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Griaß di' Magazin - Frühling 2018

Es gibt keine

Es gibt keine Öffnungszeiten für die Heimatstube Gutenberg – wer sich in alte Zeiten versetzen und den Alltag vor über 100 Jahren nachempfinden will, muss einen Termin vereinbaren. Und das ist auch gut so. Denn die größten Schätze des kleinen Museums liegen im Verborgenen. Außerdem erwacht das schmucke Haus neben der Kirche nur dann so richtig zum Leben, wenn Hans Prestele es mit seinen vielen Geschichten und Anekdoten füllt. Hans Prestele hat einen besonderen Bezug zur Heimatstube. Sein Großvater hatte das kleine Anwesen, das einst mit dem nebenstehenden Gefängnis über eine Balustrade verbunden war, in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts

Kleinod mit verborgenen Schätzen 5 gekauft. Dort wohnte bis 1803 der Amtsknecht der Adelsfamilie Hörmann von und zu Gutenberg, dessen Aufgabe es war, der Adelsfamilie zu dienen und die Gefangenen zu versorgen. In der guten Stube aus dem 19. Jahrhundert steht unter dem traditionellen Herrgottswinkel der Tisch, an dem der junge Prestele bei den Hausaufgaben so manche Träne vergossen hat. Die dreifüßigen Stühle stammen aus einer Gutenberger Gaststätte. Vor dem geflickten Ledersofa erläutert Prestele das erste Kleinod, das beim alleinigen Rundgang übersehen worden wäre – einen mit Sägemehl ausgelegten Holzkasten. Den nutzten einst Oma und Opa, um ohne aufzustehen die Lunge zu entschleimen, berichtet er zur meist großen Freude der Schulkinder, die das Museum aufsuchen. Aber auch der herrliche Bauernschrank von 1799 hat es in sich: Nicht nur, dass dort wunderschöne Wachsmodeln, Geschirr und eine Meissner Gebäckdose von 1920 zu finden sind. Im Schrank ist auch ein Geheimfach untergebracht, das Prestele durch Zufall entdeckte. In der angrenzenden Küche gibt es neben einer geflickten Pfanne und Bügeleisen mit Wechselgriff ein Waffeleisen mit Drehmechanismus zu bewundern. Ein Unikum ist zudem die Kaffeemaschine aus Glas, die wie eine heutige Espressomaschine funktioniert, so Prestele. Im Schlafzimmer ein Stockwerk höher finden sich die traditionellen Heiligenbilder, eine Aussteuerkommode und eine Wiege, die in Tirol erstanden wurde. Aus dem Schrank holt Prestele nicht nur den Hochzeitsfrack seines Vaters, sondern auch die Jacke eines Kriegsgefangenen – ohne Taschen, denn persönlicher Besitz war nicht erlaubt. Auch über dem Holzstiel mit „Vorderlader“ lässt Prestele frühere Zeiten lebendig werden: Er wurde bei der Kirchenwacht verwendet, wenn ein Gemeindemitglied durchs Dorf patrouillierte und aufpasste, während alle anderen beim Gottesdienst waren. Dass der kleine Morgenstern ein von polnischen Aufständischen benutzter Totschläger war, hat er erst durch Zufall – und einen Zeitungsbericht – erfahren. Groß oßer Klei nkin inde derb rber erei eich ch, Warm wass sser erbe beck cken und Brei eitr trut utsc sche he! Im Zimmer gegenüber zeigt Prestele ein etwa 100 Jahre altes Hochzeitskleid – in Schwarz. Denn damals heirateten nur die sehr reichen Frauen in Weiß, die anderen wählten Schwarz, um das teure Kleid später noch an Festtagen und bei Beerdigungen nutzen zu können, erklärt Hans Prestele. Im gleichen Zimmer ist auch die komplette Flachsproduktion, einst Haupt- Einfach mal vorbeikommen! www.baeder.kaufbeuren.de

Griaß di' Magazin Herbst 2018
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