesamt schaffen die umgesetzten<br />

Maßnahmen nicht nur die Flexibilität,<br />

sehr kurzfristig auf individuelle<br />

Kundenwünsche einzugehen, sondern sie<br />

steigern auch die Produktionsmenge des<br />

Jenbacher Werks. Da nun einzelne Fertigungsschritte<br />

von Robotern durchgeführt<br />

werden, können die Jenbacher Mitarbeiter<br />

zudem von reinen Bedienern zu Produktionstechnikern<br />

mit anspruchs- und verantwortungsvolleren<br />

Tätigkeiten weiter<br />

ausgebildet werden.<br />

Bei GE in Jenbach wird Ausbildung großgeschrieben,<br />

wie zahlreiche Auszeichnungen belegen.<br />

KUNDENNUTZEN<br />

Neben Produktionssteigerungen in der<br />

Fertigung bringt die „Brilliant Factory“<br />

auch wesentliche Vorteile für die Kunden.<br />

Und das in aller Welt: Mehr als 15.000 in<br />

Jenbach produzierte Gasmotoren von GE<br />

sind derzeit in rund 170 Ländern weltweit<br />

im Einsatz – sie erzeugen Strom, Wärme<br />

und Kälte direkt am Ort des Bedarfs.<br />

Für die Kunden eröffnet die digitale Industrierevolution<br />

ganz neue Möglichkeiten.<br />

Denn vergleichbar mit den Serviceanzeigen<br />

beim Auto können sie mithilfe<br />

der neuen Technologien zur Fernüberwachung<br />

und -diagnose ihre Anlagen nun vorausschauend<br />

und proaktiv managen. Und<br />

das ermöglicht unter anderem, Störfälle<br />

rascher zu beheben und Stillstandszeiten<br />

bei Wartungen zu minimieren.<br />

Derzeit sind bereits rund 9.000 Anlagen<br />

weltweit mit dieser neuen Technologie ausgestattet.<br />

Mit ihrem Asset-Performance-<br />

Management-Konzept ist GE in Jenbach<br />

in der Lage, neue Trends zu erkennen,<br />

die spezifischen Herausforderungen der<br />

Kunden schnell zu identifizieren und ihnen<br />

flexible Lösungen anzubieten. Mehr<br />

als 50 Prozent der Servicefälle löst GE<br />

bereits online von Jenbach aus. Neben<br />

Transparenz und kurzer Reaktionszeit im<br />

Bedarfsfall konnte dadurch auch die Produktivität<br />

der Gasmotoren deutlich gesteigert<br />

werden.<br />

NIEDERLÄNDISCHER PILOTKUNDE<br />

PROFITIERT BEREITS<br />

Pilotkunde für die Asset-Performance-<br />

Management-Lösung ist die Prominent<br />

Growers Association, die als einer der führenden<br />

europäischen Tomatenlieferanten<br />

rund 20 Prozent der niederländischen<br />

Strauchtomaten produziert. Insgesamt 50<br />

Jenbacher Blockheizkraftwerke mit einer<br />

Gesamtleistung von 131 MW versorgen<br />

die 36 High-Tech-Gewächshäuser des Unternehmens<br />

mit Strom und Wärme. Durch<br />

den Anschluss an die neue Generation<br />

der Fernüberwachung laufen die Anlagen<br />

nun noch verlässlicher und effizienter,<br />

was nicht zuletzt auch die Betriebskosten<br />

senkt.<br />

ERFOLGSFAKTOR<br />

NACHWUCHSARBEIT<br />

In Jenbach ist man überzeugt davon, dass<br />

Konzeption und Umsetzung von Industrie<br />

4.0 „von innen heraus“ kommen müssen.<br />

Deshalb ist das Unternehmen auch im Bereich<br />

Human Resources immer am Puls<br />

der Zeit und investiert entsprechend viel<br />

in den eigenen Nachwuchs. Derzeit werden<br />

in der unternehmenseigenen Lehrwerkstätte<br />

mehr als 100 Lehrlinge ausgebildet.<br />

Mit ihren regelmäßigen Erfolgen<br />

bei landes-, bundes- und auch weltweiten<br />

Meisterschaften beweisen sie, dass sich<br />

die Investition in die qualitätvolle Nachwuchsarbeit<br />

lohnt.<br />

DAS UNTERNEHMEN<br />

Die Unternehmensvision von GE ist es, neue<br />

Ideen und Technologien zu entwickeln, die die<br />

Lebensqualität vieler Menschen weltweit verbessert.<br />

Am Standort Jenbach gestalten mehr<br />

als 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

gemeinsam die Zukunft mit, indem sie<br />

Industrie-Verbrennungsmotoren für dezentrale<br />

Energielösungen erzeugen.<br />

Wenn Sie Interesse an Technik und Lust auf ein<br />

vielfältiges Weiterbildungsumfeld haben, dann<br />

bewerben Sie sich auf:<br />

www.ge.com/at/karriere<br />

Weitere Informationen zum Unternehmen<br />

fi nden Sie unter.<br />

www.gepower.com/distributedpower


top 500 | INTERVIEW<br />

Die Vermessung des<br />

Start-up-Ökosystems<br />

Interview. Harald Gohm, Geschäftsführer der Standortagentur <strong>Tirol</strong>, über den Gipfel des<br />

Coworking, den aktuellen Start-up-Hype, den damit verbundenen Kulturwandel und<br />

Strategien, wie das Land von diesem globalen Trend profitieren kann.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben mit dem COWO <strong>Tirol</strong> am<br />

Patscherkofel den höchstgelegenen Coworking<br />

Space der Alpen als Pilotprojekt initiiert.<br />

Was ist der Hintergrund?<br />

Harald Gohm: Wann immer wir als Standortagentur<br />

<strong>Tirol</strong> auf Messen und internationalen<br />

Fachveranstaltungen auftreten, werden<br />

wir oft im Konnex „Urlaubsland <strong>Tirol</strong>“ wahrgenommen.<br />

Auf die Idee dieses COWO sind wir<br />

gekommen, weil wir gesehen haben, dass der<br />

internationale Trend bei Start-ups gerade stark<br />

in Richtung dieser Co-working-Räume geht,<br />

wo sich diese Jungunternehmen aus ihren Garagen<br />

und Wohnzimmern bewegen und sich<br />

in urbanen Räumen treffen und vernetzen.<br />

Hätten wir in Innsbruck einen Coworking<br />

Space gemacht, wäre dieser deutlich kleiner<br />

geworden als alles, was in den Metropolen<br />

dieser Welt passiert. Um aufzufallen, musste<br />

es deshalb etwas Einzigartiges sein. Wir haben<br />

Tourismus mit Technologie verknüpft, das<br />

schnellste Internet als Grundvoraussetzung<br />

für Coworking auf 2.000 Meter Höhe gebracht<br />

und nicht mehr genutzte Infrastruktur anders<br />

in Szene gesetzt. Die Weiterentwicklung dieser<br />

Idee sähe vor, in einem nächsten Schritt in<br />

einer größeren Skalierung einen ganzen Ort zu<br />

definieren, der in einer tollen Umgebung im<br />

ländlichen Raum liegt und touristisch irgendwo<br />

den Anschluss verloren hat, und dort temporär<br />

Strukturen für die digitalen Nomaden<br />

zu schaffen. Diese Workation gibt es bislang<br />

primär überall dort, wo es Sonne und Strand<br />

gibt. Wir sind die Ersten, die diese Idee des<br />

Coworking in die Alpen transferieren.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ließe sich ein derartiges Konzept<br />

unsubventioniert rentabel betreiben?<br />

Gohm: Das hängt von den Bestandsimmobilien<br />

ab. Dem spüren wir gerade nach. Man darf<br />

ein solches Projekt aber nicht rechnen wie eine<br />

Immobilie, die sich aus der Übernachtung tragen<br />

muss. Mit diesem Konzept holt man den<br />

Lebensraum und dessen Verbindung mit Uni-<br />

„Wir sind die Ersten, die<br />

die Idee Workation in die<br />

Alpen transferieren.“<br />

<br />

Harald Gohm,<br />

Geschäftsführer Standortagentur <strong>Tirol</strong><br />

Fotos: Friedle<br />

50<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


versität und Wirtschaft vor den Vorhang. Der<br />

Return on Investment kommt über Umwege.<br />

Das ist letztlich auch bei anderen Coworking<br />

Spaces so. Ich nehme eine Bestandsinfrastruktur,<br />

reichere sie mit diesem Konzept an und<br />

gebe dem Ganzen dadurch ein anderes Image.<br />

Das ist die Idee dahinter.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt zurzeit einen regelrechten<br />

Start-up-Hype.<br />

Gohm: Wir als Standortagentur verfolgen<br />

das Thema schon fast 20 Jahre, früher hieß<br />

es Gründer, jetzt eben Start-up. Ein Start-up<br />

unterscheidet sich aber vom klassischen Jungunternehmen.<br />

Wir sprechen dabei von Ideen,<br />

die auf der Suche nach einem erfolgreichen<br />

Geschäftsmodell sind, meistens in technologieorientierten,<br />

schnell wachsenden Bereichen.<br />

Diese Geschäftsideen sind skalierbar<br />

und haben großes Potenzial. Es ist dem Zeitgeist<br />

geschuldet, dass alle, die jetzt gründen,<br />

von einem Start-up reden. Es ist schon fast<br />

uncool, heute kein Start-up zu haben. Primär<br />

„Zu einem guten Ökosystem<br />

gehört auch das Lebensumfeld,<br />

Sicherheit und<br />

stabile wirtschaftliche und<br />

politische Rahmenbedingungen.“<br />

sind typische Start-ups aber Ideen aus dem<br />

digitalen Bereich, die hochriskant sind und<br />

einen Entwicklungshintergrund haben. Es ist<br />

aber auch möglich, dass es sich um eine Blase<br />

handelt und in drei Jahren niemand mehr<br />

über Start-ups redet. Das Schöne ist aber, dass<br />

das Thema Unternehmertum in der Gesellschaft<br />

in den letzten Jahren einen höheren<br />

Stellenwert bekommen hat.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist der Start-up-Hype dem Erwachen<br />

eines neuen Unternehmergeists geschuldet<br />

oder Ausdruck gesellschaftlicher<br />

und wirtschaftlicher Umwälzungen? Die<br />

Sicherheit vergangener Tage scheint ja passé.<br />

Gohm: Das spielt sicher eine Rolle. Die<br />

Selbstständigenquoten sind in Krisenzeiten<br />

am höchsten. Aufgrund wirtschaftlicher Verwerfungen<br />

gibt es neben freiwilligen auch<br />

zwangsläufige Gründungen. Wir haben das<br />

Glück, dass ein relativ hoher Prozentsatz der<br />

Gesellschaft es für erstrebenswert hält, sich<br />

unternehmerisch auf eigene Beine zu stellen.<br />

In Japan liegt die Gründerquote dagegen unter<br />

einem Prozent. Dort ist es gesellschaftlich<br />

sehr angesehen, in einem großen Industriebetrieb<br />

zu arbeiten. Bei uns ist das Thema<br />

gerade unter Studierenden sehr populär. Der<br />

<strong>Tirol</strong>er ist außerdem an und für sich ein unternehmerischer<br />

Typ, geprägt durch sein alpines<br />

Leben und den Tourismus. Wir haben<br />

alle schon einmal irgendeinem Gast Pommes<br />

verkauft, Skipässe verkauft, waren Skilehrer<br />

und so weiter. Das haben wir so ein bisschen<br />

in uns drinnen. Im alpinen Raum ist man im<br />

Kampf mit der Natur immer gezwungen,<br />

kreative Lösungen zu finden. Diese Gemengelage<br />

gibt Anlass zur Hoffnung, dass es im<br />

Land noch viel unternehmerisches Potenzial<br />

gibt, das freigelegt werden kann. Es handelt<br />

WE DEVELOP SUCCESS<br />

80 MitarbeiterInnen<br />

862 Quadratmeter Bürogebäude in Sistrans/<strong>Tirol</strong><br />

100 % Tochter der A1 Telekom Austria AG<br />

4x Microsoft, Cisco und TYPO3 Gold Partner<br />

1.400.000 Transaktionen pro Tag<br />

820 erfolgreich umgesetzte Kundenprojekte<br />

2 Wutzler-Tische und 1 Slackline<br />

1 gut erzogener Betriebshund Jazz<br />

584 Server für Cloud Services<br />

230 TB Speicher im Hochsicherheitsrechenzentrum<br />

99,99 % Verfügbarkeit<br />

TYPO3<br />

VoIP<br />

Services<br />

Hosting<br />

Software<br />

Entwicklung<br />

CRM<br />

EINZIGARTIG IHR PROJEKT!<br />

ein Unternehmen der<br />

Telekom Austria AG


top 500 | INTERVIEW<br />

sich bei Start-ups grundsätzlich um riskante<br />

Ideen, wo das Scheitern implizit ist. Das wird<br />

jetzt gesellschaftlich kultiviert.<br />

<strong>ECHO</strong>: Dennoch gibt es da noch wesentliche<br />

Unterschiede zwischen Europa und dem USamerikanischen<br />

Raum, was eine Kultur des<br />

Scheiterns anbelangt.<br />

Gohm: Das ändert sich auch bei uns. Reinhold<br />

Karner, der mit KTW ein beeindruckendes<br />

Unternehmen aufgebaut hat und<br />

damit letztlich Schiffbruch erlitten hat, bezeichnet<br />

sich jetzt als 360-Grad-Entrepreneur.<br />

Er hat alles durchgemacht und auch das Scheitern<br />

gelernt. Es gibt Fonds, die investieren nur<br />

dann in Teams, wenn mindestens ein Mitglied<br />

des Teams schon einmal gescheitert ist. In den<br />

USA heißt es immer, ich mache mich selbstständig,<br />

weil ich reich werden will. Das kannst<br />

du bei uns nicht bringen. Hier muss man sagen,<br />

ich will auf eigenen Beinen stehen, mich selbst<br />

verwirklichen, keinen Chef über mir haben. Das<br />

ist gesellschaftlich akzeptiert. Der Bewusstseinswandel<br />

hinsichtlich des Scheiterns ist sicher<br />

der gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet.<br />

Man weiß, dass das klassische Wirtschaften<br />

sich verändert hat und nicht mehr so wie früher<br />

funktioniert. Eine Vielzahl von Unternehmensgründungen<br />

in <strong>Tirol</strong> geschieht aus der HTL<br />

heraus. Das sind Leute, die einen technischen<br />

Hintergrund haben und Anfang, Mitte 30 sind<br />

und sich nach zehn, zwölf Jahren Berufserfahrung<br />

eine neue Perspektive geben wollen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Der Staat und auch das Land haben<br />

sich ein Gründerzeitalter verordnet. Wie weit<br />

sind wir auf der Reise zum Gründerland Nummer<br />

1?<br />

Gohm: Wir stehen hier im Wettbewerb. Andere<br />

Mütter haben auch schöne Töchter, heißt es.<br />

Das Gründen ist ganz klar ein globaler Trend.<br />

Es gehen auch Start-ups aus <strong>Tirol</strong> nach Amerika,<br />

um sich dort für Kickstarter-Finanzierungen,<br />

sprich Crowdfunding, zu bewerben. Es klingt<br />

cooler, wenn man als Firmensitz New York<br />

angibt als <strong>Tirol</strong>. Italien hat eine starke Gründer-<br />

Gesetzesnovelle mit sehr attraktiven Bedingungen<br />

für Start-ups gemacht. Man bemüht<br />

sich überall um diese Unternehmen, die mit<br />

ihrer Geschäftsidee sehr mobil und flexibel<br />

sind. Viele, die ein urbanes, kreatives Umfeld<br />

brauchen, gehen nach Berlin.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das ist dieses Start-up-Ökosystem,<br />

von dem oft gesprochen wird?<br />

Gohm: Genau. Es gibt da mittlerweile viele<br />

„Mit Startup.<strong>Tirol</strong> wollen wir binnen fünf Jahren 80 Startups<br />

begleitet haben, die dann Arbeitsplätze für 1.000 Mitarbeiter<br />

geschaffen haben sollen.“<br />

verschiedene Modelle, ob nun Dreifach-,<br />

Fünffach-Helix, wie auch immer. Es geht um<br />

die Zusammenschaltung von Politik, Wirtschaft<br />

und Hochschulen. Unser Argument ist,<br />

dass zu einem guten Ökosystem für Start-ups<br />

auch das Lebensumfeld, Sicherheit und stabile<br />

wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen<br />

dazugehören. Da können Österreich<br />

und <strong>Tirol</strong> punkten. Von politischer Seite bekennt<br />

man sich seit Jahren klar zur Unterstützung<br />

von Gründern. Nur ist es jetzt so, dass<br />

erfreulicherweise auch private Investoren da<br />

sind, bestehende Unternehmen Interesse an<br />

den neuen Geschäftsideen dieser Start-ups<br />

zeigen und sich beteiligen wollen. Da hat sich<br />

sehr viel zum Positiven gewandelt. Es geht nicht<br />

mehr nur um öffentliche Finanzierung, sondern<br />

es gibt private Kapitalgeber, die investitionsbereit<br />

sind.<br />

<strong>ECHO</strong>: Mittlerweile ist zum Beispiel laut<br />

crunchbase.com auch die Swarovski Gruppe<br />

bei einem Start-up wie Anyline mit 1,5 Millionen<br />

Euro investiert. Ist das der neue Stil?<br />

Gohm: Ja, klassische Unternehmen, die Geld<br />

und ein Netzwerk haben, sind zunehmend interessiert.<br />

Als Standortagentur sehen wir uns als<br />

Schnittstelle in der Vermittlung von Kapital und<br />

als Kooperationspartner all jener, die in diesem<br />

Bereich zu tun haben, seien es private Initiativen<br />

wie das I.E.C.T. um Hermann Hauser, die <strong>Tirol</strong>er<br />

Adlerrunde oder die Tyrolean Business Angels<br />

von Harald Oberrauch. In der Werkstätte<br />

Wattens passiert auch viel, wir haben selbst ein<br />

Investorennetzwerk. Wir unterstützen alles, was<br />

zur Beförderung neuer Ideen beiträgt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt die Initiative Startup.<strong>Tirol</strong>. Was<br />

hat es damit auf sich?<br />

Gohm: Das ist gerade im Entstehen. Wir haben<br />

einen Verein gegründet. Mitunter führen<br />

die verschiedenen Initiativen, die es gibt, zu einer<br />

Unübersichtlichkeit. Auf der Plattform Startup.<strong>Tirol</strong><br />

ist es gelungen, alle einzubinden und<br />

in eine Kooperation zu bringen. Wir wollen das<br />

auch messbar machen und binnen fünf Jahren<br />

80 Start-ups – schnell wachsende Unternehmen<br />

– begleitet haben, die dann Arbeitsplätze<br />

für 1.000 Mitarbeiter geschaffen haben sollen.<br />

Man schreibt heute nicht mehr einfach einen<br />

Businessplan und holt sich dann viel öffentliches<br />

Geld dafür ab, um fünf Jahre zu brauchen,<br />

bis ein Produkt in den Verkauf gelangt, sondern<br />

man baut kleine Prototypen und testet und entwickelt<br />

am Markt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Rolle übernimmt dabei die<br />

Standortagentur?<br />

Gohm: Dadurch, dass wir eine landesnahe<br />

Einrichtung sind, denken wir gesamthaft<br />

ohne Verfolgung von Partikularinteressen<br />

für den Standort. Dadurch haben wir eine<br />

gewisse ausgleichende Wirkung. Wir wollen<br />

von Beginn an erfolgreiche Start-ups wie<br />

Mohemian und erfahrene Unternehmer wie<br />

etwa Harald Oberrauch von der Firma Durst<br />

einbinden, damit die ihre Erfahrung weitergeben<br />

können. Wir werden in der Vermarktung<br />

und Basisfinanzierung eine wesentliche<br />

Rolle spielen. Das wird eher die Rolle der öffentlichen<br />

Hand sein. Das Investment in die<br />

Unternehmen und die Risikoübernahme ist<br />

eher die Rolle von Privaten. ➝<br />

52<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


AMS | PROMOTION<br />

Neue Perspektiven am Arbeitsmarkt:<br />

Qualifi zierung nach Maß<br />

Aufgrund der demographischen Entwicklung und des sich abzeichnenden Rückgangs an<br />

Schulabgänger/innen wird es für viele Unternehmen in Zukunft immer schwieriger werden<br />

ihren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zu sichern. Ein Weg aus dieser Situation ist die<br />

Impacementstiftung des AMS <strong>Tirol</strong> gemeinsam mit der amg tirol.<br />

Foto: Paul Weber<br />

Gut ausgebildete Fachkräfte sichern<br />

die Wettbewerbsfähigkeit<br />

der Unternehmen. Aufgrund der<br />

demographischen Entwicklung zeichnet<br />

sich bereits jetzt für die kommenden<br />

Jahre ein erhöhter Bedarf an gut ausgebildeten<br />

Fachkräften in vielen Bereichen<br />

ab. Eine erfolgreiche Nachqualifizierung<br />

von Mitarbeiter/innen kann diesem Fachkräftemangel<br />

vorbeugen. Das Konzept<br />

der Implacementstiftung „Qualifizierung<br />

nach Maß“ bietet Möglichkeiten und<br />

Chancen, um die Qualifizierung zielgruppengerecht<br />

und vor allem betriebsnah zu<br />

gestalten. „Die Umsetzung der Qualifizierung<br />

erfolgt in enger Kooperation mit<br />

Unternehmen, BewerberInnen, Bildungsträgern<br />

vor Ort sowie der amg tirol und<br />

dem AMS“, unterstreicht Dr. Bernhard<br />

Pichler vom AMS <strong>Tirol</strong>. Dabei werden<br />

bereits vorhandene Kompetenzen und<br />

Erfahrungen der künftigen MitarbeiterInnen<br />

genutzt und Wege eröffnet,<br />

um einen anerkannten Berufsabschluss<br />

nachzuholen.<br />

Dabei soll die fachliche Unterweisung<br />

überwiegend in den Betrieben stattfinden<br />

und auf die spezifischen Anforderungen<br />

des Betriebes zugeschnitten sein.<br />

Bildungsträger können die Lerneinheiten<br />

in Abstimmung mit allen Beteiligten ergänzen.<br />

Abgeschlossene Module werden<br />

durch Zertifikate bescheinigt und dokumentiert.<br />

Auch für ArbeitnehmerInnen liegen die<br />

Vorteile auf der Hand. Durch eine abgeschlossene<br />

Berufsausbildung erhöhen<br />

sich die Chancen auf eine dauerhafte<br />

Beschäftigung, es besteht die Chance auf<br />

eine bessere Bezahlung in den Unternehmen<br />

und es ergeben sich bessere berufliche<br />

Aufstiegschancen.<br />

GERINGE KOSTEN FÜR<br />

UNTERNEHMEN.<br />

Die Kosten bestehen aus einer ausbildungsbedingten<br />

Zuschussleistung von<br />

€ 300.- (plus 4,5 % Dienstgeberbeitrag)<br />

pro Monat und StiftungsteilnehmerIn.<br />

Individuelle Aus- und Weiterbildungskosten<br />

(betriebsexterne Qualifizierung)<br />

werden durch das Land <strong>Tirol</strong> in der Höhe<br />

von 50 %, jedoch max. €1.000,- pro StiftungsteilnehmerIn<br />

übernommen. Die<br />

auszubildenden Personen erhalten vom<br />

AMS Arbeitslosengeld weiterbezahlt, sie<br />

bekommen zusätzlich die ausbildungsbedingte<br />

Zuschussleistung von € 300.--.<br />

Die Kontaktnahme ist sowohl über die<br />

Geschäftsstellen des AMS <strong>Tirol</strong>, als auch<br />

über die amg-tirol möglich.<br />

INFORMATIONEN<br />

Infos erteilt das Service für Unternehmen<br />

beim AMS <strong>Tirol</strong> oder die AMS-<br />

ServiceLine unter 0512/58 19 99.<br />

Entgeltliche Einschaltung.


top 500 | INTERVIEW<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist das Thema Start-ups ausschließlich<br />

technologiegetrieben?<br />

Gohm: Nein, nicht ausschließlich. Die<br />

EU-Kommission hat in ihrem Horizon-<br />

2020-Programm drei Arten von Wachstumstreibern<br />

definiert. Erstens „smart growth“, das<br />

technisch innovative Wachstum, zum anderen<br />

„sustainable growth“, da geht es um Nachhaltigkeit,<br />

und drittens „inclusive growth“,<br />

wo erstmals gesellschaftliche Probleme wie<br />

beispielsweise die alternde Gesellschaft oder<br />

Migrationsthemen adressiert werden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Mit der fortschreitenden Digitalisierung<br />

sind aber auch klassische Handwerksbetriebe<br />

auf neue Geschäftsmodelle<br />

angewiesen. Wie kann man die auf die Reise<br />

mitnehmen?<br />

Gohm: Wir haben simple Formate wie einen<br />

StartUp-Club <strong>Tirol</strong>, wo wir zweimal im<br />

Monat zu einem Frühstück einladen, wo sich<br />

jeweils zwei Start-ups präsentieren. Da kommen<br />

Unternehmer, hören sich das an, lassen<br />

sich inspirieren und vernetzen sich. Wir haben<br />

in unseren Cluster-Unternehmen einen<br />

Zukunftsprozess gestartet. Da ging es sehr<br />

viel darum, die Zukunft verstehen zu lernen,<br />

ein Sensorium dafür zu entwickeln, was abseits<br />

des unternehmerischen Tagesgeschäfts<br />

da draußen passiert, gewissermaßen mehr<br />

zu sehen als nur die Spitze des Eisbergs. Als<br />

Standortagentur werden wir da noch weitere<br />

neue Formate bauen. Da helfen die Start-ups,<br />

weil die riskant, neugierig und inspirierend<br />

sind. Da ergeben sich durchaus Synergien,<br />

weil uns nämlich die Start-ups rückgemeldet<br />

haben: Gebt uns keine Föderungen, sondern<br />

helft uns dabei, Kunden zu finden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Gibt es vonseiten etablierter Unternehmen<br />

Missgunst gegenüber einer verhätschelten<br />

Gründerszene?<br />

Gohm: Das ist ein Missverständnis, das wir<br />

vor allem bei Betriebsansiedlungen spüren.<br />

Alle bekommen das Gleiche. Wer ein förderungswürdiges<br />

Projekt hat, wird gefördert.<br />

Ein Start-up hat den Vorteil, dass es zwangsläufig<br />

etwas Neues macht und schon allein<br />

deshalb an Forschungs- und Entwicklungsprojekten<br />

arbeitet, die das Land unterstützt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Begünstigen die politischen Rahmenbedigungen<br />

einen neuen Gründungsboom<br />

oder gibt es gewisse Hemmnisse?<br />

Gohm: Es gibt Debatten über die Gewerbeordnung.<br />

Die Denkfabrik Agenda Austria um<br />

Herrn Schellhorn hat das unter anderem untersucht.<br />

Beispielhaft am Thema „Uber“ (Online-<br />

Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen,<br />

Anm. d. Red.) erklärt, wird eine Interessensvertretung<br />

wie die Wirtschaftskammer natürlich<br />

die Interessen ihrer Mitglieder – im konkreten<br />

Fall die der Taxiunternehmer – wahren und<br />

sagen, das geht so nicht. Den Konsumenten<br />

wird das in der Regel nicht interessieren. Wir<br />

haben aber festgestellt, dass an jedem Standort<br />

gejammert wird. In London jammern die Startups<br />

genauso über rigide Politik und fehlende<br />

Investoren. Das Jammern ist wohl zu einem<br />

gewissen Grad systemimmanent. In der Außenbetrachtung<br />

ist bei uns am Standort vieles<br />

sehr okay. Mohemian ist etwa aus dem Silicon<br />

Valley zurück nach Innsbruck gekommen.<br />

Lebensqualität, Sicherheit und die Nähe zu<br />

dynamischen Standorten wie München oder<br />

Zürich spielen da auch eine Rolle. Ich würde<br />

sagen, dass man bei uns insgesamt ganz gut aufgehoben<br />

ist. Interview: Marian Kröll<br />

Als Anwälte konzentrieren<br />

wir uns auf ein Ziel:<br />

individuelle und<br />

pragmatische Lösungen.<br />

v.l.n.r: Dr. Johannes Nagele, Dr. Gunther Nagele (im Vordergrund), Dr. Bernd Schmidhammer, Mag. Christian Pesl<br />

Nagele • Pesl, Südtiroler Platz 8, A-6020 Innsbruck<br />

Tel. +43 512 587481, E-Mail: office@nagele-pesl.at<br />

www.nagele-pesl.at


BARRACUDA | PROMOTION<br />

Very Serious Business<br />

Nr. 393<br />

Barracuda Networks sorgt weltweit für Sicherheit im IT-Sektor, dessen Bedeutung mit dem<br />

Vordringen des Internets in die letzten Winkel des Lebens noch einmal immens steigt. Im Unternehmen<br />

ist neben fachlichem Know-how internationales Denken und Handeln ein Muss.<br />

historischen Beitrag zum Wohlergehen<br />

von abermillionen von Kunden und Mitarbeitern<br />

weltweit. Die Bedeutung der<br />

IT-Sicherheit nimmt mit dem Vordringen<br />

der Vernetzung in alle Lebensbereiche,<br />

dem Internet der Dinge, noch einmal wesentlich<br />

zu. „No monkey business!“, ist da<br />

noch einmal mehr gefragt als bis dato.<br />

Fotos: Barracuda<br />

Innovation muss nicht zwangsläufig<br />

aus dem Silicon Valley kommen.<br />

Manchmal genügt auch das schnöde<br />

Inntal, um Großes hervorzubringen. Die<br />

Software-Lösungen des börsennotierten<br />

IT-Unternehmens Barracuda Networks,<br />

das seinen Europa-Hauptsitz in Innsbruck<br />

hat, sind aus weltweit zigtausenden Unternehmen<br />

und Organisationen nicht mehr<br />

wegzudenken.<br />

INTERNATIONALES UMFELD<br />

Barracuda ist ein sehr internationales<br />

Unternehmen mit einem globalen Kundennetz.<br />

Allein am Sitz in Innsbruck sind<br />

mehr als 100 Mitarbeiter aus 15 verschiedenen<br />

Ländern tätig, die Kunden aus 150<br />

Ländern rund um den Erdkreis betreuen.<br />

Die Unternehmenssprachen am Standort<br />

sind dementsprechend – wie Wieland<br />

Alge, VP und General Manager EMEA<br />

von Barracuda Networks, augenzwinkernd<br />

anmerkt – „gebrochenes Deutsch<br />

und gebrochenes Englisch“. Für die Mitarbeiter<br />

gibt es wohl auch deshalb wöchentliche<br />

Englischkurse. Generell ist<br />

Barracuda Networks ein durch und durch<br />

kunden orientiertes Unternehmen, das die<br />

Sprache der Kunden spricht und IT versteht<br />

wie kein anderes.<br />

ES GEHT UM LEBEN UND TOD<br />

In Zeiten, wo alles mit jedem vernetzt ist,<br />

ist IT-Sicherheit mehr denn je ein äußerst<br />

ernsthaftes Geschäft. Zur Illustration: In<br />

den entwickelten Ländern korreliert die<br />

Stabilität von IT-Systemen nachweislich<br />

mit der Mortalität. Vereinfacht gesagt können<br />

instabile IT-Systeme potenziell tödlich<br />

sein. Mit seinen Produkten rund um die<br />

Bereiche Firewall, Backup und E-Mail-Sicherheit<br />

sowohl in der traditionellen IT als<br />

auch in der immer wichtiger werdenden<br />

Cloud leistet Barracuda – das kann ohne<br />

Übertreibung behauptet werden – einen<br />

HARTE NERDS MIT<br />

SOFT SKILLS<br />

Es ist kein Geheimnis, dass der IT-Sektor<br />

wächst und Fachkräfte dringend gesucht<br />

werden. Diese holt sich das Unternehmen<br />

aus aller Welt nach Innsbruck. Gefragt<br />

sind vor allem Leute für den technischen<br />

Support, der 24/7 für die ganze Welt von<br />

Innsbruck aus abgewickelt wird, Softwareentwickler<br />

und Vertriebsleute. Technisches<br />

Know-how wird vorausgesetzt,<br />

Sozialkompetenz und die Fähigkeit zum<br />

Teamwork sind aber genauso unerlässlich.<br />

Wer im Konzert der weltweit 1.500 Barracuda-Mitarbeiter<br />

mitgeigen will, sollte<br />

„Spaß an der Problemlösung, eine grundlegende<br />

Neugierde und Spaß an der Internationalität“<br />

mitbringen, wie es Wieland<br />

Alge formuliert. Und gerade weil die IT<br />

im Grunde genommen ein äußerst ernstes<br />

Geschäft ist, sollte man auch einen gewissen<br />

Spaß am Ernst entwickeln.<br />

INFORMATION<br />

Barracuda Networks AG<br />

Eduard-Bodem-Gasse 1<br />

Tel. 050 8100<br />

6020 Innsbruck<br />

info@barracuda.com<br />

www.barracuda.com


top 500 | INTERVIEW<br />

Eine Lehre am Bau bietet<br />

viele Möglichkeiten<br />

Bodner Gruppe. <strong>ECHO</strong> sprach mit den Verantwortlichen über die Schwierigkeiten,<br />

geeignete Lehrlinge und Facharbeiter zu finden.<br />

Ing. Sepp Mietschnig, Lehrlingsbeauftragter der<br />

Bodner Gruppe: „Wir haben im letzten Jahr eine<br />

große Lehrlingsinitiative gestartet und können<br />

bereits die eine oder andere Erfolgsmeldung<br />

verzeichnen.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Demografische Entwicklungen und<br />

der Attraktivitätsverlust der Lehre führen dazu,<br />

dass es immer mehr freie Lehrstellen gibt.<br />

Können Sie als Leiter der Personalabteilung<br />

der Bodner Gruppe diese Entwicklung bestätigen<br />

und in welchen Berufen ist es besonders<br />

schwierig, geeignete Lehrlinge zu finden?<br />

Alfred Fankhauser: Die Tatsache, dass es<br />

immer schwieriger wird, in manchen Regionen<br />

Lehrlinge zu finden, kann auch unsererseits bestätigt<br />

werden. Derzeit haben wir um ca. 25 Prozent<br />

weniger Lehrlinge als noch vor einigen Jahren,<br />

bräuchten aber rund 35 Prozent mehr als<br />

damals. In Summe beschäftigen wir derzeit 73<br />

Lehrlinge. De facto haben wir in allen unseren<br />

ausgeschriebenen Lehrberufen, wie Maurer,<br />

Betonfertigungstechniker, Tiefbauer und Maurer/Tiefbauer/Schalungsbauer<br />

(Doppellehre),<br />

ein Problem, geeigneten Nachwuchs zu finden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was sind Ihrer Meinung nach die<br />

Vorteile einer dualen Lehrlingsausbildung?<br />

Alfred Fankhauser: Es liegt klar auf der<br />

Hand, dass es die Kombination aus praktischer<br />

Arbeit im Betrieb und fachtheoretischer Ausbildung<br />

an den Schulen ist. Bei der Lehre am Bau<br />

greift die „triale Ausbildung“, d. h. Arbeiten im<br />

Lehrbetrieb, der Besuch der Berufsschule und<br />

der Besuch der Bauakademien, sprich Lehrbauhöfe.<br />

Mit dieser Ausbildung werden die<br />

Jugendlichen optimal auf den zu erlernenden<br />

Beruf vorbereitet und der Weg für eine weitere<br />

Karriere ist mit entsprechendem Fleiß geebnet.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Betreuung, welche Vorteile<br />

hat die Lehrlingsausbildung bei Bodner Bau?<br />

Sepp Mietschnig: Wir bieten interessierten<br />

jungen Leuten verschiedene Möglichkeiten, da<br />

wir in der Bodner Gruppe sehr breit aufgestellt<br />

sind. Das reicht vom klassischen Hochbau,<br />

über den Tiefbau und den Spezialtiefbau, bis<br />

hin zum Produzenten von Betonfertigteilen.<br />

Unsere Baustellen sind sowohl geografisch<br />

über Westösterreich und Bayern verteilt,<br />

als auch technisch aufgrund der Größe der<br />

Baustellen von großen Herausforderungen<br />

geprägt. Unsere Geräte und die verwendete<br />

nTechniken sind am neuesten Stand. Wir<br />

bieten firmeninterne Praxiswochen und Aufstiegsmöglichkeiten,<br />

die Lehre mit Matura, den<br />

Transfer vom Heimatort zur Baustelle und retour.<br />

Eigene Lehrlingsbeauftragte und Poliere<br />

kümmern sich speziell um den Nachwuchs.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wir bilden heute zahlreiche Berufe<br />

aus, die es vielleicht in dieser Form in zehn bis<br />

zwanzig Jahren nicht mehr geben wird. Wie<br />

sehen Sie das bei jenen Berufen, die bei Ihnen<br />

ausgebildet werden? Sind die Ausbildungspläne<br />

und/oder schulischen Inhalte auf der Höhe<br />

der Zeit?<br />

Alfred Fankhauser: Gut ausgebildete<br />

Facharbeiter im Baugewerbe sind niemals<br />

maschinell ersetzbar, das Handwerk in dieser<br />

Form stirbt nicht aus. Die Ausbildungspläne<br />

sind sicherlich gut. Leider stellen wir aber fest,<br />

dass die allgemeinen Grundkenntnisse wie<br />

Lesen, Schreiben und Rechnen nicht mehr<br />

selbstverständlich sind. Dies macht es auch<br />

immer schwieriger, potenziellen Nachwuchs<br />

zu finden, weil sich ohne diese Grundkenntnisse<br />

fast kein Beruf ordentlich erlernen lässt.<br />

Für unsere Lehrlinge wäre es ideal, die Zeiten<br />

BM Ing. Hans Feller: „Die Lehre bei Bodner ist abwechslungsreich,<br />

attraktiv, überdurchschnittlich gut<br />

bezahlt und bietet gute Aussichten für die Zukunft.“<br />

Fotos:Bodner<br />

56<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


am Lehrbauhof weiter auszubauen, da hier in<br />

speziell konstruierten Situationen geübt und<br />

gearbeitet werden kann.<br />

<strong>ECHO</strong>: Viele FacharbeiterInnen verdienen<br />

besser, haben attraktivere Jobs als junge AkademikerInnen.<br />

Warum gelingt es der Wirtschaft<br />

nicht, diese Fakten zu kommunizieren?<br />

Alfred Fankhauser: Das liegt zum einen<br />

sicherlich an der Tatsache, dass der Facharbeiter<br />

oft mit 15 Jahren als Lehrling startet.<br />

Ein Akademiker steigt aber erst mit ca. 26<br />

Jahren ein und dann eventuell als „unerfahrener<br />

Neuling“. Der Facharbeiter hat nicht<br />

nur schon zehn Jahre Geld verdient, sondern<br />

hat in diesen zehn Jahren bereits an seiner<br />

Karriere und somit seiner Verdienst- und<br />

Aufstiegsmöglichkeit gearbeitet und ist somit<br />

längst ein sehr wertvoller Arbeitnehmer. Am<br />

Image der Facharbeiter und der Lehrberufe<br />

müsste eindeutig gearbeitet werden. Eventuell<br />

auch durch Kampagnen im Leitmedium<br />

Fernsehen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Viele Unternehmen, mit denen wir<br />

sprechen, monieren, dass das Risiko, einen Lehrling<br />

zu nehmen, aufgrund der arbeitsrechtlichen<br />

Bestimmungen zu groß sei und verzichten dann<br />

lieber darauf. Wie sehen Sie das?<br />

Sepp Mietschnig : Dass arbeitsrechtliche<br />

Bestimmungen nicht zu weit einschränken<br />

dürfen, ist klar, aber es geht ja auch um das<br />

Wohl der Jugendlichen. Wir sehen dieses „Luxusproblem“<br />

nicht, eher im Gegenteil – wir<br />

würden gerne mehr Lehrlinge nehmen. Um<br />

möglichst geeignete Kandidaten zu finden,<br />

haben wir einen neuen Einstellungsprozess<br />

erarbeitet, in dem wir die Bewerber über einen<br />

Eignungstest und eine Schnupperzeit genauer<br />

beobachten können. Wir würden es begrüßen,<br />

wenn die gesetzliche Probezeit auf ein halbes<br />

Jahr verlängert werden könnte. Denn leider<br />

stellt sich manchmal heraus, dass manche in<br />

Praxisnahe Ausbildung: Alle Lehrlinge, die eine Auszeichnung für besondere schulische Leistungen<br />

erhalten haben, auf einem gemeinsamen Ausflug nach Bayern und Salzburg.<br />

keinster Weise für den Beruf am Bau geeignet<br />

sind und dann kommen die Probleme.<br />

<strong>ECHO</strong>: Warum sollte ein junger Mensch<br />

heute eine Lehre am Bau machen? Welche<br />

Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten<br />

gibt es?<br />

Hans Feller: Die Lehre am Bau ist abwechslungsreich,<br />

attraktiv, überdurchschnittlich gut<br />

bezahlt und bietet gute Aussichten für die<br />

Zukunft. Kreatives, teilweise selbstständiges<br />

Arbeiten, aber immer unter der Anleitung von<br />

erfahrenen Polieren, bietet viele Möglichkeiten<br />

des Aufstiegs. Die Karrieremöglichkeiten gehen<br />

vom Lehrling zum Facharbeiter, weiter<br />

zum Vorarbeiter, Polier, Bautechniker, Bauleiter<br />

bis hin zum Baumeister – das alles ist in der<br />

Bodner Gruppe auch ohne einen Abschluss<br />

„Wir versuchen durch unsere Kampagne, jungen Menschen<br />

zu vermitteln, dass der Lehrberuf sehr wohl cool ist, und<br />

beobachten, dass auch andere Handwerksbetriebe diesen<br />

Weg gehen.“<br />

Alfred Fankhauser,<br />

<br />

Leiter Personalwesen<br />

an einer HTL oder einen akademischen Titel<br />

keine Seltenheit.<br />

<strong>ECHO</strong>: Viele Unternehmer berichten uns,<br />

dass es immer schwieriger wird, gut ausgebildete<br />

MitarbeiterInnen zu finden? Wie ist das<br />

in Ihrem Unternehmen?<br />

Alfred Fankhauser: In der kaufmännischen<br />

und technischen Verwaltung ist es durch das<br />

österreichische Bildungssystem der Handelsakademien<br />

und Höheren Technischen Schulen<br />

möglich, gut ausgebildetes Personal zu finden.<br />

Erstrebenswert wäre natürlich, dass auch hier<br />

während der Schulzeiten mehr Fachpraktika<br />

gemacht werden müssten. Im gewerblichen<br />

Bereich ist es wesentlich schwieriger. Die<br />

wertvollsten und besten Mitarbeiter sind jene,<br />

die im Unternehmen den Beruf von der Pieke<br />

auf gelernt haben und mit jedem Bauvorhaben<br />

weiter Erfahrungen sammeln. Teilweise<br />

füllen wir bereits die eine oder andere Lücke<br />

an Facharbeitern durch Leasingmitarbeiter,<br />

die aus sämtlichen europäischen Ländern<br />

kommen können. Da wird meistens die harte<br />

Arbeit am Bau oder auch im Freien noch<br />

nicht als Last empfunden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Generation Y hat andere Werte,<br />

Status und Prestige sind weniger wichtig als<br />

die Sinnsuche, Freiräume und Möglichkeiten<br />

zur Selbstverwirklichung. Sie will dem Beruf<br />

nicht mehr alles unterordnen. Stichwort: Freizeitgesellschaft.<br />

Wie erleben Sie das in Ihrem<br />

Unternehmen? Und wie verändert sich Ihre<br />

Personalplanung aufgrund dieser gesellschaftlichen<br />

Entwicklungen?<br />

Alfred Fankhauser: Ohne Fleiß kein Preis.<br />

Und wenn man ehrlich ist, schauen oft jene,<br />

die mit weniger Geld auskommen wollen,<br />

entweder neidisch auf jene, die mehr haben,<br />

oder aber kommen aus Systemen und Familien,<br />

die sich diesen Luxus der Selbstverwirklichung<br />

leisten können. Unsere Gesellschaft<br />

sollte darauf ausgerichtet sein, dass sich jeder,<br />

der fleißig ist, auch ein gutes, ausgewogenes<br />

Leben selber leisten kann. Natürlich sollte<br />

kein Mitarbeiter verheizt werden, aber jene,<br />

die sich bemühen und für ein Unternehmen<br />

engagieren, werden letztendlich belohnt,<br />

müssen aber auch die Last derer tragen, die<br />

das System ausnutzen. Die Generation „Input<br />

minimieren – Output maximieren“ wird<br />

es nicht leicht haben. Jene, die sich aber für<br />

eine Sache stark machen und sich anstrengen,<br />

sollten dafür aber umso mehr belohnt<br />

werden.<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

57


APL | PROMOTION<br />

50 Jahre APL<br />

Die APL-Gruppe aus Hopfgarten im Brixental ist ein europaweit gefragter Apparatebauer<br />

für Industriebetriebe und expandiert kräftig weiter.<br />

REFERENZEN<br />

Bioenergietechnik, Brasilien: Ethanolerzeugung,<br />

260 GWh Stromexport, 130 barü<br />

Fotos: APL<br />

Die Wurzeln des erfolgreichen<br />

Familienunternehmens reichen<br />

bis in das Jahr 1936 zurück. Aus<br />

einer einfachen Schmiede entstand nach<br />

Übernahme durch die <strong>Tirol</strong>er Pletzer<br />

Gruppe im Jahre 1966 ein innovativer<br />

„APL steht für<br />

höchste Qualität,<br />

innovative Problemlösungen<br />

und<br />

optimalen Service<br />

zur Erreichung einer<br />

maximalen Kundenzufriedenheit!<br />

Markus Widner,<br />

Geschäftsführer APL Appartebau<br />

Nischenanbieter für den Weltmarkt.<br />

Heute gehört APL zu den führenden Apparatebauern,<br />

mit Kunden in der Öl- und<br />

Gasindustrie, chemischen und petrochemischen<br />

Industrie sowie Wärme- und<br />

Energietechnik. Die Exportquote beträgt<br />

75 Prozent.<br />

HOCHQUALIFIZIERTE MITARBEITER<br />

Die besondere Stärke von APL sind dabei<br />

technisch herausfordernde Lösungen. Mit<br />

einem hoch qualifizierten Mitarbeiterteam<br />

kann rasch und flexibel auf geänderte Rahmenbedingungen<br />

reagiert werden. Die<br />

Verarbeitung hochwertiger Werkstoffe,<br />

optimierte Fertigungslösungen sowie unterschiedliche<br />

nationale und internationale<br />

Zulassungen sind Voraussetzung, um den<br />

Anforderungen der einzelnen Geschäftsfelder<br />

gerecht zu werden.<br />

APL beschäftigt an den beiden Standorten<br />

in Hopfgarten und Dormagen (Nordrhein-Westfalen)<br />

über 100 Mitarbeiter.<br />

Für das laufende Geschäftsjahr <strong>2016</strong> wird<br />

ein Umsatz von 22 Mio. Euro (2015: 18<br />

Mio. Euro) angestrebt. Zuletzt wurde die<br />

Schweizer ETS Energie-Technik-Systeme<br />

AG übernommen. Zugleich investiert die<br />

APL-Gruppe in den nächsten Jahren kräftig<br />

am Stammsitz in Hopfgarten.<br />

APL Apparatebau GmbH<br />

Gewerbestrasse 14, 6361 Hopfgarten<br />

Tel.: 05335 2256 0, Fax.: 05335 2014<br />

Email: info@apl-apparatebau.com<br />

Web: www.apl-apparatebau.com<br />

Petrochemie, Schweden: Kondensation von<br />

Propylen mit Hilfe von Meerwasser, 36700 kW<br />

Chemieindustrie, Deutschland: Gas-<br />

Tiefkühler für Ammoniakanlage, 320 barü,<br />

Herstellung von Düngemitteln<br />

Energietechnik, Dubai: Erdgaskraftwerk,<br />

Stromerzeugung 15,300.000 MWh pro<br />

Jahr


Meine Bank<br />

muss da sein,<br />

wo ich sie brauche.<br />

Internationales Netzwerk<br />

Auf der Suche nach neuen Märkten?<br />

Wir sind schon dort.<br />

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CEE, USA &<br />

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Wer international tätig ist, braucht einen international erfahrenen Partner. Mit dem weltumspannenden<br />

Bankennetzwerk der UniCredit haben Sie den Schlüssel zum Erfolg für Ihr Auslandsgeschäft. Ob Zentralund<br />

Osteuropa, Asien oder USA: Wir sind für Sie weltweit mit rund 7.600 Geschäftsstellen vertreten und<br />

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top 500 | INTERVIEW<br />

„Auf Time-to-Market<br />

kommt es an“<br />

Interview. Innovationsfreude<br />

sieht Michael Poot, CEO<br />

von Travel Partner, als essenziell<br />

im Tourismus. Daran<br />

mangelt es. Poot glaubt,<br />

dass der Sektor die Digitalisierung<br />

zu verschlafen droht<br />

und erklärt, warum er mit<br />

Travel Partner „Kühe“ will.<br />

<strong>ECHO</strong>: Haben Sie das Gefühl, dass im <strong>Tirol</strong>er<br />

Tourismus die Digitalisierung verschlafen<br />

wird?<br />

Michael Poot: Ich glaube, dass sich die<br />

Touristik im Allgemeinen noch nicht wirklich<br />

erkannt hat, was sich in den nächsten Jahren<br />

tun wird. Dieser Eindruck speist sich auch aus<br />

aktuellen Umfragen. 46 Prozent der Führungskräfte<br />

in der Touristik sehen ihre Unternehmen<br />

als digitale Vorreiter, 54 Prozent sehen sich<br />

nicht dort und haben sich zum Teil noch nicht<br />

einmal mit der Digitalisierung befasst.<br />

„Bei Reiseveranstaltern in<br />

Deutschland und Österreich<br />

gibt es eine absolute<br />

Nibelungentreue gegenüber<br />

dem stationären<br />

Handel.“<br />

<br />

Michael Poot,<br />

<br />

CEO Travel Partner<br />

Foto: Hubert Bernard, Martin Hörl<br />

60<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


<strong>ECHO</strong>: Worin sehen Sie konkret die Versäumnisse<br />

der Tourismusbranche?<br />

Poot: Reiseveranstalterseitig sind Deutschland<br />

und Österreich durch TUI und Thomas<br />

Cook sehr stark aneinandergekoppelt. Dort<br />

gibt es eine absolute Nibelungentreue gegenüber<br />

dem stationären Handel. Man hat zwar<br />

in den letzten Jahren eigene Webseiten gebaut,<br />

die Eigenvermarktung aber nicht forciert.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was unterscheidet Ihr Unternehmen<br />

von den erwähnten Playern, bei denen<br />

Sie Nibelungentreue feststellen?<br />

Poot: Wir sind seit 31 Jahren am Markt und<br />

primär im B2B-Geschäft (Business-to-Business,<br />

Anm.) tätig. Seit zwei Jahren haben wir auch<br />

die eigenständige Vermarktung von Produkten<br />

im B2C-Bereich (Business-to-Customer,<br />

Anm.) auf dem Schirm. Wir wollen aber nicht<br />

irgendwo als Reiseveranstalter in diesem Haifischbecken<br />

mitschwimmen, sondern haben<br />

für uns den Weg der digitalen Plattformen<br />

eingeschlagen. Im B2B-Bereich findet die<br />

Vermarktung über die Reiseveranstalter statt,<br />

da sind wir nur Entwickler von Reiseprodukten.<br />

Durch die Digitalisierung tun sich<br />

neue Möglichkeiten auf. Vor drei Jahren haben<br />

wir begonnen, unsere Technik umzustellen.<br />

Heute sind wir auf einer hochmodernen<br />

Web-Technologie unterwegs, die wir im Haus<br />

entwickelt haben. Diese Technik ermöglicht<br />

es uns, die Möglichkeiten der Digitalisierung<br />

zu ergreifen und uns als Reiseveranstalter darzustellen.<br />

<strong>ECHO</strong>: In welcher Art haben sich die Vertriebskanäle<br />

im Tourismus in den letzten Jahrzehnten<br />

verändert?<br />

Poot: Früher hat man klassische Autoreiseziele<br />

wie <strong>Tirol</strong> direkt bei den Hotels oder über<br />

einen klassischen Reiseveranstalter gebucht. In<br />

den 90er Jahren ist der sogenannte Direktvertrieb<br />

entstanden. Zum ersten Mal wurde der<br />

Kunde über Direct Mailings abgeholt. Ende<br />

der 90er Jahre wurde es attraktiv, Reiseangebote<br />

über Supermärkte zu vertreiben. Selbiges<br />

hat man in Drogerieketten und Baumärkten<br />

versucht. Letztlich hat sich der Supermarktvertrieb<br />

als bestmöglicher herauskristallisiert,<br />

weil die Reiseentscheidungen in der Realität<br />

zu 80 Prozent von Frauen getroffen werden.<br />

Die ersten Webanbieter wie Groupon sind vor<br />

rund zehn Jahren auf den Plan getreten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie sehen Sie die starke Entwicklung<br />

von Buchungsplattformen wie beispielsweise<br />

booking.com & Co?<br />

Poot: Da muss man unterscheiden zwischen<br />

Metasearchern wie trivago und reinen Plattformen<br />

wie booking.com. Letztere ist gerade<br />

für die kleine Hotellerie ein sehr gutes Medium,<br />

um sich dort zu vermarkten, weil die<br />

„Im Digitalisierungsprozess<br />

kann die Infrastruktur stehen,<br />

wo sie will. Letztlich<br />

kommt es auf die Manpower<br />

an.“<br />

Reichweite der Plattform extrem hoch ist.<br />

Man würde es nie schaffen, über die eigene<br />

Homepage eine derartige Kundenfrequenz<br />

zu erreichen, es sei denn, man nimmt extrem<br />

viel Geld in die Hand. Man hat mittlerweile<br />

gemerkt, dass der Reisemarkt stark von booking.com<br />

dominiert wird und viele aus dieser<br />

Abhängigkeit herausgehen wollen. Deshalb<br />

bieten wir unseren Kunden, den Vermietern,<br />

eine Vielzahl an anderen Seiten und damit<br />

eine größere Unabhängigkeit. Als Incomer<br />

haben wir den Hotels immer eine breitere<br />

Palette an Vertriebsformen anbieten können.<br />

Dadurch schaffen wir eine größere Spezialisierung.<br />

Wenn wir heute ein Haus haben,<br />

das sagt, wir sind ein Familienprodukt, dann<br />

ist das bei booking.com schwer darstellbar,<br />

weil nur nach Hotelklassifizierung sortiert<br />

wird und nicht beispielsweise nach Familienfreundlichkeit.<br />

Wir können diese Produkte<br />

auf Plattformen implementieren, wo sich<br />

speziell Familien über Reiseangebote informieren.<br />

<strong>ECHO</strong>: Kommen die Trends im Reisesektor<br />

aus Übersee?<br />

Poot: Die Digitalisierung wird sehr stark<br />

von den USA und dem asiatischen Raum geprägt.<br />

In Europa hinken wir immer ein wenig<br />

hinterher. Nummer 1 sind in Europa unangefochten<br />

die Niederlande. Wirtschaftsriese<br />

Deutschland liegt beim Digitalisierungsprozess<br />

dagegen gerade einmal im Mittelfeld.<br />

<strong>ECHO</strong>: Digitalisierung braucht auch Infrastruktur.<br />

Wie würden Sie den Standort<br />

Ellmau, Haupsitz von Travel Partner, diesbezüglich<br />

beurteilen?<br />

Poot: Im Digitalisierungsprozess kann die<br />

Infrastruktur stehen, wo sie will. Letztlich<br />

kommt es auf die Manpower an. Hier in Elmau<br />

sind wir da nicht ideal aufgehoben, weil<br />

das Einzugsgebiet von Fachleuten kein sehr<br />

großes ist. Wenn wir die benötigten Fachkräfte<br />

in <strong>Tirol</strong> nicht finden, müssen wir eben dorthin<br />

gehen, wo sie verfügbar sind. Deshalb haben<br />

wir mit November dieses Jahres ein Büro<br />

in Berlin eröffnet. Berlin hat sich in den letzten<br />

Jahren als der Ort in Europa herauskristallisiert,<br />

wo es jede Menge Start-ups gibt und<br />

ein dementsprechendes Fachkräfteangebot.<br />

Außerdem sind viele unserer potenziellen<br />

Kooperationspartner in Berlin beheimatet.<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

61


top 500 | INTERVIEW<br />

Die Bereiche, für die wir hier in Ellmau nicht<br />

die notwendigen Spezialisten bekommen –<br />

vor allem im Online-Marketing-Bereich – bespielen<br />

wir künftig von Berlin aus. Aufgrund<br />

der Nähe des Markts in Berlin haben wir auch<br />

das Business Development dorthin verlegt. In<br />

der heutigen Zeit ist in einem schnelllebigen<br />

Segment wie dem unseren vor allem ein<br />

Punkt entscheidend: Time-to-Market, die<br />

Zeit von der Entwicklung eines Produkts bis<br />

zu dessen Markteinführung. Unsere Verträge<br />

gibt es nur mehr in digitaler Form. Da ist kein<br />

Papier mehr im Spiel. Wir arbeiten an der<br />

Vereinfachung von Prozessen. Einen Abbau<br />

von Arbeitsplätzen sehe ich damit verbunden<br />

nicht, wir sind ein People Business und brauchen<br />

gute Arbeitskräfte, um unser Geschäft<br />

voranzutreiben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Arbeitskräfte werden für<br />

den Standort Ellmau gesucht, welche sind<br />

kaum zu bekommen?<br />

Poot: Grundsätzlich ist die Arbeitslosenquote<br />

in der Gegend um Ellmau sehr niedrig. Was<br />

die Touristik angeht, sind viele potenzielle Arbeitskräfte<br />

sehr verhalten, weil zum Teil auch<br />

am Wochenende gearbeitet wird. Da wird es<br />

zunehmend schwieriger, die nötigen Fachkräfte<br />

zu bekommen. Wobei das aus meiner<br />

Sicht auch mit der allgemeinen Entwicklung<br />

der Generation Y zu tun hat, die einen höheren<br />

Fokus auf Work-Life-Balance legt und<br />

für die Freizeit einen extrem hohen Wert hat.<br />

Die wesentliche Rolle spielt nicht das Monetäre,<br />

sondern das Gesamtpaket, das die Leute<br />

verlangen. Deshalb achten wir im Unternehmen<br />

auf ein gutes Betriebsklima, haben eine<br />

ausgesprochen lockere Unternehmenskultur<br />

und legen viel Wert auf Fortbildung, die wir<br />

im Rahmen einer Travel-Partner-Akademie<br />

machen. Wir haben erkannt, dass sogenannte<br />

High Potentials, vielversprechende Nachwuchstalente,<br />

früh und gezielt gefördert werden<br />

müssen und als Führungskräfte herangeformt<br />

werden.<br />

„Die Lösung des Nachfolgeproblems<br />

ist aus meiner<br />

Sicht das größte Problem,<br />

mit dem der Tourismus in<br />

<strong>Tirol</strong> konfrontiert ist.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie muss man beschaffen sein, um<br />

als High Potential eingestuft zu werden?<br />

Poot: Das kann man nicht pauschal sagen.<br />

Grundvoraussetzung ist sicher, dass jemand<br />

beruflich Karriere machen und die Werkzeuge<br />

erlernen will, die es dazu braucht. Da<br />

geht es nicht nur um die Fachkompetenz. Der<br />

größte Fehler, der in vielen Unternehmen gemacht<br />

wird, ist der, dass man Leute zu Führungskräften<br />

ernennt, nur weil sie die Fachkompetenz<br />

mitbringen. Zur Führungskraft<br />

gehört aber viel mehr. Dafür braucht es Leadership.<br />

Als Führungskraft muss man manchmal<br />

auch unpopuläre Entscheidungen fällen.<br />

Das Leben ist ja schließlich kein Ponyhof. Auf<br />

die Eignung unserer Führungskräfte legen wir<br />

bei Travel Partner großen Wert, denn – so<br />

lautet meine These – die Mitarbeiter arbeiten<br />

in erster Linie für die Führungskraft und<br />

erst in zweiter Instanz für die Firma. Unsere<br />

Bemühungen um Mitarbeiter haben Früchte<br />

getragen, auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform<br />

Kununu haben wir im Ranking der<br />

besten Arbeitgeber im Tourismus im vergangenen<br />

Jahr den ersten Platz belegt. Wir haben<br />

sehr viel getan, um dort hinzukommen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben von den Vorzügen Berlins<br />

geschwärmt. Ergibt sich daraus eine Gefahr<br />

für den Standort Ellmau?<br />

Poot: Unser Hauptstandort und Ursprung<br />

des Unternehmens ist Ellmau, und das wird<br />

auch so bleiben. Seit 2000 haben wir eine Filiale<br />

in Wien, seit 2014 haben wir in Heidelberg<br />

einen Standort, haben aktuell eine Filiale<br />

in Berlin eröffnet. In Ellmau wird die Ferientouristik<br />

abgebildet, in Wien die Städtetouristik.<br />

Dasselbe machen wir in Deuschland.<br />

Dort ist Heidelberg für die Ferientouristik<br />

und Berlin für die Städtetouristik zuständig.<br />

Berlin hat 30 Millionen Nächtigungen im<br />

Jahr, in Wien sind es 14. Wenn man heute in<br />

einen Markt eintritt, muss man den Finger am<br />

Markt haben, muss wissen, was passiert. Dazu<br />

muss man vor Ort präsent sein, die Firma<br />

bekannt machen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie sehen Sie die Stellung touristischer<br />

Infrastruktur in <strong>Tirol</strong> im Dreieck Natur/Kultur/Infrastruktur?<br />

Poot: In <strong>Tirol</strong> gibt es eine extrem hohe Bettendichte.<br />

Die Bauordnung schränkt Hotels<br />

größenmäßig ein. Das birgt Vor- und Nachteile.<br />

Würden wir in dieser wunderschönen<br />

Landschaft Bettenburgen hinstellen, würde<br />

das optisch nicht hineinpassen. In <strong>Tirol</strong> dürfen<br />

keine Hotels, die mehr als 150 Betten –<br />

das sind 75 Doppelzimmer – haben, gebaut<br />

werden. Das ist teilweise zu wenig, um einen<br />

Hotelbetrieb rentabel zu führen. Deshalb gibt<br />

es auch eine sogenannte Parahotellerie. Viele<br />

Häuser konnten nicht organisch wachsen.<br />

Da gibt es in anderen Destinationen entscheidende<br />

Vorteile. Es wurde zwar in vielen<br />

Betrieben investiert, gibt andererseits aber<br />

auch einen Investitionsstau, der nicht selten<br />

von ungeklärten Nachfolgeverhältnissen herrührt.<br />

Die Lösung des Nachfolgeproblems<br />

ist aus meiner Sicht das größte Problem, mit<br />

dem der Tourismus in <strong>Tirol</strong> konfrontiert ist.<br />

Die Investitionen der Bergbahnen finde ich<br />

gut, die Gäste müssen sanft auf die Berge gebracht<br />

werden. Man muss in <strong>Tirol</strong> letztlich einen<br />

Tourismus betreiben, der zu Natur und<br />

Kultur passt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wo wollen Sie in den nächsten Jahren<br />

mit Ihrem Unternehmen hin?<br />

Poot: Gesund wachsen!<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist die Fokussierung auf das Endkundengeschäft,<br />

das sie mit dem Launch des<br />

Onlineportals „ichwillkuehe.de“ ankurbeln<br />

wollen, Teil dieser Strategie?<br />

Poot: Mit diesem Portal, das wir Anfang des<br />

Jahres gelauncht haben, treten wir als Spezialist<br />

für die Destinationen Deutschland und<br />

Österreich auf. Wir bieten rein Produkte im<br />

Autoreisebereich an. Das Portal heißt schlicht<br />

und ergreifend „Ich will Kühe“. Damit wollten<br />

wir eine Marke kreieren, die in den Köpfen<br />

der Leute bleibt und bezogen auf ein Reiseprodukt<br />

ein wenig schräg ist, aber auch<br />

Naturverbundenheit ausdrückt. Wenn man<br />

sich die heutigen Onlinemarken ansieht, sind<br />

die phonetisch alle sehr ähnlich. Aus diesem<br />

Muster wollten wir ausbrechen. Das Portal<br />

ist Neuland für uns, der Erfolg gibt uns aber<br />

recht. In Deutschland haben wir eine große<br />

Kampagne gemacht und sind mittlerweile<br />

sehr bekannt. Mit dem Produkt „Kühe“ können<br />

wir flexibler für unsere Lieferanten reagieren<br />

und sehr kurzfristig Produkte einstellen.<br />

Wir müssen uns dort einbringen, wo der Hotelier<br />

es braucht. Unser größter Mitbewerber<br />

ist nämlich der Hotelier selbst. Der Hotelier<br />

braucht einen Incomer nämlich nur dann,<br />

wenn er mit der eigenen Nachfragesituation<br />

nicht klarkommt. Deshalb müssen wir uns<br />

flexibel aufstellen und kurze Vorlaufzeiten<br />

bieten. Auf „ichwillkuehe.de“ ist die Time-to-<br />

Market nur mehr 24 Stunden. <br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

62<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


EUROTOURS| PROMOTION<br />

Reiselust der Österreicher<br />

Nr. 24<br />

ist ungebrochen<br />

Die vorläufi ge Sommerbilanz bei EUROTOURS zeigt erneut einen Buchungsanstieg, das<br />

Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr beträgt 5,6 Prozent. Der kommende Winter scheint<br />

dieser Entwicklung um nichts nachzustehen, zeigen die Vorausbuchungen.<br />

Foto: Eurotours<br />

Österreich war schon<br />

immer Nummer eins<br />

Urlaubsland der Österreicher<br />

selbst. Heuer wurde<br />

hierzulande noch häufiger geurlaubt.<br />

Denn die Reiseströme<br />

haben sich massiv verschoben.<br />

Nach den Österreichern kommen<br />

die meisten Gäste aus<br />

Deutschland und der Schweiz.<br />

BUCHUNGEN FÜR<br />

ÖSTERREICH UND<br />

TIROL GESTIEGEN<br />

„Die vielen Krisen rund um Europa<br />

führen zu einer enormen<br />

Nachfrage nach Urlaub in Österreich“,<br />

so Helga Freund, Eurotours-Geschäftsführerin<br />

und<br />

Verkehrsbüro Group-Vorstandsdirektorin.<br />

„Neben der landschaftlichen<br />

Schönheit punktet<br />

Österreich ganz klar durch den<br />

Sicherheitsfaktor, auf den viele<br />

Urlauber derzeit großen Wert<br />

legen.“ Österreich und <strong>Tirol</strong><br />

liegen in der Beliebtheitsskala<br />

ganz oben. Für Österreich gab<br />

es ein Umsatzplus von 5,2 Prozent,<br />

<strong>Tirol</strong> bringt es heuer auf ein<br />

Sommer-Buchungsplus von 2,3<br />

Prozent. Fast jeder zweite <strong>Tirol</strong>-<br />

Gast kommt aus Deutschland,<br />

das sind um 10 Prozent mehr als<br />

im Vorjahr. Auch Niederländer<br />

und Tschechen zog es vermehrt<br />

in die <strong>Tirol</strong>er Berge.<br />

WINTER STARTET VIEL-<br />

VERSPRECHEND<br />

Touristikprofi Helga Freund<br />

rechnet nun mit einer starken<br />

Wintersaison: „Die Buchungen,<br />

die bereits eingegangen sind,<br />

Helga Freund (li.) und die Bereichsleiter der Eurotours am Standort in<br />

Kitzbühel.<br />

sind vielversprechend. Für Österreich<br />

liegen sie um 23,0 Prozent<br />

über dem letzten Winter,<br />

für <strong>Tirol</strong> um plus 23,4 Prozent.<br />

Alles hängt aber letztendlich<br />

von der Schneelage ab.“ Kombiniert<br />

wird der Urlaub im<br />

Schnee oft mit einem Aufenthalt<br />

in österreichischen Thermen.<br />

Aber auch in die Ferne zieht es<br />

heuer viele Österreicher, viele<br />

möchten dem Winter oder dem<br />

Weihnachtsstress entfliehen. Sie<br />

verschlägt es beispielsweise ins<br />

milde und sonnige Spanien. „Es<br />

schaut aber auch nach einem<br />

guten Fernreisegeschäft aus, auf<br />

die Malediven, nach Thailand,<br />

Kuba, Mauritius, in die Dominikanische<br />

Republik oder in die<br />

USA“, so die Prognose von Helga<br />

Freund.<br />

NEUE REISESPECIALS<br />

UM DEN GLOBUS<br />

Der <strong>Tirol</strong>er Vorzeigebetrieb<br />

agiert nicht nur als Incoming-<br />

Agentur für Österreich und<br />

Mitteleuropa, sondern auch als<br />

Direkt-Reiseveranstalter für die<br />

namhafte Marke Hofer Reisen,<br />

aber auch für Tchibo Reisen,<br />

„Für den Sommer zeigt uns die vorläufi ge<br />

Bilanz einen Buchungsanstieg von 5,6 Prozent,<br />

für den Winter sind schon 26 Prozent mehr<br />

Buchungen eingelangt.“<br />

Helga Freund<br />

Eurotours Geschäftsführerin<br />

Post Reisen (in Kooperation<br />

mit der Deutschen Post) und<br />

Aldi Suisse. Seit zwei Jahren<br />

verkauft Eurotours über die eigene<br />

Buchungsplattform www.<br />

justaway.com Urlaube direkt an<br />

überwiegend deutsche Kunden.<br />

„Das Geschäft am deutschen<br />

und Schweizer Reisemarkt läuft<br />

gut. Ich bin auch für nächstes<br />

Jahr sehr optimistisch. Hier gibt<br />

es großes Potential“, so Freund.<br />

EUROTOURS ALS<br />

ARBEITGEBER IMMER<br />

BELIEBTER<br />

350 Mitarbeiter aus zwanzig Nationen<br />

arbeiten am Stammsitz in<br />

Kitzbühel und internationalen<br />

Standorten. Sie kümmern sich<br />

um Reiseangebote nach Österreich<br />

und in die ganze Welt, überzeugen<br />

durch Extraleistungen<br />

und unschlagbare Preise. Das<br />

gute Arbeitsklima und die modernen<br />

Arbeitsplätze sind große<br />

Pluspunkte, genauso wie die vielen<br />

Extras: kostenfreies Mittagsmenü,<br />

eigener Kindergarten mit<br />

Kinderkrippe oder das Sportund<br />

Freizeitprogramm für Mitarbeiter.<br />

Für ihr Engagement<br />

wurde die Firma mit dem Trigos<br />

<strong>Tirol</strong> und von der Initiative Unternehmen<br />

für Familie in <strong>Tirol</strong><br />

ausgezeichnet. Ihr exzellentes<br />

Image lockt Mitarbeiter aus vielen<br />

Ecken der Welt, darunter<br />

Deutschland, England, Italien<br />

oder Russland und natürlich<br />

dem Stammsitz <strong>Tirol</strong>.<br />

EUROTOURS INTERNATIONAL<br />

6370 KITZBÜHEL,<br />

Kirchberger Straße 8<br />

Tel.: +43 (0)5356 606 0<br />

Fax: +43 (0)5356 606 6<br />

office@eurotours.at,<br />

www.eurotours.at


UNTERER | PROMOTION<br />

Denken Sie ruhig über<br />

das Ziel nach, wir kennen<br />

bereits den Weg!<br />

Vor mehr als fünfzig Jahren gegründet, ist die in Kundl angesiedelte UNTERER LOGISTIC<br />

heute eines der größten heimischen Transportunternehmen – mit 115 Mitarbeitern, einer Flotte<br />

von mehreren hundert Fahrzeugen und einem jährlichen Umsatz jenseits der 100 Millionen Euro<br />

in der Logistik-Einheit, in der Unterer Holding ist der Umsatz größer 200 Millionen Euro.<br />

Denken Sie ruhig über das Ziel<br />

nach, wir kennen bereits den<br />

Weg.“ Mit dieser Aussage agiert<br />

Unterer Logistics seit nunmehr sechs<br />

Jahren am Markt und will damit letztlich<br />

sagen: Wir wollen uns in den Köpfen<br />

unserer Kunden auskennen. Diese<br />

Philosophie ist Grundlage im täglichen<br />

Handeln und Tun und gleichzeitig auch<br />

die Begründung dafür, dass aus einem<br />

„ Ich muss meine Mitarbeiter<br />

nicht motivieren, sondern ich<br />

muss alles daran setzen, dass sie<br />

nicht demotiviert sind!“<br />

Josef Unterer<br />

1963 von Siegfried Unterer gegründeten<br />

Transportunternehmen ein Logistikunternehmen<br />

geworden ist.<br />

An vier Standorten, sogenannten Operation<br />

Centers, beschäftigt das Unternehmen<br />

heute 115 operative Mitarbeiter, die<br />

Firmenzentrale liegt im schönen <strong>Tirol</strong><br />

inmitten der Berge. Insgesamt beschäftigt<br />

das Unternehmen Mitarbeiter mit 22<br />

unterschiedlichen europäischen Muttersprachen<br />

und ist mit diesem Hintergrund<br />

immer sehr nah an den Kunden, eben<br />

auch auf Muttersprachenniveau.<br />

Letztlich ist es auch dieses Umfeld rund<br />

um die Berge, das die Bescheidenheit und<br />

den hohen Wertebezug im Unternehmen<br />

begründet. „Wenn ich nach vier Stunden<br />

Aufstieg oben am Gipfel der Berge stehe<br />

und in die Täler schaue begreife ich, wie<br />

klein doch der Mensch ist.“ So beschreibt<br />

Josef Unterer seine innere Einstellung<br />

und seine Verwurzelung hier in <strong>Tirol</strong>. Als<br />

er 1996 die Geschicke vom Vater übernommen<br />

hat, war Unterer ein stabiles<br />

und hochprofitables Transportunternehmen,<br />

getrieben durch eine Fuhrparkflotte<br />

von damals rund 80 Fahrzeugen. Dieses<br />

Konzept hätte am heutigen Markt und<br />

aufgrund der Osterweiterung keinen Bestand<br />

mehr.<br />

Heute betreibt das Unternehmen eine<br />

Flotte von über 200 Unterer-Fahrzeugen<br />

und hat inklusive der Vertragsunternehmer<br />

eine Flotte von mehreren hundert<br />

Fahrzeugen in der Tagesdisposition.<br />

Unter den Klienten finden sich alle namhaften<br />

Konzerne der Lebensmittelbran-<br />

Fotos: Unterer


Nr. 38<br />

che, aber auch des Handels. 65 Prozent<br />

des Umsatzes generiert das Unternehmen<br />

mit den Top 10 der Kunden, erklärt Josef<br />

Unterer und deutet damit an, dass die<br />

Umsatzverteilung ein uneingeschränkt gesundes<br />

Niveau hat.<br />

DER MENSCH STEHT IM<br />

MITTELPUNKT<br />

Josef Unterer setzt auf die Menschen in<br />

seinem Umfeld, er lässt ihnen Gestaltungsfreiraum.<br />

Er weiß sehr genau, was er<br />

selbst gut kann und überträgt Aufgaben<br />

an andere, wenn er der Meinung ist, sie<br />

können es besser. Diese Entscheidungen<br />

sind rein rational, egogetrieben ist bei Unterer<br />

nichts.<br />

Immer wieder liest man, wir müssen<br />

unsere Mitarbeiter motivieren. „Ich muss<br />

meine Mitarbeiter nicht motivieren, sondern<br />

ich muss alles daran setzen, dass sie<br />

nicht demotiviert sind“, so Josef Unterer.<br />

Es ist Aufgabe des Managements, dafür zu<br />

sorgen, dass Mitarbeiter ihren Fähigkeiten<br />

entsprechend eingesetzt werden und<br />

das Prinzip des Gebens und Nehmens<br />

gelebt wird.<br />

Bei Unterer ist jeder mit jedem per Du.<br />

Das schafft einmal eine familiäre Beziehung.<br />

Trotzdem geht hier im Unternehmen<br />

jeder mit jedem respektvoll um, in<br />

einem, zugegebenermaßen, manchmal<br />

schwierigen Geschäft.<br />

Der Erfolg und die Entwicklung der<br />

letzten sechs Jahre gibt Josef Unterer<br />

Recht und bestätigt gleichermaßen, dass<br />

hier die richtigen und nachhaltigen Management-Entscheidungen<br />

getroffen worden<br />

sind. Unterer hat sich in den vergangenen<br />

sechs Jahren verfünffacht.<br />

Wir wollen mit den richtigen Geschäften,<br />

den richtigen Kunden und den richtigen<br />

Mitarbeitern an der richtigen Stelle<br />

wachsen. „Dabei vergessen wir nie unseren<br />

Minimumfaktor in unserem Business,<br />

wir konzentrieren uns ausschließlich<br />

auf das, was wir gut können“, betont Josef<br />

Unterer und skizziert kurz hoch komplexe<br />

Abläufe der Obst&Gemüse-Logistik.<br />

Unterer ist aber nicht nur Logistikunternehmen,<br />

Unterer unterhält am Standort<br />

Kundl einen Tankservice mit einem<br />

2014 neu in Betrieb genommenem Shop,<br />

wo sich Fahrer für die Weiterfahrt versorgen<br />

können.<br />

Ab September geht nach umfangreichen<br />

Umbauarbeiten, ebenfalls am Standort<br />

Kundl, das Unterer Truck Center in Betrieb.<br />

Sämtliche Vertragsunternehmer von<br />

Unterer und auch der Unterer-Fuhrpark<br />

tanken in Kundl und können zukünftig<br />

am Standort auch Wartungs- und Servicetätigkeiten<br />

für Fahrzeuge aller bekannte<br />

durchführen lassen.<br />

INFORMATION<br />

Die Unterer Holding beschäftigt rund 14O<br />

Mitarbeiter an vier Standorten. Mit einer<br />

LKW-Flotte von hunderten Fahrzeugen trägt<br />

Unterer täglich dazu bei, die Erwartungen seiner<br />

Kunden zu erfüllen und deren Prozesse<br />

zu optimieren.


Top 500 | banken<br />

The Times They<br />

Are A-Changin’<br />

66 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


Bankenstandort <strong>Tirol</strong>. So überraschend wie der Literaturnobelpreis<br />

für Bob Dylan, so vorhersehbar war, dass<br />

der Konsolidierungsprozess in der heimischen Bankenlandschaft<br />

noch nicht abgeschlossen ist. Die Chancen der<br />

Digitalisierung wollen <strong>Tirol</strong>s Banken ergreifen, Banking<br />

bleibt aber auch in Zukunft ein People Business.<br />

Kaum eine Branche – sieht man<br />

von den Medien ab – hat in<br />

den vergangenen Jahren derart<br />

an Ansehen verloren wie die<br />

Finanzbranche. Dieser Reputationsverlust<br />

wurde im Gegensatz zu manch anderem<br />

Verlust, der mit staatlicher Unterstützung abgewendet<br />

werden konnte, in vollem Ausmaß<br />

realisiert. Doch eines bleibt bei Pauschalurteilen<br />

notwendig auf der Strecke: die Unterscheidung.<br />

Selbst wenn in den vergangenen<br />

Jahren die „Bad Bank“ ins Vokabular der Bevölkerung<br />

Eingang gefunden hat, DIE bösen<br />

Banken gibt es nicht. Es gibt Kreditinstitute,<br />

die besser durch die Wirren und Nachwehen<br />

der Finanzkrise, die ihrem Wesen nach eine<br />

Bankenkrise ist, gekommen sind und solche,<br />

die es härter erwischt hat. Schuldfragen aufzuwerfen<br />

oder gar zu verhandeln, ist nicht das<br />

Ziel der nachfolgenden Bestandsaufnahme<br />

der <strong>Tirol</strong>er Bankenlandschaft. Es soll vielmehr<br />

ausgelotet werden, wie die heimischen<br />

Banken ihre Situation und jene der Branche<br />

einschätzen und mit welchen Strategien sie<br />

in Zeiten des Negativzinssatzes, eines engen<br />

regulatorischen Korsetts und starker Konkurrenz<br />

durch wendige, technologiegetriebene<br />

Finanzdienstleister – Fintechs genannt – ihre<br />

Profitabilität wahren und wo sie ihre Rolle in<br />

einer sich durch die Digitalisierung rasch und<br />

manchmal disruptiv ändernden Welt sehen.<br />

Profitabilität unter Druck<br />

Das Geschäftsmodell der heimischen Geldinstitute<br />

steht unter Druck, gleich mehrere<br />

Faktoren nagen an der Profitabilität. „Das<br />

Niedrigzinsumfeld ist für die österreichischen<br />

Banken längerfristig eine Herausforderung,<br />

da sie stark über Einlagen finanziert sind. Die<br />

in Österreich traditionell niedrigen Zinsmargen<br />

werden dadurch unter Druck geraten.<br />

Außerdem ist ihr auf ein dichtes Filialnetz<br />

aufgebautes Geschäftsmodell kostenintensiv,<br />

was die operative Effizienz belastet. Die negativen<br />

Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds<br />

werden erst allmählich sichtbar werden –<br />

durch das Auslaufen höher verzinster Aktiva<br />

und Passiva – weshalb für die betroffenen Finanzinstitute<br />

ein frühzeitiges Gegensteuern<br />

wichtig ist“, schreibt die OeNB in einer aktuellen<br />

Analyse den heimischen Banken ins<br />

Stammbuch. Dieser Befund findet bei RLB-<br />

67


Top 500 | banken<br />

<strong>Tirol</strong>-Vorstandsvorsitzenden Johannes Ortner<br />

Widerhall: „Wir sind mitten in einer Zeit, in<br />

der sich vieles auf den Kopf stellt: Der Zins,<br />

der sozusagen der Rohstoff ist, von dem eine<br />

Bank lebt, wurde von der Europäischen Zentralbank<br />

quasi abgeschafft, um Investitionen<br />

anzukurbeln und die Staaten zu entschulden<br />

– mit wenig Erfolg, wie wir alle wissen. Mit<br />

der Nullzinspolitik lässt sich als Bank also<br />

kaum mehr Geld verdienen. Doch gleichzeitig<br />

sollen Banken entsprechend den vielen<br />

Regularien, die in der Bankenbranche immer<br />

mehr um sich greifen, ihre Kernkapitalquoten<br />

nach oben bringen. Das ist ein Widerspruch<br />

in sich.“ Dem internationalen Standing des<br />

Bankenplatzes Österreich habe die HETA-<br />

Abwicklung nachhaltigen Schaden zugefügt,<br />

glaubt Ortner: „HETA ist ein Thema, das den<br />

Bankenplatz Österreich imagemäßig sehr<br />

belastet. Österreichs Banken brauchen den<br />

Zugang zu den Kapitalmärkten, weil nicht<br />

alles aus eigener Liquidität aus dem eigenen<br />

Markt abgedeckt werden kann. Insbesondere<br />

bei deutschen Institutionellen ist die Situation<br />

immer noch sehr angespannt. Diese machen<br />

nach wie vor einen großen Bogen um<br />

Österreich, weil die Art und Weise, wie man<br />

die Abwicklung der Hypo angegangen ist,<br />

– vorsichtig ausgedrückt – Verbesserungspotenzial<br />

hat. Dieser Vertrauensschaden, den<br />

Österreich eingefahren hat, ist sehr groß, denn<br />

Vertrauen ist die wichtigste Währung, mit der<br />

Banken agieren. Selbst die Einigung mit den<br />

Gläubigern ändert am Schaden nicht viel.“<br />

Kosten versus Erträge<br />

Die sogenannte Cost-Income-Ratio (CIR) ist<br />

in der Bankenwelt als Produktivitätsindikator<br />

eine etablierte Messgröße. Die CIR setzt den<br />

Aufwand in ein Verhältnis zum Ertrag. Je geringer<br />

der Wert des Aufwand-Ertrag-Verhältnisses<br />

ist, desto effizienter wirtschaftet eine Bank.<br />

Durschnittlich liegt die CIR bei Österreichs<br />

Banken laut OeNB-WEST-Direktor Armin<br />

Schneider bei 63. Das bedeutet, dass 63 Cent<br />

aufgewendet werden müssen, um einen Rohertrag<br />

von einem Euro zu generieren. Im europäischen<br />

Vergleich liegt Skandinavien in dieser<br />

Kategorie weit voran. Das ist unter anderem<br />

dem Umstand geschuldet, dass die skandinavischen<br />

Banken seit Beginn der Finanz- und<br />

Wirtschaftskrise mehr als ein Fünftel ihrer Filialen<br />

geschlossen haben.<br />

Die Cost-Income-Ratio der <strong>Tirol</strong>er Sparkasse<br />

lag im vergangenen Jahr 2015 bei 66,5 Prozent,<br />

jene der RLB <strong>Tirol</strong> bei 67,9 Prozent. Die<br />

CIR der landeseigenen Hypo <strong>Tirol</strong> Bank lag<br />

2015 bei 52,9 Prozent, jene der BTV bei 58,6<br />

Prozent, jene der zur italienischen UniCredit<br />

gehörigen Bank Austria liegt sogar bei 80 Prozent.<br />

„In der Cost-Income-Ratio müssen wir<br />

bis 2018 von 80 auf 60 kommen. Wenn wir<br />

mehr Erlöse generieren können, muss kostenseitig<br />

weniger passieren“, weiß Markus Sappl,<br />

„Das auf ein dichtes Filialnetz<br />

aufgebaute Geschäftsmodell<br />

der österreichischen<br />

Banken ist kostenintensiv,<br />

was die operative Effizienz<br />

belastet.“<br />

<br />

OeNB,<br />

Fakten zu Österreich und seinen Banken<br />

der das Firmenkundengeschäft der Bank Austria<br />

in <strong>Tirol</strong> leitet: „Die Bank Austria wird in<br />

Zukunft mit weniger Mitarbeitern auskommen<br />

und ein sehr fokussiertes Angebot legen.“<br />

Das ändere nichts daran, dass die Bank Austria<br />

weiterhin die bestkapitalisierte Großbank in<br />

Österreich sei.<br />

Nachdem Personaleinsparungen, zu denen<br />

es im Bankensektor in den vergangenen Jahren<br />

schon gekommen ist und weiterhin kommen<br />

wird, in der Öffentlichkeit selbstredend nicht<br />

rasend populär sind, geben sich <strong>Tirol</strong>s Banker<br />

dahingehend nicht besonders auskunftsfreudig.<br />

Dass der gesamte Bankensektor, in Europa,<br />

Österreich und nicht zuletzt <strong>Tirol</strong>, noch zu<br />

groß ist, daran bestehen dagegen keine Zweifel.<br />

„Europa ist ganz klar overbanked“, sagt der<br />

Vorstandsvorsitzende der <strong>Tirol</strong>er Sparkasse,<br />

Hans Unterdorfer. ➝<br />

GESSLER & CO<br />

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Top 500 | banken<br />

Durschnittliche Cost-Income-Ratios<br />

„Die Folgen der Bankenkonsolidierung<br />

sind derzeit<br />

auch in <strong>Tirol</strong> in Form von<br />

Filialschließungen und Fusionierungen<br />

deutlich sichtbar.<br />

Ich rechne mit keiner Entspannung<br />

der Situation.“<br />

<br />

<br />

Johannes Haid,<br />

Hypo <strong>Tirol</strong><br />

75<br />

70<br />

65<br />

60<br />

55<br />

50<br />

45<br />

40<br />

Europa Eurozone Skandinavien<br />

Der Analyse des Internationalen Währungsfonds<br />

IMF, nach der der europäische<br />

Bankensektor um gut ein Drittel zu groß ist,<br />

erscheint Unterdorfer plausibel. „Wie wir<br />

wissen, hat Österreich im Allgemeinen und<br />

<strong>Tirol</strong> im Speziellen eine große Bankendichte.<br />

Diese Tatsache alleine bedingt bereits einen<br />

Verdrängungswettbewerb. Zusammen<br />

mit den Vorschriften und Regulatorien, mit<br />

denen wir spätestens seit der Bankenkrise<br />

2008 konfrontiert sind, und den aktuellen<br />

Marktentwicklungen wird dies dazu führen,<br />

dass Banken sich auch weiter konsolidieren<br />

müssen. Die Folgen sind derzeit auch in <strong>Tirol</strong><br />

in Form von Filialschließungen und Fusionierungen<br />

deutlich sichtbar. Ich rechne<br />

mit keiner Entspannung der Situation. Der<br />

Markt wird sich langfristig selbst regulieren“,<br />

ist Hypo-<strong>Tirol</strong>-Bank-Vorstandsmitglied<br />

Johannes Haid überzeugt. „Der Bankenverband<br />

hat schon vor fünf Jahren festgestellt,<br />

dass der Bankensektor um ein Drittel zu<br />

groß ist. Das trifft besonders auch für <strong>Tirol</strong><br />

zu“, stimmt auch Markus Sappl der Diagnose<br />

einer zu hohen Bankstellendichte zu. Es<br />

sei eine Tatsache, dass in der letzten Zeit am<br />

Markt diesbezüglich schon viel passiert sei<br />

und die Rahmenbedingungen – etwa das<br />

niedrige Zinsniveau – vor allem die Universalbanken<br />

unter besonderen Druck setzten,<br />

so Sappl weiter. „Es gibt eine Studie der Boston<br />

Consulting Group. Diese zeigt, dass<br />

man etwa fünftausend Kunden braucht,<br />

um eine Filiale positiv führen zu können.<br />

Das beantwortet schon die Frage, ob wir<br />

‚overbanked‘ sind“, sagt Sappl der aus einer<br />

Gemeinde mit 2.300 Einwohnern stammt,<br />

in der es zwei Bankinstitute gibt. „Österreich<br />

hat die zweithöchste Bankstellendichte in der<br />

EU. Trotz des deutlichen Rückgangs an Filialen<br />

in den vergangenen Jahren kommen in Österreich<br />

immer noch auf eine Bankstelle maximal<br />

2.000 Einwohner. Der europäische Durschnitt<br />

liegt bei fünfeinhalbtausend Einwohnern pro<br />

Filiale“, hält OeNB-Direktor Schneider fest.<br />

Johannes Ortner, Vorstandsvorsitzender<br />

der Raiffeisen-Landesbank <strong>Tirol</strong> AG glaubt<br />

dagegen nicht, dass Europa oder Österreich<br />

so „overbanked“ seien, dass es ein großes<br />

Bankensterben geben werde. Aufgrund der<br />

sehr hohen Bankstellendichte im Land sehe<br />

er sehr wohl einen Optimierungsbedarf.<br />

„Das Verrückte an unserer Branche ist, dass<br />

Banken durch eine verordnete Bankenunion<br />

unternehmerische Freiheiten entzogen werden.<br />

Alle, egal ob internationaler Konzern<br />

oder Regionalbank, werden in denselben<br />

Topf geworfen und verpflichtet, in einen europäischen<br />

Bankensicherungsfonds einzuzahlen,<br />

der dafür sorgen soll, dass keine Bank<br />

in die Insolvenz schlittert oder aus dem Wirtschaftsgefüge<br />

ausscheiden kann. Ich habe<br />

Wirtschaft bisher derart verstanden, dass in<br />

einem Wettbewerb Unternehmen auch pleitegehen<br />

dürfen. Das ist der normale Kreislauf<br />

einer funktionierenden Wirtschaft. Ein Guter<br />

überlebt, ein Schlechter scheidet aus. Das ist<br />

„Ich habe Wirtschaft bisher<br />

derart verstanden, dass in<br />

einem Wettbewerb Unternehmen<br />

auch pleitegehen<br />

dürfen (...) Das ist im Bankensektor<br />

künftig aber nicht<br />

mehr möglich.“<br />

<br />

<br />

2015<br />

Filialnetzbereinigung<br />

USA 2015<br />

Cost-Income-Ratio oder wo der Hund begraben liegt: Die skandinavischen Banken arbeiten viel<br />

effizienter als jene im Rest Europas und der Eurozone. <br />

Quelle: IMF<br />

Johannes Ortner,<br />

RLB <strong>Tirol</strong> AG<br />

70 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


Was zählt, sind die Menschen.<br />

„Eine Bank,<br />

bei der es für alles<br />

eine Lösung gibt<br />

und nichts<br />

unmöglich ist.“<br />

Horst Felbermayr<br />

Felbermayr Holding GmbH<br />

Willkommen beim<br />

modernsten Banking für<br />

UnternehmerInnen.<br />

www.sparkasse.at/unternehmer


Top 500 | banken<br />

im Bankensektor künftig aber nicht mehr<br />

möglich und diese Entwicklung erachte ich<br />

als gefährlich, weil ein Wettbewerb – auch im<br />

Bankensektor – wichtig ist, um Kunden ein<br />

vielfältiges Angebot zu bieten. Es mag sein,<br />

dass in der Vergangenheit zu wenig eingegriffen<br />

wurde, aber momentan gehen wir in<br />

die komplett entgegengesetzte Richtung und<br />

ich fürchte, dass man diese Einschränkungen<br />

auch volkswirtschaftlich spüren wird“, führt<br />

Ortner aus, der mit dem Befund der Überregulierung<br />

beileibe nicht allein dasteht.<br />

„Die Regulatorik hat einen hohen Druck<br />

auf die Banken ausgeübt. Unser großer Vorteil<br />

ist, dass wir für regulatorische Fragestellungen<br />

in der Sparkassen-Gruppe zentrale Lösungen<br />

erarbeiten, folglich im Tagesgeschäft von<br />

dieser Arbeit befreit sind. Selbstverständlich<br />

wenden wir alle Gesetze und Regeln an und<br />

übererfüllen alle regulatorischen Vorgaben,<br />

sei es Kernkapitalquote oder Liquidität“, weist<br />

Hans Unterdorfer auf ein Modell hin, das<br />

wohl noch weitere Verbreitung finden wird,<br />

nämlich jenes, dass innerhalb von Bankengruppen<br />

zukünftig noch sehr viel stärker kooperiert<br />

werden dürfte, um kosteneffizienter<br />

arbeiten zu können. Markus Sappl erachtet<br />

die regulatorischen Vorschriften, die für den<br />

Gesetzgeber zu erfüllen sind und die große<br />

Kapazitäten binden, als größte Herausforderung<br />

für die Banken. Damit meint Sappl nicht<br />

nur die veränderten Liquiditäts- und Eigenkapitalvorschriften<br />

(Basel I bis III), sondern<br />

auch Dinge wie die vorgeschriebene Legitimationsprüfung<br />

KYC, kurz für „know your<br />

customer“, mit der Geldwäsche verhindert<br />

werden soll.<br />

Die Bankenlandschaft in <strong>Tirol</strong> und weit darüber<br />

hinaus wird, so die Einschätzung der <strong>Tirol</strong>er<br />

Banker, weiterhin in Bewegung bleiben.<br />

Dafür ist schon allein durch einen weiteren<br />

Megatrend gesorgt.<br />

Das digitalisierte Leben<br />

Die Digitalisierung durchdringt selbstverständlich<br />

auch den Bankensektor und hat<br />

schon zu einem tiefgreifenden Wandel geführt,<br />

dessen Konsequenzen in der Bankenwelt<br />

noch nicht vollends vollzogen scheinen.<br />

Das Verhalten der Kunden hat sich mit der<br />

Einführung des Electronic und später Mobile<br />

Banking grundlegend verändert. IT-Veteran<br />

Wieland Alge sieht jedenfalls revolutionäre<br />

Umwälzungen auf das Bankensystem zukommen:<br />

„ Dort gab es zwar schon eine Welle<br />

der Digitalisierung, die zweite steht aber<br />

erst bevor. Jede Bank hat ein Rechenzentrum,<br />

eine vollständig digitalisierte Bank ist ein Rechenzentrum<br />

mit angeschlossenem Marketing<br />

und Vertrieb.“ Letzterer Aussage werden<br />

Banker – zumindest heute noch – vehement<br />

widersprechen. „Das Thema Digitalisierung<br />

ist ein starker Convenience- und Effizienz-<br />

Faktor, der die Transaktionskosten dramatisch<br />

sinken lässt“, konstatiert Hans Unterdorfer, der<br />

Vorstandsvorsitzende der <strong>Tirol</strong>er Sparkasse.<br />

„Wir sind eine Sparkasse der Realwirtschaft,<br />

die mit den Bedürfnissen ihrer Kunden mitgeht.<br />

Deshalb bieten wir immer mehr und<br />

immer bessere Online-Services an“, sagt Unterdorfer<br />

und fügt hinzu: „Wir haben George,<br />

das modernste digitale Banking in Österreich,<br />

und bieten absolute Top-Digital-Services an.<br />

Wir haben die Erste Bank hinter uns, die das<br />

Thema Digitalisierung für den Sparkassensektor<br />

in ganz Österreich realisiert.“<br />

RLB-Chef Johannes Ortner verweist auf<br />

den Einfluss der Digitalisierung auf das Kundenverhalten.<br />

Dieses habe sich in den vergangenen<br />

Jahren schnell und stark verändert und<br />

wirke sich auch auf das Geschäftsmodell der<br />

RLB aus. „Wir nehmen die Digitalisierung<br />

ernst und wissen, dass wir diesbezüglich<br />

unsere Hausaufgaben machen und mit den<br />

Standards Schritt halten müssen. Trotzdem<br />

haben wir unsere Stärken ganz klar in der<br />

persönlichen Kundenbeziehung“, so Ortner.<br />

„Wir wären schlecht beraten, wenn wir in<br />

Zukunft darauf verzichten würden. Aber wir<br />

müssen uns auch den Anforderungen des<br />

Marktes und unserer Kunden stellen. Jeder,<br />

der heute mit einem Smartphone ausgestattet<br />

ist, liebt das Thema Convenience. Vor<br />

allem die junge Generation will im einfachen<br />

Transaktionsbanking auf diese Zugänge setzen<br />

können. Und die ältere Generation lernt<br />

auch, damit umzugehen. Aber wenn es um<br />

etwas geht, wenn es etwas zu veranlagen gilt,<br />

wenn es eine schwierige Finanzierung zu lösen<br />

gibt, dann sind das zentrale Fragen, die<br />

mit einer persönlichen Beratung zu tun haben,<br />

und die werden wir beibehalten.“ Die Digitalisierung<br />

wird, so die einhellige Meinung,<br />

zwar weiter voranschreiten, aber nicht etwa<br />

zu einer Abdankung des persönlichen Kontakts<br />

zwischen der Bank und ihren Kunden<br />

führen, wie auch Hypo-Vorstand Johannes<br />

Haid darlegt: „Digitalisierung betrifft jeden.<br />

Die Hypo <strong>Tirol</strong> Bank beschäftigt sich in allen<br />

Geschäftsbereichen laufend mit diesem<br />

Thema. Wir arbeiten dabei eng mit unserem<br />

Rechenzentrum zusammen. So waren wir<br />

zum Beispiel von der ersten Stunde an bei<br />

der Entwicklung des Blue Code dabei. Seit<br />

Mitte des Jahres ist unsere neue App hypo@<br />

mobile im Einsatz, deren Features laufend erweitert<br />

werden. Trotz der digitalen Vorherrschaft<br />

– die in vielen Bereichen sicherlich ihre<br />

Berechtigung hat – gibt es jedoch Themen,<br />

die in einem persönlichen Gespräch besser<br />

behandelt werden können. Dieses Feedback<br />

bekommen wir immer wieder.“<br />

Bank-Austria-Firmenkundenleiter Markus<br />

Sappl sieht durchaus die Notwendigkeit, den<br />

Kunden heutzutage dort abzuholen, wo er<br />

sich vermehrt aufhält. „Und das ist häufig in<br />

der digitalen Welt“, ist Sappl überzeugt.<br />

„Ich sehe also die Veränderungen durch die<br />

Digitalisierung mehr als Chance und weniger<br />

„Der Grad zwischen Spekulation<br />

und Veranlagung<br />

ist schmal. Die Aktie ist ein<br />

solides Instrument, sofern<br />

die Risikostreuung passst.“<br />

<br />

<br />

Hans Unterdorfer,<br />

<strong>Tirol</strong>er Sparkasse<br />

72 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


So gewinnen alle – mit der Betrieblichen Vorsorge<br />

für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter.<br />

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Top 500 | banken<br />

„Statt einer Kreditklemme<br />

sehen wir eher eine Nachfrageflaute.“<br />

<br />

<br />

Markus Sappl, Landesdirektor<br />

Firmenkunden Bank Austria <strong>Tirol</strong><br />

als Bedrohung. Banken und Bankmitarbeiter<br />

wird es auch in Zukunft brauchen, allerdings<br />

noch viel stärker in der Beratung und weniger<br />

für alltägliche Bankgeschäfte“, ist RLB-Chef<br />

Ortner überzeugt.<br />

Das digitale Leben wird zukünftig in den<br />

Strategien der Banken zwar mehr Raum<br />

einnehmen, den persönlichen Kontakt aber<br />

nicht ersetzen. Vor allem nicht in sensiblen<br />

Bereichen, in denen es auf die Beratungsqualität<br />

ankommt.<br />

Veranlagungsstrategien<br />

Know-how ist zukünftig besonders bei der<br />

Veranlagung gefragt, will man als Sparer ob<br />

eines extrem niedrigen Zinsniveaus nicht in<br />

Zukunft durch die Finger schauen. „Vor 2008<br />

war man als Bank in der Lage, deutlich höhere<br />

Zinsen zu erwirtschaften und zu bezahlen.<br />

Diese Zinsen gibt es aufgrund der Zinspolitik<br />

der EZB nicht mehr. Langfristig sind für den<br />

Sparer zusätzliche Veranlagungen notwendig,<br />

um überhaupt eine Rendite herstellen zu können“,<br />

hält Sparkassen-Vorstandsvorsitzender<br />

Unterdorfer fest. Um für bessere Renditen zu<br />

sorgen, bedient sich Unterdorfer der auf eine<br />

Arbeit des US-amerikanischen Ökonomen<br />

Harry M. Markowitz zurückgehenden Portfoliotheorie.<br />

Diese werde allerdings oft<br />

missverstanden, merkt Unterdorfer an. „Die<br />

optimale Rendite bei gleichzeitig geringstem<br />

Risiko entsteht aus einer Mischung zwischen<br />

Aktien und Anleihen“, präzisiert der TiSpa-<br />

Chef. Resultat dieser Überlegungen ist ein<br />

sogenanntes Minimum-Varianz-Portfolio.<br />

„Eine gewisse Risikobeimischung ist in der<br />

Veranlagung erforderlich. Nicht weil wir das<br />

wollen, sondern weil man auf Sicht damit den<br />

besten Ertrag erwirtschaftet“, weiß Unterdorfer.<br />

Das sei die Beratungsleistung, die ein Kreditinstitut<br />

zu erbringen habe: „Der Mehrwert<br />

unserer Beratung ist es, die richtige Mischung<br />

der Veranlagung herzustellen. Das ist unsere<br />

Profession und unser Anspruch.“ Durch ein<br />

fragwürdiges Geschäft mit derivaten Finanzinstrumenten<br />

ist der gesamte Aktienmarkt<br />

in Misskredit geraten. Dabei hat eine verantwortungsvolle<br />

Veranlagung in Aktien wenig<br />

mit Spekulation zu tun. „Der Grad zwischen<br />

Spekulation und Veranlagung ist schmal. Die<br />

Aktie ist ein sehr solides Anlageinstrument,<br />

sofern die Risikostreuung passt. Bei sonstigen<br />

Veranlagungsinstrumenten bin ich dagegen<br />

sehr vorsichtig. Das ist eine Frage der persönlichen<br />

Risikoneigung und des -vermögens“, so<br />

Unterdorfer, der für die <strong>Tirol</strong>er Sparkasse vor<br />

allem die Themen Wohnraumfinanzierung<br />

für Private und Zukunftssicherung im Vordergrund<br />

sieht.<br />

Die Kredite klemmen nicht<br />

Anders als in den letzten Jahren vielfach behauptet<br />

wurde, sehen die <strong>Tirol</strong>er Bankenchefs<br />

keine Kreditklemme. „Wir haben unsere Kreditpolitik<br />

seit Jahren nicht geändert. Statt einer<br />

Kreditklemme sehen wir eher eine Nachfrageflaute“,<br />

so Markus Sappl. Das Investitionsverhalten<br />

der Unternehmen habe in den<br />

letzten Jahren zu keiner prosperierenden Kreditnachfrage<br />

geführt. Kreditnehmern würde<br />

Sappl empfehlen, sich das derzeit äußerst<br />

niedrige Zinsniveau langfristig via Fixzinssatz<br />

oder ein anderes Instrument zu sichern.<br />

Eine Kreditklemme sieht übrigens auch Hans<br />

Unterdorfer von der <strong>Tirol</strong>er Sparkasse nicht,<br />

der betont, dass regionale Verankerung und<br />

Marktkenntnisse bei der Kreditvergabe auch<br />

heute noch eine bedeutende Rolle spielen:<br />

„Wir müssen das Geschäftsmodell unserer<br />

Kunden verstehen und einschätzen können,<br />

ob es zukunftsfähig ist.“ Markus Sappl meint,<br />

das Kreditgeschäft sei durch regulatorische<br />

Auflagen herausfordernder geworden. An<br />

den größeren Informationsbedarf müssten<br />

sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen<br />

erst gewöhnen, man begleite und unterstütze<br />

die Kunden aber bei diesem Lernprozess<br />

bestmöglich.<br />

Hartwährung Vertrauen<br />

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass<br />

die Rahmenbedingungen des Bankengeschäfts<br />

schon einmal wesentlich erfreulicher<br />

waren. Der Bankensektor ist in Bewegung<br />

und wird das auf absehbare Zeit bleiben.<br />

Dennoch darf konstatiert werden, dass es bei<br />

den <strong>Tirol</strong>er Banken durchwegs ein Bewusstsein<br />

für notwendige Anpassungen gibt und<br />

diese bereits in der Vergangenheit in Angriff<br />

genommen wurden. Die Pflicht scheint soweit<br />

erfüllt, nun folgt die Kür, will man von<br />

der fortschreitenden Digitalisierung profitieren.<br />

Letzten Endes bleibt das Bankgeschäft<br />

ein People Business. Gewisse Bereiche werden<br />

automatisiert, in wieder anderen – etwa<br />

im Veranlagungs- und Vorsorgebereich –<br />

wird der persönliche Beratungsbedarf sogar<br />

zunehmen. Die härteste Währung im Bankensektor<br />

bleibt das Vertrauen. Dieses sehen<br />

<strong>Tirol</strong>s Banken zumindest aufseiten der heimischen<br />

Kunden nicht nachhaltig erschüttert.<br />

„Weltweit gesehen gibt es natürlich eine Vertrauenskrise<br />

in den Finanzsektor. Doch was<br />

passiert ist, traf vor allem Großbanken. Aus<br />

Gesprächen mit Kunden und Mitarbeitern<br />

weiß ich, dass die Menschen zwischen dem<br />

anonymen Bankensektor und ‚ihrer‘ Bank<br />

sehr wohl unterscheiden. Österreich ist nach<br />

wie vor von einer Struktur der kleinen und<br />

regionalen Banken geprägt, es gibt ein Vertrauensverhältnis<br />

in der Beziehung zwischen<br />

Kunde und Betreuer“, sagt Johannes Haid.<br />

Auch wenn das Ansehen der Finanzwelt insgesamt<br />

ramponiert ist und das Vertrauen in<br />

selbige gelitten hat, ist <strong>Tirol</strong>s Bankenwelt auf<br />

einem guten Weg, die Herausforderungen,<br />

die das extreme Niedrigzinsumfeld, die<br />

Bankstellendichte und die Digitalisierung<br />

zweifellos darstellen, gut zu bewältigen. Den<br />

Bankkunden dürfte sehr wohl bewusst sein,<br />

dass das Epizentrum der globalen Finanzkrise,<br />

deren Nachwirkungen noch deutlich spürbar<br />

sind, nicht im Alpenraum gelegen hat.<br />

<br />

Marian Kröll<br />

74 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


BEREIT FÜR DIE ZUKUNFT<br />

STÄRKEN BÜNDELN. CHANCEN NUTZEN.<br />

Die 3 <strong>Tirol</strong>er Volksbanken haben sich zur Volksbank <strong>Tirol</strong> zusammengeschlossen.<br />

4 Regionen. 4 Hauptgeschäftsstellen.<br />

Die regionale Verankerung der Volksbank <strong>Tirol</strong> und die seit vielen<br />

Jahrzehnten gelebte Kundenpartnerschaft und Kundennähe werden<br />

durch die Bildung von 4 Hauptgeschäftsstellen in Innsbruck, Kufstein,<br />

Landeck und Schwaz weiter gestärkt.<br />

445<br />

Mitarbeiter<br />

4<br />

Hauptgeschäftsstellen<br />

35<br />

Filialen<br />

92.000<br />

Privatkunden<br />

8.000<br />

Firmenkunden<br />

3 Mrd.<br />

Bilanzsumme<br />

17,5 %<br />

Kernkapital<br />

Fusionierte Betrachtung per 31.12.2015<br />

Volksbank-Hotline Tel. 050 566<br />

www.volksbank.tirol<br />

VOLKSBANK. Vertrauen verbindet.<br />

IMPRESSUM: Herausgeber und Medieninhaber: Volksbank <strong>Tirol</strong> AG, Meinhardstraße 1, 6020 Innsbruck, E-Mail: office@volksbank.tirol, September <strong>2016</strong><br />

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WÖTZER | PROMOTION<br />

Das passende Abrechnungssystem<br />

vom Profi<br />

Die Steuerreform wirft viele Fragen hinsichtlich der Registrierkassenpfl icht auf. Verschiedenste<br />

Angebote machen es zudem schwierig ein passendes System zu fi nden. Wenden Sie sich jetzt<br />

an die Profi s der Firma Wötzer und fi nden Sie Ihre ideale Lösung!<br />

Fotos: Wötzer<br />

Seit 01.01.<strong>2016</strong> ist die neue<br />

Steuerreform in Österreich<br />

in Kraft. Im Zuge dessen<br />

wurde auch die Registrierkassenpflicht,<br />

zusammen mit<br />

der Einzelaufzeichnungs- sowie<br />

der Belegerteilungspflicht, eingeführt.<br />

Um als Unternehmer<br />

den gesetzlichen Vorgaben zu<br />

entsprechen, sollten Sie Ihr Abrechnungssystem<br />

von einem<br />

Profi beziehen, sich entsprechend<br />

beraten lassen und nicht<br />

im vorbeigehen kaufen!<br />

Das <strong>Tirol</strong>er Traditionsunternehmen<br />

Firma Wötzer bietet<br />

mit der eigenentwickelten<br />

POS-Software SaleGrip® die<br />

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Individuell<br />

maßgeschneiderte Systeme sind<br />

in allen Branchen obligatorisch,<br />

wobei die Größe des jeweiligen<br />

Betriebes keine Rolle spielt –<br />

Wötzer bietet für jeden die optimale<br />

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währenden, erfolgreichen Tätigkeit<br />

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persönlichen Service und Fachkompetenz<br />

im Bereich Abrechnungssysteme!<br />

Firma Wötzer: Hedwig & Wolfgang Wötzer zusammen mit Mag. (FH)<br />

Melanie Wötzer (li.n.r.)<br />

Viele Unternehmer haben mit<br />

der Anschaffung einer Registrierkasse<br />

abgewartet, dies bestätigen<br />

auch aktuelle Umfrageergebnisse.<br />

„Länger abzuwarten<br />

macht allerdings keinen Sinn, da<br />

auch im Nachhinein festgestellt<br />

werden kann, wann die Registrierkasse<br />

in Betrieb genommen<br />

wurde.“ so Frau Wötzer. Bei der<br />

Anschaffung einer Kasse sollte<br />

man sich nicht von vermeintlich<br />

billigen Online- oder Cloud-<br />

Lösungen blenden lassen. Diese<br />

verursachen – gerade mit monatlichen<br />

Gebühren – massive<br />

Folgekosten die oftmals unterschätzt<br />

werden. „Spätestens die<br />

Umsetzung der RKSV (Aufrüstung<br />

der Kasse mit einer Signatureinheit)<br />

in 2017 wird zeigen,<br />

wer auch diese Hürde meistert<br />

und weiterhin mit Service und<br />

Beratung seinen Kunden zur<br />

Seite steht.“ ist Frau Wötzer<br />

überzeugt.<br />

Die Anforderungen an ein modernes<br />

Kassensystem haben sich<br />

in den letzten Jahren stark verändert.<br />

„Viele zusätzliche Funktionen,<br />

wie zB. Stammkundenverwaltung<br />

oder in der Hotellerie<br />

die direkte Buchung auf ein Zimmer,<br />

muss ein modernes Abrechnungssystem<br />

genauso abdecken<br />

wie zeitgesteuerte Aktionspreise<br />

für den Handel oder einfache<br />

Anpassung von diversen Einstellungen.“<br />

so Frau Wötzer. Genau<br />

hier liegt der große Vorteil von<br />

SaleGrip®: das Abrechnungssystem<br />

wird mit Modulen auf die<br />

jeweiligen Kundenbedürfnisse<br />

maßgeschneidert! SaleGrip®<br />

bietet zusätzlich großen Bedienungskomfort,<br />

individuelle und<br />

flexible Einstellmöglichkeiten<br />

bei höchster Betriebssicherheit.<br />

Wötzer Kunden sind von der<br />

ausführlichen Beratung, den<br />

umfangreichen Schulungen sowie<br />

raschen Wartungen oder<br />

Reparaturen in Notfällen überzeugt.<br />

Zusätzlich kann das Team<br />

der Firma Wötzer durch die unabhängige,<br />

firmeninterne Softwareentwicklung<br />

schnellstens<br />

auf Gesetzesänderungen reagieren.<br />

Natürlich ist SaleGrip® bereits<br />

für 2017 vorbereitet.<br />

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WMF | PROMOTION<br />

Barista-Emotionen für<br />

die Wirtschaft<br />

WMF liegt nicht nur beim Service, sondern auch bei der Kaffeemaschinen-Innovation voran.<br />

Das machen sich auch immer mehr Unternehmen zunutze, wie etwa die ERSTE Group.<br />

Im Produktsortiment fi ndet sich die passende Maschine, perfekt für Unternehmen jeder Größe.<br />

Aaus dem Geschäftsalltag von Unternehmen<br />

ist er gar nicht wegzudenken,<br />

dient er doch als Genussmittel,<br />

als kreativer und anregender<br />

Treibstoff. Die Rede ist natürlich vom<br />

Kaffee. Um die Zubereitung desselben hat<br />

sich WMF besondere Meriten erworben.<br />

Nicht umsonst ist WMF Marktführer bei<br />

professionellen Kaffeemaschinen, wo es<br />

auf höchste Qualität, Zuverlässigkeit und<br />

Support ankommt. Doch auch Innovation<br />

kommt bei WMF nicht zu kurz, denn<br />

wer denkt, dass bei der Kaffeemaschine<br />

hinsichtlich Entwicklungspotenzial das<br />

Ende der Fahnenstange schon erreicht<br />

ist, der liegt daneben, denn WMF ist auch<br />

Innovationsweltmeister und erfindet die<br />

vollautomatische Kaffezubereitung immer<br />

wieder neu. In der Gastronomie hat<br />

WMF schon seit langer Zeit einen Fixplatz.<br />

Selbiges gilt in zunehmendem Maß<br />

für Unternehmen.<br />

EXZELLENTE<br />

OFFICE-KOMPETENZ<br />

Auf die langjährige und ausgewiesene<br />

Office-Kompetenz von WMF greift unter<br />

anderem die ERSTE Group zurück,<br />

die im neuen Headquarter des Instituts<br />

am Wiener Hauptbahnhof voll auf Kaffeemaschnen<br />

von WMF setzt. Dort kommen<br />

an rund 80 Meeting Points jeweils<br />

ein bis zwei Vollautomaten 1500 S oder<br />

1800 S zum Einsatz. Klarerweise muss bei<br />

Projekten in dieser Dimension, wo rund<br />

10.000 Tassen Kaffee täglich konsumiert<br />

werden, alles wie am Schnürchen laufen.<br />

Und genau das kann WMF mit modernster<br />

Kaffeemaschinentechnik und professionellem<br />

Service vor Ort garantieren.<br />

WMF verfügt über Österreichs umfangreichsten<br />

werkseitigen Kundendienst, der<br />

sieben Tage die Woche erreichbar ist und<br />

schnellen und unkomplizierten Service<br />

gewährleistet.


Nr. 112<br />

MIT WMF KANN JEDER<br />

EIN BARISTA SEIN<br />

Heutzutage gehört ein schmackhafter<br />

Kaffee mit ästhetischer Anmutung zum<br />

Grundrepertoire der Gastro-Branche.<br />

Die Welt der Siebträger wurde von WMF<br />

revolutioniert. Mit der WMF espresso<br />

entwickelte man eine Kaffeemaschine,<br />

mit der jeder den perfekten Kaffee zubereiten<br />

kann. Dank der vollautomatischen<br />

Funktionsweise der WMF espresso – einer<br />

Weltneuheit – entsteht perfekter Espresso<br />

in Sekundenschnelle und Barista-Qualität.<br />

Gerade die Zubereitung des Espresso<br />

birgt viele Fehlerquellen, ob nun bei der<br />

richtigen Brühtemperatur, der Auswahl<br />

der richtigen Kaffeebohnen oder dem<br />

perfekten Tampern und Extrahieren des<br />

Kaffees. All Gastronomiesegment.<br />

diese Sorgen gehören mit der<br />

WMF espresso der Vergangenheit an. Diese<br />

Maschine schlägt die Brücke zwischen<br />

zwei Welten. Ihren Sie bereitet Aufgaben: Kaffee automatisch<br />

handgemacht zu. Ein Widerspruch?<br />

Nicht mit der grandiosen WMF espresso.<br />

TECHNIKER (m/w)<br />

ssional – <strong>Tirol</strong><br />

hrer für<br />

schinen.<br />

die Quaäte<br />

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weite<br />

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unseren<br />

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in Innsbruck, sowie Aufbereitung der Gebraucht- und Messegeräte<br />

COFFEE Vorortservice TO GO, GO, GO und Kundenbetreuung im Aussendienst (50%)<br />

Selbstverständlich erfreut sich die WMF<br />

Inbetriebnahme und Wartung beim Kunden<br />

espresso speziell in der Gastronomie allergrößter<br />

Beliebtheit. Reisetätigkeit Doch mit den in exzel- ganz Österreich<br />

Manuel R. Harnischmacher, Geschäftsbereichsleiter<br />

von WMF Professional, kennt die Bedürfnisse der<br />

Unternehmen. WMF hat den besten Service und<br />

für jedes Unternehmen das richtige Gerät.<br />

lenten Maschinen von WMF kommen auch<br />

Unternehmen nicht zu kurz. WMF bietet<br />

für jede Unternehmensgröße das passende<br />

Gerät. Ein großer Wurf ist mit der 5000 S<br />

gelungen, bei der das neue WMF Dynamic<br />

Milk System zum Einsatz kommt, das vollautomatisch<br />

alle erdenklichen Milch- und<br />

Milchschaumvarianten bietet. Mit seinem<br />

bestens ausdifferenzierten Kaffeemaschinen-Sortiment<br />

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auf Knopfdruck, genau auf die Bedürfnisse<br />

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top 500 | INTERVIEW<br />

Missverhältnis zwischen<br />

Aufwand und Ertrag<br />

Interview. OeNB-WEST-Direktor Armin Schneider im Interview über die schwierige<br />

Situation der Banken, das Vordringen der Fintechs, weitere Personaleinsparungen im<br />

Sektor und die ungebrochene Beliebtheit des Bargelds.<br />

liegen bei 45 Cent. In <strong>Tirol</strong> haben wir sogar<br />

Banken, wo die Cost-Income-Ratio über 80<br />

Prozent beträgt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Mehrere Analysen kommen zum<br />

Schluss, dass die Europäische Union und mit<br />

ihr Österreich „overbanked“ seien, es zu viele<br />

Banken gebe. Stimmen Sie mit diesem Befund<br />

überein?<br />

Armin Schneider: Österreich hat die zweithöchste<br />

Bankstellendichte in der EU. Trotz<br />

des deutlichen Rückgangs an Filialen in den<br />

vergangenen Jahren kommen in Österreich<br />

immer noch auf eine Bankstelle maximal 2.000<br />

Einwohner. Der europäische Durschnitt liegt<br />

bei fünfeinhalb Tausend Einwohnern pro Filiale.<br />

Das ist ein großer Unterschied. Unser Nachbar<br />

Deutschland ist schon kein Musterschüler,<br />

hat aber in den vergangenen 20 Jahren die<br />

Zahl der Banken halbiert. In Österreich ist in<br />

derselben Zeitspanne diese Zahl um ein Drittel<br />

zurückgegangen. Weder Österreich noch<br />

Deutschland sind Vorzeigekandidaten. Die<br />

Cost-Income-Ratio drückt das Verhältnis von<br />

Aufwand zu Ertrag aus. Eine österreichische<br />

Bank muss 63 Cent aufwenden, um einen<br />

Euro zu verdienen. Damit liegt man maximal<br />

im europäischen Mittelfeld. Die Spitzenreiter<br />

<strong>ECHO</strong>: Ergibt sich aus dieser Ertragssituation<br />

Handlungsbedarf ?<br />

Schneider: Im Grunde ist die Cost-Income-<br />

Ratio zu hoch, die Banken werden sich etwas<br />

überlegen müssen. Die durchschnittliche<br />

Kernkapitalquote ist zwar zwischen 2008 und<br />

2015 von sieben auf zwölf Prozent gestiegen,<br />

wir zählen damit aber immer noch zu den<br />

Schlusslichtern in Europa. Aus Kundensicht<br />

ist der österreichische Markt mit seiner geringen<br />

Konzentration von Marktmacht, der<br />

drittniedrigsten in der EU, durchaus vorteilhaft.<br />

Die Margen bei Großbanken liegen aber<br />

nur mehr bei 0,5 bis 0,9 Prozent, in <strong>Tirol</strong> sogar<br />

zum Teil noch darunter. Die Banken müssen<br />

heute von sehr wenig leben. Wir weisen schon<br />

lange darauf hin, dass Banken ihre Geschäftsmodelle<br />

auf zusätzliche Ertragspotenziale hin<br />

überprüfen und an der Kostenstruktur arbeiten<br />

müssen. Insbesondere muss auf eine Eigenkapitalausstattung<br />

geachtet werden, welche die<br />

Risiken entsprechend abdeckt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Profitabilität der Banken ist unter<br />

Druck. Liegt das auch an den Fintechs, jenen<br />

Unternehmen, die mit technologiegetriebenen<br />

Services in die Branche eindringen?<br />

Schneider: Aus Sicht der OeNB sehen wir<br />

eine gewisse Vielfalt am Markt neutral. Der<br />

Kunde kann jederzeit selbst entscheiden, was<br />

er nutzen möchte. Diese Fintechs werden gerade<br />

sehr gehypt. Es ist aber nicht alles Gold,<br />

Fotos: Friedle<br />

80<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


Jeder Erfolg beginnt mit<br />

einer genutzten Chance<br />

Das Vorstandsteam: Mag. Johannes Haid, Mag. Alexander Weiß, Johann Peter Hörtnagl<br />

Unsere Aufgabe als Hypo <strong>Tirol</strong><br />

Bank ist es, gemeinsam mit unseren<br />

Kunden Träume und Visionen<br />

zu verwirklichen. Kleine ebenso<br />

wie große. Denn wir haben uns ein<br />

Ziel gesetzt: Wir möchten mit unseren<br />

ganzen Kräften einen wichtigen<br />

Beitrag leisten, damit die Stärken<br />

dieses wunderbaren Landes, in dem<br />

wir leben, immer wieder neu erlebbar<br />

werden.<br />

Das gelingt am besten, indem man<br />

Menschen unterstützt. Konkret,<br />

handfest und tagtäglich. Damit ihre<br />

Visionen zu Chancen, und ihre Chancen<br />

zu realisierten Träumen und<br />

handfesten Erfolgen werden. Denn<br />

es sind die Menschen, die unser Land<br />

zu dem machen, was es ist.<br />

Dabei zielen wir immer auf langfristige<br />

Erfolge. Denn wir sind uns<br />

der Verantwortung bewusst, die<br />

uns unsere Kundinnen und Kunden<br />

übertragen. Gewissenhaft analysieren<br />

wir Risiken. Um anschließend<br />

unser gesamtes Können dafür einzusetzen,<br />

aus den Chancen, die sich<br />

unseren Kunden bieten, Lösungen zu<br />

entwickeln.<br />

Wir freuen uns darauf, unser Bestes<br />

zu geben. Damit aus Ihren Chancen<br />

Ihre Erfolge werden.<br />

Das ist die Gründungsidee der<br />

Hypo <strong>Tirol</strong> Bank. Ins Leben gerufen<br />

wurde sie, als die Bauern <strong>Tirol</strong>s<br />

in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts<br />

vor ihren größten Herausforderungen<br />

standen. Als Landeshypothekenanstalt<br />

war es damals<br />

unsere Aufgabe, der Bevölkerung in<br />

schwieriger Zeit wieder auf die Beine<br />

zu helfen und nachhaltige Erfolge zu<br />

ermöglichen. Die Haltung des Gründungsjahres<br />

ist die Konstante der<br />

Geschichte der Hypo <strong>Tirol</strong> Bank.<br />

Unsere Aufgabenbereiche haben sich<br />

erweitert und gewandelt.<br />

Der soziale Grundgedanke und das<br />

Engagement für das Land und seine<br />

Menschen sind geblieben. Und wir<br />

sind auch heute noch zu 100 Prozent<br />

im Eigentum vom Land <strong>Tirol</strong>.<br />

Es ist schön, Ihr Partner zu sein!<br />

HYPO TIROL BANK AG<br />

Zentrale<br />

Meraner Straße 8<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 (0) 50700<br />

hypo.zentrale@hypotirol.com<br />

www.hypotirol.com


top 500 | INTERVIEW<br />

was glänzt. Schon so mancher dieser Startup-<br />

Sterne ist schnell wieder verglüht. Die Studie<br />

einer deutschen Managementberatung geht<br />

davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren<br />

80 Prozent der Fintechs wieder vom Markt<br />

verschwunden sein werden. Man sollte außerdem<br />

nicht außer Acht lassen, dass die Schnittstelle<br />

zwischen einem Fintech, das mit einer<br />

technologischen Dienstleistung ein Marktbedürfnis<br />

befriedigt, und dem Kunden, in den<br />

meisten Fällen noch immer die Hausbank ist.<br />

Ich habe den Eindruck, dass Fintechs primär<br />

junge, technikaffine Kunden abholen können.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie ist es um die Beliebheit des<br />

Bargelds in Österreich bestellt?<br />

Schneider: Grundsätzlich sind Österreich<br />

und Deutschland sehr bargeldaffin. Von der<br />

Anzahl der Transaktionen her betrachtet,<br />

wird der größte Teil der täglichen Zahlungen,<br />

vor allem wenn es sich um relativ geringe Beträge<br />

handelt, noch immer mit Bargeld getätigt.<br />

Ein gewisser Lenkungseffekt hin zum bargeldlosen<br />

Bezahlen könnte entstehen, wenn<br />

„Die Gratis-Behebung am<br />

Bankomaten gehört in<br />

Österreich zu den heiligen<br />

Kühen.“<br />

Bargeld bepreist wird, also die Abhebung am<br />

Bankomaten etwas kostet.<br />

<strong>ECHO</strong>: Über die Bankomatgebühr ist in<br />

Österreich fast ein Glaubenskrieg entbrannt.<br />

Schneider: Die Gratisbehebung gehört in<br />

Österreich zu den heiligen Kühen. In anderen<br />

Ländern muss für dieses Service bezahlt<br />

werden. Der Betrieb eines Bankomaten kostet<br />

aber natürlich Geld. Letztlich ist das aber eine<br />

Frage der Preisgestaltung und des Wettbewerbes<br />

zwischen den Banken. Am Ende des<br />

Tages machen die Bankomatgebühren das<br />

Kraut aber nicht wirklich fett. Die OeNB hat<br />

dazu keine Empfehlung, uns geht es um Kostenwahrheit.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die regulatorischen Anforderungen<br />

– und damit verbundenen Kosten – werden<br />

im Bankensystem mit Basel II, III und dessen<br />

Nachfolger kontinuierlich höher. Banken reagieren<br />

darauf unter anderem mit Personaleinsparungen.<br />

Ist eine Verschlankung der Personalstrukturen<br />

aus Ihrer Sicht unumgänglich?<br />

Schneider: Eine Bank ist ein klassischer<br />

Dienstleister. Im österreichischen Bankensektor<br />

entfällt mehr als die Hälfte der direkten<br />

betrieblichen Aufwendungen auf den<br />

Personalbereich. Ein weiterer Kostentreiber<br />

sind die IT- und Strukturkosten. Kunden erledigen<br />

immer weniger ihre Bankgeschäfte<br />

in einer Filiale, weil vor allem die Jungen die<br />

Möglichkeiten des Online-Banking nutzen.<br />

Gleichzeitig müssen Banken investieren, um<br />

die junge Kundschaft halten zu können. Dazu<br />

kommen Kosten für die Einlagensicherung,<br />

den Bankenabwicklungsfonds und<br />

die Bankenaufsicht. Gleichzeitig brechen<br />

die Erträge ein, weil am Markt kaum mehr<br />

Rendite erzielt werden kann. Das niedrige<br />

Zinsumfeld macht das Leben der Banken<br />

nicht leichter. Die Zinsspanne in Österreich<br />

liegt am unteren Ende in Europa. All diese<br />

Umstände tragen dazu bei, dass es bei den<br />

Banken jedenfalls zu weiteren Personaleinsparungen<br />

kommen wird. Das wird das Resultat<br />

von Anpassungen der Betriebsgröße<br />

sein, das heißt, man wird Filialen zusperren<br />

und es wird zu einer weiteren Standardisierung<br />

von Produkten kommen. Im Zuge<br />

dessen wird die Bedeutung von Bankenverbünden<br />

zunehmen. Leistungen werden<br />

innerhalb des Verbunds aufgeteilt oder externalisiert.<br />

Derzeit arbeiten im österreichischen<br />

Bankenwesen rund 75.000 Mitarbeiter.<br />

Ich fürchte in wenigen Jahren werden es<br />

deutlich weniger sein.<br />

<strong>ECHO</strong>: Glauben Sie, dass im Bildungssystem<br />

genügend Wert auf eine ökonomische<br />

Grundbildung gelegt wird?<br />

Schneider: Das glaube ich nicht. Ich sehe<br />

aber durchaus den Spagat, den das Bildungssystem<br />

leisten muss. Viele Anspruchsgruppen<br />

wollen ihre Inhalte vermittelt sehen.<br />

Mehr ökonomische Grundbildung ist aus<br />

meiner Sicht natürlich wünschenswert. Eine<br />

bessere Finanzbildung wäre für alle Seiten<br />

und auch aus volkswirtschaftlicher Sicht<br />

ein Gewinn. Viele Menschen haben wenig<br />

Vorstellung von den finanziellen Dingen,<br />

obwohl diese so viele Lebensbereiche berühren.<br />

Interview: Marian Kröll<br />

82<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


Herbstangebot<br />

MUSTER<br />

MUSTER<br />

Quelle: ASFINAG<br />

KOSTENLOS<br />

und einmalig bei Neuabschluss einer<br />

Lebensversicherung bis 31. 12. <strong>2016</strong>:<br />

3 SPAR-Gutscheine<br />

ab 30 Euro Monatsprämie oder<br />

5 SPAR-Gutscheine<br />

ab 50 Euro Monatsprämie oder<br />

1 Autobahn-Vignette<br />

ab 75 Euro Monatsprämie!<br />

www.tiroler.at


Klima wandelt Finanzmarkt<br />

Finanzmarkt. Der Klimawandel verändert das Antlitz der Erde und die<br />

Finanzmärkte. Schoellerbank-Analyst Christian Fegg weiß, alte Gewissheiten gelten<br />

nicht mehr. Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.<br />

Die Gletscher ziehen sich zurück.<br />

Um das zu konstatieren, muss<br />

man weder besonders geistreich<br />

sein, noch muss einem<br />

ein besonders langes Leben beschieden sein.<br />

Binnen weniger Jahrzehnte haben Gletscher<br />

weltweit stark an Masse und Fläche verloren.<br />

Der obige Simonysee am Fuße des Simonykees<br />

in den Hohen Tauern in Osttirol hat<br />

etwa bis vor wenigen Jahrzehnten gar nicht<br />

existiert. Zwischen 1990 und 2010 hat sich der<br />

Gletscher um rund 350 Meter zurückgezogen.<br />

Der Gletscherschwund hat mit dem Ende der<br />

Kleinen Eiszeit um 1850 zu tun, so ein immer<br />

wieder ins Treffen geführtes Argument.<br />

Ein Argument, das nicht falsch ist. Aber eben<br />

nicht die ganze Wahrheit abbildet. Das weiß<br />

Schoellerbank-Chefanalyst und Vorstandsdirektor<br />

Christian Fegg mittlerweile nur zu gut.<br />

Intensiv beschäftigt er sich seit langer Zeit mit<br />

dem Klimawandel und dessen Auswirkungen<br />

auf die Finanzmärkte.<br />

Auf der Erde wird es wärmer<br />

Global gesehen haben wir es mit steigenden<br />

Temperaturen zu tun. Dadurch gelangt mehr<br />

Wasser in Form von Dampf in die Atmosphäre.<br />

Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas,<br />

das für immerhin zwei Drittel des natürlichen<br />

Treibhauseffekts verantwortlich ist. Das zweitwichtigste<br />

Treibhausgas CO 2<br />

steigt dadurch<br />

auch an. Kohlendioxid ist in großer Menge in<br />

Form von Carbonat in den Ozeanen gespeichert.<br />

Die verstärkte Aufnahme von Kohlenstoffdioxid<br />

aus der Erdatmosphäre führt zusätzlich<br />

zu einer Versauerung der Meere. „Schon alleine<br />

deswegen sollten die CO 2<br />

-Emmissionen<br />

entscheidend reduziert werden“, meint Fegg.<br />

Durch die Erwärmung der Ozeane verringert<br />

sich deren Fähigkeit, Kohlenstoffdioxid zu<br />

binden. Eine unheilvolle Rolle spielt auch das<br />

brennbare Gas Methan (CH 4<br />

). Erwärmt sich<br />

die Erde, tauen die Permafrostböden, die rund<br />

25 Prozent der nördlichen Hemisphäre bedecken,<br />

auf und geben große Mengen CO 2<br />

ab.<br />

Diese Faktoren verstärken einander gegenseitig.<br />

„Ist dieser Teufelskreis erst einmal in Gang<br />

gesetzt, lässt er sich nicht mehr stoppen“, warnt<br />

84<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


der Analyst. Der springende Punkt, mit dem<br />

sich die Menschheit zu befassen hat, ist der,<br />

wann der Point of no Return erreicht ist. Wann<br />

dieser Zeitpunkt eintritt, ist in der Wissenschaft<br />

heftig umstritten. Der Temperaturunterschied<br />

von der letzten Hocheiszeit vor ca. 20.000 Jahren<br />

bis zum aktuellen Zeitpunkt beträgt rund<br />

fünf Grad Celsius. Ein weiterer Temperaturanstieg<br />

von vier Grad würde dazu führen, dass 50<br />

Prozent aller Spezies aussterben würden, ein<br />

Anstieg von sechs Grad würde die gesamte<br />

Menschheit existenziell bedrohen. „Beim Klimawandel<br />

geht es nicht darum, ob der Eisbär<br />

ausstirbt oder die Inuit ihre Jagdgründe verlieren.<br />

Es geht auch nicht um wirtschaftliche<br />

Überlegungen, sondern um eine Schicksalsfrage<br />

für die ganze Menschheit“, warnt Christian<br />

Fegg eindringlich davor, das durchaus kontroversiell<br />

diskutierte Thema „Klimawandel“<br />

auf die leichte Schulter zu nehmen. Vor dem<br />

Klimawandel gewarnt haben Wissenschaftler<br />

schon 1965 den damaligen US-Präsidenten<br />

Lyndon B. Johnson, obwohl der Temperaturanstieg<br />

aufgrund verschiedener gegenläufiger<br />

Effekte damals noch kaum messbar war. Warum<br />

ist der Klimawandel heutzutage noch<br />

„Es geht beim Klimawandel<br />

nicht darum, ob der Eisbär<br />

ausstirbt. Es geht um eine<br />

Schicksalsfrage für die<br />

ganze Menschheit.“<br />

<br />

Christian Fegg,<br />

Schoellerbank<br />

kein allgemein anerkanntes Faktum? Darauf<br />

hat Christian Fegg eine Antwort. Es sei nicht<br />

etwa so, dass die Klimaskeptiker lügen würden.<br />

Mit ihrem Verweis, dass es erdgeschichtlich betrachtet<br />

schon immer Phasen der Erwärmung<br />

und Abkühlung gegeben habe, werde das Bild<br />

erzeugt, dass der Temperaturanstieg normal<br />

sei. Diese natürlichen Temperaturschwankungen,<br />

die sich über Jahrtausende erstrecken,<br />

korrelieren in erster Linie mit den sogenannten<br />

Milanković-Zyklen. Das sind zeitvariante Muster,<br />

in welchen die auf die Erde auftreffende<br />

Sonnenstrahlungsintensität bzw. Sonnen-energie<br />

über die jährliche Schwankung hinaus variiert.<br />

Klimaskeptiker arbeiten mit Auslassungen.<br />

Sieht man sich etwa nur den Temperaturverlauf<br />

zwischen 1998 und 2012 an, könnte man<br />

zur Auffasung gelangen, dass es keinen Klimawandel<br />

gibt. Betrachtet man dagegen die Temperaturentwicklung<br />

seit 1880, lässt sich ein<br />

klarer Trend erkennen. Häufig wird von Skeptikern<br />

auch das Argument ins Feld geführt, dass<br />

sich die Wissenschaft nicht annähernd darauf<br />

einigen könne, wie sich die Temperatur auf der<br />

Erde verändert. Legt man die Prognosekurven<br />

führender Institute der Klimaforschung übereinander,<br />

ergeben sich über Jahrzehnte hinweg<br />

tatsächlich nur sehr geringe Abweichungen<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

85


TOP 500 | KLIMAWANDEL<br />

„Die vom Klimawandel<br />

verursachten Kosten werden<br />

nicht linear, sondern<br />

exponentiell steigen.“<br />

Christian Fegg,<br />

Schoellerbank<br />

JÄHRLICHE TEMPERATURVERÄNDERUNG<br />

und ein klarer gemeinsamer Trend. Postindustriell<br />

hat der Mensch nach Berechnungen<br />

des IPCC – im Deutschen auch Weltklimarat<br />

genannt – bislang rund 545 Milliarden Tonnen<br />

CO 2<br />

emittiert, wobei derzeit jedes Jahr 37<br />

Milliarden Tonnen dazukommen. Um das im<br />

Pariser Klimaabkommen vereinbarte Zwei-<br />

Grad-Ziel nicht zu überschreiten, dürften insgesamt<br />

weltweit nicht mehr als 700 Milliarden<br />

Tonnen CO 2<br />

ausgestoßen werden. Allein aus<br />

dieser Knappheit im globalen CO 2<br />

-Budget<br />

wird dringender Handlungsbedarf evident.<br />

„Die Regierungen haben das intellektuell zwar<br />

begriffen, aber es geht um Millionen Jobs in<br />

der Energiebranche“, sagt Christian Fegg mit<br />

einer Spur von Resignation. Schließlich handle<br />

es sich bei den fossilen Brennstoffen um den<br />

weltweit mächtigsten Wirtschaftszweig. Glaubt<br />

man den Schlussfolgerungen des 2006 publizierten<br />

Stern-Report, werden Hitzewellen wie<br />

jene von 2003 bis Mitte das Jahrhunderts zur<br />

Tagesordnung gehören.<br />

Enorme globale Kosten<br />

Die Folgen des Klimawandels sind – sofern die<br />

im Abkommen von Paris formulierten Ziele<br />

verfehlt werden – von ungeheurer Tragweite<br />

für den Planeten und logischerweise auch für<br />

das globale Wirtschafts- und Finanzsystem.<br />

Der Kampf gegen die Klimaerwärmung verursache<br />

bereits jetzt gewaltige Kosten und werde<br />

auf lange Sicht deflationär wirken, konstatiert<br />

Christian Fegg. Die Kosten ließen sich aber<br />

kaum beziffern, weil man sich nicht darauf einigen<br />

könne, welche Kosten direkt oder indirekt<br />

der Erderwärmung zuzurechnen seien. Es mag<br />

zwar nicht außer Streit stehen, ob und in welchem<br />

Ausmaß der Klimawandel auf anthropogene<br />

Ursachen zurückgeht, immense Kosten<br />

kommen jedenfalls auf die Welt zu. „Man kann<br />

sogar davon ausgehen, dass die Kosten schon<br />

explodiert sind und zukünftig nicht linear steigen<br />

werden, sondern exponentiell“, meint der<br />

Schoellerbank-Chefanalyst. Auf die Frage, wer<br />

diese Kosten hauptsächlich zu tragen hätte,<br />

nennt Fegg die Anleger. Man werde vermutlich<br />

langfristig eine tiefe Zinslandschaft behalten.<br />

Klimaskeptiker lügen nicht, arbeiten aber mit selektiven Informationen. Betrachtet man die Temperaturentwicklung<br />

zwischen 1998 und 2012 könnte man meinen, es gäbe keine Erwärmung. Ein Blick auf<br />

die langfristige Temperaturentwicklung zwischen 1880 und 2010 spricht eine andere Sprache.<br />

Diesbezüglich gibt es allerdings noch zahlreiche<br />

weitere Einflussfaktoren. Der Klimawandel werde<br />

aller Voraussicht nach wachstumshemmend<br />

und, wie bereites erwähnt, deflationär wirken.<br />

Die Erreichung der durchaus ambitionierten<br />

Klimaziele von Paris sieht Fegg angesichts der<br />

potenziell verheerenden Konsequenzen eines<br />

weiteren globalen Temperaturanstiegs über<br />

das Zwei-Grad-Ziel hinaus als alternativlos. Ein<br />

allgemeiner Wohlstandsverlust scheint ob der<br />

immensen Kosten wahrscheinlich. Eine globale<br />

Risikoanalyse über die kommenden zehn<br />

Jahre weist drei Faktoren unter den Top 5 aus,<br />

die direkt mit dem Klimawandel zusammenhängen,<br />

darunter Wasserkrisen und extreme<br />

Wetterereignisse. Wie gravierend die Folgen<br />

der Erderwärmung letztlich ausfallen werden,<br />

wird von der globalen Reaktion abhängen.<br />

Eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel<br />

kommt neuen ebenso wie bereits<br />

erprobten Technologien zu. Will man mit dem<br />

verbliebenen CO 2<br />

-Budget auskommen, müssen<br />

Solar- und Windenergie wesentlich effizienter<br />

werden, neue Energie-Speichersysteme<br />

und Energiequellen wie nukleare Fusion oder<br />

Flüssigsalzreaktoren zur Marktreife entwickelt<br />

werden. Bei der Bekämpfung der Trockenheit<br />

kommt der Meerwasserentsalzung großes<br />

Gewicht zu. Um es mit einem Zitat des italienischen<br />

Schrifstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa<br />

zu sagen: „Wenn alles bleiben soll, wie es<br />

ist, muss sich alles ändern.“ Marian Kröll<br />

86 <strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


BRINDLINGER | PROMOTION<br />

Wo andere aufgeben<br />

fangen wir erst an<br />

Führende Wirtschaftsbetriebe in Österreich vertrauen seit 50 Jahren auf die<br />

Brindlinger Versicherungsmakler GmbH im Zillertal<br />

Josef Brindlinger Senior begann<br />

1967 seine Karriere<br />

als Versicherungsmakler.<br />

Seine damalige Devise –<br />

„Geht nicht, gibt es nicht“ –<br />

gilt in der Firma heute noch<br />

und ist ein wesentlicher Baustein<br />

des Erfolgs. Die Brindlinger<br />

Versicherungsmakler<br />

GmbH mit Sitz in Zell im Zillertal<br />

ist weit über <strong>Tirol</strong> hinaus<br />

erfolgreich tätig. Ob beim<br />

Neubau des Med-Campus<br />

Linz, beim Krankenhaus Nord<br />

in Wien oder beim Bau der<br />

3S-Penkenbahn in Mayrhofen,<br />

überall stecken die Versicherungslösungen<br />

des Zillertaler<br />

Unternehmens drinnen. „Unzählige<br />

führende Wirtschaftsbetriebe<br />

vertrauen auf unsere<br />

Sicherheitskonzepte, nicht<br />

nur in <strong>Tirol</strong>. Gerade im Baugewerbe<br />

haben wir uns in 50<br />

Jahren einen Namen gemacht.<br />

Unser Unternehmen zählt zu<br />

den absoluten Spezialisten für<br />

Gewerbe- und Industrieversicherungslösungen“,<br />

freut sich<br />

Geschäftsführer Josef Brindlinger<br />

und ergänzt: „Aufgrund<br />

unserer jahrzehntelangen Erfahrung<br />

und unseres Knowhow<br />

haben wir in unzähligen<br />

Bereichen spezielle Deckungskonzepte<br />

entwickelt u.a. für<br />

Ingenieurbüros, Baumeister,<br />

Architekten und Ziviltechniker<br />

oder auch für Hotellerie,<br />

Gastronomie und Seilbahnbetriebe.<br />

Durch unsere Größe<br />

und Marktposition sind<br />

wir in der Lage die gesamte<br />

Bandbreite an Versicherungslösungen<br />

abzudecken.“<br />

DIE BESTEN LÖSUNGEN<br />

FÜR DIE KUNDEN<br />

Versicherungsangebote gibt<br />

es viele. „Die wahre Qualität<br />

einer Versicherungslösung ist<br />

erst im Schadenfall erkennbar.<br />

Gerade die Abwicklung<br />

von komplexen Schadenfällen<br />

trennt die Spreu vom Weizen.<br />

Aber das ist eine unserer Kernkompetenzen“,<br />

betont Josef<br />

„Wir suchen die besten Versicherungslösungen<br />

für unsere Kunden und lassen sie auch im Falle<br />

eines Schadens nicht allein.“<br />

Josef Brindlinger,<br />

Geschäftsführer<br />

Fotos: un attimo<br />

Brindlinger. Hartes Verhandeln<br />

führte etwa nach einem<br />

Brandschaden in einem namhaften<br />

Hotel zum Erfolg. „Das<br />

Erstangebot des Versicherers<br />

für die Betriebsunterbrechung<br />

lag bei 450.000,– Euro – am<br />

Ende haben wir mit 900.000,–<br />

Euro abgerechnet“, erzählt<br />

Brindlinger mit Stolz. Ihn<br />

rufen Geschädigte aus ganz<br />

Österreich an und fragen um<br />

Rat und Unterstützung bei der<br />

Die Geschäftsführer: Josef Brindlinger, Josef Eller und Josef Brindlinger sen.<br />

Schadensabwicklung. Heute<br />

bearbeiten bei Brindlinger 30<br />

Mitarbeiter rund 5000 Schäden<br />

pro Jahr. Rechtzeitig zum<br />

50-Jahr-Jubiläum wurde im<br />

Oktober <strong>2016</strong> eine Niederlassung<br />

in Jenbach eröffnet.<br />

„Wir suchen die besten Versicherungslösungen<br />

für unsere<br />

Kunden. Dabei erarbeiten<br />

wir nicht nur ausgefeilte<br />

Deckungskonzepte, sondern<br />

betreiben auch Risikomanagement<br />

zur Vermeidung von<br />

Schäden“, erklärt Geschäftsführer<br />

Josef Brindlinger.


Was<br />

braucht<br />

der<br />

Unternehmer<br />

zum<br />

Glück?<br />

Sicherheit.<br />

www.brindlinger.at<br />

Der Versicherungsmakler.


UBIT | PROMOTION<br />

KFZ-Sachbezugswerte<br />

und Dienstreisen<br />

Besteht für einen Dienstnehmer<br />

(auch GMBH-Geschäftsführer)<br />

die Möglichkeit, ein arbeitgebereigenes<br />

Fahrzeug für Privatfahrten zu nutzen,<br />

so liegt ein Vorteil aus dem Dienstverhältnis<br />

vor. Dies ist abgaben- und<br />

steuerrechtlich in der Lohnverrechnung<br />

mit einem pauschalen Sachbezugswert zu<br />

berücksichtigen.<br />

Wichtig dabei: als Privatfahrt gilt auch<br />

die Wegstrecke Wohnung – Arbeitsstätte.<br />

Seit 1.1.<strong>2016</strong> richtet sich die Höhe des<br />

Sachbezuges nicht nur nach den Anschaffungskosten<br />

des Fahrzeuges, sondern<br />

auch nach dessen CO 2 Emissionswerten.<br />

Bisher galt für Dienstnehmer,<br />

die ihr Fahrzeug im Jahresdurchschnitt<br />

monatlich mehr als 500 km privat nutzen,<br />

ein Sachbezug von 1,5 % der Anschaffungskosten<br />

(max. 720 €) monatlich bei<br />

der Abrechnung zu berücksichtigen. Seit<br />

1.1.<strong>2016</strong> gelten diese 1,5 % nur, wenn das<br />

genutzte Fahrzeug einen CO 2 Wert unter<br />

Sybille Regensberger, Berufsgruppensprecherin<br />

in der Fachgruppe UBIT<br />

130 g/km aufweist. Der CO 2 Wert ist aus<br />

dem Typenschein ersichtlich. Übersteigt<br />

der CO 2 Wert 130 g/km so sind heuer<br />

2 % (max. 960 €) als monatlicher Sachbezugswert<br />

anzusetzen.<br />

Fährt ein Dienstnehmer im Jahresdurchschnitt<br />

nachweislich (mittels ordnungsgemäß<br />

geführtem Fahrtenbuch) weniger<br />

als 500 km pro Monat privat, so kann<br />

der halbe Sachbezugswert, also 0,75<br />

bzw. 1 % angesetzt werden. Jedoch max.<br />

360 € bzw. 480 €. Ein ordnungsgemäß<br />

geführtes Fahrtenbuch liegt laut Abgabenbehörde<br />

nur vor, wenn<br />

• jede einzelne Fahrt mit Datum, Dauer<br />

(Beginn und Ende der Fahrt)<br />

• und der Zweck der Fahrt unter Anführung<br />

der Kilometerstände, der Anfangs-<br />

und Endpunkte sowie Zwischenziele<br />

so detailliert beschrieben wird,<br />

dass die Anzahl der privat gefahrenen<br />

Kilometer zweifelsfrei nachvollzogen<br />

werden kann.<br />

• es nicht als Exceltabelle elektronisch<br />

geführt wird.<br />

Achtung: die CO 2 Grenzwerte (siehe Kasten<br />

links) werden jährlich um 3 g/km gesenkt.<br />

Sollten Sie also überlegen Anfang<br />

CO 2 Werte:<br />

Jahr der Anschaffung CO 2 Wert in g/km<br />

<strong>2016</strong> oder früher 130<br />

2017 127<br />

2018 124<br />

2019 121<br />

2020 118


nächsten Jahres ein neues dienstnehmergenutztes<br />

Fahrzeug anzuschaffen, so gilt<br />

aktuell der Richtsatz von 127 g/km CO 2 .<br />

Für die Berechnung des Sachbezuges gilt<br />

der CO 2 Wert im Erstzulassungsjahr.<br />

Ab <strong>2016</strong> gilt für reine Elektrofahrzeuge<br />

ein Sachbezugswert von 0 %. Hybridfahrzeuge<br />

unterliegen den „normalen“<br />

Sachbezugswerten, wie oben geschildert.<br />

Wer ein Dienstfahrzeug privat, also auch<br />

für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte,<br />

nutzen darf, hat keinen Anspruch<br />

auf Pendlerpauschale und Pendlereuro.<br />

VERKAUF<br />

Oft werden Firmenfahrzeuge, wenn sie<br />

beispielsweise ausgetauscht werden, dem<br />

Dienstnehmer zum Kauf angeboten. Dies<br />

meist zu sehr günstigen Bedingungen.<br />

Hier ist jedoch darauf zu achten, dass die<br />

Abgabenbehörde genau prüft, ob es sich<br />

dabei nicht um einen steuerpflichtigen<br />

Vorteil aus dem Dienstverhältnis handelt.<br />

Das liegt vor, wenn das Fahrzeug<br />

unter Marktpreis an einen Mitarbeiter<br />

abgegeben wird (d.h. günstiger an den<br />

Dienstnehmer anstelle einer firmenfremden<br />

Person).<br />

ÄNDERUNGEN BEIM VORSTEU-<br />

ERABZUG BEI DIENSTREISEN<br />

Dienstgeber können, für im Inland veranlasste<br />

Nächtigungen, entweder die<br />

tatsächlich getätigten Ausgaben für<br />

Übernachtung oder den im Einkommens-<br />

Beispiel Dienstreise:<br />

d.h. 80 % von 15 € = 12 € : 1,13 = 10,62 € - davon 13% = 1,38 € und<br />

20 % von 15 € = 3 € : 1,10 = 2,73 € - davon 10 % = 0,27 €<br />

Auch für den Vorsteuerabzug von tatsächlich getätigten Übernachtungskosten (z.B. Hotelrechnung)<br />

gelten laut Umsatzsteuerrichtlinie folgende Werte:<br />

Preis pro Pers und Nacht inkl. Frühstück Vorsteuerverhältnis 13 : 10 %<br />

Bis 140 € 80 : 20<br />

Bis 180 € 82,50 :17,50<br />

Bis 250 € 85 : 15<br />

Über 250 € 90 : 10<br />

Bitte beachten Sie, dass hierzu die entsprechenden Belege benötigt werden.<br />

Die Buchhalter der einzelnen Bezirksstellen sind Ihnen gerne mit weiteren Informationen<br />

behilflich.<br />

steuergesetz festgesetzten Pauschalbetrag<br />

von 15 € an den Dienstnehmer auszahlen.<br />

Bisher konnte der Dienstgeber, wenn<br />

der das pauschale Nächtigungsgeld von<br />

15 € ausbezahlt hat, anteilige Vorsteuern<br />

in der Höhe von 10 % (sind bei 15 €,<br />

1,36 €) herausrechnen.<br />

Seit 1.5.<strong>2016</strong> gilt für Beherbergungsbetriebe<br />

der neue Umsatzsteuersatz von<br />

13 %, dadurch ändert sich auch der Vorsteuerabzug<br />

bei den Nächtigungsgeldern.<br />

Die Nächtigungspauschale von 15 € versteht<br />

sich als Bruttobetrag sowie als Gesamtentgelt<br />

für Zimmer und Frühstück.<br />

Das Zimmer als Beherbergungsleistung<br />

unterliegt ab 1.5. dem neuen Umsatzsteuersatz<br />

von 13 %. Die Umsatzsteuer<br />

für Frühstück bleibt hingegen bei 10 %.<br />

Das Finanzministerium vertritt die Meinung,<br />

dass bei der Vorsteuerberechnung<br />

der Nächtigungspauschale die Aufteilung<br />

in Zimmer und Frühstück im Verhältnis<br />

80 : 20 vorzunehmen ist. Der Vorsteuerabzug<br />

der Nächtigungspauschale von<br />

15 € beträgt also 1,65 €.<br />

Nähere Auskünfte erhalten Sie in der<br />

Fachgruppe oder bei den Gründersprechtagen<br />

in Ihrer Bezirksstelle.


top 500 | INTERVIEW<br />

„Aus einem Bündel ist ein<br />

Rucksack geworden“<br />

Interview. Klaus Hilber, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder <strong>Tirol</strong>, über die<br />

zunehmende Komplexität des Steuersystems, Misstrauen gegen Unternehmer, die<br />

Tücken der Registrierkassenregelung und die Veränderungen durch die Digitalisierung.<br />

<strong>ECHO</strong>: Für den Laien entsteht der Eindruck,<br />

dass unser Steuersystem immer komplexer<br />

wird. Können Sie dieser Empfindung zustimmen?<br />

Klaus Hilber: Da hat der Laie den richtigen<br />

Eindruck. Entgegen den Beteuerungen der<br />

Politiker, dass es einfacher wird, wird es in<br />

Wahrheit immer komplizierter. Wir Fachleute<br />

bemerken seit zwei, drei Jahren die Tendenz,<br />

dass – ähnlich wie in Italien – irgendwelche<br />

Gesetzesvergehen mit unverhältnismäßig hohen<br />

Strafen belegt werden. Das ist eine neue<br />

Masche. Zum Beispiel fallen bei Verletzung<br />

der Registrierkassenpflicht bis zu 5.000 Euro<br />

Strafe an. Und das nur, weil der Unternehmer<br />

vielleicht in seinem kleinen Kramerladen unwissentlich<br />

die Umsatzgrenze überschritten<br />

hat.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist dieser neue Stil fiskalischen<br />

Notwendigkeiten geschuldet? Braucht der<br />

Finanzminister so dringend Geld oder gibt es<br />

ein generelles Misstrauen gegenüber den Unternehmen?<br />

Hilber: Das generelle Misstrauen ist da. Das<br />

haben auch die Unternehmer, konkret die<br />

Touristiker bei ihrem Marsch in der Innsbrucker<br />

Altstadt im vergangenen Jahr, deutlich<br />

„Von einem Gründerboom<br />

sind wir weit entfernt.“<br />

<br />

Klaus Hilber,<br />

<br />

<br />

Präsident der Kammer der<br />

Wirtschaftstreuhänder <strong>Tirol</strong><br />

zum Ausdruck gebracht. Es gibt einen indirekten<br />

Generalverdacht, dass die Unternehmer<br />

Schwarzumsätze machen würden. Das Ministerium<br />

setzt offenbar auf die abschreckende<br />

Wirkung der hohen Strafen. In Wahrheit wurde<br />

die Motivation der Unternehmer durch<br />

diese Damoklesschwerter stark herabgesetzt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es ist ein singuläres Ereignis, wenn<br />

sich weit über 1.000 Touristiker zum Protestieren<br />

auf die Straße stellen. Lange hat man<br />

von einem Belastungspaket für den Tourismus<br />

gesprochen. Zurecht?<br />

Hilber: Ja. Dieses Belastungspaket ist ein<br />

Bündel aus neuen, steuerrechtlichen Maßnahmen,<br />

aber auch aus gewerberechtlichen<br />

und arbeitsrechtlichen Vorschriften. Es ist<br />

ja nicht nur das Steuerrecht, das den Unternehmern<br />

auf den Magen drückt, es sind auch<br />

Gewerbe- und Arbeitsrecht. Aus diesem<br />

Bündel ist ein Rucksack geworden, den die<br />

Unternehmen kaum mehr schultern können<br />

und der zur schnellen Ermattung führt. Wenn<br />

einen heute ein junger Mensch auf der Straße<br />

fragt: Was sind die Vorteile eines Unternehmers?,<br />

was soll man dem dann sagen?<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Regierung um Bundeskanzler<br />

Christian Kern hat ein Start-up-Paket geschnürt.<br />

Wie beurteilen Sie diese Initiative?<br />

Hilber: Es gibt heute mehr Gründungsinitiativen<br />

denn je. Es gibt mehrere gute Gründe,<br />

das Gründen attraktiver zu machen. Nicht<br />

nur, dass die geburtenschwachen Jahrgänge<br />

voll durchschlagen. Außerdem gibt es viele<br />

junge Menschen, die eine Beamtenlaufbahn<br />

anstreben. Die Polizei und das Bundesheer<br />

bauen wieder in größerem Umfang Personal<br />

auf. Es werden quer durch die Bank im öffentlichen<br />

Dienst neue Dienstposten geschaffen.<br />

Wir haben ja auch genug zusätzliche Verwaltungsvorschriften,<br />

die auch exekutiert werden<br />

müssen. Es wundert mich nicht, dass wir im<br />

öffentlichen Dienst Leute aufnehmen. Das<br />

spielt dem unternehmerischen Gedanken<br />

nicht gerade in die Hände. Von einem Gründerboom<br />

sind wir weit entfernt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Haben sich in den vergangenen<br />

Jahren die politischen Rahmenbedingungen<br />

dahingehend derart geändert, dass sie das<br />

Gründen leichter und attraktiver machen?<br />

Hilber: Überwiegend würde ich die Maßnahmen<br />

als eher demotivierend empfinden.<br />

Es hat aber da und dort positive Impulse<br />

gegeben, und zwar mit dem Neugründungs-<br />

Förderungsgesetz. Mitarbeiter, die in den<br />

ersten drei Jahren nach Gründung angestellt<br />

werden, verursachen geringfügig weniger<br />

Lohnnebenkosten. Insgesamt sind das aber<br />

Tropfen auf den heißen Stein. In Summe ist<br />

das zu wenig, um ein echter Anreiz zu sein.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sehen Sie bei der Abgabenquote in<br />

Österreich die Schmerzgrenze erreicht?<br />

Hilber: Die ist überschritten. Arbeiten lohnt<br />

sich nicht mehr. Das hat sogar die Gewerkschaft<br />

festgestellt. Der Spitzensteuersatz liegt<br />

bei 50 Prozent, der bei einem Jahreseinkommen<br />

von 90.000 Euro fällig wird. Wenn heute<br />

jemand motiviert ist, ein gutes Produkt oder<br />

eine gute Geschäftsidee hat und sich voll en-<br />

Foto: Kröll<br />

92<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


gagiert, mag er dann irgendwann nicht mehr.<br />

Der Facharbeitermangel geht auch quer<br />

durch alle Branchen, der Konkurrenzdruck –<br />

vor allem im Handel – wird ständig größer.<br />

Ein mittelständischer Unternehmer hat in<br />

<strong>Tirol</strong> Druck von ganz vielen Seiten. Gerade<br />

in der Gastronomie habe ich Klienten, die alle<br />

Probleme haben, die es gerade gibt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Registrierkassenpflicht war<br />

stark im Gerede. Wo sehen Sie die Tücken<br />

im System?<br />

Hilber: Die Umsatzgrenze, ab der die Registrierkassenpflicht<br />

schlagend wird, liegt momentan<br />

bei 15.000 Euro. Diese Grenze hätte<br />

man von Anfang an höher einziehen müssen.<br />

„Die Digitalisierung bringt<br />

ganz neue Probleme mit<br />

sich, deren Beherrschung<br />

eine echte Herausforderung<br />

darstellt.“<br />

Da jetzt noch eine Lockerung zu machen,<br />

geht nicht mehr. Der Zug ist abgefahren, der<br />

bittere Beigeschmack bleibt. Wenn eine Registrierkasse<br />

schon vorgeschrieben ist, dann<br />

machen wir mit unseren Klienten etwas Positives<br />

daraus. In den modernen Registierkassen<br />

sind viele Daten gespeichert, die man statistisch<br />

auswerten kann. Etwa welche Artikel<br />

gut gehen, wann die Umsätze erzielt wurden.<br />

Wir machen aus der Not eine Tugend und<br />

nutzen diese Informationen zur betriebswirtschaftlichen<br />

Analyse. Außerdem überführen<br />

wir die digitalen Daten in die Buchhaltungssysteme.<br />

So kann man Verwaltungsarbeit und<br />

damit Verwaltungskosten sparen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Inwiefern verändert die Digitalisierung<br />

ihren Berufsstand?<br />

Hilber: Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung,<br />

die den Arbeitsfluss wesentlich<br />

verändert hat. Wir bekommen digitale Daten<br />

von unseren Klienten und verarbeiten diese<br />

digital. Dadurch hat sich in den vergangenen<br />

fünf Jahren unser Papierverbrauch in etwa halbiert.<br />

Das Faxgerät ist heute nur mehr ein Relikt.<br />

Die Digitalisierung bringt aber auch ganz<br />

neue Probleme mit sich, deren Beherrschung<br />

eine echte Herausforderung darstellt. Vor<br />

wenigen Jahren hat man Buchhaltungsdaten<br />

noch lässig per E-Mail durch die Gegend geschickt.<br />

Davon sind wir wieder abgegangen.<br />

Das ist uns zu gefährlich geworden, weil man<br />

sich nicht sicher sein kann, sich nicht irgendeinen<br />

Virus oder Ransomware wie den CryptoLocker,<br />

der die Daten auf dem Rechner<br />

verschlüsselt und damit unzugänglich macht,<br />

einzufangen. Der Umgang mit sensiblen Daten<br />

muss so sorgsam wie möglich erfolgen.<br />

Deshalb geht man bei uns dazu über, den E-<br />

Mail-Verkehr mit Anhängen zurückzudrängen<br />

und stattdessen ein elektronisches Postfach<br />

einzurichten, wo nur unsere Kunden über eine<br />

gesicherte, passwortgeschützte Verbindung<br />

Zugriff haben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie beobachten die vermeintlichen<br />

Segnungen der Technik also mit einer gewissen<br />

Grundskepsis?<br />

Hilber: Ja. Denn sie birgt völlig neue Gefahren<br />

ungeahnten Ausmaßes. Ich sage nur<br />

Cyberkriminalität. Bis vor Kurzem hat man<br />

das eher belächelt, aber das trifft unsere Branche<br />

voll. Der Datenklau geht um. Nur ist es<br />

natürlich so, dass ohne digitale Daten in keinem<br />

Unternehmen mehr etwas läuft. Deshalb<br />

hat es auch katastrophale Auswirkungen,<br />

wenn diese Daten beschädigt sind oder gar<br />

verlorengehen. Ich kann deshalb nur jedem<br />

Unternehmen raten, für den Fall der Fälle<br />

einen Recovery Plan zu haben. Das ist vor<br />

allem kleinen und mittleren Unternehmen<br />

noch nicht ausreichend bewusst. <br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

93


top 500 | INTERVIEW<br />

Tourismus braucht positive<br />

Zahlen und Gefühle<br />

Interview. Bei den positiven Zahlen wollen Steuerberater Hubert Vogelsberger und<br />

Tourismus-Consulter Hermann Semlitsch mit ihrem gemeinsamen Unternehmen<br />

Zahlenwerk ansetzen. Die positive Stimmung, die sich auf Mitarbeiter und Gast<br />

überträgt, muss die Branche dagegen selbst erzeugen.<br />

Fotos: Kröll<br />

94<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


<strong>ECHO</strong>: Seit April haben Sie eine gemeinsame<br />

Firma namens Zahlenwerk. Dafür haben<br />

sie das Eichhörnchen als Logo gewählt. „Mühsam<br />

ernährt sich das Eichhörnchen“, heißt es<br />

manchmal so schön. Gilt das für den Tourismus<br />

in besonderem Maß?<br />

Hermann Semlitsch: Im Tourismus ist es<br />

sicher insgesamt weit schwieriger und kompetitiver<br />

geworden als noch vor zehn, 15 Jahren.<br />

Deshalb ist Zahlenwerk ganz wichtig, damit<br />

die Touristiker früh genug ihre Ergebnisse<br />

kennen, um steuern, planen und sich weiterentwickeln<br />

zu können. Das ist der Grund, warum<br />

Zahlenwerk mit seinem Benchmarking entstanden<br />

ist. Wir vergleichen nämlich wirklich<br />

Äpfel mit Äpfeln. Wir stellen Vergleiche zwischen<br />

Orten an, die vergleichbare Strukturen<br />

haben, etwa Obergurgl und Obertauern. Das<br />

hat Aussagekraft. Wenn ein Betrieb seine Ergebnisse<br />

genau kennt, lassen sich daraus Rückschlüsse<br />

ziehen und Empfehlungen ableiten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Kommen wir noch einmal zur Genese<br />

des Unternehmens. Wie ist Zahlenwerk<br />

entstanden?<br />

Hubert Vogelsberger: Zwei mit viel Fanatismus<br />

und Begeisterung ausgestattete Menschen,<br />

die sich mit Zahlen und Daten in der<br />

Hotellerie schon seit langer Zeit intensiv beschäftigen,<br />

haben sich zusammengetan. Jeder<br />

bringt seinen Fundus an Daten, Zahlenmaterial<br />

und seinen Erfahrungsschatz ein. Daraus<br />

haben wir ein Produkt entwickelt, das an den<br />

Notwendigkeiten und Bedürfnissen am Markt<br />

ausgerichtet ist. Wir stellen unseren Kunden<br />

diesen Erfahrungs- und Datenschatz in der<br />

Planung, Budgetierung und Prognose zur Verfügung.<br />

Damit unterstützen wir Gastronomen<br />

und Hotellerie dabei, den Nebel zu lichten und<br />

basierend auf Benchmarks gezielt messbare<br />

Unternehmensziele anzusteuern.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wenn ich als Gastronom oder Hotelier<br />

eine Leistung von Zahlenwerk beziehe,<br />

was bekomme ich dann konkret?<br />

Vogelsberger: Bei prowest Innsbruck – unserer<br />

Steuerberatungskanzlei – fühlen wir uns<br />

rund um den Zahlenbereich besonders wohl.<br />

Hermann Semlitsch ist mit seinem Unternehmen<br />

hgc österreichweit führend im Bereich<br />

der Personalverrechnung und Planung für<br />

Hotellerie und Gastronomie. Als Steuerberatungskanzlei<br />

haben wir aufgrund unserer<br />

Positionierung in der gehobenen Hotellerie<br />

bzw. Gastronomie sehr viele Kunden. Wir<br />

sortieren und analysieren das Datenmaterial,<br />

bringen es in Form, schauen uns umsatzrelevante<br />

Daten an. Das fängt bei Nächtigungen,<br />

Durchschnittspreisen, Personal- und Wareneinsatzplanung,<br />

Fixkostenplanung und<br />

Finanzierungsstruktur an. Wir liefern ein<br />

komplexes Detailbudget und laufende Soll-<br />

Ist-Vergleiche. Damit bilden wir nicht nur den<br />

operativen Bereich ab, unsere Leistung reicht<br />

bis zur Finanzierung, zur Steuervorschau und<br />

Liquididätsplanung. Und laufend die Benchmarks<br />

dazu. Aus diesen Daten leiten wir Beratungspotenziale<br />

ab und holen uns bei Bedarf<br />

Profis aus anderen Bereichen, wie etwa dem<br />

Marketing, ins Boot. Wir analysieren die<br />

Dinge nicht nur. Nach der Analyse geht es<br />

ans Eingemachte.<br />

<strong>ECHO</strong>: In vielen Branchen wird sehr zahlengetrieben<br />

gewirtschaftet. Beim typischen<br />

Wirt kann man sich kaum vorstellen, dass<br />

der am Computer sitzt und seinen Cashflow<br />

analysiert. Gibt es da im Tourismus noch<br />

Aufholbedarf ?<br />

Semlitsch: Den typischen Wirt gibt es<br />

eigentlich nur noch in der Kleinstruktur.<br />

Jene Betriebe, denen unser Angebot hilft,<br />

sind durchwegs größer, da gibt es operative<br />

Abteilungsleiter. Und wir kratzen in allen<br />

relevanten Bereichen nicht nur an der Oberfläche,<br />

sondern gehen analytisch in den strategischen<br />

Geschäftsfeldern, sei es der Logis<br />

oder Spa-Bereich, in die Tiefe. Das Ergebnis<br />

sind Empfehlungen, wie sich die Erlöse steigern<br />

und die Kosten bestmöglich gestalten<br />

lassen. Unter anderem werden auch die<br />

Softfacts – also Qualitätsmerkmale – in unser<br />

„Zahlenwerk“ einbezogen. Wir messen die<br />

Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit und<br />

haben dadurch den 360-Grad-Blick auf den<br />

Gastronomie- oder Hotelbetrieb. Das große<br />

Ziel ist es, Mitarbeiterbindung herzustellen.<br />

Dadurch steigert sich auch die Gästebindung.<br />

Stammmitarbeiter ziehen Stammgäste an.<br />

Man muss den Tourismusbetrieb gesamthaft<br />

sehen. Mit unserem Zahlenwerk haben wir<br />

den Vorteil, rein auf die Tourismusbranche<br />

spezialisiert zu sein.<br />

Vogelsberger: Der Tourismus hat sich ganz<br />

entscheidend gewandelt. Der Gastronom, der<br />

früher im blauen Weinschurz am Stammtisch<br />

„Das große Ziel muss es<br />

sein, Mitarbeiterbindung<br />

herzustellen. Dadurch<br />

steigert sich auch die Gästebindung.<br />

Stammmitarbeiter<br />

ziehen Stammgäste an.“<br />

gesessen ist, hat sich gewandelt zum Verkaufsprofi,<br />

der einen Smoothie trinkt. Das ist<br />

einfach notwendig geworden, um die verschiedenen<br />

Kostenblöcke im Griff zu haben und<br />

einen Umsatz durchzusetzen. Der Wirt von<br />

heute ist ein moderner Unternehmer.<br />

Semlitsch: Das gilt besonders für die Generationen,<br />

die nachkommen. Die sind ganz anders<br />

ausgebildet, die wollen ein Controlling haben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Liefern Sie nach ihrer Analyse auch<br />

konkrete Handlungsanleitungen?<br />

Vogelsberger: Ja. Und bei Bedarf auch Coaching.<br />

Bei Bedarf werden dazu auch externe<br />

Spezialisten zugezogen, denn wir behaupten<br />

nicht Experten für alle Bereiche zu sein.<br />

<strong>ECHO</strong>: Benchmarking verlangt nach Referenzdaten.<br />

Wie wird die Integrität dieser<br />

Daten gewährleistet?<br />

Semlitsch: Das ist ein wichtiges Thema.<br />

Zahlenwerk ist durch die Kooperation<br />

zweier Unternehmen entstanden, die über<br />

strukturierte Daten verfügen. Im HR-Bereich<br />

verwenden wir bei hgc schon seit 15 Jahren<br />

das Usali- bzw. Star-System. Diese Struktur<br />

verwenden wir auch im Benchmarking. Deshalb<br />

schaffen wir immer vergleichbare Zah-<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

95


top 500 | INTERVIEW<br />

len. Wichtig ist es, eine einheitliche Datenbasis<br />

zu schaffen, um einen fundierten Vergleich<br />

zu ermöglichen. Wir grenzen jeden Monat<br />

neu ab, und nicht nur einmal am Jahresende<br />

oder am Bilanzstichtag. Durch unsere Partnerschaft<br />

haben wir die Daten schnell zur Verfügung<br />

und können diese dem Kunden zeitnah<br />

übermitteln. Bei Erstellung der Datenbank<br />

war uns dabei ganz wichtig, Daten aus allen<br />

unterschiedlichen Systemen übernehmen zu<br />

können.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ende der 90er Jahre hat in den Hotels<br />

ein großer Wellnessboom eingesetzt. Die<br />

Wellnessbereiche wurden immer größer, die<br />

Ausstattung immer besser und damit in Summe<br />

auch teurer. Kann diese Entwicklung so<br />

weitergehen, wenn die Profitabilität der Hotels<br />

weiter unter Druck gerät?<br />

Vogelsberger: Grundsätzlich glaube ich,<br />

dass das Produkt Tourismus einem weltweiten<br />

Konkurrenzverhalten unterliegt. Grundsätzlich<br />

haben sich in der Branche das Kundenverhalten<br />

und dessen Ansprüche geändert. Wenn man<br />

sich ansieht, was in der Infrastruktur passiert<br />

und auf welchem Level, dann ist das utopisch.<br />

Ich glaube aber – und da sind wir wieder bei den<br />

Zahlen –, dass der Kunde nicht mehr bereit ist,<br />

für ein Produkt zu bezahlen, das nicht durchdacht<br />

ist und wo der Erlebnisfaktor fehlt. Das<br />

ist die große Herausforderung für Häuser, die<br />

im Investitonsbereich einiges verschlafen oder<br />

den Sprung nicht mehr geschafft haben. Der Investitonsdruck<br />

bleibt jedenfalls hoch, man will<br />

und muss dem Gast etwas bieten. Man hat ein<br />

globales und vergleichbares Produkt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was ist die Hartwährung im Tourismus?<br />

Nächtigungszahlen?<br />

Vogelsberger: Diese Fixierung auf Nächtigungszahlen<br />

sehen wir vor allem seitens der Politik.<br />

Steigende Nächtigungszahlen werden öffentlich<br />

öffentlich breitgetreten. Diese werden<br />

jedoch vielfach durch einen massiven Preisrutsch<br />

erkauft. Das ist das Strukturproblem<br />

schlechthin. Es gibt Häuser, die am Markt ihre<br />

Preise nicht durchsetzen können und damit<br />

ihre Daseinsberechtigung mehr oder weniger<br />

verloren haben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wo sehen Sie sonst noch Schwachstellen<br />

im <strong>Tirol</strong>er Tourismus?<br />

Vogelsberger: Ich sehe die Schwachstellen<br />

„Es gibt Häuser, die am<br />

Markt ihre Preise nicht<br />

durchsetzen können und<br />

ihre Daseinsberechtigung<br />

mehr oder weniger verloren<br />

haben.“<br />

grundsätzlich in irrwitzigen Arbeitszeitregelungen,<br />

steigendem Bürokratieaufwand und<br />

der steuerlichen Gesetzgebung. Keiner von<br />

unseren Kunden jammert darüber, wenn er in<br />

einen Wellnessbereich investieren muss, denn<br />

da steckt ein Konzept, eine Strategie dahinter.<br />

Gejammert wird über die Vielzahl der für den<br />

Gast sinnlosen Investitionen.<br />

Semlitsch: Ich sehe die Lage des Tourismus<br />

in <strong>Tirol</strong> und Österreich grundsätzlich recht<br />

positiv. Das große Problem sehe ich im Bereich<br />

Mitarbeiter. Grundsätzlich ist es derzeit<br />

wesentlich schwieriger, an Mitarbeiter zu kommen<br />

als an Gäste. Das liegt aus meiner Sicht an<br />

drei Faktoren. Die Politik muss den Tourismus<br />

neu gestalten. Der Tourismus ist nicht die Industrie,<br />

wo ich Maschinen einsetzen kann. Es<br />

geht immer um den Faktor Mensch. Der Gast<br />

braucht außerdem nicht nur von „nine to five“<br />

etwas. Deshalb braucht es mehr Flexibilität bei<br />

den Arbeitszeiten. Das wollen auch die Mitarbeiter.<br />

Was die Qualität anbelangt: Natürlich<br />

sind die Beschäftigten im Tourismus nicht<br />

immer nur gut behandelt worden. Das hängt<br />

uns jetzt nach. Da gibt es bei einigen Unternehmen<br />

noch Verbesserungspotenzial. Viele<br />

tun sich aber für ihre Mitarbeiter sehr viel an.<br />

Das Image ist aber nicht so schlecht, wie es öffentlich<br />

immer dargestellt wird. Wir brauchen<br />

wieder mehr junge österreichische Mitarbeiter,<br />

die in der Branche arbeiten wollen. Es ist ein<br />

schöner Beruf, im Tourismus zu arbeiten. Man<br />

lernt Leute kennen und kann sich weiterentwickeln.<br />

Ich kenne wenige Branchen, wo man so<br />

gute Aufstiegschancen hat wie im Tourismus.<br />

Das Hauptproblem ist, dass immer noch sehr<br />

viel schlechtgeredet wird. Was wäre <strong>Tirol</strong> ohne<br />

den Tourismus?<br />

<strong>ECHO</strong>: Menschliche Arbeitskraft ist teuer. Es<br />

gibt mittlerweile Hotelketten, die es sich zum<br />

Geschäftsmodell gemacht haben, mit möglichst<br />

wenigen Mitarbeiter auszukommen. Ist<br />

das auch im Skitourismus denkbar?<br />

Semlitsch: Die gehobene Tourismusbranche,<br />

wo der Gast verwöhnt werden möchte, kann<br />

mit einem derartigen Modell nicht funktionieren.<br />

Möglicherweise ist das eine Option für das<br />

untere Segment.<br />

Vogelsberger: Ich glaube, das ist vor allem<br />

ein urbanes Thema. Die österreichische Hotellerie<br />

ist von der Struktur her kleiner als die<br />

internationale. Vielfach handelt es sich um<br />

Familienbetriebe, wo die Eigentümer präsent<br />

sind und am Gast arbeiten. Das hat eine große<br />

Bindungswirkung.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sehen Sie auch eine gewisse Problematik<br />

bei Betriebsnachfolgen?<br />

Vogelsberger: Das ist in der Praxis durchaus<br />

ein Thema. Ich glaube, dass dieses Schlechtreden<br />

und Verbreiten negativer Stimmung<br />

ein großes Problem darstellt. Da müssen sich<br />

Familien, die ihr Hotel an die nächste Generation<br />

übergeben wollen, selbst an der Nase<br />

nehmen. Bei dem riesigen Potential im Tourismusbereich<br />

könnte man auch einmal über<br />

die Chancen sprechen und nicht nur über die<br />

Risken. Tut man das nicht, braucht man den<br />

angehenden Hoteliers nicht böse sein, wenn<br />

sie sich mehr fürchten als freuen. Deshalb<br />

braucht man aussagefähige Zahlen und sichere<br />

Planungsinstrumente, um mit dem Druck des<br />

Unternehmertums gut umgehen zu können.<br />

Ständige Verbesserungen und notwendige Finanzierungen<br />

gehören da einfach dazu. Wenn<br />

aber die Hausaufgaben gut gemacht wurden,<br />

dann stimmt das Bild des erfolgreichen Hoteliers<br />

mit dem seines erfolgreich geführten<br />

Hauses überein. Das ist unser Ziel!<br />

Interview: Marian Kröll<br />

96<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


C U RA | PROMOTION<br />

Nr. 170<br />

Kompetenz durch Kooperation<br />

Das Innsbrucker Kosmetikunternehmen CURA Marketing GmbH setzt bei der Erforschung<br />

und Entwicklung neuer Wirkstoffe auf enge Kooperation mit Universitäten.<br />

Erst im vergangenen Jahr hat die<br />

CURA Marketing GmbH das neu<br />

errichtete CURA Cosmetic Competence<br />

Center in der Innsbrucker Dr.<br />

Franz-Werner-Straße bezogen. Heuer hat<br />

CURA einen weiteren, wichtigen Schritt<br />

in seiner Unternehmensgeschichte gesetzt<br />

und am neuen Standort eine hausinterne<br />

Forschungs- und Entwicklungsabteilung<br />

eingerichtet. Geleitet wir die F&E-Abteilung<br />

von Dr. Julia Kirchebner und ihr<br />

obliegt es auch, die Zusammenarbeit mit<br />

jenen Universitäten zu koordinieren, die<br />

für CURA Forschungsaufträge abwickeln.<br />

Foto: Friedle<br />

KOOPERATION ALS<br />

WETTBEWERBSVORTEIL<br />

Roland Kohl, CEO von CURA, kennt das<br />

Kosmetikgeschäft seit mehr als 35 Jahren,<br />

sein Unternehmen hat er im Jahr 1999 gegründet.<br />

Zu Beginn bewegte sich CURA<br />

vornehmlich in Marktnischen und konnte<br />

mit der Verkaufsplattform Tele-Shopping<br />

vor allem in jenen Märkten punkten, die<br />

den Big Playern in der Kosmetikindustrie<br />

nicht so attraktiv erschienen sind. Mittlerweile<br />

wagt sich CURA immer mehr aus<br />

den selbstgewählten Nischen heraus und<br />

vor allem im Bereich Anti-Aging-Kosmetik<br />

begegnet man den Mitbewerbern durchaus<br />

auf Augenhöhe.<br />

Eine der Hauptgründe, warum ein<br />

kleines, regionales Unternehmen wie<br />

CURA im Big Business Kosmetik an der<br />

Spitze mitspielen kann, ist sicher die enge<br />

Kooperation mit internationalen Forschungseinrichtungen.<br />

Da wäre zum einen<br />

die Universität Innsbruck zu nennen, die<br />

in einem gemeinsamen Projekt mit CURA<br />

die Inhaltsstoffe von Alpenpflanzen analysiert<br />

und dabei erforschen soll, ob diese<br />

Stoffe eine Wirkung auf die Jungerhaltung<br />

der Haut haben.<br />

Neben der Universität Innsbruck ist<br />

auch die italienische Universität Ferrara<br />

Das Team von CURA mit Geschäftsführer/CEO Roland Kohl.<br />

für CURA aktiv. Hier werden innovative<br />

Lösungen zur Konservierung von Kosmetika<br />

erforscht, um deren Haltbarkeit<br />

zu verlängern. Auch zur Universität in<br />

Athen gibt es gute Kontakte. In Griechenland<br />

wird intensiv an der Analyse<br />

der Wirkstoffe der Olive gearbeitet. Diese<br />

Forschungen sollen bald Grundlage einer<br />

neuen Kosmetik-Linie werden.<br />

SCHÖNHEIT WIRD ZUR<br />

VERHANDLUNGSSACHE<br />

Für Roland Kohl ist die Kooperation<br />

mit den internationalen Forschungseinrichtungen<br />

ein wichtiger Wettbewerbsvorteil<br />

und unverzichtbarer Motor einer<br />

ständigen Weiterentwicklung seines Unternehmens.<br />

CURA verfügt über ein engagiertes<br />

Führungsteam, das sich Innovation<br />

und die ständige Weiterentwicklung<br />

auf seine Fahnen geschrieben hat. Aktuell<br />

ist CURA in 15 europäischen Ländern<br />

aktiv. Bald will man den Sprung über den<br />

großen Teich in die USA wagen.<br />

Der Kosmetik-Markt ist permanent im<br />

Wachsen begriffen, am deutlichsten im<br />

Bereich der Anti-Aging-Gesichtspflege.<br />

Durch innovative Kosmetik wird immer<br />

deutlicher, dass die Schönheit jugendlicher<br />

Haut nicht ausschließlich Schicksal,<br />

sondern durchaus auch Verhandlungssache<br />

ist. Und CURA liefert mit seinen<br />

Kosmetik-Linien eine Vielzahl von sehr<br />

guten Argumenten für diese Verhandlungen.<br />

KONTAKT & FACTS<br />

CURA Marketing GmbH<br />

Dr.-Franz-Werner-Straße 19, 6020 Innsbruck<br />

Telefon: +43 (0)512 26 26 76<br />

E-Mail: office@cura.co.at<br />

www. curacosmetic.com


top 500 | INTERVIEW<br />

Klaviatur mit neuen<br />

Tasten<br />

Interview. Rechtsanwalt Herbert Schöpf ist Experte für Europa- und Vergaberecht. Der<br />

Übergang vom Billigst- zum Bestbieterprinzip hat das Potenzial, die Baukultur<br />

entscheidend zu verändern.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie schätzen Sie die Bedeutung<br />

des öffentlichen Auftragswesens ein?<br />

Herbert Schöpf: Das öffentliche Auftragswesen<br />

ist in Europa ein Multi-Milliardenmarkt.<br />

Viele öffentliche Gebäude, die in<br />

den 60er und 70er Jahren errichtet wurden,<br />

sind baufällig, besonders in den Städten gibt<br />

es starken Zuzug. Es gilt, nachhaltige Infrastrukturentwicklung<br />

zu machen, bei der die<br />

Daseinsvorsorge berücksichtigt wird. Das ist<br />

ein über das Bauliche weit hinausreichender<br />

Zugang. Es geht nicht nur darum, einfach<br />

ein Gebäude hinzustellen. Es geht um lebendige<br />

Infrastruktur, die man mit Blick in die<br />

Zukunft baut, die sich entwickeln können<br />

muss. Das ist moderne Kommunal- und<br />

Stadtentwicklung. Dafür braucht man eine<br />

Ausschreibung, die mit Weitblick angelegt ist<br />

und Nachhaltigkeit, Qualitätssicherung und<br />

den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes<br />

im Auge hat. Das Europarecht verbietet bei<br />

Ausschreibungen jegliche Diskriminierung.<br />

Deshalb ist es wichtig, Kritierien zu formulieren,<br />

mit denen man lokale Unternehmen mit<br />

ihren Stärken abholt. Das wird nicht immer<br />

der Preis sein. Man muss Qualitätskriterien<br />

ausschreiben, bei denen es für handwerkliche<br />

Qualität Punkte gibt, und nicht für den billigsten<br />

Preis.<br />

<strong>ECHO</strong>: Bei öffentlichen Bauten wird gerne<br />

geraunt, in welchen Dimensionen sich die<br />

Überschreitung der Baukosten wohl bewegen<br />

mag. Die offiziellen Baukosten werden<br />

gar nicht so recht ernst genommen.<br />

Schöpf: Das darf nicht sein. Was in einem<br />

Angebot versprochen wird, muss auch gehalten<br />

werden. Und das ist machbar! Dafür<br />

braucht es eine qualitative Ausschreibung.<br />

Man muss auch die Baubranche fair behandeln<br />

und nicht Risiken auf sie abwälzen, die<br />

sie nicht tragen kann. Es geht um transparente,<br />

faire Ausschreibungen, wo die Kriterien<br />

von vornherein völlig klar sind. Eine<br />

solche Ausschreibung muss dann halten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das Bundesvergabegesetz wurde<br />

novelliert. Welche praxisrelevanten Änderungen<br />

hat diese Novelle gebracht?<br />

Schöpf: Diese Novelle fußt auf den neuen<br />

Vergaberichtlinien der Europäischen Union,<br />

die 2014 in Kraft getreten sind und in nationales<br />

Recht überführt wurden. An und für<br />

sich wurden die Richtlinien aus 2004 durch<br />

Foto: Kröll<br />

98<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


die mannigfaltige Rechtsprechung des Europäischen<br />

Gerichtshofes adaptiert, der das<br />

Auslegungsmonopol hat. Durch den starken<br />

angelsächsischen Einschlag unterscheidet<br />

sich das Europarecht wesentlich vom Kontinentalrecht.<br />

Eine ganz markante Auswirkung<br />

der EuGH-Rechtsprechung ist die grundsätzliche<br />

Zulässigkeit von Mehrfachbeteiligungen<br />

von Bietergemeinschaften und Subunternehmern.<br />

Das ist für den Markt essenziell.<br />

Vor der Novelle durfte ein Subunternehmer<br />

nur für einen Bieter benannt werden. Mehrfachbenennung<br />

führte zum Ausschluss. Der<br />

EuGH sagt, dass ein Ausschluss nur zulässig<br />

ist, wenn es einen konkreten Hinweis gibt,<br />

dass eine Mehrfachbeteiligung zu einer Wettbewerbsverzerrung<br />

führt. Das bedeutet eine<br />

Stärkung für KMUs und lokale Unternehmen,<br />

die in mehreren Bieterkonsortien als<br />

Subunternehmer genannt werden können.<br />

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit sehr<br />

stark, dass der lokale Betrieb als Subunternehmer<br />

am Bauvorhaben teilnimmt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben ihren Kanzleischwerpunkt<br />

als Vergebende Stelle, die für öffentliche<br />

Auftraggeber den Beschaffungsvorgang<br />

abwickelt. Was heißt das konkret?<br />

Schöpf: Ich trete für den öffentlichen Auftraggeber<br />

auf dem Markt ein und organisiere<br />

Beschaffungsvorgänge. Ich formuliere die<br />

Ausschreibungsbedingungen, mache die<br />

Ausschreibung bekannt und verantworte den<br />

organisatorischen Beschaffungsvorgang. Zu<br />

diesem ziehe ich technische Berater bei. Die<br />

neuen Vergaberichtlinien sind ein Handwerkzeug<br />

für eine qualitative Beschaffung.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was darf man sich unter dem Übergang<br />

vom Billigst- zum Bestbieterprinzip<br />

vorstellen und was heißt das vor dem Hintergrund,<br />

dass die öffentlichen Haushalte unter<br />

Druck sind?<br />

Schöpf: Eigentlich möchte man meinen,<br />

dass von der Begrifflichkeit das Billigstbieterprinzip<br />

für knappe Kassen das Vernünftigste<br />

wäre. Ich halte es aber mit Sherlock Holmes,<br />

der zu Dr. Watson gesagt hat: „Wir sind zu<br />

arm, um uns etwas Billiges leisten zu können.“<br />

Das heißt, das Billigste ist oft nicht das Beste<br />

für die öffentliche Hand. Beim Billigstbieterprinzip<br />

ist das einzige Zuschlagskriterium der<br />

Preis. Fairerweise muss man sagen, dass auch<br />

das Billigstbieterprinzip Qualität hat, die man<br />

über die Leistungsbeschreibung festlegt. In<br />

der Vergangenheit hat man entweder von der<br />

technischen Seite die Qualität nicht ausreichend<br />

definiert, sodass sie sich über den Preis<br />

nicht wiedergegeben hat oder – was am Markt<br />

passiert ist – es trotz einer qualitativen Ausschreibung<br />

zu Dumpingpreisen gekommen<br />

ist. Durch das Primat des Bestbieterprinzips<br />

muss zum Preis mindestens noch ein Qualitätskriterium<br />

beurteilt werden. Das darf kein<br />

Scheinkriterium sein. Zumindest zehn Prozent<br />

der Gewichtung sollte auf Qualität beruhen,<br />

dieses Verhältnis kann beliebig angepasst<br />

werden. Das ist ein Steuerungsinstrument.<br />

Das Bestangebot ist rechtlich definiert als das<br />

technisch und wirtschaftlich günstigste Angebot.<br />

Durch die entsprechende Gewichtung<br />

des Preiskriteriums zum Qualitätskriterium,<br />

z. B. 60 : 40, kann man sicherstellen, dass die<br />

beste Qualität zum günstigsten Preis den Zuschlag<br />

erhält.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Qualitätskriterien kann man<br />

berücksichtigen?<br />

Schöpf: Ein Qualitätskriterium ist die Qualifikation<br />

des Schlüsselpersonals. Wenn man<br />

zum Beispiel einen Bau in Sichtbeton ausführen<br />

lassen möchte, kommt es darauf an, ob<br />

das ausführende Bauunternehmen das auch<br />

beherrscht. Neben dem Preis kann man dann<br />

die Qualifikation der Mitarbeiter – welche<br />

Ausbildungen, Fachschulungen, Berufserfahrung<br />

haben sie vorzuweisen – als Kriterium<br />

heranziehen und bepunkten. Man kann aber<br />

auch die Mindestqualität in den technischen<br />

Spezifikationen definieren und darüber hinausgehende<br />

Leistungen, die dem Bauherren<br />

in der Nutzung technische oder wirtschaftliche<br />

Vorteile bringen, bepunkten. Generell<br />

ist das neue Vergabegesetz eine Klaviatur mit<br />

vielen neuen Tasten, auf der zu spielen man<br />

lernen muss.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie lässt sich verhindern, dass die<br />

Qualitätskriterien so selektiv formuliert werden,<br />

dass das Angebot auf einen Bieter zugeschnitten<br />

wird?<br />

Schöpf: Es ist verpönt, bieter- oder produktspezifisch<br />

auszuschreiben, wenn es nicht<br />

sachlich gerechtfertigt ist. Es ist aber nicht ein<br />

Phänomen des Bestbieterprinzips, sondern<br />

bei Best- und Billigstbieterprinzip ganz einfach<br />

„Das neue Vergabegesetz<br />

ist eine Klaviatur mit vielen<br />

neuen Tasten.“<br />

eine Frage einer transparenten Leistungsbeschreibung,<br />

die Bedingungen festlegt, die<br />

nicht produkt- oder bieterspezifisch sind.<br />

<strong>ECHO</strong>: Es gibt im Bundesvergabegesetz<br />

neue Möglichkeiten, wie etwa die Innovationspartnerschaft<br />

oder den wettbewerblichen<br />

Dialog. Können diese zur Herausbildung einer<br />

neuen Baukultur führen?<br />

Schöpf: Derzeit steckt die Ausreizung der<br />

vielen Möglichkeiten, die das neue Bundesvergabegesetz<br />

eröffnet, noch in den Kinderschuhen.<br />

Ganz wichtig ist es, die gesamten<br />

Lebenszykluskosten in Ausschreibungen<br />

zu berücksichtigen. Es gibt noch kaum jemanden,<br />

der diese PS auf den Boden bringt.<br />

Das Gesamtpaket ist der Schlüssel zum Erfolg,<br />

mit dem ich eine moderne, innovative, nachhaltige<br />

Beschaffung gewährleisten kann, die<br />

auch hält, was versprochen wurde. Dann hat<br />

der öffentliche Markt eine ehrliche Chance,<br />

budgetschonend qualitative Leistungen zu<br />

bekommen, die auch die lokale Wirtschaft<br />

stärken, weil ich die Fertigungsqualität bewerten<br />

und beurteilen kann. Wenn das Bundesvergabegesetz<br />

richtig eingesetzt wird, dann<br />

führt das in eine neue Ära, zu einer neuen<br />

Baukultur, von der letztlich alle am Bauprozess<br />

Beteiligten profitieren.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

99


top 500 | INTERVIEW<br />

„Der Unternehmer steht<br />

am Pranger“<br />

Interview. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Alexander Gessler übt Kritik an immer<br />

komplexer werdender Gesetzgebung, umreißt die Folgen der Digitalisierung in der<br />

Branche und sieht ein generelles Misstrauen gegenüber Wirtschaftstreibenden.<br />

<strong>ECHO</strong>: Erhitzt die Registrierkassa nach wie<br />

vor die Gemüter?<br />

Alexander Gessler: Das Hauptproblem<br />

ist, dass es hinsichtlich der am 1. April 2017<br />

in Kraft tretenden neuen Sicherheitsbestimmungen<br />

noch nicht zu hundert Prozent klar<br />

ist, wie die Registrierkassen programmiert<br />

werden müssen. Die Auskünfte des BMF sind<br />

unzureichend, den Software-Firmen fehlen<br />

Informationen über den QR-Code und den<br />

Verschlüsselungsalgorithmus.<br />

<strong>ECHO</strong>: Das heißt, dass der Gesetzgeber<br />

seine Hausaufgaben noch nicht gemacht hat?<br />

Gessler: Der Gesetzgeber verlangt zwar von<br />

den Steuerpflichtigen die pünktliche Erfüllung<br />

der Verpflichtungen unter Androhung<br />

von Sanktionen, ist aber selbst nicht in der<br />

Lage, die eigenen Aufgaben zeitgerecht zu<br />

erfüllen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Im Zusammenhang mit der Registrierkassa<br />

gab es Aufregung rund um die Behandlung<br />

von Vereinen. Ist dieses Thema jetzt<br />

zufriedenstellend und praktikabel gelöst?<br />

Gessler: Eine gewisse Erleichterung für die<br />

Vereine ist sicherlich gegeben. Vereine können<br />

Feste bis 72 Stunden im Kalenderjahr<br />

durchführen und sind von der Registrierkassenpflicht<br />

und Umsatzsteuer ausgenommen.<br />

Auch bei kleinen Vereinskantinen gibt es entsprechende<br />

Erleichterungen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Digitalisierung ist das große<br />

Thema unserer Zeit. Was bedeutet diese für<br />

Ihren Berufsstand?<br />

Gessler: Die Digitalisierung, insbesondere<br />

die digitale Archivierung, gewinnt an Bedeutung.<br />

In der Buchhaltung ist es die elektronische<br />

Verbuchung von Belegen, die in Zukunft<br />

zu einer erheblichen Automatisierung<br />

in der Buchhaltung führen wird. Die Einhaltung<br />

der Datensicherheit wird aufgrund<br />

künftiger gesetzlicher Bestimmungen eine<br />

neue Herausforderung. Manche Dinge muss<br />

man bis zu 22 Jahre lang aufbewahren. Da<br />

bietet sich vorsichtshalber ein ausgedrucktes<br />

Exemplar zusätzlich auch noch an. Bei der<br />

papierlosen Buchhaltung schickt der Klient<br />

die Belege digital an den Buchhalter, dort<br />

werden sie verbucht und der Beleg digital<br />

hinterlegt. Die Umsätze von Registrierkassen<br />

können direkt in die Buchhaltung eingelesen<br />

werden. Das gehört mittlerweile zum Standard.<br />

Der Fiskus kann sich in Zukunft keine<br />

großen Nachzahlungen mehr erwarten, weil<br />

alles automatisch erfasst wird.<br />

<strong>ECHO</strong>: Im Zuge der Einführung der Registrierkassa<br />

hat man sich einen hohen neunstelligen<br />

Betrag an zusätzlichem Steueraufkommen<br />

versprochen. Glauben Sie, dass diese<br />

Annahme realistisch ist?<br />

Gessler: Das Steueraufkommen wird nur<br />

Fotos: Kröll<br />

100<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


„Generell hat man oft den<br />

Eindruck, dass gewisse<br />

Dinge im Bilanzrecht zum<br />

Selbstzweck geändert<br />

werden.“<br />

geringfügig höher ausfallen. Es wird seitens<br />

des BMF übersehen, dass die Unternehmer<br />

ihre Geldflüsse genau erfassen, um eine<br />

Kontrolle über ihre Finanzen zu haben. Das<br />

Bestreben der Unternehmer ist nicht die<br />

Steuerhinterziehung, zu prüfen, dass im Unternehmen<br />

kein Geld versickert.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie sehen Sie die Einführung des<br />

zentralen Kontoregisters?<br />

Gessler: Da erwartet sich der Finanzminister<br />

auch wieder zusätzliche Einnahmen. Das<br />

ist mir unverständlich, zumal in der Presse<br />

eigenartige Beispiele genannt werden, die an<br />

den Haaren herbeigezogen sind. Ich glaube<br />

nicht, dass Unternehmer eigene Schwarzgeldkonten<br />

unterhalten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Diese Maßnahmen machen den<br />

Eindruck, dass der Staat den Wirtschaftstreibenden<br />

einen Misstrauensvorschuss entgegenbringt.<br />

Gessler: Man hat den Eindruck, dass der<br />

Unternehmer wie ein potenzieller Steuerhinterzieher<br />

am Pranger steht. Es mag das eine<br />

oder andere schwarze Schaf geben, aber das<br />

ist nicht die Masse.<br />

<strong>ECHO</strong>: Gründen wird von Bund und<br />

Land mittels diverser Initiativen forciert. Wie<br />

schwierig ist aus bürokratischer Sicht, ein Unternehmen<br />

zu gründen?<br />

Gessler: Neugründungen von Unternehmen<br />

sind kein großer Aufwand. Das Gewerberecht<br />

wurde erleichtert. Das Hauptproblem<br />

bei Unternehmensgründungen ist, dass die<br />

Bank kaum Kredite vergibt, sofern der Gründer<br />

nicht mit mindestens 70 Prozent haftet.<br />

Die Banken gehen keine Risiken ein. Häufig<br />

müssen Familienangehörige bürgen, damit<br />

der Unternehmensgründer einen Kredit bekommt.<br />

Darin sehe ich das größte Problem<br />

und das größte Hindernis. Die Bürokratie,<br />

das Steuer- und Gewerberecht sind nicht ein<br />

so großes Problem wie die restriktiven Bedingungen<br />

für die Anschubfinanzierung. Der<br />

Staat könnte Unternehmensgründern mehr<br />

Unterstützung anbieten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Gibt es für Neugründer eine steuerliche<br />

Privilegierung?<br />

Gessler: Es gibt das Neugründungs-Förderungsgesetz,<br />

in dem bei der Kommunalsteuer,<br />

Grunderwerbssteuer, Sozialversicherung<br />

und Firmenbucheintragung Erleichterungen<br />

vorgesehen sind. Das ist schon in Ordnung,<br />

macht das Problem der Finanzierung aber<br />

nicht wesentlich besser. Aus meiner Sicht<br />

wäre ein Gründungsfonds, der Haftungen für<br />

Neugründer in einem bestimmten Ausmaß<br />

übernimmt, die beste Lösung.<br />

<strong>ECHO</strong>: In Österreich wird seit bald Jahrzehnten<br />

über Bürokratieabbau und Reformen<br />

geredet. Worüber haben Sie sich in letzter<br />

Zeit geärgert?<br />

Gessler: Zum Beispiel werden die kapitalistischen<br />

Personengesellschaften in Zukunft<br />

zwei steuerliche Kapitalkonten führen<br />

müssen. Die Behandlung dieser zwei Kapitalkonten<br />

ist einen Wissenschaft. Die Kapitalkonten<br />

haben unterschiedliche steuerliche<br />

Auswirkungen fürhen zu einer starken Einschränkung<br />

der Verlustverwertung. Die rückwirkenden<br />

Änderungen der Aufteilung in<br />

Grund und Boden und der Neuberechnung<br />

der Abschreibungen lassen Zweifel in Bezug<br />

auf den Rechtsstaat aufkommen. Das RÄG<br />

2014 müssen Unternehmer bei der Bilanzierung<br />

ab 1.1. <strong>2016</strong> bezahlen. Die neuen gesetzlichen<br />

Bestimmungen führen wieder zu<br />

Mehraufwand für Unternehmer, ohne dass<br />

sich die Aussagekraft der Bilanzen verbessert.<br />

Generell hat man oft den Eindruck, dass gewisse<br />

Dinge im Bilanzrecht zum Selbstzweck<br />

geändert werden. Es wird komplexer. Das ist<br />

für Unternehmen alles andere als hilfreich<br />

und auch für Außenstehende, die in eine Bilanz<br />

Einsicht nehmen wollen, keine Verbesserung.<br />

Das permanente Ändern bringt auch<br />

einen enormen Schulungsaufwand mit sich.<br />

Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum<br />

Ergebnis.<br />

<strong>ECHO</strong>: Kann man aus den Änderungen<br />

im Steuersystem eine gewisse Praxisferne<br />

herleiten?<br />

Gessler: Für mich ist enttäuschend, dass<br />

Finanzminister Schelling, der aus der Wirtschaft<br />

kommt, in seinem Ministerium keine<br />

wirklich praxiskonforme Regelung zuwege<br />

gebracht hat. Die Bestimmungen, wie sie<br />

etwa die Geldwäsche-Richtlinie vorsieht,<br />

belasten wieder nur Unternehmen, Rechtsanwälte<br />

und Steuerberater. Da wird meines<br />

Erachtens wieder mit Kanonen auf Spatzen<br />

geschossen. Die ganz Großen trifft man<br />

dadurch nicht, die sind ohnehin offshore.<br />

Die Transparenz und der Informationsaustausch<br />

werden immer stärker. Man muss ein<br />

Weltkonzern wie Apple oder Google sein,<br />

dass man mit der Regierung Steuerpriviliegien<br />

ausverhandeln kann. Da wird dann auf<br />

Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verzichtet,<br />

wie wir es aktuell in Irland gesehen<br />

haben. Bei den Klein- und Mittleren Unternehmen<br />

werden dafür die Steuerschrauben<br />

so stark angezogen, dass von diesen auch<br />

noch die letzten Reserven herausgequetscht<br />

werden. Für die allgemeine Stimmung ist<br />

das sehr schlecht.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

101


top 500 | INTERVIEW<br />

„Im Hamsterrad immer<br />

schneller laufen“<br />

Interview. Rechtsanwalt Gernot Moser findet die fortschreitende Digitalisierung in der<br />

Justiz und Verwaltung prinzipiell positiv, kennt aber auch die Schattenseiten. Moser<br />

glaubt nicht, dass das Papier so rasch ausgedient hat und noch viel weniger der Mensch.<br />

<strong>ECHO</strong>: Stichwort Digitalisierung. Was<br />

kommt auf Ihre Branche zu?<br />

Gernot Moser: Ich bin sehr begeistert<br />

über die Entwicklung der vergangenen Jahre,<br />

was die Digitalisierung in der Justiz, aber<br />

auch ganz generell in der Verwaltung betrifft.<br />

Unsere Kanzlei beschäftigt sich relativ viel<br />

mit Kauf-, Wohnungseigentums- und Bauträgerverträgen,<br />

also dem ganzen Immobilienbereich.<br />

Da spürt man die Digitalisierung<br />

sehr. Zum einen werden die Urkunden beim<br />

Grundbuch nicht wie früher in Papierform<br />

abgegeben, sondern von uns digital archiviert,<br />

signiert und mit einer Kennziffer einem<br />

digitalen Grundbuchsgesuch angeschlossen<br />

und per Web-ERV, dem elektronischen<br />

Rechtsverkehrs des Gerichts, übertragen.<br />

Damit erübrigt sich das mehrfache Vorlegen<br />

von Urkundenkopien in Papierform. Zusätzlich<br />

eröffnet sich der große Vorteil, dass diese<br />

Urkunden seit 2006 flächendeckend digital<br />

erfasst sind und damit jederzeit elektronisch<br />

abgerufen werden können. Das ist sehr praktisch,<br />

etwa bei der Berechnung der Immobilienertragssteuer.<br />

Es ist zur Gewinnermittlung<br />

oft notwendig zu wissen, wann eine Immobilie<br />

zu welchen Konditionen erworben wurde.<br />

Das macht ein schnelleres, flexibleres Arbeiten<br />

möglich. Im Grundbuch selbst hat sich<br />

die Digitalisierung durch ein vorformatiertes<br />

Grundbuchsgesuch bemerkbar gemacht.<br />

Früher hat man das Gesuch in Papierform in<br />

einer Reihe verschiedener Formulierungen<br />

eingebracht, jedes Gericht, jeder Rechtspfleger<br />

hatte seine eigenen Vorstellungen.<br />

Diese Diskussionen gibt es nicht mehr, weil<br />

es standardisierte Felder gibt. Das hat aber<br />

den Nachteil, dass manche Gesuche damit<br />

extrem aufwändig werden. Wenn etwa auf<br />

einer Liegenschaft Wohnungseigentum begründet<br />

wird, zum Beispiel 50 verschiedene<br />

Tops geschaffen werden, wäre das Gesuch in<br />

Foto: Kröll<br />

102<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


VOLKSBANK | PROMOTION<br />

Topfi t für die Zukunft –<br />

die neue Volksbank <strong>Tirol</strong>!<br />

Die drei <strong>Tirol</strong>er Volksbanken haben sich erfolgreich zur neuen, starken Volksbank <strong>Tirol</strong><br />

zusammengeschlossen. Regionalität, Kundenpartnerschaft und persönliche Beratung stehen<br />

dabei auch weiterhin im Fokus.<br />

Im September fand die technische Zusammenführung<br />

der Volksbank <strong>Tirol</strong><br />

Innsbruck-Schwaz AG mit der Volksbank<br />

Kufstein-Kitzbühel eG und der<br />

Volksbank Landeck eG statt.<br />

Die neue Bank mit dem Namen Volksbank<br />

<strong>Tirol</strong> AG wurde bereits mit 1. September<br />

<strong>2016</strong> ins Firmenbuch eingetragen. Aus den<br />

drei Instituten entstand so eine starke <strong>Tirol</strong>er<br />

Regionalbank mit 39 Filialen, rund<br />

445 Mitarbeitern, einer Bilanzsumme von<br />

über drei Milliarden Euro und mehr als<br />

100.000 betreuten Kunden.<br />

VIER REGIONEN. VIER<br />

HAUPTGESCHÄFTSSTELLEN.<br />

Die regionale Verankerung der Volksbank<br />

<strong>Tirol</strong> und die Kundennähe werden durch<br />

die Bildung von vier Hauptgeschäftsstellen<br />

in Landeck, Innsbruck, Schwaz und<br />

Kufstein weiter gestärkt. Alle wichtigen<br />

Entscheidungen werden wie bisher rasch,<br />

unbürokratisch und vor allem vor Ort,<br />

also direkt in den einzelnen Regionen, getroffen.<br />

KAPITALSTÄRKE<br />

IST UNSER TRUMPF<br />

Im Eigenmittel-Ranking der fünf größten<br />

<strong>Tirol</strong>er Banken liegt die Volksbank <strong>Tirol</strong><br />

mit einer Eigenmittelquote von 19,5 % und<br />

einer Kernkapitalquote von 17,5 % unangefochten<br />

an 1. Stelle. Diese hervorragende<br />

Kapitalausstattung bedeutet Sicherheit für<br />

die Kunden und ist eine solide Basis für ein<br />

gesundes Wachstum in der Zukunft.<br />

WIR SICHERN<br />

WIRTSCHAFTSWACHSTUM<br />

UND ARBEITSPLÄTZE<br />

Den <strong>Tirol</strong>er Volksbanken war es schon immer<br />

wichtig, sich auf die Region <strong>Tirol</strong> zu<br />

konzentrieren, statt im Ausland zu spekulieren.<br />

Diesen Kurs werden wir selbstverständlich<br />

auch in Zukunft beibehalten. Die Volksbanken<br />

sind jetzt eine reine österreichische<br />

Bankengruppe. Im Sinne unserer Kunden<br />

setzen wir bewusst auf Wachstum und sind<br />

überzeugt, dass der Rückzug anderer Banken<br />

aus dem regionalen Filialgeschäft und<br />

der persönlichen Beratung große Wachstumsmöglichkeiten<br />

für die Volksbank <strong>Tirol</strong><br />

bietet. Als echte <strong>Tirol</strong>er Regionalbank<br />

planen wir unsere Marktoffensive in allen<br />

Regionen Nordtirols intensiv fortzusetzen<br />

und unsere Service- und Beratungsqualität,<br />

insbesondere in den Bereichen Kommerzund<br />

Anlagegeschäft sowie Wohnbau- und<br />

Konsumfinanzierung, weiter auszubauen.<br />

WIR INVESTIEREN IN UNSERE<br />

MITARBEITER<br />

Die ausgezeichnete Ausbildung der Mitarbeiter<br />

ist eine besondere Stärke der Volksbank<br />

<strong>Tirol</strong>. Nicht zuletzt macht uns dieser<br />

Vorteil zu einer erstklassigen Beraterbank in<br />

<strong>Tirol</strong>. Durch den Zusammenschluss der drei<br />

<strong>Tirol</strong>er Volksbanken haben wir die Möglichkeit,<br />

besondere Stärken und Kompetenzen<br />

nochmals weiterzuentwickeln. Langjährige<br />

Kunden vertrauen auf die gewohnten und erfahrenen<br />

Ansprechpartner vor Ort und Neukunden<br />

verlassen sich auf die Kompetenz<br />

bestens geschulter und motivierter Mitarbeiter<br />

in den Bereichen Firmenkundengeschäft,<br />

Anlageberatung und Wohnbaufinanzierung.<br />

Fotos: © Holy<br />

Die Vorstände freuen sich darauf, als starke Volksbank <strong>Tirol</strong> AG auch in Zukunft<br />

ein verlässlicher Finanzpartner für die Kunden zu sein. Im Bild von links: Mag.<br />

Martin Holzer, Werner Foidl, Mag. Anton Fuchs und Mag. Markus Hörmann.<br />

Die Regionaldirektoren der neuen Volksbank <strong>Tirol</strong> AG blicken mit großem<br />

Optimismus in die Zukunft. Im Bild von links: Mag. Daniel Koler, Stefan Posch,<br />

Josef Tratter und Günther Marek.


top 500 | INTERVIEW<br />

Textform mit einer Tabelle einfacher gewesen.<br />

Das Ende der Fahnenstange ist da aber<br />

noch nicht erreicht, komplizierte Gesuche<br />

werden noch vereinfacht. Insgesamt ist die<br />

Entwicklung, wie gesagt, sehr positiv.<br />

<strong>ECHO</strong>: Gibt es in der Digitalisierung noch<br />

weiße Flecken?<br />

Moser: Im Grundstücksbereich gibt es noch<br />

das alte, überholte Verfahren der Urkundenhinterlegung,<br />

etwa beim Superädifikat. Das<br />

verwandte Baurecht kommt dagegen schon<br />

in den Genuss aller Vorzüge der Digitalisierung.<br />

Im Justizbereich generell hat man schon<br />

unter Justizminister Böhmdorfer begonnen,<br />

das Einbringen von Urkunden digital vorzusehen.<br />

Übertrieben formuliert, ist das teilweise<br />

ein Rohrkrepierer. Wir scannen Urkunden<br />

ein, legen diese digital dem Gericht vor. Was<br />

tut das Gericht? Es druckt die Urkunden in<br />

Schwarz-Weiß aus und legt sie in schlechter<br />

Qualität dem Akt bei. Ich mache die Erfahrung,<br />

dass sehr viele Richter in Zivilprozessen<br />

mittlerweile den Auftrag erteilen, Urkunden<br />

in Papierform vorzulegen, weil es für ein Beweisverfahren<br />

nicht wirklich sinnvoll ist, das<br />

digital beizubringen. Der Richter sollte möglichst<br />

authentische Dokumente vorgelegt<br />

bekommen und nicht irgendwelche zusammengeklebte<br />

Schwarz-Weiß-Kopien.<br />

<strong>ECHO</strong>: Von der papierlosen Justiz ist man<br />

folglich noch weit entfernt?<br />

Moser: Die digital vorgelegten Urkunden,<br />

Anträge und Beilagen werden alle mindestens<br />

einmal gedruckt. Ich vermute, der Druckaufwand<br />

der Justiz hat sich sogar vervielfacht.<br />

„Die persönliche, zwischenmenschliche<br />

Interaktion<br />

kann nicht so einfach ersetzt<br />

werden. Ich glaube sogar,<br />

dass man es auch in ferner<br />

Zukunft, wenn es ans Eingemachte<br />

geht, lieber mit<br />

einem Menschen zu tun<br />

haben wird als mit einer<br />

Maschine.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Der vollständige Verzicht auf die Papierform<br />

erscheint schon undenkbar, weil man<br />

rein physisch nichts mehr in Händen hätte.<br />

Moser: Ich glaube auch, dass das so nicht<br />

kommen wird. Ich vergleiche das immer mit<br />

dem lenkerlosen Fahrzeug. Natürlich werden<br />

uns technische Entwicklungen immer mehr<br />

Tätigkeiten abnehmen. Wir müssen in einem<br />

modernen Fahrzeug ungleich weniger selbst<br />

machen. Ich würde es fast ausschließen, dass<br />

wir als Lenker in den kommenden Jahrzehnten<br />

zur Gänze ersetzt werden. Ich glaube auch, dass<br />

die Art und Weise, Verträge zu schließen, sie zu<br />

unterschreiben, noch sehr lange in der Papierform<br />

passieren wird. Wenn ich einen Kaufvertrag<br />

habe, dann möchte ich diesen irgendwann<br />

auch in der Hand haben und – wie es das schöne<br />

Wort schon sagt – begreifen. Wie man derzeit<br />

sieht, ist das Papier nicht nur nicht ersetzt<br />

worden, sondern der Druckaufwand hat sich<br />

sogar vergrößert. Man geht ja auch salopper<br />

mit dem Thema um, druckt Verträge mehrmals<br />

aus. Früher hat man da mehr aufgepasst,<br />

auch weil Fehler nicht so leicht korrigierbar<br />

waren.<br />

<strong>ECHO</strong>: Die Digitalisierung wirkt sich aber<br />

auch anderweitig auf den Geschäftsalltag aus.<br />

Moser: Ich sehe eine nachteilige Auswirkung<br />

auf die Geschwindigkeit unseres Daseins.<br />

Am Beginn meiner Anwaltstätigkeit hat man<br />

einen Brief bekommen, diesen beantwortet,<br />

per Post verschickt und den betreffenden Akt<br />

dann 14 Tage nicht mehr gesehen. Heute verschickt<br />

man ein Mail und nach fünf Minuten ist<br />

manchmal schon die Antwort da. Das hat den<br />

Vorteil, dass ein Akt schneller bearbeitet wird,<br />

und den Nachteil, dass man im Hamsterrad<br />

immer schneller laufen muss. Ich erlebe es, dass<br />

ich ein Mail bekomme und eine halbe Stunde<br />

darauf schon die Urgenz, dass der Sender<br />

noch keine Antwort bekommen habe. Häufig<br />

bekommt man als Anwalt von Mandanten verschiedene<br />

Dinge zur Kenntnisnahme in CC geschickt.<br />

Dann entsteht die Frage, wie damit zu<br />

verfahren ist. Man muss den Mandanten darauf<br />

aufmerksam machen, dass das eine Leistung ist,<br />

die prinzipiell honorarpflichtig ist.<br />

<strong>ECHO</strong>: In Zukunft sollen immer mehr Tätigkeiten<br />

von Maschinen übernommen werden.<br />

Wird der Anwalt irgendwann überflüssig?<br />

Moser: Ich kann mir nicht vorstellen, dass<br />

irgendwann einmal irgendwelche Roboter die<br />

Ehescheidung für den Mandanten erledigen<br />

oder entscheiden, ob eine Klage eingebracht<br />

werden soll, auf welche Rechtsgrundlage man<br />

sich stützt, wie die Erfolgsaussichten sind,<br />

wie man im Prozess agiert, einen Sachverhalt<br />

beweist und so weiter und so fort. Für den<br />

Rechtsbereich glaube ich, dass es eine persönliche,<br />

zwischenmenschliche Interaktion<br />

braucht, die nicht so einfach ersetzt werden<br />

kann. Ich glaube sogar, dass man es auch in ferner<br />

Zukunft, wenn es ans Eingemachte geht,<br />

lieber mit einem Menschen zu tun haben wird<br />

als mit einer Maschine. <br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

104<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


TIROLER ROHRE | PROMOTION<br />

Der Spezialist für<br />

duktiles Gusseisen<br />

Nr. 93<br />

TIROLER ROHRE: Das sehr heimatverbundene <strong>Tirol</strong>er Unternehmen mischt schon seit fast<br />

70 Jahren am globalen Markt mit und konnte sich erfolgreich als der Spezialist für duktiles<br />

Gusseisen positionieren.<br />

cherung oder Brückenbau sind nur ein<br />

Auszug an Bereichen in denen TRM Pfähle<br />

zum Einsatz kommen.<br />

Waren am Anfang im Gebiet der Rammtechnik<br />

noch Skepsis und Unverständnis<br />

die Wegbegleiter, so ist das System heute<br />

in Österreich nicht mehr wegzudenken.<br />

Gusseisen mit Kugelgraphit, auch duktiles<br />

Gusseisen genannt, war und ist der<br />

Schlüssel zu diesem Erfolg. Der in den<br />

frühen 60er Jahren industrialisierte Werkstoff<br />

bietet alles was ein Rammpfahlsystem<br />

braucht: Duktilität, Schlagfestigkeit und<br />

Korrosionsbeständigkeit.<br />

Auch beim Thema Umweltverträglichkeit<br />

kann duktiles Gusseisen überzeugen, da<br />

der Werkstoff zu 100% aus recyceltem Alteisen<br />

erzeugt wird. Das Rohmaterial wird<br />

zum Großteil mit der Bahn angeliefert und<br />

direkt am Standort Hall weiterverarbeitet.<br />

Zudem wird auch die in der Produktion<br />

erzeugte Wärme zur Weiterverwendung in<br />

das regionale Fernwärmenetz eingespeist,<br />

versorgt damit ca. 650 Haushalte und<br />

spart dadurch jährlich 3.100 Tonnen CO 2 .<br />

Fotos: <strong>Tirol</strong>er Rohre<br />

Seit 1947 entwickelt, produziert und<br />

vermarktet <strong>Tirol</strong>er Rohre (TRM)<br />

hochwertige Systeme aus duktilem<br />

Guss für den Wassertransport sowie duktile<br />

Pfähle für den Spezialtiefbau. Am<br />

Produktionsstandort in Hall in <strong>Tirol</strong> beschäftigt<br />

die Firma mehr als 200 Mitarbeiter.<br />

Die <strong>Tirol</strong>er Rohre GmbH gehört zu<br />

den größten europäischen Anbietern von<br />

Rohrsystemen aus duktilem Gusseisen und<br />

ist in weiten Teilen des Alpenraums führend<br />

in diesem Bereich. Auch im Gebiet<br />

der Sonderanfertigung solcher Systeme für<br />

spezielle Anwendungen hat die TRM die<br />

Vorreiterrolle.<br />

30 JAHRE DUKTILE<br />

GUSSRAMMPFÄHLE<br />

Die Erfolgsgeschichte der Pfahlprodukte<br />

der TRM fand vor 30 Jahren ihren Anfang<br />

und dauert bis heute an. Seit 1986 wurden<br />

ca. 7 Mio. Laufmeter Pfähle am Standort<br />

Hall produziert und in die ganze Welt für<br />

verschiedenste Anwendungen geliefert.<br />

Hochbau, Silofundierung, Baugrubensi-<br />

EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT<br />

Ständige Innovation und Flexibilität sind<br />

zwei der Erfolgsbausteine der <strong>Tirol</strong>er Firma.<br />

Diese machten es auch möglich einen<br />

weiteren, neuen Anwendungsbereich für<br />

den „klassischen“ Rammpfahl zu erobern<br />

– die Gewinnung von Erdwärme. Hierbei<br />

wird der duktile Pfahl der TRM als Energiepfahl<br />

genutzt um Wärme abzuleiten.<br />

Zwar stehen die TRM Pfahlsysteme bei<br />

dieser zukunftsweisenden Technologie<br />

noch am Anfang, das wachsende Interesse<br />

an erneuerbarer Energiegewinnung gibt<br />

diesem Projekt jedoch großen Auftrieb.<br />

KONTAKT<br />

TIROLER ROHRE GmbH<br />

Innsbrucker Straße 51<br />

6060 Hall in <strong>Tirol</strong><br />

Telefon: +43 5223 503 0<br />

E-Mail: office@trm.at<br />

www.trm.at


top 500 | INTERVIEW<br />

Digitalisierung spart keine<br />

Steuern, aber Geld<br />

Interview. Die Steuerberater Markus und Stefan Erharter von der Erharter Wirtschaftstreuhand<br />

im Interview über den Status Quo der Digitalisierung, den digitalen Beleg,<br />

Vorteile für Klienten und die Herausforderung, zukunftsfit zu bleiben.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie wirkt sich die fortschreitende<br />

Digitalisierung auf das Rechnungswesen aus?<br />

Markus Erharter: Die digitale Entwicklung<br />

macht auch vor Steuerberatungskanzleien<br />

nicht Halt. Das Rechnungswesen der<br />

Klienten gehört zeitgemäß abgebildet. Wer<br />

künftig am Markt bestehen will, muss sich<br />

der Herausforderung stellen und die gebotenen<br />

Chancen der Digitalisierung erkennen<br />

und umsetzen. Ein wesentlicher Aspekt liegt<br />

vor allem im Rationalisierungspotenzial. Dies<br />

erfordert einerseits Schnittstellen mit anderen<br />

Programmen und Banken, andererseits eine<br />

Umstellung der internen Kanzleiabläufe.<br />

Steuerberater und Wirtschaftprüfer Markus Erharter sieht bei den Unternehmen zunehmendes<br />

Risikobewusstsein, was die Bedeutung der Datensicherheit in Zeiten der Digitalisierung betrifft.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist der digitale Beleg mittlerweile<br />

Standard geworden oder ist der analoge Beleg<br />

noch lange nicht Geschichte?<br />

Stefan Erharter: Lassen Sie mich es so<br />

formulieren: Die Anzahl der digitalen Belege<br />

steigt stark, während die analogen Belege abnehmen.<br />

So können wir beispielsweise über<br />

Schnittstellen unserer Buchhaltungssoftware<br />

mit verschiedenen anderen Programmen<br />

(z. B. Hogast, Datev etc.) Ausgangsrechnungen<br />

aus Fakturierungsprogrammen unserer<br />

Klienten übernehmen und diese dann<br />

in die Buchhaltung einspielen. Eine andere<br />

Möglichkeit besteht im Einspielen der<br />

Bankdateien – sogenannten „camt“-Dateien.<br />

Sobald wir von unseren Klienten eine Entbindungserklärung<br />

vom Bank- und Datengeheimnis<br />

erhalten, wird diese an die Bank<br />

übermittelt. Im nächsten Schritt können wir<br />

die Bankkonten in unser Banking-Programm<br />

einbinden und in weiterer Folge die Bank-<br />

Fotos: Erharter<br />

106<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


„Die Anzahl der digitalen<br />

Belege steigt stark,<br />

während die analogen<br />

Belege abnehmen.“<br />

<br />

Stefan Erharter,<br />

Steuerberater<br />

Erharter Wirtschaftstreuhand<br />

bewegungen in die Buchhaltung einspielen.<br />

Einige Unternehmen wenden auch die sogenannte<br />

„Scan-Buchhaltung“ an, sprich: In diesem<br />

Fall erhalten wir den Beleg digital oder<br />

wir scannen den Beleg selber und „hängen“<br />

den Beleg dann zur Buchungszeile dazu.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Vorteile ergeben sich für<br />

Klienten durch die Digitalisierung?<br />

Markus: In erster Linie können wir gewisse<br />

Basisarbeiten rationeller gestalten, wodurch<br />

wir dann entweder schneller sind und dem<br />

Klienten Kosten ersparen und/oder mehr<br />

Zeit für Auswertungen und Analysen haben.<br />

Der Klient bekommt somit mehr höherwertige<br />

Arbeiten. Zudem können wir, falls<br />

gewünscht, Organisations- und Aufbewahrungsarbeit<br />

abnehmen, indem wir die Belege<br />

scannen und digital archivieren. Somit ist kein<br />

großes Lager mehr für die Buchhaltungsunterlagen<br />

notwendig.<br />

<strong>ECHO</strong>: Hat der Gesetzgeber die Voraussetzungen<br />

für eine möglichst weitreichende<br />

Digitalisierung und somit Automatisierung<br />

ihrer Branche geschaffen?<br />

Stefan: Eigentlich schon.<br />

<strong>ECHO</strong>: Welche Maßnahmen muss eine<br />

Kanzlei ergreifen, um zukunftsfit zu sein?<br />

Markus: Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder,<br />

deren Mitglieder Steuerberater und<br />

Wirtschaftsprüfer sind, bietet beispielsweise<br />

Workshops und Case Studies an, um Kanzleien<br />

bei der Umstellung zu unterstützen.<br />

Erforderlich ist jedenfalls eine gute Planung,<br />

da die Umstellung schon einige Zeit in Anspruch<br />

nimmt und neue Programme erforderlich<br />

sein können. Dabei gilt es, die Mitarbeiter<br />

wieder zu schulen, und somit fällt neben<br />

Zeit auch einiges an Kosten für externe<br />

Beratungsleistungen an.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist es für den Unternehmer ratsam,<br />

digitale Daten der Registrierkasse zur<br />

betriebswirtschaftlichen Analyse zu verwenden?<br />

Stefan: Betriebswirtschaftliche Analysen<br />

sind meiner Ansicht nach nur dann sinnvoll,<br />

wenn alle Buchungen darin enthalten<br />

sind. Da die digitalen Daten der Registrierkassen<br />

nur die Barumsätze aufzeichnen<br />

müssen, ist eigentlich nur ein Teil der Umsätze<br />

in der Auswertung enthalten. Zudem<br />

müssen nur die Einnahmen und nicht die<br />

Ausgaben in der Registrierkasse erfasst werden.<br />

Fazit: Analysen für Unternehmer, die<br />

die Buchhaltung selber machen, können<br />

sinnvoll sein bzw. gewisse Entwicklungen<br />

zeigen. Falls die Buchhaltung durch einen<br />

Steuerberater gemacht wird, erhalten die<br />

Klienten meist eine betriebswirtschaftliche<br />

Auswertung mit allen Daten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Datensicherheit ist im digitalen<br />

Zeitalter von zentraler Bedeutung. Ist das den<br />

Unternehmen schon ausreichend bewusst?<br />

Markus: Die Unternehmer sind sicherlich<br />

sensibilisiert, denn mittlerweile erhält man<br />

bei fast jedem elektronischen Banking Login<br />

eine Warnung vor Betrugsmails und auch das<br />

Bundesministerium für Finanzen (BMF) hat<br />

vor Kurzem vor Phishing Mails gewarnt, die<br />

im Namen des BMF versendet werden. Das<br />

Risikobewusstsein steigt also.<br />

<strong>ECHO</strong>: Wie sehen Sie Österreich in Bezug<br />

auf das E-Government aufgestellt?<br />

Markus und Stefan: Unserer Ansicht nach<br />

sehr gut. Einerseits bietet die Seite des BMF<br />

(ww.bmf.gv.at) sehr viele Informationen für<br />

Steuerinteressierte und jeder/jede kann dort<br />

über Finanzonline den Steuerausgleich auch<br />

online abwickeln. Andererseits steigt auch die<br />

Benutzerfreundlichkeit von Online-Portalen<br />

bei den Sozialversicherungen und auch das<br />

Unternehmensserviceportal (www.usp.gv.at)<br />

bietet immer mehr Möglichkeiten, mit den<br />

Behörden elektronisch zu kommunizieren.<br />

<br />

Interview: Marian Kröll<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

107


top 500 | INTERVIEW<br />

Effiziente Lösungen<br />

Außergerichtliche Lösungen. Rechtsanwalt Hermann Holzmann über die<br />

Möglichkeiten der Diversion, der Mediation und den Nutzen für die Mandanten.<br />

<strong>ECHO</strong>: Sie haben in den vergangenen<br />

Jahren den Ruf erworben, sehr erfolgreich<br />

Streitigkeiten, sowohl zivilrechtliche als auch<br />

strafrechtliche, außergerichtlich zu lösen. Wie<br />

gehen Sie in solchen Fällen vor?<br />

Hermann Holzmann: Meine Klienten<br />

verlangen von meiner Kanzlei effiziente Lösungen.<br />

Solche Lösungen findet man nicht<br />

unbedingt in einem Prozess. Es gibt wirksame<br />

Wege vor der Inanspruchnahme eines<br />

Gerichts. Im Zivilrecht versuchen wir die<br />

Streitparteien an einen Tisch zu bringen.<br />

Das ist meist effizienter, zeitsparender und<br />

auch kostenschonender als ein Prozess. Im<br />

Strafrecht gibt es seit dem Jahr 2000 auch im<br />

Erwachsenenstrafrecht die Möglichkeit der<br />

Diversion. Das bedeutet, dass unter bestimmten<br />

Umständen ein Strafverfahren ohne förmliche<br />

Durchführung beendet werden kann.<br />

Der Vorteil liegt auf der Hand: Es erfolgt kein<br />

Schuldspruch, keine formelle Verurteilung<br />

und auch kein Eintrag im Strafregister. Die<br />

Eintragung über die Diversion wird lediglich<br />

justizintern für zehn Jahre gespeichert. Zudem<br />

erspart sich der Angeklagte einen öffentlichen<br />

Auftritt vor Gericht. Die Diversion ist verbunden<br />

mit Geldleistungen und/oder gemeinnützigen<br />

Leistungen. Natürlich gibt es auch Fälle,<br />

in denen die Zuhilfenahme eines Gerichts<br />

notwendig und ein Prozess zielführender ist.<br />

Rechtsanwalt Hermann Holzmann: „Meine<br />

Klienten erwarten von meinen Mitarbeitern und<br />

mir effiziente Lösungen.“<br />

<strong>ECHO</strong>: Können Sie uns erörtern, wie Sie die<br />

Streitparteien in Zivilrechtssachen „an einen<br />

Tisch“ bringen?<br />

Holzmann: Nahezu alle zivilrechtlichen<br />

Streitigkeiten sind mit Emotionen und auch<br />

mit geldwerten Interessen verbunden. Keiner<br />

will nachgeben, nachgeben klingt wie verlieren.<br />

Bevor ein Rechtsanwalt konsultiert wird<br />

sind die Streitparteien oft schon in sprichwörtliche<br />

„Schützengräben“ verschanzt und alle<br />

Türen scheinen verschlossen. Hier kann und<br />

muss ein Rechtsanwalt als objektiver Streitschlichter<br />

fungieren. Wir ermitteln hier den Sachverhalt,<br />

besprechen mit den Klienten die Spielräume<br />

möglicher Lösungsansätze und gehen<br />

proaktiv auf die Gegenseite zu. Wir zeigen den<br />

Parteien auf, dass Nachgeben nicht gleich Verlieren<br />

bedeutet. Der Streit verblendet die Parteien<br />

oft dermaßen, dass sie ohne fremde Hilfe<br />

gar nicht mehr erkennen, in welchen Punkten<br />

sie leicht nachgeben könnten, ohne einen objektiven<br />

Nachteil zu erleiden. Wir stellen auch<br />

immer wieder fest, dass ein Rechtsanwalt oft<br />

erst viel zu spät konsultiert wird. Ein rechtzeitiges<br />

Erstgespräch kann viele Kosten und auch<br />

Nerven sparen.<br />

<strong>ECHO</strong>: Ist es nicht sinnvoller, gleich einen<br />

Richter als „objektiven Streitschlichter“ fungieren<br />

zu lassen und einen Prozess zu führen?<br />

Holzmann: Ein Prozess sollte die ultima<br />

ratio sein, weil für jede Streitpartei Risiken<br />

bezüglich des Ergebnisses bestehen. Ein seriöser<br />

Rechtsanwalt kann vor einem Prozess<br />

keine absoluten Aussagen zu seinem Ausgang<br />

treffen. Wir können einschätzen, mit welcher<br />

Wahrscheinlichkeit ein gewisser Prozessausgang<br />

zu erwarten ist, und tun dann auch alles<br />

dafür, dass das gewünschte Ergebnis erzielt<br />

werden kann. Zudem ist es auch eine Zeitfrage,<br />

denn komplexe zivilrechtliche Rechtsstreitigkeiten<br />

dauern oft mehrere Jahre. Und<br />

natürlich trägt man im Zivilprozess auch ein<br />

erhebliches Kostenrisiko. Deshalb ist es klug,<br />

prozessvorbeugend zu agieren. Wenn aber<br />

natürlich alle vermittelnden Wege versperrt<br />

sind und die Chancen gut stehen, lohnt sich<br />

der Weg zu Gericht allemal.<br />

<strong>ECHO</strong>: Können Sie uns Beispiele aus Ihrem<br />

beruflichen Alltag nennen?<br />

Holzmann: Zwei abstrakte Beispiele aus<br />

jüngster Zeit: Zwei österreichische Verlagshäuser<br />

haben sich wegen wettbewerbsrechtlicher<br />

Divergenzen über zwei Jahre lang mit<br />

Klagen und einstweiligen Verfügungen eingedeckt.<br />

Die Kosten wuchsen, die Streitwerte<br />

waren schwindelerregend, die Lage war festgefahren.<br />

Eine Streitpartei hat sich in dieser<br />

Situation an unsere Kanzlei gewendet. Die<br />

Gegenseite war zu keinerlei Gesprächen bereit.<br />

Wir haben die Prozessstrategie geändert,<br />

eine einstweilige Verfügung wurde erfolgreich<br />

erlassen, und wir haben mit einer neuen, erfolgversprechenden<br />

Klage gedroht. Darauf erklärte<br />

sich die Gegenseite zu Gesprächen bereit.<br />

Binnen weniger Monate war ein für beide<br />

Seiten zufriedenstellender Vergleich unterfertigt<br />

und in allen anhängigen Prozessen wurde<br />

ewiges Ruhen vereinbart. Man sieht hier, dass<br />

es in festgefahrenen Situationen manchmal<br />

erst auch prozessuale Erfolge benötigt, um<br />

dann in Gespräche einsteigen zu können. Vor<br />

kurzer Zeit wandte sich auch eine bekannte<br />

Unternehmerfamilie in einer versicherungsrechtlichen<br />

Angelegenheit an unsere Kanzlei.<br />

Die Versicherung weigerte sich, einen statt-<br />

Fotos: Friedle<br />

108<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong>


lichen Betrag zu zahlen. Es gab auf beiden Seiten<br />

einige Unsicherheiten in den rechtlichen<br />

Positionen. Vergleichsgespräche wurden von<br />

der Versicherung allesamt abgeblockt. Wir<br />

prozessierten und konnten in erster Instanz<br />

einen vollumfänglichen Sieg verbuchen. Darauf<br />

erklärte sich die Versicherung zu einem<br />

Vergleichsgespräch bereit und man einigte<br />

sich. So konnten wir unserer Mandantschaft<br />

die zweite Instanz ersparen, die Prozesskosten<br />

trug die Versicherung und ein sehr befriedigender<br />

Teil des Klagebegehrens wurde sofort<br />

ausbezahlt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Inwieweit sind Unternehmer gut<br />

beraten, derart prozessvorbeugend zu agieren?<br />

Holzmann: Speziell als Unternehmer ist<br />

man gut beraten, Prozessrisiken gut zu kalkulieren<br />

und den prozessvorbeugenden Weg zu<br />

suchen. Als Unternehmer trägt man die Verantwortung<br />

für Arbeitsplätze und den Unternehmensfortbestand.<br />

Da dürfen Eitelkeiten<br />

und Starrsinn kein Hindernis für mediative<br />

Lösungen darstellen. Ein Rechtsanwalt kann<br />

hier objektiv auftreten, natürlich immer mit<br />

„Die primäre Verpflichtung<br />

des Rechtsanwaltes ist es,<br />

prozessvorbeugend zu<br />

agieren.“<br />

Blick auf das Wohl des eigenen Klienten. Aber<br />

am Ende sollte ein Vergleich eine Win-win-<br />

Situation für beide Parteien sein. Als Unternehmer<br />

kommt natürlich noch das mediale<br />

Risiko eines Prozesses hinzu.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was meinen Sie mit medialem Risiko?<br />

Holzmann: In der Rechtswissenschaft hat<br />

sich hier das Feld der Litigation-PR eröffnet.<br />

Einfach gesagt: Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen<br />

der Prozessführung bzw. im Rahmen<br />

eines Strafverfahrens. Unsere Kanzlei hat sich<br />

schon lange vor der Einführung dieses Begriffs<br />

mit dieser Frage beschäftigt. Wir betreiben hier<br />

eine aktive Kommunikationsstrategie mit den<br />

Medien. Dies deshalb, da in unserer medialen<br />

und vernetzten Gesellschaft „heikle“ Prozesse<br />

sowieso nicht unentdeckt bleiben. Die Medien<br />

Das Team (v. li.): Mag. Zeno Agreiter, Mag. Martin Steinlechner, Dr. Hermann Holzmann, Mag. Lisa<br />

Holzmann, MMag. Florian Eduard Stachowitz.<br />

kommen auch ohne unsere Mithilfe an die nötigen<br />

Informationen. Wir haben früh erkannt,<br />

dass es besser ist, einen Kommentar abzugeben,<br />

als mit „Kein Kommentar“ zu antworten.<br />

Im ersten Fall dürfen wir unseren Standpunkt<br />

in der medialen Berichterstattung darlegen,<br />

im zweiten Fall wird dennoch berichtet und<br />

man überlässt der Gegenseite die alleinige Gestaltung<br />

des Inhalts. Wir wollen mitgestalten,<br />

im Sinne unserer Klienten. Manchmal gibt es<br />

aber auch Fälle, die von allen Seiten bewusst<br />

und effektiv geheimgehalten werden, im Sinne<br />

des Schutzes der Privatsphäre. Dann helfen wir<br />

dabei, dass das Geheimnis auch geheim bleibt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Kann in jedem Strafverfahren eine<br />

Diversion angewendet werden?<br />

Holzmann: Nein. Die Diversion ist nur<br />

möglich, wenn der Sachverhalt hinreichend<br />

geklärt ist, der Beschuldigte bereit ist, die Verantwortung<br />

für sein Handeln zu übernehmen,<br />

die Tat nicht mit mehr als fünf Jahren<br />

Freiheitsstrafe bedroht ist, die Schuld des Beschuldigten<br />

nicht als schwer anzusehen wäre<br />

und die Tat nicht den Tod eines Menschen<br />

zur Folge gehabt hat. Bei manchen strafbaren<br />

Tatbeständen, wie zB bei gravierenden Sexualdelikten,<br />

ist ein diversionelles Vorgehen von<br />

Gesetzes wegen ausgeschlossen. Bei Delikten<br />

gegen die Rechtspflege (Falsche Beweisaussage,<br />

Verleumdung udgl.) wird die Diversion infolge<br />

der hierzu ergangenen Rechtsprechung<br />

nur in den seltensten Fällen gewährt.<br />

<strong>ECHO</strong>: Was, wenn jemand tatsächlich unschuldig<br />

ist? Was raten sie demjenigen? Auch<br />

in diesem Fall eine Diversion?<br />

Holzmann: Jeder, der zu uns kommt, ist<br />

unschuldig. (lacht) Nein, ernsthaft, die wichtigste<br />

und auch schwierigste Arbeit ist die korrekte<br />

Sachverhaltsermittlung. Nur wenn uns<br />

der Klient vollständig informiert, können wir<br />

effektiv einschätzen, welcher Weg möglich<br />

und sinnvoll ist.<br />

<strong>ECHO</strong>: Eine solche Sachverhaltsermittlung<br />

in den verschiedenen Rechtsgebieten verlangt<br />

nach einem guten juristischen Team.<br />

Welche Rechtsgebiete deckt ihre Kanzlei ab?<br />

Holzmann: Unsere Kanzlei ist breit aufgestellt<br />

im allgemeinen Zivilrecht, im Verwaltungsrecht<br />

sowie im Strafrecht. Das ist<br />

unsere Basis, die ergänzt wird durch die<br />

Spezialisierungen im Bereich des Unternehmensrechts,<br />

der Geschäftsführerhaftung, des<br />

Wettbewerbsrechts, des Vertragsrechts, des<br />

Versicherungsrechts, des Medienrechts, des<br />

Wirtschaftsstrafrechts und Cyber-Crime sowie<br />

im Bereich des E-Commerce-Gesetzes<br />

und des Markenrechts. Bei uns gilt: Anwalt<br />

ist Vertrauenssache. Deshalb nehmen wir<br />

uns Zeit und stellen uns auf jeden Klienten<br />

individuell ein. Jeder Klient wird bei uns mit<br />

einer Lösung versorgt und sollten wir keine<br />

Lösung anbieten können, dann vermitteln<br />

wir unseren Klienten an die richtige Stelle<br />

weiter.<br />

<strong>ECHO</strong> TOP 500 UNTERNEHMEN <strong>2016</strong><br />

109


IDEALTOURS | PROMOTION<br />

40 Jahre Idealtours<br />

– eine Erfolgsgeschichte<br />

Nr. 230<br />

Die erfolgreiche Geschichte von Idealtours nahm 1976 in Reith im Alpachtal mit Busreisen in<br />

Badereiseziele an der Adria, Vitalreisen nach Abano und Montegrotto Terme und Städtereisen<br />

ihren Ausgang. Mit der Einführung von Nichtraucher-Bussen 1978 nahmen Christine und Simon<br />

Neuhauser eine absolute Pionierrolle ein. Heute ist Idealtours <strong>Tirol</strong>s zuverlässigstes Reisebüro,<br />

das den Trend zur individualisierte Pauschalreise Rechnung trägt.<br />

Fotos: Idealtours<br />

Nicht nur die zufriedenen Idealtours-Reisenden,<br />

sondern auch<br />

das Kinderlachen von Tochter<br />

Susanne, Sohn Christof, Tochter Sofia<br />

und Sohn Matthias erfüllte das Leben<br />

der beiden Reiseunternehmer Christine<br />

und Simon Neuhauser. Das Reisebüro in<br />

Reith i.A., in dem man sich anfänglich vom<br />

Geldwechsel über die Organisation von<br />

Ausflugsfahrten bis hin zur Vermittlung<br />

von (Fern-)Reisen um alles küm merte, was<br />

Geld in die Kassa brachte, war dank des<br />

Engagements und der Sachkundigkeit der<br />

Firmengründer ein Erfolg. Dementsprechend<br />

eröffneten Simon und Christine<br />

Neuhauser bereits 1983 ihre erste Filiale,<br />

die den Startschuss für den stetigen Ausbau<br />

des Filialnetzes markierte. 1987 verlegte<br />

das Unternehmen seinen Hauptsitz<br />

nach Brixlegg und die Mitarbeiterzahl<br />

vergrößerte sich von anfänglich zwei auf<br />

fünfzehn MitarbeiterInnen.<br />

Inzwischen ist Idealtours der Reisepartner<br />

Nummer 1 der <strong>Tirol</strong>erInnen, der mit<br />

insgesamt neun Reisebüros in Brixen i.Th.,<br />

Brixlegg, Schwaz, Mayrhofen, Wattens,<br />

Innsbruck, Völs, Telfs und Sterzing in<br />

Nord- und Südtirol vertreten ist. 55 MitarbeiterInnen<br />

engagieren sich für die Organisation<br />

und Durchführung von Idealtours-Reisen<br />

sowie für die ideale Beratung<br />

in Sachen „Urlaub in die ganze Welt“. Die<br />

Geschwister Susanne und Christof Neuhauser,<br />

die seit 2004 die Geschäfte führen,<br />

setzen nicht nur die Aufbauarbeit von Firmengründer<br />

Simon Neuhauser fort, sondern<br />

geben dem Unternehmen unter dem<br />

Motto „Stabilität trifft Dynamik“ einen<br />

eigenen Drive. So zählt die Entwicklung<br />

innovativer Urlaubs- und Reise-Angebote,<br />

Die Geschäftsführer Susanne und Christof Neuhauser führen das Unternehmen Idealtours innovativ<br />

und modern weiter.<br />

die Idealtours-KundInnen begeistern und<br />

am Markt einzigartig sind, genauso zu<br />

den Unternehmenszielen wie die Durchführung<br />

bewährter Reiseprogramme auf<br />

höchstem Qualitätsniveau. Die Freude am<br />

Reisen wurde dem Geschwisterpaar praktisch<br />

in die Wiege gelegt. Dass die beiden<br />

allerdings auch ein Reiseunternehmen<br />

führen, war nicht von vornherein geplant.<br />

Durch die Krankheit von Simon Neuhauser<br />

und die eigenen Lebensumständen hat<br />

es sich allerdings genauso entwickelt. Der<br />

Generationenwechsel und die Übernahme<br />

waren eine Herausforderung, aber beide<br />

investierten sehr viel Engagement und Zeit<br />

in diese und in die Aus- und Weiterbildung<br />

im Tourismusbereich. Die Mühe macht<br />

sich bezahlt: Seit 12 Jahren führt das Geschwisterpaar<br />

das Unternehmen nun sehr<br />

erfolgreich. Im Jahr 2015 erwirtschaftete<br />

Idealtours einen Jahresumsatz von rund<br />

25 Mio. Euro. Das gute Betriebsklima und<br />

die persönliche und fachliche Weiterentwicklung<br />

der MitarbeiterInnen sind nur<br />

zwei der wesentlichen Erfolgskriterien der<br />

modernen Geschäftsleitung.<br />

KONTAKT<br />

Reisebüro IDEALTOURS GmbH<br />

Marktstraße 6b<br />

A-6230 Brixlegg<br />

Telefon: 05337/6170-0<br />

E-Mail: brixlegg@idealtours.at<br />

www.idealtours.at


Industrie 4.0<br />

Individuelle PLM-Lösungen.<br />

Made in <strong>Tirol</strong>.


top 500 | INTERVIEW<br />

Damit der letzte Wille gilt<br />

Neues Erbrecht. Rechtsanwalt Christian Pesl über Veränderungen im neuen Erbrecht<br />

und die Notwendigkeit professioneller Beratung.<br />

<strong>ECHO</strong>: Mit Jahresbeginn 2017 tritt das<br />

neue Erbrecht in Kraft. Warum hat der Gesetzgeber<br />

das Erbrecht erneuert?<br />

Christian Pesl: Das Erbrecht basiert auf<br />

den Bestimmungen des ABGB aus dem Jahr<br />

1811, dem Grunde nach ist das geltende<br />

Erbrecht also über 200 Jahre alt. Ziel der Erbrechtsreform,<br />

die hoch an der Zeit war, war<br />

eine Modernisierung und das Eingehen auf<br />

Umstände, die vor 200 Jahren nicht berücksichtigt<br />

wurden, wie zum Beispiel Lebensgemeinschaften.<br />

Der Lebensgefährte kommt z.<br />

B. im