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E_1931_Zeitung_Nr.095

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Schweiz eine

Schweiz eine beachtenswerte Entwicklung auf. Die periodische Belehrung des Volkes durch das Mittel der Presse ist bei uns hauptsächlich durch die Fachzeitungen des Verkehrswesens und durch pädagogische Zeitschriften ins Leben gerufen worden. Das Interesse der Tagespresse an Mitwirkung der Unfallverhütung beschränkt sich bedauerlicherweise nur auf sporadische Fälle. Der beste Erzieher. Der beste Erzieher ist aber das gute Beispiel. Anschauliche Darstellung und praktische Uebungen wirken oft mehr Wunder als wohlgemeinte Worte. Die Höflichkeit des Herzens, die nur wenigen Menschen vollständig abgeht, ist durch Beeinflussung einer erstaunlichen Entwicklung fähig. Es gilt sie zu wecken durch die Praxis, durch das gute Beispiel. Träger von Bewegungen, die auf vermehrte «Ritterlichkeit im Verkehr» hinwirken, können Gesellschaften oder Vereine von Strassenbenützern oder speziell von Motorfahrern sein, (in England die «Road Fellowship League») oder eine öffentliche Institution (National Safety Council of America) oder eine Berufsgenossenschaft (in Deutschland interessieren sich die Berufsgenossenschaften für alle andern Unfälle, nur nicht für Unfälle des motorisierten Verkehrs). Auch die Transportunternehmer bezeugen öfters ihre fortschrittliche Gesinnung als Initianten für Unfallverhütungspropaganda in ihren Betrieben. UnfaftverhfltHtigspropaganda und Gesetze. In der Schweiz würde am zweckmässigsten das seinerzeit in unserem Blatte angeregte eidgenössische Verkehrsamt mit der Leitung einer einheitlichen Unfallverhütungspropaganda betraut Die Beschaffung der Geldmittel dürfte, wenn einmal alle Bestrebungen in eine Hand gelegt sind und weite Kreise für aktive Politik gewonnen werden können, keine allzuschwierige Sache, sein. Eine planmässige Umstellung des Volkes auf aktive Mitarbeit an der Verkehrserziehung verspricht vollen Erfolg, der bald in der zah'lenmässigen Verminderung der Unfälle in Erscheinung treten wird. Die. psychische Beeinflussung die Oeffentlichkeit durch die Unfallverhütungspropaganda wird weniger Aufwand erheischen als jene Aufklärungsarbeit, die notwendig ist, um Gesetze im Volksbewusstsein zu verwurzeln. La. Mit dem Raupenauto über den Simplon. Am 17. November. Dienstag, den 17. November, ist es den Herren Anton Escher und Charles Alder aus Brig gelungen, erstmalig bei meterhohem Schnee den Simplonpass mit einem Raupenautomobil zu überfahren. Der Versuch ist in allen Teilen ausgezeichnet gelungen und zeigt mit aller Deutlichkeit, ein wie ausgezeichnetes Hilfsmittel wir im Raupenautomobil haben, um die verschneiten Bergstrassen dennoch befahren zu können. Herr Anton Escher hatte die Freundlichkeit, uns einige Angaben über die Fahrt zu machen: Mit einem von "der Citroen-Fabrik zur Verfügung gestellten und in Mailand abgeholten Wagen kamen wir rasch über die Autostrada nach Gallarate und Domodossola. Nach Erledigung der Zollformalitäten in Domo, Iselle und auf Schweizerboden in Gondo, ging es bergaufwärts. In Simplon-Dorf steckten wir schon ordentlich im Schnee aber wie vorher ging es ununterbrochen vorwärts. Unterhalb Engelloch kreuzten wir die Pferdepost mit Schlitten; vom Engelloch an nahm der Schnee rapid an Höhe zu, war bald mehr als meterhoch und nass und schwer. Mit dem einen Raupenband fuhren wir im Schlittweg, mit dem andern im tiefen Neuschnee, und trotz dieser Ungleichheit ging es ausgezeichnet. Unser Tempo wechselte von 7 bis 12 Kilometer, und auf der Passhöhe erreichten wir sogar ein solches von 20 Kilometer. Beim garette greifend an ein leeres Weinglas, dass es in Scherben zu Boden klirrte. «Wollen Sie Licht haben?» Er griff nach seinem Reitstock und schlug einige Male auf die Tischplatte, dass die Gläser hüpften und sprangen. Der eintretende Diener in einer schreienden, jagdähnlichen Livree mit giftgrünen Aufschlägen und grossen flachen Silberknöpfen hatte das ihm sichtlich bekannte Zeichen seines Herrn wohl verstanden und zündete wortlos die unförmige Hängelampe an. Erst als er das Zimmer verlassen hatte, nahm mein Hausherr seine Rede wieder auf. «Jetzt wollen wir aber mit einem ordentlichen Tropfen anfangend Mir kroch eine Gänsehaut über den Haarboden. «Es trinkt sich leichter, wenn man sich dabei sieht.» «Ist es zum Anfangen nicht schon ein bisschn spät?» Der Vizegespan blinzelte nach der altertümlichen Wanduhf. «Sie haben recht. Halb zehn! Die höchste 'Zeit, das wir beginnen. Wir haben uns verplaudert.» (Fortsetzung folgt.) Hospiz wurden wir als Bezwinger von Schnee und Winter mit grosser Begeisterung empfangen. Auf der Nordseite folgte dann die schwierige Partie bei Kaltwasser. Es hatte hier etwas weniger Schnee als auf der Südseite. Zwei Stellen waren eng, aber der Strassenwärter hatte vorher den Eingang in die Galerie freigelegt, so dass wir ohne Halt talwärts fahren konnten. Bei Berisal hörte der Schnee auf und in rascher Fahrt ging es nach Brig. Der Wurf ist also gelungen. Zum erstenmal sind wir im Winter bei Schnee mit dem Raupenauto über den Simplonpass. Ich habe volles Vertrauen zu dieser Art der winterlichen Passüberquerung. Unser Wagen war ein neuer 6-Zyl.-Citroen, wie man sie im letzten Winter im Engadin verwendete, nur sind wieder einige technische Verbesserungen angebracht worden. Die Ablösung der heutigen langsamen, unrentablen und den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechenden Pferdepost durch dieses moderne Fahrzeug, das rascher ist und für den Reisenden bequemer, dürfte wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Allerdings müssten in den Galerien bei Kaltwasser bauliche Aenderungen vorgenommen werden. Sonst aber bin ich fest überzeugt dass die Sache gut gehen wird. Ein Wagen sollte in Gondo, der andere in Brig stationniert werden; ein Reservewagen in Brig. Ich bin überzeugt, dass sich der Verkehr ebenso regelmässig wie mit der Pferdepost abwickeln wird.» Hoffen wir mit Herrn Escher, dass seine Tat mir ein erster Schritt sei zur Verwirklichung eines regeimässigen Raupenautoverkehrs über den Simplonpass. Er hat gezeigt, dass es möglich ist, die Sache durchzuführen, und es ist äusserst verdankenswert, dass von privater Seite die Initiative ergriffen wurde, um den Beweis zu erbringen, dass unsere Bergstrassen teilweise auch im Winter mit Motoren befahren werden können. Lr. Autofahren Im Winter. Kritik und Vorschlag. Der Entschluss, das Automobil auch während den nassen und kalten Tagen der Wintermonate in Betrieb zu halten, wird uns von Jahr zu Jahr leichter gemacht. Wenn auch die Gefahren, die auf den winterlichen Strassen bei Nebel, bei Regen oder Schnee oder bei bissigeT Kälte auftauchen, nach wie vor dieselben bleiben, so sind doch die Schutzmassnahmen in erfreulichem MasSe weiterentwickelt worden. Die Mittel, die das Fahrzeug selber vor der Unbill der Witterung schützen und die Führung des Wagens erleichtern, schildern wir in einem besonderen Artikel dieser Nummer eingehend. Zu einem Verkehrsmittel gehört aber nicht nur ein Fahrzeug (Chassis und Karosserie) und eine treibende Kraft (Motor), sondern auch eine zweokmässi? hergerichtete Fahrbahn. Auto- und Zubehörindustrie haben Erstaunliches geleistet, um dem Fahrer und seinem Wagen den Kampf gegen die Gefahren des Winters zu vereinfachen. Die Bemühungen für eine genügende Freihaltung der Fahrbahn haben indessen nicht im gleichen Masse Fortschritt« erzielt wie die Autotechnik. Beim ersten Einschneien erheben sich für uns stets einige, für den Winterbetrieb unseres Fahrzeuges sehr belangvolle Fragen. Wer befreit unsere Fernverkehrsstrassen von der hemmenden Schicht des Schnees? Wer beseitigt Schneeverwehungen und wer sandet vereiste Strassen? In den Städten und in den Ortschaften haben wir in der Regel keine Bange, dass der Schnee nicht rechtzeitig entfernt und vereiste Strassenstrecken nicht frühzeitig genug gesandet werden. Die meisten Gemeinden landauf und landab sind besonders im letzten Winter ihrer Pflicht zur Schneebefreiung der Strassen richtig nachgekommen und haben, teilweise mit recht schweren Opfern, die Strassen in anerkennenswert guten Zustand gebracht. Freihaltung der Fernverkehrsstrassen. Weniger gut bestellt ist es mit der Freihaltung der Fernverkehrsstrassen. Liegt der Schnee einmal in einer Höhe von mehr als dreißig Zentimeter, so erlebt man immer un angenehme Dinge, denn niemand nimmt sich der Strassenstücke zwischen den Ortschaften an als der Automobilfahrer, der mit seinem Wagen das Vergnügen hat. den Schnee ebenzuwalzen. Im grossen ganzen aber wird der Autofahrer, wenn er eine Ortschaft verlässt, im besten Falle die Spuren von Holzschlitten oder Karrengeleise vorfinden, die das Lenken äusserst erschweren. Die Ortschaftstafeln, die Wegweiser und alle sonstigen Verkehrssitrnale werden von einer Schneekruste bedeckt und unleserlich sein. Wo keine Wehrsteine vorhanden sind und wo keine Tännchen zur Erleichterung des Winterverkehrs eingesteckt werden, wird der Autofahrer bald Bekanntschaft mit dem Seitengraben machen. Die Glatteisstellen wird man erst dann bemerken, wenn der Wagen bereits eine Drehung gemacht hat, oder am Strassenrande liegt. Fluchen und Wettern wird unterwegs AUTOM OBIL-REVUC 1931 - N° 05 wenig genug nützen. Es gilt, sich aui die Abwehr dieser Wintersgefahren zu besinnen. Wer hat für die Schneeräumung und für die Instandstellung der Strassen im Winter aufzukommen? Logischerweise mflsste man sagen: Die gleiche Instanz, die im Sommer den Unterhalt der Strasse besorgt, wird diese Arbeit auch im Winter übernehmen. Die Arbeit ist aber im Winter öfters bedeutend grösser als im Sommer. Die Wegknechte allein vermögen die gewaltigen Schneemassen nicht in nützlicher Zeit wegzuräumen. Sie sind nicht in der Lage, die VerkehTssignale so rasch als möglich von der Schneekruste zu befreien, sie wissen auch nicht, was im besondern nottut, denn die Mehrzahl unter ihnen sind des Autofahrens unkundig. Fliegende Strassendetachemente. Abhilfe lässt sich schaffen durch Verstärkung der ständigen Wegmachergruppen und durch die Aufstellung von besonders vorgebildeten fliegenden Strassendetachementen. Wir glauben nicht, den fliegenden Verkehrs- 'kontrollen, wie sie in einzelnen Kantonen bestehen, diese Aufgabe zuschieben zu können, da ihr Pflichtenkreis in der Regel genügend gross ist. Es empfiehlt sich die Bildung neuer Detachemente, zusammengesetzt aus 'fahrkundigen und nichtfahrkundigen Leuten, 'die nach einem bestimmten Plan das Strassennetz eines Bezirkes oder Kantons befahren, und bei Schneefall besondere Gefahren •(z.B. Glatteisstellen) signalisieren, die Ver- •kehrssignale vom Schnee befreien und In •Verbindung mit den Wegmachergruppen dte wichtigsten und gefährlichsten Partien räumen. Rasche zielbewusste Arbeit wird ein stetiges Offenhalten der Durchgangsstrassen garantieren. Wir haben diesen Vorschlag bereits letztes Jahr bekanntgegeben und wissen auch, dass die Behörden diesem Vorschlag sympathisch gegenüberstehen. Der kommende Winter, der durch ausserordentliche Arbeitslosigkeit charakterisiert ist, wird Gelegenheit bieten, auch diese Massnahme zur Minderung der Arbeitslosigkeit ins Werk zu setzen. Die Vorbereitungen sollten allerdings getroffen werden, bevor der erste Schnee fällt, denn ein Detachement muss, bevor es in Aktion tritt, richtig organisiert und geschult sein. Jedes Detachement ist ferner einem Chef zu unterstellen, der über die Gefahren des Winters Bescheid weiss und für die Leistung der Gruppe verantwortlich ist. Wir bringen dietsen-VoTschlag an die Oeffentlichkeit, um auf diese praktische' Verketirshilfe im Winter /hinzuweisen und um über den Aufgabenkreis dieser fliegenden Detachemente und ihre Organisation eine Diskussion zu entfachen, lt. Der Kampf gegen den Nachtlärm. Der Kampf gegen den Nachtlärm wird in der letzten Zeit immer energischer geführt. Die Klagen der Bevölkerung der Städte über den schlafraubenden Lärm tauchen immer mehr in den Spalten der Tageszeitungen auf. Dass nicht der gesamte Nachtlärm, der heute surrend, schrillend, pfeifend und knarrend dem geplagten Ruhesuchenden ins Ohr dringt, einfach radikal ausgerottet werden kann, versteht sich von selbst. Anderseits hat es aber auch seine wirkliche Berechtigung, dass man sich zum grossen Teil über die nächtliche Ruhestörung ärgert. Der motorisierte Strassen verkehr trägt gewiss auch zu einem bestimmten Teil Verantwortung für den Lärm in der Stadt. Das wissen auch die Verteidiger des neuen Verkehrsmittels, und sie versuchen, den Lärm auf das unbedingt notwendige Mass zu beschränken. Ganz energisch gegen den Nachtlärm ist bekanntlich vor einiger Zeit der tüchtige Pariser Polizeipräsident, Herr Chiappe, vorgegangen, indem er eine behördliche Verfügung gegen jedes unnötige Hupen erliess. Die Bestimmung wirkte wahres Wunder. Der Maire von Havre erliess ebenfalls kürzlich eine Verordnung, die Lärmsignale im Strassenverkehr zwischen 10 Uhr nachts und 7 Uhr früh überhaupt verbietet. Die Stadt Basel, die bekanntlich auf allen Gebieten immer wieder erfreuliche Fortschritte zeigt, will vorläufig einen Versuch unternehmen, und zwar auf freiwilliger Basis, bevor man sich zu dem Verbot des Naehthupens überhaupt entschliesst. Zu diesem Zwecke richtete der Basler Polizeigewaltige folgende Einladung an die Basler Autofahrer-Organisationen: Sehr geehrte Herren! Wie Ihnen bekannt ist, ist das Polizeidepartement durch die revidierte Strassen verkehrsordnung ermächtigt worden, während der Nachtzeit den Gebrauch von Hupensignalen zu verbieten und die ausscbliessliche Verwendung optischer Signale vorzuschreiben. Bevor wir eine derartige Verfügung treffen, möchten wir Versuche darüber anstellen, ob sie sich auch für uns praktisch durchführen lässt. Zu diesem Zweck erlauben wir uns, die freundliche Mitarbeit Ihres Vereins in Anspruch zu nehmen. Wir wären Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie eine Anzahl Ihrer Mitglieder, die öfters zur Nachtzeit Fahrten in der Stadt unternehmen, veranlassen wollten, während einiger "Wochen zu versuchen, ob sie. nicht mit dem Lichtsignai auskommen können. Ueber das Ergebnis dieser Versuche würden Sie uns dann Bericht erstatten. Wir hoffen, daai dieses Experiment ein positives Resultat zeitigen wird; denn es ist nicht einzusehen, wieso ein Verhalten, das sich in der Grossstadt Paris als durchführbar erwiesen hat, bei uns auf Schwierigkeiten stossen sollte. Voraussetzung für ein gutes Gelingen ist allerdings besondere Vorsicht des Fahrers. Sobald wir im Besitze Ihrer Zusage find, werden wir eine entsprechende Notiz in der Presse erscheinen lassen. Wir rechnen damit, dass die Versuche noch vor Jahresende abgeschlossen werden können... Polizeidepartement Basel. Die in den nächsten Wochen zu unternehmenden Versuche der freiwilligen «Hup- Abstinenten» können indessen nur dann zu einem guten Ergebnis führen, wenn auch die Nichtfahrer ihre Aufmerksamkeit gegenüber allen Fahrzeugen verstärken. Das Strassenpublikum wird sich bestreben müssen, mehr als bisher auf die Lichtsignale zu achten. Sowohl für die Fahrzeugführer, wie für die Fussgänger würde die Beachtung der lärmvermindernden Lichtsignale von Vorteil sein, einesteils würden die Fahrer bei der Bevölkerung neue Sympathien gewinnen, und die Bewohner der Stadt könnten einen von unnötigem Lärm verschonten Schlaf finden. Es ist deshalb zu hoffen, dass der Versuch der Basler Polizei mit der Einschränkung des Nachtlärms von Erfolg begleitet ist. bo. Der « Container-Wettbewerb ». Am 12. November trat das internationale Container-Komitee in den Räumlichkeiten der Internationalen Handelskammer in Paris zusammen, um den Bericht über die Resultate des Container-Wettbewerbes entgegenzunehmen. Die Erkundigungen and Besprechungen haben eine Reihe von praktischen Schlussfolgerungen gezeitigt, die den Konstrukteuren von Containern, den Speditionsunternehmern und den Bahnund Autogesellschaf ten wertvolle Hinweise bieten. Das Komitee beschäftigt sich gegenwäi> tig damit, die engern und weitern Mittel zu bestimmen, die dem Container-Verkehr von Land zu Land zu vollem Erfolg verhelfen können. Es teilte sich in drei Spezialkommissionen, die Mitte Dezember zusammentreten werden, um die nachstehenden Fragen einer Lösung entgegenzuführen: 1. Definitive Festlegung der technischen Be* dingungen, denen der Container bei Internationalen Transporten genügen soll. 2. Bestimmung der Regeln, die für die Taritgestaliung und für die Verzollung in Betracht kommen. 3. Rationelle Ausnutzung der Container Im Verkehr, sowie Schaffung einer Organisation zur Verhütung der Leerfrachten. Das Container-Komitee besteht gegenwärtig aus Vertretern des Völkerbundes, der Internationalen Handelskammer, des Verbandes der Eisenbahnen und der Strassentransport-Organisationen. Es wird auch der Versuch gemacht, Vertreter der Räder-Verbände und des Zentraleuropäischen Kongresses der Binnenschiffahrt in das Komitee aufzunehmen. lt. liai^idies Der Ausfall bei den Sommer-Alpenposten, den man schon aus den einzelnen Wochenbulletins erkennen konnte, war einerseits auf die gegenwärtig herrschende Krisenzeit, dann auf die Drosselung des deutschen Reiseverkehrs und anderseits auch aui die Ungunst der Witterung während den ausgesprochenen Sommermonaten zurückzuführen. Das nachträgliche Martini-Sömmerchen. welches immerhin mehrere Wochen dauerte, vermochte die Frequenzrückschläge nicht auszugleichen. Am besten schnitten in der Frequenz jene Kurslinien ab, die in der Hauptsache durch einheimische Reisende belegt wurden, wozu n erster Linie die Walliser Kurse, die Strecke Buchs-Wildhaus und einige Routen im Oraubündner Land gehören. Empfindliche Rückschläge waren auf dem eigentlichen Fremdenrouten zu bezeichnen, auf der Maloia mit 34,5 Prozent, auf der Orimsel mit 33 Prozent und auf der Furka mit 20 Prozent. Auf den Linien Sarnen-MHchtal und Schnls- Va! Sinestra waren sogar Freouenr-Frhöhimgen zu notieren Insgesamt beförderten die schweizerischen Alpennosten im vergangnen Sommer 282^11 Reisende, d. h. 55.000 weniger als im Vorjahre. go. Die Motorisierung der Weltstädte ist in ständigem Fortschritt begriffen. Ueber den Stand auf Mitte dieses Jahres orientieren nachstehende Zahipn : Uitwajen Pcrtontn- Omnibus Einw. waten pro Fuhr taut Los Angeles 5lfi.O16 516106 — 2 Chicago 460.478 412.166 561 7 New-York 751.711 632.135 — 9 Paris 172.450 141.110 1600 17 Milan 31 239 23.831 475 26 Stockholm 17.807 11.284 — 29 HelsinRfora 6.440 3950 47 37 Amsterdam 12.150 7.800 150 62 Berlin 65.403 48.627 697 64

N« 95 - 1931 AUTOMOBTL-REVUB Betrieb xxxxdL XJxxtex*lx^It im Winter Seitdem das Automobil aus einem Sportgerät zu einem Verkehrsmittel geworden ist, kennt sein Betrieb keine besonders bevorzugten Jahreszeiten mehr. Im Winter wie im Sommer und in den Uebergangszeiten hat es ebenso startbereit zu sein. Die moderne Technik und Zubehörindustrie bieten ohne weiteres die Möglichkeit eines Winterbetriebes, der selbst verwöhnten Ansprüchen genügt. Seitdem die geschlossene Karosserie dominiert, ist das Automobil sogar zu einem der beliebtesten Winterverkehrsmittel geworden. Ganz ohne jede Anpassung an die veränderten atmosphärischen Verhältnisse der kalten Jahreszeit ist allerdings nicht auszukommen. Der Benzinmotor ist eine Wärmekraftmaschine, deren richtige Arbeitsweise an eine bestimmte Betriebstemperatur gebunden ist. Soll das Wärmegleichgewicht nicht eine 'Das tägliche Ablassen des Kühlwassers bietet sicherste Gewähr gegen Frostschäden im Motor und macht die geringsten Kosten. Allerdings hat dieses Verfahren auch gewisse Nachteile. empfindliche Störung erfahren, die sich in erster Linie in einer Abnahme der Maschinenleistung bemerkbar macht, so muss die normale Betriebstemperatur des Motors auch im Winter sichergestellt werden. Besondere Massnahmen erfordert häufig das Anlassen. Dieses wird vor allem dort zum Problem, wo mangels einer heizbaren Unterstellmöglichkeit die erforderlichen Arbeitsbedingungen 'für den Motor anfänglich nicht erfüllt sind "und erst während des Startens selbst künstlich geschaffen werden müssen. Schliesslich Inus auch noch rein fahrtechnisch auf die Veränderten Betriebsbedingungen des Winters Rücksicht genommen werden. In den folgenden Zeilen werden wir uns einlässlich mit allen diesen Aufgaben auseinandersetzen. Man sei sich dabei bewusst, dass das Ergebnis um so befriedigender sein wird, je konsequenter und lückenloser die Anpassungsmassnahmen zur Durchführung gelangen. Die lückenlose Durchführung eines geeigneten Ampassungsprogrammes lohnt sich nicht nur wegen der vermiedenen Unannehmlichkeiten, fast immer macht sie sich auch durch die gesteigerte Betriebswirtschaftlichkeit bezahlt. Schutz vor Frostschäden. Die elementarste Massnahme besteht darin, 'dass man den Motor vor Frostschäden schützt. Sobald die Temperatur unter den Nullpunkt sinkt, stellt sich die Gefahr ein, dass das Wasser im Kühler, im Kühlmantel und den Rohren einfriert. In eisförmigem Zustand aber nimmt ein Liter Wasser nicht nur einen Raum von 1000 cem, sondern ungefähr 1140 cetn ein. Diese Volumenänderung geht mit riesiger Gewalt vor sich, der die Gussteile des Motors und die zarten Kühlerlamellen nur einen ganz minimalen Widerstand bieten können. Friert das Wasser ein, so kommt es also fast sicher zu Sprengungen im Zylinderblock oder zu Rissen im Aufbau des Kühlers. Man kann noch von einem günstigen Geschick sprechen, wenn man nach dem Auftauen des Wassers solche Schäden sofort entdeckt. Die Reparaturkosten für das Löten des Kühlers oder das Schweissen oder Ersetzen des Zylinderblockes oder -kopfes .bewegen sich dann vielleicht noch innerhalb einiger hundert Franken. Entschieden schlimmere Folgen können kleine, nicht sofort erkennbare Risse im Motorinnern haben. Durch diese Risse treten vielleicht längere Zeit beträchtliche Mengen Wasser in die Zylinder •und ins Kurbelgehäuse über, geraten dabei ins Schmiersystem und werden nun anstatt Vorteilhafte Bezugsquellen für das in diesem Artikel angeführte Winter-Zubehör sind auf Seite 15 in der Rubrik «Handel und Industrie» znsammengostellt. des Oels von der Pumpe in Kreislauf versetzt. Wie die Lagerstellen und überhaupt der ganze Motor auf eine solche Schmierung mit WasseT reagieren, dürfte sich auch ein Niohtfachmann unschwer ausmalen können. Am einfachsten schützt man den Motor vor Frostschäden bei jeder Betriebspause durch Ablassen des Kühlwassers. Es genügt dabei aber nicht, dass man bloss den Kühlerinhalt entleert. Bleibt z. B. Wasser in der Kühlwasserpumpe zurück und bildet sich dann in der Pumpe Eis, so wird fast sicher beim nächsten Anlassen der Pumpenflügel von seiner Welle abgerissen. Man sorge also dafür, dass auch das in der Pumpe und an anderen tiefen Stellen des Motors zurückgebliebene Wasser abläuft. Fast immer sind solche kritische Stellen mit besonderen Entleerungshahnen versehen. Das Ablassen des Kühlwassers ist jedoch, ganz abgesehen von seiner Umständlichkeit, nicht unschädlich. Fängt man nämlich das abgelassene Wasser nicht jedesmal sorgfältig auf, um es bei der nächsten Ausfahrt wieder zu verwenden, füllt man den Kühler jedesmal mit frischem Brunnenwasser, so wird die Kesselstein- und Rostbildung im Kühlsystem ausserordentlich gesteigert. Die Kühlung des Motors wird dadurch schlechter und schlechter und bald verhält sich der Wagen bei jeder stärkeren Inanspruchnahme wie eine Dampfmaschine. Für einen Winterbetrieb, bei dem der Wagen annähernd täglich gebraucht wird und auch gelegentlich tagsüber einige Stunden sich selbst überlassen werden können soll, heule niedere ist die Verwendung von nichtgefrierenden Kühlflüssigkeiten oder der Zusatz von Frostschutzmitteln zum Wasser unumgänglich. Dutzende solcher Mittel stehen zur Verfügung. Besonders beliebt war bis vor einigen Jahren der Zusatz von Sprit. Ein solches Alkohol-Wassergemisch ist tatsächlich eine Zeitlang auch sehr geeignet, besonders wenn man in Betracht zieht, dass die Zubereitungskosten verhältnismässig niedrig sind. Es hat aber den Nachteil, dass der Alkohol sehr schnell aus der Mischung verdampft. Nach einigen Fahrtagen oder auch nur -stunden ist dann die Frostsicherheit der Mischung nur noch ganz ungewiss. Selbst dann, wenn man das Verhältnis der Mischung beständig mit einem Dichtemesser kontrolliert und konstant hält. bleibt der Nachteil bestehen, dass der schon bei 76 Grad Celsius verdampfende Alkohol immer wieder ersetzt werden muss. Von den Gefrierschutzzusätzen, die überall erhältlich sind, eignet sich das Glyzerin doch schon bedeutend besser. Es muss zwar von Anfang an in grösserer Dosis beigemischt werden, verdampft aber praktisch überhaupt nicht. Was aus dem Kühlerinhalt verdunstet ist, kann einfach durch Wasser ersetzt werden. Verwendbar ist jedoch nur etwa 98prozentiges, ziemlich reines und deshalb auch ziemlich teures Glyzerin. Billiges Industrieglyzerin darf dem Wasser nicht zugesetzt werden, da es Säuren enthält, die im Kühlsystem Anfressungen verursachen. In der untenstehenden Tabelle sind die Kältegrade, bei welchen Alkohol- und Glyzerinmischungen noch als frostsicher betrachtet w.erden können, angegeben. 6Cylinder 13 Steuer-HP. 58Brems-HP. HUDS0 SCylinder 20 Steuer-HP. 87 HP. an der Bremse BASE AiiTnMnßiiF Ä R Tel. 24.860 Tel. 26.964 Wasser 90% 80% 70% 60% 50% 40% Zusatz 10% 20% 30% 40% 50% 60% Methyl-Alkohol —5° —12° —19° —29» —40° —55« Aethyl-Alkohol —3° —7° —12» —19° —28° —39« Isopropyl-Alk. —9> —8° —14° —22° —30° -42° Glyzerin —&> —0° —11° —17° —24° Glykol —8° —0° —16° —24° —35° Der ausser dem Aetyl-Alkohol (Sprit) angeführte Metyl-Alkohol oder Holzgeist hätte der Tabelle zufolge noch grössere Frostschutzwirkung. Praktisch kommt er jedoch kaum in Frage, da er schon bei 63 Grad ins Sieden gelangt, sich also noch rascher verflüchtigt als Sprit und zudem dabei gefährliche, gesundheitsschädliche Dämpfe entwik-* kelt. Schon viel besser und sogar geeigneter als Glyzerin ist dagegen das am Schluss der Tabelle angeführte Glykol, eine bewegliche, farblose, süssHch schmeckende Flüssigkeit mit einem Siedepunkt von 197 Grad Celsius. Leider ist Glykol noch teurer als Glyzerin. In Amerika stehen als Frostschutz-Zusatz- In England wenden zur WannhaHting des Moton. häufig Heizkörper für flüssigen Brennstoff, die nach dem Prinzip der Berg-werkslampein feuersicher gestaltet sind, unter die Motorhaube gehängt mittel vielfach Zacherarten in Gebrauch. Losungen von invertiertem Zucker halten grosse Kältegrade ans und haben den Vorteil, dass sie die Metalle des Kühlsystems in keiner Weise angreifen. In Gegenden mit billigem Honig werden auch 75prozentige Honig- Wasserlösungen als Kühlflüssigkeit angewandt. Als ein Mangel dieser Präparate, der sich bei Wagen mit etwas knappem Kühlsystem besonders ungünstig auswirkt, ist ihre Dickflüssigkeit zu betrachten. Wegen seiner zu hohen Viskosität kann auch eine Füllung des Kühlsystems mit Oel, das gelegentlich als Kühlflüssigkeit vorgeschlagen wird, kaum in Frage kommen. Wer sich der Muhe und Umständlichkeit, selbst eine Frostschutzmischung zusammenzubrauen, entheben und auch gleichzeitig alle Risiken vermeiden will, kann fertige Frostchutzpräparate beziehen. Diese Frostschutzpräparate, deren Bezugsquellen aus unserem Inseratenteil ersichtlich sind, zeigen meist Eigenschaften, die allen praktisch zu berücksichtigenden Anforderungen entsprechen. Friert trotz aller Vorsichtsmassnahmen der Motor doch einmal ein, so darf nur unter Anwendung grösster Vorsicht ans Auftauen herangegangen werden. Man bringt den Wagen in einen geheizten Raum und giesst heisses Wasser, über den' Zylinderblock, die Wasserpumpe und den Kühler hinab. Nach und nach wird auch ein Einfüllen von heissem Wasser in den Kühler möglich sein. Auf keinen Fall aber darf der Motor in Bewegung gesetzt werden, bevor nicht mit Sicherheit alles Eis geschmolzen ist. Vor der Anwendung einer offenen Flamme irgendwelcher Art sei ebenfalls dringend gewarnt. Das Anlassen des kalten Motors bildet gewöhnlich das nächstwichtigste Problem im Winterbetrieb. Ein Kunststück, wie in den Erstlingsjahren des Automobilismus, ist zwar das Anlassen eines leidlich in Ordnung befindlichen Motors auch bei sehr tiefen Aussentemperaturen nicht mehr. Es gibt aber doch noch einige Tricks, die man wissen muss und vorteilhafterweise anwendet, um mit einem Minimum an Zeitaufwand, Aerger und Mühe ans Ziel zu gelangen. Ganz unentbehrlich ist ein gewisses Minimum an Verständnis an der Wirkungsweise des Motors. Versagt der Motor beim Anlassen, y soll der Fahrer mindestens «das Gefühl ' ben». warum er das tut.