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E_1929_Zeitung_Nr.074

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 74 hei den THne^en im FimipnObprland Die Zufahrtsstrassen aus aer ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R. Wagner« Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Besucher den efrrztgarrigen Wer ESSO kennt, wird immer ESSO fahren! Weim eiü Automobilist Esso einmal proMert hat, hält er in Zukunft immer bei dem Esso-Zeichen zum Tanken an. Begeistert hat schon mancher festgestellt, dass sein Auto besser läuft, seit er nur noch mit Esso fährt. £5SO, der Brennstoff für höchste Ansprüche Esso erhalten Sie bei Standard Tankstellen aus der plombierten und geeichten K) Liter Kanne» Esso ist rot gefärbt und karm daher nickt verwechselt werden. A. C. S. Zmieisiinnten HOTEL SIMMENTHAL Kendez-vous der Automobilisten. Bekannt gute Küche und Keller. Forellen, Garten, Auto - Garage. Telephon Nr. 1. P. Boenli, Küchenchef. Gsteig -* >* : der Stafroo totschberq bahn Ha

Bern, Dienstag 27. August 1929 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 74 Im heutigen „Autler-Feierabend 6 *: Seite Die Reis« mit Onkel Theophil 13 Der Briefsteller (Feuilleton) . 13 Bunte Chronik ' 14 i Die. Seite der Frau ßie und Er 15i Das Mütterchen der Boheme - ' 15 Tourismus 16 Tour. Sprechsaal, Kreuzworträtsel 17 Humor 18 Die Reise mit Onkel Theophil Eine 'Jugenderinnerung von Hans Spindel. Es geht nichts über eine grosse Verwandtschaft. Man kann auswählen. Und in dieser Hinsicht war mir Onkel Theophil einer der liebsten Stammesgenossen. Er war ledig, fünfzig Jahre alt und betrieb eine kleine Leihbibliothek in Köln, der heiligen Stadt. Viel verdiente er wohl nicht mit seinen Gerstäckers und Ganghofers. Romantische Hausfrauen aus kleinem Stand waren seine besten Kundinnen. Für die Jugend gab es eine Wild-West-Abteilung. Ganze Nachmittage verbrachte ich damit, den muffigen Bücherberg immer wieder von neuem zu durchstöbern. Wenn ich dann für einen besonders spannenden Fall aus der Sammlung: «Schwarze Hand» geistige Anteilnahme zu erwecken suchte, da wurde Onkel Theophil ärgerlich, und er sagte: «Ach was, hol' mir bei Printzens eine Tasse Kaffee. Das Zeug da interessiert mich nicht. Sieh her, das Buch da solltest du lesen!» Es war ein mächtiger Schinken, in schwarzem Kalliko mit Goldschnitt. Nicht dicker als ein Daumen, aber schwer wie eine Bleiplatte. Auf dem Deckel konnte man nach langem Raten unter" einem Gestrüpp von Schnörkeln zwei Worte erkennen: Hie Schweiz. Da es viele Bilder drinnen gab, entschloss ich mich, das Ding nach Hause zu schleppen, obwohl es nach Schimmel roch und inwendig von Sporenflecken wimmelte. Von der Schweiz hatte ich noch nie etwas gehört. Damals war ich zehn Jahre alt, und mein Geographieunterricht erstreckte sich nur auf die Rheinprovinz. Einige Tage nach diesem Vorfall kam ich" wieder zu Onkel Theophil. «Nun, Hänschen, was macht die Schweiz?» «Sie scheint ganz nett zu sein», erwiderte ich interesselos. «Wir werden einmal zusammen hingehen. Bis an den Vierwaldstättersee, wo der Wilhelm Teil lebte. Da wohnt jetzt ein Vetter von mir mit seiner Frau und seinen Kühen.» Ich guckte Onkel Theophil ungläubig an, war er doch, soweit ich nach hinten denken konnte, nie ausser Köm gewesen. «Was ich einmal sage, das halte ich! Hänschen, wir fahren in die Schweiz!» Darüber war ich nun recht glücklich. Galt es doch, einen grossen Ausflug zu machen, zu dem meine Eltern damals kein Geld besassen. Es wurde beschlossen, eine ganze Woche an diese Reise zu verwenden. Vier Tage Bahnfahrt, zwei Tage Fussmärsche auf Schweizer Erde und ein Tag Aufenthalt bei Vetter Georg. Meine Mutter hatte bei einem Trödler eine riesige Botanisierbüchse erstanden. Ein Hemd, zwei Paar Strümpfe und drei Taschentücher wurden in der einen Hälfte verstaut. Den übrigen Raum füllten Butter- und Käsestullen aus. Sie hing recht schwer mit ihrem dünnen Band an meiner zarten Schulter, diese Botanisiertrommel aus grünbemaltem Weissblech. Aber ich trug sie stolz und aufrecht am Tag der Abreise nach dem Kölner Hauptbahnhof. Onkel Theophil, ein grosser, magerer Mann, hielt einen riesigen Regenschirm unter dem linken Arm, und in seiner knochigen Rechten schwankte ein Reisebeutel aus Wachs-: tuch, der mindestens ,500 Jahre alt war.- Wir müssen lustig ausgesehen haben, denn" die Leute schauten uns sehr verwundert' an. Meine Mutter weinte zum Abschied.« Vater war zu Hause geblieben., jDiese Reise; war nicht nach seinem Geschmack. Sicher-i lieh war er wütend auf Onkel Theophil,'- dass er_ nicht ihn, sondern mich, den! Knirps, zu dieser langen Fahrt eingeladen, hatte. Wir fuhren vierter Klasse Bummelzug. In Mainz hatten wir drei Stunden Auferit^ Scherereien wegen dieser vermaledeiten fReisetasche mag ich nicht schildern. Es würde mich zu sehr aufregen. Nach drei halt. Nachdem die Stadt besichtigt war£ ^agen war sie wieder in unserem Besitz. fuhren wir weiter nach Ludwigshafen. Leider hatte Onkel Theophil es unterlassen sich rechtzeitig zu vergewissern, ob wir auch den richtigen Zug bestiegen hätten. Einer der Mitfahrenden frug nämlich kurz hinter Mainz, wann wir eigentlich in Köln ankämen. Da meldete ich mich recht naseweis: «Wir fahren doch jetzt nach Ludwigshafen!» und ich schaute dabei triumphierend auf Onkel Theophil. Da verging mir der Hochmut. Onkel Theophil war sehr nervös geworden und stellte einige kuriose Fragen an die Mitreisenden. Ich merkte den Kohl. Die Blamage war kaum zu ertragen. «Diese Reise fängt schön an!» dachte ich im stillen. Bei der nächsten Station stiegen wir aus. Die Sonne war am Untergehen, und der Rhein glänzte lieblich im Schein der Abendröte. Kleine und grosse Schiffe machten ihre Fahrt, und ich sagte zum Onkel: «Wären wir doch in einem dieser Schiffe, da kämen wir wenigstens nach der Schweiz.» «Hänschen, die Ferien sind zu kurz. Komm, wir suchen jetzt ein Gasthaus.» Anderntags in der Frühe brachen wir wieder auf und gelangten glücklich nach Ludwigshafen. Wir eilten zu Fuss über die Rheinbrücke nach Mannheim. Von da aus sollte es III.-Klasse-Schnellzug nach Basel gehen. Bei Mannheim ist der Rhein nicht mehr so breit wie in Köln, und ich hatte dies gerade mit Befriedigung festgestellt, als mitten auf der Brücke das Tragband meiner Botanisierbüchse riss. Onkel Theophil machte einen Knoten. Das ohnehin verminderte Band war noch um ein etliches kürzer geworden, und die Büchse baumelte jetzt dicht unter dem Kinn. «Siehst du, Hänschen, es ist nichts mit deinem Schmetterlingssarg. Da ist meine Reisetasche.... ja, zum Kuckuck, wo ist denn meine Reisetasche?!» «Die fährt jetzt nach Speyer», sagte ein Herr, der mit uns gereist war und just in diesem Augenblick an uns vorbei ebenfalls über die Rheinbrücke nach Mannheim strebte. Onkel Theophil stand da, als wisse er, nicht, solle er nun nach Mannheim, zurück nach Ludwigshafen oder direkt in den Rhein gehen. Er fluchte auf seine Vergesslichkeit. Auch ich bekam einen Hieb ab. «Wollen wir die Tasche nicht suchen gehen?» wandte ich schüchtern ein. «Es wird wohl kaum zu umgehen sein!» meinte er, ein wenig düpiert von meinem ^Vorschlag. i Die nun kommenden Aufregungen und •'-• Am sechsten Tage also, der bereits als Rückreisetermin nach Köln festgesetzt war, kamen wir endlich wieder vom Fleck. Gegen Mittag hätten wir in Basel eintreffen sollen. Doch es kam wiederum anders. Eine feine Dame aus Baden-Baden war zugestiegen. Sie zog Onkel Theophil ins Gespräch. Sonderbare Dinge frug sie ihn: Ob ich sein Sohn wäre, in welchem Hotel er absteigen werde usw. Onkel Theophil wurde öfters rot, und seine Bäckchen begannen zu zittern, wie ich es früher nie an ihm gesehen hatte. Hinter Offenburg klagte die Dame über dumpfe Coupe-Luft. Onkel Theophil flitzte auf und stürzte an die Fenstergriffe. Kaum hatte er Hand angelegt, da Rosenberger in holder Begleitung. pfiff und sang es gräulich in den Rädern. Wir flogen wild durcheinander, und nacht einigen bangen Sekunden stand der Zug still. Onkel Theophil hatte die Notbremse ge-* zogen. Der Zugführer kam. Im echten Eisenbähnlerstil schnauzte er Onkel Theophil an« Es war schrecklich. Ich fing an zu heulen« Die Dame aus Baden-Baden zog mich an ihren Busen und wollte mich trösten. Auf Onkel Theophils Gesicht wuchs grasgrüne Angst. «In Lahr müssen Sie den Zug verlassen!» Das war das letzte Wort des garstigen Mannes mit der roten Ledertasche auf dem Bauch. Was nun in Lahr vorfiel, dazu kann ich 1 nichts aussagen. Denn man hatte mich rücksichtslos in einem stinkenden Wartsaal verstaut, wo ich drei volle Stunden darauf wartete, dass Onkel Theophils Marter nun zu Ende sei. Als er dann kam, war er ein an Leib und Seele gebrochener Mann. (Wie ich in spä-> teren Jahren erfuhr, hatten ihm die badi-t sehen Eisenbahnräuber zwanzig Mark abgefuggert.) «Hänschen, unsere Reise ist von einem Unstern begleitet! Aber wir fahren weiter.» Abends kamen wir nach Basel. «Das alsoi ist nun die Schweiz!» dachte ich, ein wenig enttäuscht darüber, nur armselige Hügel und keine Gletscher zu sehen. Wir gingen auf die Post um Nachrichten aus Köln abzuholen. Ein Brief meiner Mutter wurde uns ausgehändigt, Sie klagte über die Fülle der Arbeit. «Die Kunden machen unzufriedene Gesichter, denn die Sache geht mir nicht recht von der. Der Briefsteller. Ein Geschichtlein von Günther R- Schärer. Jungfer Reckholder hauste dort, wo der See seinen stürmischen Bruder, den Fluss, durch die Stadt entsendet, wo die alten, windschiefen und verwinkelten Häuser in krauser Aufstellung sich in schmalen Gässchen ineinanderschachteln. Der Lakierer Mendel wohnte nebenan. Den ganzen Tag hämmerte Teppichklopfen durch die Höhe und das Klatschen fletschnasser Wäsche vom Strande her, wo Weiber schwatzten und beisammen kauerten. Das Fräulein Reckholder aber war der Strasse spinnefeind, blieb hinter zwei Geranienstöoken in ihrem StüWein und nähte der" Frau Regierungsrat schwarze Krälleli ans Kleid oder stickte nach ewig alter Vorlage einen springenden Löwen auf Sofakissen. An die hundert springende Löwen waren in der Stadt verteilt und der KräJleli waren Legionen. Am Fenster nebenan stand Mendel, der Polierer, hielt einen Goldrahmen ins Licht und kniff ein prüfendes Auge, pfiff durch die Zähne und polierte weiter. Am Samstagabend aber griff er die Mandoline vom Haken, klimperte und sang eine halbe Stunde «Santa Lucia» in den Abend, bis der Schuster Freilich vis-ä-vis ans Fenster stürzte und über den Hof schrie, wenn das hergottdonners Gmögg nicht bald aufhöre, so komme er hinüber. Nach solchem Geschehen lief Mendel in den «Blauen Hund» und spülte mit Bier seine Beleidigung hinab. Jungfer Reckholder aber sah ihm nach und bedauerte den plötzlichen Schluss des Vortrages, Mehr wussten sie nicht voneinander; hätte man links nach Mendel gefragt, so wäre erfahren worden, sie glaube, er sei Lackierer, und rechts, soviel er wisse, nähe die alte ReckhoMer. Man wohnte auf gleichem Boden, eine dünne Holzwand trennte ihre Kammern, aber ohne Gruss ging man im Treppenhaus aneinander vorbei. Zwei gänzlich getrennte Leben; hier der Junggeselle, der mit einem Lumpen Stuhlbeine und Rahmen wischte, dort das alte Mädchen, das seine Mausaugen über dunklem Tuch verdarb. Sonntag abend, wenn über Stiegen und Balkone, in Dachlucken und Fensterflügel hinein eine Handorgel näselte und Jungfer Reckholder, die ihr Vergissmeinnicht in den Händen hielt, über gepressten Blumen eine Träne im Augenwinkel zerdrückte oder einem vergilbten Namenzug nachsann, kam sie etwa dazu, ihr Leben zu betrachten. Mein Gott, Arbeit und Mühe war es bisher gewesen, von den Zeiten, da sie ein Verdingkind auf dem Lande, bis zu den langen Jahren, als sie im Herrschaftsviertel am Berg als Magd gedient. Und heute stand sie auf der falschen Seite der Vierzig, war für sich und was man frei nannte, und es war doch immer dasselbe. Immer Arbeit und karger Lohn, Alleinsein und lange Nächte. Wohl blickte von der Wand überm Bette eine vergilbte Photographie herab, ein flotter Turner mit feinem Schnauzbart und unterm Lismer gespannter Brust, aber mein Gott, er hatte dann doch das Lisabeth genommen und nicht die Erika Reckholder und war heute auch ein dicker Familienvater, der Sonntags sein Rudel Gofen ausführte. Ja, ja, man wurde alt. Zwar hatte Mendel, der Glanzkünstler von nebenan, dem immer ein feiner Geruch von Firnis und Terpentin aus der Kutte strömte, den ganzen Tag ein Lied unter den Zähnen und sein «Gaudeamusigitur» und «Schätzlein, Schätzlein hopsassa» pfiff sich immer noch gut, aber auch er spürte es. Wenn er sich bückte, um dem Lehnsessel des Posthalter an die Beine zu kommen, so riss es gottsmörderisch in der linken Hüfte und, weiss der Kuckuck, da wackelte auch gelegentlich einer seiner gelben Zähne. Ja, ja, so war's. Keines konnte etwas dafür: gegenwärtig war es Sommer. Der Tag strahlte eine Bläue vom Himmel, dass einem eine Sehnsucht nach Heu und weiter Welt anflog, man wusste nicht wie. Abends aber lag an den Bergen ein roter Duft, wie- auf den Backen eines jungen Mädchens beim ersten Kuss. Dem See nach zogen die Paare dahin und Lachen und Kichern rieselte vom Ufer die halbe Nacht. Wer um diese Zeit keinen Schatz hatte, dem mochte der Herrgott helfen. Meister Mendel pfiff schon am frühen Morgen, wenn er seinen Halbliter Milch heraufholte, und was Fräulein Reckholder anbetraf, so lächelte sie den ganzen Tag vor sich hin, ganz ohne Grund. Es lag einfach in der Luft. Eines Tages fing es an: «Grüss Gott, Jungfer Reckholder. Schöner Tag wieder, heute.» «Eh, gewiss. 0 ja.» Sie lächelten beide: Die Jungfer, weil sie es in der letzten Zeit so gewohnt war, Mendel, um ihrem Lächeln Gesellschaft zu leisten.. Am nächsten Sonntag waren er und sein Firnisgeruch Kaffeegäste des Fräuleins. Am Montag hernach brachte er einen Strauss Ringelblumen als Entgelt. Mittwoch sah sie in seiner Wohnung nach dem Rechten, putzte dem Kanarienvogel den Stall und wischte Schrankgesimslein blitzblank. Hier wagte Herr Mendel einen wichtigen Schritt und fasste das zierliche Fräulein um die Mitte. Da aber lief sie erschreckt und zündrot in ihre Wohnung, riegelte die Türe zu und; horchte auf das Jagen unterm Brustlatz. (Fortsetzung folgt.) Die Hausfrau entscheidet Es gibt zweierlei Bohnenkaffee; Der gewöhnliohe, coffeinhaltige Kaffee kann mir und den Meinen schaden, wenn nicht heute, so vielleicht morgen. Der andere, der coffeinfreie Kaffee Hag, ist unter Garantie unschädlich, denn die empfindlichsten Menschen, auch Kinder, ferner Herz-, Nerven-, Nieren- und andere Kranke dürfen ihn trinken. Der gewöhnliche Kaffee und der coffeinfreie Kaffee Hag schmecken mir gleich gut, ja, der Kaffee Hag eher noch besser. Also bin ich so vernünftig und wähle zum täglichen Familiengetränk den für Alle absolut unschädlichen Kaffee Hag, den unbestreitbar gesündesten, echten Bohnenkaffee der Welt. KAFFEE HAG schont HERZ UND NERVEN