Die Malteser-Zeitung 3/2018

malteseraustria

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2018

Spatenstich:

MALTESER Ordenshaus – Wohnen wie Zuhause

Wirtschaft hilft – Das Wirken von Engeln

20. MALTESER Wildwassercamp


INHALT

IMFOKUS

04 Schönes neues Zuhause

07 Warum das neue Ordenshaus für uns MALTESER

selbstverständlich sein muss

RUNDSCHAU

09 Mit Musik Gutes bewirken

10 Als Instrumente Gottes wirken

12 Freiwilligenarbeit: Das allerbeste Geschenk

RELIGIONAKTUELL

14 Die Anfänge der katholischen Soziallehre

VORBILDER

16 „Wer liebt, lebt da, wo er liebt, nicht da, wo er lebt“

19 Das Wirken von Engeln

04 16

LEBENSWERT

21 HÖCHste Zeit für eine Begegnung

22 Holidays on Wheels – Accessible Holidays

25 Gemeinsam Grenzen verschieben

MALTESERORDEN

26 Klösterle – ehemalige Johanniterkommende

27 MALTESER Benefizball Salzburg

28 MALTESER CEE Conference

29 Für eine Welt ohne Menschenhandel

30 Brüder im Geiste – der Deutsche Orden und

die MALTESER

MALTESERÖSTERREICH

32 Berichte aus den Bundesländern:

vielfältige Initiativen und Dienste

MEDIZINAKTUELL

54 Künstliche Intelligenz fürs Knie

56 Gesund Arbeiten

MALTESERWELTWEIT

57 MALTESER in aller Welt

59 Dank euch sind wir zurück im Leben

22 30

GELESENEMPFOHLEN

61 Buchtipps

MALTESERAKTUELL

63 100 Jahre Republik: Österreich sagt Danke!

63 Professor Anton F. Gatnar

64 Verstärkung für den Westen Österreichs

65 Feierliche Weihe der neuen Glocken

59

63

TAGEBUCH

66 Nekrolog & Auszeichnungen

ÜBERBLICK

67 Termine und Kontakte

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ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 3-4/2018


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

bald schon ist das Jahr 2018 um. Es war ein aufregendes,

erfülltes und erfüllendes Jahr. Besonders freut mich, dass es

heuer gelungen ist, unser Projekt „MALTESER Ordenshaus“

einen wesentlichen Schritt voranzubringen. An dieser Stelle

sei nochmals von Herzen all jenen gedankt, die sich unermüdlich

für das Gelingen des Projekts eingesetzt haben, insbesondere

unserem Sonderbeauftragten Architekt Dipl.-Ing.

Andreas Mensdorff-Pouilly, RA Dr. Jörg Jakobljevich und

dem Lenkungsausschuss!

Unser neues Malteser Ordenshaus, dessen Bau im Jänner

2019 beginnen wird, soll ein verbindendes, sinnstiftendes

Element unserer Ordensspiritualität und unserer Fürsorge

und Nächstenliebe für unsere Herren Kranken werden. Alle

Ordensmitglieder, Freunde und Helfer sind dazu aufgerufen,

mitzuarbeiten und den neuen Standort im Geiste unseres

Ordensgründers zu beleben.

Wer in Würde altern, ein eigenständiges Leben führen und

dennoch in sein soziales Umfeld eingebunden bleiben möchte,

wird hier ab 2021 einen wunderbaren Platz vorfinden,

der seinen Bedürfnissen in vielerlei Hinsicht Rechnung tragen

wird. Am Spitalsstandort der ehrwürdigen Elisabethinen wird

in Teilen des prachtvollen barocken Klosters und durch einen

modernen Zubau im Herzen von Wien wertvoller Lebensraum

für Gesundheit, Wohnen und Pflege geschaffen. Dieser wird

reizvoll ergänzt durch spirituelle Angebote und Erholung

spendende Grünflächen sowie durch die städtische Infrastruktur

mit Geschäften und Lokalen.

Auf den Zusammenhalt und den Rückhalt, den eine Familie

geben kann, wollen wir uns auch im Hinblick auf die Adventszeit

und das bevorstehende Weihnachtsfest besinnen. Nicht

alle Menschen haben in dieser Zeit das Glück, im Kreise ihrer

Familie und Angehörigen diese schützende Geborgenheit zu erleben

oder in Krankheit angenommen zu werden. Ihrer wollen

wir besonders gedenken und als Malteser für sie da sein.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien viele schöne gemeinsame

Momente und das Glück, diese besonderen Augenblicke

mit anderen Menschen teilen zu dürfen.

Norbert Salburg-Falkenstein, Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesgasse 2,

Tel: 01/512 72 44, E-Mail: smom@malteser.at.

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren

dieser Ausgabe: Keziah Adhiambo, Marianna Balfour, Bogdan N.

Bercal, Christoph Calice, Susanna Cho, Axel Dechamps, Elisabeth

Eder, Fairändern, Agnes Fojan, Sabine Friesz, Bela Garzuly, Ulrich

Glaunach, P. Clemens Grill OSB, Edith Holzer, Georg Holzhausen,

Anna Jakobljevich, Andreas Jordis, David Jost, Katharina Kiecol,

Naomi Kienreich, Armin Krösbacher, Lukas Krupitza, Fra‘Gottfried

Kühnelt-Leddihn, Brigitte Leber, Richard Ljuhar, Paul Lovrek, Georg

Male, Andreas Mensdorff-Pouilly, Richard Mischak, Uta Neufeld,

Eveline Pfneiszl, Calin Piescu, Josef Rauscher, Georg Reichlin-

Meldegg, Petra Rösler, Moritz Röttinger, Melanie Röttinger, Michael

E. Sallinger, Patrick Schleich, Moritz Schuschnigg, Richard Steeb,

Katharina Stögner, Andrea Szabadi-Heine, Christian Thomaser,

Christof Thöny, Ares Vafiadis, Andrea Venus, Camilla Walderdorff,

Wolfgang Weigel, Richard Wittek-Saltzberg, Helmut Wohnout

Fotos: Regina Aigner/BKA, Alpenverein, AON, Bildarchiv Austria,

Susanna Cho, Ekaterina Dimitrovna Dunina, Eder-Halbedel, Jan

Emmel, Fairändern, fit2work, Fotolia, Fotostudio19.at, Mario

Habenbacher, IBKab, Carina Karlovits/HBF, Museumsverein Klostertal,

Peter Lechner/HBF, Chris Lendl, MALTESER Austria, Malteser

´

International, Order of Malta, Muhammad Aditya Setyawan/YAKKUM,

St. Elisabeth, Martin Steiger, Fabian Steppan, Carmen Wolf.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für

beiderlei Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050

Wien. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner

Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art. Namentlich

gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: November 2018

DIE MALTESER 3-4/2018 3


IMFOKUS

SCHON JETZT ANMELDEN!

Bezugsfertig 1. Halbjahr 2021

Das MALTESER Ordenshaus entsteht im Zentrum Wiens, nahe dem Stadtpark, an einer Geschäftsstraße – nur wenige Meter vom Rochusmarkt

entfernt.

SCHÖNES NEUES ZUHAUSE

Wenn es darum geht, nachhaltiges Handeln unter Beweis zu stellen, ist unser Ordenshaus-Projekt ein gutes Beispiel. Einige von

uns arbeiten schon seit zehn Jahren an diesem Projekt. Doch jetzt geht es richtig los. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant, die

Freude riesengroß.

Von Christoph Calice, Ulrich Glaunach und Andreas Mensdorff-Pouilly

Was lange währt, wird endlich gut – sehr gut! Nach ausdauerndem

Bemühen konnte die gewünschte Flächenwidmung

für unser neues Ordenshaus sichergestellt

Die Anfänge in der Bürgerspitalgasse

Seit bald 30 Jahren gibt es das Haus Malta in der Bürgerspitalgasse

im Wien-Mariahilf. Es war ursprünglich

und die Planung für das Gebäude finalisiert werden. Die

Verträge mit den Elisabethinen sind nach konstruktiven

Gesprächen fertig, die Finanzierung steht, und wir gehen

davon aus, dass die Baugenehmigung demnächst erteilt

wird. Der offizielle Baubeginn ist im Jänner 2019, doch

wurde bereits mit den Aushubarbeiten begonnen. Ende

2020 wird das neue Ordenshaus fertig sein und seine

Aufgaben übernehmen können. Doch wie hat alles begonnen?

Erlauben wir uns einen Blick zurück.

für ältere Damen und Herren geplant, die gerne zusammenwohnen

und gemeinsam – auch geprägt von

gemeinsamen Werten und gemeinsamem Glauben –

möglichst gesund alt werden wollten. Eine Erbschaft

von Familie Steger – eingebracht in die Steger Stiftung

– hatte es damals ermöglicht, die Liegenschaft in der

Bürgerspitalgasse zuerst anzumieten und dann zu kaufen.

So konnte der Orden im Jahr 1990 das damals

Malteser Hospiz und Altenwohnheim“ benannte Haus

4

DIE MALTESER 3-4/2018


IMFOKUS

eröffnen und dem neu gegründeten Trägerverein „Verein

Haus Malta“ anvertrauen.

Das familiäre, besondere Haus

Der Betrieb des Hauses ist von jeher dem Einsatz vieler

ehrenamtlicher Helfer zu verdanken, die den Bewohnern

ihren Alltag so einzigartig abwechslungsreich wie möglich

machen. Es standen und stehen regelmäßige Besuchsdienste,

Abendvorträge, Ausflüge, Opernabende und natürlich

der Aperitif nach der Messe am Sonntag auf dem

Programm. Gutes, frisch gekochtes Essen war und ist ein

Markenzeichen des Hauses Malta. Was dem Haus jedoch

sein ganz besonderes Flair verliehen hat, sind die Würde

der Bewohner und ihre Einstellung zu den kleinen und

großen Sorgen des Älterwerdens.

Ein wichtiger Schritt für die Zukunft

Im Laufe der Jahre wurde die Pflege und Betreuung für die

Bewohner des Hauses immer mehr zum Thema. Und weil

die Pflege viel Geld kostet, wurde das Leben im Haus entsprechend

teuer. Gleichzeitig wuchsen die Anforderungen

an die Professionalität in der Pflege. Diese Herausforderung

hat der Orden angenommen und das Haus mit einer entsprechend

kompetenten und erfahrenen Führung ausgestattet.

Doch trotz bester Betreuung, kontinuierlicher Auslastung

und wirtschaftlich adäquater Entwicklung blieben einige

Schwachstellen bestehen. So ist das Umfeld der Bürgerspitalgasse

wenig attraktiv für Spaziergänge, Einkaufen

und Kaffeehausbesuche in der näheren Umgebung. Der

Lift des Hauses ist alt und für die Aufnahme eines Pflegebettes

zu klein, der Platz im Haus beschränkt, die Bausubstanz

überholungsbedürftig. Eine Verlängerung der

Betriebsgenehmigung des Hauses würde große Investitionen

erfordern. Also war es wichtig, einen großen Schritt

nach vorne zu machen und die Entscheidung zugunsten

eines neuen Ordenshauses zu treffen.

Besonderes Flair, optimale Infrastruktur

Das neue MALTESER Ordenshaus wird ein identitätsstiftendes

Zentrum für das Wirken des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens in Wien. Es wird Wohnraum

für ältere Menschen mit und ohne Pflegebedarf, Platz

für Hilfswerke und Verwaltungseinheiten bieten. Das Leben

im Ordenshaus wird durch die barocke Bausubstanz,

verbunden mit einem modernen Zubau, frischen Grünflächen

und der Aura des Klostergebäudes der Elisabethinen

ein ganz besonderes Flair haben.

Gesundheits-Infrastruktur

An seinem Standort zwischen Landstraßer Hauptstraße

und Ungargasse in Wien 3 ist das MALTESER Ordenshaus

in einen Lebensraum mit einer einzigartigen

Gesundheitsstruktur eingebunden. Das MALTESER

Haus befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft

zum „Franziskus-Spital Landstraße“ der Elisabethinen

mit seiner Akutgeriatrie, der Palliativstation und dem

Schwerpunkt für Medizin für ältere Menschen.

Auch eine neue Einrichtung für Übergangspflege und

ein Ambulatorium für physikalische Medizin und Rehabilitation

gibt es in unmittelbarer Nähe. Gleichzeitig ist

das MALTESER Ordenshaus umgeben von Wohnhäusern

und einer Fülle von Geschäften und Lokalen – lebendiges

Leben mitten in der Stadt! Mit einem U-Bahnaufgang visà-vis,

einer Bushaltestelle fast vor der Türe, der Straßenbahn

an der Ecke und einigen Parkhäusern, die auch für

Besucher einen großen Komfort darstellen.

DIE MALTESER 3-4/2018 5


IMFOKUS

WOHNEN

WIE ZUHAUSE

Bei Bedarf mit professioneller Betreuung

Die Zimmer

Im neuen Ordenshaus wird es für rund 70 Bewohner

Platz geben. Es besteht die Auswahl zwischen drei verschiedenen

Zimmertypen:

• Einzelzimmer im Neubau mit der Option der Zusammenlegung,

wenn zwei Personen gemeinsam

wohnen möchten

• 1,5-Zimmer-Appartements

• 2-Zimmer-Appartements im Klostergebäude

Die Einrichtung

Alle Zimmer und Appartements sind mit einem eigenen

Sanitärbereich und Pflegebetten ausgestattet sowie

voll eingerichtet. Es besteht die Möglichkeit, kleinere

Möbelstücke und Bilder aus dem persönlichen

Umfeld mitzubringen.

Die Gemeinschaftsräume

Den aktuellen Erkenntnissen in der Betreuung von

älteren und alten Menschen entsprechend wird das

Haus in Wohngruppen zu je zehn bis 15 Bewohnern

gegliedert sein. Jedes Zimmer oder Appartement ist

einer Wohngruppe zugeordnet. Jede Wohngruppe

verfügt über einen zentral gelegenen Begegnungssalon

mit einer Wohnküche, einer Fernsehecke und einer

kleinen Bibliothek. Allen Bewohnern und ihren

Besuchern stehen die Terrassen und der Garten sowie

das Refektorium im Bereich des Ordenshauses zur

Verfügung. Für die Bewohner sind Gymnastik- und

Behandlungsräume vorgesehen. Die eigene Kapelle

bietet einen Raum für Andacht und Gebet.

Die Betreuung

Ein Mitarbeiter ist jeweils für eine Wohngruppe verantwortlich,

sodass die Tätigkeiten und Aktivitäten,

die in einem „normalen“ Haushalt anfallen, auch

den Tagesablauf bestimmen. Pflege findet statt, bestimmt

aber nicht den Tagesablauf. Alle Aktivitäten

in den Wohngruppen sind freiwillig und orientieren

sich vorrangig an den Lebenswelten und Bedürfnissen

der Bewohner.

Die Kosten

Sie richten sich nach dem gewählten Appartement,

der jeweiligen Pflegestufe und den konsumierten Zusatzleistungen.

Bei Pflegestufe 3 etwa muss für Wohnen,

Pflege, Betreuung und etwaige Nebenkosten mit

einem Monatsbudget von derzeit 3.800 bis 4.200

Euro gerechnet werden. Der Fonds Soziales Wien begrüßt

das neue Projekt und hat für eine Anzahl von

Personen eine Zusage für die Subjektförderung in

Aussicht gestellt.

Wie bisher werden wir gerne Interessenten und Angehörige

im Rahmen unserer Möglichkeiten bezüglich

der eventuell zu stellenden Anträge auf Zuteilung

einer Pflegestufe und etwaige Kostenübernahmen

durch die sozialen Einrichtungen beraten. Alle, für

die ein Einzug in das Ordenshaus in die Lebensplanung

passen könnte, sind bereits jetzt eingeladen,

Kontakt aufzunehmen.

Die Beratung

Für die Beratung bei Fragen von Interessierten

und Angehörigen stehen Bogdan Norbert Bercal,

Henriette Blanckenstein, Alexander Strasoldo und

Ulrich Glaunach gerne zur Verfügung. Für Interessierte

und Angehörige, Rückfragen und Anmeldung:

T: 43 1 597 59 91-0, M: malteser@ordenshaus.at

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DIE MALTESER 3-4/2018


IMFOKUS

WARUM DAS NEUE ORDENSHAUS FÜR

UNS MALTESER SELBSTVERSTÄNDLICH

SEIN MUSS

Bruder Gerard hat am Ende des 11. Jahrhunderts ein solches Hospital in Jerusalem gegründet. Unter der Patronanz des

Hl. Johannes des Täufers entstand daraus unser Orden der Johannesritter.

Von Christoph Calice, Ulrich Glaunach und Andreas Mensdorff-Pouilly

Ein Hospital – damals wie heute – ist keine leichte

Aufgabe. Aber es ist das Grundlegende unseres Christ-

Seins: das Bemühen um den Nächsten. Und hier sind

im Fokus der Malteser die Schwächsten in unserer

Gesellschaft, die Armen und die Herren Kranken. Wir

bezeichnen den Kranken als unseren Herren, weil wir

Christus in jedem unserer Nächsten suchen und finden

sollen und weil wir uns in diesem Zusammenhang als

Diener sehen müssen.

Mehr als bloße Handlungsanleitung

Christus selbst gibt uns im Evangelium die Wichtigkeit

und Reihung der Gebote bekannt: „Du sollst den Herrn,

deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele

und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste

und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst

deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden

Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“

(Mt 22,34-40)

Das ist schon weit mehr als eine Handlungsanleitung für

uns Christen. Eigentlich liegt darin die Nachfolge Jesu,

sie ist Beginn und Ende unseres Lebens und die wahre

Sinnstiftung. Die Säulen unseres Ordens sind auch deshalb

die „tuitio fidei“, die Verteidigung und der Schutz

des Glaubens, und das „obsequium pauperum“, das

Kümmern und Bemühen um die Armen.

Die Malteser sind diesen Grundsätzen treu gefolgt und

haben in den letzten fast 1000 Jahren standhaft am katholischen

Glauben festgehalten, in unverbrüchlicher

Treue zur römisch-katholischen und apostolischen Kirche.

Diesen Glauben lebend, haben sie an allen Orten

ihres Wirkens Hospitäler begründet und betrieben, um

dem Gedanken der tätigen Nächstenliebe zu entsprechen.

Neue Hospitalgemeinschaft

Es ist leicht gesagt, aber umso schwerer für den Einzelnen

DIE MALTESER 3-4/2018 7


IMFOKUS

Die Generaloberin der Elisabethinen, Sr. M. Barbara Lehner,

der Prokurator des Großpriorates von Österreich, Norbert

Salburg-Falkenstein, sowie Dipl.-Ing. Richard Steeb, Kuratoriumsmitglied

der Steger-Stiftung, unterzeichneten in Linz ein

zukunftsweisendes Übereinkommen.

„Ich möchte jenen danken, die

über all die Jahre an das Projekt

des neuen Ordenshauses

geglaubt und darum gekämpft

haben. Das waren viele, doch

herausragend als ‚Felsen in der

Brandung‘ zu nennen sind unser

Kanzler Richard Steeb, unser

Alt-Hospitalier Jörg Jakobljevich, unser Sonderbeauftragter

Andreas Mensdorff-Pouilly, der Präsident

des Hauses Malta Ulrich Glaunach und unser

Rezeptor Christoph Calice.

Ein herzliches Danke Euch allen!“

Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein

umzusetzen. Nur eine Gemeinschaft kann dem Menschen

den nötigen Rückhalt und die erforderliche Motivation

mitgeben, konstant und nachhaltig zu wirken. Wir Malteser

sind mit unserem Werk und unseren Diensten eine

solche Gemeinschaft, als Betreuer zusammen mit den von

uns Betreuten. In dem neuen Ordenshaus wird die Idee

der Ordensgemeinschaft einen konkreten Platz finden.

An dem neuen Standort in Wien Mitte haben wir die Möglichkeit,

unsere vielfältigen Dienste an einem Ort zu bündeln.

Das wird auch unsere innere Gemeinschaft sehr fördern.

Dankbar unseren Gönnern – auch den zukünftigen

– und vertrauensvoll in Bezug auf das Gelingen unseres

Vorhabens werden wir auch die finanziellen Herausforderungen

dieses Großvorhabens meistern.

Gut Ding braucht Weile. Als sich nach 10 Jahren des Wirkens

im Haus Malta herausstellte, dass es Nachfrage nach

einem größeren Haus an einem zentraleren und moderneren

Standort gibt, folgte der Entschluss, diesen neuen

Standort zu suchen. Diese Suche kam im Herbst 2018

nach Umwidmung und Baueinreichung für unser neues

Ordenshaus in der Landstraßer Hauptstraße in Wien 3

zu einem guten Ende. 2019 erfolgt der Baubeginn und

nach der geplanten Fertigstellung 2020 sollen 2021 die

ersten Bewohner ihr neues Zuhause beziehen können.

Beginn der Suche

nach einem alternaGven

Standort

Malteser und Elisabethinen

unterzeichnen

eine Absichtserklärung

Einreichung der erforderlichen

Unterlagen für

die Flächenwidmung

Neuerliche Einreichung

zur Flächenwidmung

Baubeginn

1990

2006

2008

2009

2010

2011

2012-15

2016

2017

2019

2020

2021

„Haus Malta“ öffnet

seine Pforten für rund

35 Bewohner, Wien 6

Erste Gespräche mit

dem Konvent der

Elisabethinen, Wien 3

Planungsbeginn

für den neuen

Standort

Zeitleiste: Der Weg vom „Haus Malta“ zum neuen Ordenshaus

Verzögerungen aufgrund Beschluss der

von Anrainereinsprüchen, neuen Flächeneine

archäologische Boden- Widmung im Wieuntersuchung

muss vorge- ner Gemeinderat

nommen werden, ein Baumgutachten,

Belichtungsstudien

und ein Verkehrsgutachten

werden eingefordert, alle poli-

Gschen Parteien im Rathaus

müssen informiert werden

Fer$gstellung

Bezug

1. Halbjahr

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DIE MALTESER 3-4/2018


RUNDSCHAU

MIT MUSIK GUTES BEWIRKEN

Wenn einige der weltbesten Musiker, ein ganz besonderes Publikum und die MALTESER zusammenkommen, geht es

um etwas Außergewöhnliches wie zum Beispiel das Altenhofer Schlosskonzert.

Von Katharina Stögner

Bereits seit 32 Jahren Tradition, hat das Konzert auch

diesen Sommer unter der Leitung von Professor Clemens

Hellsberg im wunderbaren Rahmen des Schlosses und bei

bestem Wetter stattgefunden. Am Programm standen

drei Werke von Johannes Brahms, die formvollendet von

Musikern der Wiener Philharmoniker und des Bruckner

Orchester Linz – namentlich Emmanuel Tjeknavorian,

Clemens und Benedikt Hellsberg, Robert Bauerstatter,

Innokenti Grabko, Bertin Christelbauer und Maximilian

Kromer – vorgetragen wurden.

Der Reinerlös des Benefizkonzerts kommt zur Gänze

ausgesuchten Hilfsprojekten der Malteser zugute. Dazu

Clemens Hellsberg: „Wie würde unsere Welt aussehen

ohne die Musik, ohne die Kunst, ohne die Kultur? Sich

darauf zu besinnen und dieses wunderbare Handwerk

unentgeltlich sinnstiftend für ein Hilfsprojekt der Malteser

einzusetzen, um Gutes zu bewirken, macht glücklich.“

Bildung für Kasachstan

Dieses Jahr darf sich die Schule St. Lorenz in der nordkasachischen

Stadt Korneevka über die Spendengelder

freuen. Sie werden zur Innenausstattung eines neuen

Schulgebäudes und zur Erneuerung der Fenster im bestehenden

Gebäude benötigt. „Die Winter in Kasachstan

können sehr, sehr kalt sein. Minus 40 Grad sind hier keine

Seltenheit. Da sind gut schließende Fenster wirklich

wichtig“, so Pater Leopold Kropfreiter SJM, der seit zehn

Jahren in der ehemaligen Sowjetrepublik lebt und die

Schule St. Lorenz seit dem aktuellen Schuljahr leitet.

Am „einzigen Dorfgymnasium Kasachstans“, wie Pater

Leo seine Wirkungsstätte nennt, werden aktuell 176

Schüler unterrichtet. 50 davon können im angeschlossenen

Internat leben. Die Kinder und Jugendlichen, die

sonst keine Chance auf eine adäquate Bildung haben, lernen

hier – neben allen üblichen Schulfächern – Deutsch

und genießen eine vom christlichen Geist geprägte Erziehung.

Pater Leo: „Viele der bisherigen Schulabsolventen

konnten durch die Möglichkeiten, die sie durch diese

Schule haben, ihr Leben nachhaltig positiv verändern.“

JETZT SCHON VORMERKEN:

Das nächste

Altenhofer Schlosskonzert

findet am 6. und 7. Juli 2019 statt.

DIE MALTESER 3-4/2018 9


RUNDSCHAU

ALS INSTRUMENTE GOTTES WIRKEN

Jan Ledóchowski ist Mitglied der Johannesgemeinschaft und Präsident der Plattform Christdemokratie, die kürzlich mit

der Initiative #FAIRÄNDERN gestartet ist. Im Interview erklärt der junge Christdemokrat, warum er sich überparteilich

engagiert und welche Themen ihm für die Zukunft unserer Gesellschaft besonders am Herzen liegen.

Von Katharina Stögner

Jan, seit etwas weniger als einem Jahr bist du der

Präsident der Plattform Christdemokratie. Wie ist

es dazu gekommen?

Das ist eine dieser Geschichten, die man nicht planen

kann. Im August 2017 wurde ich gefragt, ob ich mich im

Wahlkampf engagieren wolle. Ich war bisher nie politisch

aktiv gewesen und hatte mich auch noch nie zuvor um

ein Amt beworben. Aber das war ganz klar ein Ruf. Also

habe ich mich mit meinen bescheidenen Mitteln und den

wenigen freien Stunden, die mir mein Beruf und meine

drei kleinen Kinder lassen, in meinen ersten Wahlkampf

gestürzt. Es war völlig klar, dass ich keine Aussicht auf

ein Mandat im Nationalrat hatte, doch wollte ich sehen,

wie viele Vorzugsstimmen man mit christlichen Positionen

zu Ehe, Familie und Lebensschutz erlangen kann. Ich

war überrascht, wie viel Zustimmung ich damit gefunden

habe! Doch nach der geschlagenen Wahl wusste ich nicht,

wie ich mich weiter engagieren könnte. Und da kam der

nächste Zufall ins Spiel: Für die Plattform Christdemokratie

wurde ein neuer Vorsitzender gesucht und der Vorstand

hat mich gefragt, ob ich diese Rolle übernehmen

wolle.

Was ist das Ziel der Plattform Christdemokratie?

Auf dieser parteiunabhängigen Plattform sind Menschen

verschiedener Konfessionen aus ganz Österreich tätig,

mit dem gemeinsamen Ziel, sich für wichtige christliche

Anliegen in der Politik einzusetzen. Wir informieren über

tagespolitische Entwicklungen und bereiten christliche

Kernthemen alltagsgerecht auf. Wir laden regelmäßig

zu regionalen Informationsveranstaltungen über aktuelle

Themen ein und verstehen uns ganz allgemein als

Sprachrohr für christliche Kernanliegen in Gesellschaft

und Politik.

Welche konkreten Themen und Projekte sind das?

Es gibt sehr viele Themen – etwa zu Ehe, Familie, Elternrechte,

Religionsfreiheit, Lebensschutz oder auch Leihmutterschaft.

Bei allen Themen arbeiten wir mit bereits

bestehenden Vereinen und Menschen zusammen, die

schon viel Erfahrung in diesen Angelegenheiten haben.

Unser Beitrag ist es, die Aktionen und Bemühungen so zu

koordinieren und zu timen, dass sie politisch den größten

Effekt haben. Nicht alles kann man planen. Als der Verfassungsgerichtshof

vor einem Jahr in einem Erkenntnis

urteilte, dass die sogenannte „Ehe für alle“ kommen solle,

haben wir begonnen, unsere Mitglieder über die juristischen

Schwächen der Entscheidung und über die politischen

und rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz der Ehe

zu informieren. Wir haben alle ermutigt, ihren Abgeordneten

zu schreiben und sich für die Ehe einzusetzen. Wir

haben Expertenmeinungen eingeholt, diese gezielt veröffentlicht

und den Entscheidungsträgern in der Regierung

und im Parlament zugespielt. Wichtig ist hier auch unsere

spendenfinanzierte Umfrage vom IMAS-Institut über

die Ehe. Entgegen der häufig vorherrschenden Meinung

war das Ergebnis, dass eine Mehrheit der Österreicher

dem Ehebild von Mann und Frau anhängen.

Wie ist der Standpunkt der Plattform zum Thema

Lebensschutz?

Im Regierungsprogramm hat sich die Regierung gegen

die Spätabtreibung und für eine bessere Unterstützung

schwangerer Frauen ausgesprochen. Das haben wir zum

Anlass genommen, um gemeinsam mit anderen Vereinen

die Initiative #FAIRÄNDERN zu gründen. Unser Ziel ist

es, mithilfe einer professionellen Social-Media-Strategie,

die von einer Agentur kostenlos begleitet wird, möglichst

viele Menschen zu erreichen und Unterschriften

10

DIE MALTESER 3-4/2018


RUNDSCHAU

Jan Ledochowski

für eine Bürgerinitiative zu sammeln. Nach dem „Marsch

fürs Leben“ am 24. November (Anm.: Beginn mit einer

Messe um 12 Uhr im Stephansdom, Folgeveranstaltung

ab 13.00 am Stephansplatz) wollen wir die Unterschriften

ins Parlament bringen. Danach kann auch noch digital

unterzeichnet werden. Es soll ein starkes Zeichen

der christlichen Zivilgesellschaft sein, das die Regierung

ermutigt, ihren eigenen Zielen zur Eindämmung

von Spätabtreibungen und besserer Unterstützung für

schwangere Frauen nachzugehen. Das wäre nach vielen

Jahrzehnten erstmals ein Schritt in die richtige Richtung,

und dafür stehen die Chancen diesmal wirklich gut!

Sind manche von euch politisch tätig?

Wir haben zum Glück einige Unterstützer in der Politik,

aber unser Ziel ist es natürlich, möglichst viele Christen

in der Politik zu haben. Bei Wahlen recherchieren wir,

wer von den Kandidaten der Parteien ein authentischer

Christ ist und geben dann für diesen eine Empfehlung ab.

Aber eines der wichtigsten Ziele ist es, eine neue Generation

an selbstbewussten jungen Menschen zu fördern, die

selbst in die Politik gehen. Wir planen zum Beispiel, eine

Jugendakademie zu eröffnen, in der wir talentierten, jungen

Menschen das Rüstzeug geben, um christliche Werte

im politischen Alltag zu leben und praktisch umzusetzen.

Bei diesem Projekt habe ich vor, eng mit dem Malteserorden

und seinen Hilfswerken zusammenzuarbeiten, da

hier bereits sehr viele motivierte Menschen tätig sind, die

vielleicht einen Beitrag leisten wollen.

Was kann man tun, um die Plattform oder einzelne

Projekte zu unterstützen?

Natürlich haben wir mehr Gewicht bei unseren Gesprächen

mit der Regierung, wenn wir mehr Mitglieder aufweisen.

Ich würde mich also freuen, wenn sich möglichst

viele als Mitglieder auf unserer Webseite unter christdemokratie.at/mitglied-werden/

registrieren würden. Als

Mitglied wird man laufend über die unterschiedlichen

Aktivitäten informiert. Ein Beispiel ist das Kontaktieren

von Abgeordneten bei besonderen Themen. Wer die Abgeordneten

sind, kann man auf unserer Webseite nachlesen.

Die Initiative #FAIRÄNDERN kann ganz gezielt

unterstützt werden, indem man selbst unterzeichnet und

Unterschriften sammelt. Ich denke, der entscheidende

Unterschied zu ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit

ist, dass wir diesmal koordiniert vorgehen und in der Regierung

auf offene Ohren stoßen werden. Sehr wichtig ist

aber auch, dass unsere Bemühungen vom Gebet getragen

werden, denn nur wenn wir als Instrumente Gottes wirken,

können wir wirklich etwas ändern.

Danke für das Gespräch!

Carina Eder und Petra Plonner von #FairÄndern

Mehr zur Initiative #FAIRÄNDERN

www.fairaendern.at

www.facebook.com/oesterreichfairaendern

www.facebook.com/marsch.fuers.leben.

oesterreich

DIE MALTESER 3-4/2018 11


RUNDSCHAU

FREIWILLIGENARBEIT

DAS ALLERBESTE GESCHENK

Freiwillig ist in Österreich nicht nur die Feuerwehr – wir liegen beim ehrenamtlichen Engagement im europäischen

Spitzenfeld. Mehr als 2,3 Millionen unserer Mitbürger sind unbezahlt außerhalb der Familie aktiv.

Von Petra Rösler

Viele von ihnen „spenden“ ihre Zeit an mehr als 30 Tagen

im Jahr. 1 Ein Blick hinter diese Zahlen zeigt interessante

Facetten unserer Gesellschaft auf und wirft auch ein helles

Licht auf die Malteser: Dort sind rund 2.040 Österreicher

ehrenamtlich aktiv, davon einige jeweils vier Wochen

pro Jahr. Grund genug, sich dem Thema Freiwilligenarbeit

in Fakten zu widmen.

Wer sich engagiert …

Die Flüchtlingskrise 2015 hat die Stereotype vom Ehrenamt

kräftig durcheinandergewirbelt. Hier waren Jung

und Alt, Pensionisten und Berufstätige Seite an Seite im

Einsatz. Frauen wie Männer haben in selbstorganisierten

Projekten ebenso geholfen wie in Einrichtungen großer

Organisationen. Abseits von Katastrophenhilfe und dem

punktuellen Einsatz zeichnet sich aber doch ein eindeutiges

Bild: Im „formellen“ Engagement (also abseits der

Nachbarschaftshilfe), im Rahmen von Vereinen oder gemeinnützigen

Organisationen, spenden 31 Prozent ihre

Zeit – wobei die Männer hier die Nase vorn haben: 32 Prozent

sind freiwillig tätig, bei den Frauen sind es 24 Prozent.

Wer glaubt, dass Ehrenamt nur etwas für die Pension

ist, irrt: Mit 55 Prozent ist die Altersgruppe der 50- bis

59-Jährigen am aktivsten. Bei der Jugend (15-29 Jahre)

ist mit 43 Prozent auch fast jeder Zweite freiwillig tätig.

Engagement hat einen klaren Bezug zu Bildung: 61 Prozent

aller Hochschulabsolventen stehen 35 Prozenten der

Pflichtschulabsolventen gegenüber. Darin spiegelt sich

auch ein soziales Gefälle wider: Freiwilliges Engagement

muss man sich „leisten können“. Erwerbstätigkeit und Familienarbeit

gehen jedenfalls vor.

… und wofür

Wer beim Ehrenamt vor allem an Überschwemmungen,

Rettungsdienste und Altenarbeit denkt, liegt nicht ganz

falsch. Allerdings kommt der größte Anteil an Freiwilligen

2 aus dem Bereich „Sport und Bewegung“, gefolgt

von „Kunst, Kultur, Freizeit“. Erst danach rangieren die

Katastrophen- und Rettungsdienste (oft unter „Blaulichtorganisationen“

zusammengefasst). Für „Soziales und

Gesundheit“ sind knapp 300.000 Österreicher freiwillig

aktiv. Wenig überraschend sind hier die Frauen stark vertreten:

Ihr Anteil in diesem Feld beträgt 64 Prozent.

Was motiviert und was hindert

Ist Freiwilligenarbeit etwas für vereinsamte Witwen oder

hyperaktive Wichtigtuer? Keineswegs – weiß der Schweizer

Psychologe Theo Wehner: Die ehrenamtlich Engagierten

„flüchten nicht aus der Einsamkeit, sondern sehen

Freiwilligenarbeit als Ergänzung. Unsere Studien zeigen,

dass diese Personen eine bessere Work-Life-Balance haben

und in der Freiwilligenarbeit eine zusätzliche Rolle

finden.“ 3 Ein zentrales Motiv laut Wehner: Man will der

Gesellschaft etwas zurückgeben, die eigenen Werte leben.

Auch die Zahlen aus Österreich belegen das: Anderen zu

helfen und etwas zum Gemeinwohl beizutragen sind zwei

der drei Top-Motive. Das dritte: Spaß haben. Darf man

das? Ist das noch „uneigennützig“? Unbedingt, denn mit

unserer Gesellschaft hat sich auch das Ehrenamt verän-

12

DIE MALTESER 3-4/2018


RUNDSCHAU

Petra Rösler ist

ausgebildete Freiwilligenkoordinatorin

und zertifizierte

Erwachsenenbildnerin.

Weitere Infos:

www.zweiunddrei.at

dert: Weg von „Tu es, dass es niemand weiß“ hin zu Anerkennung

und „Verwertbarkeit“ – zum Beispiel im Beruf.

Gründe, sich nicht zu engagieren, gibt es viele. Den meisten

von uns fällt wohl als erstes mangelnde Zeit ein. Dieser

Hinderungsgrund liegt aber nur auf Platz 3 in der

Statistik. Häufiger noch: „Ich bin nie gefragt worden“ und

„Ich habe nie darüber nachgedacht“. Hier gibt es also noch

viel Luft nach oben. Über sein eigenes Engagement zu erzählen,

ist demnach nicht Angeberei, sondern wichtige

Bewusstseinsbildung und sicher eine tolle Werbemaßnahme

für die Organisation, in der man engagiert ist.

Denn bei allen schönen Zahlen: Von selbst läuft bei der

Freiwilligenarbeit gar nichts. Hinter jedem zufriedenen

Freiwilligen, könnte man sagen, steht eine engagierte

Ansprechperson in der Organisation. Nur wer ständig

neue Zielgruppen erschließt, bestehende Freiwillige gut

einbindet und würdigt, die Engagementfelder aktuell hält

und für Weiterbildung und Teamgeist sorgt, kann sich

im „Kampf um die besten Freiwilligen“ behaupten. Dass

in Zeiten der „Generation Praktikum“ auf der einen, der

„Generation Kreuzfahrt“ auf der anderen Seite und des

12-Stunden-Tags dazwischen das Engagement in Bedrängnis

gerät, wird nicht erstaunen.

Was Freiwillige einbringen …

Zeit ist unbestritten die wertvollste Ressource im Ehrenamt.

Die zahlreichen Verpflichtungen und allgegenwärtigen

Ablenkungen in unserer Gesellschaft sind der stärkste

„Konkurrent“ für Freiwilligendienste. Vor allem in Feldern,

die auch noch vorab eine zeitintensive Ausbildung

benötigen, wie etwa Sanitäts- und Rettungsdienste. Fachwissen

und spezielle Kompetenzen sind in vielen Feldern

des Ehrenamts wertvoll und gefragt – etwa in der Lernhilfe,

beim Übersetzen für Flüchtlinge oder im Sportbereich.

Manche Vereine und Initiativen würden ohne Ehrenamt

gar nicht existieren oder fortbestehen können. Dort bringen

Menschen ihr (sozial)politisches Engagement, ihre

Netzwerke und ihr Organisationstalent ein. In größeren

Organisationen sind Freiwillige eine wertvolle Ergänzung

der hauptamtlichen Dienstleistung. Ihre Außenperspektive,

ihre besonderen Talente und einfach ihr „Da-Sein“ beleben

den Alltag für Klienten und ergänzen das Angebot.

… und was sie bekommen

„Ich bekomme so viel zurück“ ist ein Satz, den Freiwilligen-Koordinatoren

immer wieder hören. Auf den ersten

Blick ein Paradoxon – man geht doch ins Ehrenamt, um

zu helfen? Ein Blick auf die Grundbedürfnisse des Menschen

zeigt aber schnell, worum es geht: Beziehung, Wirksamkeit

und Kohärenz sind für ein gelingendes Leben die

Hauptzutaten. Kein Wunder also, dass das Ehrenamt in

Zeiten von Individualisierung, Arbeitsteilung und Sinnverlust

„punktet.“ Im Kontakt mit anderen (Klienten

ebenso wie Hauptamtlichen) zu sein, Bindungen aufzubauen,

einen Unterschied in der Lebenssituation anderer

zu machen – am eindrücklichsten im Rettungseinsatz –

und die eigenen Werte dabei zu leben: Das macht nachweislich

auch die Engagierten glücklich und sogar gesünder.

Bei jüngeren Menschen ist darüber hinaus der Aspekt

des Kompetenzgewinns wichtig: Ob medizinische Vorbildung

oder ein Mehr an sozialer Kompetenz – vieles, das

man im Ehrenamt erwirbt, zählt am Arbeitsmarkt.

1

Alle Zahlen der Website www.freiwilligenweb.at entnommen.

Die Zahlen des letzten Freiwilligenberichts 2015

2

Laut Freiwilligenbericht 2015, Quelle: www.freiwilligenweb.at

3

www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/gesellschaft/

das-bedingungslose-grundeinkommen-ist-ein-kulturimpuls-1.18626641

DIE MALTESER 3-4/2018 13


RELIGIONAKTUELL

ZUM 200. GEBURTSTAG KARL VON VOGELSANG

DIE ANFÄNGE DER

KATHOLISCHEN SOZIALLEHRE

Am 3. September vor 200 Jahren wurde Karl von Vogelsang geboren. Er gilt als Begründer der christlichen Soziallehre in

Österreich. Vieles an seinen Ideen war neu im katholischen Denken seiner Zeit, er wurde zum Wegbereiter einer neuen,

christlich fundierten Sozialpolitik.

Von Helmut Wohnout

Der 1818 als Sohn eines preußischen Grundbesitzers geborene

Vogelsang war unter dem Einfluss des späteren

Bischofs Wilhelm Ketteler zum Katholizismus übergetreten.

Als entschiedener Gegner der Politik Bismarcks wanderte

er nach Österreich aus, wo er ab 1875 als Redakteur

der katholisch-konservativen Zeitung „Vaterland“ wirkte.

1878 gründete er die „Österreichische Monatsschrift für

Gesellschaftswissenschaft und Volkswirtschaft“, die sich

später in „Monatsschrift für christliche Sozialreform“ umbenannte.

1883 veröffentlichte Vogelsang seine berühmt

gewordene Untersuchung „Die materielle Lage des Arbeiterstandes

in Österreich“. Es war dies eine empirische Untersuchung

der trostlosen Situation des Industrieproletariats,

die beträchtliches Aufsehen hervorrief.

Vogelsang verstand sich als Gesellschaftsreformer. In vielem

war er ein Kind seiner Zeit, etwa in seiner Forderung

nach Erneuerung des thomistischen Zinsverbots und in

seiner genossenschaftlich berufsständischen Sozialreform.

Dabei vertrat Vogelsang einen radikalen Antikapitalismus.

Viel wichtiger aber wurden seine konkreten

sozialpolitischen Forderungen, die er nicht nur entwickelte,

sondern auch publizistisch wirkungsvoll propagierte.

Vogelsang avancierte so zum Impulsgeber für eine

moderne Sozialpolitik, der die Lösung der sozialen Frage

in Gang zu setzen verstand. Über seine Kontakte zur Union

de Fribourg kann er auch als Wegbereiter der ersten

großen Sozialenzyklika Rerum novarum gelten, die kurz

nach seinem Tod von Papst Leo XIII. im Frühjahr 1891

promulgiert wurde.

Als pragmatischer Sozialpolitiker ging Vogelsang in seinen

Forderungen viel weiter als viele andere katholische

Denker seiner Zeit. Diese sahen die Arbeiterfrage als

Aufgabe einer christlichen Caritas. Vogelsang hingegen

war klar, dass es hier nicht bloß um eine Aufgabe freiwilliger

christlicher Nächstenliebe von oben nach unten

ging, sondern um soziale Gerechtigkeit an sich. Diese

stünde der in Industrie und Landwirtschaft tätigen

Arbeiterschaft zu, sie hätte einen Anspruch auf soziale

Sicherheit. Dieser Anspruch, davon war er überzeugt,

konnte und sollte mit Hilfe des Staates durchgesetzt

werden.

Ausdrücklich teilte Vogelsang dem Staat das Recht, ja die

Pflicht zur Intervention in sozialen Angelegenheiten zu.

Damit stand er auch im klaren Widerspruch zur damals

vorherrschenden klassischen liberalen Auffassung, wonach

der Staat alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen

dem freien Marktgeschehen überlassen sollte.

Als Konservativer erwartete sich Vogelsang eine Lösung

der sozialen Frage aber nicht von einem Umsturz der

bestehenden Gesellschaftsordnung, wie es die marxistischen

Theoretiker taten, sondern von schrittweisen

Reformen. Und als in Österreich nach dem Ende der

kurzen Ära liberaler Regierungen 1879 der konservative

Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe seine mehr als

ein Jahrzehnt amtierende Regierung des sogenannten

„Eisernen Ringes“ bildete, bot sich für Vogelsang ein

politisches Einfallstor, durch das er zahlreichen seiner

14

DIE MALTESER 3-4/2018


RELIGIONAKTUELL

Bergarbeiter. Diese Gesetze galten teils als europaweite

Vorbilder und bilden bis heute die Grundlage der österreichischen

Sozialgesetzgebung.

Vorschläge zur Umsetzung verhelfen konnte. Denn über

seine im Abgeordnetenhaus vertretenen Mitstreiter

Prinz Alois Liechtenstein und Graf Egbert Belcredi sowie

dem Grafen Gustav Blome im Herrenhaus verfügte

er über eine pressure group innerhalb der Partei des Ministerpräsidenten.

Mit dieser konnte er, getragen von

der publizistischen Kraft der von ihm herausgegebenen

Zeitschriften, erfolgreich für Meilensteine auf dem Weg

zum Sozialstaat lobbyieren. Genannt seien hier drei ganz

wichtige Arbeitsschutzgesetze: das Gesetz betreffend

die Gewerbeinspektorate aus dem Jahr 1883, die Bergbaugesetznovelle

aus dem Jahr 1884, in dem für Bergarbeiter

bereits Normalarbeitszeiten festgeschrieben wurden,

sowie die in der 2. Gewerbeordnungsnovelle 1885

enthaltene Einführung des 11-Stunden Normalarbeitstages

(sechs Tage die Woche). Diese nach dem Schweizer

Vorbild erfolgte Neuregelung war eine jahrelange publizistische

Hauptforderung Vogelsangs gewesen und ganz

unmittelbar seinem Einfluss zu verdanken.

Die Einführung der verpflichtenden Sonntagsruhe, das

Verbot der Kinderarbeit bis 14 Jahre sowie das Verbot

der Nachtarbeit für Frauen und Kinder überhaupt – das

alles und noch mehr ließe sich noch anführen, etwa die

Einführung von Unfall- und Krankenversicherung für

Arbeiter und die obligatorische Altersversicherung für

Zu dieser Einflussnahme auf die Sozialpolitik der Ära

Taaffe kommt noch ein zweiter, in die Zukunft weisender

Aspekt des politisch-publizistischen Wirkens Karl von

Vogelsangs. In der zweiten Hälfte der 1880er Jahre begann

sich schrittweise aus verschiedenen, teils heterogenen

Gruppierungen jene politische Gruppierung zu formieren,

die sich als Christlichsoziale Partei konstituieren

sollte. An ihrem Beginn stand der ursprünglich aus dem

liberalen Lager kommende Karl Lueger. Kleinbürger,

Handwerker, Beamte, Bauern und Besitzende formierten

sich zu einer Bewegung, der Karl von Vogelsang in

seiner letzten Lebensphase seinen geistigen Prägestempel

aufdrückte. Die führenden Köpfe dieser Bewegung

erkannten rasch in Vogelsangs Programm die ersehnte

programmatische Klammer für die in Entstehung begriffene

Partei. Nach dem plötzlichen Unfalltod Karl von

Vogelsangs war es dann der Wiener Moraltheologe Franz

Martin Schindler, der das Werk Vogelsangs weiterentwickelnd,

zu seinem Nachfolger als geistiger Vater der frühen

Christlichsozialen Partei wurde.

Karl von Vogelsang war gegenüber dem Aufkommen des

politischen Antisemitismus nicht vollkommen immun.

So trägt sein Antikapitalismus in einigen Beiträgen aus

seiner Feder auch antisemitische Züge. Doch bildete dies

keinen zentralen Aspekt seiner politischen Botschaft

oder gar seines Vermächtnisses.

Apropos Vermächtnis: Selbst Otto Bauer, der große Theoretiker

des Austromarxismus, räumte anerkennend ein, dass

es Vogelsang verstand, durch seine leidenschaftliche Anklage

der sozialen Ungerechtigkeiten seiner Zeit, große Volksmassen

an das politische Leben heranzuführen und die großen

sozialen Fragen auf die politische Tagesordnung zu setzen.

DIE MALTESER 3-4/2018 15


RELIGIONAKTUELL

Egbert Belcredi, der wie bereits erwähnt, zu den großen

Förderern und Unterstützern Vogelsangs zählte,

schrieb 1888 in seinem Tagebuch, Vogelsang sei „ein

Mann von fester und erprobter katholischer und konservativer

Gesinnung, ausgebreitetem Wissen und

universeller Bildung. Er besitzt zudem eine seltene

Arbeitskraft und ein Agitationstalent, welches ihm

unschätzbare Beziehungen und Anknüpfungen zu Gebote

stellt, […].“ Und als Belcredi im November 1890

in Brünn die Nachricht vom Tod Vogelsangs erreichte,

vermerkte er: „Ein echter katholischer Edelmann von

reinem Geist und Wissen, einem weitem umfassenden

Blick, einer selten gewandten Feder, ein hervorragender

Führer im Kampfe um eine christliche Sozialreform.

[…]“.

Karl Freiherr von Vogelsang (vollständiger Vorname

Hermann Ludolph Carl Emil) wurde mit Dekret

vom 25. Februar 1859 als Devotionsritter in den

Malteserorden aufgenommen. Sein Wirken weist ihn

als wahren christlichen Ritter aus, dessen Leben und

Handeln von der Treue zum Orden (nach unserem

Ordensgebet) durchdrungen war: soziale Gerechtigkeit,

nicht Almosen für die Unterprivilegierten.

„Nur was lebendig voranschreitet, kann conservativ

sein.“ Vaterland, 20. November 1887.

Quellenangabe:

Erstveröffentlichung „Die Furche“ vom 30.08.2018

„WER LIEBT,

LEBT DA, WO ER

LIEBT, NICHT DA,

WO ER LEBT“

Hl. Augustinus

Von DDr. Uta Neufeld

Das Foyer des Krankenhauses der Elisabethinen Graz ist

voller Menschen – Rettungsfahrzeuge bringen und holen

Patienten, viele warten im Aufnahmebereich, beim Portier

klingelt häufig das Telefon. Auf dem langen Gang, der

zum Ambulanzbereich gehört, nähert sich mit dynamischen

Schritten eine Ordensschwester in franziskanischbraunem

Habit, groß, noch eher jugendlich, freundlich

nach rechts und links grüßend. Immer wieder bleibt sie

stehen, wechselt kurz einige Worte mit Mitarbeitern oder

Patienten.

Dass diese freundliche und sehr kollegial wirkende Schwester

nicht nur die Generaloberin des Ordens der Elisabethinen

Graz ist, sondern auch (gemeinsam mit Dr. Christian

Lagger) die Geschäftsführerin und, salopp gesagt, die Chefin

des gesamten Krankenhauses und der angeschlossenen

Werke, hat mich nun doch ein wenig erstaunt – ich hatte

mir da eine wesentlich ältere, strengere Person erwartet.

Mutter Bonaventura Holzmann

Bei den Elisabethinen werden die Oberinnen, in Erinnerung

an die Gründerin und erste Elisabethinerin Mutter

Apollonia Radermecher, stets mit Mutter angesprochen

– ist ein ungeheuer herzlicher und offener Mensch. Im

Gespräch stets aufmerksam, wach interessiert, manchmal

auch ein wenig humorvoll und doch, was ihre eigene Person

betrifft, eher zurückhaltend und bescheiden, erzählt

Mutter Bonaventura zunächst, wie sie zu den Elisabethinen

gekommen ist.

16

DIE MALTESER 3-4/2018


VORBILDER

Als sie neun Jahre alt war, besuchte sie ihre Großmutter

im Krankenhaus und lernte auf der Station die Schwestern

kennen, genauer gesagt Sr. Dominika Gangl, ihre

spätere Novizenmeisterin in der chirurgischen Abteilung,

und verkündete: Genau so eine Schwester will ich

werden.

Auf ihr Drängen fragte die Oma Sr. Dominika, ob das

Mädchen einmal die Schwestern besuchen könne und

erhielt – wohl, weil keiner diese Anfrage so recht ernst

genommen hatte – auch eine Zusage.

Kurze Zeit später – Silvester – packte Monika, so hieß

Mutter Bonaventura vor ihrem Eintritt, ihren Koffer und

fuhr allein von Preding, einem kleinen südsteirischen

Dorf, mit dem Postbus nach Graz, marschierte zu Sr. Dominika

auf die Station und sagte: „So, da bin ich!!!“, um

die verbleibenden Weihnachtsferien im Kloster zu verbringen.

Eine entscheidende Wende

Das beherzte „Naja, in Gottes Namen, dann probieren

wir es halt“ der damaligen Generaloberin Mutter Consolata

Maderbacher gab dem Leben des neunjährigen Mädchens

eine entscheidende Wende. Monika war unter den

Schwestern wie ein Fisch im Wasser. Fortan verbrachte

sie nicht nur sämtliche Schulferien und viele Wochenenden

im Kloster unter den Schwestern, half Mutter Dominika

auf der Station und nahm an allen Gebeten teil,

auch ihre bislang eher durchschnittlichen schulischen

Leistungen verbesserten sich schlagartig, da ihr gesagt

worden war: Nur wenn du gute Noten hast, kannst du

Krankenschwester werden.

Ein einziges Mal hatte Monika Zweifel, als sie bei einer

Hochzeit die schöne weiß gekleidete, geschmückte Braut

sah. Tagträumend sah sie sich selbst – ganz in weiß – vor

dem Altar stehen. „Wenn du eine Braut sein willst, dann

kannst du nicht Ordensschwester werden“ – dieser Satz

ihrer Großmutter zwang Monika zu einer Entscheidung

und es war ganz klar: Der Orden hatte Vorrang.

Mit 16, also sehr jung, trat Mutter Bonaventura dann ins

Kloster ein.

Gott hat alles gefügt

In der Erzählung ihres Berufungsweges wird Mutter Bonaventura

nachdenklich: „Was wäre wohl aus mir geworden,

wenn die damalige Oberin diesem ‚Besuchsexperiment‘

einer neunjährigen nicht zugestimmt hätte?

Ich bin ihr heute noch dankbar für ihren Mut! Gott hat alles

gefügt – ich bin am Tag der Verklärung des Herrn eingetreten,

der zentrale Satz des Evangeliums zu diesem Tag

lautet: Du bist unser geliebter Sohn, unsere geliebte Tochter.

Das hat fortan mein Leben bestimmt. Auch wenn es manchmal

verstellt, verschüttet ist – ich sehe in jedem Menschen,

dass er Sohn/Tochter unseres Gottes ist, dass er Würde und

Schönheit hat und dass er unsere Liebe braucht.“

Hinschauen und Handeln

Es fällt nicht schwer, Mutter Bonaventura diese Worte

zu glauben, wenn man sie im Umgang mit anderen sieht.

Egal ob prominente Besucher, Mitarbeiter, Patienten

oder Obdachlose, die auf der Straße um Almosen bitten

– stets wendet sich die Schwester ihnen herzlich zu, hört,

fragt und hat auch keine Scheu, zu umarmen oder tröstend

eine Hand zu halten. Wie groß der Verantwortungsbereich

von Mutter Bonaventura Holzmann ist, wird mir

erst langsam, im Laufe des Gesprächs, bewusst.

DIE MALTESER 3-4/2018 17


VORBILDER

Die Elisabethinen in Graz betreiben ein Akutkrankenhaus

mit 197 Betten und versorgen im Jahr rund 35.800

Patienten. 438 Mitarbeiter der verschiedensten Berufsgruppen

wirken in den elisabethinischen Werken mit.

Mutter Bonaventura spricht mit großer Hochachtung

von den Mitarbeitern: „Sie sind es, die das Charisma

unseres Ordens Tag für Tag leben, in ihrem täglichen

Dienst an jenen, die um Hilfe suchend zu uns kommen.

Es durfte und darf keine Bedeutung haben, WER uns

braucht. Besitz, Religionszugehörigkeit etc. sind nicht

relevant. Der Auftrag der Hl. Elisabeth ist: Hinschauen

und Handeln.“

Wie ernst die Schwestern der Hl. Elisabeth unter Mutter

Bonaventuras Führung diesen Auftrag nehmen, davon

zeugen auch die übrigen Werke. Das erste Hospiz

für Obdachlose in Europa ist in Graz und wurde von den

Elisabethinen initiiert und auch betrieben.

Ein Neubau mit altersgerechten Wohnungen, das sogenannte

„Betreute Wohnen“, schafft Hilfe bei Altersproblemen

und versucht, möglichst lange Autonomie und

Eigenständigkeit zu fördern.

„Das gute Sterben“, so erklärt die Generaloberin, „ist

uns ein besonderes Anliegen, das sich aus dem Leben

und Sterben der Hl. Elisabeth ableitet. Wir betreiben

neben dem Obdachlosenhospiz eine Palliativstation und

das Hospiz St. Elisabeth und versuchen, auch in allen

anderen Abteilungen unseres Hauses die Menschen auf

hohem Niveau medizinisch und pflegerisch zu betreuen

UND vor allem auch seelsorglich zu begleiten.“

Was brauchen die Menschen?

Hier zeigt sich auch ganz stark die franziskanisch-elisabethinische

Prägung. Es ist ein Hinhören in zwei Richtungen:

Was brauchen die Menschen und was möchte

Gott von uns. Dieser Blick auf die Menschen von heute

und die betende Hinwendung zu Gott muss jeden Tag neu

in Angriff genommen werden.

Hier spannt sich nun sehr deutlich der Bogen zu den Maltesern

– „Dem doppelten Gebot der Liebe zu Gott und

zum Nächsten entsprechen – sich „treu“ in den Dienst

nehmen lassen und mutig „JA“ zu konkreten Aufgaben

der Gemeinschaft sagen und glaubwürdiger Zeuge Christi

sein“ (aus dem Malteser-Versprechen) – das ist die selbe

Geisteshaltung und Ausrichtung.

Kooperation mit den Maltesern in Graz

Über das gesetzliche Müssen hinaus für den Menschen da

zu sein, war das Ziel des Pilotprojektes, das die Elisabethinen

Graz mit der Delegation Steiermark des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens unter Delegat Martin Auer 2013

starteten. Da die vom Land vorgesehene Betreuung von

Montag bis Freitag im „Betreuten Wohnen“ nicht ausreichend

erschien, übernahm der Souveräne Malteser-Ritter-Orden

als kompetenter Partner die Wochenend- und

Feiertagsbetreuung der Bewohner. Was als Pilotprojekt

begann, hat längst weitere Kreise gezogen und auch vor

dem MHDA nicht Halt gemacht. Nicht nur, dass sich die

Einsatzzentrale auf dem Gelände befindet, immer wieder

gibt es gemeinsame Veranstaltungen wie Wallfahrten, Kinonachmittage,

Grillabende und Gottesdienste mit „unseren

Leuten“.

„Sie laden uns zu ihren Veranstaltungen ein, wir sie mit

ihren Patienten zu unseren“, erzählt Mutter Bonaventura

begeistert und „Es tut gut, die netten jungen Leute bei

uns zu haben, und wir würden uns freuen, noch mehr gemeinsame

Aktivitäten bewirken zu können.“

Es ist der Generaloberin anzusehen, dass sie Freude und

Zuversicht für ihre Arbeit hat. Ihr Gottvertrauen und ihre

Liebe zu Ihm ist in jedem Satz spürbar. Diese Frau hat

ihre Berufung und ihren Platz im Leben gefunden.

18

DIE MALTESER 3-4/2018


XXXX

DAS WIRKEN VON ENGELN

Ein Tag im Zeichen des sozialen Engagements

Aon ist ein weltweit führendes Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen,

das sich am Markt den wichtigen

Themen Risikoabsicherung sowie Alters- und Gesundheitsvorsorge

widmet.

Für die Malteser waren die engagierten Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter von Aon in Österreich am 28. Juni

– ihrem so genannten „Aon Empower Results Day“ –

wahre Engel. Denn dieser besondere Tag stand für Aon

mit 50.000 Mitarbeitern in 120 Ländern weltweit ganz

im Zeichen des sozialen Engagements, weil der Konzern

mit seinem Corporate Social Responsibility Engagement

am jährlichen „Empower Results Day“ seit vielen Jahren

weltweit ein starkes Signal zu Gunsten sozialer Einrichtungen

und hilfsbedürftiger Menschen setzt. Dem ambitionierten

Aon Austria Team wird dieser Tag sicher als

unvergesslicher Tag in Erinnerung bleiben.

Ein herzliches Dankeschön an das wundervolle Team von Aon Austria!

Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Tag für soziales Engagement schenken, dann hat es etwas Engelhaftes.

Von Eveline Pfneiszl

gemeinsam fleißig gebacken und wo immer Unterstützung

erforderlich war, tatkräftig geholfen. „Multi-Tasking“ war

angesagt – vom Aufbauen, über das Eindecken, bis hin

zum Aperitif mixen, Servieren, Abservieren und Abwaschen

– überall wurde mit angepackt. Ganz besonderen

Spaß gab es natürlich beim Kinderschminken, und die

Gäste des Festes wurden rundum bestens betreut. Für das

niederösterreichische Aon Team ein sehr spannender und

interessanter, vor allem aber auch herausfordernder Tag,

der wertvolle Eindrücke und Erlebnisse hinterließ.

„Als Unternehmen haben wir auch eine große Verantwortung

für unsere lokale Gemeinschaft. Ich freue mich deshalb sehr,

dass unser Team in Amstetten eifrig bei der weltweiten Aktivität

mitgewirkt hat und den Kindern dieser wichtigen regionalen

Einrichtung einen wunderbaren und unbeschwerten

Nachmittag bereiten konnte.“

Gerald Herbst

Der Tag, an dem eine ganz besondere Verbindung

zwischen Aon Austria und den Maltesern begann …

Aon Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich in mehreren

Bundesländern für eine Unterstützung der Hilfseinrichtungen

und Hilfsprojekte der Malteser entschieden.

In Niederösterreich unterstützten sieben Kolleginnen

und Kollegen vom Standort Amstetten am 29. Juni das

jährliche Sommerfest für die Malteser Kinderhilfe im

Hilde Umdasch Haus. Dort werden Kinder mit lebensverkürzenden

Erkrankungen betreut. Im Vorfeld wurde

In der Steiermark/Graz gab es einen gemeinsamen Kinonachmittag

für pflegebedürftige Senioren aus dem

Bereich „Betreutes Wohnen“ der Elisabethinen in

Zusammenarbeit mit dem Malteser Hospitaldienst Austria.

Der Spruch „das Wirken von Engeln“ wurde an diesem

Tag von Schwester Bonaventura geprägt. Dieses Kompliment

ist dem steirischen Aon Team so nahe gegangen,

dass bereits eine Folgeveranstaltung bei den Elisabethinen

geplant wird, um tiefere Einblicke in das Wirken der

Malteser und noch mehr Hintergrundinformationen zu

erhalten.

DIE MALTESER 3-4/2018 19


VORBILDER

Bild 1: Olivier Loudon, Hilde Umdasch, Daniela Höttl, Gerald Herbst; Bild 2: Deutsch- und Konversationskurs für Menschen mit

Migrationshintergrund; Bild 3: Literaturkreis und Zaubertricks mit dem Aon-Team Wien; Bild 4: Max Windisch-Graetz, Aon Wien,

und eine Bewohnerin des Hauses Malta

„Wir sind voll beladen mit Kuchen, Salaten und gemischten

Gefühlen bei den Elisabethinen eingetroffen. Für den Kinonachmittag

mit Bewohnern des betreuten Wohnens und

Ordensschwestern im Ruhestand machten wir

uns in eine recht ungewohnte Umgebung auf

und wussten nicht so recht, was auf uns zukommen

würde.

Das angespannte Gefühl wich jedoch sofort als

wir total herzlich begrüßt wurden und zu Beginn

eine Führung durch das gesamte Areal erhielten.

Danach holten wir die wirklich reizenden Bewohner

des betreuten Wohnens ab und gingen gemeinsam in einen

bereits hergerichteten Raum, wo uns die Ordensschwestern

erwarteten.

Der Kinonachmittag begann und wir teilten uns die Aufgaben,

in dem Manfred Bauer sich als wahrer Grillmeister bewies

und Irina Kirsch, Suzana Hrzenjak und meine Wenigkeit

das Service übernahmen.

Der gezeigte Film war für alle bald Nebensache, denn neben

dem ausgezeichneten Essen entwickelten sich ganz tolle

Gespräche. Wir waren begeistert von der Stimmung und

der Dankbarkeit, die entgegen gebracht wurde. Dies war bestimmt

nicht unser letzter Besuch bei den Elisabethinen.“

Iris Zarfl

In Salzburg sammelten Gunther Fitzga, Stefanie

Nussbaumer und Karlheinz Tomasi, unterstützend für

den Malteser Orden, Erfahrung beim Gestalten eines

Deutsch- und Konversationskurses für Menschen

mit Migrationshintergrund.

„Für uns war es ein wundervoller Tag und unsere

Unterstützung wurde mit offenen Armen

vom Team um Ordensschwester Marieluise

Norman aufgenommen. Das wunderbare Gefühl

dabei ist, wie immer bei sozialem Engagement

– wir haben mehr bekommen als gegeben

… schön.“

Karlheinz Tomasi

In Wien verbrachten acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

einen Tag gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern

des Seniorenheims Haus Malta und bereiteten

ihnen mit Spielen, Bewegung und guten Gesprächen

einen besonderen Tag.

Am Tagesplan wurde schon fleißig im Vorfeld getüftelt.

Schlussendlich entschied man sich für das Tagesthema

„Wochenmärkte“ und gestaltete ein abwechslungsreiches

Programm mit Zaubertricks und Ballspielen, einer Literaturrunde

zu aktuellen Tagesthemen und lustigen Rätselund

Memory Spielen.

„Unsere Aufgabe war es, ältere Menschen durch Spiele oder

einfach nur durch ein Gespräch zu unterhalten. Es war für

uns am Anfang schwer vorstellbar, wie wir von den Heimbewohnerinnen

und Heimbewohnern aufgenommen werden,

da wir quasi nur eine Gruppe von Fremden waren, die sie besuchten.

Sehr unerwartet war es deshalb, wie sehr sich diese

Menschen über unseren Besuch gefreut haben und dankbar

waren. Wir sprachen über ihre Familien, Kinder, Lebenserfahrungen

und auch über Religion.

Diese Erfahrung hat uns auf wunderbare Weise gelehrt, dass

Glück auch im Alter bestehen kann, unabhängig von entmutigenden

Umständen oder abnehmender Gesundheit. Man

sollte niemals die Fähigkeit eines Fremden unterschätzen,

das Leben eines anderen positiv zu beeinflussen, denn die

Auswirkungen können erstaunlich sein.“

Max Windisch-Graetz

„Unser ganz herzliches Dankeschön an dieses Vorzeigeunternehmen,

das seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

einen ganzen Tag für ehrenamtliches, karitatives

und soziales Engagement zur Verfügung stellt. Das

ist wirklich vorbildlich und es wäre schön, wenn dies ein

Signal für andere Unternehmen werden könnte“, sagt Katharina

Stögner, Leiterin Kommunikation und Fundraising

des Malteser-Ritter-Orden in Österreich.

20

DIE MALTESER 3-4/2018


LEBENSWERT

VORBILDER

BEGEGNUNGSZENTRUM HÖCH

HÖCHSTE ZEIT FÜR EINE BEGEGNUNG

Das Begegnungszentrum der Lebenshilfe Leibnitz in Höch in der Steiermark bietet Platz für Menschen mit Beeinträchtigung

und jene, die an einem inklusiven Miteinander interessiert sind.

Von Brigitte Leber

Schauen, riechen, kosten, genießen: Alle Sinne werden

angesprochen. Der Blick über die südsteirische Hügellandschaft

ist umwerfend, der Platz strotzt nur so von Energie.

Dementsprechend wachsen nicht nur die selbstangebauten,

sondern auch die wildwachsenden Heilkräuter im

Schaugarten so gut. Deshalb fühlt man sich als Besucher

auf Anhieb wohl an diesem besonderen Ort.

Das Begegnungszentrum der Lebenshilfe Leibnitz in

Höch bietet zehn Menschen mit Beeinträchtigung unterschiedlichsten

Alters ein Zuhause bzw. eine Beschäftigung.

Die einen engagieren sich als Koch oder Kellner,

die anderen arbeiten im hauseigenen Shop oder stellen

Produkte für den Verkauf her. Es ist ein offenes Haus für

alle – Interessierte sind herzlich eingeladen und können

den Mitarbeitern und Kunden über die Schulter schauen.

Von A wie Apotheke bis Z wie Zirbensackerl

Der Bauernladen im Erdgeschoß führt selbstangesetzte

Säfte, Sirupe, Liköre, Marmeladen, Seifen und die Naturarzneimittel

der Apotheke „Zur Gnadenmutter“. In

der Küche wird für das angeschlossene Kaffeehaus gebacken,

die Mehlspeisen können bei Schönwetter auf der

Aussichtsterrasse genossen werden. Im ersten Stock wird

eine eigene Seifenproduktion betrieben, außerdem gibt

es Räumlichkeiten für Seminare, Vorträge, Workshops,

Familienfeiern und Feste. Auf Vorbestellung wird Frühstück

gerichtet, für einen Ausflug auf den nahen Demmerkogel

ein herzhafter Picknickkorb mit Spezialitäten

der Region vorbereitet.

www.lebenshilfe-leibnitz.at/home/

DIE MALTESER 3-4/2018 21


LEBENSWERT

HOLIDAYS ON WHEELS –

ACCESSIBLE HOLIDAYS

Villach und die Welt – Agnes Fojan aus Villach betreibt seit einigen Jahren das Portal „Holidays on Wheels“. Die

Online-Plattform macht barrierefreie Urlaubsangebote sichtbar und erleichtert Menschen mit Handicap die Suche

nach dem perfekten Urlaub.

Von Agnes Fojan

Eine Behinderung und ein aktives Leben sind längst kein

Widerspruch mehr, sofern die Rahmenbedingungen gegeben

und vor allem barrierefreie Angebote auffindbar

sind. Das große Ziel von „Holidays on Wheels“ ist es,

Barrierefreiheit sichtbar und für alle nutzbar zu machen.

Barrierefreie Unterkünfte werden mit barrierefreien

Aktivangeboten (Sport, Wellness, Sightseeing, Events,

Kunst und Kultur), Gastronomie und Service-Infos (z.B.

Euro-Key WCs) gekoppelt. Alle Angebote werden nach

und nach hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit geprüft und

in die Bereiche Bewegungseinschränkung (Rollstuhl, Rollator,

Kinderwagen), Seheinschränkung und Höreinschränkung

unterteilt.

nisch ressourcenintensiv. Die notwendigen Entwicklungen

und Programmierungen einer App sollen darüber

hinaus eine gänzlich barrierefreie Nutzung des mobilen

„Holidays on Wheels“-Services bieten.“

„Unser großes Ziel ist es,

Barrierefreiheit sichtbar und

für alle nutzbar zu machen.“

Das Ziel ist 100% Barrierefreiheit

Die Recherche von barrierefreien Freizeit- und Urlaubsangeboten

und die Feststellung, ob und wie weit

diese tatsächlich barrierefrei sind, ist ein sehr zeitaufwändiges

Unterfangen. Auch die 100%ige Barrierefreiheit

durch Spracheingabe und -ausgabe ist programmiertech-

22

DIE MALTESER 3-4/2018


LEBENSWERT

Viktoria Papez: „Holidays on Wheels“ finde ich großartig.

So eine Plattform ist lange überfällig und für

uns Menschen mit besonderen Ausgangslagen enorm

wichtig, da es bisher viel mühsame Recherche brauchte,

um rauszufinden, wo man sorgen- und hindernisfrei

urlauben kann – wodurch man dann unter Umständen

doppelt urlaubsreif wurde.

Alexander Hanisch: Für mich als Rollstuhlfahrer ist

die Planung des Urlaubes in ein vielleicht fernes aber

sicher fremdes Ziel eine immense Herausforderung.

Gibt es am ausgesuchten Urlaubsort barrierefreie

Unterkünfte? Ist die Urlaubsregion überhaupt für

Rollstuhlfahrer geeignet, um dort einen erholsamen

unbeschwerten Urlaub zu verbringen. An all diese

Informationen kommt man nur sehr schwer heran.

Im Normalfall bekommt man keine verlässlichen Informationen

über die Ausstattung von sogenannten

barrierefreien Zimmern. Ich habe schon Aussagen am

Urlaubsort gehört, wie „wir haben ein barrierefreies

Zimmer, aber das ist im 1. Stock ohne Lift!“.

Infos unter:

www.holidaysonwheels.at

http://www.holidaysonwheels.at/de/blog/

accessibility-holidays-app/

WELTTAG DER ARMEN

Der Malteserorden folgte am 18. November der Einladung von Papst Franziskus, sich aktiv am zweiten „Welttag der

Armen“ zu beteiligen. Zur Sensibilisierung für die Armut in der Welt.

Dem Aufruf folgten weltweit Aktivitäten und Initiativen,

um „die liebevolle Teilnahme am Zustand der Armen“, von

der der Papst Franziskus in seiner Botschaft am 18. November

spricht, zu zeigen. Es gab zahlreiche Ausspeisungen,

Medikamente und lebensnotwendige Güter wurden

verteilt, ebenso wurde medizinische und soziale Versorgung

angeboten, um benachteiligte und körperlich beeinträchtigte

Menschen zu unterstützen. Der Malteserorden

mit weltweit 80.000 Freiwilligen, 13.500 Mitgliedern und

42.000 Mitarbeitern engagiert sich 365 Tage im Jahr in

120 Ländern der Welt, um dort zu helfen, wo Not ist.

Der Malteserorden nimmt den Gedanken des Heiligen Vaters

auf: „Der Welttag der Armen will eine kleine Antwort

sein, die sich von der Kirche, die über die ganze Welt verstreut

ist, an die Armen jeder Art und jeden Landes richtet,

damit sie nicht glauben, ihr Schrei sei auf taube Ohren

gestoßen“.

DIE MALTESER 3-4/2018 23


LEBENSWERT

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DIE MALTESER 3-4/2018

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LEBENSWERT

GEMEINSAM GRENZEN VERSCHIEBEN

Mit dem Projekt „Inklusive Transalp“ setzt die Österreichische Alpenvereinsjugend in Zusammenarbeit mit den

MALTESERN neue Maßstäbe zum Thema Inklusion.

Von Andrea Szabadi-Heine

„Wer wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat,

kann sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, wie so

ein Vorhaben funktionieren soll“, sagt Andrea Szabadi-Heine,

nach einem Unfall querschnittgelähmt und

weiterhin passionierte Sportlerin. „Ich kann aus eigener

Erfahrung sagen, dass man im Team die größten

Hindernisse überwinden und über sich hinauswachsen

kann.“

Genau das sind die Stichworte für 16 Menschen aus

Österreich, Deutschland und der Schweiz, die im

Rahmen des Alpenvereinsprojekts „Inklusive Transalp“

mit Unterstützung der Malteser das Unmögliche möglich

machen wollen. Fünf Menschen mit, acht Menschen

ohne Behinderung und drei Begleiter des Alpenvereins

Österreich werden bis September 2019 gemeinsam über

die Alpen wandern, rollen und radeln.

Barrierefrei die Natur erleben

Der Startschuss für dieses außergewöhnliche Inklusionsprojekt

ist im Jänner 2018 gefallen. Es ist in insgesamt

sechs Vorbereitungstreffen gegliedert, die bis zur

finalen Durchführung der Transalp im September 2019

in regelmäßigen Abständen stattfinden.

Die ersten beiden Treffen haben bereits gezeigt, dass

die wichtigsten Zutaten für eine erfolgreiche Alpenüberquerung

auf jeden Fall vorhanden sind – die richtige

Mentalität und eine Riesenmenge Teamgeist. „Es

gibt Rollstuhlfahrer, die voller Begeisterung über Wurzelwege

hinunterradeln. Es gibt Menschen, die vollständig

sehbehindert sind und trotzdem klettern. Und

es gibt Kinder mit kognitivem Unterstützungsbedarf,

die die Stars in ihrem Freundeskreis sind. Mit unserer

„Inklusiven Transalp“ bieten wir den Teilnehmern die

Chance, ihre individuellen Grenzen zu verschieben und

in der Gemeinschaft die Wege ins Freie zu erkunden“, so

Andrea Szabadi-Heine.

Unmögliches möglich machen

Damit folgt das Projekt auch dem Grundgedanken der

Malteser – nämlich dort zu helfen, wo die Hilfe anderer

Organisationen häufig endet. Die Malteser machen Dinge

möglich, von denen die Betroffenen nie dachten, dass

sie diese aufgrund ihrer Behinderung erleben würden.

Sie schenken Freude und neue Lebensenergie, indem gemeinsam

Hindernisse überwunden werden.

Weitere Infos im Internet:

www.alpenverein.at/jugend/projekte/Inklusion/

inklusive-transalp/

DIE MALTESER 3-4/2018 25


MALTESERORDEN

MALTESERORDEN

KLÖSTERLE –

EHEMALIGE JOHANNITERKOMMENDE

Das Klostertal ist heute die einzige Region in Vorarlberg, die in ihrem Namen auf eine einst religiöse Funktion verweist.

Die erste schriftliche Erwähnung liegt nun 800 Jahre zurück – 1218 trug die Region noch den Namen „St. Mariental“

(valle sancte Marie). Der urkundliche Beleg ist freilich nicht im Original erhalten, sondern in drei sich nur unwesentlich

voneinander unterscheidenden Abschriften.

Von Christof Thöny

Links: Abschrift der Urkunde von 1218. Rechts: Grabplatte

des Hugo von Montfort, gezeichnet von Pater Gabriel Bucelin

Die älteste dieser Abschriften war noch im 19. Jahrhundert

zugänglich, und zwar als loses Pergamentblatt im

Jahrzeitbuch der bis 1610 existierenden Feldkircher Johanniterkommende.

Der Text wurde von Josef Zösmair

ediert, während das Jahrzeitbuch mittlerweile verschollen

ist. Eine Kopie dieses Textes stammt aus dem Jahr

1610 und ist erhalten. Hinsichtlich des Quellenwerts der

erstmaligen Erwähnung gibt es daher einige Fragen, mit

denen sich Alois Niederstätter anlässlich der 800jährigen

Wiederkehr der angeblichen Ausstellung der Urkunde

kritisch auseinandergesetzt hat. Der Text berichtet

davon, dass Graf Hugo I. von Montfort mit der in Ulm

ausgestellten Urkunde in Anwesenheit Kaiser Friedrichs

II. dem Johanniterorden eine Kirche mit dazugehörigen

Äckern in seiner Stadt Feldkirch schenkte. Gleichzeitig

übertrug er den Johannitern eine Kapelle im St. Mariental

mit dem Wald, der gegen den Arle zugeht. Mit der

Stiftung verband er die Verpflichtung, dass der Orden in

dieser Region eine Herberge für die Reisenden über den

Arlberg errichten möge. Den Wanderern soll zumindest

mit Feuer, Wasser und Obdach geholfen werden, soweit

es das Haus ermögliche. Außerdem soll ein Priester eingesetzt

werden, der die Messe feiert.

Links: Reiseunfall des Gegenpapstes Johannes XXIII. bei

Klösterle. Rechts: Klösterle Ende des 19. Jahrhunderts

Spuren des Malteser-Ordens 1

Die durch die Stiftung Graf Hugos entstandene Herberge

wurde im 14. Jahrhundert als „Clösterlin“ oder „Kloster“

erwähnt. Der dazugehörige Ort erhielt 1332 eine neue,

der heiligen Maria und dem heiligen Johannes dem Täufer

als Patron des Johanniterordens geweihte Kirche. Der

Besitz des Ordens im Klostertal kann noch in der Früh-

Links: Ansicht von Klösterle 1733. Rechts: Stuben am Arlberg

(um 1800)

1

Seit der siegreichen Verteidigung der Insel Malta wird der Orden Malteserorden

genannt und mit Johanniterorden nur jene Abspaltung des

katholischen Gesamtordens bezeichnet, die protestantisch wurde.

26

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERORDEN

neuzeit nachgewiesen werden. Nach

späteren Aufzeichnungen sollen

Anfang des 18. Jahrhunderts noch

Grundmauern des Klosters zu sehen

gewesen sein. Bis 1823 befand sich

in Klösterle ein mächtiges Gebäude,

das mit einem Torbogen die Straße

überspannte. Im Zuge des Ausbaus

der Arlbergstraße wurde dieser Torbogen

abgetragen. Der letzte Rest

des Gebäudes, das auf einer Karte

von 1733 auszumachen ist, bildet

heute das stark veränderte Haus

Nr. 70 (Gasthaus Johanniterstube).

In der lokalen Überlieferung wurde

dieses Gebäude ebenfalls mit dem

Kloster in Verbindung gebracht.

Der Name Klostertal

Der Ort der Malteser-Niederlassung

wurde im Laufe des Mittelalters als

„zum Kloster“ bzw. „Clösterlin“ bezeichnet.

Seine Bedeutung war offenbar

so groß, dass schließlich das

ganze Tal den Namen „Klostertal“

erhielt. 1380 wird die Region im

Kaufbrief der Alpe Spullers noch

ohne Namen erwähnt. 1408 ist das

„Klostertal“ erstmals urkundlich

bezeugt.

MALTESER BENEFIZBALL SALZBURG

„ALLES WALZER“

FÜR DIE GUTE SACHE

Am 5. August 2018 lud die Delegation Salzburg des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens zu diesem gesellschaftlichen Ereignis in die Alte Residenz zu Salzburg.

Von Andreas Jordis

Der Delegat von Salzburg, Dir. Mag. Johannes Gruchmann-Bernau konnte

350 Gäste aus der hohen Geistlichkeit, der Politik, der Wirtschaft und des

Malteserordens begrüßen. Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf überbrachte

die Grüße von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer. Staatssekretärin

Mag. Karoline Edtstadler kam extra aus Wien angereist.

Das Rahmenprogramm für diesen stimmungsvollen und kurzweiligen Abend

bildete ein Besuch im Museum „DomQuartier Salzburg“, ein exklusives Dîner

bei Tafelmusik und der Auftritt der Festpielsängerin Papagena, Maria Nazarova,

und des Festspielsängers Papageno, Liviu Holender, sowie des Basilio

von 2016, Paul Schweinester.

Das Jungdamen- und Jungherrenkomitee unter der Leitung von Dancing

Star-Profi Manuela Stöckl eröffnete zu spanischen Klängen.

Das Ballorchester Divertimento Viennese unter Vinzenz Praxmarer begeisterte

mit einem vielfältigen Programm. Der Roulette-Tisch im Kaisersaal erfreute

sich großer Beliebtheit. Es gab wertvolle Preise zu gewinnen, die um

Mitternacht verlost wurden. Mit Brüderlein Fein klang der Benefizball Salzburg

2018 traditionell aus.

Von der alten Pfarrkirche

St. Johannes der Täufer in Klösterle

steht heute nur noch der Turm

Der Reinerlös dieses Abends kommt der ausschließlich ehrenamtlichen Tätigkeit

der Malteser in Salzburg zugute.

DIE MALTESER 3-4/2018 27


MALTESERORDEN

MALTESER CEE

CONFERENCE

Sowohl die CEE-Stakeholder-Conference als auch die Ordensbotschafter und die internationale

MALTESER-Jugend tagten in Wien.

Von Axel Dechamps

Inspirieren sollte sie die Tagung. Und das tat sie auch!

Über 70 Vertreter der Botschaften, Assoziationen und

der Hilfsdienste sowie der Großpriorate von Böhmen

und von Österreich folgten der Einladung der Steuerungsgruppe

der Malteser Hilfsdienste in Mittel- und

Osteuropa und tagten bei Sonnenschein und nahezu

sommerlichen Temperaturen im Wiener Museumsquartier.

Ein abwechslungsreiches, durchdachtes und exzellent

moderiertes Programm führte durch den Tag. S.E.

Großkanzler Albrecht Freiherr von Boeselager freute sich

„…to see so many young people here, representatives of

the youth in our different countries. I hope you will leave

Vienna after this conference encouraged and full of new

energy to pursue the mission of our Order.” Der Großkanzler

verwies auf den Klimawandel des „ich zuerst“,

den er wahrnehme und dem es zu begegnen gülte.

„Me first means only me.” Die Stärken des Ordens liegen

insbesondere in „…its internationality, its common

mission, goal and purpose and the solidarity between its

different branches...´Standing together` instead of `Me

first` must be our commitment”.

In eben dieser Tradition und mit dem Wunsch, den

Dialog zwischen den Ländern, Entitäten und Generationen

nachhaltig zu fördern, verfolgten die Konferenzorganisatoren

das Ziel, unterschiedliche Themen

aktivierend und von verschiedenen Blickwinkeln aus

betrachtend zu diskutieren. Der Generalsekretär für

Auswärtige Angelegenheiten S.E. Botschafter Stefano

Ronca sprach in seiner Rede von „closer cooperation

for better results“. „Since the Order’s Associations,

Priories, Reliefs Corps and Embassies belong to the

same family, their interaction is not only inevitable,

but absolutely beneficial to all.“

Lisa Simpson, Chief Executive, Global Fund for Forgotten

People, betonte in ihrem Vortrag zu „Vision 2050“

die Notwendigkeit zum generationenübergreifenden

Handeln. Die Workshops am Nachmittag widmeten sich

den Themen guter Führung, den Bedingungen einer

gelingenden Jugendarbeit und konkreten Vorschlägen,

wie die Zusammenarbeit zwischen den Botschaften, den

nationalen Assoziationen und den Hilfsdiensten weiter

verbessert werden können.

Das gemeinsame Schaffen geht weiter. Wir freuen uns

auf die nächste CEE-Stakeholder-Conference im Herbst

2020.

28

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERORDEN

FÜR EINE WELT OHNE MENSCHENHANDEL

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden hat Ende September zwei neue Botschafter ernannt: Michel Veuthey, Botschafter

zur Beobachtung und Bekämpfung von Menschenhandel mit Amtssitz in Genf, und Romain Champierre de Villeneuve,

Generalbotschafter für Afrika mit Amtssitz in Lagos/Nigeria.

Von Marianna Balfour

Laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO gibt es weltweit

20,9 Millionen Opfer von Menschenhandel. Allein 68

Prozent davon arbeiten in Zwangsarbeit. Menschenhandel

ist zu einem einträglichen Geschäft geworden, das jährlich

bis zu 150 Milliarden US-Dollar Gewinn abwirft und seine

Wurzeln vor allem in Entwicklungsländern hat. 26 Prozent

der Opfer sind Kinder, 55 Prozent Frauen und Mädchen.

Armut, Kriege, Klimawandel, Diskriminierung aufgrund

der gesellschaftlichen Zugehörigkeit oder des Geschlechts

sind der ideale Nährboden für moderne Sklaverei.

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden hat es sich deshalb

zur Aufgabe gemacht, sich gegen Menschenhandel

einzusetzen. Eines der ersten Engagements des Ordens

war die Teilnahme am Sondertreffen der UN-Generalversammlung

Ende September. Der Fokus lag auf der

Umsetzung des „Globalen Aktionsplans zur Bekämpfung

von Menschenhandel“, wie er von den Vereinten Nationen

seit Juli 2010 angewandt wird.

Appell an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft

Bereits Mitte 2018, am 30. Juli, dem Welt-Tag gegen

Menschenhandel, hatte der Souveräne Malteser-Ritter-

Orden an Regierungen, die Zivilgesellschaft und die

Geschäftswelt appelliert, Maßnahmen zu ergreifen, um

Menschenhandel zu verhindern bzw. zu beenden und

gleichzeitig seine Opfer und Überlebenden zu schützen

und zu unterstützen. Menschenhandel ist eine Form mo-

derner Sklaverei. Diese stellt eine Straftat und schwerwiegende

Bedrohung menschlicher Würde und körperlicher

Unversehrtheit dar.

„Der Malteserorden möchte die Notwendigkeit unterstreichen,

zwischen den verschiedenen Ämtern der Vereinten

Nationen, regionalen Organisationen, internationalen

sowie lokalen Nichtregierungsorganisationen und

der Zivilgesellschaft, einschließlich religiöser Organisationen,

dieses Thema betreffend Synergien, Kooperationen

und Bündnissen zu intensivieren“, so Albrecht Boeselager,

Großkanzler des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Dies ist dringend erforderlich, wenn wir Verstöße verhindern,

die Opfer schützen, Verantwortliche strafrechtlich

verfolgen, Erkenntnisse und Erfahrungen austauschen,

gute Praktiken hervorheben, das Bewusstsein stärken

und proaktiv mit regionalen und subregionalen Organisationen

zusammenarbeiten wollen.“

‚Sklaverei-frei‘-Label als Signal

Der Malteserorden betont zudem die Wichtigkeit, moderne

Sklaverei in Lieferketten anzusprechen „Es ist

dringend notwendig, die Nachfrage nach Sklavenarbeit

ins Blickfeld zu rücken“, merkt Botschafter Michel

Veuthey an. „Für Waren und Dienstleistungen sollten

‚Sklaverei-frei‘-Label geschaffen werden. Das ist ein

wichtiges Signal, damit nachhaltige Lieferketten und

nachhaltige Entwicklung keine leeren Phrasen bleiben.“

DIE MALTESER 3-4/2018 29


MALTESERORDEN

BRÜDER IM GEISTE –

DER DEUTSCHE ORDEN

UND DIE MALTESER

Seit August 2018 hat der Deutsche Orden einen neuen Hochmeister: Mit

Pater Frank Bayard steht nun ein 46-jähriger Priester mit Bankausbildung

an der Spitze. Anlass für ein Porträt der Gemeinschaft, die in ihrer wechselhaften

Geschichte und jüngsten Gegenwart viele Querverbindungen

zu den MALTESERN aufweist.

Von Georg Reichlin-Meldegg

Erzherzog Eugen von Österreich,

Hochmeister 1894-1923

Der Deutsche Orden hat – ebenso wie der Souveräne

Malteser-Ritter-Orden – seine Anfänge in der Kreuzzugsepoche

zwischen 1096 und 1291. Zur Gründung des

Deutschen Ordens kam es während des dritten Kreuzzuges.

Den Beginn markierte – auch hier die Parallele zu

den Maltesern – der Hospitaldienst.

Als Ritterorden begann sich der Deutsche Orden sowohl

im Orient als auch in Europa rasch auszubreiten. Damit

führten die Brüder die höchsten Ideale der Zeit, Mönchtum

und Rittertum, zusammen. Nach Europa zurückgekehrt,

trugen sie mit reichen Donationen zur Gründung

neuer Kommenden bei, welche zu Balleien zusammengeschlossen

wurden. An der Spitze des Ordens stand und

steht bis heute der Hochmeister. Um 1280 hatte der Orden

13 Balleien im Deutschen Reich, drei in Italien und je

eine in Frankreich, Griechenland und Syrien.

Aufstieg und Fall

Nachdem das 13. Jahrhundert eine Phase des Wachstums

und der Prosperität für den Orden eingeleitet

hatte, folgten ab dem 14. Jahrhundert unterschiedliche

Krisen. So fiel etwa 1291 mit der Festung Akkon, die

mit den Johannitern verteidigt wurde, die letzte Bastion

in Palästina. Die Balleien im Mittelmeerraum gingen

schrittweise verloren, ebenso der Ordensstaat im preußischen

und baltischen Raum.

Der Deutsche Orden blieb in der Folgezeit auf seine Balleien

im Deutschen Reich beschränkt. Ein enges Verhältnis

zum habsburgischen Kaiserhaus entstand zum Ende

des 16. Jahrhunderts. 1865 kam es zur Errichtung des

Instituts der Ehrenritter und 1871 zur Etablierung des

freiwilligen Sanitätsdienstes, der ab 1974 durch die Marianer

maßgeblich gefördert wurde. So gab es bis zum

Ende des ersten Weltkriegs innerhalb des Ordens drei

Zweige mit Gelübden bei jeweils unterschiedlichen Regeln

– Ritter, Priester und Schwestern – sowie eine angeschlossene

Gruppe ohne Gelübde, aber mit emotionaler

Bindung an den Orden.

Kriegsbedingte Zäsuren

Nach dem ersten Weltkrieg verändert sich das Ordensleben.

Der Zerfall der Monarchie bedeutete für den Orden

eine weitere Zäsur: Als auf Grund seiner Nähe zum Herrscherhaus

die Enteignung des Ordens in den Nachfolgestaaten

drohte, trat der letzte ritterliche Hochmeister

des Ordens, Erzherzog Eugen, im Jahr 1923 zurück. Sein

Nachfolger wurde Bischof Norbert Klein und in weiterer

Folge wurde 1929 der Deutsche Orden in ein Religioseninstitut

umgewandelt. Nach 1934 wurde das Familiareninstitut

dem Deutschen Orden angegliedert. In Österreich

wurde der Deutsche Orden im September 1938

von den Nazis aufgelöst, seine Güter wurden konfisziert.

1947 wurde er wieder in seine Rechte eingesetzt.

30

DIE MALTESER 3-4/2018


Mitglieder des Deutschen Ordens

In der Tschechoslowakei, wo der Orden seine wirtschaftlich

stärkste Provinz besaß, wurde er im Februar 1939

aufgehoben und der Hochmeister gar für mehrere Monate

von den Nationalsozialisten interniert. Nach 1945

wurden 30 Priester und 204 Schwestern zu Heimatvertriebenen:

Einige emigrierten nach Österreich und der

größere Teil in die damalige Bundesrepublik Deutschland.

Dort bildeten sie die Keimzelle für den Neubeginn.

In den ehemals kommunistischen Ländern konnte der

Orden seine Tätigkeit erst wieder ab 1989 aufnehmen.

Vor allem in der Tschechischen Republik ist die Zahl der

Ordensgeistlichen in den vergangenen Jahren wieder gestiegen

und pastorale Aufgaben können wieder wahrgenommen

werden.

Im Sinne der christlichen Nächstenliebe

Die Aufgaben des Deutschen Ordens ruhen auf vier Säulen,

die große Ähnlichkeit zu den Grundsätzen und zum

Wirken der Malteser aufweisen: Die erste Aufgabe ist die

religiöse. In allen Ordensprovinzen bildet die Seelsorge

einen Schwerpunkt der Tätigkeit der geistlichen Brüder.

An zweiter Stelle folgt die soziale und karitative Tätigkeit,

lautet doch der Wahlspruch des Ordens: „Helfen

und Heilen“. Seit der großen Flüchtlingswelle 2015 betreut

der Orden in Deutschland mehrere Heime für unbegleitete,

minderjährige Flüchtlinge.

An dritter Stelle ist die Rolle des Ordens als einer der

europäischen Kulturträger zu nennen. Es geht um die

Die Schlacht von Tannenberg

Bewahrung und Erhaltung des reichen Kulturerbes des

Ordens, seiner Kirchen, Kommenden, Schlösser und

Burgen. Die vierte Aufgabe ist es, die Welt im Geiste

christlicher Lebensformen zu gestalten – und zwar aus

einer Verantwortung im Sinne des Zweiten Vatikanums

und dem Charisma des Ordens heraus, die jedem von

uns gegebenen Talente dort zu nutzen, wo man in der

säkularen Welt hingestellt wurde.

In gutem Kontakt miteinander

Der Deutsche Orden und die Malteser sind nicht nur im

Geiste verbunden. Die Mitglieder treffen einander persönlich.

So erfolgt etwa jedes Jahr nach der Fronleichnamsfeier

rund um St. Stephan eine Einladung zu einem

stärkenden Mittagsimbiss durch den Deutschen Orden an

die Mitglieder des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Dieses Jahr wurden die Kontakte intensiviert: Anlässlich

einer Einladung der Malteser hielt Dozent Dr. Helmut

Wohnout einen Vortrag über die Geschichte und heutigen

Aufgaben des Deutschen Ordens. Im Gegenzug sprach

Rezeptor Dr. Christoph Calice bei einem weiteren Zusammentreffen

über die weitgesteckten Ziele und spirituellen

Aufgaben des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Wir danken Bruno Platter, dem bisherigen Hochmeister

im Deutschen Orden, für die wunderbare Zusammenarbeit

und wünschen seinem Nachfolger, Pater Frank

Bayard, alles Gute!

DIE MALTESER 3-4/2018 31


MALTESERÖSTERREICH

DAS MALTESER JUGEND-SOMMERLAGER

IM BURGENLAND

Das burgenländische Sommerlager wird international. Heuer fand bereits im fünften Jahr in Folge das MALTESER

Jugend-Sommerlager im burgenländischen Podersdorf statt. Vom 7. bis 9. September kamen 18 Kinder und Jugendliche

sowie 16 Erwachsene – davon drei Elternteile von durch uns betreuten Kindern – am eindrucksvollen Neusiedlersee

zusammen. Als Novum konnten wir erstmals fünf jugendliche Roma aus der Slowakei und vier erwachsene Kollegen vom

slowakischen MALTESER Hilfsdienst begrüßen.

Von Georg Holzhausen und Moritz Schuschnigg

Die Kinder aus der Slowakei waren überhaupt zum ersten

Mal im Ausland, und es mussten zunächst Reisedokumente

für sie beantragt werden.

Wie gewohnt schlugen wir unser Quartier beim Hotel Seewirt

in Podersdorf auf, wo sich die Familie Karner und ihr

Team bestens um unsere Schützlinge und uns Malteser

kümmerten. Kaum hatten wir am Freitag unsere Zimmer

bezogen, begann das gemeinsame Wochenende mit einer

gemütlichen Ausflugsschifffahrt über den Neusiedlersee:

Die ideale Gelegenheit, damit sich die Kinder schnell kennenlernen.

Nach einem köstlichen Abendessen fand der

Tag mit lustigen Ballspielen am Strand seinen Ausklang.

Von der Kutschenfahrt zum Wassersport

Am Folgetag stand zuerst eine Kutschenrundfahrt durch

das UNESCO Weltkulturerbe Naturschutzgebiet „Neusiedlersee

– Seewinkel“ auf dem Programm, inklusive

Picknick im Schilfgürtel. Am Nachmittag ging es dann

richtig zur Sache: Die Jugendlichen zwängten sich in

Neopren-Anzüge und ab ging es zum Windsurfen, Kanufahren

und Stand Up Paddeln, was bei dem starken Wind

gar nicht so einfach war. Letztendlich bewiesen aber alle

Standfestigkeit und es ging ein toller, prachtvoller Tag zu

Ende.

Unser erstes Ziel am Sonntag war der Besuch der Hl.

Messe in der modernen, lichtdurchfluteten Podersdorfer

Pfarrkirche. Pater Maurus begrüßte uns freudigst

und wir durften seine geistreiche Predigt genießen. Nach

vergnüglichen Spielen am Nachmittag und Spielen im

See endete ein herrliches und lustiges Sommerlager. Alle

Teilnehmer freuen sich schon auf das nächste Malteser

Wochenende in Podersdorf.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an den Verein

„Licht ins Dunkel“, der unser Malteser-Projekt auch heuer

wieder finanziell unterstützte.

Das MALTESER Jugend-Sommerlager wird vom Bereich

Burgenland des MHDA organisiert. Es dient im

Wesentlichen der Integration von Kindern, die aus

verschiedensten Gründen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen

sind.

32

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER BETREUUNGSDIENST

PERSÖNLICHE ZUWENDUNG

UND HILFE IM ALLTAG

Angela Thierry leitet die Geschicke des MBD seit 1998. Ihr 20-jähriges

Leitungsjubiläum feierte der MBD am 21. September 2018

mit einem gemeinsamen Ausflug nach Mailberg.

Von Georg Male

Helfen kann so einfach sein. Nicht immer braucht es eine

Einsatzzentrale, Krankenwagen, Uniformen, Spezialausbildungen.

Oft genügen ein Telefon und ein gutes Netzwerk.

Und eine gute Idee, gepaart mit Einsatzwillen und

Durchsetzungsvermögen. Nach diesem Motto hatte

Gabrielle Thun-Hohenstein schon im Jahr 1964 den

Malteser Betreuungsdienst (MBD) gegründet, eine zunächst

lose Gruppe von Damen aus dem Umfeld des

SMRO, die sich, meist selbst schon in der zweiten Lebenshälfte

stehend, regelmäßige Hausbesuche bei alten bzw.

kranken Menschen zur Aufgabe machten. Jedes Mitglied

übernahm Verantwortung für zumindest eine bzw. einen

zu Betreuenden und verpflichtete sich zu einem wöchentlichen

Besuch. Dieser diente in erster Linie dem persönlichen

Gespräch, bei Bedarf konnten aber auch kleine Einkäufe

oder sonstige Wege erledigt werden.

Und das Konzept bewährte sich: Aus kleinen Anfängen

im eher privaten Kreis ist der MBD heute auf rund 35 Damen

und mittlerweile auch vier Herren angewachsen. Sie

leisten pro Jahr mehr als 1.500 Besuche und damit an die

5.000 Stunden im ehrenamtlichen Dienst am Nächsten.

Als – oft einzige – verlässliche Bezugsperson geben sie

damit mehr als 40 betagten bzw. kranken Menschen im

Wiener Raum die Sicherheit, auf regelmäßige persönliche

Betreuung und Unterstützung bauen zu können.

Wesentlichen Anteil am Gedeihen und stetigen Anwachsen

des Werks hatten seine Leiterinnen: Auf die Gründerin

war im Jahr 1978 deren Schwiegertochter Marilda

Thun-Hohenstein gefolgt, unter deren Ägide der MBD sich

bereits deutlich vergrößerte. 1998, vor 20 Jahren also,

übernahm Angela Thierry die Geschicke des Werks und leitet

es auch heute noch – neuerdings tatkräftig unterstützt

von ihrer designierten Nachfolgerin Tita Andras.

Das Anliegen ist aktueller denn je

Natürlich hat das 21. Jahrhundert Einzug in das Geschehen

gehalten: Längst spielen Laptop, E-Mail, SMS

und WhatsApp eine wichtigere Rolle bei der Organisation

der Dienste als das Telefon oder gar Briefe. Doch die Aufgaben

des MBD sind dieselben geblieben: dauerhafte,

verlässliche, persönliche Zuwendung und Unterstützung

im Alltag. Ein Anliegen, das angesichts von Überalterung

und Vereinsamung in unserer Bevölkerung heute brisanter

ist denn je. Angela Thierry: „Wir gehören 54 Jahre

nach unserer Gründung nicht zum alten Eisen, sondern

werden heute leider noch wesentlich mehr gebraucht als

damals.“ Grund genug, um den Mitgliedern des MBD

und seiner Leiterin eine erfolgreiche Zukunft und Gottes

Segen zu wünschen!

Ein ausführliches Portrait von Angela Thierry findet sich in

Ausgabe 1/2014 unserer Zeitung unter www.malteser.at/

presse/die-malteser-zeitungsarchiv/

MITHELFER GESUCHT!

Wir suchen laufend neue Mitarbeiter und

Mitarbeiterinnen jeder Altersstufe. Bei Interesse

melden Sie sich bitte bei Angela Thierry unter

angela.thierry@malteser.at

DIE MALTESER 3-4/2018 33


MALTESERÖSTERREICH

LAUFEN FÜR DAS

HILDE-UMDASCH-HAUS

Am 30. September ging der zweite Kinderhilfelauf in Amstetten über die Bühne. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen

– in mehrfacher Hinsicht. Von Katharina Stögner

Nachdem der erste Kinderhilfelauf im vergangenen Jahr

zugunsten der Malteser Kinderhilfe bereits ein großer

Erfolg war, konnten die Veranstalter mit dem diesjährigen

Event noch eins draufsetzen: Insgesamt waren

rund 2000 Läufer am Start, die in zehn Bewerben in

verschiedenen Altersklassen für die gute Sache liefen.

Der Kinderhilfelauf fand bei strahlendem Wetter und

großartiger Stimmung unter dem Ehrenschutz von Bürgermeisterin

Ursula Puchebner und KR Hilde Umdasch

statt. Ebenso war Prominenz aus Politik und Wirtschaft

vertreten. So nahm etwa Landtagsabgeordnete Michaela

Hinterholzer persönlich am Fünf-Kilomenter-Nordic-Walking-Bewerb

teil.

Ein Teil der Einnahmen aus den Nenngeldern kommt

der Malteser Kinderhilfe zu Gute. Sie ermöglicht Kindern

und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen

im Hilde-Umdasch-Haus ein ihren Bedürfnissen

entsprechendes Zuhause, Pflege, Liebe und einen „normalen“

Alltag. Mit den Spendengeldern werden spezielle

Heilbehelfe und Förderspielzeuge angeschafft und individuelle

Therapien ermöglicht.

Tatkräftige Unterstützung durch die MALTESER

Die Malteser waren mit Olivier Loudon, dem Geschäftsführer

der Malteser Kinderhilfe, sowie rund 100 ehrenamtlichen

Helfern vor Ort. Sie unterstützten bei der

Startnummernausgabe und waren beim 5-Kilometer-

Bewerb mit einem eigenen Team am Start. Neu waren

diesmal eine „Amstetten-Wertung“ beim 5- und 10-Kilometer-Lauf

sowie eine eigene Wertungen für Firmen-

Teams. Die Bewohner des Hilde-Umdasch-Hauses zeigten

ebenfalls Flagge: Sie nahmen an der 400 Meter langen

Charity-Runde teil und hatten sichtlich viel Spaß dabei.

Wir danken Frau KR Umdasch für ihr unermüdliches

Engagement sowie allen Teilnehmern des diesjährigen

Bewerbs und freuen uns schon auf den Kinderhilfelauf

2019!

www.malteser-kinderhilfe.at

34

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERÖSTERREICH

VÉZELAY III ODER DIE REISE INS

ROMAN(T)ISCHE BURGUND

Eine alte Kulturlandschaft, viele Kirchen, französische Küche, traumhaftes Wetter und das heiß ersehnte Dessert – auch

die nunmehr dritte Reise nach Vézelay war eine ganz besondere.

Von Melanie und Moritz Röttinger

Nach wiederholten Anfragen gab es im Juli 2018 die dritte

Auflage der beliebten Vézelay-Reise. Insgesamt waren

wir 35 Teilnehmer im Alter zwischen zwei und 85 Jahren

Malteser, Betreute in Rollstühlen und Pilger, davon sieben

Kinder und Jugendliche. Das spirituelle Motto dieser

Reise war dem Psalm 150 entnommen: „Alles, was atmet,

lobe den Herrn!“ In diesem Sinne feierten wir die Heiligen

Messen an ganz verschiedenen Orten: u. a. in der

Basilika von Vézelay, im Garten unserer Unterkunft, in

der romanischen Kirche von Pontaubert. Auch die Laudes

und die Vesper waren ebenso Fixpunkte wie die nächtliche

Anbetung im ehemaligen Kapitelsaal von Vézelay.

Treffen mit Freunden

Natürlich durfte ein Besuch im wohl berühmtesten

ehemaligen Krankenhaus Frankreichs, dem Hôtel-Dieu

in Beaune, nicht fehlen. Zwei Nachmittage und Abende

verbrachten wir bei unseren Malteserfreunden und

Ordensmitgliedern Etienne und Marie-France de Certaines

im Château de Villemolin, das seit 500 Jahren in

deren Familienbesitz ist. Zu den Abendessen wurden

wir fürstlich bewirtet. Und zur großen Freude der maltesischen

„Wiederholungstäter“ gab es zum Dessert wieder

die von der Gastgeberin selbst gemachte legendäre

Eistorte!

Berührende Premiere

Zwei Höhepunkte sind es wert, besonders erwähnt zu

werden: Erstmals konnten wir eine offizielle Ordensmesse

gemeinsam mit unseren französischen Ordensfreunden

feiern, wofür die nur wenige Kilometer von Vézelay

entfernte romanische Kirche von Pontaubert geradezu

prädestiniert ist: Sie gehörte einst zu einer Malteserkommende!

Spiritueller Höhepunkt war ein abendlicher

Besuch in der Basilika von Vézelay. Der dortige Prior

vertraute uns den großen Kirchenschlüssel an, sodass

wir ganz allein in der Abenddämmerung und bei immer

schwächer werdendem Licht mit Kerzen in der Hand vom

Narthex durch die ganze Basilika wanderten. Ein unvergessliches,

berührendes Erlebnis!

DIE MALTESER 3-4/2018 35


FAMILIENWALLFAHRT 2018

„WAS ER EUCH SAGT, DAS TUT”

Unter dem Leitspruch „Was Er euch sagt, das tut“ (Johannes 2,5) fanden sich vom 14. bis 16. September rund

60 MALTESER mit ihren Familien und Betreuten in Admont zur alljährlichen Familienwallfahrt ein.

Von Naomi Kienreich, P. Clemens Grill OSB und Ares Vafiadis

Nach der Begrüßung versammelte sich die Pilgergruppe

bei leicht verregnetem Wetter zum geistlichen Impuls und

Eröffnungsgebet mit Anbetung und Beichtgelegenheit in

der Stiftskirche. Am nächsten Morgen brach man, gestärkt

von einem köstlichen Frühstück, zum Frauenberg auf. Am

Gipfel wurden wir von Prior P. Maximilian Schiefermüller

empfangen und mit Glockengeläut begrüßt. Nach einer feierlichen

Messe, einem kräftigenden Mittagessen und einer

Nachmittagsruhe stand eine Führung durch die einzigartige

Bibliothek von Stift Admont auf dem Programm. Nach

dem Abendessen spazierte man in einer Lichterprozession

erneut zur Stiftskirche. Die anschließende Krankensalbung

sollte uns zur Ruhe kommen lassen. Am Sonntag

fand schließlich ein geistig und körperlich entspannendes

Wochenende nach der Heiligen Messe und einem gemeinsamen

Mittagstisch ihr Ende.

NEUE UNIFORMEN –

GUT GESCHÜTZT IM

EINSATZ

Von Bela Garzuly

Gerade bei Verkehrsunfällen kann es für Retter und Sanitäter

zu gefährlichen Situationen kommen. Um sie

bestmöglich zu schützen und sie für alle Beteiligten gut

erkennbar zu machen, sind die Rettungsdienste der Malteser

ab sofort bundesweit in neuer Einsatzkleidung unterwegs.

In besonderen Gefahrenbereichen tragen die

Sanitäter der Hilfsorganisation künftig Einsatzjacken und

-hosen in hochsichtbarem Tagesleuchtrot. Für Ambulanzeinsätze

bei Großevents und bei Erste-Hilfe-Kursen wer-

36

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERÖSTERREICH

HAUS MALTA

WERTSCHÄTZENDES

MITEINANDER

Neue Aktivitäten und ein verändertes Betreuungskonzept im Haus Malta sorgen seit September für eine noch bessere soziale

Begleitung im Alltag.

Von Andrea Venus

Für die Bewohner mit besonderen Bedürfnissen im Haus

Malta gibt es gute Neuigkeiten: Seit September ist Andrea

Venus für deren individuelle Betreuung verantwortlich. Gemeinsam

mit Sonja Katzberger hat sie ein neues Konzept

für eine interaktive Zusammenarbeit der Pflege-, Animations-

und Demenzbetreuung zusammengestellt. Damit

soll eine engere und aufeinander abgestimmte Kooperation

zwischen den Mitarbeitern mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten

im Tagesrhythmus erreicht werden.

Umgekehrt profitieren die Bewohner von einer noch besser

ihren Bedürfnissen entsprechenden Betreuung.

Zusätzlich wurde das Freizeitangebot um die hilfreiche

Biografiearbeit erweitert. Dabei geht es nicht um das

Aufarbeiten oder das bloße Rekonstruieren der Vergangenheit,

sondern um eine Verbindung zwischen der Vergangenheit

und der Gegenwart. Biografieorientiertes

Arbeiten zielt darauf ab, das Identitätsgefühl von Menschen

möglichst lange zu erhalten.

Vertrauensvoll kommunizieren

Ein wichtiger Bestandteil der Einzelbetreuung ist außerdem

die Validation. Darunter versteht man eine wertschätzende

Methode, betagte und verwirrte Menschen in

der täglichen Kommunikation in ihrer Welt zu belassen,

ihre Gefühle und Gedanken zu beachten, darauf einzugehen

und sie nicht mit unserer Realität zu konfrontieren.

Das dadurch hergestellte Vertrauen erleichtert die Kommunikation

erheblich.

den die Malteser weiterhin ihre bisherige, malteserrote

Uniform tragen. „Die vorhandene Einsatzkleidung wird

nicht aussortiert, sondern entsprechend ihrem Zustand

und ganz im Sinne von nachhaltiger Nutzung bis zu Ende

getragen“, sagt Philipp Aretin, bei den Maltesern für den

Bereich Beschaffung zuständig.

Darüber hinaus gibt es ab sofort viermal im Monat Gruppenausgänge

– zum Beispiel Parkbesuche und abwechslungsreiche

Ausflüge in die nähere Umgebung. Dadurch

soll die Sinneswahrnehmung gefördert werden. Ein weiteres

neues Angebot wird künftig ein bunter Nachmittag

mit Musik und anderen Schwerpunkten bei Kaffee und

Kuchen an einem Samstag im Monat im Gartensalon von

Haus Malta sein.

DIE MALTESER 3-4/2018 37


MALTESERÖSTERREICH

WENN DER MALTESER ALTEN- UND KRANKEN-

DIENST (MAKD) UNTERWEGS IST, REGNET ES NICHT!

Wäre ja noch schöner: Wochenlang blauer Himmel und

Wärme und dann am Sonntag, wenn der MAKD mit seinen

Schützlingen loszieht ...

Von Wolfgang Weigel

Nein, es hat auch da nicht geregnet, wir konnten sogar

im Freien sitzend einkehren. Aber alles der Reihe nach:

Am ersten Sonntag im Oktober, sehr zeitig in der Früh

trafen sich 20 Betreute und die Mannschaft des MAKD.

Ein Spezialbus stand bereit und schon bald ging die Fahrt

Richtung Stift Altenburg im Waldviertel los, um pünktlich

zur Hl. Messe einzutreffen.

Im Zuge der Messfeier wurde auch das Erntedankfest begangen:

Mit Symbolen der Musikgruppe und der Volksschulkinder,

welche die Messfeier unterstützten. Anschließend

gab es eine Führung durch Teile des Stifts und

ein Mittagessen in der Gaststube. Auch das Gruppenfoto

danach durfte nicht fehlen! Durch das Kamptal an der

Rosenburg und Gars vorbei ging die Fahrt nach Langenlois.

Das war schon ein stimmungsvolles Beisammensein

– und kein Regen, trotz der Wolkenbänke.

Auch die Heimfahrt verlief Dank unseres souveränen

Chauffeurs glatt, und pünktlich um sieben Uhr abends

ging dieser Ausflug glücklich zu Ende.

MALTESER BETREUUNGSDIENST

BENEFIZLESUNG

Heiteres gelesen von Prof. Dr. Georg Markus: Benefizveranstaltung

DieMalteser Betreuungsdienste“ unter der bewährten

Leitung von Angela Thierry luden am 6. Oktober 2018

zum alljährlichen Benefiz ins Haus Hofmannsthal ein.

Die Veranstaltung erfreut sich großer Beliebtheit und

ist für das inzwischen beachtliche „Stammpublikum“ ein

Fixpunkt geworden. Thierry: „Ohne die tatkräftige Unterstützung

meiner designierten Nachfolgerin Tita Andras,

aller Mitarbeiterinnen und die Hilfe der vielen großzügigen

Sponsoren könnte ich dieses alljährliche Benefizevent

nicht realisieren. Durch den Verkauf der Eintritts-

38

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERÖSTERREICH

ERSTER GEMEINSAMER ÜBUNGSTAG

DER INNSBRUCKER RETTUNGSORGANISATIONEN

Von Armin Krösbacher

Gelungene Premiere für die Innsbrucker Rettungsorganisationen:

Zum ersten Mal fand eine gemeinsame Übung des Arbeiter-Samariter-Bundes

Innsbruck, der Malteser, der Bergrettung

Innsbruck, der Freiwilligen Feuerwehr Amras und

Mühlau, der Johanniter-Unfall-Hilfe Tirol (Innsbruck),

des Roten Kreuzes Innsbruck und der Wasserrettung

Innsbruck statt. An den verschiedenen Übungsszenarien

im Osten von Innsbruck stellten insgesamt 100 Einsatzkräfte

der beteiligten Rettungsorganisationen ihre

Fachkenntnisse und ihren Teamgeist unter Beweis.

des Malteser Betreuungsdienstes.

karten und die großzügigen Spenden sind wir in der Lage,

dringende Notfälle zu lindern und auch heuer wieder für

sozial sehr schwache Menschen kleine Weihnachtsgeschenke

zu finanzieren.

Dank der Vermittlung von Barbara Bernegger konnte

heuer der bekannte Publizist Professor Georg Markus für

einen äußerst vergnüglichen Vortrag gewonnen werden.

Anekdoten aus der Welt des Theaters sowie viel Vergnügliches

aus dem Leben bekannter Künstler und Sänger

hielten einen Abend lang das Publikum bei bester Laune!

Breites Einsatzspektrum

Dabei umfasste das Einsatzspektrum einen Großbrand

in einer Werkstatt, einen Paragleiter-Absturz, einen Verkehrsunfall,

einen Motorradabsturz sowie einen Kohlenstoffmonoxid-Alarm.

Außerdem mussten ein eingeklemmter

Waldarbeiter sowie eine Person aus dem Inn

von den Einsatzkräften geborgen und versorgt werden.

Auch die Auswahl an Übungsorten war vielfältig: So fanden

die Übungseinheiten in Tiefgaragen, Kellerräumen,

am und im Inn sowie auf Waldwegen der Nordkette

statt. 20 Figuranten sorgten für möglichst realitätsnahe

und authentisch wirkende Einsatzszenarien.

Für den Ernstfall gut gerüstet

Diese dezentralen und unterschiedlichen Einsatzmeldungen

spiegeln den Alltag unserer Innsbrucker Rettungsorganisationen

wieder und zeigen, wie breit das

Leistungsspektrum der beteiligten Organisationen ist“,

erklären die Einsatzleiter Dr. Armin Krösbacher und Dr.

Volker Schäfer unisono. Unglaublich viele Mitarbeiter

der Einsatzorganisationen sind ehrenamtlich für die

Innsbrucker Bevölkerung im Einsatz. Nicht nur am heutigen

Übungstag, sondern an 365 Tagen im Jahr.

DIE MALTESER 3-4/2018 39


MALTESERÖSTERREICH

DAS HIGHLIGHT DES SOMMERS 2018:

20. WILDWASSERCAMP MIT SONG-CONTEST-

FINALIST CESAR SAMPSON

Anfang August fand in der steirischen Gemeinde Wildalpen bereits zum 20. Mal das alljährliche MALTESER-Wildwassercamp

(WWC) statt. Als besonderer Gast war diesmal Cesar Sampson musikalisch und sportlich mit von der Partie.

Von Katharina Stögner

„Das Glück, die Freude und das neu gewonnene Selbstbewusstsein,

das die jungen Menschen durch dieses besondere

Erlebnis in der Natur und durch die kompetente

und einfühlsame Betreuung der Malteser erfahren, ist

einzigartig“, so Kommerzialrätin Hilde Umdasch, die es

sich nicht nehmen ließ, auch heuer wieder bei der Abschlussveranstaltung

des WWC anwesend zu sein. Die

sozial engagierte Unternehmerin unterstützt das Malteser-Wildwassercamp

bereits seit vielen Jahren. „Ohne die

Hilfe von Frau Kommerzialrätin Umdasch wäre es für die

Malteser nicht möglich, das Sportcamp regelmäßig und

in dieser Qualität zu veranstalten. Es ist bereits zu einer

fixen Institution geworden, auf die sich unsere Schützlinge

und freiwilligen Betreuer jedes Jahr freuen“, so die beiden

Einsatzleiterinnen, Marie Sophie Stättermayer und

Alexandra-Maria Warenits.

„Nobody but You“

Besonderer Dank gilt weiters der Rafting-Schule Liquid-

Lifestyle (Wolfgang Winkler), dem Hotel Bergkristall und

der Firma PrintShirt, die das Wildwassercamp durch ihr

Engagement und ihren großen persönlichen Einsatz Jahr

für Jahr unterstützen. Auch heuer trugen sie maßgeblich

dazu bei, dass insgesamt zehn Betreute ihr sportliches

Können in der Salza unter Beweis stellen konnten. Mit

insgesamt zwölf Booten ging es zu Wasser. Mit an Bord

war Song-Contest-Finalist Cesar Sampson.

Der Sänger war viele Jahre in einer Wohngemeinschaft

für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung tätig.

Mit viel Spaß und Professionalität begleitete er die Malteser

und die jungen Wildwasserfahrer. Den absoluten

Höhepunkt des Camps bildete Cesar Sampsons Auftritt

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens zugunsten von Menschen mit Beeinträchtigungen

3. AUGUST 2018, ALTE RESIDENZ ZU SALZBURG

40

DIE MALTESER 3-4/2018

mit Dinner, Künstlerauftritten, Tanz, Roulette, ...

benefizball@salzburg.malteser.at


MALTESERÖSTERREICH

beim Musikfest Wildalpen mit dem Songcontest-Beitrag

„Nobody but You“. Danach erfolgte noch eine Ausfahrt

im Oldtimer, der von WWC-Gründer Gabriel Hofstätter

zur Verfügung gestellt wurde. Fast eineinhalb Stunden

lang chauffierte der stolze Besitzer eines seltenen British

Roadster Austin Healey 3000 BJ 1960 persönlich rund 20

Malteser, Betreute und Kinder aus Wildalpen durch das

Salzatal.

Vorfreude auf das nächste WWC

Am letzten Tag des WWC wurde eine stimmungsvolle gemeinsame

Hl. Messe gefeiert, mit anschließendem Festakt

für Pater Bernhard Menzel, O.S.B, dem Bürgermeisterin

Karin Gulas im Namen der Gemeinde Wildalpen

zu seinem 50-jährigen Amtsantrittsjubiläum gratulierte

und für sein unermüdliches Engagement in der Pfarre

dankte. Die abschließende Fahrt auf der Salza fand bei

herrlichstem Postkartenwetter statt und gab den Teilnehmern

die Möglichkeit, sich bei einem Mittagsstopp

in der „Märchenbucht“ bereits auf das nächste WWC, das

von 1.8. bis 4.8.2019 stattfindet, zu freuen.

Die Geschichte des WWC

„Inspiriert vom ‚Camp Help‘-Gedanken der Malteser in

den späten 1980er Jahren, wollte ich schwer Körperbehinderten

und sozial ausgegrenzten Menschen die Möglichkeit

geben, Abenteuer und Spaß in der Natur zu erleben“,

erinnert sich WWC-Gründer Gabriel Hofstätter.

Begonnen hat der ambitionierte Malteser mit einem jungen

Rollstuhlfahrer, dem Sohn des damaligen Kommandanten

und Malteser-Botschafters Martin Bolldorf. Aus

dem mutigen Testlauf wurde schließlich eine über Österreichs

Grenzen hinaus bekannte und anerkannte Veranstaltung,

die als Vorreiterin im Behindertensport gilt und

bei den Teilnehmern Außergewöhnliches bewirkt. Hofstätter:

„Vor allem Menschen, die sich selbst durch ihre

Behinderung kaum noch etwas in ihrem Leben zutrauen,

konnten wir wieder Freude, Motivation und Zuversicht

geben.“ Mittlerweile haben an den Wildwassercamps

mehr als 600 Menschen teilgenommen.

SPENDE FÜR DAS

HAUS MALTA

Groß war die Freude, als uns folgende Nachricht erreichte:

„Der Vorstand und Beirat der Collegialität Privatstiftung

hat beschlossen, das Haus Malta mit einem Beitrag

von 15.000 Euro zu unterstützen.“ Kurz danach erfolgte

die Erhöhung um weitere 15.000 Euro.

Von Bogdan Norbert Bercal

Bei einem familiären Empfang im Haus Malta, dem Senioren-Sitz

der Malteser, konnten wir den Mitgliedern

des Stiftungsvorstandes der Collegialität Privatstiftung,

Hofrat Dr. Ewald Wetscherek, Dr. Thomas Böck und Dr.

Gerald Scheidl, persönlich danken. Die feierliche Scheckübergabe

erfolgte im Beisein von Präsident Dr. Ulrich

Glaunach und Vizepräsidentin Dr. Henriette Blanckenstein.

Weiters wurde der Rahmen des Treffens genutzt,

um das neue Malteser Ordenshaus vorzustellen, welches

2021 eröffnet wird, und um eingehend über wichtige Bedürfnisse

der Bewohner von Haus Malta zu sprechen.

Unbeschreiblich war dann die Freude, als wir wenige Tage

nach diesem Termin einen Anruf erhielten, wonach die

Collegialität Privatstiftung eine Erhöhung der Spende auf

nunmehr insgesamt 30.000 Euro für dringend benötigte

Projekte gewährte.

Wir sagen sehr, sehr herzlich DANKE und freuen

uns auf die weitere gute Zusammenarbeit mit der

Collegialität Privatstiftung!

www.hausmalta.at

DIE MALTESER 3-4/2018 41


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

GEMEINSAM FÜR BESSERE CHANCEN

Anfang Juli veranstalteten die Malteser Steiermark im Rahmen des mit der Caritas betriebenen Projekts ZORROM

CHAVORE ein ganz besonderes Event für ganz besondere Gäste: Sie luden 13 Kinder und sechs Erwachsene aus

Roma-Familien zu einem unvergesslichen Tagesausflug in den Motorikpark Gamlitz ein.

Von Sabine Friesz

Nach einer gemütlichen Busfahrt gab es zuerst eine Runde

Fußball zum Munterwerden und Aufwärmen – wobei:

An diesem sonnigen Tag war viel Aufwärmen gar nicht

nötig. So folgte schon bald die Erkundung des weitläufigen

Motorikparks. Da hieß es Klettern, Balancieren und

Springen, was das Zeug hält!

Zur Stärkung gab es anschließend ein Picknick mit feinen

Brötchen, Käse- und Wurstsemmeln. Natürlich durfte

auch frisches Obst nicht fehlen. Nach einer kleinen Verdauungspause

sorgte der nahe Badeteich für angenehme

Abkühlung. Den krönenden Abschluss des Tages bildete

eine Eis- bzw. Kaffeejause. Finanziert wurde der Ausflug

von Kommerzialrat Martin Auer, dem wir auf diesem

Wege sehr herzlich danken!

Fortsetzung folgt!

Sowohl die Kinder des Projekts ZORROM CHAVORE

als auch die Malteser freuen sich schon auf das nächste

Schuljahr. Dank der Unterstützung durch die Malteser

kann nämlich die 2017 begonnene Nachmittags- und

Lernbetreuung für die Romakinder fortgesetzt werden.

Ab September 2018 werden vier Pädagoginnen des Malteser

Hospitaldienstes als Lernbegleiterinnen für zwölf

Schulkinder und sechs Kindergartenkinder zur Verfügung

stehen.

ZORROM CHAVORE wurde von Dr. Franz Salm-Reifferscheidt

und Kommerzialrat Martin Auer initiiert und hat

seinen Ursprung im Projekt ZORROM der Caritas. Der

Name setzt sich aus den Romanes-Wörtern „zor“ (Kraft,

Energie) und „rom“ (Mensch) zusammen. Der Schwerpunkt

dieses Projekts liegt auf der Entwicklung und Umsetzung

von Maßnahmen zur Qualifizierung von Erwachsenen,

zum Empowerment und zur Anti-Diskriminierung.

ZORROM soll die Chancen der Roma signifikant erhöhen,

sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihre prekäre

Lebenssituation zu verbessern.

Kinder fördern, Integration stärken

Um die Kinder der von ZORROM betreuten Erwachsenen

kümmert sich ZORROM CHAVORE („chavore“ steht für

„Kind“). Die Malteser übernehmen etwa Kindergartenbeiträge,

die Kosten für die Nachmittagsbetreuung und

für Lernunterstützung. Ziel: Duch die Sicherstellung des

Schul- und Kindergartenbesuchs für die Kinder soll die

Integration der Eltern und damit der gesamten Familie

erleichtert werden.

Die Erfahrungen seit dem Projektstart 2017 zeigen: Die

Integration der Kinder wirkt sich spürbar positiv auf die

Integrationsmotivation der Eltern aus, von denen die

meisten mittlerweile Arbeit gefunden haben und Deutschkurse

besuchen.

42

DIE MALTESER 3-4/2018


Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

senden wir Ihnen die Zeitung

gerne regelmäßig zu.

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@malteser.at

SALZBURG

BESUCH BEI FREUNDEN

Mit ihrem Sanitätsdienst im bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje

helfen die Malteser zahlreichen Pilgern und Einheimischen gemäß

dem Leitsatz des Malteserordens: „Bezeugung des Glaubens und Hilfe

den Bedürftigen“.

Von David Jost

Diesen Sommer hat das Großpriorat Österreich des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens die Mitarbeit der österreichischen Malteser

in der Sanitätsstation ermöglicht. So verrichteten vier Salzburger

Malteser von 25. August bis 1. September ihren Dienst in Medjugorje.

Kurz darauf folgte für weitere vier Wochen ein Team aus Wien.

Sie kümmerten sich um die Aufnahme der Patientendaten in der

Ambulanz, um die Erstversorgung am Einsatzort bzw. den Patiententransport

in die Sanitätsstation und boten ihre Hilfe und Mitarbeit

am Erscheinungsberg und am Kreuzberg an.

Wertvoller Erfahrungsaustausch

„Ein in vieler Hinsicht sehr lehrreicher Dienst und eine wunderbare

Erfahrung“, so das Resümee der Sanitäter. „Wir haben Medjugorje

von einer ganz anderen Seite und sehr interessante Menschen kennengelernt“,

sagt ein anderer Malteser. Kein Wunder – die Sanitätsstation

ist nicht nur Anlaufstelle für Pilger aus den unterschiedlichsten

Ländern. Auch viele der Menschen, die in Medjugorje arbeiten,

kommen hierher und tauschen ihre Erfahrungen aus. Schließlich ist

an einem so besonderen Ort schnell eine Gesprächsbasis geschaffen.

Übrigens: Wer die Malteser Sanitätsstation einmal besuchen

möchte, findet sie in der Pfarre St. Jakobus in unmittelbarer Nähe

der Pfarrkirche. Die Sanitätsstation ist von Palmsonntag bis Ende

Oktober, jeweils von 09:00 Uhr bis 14:30 Uhr und von 15:30 Uhr

bis 21:00 Uhr, geöffnet. Dort trifft man auch auf die „Stammbesatzung“

der Sanitätsstation. Diese besteht aus Ärzten und Krankenschwestern

des Vereins Marisina Pomoc.

Gratis,

aber leider

nicht kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis

und soll es auch bleiben. Denn es ist

uns ein Anliegen, Sie über unsere Arbeit

umfassend zu informieren. Doch die Produktion

und der Versand sind leider nicht

kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.

Die

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Die

Ausgabe 1/2018

Down-Syndrom: Wunderbar anders

Talentprogramm: „Sag nicht behindert zu mir“

Malteserkirche: 900 Jahre alter Schatz

Die Malteser-Zeitung 1_2018_end ok.indd 1 23.03.18 10:43

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2017

Unvergessliche Momente – Sommercamp 2017

Warnsignale einer Demenzerkrankung

Erster Kinderhilfelauf: Laufend helfen

Ausgabe 2/2018

Die Malteser-Zeitung 3_2017_end o.indd 1 17.11.17 17:39

80. Großmeister: Fra` Giacomo Dalla

Torre del Tempio die Sanguinetto

Libanon: Karawane der Nächstenliebe

„Gaudete et exsultate“

Die Malteser-Zeitung 2_2018_2806_ok.indd 1 29.06.18 07:45

Konto lautend auf MALTESER

Hospitaldienst Austria,

Kennwort „Zeitung

AT65 2011 1800 8087 0800

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst

sind von der Steuer absetzbar!

DIE MALTESER 3-4/2018 43


XXXXX

IMS LONDON 2018:

REACH FOR THE STARS

Drei Jahre Vorbereitungszeit der britischen Gastgeber spitzen sich auf eine Woche zu: das Internationale Malteser

Sommerlager 2018 – eine Woche voller Lebensfreude und Freundschaft, voller Spaß und Überraschungen.

Von Anna Jakobljevich und Patrick Schleich

Die meisten von uns sind wahrscheinlich schon einmal geflogen.

Vermutlich haben aber nur wenige die Erfahrung

gemacht, was es heißt, mit einer Gruppe von 21 Personen

inkl. 6 Rollstühlen zu fliegen. Auch für die Fluggesellschaften

ist das kein alltägliches Erlebnis. Deshalb schien die

ein oder andere Schwierigkeit bereits vorprogrammiert.

Umso größer die Erleichterung, als alle am Samstag, dem

11. August, um die Mittagszeit sicher in London gelandet

waren. Im Camp angekommen, wurden wir mit herzlichen

Umarmungen und unserem Camp-Song „Reach for the

stars“ begrüßt.

Eine bessere Unterkunft als die Treloar School konnte

man für diese Woche wohl kaum finden. Dieser pavillonartig

angelegte Komplex in typischer Backsteinoptik

ist eine Schule, die speziell auf Schüler mit körperlichen

und geistigen Beeinträchtigungen ausgerichtet ist. Barrierefreiheit

wird hier in allen Aspekten großgeschrieben.

Unser persönliches Highlight war ein Hebelift, der

unsere Gäste vom Rollstuhl in den Umkleidekabinen

ohne Umstieg direkt in den Pool fahren konnte – besser

geht es gar nicht.

Schon der Anreisetag brachte zahlreiche fröhliche Gesichter

hervor. Alte Freunde treffen sich wieder und neue Bekanntschaften

werden im Nu geschlossen. Schon der erste

Abend sollte mit einem Ausklang im liebevoll dekorierten

Discozelt einen Vorgeschmack auf die nächsten stimmungsvollen

Abende bieten.

Der nächste Tag wurde mit der traditionellen Eröffnungszeremonie

und anschließender Hl. Messe begonnen.

Unsere Gäste durften nach der Ankündigung von Österreich

als „The Home of Lederhosen and Sound of Music“,

Fahnen schwingend, durch das Zelt paradieren. Es wurde

der Tanz zu unserem Campsong einstudiert, Kekse und

T-Shirts dekoriert, Alpakas, Küken und Beagles gestreichelt

und man konnte sich sogar einmal von der Polizei

festnehmen lassen oder aber selbst bei den Polizisten die

Handschellen klicken lassen. Montags war Team Austria

dazu eingeteilt, wieder auf dem Schulcampus zu verbringen.

An Aktivitäten mangelte es dennoch nicht. Zu unserer

Unterhaltung wurden erneut alle nur vorstellbaren

Register gezogen. Von einer Porsche-Rundfahrt über gepolstertes

Sumo-Ringen, Tanzen, einem Streichelzoo bis

44

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERÖSTERREICH

hin zu Laser-Quest spielen – alles war

dabei. Sogar das hauseigene Schwimmbad

durfte benutzt werden und war gut

besucht. Langweilig wurde hier niemandem

– wir alle hatten einen unglaublichen

Spaß.

Als wir an der Reihe waren, unser Land

zu präsentieren, durften wir sogar unserem

Großmeister, Fra‘ Giacomo Dalla

Torre del Tempio di Sanguinetto, der

dem Camp einen Besuch abstattete, eine

Portion Kaiserschmarren servieren. Er

war natürlich vollauf begeistert.

Indoor-Skydiving, eine Fahrt mit dem

Porsche zu einem James Bond Trainings-Tag,

ein Ausflug mit dem Besen

durch Harry Potter-World oder eine

Fahrt mit dem Segelboot über englische

Gewässer waren neben der alljährlichen

Silent Night nur ein paar wenige

der zahlreichen Aktivitäten, die für die

Teilnehmer unglaubliche und unvergessliche

Momente hervorbrachten. Es

war eine Woche voller Spaß und neuen

Freundschaften, die allen noch lange in

Erinnerung bleiben wird.

Unser Dank gilt allen, die diese Reise

unterstützt haben! Vielen Dank der genialen

Campleitung und ganz besonders

unserem großartigen und aufopferungsvollen

Team, das oft auch an die eigenen

Belastungsgrenzen gegangen ist. Es war

uns eine ganz besondere Freude, Eure

Teamleitung sein zu dürfen – Ihr seid so

eine tolle Truppe!

REISE NACH

SIEBENBÜRGEN

Aus den eigenen vier Wänden herauskommen, neue Bekanntschaften

schließen und besondere Momente erleben: Im August reiste eine Gruppe

von MALTESERN aus Wien mit sechs Betreuten nach Siebenbürgen.

Von Calin Piescu

Die Reise führte über Baia Mare (Frauenbach), Cluj (Klausenburg),

Sighişoara (Schäßburg) und Braşov (Kronstadt) in die Gegend um Prejmer

(Tartlau) bzw. Micfalău, wo der Malteser Hilfsdienst in Rumänien

(SAMR) ein Ferienlager betreibt. Danach ging es weiter zum Sankt-

Ana-See und nach Sibiu (Hermannstadt). Timişoara (Temeswar) war

die letzte Station auf der ausgedehnten Route. Von hier aus erfolgte die

Rückfahrt nach Wien.

Die Rundreise war so organisiert, dass auch die Anforderungen unserer

Betreuten gut unterstützt wurden. An fast allen Orten haben wir uns

mit lokalen Maltesern getroffen und uns ausgetauscht. Es ist wichtig,

das Bewusstsein dafür zu fördern, dass sich Menschen im Rollstuhl, mit

Down-Syndrom oder anderen Handicaps ebenso am Leben freuen können

wie andere auch.“

DIE MALTESER 3-4/2018 45


XXXXX

BURGENLAND

QUARTALSMESSE IM SCHLOSS ROHRAU

Unter freiem Himmel im schönen Schlosspark mit anschließender Führung durch die prächtige Harrach’sche Familiensammlung,

die zu den bedeutendsten – über 450 Jahre gewachsenen – Privatsammlungen Österreichs gehört.

STEIERMARK

PÜRGG

Die steirischen Malteser im Ennstal, in einem malerischen Bergdorf. In Pürgg gibt es eine Dorfkirche zu besichtigen, und

ein besonderer kunsthistorischer Schatz ist die Johanneskapelle, die ursprünglich Teil einer Burg im 12. Jahrhundert war.

STEIERMARK

DAVIS CUP

Von Elisabeth Eder

Auf Einladung des Veranstalters durften wir das Tennis-Doppel im Rahmen des Davis Cups gegen Australien direkt am

Center Court inmitten von Graz mitverfolgen – nach Besuchen am Fußballplatz, im Eishockeystadion und an der Skiflugschanze

am Kulm war der Ausflug zum Tennismatch für die meisten von uns eine Premiere. Und auch wenn die Partie verloren

ging, die Stimmung im Stadion, die vielen tausend Fans aus Österreich und Australien und die Nähe zu den Spielern

waren für uns alle ein voller Gewinn – herzlichen Dank an das gesamte Organisationsteam!

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DIE MALTESER 3-4/2018


WIEN

REISE NACH BUDAPEST

Fröhlich fahren aus dem West‘,

MALTESER Richtung Budapest.

Doch nanu Wer fehlt denn da?

Die Anna, die kocht Paprika!

Sie wartet mit dem guten Schmaus,

In Golgodyörk bei ihr zu Haus.

Sehr herzlich wurden wir empfangen,

So hat die Reise angefangen.

Oh Schreck, oh nein was ist denn das?

der Garten ist ja furchtbar nass!!

Doch Regen trübt die Stimmung nicht,

zu Mittag strahlen Sonn‘ und G‘sicht.

Mathias Kirche, Parlament

Schöne Aussicht ohne End‘

Donau, Burg und Fisch‘bastei

Zu sehen gibt‘s hier allerlei!

Das Highlight war das Sissi Schloß,

Besonders Petra es genoss‘.

Singen, grillen, Bratenduft,

Herrlich‘ Klänge in der Luft.

Relaxen im schönen Garten

Mit dabei die Uno Karten

Der Sprung ins Schwimmbad war

sehr krass,

Huch, das Wasser ist ja nass

Niemand hat dabei gezagt,

Alle haben es gewagt

Denn:

Der Swimmingpool

war ziemlich cool

Dieses Wochenende wird allen

lange in Erinnerung bleiben!

Von Camilla Walderdorff

SALZBURG

THEATERBESUCH

Zeit für ein bisschen Kultur! Die Komödie

„Frau Müller muss weg“ wurde fantastisch

rezensiert und so besorgten wir Karten

für die Aufführung. Am Ende des Stücks

schmerzten vielen Besuchern die Gesichtsmuskeln

vom vielen Lachen. Ein gelungener

Theaterbesuch!

DIE MALTESER 3-4/2018 47


XXXXX

SALZBURG / OBERÖSTERREICH

FAMILIENWALLFAHRT

47. Malteser Familienwallfahrt Altötting. Mehr als 1000 Pilger aus Österreich, Bayern, der Schweiz und aus Liechtenstein

nahmen daran teil.

TIROL

OSTERGRÄBER

Da es sich bei diesen Gräbern einerseits um eine wunderbare Darstellung der biblischen Geschehnisse, andererseits um

ein wertvolles Kulturgut handelt, gibt es die Tradition des „Ostergräber schaug’n“. Seit über zehn Jahren kommen die

Tiroler Malteser dieser Tradition fast jährlich nach.

TIROL

VOLKSKUNSTMUSEUM

Frage: „Kennst Du den Vogel ,Selbsterkenntnis‘?“ Dieser ist weitgehend unbekannt, wir haben ihn im Volkskunstmuseum

besucht und die mahmende Inschrift gelesen: „Zieeh sich ein yeyts selbst bey der Nasn, waß dich nit Prendt, thue

auch nit Plasn“: kümmere Dich nicht um Dinge, die dich nicht berühren.

48

DIE MALTESER 3-4/2018


XXXX

SALZBURG

SOMMERFEST

Sommerfest auf Schloss Arenberg – Gerhard Viehhauser zelebrierte, begleitet von Flöten-, Geigen- und Klaviermusik, die

Heilige Messe. Passend zur Jahreszeit wurde der Griller „eingeheizt“ und bei kühlen Getränken und köstlichen Süßspeisen

das vergangene Malteserjahr gebührend gefeiert.

WIEN

KULTURAUSFLUG

SALZBURG

DEUTSCHKURSE

In Salzburg wurde den ganzen Sommer hindurch gelernt,

die Deutschkurse fanden auch in den Ferienwochen

durchgehend statt.

Zunächst Besuch der Burg Clam, einer Festung aus dem

12. Jahrhundert, und anschließende Besichtigung von

Schloss Greinburg an der Donau.

BURGENLAND

KOBERSDORF

Quartalsmesse in Kobersdorf gemeinsam mit dem Malteser Alten- und Krankendienst im mittelburgenländischen Renaissanceschloss

Kobersdorf.

DIE MALTESER 3-4/2018 49


XXXXX

WIEN

AUSFLUG NACH VODICE

Das Städtchen Vodice hat alles zu bieten, was man sich für

einen Sommerurlaub nur wünschen kann – saubere Strände,

nette Lokale, herzliche Bewohner, schöne Promenaden.

Die Aufnahme in der katholischen Pfarre, die von Don

Franjo geleitet wird, war ebenfalls sehr herzlich und wir

fühlten uns bei den kroatischen Pfingstgottesdiensten wieder

einmal ein wenig mehr in der Weltkirche eingebettet.

WIEN

DAMPFLOKFAHREN

WIEN

BESUCH IM ZOO

SCHÖNBRUNN

Den Tiergarten Schönbrunn abends erleben. Eine Führung

nach der Schließung des Zoos, in der Abenddämmerung.

Unter wohlklingendem Paarungs-Gegrunze der Pinguine

wurde uns ein am Grunde des Beckens schlafender Kommandante

vorgeführt, welcher momentan für seine Weibchen

fastet. Ein spannender und interessanter Ausflug der

alle sehr fasziniert hat.

Wunderbares Sommerwetter läutete unseren gemeinsamen

Ausflug zur Steyrer „Schnackerlbahn“ ein. Mit der altmodischen

Dampfpfeife und dem großen Schornstein, der Ruß

und Dampf spuckt, welcher sich gerne an den Gesichtern

und Kleidungsstücken der neugierigen Zuschauern festsetzt,

ist die „Schnackerlbahn” ein echtes Erlebnis. Deshalb

kommen wir auch im Advent gleich wieder.

50

DIE MALTESER 3-4/2018


XXXX

WIEN

SEGELFLIEGEN AM CHIEMSEE

Ein unbeschreibliches Abenteuer und Erlebnis für unsere Betreuten aber auch für alle nicht so flugerfahrenen Malteser.

Aus ursprünglich 5 Flügen für unsere Betreuten wurden insgesamt 12 Flüge, denn wir alle durften den schönen Chiemsee

und die Landschaft von oben betrachten. Was für ein Erlebnis!

BURGENLAND

AUSFLUG ZUM NEUSIEDLERSEE

Ein Tag auf dem Lande – Ausflug der Gruppe 80 an den Neusiedlersee. Ein sommerlicher Maitag im Burgenland bei 28

Grad im Schatten. Eine große Freude war es, neben den Betreuten auch Freunde aus der syrischen Gemeinschaft, welche

regelmäßig den Malteser Deutschkurs besuchen, in der Runde zu begrüßen.

DIE MALTESER 3-4/2018 51


TIROL

SOMMERREISE 2018

Sommerreise 2018 gemeinsam mit MALTESERN aus Salzburg ins kaiserliche Bad Ischl, mit einem Abstecher nach

St. Wolfgang. Das Highlight unseres Aufenthaltes war eine Vorstellung des Lehár Festivals. Ein großer Dank an dieser Stelle

an die Veranstalter. Wir wurden exzellent betreut und konnten so die Operette „Das Land des Lächelns“ sehr genießen.

STEIERMARK

AUSFLUG AN

DEN ÖDENSEE

Einmal um den See, war das Mittagessen eine großartige Stärkung – noch dazu mit einem herrlichen Seeblick. Abends

gab es einen kulturellen Ausflug zu Paula Groggers „die Hochzeit“. Vor der Heimreise am nächsten Tag ging es noch zur

Ausstellung „Gott und die Welt“ im Schloss Trautenfels.

INNSBRUCK

RAD-WM 2018

Ob in der Standschützenkaserne Kranebitten oder im Rettungswagen im Innsbrucker Stadtgebiet – die UCI Road World

Championships 2018 stellte auch für die Malteser eine Herausforderung dar. Mit Unterstützung aus Wien und Salzburg

bestritten knapp 40 Sanitäter der Malteser mit Kollegen des Roten Kreuzes Tirol und der Johanniter-Unfall-Hilfe Tirol die

Katastrophenvorsorge für größere Schadensfälle sowie die Zusatzschichten im Regelrettungsdienst.

52

DIE MALTESER 3-4/2018


BURGENLAND

THEATERBESUCH

Besuch der Generalprobe von „Arsen und Spitzenhäubchen“, dem diesjährigen Stück der Schloss-Spiele Kobersdorf. Die

schwarze Komödie, in einer Inszenierung von Wolfgang Böck, begeisterte durch witzige Dialoge und einem großartigen

Bühnenbild.

STEIERMARK

SCHINKENMANUFAKTUR

Ausflug zur Vulcano Schinkenmanufaktur im steirischen Vulkanland. Besichtigung des Stalls, Führung durch

den Betrieb und Verkostung des Schinkens und anderer steirischer Schmankerl, wie beispielsweise Gewürze oder

Weine.

OBERÖSTERREICH

SOMMERLAGER

Sommerlager bei perfektem Sommerwetter auf Schloss Rosenhof im wunderschönen Mühlviertel. Schwimmen, Lagerfeuer

und 24-Stunden-Anbetung waren eine gute Erfrischung für Leib und Seele.

DIE MALTESER 3-4/2018 53


MEDIZINAKTUELL

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ FÜRS KNIE:

WIRD SCHON BALD DER COMPUTER

DIE DIAGNOSE STELLEN?

Die Kniearthrose ist die am häufigsten auftretende degenerative Gelenkserkrankung weltweit. Für

viele Erkrankte bedeutet sie Schmerzen bei jedem Schritt. Wird sie allerdings rechtzeitig und richtig

– etwa mit Hilfe von künstlicher Intelligenz – diagnostiziert, könnte die Zahl der Betroffenen

deutlich verringert werden.

Von Richard Ljuhar

Was ist bei der Diagnose von Arthrose so schwierig?,

möchte man fragen. Der Patient hat Schmerzen, seine Bewegungsfreiheit

ist eingeschränkt und das Röntgenbild ist

eindeutig. Oder etwa doch nicht? Eine der grundlegenden

Herausforderungen bei der Diagnose von Arthrose (med.

„Gonarthrose“) ist tatsächlich das Problem, das Stadium

der Krankheit bzw. deren Progression systematisch zu diagnostizieren.

Derzeit sichern Ärzte ihre Diagnose bei Arthrose durch

Röntgenbilder ab, die sie in der Regel manuell interpretieren.

Diese Befundung ist besonders bei unklaren Progressionen

bzw. Verlaufskontrollen zeitaufwendig. Oftmals

wird eine zusätzliche Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie

(MRT) angeordnet. Die Qualität der Befundung

wird dabei von der anfallenden Quantität an Fallzahlen

beeinflusst. Das heißt: Je mehr Bilder durch einen

Radiologen befundet werden, desto eher steigt die Fehlerrate

in der Klassifizierung der unterschiedlichen Stadien.

Mit dem erstellten radiologischen Befund geht der Patient

dann zum Orthopäden, der auf Basis dieses – möglicherweise

nicht korrekten – Befundes einen entsprechenden

Therapieplan erstellt.

Ungenauigkeiten bei der Diagnose

Zur Bewertung der Kniearthrose mittels bildgebender

Verfahren gilt der standardisierte „Score nach Kellgren

und Lawrence“. Dabei werden der Gelenkspalt, die Bildung

von zusätzlichem Knochengewebe, die Ausbildung einer

Sklerose, deren Deformation und Degeneration gemessen

und die Ergebnisse anhand einer Skala beurteilt. Dieser

Score ist beispielsweise Voraussetzung

für die Operations-Freigabe

zur Knieendoprothese – also zum

Dr. Richard Ljuhar CEO,

Co-Founder Image-

Biopsy

Ersatz durch ein künstliches Kniegelenk – in Deutschland

und bei Arthrose-bedingten Operationen in den USA. Allerdings

zeigten Studien, dass drei Ärzte nur in 13 bis 15

Prozent der Fälle bei der Beurteilung der Parameter zu einem

identischen Ergebnis gekommen sind.

Neuronale Netzwerke zur Befundung

Die Chance zur Lösung dieses Problems der Abweichung

bzw. Ungenauigkeit liegt nach Meinung des Wiener Medizintechnik-Unternehmens

ImageBiopsy Lab im Einsatz

von Künstlicher Intelligenz (KI). Sie kann Mediziner in der

Befundung sinnvoll unterstützen. Das Grundgerüst bietet

eine spezielle KI-Software, welche anhand von Tausenden

Befunden antrainiert wurde, Knieröntgen aller unterschiedlichen

Stadien einer Gelenksarthrose standardisiert

(vor-) zu befunden. Zu diesem Zweck werden sogenannte

neuronale Netzwerke (Convolutional Neural Networks –

CNNs) eingesetzt. Diese finden die entscheidenden Punkte

für die Analyse der relevanten Bereiche auf dem Röntgenbild

und können dadurch flexibel auf unterschiedliche

anatomische Eigenschaften reagieren.

Bessere Entscheidungsgrundlage

ImageBiopsy Lab arbeitet mittlerweile mit medizinischen

Anwendern im In- und Ausland zusammen. Ebenso wurden

die ersten Schritte für eine US-Zulassung der vollautomatischen

Befundungssoftware umgesetzt. Die Offenheit

für eine KI-basierte unterstützende Software ist vor allem

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DIE MALTESER 3-4/2018


MEDIZINAKTUELL

IBLab Dr. Riedl

in den USA groß, da dort Ärzte durch eine verbesserte Behandlungsqualität

einen Wettbewerbsvorteil sehen und

auch solche Technologien aktiv von Versicherungen unterstützt

werden.

In Österreich arbeitet das Start-up derzeit daran, die beim

TÜV Süd zugelassene Software in die Arbeitsabläufe und

Systeme der radiologischen Praxen zu integrieren. Zielsetzung

ist es, einerseits manuelle Abläufe ohne zusätzliche

Aufwände für den Radiologen zu automatisieren, andererseits

dem Orthopäden eine Möglichkeit zu bieten, dem

Patienten die Therapieentscheidung anhand eines nachvollziehbaren

Reports verständlich zu machen.

imagebiopsylab.com

HOHE FALLZAHLEN

Weltweit sind rund 1,3 Milliarden Menschen von Muskel-Skelett-Erkrankungen

(MSK) betroffen. Unter den

MSK-Erkrankungen betrifft die Gelenksarthrose weltweit

237 Millionen Menschen. In den vergangenen zehn

Jahren haben die Fallzahlen um 33 Prozent zugenommen.

Allein in Europa und in den USA sind mehr als 70

Millionen Menschen von unterschiedlichen Arten der

Gelenksarthrose beeinträchtigt, 60 Prozent davon betreffen

das Knie, bis 2040 sollen es mehr als 120 Millionen

Menschen sein.

Laut Österreichischem Gesundheitsbericht

2016 leiden in Österreich rund 100.000

Männer und 180.000 Frauen unter 60

Jahren und 300.000 Männer und 420.000

Frauen über 60 Jahren an Arthrose. In 30

Prozent der Fälle sind die Knie, in 25 Prozent

die Schultern, in 21 Prozent die Hände

und Finger, in 19 Prozent die Hüften sowie

in 9-15 Prozent der Fälle Fuß-, Sprunggelenke

und Ellenbogen betroffen.

Helfen konservative Behandlungsmethoden

nicht, wird eine Operation erforderlich

– bis hin zum Ersatz des Gelenks. Derartige

Behandlungen und Eingriffe verursachen

wachsende volkswirtschaftliche Kosten,

auch weil Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung

und Invalidität die Folge der Erkrankung

sein können.

DIE MALTESER 3-4/2018 55


MEDIZINAKTUELL

GESUND ARBEITEN

Auf Dauer arbeitsfähig zu bleiben oder nach längerer Krankheit wieder

arbeitsfähig zu werden, ist keine Selbstverständlichkeit und manchmal eine

echte Herausforderung. Qualifizierte Hilfe bietet die Initiative fit2work.

Von Katharina Stögner

Karin war eine lebenslustige, tatkräftige Frau – bis sie an

Krebs erkrankte. Die Chemotherapie und die anschließende

Operation überstand sie gut. Allerdings fiel ihr der

Wiedereinstieg in die Arbeit nach ihrem langen Krankenstand

sehr schwer. Sie war körperlich zwar wieder halbwegs

fit, doch seelisch hatte die Krankheit Spuren hinterlassen.

Es schien ihr einfach unmöglich, in ihren alten

40-Stunden-Job zurückzukehren. Eine Freundin empfahl

Karin, sich an fit2work zu wenden.

Karin ist kein Einzelfall. Seit im Jahr 2013 fit2work, eine

Initiative der österreichischen Bundesregierung und

rechtlich im Arbeit-und-Gesundheit-Gesetz (AGG) verankert,

gegründet wurde, haben bereits mehr als 95.000

Arbeitnehmer und rund 1.600 Betriebe deren Services in

Anspruch genommen. fit2work bietet Erwerbstätigen,

Arbeitssuchenden, Arbeitslosen, insbesondere Personen

mit häufigem Krankenstand oder Wiedereinsteigern

nach längeren Krankenstandstagen, sowie Betrieben Information,

Beratung und Unterstützung bei Fragen zur

seelischen und körperlichen Gesundheit am Arbeitsplatz.

Kostenlos, freiwillig, vertraulich

Durch ein niederschwelliges Informations- und Beratungsangebot

soll ein frühzeitiges krankheitsbedingtes

Ausscheiden von Menschen aus dem Erwerbsleben vermieden

bzw. nach langen Krankenständen rechtzeitig für

geeignete Wiedereingliederungsmöglichkeiten gesorgt

werden. Dabei nutzt fit2work als Anlaufstelle die bestehenden

Angebote verschiedener Einrichtungen und bietet

Orientierung, Beratung und Unterstützung aus einer

Hand. Menschen und Betriebe profitieren von der verbesserten

Vernetzung der Angebote und einem einfachen

Zugang dazu. Das Angebot von fit2work ist kostenlos,

freiwillig und vertraulich. Nähere Infos und Kontakt zu

den regionalen Beratungsstellen: www.fit2work.at

Das Angebot von fit2work im Überblick

fit2work betreut sowohl Arbeitnehmer als auch Betriebe:

Beim Case Management für Arbeitnehmer bietet

fit2work freiwillige, kostenfreie und vertrauliche Beratungen

für Personen an, auf die folgendes zutrifft:

• Sie haben Probleme im Job aufgrund eines längeren

Krankenstandes?

• Sie leben mit einer körperlichen oder psychischen

Beeinträchtigung?

• Sie befürchten, aus gesundheitlichen Gründen Ihren

Arbeitsplatz zu verlieren?

• Sie sind seit kurzem aus gesundheitlichen Gründen

arbeitslos?

Mit seinem Service für Betriebe steht fit2work in

folgenden Fällen zur Verfügung:

• Sie möchten eine nachhaltige Verbesserung der

Arbeitsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter?

• Sie möchten erhöhte Produktivität und Effizienz durch

weniger Krankenstände bzw. Fehlzeiten?

• Sie möchten ein frühzeitiges Ausscheiden Ihrer Mitarbeiter

aus dem Erwerbsleben verhindern?

• Sie möchten Ihre Arbeitnehmer mit gesundheitlichen

Problemen oder einer Behinderung dauerhaft in den

Betrieb integrieren?

• Information und Bewusstseinsbildung zur Prävention

von Krankheit und zur Förderung von Gesundheit am

Arbeitsplatz sind Ihnen ein Anliegen?

56

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERWELTWEIT

MALTESER IN ALLER WELT

Mit dem internationalen humanitären Hilfswerk „Malteser International“ setzen sich die MALTESER auch weltweit für

Menschen in Not ein. Aktuell betreut Malteser International Hilfsprojekte in 29 krisengebeutelten Ländern in Afrika,

Asien, Latein- und Südamerika sowie Europa.

Von Susanna Cho

Mehr als 900 internationale Experten sorgen in den verschiedenen

Programmen weltweit für eine verbesserte

Grundversorgung der Menschen in den Bereichen Medizin

und Gesundheit, Ernährung sowie Wasser und Hygiene.

In vielen Ländern arbeitet Malteser International

eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um

von ihren Kenntnissen der örtlichen Besonderheiten zu

profitieren und um die Hilfe auch langfristig vor Ort zu

verankern.

Bei akuten Naturkatastrophen und gewaltsamen Konflikten

kann Malteser International schnell und effektiv

Hilfe zu den Menschen bringen. Die meisten der über 100

Projekte weltweit sind jedoch langfristig angelegt und

zielen darauf ab, die Kapazitäten der lokalen Gemeinden

nachhaltig zu stärken.

INDONESIEN

Nothilfe für Tsunami-Überlebende

Das schwere Erdbeben und der Tsunami am 28. September

2018 haben auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr

als 2.000 Todesopfer gefordert und heftige Zerstörungen

verursacht. Noch immer gelten rund 600 Menschen als

vermisst, mehr als 80.000 Menschen haben ihre zerstörten

Häuser verlassen. Malteser International unterstützt

die indonesische Partnerorganisation YAKKUM dabei,

beschädigte Gesundheitszentren wieder einsatzbereit zu

machen, und stellt Sofortmittel bereit, um die umliegenden

Gemeinden mit wichtigen Hilfsgütern zu versorgen.

Nachdem die indonesische Regierung um internationale

Hilfe gebeten hatte, war ein Nothilfeteam nach Indonesien

gereist, um die Hilfe mit der Partnerorganisation und

den zuständigen Behörden zu koordinieren.

PHILIPPINEN

Nach dem Taifun

Mit „Mangkhut“ ist am 25. September der in diesem

Jahr stärkste Taifun über die nördlichen Landesteile der

Philippinen gefegt. Tausende Häuser wurden zerstört,

Menschen wurden obdachlos. Das Malteser International-Team

aus Manila konnte nach dem Taifun sofort zur

Stelle sein und helfen. Das Team verteilte in vier betroffenen

Dörfern wichtige Nahrungs- und Hilfslieferungen

und versorgte mehr als 1.200 Haushalte. Bei vielen der

über 6.000 Menschen handelt es sich um Kinder, Ältere

und Angehörige ethnischer Minderheiten. Die Hilfsaktion

war auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit

dem philippinischen Malteserorden, den lokalen Behörden

und der Diözese ein voller Erfolg.

DIE MALTESER 3-4/2018 57


MALTESERWELTWEIT

KOLUMBIEN

Hilfe für Flüchtlinge aus Venezuela

IRAK

Wiederaufbau einer Gesundheitsstation

Der Islamische Staat im Irak ist besiegt, doch seine Spuren

der Verwüstung sind noch überall im Land sichtbar.

Qaza Fakhra, eine Gemeinde in der Nähe von Mossul, ist

Der Norden Kolumbiens ist besonders stark von der

Migrations- und Flüchtlingsbewegung aus Venezuela

betroffen. Hier gibt es kaum staatliche Strukturen, um

den Menschen zu helfen. Malteser International sorgt im

Department La Guajira für bessere Lebensbedingungen

für die Geflohenen. Da viele der Geflohenen unterernährt

sind, liegt ein besonderer Fokus des Nothilfeprojekts auf

medizinischen Check-ups und der Vergabe von Medikamenten

sowie therapeutischer Zusatznahrung für Kinder.

NIGERIA

Cholera-Ausbruch

bei Kämpfen im Jahr 2017 großflächig zerstört worden.

Hier unterstützt Malteser International den lokalen Partner

DAMA (Doctors Aid Medical Acitvities) dabei, eine

weitestgehend zerstörte Basisgesundheitsstation wiederaufzubauen.

Denn erst der Wiederaufbau lokaler Strukturen

ermöglicht vertriebenen Menschen eine Rückkehr

in ihre Heimat. Die Menschen werden einen kostenfreien

Zugang zu medizinischen Diensten erhalten. Mit Abschluss

des Projektes soll die Gesundheitsstation wieder

vollständig in die Verantwortung der lokalen Gesundheitsbehörde

übergeben werden.

Beim jüngsten Cholera-Ausbruch im Nordosten Nigerias

Ende September infizierten sich fast 3.000 Menschen.

Rund 100 Menschen starben an den Folgen. Im Bundesstaat

Borno konnte das Team von Malteser International

Nigeria schnell reagieren und knapp 30.000 Menschen

mit wichtigen Hygieneartikeln versorgen. In Trainings

klärten die Mitarbeiter die Menschen über das Händewaschen

mit Seife als wichtige und effektive Schutzmaßnahme

gegen Cholera auf. Örtliche Hilfskräfte lernten

zudem, spezielle Elektrolytlösungen herzustellen, damit

Erkrankte den Wasserverlust ausgleichen können.

UGANDA

Jobs durch CO 2 -neutrales Bauen

Malteser International hat ein neues High School-Gebäude

in der Flüchtlingssiedlung Rhino Camp im Norden

Ugandas eröffnet. Das Gebäude mit drei Klassenzimmern

wurde in enger Zusammenarbeit mit der Impact Building

Solutions Foundation (IBSF) gebaut. IBSF stellt Baupaneele

aus gepresstem Reisstroh her. „Das innovative

und CO 2 -neutrale Herstellungsverfahren schont die Umwelt,

lässt Reisbauern in der Umgebung an einer zusätzlichen

Wertschöpfungskette teilhaben und schafft Jobs

im Baugewerbe, vor allem für die Geflüchteten aus dem

Südsudan“, sagt Roland Hansen, Leiter der Afrika-Abteilung

von Malteser International. Der Großhospitalier des

Malteserordens nahm an der feierlichen Eröffnung teil.

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DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERWELTWEIT

Rehema Isack strahlt vor Freude

über die erhaltene Nothilfe: „Dank

Euch sind wir zurück im Leben“

DANK EUCH

SIND WIR

ZURÜCK IM LEBEN

Mittagessen für die

Kinder: Endlich muss

niemand mehr

hungern.

Von Keziah Adhiambo

„Wenn Ihr nicht kommt, um meiner Familie Lebensmittelhilfe

zu geben, dann stellt mir bitte keine weiteren Fragen. Ich habe keine

Kraft mehr zum Reden. Meine sämtlichen Tiere sind verendet, meine

Kinder hocken zu Hause, da wir das Schulgeld nicht mehr bezahlen

können. Wenn Ihr uns nicht unterstützt, lasst uns bitte in Ruhe.“

Mit diesen Worten wurde ich vergangenes Jahr in Rehema

Isacks Haus in Log Logo empfangen. Die kurzen,

unergiebigen Regenfälle 2016 hatten zu einer außerordentlichen

Dürre in den trockenen Gebieten Kenias

geführt. In der Folge stieg die Zahl der Haushalte ohne

gesicherte Grundnahrung drastisch. Im Februar 2017

erklärte die kenianische Regierung den Notstand. 2,7

Millionen Menschen waren laut UNOCHA, dem Amt

für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten,

auf Nothilfe angewiesen. 180.000 Menschen im Landkreis

Marsabit brauchten dringend humanitäre Hilfe.

Wenn Hilfe Not wendet

An einem drückenden Nachmittag saß Rehema Isack mit

vier ihrer Kinder vor ihrer Hütte und wünschte sich inständig,

dass der Nachmittag bereits vorüber wäre. Zwei

Frauen kamen auf sie zu, um sie über ihre Versorgung

während der Dürre zu befragen. Zunächst zögerte sie,

über ihren Lebensunterhalt zu sprechen, denn bislang

hatte dies nie zu konkreter Hilfe geführt.

Diesmal sollte es jedoch anders kommen: Um die Not

in den dürregeplagten Dörfern zu lindern, organisierte

Malteser International mit der lokalen Partnerorganisation

PACIDA und der finanziellen Unterstützung von

Nachbar in Not vier Monate lang Bargeldüberweisungen

an betroffene Familien in den Verwaltungsbezirken

North Horr und Laisamis.

Das Gefühl zu versagen

Rehema Isack ist 56 Jahre alt und Mutter von sechs Kindern.

Sie lebt in Log Logo, einer Gemeinde des Rendille-

Stammes, rund 50 km südlich von Marsabit Stadt. Sie

gehört zu den 350 Familien, welche den Gegenwert von

3.000 Kenianischen Schilling (KES, ca. 25 Euro) in Form

von elektronischen Voucherkarten für Lebensmittel und

Hygieneartikel erhielten. „Wie oft sind meine Kinder mit

hungrigen Mägen von der Schule gekommen und hofften

auf Essen, nur um leere Kochtöpfe vorzufinden? Wie oft

hatte ich das Gefühl, zu versagen? Ich tat mein Bestes, um

sie zu versorgen, aber wenn es nichts gibt, dann gibt es einfach

nichts“, sagt Rehema Isack mit Tränen in den Augen.

DIE MALTESER 3-4/2018 59


MALTESERWELTWEIT

MALTESER

Friedhofsbegleitdienst

Die ehrenamtliche Friedhofsbegleitung

richtet sich (zunächst in Wien) an ältere

Menschen, die sich auf dem Weg zum

Friedhof unsicher fühlen und niemanden

haben, der sie begleitet.

Die MALTESER begleiten Sie ehrenamtlich

und kostenlos auf den Friedhof.

Wir holen Sie von zu Hause ab, begleiten Sie

auf den Friedhof, verweilen mit Ihnen am

Grab, sind beim Blumentausch und beim Kerzenanzünden

behilflich. Danach bringen wir

Sie wieder zurück nach Hause.

Tel. +43 664 11 88 180

info@friedhofsbegleitdienst.at

Weitere Informationen:

www.friedhofsbegleitdienst.at

Unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich

und spenden ihre Zeit, um anderen Menschen

ein Stück Lebensalltag zu schenken. Mit

Ihrer Spende unterstützen Sie die ehrenamtlichen

Hilfsprojekte der MALTESER in Österreich.

MALTESER Hospitaldienst Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWWXXX

Mit leiser Stimme erzählt sie: „Die Hilfe war für meine Familie

großartig. Für jemanden, der sechs Monate um Essen betteln

musste, ist ein Monatsbudget von 3.000 KES über einen

Zeitraum von vier Monaten ein Segen. Wir mussten nicht mehr

mit leeren Mägen schlafen gehen. Mit der elektronischen Voucherkarte

kaufte ich Lebensmittel und Hygieneartikel im Gegenwert

des übertragenen Guthabens“, berichtet sie. „Meine

Kinder sind nun sauber und ohne Hunger zur Schule gegangen.

Zu dieser Zeit habe ich eine enorme Verbesserung ihrer schulischen

Leistungen feststellen können. Sie waren einfach viel

motivierter, glücklicher und zufriedener. Sie haben wieder mit

anderen Kindern gespielt. Es war nicht zu glauben, dass dies

dieselben Kinder waren, die ein paar Wochen vorher um Lebensmittel

gebettelt haben.“

Neue Hoffnung

Debeliso, eines der schulpflichtigen Kinder von Rehema Isack,

sagt: „Seit unsere Familien die Unterstützung bekommen haben,

bin ich viel aktiver. Ich kann mich im Unterricht besser

konzentrieren, nicht wie letzten Monat, als ich einen Großteil

der Schulstunden verschlafen habe. Bei den anderen Schülern

war es nicht anders. Ich bin sicher, dass meine Klassenkameraden

und ich in diesem Schuljahr dreimal so gute Leistungen

bringen werden, wie im letzten.“

Der Dorfvorsteher von Log Logo, Henry Korole, zeigt sich zutiefst

dankbar. „Das Projekt erreichte uns in der größten Not,

als wir schon alle Hoffnung aufgegeben hatten. Dass Ihr uns

unterstützt, bis die Dürre überstanden ist, darum bete ich.“

Als ich bereits im Aufbruch bin, beeilt sich Rehema Isack, zu

erwähnen, dass der einzige Nachteil des Projekts ist, dass es so

schnell zu Ende ist. Sie würde sich weitere vier Monate Unterstützung

wünschen, um ihre Familie bis zur nächsten Regenzeit

versorgen zu können. „Jedenfalls bin ich Euch auf immer

dankbar. Dank Euch sind wir zurück im Leben“, sagt sie mit einem

strahlenden Lächeln im Gesicht.

Keziah Adhiambo ist Kommunikationsbeauftragte des kenianischen

Malteserpartners PACIDA und hat das von Nachbar in Not finanzierte Cash-

Überweisungsprojekt zur Unterstützung der Ernährungssicherung der von Dürre

betroffenen Viehnomaden im Landkreis Marsabit im Jahr 2017 begleitet.

Informationen über die MALTESER unter

www.malteser.at • www.malteserorden.at

60

DIE MALTESER 3-4/2018


GELESENEMPFOHLEN

PONTIFEX

„DER RUF NACH REFORMEN IST SO ALT WIE DAS

PAPSTTUM SELBST“

Auf fast 1000 Seiten erzählt der Autor dieses (ge)wichtigen Buches höchst spannend, wie

sich das Papsttum im Laufe seiner Geschichte immer wieder neu erfunden hat, und wird dabei den theologischen,

politischen und kulturellen Besonderheiten jedes Pontifikats durchaus gerecht.

Von Richard Mischak

Im Gegensatz zu manch anderem Buch empfehle ich, sich

Zeit für eine besonders aufmerksame Lektüre der ersten

40 Seiten zu nehmen. Nur wer die Anfänge des Papsttums

einigermaßen versteht, kann den Irrungen und

Wirrungen in den Jahrhunderten seines Bestehens folgen.

Diese Papstgeschichte im Gesamten ist interessanterweise

nicht primär chronologisch, sondern thematisch

durchdacht geordnet. Das Buch zeigt auf, wie die Bischöfe

von Rom in der Antike den Primat über alle anderen Bischöfe

durchsetzten, im Mittelalter die Hoheit über Könige

und Kaiser gewannen, als weltliche Herrscher den Kirchenstaat

vergrößerten und dabei jahrhundertelang die

Erhöhung der eigenen Familie im Blick hatten. Unzählige

Kunstwerke zeugen bis heute von diesem vielfältigen

Machtanspruch, und die meisten entstanden in Renaissance

und Barock, als die Machtfülle schon bröckelte.

Schlachten, Kriege und Intrigen

Auch in den Zeiten „am langen Arm von Byzanz“, im

Niedergang des Weströmischen Reiches, der Expansion

nach Westen, nach „Europa“ hinein: Es sind Schlachten,

Kriege, Intrigen und Machtansprüche, die den Weg der

Päpste pflastern. Bis weit ins 20. Jahrhundert stemmten

sich die Päpste gegen die Moderne, doch der Ruf nach Reformern

ist, wie die fulminante Darstellung zeigt, so alt

wie das Papsttum selbst. Das Buch ist ein Werk, das in der

Zusammenschau erst vor Augen führt, wie eng „Welt und

Kirche“, zumindest in Form der Päpste, immer verknüpft

waren. Da sind es fast Nebensächlichkeiten, dass im Lauf

der Geschichte nicht selten das „theologisch Undenkbare“

durchaus geschehen ist: Päpste wurden mehrfach gegen

ihren Willen abgesetzt und zur Seite geschoben.

INDIVIDUELLE PFLEGE

UND BETREUUNG

IM EIGENEN ZU HAUSE

MALTESER Care ist seit vielen Jahren als kompetenter

Partner für Familien in ganz Österreich, tätig. Wir

bieten bestmögliche Pflege- und Betreuungsleistungen

zu Hause an. Unsere diplomierten Gesundheits- und

Krankenpflegepersonen beraten Sie gerne.

Details zu unseren Leistungen unter

+43 1 361 97 88 • office@malteser.care

www.malteser.care

Machtvoll bis heute

„Pontifex – Die Geschichte der Päpste“ ist eine hervorragende

Lektüre. Ein ganzheitliches Profil der Päpste und ihrer

Pontifikate wird geschildert. Nicht im kleinsten Detail, aber

in den wichtigen großen Linien ist dies gelungen. Es wird

sehr gut klargestellt, dass ein Papst selbst heute noch über

viel Macht verfügt – und sei es auch „nur“ Deutungsmacht.

Volker Reinhardt, Pontifex – Die Geschichte der Päpste: Von

Petrus bis Franziskus, C. H. Beck Verlag, München 2017, 928

Seiten, ISBN: 978 3 406 70381 2, 38 Euro

DIE MALTESER 3-4/2018 61


GELESENEMPFOHLEN

EINE FRAGE VON

LEBEN UND TOD

Der Schriftsteller und Liturgiekenner Martin Mosebach zeichnet in „Die 21 – Eine Reise

ins Land der koptischen Märtyrer“ ein Porträt jener christlichen Wanderarbeiter, die 2015

von IS-Kämpfern ermordet wurden. Ein Buch, das viel erklärt, berührt und Mut macht.

Von Richard Mischak

Im Frühjahr 2017 reiste Martin Mosebach nach Ägypten.

Er besuchte im Dorf El-Or die Familien der 21 koptischen

Männer, die zwei Jahre zuvor von IS-Terroristen

an einem Strand in Libyen ermordet worden waren. „Er

saß in Empfangszimmern, durch die die Schwalben flogen,

und machte sich ein Bild – von den Madonnen-Bildern

und Jesus-Porträts an den Wänden, den grob geschreinerten

Reliquienschränken, von einer Lebenswelt,

in der alles die Spiegelung oder Erfüllung biblischer Vorgänge

ist“, heißt es in der kraftvollen Buchbeschreibung

des Verlages.

Immer wieder wurde Mosebach, umgeben von Kindern,

Ziegen, Kälbern, auf einem iPad das grausame Propaganda-Video

des IS vorgeführt. Er staunte, wie er mehrfach

sagte, über den unbefangenen Umgang damit. Von

Rache war nie die Rede, sondern vom Stolz, einen Martyrer

in der Familie zu haben, einen Heiligen, der im

Himmel ist. So erscheinen die 21 auf den neuen Ikonen

gekrönt wie Könige.

Kampf der Kulturen

Martin Mosebach hat ein Reisebuch geschrieben, über seine

Begegnung mit einer fremden Gesellschaft und einer

Kirche, die den Glauben und die Liturgie der frühen Christenheit

bewahrt hat – der „Kirche der Martyrer“, in der

„das irdische Leben von der himmlischen Sphäre nur wie

durch ein Eihäutchen geschieden ist“. Er traf den Bischof

und die koptischen Geistlichen der 21 Wanderarbeiter, besuchte

ihre Kirchen und Klöster.

In den Zeiten des Kampfes der Kulturen sind die Kopten

als Minderheit im muslimischen Ägypten zu einem politischen

Faktor geworden und zu einer Art religiösen Gegengesellschaft.

Damit ist dieses Buch auch ein Bericht aus

dem Innenleben eines arabischen Landes zwischen biblischer

Vergangenheit und den Einkaufszentren von Neu-

Kairo. Prädikat: äußerst lesenswert!

Martin Mosebach, Die 21 – Eine Reise ins Land der koptischen

Märtyrer, Rowohlt Buchverlag 2018, 272 Seiten, ISBN: 978 349

804 540 1, 20,60 Eur

Stefan-Fadinger-Straße 34, 3300 Amstetten

62

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MALTESERAKTUELL

100 JAHRE REPUBLIK:

ÖSTERREICH SAGT

DANKE!

Von Richard Wittek-Saltzberg

Am 12. November 2018 jährte sich die Ausrufung der Republik

Österreich zum 100. Mal. Aus diesem Anlass lud

Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen ehrenamtliche

Hilfs- und Rettungsorganisationen am 26. Oktober,

dem Nationalfeiertag, in die Amtsräume der Präsidentschaftskanzlei

in der Wiener Hofburg ein. Dieser besondere

Abend war ausschließlich den in Österreich ehrenamtlich

tätigen Helfern gewidmet, auch 20 Malteser waren

unter den geladenen Gästen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen dankte in seiner

Rede allen ehrenamtlich Tätigen persönlich für die verdienstvolle

Arbeit, die oft hinter den Kulissen stattfindet.

Das Fest am Abend des Nationalfeiertags in der Wiener

Hofburg war allen „Heldinnen und Helden des Alltags“ gewidmet,

die das Rückgrat unserer Zivilgesellschaft bilden.

PROFESSOR

ANTON F. GATNAR

Von Richard Steeb

„Es geschieht Dir recht! Weil es recht ist, wenn jemand wie

Du für seine hervorragenden Leistungen für den Aufbau

von Radio Stephansdom – nun „radio klassik Stephansdom“,

dem katholischen Radio in Österreich – vom Herrn

Bundespräsidenten mit dem Professorentitel geehrt wird.“

Mit diesen heiteren, aber auch zutreffenden Worten leitete

Dr. Erich Ehn seine Laudatio für Toni Gatnar ein.

Er sei während seiner gesamten beruflichen Laufbahn

auch ein „Brückenbauer zwischen Print und elektronischen

Medien“ gewesen und habe immer den richtigen

Instinkt eines guten Journalisten bewiesen.

Sektionschef Jürgen Meindl (r.) überreicht die Urkunde

für den Berufstitel Professor an Anton F. Gatnar (l.)

Auch wir gratulieren unserem unermüdlichen ehrenamtlichen

Helfer und langjährigen 1. Vizekommandanten des

MHDA sowie nunmehrigen Gesandten und bevollmächtigten

Minister an der Botschaft des Ordens in der Slowakei,

Toni Gatnar, von ganzem Herzen zu dieser hohen und

verdienten Auszeichnung.

DIE MALTESER 3-4/2018 63


XXXXX MALTESER AKTUELL

VERSTÄRKUNG

FÜR DEN WESTEN ÖSTERREICHS

Zu Mariä Geburt hieß die Delegation Tirol und Vorarlberg in der Innsbrucker Jesuitenkirche vier neue Ordensmitglieder

willkommen.

Von Michael E. Sallinger

Es war ein ganz besonderes Fest, bei dem Prokurator

Norbert Salburg-Falkenstein im Rahmen einer feierlichen

Heiligen Messe vier neue Mitglieder in den Orden

aufgenommen hat. Dr. Theresia Anwander und Mag.

Bernhard Anwander werden den Orden künftig in

Vorarlberg verstärken. Sie kommen – wie auch ihre

beiden Söhne – vom Malteser Hospitaldienst. Dr. Eva

Holfeld und Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld sind über

die Johannesgemeinschaft zum Souveränen Malteser-

Ritter-Orden gelangt, bei dem sie sich seit ihrer Übersiedlung

nach Innsbruck besonders engagieren.

Wir freuen uns über die Neuzugänge und

wünschen alles Gute!

64

DIE MALTESER 3-4/2018


MALTESERAKTUELL

FÜRSTENFELD

FEIERLICHE WEIHE DER

NEUEN GLOCKEN

In einem Festzug wurden die fünf neuen Glocken durch das Stadtzentrum zur Stadtpfarrkirche Fürstenfeld gebracht.

Von Josef Rauscher und Christian Thomaser

Die Präsentation und Weihe der neuen Glocken war ein

großer Tag für die Fürstenfelder Stadtpfarrkirche, wie

man an der großen Begeisterung und Beteiligung seitens

der Bevölkerung sehen konnte. Im Rahmen des 32. Pfarrfestes

am 1. Juli 2018 wurden bereits vier der fünf neuen

Kirchenglocken für die Fürstenfelder Stadtpfarrkirche

geweiht. Die fünfte Glocke folgte wenige Wochen später,

da bei „Johannes“ leider der Guss missglückte. Das war

übrigens auch bei der Pummerin im Wiener Stephansdom

der Fall. Der Festzug, angeführt von den Glocken

und den Paten, wurde von den Klängen der Stadtkapelle

Fürstenfeld begleitet. Nach einer stimmungsvollen Festmesse

im Beisein zahlreicher Ehrengäste, wie Bezirkshauptmann

Max Wiesenhofer, ehemalige Bürgermeister

Werner Gutzwar, Delegat Martin Auer und Regierungsratsmitglied

Franz Harnoncourt-Unverzagt vom Souveränen

Malteser-Ritter-Orden, wurde beim anschließenden

Pfarrfest auf die neuen Glocken der Stadtpfarrkirche

angestoßen.

Die 134-tägige glockenlose Zeit in Fürstenfeld

gehört der Vergangenheit an

Am 29. September 2018 sind die fünf neuen Glocken

Johannes, Augustinus, Maria, Franziskus und Josef

das erste Mal im Rahmen eines Festgottesdienstes erklungen.

Alle konnten jede Glocke einzeln hören, auch

ertönten verschiedene Glockenspiele wie z.B. jenes, das

bei Taufen erklingen wird. Zum ganz besonderen Ohrenschmaus

machte dieses 1. Geläut Organist Peter Joachim

Heinrich aus Großwilfersdorf – er hat extra für diesen

besonderen Tag sensationelle Orgelstücke komponiert.

Nicht nur musikalisch war dieser Gottesdienst für die

Kirchenbesucher ein besonderes Erlebnis – die ersten

Glockenschläge waren sogar live auf einer Leinwand in

der Stadtpfarrkirche zu sehen. Per Online-Livestream

konnte man sogar weltweit beim 1. Geläut der neuen

Glocken dabei sein.

Die Kommende und Pfarrkirche Fürstenfeld

In der Steiermark lagen die Niederlassungen der Johanniter/Malteser

an dem Hauptverkehrsweg zwischen

Wien, Marburg, Cilli, Laibach und Triest. Die älteste

steirische Gründung ist wahrscheinlich Spital am Hartberg

(vor 1160). Die Kirche von Fürstenfeld wurde vom

Orden zwischen 1200 und 1220 als „Hl. Johannes der

Täufer Kirche“ errichtet.

DIE MALTESER 3-4/2018 65


TAGEBUCH

EHRUNG UND AUSZEICHNUNG FÜR BESONDERE

WIR TRAUERN UM

=

+ 04.09.2018

Dr. Istvan Graf Bethlen

Langjähriges Mitglied

des MHDA und Gründungsmitglied

des Bereiches Tirol

+14.08.2018

Mag. Marianus Mautner

Langjähriges Mitglied

des MHDA

+ 14.10.2018

Wolfgang Hertl

Langjähriger Betreuter des MHDA

+ 19.10.2018

Franz Xaver Freiherr

von Rechbach auf Mederndorf

Ehren- und Devotionsritter des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

+ 19.10.2018

Dr. Fridolin Koch

Langjähriger Betreuter

des MHDA

+ 14.10.2018

Dr. Mag.

Clara Maria Kenner

Langjähriges Mitglied

des MHDA

+ 09.11.2018

Elfrieda Heiss

Langjährige Betreute

des MHDA

66

DIE MALTESER 3-4/2018


TAGEBUCH

VERDIENSTE

Von Paul Lovrek

Langjährige Mitglieder des Hospitaldienstes

und des Ordens in Salzburg wurden für

ihre Dienste ausgezeichnet.

Ein herzliches Vergelt´s Gott für das unermüdliche

Engagement, die wichtige

Vorbildrolle und die großen Verdienste

im Sinne der Nächstenliebe.

Ausgezeichnet wurden

Mega Altenburg

Johannes Orsini-Rosenberg

Stefanie Lanzdorf

MMag. Elfriede Hofbauer

Mag. Isabella Hartmann-Goertz

Termine 2018/2019

DEZEMBER 2018

8 Del. Tirol: 50 Jahre Diözese Feldkirch SMRO

8 Benefizkonzert Ebergassing MHDA

8-9 Punsch und Straßensammlung Halbturn SMRO/MHDA

10 Aktionstag „Solidarität für verfolgte Christen“ CSI

(Oper - Dom)

15-16 Punsch und Straßensammlung Halbturn SMRO/MHDA

MAI 2019

2-6 Lourdes-Wallfahrt SMRO/MHDA

AUGUST 2019

1-4 21. Wildwassercamp MHDA

OKTOBER/NOVEMBER 2019

26/10-2/11 Reise nach Rhodos SMRO/MHDA

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Marie Czernin

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

DIE MALTESER 3-4/2018 67


Die MALTESER wünschen ein

gesegnetes Weihnachtsfest

und ein frohes neues Jahr!

MALTESER CHRISTBAUMKUGELN: Schenken mit Sinn. Schenken und spenden.

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„Ein herzliches Vergelt´s Gott für Ihre Unterstützung.“

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

zentrale@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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DIE MALTESER 3-4/2018

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