Berliner Zeitung 07.06.2019

BerlinerVerlagGmbH

Theresa May tritt ab: Sie geht, die Probleme bleiben – Seite3

Mit dem

Kind

seltener zum

Arzt

Seite 14

12°/27°

Schon wieder Sonne

Wetter Seite 2

Mietendeckel: Wer

davon profitieren würde

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Frauen-Fußball-WM:

Deutsche Hoffnungen

Tagesthema Seite 2, Sport Seite 20

Freitag,7.Juni 2019 Nr.130 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Jobkiller? Immer mehr

Selbstscannerkassen in Berlin

Made in Berlin Seite 6

Dänemark

Eine Linke

rückt

nach rechts

VonFrederik Bombosch

Esist schwierig, in Dänemarkeine

strahlende Wahlgewinnerin zu

werden. Zehn Parteien teilen sich

den engen Raum im Kopenhagener

Parlament. Dass eine Partei über 30

Prozent kommt, ist seit 2001 nicht

mehr vorgekommen. Minderheitsregierungen

sind nicht Ausnahme,

sondern die Regel. Mette Frederiksen

tat am frühen Mittwochmorgen

trotzdem so, als

wäre ihr Großes

gelungen. „Das

ist ein historischer

Sieg“, jubelte

die Sozialdemokratin,

als

feststand, dass

sie wahrscheinlich

Dänemarks

Mette Frederiksen

will Dänemarks neue nächste Premierministerin

Regierung bilden.

wird. Nach

Schweden und Finnland eroberndie

Sozialdemokraten damit im dritten

nordischen Land die Regierungsmacht

– und stehen dennoch

schwach da wie lange nicht.

Historisch ist sicherlich, dass die

41-jährige Frederiksen in ihren vier

Jahren als Vorsitzende den Kurs der

Partei grundlegend geänderthat. Sie

stellte die Klimapolitik in den Mittelpunkt,

die laut Umfragen das wichtigste

Thema dieser Wahl war. Stärker

nach links hat sie die Partei in der

Sozialpolitik gerückt.

Stärker nach rechts dagegen in

der Migrationspolitik –obwohl Dänemark

ehkaum noch Flüchtlinge

aufnimmt, ist die Debatte über das

Thema hitzig. Geduldete Flüchtlinge

werden seit geraumer Zeit in Lagern

interniert, die Möglichkeit, Asylanträge

zu stellen, soll in der Praxis abgeschafft

werden. Frederiksen –sie

hat übrigens Afrikawissenschaften

studiert–hat trotzdem Ideen fürVerschärfungen.

So will sie eine Obergrenzevon

30 Prozent für den Anteil

nicht-europäischer Einwanderer in

Wohngebieten einführen.

„Wir müssen uns fragen, ob wirklich

wir recht haben, oder nicht doch

die Wähler“, so lautete Frederiksens

Credo für die Neuausrichtung der

Partei. Als sie antrat, liefen die noch

in Scharen zu den Rechtspopulisten

von der Dänischen Volkspartei. Historisch

an derWahl vomDienstag ist,

dass diese fast die Hälfte ihrer Wähler

verlor.Bloß: Diesind nicht zu den

Sozialdemokraten gewechselt. Frederiksens

Partei hat gegenüber der

vorigen Wahl sogar Stimmen verlorenund

kam auf nur 25,9 Prozent.

Stattdessen hat sich das rechte Lager

weiter zersplittert. Zugelegt haben

neben den bisher regierenden Liberalen

insbesondere die Parteien

des sogenannten Roten Blocks. Frederiksen

steht jetzt vor einem Dilemma.

Ohne die Sozialisten und die

sozialliberalen Radikalen kann sie

viele Vorhaben nicht durchsetzen. Zu

deren Kernforderungen gehören aber

Lockerungen in der Migrationspolitik.

Beobachter rechnen damit, dass

die Regierungsbildung so lange dauertwie

nie zuvor. Leitartikel Seite 8

Grüner

Kandidat fürs

Kanzleramt?

„Ich bin dafür“

Der Berliner Grünen-Politiker

Hans-Christian Ströbele

empfiehlt seiner Partei mehr

Mut. Ein Gespräch zum

80. Geburtstag. Seite 4

Leipziger Straße mit Straßenbahn

Die Pläne der Verkehrssenatorin: weniger Platz für Autos, mehr für Radfahrer.Die Opposition ist entsetzt

VonPeter Neumann und Melanie Reinsch

Weniger Platz für Autos,

mehr Platz für Fußgänger,

Radfahrer und

den Nahverkehr. Mit

dieser Losung ist der rot-rot-grüne

Senat vor zweieinhalb Jahren angetreten.

Vielen Beobachternnicht nur

aus dem Grünen-Spektrum geht die

versprochene Verkehrswende viel zu

langsam voran, Forderungen nach

einem Rücktritt der Senatorin Regine

Günther (parteilos, für Grüne)

wurden laut. Doch jetzt präsentierte

Günthers Verwaltung erste Pläne für

ein Projekt, das eine radikale Umgestaltung

eine der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen

in Berlin vorsieht.

In jedem Fall müssten Autofahrer in

der Leipziger Straße in Mitte auf

Raum verzichten. Dafür erhielt Günther

nicht nur Kritik, auch Beifall.

Viele Berliner fühlten sich von

starkem Autoverkehr beeinträchtigt,

sagte Günthers Staatssekretär Ingmar

Streese,als er Bürgerndie Pläne

für die Straßenbahn vomAlexanderzum

Potsdamer Platz vorstellte. Die

4,1 Kilometer lange Neubaustrecke,

die 65 Millionen Euro kosten und

2027 fertig werden soll, sei „ein Stück

Verkehrswende“, so der Grünen-Politiker.Ziel:

mehr Lebensqualität.

Eine irreIdee, meint die FDP

„Die Furcht, dass Autos keinen Platz

mehr haben werden, ist unbegründet.

Aber es wird weniger Platz für

Autos geben – weil weniger Autos

durch die Straßen fahren werden.“

Eine Gruppe vonVorplanungsvarianten

läuft darauf hinaus, dass es

auf dem knapp 22 Meter schmalen

Abschnitt zwischen Charlottenstraße

und Leipziger Platz nur noch

einen Fahrstreifen proRichtung gibt.

Zudem sollen die Fahrspuren von

Autos und Lastwagen gemeinsam

genutzt werden. „Die Bahnen geben

den Takt vor“, so Planer Holger Kölling-Orb.

Ampelschaltungen sorgen

dafür,dass die Bahn vorfährtund die

Kraftfahrzeuge ihr im Pulk folgen.

Diezweite Gruppe vonVarianten belässt

zwei Fahrstreifen pro Richtung

–die aber sehr schmal werden. Der

Platz wirdbenötigt für bis zu 2,85

Meter breite Radfahrstreifen

und für breitereFußwege.

Auch wenn viele

Details noch zu erarbeiten

sind: Das Projekt,

die M4 nach

Westen zu verlängern,

hat das Zeug,

Ausgangspunkt einer

erneuten Debatte über die

Verkehrspolitik zu werden.

Wenn die Strecke wie vorgestellt

gebaut wird, werdedas den Autoverkehr

auf dieser wichtigen Ost-West-

Verbindung „massiv einschränken“,

warnte Sandra Hass vom ADAC. Auf

dem schmalen Abschnitt seien täglich

mehr als 50 000 Fahrzeuge unterwegs.„Schon

jetzt stockt es regelmäßig,

vor allem im Berufsverkehr.

Kaum vorstellbar, wie es dort aussieht,

wenn Autos nur noch auf einer

Spur je Richtung unterwegs sein

können, dann noch im Pulk hinter

der Straßenbahn. Wirbefürchten extreme

Rückstaus weit über den genannten

Abschnitt hinaus.“ Der

ADAC bekräftigte eine Forderung

aus den 1990er-Jahren, auf der Französischen

Straße Gleise zu verlegen.

Doch es gab auch Lob. „Klimaschutz

und SmartCity ist, wenn man

Platz für den Radverkehr und die

neue Straßenbahn macht und die

Autos mit cleverer Ampelschaltung

den Trams im Rudel folgen lässt.

Bravo!“, kommentierte Heinrich

Strößenreuther von der Agentur für

clevere Städte. „Gute Pläne: Vorrang

für flächeneffiziente Verkehrsmittel“,

so Denis Petrivon Changing Cities.

„Berlin braucht eine radikale

Wende bei der Verkehrspolitik.Wenn

es in

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vonAutosbedrängt? Schicken

Sie uns Ihre Bilder.

DieApp bekommen Sie kostenlos

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Machen Sie mit

der Leipziger Straße

klappt, dann klappt

es überall in Berlin“,

twitterte Jens Wieseke

vom Fahrgastverband

IGEB.

Henner Schmidt

von der FDP hielt dagegen:

„Die Idee, auf einer

stark belasteten Straße

eine Spur wegzunehmen und Tram

und Autos gemeinsam auf eine verbleibende

Spur zu zwingen, ist nicht

radikal, die ist irre.“ Erhatte den Senat

schon zuvor während der letzten

Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus

vor der Sommerpause aufs Korn genommen.

Schmidt sprach sich dafür

aus, anden richtigen Stellen in die

Infrastruktur zu investieren. Dass

dies zu lange unterblieb, sehe man

nun ganz deutlich auch an den Brücken

–Schmidt nannte die Salvador-

Allende-, Elsen-, Oberbaum- und

Monumentenbrücke. „Wenn rechts

undlinks die Brückenzusammenfallen,

dann muss mehr getan werden.

DerSenat muss schneller als geplant

sanieren und erhalten.“

Eine ähnlich desaströse Bilanz

zog Oliver Friederici von der CDU.

„Seitdem diese Linkskoalition regiert,

wurde nicht ein weiterer Straßenbahnkilometer

eröffnet, es gibt

keine weitereBuslinie,esmangelt an

Busfahrern“, sagte er. Der Senat verschlafe

es, den Nahverkehr attraktiver

zumachen. Es gebe weder neue

Park-and-Ride-Plätze noch eine gemeinsame

Planung mit Brandenburg.

Friederici nannte das Ergebnis

eine „rot-rot-grüne Chaosbilanz“.

„Linkes Biotop und kleine DDR“

Er forderte ein strategisches Programm

für tausend neue Busse und

ebenso viele Fahrzeugemehr bei der

U-Bahn, der Straßenbahn und der S-

Bahn. Ersagte voraus, dass die rotrot-grüne

Regierung ohnehin 2021

ende.„Das werden dann fünf verlorene

Jahre gewesen sein“, so Friederici.Berlin

wolle mehr als „ein linkes

Biotop unddie kleine DDR“ sein.

Finanzsenator Matthias Kollatz

(SPD) nannte die Forderungen der

Opposition „völlig unfinanzierbar“.

Seit 2014 würden die Finanzmittel

für Investitionen erhöht. „Und sie

werden weiter steigen“, sagt Kollatz.

Allein für die Brückensanierung

seien im Doppelhaushalt 2020/2021

64 Millionen Euro vorgesehen. Den

Ausbau der öffentlichen Infrastruktur

und die Investition inneue Entwicklungen

betreibe der Senat „mit

Entschlossenheit“. Der CDU-Redebeitrag

sei „schlecht gelaunt und

leicht cholerisch“. Berlin Seite10

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Kokainspuren

im Berliner

Abwasser

EU-Bericht: Nie gab es mehr

Rauschgift in Europa

VonDamir Fras, Brüssel

Europa hat ein Kokain-Problem:

Der Kontinent wird mit dem

Rauschgift überschwemmt. Das belegt

der Bericht der EU-Beobachtungsstelle

für Drogen und Drogensucht

(EMCDDA), der am Donnerstag

in Brüssel vorgestellt wurde. Demnach

verdoppelte sich die Menge an

beschlagnahmtem Kokain im Jahr

2017 im Vergleich zum Vorjahr auf

mehr als 140 Tonnen. Dassei ein„historischer

Höchststand“. DasGeschäft

mit illegalen Drogen verlagert sich

zudem mehr und mehr ins Internet.

Die Drogenbeobachter der EU

schließen nicht nur aus dem sichergestellten

Rauschgift, sondern auch

aus Abwasserproben auf die gestiegene

Beliebtheit von Kokain. In 22

von 38europäischen Städten seien

höhere Konzentrationen gemessen

worden. Die höchsten Werte verzeichneten

die Experten im englischen

Bristol, aber auch in Dortmund

und Berlin wurden hohe Konzentrationen

gemessen.

Drogen aus dem Callcenter

Das Rauschgift kommt weiter vor allem

per Schiff in Containern aus Lateinamerika

nach Europa. Allerdings

erschwert auch zunehmend die Verlagerung

des Rauschgifthandels ins

Internet den Kampf gegen illegale

Drogen. Immer öfter werde Rauschgift

im sogenannten Darknet, in sozialen

Medien und verschlüsselten

Apps angeboten. Es gebe mittlerweile

sogar Kokain-Callcenter, bei denen

dasRauschgift bestellt werden könne.

In dem Report heißt es dazu: „Callcenter

weisen auf ein hohes Ausmaß

an Sinn fürUnternehmertum im umkämpften

Kokainmarkt hin.“

Cannabis bleibt dem Bericht zufolge

die beliebteste illegale Drogein

Europa. 7,4 Prozent der Erwachsenen

–das sind 24,7 Millionen Menschen

– konsumieren mindestens

einmal im Jahr Cannabis. Bei Menschen

imAlter von 15bis 34 Jahren

sind es bereits 14,4 Prozent. Dagegen

hat die Bedeutung von Heroin im

Vergleichszeitraum abgenommen.

2017 starben 9461 Menschen an

Rauschgiften. 34 Prozent der Drogentoten

lebten in Großbritannien,

13 Prozent von ihnen in Deutschland.

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2* Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Tagesthema

LEA SCHÜLLER

21, Deutschland: 13 Einsätze, acht Tore –die

Länderspiel-Bilanz der Angreiferin spricht schon

mal für sich. Vier dieser Treffer erzielte sie alleine

im ersten Spiel unter Interimstrainer Horst Hrubesch,

alsdie DFB-Auswahl 4:0 gegenTschechiengewann.

Temporeich, Zug zumTor,abgezocktimAbschluss

–Schüller kannder deutschen

Offensivedie nötigeDurchschlagskraft

verleihen. Undweildas Energiebündel noch

mehr alsFußball im Kopf hat, treibt sienebenbei

ihrFernstudium im Fach Wirtschaftsingenieurwesen

voran.

In Frankreich beginnt die Fußballweltmeisterschaft der Frauen.

Zu den Favoriten zählt Deutschland. Die Spielerinnen fühlen sich nicht immer

ausreichend unterstützt.

JORDYN HUITEMA

18 Jahre, Kanada: Aufmerksame

Followervon Bayern Münchens

Alphonso Davies haben die Angreiferin

bereits auf Instagram-

Bildernerspäht. Die beiden

werden in der Presse gerneals „Power-Pärchen

des kanadischen Fußballs“ gefeiert. In Sachen

Größe stellt Jordyn Huitema (1,80 m) ihren

Freund (1,78 m) schon mal in den Schatten.

WieMalloryPughentschied sich das Ausnahmetalent,

das mit 15 im Nationalteam debütierte,

gegendie College-Laufbahn und schließt

sich zur kommenden Saison dem französischen

Vizemeister Paris St. Germain an.

Am Start

VonFrank Hellmann, Rennes

Vier für Frankreich (v.l.): Dzsenifer Marozsan, Lina Magull, Linda Dallmann und Melanie Leupolz.

DPA/SEBASTIAN GOLLNOW

DELPHINE CASCARINO

22, Frankreich: Französische Medien nennen die

Flügelspielerin gerne„das Dynamit“. Kein Wunder!

Pfeilschnell und technisch versiert, sorgt Delphine

Cascarino häufig für Momente des Entzückens. Ihr

großes Talent wurde früh entdeckt: Mit zwölf Jahren

kam sie zu Olympique Lyon, durchlief im erfolgreichsten

Frauen-Klub der Welt die Nachwuchsteams

und alle französischen Jugend-Auswahlen.

Ihre Teamkollegin Amel Majri schwärmt: „Delphine

erinnertmich an Kylian Mbappe –sie ist die Spielerin

der Zukunft!“

MALLORY PUGH

21, USA: Mallory„Mal“ Pugh gilt als das größte

Fußball-Juwel im Land der Weltmeisterinnen.

Und sie geht ihren eigenen Weg: Ein Stipendium

der renommierten kalifornischen UCLA schlug

Pugh einst aus, um ihr Glück gleich als Profi in

der US-LigaNWSL zu suchen, wo die Stürmerin

seit 2017 für Washington Spirit auf Torejagd

geht. Im mit Stars gespickten Nationalteam lief

sie 2016 im Alter von17Jahren und 269 Tagen

erstmals auf –als jüngste Debütantin seit elf

Jahren. In der Heimat ist sie schon auf dem Weg

zum Idol: Einst selbst großer Fanvon Mia

Hamm, tritt sie nun gemeinsam mit der Ikone in

Werbespots auf.

Das erste Wort bei der deutschen

Frauen-Nationalmannschaft gehörte

Melanie Leupolz. Sie erscheint

im Anbau des idyllisch gelegenen

Golfhotels in der bretonischen Gemeinde

Bruz zur Pressekonferenz. Leupolz,

28, Mittelfeldspielerin des FC Bayern,spielt in

dem auf YouTube mehr als zwei Millionen Mal

aufgerufenen Werbespot der DFB-Frauen –

der mit dem Spruch provoziert: „Wir haben

keine Eier –wir,wir haben Pferdeschwänze“ –

eine Hauptrolle. „Weißt du, wie ich heiße?“,

fragt am Anfang Kapitänin Alexandra Popp.

„Und ich?“ Daskommt vonLeupolz. Dann ertönt:

„Wir spielen für eine Nation, die unsere

Namen nicht kennt.“Warumeigentlich nicht?

DieausWangen im Allgäu stammende Europameisterin

und Olympiasiegerin bringt

vieles mit, um ihre Sportart angemessen zu

vermarkten. Für die WM in Frankreich

(7. Juni bis 7. Juli) gilt die Nummer 18 als

Schlüsselspielerin. „Fighterin“ steht unter ihrem

Konterfei auf den Postern, nach denen

beim Training in Pont-Péan französische

Schulkinder griffen. Leupolz ist intelligent,

witzig und glaubhaft –und kann versichern,

dass die Frauen nicht bis tief in die Nacht an

der Playstation daddeln werden. Was2018 in

Russland bei den Männernpassierte,bis Manager

Oliver Bierhoff den Stecker zog.

Beste WM aller Zeiten

Am Pfingstsonnabend zeigt erst die ARD den

WM-Start der Frauen gegen China (15 Uhr)

aus Rennes, dann RTL das EM-Qualifikationsspiel

der Männer aus Borissow (20.45

Uhr). Es dauert noch ein bisschen, bis die

Fußballerinnen den Sommer für sich haben.

Der Nachholbedarf im Vergleich mit den

Männern ist immer noch gewaltig. Am Mittwoch

verkündete Fifa-Präsident Gianni Infantino

auf dem Fifa-Kongress in Paris: „Die

WM wird die beste Frauen-Endrunde aller

Zeiten. In Frankreich wirddie Welt die Explosion

des Frauenfußballs erleben.“ DieFifa hat

das Preisgeld der WM 2019 auf 30 Millionen

Dollar verdoppelt. Und für die Frauen-WM

2023 haben sich mit Argentinien, Australien,

Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Japan, Südkorea,

Neuseeland und Südafrika neun Länder

beworben. So viel wie nie zuvor.Estut sich etwas

–aber genug?

Seitdem es immer mehr Termine und Turniere

imMännerfußball gibt, werden die Nischen

für andereSportarten kleiner.Auch für

den Frauenfußball. „Wir sind ja schon froh,

dass während der WM so gut wie keine anderenGroßereignisse

stattfinden“, sagt Bundestrainerin

MartinaVoss-Tecklenburg. Mitihrer

Persönlichkeit bereichert sie jede Runde.

Aber selbst beim Fachmagazin Kicker fielen

Vorbehalte erst unter den Tisch, nachdem die

51-Jährige der Nürnberger Zentrale einen Redaktionsbesuch

abgestattet hatte.

Selten wirdder Kampf gegen die Vorurteile

so öffentlich geführtwie vonNationaltorhüterinAlmuth

Schult. Nachdem die Nummer eins

einen Vorstoß mit dem Mannschaftsrat abgestimmt

hatte, beklagte die Torfrau des VfL

Wolfsburg fehlende Unterstützung im Verband,

in den Vereinen –und in der Gesellschaft:

„Oft werden wirFraueneinfach vergessen.

Wir müssen in Deutschland vielleicht

auch noch mehr Blockaden im Kopf überwinden.“

Ihre Kritik kam nicht überall gut an.

Georg Behlau, Leiter Management Nationalmannschaften,

und Heike Ullrich, Direktorin

Vereine, Verbände und Ligen, sind in

manchen Punkten anderer Meinung. „Es gibt

ein klares Bekenntnis des DFB für den Frauenfußball“,

sagen beide.Behlauwar früher allein

für die Männer,Ullrich für die Frauen zuständig.

Nun gibt es mehr Schnittmengen

und auch mehr Austausch. Dass die Bundestrainerin

mal eben beim Bundestrainer Joachim

Löw anruft, um sich über dieVorzüge einer

Dreierkette auszutauschen, hat es früher

in dieser Form tatsächlich nicht gegeben.

Aber es braucheauchEhrlichkeit. Etwa bei

der Geldverteilung. „Wenn nun einmal die

Männer-Nationalmannschaft das Zugpferd

bei Sponsoren und Medienpartnern ist, fällt

auch die wirtschaftliche Beteiligung anders

aus“, erklärt Behlau. Die Wertschätzung gegenüber

der Frauen-Nationalmannschaft

ließe sich an anderer Stelle sehr gut erkennen:

„Die organisatorischen Aufwände der DFB-

Frauen sind durchaus mit den professionellen

Bedingungen beiden Männernvergleichbar.“

Und die Prämie wurde auch erhöht: 75 000

Euro winken für den dritten Stern. Rekord.

800 Zuschauer im Schnitt

Dererhoffte Effekt derHeim-WM 2011 ist verpufft.

Der Zuschauerschnitt ist hierzulande

auf rund 800 pro Spiel gefallen, während in

Europa auf Vereinsebene die Rekorde purzeln.

60 739 Zuschauer sahen im März ein

Meisterschaftsspiel vonAtletico Madrid.Eine

Woche später vermeldete Juventus Turin mit

39 027 Besuchern eine Bestmarke für Italien.

„Es ist nicht zu verheimlichen oder schönzureden,

dass die internationalen Ligen aufholen“,

findet Leupolz. Sie hat es daher nicht

verstanden, dass derFCBayernkürzlich sein

Halbfinale der Women‘s Champions League

gegen den FC Barcelona im kleinen Campus

mit einem Fassungsvermögen für nur 2500

Besucher austrug. „Letztlich ist es eine Vereinsentscheidung.

Bei den Männern ist der

FC Bayern in derVorreiterrolle, deshalb wäre

es eine Chancegewesen, auch beiden Frauen

ein Ausrufezeichen zu setzen.“ Espassiert ja

auch wasbeim FC Bayern:Die Männer rüsten

ihren Kader mit einem dreistelligen Millioneninvestment

auf, während die Frauen die

deutschen Leistungsträgerinnen verlieren:

Sara Däbritz geht zu ParisSt. Germain, Leonie

Maier zum FCArsenal. Leupolz bleibt noch

mal für ein Jahr in München. „Weil ich einen

Riesenstellenwert indem Verein habe. Deshalb

schaue ichmir denProzess aufjedenFall

nocheinmal genau an.“ Aber wenn bis dahin

niemand aufwacht, geht auch sie.Das könnte

dasletzte Wort sein.

MARTA

33, Brasilien: Marta, mit vollem Namen Marta

Vieira da Silva,ist seit mehr als 15 Jahren das

Maß der DingeimWeltfußball. Zwischen 2006

und 2018 war sie sechsmal Weltfußballerin. In

der brasilianischen Nationalmannschaft ist sie

selbstverständlich Stammspielerin im Angriff. In

17 WM-Spielen erzielte sie 15 Tore. Seit 2017

steht Marta beim US-Fußballunternehmen Orlando

Pride unter Vertrag.Seit 2017 besitzt die

UN-Botschafterin auch die schwedische Staatsbürgerschaft.

KHADIJA SHAW

22, Jamaika Sie ist das Gesicht der

„Reggae Girlz“: Beim WM-Debüt

der jamaikanischen Fußballerinnen

ruhen die Hoffnungen auf der

torhungrigen Kapitänin. Nach 22

Länderspielen steht „Bunny“ bei

31 Treffern. So hat die Absolventin

der University of Tennessee

längst weltweit

Begehrlichkeiten geweckt

–auchvon

Sponsoren. Als erste

Fußballerin aus Jamaika unterzeichnete sie einen

Vertrag beim Sportartikel-Giganten Nike.

Shawhat aber auch unfassbare Schicksalsschlägehinnehmen

müssen: Sie verlor binnen

kurzer Zeit vier ihrer Brüder,dreikamen in Bandenkriegen

in ihrer Heimat Spanish Town ums

Leben.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute tauchen kaum Wolken auf. Dabei betragen die Höchsttemperaturen

23 bis 28 Grad, und der Wind weht nur schwach aus östlichen Richtungen.

Inder Nacht ist esüberwiegend wechselnd bewölkt. Abund zu gibt

es Regenschauer, und die Tiefsttemperaturen machen bei 15 bis 13 Grad

halt.

Biowetter: Die derzeitige Wetterlage

lässt Menschen mit Kopfwehund

Migräneanfälligkeiten leiden.

Auf den Kreislauf wirkt sich die Witterung

vor allem mittags und nach-

9°/26°

Wittenberge

mittags leicht belastend aus.

Pollenflug: Die Belastung durch

Roggen-, Sauerampfer-, Spitzwegerich-

und Gräserpollen ist mäßig bis

stark. Darüber hinaus sind Pollen

von Linden und Nesseln unterwegs.

Gefühlte Temperatur: maximal 27Grad.

Wind: leichter Wind aus Ost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/26° 12°/27°

Luckenwalde

10°/27°

Sonnabend

Sonntag

Montag

wolkig heiter Gewitter

16°/23° 14°/27° 18°/29°

Prenzlau

10°/23°

Cottbus

10°/28°

Frankfurt

(Oder)

12°/25°

Hoher Luftdruck platziert sich über dem zentralen Europa. Von der Nordsee bis

zu den Alpen scheint dadurch oft die Sonne. Allerdings dreht über Nordwestfrankreich

bereits ein Tief mit kräftigen Regengüssen und Gewittern seine

Kreise, das zum Abend bis zur Ems und Alb vorankommt. VomBalkan über Osteuropa

bis nach Lappland hat sich unterdessen sehr heiße Luft festgesetzt.

Sylt

9°/22°

Hannover

9°/24°

Köln

11°/27°

Saarbrücken

9°/25°

Konstanz

11°/29°

Hamburg

9°/25°

Rügen

10°/20°

Rostock

9°/20°

Magdeburg

10°/25°

Erfurt

10°/24°

Frankfurt/Main

12°/30°

Stuttgart

10°/28°

Nürnberg

11°/28°

München

12°/29°

Dresden

12°/26°

Deutschland: Heute laden Wolken

immer wieder Regenschauer ab. Die

Höchsttemperaturen betragen zumeist

20bis 30 Grad, die Tiefstwerte

15 bis 10 Grad. Der Wind

weht schwach, inBöen mäßig aus

Ost. Morgen erwärmt sich die Luft

auf 18bis 24 Grad. Dazu ist der

Sonnenschein nur gebietsweise längere

Zeit durch Wolken getrübt. Der

Wind weht teilweise mit stürmischen

Böen aus südwestlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 14°-16°

Nordsee: 13°-15°

Mittelmeer: 19°-27°

Ost-Atlantik: 13°-18°

Mondphasen: 10.06. 17.06. 25.06. 02.07.

Sonnenaufgang: 04:45 Uhr Sonnenuntergang: 21:25 Uhr Mondaufgang: 08:50 Uhr Monduntergang: 00:22 Uhr

Lissabon

23°

Las Palmas

23°

Madrid

23°

Reykjavik

17°

Dublin

13°

London

17°

Paris

17°

Bordeaux

18°

Palma

27°

Algier

28°

Nizza

23°

Trondheim

22°

Oslo

23°

Stockholm

27°

Kopenhagen

19°

Berlin

27°

Mailand

28°

Tunis

35°

Rom

28°

Warschau

28°

Wien

27° Budapest

29°

Palermo

35°

Kiruna

27°

Oulu

32°

Dubrovnik

25°

Athen

32°

St. Petersburg

29°

Wilna

28°

Kiew

28°

Odessa

26°

Varna

28°

Istanbul

31°

Iraklio

25°

Archangelsk

24°

Moskau

29°

Ankara

27°

Antalya

30°

Acapulco 34° wolkig

Bali 34° wolkig

Bangkok 35° wolkig

Barbados 29° wolkig

Buenos Aires 20° sonnig

Casablanca 23° sonnig

Chicago 25° heiter

Dakar 28° sonnig

Dubai 42° sonnig

Hongkong 34° heiter

Jerusalem 32° Schauer

Johannesburg 20° sonnig

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 16° wolkig

Los Angeles 22° heiter

Manila 36° heiter

Miami 33° Gewitter

Nairobi 25° wolkig

Neu Delhi 45° heiter

New York 24° wolkig

Peking 32° heiter

Perth 19° Regen

Phuket 34° Gewitter

Rio de Janeiro 27° sonnig

San Francisco 21° wolkig

Santo Domingo 33° heiter

Seychellen 29° Gewitter

Singapur 33° bewölkt

Sydney 18° heiter

Tokio 26° Regen

Toronto 24° sonnig


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 3 *

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Seite 3

Die Machtzentrale in der Downing

Street Nummer zehn inmitten

der Metropole London und das

beschauliche Dorf Sonning in

der englischen Grafschaft Berkshire mögen

auf den ersten Blick wie zwei gegensätzliche

Planeten wirken. Und doch, sie haben eine

Sache gemeinsam, die Theresa May inden

vergangenen drei Jahren äußerst gelegen

kam. An beiden Orten ist es ein Leichtes,sich

abzuschotten, vonder Welt, dem politischen

Getöse, dem ständigen Ärger, und es sich in

einer Blase gemütlich zu machen. Hier der

offizielle Sitz der Premierministerin, dortdas

Zuhause der Privatperson May–jenes kleine

Dorf mit seinen historischen Häusern und

den alten Gemäuern, das der englische

Dichter James Sadler einmal als „schöner als

den Rest“ beschrieb,von Kunst veredelt, von

der Natur gesegnet. Seit seinem Loblied im

19. Jahrhundert hat sich an der Idylle kaum

etwas verändert. Am Nachmittag zur tea

time werden noch Kränzchen abgehalten

und sonntags ist die Kirche deutlich voller als

anderswo.

Theresa MaywirdinKürze zurück in diese

Reinform des Bilderbuch-Englands ziehen.

Nicht ganz freiwillig, gewiss.Vielmehr wurde

sie regelrecht vom Hof gejagt. An diesem

Freitag tritt May als konservative Parteivorsitzende

zurück, wird nur noch übergangsweise

als Premierministerin fungieren, bis

ein Nachfolger gefunden ist. Das könnte bereits

im Juli der Fall sein.

DasRennen ist freilich schon eröffnet, seit

die 62-Jährige vorzweiWochen zitternd und

unter Tränen vor der berühmten schwarzen

Tür mit der Nummer zehn das Unvermeidliche

bekannt gab: ihr politisches Ende. Ein

Abgeordneter nach dem anderen hob daraufhin

die Hand, 13 Bewerber für ihreNachfolge

waren es zwischenzeitlich. Der Scherz

ging um in Westminster, dass es bald mehr

potenzielle Premierminister als konservative

Abgeordnete geben würde. Mittlerweile ist

die Zahl auf elf geschrumpft –alle mehr oder

minder bereit zum Start der Schlammschlacht

um das höchste Amt im Land.

Nichts anderes dürfte der Wettbewerb werden,

der im Reise-nach-Jerusalem-Stil funktioniert.

Die konservative Fraktion verkleinertden

Kreis sukzessivedurchWahlrunden,

bis zwei Kandidaten übrigbleiben. Dann entscheidet

die Basis. Ergo: Rund 160 000 Mitglieder

bestimmen die Zukunft des 66-Millionen-Einwohner-Landes.

Zu den aussichtsreichen

Kandidaten gehören neben Innenminister

Sajid Javid, Außenminister

Jeremy Hunt und dem ehemaligen Brexit-

Minister Dominic Raab jene altbekannten

Haudegen, die schon einmal um den Premierministerposten

buhlten: Ex-Außenminister

Boris Johnson, Umweltminister Michael

Gove, die Ex-Unterhausvorsitzende

Andrea Leadsom.

Skrupellos und mit fiesen Intrigen

Es wirkt, als wäre dieses Land nie durch die

Tumulte der letzten Jahregegangen, als hätte

es Theresa May nie gegeben, als hätten die

qualvollen Verhandlungen mit der EU und

die noch qualvolleren Abstimmungen im

Unterhaus nie stattgefunden. Vielmehr

könnte man meinen, mit einer Zeitmaschine

zurück in die Vergangenheit zu reisen, in den

schicksalshaften Sommer 2016. Zurück auf

Los, nur dass kaum jemand wagt, eine neue

Kartezuziehen. Wiewirddas Gefecht dieses

Malausgehen?VordreiJahren herrschte monatelang

ein schmutziger Wahlkampf. Mit

fiesen Intrigen und einer Skrupellosigkeit,

die selbst Shakespeareerröten hätten lassen,

stießen sich die Protagonisten des Dramas,

Gove, Leadsom und Johnson, auf offener

Bühne die Messer in die Rücken. Am Ende

stand nur noch Theresa May auf dem Feld.

DieFrau, die zwar offiziell zu den EU-Befürwortern

zählte, sich im Wahlkampf aber

weitgehend zurückhielt, galt als „sichere

Wahl“ und sollte die Rolle der Versöhnerin

übernehmen zwischen den Brexit-Befürwortern

und den Modernisierern in der

Tory-Partei sowie im tief gespaltenen Königreich.

Dieser Schritt darf getrost als gescheitertbezeichnet

werden.

Sie mag als langjährige Innenministerin

eine der bekanntesten Persönlichkeiten der

Politik gewesen sein, bevor sie ins höchste

Amt aufstieg. Unddoch blieb sie auch in den

vergangenen drei Jahren weitgehend unbekannt.

In Westminster, woalte Seilschaften

aus Eliteschul-Zeiten viel gelten und Entscheidungen

gerne abends im Pubgetroffen

werden, hieß es stets, sie habe keine echten

Freunde. Sie wurde respektiert, statt geliebt,

wünschte auch nichts anderes.Falls sie doch

manchmal den Menschen Maydurchschimmern

lassen musste und aus Wahlkampfgründen

etwa mit ihrem Mann auf dem Sofa

einer Frühstückssendung landete, präsentierte

sie sich steif und blieb ohnehin beim

Banalen: Er bringt den Müll raus, beide lieben

das Wandern, sie sammelt Kochbücher.

Solche Sachen.Einmal wurde sie gefragt, was

Theresa May tritt an diesem Freitag als Chefin der Konservativen und in

der Folge als britische Premierministerin zurück.

Mit großer Beharrlichkeit hat sie für ihren Brexit-Deal mit der

Europäischen Union gekämpft –und ist gescheitert.

Vorallem an sich selbst

Mays Exit

VonKatrin Pribyl, London

„Ich bin ungeheuer

dankbar,die Möglichkeit

gehabt zu haben, dem

Land zu dienen,

das ich liebe.“

Theresa May, 62, Ende Mai bei der

Ankündigung ihres Rücktritts

IMAGO IMAGES

denn das Ungezogenste gewesen sei, was sie

jemals getan hätte. Sie sei als Jugendliche

durch Weizenfelder gerannt, obwohl sich die

Bauern darüber alles andere als erfreut gezeigt

hätten, antwortete May. Das Volk

stöhnte genervt auf. Politik auf der Insel ist

auch immer Show. Doch May eignet sich

nicht als Entertainerin.

Ihr größter Fehler war es, 2017 Neuwahlen

auszurufen. Nach einem katastrophalen

Wahlkampf verlor sie nicht nur die absolute

Mehrheit, sondern auch ihre Autorität. May

wurde eine Gefangene sowohl der erzkonservativen

nordirischen Unionistenpartei

DUP, die die Regierung fortan duldete, als

auch der eigenen Hinterbänkler, die rebellierten

und schimpften und putschten. Der

Konservativen fehle die Fähigkeit, Koalitionen

zu bilden, Unterstützer hinter sich zu

versammeln, beschrieben Weggefährten

einstimmig ihre größte Schwäche. Diese

sollte ihr zum Verhängnis werden, denn um

beim Streitthema Brexit einen Kompromiss

zu erzielen, hätte es Allianzen erfordert.

Nicht alleine der EU-Austritt war das Problem,

sondern auch May persönlich, befand

denn auch der einflussreiche konservative

Kolumnist Matthew Parris.„Sieist nicht normal,

vielmehr außergewöhnlich“ –außergewöhnlich

unkommunikativ und außergewöhnlich

grob in der Art, wie sie Menschen

ausblende,Ideen und Argumente.

Als vor Monaten bereits das ganze Land

von der Premierministerin May inder Vergangenheitsform

sprach, wollte sie diesen

Umstand bis zuletzt nicht akzeptieren. Die

Regierungschefin klammerte sich an ihr Amt

wie eine Ertrinkende an ein StückTreibholz.

Wie verbissen hat sie um ihre Macht gekämpft,

wie hartnäckig wollte sie den Brexit

durchboxen als ihr Vermächtnis. Der EU-

Austritt wurde beinahe zu einer Obsession.

Doch das von ihr mit Brüssel ausgehandelte

Abkommen scheiterte im Parlament. Einmal.

Zweimal. Dreimal. Am Ende gab es keinen

Ausweg ausder Sackgasse, in diesich die

62-Jährige vorallem selbst manövrierthatte,

wenn auch mit unfreundlicher Nachhilfe ihrer

Partei, die traditionell schonungslos mit

ihren Vorsitzenden umgeht. Doch Mays Taktik,

vor allem den Brexit-Hardlinern gefallen

zu wollen und deshalb einen klaren Schnitt

mit Ausscheiden aus Binnenmarkt und Zollunion

zu verfolgen, schlug fehl. DieMeuterer

entscheiden die Machtprobe für sich. Undso

wiederholt sich die Geschichte,wie so oft. Im

Jahr 1990 hatte schon einmal eine Regierungschefin

um ihr politisches Überleben

gekämpft, weil der Streit um Großbritanniens

Mitgliedschaft in der EU eskaliert war.

Auch Margaret Thatcher, die Eiserne Lady,

verlor und verkündete ihren Rücktritt.

BorisJohnson wartet auf seine Chance

Matthew Parris nannte May„den Todesstern

der modernen britischen Politik“, eine Anlehnung

an eine Raumstation aus den „Star

Wars“-Filmen, deren Feuerkraft ausreicht,

einen ganzen Planeten zu vernichten. Tatsächlich

liegt die völlig zerstrittene Partei der

Tories in Trümmern, der Opposition der Labour-Partei

geht es kaum besser.Die Fronten

in der Bevölkerung sind so verhärtet wie nie.

Die Nation wie auch Westminster kämpfen

mit dem Erbe des EU-Referendums. Nun

wird jemand anderes sein Glückimunendlichen

Brexit-Drama versuchen. DieChancen,

dass es ihr oder ihm ähnlich ergehen wird

wie Theresa May, stehen ausgesprochen gut.

Ginge es allein nach dem Großteil der

Mitglieder der konservativen Partei, würde

BorisJohnson, Polit-Clown und Brexit-Wortführer,ganz

sicher in die Downing Street ziehen.

Diegrößte Hürde? Seine Abgeordnetenkollegen.

Vermutlich auch die Statistik. Im

vergangenen halben Jahrhundert setzte sich

nur einmal der Anfangsfavorit durch. Doch

Spaßvogel Johnsonmacht Ernst. Er hatabgenommen

und die blonden Haare, dieersich

sonst vor Auftritten stets frisch zerwühlte,

sind zurechtgestutzt. Offenbar hört er auf

den Rat seiner neuen Freundin, selbst Kampagnen-Profi,

sich noch im Hintergrund zu

halten. Es ist auffallend ruhig umihn. Bei

den wenigen Auftritten präsentierte er sich

aber ungewohnt seriös.Der radikale Europaskeptiker,

eine Marke auch imAusland, will

als jener Kandidat erscheinen, der die Partei

wieder einen kann. Es handele sich bei Johnson

umeinen „Gewinner“, lobte gerade erst

derAbgeordnete DamianCollins,früher Kritiker,

jetzt Opportunist, der wie so viele Kollegenaus

Karrieregründen nicht aufs falsche

Pferd setzen will. Es könnte eine selbsterfüllende

Prophezeiung werden.

Einkonkreter Plan, wieesmit demBrexit

weitergehen soll, fehlt derweil allen Bewerbern.

Johnson hält sich bekanntermaßen

nicht mit Details auf, auch dieRealität blendetergerne

aus. Fürihn liegtdie Lösung, will

manseinenKolumnenimHausblatt TheTelegraph

glauben, imVertrauen an die alte

Pracht des Vereinigten Königreichs. Patriotismus

alsWegweiser.Viele Freunde dürfte er

sich im Parlament, wo bislang jeder Vorschlag

durchgefallen ist, nicht machen. Auch

nicht damit, dass seiner Ansicht nach das

Königreich ohne Vereinbarung aus der EU

austretensolle,wenn Brüsselkeine besseren

Bedingungen offeriert. Auf jeden Fall will er

am 31. Oktober, dem aktuellen Scheidungstermin,

raus,allesanderewäre„Selbstmord“

fürdie konservativePartei, wieersagt. Doch

steuert der künftige Premier, ob Johnson

oder ein anderer Hardliner, tatsächlich auf

einenungeordneten Brexit zu,würde mitSicherheit

das Unterhaus einschreiten, wo

diese Option aufder langen Liste aller unbeliebten

Optionen an Nummer eins steht. Es

dürfte zu einem Misstrauensvotum kommen,

gefolgt voneiner Wahl. Unddann?

Theresa Maywirddas Spektakel ausSonning

beobachten, jener anderen Welt, in der

noch alles gut zu sein scheint.

Katrin Pribyl

stellt sich bereits aufWestminster-Dramen

in Shakespeare-Manier ein.


4* Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Politik

Empörung

über Video mit

Klöckner

Vorwurf: Ministerin macht

Werbung für Nestlé

VonChristian Burmeister

Mit Anlauf ins Fettnäpfchen:

Bundesgesundheitsministerin

Julia Klöckner (CDU) hat mit einem

kurzen Video eine Welle der Empörung

in den sozialen Medien ausgelöst.

In einem auf der Twitter-Seite

des Ministeriums hochgeladenen

Video präsentiert sich Klöckner mit

dem Nestlé-Deutschland-Chef

Marc-Aurel Boersch. Die Ministerin

dankt Nestlé darin für die Unterstützung

bei der Reduzierung von Zucker,

Salz und Fett „in den Produkten,

die die Bürger gerne mögen“.

Die empörte Reaktion Tausender

Twitter-User: Das sei ein unkritischer

Umgang mit dem Lebensmittel-Konzern,

der unter anderem mit

der Privatisierung von Wasserrechten

in EntwicklungsländernNegativ-

Schlagzeilen macht. Mitauslöser des

Shitstorms war der YouTuber Rezo,

der das Video mit den Worten kommentierte:

„Hätte ich exakt diesen

Tweet mit genau diesem Video gepostet,

hätte ich es als #werbung

kennzeichnen müssen.“ Auch Bundespolitiker

wie Karl Lauterbach

(SPD) oder Katrin Göring-Eckardt

(Grüne) kritisierten Klöckner.

„Wenn Nutzer mit einer großen

Reichweite wie Rezo auf ein Thema

gehen, kann die Wirkung riesig und

durchaus positiv sein“, sagt der

Kommunikationswissenschaftler

Wolfgang Schweiger vonder Universität

Hohenheim. „Es eröffnet die

Möglichkeit einer konstruktiven Diskussion:

in diesem Fall über die zu

große Nähe zwischen Politik und

Julia Klöckner verteidigt ihr Video mit einem

Nestlé-Manager.

IMAGO-IMAGES

Wirtschaft.“ Allerdings sei nicht jede

Empörungswelle automatisch gut:

„Denken SieanHetzkampagnen von

Rechten im Netz.“

Politiker und Institutionen geraten

immer wieder in diese „Wut-

Stürme“. Die Bundeswehr musste

sich kürzlich für „Geschichtsvergessenheit“

kritisieren lassen, nachdem

sie auf Plakaten mit dem Solgan

„Gas. Wasser. Schießen“ für Handwerker-Nachwuchs

geworben hatte.

Schließlich habe das deutsche Heer

als erste Armee der Welt im Ersten

Weltkrieg Giftgas eingesetzt, so der

Vorwurf. Experte Schweiger:„Oft leben

Shitstorms auch davon, dass

Dinge auch aus dem Zusammenhang

gerissen werden.Weröffentlich

kommuniziert, muss das bedenken.

Bundeswehr und Gas passen sicher

nicht zusammen.“ Spitzenpolitiker

achteten meistens auf ihre Wortwahl.

Diese führe dann aber eben

auch zu einer sehr floskelhaften

Sprache,soSchweiger.

Und Klöckner? Die Ministerin

nannte ihreKritiker auf Twitter in einer

ersten Reaktion „Hatespeaker“,

die sich nicht ausreichend informierthätten.

„Das ist ein Rezept, die

Empörungswelle zu verlängern“, so

Schweiger.„DieRegel für Politiker in

einer solchen Situation lautet: Reagiere

auf die Kritik. Tuedies nicht

von oben herab. Und tue es aufrichtig.“

Klöckners Mitarbeiter scheinen

dies eher verinnerlicht zu haben, als

die Ministerin selbst. Das Ministerium

twitterte: „Wir verstehen eure

Argumente.“

„Die Grünen sind glaubwürdiger“

Hans-ChristianStröbele überdie Notwendigkeit eineseigenenKanzlerkandidatenund seinen 80. Geburtstag

Bei Hans-Christian Ströbele

brummt am Donnerstag

entweder das Handy –

oder das Festnetztelefon

klingelt. Ein Interview folgt auf das

andere. Zufall ist das nicht. Denn der

langjährige grüne Bundestagsabgeordnete

wirdamFreitag 80 Jahrealt.

Herr Ströbele, wie geht es Ihnen?

Schlecht. Ich habe verschiedene

Leiden und deshalb auch bisher

keine Autobiografie geschrieben. Außerdem

treibe ich mich dauernd bei

Ärzten und Physiotherapeuten rum.

Ansonsten bin ich aber ganz agil.

Dasheißt, mit dem Laufen hat es sich

verschlechtert?

Ja, erheblich. Ich versuche jetzt

immer,jemanden zu bekommen, der

mich begleitet. Meine Frau macht das

natürlich. Manchmal machen’s auch

andere. Dann geht’s irgendwie.Dann

kann ich mal zu einer Diskussionsveranstaltung

etwa bei der taz gehen.

Aber täglich spazieren gehen, ist

schwierig. Bei dieser Hitze gehe ich

allerdings sowieso nicht raus.

Da sind Siejanicht der Einzige.

Ansonsten habe ich zum Geburtstag

noch mal eine ganzeMenge

Interviews gegeben. Die wollen alle

wissen, ob es bald eine grüne Kanzlerin

gibt oder einen grünen Kanzler.

Und–gibt’s die oder den?

Ja, nach den letzten Zahlen wäre

man ja blind, wenn man nicht damit

rechnen würde.

Sollten die Grünen also einen Kanzlerkandidaten

aufstellen?

Das muss man kurz vor der Wahl

entscheiden und nicht zwei Jahre

vorher.Aber nehmen wir mal an, die

Zahlen bei den letzten Wahlen und

in den Umfragen würden so bleiben

wie jetzt, wäreich natürlich dafür.Sie

können ja schlecht sagen, wir wollen

stärkste Partei werden, und dann sagen,

den Kanzler stellt eine kleinere

Partei wie etwa die SPD.Wenn Siedie

letzten Umfragen zugrunde legen,

würde die SPD nur noch die Hälfte

der Abgeordneten kriegen.

Undwer sollte es dann machen: Frau

Baerbock oder Herr Habeck?

Das müssen wir dann sehen. Das

ist ja noch ein paar Jahrehin –wahrscheinlich.

Man sollte jetzt noch

nicht das Fell eines Bären verteilen,

der noch gar nicht erlegt ist oder den

es vielleicht doch gar nicht gibt. Da

macht man sich ja lächerlich.

Für die Grünen wäreein Kanzlerkandidat

ja eine ziemliche Revolution.

Sie waren ja auch noch nie so

stark. Beider letzten Wahl hatten die

Grünen neun Prozent. Wenn sie bei

der nächsten Wahl 25 Prozent bekommen

sollten, wäredas eine völlig

andereSituation.

ZUR PERSON

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Hans-Christian Ströbele wird an diesem Freitag 80 Jahre alt. Er wurde in Halle (Saale) geboren

und wuchs in Marlauf. Er studierte in Heidelberg und ab 1962 in Berlin Jura und Politikwissenschaft.

1967 trat er in dieAnwaltkanzlei vonHorst Mahler ein.Ab 1970 übernahm Ströbele

die Verteidigung vonRAF-Angehörigen, unter anderem vonAndreas Baader.

1978 gehörte er,nach fünf Jahren als SPD-Mitglied, zu den Mitbegründernder Grünen in Berlin.

1985 kam er als Nachrücker erstmals für die Grünen in den Bundestag.Das erste Direktmandat

holte er 2002 in Kreuzbergund verteidigte es bei drei weiteren Bundestagswahlen.

Signal für ein Bündnis im Bund?

Begeistert Sie dieser Höhenflug eigentlich?

Natürlich bin ich auf der einen

Seite überrascht. Auf der anderen

Seite sehe ich das mit großer Zufriedenheit.

Und ich denke auch: Wenn

man sich das Personal an der Spitze

anschaut und es mit den anderen

Parteien vergleicht, dann sind die

Grünen viel ernster und glaubwürdiger.

Auch Frau Merkel trägt zwar

gern den Titel „Klimakanzlerin“ –

doch es passiert ja nichts. Man

dachte, die Wähler verzeihen denen

alles. Aber anscheinend ist da eine

Grenze.

Waswar Ihr schönstes Erlebnis in den

letzten 80 Jahren?

Die über 20 Jahre imBundestag

sind mir natürlich noch besonders

nahe –und dabei das dreimal errungene

Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg.

Beim ersten Mal

schien es wirklich aussichtslos zu

sein. Ichbin immer auf die Straße gegangen

und habe gedacht: Warum

machst du dir eigentlich so eine

Mühe? Und dann hat’s ganz knapp

geklappt. Icherinneremich noch an

den Tag: Ich hatte vorher von einem

Rechtsextremisten einen Schlag abbekommen,

fühlte mich nicht gut

und lag auf dem Sofa. Als ich das Ergebnis

gehört habe, waren die Kopfschmerzen

schlagartig weg. Ich bin

nach Kreuzberg gefahren und habe

gejubelt.

Undwelches war das unschönste Erlebnis?

Das war 1975 meine Verhaftung

während eines Strafprozesses in Moabit

– wegen Unterstützung einer

kriminellen Vereinigung. Ich habe

anschließend fünfWochen gesessen.

Der Knast war für mich zwar bekanntes

Gelände.Das Schlimme war

aber,dass ich nicht wusste,wie lange

ich sitzen muss. Meine Mandanten

in dem Prozess waren übrigens unheimlich

sauer, weil sie meine Verhaftung

nicht mitbekommen hatten

und dachten, der Ströbele kommt

mal wieder zu spät. Aufdie Idee,dass

ich selbst sitzen würde,sind sie nicht

gekommen.

Wiefeiern SieIhren Geburtstag?

Ich fahre mit einem Solarboot

und einigen Familienmitgliedern,

Freunden und ehemaligen Mitarbeitern

auf der Spree und auf dem

Landwehrkanal. Diese Boote gibt es

ja mittlerweile nicht nur in klein. Es

gibt auch welche,auf die passen 120

Personen. Die können bei so gutem

Wetter wie jetzt allein mit Solarenergie

fahren. Die müssen nicht mal irgendwo

Strom tanken. Das ist faszinierend!

Daswirdalso ein grüner Geburtstag.

Ja,das wirdein grünes Signal.

DasGespräch führte Markus Decker.

Die Grünen und die Linken in Bremen entscheiden sich für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen für Rot-Rot-Grün

VonMarkus Decker

Nach Ansicht des Vorsitzenden

der Linke-Fraktion im Bundestag,

Dietmar Bartsch, kommt der

Entscheidung der Bremer Grünen-

Spitze für Koalitionsverhandlungen

mit SPD und Linke Bedeutung auch

für den Rest des Landes zu. „Das

erste Mal Regierungsverantwortung

im Westen rückt nahe“, sagte er der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Die Bremer

Linke kann stolz sein, weil das ein

bundespolitisches Signal ist.“ Am

Donnerstagabend stimmte auch sie

bei einem Landesparteitag dafür,

über Rot-Rot-Grün zu verhandeln.

Bartsch fügte hinzu, wenn „die

Linke in einem Viertel der Bundesländer

in Regierungsverantwortung“

sei, sei das „ein Auftrag, bundespolitisch

Weichen für Mitte-Links zu

stellen“. Derzeit regiert sie in Berlin

und Brandenburg mit und stellt mit

Bodo Ramelow in Thüringen den

Ministerpräsidenten eines Landes.

Parteichef Bernd Riexinger: „Es ist

ein positives Zeichen, dass sich die

Grünen gegen Jamaika entschieden

haben. Soziale Gerechtigkeit und

wirksamer Klimaschutz sind mit

CDU und FDP nicht zu erreichen.“

FDP: Verheerende Konstellation

Der SPD-Bundestagsabgeordnete

Frank Schwabe twitterte,sowerde es

„hoffentlich auch im Bund kommen“.

Der Politische Bundesgeschäftsführer

der Grünen, Michael

Kellner,schrieb:„Ich freue mich über

dieses Signal aus Bremen.“

Allerdings gibt es auch Kritik.

„Dass die Grünen in Bremen jetzt ein

Bündnis mit den abgewählten Sozialdemokraten

und den Linken anstreben,

ist schlecht für Bremen“,

sagte die FDP-Generalsekretärin

Linda Teuteberg der Deutschen

Presse-Agentur. „Schlimm genug,

dass die Hansestadt jetzt keine Perspektive

bekommt, ihre Position als

wirtschaftliches Schlusslicht der Republik

abgeben zu können. Für

Deutschland wäre diese Konstellation

umso verheerender.“

Unterdessen bleiben die Tendenzen

hin zu einem Linksbündnis auf

Bundesebene eher schwach. Zwar

trafen sich erst am Mittwochabend

wieder Bundestagsabgeordnete von

SPD,Grünen und Linken beim Sommerfest

der „Denkfabrik“, in der

linke Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

versammelt sind.

Die Fraktionsvorsitzenden von Grünen

und Linken, Anton Hofreiter

und Dietmar Bartsch, waren ebenso

erschienen wie der kommissarische

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich.

Bei dem Sommerfest waren die

Ereignisse in der Hansestadt das beherrschende

Thema.

Nur ist die Gruppe der Bundestagsabgeordneten,

die an einem

Linksbündnis auf Bundesebene arbeiten,

seit Jahren überschaubar.Und

selbst wenn alle drei Parteien im Bundestag

wie in der letzten Legislaturperiode

eine Mehrheit zustände brächten:

Bei den Spitzen-Grünen dominiert

die Tendenz zu Schwarz-Grün.

Undder Gang der Dinge bei der SPD

ist derzeit ziemlich unwägbar.

Deutschland

exportiert zu

viel Plastik

Kritik der Böll-Stiftung

und des BUND

VonJördis Früchtenicht

Zu wenig wird recycelt: Plastikflaschen,

fertig verpackt für den Export. IMAGO-IMAGES

Verpackung, Kleidung, Cremes:

Plastik lässt sich überall finden.

Die den Grünen nahestehende

Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund

für Umwelt und Naturschutz

Deutschland (BUND) sind überzeugt,

dass die Haupturheber für die

weltweite Plastikkrise vor allem die

Plastik-Hersteller und petrochemische

Industrie sind. Dies wird am

Donnerstag bei der Vorstellung ihres

„Plastikatlas 2019“ deutlich: Im

Kampf gegen die weltweite Verschmutzung

mit Plastik müsse die

Politik globalen Energie- und Chemiekonzernen

strengere Vorgaben

machen, lautet eine Forderung der

beiden Organisationen.

Laut „Plastikatlas“ wurden zwischen

1950 und 2015 weltweit 8,3

Milliarden Tonnen Plastik produziert.

„Das entspricht mehr als einer

Tonne proMensch, der heute auf der

Erde lebt“, so BarbaraUnmüßig,Vorstand

der Heinrich-Böll-Stiftung.

Nicht einmal zehn Prozent des jemals

produzieren Kunststoffes seien

recycelt worden. „Recycling ist ein

Mythos. Deutschland ist nicht Recyclingweltmeister,

aber sehr gut

darin, Plastikmüll zu exportieren.“

Laut „Plastikatlas“ ist Deutschland

der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll.

Der größte Teil des Kunststoffs

wird laut „Plastikatlas“ für – meist

nur einmal verwendete – Verpackungen

genutzt. Mehr als ein Drittel

der weltweit jährlich produzierten

400 Millionen Tonnen Plastik würden

dafür gebraucht. „Der BUND

fordert einen Dreiklang für die Plastikwende:

Verbote von Schadstoffen

und Mikroplastik sowie die Bekämpfung

von Plastikmüll“, sagt der

BUND-Vorsitzende HubertWeiger.

Dass Mikroplastik in den Meeren

eine große Belastung ist, ist inzwischen

bekannt. Weniger verbreitet

ist der Fakt, dass die Verschmutzung

von Boden und Binnengewässern je

nach Umgebung zwischen vier-und

23-mal so hoch ist wie im Meer.„Die

industrielle Landwirtschaft nutzt gigantische

Mengen an Kunststoff“, so

Unmüßig.

„Wir waren vor 20, 25 Jahren erheblich

weiter im Umweltdenken“,

findet Weiger. Etwa bei der Stärkung

der Mehrwegquote im Getränkebereich.

Rolf Buschmann, BUND-Experte

für Ressourcen, ergänzt: „Bei

großen Softdrink-Herstellern findet

ein bewusster Wechsel vonMehrweg

zu Einweg statt.“

Neben den Umweltgefahren

heizePlastik auch die Klimakrise an,

sagt Unmüßig. „Von der Produktion

bis zur Entsorgung entstehen im

Laufe des Lebenszyklus von Plastik

gewaltige Mengen an Treibhausgasen

und gefährden das Erreichen der

weltweiten Klimaziele.“

Hinzu kommen gesundheitliche

Risiken: „Die bestehen insbesondere

durch Mikroplastik und giftige Zusatzstoffe

in den Kunststoffen.Vorallem

Frauen, Kinder und Neugeborene

sind enormen gesundheitlichen

Risiken ausgesetzt“, so Unmüßig.


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 5 *

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Politik

80 Hinweise

zum Fall

Lübcke

Fotos und Videos werden

ausgewertet

ImFall des erschossenen Kasseler

Regierungspräsidenten hat ein

Zeugenaufruf im TV zunächst keinen

Durchbruch bei den Ermittlungen

gebracht. Nachdem die ZDF-

Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“

über den Todvon Walter Lübcke

(65) berichtet hatte, seien zwar

80 Hinweise eingegangen. „Eine

ganz heiße Spur war aber noch nicht

dabei“, sagte Torsten Werner, Sprecher

der Sonderkommission (Soko)

der Polizei am Donnerstag.

Da in der Tatnacht nur wenige

Meter entfernt vom Haus des CDU-

Politikers eine Kirmes stattfand, hatten

die Ermittler Besucher darum

gebeten, Fotos undVideos des Festes

an die Polizei zu schicken. Auch nach

Zeugen, die einen Schuss gehörthatten,

wurde gesucht. Dieses Material

werde nun ausgewertet, sagte Andreas

Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Kassel: „Zum Stand der

Ermittlungen gibt es nichts, was wir

verlautbaren können.“

Laut Staatsanwaltschaft war am

Mittwoch erneut der Tatort indem

900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha

bei Kassel nach Spuren abgesucht

worden. Zudem wurde die

Soko „Liemecke“ von etwa 20 auf

rund 50 Beamte verstärkt. Am 13.

Juni soll der Ermordete mit einer offiziellen

Trauerfeier in Kassel geehrt

werden. (dpa)

Die Freiheit der anderen

Macron und Trump erinnern an den D-Day 1944 und suchen nach Gemeinsamkeiten in der Gegenwart

VonBirgit Holzer,Colleville-sur-Mer

Sie waren vor 75 Jahren dabei: Kanadische Veteranen in Colleville-sur-Mer.

Genau 75 Jahre später

stürmt es nicht wie damals,

sondern esscheint

die Sonne.Vor Beginn der

Zeremonie eilen Schulkinder über

den US-Militärfriedhof von Colleville-sur-Mer,

umihre Plätze einzunehmen;

sie laufen vorbei an 9386

weißen Kreuzen, die sich ordentlich

nebeneinander aufreihen und von

denen jedes für diesen besonderen

Tagmit Fahnen der USA und Frankreichs

drapiertwurde.

Etwas später sitzen im Publikum

vorden Schülernrund 160 Senioren,

Ehrengäste bei der Feier zum Gedenken

an die Landung der Alliierten an

den Stränden der Normandie. Es

sind US-amerikanische Veteranen,

die als junge Männer einst an der

Operation Overlord teilnahmen, mit

der ab dem 6. Juni 1944, dem D-Day,

an dem die alliierten Kräfte dieWestfront

gegen Nazi-Deutschland eröffneten.

An jenem „längsten Tag“ wurden

rund 7000 Schiffe und Landungsboote

eingesetzt, die Luftstreitkräfte

flogen 13 000 Angriffe,

156 000 Soldaten landeten an. Es war

der Auftakt der Befreiung Frankreichs

vonden deutschen Besatzern.

75 Jahrespäter beging Frankreich

am Donnerstag das 75-jährige Jubiläum

nicht nur mit einer imposanten

Zeremonie, sondern mit gleich

mehreren Veranstaltungen. Nach einer

ersten franko-britischen Feier im

KüstenortVer-sur-Mer mit 14 Staatsund

Regierungschefs gedachten Präsident

Macron und US-Präsident

Donald Trump den amerikanischen

Streitkräften in Colleville-sur-Mer;

ein bilaterales Gespräch folgte. Die

meisten der damals kämpfenden

Soldaten seien erst um die 20 gewesen,

betonte der französische Staatschef.

„Und doch schienen sie weit

weg, die glücklichen Tage ihrer Jugend.

Weit entfernt waren die welligen

Hügel vonPennsylvania, Kentucky

oder New Jersey, weit entfernt

die Studienjahre, wo sie einen Beruf

erlernt hatten, den sie manchmal nie

ausüben würden.“ Schließlich

dankte Emmanuel Macron den Anwesenden

auf Englisch.

Dass er dabei auch die Entstehung

der Vereinten Nationen, der

Nato und später der Europäischen

AFP

Union als kluge Lehren aus den

Kriegsgreueln lobte, ließ sich als Anspielung

auf die Kritik Trumps an

den Institutionen und seine Abkehr

vomMultilateralismus deuten. Auch

Macrons Worte, Amerika sei „immer

dann am größten gewesen, wenn es

für die Freiheit der anderen gekämpft

hat“, klangen wie eine Mahnung.

Nach anfänglichem Zurschaustellen

ihrer famosen Männerfreundschaft

ist die Beziehung zwischen

den Präsidenten frostig, seit

Trump sich weigerte,das Pariser Klimaabkommen

zu unterzeichnen,

und Macron Widerstand gegen ein

Handelsabkommen zwischen der

EU und den USA leistete.Trump betonte

zwar das „starke Band“ zwischen

ihren Ländern, das durch all

die Jahregehalten habe,sprach vom

Einsatz der US-Soldaten 1944 als

„Kreuzzug“ und von einer „wilden

Schlacht zwischen dem Guten und

dem Bösen“. Doch interpretierte er

das Geschehen als Demonstration

amerikanischer Größe und Stärke.

Eine eigene Zeremonie

Eine Geste für die Verdienste der eigenen

Nation ließ sich aber auch

Macron nicht nehmen: Er würdigte

in einer eigenen Zeremonie die am

D-Day beteiligte Kommandoeinheit

des Freien Frankreichs unter Philippe

Kieffer. Mit 177 Soldaten, von

denen heute nur noch drei leben,

war sie zahlenmäßig gering – und

doch erschien es Macron bedeutsam,

an diesem Tagden Beitrag der

Résistance zu betonen.

NACHRICHTEN

Razzien nach Hasspostings

im Internet

DasBundeskriminalamt (BKA) ist

am Donnerstag mit Dutzenden

Durchsuchungen und Vernehmungen

bundesweit gegen HasskommentareimInternet

vorgegangen,

darunter in Berlin. DieBehörde wirft

den Beschuldigten vor, im Internet

zum Beispiel öffentliche Aufforderungen

zur Begehung vonStraftaten,

Beleidigungen vonAmtspersonen

oder antisemitische Beschimpfungen

gepostet zu haben. (dpa)

Leipziger OB Jung neuer

Präsident des Städtetags

MitLeipzigs Oberbürgermeister

BurkhardJung (SPD) hat der Städtetag

erstmals das Oberhaupt einer

ostdeutschen Großstadt an seiner

Spitze. Dergebürtige Westfale wurde

am Donnerstag in Dortmund zum

Städtetagspräsidenten gewählt. Der

61-Jährige ist seit 2006 OB und will

2020 wiedergewählt werden. (dpa)

Präsident Putin stellt

Atomwaffenvertrag infrage

Russlands Präsident Wladimir Putin

hat damit gedroht, den Vertragzur

Reduzierung strategischer Kernwaffen,

NewSTART,auslaufen zu lassen.

„Wenn niemandem danach ist, das

Abkommen zu verlängern–New

START–nun, dann werden wir es

nicht tun“, sagte Putin am Donnerstag

in St.Petersburg. (AFP)

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a) 30.08. -10.09.19 Reise 1Costa Favolosa: 8-tägige Kreuzfahrt

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02. Kopenhagen/Dänemark 08.30 17.30

03. Erholung auf See - -

04. Hellesysylt/Sunnylvsfj./N 08.00 09.00

04. Geirangerfjord/Norwegen 11.00 18.00

05. Bergen/Norwegen 08.00 18.00

06. Stavanger/Norwegen 08.00 17.00

07. Göteborg/Schweden 10.00 17.00

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Reise 2Costa Pacifica: 11-tägige Kreuzfahrt

Große Ostseekreuzfahrt

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01. Kiel 17.30

02. Erholung auf See - -

03. Stockholm/Schweden 08.00 17.00

04. Helsinki/Finnland 12.00 18.00

05. St. Petersburg/Russland 07.00 -

06. St. Petersburg/Russland - 18.00

07. Tallinn/Estland 08.00 13.00

08. Klaipeda/Litauen 10.00 20.00

09. Gdynia/Danzig/Polen 07.00 20.00

10. Erholung auf See - -

11. Kiel 09.00

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Reise 3Costa Pacifica: 12-tägige Kreuzfahrt

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01. Kiel 17.30

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03. Alesund/Norwegen 10.30 18.30

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05. Honningsvag/Nordkap/Norw. 12.30 20.30

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07. Leknes/Lofoten/Norwegen 08.00 17.00

08. Trondheim/Norwegen 14.00 20.00

09. Hellesylt/Norwegen 09.00 10.00

09. Geiranger/Norwegen 11.00 18.00

10. Bergen/Norwegen 09.00 19.00

11. Erholung auf See - -

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• Sonstige Hinweise Reise 1&3: Personalausweis, Reise 2: Reisepass, mit 6-mon. Gültigkeit nach Reiseende erforderlich

• Veranstalter: Costa Kreuzfahrten, Niederlassung der Costa Crociere S. p. A. (Genua), Am Sandtorkai 39, 20457 Hamburg

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17:45

6 Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

·························································································································································································································································································

Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Miete

deinen

Apfelbaum

VonJörg Niendorf

Weitläufige Wiesen, auf denen

hin und wieder ein Obstbaum

steht –das ist doch eher kein Phänomen

der Großstadt. Selbst wenn sie,

wie Berlin, noch so grün ist. Oder? Es

stimmt. Allerdings bis auf einige Ausnahmen,

und diese gibt es ganz am

Rande der Stadt. Dort nämlich, ausgerechnet

auf den ehemaligen Rieselfeldern

–in klaren Worten: auf dem

einstigen Abtritt der Millionenstadt –

wachsen seit langem urtümliche und

traditionelle Streuobstwiesen heran.

Immer wieder werden neue Bäume

gepflanzt. Das Gras und die Blumen

wuchern üppig, solche Biotope gelten

als ökologisch besonders wertvoll

und artenreich. Sie gibt es heute in

Blankenfelde oder Hobrechtsfelde im

Norden genauso wie in Großziethen

und StahnsdorfimSüden, und meistens

sind es Umweltverbände,die zeigen

wollen, welchen Nutzen es hat,

eine Wiese mit Obstbestand einfach

nurWiese sein zu lassen.

Und will sich der normale Großstädter

daran beteiligen, so kann er

das ganz einfach tun: Mit einer Patenschaft

für einen Baum, das ist

mittlerweile ein gängiges Geschäftsmodell

bei vielen Initiativen. Fünf

Euro „Miete“ kostet ein Apfelbaum

im Monat, also 60 Euro im Jahr.Dieser

Preis ist eigentlich überall gleich.

Immerhin ein Dutzend solcher Flächen

sind es bereits. Begonnen damit

hatte einst der Berliner Landesverband

des BUND,erpachtete 1995

eine Rieselfeldfläche in Stahnsdorf

von den Berliner Stadtgütern. „Wir

wollten hier von Anfang an zeigen,

wie die überlieferte Bewirtschaftungsweise

funktioniert“, sagt Eckart

Klaffke,Biologe.Eine Streuobstwiese

war früher schließlich immer ein Bestandteil

der Landwirtschaft, sie gehörte

einfach dazu, Punktum.

Gönner aus der Stadt

Als der BUND das Land in Stahnsdorf

übernahm, standen sogar schon viele

Obstbäume dort, allerdings eher im

Spalier wie in einer Plantage. Nach

und nach baute der Biologe Klaffke

dann seit den 90ern mit den damals

oft eingesetzten ABM-Kräften und

vielen Freiwilligen die Flächen um.

„Es braucht Fachkenntnis dafür,allen

Bäumen genug Raum zu lassen“, sagt

Klaffke, und auch dieses, fügt er

hinzu, basiere wiederum auf altem,

tradiertem Wissen. Eine Schafherde

mit 50 Tieren mäht die Fläche rund

um die etwa 250 Apfel- und Birnenbäume,

die heute hier stehen. Jeder

fünfte davon ist ein junges Gehölz

und hat einen Gönner aus der Stadt,

der dafür zahlt. EinSchild verrät, wer

Pate ist.

Manchmal kommen Familien

vorbei zu ihrem Mietbaum, zum

Picknick etwa. Außerdem kommen

viele Grundschulklassen zu Ausflügen,

dann erklärt eine BUND-Mitarbeiterin

die alten Apfelsorten. Wenn

die Ernte ansteht, sind auch wieder

viele freiwillige Helfer da. Aus dem

Obst wird ausschließlich Saft gemacht,

den der BUND verkauft. Der

Erlös hilft, das Vorreiterprojekt weiter

zu finanzieren. Der Pachtvertrag

läuft mindestens bis 2033.

Die Wiese rund um die Mietbäume mähen

50 Schafe. BUND BERLIN/E.KLAFFKE

Bekanntheit und

Nutzungshäufigkeit

von Selbstbedienungskassen*

Nutzer

Nichtnutzer

immer

4%

Kenne ich

nur dem

Namen nach

43%

häufig

6%

Bildschirm

Ander Gummibärchenpackung befindet

sich der Strichcode unten links.

Es reicht den Scanner nah dran zu

halten, damit es „piep“ macht und

der Warenwert zum Einkauf addiert wird. Anders

beim Apfel: Der muss erst gewogen werden,

dann kann man auf dem Bildschirm das

Apfelsymbol drücken. Das funktioniert. Die

Selbstbedienungskassen im Netto in der Alten

Jakobstraße in Kreuzberg sind neu. Doch zwei

von den vier Geräten sind verwaist, der Großteil

der Kunden steht gegenüber in der

Schlange und wartet, bis die Kassiererin die

Warenfür sie über das Band gezogen hat.

Aber auch beim Test an der Selbstbedienungskasse

füllt sich nach und nach die Rechnung,

die Beträge werden automatisch aufaddiert,

am Schluss genügt es, auf „Bezahlen“ zu

drücken und eine Zahlmethode auszuwählen.

DieEC-Karte in das Gerät zu schieben, funktioniertgenau

so wie an einer regulären Kasse.Kassenbon

mitnehmen, fertig. Fazit: Schwierig ist

es nicht, eine Selbstbedienungskasse –kurzSB-

Kasse oder auch Self-Check-out genannt –zu

bedienen. Man muss sich nur einmal mit den

ganzen Knöpfen vertraut gemacht haben.

Die Kreuzberger Filiale ist nicht die erste, in

dem die SB-Kassen eingeführt worden sind. In

15 weiteren Netto-Filialen in Berlin sind sie integriert.

In einigen schon seit mehreren Jahren.

Doch es werden zunehmend mehr.Auch Berliner

Rewe-, Real- und Kauflandmärkte haben

sie. Edeka plant in Berlin die Einführung für

2020 und auch der Drogeriemarkt Rossmann

hat testweise einzelne SB-Kassen aufgestellt.

Entlastung an hochfrequentierten Standorten

1

An der Schlange vorbei

Immer mehr Supermärkte führen Selbstbedienungskassen ein. Ein Fortschritt oder führt das zu Personalabbau?

manchmal

10%

Scanner

auch für Barcode/Rabattcoupons

und Leergutbons

VonTheresa Dräbing (Text) und Isabella Galanty (Infografik)

Wie eine Selbstbedienungskasse funktioniert

Artikelerfassung

Die Ware kann entweder durch das Scannen

des Barcodes oder über ein bebildertes

Tableau am Bildschirmerfasst werden.

Anschließend ertönt ein Piepton. Der Artikel

erscheint auf dem Bildschirm, der alle

erfassten Artikel und die Summe anzeigt.

Kartenlesegerät

Kassenbon

Selbstbedienungskassen in Berlin 2019 Anzahl der Fillialen mit SB-Kassen

Netto

16

Kaufland

10

Rewe

6

Real 3

Rossmann im Teststadium

Edeka 2020 Einführung von SB-Kassen

Verbraucher

Wann die Akzeptanzfür Kunden steigen würde,

ausgewählte Antworten

Keine Entlassung von Kassierern/-innen

71%

Einfache Erklärungen zum

Ablauf des Scan- und Bezahlvorangs

31%

Mehr ansprechbares Personal/Mitarbeiter

30%

123 Befragte (Stand2016)

Motivation

an der Selbstbedienungskasse

zu arbeiten, ausgewählte

Antworten

Hilfsbereitschaft, ich erkläre gern

Abwechslungsreiche Tätigkeit

50 Befragte (Stand 2016)

66%

Geringeres Überfallrisiko, da das Geld

unzugänglich ist

50%

96%

Wechselnd stehende und sitzende Tätigkeit

56%

Einstellungen

von Mitarbeitern,die an der Selbstbedienungskasse

arbeiten, ausgewählte Antworten

Dient Service und Kundenzufriedenheit, ist ein

modernes, zukunftsorientiertes Kassensystem

76%

Überfordert den Kunden

Dient der Personalreduktion

29%

63%

Erzeugt weniger Druck/Stress an hochfrequenten

Tagen

42%

QUELLE: EHI RETAIL INSTITUTE, ANGABENDER UNTERNEHMEN,

*BEFRAGTE: 4011, STAND 2015

2

3

selten

11%

nie 21%

Bezahlung

Die meisten SB-Kassen funktionieren

bargeldlos mit EC- oder Kreditkarte.

Je nach Anbieter können

Kunden den Einkauf aber auch

mittels Scheinen, Münzen,

Gutscheinkarte oder Smartphone-

App begleichen.

Einpacken

Nach erfolgter Bezahlung kann der

Einkauf verpackt und der

automatisch gedruckte Kassenbon

mitgenommen werden.

Nein,

kenne ich

nicht

5%

Doch ist diese Entwicklung nun unter „technischer

Fortschritt“ zu verbuchen oder steht sie

als Paradebeispiel für „Technik rationalisiert

das Personal weg“?

Einer Untersuchung des Kölner Handelsforschungsinstituts

EHI von 2016 zufolge befürchteten

57 Prozent der befragten Beschäftigten

ohne SB-Kassen-Erfahrung, dass die

Einführung solcher Kassen auch dem Personalabbau

diene. Dazu passt eine Verbraucherbefragung

des EHI aus demselben Jahr, bei

dem herauskam, dass 71 Prozent der befragten

Kunden SB-Kassen nur nutzen würden, wenn

sicher sei, dass keine Kassierer oder Kassiererinnen

dadurch entlassen werden würden.

„In keinem unserer mit SB-Kassen ausgestatteten

Standorten ist es in den vergangenen

15 Jahren aufgrund des Einsatzes von SB-Kassen

zum Abbau von Kassenpersonal gekommen“,

macht Frank Grüneisen, Sprecher von

Real, auf Nachfrage deutlich. Auch an SB-Kassen

werde Personal zur Betreuung und Beratung

von Kunden eingesetzt. Zum Beispiel

wenn die Kasse sperrt, weil das Gewicht der

aufgelegten Ware nicht zum bezahlten Produkt

passt –ein Sicherheitsmechanismus, der erst

wieder vom Personal freigegeben werden

muss. Die Anzahl der Bedien-Kassen sei meist

nur um eine, aneinigen Standorten maximal

um zwei traditionelle Kassen reduziert worden,

um Platz für vier weitere Selbstbedienungskassen

zu schaffen. „Die Anzahl der für

die Kunden verfügbaren Kassen steigt also in

jedem Fall an und bedeutet in Spitzenzeiten für

unsereKunden –aber auch für alle Kassenmitarbeiter

–eine weitere Entspannung des gesamten

Kassierablaufes“, so Grüneisen.

Einige Händler sehen auch Nachteile

BeiReweheißt es,durch ein zunehmendes Serviceangebot

aus Theken, Eigenproduktionen

und Bistros werde deutlich mehr Personal gebraucht

als noch vor ein paar Jahren –und

nicht weniger. Die SB-Systeme sollen die herkömmlichen

Kassen außerdem nicht ersetzen.

An hochfrequentierten Standorten könnten

die Scanner dennoch eine Ergänzung zu den

bewährten Bedienkassen sein, so eine Sprecherin

der Rewe-Gruppe. Der Hauptvorteil

liege für Kunden darin, den Einkauf schneller

bezahlen zu können und nicht in der Warteschlange

stehen zu müssen, gerade,wenn man

nur wenige Artikel einkaufen will.

Das sehen allerdings nicht alle so. „Selbst

hochtechnisierte Selfscanning-Kassen beschleunigen

nicht unbedingt den Bezahlvorgang,

weil die Abläufe mitunter sehr komplex

sind“, sagt zum Beispiel Vivian Sander,Regionalleiterin

vonDenn’s Biomarkt für die Region

Berlin. Die Alterskontrolle beim Konsum von

Alkohol im Sinne des Jugendschutzes über

EC-Karten- oder Ausweisleser sei hierfür nur

ein Beispiel. Denn’s Biomarkt habe sich deshalb

bewusst dafür entschieden, keine SB-

Kassen in Berlin einzuführen. Tatsächlich

müssen Produkte, die unter das Jugendschutzgesetz

fallen, auch an SB-Kassen vom

Kassenpersonal extrafreigeben werden.

In der Studie vom EHI-Institut zur Einstellung

gegenüber SB-Kassen wurden auch Mitarbeiter

befragt, die bereits an einer solchen Kasse

arbeiten. Dass eine Einführung dem Personalabbau

diene,das glaubten in dieser Gruppe mit

29 Prozent weitaus weniger Befragte –gegenüber

57 Prozent ohne SB-Erfahrung.

NEU IN DER STADT

Einweggeschirr

rettet den

Regenwald

VonTheresa Dräbing

Essind nicht nur die Kaffeebecher.

Auf Straßenfesten, Wochenmärkten

oder Firmenveranstaltungen

ist Einweggeschirr kaum wegzudenken.

Doch nach einmaliger Benutzung

landen Teller, Becher und

Besteck im Müll. Sicher, Porzellan

wäre unhandlich, aber Plastik ist

eben ziemlich umweltschädlich.

BergeanPapiermüll auch. Alternativen

sind außerdem meist ein bisschen

teurer.

Dennoch hat es das Berliner

Start-up Leef Blattwerk mit seinem

Projekt „Leef Unlimited“ geschafft,

dass mehrere Berliner Veranstalter

mittlerweile nur noch kompostierbares

Geschirr aus gepressten Palmenblättern

ordern. Werandiesem

Wochenende den Karneval der Kulturen

besucht oder im August die

Potsdamer Schlössernacht, erhält

von den Imbissständen ausschließlich

Palmblatt-Teller. Auch wer im

Winter auf dem Lucia-Weihnachtsmarkt

in der Kulturbrauerei Prenzlauer

Berg oder beim Lollapalooza-

Festival war, hat sie bereits gesehen

oder davon gegessen.

DerDeal: ProTeller,den derjenige

Veranstalter Leef Blattwerk abkauft,

verspricht das Unternehmen, einen

Quadratmeter Regenwald zu retten.

162 046 Quadratmeter sind es schon,

die mithilfe vonLeef und der Organisation

„World Land Trust“ zum Beispiel

in ein Naturschutzgebiet zurückgeführt

worden sind, sagt Claudio

Vietta, Geschäftsführer des Startups

mit Sitz in Treptow.

Mit diesem Versprechen, nicht

nur umweltfreundliches Geschirr

zu nutzen, sondern darüber hinaus

etwas Gutes zu tun, rechtfertigen

die Foodtrucks den etwas höheren

Preis für die Palmblatt-Teller. Zum

Vergleich: Während ein Hunderter-

Pack Plastik-Teller für den Privatkunden

schon für sieben Euro zu

haben ist, bekommt er für denselben

Preis 25 Palmblatt-Teller. „Das

Ganze funktioniert allerdings nur,

wenn alle Essensanbieter auf einer

Veranstaltung mitmachen“, sagt Vietta.

Zum einen, damit bei den aufgerufenen

Preisen für die Speisen

Chancengleichheit herrscht. Zum

anderen ist die Mülltrennung so

leichter und weniger Plastikteller

landen neben Palmblatt-Tellern im

Müll, der dann nicht mehr kompostiert

werden kann, sondern verbrannt

werden muss.

Die CO 2 -Bilanz

Das Kompostieren ist aber leider

noch ein Problem, gibt Claudio Vietta

zu. „Dafür müsste man auf dem

Veranstaltungsgelände flächendeckend

Mülleimer nur für die Palmblatt-Teller

aufstellen“, sagt er. Teilweise

passiere das schon, aber nicht

überall.

Negativ in der Klimabilanz wirkt

sich auch der Transportweg der Teller

aus.Für das nachhaltige Geschirr

nutzt das Start-up herabgefallene

Blätter der Areca-Palme aus Indien.

Produziert wird vor Ort, verschifft

werden müssen die Teller allerdings

noch. „Wir geben uns unheimlich

viel Mühe, den Prozess so sauber

und effizient wie möglich zu halten“,

sagt Vietta. Die CO 2 -Bilanz sei gar

nicht so schlecht, der gesamte Weg

käme einer Lkw-Fahrtvon Romnach

FrankfurtamMain gleich.

„Wir sind noch nicht perfekt“,

weiß Vietta, „aber irgendwo muss

man ja anfangen.“

LEEF


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 7 *

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

7.3.19

Abnahmemenge

in Liter

MÄRKTE

▼ 11953,14 (–0,23 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

7.3.19

Euro in US-Dollar

7.3.19

Stand der Daten: 06.06.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 LiterinEuro

(in Klammern Vorwoche)

1000 73,37 (79,74)

3000 68,90 (75,01)

5000 67,28 (73,46)

10 000 65,79 (72,08)

15 000 65,30 (71,60)

inkl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 6. 6. 2019

6.6.19

▲ 62,35 (+1,14 %)

6.6.19

▲ 1,1266 (+0,08 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 06.06. zum Vortag

Linde PLC 173,70 +2,12 WWWW

RWESt. 23,07 +1,94 WWWW

E.ON NA 9,76 +1,69 WWW

Adidas NA 260,50 +1,20 WWW

Healthineers 35,82 +1,19 WWW

Scout24 NA 44,62 +1,18 WWW

Verlierer

6.6.19

aus DAX und MDAX vom 06.06. zum Vortag

Dt. Wohnen Inh. 39,15 WWWWWWWWWWW –7,73

Vonovia NA 45,49 WWWWWWW –4,67

TAGImmobilien 20,66 WWWWW –3,28

Grand City Prop. 22,74 WWWWW –3,23

Deutsche Bank NA 5,96 WWWWW –2,93

LEG Immobilien 106,30 WWWW –2,52

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 06.06. ±% z. 05.06.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,05

3541/2909 3338,41

CAC 40(FR) –0,26

5601/4556 5278,43

S&P UK (UK) +0,59

1569/1323 1469,34

RTS (RU) +1,27

1323/1033 1319,85

IBEX (ES) +0,20

9986/8286 9169,20

Dow Jones (US) +0,88

26952/21713 25763,97

Bovespa (BR) +0,12

100439/69069 96605,56

Nikkei (JP) –0,01

24448/18949 20774,04

Hang Seng (HK) +0,20

31435/24541 26947,56

Stx Singap. 20 (SG) +0,12

1635/1350 1524,83

Europäische Zentralbank: Europas

Währungshüter halten an ihrem Billiggeldkurs

fest und verschieben

eine mögliche Zinserhöhung mindestens

auf die zweite Jahreshälfte

2020. DerLeitzins im Euro-Raum

bleibt auf dem Rekordtief vonnull

Prozent. Auch an den 0,4 Prozent

Strafzins,den Banken zahlen müssen,

wenn sie Geld bei der Europäischen

Zentralbank parken, rüttelt

die Notenbank nicht. Dies entschied

der EZB-Rat am Donnerstag. (dpa)

Von Stefan Winter

Kein

Traubenzucker

gratis

BGH untersagt Apotheken

Beigaben zur Arznei

Taschentücher und Traubenzucker

ade –Apothekenkunden mit

Rezept vomArztdürfen zum Medikament

keine Kleinigkeiten im Cent-

Bereich mehr dazubekommen. Auch

Mini-Geschenke von geringem Wert

sind unzulässig, wie der Bundesgerichtshof

(BGH) entschied. Die Interessen

vonVerbrauchernund Mitbewerbern

würden dadurch spürbar

beeinträchtigt, sagte der Vorsitzende

Richter Thomas Koch (Az. I ZR

206/17 u.a.).

Verschreibungspflichtige Arzneimittel

müssen in Deutschland überall

gleich viel kosten. Schnäppchenangebote

sind also tabu. Apotheker,

die ihren Kunden beim Rezepteinlösen

kleine Präsente oder Gutscheine

für den nächsten Einkauf in die Hand

drücken, unterlaufen diese Preisbindung

indirekt. Bisher hatte der BGH

Geschenke bis einen Euro trotzdem

durchgehen lassen. Damit ist jetzt

Schluss.

DieEntscheidung betrifft nur Medikamente,die

ein Arzt verschreiben

muss. Für Kunden, die auf eigene

Kosten einkaufen, ändertsich nichts.

Zur Allergiker-Sonnencreme oder

den Kopfschmerztabletten darfesalsoweitereinekleineAufmerksamkeit

dazu geben. Denn Arzneimittel, für

die es kein Rezept braucht, dürfen die

Apotheken seit 2004 frei bepreisen.

Hier ist Wettbewerb erwünscht.

Die Preisbindung für rezeptpflichtige

Arznei soll verhindern,

dass sich die Apotheken einen ruinösen

Preiskampf liefernund damit die

flächendeckende Versorgung mit

Medikamenten gefährden. Auf der

anderen Seite soll kein Kranker Angst

haben müssen, übervorteilt zu werden.

Konkret beanstandeten die

Richter die Gutscheinaktionen von

zwei Apotheken. In Darmstadt hatte

es gratis „zwei Wasserweck oder ein

Ofenkrusti“ beim nahen Bäcker gegeben,

im Berliner Bezirk Spandau

einen Euro Nachlass beim nächsten

Einkauf. (dpa)

Achsenbruch

Die Fusion zwischen Fiat Chrysler und Renault istvorerst abgesagt

Renault-ZentraleinParis.

Die große Autofusion ist

vorerst abgesagt. Doch

offenbar haben beide

Seiten die Hoffnung noch

nicht völlig aufgegeben. Fiat Chrysler

(FCA) ist nach eigenen Worten weiter

überzeugt vomSinn der Transaktion,

und auch Renault sprach von einer

„zwingenden industriellen Logik“.

Dennoch stoppte FCA das Projekt,

bevor formelle Verhandlungen beginnen

konnten. Nach dem Scheiternschiebt

man den SchwarzenPeter

hin und her.

Der italienisch-amerikanische

Konzern hatte den Franzosen eine

Fusion vorgeschlagen, nach der beiden

Seiten jeweils die Hälfte am neuen

Unternehmen gehören sollte.Renault

zeigte sich grundsätzlich offen,

und auch die französische Regierung,

die dort15Prozent der Stimmrechte

kontrolliert, begrüßte das Angebot.

Sie forderte allerdings Garantien

für Standorte und Arbeitsplätze.

Kompliziert wurde das Geschäft

auch durch die enge Verbindung von

RenaultundNissan–dieJapanerhätten

bei einer Fusion mitzureden,

wurden von FCA aber nicht offiziell

gefragt.

Gescheitert sei man letztlich an

den „derzeitigen politischen Verhältnissen

in Frankreich“, teilte FCA ungewöhnlich

deutlich mit. Auch Renault

zeigte in Richtung der französischen

Regierung: Der Verwaltungsrathabe

den Beginn der Verhandlungen

nicht beschließen können, weil

die Staatsvertreter noch Gesprächsbedarfhätten.

Daraufhin machte Fiat

Chrysler den Rückzieher –was die

französische Regierung wiederum irritiert:

Es habe keinen guten Grund

gegeben, das Angebot so überstürzt

zurückzuziehen, hieß es in Regierungskreisen.

Bereits seit Beginn der

Kontakte habe FCA Zeitdruck ausgeübt.

Diefranzösische Seite habe klargemacht,

dass sie sich nicht derart

unter Druck setzen lasse.

Nach Einschätzung der meisten

Branchenexperten bräuchte FCA

FOTO: CHRISTOPHE ENA/AP

den Zusammenschluss dringender

als Renault, doch die Börse reagierte

anders auf das Scheitern: Während

die Renault-Aktie um rund 6 Prozent

abrutschte,erholte sich die FCA-Aktie

nach kurzerSchwäche wieder. Offenbar

waren viele Anleger irritiert

von den unklaren Machtverhältnissen

bei Renault.

Fiat Chrysler will nach eigenen

Angaben nun den Alleingang fortsetzen.

Doch der Konzernsucht seit Jahreneinen

großen Partner und dürfte

damit jetzt nicht aufhören. Frank

Schwope, Autoexperte der Nord/LB,

sieht beispielsweise den französi-

Braucht Ihr Unternehmen

einen Wachstumsschub?

Leonhard Thyssen, Gründer, roometric GmbH

schen PSA-Konzernmit den Marken

Peugeot, Citroën und Opel als „natürlichen

Partner“. Angeblich habe

es auch hier jüngst Gespräche gegeben.

„Ebenso ist die Fusion zwischen

Fiat Chrysler und Renault sicherlich

nicht endgültig vomTisch.“

Vorallem der europäische Zweig

von FCA hat massive Probleme. Fiat

verliert seit Jahren Marktanteile und

nutzte nach der Finanzkrise die

Chance, praktisch zum Nulltarif

beim damals insolventen US-Hersteller

Chrysler einzusteigen. Dort

bringt vor allem die Marke Jeep ordentlicheGewinne.Sieunddasamerikanische

Chrysler-Vertriebsnetz

bieten den größten Reiz für potenzielle

Partner.

Doch unter dem Strich bleibt

nicht viel: Im ersten Quartal dieses

Jahres machte der FCA-Konzern bei

24,5 Milliarden Euro Umsatz nur gut

500 Millionen Euro Nettogewinn.

Dem Konzern fehlt Know-how bei

Elektroantrieb und Vernetzung und

gleichzeitig das Geld, umdiese Lücken

zu schließen.

Doch auch die Franzosen sind mit

sich selbst beschäftigt. Derlangjährige

Chef Carlos Ghosn steht unter

Korruptionsverdacht und wurde abgelöst.

Diegroße Autoallianz vonRenault,

Nissan und Mitsubishi steht

ohneihrenArchitektennichtmehrso

stabil. DieMeinungsbildung bei den

Franzosen dürfte sich auch wegen

Abstimmungen mit Nissan hingezogen

haben.

NACHRICHTEN

Bahn untersucht

Beraterverträge

Beider Deutschen Bahn ist es zu

Auffälligkeiten bei Beraterverträgen

gekommen. Dasteilte der StaatskonzernamDonnerstag

mit. Intern

würden Verträge aus der Zeit von

2010 bis 2018 untersucht. Dabei gehe

es auch um Ex-Konzernvorstände,hieß

es.Der Aufsichtsrat wolle in

der nächsten Woche zu einer Sondersitzung

zusammentreten, um

darüber zu beraten. Namen oder

Summen wurden zu den Verträgen

nicht genannt. Sobald eine abschließende

Bewertung und Handlungsempfehlungen

vorliegen, will die DB

AG dazu informieren. (dpa)

Deutsche Banken

wenig profitabel

Deutsche Bankengehörenbei der

Profitabilität im Privatkundengeschäft

internationalzuden Schlusslichtern.

Sieerwirtschafteten mit

jährlich159 Euro proKunde vergleichsweise

niedrige Betriebsgewinne.Das

hatdas Beratungsunternehmen

PwC in einer Untersuchung von

gut 50 europäischen Bankenausgerechnet.Schweizer

Banken erzielen

mit451 Euro proKundeein fastdreimal

so hohesErgebnis.Die als

schwachverschrienen italienischen

Banken liegen überraschenderweise

auf Platzfünf und sindmit 290 Euro

Betriebsgewinn proPrivatkunde vergleichsweise

profitabel. (dpa)

Europa bietet Ihnen ganz neue Möglichkeiten –und die nötige Finanzierung.

Leonhard Thyssen fand: „Es ist an der Zeit, dass mein Unternehmen mit meinen Ambitionen mitwächst –

und zwar über Deutschland hinaus.“ Er kontaktierte das Enterprise Europe Network, um alles über die

Chancen des Europäischen Binnenmarktes für sein Unternehmen zu erfahren. Das Enterprise Europe

Network half ihm, die passende Finanzierung zu finden, um sein Unternehmen weiterzubringen –

ob in Form von neuem Kapital, Krediten oder Zuschüssen.

Warum machen Sie es nicht wie Leonhard Thyssen? Die Möglichkeit, Ihr Unternehmen

weiterzubringen, liegt in Ihrer Hand.

Unter www.een-deutschland.de erfahren Sie,

was das Enterprise Europe Network für Sie tun kann.


8* Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Meinung

Kindergesundheit

ZITAT

Geht

doch

Christine Dankbar

ist der Meinung,dass man Eltern

auch mal loben darf.

Eltern gehen mit ihren Kindern seltener

zum Arzt als in früheren Jahren.

Das hat eine Forsa-Umfrage ergeben.

Man weiß auf den ersten Blick nicht so

recht, ob das eine gute oder eine schlechte

Nachricht ist. Sind unsere Kinder gesünder

als früher? Oder sind wir Elterngleichgültiger

geworden und kümmern uns

nicht mehr so richtig um den Nachwuchs?

Es gibt ja schließlich unter Ärzten einen

lockeren Spruch, der besagt, ein gesunder

Mensch sei lediglich ein schlecht untersuchter

Patient. Und eigentlich sind wir

Eltern esjaauch gewohnt, dass wir an

ziemlich vielen Sachen schuld sind.

Wir vernachlässigen unsere Kinder,

weil wir nur aufs Smartphone gucken. Wir

lassen sie selbst zu lange vor dem Bildschirmsitzen,

weil wir unsereRuhe haben

wollen. In Schule und Gesellschaft sind

die Kleinen dann sozial entsprechend unkompatibel.

So die Theorie.

Sieht man sich nun aber die besagte

Umfrage etwas genauer an, zeigt sich,

dass wir in den vergangenen Jahren offenbar

doch keinen so schlechten Job gemacht

haben. Und ihn im übrigen auch

entspannter handhaben. So geben Eltern

nun häufiger an, dass sie der Meinung

sind, ihrem Kind gehe es gesundheitlich

gut. Der Boom der Ruhigstellungsmedikamente

für Zappelphilippe könnte unter

Umständen auch abgeebbt sein. Ärzte registrieren,

dass sie nun wenigstens für

Kindergartenkinder nicht mehr so häufig

nachgefragt werden. Diemeisten vonuns

haben auch begriffen, dass Hustensaft gar

nicht wirkt, Impfungen aber schon. Das

ist alles wenig überraschend, aber schön,

dass es mal einer sagt. DieUmfrage wurde

übrigens vonden Apothekerverbänden in

Auftrag gegeben. Dieuns auch gerne weiterhin

den Hustensaft verkaufen.

Zeitumstellung

Die Naivität der

EU-Kommission

Steven Geyer

schüttelt den Kopf über den

Umgang mit einer Online-Umfrage.

Viele konkrete Einsätze der direkten

Demokratie wirken derzeit eher abschreckend.

Jüngstes Beispiel: Der Umgang

der EU mit der geplanten Abschaffung

der alljährlichen Zeitumstellung.

Selbst wenn man unterstellt, die Obsession

(fast allein) der Deutschen für das

Thema Sommer- gegen Winterzeit wäre

den aktuellen politischen Aufwand wert –

obwohl dieselben Deutschen ihre Jetlags

nach Amerika- oder Südostasien-Reisen

offenbar sogar bestens überstehen: Allein,

dass eine weithin unbekannte Online-Umfrage,

die vorher nicht als verbindlich

galt und bei der in den meisten

Mitgliedstaaten unter einem Prozent der

Bevölkerung abstimmte,nun die Basis einer

weitreichenden Veränderung für alle

Europäer ist, ist ein Skandal.

Ebenso absurd ist, wie naiv die EU-

Kommission das baldige Aus der Zeitumstellung

ausrief. Dabei war doch absehbar,

dass es kommen musste, wie es nun

gekommen ist und wie es auch die neuerliche

Sitzung der zuständigen EU-Minister

an diesem Donnerstag wieder zeigte:

Entweder droht ein Chaos an neuen Zeitzonen

in der EU –oder es dauertewig, bis

alle Mitgliedstaaten sich für ein Modell

entschieden und das dann auch noch

miteinander sinnvoll abgestimmt haben.

Wenn die CDU nun Druck aufbaut, der

Voting-Wille nach Abschaffung der Winterzeit

müsse schnellstens umgesetzt

werden, ist das zynisch. Wenn man schon

fantasiert, dass sich die EU ausgerechnet

mit dieser Maßnahme beliebt beim Wähler

machen kann, dann hätte man sich

bitteschön vorher ein realistisches Bild

über die schwierige Umsetzung machen

können. Ansonsten produziert man nur

Enttäuschung auf allen Seiten.

Zeit und Gestalter

Mehrere harte rechte Haken –

und dann schnell noch ein

Schlag mit der linken Faust

hinterher. Mit einer derart

durchorchestrierten Abfolge hat schon

manch einer Boxkämpfe gewonnen. Diedänische

Sozialdemokratie hat es mit dieser

Strategie gerade zum Wahlsieger im eigenen

Land gebracht. DiePartei setzte in der Migrationsfrage

konsequent auf Abschottung. Zugleich

haben die Sozialdemokraten den

Wählern Investitionen in Gesundheit, Bildung

und soziale Leistungen versprochen.

Die Rechtspopulisten von der Dänischen

Volkspartei wurden erheblich dezimiert.

Diedeutsche SPD ist gerade bei der Europawahl

auf desaströse 15,8 Prozent abgestürzt.

Dabei haben sie es nicht mal in die

Nähe der neuen zweiten Kraft, der Grünen,

geschafft. Parteichefin Andrea Nahles ist

nach einem brutalen Machtkampf abgetreten.

Noch ist nicht klar, obsich jemand mit

Rang und Namen traut, sich um ihre Nachfolge

zumindest zu bewerben.

Kann die SPD etwas vom Erfolg der Sozialdemokraten

in Dänemarklernen? DerVergleich

lohnt sich. Die Antwort lautet dennoch:

Nein. Es wäre Selbstmord, wenn die

SPD jetzt versuchen würde,mit rechtspopulistischen

Parolen zu punkten.

DerGrund ist, dass sich mitten durch die

SPD-Wählerschaft eine kulturelle Konfliktlinie

zieht – gerade in der Migrationsfrage,

aber nicht nur dort. Der Brite David Goodhart

unterscheidet zwischen den „Somewheres“

und den „Anywheres“: also zwischen

denen, die fester verwurzelt und vielleicht

auch etwas veränderungsskeptisch

sind, und denen, die sich dem eigenen

Selbstbild nach eher als Teil einer multikulturellen

Weltgesellschaft sehen.

ImHerbst 1964 forderten Studierende der

Universität Berkeley in Kalifornien Redefreiheit

auf dem Campus. Mit einer Reihe

von Protestaktionen unterstrichen sie ihren

Anspruch, im Rahmen der universitären Öffentlichkeit

politische Themen zu diskutieren.

Dabei ging es vorallem um den Krieg in

Vietnam, die Gleichberechtigung der

Schwarzen und die Abschaffung der Todesstrafe.Andie

Free-Speech-Bewegung wirdin

diesen Tagen vielfach erinnert. Und das aus

betrüblichen Gründen, denn das Recht auf

freie Meinungsäußerung ist im Alltag vieler

Universitäten in Gefahr geraten.

Die Konfliktfälle häufen sich, auch in

Deutschland. Es gibt offenkundig keinen

klaren Konsens mehr darüber, obdie Redefreiheit

unbegrenzt für alle oder nur eingeschränkt

gelten dürfe. Einladungen von

rechten Populisten oder Islamkritikern provozieren

manche Gruppen so sehr, dass sie

Auftrittsverbote fordern. An amerikanischen,

englischen und deutschen Universitäten

wächst die Intoleranz gegenüber unbequemen

oder einfach nur unliebsamen Positionen.

In Berlin hatten die Professoren Herfried

Münkler und JörgBaberowski jahrelang

unter fundamentalistischen Studierendengruppen

zu leiden, die ihre Vorlesungen

massiv störten. Gegenstand des Streits waren

unter anderem Fragen der Bewertung

von historischen Kriegen und die Einschätzung

des Linkstotalitarismus im 20. Jahrhundert.

Dass solche Themen polarisieren können,

ist klar. Dass wissenschaftliche Diskus-

Sozialdemokraten

Gähnende

Leere

Tobias Peter

ist überzeugt, dass die SPD keinen Rechtsruck, sondern

ein Gewinnerthema braucht.

Die SPD hat den Anspruch eine Interessenvertretung

für Menschen mit eher niedrigen

Einkommen zu sein, die oft inWohnvierteln

leben, die mit den Problemen in einer

Einwanderungsgesellschaft besonders stark

konfrontiertsind. Siewirbt um die mäßig bezahlte

Putzfrau und die verbleibende Menge

gut bezahlter Industriearbeiter. Eine Kernklientel

sind aber auch schon lange die Bildungsaufsteiger,

die von sozialdemokratischer

Politik profitiert haben. In diesen akademischen

Milieus war die Unterstützung

der für eine begrenzte Zeit sehr liberalen

Flüchtlingspolitik Angela Merkels sehr groß.

Der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar

Gabriel reagierte auf dieWidersprüche in der

eigenen Wählerschaft damit, dass er in der

KOLUMNE

Freie Rede an

freien

Hochschulen

Peter-André Alt

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

sionen im Namen von Moral und Political

Correctness unterbunden werden sollen, ist

dagegen relativ neu.

Den entscheidenden Gegensatz bilden

hier liberale und fundamentalistische Haltungen.

Fundamentalismus kann sich als Feminismus,

als Rechtspopulismus, als

marxistische oder islamistische Weltanschauung

ausgeben. Die jeweils zur Schau

gestellten Meinungen sind nur die Fassade

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

Flüchtlingskrise herumlavierte und irrlichterte

–bis niemand mehr wusste, wofür die

SPD steht. Andrea Nahles hat die Partei auf

einen Kurs gebracht, der zwar von der

Grundlinie her an der Seite der Flüchtlinge

steht, aber auch eine härtereGangartwie im

„Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ zulässt. Das

begeistert weder den Flüchtlingsaktivisten

noch denjenigen, dem es zu viel mit der Einwanderung

ist. Es ist aber am ehesten der

Weg, wie sich die unterschiedlichen Milieus

beieinander halten lassen.

Die Flüchtlingspolitik ist also ein Thema,

bei dem es für die SPD nichts zu gewinnen,

aber viel zu verlieren gibt. So viele Wähler

kann die SPD der AfD gar nicht abjagen, wie

sie mit einem aggressiven Rechtsschwenk an

die Grünen verlieren würde.Zumal noch immer

gilt: Es ist viel leichter,Wähler zu verlierenals

wieder neue hinzuzugewinnen.

Anders als die dänischen Sozialdemokraten,

bei denen es früher schon ähnliche Ansätze

wie jetzt gab, gibt es in der SPD keine

Tradition, auf die sich ein solcher inhaltlicher

Kurswechsel gründen ließe. Solidarität

nach innen und nach außen, das ist Teil der

sozialdemokratischen Seele. Die SPD darf

ihre Integrität nicht wegschmeißen. Sonst

verliertsie ihreletzte Würde.

Das Problem der SPD ist nicht, dass die

Flüchtlings- und Migrationspolitik kein Gewinnerthema

für sie ist. IhrProblem ist, dass

sie zurzeit auch kein anderes Gewinnerthema

hat. Sie ist, umfangreichen Programmen

zum Trotz, zu einer Partei der gähnenden

inhaltliche Leeregeworden.

Vielleicht hat die Feigheit derer, die jetzt

eigentlich offensiv den Finger für den SPD-

Parteivorsitz heben müssten, auch damit zu

tun. Siewissen nicht, wofür sie antreten sollen.

dessen, worum es geht: um den Anspruch,

eine Form der moralischen Überlegenheit zu

bekunden. Der Fundamentalismus, der sich

gegen die Freiheit der Rede und des Denkens

wendet, tut das im Namen einer allgemeinen

Moral. Er formuliertVerbote, weil er vorgibt

zu wissen, was moralisch richtig ist.

Es liegt auf der Hand, dass dieser Fundamentalismus

mit den Regeln der Wissenschaft

nicht übereinstimmen kann. Ihr Erkenntnisanspruch

zielt niemals auf Heilswahrheiten,

sondern allein auf transparente

Beweisführung. Die Wissenschaft lebt von

der Freiheit des Denkens, ohne die es keine

Erkenntnis gibt. DasRecht auf freie Rede gehörtdaher

aus guten Gründen zur Idee einer

Universität, die mit dem Modell einer demokratischen

Gesellschaft eng verbunden ist.

Redefreiheit wird heutzutage von oligarchischen,

populistischen und nationalistischen

Regimes weltweit bedroht. Zu ihren

Feinden gehören aber auch die, die im Namen

der Moral glauben dekretieren zu dürfen,

weraneiner Hochschule reden darfund

wer nicht. In Hamburg fand dieser Tage ein

von der Körber-Stiftung geförderter Kongress

statt, der sich mit der Rolle der Universität

in den Gesellschaften des 21. Jahrhunderts

befasste. Die Teilnehmer, die aus Europa,

Asien, den Vereinigten Staaten, Afrika

und Lateinamerika kamen, waren sich einig

darin, dass Geschlossenheit und Mut nötig

sind, um den inneren und äußeren Angriffen

auf die akademische Freiheit konsequent

entgegenzutreten.

„Ganz ehrlich? Ichhabe das

zunächst als Zeitungsleser

mitgekriegt. Ich würde

niemals so tun, als würde

ich diese Kanäle täglich

verfolgen.“

Olaf Scholz, SPD-Finanzminister und Vizekanzler, im

Stern-Interviewauf die Frage, wann er zum ersten Mal

vonYouTubernwie Rezo und AnnieTheDuck gehörthat.

AUSLESE

Der D-Day

und wir

Die Landung alliierter Truppen in der

Normandie vor 75Jahren veranlasst

die Kommentatoren auch zur Bewertung

des aktuellen westlichen Bündnisses.

„Heute wird die Teilnahme einer deutschen

Bundeskanzlerin an den Gedenkfeiern

weder als unpassend noch als ungewöhnlich

empfunden“, kommentiert

die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Es

war angemessen, an diesem Tagder Erinnerung,

dezent und direkt, darauf hinzuweisen,

wie wichtig Zusammenhalt und

Zusammenarbeit der Mitglieder dieser

Gemeinschaft sind –und wie wichtig das

Bündnis mit Amerika. Das ist alles nicht

mehr selbstverständlich, es ist sogar gefährdet.“

Die Süddeutsche Zeitung geht auf diesen

Punkt auch ein. „So trifft sich nun

über den Gräbern die tief zerstrittene Familie

der westlichen Welt, mit völlig veränderten

Fronten und Konflikten. Es wäre

vermessen zu glauben, dieser Gedenktag

könnte Annäherungen bringen“, heißt es

dort. „Immerhin erinnert eranden Geist

der Freiheit und die Opfer,die ihr Sieg erforderte;

damals,als ein US-Soldat an die

Gräber seiner gefallenen Kameraden die

Verszeilen schrieb: ‚Die Retter kommen

heute Nachtnicht heim. Denn sich selbst

haben sie nicht retten können.‘“ Kritischer

wertet die Mittelbayerische Zeitung

die Gedenkfeier:„Niehatte das Gedenken

an den 6. Juni 1944 einen so hohlen, unechten

Beiklang wie ausgerechnet jetzt

am 75. Jahrestag“. Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Jeder fünfte

Hirninfarkt

ist unerklärlich

Seite 17

Warum es in Berlin derzeit nicht schwer ist, Lehrer zu werden Seite 11

Wieein Hamburger für einen Verein in Friedrichshagen kämpft Seite 12

Stadtbild

Sparen mit

Banana Bread

Ruth Herzberg

will ökologisch korrekt sein

und probierteine App aus.

Die Großstadtbürgerin hat wieder

mal eine neue App entdeckt.

MitzweidreiKlicks kann man

Essen „retten“. Gegen einen geringen

Obolus, den man im Voraus per

Handy zahlt, kann man sich zu einer

bestimmten Zeit aus Restaurants

und Bäckereien in der Gegend kurz

vor Feierabend Backwaren, Pizzen,

Kuchen oder Sandwiches abholen,

die im Laufe des Tages nicht verkauft

wurden, und die sonst in den Müll

wandern würden. Als Umweltfreundin

und Sparfüchsin ist sie sofortbegeistert.

Zuerst erwirbt sie eine Portion in

einem angesagten Coffeeshop um

die Ecke.Als sie sich mit ihrem Stoffbeutel

über der Schulter auf den Weg

macht, ist ihr auf einmal etwas mulmig

zumute. Das Reste-Abholen,

dass von den Machern der App

schlau als umweltfreundlich und mit

„Danke –dass du Essen rettest“ deklariert

wurde, fühlt sich anders an.

Sie kommt sich vor wie eine Mischung

zwischen Geizhals und Clochard.

Undgenau so ist es ja auch.

Es geht ums Sparen. Zu Hause

sind viele Mäuler zu stopfen. Die

Kinder essen Unmengen, sie muss

sowieso ständig in den Supermarkt

und Nachschub holen. Aber trotzdem.

Reste abholen, das ist was anderes,

als einkaufen gehen. Aber es

ist gut für die Umwelt! Undsogünstig

zudem.

Also hält sie durch. Die App

schickt ihr freundliche Mitteilungen,

dass ihre Portion für sie bereitsteht.

Im Coffeeshop wird sie freundlich

begrüßt, niemand lässt sich etwas

anmerken, man packt ihr eine

Scheibe Banana Bread, einen Quinoa/Rucola/Tofu-Salat

und ein Ziegenkäse-Sandwich

in den Beutel.

Die werden hier üblicherweise zu

Mondpreisen verkauft und jetzt hat

sie mindestens acht Euro oder mehr

gespart!

Zu Hause fällt ihr ein, dass die

Kinder weder Quinoa noch Ziegenkäse

mögen, auch das Sandwich mit

dem bereits etwas welken Rucola

wird sie nicht los. Dafür ist das Banana

Bread heiß begehrt. Es wirdgerecht

aufgeteilt, Salat und Sandwich

landen nach einer Nacht im Kühlschrank

dann doch im Biomüll.

Gerettet wurde hier also eher weniger.

Ähnlich ist es am nächsten

Abend mit den Focacchien vom Italiener

um die Ecke.Den aufgepusteten

Teig mit einem dünnen Schorf

aus Käse und Tomatenmarkhätte sie

auch frisch nicht gekauft, nun bekommt

sie viel zu viel davon, zu einem

mehr als günstigen Preis. Die

Kinder machen wieder lange Gesichter,

zum Glück gibt es noch

Fischstäbchen im Tiefkühlfach.

Am Abend darauf bekommt sie

für fast nichts zwei volle Beutel mit

übriggebliebenen Brötchen und

Croissants vom Bäcker nebenan.

Auch Brezeln und Laugenstangen

und Schokobrötchen und Schokocroissants.Das

meiste wirdeingefroren,

der Rest rasch verzehrt.

Aber wollte sich die Familie nicht

gesünder ernähren? Die App wird

gelöscht und sie kauft wieder im Supermarkt

ein. Frisches Essen zur gewünschten

Zeit in der gewünschten

Menge erwerben zu können, ist ein

wunderbares Privileg.

Wenn der Mietendeckel 2020 kommt, sind Mietsteigerungen –bis auf wenige Ausnahmen –fünf Jahre lang nicht mehr möglich.

Vermieter wollen klagen

Der Senat will die Mieten einfrieren. Das stößt auf Kritik, doch viele Berliner profitieren davon. Ein Überblick

VonUlrich Paul

Der Senat will die Mieten

in der Stadt für fünf Jahre

einfrieren. Von 2020 bis

2025 soll es so gut wie

keine Mieterhöhungen mehr geben.

Dafür soll ein Mietendeckel sorgen.

Hier ein Überblick über die wichtigsten

Fragen und Antworten dazu.

Wiesollen die Mieten gedeckelt werden?

Der Mietendeckel ist ein Landesgesetz,

mit dem der Senat die Mieten in

der Stadt für fünf Jahre einfrieren

will. Zusätzlich sind Mietobergrenzen

geplant: Liegen bereits vereinbarte

Mieten über diesen Obergrenzen,

können die Mieter eine Absenkung

der Miete verlangen.

WelcheObergrenzen sind geplant?

Festlegungen zu den Mietobergrenzen

gibt es noch nicht. Die Obergrenzekönnte

nach Angaben der Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

als „ein einheitlicher einkommensorientierter

Wert oder differenziert,

zum Beispiel entsprechend den Baualtersklassen

im Berliner Mietspiegel,

ausgestaltet werden“.

Fürwelche Wohnungen giltder Deckel?

Für alle nicht preisgebundenen

Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

Dassind etwa 1,4 Millionen der

1,9 Millionen Wohnungen in der

Bundeshauptstadt. Sozialwohnungen

gehören nicht dazu. Für sie gilt

ein gesondertes Recht. Ausgenommen

sind zudem Ein- und Zweifamilienhäuser.Für

Neubauten, die noch

nicht vermietet wurden, soll der

Mietendeckel ebenfalls nicht gelten.

Sind nochModernisierungen möglich?

Ja.Wenn sich die Bruttowarmmiete,

also die Kaltmiete plus Nebenkosten,

um nicht mehr als 50 Cent je

Quadratmeter Wohnfläche erhöht,

müssen Vermieter eine Modernisierung

lediglich anzeigen. EinBeispiel:

Beläuft sich die bisherige Bruttowarmmiete

für eine 100 Quadratmeter

große Wohnung auf 1000 Euro,

darf die Miete künftig nach einer

Modernisierung um maximal 50

Euro steigen –auf 1050 Euro.

Vermieter müssen die voraussichtlichen

Einsparungen, etwa

durch eine neue Heizung, durch einen

Sachverständigen nachweisen.

Wofür wirdeine Genehmigung benötigt?

Für Modernisierungen, nach denen

sich die Bruttowarmmiete um mehr

als 50 Cent je Quadratmeter Wohn-

„Der Mietendeckel wäreindieser Schärfe nie

zustandegekommen,wennesdiestarkenProteste

der Mieterbewegung nicht gegeben hätte.“

Rouzbeh Taheri, Sprecher der Initiative Deutsche Wohnen und Co enteignen

fläche erhöht. Geprüft wirddabei, ob

die Arbeiten unabweisbar sind und

wie sie sich auf die Miete auswirken.

Was passiert mit Eigentümern, die durch den

Mietendeckel in finanzielle Not geraten?

Fürsie ist eine Härtefallregelung vorgesehen.

SofernVermieter eine wirtschaftliche

Notlage nachweisen, soll

die Investitionsbank Berlin (IBB) im

Einzelfall Mieterhöhungen genehmigen

können. Den betroffenen

Mietern soll die Differenz zwischen

Die Rosinenbomber kommen nun doch

ISTOCKPHOTO

der genehmigten Miete und der

Mietobergrenze erstattet werden,

falls sie Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein

haben.

Welche Strafendrohen beiVerstößen?

Bußgelder vonbis zu 500 000 Euro.

Istder geplante Mietenstopp juristisch sicher?

Ob der Mietendeckel rechtlich Bestand

hat, ist offen. DerSenat betritt

mit der Regelung Neuland. Vermieter

haben Klagen angekündigt. Die

Hürden für die Feststellung einer

Verfassungswidrigkeit sind laut Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

aber sehr hoch. Selbst wenn es

ein Urteil hierzu geben sollte, bedeute

dies nicht zwangsläufig, dass

das Gesetz zum Mietendeckel aufgehoben

werde. Es könnte auch einen

Auftrag zur Überarbeitung geben.

Wasgeschieht mit dem Volksbegehren zur Enteignung

großer Immobilienunternehmen?

Das Volksbegehren geht weiter. Die

Initiative Deutsche Wohnen und Co

enteignen begrüßt zwar den Mietendeckel,

sieht in dem Instrument aber

„keine grundsätzliche Lösung“. Der

Mietendeckel erleichtere allerdings

ihr Vorhaben, da der Wert der Immobilien

und somit auch die Entschädigungskosten

bei einer Vergesellschaftung

sinken dürfte.

70 Jahre nach dem Ende der Blockade West-Berlins sollen die alten DC-3 -Maschinen am Berliner Himmel zu sehen sein

VonGregorBauernfeind

und Gisela Gross

Rund 70 Jahre nach der Berliner

Luftbrücke sollen die alten „Rosinenbomber“

nun doch noch einmal

in die Hauptstadt Berlin kommen.

Die Maschinen sollen am Wochenende

15. und 16. Juni über Berlin fliegen.

Die genauen Routen sind aber

noch unklar.

Nach den Plänen des „Fördervereins

Luftbrücke Berlin 70“ soll das

Brandenburger Torüberflogen werden.

„Diese Route wäre die Kirsche

auf der Sahnetorte“, sagte der Vorsitzende

Keller.Für einen Einflug in das

Flugbeschränkungsgebiet steht aber

eine Genehmigung des zuständigen

Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung

noch aus. Bis Freitag müssten

ergänzende Unterlagen zu dem Antrag

eingereicht werden, sagte eine

Sprecherin des Amts auf Anfrage.

Auch wenn es für diese Route nicht

mehr rechtzeitig eine Genehmigung

geben sollte, werde es auf jeden Fall

Flüge über Berlin geben, versprach

Keller.

Ursprünglich hatte der Förderverein

geplant, die Rosinenbomber

noch einmal auf dem früheren Flug-

hafen Tempelhof landen zu lassen.

Doch daraus wurde nichts: Einer

Veranstaltung zum 70. Jahrestag des

Endes der Luftbrücke auf dem früheren

Flughafen Tempelhof steht ein

Gesetz im Wege, demzufolge der innere

Wiesenbereich mit der Startund

Landebahn auf dem seit Jahren

als Park genutzten Ex-Flugfeld öffentlich

zugänglich bleiben muss.

Berlin feierte bereits vor wenigen

Wochen –am12. Mai, genau 70 Jahre

nach dem Ende der Berlin-Blockade

–offiziell ein „Fest der Luftbrücke“

auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Die mehr als 20 „Rosinenbomber“

vom Typ DC-3 sind laut Keller

schon auf dem Wegnach Deutschland.

DieMaschinen seien in Privatbesitz

oder gehörten historischen

Vereinen. Siekommen aus Finnland,

Schweden, Norwegen, England,

Frankreich, Schweiz und Ungarn.

Zwei russische Piloten, die sich angemeldet

hatten, sagten ihr Kommen

laut Keller wieder ab.

Etwa zehn Flugzeuge kommen

aus den USA. DiePiloten kämen ehrenamtlich

und würden teilweise

hohe Kosten auf sich nehmen, sagte

Keller. (dpa)

NACHRICHTEN

Schwester der vermissten

Rebecca hofft noch immer

Seit drei Monaten gibt es kein Lebenszeichen

der vermissten Rebecca.

Polizei und Staatsanwaltschaft

gehen davon aus,dass die

Schülerin tot ist. Ihre Schwester Vivien

Reusch war am Mittwochabend

im ZDF bei Markus Lanz. In

einem emotionalen Gespräch sagte

die junge Frau: „Ich kann mir nicht

vorstellen, dass sie tot ist. Undjedes

Malzulesen, dass sie nach einer

Leiche suchen, das schmerzt ungemein.“

Immer wieder war die PolizeiinWaldgebiete

nach Brandenburgausgerückt

und hatte dortunter

anderem mit Leichenspürhunden

nach Rebecca gesucht.

Gefunden wurde aber nichts.Derzeit

bearbeiten zwei Mordkommissionen

den Fall Rebecca und gehen

gemeinsam noch über 2000 Hinweisen

nach. (pde)

Hitzewelle 2018 sorgte in

Berlin für 490 Todesfälle

DieHitzewelle im vergangenen

Sommer hat nach Schätzung vonExperten

in Berlin mehrereHundert

Menschen das Leben gekostet. „Im

Sommer 2018 starben in Berlin etwa

490 Menschen aufgrund der Hitzeeinwirkung

(...)“, schreiben Experten

des Robert-Koch-Instituts in Berlin

in einem am Donnerstag veröffentlichten

Bericht. Erhöhte Raten zeigten

sich insbesonderebei Menschen

über 75 Jahre. AlsRisikogruppen

werden daneben auch isoliertlebende,pflegebedürftige,starkübergewichtige,chronisch

kranke oder

demente Menschen sowie Kleinkinder

und Säuglinge genannt. Der

Sommer 2018 war der zweitheißeste

seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

1881. (dpa)

ADAC warntvor Staus

am Pfingstwochenende

Am Pfingstwochenende brauchen

Autofahrer in Berlin und Brandenburgviel

Geduld. „Viele Menschen

nutzen das lange Wochenende für

kleine Reisen oder Ausflüge“, sagte

eine Sprecherin vomADACRegionalclub

Berlin-Brandenburg. Insbesonderevon

Freitag bis zum frühen

Samstagnachmittag sei deshalb mit

Staus zu rechnen. Aufder A10

könnte es voll werden: Um den Bereich

der Großbaustelle zwischen

nördlicher A10 bis zur A24 (Neuruppin)

ist den Angaben zufolge mit

Staus zu rechnen. Aufdem südlichen

Berliner Ring rechnet der

ADACmit weiteren Staus,denn am

Dreieck Werder Richtung Magdeburgwirddie

Fahrbahn erneuert.

Aufder A9 in Richtung Halle/Leipzig

gibt es zudem mehrereBaustellen

–der ADACrät daher,mehr Zeit

einzuplanen. (dpa)

So wie hier im Bild wird es ab heute wohl

wieder auf den Autobahnen aussehen. IMAGO


10 * Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Berlin

So geht es heute auf der Leipziger Straße zu. Autos stauen sich, Radfahrer werden an den Rand gedrängt –und auch für Fußgänger gibt es wenig Platz. Täglich nutzen im Schnitt mehr als 50 000 Kraftfahrzeuge die Ost-West-Magistrale.

DPA/ KAY NIETFELDX

Auf der Leipziger Straße soll es für Autos eng werden

Der Senat präsentiert erste detaillierte Pläne für die Straßenbahn zum Potsdamer Platz. Radfahrer sollen von der Umgestaltung profitieren

VonPeter Neumann

Sie gehört zuden am stärksten

befahrenen Ost-West-

Verbindungen in der Berliner

Innenstadt. Auf der

Leipziger Straße in Mitte herrscht

TagfürTagdichterVerkehr,und nicht

selten gibt es lange Staus.InZukunft

könnte eine Autofahrt dort noch

mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Erste Pläne für die Straßenbahnstrecke

vomAlexander-zum Potsdamer

Platz, die der Senat nun vorgestellt

hat, sehen zum Teil spürbare

Kapazitätseinschränkungen für den

Kraftfahrzeugverkehr vor. Eine Variante

läuft darauf hinaus, dass es auf

dem 22 Meter schmalen Abschnitt

zwischen der Charlottenstraße und

dem Leipziger Platz künftig nur noch

einen (wenn auch 5,80 Meter breiten)

Fahrstreifen proRichtung gibt –

den sich Autos und Straßenbahnen

teilen müssen. 2027 könnte es so

weit sein, sagte Hartmut Reupke,

oberster Verkehrsplaner in Berlin.

So viel steht fest:Wasden Nahverkehr

anbelangt, ist die Gegend rund

um die Leipziger Straße schlecht erschlossen.

Auf der Ost-West-Magistrale

sind Busse der Linie M48 unterwegs,

doch der Verkehr auf der von

Mitte bis Zehlendorf reichenden Linie

ist unzuverlässig –nicht zuletzt

wegen der Staus.„Wirhaben ein unzureichendes

Angebot“, so Reupke.

Als zur vorletzten Jahrhundertwende

die heutige U-Bahn-Linie U2

geplant wurde, sollte der Tunnel zunächst

unter der Leipziger Straße

entlangführen. Doch weil dort damals

viele Straßenbahnlinien verliefen,

wich die U-Bahn der Konkurrenz

aus und machte einen Bogen.

Kurz vor der Jahrtausendwende

wurden Pläne, in der Leipziger

Straße wieder Straßenbahnen fahren

zu lassen, konkreter. Zwar wurden

die Überlegungen 2003 erst einmal

wieder eingestellt, inzwischen nahmen

sie erneut Fahrt auf. Am Mittwochabend

wurde den Bürgern bei

einer Infoveranstaltung in der Marienkirche

die aktuelle Vorplanung für

die 4,1 Kilometer lange Neubaustrecke

vom Alexander- zum Potsdamer

Platz präsentiert. Sie stammen vom

Berliner PlanungsbüroObermeyer.

Leichter einsteigen mit Rollator

Aufgroßen Teilen der Strecke soll das

Doppelgleis auf einer eigenen abgegrenzten

Trasse, die begrünt wird,

verlaufen. Auf dem schmalen Abschnitt

rund um die Kreuzung Friedrichstraße

wird das allerdings nicht

möglich sein. Dafür wurden Planungsideen

vorgestellt, von denen

eine Gruppe als „gestaltungsorientierte

Variante“ bezeichnet wird.

Sieerforderten „mehr Mut“, sagte

Senatsplaner Holger Kölling-Orb –

Mut gegenüber den Kraftfahrern.

Nicht nur, dass die Zahl der Fahrstreifen

für Autos halbiert würde:

Ampelschaltungen sollen erreichen,

dass Kraftfahrzeuge die Bahnen, mit

denen sie sich die Spur teilen, nicht

behindern. „Ampeln dosieren den

Zufluss“, hieß es. Die Autos werden

angehalten, die Bahn fährt vor, die

Autos folgen pulkweise. Fachbegriff:

dynamische Straßenraumfreigabe.

Bei der „bestandsorientierten Variante“

und ihren Untervarianten

blieben den Autofahrern auf dem

schmalen Abschnitt der Leipziger

Straße weiterhin zwei Fahrstreifen

pro Richtung –die aber mit jeweils

2,75 Meter recht schmal ausfielen.

Denn in jedem Fall ist klar: Radfahrer

sollen mehr Platz bekommen.

Heute ist die Leipziger Straße für sie

Straßenbahnneubaustrecke

Brandenburger Tor

Ebertstr.

Potsdamer

Platz

Luisenstr.

Wilhelmstr.

Wilhelmstr.

Friedrichstr.

Dorotheenstr.

Unter den Linden

Friedrichstr.

Französische Str.

Leipziger Str.

Hackescher

Markt

Berliner Rathaus

Fischerinsel

Spittelmarkt

Jerusalemer Str.

Molkenmarkt

K.-Liebknecht

-Str.

Alexanderplatz

Rotes

Rathaus

Spree

200 m

BLZ/GALANTY

Idee der Planer:eine Fahrspur pro Richtung (Blick nach Westen). SIMULATION: LOCLAB CONSULTING

„gefährlich“, gestand Reupke ein.

Künftig soll es breite Radwege geben

–obals mit Pollern geschützte

Radfahrstreifen auf der Fahrbahn

oder auf der Gehwegebene ist noch

nicht entschieden. Präsentiert wurden

Pläne mit 2,10 bis 2,85 Meter

breiten Radfahrstreifen – die sich

aber an den Haltestellen auf einen

Meter breite Überfahrten verengen.

Grund dafür ist, dass die Haltestellenborde

an die Gleise heranreichen

werden, damit auch Rollstuhlfahrer

oder Fahrgäste mit Rollatoren

bequem ein- und aussteigen können.

Denn auch dieses Ziel müssten

die Planer im Auge behalten: „Die

neue Strecke soll barrierefrei nutzbar

sein“, sagte Holger Kölling-Orb.

Manches ist noch zu klären. Zum

Beispiel, ob die Gleise in der Potsdamer

Straße auf dem Mittelstreifen

östlich der Ben-Gurion-Straße enden

–oder erst am Kulturforum. Eine

Fortführung in westlicher Richtung

ist ohnehin vorgesehen, künftig (von

2030 ist die Rede) soll die Straßenbahn

bis Steglitz fahren. Auch Trassen

zum Bahnhof Zoo und nach

Neukölln sind langfristig geplant.

Ungewiss ist derzeit auch noch,

ob außer der Mühlendammbrücke

auch die Gertraudenbrücke abgerissen

und neu gebaut werden muss,

bevor dort Bahnen verkehren können.

„Es wirduntersucht, ob sie tragfähig

wäre“, sagte Kölling-Orb. Falls

ja, wäredas Bauwerkzuverstärken.

Ebenfalls noch nicht ausgemacht

ist, ob die schwingungsgedämpften

Gleise, die der damalige Stadtentwicklungssenator

Peter Strieder

(SPD) im Jahr 2000 auf den 530 Metern

zwischen der Mauerstraße und

dem Potsdamer Platz schon mal verlegen

ließ, für die Neubaustrecke genutzt

werden können. „Das wird

noch geprüft“, erklärte Kölling-Orb.

Der Rechnungshof hatte die 1,85-

Millionen-Euro-Investition in seinem

Bericht von 2013 gerügt, weil

die planungsrechtlichen Voraussetzungen

für den Baunicht vorlagen.

Klar ist dagegen, dass der „Boulevard

der Stars“, der 2010/11 für mehr

als zwei Millionen Euro auf dem Mittelstreifen

der Potsdamer Straße entstand,

verschwindet. Er ist der Trasse

imWeg, bekräftigte Hartmut Reupke.

Entschieden ist auch, welche Linie

über die Leipziger Straße führen

wird. „Die M4“, sagte Reupke. „Damit

schaffen wir neue Direktverbindungen“

–zum Beispiel für Hohenschönhausen

und Weißensee. Auch

bessere Umsteigerelationen würden

geschaffen –etwa zur U6 oder zur

Nord-Süd-S-Bahn. Undsogehen die

Planer davon aus, dass die Bahnen

voll werden. Kölling-Orb: „Prognosen

zufolge werden 10 000 Fahrgäste

pro Tag erwartet.“ Die Erfahrung

zeigt aber, dass solche Vorhersagen

in der Praxis übertroffen werden.

Bürger können sich äußern

Klar ist aber auch: Einen durchgehenden

Busverkehr wie heute mit

dem M48 wirdeskünftig in der Leipziger

Straße nicht mehr geben, sagte

Reupke. „Auf Teilstücken werden

eventuell noch Busse verkehren.“

Im Nahverkehrsplan ist von Kosten

in Höhe von 65Millionen Euro

die Rede.Viele Planungsschritte sind

noch zu bewältigen. So gehen die

Planer davon aus, dass die Straßenbahnstrecke

erst 2027 fertig wird –

nach ein bis zwei Jahren Bauzeit. Auf

vielen Stufen werden Bürger angehört

und beteiligt, versprachen die

Senatsvertreter.Sokönnen sie ab sofortauf

mein.berlin.de die Pläne einsehen

–und ihreMeinung äußern.

„Ist die denn total verrückt geworden?“

Vielen Berlinern geht die Verkehrswende zu langsam voran. Nun stellt sich Regine Günther Vertretern von Umweltverbänden und der Grünen-Basis

VonPeter Neumann

Wir bauen das Neue! Daswar der

Titel einer grünen Werbepostille,die

im Prospektregal an der Tür

lag. Im stickig heißen Konferenzraum

der Bundesgeschäftsstelle der

Grünen in Mitte bemühte sich Berlins

Senatorin für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz, einen ähnlichen

Optimismus zu demonstrieren. „Wir

sind nicht mehr ganz am Anfang.Wir

haben viel geschafft“, sagte Regine

Günther bei ihrer Halbzeitbilanz, zu

der die Landesarbeitsgemeinschaft

(LAG) Mobilität der Berliner Grünen

eingeladen hatte. Doch längst nicht

jeder im Saal sah das so.

Den Reigen begann Christfried

Tschepe vomFahrgastverband IGEB.

„Den Aufwand für die neuen Planwerke

wissen wir zu schätzen“ –gemeint

war zum Beispiel der Nahverkehrsplan.

„Doch wir vermissen,

dass die Ziele auch umgesetzt werden.“

So gingen die aktuellen Straßenbahn-Neubauprojekte,

die der

vorangegangene Senat angeschoben

hatte, „nicht wirklich voran“. Dazu

zählen Hauptbahnhof –Turmstraße

und die Strecke zum Ostkreuz. Es bestünde

die Gefahr, dass keines der

vier Projekte in der bis 2021 dauernden

Legislaturperiode fertig würde.

DerSenat ignoriereauch die Lage

bei den Berliner Verkehrsbetrieben

(BVG), die vonFahrzeugmangel und

Ausfällen geprägt sei. „Sie ist fast so

schlimm wie während der Höhepunkte

der S-Bahn-Krise vor zehn

Jahren“, so der Verbandschef. Die

Beschleunigung des Bus- und Straßenbahnverkehrs

komme nicht weiter.

Bei diesem Thema sei Berlin „so

schlecht wie keine andereStadt“.

Biszu20Kilometer neue Busspuren

Aber auch der S-Bahn drohe Fahrzeugmangel

– wenn die angekündigte

Ausschreibung für den Kauf

vonrund 600 Wagen nicht endlich in

Gang gesetzt werde, sagte Tschepe.

Seit Ende 2016 im Amt: Regine Günther (parteilos, für Grüne).

„Bis 2026 wird esbei der S-Bahn

schwierig sein, weil es zu wenig Wagen

gibt“, gestand Regine Günther

ein. So lange dauere esnun mal, bis

die Lieferung der neuen Züge beginnen

kann. „Das können wir nicht ändern,

da können wir nichts machen.“

Dann aber werde der Fahrzeugpark

aufgestockt. „Im Novem-

IMAGO IMAGES

ber wirddie Ausschreibung starten“,

versprach die Senatorin. „Bei der

BVG läuft es nicht besser“, fügte

Günther hinzu. So konnte die Zahl

der Busspuren in der Tat bislang

nicht nennenswert erhöht werden.

Aber auch dort sei vieles auf dem

Weg, wie Staatssekretär Ingmar

Streese (Grüne) bekräftigte. Erkün-

digte später an, dass noch in diesem

Jahr 15 bis 20 Kilometer neue Busspuren

markiertwerden sollen.

Oda Hassepaß vom Verein Stadt

für Menschen äußerte ebenfalls Unmut.

VonSeiten des Senats höre sie:

Der Umweltverbund (Bus, Bahn,

Fahrrad, Fußverkehr) habe nun Vorrang

in Berlin. „In meinem Leben ist

das anders. Ich sehe das nicht.“ Ein

Beispiel seien lange Wartezeiten für

Fußgänger und Radfahrer an Ampeln.

Sie habe den Eindruck, dass

viele Berliner mehr Platz für umweltfreundliche

Fortbewegungsarten

wollen, so Hassepaß. Doch derzeit

scheine es im Verhältnis zur Verwaltung

so zu sein:„Es ist, als ob der Tiger

dem Dompteur sagen muss: Halte

doch mal den Reifen hoch, damit ich

durchspringen kann!“, kritisierte sie.

Darauf reagierte Regine Günther

schon genervter. Sie sei zweieinhalb

JahreimAmt –nicht lang genug, um

ein Verkehrssystem, das Jahrzehnte

lang aufs Auto getrimmt worden ist,

komplett neu zu gestalten. Manche

Forderungen aus Hassepaß’ Spektrum

hätten „etwas Absolutistisches“,

was nicht ihrer Auffassung

von Demokratie entspräche. „Wir

müssen die Menschen mitnehmen“,

mahnte die Senatorin. Längst nicht

jeder in Berlin sei ein Verfechter der

Verkehrswende,die auf eine Umverteilung

des Straßenraums zuungunsten

des Autos hinausläuft. Sie

erhalte Mails nach dem Motto: „Ist

die denn total verrückt geworden?“

Mehr Erfolgsgeschichten bitte

Dann wurde die parteilose, von den

Grünen nominierte Senatorin prinzipiell.

„Wir müssen mehr Erfolgsgeschichten

erzählen“, appellierte sie.

Noch sei allzu oft der Ansatzpunkt

darzustellen, was noch nicht fertig

oder nicht gelungen sei. Das wirke

wie eine „übellaunige Kampagne“,

so Günther.„Es bringt nichts,immer

meinte zu sagen: Es läuft noch nicht.

Ichsage: Es läuft immer besser.“


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 11 *

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Berlin

Lehrer werden ist nicht schwer

Berlin setzt zum neuen Schuljahr wieder auf Quereinsteiger und Menschen, die kein Schulfach studiert haben wie Gymnastiktrainer oder Reiseverkehrskauffrauen

VonMartin Klesmann

Immer mehr Unqualifizierte

unterrichten als Lehrer an Berliner

Schulen. Vorden Folgen

warnte jetzt Dieter Haase,Vize-

Gesamtpersonalrat der Bildungsverwaltung.

Derzeit würden noch mindestens

550 Vollzeit-Lehrer für das

Anfang August startende neue

Schuljahr fehlen. Die Bildungsverwaltung

und viele Schulen behelfen

sich aus seiner Sicht zunehmend mit

Lehrern ohne volle Lehrbefähigung

(LovL). Diese haben anders als die

Quereinsteiger überhaupt kein Berliner

Schulfach studiert.

„Das verschärft die Situation an

den Schulen“, sagte Haase. Esseien

Personen darunter, die das Referendariat

nicht geschafft oder das Lehramtsstudium

bereits im zweiten

oder dritten Semester abgebrochen

hätten. Nicht in jedem Fall hätten

diese LovL überhaupt Abitur.Darunter

sei auch eine Reiseverkehrsfachfrau,

die statt im Reisebüro nun als

Erdkunde-Lehrerin arbeiten soll,

und ein Gymnastiklehrer, der Sport

unterrichten wird, hieß es unter Personalräten.

Nach Haases Berechnungen

müssen in diesem Jahr insgesamt

mindestens 2200 Lehrer in Vollzeit

eingestellt werden. Schon zum

Schulhalbjahr Anfang Februar seien

etwa 730 Vollzeit-Stellen mit 965

Lehrernbesetzt worden, davon noch

etwa 425 Stellen mit regulären Lehrkräften,

gut 168 mit Quereinsteigern,

die dann noch parallel zum Unterricht

ein berufsbegleitendes Referendariat

machen müssen. Hinzu

kommen demnach 145 LovL. „Hier

habe ich Studenten und Pensionäre,

die ebenfalls unterrichten, bereits

herausgerechnet“, sagte Haase.

Zum neuen Schuljahr habe die

Bildungsverwaltung bisher neben

750 regulären Lehrern noch ungefähr

450 Quereinsteiger eingestellt.

„Weitere 400 Quereinsteiger stehen

auf einer Warteliste, sind von den

Schulen noch nicht angefordert“,

berichtet Dieter Haase. Denn viele

Schulleiter würden lieber LovL einstellen,

die sie bereits kennen. Zum

Beispiel weil diese schon jahrelang

als Vertretungslehrer an der Schule

gearbeitet haben. „Anders als Quereinsteiger

können diese LovL auch in

Vollzeit unterrichten.“ Tatsächlich

unterrichten Quereinsteiger wöchentlich

18 Stunden und weniger,

während Vollzeit-Lehrer an Grundschulen

28 Stunden, an weiterführenden

Schulen 26 Stunden wöchentlich

unterrichten müssen.

Kritische Lage in vier Bezirken

Besonders kritisch ist die Situation

an Schulen in Neukölln, Lichtenberg,

Marzahn-Hellersdorf und

Spandau, insbesondere an den

Grundschulen. Neukölln hat 227

Vollzeit-Stellen zu besetzen. Davon

konnten etwa 51 Stellen mit regulären

Laufbahnbewerbern besetzt

Lehrermangel herrscht mittlerweile in nahezu allen Bundesländern.

IMAGO STOCK

werden, 42 mit Quereinsteigern und

72 mit LovLs. Das bedeutet: In Neukölln,

wo der Anteil der Schüler mit

besonderem Förderbedarf besonders

hoch ist, gibt es besonders viele

Lehrer ohne pädagogische Ausbildung.

60 Stellen sind allein in Neukölln

immer noch unbesetzt. Im sozial

ungleich besser gestellten Steglitz-Zehlendorfhingegen

sind schon

längst alle Stellen besetzt.

In der Bildungsverwaltung bestätigte

man am Donnerstag den Einstellungsbedarf

von 2200 Vollzeit-

Lehrern, das sei aber wie in den vergangenen

Jahren auch zu schaffen.

Das Vorgehen des Gesamtpersonalrates

nannte man „destruktiv“. Die

Gewerkschaften hätten doch seinerzeit

dafür gewoben, die Lehrer aus

den Willkommensklassen weiterzubeschäftigen.

Auch davon seien ja

viele LovLs geworden, jetzt kritisiere

man das.

Streit um befristete Verträge

Tatsächlich berichtet Vize-Gesamtpersonalrat

Haase vonder GEW, dass

bereits 1000 LovL im Schuldienst tätig

seien. Die meisten davon allerdings

befristet auf ein, zwei Jahre.

DiePersonalräte sind auch dagegen,

diese Verträge zu entfristen. „Wir

müssen in den nächsten Jahren

schließlich auch den gut ausgebildeten

Referendaren eine Perspektive

bieten“, sagte Haase.

Die Verwaltung vermeidet seit

Jahresbeginn den Begriff ’Lehrer

ohne volle Lehrbefähigung’.“Lieber

nennt man diese LovL nun Seiteneinsteiger.Aus

Sicht der Personalräte

ist das allerdings eine bewusst irreführende

Bezeichnung. Denn in anderen

Bundesländern werden Quereinsteiger

als Seiteneinsteiger bezeichnet.

Auch die Kultusministerkonferenz

benutzt letzteren Begriff.

„Die Menschen, die die Bildungsverwaltung

als Seiteneinsteiger bezeichnet,

dürften allerdings in anderenBundesländerngar

nicht als Lehrerarbeiten“,

sagte Haase.

Die Bildungsverwaltung bemüht

sich nun noch mehr um Quereinsteiger.

AbFreitag soll es laut Gesamtpersonalrat

noch einmal eine neue

Ausschreibung für Quereinsteiger

geben, die Bewerbungsfrist würde

demnach erst am 19. Juli enden. Bildungsstaatssekretärin

Beate Stoffers

(SPD) möchte die bisher stets befristeten

Ausschreibungen zu einer

Dauerausschreibung

für

Quereinsteiger umwandeln. DerGesamtpersonalrat

wiederum ist erbost,

sieht sich bisher nicht beteiligt.

Unter den Quer- und Seiteneinsteigern,

die zum kommenden

Schuljahr anfangen, ist übrigens

auch die bisherige Sprecherin des

SPD-Landesverbandes. Sie unterrichtet

künftig an einer deutsch-italienischen

Grundschule.

Nach den Schätzungen der Personalräte

wird der Lehrermangel noch

bis zum Jahr 2023 andauern. Dann

ist die Pensionierungswelle vorbei.

Bundesregierung zählt

Wohnungslose ab 2021

Berlin will noch dieses Jahr Zahl der Obdachlosen ermitteln

VonStefan Strauß

Die Bundesregierung will erstmals

die Zahl der wohnungslosen

Menschen in Deutschland erfassen.

Ein Gesetzesentwurf aus dem

Bundesministerium für Arbeit und

Soziales soll in der nächsten Woche

zur Abstimmung kommen, sagte

eine Sprecherin am Donnerstag.

Wohnungslosigkeit sei eine „besonders

schwere Form von Armut und

sozialer Ausgrenzung und mit einem

menschenwürdigen Dasein nicht

vereinbar“.

Zuständig für die anonyme Erhebung

der Daten ist das Statistische

Bundesamt. Gezählt werden Wohnungslose

und auch Obdachlose an

einem Stichtag im Jahr, aber nicht

vordem Jahr 2021. Eine vollständige

bundesweite Zählung aller Obdachlosen

sei aber„aufgrund des immensen

Aufwandes“ nicht vorgesehen,

heißt es aus dem Bundesministerium.

Genau diese Zahl will aber der

Berliner Senat wissen. Undsobleibt

Berlin trotz der aktuellen Initiative

auf Bundesebene bei seiner Entscheidung,

noch in diesem Jahr erstmals

die Zahl der Obdachlosen in

der Stadt zu ermitteln. Wie viele

Menschen wohnungslos sind, ist

weitestgehend bekannt, es sind etwa

37 000, die keine Wohnung haben

und in Notunterkünften leben.

Nachtquartier in der Haltestelle: Obdachlose

gehören längst zum Straßenbild.IMAGO

Die Zählung der Obdachlosen

solle noch in diesem Jahr stattfinden,

sagte Regina Kneiding, Sprecherin

der Sozialverwaltung. Zurzeit

stimme die Verwaltung das Verfahrenmit

der Datenschutzbehörde ab.

Fest steht: Etwa 1000 studentische

Helfer sollen in Teams an einem

festgelegten Stichtag nachts zwischen

22 und 1Uhr durch die Straßen

gehen und Obdachlose an ihren

Übernachtungsplätzen ansprechen.

Alle Angaben sind anonym, die Teilnahme

ist freiwillig, werschläft, wird

nicht geweckt. Es geht um Alter, Geschlecht

und Nationalität. Weitergehende

Fragen nach Krankheiten und

Abhängigkeiten wirdesnicht geben.

Ursprünglich sollten die Helfer

für die nächtliche Zählung eine eigens

eingerichtete App inmehreren

Sprachen auf ihren Handys benutzen.

Doch das sei aus datenschutzrechtlichen

Gründen nicht möglich,

hat die Datenschutzbehörde festgelegt.

Nun werden die Helfer mit Zettel

und Stift unterwegs sein.

Mit den erfassten Daten will Berlins

Sozialsenatorin Elke Breitenbach

(Linke) genauer feststellen

können, welche konkreten Hilfen für

welchen Personenkreis nötig sind

und wie viele Sozialarbeiter mit welchen

Sprachkenntnissen gebraucht

werden. Bisher schwanken die

Schätzungen der Obdachlosen zwischen

2000 bis 6000. Manche Hilfsorganisationen

sprechen von bis zu

10 000 Menschen, die in Berlin auf

der Straße leben. Einig sind sich alle,

dass es in Berlin die meisten Obdachlosen

im Land gibt.

In Deutschland wird die Zahl

wohnungsloser Menschen auf

knapp 900 000 geschätzt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft

Wohnungslosenhilfe

vermutet, dass es sogar

mehr als 1,2 Millionen Wohnungslose

gibt, denn es sind in den vergangenen

Jahren immer mehr geworden.

Schon lange fordern Sozialverbände

eine bundeseinheitliche Zählung

der Obdach- und

Wohnungslosen, ebenso einen Aktionsplan

und einen Wohnungsgipfel.

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12 Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Berlin

Gosener Graben klingt gut.

Sie waren ja lange nicht

mehr dort. Zwar läuft die

Saison seit einerWeile,sie

sind schon auf der Müggelspree gerudert,

auf dem Müggelsee, der

Dahme, aber der Gosener Graben?

„Ist der nicht mehr gesperrt?“, fragt

Harald Hansen, und als er ein Schulterzucken

zur Antwort erhält, ist es

beschlossene Sache:„Gut, dann lasst

es uns versuchen. Das könnte ein

kleines Abenteuer werden.“

Es wärenicht das erste Abenteuer,

zu dem sie aufbrechen beim Friedrichshagener

Ruderverein, und dieses

hier wirdsicher Spaß machen. In

einem weniger lustigen Abenteuer

stecken sie seit einigen Jahren fest

wie ein Wander-Vierer in einem zugewucherten

Brandenburger Fließ.

„Eine leidige Angelegenheit, die unseren

Verein in seiner Existenz bedrohen

kann“, sagt Harald Hansen.

DerVorsitzende des Friedrichshagener

RV steht neben aufgebockten

Ruderbooten. Vor Hansen liegt die

Müggelspree, hinter ihm ragt der

Grund der Probleme in den Himmel:

Hahns Mühle, das Bootshaus des

Friedrichshagener RV (siehe unten).

Es ist ein typischer Konflikt, zu

dem Mauerbau und Mauerfall geführt

haben, weil ein Ruderklub aus

dem Westen Berlins namens Hellas-

Titania nach der Wende Ansprüche

auf das Gebäude im Osten der Stadt

geltend machte; Rückübertragung,

Nutzungsvereinbarung, auslaufende

Fristen, die üblichen Verwicklungen.

Einzigartig wird der Konflikt dadurch,

dass ein Westdeutscher für

die Belange eines ostdeutschen Vereins

kämpft: Harald Hansen, 67, gebürtiger

Hamburger. Vor sechs Jahren

ist er in den Friedrichshagener

RV eingetreten, beinahe zufällig, wie

das eben so kommt. „Ich habe schon

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Lesen Sie am Wochenende

Mobile Welten

Gleichmäßig beladen: So

gelingt der Umzug mit Transporter

Toyota Aygo: Kleiner Farbtupfer

mit großem Fahrspaß

in Hamburg als Jugendlicher gerudert,

bin auch Rennen gefahren“, erzählt

er. „Irgendwann bin ich aber

zum Handball gegangen.“ Er blieb

dabei. Erst einmal.

Vorelf Jahren zog Hansen dann

nach Berlin.„Inerster Linie aus familiären

Gründen.“ Seine Ehefrau

kommt aus Köpenick. Seinen Job

führte er von Berlin aus weiter. „Ich

war in der Weiterbildung und beruflichen

Rehabilitation tätig“, sagt der

gelernte Berufsschullehrer. Menschen

mit neurologischer Schädigung

in eine Anstellung bringen, das

war eine seiner Aufgaben, Unfallopfer,

die ein Schädel-Hirntrauma erlitten

hatten, in den Alltag zurückführen,

Gehörlosen neue Chancen

eröffnen: „Ich war im sozialen Bereich

unternehmerisch tätig, habe

Projekte auf den Weggebracht.“

Zum Friedrichshagener RV kam

er durch einen Ausflug an die Regattastrecke

in Grünau. Ruderboote zogen

ihre Bahn über die Dahme,

schnittige Einer, majestätische Achter,synchron

der Schlag, sichtbar die

Kraft. „Und dann war sie wieder da,

die alte Liebe zu diesem tollen

Sport“, sagt Hansen.

Er machte sich auf die Suche nach

einem Verein und entdeckte Hahns

Mühle. Die Entscheidung war gefallen.

Dieses Gebäude würde seine

Die Sprache

der Ruderer

Der gebürtige Hamburger Harald Hansen kämpft für die

Belange eines Vereins in Friedrichshagen. Es geht um eine

Liegenschaft, die einem Spandauer Verein gehört

VonChristian Schwager

Optimistischer Blick in die Zukunft: Harald Hansen in der Bootshalle des Friedrichshagener RV.

Job, Familie, Alltag: 30 Jahre nach dem Fall

der Mauer prägt die einstigeTeilung der Stadt

noch das Leben vieler Berliner.Wir stellen bis

zum bis 9. November Menschen und ihre Geschichte

vor. Heute: Harald Hansen, geb.

1952 in Hamburg.

DIE SERIE

Im Internet: Ein Video zum heutigen Thema

sowie die bisherigen Teile unserer Serie finden

Sie im Internet unter:

www.berliner-zeitung.de/mauerfall

oder auf der neuen App der Berliner Zeitung

(kostenlos im Apple Store oder Google Play).

sportliche

Heimat werden.

Diejenigen,

die darin

schon zu Hause waren,

nahmen ihn herzlich

auf. „Ruderer“, sagt Hansen,

„sprechen eine Sprache.“

Meist tun sie das. Von dem Verständigungsproblem

mit Hellas-Titania

erfuhr er nach seinem Eintritt.

Der Friedrichshagener RV litt unter

Mitgliederschwund. „Da drückte et-

BERLINER ZEITUNG /MARKUS WÄCHTER

was auf die Stimmung der Leute.“

Hansen hakte nach und erhielt eine

Geschichte als Antwort. Sie begann

im Jahre1913.

Damals wünschten sich Ruderer

aus Friedrichshagen ein Dach über

dem Kopf, einen Platz für ihreBoote.

Und wie Hansen stießen sie auf

Hahns Mühle. Sie kauften das

Grundstück und finanzierten den

Baudes Bootshauses selbst. DerVerein

wuchs, überstand zwei Kriege.

Die Überführung in Volkseigentum

überstand er nicht. 1951 wurde der

Friedrichshagener Ruderverein von

1892 zu einer Betriebssportgemeinschaft.

Doch der Klub lebte im Westen

weiter, inPichelswerder, wohin etliche

Mitglieder übergesiedelt waren.

DieMauer kam, der Friedrichshagener

RV West litt unter Mitgliederschwund

und konnte sich eigenständig

nicht halten. 1963 ging er unter

das Dach der Rudervereinigung Hellas-Titatia

e.V. Berlin. DerFriedrichshagener

RV von1892 existiertseither

als Untertitel zum Klubnamen Hellas-Titania.

Doch damit war die Geschichte

längst nicht zu Ende.„Im Januar

1991“, erzählt Hansen, „gründete

sich der Friedrichshagener RV

an alter Stelle neu.“ Und will seither

sein altes Bootshaus zurück. Dasgehört

noch immer den Ruderern aus

Spandau.

Nachwuchs aus den Schulen

Inzwischen sind sie auf einem vielversprechenden

Weg. „Ich habe mich

der Sache ein bisschen angenommen“,

sagt Hansen. Mit anderen im

Klub kämpfte er nicht nur um Hahns

Mühle, sie legten ein neues Fundament.

Eines, das nicht aus Stein und

Beton ist: die Jugendarbeit.

DerFriedrichshagener RV kooperiert

nun mit der Wilhelm-Bölsche-

Schule und mit dem Gerhard-

Hauptmann-Gymnasium. Etwa 80

Schüler sind pro Woche vor Hahns

Mühle auf der Müggelspree aktiv.

„Hinzu kommen die rund 50 Kinder

unserer Jugendabteilung.“ Bei der

deutschen Nachwuchsmeisterschaft

starten demnächst Boote der Friedrichshagener

mit guten Chancen. Einen

hauptamtlichen Trainer konnte

Hansen einstellen, der mit Mitteln

des Landessportbundes und in Kooperation

mit dem Nachbarklub

BRCÄgir bezahlt wird.

DerFriedrichshagener RV wächst

wieder. „125 Mitglieder hatten wir

vor sechs Jahren“, sagt Hansen, „Inzwischen

sind es rund 210.“ Seit zwei

Jahren treibt er das Projekt Friedrichshagener

RV als Präsident voran.

Sein Zeitbudget wird dadurch nicht

größer.ImGegenteil. Zumal sich Harald

Hansen beruflich eine neue Herausforderung

gesucht hat. Wieder

geht es um Eingliederung in den Job-

Alltag. Wieder geht es darum, etwas

voranzubringen. Wieder kann der

Projektentwickler Hansen vom Ruderer

Hansen profitieren. So, wie es

auch andersherum oft der Fall ist.

Für ihre Ausfahrt mit dem Wanderboot

haben sie sich übrigens ein

anderes Ziel suchen müssen. Der

Gosener Graben war tatsächlich gesperrt.

Aber Ruderer finden ja immer

einen Weg. Sie lassen ihr Boot nicht

einfach so am Ufer zurück.

Vielleicht war es der Geist. Manche meinen

ja, er hätte sich in der Umkleidekabine

eingerichtet. Irgendwo zwischen den

uralten Spinden aus Holz. Der Geist von

Hahns Mühle –Harald Hansen hat er gepackt

und nicht mehr losgelassen. Es ist der

Charme der Wende zum vergangenen Jahrhundert,

der die politische Wende von1990

überdauerte. In dem altehrwürdigen Bau

pulsiert das Herz des Friedrichshagener RV,

wenn die Ruderer nicht gerade in einem

Boot auf der Müggelspree unterwegs sind.

„Ich bin an diesem Verein hängen geblieben,

weil ich das Bootshaus so fantastisch

finde“, sagt Hansen. Es wurde 1913 errichtet.

An der Stelle hatte zuvor der Köpenicker

Zimmermann Wilhelm Hahn eine Sägemühle

betrieben. Für Harald Hansen ist das

Haus eine Art Stein gewordene Überwindung

der Teilung. Oder zumindest des Versuchs,der

sich jedoch so schwierig gestaltet

wie dieWiedervereinigung insgesamt.

Seit 1999 zieht sich der Prozess nun

schon hin. In jenem Jahr erhielt der Spandauer

Ruderklub Hellas-Titania das Bootshaus

zugesprochen. Denn unter sein Dach

waren 1963 geflüchtete Mitglieder des

Friedrichshagener RV geschlüpft. Damals,

als ihr Experiment, den Klub im Westen zu

reanimieren, scheiterte. Inder DDR nutzte

die BSG Fernsehelektronik Hahns Mühle,

die Liegenschaften waren seit 1951 Volkseigentum.

Nach einem Beschluss der geflohenen

Mitglieder und nach westlicher

Rechtsauffassung aber war der Besitzanspruch

an die Havelausgewandert.

Das besondere Ding

Hahns Mühle und ihr Geist

Hahns Mühle mit Restaurant im ersten Stock und

Bootshalle im Parterre.

MARKUS WÄCHTER

Vielleicht ist der Geist in Hahns Mühle

auch ein Ruderer. Denn die Vorstände von

Hellas-Titania und des Friedrichshagener

RV waren sich 2017 schon über einen Verkauf

einig. „Die Summe war für uns akzeptabel“,

sagt Hansen. „Vor allem die Zahlungsmodalitäten

kamen uns kameradschaftlich

entgegen.“ Doch als die Vereinsführung

der Spandauer auf einer

Mitgliederversammlung den Vertragsentwurfvorstellte,wurde

dieser abgelehnt. Ein

Veto kam vorallem vonjenen, die in Hahns

Mühle eher eine wertvolle Immobilie als

nur ein Heim für Ruderer sehen: Eigentumswohnungen

statt Trainingsräume?

Ein neues Angebot kam auf den Tisch.

400 000 Euro rief Hellas-Titania diesmal

auf. „Wie sollen wir als Verein diese Summe

aufbringen?“, fragt Hansen. „Und dann

noch die Sanierungsmaßnahmen.“

Er wandte er sich an die Sportstadträtin

von Treptow-Köpenick; Cornelia Flader

(CDU) informierte den Bezirkssportbund.

„Die Politik kann uns zwar nicht finanziell,

aber moralisch helfen“, sagt Hansen. Er

wartet nun auf eine angekündigte neue Offerte

aus Spandau. Eine, mit der alle leben

können. Der Verein ist bereit. „Auch die

neuen Mitglieder wissen, dass sie einen

zusätzlichen Obolus entrichten müssen“,

sagt Hansen. Und wenn sie es endlich geschafft

haben, wird das Haus renoviert:

Das Dachgeschoss soll für Sport nutzbar

gemacht werden. Falls die Behörden es zulassen.

Damit der Geist von Hahns Mühle

auch dorteinziehen kann. (cs.)


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 13 *

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Berlin

Baugebote

gegen

Brachflächen

Berlin will Eigentümer

in die Pflicht nehmen

Brachliegende

Baugrundstücke

mitten in der Stadt – dagegen

will Berlins Landesregierung schärfer

vorgehen. Die Bezirke sollen

künftig rechtlich dabei unterstützt

werden, sogenannte Baugebote

durchzusetzen, teilte die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung am

Donnerstag mit. Mit Baugeboten

können Eigentümer zum Bauen verpflichtet

werden.

Auf der kommenden Amtsleitersitzung

mit den bezirklichen Stadtplanungsämtern

solle das Thema

Baugebot angesprochen werden,

heißt es in einer Antwortvon Senatsbaudirektorin

Regula Lüscher auf

eine noch unveröffentlichte Anfrage

der Linken-Abgeordneten Katalin

Gennburg. Die Politikerin fordert,

die Bezirke mit ausreichend Geld

und Personal auszustatten, um Baugebote

durchzusetzen. „Das Baugebot

nach Paragraf 176 des Baugesetzbuches

ist ein ordnungspolitisches

Instrument, womit unter anderem

Bodenspekulation und Grundstückshandel

unterbunden werden

kann“, so Gennburg. In Berlin seien

rund 60 000 Wohnungen zwar genehmigt,

aber noch nicht gebaut. Es

gebe sicherlich in jedem Bezirk Flächen,

auf denen mit dem Bau noch

nicht begonnen wurde. Es werde

Zeit, diesen „Genehmigungsüberhang“

abzubauen, so Gennburg.

Bislang gibt es in Berlin noch keinen

Fall, in dem ein Baugebot ausgesprochen

wurde, so die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung. Berlin

habe unter anderem keinen Gebrauch

davon gemacht, weil damit

„massiv“ in das im Grundgesetz gewährleistete

Eigentumsrecht eingegriffen

werde.

Der Immobilienverband BFW, in

dem viele Bauträger und Projektentwickler

organisiert sind, steht den

Plänen für die Durchsetzung von

Baugeboten kritisch gegenüber.„Der

BFW würde den Erlass vonBaugeboten

aufmerksam beobachten, um einen

Missbrauch auszuschließen“,

sagt BFW-Geschäftsführerin Susanne

Klabe.„In diesem Fall würden

wir unseren Mitgliedern jede denkbare

Unterstützung geben.“ Sie sei

sich aber sicher,das es diesen Bedarf

beim BFW nicht gebe.„Denn die Unternehmen

wollen ja bauen.“ Sie litten

selber darunter,dass es zu wenig

Baugrundstücke gebe. (ulp.)

Es ist kompliziert

Sozialsenatorin und Innensenator streiten über Abschiebung. Neues Gesetzkönnte diesenStreitheuteklären

VonAnnika Leister

Kann ein neues Bundesgesetz

an diesem Freitag

Klarheit im öffentlich ausgefochtenen

Grundsatzstreit

zwischen Berlins Innensenator

Geisel (SPD) und Sozialsenatorin

Elke Breitenbach (Linke) bringen?

Die beiden Senatoren hatten sich in

den vergangenen Wochen in der

Frage überworfen, ob die Polizei

Flüchtlingsheime ohne Durchsuchungsbeschluss

betreten darf, um

Abschiebungen durchzuführen.

Mit ihren unterschiedlichen

Rechtsinterpretationen für Polizisten

und Heimbetreiber hatten sie für

massive Verunsicherung gesorgt.

Fünf Polizisten wurden laut Geisel

wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Bis zudiesem Freitag hat der

Innensenator deswegen entgegen

seiner Überzeugung Abschiebungen

aus Flüchtlingsheimen vorerst auf

Eisgelegt –und wurde dafür vonder

Opposition hartkritisiert. Dünnhäutig

reagierte der sonst gelassene Geisel

am Donnerstag auf Nachfragen

zu diesem Thema im Plenum des

Abgeordnetenhauses. „Sie wollen

mich provozieren!“, polterte er in

Richtung der CDU.

Geisel setzt nun alle Hoffnungen

auf das „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“

von Innenminister Horst Seehofer

(CSU). Das Gesetz soll in einem

umfassenden Gesetzespaket

zur Migration am Freitag im Bundestag

verabschiedet werden. Ob Seehofers

umstrittene Regelung aber im

Berliner Streitfall abschließend für

Frieden sorgen wird, ist mehr als

fraglich.

Denn die Rechtslage ist hochkomplex

und die Frage,obGeisel im

Recht ist oder Breitenbach, zurzeit

kaum zu beantworten. Mehr als 15

Verfassungsrechtler hat die Berliner

Zeitung angeschrieben und um ihre

Einschätzung gebeten. Die Antwort

der ausgewiesenen Experten: Ohne

eingehende Einarbeitung und zusätzliche

Recherchen zu dem Fall sei

eine Bewertung nicht zu treffen.

Auch Geisel gab am Donnerstag im

Abgeordnetenhaus zu: „Man kann

da unterschiedliche Rechtsauffassungen

haben.“

Worum geht es? Die Polizei Berlin

unterstützt die Ausländerbehörde bei

Abschiebungen. Konkret bedeutet

das: Polizisten suchen die Anschriften

der Abzuschiebenden auf, stellen

mit einem Arzt ihreReisetauglichkeit

fest, prüfen mögliche Abschiebungshindernisse

und transportieren die

Zurzeit recht dünnhäutig –zumindest bei einem Thema: Andreas Geisel.

„Zur Not muss das laufen wie beim Papst:

Geisel und Breitenbach werden so

lange in einen Raum gesperrt,

bis weißer Rauch aufsteigt.“

Bettina Jarasch, integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus

Betroffenen zum Flughafen. Dasalles

passiert inder Regel innerhalb von

Stunden, maximal an einem Tag. Die

Zuständigkeit der Berliner Polizei endet

am Flughafen mit der Übergabe

der Abzuschiebenden an die Bundespolizei.

Bei der Frage, obdie Polizei

dabei Flüchtlingsheime betreten

DPA/PAUL ZINKEN

darf, sagt Breitenbach, das sei nur mit

Zustimmung der Betroffenen oder einem

richterlichen Durchsuchungsbeschluss

erlaubt. Dabei stützt sie

sich auf Rechtsgutachten, die Juristen

ihrer Verwaltung angefertigt haben.

Dieverweisen auf Urteile des Berliner

Oberverwaltungsgerichts und des

Berliner Kammergerichts. Darin

steht, dass die „Unverletzlichkeit der

Wohnung“ auch für Räume in Flüchtlingsheimen

gelten, so wie es Artikel

13 des Grundgesetzes festgelegt ist.

Geisels Innenverwaltung hingegen

sieht einen Unterschied zwischen

dem Betreten und dem Durchsuchen

einer Flüchtlingsunterkunft

zum Zweck der Abschiebung. DasBetreten

ist nach Geisels Einschätzung

laut Paragraf 58 im Aufenthaltsgesetz

des Bundes und weiteren Paragrafen

im Verwaltungsvollstreckungsgesetz

des Landes auch ohne richterlichen

Beschluss möglich.

In Seehofers „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“

für den Bund findet sich

im jüngsten Entwurf ein Passus, der

für Geisel wie gemacht erscheint:

Darinwirdder Polizei bundesweit erlaubt,

Wohnungen zu betreten, in denen

Abschiebekandidaten vermutet

werden. Einige im Abgeordnetenhaus

spekulieren, dass Geisel seine

Beziehungen zu Genossen in der

Bundes-SPD genutzt habe, die am

Entwurfmitgearbeitet haben. Andere

glauben, der Innensenator sei dafür

zu schwach vernetzt.

Doch Seehofers Gesetz ist hoch

umstritten, auch die mitwirkende

SPD zeigte sich unzufrieden. Die

Linke im Bund hält das gesamte Paket

für rechtlich „höchst fragwürdig“.

„Massive Grundrechtseinschränkungen

und verfassungswidrige

Regelungen sollen im

Schnellverfahren und ohne Kritik

verabschiedet werden“, sagte Bundesgeschäftsführer

JörgSchindler.

Und die Linken in Berlin –und

ihre Sozialsenatorin Breitenbach?

Manwerde sich das Gesetz sehr genau

ansehen, sollte es verabschiedet

werden, teilte eine Sprecherin

der Sozialverwaltung am Donnerstag

mit. Und: „Wir halten uns an

geltendes Recht.“ Ob sie damit Seehofers

Gesetz meint oder Artikel 13

im Grundgesetz, lässt sie offen.

Die Grünen haben vom öffentlichen

Streit der Senatoren schon

jetzt die Nase voll. Auch Bettina Jarasch,

integrationspolitische Sprecherin

der Ökopartei, zweifelt

daran, dass Seehofers Bundesgesetz

das Grundrecht in Artikel 13

einschränken kann. Das müssten

Juristen klären. Die beiden Senatoren

aber müssten hinter geschlossenen

Türen zu einer Lösung kommen

–und zwar schnell. „Zur Not

muss das laufen wie beim Papst“,

sagte Jarasch. „Beide werden so

lange in einen Raum gesperrt, bis

weißer Rauch aufsteigt.“

Teile der

Wirtschaft für

Enteignung

Interessante Ergebnisse bei

Umfrage unter Betrieben

Die Berliner Wirtschaft lehnt die

Enteignung großer Immobilienunternehmen

mehrheitlich ab,

doch keineswegs geschlossen. Zwar

sagen 81 Prozent der Unternehmen,

Enteignungen seien kein geeignetes

Mittel, um den Mietmarkt in Berlin

zu entspannen. Immerhin 19 Prozent

halten die Enteignung dagegen

für geeignet, um für Entlastung auf

dem Markt zusorgen. Das geht aus

einer Mitgliederbefragung der Industrie-

und Handelskammer (IHK)

hervor, deren Ergebnisse am Donnerstag

präsentiertwurden.

Die Umfrage sei repräsentativ,

sagte IHK-Sprecherin Claudia Engfeld

auf Anfrage.Die Unternehmer in

der Stadt seien ebenso heterogen wie

der Rest der Bevölkerung. Gerade in

Berlin gebe es eine sehr kleinteilige

Unternehmensstruktur mit wenig Industrie

und vielen Start-ups. Aus

Sicht der IHK besonders wichtig:

Rund 80 Prozent der Unternehmen

befürchten eine starke Verschlechterung

des Investitionsklimas, sollte es

zu Enteignungen privater Immobilienunternehmen

kommen.

In einem offenen Brief an den Regierenden

Bürgermeister und die

Mitglieder des Senats des Abgeordnetenhauses

fordern die Spitzen der

IHK und des Vereins Berliner Kaufleute

und Industrieller (VBKI) die

Politik auf, eindeutig Position für den

Standort Berlin und gegen Enteignungen

zu beziehen. Der angespannte

Mietmarkt sei für alle Bevölkerungsschichten

eine Herausforderung,

auch für die Mitarbeiter der

Unternehmen. „Dies rechtfertigt jedoch

nicht den Einsatz eines Mittels,

das nicht nur ungeeignet zur Problemlösung

ist, sondern dem Wirtschaftsstandort

Berlin insgesamt

schadet“, heißt es in dem Brief.

Die Grünen-Abgeordnete Katrin

Schmidberger reagierte prompt.

„Massiv steigende Wohnkosten gefährden

den Wirtschaftsstandortwie

das Beispiel München zeigt und

nicht ein Volksbegehren, das sich auf

das Grundgesetz beruft“, sagte sie.

Investitionen, die„überhöhte Renditen

nur erzielen, weil sie die Berliner

aus ihren Wohnungen verdrängen“,

seien keine Investitionen. „Auch im

Sinne ihrer Mitarbeiter und auch

Mitglieder sollten sich die IHK und

der VBKI dafür einsetzen, dass Eigentum

wieder verpflichtet.“ (ulp.)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Berlin

Forsahat von Ende Februar bis Ende März 2019 rund 1000 Elternmit einem Kind oder mehreren unter 18 Jahren gefragt, wie oft sie in den letzten zwölf Monaten wegen einer akuten Erkrankung ihres Kindes einen Arzt aufgesucht haben.

DPA/BRITTA PEDERSEN

Die neue Gelassenheit

Weniger Medikamente, mehr Vitamintabletten: Eltern gehen mit ihren Kindern seltener zum Arzt. Das belegt eine Umfrage des Forsa-Instituts

VonJulia Haak

In der Kinderarztpraxis von Jakob

Maske ist von Entspannung

im ersten Augenblick

nichts zu spüren. Eltern sind

mit ihren Kindernda, weil ihnen die

Augen tränen. Sie husten, niesen,

haben Fieber. Ein Tagwie jeder anderefür

die Kinder-und Jugendärzte

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Traditionshandwerk: Uhrmacher

brauchen eine ruhige Hand

Kontaktbörse: Flirt und mehr am

Arbeitsplatz ist gar nicht selten

an der Goebenstraße in Schöneberg.

Und doch täuscht der erste Eindruck.„Elterngehen

mit jedem Kratzerihrer

Kinder zum Arzt, aber eben

doch nicht mehr ganz so häufig wie

noch vor einigen Jahren“, sagt

Maske.

Jakob Maske betreibt seine Praxis

gemeinsam mit zwei anderen Ärzten.

30 000 Patienten umfasst ihre

Kartei, bis zu 3000 Kinder und Jugendliche

kommen jedes Quartal

zur Untersuchung. Jakob Maske ist

außerdem im Berufsverband der

Kinder- und Jugendärzte engagiert

und dort der Ansprechpartner für

die Situation in Berlin. Er hat also einen

Überblick und er spricht darüber.

Je länger man ihm zuhört,

umso mehr Parallelen werden deutlich

zwischen Maskes Erfahrungen

als Kinderarzt und dem, was Eltern

in einer Studie angegeben haben, die

im Auftrag der Bundesvereinigung

der Deutschen Apothekerverbände

(ABDA) entstanden ist.

Am Donnerstag wurde die repräsentative

Umfrage durch das Forsa-

Institut vorgestellt. Demnach gehen

Elternheute mit ihren Kindernseltener

zum Arzt als vor zehn Jahren. 28

Prozent der Eltern waren –sogeht

aus der Studie hervor –inden zwölf

Monaten vor der Umfrage gar nicht

wegen eines akuten Problems mit

dem Nachwuchs beim Arzt, weitere

31 Prozent nur einmal. Vorsorgeund

Impf-Termine sind dabei nicht

berücksichtigt.

36 Prozent mussten immerhin

zwei- bis fünfmal wegen Krankheit

des Kindes in die Sprechstunde.

Noch öfter war das nur bei einer kleinen

Minderheit der Fall: 4Prozent

benötigten sechs- bis zehnmal akut

einen Termin beim Kinderarzt, ein

Prozent sogar noch häufiger.

Je nach Alter der Kinder gibt es allerdings

große Unterschiede: So

mussten von den 3- bis 6-Jährigen

zum Beispiel nur 13 Prozent nie akut

Arztbesuche: 28 %der Elternwareninden

letzten

zwölf Monatengar nicht mit

ihren Kindern beimArzt,

31% einmal, 36 %zwei- bis

fünfmal. Vorzehn Jahren

warenes20%gar nicht,

30 %einmal,40%zwei- bis

fünfmal.

DIE STUDIE

Zufriedenheit: 37 %der

Eltern bewerten die Gesundheitsversorgung

ihrer

Kinder mit sehr gut,

47 %mit gut, 12 %mit

befriedigend. Vorzehn Jahren

waren es 28 %sehr gut,

50 %gut, 15 %befriedigend.

Gesundheitszustand: Aus

Sichtvon 60 %der Elternist

der Zustand derKinder sehr

gut, 36 %werten mit gut, 4

Prozent mit mittelmäßig.Vor

zehn Jahren waren es 56 %

sehr gut, 37 %gut, 6%mittelmäßig,

1%sehr

schlecht.

zum Arzt, bei den ganz Kleinen unter

3Jahren waren es 15 Prozent. Undin

beiden Altersgruppen hatte jeweils

mehr als Hälfte mindestens zwei

Akutfälle (64 und 56 Prozent).

Vonden 10- bis 14-Jährigen war

dagegen mehr als jeder Dritte (37

Prozent) innerhalb eines Jahres gar

nicht beim Arzt, bei den 14- bis 18-

Jährigen ist der Anteil mit 32 Prozent

ähnlich hoch.

DieBefragung der ElternimRahmen

dieser Studie hat noch eine

Reihe anderer Dinge ergeben. So

glauben heute deutlich weniger Eltern,

dass ihr Kind an einer chronischen

Erkrankung leidet als vorzehn

Jahren. 60 Prozent der Eltern halten

den Gesundheitszustand ihrer Kinder

für sehr gut, vorzehn Jahren waren

deutlich weniger Eltern davon

überzeugt, dass es den Kindern sehr

gut geht. Deutlich mehr Eltern bewerten

auch die Gesundheitsversorgung

ihrer Kinder mit sehr gut. Sie

geben ihren Kindern weniger verordnete

Medikamente und dafür

mehr Vitamintabletten. Über die Ursachen

für all das gibt die Studie allerdings

keine Auskunft. DieZusammenhänge

sind, wie so oft, so auch

hier,komplex.

In seiner Praxis kann Jakob Maske

eine ganze Reihe von Phänomenen

beobachten. Anders als beim reinen

Zahlenwerk, erfährterdurch die Gespräche

mit den Eltern auch etwas

über Beweggründe.

Beispiel Hustensaft: Vor 20 Jahren,

so sagt Maske, habe ein Extrakt

aus Efeu als Hustensaft noch die

drittgrößten Kosten im Gesundheitsbereich

verursacht. Das ist vorbei.

Maske ist froh darüber.„Anstelle

eines Hustensafts kann man auch

ein Glas Wasser trinken. Er ist kein

Medikament im eigentlichen Sinne

und hat nur einen Placeboeffekt“,

sagt Maske.Behandelt werden muss

der Husten aus seiner Sicht nur,

wenn sich daraus eine Verengung

der oberen Bronchien oder eine

Lungenentzündung entwickelt. „Elternwaren

schon immer darauf aus,

Medikamente für ihre Kinder zu bekommen.

Aber Hustensäfte schreiben

wir Ärzte schon seit 20 Jahren

nicht mehr auf“, sagt er.Demnach ist

die Verhaltensänderung bei diesem

Medizinprodukt also mehr auf ein

konsequenteres Handeln der Ärzte

zurückzuführen als auf Einsicht bei

den Eltern.

Jakob Maske hat beim Husten

kulturelle Unterschiede beobachtet.

Er sagt, besonders besorgt seien türkisch-

und arabischstämmige Eltern,

wenn ihre Kinder husten.

Maske glaubt, dass das mit Todesfällen

in den Familien in der Vergangenheit

zusammen hängt.WennVerwandte

in den Herkunftsländern an

Keuchhusten oder Lungenentzündung

gestorben sind, verängstige jeder

Husten die Berliner Eltern.

Jakob Maske hat eine ganzeReihe

solcher Beobachtungen zu bieten.

So sagt er zum Beispiel, dass man an

der Anzahl der Arztbesuche den Sozialstatus

der Eltern ablesen könne.

Je niedriger der soziale und ökonomische

Status,umso häufiger gingen

Eltern zum Arzt. Angst und Unsicherheit

trieben diese Eltern indie

Praxen. Manche Familien sieht er 20-

bis 30-Mal in einem Quartal.

Lob hat er für Elternbeim Impfen.

98 Prozent der Eltern seien sehr gut

überzeugbar und ließen ihre Kinder

impfen. Probleme gebe es allenfalls

bei Nachimpfungen.

Viel erreicht mit Vorsorge

Als tolles Erfolgsmodell bezeichnet

Maske neben den Impfungen auch

die regelmäßigen Vorsorge-Untersuchungen,

zu denen Eltern mit ihren

Kindern indie Arztpraxen kommen.

Auf diesem Weghabe man seit den

80er-Jahren viel erreicht und das

Auftreten vonKindstod bis Gedeihstörungen

minimiert.

Veränderthabe sich in den letzten

Jahren auch der Umgang mit Kindern

mit Aufmerksamkeitsstörungen,

sagt Jakob Maske.Früher hätten

Erzieher schon Eltern von Dreijährigen

mit ihren Kindern zum Arzt geschickt.

Das habe nachgelassen. So

wie auch der Griff zum Medikament.

„Das ist heute nur noch das letzte

Mittel der Wahl“, sagt Maske.

Geheimpost im Schachbrett

Eine Dokumentation erzählt jetzt vom Mut und Widerstand politischer Gefangener der DDR in der Haftanstalt Brandenburg-Görden

VonJutta Schütz

Eng beschriebenes Papier, Listen

mit den Namen von Häftlingen,

Gedichte, Briefe. Sorgsam zieht der

Restaurator mit einer Pinzette Stück

für Stück aus dem Holz. Jahrzehnte

war das politische Vermächtnis in

dem Schachbrett mit dem doppeltem

Boden versteckt. Erst jetzt kommen

die Dokumente ans Licht.

Über den Mut und leisen Widerstand

von politischen Häftlingen in

der DDR, die sich nicht brechen ließen,

erzählt jetzt eine TV-Dokumentation

mit überraschenden Einblicken.

Sieist am 9. Juni um 19.15 Uhr

auf Phoenix zu sehen.

Die Männer saßen in den 50erund

60er-Jahren im Gefängnis Brandenburg-Görden.

Das inder Tischler-Werkstatt

der Haftanstalt gefertigte

Schachbrett sollte mit seiner

Geheimpost in der freien Welt das

Unrecht in der DDR belegen, heißt es

in dem Film von Eva Wormit. Zwar

sei das Brett herausgeschmuggelt

worden, aber die Botschaften in der

Zeit des Kalten Krieges blieben verborgen

und kamen im Westen nicht

an. Der Film lässt die näheren Umstände

offen.

In dem Gefängnis war demnach

in den 50er-Jahren bis Anfang der

60er fast jeder zweite Insasse ein politischer

Gefangener.Viele waren wegen

angeblicher Spionage oder Geheimnisverrats

zu hohen Haftstrafen

verurteilt worden. Die Dokumentation

macht deutlich, dass es bis

heute Details und Aspekte der

deutsch-deutschen Geschichte gibt,

die bislang im Dunkeln blieben.

Zusammenhalt geprobt

Iris Lasetzke, Restauratorin der Stiftung Haus der Geschichte, und Restaurator Philip

Mandrys begutachten ein Schachbrett mit doppeltem Boden.

DPA/AXEL THÜNKER

„Es herrschte das Prinzip Isolierung

und Kontrolle“, sagt ein früherer

westdeutscher Fluchthelfer, der von

1962 bis 1964 in Brandenburg-Görden

saß, in dem TV-Bericht. Dentakt

aufnehmen konnte. Sie hätten

keinen Aufstand gewollt, sondern

Zusammenhalt in feindlicher Atmosphäre,

hieß es. Untereinander

kannten sich immer nur einige. Der

Politikwissenschaftler Tobias Wunnoch

bildete sich eine Widerstandsgruppe

mit etwa drei Dutzend Gefangenen,

wie die Berichte mehrerer

einstiger Insassen deutlich machen.

Einige von ihnen arbeiteten in der

Tischlerei, wo man unauffällig Konschik

hatte das Schachbrett bei Recherchen

für ein Buch von einem

früheren Häftling geschenkt bekommen.

Phoenix zeigt in der Dokumentation

nun die spannende Öffnung

des aus mehreren Schichten geleimten

Bretts in der Restaurierungsabteilung

des Hauses der Geschichte in

Bonn. Mit einer so umfassenden

Botschaft an die freie Welt habe er

nicht gerechnet, sagt Wunschik beeindruckt.

Einbeschriebenes Taschentuch

Wolfgang Frenkel galt laut Film als

einer der Hauptakteure der Widerstandsgruppe.

Auf deren Bestehen

sei die Stasi überhaupt erst nach der

sogenannten Taschentuch-Aktion

aufmerksam geworden: Der wegen

Spionage zu langer Haft Verurteilte

hatte bei einem Besuch ein beschriebenes

Taschentuch fallen gelassen,

ist im Film zu erfahren. Seine Mutter

schrieb die Botschaft ab und

schickte diesen Brief 1958 an das

Bundeskanzleramt in Bonn. In dem

Schreiben wird versichert, der

Kampf gegen den Kommunismus

werde in der Illegalität beharrlich

fortgesetzt –imNamen der Widerstandsgruppe

20653 FKI 268.

Der Fluchthelfer von einst, Wolfdieter

Sternheimer, sagt, er sei von

der geheimen Gruppe moralisch gestützt

worden. Erst nach dem Mauerfall

erfuhr Sternheimer den Grund

für seine vorzeitige Freilassung. Sie

hatte mit einer weiteren geheimen

Kontaktaufnahme zu tun: Es gelang

einem Gruppenmitglied, Häftlingslisten

in Kerzenständern zuverstecken,

die ein Priester nach einer katholischen

Messe im Knast wieder

mitnahm. Die Listen landeten

schließlich bei westdeutschen Behörden.

„Ich bin nicht begnadigt, ich

bin freigekauft worden“, sagt der

sichtlich erschütterte Mann im

Rückblick. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 15 **

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Berlin

Riesen-Goldmünze: Jetzt geht es um das große Geld

Der Eigentümer der Big Maple Leaf klagt auf Entschädigung. Doch die Versicherung zahlte bisher nicht die volle Summe. Unterdessen geht der Strafprozess weiter

VonKatrin Bischoff

Es geht offenbar um Millionen:

Demnächst wird sich

eine Zivilkammer des Berliner

Landgerichts mit dem

dreisten Einbruch ins Bode-Museum

vor mehr als zwei Jahren beschäftigen

müssen. Die 100 Kilogramm

schwere Big Maple Leaf mit

einem Verkaufswert von 3,75 Millionen

Euro, die bei dem Einbruch gestohlen

wurde, war nur eine Leihgabe.

Der Eigentümer der Riesen-

Münze, ein Immobilienentwickler

aus Düsseldorf, klagt nun nach Informationen

der Berliner Zeitung

auf Entschädigung –die Auszahlung

vonVersicherungsleistungen.

„Ein solches Verfahren ist anhängig“,

bestätigte Thomas Heymann,

der Sprecher der Zivilgerichte, am

Donnerstag, dieser Zeitung. Einen

Termin für eine mündlicheVerhandlung

gebe es noch nicht. WeitereAngaben

zu dem Verfahren machte der

Gerichtssprecher nicht.

Es geht um die Versicherung des

Bode-Museums. Diese soll sich bisher

geweigert haben, die volle Schadenssumme

auszugleichen. Bisher

wurden offenbar lediglich 800 000

Euro gezahlt – wegen der Sicherheitsmängel

im Museum, die den

Diebstahl aus Sicht der Assekuranz

vermeintlich begünstigt haben.

Unterdessen ging nach einer längeren

Pause am Donnerstag der

Strafprozess in Sachen Goldmünze

Die Big Maple Leaf warals Leihgabe seit 2010 im Bode-Museum zu sehen. Einen Tagnach dem Diebstahl sollte die Münze ins Kulturforum wechseln.

weiter.Vor dem Landgericht müssen

sich seit Januar dieses Jahres vier

junge Männer wegen Diebstahls in

einem besonders schweren Fall verantworten.

Denis W.,21Jahrealt, arbeitete

seit knapp vier Wochen als

Aufsicht im Bode-Museum, als die

Riesen-Goldmünze verschwand. Er

soll laut Anklage den Brüdern Ahmed

und Wayci R., 21 und 24 Jahre

alt, und deren 23-jährigem Cousin

Wissam R. Tipps für den Millionenbruch

gegeben haben. Ahmed,

WayciundWissam R. sind Mitglieder

einer polizeibekannten arabischstämmigen

Großfamilie. Ermittler

sind sich sicher, dass die Diebe der

Wagenrad großen Münze über Insiderwissen

verfügten, als sie in der

Nacht zum 27. März 2017 durch das

einzige nicht alarmgesicherte Fenster

des Gebäudes stiegen. In einem

filmreifen Coup –nur mit einer Axt

und einem Rollbrett ausgerüstet –

hatten sie in nur 16 Minuten die

Zwei-Zentner-Goldmünze aus dem

Museum bugsiert – obwohl ein

Wachmann gerade seinen Rundgang

absolvierte. Erhörte nicht, wie die

Einbrecher das Sicherheitsglas der

DPA/MARCEL METTELSIEFEN

Vitrine zerschlugen und die Big Maple

Leaf auf das Rollbrett hievten.

Die Vitrine war nicht durch eine

Alarmanlage gesichert – weil, so

wurde im Prozess deutlich, niemand

der Verantwortlichen im Museum

davon ausgegangen war, dass Diebe

den schweren Schatz einfach so aus

dem Haus auf der Museumsinsel

schleppen könnten. Vonder Riesengoldmünzefehlt

bis heute jede Spur.

Vermutlich wurde sie zerlegt und

verkauft oder eingeschmolzen.

Am Donnerstag sagte die Ermittlerin

aus,die die Finanzen des angeklagten

einstigen Museums-Wachmanns

Denis W. überprüft hat. Der

21-Jährige habe weder über eine Immobilie

verfügt, noch habe er Schulden

gehabt oder ein Gewerbe angemeldet.

Auf sein Konto sei lediglich

der Lohn der Sicherheitsfirma eingegangen,

für die er gearbeitet hatte.

Eine Bäckerei, die sich die Familie

des Angeklagten später kaufte, kostete

6000 Euro. Der Vater von Denis

W. bezahlte das Geld in bar.

Dagegen sprach der zuständige

Chefermittler davon, dass sich Denis

W. drei Monate nach dem Verschwinden

der GoldmünzeImmobilien

angeschaut habe, „die mit seinen

Einkünften nicht korrespondierten“.

So interessierte er sich für

Läden im Wert zwischen 40 000 und

115 000 Euro.Zuden Selfies,die Denis

W. als Wachmann vor dem Einbruch

im Bode-Museum angefertigt

hatte und die auf seinem Handy gefunden

worden waren, sagte der 44-

jährige Chefermittler, sie hätten aus

seiner Sicht zur Vorbereitung des

Diebstahls gedient. Auf den Selfies

seien auch Museumsgänge zu sehen,

durch die die Täter gelaufen

sein sollen. Laut Chefermittler habe

Denis W. die Fotos aber nicht verschickt.

Auch nicht an den mitangeklagten

Ahmed R., seinen Freund.

Taxifahrer: Uber soll aus

Berlin verschwinden

Bei der Taxi-Demo schlug ein Mann zwei Menschen nieder

VonGerhard Lehrke

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Reise

Das andere Amerika: Besuch in

San Franciscos Chinatown

Einsatz im Paradies: Schildkröten

retten auf den Malediven

Eswurde laut vor dem Amtssitz

von Verkehrssenatorin Regine

Günther (für Grüne), Sprechchöre

„Uber raus“ hallten über die Straße

Am Köllnischen Park. Hunderte Taxifahrer

demonstrierten am Donnerstag

gegen den Fahrvermittlungsdienst

Uber, Hermann Waldner,

Vizepräsident des Bundesverbands

Taxi: „Wir wollen, dass Uber

ganz aus der Stadt verschwindet.“

Wie berichtet, klagen Taxiverbände

über unlauteren Wettbewerb

durch Uber und verlangen vonGünther,

gegen Rechtsverstöße vorzugehen.

So besteht für Mietwagen mit

Fahrer, die von Uber und anderen

Diensten an Kunden vermittelt werden,

eine Rückkehrpflicht. Das bedeutet,

dass sie nach jeder Fahrtzum

Firmensitz zurückkehren müssen.

Es sei denn, es kommt sofort ein

neuer Auftrag. Tatsächlich würden

Uber-Fahrer diese Pflicht missachten,

kontrolliertwerde das nicht.

Harald Wolf, verkehrspolitischer

Sprecher der Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus,

redete in einer Ansprache

der Senatorin vom grünen

Koalitionspartner ins Gewissen. Sie

müsse den seit April 2018 vorliegenden

Antrag des Gewerbes für eine

Tariferhöhung endlich genehmigen.

Eine Koalition, die den öffentlichen

Personennahverkehr voranbringen

wolle, habe die Taxifahrer „vor Uber

&Co“ zu schützen: „Uber führtweltweit

Krieg gegen das Taxigewerbe“.

Taxis seien Teil des ÖPNV und gehörten

in ein Nachverkehrskonzept.

Leszek Nadolski, 1. Vorsitzender

der Berliner Taxiinnung, sieht für

sein Gewerbe schwarz: „Wenn Uber

weiter expandiert, sind die Taxis

weg.“ Den8241 Taxis in Berlin stünden

mittlerweile 2500 buchbare

Mietwagen von rund 500 Anbietern

gegenüber. Dazu kämen weitere

über Vermittler zu buchende Mietwagen

aus dem Umland und das innerstädtische

BVG-Angebot BerlKönig

mit 300 Fahrzeugen.

Vor Beginn der Demonstration

sprach eine Delegation der Taxifahrer

mit Günthers Staatssekretär Ingmar

Streese. Die Taxivertreter gaben

danach bekannt, Streese habe zugesagt

zu prüfen, ob man gegen illegale

Handlungen der Fahrdienstvermittler

vorgehen könne. Außerdem sei

über eine Bundesratsinitiative Berlins

gegen die Pläne von Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer

(CSU) gesprochen worden, das Mietwagengewerbe

zu liberalisieren.

Günthers Sprecher Jan Thomsen

erklärte: „Klar ist, dass die Senatsverwaltung

den fairen Wettbewerb im

Beförderungsgewerbe bewahren

und schützen will. Taxifahrerinnen

und -fahrer spielen eine wichtige

Rolle bei der Mobilitätsversorgung

der Bevölkerung. Sie sind mit einheitlichen

Tarifen und Beförderungspflicht

fester Teil des ÖPNV.“

Man bleibe im Gespräch über

Schutzmöglichkeiten. Zur Bundesratsinitiativegab

es kein Statement.

Während der Demonstration gab

es einen Zwischenfall. Ein Mann

kam auf die Tribüne, wurde weggeschickt,

beschimpfte im Gehen den

Vorsitzenden der Berliner Taxivereinigung,

RichardLeipold, und schlug

ihm ins Gesicht. Anschließend stieß

er mit dem Kopf gegen die Taxiunternehmerin

Petra G.Die Opfer stürzten,

die Frau begab sich nach der

Demo mit schmerzender Schulter

ins Krankenhaus. Der Täter wurde

von der Polizei festgenommen. Rolf

Feja von der Taxiinnung: „Anschließend

kam heraus,dass der Mann bei

einer IHK-Fahrerprüfung durch Kollegen

Leipold durchgefallen war.“

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Berlin/Brandenburg

POLIZEIREPORT

Homophober Angriff.

In der Sonnenallee in Neukölln haben

sich am Mittwochabend mehrere

Männer gestritten. Einer vonihnen

schlug dabei einem Mann, der

ein Kleid trug, mit der Faust ins Gesicht.

Als die Polizei eintraf, war keiner

der Beteiligten mehr anzutreffen.

DerStaatsschutz ermittelt.

Fußgängerin schwer verletzt.

Mitmehreren gebrochenen Knochen

kam am Mittwochmittag eine

Fußgängerin in eine Klinik. Die39-

Jährige war in Köpenick voneiner 36

Jahrealten VW-Fahrerin erfasst worden.

DieFußgängerin hatte versucht,

die Fahrbahn der Bahnhofsstraße

voreinem haltenden Buszu

überqueren. Dabei wurde sie angefahren.

Jugendlicher ausgeraubt.

Zwei Unbekannte haben am Mittwochabend

in Marzahn einen Jugendlichen

ausgeraubt. Gegen 21.45

Uhrwar der 16-Jährige in derWuhletalstraße

unterwegs.Die Täter sprachen

ihn an und verlangen vonihm,

dass er seine Wertsachen übergibt.

DemOpfer gelang es zunächst, zu

fliehen. Beim Überkletterneines

Bauzaunes stürzte er aber zu Boden,

sodass die Täter ihn einholen konnten.

Anschließend schlugen sie auf

ihn ein und raubten sein Geld und

Handy.Erschleppte sich nach Hause

und informierte vondortaus die Polizei.

MitVerletzungen am Kopf und

an der Schulter kam er anschließend

in ein Krankenhaus.

Supermarkt überfallen.

Zwei Maskierte haben am Mittwoch

einen Supermarkt in der Rixdorfer

Straße in Mariendorfüberfallen. Sie

bedrohten zwei Angestellte mit Messer

und einer Pistole und verlangten

Geld. Sieflüchteten anschließend

mit zwei Komplizen in einem Auto.

Polizisten stoppten den Wagen und

nahmen die vier Männer fest. Im

Fahrzeug fanden die Beamten die

Beute sowie die Pistole.

Die Identität dieses Mannes ist noch

nicht geklärt.

POLIZEI

Fahndung nach Schlägern.

Mitder Veröffentlichung eines Fotos

aus einer Überwachungskamera

fahndet die Polizei nach einem

Schläger.Ersoll am 9. September

vergangenen Jahres,gegen 2Uhr vor

dem Club „Musik und Frieden“ in

der Falkensteinstraße in Kreuzberg

zusammen mit einem 22 Jahrealten

Komplizen einen Mann mit den

Fäusten niedergeschlagen haben.

Anschließend traten die Täter mehrfach

gegen den Kopf des 24-Jährigen.

DasOpfer wurde schwer verletzt in

ein Krankenhaus gebracht und dort

stationär aufgenommen. Zeugen,

die wissen, wo sich der abgebildete

Mann aufhält, bittet die Polizei, sich

zu melden. Er ist zirka 1,85 Meter

groß und hat eine schmale Statur.

Sein Alter schätzt die Polizei zwischen

20 und 25 Jahren. Hinweise

nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Im Bus beleidigt.

In einem Busder Linie 187 hat am

Mittwochnachmittag ein unbekannter

Mann einen 41 Jahrealten Fahrgast

beleidigt. DenAngaben des Opfers

zufolge saß er gegen 15 Uhrmit

seinem Partner in dem Bus. In Höhe

des Spreeweges in Tiergarten, beschimpfte

der Mann den Fahrgast

mehrfach. An der Haltestelle Spreewegverließ

er den Bus. Inzwischen

hat der Staatsschutz die Ermittlungen

übernommen. (ls.)

Helikopter lassen riesige Wassermengen auf die Flammen niederregnen.

„Die Gefahr ist nach wie vor groß“

Immer wieder neue Feuer,immer wieder Detonationen –Jüterbog leidet unter Waldbränden

VonGudrun Janicke

In jedem Jahr das gleiche traurige

Spiel: Bei großer Hitze

brennt der Wald rund um Jüterbog.

VonZeit zu Zeit sind in der

Nähe Detonationen zu hören. Alte

Munition kann hochgehen und Leben

in Gefahr bringen. Der Leidensdruck

wirdimmer größer.

Jedes Jahr aufs Neue brennt der

Wald bei Jüterbog südlich von Potsdam.

Die Flammen lösen eine Kettenreaktion

aus: Alte Munition entzündet

sich und setzt weitere Waldflächen

in Brand. DieGefahr lauertim

Boden. „Die Dimension ist kaum vorstellbar.

Wir können das nicht mehr

tragen und wollen es nicht mehr ertragen“,

sagt Arne Raue,Bürgermeister

der Stadt Jüterbog mit rund 12 000

Einwohnern(Teltow-Fläming).

Für Lothar Schwarz, Einsatzleiter

der Feuerwehr, wird es nicht der

letzte Waldbrand gewesen sein, das

weiß er mit Sicherheit. Er geht im

kommenden Jahr zwar in den Ruhestand,

doch bis dahin wirdseiner Ansicht

nach auf dem riesigen ehemaligen

Truppenübungsplatz südlich von

Berlin immer wieder der Wald brennen.

„Die Gefahr ist nach wie vor

groß“, sagt der 64-jährige Feuerwehrmann.

Der ehemalige Truppenübungsplatz

von etwa 9000 Hektar wurde

von1864 bis 1992 militärisch genutzt:

Während der Kaiserzeit, im Ersten

4-8

Euro kostet Munitionsräumung

pro Quadratmeter

BRENNENDER BODEN

230 000

Hektar Truppenübungsplätze

gabesbis 1990

20

Grad –Temperatur ab der

Phosphor sich entzündet

Jüterbog kapituliert vor den Flammen

IMAGO

und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten

bis zur Gegenwart wurde Munition

aller Artabgefeuert. Blindgänger

blieben einfach liegen, alte Kampfmittel

bilden mittlerweile eine dicke

Schicht im Erdboden. In den vergangenen

Jahrzehnten verrotteten sie

und wurden damit unberechenbar.

Betreten des Geländes ist undenkbar

und könnte tödlich enden. Warnschilder

weisen darauf hin.

Schwarz hat bei seinem jüngsten

Einsatz zwar noch keine Detonationen

gehört. Aber er weiß, es kann jeden

Moment etwas passieren. Die

Gefahr sei immer gegenwärtig.

Löscharbeiten seien nur außen vom

Waldrand möglich, sagt er. „Auch

Hubschrauberpiloten wissen um die

Gefahr,wenn etwas hochgeht.“

Das Wegräumen der Munition,

dessen Menge nicht bekannt ist, ist

aus Kostengründen schwer möglich.

DieHeinz-Sielmann-Stiftung hat beispielsweise

in den Sielmann Naturlandschaften

Döberitzer Heide vor

den TorenBerlins –ebenfalls einst ein

Truppenübungsplatz –inden vergangenen

Jahren rund 55 KilometerWanderwege

von Munition geräumt. Die

Kosten lagen nach Angaben der Stiftung

zwischen 4und 8Euro jeQuadratmeter.

Jüterbogs parteiloser Bürgermeister

Raue sieht in erster Linie den Bund

in der Pflicht, für die Beseitigung der

Munition zu sorgen. „Er muss auch

die Kosten tragen“, betont er. Nach

seiner Kenntnis sei auf dem Gelände

TNT-Sprengstoff zu finden sowie Munition,

die auf U-Booten und Flugzeugen

getestet wurde.„In allen Größenordnungen“,

sagt er. Vor einigen

Jahren seien Sprengkörper in die Luft

gegangen, dass habe man in ganz Jüterbog

gespürt. Bei seinem Amtsantritt

vor acht Jahren habe er seinen

Feuerwehrleuten untersagt, zum Löschen

vonBränden in das Gelände zu

gehen.„An der Gefahrenzone hat sich

bis heute nichts geändert.“ Für eine

kleine Kommune sei es schwer, die

bei der Brandbekämpfung erforderlichen

Mittel bereit zustellen.

1990 gab es in BrandenburgTruppenübungsplätze

auf rund 230 000

Hektar. Bis 1994 räumte die Westgruppe

der Truppen der Sowjetarmee

ihre Areale: mit umfangreichen militärischen

Altlasten verseucht. 1994

übertrug der Bund dem Land unentgeltlich

rund 93 000 Hektar ehemalige

Russen-Flächen. Vielfach entwickelten

sich ganz eigene Naturlandschaften

–immer mit dem brisanten Erbe

im Boden.

Besonders gefährlich ist aus Sicht

des Waldbrandschutzbeauftragten

Raimund Engel, dass sich an einigen

Munitionsresten – sogenannte

Leuchtspurgeschosse –Phosphor befindet.

Das chemische Element

könne sich bei Temperaturen ab 20

Grad undWind selbst entzünden.„Da

braucht es kein weiteres Zutun“, sagt

er. Esentstehe eine Stichflamme, als

wenn zwei Streichhölzer gleichzeitig

entzündet werden. Auf trockenem

Boden breite sich der Brand dann

schnell aus.

Raue befürchtet, dass auch seine

Enkel noch mit dem Erbe leben müssen.

„Erst wenn konsequent die Munition

beräumt wurde,kann der ehemalige

Truppenübungsplatz gefahrlos

betreten werden.“ (dpa)

Landkreis stuft Feuer als Katastrophenlage ein und übernimmt vollständige Einsatzleitung. Immer wieder Explosionen

Der Brand auf dem ehemaligen

Truppenübungsplatz bei Jüterbog

ist schwerer zu löschen als bislang

angenommen. Der Landkreis

Teltow-Fläming hat das Feuer am

Donnerstag als Katastrophenlage

eingestuft und die vollständige Einsatzleitung

übernommen. Kreisbrandmeister

Tino Gausche sprach

von einer „einmaligen Dimension“

des Brandes.„Dashatten wir so noch

nie“, sagte Gausche.

Normalerweise liegt der ehemalige

Truppenübungsplatz im Verwaltungsgebiet

von Jüterbog, und die

Stadt hatte seit Anfang der Woche

auch die Einsatzleitung bei dem

Großbrand. DasAusmaß sei aber inzwischen

so groß, dass die Stadt das

nicht mehr leisten könne, sagte eine

Sprecherin am Donnerstag.

Das Brandgebiet hat sich mittlerweile

auf rund 800 Hektar ausgebreitet.

Es ist der größte Waldbrand in

der Mark seit Jahrzehnten. Mittlerweile

hat es geregnet, wie die Stadtsprecherin

in Jüterbog am Nachmittag

bestätigte. Obder Regen helfe,

Seit Wochenanfang brennt der Wald bei Jüterbog.

den Band einzudämmen, konnte sie

aber zunächst nicht einschätzen.

Für Orte in der Nähe der Waldbrände

im Landkreis Teltow-Fläming

besteht nach Angaben der

Kreisverwaltung derzeit keine akute

Gefahr. Das betreffe sowohl den

Brand bei Jüterbog in der Nähe der

Orte Frankenförde und Felgentreu

ZB/STÄHLE

als auch einen anderen Brand bei

Altsorgefeld.

DieFeuerwehrleute sind nach Angaben

vonGausche rund um die Uhr

im Einsatz, aktuell sind 150 Feuerwehrleute

mit etwa 25 Fahrzeugen

vor Ort. Unterstützt werden sie auch

vom Deutschen Roten Kreuz und

demTechnischen Hilfswerk. Im Laufe

des Donnerstags soll Hilfe von anderen

Landkreisen kommen, darunter

aus der Prignitz, aus Oberhavel und

Cottbus. Auch drei Löschhubschrauber

sollen eingesetzt werden –zwei

der Bundespolizei waren bereits in

den vergangenen Tagen im Einsatz.

Ein dritter Hubschrauber der

Bundeswehr hat am Donnerstagmorgen

seinen Einsatz begonnen,

um die Flammen unter Kontrolle zu

bringen, wie die Luftwaffe mitteilte.

Der CH53-Hubschrauber trage einen

Löschbehälter „Smokey“, aus

dem 5000 Liter Wasser abgelassen

werden könnten.

Gefährlich sei die Situation für die

Einsatzkräfte vor Ort, sagte der Bürgermeister

von Jüterbog, Arne Raue,

am Donnerstag. Untersuchungen

hätten ergeben, dass auf dem ehemaligen

Truppenübungsplatz verschiedene

Munition erprobt worden sei,

darunter U-Boot-Munition und auch

Torpedos. „Wir wissen, dass wir alle

möglichen Chemikalien in der Erde

haben, wir wissen aber nicht, wie sie

miteinander reagieren.“ (dpa)

Braunkohle:

Die Dörfer

sollen bleiben

Deutschlandweites Bündnis

will die Enteignung stoppen

VonNadja Lissok

J

ens Hausner lebt in Pödelwitz in

der Lausitz und er kämpft in einer

Bürgerinitiativefür den Erhalt seines

Ortes. Nur mit einem baldigen Ende

des Braunkohleabbaus seien die

Ziele des Pariser Klimaabkommens

für Deutschland zu erreichen, sagt

er. „Nicht mehr der Abbau von

Braunkohle, sondern Klimaschutz

ist jetzt das oberste Interesse der Allgemeinheit.

Hausner gehört zum

Bündnis „Alle Dörfer bleiben!“, das

sich am Donnerstag in Berlin vorgestellt

hat.

Das Bündnis will alle bedrohten

Dörfer in deutschen Braunkohlerevieren

retten und fordert von der

Bundesregierung eine Bestandsgarantie.Seit

Jahren gebe es in den bedrohten

Dörfern Investitionsstaus,

viele Menschen haben die Orte bereits

verlassen, weil sie für ihre

Grundstücke viel Geld bekommen

haben. Andere sind in den halbleerenOrten

geblieben.

Deshalb sind sich die Betroffenenvertreter

einig, dass alte und

neue Dörfer aus dem Strukturwandelfond

zum Kohleausstieg unterstützt

werden sollen, um lebenswert

zu bleiben. Sie wollen endlich die

freie Wahl ihres Wohnortes. „Jeder

soll selbst entscheiden, ob er gehen

oder bleiben soll“, sagt Hausner.

Die Bündnissprecher fordern

eine Reform des Bundesberggesetzes,

das die Enteignung der Dorfbewohner

durch die Energiekonzerne

im Rheinland, der Lausitz und im

Leipziger Land bislang rechtlich

möglich machte.

Ein Gesetz soll neue Genehmigungen

zum Braunkohleabbau verbieten.

Außerdem wollen die Bündnispartner

endlich ein Mitspracherecht,

wie es in ihren Regionen weitergehen

soll. „Wir wollen

Planungssicherheit für unser Leben

und wissen, wie es bei uns weitergehen

soll“, sagten sie am Donnerstag

in Berlin.

Und plötzlich sieht es so aus, als

gebe es wieder Hoffnung für die Dörfer

in den deutschen Braunkohlerevieren.

Die gesellschaftliche Stimmung

hat sich gewendet: Der Hambacher

Forst bei Köln ist nach monatelangen

Protesten und öffentlichem

Druck gerettet. Hunderttausende

Schüler gehen für eine bessere Klimapolitik

auf die Straße.Die Grünen

sind in Umfragen die zweitstärkste

Partei geworden. Die Kohlekommission

empfiehlt der Bundesregierung

den Ausstieg aus der Braunkohle bis

spätestens 2038.

In Erkelenz-Immerath sind die

Häuser fast vollständig weggebaggert.

Als eines der letzten Gebäude

im Ortskern wurde Anfang 2018 der

neuromanische Immerather Dom

der katholischen Pfarrei St.Lambertus

zerstört. Dort amKirchplatz hat

Britta Kox ihren Mann zum ersten

Mal geküsst, erzählt sie am Donnerstag.

IhrZuhause soll spätestens

2023 in einer riesigen Grube verschwinden,

die zum Tagebau Garzweiler

2des Energiekonzerns RWE

gehört. Dass ihre Heimat abgebaggertwerden

soll, weiß die 47-Jährige

seit sie sechs Jahrealt ist.

Die finanzielle Unterstützung

fließt längst in die betroffenen Regionen,

sie werden renaturiert und

revitalisiert–nach ihrer Zerstörung.

Bis die Empfehlung der Kommission

aber tatsächlich in ein Gesetz

umgesetzt ist, baggern die Energiekonzerne

weiter.

Laut Kox mit deutlich erhöhter

Geschwindigkeit. Der Druck auf

Keyenberg, ihren Nachbarort, habe

sich seit dem Jahr 2016 massiv erhöht.

Obwohl der Ort erst in vier

Jahren plattgemacht werden soll,

stünden die Bagger schon beinahe

an der Ortsgrenze. Weiter, findet

Britta Kox, sollten sie nicht mehr

fahren dürfen.


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 17

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Gesundheit

Manchmal kündigt er

sich an. Doch oft

kommt er wie aus heiterem

Himmel: Pro

Jahr erleiden allein in Berlin rund

14 000 Menschen einen Schlaganfall.

Meist mit schlimmen Folgen.

Vier von zehn Betroffenen sterben

innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Zwei Drittel der Überlebenden

leiden danach an halbseitigen Lähmungen,

Sprachstörungen und anderen

Beeinträchtigungen. Häufig

sind sie dauerhaft auf fremde Hilfe

angewiesen. Und das, obwohl sich

die Behandlungsmöglichkeiten in

den letzten Jahren deutlich verbesserthaben.

Doch immer noch gibt der GAU

im Gehirn den Experten viele Rätsel

auf. Denn bei 20 bis 30 Prozent der

Hirninfarkte bleibt die Ursache im

Dunkeln, wie die Deutsche Herzstiftung

jetzt mitteilt. Die Ärzte wissen

zunächst nicht, warum es zu dem

Schlaganfall kam. Nurwenn sich die

Patienten besonders aufwendigen

Untersuchungen unterziehen, lassen

sich die genauen Hintergründe

doch noch ermitteln. Das jedoch ist

wichtig, um durch richtige Therapien

und geeignete Vorbeugung weitereSchlaganfälle

zu verhindern.

Entscheidende erste Stunden

Das tödliche

Rätsel

Schlaganfall: Immer noch

gibt der GAU im Gehirn den

Experten Rätsel auf.

Jeder fünfte Hirninfarkt

ist unerklärlich

VonMichael Timm

Blutgefäße im menschlichen Gehirn.

In den meisten Fällen finden die

Ärzte zwar schnell heraus, warum

ein Schlaganfall aufgetreten ist. Bluthochdruck,

Ablagerungen in den

Halsschlagadern, Vorhofflimmern,

Diabetes und zu hohe Cholesterinwerte

sind die häufigsten Ursachen.

Bei rund jedem fünften Patient

bleibt der Auslöser allerdings unklar.

Die Ärzte sprechen dann von einem

„kryptogenen Schlaganfall“.

In der Regel verlaufen solche

Schlaganfälle weniger schwer und

hinterlassen weniger bleibende

Schäden. „Insgesamt haben kryptogene

Schlaganfälle eine besserePrognose

als Schlaganfälle mit bekannter

Ursache“, betont Kardiologe

Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen

Beirat der Deutschen

Herzstiftung in der Fachzeitschrift

„Herz heute“. „Doch deshalb dürfen

sie nicht weniger ernst genommen

werden. Denn auch hier führt die

Mangelversorgung eines Gehirnareals

aufgrund eines verengten

oder verschlossenen hirnversorgenden

Blutgefäßes zu bleibenden Hirnschäden.“

Deshalb rät Meinertz, bei

jedem Schlaganfall sofort den Notarzt

zu alarmieren, um die betroffene

Person in eine Klinik mit

Schlaganfall-Einheit zu bringen. Das

gilt auch, wenn lediglich ein Symptom

oder Hinweiszeichen auf einen

möglichen Schlaganfall auftritt.

Nurineinem spezialisierten Zentrum

können Spezialisten herausfinden,

ob es sich nur um eine Vorstufe

mit vorübergehenden Ausfällen oder

um einen richtigen Schlaganfall mit

bekannter oder unbekannter Ursache

handelt. Dann muss sofort die

jeweils richtige Behandlung einsetzen.

Dafür bleibt nicht viel Zeit.

Denn nur in den ersten Stunden

nach Auftreten der ersten Symptome

besteht die Möglichkeit, Hirngewebe

vordem Untergang zu retten. Entweder

durch Infusionen mit gerinnungsauflösenden

Mitteln oder seit

kurzem auch durch Kathetertechniken,

mit denen Ärzte Blutgerinnsel

aus den verstopften Gehirnarterien

entfernen können.

Doch wie kann man sich vor einem

Schlaganfall schützen? „Zunächst

einmal dadurch, dass man

bestehende Risikofaktoren ausschaltet“,

sagt Neurologe Dirk Sander

vom Benedictus Krankenhaus

Tutzing.„DasWichtigste ist dabei der

Blutdruck. Die Werte sollten unter

140/80 mmHg liegen. Werbei einem

zu hohen Blutdruck diese Werte

durch gesündere Lebensweise und

vernünftigere Ernährung nur um

zehn Prozent senkt, vermindert das

Schlaganfall-Risiko bereits um

30 Prozent.“ Sanders Tipp: „Essen

Sie einfach mehr Obst und Gemüse,

öfter Fisch, weniger fette Wurst und

Fleisch und sparen Siemit Salz.Würzen

Sie stattdessen lieber mit Kräutern.

Achten Sieauch auf verstecktes

Symptome: Bei einem Schlaganfall ist die

Durchblutung im Gehirngestört, wichtige

Hirnzellen sterben ab.Ursache ist zu 80 Prozent

eine Verstopfung oder ein Verschluss der

Arterien. Bei etwa 20 Prozent der Patienten

liegt eine Hirnblutung durch eine geplatzte

Arterie vor. Die häufigsten Symptome eines

Schlaganfalls sind Sehstörungen, Sprachund

Sprachverständnisstörungen, Lähmungenund

Taubheitsgefühle, Schwindel mit

Gangunsicherheit sowie sehr starkeKopfschmerzen.

Test: Mit dem Fast-Test lässt sich innerhalb

kürzester Zeit der Verdacht auf einen Schlaganfall

überprüfen. Fast (engl.) steht als Abkürzung

für Face (Gesicht), Arms (Arme),

Speech (Sprache) und Time (Zeit).

DIE HÄUFIGSTEN SYMPTOME

Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt

ein Mundwinkel herab,deutet das auf eine

Halbseitenlähmung hin.

Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach

vornezustrecken und dabei die Handflächen

nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung

können nicht beide Arme gehobenwerden,

ein Armsinkt oder dreht sich.

Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen

Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in

der Lageoder klingt die Stimme verwaschen,

liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und

schildernSie dieSymptome.

(Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe)

GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO

Salz in Fertiggerichten, kochen Sie

lieber frisch.“

Sanders zweiter Tipp: „Bewegen

Sie sich regelmäßig. Das verbessert

die Hirndurchblutung, senkt den

Blutdruck und reduziert das Gewicht.

Es reicht schon, wenn man

täglich eine halbe Stunde lang spazieren

geht oder Fahrradfährt. Ältere

Menschen könnten das etwas ruhiger

angehen lassen, jüngere sollten

einen flotten Schritt vorlegen. Allein

diese Maßnahme kann das Schlaganfall-Risiko

um weitere 20 bis 30

Prozent senken. Zudem senkt regelmäßige

Bewegung auch das Risiko,

an einer Demenz zu erkranken.“

Wenn in der Familie bereits

Schlaganfälle aufgetreten sind oder

wenn erhöhte Cholesterin- und

Blutzuckerwerte vorliegen, ist es

sinnvoll, die Blutgefäße vom Hausarzt

untersuchen zu lassen. Neurologe

Sander: „Mit einer einfachen

und schmerzlosen Ultraschall-Untersuchung

kann der Doktor Ihre Arterien

auf Engstellen überprüfen.

Besonders wichtig ist das an den

Halsschlagadern. Wiederholen Sie

diesen Gefäß-Check etwa alle drei

Jahre.“

Wenn tatsächlich eine Verengung

vorliegt, sollte diese jedes Jahr per

Ultraschall kontrolliert werden. Der

Arzt wirdwahrscheinlich auch Medikamente

verschreiben, die das Blut

verdünnen sowie Cholesterinwerte

und Blutdrucksenken. Übergewichtige

müssen abnehmen. Und Rauchen

ist pures Gift fürdie Gefäße.

Wichtig wären auch regelmäßige

Vorsorge-Check-ups bei einem Kardiologen.

„Ab einem Alter von

45 Jahren sollte man alle ein bis zwei

Jahre Herz und Kreislauf untersuchen

lassen“, empfiehlt Sander.„Liegen

Herzerkrankungen in der Familie,gilt

das schon ab 40 Jahren.“

Angeboren oder erworben

Gerade beijüngerenPatienten im Alter

zwischen 16 und 30Jahren stecken

nicht selten angeborene Herzfehler

dahinter. Beispielsweise Öffnungen

in der Scheidewand zwischen

dem rechten und dem linken

Vorhof. Das begünstigt die Bildung

von Blutgerinnseln, die ins Gehirn

gelangen und dort einen Schlaganfall

auslösen können. „Etwa die

Hälfte der Patienten mit der Diagnose

kryptogener Schlaganfall, die

jünger als 60 Jahre sind, haben so

eine Öffnung“, erklärt Thomas Meinertz.

Im Alter zwischen 31 und 60 Jahren

spielen dann nicht mehr die angeborenen,

sondern erworbene

Herzkrankheiten als Ursache des

kryptogenen Schlaganfalls eine größere

Rolle. „Dies können“, so der

Kardiologe, „beispielsweise Herzklappenfehler

oder Schäden durch

Herzmuskelerkrankungen sein.“

Bei älteren Schlaganfallpatienten

mit einem Alter von über 60 Jahren

ist das Vorhofflimmern eine häufige

Ursache des kryptogenen Schlaganfalls.

Tritt diese Herzrhythmusstörung

nur anfallsweise auf, ist sie nur

schwer zu diagnostizieren und wird

dann oft nicht als Ursache erkannt.

„Bei älteren Patienten mit einem

Schlaganfall vermeintlich unbekannter

Ursache sollte deshalb immer

systematisch nach Anfällen von

Vorhofflimmern gesucht werden“,

sagt Meinertz.

Der Nachweis sei allerdings häufig

nur mit aufwendiger Diagnostik

möglich. Dazu gehören wiederholte

Langzeit-EKGs oder der Einsatz von

„Event-Rekordern“, die eine kontinuierliche

Beobachtung derHerzfrequenz

ermöglichen. Denn bei Vorhofflimmern

können sich leicht

Blutgerinnsel in den Herz-Vorhöfen

bilden. Gelangen diese ins Gehirn

und verstopfen dort eine Arterie,

kommt es zum Schlaganfall. Viele

Patienten mit Herzrhythmusstörungen

nehmen daher gerinnungshemmende

Medikamente ein, um einem

Schlaganfall vorzubeugen.

Michael Timm studierte

Humanmedizin und arbeitet

als Medizin-Journalist.

Mit Handtuch und Seife gegen die Keime

Händewaschen ist absolut wichtig, sagen Experten. Und geben Tipps für den Alltag

VonSandraArens

Nach der Toilette –klar! Vordem

Kochen –logisch! Aber sonst?

Wasdas Händewaschen betrifft, hat

jeder seine Regeln. Manche sind

strenger, manche weniger. Und einige

fragen sich: Ist das wirklich so

wichtig? Experten haben darauf eine

klareAntwort: Ja,absolut.

„Wir leben nicht in einer keimfreien

Welt“, sagt Volkhard Kempf,

Direktor des Instituts für Medizinische

Mikrobiologie und Krankenhaushygiene

am Universitätsklinikum

Frankfurt.„UnsereHände kommen

täglich mit einer Vielzahl von

Erregern in Kontakt, die beispielsweise

Grippe, Magen-Darm-Infektionen

oder Atemwegs-Infektionen

verursachen können.“

Doch wie gelangen die Erreger

vonden Händen in unseren Körper?

„Sie werden über eine Kette von Berührungen

weitergereicht“, erklärt

HeidrunThaiss,Leiterin der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA).„Wenn zum Beispiel ein

Grippe-Patient in die Hand niest,

haften die VirenimAnschluss an der

Handfläche. Gibt der Erkrankte einem

anderen Menschen die Hand,

können die Viren weiterwandern.“

Führt dieser Mensch danach die

Hand zu Mund, Nase oder Augen,

kann er sich über die Schleimhäute

anstecken. Der Handkontakt ist

nicht der einzige Wegzur Infektion:

Die Erreger können auch auf Haltegriffen

in der U-Bahn, auf Touchscreens

oder an Türklinken lauern.

Müsste man sich dann nicht permanent

Hände waschen? „Nein“,

sagt Kempf. „Das ist alltagsfern und

auch nicht nötig.“ Dennoch gibt es

viele Situationen im Alltag, bei denen

Händewaschen ein Muss sein

sollte. „Nach dem Toilettengang auf

jeden Fall“, so Kempf.„Auch vordem

Kochen und vor dem Essen sollten

die Hände sauber sein.“ Beliebte

Aufenthaltsorte für Krankheitserreger

seien außerdem Fitnessstudios.

„Nach dem Training sollte man sich

auf jeden Fall die Hände gründlich

waschen“, rät Kempf. Heidrun

Thaiss ergänzt: „Das Gleiche gilt,

wenn wir vom Stadtbummel nach

Hause kommen, Windeln wechseln

oder Kontakt mit Tieren, Abfällen

und Tierfutter hatten.“

Wasserhahn an und Hände kurz

unter den Strahl halten reicht nicht

aus. Heidrun Thaiss: „Viele Menschen

waschen sich ihre Hände

nicht lang genug und trocknen sie

nicht ab.“ Das sei problematisch,

denn in einer feuchten Umgebung

können sich Mikroorganismen besser

halten und vermehren. Ihr Tipp:

Die Hände etwa 20 bis 30 Sekunden

waschen und danach zügig abtrocknen.

Durch die Reibung mit dem

Handtuch würden zusätzlich Keime

entfernt. Zudem sollten die Handtücher

regelmäßig gewechselt werden,

denn auch im Handtuch können

sich Erreger verstecken.

Volkhard Kempf rät außerdem,

Seife zu benutzen: „Sie löst Fettstoffe

von der Haut, indenen die Keime

anhaften.“ Doch wer die Hände regelmäßig

mit Seife wäscht, handelt

sich vielleicht ein neues Problem ein:

trockene, juckende oder schuppende

Haut.„Wasser und Seife greifen

die natürliche Hautbarriere an“,

erklärtPhilipp Babilas,Dermatologe

im Hautzentrum Regensburg.

Um das zu verhindern, sollte man

sich mit einer ph-neutralen Flüssigseife

die Hände waschen. Für besonders

empfindliche Haut gebe es spezielle

Seifen mit rückfettenden Substanzen.

„Leiden Patienten unter

starken Hautproblemen aufgrund

von Wasser und Seife, empfehle ich

in Einzelfällen auch ein rückfettendes

Desinfektionsmittel aus der Apotheke,

das sich wie ein leichter Fettfilm

auf die Haut legt“, sagt Babilas.

„Ein solches Desinfektionsmittel ist

für die Haut verträglicher als wiederholtes

Händewaschen.“

Der alltägliche Gebrauch eines

Desinfektionsmittels ist generell

nicht notwendig, sagt Heidrun

Thaiss.„Sinnvoll ist es nur,wenn Familienmitglieder

an Infektionen mit

Bakterien wie Salmonellen erkranken,

mit multiresistenten Erregern

besiedelt sind oder an hochansteckenden

Erkrankungen wie dem Norovirus

leiden.“ (dpa)


18 Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Lokalsport

Morgentraining auf der Bollensdorfer Trainierbahn in Hoppegarten: Roland Dzubasz (r.).

IMAGO IMAGES/SORGE

Heimspiel für den Vollbluttrainer

Roland Dzubaszhält seinenBeruftrotz aller Widrigkeiten für einen Traumjob,beimDiana-TrialamPfingstsonntaginHoppegarten geht er mit zwei Stuten an den Start

VonMarkus Lotter

Roland Dzubasz ist ein Galoppsportromantiker.

Im

besten Sinne, weil der Galoppsportrainer

aus Hoppegarten

trotz des leisen Hangs zur

Verklärung vergangener Tage im

Hier und Jetzt ein leidenschaftlicher,

von der Liebe zum Galoppsport getriebener

Basisarbeiter ist.

In seinem Wunschtraum kümmern

sich jedenfalls nicht nur zwei,

wie es derzeit der Fall ist, sondern35

Menschen um die Anlage in Hoppegarten.

So wie das früher mal der Fall

war,als die Anlage vorden Torender

Hauptstadt nicht nur in Deutschland,

sonderninEuropa noch zu den

wichtigsten Standorten für die

Zucht, das Training und den Renneinsatz

von Vollblutpferden zählte.

Als die Einrichtung ob ihrer Dimensionen,

ihrer idealtypischen Konzeption

und ihrer außerordentlichen

Qualitäten tatsächlich Prädikate wie

einzigartig oder weltklasse verdiente.InseinemWunschtraum

geht

es zudem nicht nur um den Moment,

den Profit und ums Gewinnen,

sondern imGroßen um die gesellschaftliche

Komponente des

Turfsports, im Kleinen wiederum

um die langfristige Entwicklung eines

Pferdes. Dzubasz geht es auch

um die enge Bindung zwischen

Mensch und Tier.

Letzteres sei für den einen oder

anderen Trainerkollegen, aber auch

für viele andere Protagonisten, die

da in bestimmender Position mitmischen,

ja nicht mehr so wichtig, klagt

er. Ja, manchmal ist der Besitzer des

Rennstalls Hoppegarten ob der Diskrepanz

zwischen seinem Wunschtraum

und der Wirklichkeit, mit der

er sich konfrontiert sieht, doch ein

wenig verzweifelt.

Eine prächtige Stallform

Doch Roland Dzubasz ist auch ein

Realist. Er weiß, dass er zum Kompromiss

bereit und fähig sein muss,

um weiter seinen Traumberuf in seinem

kleinen Pferdesportunternehmen

auf dem Gehöft an der Berliner

Straße ausüben zu können. So will er

sich nicht im Wehklagen und Lamentieren

verlieren. So hat er die

Idee, wie so viele andere der Zunft

sein Glück in Frankreich zu versuchen,

schnell ad acta gelegt. „Klar,da

gibt es bessere Möglichkeiten, mehr

Rennen, höhereWetteinsätze –aber

da sind doch schon so viele gescheitert“,

sagt Dzubasz. Frankreich, das

Land, das für viele Trainer im Galoppsport

aufgrund eines immer

noch gut funktionierenden Systems

als das Sehnsuchtsland gilt, ist für

keine Option.

Er,der im nahen Friedrichshagen

geboren wurde und als Zwölfjähriger

bei einem Trabrennen in Karlshorst

vom Pferdesportfieber gepackt

wurde, will hierbleiben, in Hoppegarten,

will den Standortnachtteilen,

die sich durch die Weltkriege und die

Teilung Deutschlands ergeben haben,

trotzen. Mit seiner Energie, mit

DIE STUNDE DER STUTEN

Traditionsreich: Der Preis der Diana, auch gern mal als das Stutenderbybezeichnet, zählt zu

den traditionsreichsten Galopprennen in Deutschland. In diesem Jahr erfährtdas Rennen für

dreijährigeStuten am 4. August in Düsseldorf seine 161. Auflage.

Wechselvoll: Bis 1867 wurde das Gruppe-1-Rennen in Berlin-Tempelhof ausgetragen, von

1868 bis 1917 und von1923 bis 1944 in Hoppegarten, von1918 bis 1922 in Berlin-Grunewald.

1947 erstmals in Düsseldorf, dann wiederum von1948 bis 2003 in Mühlheim an der

Ruhr,uminseiner wechselvollen Geschichte nach zwei Jahren in Hamburg im Jahr 2006 nach

Düsseldorf zurückzukehren.

Hochdotiert: Das am Wochenende in Hoppegarten ausgetragene Soldier HollowDiana-Trial

ist die wichtigste Vorprüfung für das Stutenderby. Aufder Galopprennbahn im Grünen geht es

über die 2000 Meter-Distanz um ein Preisgeld in Höhe von70000 Euro.

seinem sicheren Händchen für Tiere,

mit der Hilfe der Besitzer, die an

seine Arbeit glauben. „Ich werde

nicht aufgeben, werde –auch wenn

ich dann nur noch fünf oder sechs

Pferde habe –bis zum letzten Tag

weitermachen. Der Rennsport ist

mein Leben“, sagt er.

Nun soll hier keineswegs der Eindruck

entstehen, dass für Dzubasz,

50, der letzte Tagals Galopptrainer

womöglich schon sehr nahe ist. Im

Gegenteil. Sein Stall weist in diesem

Jahr bis dato eine prächtige Form auf.

Wassich in allerlei guten Platzierungen

und in allerlei mitunter doch eher

unerwarteten Siegen widerspiegelt.

Am vergangenen Wochenende beispielsweise

durfte er sich in Iffezheim

über den leichten Sieg von Preciosa

beim mit 25 000 Euro dotierten Kronimus

Diana-Trial freuen. Fakt ist: Das

eine oder andere von ihm trainierte

Pferd–dasind sich die Experten einig

–hat in diesem Jahr in den prestigeträchtigsten

Rennen hierzulande

beste Chancen auf

den ganz großen Coup.

„Ich wünsche mir fürs

Wochenende etwas Regen“,

sagt er. Und denkt

dabei an das am Pfingstmontag

auf der Galopprennbahn

in Köln ausgetragene

Union-Rennen.

Einmit 70 000 Euro dotiertes

Gruppe-II-Rennen

über 2200 Meter ist das,zugleich die

bedeutendste Derby-Vorprüfung.

Dzubasz’ Trümpfe, er nennt sie:

„Meine Jungs“, heißen Andoro und

Mooniac, wobei man von dem letztgenannten

Hengst, einem Sohn des

Derby-Siegers Sea The Moon, vielleicht

etwas mehr als von seinem

Trainingsgefährten erwarten darf.

Galopptrainer

Roland Dzubasz

Am Tagzuvor, beim Heimspiel in

Hoppegarten, hält er für das Hauptrennen,

dem ebenfalls mit 70 000

Euro dotierten Soldier Hollow

Diana-Trial, auch zwei Trümpfe in

der Hand, nämlich die dreijährigen

Stuten Global Cloud und Stex. Letztgenannte

habe grundsätzlich etwas

mehr Potenzial, sagt Dzubasz, sei

aber etwas sensibel, da „muss dann

alles passen“. Global Cloud, eine Soldier-Hollow-Tochter,

die am Osterwochenende

in Hoppegarten schon

mal mit einem leichten

Sieg ihre Klasse unter Beweis

stellen konnte, wäre

dagegen etwas „einfach zu

managen“, ließe sich „etwas

flexibler“ reiten, sagt

Dzubasz, um dann doch

IMAGO IMAGES/SORGE

noch mal auf die prächtige

Form seiner Pferde sprechen

zu kommen.

Die Form in seinem

Stall, so Roland Dzubasz,

der ewig widerspenstige Geist, habe

in den vergangenen Jahren doch eigentlich

immer gestimmt. „Der gewinnt

doch die Rennen, heißt es

doch immer“, sagt er. Und schließt

mit folgenden, doch ziemlich nachdenklichenWorten:„Aber

die,die ich

nicht gewonnen habe, die sieht halt

keiner.“

VonChristian Kattner

Seinen großen Traum hat sich Michael

Vogt eigentlich schon erfüllt.

Als er mit seinen Mitstreitern

2005 das Footballteam der Potsdam

Royals ins Leben rief, sollte es irgendwann

mal in die GFL, die

höchste deutsche Spielklasse,gehen.

„Wir haben ja als Nobodys angefangen,

da war das der Traum“, erzählt

er. Vogt ist Cheftrainer

des ersten Männerteams

sowie Vizepräsident

des Vereins

und muss sich

in dieser Doppelfunktion

mittlerweile

mit ganz anderen

Themen beschäftigen.

2018 spielte sein Team

nicht nur erstmals in der GFL, sondern

auch in der European Football

League und gewann dort sogar den

Titel. Am Sonnabend kämpfen die

Potsdamer gegen die Amsterdam

Crusaders sogar um den Eurobowl,

eine weiterer europäischer Titel.

Dabei ist es noch gar nicht so

lange her, dass sich Vogt und seine

Mitstreiter mit anderen Dingen befassen

mussten. „Wir haben uns zu

Beginn außerhalb Potsdams Trainingszeiten

eingekauft“, erzählt er.

Mittlerweile hat der Verein im Stadion

Luftschiffhafen, wo auch am

Sonnabend um 18 Uhr das Spiel gegen

Amsterdam beginnen wird, eine

sportliche Heimat gefunden. Zudem

nahmen die Royals vor zwei Jahren

eine Geschäftsstelle in Betrieb, zur

Vorbereitung auf die Gegner wurde

ein Videoraum eingerichtet. Und

doch „hat unser sportlicher Erfolg

unsere Struktur längst überholt. In

der unteren Liga hat es gereicht,

wenn Mutti und Vati

den Platz abkreiden.“ Jetzt

sprechen sie bei den Royals

von Strukturen, die irgendwann

in den semiprofessionellen

Bereich gehen sollen.

2012 spielte der Verein

noch in der Landesliga, startete

erst danach sportlich so richtig

durch. Die Regionalliga und GFL2

waren nur Zwischenstationen auf

dem Wegindie höchste Spielklasse.

Ganz nebenbei entwickelten sich

nicht nur eine zweite Männermannschaft,

sondern auch Nachwuchsund

Flagfootballteams. Gerade die

zweite Mannschaft sei bei Neulingen,

die sich mal probieren wollen,

sehr beliebt. Auch in Potsdam ist der

Football-Boom, der durch gestiegene

Sendezeiten der nordamerikanischen

Profiliga NFL ausgelöst

AKTIVES ABSEITS

Als Zugabe

der Eurobowl

Vomerstaunlichen Aufstieg der Potsdam Royals im Football

Aufstiegsdusche: Trainer Michael Vogt erhält vom Team eine Abkühlung.

IMAGO IMAGES

wurde,zuspüren. „Wir sind an unserer

Kapazitätsgrenze angelangt und

platzen aus allen Nähten“, sagt Vogt.

Er weiß, dass er über ein Luxusproblem

spricht. Anders als in Berlin, wo

es mehrereTeams gibt, sind die Royals

in Potsdam die einzige Anlaufstelle

für Footballer. Mehr noch:

„Potsdam ist nicht nur Potsdam. Aus

Potsdam sind wir gar nicht so viele,

sondernviele kommen aus den Dörfern.

Daraus speisen wir uns auch.

Wirsind erst einmal die erste Anlaufstelle

aus dem Umland, bevor die

Leute vielleicht nach Berlin gehen.“

Football in Potsdam kommt an,

auch bei den Zuschauern. 1300 bis

1500 kommen zu den Heimspielen

im Luftschiffhafen. Bei den Duellen

gegen die Berlin Rebels, Dresden

oder Braunschweig wird sogar die

Marke von 2000 Zuschauern geknackt.

Für den Eurobowl am Sonnabend

rechnet Vogt mit bis zu 3000,

die Haupttribüne ist schon fast ausverkauft.

Unddas mit überschaubaremAufwand.

Denn auch das ist, neben

den ausbaufähigen Trainingsbedingungen,

eine Baustelle bei den

Royals: die Außendarstellung. Zwar

werden die mittlerweile gängigen

Kanäle im Internet genutzt, aber

auch da bestehe noch Luft nach

oben. Diejenigen, die einmal ein

Spiel der Royals gesehen haben,

kommen wieder. Das liegt auch an

der Gestaltung der Heimspiele. Die

USA dienen dabei als Vorbild: Neben

dem Feld sorgen Bullriding, Hüpfburgen

und zahlreiche andere Aktivitäten

für Abwechslung. Ein Event

für die ganze Familie. „Vati trinkt

Bier, Mutti schnackt beim Sekt und

die Kinder spielen“, sagt Michael

Vogt und lacht.

Auch die eigenen Kinder werden

so beschäftigt, wenn der Papa an der

Seitenlinie steht und das Team zum

nächsten Erfolg coachen möchte.

Schließlich betrachtet er den Verein

auch als eine Art Kind, dem man

beim Wachsen hilft. „Das ist so der

Antrieb,den man hat“, so Vogt. Auch

wenn der eigentliche Traum von der

GFL schon erfüllt ist, wächst der Verein,

das Kind ja weiter.„Da kann man

nicht aufhören und macht immer

weiter.“ So wie in diesen Tagen vor

dem Eurobowl. Viermal, wie sonst

auch, wird indieser Woche trainiert.

Die Vorbereitung gleicht der vor einem

Spiel in der GFL. Und doch

kann der Verein Geschichte schreiben

und als vierter deutscher Verein

den Titel gewinnen. Sollte das gelingen,

wirdesaber so langsam eng mit

den Träumen, die sich Michael Vogt

kann.


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 19 *

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Sport

Probleme

beim

Zaubern

Ferrari-Teamchef Binotto

steht enorm unter Druck

VonElmar Brummer,Montreal

Mit einem Schulterklopfen für

Sebastian Vettel hat vor einem

Vierteljahr das Martyrium für den

Heppenheimer, für die Scuderia, ach

was für ganz Italien begonnen. Beim

Saisonstart der Formel 1 in Melbourne

war der FavoritVierter geworden,

mit einer Minute Rückstand auf

den Siegerpfeil von Valtteri Bottas.

Das Schulterklopfen von Ferrari-

Teamchef Mattia Binotto damals

sollte aufmuntern, Ausrutscher können

ja auch den Besten mal passieren.

Vordem Großen Preis von Kanada

am Wochenende, der das erste

Saisondrittel beschließt, hat sich Ferrari

von dem Schlag immer noch

nicht erholt.Vettel als WM-Dritter hat

satte 55 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter

Hamilton, in der Teamwertung

steht es 257:139 für Mercedes.

Binotto ist der verantwortliche

Konstrukteur, injeglicher Hinsicht –

er ist Technik- und Teamchef in Personalunion,

ein Novum in der Königsklasse.

Der in der Schweiz geborene

Italiener wirkt nicht so,als ob er

unter der Doppelbelastung zerbricht.

Doch die Zweifel innerhalb und außerhalb

des Rennstalls, der nun

schon im zwölften Jahr erfolglos einem

Titel hinterherfährt, wachsen,

ob er der richtige Mann auf dem richtigen

Posten ist.

Sechs Mal in

diesem Jahr haben

sich die Szenen

wiederholt,

in denen ein geschlagener

Binotto

nach dem

Rennen vor die

Unverzagt:

Teamchef Binotto

GETTY IMAGES/FOX

Medien tritt.

Meistens ist er

gut gelaunt, lacht

oft sogar. Was ihn so amüsiert, weiß

man nicht so genau. Aber es ist sympathisch,

verkörpert nach außen hin

tatsächlich ein neues, offeneres

Klima im unter Maurizio Arrivabene

so verschlossen, arrogant wirkenden

Traditionsrennstall. Seine Antworten

sind häufig ähnlich verschmitzt wie

sein Lächeln, seine Brille hat ihm im

Fahrerlager den Spitznamen „Harry

Potter“ eingebracht. Nurdas mit dem

Zaubern, das haut nicht so hin. Wenn

er doch wenigstens die richtige Formel

für die Reifenmischung hätte –

stattdessen machen seine Ingenieure,

seine Strategen, seine Fahrer

unter Druck zu viele Fehler.

Vordem Rennen in Montreal hat

Binotto, 49, schonungslos bekannt:

„Wir wissen, dass wir derzeit nicht

konkurrenzfähig genug sind. Vorerst

werden wir auch keine weiteren Änderungen

am Auto vornehmen, die

maßgeblich Einfluss auf die Probleme

einwirken können, die wir seit

Saisonstartfestgestellt haben.“

Dasklingt wie eine Bankrotterklärung,

und sie lässt auch die Geschehnisse

zum Ende der letzten Saison in

einem anderen Licht erscheinen, als

Ferrari technisch die Oberhand über

Mercedes gewonnen hatte,undTechnikdirektor

B. ein entscheidendes

Upgrade platzierte. Viel zu spät,

glaubte man den Zweifeln vonVettel,

der plötzlich mehr und mehr an Boden

verlor.AmEnde mussten die Roten

eingestehen, in die falsche Richtung

entwickelt zu haben.

Zuhause in Maranello hat Binotto

eine Spezialtruppe zur Ursachenforschung

und -behebung gebildet, eine

Art CSI Ferrari. Aber die Suche nach

dem richtigen Grip kann wohl dauern,

bis den Erklärungen auch Lösungen

folgen. Deshalb deutet sich eine

erste Personalie an: Simone Resta, einer

der Top-Designer der Formel 1,

soll vom imschweizerischen Hinwil

stationierten Alfa-Satelliten-Team in

die Zentrale zurückberufen werden.

Eine heikle Entscheidung –mit Restas

Rückkehr würde Binotto zumindest

indirekt auch das Scheitern der eigenen

Ideen eingestehen.

Drei Ausrufezeichen

Cristiano Ronaldo stellt im Halbfinale der Nations League klar,dass die Gegenwart noch ihm gehört

VonHendrik Buchheister,Porto

Um 22.59 Uhr Ortszeit

wurde es noch einmal

hektisch in den Tiefen

des Estádio do Dragão in

Porto. Der Mann des Abends beim

3:1 der Portugiesen gegen die

Schweiz im Halbfinale der Nations

League trat aus dem Kabinentrakt,

frisch geduscht, in kurzer Hose und

mit einem schwarzen Kapuzenpulli.

Er drehte eine Runde durch die Interview-Zone

ohne ein Interview zu

geben, er habe schließlich schon der

Uefa für Fragen zur Verfügung gestanden,

und verschwand im Mannschaftsbus,

der mit laufendem Motor

auf die Abfahrtwartete.

Mankann natürlich nur spekulieren,

warum Cristiano Ronaldo keine

Lust auf einen Austausch mit Reportern

hatte nach dem 53. Dreierpack

seiner Karriere, mit dem er seiner

Mannschaft in Eigenregie einen

Platz im Finale des Mini-Turniers am

Sonntag gesichert hatte. Vielleicht

waren die neuen Schlagzeilen um

die Vergewaltigungsvorwürfe gegen

ihn (die er bestreitet) der Grund für

seine Verschwiegenheit. Vielleicht

hält er es einfach nicht für nötig, sich

mit dem Fußvolk abzugeben. Ronaldo

ist nach Spielen grundsätzlich

schwer zugänglich, auch nach denen,

in denen er brilliert.

Schon auf dem Platz hatte er gegen

die Schweiz ja getan, was die

Fans von ihm erwarten –und was

auch kritische Beobachter immer

wieder verblüfft. Der Angreifer von

Juventus Turin hatte gezeigt, dass er

auch im Alter von 34Jahren noch in

der Lage ist, dem Spiel seinen Willen

aufzudrücken. Es war alleine Ronaldo

zu verdanken, dass der Abend

einen guten Ausgang für die Portugiesen

nahm, ja, dass der Abend

nach all den großartigen, die die

Champions League gebracht hatte,

nicht irgendein Fußballabend geblieben

ist.

Skurriler Videobeweis

In der 25. Minute traf er mit einem

Freistoß, bei dem Borussia Mönchengladbachs

Torwart Yann Sommer

eine unglückliche Figur machte,

wenngleich natürlich nicht unerwähnt

bleiben darf, dass Ronaldo

dem Ball in eine schwer zu berechnende

Flugbahn geschickt hatte.

Nach seinem skurrilen Videobeweis

durch den deutschen Schiedsrichter

Felix Brych kamen die Schweizer

nach einer knappen Stunde zum

Ausgleich. Der einstige Wolfsburger

Lässt Gesten und Tore sprechen: Cristiano Ronaldo.

Getroffen: Cristiano Ronaldo hat seine Position

als zweiterfolgreichster Länderspieltorschütze

durch seinen Dreierpack am Mittwochabend

gegendie Schweiz (3:1) im Nations-League-Halbfinale

in Portoausgebaut.

Der Stürmer vonJuventus Turin hat in 157

Länderspielen für Europameister Portugal

jetzt 88-mal getroffen.

JAGD AUF DAEI

AP/FRANCA

Gefolgt: Treffsicherster Länderspieltorschütze

der Geschichte ist der ehemalige

Münchner,Berliner und Bielefelder Bundesliga-Profi

Ali Daei (Iran/109 Tore) vorRonaldo

(88), Ferenc Puskas (Ungarn/84) und

KunishigeKamamoto (Japan/80). Dahinter

folgt Hussein Saeed (Irak/78) vorBrasiliens

Fußball-Ikone Pelé (Brasilien/77).

Doppelfehler in Serie

Ricardo Rodrígueztrafper Strafstoß.

Es sah schon nach Verlängerung aus,

nach Elfmeterschießen und einem

möglichen Aus für die Gastgeber.

Daswäreein Stimmungskiller für die

erste Finalrunde des neuen Uefa-

Turniers gewesen. Doch dann kam

Ronaldo und rettete sie alle. Inder

88. Minute traf er per Direktabnahme,inder

90. Minute besorgte er

mit einem hübschen Schlenzer nach

doppeltem Übersteiger den Endstand.

Undwieder einmal stellte sich

die Frage, die längst beantwortet ist.

Nämlich diese: Wie gut ist dieser

Fußballer eigentlich?

Portugals Trainer Fernando Santos

gab an, dass ihm die Worte für

Ronaldo ausgegangen seien, fand

dann aber doch eine Beschreibung:

„Es gibt geniale Skulpturen, geniale

Gemälde und geniale Fußballer. Er

ist ein Genie. Das ist alles“, sagte er.

Sein Schweizer Kollege Vladimir Petkovic

nannte den portugiesischen

Angreifer „die Kirsche auf der Torte“

und sagte: „Er ist der Extra-Spieler,

der aus dem Minimum das Maximum

macht.“ Undesist erstaunlich,

dass Ronaldo das immer noch gelingt.

Er war ja fast schon aus der Nationalmannschaft

zurück getreten

nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft

in Russland mit dem Achtelfinal-Aus

gegen Uruguay. Im

Frühjahr kehrte er zurück, wild entschlossen,

seine Auswahl zur Europameisterschaft

im kommenden

Jahr zu führen und vielleicht sogar

zur WM in Katar. Gegen die Schweiz

zeigte er, dass sich die Zukunft noch

gedulden muss.

Wirkungsloses Wunderkind

Die Endrunde der Nations League

soll ja auch einen Blick auf das ermöglichen,

was bei den Portugiesen

in der Zeit nach Ronaldo kommt. Vor

allem die Aufregung um den 19 Jahre

jungen Angreifer João Félix ist riesig.

Er wird als Wunderkind gepriesen.

Doch er blieb gegen die Schweiz bei

seinem Debüt in der Nationalmannschaft

wirkungslos und wurde ausgewechselt.

Stattdessen machte Ronaldo

klar, dass die Gegenwart immer

noch ihm gehört. Und er hat

noch Ziele.Mit insgesamt 88 Länderspiel-Treffern

ist er auf dem Weg, als

zweiter Profi nach dem Iraner Ali

Daei, einst beim FC Bayern beschäftigt,

die 100-Tore-Marke im Dienst

für sein Land zu durchbrechen. Im

Finale am Sonntag könnte Ronaldo

diesem Ziel ein weiteres Stück näher

kommen.

Alexander Zverev ist im Viertelfinale der French Open gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic chancenlos

Alexander Zverev ist bei den

French Open erwartungsgemäß

im Viertelfinale gescheitert. Der

Weltranglistenerste Novak Djokovic

aus Serbien war für den Weltranglistenfünften

aus Hamburg amDonnerstag

eine Nummer zu groß, auf

dem Hauptplatz Philippe Chatrier in

Roland Garros unterlag Zverev dem

15-fachen Grand-Slam-Sieger mit

5:7, 2:6, 2:6.

Zverev hatte gegen Djokovic, der

in Paris zum zweiten Mal nach 2016

den Karriere-Grand-Slam vollenden

kann, seine Chancen, konnte sie

aber nicht nutzen, wie im ersten

Durchgang, als er zum Satzgewinn

aufschlug. Die ersten beiden Durchgänge

beendete er mit Doppelfehlern.

Nach 2:09 Stunden und dem

zweiten Matchball für Djokovic war

das Duell für den zunehmend chancenlosen

Zverev bereits zu Ende.

Auch im vergangenen Jahr war der

ATP-Champion in Roland Garros

schon in der Runde der letzten Acht

gescheitert, es bleibt also sein bestes

Resultat bei einem der vier Grand

Slams.Indiesem Jahr war Zverev freilich

nicht mit dem Rückenwind einer

Ein irritierendes Foto, denn der Sieger heißt Djokovic und nicht Zverev. GETTY IMAGES/BRUNSKILL

herausragenden Sandplatzsaison angereist,

erst in Genf eine Woche vor

Paris hatte er mit seinem elften Turniersieg

Selbstvertrauen gewonnen.

Druckvoller und riskanter Start

ging dadurch mehr „unerzwungene

Fehler“ als der Weltranglistenerste,

machte aber auch mehr direkte

Punkte.Imersten (2) und zweiten (1)

Aufschlagspiel von Djokovic erkämpfte

er sich Chancen zu Breaks,

vergab sie aber.

Dennoch bekam Zverev kurz darauf

die Chance,den ersten Satz zu gewinnen.

Zum5:4 gelang es ihm nach

dem längsten Ballwechsel des Mat-

Zverev begann auf einem hohen Niveau,

er war Djokovic, der im Turnier

noch keinen Satz abgeben musste,

ebenbürtig. Dabei spielte der Hamburger

druckvoll, auch riskant. Er beches

(24) dann doch, seinem Gegner

dessen Aufschlag abzunehmen –allerdings

kassierte er umgehend selbst

ein Break, und zum Satzverlust dann

noch eines. Zuallem Überfluss servierte

Zverev beim dritten Satzball für

Djokovic noch einen Doppelfehler.

„Dumusst schon dein bestes Tennis

spielen, um gegen ihn eine

Chance zu haben“, hatte Zverev vor

dem Match geahnt. Idealerweise, ergänzte

er, gelänge ihm alles ebenso

gut wie zuletzt im November in London,

als er Djokovic im Endspiel des

ATP-Finals in zwei Sätzen besiegte.

Damals aber war Zverev in Bestform,

in den vergangenen Wochen aber

nicht, ebensowenig am Donnerstag.

Djokovic nutzte denn auch den

Durchhänger von Zverev sofort aus.

Im zweiten Satz nahm er ihm bei der

ersten Gelegenheit gleich wieder das

Service ab,danach ließ er dem Deutschen

kaum einmal eine echte

Chance,wieder ins Match zu finden.

Den zweiten Satz beendete erneut

Zverev –diesmal mit drei Doppelfehlern

in Serie. Das entscheidende

Break im dritten Satz verursachte er

mit einem leichten Volleyfehler. (sid)

NACHRICHTEN

Toronto gewinnt Spiel drei

gegen Golden State

BASKETBALL. DieToronto Raptors

sind im Finale der nordamerikanischen

Profiliga NBA gegen Titelverteidiger

Golden State Warriors erneut

in Führung gegangen. DieRaptors

setzten sich im dritten Spiel

123:109 bei den Warriors durch und

liegen damit in der Best-of-Seven-

Seriemit 2:1 in Front.

Mihambo springt erstmals

über sieben Meter

LEICHTATHLETIK. EuropameisterinMalaika

Mihambo (Kurpfalz) hat

beim Diamond-League-Meeting in

Romzum ersten Malinihrer Karriere

die 7-Meter-Marke übertroffen. Mit

7,07 mstellte die 25-Jährige eine Jahresweltbestleistung

auf. Mihambo

siegte vorDreisprung-Olympiasiegerin

Caterine Ibarguen (Kolumbien/6,87

m), Brittney Reese

(USA/6,76) wurde Dritte.

US-Medienmogul übernimmt

den AC Florenz

FUSSBALL. DerUS-Medienmogul

Rocco Commisso ist neuer Besitzer

des italienischen Erstligisten AC Florenz.

Dasteilte der Klub aus Florenz

am Donnerstag mit. Commisso soll

Medienberichten zufolge bis zu 170

Millionen Euro für die Übernahme

gezahlt haben. Demgebürtigen Italiener

Commisso gehörtdas US-Medienunternehmen

Mediacom. Er ist

zudemVorsitzender des US-Fußball-

Clubs NewYorkCosmos.

Union muss für Sandhausens

Förster nachlegen

FUSSBALL. Der1.FCUnion muss bei

einer möglichenVerpflichtung von

Philipp Förster vomSVSandhausen

finanziell nachlegen.„Berlin ist deutlich

unter der Schmerzgrenzegeblieben“,

sagte Mikayil Kabaca, der sportliche

Leiter des SVS, am Donnerstag

auf der Saisonplanungs-Pressekonferenz

in Sandhausen. DieKöpenicker

kommentierten das Interesse nicht.

Wolf wird Sportdirektor

von Lok Leipzig

FUSSBALL. DerfrühereBundesliga-

Spieler und -Trainer Wolfgang Wolf

wirdbeim Regionalligisten Lok Leipzig

künftig als Sportdirektor tätig

sein. Der61-Jährige unterschrieb

beim Traditionsklub einen Einjahresvertrag.

Fifa droht erneut

ein Korruptionsskandal

FUSSBALL. AmTagnach derWiederwahl

vonGianni Infantino zum Präsidenten

des Weltverbandes (Fifa)

rückt dessen afrikanischer Stellvertreter

ins Zentrum vonKorruptionsermittlungen.

Ahmad Ahmad aus

Madagaskar wirdvon französischen

Behörden befragt.

ZAHLEN

Fußball

Nations League, Halbfinale

Portugal -Schweiz 3:1 (1:0)

Niederlande -England

Tennis

French Open in Paris

Frauen, Viertelfinale: Amanda Anisimova (USA)

-Simona Halep (Rumänien/3) 6:2, 6:4; Ashleigh

Barty (Australien/8) -Madison Keys (USA/14)

6:3, 7:5

Männer,Viertelfinale: Dominic Thiem (Österreich/4)

-Karen Chatschanow(Russland/10)

6:2, 6:4, 6:2; NovakDjokovic (Serbien/1) -Alexander

Zverev(Hamburg/5) 7:5, 6:2, 6:2


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 – S eite 20

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Sport

Wer die deutsch-französische

Seele ergründen

will, ist bei

Frederique Ingeborg

Wohlers-Armas richtig. Die 56-Jährige

muss selbst schmunzeln, dass

pünktlich zur Frauen-WM in Frankreich

(7. Juni bis 7. Juli) der Zeitpunkt

gekommen ist, „dass ich genau

eine Hälfte meines Lebens in

Deutschland, die andere inFrankreich

zugebracht habe“. Je 28 Jahre,

Halbzeit. Insofern trifft es sich gut,

dass die in Bremerhaven geborene,

aber mit einem Rumänen verheiratete

und in Medoc in der Weingegend

von Bordeaux lebende Wahl-

Französin gerade als Verbindungsglied

zur deutschen Delegation fungiert.

Fragen und Wünsche rund um

die DFB-Frauen vor dem ersten

Gruppenspiel gegen China (Sonnabend

15 Uhr/ARD) in Rennes landen

bei ihr. Sie gehört zum lokalen

Organisationskomitee und kam

dazu wie „die Jungfrau zum Kinde“:

Ihre Tochter Lara arbeitet an selber

Stelle in Nizza, in der Hauptstadt der

Bretagne war noch Bedarf. Wenn sie

vonDelegationsleiterin und DFB-Vizepräsidentin

Hannelore Ratzeburg

nun vor dem Eröffnungsspiel des

Gastgebers Frankreich gegen Südkorea

(Freitag 21 Uhr/ZDF) im Pariser

Prinzenpark auf ihre Erwartung zur

Frauen-WM angesprochen wird, benutzt

sie eine französische Redewendung:

„effervescent“. Sprudelnd.

Etwas Prickelndes soll es also

werden. Wieeine Brausetablette,die

aus einem Glas Wasser etwas

Schmackhaftes macht: „Dieses

Land, diese Menschen werden sich

unglaublich viel Mühe geben.“

Momente der Volksnähe

„Le moment de briller“, der Moment

zu glänzen, lautet der Slogan der achten

WM-Auflage. Erpasst zu jenen

Momenten, wenn Kinder bei der Ankunft

der deutschen Fußballerinnen

am Teamhotel mit ihren Fähnchen

wedeln oder Grundschüler am Trainingsplatz

nach Autogrammen rufen.

Die deutschen Fußballerinnen gingen

mit Stift in der Hand auf die anderePlatzseite.Von

solcherVolksnähe

lebt der Frauenfußball. Es hilft, dass

der Ausrichter jetzt keinen Hochsicherheitstrakt

errichten muss wie bei

der noch unter dem Eindruck desTerrors

veranstalteten Männer-EM 2016.

Das Frauen-Turnier könnte nun der

Kontrapunkt sein. Unbeschwerter

und fröhlicher.

Den Franzosen ist eine Verwurzelung

vor Ort wichtig, um nachhaltige

Effekte zu erzielen. Erst 140 000

Frauen und Mädchen spielen in der

Grande Nation wirklich Fußball –da

ist viel Luft nach oben. Deswegen ist

etwa Jean-Luc Gaudin, Bürgermeister

des 4400-Einwohner-Ortes Pont-

Péan aus dem Department Ille-et-Vilaine,

dem Großraum von Rennes,

zur deutschen Trainingsstunde gekommen.

Der inden Ruhestand versetzte

SNCF-Beamte war angetan

vonder Intensität, mit der die Spielerinnen

trainierten. „Wenn solche

Mannschaften zu uns kommen, hilft

uns das. Fußball ist hier bisher eine

sehr männliche Angelegenheit, jetzt

könnte sich das ändern.“

Gaudin möchte,dass die WM ein

generelles Umdenken auslöst. Dabei

denkt er weniger an die Politik,

sondern an die Gesellschaft: „Wir

müssen wieder mehr für die Gleichberechtigung

tun. In Europa, aber

auch in Frankreich: In den Siebziger-

Achtzigerjahren waren wir bei

diesem Thema schon viel weiter.“

Zeitungen, Radio und Fernsehen

widmen sich der Frauen-WM ausführlichst.

Schon die Kadernominierung

der Équipe de France

femininé wurde live übertragen.

Gerade kam in einer Umfrage heraus,

dass mit Wendie Renard,

Amandine Henry und Eugenie Le

Sommer drei französische Stars

schon jetzt bekannter sind als der

bald für den FC Bayern spielende

Weltmeister Benjamin Pavard vor

seinem WM-Debüt voreinem Jahr.

GRUPPE

Frankreich

Südkorea

Norwegen

Nigeria

Das große Prickeln

Die Frauen-Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich könnte eine richtige Mischung erfahren.

Nicht so überfrachtet wie 2011 in Deutschland, nicht so distanziert wie 2015 in Kanada

A

Fr., 7. Juni, 21.00 Uhr

Paris

Frankreich –Südkorea

Sa., 8.6., 21.00 Uhr

Reims

Norwegen –Nigeria

Mi., 12.6., 15.00 Uhr

Grenoble

Nigeria –Südkorea

Mi., 12.6., 21.00 Uhr

Nizza

Frankreich –Norwegen

Mo., 17.6., 21.00 Uhr

Rennes

Nigeria –Frankreich

Mo., 17.6., 21.00 Uhr

Reims

Südkorea –Norwegen

GRUPPE

B

ACHTELFINALE

GRUPPE

AF 1 AF3 AF 5 AF7

AF 2 AF4 AF 6 AF8

alle Daten und Zeiten MESZ

Spielplan der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 7. Juni bis 7. Juli 2019 in Frankreich

Deutschland

China

Spanien

Südafrika

Sa., 8. Juni, 15.00 Uhr

Rennes

Deutschland –China

Sa., 8.6., 18.00 Uhr

Le Havre

Spanien –Südafrika

Mi., 12.6., 18.00 Uhr

Valenciennes

Deutschland –Spanien

Do., 13.6., 21.00 Uhr

Paris

Südafrika –China

Mo., 17.6., 18.00 Uhr

Le Havre

China –Spanien

Mo., 17.6., 18.00 Uhr

Montpellier

Südafrika –Deutschland

GRUPPENPHASE

Australien

Italien

Brasilien

Jamaika

C

So., 9. Juni, 13.00 Uhr

Valenciennes

Australien –Italien

So., 9.6., 15.30 Uhr

Grenoble

Brasilien –Jamaika

Do., 13.6., 18.00 Uhr

Montpellier

Australien –Brasilien

Fr., 14.6., 18.00 Uhr

Reims

Jamaika –Italien

Di., 18.6., 21.00 Uhr

Grenoble

Jamaika –Australien

Di., 18.6., 21.00 Uhr

Valenciennes

Italien –Brasilien

Sa., 22.6., 17.30 Uhr So., 23.6., 17.30 Uhr Mo., 24.6., 18.00 Uhr Di., 25.6., 18.00 Uhr

Grenoble Valenciennes Reims Montpellier

1. Gr.B–

1. Gr.D–

2. Gr.B–

1. Gr.C–

3. Gr.ACD 3. Gr.BEF

1. Gr.F

3. Gr.ABF

Sa., 22.6., 21.00 Uhr So., 23.6., 21.00 Uhr Mo., 24.6., 21.00 Uhr Di., 25.6., 21.00 Uhr

Nizza Le Havre Paris Rennes

2. Gr.A–

1. Gr.A–

2. Gr.F–

1. Gr.E–

2. Gr.C

3. Gr.CDE

2. Gr.E

2. Gr.D

VonFrank Hellmann, Rennes

Bonne Courage –wünscht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Spielerinnen der Équipe de France féminine.

GRUPPE

VF 1

VF 2

England

D

Schottland

Argentinien

Japan

So., 9. Juni, 18.00 Uhr

Nizza

England –Schottland

Mo., 10.6., 18.00 Uhr

Paris

Argentinien –Japan

Fr., 14.6., 15.00 Uhr

Rennes

Japan –Schottland

Fr., 14.6., 21.00 Uhr

Le Havre

England –Argentinien

Mi., 19.6., 21.00 Uhr

Nizza

Japan –England

Mi., 19.6., 21.00 Uhr

Paris

Schottland –Argentinien

Do., 27.6., 21.00 Uhr

Le Havre

Sieger AF 2–

ieger AF 3

Fr., 28.6., 21.00 Uhr

Paris

Sieger AF 4–

Sieger AF 5

VIERTELFINALE

VF 3

VF 4

GRUPPE

Kanada

Sa., 29.6., 15.00 Uhr

Valenciennes

Sieger AF 7–

Sieger AF 8

Sa., 29.6., 18.30 Uhr

Rennes

Sieger AF 1–

Sieger AF 6

Kamerun

E

Neuseeland

Niederlande

Mo., 10. Juni, 21.00 Uhr

Montpellier

Kanada –Kamerun

Di., 11. Juni, 15.00 Uhr

Le Havre

Neuseeland –Niederlande

Sa., 15. Juni, 15.00 Uhr

Valenciennes

Niederlande –Kamerun

Sa., 15.6., 21.00 Uhr

Grenoble

Kanada –Neuseeland

Do., 20.6., 18.00 Uhr

Montpellier

Kamerun –Neuseeland

Do., 20.6., 18.00 Uhr

Reims

Niederlande –Kanada

HALBFINALE

HF 1

Di., 2.7., 21.00 Uhr

Lyon

Sieger VF 1–

Sieger VF 2

HF 2

Mi., 3.7., 21.00 Uhr

Lyon

Sieger VF 3–

Sieger VF 4

GRUPPE

USA

Thailand

Chile

AFP/FIFE

Schweden

F

Di., 11.6., 18.00 Uhr

Rennes

Chile –Schweden

Di., 11.6., 21.00 Uhr

Reims

USA –Thailand

So., 16.6., 15.00 Uhr

Nizza

Schweden –Thailand

So., 16.6., 18.00 Uhr

Paris

USA –Chile

Do., 20.6., 21.00 Uhr

Le Havre

Schweden –USA

Do., 20.6., 21.00 Uhr

Rennes

Thailand –Chile

FINALE

So., 7.7., 17.00 Uhr

Lyon

Sieger HF 1–

Sieger HF 2

SPIEL UM PLATZ 3

Sa., 6.7., 17.00 Uhr

Nizza

Verlierer HF 1–

Verlierer HF 2

BLZ/GALANTY; QUELLE: FIFA, DPA

Die großen Stadien in Lyon und

der Prinzenpark inParis sind für die

meisten Partien ausverkauft. Und

weil das ganze Land teilhaben soll,

sind Spielorte wie Le Havre, Reims

oder Valenciennes im Norden, Grenoble

oder Montpellier im Süden

eingebunden.Wenn am Ende zu den

52 WM-Partien mehr als eine Million

Besucher kämen, wäredas ein Statement

für ein Event, das seinen emotionalen

Höhepunkt in der Finalwoche

in Lyon, Heimat des Champions-

League-Siegers Olympique,erfahren

soll. Sollte Titelverteidiger USA mit

seinem speziellen Anhang dabei

sein, ist ein finales Freudenfest garantiert.

Natürlich will der Gastgeber dann

noch mitspielen. Verbandspräsident

Noël Le Graët hat das Semifinale als

Minimalziel ausgegeben, Staatspräsident

Emmanuel Macron erwartet

noch mehr. „Ich will euch keinen

Druck machen, aber bei einer Sache

bin ich mir sicher. Solche Wettbewerbe

gewinnt, werkeine Angst hat“

hat er nach einem Besuch in Clairefontaine

gesagt. Und wie Kapitänin

Henrymeint: „Ich habe gesehen, wie

Hugo Lloris letzten Sommer in Moskau

die Trophäe festgehalten hat.

DasGefühl will ich auch erleben.“

Nationaltrainerin Corinne Diacre

arbeitet mit ihrem Team seit der

männlichen Vorlage mehr denn je in

einem Spannungsfeld. Die 44-Jährige

ist wie gemacht, um Frauen und

Männer gleichermaßen mitzunehmen.

Als erste Französin trainierte

sie drei Jahre lang eine Männer-Profimannschaft,

den Zweitligisten

Clermont Foot. DiefrühereVerteidigerin

hat selbst eine WM und EM gespielt

und weiß nur zu gut, dass

Frankreich im Frauenfußball noch

nie etwas gewonnen hat.

„Wir haben viel gelernt“

Platz vier bei der WM 2011 in

Deutschland war das Höchste der

Gefühle. Amschmerzlichsten fühlte

sich 2015 jene unnötige Niederlage

im Elfmeterschießen gegen die DFB-

Auswahl auf dem Kunstrasen von

Montreal an, als die Französinnen

imWM-Viertelfinale ihreÜberlegenheit

aus Überheblichkeit verschenkten.

„Es war so schmerzhaft, aber wir

haben viel daraus gelernt.Wirwollen

so etwas nicht wiedererleben“, erinnertsich

Mittelfeldspielerin Henry.

Seitdem hat es im Ensemble einige

Häutungen gegeben, die Verjüngung

läuft. Aber ohne die Lyoner

Stützen wie Torhüterin Sarah Bouhaddi,

32, Abwehrchefin Wendie Renard,

28, oder Stürmerin Eugenie Le

Sommer, 30, geht es nicht. Niemand

weiß indes,wie sie sich nun in extremen

Drucksituationen verhält. Daher

wäre es eigentlich besser, den

Gastgeber nicht mit einer falschen

Erwartungshaltung zu überladen.

Und 2011 nervte ja rückblickend

die Penetranz, mit der Deutschlands

Frauen zum „dritten Stern“ gepeitscht

werden sollten. Mit Plakatierungen

wie: „Dritte Plätze ist was

für Männer.“ Sieschieden imViertelfinale

aus. 2015 in Kanada störte

dann der Kunstrasen, mit dem der

Weltverband (Fifa) ein unnötiges Experiment

veranstaltete.Und wenn in

jenem Sommer in einer Sportsbars

die Basketball-Finals mit Warriors-

Wundermann Stephen Curry liefen,

waren Fußballfans schon froh, wenn

ein verwaister Fernseher für die

Frauen-WM übrig blieb. Die weiten

Entfernungen von Ottawa bis Vancouver

schufen zusätzlich Distanz.

2019 in Frankreich könnte bessere

Zutaten zusammenkommen:

eine tief verankerte Fußball-Begeisterung,

der Wille, die sportlichen

Leistungen von Frauen zu würdigen

– und das berühmte Savoir-vivre.

Damit würde zumindest ein schönes

Fest herauskommen. Oder wird es

sogar das,was Fifa-Präsident Gianni

Infantino in Paris imÜberschwang

seiner Wiederwahl ausrief? „In

Frankreich wird die Welt die Explosion

des Frauenfußballs erleben.“

Vielleicht reicht es schon, wenn es

die nächsten Wochen prickelt.


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Die DuMont-

Journalistenpreise

wurden vergeben

Seite 22

„Auch hier kann Iris Berben ihre neuen Seiten zeigen.“

Frank Junghänel über Dominik Grafs Fernsehfilm „Hanne“ auf Arte Seite 23

NS-Ästhetik

Blick in die

Zukunft

Harry Nutt

über ein schnell wieder zurückgezogenes

Plakatmotiv.

AmMorgen beim Einstieg in einen

U-Bahn-Waggon zieht mich

der bohrende Blick eines jungen

Mannes an. Es ist kein Mitreisender,

sondern erschaut von einem Plakat

aus ins Weite –ein Plakat, das seine

Werbewirkung in meinem Fall nicht

verfehlt. Jedenfalls bemerke ich, dass

ich nicht achtlos daran vorbeigehen

kann. „DU liegst schon im Studium

in Führung“ steht da unter dem forschen

Gesicht. Geworben wird für

das sogenannte DU-Konzept, über

das weitere Informationen auf der

angegebenen Webseite eingeholt

werden sollen. Obwohl ich nicht zur

studentischen Zielgruppe gehöre,

halte ich inne und ärgere mich, dass

hier ein Anbieter mit suggestiven

Mitteln ein elitäres Ausbildungskonzept

propagiert. Beworben werden

mit einer vonderWerbeagentur Jung

von Matt entwickelten Kampagne

die privaten Hochschulen der SRH-

Gruppe, die in Berlin unter anderen

einen Standort am Ernst-Reuter-

Platz betreibt.

Beim Einfahren der U-Bahn habe

ich das Motiv bereits wieder vergessen.

Aber wohl nicht ganz, denn ich

weiß sofort, was gemeint ist, als ich

später auf den ikonografischen Kontext

der Plakatwerbung aufmerksam

gemacht werde. Social-Media-Nutzern

war aufgefallen, dass der junge

Mann im Stil eines forschen Hitler-

Jungen fotografiert worden ist. Von

schräg unten aufgenommen, schaut

er herausfordernd in die Ferne. Der

Vergleich mit einem Propagandamotiv

aus der Hitlerzeit ist frappierend.

Die SRH-Gruppe (Stiftung Rehabilitation

Heidelberg) beschwichtigt.

Sie setze sich, informiert sie auf der

Webseite ihrer Heidelberger Hochschule,

für eine offene, vielfältige

und freundliche Gesellschaft ein.

Ideologische Ansätze seien ihr

fremd, man dulde keine rechtsextremen

Tendenzen. Beidem Motiv handelt

es sich aber fraglos um eine geschichtsvergessene

Entgleisung. Es

wurde inzwischen aus der Kampagne

herausgenommen.

VonNikolaus Bernau

Bereits im vergangenen Jahr

war auch in der Berliner

Zeitung die Nachricht zu

lesen gewesen, dass die

Ausstellungen der Staatlichen Museen

und jene des Berliner Stadtmuseums

im künftigen Humboldt-Forum

vermutlich nicht pünktlich zu

dessen feierlicher Eröffnung gezeigt

werden können. Neben dem Innenausbau

des Gebäudes verzögerte sich

auch die Fertigstellung der Klimaanlage.Immer

wieder war eine entsprechende

Übergabe verschoben worden,

zu der es dann schließlich vor

wenigenWochen kam.

Folglich wird auf der ambitioniertesten

Kulturbaustelle Deutschland

im Innern noch immer verputzt, gesägt,

gebohrt und gehämmert. Um

das Klimasystem nicht mit Staub zu

belasten, wirdesalso nicht eingestellt

und auch nicht angemessen erprobt

werden können. Damit verschiebt

sich auch die Einrichtung der Ausstellungen

zur Kunst- und Kulturgeschichte

Afrikas, Asiens, Nord- und

Südamerikas sowie des Pazifiks. Das

Museum für europäische Kulturen ist

übrigens weiterhin aus dem Humboldt-Forum

ausgeschlossen, obwohl

die Fachwelt seit Jahren diese

Fortsetzung der rassistischen Trennung

zwischen „weißer“ und „nichtweißer“

Welt aus den alten Völkerkundemuseen

kritisiert.

Elfenbein ist zu empfindlich

Seiesdrum. Eine der Sonderausstellungen,

die im Humboldt-Forum die

Lücke im Terminkalender zwischen

der rein symbolischen Eröffnung der

Café- und Kulturshoppingzone im

Erdgeschoss und den Hauptausstellungen

in den Obergeschossen überwinden

sollte,wäreder Kunst der Elfenbeinbearbeitung

aus aller Welt

gewidmet gewesen.

Aber auch diese als exquisit angekündigte

Ausstellung musste nun

abgesagt werden. Der Louvre, die

Londoner Museen, das Museum of

ModernArt und auch die Staatlichen

Museen zu Berlin selbst haben ihre

Zusagen von einem stabilen Klima

abhängig gemacht –Elfenbeine und

andere Zahnmaterialien gehören zu

den empfindlichsten Ausstellungsgütern

überhaupt. Nach Angaben

der Süddeutschen Zeitung vom

Leere als Ausstellungsstück

Das Humboldt-Forum kann wohl nicht in der geplanten Form eröffnet werden

Auch zur Eröffnung wird wohl nichts hinter der Schlossfassade sein ...

Donnerstag können die technischen

Forderungen offenbar nicht erfüllt

werden. Die Ausstellung kann frühestens

2020 gezeigt werden.

Mandarfvermuten, dass die neuerliche

Verschiebung nach der Stiftungsratsitzung

Ende Juni damit begründet

werden wird, dass das Haus

zunächst einmal als „reine Architektur“

auf das Publikum wirken können

solle. Sowie einst das Jüdische

Museum schon als leeres Haus zum

MARKUS WÄCHTER /BLZ

Welterfolg wurde. Beim Humboldt-

Forum ist allerdings kaum davon

auszugehen, dass die sehr nüchternen

Innenräume solche Faszination

ausüben können.

Es geht also vor allem darum,

dass auf diese Weise ganz grundsätzliche

Probleme des Berliner Großprojektes

politisch kaschiertwerden:

Über Jahrehinweg war der Nachbau

der Barockfassaden der Politik weit

wichtiger als das, was dahinter geschehen

soll. Die zweite heilige Kuh

der Politik bestand in der klaren finanzpolitischen

Ansage: Keine Kostensteigerungen.

Auch nicht, um

bessere Ausstellungsbedingungen

zu erreichen.

Statt einige Millionen nachzusteuern,

wurde vom Bundestag eisernandem

rein politisch festgelegten

Kostenrahmen von „unter 600

Millionen“ festgehalten. Um dieses

Ziel wenigstens nominell erreichen

zu können, musste Franco Stella

schon um 2009 seinen Entwurfeiner

offenen „Loggia“ an der Spreeseite

zu einer schlichten Fensterwand zusammendrängen,

sodass die Platznot

im Haus noch größer wurde.

Kein Klima, spiegelndes Glas ...

DieSäle,die ursprünglich für Bibliotheken

gedacht waren und nun sinnvollerweise

für Ausstellungen genutzt

werden sollen, erhielten nicht

die daraus ausgerichteten Klimaanlagen.

Vitrinen wurden mit billigen,

aber stark spiegelnden Gläsern bestellt.

Überhaupt entspricht die

technische Ausstattung des Humboldt-Forums

nach Angaben von

Kuratoren und Restauratoren überwiegend

eher den Stand der mittleren

90er-Jahre, also kaum den heute

geltenden Standards.

Auch wurden Forschungs- und

Restaurierungskosten oder die

Transportkosten in Sonderetats ausgelagert.

Dazu kamen die Eingriffe

der drei Gründungsintendanten

Hermann Parzinger, Neil McGregor

und Horst Bredekamp: Sie sind in

der Suche nach einem Gesamtkonzept

für das Humboldt-Forum zwar

fulminant gescheitert, haben den

Staatlichen Museen aber Tausende

von Quadratmetern aus dem fertigen

Ausstellungskonzept herausgebrochen,

um Sonderausstellungsflächen

zu schaffen. Für deren Nutzung

sind indessen weder die Etats noch

dauerhafte Konzepte vorhanden. Da

kann man im Interesse einer Debatte

um die Zukunft des Humboldt-Forums

inzwischen nur konstatieren:

Welch ein Glück, dass Elfenbeine ein

so heikler Stoffist.

Nikolaus Bernau

wundertsichbeim Humboldt-Forum

über nichts.

NACHRICHTEN

Thomas Bauer erhält

Sachbuchpreis

DasBuch „Warum es kein islamisches

Mittelalter gab“ (C.H. Beck)

vonThomas Bauer ist mit dem Sachbuchpreis

der Wissenschaftlichen

Buchgesellschaft (wbg) ausgezeichnet

worden. DasWerkdes Islamwissenschaftlers

der Universität Münster

zeige,wie in der Zeit des europäischen

Mittelalters in der islamischen

Welt die antike Zivilisation mit florierenden

Städten und Wissenschaften

weiterlebte.Für den Preis „Wissen!“

konnten die 85 000 wbg-Mitglieder

und der Buchhandel abstimmen,

eine Jury traf die letzte Entscheidung,

wie die Gesellschaft mitteilte.

Dererstmals verliehene Preis ist mit

40 000 Euro dotiert. (dpa)

Jim Jarmusch sympathisiert

mit Freitagsdemos

Für US-Regisseur JimJarmusch ist

der Klimawandel eines der derzeit

drängendsten Probleme.„Ichdenke,

dass das die wichtigste Sache ist, was

unser menschliches Überleben angeht“,

sagte der 66-Jährige in einem

Interview der Deutschen Presse-

Agentur.Ersympathisieresehr mit

den Jugendlichen, die sich für den

Klimaschutz einsetzen. „Die größte

Krise für uns ist derzeit der Mangel

an menschlichem Einfühlungsvermögen,

insbesondereunter den

Führungspersönlichkeiten. Unternehmensgier

kontrolliertalles.“ Das

Ergebnis sei ein sterbender Planet.

Jarmuschs Film „The Dead Don’t

Die“, der am 13.6. ins Kino kommt,

handelt vonder Apokalypse durch

die Umweltzerstörung. (dpa)

Radio Vatikan sendet wieder

Nachrichten auf Latein

Habemus Podcast: Radio Vatikan

sendet ab Sonnabend wieder Nachrichten

auf Latein. Dasfünfminütige

Format „Hebdomada Papae“ („Die

Woche des Papstes“) in der offiziellen

Sprache des Heiligen Stuhls wird

dann wöchentlich über das klassische

Radio ausgestrahlt und steht

zudem als Podcast zur Verfügung.

Geplant sei eine „richtige Radio-

Nachrichtensendung mit Reportagen

und Kurzmeldungen“, erklärte

der Direktor vonVatican News. (dpa)

UNTERM

Strich

Emoji

Heute:

Zuwachs

VonSusanne Schirdewahn

Ich kann mich noch gut daran erinnern,

wie das war. Schwanger zu sein. Zu beobachten,

wie es wächst, mal per Ultraschall,

mal anhand des zunehmenden Bauchvolumens.Und

wie das war mit dem Gewicht, der

zunehmenden Müdigkeit, der Reizbarkeit,

den Gefühlswallungen. Ich erinnere mich

jetzt, weil wir wieder Zuwachs bekommen

haben. Wirhaben jetzt einen Computer.Das

heißt, unser jüngster Sohn. Er ist schwarz-rot

und die Tastatur leuchtet in einer La-Ola-

Welle, wenn man sie berührt. Das war was,

als meine Jungs die zehn Kisten aufrissen,

eine Wagenladung voll Styroporkugeln

durch den Raum warfen und schließlich das

Objekt der Begierde hervorbrachten. Dieser

Geburtsvorgang war ein Kinkerlitzchen. Das

Warten darauf aber heftig. Ob die im Internet

den richtig zusammengebaut bekommen

mit all dem Schnickschnack, den mein Sohn

sich nachts noch zusammengestellt hat. Ich

hab nur einen Bruchteil verstanden. Megahertz.

Damit konnte ich was anfangen. Ansonsten

war es morgens eher so, als hätte

mein Sohn eine neue Sprache unter dem

Kopfkissen hervorgezogen.

Jetzt sind wir also zu fünft. Prima, dass so

ein Computer kein Mitesser ist. Im Sinne von

Essen, nicht von Pickel. Obwohl, manchmal

möchte ich ihn schon ausdrücken. Dashabe

ich neulich getan, als ich nach Hause kam

und „Fortnite“ noch lief, obwohl keiner in

der Wohnung war. Also habe ich meinen

Jüngsten angerufen, um mich zu beschweren,

wie viel Strom das verbraucht und dass

man auch einen Kabelbrand riskiert!

Das Schweigen in der Leitung leuchtete

erst rot, dann schwarz, dann war erst mal

SUSANNE SCHIRDEWAHN

Funkstille,und ich hatte nach der Rücksprache

mit meinem großen Sohn ein schlechtes

Gewissen. Der Highscore war hinüber.

Manchmal gehe ich wie früher nachts heimlich

ins Kinderzimmer, das jetzt Jugendzimmer

heißt. Ich schaue ganz gerührt nach

dem ungewaschenen Lockenkopf, der endlich

mal schläft, aber im Grunde schaue ich

auch nach dem galaktischen Leuchten des

Lüfters. Manchmal pustet er mich zärtlich

an, was ich als zärtlich deute,weil wir jetzt in

einer emotionalen Beziehung stehen, oder

muss man schon Ko-Abhängigkeit sagen?

Schließlich verbringt mein Sohn jetzt viel

Zeit mit ihm. Also laufe ich ab sofort öfter

durch den Flur,umimVorbeigehen meinem

Sohn durch die offene Tür zu sagen, dass er

doch mal was anderes machen sollte. Aufräumen

zum Beispiel. Oder noch besser: lesen.

Danach, auf dem Rückweg ist meistens

die Tür zu.

Hin und wieder erzähle ich meinen

Freundinnen von unserem Zuwachs, aber

die freuen sich nicht, dabei hat mein Sohn

Megaspaß. Ich höre ihn jetzt immer mit seinem

besten Freund chatten, wie sie sich zusammen

aus dem Hinterhalt werfen und den

Endboss suchen. Istdochauch eine ArtRäuber

und Gendarm. Das habe ich früher genauso

gespielt. Ich habe diesen heftigen

Schub von Hitze imGesicht und Adrenalin

im Bauchgeliebt.

Oder Telefonieren! Wer mich suchte,

musste nur der Verlängerungsschnur folgen.

Mein Vater sprach vonTelefonitis.Von daher

denke ich, das ist nur eine Phase. Ich hatte

auch irgendwann genug davon, mit meinem

Freund durch den Hörer zu kuscheln, ich

wollte das mal in Echt. Und dann noch mal

und noch mal. Ichhoffe nur,dass mein Sohn

bis zudiesem aufregenden Augenblick den

Endbossgefunden oder vergessen hat.


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22 * Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Feuilleton

Ausgezeichneter Journalismus

Gabriela Keller,Jens Blankennagel und Bettina Cosack von der Berliner Zeitung wurden bei der Verleihung der DuMont-Journalistenpreise geehrt

VonJoachim Frank

Als Hommage an Kompetenz

und Kreativität

von Journalistinnen

und Journalisten

ist am Donnerstagabend in Köln

der „DuMont Journalistenpreis

2018“ vergeben worden.„Qualität –

vor allem im Lokalen und Regionalen

–ist unser täglicher Ansporn“,

sagte der DuMont-Aufsichtsratsvorsitzende

Christian DuMont Schütte

in seiner Begrüßung.

Zusammen mit seiner Stellvertreterin

Isabella NevenDuMont hieß er

die Preisträger,ihreKollegen aus den

Redaktionen sowie zahlreiche Gäste

aus Politik, Wirtschaft, Kultur und

Medien im festlich umgestalteten

Druckzentrum, dem „Maschinenraum“

des Verlags,willkommen. Unter

den prominenten Teilnehmern

der Preisverleihung waren NRW-Innenminister

Herbert Reul (CDU)

und die Kölner Oberbürgermeisterin

Henriette Reker.

„Wir erreichen die Menschen

dort, wo sie gerade sind, in ihrer jeweiligen

Lebenswelt, mit fortwährend

aktuellen Inhalten, die sie interessieren

und angehen“, betonte Du-

Mont Schütte und erklärte, „was

Qualität für uns bedeutet: gute Themenrecherche,

die nicht nur Informationen

generiert und Erklärungen

zu Sachverhalten liefert, sondern

vor allen Dingen Inhalte, Zusammenhänge

aufdeckt, analysiert,

einordnet und überraschende und

klärende Kommentareerlaubt“.

Auf dieser Grundlage wurde der

diesjährige DuMont-Journalistenpreis

in insgesamt sieben Kategorien

vergeben. Diese spiegelten „die multimediale

Ausrichtung von DuMont

wider“, so DuMont Schütte. Als

„beste Recherche“ wurden die Arbeit

1961 1989

Einen Sonderpreis erhielten Bettina Cosack und

Christian Seidl als verantwortliche Redakteure

der Berliner Zeitung für die „Sonderausgabe

1961 –1989 –2018“.

BLZ

AM WOCHENENDE

. . Sonnabend/Sonntag,3./4. Februar 2018 Nr. 29 FA -74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.70 € Berlin/Brandenburg-1.90 € Auswärts/D ...................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

SABINE RENNEFANZ: Berlin wächst

–immer noch –zusammen.

DieReportage. Seiten 2–5

ALEXANDER OSANG: Mein Leben,

zweiterTeil.

DerEssay. Seite 9

JOCHEN-MARTIN GUTSCH UND

MAXIM LEO: Nichts ist ewig.

DasInterview. Seiten 20 und 21

2018

10316 TAGEEINEEINE STADT

D

iese Tage sind besondere Tage, und diese Ausgabe

der Berliner Zeitung ist auch eine besondere. Am

5. Februar, am kommenden Montag, ist die Mauer so

lange weg, wie sie stand. Eine historische Zäsur. Andiesem

Tagist Berlin seit 10 316 Tagen wieder eine Stadt ohne

Grenzen. So offen, leuchtend und verbunden, wie sie

auch aus dem All zu sehen ist –auf demgroßen Bild, aufgenommen

von der Raumstation ISS. Wir feiern dieses

Datum mit einer 28-seitigen Sonderausgabe –mit Texten,

Interviews und Analysen von Alexander Osang, Sabine

Rennefanz, Anja Reich, Jochen-Martin Gutsch, Maxim

Leo, Jakob Hein, Anne-Lena Mösken, Gregor Gysi, Michael

Müller,Wolfgang Thierse und vielen anderen.Wirerzählen,

waswar,was istund was kommt in Berlin. In dieser

Stadt,die sichimmer wandelt.

Wir haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, gefragt,

wie sie die Zeit erlebt haben, rasend schnell oder langsam

fließend, trotz allem. DieAntwortensind überraschend.

Selbstverständlich finden Sie auch Aktuelles in dieser

Ausgabe –heute aber ausnahmsweise kompakt in einem

vierten Buch der Zeitung. Ich wünsche Ihnen ein besonderes

Wochenende mit Ihrer Berliner Zeitung.

Herzlich, Ihr Jochen Arntz,

Chefredakteur

„Grenzwertig“ von Gabriela Keller

(Berliner Zeitung) zur geplanten Bebauung

am Checkpoint Charlie ausgezeichnet.

Kellers „Glanzstück“ beantworte

eindrucksvoll die Frage,

warum es Journalismus als vierte

Gewalt brauche, sagte Isabella Neven

DuMont in ihrer Laudatio. Die

Preisträgerin habe „die Gemengelage

aus Interessen, auch berechtig- Preisgekrönt: Gabriela Keller,Jens Blankennagel und Bettina Cosack. MARTINA GOYERT

DPA/NASAJOHNSON SPACE CENTER

ten Interessen, fein herausgearbeitet.“

Die Reportage stelle über das

Beispiel hinaus aber auch die großen

Fragen, die in Berlin, wo so viele Investoren

auf Jagd nach maximaler

Rendite sind, besonders laut gestellt

werden müssen: Wem gehört die

Stadt? Wer darf entscheiden? Die

Menschen, die in ihr wohnen oder

die, die mit den großen Geldscheinen

wedeln?“ Die „beste schreiberische

Leitung“ erkannte die Jury in einer

Reportage von Jens Blankennagel

(Berliner Zeitung) über die Nacht

des Mauerfalls am 9. November

1989. In seiner Laudatio kam Vorjahrespreisträger

Uli Kreikebaum (Kölner

Stadt-Anzeiger) auf die Bewertung

journalistischer Arbeit insgesamt

zu sprechen.„Nicht erst seit der

Affäreumden mit Preisen überhäuften

Spiegel-Reporter Claas Relotius

fragen wir Journalisten uns, wodie

Grenze verläuft zwischen ‚dem, was

ist‘, und dem, was wir schreiben dürfen.“

Manipulationen seien bei regionalen

Geschichten ungleich

schwieriger als bei Reportagen aus

Kriegsgebieten – „vor Ort ist alles

nachvollziehbar, und wir begegnen

unseren Protagonisten womöglich

auch nächste Woche wieder.“

Einen Sonderpreis für die Berliner

Zeitung erhielten Bettina Cosack

und Christian Seidl als Verantwortliche

für die „Sonderausgabe 1961 –

1989 –2018“.

Der DuMont-Journalistenpreis

geht auf eine Initiativedes verstorbenen

Verlegers und Herausgebers Alfred

NevenDuMont zurück und wird

seit 2011 jährlich verliehen. DieHerausgeber

ehren herausragende Leistungen

von Journalistinnen und

Journalisten in allen Sparten der Du-

Mont-Mediengruppe.

DerPreis ist in jeder Kategorie mit

1000 Euro dotiert. DerGewinner des

Nachwuchspreises erhält 250 Euro.

Für die aktuelle Vergabe lagen der

Jury unter Vorsitz der Herausgeber

Isabella Neven DuMont und Christian

DuMont Schütte 184 Einreichungen

vor.

Eine Online-Dokumentation allerGewinner-

Beiträgesteht unter:

www.dumont.de/journalistenpreis2018

Beinahe beste Freunde

Robin Ticciati wollte mit dem DSO Debussy und Mahler ins Gespräch bringen –dann aber musste der amerikanische Dirigent David Robertson für ihn einspringen

VonClemens Haustein

Im wirklichen Leben hatten sich

Claude Debussy und Gustav Mahler

wohl nicht allzu viel zu sagen. Ein

Kennenlernen der beiden Komponisten

in Paris blieb ohne nennenswerte

Folgen. 1914, kurz nach

Kriegsbeginn, soll sich der spitzzüngige

Debussy in einem Ausbruch

über die Deutschen und ihre Musik

auch etwas scharfüber Mahlers Sinfonien

geäußert haben, „mit ihren

tausend Stimmen und Peitschen,

Unterseebooten und was noch nicht

alles“. U-Boote! Meinte Debussy damit

das sinfonische Abtauchen in

Bereiche des menschlich Un- oder

Unterbewussten, dann landet man

recht schnell bei der Programmidee,

die im Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters

am Mittwochabend

Gemeinsamkeiten aufdecken

sollte, die dem Franzosen vielleicht

nicht so gepasst hätten.

Teile aus seiner Oper „Pelléas et

Mélisande“ gingen Mahlers „Lied

von der Erde“ voraus, beide Stücke

(bei Mahler vorallem der letzte Satz)

tasten sich am vielsagend Geheimnisvollen

entlang, die Musik soll

nichts konkretisieren, sondern das

gesungene Wort mit einem Raum

vonoffener Bedeutung umgeben.

Dass Mahler und Debussy im

Hinblick auf diese beiden Stücke eigentlich

über eine stabile Gesprächsgrundlage

hätten verfügen

müssen, das wollte Robin Ticciati

zeigen. Und nach allem, was man

über seine Liebe zu duftigen, gelegentlich

parfümierten Klängen weiß,

über seine Freude an einem leichten,

durchhörbaren Orchesterton – das

alles angewendet nicht nur auf Debussy,

sondern auch auf das „Lied

von der Erde“ mit seinen klangimpressionistischen

Passagen, wäre

wohl herausgekommen, dass die

beiden Komponisten eigentlich

beste Freunde hätten sein müssen.

Hätte und wäre: Robin Ticciati

wurde krank, gerade noch rechtzeitig

zum Beginn der Probenwoche

sprang der amerikanische Dirigent

David Robertson ein, jedoch zeigte

das Konzert, dass eine Programmidee

auch nur durch eine entsprechende

Interpretation Leben erhält.

Was tun, wenn sich so gar keine

Klangsinnlichkeit einstellen mag,

wenn der Duft fehlt, in dem sich die

Stücke, die beide mit ausgeprägten

Naturatmosphären arbeiten, bei

Ticciati wohl getroffen hätten?

Womöglich war die Vorbereitungszeit

doch zu kurz für Robertson,

der einst Pierre Boulez nachfolgte

als Leiter des Pariser Ensemble

intercontemporain und heute Chef

des Sydney Symphony Orchestraist.

Weder bei „Pelléas et Mélisande“,

dessen Zwischenspiele Marius

Constant zu einer „Symphonie“ zusammengestellt

hat noch bei Mahler

vermag Robertson einen stabilen

Puls zu vermitteln, die Wiedergabe

tritt auf der Stelle,imOrchester klappert

es, Altistin Karen Cargill mit sonorer

Düsterkeit und Simon O’Neill

mit trompetchenhaftem Tenor müssen

sich mit denVerhältnissen arrangieren.

Das Gespräch zwischen

Mahler und Debussy:verschoben.

2. und3.

November 2019

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Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 23

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Feuilleton/Medien

Aus dem

Handgelenk

geschüttelt

Zlata Chochieva beglückte

beim Berliner Klavierfestival

VonGerald Felber

Eigentlich konzentrierte sich das

Berliner Klavierfestival auf einige

Tage Ende Mai. Doch auch imVeranstaltungsmanagement

muss man

sich nach der Decke strecken, und

weil es mit der –nicht erst diesjährigen

–Wunschkandidatin Zlata Chochieva

anders nicht ging, gab es am

Mittwoch noch einen Nachschlag. Er

entpuppte sich schnell als mitreißendes

Finale –fast so,als wärealles,

was die bis dahin ausschließlich

männlichen Kollegen mitgebracht

und aufgeführthatten, zwangsläufig

auf Sergej Rachmaninows d-moll-

Sonate op. 28, mit der die gebürtige

Moskauerin ihren Abend beendete,

als Schlussakkordhingelaufen.

Dabei ist das ein sperriges Werk,

das seine –durch Goethes„Faust“ inspirierte

– Gedanken- und Bilderfülle

irgendwie nicht in geordnete

Bahnen bekommt. Doch in einer

süddeutschen Barockkirche kann

man ja auch nicht jede Engelslocke

oder Stuckgirlande einzeln fassen,

und Zlata Chochievas Interpretation

entfaltete sich genau so, wie man

auch dortambesten fährt: als durchströmendes

(Klang-)Raumerlebnis

im ständig wechselnden Spiel von

Licht und Schatten, das dennoch

seine eigenen dynamischen Gesetzmäßigkeiten

hat. Man könnte es als

organisierte Atmosphärik bezeichnen,

wie da jedes Detail vomgrüblerischen

Beginn über die lyrische Melancholie

des Mittelsatzes bis zum

krachend donnernden, „mephistophelischen“

Finale erst durch das

übergeordnete Ganze eines organischen

Klangflusses definiert wurde

und seinen Eigenwert vor allem in

der Wechselwirkung mit dem Vorher

und Nachher erhielt.

Diese so faszinierend intensive

wie homogene Produktion war

durch ein mit letztlich 18 Einzelsätzen

ausgesprochen kleinteiliges,

aber ungemein intelligent gebautes

Programm vorbereitet worden, bei

dem Rachmaninow –dem nach der

Pause die Bühne mit der Sonate und

vier kleineren Stücken allein gehörte

Kräftiger Schlussakkord: Zlata Chochieva

beim Berliner Klavierfestival. KRISTINA RADIY

–als herbstreifer Testamentsvollstrecker

einer osteuropäisch-spätromantischen

Tradition fungierte.

Schon zu Beginn war er kurz als

Tastenbearbeiter der Bachschen E-

Dur-Violinpartita erschienen, wobei

die Pianistin hier einige Staccato-

Zaubereien aus dem Handgelenk

schüttelte, zudenen sie bei den akkordisch-gewichtigen

Stücken kaum

noch Gelegenheit hatte.Bezaubernd

dabei, wie sie im wechselweisen Vortrag

die meist dunkel glimmenden

Farben vonjeweils drei Chopin- und

Skrjabin-Mazurken ineinander verlaufen

ließ –und geradezu imposant,

wie sie Franz Liszt mit zwei Stücken

aus seinem Spätwerk als Vorläufer

des Expressionismus outete. Sowohl

eine der „Valses oubliées“ als auch

der zweite Mephisto-Walzer erklangen

in einem bei aller Klangfülle

karg-skelettierten, gleichsam kubistisch

geschärften Vortrag: Hitze und

Kälte nicht zur lauwarmen Melange

verrührt, sondernflackernd ineinander

verwirbelt.

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Warten auf die Diagnose: Iris Berben als „Hanne“ in einem bewegenden Film von Dominik Graf

VonFrank Junghänel

Die Zeit, die bleibt, wird

den Menschen oft erst

dann bewusst, wenn sie

plötzlich absehbar ist.

Am Tag, als Hanne (Iris Berben) in

den Ruhestand verabschiedet wird,

kommt bei einem Unfall ihr Chef

ums Leben. Jahrelang war sie die

rechte Hand der Geschäftsführung,

sie hat das Büroorganisiert, Termine

gemacht, den Alltag gemanagt. Und

mit genau dieser Souveränität, die

sie sich über all die Jahreinder Firma

erworben hat, reagiert sie jetzt auch

auf den Todihres Vorgesetzten, mit

freundlicher Distanz, bloß nicht

heulen. DieAbschiedsrede,die er für

sie hat halten wollen, trägt sie nun

selber vor. Siehabe sie ja auch selber

geschrieben, sagt sie den Kollegen.

Die Situation retten, so hat sie das

gelernt. Blumen, Sekt, Tschüss.

In der Exposition von Dominik

Grafs Fernsehfilm „Hanne“ wird die

Titelfigur als eine Person etabliert,

die ihr Leben im Griff hat, wie man

so schön sagt. Doch das ist natürlich

eine Illusion, niemand hat sein Leben

im Griff. Das Schicksal spielt auch

noch mit und das ist ja, wie man

weiß, ein mieser Verräter.Vor einem

Routineeingriff, Hanne will sich als

frisch gekürte Pensionärin endlich

die Krampfadern operieren lassen,

bittet sie der behandelnde Arzt in ein

gerade verfügbares Dienstzimmer.

Es gebe„Auffälligkeiten“ im Blutbild,

„könnte eine Leukozytose sein“. Er

verheddert sich in medizinischem

Vokabular.„Wovonreden Sie?“, fragt

Hanne. „Blutkrebs“, antwortet der

Arzt. Noch sei es ein Verdacht und

kein Befund. Am Montag könne er

Genaueres sagen. Jetzt ist Freitag.Vor

Hanne liegt ein langes Wochenende.

„Sie sollten versuchen, sich abzulenken“,

gibt ihr der Arzt noch mit. Und

nicht ins Internet gucken. Das erste,

was Hanne macht – sie googelt.

Wenn es schlecht läuft, hat sie noch

fünf Monate.Die Zeit, die bleibt.

Die Autorin Beate Langmaack

(Jahrgang 1957), deren Drehbücher

für den „Tatort“, „Polizeiruf 110“

oder „Bella Block“ wiederholt prämiert

wurden, allein viermal erhielt

sie den Grimme-Preis,wählte für die

Geschichte von„Hanne“ eine betont

poetische Struktur.Der Film gliedert

sich in Kapitel, die „Verabschiedet

Hanne (Iris Berben) ist vorübergehend ins Hotel gezogen.

werden“ heißen oder „Einem Arzt

zuhören“ oder„Die Maler haben“. Es

sind Miniaturen, die sich nach und

nach zu einem Porträt formen, in

dem die wahre Persönlichkeit von

Hanne immer stärker hinter dem

Bild, das sie vonsich hat, hervortritt.

Sielebt allein, ja, sie ist einsam, auch

wenn sie das niemals zugeben

würde. Ihr Sohn (Trystan Pütter) ist

erwachsen, hat nie Zeit. Aber sie

VOLKER ROLOFF

hatte auch nie Zeit für ihn, sie kennt

noch nicht mal seine Freundin, die

ein Kind von ihm erwartet. Hanne,

darin geübt, alles mit sich auszumachen,

hat niemanden, dem sie sich

anvertrauen kann. Sieflieht voreiner

Nachricht, der sie nicht entkommen

kann. Noch zwei Tage Leben, bevor

womöglich alles zu Ende geht.

Die Ungewissheit als Katalysator

für eine persönliche Inventur ist als

erzählerisches Motiv nicht originell,

aber sehr wirksam, rührt esdoch an

existenzielle Ängsten eines jeden.

Der Defa-Film „Die Beunruhigung“

von 1982, in der eine Frau, gespielt

von Christine Schorn, mit einer Tumordiagnose

konfrontiert wird und

daraufhin ihr Leben infrage stellt, gehört

mit 4,3 Millionen Zuschauern

zu den meist gesehenen Kinofilmen

der DDR überhaupt.

Für eine Schauspielerin wie Iris

Berben ist eine solche Rolle natürlich

ein Geschenk, bietet ihr doch die

Stationendramaturgie des Films die

Chance, ihren Charakter der Hanne

in schnellen Strichen zu zeichnen.

Jede Episode, die das Drehbuch für

Hanne bereit hält, offenbart andere

Seiten an ihr.Vielleicht sind es sogar

ein paar Seiten zu viel für diese zwei

Tage. Die Kneipentour mit der lustigen

Uli (Petra Kleinert), die Liebesnacht

mit dem Ex (Herbert Knaup),

die kokette Begegnung mit einem

Muskelmann im Schwimmbad. All

das signalisiert dem Zuschauer: Die

immer so distanzierte Frau gibt sich

preis. Iris Berben, die zuletzt schon

in der Serie„Die Protokollantin“ die

oft zitierten „neuen Seiten“ ihres

Könnens zeigen konnte, gelingt es

hier erneut, ihr glamouröses Image

zurechtzurücken. Doch ist ihrem

Spiel fast immer auch der Ehrgeiz

anzumerken, diesem Rollenprofil

wirklich gerecht zu werden. Selbst

wenn sie sich gehen lässt, ist das ein

kontrolliertes Sichgehenlassen. Da

ist Iris Berben genau wie Hanne.

Dominik Graf wendet sich hier

wieder einer Beziehungsgeschichte

zu, selbst wenn sie von fehlenden

Beziehungen erzählt. Als Regisseur

großer Polizeifilme bieten ihm Stoffe

wie dieser nicht einfach nur einen

Ausgleich zum Kerngeschäft. Es ist

für ihn ein anderes Herangehen. Der

Film sei vom Charakter getrieben

nicht vomPlot, der Handlung, wie er

er in einem Interview äußerte. Er

habe „Hanne“ als Reise inszenieren

wollen und wer seine Filme kennt,

wird sich eventuell wundern, wie

vorhersehbar diese Reise dann doch

verläuft. Erst ganz zum Schluss gibt

es einen irritierenden Graf-Moment.

Hanne hat ihren zweiten Termin und

wartet auf den Arzt. Die Frage ist ja,

wie das alles ausgeht.

Hanne 20.15Uhr,Arte

Im Königreich der Sechzehnteltriolen

Einfach mal den inneren Dreijährigen rauslassen: Die Smashing Pumpkins traten in der Zitadelle Spandau auf

VonJohannes von Weizsäcker

Viele mittelalte, aber auch einige

jüngere Menschen hatten sich

am Mittwochabend in der Zitadelle

Spandau eingefunden, als hier die

Rockband Smashing Pumpkins vor

drei gigantischen von„Alice imWunderland“

inspirierten Schachfiguren

zwei Stunden lang in Liedform jammerte;

Sänger, Gitarrist und Bandchef

Billy Corgan und Gitarrist James

Ihagründeten die Band 1988 in Chicago

und waren dabei von den Jammerkönigen

The Cure beeinflusst.

Nun sind The Cure aus Großbritannien,

und es lässt sich grob vereinfacht

sagen, dass Briten im Pop

besser jammern als US-Amerikaner;

die Briten tun es postindustriell-kälter

und lustvoller zugleich, während

ihre amerikanischen Freunde, insbesondere

Billy Corgan, eher ihren

nasal quengelnden inneren Dreijährigen

kanalisieren.

Im weiteren Gegensatz zu ihren

Vorbildern entwickelten die Smashing

Pumpkins nach Rekrutierung

des druckvollen Schlagzeugers

Jimmy Chamberlin dann ihre

Dream-Pop-Metal-mit-Gejammer-

Ästhetik, die auf dem Debütalbum

„Gish“, aus dem Jahr 1991, noch mit

Psychedelik und Indie-Sensibilität

ausbalanciert war. Danach jedoch,

mit den Folgealben „Siamese

Dream“ und „Melon Collie and the

infinite Sadness“, ging es bergab ins

Rock-Klischee: Chart-Erfolg, Drogen,

Konzept-Doppelalben, Streit,

Personalwechsel, Depression, Egomanie

und vor allem jede Menge

nun zu Cinemascope-Größe aufgeblasene

Jammer-Musik!

Schön, dass die Band –von deren

Urbesetzung nach Wechseln nun

wieder James Ihaund Jimmy Chamberlin

dabei sind (die ikonische Bassistin

D’Arcy Wretzky stieg schon vor

zwanzig Jahren aus) –ihr Konzert in

der Zitadelle mit zwei Stücken jenes

erfreulichen ersten Albums eröffneten.

Gleich im ersten davon, „Siva“,

solierte Corgan ausgiebig auf seiner

Gitarre, während Jimmy Chamberlin

sich sofort als König der Sechzehntel-Triole

behauptete.

Im weiteren Verlauf des Abends

gab es also noch sehr viel mehr Sechzehnteltriolen

vonChamberlin, etwa

gegen Ende des Stücks „Solara“ vom

aktuellen Album mit dem praxisfernen

Namen „Shiny and oh so bright

Vol 1/LP: No Past. No Future. No

Sun. (Album)“.

Vonletzterem Werk gab es im Verlauf

des Abends drei Stücke zu hören;

der Schwerpunkt lag auf den

Hits: „1979“ etwa oder die Ballade

„Disarm“. Beim Großteil der Stücke

solierten vor allem der in seiner

schwarzgewandeten Baumlänge immer

noch eindrucksvolle Corgan

und der Gitarrist Jeff Schroeder, was

schade war,denn James Ihas seltene

Soli transzendierten in ihrer futuristischen

Quietschigkeit als einzige

den Wah-Wah-Gniedel-Kanon. Auch

war Ihainweißem Anzug das bestgekleidete

Bandmitglied; ungerecht,

dass ihm vor allem Füll-Aufgaben

zugedacht waren; so kümmerte er

sich um die Anmoderationen und

durfte ein etwas müdes Cover vom

Cure-Stück „Friday I’m inlove“ vortragen.

Auch „Wish you were here“ von

Pink Floyd wurde gecovert und von

der Abgeklärtheit des Originals in die

Emo-Quengeligkeit verlegt; herrje,

anstatt nur zu jammern, könnte man

doch auch mal was ändern, etwa indem

man interessantere Musik

macht und so mehr Spaß an seiner

Arbeit hat. Obwohl, die Band schien

schon zufrieden mit dem Abend, sie

gaben sogar an, nach Berlin ziehen

zu wollen!

Wieviel darf

der Rundfunk

kosten?

Der RBB will beim

Kulturradio sparen

VonTorsten Wahl

D

eine Ohren werden Augen machen“

–sowirbt der RBB um

seine neue Marke RBB-Kultur, die

Radio, Fernsehen und Podcasts vereint.

Beieiner Betriebsversammlung

des Kulturradios aber mochte mancher

seinen Ohren und Augen nicht

trauen: Die Programmmittel für die

Welle, der aufwändigsten und teuersten

des RBB, sollen um ein Fünftel

gekürzt werden. Die Minute kostet

hier doppelt so viel wie bei Radio

Fritz oder 88,8. Während es in der

Masurenallee hoch her ging, debattierten

in der Leipziger Straße im

Bundesrat die Ministerpräsidenten

der Länder über den Rundfunk.

Die Dauerdiskussion um den öffentlich-rechtlichen

Rundfunk kreist

mal wieder um das Geld. Die Zuschauer

wollen, wenn überhaupt,

nicht viel mehr als die monatlich

17,50 Euro bezahlen, aber keine Abstriche

am Programm hinnehmen.

Beim Kulturradio des RBB kommen

von dieser Summe übrigens 56 Cent

an. Alle Sender müssen sparen, sollen

sich aber auch stärker den neuen

Medien öffnen. Die Macher wiederum

fordern höhere Gehälter und

Honorare. Jüngst beschwerten sich

99 freie Fritz-Mitarbeiter bei der Intendanz

darüber, dass sie multimediale

Vorreiter sein sollen, aber ihre

Tagessätzemit 187 Euro deutlich unter

dem Satz anderer Wellen des eigenen

Hauses liegen.

Tatsächlich hat sich der Rundfunkbeitrag

seit 2009 nicht mehr erhöht,

2015 konnte er sogar von17,98

Euro auf 17,50 Euro gesenkt werden.

2014 nahm der Sender insgesamt

485 Millionen Euro ein, seither sinken

die Einnahmen. Bis2017 erzielte

der RBB einen Überschuss, den er

seit 2018 ins Programm investiert –

deshalb verzeichnet der aktuelle

Wirtschaftsplan ein Minus von fast

85 Millionen Euro. Doch die Rücklagen

sind bald aufgebraucht. RBB-Intendantin

Patricia Schlesinger plädiertdaher

seit langem für die Erhöhung

des Rundfunkbeitrags.

Da der Prozess der Gebührenermittlung

recht schwerfällig ist, wird

seit Jahren über ein Indexmodell diskutiert,

das die Höhe des Rundfunkbetrags

entweder an die Inflation

oder die Lebenshaltungskosten koppelt.

Auch die Vorsitzende der Rundfunkkommission

Malu Dreyer, die

Ministerpräsidentin von Rheinland-

Pfalz, warb bei ihren Kollegen für ein

solches Modell. Dagegen wollen Regierungschefs

im Osten, etwa in

Sachsen und Sachsen-Anhalt, den

Betrag lieber nicht erhöhen. Obwohl

viele Beobachter damit gerechnet

hatten, dass sich die Ministerpräsidenten

auf ihrer gestrigen Sitzung in

Berlin endlich einigen würden, sind

wieder keine Beschlüsse gefasst worden.

Tobias Hans, Ministerpräsident

des Saarlands,verkündete zwar eine

Abschaffung des Rundfunkbeitrags

für Zweitwohnungen –für die Debatte

um die Zukunft des öffentlichrechtlichen

Rundfunks benötige

man aber mehr Zeit.

Auch sie wollen Berliner werden: Billy Corgan und JimmyChamberlin. ROLAND OWSNITZKI

TOP 10

Mittwoch, 5. Juni

1 Aktenzeichen XY ZDF 4,60 18 %

2 Tagesschau ARD 4,25 18 %

3 heute-journal ZDF 4,21 18 %

4 Die Auferstehung ARD 3,62 14 %

5 heute ZDF 2,96 16 %

6 SOKOWismar ZDF 2,69 18 %

7 GZSZ RTL 2,48 11 %

8 Auslandsjournal ZDF 2,42 12 %

9 Rosenheim-Cops ZDF 2,36 24 %

10 Bares für Rares ZDF 2,34 23 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Future Sounds(akademie der autodidakten)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Blechtrommel

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Don Quichotte

20.00 Tischlerei: Delirio

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.00, 21.00 Box: Autorentheatertage: zu unseren

füßen, das gold, aus dem boden verschwunden

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Halle Tanzbühne Berlin (✆ 44 04 42 92)

20.30großer Saal: volto umano -das menschliche

gesicht (cie. toula limnaios)

HAU2(✆25 90 04 27)

20.30: Chinchilla Arschloch, waswas (Rimini Protokoll

(Helgard Haug))

HAU3(✆25 90 04 27)

19.00: MuseumofLungs

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Holzfällen. Eine Erregung

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Roxy und ihr Wunderteam (Geschwister Pfister

u. a.)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.30 Studio: Youare not the hero of this story

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00 Studio: istdie welt auch noch so schön

Prime Time Theater (✆ 49 90 79 58)

20.15: Gutes Wedding,schlechtes Wedding (Sitcom -

Folge122: DerClubder toten Döner)

Prolog-Bühne (Open Air) (✆ 54 90 51 92)

19.30: Romeo &Julia (Globe Ensemble Berlin)

RambaZamba Theater (✆ 44 04 90 44)

19.30: Der nackte Wahnsinn

19.30: Antigone

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Nein zum Geld

Russkaja Szena -Die Russische Bühne Berlin

(✆ 01 51 15 21 79) 20.00: Die Welt des Russischen

Theaters: Die Möwe(Ensemble des Russischen

Theaters)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: ProfessorBernhardi

Schloss Britz (✆ 609 79 23 -0)

19.00 Freilichtbühne: Der Sturm! (Shakespeare

CompanyBerlin)

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: CharlysTante

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30: Pelléas et Mélisande

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

17.30: DieWelt des Russischen Theaters: Und wir,

füreinander –Schatten(Theater Treppe (Israel) und

N.C. Aronetska Theater (Republik Moldau))

Theater im Nikolaiviertel (✆ 017 6/ 40 53 11)

19.30: ZilleseinMilljöh

Theater O-Tonart (✆ 37 44 78 12)

20.00: Die Einladung (Inseltheater Moabit)

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Jason und Medea oder was ist Heimat (Berliner

Schule für Schauspiel)

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

20.00 Studio 14: GraduateStudentsChoreos 2019

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00: Unendlicher Spaß

Zimmertheater Steglitz (✆ 25 05 80 78)

20.00: Besetzt! (Esther Zimmering)

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Fame -The Musical

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Zaubershow(Siegfried &Joy)

Berliner Schnauze -MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: Bevordufragst: Nein!

(MargaBach)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Irgendwas stimmt immer (Vocal Recall)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: ImproLadies

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die Zukunft istkeinPonyhof (Studio-Ensemble)

20.00: 2019: Odyssee im Hohlraum

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.30: Simply The Best -Das Tina Turner Musical

(Dorothea „Coco“ Fletcher)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Die 7Typen Show

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: The Filonthe Hill (Fil)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Johhn Doyle, DivaLaKruttke,

Manuel Wolff, el magomasin, Mod.: Ole Lehmann)

23.00: Das 16. Jahresfinale der QuatschTalentschmiede

Reederei Riedel -Anlegestelle Fischerinsel (Fischerinsel)

19.30: Krimi-Dinner auf der Spree (Theater

Krimimobil Berlin)

ScheinbarVarieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Cloozy (Mod.))

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Menschen. Ämter.Katastrophen.

StageBluemax Theater Berlin (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group -The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band -Das Musical

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: HintermOfen sitzt ne Maus

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Altar Boyz

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Let’sTwist Again! -Rockabilly Hits &Acrobatics

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.00: Best of Chips Comedy(Mit Daniel Wolfson,

Kawus Kalantar und Gästen)

Zille-Destille (✆ 01 76 64 86 36)

19.00: Mit Zille in der Destille (Albrecht Hoffmann).

Anm. erf.

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

21.00: Im freien Fall -ohne Netz unddoppelten

Boden

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: Konzerthausorchester Berlin, Ltg.Eliahu

Inbal, Francesco Piemontesi (Klavier), Beethoven:

Konzertfür Klavier und Orchester Nr.2B-Dur op. 19;

Mahler:Sinfonie Nr.1D-Dur

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

19.00: Einführung (Berliner Philharmoniker)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Daniel Barenboim,

Radu Lupu (Klavier), Haydn: Symphonie Nr.95

c-Moll; Beethoven: Konzertfür Klavier und Orchester

Nr.4G-Dur op. 58; Schumann: Symphonie Nr.4

d-Moll op. 120, 2. Fassung

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Freiburger Barockorchester,Ltg.Kristian Bezuidenhout

(Hammerklavier), Miah Persson (Sopran),

Wolfgang Amadeus Mozart: Konzertfür Klavier und

Orchester Es-Dur,Konzertfür Klavier und Orchester

C-Dur,„Chi sà, chi sà, qual sia“, „Vado, ma dove?oh

Dei!“, „Bella mia fiamma, addio“, Arien für Sopran

und Orchester,„Ch’io mi scordi di te“, Rezitativ und

Arie für Sopran, obligates Klavier und Orchester

Lesung

Dichtung

und

Wahrheit

Die Wahrheit ist bei Jan

Skudlarek ein Nudelsieb.

Oder: Die Wahrheit ist kein

Nudelsieb.Weil es ein „Nudelsieb“

ja gar nicht geben kann,

sondern höchstens „ein Stück

Metall mit Löchern“. Die Nudelsiebgeschichte

kommt von

denen hinzu, die Nudeln kochen.

Wasdenkt man über das

Objekt in Gegenden, in denen

man keine Nudeln kennt?

Wann immer man es genau zu

nehmen beginnt mit den Dingen,

werden sie verzwickt ...

Der Philosoph Jan Skudlarek

hat bei Reclam das Buch

„Wahrheit und Verschwörung:

Wie wir erkennen, was echt

und wirklich ist“ veröffentlicht.

Undwer wollte das nicht

wissen! In der Lettrétage liest

und diskutiert Skudlarek, und

wer es nicht dorthin schafft,

schreibe wenigstens zehnmal:

„Die Welt bleibt beschreibbar.

Angemessen zu zweifeln kann

man lernen.“ PetraKohse

Siesind hinter dir (her)–Wahrheit und

Verschwörung,20Uhr,mit JanSkudlarek,

Lettrétage, Mehringdamm 61

„Späte Bilder“: „Segmente“, 1966, Öl auf Leinwand. ERNST WILHELM NAY/VG BILDKUNST BONN 2019

Mit unpathetischen Titeln

wie „Rot-Weiß-

Schwarz“, „Segment“

oder „Rotfiguration“

machte es der Maler Ernst Wilhelm

Nay den Betrachtern seiner farbknallenden

Bilder nie schwer. Egal

ob mit Motiven aus dem frühen oder

dem späten Werk.

Letzteres füllt nun die Wände der

Berliner Galerie Aurel Scheibler, die

sich seit Jahren um das Œuvre und

den noch nicht musealisierten

Nachlass des Künstlers kümmert.

Nay hat immer vorausgesetzt, dass

ein aufgeklärtes,ergomündiges und

fantasievolles Publikum zu ganz eigenen

Interpretationen kommen

werde. Dafür gab er seine abstrakte,

aber immer auch vonder sinnlichen

Anschauung gekommene Bildsprache

liebend gerne frei.

Aber gerade in seinen letzten

Schaffensjahren –und trotz schwindender

Körperkräfte für die immer

größeren Formate –gelangte er mit

Konsequenz zu einem spirituell abgerundeten

Spätwerk. Nay–was übrigens

auch die Bezeichnung für eine

persische bzw. arabische Flöte ohne

Mundstück ist, bis heute das älteste

noch immer gespielte Musikinstrument

der Welt – hatte eine starke

poetische Ader.Inseinen späten Bildern

entdeckt man keine Redundanz,

dafür eine geradezu glühende

Intelligenz und fast so etwas wie

Weisheit. Flächig und rein finden die

Farben zusammen. Dazwischen ließ

Nayoft weiße Leerstellen, als habe er

die ineinanderfließenden Formen

mit einer Riesenschere ausgeschnitten.

Daserinnertfast an die Scherenschnitte

des alten Matisse.

Vomsogenannten Informel (Gegenstandlosigkeit)

der Nachkriegszeit

hat Nay seine „absolute“ Malerei,

seine „Malerei ohne Geometrie

und ohne Illusion“ streng unterschieden.

Er wollte „bewusste Gestaltung,

keine sich verströmende

Selbstdarstellung“. Komposition sei

für ihn keine Frage der Illusion oder

Perspektive. Eher setzte er die Farben

wie ein Musiker die Töne. Diese

entfalten sich aus Hell und Dunkel,

Kalt und Warm. Esgibt keinen gewöhnlichen

Vorder-, Mittel-, Hintergrund

mehr, stattdessen „schwingt“

die ganzeFläche optisch.

Naynannte diese eigenwillige Stilistik

den „Wellblech-Effekt“; er-

Ingeborg Ruthe

findet den vonErnst Wilhelm Nay

(1902–1968) geprägten „Wellblech-Effekt“

für die Malerei des gebürtigen Berliners

und Wahl-Rheinländers so genial

wie sinnlich packend.

Fast

digita

„Späte Bilder“ d

stammenden Kölne

Ernst WilhelmNa

Aurel Sch

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Rocketman

15.00, 17.45,20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Zwischen den Zeilen

15.30,20.30; Zwischen den Zeilen (OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Rocketman

15.00, 17.40,20.30

DelphiLUX (✆ 322 93 10 40)All My Loving 15.10,

17.50, 20.30; Rocketman (OF) 15.30, 21.00; Der

Schamane und die Schlange: Eine Reise auf dem

Amazonas –Elabrazodelaserpiente (OmU) 18.00;

Push – Für das Grundrecht auf Wohnen (OmU)

14.00; HighLife (OmU)16.00, 20.40; Ramen Shop

(OmU) 18.30;Van Gogh 15.00, 17.30, 20.00; Das

Familienfoto 15.15; Das Ende der Wahrheit 17.30,

20.00;Burning 14.00, 17.10, 20.20; Roads (OmU)

14.30, 19.00; Stan &Ollie (OmU) 16.45; Greta

(OmU) 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 1753) Stan &Ollie 18.00;

All My Loving 20.00; Peter Lindbergh –Women‘s

Stories (OmU) 22.15; War ofArt (OmU) 18.00;

Under the Tree 20.15; Kamikaze 1989 (DFmenglU)

22.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Nur eine Frau 15.30,

17.45, 20.00; TKKG 13.50, 16.00; Roads 18.10,

20.30; Aladdin 15.30, 18.00, 20.45; Mister Link

14.00; Monsieur Claude II 16.00, 20.30; Der

Flohmarkt von Madame Claire 18.15; Edie 15.45,

17.45; Stan &Ollie 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Godzilla 2

14.00; 3D: Aladdin 17.00; Rocketman 20.00; John

Wick III 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 15.00,

20.30, 23.15; Rocketman 17.40; 3D: Aladdin

14.30;Rocketman (OF) 17.25; John Wick III 20.15;

3D: Godzilla 2 23.10; TKKG 14.45; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 17.10; 3D: Aladdin 19.50, 22.50;

3D: Avengers: Endgame 14.00; 3D: Godzilla 2(OF)

17.45; 3D: Godzilla 220.45; Glam Girls 15.20,

22.50; TKKG 17.40; Der Fall Collini 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.40; Glam Girls

18.10; Ma–Sie sieht alles 20.30, 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) La casa lobo

–Das Wolfshaus (OmU) 11.00; Das schönste Paar

12.15;Birds Of Passage: DasgrüneGold der Wayuu

–Pajaros deverano (OmU) 13.45; Die sagenhaften

Vier –Marnies Welt 15.45; Under the Tree –Undir

trenu (OmU) 17.15; Border 18.45; Nur eine Frau

(DFmenglU) 20.45; Der Goldene Handschuh (DFmenglU)

22.20; Ein Gauner &Gentleman –The Old

Man &the Gun (OmU) 11.00;

Kleine Germanen (OmenglU) 12.45; Atlas (OmenglU)

14.15; PeterLindbergh – Women‘s Stories

(OmU) 16.15; Free Solo (OmU) 18.15; Ramen

Shop (OmU) 20.00; Dave Made a Maze (OmU)

21.30; The Wild Boys – Les garcons sauvages

(OmU) 23.00; Once Again –Eine Liebe in Mumbai

11.00; Green Book–Eine besondereFreundschaft

(OmU) 12.45; Macht das alles einen Sinn? – Und

wenn ja –warum dauert es so lange? (DFmenglU)

15.00; DasEndeder Wahrheit (DFmenglU)16.45;

Edie (OmU) 18.45; Van Gogh –AtEternity‘s Gate

(OmU) 20.30; One Cut of the Dead – Kamera o

tomeru na! (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Maquia: Eine

unsterbliche Liebesgeschichte – Sayonara no asa ni

yakusoku no hana o kazaro (OmU) 16.00; Ein Gauner

&Gentleman –The Old Man &the Gun (OmU)

18.15; Nur eine Frau 20.15; „Mir ist es egal, wenn

wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ –„Imi

este indiferent daca in istorie vom intra ca barbari“

(OmU) 22.10; Kleine Germanen 16.00; The Artist &

The Pervert (OmU) 17.45; War ofArt (OmU) 19.45;

Familie Brasch 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Wenn du König

wärst13.45; Shazam!13.45;John Wick III13.45,

16.45, 19.30, 22.45; IMAX 3D: X-Men: Dark

Phoenix 14.00, 17.00, 20.00,23.00; Rocketman

14.00, 17.15, 20.15, 22.55; Monsieur Claude

II 14.00, 20.00; Mister Link 14.15; Asterix und

das Geheimnis des Zaubertranks 14.15; Aladdin

14.15, 16.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.30; Godzilla 214.30, 17.15, 19.30, 22.30;

3D: Aladdin 14.30, 17.30, 20.15, 23.15; TKKG

14.45, 17.15; 3D: Avengers: Endgame 14.45,

18.40, 22.30; Avengers: Endgame 16.30, 20.30;

3D: Godzilla 216.40, 19.45, 23.00; Nur eine

Frau 16.45;3D: Pokemon MeisterdetektivPikachu

17.00, 19.30, 22.15; Greta (2019 USA) 17.00,

23.15; X-Men: Dark Phoenix 17.40, 20.30; Der

Fall Collini 19.45; Rocketman (OF) 19.50; 3D:

X-Men: Dark Phoenix (OF) 20.20; John Wick III –

John Wick: Chapter 3–Parabellum (OF) 22.30;

Lloronas Fluch 22.45; Das Ende der Wahrheit

23.15

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Atlas 18.00; All

My Loving 20.00; Lords ofChaos (OmU) 22.15;

Lord ofthe Toys 18.00; Das Leben meiner Tochter

19.50; The Wild Boys –Les garcons sauvages

(OmU) 21.40

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Godzilla 213.30;

Aladdin 13.40, 16.40, 20.00, 22.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 13.50, 16.50; Mister Link

14.00; 3D: Aladdin 14.10, 17.15; TKKG 14.15,

16.45; X-Men: Dark Phoenix 14.20; 3D: Godzilla

216.30, 19.30, 22.50; Rocketman 17.00, 20.15;

3D: X-Men: Dark Phoenix 17.10, 20.00, 22.40; 3D:

Avengers: Endgame 19.10; John Wick III 19.40,

23.00; Glam Girls 19.50; Avengers: Endgame

22.10; The Silence 23.00; Friedhof der Kuscheltiere

23.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Das Ende der Wahrheit

14.00; Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 16.00;

Nur eine Frau 18.00; Stan &Ollie 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) TKKG 14.15,

17.30; 3D: Aladdin 14.15, 17.10, 20.00, 22.45;

X-Men: Dark Phoenix 14.20, 17.10, 19.50, 22.50;

Rocketman 14.30, 16.45, 20.15; Aladdin 14.30,

17.45; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.45;

Godzilla 214.50,19.30,22.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.00, 17.30; Avengers: Endgame

16.30, 19.40; 3D: Godzilla 217.00, 22.30; John

Wick III 17.20, 20.00, 22.40; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 20.10, 23.00; Ma–Sie sieht alles 20.20,

23.00; Glam Girls 20.30; Friedhof der Kuscheltiere

23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmU) 17.30; Rocketman (OmU)

19.50,22.30; B NureineFrau 17.15,19.30, 21.45

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Oray (OmU)

17.45; „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in

die Geschichte eingehen“ – „Imi este indiferent

daca inistorie vom intra ca barbari“ (OmU) 17.45;

Zwischen den Zeilen (OmU) 19.45, 22.00; Burning

(OmU) 20.30

Moviemento (✆ 692 47 85) Moonlight (OmU)

10.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

16.15;Blown Away –Music,Miles andMagic(OmU)

18.30; Rocketman (OmU) 21.15; Captain Fantastic

–Einmal Wildnis und zurück (OF) 10.00; Checker

Tobi und das Geheimnis unseres Planeten 14.30;

Roads (OmenglU) 16.30, 18.45, 21.00; Cold War:

Der Breitengrad der Liebe –Zimna wojna (OmenglU)

23.15; Leroy 10.30; Rocketman (OmU) 12.45,

18.00; High Life (OmU) 15.30, 20.45; Climax

(OmU) 23.15

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) AInceput

Ploaia (OmenglU; m. Gästen) 19.00

Sputnik (✆ 694 1147) Sunset Over Hollywood

(OmU) 17.15; Nur eine Frau (OmU) 19.00; Greta

(OmU) 20.45; Border – Gräns (OmU) 22.30; Was

kostet die Welt 17.15; Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmenglU) 19.00; The Artist &The

Pervert (OmU) 20.45; Birds Of Passage: Das grüne

Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU)

22.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Mister Link 14.15; Rocketman

17.20, 20.00; New Nur eine Frau 15.00,

18.50; All MyLoving 16.15, 21.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Mister Link 14.15;

3D: X-Men: Dark Phoenix 14.30, 17.30, 20.30;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45; Aladdin

14.45, 17.00; TKKG 15.00; Avengers: Endgame

16.30; Rocketman 17.15, 20.00; 3D: Godzilla 2

17.15, 20.15; 3D: Aladdin 20.00; John Wick III

20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Rocketman

13.00, 17.45, 20.15; All My Loving 13.15, 18.00;

Stan &Ollie 13.30; Edie 15.30; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 15.45; Glam Girls 15.45; Magie

der Wildpferde 17.45; High Life 20.00; Blown Away

–Music, Miles and Magic 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60)

X-Men: Dark Phoenix 14.00; Godzilla 2 14.00;

Aladdin 14.00, 17.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.10; TKKG 14.30, 16.45; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 14.30; Mister Link 14.30;

Avengers: Endgame 15.15, 19.00; 3D: Godzilla 2

16.30, 19.45, 23.00; John Wick III 16.45, 19.50,

23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.00, 20.00,

23.00; Rocketman 17.00, 20.00, 23.00; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.15; Glam

Girls 19.45; 3D: Aladdin 20.00, 22.45; Ma –Sie

sieht alles 20.15, 22.50; Friedhof der Kuscheltiere

23.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Die sagenhaften Vier –

Marnies Welt 17.00; Los perros (OmU) 19.00; Das

Ende der Wahrheit (OmenglU) 20.45; Der illegale

Film (OmU) 18.00; Under the Tree 19.45; Kleine

Germanen (OmU) 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) New York –New York: Der

Stadtneurotiker –Annie Hall (OmU) 17.30; HKIFF:

Yellowing (OmenglU) 17.30; Magie der Wildpferde

18.00; IndoGerman Film:Bharat(OmenglU)19.30;

New York –New York: So wie wir waren –The Way

We Were (OF) 20.00; HKIFF: IMiss You When ISee

You (OmenglU; m.Gast u.Gespräch) 20.00; HKIFF:

Days After nComing (OmenglU) 22.00; New York,

NewYork (OmU) 22.15; NewYork –New York: Good

Fellas –Drei Jahrzehnte in der Mafia (OF) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Asterix

und das Geheimnis des Zaubertranks 10.30;

Rocketman (OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00,

22.45; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

14.30; Greta (OmU) 16.30; Border –Gräns (OmU)

18.45,23.30; MonsieurClaudeII–Qu‘est-cequ‘on

aencore fait auBon Dieu? (OmU) 21.15

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) X-Men:

Dark Phoenix 11.10, 14.30; Willkommen imWunder

Park 11.10; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

11.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 11.20,

14.45; Aladdin 11.30, 13.30, 16.40, 22.40; TKKG

11.40, 14.20, 17.00; Monsieur Claude II11.50;

Mister Link 12.15, 14.00; 3D: Godzilla 213.40,

16.30, 19.40, 22.50; Avengers: Endgame 14.00;

3D: Aladdin 14.10, 17.10, 19.30; Rocketman

14.30, 17.30, 20.10, 23.00; John Wick III 16.50,

19.50, 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.20,

20.15,23.15; Der Fall Collini 17.40; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.50, 20.20; Glam Girls

20.00; 3D: Avengers: Endgame 20.30, 22.20; Ma

–Sie sieht alles 20.40, 23.15; Greta (2019 USA)

23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Das Familienfoto

–Photo defamille (OmU) 14.30; Roads (OmU)

16.45, 19.00; Der Fall Collini 21.15; High Life

(OmU) 14.45, 21.15; Ramen Shop (OmU) 17.15,

19.15; Berlin Babylon (Omdt+englU) 15.00; Nur

eine Frau (OmU) 17.00; All My Loving 19.15; Burning

–Beoning (OmU) 21.45; Blown Away –Music,

Miles and Magic (OmU) 15.00; Peter Lindbergh

–Women‘s Stories (OmU) 17.30; Burning –Beoning

(OmU) 20.00; Sunset Over Hollywood (OmU)

14.45; Zwischen den Zeilen (OmU) 17.00, 19.15;

TheArtist &The Pervert (OmU) 21.30

International (✆ 24 75 60 11) Rocketman (OmU)

16.15,19.00,21.45

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Salamander

(OmU) 18.30; Wilhelm Dieterle: Liebesrausch auf

Capri –SeptemberAffair (OF) 21.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 14.50,

17.25; X-Men: Dark Phoenix 14.00, 16.50, 20.10;

TKKG 14.00, 17.20; Avengers: Endgame 14.00,

16.30; Godzilla 2 14.05, 16.45, 19.50, 22.45;

Aladdin 14.10, 17.15, 19.50, 22.50; Mister Link

14.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.50;

Dumbo 15.45; Rocketman 16.55, 20.10; John

Wick III 17.10, 20.20, 23.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF)

17.35; 3D: X-Men: Dark Phoenix 19.40, 22.40;Yol

Arkadasim –Mein Weggefährte II (OmU) 19.45; X-

Men: Dark Phoenix (OF) 20.10; Ma –Sie sieht alles

20.25, 23.00; John Wick III –John Wick: Chapter 3

–Parabellum (OF) 23.00; Greta (2019 USA)23.00;

Godzilla 2(OF) 23.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Roads 10.30, 19.20,

23.40; Burning (OmU) 12.30, 21.00; War ofArt

(OmU)15.30; SunsetOverHollywood(OmU) 17.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Roads (OmU) 16.00,

18.20,20.40

Passage (✆ 68 23 70 18) Rocketman (OmU)

18.00, 20.40; Zwischen den Zeilen 18.10, 20.30;

All MyLoving 17.30, 20.00; Roads 16.45, 19.00;

Border 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Burning – Beoning

(OmU) 17.00, 20.15; High Life (OmU) 18.00,

20.30, 22.30; Rocketman (OF) 16.30, 19.00;

Burning –Beoning (OmenglU) 21.30; Aladdin (OF)

16.15, 19.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –

Pokemon Detective Pikachu (OF) 21.40; John Wick

III –John Wick: Chapter 3–Parabellum (OF) 17.00,

19.50

UCILuxeGropius Passagen (✆ 66 68 12 34)Godzilla

214.00; Aladdin 14.00, 17.00, 19.20, 22.30;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.10; Glam

Girls 14.15, 17.15; TKKG 14.30, 16.50; X-Men:

Dark Phoenix 14.40; 3D: Godzilla 216.30, 19.40;

John Wick III 17.10, 20.15, 22.45; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.30, 20.00, 22.50; Avengers: Endgame

19.30; Ma–Sie sieht alles 20.10, 22.40

Wolf (✆ 921 03 93 33) The Wild Boys –Les garcons

sauvages (OmU) 12.00, 23.20; „Mir ist es

egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte

eingehen“ – „Imi este indiferent daca in istorie

vom intra cabarbari“ (OmenglU) 12.20; High Life

(OmU) 14.10, 21.10; Mo &Friese unterwegs (Auf

zu neuen Abenteuern) 16.00; Pippi Langstrumpf

16.20; Liebesfilm (OmenglU) 17.00; Katho Upanishad

(OmenglU) 19.00; Diamantino (OmU) 19.10;

Screening im Studio 6:Von Bienen und Blumen

(OmenglU) 20.00; Burning –Beoning (OmU) 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

wie

lisiert

es aus Berlin

r Farbzauberers

y in der Galerie

eibler

reicht durch die Komposition „positiver“

und „negativer“ Töne, die er

auf Leinwand oder Papier diagonal

aufbaute; keine Perspektive mehr,

keine Schatten, nichts Erzählerisches.

Mit heiterer Sturheit schuf

dieser Maler Bilder in einer Zeit, in

der die amerikanische Pop-Art, Werbung

und Design die deutsche Kunst

zu dominieren und das Leben ironisch

als berechenbar darzustellen

begannen.

Nays Kunst ist das Gegenteil davon:

Die transzendenten Farb-Kombinationen,

die tanzenden Spindel-

Augen setzen sich gerade im Spätwerk

stringent durch. Gottesaugengleich

starren sie einen an und

tanzen über den Rahmen hinaus.

Das Ganze erinnert anden ewigen

Kreislauf von Werden und Vergehen.

Zugleich reagierten diese Bilder auf

den Übergang zum medialen Zeitalter,

auf eine neue Wahrnehmung

durchs Farbfernsehen. Strukturell

durchdacht, malte der alte Nay beinahe

schon, was eine digitalisierte

Welt in unserem Hirn erzeugt.

Weresnicht besser weiß, hält solche

Malerei für dekorativ. Tatsächlich

malte NayAltäre, aufdenen sich

„Späte Bilder“: „Rot -Weiß -Schwarz II“, 1967, Öl auf Leinwand. ERNST WILHELM NAY/VG BILDKUNST BONN 2019

MEIN BILD DER WOCHE

Der Maler: Ernst Wilhelm Nay, geboren

1902 in Berlin, gestorben 1968 in Köln,

war Karl-Hofer-Schüler und wurde nach

1945 zum maßgeblichen Pionier einer

neuen Malerei, die Abstraktion und sinnliche

Anschauung einte.

Die Ausstellung: In der Galerie Aurel

Scheibler,Schöneberger Ufer 71, sind

die „Späten Bilder“ des Wahl-Rheinländers

zu sehen. Bis 29. Juni, Di–Sa 11–18

Uhr.Tel.: 2593 8607

www.aurelscheibler.com

noch einmal der Glaube an das

Schöne und Gute manifestierte. An

das Elementare undUniverselle.Der

Tod, besagte das,sei nicht das Ende,

sondern der Anfang. Ohne Zweifel

war Nayeiner derwichtigsten Nachkriegsmaler

der Bundesrepublik. Auf

der Documenta in Kassel 1964 hingen

seine Bilder nicht an der Wand,

sondern baumelten von der Decke.

Und das erregte heftigen Anstoß.

Einflussreiche Kritiker bezichtigten

ihn der „Klischee-Malerei“. Die

Schelte ließ den Malerund einstigen

Karl-Hofer-Schüler verstummen, er

zog sich zurück ins Kölner Atelier.

Undmalte weiter.

Heute schütteln wir den Kopf ob

dieser fatalen Situation eines Künstlers,

den die Nazis schon als jungen

Maler als „entartet“ verfemten und

mit Ausstellungsverbot belegt hatten.

Längst erkennen wir diesen poetischen

Modernisten als einen Maler

des Wandels, der seine Themen in

Serien erprobte, mutig experimentierte

–und dennoch an der klassischen

Form des Tafelbildes festhielt,

aber mit schwingenden Flächen und

Gebilden, deren Anfang und Ende

im Unerforschlichen liegen.

Pop

Wieder

alles

klar

Auftritte des Gesamtkunstwerks,

das den Namen

UdoLindenbergträgt, wurden

zuletzt auf die Erzeugung großer

Gala-Gefühle ausgerichtet.

Freunde gingen zum gemeinsamen

Musizieren auf hohe

See oder kamen auf einen Abstecher

ins Hamburger Hotel

Atlantic vorbei. Lindenberg

war immer einer,der sich gern

mit Gästen umgab.Schon früh

hat er zur stimmlichen Unterstützung

Eric Burdon hinzugezogen,

der demnächst übrigens

auf große Abschiedstournee

geht. „We gotta get out of

this place“. Sangeskunst ist allerdings

keine unbedingteVoraussetzung

für die Aufnahme

in den Lindi-Club. Sogab es

auch schon einmal ein Duett

mit Maria Furtwängler alias

„Tatort“-Kommissarin Charlotte

Lindholm. Wer da die

Nase rümpft, dem sei gesagt,

dass UdoLindenberg stets ein

besonderes Gespür für junge

Talente hatte. HarryNutt

UdoLindenberg,20Uhr,Mercedes-

Benz-Arena, Mercedes-Benz-Platz 1

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

11.00: Bunte Töne, HipHop-Show(ab 6J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Kasper und das Wahrheitstuch, Puppentheater

Böhmel,

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00: DieBremer Stadtmusikanten -Mitspieltheater

(ab 4J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.00: Das Nacktschnecken-Game (ab 12 J.)

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Ferdinand,der Stier (ab 4J.)

Schillertheater-Werkstatt (Bismarckstr.110)

10.00: Normen, Normen, Normen, Tanztheater (ab

14 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Beppos Abenteuer im Meer dersingenden

Fische, Theatro Baraonda, Clown und Musik (ab 3

bis 8J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00 Bühne 3: Die BieneimKopf (ab 7bis 11 J.)

10.00: DieUnbehausten -Das Battle um die Stadt

(ab 11 bis15J.)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Kinder spielen für Kinder:Das tapfere Schneiderlein,

Märcheninszenierung (ab 2J.). Anm. erf.

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

9.30: Raumschiff Erde

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

19.00: CreativeWriting Group,

Freizeitforum Marzahn (✆ 542 70 91)

19.00: „Heißer Sommer“, Konzertlesung mit Christine

Dähn und Thomas Natschinski zum50. Geburtstag

des Kultfilms

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: Sie sind hinter dir (her) -Wahrheit undVerschwörung,Jan

Skudlarek, Mod.: TomBresemann

Theater o.N. (✆ 440 92 14)

20.00: Literatursalon am Kollwitzplatz, Irene

Moessinger,EkkeMaaß, Lesung und Gespräch, Mod.:

Martin Jankowski

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 Roter Salon: Mein Zimmer im Hausdes Krieges.

351 Tage gefangen in Syrien, Janina Findeisen,

Lesung und Gespräch, Mod.: Christoph Dreyer

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: „Nudel im Wind“ plus Best of bisher,Jürgen

vonder Lippe

KONZERT

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Alt.Klug

Auster Club (✆ 611 33 02)

20.00: Tempi Passati, support: The Hot Hands

b-flat (✆ 283 31 23)

21.30: Jörg Miegel Quintett feat.SahrinRezai (voc) &

James Scanell(cl, sax)

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Bouncen? Vol. 08 mit 2Ersitz und MakeA

Move

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Chamberlain

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Okta Logue +Mudwell (Retro, 60s)

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: So oder so ist das Leben -Lieder vondamals

bis heute: Gabriel Weber und Peter A. Rodekuhr

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

19.00: The Flavians, Me &the Monster,Strand Child,

Summer Say

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

23.59: Fire Fete: Mr.Killa

Junction Bar (✆ 6946602)

22.00: m!co,Balu &Salam

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: StillCorners

Mercedes-Benz Arena (✆ 20 60 70 88 99)

20.00: Udo Lindenberg

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30: Alien Weaponry

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

18.45: Phil Collins, Still not dead yet

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.30: Orania.Jazz: Igor Osypov(g), Yonatan Levi (b),

UgoAlluni (dr)

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Ex Hex, Berthold Seliger

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.00: SouthernAvenue

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: The ACDC’s

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Maria Baptist Orchestra

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Hatehug +Gall

Supamolly (✆ 29 00 72 94)

21.30 Veranstaltungsraum:Molly Punch /Lego/The

Inserts, GrrrlzGang @Supamolly

Theater Adlershof (✆ 23 93 45 79)

19.00: It’sSwing Time: Lutz Thase &Matthias

Marquardt

Theater Coupé (✆ 902 91 67 03)

18.00: Alexander Gutmann, Alexandra Julius Fröhlich,

Andrej Ur,Shpil, shpil, Klezmer shpil ...

Tommy-Weisbecker-Haus (✆ 251 85 39)

21.00 Schicksaal: The Bighead,PortRoyal, Offbeat

Xplosion

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Sabra Lopes(Gesang), Alina Pronina (Klavier),

Ansgar Spratte (Percussion),Mascha -Ein Liederabend

in Himmelgrau, Autor/in: Mascha Kaleko

Sandro Fusati;Sabra Lopes;Alina Pronina

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: The Fleshtones +The Smokin 44s

Yaam (✆ 615 13 54)

20.00: The Garifuna Collective

22.00: Sir David Rodigan, Exile Di Brave

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.15: Joel Expansion feat. Eldar Tsalikov

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

20.00: Citadel Music Festival: The Piano Guys

CLUB

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.59Panorama Bar:Finest Friday,Recondite (live),

Marcus Worgull, Roland Appel, Tijana T

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

23.00: Carneval Weekender (Dancehall &HipHop)

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

22.00: Rebel Yell -Lovethe 80s!, DJ Hey, my

Commander

Lido (✆ 69 56 68 40)

23.30: Let’sDance to JoyDivision -The Early Days

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: Roller Skate Disko-Berlin Roller Jam opening,Rollers

HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

SurpriseClub (✆ 017 23 83 06 53)

22.00: Afro &Black

Wilde Renate (✆ 26 94 86 91)

23.55: Renates Heimkinder /w.Techtakel +Freudentaumel

Floors, Patryk Molinari, Dachgeschoss,

Schmitzkatzki, Kevin Beyer, Chris Hanke,Marcii

Moto, Maik Gyver,Patrick Muschweck, Jack Jenson,

Swam:Thing

BALLROOM

Haus der Sinne (✆ 44 04 91 55)

21.30: Tangobar

Strandbar Mitte (Monbijoustr.3)

20.00: Swing,Evan&friends

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Mister Link

15.30; Rocketman 17.30, 20.15; Aladdin 16.15,

19.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Rocketman

15.00, 17.40, 20.20; Mister Link 14.00; Zwischen

den Zeilen 16.00, 18.20; Burning 20.40; Aladdin

14.00, 16.45, 19.30; All My Loving 15.15, 20.00;

Nur eine Frau 17.45; TKKG 14.00, 16.15; Roads

18.30; High Life (OmU) 20.50

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Rocketman 13.45, 16.45, 19.45; Tea with the

Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag (OmU)

13.50; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.50,

17.20; Edie 14.00; Aladdin (OmU) 14.15, 16.30,

19.30, 22.30; Zwischen den Zeilen 14.20, 20.15;

Nur eine Frau 14.30, 19.00; TKKG 14.50, 17.15;

Avengers: Endgame (OmU) 16.00, 20.00; Das Leben

meiner Tochter 16.30; Das Ende der Wahrheit

17.00, 22.45; Burning 17.00, 19.40; Der Fall Collini

19.30; All My Loving 20.00; High Life (OmU)

21.30; Burning (OmU) 22.20; Rocketman (OmU)

22.40;Van Gogh –AtEternity‘s Gate (OmU) 22.50;

The Hole in the Ground (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Urfin: Der Zauberer von

Oz 15.45; Orangentage 17.15; Kalte Heimat –Leben

im nördlichen Ostpreußen (OmU) 19.00; „Mir

ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte

eingehen“ –„Imi este indiferent daca in istorie vom

intra cabarbari“ (OmU) 21.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.15; Aladdin 14.15, 17.05; Rocketman

14.20, 17.05, 20.00, 22.45; Godzilla 2 14.20,

19.45; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.25;

TKKG 14.30, 16.55; Mister Link 14.35; Glam Girls

14.50, 17.05; Avengers: Endgame 15.00, 19.00;

John Wick III 16.40, 19.40, 22.40; 3D: Godzilla

216.40, 22.45; 3D: X-Men: Dark Phoenix 16.50,

20.00, 22.45; Ma –Sie sieht alles 17.10, 19.40,

22.35; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.20, 19.55; 3D: Aladdin 19.20, 22.45; 25 km/h

19.40; Roads 19.55; 3D: Avengers: Endgame

22.15; Sneak Preview 22.45; Friedhof der Kuscheltiere

22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Aladdin

13.30, 16.30; Mister Link 13.50; Rocketman

13.55, 17.10, 19.30; Royal Corgi 14.00; TKKG

14.05, 17.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.10; 3D: Aladdin 14.10, 17.15, 19.40, 22.30;

3D: Godzilla 214.15, 16.15, 19.50, 22.50; Avengers:

Endgame 16.10, 21.50; John Wick III 16.40,

19.45, 23.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

16.45; 3D: X-Men 17.20, 20.15, 23.10; Glam

Girls 19.20; 3D: Avengers: Endgame 20.00; Monsieur

Claude II20.10; Ma –Sie sieht alles 20.30,

23.05; Greta(2019USA)22.40; The Silence23.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Der Fall Collini 15.00; Monsieur Claude II18.00,

20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Der Flohmarkt von Madame

Claire 18.00; Das Ende der Wahrheit 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Rocketman (OmU) 15.00,

17.45,20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Nur eine Frau 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) TKKG

10.00, 12.15, 14.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00, 12.20, 14.45; Godzilla 210.00,

13.05, 16.15; Aladdin 10.00,13.15,16.25,19.30,

23.00; X-Men: Dark Phoenix 10.30, 14.40, 17.30;

Mister Link 12.40; John Wick III 17.00, 20.00,

23.00; Rocketman 17.20, 20.15; 3D: Godzilla 2

19.30, 22.45; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.15,

23.00; Avengers: Endgame 22.30

Kino im KulturhausSpandau (✆ 333 60 81) Monsieur

Claude II16.00; Der Fall Collini 18.00; Van

Gogh 20.15; Astrid 21.30

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Rocketman 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

TKKG 10.00, 12.15, 14.45, 17.10; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 10.00, 12.15, 15.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00,14.00,17.30,

23.00; Mister Link 10.00,12.30;Avengers: Endgame

10.00, 16.00, 19.20, 22.35; Aladdin 10.00,

13.05, 14.15, 16.40, 19.50, 23.00; X-Men: Dark

Phoenix 10.30, 13.30, 16.30; Asterix und das Geheimnis

des Zaubertranks 12.00; Godzilla 212.45,

17.15; John Wick III 16.10, 19.50, 22.55; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 19.30, 22.30; 3D: Godzilla 2

19.55, 23.00; Preview: The Dead Don‘t Die 20.00;

Ma –Sie sieht alles 20.25,23.15

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) 3D: X-Men:

Dark Phoenix 15.15,17.45, 20.30; Aladdin 15.15,

17.45, 20.30; TKKG 15.30,18.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.45; Rocketman 18.00,

20.30; Sneak Preview 20.15; John Wick III 20.30;

Godzilla 220.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical History Tour:

Alexander Newsky (OmenglU) 19.30; Ogawa: Hare

To Ke –Das Besondere und der Alltag (OmenglU;

m. Gast) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 12.25, 14.00,

22.10; Aladdin 12.30, 13.30; Willkommen im Wunder

Park 12.40; Dumbo 13.00; Zwischen den Zeilen

13.20, 16.20, 19.10; Der Junge muss an die frische

Luft 13.20; Avengers: Endgame 13.20,16.00,

19.00, 22.00; Rocketman 13.30, 16.50, 20.00,

23.00; Godzilla 213.30; Die Goldfische 13.30;

Edie 13.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

13.50; TKKG 14.00, 17.30; Mister Link 14.00,

15.00; X-Men: Dark Phoenix 14.10; Monsieur Claude

II 14.20, 19.20; Der Flohmarkt von Madame

Claire 15.00; Roads 16.00; Glam Girls 16.20,

20.15, 22.50; Bohemian Rhapsody 16.20, 22.10;

All MyLoving 16.20; Van Gogh 16.30; 3D: Godzilla

216.30, 19.40, 23.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.40, 19.45; High Life 16.40; 3D:

Aladdin 16.40, 19.50, 23.00; Ma –Sie sieht alles

16.50, 19.40, 22.30; John Wick III 17.00, 19.30,

22.50; Burning 17.00, 20.30; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.20, 20.30, 22.30; 3D: Avengers: Endgame

17.45, 20.30; Green Book –Eine besondere

Freundschaft 19.10; Der Fall Collini 19.20; After

Passion 19.40; Nur eine Frau 20.10; Greta (2019

USA) 20.10; The Silence 22.30; Escape Room

22.30; Lloronas Fluch 22.40; Wir 22.50; Captain

Marvel 22.50

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –Pokemon Detective

Pikachu (OF) 13.30; Aladdin (OF) 13.30,

17.15; 3D: Aladdin (OF) 13.30, 16.30, 20.15,

23.15; Rocketman (OF) 13.40, 16.40, 19.45,

22.50; 3D: Godzilla 2(OF) 13.40, 16.30, 19.40,

22.50; Avengers: Endgame (OF) 13.40, 20.15; X-

Men: Dark Phoenix (OF) 14.20; 3D: Avengers: Endgame

(OF) 16.15, 22.15; John Wick III (OF) 16.45,

19.55, 23.10; 3D: X-Men: Dark Phoenix (OF)

17.40,20.15, 23.15; 3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF) 17.40,

20.30; Glam Girls–TheHustle(OF)19.35; Ma –Sie

sieht alles (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 12.00; 3D: X-Men:

Dark Phoenix (OF) 13.15, 16.20, 19.30; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 22.40

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Mirai: Das Mädchen

aus der Zukunft –Mirai no Mirai (OmU) 19.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) TKKG 14.00, 16.00; Aladdin

14.00, 17.00, 20.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.30, 18.00; X-Men –Der Film 15.00,

17.30; Mister Link 15.00; Rocketman 16.30,

21.00; Godzilla 2 17.30; Ma – Sie sieht alles

19.00, 22.45; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.00,

22.30; 3D: Godzilla 220.00, 22.30; John Wick III

20.15, 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Der Flohmarkt von

MadameClaire 16.30;Das Familienfoto18.30; Die

Unberührbare 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

TKKG 14.00, 17.10; 3D: Godzilla 214.00, 17.00,

20.00, 22.45; X-Men: Dark Phoenix 14.10; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.10; Rocketman

14.20, 17.15, 19.35, 22.45; Mister Link 14.30;

Aladdin 14.30, 17.00; Avengers: Endgame 15.45,

19.50; 3D: Aladdin 16.20, 19.50; John Wick III

16.45, 20.00, 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.10, 20.15, 23.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.25; 3D: Avengers: Endgame 19.20,

22.30; Ma –Sie sieht alles 20.15, 23.10; Glam

Girls 20.15, 23.10; Friedhof derKuscheltiere23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 0311) X-Men:

Dark Phoenix 14.00, 17.00; TKKG 14.00, 17.20;

Godzilla 214.15, 16.30; Aladdin 14.20, 17.30,

19.50, 22.50; Willkommen imWunder Park 14.30;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.30, 17.00;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.50; Rocketman

16.50; John Wick III 17.00, 19.40, 22.50;

Avengers: Endgame 19.40; 3D: Godzilla 219.50,

23.00; Yol Arkadasim –Mein Weggefährte II (OmU)

20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.00, 23.00; Ma

–Sie sieht alles 20.30, 23.00;X-Men:DarkPhoenix

(OF) 23.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Johannes Grützke –

Der Maler aus Berlin 18.00; Liebesfilm 21.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Derkleine Maulwurf

(1963-1975) 10.30; Rocketman 14.30, 17.15,

20.00; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

9.15; TKKG 12.00, 14.15, 16.30; Premiere: Mikoshi

Guy (OmenglU) 19.00; Das Familienfoto 21.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Lord ofthe

Toys 15.30; All My Loving 18.00; Roads (OmU)

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Stan &Ollie

15.15; Nur eine Frau 18.00; Roads 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Immenhof –Das Abenteuer

eines Sommers 16.00; Der Funktionär 18.00; Wie

ich lernte,bei mir selbst Kind zusein 20.30

Capitol (✆ 8316417) All My Loving 15.30, 20.30;

Nur eine Frau 18.15

FREILUFTKINOS

Freilichtbühne Weißensee (✆ 24 72 78 01) Shoplifters:

Familienbande – Manbiki kazoku (OmU)

21.45

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 46 03) Der Fall

Collini 21.45

Freiluftkino Kreuzberg Vice – Der zweite Mann

(OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge Der Goldene Handschuh

21.30

Open-Air-KinoSchlossparkBiesdorf (✆ 998 74 81)

Bohemian Rhapsody 21.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Film und Musik(TheVirgin Spring:filminsoundscinematic

concert) 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Berliner

Kurzfilmrolle (DFmenglU) 21.30

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (✆

89 37 14 31)Green Book –Eine besondere Freundschaft

(OmU) 21.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 8112) Film

ohne Streifen: Tuvalu 17.00; Corinna Schmidt (m.

Einführung) 19.00; 25 km/h 21.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) TKKG

13.00, 15.00; Aladdin 13.45, 18.30, 21.00; Edie

14.00; Mister Link 15.00; Magie der Wildpferde

16.15; Das Geheimnis der Bäume 16.30; All My

Loving 17.00; High Life 17.15; Rocketman 18.15,

20.45; Die rote Linie –Widerstand imHambacher

Forst (m. Gast) 19.30; Burning 20.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Godzilla 213.45, 16.40; Aladdin 13.45, 16.50;

TKKG 14.00, 17.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.00, 23.00; X-Men: Dark Phoenix 14.15;

Glam Girls 14.15, 20.15; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 14.30; Avengers: Endgame 15.45,

19.55; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

16.35; John Wick III 16.45, 19.40, 23.00; 3D:

X-Men 17.00, 20.00, 23.00; Rocketman 17.00,

20.00, 23.00; 3D: Godzilla 219.30, 23.00; 3D:

Aladdin 19.45, 23.00; Ma 20.15, 22.45

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Rocketman

16.45, 19.30

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Stan &Ollie 17.15; Nur eine Frau 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.30; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.30; 3D: Godzilla 214.30, 17.00, 20.15,

23.15; 3D: Aladdin 14.30, 17.25, 20.20, 22.40;

Mister Link 14.45; Glam Girls 14.45, 20.00; TKKG

15.00, 17.40; Aladdin 15.00, 16.45; 3D: Avengers:

Endgame 15.15, 19.30; Avengers: Endgame

17.00,22.30;Rocketman 17.10, 20.30; John Wick

III 17.15, 20.15, 23.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.30, 20.00, 23.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.50, 20.00, 23.00; Der Fall Collini

20.10; Ma–Sie sieht alles 20.45, 23.20; The Silence

23.30;Greta (2019 USA) 23.30; Friedhofder

Kuscheltiere 23.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Aladdin

15.15, 17.30; 3D: X-Men: Dark Phoenix 15.15,

18.00, 20.30; TKKG 15.15; Rocketman 17.45,

20.30; Sneak Preview 20.15; 3D: Aladdin 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Aladdin 14.30, 17.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.45; X-Men: Dark Phoenix 15.00; TKKG

15.15, 17.30; Godzilla 217.05; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.45, 20.15, 22.50; 3D: Aladdin 19.30;

3D: Godzilla 219.45, 22.45; John Wick III 20.00,

23.00;Avengers: Endgame 22.15

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Aladdin 16.50; 3D: Aladdin 19.00; Glam Girls

21.10

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.30; Aladdin 16.30,

19.30; X-Men: Dark Phoenix 17.45; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 20.15

KammerspieleKleinmachnow (✆ 03 32 03/847584)

Der Flohmarkt von Madame Claire 19.00; Stan &

Ollie 21.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019

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Netzwerk

UPGRADE

Traum vom

Wohnzimmer

auf Rädern

VonAdrian Lobe

Wenn man im Auto die Zieleingabe

per Sprachbefehl diktiert,

kann es mitunter vorkommen, dass

der Computer den Menschen nicht

versteht. Die Sprachsteuerung, die

Autohersteller selbst entwickeln, ist

meistens noch nicht so ausgereift,

dass sie jedes Ziel mühelos erkennt.

DieDomäne der Autobauer ist traditionell

die Hardware, nicht die Software.

Tech-Konzerne wie Google,

Apple oder Amazon sind schon ein

paar Schritte weiter: Mit ihren

Sprachassistenten und Betriebssystemen

drängen sie ins Auto.

Seit vergangenem Jahr kommen

alle Neuwagen von BMW mit Amazons

Sprachassistentin Alexa auf

den Markt. Der Fahrer kann per

Sprachkommando Wegbeschreibungen

abrufen, Kaffee bestellen

oder das Garagentor öffnen. Fragt

der Fahrer „Alexa, wie ist das Wetter?“,

sagt die virtuelle Wetterfee das

Wetter an. Auch andere Automarken

wie Toyota, Audi, Ford und Seat

haben Alexa in ihre Infotainment-

Systeme integriert. Die US-Plattformökonomie

hat mittlerweile im Automobilsektor

eine Dominanz erreicht,

die so manchem Konzernstrategen

in Wolfsburg oder Detroit

Sorgen bereitet.

Amazon will seine Sprachsteuerung

zur Schaltzentrale im Internet

der Dinge machen: Egal, ob im Auto

oder zu Hause –Alexa soll stets zu

Diensten sein. Zahlreiche Geräte

sind bereits mit Alexa kompatibel:

von der Mikrowelle über den Kühlschrank

bis hin zur Gardinen- und

Heizungssteuerung. Alles wird mit

allem vernetzt.

Dass Tech-Konzerne ihre SoftwareinAutos

installieren, hat weniger

mit der Sicherheit der Handsfree-Bedienung

zu tun als vielmehr

damit, dass durch die zunehmende

Automatisierung des Fahrens der

Fahrer immer mehr Zeit für andere

Dinge hat: zum Beispiel einzukaufen.

Assistenzsysteme wie Bremsoder

Spurhalteassistenten nehmen

dem Fahrer heute schon jede

Menge Aufgaben ab. Wenn sich

künftig das hoch- oder vollautomatisierte

Fahren (Level 3und 4), wo

der Fahrer das System nicht dauerhaft

überwachen muss, oder das

fahrerlose Fahren (Level 5) durchsetzt,

hat der Insasse noch mehr

Zeit für Konsum. Google könnte unterwegs

personalisierte Werbung

ausspielen – damit verdient der

Konzern das meiste Geld. Der

Traum der Industrie ist schon längst

ein Wohnzimmer auf Rädern, in

dem der Bewohner konsumiert.

Was noch dazu kommt: Autos

speichern jede Menge Daten. Die

Frage ist, wo diese Fahrdaten nebst

Sprachaufzeichnungen landen, wie

sicher die Daten sind und werdarauf

Zugriff hat. Bei BMW werden Alexa-

Anfragen Berichten zufolge zuerst an

BMW-Server und dann an Amazon-

Server weitergeleitet. Niemand weiß,

was die Mikrofone sonst noch so alles

mithören.

WemDatenschutz wichtig ist, der

sollte sein Fahrziel wohl besser manuell

eingeben –oder auf Sprachassistenten

beim Fahren ganz verzichten.

Adrian Lobe

fährtgar nicht so

gerneAuto.

Das futuristische Kunstprojekt „Sonic Runway“prägte im Vorjahr den Blick auf das Rathaus von San José.

Heimat der Giganten

Wasbringt die Zukunft? San José gilt als die Hauptstadt des Silicon Valley.Ein Ortstermin

VonJörg Hunke

Mitten im Zentrum von

Downtown San José

steht ein Tech-Museum.

So geht es

schon mal los.Also kein historisches

Rathaus, auch kein klassizistischer

Kirchenbau oder eine kolossale Statue.Nicht

so ein alter Kram, sondern

einfach ein funktionaler Betonklotz,

in dem es um digitale Innovationen,

um Robotertechnik und Projekte für

den Umweltschutz geht.

Zahl der Obdachlosen steigt

San José, das ist die Hauptstadt des

Silicon Valley. Viele glauben ja, dass

das SanFrancisco sei, weil dortSteve

Jobs beispielsweise das erste iPhone

präsentierte und Twitter seinen Firmensitz

hat. Aber die hohe Konzentration

an Technologie- und Computer-Unternehmen

rund um San José

hat die Stadt zum Zentrum des Silicon

Valleys gemacht. Zu ihren Präsentationen

(Facebook) oder Entwicklerkonferenzen

(Apple) laden

die Tech-Giganten nach SanJosé ein.

In den vergangenen Tagen hat

Apple-Chef Tim Cook im McEnery

Convention Center an die Bedeutung

des Datenschutzes erinnert.

Einer der berühmtesten Bürger

der Stadt ist SteveWozniak, er hat zusammen

mit Steve Jobs Apples ersten

Personal Computer auf den

Markt gebracht. Wozniak gehört zu

den großen Förderern der jungen

Nerds, den Aufbau des Tech-Museums

hat er finanziell unterstützt und

das Children’s Discovery Museum, in

dem Kinder lernen sollen, die Welt

derWissenschaft zu entdecken, wäre

ohne seine Spenden kaum entstanden.

Das Gebäude liegt in Downtown

direkt an der Straße, die nach

ihm benannt wurde: WozWay. Und

jedes Jahr organisiert ermit seinem

Team die„SiliconValley Comic Con“,

dann kommen die Größen aus der

Science-Fiction-Welt zusammen

und prophezeien bessere Zeiten

oder den Untergang der Welt – je

nach Gefühlslage. Indiesem Jahr ist

das Festival fürAugust geplant.

Seit Jahrzehnten gilt die Region in

Kalifornien als Tempomacher im

weltweiten Wettlauf um digitale Innovationen

–inSan José istzuerkennen,

wohin die Entwicklung der

Einwohner: San José ist

nach Los Angeles und San

Diegodie drittgrößte Stadt in

Kalifornien. Nach Schätzungenleben

etwa eine Million

Menschen in der Stadt. In

der Liste der teuersten

Städte der USA wird San

José auf Platz sieben geführt.

Weltstädte führen könnte.Selbstfahrende

Autos bestimmen allerdings

auch hier nicht den Straßenverkehr,

nur gelegentlich sind einige High-

Tech-Fahrzeuge zu Testzwecken in

der Umgebung zu sehen.

Es sind vorallem die auch in Berlin

diskutierten elektrischen Tretroller,

mit denen Studenten durch

das Univiertel sausen. Als andere

Städte noch zweifelten, erteilte die

Stadtverwaltung schon die Genehmigung.

Aufden Bürgersteigen werden

die Geräte irgendwann abgestellt.

Damit die Fußgänger noch

Platz haben, hat die Stadtverwaltung

die Zahl der Anbieter auf drei

begrenzt.

Weresschon geschafft hat im Silicon

Valley, der fährt Tesla. Nirgendwo

ist die Dichte der eleganten

Sportwagen so groß wie in der Stadt,

die zu den reichsten der USA gehört.

Wasauch bedeutet: Kampf um den

Wohnraum. DieVerdrängung geht so

EINE DER TEUERSTEN METROPOLEN

Geschichte: Die Stadt

wurde am 29. November

1777 gegründet und provitierte

auch vomGoldrausch

im 19. Jahrhundert. San

José gilt mit seinen knapp

200 Ethnien als Musterbeispiel

erfolgreicher Integrationspolitik.

Tech-Standort: Der bekannteste

Bürger der Stadt ist

Apple-Mitbegründer Steve

Wozniak. Er fördertTechnik-

Museen wie „The Tech Interactive“.

Außerdem haben

Firmen wie eBay, Cisco und

Adobe Inc. ihren Hauptsitz in

San José.

Steve Wozniak präsentiertimTech-Museum historische Apple-Computer.

IMAGO

weit, dass selbst auf dem Farmer

Market der Küstenstadt Santa Cruz,

etwa 30 Meilen entfernt, die Händler

klagen, dass das Leben in der Region

unbezahlbar geworden sei. Wenn einige

ihre Sachen am Ende des Arbeitstages

zusammenpacken, wissen

sie, dass sie bei Freunden in der

Bergen oder in ihren Autos übernachten

werden.

Sam Liccardo, der Bürgermeister

von San José, hat das Thema Wohnungsnot

und Obdachlosigkeit zur

Chefsache erklärt. In einem Posting

schrieb er Anfang des Jahres über die

Suche nach Unterkünften für Obdachlose:

Kaum hat jemand ein Zuhause

gefunden, muss irgendwo anders

jemand seine Wohnung verlassen.

In den vergangenen Wochen

wurden die neuesten Zahlen veröffentlicht:

6272 Obdachlose sind es

zurzeit, fast 2000 mehr als vor zwei

Jahren. An der Universität gab es vor

Monaten einen Streit um Stellplätze

GETTY IMAGES/NICOLAS MCCOMBER

in einem Parkhaus. Die Studentenvertreter

wollten Kommilitonen ermöglichen,

auf festgelegten Plätzen

in ihren Autos zu übernachten.

Gentrifizierung, das Auseinanderdriften

zwischen Arm und Reich

hat in SanJosé allerdings nicht dazugeführt,

dass ein großes Google-Projekt

gescheitertist.Der Technologie-

Konzern will in der Nähe des Bahnhofs

Diridon Station einen großen

Gebäudekomplex errichten und hat

dafür auch Baulandvon derStadt gekauft.

Die Stadt-Verwaltung, erzählt

eine Mitarbeiterin, hat die Öffentlichkeit

von Anfang an in die Entscheidungsprozesse

mit einbezogen,

es gab viele öffentliche Sitzung,

um Transparenz herzustellen.

Black-Power-Geste der Sportler

Die meisten Mitarbeiter der Tech-

Giganten werden an der örtlichen

Universität ausgebildet. Die Studenten

kommen morgens auf dem Weg

zu den Hörsälen an einer Statue vorbei,

die an einen der politischsten

Momente in der Geschichte der

Olympische Spiele erinnert. Olympiasieger

Tommie Smith und Bronzemedaillengewinner

John Carlos

streckten bei der Siegerehrung ihre

Fäuste in den Abendhimmel. Weltweit

machten sie mit ihrer Black-

Power-Geste auf Rassismus in den

USA aufmerksam. An der Hochschule

wurden die Sportler nach ihrerRückkehrgefeiert.

Für die Präsidentin der Universität,

Mary A. Papazian, ist die Geste

eine Verpflichtung, Grenzen zu

überwinden. In der Tech-Welt geht

es ihr um die Gleichberechtigung

der Frauen. IhrAnsatz: Siewill junge

Studentinnen, die sich –wie Statistiken

zeigen –eher für Medizin oder

Biologie begeistern, mit Programmierern

zusammenbringen, damit

sie gemeinsam an Lösungen arbeiten,

die der Umwelt helfen und die

Gesundheit fördern. So sollen die

Frauen ein Verständnis für die Tech-

Branche erhalten und die Ingenieure

vom Wissen der jungen

Frauen profitieren.

Jörg Hunke staunte über

das internationale Leben

vorallem in Japantown.

Lieferung per

Drohne bald

möglich

Amazon berichtet von

technischen Fortschritten

Der weltgrößte Onlinehändler

Amazon hat eine Lieferdrohne

vorgeführt, die schon in einigen Monaten

die ersten Pakete zustellen

soll. Dasvollautomatische und vollelektrische

„Prime Air“-Fluggerät soll

zunächst testweise kleine Haushaltswaren

wie Zahnpasta oder Rasierer

liefern, kündigte der Konzern bei einer

Tech-Konferenz in Las Vegas an.

Vorrund fünf Jahren hatte Amazon-Chef

Jeff Bezos erste Pläne für

die Lieferung mit autonom fliegenden

Drohnen und einen Prototyp

vorgestellt, zwei Jahre später folgte

ein weiteres Modell. Das nun erneut

optimierte Modell soll jetzt zügig in

den Praxiseinsatz gehen.

Das jetzt vorgeführte Gerät kann

gut 24 Kilometer weit fliegen und bis

zu 2,3 Kilogramm schwerePakete innerhalb

von 30Minuten zustellen.

Beider Entwicklung habe man große

Fortschritte in Sachen Effizienz, Stabilität

und Sicherheit gemacht, betonte

der zuständige Manager Jeff

Wilke bei dem Event im US-Bundesstaat

Nevada. Die Drohne verfügt

über sechs statt der standardmäßigen

vier Rotoren, was für mehr Stabilität

auch bei windigem Wetter sorgen

soll. Das Fluggerät kann demnach

vertikal wie ein Hubschrauber

bei Start und Landung fliegen. Es

kann sich aber auch wie ein Flugzeug

aerodynamisch fortbewegen

und bruchlos zwischen den beiden

Modi wechseln.

Für den sicheren Flugverkehr,der

laut Wilke den Kunden besonders

am Herzen liege, seien die Drohnen

unter anderem mit optischen Sensoren

ausgestattet. Mithilfe Künstlicher

Intelligenz seien sie so in der

Lage, von oben bewegliche Objekte

wie Menschen oder Tiere zuerkennen

und autonom darauf zu reagieren.

Selbst Wäscheleinen, Stromleitungen

oder Telefonkabel, die sonst

eine der größten Herausforderungen

bei Flügen in geringer Höhe seien,

würden mit der Technik problemlos

erkannt.

Amazon machte keine Angaben

dazu, wo der„Prime Air“-Service starten

soll. Bisher wurde er in Großbritannien

getestet, wo 2016 die erste

Lieferung damit erfolgte. Ein Kunde

hatte dort einen „Fire-TV“-Videostreaming-Stick

und eine Tüte Popcorninnerhalb

von13Minuten nach

Abgabe seiner Bestellung erhalten,

wie Firmenchef Jeff Bezosdamals bei

Twitter verkündete. Parallel zu den

Drohnen testet Amazon derzeit in

Seattle auch kleine Lieferroboter, die

auf Gehwegen fahren können. (dpa)

AUSDER REDAKTION

Berlin Mitte,

der Podcast

von

Jochen Arntz

Freitags

ab sechs

Jetzt gibt’s unter www.berliner-zeitung.de

auch was zum Hören –direkt

aus der Chefredaktion. „Berlin

Mitte“ heißt der Podcast, in dem ich

Ihnen jeden Freitag ab sechs Uhr

morgens Neues aus der Redaktion

und Neues aus Berlin präsentiere.

Diesmal spreche ich mit dem Kollegen

Ulrich Paul über die Planungen

des Senats,fünfJahrelang Mieterhöhungen

zu vermeiden.

Wirhören uns,

Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur

bei Twitter @JochenArntz


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 27

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß

denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für

HG)Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm der Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Die Tierärzte –Retter mit Herz 17.00 (für HG)

Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für

HG) Quizduell 18.50 (für HG) Quizduell 19.45

(für HG) Wissen vor acht –Werkstatt 19.55 (für

HG) Börse vor acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Zimmer mit Stall –Tierisch

gute Ferien TV-Komödie,D2019

Mit Aglaia Szyszkowitz, Friedrich von

Thun, Carolin Garnier u.a.

Regie: Ralf Huettner

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort Der Wüstensohn

TV-Kriminalfilm, D2014

Mit Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl,

Samir Fuchs u.a.

23.30 (für HG) Schutzpatron. Ein

Kluftingerkrimi TV-Kriminalfilm, D’16

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal. Moderation: Sükrü Pehlivan

15.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus

16.00 Vorher Nachher –Dein großer Moment.

Mit Janine Kunze 17.00 Freundinnen –Jetzt

erst recht 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Let's Dance

Dance-Show

Jury: Joachim Llambi, Motsi Mabuse,

Jorge González

Moderation: Victoria Swarovski, Daniel

Hartwich

23.15 Exclusiv spezial Let's Dance

Moderation: Frauke Ludowig

0.00 Nachtjournal

0.30 Willkommen bei Mario Barth

Gäste: Silbermond,Fernanda Brandao,

Maxi Gstettenbauer

Moderation: Mario Barth

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR stürmt, Marienbad, fällt dem Draufgängerein Franzensbad, Dolch Karlsbad in Arte

14.00 (für HG) MDR umzwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR

um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.50 (für HG) Gedanken zu Pfingsten

18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für HG)

MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50

(für HG) Elefant,Tiger &Co. 20.15 (für HG)

Die Schlager des Monats Mai 21.45 (für HG)

Aktuell 22.00 (für HG) Riverboat 0.00 MDR

Kultur –Filmmagazin 0.15 (für HG) Mankells

Wallander. TV-Kriminalfilm, S/D 2013 1.45

(für HG) Realitäten –von jeder ein bisschen

Bayern

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Abendschau –Der Süden

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Unser Land 19.30

(für HG) Landgasthäuser Alpenküche 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Hubert

und Staller 21.00 (für HG) Die Bergpolizei –

Ganz nah am Himmel 21.55 (für HG) Rundschau

Magazin 22.10 (für HG) Bayerns beste

Witze 22.55 Die vier Söhne der Katie Elder.

Western, USA 1965 0.55 (für HG) Landgasthäuser

Alpenküche 1.30 (für HG) Wir inBayern

Vox

16.00 4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –

Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner –

Wer ist der Profi? 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Law &Order: Special Victims Unit 21.10

(für HG) Law &Order: Special Victims Unit

22.10 (für HG) Law &Order: SpecialVictims

Unit 23.05 (für HG) Chicago P.D. 0.00 nachrichten

0.20 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Skrupellos

1.20 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Tödliches Verlangen

Super RTL

14.10 Inspector Gadget 14.40 Dennis &Fletscher

–Blämtastisch! 15.00 Dragons –Die

Reiter von Berk 15.25 Tomund Jerry 15.50

HotelTranssilvanien –Die Serie 16.20 Zig &

Sharko –Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.45 Ninjago –ImLand der Drachen 17.15

Voll zu spät! 17.40 Inspector Gadget 18.10

Dennis &Fletscher –Blämtastisch! 18.40

Woozle Goozle 19.10 Tomund Jerry 19.40

Angelo! 20.15 (für HG) Robots. Animationsfilm,USA

2005 21.55 Columbo. Selbstbildnis

eines Mörders. TV-Kriminalfilm, USA 1989

Sport1

14.30 Yukon Gold. Letzte Anstrengungen

15.30 Alone. The Madness 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher. Insiderinformation

17.30 Yukon Gold. Zahltag 18.30 Storage

Hunters. Ein hartes Geschäft 20.00 Die PS-

Profis –ImEinsatz. Hardrocker unterm Messer

21.00 Die PS-Profis –Mehr Power aus dem

Pott. Ein Dampfhammer für die Autobahn

22.00 Die PS-Profis Fahrschule 22.30 Japandemonium

–Die skurrilsten Shows aus Fernost

0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Unfrei

11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Todund Taube

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für

HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Musik ist Mord

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SOKO Wien. Außer Kontrolle

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) Bettys

Diagnose. Weiße Mäuse. Krankenhausserie

20.15 (für HG) Fußball: Weltmeisterschaft

der Frauen Vorrunde

Gruppe A: Frankreich –Südkorea

Moderation: Sven Voss

Kommentar: Claudia Neumann

Aus dem Parc des Princes in Paris (F)

23.00 (für HG) heute-show

Mit Oliver Welke

23.30 aspekte Volksparteien inder Krise -Ist

Stabilität wirklich dieAntwort? /

Sachbuch über den Fall „Theranos“ -

Die Hochstaplerin Elizabeth Holmes

0.15 heute+

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias

Killing,Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik amSüdring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! Magazin

19.00 Genial daneben –Das Quiz 19.55

Nachrichten

20.15 111 Knallerpärchen!

Show

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Und

wenn auch noch eine Kamera läuft,

dann ist es Zeit für „111 Knallerpärchen!“.

22.20 Genial daneben

Mit Hellavon Sinnen,WigaldBoning,Chris

Tall, Bastian Pastewka,Martin Rütter

Moderation: Hugo Egon Balder

23.20 Knallerfrauen

23.50 Knallerfrauen

0.20 Switch Reloaded

13.05 (für HG) PlanetWissen 14.05 Erlebnisreisen

14.15 (für HG) Utta Danella: Eine Nonne

zum Verlieben. TV-Liebesdrama, D2010 15.45

(für HG) Aktuell 16.05 Hier und heute 18.00

(für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) 2für

300 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) A3 –Die Diva mit zwölf Spuren 21.00 (für

HG) Der Vorkoster 21.45 (für HG) Aktuell 22.00

(für HG) KölnerTreff 23.30 (für HG) Satireshow

Spezial: Florian Schroeder wählt Peer Steinbrück

0.30 (für HG) Kölner Treff

NDR

13.10 (für HG) Inaller Freundschaft –Die jungenÄrzte.

Abschiedsschmerzen 14.00 (für HG)

aktuell 14.15 (für HG) die nordstory 15.15

(für HG)Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG)

aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10

(für HG) Seehund, Puma &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) die

nordstory 21.15 (für HG) Die Clever-Camper

21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG) NDR

Talk Show 0.15 Der deutsche Michel

Kabel eins

9.25 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.15

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.05 Castle

14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Elementary. Overkill

21.15 Navy CIS. Die Wildkatze 22.15 Navy

CIS. Neues Geld 23.15 Navy CIS: L.A. Um die

Ecke gedacht 0.10 Navy CIS: L.A. Im Herzen

der Stadt 1.00 Late News 1.05 Navy CIS. Die

Wildkatze 1.45 Navy CIS. Neues Geld

RTL 2

12.00 Die Geissens –Eine schrecklich glamouröse

Familie! 13.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 14.00 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 15.00

Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt ... 17.00 News

17.10 Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05

Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

Prince of Persia –Der Sand der Zeit. Abenteuerfilm,USA

2010 22.30 Lara Croft –Tomb Raider:

Die Wiege des Lebens. Actionfilm, USA/D/J/

GB/NL 2003 0.45 Doom –Der Film. Horrorfilm,

GB/CZ/D/USA 2005

Eurosport 1

12.35 Tennis. French Open–First Serve Rittner

12.50 Tennis: French Open. Halbfinale Herren

16.00 Tennis. French Open–Matchball Becker

16.15 Tennis: French Open. Halbfinale Herren

19.00 Tennis. French Open–Matchball Becker

19.30 Tennis 20.25 EurosportNews 20.30

Leichtathletik: Diamond League 21.30 Tennis.

French Open–Matchball Becker 22.00 Radsport:

Giro d'Italia 22.55 EurosportNews 23.05

Tennis: French Open. Halbfinale Herren 1.00

Tennis. French Open–Game, Schett&Mats

PROSIEBEN, 20.15 UHR SCI-FI-FILM

Der Marsianer –Rettet Mark Watney

Ein bemanntes Raumschiff wurde zu ForschungszweckenzumMarsgeschickt.18Tagelanghalten

sich die Astronauten aufdem roten Planeten

auf, bis ein gefährlicher Sandsturm dasTeam zum Abbruchzwingt. Fluchtartig

verlässt dieMannschaft den Planeten,wobei derAstronautMarkWatney(Matt

Damon) schwer verletztwird. Da sein Raumanzug keine Bio-Signale mehr sendet,hältman

ihn für tot und lässt ihn aufdem Mars zurück. Doch Watneylebt!

DemRaumfahrer gelingt es,sich in die Basisstation zu retten. Hier istWatney

ab sofortauf sich alleingestellt.Inder Hoffnung, dassinvier Jahren die nächste

Marsmissioneintrifft,fängt er an, sein Überleben zu organisieren und seine

Zeit aufdem Mars mit einem Video-Tagebuch festzuhalten.Mitreißendes Science-Fiction-Dramavon

RidleyScott.

(USA/2015)

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RTL 2, 20.15 UHR ABENTEUERFILM

Prince Kurreisen of Persia –Der Sand der Zeit

mit Haustürabholung

ImPersien ©Dmitry Ersler –Fotolia.com

Jetzt online entdecken: www.berliner-zeitung.de/leserreisen

(USA/2010)

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

3 9

5 7 1

2 8 4

8

5 9 2

6 3 5

3 4

9 6 7

1 8

MitDIAGONALEN MIT –SCHWER -schwer

9 2 4

5 6

8 1

6 2 7

3

6

7 2

5 3

Foto: ProSieben

INFORMATION UNTER:

030 des sechstenJahrhunderts,wird

–23276633

der tapfereStraßenjunge www.berliner-zeitung.de/leserreisen

Dastan (Jake

Gyllenhaal) vonKönig Sharamanadoptiert

und wächstmit seinen Stiefbrüdern Tusund

Garsiv am Erholung königlichen pur von Hofauf.Als Anfang Dastan an:

mit seinen Kurreisen Brüdern mit eines Taxiservice TagesimKampf nach

die als uneinehmbar Bad Kissingen, geltende Bad Wildungen, Stadt Alamut

die Hände,der und neu es dabei:

seinemJoachimsthal.

Besitzer ermöglichtdieInZeit

dieumzukehren. Reisen integriert Damit sind der Dolch

nicht inHalb- falsche oder Hände Vollpension gerät, begibt sich

Dastan gemeinsam sowie diverse mit Kuranwendungen.

Prinzessin Tamina

aufeine abenteuerliche Reise, um dasArtefaktinSicherheit

zu bringen. Verfilmungdes

gleichnamigenComputerspiels.

SUDOKU

LESERREISEN

Foto: RTL2

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM6.6.2019

mittel MITTEL

7 9 2 1 4 3 6 5 8

5 4 3 6 9 8 7 1 2

1 8 6 5 2 7 4 9 3

9 1 4 3 6 5 8 2 7

8 3 7 2 1 4 5 6 9

6 2 5 8 7 9 1 3 4

2 6 9 7 8 1 3 4 5

3 7 1 4 5 2 9 8 6

4 5 8 9 3 6 2 7 1

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 6. 6. 2019

vom 6.6.2019

schwer

SCHWER

8 3 9 7 2 4 5 1 6

6 4 1 9 8 5 7 3 2

5 2 7 3 6 1 8 9 4

4 6 8 2 3 7 9 5 1

9 5 3 8 1 6 2 4 7

1 7 2 5 4 9 6 8 3

7 1 4 6 5 8 3 2 9

3 9 5 1 7 2 4 6 8

2 8 6 4 9 3 1 7 5

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens

13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00

Land und lecker 14.45 Tim Mälzer kocht!

15.15 Die Sonnenmenschen von Tokelau

16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Giraffe,Erdmännchen &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG)Tagesschau

20.15 Harald Juhnke –that's life

Ein Mann mit Höhen undTiefen

Harald Juhnkewar ein Entertainer,Schauspieler

undKomiker. Die Bühne wurde

sein Leben undder Erfolgseine Droge

21.45 rbb24

22.00 Krömer feiert Harald Juhnke

Mit Kurt Krömer

22.45 Der Papagei Komödie, D1992

0.15 Willkommen imClub

Mit The Rubettes, Ofra Haza, Peter

Kraus, Klaus Hoffmann,Heidi Brühl,

Evelyn Gressmann, Uwe Friedrichsen

ProSieben

10.20 Mike &Molly. Valentinstag zuviert.Comedyserie

10.45 How IMet Your Mother 11.40

2Broke Girls. Death Bitch Forever/Die traurige

Geschichte. Comedyserie 12.30 Mom. Ein

neuer Alvin.Comedyserie 13.00 Twoand a

Half Men. Der Jingle-Mufti/Nieren wachsen

schneller nach/Meine Nichte sitzt im Knast.

Comedyserie 14.20 The Middle. Der Bachelor/

Der neue Job. Comedyserie 15.15 The Big

BangTheory. Die Feiertags-Zusammenfassung/Die

Neuvermessung der Liebe/Der Emotionen-Detektor/Die

Charlie-Brown-Gleichung.

Comedyserie 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 Die Simpsons. El Barto/How IWetYour

Mother.Zeichentrickserie 19.05 Galileo

20.15 Der Marsianer –Rettet Mark Watney

Sci-Fi-Film, USA 2015

Mit Matt Damon,Jessica Chastain,

KristenWiig, Jeff Daniels, Michael

Peña,Chiwetel Ejiofor u.a.

Regie: Ridley Scott

23.10 300: Rise of anEmpire

Actionfilm, USA 2014

Mit Sullivan Stapleton,Eva Green, Lena

Headey u.a.

1.05 Carriers Horrorthriller,USA 2009

Mit Chris Pine,Lou Taylor Pucci,Piper

Perabo, Emily VanCamp u.a.

16.15 Neben-, gegen-, miteinander: Deutschfranzösische

Geschichten 16.45 (für HG)

X:enius 17.10 Das Vereinigte Königreich von

oben –Geschichte(n) eines Staates 17.40

Grenzenloses Frankreich 18.35 Die verrückte

Welt der Hörnchen 19.20 Arte Journal 19.40

(für HG) Re: 20.10 Anderswo in Europa 20.15

Hanne. TV-Drama, D2018 21.45 (für HG) Africa

Rising. Dokumentarfilm,D2019 23.15

Tracks 0.00 25 Jahre Time Warp 1.55 Arctic

Monkeys undTwo Door Cinema Club beim

Southside Festival 2018

3Sat

15.30 (für HG) Der Südwesten von oben 16.15

(für HG) Der Südwesten von oben 17.00 (für

HG) Der Südwesten von oben 17.45 (für HG)

Der Südwesten von oben 18.30 nano 19.00

(für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Allergien auf dem

Vormarsch 21.00 makro 21.30 auslandsjournal

extra 22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 (für HG)

Spurlos –Die Entführung der Alice Creed. Thriller,GB2009

0.00 (für HG) Zapp 0.30 10vor10

1.00 (für HG) extra 31.30 (für HG) Spätschicht

–Die SWR Comedy-Bühne

Phoenix

8.45 phoenix tagesgespräch 9.00 Bundestag

live. Live 16.00 Sitzung des Bundesrates: Zusammenfassung

der Debatten zu Klimaschutz

und Energieversorgung 16.30 maybrit illner

17.30 phoenix der tag 18.00 phoenix persönlich

18.30 China –Zwischen Diktatur und Fortschritt

19.15 Alte Fesseln, neueTräume 20.00

(für HG)Tagesschau 20.15 (für HG) Mohammed

–Der Prophet 22.30 ZDF-History 23.00

phoenix der tag 23.45 augstein und blome

0.00 phoenix persönlich 0.30 augstein und

blome 0.45 Mohammed –Der Prophet

Kika

12.30 The Garfield Show 12.55 (für HG) Das

GreenTeam 13.20 (für HG) Lassie 13.40 (für

HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein

15.00 H2O –Plötzlich Meerjungfrau 15.45

Sherlock Yack –Der Zoodetektiv 16.25 Zoom –

Der weiße Delfin 16.50 Hexe Lilli 17.35 Die

Abenteuer des jungen Marco Polo –Reise nach

Madagaskar 18.00 (für HG) Mascha und der

Bär 18.10 SuperWings 18.35 Beccas Bande

–Mit Mut wird alles gut! 18.50 Sandmann

19.00 (für HG) Lassie 19.30 (für HG) Die beste

Klasse Deutschlands 20.35 Triff...

Dmax

15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter von

Texas 16.15 Highway Cops 16.45 Highway

Cops 17.15 Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud

19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Fang

des Lebens –Der gefährlichste Job Alaskas

21.15 Fang des Lebens –Der gefährlichste Job

Alaskas 22.15 Monsterfische amHaken 23.15

Moonshiners –Die Schwarzbrenner von Virginia

0.15 Die Monster-Jäger –Bestien auf der Spur

1.10 Die Schatzsucher von Snake Island 2.00

Die Schatzsucher von Snake Island

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Zapp 9.45 Shift

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 quer 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Mex –Das

Marktmagazin 20.00 Tagesschau 20.15 Kontraste

20.45 Exakt –Die Story 21.17 Geheimnisvolle

Orte 22.00 Tagesthemen 22.15 mehr/wert 22.45

Extra 23.00 Tagesthemen 23.15 Tiananmen 0.00

Tagesthemen 0.15 Fakt ist! 1.15 Tagesschau

1.25 mehr/wert 1.55 Extra 2.00 Tagesschau 2.10

Die Tagesschau vor20Jahren 2.25 Sachsen-Anhalt

Heute 2.55 Extra 3.02 SWRLandesschau

Rheinland-Pfalz 3.47 Extra

ONE

9.10 Brisant 9.50 BezauberndeJeannie 10.15 Bezaubernde

Jeannie 10.40 Lindenstraße 11.10

Dawson'sCreek 11.55 Sturmder Liebe 12.40

Sturmder Liebe 13.30 Um HimmelsWillen 14.15

PartyofFive 15.00 PartyofFive 15.45 Dawson's

Creek 16.30 BezauberndeJeannie 16.55 Bezaubernde

Jeannie 17.20 Lindenstraße 17.50 Die

Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturm der

Liebe 20.15 CarolinKebekus: PussyTerror TV

21.00 Micmacs –Uns gehörtParis! Komödie, F

2009 22.35 Großstadtrevier 23.25 Großstadtrevier

0.10 In the Club 1.05 In the Club 2.00 In the

Club 2.50 Micmacs –Uns gehört Paris! Komödie,

F2009 4.30 Um Himmels Willen

ZDF NEO

5.05 Dicte. Im Kostümdes Todes.TV-Kriminalfilm,

DK 2014 6.25 Dicte. DieAfrikanerinnen. TV-Kriminalfilm,

DK 2014 7.55 Topfgeldjäger 8.45 Lafer!

Lichter! Lecker! 9.30 Bares für Rares 10.20 Bares

für Rares 11.15 Viel zu bieten 12.00 Die Rettungsflieger

12.45 Die Rettungsflieger 13.30

Monk 14.10 Monk 14.55 Heldt 15.35 Die Rettungsflieger

16.20 Die Rettungsflieger 17.05

Monk 17.45 Monk 18.30 Bares für Rares 19.20

Bares für Rares 20.15 Death in Paradise 21.05

Death in Paradise 22.00 Death in Paradise 22.50

SilentWitness 23.45 SilentWitness 0.35 Silent

Witness 1.30 Silent Witness 2.20 SilentWitness

3.15 Silent Witness 4.05 DeathinParadise

ZDF INFO

10.00 Mexikos schmutzigerDrogenkrieg 10.45

Police Patrol–Gefährliches Pflaster 11.30 Ice

Wars –Australiens Drogen-Polizei 12.15 Ice Wars –

Australiens Drogen-Polizei 13.00 „Pannenmeiler”

Cattenom–Gefahrander Grenze? 13.30 Fatale

Erfindungen 14.15 TödlicheWissenschaft–Chemische

undbiologische Waffen 15.00 Super-GAU

Tschernobyl –Sarkophag fürdie Ewigkeit? 15.45

ZDF-History 17.15 Uran –Das unheimlicheElement

18.45 Geheimnisseder Sowjet-Technik 19.30 DDR

mobil 20.15 Fernsehen in der DDR 21.00 DDR

mobil 21.45 Traumstraße der DDR 22.30 Mysteriöse

Kriminalfälleder DDR 0.00 Die schwersten Unglücke

derDDR 0.55 Superjet Concorde

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Mit Musen und Flöten –Musikfestspiele

Potsdam Sanssouci.,ca.46Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Prager Frühling mitWerken von

J. Haydn, Martinu,Rataj, ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Blindverkostung Das heitere Interpretenraten.

PeterTschaikowski, ca.116 Minuten

22.00 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Einstand Hoffnung, Schweiß und Leidenschaft.

Vorrunden zum Wettbewerb „Neue Stimmen”

2019., ca.30Minuten

HÖRSPIEL

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

„Die Festung” Hörspiel nach Dino Buzzati,

ca. 56 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (14/34),

ca. 31 Minuten

0.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Der getreue Roboter” Hörspiel nach dem

gleichnamigen Fernsehspiel von Stanisław

Lem, ca. 55 Minuten

MAGAZIN

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Aus der jüdischen Welt Mit „Shabbat”.u.a.

Schawuot –das Fest der Tora. Ob religiös oder

nicht: In Israel kann man sich dem Fest kaum

entziehen.,ca. 25 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –die Kulturreportage Die 58.

Kunstbiennale in Venedig. Grenzenlos national.

Von Kathrin Hondl, ca. 45 Minuten

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Erinnern und verklären. Elterntagebücher

aus zwei Jahrhunderten., ca. 50 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Lange Nacht Geschüttelt, nicht gerührt.Die

Lange Nacht des Ian Fleming.,ca. 175 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Melody Gardot., ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On stage Der Junior von Guitar Jr.: Ronnie Baker

Brooks. Mit Tim Schauen, ca.55Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lied- und Folk-Geschichte(n).Folk von der

britischen Insel., ca. 45 Minuten

1.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Deutschlandfunk Radionacht Schwerpunkt:

Vor 40Jahren erschien mit ,Rust never sleeps'

dasAlbum zum gleichnamigen Konzertfilm von

Neil Young.,ca. 235 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 130 · F reitag, 7. Juni 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Otto Waalkes möchte kein Politiker

werden. Zwar hat ihn auch niemand

darum gebeten, doch angesichts der

Fachwechsel vonWolodymyr Selenskyj

in der Ukraine oder Beppe

Grillo in Italien fühlt sich der Blödelbarde

offenbar bemüßigt, darauf

hinzuweisen, dass er einen solchen

Schritt nicht anstrebe.Über Kollegen,

die sich in die Politik wagten,

könne er nur lachen, sagte der 70-

Jährige.Allerdings: Wenn man ihm

viel Geld geben würde,könne er es

sich vielleicht noch mal überlegen.

„Ich bin ja käuflich, wie jeder weiß.“

Wirfürchten nur,entsprechende Angebote

werden ausbleiben.

MileyCyrus denkt vielleicht auch

über eine Zweitkarrierenach. Oder

wie sonst dürfen wir uns erklären,

dass die Sängerin jetzt Kondome verkauft?

Aufder Internetseite des früheren

Disney-Stars können Fans der

26-Jährigen ein schwarzverpacktes

Präservativ für 20 Dollar erstehen.

Eine Luxus-Lümmeltüte quasi, allerdings

ist im Preis auch der Download

des neuen Albums inbegriffen. Titel

der Platte: „She is Coming“. Höhö.

Charles W. Jackson Jr. braucht keine

Anschlussverwendung mehr.Der

66-Jährige ist jetzt Lotto-Millionär

und hat für alle Zeiten ausgesorgt.

Nureines können wir vonihm noch

lernen: Unterschätzenie die Macht

knusprigen Süßgebäcks.Die Zahlen,

die Jackson zum Gewinn von223

Millionen Dollar führten, standen

nämlich auf einem Zettel, den seine

Enkelin aus einem Glückskeks geholt

hatte.Schade:Wirziehen immer

nur miserabel übersetzte konfuzianische

Weisheiten.

Judi Dench pfeift auf Sprüche,

besonders auf solche,die ihr

Alter betreffen. „Wenn ich

mich mit Freunden treffe

und sie im Spaß sagen,

wie alt wir doch geworden

sind, ärgertmich

das“, sagt die 84-jährige

Schauspielerin.

Wenn man sie schon

in eine Schublade stecken

wolle,dann doch

bitte ins „Nicht mehr

ganz straffer Teenager“-Fach.

Wird erledigt!

(avo./mit dpa;

AFP)

Forever young:

Judi Dench

GETTY IMAGES

TIERE

Dieser kleine Waschbär erkundet

Brandenburg.

DPA/PATRICK PLEUL

Da schau her: Dassüdöstlich vonBerlin,

also in Brandenburggelegene,

überaus beschauliche Sieversdorfist

nicht etwa nur der Standorteiner mittelalterlichen

Feldsteinkirche und ansonsten

der Orgelwerkstatt Scheffler

(die übrigens gerade einen Lehrling

für die Ausbildung zum Orgelbauer

sucht). Nein: DurchSieversdorf

streunt seit Tagen auch ein junger

Waschbär.Das wollten wir in unseremmal

wieder hyperlokalen Tierkasten

einfach kundgetan und mit einem

Bild bewiesen haben. Ganz

schön was los in Brandenburg. (schl.)

Bis 2002 der wahre Täter gestand, galten fünf schwarze Teenager als schuldig: Szene aus „When theysee us“ mit StormReid als Lisa and Jharrel Jerome als KoreyWise.

Wenn die Wahrheit stirbt

Die Abgründe des US-Justizsystems: Eine kleine Fernsehserie reißt in New York große Wunden wieder auf

VonSebastian Moll, New York

In der ersten Folge des Netflix-

Vierteilers „When they see us“

flimmert ein junger Donald

Trump über den Fernsehbildschirm

eines afroamerikanischen

Wohnzimmers in Harlem. In heute

vertraut wirkender Manier lässt

Trump seiner Wut freien Lauf. „Ich

möchte, dass die Gesellschaft diese

Jugendlichen hasst“, tönt der damalige

Immobilienmogul in den Raum.

„Ich möchte,dass sie sterben.“

Der Ausbruch des späteren

US-Präsidenten löst unter den

Betrachtern eine Mischung aus

Abscheu und Entsetzen aus.Die

Mutter von Korey Wise, einem

der Jugendlichen, denen Trump

da den Todwünscht, verfällt in untröstliches

Schluchzen: „Die

ganze Stadt möchte, dass mein

Junge stirbt“, wimmertsie.

Fünf Jugendliche, eine Straftat

DerFernsehclip aus dem Jahr 1989

ist authentisch –eswar einer der

ersten Vorstöße Donald Trumps in

öffentliche Angelegenheiten. Anlass

war der als „Central Park Five“indie

Geschichte eingegangene Fall von

fünf Jugendlichen aus Harlem, die

beschuldigt wurden, eine Joggerin

im Central Park angegriffen und vergewaltigt

zu haben. Noch lange bevor

überhaupt der Prozess begann,

schaltete Trump eine ganzseitige Anzeige

in der NewYork Post, in der er

den fünf dunkelhäutigen Teenagern

den Todwünschte.

Dieschwarze Filmemacherin Ava

DuVernay, mit ihrem Bürgerrechtsdrama„Selma“

Oscar-nominiert, hat

sich dieses Stoffes in „When they see

us“ angenommen. Die Verurteilung

der Jugendlichen gilt als einer der

schlimmsten Justizirrtümer in der

Geschichte der USA. Die Jungen, so

die unmissverständliche Botschaft

DuVernays, wurden Opfer einer rassistischen

Massenhysterie in New

York, geschürt durch den Boulevard

und angeführtdurch Trump.

DuVernays Serieist nicht die erste

Aufarbeitung des Themas, seitdem

die Unschuld der fünf Jugendlichen

als erwiesen gilt. Bereits 2012 veröffentlichten

der Filmemacher Ken

Burns und seine Frau eine Dokumentation

darüber,wie die Teenager

zu Sündenböcken einer hysterischen

Stadt gemacht wurden und

wie ein marodes und korruptes

Strafrechtssystem ihr Leben zerstörte.

Die Dokumentation und die

Rechtshilfe, die Burns den fünf Opfernzuteil

werden ließ, führten zu einem

Vergleich mit der Stadt New

York,die den Männernund ihren Familien

41 Millionen Dollar Schadensersatz

zusprach.

DuVernays Vierteiler gibt in beinahe

fünf Stunden dem Erleben der

Opfer Raum und verschafft ihnen

erstmals Gehör. Die Filmemacherin

nimmt den Zuschauer mit in die Polizeistation,

wo den 14- bis 16-Jährigen

in einem 30-stündigen, quälenden

Vernehmungsmarathon Geständnisse

abgepresst wurden. Sie

lässt die Hölle einer Stadt, die sie wie

ein Lynchmob vom ersten Tag an

vorverurteilt hat, aus der Sicht der

Teenager und ihrer Familien wieder

aufleben. Und sie nimmt uns mit in

die Realität amerikanischer Gefängnisse,

deren unbarmherzige Brutalität

schon für erwachsene Insassen

jegliches Maß an Zumutbarkeit

überschreitet.

Struktureller Rassismus

So ist der Film am Ende eine Abrechnung

mit einem zutiefst rassistischen

Strafrechtsapparat. Er zeigt aus beklemmender

Nähe, wie schwarze

junge Männer in Amerika zu Sündenböcken

gesellschaftlicher Übel gemacht

werden und in ein System der

Entrechtung und Entmenschlichung

eingefüllt werden, aus dem es praktisch

kein Entrinnen gibt. DerFall der

„Central Park Five“ war von Anfang

an ein Paradebeispiel für diese Dynamik.

Doch bis vor kurzem waren

weder NewYork noch Amerika dazu

bereit, diesen Realitäten ins Auge zu

schauen oder gar die Fehler der Vergangenheit

einzugestehen.

Und die volle Anerkennung der

Gräuel dieses Apparats, das zeigen

die Reaktionen auf den Film, ist noch

lange nicht konsensfähig. So hat in

den vergangenen Tagen die damalige

Staatsanwältin Linda Fairstein

lauthals gegen die Darstellung ihrer

Person in DuVernays Drama protestiert.

Fairstein war es damals gewesen,

die auf Biegen und Brechen auf

eine Verurteilung der Jugendlichen

gedrängt hatte. Sie hatte die Polizei

zur Erpressung von Geständnissen

„Ihre Schuld ist unumfassbar“

NETFLIX

gedrängt und entgegen einer eigentlich

klaren Beweislage darauf insistiert,

dass die fünf jungen Männer

am Tatortgewesen sein mussten.

Fairstein wollte damals glauben,

dass es schwarze Jugendliche gewesen

sein müssen, die aus dem Ghetto

ausgebrochen sind und das weiße

Bürgertum bedrohen. Und dieser

Gefahr, davon war sie überzeugt,

lässt sich nur mit unbarmherziger

Härte begegnen. Damit befand sie

sich im besten Einklang mit der weißen

Mehrheit einer Stadt, die sich eigentlich

seiner Toleranz und seiner

kulturellen Vielfalt rühmt. Es ist das

Paradigma, das in den USA über Jahrzehnte

zur Masseninhaftierung junger

schwarzerMänner mit immensen

sozialen Folgekosten geführthat. Ein

Paradigma, das nun langsam zu bröckeln

beginnt. Im vergangenen Dezember

verabschiedete der Kongress

ein Gesetz zur Strafrechtsreform, das

vonVertreternbeider Parteien unterzeichnet

wurde.

Fairstein glaubt hingegen noch

immer, dass sie sich nichts habe zuschulden

kommen lassen und dass

die fünf Männer zu Recht verurteilt

wurden. Donald Trump hat derweil

noch vorseinem Amtsantritt bekundet,

dass der Vergleich der Stadt mit

den „Central Park Five“ ein großer

Fehler gewesen sei. Doch zum Glück

werden Figuren wie diese beiden in

den USA immer seltener. Immer

mehr Menschen sind hingegen dazu

bereit, endlich die wahren Geschichten

der „Central Park Five“hören. 30

Jahremussten sie darauf warten.

Der frühere Krankenpfleger Niels Högel wird wegen 85 weiterer Morde an Klinikpatienten zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Landgericht Oldenburg hat

den Serienmörder und Ex-Krankenpfleger

Niels Högel wegen 85-fachen

Mordes zu lebenslanger Haft

verurteilt. Zugleich stellte die Kammer

am Donnerstag die besondere

Schwereder Schuld fest, was eine vorzeitige

Haftentlassung nach 15 Jahren

so gut wie ausschließt.„DasVerfahren

und die Taten sprengen jegliche

Grenzen und überschreiten jeglichen

Rahmen“, sagte Richter Sebastian

Bührmann zum Angeklagten. Högel

war wegen 100 Morden angeklagt

und gestand selbst 43 Taten.

Mitdem Urteil ging nach

sieben Monaten ein Prozess

zu Ende, der im In- und

Ausland viel Beachtung

fand. „Ihre Schuld ist unumfassbar“,

sagte Bührmann.

Zur Veranschaulichung

verwies er auf das

Rechtssystem in den USA,

wo anders als in Deutschland

Einzelstrafen addiert

würden. Bei85Morden und 15 Jahren

wären dies 1275 Jahre, rechnete

Bührmann vor. Högel habeWoche für

Woche,Monat für Monat und Jahr für

Massenmörder

Niels Högel

DPA/MOHSSEN ASSANIMOGHADDAM

Jahr getötet. Jeder einzelne

Fall wurde vor Gericht behandelt.

„Ich kam mir vor wie

ein Buchhalter des Todes“,

sagte der Richter. „Tatsache

ist: Manchmal reicht

die schlimmste Fantasie

nicht aus,umdie Wahrheit

zu beschreiben.“ Högel,

der unter anderem wegen

zweifachen Mordes an Patienten

schon 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt

worden war, hatte seine Opfer

zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten

zu Tode gespritzt. Dabei

brachte er in den Kliniken Oldenburg