Berliner Zeitung 04.02.2020

BerlinerVerlagGmbH

Filmriss: Harry Nutt über die Berlinale und die deutsche Geschichte – Feuilleton Seite 13

Heute mit

Götz Alys

Kolumne

Seite 6

3°/6°

Einige Regenschauer

Wetter Seite 2

Rummelsburger Bucht:

Ein Elendsviertel in Berlin

Berlin Seite 7

www.berliner-zeitung.de

Parteilos, aber für die AfD:

Ramelows Gegenkandidat

Politik Seite 4

Dienstag,4.Februar 2020 Nr.29HA-76. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Zehn verlorene Jahre:

Haiti nach dem Erdbeben

Panorama Seite 24

Hotel Adlon

Zurück

am Pariser

Platz

VonAndreas Kurtz

Michael Sorgenfrey,

der neue Chef

des Hotels Adlon

Mehr als den Chefposten im Hotel

Adlon kann man in

Deutschland als Hotelmanager wohl

nicht erreichen. Das Luxushotel in

bester Lage am Pariser Platz in der

Mitte Berlins gilt als inoffizielles Gästehaus

der Bundesregierung, in dem

Präsidenten und Könige auf Staatsbesuch

ihr Haupt betten. Und sowerden

Veränderungen auf der Position

des geschäftsführenden

Direktors

aufmerksamer

als bei anderen

Hotels beobachtet.

Michael Sorgenfrey,der

neue

Mann an der

Spitze des Hauses,

ist in Berlin

ein alter Bekannter.

Der gelernte

Koch kommt nun schon zum dritten

Malindie Stadt, um in der Adlon-Hirarchie

einen jeweils höheren Posten

einzunehmen. An der Neueröffnung

des 1907 gebauten und durch einen

Brand wenige Tage nach Kriegsende

zerstörten Hauses war er als Food &

Beverage Operations Manager an der

Seite seines Mentors beteiligt, des Eröffnungsdirektors

Jean K. vanDaalen.

Im Mandarin Oriental Bangkok,

der Mutter aller Luxushotels, nahm

ihn dann der legendäreDirektor Kurt

Wachtveitl, der das Haus 42 Jahreleitete,unter

seine Fittiche.BessereReferenzen

kann man in der Branche

nicht haben. Sorgenfrey kehrte 2002

für drei Jahre als Hotel-Manager ins

Adlon zurück und bewährte sich

dann bei Hoteleröffnungen in Bodrum

und auf der Halbinsel Istria. Es

folgten Chefposten in Abu Dhabi

und Dubai. Die Führung von 15Hotels

einer Kette in Deutschland

machte ihn dann wieder für die Abwerber

von Kempinski interessant,

die ihn im Herbst 2019 zum Vice President

Operations für den Mittleren

Osten und Afrika machten.

Wie man jetzt sieht, war das nur

ein Zwischenschritt. Sorgenfrey folgt

im Adlon auf Matthias Al-Amiry, der

vomKempinski-Vorstand nach Asien

entsandt wird, wo das Geschäft in den

nächsten Monaten sicher nicht einfacher

wird, wenn die Fluggesellschaften

wegen der Coronavirus-Epidemie

weiter Flüge streichen.

Ob es Michael Sorgenfrey in Berlin

viel einfacher haben wird, ist

noch die Frage. Iminternationalen

Vergleich sind die Zimmerpreise in

der deutschen Hauptstadt ruinös

niedrig. Der gebürtige Hamburger

freut sich, wieder näher an seiner alten

Heimat zu arbeiten. Sorgenfreys

Credo lautet: „Wenn wir zufriedene

Mitarbeiter haben, dann haben wir

auch zufriedene Gäste.“ Er findet ein

gut bestelltes Haus vor: „Ich übernehme

ein starkes, eingespieltes

Team.“ Seine Vorgänger waren jeweils

drei Jahre imAmt. Der 52-Jährige

hätte wohl nichts gegen einen

längeren Aufenthalt: „Ich denke,

dass ein Haus wie das Adlon eine gewisse

Stabilität braucht.“

Hilft das

wirklich?

Können Masken vor dem

Coronavirus schützen? Und wie

beeinflusst die Epidemie die

Weltwirtschaft? Antworten auf

diese Fragen lesen Sie auf den

Seiten 5und 23

Es geht um die Wurst

Kanzlerin und Landwirtschaftsministerin schwören den Lebensmittelhandel auf mehr Fairness ein

VonChristine Dankbar

Man könnte sagen,

dass es nicht zuletzt

auch die jüngste

Werbekampagne

war, die den Verantwortlichen von

Edeka eine Vorladung ins Kanzleramt

eingetragen hat. „Essen hat einen

Preis verdient: den niedrigsten“,

stand voreiniger Zeit auf Plakaten

in Niedersachsen zu lesen.

Und obwohl dazu noch Otto Waalkes

abgebildet war und Edeka

meinte, das Ganze sei ein Missverständnis,fanden

die dortigen Bauern

das alles gar nicht lustig und

blockierten mit ihren Traktoren

kurzerhand ein Edeka-Auslieferungslager

in Oldenburg.

Am Montag ging es nun im Gespräch

mit Bundeskanzlerin Angela

Merkel und Landwirtschaftsministerin

Julia Klöckner (beide CDU) um

„Fragen der fairen Ausgestaltung der

Wertschöpfungskette für landwirtschaftliche

Erzeugnisse“.

Rewe-Chef Lionel Souque, der

ebenfalls eingeladen war, hatte vor

dem Gespräch die Praxis der Preisgestaltung

verteidigt. Mansei auch den

Millionen Menschen in Deutschland

verpflichtet, die in Armut oder an der

Armutsgrenze leben, erklärte er vor

dem Treffen, das für anderthalb

Stunden angesetzt war. Er fand es

aber richtig, über mehr Wertschätzung

von Lebensmitteln zu reden.

„Dagibt es in Deutschland sicherlich

Nachholbedarf.“

Das sahen offenbar auch die anderen

Gesprächsteilnehmer so,

denn nun soll es eine „Kommunikationsallianz“

von Landwirten und

Handel zur Wertschätzung von Lebensmitteln

geben. Das teilte Julia

Klöckner nach dem Termin mit. Sie

werde nun den Handel und die

Landwirtschaft zu einem gemeinsamen

Treffen einladen, sagte sie und

kündigte zudem an, eine europäische

Richtlinie zu unfairen Handelspraktiken

schnell umzusetzen. Wer

diese nicht einhalte,müsse mit Bußgeldern

rechnen: „Wir stehen an der

Seite derer, die gute Lebensmittel

produzieren.“ Es müsse aber gerecht

zugehen. Es gebe eine große Liste

vonunfairen Handelspraktiken.

Kanzlerin Angela Merkel hatte zuvor

betont, dass die Politik nicht auf

staatlich diktierte Mindestpreise hinarbeite,

esmüsse aber „faire Beziehungen“

der Akteure amMarkt geben.

Dabei sei der Handel allerdings

selten direkt mit den Landwirten verbunden.

Dazwischen lägen Ernährungswirtschaft,

Großabnehmer,

Molkereien oder Fleischverarbeiter,

mit denen ebenfalls ein weiterer Dialog

nötig sei. „Wir haben ein gemeinsames

Interesse an einer starken regionalenVersorgung.“

Es gehe um die

Frage,wie diejenigen, die Lebensmittel

erzeugen, überleben könnten angesichts

der gestiegenen Sensibilität

für Qualität und Umweltauflagen.

Eine Mehrheit der Verbraucher

gibt bei Umfragen regelmäßig an,

dass man bereit wäre, für ökologische

oder tierwohlfreundliche Lebensmittel

auch mehr Geld zu bezahlen.

Die meisten greifen imSupermarkt

dann aber doch zum Billig-

„Aktuell können Verbraucher

die Qualität

eines Produktes kaum erkennen,

schon gar nicht am Preis.“

Klaus Müller,

Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands

fleisch das lässt sich klar aus den

Absatzstatistiken herauslesen.

Für Anne Markwardt, Leiterin des

Teams Lebensmittel beim Bundesverband

der Verbraucherzentralen,

ist das nur auf den ersten Blick ein

Widerspruch. „Wir leben in einem

Markt, in dem die Verbraucher Qualität

wegen mangelnder Kennzeichnung

kaum verlässlich erkennen

können“, sagte sie der Berliner Zeitung.

Sie bedauerte es, dass die Verbraucherverbände

nicht zum Gespräch

ins Kanzleramt eingeladen

waren. Dabei werde den Verbrauchern

oft einseitig der schwarze Peter

zugeschoben, weil es immer

heiße,dass sie es seien, die keine höheren

Preise zahlen wollten. „Viele

fragen sich aber zu recht, ob der höhere

Preis eines Lebensmittel vor allem

an seinem Marketing liegt“,

sagte sie.

Scharfe Kritik übte Markwardt an

der Landwirtschaftspolitik, die Fördermittel

nicht ans Tierwohl koppelt.

Für einige Tierarten in Deutschland

gebe überhaupt keine gesetzlichen

Standardfür die Haltung, so die

Verbraucherexpertin.

DerBundfür Umwelt und Naturschutz

Deutschland (BUND) nannte

die „Einbestellung“ der Branche bei

Merkel ein wichtiges Zeichen. Wer

Marktmacht ausnutzeund sich beim

Verbraucher mit Billigangeboten anbiedere,

stehe einer Agrarwende im

Weg. SPD-Fraktionsvize Matthias

Miersch forderte eine neue EU-

Agrarpolitik, die Qualität und nicht

Massefördere.

Grünen-Agrarexperte Friedrich

Ostendorff kritisierte, zur Umsetzung

der EU-Richtlinie sei die Bundesregierung

ohnehin verpflichtet.

Sienutze Spielräume nicht, sondern

setze weiter auf freiwillige Selbstverpflichtungen.

DerFDP-Fachpolitiker

Gero Hocker warb dafür, Zusammenschlüsse

von Landwirten zu

stärken, um ein Gegengewicht zum

Handel zu bilden. AfD-Fraktionschefin

Alice Weidel wandte sich gegen

staatliche Eingriffe, bei denen

die Verbraucher vom Schnitzel über

Käse bis zurWurst tiefer in die Tasche

greifen müssten. (mit dpa) Tagesthema

Seite2,Kommentar Seite8

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Berliner Zeitung

Liebe

Leserinnen,

liebe Leser,

AmWochenende haben wir Ihnen

unsere Neuzugänge in der Redaktion

der Berliner Zeitung vorgestellt:

Matthias Thieme als Digital-

Chefredakteur, Kai-Hinrich Renner

als Medien-Redakteur, Eva Corino

als Familien-Redakteurin und Margarethe

Gallersdörfer als Bildungs-

Redakteurin.Wirfreuen uns über die

Verstärkung der Redaktion.

Ab dem heutigen Dienstag werden

wir Ihnen die Berliner Zeitung

auch noch besser geordnet präsentieren.

Die Zeitung erscheint jetzt

wieder täglich in vier Teilen, so haben

auch der Berlin-Teil, das Feuilleton

und der Sport jeweils wieder ein

eigenes„Buch“, wie wir die Zeitungslagen

nennen. Sie können die Inhalte

also deutlich besser sortieren.

Neue Seiten, neue Inhalte

Hinzu kommen neue Seiten und Inhalte

wie die Familien-Seite von Eva

Corino am Donnerstag, die jungen

Berliner Familien Lesestoff bietet.

Die beiden Berliner Seiten „Hauptstadt“

und „Made in Berlin“ finden

Siezukünftig am Mittwoch und Freitag

im Berlin-Teil. Das„Schöne Wochenende“

rückt am Sonnabend in

den Berlin-Teil. So bündeln wir die

Berlin-Kompetenz weiter.

Dazu gehört auch, dass wir Ihre

Meinung, Ihre Briefe und Mails an

zwei festen Tagen, am Montag und

am Donnerstag, im Berlin-Teil abdrucken.

Das Thema des Tages und die

großen Reportagen der Berliner Zeitung

finden Sieweiterhin auf den Seiten

2und 3. Aufdiesen Seiten werden

wir auch unsere Vermessung der

Amtszeit Angela Merkels mit der datenjournalistischen

Seriefortsetzen.

Das Magazin am Wochenende

bietet Ihnen am 15. Februar auf zehn

Seiten eine Spezial-Ausgabe zum Berlinale-Start.

Ab MitteFebruar wirdIhnen

auch Margit J. MayerjedeWoche

eine neue Stil-Seite präsentieren, eine

Seite über den Stil und die Mode Berlins

und der Welt. Auf der Meinungsseite

werden Sie die bekannten Kolumnen

etwa von Götz Aly und Sabine

Rennefanz lesen, Siefinden dort

aber auch neue Stimmen –wie heute

Kai-Hinrich Renner,der sich im Leitartikel

mit den Medien und dem Coronavirus

beschäftigt. Jeden Freitag

wirdRennernun auch seine Medienkolumne

im Feuilleton schreiben. Besonders

lesenswert, so wie die ganze

Berliner Zeitung.

Herzlich, IhreRedaktion

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(Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499;

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2 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Tagesthema

Lebensmittelpreise

Die Preisentwicklung ist dramatisch,

teilweise aber auch selbstverschuldet,

sagt Biobauer Klaus Engemann

„Die Bauern sind

Täter und Opfer“

VonChristine Dankbar

Knackig sollen Obst und Gemüse sein, aber auch schön billig.Für die Erzeuger geht diese Rechnung oft nicht auf.

ISTOCKPHOTO; PRIVAT

Klaus Engemann ist Biolandwirt

in Ostwestfalen-

Lippe. Im Gespräch mit

der Berliner Zeitung erläutert

er, warum die Landwirte in

Deutschland Opfer und Täter zugleich

sind und wie man mit Discountern

wie Lidl auf Augenhöhe

verhandeln kann.

Herr Engemann, die Bundeskanzlerin

hat die Chefs von Handelsunternehmen

zum Preisgipfel eingeladen.

Wassagen Siedazu?

Ich finde es gut, dass sich Frau

Merkel dieses Themas annimmt.

Und ich bin sehr gespannt, was dabei

herauskommt. DiePreissituation

bei den Lebensmitteln ist wirklich

dramatisch.

Wiemeinen Siedas?

Die konventionell erzeugten

Lebensmittel sind viel zu billig.

Zumal Folgekosten der Landwirtschaft

wie zum Beispiel die Aufbereitung

des Trinkwassers wegen zu

hoher Nitratbelastung da noch gar

nicht mit einberechnet sind.

Würde man das mit einberechnen,

wären konventionell erzeugte Lebensmittel

nicht billiger als Bioprodukte.

Die Landwirte beklagen sich, dass

sie vom Diktat der Handelsketten

abhängen, dass die Preise drückt.

Was denken Sie, wie konnte es zu

dieser Abwärtsspirale überhaupt

kommen?

Meiner Meinung liegt das am

Konzentrationsdruck bei den Betrieben

selbst. Vor40, 50 Jahren waren

die meisten landwirtschaftlichen

Betriebe Mischbetriebe. Die

Bauern betrieben Viehzucht, bauten

aber auch Getreide und Obst an.

Das hat sich geändert. Die Unternehmer

spezialisierten sich, wurden

größer, aber auch einseitiger.

Hatte man damals 60 Mastschweine,dann

waren es vor30Jahren

schon 150. Und heute muss

man 3000 bis 5000 Schweine haben,

um sein Betriebsergebnis zu

halten. Das aber macht abhängiger

von demjenigen, der mir die Ware

abnimmt.

Siesind die Sache vonAnfang an anders

angegangen?

Ja. Als mein Bruder und ich den

Betrieb 1988 von unseren Eltern

übernahmen, war für uns von Anfang

an klar,dass wir auf Vielfalt setzen

wollten. Wir wollten ökologischen

Landbau betreiben.

Sind Sie dainIhrem Ort nicht misstrauisch

beäugt worden?

Eigentlich nicht. Unsere Familie

ist alteingesessen in der Region. Wir

betreiben seit Generationen Landwirtschaft.

Als wir auf ökologischen

Landbau umstellten, gehörten wir

zu den Ersten in unserer Gegend und

stießen natürlich auf Skepsis. Aber

auch auf viel Wohlwollen. Wirhaben

eine breite Palette von Gemüse und

Obst: Möhren, Rote Bete, Pastinaken,

Blumenkohl, Erdbeeren, aber

auch Getreide wie Weizen, Gerste

ZUR PERSON

Klaus Engemann ist Bio-Landwirtaus Überzeugung.Vor 32 Jahren übernahm er mit seinem

Bruder den Hof der Elternund stellte vomkonventionellen auf den ökologischen Landbau um.

Ihm geht es um Artenvielfalt und faire Produktionsbedingungen. Er ist Vorstandsmitglied im

Verein FairBio. Dieser setzt sich dafür ein, dass die Produzenten nachhaltiger Lebensmittel

auch angemessen bezahlt werden.

Roggen, Dinkel. Und Spezialsorten

wie Einkorn, das zu den ältesten Getreidearten

überhaupt zählt.

Wie erleben Sie die Preisentwicklung

bei Lebensmitteln?

Wir haben vor zehn Jahren den

FairBio-Verein gegründet, um Fairness

bei der Bezahlung von Bioprodukten

zu erzielen. Wir bemühen

uns um ein partnerschaftliches Verhältnis

vonErzeugernund Kunden –

und das über die ganze Wertschöpfungskette.

Dennoch sind wir nicht

abgekoppelt vom Markt. Aber die

Verbraucher sind bereit, mehr für

Bio-Qualität zu bezahlen. Deshalb

ist es absolut wichtig, dass man Qualität

auch kenntlich macht. Die

Kennzeichnung von Hühnereiern

etwa –das ist ein totaler Erfolg. Jeder

kann auf den ersten Blick erkennen,

ob er Ökostandardkauft oder nicht.

Haben Sie denn selbst Erfahrung mit

den klassischen Handelsketten?

Ich bin für meine Region Delegierter

bei Bioland. Das ist ein Anbauverband

für Öko-Landwirte. Als

uns unser Präsident vorschlug, einen

Handelsvertrag mit Lidl auszuhandeln,

gab es erst mal Aufruhr. Historisch

ist der Discounter ja nicht der

Freundder Bio-Landwirtschaft. Aber

wenn man davon ausgeht, dass sich

der Anteil der Bio-Lebensmittel erhöhen

soll, macht es durchaus Sinn,

auch dort gelistet zu sein. Bioland

hat mit Lidl jetzt Fairplay-Regeln

aufgestellt, etwa, dass keine Frischwarewillkürlich

storniertwird.

Das hat Ministerin Julia Klöckner

den Händlern jüngst beim Handel

mit den Bauern vorgeworfen. Sind

die konventionellen Landwirte die

Verliererder letzten Jahrzehnte?

Sagen wir mal so. Sie sind Opfer

und Täter zugleich. Man trifft als

Landwirtselbst die Entscheidungen

für seinen Betrieb. Und da kann es

auch Spaß machen, einen größeren

Trecker zu fahren als der Nachbar.

Aber wenn man immer größer werden

muss,dann müssen Kredite abgezahlt

werden. Die Abhängigkeiten

machen ein Umlenken dann

schwer.

Aber es gibt Kollegen,die umsteuern?

Wirhaben in den letzten drei Jahren

einen erfreulichen Zuwachs von

über 40 Prozent an Biobetrieben verzeichnet.

Das ist ein bundesweiter

Trend, der sich auch in unserer Region

so abbildet.

Wollen Ihre Kinder den Hofmal übernehmen?

Ja, und das mit Begeisterung. Ich

führe den Betrieb mit meinem Bruder.

Wir haben zusammen sieben

Kinder und vier davon sind bereits

im Unternehmen tätig. Vonden fünf

Biobauernhöfen in unserem Ort

wollen alle in der nächsten Generation

weitermachen.

DasGespräch führte

Christine Dankbar.

Die führenden Händler –Edeka,

Rewe, Aldi und die Schwarz-

Gruppe mit Kaufland und Lidl –kontrollieren

nach Angaben des Bundeskartellamts

zusammen mehr als 85

Prozent des Lebensmittelmarktes in

Deutschland. Das gibt den „großen

Vier“ eine gewaltige Einkaufsmacht.

Werbei ihnen nicht gelistet ist, hat es

schwer. Agrarministerin Julia Klöckner

(CDU) sprach voneinem Verhältnis

wie bei David gegen Goliath: „So

fühlen sich aktuell Erzeuger,wenn sie

mit dem Handel verhandeln –Augenhöhe

ist nicht gegeben.“ Das schlage

sich auch in den Preisen nieder.Allerdings

wies Bundeskanzlerin Angela

Merkel (CDU) auch darauf hin, dass

Supermärkte meist nicht direkt mit

den BauerninKontakt stünden. Auch

Verarbeiter für Fleisch oder Milch

seien angesprochen.

Bei Preisverhandlungen wird oft

mit harten Bandagen gekämpft. Das

kann bis zum vorübergehenden Boykott

bestimmter Produkte gehen, um

Lieferanten unter Druck zu setzen. In

den vergangenen Jahren bekamen

David gegen Goliath

Handel

das auch große Markenhersteller wie

Nestlé oder Coca-Cola zu spüren. Dabei

sind ihreProdukte für den Handel

deutlich schwerer zu ersetzen als Angebote

vonBauernund anderen kleineren

Anbietern.

Die Branche selbst jedoch fühlt

sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

DerHandelsverband Deutschland

(HDE) betonte bereits vor dem

Treffen mit Kanzlerin Merkel: „Lebensmittel

werden hier nicht verschleudert.“

Deutschland liege bei

Lebensmittelpreisen rund zwei Prozentpunkte

über dem Schnitt der

einst 28 EU-Staaten. Außerdem

würde es den BauerninDeutschland

nicht helfen, wenn die Preise hierzulande

erhöht würden: „Wir sehen,

dass man über Jahrzehnte die Landwirtschaft

auf Export getrimmt hat

und immer mehr Mengen produziert

wurden“, sagte Genth dem Inforadio

vonRBB am Montag. Dassei

auch eine Riesenleistung. Aber da sei

man natürlich abhängig von Weltmarktpreisen,

die man gar nicht

hierzulande beeinflussen könne.

Rewe-Chef Lionel Souque

machte zudem darauf aufmerksam,

dass in Deutschland rund 13 Millionen

Menschen in Armut oder an der

Armutsgrenze lebten. „Günstige Lebensmittelpreise

ermöglichen diesen

Menschen eine gesunde und sichereErnährung“,

so Souque.

Tatsächlich sind für fast zwei Drittel

(65 Prozent) der Bundesbürger

Sonderangebote beim Einkaufen

wichtig, wie das Marktforschungsunternehmen

Nielsen in seiner Studie„Consumers

2019“ berichtete.Im

harten Wettbewerb kann sich somit

kaum ein Händler leisten, diese Erwartungen

zu enttäuschen und sein

„Preis-Image“ zu gefährden.

Wie empfindlich viele Verbraucher

beim Preis sind, erlebte voreinigen

Monaten Lidl. Der Discounter

wollte nur noch Bananen mit Fairtrade-Siegel

verkaufen, das sollte 10

bis 20 Cent pro Kilo mehr kosten.

Doch die Verbraucher spielten nicht

mit und kauften bei der Konkurrenz.

Am Ende musste Lidl zurückrudern.

(dpa/BLZ)

Biowetter:

Bluthochdruck

Kopfschmerzen

Schlafstörungen

Rheumaschmerzen

Atemwegsbeschwerden

Pollenflug:

Hasel

Erle

Pappel

Weide

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute haben Wolken die Oberhand. Sie lassen mitunter Schauer zurück.

Dabei erreichen die Temperaturen 7Grad, und der Wind weht mäßig aus

westlichen Richtungen. Inder Nacht macht sich größtenteils Schnee oder

Schneeregen breit. Die Tiefstwerte fallen auf 1bis minus 1Grad.

Belastung

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

schwach

schwach

keine

keine

Gefühlte Temperatur: maximal 2Grad.

Wind: mäßig aus West.

Wittenberge

3°/6°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

2°/6° 3°/6°

Luckenwalde

2°/6°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

wolkig bedeckt bedeckt

2°/6° 2°/4° 3°/5°

Prenzlau

1°/7°

Cottbus

3°/6°

Frankfurt

(Oder)

2°/6°

Mit stark böigen Nordwestwinden dringt auch in höheren Luftschichten Polarluft

über Mitteleuropa in Richtung zentrales Mittelmeer vor. Dadurch bilden sich bis

ins Flachland teils kräftige Schneeregen- und Graupelschauer, anden Alpen

schneit es teils ergiebig. Warm und sonnig ist esüber Spanien.

Köln

2°/8°

Sylt

3°/6°

Saarbrücken

2°/9°

Hannover

3°/6°

Konstanz

3°/12°

Hamburg

3°/7°

Erfurt

1°/5°

Frankfurt/Main

2°/8°

Stuttgart

2°/12°

Rostock

2°/6°

Magdeburg

3°/7°

Nürnberg

0°/9°

München

1°/10°

Rügen

2°/7°

Dresden

3°/6°

Deutschland: Heute ist es meist

dicht bewölkt, esfällt immer wieder

Schneeregen, und die Temperaturen

klettern amTage auf 5bis 12 Grad.

Nachts gehen die Wertedann auf

1bis minus 4Grad zurück. Der Wind

weht in Böen regional mit Sturmstärke

aus westlichen Richtungen.

Morgen erwärmt essich auf 2bis

7Grad. Dazu ist der Himmel vielerorts

wechselnd bis stark bewölkt,

und selten rieseln auch Schneeflocken.

Der Wind weht stellenweise in

Böen stürmisch aus Nordwest.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 30 cm

Harz bis 25 cm

Erzgebirge bis 30 cm

Bayerische Alpen bis 220 cm

Mondphasen: 09.02. 15.02. 23.02. 02.03.

Sonnenaufgang: 07:44 Uhr Sonnenuntergang: 16:57 Uhr Mondaufgang: 12:02 Uhr Monduntergang: 03:23 Uhr

Lissabon

20°

Las Palmas

25°

Madrid

20°

Reykjavik


Dublin


London

10°

Paris


Bordeaux

14°

Palma

23°

Algier

25°

Nizza

18°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

15°

Tunis

22°

Rom

18°

Warschau


Wien

10° Budapest

10°

Palermo

22°

Kiruna

-15°

Oulu

-10°

Dubrovnik

16°

Athen

18°

St. Petersburg

-3°

Wilna


Kiew


Odessa


Varna

13°

Istanbul

14°

Iraklio

16°

Archangelsk

-4°

Moskau

-1°

Ankara


Antalya

16°

Acapulco 35° heiter

Bali 25° Gewitter

Bangkok 32° heiter

Barbados 27° Schauer

Buenos Aires 35° sonnig

Casablanca 22° sonnig

Chicago 3° bedeckt

Dakar 30° wolkig

Dubai 20° sonnig

Hongkong 21° bewölkt

Jerusalem 12° sonnig

Johannesburg 32° heiter

Kairo 20° heiter

Kapstadt 30° heiter

Los Angeles 13° sonnig

Manila 30° heiter

Miami 25° wolkig

Nairobi 26° Schauer

Neu Delhi 20° sonnig

New York 11° Regen

Peking -2° sonnig

Perth 37° Schauer

Phuket 34° heiter

Rio de Janeiro 30° Schauer

San Francisco 11° heiter

Santo Domingo 27° Schauer

Seychellen 29° wolkig

Singapur 33° heiter

Sydney 22° wolkig

Tokio 11° bewölkt

Toronto 3° Schnee


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 3 *

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Seite 3

Stadt der Kinder

Frühstück im Hause Uemoto: Haruta, Mutta und Konoe lassen es sich schmecken. Dass Kinder mit mehreren Geschwisternaufwachsen, ist in Japan eine Seltenheit. In der Kleinstadt Nagi nicht.

Haruta ahnt natürlich nicht, dass

er der winzige Teil einer Erfolgsgeschichte

ist. Dass so viele

Menschen Hoffnung mit ihm

verbinden. Und selbst wenn er es ahnen

würde, ihm wäre esindiesem Moment vermutlich

egal. Verschlafen blinzelt der Zweijährige

auf dem Schoß seiner Mutter und

schmiegt sich an ihre Schulter. Mit seinen

Zöpfchen, die nicht mehr sind als drei Büschel

pechschwarzesHaar,erinnerteraneinen

kleinen Samurai.

Mama Hiromi Uemoto steckt ihrem

Jüngsten mit den Essstäbchen Reis in den

Mund, schiebt ein wenig Spinat hinterher.

Bruder Mutta, fünf Jahre alt, stolpert imPyjama

an den Frühstückstisch. Der Älteste,

der sieben Jahre alte Kanta, erledigt noch

schnell die letzten Hausaufgaben. Er übt

Schriftzeichen, während seine sechsjährige

Schwester Konoe, ein zierliches Mädchen

mit Rattenzöpfen, in ihre Schuluniform

schlüpft. DieWände hängen voll mit krakeligen

Zeichnungen und Fotos der Geschwister,mal

stolz, mal scheu lächelnd.„Meine Familie

ist alles für mich“, sagt Hiromi mit zärtlicher

Stimme.„Mein wichtigster Schatz.“

Als sie Mutter wurde, wusste sie: Nirgendwo

würde ihre Familie bessere Bedingungen

finden als in ihrer Heimat Nagi.

Denn hier spielt die Erfolgsgeschichte, hier

besteht die Hoffnung, das Schrumpfen der

Bevölkerung, das Alternder japanischen Gesellschaft

etwas aufhalten zu können. Derzeit

gibt es 127 Millionen Japaner.Und sollte

die Geburtenrate nicht steigen, werden es

Berechnungen zufolge im Jahr 2060 nur

noch 87 Millionen sein. Nagi ist die Stadt der

Kinder.Ein Model für die Zukunft Japans,das

anders als die USA oder Deutschland kein

Einwanderungsland sein will, um die demografische

Entwicklung zu drehen.

Jugend ist eine Ressource

Zuvorlebte Hiromi mit ihrem Mann Taishira

eine halbe Autostunde entfernt in der Großstadt

Tsuyama. Vier Kinder hätte sich das

Paar dort niemals leisten können. Darum

entschieden sie sich, zurück zu Hiromis

Wurzeln zu ziehen. Umrahmt von sanften

Hügeln, vondichtem Wald, durch den Bären

streifen, liegt die Kleinstadt im Südwesten

des Landes,mitten in der Einöde.Reisterrassen

ziehen sich wie Stufen den Hügel hinauf,

Bauern pflanzen Setzlinge in die überfluteten

Felder.

Es gibt ein Café, einen riesigen Supermarkt,

ein winziges Polizeirevier, das fast

überflüssig wirkt an diesem friedlichen Ort–

und es gibt nagelneue Spielplätze. Hiromi

wundert sich nicht mehr darüber, dass sich

so viele Menschen mittlerweile für das verschlafene

Städtchen interessieren: Dasjapanische

Fernsehen war da, es folgten Delegationen

aus allen Ecken des Landes und ganz

Japan hat eine der geringsten Geburtenraten der Welt.

Die Bevölkerung schrumpft und altert dramatisch. Die Kleinstadt Nagi

kämpft dagegen an –und gilt als Vorbild für das ganze Land

VonIsabell Stettin (Text) und Sascha Montag (Fotos), Nagi

Asien, die sehen wollten, was ausgerechnet

Nagi zum Vorbild macht.

Als Hiromi vor 32Jahren geboren wurde,

zählte die Stadt 8000 Einwohner. Umein

Viertel ist die Zahl seitdem geschrumpft. Im

ganzen Land ist die Bevölkerungskurve im

Sinkflug. Während in den Megametropolen

wie Tokio die Menschen dicht an dicht leben,

oft in Wohnungen klein wie Besenkammern,

sterben ganze Dörfer aus. Doch die Menschen

in Nagi haben einen Weg gefunden,

den Abwärtstrend zumindest aufzuhalten,

einen Weg, der die Menschen zurückholt

und anzieht, ihnen Hoffnung gibt.

Die Hoffnung lacht und hat Zahnlücken.

Auf dem Hof vor ihrem Wohnblock warten

Kanta und Konoe auf die Nachbarskinder.

Hiromi zählt durch und winkt dem kleinen

Tross nach, der sich zur Schule bewegt. Dann

bringt sie ihreKleinen weg: Mutta in den Kindergarten,

Haruta in die Kita. Beim Abschied

verdrückt der kleine Samurai Tränen.

Es ist der einzigeWeg, um die Stadt am Leben

zu erhalten, glaubt Oku Chocho. Der

Bürgermeister residiertimRathaus,vor dem

eine Skulptur mit Kindern steht und wo sie

2012 eine Erklärung unterschrieben haben:

Nagi solle eine Stadt voll mit Kinderstimmen

werden, „wo Elterndas Glück erleben, das es

bedeutet, Kinder großzuziehen“. Für den

Bürgermeister ist die Jugend eine Ressource.

In manchen japanischen Gemeinden mussten

längst die Schulen schließen, Häuser stehen

leer, Krankenhäuser machen dicht.

„6 000 Einwohner sind für uns die magische

Grenze, die wir halten wollen.“

In Nagi haben sie verstanden: Wollen sie

weiter bestehen, müssen sie alles daransetzen,

dass die Familien unbeschwert leben

können. Durch die ganze Stadt spannt sich

ein Netz, das Paare auffängt, Eltern unterstützt,

Kinder versorgt. Für das erste Kind

gibt es einmalig 100 000 Yen, etwa 830 Euro,

für das fünfte 400 000, rund 3300 Euro. Die

Schule ist umsonst. Keiner muss auf einen

Kitaplatz warten. Ist ein Kind krank, bekommt

es kostenlos Medizin. Wollen die Eltern

ausgehen, können sie einen Babysitterservice

in Anspruch nehmen.

Grundstücke gibt es besonders günstig

für Familien. Die Stadt hat Wohnblöcke aufgekauft,

um sie billiger zu vermieten. Rund

eine Million Euro im Jahr kostet diese Maßnahme.

Angestellte der Stadt haben zeitweise

geringere Löhne akzeptiert. Die Zukunft

der Stadt ist eine gemeinsame Anstrengung.

Undder Plan scheint aufzugehen.

In der Provinz funktioniert imKleinen,

wofür Länder wie Japan oder Deutschland

seit langem kämpfen: Die Frauen bekommen

mehr Kinder.Die Geburtenrate erreicht

Spitzenwerte. Familien mit drei, vier, sogar

fünf Kindern sind keine Seltenheit. Im

Schnitt bekommen japanische Frauen nur

Hiromi Uemoto mit Sohn Haruta auf einem von Nagis

nagelneuen Spielplätzen.

1,4 Kinder.InNagi waren es 2014 doppelt so

viele. Inzwischen hat sich die Rate bei 2,3

eingependelt. Ein Spitzenplatz und Erfolg in

einem Land, das nicht nur die höchste Lebenserwartung

weltweit hat, sondern zugleich

eines mit der niedrigsten Geburtenrate

ist. Junge Japanerinnen und Japaner heiraten

immer später und schieben die Geburt

des ersten Kindes hinaus.Der Bürgermeister

vonNagi ist kein Träumer,erweiß: „Wir werden

dennoch schrumpfen.“ Aber langsamer

als anderswo.

Hiromi fährt zum Hotel ihres Vaters, wo

sie arbeitet. Sie kümmert sich um Buchungen,

bereitet Essen vor, während nur wenige

Kilometer entfernt Haruta seine Abschiedstränen

verschmerzt hat. Im Gänsemarsch

stolperndie Kita-Kinder aus der „Häschen“-

Gruppe durch Nagi, sie singen, nehmen sich

an den Händen, pflücken Pusteblumen. Haruta

lässt sich vonder Erzieherin tragen.

Überhaupt sind es die Frauen, die die

Stadt gestalten und die Last schultern. Fast

drei Viertel der Mütter sind berufstätig, fast

alle arbeiten vor Ort. Frauen müssen sich in

Japan oft entscheiden für Karriere oder Kinder.

60Prozent verlassen ihren Arbeitsplatz

nach der Geburt eines Kindes und widmen

sich ausschließlich Haushalt und Familie.In

Nagi lässt sich beides vereinbaren.

Hiromi bedeutet ihre Arbeit viel. Sie gehört

zu jener Generation japanischer

Frauen, die gut ausgebildet ist wie noch nie.

Sie hat Ernährungswissenschaften studiert,

früher in der Schulmensa als Beraterin gearbeitet.

Allein vom Gehalt ihres Mannes

könnten sie kaum leben. Als Bauarbeiter ist

er viel unterwegs, andiesen Tagen ist er auf

Geschäftsreise. Meist verlässt er um sechs

das Haus und kehrt nicht vor sieben am

Abend zurück. So bleibt die Kinderversorgung

Hiromis Sache.

Mütter,die nur einige Stunden in der Woche

arbeiten können oder wollen, gehen zu

einer stillgelegten Tankstelle,woeine Jobvermittlung

untergebracht ist. DieFrauenregistrieren

sich für Hilfstätigkeiten, sie pflegen

Datenbanken, unterstützen Bauern bei der

Ernte, verpacken Gemüse, während ihre

Kleinen in einer betreuten Spielecke toben.

Miku Yonezawa, 29, kommt mit ihrem

Sohn auf dem Arm. Aki ist neun Monate alt

und klammert sich an sie. Die vierjährige

Shiori rast mit einem anderen Mädchen

durch den Raum.Für dieGrafikdesignerin ist

es eine perfekte Lösung. „Immer, wenn ich

Zeit habe,komme ichvorbei, verdiene Geld –

und treffe dabei oft noch Freundinnen.“

Doch das Herz der Stadt, das heimliche

Wohnzimmer für die Mütter vonNagi, ist das

„Kinderheim“, ein Flachbau mit großem

Garten, mit Beeten und Spielgeräten. Um die

Mittagszeit sitzen mehrereFrauen mit ihrem

Nachwuchs am Tisch. Großeltern kommen

hierher, auch Eltern aus umliegenden Gemeinden,

weil es immer Spielkameraden

gibt, unzählige Bücher und Kuscheltiere.

Mütter haben Babykleidung für einen Basar

mitgebracht, die Kinder haben einen kleinen

Kaufladen aufgebaut.

Lokalpolitiker aus Südkorea streifen

durch die Gänge, umsich etwas von dem

Konzept abzuschauen. Im Spielzimmer

krabbelt Baby Miyu, acht Monate alt, und

schnappt nach einem Teddy. Shoko Ishiodori,

75 Jahre alt, sitzt wachsam daneben.

Früher war sie Kindergärtnerin. Jetzt ist sie

eine von vielen Ehrenamtlichen, die auf die

Kleinen aufpassen. „Mich macht es glücklich,

dass sie hier einfach Kind sein dürfen.

Alles ist entspannter,nicht so streng wie früher.“

Ihr Lächeln ist verborgen hinter einem

Mundschutz, die Augen leuchten. Als Stadtoma

fühlt sie sich gebraucht. Ihre sechseigenen

Enkel sieht Shoko Ishiodori selten, ihre

Kinder sind vor Jahren nach Schweden und

Bali ausgewandert. Im „Kinderheim“ kümmertsie

sich um die vielen Ersatzenkel.

Zu sechst in einem Bett

Einbisschen erinnertdie Stadt an eine große

Familie. „Das macht diesen Platz so besonders

für uns“, sagt Hiromi am Abend, als ihre

Kinder und sie wieder am Tisch zusammenkommen.

Geht es nach ihr, werden sie in

Nagi groß. Nur ihreWohnung wird langsam

zu eng. IhrMann und sie träumen davon, ein

Häuschen zu bauen. Noch schlafen sie zu

sechst eng aneinander gekuschelt auf Reisstrohmatten

im kleinen Schlafzimmer. Jede

Ecke ist genutzt. Auf Regalbrettern über der

Eingangstür stapeln sich Schuhe, aus denen

die Kinder immer schneller herauswachsen.

Müde stochernsie nach dem Fußballtraining

im Abendessen herum. Die Augen kleben

am Fernsehbildschirm, über den ihr

Mangaheld hüpft: Anpanman ist der Star der

Kinder von Nagi, eine gutmütige Figur aus

Brotteig, gefüllt mit Bohnen. Erverteilt sich

an die Hungrigen, nährt und stärkt sie.Viele

in Japan sagen, er soll den Kleinen alsVorbild

dienen, zeigen, wie wichtig es ist, für die Gemeinschaft

Opfer zu bringen. Es geht um das

große Ganze, um Zusammenhalt, nicht nur

den Einzelnen. Jeder trägt seinen Teil zum

Gelingen bei. DieEinwohner vonNagi haben

das bereits verinnerlicht.

Isabel Stettin wurde vomersten Tag

an wie ein Familienmitglied aufgenommen

–offen und herzlich.


4 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

BKA fordertStrafe für

Feindlisten-Urheber

DerChef des Bundeskriminalamts,

Holger Münch, forderteine Strafverschärfung

für die Veröffentlichung

sogenannter Feindeslisten. „Wer Listen

vermeintlicher „politischer Gegner“

veröffentlicht –verbunden mit

Drohungen wie „Wir kriegen Euch

alle“ –der tut dies mit dem Ziel,

Menschen einzuschüchternund

Angst zu verbreiten“, sagte Münch in

Berlin. „Wir glauben deshalb,dass

das Verfassen solcher Listen nicht

nur ein datenschutzrechtlicher Verstoß

sein, sondernunter Strafe gestellt

werden sollte.“ (dpa)

Gering- und Normalverdiener

besondersbelastet

Geringverdiener und Mittelschicht

tragen aktuellen Zahlen zufolge

überproportional viel zur Finanzierung

des deutschen Sozialstaats bei.

Arbeitnehmer mit einem zu versteuernden

Jahreseinkommen bis zu

70 000 Euro tragen 81 Prozent der

Sozialabgaben –obwohl sie nur 65

Prozent des Gesamteinkommens

verdienen. Dasgeht aus der Antwort

des Arbeitsministeriums auf eine

Linken-Anfrage hervor, die der Deutschen

Presse-Agentur vorliegt und

über die auch die „Süddeutsche Zeitung

berichtete.Arbeitnehmer mit

mehr als 110 000 Euro Jahreseinkommen

tragen demnach nur rund

fünf Prozent der Sozialabgaben, obwohl

sie über 22 Prozent des Einkommens

verfügen. (dpa)

Sofortprogramm für bessere

Ausrüstung der Bundeswehr

Miteinem Sofortprogramm für die

vereinfachte Beschaffung vonMaterial

und Ausrüstung will Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-

Karrenbauer Dauerprobleme der

Bundeswehr angehen. „Ja, die Einsatzbereitschaft

muss besser werden“,

sagte die CDU-Vorsitzende am

Montag zum Auftakt einer zweitägigen

Konferenz der militärischen

Führung in Berlin. (dpa)

Bundesregierung kritisiert

Trumps Minenentscheidung

DieBundesregierung hat die Entscheidung

vonUS-Präsident Donald

Trump zur Rücknahme des Landminen-Banns

als„Rückschlag“ im weltweiten

Vorgehen gegen diese Waffen

kritisiert. „Die Bundesregierung bedauertdiese

Entscheidung des amerikanischen

Präsidenten“, sagte Regierungssprecher

Steffen Seibertam

Montag in Berlin. „Wir sehen darin

einen Rückschlag für die internationalen

Bemühungen, einen weltweiten

Bann vonLandminen zu erreichen.“

(AFP)

London kündigt Änderungen

im Strafvollzug an

Polizisten untersuchen nach dem Terroranschlag

einen Bus im Süden Londons. AP

Verurteilte Terroristen sollen künftig

nicht automatisch vorzeitig aus britischen

Gefängnissen entlassen

werden. Seine Geduld sei am Ende,

sagte Premierminister BorisJohnson

am Montag, einen Tagnach der

Terrorattacke im Süden Londons.

„Es ist an der Zeit zu handeln.“ Die

Regierung werdeneue Gesetzevorlegen.

(dpa)

Zuspruch für Seehofer

SPD und Mieterbund stützen Forderungen nach stärkerem Mieterschutz –und wollen jetzt Taten sehen

VonUlrich Paul

Die Antworten ließen nicht

lange auf sich warten.

Nachdem sich Bundesbauminister

Horst Seehofer

(CSU) am Sonntag dafür ausgesprochen

hat, Mieter besser vorMietwucher

zu schützen und die Umwandlung

von Miet- in

Eigentumswohnungen zu begrenzen,

hat er am Montag Zustimmung

von SPD und Mieterbund erhalten –

verbunden allerdings mit der Forderung,

den besseren Mieterschutz in

der Koalition durchzusetzen.

„Der Mietwucher-Straftatbestand

muss dringend verschärft werden“,

erklärte der rechtspolitische Sprecher

der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes

Fechner. „Der Staat darf Mieter

beiWuchermieten nicht allein lassen,

deshalb braucht es einen tauglichen

Straftatbestand gegen Mietwucher.“

Erst vordreiWochen habe die SPD die

jetzt von Seehofer erhobene Forderung

in ein laufendes Gesetzgebungsverfahren

einbringen wollen – die

Union habe dies jedoch abgelehnt.

„Seehofer muss sich jetzt mit dieser

überfälligen Verschärfung des Wucherparagrafen

in der Union durchsetzen,

damit wir rasch diese wichtige

Gesetzesänderung zum Schutz der

Mieterinnen und Mieter beschließen

können“, fordertFechner.

Bisherige Regelung zu lasch

Ähnlich äußert sich der Deutsche

Mieterbund (DMB). „Wir unterstützendie

Vorhaben vonBundesbauminister

Horst Seehofer,Wuchermieten

zu verhindern und Umwandlungen

von Miet- in Eigentumswohnungen

zu erschweren“, so DMB-Präsident

Lukas Siebenkotten. Jetzt müsse der

Minister seinenWorten aber auch Tatenfolgen

lassen.

Nach dem bestehenden Mietwucher-Paragrafen

begehen Vermieter,

die eine Miete von mehr als 20Prozent

über der ortsüblichen Vergleichsmiete

verlangen, zwar eine

Ordnungswidrigkeit, die mit einer

Geldbuße zu ahnden ist. Das Problem

ist nur, dass der Paragraf in der

Praxis kaum anwendbar ist, weil eine

weitere Voraussetzung ist, dass der

Vermieter eine Zwangslage des Mieters

ausnutzt. Unddas kann Vermieterninder

Regel nicht nachgewiesen

werden.Der Bundesrat hat auf Initiative

Bayerns inzwischen vorgeschlagen,

die Ausnutzung einer Zwangslage

aus dem Gesetz zu streichen.

„Der partei- und länderübergreifende

Gesetzentwurf des Bundesrats

liegt jetzt im Bundestag“, sagt der

Werdarf durch die Tür? Vermieter bestimmen derzeit am Wohnungsmarkt.

Profitables Modell: Die Umwandlung

vonMiet- in Eigentumswohnungen

ist ein lukratives

Geschäft. In Städten

wie Berlin werden besonders

in den beliebten Gründerzeitvierteln

häufig Mehrfamilienhäuser

vonGeschäftemachernerworben,

um die

Wohnungen dann einzeln

sehr viel teurer weiterzuverkaufen.

UMWANDLUNGEN

Gesetzliche Grenzen: Um

Mieter in Milieuschutzgebieten

besser zu schützen, gibt

es in Berlin seit 2015 eine

Verordnung,nach der Umwandlungen

nur eingeschränkt

möglich sind. Erlaubt

werden müssen sie

aber,wenn Eigentümer erklären,

dass sie die Wohnungen7Jahre

lang nur den

Mieternzum Kauf anbieten.

Weit geöffnete Hintertür:

Die 7-Jahre-Ausnahme wird

vonvielen Umwandlerngenutzt.

So lagen in Berlin im

Jahr 2018 rund 5200 von

12 800 umgewandelten

Wohnungen in einem Milieuschutzgebiet.

Der Anteil der

Wohnungen, die aufgrund

der7-Jahre-Ausnahme umgewandelt

wurden, lag dabei

laut Senat bei 98 Prozent.

Gefühlt unverwundbar

GETTY /DAZELEY

DMB-Präsident. Wenn die Bundesregierung

mitziehe, könne die Große

Koalition kurzfristig eine Regelung

gegen Mietwucher schaffen.

Auch bei Umwandlungen von

Miet-inEigentumswohnungen, sieht

der Mieterbund Handlungsbedarf.

Die Umwandlungen führen oftmals

dazu, dass Mieter nach Ablauf der gesetzlichen

Schutzfristen von Eigenbedarfskündigungen

bedroht sind

oder dass die Mieten stärker steigen.

In Berlin sind Umwandlungen in Milieuschutzgebieten

zwar seit März

2015 genehmigungspflichtig, jedoch

nicht ausgeschlossen. So müssen die

Ämter eine Umwandlung gestatten,

wenn die Eigentümer erklären, dass

sie die Wohnung sieben Jahre lang

nur den Mietern zum Kauf anbieten.

Diese HintertürimGesetzführt dazu,

dass in Milieuschutzgebieten Mietwohnungen

weiter tausendfach in Eigentumswohnungen

umgewandelt

werden. Die Mieter indes kaufen in

den wenigsten Fällen ihreWohnung.

Widerstand aus der CDU

Das Problem: Nach Ablauf der Sieben-Jahres-Frist

kann der Eigentümer

eine umgewandelte Wohnung

im Milieuschutzgebiet normal verkaufen.

Dann gilt dortsogar nurnoch

ein fünfjähriger Kündigungsschutz,

während die Mieter in den anderen

Gebieten der Stadt zehn Jahre geschützt

sind. Ein Referentenentwurf

vonJustizministerin Christine Lambrecht(SPD)

zur Begrenzung vonUmwandlungen

liege vor, sagt DMB-Präsident

Siebenkotten.Wenn auch Bauminister

Seehofer für die Begrenzung

der Umwandlungen sei, könne ein

Gesetz kurzfristig in den Bundestag

eingebracht werden.

Das dürfte jedoch schwierig werden.

Denn aus der CDU werden Bedenken

gegen ein verschärftes Mietrecht

angemeldet. DerCDU-Bundestagsabgeordnete

Jan-Marco Luczak

sagt, er halte es für richtig, die Eigentumsbildung

zu fördern. „Die Einschränkung

der Umwandlung von

Miet- inEigentumswohnungen sehe

ich daher sehr kritisch“, so Luczak. Einem

verschärften Vorgehen gegen

Mietwucher steht Luczak ebenfalls

ablehnend gegenüber. Auch er wolle

nicht, dass Menschen verdrängt werden,

sagt er,aber die Bundesratsinitiative

schieße über das Ziel hinaus.

„Damit werden nicht nur viele private

Kleinvermieter kriminalisiert“, so Luzak.

DerVorstoß sei auch auf die Regelungen

der Mietpreisbremse nicht

abgestimmt und schaffe folglich eine

große Rechtsunsicherheit.„Das lehne

ich ab“, sagt Luczak.

Donald Trump nutzt den Super Bowl, um die Demokraten zu attackieren. Eigentlich ist das ein Tabu

VonThomas Spang,Washington

Eigentlich hätte es sich der Präsident

bei seiner jährlichen Super-

Bowl-Party an seinem Wintersitz von

Mar-a-Lago gut gehen lassen können.

„Wir haben die besten Umfrage-

Ergebnisse die wir jemals hatten“,

raunte Donald Trump einer Gruppe

von Gästen im Speisezimmer zu, das

er zu den Klängen von„GodBless the

U.S.A“ betrat.

Tatsächlich wird Trump das Impeachment

unversehrt überstehen.

Dank der republikanischen Mehrheit

im Senat ist an diesem Mittwoch mit

einem Freispruch zu rechnen. Die

Amerikaner halten Trump laut einer

Erhebung des Wall Street Journals

zwar mit großer Mehrheit für schuldig,

seine Macht missbraucht und

den Kongress behindert zu haben,

bleiben aber gespalten, ob er aus dem

Amt entfernt werden sollte. 46Prozent

sind dafür, 49Prozent dagegen.

Damit wirdTrump bei seiner„State of

the Union“-Rede am Dienstag kaum

behaupten können, die Amerikaner

seien ein vereintesVolk.

Trump dürfte sich nun unverwundbar

fühlen und bestätigt in seinem

Credo,das er auf den durchgesickerten

„Hollywood-Access“-Videos

verkündet hatte. „Wenn Du ein Star

bist, lassen sie dich alles machen“, erklärte

er damals,warum er ungestraft

Frauen sexuell angreifen dürfe. „Du

kannstalles machen.“

Kansas liegt nicht in Kansas

Seine Fans im Kongress und Mar-a-

Lago bestätigen das.„Wie immer hat

unser Präsident einen weiteren Sieg

errungen“, jubilierte Toni Kramer,der

in diesem Jahr die Footballparty für

Trump ausgerichtet hat. „Er hat den

Super-Bowl von Washington gewonnen“,

sagt der Trump-Sponsor einem

Reporter vorOrt.

Doch Feierlaune wollte sich beim

Präsidenten nicht so recht einstellen.

Trump musste auch während des

Footballfests an seine demokratischen

Widersacher denken. In einem

vorab aufgezeichneten Interview mit

seinem Lieblingsstichwortgeber auf

Fox, Sean Hannity, zog er über seine

potenziellen Herausforderer her. Der

„schläfrige“ Joe Biden bekam sein

Fett ebenso ab wie Elizabeth Warren.

UndBernie Sanders stempelteTrump

als„Kommunisten“ ab und erweckte

den falschen Eindruck, er habe in

Moskau geheiratet. Er selber präsentierte

sich als Opfer einer Hexenjagd.

„Das war sehr unfair.“

Ganz besonders ging Trump sein

alter Gegenspieler Michael Bloombergunter

die Haut,der versprochen

hat, dafür zu sorgen, dass Trump

nicht wiedergewählt wird. Egal, ob er

selber Kandidat wirdoder ein anderer

Demokrat. Bloomberg gab bereits

170 Millionen Dollar im Wahlkampf

aus und schaltete für zehn Millionen

Dollar Werbezeit beim Super-Bowl.

Darin ging es allerdings nicht um

Trump,sondernsein Engagement gegen

die Massenschießereien im Land.

Der Präsident wollte dem nicht

nachstehen und schaltete für die gleiche

Summe ebenfalls zwei Spots, in

denen er schamlos Wahlwerbung betrieb.Eigentlich

ein Tabu bei dem nationalen

Sportfest, das rund 100 Millionen

Menschen verfolgen. Dass Fox

vor der exklusiven Liveübertragung

das Gefälligkeitsinterview mit Hannity

ausstrahlte, zeigt nach Ansicht

von Analysten wie sehr das Weiße

Haus und der Sender inzwischen verschmolzen

sind.

Trump behauptete der körperlich

kleine Bloomberg habe für seine Debatte

bei den Demokraten eine Kiste

verlangt, auf der er stehen kann. Eine

Sprecherin des Bloomberg-Teams

feuerte zurück. „Er ist ein pathologischer

Lügner, der über alles lügt:

seine falschen Haare, seine Fettleibigkeit,

seine aufgesprühte Bräune.“

Statt seine Super-Bowl-Party zu

genießen, verwechselte Trump in seiner

Rage amEnde den Bundesstaat,

aus dem die siegreichen Kansas

Chiefs kommen. „Sie repräsentieren

den großartigen Staat von Kansas“.

Tatsächlich kommt das Team aus

Missouri. Zehn Minuten später war

der Tweet gelöscht.

Thomas Spang

erkennt bei DonaldTrump

wenig Gelassenheit.

Ein

Konkurrent für

Ramelow

AfD schickt Parteilosen zur

Wahl des Regierungschefs

Die AfD hat einen Dorfbürgermeister

als Gegenkandidaten

von Bodo Ramelow (Linke) bei der

Wahl des Ministerpräsidenten in

Thüringen aufgestellt. DieAfD-Landtagsfraktion

nominierte am Montag

den parteilosen Kommunalpolitiker

Christoph Kindervater. „Ich möchte

Rot-Rot-Grün verhindern“, sagte der

42-Jährige.Kindervaterist ehrenamtlicher

Bürgermeister der 350-Einwohner-Gemeinde

Sundhausen im

Nordwesten Thüringens und gehört

nach eigenen Angaben keiner Partei

an. Erbezeichnete sich aber als Unterstützer

der Werteunion – einer

Gruppe sehr konservativerCDU-Mitglieder.

Kindervater ist der bundesweit

erste Ministerpräsidentenkandidat,

der auf einem AfD-Ticket antritt.

In Thüringen soll an diesem Mittwoch

ein neuer Regierungschef gewählt

werden.Der bisherige Amtsinhaber

Ramelow stellt sich zur Wiederwahl.

Der 63-Jährige bastelt seit

Monaten an einer Minderheitsregierung

aus Linker,SPD und Grünen.

Mitihrem Wahlvorschlag wolle die

AfD zeigen, wie man eine Neuauflage

eines rot-rot-grünen Regierungsbündnisses

in dem Bundesland verhindere,

sagte AfD-Landessprecher

Stefan Möller.Kindervatersolle bereits

ab dem ersten Wahlgang antreten. Allerdings

wirdder 42-Jährige nach eigenen

Angaben am Mittwoch nicht

selbst im Landtag erscheinen. Er habe

eine Dienstreise in Hessen, die er nicht

verschieben könne, sagte er. Sowohl

CDU als auch FDP in Thüringen hatten

stets ausgeschlossen, einen AfD-

Kandidaten mittragen zu wollen.

Christoph Kindervater ist ehrenamtlicher

Bürgermeister in Sundhausen.

DPA

Nachdem SPD und Grüne auf

Parteitagen bereits grünes Licht für

eine Minderheitsregierung gegeben

hatten, machten nun auch die Linken-Mitglieder

endgültig den Weg

frei. Mehr als 95 Prozent stimmten in

einer Befragung dem ausgehandelten

Regierungsvertrag zu.

Ramelowfehlen mit seinem angepeilten

Bündnis im Parlament vier

Stimmen für eine Mehrheit. Linke,

SPD und Grüne kommen nur auf 42

der 90 Sitze. Während Ramelow in

den ersten beiden Wahlgängen eine

absolute Mehrheit bräuchte, umals

Ministerpräsident gewählt zu werden,

reicht im dritten Wahlgang laut

Verfassung eine relative Mehrheit. In

diesemWahlgang sind nach Angaben

eines Landtagssprechers auch spontane

Kandidaturen möglich. Auch das

Zurückziehen eines Bewerbers sei

denkbar.

DieCDU will in den ersten beiden

Wahlgängen keinen eigenen Kandidaten

ins Rennen schicken und sich

danach mit der FDP abstimmen. Aus

der FDP hieß es, dass Landesparteiund

Fraktionschef Thomas Kemmerich

im drittenWahlgang kandidieren

solle,sofernneben Ramelowauchein

Bewerber der AfD zurWahlsteht.Für

Ramelow könnte ein Gegenkandidat

auch Vorteile bringen: Derzeit gilt es

als juristisch umstritten, ob ein Einzelkandidat

in Thüringen mit mehr

Nein- als Ja-Stimmen gewählt werden

kann. Im Fall von mindestens zwei

Kandidaten gilt die Verfassung aber

als eindeutig: Gewählt ist dann, wer

diemeisten Stimmen erhält. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 5· ·

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

4.11.19

BÖRSE

▲ 13048,90 (+0,52 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

4.11.19

Euro in US-Dollar

4.11.19

Stand der Daten: 03.02.2020 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

3.2.20

▼ 55,72 (–1,66 %)

3.2.20

▲ 1,1066 (+0,13 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 03.02. zum Vortag

3.2.20

Sartorius Vz. 218,60 +3,80 WWWWWWWWW

Bechtle 134,50 +2,91 WWWWWWW

Nemetschek 63,25 +2,76 WWWWWWW

DeliveryHero 71,34 +2,47 WWWWWW

SAP 120,04 +1,88 WWWWW

Qiagen 30,71 +1,82 WWWWW

Verlierer

aus DAX und MDAX vom 03.02. zum Vortag

Healthineers 40,42 WWWWWWWWWWW –4,86

Dialog Semic. NA 38,06 WWWWWWWWWW –4,54

thyssenkrupp 10,69 WWWWWWWWWW –4,30

Varta 74,00 WWWWWWWWW –3,77

Siltronic NA 94,52 WWWWWWWW –3,24

Metro St. 12,31 WWWWWW –2,30

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 03.02. ±% z. 31.01.

Euro Stoxx 50 (EU) +0,66

3814/3125 3665,01

CAC 40(FR) +0,62

6110/4946 5842,39

S&P UK (UK) +0,79

1562/1415 1481,57

RTS (RU) +0,43

1652/1152 1523,65

IBEX (ES) +0,45

9710/8409 9409,80

Dow Jones (US) +1,11

29374/24681 28570,02

Bovespa (BR) +0,38

119593/89409 114002,70

Nikkei (JP) –1,01

24116/20111 22971,94

Hang Seng (HK) +0,08

30280/24900 26370,59

Stx Singap. 20 (SG) –1,19

1674/1492 1573,23

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,45 0,45 0,45

Advanzia **

advanzia.com - 0,30 0,30

NIBC Direct **

nibcdirect.de 0,25 0,25 0,25

PSA Direktbank **

psa-direktbank.de 0,25 0,25 0,25

RaboDirect **

rabodirect.de 0,25 0,25 0,25

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

069/98660966 0,00 0,00 0,00

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse

030/86986969 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,07 0,08 0,07

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die Ausbreitung des Virushat den Börsen vor allem im ostasiatischen Raum in den vergangenen Tagen gehörig zugesetzt.

Coronavirus greift die Märkte an

Chinas Börse verzeichnet Verluste von 600 Milliarden Euro. Auch das Reisen in der Region wird schwieriger

VonAndreas Landwehr und Carsten Hoefer

Die Furcht vorder Ausbreitung

des neuartigen Coronavirus

hat Chinas Aktienmärkten

die größten

Verluste seit Jahren beschert. Die

Shanghaier Börse meldete am Montag

einen Kursrutsch um 7,72 Prozent

und verlor damit innerhalb eines

Handelstages 2,8 Billionen Yuan an

Wert, umgerechnet etwa 360 Milliarden

Euro.Der zweite Aktienmarkt des

Landes im südchinesischen Shenzhen

brach um 8,45 Prozent ein, was

einen Verlust vonzweiBillionen Yuan

(260 Milliarden Euro) bedeutete. Es

war der erste Handelstag nach den

wegen der Lungenkrankheit verlängerten

Ferien zum chinesischen Neujahrsfest,

die schon am 23. Januar begonnen

hatten.

Zuvor hatte die chinesische Gesundheitskommission

in Peking den

bisher höchsten Anstieg der Todesfälle

und neu nachgewiesenen Infektionen

innerhalb eines Tages gemeldet.

Die Gesamtzahl der Toten stieg

auf 361 –mehr als beim Ausbruch

des Schweren Akuten Atemwegssyndrom

(Sars) vor 17Jahren in China.

Die Zahl der bestätigten Infektionen

kletterte wieder sprunghaft um 2829

auf 17 205 Fälle.

Die Verluste waren so groß wie

seit der Börsenkrise 2015 in China

Shanghai Composite Index

Aktienkurs in Punkten

3100

3050

3000

2950

6.1.2020

nicht mehr.Viele Aktien fielen gleich

zu Beginn um die zehn Prozent, die

als Handelslimit festgelegt sind.

DerDax bleibt stabil

Um Panik zu verhindern, hatte Chinas

Regierung vorher noch demonstrativ

versucht, das Finanzsystem zu

stärken und die Auswirkungen der

Epidemie abzufedern –unter anderem

mit einer ungewöhnlich hohen

Geldspritze. Die Zentralbank stellte

den Geschäftsbanken 1,2 Billionen

Yuan (rund 156 Milliarden Euro) Liquidität

zurVerfügung. Es fielen aber

nicht nur die Aktienkurse, sondern

auch die chinesische Währung: Der

Yuan-Kurs sank gegenüber dem Dollar

um 1,5 Prozent.

Zwar hat die Ausbreitung des Virusauch

den Börsen weltweit in den

2976,53

3.2.2020

BLZ/GALANTY

vergangenen Tagen gehörig zugesetzt.

Die Furcht an den ostasiatischen

Börsen griff aber nicht auf

Europa über. Der deutsche Aktienindex

Dax meldete sich nach der

sehr schwachen Vorwoche sogar

mit einem leichten Plus zurück und

übersprang zunächst die Markevon

13 000 Punkten. DieAnleger hoffen,

dass die chinesische Regierung die

negativen Folgen der Epidemie mit

einem Konjunkturprogramm lindernwird.

DieVirusepidemie wirdindiesem

Jahr auch das –gemessen an den Rekorden

früherer Jahre – ohnehin

schwächelnde Wirtschaftswachstum

in China dämpfen. Dierealwirtschaftlichen

Verluste lassen sich jedoch

noch nicht beziffern. Derzeit

stehtdie zweitgrößte Volkswirtschaft

Nach dem Brexit ist vor dem Streit

der Welt weitgehend still, da die

meisten Fabriken und Büros wegen

der Epidemie auch diese Woche geschlossen

bleiben.

Auch das Reisen –einschließlich

des Geschäftsreiseverkehrs von und

nach China – wird zunehmend

schwierig. Die Regierung von Hongkong

schloss am Montag weitere

Grenzübergänge nach China. Wie

Regierungschefin Carrie Lam mitteilte,

bleiben nur noch ein Übergang

nach Shenzhen unddie Brücke

nach Zhuhai und Macao sowie eine

begrenzte Zahl von Flugverbindungen

in die Volksrepublik offen. Alle

Fähr- und Zugverbindungen sind

hingegen ausgesetzt.

Auch die Lufthansa-Gruppe

streicht wegen des Coronavirus weitere

Flüge nach China. Die Maßnahme

umfasst auch die Töchter

Swiss und Austrian, wie der Dax-

Konzern am Montag in Frankfurt

mitteilte. Peking und Shanghai werden

bis zum 29. Februar nicht mehr

angeflogen, die übrigen Ziele Nanjing,

Shenyang und Qingdao sogar

bis zum Ende des Winterflugplans

am 28. März. Die 19wöchentlichen

Verbindungen nach Hongkong werden

hingegen weiterhin unverändert

angeboten.

Weltweit haben viele Unternehmen

Geschäftsreisen von und nach

China abgesagt. (dpa, AFP)

Die Europäische Union und Großbritannien stellen sich auf harte Verhandlungen für ihre künftige Partnerschaft ein

Vor den Gesprächen über die

künftigen Beziehungen zwischen

der EU und Großbritannien

scheint die Kluft zwischen beiden

Seiten größer zu werden. Der britische

Premierminister Boris Johnson

drohte am Montag in London mit einem

harten Bruch nach der Brexit-

Übergangsphase Ende dieses Jahres.

Auch EU-Chefunterhändler Michel

Barnier schloss ein solches Szenario

nicht aus. Doch sagte er auch, ein

ehrgeiziges Freihandelsabkommen

beider Seiten sei in der kurzen Frist

sehr wohl möglich.

Großbritannien hatte die EU am

31. Januar um Mitternacht (MEZ)

verlassen. Nun geht es darum, eine

künftige Partnerschaft beim Handel,

aber auch beim Fischfang, in der Sicherheitspolitik,

beim Datenschutz

und vielen anderen Feldern zu

schmieden. Die Ansagen beider Seiten

am Montag waren jedoch kühl

oder sogar kampfeslustig.

Johnson sagte,erwolle einen umfassenden

Freihandelsvertrag ähnlich

dem der EU mit Kanada schließen.

Großbritannien werde sich bei

Die Fischfangzonen müssen zwischen der EU und Großbritannien neu geregelt werden. AFP

dersherum, sagte Johnson. „Großbritannien

wird die höchsten Standards

in diesen Bereichen beibehalten,

besser in vielerlei Hinsicht als

die der EU –ohne den Zwang eines

Vertrags, und es ist elementar, das

jetzt zu betonen.“

Außerdem werde sein Land die

Kontrolle über die eigenen Fischereigewässer

übernehmen. Ein Abkom-

den anstehenden Gesprächen mit

Brüssel aber auf keinen Fall vertraglich

auf die Einhaltung vonEU-Standards

bei Umweltschutz, Arbeitnehmerrechten

und staatlichen Beihilfen

festlegen lassen.

Es gebe für Großbritannien genauso

wenig Grund, wegen eines

Freihandelsabkommens die Regeln

der EU in Kauf zu nehmen wie anmen

darüber müsse sicherstellen,

dass britische Gewässer „zuvorderst“

britischen Booten vorbehalten

seien. DerZugang für EU-Fischer

werde jährlich auf Basis wissenschaftlicher

Daten ausgehandelt.

Genau die beiden von Johnson

genannten Punkte –gleiche Wettbewerbsbedingungen

und die Fischerei–sind

auch für die EU vonzentraler

Bedeutung, wie Unterhändler

Barnier unterstrich. Britische Zusagen

in beiden Punkten seien Voraussetzung

für das gewünschte sehr

ehrgeizige Freihandelsabkommen.

Der Zugang für britische Waren und

Dienstleistungen zum EU-Binnenmarkt

werde davon abhängen, wie

eng sich Großbritannien künftig an

EU-Regeln und Standards halte.

Barnier forderte die Wirtschaft

auf, sich schon jetzt auf die unausweichlichen

Änderungen zum Jahreswechsel

einzustellen. Auch das

beste Freihandelsabkommen sei

nicht mit den bisherigen Wirtschaftsbeziehungen

im gemeinsamen

Markt vergleichbar. Es gebe

kein „Business as usual“. (dpa)

AP

Auf

dem Boden

der Tatsachen

Ryanair leidet unter

Flugverbot der 737 Max

Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet

737 Maxwirft Europas

größten Billigflieger Ryanair

bei seinen Wachstumsplänen weit

zurück. Die Gesellschaft werde die

Schwelle von jährlich 200 Millionen

Passagieren ein bis zwei Jahrespäter

erreichen als bisher geplant, teilte

die irische Gesellschaft am Montag

in Dublin mit. Statt im Geschäftsjahr

bis Ende März2024 werdedieses Ziel

erst 2025 oder 2026 erreicht.

Mit der Auslieferung der ersten

Boeing 737 Max rechnet Ryanair-

Chef Michael O’Leary inzwischen

nicht mehr vor September oder Oktober

2020. Ursprünglich wollte er

im Sommer 58 Maschinen des Typs

in der Luft haben. Vonden Einsparungen,

die sich die Airline durch

den geringeren Kerosinverbrauch

des Modells verspricht, dürfte wegen

der verspäteten Auslieferungen erst

in etwa einem Jahr etwas zu sehen

sein. Für das laufende Geschäftsjahr

peilt O’Learyaber weiter einen Milliardengewinn

an.

Der Ryanair-Konzern betreibt

mehr als 470 Mittelstreckenjets. Dabei

handelt es sich fast durchweg um

die herkömmliche Boeing 737, nur

der österreichische Ryanair-Ableger

Lauda ist mit dem Konkurrenzmodell

Airbus A320 unterwegs.Von der

spritsparenden Neuauflage 737 Max

haben die Iren 135 Exemplare bestellt,

aber wegen des Flugverbots

noch keine einzige Maschine erhalten.

Nach dem Absturz zweier Maschinen

des Typs mit insgesamt 346

Toten gilt seit März2019 ein weltweites

Startverbot für die „Max“. Boeing

Der irische Billigflieger Ryanair wurde im

Jahr 1984 von Tony Ryan gegründet. AP

rechnet inzwischen damit, dass das

Verbot erst Mitte 2020 aufgehoben

wird.

Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal

bis Ende Dezember

flog Ryanair dank einer ungewöhnlich

starken Nachfrage und gestiegener

Ticketpreise schwarze Zahlen

ein. Unter dem Strich stand ein Gewinn

von88Millionen Euro nach einem

Verlust von 66 Millionen ein

Jahr zuvor. Imreiseschwachen Winterhalbjahr

schreiben Airlines in der

Regel rote Zahlen oder kratzen allenfalls

an der Gewinnschwelle. Ihre

Gewinne erwirtschaften sie vor allem

in der Hauptreisezeit im Sommer.

Gestiegene Ticketpreise

Während die Zahl der Fluggäste um

sechs Prozent auf 35,9 Millionen

stieg, sprang der Umsatz um 21 Prozent

auf 1,9 Milliarden Euro nach

oben. Allein die Ticketpreise stiegen

um neun Prozent, die Zusatzerlöse

etwa für bevorzugtes An-Bord-Gehen

und die Auswahlvon Sitzplätzen

legten um 28 Prozent zu.

Dank des unerwartet guten Geschäftsverlaufs

hatte die Ryanair-

Führung Anfang Januar ihre Gewinnprognose

angehoben. Im Ende

März endenden Geschäftsjahr soll

der Gewinn seither 950 Millionen

bis 1,05 Milliarden Euro erreichen.

Zuvorhatte O’Leary800 bis 900 Millionen

Euro in Aussicht gestellt,

nachdem das Ergebnis im Vorjahr

auf 885 Millionen Euro eingebrochen

war. (dpa)


6* Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Meinung

Mobilitätsgesetz

ZITAT

Eher schädlich

als nützlich

Peter Neumann

meint, dass Versprechungen auch

zur Belastung werden können.

Das Berliner Mobilitätsgesetz verheißt

das Paradies auf Erden –zumindest

für Fahrradfahrer. Was sich die Hauptstadt-Radler

wünschen, hier wird esversprochen:

breite Radfahrstreifen an jeder

Hauptverkehrsstraße, 100 000 neue Stellplätze,

100 Kilometer Radschnellverbindungen

in den kommenden Jahren –das

sind nur einige Beispiele. Kein Wunder,

dass die Radlerlobby begeistert war, als

das Gesetz 2018 vom Abgeordnetenhaus

verabschiedet wurde. Sie hat den Riesen-

Wunschzettel schließlich mitverfasst.

Sicher ist es strategisch richtig, Ziele zu

definieren, um Politik und Verwaltung auf

Trab zu bringen. „Druck auf den Kessel“

lautet eine beliebte Formulierung, die

kernigen Aktivismus demonstrieren soll.

Doch immer wieder wird deutlich, dass

das Mobilitätsgesetz zu viel verspricht.

Die schöne neue Verkehrswelt, die es in

den schönsten Farben und mit Jan van

Eyckscher Detailliebe ausmalt, passt leider

nicht zum Zustand der Verwaltung.

Ausgemergelt und demotiviert nach rotroten

Sparrunden, gefangen in einem Regeldickicht,

das eigenständiges, zügiges

Handeln hemmt, bleibt sie hinter den Ansprüchen

hoffnungslos zurück.

Das zeigt sich jetzt erneut. Bereits ein

Jahr nach der Verabschiedung des Gesetzessollte

das Vorrangnetz für den Radverkehr

fertig sein, zu dem auch Grüne Wellen

für den Radverkehr gehören, heißt es

in einem Paragrafen. Doch im Senat gibt

es keinen Zeitplan, wann das Grundkonzept

für die besonders wichtigen Verbindungen

vorgelegt werden kann. Wenig

verwunderlich, dass Radfahrer verärgert

sind. Wieder einmal zeigt sich, dass das

Mobilitätsgesetz toxischen Charakter hat.

Bislang jedenfalls war es der rot-rot-grünen

Koalition eher schädlich als nützlich.

Lebensmittel

Verschwendung

macht arm

Maritta Tkalec

sieht etliche Gründe, warum die

Lebensmittelpreise steigen müssen.

Als ich 1962 eingeschult wurde, gaben

meine Eltern rund 40 Prozent ihres

Einkommens für Lebensmittel aus.Heute

wendet ein Haushalt für das – neben

Wohnung und Kleidung –Wichtigste im

Leben noch vierzehn Prozent auf. Da

stimmt etwas nicht, ganz grundsätzlich.

Essen kaufen läuft für die Mehrheit finanziell

quasi am Rande.Über den Skiurlaub

macht sich eine Mittelstandsfamilie

mutmaßlich mehr Gedanken. Wieanders

als mit dem Rang von Lebensmitteln als

Ramschware lässt sich erklären, dass die

ach so preissensiblen Haushalte sieben

Millionen Tonnen –von ihnen bezahlte! –

Lebensmittel in den Müll werfen? Zwei

vollgepackte Einkaufswagen mit einem

Wert von 234 Euro –pro Person! Das ist

irre. Schon deshalb müssen die Preise

rauf. Aber auch, weil erstens die regional

und sorgsam produzierenden Bauern für

ihre Arbeit bezahlt werden müssen, weil

zweitens die Tierhaltung weg muss von

den schändlichenVerhältnissen, weil drittens

Essen lecker sein soll und nicht auf

Turbo gedrehter Pseudofraß, der Geschmack

chemisch vortäuscht, weil fünftens,

sechsten, siebtens …Aber was ist

mit den Leuten mit wenig Geld, die beim

Essenkaufen jeden Cent umdrehen? Die

brauchen mehr Information und mehr

Geld: HartzIV, Mindestlohn, Kindergeld.

Der Agrargipfel im Kanzleramt mahnt

den Handel zu Fairness, zuVerzicht auf

Preisdumping, zu mehr regionalen Angeboten,

zu Abnahmegarantien, zu Zahlungsmoral.

Das mag Entgleisungen erschweren.

Doch das aus der Balance geratene

System bleibt wie es ist, solange zu

viele Verbraucher sich Verschwendung locker

leisten. Denn die Wahrheit ist: Verschwendung

macht arm. Alle.

Denken Spiegel-Redakteure an

China, sehen sie nicht rot –sie

sehen gelb. Bereits 1957 brachte

das Nachrichtenmagazin ein

Stück über MaoTse-tung mit der Schlagzeile

„Die gelbe Gefahr“. 1978 widmete das Blatt

sich gar auf dem Titel jener ominösen „gelben

Gefahr“ aus Fernost. Diesmal ging es um

Geo-Politik, um einen Pakt zwischen Japan

und China, durch den sich die damalige Sowjetunion

„eingekreist“ gefühlt haben soll.

Und 2007 warnte der Spiegel, ebenfalls auf

dem Titel, vor „gelben Spionen“, die „deutsche

Technologie“ ausspähten.

Undnun das: In seiner aktuellen Ausgabe

konstatiertdas Nachrichtenmagazin in Bezug

auf das Coronavirus: „Made in China“. Die

dreiWorteprangen –wie sollte es auch anders

sein? –inknalligem Gelb auf dem Titelbild.

Der Titel kann so verstanden werden, als

hätten die Chinesen das gefährliche Virus

hergestellt. Und tatsächlich kursieren in sozialen

Netzwerken Verschwörungstheorien,

die genau das insinuieren: Das Virus, das

eine gefährliche Lungenkrankheit verursacht,

an der weltweit mehr als 17 000 Menschen

erkrankt und der rund 360 von ihnen

zum Opfer gefallen sind, sei in Labors gezüchtet

worden, heißt es dort.

Dass dies Unsinn ist, weiß man natürlich

auch beim Spiegel. Vondaher sind Beteuerungen

von Spiegel-Redakteuren glaubhaft,

man habe das Siegel „Made in China“ verwendet,

um aufzuzeigen, welche Auswirkungen

das Coronavirus auf die boomendeWirtschaft

des Landes habe.Und so geht es in der

dazugehörigen Titelgeschichte vorallem um

Ökonomie. Rassistische Untertöne findet

man in dem Text an keiner Stelle.

Dennoch: Darf man in Zeiten, da Rassismus

in Deutschland in immer mehr Milieus

Vor kurzem wurden in Berlin Paul von

Hindenburg aus der Ehrenbürgerliste

und Christian Peter Beuth als Namensgeber

der Berliner Fachhochschule für Technik

ausradiert. Bei beiden handelt es sich um

historisch ambivalente Persönlichkeiten –

eine Eigenschaft, die sie mit Tausenden Namensgebernöffentlicher

Straßen, Plätzeund

Gebäude teilen. Beuth (1781–1853) wurde

wegen antijüdischer Äußerungen getilgt –

ein Kriterium, nach dem auch RichardWagner,

Caroline von Humboldt, Friedrich List,

Franz Mehring und zig andere inden Orkus

getreten werden müssten. Der von der SPD

1932 in der Reichspräsidentenwahl gegen

Thälmann und Hitler unterstützte Hindenburgbüßte

seine Ehrenbürgerschaft ein, weil

er 1933 Hitler zum Kanzler ernannt hatte,

den zuvor Millionen Wählerinnen und Wähler

hochgejubelt hatten. Aber das Volk bleibt

für linke Geschichtssäuberer stets ein Unschuldslamm.

Deshalb darf auch Paul Lincke

(„Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft …“),

seine 1941 auf Goebbels’Wunsch verliehene

Ehrenbürgerwürde und sein Kreuzberger

Paul-Lincke-Ufer behalten.

Wir belassen auch Zar Nikolaus I. in der

Ehrenbürgerliste –einen Autokraten, der zu

Lebzeiten Beuths besonders hart gegen die

russischen und polnischen Juden vorging,

weshalb sich diese nach den in Preußen seit

1812 garantierten Freiheiten sehnten. Bismarck

und zig weitere Demokratieverächter

zieren die Liste, desgleichen Ex-Nazis wie

Herbert von Karajan und der spätere Bun-

Spiegel

Ein Blatt

sieht gelb

Kai-Hinrich Renner

über Rassismus und Einfallslosigkeit

in Zeiten des Coronavirus

KOLUMNE

Der neulinke

totalitäre

Namenssturm

Götz Aly

Historiker

despräsident Karl Carstens. Aber Hindenburgmusste

weichen. Ichverteidige ihn, und

zwar wegen seiner humanen Haltung, die er

1914 nach dem Sieg in der Schlacht vonTannenberg

gegenüber den 95 000 gefangenen

russischen Soldaten zeigte und seinen Soldaten

sofort befahl, im „gewesenen Feind

den Kameraden zu sehen“. Selbstverständlich

war das im 20. Jahrhundertnicht.

Ehrenbürger werden in Berlin seit 1813

ernannt. Dieser bürgerliche Brauch gehört

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

wieder salonfähig wird, mit einer so zweideutigen

Titelzeile um Leser buhlen? Erst vergangenen

Freitag wurde in Berlin-Moabit eine

Chinesin von zwei Frauen rassistisch beleidigt,

bespuckt, an den Haaren zu Boden gerissen,

geschlagen und getreten. In der chinesischen

Community Berlins wirdderVorfall mit

dem Spiegel-Artikel in Verbindung gebracht.

Das jedoch ist ein Ding der Unmöglichkeit:

Die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins

mit dem„Made in China“-Cover erschien

erst vergangenen Sonnabend.

So oder so: Die chinesische Botschaft

schreibt auf ihrer Website, der Titel sei ein

Dokument „radikaler Diskriminierung“.

Man „verachte“ ihn. Ein indeutscher Sprache

verfasster Tweet ist diplomatischer formuliert.

Dort heißt es, „Panikmache und

Schuldzuweisung“ nütze keinem. Den Adressaten

dieser Mahnung findet man erst am

Ende der Textnachricht. Dort steht dieTwitter-Adresse

@derspiegel.

Wahr ist aber auch, dass das deutsche

Nachrichtenmagazin im internationalen

Vergleich noch ziemlich zurückhaltend getitelt

hat: Die dänische Zeitung Jyllands-Posten

hielt es für eine gute Idee, die gelben

Sterne in der chinesischen Nationalflagge

durch stilisierte gelbe Coronaviren zu ersetzen.

Undder französische Courier picardrief

auf seinem Titel einen „gelben Alarm“ aus

und schrieb an anderer Stelle von einer

„neuen gelben Gefahr“. Dafür hat sich das

Blatt mittlerweile entschuldigt.

DerBegriff „Gelbe Gefahr“ kam Ende des

19. Jahrhunderts auf. Er sollte Ressentiments

gegen ostasiatische Völker schüren, insbesonderegegen

China. Dass er mit Rassismus

eine ganze Menge, mit gutem Journalismus

aber eher nichts zu tun hat, liegt auf der

Hand. Aber gilt das im Zusammenhang mit

dem Coronavirus auch für die in gelben Letterngedruckte

Schlagzeile „Made in China“?

DerTitel ist zumindest ebenso geschmacklos

wie die Idee derBild-Zeitung, im Kontext mit

der Pandemie allen Ernstes die Frage aufzuwerfen,

obman jetzt„noch Glückskekse essen“

dürfe.

Der Vorwurf des Rassismus ist in Bezug

auf den Spiegel-Titel aber doch überzogen.

Er ist eher ein Dokument der Einfallslosigkeit.

Denn gelb sehen die Redakteure des

Nachrichtenmagazins nicht nur, wenn es

um China geht. Dastun sie auch, wenn sie an

die FDP denken: 2005, 2006 und 2015 zierten

Spiegel-Geschichten über die Liberalen die

wenig originelle Schlagzeile: „Die gelbe Gefahr“.

zu den Errungenschaften der preußischen

Reform um Hardenberg, Humboldt und

eben auch Beuth, der auf dem Gebiet der gewerblichen

und industriellen Entwicklung

Großartiges geleistet hat. Davon abgesehen

dauerte es 144 Jahre, bis in (West-) Berlin mit

der Sozialdemokratin Louise Schröder 1957

die erste Ehrenbürgerin ernannt wurde –

1947/48 Oberbürgermeisterin von Gesamtberlin.

Ostberlin brauchte noch bis 1975, bis

auch dortdie erste Frau in die Ehrenliste aufgenommen

wurde –die bedeutende Schriftstellerin

und Stalinpreisträgerin Anna

Seghers.

Straßennamen und Ehrenbürgerlisten

sind Denkmäler unserer Geschichte. Sie

künden von Hell, Dunkel und viel Grau.

Gerne erkläre ich meinen französischen Enkeln

die Siegessäule, sowie ich den Berliner

Enkeln die Weidendammer Brücke und

Preußens Adler erkläre. Aus Respekt vor der

Geschichte bin ich dafür, das Thälmann-

Denkmal an der Greifswalder Straße zu sanieren

–deswegen ehreich nicht Ernst Thälmann

als Vasallen Stalins und Mitzerstörer

der Weimarer Republik. Aber von einer derart

liberalen Grundhaltung sind die Berliner

grünen, linken und sozialdemokratischen

Namensstürmer weit entfernt. Sie empfinden

sich als bessere Menschen, befördern

kollektivistischen Gruppenzwang, totalitäresund

überhebliches Denken und Handeln

– angeführt von nicht unsympathischen,

aber vom Reinigungsdünkel besessenen

Leuten wie Kultursenator Klaus Lederer.

„Ich will, dass

die SPD nach

der nächsten Wahl

eine Bundesregierung

anführen kann.“

Hubertus Heil,

Bundesarbeitsminister und SPD-Politiker,zeigt sich im

Interviewmit dem Spiegel zuversichtlich, dass die SPD

wieder erfolgreich sein kann

AUSLESE

Die USA sind nun

im Wahlkampf

Donald Trump wirdUS-Präsident bleiben.

Die konservative Pariser Zeitung

Le Figaro kommentiertdas erwartete

Ende des Amtsenthebungsverfahrens so:

„Die Demokraten dachten, sie hätten mit

dem ‚Impeachment‘ eine wirksame Waffe

im Wahlkampf gegen Donald Trump.

Stattdessen kann der amerikanische Präsident

hoffen. Aller Wahrscheinlichkeit

nach wirddas Amtsenthebungsverfahren

gegen ihn am Mittwoch im Senat beendet.“

Die Konsequenz daraus könne für

die Demokraten nur diese sein: „Sie müssen

für die Wahl am 3. November einen

Kandidaten aufstellen, der Trump schlagen

kann.“

Die sozialdemokratische schwedische

Tageszeitung Aftonbladet würdigt zwei republikanische

Politiker:Mitt Romney und

Susan Collins wagten es, sich gegen

Trump zu erheben und dafür zu stimmen,

neue Zeugen zuzulassen. Eslohnt sich,

sich diese beiden Namen als Repräsentanten

einer anständigen Rechten zunotieren.

Es erfordertenormen Mut, sich gegen

einen Führer zu erheben, der sich eines

Vorgehens bedient, das als Mafiamethoden

beschrieben wird.“

Für die Neue Zürcher Zeitung sind die

politischen Folgen des Impeachment-Verfahrens

noch unklar. „Welche Folgen das

im November bei der Präsidentenwahl hat,

bleibt abzuwarten. Die Umfragen zeichnen

ein durchzogenes Bild, aus dem jede

Partei lichte oder düsterePrognosen erstellen

kann.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 – S eite 7 *

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Berlin

Estrel-Betreiber

bauen den höchsten

Hotelturm

Seite 10

Verlorenes Refugium: Wiesich die Kreuzberger Bockbrauerei verändert Seiten 8und 9

Gewonnene Zeit: Warum Grüne Wellen den Rad- und Autofahrern nutzen Seite 10

Stadtbild

Auf der Matte

im Museum

Susanne Dübber

sah Ausstellungsstücke

aus yogischer Prespektive.

Wer glaubt, dass Sport treiben

und Museen besuchen, zwei

verschiedene Dinge sind, der irrt.

Warich doch neulich in der Bauhaus

-Ausstellung der Berlinischen Galerieund

betrieb dortechtes Yoga. Die

Kombination liegt im Trend.

Als ich den Termin auf der Internetseite

des Museums entdeckte,

war ich überrascht –und inspiriert.

Also rein in die Leggins und abends

um 18 Uhr los mit der Matte ins

Kreuzberger Museum. Dort fand

nach Schließung die einstündige

Sonderführung mit Kuratorin Nina

Wiedemeyer nur für uns Yogis statt.

Wie bei der Körpertechnik gab es

auch im Bauhaus Schüler (etwa

1200) und Lehrer (300 bis 400), erzählt

sie. Der Morgengruß war beim

Vorkurs, der obligatorischen einjährigen

Vorbereitung für die Bauhaus-

Studierenden, ebenso obligatorisch

wie Atemübungen und Gymnastik.

Yoga-Lehrerin Christiane Friedrich

stimmt uns auf die Asanas mit

Erinnerungen ein: „Auf dem Dach

des Bauhauses in Dessau praktizierten

Schülerinnen und Schüler vor

hundert Jahren morgens vor dem

Unterricht gemeinsam, begaben

sich in den Schulterstand.“ So körperlich

gekräftigt waren sie bestens

vorbereitet und im Kopf geöffnet für

neue Abenteuer, anderes Erleben,

künstlerische Arbeit. Nina Wiedemeyer

erklärt, dass der Vorkurs wie

Yoga sehr auf Wiederholung und Erfahrung

aufbaut. „Das eröffnet einen

großen Spielraum.“

Bauhaus-Lehrer Johannes Itten

forderte, den eigenen Atem aufzuzeichnen.

Solch ein zierlich in runden

Bleistiftlinien gezogenes „Gefühlsstenogramm“

mit wolkenartiger

Ballung betrachtete ich fasziniert

an den Museumswand. 14 Tage vorher,

beim ersten Besuch, stand ich

dort bereits, damals aber nicht in so

beschwingter Stimmung. Die Dinge

lassen sich auch anders betrachten!

Nach der Führung breiteten wir

im Nebensaal die Matten aus. Bei

90 Minuten Konzentrations- und

Atemübungen kräftigte uns die neue

Kunsterfahrung intensiv.

Auch zu der Ausstellung mit Fotos

des Fotografen Umbo, die ab 21. Februar

zu sehen ist, finden wieder

Führungen mit anschließendem

Yoga statt –nämlich am 19. Märzund

14. Mai, die Teilnahme kostet

16 Euro.ImMuseum Barberini Potsdam

gibt es ebenso Yoga-Sessions,

die nächsten im Rahmen der Ausstellung

„Monet. Orte“ am 1. und am

29. Märzsowie am 3. Mai.

Das Obdachlosen-Camp an der Rummelsburger Bucht befindet sich in der Nähe des Bahnhofes Ostkreuz. Etwa60Menschen leben dortinZelten und Hütten. CAMCOP MEDIA/ANREAS KLUG

Elend in der Bucht

Etwa 60 Obdachlose leben in Rummelsburg unterunwürdigen Bedingungen–bald wird auf demAreal gebaut

VonNorbertKoch-Klaucke

Berlin zieht Menschen aus

aller Welt an, die in diese

Stadt kommen, um zu arbeiten

oder um „Party zu

machen“. Berlin ist eine Metropole

des Wohlstandes und des Feierns –

doch auch im 21. Jahrhundert ist es

eine Stadt großer Armut. Für alle

sichtbar leben mitten im Stadtgebiet

viele Männer und Frauen unter teilweise

menschenunwürdigen Bedingungen.

Ein Beispiel dafür ist ein

Camp an der Rummelsburger Bucht.

Die Brache ist Anziehungspunkt

der Gestrandeten dieser Gesellschaft.

Obdachlose aus ganz

Deutschlands findet man dort, aber

auch Polen, Rumänen und Bulgaren.

In Zelten oder in notdürftig gezimmerten

Hütten leben sie zwischen

Schutt und Müll. Es liegen Holzpaletten,

Matratzen und Essensreste

herum. Die hygienischen Zustände

seien katastrophal, es gab Rattenplagen,

berichtet Lutz Müller-Bohlen,

Sozialarbeiter vom Verein Karuna,

der sich um die Camp-Bewohner

kümmert. „Seit einem Jahr ist nichts

mehr passiert, um die Situation hier

wirklich zu verbessern“, sagt er.

Das Camp gleicht Elendsvierteln,

die man sonst nur aus Berichten aus

den ärmsten Ländern dieser Welt

kennt. Strom und fließend Wasser

fehlen an kaum einem OrtinBerlin –

in dem Rummelsburger Camp scheinen

sie wie ein ferner Traum.

Als die Berliner Zeitung am Sonntag

vor Ort war, herrschte Ruhe auf

dem Areal. NurJogger drehten in der

Nähe ihreRunde.Sie ignorierten die

Zelte,liefen teilnahmslos weiter.

Dabei kann man das Elend auf

dem Gelände nicht nur sehen, sondern

bis weit in die benachbarten

Wohngegenden riechen – den Geruch

von verbranntem nassen Holz.

Man sieht Ofenrohre anHütten und

Zelten, aus denen Rauch steigt.

Beim Thema Obdachlosigkeit

sehe man nicht weg, auch nicht bei

dem Camp in Rummelsburg, heißt

es im Bezirksamt Lichtenberg und

bei derVerwaltung vonSozialsenatorin

Elke Breitenbach (Linke). Seit

Jahren würden sich Sozialarbeiter

um die Betroffenen kümmern, sie

bei Ämtergängen oder bei der Suche

nach einer Notunterkunft unterstützen.

„Es gibt genug Hilfsangebote“,

wird erklärt. „Nur werden diese von

den Betroffenen oft nicht angenommen.“

Etwa, weil in den Unterkünften

kein Alkohol erlaubt sei.

„Die hygienischen Zustände sind katastrophal.

Seit einem Jahr ist nichts mehr passiert,

um die Situation imCamp zu verbessern.“

Lutz Müller-Bohlen Sozialarbeiter im Obdachlosen-Camp an der Rummelsburger Bucht

1519 tätliche Angriffe auf Polizisten

Bisher vermieden Lichtenbergs

Bürgermeister Michael Grunst und

Sozialsenatorin Elke Breitenbach

(beide Linke) eine Räumung. Sie

würde wohl auch nur dafür führen,

dass die Bewohner anderswo ein Lager

aufbauen. Man setzte deshalb

auf Sozialarbeiter vor Ort, die auch

den Zuzug neuer Bewohner verhindern.

Als aber im Winter 2018/19 der

Senat im Rahmen der Kältehilfe im

Camp ein Wärmezelt und Toiletten

aufstellte, kamen noch mehr Menschen.

Biszu160 Obdachlose lebten

vergangenen Sommer in dem Camp.

In diesem Winter blieb die Hilfe

aus. Esgab kein Fördergeld. Denn

das Areal, auf dem das Camp steht,

ist Bauland. Ab Frühjahr soll der Bau

vonWohnungen und der Touristen-

Attraktion „Coral World“ beginnen.

Viele Obdachlose verließen das

Camp bereits. Derzeit sind aber

noch immer etwa 60 Menschen dort.

Für sie stellen Bezirk und Senat

nun eine Notunterkunft in einem

einstigen Telekom-Gebäude in

Karlshorst zur Verfügung. Sozialstadträtin

Birgit Monteiro (SPD)

spricht von einer „geglückten Verbesserung

der Lebenssituation für

die Obdachlosen“. Senatorin Breitenbach

hofft, dass „die Betroffenen

mit Hilfe der Sozialarbeiter eine Perspektive

ohne Obdachlosigkeit entwickeln

können“.

Diese Wochesoll mit den Bewohnern

über den Umzug geredet werden.

„Wir wissen, dass nicht alle das

wollen“, sagt MichaelElias vomSozialprojekt

Tentaja. „Aber jeder zählt,

den wir gewinnen können, einen

neuen Weg einzuschlagen.“ Er bemängelt,

dass man dafür nur wenig

Zeit habe. Denn in der Unterkunft

können die Obdachlosen nur bis

Ende April bleiben. Danach entstehen

in dem Gebäude Wohnungen.

Der Alltag auf Berlins Straßen ist für die Beamten härter geworden –sie nutzen bei Attacken zugleich das neue Strafrecht

NACHRICHTEN

Radfahrer von Polizeiwagen

erfasst und schwer verletzt

EinPolizeiauto ist am Montagmorgen

in Adlershof mit einem Fahrradfahrer

zusammengestoßen. EinPolizist

war in einem Opel auf dem

Ernst-Ruska-Ufer in Richtung Adlergestell

unterwegs.Der Beamte habe

sich auf einer Kurierfahrtbefunden

und sei ohne Blaulicht gefahren,

teilte die Polizei mit. DieAmpel der

Ecke Ernst-Ruska-Ufer/Köpenicker

Straße war außer Betrieb.Der 75-

jährige Radfahrer überquerte das

Ernst-Ruska Ufer,als das Polizeiauto

mit ihm zusammenprallte. (kop.)

Prozess um Beleidigung von

Staatssekretärin angesetzt

Weil er die Berliner Staatssekretärin

Sawsan Chebli (SPD) im Internet beleidigt

haben soll, kommt es zu einem

Prozess gegen einen 46-Jährigen.

DerMann habe Einspruch gegen

einen erlassenen Strafbefehl eingelegt,

teilten die Berliner

Strafgerichte mit. In dem Strafbefehl

habe das Amtsgericht Tiergarten

eine Strafe von1500 Euro verhängt.

DieVerhandlung sei für den 27. Februar

anberaumt worden. (dpa)

Straße nach Fund von

Phosphorgranate gesperrt

In Pankowsind Bauarbeiter am

Montagmorgen auf eine Phosphorgranate

aus dem Zweiten Weltkrieg

gestoßen. Siefing Feuer und brannte

ab,wie ein Polizeisprecher sagte.Kriminaltechniker

des Landeskriminalamtes

gaben demnach schon am

Vormittag wieder Entwarnung. WeitereMunition

hätten die Experten

auf der Baustelle in der Berliner

Straße nicht gefunden. Es habe keine

Verletzten gegeben. Vorsichtshalber

habe die Feuerwehr ein angrenzendes

Gebäude evakuiert. Für rund

eine Stunde war die Berliner Straße

zwischen Breiter Straße und Schulstraße

gesperrt. (dpa)

Zuschüsse für Schulen nur

schleppend beantragt

DiemilliardenschwereSchulbauoffensivekommt

nur schleppend

voran. 2018 und 2019 gaben die Bezirke

ein Drittel der bewilligten Gelder

für Sanierung und Neubau von

Schulen gar nicht aus.Das geht aus

einer Antwortder Bildungsverwaltung

auf eine parlamentarische Anfrage

der CDU hervor, über die derTagesspiegel

zuerst berichtete.2018

blieben demnach 120 Millionen Euro

liegen, im Jahr darauf Geldinähnlicher

Größenordnung. Betroffenseien

etwa 600 Baumaßnahmen an etwa

400 Schulen. Als Gründe nennen die

Bezirke vorallem fehlende Planungsund

Baukapazitäten. (dpa)

Anstrengender „Hund“, aber er ändert

den Blick aufs Ganze. IMAGO/CAVAN IMAGESX

VonAndreas Kopietz

Nimmt man es mit der polizeilichen

Statistik ganz genau, dann

werden jeden Tag18,23 Polizisten in

Berlin Opfer von Gewalt. Die Senatsinnenverwaltung

zählte im vergangenen

Jahr insgesamt 6656 Polizeivollzugskräfte,

die Opfer eines Widerstandes,

eines tätlichen Angriffs, einer

Körperverletzung, Bedrohung,

Nötigung oder sonstigen Gewalttat

geworden seien. Das geht aus einer

noch unveröffentlichten Antwort auf

eine Anfrage des CDU-Abgeordneten

Peter Trapp hervor. Demnach registrierte

die Verwaltung im vergangenen

Jahr 1519 tätliche Angriffe auf Polizisten

–mehr als doppelt so viele wie

imVorjahr.736 Beamte wurden Opfer

einer Körperverletzung, 244 zeigten

an, dass sie bedroht und 118, dass sie

genötigt wurden. 45 Beamte wurden

laut Innenverwaltung Opfer sonstiger

Gewaltdelikte.

Den größten Anteil bei den „geschädigten

Polizeivollzugskräften“

hat allerdings das Delikt „Widerstand

gegen Vollstreckungsbeamte“,

das mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis

zu drei Jahren geahndet werden

kann: 3994 Polizisten waren nach

Angaben der Innenverwaltung davon

2019 betroffen. 379 Personen

wurden im Jahr 2018 wegen dieser

Straftat verurteilt.

Widerstand liegt vor, wenn gegen

den Vollstreckenden körperliche

Kraft angewandt wird, die die „Vollstreckungshandlung“

erschwert

oder verhindert. Darunter fallen heftige

Bewegungen oder Losreißen aus

dem Polizeigriff, Festhalten an Gegenständen

oder das Stemmen gegen

die Tür eines Polizeiautos –dies

alles wird unter „Übergriff“ gegen

Polizisten subsumiert. Gleichwohl,

so heißt es im Polizeipräsidium,

werde, wenn mehrereVorwürfe in einem

Fall zusammenkommen –etwa

Widerstand und tätlicher Angriff –

das schwerwiegendste Delikt in der

Statistik gezählt.

Seit 2017 der strafverschärfende

Paragraf „tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte“

eingeführt

wurde, machen Polizisten in ihren

Anzeigen davon öfter Gebrauch. So

hatte die Polizei im Jahr 2018 nur

709 tätliche Angriffe registriert.

Eine der Baustellen: ein Schulneubau in

Mahlsdorf.

IMAGO IMAGES


8 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Berlin

Am Tempelhofer Berg

Kopischstr.

Fidicinstr.

Richtung Bergmannkiez

Kloedenstr.

DAS AREAL

Das Gelände ist ganz in der Nähe

des ehemaligen Flughafens

Tempelhof. Rot gekennzeichnet

sind die vorhandenen Gebäude.

Haus A

Haus B

Mehringdamm

Haus C

Bockbrauerei

Haus H

Haus D

Schwiebusser Str.

Haus G

Haus F

Haus E

Platz der Luftbrücke

Richtung Flughafen Tempelhof

Hauptzollamt Berlin

BLZ/GALANTY

Die Schwiebusser Straße

ist ein kurzes Sträßchen

im Süden vonKreuzberg

–zwischen dem monumentalen

Zollamt und einem alten

Brauereigelände. Im rostigen Zaun

vor der ehemaligen Bockbrauerei

mit ihrem Schornstein und dem historischen

Schankhaus hängen seit

Wochen weiße und rosafarbene

Schleifen, die Nachbarn zuWorten

eingeflochten haben, zu Worten wie

Wut! Trauer! Zorn!

Das Gelände, auf dem die Bauwert

AG etwa 240 Wohnungen

bauen möchte, ist weiträumig abgeriegelt.

Und damit auch der Tatort.

Das Opfer liegt mit zerbrochenen

Gliedernimhistorischen Schankgarten.

Seit dem 9. November. Esdarf

nicht entfernt werden. „Wegen der

laufenden Ermittlungen“ bestätigt

das Amt auf Nachfrage.Eine Anwohnerin

aus der Fidicinstraße habe die

Polizei alarmiert. Es sei bereits ein

Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Es dürfe nichts verändert

werden, bis die Untersuchungen abgeschlossen

sind.

Undsoliegt er da, ein Symbol für

den uralten Kampf zwischen

Mensch und Natur: der Ahorn.

Stammumfang: 2,60 Meter; geschätzte

Höhe: 15 Meter;geschätztes

Alter: 180 Jahre. Eine Genehmigung

zur Fällung ist nie erteilt worden.

Auch die Baumfäller hatten keinen

Auftrag vom Bauherrn erhalten, der

Baum sei„versehentlich“ gefallen.

DerTat verdächtigt wird naturgemäß

der Bauherr: Jürgen Leibfried

und seine Bauwert AG. Sie kämpfen

schon lange um die Baugenehmigung

auf dem Grund zwischen

Schwiebusser-und Fidicinstraße.

Nun, nach fünf Jahren, nach vielen

öffentlichen Sitzungen im Kreuzberger

Rathaus und vielen hinter

verschlossenen Türen, stehen die

Verhandlungen vor dem Abschluss.

Die Entscheidung über den Bauvorbescheid

wird bald erwartet. Details

sind nur wenige bekannt, aber sicher

ist: Am Ende dieser Geschichte steht

ein neues Wohnviertel.

Die Leute zogen in Massen hinaus

Am Anfang dieser Geschichte steht

der Ahorn, gepflanzt zu einer Zeit, als

die Stadt noch weit unten an der

Spree lag und hier oben zwischen

Feldern Windmühlen standen. 1820

betritt Georg Leonard Hopf aus der

Pfalz die Szene; ein Mann, der, ähnlich

wie 150 Jahre später Bauunternehmer

Jürgen Leibfried aus München,

nach Berlin kommt, um sein

Glück zu machen.

Hopf arbeitet in der Habelschen

Weinhandlung an der Leipziger

Das Gelände der früheren Bockbrauerei war lange Zeit eines der letzten

Rückzugsgebiete für die Kreuzberger Kreativen. Doch ein Investor will dort

Eigentumswohnungen errichten. Zwar rebellieren Anwohner seit Jahren gegen

das Bauvorhaben –doch nun werden Fakten geschaffen.

Bockbier: Bis 1839 wurde in Berlin nur

obergäriges Bier hergestellt. Bis der Brauer

Georg Leonhard Hopf in der heutigen Fidicinstraße

eine Brauerei baute und ab

1840 erstmals eine Bocksaison eröffnete.

1861 lag die Produktion dortbei 20000

Hektoliternpro Jahr,1913 waren es

200000 Hektoliter.1917 fusionierte die

Kreuzberger Bockbrauerei mit der Patzenhofer

Brauerei, die 1920 mit Schultheiss

zusammenfand. Kurz danach schloss die

Brauerei. Aber der Biergarten und Veranstaltungssäle

blieben, dortgab es nun

Tanz, Vereinsfeste und Theateraufführungen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Keller

für Rüstungsproduktion genutzt.

Das verlorene

Refugium

VonHans Korfmann

Das denkmalgeschützte Schankhaus der ehemaligen Bockbrauerei

Großbrauerei: Heute hat Berlin nur noch

eine Großbrauerei namens Berliner-Kindl-

Schultheiss-Brauerei GmbH. Sie produziert

in Hohenschönhausen die Marken Berliner

Pilsner,Kindl, Engelhardt, Schultheiss und

Bürgerbräu. Der Standortgehörte in der

DDR zum VEB Getränkekombinat und kam

nach 1990 zum Unternehmen Brau &

Brunnen –bis weit in die 90er-Jahre der

größte Brauer bundesweit. Doch der Umsatz

sank, der Konzernkaufteweitere Markenwie

Jever, rutscht aber in die roten Zahlen.

Die Sanierung misslang.2004 übernahm

die Radeberger Gruppe des Oetker-

Konzerns. Die Gruppe steht auf Platz 20

der 40 weltweit größten Brauer.

BIER UND BRAUEREIEN

Brauereigelände: Früher gabesinBerlin

Dutzende Brauereien, deren oft riesige

Areale mit ihrer Ziegelarchitektur durchaus

stadtbildprägend sind und als Namen

noch immer präsent sind: So stellte in

Prenzlauer Berg die alte Brauerei an der

Schönhauser Allee bereits 1967 die Produktion

ein, wurde zum Möbelgroßmarkt

und nach dem Ende der DDR zur allseits

bekannten Kulturbrauerei. Ausder Schultheiss-Brauerei

in Moabit wurde 2018 die

Shoppingmall namens Schultheiss-Quartier.Die

Bürgerbräu-Brauerei direkt an der

Spree in Friedrichshagen ist seit 2010

dicht. Dortsollen vorallem Wohnungen

undein wenigGewerbe entstehen.

GERD ENGELSMANN

Craftbeer: Die deutschen Brauer produzierten

2018 etwa 93000 Hektoliter Bier.

Nach der Produktionsmengestehen die

heimischen Brauereien damit an fünfter

Stelle hinter China, den USA, Brasilien und

Mexiko. Jeder Bürger der Bundesrepublik

trinkt noch immer 102 Liter Bier pro Jahr.

Der Absatz ist seit Jahrzehnten stark rückläufig.Immer

mehr große Brauereien fusionieren.

Gleichzeitig wächst die Zahl der

kleinen handwerklich geprägten Brauereien,

die das derzeit angesagte Craftbeer

brauen. So wuchs die Gesamtzahl der

Brauereien bundesweit von1333 im Jahr

2010 auf zuletzt 1539. In Berlin sind offiziell

70 Craftbeer-Brauereien gemeldet.

Straße als Fassbinder, steigt schnell

zum Kellermeister auf, heiratet nach

dem frühen Tod des Meisters die

traurige Witwe und übernimmt den

Betrieb. Als das Gespräch in der

Schankstube auf das bayerische Bier

kommt, vondem man erzählt, es sei

um vieles besser als das säuerliche

Weißbier Berlins, behauptet Hopf:

Das kann ich auch! Und braut in einem

alten Waschkessel das erste

Bockbier Berlins.

Wenig später kauft er Land und

zwei Mühlen auf den Tempelhofer

Bergen und eröffnet eine Brauerei

mit Schanklokal. Als er im Mai 1840

das erste Bockbier ausschenkt, strömen

die Berliner „in Massen hinaus

zum Halleschen Torauf den kahlen

Tempelhofer Berg,umdas neue,unbekannte,köstliche

Naß“ zu trinken.

Der Schriftsteller Willibald Alexis

(1798 –1871) schwärmt im Morgenblatt

für gebildete Leser: „Es gefiel

denLeuten so gut, dass sie nicht wieder

aus dem Hause fortzubringen

waren. Andere sah man den Heimweg

anstatt nach dem Halleschen

Thore ingerade umgekehrter Richtung“

antreten, wieder andere soll

man„am Morgen in den Gräben gefunden

haben“.

Die sandige Gegend war nichts wert

Der Biergarten allerdings gleicht einem

„wüsten Stück Ödland mit ein

paar Bretterbuden“, wie eine ausländische

Zeitung spottet. Also pflanzen

die Hopfschen Erben Bäume am

Rand des Feldweges, der heute

Schwiebusser Straße heißt. Unter ihnen

einen Ahorn und einige Eiben.

Fünf dieser Eiben standen vor kurzem

noch. Sie wurden gefällt. Trotz

eines Antrages auf Anerkennung als

Naturdenkmal, der bereits 2017

beim Senat eingereicht wurde –wo

er liegen blieb.Unbearbeitet. 33 Monate

lang. Nun ist keine Spur mehr

von den Eiben zu sehen, sie verschwanden

samt Wurzeln. Der

Ahornliegt noch. EinMahnmal.

Als der Brauunternehmer Georg

Leonard Hopf auf den Berg zog, war

die sandige Gegend nichts wert, die

Straßen im Hobrechtschen Bebauungsplan

waren noch namenlos.

Heute ist die Scholle –imHobrechtplan

mit seinen durchnummerierten

Straßen zwischen der 22. und der

23. Straße gelegen – Gold wert.

40 Millionen Euro, so munkelt die

Nachbarschaft, habe die BauwertAG

für die 13 000 Quadratmeter bezahlt.

An die Öffentlichkeit drang von

dem Verkauf zunächst nichts. Man

fürchtete den Protest der Kreuzberger,

die sich auf dem Brauereigelände

eingerichtet hatten mit Theatern,

Werkstätten, Trommelgruppen


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 9· ·

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Berlin

So solllte der Pocketparksamt angrenzender Neubauten aussehen.

BAUWERT AG

Das Baujahr am Seitengebäude des

Schankhauses.

ENGELSMANN

Das Archiv der Jugendkulturen soll vor

Orteinziehen.

ENGELSMANN

Etwa50Prozent der Fläche sind laut BauwertAGvermietet.

GERD ENGELSMANN

Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzt, im Herbst 2019 gefällt: der Ahorn.

DIETER PETERS

Historische Ansicht: der alte Biergarten.

FHXB FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG MUSEUM

und Tanzschulen. Weinhändler füllten

die alten Bierkeller mit Beaujolais

und Merlot, sogar eine Segelschule

war auf dem Berg gestrandet.

Hopfs Brauerei war eines der letzten

Rückzugsgebiete für Kreuzberger

Kreativeund Kleingewerbe.

Kaum wurde die Nachricht vom

Verkauf der Brauerei publik, hängte

man Flugblätter an Wände und

Haustüren und lud zu einem „Informationsabend

im Wasserturm“ ein.

Am 25. April 2016 war der Turm

so voll wie lange nicht, vielleicht

auch wegen des stadtbekannten Investors,

der durch den Kauf des

Freudenberg-Areals in Friedrichshain

die Berliner Presse nachhaltig

beschäftigt hatte, und der es später

sogar in die internationalen Schlagzeilen

schaffte, als sein Neubau in

Mitte beinahe die Friedrichswerdersche

Kirche zum Einsturz

brachte. Als der Moderator des Informationsabends

gleich zu Beginn

der Veranstaltung fragte, ob „jemand

vom Freudenberg-Areal anwesend“

sei, erhob sich ein Mann

mit Goldbrille und Halbglatze.

Die Irritation war groß, als klar

wurde, dass kein Mitglied der Bürgerinitiative

die Bühne betrat, sondernder

Investor persönlich.

Man wollte ihn des Turmes verweisen,

schließlich habe die Einladung

den Mietern, nicht den Investorengegolten.

Doch mit 45 zu 42 Stimmen

wurde entschieden: Der Mann

erhält zehn Minuten Redezeit.

Leibfried behauptete damals,

„nur das Beste für Alle“ zu wollen.

Alle dürften bleiben, sämtliche Verträge

würden erneuert. „Nur da, wo

die flachen Betonbauten sind, werden

wir Wohnungen bauen. Berlin

braucht Wohnungen. So einfach ist

das.“

„Dann baue ich eben Gewerbe“

Doch so einfach war das nicht.

„Wenn Sie die Betongebäude abreißen,

betrifft das ja auch die Trommelschulen.

Die sind da seit 25 Jahren.

Und die haben jetzt die Kündigung!“,

ließen Anwesende verlauten.

In den hinteren Reihen standen die

ersten auf und gingen: „Ich habe dieses

Geschwafel jedes Mal gehört,

wenn einer von denen hier was

kaufte.AmEnde machen sie,was sie

wollen. Und am Ende sind alle

Kreuzberger verschwunden. So einfach

ist das.“

Aber Leibfried war dadurch nicht

zu erschüttern. Nur einmal geriet er

aus der Fassung, als gefragt wurde,

woher er eigentlich seinen Optimismus

nehme. Ermüsse doch wissen,

dass sich der Bezirk gegen den massiven

Wohnungsbau aussprechen

werde. „Wie können Siedasoselbstbewusst

von 250 Eigentumswohnungen

sprechen?“, fragte der Anwohner.

„Aber am 28. Januar wurde

doch beschlossen, eine Flächenplannutzungsänderung

zugunsten

eines Wohnungsbaus durchzusetzen“,

sagte Leibfried. Als dieVersammelten

dies in Zweifel zogen, stotterte

er: „Ich habe das schwarz auf

weiß“ und durchwühlte seine Herrenhandtasche.

Doch seine Zeit war

inzwischen vorbei, man verwies ihn

des Saales. Grußlos ist der Investor

dann gegangen.

Ein Jahr später, anlässlich einer

öffentlichen Versammlung im November

2017, reicht er edle Holztäfelchen

durch die Zuschauerränge

im großen Saal des Rathauses an der

Yorckstraße, kleine Kunstwerke, auf

denen Innenansichten hübscher

Wohnungen zu sehen sind.„6,50 den

Quadratmeter, das ist doch was“,

warb er.Aber die Kreuzberger auf ihren

billigen Rängen sind unerbittlich:

„So viel Geld hab ick nich, Herr

Leibfried, det is mir zu ville.“

Auch beim Baustadtrat hat der Investor

wenig Erfolg. DieGrünen sind

sich einig, die Brauerei als Gewerbestandort

zu erhalten. Sie sind für

eine Umwidmung des Mischgebiets

in ein reines Gewerbegebiet. Doch

Leibfried ist nicht zu erschüttern.

Später, auf dem Flur des Rathauses,

zeigt er sich trotzig: „Dann baue ich

eben Gewerbe. Ich habe genug Anfragen,

zum Beispiel vonder Allianz.

Wasmeinen Sie, was dann in Kreuzberg

los ist, wenn die da ihreTürme

hinsetzen.“ Doch stattdessen plant

er in den folgenden Monaten weiter

Eigentumswohnungen und legt

neue Pläne vor, die ungeachtet der

Einwände seitens Politik oder Denkmalschutz

auf dichten Wohnungsbau

zielen.

Einer der Denkmalschützer soll

seinem Ärger über dasVerhalten des

Investors in kleiner Runde mit den

Worten Ausdruck verliehen haben:

„Herr Dr.Leibfried, was glauben Sie

eigentlich, werSie sind?“ DerInvestor

bleibt unbeeindruckt: „Ich bestehe

auf die Einhaltung der vonmir

geplanten Baumasse.“ Zumdamaligen

Zeitpunkt waren das knapp

30 000 Quadratmeter Wohn- und

Gewerbefläche.

Da sich der Bauherr hartnäckig

über die Gebote der Politik hinwegsetzte,verbot

der BezirkimJahr 2017

bis auf weiteres jegliche bauliche Veränderung

des Geländes.Eine trügerische

Stille breitete sich aus. Denn

während draußen alles stillstand,

wurde drinnen, hinter verschlossenen

Türen, womöglich eifrig verhandelt,

kamen Bauherr und Politik, Investor

Jürgen Leibfried und BaustadtratFlorian

Schmidt, einander näher.

„Wir machen Bauwerke zu Bauwerten.

Neugier und Bereitschaft zur Anpassung –

das hat uns schon immer

besonders ausgezeichnet.“

Aus einer Jubiläumsschrift der Bauwert AG

„Über 330 Gebäude mit mehr

als 2000 000 Quadratmeter Nutzfläche

und einem Investitionsvolumen von

über fünf Milliarden Euro bilden

die Grundlage unserer Erfahrung.“

Jürgen Leibfried, Gründer und Vorstand der Bauwert AG

„Hier war auf 3835 Quadratmetern eine

der größten geheimen Waffenschmieden

der Nazis in Berlin. Eine unterirdische

Produktionsstätte, inder Menschen aus

ganz Europa Zwangsarbeit leisten mussten.“

Karin Dittmar von der Initiative Denkmalschutz Bockbrauerei

Monatelang drangen keine Nachrichten

über dieVerhandlungen nach

außen, Anfragen der Bürgerinitiativen

blieben unbeantwortet, obwohl

Schmidt öffentlich gerade noch erklärthatte,essei„wichtig,

neue Strukturen

der Mitgestaltung zu schaffen,

statt der vorherrschenden Scheinbeteiligung“.

Trotz dieser Bekundungen wirkte

es so,als wollte man die Sache unter

sich ausmachen. Ohne die Kreuzberger.

Auch das zunächst geforderte

Bebauungsplanverfahren, das eine

Bürgerbeteiligung vorschreibt, war

vom Verhandlungstisch. Lediglich

der Forderung einiger Kreuzberger

nach mehr Denkmalschutz hatte

man nachgegeben. Denn das Areal

zeugt auch von den Verbrechen der

Nationalsozialisten.

„Hier unten war auf 3835 Quadratmetern

eine der größten geheimen

Waffenschmieden der Nazis in

Berlin. Eine unterirdische Produktionsstätte,inder

Menschen aus ganz

Europa Zwangsarbeit leisten mussten“,

sagt Karin Dittmar von der Initiative

Denkmalschutz Bockbrauerei.

IhrerForschung und Hartnäckigkeit

ist es zu verdanken, dass 70 Prozent

der denkmalgeschützten

Nazikeller erhalten bleiben. Leibfried

habe so viel wie möglich abreißen

wollen, um Platz für Tiefgaragen

und Wohnungen zu gewinnen.

Die Keller sind gerettet, aber die

Bäume sind verloren. Obwohl der

Ahorn wegen seines Alters und seiner

Größe geschützt war und obwohl

beim Senat schon seit langem ein

Antrag zum Schutz der Eiben vorlag.

Anders als der Senat, der hartnäckig

schwieg, reagierte Leibfried prompt

auf die Bedenken der Naturschützer

und präsentierte in einem Bauplan

vomHerbst 2017 dort, wo der Ahorn

stand, den sogenannten Pocket-

Park.Imnächsten Entwurfallerdings

fehlte dieser Miniparkschon wieder,

und im Oktober 2019 verkündete

dann auch der grüne Baustadtrat

Florian Schmidt: „Die Fällung der

Bäume muss hingenommen werden.“

Wenige Tage danach wurden

die Motorsägen angeworfen.„Was ist

das nur für ein grüner Baustadtrat?“,

fragt Karin Dittmar von der Denkmalschutz-Initiative.

„Sieht tatenlos

zu, wie 180 Jahre alte Bäume gefällt

werden, und bestellt die Fotografen,

wenn er in der Bergmannstraße drei

Primeln pflanzt.“

Während der Park aus dem Plan

verschwunden ist, ist die Baumasse

weiter gewachsen. Auf eine Anfrage

der Linkspartei an Schmidt, wie viele

Wohnungen denn nun entstehen

würden, antwortete dieser im März

2018, die Baumasse wurde „gegenüber

dem Ursprungsentwurf(…) auf

ca. 40 000 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche

erhöht“. Schmidt zufolge

wies bereits der letzte Vorbescheid

eine Brutto-Geschossfläche

von 36000 Quadratmetern aus. Auf

die Frage,wie das Verhältnis vonGewerbe

zu Wohnraum aussehe,

wusste der Baustadtrat keine Antwort:

„Die Nutzungsverteilung sowie

die Anzahl an Wohnungen ist aus

dem Konzept nicht genau ablesbar.“

Sicher ist nur,dass eine Mischung

aus Gewerbe und Wohnungen sowie

eine Kita entstehen werden, dass

aber ein Großteil der Baumasse aus

Eigentumswohnungen besteht. Der

Anteil an günstigen Mietwohnungen

ist nicht mehr als ein „soziales Feigenblatt“,

wie Heinz Kleemann vom

Berliner Mieterverein es formuliert.

Bislang ist von 30preisgebundenen

Kleinwohnungen die Rede und

von 50Studentenwohnungen ohne

Preisbindung. Das sind –die aktuellen

Zahlen zugrunde gelegt –etwa

fünf Prozent der Baumasse. „Eine

Frechheit“, sagt der Vertreter des

Berliner Mietervereins.

Enttäuscht werden auch die Initiatoren

der Gesprächsrunde im

Wasserturm sein, die seit Jahren die

Gretchenfrage stellen: Wem gehört

Kreuzberg? Die Trommeln sind verstummt,

die Weinhändler haben die

Lager geräumt, die Segelschule die

Segel gestrichen. Von 30 Mietern

sind bereits 20 verschwunden.

Baubeginn vermutlich im Jahr 2021

Am Ende dieser Geschichte wird irgendwann

der Ahorn aus dem Weg

geräumt werden. Ende des Jahres

soll der endgültige Bauantrag eingereicht

werden. Dann rollen die Maschinen

an.

Und irgendwann wird dort, wo

einst im Schatten eines Baumes ein

Biergarten war, ein großer Betonblock

stehen. Daneben wird das

historische Schankhaus mit seinen

Zinnen und Giebeln zu einem

Zwerg schrumpfen, selbst der

Schornstein wird plötzlich klein

wirken neben der knapp 200 Meter

langen und 27 Meter hohen Front

an der Schwiebusser Straße, die

mit fünf und sechs Stockwerken

noch über das Zollamt –einen Monumentalbau

der Nazis –hinausragen

wird.

DieBäumchen in den Computerzeichnungen

der Architekten wirken

wie Fremdkörper zwischen den

Quadern aus Glas und Beton, die

dicht aneinandergedrängt um jeden

Zentimeter und um jeden Cent

kämpfen. Für den Ahornaber ist dieses

Ende der Geschichte vielleicht

nicht das Schlechteste: Er hätte sich

in der Gegend ohnehin nicht mehr

wohl gefühlt.


10 * Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Berlin

Estrel baut

höchsten

Hotelturm

Arbeiten sollen im Herbst

dieses Jahres beginnen

Vor sechs Jahren wurde der Entwurf

vorgestellt, jetzt steht der

Termin für den Baubeginn fest. Das

Hotel Estrel will im Herbst 2020 die

Bauarbeiten für seinen neuen Hotelturm

an der Sonnenallee starten.

Das teilte das Estrel am Montag mit.

Mit 175 Metern soll der Estrel Tower

Deutschlands höchstes Hotel und

zugleich das höchste nicht-technische

Gebäude in Berlin werden. Die

Fertigstellung ist für 2024 geplant.

Der Estrel Tower entsteht nach

Plänen des Architekturbüros Barkow

Leibinger, das sich vor sechs Jahren

in einem Wettbewerb gegen fünf

weitere Bewerber durchgesetzt

hatte. Der Hotelturm mit 750 Zimmernund

Suiten soll gegenüber dem

bestehenden Estrel auf der südlichen

Seite der Sonnenallee errichtet

werden. Im Dachbereich ist eine Sky

Lounge mit Außenterrasse geplant.

Direkt angegliedert an den Tower

sind Veranstaltungsflächen, die sich

zum Neuköllner Schifffahrtskanal

und einer öffentlich zugänglichen

Promenade hin öffnen. Außerdem

ist ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen

geplant. Senatsbaudirektorin Regula

Lüscher sieht das Projekt positiv.

„Bei Hochhäusernist nicht die reine

Höhe allein das entscheidende Kriterium,

sondern die Frage, wie es in

den jeweiligen städtebaulichen Kontext

passt“, sagt sie. „Das Estrel in

Neukölln steht in einem sehr großstädtischen

Kontext auf einer früheren

Industriefläche“, so Lüscher.

„Dort fügt sich die geplante Höhe

von175 Meterngut ein.“ (ulp.)

Der Turm soll mit 175 Meterndas höchste

Hotel Deutschlands werden. BARKOW LEIBINGER

Zügig unterwegs: Je schneller Radfahrer vorankommen, desto attraktiver wird das Radfahren in Berlin. Doch immer wieder drohen Stopps an Ampeln.

Ohne Stopp durch die Stadt

IMAGO IMAGES/ FLORIAN GÄRTNER

2017 empfahlen Forscher mehr Grüne Wellen für Radfahrer in Berlin –doch getan hat sich nichts

VonPeter Neumann

Nicht nur Autofahrer kennen

das Problem: Gerade

hat man an einer

Kreuzung auf Grün gewartet,

da zwingt bald darauf das

nächste rote Ampellicht zum Halten.

Grüne Wellen könnten den Radverkehr

beschleunigen, ohne Autos zu

bremsen –das hat ein Modellprojekt

in Berlin gezeigt. Forscher von der

Technischen Universität (TU) raten,

auf weiteren Straßenzügen grüne

Wellen für Fahrradfahrer zu schalten.

Doch mehr als zwei Jahre nach

dem Ende des Modellprojekts sind

keine konkreten Vorhaben in Sicht.

Grüne Wellen sind einer von vielen

Bausteinen, um das Radfahren in

der Stadt attraktiv zu machen –und

so die Straßen zu entlasten. Solche

Ampelschaltungen sind sinnvoll,

sagt Frank Masurat vom Allgemeinen

Deutschen Fahrrad-Club

(ADFC) Berlin. „Doch es geht viel zu

langsam voran“, bilanzierter.

Wobei das eine Untertreibung ist,

denn die Zahl der Grünen Wellen für

Radfahrer in Berlin ist seit langem

unverändert:Weiterhin verfügen nur

zwei Straßenzüge darüber. In der

Belziger Straße und am benachbarten

Rathaus Schöneberg sind seit

2014 je zwei Ampelanlagen so koordiniert,

dass sie sich bei Tempo 18 bis

20, der typischen Radlergeschwindigkeit,

ohne Stopp passieren lassen.

Autos werden nicht ausgebremst

Im April 2017 wurde auch auf der

Uhlandstraße in Charlottenburg-

Wilmersdorf eine Grüne Welle für

Radfahrer geschaltet –genauer gesagt

auf den anderthalb Kilometern

zwischen der Pariser und der Fechnerstraße,

woesfünf Ampelanlagen

gibt. Teilweise wurde der Beginn der

Grünphasen zeitlich versetzt, damit

dort mehr Radfahrer als bislang

ohne Stopp durchkommen. 74 000

Euro kostete das Modellprojekt im

Auftrag des Bundes, das vom TU-

Fachgebiet Straßenplanung und

Straßenbetrieb durchgeführt wurde

und bis November 2017 dauerte.Die

Grüne Welle,die damals eingerichtet

wurde,blieb bis heute bestehen.

Vonihr profitieren die Radfahrer

mehrfach, so die TU-Wissenschaftler.

Sokommt es „an fast allen Knotenpunkten

zu einer geringen Anzahl

von Haltevorgängen“, stellten

sie fest. Über den gesamten Testbereich

hinweg konnte die „Anzahl an

Fahrten mit nur einem Haltevorgang

und die Anzahl an Fahrten ohne Unterbrechung

erhöht werden“, hieß

es.Und wenn trotzdem Ampeln Radfahrer

stoppen, fällt die Wartezeit in

der Regel nun kürzeraus als vorden

Ampelumschaltungen, so die Bilanz.

Folge ist, dass die Radfahrer auf

dem Abschnitt zügiger vorankommen

als früher. Das zeigt die gemessene

durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit,

in die alle Stopps eingerechnet

werden: Vorder Umschaltung

betrug sie in Richtung Süden

15,1 Kilometer pro Stunde, danach

18,8. In der Gegenrichtung stieg das

Tempo vonimSchnitt 16,1 auf 20,3.

Und die Autos? Werden sie nun

auf der Uhlandstraße ausgebremst?

Nein, so die Forscher. InNordrichtung

hat sich die Situation kaum geändert,

in der Südrichtung verbesserte

sie sich sogar leicht, weil auch

Autofahrer seltener und weniger

lang gestoppt wurden. Wasdie Wirkungen

auf den Nahverkehr anbelangt,

sind dieVeränderungen für die

BVG-Buslinie 249 „minimal“, hieß

es.Sofiel die Bilanz unmissverständlich

aus: „Es ist zu befürworten, weitere

Radverkehrsrouten zu optimieren.“

Schon vorJahren wurden mögliche

Bereiche untersucht. Auf der

Bernauer, Hardenberg-, Mühlen-,

Müller- und Wilhelmstraße sowie

auf dem Hohenzollerndamm gebe

es „teilweises großes Potenzial“.

Vorrangnetz lässt auf sich warten

Doch der Senat kann „zu konkreten

Örtlichkeiten und einem Zeitplan

noch keine Aussage treffen“, bedauerte

Dorothee Winden, Sprecherin

von Verkehrssenatorin Regine Günther

(Grüne). „Bei der Erstellung des

Vorrangnetzes für den Radverkehr

wird auch geprüft, wo eine Grüne

Welle für Radfahrer vorgesehen werden

kann“, sagte sie.Das Vorrangnetz

werde aber derzeit noch erarbeitet.

„Eigentlich hätte es schon im Sommer

letzten Jahres fertiggestellt sein

müssen“, sagte Frank Masurat vom

ADFC. Das Mobilitätsgesetz schreibe

dies vor. Leider gebe es weiterhin keinen

Zeitplan für dieses wichtige Vorhaben.

„Mehrmals haben wir dieses

nachhaltige strukturelle Problem angesprochen“

–ohne Ergebnis.

Portal bietet

Rechner zum

Mietendeckel

Berliner können prüfen,

ob sie zuviel bezahlen

Der Mietendeckel soll zwar erst

noch in Kraft treten, doch schon

jetzt können Berliner Mieter im Internet

überprüfen, ob sie zuviel

Miete bezahlen. Das Onlineportal

wenigermiete.de bietet dazu auf seiner

Internetseite einen Rechner an.

Mieter können dort mit ein paar

Klicks herausfinden, welche Miete

korrekt ist.

„Uns haben in den letzten Wochen

und Monaten unzählige Anfragen

von verunsicherten Berliner

Mieternerreicht, die wissen wollten,

wie sie den Mietendeckel nutzen

können“, sagt Daniel Halmer,

Rechtsanwalt und Gründer des Portals

wenigermiete.de. „Nachdem in

letzter Minute bekannt wurde, dass

nicht wie ursprünglich geplant, die

Behörden den Mietendeckel durchsetzen

wollen, sondern dieser von

Mietern selbst rechtlich geltend gemacht

werden muss, haben wir uns

entschieden, den Berlinern ein Angebot

zu machen, um sie auch beim

Mietendeckel zu unterstützen“, sagt

Halmer. Zuvor war wenigermiete.de

dafür bekannt geworden, dass das

Unternehmen Ansprüche von Mietern

bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse

durchsetzt. Auf der

Website des Portals können die Mieter

nicht nur berechnen, wie viel

Miete sie zu viel zahlen. Sie können

wenigermiete.de zudem mit der

Durchsetzung ihrer Rechte beauftragen.

Wer dies lieber selbst in die

Hand nehmen möchte,kann ein formelles

Auskunfts- und Anspruchsschreiben

kostenlos erhalten und

dieses an den Vermieter versenden.

Mitder Veröffentlichung des Mietendeckel-Gesetzes,

die noch im Februar

erwartet wird, werden die Mieten

auf den Stand vom 18. Juni 2019

eingefroren. Außerdem werden

Mietobergrenzen eingeführt. Liegt

eine Miete mehr als 20 Prozent über

der Obergrenze, gilt sie als überhöht.

Eine Mietsenkung kann aber erst

neun Monate nach Inkrafttreten des

Gesetzes durchgesetzt werden. Neben

wenigermiete.de bieten auch

andere Mieterorganisationen, etwa

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Informationen und Beratungen

zum Mietendeckel an. (ulp.)

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VERLAGSTHEMA

BACHELOR & MASTER

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NUMMER 29 •4.FEBRUAR 2020 SEITE 11

Dank des Bologna-Prozesses lassen sich Lehrveranstaltungen auch an anderen Universitäten leichter anerkennen.

GETTYIMAGES/WAVEBREAKMEDIA

MEHR ALS 20 JAHRE NACH DEM START DES BOLOGNA-PROZESSES IST DAS STUDIUM FLEXIBLER GEWORDEN

Mehr Möglichkeiten für Studierende

An einem Sommertag vor mehr

als 20 Jahren unterzeichnen Bildungspolitiker

aus ganz Europa

in der italienischen Stadt Bologna ein

Dokument, dass das Bildungswesen

des Kontinents grundsätzlich verändern

soll –und wird: Die so genannte Bologna-Erklärung.

Die Ziele des dadurch bekräftigten

Prozesses sind mannigfaltig:

Durch ein Punktesystem („ECTS“) soll

eine bessere Vergleichbarkeit erreicht

werden –und dadurch eine verbesserte

Mobilität von Studierenden, die ihre Abschlüsse

nun leichter auch an anderen

Hochschulen anerkennen lassen können.

Die ECTS-Punkte fügen sich in das

grundsätzliche Ziel eines europäischen

Hochschulraums ein. Und durch die

Unterteilung des Studiums in ein grundlegendes,

berufsqualifizierendes Bachelor-Studium

und das darauf aufbauende

Master-Studium sollte ein beschleunigter

Berufseinstieg und die Absenkung

der Abbrecherquote erreicht werden.

Bis heute sind die Reformen nicht

unumstritten. Ein zu verschultes Studium,

das kaum Zeit lässt für Studieren

im eigentlichen Sinn und geistige

Entwicklung, monieren manche Kritiker.

Im gerafften Zeitplan des auf drei Jahre

angelegten Bachelor-Studiums bleibe

beispielsweise kaum Zeit für Praktika,

Auslandsjahre und andere Erfahrungsmöglichkeiten.

Demgegenüber stehen positive Bewertungen

aus den Hochschulen. „Unsere

Bilanz ist sehr zufriedenstellend“,

heißt es etwa an der Humboldt-Universität

Berlin. Und auch bei der deutschen

Hochschulrektorenkonferenz(HRK)blickt

man zufrieden auf den Bologna-Prozess.

„In den vergangenen Jahren wurde viel

erreicht“, resümiert HRK-Präsident André

Alt.

Start ins Berufsleben

Tatsächlich gab es gerade zu Beginn

der Reform viele Baustellen –aber eben

auch Lerneffekte. Gleichwohl wurde

manches Vorhaben nur bedingt erreicht.

Zum Beispiel beim schnellen Start ins

Berufsleben: Der Master, einst als

i-Tüpfelchen nach dem berufsqualifizierenden

Bachelorabschluss gedacht, ist

heute eher der Standardfall: 82 Prozent

der Studierenden setzen ihr Studium

Ortsunabhängigkeit: Bei aller Flexibilität durch

den Bologna-Prozess: Die physische Anwesenheit

bei Lehrveranstaltungen gehört meist zum Pflichtprogramm

für Studierende. Doch es gibt eine Alternative:

Ein Fernstudium. Das „eignet sich für

alle, die das Studium mit anderen Lebensinhalten

kombinieren möchten und daher keine Möglichkeit

haben, an Präsenzveranstaltungen teilzunehmen“,

FLEXIBEL ZU HAUSE STUDIEREN

erläutert Stephan Düppe, Sprecher der Fernuniversität

Hagen.

Digitalisierung: Nicht zuletzt dank digitaler

Technik ist das Fernstudium heute vielseitiger denn

je: Podcasts und Videokonferenzen sorgen für adäquate

Wissensvermittlung –auch in den eigenen

vier Wänden.

nach dem Bachelor fort. In der Regel

ist das eine lohnende Investition. Zwar

sei die Erwerbsquote ähnlich hoch, erläutert

HRK-Präsident André Alt: „Arbeitslosigkeit

kommt bei beiden kaum

vor.“ Bei Bachelorabsolventen ohne

anschließendes Masterstudium würden

sich fünf Jahre nach Studienabschluss

allerdings Unterschiede in der beruflichen

Stellung, der Adäquanz sowie beim

Einkommen zeigen –„wie es die kürzere

Studiendauer und die Hierarchisierung

der Abschlüsse erwarten lassen.“ In

vielen Fächern sei ohnehin ein Masterabschluss

zwingende Voraussetzung

für einen Berufsabschluss, etwa in der

Psychotherapie oder im Lehramt. Dennoch

– je nach individueller Situation

bietet die Trennung Bachelor/Master

zuvor nicht existierende Möglichkeiten.

„Generell sollte man spätestens während

des Bachelorstudiums eine klare

Vorstellung davon entwickeln, wo die eigenen

Interessen und Neigungen liegen

und welche Qualifikationen schlussendlich

für den Wunschberuf vorzuweisen

sind“, empfiehlt Alt. Daran schließe sich

die Frage an, ob man diese Fähigkeiten

schon im Bachelorstudium erworben

habe –oder zusätzliche Kenntnisse und

Fähigkeiten nötig sind. „Auf jeden Fall ist

es nicht sinnvoll, allein aus Verlegenheit

nach dem Bachelor nahtlos ein Masterstudium

anzuschließen“, meint Alt.

Während der schnelle Start ins Berufsleben

für die meisten Studierenden

also eher eine theoretische Möglichkeit

ist, hat die Reform aber jedenfalls die individuelle

Flexibilität gestärkt. Das zeigt

sich noch deutlicher bei einem anderen

Ziel des Bologna-Prozesses: Der verbesserten

internationalen Anerkennung von

Hochschulabschlüssen.

Europäischer Hochschulraum

Im Europäischen Hochschulraum gebe

es nun eine Verständigung darüber, was

zu einem Bachelor- oder zu einem Masterstudium

gehört, stellt André Alt fest –

der Lernaufwand der Studierenden und

die von ihnen erworbenen Kenntnisse

und Fähigkeiten würden übersichtlich in

Zeugnissen und dem Diploma Supplement

dargestellt. „Das erleichtert die

Anerkennung ananderen Hochschulen

oder Studiengängen imIn- und vor allem

im Ausland und informiert potenzielle

Arbeitgeber über Studieninhalte

und erlernte Kompetenzen besser als

zuvor“, führt Alt aus. In der Kritik seien

Aspekte der Bologna-Reform oft mit

anderen hochschulpolitischen Themen

vermischt worden –etwa der Hochschulfinanzierung,

der Differenzierung der

Hochschullandschaft oder die wachsende

Diversität der Studierenden. Handlungsbedarf

bestehe zudem bei der

„Lernerzentrierung“ –„also dem selbstbestimmten,

anwendungsorientierten

Lernen, bei dem sich die Lehrkräfte sich

nicht mehr als reine Wissensvermittler,

sondern als Lernbegleiter der Studierenden

verstehen.“ Angesichts der hohen

Auslastung der Hochschulen stelle

dieses veränderte Rollenverständnis

eine große Herausforderung dar, meint

Alt: Projekte, Teamarbeiten, neue und

auch digitale Lernformen benötigten

eine bessere Betreuung als traditionelle

Lehrveranstaltungen.

Zwanzig Jahre nach dem Beginn des

Bologna-Prozesses gibt also noch viel

zu tun –aber es wurde eben auch viel

erreicht. (pha)

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12 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Berlin

POLIZEIREPORT

Falsche Polizisten festgenommen.

Polizisten haben in der Nacht zu

Montag in Frohnau drei mutmaßliche

Betrüger gefasst. Eine Frau hatte

gegen 22.30 Uhrbei einem 67-jährigen

Mann und dessen 63-jähriger

Frau angerufen und sich als Polizeibeamtin

ausgegeben. Sieerzählte,

eine Einbrecherbande werdedemnächst

das Zuhause des Ehepaares

aufsuchen. Diefalsche Polizistin forderte

zur Sicherheit die Herausgabe

vonGeld. DasEhepaar wurde misstrauisch

und rief die echte Polizei. In

der Folge wurde eine fingierte Geldübergabe

vereinbart, zu der drei

Geldabholer mit einem Auto erschienen

und einen vom67-Jährigen

abgelegten Umschlag mitnahmen.

Polizisten stoppten denWagen in der

Kreuzritterstraße und nahmen die

Insassen im Alter von17, 23 und 26

Jahren fest.

Betrunkener verursacht Unfälle.

EinBetrunkener hat in CharlottenburgmehrereVerkehrsunfälle

verursacht.

Am Sonntagnachmittag fuhr

der 39-jährige VW-Fahrer in der Masurenallee

auf einen an einer Ampel

wartenden Opel auf. Ungeachtet

dessen fuhr er weiter und streifte

nochmals den Pkw des mittlerweile

ausgestiegenen Fahrers.Inder Kantstraße

fuhr der 39-Jährige ebenfalls

auf einen an einer Ampel wartenden

Citroën auf. Auch hier blieb der Fahrernicht

stehen, sondernfuhr über

den Gehweg, wo er zwei Verkehrsschilder

rammte,davon. Er flüchtete

über den Kudamm und bog bei Rot

entgegen der Fahrtrichtung in die als

Einbahnstraße gekennzeichnete Fasanenstraße

ein. Polizisten blockierten

mit ihrem Fahrzeug die Fahrbahn,

woraufhin der Mann rückwärts

auf den Gehweg fuhr und dort

zwei Fußgänger im Alter von56und

61 Jahren leicht verletzte.Der Fahrer

stieg aus,ließ sein Auto stehen und

rannte davon. In der Fasanenstraße

endete seine Flucht. Polizisten nahmen

den sich gegen seine Festnahme

wehrenden Mann fest. Sein

Fahrzeug stellten die Beamten sicher

und brachten den alkoholisierten

39-Jährigen zu einer Blutentnahme.

Radler bei Sturz getötet.

Beieinem Sturzhat ein Radfahrer in

der Nacht zum Montag in Friedrichshagen

tödlicheVerletzungen erlitten.

Der53-Jährige befuhr mit dem

Radden Gehweg der Drachholzstraße.Aus

noch unbekanntem

Grund stürzte er und zogsich

schwereKopfverletzungen zu. Ein

Passant fand ihn gegen 22.43 Uhr

und rief die Polizei. Trotz Reanimationsversuchen

eines Notarztes starb

der Radfahrer noch am Ort. (kop.)

Rettungskräfte bemühen sich um den

schwerverletzten Radler. MORRIS PUDWELL

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Klasse 5: 4745 x176,90 Euro

Klasse 6: 39 972 x42,00 Euro

Klasse 7: 94 100 x17,80 Euro

Klasse 8: 774 600 x9,70 Euro

Klasse 9: 718 678 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Herr Gysi, wie viel geben Sie monatlich

für Lebensmittel aus?

Das ist schwer abzuschätzen, da

ich abends häufig in Restaurants essen

gehen muss,wenn ich im Lande

unterwegs bin. Unddas Frühstück –

eine Mahlzeit, die ich sehr schätze –

genieße ich so ebenfalls häufig im

Hotel. Insofernkann ich gar nicht sagen,

wieviel mich die Lebensmittel

kosten, die ich in einem Monat esse.

Aber meine Lebensweise trägt Ausnahmecharakter.

Wo kaufen Sie ein –Markt, Bioladen

oder Supermarkt?

Wochenmärkte mag ich, die

schaue ich mir im Urlaub gern an

und kaufe auch etwas.Aber im Alltag

komme ich nicht dazu. Deshalb bleiben

mir Bioläden und Supermärkte,

deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

sich auch bemühen, ihren

Kunden ein gutes, gesundes und frisches

Lebensmittelangebot zu präsentieren.

Regional, saisonal oder eher egal –

wie wichtig ist Ihnen die Herkunft der

Lebensmittel?

Natürlich ist es wünschenswert,

dass Lebensmittel keine langen

Transportwege haben. Aber Bananen

oder Orangen wachsen nun einmal

nicht bei uns und ich hielte es

für falsch, deshalb auf ihr Angebot zu

verzichten. Entscheidend ist, dass

die Lebensmittel unter vernünftigen

umweltschonenden Bedingungen

erzeugt werden und die Erzeugerinnen

und Erzeuger auch davon leben

können. Fair trade wäre ein Stichwort

dazu. Richtig ist, dass nicht jedes

Obst und Gemüse das ganzeJahr

über vorrätig sein muss, man als

Kunde nicht aus dem Blick verliert,

was saisonal überhaupt erzeugt werden

kann. Zum Bespiel schmecken

Kirschen und Erdbeeren nur in ihrer

Zeit. Nurdann kaufe ich sie auch. Bei

Spargel wird die Saison einigermaßen

beachtet, warum sonst nicht?

Wundern Sie sich auch manchmal,

wie günstig es zuweilen im Supermarkt

ist?

Wenn 10 Eier für einen Euro zu

Schwelender Konflikt

Linke blockiert Lederer-Untersuchungsausschuss

VonElmar Schütze

Was einmal „der kürzeste Untersuchungsausschuss

aller Zeiten“

werden sollte,wächst sich zu einer

schier endlosen Geschichte aus.

Der Untersuchungsausschuss, der

die Hintergründe der Entlassung von

Hubertus Knabe als Chef der Stasi-

Gedenkstätte Hohenschönhausen

im Herbst 2018 aufklären soll, kann

noch nicht beginnen. Grund ist ein

schwelender Konflikt zwischen Linken

und der CDU.

Wie berichtet, will die CDU im

Untersuchungsausschuss

die Rolle von Kultursenator

Klaus Lederer (Linke)

bei der Abberufung Knabes

zur Sprache bringen.

Lederer war –und ist –qua

Senatorenamt Vorsitzender

des Stiftungsrats der

Gedenkstätte. In dieser

Funktion machte er sich

im Spätsommer 2018 für

eine Ablösung Knabes als

Gedenkstättenleiter stark. Dieser

habe nicht genug unternommen gegen

eine Kultur des Sexismus’ –vor

allem jungen Frauen gegenüber, die

in der Gedenkstätte arbeiteten.

Knabe, als Antikommunist ein

Held der CDU, musste gehen. Diese

witterte eine ideologische Intrige.

Also sollte Lederers Wirken zum Ermittlungsgegenstand

werden. Die

CDU sprach vom Lederer-Ausschuss.

Und der sollte kurz sein.

Etwa ein halbes Dutzend Sitzungen

werdeman brauchen, mehr nicht.

Am Mittwoch kam die Retourkutsche

der Linken. Siewollen den Auftrag

erweitern und auch die Rolle

von Monika Grütters untersuchen –

gleichberechtigt mit der vonSenator

Lederer. Auch die CDU-Politikerin

Monika

Grütters

IMAGO

sitzt als Kulturstaatsministerin im

Stiftungsrat. Damals stimmte Grütters

zusammen mit Lederer für die

Abberufung Knabes. Auch sie war

derMeinung,dass ein Kulturwandel

in Hohenschönhausen nur ohne

Knabe denkbar sei.

Die CDU ihrerseits will auf gar

keinen Fall einen Lederer/Grütters-

Ausschuss akzeptieren. Natürlich

könne man Grütters als Zeugin hören,

keinesfalls jedoch könne man

ihr Wirken und das ihrer Bundesbehörde

zum Untersuchungsgegenstand

eines Untersuchungsausschusses

auf Landesebene

machen, heißt es.

Zur Wahrheit gehört

aber auch, dass die Personalie

Monika Grütters für

die CDU besonders heikel

ist. Schließlich war sie damals

auch Berliner Landesvorsitzende.

Das ist sie

zwar längst nicht mehr,

dennoch will die Fraktion

vom Wissenschaftlichen

Parlamentsdienst (WPD) per Gutachten

klären lassen, ob dieser Fall

von, na ja, Erweiterung eines Untersuchungsgegenstandes

zulässig ist.

CDU-Generalsekretär Stefan

Evers hofft auf ein Umdenken bei der

Regierungskoalition, wie er der Berliner

Zeitung sagte.Sollte dies ausfallen,

wolle man vor den Landesverfassungsgerichtshof

ziehen.

Steffen Zillich, parlamentarischer

Geschäftsführer der Linken, gibt sich

gelassen. Im Gespräch mit der Berliner

Zeitung entwirft er einen Zeitplan.

Frühestens Ende des Jahres

könnte ein Abschlussbericht des

Ausschusses vorliegen, das Plenum

sich erst im Januar 2021 damit befassen.

„Und selbst das ist sportlich“,

sagte Zillich. Kurz klingt anders.

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und

Elmar Jehn reden jede Wochemit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und

die Welt bewegt. Ein paar Minuten nur,solange

man eben zusammensteht für

eine Curry am Mittag.

Unser Thema in dieser Woche:

die Preise der Lebensmittel

haben sind, kann man sich vorstellen,

was das für die Tierhaltung und

die Beschäftigten bedeutet. Darunter

leidet letztlich auch die Qualität

der Produkte. Der Preisdruck der

großen Supermarkt-Ketten sorgt

zwar für billige, aber am Ende eben

auch geschmacklich minderwertige

Lebensmittel. Er erhöht den Zwang

zu großen Produktionsmengen mit

dem entsprechenden Ressourcenverbrauch.

Diese Spirale sollten wir

nicht weiterdrehen.

Viele Experten beklagen, dass die

Deutschen zu wenig für Lebensmittel

ausgeben und die Qualität darunter

leidet. Andererseits: Viele Menschen

müssen einfach den Cent zweimal

umdrehen. Ist Ernährung auch eine

soziale Frage?

Selbstverständlich, deshalb muss

die Forderung, dass die Menschen

mehr Geld für ihreLebensmittel ausgeben

müssten, zur gleichzeitigen

Forderung führen, sie auch in die

Lage dazu zu versetzen.Wersich also

zum Schutzheiligen der Nackensteakesser

erklärt und gleichzeitig

will, dass die Bauern vonihrer Arbeit

leben können, ohne dass die Umwelt

leidet, muss zum Beispiel den Mindestlohn

und andereLöhne deutlich

anheben, insgesamt den Niedriglohnsektor

zurückdrängen, eine angemessene

Mindestrente einführen

und auch Harz IV erhöhen.

Landwirtschaftsministerin Julia

Klöckner will das Preisdumping bei

Lebensmitteln stoppen. Ein richtiger

Schritt?

Dafür müsste sie sich sowohl mit

den Supermarktketten als auch den

großen Lebensmittelkonzernen anlegen,

was bisher – zurückhaltend

ausgedrückt – nicht unbedingt als

Stärke der Regierung bekannt ist.

Malabgesehenvon der Currywurst:

Mitwelchem preiswerten Essenkann

man Sieglücklich machen?

Eine mit gut gewürztem Hackfleisch

gefüllte Paprikaschote ist etwas

Leckeres und bleibt preislich

auch im Rahmen.Und noch besser ist

–das kann ich sogar selbst kochen.

Wieineinem Horrorfilm

Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

VonKatrin Bischoff

Als MarcoF.andiesem Montag

am Landgericht Potsdam

das letzte Wort erhält,

das jedem Angeklagten zusteht,

rinnen ihm Tränen übers Gesicht.

Er wisse, dass es für seine Tat

keine Entschuldigung gebe, aber er

bitte seine Lebensgefährtin und

Mutter der beiden gemeinsamen

Kinder um Vergebung. Undhoffentlich

gelinge es auch seiner neun

Jahre alten Tochter, mit der Tatklarzukommen.

Zuvor hatte Staatsanwalt Gerd

Heininger für den Industriemechaniker

und passionierten Wasserballer

wegen versuchten Mordes eine

lebenslange Haft gefordert. Er habe

heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen

gehandelt, als er Henriette

W. fast umgebracht habe.Grund

war die Trennungsabsicht der Frau.

„Geständig und reuevoll“

In der Nacht zum 10. April des vergangenen

Jahres gegen 2Uhr schlich

sich Marco F. in der Doppelhaushälfte

in Brandenburg/Havel zu der

schlafenden Henriette W. Mit einem

ersten Messer stach erder 33-jährigen

Lehrerin so kraftvoll in den Rücken,

dass die Klinge abbrach und

steckenblieb. Auch das zweite Messer

ging zu Bruch. Schließlich holte

Marco F.ein Brotmesser, mit dem er

seiner sich heftig wehrenden Lebensgefährtin

die Handgelenke und

den Hals aufschnitt. Dann versuchte

er,sich selbst umzubringen.

Die neunjährige Tochter wurde

durch die Schreie der Mutter wach.

Sie versuchte, ihren Vater von der

Mutter wegzuziehen. Als das nicht

gelang, alarmierte das Kind über den

Notruf die Polizei und rettete seiner

Mutter das Leben. MarcoF.sagte aus,

sich nicht an das Tatgeschehen erinnernzukönnen.

DerAngeklagte habe es durch die

beabsichtigte Trennung nicht ertragen

können, dass „seine bisher nach

außen perfekte heile Welt zusammenbricht“,

sagte Heininger. Marco

F. habe sein bisheriges Leben mit

Haus,Frauund KinderninScherben

gesehen. Er habe es als nicht mehr

„lebenswert“ empfunden. Zunächst

aber habe er die Schuldige bestrafen,

sie töten wollen –aus purem Hass,

wie der Staatsanwalt sagte.

Henriette W. kam mit einem Blutungsschock

ins Krankenhaus. Die

Not-OP dauerte mehr als zehn Stunden.

Sie habe nur dank ihrer guten

Kondition überlebt, wie es der

Staatsanwalt sagt. Henriette W.

werde jedoch ihre Hände nie wieder

richtig bewegen können. Sie sei auf

die Hilfe Dritter angewiesen.

Matthias Schöneburg, der Verteidiger

vonMarco F.,plädierte auf eine

zeitig begrenzte Haftstrafe. Zwar

gehe auch er „natürlich“ von einem

versuchten Mord aus.Dochmüsse in

einem Urteil auch die Persönlichkeit

des Angeklagten gewürdigt werden.

Marco F.sei sozial integriert, nicht

vorbestraft, geständig und reuevoll

gewesen. Zudem habe ersich in jener

Nacht selbst umbringen wollen.

Schöneburgfordertedas Gerichtauf,

eine Affekthandlung zu prüfen. Die

fehlende Erinnerung an die Tat

deute auf eine erhebliche Bewusstseinsstörung

hin.

Marco F.bittet in seinem letzten

Wort die Richter um eine gerechte

Strafe. Erkönne sich nicht erklären,

wie er zu so einer Tathabe fähig sein

können. Er fühle sich wie in einem

schlimmen Horrorfilm, in dem er die

Hauptrolle spiele.

Das Schulessen ist in Berlin inzwischen

kostenlos.

DPA/JENS KALEANE

Schulcatering:

Panne bei der

Ausschreibung

Senat untergräbt eigenen

Vergabemindestlohn

Bei der Ausschreibung für das

Schulcatering ist es zu einer

schweren Panne gekommen.Wieberichtet

hatte die Schulsenatsverwaltung

zwei große Neuerungen angekündigt:

Ab August soll das Schulmittagessen

für Grundschüler einen

höheren Bio-Anteil beinhalten. Und

die Cateringmitarbeiter sollen den

neuen Vergabemindestlohn des

Landes erhalten: 12,50 Euro pro

Stunde statt 9,35 Euro.

DasProblem: DieNovelle desVergabegesetzes,

die den Mindestlohn

erhöht, ist noch nicht gültig. Bei der

Ausschreibung eines der größten

Aufträge, die das Land vergibt, war

dieser Umstand offenbar niemandem

in der Bildungsverwaltung oder

im Hause der Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop (Grüne) aufgefallen.

Wie die Berliner Morgenpost zuerst

berichtete, müssen sich die Caterer

in einem Formblatt zur neuen Ausschreibung,

die seit 17. Januar online

ist, lediglich zur Zahlung des bisherigen

Landesmindestlohns von9Euro

verpflichten.

Da Bundesrecht Landesrecht

bricht, erhält sowieso jeder, der für

Berliner Grundschulkinder Essen

kocht, ausliefert oder ausgibt, den

gesetzlichen Mindestlohn von

9,35 Euro. Doch so, wie die Ausschreibung

aktuell formuliertist,wären

Caterer nicht verpflichtet, die

von SPD-Schulsenatorin Sandra

Scheeres angekündigten 12,50 Euro

zu bezahlen. Dassieht auch der Verband

Deutscher Schul- und Kitacaterer

so. „Von 12,50 Euro weiß ich

nichts“, sagte ein Vorstandsmitglied.

Nach Schätzung des Verbands sind

in Berlin etwa 2000 Arbeitnehmer

betroffen.

Brisant ist, dass der neue Vergabemindestlohn

vonder Bildungsverwaltung

in die Essenspreise der

neuen Ausschreibungen einkalkuliert

worden ist. Imaktuellen Doppelhaushalt

sind dafür fast 30 Millionen

Euro zusätzlich veranschlagt

worden. DieSenatsverwaltungen für

Bildung und Wirtschaft müssen nun

dafür sorgen, dass dieses Geld auch

tatsächlich bei den Angestellten der

Caterer ankommt. „Diese Sache

muss in Ordnung gebracht werden,

und zwar schnell“, sagte Christian

Hoßbach, der Landesvorsitzende

des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

„Es kann einfach nicht sein,

dass der Senat einen über vier Jahre

laufenden Vertragzuveralteten Konditionen

herausgibt.“

Für die Panne schieben sich die

beiden Häuser gegenseitig die Verantwortung

zu. Eine Sprecherin der

Wirtschaftsverwaltung teilte mit, es

wäre Aufgabe der Bildungsverwaltung

gewesen, in der Ausschreibung

eine „Gleitklausel“ anzukündigen,

um sicherzustellen, dass die Caterer

die Löhne erhöhen, sobald die Novelle

gilt. Aus dem Hause Scheeres

hieß es hingegen, für die vergaberechtlichen

Vorkehrungen sei die

Wirtschaftsverwaltung zuständig. In

den Abstimmungen habe man von

dieser nie einen Hinweis erhalten.

Nun suche man gemeinsam eine

„pragmatische Lösung“, die „juristisch

einwandfrei“ sei. „Da werden

sicher noch die Gerichte bemüht“,

hieß es am Montag aus dem Verband

deutscher Schulcaterer. (mrg.)


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 – S eite 13

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Feuilleton

Markus Schneider

erwartet einiges in

den Popkonzerten

der Woche.

Seiten 16 und 17

„Wunderschön ist die Musik, die Kirill Petrenko zaubert. “

Peter Uehling besuchte das neue Bildungsprojekt der Philharmoniker Seite 15

Filmpreise

Wir sind Teil

des Problems

Cornelia Geißler

hat Joaquin Phoenix

zugehört

Das war eine klare Ansage: Joaquin

Phoenix geht auf die

Bühne, man erwartet seine Dankesrede,

weil er als bester Schauspieler

ausgezeichnet wird, doch er wählt

nicht die üblichen Worte. „Wir senden

eine deutliche Botschaft an

nichtweiße Menschen, dass sie hier

nicht willkommen sind“, sagt er.Die

Wendung „People of color“, die

Phoenix benutzte, setzt sich auch

hierzulande langsam durch, um Alltagsrassismus

entgegenzuwirken.

Es wird still in der Royal Albert

Hall in London, das zeigen die Videomitschnitte.

Die kurze Rede bewegt

sich zwischen den zwei Polen,

die das Thema im Bereich der Kultur

ausmachen. Phoenix bezeichnet

sich einerseits selbst als „Teil des

Problems“ – als Teil einer Gesellschaft,

die keine Chancengleichheit

hinbekommt – und lenkt andererseits

den Blick auf die, deren Arbeit

nicht ausreichend Beachtung findet,

„Menschen, die so viel Anteil an den

Erfolgen unseres Mediums und unserer

Industrie haben, vondenen wir

auch profitieren“.

Geehrt wird Joaquin Phoenix für

seine Darstellung des „Joker“ in dem

Film von Todd Philipps. Esist nicht

irgendeine Auszeichnung. DieBafta-

Awards,vergeben vonder Britischen

Akademie der Film- und Fernsehkunst,

gelten wie die Golden Globes

als Vorboten der Oscars.

In der vergangenen Sonntagnacht

in London hat der Schauspielern

gewonnen, von dem die meisten

Auskenner erwarten, dass er am

Sonntag drauf auch die Ehrung in

Los Angeles entgegennimmt. Alle

vier Kollegen, die mit Phoenix nominiert

waren, sind weiß, ebenso die

Hauptdarstellerinnen, dasselbe trifft

auf die Nebendarsteller beiderlei Geschlechts

zu. Erst beim Nachwuchs

sah die Auswahl bunter aus.

Es ist schwierig, etwas zu kritisieren,

von dem man selbst profitiert.

Hätte Joaquin Phoenix bereits die

Nominierung ablehnen sollen? Wäre

das bemerkt worden? Ein paar Medien

hätten berichtet, der Schauspieler

möchte seine Zurückhaltung

als Signal verstanden werden, sicher.

So aber hat er die Ehrung der eigenen

Leistung erhalten und die große

Öffentlichkeit genutzt. Die saß nicht

nur still im Saal. Sogar Prinz William

sagte dann: „Schon wieder sprechen

wir darüber,dass wir mehr tun müssen,

um in diesem Sektor und bei der

Preisvergabe Diversität zu gewährleisten.“

Der Thron-Nachfolger hat

erkannt: „Das kann heutzutage einfach

nicht mehr richtig sein.“

Joaquin Phoenix mit seiner Trophäe und in

kämpferischer Pose.

IMAGAO IMAGES

Dämonen der Geschichte

Die Berlinale-Affäre um ihren ersten Leiter Alfred Bauer wirft auch ein Licht auf die späte Bundesrepublik

VonHarry Nutt

Indem Jahr 1986, in dem Alfred

Bauer, der langjährige Leiter

der Berliner Filmfestspiele,

starb, erhielt Reinhard Hauffs

„Stammheim“ den Goldenen Bären

als bester Film. „Stammheim“ ist

eine beklemmende, indokumentarischer

Dichte erzählte Rekonstruktion

des 1975 bis 1977 in der zum

Hochsicherheitsgefängnis ausgebauten

Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim

stattfindenden

Prozesses gegen die Führungsriege

der sogenannten Baader-Meinhof-

Gruppe.

Nach dem Buch „Der Baader-

Meinhof-Komplex“ von Stefan Aust

schildertHauff in seinem Film in penibler

Kleinteiligkeit den Ablauf des

Gerichtsgeschehens gegen die als

Terroristen angeklagten Andreas

Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun

Ensslin und Jan-Carl Raspe. Das

Werk spaltete nicht nur das Publikum,

sondern auch die Jury,

schließlich wurde der Berlinale-

Preis gegen das ausdrückliche Votum

der Jury-Vorsitzenden Gina

Lollobrigida vergeben.

Das widersprüchliche Urteil über

den Film ist auf die sich nicht auflösenden

Ambivalenzen und Deutungsmöglichkeiten

zurückzuführen.

Ohne sich festzulegen, zeigt

Hauff, wie die Angeklagten, deren

mörderischer Polit-Aktivismus die

westdeutsche Gesellschaft mehr

als ein Jahrzehnt lang in Atem hielt,

ihren verbissenen Kampf gegen

den deutschen Staat in den Gerichtssaal

trugen.

Die Erinnerung an die zeitliche

Koinzidenz von Reinhard Hauffs

Film und dem Tod Alfred Bauers,

dessen lange vernachlässigteVerstrickung

in den nationalsozialistischen

Machtapparat nun erneut erforscht

werden soll und muss, macht zumindest

deutlich, dass die Generation

der 68er, zuder Hauff gehört

und der bis heute das historische

Verdienst zugeschrieben wird, das

Fortleben von NS-Ideologie und

-Karrieren in der westdeutschen

Nachkriegsgesellschaft kompromisslos

zum Thema gemacht zu haben,

Mitte der 80er-Jahre mit ihren

eigenen Dämonen befasst war. Die

politische Auseinandersetzung mit

den Tätern von gestern hatte auf fatale

Weise neue Täter hervorgebracht

und das Generationenprojekt

ad absurdum geführt.

Was heute an der Affäre Alfred

Bauer verblüfft, ist die zeitgenössische

Arglosigkeit, in der man um

Bauers maßgebliche Mitarbeit in Joseph

Goebbels Reichsfilmintendanz

durchaus wusste oder doch hätte

wissen können, und ihm gleichzeitig

als geschätzten Filmfunktionär huldigte.

Länger als jeder seiner Nachfolger

hat Alfred Bauer die Leitlinien

der Berlinale von 1951 bis 1976 bestimmt,

ohne dass sein Wirken jemals

kritisch mit seiner fragwürdigen

Biografie in Verbindung gebracht

worden wäre.

Während BauersichimGlanz von

Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale

und Shirley MacLaine auf

dem roten Teppich und vor den Kameras

sonnte, tauchte seine politische

Vergangenheit allenfalls in den

Fußnoten von Filmhistorikern auf.

Die nun als Entdeckung zitierte Einschätzung

aus einem NS-Dokument,

das Bauer als „eifrigen SA-

Mann“ ausweist, war bereits 1973 in

Wolfgang Beckers Buch „Film und

Herrschaft“ aufgeführt, ohne dass

Alfred Bauer,1964 beim Tanz mit der französischen Schauspielerin Magali Noël

dies weitere Nachforschungen ausgelöst

hätte.

Als Rainer Rother, der künstlerische

Direktor der Deutschen Kinemathek,

am vergangenen Wochenende

in einem Rundfunk-Interview

den Vorschlag unterbreitete,den Fall

Alfred Bauers im erweiterten Kontext

deutscher Karrieren der Nachkriegszeit

zu betrachten, wurde ihm sogleich

unterstellt, damit vondenVersäumnissen

auch von der Kinemathek

beschäftigter Filmhistoriker abzulenken.

Undtatsächlich vermag man sich

eines gesteigerten Unbehagens bei

der Vorstellung kaum zu erwehren,

DPA

dass etwa der Filmproduzent Arthur

Brauner, der sich als jüdischer Verfolgter

des NS-Regimes geschworen

hatte, die Verbrechen der Nazis in

seinen Filmen zum Thema zu machen,

bei Berlinale-Empfängen auf

„Müssen wir nicht die Person Alfred Bauer in

den Kontext der Karrieristen stellen, die nach

dem Nationalsozialismus auch in anderen Bereichen

ihre Karriere fortsetzten?“

Rainer Rother, künstlerischer Leiter der Stiftung Deutsche Kinemathek

einen emsigen Adjutanten der NS-

Filmpolitik traf, der sich nun als moderner

Schöngeist gerierte.

Es mag viel mit Bauers Geschick

und Raffinesse zu tun haben, dass

seine Lebenslüge und Camouflage

zahlreiche Abnehmer fand, darunter

eben auch viele 68er, die einiges auf

ihr unbestechliches Geschichtsverständnis

hielten. In der Chronik zur

50. Berlinale im Jahr 2000 ist ein Foto

abgebildet, das, Ende der 70er-Jahre

aufgenommen, einen längst beruhigten

Generationenkonflikt auf anschauliche

Weise zelebriert. In fröhlicher

Runde ist Alfred Bauer dortmit

den Berlinale-Granden vereint, darunter

Wolf Donner, der 1977 auf

Bauer folgte, gemeinsam mit Moritz

de Hadeln und Ulrich Gregor,der das

Forum des Internationalen jungen

Films zu Beginn der 70er-Jahre ganz

ausdrücklich als ambitioniertes Gegenfestival

zum Hauptgramm der

Filmfestspiele aufgefasst hatte und

es später darin als eigene Sektion

aufgehen ließ. Man gefiel sich sichtlich

darin, sich ganz hübsch mit der

Berlinale, die ihren Charakter im

Verlauf der Jahrzehnte gerade auch

in politischer Hinsicht mehrfach gewandelt

hatte, eingerichtet zu haben.

Zweifellos kam der beachtlichen

Anpassungsleistung eines Alfred

Bauerseitden 80er-Jahren auch eine

Atmosphäre der historischen Entspannung

zu Gute,inder es nicht zuletzt

einer jüngeren Generation von

Filmexperten opportun erschien,

sich anerkennend mit der Filmästhetik

von Hitlers Regisseurin Leni

Riefenstahl zu befassen, ohne deren

intrigante Macht- und Karrierepolitik

während der NS-Zeit deswegen

außer Acht zu lassen. Souveränes

Darüberstehen schien die angemessene

Haltung eines kühlen zweiten

Blicks zu sein, der für sich in Anspruch

nahm, ein nüchtern-unideologisches

Gesamtbild zu präsentieren.

DieMörder waren ja nicht mehr,

wieWolfgang Staudtes Film von1946

es ins kollektiveBewusstsein gehämmerthatte,„unter

uns“.

Wie die Affäre umdie Person Alfred

Bauers nun zeigt, ging diese Einschätzung

auch mit Selbsttäuschungen

einher. Als Bauer 1986 im Alter

von75Jahren starb,galt er ja keinesfalls

als Übriggebliebener seiner Zeit,

sondern als einer mit Gründergeist.

Als Besucher der Berlinale seit den

frühen 80er-Jahren und vorübergehend

als Mitarbeiter in der Katalogredaktion

der Berlinale räume ich

ein, mich wie vermutlich viele Kollegen

nie hinreichend mit deren Vorgeschichte

befasst zu haben, obwohl

institutionelle Verstrickungsgeschichten

und deren quälend lange

Verschleierung in fast allen gesellschaftlichen

Bereichen zum Vorschein

kamen. Als Beispiele mögen

hier die Lebensgeschichten des Fußballnationaltrainers

Sepp Herberger,

des Literaturwissenschaftlers Hans

RobertJauß oder auch des Künstlers

Emil Nolde genügen, die trotz der

vermeintlichen Gewissheit, das

meiste bereits aufgearbeitet zu haben,

immer wieder neue Irritationen

auszulösen vermochten.

Wie sehr der Fall Alfred Bauer

auch das Ergebnis einer institutionellen

Selbstgefälligkeit war,werden

nun die weiteren Forschungen zu

Tage fördern. Aber bereits jetzt geht

ganz deutlich daraus hervor, dass die

nationalsozialistische Schuld nicht

allein die Angelegenheit derer ist, die

sie als Zeitzeugen erlebt haben. Wir

habennochimmer nur ein sehr grobes

Bild vomÜbergang der vomNationalsozialismus

durchdrungenen

Gesellschaft in die beiden deutschen

Nachfolgestaaten. Verfeinerungen

sind dringend geboten.

HarryNutt

ist seit 1981 Besucher der

Berlinale.

NACHRICHTEN

Die Berliner Bach-Familie

in einer Ausstellung

DasBachhaus Eisenach präsentiert

in diesem Jahr neue Erwerbungen in

Eisenach und in Berlin. In Eisenach

wirddie erste Violinstimme zum

Choral „Wer hat dich so geschlagen“

aus der vonMendelssohn 1841 in

Leipzig dirigierten Matthäuspassion

zu sehen sein. In Berlin sind zwei

Werkevon Bachs letztem lebzeitigen

Enkel zu sehen –Johann Sebastian

Bach der Jüngerewar Maler und

Zeichner.Die zwei Werke, die das

Bachhaus Eisenach jüngst ersteigern

konnte,werden ab dem 12. März

2020 in der Ausstellung „Die Berliner

Bach-Familie“ im Berliner Dom gezeigt.

(BLZ)

Sam Mendes’ Film „1917“

bleibt Oscar-Favorit

DasAnti-Kriegsepos „1917“ vonRegisseur

SamMendes ist in diesem

Jahr der große Gewinner bei den als

Baftas bekannten britischen Filmpreisen.

Beider glamourösen Preisverleihung

in London wurde das

neunmal nominierte Drama am

Sonntag insgesamt siebenmal ausgezeichnet,

unter anderem als Bester

Film und als Herausragender Britischer

Film. Joaquin Phoenix bekam

den Preis als Bester Hauptdarsteller

für das Comic-Drama „Joker“. Als

Beste Hauptdarstellerin wurde

Renée Zellweger für ihreDarstellung

vonJudy Garland in dem biografischen

Drama „Judy“ geehrt. Wie

Phoenix hatte Zellweger schon einen

Golden Globe dafür bekommen und

darfinLos Angeles auf den Oscar

hoffen. DieTragikömodie „Parasite“

wurde für das Beste Originaldrehbuch

sowie als Bester nicht-englischsprachiger

Film geehrt. (dpa)

Gitarrist und Komponist

Ivan Kral gestorben

Dertschechisch-amerikanische

Rockgitarrist Ivan Kral ist tot. Er erlag

am Sonntag im Alter von71Jahren

einem Krebsleiden, wie die Agentur

CTK am Montag unter Berufung auf

seine Lebensgefährtin berichtete.

Kral spielte an der Seite vonStars wie

Patti Smith, Iggy Popund David Bowie.Gemeinsam

mit Smith schrieb

er unter anderem den Hit„Dancing

Barefoot“. Geboren wurde Kral am

12. Mai1948 in Prag. Mitseinen Eltern–sein

Vater war Übersetzer bei

den Vereinten Nationen –ging er

1966 in die USA, wo die Familie dauerhaft

blieb.Inden 70er-Jahren

tauchte Kral in die NewYorker Punkszene

ein. Später komponierte er

Filmmusik und gründete mit der

Band Nativeein eigenes Trio.Nach

1989 kehrte Kral oft nach Prag zurück,

um als Produzent die Rockmusikszene

zu unterstützen. (dpa)

Der tschechisch-amerikanische Rockgitarrist

Ivan Kral (1948–2020).

CTK


14 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Feuilleton

Raus aus dem Parkdeck, rein in die Institution

Ein Rundgang zum Abschluss des diesjährigen CTM-Festivals

VonJohannes von Weizsäcker

„A Letter to Europe“ hieß eines der Stücke, das die polnische Polit-Noise-Formation BNNT im Heimathafen Neukölln spielte. ROLAND OWSNITZKI

Unter dem Titel „Liminal“

ging am Wochenende

das 21. CTM-Festival zu

Ende; bekanntlich bezeichnet

der diesjährige Themenbegriff

des Elektronik-Festivals den

Schwellenmoment sozialer Gruppen

beim Übergang von einem Zustand

in den nächsten: So waren

zahlreiche Künstlerinnen und

Künstler zu begutachten, deren

mehr oder weniger cluborientierte

Musik als Botschafterin für Politisches

intendiertist.

Etwa konnte man, so man sich

von der langen Freitagnacht im

Berghain mit den aufreibenden Miniloops

des Uganders Don Zilla sowie

dem Auftritt des altmeisterlichen

Drum-and-Bass-Zersplitterers

Squarepusher erholt hatte, am

Samstag im Neuköllner Schwuz das

brasilianische Ensemble Teto Preto

ansehen, das einiges an

Flamboyance aufbot, um gegen die

Repression queerer Szenen unter

der rechtsextremen Regierung ihres

Heimatlandes zu protestieren. Vielleicht

lag es am Sound des für Live-

Instrumente eher ungünstigen

Schwuz, aber es mangelte hier ein

wenig an viszeralem Druck, so dass

die Performance eher wie eine niedliche

Global-Fusion-Pop-Huldigung

von Frankie Goes To Hollywood

anmutete.

Unter ähnlichen Soundproblemen

litt der Auftritt des Berliner Produzenten

Debmaster mit der in

Uganda lebenden kenianischen

Rapperin MC Yallah. Dazwischen

kam die aus Tennessee stammende

Künstlerin Bbymutha mit ihren entschleunigten

Raps über Sex und

Mutterschaft erstaunlich transparent

rüber, und die Verbindung aus

Gesellschaftskritik und unbekümmerter

Frechheit gelang.

Viel Lobendes, aber auch Kritisches

ist anlässlich des CTM über die

Polit-Behaftung der Clubmusik gesagt

worden, auch im Zusammenhang

mit der Institutionalisierung

der Clubmusik, die mit einem stark

an Kulturförderung geknüpften Festival

einhergeht. Eine Gefahr der Sterilisierung

besteht hier gewiss, und

natürlich wird nicht mehr in stillgelegten

Parkgaragen auf geklauten

Anlagen aufgelegt, sonderninlängst

ins Stadtmarketing integrierten

Clubs, die allen Sicherheitsauflagen

streng genügen. Aber dem Publikum

schien das nichts auszumachen. Es

tanzte in der Samstagnacht auch

nach über einer Woche Festivalprogramm

recht ausgelassen.

Nirgends mehr als beim Auftritt

des syrischen Keyboardzauberers

Rizan Said, den manche vielleicht als

Seitenmann des ehemaligen Hochzeitssängers

und mittlerweile internationalen

Popstars Omar Souleyman

kennen. Im kleineren Raum des

Schwuz wirbelte Said gelassen auf einem

Achtziger-Jahre-Keyboard mit

typisch phasigem E-Klarinetten-

Sound zu Dabke-Rhythmen auf und

ab und bediente einen scheppernden

Drum-Computer von Hand. All

dies,während er mit seinem Mitmusiker

plauderte,der wiederum, ein T-

Shirt mit „Levi’s“-Aufdruck tragend,

den Großteil des Auftritts damit verbrachte,

das Publikum mit seinem

Smartphone zu filmen. Ganz am

Schluss sang er aber noch!

Wenig gelassen hingegen der Beginn

des CTM-Abschlusskonzerts,

das am Sonntagabend im Neuköllner

Heimathafen stattfand. Hier trat

zunächst die polnische Polit-Noise-

Formation BNNT auf und brachte

eine Vertonung des Gedichts „A letter

to Europe“ der iranisch-schwedischen

Dichterin Athena Farrokzhad

zu Gehör –sowie zu Auge und zu Geruch,

denn nicht nur trommelten

hier zwei maskierte Männer performativ

überhöht auf Schlagwerk umher,

während die Gastvokalistin Jasmina

Polak, hauptberuflich Schauspielerin,

im schwarzen Hoodie

hüpfte. Auch wurde am vorderen

Bühnenrand Weihrauch entzündet,

der damit die Atemwege unseres unmittelbar

davorstehenden Konzertfotografen

Roland Owsnitzki schwer

belastete,als seien dessen Arbeitsbedingungen

nicht schon hartgenug!

Eine druckvolle Performance,

doch geriet sie bei aller berechtigten

Kritik an der Flüchtlingspolitik Europas,

die das Gedicht beinhaltet, ein

wenig zu pathetisch. Man vermutete,

hier sei zu viel Leidenschaft im

Spiel. Paradoxerweise haben Protestperformances

in der Regel die

größteWirkung, wenn sie sich die zynische

Kälte der von ihr kritisierten

Instanz zu eigen machen.

Das Gemeinschaftsstiftende von

Kennlernspielen bei Fortbildungsseminaren

hingegen macht sich bereits

seit gut anderthalb Dekaden der

in Baltimore ansässige Musikunterhalter

Dan Deacon zu eigen. Zum

Abschluss des Festivals teilte er,während

er seine stolz und billig scheppernde

Videospielmusik abspielte,

das Publikum regelmäßig in zwei

Gruppen auf und ließ diese von

spontan gewählten Vortänzerinnen

und- tänzern nachtanzen, am Ende

gab es gar eine Tunnelpolonaise aus

dem Konzertsaal heraus in den Hof

des Heimathafens, dabei den

Schwellenzustand des Festivalmottos

abbildend. Man wollte die Leute

wohl bei aller politischen Beanspruchung

nicht allzu niedergeschlagen

in die Welt entlassen. Immerhin

hatte auch Deacon angeordnet, wer

fühle, dass er/sie besser vortanzen

könne als der aktuelle Vortänzer,

möge diesen einfach ablösen, wie

man es ja mit den Anführern inder

Welt auch halten solle.

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Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 15

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Feuilleton

Wütende

Frau

in freiem Fall

Dagmar Leupolds

böser Roman „Lavinia“

VonMarlies Müller

Der neue Roman von Dagmar

Leupold ist eine radikale Geschmacklosigkeit

in Form und Inhalt.

Das ist unangenehm und fesselnd

und dem unmöglichen Vorgang,

den er schildert, irgendwie angemessen.

Sofern essich beurteilen

lässt. Lässt es sich nicht.

Kalauernd, räsonierend, bramarbasierend

und zuweilen melancholisch

fällt eine Frau in 25 Kapiteln

an den 25 Stockwerken eines

New Yorker Hochhauses vorbei.

Das ist die Titelheldin Lavinia, die

sich das Leben nimmt, das sie im

Sturz noch bedenkt, demontiert,

eliminiert. Sieheißt Lavinia wie die

Frau des Trojaners Aeneas, die im

Epos des mittelalterlichen Dichters

Heinrich vonVeldeke weit mehr zu

Wort kommt als bei Vergil.

Diese Bedeutung wird Lavinia

(Loveinia, kann man in Amerika

auch zu ihr sagen) bewusst sein, einer

Akademikerin, die nicht nur

mittelhochdeutsche Zitate zur

Hand hat –sondern überhaupt das

sprachliche Rüstzeug zu einer zynischen

Tirade. Die Sprache befindet

sich in diesem Roman im absichtsvoll

freien Fall wie die Protagonistin.

Wenn es dabei ein Problem

gibt, liegt es darin, dass Lavinia sogar

zu sehr aufgerüstet ist. Alles will

sie zermahlen, und sie weiß, wie

das geht, penetrant zu sein.

Der freie Fall selbst ist natürlich

eine furchtbare Behauptung, ein

Kunstprodukt, aber am Ende doch

tödlich. Während sie unterwegs ist –

„verti-radi-kal“ statt horizontal –,

denkt Lavinia an ihre Kindheit zurück,

unter vertriebenen Ostpreußen

und mit dem Omale, an den

Muff der fünfziger Jahre und die

Freundschaft mit zwei Holocaust-

Überlebenden –wie Omale ein echter

froher Haltepunkt –, an die Aufbruchstimmung

in den Sechzigern.

Aufbruch, auch ein brutales Wort, in

das sich die stürzende Lavinia verhakt.

Dann das Studium in Marburg

und Tübingen –wie Lavinia in manchem

an Leupold erinnert. Diese

Rückblenden sind in ihrer nostalgiefreien

Intensität die stärkste Seite des

Romans.

Lavinia muss jedoch weiter, der

Sturz ist unaufhaltbar, aber beim

durchaus atemlosen Lesen wird einem

womöglich klar,dass man nicht

wirklich versteht, warum das so

kommen musste. Eine Wut, ein Rachedurst

wendet sich schließlich gegen

Männer,Sprache ist ein scharfes

Instrument. „Männer von Welt!

Männer fürs Grobe! Feingeister! Vorgesetzte,

Untersetzte, Langatmige

und Kurzweilige! Ich schreibe euch

auf ... Ihr Betatscher, ihr Zurauner,

ihr Übergreifer. Ich suche euch

heim.“ So tut sie es dann in diesem

unerwarteten, aber nicht vom Himmel

gefallenen Dreh.

DagmarLeupold: Lavinia. Roman. Jung und

Jung, Salzburg2019. 208 S.,21Euro.

Dagmar Leupold schreibt von einer klugen

Frau mit spitzer Zunge. IMAGO IMAGES/SIMON

Nathalie Djurberg &Hans Berg: aus dem Video „It Will End in Stars“, 2018, Virtual Reality

Inselflucht und Hüttenzauber

In der Julia-Stoschek-Collection schicken uns zwei Video-Ausstellungen auf Zeitreisen der besonderen Art

VonIrmgard Berner

Für neue Erzählkunst durch

frische Werke aus der Welt

der zeitbasierten Medienkunst

ist die Julia-Stoschek-

Collection ein zuverlässiger Hort im

Berliner Ausstellungsbetrieb.Aktuell

sind es zwei ganz unterschiedliche

Arbeiten: Im Genre der großräumig

durchinszenierten Videoinstallation

bewegt sich „Party on the Caps“ der

jungen Künstlerin Meriem Bennani.

Diegebürtige Marokkanerin hat eine

Art Lichtspieltheater entworfen und

beamt uns auf einer fiktiven Reise in

ein fernes Inselreich. Die Tribünenbänke

sind gepolstertund mit silbernem

Croco-Kunstleder bezogen.Wie

in einem Raumschiff wölbt sich die

Leinwand hin zum Publikum.

Anfangs leuchten nur die Umrisse

der Kontinente,Radarekreisen,

Blitzezischen hin und her.Und Zahlen

blinken: Der Countdown läuft.

Zero. Knall. Ein Feuerwerk sprüht

Funken. Zügig nähert sich die Kamera

einem nächtlichen Lichtermeer

irgendwo auf einer Atlantikinsel,

taucht ein in eine Megacity und

beamt uns in eine spekulative Zukunft.

Über die Geschichte informiertsogleich

ein giftgrünes Comic-

Krokodil namens Fiona. Die Insel

heiße „Caps“, von Capsule (Kapsel).

Sie wurde als Gefängnis für unerwünschte

Einwanderer eingerichtet.

Wen es hierher verschlägt, der

komme nicht als Reisender,sondern

per Teleportation. Das erleichtert

das Überqueren von Grenzen, Mauernund

Meeren auf dem Wegineine

kontrafaktische Zeit. Bewohnt wird

die Insel von merkwürdig fragmentierten

Figuren, von cyborgartigen,

oft verletzten Wesen, illegalen Immigranten,

die sich an die repressive

Umgebung und die Folgen der Teleportation

erst anpassen. Ein Magnetfeld

umgibt das Eiland. „Wir halten

hier nichts für selbstverständlich

–nicht einmal Körper!“, sagt das Erzähler-Krokodil,

während zwei

Schuhe durchs Bild stapsen.

Das ist ein vielversprechender

Einstieg. Der halbstündige Film hat

sich inzwischen zu einem kaleidoskopischen

Szenario ausgedehnt und

lockt mit sphärischer Musik in den

Raum. Aufnahmen einer rauschhaften

Partywechseln da mit verzerrten

Werbeformaten und intimen Interviews.Esist

eine so klinisch-technoide

wie trashig-dystopische Szenerie,

die Bennani hier aufreißt. Aus

Youtube-Material, Animationen und

Szenen einer echten Partymit Familie

und Freunden hat sie die Achtkanal-Videoinstallation

montiert. 1988

in Rabat, Marokko, geboren, studierte

sie in New York, wo sie heute

lebt und arbeitet. DieIdee für „Caps“

Weneshierher verschlägt, der komme nicht

als Reisender, sondern per Teleportation.

Das erleichtert das Überqueren von Grenzen,

Mauern und Meeren.

Frauen auf spirituellem Trip

kam ihr,als sie sich 2018 mit subatomarer

Teleportation beschäftigte,

und Donald Trump ein US-Einreiseverbot

für Menschen aus muslimischen

Ländern verhängte.„Party on

the Caps“ ist ein scharfsinniger politischer

Kommentar zur westlichen

Einwanderungspolitik und Totalüberwachung,

der Bennani mit Augenzwinkernzubegegnen

weiß.

In eine skurrile Märchenwelt

lockt hingegen das schwedische

Künstler-Duo Natalie Djuberg und

Hans Berg (Komponist). Djuberg, 42,

begeisterte bisher mit ihren großartig

suggestiven Knetfigur-Animationsfilmen

über Leben, Tod, Gewalt

und Erotik, Liebe, Monstrosität und

Verletzlichkeit. 2009 wurde sie als

beste Nachwuchskünstlerin auf der

Biennale Venedig ausgezeichnet.

Mit der neuen Arbeit „It will End

in Stars“ zaubert das Duo erstmals

eine seiner archetypischen Umgebungen

als Virtual Reality. Mithin ist

der Kunstgenuss nur in der Hermetik

einer VR-Brille zu erleben. Das führt

–von außen betrachtet –zuziemlich

komischen Bewegungen. Plötzlich

streckt er oder sie die Fäuste in den

Raum, springt jäh auf, verdreht den

Kopf wie ferngesteuert. Steckt man

dann selbst in dem Apparat, fuchtelt

man genauso herum, das Stück

funktioniertinteraktiv.

Wie ineinem Computerspiel beginnt

die Reise vor einer Holzhütte,

tief im Wald und in angestaubtem

Schwarzweiß. Dann steht man mittendrin

in Djubergs wie mit Kohle

gezeichnetem Figurenkabinett, ist

Eindringling und Voyeur im wattigvirtuellen

Hüttenzauber. Digitale

Technologie trifft auf Stummfilm-

Ästhetik, wo sich ein Schädel den

Weg in mysteriöse Säulenhallen

bahnt, als wär’s der entkernte Petersdom.

Die Traumvision endet in

sternefunkelnder Unendlichkeit

ohne Boden. Zwei Zeitreisen, die es

in sich haben.

Julia-Stoschek-Collection, Leipziger St. 60,bis

3. Mai, Sa +So12–18 Uhr.www.jsc.art

Kirill Petrenko setzt das Education-Programm der Philharmoniker fort, macht es aber zur Studenten-Aufführung

VonPeter Uehling

Die Idee der Education-Projekte

hatte Simon Rattle zu den Berliner

Philharmonikern gebracht. Ihr

Beitrag zur musikalischen Jugendbildung

verschwindet hinter der nun

erst recht verstetigten Misere des oft

genug nicht erteilten Musikunterrichts

an den staatlichen Schulen:

Nurein weiterer Fall, in dem die private

Wirtschaft – die Finanzierung

lief hauptsächlich über die Deutsche

Bank – öffentliche Aufgaben übernimmt,

mit den bekannten Fragwürdigkeiten.

DerHauptnutznießer warenauch

hier nie die Kinder,sondern

das Orchester und seine Bank, die

nun als Wohltäter dastehen und versuchen,

eine frühe Bindung des

künftigen Konsumenten an die

Markeherzustellen.

Wenn Kirill Petrenko in seinem

ersten Education-Projekt vor allem

mit jungen Sängerinnen und Karajan-Akademisten

arbeitet und lediglich

den aus sogenannten „Problembezirken“

rekrutierten Kinderchor

der Philharmoniker, die „Vokalhelden“,

als klassische Education-Zielgruppe

einbezieht, erteilt er den Verschlagenheiten

kapitalistischer

Menschenliebe immerhin eine Absage.

Jetzt ist es eine Studenten-Aufführung,

während Rattles Produktionen

üblichen philharmonischen

Hochglanz verbreiteten, gegen den

sich die auf ihre Orff-Instrumente

einschlagenden Kinder auf die

Plätzeverwiesen sahen.

Aufdem Programm stand nun die

Nonnen-Oper „Suor Angelica“ von

Giacomo Puccini, ein Kinder nicht

übermäßig ansprechendes Stück.

Zumal in der Inszenierung von Nicola

Hümpel und ihren Navigators.

Hier treten keine Nonnen auf, sondern

Frauen mit Verhaltensstörungen,

die sie in einem Prolog mit Gezappel

und Gestöhne darstellen.

Dazu begleitet sie der in Berlin lebende

Pianist Matan Porat mit einer

an Stummfilm-Musik gemahnenden

Improvisation über Motive aus der

Oper.Sie tragen klinischesWeiß, und

das Bühnenbild besteht aus einem

flachgelegten Spind, in dessen

Schubfächern sie ihre Wechselwäsche

oder sonstiges Spielzeug aufbewahren.

Hümpel aktualisiert die

Nonnen als Frauen auf spirituellem

Selbsterfahrungs-Trip. Angelica

wäredemnach keine Adlige,die man

ins Kloster steckt, weil man die

Schande ihres unehelichen Kindes

kaschieren möchte,sonderneinfach

eine Egoistin, die sich um ihr Kind

nicht kümmern mag? Identifizieren

möchte man sich mit so einer Person

nicht, und entsprechend zögerlich

fällt die Empathie mit ihr aus.

Ann Toomey singt sie indes mit

großartiger Emphase, einer geradezu

widerstandslos ansprechenden

Höhe, deren Neigung zum Schrillen

sie gewiss noch zu beherrschen

lernt, dass man ihr das Mitgefühl

schwer versagen kann.

Katarina Dalayman, die einzige

lang erfahrene Sängerin des Ensembles,

überbringt als ihre eiskalte

Tante die Nachricht vom Tod ihres

Kindes routiniert, aber in wirkungsvollem

Kontrast. In dem durchweg

JSC/COURTESY OF THE ARTIST AND ACUTE ART

sehr guten Ensemble fiel noch Sarah

Laulan mit bemerkenswertsubstanzieller

Alt-Stimme auf.

Weil die Produktion auf Zeitgemäßheit

wert legt, ist auch eine Tänzerin

dabei, denn das hat dann immer

etwas mit Körperdiskurs im allgemeinen

und Weiblichkeit im besonderen

zu tun. Yui Kawaguchi

verdoppelt oder konterkariertdie Gefühle

der Figuren in mal eindrucksvoller,

mal rätselhafter Weise. Wunderschön

ist die Musik, die Kirill Petrenko

mit den Karajan-Akademisten

und Gästen zaubert. Gleich die ersten

Klänge einer milden Glockenmusik

bestricken, grandios die melodischen

Steigerungen und Erfüllungen, die

auch aus der orchestral reduzierten

Fassung erwachsen können, und berückend

auch das von den Vokalhelden

gesungene Entschweben. Petrenko

zeigt die emotionale Wahrhaftigkeit,

die an der Schwelle zum

Kitsch geborgen werden kann. Dafür

lohnt sich die enorme Präzision der

Lektüre, die in der Regie durch Absicht

zur Botschaft ersetzt wurde.

NACHRICHTEN

Nach Relotius: Spiegel legt

neue Standards vor

Gutein Jahr nach dem Relotius-Fälschungsskandal

hat das Nachrichtenmagazin

DerSpiegel neue redaktionelle

Standards vorgelegt. Dasam

Montag auf der Webseite veröffentlichte

mehr als 70 Seiten umfassende

Werk sei „eine zeitgemäße Rückbesinnung

auf die Grundsätze, nach

denen die Spiegel-Redaktion arbeitet“,

heißt es in der Einleitung. In den

Standards geht es unter anderem um

Umgang mit Quellen, Fehlerkultur

und Sprache.Die Einhaltung sei für

alle Mitarbeiter der Redaktion und

Dokumentation verbindlich. Im Dezember

2018 hatte das Hamburger

Nachrichtenmagazin den Skandal

um seinen damaligen Autoren Claas

Relotius bekannt gemacht. Dieser

hatte in Artikeln immer wieder Szenen,

Gespräche und Ereignisse erfunden.

Eine Aufklärungskommission

arbeitete den Fall akribisch auf.

Auch eine Ombudsstelle schob der

Verlag an, die künftig Hinweisen auf

Ungereimtheiten in journalistischen

Beiträgen nachgehen soll. DieRelotius-Affärehatte

zudem zu personellen

Konsequenzen in der Redaktion

geführt. (dpa)

Fast zwei Millionen

Zuschauer beim Super Bowl

DerSuper Bowl hat ProSieben einen

Rekordbeschert. DasFootball-Finale

haben bis zum Ende des Messzeitraums

um 3Uhr am Montagmorgen

im Durchschnitt 1,9 Millionen

Menschen verfolgt. Daswar nach

Senderangaben ein Bestwertund

sorgte für einen Marktanteil von29,3

Prozent. Im Vorjahr hatten durchschnittlich

1,42 Millionen Menschen

die gesamte Super-Bowl-Übertragung

im Fernsehen gesehen. Tennis

bleibt im Vergleich dazu nur eine Nischen-Sportart.

DasFinale der Australian

Open sahen am Sonntag zu einer

deutlich besseren Sendezeit über

Mittag durchschnittlich 650 000 Zuschauer.Unterdessen

hat der Dortmunder

„Tatort“ am Sonntagabend

die meisten Zuschauer angelockt.

8,27 Millionen (23,2 Prozent) waren

ab 20.15 Uhrbei der Episode „Monster“

dabei. (dpa)

Shakira (li.) und Jennifer Lopez traten in

der Halbzeit des Super Bowl auf. AFP

„heute journal“ zeigt falsche

Karte und entschuldigt sich

Im„heute journal“ des ZDF ist auf einer

eingeblendeten Landkarte der

US-Bundesstadt Colorado als Iowa

bezeichnet worden. Mitder Karte

moderierte Claus Kleber am Sonntagabend

einen Beitrag zum Auftakt

der US-Vorwahlen aus Iowaan. Zum

Ende der Sendung korrigierte er den

Fehler und sagte: „Wir haben einen

Riesenklops gelandet vorhin.Wirhaben

den Bundesstaat Iowadortgezeigt,

wo der Bundesstaat Colorado

tatsächlich ist.“ AufTwitter schrieb

Kleber:„Iowagesagt /Colorado gezeigt.

Undnix gemerkt. DasBild wird

mal mein Grabstein :-(“ Dazu war

ein Ausschnitt der Sendung zu sehen,

der zeigte,wie er den Fehler

nicht bemerkte.Die Twitter-Nutzer

reagierten am Sonntagabend unterschiedlich:

„Die ehrliche Erklärung

am Ende der Sendung war prima.

Fehler sind menschlich und offensichtlich

(und glücklicherweise) sind

Sieein Mensch“, schrieb eine Userin.

Einanderer schrieb: „Trump hätte

weiter danebengelegen“. (dpa)


16 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Ab jetzt

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Yesbut No

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel –Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Schaubühne (& 89 00 23)

19.30 Studio: Der kaukasische Kreidekreis

20.30: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ichbin nicht Mercury

Theater im Delphi (& 70 12 80 20)

20.00: Odyssey: Dead Men Die (Opera Lab Berlin)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Afzals Tochter (The Who and the What)

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

19.30: Lulu

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Irmgard Knef: Barrierefrei

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Der Spielekönig (Improtheater Paternoster)

Kulturbrauerei/Soda (& 44 31 51 55)

18.00, 20.00 Salon: close-up-club: Zauberkunst,

erstaunlich, anders. Anm. erf.

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

TanzTangente (& 43 77 78 64)

19.30: Dance Festival 2020 –All Generations: 2

Berliner gegenden Rest der Welt

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Wandelmut (Bodo Wartke)

KLASSIK

BKA (& 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Buddhistisches TorBerlin (Grimmstr.11c)

19.15: Klavierabend mit Darya Dadykina, Beethoven:

Sonate Es-Durop. 7, Beethoven: 32 Variationen

c-Moll; Schubert: Sonate c-Moll op. posth. 958

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

20.00 Foyer: Lieder und Dichter:Schöne Wiege

meiner Leiden: Philipp Jekal, Meechot Marero, Gideon

Poppe und John Parr,Lesung: MichaelKrüger,Lieder

vonRobertSchumann

Passionskirche (& 69 40 12 41)

19.00: The 8th International YouthArtsFestival

2020, Tanz, Chor- und Orchestermusik mit jungen

Künstler*innen

Philharmonie (& 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Lunchkonzert, –--

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

19.15: Einführung (Beatrice Rana)

20.00: Beatrice Rana (Klavier), Debüt, Bach:

Italienisches KonzertF-Dur; Schumann: Concert

sans orchestre f-Moll op. 14; Albéniz: Iberia, Band 3;

Strawinsky:Trois Mouvements de Pétrouchka

KINDER

Alte Dorfschule Rudow (& 66 06 83 10)

15.00: Kinderferienprogramm: Gummibärchendruck,

Workshop mit Christiane Boese (ab6J.)

Amerika-Gedenkbibliothek (& 902 26 -0)

9.45 Kinderbibliothek: Bücherbabys –Spielen, singen

und natürlich Bücher anschauen, Workshop (bis 3

J.). Anm. erf.

17.00 Jugendbibliothek: Kinderbuchklassiker in der

Jurte (in englischerSprache), Vorlesestunde mit Alan

Doan Minh (ab 8J.). Anm. erf.

Archenhold-Sternwarte (& 536 06 37 19)

12.00: Stups, die kleine Sternschnuppe

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab5J.)

10.30: Ferdi unddie Feuerwehr (ab 4bis 8J.)

Berlin mit Kindern (& 33 02 98 70)

11.00: Familienführung: Berlingeschichte in

Geschichten –Die Entstehungsgeschichte Berlins:

Das Nikolaiviertel (ab 6bis 11 J.). Anm. erf.

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00, 10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele

in unser Leben traten, Videogames

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Pettersson und Findus –Eine Geburtstagstorte

für die Katze (ab 4bis 10 J.)

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

14.00: Familienführung: Forscherdrang und Wissensdurst.

Zwei Brüder vermessen die Welt –Wilhelm und

Alexander vonHumboldt

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

11.00: DieReise zum Mittelpunkt der Welt (ab 6J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

10.00: FEZ –Kinder und Familien: Das Zauberschloss

–Wissen schafft Magie. Berlins beste Ferien!

Figurentheater Grashüpfer (& 53 69 51 50)

10.00: HerrEichhornund der erste Schnee, puppen

etc., Puppentheater (ab 3J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

11.00 Information: Verwandlung,dreitägiger Workshop.

Anm. erf.

Hamburger Bahnhof /Museum für GegenwartBerlin

(& 39 78 34 11) 10.00: Hergehört!,dreitägiger

Workshop. Anm. erf.

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Sei mutig,kleiner Pfeil, Puppen- und Schauspiel

(ab 3bis 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Labyrinth Kindermuseum (& 800 93 11 50)

9.00:Natürlich heute!, Umweltausstellung für Kinder

MACHmit! Museum für Kinder (& 74 77 82 00)

10.00: Aufdem Holzweg,Ausstellung über Holz

10.00: Willkommen im Tischlerschuppen

14.00: Glühwürmchen im Glas, Bezahlwerkstatt: 3€

Museum Europäischer Kulturen (& 266 42 42 42)

11.00Foyer MEK: Kleider machen Leute!, dreitägiger

Workshop. Anm. erf.

Museum für Film und Fernsehen (& 300 90 30)

11.00: Winterferienprogramm: Der Schatzaus dem

Bergwerk!. Anm. erf.

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

12.00: Das kleine 1x1 der Sterne

Puppentheater Felicio (& 44 67 35 30)

10.00: Wettlauf zwischen Hase undIgel(ab 4J.)

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Das tapfere Schneiderlein, Märchen-Puppentheater

(ab 4J.)

Schloss Charlottenburg (& 32 09 14 40)

10.00 Gruppenkasse im Ehrenhof: Zu Gast beim

König,Ferienworkshop (ab 7bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Däumelinchens Reise, Maria Mägdefrau (ab

4bis 9J.)

Buchvorstellung

Klassenfoto

mit

Massenmörder

Der Journalist Jürgen Gückel

wurde als Kind von

Herrn Wilke unterrichtet, einem

Endvierziger mit tief liegenden

Augen, hoher Stirnund

gepflegtem Äußeren. Herr

Wilke lächelt uns von einem

Klassenfoto um 1960 an. Gückel

könnte eins der Kinder

sein, das nichts davon ahnt,

dass der studierte Archäologe

und Theologe Wilke sich als

dessen gefallener Bruder ausgegeben

hat, um nicht für seine

Verbrechen als Partisanenjäger

in Weißrussland belangt zu

werden. Als Angehöriger der Sicherheitspolizei

war er für den

Tod tausender Juden verantwortlich,

die in Massenerschießungen

ermordet wurden.

1963 wurde er im „Heuser-Prozess“

zu zehn Jahren Zuchthaus

wegen Mordes an mindestens

6600 Menschen verurteilt

und 1968 vorzeitig entlassen.

Ulrich Seidler

Klassenfoto mitMassenmörder.Das

Doppelleben des Artur Wilke. Buchpräsentation

Topographie des Terrors, Auditorium,

Niederkirchnerstr.8,Eintritt frei

Hoffnung ist

der letzte

Reichtum

In dieser Woche: Stimmen

aus dem Abstellraum,

unter weinenden Himmeln

und von dunklen Straßen

voller harter Nasen.

Die Felice Brothersbei einem Auftritt in den USA.

Unter den mittleren

Bands, die sich in den

USA mit der Americana-

Tradition beschäftigen,

gehören die Felice Brothers zu den

sympathischsten. Lange Jahreschienen

sie sich bequem in einer Abstellkammer

des Basements eingerichtet

zu haben, in dem BobDylan und The

Band die allseits geschätzten „Basement

Tapes“ aufgenommen hatten.

Ein naheliegender Einfluss vermutlich,

wenn man aus den Catskill

Mountains im Großraum New York

stammt, um die Ecke des Fleckens,

wo The Band ihr Big-Pink-Studio

eingerichtet hatten. Sie haben zwischendurch

auf einem Album namens

„Celebration, Florida“ ein paar

unvorteilhafte Erweiterungen ihres

Sound vorgenommen, die sie womöglich

für modern hielten oder

auch nur an den späten TomWaits

angelehnt fanden. Aber man muss

sagen, sie sind nicht für avantgardistische

oder exotische Ideen gemacht.

Muss ja auch nicht sein. Sie

sind am besten, wenn sie schluffig

durch Folkrockstücke rumpeln,

wenn hier die Gitarre schlägt und

dort der Bass ein bisschen bumpert

und die Drums Vierviertel oder einen

Countrywalzer spielen, vielleicht

gibt es eine Orgel oder ein Akkordeon,

ein Banjo vonmir aus,aber

die Melodie scheint wie aus alten

Zeiten erinnert und der Gesang Ian

Felices kommt vom gleichen Ort

zwischen Nase und Gaumen, wo er

auch bei Dylan sitzt.

Sie haben zuletzt, im letzten Jahr

auf „Undress“, das Kryptische ihrer

Texte ein wenig verklart, weil sie Donald

Trump nicht mögen. Sieträumten

etwa davon, Geld für eine Präsidentschaftskandidatur

zu sparen,

wobei sie eher klangen, als müssten

sie gegen Richard „I’m not acrook“

Nixon antreten. Ich glaube nicht,

dass es beabsichtigt war,aber als historischer

Hinweis ist das gar nicht

schlecht.

„Wir leben in einer Welt, die wir

nicht verstehen“, singt IanFelice auf

einem Stück, in dem er uns als „Poor

Blind Birds“ sieht. Ich sehe das ein

wenig anders, aber der Impuls

scheint von Herzen zukommen –es

ist ein hübsches Countrygospelsauflied,

wenn auch nicht so fein, wie das

ornithologisch metaphorisierte

„Bird OnBroken Wings“, mein Lieb-

Markus Schneider

bricht eine Lanze für die

Folktraditionalisten Felice Brothers

vomRand der Appalachen,

für StuartStaples Balladen voll

britischem Wetter und für Young M.A.s

NewYorker

Straßenweisheit.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Little Women

14.30,17.20,20.15

Cinema Paris (& 881 31 19) Les miserables

15.00, 20.30; Les miserables (OmU) 17.45

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Little Women

14.00, 17.00, 20.00

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Jojo Rabbit (OmU)

16.00, 21.00; Jojo Rabbit (OF) 13.30, 18.30;

1917 –Der Film (OmU) 20.30; Das geheime Leben

der Bäume 15.20; Parasite 17.40; Ein verborgenes

Leben 14.20, 20.00; Sorry We Missed You (OmU)

17.40; 1917 –Der Film 14.40, 20.00; Judy 13.30,

16.00, 18.40; Judy (OmU) 21.15; Knives Out

(OmU) 20.50; Knives Out (OF) 18.00; Vom Gießen

des Zitronenbaums 15.20; Einsam zweisam 16.30;

Freies Land13.40; The Peanut Butter Falcon (OmU)

19.00; Queen &Slim (OmU) 21.15

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Das Vorspiel 17.45,

20.15;Crescendo#makemusicnotwar 20.00;Pavarotti

(OmU) 17.30

Kant Kino (& 319 9866) Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 13.20,15.40,18.20,20.45; Knives

Out20.30;Das Vorspiel 18.00; DieHeinzels 14.00,

15.20; Sorry We Missed You 15.50, 18.10, 20.30;

ARainy Day In NewYork 16.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.00; Latte Igel und der

magische Wasserstein 13.30; Lindenberg! 17.10,

20.00; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 20.00;

Knives Out 17.10; DasVorspiel 15.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Premiere: Nightlife

20.00; Bad Boys for Life 21.00; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 15.30, 18.00; In

Zeiten des abnehmenden Lichts 20.30; Jojo Rabbit

17.50; Jumanji 14.50; Die Hochzeit 18.00, 21.00;

Lindenberg! 14.45; Die Hochzeit 15.00; Als Hitler

dasrosaKaninchen stahl 15.00;JojoRabbit 21.15;

Lindenberg! 18.00; Bad Boys for Life 18.00; Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 21.00; Vier zauberhafte

Schwestern 15.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 12.45; The Farewell (OmU)

16.50; Die Kunst der Nächstenliebe 11.00; Der

Leuchtturm (OmU) 22.30; Lindenberg! 18.30; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao 14.30; Les

miserables (OmU) 20.45; 2020 Oscar Nominated

Short Films (OmU) 14.15; ARainy Day In New York

16.00; Die Eiskönigin II 11.00; Land des Honigs

(OmenglU) 12.45; Midsommar – Director‘s Cut

(OmU) 22.00; Queen &Slim (OmU) 19.40; Systemsprenger

(DFmenglU) 17.40;

Die Eiskönigin II16.45; Freies Land (DFmenglU)

11.00; Die Kunst der Nächstenliebe (OmU) 18.30;

Miles Davis: Birth of the Cool (OmU) 13.10; Parasite

20.15; Das Vorspiel (OmU) 15.05; WhyDon‘t You

Just Die! 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 16.00; Das geheime Leben

der Bäume 14.00, 18.15; Joker (OmU) 22.45;

Lindenberg! 20.15; Alkohol 14.00; Aretha Franklin

(OmU) 22.00; Der geheime Roman des Monsieur

Pick –Lemystere Henri Pick (OmU) 20.00;

Schönheit&Vergänglichkeit 18.20; Systemsprenger

16.00

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1917 –Der Film

(OF) 20.10; IMAX: 1917 –Der Film 14.00, 17.00,

20.00; Bad Boys for Life 14.40, 16.50, 17.30,

19.30, 19.50; Countdown 18.15, 20.40; Die Eiskönigin

II 14.30; 3D: Die fantastische Reise des

Dr. Dolittle 14.45, 17.45, 20.30; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.10, 16.45, 20.45; Das

geheime Leben der Bäume 17.10; Die Heinzels

13.50, 16.00; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.15;

Jojo Rabbit 17.10, 19.50; Jumanji 13.50, 17.45,

21.00; Kartoffelsalat 3 – Das Musical 15.10,

17.30; Knives Out 14.10, 19.40; Latte Igel und der

magische Wasserstein 15.00; Lindenberg! 17.15,

20.30; Little Women 14.20, 17.30, 20.45; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.45; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.40, 21.00; Die

Wolf-Gäng 15.00

Zukunft (& 01 76/57 861079) Das geheime Leben

der Bäume 18.00; Knives Out (OmU) 20.00;

Parasite –Gisaengchung (OmU) 22.30; Darkroom

–Tödliche Tropfen (DFmenglU) 22.15; Porträt einer

jungen Frau in Flammen (OmU) 18.00;Vom Gießen

des Zitronenbaums (OmU) 20.20

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Bad Boys for

Life 16.20, 20.00; Die Eiskönigin II 11.20, 14.15,

16.50; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

11.00, 13.50, 16.30, 19.20; Die Heinzels 11.15,

13.40, 16.50; Die Hochzeit 13.50, 17.00, 19.30;

Jumanji 16.45, 19.30; Knives Out 19.45; Lindenberg!

19.50; Das perfekte Geheimnis 11.00; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 11.15,

14.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

19.40; Vier zauberhafte Schwestern 11.30, 14.00;

DieWolf-Gäng 11.40, 14.15, 17.10

Kino Kiste (& 998 7481) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 20.20; Cats 14.30; 3D: Die Eiskönigin

II 16.25; Latte Igel und der magische Wasserstein

13.00; Die schönste Zeit unseres Lebens

18.15

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) 1917 –Der

Film 17.15, 20.00; Die Addams Family 12.40;

Bad Boys for Life 17.00, 20.00; Countdown 17.45,

20.10; Die Eiskönigin II 10.20, 12.10, 14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 15.10,

17.40,20.15; Die fantastische Reise des Dr.Dolittle

12.00, 14.30, 19.50; Die Heinzels 10.30, 12.15,

14.40, 16.50; Die Hochzeit 15.00, 17.10, 19.45;

Jumanji 16.50; Der kleine Rabe Socke 10.40; Der

König der Löwen 12.20; Latte Igel und der magische

Wasserstein 12.45, 14.45; Lindenberg! 19.40; Das

perfekte Geheimnis 19.30; Pettersson und Findus

10.50; 3D: Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

12.40; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.45; 3D: Star Wars IX 16.45; Star

Wars IX 19.50; Thomas und seine Freunde 10.20;

Vier zauberhafte Schwestern 12.30, 14.50; Die

Wolf-Gäng 12.30, 14.50, 17.20

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Jojo Rabbit (OmU)

16.50, 21.40; Sorry We Missed You (OmU) 19.20;

B Mystify (OmU) 16.10; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.30; Sorry We Missed You (OmU) 21.20

fsk amOranienplatz (& 614 2464) Sorry We

Missed You (OmU) 17.45, 19.45, 21.45; Das Vorspiel

18.00; Les miserables (OmU) 20.00, 22.15

Moviemento (& 692 4785) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.15; Darkroom –Tödliche Tropfen

21.15; Darkroom –Tödliche Tropfen (OmenglU)

23.15; Die Kunst der Nächstenliebe (OmU) 19.00;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 16.45; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 22.30; Jojo Rabbit

(OmU) 10.00, 12.30, 15.00, 17.30, 20.00; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 17.00; Der blaue

Tiger 10.30; Die Kunst der Nächstenliebe 14.45;

Mystify –Michael Hutchence (OmU) 21.45;Thomas

und seine Freunde: Große Welt! Große Abenteuer!

12.45; Vom Gießen des Zitronenbaums (OmU)

19.30

Sputnik (& 694 11 47) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl (OmenglU) 20.00; Judy (OmU) 16.00;

Miles Davis: Birth of theCool(OF)18.00; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 22.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.30; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.00; The Farewell (OmU) 22.15; Human

Nature: Die CRISPR Revolution (OmU) 16.00;

Little Joe –Glück ist einGeschäft (OmU) 20.30; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida invisivel

deEuridice Gusmao (OmU) 18.00; Kinobar im

Sputnik Filmclub (OmU) 20.30; Schönheit &Vergänglichkeit

18.00

Yorck (& 78 91 32 40) Das geheime Leben der

Bäume 15.00; Little Women 17.20, 20.15; New

Ein verborgenes Leben 16.00; Die Heinzels 14.15;

Parasite 19.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 5389590) DieAddamsFamily

10.00; Bad Boys for Life 20.30; Die Eiskönigin II

10.00, 13.00, 15.00; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 17.30, 20.00; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 12.30, 15.00; Die Heinzels

12.00, 14.00; Die Hochzeit 17.30, 20.00; Kartoffelsalat

3–Das Musical 16.00, 18.15; Knives Out

17.15, 20.15; Latte Igel und der magische Wasserstein

10.00; Lindenberg! 20.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 10.00, 12.45; Vier

zauberhafte Schwestern 10.00, 12.30, 15.15; Die

Wolf-Gäng 15.30, 17.45

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Crescendo

#makemusicnotwar 13.00; Das geheime Leben der

Bäume 17.45; Lindenberg! 13.00, 20.30; Little

Women 13.00, 17.45, 20.30; Romys Salon 15.45;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 15.30;

Systemsprenger 18.00; DasVorspiel 15.45, 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60)

1917 –Der Film 17.10, 20.30; Bad Boys for Life

17.00, 20.10; Die Eiskönigin II 11.45, 14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 15.00,

17.30, 20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.30; Die Heinzels 11.45, 14.15, 16.45; Die

Hochzeit 14.00, 17.05, 19.55; Holop – Servant

(OF) 11.30; Jumanji 14.10,20.00; Kartoffelsalat 3

11.35, 14.30, 16.55; Knives Out 19.45; Latte Igel

und der magische Wasserstein 11.50; Lindenberg!

17.15; Little Women 16.30, 19.45; Sneak Preview

20.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.10;

Die Wolf-Gäng 11.40,14.05

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Lara (OmenglU) 18.45;

Parasite 20.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 17.00; Bunuel im Labyrinth der Schildkröten

–Bunuel enellaberinto delas tortugas (OmU)

21.45; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 19.45; Der marktgerechte Mensch (OmU)

17.45

Babylon (& 242 5969) ARainy Day In New York

(OmU) 18.00; Lubitschs Geliebte: ÄrgerimParadies

–Trouble in Paradise (OmU) 20.00; Lubitschs Geliebte:

Engel –Angel (OF) 21.45; Fellini 100!: Fellinis

81/2 –Otto emezzo (OmenglU) 19.30; Fellini

100!: Fellinis Casanova (OmenglU) 22.30;

Fellini 100!: Fellinis I vitelloni – Die Müßiggänger

(OmenglU) 18.00; Fellini 100!: Fellinis Roma

(OmenglU) 20.00; Fellini 100!: Fellinis Satyricon

(OmenglU) 22.15; The Peanut Butter Falcon (OmU)

17.30

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Die

Kunst der Nächstenliebe (OmU) 14.30, 19.15;

Queen &Slim (OmU) 16.30, 21.30; Thilda &die

beste Band der Welt 11.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.00; Joker (OmU) 19.00; Der

Leuchtturm(OmU) 21.45; Thomas und seine Freunde:

GroßeWelt! Große Abenteuer! 13.15;Vom Gießen

des Zitronenbaums (OmU) 16.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 19.15, 23.00; 1917 –Der Film (OF) 17.20,

20.00; 3Engel für Charlie –Charlie‘s Angels (OF)

23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 11.30;

Bad Boys for Life 16.40, 20.10, 22.50; Bad Boys

for Life (OF) 19.40, 22.20; Die Eiskönigin II 11.15,

13.50, 16.45; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF)

15.00; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.20, 14.15, 17.30, 20.10, 23.00; Die Heinzels

11.00, 13.15, 15.30; Die Hochzeit 13.50, 17.10,

20.00; Joker (OF) 23.00; 3D: Jumanji 17.50; Jumanji

11.45; Kartoffelsalat 3–Das Musical 11.20,

14.40; Knives Out 19.20; Knives Out (OF) 16.50,

20.45; Latte Igel und der magische Wasserstein

11.10;Lindenberg! 16.10; Dasperfekte Geheimnis

18.15; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

13.40; 3D: StarWars: DerAufstieg Skywalkers

22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers – Star Wars:

The Rise ofSkywalker (OF) 21.15;Vier zauberhafte

Schwestern 11.15; DieWolf-Gäng 13.20,15.50

Hackesche Höfe (& 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00; Ein verborgenes Leben –A

Hidden Life (OmU) 21.15; DasVorspiel (teilw.OmU)

14.45; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.30;

Lindenberg! 21.15; Miles Davis: Birth of the Cool

(OmU) 14.00; Das Vorspiel (teilw.OmU) 19.00; Ein

verborgenes Leben –AHidden Life (OmU) 14.00;

Jojo Rabbit (OmU) 17.15, 19.30; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 21.45; Sorry We Missed You

(OmU) 14.30, 19.00; Les miserables (OmU)16.45,

21.15; Jojo Rabbit (OmU) 22.15; Little Women

(OmU) 14.00, 16.45, 19.30

International (& 24 75 60 11) Jojo Rabbit (OmU)

21.00; Lindenberg! 15.00; Little Women (OmU)

18.00

Z-inema (& 28 38 91 21) Santa Sangre (EnglF)

20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Jeder junge Mann

–Kazdy mlady muz (OmenglU) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 16.50, 19.30; Baba Parasi (OmU)

19.45; Bad Boys for Life 16.30, 19.40; Countdown

20.30; Die Eiskönigin II12.00, 14.20, 17.15; Eltilerin

Savasi (OmU) 20.15; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 12.00, 14.20, 16.45, 19.30,

19.55; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

15.00, 18.10; Die Heinzels 12.00, 14.00, 16.05;

Die Hochzeit 17.00, 19.55; Jumanji 12.00, 14.10,

17.20; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach

dem verlorenen Schatz 12.00; Rafadan Tayfa 2:

Göbeklitepe (OmU) 12.30, 14.45, 17.10; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 12.00, 14.15;

Türkler Geliyor –Adelatin Kilici (OmU) 19.45; Vier

zauberhafte Schwestern 12.00, 14.45; Die Wolf-

Gäng 12.00,14.00, 17.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl (DFmenglU) 15.00; The Farewell

(OmenglU) 22.50; Land des Honigs (OmU) 17.15;

Parasite – Gisaengchung (OmenglU) 12.30; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida invisivel

deEuridice Gusmao (OmU) 10.00; Vom Gießen

des Zitronenbaums (OmU) 21.00; Les miserables

(OmU) 19.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Der Leuchtturm (OF)

22.30; Queen &Slim (OmU) 16.30, 19.30

Passage (& 68 23 70 18) Little Women (OmU)

14.40, 17.30, 20.30; Sneak Preview 22.30; 1917

–Der Film (OmU) 15.00, 17.45, 20.30; Knives Out

21.00; Lindenberg! 15.20, 18.10; Joker (OmU)

17.30,20.00; Judy (OmU) 15.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Little Women(OF)14.45,

17.45, 20.45; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

17.20,20.15; 1917 –Der Film (OF) 17.00, 19.45,

22.30; Les miserables (OmenglU) 17.00, 19.30,

22.00; Jojo Rabbit (OF) 16.30,19.00, 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

1917 –Der Film 17.30, 20.15; Bad Boys for Life

16.40, 19.50; Die Eiskönigin II 11.50, 14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.50,

17.20, 20.10; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.20; Die Heinzels 12.30, 15.05, 17.10;

Die Hochzeit 17.15, 20.15; Jumanji 11.45, 17.00;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 15.10; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

13.15; Knives Out 19.30; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 20.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.30; Die Wolf-Gäng 12.00, 14.40

Wolf (& 921 03 93 33)Flussfahrtmit Huhn16.30;

Little Joe(OmU) 18.50; SorryWe MissedYou (OmU)

11.00, 16.40, 21.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

(OmU) 19.00; Les miserables (OmU) 21.10


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 17

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

POP

Tindersticks 4.2., Philharmonie. 20 Uhr

Felice Brothers 6.2., Lido. 20 Uhr

Young M.A. 7.2., Bi Nuu. 20 Uhr

IMAGAO IMAGES

lingsstück voneinem Album, das mit

„Favorite Waitress“ betitelt ein wichtiges

Thema anspricht, aber nicht

verfolgt. DenText mit den gebrochenen

Flügeln verstehe ich nicht, aber

er klingt gut. Und wie sich die Band

mit einem leichten Humpeln zu einer

melancholisch-optimistischen

Sehnsucht aufrafft, ist wirklich sehr

gelungen.

In dieser Arthaben sie seit fast anderthalb

Jahrzehnten, seit sie die

Brooklyner U-Bahnstationen gegen

einen Plattenvertrag eingetauscht

haben, eine ganz Menge Alben veröffentlicht,

keins für die Geschichtsbücher,

alle okay. Es spricht also

nichts gegen einen Konzertbesuch.

Anders als die Felice Brothers haben

es StuartA.Staples’Tindersticks

in den vergangenen dreißig Jahren

geschafft, ihren wehmütig bis depressiven

Folkrock sehr eigen über

Genregrenzen hinweg zu etablieren.

Auch auf ihrem Album „NoTreasure

But Hope“ geht es schmerzlich zu,

die Himmel vibraphonverhangen

bis streicherverheult, selbst ein lässiger

Schuffelbeat oder Bläsersatz hilft

da nicht. Und im Zweifel singt ja

noch Staples mit seiner unverwechselbar

zittrigen Stimme.Feine Arrangements,

feine Melodien, feine

Schwermut.

Eine andere Art, mit schweren

Zeiten umzugehen, hat Katorah

Marreiro alias Young M.A. Sie rappt

ziemlich harte Raps darüber. Trotz

einiger Singleerfolge veröffentlicht

sie immer noch independent und erzählt

dabei mit straffem Flow über

leiernd abgespeckte Beats von der

„Kold World“, vom Mord anihrem

Bruder,von der schwierigen Jugend,

von der sexuellen Orientierung. Gerade

tauchte sie prominent auf Eminems

neuem Album auf, wo er technisch

virtuos mal wieder Geschmacksgrenzen

testet. Wie ineinem

Stück, in dem er eine bisexuelle

Bekannte „bekehrt“, dem er wie als

bauernschlaues Gegengewicht ein

Stück mit der offen lesbischen Young

M.A. entgegenstellt und mit ihr

„plum crazy“ geht – sie lässt sich

hardcoremäßig nichts vormachen

und kennt dieselben schlimmen

Wörter wie die Männer.Dafür wurde

sie schon vorein paar Jahren vonden

Hartnasen-Veteranen Mobb Deep

als „one of the dopest MCs right

now“ bezeichnet. So klingt sie auch.

Buchvorstellung

Falten

und

Entfaltung

Mit Veränderungen kennt

die Mimi Fiedler sich

aus. Das ist zunächst einmal

wörtlich zu nehmen, denn um

ihrer Karriere den angemessenen

Schwung zu verleihen, hat

die 1975 in Split (Kroatien) geborene

Schauspielerin gleich

mehrfach ihren Namen gewechselt.

Miranda Condic-

Kadmenovic wurde Miranda

Toma (der Vorname des Großvaters).

In weiteren Metamorphosen

kam es über Miranda

Leonhardt schließlich zu Mimi

Fiedler, deren Bekanntheitsgrad

sprungartig anstieg, seit

sie im Stuttgarter „Tatort“ von

2008 bis 2018 in die Rolle der

Kriminaltechnikerin Nika Banovic

schlüpfte. Dabei blieb

ihr Witz und ihre Schlagfertigkeit

nicht verborgen, die sie

wiederholt auch in Buchform

gegossen hat. Aufeine Balkantherapie

für Liebe, Leib und

Leben folgt nun Wissenswertes

über das Älterwerden einer

jungen Frau. HarryNutt

Mimi Fiedler,19.30 Uhr,Maschinenhausinder

Kulturbrauerei

TanzTangente (& 43 77 78 64)

10.00: Dance Festival 2020 –All Generations: Undo

III +Aller Anfang,2Tanzstücke(ab 4J.)

Zeiss-Großplanetarium (& /42 18 45 10)

12.00: Mit Raketen zu Planeten

LITERATUR/VORTRAG

EWA Frauenzentrum (& 442 55 42)

19.00: EWAs Gesundheit: Überleben mit und nach

Krebs, Lesung &Talk mit Petra-Alexandra Buhl und

Katrin Fährmann u.v.m.

.Anm. erf.

exploratorium berlin (& 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur, Lesung und

Diskussion mit Reinhard Gagel. Anm. erf.

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (& 44 31 51 00)

19.30: Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten,

Mimi Fiedler

Lido (& 69 56 68 40)

20.00: Kreuzberg Slam

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

20.00: Wieland Förster zum 90. Geburtstag,mit

Christian Brückner,Lesung und Würdigung mit

Beiträgen vonCarola Opitz-Wiemers, Roland Berbig

und Michael Opitz Texte vonWieland Förster liest:

Christian Brückner

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Urania (& 218 90 91)

20.00: DLF Nova Podcastfestival Berlin: Chips &

Kaviar /Lakonisch Elegant

Zionskirche (& 44 04 36 44)

19.00: Demokratie verteidigen –Lesung am

Geburtstag vonDietrich Bonhoeffer,mit Gregorij von

Leïtis, Literarische Collagemit Texten vonDietrich

Bonhoeffer,VaclavHavel, Robert F. Kennedy, Hermynia

zur Mühlen, Erich Mühsam, u. a.

FÜHRUNG

Alte Münze Berlin (Molkenmarkt 2)

18.00: Historische Führung

Bärentouren (& 015 20 -5 22 67)

14.00: Architekturführung zu den berühmtesten Bauten

Preußens und Berlins: Die Hohenzollernund ihre

Baumeister,Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

16.00: Geschichte der Berliner Mauer –Ab„Checkpoint

Charlie“ entlang der bekanntesten Mauerrelikte,

Treff: Wachhäuschen „Checkpoint Charlie“, Friedrichstr..

Anm. erf.

20.00: Kriminaltour:Verbrechen, Gerichtsfälle und

Richtstätten im alten Berlin, Treff: Heiliggeistkapelle,

Spandauer Str.1.Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm. erf.

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (& 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in derKunst, Treff: Foyer

Museum für Naturkunde (& 889140-8591)

12.30, 14.00: Ferienführungen zu den Ausstellungshighlights

Olympiastadion (& 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00: HörspaziergangFriedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,

Treff und Ausgabe des Audioguides: Süßkramdealer,

Varziner Str.4

10.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Treff und

Ausgabe des Audioguides: Cafe Sibylle, Karl-Marx-

Allee 72

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durchdie

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe

der Audioguides: Baobab Café, Soldiner Straße 41,

13359 Berlin

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir leben

wollen, Treff und Ausgabe des Audioguides: Café

Blume an der Hasenheide, Fontanestr.32

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff und Ausgabe des Audioguides:Concierge,

Platz der Vereinten Nationen 1

12.00: Audiotour Mitte-Schritte –Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff

und Ausgabe des Audioguides: ausberlin –Kaufhaus

für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

16.30: Theaterführung,Achim Busch,Treff: Kassenhalle

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: Uschi Brüning Duo +Zur schönen Aussicht,

JAB105 –Jazz aus Berlin

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.30: Altin Gün

Aufsturz (& 28 04 74 07)

20.00: Aufsturz Jam –Freebop /NoStandards, Ltg.

Willi Kellers, Jazzkeller 69

20.00: Aufsturz-Jam Freebop /NoStandards, Ltg.

Willi Kellers

Auster Club (& 611 33 02)

20.00: John Craigie

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Kjetil Mulelid Trio

Cafe Tasso (& 48 62 47 08)

20.00: TalArditi (g)

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: HerbertPixner&The Italo Connection

Donau115 (Donaustr.115)

19.00: Two-Song Tuesday–open mic

Gretchen (& 25 92 27 02)

20.30: Seba Kaapstad

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Declan Forde

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Tindersticks, No Treasure But Hope

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: BrunoMajor,Eloise

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

Yorckschlösschen (& 215 80 70)

19.30: Jazzschule Berlin Semesterabschlusskonzert

Part II

CLUB

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Bellmeria, Jana Falcon, GeorgeEarnest

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.55: Encore.Une.Fois –Techno Edition, Alexander

Kowalski, Kaltès, Ina Kacz, Michael Placke

MUSEEN

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí–Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Keramik-Museum Berlin (& 321 23 22)

:Max Roesler,Fr-Mo 13-17 Uhr

Museum für Kommunikation (& 20 29 40)

9.00: Likeyou! Freundschaft digital und analog,Di

9-20, Mi-Fr 9-17, Sa/So/Feiert. 10-18 Uhr

Musikinstrumenten-Museum (& 25 48 11 78)

9.00: 800 europäische Musikinstrumente aus vier

Jahrhunderten, Di-Fr 9-17, Do 9-20, Sa/So/Feiert.

10-17 Uhr

Trabi-Museum Berlin (& 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

Urban Nation –Museum for Urban Contemporary

Art (Bülowstr.7)10.00: UNique. UNited. UNstoppable,

Di-So 10-18 Uhr

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 13.30, 15.50, 18.10,

20.15; Little Women 20.30; Die Heinzels 13.40,

15.30; Lindenberg! 17.20

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Little Women

14.30, 17.20, 20.15; Das geheime Leben der

Bäume 17.40; Die Heinzels 14.00, 15.50; Parasite

20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

13.40, 16.00, 18.20, 21.15; 1917 –Der Film

(OmU) 20.40; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.40; Sorry WeMissed You 16.40, 19.00;

Ein verborgenes Leben 19.45; Knives Out 17.00;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 14.45

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

1917 –Der Film (OmU) 16.45, 20.00, 22.45; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.45; Ein verborgenes

Leben 21.45; Die Eiskönigin II 14.15; Das

geheime Leben der Bäume 18.45; Die Heinzels

14.15, 16.30; Jojo Rabbit (OmU) 14.00, 19.30;

Jojo Rabbit (OF) 16.45; Joker (OmU) 22.45; Judy

17.00; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem

verlorenen Schatz 14.15; Knives Out (OmU) 21.45;

Lindenberg! 19.30; Little Women 13.45; Little Women

(OmU) 19.30; Little Women (OF) 16.45; Parasite

22.30;The Peanut Butter Falcon 16.30; Queen

&Slim (OmU) 22.45; Sneak Preview (OF) 20.00;

Sorry We Missed You 19.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers –StarWars:The Rise of Skywalker

(OmU) 22.45; Vier zauberhafte Schwestern 14.30;

VomGießen desZitronenbaums16.15;Das Vorspiel

19.00;Die Wolf-Gäng13.45;Les miserables21.45

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Darkroom –

Tödliche Tropfen 20.15; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 18.00; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao – A vida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 21.45

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) 1917

–Der Film 17.05, 19.40, 22.30; 3Engel für Charlie

22.40; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 19.55;

Bad Boys for Life 17.00,19.55, 22.40; Countdown

19.55, 22.30; Die Eiskönigin II 12.10, 14.40,

17.20; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.00, 14.20, 17.00, 19.45, 22.45; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.30; Das geheime

Leben der Bäume 17.05; The Grudge 22.40; Die

Heinzels 12.15, 14.30, 16.50; Die Hochzeit 12.00,

16.45, 19.50; 3D: Jumanji 17.00; Jumanji 14.15;

Kartoffelsalat 3–Das Musical14.40, 17.00; Knives

Out 19.50, 22.45;

LatteIgelund der magischeWasserstein 14.30;Lindenberg!

19.40; Little Women 16.50, 19.45; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.10;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.10;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 12.15;

3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers 22.45; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15, 19.40; Thomas

und seine Freunde: Große Welt! Große Abenteuer!

12.10; Underwater –Esist erwacht 22.45;

Vier zauberhafte Schwestern 14.45; Die Wolf-Gäng

12.00,14.35

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 16.35, 19.40, 22.45; Bad Boys for Life 17.05,

20.10,23.00;Countdown 20.25,23.15; DieEiskönigin

II 11.30, 14.10, 16.55; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 11.40, 14.20, 17.10, 19.50,

22.35; The Grudge 23.20; Die Heinzels 11.20,

13.30, 15.40; Die Hochzeit 11.15, 14.10, 16.45,

19.35, 22.35; Jojo Rabbit 20.00; Joker 23.00;

3D: Jumanji 22.50; Jumanji 13.55, 17.15; Kartoffelsalat

3–Das Musical 14.10, 18.00; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

11.45; Knives Out 16.55, 19.45; Latte Igel und der

magische Wasserstein 11.55; Lindenberg! 16.25;

Das perfekte Geheimnis 20.15; Spione Undercover:

Eine wildeVerwandlung 11.05,13.45; 3D: Star

Wars: DerAufstieg Skywalkers 19.30; StarWars: Der

Aufstieg Skywalkers 13.40,22.55;Vier zauberhafte

Schwestern 11.00; Die Wolf-Gäng 12.05,14.40

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.00, 20.00;

Lindenberg! 17.00

Cosima (& 85 07 58 02) Judy 18.00, 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Jojo Rabbit (OmU) 18.00;

Little Women (OmU) 15.00, 20.30

Xenon (& 78 00 15 30) Cunningham (OmU)

18.00; Jonathan Agassi Saved My Life (OmU)

20.15; Spatzenkino 10.00

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) 1917

–Der Film 16.35, 19.50; Bad Boys for Life 16.50,

19.40; Die Eiskönigin II 10.00, 12.20, 14.05;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 17.00,

20.15; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 12.00, 14.25; Die Heinzels 10.00, 12.15,

14.30; Die Hochzeit 16.40,19.30; Jumanji 17.15;

Knives Out 19.45; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.45; Vier zauberhafte Schwestern

10.00,12.15; Die Wolf-Gäng 10.00, 12.10,14.25

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.45, 18.00; Der

geheime Roman des Monsieur Pick 16.00; Judy

20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Little Women 14.00,

17.00,20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

1917 –Der Film 17.50, 20.00, 22.55; Bad Boys for

Life 16.50, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II10.00,

12.15, 14.25; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 10.00, 12.20, 14.45, 17.20, 19.50, 22.35;

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.15,

16.50; Das geheime Leben der Bäume 16.50; Die

Heinzels 10.00, 11.50, 13.45, 15.45; Die Hochzeit

17.05, 19.45, 22.40; Jojo Rabbit 20.00, 22.45;

Knives Out 17.00, 19.30, 22.35; Latte Igel und

der magische Wasserstein 10.00, 12.15; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 10.00, 12.00,

14.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.45;

Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 12.15, 14.30;

Die Wolf-Gäng 10.00,12.10,14.25

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Bad Boys for

Life 20.30; Die Eiskönigin II10.00, 14.00; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.00, 18.15,

20.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 14.00, 16.00; Die Heinzels 12.00, 14.00,

16.00; Die Hochzeit 18.00, 20.30; Jumanji 18.00,

20.30; Lindenberg! 17.45; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 10.00, 14.00; Thomas

und seine Freunde: Große Welt! Große Abenteuer!

12.00; Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 15.45;

Die Wolf-Gäng 12.00,16.00

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Gaumont: Le petit prince

adit –Der Flug des Schmetterlings (OmU; m. Einführung)

20.00; Welt-Spiegel: Duvidha –Zwei Gesichter

(OmU; m. Einführung) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 806969)

1917 – Der Film 13.10, 16.20, 19.30, 19.50,

22.40, 22.45, 23.00; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 16.00,16.45; Bad Boys for Life16.50, 19.30,

22.15, 22.50; Countdown 17.30, 20.10, 23.00;

Die Eiskönigin II 13.00; 3D: Die fantastische Reise

des Dr.Dolittle13.30,14.00,17.00,20.15,23.00;

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.00,

16.30; Das geheime Leben der Bäume 17.10;

The Grudge 22.45; Die Heinzels 14.10, 16.15; Die

Hochzeit 14.15, 17.05, 20.00, 22.30; Jojo Rabbit

16.40, 19.10, 19.50, 22.20; Joker 20.00; Judy

16.10; Jumanji 17.20, 20.00, 23.00; Kartoffelsalat

3–Das Musical 14.15,17.15;

Knives Out 16.45, 20.30, 22.45, 22.50; Lindenberg!

13.30, 16.40, 19.00; Little Women 13.30,

16.15, 19.40, 19.45, 22.30; Parasite 19.15; Das

perfekte Geheimnis 19.45; Queen &Slim 19.00;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 13.20;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.00,

20.20; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 13.50,

19.20, 22.30; Underwater –Esist erwacht 23.00;

Vier zauberhafte Schwestern 14.40; Die Wolf-Gäng

14.10

TREPTOW

Astra (& 636 1650) Bad Boys for Life 17.15,

20.00, 22.30; Die Eiskönigin II 12.30; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 17.30, 20.00,

22.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 12.30, 15.00; Das geheime Leben der

Bäume 15.00, 18.00, 20.15, 22.30; Die Heinzels

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Die Hochzeit 17.30,

20.00, 22.30; Jumanji 18.00; Lindenberg! 20.30;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 10.00,

15.00; Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 12.15,

14.00; Die Wolf-Gäng 10.00, 12.00, 16.00

Casablanca (& 677 57 52) Der geheime Roman

des Monsieur Pick 16.30; Judy 20.30; The Peanut

Butter Falcon 18.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

1917 –Der Film 17.00, 20.10, 22.50; 3Engel für

Charlie 23.00; Bad Boys for Life 17.00, 20.00,

22.45; Countdown 20.20, 22.55; Die Eiskönigin II

11.40, 14.20; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 11.30, 14.10, 17.10, 20.00, 22.45; The

Grudge 23.05; Die Heinzels 11.50, 14.15, 16.30;

Die Hochzeit 14.10, 17.00, 19.55; Joker 22.55;

3D: Jumanji 20.00; Jumanji 14.05, 17.15, 22.40;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 14.40, 17.20; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 12.00; Knives Out 19.30; Latte Igel und der

magische Wasserstein 11.55; Lindenberg! 17.10;

Das perfekte Geheimnis 19.45; 3D: Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 11.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.20; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 11.30; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Thomas und seine

Freunde: Große Welt! Große Abenteuer! 11.45;

Underwater 23.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.15,16.50; Die Wolf-Gäng 12.00,14.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) 1917

–Der Film 16.40, 19.45; Bad Boys for Life 16.50,

20.00; Die Eiskönigin II 12.00, 14.15; Eltilerin Savasi

(OmU) 20.15; 3D: Die fantastische Reise des

Dr.Dolittle 12.00,14.20,16.45,19.30;

Die Hochzeit 16.50, 19.45; Jumanji 14.10; Rafadan

Tayfa 2: Göbeklitepe (OmU) 12.00, 14.00,

16.00,18.10; Spione Undercover 12.00; Star Wars

IX 17.00; Türkler Geliyor –Adelatin Kilici (OmU)

20.10; Vier zauberhafte Schwestern 12.00, 14.15;

Die Wolf-Gäng 12.00, 14.15

CityKino Wedding (& 01 77/270 19 76) TheFarewell

19.00; Sneak Preview (OF) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 4714001) An der Bruchkante –

Imker in Mecklenburg 19.30; Klavierstunden –Making

the Grade (OmU) 18.00; Swans (OmU) 21.45

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 15.30, 17.45, 20.00; Lindenberg!

17.00, 19.45; Romys Salon 14.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85)Alles außergewöhnlich

15.30; Porträt einer jungen Frau inFlammen

20.30; DasVorspiel 18.00

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Crescendo #makemusicnotwar

15.30;Das geheimeLebender Bäume

18.00; Latte Igel und der magischeWasserstein

13.15;The Peanut Butter Falcon 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) But Beautiful 20.30; Ein Licht

zwischen den Wolken 18.00

Capitol (& 831 6417) Das geheime Leben der

Bäume 15.00; LittleWomen 17.20, 20.15

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12)

Die Addams Family 10.00; Gott existiert, ihr Name

ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 17.00;Porträt einer jungen Frau in Flammen

19.00

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 16.00; Crescendo

#makemusicnotwar 15.45; Ein verborgenes Leben

20.30; Die Eiskönigin II13.30; Das geheime Leben

der Bäume 10.30, 18.30; Die Heinzels 14.00,

16.00;Jojo Rabbit 18.15,20.30; Latte Igel undder

magische Wasserstein 13.45; Lindenberg! 18.00,

20.45; Sorry We Missed You 13.45, 20.45; Vom

Gießen des Zitronenbaums 15.45; Das Vorspiel

18.15

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

1917 –Der Film 17.10, 20.15; Bad Boys for Life

16.50, 20.00; Die Eiskönigin II 11.00, 13.50;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.00,

17.00, 20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

11.00; Die Heinzels 11.10, 13.40, 15.45;

Die Hochzeit 11.00, 14.10, 16.40, 19.50; Jumanji

16.50;Kartoffelsalat3–Das Musical11.15, 14.20,

17.45; Knives Out 19.50; Lindenberg! 19.40; Little

Women 16.30, 19.40; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 11.15; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.00; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

13.45; Vier zauberhafte Schwestern 11.15, 14.15;

DieWolf-Gäng 11.00, 14.00, 17.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 03322/279 88 77)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.30, 17.00, 20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 17.00; Marianne

&Leonard –Words ofLove 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/7030200) 1917 –Der

Film 17.20, 20.15; Bad Boys for Life 16.45, 20.15;

Countdown 20.20; Die Eiskönigin II 12.20, 15.00;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.30,

15.00, 17.30, 20.10; Die Heinzels 12.30, 14.40,

17.40; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.00; Jumanji

12.00, 17.10, 20.00; Kartoffelsalat 3–Das Musical

12.10, 14.50, 17.15; Der kleine Rabe Socke 3

–Suche nach dem verlorenen Schatz 12.15; Knives

Out 19.45; Latte Igel undder magische Wasserstein

14.40; Lindenberg! 17.10, 20.00; Little Women

14.30, 19.55; Das perfekte Geheimnis 12.00,

20.15; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

12.10, 14.40; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.50; Vier zauberhafte Schwestern 12.15,

14.40; Die Wolf-Gäng 12.00, 14.30, 17.35

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.00, 18.00,

20.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 14.00, 16.00; Die Heinzels 10.00, 14.15;

Die Hochzeit 14.45, 20.30; Jumanji 12.00, 18.00;

Lindenberg! 17.30; Pavarotti20.30; Vier zauberhafte

Schwestern 12.00; Die Wolf-Gäng 16.00

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 48 28)

Bad Boys for Life 18.00, 20.30; Die Eiskönigin II

14.15; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

17.30, 19.45; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.30, 15.00; Die Hochzeit 17.45, 20.15;

Jumanji 15.15; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 10.45; Latte Igel und

der magische Wasserstein 10.15; Lindenberg!

17.00, 20.00; Pettersson und Findus 10.30; Spione

Undercover 11.45; Vier zauberhafte Schwestern

13.00; DieWolf-Gäng 12.00, 14.00, 16.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 20.45; Bad Boys for Life

18.00; Die Hochzeit 17.15, 20.00; Der kleine Rabe

Socke 316.15; Spione Undercover 15.00


18 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

·························································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe. Telenovela 10.45 (für

HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß

denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15

(für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) WaPo Berlin 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Natur 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Sportschau

DFB-Pokal. Achtelfinale: SV Werder

Bremen –Borussia Dortmund, live.

Anschl. Zsfg.: 1. FC Kaiserslautern–Fortuna

Düsseldorf /Eintracht Frankfurt–

RB Leipzig /FCSchalke04–Hertha BSC

23.30 (für HG) Sportschau

Karten, Pfiffe, fette Bässe: Schiedsrichter

Deniz Aytekin

0.00 (für HG) Nachtmagazin

0.20 (für HG) Mord in bester Gesellschaft:

Der süße Duft des Bösen

Krimireihe, D/A 2009. Mit Fritz Wepper

RTL

5.05 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns 9.30 (für

HG) Alles was zählt 10.00 Der Blaulicht Report

11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –

Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Die Superhändler:

Lieblingsdeals 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Deutschland sucht den Superstar

Castingshow. Diese Folgeliefert

Stimmungskanonen, „den nächsten

Bushido“, ein Marie Wegener-“Double“,

Dieter und Pietro im Rollentausch, sowie

die Rubrik „What The Fuck?“.

22.30 Absolut Oana Nechiti

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Deutschland sucht den Superstar

Castingshow. Die Castings

2.20 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Das Recht und die Befangenheit

MDR

15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG)

MDR um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05

(für HG) Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant

18.54 (für HG) Unser Sandmännchen 19.00

Regionales 19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50

(für HG) Einfach genial 20.15 (für HG) Umschau

21.00 (für HG) Drama, Macht und Rausch 21.45

(für HG) MDR aktuell 22.05 (für HG) 1945 –Unsere

Städte 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110: Der Teufel hat den Schnaps

gemacht. Krimireihe, DDR 1981 0.10 (für HG)

Klemperer –Ein Leben in Deutschland

Bayern

14.00 Polettos Kochschule 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Gesundheit! 19.30 Dahoam is Dahoam 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort:

Schneetreiben. Krimireihe, D2005 21.45 (für

HG) Rundschau Magazin 22.00 Capriccio 22.30

Unsere Kindheit in Bayern:daheim 23.15

nachtlinie 23.45 Cristian Macelaruund Leonidas

Kavakos 1.00 Rundschau Nacht

Vox

5.20 CSI: NY 6.00 Bones –Die Knochenjägerin

6.55 CSI: Vegas 7.50 CSI: Vegas 8.50 Verklag

mich doch! 9.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind 12.00

Shopping Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen

14.00 Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping

Queen 16.00 Salonfähig –Wer macht schöner?

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.15 Hot oder Schrott 22.15 Hot oder

Schrott 23.15 Hot oder Schrott 0.15 Vox

Nachrichten 0.35 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

9.40 Thomas &seine Freunde 10.05 PawPatrol

10.30 Sammy 11.00 Die Dschungelhelden

11.25 Grizzy &die Lemminge 11.50 Go Wild!

12.15 Trolls 12.45 Friends 13.10 Sally

Bollywood 13.35 Angelo! 14.00 Die Tomund

JerryShow 14.25 Voll zu spät! 14.45 Dragons

15.15 Scooby-Doo! 15.40 Alvinnn!!! 16.15 Mr.

Magoo 16.40 Dennis &Fletscher 17.10 Go

Wild! 17.35 Voll zu spät! 18.00 Die Tomund

JerryShow 18.30 Woozle Goozle 19.00

Alvinnn!!! 19.30 Angelo! 20.15 Snapped 0.00

Böse Mädchen 0.25 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Fußball. DFB-Pokal Klassiker 17.30 Fußball.

DFB-Pokal Countdown 18.30 Fußball. DFB-Pokal,

Achtelfinale: Eintracht Frankfurt–RBLeipzig,live

20.30 Fußball. DFB-Pokal Highlights 21.00

Eishockey.Champions Hockey League, Finale:

Mountfield Hradec Králové –Frölunda Indians

Göteborg,Highlights 21.30 Container Wars

22.00 Container Wars 22.30 Container Wars

23.00 Die Trödel-Checker –Krimskrams-Jäger auf

Schatzsuche 0.00 SportClips

ZDF

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Krimiserie. Im Banne der Koi 17.00

(für HG) heute 17.10 (für HG) hallo deutschland

17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Köln. Krimiserie. Showdown 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Krimiserie. Der neue Mann

20.15 (für HG) ZDFzeit

Ärger im Buckingham Palast –Die Queen

und die liebe Familie. 2019 war ein

Schreckensjahrfür die Queen: EngeFamilienmitglieder

der Windsors haben für

teils handfeste Skandale gesorgt.

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Nie auf Augenhöhe

Vonkleinen und großen Menschen

22.45 Mann, Sieber!

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap. Ein Fünfjähriger

unternimmt waghalsigeAktionen, bei denen er

offensichtlich sein Elternhaus beschädigen will.

Sobald er bei seinen Manövernunterbrochen

wird, reagierteraggressiv. 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

AufStreife –Die Spezialisten 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie.Schlaflos. Gibbs steht vor

einem Dilemma: Marine-Corporal Laney

Alimonte steht unter Verdacht, ein

Verbrechen begangen zu haben. In ihrem

Kühlschrank lag eine Mordwaffe.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Der Kubus

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Auf Biegen und Brechen

23.10 SpiegelTV–Reportage

Atemlos durch die Provinz

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

9.40 Aktuelle Stunde 10.25 Regionales 10.55

Planet Wissen 11.55 Nashorn, Zebra &Co.

12.45 WDR aktuell 13.05 Elefant, Tiger&Co.

13.55 Aufgepasst, der Profi kommt! 14.25 Um

Himmels Willen 16.00 WDR aktuell 16.15 Hier

und heute 18.00 WDR aktuell /Lokalzeit 18.15

Servicezeit 18.45 Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 Tagesschau 20.15 Abenteuer

Erde 21.45 WDR aktuell 22.10 Das Verschwinden

(1/4): Janine. Krimireihe, D/CZ 2017 23.35

Das Verschwinden (2/4): Weil wir euch lieben.

Krimireihe, D/CZ 2017 1.05 (für HG) Ilove Trump

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) NDR Info 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Visite 21.15 (für HG) Panorama –die

Reporter 21.45 (für HG)NDR Info 22.00 (für HG)

Tatort: Feuerkämpfer.Krimireihe, D2006 23.25

(für HG) Weltbilder 23.55 (für HG) Alles gut –Ankommen

in Deutschland. Dokumentarfilm, D

2017 1.30 Spiekeroog ... mit Judith Rakers

Kabel eins

6.00 (für HG) Castle 6.45 (für HG) The Mentalist

7.40 (für HG) Navy CIS: L.A. 8.35 Navy CIS 9.35

Blue Bloods 11.20 Numb3rs 12.15 (für HG)

Castle 13.05 (für HG) Castle 14.00 (für HG) The

Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50

Kabel Eins News 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 (für HG)

Get Smart. Actionkomödie, USA 2008 22.35 (für

HG) Speed. Actionfilm, USA 1994 0.50 (für HG)

Speed 2: Cruise Control. Actionfilm, USA 1997

RTLZWEI

6.00 PrivatdetektiveimEinsatz 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 16.00 Hartz und herzlich –Tag für Tag

Rostock 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Armes Deutschland –Stempeln

oder abrackern? 22.15 Hartz und herzlich 0.15

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle 1.10 Autopsie

–Mysteriöse Todesfälle 1.55 Autopsie –Mysteriöse

Todesfälle 2.40 Crime Town USA

Eurosport 1

8.30 Skispringen. Einzelspringen (HS137) 9.30

Tischtennis. German Open in Magdeburg:

Highlights 10.30 Tennis. Australian Open: Das

Finale der Männer 12.00 Rad-Querfeldein 13.00

Snooker.World Grand Prix in Cheltenham: 1.

Runde 13.55 Snooker.World Grand Prix in

Cheltenham:1.Runde. Live 18.00 Tennis 18.50

Nachrichten 19.00 Leichtathletik. PSD Bank

Meeting 2020 in Düsseldorf, live 21.00 Snooker.

WorldGrand Prix in Cheltenham: 1. Runde, live

0.00 Nachrichten 0.05 Rad-Querfeldein

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR DOKUMENTARFILM

Abschied von der Mittelschicht

Nicht nur in Deutschland oder Frankreich wächst die Kluft zwischen Arm

und Reich. Selbst in Schweden, das vielen noch als „Sozialparadies“

gilt, wird die soziale Schereimmer größer.Jeder fünfte Rentner lebt dort

unter der Armutsgrenze, Frauen sind besonders betroffen. In Spanien sind

mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen prekär beschäftigt. „Das Prekariat

lebt immer hartamRandder Verschuldung. EinFehler,eine Krankheit zum

falschen Zeitpunkt, ein Unfall oder einem Familienmitglied passiertirgendwas,das

kann das Ende bedeuten“, schildertder britische Wirtschaftswissenschaftler

Guy Standing. Welche Explosivität steckt in der neuen Klasse des

Prekariats? Wiesteht es um Europas sozialen Frieden? Welche Herausforderungen

gehen mit der Idee eines Grundeinkommens einher?

(D/2019)

Foto: RBB

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Flusskreuzfahrten 2020

Die schönsten Flussreisen

auf Donau, Rhein, Mosel,

Saar, Elbe, Wolga u. v. m.

Berliner Zeitung Leserreisen

SUDOKU

NORMALVARIANTE mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

6 5 9

4 7

1 3

8 7

2 4 7 1

6 3 2

5 8 7

9

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MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

2

7

5 1

9

6 8 4

9 2

6 7

1 9 6

5

LESERREISEN

INFO-MATERIALANFORDERN

030–23 27 66 33

www.berliner-zeitung.de

/leserreisen

AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 3.2.2020

2020

MITTEL mittel

6 9 1 4 2 3 8 7 5

4 8 5 1 7 6 3 9 2

7 2 3 9 5 8 1 6 4

1 7 6 2 4 9 5 8 3

9 5 8 3 6 1 4 2 7

2 3 4 7 8 5 9 1 6

8 6 9 5 3 7 2 4 1

3 4 7 8 1 2 6 5 9

5 1 2 6 9 4 7 3 8

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM 3.

3.2.2020

2. 2020

SCHWER schwer

5 1 7 3 2 9 6 8 4

8 3 6 4 1 7 5 9 2

9 4 2 8 6 5 3 7 1

7 2 4 9 3 6 1 5 8

1 9 5 2 7 8 4 6 3

3 6 8 5 4 1 7 2 9

4 7 1 6 9 2 8 3 5

6 8 9 1 5 3 2 4 7

2 5 3 7 8 4 9 1 6

RBB

5.00 (für HG) Berlin erwacht –Winter 5.30

Eisbär,Affe &Co. 6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant

8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Hauptstadtrevier 13.00

rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer 14.00

(für HG) Tiere bis unters Dach. Familienserie.

Streuner 14.30 (für HG) Just Married –Hochzeiten

zwei. Komödie, D2013 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt–Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 Eisbär,Affe &Co. 17.55 (für HG)

Unser Sandmännchen 18.02 rbb UM6 18.27

zibb 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Flussauf, flussab

Die kalte Jahreszeit im Spreewald gilt

unter Wassersportlernals Geheimtipp.

Abseits vomTrubel der Sommermonate

lassen sich Natur und Landschaft

besonders gut vomBoot aus erleben.

21.00 (für HG) Die rbb Reporter

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Nuhr im Ersten

Kabarettshow

22.45 (für HG) Olaf macht Mut

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) Abendshow

ProSieben

5.00 Mom. Sitcom 5.40 The Middle. Comedyserie

6.20 (für HG) Twoand aHalf Men. Sitcom

7.45 (für HG) The Big Bang Theory. Sitcom 9.10

(für HG) HowIMet Your Mother.Sitcom 10.55

Mike&Molly.Sitcom. Ein Paar ist kein Paar

11.20 Fresh Off the Boat. Sitcom. Echte Action

11.45 Last Man Standing. Comedyserie. Mein

neuer Panzer 12.10 2BrokeGirls. Sitcom.

Vatertag 12.40 Mom. Sitcom 13.30 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 14.45 The Middle.

Comedyserie 15.40 (für HG) The Big Bang Theory.

Das Jerusalem-Projekt /Super Bowl für Physiker

/Die Zeitmaschine 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 (für HG) Die Simpsons. Homer,hol den

Hammer raus /Krieg der Welten 19.05 Galileo

20.15 Schlag den Besten

Spielshow. In der neuen Folgetrifft „Mr.

Unschlagbar“ Robin auf Hendrik aus

Köln. Der sportbegeisterte26-Jährigeist

Mitarbeiter in einerWirtschaftskanzlei und

will Robins Siegesserie beenden.

23.00 Joko gegen Klaas –Das Duell um die

Welt

1.55 ProSieben Spätnachrichten

2.00 Schlag den Besten

3.55 2Broke Girls

4.15 Mike &Molly

4.35 Last Man Standing

Arte

9.30 Der große Fluss vomHimalaya 11.45

Rituale der Welt 12.15 Re: 12.50 Arte Journal

13.05 Stadt Land Kunst 13.45 (für HG)

Treibsand. Roadmovie, F2013 15.20 Das Gesetz

der Löwen 16.05 (für HG) Der unsichtbare Puma

16.50 (für HG) Xenius 17.20 Rituale der Welt

17.50 (für HG) Stromaufwärts! 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.15 Abschiedvon der

Mittelschicht. Doku-Film, D2019 21.45 (für HG)

Push. Doku-Film, S/CDN/GB 2019 23.15

Gesprächsrunde 23.35 Wirsind die Roboter.

Doku-Film, D/F/NL 2015 1.00 Arte Reportage

3Sat

12.10 (für HG) Gekaufter Mist 13.00 (für HG)

ZIB 13.15 (für HG) Der Flug des Seeadlers

14.00 (für HG) Waldrapp 14.45 (für HG) Die

Rückkehr des Wiedehopfs 15.30 (für HG)

Menschen im Karst 16.15 Das Salzkammergut

17.00 Wilde Wasser,steile Gipfel 17.45 (für HG)

Zurück zum Urwald 18.30 nano 19.00 (für HG)

heute 19.20 Kulturzeit 20.00 Tagesschau 20.15

(für HG) Schnellermittelt: Erinnern. Kriminalfilm,

A2014 21.45 kinokino 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Viva la Vulva 23.15 (für HG) Die Lust der

Frauen 0.15 Der Tod–das letzte Tabu

Phoenix

10.45 USA-Iran Chronik einer Feindschaft 11.15

Pulverfass Libyen 12.00 phoenix vorort 12.45

Angst vorChina? 13.30 Handelskriege 14.00

phoenix vorort 14.45 Unsere Welt in Zukunft

15.15 Viren –die unsichtbare Gefahr 16.00

Gegen den Hass 16.45 Das Atomwaffen-Kartell

17.30 phoenix der tag 18.00 Schmerz-los 18.30

(für HG) Peking –Metropole der Macht 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Peking –Metropole

der Macht 21.00 Immer an der Mauer lang

21.45 heute journal 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.55 Mirette ermittelt 13.15 (für HG) 41/2

Freunde 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

Schloss Einstein –Erfurt 15.00 Du bist Style!

15.25 Max &Maestro 16.00 Die Abenteuerdes

jungen Marco Polo 16.50 Peter Pan–Neue

Abenteuer 17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00

Shaun das Schaf 18.15 Marinette 18.40

Wolkenkinder 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 (für HG) Wickie und die

starken Männer 19.25 (für HG) Pur+ 19.50 (für

HG) logo! 20.00 (für HG) Kika Live 20.10 Die

Jungs-WG 20.35 Die Mädchen-WG

Dmax

6.00 Die Schatzsucher –Goldtaucher der

Beringsee 6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn

9.20 BaggageBattles 9.50 Infomercial 10.15

House Hunters 10.45 Haus gesucht in Alaska

11.15 Border Control 12.15 Steel Buddies

13.15 Railroad Alaska 14.15 Die Schatzsucher

–Goldrausch in Alaska 16.15 Border Control

17.15 Steel Buddies 18.15 Asphalt-Cowboys

19.15 A2 –Abenteuer Autobahn 20.15 Steel

Buddies 22.15 Cash für Chrom 23.10 DMAX

News 23.15 Outback Inferno 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrich

ten 9.15 Milch –Superfood oder Gift? 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.Markt

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Die Zins-Tricks der Sparkassen

20.00 Tagesschau 20.15 Hartaber fair 21.30

Einsatz gegenEinsamkeit 22.00 Tagesthemen

22.07 Marktcheck 22.52 Extra 23.00

Tagesthemen 23.07 Tagesschau vor20Jahren

23.23 Dopen bis das Herz versagt? Gefährliche

Spritzen im Fußball 0.07 Umschau 0.52 Extra

1.00 Nachtmagazin 1.20 7Tage... 1.50 Extra

ONE

6.50 Brisant 7.30 Liebe am Fjord –Abschied vo

Hannah. Liebesmelodram, D2012 9.00 Brisant

9.40 Bezaubernde Jeannie 10.05 Bezaubernde

Jeannie 10.30 Lindenstraße 11.00 Familie Dr.

Kleist 11.50 Sturmder Liebe 12.35 Sturmder

Liebe 13.25 Um Himmels Willen 14.10 Frauche

und die Deiwelsmilch. Krimikomödie, D2014

15.40 Familie Dr.Kleist 16.30 Bezaubernde

Jeannie 16.55 Bezaubernde Jeannie 17.20

Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich 18.40

Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe 20.15

Doctor Who Classics 21.20 Doctor Who 22.05

Doctor Who 22.50 Doctor Who 23.35 My Mad

FatDiary 0.20 Doctor Who Classics

ZDF NEO

6.30 (für HG) Mit 80 Jahren um die Welt 7.15

(für HG) Mit 80 Jahren um die Welt 8.00

Topfgeldjäger 8.55 (für HG) Stadt, Land, Lecker

9.40 (für HG) Bares für Rares 10.30 (für HG)

Bares für Rares 11.25 Dinner Date 12.10 (für

HG) Monk 12.50 (für HG) Monk 13.35 Psych

14.15 Psych 14.55 (für HG) Monk 15.35 (für

HG) Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für

HG) Bares für Rares 18.35 Dinner Date 19.20

(für HG) Bares für Rares 20.15 (für HG) Münche

Mord: Kein Mensch, kein Problem. Krimireihe,D

2016 21.45 (für HG) München Mord: Wo bist Du

Feigling.Krimireihe, D2016 23.15 (für HG) Die

Mütter-Mafia. Komödie, D2014 0.45 Springflut

ZDF INFO

8.15 Damals nach der DDR 9.00 Damals nach

der DDR 9.45 Damals nach der DDR 10.30

Damals nach der DDR 11.15 Damals nach der

DDR 12.00 Momente der Geschichte 12.45 Wa

of Thrones 13.30 WarofThrones 14.15 Warof

Thrones 15.00 WarofThrones 15.45 Burgen –

Mythos und Wahrheit 16.30 Burgen –Mythos

und Wahrheit 17.15 Burgen –Mythosund

Wahrheit 18.00 Burgen –Mythosund Wahrheit

18.45 ZDF-History 19.30 Das unterirdische

Reich 20.15 Festungen für den Sonnenkönig

21.00 Das unsichtbare Kairo 21.45 Das

unsichtbare Rom 22.30 Das unsichtbare Venedi

23.15 (für HG) ZDF-History 0.00 ZDF-History

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Christoph Graupner,Kantatenmit

obligatem Fagott: „Jauchzet ihr Himmel,freue

dich Erde“ /„Jesu mein Herrund Gott allein“ /

„Kehre wieder, du abtrünnigeIsrael“ /„Ach bleib

bei uns, HerrJesu Christ“ /„Wirwerden ihn

sehen“, ca. 117 Min.

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt. Mit Kai

Luehrs-Kaiser,ca. 56 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rohstoff (12/20). VonJörg Fauser /

Gelesenvon Lars Eidinger,ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Dekolonialisierteuch (1/4):

Passagen der Erinnerung.Das koloniale Erbe

Dänemarks in der Karibik. VonJane Tversted und

Martin Zähringer,ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Monsieur Bougran in Pension. Von

Joris-KarlHuysmans. Ausdem Französischen von

Gernot Krämer /Bearbeitung und Regie:

Elisabeth Panknin, ca. 50 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Nicht mit uns! Mittelamerikanische

Musikerinnenwehren sich gegenden Machismo.

VonErika Harzer,ca. 57 Min.

MAGAZIN

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Weltzeit Goldabbau in Kolumbien: Erfolgreicher

Widerstand für Wasser.Von Thomas Kruchem.

Moderation: Andre Zantow, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Die „Neue Frau“ zwischen Flapper

und kunstseidenem Mädchen: Frauen in der

Zwischenkriegszeit, ca. 26 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Zeitfragen. Wirtschaft und Umwelt Most

wanted: Handwerker.Mit neuen Ideen aus der

Fachkräftefalle. VonRichard A. Fuchs, ca. 55 Min

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die französische Opernsängerin

Natalie Dessay. mit Lothar Jänichen, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Klezmer aus Krakau:

Kroke. Mit Peter Rixen, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live Arne Jansen Trio und Orchestra Baobab

Aufnahme vom23.6.2019 bei JazzBaltica,

Timmendorfer Strand, ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 – S eite 19

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Sport

Werder

Union als

Wegweiser

Frank Hellmann

sieht den Abstieg der

Bremer näher rücken.

Werder Bremen träumt immer

mal wieder vonder Fahrtnach

Berlin, die im deutschen Vereinsfußball

das Finale des DFB-Pokals bedeutet.

Zuletzt im Frühjahr 2019.

Werder holte im Halbfinale einen

0:2-Rückstand gegen den FC Bayern

(2:3) auf, als eine krasse Fehlentscheidung

alle Träume beendete.

Zuvor hatte das Team von Florian

Kohfeldt im Viertelfinale beim FC

Schalke 04 (2:0) und im Achtelfinale

bei Borussia Dortmund (7:5 nach

Elfmeterschießen) gesiegt.

Doch nun spricht vordem Achtelfinale

wieder gegen Dortmund am

Dienstag (20.45 Uhr/ARD) nichts

mehr für Wiederholung eines solchen

Coups. Im56. Bundesligajahr

ist der Klassenerhalt so akut gefährdet

wie im einzigen Abstiegsjahr

1979/80. Jeder Schritt scheint gerade

schwer zu fallen. Spötter sehen in

Kohfeldts Kickern Bleifiguren, die

mit dem erforderlichen Tempo überfordert

sind. Das erschreckendste

Beispiel gibt ein ehemaliger Dortmunder

ab: Nuri Sahin ist im defensiven

Mittelfeld zu einem zentralen

Problem geworden. Der vom BVB-

Anhang noch immer verehrte 31-

Jährige gewinnt kaum mehr einen

Zweikampf, kein Laufduell.

Wie imWeserstadion nun Sprinter

Jadon Sancho oder Urgewalt Erling

Haaland aufgehalten werden

sollen, ist ein Rätsel. Siewüssten, wie

dramatisch die Situation in der Bundesliga

sei, beteuertKohfeldt, aber er

sei sicher, dass die Chancen, die das

Duell mit Dortmund biete, die Risiken

überwiege. Das sprichwörtliche

Pfeifen im finsteren Walde. Eine

blutleere Darbietung wie zuletzt

würde nicht nur das Schlüsselduell

gegen den 1. FC Union am Sonnabend

(15.30 Uhr), sondern auch

Kohfeldt belasten. Dem 37-Jährigen

ist zeitweise anzumerken, wie sehr

die Krise auch ihn betrifft. Aus dem

Trainer des Jahres 2018 ist nach einer

Umfrage im Fachmagazin Kicker der

Absteiger des Jahres 2019 geworden.

Kohfeldt macht sich angreifbar

Dass der Fußballlehrer grundsätzlich

fachliche Fähigkeiten mitbringt,

bezweifelt auch abseits der Hansestadt

kaum jemand, aber auch der

sehr auf seine Außendarstellung bedachte

und bis 2023 gebundene

Coach hat sich angreifbar gemacht.

Die Hansestadt spaltet sich allmählich

ob dieser Causa in zwei konträre

Lager. Seit Wochen funktioniert es

bei Werder hinten und vorne nicht

mehr. Zuletzt beim FC Augsburg

(1:2) probierte der vonBaumann immer

noch beharrlich geschützte

Kohfeldt drei verschiedene Systeme.

Vergebens.

Insgesamt wirkt vieles von Seiten

der sportlichen Leitung nicht mehr

schlüssig: Der aus Hoffenheim geholte

Hoffnungsträger Vogt ist nur in

einer Dreierkette zu gebrauchen,

aber für dieses System fehlen dynamische

Außenbahnspieler. Und im

neuen System gibt es vornezuwenig

Anspielstationen.

Kohfeldts Plädoyer ineigener Sache

wird irgendwann nichts mehr

nützen. Inzwischen hat der Trainer

einen Rückzug aus freien Stücken

nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Wenn er das Gefühl habe, dass die

Mannschaft einen neuen Impuls

brauche, sagt Kohfeldt, dann würde

der Werder-Fan in ihm gewinnen.

Für den Coach gilt: Zu Chancen und

Risiken bewerten sie den Pokalkick

oder schauen die Partie gegen die

Gäste des 1. FC Union Berlin.

Neues Spiel,

neues Glück

Esist nicht einfach, ein 0:5 zu

verknusen, geschweige

denn danach die Balance

wiederzufinden. Egal, ob

jetzt ein Pokalspiel beieinem Viertligisten

folgt, zumal dort alles andere

als ein möglichst unfallfreies Weiterkommen

die viel größere Blamage

wäre. Die Spiele um den Pott sind

zwar schön, und inVerl ist die Prämie

von1,4 Millionen Euro

für das Erreichen des

Viertelfinales wahrscheinlich

leichter

einzusacken als anderswo,

aber wichtig

in dieser Saison ist und

bleibt für den 1. FC

Union die Liga.

Was also tun nach

solch einer Vorführung

wie in Dortmund?

Zusammen ein

Bier trinken und ein

paar Bratwürste auf

den Grill legen, um

Zusammenhalt und

Kollektivität zu demonstrieren?

Dafür ist

in einer Woche mit einem

Pokalspiel in der

Mitte keine Muße,und

so etwas ist in Zeiten gesunder Ernährung

der Profis zweitens wahrscheinlich

längst nicht mehr zeitgemäß.

Oder man stelle sich nur vor,

Christopher Trimmel und seine Mitspieler

würden barfuß über glühende

Kohlen laufen, um sich dann

schreiend auf die Brust zu schlagen,

was man doch für echte Kerle und

kraftstrotzende Mannsbilder in seinen

Reihen habe und der Gegner

fortan die Punkte bitte unaufgefordert

in die Alte Försterei schicken

möge.Dafür sind die Eisernen, allen

voranTrainer UrsFischer,zugeerdet.

Wie also umgehen mit dieser

Handvoll? Schließlich ist diese Klatsche

die höchste,die die Eisernen in

ihrer noch ultrakurzen Bundesligahistorie

übergebraten bekamen.

Fünf Gegentore haben sie mindestens

alle mal bekommen, die meisten

deutlich mehr und auch des Öfteren.

Schalke hat es mal mit 0:11 erwischt

und Dortmund mit 0:12, nur

gilt deren Dutzend einst in Mön-

„Erstrebenswert

ist es

nicht, aber

man kann

gegen solche

Stars durchaus

mal

untergehen.“

chengladbach noch immer als so etwas

wie ein abgekartetes Spiel, weil

die Fohlen noch hätten Meister werden

können, es dann aber doch nicht

wurden. Na gut, sie alle sind viele

Jahre länger in der Bundesliga und

hatten somit ausreichend Gelegenheit,

für das eine oder andere Spiel

eine Schießbude zu sein. Die Zauberworte

heißen: neues Spiel, neues

Glück. Also: zur Jagd

blasen auf den nächsten

Sieg. Habt Bock auf

einen Dreier schon im

kommenden Spiel!

Wieoft habe ich im

Training erlebt, dass

eine Mannschaft im

Abschlussspielchen

überlegen war und die

andere keinen Schimmer

sah. Als hier alles

und dort nichts mehr

ging und der Ausgang

zweistellig zu werden

drohte oder schon

war, pfiff der Trainer

ab, rief „Es steht 0:0!“

und pfiff ein neues

Spiel an. Nicht selten

purzelten die Tore auf

der anderen Seite.

Natürlich sprechen wir in der

Bundesliga nicht vom Training und

nicht voneinem Freizeitkick, spielen

bei den Gegnern der Eisernen in

manchen Partien doch französische

Welt- und/oder deutsche Ex-Weltmeister

mit. In Dortmund zum Beispiel

standen mit Mats Hummels ein

Rio-Triumphator,mit Raphael Guerreiro

ein portugiesischer Europameister,

mit Axel Witsel ein belgischer

WM-Dritter und mit Erling

Braut Haaland aus Norwegen der

vielleicht interessanteste Jung-

Spund Europas auf dem Platz. Man

kann gegen solche Stars durchaus

mal untergehen.

Selbst wenn die Eisernen morgen

–bei allem Klassenunterschied, aber

Respekt muss vorjedem Gegner sein

–Verl vor der Brust haben, für mich

zählt vor allem der Trip am Sonnabend

an die Weser. Dort, gegen

Werder Bremen zählen nur die Zauberworte

vom neuen Spiel und dem

neuen Glück.

Der Weisheit letzter Schuss

VonMichael Jahn

In den vergangenen Tagen

musste ich an Trainer Lucien

Favre denken. Das klingt erst

einmal seltsam, hat aber seinen

triftigen Grund. Jürgen Klinsmann

dreht gerade Hertha BSC auf

links und verantwortet die heftigste

personelle Rochade,

seitdem ich über Hertha

berichte, also seit

30 Jahren! Als der

Schweizer Favre 2007

nach Berlin kam, sagte

er mir, dass sich kein

Profi sicher sein kann,

seinen Stammplatz zu

behalten. Er werde alles

hinterfragen. Klinsmann

lässt grüßen!

UndFavreerzählte damals,

dass er einst

beim Schweizer Erstligisten

Yverdon Sports

14 von18Spielernausgetauscht

habe. Mir

schwante, was auch

auf Hertha zukommen

könnte.

Die Struktur der

Zwei Berliner Teams in der Bundesliga,

zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und Andreas Baingogeben jede

Woche ihre Expertise ab.

Andreas Baingofür den 1. FC Union, seine

Eisernen, für die er selbst früher am Ball war.

UndMichael Jahn für Hertha BSC, seine

Hertha, die er seit mehr als zwei Jahrzehnten

als Reporter begleitet. In dieser Woche setzt

sich der eine mit der Verarbeitung einer

herben Niederlage, der andere mit einem

Talent und dem Glück eines Kaufrauschs

Neuer Druck,

neue Chance

„Arne Maier

muss sich der

Konkurrenz

stellen. Klinsmann

wird

ihm Gelegenheit

dafür

geben.“

auseinander.

ISTOCKPHOTO

Mannschaft änderte

sich, Manager Michael Preetz zahlte

2007/08 rund 17 Millionen Euro insgesamt

an Ablöse.Das sind aber Peanuts

gegenüber dem Geld, dass

Preetz vorige Woche bewegte. Für

das Trio Lucas Tousart, Krzysztof Piatek

und Matheus Cunha überweist

Hertha rund 65 Millionen Euro.

Ob es die Wucht der Summen ist

oder die Vita der Zugänge oder beides

–auf jeden Fall versetzte die Konkurrenz

einige Hertha-Profis in Aufregung,

die plötzlich aus Berlin fliehen

wollten. Dortlebten sie lange in

einer Komfortzone, ineinem Mittelklasseverein

der Liga, in dem die interne

Konkurrenz überschaubar war.

Dass Davie Selke nach Bremen

ging, kann ich nachvollziehen angesichts

der Aufrüstung der Offensive,

aber wie sich Arne Maier, 21, als

größtes Hertha-Talent der letzten

Jahre gepriesen, verhalten hat, hat

mich verwundert und geärgert. Er

setzte Manager Preetz die Pistole auf

die Brust, sprach auch vonmangelnder

Wertschätzung und wollte sofort

den Verein verlassen. Er sah keine

Perspektivemehr im Mittelfeld. Dass

er oder vielleicht sein Berater seine

Forderungen sehr drastisch öffentlich

machte, stieß auch beim Gros

der Fans auf Kritik.

Maier ist im Profibereich ein großes

Versprechen geblieben. Wegen

vieler Verletzungen

brachte er es seit Mai

2017 nur auf 44 Erstligaspiele.

Seine Bilanz:

0Tore und ein Assist.

Maier wird offenbar

schlecht beraten.

Seine Chance, eine

gute Rolle zu spielen,

ist groß. Im Mittelfeld

wird sich im Sommer

viel ändern. Musterprofi

Per Skjelbred

dürfte nach Norwegen

zurückkehren, die

Leihe von Marko Grujic

vom FC Liverpool

endet,Vladimir Darida

gilt als Wechselkandidat.

Bleibt der Franzose

Tousart, der 24-

Millionen-Mann, der

aus Lyon kommen

wird und Santiago Ascacibar, der

schon jetzt eine giftige Nummer

Sechsabgibt. UndMaier! ZumGlück

hat Michael Preetz den Mann aus

Ludwigsfelde nicht ziehen lassen.

Der muss sich nun der Konkurrenz

stellen. Klinsmann wird ihm Gelegenheit

dafür geben. Beim 0:0 gegen

Schalke durfte er 30 Minuten ran.

Viele Hertha-Spieler,geradeauch

die Jüngeren, müssen die radikale

Wende in der Personalpolitik nach

den Millionen von Investor Lars

Windhorst erst verinnerlichen. Keiner

kann sich seines Platzes sicher

sein. Pal Dardai, der sich als Trainer

einst so viel Geld für Transfers gewünscht

hätte, sprach stets von seiner

„kleinen, aber fleißigen Mannschaft“.

Nun denkt Hertha größer

und hat die Vision, schnell ein internationales

Fußball-Schwergewicht

zu werden. Die Krux ist: Noch steht

man mitten im Abstiegskampf und

sollte die aggressive Einkaufspolitik

schiefgehen, ist die Fallhöhe enorm.

Hoffen

auf den

Effekt

Hertha-Stürmer Piatek soll

Team gegenSchalke anführen

VonSebastian Schmitt

Krzysztof Piatek saß auf dem Podium

und lauschte mit weit aufgerissen

Augen den Ausführungen

von Jürgen Klinsmann und Michael

Preetz. Dabei bewies Herthas neuer

Hoffnungsträger Humor. Auf die

Frage, was seinem neuen Cheftrainer

und seinem neuen Manager an

seiner Spielweise besonders gefällt,

grätschte der Pole dazwischen und

sagte: „Alles“.

Dabei hätte er das Wort nicht ergreifen

müssen. Klinsmann und

Preetz gaben sich keine Mühe, mit

den immensen Hoffnungen, die sie

mit dem für 23 Millionen Euro vom

AC Mailand verpflichteten Stürmer

verbinden, hinter dem Berg zu halten.

Häufig habe Hertha in der Vergangenheit

Spieler „mit größerem

Entwicklungspotenzial als vielleicht

schon aktueller Qualität verpflichtet“,

erklärte Preetz. „Bei Kris ist das

anders.Erist ein Spieler,der ein klassischer

Torjäger ist, lebt und arbeitet,

um Tore zu schießen. Er wird die

Bundesliga beleben“, kündigte der

Manager an. Klinsmann stand dem

in Nichts nach, forderte,„dass es sein

Ziel sein muss,einer der besten Stürmer

der Welt zu werden“.

DenGegner grillen

KeinWunder also,dass Piatek für das

Pokal-Achtelfinale am Dienstagabend

auf Schalke (20.45 Uhr) eine

Startelfgarantie und einen klaren

Auftrag bekommt. „Ich will, dass er

die jüngeren Spieler anführt, ihnen

vormacht, wie man den Gegner

grillt“, erklärte Klinsmann. Piateks

Einstellung stimme bereits, erlebe

jeden Tagvor,„wie hartman arbeiten

muss,umein Spieler seiner Klasse zu

werden. Warum ist ein Messi ein

Messi, warumist ein Ronaldo ein Ronaldo?

Weil sie mehr arbeiten“, sagte

Klinsmann.

Piatek, der sich an seinem Nationalmannschaftskollegen

Robert Lewandowski

orientiert und in 55 Serie-A-Spielen

26 Tore schoss, schien

sich durch die Vorschusslorbeeren

weder geschmeichelt noch unter

Druck gesetzt. Er sei gut in Form,

habe in Mailand bis zuletzt Spielpraxis

gesammelt und sei zur Hertha gewechselt

„um hier Champions

League zu spielen“.

Bevor die Königsklasse ruft, soll

Piatek nach seiner vielversprechenden,

aber torlosen 30-minütigen

Premiere beim ersten Duell mit

Schalke (0:0) vor vier Tagen, nun im

Pokal Herthas harmloses Angriffsspiel

beleben. „Für uns ist es wichtig,

ihn ins Spiel zu bringen, um mehr

Druck zu entwickeln und mehr

Chancen herauszuspielen“, erklärte

Klinsmann, der mehr Offensivdrang

in Aussicht stellte, aber von „einem

Fight“ sprach, der „gerne ein bisschen

eklig werden kann“. Vielleicht

ließ er auch deswegen am Montag

noch Elfmeterschießen üben.

Übt den Torjubel für das Pokalspiel auf

Schalke: Krzysztof Piatek.

CITY-PRESS


20 * Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Sport

Bötticher

hat

Bock

Der Chemnitzer will bei der

Bahnrad-WM überzeugen

VonPeter Kirnich

Stefan Bötticher betrachtet Stefan

Bötticher. Der eine trägt lange

Hose und Hemd, der andereist in Arbeitskluft

auf einem Foto zu sehen:

im schwarz-rot-goldenen Trikot und

Seite an Seite radelnd mit dem Australier

Matthew Glaetzer, seines Zeichens

Weltmeister im Bahnradsprint

von2018.

Ende Februar werden sich beide

möglicherweise erneut duellieren.

Dann im Berliner Velodrom. Denn

vom 26. Februar bis 1. März wird

zum ersten Malseit 21 Jahren wieder

eine Weltmeisterschaft im Bahnradsportinder

Hauptstadt ausgetragen,

für die jenes Plakat mit Bötticher und

Glaetzer wirbt. Nach der Europameisterschaft

2017, dem Weltcup

2018 und der Deutschen Meisterschaft

im Vorjahr ist die WM das

vierte Radsport-Highlight im Berliner

Velodrom in den vergangenen

Jahren, lobt der Präsident des Bundes

deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf

Scharping. Zur WMindiesem

Jahr werden Radsportler aus 40 Ländernerwartet.

Die letzte Chance

Die Chancen der deutschen Bahnradsport-Elite

sind schwer einzuschätzen.

Zu groß war die Dominanz

vor allem der Niederländer in den

vergangenen Jahren. Doch zu dem

erweiterten WM-Kader,den der BDR

am Montag präsentierte, gehören

mit Theo Reinhard und Roger Kluge

die amtierenden Weltmeister im

Zweiermannschaftsfahren (Madison),

ebenso medaillendekorierte

Athleten wie der olympische Bronzemedaillengewinner

Maximilian Levy

und die vierfache Weltmeisterin Lisa

Brennauer sowie die aufstrebende

Jugendfraktion im Frauensprint mit

Lea Sophie Friedrich, Pauline Grabosch

und Emma Hinze. Auch Stefan

Bötticher schaffte den Sprung in

das erweiterte Aufgebot. Er könnte

im Velodrom gleich in drei Disziplinen

an den Startgehen, im Sprint, im

Teamsprint und im Keirin.

Peilt die Qualifikation für Olympia an:

Stefan Bötticher.

IMAGO IMAGES/HILSE

Der 28-Jährige war 2013 Weltmeister

im Sprint und Teamsprint

sowie 2018 Dritter der Europameisterschaft

geworden. Dazwischen

aber lagen schwierige Jahre mit gesundheitlichen

Problemen. „Das ist

zum Glück längst vorbei, ich fühle

mich wieder sehr gut in Form und

möchte mit um die Medaillen sprinten“,

sagt er.Ein bisschen sei es sogar

so wie 2013, „aber damals war ich

viel unbekümmerter als heute“.

In diesem Jahr geht es in Berlin

nicht nur um WM-Medaillen, sondernauch

darum, die letzten wichtigen

Qualifikationspunkte für einen

Startplatz bei den Olympischen

Spielen in Tokio zu holen. „Ich bin

jetzt 28 und es ist vielleicht die letzte

Chance für mich, bei Olympia dabei

zu sein“, sagt er. Das erhöhe den

Druck. Der Fokus in Berlin liege auf

dem Teamsprint. Die deutschen

Sprinter wollen mit einem guten Abschneiden

möglichst viele Startplätzefür

Tokio sichern. Da ist es von

Vorteil, wenn man die Bahn besser

kennt als die Konkurrenz.

Der Wertvollste

Indem er Kansas zum Super Bowl führt, beweist Quarterback Patrick Mahomes seine Abgebrühtheit

VonSebastian Moll

Wenn ein junger Sportler

im wichtigsten Augenblick

seiner bisherigen

Karriere unter

Druck gerät, dann gibt es zwei mögliche

Rektionen: Er zerbricht daran

oder er wächst über sich hinaus.Für

Patrick Mahomes gelten jedoch

keine herkömmlichen Gesetze des

Sports.Der erst 24 Jahrealte Quarterback

der Kansas City Chiefs braucht

den Druck, um überhaupt erst auf

Touren zu kommen.

So wartete Mahomes im Finale

um den Super Bowl am Sonntagabend,

bis sein Team im letzten Viertel

mit zehn Punkten zurücklag, um

sein überragendes Talent aufblitzen

zu lassen. Erst dann feuerte er eine

Serieseiner berüchtigten Präzisionspässe

ab,umletztlich souverän seine

Mannschaft zu einem 31:20-Sieg

über die SanFrancisco 49ers zu führenund

den erste Super Bowl seit 50

Jahren nach Kansas City zu holen.

Es war eine Demonstration beinahe

unheimlicher Abgebrühtheit

durch Mahomes, die ein Spieler in

seiner dritten Profi-Saison auf so

großer Bühne eigentlich nicht besitzen

dürfte. So nahm er am Ende

nicht nur verdient den Pokal und die

Auszeichnung als wertvollster Spieler

des Super Bowl mit in die Hauptstadt

von Missouri, sondern auch

den Rekord, als jüngster Spieler aller

Zeiten beide erstritten zu haben.

Comebacks in Serie

Nur noch sieben Minuten waren im

Hard Rock Stadium von Miami zu

spielen, als Mahomes, nachdem die

Verteidigung von San Francisco ihn

über lange Strecken in Bedrängnis

gebracht hatte, aus der Hüfte einen

Traumpass über 44 Yards anseinen

Wide Receiver Tyreek Hill abschoss.

Es war, wie Mahomes nach dem

Spiel selbst zugab, der Wendepunkt

einer Partie,inder es für Kansas City

lange nicht besonders gut aussah.

Doch plötzlich fanden die Chiefs

ihren Rhythmus, plötzlich konnte

nichts mehr misslingen. Jeder Pass

saß, jeder Run gelang. Drei Drives

hintereinander führten zum Touchdown,

San Francisco kam nicht

mehr in die Endzone der Chiefs.

Derartige Comebacks können

nach demTitelgewinn als der Stil von

Mahomes und seiner Chiefs bezeichnet

werden. Im ersten Play-off-

Spiel gegen Houston lag Kansas City

0:23 zurück, um dann mit 51:31 zu

gewinnen. Im Finale um die AFC-

Patrick Mahomes

hatte nach demSuper

Bowl jede Menge

Grund zu feiern.Dank

einer brillantenTaktik

überrumpelteerdie

49ers. GETTY

Werners Warnung

Meisterschaft war Kansas City mit

7:17 im Hintertreffen, bevor Mahomes

aufdrehte und seine Mannschaft

zum 35:21-Sieg führte. Eine

wirkliche Erklärung für diese Spielweise

hat Mahomes nicht. „Wir hörenniemals

auf, an uns zu glauben“,

war das einzige, was ihm nach seinem

Super-Bowl-Sieg dazu einfiel.

Das ist gewiss nicht verkehrt.

Aber es hat sicher auch mit jener ungewöhnlichen

Abgeklärtheit zu tun,

die der junge Quarterback, der nun

als neuer Superstar der Liga gilt, mitbringt.

Mit stoischer Ruhe analysierte

er im Endspiel, wie ihm die Abwehr

von San Francisco zu Leibe

rückte.Und als er seine Strategie dagegen

entwickelt hatte, exekutierte

er sie eiskalt und gnadenlos.

In Kansas City wurde in der Nacht

zum Montag umso heißblütiger der

Erfolg gefeiert, welchen der gebürtige

Texaner Mahomes der Stadt beschert

hat. Seit 1970 hatte Kansas

City keinen Titel mehr gewonnen –

eine der längsten Durststrecken im

amerikanischen Sport nach dem

Fluch des Bambino, der die Boston

Red Sox 86 Jahre aneinem Baseball-

Titel gehindert hatte, und dem

Fluch, der Chicago 75 Jahre von der

World Series ferngehalten hatte.

Eine neue Ära

Doch Mahomesläutete nicht nur für

Kansas City eine neue Äraein. Schon

vor dem Finale der Super Bowl

wurde Mahomes’ Aufstieg als Beginn

der Ärader dunkelhäutigen Quarterbacks

in der NFL gefeiert. Es gab sicher

auf der wichtigsten Position im

Football-Sport schon vorher afroamerikanische

Spieler. Doch die

Lichtgestalten in dieser Rolle, Männer

wie Tom Brady und Peyton

Manning, waren stets hellhäutig.

Mahomes hingegen ist der Anführer

einer ganzen Generation dunkelhäutiger

Quarterbacks. Mit DashaunWatson,

Kyler Murray, Russell

Wilson und Dak Prescott drängte in

diesem Jahr eine ganze Riege in das

Rampenlicht. Für den tendenziell reaktionären

Football mit einem überwiegend

weißen Publikum eine geradezu

revolutionäreEntwicklung.

Mahomes hat jedoch spätestens

mit seinem Super-Bowl-Auftritt

auch den letzten Skeptikern gezeigt,

dass afroamerikanischen Spielern

die Führungsrolle auf dem Platz

ebenso zuzutrauen ist wie allen anderen

Kollegen. Nureine Bitte hätten

sein Trainer und seine Fans in der

Zukunft: Es vielleicht nicht jedes Mal

ganz so eng werden zu lassen.

Für RB Leipzig startet mit dem Pokal-Achtelfinale bei Eintracht Frankfurt eine wegweisende Woche

Auf einen erneuten Besuch beim

Star-Barbier werden die Spieler

vonRBLeipzig verzichten. Derletzte

Termin zum Haareschneiden liegt

nur etwas mehr als eine Woche zurück,

außerdem kann beim Herbstmeister

derzeit niemand weiteren

Ärger gebrauchen. Die „Friseur-Affäre“

vonFrankfurt, der zwei sieglose

Spiele und der Verlust der Tabellenführung

in der Bundesliga folgten,

hat für ungewohnte Unruhe gesorgt.

Wenn Leipzig im Achtelfinale des

DFB-Pokals am Dienstag (18.30

Uhr/Sky und Sport1) wieder bei der

Frankfurter Eintracht zu Gast ist,

wollen es die Sachsen besser machen

als beim 0:2 im Aufeinandertreffen

Ende Januar −und die sportliche

Lage auch mit Blick auf das Titelrennen

der Bundesliga entspannen.

„Der Friseur kommt, glaube ich,

nicht“, sagte Trainer Julian Nagelsmann

am Montag scherzend. Auch

auf dem Rasen soll sein Team anders

auftreten als zuletzt. Seit der Winterpause

leistete sich RB in jedem Spiel

eine schwache Halbzeit, immer geriet

Leipzig in Rückstand. „Das Ziel

ist es, die bessere Mannschaft zu

IMAGES/LYONS

„Der da muss ins Tor“: Leipzig-Stürmer Timo Werner weiß, worauf es ankommt. DPA/WOITAS

sein“, sagte Nagelsmann: „Das Ergebnis,

aber auch die Art und Weise

ist wichtig.“

EinAnspornist der Erfolg derVorsaison.

Im Mai2019, rund zehn Jahre

nach der Vereinsgründung, stand RB

erstmals im Pokalfinale. „Die Jungs

und der ganze Klub hatten ein tolles

Erlebnis in Berlin“, sagte Nagelsmann:

„Wir würden da gerne wieder

hin.“

Dennoch kommt das Duell in

Frankfurt eigentlich zur Unzeit. Am

Wochenende steht inder Liga das

Gipfeltreffen beim neuen Spitzenreiter

Bayern München an. Verliert RB,

wächst der Rückstand auf den Rekordmeister

auf vier Punkte. Ganz

isoliert, sagte Nagelsmann, könne

man das Spiel bei der Eintracht nicht

betrachten. Nur ein Punkt aus zwei

Spielen in der Liga, dazu vier Gegen-

tore: Leipzig reist mit Druck zu den

formstarken Münchnern. „Wir wärenlieber

zu den Bayern gefahren im

Bewusstsein, dass wir uns einen

möglichen Punktverlust erlauben

können. Doch um den Luxus haben

wir uns mit der schwachen Leistung

gegen Frankfurt gebracht“, sagte

Stürmer Timo Werner dem kicker.

Die Kräfteverhältnisse sind für

ihn vordem Top-Spiel in der Liga dabei

klar verteilt.„Wir sollten nicht die

Arroganz besitzen, uns als Favorit

einzustufen und zu glauben, dass die

Bayern voruns Angst haben.Wirwissen

uns im Vergleich zu Bayern und

Dortmund schon ganz gut einzuschätzen“,

sagte Werner.

Einer, der die mögliche Meisterschaft

mit RB verpassen würde,aber

auch am Dienstag nur Zuschauen

darf, ist Stefan Ilsanker. Der Frankfurter

Zugang ist gegen seinen ehemaligen

Klub nicht spielberechtigt.

Der Eintracht kann der Österreicher

nur als Informant helfen. „Ilse darf

gerne etwas erzählen. Ich sehe aber

keine extrem große Gefahr, dass er

alles verraten kann“, sagte Nagelsmann.

(sid)

NACHRICHTEN

HSV gewinnt in Bochum,

Würzburg mit Kantersieg

FUSSBALL. Im Montagsspiel der

Zweiten Liga gewann der Hamburger

SV 3:1 (0:0) beim VfL Bochum,

verbesserte sich auf Tabellenplatz

zwei. DerVfL belegt weiterhin Relegationsrang

16. Zoller (65.) brachte

Bochum in Führung, Leibold (68.,

Pohjanpalo (73.) und Kittel (87.)

drehten für den HSV das Spiel.

3. Liga: DerTabellen-Vorletzte SG

Sonnenhof Großaspach unterlag

den zuvor auf Rang 15 platzierten

Würzburger Kickers 0:6 (0:2).

Bericht rückt Fuglsang in

Nähe von Dopingarzt

RADSPORT. Lance Armstrongs skandalumwitterter

früherer Arzt Michele

Ferrariist angeblich weiter aktiv.Der

Italiener,Spitzname„Dottore

Epo“, soll Beziehungen zum Astana-

Team unterhalten und 2019 Top-

Fahrer Jakob Fuglsang (Dänemark)

betreut haben. Dassoll ein vertraulicher,24Seiten

umfassender Bericht

der unabhängigen Anti-Doping-

Kommission CADF belegen.

China stoppt wegen Virus

Anti-Doping-Kontrollen

ALLGEMEIN. Wegen des Coronavirus’

setzte Chinas Anti-Doping-

Agentur sechs Monate vorOlympia

in Tokio ihreKontrollen bis auf Weiteres

aus.Darüber informierte die

Internationale Kontrollagentur ITA

in Lausanne.Essei „eine Vorsichtsmaßnahme,umSportler

und Kontrolleurenicht

zu gefährden“.

Kölner Haie trennen sich

von Sportchef Mahon

EISHOCKEY. Nach dem Vereins-Negativrekordvon

13 verlorenen DEL-

Spielen in Serietrennten sich die

Kölner Haie vonSportchef Mark Mahon.

Coach Mike Stewartdarfbleiben.

Haie-Geschäftsführer Philipp

Walter:„Er ist der richtige Trainer für

uns.“ Demachtmaligen deutschen

Meister Köln droht erstmals seit fünf

Jahren das Verpassen der Play-offs.

Karlsruher SC entlässt

Trainer Schwartz

FUSSBALL. Nach vier Niederlagen in

Folge trennte sich der Zweitliga-Vorletzte

Karlsruher SC vonTrainer Alois

Schwartz. Auch Assistenztrainer Dimitrios

Moutas muss gehen. „Bis auf

Weiteres“ übernimmt Christian

Eichner,der ebenfalls bereits zum

Stab des KSC gehörte,den Posten.

Lewandowski ist schon

wieder Polens Bester

FUSSBALL. RobertLewandowski arbeitet

in seiner polnischen Heimat

weiter an seinem Legenden-Status.

DerTorjäger vonBayernMünchen

gewann zum achten Malbei der

Wahl zum Fußballer des Jahres.

ZAHLEN

Fußball

DFB-Pokal, Achtelfinale

Eintracht Frankfurt-RBLeipzig Di., 18.30 Uhr

1. FC K’lautern-Fort. Düsseldorf Di., 18.30 Uhr

FC Schalke04-Hertha BSC Di., 20.45 Uhr

Werder Bremen -Bor.Dortmund Di., 20.45 Uhr

BayerLeverkusen -VfB Stuttgart Mi., 18.30 Uhr

SC Verl -1.FCUnion

Mi., 18.30 Uhr

FC Bayern -TSG Hoffenheim Mi., 20.45 Uhr

1. FC Saarbrücken -Karlsruher SC Mi., 20.45 Uhr

Tennis

ATP-Turnier in Pune/Indien

1. Runde: Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen) -Ivo

Karlovic (Kroatien) 6:3, 6:4; Yuichi Sugita (Japan/5)

-Thomas Fabbiano (Italien) 6:3, 6:0; ViktorTroicki

(Serbien) -Sumit Nagal (Indien) 6:2, 6:7

(4:7), 6:1


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 21

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Sport

Zurückgehen, um weit nach vorn zu kommen

Alba spielt diese WocheinMailand und gegen Madrid, gegen europäische Topteams.Für die Berliner geht es zunächst darum, dauerhaft zur Euroleague zu gehören

VonChristian Kattner

Bei Alba Berlins Spielplan in

dieser Woche könnte

durchaus Andreas Möller

seine Finger im Spiel gehabt

haben. „Mailand oder Madrid −

Hauptsache Italien“, soll der Fußball-Weltmeister

von 1990 einst auf

die Frage, wo er denn in Zukunft

spiele, geantwortet haben. Für die

Berliner jedenfalls heißt es in dieser

Mailand und Madrid, wenn es um

die Namen der Gegner geht. Am

Montag ging es für den Basketball-

Bundesligisten aus Hamburg nach

Mailand, wo am Dienstag (20.45

Uhr) gespielt wird. Eine Reise nach

Madrid hingegen wird esnicht geben.

Das Team aus der spanischen

Hauptstadt wirdamDonnerstag um

20 Uhr inder Arena am Ostbahnhof

erwartet. Und sobleibt es in dieser

Woche bei Italien, was auch Marco

Baldi begrüßt. „Es ist ja nicht so,dass

Spanien nicht auch schön ist, aber

ich habe natürlich eine richtige Beziehung

zu Italien“, sagt Albas Geschäftsführer.

Im schnellen Takt

Draufsicht: Albas Center LandryNnokokämpft gegen den Mailänder Arturas Gudaitis untermKorb.

Schließlich liegen seine familiären

Wurzeln in Italien. Dortallerdings in

der Toskana, weshalb er Mailand

auch gar nicht so gut kenne.Viel Zeit

für Sightseeing wird aber auch diesmal

nicht bleiben. Montag Anreise,

Dienstag Spiel, Mittwoch Abreise,

Donnerstag Spiel. Noch bis zum 10.

Aprilund dem letzten von34Saisonspielen

in der Euroleague wird sich

an dieser engen Taktung und der hohen

Belastung für die Spieler von

Alba Berlin nichts ändern. Es sei

denn, sie erreichen noch die Playoffs.

Das ist theoretisch machbar, entspricht

aber weder der Zielsetzung

des Klubs, noch der bisherigen Leistungsfähigkeit

des Teams gegenüber

der starken Konkurrenz. „Wenn es

ideal gelaufen wäre, könnten wir

schon weiter sein, als wir sind“, sagt

Baldi mit Blick auf sieben Siege aus

22 Spielen, „an den Punkten, wo wir

bestimmte Entwicklungsstadien

hätten durchlaufen können, haben

wir nur improvisiert.“

VieleVerletzungen vonLeistungsträgern

oder denen, die als solche

aufgebaut werden sollten, warfen

das Team immer wieder zurück.

„Was die reine Entwicklung hinsichtlich

Erfahrung, Abgebrühtheit und

den Umgang mit bestimmten Situationen

angeht, sind wir eine lange

Zeit nicht hingekommen, weil die

Trainer immer Löcher stopfen mussten“,

sagt Baldi. DerGeschäftsführer

meint damit Spiele wie etwa die Ein-

Punkt-Niederlage nach doppelter

Verlängerung bei Panathinaikos

Athen, das ebenfalls mit einem Zähler

verlorene Spiel nach Verlängerung

bei Anadolu Efes Istanbul oder

das unnötig verlorene Hinspiel gegen

Mailand.

„Wie die drei freien Plätze inder Euroleague

verteilt werden, wird spannend. Unser Ziel ist

eine ständige Präsenz in der Euroleague.

Ob wir dann ein Jahr Eurocup spielen oder

nicht, ist nicht so entscheidend.“

Marco Baldi über Alba Berlins Pläne für den internationalen Wettbewerb.

IMAGO IMAGES/TILO WIEDENSOHLER

Gerade in diesen engen Partien

bekommen die in der Euroleague

noch unerfahrenen Berliner mit, wie

man in den entscheidenden Momenten

zu spielen hat, welche Fehler

man vermeiden muss. Ineinem

Stil, welcher auf Spielfluss, Spielwitz

und Rhythmus angelegt ist und welcher

auch eine gewisse Fehlerzahl

beinhaltet und erlaubt, „muss man

lernen, welche Fehler zu unserem

Spiel gehören und welche Fehler mit

mangelndem Fokus, mit der Qualität,

der Schnelligkeit, der Abgebrühtheit

und Erfahrung des Gegners zu

tun haben“, sagt MarcoBaldi.

Gerade die elf dauerhaften Teilnehmer

der Euroleague sind den

Berlinern inpuncto Abgebrühtheit

und Erfahrung noch einen Schritt

voraus.Und dennoch ist es dem unerfahrenen

und in weiten Teilen jungen

Alba-Team gelungen, die Höhe

der bislang 15 Niederlagen in Grenzenzuhalten.

Lediglich bei den Partien

in TelAviv und Kaunas warendie

Berliner chancenlos, aber solche

Ausrutscher unterlaufen nahezu jedem

Team im Laufe einer solch langen

Saison. Den Respekt der Gegner

konnte man sich damit schnell erarbeiten,

bei den Schiedsrichtern ist

der nach vierjähriger Abstinenz in

der stärksten europäischen Spielklasse

nicht immer zu spüren.

Den kleinen Vorteil des Pfiffes,

den nicht jeder Spieler bekommt,

muss man sich erst über viele Jahre

erarbeiten. Genau da will Alba Berlin

hin. Die A-Lizenz, also eine dauerhafte

Zugehörigkeit zur Euroleague,

wurde vor wenigen Wochen im

Rahmen einer Pressekonferenz in

Berlin von Seiten der Ligaverantwortlichen

in Aussicht gestellt. Allein

am Zeitpunkt wird noch beidseitig

gearbeitet. Bis dahin herrscht

Ungewissheit darüber, obAlba Berlin

auch in der kommenden Saison

Euroleague spielen wird. Planungssicherheit

herrscht lediglich bei den

elf A-Lizenzinhabern, den beiden

Eurocup-Finalisten sowie Bayern

München und Villeurbanne, die

eine Wildcard besitzen. Der Deutsche

Meister erhält nicht automatisch

einen Startplatz für einen der

drei freien Plätze. „Wie die verteilt

werden, wird spannend“, sagt

Marco Baldi, „unser Ziel ist eine

ständige Präsenz in der Euroleague.

Ob wir dann ein Jahr Eurocup spielen

oder nicht, ist nicht so entscheidend.“

Ein kleiner Schritt zurück, für einen

großen Schritt in die Zukunft.

Doch mit jedem weiteren Erfolg in

dieser Saison macht Alba BerlinWerbung

dafür, einen der drei freien

Plätze zu ergattern. Mailand oder

Madrid –Hauptsache Euroleague.

Christian Kattner

entdeckt Marco Baldis Vorliebe

für Italien.

Freiheit im Kopf

Die Eisbären gehen mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause, weil sie erhebliche Fortschritte in Richtung Play-offs offenbaren

VonBenedikt Paetzholdt

Ingolstadts Trainer Doug Shedden

wirkte nach dem 2:6 seiner Mannschaft

am Sonntag in Berlin reichlich

frustriert. „Vor 16 Tagen waren wir

zum letzten Mal hier und hatten ein

aufregendes Spiel nach 2:4-Rückstand

noch gewonnen“, dozierte er,

„wir haben damals einen guten

Kampf abgeliefert.“ Kurzfristig hatten

die Oberbayern die Eisbären sogar

vonPlatz vier verdrängt. Seit diesem

Freitagabend im Januar „sind

wir aber nicht mehr das gleiche

Team“, sagte Shedden. „Die Jungs

haben hier vor der Heimreise noch

ein paar Burger gegessen, und ich

weiß nicht, was da drin war.Aber wir

haben unseren Willen und unser

Zweikampfniveau verloren.“ Die

Länderspielpause komme nun genau

richtig, um sich neu zu besinnen.

DieEisbären freuen sich ebenfalls

auf die Auszeit, die Kai Wissmann

und Sebastian Streubei einem Nachwuchslehrgang

der Nationalmannschaft

in der Schweiz verbringen

werden. Am kommenden Sonntag

wird auf der Alten Eisbahn in Lankwitz

dann das Training wieder aufgenommen.

Maxim Lapierre, der gegen

Ingolstadt zwei Tore erzielt und

ein weiteres vorbereitet hatte, sagte

nach dem Spiel: „Wir hatten viele

Verletzungen in den letzten Monaten,

einige Jungs mussten entsprechend

viel Eiszeit nehmen. Die

Pause jetzt ist wichtig, um den Kopf

etwas freizubekommen und mal ein

paar Tage nicht aufs Eis zugehen.“

Dennoch bestätigte er die Grundstimmung

der Eisbären nach 42 Partien:

„Wir sind auf einem guten

Weg.“ Mit 74Punkten stehen sie auf

Rang vier und damit bei einem Spiel

weniger neun Zähler und drei Ränge

vor Ingolstadt. Die Stimmung der

beiden Mannschaften vor dem

Schlussakkord der Hauptrunde

könnte gegenteiliger also nicht sein.

Straubinger Lehren

Am Freitag wirkten auch die Berliner

angefressen. Im Duell mit den Straubing

Tigers wollten sie den Rückstand

auf Platz drei verkürzen, was

misslang, 1:2 lautete das Ergebnis

aus ihrer Sicht. „Ich wollte nach diesem

Spiel eine Reaktion sehen, die

Jungs haben diese Herausforderung

angenommen“, lobte Eisbären-

Headcoach SergeAubin. DieEnttäuschung

war zwar nicht vergessen,

aber in dieser intensiven Form zu

antworten, war ein wichtiges Signal

vor den Play-offs. Auch in der K.-o.-

Maxim Lapierre zählt zu den Anführernbei den Eisbären.

DPA/ANDREAS GORA

findliche Niederlagen gegen die Topteams

München und Mannheim sowie

beim Kellerkind Iserlohn kassierten.

Was sich aber damit erklären

lässt, dass nach dem Neustart unter

Aubin und der Integration zahlreicher

Spieler die Feinabstimmung

fehlte. Die zweite Episode, inder es

drei Niederlagen am Stück gab,

folgte Ende November/Anfang Dezember

mit insgesamt 16 Gegentoren

gegen Wolfsburg, Köln und

Schwenningen. Hier reifte das Gefühl

bei den Verantwortlichen, dass

es auf der Torwartposition eine Ver-

Runde wird es darauf ankommen,

Rückschläge innerhalb kürzester

Zeit wegzustecken und binnen weniger

Stunden Lösungen zu finden, ein

anderes Gesicht anzubieten. „Die

Jungs haben einen herausragenden

Job gemacht, was das Zweikampfniveau

angeht“, sagte Aubin.

Die Eigenschaft, aus negativen

Erlebnissen positive Energie zu ziehen,

zeichnet die Eisbären über die

ganze Saison hinweg aus. Insgesamt

gab es nur zwei kritische Phasen.

Gleich zu Beginn, als sie an den

Spieltagen vier bis sechs drei empänderung

braucht, die es dann kurz

vor dem Jahreswechsel mit der Verpflichtung

Justin Pogges gab.Zudem

schwor sich die Mannschaft auf ein

anderes Defensivverhalten ein. Krisenszenarien,

die mit Ausnahme der

Saison 2017/2018 jede Spielzeit seit

dem letzten Meistertitel 2013 prägten,

entwickelten sich nicht im Ansatz.

Wasfür das Fundament dieses

Kaders spricht.

Wechselhafte Special Teams

Die Ausgeglichenheit des Kaders

stellte auch Cheftrainer Aubin bei

seiner letzten Pressekonferenz vor

dem Kurzurlaub heraus.„Alle Reihen

haben einen richtig guten Job gemacht“,

lobte er. Natürlich ragte Lapierre

mit drei Scorerpunkten heraus.Jeder

weiß, dass Marcel Noebels,

der nach 42 Spielen 21 Tore und

ebenso viele Vorlagen vorweisen

kann, den Unterschied machen

kann. Aber auch die vierte Reihe ist

ein wichtiger Faktor. Dennoch

mahnt Aubin. „Es gibt noch jede

Menge Raum für Verbesserungen.“

Trotz der beiden Überzahltore

und des wegweisenden Treffers in

Unterzahl gegen Ingolstadt zielte er

vor allem auf die Verbesserung der

Special Teams ab.„Heute haben wir

gesehen, dass du Spiele gewinnen

kannst, wenn die Special Teams

funktionieren. In den Play-offs gibt

es nur wenige Fünf-gegen-fünf-

Tore.“ Statistisch sind die Berliner

hier von den Werten eines Spitzenteams

noch weit entfernt. Beider Powerplay-Quote

rangieren sie auf

dem zwölften Platz (15,98 Prozent),

unmittelbar vor Iserlohn und den

seit Wochen sieglosen Kölnern. In

Unterzahl sieht es besser aus. 83,71

Prozent aller Unterzahlen überstehen

sie unbeschadet, das ist ligaweit

Platz fünf. Allerdings liegen sie damit

hinter den Mannschaften, die wahrscheinliche

Gegner in den Play-offs

werden: Straubing, Bremerhaven,

München und Mannheim.

Einweiterer Punkt, an dem es laut

dem Bandenchef zu arbeiten gilt, ist

die Konstanz innerhalb eines Spiels.

„Wir werden besser und wir haben

viele gute Momente, aber wir können

uns steigern“, sagt Aubin, „wir

müssen 60 Minuten konzentriert

spielen.“ Selbst gegen Ingolstadt gab

es trotz früher Führung kritische

Phasen. Center Lapierre, der bereits

in seiner ersten Saison zu den Anführern

im Team gehört, bringt es auf

den Punkt. „Wir müssen versuchen,

in der letzten Saisonphase perfekt zu

sein.“ Undimbesten Fall auf Burger

verzichten.


22 Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020

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Netzwerk

DOKU

Die Macht

der

Maschinen

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? Der amerikanische

Filmemacher Tommy Pallotta

wagte einen Selbstversuch.

„Wir sind die Roboter“: Schon früh

haben Roboter die Fantasie von Filmemachern

gereizt –seit fast hundert

Jahren erscheinen sie auf der

Leinwand, beflügeln die Pop-Kultur.

Filmemacher Tommy Pallotta

spannt den Bogen von den ersten

Maschinenmenschen bis zu Figuren

wie „Blade Runner“, die ihn als Kind

begeisterten.

Pallotta hat als Filmproduzent

selbst mit computeranimiertem Material

experimentiertund zeigt in seinem

Dokumentarfilm „Wir sind die

Roboter“, wie stark die Wissenschaft

inzwischen die Science-Fiction-Vorstellungen

von einst eingeholt oder

sogar überholt hat. So wird hier der

humanoide Schauspielroboter Robo-

Thespian vorgeführt. Entwickler David

Hanson zeigt seine weltweit bestaunte

Sophia, vereinsamte Seniorinnen

in Holland freunden sich mit

der puppenähnlichen Alice an. Doch

KI muss ja nicht menschliche Gestalt

haben: Eine Mutter erklärt, wie stark

Apples Spracherkennungssystem Siri

ihrem autistischen Sohn helfe. Eine

junge Frau berichtet, dass sie von ihrem

verstorbenen Freund weiterhin

Nachrichten erhält, kreiertaus früherenChats.

„RoboThespian“ nennt sich der humanoide

Schauspielerroboter.

ZDF

Zu den interviewten Experten gehörtEx-Schachweltmeister

GarriKasparow,

der in einem spektakulären

Wettkampf schon 1996 gegen einen

Schachcomputer unterlag.

Darüber hinaus wagte das Team

in Pittsburgh einen Selbstversuch,

versuchte zu testen, ob Roboter

schon selbstständig TV-Interviews

führen können. Die Kameraführung

der Maschine ist sehr speziell, das

Ergebnis ernüchternd: Statt eines Interview-Roboters

hätten sie eineVerhörmaschine

konstruiert, muss Pallotta

eingestehen. DieFragen hatten

keinen Zusammenhang und gingen

auch nicht auf den Gesprächspartner

ein. Dieser anregende, oft überraschende

Film, der im Original

„More Human Than Human“ heißt,

zeigt sich aber optimistisch, dass die

Menschen die Macht besitzen werden,

humanoide Maschinen für humanistische

Ziele zu erfinden und

einzusetzen.

Zu sehen ist „Wir sind die Roboter“ am heutigen

Dienstagum23.30 Uhr auf Arte, danach ist die

Dokumentation 30 Tage langinder Arte-Mediathekverfügbar.

Torsten Wahl

führtlieber selbst

Interviews.

Spielerisch Geschichte lernen –darum geht es bei der „Assassin’sCreed DiscoveryTour“.

Geschichte statt Gewalt

Mit der „Assassin’sCreed Discovery Tour“kann der Spieler ganz entspannt in das antike Griechenland reisen

VonThomas Lindemann

Eine Dame in violettem Kostüm

und elegant gelocktem

Haar wartet schon, um uns

durch die Anlage zu führen.

Sie ist bildschön wie alle Männer

und Frauen in dieser Welt –soviel

Antike-Klischee musste wohl sein.

Aspasia sei ihr Name,sostellt die virtuelle

Dame sich vor. Sie ist die

zweite Frau des Perikles, der die

Akropolis erbauen ließ. Sie erklärt

ein paar Dinge über das Ensemble

vonGebäuden und schickt uns dann

auf einen Spaziergang. Alles könne

man sich ansehen, sagt sie,die Kunst

sei besonders großartig.

Wissenschaftliche Begleitung

Bewegt man seine Spielfigur nun in

die Anlage, beginnt eine Art belebte

Tour mit Audioguide. Hin und wieder

wird der Spaziergang durch die

Spielewelt unterbrochen, dann erläuterteine

Stimme historische Hintergründe

–und dazu sind bezaubernde

Luftaufnahmen Athens zu

sehen. Natürlich eines imaginierten

Athens.Denn, und das ist das Beste –

die berühmte Stadtanlage ist intakt

und unzerstört, und sogar auch belebt.

Passanten stehen in Grüppchen

und plaudern, Boten und Händler

gehen ihrer Wege, Kinder spielen,

Kälber und Ziegen huschen hin und

her. Dieser Besuch führt nicht nur

nach Athen, sondernins Athen des 7.

Jahrhunderts vorChristus.

Alle kriegerischen Anteile des Original-Spiels

„Assassin’s Creed Odyssey“

sind abgeschaltet, die Spielfigur

wird nicht angegriffen, trägt auch

keine Waffen und muss sich nicht

um den Gesundheitswert sorgen.

Das Spiel: Assassin's Creed

ist eine Computerspielserie

des französischen Publishers

Ubisoft. Sie besteht

seit 2007. Ausdem Thema

des Spiels entstand ein Kinofilm

(„Assassin's Creed“)

mit Michael Faßbender in

der Hauptrolle.

Hier soll man nur schauen und staunen.

„Assassin’s Creed Odyssey“ ist bereits

vor einem Jahr erschienen, als

der neue, elfte Teil der erfolgreichen

Action-Reihe. Das Spiel war keine

Revolution, es hatte ein wenig mehr

Rollenspielelemente als die Vorgänger,war

aber ansonsten doch nur etwas

mehr vom Altbekannten –allerdings

in einem neuen Setting, dem

antiken Griechenland. Während der

Zeit des Peloponnesischen Kriegs

spielt man einen Söldner,der in den

Kriegswirren bei einer der Parteien

bis zum Feldherrn aufsteigen soll.

DasSpiel hat recht brutale Moment –

in Deutschland ist es in die Kategorie

„ab 16 Jahren“ eingestuft. Immerhin,

es gab ein wenig über die Geschichte

zu lernen. Allerdings nur nebenbei.

Dass dieser Nebeneffekt auch

eine Hauptsache sein könnte,haben

die Entwickler des Herstellers Ubisoft

offenbar schon lange gespürt.

Siehaben nun den„DiscoveryTour“-

Modus angefügt. Werdas Hauptspiel

FRIEDLICHER SPIELMODUS

Die Grundidee: Die Macher

wollten vonAnfang an modernes

Computer-Gaming

und Zeitgeschichte zusammenzubringen.

So treffen die

Spieler im Laufe der Missionen

auf Persönlichkeiten wie

Leonardo da Vinci oder

GeorgeWashington.

Die Variation: Der „DiscoveryTour“-Modus

ist für alle

Besitzer des Spiels „Assassin’sCreed

Odyssey“ auf

PS4 und Xbox verfügbar.Für

denPCkann man den friedlichen

Spielmodus auch via

Uplayfür 20 Euro einzeln

kaufen.

gekauft hat, kann ihn einfach dazu

downloaden, ohne Extrakosten.

Nun ist „Assassin’s Creed Discovery

Tour“ nicht das erste Spiel, bei

dem Wissen vermittelt wird. Natürlich

gibt es längst „Educational Games“

und auch das in jüngster Zeit

viel strapazierte Schlagwort„Gamification“.

Beides meint letztlich nur

etwas ganz Simples: Man kann auch

Spaß haben, wenn man etwas lernt.

Zum Beispiel mithilfe eines Videospiels.

Sogibt es Games, indenen

man das mathematische Koordinatensystem

wie nebenbei verstehen

lernt, oder Aliens nur besiegen kann,

wenn man Wörter schnell und richtig

buchstabiert. Es gibt Spiele, bei

denen man die Namen verschiedener

Fische lernt, chemische Formeln

oder einen Blinddarm operieren

darf. Allerdings: Die großen Hersteller,

die den Weltmarkt beherrschen,

haben zu dieser Richtung bisher wenig

beigetragen.

Ubisoft ist nun eine erste große

Ausnahme. Offenbar haben, hört

Neuer Chef bei Wework

Amerikanisches Coworking-Unternehmen setzt auf einen Immobilien-Experten

Oft in besten Lagen –wie hier in NewYork–bietet WeWork seine Büroflächen an.

Unternehmen mit hohen Zielen für

kooperatives Arbeiten aufzubauen,

abweicht. In Zukunft geht es wohl

vor allem darum, die angemieteten

Büroflächen erffektiver zu nutzen.

Im vergangenen Jahr wollte We-

Work eigentlich an die Börse gehen,

AFP

man aus dem Entwicklerstudio, die

Programmierer und Designer selbst

das Potenzial gesehen und immer

wieder gefragt, ob man nicht eine

Art Museumsmodus zusätzlich anbieten

könnte. Irgendwann

stimmte der Konzern zu. „Wir hatten

keine Vorbilder für dieses Projekt,

es ist das erste dieser Art“, sagte

der Historiker Maxime Durand

kürzlich bei der Vorstellung des

Spiels in Berlin. DerFranzose ist der

verantwortliche Redakteur bei Ubisoft

Montreal, wo das Spiel entstand.

Seine Idee: „Geschichte soll

ein Spielplatz werden.“

Direkt neben Sokrates stehen

UBISOFT

Es gibt 30 virtuelle, mit einem Sprecher

vertonte Führungen durch das

simulierte Athen der Jahreab431 vor

Christus. Dakann man dann erfahren,

wie die ersten Philosophen sich

getroffen haben –imGarten nämlich,

zu kleinen Diskussionsrunden.

Undman sieht sie auch in ihren langen

Gewändern ins Gespräch vertieft.

Dasist aufregend –esmag eine

Simulation sein, dass man direkt neben

Sokrates stehen kann, aber es

hat eine bleibende Wirkung. Ganz

anders,als Bücher es vermitteln können.

Und dann hebt die Kamera sich

immer wieder wie eine Drohne über

die Szenerie. Der Spieler sieht das

historische Athen von oben. Es gibt

keine Ruinen, sondern ein blühendes

Leben. Einherrlicher Anblick. In

einem Online-Forum schrieb schon

jemand: „Ich kann mir vorstellen

dass bei so einem Spiel mehr

hängenbleibt als im Unterricht, wo

ein Lehrer einfach vorn irgendwelches

Zeugserzählt.“

Esist noch nicht lange her,dagalten

Coworking-Spaces als die Arbeitsplätzeder

Zukunft. DieKunden

können dort einen Schreibtisch für

Stunden, Tage oder Monate mieten.

Und wenn sie wollen einen Besprechungsraum

dazu. In einer flexiblen

Arbeitswelt, in der kaum mehr als ein

Schreibtisch, ein Laptop und ein guter

Espresso benötigt werden, galt

das als Ideallösung.

Doch ganz so einfach lässt sich

die Arbeitswelt doch nicht revolutionieren.

Jedenfalls hatte der größte

Anbieter, WeWork, im vergangenen

Jahr große finanzielle Schwierigkeiten.

Jetzt wurde ein neuer Geschäftsführer

intalliert. Das amerikanische

Unternehmen teilte mit, dass Sandeep

Mathrani die Aufgabe übernehmen

wird. Mathrani war zuvor in

der Immobilienbranche tätig.

Die New York Times wertete den

Wechsel auf dem Chefsessel als klaresIndiz

dafür,dass WeWork vonder

Strategie des Gründers Adam Neumann,

ein weitläufiges Technologiedoch

das Vorhaben wurde im September

abgeblasen. Der japanische

Technologie-Konzern Softbank

übernahm bald die Kontrolle über

das Unternehmen. Berichten zufolge

wäreWeworkbis Ende des vergangenen

Jahres das Geld ausgegangen,

eine Insolvenz wäre nicht mehr

abzuwenden gewesen.

Die Softbank hatte bis dahin

schon ein Drittel derWework-Anteile

gehalten. Das Unternehmen hat danach

Sparprogramme aufgesetzt.

Die Zielvogabe der neuen Besitzer

lautete, dass WeWork sich aus bestimmten

Märkten zurückzuziehen,

nicht zum Kerngeschäft gehörende

Geschäfte verkaufen und neue Wege

zur Finanzierung seiner Geschäftstätigkeit

finden sollte. (jöh.)

Zahlreiche

Beschwerden

gegen Händler

Netzagentur ermittelt

wegen Geoblockings

Weil manche Händler nicht allen

EU-Kunden die gleichen Angebote

machen, geht die Bundesnetzagentur

gegen sogenanntes

Geoblocking vor. Damit ist unter anderem

gemeint, dass Händler unerlaubterweise

ihre Internetseiten für

Kunden in anderen Ländern sperren,

so dass diese nicht zu gleichen

Bedingungen wie inländische Kunden

einkaufen können. Seit Dezember

2018 seien rund 100 Beschwerden

und Anfragen zu Fällen von Geoblocking

eingegangen, teilte die

Bonner Behörde am Montag mit. Ein

Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich,

da erst seit Ende 2018 Verstöße

dieser Artgemeldet werden können.

„Viele Beschwerden über Geoblocking

konnten wir bereits im Anhörungsverfahren

ausräumen“, sagte

Präsident Jochen Homann dazu.

Prinzipiell kann die Bundesnetzagentur

gegen Händler Bußgelder

von bis zu 300 000 Euro verhängen.

In den meisten Fällen habe man sich

aber mit den Anbieterneinigen können,

ohne dass weitereMaßnahmen

nötig gewesen seien, hieß es vonder

Behörde. Die meisten erfassten Verstößetraten

bei Elektrogeräten, Kleidung

oder E-Books auf. Aber auch

Autos,Sportgeräte,Tabakwaren oder

Lebensmittel waren betroffen.

Gut die Hälfte der Beschwerden

stammte vondeutschen Kunden, der

Rest aus dem Ausland. Händler dürfen

allerdings weiterhin Liefergebiet

für ihreWaren selbst bestimmen.Versendet

also ein Anbieter grundsätzlich

nur innerhalb seines Landes,liegt

keine Diskriminierung vor, wenn er

nicht in ein bestimmtes ausländisches

Gebiet liefernwill. (dpa)

Saskia Esken (SPD) wünscht kein Ministerium

für die Digitalisierung. IMAGO IMAGES

SPD-Chefin

will kein

Digitalministerium

Esken: Innovationsthemen

gehören in alle Ministerien

D

ie SPD-Chefin Saskia Esken

hält die Forderung der Union

nach einem eigenständigen Digitalministerium

für eine Idee aus den

80er-Jahren. „Statt immer wieder

diese aus den 80er Jahren gefallene

Idee eines Digitalministeriums aufzuwärmen,

sollten die Verantwortlichen

im Kanzleramt dafür sorgen,

dass die digitalpolitischen Vorhaben

der Ministerien und weiterer

Gremien besser gesteuertund koordiniert

werden“, sagte Esken dem

Handelsblatt vom Montag. Sie

lehne ein eigenständiges Digitalministerium

ab, sagte Esken. „Digital

ist das neue Normal.“ Digitalpolitik

betreffe alle Ressorts und sei insofernlängst

kein Thema mehr für die

Nische. Inder Vergangenheit hatte

sich vor allem die CSU stark gemacht

für ein solches Ministerium.

Als aussichtsreichste Kandidatin für

die Aufgabe wurde Dorothee Baer

genannt, die zurzeit die Beauftragte

der Bundesregierung für Digitalisierung

ist. (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 23

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Wissenschaft

Eine Stoffbarriere

gegen die Gefahr

Professionelle Atemschutzmasken können tatsächlich

vor dem Coronavirus schützen.

Für den Alltag sind sie allerdings nur bedingt geeignet

Eigentlich eine Maskefür Profis in Krankenhäusern. Aber solche Masken tragen viele Asiaten auch im Alltag auf der Straße –selbst wenn gerade keine gefährliche Krankheit droht.

BALLYSCANLON

VonMichael Brendler

Eswar sicherlich keine gute

Wahl für einen Ausflug

über die Neujahrstage: Zu

siebt hatte die chinesische

Familie den Abstecher ins 900 Kilometer

entfernte Wuhan gemacht.

Zurück in Shenzhen, in Hongkongs

Nachbarschaft, fanden sich fünf

Familienmitglieder bald mit einer

Lungenentzündung im Krankenhaus

wieder –sowar es gerade in

der Fachzeitung Lancet zu lesen.

Auch bei einem augenscheinlich

gesunden Reisenden wurde

das neue Corona-Virus entdeckt.

Nicht angesteckt hatte sich nur ein

siebenjähriges Kind, denn es hatte

unterwegs fast immer eine Atemschutzmaske

getragen.

Ohne einen solchen Mundschutz

– wie ihn auch Ärzte im

Operationssaal tragen –darf man

in der Epidemieregion keine Restaurants,

Einkaufszentren oder

Parks mehr betreten. Ausverkauft

sind solche chirurgische Masken

inzwischen auch in vielen Apotheken

in Berlin und anderen deutschen

Städten. Großhändler haben

Probleme, für Nachschub zu sorgen.

In den USA macht man sich

bereits Sorgen, ob es genügend

Masken gibt für Ärzte und Krankenschwestern.

Aber sind ein paar dünne

Schichten Papier und Vlies tatsächlich

in der Lage, den sich schnell

ausbreitenden Erreger aufzuhalten?

Coronaviren sind unvorstellbar

winzig. Sie messen nur 60 bis

140 millionstel Millimeter. Damit

sind sie nur mit dem Elektronenmikroskop

zu erkennen. Die Atemschutzmasken,

die die Profis tragen,

dichten das Gesicht zwar gegen

Geruchsmoleküle ab, aber

nicht gegen einzelne Coronaviren.

Mit einem Durchmesser von bis zu

einem tausendstel Millimeter sind

ihrePoren zu groß dafür.

Dass man sich trotzdem einigermaßen

auf sie verlassen kann, verdankt

der Mensch vor allem der

Tatsache, dass die Viren selten allein

unterwegs sind. Sie backen

sich mit Artgenossen und Sekret zu

Tröpfchen zusammen –und für die

sind die Gitter mit ihren elektrostatischen

Kräften ein fast undurchdringliches

Hindernis. Dies gilt

selbst, wenn sie besonders klein

und fein sind und sich als sogenannte

Aerosole verbreiten, also in

Form von Schwebeteilchen in einem

Gas.

Hauptgefahr sind die Hände

Atemschutzmasken: Professionelle

Masken gibt es in

drei Schutzklassen: FFP1,

FFP2und FFP3. Das Kürzel

FFP steht für „Filtering Face

Piece“. Die Maskeder niedrigste

Klasse FFP1schützt

vorallem vorungiftigen und

nicht-fibrogenen Stäuben.

Asbest hält sie also nicht

auf.

SCHUTZ IN DREI KLASSEN

Höherer Schutz: DieMaske

der Klasse FFP2ist geeignet

zum Schutzvor gesundheitsschädlichen

Stäuben,

Rauchund Aerosolen. Die

Maskeder Klasse FFP3

wird für den Umgang mit

krebserregenden Stoffen

und Krankheitserregernwie

Viren, Bakterien und Pilzsporen

empfohlen.

Maßnahmen: Das Robert-

Koch-Institut (RKI) empfiehlt

Atemschutzmasken vorallem

für medizinisches Personal

und Pflegende sowie für

als Verdachtsfälle eingestufte

Patienten. Ansonsten

wird „gute Händehygiene,

Husten- und Nies-Etikette

sowie Abstand zu Erkrankten“

empfohlen.

Außerdem hat der Mensch auch

noch in anderer Hinsicht Glück:

Einzeln kann ihm der neue Erreger

wenig anhaben. Bei Sars –immerhin

ein enger Verwandter des jetzigen

Corona-Virus 2019-nCoV –

müssen einhundert Viren auf einmal

in die Lunge eindringen, um

ihm ernsthaft gefährlich zu werden.

Vor sieben Jahren hat

Raina MacIntyre, Professorin für

Globale Biosicherheit an der australischen

University of New South

Wales, die Probe aufs Exempel gemacht.

Sie ließ 94 Eltern ihre erkälteten

oder grippekranken Kinder

mit einem chirurgischen Mundschutz

betreuen. Im Vergleich zu

ungeschütztenVäternund Müttern

steckten sie sich um 60 bis 80 Prozent

seltener an.

Ein Grund für diese beeindruckenden

Erfolgsraten ist wahrscheinlich,

dass zumindest Grippeviren

auch in größeren Sekrettropfen

von einem Menschen zum anderen

fliegen, wie sie sich beim

Niesen oder Husten bilden. Und

die wiederum werden selbst voneinem

einfachen Mundschutz oft

aufgefangen.

Das neue Coronavirus wurde allerdings

sehr tief in der Lunge der

Erkrankten entdeckt. Das spricht

dafür, dass es in erster Linie wohl

nicht als eine solche Tröpfcheninfektion,

sondern per Aerosol übertragen

wird.

Dennoch geht Raina MacIntyre,

die ihr Forscherleben solchen Fragen

widmet, davon aus, dass eine

OP-Maske auch dieses Mal selbst

bei einem Infizierten im eigenen

Haushalt jede zweite Übertragung

verhindern kann. Vorausgesetzt,

sie wird nicht wiederverwendet

oder länger als zwei Stunden getragen

–denn dann könnten Schutzmasken

das Infektionsrisiko womöglich

sogar steigern.

Mut machen der Forscherin die

Erfahrungen mit der Sars-Epidemie,

die in den Jahren 2002 und

2003 wütete. Drei von vier Bewohnernvon

Hong Kong hatten damals

solch ein Vlies vordem Mund. „Das

hat die Ansteckungsraten nachweisbar

deutlich gesenkt“, sagt die

Professorin für Globale Biosicherheit.

Vor allem habe die Vermummung

verhindert, dass Kranke anderen

ihre Viren übertrugen. Ein

Grund: Die Ausatemluft wird meist

durch den Stoff hindurchgeblasen,

beim Einatmen fließt ein großer

Teil der Luft um ihn herum.

Deshalb profitieren die gesunden

Träger womöglich maßgeblich

voneinem indirekten Effekt. Miteiner

Maske vor Mund und Nase fällt

es schwer, Viren mit den Händen

auf die eigenen Schleimhäute zu

übertragen. Etwa 200 Mal amTag

fasst sich der Mensch ins Gesicht,

das macht ihn zum wichtigsten

Komplizen der Erreger. Regelmäßiges

Händewaschen sei deshalb

eine viel wichtigere Schutzmaßnahme

als das Tragen einer Maske,

sagt Kathrin Summermatter, die

Leiterin des Biosicherheitszentrums

des Instituts für Infektionskrankheiten

der Universität Bern.

Professionelle Atemschutzmasken

wiederum, darin ist sie sich mit

Raina MacIntyre einig, sollten dem

Gesundheitspersonal vorbehalten

bleiben. Dieses ist in Krankenhäusern

und Praxen viel höheren Virendosen

ausgesetzt, und Nachschub

ist nur sehr begrenzt zu haben.

Die Masken gibt es in drei

FFP-Schutzklassen (siehe Kasten).

Eine Maske in der höchsten

Schutzklasse FFP 3 kann tatsächlich

99 Prozent der Erreger abfangen.

Das hat bei Sars und Ebola einigen

Ärzten und Schwestern das

Leben gerettet.

Für den Alltag sind sie dagegen

eher eine schlechte Wahl: „Wir tragen

diese Masken jeden Tag“, sagt

die Schweizerin Kathrin Summermatter.

„Länger als drei Stunden

möchte die niemand im Gesicht

haben“. Es juckt, man schwitzt, bei

jedem Luftzug kämpft man gegen

den Atemwiderstand der Maske an,

das sei auf Dauer ziemlich unangenehm.

Hinzu kommt: DerLaie kann bei

der Anwendung einiges falsch machen.

Die Maske muss absolut

dicht und fest sitzen. Unrasiert

oder mit Gesichtsschmuck darf

man sie ohnehin nicht tragen.

Beim Mundschutz gilt es nur zu

beachten, dass die Nase ebenfalls

bedeckt und alle Schnüre imNacken

verknotet sind. Aber selbst für

diese Light-Variante ergab die Studie

von Raina MacIntyre: Mehr als

die Hälfte der Erwachsenen wollte

sie nur sehr unregelmäßig tragen.

Keine Empfehlungen für Masken

Was sagen andere Experten? Bernd

Salzberger, Vorsitzender der Deutschen

Gesellschaft für Infektiologie,

sieht das Tragen eines Mundschutzes

derzeit nicht geboten, wie

er vor einigen Tagen gegenüber der

Deutschen Presseagentur erklärte.

„Persönlicher Schutz ist im Augenblick

vollkommen unsinnig“, sagte

der Fachmann.

Auch das Robert-Koch-Institut

(RKI) und die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) gaben keine

Empfehlungen für das Tragen eines

Mundschutzes gegen das Coronavirus.

Patienten, die als Verdachtsfälle

eingestuft sind, sollten laut

RKI jedoch eine mehrlagige Mund-

Nasen-Maske tragen. Experten zufolge

helfen Masken vor allem gegen

Schmierinfektionen. Diese

werden durch den häufigen Griff

an Nase und Mund gefördert.

In Berlin werden die Masken knapp

Und am Flughafen Schönefeld konnte ein Flieger nicht starten, weil sich die Putzkräfte nach einem Corona-Verdachtsfall weigerten, das Flugzeug zu reinigen

VonMikeWilms

Die Angst ist ansteckender als das

Virusselbst. Manche Menschen

denken nun bereits beim ersten

Niesen, könnte es auch das Coronavirus

sein? So mag es auch jenem

Mann gegangen sein, der am Sonnabend

um 10.15 Uhrmit einem Flieger

der Airline Freebird (FH 455) in

Schönefeld bei Berlin landete.Nachdem

der Antalya-Rückkehrer der

Crew mitgeteilt hatte, dass er sich

krank fühlt, wurde der Flieger abgeriegelt.

Feuerwehrleute in Schutzanzügen

rückten an, und die Reisegruppe

des Mannes wurde isoliert.

Er selbst und seine Ehefrau kamen in

Kliniken in Brandenburg.

Nach dem Einsatz sollte das Flugzeug

planmäßig wieder nach Antalya

fliegen. Doch dann verweigerte das

Putz-Personal, das die Maschine vor

dem Neustart routinemäßig reinigt,

die Arbeit –angeblich aus Corona-

Angst. Das Flugzeug konnte nicht

starten, musste auf eine Warteposition

geschleppt werden. Die bereits

eingecheckten Passagiere bekamen

ihreKoffer zunächst zurück.

Wardie Aufregung berechtigt? Offenbar

nicht. Im Brandenburger Gesundheitsministerium

hieß es: Der

kranke Reisende und seine Frau warendemnach

in Zypern, wo sie Kontakte

zu Chinesen hatten. Ministeriumssprecher

Tobias Arbinger: „Der

Ehemann wies Krankheitssymptome

auf. Das Paar wurde daraufhin

isoliert stationär untergebracht

und auf den Coronavirus getestet.

Der Test fiel negativ aus.“ Die Frau

habe das Krankenhaus inzwischen

verlassen. Der Mann werde wegen

seiner Symptome weiter behandelt.

Die Sorge vor einer Einschleppung

des Virus macht sich auch in

Apotheken bemerkbar. Die Nachfrage

nach Schutzmasken geht steil

nach oben, bestätigt die Bundesvereinigung

Deutscher Apothekerverbände.

InBerlin werden die Vorräte

sogar schon knapp. Das betrifft herkömmliche

Mundschutz-Masken,

aber auch sogenannte FFP-Masken

mit eingebautem Filter.

Kerstin Erbe, Geschäftsführerin

der Drogeriekette DM sagte: „Wir

bieten den Mundschutz unserer

DM-Marke Mivolis an. Wirbeobach-

ten, dass die Nachfrage stark steigt.

So ist der Mundschutz derzeit nahezu

nicht mehr verfügbar.“ Der

Pharma-Großhändler Gehe, der

mehrere tausend Apotheken beliefert,

bestätigt Engpässe.

In China ist das Tragen eines

Mundschutzes oberstes Gebot. Bewohner

von betroffenen Gebieten

werden angeblich sogar von Flugdrohnen

auf die Einhaltung der Vorschrift

kontrolliert. Die Fluggeräte

patrouillieren laut chinesischen

Staatsmedien über den Straßen und

können einzelnen Personen hinterherfliegen.

Wird ein Passant ohne

Mundschutz erwischt, gibt es eine

Standpauke über Lautsprecher.

Der Ausbruch des Coronavirus

hat in China inzwischen mehr Menschenleben

gefordert als die Sars-

Epidemie vor17Jahren. DieGesundheitskommission

meldete am Montag

den bisher stärksten Anstieg innerhalb

eines Tages. Andem Virus

starben erneut 57 Menschen. Damit

stieg die Gesamtzahl in China auf

361 Tote.Die Zahl der bestätigten Infektionen

kletterte um 2829 auf

17 205 Fälle.


Berliner Zeitung · N ummer 29 · D ienstag, 4. Februar 2020 – S eite 24

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Panorama

LEUTE

Pamela Anderson (52) hatte es offenbar

sehr eilig.Vorzwölf Tagen freuten

wir uns noch inständig für die amerikanische

Schauspielerin, dass sie

zum bereits fünften Malinden heiligen

Bund der Ehe eingetreten war

und wünschten ihr sowie dem Auserwählten

–dem Filmproduzenten Jon

Peters (74) –alles erdenklich Gute.

Nunfolgt die jähe Ernüchterung:

Manmöchte sich getrennt voneinander„Zeit

für Überlegungen“ nehmen,

was man„vom Leben und voneinander“

wolle,erklärte Anderson in

wohlgesetztenWorten dem Hollywoodreporter.Und

führte das nicht

weniger wohlgesetzt, geradezu hypervernünftig

etwas weiter aus:„Das

Leben ist eine Reise und die Liebe ist

ein Prozess.Mit dieser universellen

Wahrheit im Kopf haben wir uns gemeinsam

entschieden, dem Prozess

zu vertrauen und die Anerkennung

unserer Eheurkunde aufzuschieben.“

Istaufgeschoben denn nicht auch

schon aufgehoben?

HenryHübchen (72) holt uns wieder

auf den Boden der Tatsachen zurück.

Über seinen, ach so,erhabenen,

hochkultur-und abendlandsatten

Berufsagte der großartige Schauspieler

der Süddeutschen Zeitung, er

sei auch nur ein einfacher Dienstleister

des Regisseurs:„Ich bin Handwerker.Wenn

der Bauherr sagt: Das

Becken möchte ich aber gerne so haben.

Dann sage ich: Na gut, dann

baue ich Ihnen das so.“ So ein koketter

Lümmel. Danke Henry!

Können Walzer tanzen: Sophie

Grau (l.) und Iris Klopfer.

DPA

Sophie Grau (21) und Iris Klopfer (22)

werden beimWiener Opernball als

Debütantepaar den Eröffnungswalzermittanzen.

So kündigt es dieWiener

Staatsoper an und lässt uns hoffen,

die betagte,nicht zuletzt durch

ihren Spiritus Rector Richard„Mörtel“

Lugner (87) argstaubigeVeranstaltung

erneueresich: Diebeiden

Freundinnen sehen sich nämlich als

Teil der LSBTQ-Gemeinschaft (Lesbisch,

Schwul, Bisexuell, Transgender,Queer)

und möchten mit ihrer

Teilnahme für eine Chancengleichheit

vongleichgeschlechtlichen Paarenwerben.

(schl.)

TIERE

Eine räuberische Pavianmutter und

ihr Baby–ein Löwenjunges. DPA

Crossover im Krüger-Nationalpark:

Dorthat, wie unser Bild zeigt, ein Pavianweibchen

sich ein Löwenbaby

geschnappt und auf einen Baum verschleppt.

Offenbar nicht das erste

Mal, berichten dieWildhüter:Immer

wieder versuchten Paviane,kleine

Löwen wie ihren eigenen Nachwuchs

aufzuziehen und gingen demonstrativ

liebevoll mit ihm um –ausgiebiges

Flöhen des Fells einbegriffen. Unddie

armen Löweneltern? (schl.)

Die Zeltlager der Hilfsorganisationen sind weitgehend verschwunden. Dafür breiten sich wieder die Slums aus.

„Man hat uns aufgegeben“

Zehn verlorene Jahre. Haiti hat aus dem verheerenden Erdbeben von 2010 nichts gelernt

Klaus Ehringfeld, Port-au-Prince

Arnold Antonin lässt den

Blick über Port-au-Prince

schweifen. Mit ausgestrecktem

Arm zeigt er auf

kaum erkennbare Wellblechdächer,

enge kleine Ansiedlungen, atemberaubend

am Hang klebende Hütten.

„Da, da und da“, sagt er und seine

Miene verfinstert sich. „Überall sind

die Slums wieder entstanden“.

Vonhier oben, hoch über der haitianischen

Hauptstadt, erschließt

sich dem ungeübten Auge der bauliche

Wahnsinn nicht sofort. Aber Antonin,

77 Jahre alt und Aktivist für

eine verantwortliche Architektur,

blickt täglich vonder Terrasse seines

Hauses auf seine Stadt herunter.Und

was er sieht, was er in den vergangenen

zehn Jahren mit ansehen

musste,lässt ihn fast verzweifeln.

Die Slums sind wieder da

„Wir hatten die Chance, Port-au-

Prince klug und nachhaltig neu zu erschaffen“,

sagt der agile Mann mit

Brille und Bart „Und? Wasist daraus

geworden?“ Er lässt die Frage einen

Moment in der karibischen Schwüle

stehen. „Bidonvilisation“, sagt er

dann. „Verslumung.“ Es ist ein Wort,

das man in fast jedem Gespräch mit

den Menschen hört, mit denen man

über die Jahrhundertkatastrophe vor

zehn Jahren spricht.

Antonin, im Hauptberuf Filmemacher

und nebenbei Vertreter der

kleinen haitianischen Zivilgesellschaft,

hat schon vor 2010 vor dem

gewarnt, was am Nachmittag des 12.

Januar tatsächlich passierte: ein

massiver Erdstoß von 37Sekunden,

vertikal und horizontal, der die Dreimillionenstadt

pulverisierte. Erhat

sogar einen Film darüber gedreht:

„Haïti Apocalypse Now –Chronik einer

angekündigten Katastrophe.“

Schließlich sitzt die Stadt auf einer

Nahtstelle der Erdplatten.

Die apokalyptische Zerstörung

löste damals in kurzer Zeit große

weltweite Solidarität aus. Helfer fluteten

die kleine Karibikrepublik, Milliarden

flossen. Vorsätze wurden gefasst,

Versprechen gemacht. Aber

zehn Jahre später ist von alldem

nichts mehr zu sehen. Port-au-

Prince, die geschundene, zerklüftete

und überfüllte Hauptstadt, sieht fast

wieder so aus wie am Vorabend der

Naturkatastrophe, die 220 000 Menschen

in den Todriss und 2,3 Millionen

Haitianer obdachlos machte.

Nur ist die Stadt noch voller als damals,

alles ist noch enger, der Verkehr

noch dichter, die Bidonvilles

sind noch größer.

Das Jahrhundertbeben scheint

nach zehn Jahren aus dem Bewusstsein

der Haitianer verschwunden.

Zu sehr sind die Menschen damit beschäftigt,

das tägliche Überleben zu

sichern. Die überwiegende Mehrzahl

der Bevölkerung hat keinen Job,

kann sich bestenfalls zwei Mahlzeiten

am Tagleisten. Heute wie damals

ist Haiti, das sich mit der Dominikanischen

Republik die Insel Hispaniola

teilt, eines der ärmsten Länder

derWelt. Aufdem UN-Entwicklungsindex

belegt die Karibikrepublik

Platz 169 von174 Staaten, noch hinter

dem Sudan.

Immerhin, die Zeltstädte für die

Obdachlosen, die über Jahredas Bild

von Port-au-Prince dominierten,

sind nicht mehr da. Dafür sieht man

wieder die gleichen Slums wie vor

USA

Golf von

Mexiko

500 km

Florida

Familie Charlestin in Canaan. BLZ/EHRINGFELD BLZ/GALANTY

Täglicher Überlebenskampf: Straßenszene in Port-au-Prince.

KUBA

Porte-au-Prince

Karibisches

Meer

Haiti

Atlantik

DOM.

REP.

PUERTO

RICO

VENEZUELA

AFP/CHANDAN KHANNA

dem Beben, die waghalsig an die Hügel

gebauten Wellblech- und Holzhütten.

Siekrallen sich in die entwaldeten

Hänge und sehen aus, als

könnte der nächste Platzregen sie in

den Abgrund spülen. Viele dieser

neuen Orte sind entstanden, nachdem

die Regierung die Zeltlager räumen

ließ und den Menschen 500 Dollar

in die Hand drückte,damit sie sich

was Neues suchten.

Canaan zum Beispiel: In dem Ort,

30 Kilometer außerhalb vonPort-au-

Prince,bündeln sich alle Fehler nach

dem Beben wie unter dem Brennglas.Canaan

wurde als Auffanglager.

Daraus ist eine wild wuchernde

Stadt entstanden, die sich mittlerweile

bis in die kahlen Hügel am

Rande von Port-au-Prince entlang

der Nationalstraße 1frisst.

Canaan hat keinen Anfang und

kein Ende, kein Zentrum und keine

Peripherie. Es hat einen Gesundheitsposten

ohne Ärzte,eine Polizeistation

ohne Polizisten und Straßen

ohne Asphalt. Es ist eine Ansamm-

AFP/CHANDAN KHANNA

lung von Hütten, Häusern und Verschlägen,

aber vorallem vonevangelikalen

Kirchen und Lottobuden. Der

Ort, der so gar nichts mit seinem biblischen

Namensgeber gemein hat,

ist mit seinen geschätzt 300 000 Einwohnern

vielleicht der größte Slum

Haitis. Während im biblischen Kanaan

Milch und Honig flossen, fließt

im haitianischen Canaan nicht einmal

Wasser.

LeereVersprechen

Auch nicht bei Familie Charlestin, die

irgendwo in diesem Labyrinth des

Elends eine kleine grüne Hütte bewohnt.

Vater Frantz ist Automechaniker,

seine Frau Marie-Fleur hütet die

Hütte und die drei kleinen Töchter.In

der Unterkunft, kleiner als ein Kiosk,

stehen Motorteile, ein Koffer, der als

Kleiderschrank dient, ein großes Bett,

in dem die Familie schläft. Aufeinem

kleinen Holzkohle-Kocher in einer

Ecke köcheln Erbsen.

„Der Staat hat uns vergessen“,

sagt Vater Frantz schüchtern. „Und

die internationalen Hilfsorganisationen

sind auch schon seit Jahren

weg“, schiebt er leise nach. Als Gelegenheits-Schrauber

verdient er umgerechnet

200 Dollar im Monat. Zu

wenig Geld für eine fünfköpfige Familie,wennman

davon zum Beispiel

noch das Trinkwasser bezahlen

muss,das in großen Kanisterngeliefert

wird.

Wiefür fast alle Menschen hier ist

das Provisorium auch für die

Charlestins längst eine Dauerlösung

geworden, aber keine Heimat. Seit

April2010 lebt die Familie in Canaan,

alle drei Kinder sind hier geboren.

Aber sie möchten lieber heute als

morgen weg. Es gebe keine Arbeit,

die Stadt sei weit, der Transport

teuer. „Man hat uns aufgegeben“,

sagt VaterFrantz.

Das war vor zehn Jahren noch

ganz anders. Hunderte Hilfsorganisationen

brachten Zelte,Essen, Chirurgen,

Architekten, Trost und Missionare.

Zeitweise übernahmen die

NGOsdas Land. Dieinternationalen

Helfer und die Zivilgesellschaft waren

sich einig, dass in der Tragödie

auch eine Chance liege, dass man

Haiti nicht nur neu, sondern auch

ganz anders wieder aufbauen

müsse. Mit Struktur, Konzept und

erdbebensicher, aber nicht wild,

anarchisch, ungezügelt, vom Staat

verlassen –eben so wie in Canaan.

Prostitution,

Mobbing,

Belästigung

Vorwürfe gegen den

Besitzer von Victoria’sSecret

Die NewYorkTimes erhebt in einem

Bericht schwere Vorwürfe

gegen den Besitzer des amerikanischen

Dessous-Labels „Victoria’s Secret“

(VS) und belegt diese mit zahlreichen

Interviews ehemaliger Angestellter

und Models. Demnach soll

Les Wexner (82) sein Unternehmen

mit einer „Kultur von Frauenfeindlichkeit,

Mobbing und Belästigung“

geführt haben. Drahtzieher sei Wexners

langjährige rechte Hand, Ed Razek(71),

gewesen.

In der New York Times berichtet

unter anderem das Supermodel

Bella Hadid (23), vonRazek belästigt

worden zu sein. Bei eine Modenschau

2018 habe er sie, während sie

sich umzog, aufgefordert: „Lass den

Schlüpfer weg!“ Um dann laut die

Frage in den Raum zu werfen, ob es

die TV-Sender wohl erlauben werden,

dass Hadid „den Laufsteg mit

diesen perfekten Titten runterläuft“.

Ein anderes Model, Andi Muise (33),

behauptet, Razek habe sie vor die

Wahl gestellt: Entweder ein intimes

Treffen mit ihm oder das Ende der

Karriere! Als Muise ablehnte, soll sie

2005 ihren letzten Auftritt alsVS-Model

gehabt haben.

Laut New York Times hatte Les

Wexner jahrzehntelang Beschwerden

vonMitarbeiterinnen und Models gegen

Razekignoriert. Undals wäredieser

Skandal nicht schon schlimm genug,

soll Wexner über Jahre tatenlos

dabei zugesehen haben, wie der verurteilte

Pädophile und Sexualstraftäter

Jeffrey Epstein versuchte,VS-Models

als Sexsklavinnen zu rekrutieren.

EinModel, das vonEpstein angesprochen

wurde, wird in der New York

Times so zitiert: „Es war ein Casting

für Prostituierte.Ich hatte das Gefühl,

in der Hölle zu sein.“

Zudem soll Wexner mit Epstein

eine lange Geschäftsbeziehung verbunden

haben –erhatte ihm unter

anderen die NewYorkerVilla verkauft,

in der der Hedgefond-Manager Sexpartys

mit Minderjährigen feierte.

Laut drei ehemaligen, hochrangingen

VS-Mitarbeitern inder NewYork

Times sei Wexner bereits Mitte der

90er-Jahregewarnt worden sein, dass

Epstein mit dem Namen „Victoria’s

Secret“ Jungmodels anlockte.Esgebe

keinen Beleg dafür, dass Wexner jemals

etwas gegen Epstein unternommen

hat.

Razekhatte als Marketingchef 27

Jahre die „Victoria’s Secret Angels“

ausgewählt. Er trat nach einem öffentlichen

Shitstorm imvergangenen

Sommer zurück, weil er keine

Übergrößen- oder transsexuelle

Models für die jährliche Fashion

Show anheuern wollte. Zuden Vorwürfen

der New York Times wollte

er sich den Angaben zufolge nicht

äußern, sondern soll stattdessen

nur erklärt haben: „Die Behauptungen

in dieser Meldung sind kategorisch

unwahr, falsch ausgelegt

oder aus dem Zusammenhang gerissen.“

(BLZ)

Les Wexner (l.), Chef von Victoria’sSecret,

und Ed Razek.

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