architektur Fachmagazin Ausgabe 2 2020

architekturonline.com

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

02

www.architektur-online.com

© Baptiste Lobjoy

März/Apr. 2020

Intelligente

Fassade


www.architektur-online.com

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Ausdruck der Architektur…

…und technische Wunderwerke

Die Fassaden der Zukunft sollen nicht mehr allein ästhetischen Ansprüchen genügen,

das Bauwerk schützen, Wind und Wetter abhalten, temperieren und Ausblicke

bieten – neben diesen Hygienefaktoren ist Intelligenz bei den Gebäudehüllen

gefordert, die sich in vielerlei Ausprägungen manifestieren kann.

Auch die Forscher haben die Vertikale

in der Architektur für visionäre Innovationen

entdeckt. So arbeitet ein Team an

der ETH-Zürich an einer Solarfassade, die

mit beweglichen Paneelen Strom aus Sonnenlicht

erzeugt und im Testobjekt eines

Büroraums 115 Prozent der erforderlichen

Energie für die Klimatisierung liefert. An

der Hochschule in Augsburg setzt man auf

fassadenintegrierte Fotobioreaktoren zur

Kultivierung von Mikroalgen, die Sonnenlicht

und das in der Luft enthaltene CO 2 für

ihr Wachstum benötigen. Dank ihres hohen

Eiweiß-, Vitamin- und Mineralgehalts sind

diese Algen prädestiniert für die Produktion

von Nahrungsergänzungsmitteln sowie für

die pharmazeutische Nutzung.

Aber auch Architekten wissen die Fassaden

ihrer Projekte vielfältig zu nutzen.

Wie etwa beim Biwak Matteo Corradini

auf knapp 3.000 Metern Höhe, wo die

schwarze Hülle ein wesentliches Element

der Wärmeversorgung im Inneren ist.

Außergewöhnlich ist auch das Wuxi Taihu

Show Theatre in China mit seinem dreiteiligen

Fassadenkonzept: Neben einer Glasfassade

und dem schattenspendenden Vordach

besteht dies aus einem dichten Wald

aus hohen Stützen. Das Krebsforschungszentrum

AGORA in Lausanne wieder verfügt

über eine neuartige Außenfassade in

Form einer durchgehenden, durchlässigen

Sonnenschutzhaut, die eine Überhitzung

der Fassaden verhindert und gleichzeitig

ein hohes Maß an visueller Transparenz bietet.

Neben einigen anderen Beispielen zum

Editorial

Thema, zeigen zwei Projekte aus Frankreich,

wie die Fassade als Haut oder Zeichen einer

Architektur benutzt werden kann.

Unsere Rubrik „Architekturszene“ behandelt

dieses Mal das Bundesland Vorarlberg

mit seiner Vielfalt an spannender

Architektur. Die Fortschrittlichkeit

im Bausektor hat aber nicht nur positive

Seiten gebracht, heute ist das Ländle

aufgrund seiner Freizügigkeit von einer

fortschreitenden Zersiedelung geprägt.

Der Retail-Bereich dieser Ausgabe glänzt

wieder mit einer ganzen Reihe von sehenswerten

und innovativen Shopkonzepten.

Immer auffälliger wird bei der Recherche

zu diesem Themenbereich nur, dass sich

die heimische Shopgestaltung immer mehr

zum Einheitsbrei entwickelt und sich kaum

noch Vorzeigeprojekte finden lassen, die

eine architektonische Erwähnung rechtfertigen.

Ein einziges Österreich-Projekt hat es

dennoch in diese Ausgabe geschafft.

Abgerundet wird diese Ausgabe von architektur

natürlich auch wieder mit den bekannten

Kolumnen sowie vielen neuen und

innovativen Produktvorstellungen.

Walter Laser


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Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Vorarlberg –

Eine Vorzeigeregion der Architektur

Magazin 12

Bau & Recht 28

Formvollendete Fassade 30

AGORA PÔLE

de recherche sur le cancer /

Lausanne, Schweiz /

Behnisch Architekten

Symphonie im Stützenwald 38

Wuxi Taihu Show Theatre / Wuxi /

Steven Chilton Architects

Signatur im Hinterhof 42

Fondation-s / Paris /

Lobjoy Bouvier Boisseau

Musik aus 1001 Nacht 48

Élancourt Music School /

Élancourt / OPUS 5

Über den Dingen 54

Biwak Matteo Corradini Biwak /

Cesana Torinese, Italien /

Andrea Cassi e Michele Versaci

Die Fassade 58

als Energielieferant

Mikroalgen und Sonneneinstrahlung

intelligent genutzt

RETAIL architektur 62

Licht 74

Produkt News 76

edv 102

Gebäudeautomation:

Home, Smart Home

30 38

42 48

54

68

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at)

REDAKTION mag. arch. Peter Reischer, Alexandra Ullmann, Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck, Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger, Mag. Matthias Nödl

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 89,- / Ausland: € 109,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 59,- / Ausland: € 86,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

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architekturszene

Eine Vorzeigeregion

der Architektur

Mit einem Potpourri an spannender Architektur punktet das Bundesland Vorarlberg

bereits seit fünf Jahrzehnten. Verantwortlich dafür sind experimentierfreudige Bauherren,

kreative Architekten, eine offene Bevölkerung und nicht zuletzt die liberale

Bauordnung. Diese Mischung begünstigte die Entstehung einer hohen Dichte an

interessanten Baustilen, die trotz ihrer Gegensätze Harmonie ausstrahlen.

Text: Dolores Stuttner

Als ressourcenschonend und formal schlüssig

gilt die Architektur im „Ländle“ in Expertenkreisen.

Einige Werke werden gar

als „Synthese konstruktiver und räumlicher

Vernunft“ angesehen. Tatsächlich haben

etliche Erkenntnisse der Vorarlberger Baukunst

auch heute nichts an Aktualität verloren.

Der Frage, warum ausgerechnet im

westlichsten Bundesland Österreichs eine

so hohe Dichte an interessanter Architektur

realisiert wurde, ging auch die Ausstellung

„Vorarlberg – ein Generationendialog“ im

Architekturzentrum Wien (AZW) nach. Sie

beleuchtete die sogenannte „Insel der Seeligen“

der Baukunst aus mehreren Winkeln.

Gespräche zwischen der alten und jungen

Generation standen im Fokus der Veranstaltung.

Damit war es möglich, die Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft der baulichen

Entwicklung in einen begreiflichen

Kontext zu setzen. Ab 13. März 2020 ist die

Ausstellung auch im vai – Vorarlberger Architektur

Institut in Dornbirn zu sehen.

Fort- und Rückschritt –

eine Gegenüberstellung

Während das westliche Bundesland in der

Vergangenheit mit seiner Fortschrittlichkeit

glänzte, so ist der Fall heute ein wenig

komplexer. Mittlerweile ist das Land von einer

fortschreitenden Zersiedelung geprägt.

Eine Aneinanderreihung von Einfamilienhäusern

prägt vielerorts das Landschaftsund

Stadtbild. Maßnahmen, die die Flächenversiegelung

aufhalten sollten, waren

bisher nur begrenzt erfolgreich. Leistbare

Baugründe sind aufgrund des hohen Grünflächenverbrauchs

Mangelware. Dabei stellt

sich die Frage, wieso die Entwicklung der

Architektur in Vorarlberg so eine ungünstige

Wendung nahm.

Matthias Hein, Kinderhaus, Kennelbach, 2017 - 2019

Der markante Holzbau des Kinderhauses in ländlicher Umgebung

© David Schreyer

Es ist trauriger Fakt, dass Vorarlberg heute

nicht mehr zu den „Inseln der Seligen“ der

Architektur gehört. Laut Experten wie dem

Architekten Matthias Hein gelte es, den

Stimmen der Vergangenheit wieder Gehör

zu verschaffen. Denn bereits die Architekten

der 1960er- und 1980er-Jahre waren

der Meinung, dass Vorarlberg vom Siedlungsbau

profitieren könnte. Dieses Bild

existiert in der westlichen Bauszene heute

nicht mehr. Das Einfamilienhaus zählt hier

immer noch zur beliebtesten Wohnform.

Eine hohe Einwohnerdichte wird in Vorarlberg

vielerorts noch mit sozialen Problemen

in Verbindung gebracht.

Die Angst vor der Dichte ist, laut Matthias

Hein, unbegründet. Denn auch Siedlungen

können – soweit sie in Hinblick auf die Bedürfnisse

der Bewohner geplant werden –

hohe Wohnqualität schaffen. Es gelte, in der

Bevölkerung durch gezielte Informationen,

ein Umdenken zu schaffen. Denn Dichte

kann auch das gesellschaftliche Leben, den

Austausch und die individuelle Entwicklung

und damit die Lebensqualität im gesamten

Bundesland fördern.

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8

architekturszene

Liberale Bauordnung –

Fluch oder Segen?

Auch der Vorarlberger Bauordnung ist zu

verdanken, dass Architekten beim Entwurf

ihrer Projekte zum Teil große Freiheiten gewährt

wurden. Damit war es Planern möglich,

im westlichen Bundesland eine große

Zahl experimenteller und innovativer Bauten

zu realisieren.

Doch hatten und haben die liberalen Vorschriften

nicht nur Vorteile – dies gilt insbesondere

dann, wenn die damit verbundenen

Effekte auf Bevölkerung und Landschaft

betrachtet werden. Die Mehrzahl der Einfamilienhäuser

wird schließlich von Privatpersonen

und damit oft ohne Abstimmung

auf das bestehende Ortsbild in Auftrag

gegeben. Faktoren wie die fortschreitende

Zersiedelung berücksichtigen die Bauherren

in der Regel nicht. Und die liberale Bauordnung

spielt ihnen dabei auch heute noch

in die Hände.

Eine nachhaltige Bauweise berücksichtigt

die landschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten

der Region. Und eine auf Zersiedelung

ausgerichtete Architektur wird diesen

Voraussetzungen keinesfalls gerecht.

Hier wäre ein Eingreifen der Gemeinden

gefragt. Nur so ließe sich die zunehmende

Flächenversiegelung eindämmen.

Aus der Geschichte lernen

Heutige Generationen haben die Chance,

aus der Vergangenheit und Gegenwart

Vorarlbergs zu lernen. Dabei gilt es auch,

Visionen und Ratschläge der Architekten

des 20. Jahrhunderts zu berücksichtigen.

Denn viele Ideen, die schon damals Gültigkeit

hatten, sind heute noch aktuell. Das

Hauptbestreben muss darin bestehen, die

© Architekturzentrum Wien, Sammlung, Foto: Margherita Spiluttini

Gunter Wratzfeld, Jakob Albrecht, Eckhard Schulze-Fielitz, Achsiedlung, Bregenz, 1971 - 1982

Niedriggeschossige Punkthäuser gruppieren sich um zahlreiche Höfe.

bauliche Dichte im Bundesland zu fördern.

Voraussetzung dafür sind nicht nur umfassende

Aufklärungsmaßnahmen, sondern

gleichermaßen Projekte, die Lebensqualität

bieten. Dabei gilt es auch in Wohnsiedlungen,

der Bevölkerung eine ausreichende

Zahl an Grünflächen samt intimen Räumen

zur Verfügung zu stellen. Denn der Wunsch

nach Privatsphäre besteht vor allem in Gegenden

mit hoher Einwohnerdichte.

Ein Vorzeigeprojekt der 1970er- und

1980er-Jahre ist die Achsiedlung in Bregenz.

Bis heute ist sie mit ihren 50 Gebäuden

und 839 Wohnungen eines der größten

Siedlungsprojekte Vorarlbergs. Schachbrettartige

Mehrfamilienhäuser mit untereinander

verbundenen Innenhöfen prägen

das Wohngebiet. Der Entwurf stammt aus

der Hand der Architekten Gunter Wratzfeld,

Jakob Albrecht und Eckhard Schulze-Fielitz.

Auch liefern gelungene Projekte wie die „Vision

Rheintal“ Lösungsansätze für das Zersiedelungsproblem.

Hier gelang es Raumplanern,

aus einer zerklüfteten Region ein

zusammenhängendes Siedlungsgefüge zu

schaffen. Durchdachten Raumordnungsprojekten

der vergangen Jahrzehnte ist

es zu verdanken, dass die Region Rheintal

heute ein dicht besiedelter Ballungsraum

und eine dynamische Agglomeration ist.

Heute ist das Rheintal einer der größten

Ballungsräume in Österreich.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte

sich das Aussehen jener Region in Vorarlberg

sehr stark. Während sie in den

1960er-Jahren noch überwiegend aus verstreuten

Dörfern und Kleinstädten bestand,

ist sie heute ein fast geschlossenes Siedlungsband,

das sich von Feldkirch bis nach

Bregenz erstreckt. Ein Netz aus 29 Gemeinden

verbindet die Funktionen Arbeiten, Bildung

und Freizeit. Damit die Bevölkerung

nicht mehr auf ihren Pkw angewiesen ist,

wurde ein flächendeckendes Mobilitätsnetz

erstellt. Dieses beinhaltet unter anderem

Radwege sowie ein reichhaltiges Angebot

an öffentlichen Verkehrsmitteln. Am Beispiel

dieser Raumordnungsstrategie zeigt

sich, dass sich räumliche Dichte auch als

positiv und fortschrittlich erleben lässt. Mit

ihr sind immerhin auch positive Effekte wie

eine verbesserte Erreichbarkeit sowie ein

dichteres Netz an Nahversorgern, Pflegeeinrichtungen

und Unterhaltungsangeboten

verbunden.

u

Achsiedlung, Lageplan

© Architekturzentrum Wien, Sammlung


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architekturszene

2020

HOCHHAUS

MIT BEGRÜNUNG

Die CONCRETE STUDENT TROPHY ist ein Preis, der für

herausragende Seminararbeiten, Projektarbeiten und

Entwürfe vergeben wird, bei deren Gestaltung und

Konstruktion dem Werkstoff Beton eine wesentliche

Rolle zukommt.

Das Thema 2020 ist der Vorentwurf eines Hochhauses mit Begrünung in

einem der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas, der Seestadt Aspern.

Der Preis ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert.

Das interdisziplinäre Arbeiten zwischen Architektur und Bautechnik

ist bei dem zweistufig angelegten Studentenwettbewerb Voraussetzung.

Teilnahmeberechtigt sind bundesweit Studierende der Architekturund

Bauingenieurfakultäten der österreichischen Universitäten.

Ab März 2020 finden Sie alle Unterlagen unter

www.zement.at.


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architekturszene

© Adolf Bereuter

Cukrowicz Nachbaur Architekten, Vorarlberg Museum, Bregenz, 2008 - 2012, Eingangsfassade

Vorbildliche Kooperationskultur

schafft Potenzial

Die Leiterin des vai, Verena Konrad, sieht

die Vorbildfunkion des westlichen Bundeslands

vor allem in Bezug auf die Herangehensweise

bei der Projektplanung.

Dies gelte insbesondere in Hinblick auf die

Zusammenarbeit beim Entstehungsprozess.

Vorarlberg lege bereits seit mehreren

Jahrzehnten viel Wert auf die Kooperation

verschiedener Disziplinen. So sei es gemäß

Konrad möglich, gut funktionierende Gemeinschaftsleistungen

zu entwickeln. Herausforderungen

muss sich das Bundesland

– hier ist sich die Leiterin des vai mit allen

Experten einig – beim richtigen Umgang

mit knappem Bauland stellen. Es werde

trotz hohen Leerstands noch immer zu viel

Fläche versiegelt.

Eine Vorbildfunktion könnte Vorarlberg im

Umgang mit öffentlichen Bauten erlangen.

Ein Positivbeispiel der letzten Jahre ist das

Bregenzer vorarlberg museum von Cukrowicz

Nachbaur Architekten. Es besticht

durch ein geschicktes Zusammenspiel vielseitiger

Materialien wie Eiche, Lehm und

Messing. Im Atrium befindet sich zudem

die höchste Lehmputzwand Europas – sie

misst eine stattliche Höhe von 23 Metern.

Auch durch Gemeinwohlorientierung und

die Information und Bildung der Bevölkerung

ließe sich in der Architektur wieder ein hoher

Standard erreichen. Potenzial sehe Konrad

außerdem bei jungen Architekten und

Planern. Während ältere Semester überwiegend

in Wien bei Roland Rainer studierten,

gehen Auszubildende heute oft ins Ausland

und versuchen sich zuerst international. „Es

handelt sich hier um eine offene Generation,

die sich in viele Richtungen orientiert. Viele

verlassen auch ihre Heimat, um neue Stilrichtungen

kennenzulernen. Ich halte das für

sehr wichtig“, erzählt die Leiterin des vai.

© Hanspeter Schiess

Für Vorarlberg würde es sich durchaus lohnen,

sich dem Problem der Zersiedelung zu

stellen. Das Ergebnis wäre nicht nur eine

höhere Wohn- und Lebensqualität – Projekte,

die mit dem Puls der Zeit gehen, könnten

dem Bundesland erneut zu einem Stellenwert

als „Geburtsstätte moderner Architektur“

verhelfen.


Cukrowicz Nachbaur Architekten, Vorarlberg Museum, Bregenz, 2008 - 2012

Fassadendetail mit Schriftzug und charakteristischer Struktur aus unterschiedlichen Flaschenböden


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architekturszene

OPTIMIERT THERMISCHEN

KOMFORT, BLENDSCHUTZ

UND ENERGIEEFFIZIENZ

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Natürliches Tageslicht, Komfort und Wohlbefinden sind für Architekten und Projektentwickler die

wesentlichen Nutzerbedürfnisse, die Büroräume, Wohn- oder Dienstleistungsgebäude erfüllen müssen.

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den Raum. In weniger als drei Minuten geht die Scheibe von lichtdurchlässig zu vollständig getönt über.

Mit einem Farbwiedergabeindex von 97 ist Halio im ungetönten Zustand ebenso neutral und transparent

wie herkömmliches Fassadenglas. Auch die energetische Performance ist beeindruckend. Mit U g -Werten

bis zu 0,6 W/(m²K) zeigt sich Halio Glas beim Management von Wärmegewinnen und der Reduzierung

des Kühlbedarfs höchst effizient und trägt damit wesentlich zum Erreichen von BREEAM, LEED und WELL

Zertifizierungen bei.

Halio Glas ist mit allen gängigen Gebäudemanagementsystemen und cloudbasierten Geräten kompatibel.

Die Gläser werden wahlweise automatisch mit spezifischen Regelalgorithmen oder manuell über eine App

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Magazin

Donaustern - Siegerprojekt 2019

Grün statt Grau

Eine Interessensgemeinschaft bestehend aus Bauunternehmen und -verbänden

unter der fachlichen Begleitung österreichischer Universitäten und mit inhaltlicher

Unterstützung der Stadt Wien, der wien 3420 aspern development AG und des

Innovationslabors GrünStattGrau vergibt 2020 zum 15. Mal die Concrete Student

Trophy. Der Preis wird für herausragende Projekte und Seminararbeiten vergeben,

die interdisziplinär entwickelt wurden und bei deren Gestaltung und Konstruktion

dem Werkstoff Beton eine wesentliche Rolle zukommt.

Wettbewerbsaufgabe: Hochhaus mit

Begrünung in der Seestadt Aspern

Vorentwurf eines Hochhauses in Betonbauweise

mit Bauwerksbegrünung in einem der

größten Stadtentwicklungsgebiete Europas,

der Seestadt Aspern. Interdisziplinär

zu planen sind Architektur und Tragwerksplanung,

dabei sind Herausforderungen

hinsichtlich Maßnahmen zur Anpassung an

den Klimawandel sowie den Klimaschutz

– insbesondere Begrünungslösungen – zu

meistern. Das Projekt soll in seiner Gesamtheit

positive Auswirkungen auf den

umgebenden Stadtraum – insbesondere

in stadtklimatischer Hinsicht – aufweisen.

Eine attraktive Gestaltung der Sockelzone

sowie des unmittelbaren Umfeldes soll

sich positiv auf die Aufenthaltsqualität im

öffentlichen Raum auswirken. Mit der Lage

am Wasser sowie unmittelbar beim Aus-

gang der U2 ist der Standort einer der attraktivsten

Orte der Seestadt; das geplante

Hochhaus soll als Landmark zu deren Unverwechselbarkeit

beitragen.

Allgemeines

Boden ist ein knappes und kostbares Gut.

Der Baustoff Beton ermöglicht es, in die

Höhe wie auch in die Tiefe zu bauen und die

nutzbare Fläche auf diese Weise zu vervielfachen.

Leitmotiv für die Seestadt Aspern

ist die Auseinandersetzung von Nachhaltigkeitsaspekten

in allen Bereichen der Stadtentwicklung.

Anspruchsvolle Architekturund

Raumplanungskonzepte in Kombination

mit ausgezeichneter Infrastruktur sollen bis

2028 und darüber hinaus die Seestadt zu einem

lebenswerten Stadtteil Wiens machen.

Urbane Grünflächen haben vielfältige soziale,

gesundheitliche, wirtschaftliche, ökologische

und klimatische Funktionen und

leisten einen wichtigen Beitrag sowohl zur

Baukultur als auch zum Stadtklima. Durch

die Begrünung wird die Sonnenstrahlung

in geringerem Ausmaß reflektiert als vom

Mauerwerk. Gerade in urbanen Gebieten

sind Begrünungen auf Fassaden, Terrassen

und Dächern eine wichtige Ergänzung zu

Parks, Alleen und Gärten und schaffen zusätzlichen

Erholungsraum.

Abgabe:

bis 13. Oktober 2020, 14:00 Uhr bei

Zement+Beton Handels- und Werbeges.m.b.H.

TU Wien Science Center

Franz-Grill-Straße 9, Objekt 214

1030 Wien

Weitere Informationen:

www.zement.at/concretestudenttrophy


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Magazin

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Magazin

SPS-Programmierkurs

für Spezialisten von morgen

Die „New Automation Technology“ von

Beckhoff steht für universelle und branchenunabhängige

Steuerungs- und Automatisierungslösungen,

die weltweit in

den verschiedensten Anwendungen, von

der CNC gesteuerten Werkzeugmaschine

bis zur intelligenten Gebäudesteuerung,

zum Einsatz kommen.

Im Rahmen der „Beckhoff Summer School“

Wochen bieten die Beckhoff-Spezialisten

an den zwei Beckhoff-Standorten in Bürs

und Hartberg jungen Menschen die Möglichkeit,

die Welt der PC-basierten Steuerungstechnik

von Beckhoff aus erster Hand

kennenzulernen. Neben den Grundbegrifflichkeiten

der Steuerungs- und Digitaltechnik

erlernen die Teilnehmer das Erstellen

von Steuerungslogik in den Programmiersprachen

der IEC-61131-3. Einfache Beispiele

werden helfen, den Zusammenhang

zwischen Hard- und Software im steuerungstechnischen

Umfeld zu verstehen. Das

dabei erworbene Wissen können die Kursteilnehmer

bei ihren Abschlussarbeiten

einsetzen oder das Schulungszertifikat ihrer

nächsten Bewerbung beilegen. Die Teilnahme

ist kostenlos und die Teilnehmeranzahl

ist begrenzt.

Weitere Informationen/Anmeldung:

Beckhoff Automation GmbH

T + 43 (0) 55 52 / 6 88 13 – 0

info@beckhoff.at

www.beckhoff.at

Termine:

Einsteiger: 13. -17. Juli

Fortgeschrittene: 20. - 24. August

Fortgeschrittene: 31. August - 04. September

Dämmstoff-Studie

Eine vom ifeu-Institut und naturplus

in Deutschland durchgeführten Studie

„Ganzheitliche Bewertung von verschiedenen

Dämmstoffalternativen“

zeigt auf, dass in Bauteilen, in denen

nur Dämmstoffplatten eingesetzt werden

können, Styropor am vorteilhaftesten

abschneidet.

Dr. Clemens Demacsek von der GPH Güteschutzgemeinschaft

Polystyrol-Hartschaum

in Österreich merkt dazu an: „Die Ergebnisse

dieser Studie sind für Styropor erfreulich,

aber nicht überraschend. Allerdings würden

sie in Österreich noch einmal besser ausfallen,

da eine schwere weiße Fassadenplatte

mit 23 kg/m 3 berücksichtigt wurde, die es

bei uns gar nicht gibt und selbst in Deutschland

von untergeordneter Bedeutung ist. Bei

einer weißen Standardplatte würde sich der

Rohstoffeinsatz um 21 % reduzieren, bei einer

grauen Platte gar um 37 %!“

Insbesondere bei der werkstofflichen Verwertung

von Styropor-Abfällen aus Abbruch

oder Rückbaumaßnahmen weise das

Dämmmaterial ein Alleinstellungsmerkmal

auf. Die derzeit im Rahmen des Projektes

PolyStyreneLoop mit der Zielsetzung einer

nachhaltigen und länderübergreifenden

Recycling-Organisation in der EU errichtete

Industrieanlage wird zudem eine

geschlossene Kreislaufwirtschaft für Styropor

- ein echtes Recycling im Sinne von

Cradle-to-Cradle (C2C) - in einem Jahr ermöglichen.

Mit der dort angewendeten Verfahrenstechnik

soll aus Styropor-Abfällen

aus Abriss- oder Umbaumaßnahmen das

Basismaterial Polystyrol wiedergewonnen

und gleichzeitig das im Bau-Styropor enthaltene

Flammschutzmittel in Einzelstoffe

zerlegt und dann einer neuen Nutzung zugeführt

werden.

Dr. Clemens Demacsek, Geschäftsführung der GPH

GPH Güteschutzgemeinschaft

Polystyrol-Hartschaum

+43 (0) 2253 / 7277

gph@gph.at

www.styropor.at

© GPH/Schuster


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Neue Merkblätter

Auf Baustellen arbeiten verschiedenste

Gewerke an Projekten: Zeitdruck und

mangelnde Kommunikation können dabei

zu Verzögerungen, Schadensfällen und

Konflikten führen. Um das zu verhindern,

entwickelt der Verband Österreichischer

Stuckateur- & Trockenbauunternehmungen

(VÖTB) gemeinsam mit Verbänden

und Innungen eine Reihe von Merkblättern.

Als erstes präsentiert der Verband

nun „Unser Bad“. Das praktische Regelwerk

soll die Zusammenarbeit verbessern

und so Reklamationen vorbeugen.

Besonders beim Trockenbau existieren

Schnittstellen zu beinahe jedem Gewerk

im Innenausbau. Im Berufsalltag wird die

Zusammenarbeit oft für alle Beteiligten

zur Herausforderung. Das war Anlass, das

Merkblatt „Unser Bad“ ins Leben zu rufen.

„Das Badezimmer ist das perfekte erste Beispiel,

denn hier treffen die meisten Gewerke

aufeinander. Das Merkblatt „Unser Bad“ unterstützt

alle Gewerke, ihre Arbeit effizient

15

zu erledigen ohne sich in die Quere zu kommen“,

erklärt VÖTB-Präsident Gregor Todt.

Gemeinsam mit der Bundesinnung der Sanitär-,

Heizungs- und Lüftungstechniker,

der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker,

Maler und Tapezierer,

dem Österreichischen Fliesenverband,

dem Verband der Österreichischen Estrichhersteller

sowie dem Verband der Österreichischen

Arbeitsgemeinschaft Putz (ÖAP)

Magazin

und dem technischen Unterkomitee Putze

(TUK) wurde etwa ein Jahr an der Abstimmung

gearbeitet.

Das Merkblatt gilt für private Bäder und gewerbliche

Sanitäranlagen und umfasst alle

Punkte, die für die erfolgreiche Umsetzung

eines Badezimmers wichtig sind.

Kostenloser Download:

www.voetb.at/service/dokumente.

© shutterstock/Kanghophoto

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Magazin

Grüne Rechtecke

der Begegnung

Ganz im Zeichen der gemischten Nutzung steht das Projekt „Sky Green“ der Designfirma

WOHA. Im Herzen von Taichung City in Taiwan ist das Bauwerk mit über

104 Metern Höhe angesiedelt, das sich aus zwei verschieden großen Rechtecken

zusammensetzt. Während in den unteren Stockwerken Geschäfte angesiedelt sind,

ist der Raum ab dem vierten Geschoss Wohnungen vorbehalten.

Fotos: Koumin Lee

Bemerkenswert ist aber nicht nur der Nutzungsmix.

Vielseitigkeit beweist das Projekt auch in Bezug auf

seine Fassade. Gestützt durch ein vertikales Gerüst,

ranken sich bis in die oberen Stockwerke Kletterpflanzen.

Sie verleihen dem Bau Lebendigkeit und schirmen

die Bewohner vor direkter Sonneneinstrahlung

ab. Zusätzlich säumen Terrassen mit Beeten die Fassade.

Bereichert werden sie von zentral eingepflanzten

Bäumen. Laut den Planern handelt es sich bei diesen

Grünflächen um offene und trotzdem geschützte

„Himmel-Gärten“. Ebendiese stellen ein für Taiwan

innovatives Konzept dar, wobei sie gleichzeitig dem

Trend der Nachhaltigkeit folgen. Den Bewohnern des

Hochhauses steht damit selbst in einer dicht besiedelten

Stadt wie Taichung Grünraum zur Verfügung.


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Magazin

Die Grünflächen haben nicht nur funktionalen Charakter.

Denn den Planern war es wichtig, dass sie

auch als Freiraum nutz- und erlebbar sind. Und das

gelang ihnen durch die geschickte Öffnung des Baus.

Alle Stockwerke bieten den Bewohnern Zugang ins

Freie und die Terrassengärten können jederzeit betreten.

Diese Eigenschaft macht die Grünflächen

gleichzeitig zu Orten der Begegnung.

Positiv wirkt sich der Bau aber nicht nur auf die

Menschen, sondern auch auf die Umgebung aus. Als

grüne Lunge und Auflockerung fungiert er inmitten

stark befahrener Straßen. Das prominente Hochhaus

integriert sich ins Ortsbild, wobei es die Stadt gleichzeitig

bereichert. Seine Höhe und Form wurde der

umliegenden Bebauung angepasst. Trotzdem geht

das Gebäude nicht unter. Zu verdanken ist dies dem

natürlichen Grün, das obendrein einem steten Wandel

unterworfen ist. Wechselndes Wetter und Jahreszeiten

lassen die Bepflanzung in einem vielseitigen

Licht erstrahlen.

Die harmonische Konzeption ist ein Musterbeispiel

dafür, wie sich Grünraum stimmig in eine dicht besiedelte

Stadt wie Taichung City integrieren lässt.

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18

Magazin

Die Vielseitigkeit

des Raums

Eine Mischung aus grünen Taschen und massiven Materialien kennzeichnet das Projekt

von Stu/D/O architects in Bangkok. Das Bürogebäude der thailändischen Firma

MacroCare besticht durch eine Kombination aus Moderne und Natur – eine Formel,

die neben vielseitigen visuellen Reizen einladende Arbeitsbedingungen schafft.

Fotos: SpaceShift Studio

Auf den ersten Blick sticht dem Betrachter die solide

Aluminiumfassade ins Auge. Das gelungene Zusammenspiel

verschiedener Grautöne schafft hier

Abwechslung. Doch hat das Material nicht nur einen

optischen, sondern auch einen funktionalen Nutzen.

So dient es dazu, die heißen Sonnenstrahlen auf der

Westseite abzuwehren. Kleine Öffnungen sorgen für

Ventilation und damit für Kühlung des Gebäudes. Für

visuelle Auflockerung sorgen die sogenannten „grünen

Taschen“, die das Gebäude gleich auf mehreren

Ebenen schmücken und für eine Auflockerung der

Struktur sorgen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin,

die Aufenthaltsqualität im Gebäude selbst zu erhöhen.

So sind sie nicht nur von außen, sondern auch

vom Inneren des Baus aus zu sehen.

Den Eingangsbereich ziert ein künstlich angelegter

Teich. Er reflektiert die Fassade, wobei sich durch

seine geschickte Platzierung interessante Lichteffekte

ergeben. Eine Ode an die Natur ist auch das übrige

Design des Eingangs. Seine filigranen Strukturen

und sanften Formen erinnern an Bäume und Hölzer,

die einen Fluss säumen. Trotzdem sind die verwendeten

Materialien solide und vermitteln Stabilität. Ein

einzigartiges Erlebnis bieten Besuchern auch die hohen

Innenräume mitsamt der großen Glasfront. Den

Innenbereich dominiert eine Kombination aus sanftem

Grau und mattem Weiß. Die Farben schaffen eine

Projektions- und Arbeitsfläche, die die Ideenfindung

im Alltag fördern soll. Im Zusammenspiel mit der Bepflanzung

ergeben sie eine interessante Mischung.


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19

Magazin

Den Zentralbau prägt die Leere. Und dies ist durchwegs

positiv. Denn eine mittig angelegte Freifläche

schafft einen Ausgleich zur massiven Kernstruktur.

Auch begünstigt sie den Einfall von natürlichem

Licht. Durch den zentral angelegten Schacht wird die

imposante Baustruktur aufgelockert. Auch schafft er

vom Inneren des Gebäudes aus visuelle Verbindungen,

die Abwechslung und eine einladende Atmosphäre

kreieren. Den Architekten war es so möglich,

jeden Aufenthaltsraum an eine Freifläche zu koppeln.

Außenräume mit Bäumen und Sitzgelegenheiten laden

zum Verweilen ein.

Beim Entwurf des Baus schufen die Planer nicht nur

Grün- und Freiräume, sondern auch kommunikationsfördernde

Räume. Die offene, auf Freiflächen

ausgerichtete Bauweise soll den Austausch der Mitarbeiter

untereinander fördern. Damit gelang es den

Architekten, dem Leitspruch „vertraute Verbindung“,

der auch das Motto des thailändischen Unternehmens

ist, mit ihrem Projekt Ausdruck zu verleihen.


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20

Magazin

Die Stadt darunter

In Downtown Montreal wurde der neue Restaurantbereich Le Cathcart Restaurants

et Biergarten von Sid Lee Architecture in Zusammenarbeit mit Menkès

Shooner Dagenais LeTourneux Architectes am Place Ville Marie gestaltet und im

Jänner 2020 eröffnet. Das Besondere daran: Er ist Bestandteil eines unterirdischen

Stadtgefüges mit Verbindungstunnel, Eingängen und Ausgängen. Die Stadt

wird so mit einem unterirdischen Netz verbunden und nach unten hin erweitert.

Fotos: Sid Lee Architecture, Menkès Shooner Dagenais LeTourneux, Seele


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21

Magazin

Dem Place Ville Marie liegt ein radikaler Entwurf zugrunde

der in den Jahren 1958-62 umgesetzt wurde:

Der Pritzker-Preisträger I. M. Pei gestaltete zusammen

mit Henry N. Cobb einen Bürokomplex mit dazugehörigem

Wolkenkratzer, bei dem beinahe die Hälfte

seiner Fläche unter dem Straßenniveau liegt. Dieser

Entwurf ließ weiterführend die Idee einer Untergrundstadt

entstehen, die verschiedene U-Bahnstationen,

öffentliche Bauten, Büro- und Wohngebäude

miteinander verbindet und vor klimatischen Einflüssen

schützt. Heute sind die weitesten Bereiche des

Stadtzentrums von Montreal über dieses über 30 km

lange Untergrundnetz miteinander verbunden.

Damals wie heute gehört auch der Place Ville Marie

als dessen ältester Bestandteil dazu. Als erster

Schritt wurde in seinem unterirdischen Teil eine

neue Gastronomie-Meile geschaffen. Ein Highlight

stellt neben dem vielfältigen kulinarischen Angebot

auch das 630 m² große Glasdach dar. Dabei handelt

es sich um eine Glasglaskonstruktion: Isolierglaseinheiten

sind auf Glasträgern gelagert und vermitteln

einen schwebenden Eindruck. Man befindet sich

zwar im Innenraum, bekommt aber dennoch etwas

von den äußeren Geschehnissen mit – ein besonderes

Erlebnis ist es wohl, sich bei Regen unter dem

Glasdach zu befinden.

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22

Magazin


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23

Magazin

Der Umgestaltung des Restaurantbereiches wird die

Revitalisierung des darüberliegenden Platzes Esplanade

folgen. Dieser soll als notwendiger öffentlicher

Außenraum in Downtown gefördert und als wichtigster

innerstädtischer Treffpunkt positioniert werden.

Auf Straßenniveau und auch darunter wird so ein

Mehrwert für die Stadt geschaffen von dem ihre Bewohner

und Bewohnerinnen profitieren – sowohl in

dem Sinne, dass sie wettergeschützt ihre Wege zurücklegen

können und auch, dass sie eine angenehme

Umgebung haben, um ihre Freizeit zu genießen.

Den Restaurantbereich Le Cathcart, sowie die gesamte

Untergrundstadt selbst, kann man als eine

innenräumliche Erweiterung unter der eigentlichen

Stadt sehen. Ursprünglich war diese als Schutz vor

kalten Wintertagen und dem in Montreal häufigen

Regenwetter angedacht. Auch an heißen Tagen

bietet der kühlere Untergrund eine Zufluchtsmöglichkeit.

Dieser Nutzen wird wohl in Zukunft an Bedeutung

gewinnen, weitere Revitalisierungen und

Erweiterungen werden wohl folgen. So kann man in

der Untergrundstadt versuchen dem Klimawandel

zumindest für kurze Zeit zu entkommen. Der neue

Restaurantbereich Le Cathcart im Montrealer Place

Ville Marie bietet jedenfalls eine willkommene Atmosphäre

dazu.


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24

Magazin

Industrielle Eleganz

Bereits zum zweiten Mal an diesem Ort setzte sich das italienische Architektenduo

GEZA mit der Gestaltung von Industriearchitektur auseinander.

Schon 2011 wurde es mit dem Firmensitz des norditalienischen Unternehmens

Pratic beauftragt, das alles für „Open air culture“ herstellt: Pergolen,

Markisen und Außenstrukturen.

Fotos: Javier Callejas

Hier wird aber nicht nur produziert, sondern auch

verwaltet, präsentiert, geforscht, gelagert und die

Mitarbeiter können sich im hauseigenen Wellnessbereich

auch entspannen. Die Unterbringung dieser

Vielzahl an Funktionen war nur durch die Vergrößerung

des Gebäudes möglich, das sich durch die Erweiterung

etwas mehr als verdoppelte.


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25

Magazin

Die Entscheidung, mit der Erweiterung wieder das

Architekturbüro GEZA zu beauftragen, basierte auf

der Erwartung der Auftraggeber, dass dadurch der

Bau nicht nur wie aus einer Hand wirkt, sondern auch

ist. Sowohl der alte als auch der neue Gebäudeteil

verfügen über einen rechteckigen Grundriss und treffen

auf der breiten Seite zusammen. An der Fassade

setzen sich beide Gebäudeteile gut voneinander ab,

man erkennt aber auch verbindende Elemente. Die

rhythmische Positionierung der Fensteröffnungen als

längliche Schlitze wurde fortgesetzt, das gewählte

Fassadenmaterial unterscheidet sich. Die schwarzen

Betonplatten des bestehenden Gebäudeteils treffen

auf die Polycarbonatplatten des neuen Bauteils. Diese

ummanteln die dahinterliegende Tragstruktur aus

Beton und erstrecken sich mit ihrer Länge von zehn

Metern vertikal über die gesamte Höhe der Fassade.

Die Verbindung beider Gebäudeteile lässt an der

Fassade einige Gegensätzlichkeiten zusammentreffen:

hell und dunkel, leicht und schwer. Der Bau

wirkt dennoch ganzheitlich und führt Industrie mit

Eleganz zusammen.

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Magazin


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Magazin

Utopie? Vision?

Die Natur unterwerfen, oder sich der Natur unterwerfen −kann es denn kein

Miteinander geben? Die Architektin und Architekturtheoretikerin Margot

Krasojević plädiert zur Beantwortung dieser Fragen für ein Erkennen von

Potenzialen der Natur, um diese mit der Architektur nutzen zu können. Sie

verfolgt dabei einen radikalen Ansatz, der aber gleichzeitig sehr lösungsorientiert

ist. Mit ihren zukunftsvisionären Entwürfen möchte sie mögliche Antworten

auf komplexe Fragestellungen der Gegenwart für die Zukunft liefern.

Renderings: Margot Krasojević

Als fundamentalen Ausgangspunkt sieht sie das

Überdenken von etablierten Gebäudetypologien. So

müssen Vorhandene neu definiert werden und auch

noch Weitere entstehen, die bis dato noch gar nicht

existent sind. Dazu zählt, dass jedes Gebäude als ein

kleines Kraftwerk gesehen wird, das mithilfe der Natur

nachhaltige Energie produziert. Um diesen effektiven

Mehrwert der Architektur zu erzeugen, muss

man deren Umwelt kennen und verstehen lernen.

Die Vision

Für die russische Küstenstadt Sotschi am Schwarzen

Meer wurde Architektin Margot Krasojević beauftragt,

einen Entwurf für eine Küstengalerie zu gestalten.

Sie sieht das Potenzial, das in der Kraft der

brechenden Wellen liegt, und schlägt vor, dieses zu

nutzen. Fünf Turbinen sollen die Wasserkraft in Energie

umwandeln, sodass damit nicht nur das Galeriegebäude

selbst, sondern auch 200 Haushalte der näheren

Umgebung versorgt werden können.

Zum Ausdruck gebracht wird diese technische Eigenheit

des Gebäudes durch einen expressiven futuristischen

Ausdruck. Was Architektur und Technik hier

schaffen, soll den Besucherinnen und Besuchern der

Galerie nähergebracht werden: Der Wellengang unter

Wasser wird durch Projektionen simuliert und in den

Innenraum übertragen. Um dem Ganzen noch mehr

Dynamik zu verleihen, soll Meerwasser von den Turbinen

auf das Glasdach des Galerieraumes spritzen.

Ob es zu einer Realisierung dieser Vision kommt ist

unklar, derzeit handelt es sich lediglich um einen

Entwurf. Trotzdem wird in diesem Projektstadium die

Zielsetzung sehr deutlich: die Integration von Nachhaltigkeit

in den Designprozess und das Bauen mit

der Natur. „We need to adapt and this will involve new

environments to claim.“, wird hier als Leitsatz der Architektin

großgeschrieben.

Auf der Suche nach neuen Wegen, um Natur und Architektur

als gleichberechtigte Partner zusammenzubringen,

entstehen bei Margot Krasojević expressive

Entwürfe, die alle konventionellen Denkweisen

verwerfen und einen (noch) utopischen Ansatz verfolgen:

die Symbiose von Architektur mit der Erzeugung

von nachhaltiger Energie. Hoffentlich wird aus

dieser Vision bald Realität.


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Bau & Recht

Haftungsgefahr für die

örtliche Bauaufsicht?

Der Oberste Gerichtshof hat erstmals entschieden, dass ein Regress des Werkunternehmers

gegenüber der vom Bauherrn beauftragten örtlichen Bauaufsicht möglich

und nicht grundsätzlich von vornherein ausgeschlossen ist. Die Haftung der örtlichen

Bauaufsicht ist jedoch einzelfallbezogen zu beurteilen.

Text: Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger und Mag. Matthias Nödl

Bei umfangreicheren Bauvorhaben sowie

bei unerfahrenen und fachlich unkundigen

Bauherrn werden immer häufiger fachkundige

Unternehmen oder Personen (z.B.

Architekten, Ziviltechniker, Bauingenieure

oder sonstige Konsulenten) mit den Aufgaben

der örtlichen Bauaufsicht beauftragt,

deren Entgelt vom Bauherrn zu leisten ist.

Die örtliche Bauaufsicht vertritt den Bauherrn

auf der Baustelle und fungiert als

zentraler Ansprechpartner des Bauherrn

für die ausführenden Werkunternehmer.

Nach ständiger Rechtsprechung stellt der

Vertrag zwischen Bauherrn und örtlicher

Bauaufsicht keinen Vertrag mit Schutzwirkung

zugunsten Dritter – somit nicht zugunsten

der bauausführenden Werkunternehmer

– dar. Die Überwachung der von

den Werkunternehmern zu erbringenden

(Bau-)Leistungen durch die örtliche Bauaufsicht

erfolgt ausschließlich im Interesse

des Bauherrn. Die örtliche Bauaufsicht soll

den Bauherrn durch ihre Qualifikation und

Sachkenntnis vor mangelhaften Bauausführungen

schützen, die dem Verantwortungsbereich

der bauausführenden Werkunternehmer

entspringen, jedoch nicht die

Haftung der bauausführenden Werkunternehmer

mindern oder diese gar von deren

Verantwortung entlasten.

Zur Beurteilung eines allfälligen Regressanspruchs

des Werkunternehmers gegenüber

der örtlichen Bauaufsicht ist jedoch zuvor

die Tätigkeit der örtlichen Bauaufsicht zu

definieren, wenn der Tätigkeitsumfang

nicht gesondert im Vertrag mit dem Bauherrn

festgelegt ist.

Gemäß der ständigen Rechtsprechung

des Obersten Gerichtshofes gehören zur

Tätigkeit der örtlichen Bauaufsicht all jene

Kontrolltätigkeiten, die sich unmittelbar auf

den Baufortschritt beziehen und nur im Zusammenhang

mit eigenen Wahrnehmungen

auf der Baustelle sinnvoll ausgeübt werden

können (z.B. die Überwachung der Herstellung

des Werkes auf Übereinstimmung

mit den Plänen, auf Einhaltung der technischen

Regeln, der behördlichen Vorschriften

und des Zeitplanes, die Abnahme von

Teilleistungen und die Kontrolle der für die

Abrechnung erforderlichen Abmessungen,

die Führung des Baubuches etc.). Sonstige

Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten

sind nicht als solche der örtlichen Bauaufsicht

zu werten.

Schon bisher konnte der bauausführende

Werkunternehmer Regressansprüche gegenüber

der örtlichen Bauaufsicht geltend

machen, sofern die örtliche Bauaufsicht

nicht nur mit Kontrolltätigkeiten beauftragt

war. Beispielsweise wurde dem Werkunternehmer

gegenüber der örtlichen Bauaufsicht,

die auch mit der Baukoordination

beauftragt war und diese Pflichten verletzt

hat, ein Regressanspruch zuerkannt.

Die Frage, ob ein Werkunternehmer und

die örtliche Bauaufsicht, die lediglich mit

Kontrolltätigkeiten beauftragt wurde, als

Solidarschuldner gegenüber dem Bauherrn

haften und somit eine Schadensteilung gemäß

§§ 1302 iVm 896 ABGB anwendbar ist,

war jedoch bisher unklar. Diese Frage hat

nun der 8. Senat des Obersten Gerichtshofes

in seiner Entscheidung vom 18.11.2019

zu 8 Ob 88/19b entschieden.

Voraussetzung für die Solidarhaftung –

Haftung mehrerer Personen zur ungeteilten

Hand – gegenüber dem Bauherrn gemäß

§ 1302 ABGB ist eine Verletzung der jeweiligen

Sorgfaltspflicht. Das bedeutet, eine

Solidarhaftung gegenüber dem Bauherrn

liegt nur vor, wenn der bauausführende

Werkunternehmer seine Leistung mangelhaft

erbringt, die örtliche Bauaufsicht

ebenfalls ihre Kontrollpflichten verletzt und

der jeweilige Anteil am Gesamtschaden

nicht festgestellt werden kann. Die örtliche

Bauaufsicht haftet daher bei eigener ordnungsgemäßer

Pflichterfüllung gegenüber

dem Bauherrn oder dem bauausführenden

Werkunternehmer nicht für ein mangelhaft

erbrachtes Werk.

Der Oberste Gerichtshof hat nunmehr in

diesem Zusammenhang ausgesprochen,

dass ein rechtswidriges Verhalten nur im

Verhältnis zum Bauherrn eine Rolle spielt.

Entscheidend ist somit nicht, ob das Verhalten

des einen Mitschädigers gegenüber

dem anderen Mitschädiger rechtswidrig ist.

Daher kann aus einem fehlenden Rechtswidrigkeitszusammenhang

zwischen dem

Werkunternehmer und der örtlichen Bauaufsicht

keine Beschränkung der Regressmöglichkeit

abgeleitet werden.

Bei der Solidarhaftung mehrerer Schädiger

– sofern der jeweilige Anteil am Schaden

nicht bestimmbar ist – kommt der allgemeine

Grundsatz „Alle für Einen und Einer

für Alle“ zum Tragen. Der Bauherr kann somit

frei entscheiden, welcher der Mitschädiger

in Anspruch genommen wird und

den Schaden einstweilen tragen muss. Der

Gesamtschuldner kann sich gemäß § 1302

letzter Satz ABGB wiederum den Regressanspruch

gegenüber den anderen Mitschädigern

vorbehalten.


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| BA12-17G |

Bau & Recht

Das Gebäude der Zukunft

kann auch so aussehen

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Dieser Regressanspruch ergibt sich auch aus § 896

erster Satz ABGB, wonach ein Solidarschuldner, der

im Außenverhältnis mehr leistet, als er im Innenverhältnis

leisten müsste, gegenüber den anderen Solidarschuldnern

einen Rückgriffsanspruch hat. Das

bedeutet, wenn ein Mitschuldner gegenüber dem

Geschädigten den vollumfänglichen Ersatz leistet,

kann er von den anderen Mitschuldnern einen Teilbetrag

zurückverlangen.

Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes resultiert

die Regressmöglichkeit aus der Konsequenz des unbewussten

Zusammenwirkens durch selbstständige

Handlungen von Werkunternehmer und örtlicher

Bauaufsicht und führt zu keiner – wie in der Literatur

vielfach behaupteten – sachlich ungerechtfertigten

Entlastung des Werkunternehmers.

Die geäußerten Bedenken in der Literatur – wonach

Werkunternehmer bei Beauftragung einer örtlichen

Bauaufsicht durch den Bauherrn anders behandelt

werden als Werkunternehmer ohne gesonderte Überwachung

durch eine örtliche Bauaufsicht – werden im

Zuge der Bestimmung der Regressquote berücksichtigt.

Für den Betrag, den der ersatzleistende Solidarschuldner

zurückverlangen kann, also die Regressquote,

sind einzelne Zurechnungsgründe maßgeblich.

Der bauausführende Werkunternehmer schuldet gegenüber

dem Bauherrn die mangelfreie Erbringung

des beauftragten Werkes und somit allgemein ein

aktives Tun. Die örtliche Bauaufsicht schuldet dem

Bauherrn gegenüber lediglich – wie zuvor ausgeführt

– eine Kontrolltätigkeit. Daraus folgt, dass der

Werkunternehmer den Schaden durch aktives Tun

verursacht und die örtliche Bauaufsicht nur durch

eine Sorgfaltswidrigkeit bei der Erfüllung ihrer Überwachungspflicht

zum Schaden beiträgt. Im Regelfall

wird daher der Verschuldensgrad auf Seiten des

Werk unternehmers wesentlich höher sein als jener

auf Seiten der örtlichen Bauaufsicht. Daraus kann

eine überwiegende oder gar alleinige Haftung des

Werkunternehmers resultieren.

Im Ergebnis kann der mangelhaft leistende Werkunternehmer,

der den verursachten Schaden an den

Bauherrn ersetzt hat, nunmehr Regress an der örtlichen

Bauaufsicht nehmen. Der Regressanspruch

gegen die örtliche Bauaufsicht besteht jedoch nur,

sofern die örtliche Bauaufsicht ihrerseits aufgrund

einer Sorgfaltswidrigkeit bei der Überwachung der

Bauarbeiten einen Schaden verursacht hat und die

Zurechnungsgründe im Einzelfall eine Haftung rechtfertigen.

In der Praxis ist zudem je nach Sachverhalt

zu prüfen, welcher Verschuldensgrad höher und ob

eine allfällige Haftung der örtlichen Bauaufsicht wegen

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Intelligente Fassade


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31

Behnisch Architekten

Formvollendete

Fassade

AGORA PÔLE de recherche sur le cancer / Lausanne, Schweiz / Behnisch Architekten

Text: Linda Pezzei Fotos: David Matthiessen, Stefan Behnisch

Für das Krebsforschungszentrum

AGORA in

Lausanne entwickelten

Behnisch Architekten eine

neuartige Außenfassade

in Form einer durchgehenden,

durchlässigen

Sonnenschutzhaut, die

eine Überhitzung der

Fassaden verhindert und

gleichzeitig ein hohes

Maß an visueller Transparenz

bietet. Neben den

technischen Vorzügen

besticht die Fassade

zusätzlich durch ihre

schlichte Eleganz.

Die Fassade eines Bauwerkes ist buchstäblich die

Haut über den Knochen, Muskeln und Sehnen des

Tragwerks und Innenraums. Wie die menschliche

Haut soll diese vor äußeren Einflüssen schützen. Neben

dieser Schutzfunktion definiert die Fassade analog

unserer Kleidung aber auch den Charakter und

Stil eines Gebäudes. Zusätzlich müssen die Architekten

das Zusammenspiel von Innen- und Außenraum

erfolgreich entwickeln und dabei eine Vielzahl an

Einflussfaktoren beachten. Behnisch Architekten ist

mit der Fassade des AGORA PÔLE de recherche sur

le cancer unweit des Genfer Sees in dieser Hinsicht

ein kleiner Meilenstein gelungen.

Der 2018 fertiggestellte Neubau des Krebsforschungszentrums

auf dem Campus des CHUV (Centre

hospitalier universitaire vaudois) in Lausanne

stellt Arbeits- und Forschungsräume für 400 Wissenschaftler

und Ärzte unter einem Dach bereit. Die

Gebäudeform wurde bei der Konzeption stark von

Blickachsen und bestehenden visuellen Beziehungen

auf dem Grundstück beeinflusst. Im Erdgeschoss

liegt der sogenannte Agora-Bereich, ein Ort der Interaktion,

des Treffens und der informellen Besprechungen,

der sich zur Talseite hin öffnet. Oberhalb

dieses Bereichs befinden sich drei weitere Etagen mit

Forschungslabors. Die Agora-Ebene soll die Kommunikation

fördern. Hier sind ein Hörsaal, ein Café, ein

Restaurant, Konferenzräume und Verwaltungsräume

untergebracht. Auf den darüber liegenden Etagen

befinden sich jeweils an der Nord- und der Südseite

kleinere Gemeinschaftsbereiche, in denen sich die

Mitarbeiter der Büros und Labors treffen können.

Letztendlich entwickelten Behnisch Architekten für

die Fondation ISREC einen skulptural anmutenden,

gut ablesbaren Baukörper, der sich in die bestehenden

Strukturen einfügt, und gleichzeitig eine identitätsstiftende

Präsenz zeigt.

Zu diesem Eindruck trägt maßgeblich auch die einzigartige

Fassadenstruktur bei. Im Detail filigran und

leicht, fügen sich die Strukturen im Ganzen betrachtet

zu einem lebendig wirkenden Gesamten. Ähnlich

einem vorüberziehenden Vogelschwarm: die Summe

aller Einzelteile zusammengefügt zu einem Bild perfekter

Harmonie. So wie die Gebäudeform und die

räumlichen Qualitäten von Tageslicht, Proportion

und Materialität geprägt sind, so basiert das Konzept

der Gebäudehülle auf dem Streben nach einer

optimalen Tageslichtnutzung in der Gebäudetiefe bei

gleichzeitigem Schutz vor Sonneneinstrahlung.

Besonderheit der Fassade ist deren große Flexibilität,

die auf den unterschiedlichen Anforderungen der

verschiedenen dahinterliegenden Funktionsbereiche

basiert. Ob Restaurant, Café, Verwaltung, Labore, Seminarbereiche

oder dienende Räume - die Fassade

lässt von außen betrachtet keine exakte Ablesbarkeit

zu, bietet aber dennoch individuelle Funktionalität.

Mit Hilfe des feststehenden Sonnenschutzes ist eine

Regulierung der direkten Sonneneinstrahlung durch

individualisierte Neigungen und Tiefen der einzelnen

Elemente möglich. In bestimmten Bereichen erlauben

öffenbare Fenster zudem eine natürliche Be- und

Entlüftung und tragen so zu einem individuellen Klimakomfort

bei.

u


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32

Intelligente Fassade

Mittlerweile auch bei anderen Projekten erprobt

(unlängst beispielsweise für die ikonische adidas

ARENA in Herzogenaurach), wurde die Idee des

hochentwickelten, feststehenden Sonnenschutzgitters

für das Projekt AGORA zum ersten Mal in der

Praxis umgesetzt. Ziel der Architekten war es, einen

Sonnenschutz zu schaffen, der einen nahezu ungehinderten

Blick nach außen ermöglicht, gleichzeitig

aber die Sommersonne fernhält, das Umgebungslicht

in die Tiefe des Raumes reflektiert und die Wintersonne

teilweise in den Raum einfallen lässt. Keine

leichte Aufgabe.

Die Lösung fanden Behnisch Architekten in Form von

Gitternetzelementen, die mit unterschiedlichen Geometrien

auf das skulptural anmutende Gebäudevolumen

reagieren. Die mittels dreidimensionaler Computerprogramme

entwickelten Details wurden im Laufe

des Projekts mit Unterstützung der Klimaingenieure

von Transsolar und des Lichttechnikers Robert Müller

von Bartenbach konkretisiert und mit Simulationen

verifiziert, bevor die Daten an den Schweizer

Hersteller der Fassadenelemente übergeben wurden.

Ziel war es, die einzelnen Sonnenschutzflügel auf

den jeweiligen Lastensammlern mit gleichmäßigem

Fugenbild zwängungsfrei montieren zu können. Das

vielschichtige Gebäudevolumen mit schrägen Wänden

und Ecken, die sich in geometrisch komplexen

Winkeln treffen, wird durch die einheitliche Fassade

harmonisiert. Anstatt einzelne Fenster hervorzuheben,

wird so ein einheitliches Gesamtbild erzielt. Die

Fassade fungiert als unterstützendes, verbindendes

Element mit einer vorgehängten Struktur, welche die

dahinterliegenden Öffnungen überspielt. u


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Behnisch Architekten

Die Außenfassade von

AGORA ist als durchgehende,

durchlässige

Sonnenschutzhaut konzipiert

und besteht aus

Metallöffnungen, die sich

in ihrer Tiefe und Ausrichtung

an jede Fassade

anpassen.


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34

Intelligente Fassade

Das Atrium, Haupteingang

des Gebäudes,

verbindet AGORA auf

der Ost-Seite mit dem

Nachbargebäude Bu25

und dient als öffentlicher

Treffpunkt.

Ein gleichförmiges Gitternetz umspannt das Laborgebäude

wie eine zweite Haut. Die einzelnen Fassadenelemente

des Gitters unterscheiden sich je nach

Fassadenseite in Tiefe und Ausrichtung und sind individuell

auf die jeweilige Himmelsrichtung und den

Sonnenlichteinfall zugeschnitten. Jede Fassadenfläche

verwendet einen bestimmten Typus, bestehend

aus zwei gefalteten, miteinander verbundenen Aluminiumteilen,

die in ihren Ausprägungen variieren.

Eine unsichtbare Befestigung am Lastensammler ist

über Laschen an den parallelen kurzen Kanten jedes

Fassadenelementes realisiert. Die Aluminiumstruktur

des Lastensammlers wird an der Betonbrüstung der

inneren Fassade über Stahlkonsolen gehalten, die einen

Wartungslaufsteg aufnehmen. Jedes Element ist

teilweise mit lasergeschnittenen Löchern versehen,

um den Kontrast herabzusetzen und so Blendeffekte

zu vermeiden. Anhand von Simulationen wurde die

Fassade auf Sonnen- und Hitzeschutz, Lichtoptimierung

und Blendung geprüft. Laut der Architekten

konnte so nachgewiesen werden, dass die Leistung

des feststehenden Sonnenschutzgitters einer fixen

Einrichtung mit rein horizontal angelegten Verschattungselementen

deutlich überlegen ist. Insbesondere

im Hinblick auf die Lichtoptimierung schneide dieses

neu entwickelte Sonnenschutzsystem deutlich

besser ab als beweglicher Sonnenschutz.


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Behnisch Architekten

Prinzipiell ist diese Art der fest installierten und für

bestimmte Anwendungsbedingungen konzipierte

Gebäudehülle auf jeden Fall eine gute Lösung, um

die Leistung der Gebäudehülle in Bezug auf ihre

Haltbarkeit, Tageslichtoptimierung und Energieeinsparung

zu verbessern. Formal gesehen überzeugt

die Fassadengestaltung ohnehin – sowohl mit ihren

inneren wie äußeren Werten.


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Intelligente Fassade

AGORA Pôle de recherche sur le cancer

Schnitt

AGORA Pôle de recherche sur le cancer

Grundriss Erdgeschoss

AGORA Pôle de recherche sur le cancer

Grundriss 1. OG


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Behnisch Architekten

AGORA PÔLE de recherche sur le cancer

Lausanne, Schweiz

Bauherr:

Planung:

Statik:

Fondation ISREC

Behnisch Architekten, Stuttgart

ZPF Ingenieure AG, CH-Basel

Grundstücksfläche: 22.500 m 2

Planungsbeginn: 2013

Bauzeit: 2015-2018

Fertigstellung: 2018


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Intelligente Fassade

Symphonie im

Stützenwald

Wuxi Taihu Show Theatre / Wuxi / Steven Chilton Architects

Text: Edina Obermoser Fotos: Kris Provoost


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Steven Chilton Architects

Für die Gestaltung des

Taihu Show Theatre im

chinesischen Wuxi holt

sich das Londoner Büro

Steven Chilton Architects

Inspiration aus der Natur.

Sie entwerfen einen kreisrunden

Bau und verpacken

diesen in eine dichte

Säulenstruktur, die einem

Bambuswald nachempfunden

ist. Damit schaffen

die Architekten nicht nur

einen Hingucker, sondern

verschatten außerdem die

Glasfassade auf natürliche

Art und Weise.

Das Taihu Show Theatre entsteht in der ostchinesischen

Metropole Wuxi. Diese zählt über sechs Millionen

Einwohner und liegt am Tai Hu See in unmittelbarer

Nähe Shanghais. Der Neubau entsteht in erster

Linie als Kulisse für eine Wassershow von Franco

Dragone, einem italienischen Theaterdirektor. Dieser

machte sich unter anderem durch Inszenierungen

des Cirque du Soleil einen Namen und soll mit der

geplanten Daueraufführung zukünftig das kulturelle

Angebot der Stadt bereichern.

Die britischen Steven Chilton Architects konzipieren

das Theater als kreisrunden Bau. Eine intelligente

Gebäudehülle, die sich aus drei Komponenten zusammensetzt,

zieht sämtliche Blicke auf sich und

reguliert gleichzeitig das Raumklima im Inneren.

Sie besteht aus einer Glasfassade, einem schattenspendenden

Vordach und einem dichten Wald aus

hohen Stützen. Bei der Gestaltung ließen sich die

Architekten vom größten Bambuswald in China inspirieren.

Dieser befindet sich in unmittelbarer Nähe

von Wuxi im Nationalpark Zhuhai und zählt zu einer

der beliebtesten Touristenattraktionen der Region.

Das naturinspirierte Design macht den Kulturbau mit

seinem charakteristischen Aussehen zu einem neuen

Wahrzeichen der Stadt.

Den Kern des Taihu Show Theatre stellt der zylinderförmige

Saal dar, in dem die Aufführungen stattfinden.

Als Herzstück des Gebäudes bietet er Platz

für 2.000 Besucher. Die übrigen Räume mit Administration,

Büros, Technik und Backstagebereichen sind

rundherum über mehrere Geschosse verteilt angeordnet.

Eine Kombination aus verputztem Betonstein

an der Rückseite und vorgehängten Glaspaneelen

zum Eingang hin bildet die erste Ebene der mehrschichtigen

Gebäudehülle. Diese fungiert als thermischer

Abschluss des Stahlbetonbaus und ist über die

gesamte Höhe mit schmalen, goldenen und weißen

Streifen überzogen. Durch die raumhohen Verglasungen

gelangt viel Tageslicht ins Innere des Theaters,

das für ein stimmungsvolles Ambiente sorgt. u


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40

Intelligente Fassade

Das leichte Sonnendach

dient mit seiner Struktur

aus lamellenartigen

Dreiecken nicht nur

als Schattenspender,

sondern auch als oberer

Abschluss der schlanken

Bambusstützen.

Die übrigen Schichten, die die Fassade komplettieren,

dienen nicht nur der Optik, sondern senken zudem

als passive Maßnahme die Kühllast. Als oberer

Abschluss legt sich ein Sonnendach ringförmig um

den Baukörper. Dort kragt es fast zehn Meter aus und

schirmt die Glasfassade vor der einfallenden Strahlung

ab. Die Architekten ahmen in Form einer zarten

Dreiecksstruktur die schattenspendende Laubkrone

an der Spitze der Bambushalme nach. Unzählige, trianguläre

Flächen treffen, fein perforiert und in unterschiedlichen

Winkeln und Größen aufeinander. Sie

scheinen dabei so willkürlich angeordnet zu sein, wie

das Vorbild aus der lokalen, chinesischen Natur. Die

lamellenartigen Elemente sind aus golden-eloxiertem

Aluminium gefertigt. Sie werfen abwechslungsreiche

Schatten ins Gebäudeinnere. Dadurch erhält

das Theater einen fast organischen Touch, der sich je

nach Tageszeit und Blickwinkel verändert.

Die Einzelteile des Sonnendachs sind auf einer ebenfalls

dreieckigen Gitterstruktur montiert, welche die

Lasten in die konstruktive Hauptebene des Baus abträgt.

Jedes dieser Dreiecke funktioniert gleichzeitig

als obere Einspannung für die über 300 Säulen, die

den Abschluss der Hülle bilden und das Taihu Show

Theater wie ein dichter Bambuswald umgeben. Diese

kommen bei 33 m Höhe mit einem schlanken Durchmesser

von lediglich 30 cm aus, sind dabei leicht in

unterschiedliche Richtungen geneigt und imitieren

die schmalen Halme des Bambus perfekt. Nur an einer

Stelle der Fassade lichtet sich der Stützenwald

und markiert den Haupteingang des Kulturbaus.

Dieser wird von einem kleinen Vordach geschützt,

das sich aus dreieckigen Elementen zusammensetzt

und damit die Gestaltung der Lamellenstruktur des

Dachs wieder aufgreift.

Ein zentraler Punkt der Planung lag in der Positionierung

der einzelnen Stützen. Mittels „Swarm Intelligence“,

einer generativen Methode zur Simulation

verschiedener Szenarien anhand einzelner Parameter,

entwickelten die Planer des britischen Architekturbüros

die endgültige Anordnung. Dabei wurden

mithilfe eines Algorithmus in mehreren Schritten verschiedene

Konstanten geprüft, angepasst und sukzessive

übereinandergelegt. Neben der Dichte des

Säulenwaldes, die eine ausreichende Verschattung

des Theaters und Schutz vor Einblicken garantiert,

wurden die Mindestabstände zwischen den einzelnen

Halmen sowie die Projektionsfläche des Sonnendachs

berücksichtigt und damit das Arrangement

der feingliedrigen Säulen optimiert.


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Steven Chilton Architects

N

N

or plan, 1:600

00

Besonders bei Nacht zieht der Kulturbau sämtliche

Blicke auf sich. Die Stützen sind rückseitig indirekt

beleuchtet und machen die Fassade zum diffusen

Leuchtmittel, das sich in der glatten Oberfläche des

Tai Hu Sees widerspiegelt. Verschiedenfarbige Lichter

lassen das Theater nicht nur magisch inmitten der

Dunkelheit erstrahlen, sondern sollen die Neugierde

der Passanten auf die Wassershow im Inneren wecken.

Das Taihu Show Theatre zeigt auf eindrucksvolle

Weise, welche Vorteile naturinspirierte Designs und

deren behutsame Übersetzung in zeitgemäße Architektur

mit sich bringen. Neben der optischen Komponente

und dem Wiedererkennungswert, den die

Stützen dem Bau verleihen, können durch die Fassadengestaltung

aufwändige Gebäudetechniksysteme

auf ein Minimum reduziert und damit vor allem auf

lange Sicht viele Kosten eingespart werden. •

Wuxi Taihu Show Theatre

Wuxi, Jiangsu, China

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Sunac China Holdings

Steven Chilton Architects

Steven Chilton, Roberto Monesi, Xuecheng Wang

Statik:

Buro Happold

Bebaute Fläche: 25.000 m 2

Planungsbeginn: 11/2016

Bauzeit:

3 Jahre

Fertigstellung: 12/2019


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Intelligente Fassade

Signatur

im Hinterhof

Fondation-s / Paris / Lobjoy Bouvier Boisseau

Text: Peter Reischer Fotos: Baptiste Lobjoy, Jean-Philippe Caulliez

Das Projekt der Lobjoy-Bouvier-Boisseau Architecture

aus Frankreich, in einem Hinterhof an der Rue

des Archives gelegen, verzichtet auf große Gesten,

ist sehr unaufgeregt und trotzdem sehenswert. Wobei

das Adjektiv „sehenswert“ gar nicht so zutreffend

ist. Es ist zwar sehenswert aber nicht so einfach zu

sehen und zu finden. Denn die Attraktion dieser Architektur

befindet sich im hinteren Teil eines tiefen

Grundstückes im Herzen von Marais. Es ist eines

von vielen Beispielen, die auf ganz unterschiedliche

Weise zeigen, wie die Fassade als Haut oder Zeichen

einer Architektur benutzt werden kann.

Hier, im zweiten Hof eines gründerzeitlichen, zweigeschossigen

Hauses, haben die Architekten für

zwei ganz unterschiedliche Auftraggeber, für die

Fondation Henri Cartier-Bresson (siehe Kasten) und

die Fondation François Sommer ein neues Zentrum

geschaffen. Sie haben das Gebäude mit seinen gemischten

Funktionen (Wohnen, Werkstatt, Geschäfte)

komplett neu organisiert und einen Platz für Ausstellungen,

Arbeitsräume, Öffentlichkeit und auch

Zurückgezogenheit und Schutz geschaffen. Möglich

wurde dieser Schritt durch den teilweisen Abbruch

einer ehemaligen Garagenhalle am hinteren Ende des

Grundstückes.

u


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Lobjoy Bouvier Boisseau


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Intelligente Fassade

Von außen weist nichts

auf die Überraschung im

hinteren Hof dieses Gründerzeithauses

in Paris hin.

Straßenseitig hat sich an der Fassade fast nichts

geändert. Links von der breiten Einfahrt signalisiert

ein Schaufenster mit einem kleinen Geschäftslokal

bereits die Fondation Henri Cartier-Bresson. Der

Strom von Laufkundschaften wird so geregelt und

nur Wissende gehen bis in den hinteren Teil zu den

Veranstaltungs- und Schauräumen. So bleiben die

Büros der beiden Stiftungen eher geschützt und der

historische Charakter des Viertels wird in keiner Weise

gestört.

Die teilweise Entfernung der erwähnten Garage – die

ursprünglich in einem Gemüsegarten errichtet worden

war – ermöglichte die Schaffung eines zweiten

Hofes. Gleichzeitig reorganisierten die Planer einige

Bereiche in den bestehen gebliebenen Teilen

zur Straße hin und schufen so Sichtverbindungen

und Achsen, die von ganz vorne bis in die Tiefe des

Komplexes reichen. Glaswände auf der Erdgeschossebene

bieten dem Passanten bereits Einblicke in die,

ganz hinten liegenden Schauräume der Fondation

Henri Cartier-Bresson. Diese Eingangsebene ist wie

ein Bühnenbild gestaltet, ständig wechselnde Stimmungen

und Eindrücke begleiten den Besucher nach

hinten bis in die intimeren Bereiche. Nach dem Durchschreiten

einer überdeckten Passage öffnet sich der

zweite Hof wie der Kreuzgang eines Klosters.


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Lobjoy Bouvier Boisseau

Und hier tritt auch der Überraschungseffekt ein: Der

fünfgeschossige Bau – mit der archetypischen Silhouette

eines Hauses mit Giebeldach – ist ab dem

ersten Stock komplett hinter einer filigran anmutenden

Vorhangfassade aus anodisierten Aluminiumteilen

verborgen. Diese Idee ist sowohl den Wünschen

nach gegenseitigem Schutz der beiden Auftraggeber,

wie auch der visuellen Attraktion des Projektes

geschuldet. Hofseitig bieten schmale „Pawlatschen“

Raum für die Mitarbeiter, um ein bisschen Luft zu

schnappen oder doch die längst verpönte Zigarette

zu rauchen und die raumhohen Glasscheiben der Büros

geben (vor allem an der hinteren Seite) ziemlich

beeindruckende Aussichten auf Paris ab. Die Gitterfassade

bietet einen Blickschutz auch für die Mieter

des zur Straße gelegenen Hausteiles. Vor allem aber

ist sie die Signatur des Projektes, welches trotz seines

unaufgeregten Designs durch sie eine Wichtigkeit

erhält. Die nach oben hin immer luftiger werdende

Struktur der Fassade entmaterialisiert sozusagen

den Körper, verbirgt die profane Wirkung des eher

beliebigen Bürobaus und ist doch gleichzeitig ein

Eyecatcher und somit die Signatur des Projektes.

Im Erdgeschoss befindet sich die permanente Ausstellung

von Fotoarbeiten, im ersten Stock die Archive

und darüber Büroräumlichkeiten. Ein zusätzlicher,

im zweiten Stock beginnender, grüner Hof belichtet

den hinteren Teil des Hauses. Eine skulpturale Wendeltreppe

– mit einer doppelten Drehung beginnend

– erschließt im Inneren des Körpers (an der Feuermauer

zum Nachbargrundstück gelegen) die vier

oberen Geschosse.

Gerade wegen ihrer zurückhaltenden und bescheidenen

Ausführung haben die Architekten im letzten

Jahr für dieses Projekt eine Auszeichnung beim

Architizer Award 2019 in der Kategorie „Details –

Plus-Architecture + Facades“ erhalten.


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Intelligente Fassade


..\..\..\..\..\01_CLASSEUR PROJET\00_LOGOS\logo LBB\LBB_Logo rouge (pantone 032).jpg

EP

LOTS DE COPROPRIETE NON CONCERNES PAR LE

PRESENT DOSSIER PRO/DCE

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Lobjoy Bouvier Boisseau

A

Cour

commune

Porche

commun

COUPE DD

lots de Copropriété non concernés par la présente demande de Permis de Construire

0 1m 5m

10m

Nota : Le présent document graphique est établi par l'architecte sur la base des documents graphiques dressés par le cabinet de géomètre BARDEL - version d'octobre 2014 et du cabinet GEXPERTISE mai 2015. Ne peut être utilisé en l'état pour servir de base à l'exécution des ouvrages. S'agissant d'un bâtiment existant, les côtes sont données à titre indicatif et les niveaux de sol sont donnés finis. Les côtes altimétriques sont rattachées au

nivellement de la ville de Paris (NVP). Documents établis sous réserve d'études complémentaires et de validation des services concernés (Ville, sécurité,....). Documents régis par le code de la propriété intellectuelle et du droit d'auteur.

MAITRE D'OUVRAGE:

FONDATION F.SOMMER

FONDATION H.CARTIER BRESSON

AVEC LE MANDAT DE LA SCI NOEL

C/O Fondation François Sommer

60 rue des Archives - 75003 PARIS

3 rue Jesse Owens - 93200 SAINT-DENIS

tél: 01 53 01 92 40

tél: 01 48 20 70 15

MAITRE D'OUVRAGE DELEGUE : ARCHITECTE :

ARC. D'INTERIEUR FHCB : BET FLUIDES : BUREAU DE CONTROLE :

ARC. D'INTERIEUR FFS : BET STRUCTURE :

LOBJOY &

116 rue du Château - 92100 BOULOGNE BILLANCOURT

SOMETE

tél: 01 41 10 25 25

BOUVIER &

BOISSEAU.

79 RUE DES ARCHIVES - 75 003 PARIS

NOVO

GLI

BTP CONSULTANTS

DOSSIER AVP POUR LA RESTRUCTURATION / TRANSFORMATION DU GARAGE EN IMMEUBLE DE BUREAUX

GEOMETRES :

N° affaire: date: éch:

Réf. PC : N° plan:

P. BARDEL

COUPE LONGITUDINALE - FACADE

PC5 P-303

GEXPERTISE

14.05.PCM 11/12/15 1/200°

COURETTE

COURETTE

Fondation-s

Paris, Frankreich

Bauherr:

Planung:

Statik:

Fondation Henri Cartier-Bresson,

Fondation François Sommer

Lobjoy Bouvier Boisseau

Somete

Bebaute Fläche: 1.969 m 2

Fertigstellung: 10/2018

Baukosten: 10 Mio. Euro


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Intelligente Fassade

Musik aus

1001 Nacht

Élancourt Music School / Élancourt / OPUS 5

Text: Peter Reischer Fotos: Luc Boegly


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OPUS 5

Ein weiteres dieser „unaufgeregten“ Projekte – ebenfalls

in Frankreich – findet sich in Élancourt, einer

französischen Gemeinde mit 25.400 Einwohnern im

Département Yvelines in der Region Île-de-France,

und zwar in dem Gebäude des ehemaligen ökumenischen

Zentrums der Gemeinde. Diese Architektur

wurde zwischen 1974 und 1977 von Architekt Philippe

Deslandes errichtet und stellte einen der wichtigsten

Punkte in der Entwicklung der Stadt dar. Ursprünglich

für Gottesdienste vorgesehen, war das Gebäude einfach,

ohne Ornamente und eine nach innen gerichtete,

ruhige Architektur, modular und anonym. Ende 2018

wurde sie, nach einem Umbau durch das Pariser Architekturbüro

OPUS 5 neu eröffnet und beherbergt heute

die Élancourt Musikschule. Es schwingt im Trend der

Zeit, vertritt den Geist einer Reduktion, der Nachhaltigkeit

und ist gerade deshalb sehenswert. u


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Intelligente Fassade

Beton und Ziegel sind die beiden prägenden Materialien

dieser Architektur. Die Fassade, komplett

aus Ziegel errichtet, erweckt einen orientalischen

Eindruck. Gleichzeitig haben die Architekten durch

diese Idee einer ausschließlichen Benutzung dieses

Baustoffes den ursprünglichen Charakter des Gebäudes

bewahren können: das Prinzip des nach-innen-gerichtet-Seins

und der Intimität. Der Trick, den

Körper komplett und fugenlos mit dieser einheitlichen

Fassade zu überziehen, vermittelt zwischen den

vielfältigen, einzelnen Körpern der ursprünglichen

Architektur von Deslandes und dem Gesamteindruck.

Die Gestaltungsart entspricht dem Moucharabieh

oder Maschrabiyya, den traditionellen dekorativen

Holzgitter in der islamischen Architektur, die als

Gitterschranken in Moscheen oder als Fenstergitter

bzw. als Balkonverkleidungen in Wohnhäusern und

Palästen zum Einsatz kamen.

u


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OPUS 5

Wie bei einer Laterne

strahlen die Lichter

der Inneräume durch

die durchbrochenen

Ziegelwände und vermitteln

Geborgenheit

und Konzentration.


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Intelligente Fassade

Auch im Inneren werden

mit geschickten Lichtführungen

die Effekte der

Außenansichten wiederholt.

Die handgeschlagenen Ziegel sind in einer mörtellosen

Verlegetechnik gelegt. Die feinen Farbnuancen

modellieren die einheitlich durchgehende Fassade.

Während der Nachtstunden schimmert das Innere

durch die Zwischenräume der Ziegel und symbolisiert

so den Inhalt dieses Lernortes. Tagsüber erscheint

das Gebäude auf den ersten Blick ge- oder

verschlossen, auf den zweiten Blick löst es sich jedoch

in die einzelnen Körper auf und ermöglicht ein

umfassendes Wahrnehmen der Architektur. Auch im

Inneren wirken die durchbrochenen Ziegelwände mit

interessanten Lichtspielen und -reflexen weiter. Die

Stimmung in den Räumen entspricht dem Gefühl der

Privatheit, Konzentration, Meditation und Rückzug –

bestens geeignet für Musikstunden.

Interessant ist hier auch die fünfte Fassade, das

Dach. Thermisch neu isoliert und technisch zeitgemäß

ausgeführt ist es mit einem durchgehenden,

synthetischen blauen Plastikrasen bedeckt. Dieser

Farbfleck im Stadtgefüge ist von allen höheren Gebäuden

der Umgebung aus sichtbar.

Zurückhaltung und Einfachheit kennzeichnen dieses

Projekt. Es versucht nicht große Wirkung zu erzielen,

sondern – vor allem durch seine Außenansicht – eher

den Ort in der Gemeinde aufzuwerten, sowie Menschen

zur Neugier anzuregen.


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OPUS 5

Élancourt Music School

Élancourt, Frankreich

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

City of Élancourt

OPUS 5 Architectes

Hùng Tôn, Icegem Construction, Impédance

Batiserf

Bebaute Fläche: 900 m 2

Planungsbeginn: 06/2014

Bauzeit:

18 Monate

Fertigstellung: 10/2018

Baukosten:

2 Mio. Euro


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Intelligente Fassade

Über den

Dingen

Biwak Matteo Corradini Biwak / Cesana Torinese, Italien / Andrea Cassi e Michele Versaci

Text: Linda Pezzei Fotos: Delfino Sisto Legnani

Auf knapp 3.000 Metern Höhe befindet sich unter

dem Gipfel Dormillouse das Biwak Matteo Corradini,

ein Rückzugsort für Bergsteiger. Der markante Körper

öffnet sich nur in zwei Richtungen mittels großflächigen

Fenstern, die atemberaubende Ausblicke bieten.

Die ansonsten geschlossene schwarze Hülle sorgt für

die perfekte Wärmeregulierung im Inneren über das

ganze Jahr.


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Andrea Cassi e Michele Versaci

Manchmal muss man einen Gipfel erklimmen, um die

Dinge klar sehen zu können. Doch je höher man steigt,

desto dünner wird die Luft, umso karger der Boden

und umso kälter die Nacht. Kein Wunder, dass sich

der Mensch in den Bergen seit jeher Zufluchtsorte

geschaffen hat. Behagliche Rückzugsmöglichkeiten,

Schutz vor Wind und Wetter, man rückt zusammen.

Das im oberen Valle di Susa gelegene Biwak Matteo

Corradini ist ein solcher Ort der Einkehr. Es entstand

2019 auf Betreiben von Paolo Corradini und

dessen Familie in Gedenken an deren Sohn, einen

leidenschaftlichen Bergsteiger. Unweit des Gipfels

Dormillouse (2.908 Meter über dem Meeresspiegel),

entworfen von den Architekten Andrea Cassi und Michele

Versaci, liegt der Unterschlupf für Bergsteiger

markant eingebettet in die beeindruckende Bergwelt

an der Grenze zwischen Italien und Frankreich.

Das streng geometrische Objekt wirkt in seiner Stringenz

nahezu skulptural und funktioniert ähnlich einer

Kamera. Zwei großflächige, gegenüberliegende Fenster

bieten in Anlehnung an Kameraobjektive atemberaubende

Ausblicke auf die alpine Bergwelt - der

Zoom auf das Hauptaugenmerk: Fels, Himmel und

Sterne. Das leichte und reversible Gebäudesystem

steckt in einer Außenhülle aus pechschwarzem Metall,

durch die regelmäßigen Falzkantungen vertikal

strukturiert. Die Idee hinter dem Baukörper basiert

auf der reinen Physik, in der ein schwarzer Körper ein

ideales Objekt ist, da die Energie vollständig absorbiert

und wieder in die Umgebung abgestrahlt wird.

Aufgrund seiner exponierten Lage auf dem kleinen

Pass unter den letzten Hängen in der Nähe des

Gipfels ist das Biwak extremen Wetterbedingungen

ausgesetzt. Dank der durchdachten Konstruktion

schützt das dunkle Prisma vor ebendiesen und absorbiert

gleichzeitig ein Maximum der intensiven

Sonneneinstrahlung. Bei der Wahl der Materialien

und der Form bezogen sich die Architekten auf die

umgebende Landschaft: steile, dunkle Felskämme,

die in grasbewachsene Hänge und Felsen übergehen,

welche im Winter vollständig von meterhohem

Schnee bedeckt sind. Der Baukörper fügt sich diskret

in die Bergwelt, will nicht stören oder laut sein, eher

als ein bewohntes Landkunstwerk verstanden werden,

das unerwartete Anblicke und Ausblicke bietet.

u


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Intelligente Fassade

So ist es kein Wunder, dass Wiederverwertbarkeit

und ökologische Nachhaltigkeit zentrale Aspekte

bei der Umsetzung des Projekts waren und sind.

Dank vorgefertigter Holzbauteile konnte das Biwak

binnen einer sehr kurzen Montagezeit von nur fünf

Tagen vor Ort aufgestellt werden. Die in einer Werkstatt

gefrästen und vormontierten Module wurden

in deren Größe und Gewicht so konzipiert, dass sie

anschließend per Hubschrauber so schnell wie möglich

auf den Pass geflogen und vor Ort unkompliziert

zusammengebaut werden konnten. Der Leichtbau

ruht an seiner Unterseite nur zu einem Viertel auf

dem Boden - einerseits, um sich der Neigung vor Ort

anzupassen, andererseits, um den Landverbrauch so

gering wie möglich zu halten. Vorhandenes Schiefergestein

dient dabei als Fundament, das auch Regen

oder Tauwasser abhält.

Das Biwak wird hauptsächlich im Frühjahr und Winter

von Skitourengehern aufgesucht, bevor es auf den

Gipfel der Siebenschläfer geht, den höchsten Punkt

des Kamms, der das Val Thuras vom Cervières-Tal

in der Region Briançonnais trennt. Die Bergkette ist

ein äußerst beliebtes Ziel und der kleine Pass, der als

Standort für die Installation des Bauwerks gewählt

wurde, ein beliebter Panorama- und Aussichtspunkt,

der sich ideal für den Bau einer Notunterkunft eignet.

Mehrere Skibergsteiger oder Wanderer können

im Biwak rasten und nächtigen, bevor es in ein paar

Stunden bis zum ersehnten Ziel geht.

Das Innere des Biwaks bildet einen starken Kontrast

zur Außenhaut. Während sich der Baukörper nach außen

hin markant-heroisch präsentiert, empfängt der

Innenraum den Besucher wie ein warmes Nest. Die

harte Metallhaut verfügt auf einer Seite genau in der

Mitte am Knick über eine zweiflügelige Tür, durch die

man ins Innere gelangt. Aus der Ferne unsichtbar, offenbart

sich der Zugang erst bei näherer Betrachtung.

Der besondere Beschlag ist ein liebevolles Detail, das

von der Hingabe zum Design der Gestalter zeugt.

Über eine Schwelle betritt man das komplett mit Zirbenholz

ausgekleidete Innere der Skulptur, von den

Architekten Holzkrippe genannt. Denn die in den

Bergen heimische Zirbe wird in der alpinen Tradition

seit jeher zur Herstellung von Wiegen und Schlafzimmermöbeln

verwendet. Dem Duft der ätherischen

Öle wird eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt,

zudem ist das Holz unkompliziert in der Verarbeitung.

So findet sich die Natur mit allen Sinnen

erlebbar auch im Innenraum der Unterkunft wieder.

Das Bivacco ruht scheinbar

schwebend auf einem

Fundament aus Gestein,

das vor Ort zusammengetragen

wurde und findet

so ganz natürlich seine

Erdung.


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Andrea Cassi e Michele Versaci

Das Biwak ist trotz seiner Größe von nur 15 Quadratmetern

Nutzfläche ein kleines Raumwunder. Die

Architekten haben für das Innere ein System von

Holzstufen entwickelt, die sich an den beiden kurzen

Seiten des Gebäudes um einen zentralen Tisch

herum entwickeln. In der Nacht werden die sechs

Holzstufen, drei auf jeder Seite, zu bequemen Betten.

Am Tag sitzt die Bergsteigergemeinschaft auf dieser

über den Hang des Berges hinausragenden Konstruktion

gesellig zusammen.

So ist das Biwak Matteo Corradini mehr als nur eine

rein funktionale Notunterkunft. Dank des geschickten

Einsatzes von Material, Form und Farbe stemmt

sich das Objekt nicht gegen die Natur, sondern nutzt

vielmehr die Gegebenheiten optimal aus, münzt vermeintliche

negative Umweltaspekte in positive Effekte

um. Auf knapp 3.000 Metern haben die Architekten

auf diese Weise ein gemütliches, einladendes

und geselliges Nest geschaffen: einen Treffpunkt für

Abenteurer und Entdecker.


black body mountain shelter | matteo corradini bivouac

Cesana Torinese, Italien

Bauherr:

Planung:

Statik:

Paolo Corradini

Andrea Cassi e Michele Versaci

Luca Giacosa

Grundstücksfläche: 20 m 2

Bebaute Fläche: 20 m 2

Nutzfläche: 15 m 2

Planungsbeginn: 12/2018

Bauzeit:

3 Monate Vorfertigung, 5 Tage Montage vor Ort

Fertigstellung: 07/2019

Baukosten: 60.000 €


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Energielieferant Fassade

Die Fassade als

Energielieferant

Mikroalgen und Sonneneinstrahlung intelligent genutzt

Text: Linda Pezzei Rendering: xoio GmbH im Auftrag von Timo Schmidt Fotos: HS Augsburg


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Energielieferant Fassade

Die Vernetzung unterschiedlicher Funktionen und

Wirkungsebenen wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung

gewinnen. Ressourcen, Geld und Flächen

werden immer knapper, innovative Ansätze über den

Tellerrand hinaus gewinnen an Bedeutung. Auch der

Architektur steht ein solcher Wandel bevor - beziehungsweise

steckt diese schon längst mittendrin in

der Neuerfindung ihrer selbst. Dächer werden bereits

heute begrünt oder für das Urban Gardening und

Bienenzucht nutzbar gemacht, Baulücken oder Brachen

werden durch sinnvolle Gemeinschaftsprojekte

reaktiviert und auch in der Vertikalen finden visionäre

Entwickler eine bunte Spielwiese für Innovationen.

So soll die Fassade von morgen nicht mehr allein

ästhetischen Ansprüchen genügen, das Bauwerk

schützen, Wind und Wetter abhalten, temperieren

und Ausblicke bieten - die Fassade der Zukunft ist

ein echter Tausendsassa und produziert ganz nebenbei

noch grüne Energie. Forscher und Entwickler

tüfteln seit einiger Zeit und oft interdisziplinär an

solchen Konzepten. Universitäten, Labore und Hersteller

arbeiten in diesem Zusammenhang meist eng

zusammen und profitieren dabei vom gegenseitigen

Know-how. Ob Sonnenenergie oder Mikroorganismen

- die Bandbreite der Lösungsansätze ist so vielseitig

wie spannend.

u

Die Fassade der Zukunft

kann weitaus mehr, als

bloße Hülle eines Bauwerks

sein. Entwickler

arbeiten bereits heute an

Systemen zur effizienten

Energiegewinnung

mittels Mikroalgen oder

Sonneneinstrahlung.

Dabei soll die Fassade von

morgen natürlich trotzdem

weiterhin auch funktionalen

wie ästhetischen

Ansprüchen gerecht

werden. Eine spannende

Aufgabe für Visionäre

und Gestalter.


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Energielieferant Fassade

Strom aus Sonnenenergie

Dass aus Sonneneinstrahlung Energie gewonnen

werden kann, mag erst einmal nicht

sehr innovativ klingen – schließlich sind

Fotovoltaik und Solaranlagen seit etlichen

Jahren auf den Dächern unserer Häuser angekommen.

Neuartig hingegen ist die von

ETH-Forschern entwickelte Solarfassade,

die mittels beweglicher Paneele Strom produziert.

Im Gegensatz zu statischen Solarfassaden

kann nicht nur die Beschattung

nach Bedarf individuell geregelt werden, das

neue System kann (an einem klaren Sonnentag)

auch rund 50 Prozent mehr Energie

als die starre Konkurrenz bereitstellen.

Dr. Arno Schlüter, Professor für Architektur

und Gebäudesysteme an der ETH Zürich,

forscht mit seinem interdisziplinären Team

seit rund zehn Jahren mit dem Schwerpunkt

auf nachhaltigen Gebäudesystemen,

neuen anpassungsfähigen Komponenten

und deren synergetischen Integration in die

architektonische und stadtplanerische Gestaltung

unter Verwendung von daten-​und

computerbasierten Ansätzen für Modellierung,

Analyse, Steuerung und Regelung.

Neuester Clou: Die Entwicklung einer Solarfassade

mit beweglichen Solarpaneelen.

Laut einer in der Zeitschrift “Nature Energy”

erschienenen Studie steht am Jahresende

dank der energetischen Regulierung

von Räumen mittels des neuen Fassadensystems

ein Plus vor der Energiebilanz.

Möglich macht dies das “Gedächtnis” der

Fassade: ein lernfähiger Algorithmus. Dieser

steuert unter Berücksichtigung der

jeweiligen Nutzung der hinter der Fassade

liegenden Räume die Bewegungen der

Paneele dahingehend, dass der Energiebedarf

für Heizung und Kühlung entsprechend

minimiert werden kann.

Technisch sind die Solarpaneele soweit

ausgereift, dass diese Wind und Wetter problemlos

standhalten. Die einzelnen Elemente

sitzen nebeneinander in einer Reihe auf

dezenten Stahlseilen und können jeweils

einzeln angesteuert und horizontal wie vertikal

justiert werden. Die Bewegung erfolgt

mittels eines festen U-Gelenks und eines

weichen pneumatischen Elements, das unter

Druck seine Form verändern kann.

Am besten funktioniere das System in den

gemäßigten Regionen Mitteleuropas, wobei

wärmere Regionen gegenüber kälteren

generell im Vorteil sind. Auch bringt eine

Bürohausfassade wohl tendenziell bessere

Ergebnisse als ein Wohnbau. Laut der veröffentlichten

Studie lieferte das Testobjekt

eines Büroraums in Zürich 115 Prozent der

für die Klimatisierung des Raumes nötigen

Energie. Abgesehen von solchen Studien

und virtuellen Berechnungen wird diese

adaptive Fassade in Zukunft wohl Daten in

Echtzeit und Realnutzung liefern können,

denn sie befindet sich bereits im Bau.


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61

Energielieferant Fassade

Der Bioreaktor in der Glasfassade

Algen assoziieren die meisten Menschen

gemeinhin eher im Negativkontext (Stichwort

Eutrophierung) oder wenn schon

innovativ, dann mit dem letzten Besuch

beim experimentellen Asiaten nebenan.

Doch Algen können noch viel mehr, als unser

Ökosystem steuern oder kulinarische

Genussmomente bereiten - Algen können

auch industriell zu unserem Wohle genutzt

werden. Die Nachfrage nach bioaktiven

Substanzen für die Lebensmittel-, Futtermittel-,

Kosmetik- und Pharmazie- Industrie

wächst stetig an. Während diese Substanzen

heute mittels Biotechnologie und Bakterien

unter hohem Flächenbedarf produziert

werden, schlagen die Forscher der HS

Augsburg neue Wege ein.

Unter der Leitung von Dr. Timo Schmidt,

Professor an der Fakultät für Architektur

und Bauwesen der Hochschule Augsburg,

konnten fassadenintegrierte Fotobioreaktoren

zur Kultivierung von Mikroalgen entwickelt

werden, deren Einsatz auch den Verbrauch

von Ackerfläche mindern soll. Der

im Rahmen eines vom BMBF geförderten

Verbundforschungsvorhabens an der Hochschule

Augsburg aufgebaute 1:1 Prototyp

funktioniert als aerosolbasierter (Nebel) Reaktor.

State of the art waren bis dato aquatische

(Wasser) Fotobioreaktoren, die mehr

Gewicht aufweisen und ein Ansiedeln von

terrestrischen Algen nicht ermöglichen. Der

aerosolbasierte Fotobioreaktor erweitert somit

das Produktspektrum und ermöglicht im

Vergleich zu aquatischen Systemen einen

energieeffizienteren Betrieb.

Innovativ denken und dabei Ressourcen

schonen, lautet die Devise. Da Algen nur

Sonnenlicht und das in der Luft enthaltene

CO 2 für ihr Wachstum benötigen, bieten

sich vertikale “Anbauflächen” an Fassaden

bestens an. Bodenalgen sind deren optimale

Bewohner, da sie im Vergleich zur Wasseralge

weitaus höhere Temperaturen (bis

zu 100 Grad Celsius) unbeschadet überstehen

können. Wenn die Kultur also in einem

geschlossenen, kontrollierbaren Bioreaktor

gehalten werden kann, der fähig ist, Synergismen

mit dem Gebäude/Quartier (CO 2 ,

Abwärme, Verschattung, Wasseraufbereitung)

zu bilden, dann eignet sich eine entsprechende

Fassadenintegration. Produktionsanlagen

mit hoher Abwärme und hohem

CO 2 -Ausstoß seien laut Prof. Dr. Schmidt

potenzielle Zielobjekte. Im Allgemeinen

seien die Fassaden aber in Klimaregionen

mit weitgehend konstanter Temperatur gut

einsetzbar.

Dank ihres hohen Eiweiß-, Vitamin- und

Mineralgehalts sind Algen prädestiniert für

die Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln

sowie für die pharmazeutische Nutzung.

Während die konventionelle vertikale

Landwirtschaft mit erheblichem Aufwand

verbunden ist, fungieren die Algen auf einfache

und günstige Weise als hochwertiger

Dünger für die Nahrungsmittelproduktion.

Die Algen können genauso wie ein Apfel

oder eine Tomate am Ende ihres Reifeprozesses

geerntet und weiterverarbeitet werden.

Großer Pluspunkt: Licht und CO 2 als

“Futtermittel” der Algen kosten nichts, nur

der Reaktor muss mitsamt Medium einmalig

angeschafft werden.

Bislang gibt es zu diesem Thema zwar

eine Vielzahl an Forschungsprojekten,

aber wenig konkret in der Realität erprobte

Beispiele. Man mag also auf innovative

Bauherren und mutige Architekten hoffen,

die die Kooperation mit Wirtschaft und Forschung

nicht scheuen und in Folge neben

der Funktion auch die Ästhetik an unsere

Fassaden der Zukunft bringen. Prof. Dr.

Schmidt jedenfalls sieht in der unterschiedlichen

Bewuchsdichte der transluzenten

Elemente das Potenzial einer spannenden,

dynamischen Innenraumbeleuchtung - obgleich

auch er zugeben muss, dass die

Fassadensysteme bei den heutigen niedrigen

Energiepreisen derzeit finanziell nicht

konkurrenzfähig sind. Aber das kann sich in

Zukunft ja schnell ändern …


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RETAIL architektur

Art is

everywhere!

Es ist eine Welt abseits der gewöhnlichen. Tagtäglich sind wir mit einer Überfülle

an Produkten konfrontiert, die uns die Kaufentscheidung mitunter erschwert. Als

Antipode dazu setzt der Louis Vuitton Store in Seoul, Südkorea, auf wenige, dafür

in umso exklusiverem Rahmen, präsentierte Stücke. Es gibt keine gewöhnlichen

Regale, dafür innen und außen Architektur vom Feinsten.

Fotos: Yong Joon Choi


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63

RETAIL architektur

Außen hat Architekt Frank Gehry für den ersten Eindruck

gesorgt. Der Laden wurde eigentlich schon

2000 in Cheongdam-dong im Gangnam Bezirk eröffnet

und nun zum Flagship-Store redesigned. Sein

Entwurf bezieht sich stark auf die koreanische Kultur

und Tradition, wie zum Beispiel den traditionellen

Dongnae Hakchum (Kranichtanz). Dessen dynamische

Bewegungen haben Gehry zu der gekurvten

Glasfassade des Shops inspiriert. Das Resultat ist

eine durchaus poetische, jedoch exakt der Gehryschen

Art entsprechende Gestaltung. Der Architekt

verwendete wieder einmal seine gekurvten Glasflächen,

jeder Teil ist einzeln gefertigt und gebogen

auf einzelgefertigten Metallrahmen montiert. Das

Glas bedeckt die gesamte Eingangsseite der Architektur,

beginnend mit einem Zick-Zack-Vestibül und

Schaufenster, dann aufwärts mit einer Serie von geschlossenen

Terrassen und oben in einer Wolke von

gebogenen Glastafeln kulminierend. Das erzeugt

die Impression einer Flugbewegung, oder als ob das

Dach selbst sich in den Wolken aufzulösen versucht.

Wände und Grundmauern des Gebäudes sind aus

weißen Steinen gemacht – das trägt natürlich zu dem

Anschein von Leichtigkeit und Abheben bei. Schon

das Schaufenster zur Straße zeigte während der Eröffnung

weniger Mode, als kunstvolle, aus gefärbten

Papieren gefaltete, lebensgroße Baumskulpturen.

Für die klassisch, konservativen Innenräume konzipierte

Architekt Peter Marino die Bereiche als Dialog

mit Gehrys Fassade. Harmonisch vermengen sich

ausgedehnte Räume mit edlen Nischen, das Innere

offenbart eine exklusive Erfahrung, in der der Kunde

in eine Welt aus Kunst, Handwerk und Geschicklichkeit

eintauchen kann. Von der Eingangshalle mit

zwölf Meter Höhe wird man über ein luftiges Stiegenhaus

zu den weiteren fünf Ebenen und zu fast intimen

Lounges geführt. Verschiedene Steintexturen

erwecken den Eindruck, als seien Nischen aus ihnen

herausgehauen worden. Das Rechteckige der Räume

steht in einem starken Kontrast zur fast barocken

Glasfläche im Außenraum. Architekt Marino hat auch

– und das ist ein Markenzeichen und Marketingkonzept

von Vuitton – die Kunstwerke und Künstler ausgesucht

und in die Innenräume gehängt. Sie mischen

sich mit den wenigen Modestücken und Accessoires

– strategisch hängen farbenprächtige Bilder und

überall ist Kunst.


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64

RETAIL architektur

Modisches

Glaskabinett

Das chinesische Modehaus Geijoeng hat das Potenzial von Social Media erkannt und

entschied sich für ein extravagantes Shopdesign, das als Hintergrund für Selfies und

Fotos ausgezeichnet funktioniert. Das Architekturbüro studio 10 ist für die Gestaltung

dieses neuen Concept Stores in der chinesischen Stadt Shezhen verantwortlich.

Fotos: Chao Zhang


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65

RETAIL architektur

Schon von außen wirkt der Shop alles andere als

unscheinbar. Die an der Wand und Decke angebrachten

Spiegel verstärken die Wirkung des dominierenden

Materials Glas. Es wird in Form von Glasbausteinen

und länglichen Glasteilen eingesetzt,

die die Wände, den Fußboden und die massiven

Sockelelemente bilden.

Die für den Kunden relevanten Kleidungsstücke werden

auf filigranen weißen Kleiderstangen zur Schau

gestellt, die sich auf massive mineralische Sockel

stützen. Im Shopbereich ist der Fußboden belegt mit

Bodenplatten einer hochskalierten Terrazzostruktur.

Die Glaselemente werden als raumbildendes Element

verwendet und bilden so die notwendigen Umkleidekabinen.

Die Privatsphäre in diesen transparenten

Räumen muss man sich durch das Zuziehen des innen

liegenden Vorhanges erst selbst schaffen.

Durch das Zusammenwirken von Glas, den Metalloberflächen,

den entsättigten Grüntönen und Weiß

wird eine kühle Raumatmosphäre erzeugt. Der Erlebnisfaktor

wird dabei großgeschrieben: Den Kunden

sollen nicht nur die präsentierten Kleidungsstücke in

Erinnerung bleiben, sondern auch der Hintergrund,

vor dem sie dargeboten werden.


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66

RETAIL architektur

Endzeitdisplay

Auf insgesamt 250 Quadratmeter Fläche hat das Büro von Kostas Chatzigiannis

Architecture (KAC) in Shanghai den „Shouter Store“ mit einer Kulisse

aus halb offenen Wänden, Löchern und Rissen versehen. Diese Raumteilungen

sind Wände aus Beton, mit großen Öffnungen wie bei einem Abbruchgebäude

oder nach einem Bombentreffer.

Fotos: Derryck Menere


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67

RETAIL architektur

Risse sind teilweise mit Neon oder LED hinterleuchtet.

Diese aus einer dystopischen Welt stammenden Raumelemente

werden zu Fassaden, die die ausgestellten Designstücke

in Versatzstücke aus einer verloren gegangenen

Zeit transformieren.

Interessant ist hier der Kontrast zwischen der rohen Materialität

und der glatten Eleganz der ausgestellten Objekte.

Die Möbel und Accessoires erinnern ein bisschen

an die Zeit des Memphis-Designs und Alessandro Mendini.

Aber sie sollen angeblich den Zeitgeist der modernen

Menschen und ihren Wohnbedürfnissen in Shanghai

entsprechen. Jedenfalls gibt es einen Markt dafür.

Die verschiedenen Kollektionen eigenartiger, spielerischer,

oft limitierter Möbel und Gegenstände fügen

sich gut in die Rauminszenierung ein. Kleinere Objekte

stehen in Vitrinen, größere sind durch beleuchtete Metallrahmen

geschützt und getrennt, über allem schwebt

eine abgehängte Decke aus einem Stahlgitter. Besucher

können frei durch die unterschiedlichen Öffnungen

zirkulieren und durch diverse Ein- und Ausgänge den

Raum wieder verlassen. Die weitere Materialpalette erstreckt

sich über Terrazzo, zu Marmor, Glas und gefärbten

Kunstharzregalen.


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RETAIL architektur

Spiegelkabinett

Für den neuen Laden der Marke CONCEPTS in Shanghai mussten sich die

beauftragten dongqi Architects etwas Besonderes einfallen lassen. Das Lokal

befindet sich in einem der traditionellen Gebäude des sogenannten Shikumen-Stils.

Dieser traditionelle Shanghaier Baustil, der westliche und chinesische

Elemente kombiniert, tauchte erstmals in den 1860er Jahren auf.

Fotos: dongqi Architects


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69

RETAIL architektur

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität gab

es in Shanghai über 9.000 Gebäude im Shikumen-Stil,

sie machten 60 % des gesamten

Baubestandes der Stadt aus. Dieses Ziegelgebäude

stand nun schon seit über 100 Jahren

und entsprach der Typologie der steinernen

Lagerhäuser der Stadt. Die Architekten

haben die ursprüngliche Fassade restauriert

und die Innenräume mit einer zeitgemäßen,

metallischen Intervention aufgewertet.

Das Layout des Grundrisses sieht zwei getrennte

Zonen vor: der alltägliche Verkaufsbereich

und eine Zone für die Präsentation

von limitierten Sneakerserien. Für diese

Trennung entwickelten die Planer zwei getrennte

atmosphärische Bereiche. Der vordere

Teil des Shops ist in der typischen gemütlichen

Ausstattung des Shikumen-Stils

des alten Shanghais gehalten und somit

ideal für Produktpräsentationen und Events.

Der hintere Teil ist ganz bewusst von der

Hauptblickrichtung separiert und so wird

schon eine geheimnisvolle Stimmung kreiert.

Im Gegensatz zu vorne (Ziegel und Parkett)

schaffen hier anodisiertes Aluminium,

rostfreier Stahl, Metallgewebe, Glasfaser

und Terrazzo eine eigene Atmosphäre.

Das Originalgebäude hatte eine Säulenreihe

in der Raummitte. Die Architekten entschlossen

sich, diese Wirkung durch zwei

weitere, seitlich angeordnete Reihen zu

verstärken. So ließ sich auch das regenschirmartige

Raumsystem verwirklichen,

das fast zur Gänze aus Metall besteht. Die

jeweils zwischen den Säulenreihen installierten

metallenen Bögen verstärken die

Kraft und Struktur des länglichen Raumes.

In und unter den Gewölbebögen befinden

sich relativ unabhängige und unauffällige

Displays für die Waren. Diese Elemente sollen

ein Gefühl der Feierlichkeit für den Kunden

schaffen und das Einkaufen zu einem

Erlebnis stilisieren. Außerdem hält man so

die Verkehrswege im Store frei und dramatisiert

den Raum.

Die aus unterschiedlich großen Metallstreifen

geformten Bögen sind eigentlich

nur eine Fassade, eine Verkleidung der

statischen Säulen. Ihre anodisierten Aluminiumteile

werden mit Fittings (die speziell

für den Auftraggeber entworfen und produziert

wurden) fixiert. Die Beschläge ermöglichen

eine 3-achsige Rotation der Lamellen,

sodass praktisch jede vom Kunden

gewünschte Stellung erreicht werden kann.

Ebenso werden diese Fittings für Regale,

Wände der Umkleidekabinen, Displays, Türgriffe

und Aufhängungen verwendet.

Die Seitenwände des Raumes sind mit auf

Hochglanz polierten Metallplatten verkleidet,

so erweitert sich durch Spiegelungen

der Raum und verdoppelt optisch die Zahl

der Säulen. Eine weitere optische Illusion

oder Verwischung wird durch – sich mit der

orthogonalen Projektion der Bögen – überlappende

Linien und wechselnde Terrazzomischungen

im Bodenbelag erzielt.

Zitate dieser Gestaltung findet man dann

auch in der Fassade, und zwar bei den Türund

Fensterumrahmungen wieder, hier wurde

der rostfreie Stahl zur Verschönerung

der alten Ziegelfassaden verwendet. Er

symbolisiert auch den Passanten als erstes

Zeichen, dass hier etwas Besonderes im Inneren

der alten Architektur passiert ist.


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RETAIL architektur

Maßstabsverwischung

Gigantische Woll- und Garnknäuel drängen aus dem Schaufenster des Rockbund

Art Museum in Shanghai. Die Fassade scheint einem surrealistischen Film entsprungen

zu sein. Die Knäuel materialisieren sich im Inneren, hinter der Glasscheibe und

einigen gelingt sogar der Weg in den Außenraum. Dieses außergewöhnliche Design

entwickelte das in Beijing, Hongkong und Vancouver agierende Architektur- und

Designstudio WAY.

Fotos: i-Joyer Photography

Gerade rechtzeitig zu Weihnachten 2019 wurde diese

Fassaden- oder Schaufenstergestaltung der Öffentlichkeit

präsentiert. Die Designer wollten mit dieser

Gestaltung den üblichen Weihnachtsschaufenstern

einen Kontrapunkt setzen. Statt drei Fenstern mit jeweils

eigenen Markenpräsentationen und Artikeln und

Displays zu präsentieren, vereinten sie den Raum hinter

den Scheiben zu einem ganzen Eventspace. Die schwebenden

Bälle sind ausgehöhlt und in ihnen werden die

diversen Brands oder Weihnachtsprodukte präsentiert:

In der Mitte finden sich Geschenke für alle Sinne, links

wird Werbung für eine Kaffeemarke gemacht und rechts

sieht man die wohl berühmteste Fotomarke der Welt.

Diese Präsentation verweist direkt auf das Rockbund

Art Museum mit seinen Künsten und den fotografischen

Spezialausstellungen.

Auf einer Gesamtfläche von 48 m 2 und mit einer Höhe

von 3,3 m wirkt diese „Fassade“ wie eine Reminiszenz

der Erde oder des Weltraums, der Passant kann sich das

jedenfalls beim Vorbeigehen überlegen. Bis Mitte Jänner

2020 war dieses Schaufenster in Shanghai zu sehen.


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RETAIL architektur

Anspruchsvolles

Raumregal

Das Wiener Architektenteam heri&salli gestalteten 2015 einen Showroom für den

Essig- und Bierbrauer Erwin Gegenbauer und bezeichneten ihn passend als „Edelsauren

Laden“. Dessen Raumkonzept greifen sie nun für denselben Bauherren als

Verkaufsraum am Wiener Naschmarkt auf und zeigen, dass es auch für die geringere

Grundfläche im neuen „Edlen Laden“ hervorragend geeignet ist.

Fotos: Hans Schubert

Die Warenpräsentation im „Edlen Laden“ ist von der

Zweidimensionalität losgelöst, das Verkaufsregal

greift die dritte Dimension auf und erscheint raumumfassend.

Es erstreckt sich entlang der Wände und

der Decke, zieht sich von dort sogar in den Raum hinein.

Als Holzkonstruktion ausgeführt nimmt es alle

notwendigen Funktionen in sich auf. Neben der Präsentationsfläche

und dem erforderlichen Stauraum

sind auch die Verkaufstische, der Kassatresen, ein

Waschbecken und Anrichten untergebracht.

Falls benötigt, können klappbare Tische als zusätzliche

Nutzfläche geöffnet werden. Der Verkaufsraum

mit annähernd quadratischer Grundfläche ist auf drei

Seiten zum Marktraum hin geöffnet. Über eine Seite

kann er betreten werden, auf den beiden anderen

verglasten Seiten ist er durch das Raumregal hindurch

einsehbar und weckt so mit seinen Produkten

und der Konstruktion die Neugier der Passanten. Mit

seinem Essig, dem Bier und dem Kaffee stellt der Laden

eine Bereicherung für den Markt dar und macht

seiner Bezeichnung auch durch die Shopgestaltung

alle Ehre.


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72

RETAIL architektur

Städtische

Blumenwiese

Blumen, Blätter, Bäume, zarte Farben, Licht, ein süßlich frischer Duft – das

vermittelt Architekt Román Izquierdo Bouldstridge mit seinem Projekt für den

Floristen Colvin in Barcelona.

Fotos: Adrià Goula


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| BA12-14G |

Eine Steuerung

RETAIL architektur

für alle Gewerke

Integrale, PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff

Nichts erinnert mehr daran, dass sich zuvor in dem Geschäftslokal

eine Bankfiliale befunden hat. Die hohen

Decken wurden wiederhergestellt, das Ziegelmauerwerk

freigelegt und beides weiß gestrichen. Im Vordergrund

stehen die Blumen und Blumensträuße, die auf unterschiedlich

hohen Holzzylindern präsentiert werden.

Diese dienen auch als Pflanztröge für die behutsam platzierten

Bäume und als Kassenpult. Große Schaufenster

mit Holzrahmung vermitteln den Passanten schon

einen Teil des überwältigenden Eindrucks, der sie im

Geschäft erwartet. Nach hinten schließt der Raum mit

einem Schiebetürensystem ab, das die straßenseitigen

Öffnungen in gewisser Weise spiegelt. Fixe und auch

bewegliche Türelemente aus Glas markieren hier den

Übergang zu einer privateren Zone. Dort werden die einzelnen

Blumenbouquets und andere Bestellungen von

den Floristen zusammengestellt. Im hintersten Bereich

des Ladens sind dann noch Lager und Kühlraum, sowie

Büro und Sanitärbereich untergebracht.

Alle Bereiche strahlen Leichtigkeit und Wohlbefinden

aus, auch der rohe Charakter der Wände und Decke

findet sich überall wieder. Eichenholz findet sich bei

verschiedenen Elementen wieder und unterstreicht den

einheitlichen Charakter. Nur die Möblierung unterscheidet

sich und kennzeichnet die verschiedenen Bereiche.

www.beckhoff.at/building

Microsoft Technology

Center, Köln:

Die integrale Gebäudeautomatisierung

wurde mit

PC- und Ethernet-basierter

Steuerungstechnik von

Beckhoff realisiert.

Die offene, PC-basierte Steuerungstechnik von Beckhoff bildet die

Grundlage einer integralen Gebäudeautomation, die alle Anforderungen

an eine nachhaltige und effiziente Lösung erfüllt. Eine

einheitliche Hard- und Softwareplattform steuert alle Gewerke, von

der nutzungsgerechten Beleuchtung über die komfortable Raumautomation

bis zur hocheffizienten HLK-Regelung. Das Ergebnis:

Durch die optimale Abstimmung aller Gewerke werden die

Energieeinsparpotenziale über die Energieeffizienzklassen hinaus

voll ausgeschöpft. Darüber hinaus reduziert die integrale Gebäudeautomation

Hardware-, Software- und Betriebskosten. Für alle

Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung,

die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen

oder -änderungen sind jederzeit möglich.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


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Licht

Vier Fassaden

Die Beleuchtung der Fassade des Ameron Frankfurt Neckarvillen Boutique Hotels

zeigt, wie Licht als Gestaltungsmittel die denkmalgeschützten Fassaden als einzigartiges

Ensemble betont und zugleich ihre historische Bedeutung respektiert.

Text: Alexander Magyar Fotos: Ameron Frankfurt Neckarvillen Boutique

Vier unterschiedliche, historistische und denkmalgeschützte

Fassaden, die nach dem Umbau der zwei

Doppelhäuser zur Visitenkarte eines First Class Hotels

im prominent-hippen Frankfurter Bahnhofsviertel

werden – das war die Ausgangslage für die Lichtgestaltung.

Ziel war, die Fassaden sowohl in ihrer

Einzigartig- und Unterschiedlichkeit zu betonen, als

auch ihre Zusammengehörigkeit - für die neue Nutzung

als Hotel - sichtbar zu machen.

Die vier denkmalgeschützten Villen in der Neckarstraße

7 – 13 in Frankfurt gehören zu den historisch

wertvollsten und interessantesten Häusern in Frankfurt.

Erbaut zwischen 1905 und 1906 sind zwei der

Fassaden dem Jugendstil, die anderen Beiden dem

Neobarock bzw. der Neorenaissance zuzuordnen.

Während sie sich im Stil stark voneinander unterscheiden,

ist das Material dasselbe: Heller, fränkischer

Sandstein.

Die vorgeschlagene Lösung fand nicht nur die uneingeschränkte

Zustimmung des Auftraggebers, sondern

auch des Bundesdenkmalamtes: Die Lichtlösung

berücksichtigt die Unterschiedlichkeit der vier

Fassaden, indem sie die historisch wichtigen Elemente

akzentuiert – es gab also nicht eine, sondern vier

individuelle Lichtlösungen. Die Zusammengehörigkeit

entsteht durch die Verwendung einer Lichtfarbe

und ähnlicher Abstrahlwinkel, die das Material Sandstein

hervorheben. Insgesamt kamen 190 Leuchten

und sieben verschiedene Strahlertypen zum Einsatz.

Auf Wunsch des Bundesdenkmalamtes wurden die

Oberflächen aller Strahler in einer eigens vorgegebenen

RAL-Farbe, passend zu Fassadenfarbe, als Sonderanfertigung

für dieses Projekt angefertigt.


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Licht

DI Ute Giesecke von Giesecke & Giesecke Architektur

verantwortete den Um- und Ausbau des Ensembles

zum Ameron Frankfurt Neckarvillen Boutique

Hotels mit 133 Zimmern, eines von 15 Hotels der

Ameron-Gruppe in Europa. Die Ameron-Gruppe hat

es sich zur Aufgabe gemacht, in ihren Hotels hervorragende

Lage, erstklassige Architektur und stilsichere

Innenarchitektur zu verbinden. Das Interieurdesign

stammt von Luigi Fragola.

Die Hotelbetreiber erhalten sowohl von ihren Gästen

als auch von der Frankfurter Bevölkerung ausschließlich

positive Rückmeldungen für eine Lichtlösung,

die die Schönheit der Fassaden sichtbar macht

und zugleich ihre historische Bedeutung respektiert.

Zum Autor:

Mit seinem Lichtgestaltungsbüro „Illuminator“ realisiert

Alexander Magyar als freier Lichtplaner projektbezogene,

individuelle Lichtlösungen.

www.illuminator.at

Projekt: Fassadenbeleuchtung im Zuge des Um- und Ausbaus

des Ameron Frankfurt Neckarvillen Boutique Hotel

Auftraggeber / Bauherr: NeVi GmbH & Co.KG

Hotelbetreiber: Ameron Hotels, www.ameronhotels.com

Lichtberatung & Projektleitung: Manfred Peckal, www.peckal.at

Architektur: DI Ute Giesecke, Giesecke & Giesecke Architektur, München

www.giesecke-giesecke.de

Zeitplan: 2017 – 2018 Lichtplanung, Oktober 2019 Eröffnung


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Produkt News

Unverwechselbare und

nachhaltige Holzoptik

Zwei Marktführer bündeln ihre Kompetenz für neue Produkte von außerordentlicher

Qualität und Nachhaltigkeit: BEGA als Leuchtenproduzent sowie Aubrilam als

weltweit geschätzte Marke für High-Performance-Holzmaste, Poller und Lösungen

für die Stadtmöblierung präsentieren im Rahmen ihrer Systempartnerschaft eine

Reihe überzeugender Beleuchtungslösungen mit unverwechselbarer Holzoptik.

Holz- und Metallkomponenten sowie Lichttechnik

von hoher Qualität bilden die Grundlage für die Produkte,

die BEGA und Aubrilam als Partner präsentieren.

So entstanden nachhaltige, werterhaltende

Leuchten in spannender Materialkombination. Sie

tragen dem Marktinteresse an derartigen Werkstoffkombinationen

Rechnung und setzen optische Akzente.

„Beste Lichttechnik und Metallverarbeitung,

die als eingetragene Warenzeichen geschützt sind,

treffen auf beste Holzverarbeitung“, sagt Heinrich

Gantenbrink, geschäftsführender BEGA Gesellschafter.

„Da für beide Partner die Philosophie elementar

ist, dass allein außergewöhnliche Qualität sowie die

Langlebigkeit der Produkte akzeptabel sind, ist diese

Kooperation ein logischer Schritt zur Erweiterung

unseres Portfolios.“

Die BEGA Systempollerleuchten mit freier Wahl der

Pollerleuchtenköpfe wurden um Holzpollerrohre mit

dem von Aubrilam gelieferten passgenauen und maßhaltigen

Accoya®-Holz erweitert. Im Rahmen der Partnerschaft

wurden zudem für den öffentlichen Bereich

Lichtbauelemente mit unterschiedlichen Licht- und

Beleuchtungslösungen sowie Holzmaste für Aufsatzleuchten

entwickelt. Für Grünflächen und Parks werden

Garten- und Wegeleuchten produziert, die das

moderne Kombinationsverständnis der unterschiedlichen

Materialien Aluminium, Aluminiumguss und Holz

mit unverwechselbaren Leuchten berücksichtigen.

Für alle Komponenten der neuen Leuchten gilt der

Aubrilam und BEGA Grundsatz: Höchsteffizienter

Schutz vor Wetter- und Umwelteinflüssen garantiert

die Wertbeständigkeit der Produkte. „Darüber hinaus

sind und bleiben aber selbstverständlich auch

die Betreuung und der Service im Aftersales-Bereich

wichtige Elemente unserer Kundenkommunikation“,

betont Heinrich Gantenbrink.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


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77

Produkt News

Licht und Transparenz

Die Leuchte Iris-L 600 von RIDI, die als Pendel-, Aufbau- und Wandleuchte angeboten

wird, setzt neue Maßstäbe in der Architekturbeleuchtung. Das komplett neu

entwickelte, transparente Gehäuse aus teilprismatischem Kunststoff gibt Einblicke

in die innenliegende Technik und ermöglicht in allen Bauvarianten eine außerordentlich

effiziente Beleuchtung.

Die Kombination aus klarer Transparenz,

mikroprismatischer Lichtlenkung und diffus

streuender seitlicher Gehäuseflächen

ergeben ein eigenständiges Bild. Wie das

menschliche Auge, gibt es die Iris in verschiedenen

Farben. Diese Akzente werden

durch seitliche Folien erzeugt – und können

z.B. das Corporate Design eines Unternehmens

widerspiegeln.

Das transparente, ringförmige Leuchtengehäuse

mit 600 mm Durchmesser liefert

bis zu 10.600 lm Lichtstrom und ist standardmäßig

in Lichtfarben 830, 840 und in

Tunable White erhältlich. Die abgependelte

Variante verfügt zudem über einen magnetisch

geschlossenen Baldachin ohne Sichtschrauben.

RIDI Leuchten GmbH

T +43 (0)1 7344 210-0

office@ridi.at

www.ridi-group.com


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78

Produkt News

Funktionserhalt schützt Leben

Das 1938 gegründete heimische Traditionsunternehmen Siblik Elektrik beschäftigt

über 130 Mitarbeiter an vier Standorten in Wien, Graz, Vöcklabruck und

Innsbruck. Namhafte in- und ausländische Hersteller aus der Elektro- und Haustechnik-Branche

sind eng mit Siblik verbunden und werden exklusiv in Österreich

vertreten. Wie etwa das Unternehmen Spelsberg, das unter der Dachmarke

„Lifeline“ smarte Brandschutzlösungen anbietet, die auch im Brandfall unterbrechungsfrei

arbeiten.

Nur absolut zuverlässige Produkte können

im Falle eines Brandes den elektrischen

Funktionserhalt sicherstellen und somit die

Ausbreitung eines Feuers verhindern um

Leben zu schützen. Aufzüge, Notbeleuchtung,

Entrauchungsanlagen – bei Bränden

sind diese und weitere Sicherheitseinrichtungen

überlebenswichtig. Gerade in Gebäuden,

die von vielen Menschen frequentiert

werden, gilt es, sicherheitstechnische

Anlagen möglichst immun gegen Feuer

und Hitze zu halten. Besondere Bedeutung

kommt in diesem Zusammenhang den Kabelabzweig-

und Verbindungskästen zu. Sie

sind die verbindenden Elemente, die nicht

nur Strom weiterleiten und verteilen, sondern

auch wichtige Daten, etwa von Feuer-

und Rauchmeldern, die über Kommunikationsleitungen

durch Kabelabzweig- und

Verbindungskästen laufen.

Lifeline-Produkte garantiert die Funktion

dieser lebensrettenden Anlagen: Die Kabel-

abzweig- und Verbindungskästen, sowie

die WKE-AK Kleinverteiler bieten im Brandfall

elektrischen Funktionserhalt zwischen

30 und 90 Minuten und sorgen somit im

Ernstfall für einen wertvollen Zeitgewinn

für eine Evakuierung und den Kampf gegen

das Feuer.

Verbinden, abzweigen, absichern

Die Serie WKE 2-6 von Lifeline präsentiert

sich in drei Gehäusegrößen. Die Produkte

sind mit feuerfesten Basisträgern, Trägerschienen

und Klemmen aus hochtemperaturbeständiger

Spezialkeramik bestückt. Aufgrund

ihrer Witterungsbeständigkeit eignen

sie sich auch für Außenanwendungen. Die

Kästen werden vormontiert ausgeliefert und

sind mit ihren 90 Grad drehbaren Außenbefestigungslaschen

sofort einsatzbereit.

Die Kabelabzweig- und Verbindungskästen

für Kommunikationslösungen von Lifeline

sind flexibel einsetzbar und umfassen bis

zu 32 Klemmen. Ausgeliefert werden sie in

zwei Gehäusegrößen mit einem elektrischen

Funktionserhalt von 30 bis 90 Minuten.

Das Lifeline-Sortiment bietet darüber hinaus

auch Kabelabzweig- und Verbindungskästen

mit eingebauter Sicherung. Im Hauptstrang

beträgt der elektrische Funktionserhalt hierbei

30 bis 90 Minuten. Bei dieser Lösung

wird für jeden Brandabschnitt ein separater,

abgesicherter Abzweig installiert. Im Fehlerfall

werden elektrische Verbraucher automatisch

vom Hauptstrang getrennt. Daher ist

bei Versorgungsausfall lediglich der jeweilige

Abschnitt bis zur Sicherung betroffen.

Bei Kurz- oder Erdschlüssen kann auf diese

Weise der Ausfall der gesamten Anlage verhindert

werden.

Siblik Elektrik GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 68 006-0

info@siblik.com

www.siblik.com


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79

Produkt News

Gut für Körper und

Geist!

Gesundheitsschutz

für Verarbeiter und

Bauherren.

Martin Dolenz

Rhode Oberflächentechnik

aus Enzersfeld

X-CUBE X2

Optimierte Lösungen

Mit der X-CUBE Raumlufttechnik-Geräteserie hat TROX neue Maßstäbe für Flexibilität,

Hygiene, Energieeffizienz, Wartungsfreundlichkeit und Vernetzbarkeit gesetzt. X-CU-

BE X2 ist eine neu entwickelte Baureihe, mit der TROX sein X-CUBE Programm nun

gezielt erweitert. Die Geräte der neuen Baureihe sind die optimale Lösung für Volumenströme

bis 25.000 m³/h (6,9 m³/s). Sie sind frei konfigurierbar und können für alle

Luftbehandlungsvorgänge eingesetzt werden.

Der X-CUBE X2 compact deckt dabei Volumenströme bis 15.000 m³/h (4,2 m³/s) ab.

Vorkonfiguriert zeichnet er sich durch eine besonders kurze Lieferzeit aus. Mit den

aufeinander abgestimmten Komponenten und der cleveren integrierten Regelung arbeitet

er höchst effizient. Ein konstruktives Highlight der neuen Serie ist der optional

erhältliche schwingungsgedämpfte Grundrahmen. Das RLT-Gerät kann hiermit direkt

auf den Untergrund gestellt werden – ganz ohne zusätzliche schwingungsentkoppelnde

Maßnahmen.

Mit dem webbasierten X-CUBE Konfigurator kann das RLT-Gerät ganz einfach anhand

individueller Parameter konfiguriert werden. Nach Eingabe von wenigen Informationen

wie Aufstellungsart und Wärmerückgewinnung sowie der wichtigsten Dimensionierungspunkte

ermittelt das System sekundenschnell die optimale Geräteauslegung und

prognostiziert standortspezifisch die Lebenszykluskosten. Investitions-, Wartungsund

Energiekosten werden detailliert aufgeschlüsselt und verständlich visualisiert.

Ausgestattet ist der X-CUBE X2 mit der neuen Steuerungssoftware X-CUBE control

2.0. Das Gerät lässt sich über ein hochperformantes Touchpanel bedienen und an die

TROX Systeme X-AIRCONTROL, TROXNETCOM und X-TAIRMINAL anbinden. Die Monitoring-Funktionen

mit automatischen Statusmeldungen ermöglichen eine bequeme

Systemkontrolle rund um die Uhr.

Über BACnet IP oder Modbus TCP/IP wird der X-CUBE X2 nahtlos in die Gebäudeleittechnik

integriert. Dank dieser universellen Vernetzbarkeit lässt sich die Leistung des

Geräts anforderungsgerecht steuern. So wird bester Komfort mit maximaler Energieeinsparung

verknüpft.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox@trox.at

www.trox.at

BEST4YOU

Die Produktlinie für Profis

MUREXIN Produkte verwende ich

schon ewig und drei Tage. Weil sie

unbedenklich in der Verarbeitung

sind. Zusätzlich fordere ich auch

meinen Geist mit Schulungen

im neuen MUREXIN Technikum.

Dort erlernt man auch alles über

BEST4YOU, die Produktlinie mit

Premium-Qualität, großer Umweltfreundlichkeit,

maximaler Performance

und hoher Arbeitserleichterung.

Mein Produkttipp:

Physiologisch unbedenklich:

Murexin Natursteinteppichharz MS-1K

RLT-Gerätekonfigurator

MUREXIN. Das hält.


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80

Produkt News

Das Bad als Wohnraum

Der Sanitärspezialist Laufen bietet Qualität und Design aus österreichischer Produktion,

wobei eine Hauptrolle im Produktprogramm das revolutionäre Material

SaphirKeramik spielt: Das ausgesprochen schlanke Material verfeinert die Raumwirkung

des Bades und besitzt gleichzeitig das gestalterische Potenzial, dem Bad

mit haptischen Oberflächentexturen eine neue wohnliche Qualität zu verleihen.

Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen hat Laufen

mit renommierten Designern kooperiert und mit ihnen

Produkte aus SaphirKeramik entwickelt, die Architekten

und Badplanern neue Spielräume bei der Ausstattung

hochwertiger, wohnlicher Bäder schenken.

„The New Classic“ ist eine neue Badkollektion von

Laufen, für die Star-Designer Marcel Wanders klassische

Formen mit SaphirKeramik neu interpretiert hat.

In jedem Stück der Kollektion verbinden sich Flair

und Kreativität des Designers mit der meisterhaften

Beherrschung des Materials durch Laufen. Ikonische,

klassische Formen verbinden sich mit femininen, geschwungenen

Linien. Die neue Kollektion umfasst

Waschtische und Waschtisch-Schalen, WCs, ein Bidet,

Badewanne, Armaturen, Spiegel und Accessoires

sowie Möbel.

Konstantin Grcic realisiert für Laufen den Traum vom

Designer-Bad aus einem Guss. Seine vielfach prämierte

Linie Val wurde nun um eine neue Funktion

erweitert und konzentriert sich mit neuen Waschtischen

besonders auf kompakte und anspruchsvolle

Badgrungrisse. Dabei zeigt sich, dass die SaphirKeramik

für diese Aufgabe geradezu prädestiniert ist.

Dank ihrer feinen Wände und schmalen Kantenradien

tragen die Waschtische aus der innovativen Keramik

kaum auf, was die Raumwirkung gerade bei kleinen

Bädern transparenter und freier macht.

LAUFEN Austria AG

T +43 (0)2746 6060-0

office.wi@at.laufen.com

www.laufen.co.at

LAUFEN Showroom Wien

Salzgries 21, 1010 Wien

Ausgestellt sind die Serien

„The New Classic“ und „Val“.


www.architektur-online.com

81

Produkt News

Funktional und zeitlos…

…das sind Attribute, die für Badprodukte von Repabad stehen. Die Entwickler des

Badspezialisten setzen ihre Schwerpunkte darauf, Produkte und Badlösungen zu

schaffen, die verschiedenen Stilrichtungen entsprechen und sich individuell in

jedes Badezimmer einfügen. Auch Understatement ist ein Privileg der Repabad

Produkte: Badewannen, Duschen und Badspiegel zeigen oft erst auf den zweiten

Blick, was alles in ihnen steckt.

Die vermeintliche Dusche ist zum Beispiel ein Dampfbad

mit Zusatzfunktionen wie Infrarot, Sole, Musik,

Farblicht- und Aromatherapie. Oder die Badewanne

versteckt gekonnt Lautsprecher, Scheinwerfer

und Massagedüsen. Und auch der Spiegel oder die

Waschtischplatten aus Mineralwerkstoff entpuppen

sich als Soundbox.

Produkte aus dem Hause Repabad machen das Badezimmer

zum Private Spa und ermöglichen zum

Beispiel auch Hotels mit eingeschränkten Platzverhältnissen,

im Wellness-Markt ein Wörtchen mitzureden.

Damit ist das Private Spa erst zweitrangig von

den zur Verfügung stehenden Raumverhältnissen

abhängig, denn der Platzbedarf entspricht einer

Wanne bzw. einer Dusche. Entscheidend sind individueller

Kundenwunsch und Budget.

Understatement mit Überraschungen

Die Badewanne wird zum persönlichen Masseur inklusive

farbigem Licht und Musik. Dafür werden

verschiedene Massagesysteme für bestimmte Kör-

perzonen, wie Rückentherapie für den Rücken-Schulter-Bereich,

Aquapunktur für Rücken und Füße und

Aqua Comfort für den ganzen Körper angeboten. Die

verfügbaren Whirlsysteme ermöglichen Ganzkörpermassagen,

die sich individuell regulieren lassen.

Farbiges Licht und Musik runden das Wohlfühlpaket

„Badewanne“ ab. Die Badewanne wird dabei zum

Klangkörper. Lautsprecher und Bluetooth Receiver

sind auf der Rückseite der Wanne unsichtbar verbaut.

Und auch die Repabad-Dusche ist gleichzeitig

Infrarotkabine oder gleich Dampfbad mit Sole-Funktion,

Infrarot, Farblicht-, Aromatherapie und Musik.

Aber „Musik“ lässt sich fast in jedem Repabad Produkt

verstecken: Badewanne, Infrarotpaneel, Waschtischplatte

und Spiegel werden zu Klangkörpern, wobei

die Bluetooth Receiver und Lautsprecher immer

nicht sichtbar verbaut sind.

Im Hotel bringt jeder Gast seine Musikquelle selbst

mit – das Wiedergabegerät wird einfach per Bluetooth

verbunden und die eigene Playlist ist so jederzeit nur

einen Klick entfernt.

repaBAD GmbH

T +43 (0)800 29 35 18

info@repabad.com

www.repabad.com


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Mehr Badekomfort

Zeitlose Linienführung, vielfältige Formate, hohe Alltagstauglichkeit, langlebige

Qualität und ein erschwinglicher Preis – damit avancierte die Einbau-Badewanne

BetteForm zum Klassiker im Basis-Segment des Badezimmers. Wie man ein solches

Erfolgsmodell in Form und Funktion aktualisiert, demonstriert Bette mit einem

wohlüberlegten Redesign der beliebten Badewanne.

Die Evolution der BetteForm zeichnet sich vor allem

durch ein geradlinigeres Design des Innenkörpers

aus: Denn die Seitenwände laufen nun parallel zueinander

statt sich zum Fußende hin zu verjüngen.

Das verleiht der Badewanne einen frischen, modernen

Look und ein präsentes Volumen, das handfeste

Vorteile für den Benutzer bietet: Dank der Überarbeitung

ist der Rückenbereich nun breiter und fällt

ergonomisch sanfter nach unten ab. Gearbeitet hat

Bette außerdem am präzisen Erscheinungsbild des

glasierten Titan-Stahls. Die Ecken der Badewanne

sind jetzt mit einem kleineren R10-Radius so definiert

gestaltet, dass sie sich bei der Befliesung des Wannenträgers

sehr exakt ins Muster einpassen lassen.

Dank der enormen Farbpalette kann die klassische

Körperformwanne passend zu unterschiedlichen

Milieus und Oberflächen sowie aktuellen Farbtrends

geplant werden. Zwölf Formate zwischen 1400 ×

700 mm bis 1900 × 800 mm und eine Wannentiefe

von 420 mm bringen entspannten Badekomfort und

Lebensqualität in kompakte Bäder genauso wie in

geräumige Familienbäder.

Bette GmbH & Co. KG

T +49 (0)5250 511-0

projekte@bette.de

www.my-bette.com


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Minibäder

barrierefrei

gestalten

Mit den richtigen Badlösungen wird selbst das Minibad zur

barrierefreien Zone. Dreh- und Angelpunkt sind dabei Lösungen,

die nicht nur in puncto Material, Funktion und Design einen

Mehrwert bieten, sondern auch den Kriterien zur Barrierefreiheit

entsprechen.

Viele Bäder bieten eine Fläche von nur sechs Quadratmetern,

wodurch die vorgegebenen Bewegungsflächen für die Barrierefreiheit

von bis zu 150 x 150 cm vor jedem Sanitärgegenstand

nicht leicht einzuhalten sind. Diese Bewegungsflächen dürfen

sich jedoch überschneiden – so kann eine schwellenfreie Dusche

unter bestimmten Voraussetzungen in die Bewegungsflächen

einbezogen werden.

Als Innovationstreiber am Markt und Partner für barrierefreie

Badgestaltung hat Kaldewei Speziallösungen für schwierige

Einbausituationen und Grundrisse entwickelt: Die Duschfläche

Cayonoplan Multispace ist die weltweit erste emaillierte Duschfläche,

die sowohl Dusch- als auch Bewegungsfläche sein kann.

Franz Kaldewei GmbH & Co. KG

T +49 (0)2382 785-0

info@kaldewei.de

www.kaldewei.de

#greywood

Die fein nuancierten Grautöne aus der Natur

sind in der Reihe „Natürlich Inspiriert“ erhältlich.

Broschüre anfordern unter

inspiriert@synthesa.at

www.synthesa.at


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

© Parlamentsdirektion / Jabornegg&Pálffy_AXIS / ZoomVP © Geberit / Stephan Huger

Modern, transparent, nachhaltig

Seit Sommer 2017 wird das vor über 130 Jahren eröffnete Österreichische Parlament

generalsaniert. 2021 wird das geschichtsträchtige Haus an der Ringstraße

wieder eröffnet und modern und zukunftsfit sein.

Während die Gebäudehülle des Parlaments

im Zuge der Generalsanierung weitestgehend

unberührt bleibt, wird das Innere von

unten bis oben einem technischen Update

unterzogen. Mit streng limitierten finanziellen

Mitteln und auf beschränkter Baufläche

wird der Bestandsbau unter der Federführung

vom Generalplaner Jabornegg & Pálffy_

AXIS auf den neuesten Stand der Technik

gebracht: Trockenlegung, Wärmedämmung

und die Verstärkung von Tragkonstruktionen

stehen ebenso am Plan wie die Erneuerung

von Heizung, Lüftung und Klimaanlagen und

der Einbau neuer kompakter Sanitäreinheiten

mit Wasserspareinrichtungen.

Für die Bereiche Heizung, Kühlung und Sanitäranlagen

sowie die Regenentwässerung

ist bei diesem Projekt das Unternehmen Bacon

Gebäudetechnik zuständig und zeichnet

so sowohl für verlässlich arbeitende

technische Einrichtungen wie in Folge für

ein gesundes Raumklima im „neuen“ Hohen

Haus verantwortlich.

Mit Abschluss der allgemeinen statischen

Überprüfungen auf Bau- und Erdbebensicherheit

und diversen baulichen Vorarbeiten,

startete das Installationsteam mit den

umfangreichen Leitungs- und Rohrverlegungen

und der Anbringung von sanitären

Unterputz-Elementen in den Nassgruppen.

Materialseitig setzt Bacon dabei auf die

vielseitigen Geberit Rohrsysteme Mapress

und Mepla sowie auf bewährte Huter Unterputz-Elemente

und Geberit iCon Keramiken.

Die neu ausgebauten Dachbereiche des

Ringstraßenbaus sind zudem mit der Pluvia

Dachentwässerung von Geberit ausgestattet

und werden künftig mit innovativer Unterdrucktechnik

das verlässliche Ablaufen

von Regenwasser sicherstellen.

Der Energiebedarf der Nutzflächen wird mit

Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung,

modernen Steuermodulen, neuen Fenstern

und Türen, u.v.m. um bis zu 60 Prozent reduziert

werden. Ansprechende Multifunktionsräume

sollen dabei künftig Nutzungsflexibilität

bieten – ob für den Sitzungsbetrieb

oder Veranstaltungen. Eine neue Dachlandschaft

mit vier Terrassen und zusätzlichen

Galerien soll zudem einen beeindruckenden

Panoramablick auf Wien erlauben.

Mit barrierefreien Eingängen, Sanitäranlagen,

Aufzügen, Rampen und einem neuen

Leitsystem wird sich das Parlament auch allen

Besucherinnen und Besuchern präsentieren,

die sich für Führungen und Einblicke

ins Plenumsgeschehen einfinden werden.

Sie können künftig – nach dem Betrachten

aufpolierter Marmorsäulen, historischer

Statuen und spektakulärerer Architektur –

die neu geschaffenen Besucherzonen inklusive

Gastronomiebereich und die Aussicht

auf den Dachterrassen genießen.

Geberit Vertriebs GmbH & Co KG

T +43 (0)2742 401 0

sales.at@geberit.com

www.geberit.at

© Geberit / Stephan Huger

Die zukünftigen neuen Toilettenräume werden

hinter der Wand mit Geberit und Huter

Montageelementen ausgestattet, vor der

Wand mit Geberit iCon Keramiken.

© Geberit / Stephan Huger

Ein Blick in die sogenannte Sandwich-Zone mit

den HKLS Leitungen: Die Fußbodenheizungsverteilung

und -anbindung wurde mit Geberit

Mepla ausgeführt, Trinkwasser- bzw. Kälteleitungen

mit Geberit Mapress, Geberit PE-HD

kam für die Abwasserleitungen zum Einsatz.


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Produkt News

Fotos: WICONA/Mediashots

Eine der grünsten

Aluminiumlegierungen

Dass Nachhaltigkeit bei WICONA im Fokus steht, beweist das Aluminium-Systemhaus

einmal mehr durch den Einsatz von Hydros CIRCAL in seinen Aluminium-Systemlösungen.

Bei Hydro CIRCAL handelt es sich um eine Aluminiumlegierung mit

dem derzeit höchsten Recyclinggehalt auf dem Markt. Nun gibt es die ersten Bauaufträge

mit WICONA Systemen in dieser Legierung u.a. in Kuwait, Deutschland,

Frankreich, Schweden, Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen.

2018 hat die norwegische Hydro-Gruppe, zu der auch

WICONA gehört, seine neue Aluminiumlegierung Hydro

CIRCAL 75R vorgestellt. Die Legierung besteht

aus mindestens 75% Post-Consumer-Schrott, also

Altschrott, wie zum Beispiel Fassaden und Fenstern,

die am Ende ihrer Nutzung von Gebäuden demontiert

und vollständig recycelt wurden. Es handelt sich um

eine Legierung in Premiumqualität mit dem derzeit

höchsten Anteil an wiederverwertetem Aluminium.

Das Einschmelzen von Aluminium für die erneute

Verwendung benötigt nur 5% der Energie, die bei

der Herstellung von Primäraluminium benötigt wird.

Je höher also der Recycling-Anteil von Post-Consumer-Schrott

(Altschrotten), desto geringer ist der

CO 2 -Fußabdruck. Hydro CIRCAL 75R kommt nachweislich

auf den weltweit geringsten CO 2 -Fußabdruck:

rund 2,0 kg CO 2 (1,5 – 2,3 kg CO 2 ) pro Kilo Aluminium

– 6-mal oder 84% weniger als der weltweite

Durchschnitt in der Primärgewinnung.

Die ersten Aufträge für WICONA Systeme in dieser

Legierung werden nun ausgeführt, u.a. auch für das

Bürogebäude DIN-Institut in Berlin.

Hydro ist der erste Aluminiumproduzent, der hochwertiges

Aluminium mit einem zertifizierten Gehalt

von mehr als 75% wiederverwertetem End-of-life-Aluminium

liefert. Das Zerkleinern und Sortieren

von Schrott findet im Werk in Dormagen statt. Von

dort geht das Metall zum Umschmelzen nach Clervaux,

Luxemburg, wo die Hydro CIRCAL 75R-Bolzen

hergestellt werden. Der Produktionsprozess ist

lückenlos nachvollziehbar, und das Produkt ist von

einem unabhängigen Dritten (DNV-GL) zertifiziert.

Mit Hydro CIRCAL 75R ermöglicht WICONA Bauherren

und Architekten, die anspruchsvollen Nachhaltigkeitsziele

von morgen heute schon zu erreichen

– darunter auch Umwelt-Gebäudezertifizierung nach

LEED, BREEAM oder DGNB.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Schwimmender Hafen

Das Kreuzfahrtterminal in Hongkong wurde um einen 9.300 m² großen Anbau

erweitert und modernisiert. Der optisch an einen Schiffsbug angelehnte Bau, vom

Architekten Sir Norman Foster entworfen, ist eine schwimmende Konstruktion

und zieht sich wie eine Landzunge auf das Wasser.

Die Form des Gebäudes sollte einerseits an

die einfahrenden Schiffe erinnern. Gleichzeitig

bietet die Architektur eine Antwort

auf das tropische Klima vor Ort. Die breiten

freitragenden Terrassen, die drei Seiten des

Terminals umlaufen, und die zusätzlich geneigte

Balustrade, die wie eine Jalousie fungiert,

beschatten die jeweils untere Ebene.

Die Fassade des vier Etagen umfassenden

Neubaus besteht komplett aus großflächigen

Fenstern und schafft maximale Transparenz

für großzügige Ausblicke. Jeweils

ein Schiebefenster und ein festes Glaselement

wechseln sich ab, sodass der Anbau

aus insgesamt hundert Glasscheiben besteht.

Umgesetzt wurde die Innen-Außenbeziehung

durch großflächige Schiebefenster

mit schmalen Profilen.

Da sich aufgrund der schwimmenden Konstruktion

der Boden des Gebäudes bewegt

und es zudem aufgrund der exponierten

Lage hohen Windlasten ausgesetzt ist,

musste ein individuell auf die Verhältnisse

zugeschnittenes Schiebefenster entwickelt

werden. Damit beauftragte der Bauherr

Harbour City Estates Limited das international

agierende Unternehmen Solarlux.

Die Forschung und Entwicklungsabteilung

des Herstellers beschäftigte sich rund ein

halbes Jahr mit dem Auftrag, das Schiebefenster

cero so zu optimieren, dass es den

statischen Anforderungen für dieses außergewöhnliche

Bauvorhaben gerecht wird.

Mehrere Stahleinschübe, neue Profile und

ein zusätzlicher Laufwagen unter den Fensterpfosten

ermöglichten es, die großflächigen

Schiebeelemente von bis zu 4,60 m

Höhe und 2,40 m Breite auf die besonderen

örtlichen Gegebenheiten abzustimmen.

Alle cero Elemente halten Windlasten bis

3.500 Pascal stand – das entspricht in etwa

einer Windgeschwindigkeit von 270 km/h.

Somit ist das Schiebefenster optimal für

den Einsatz im Ocean Terminal in Hongkong

geeignet.

SOLARLUX AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


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87

Produkt News

Intelligentes Tageslichtmanagement

Große Fensterflächen leiten möglichst viel natürliches Tageslicht in die Räume

und smarte Gläser gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung, da sie thermischen

und visuellen Komfort mit hohen Energieeinsparungspotenzialen

verbinden. Und auch die Gesundheitsarchitektur hat die Vorteile dieser Glastechnologie

erkannt: Licht und Dunkelheit, Lichtintensität und Lichtfarbe sind

wesentliche Trigger für Körperfunktionen wie Hormonbildung, Herzkreislauftätigkeit

oder auch den Gemütszustand.

Jüngstes Referenzobjekt dafür ist ein großflächiges,

smartes Skylight in der Altenpflegeeinrichtung

Avondzon im belgischen

Erpe-Mere. Realisiert mit dem schaltbaren

Halio® Glassystem dient es in vielerlei Hinsicht

als verbindendes und gesundheitsförderndes

Element. Insgesamt 132 Fenster

bilden in der Altenpflegeeinrichtung ein

Glasdach, das auf einer Fläche von 304 m 2

den alten, im Jahr 1978 errichteten Trakt, mit

dem im Jahr 2019 fertiggestellten Neubau

verbindet. 73 moderne, großzügige Zimmer

öffnen sich zu einem lichtdurchfluteten Gemeinschaftsbereich

unter der Verglasung.

Bei starker Sonneneinstrahlung können die

Halio Glaseinheiten – separat oder in Gruppen

– in weniger als drei Minuten komplett

verdunkelt werden. Im getönten Zustand

blocken sie 95 % des Energieeintrags sowie

98 % des Lichts.

Ergänzt wird das Halio System im Avondzon

durch eine cloudbasierte Regelung, die

in jedes gängige Gebäudeautomationssystem

integrierbar ist. Halio Cloud passt Tönungsgrad

dank spezieller Algorithmen an

die individuellen Bedürfnisse an, wobei individuelle

Parameter wie Gebäudenutzung,

Lage und Ausrichtung der Fassaden sowie

Wetterbedingungen in die Berechnungen

einfließen. Jedes Glaspanel wird über einen

eigenen Regler kontrolliert und die Steuerung

durch den Endnutzer erfolgt über intuitive

und drahtlos vernetzte Schnittstellen.

Das dynamische Halio Glas mit smarter Tönung

dunkelt unmerklich nach. Damit sorgt

es zu jeder Zeit für möglichst hohen Tageslichteinfall,

nimmt dem Sonnenlicht jedoch

die unangenehme Blendwirkung bei einem

absoluten thermischen Komfort. Mit einem

Farbwiedergabeindex von 97 ist das elektrochrome

Halio Glas komplett farbneutral

und zeigt im getönten Zustand weder Blaustich

noch Raster oder sprunghafte Verläufe.

Mit Ug-Werten bis zu 0,6 W / (m²K) zeigt

sich Halio Glas beim Management von

Wärmegewinnen und der Reduzierung des

Kühlbedarfs höchst effizient und trägt damit

wesentlich zum Erreichen von BREEAM,

LEED und WELL Zertifizierungen bei.

Halio International

Robert Jagger

M +49 (0)173 568 5529

robert.jagger@halioglass.com

www.halioglass.eu/de


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Produkt News

Ein System, viele Werte

Das neue Schüco Türsystem AD UP (Aluminium Door Universal Platform) vereint

Stabilität im Kern und hohe Wärmedämmung in einem System. Neben den

klassischen Charakteristiken einer Aluminiumtür und dem modernen und hochwertigen

Design bietet die Systemplattform auch die technischen Voraussetzungen,

um intelligente Schüco Technik aus den Bereichen Türkommunikation und

Zutrittskontrolle einfach zu integrieren.

Der Profilaufbau ohne Schäume unterstützt

die verdeckte Kabelführung und ermöglicht

eine passgenaue Einbindung der Technik.

Mit flügelüberdeckenden Türfüllungen (einoder

beidseitige Aufsatzfüllungen), verdeckt

liegenden Türbändern und verschiedenen

Flügelvarianten bietet das System auch optische

Gestaltungsfreiheit und kombiniert

hochwertiges Türdesign mit individuellen

Ausstattungsmerkmalen. Zudem reduzieren

die bautiefenübergreifenden Beschlagsteile

die Anzahl der benötigten Bauelemente und

der symmetrische Profilaufbau, die verdeckt

liegende Elementbefestigung und die integrierte

Abstützung für Rahmendübel bieten

hohe Montagesicherheit. Eine effiziente, saubere

und schnelle Fertigung von Haus- und

Eingangstüren gelingt durch neue Flügelvarianten

mit mechanischem Befestigungsprinzip.

Die Aufsatzfüllungen (ein- und beidseitig)

werden hierbei nicht mehr geklebt,

sondern mit dem Flügelprofil verschraubt.

Ob als stilvolle Haustür oder hoch frequentierte

Objekttür – eine stabile Konstruktion

mit einem 5-Kammer-Aluminium-Profilaufbau

bietet Funktionssicherheit und erfüllt

die aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz.

Ohne zusätzliche Schäume in der

Stegverbundzone erreicht das Türsystem

AD UP höchste Systemleistungseigenschaften

in der Bautiefe 75 mm. Gleichzeitig

ermöglicht das modulare Dichtungs- und

Dämmsystem eine maßgeschneiderte Anpassung

an die individuellen Dichtigkeitsund

Energieeffizienzanforderungen.

ALUKÖNIGSTAHL GmbH

T +43 (0)1 98130-0

office@alukoenigstahl.com

www.alukoenigstahl.com


www.architektur-online.com

Mehr Freiheit im Labordesign

In Laboren, Krankenhäusern, Reinräumen

und in der Lebensmittelindustrie: Wo die Anforderungen

an Sauberkeit und Hygiene am

höchsten sind, ist Max Compact Resistance 2

von FunderMax die richtige Wahl. Die Laborplatte

zeichnet sich durch chemische Beständigkeit

sowie hohen mechanischen Widerstand

aus – und ermöglicht mit einer Vielzahl

an Dekoren mehr Gestaltungsfreiheit.

Für die hochbeständige Laborplatte stehen

insgesamt 13 ansprechende Dekore zur

Auswahl, darunter der neue Uni-Farbton

Vulkangrau. In Verbindung mit den erstklassigen

Eigenschaften bietet Max Compact

Resistance2 somit noch mehr Freiheit bei

der Gestaltung und schafft in extrem beanspruchten

Bereichen eine dauerhaft attraktive

Arbeitsumgebung.

FunderMax GmbH

T +43 (0)5/9494-0

www.fundermax.at

office@fundermax.at

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Produkt News

Max Compact Resistance 2

Dekor 2182 RE Vulkangrau

Auf Zuverlässigkeit bauen.

Mit dem Schöck Isokorb®.

Ob frei auskragender oder gestützter Balkon, ob Attika oder Brüstung. Der Schöck Isokorb®

bietet optimale Wärmedämmleistung ohne Einschränkung der Statik und der Gestaltungsfreiheit.

Verlassen Sie sich auf die bewährte Spitzenqualität von Schöck.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H | Thaliastraße 85/2/4 | 1160 Wien | Tel.: 01 7865760 | www.schoeck.at


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Produkt News

© Guido Erbring Photography, Köln

Akustikdecke vom Star-Designer

Die kubischen Akustikelemente „Corpus“, vom Star-Architekt Hadi Teherani für

OWA entworfen, wurden bereits mehrfach mit internationalen Designpreisen

ausgezeichnet. Die quadratischen und rechteckigen Deckenelemente sorgen nun

auch in vier Betriebsrestaurants von Beckhoff Automation GmbH & Co. KG, einem

Hersteller von Automatisierungstechnik, für effektvolle Lichtakzente und eine

angenehme Raumakustik.

Für die Gestaltung der Gasträume der Betriebsgastronomie

an den vier Beckhoff-Standorten zeichnet

das Architekturbüro Kitzig Interior Design verantwortlich.

Die Deckenkonstruktionen hat der Bauherr

in Zusammenarbeit mit der Odenwald Faserplattenwerk

GmbH (OWA), dem Innenarchitekturbüro Kitzig

sowie dem Architekturbüro Heitmann geplant und

realisiert. Nach Auslotung verschiedener Varianten

entschied man sich wegen der interessanten Gestaltungsmöglichkeiten

für das System „Corpus“ aus der

OWAconsult collection. Das modulare Baukastensystem

aus zehn unterschiedlich dimensionierten, rechteckigen

und quadratischen Akustikelementen mit feinen,

weißen, vlieskaschierten Oberflächen wurde mit

insgesamt neun Designpreisen ausgezeichnet.

In einem komplexen Planungsprozess wurden die

verschiedenen Corpus-Größen in Abhängigkeit des

erforderlichen Sprinklerrasters, der gewünschten

Beleuchtung sowie den Lüftungsauslässen abgestimmt.

So war es mithilfe eines Vermessungsbüros

möglich, die Sprinklerköpfe in die Corpus-Elemente

zu integrieren. Aus akustischen Gründen, und um einen

fließenden Übergang zwischen Decke und Wand

zu schaffen, wurden die Corpus-Elemente auch als

Wandabsorber angebracht. Neben dem Deckenkonzept

mit Segeln hat der Bauherr auch ein modernes

Lichtdesign in Auftrag gegeben. Der zur Unternehmensgruppe

gehörende Elektrofachhandel Beckhoff

Technik und Design hat das Lichtkonzept geplant

und umgesetzt. Neben den ausgefallenen tropfenförmigen

Lampen, erzeugen auch die dimmbaren Corpus

LED-Leuchten, die kaum von den Akustikelementen

zu unterscheiden sind, ein angenehmes Licht in

der Betriebsgastronomie.

Odenwald Faserplattenwerk GmbH

T +49 (0)9373 201-0

info@owa.de

www.owa-ceilings.com


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91

Produkt News

Magnetisches Schließsystem

für Ganzglastüren

Die magnetische Schließung KEEP CLOSED für Ganzglastüren von SIMONSWERK

ist in ihrer Ausführung und in ihren Eigenschaften eine wirkliche Alternative zu

herkömmlichen Schließsystemen. Sie lässt einen filigranen, minimalistischen Einsatz

von Glastüren im Innenraum zu – ohne störende Elemente wie Türdrücker und

Schlosskasten. Damit wird ein reduziertes, minimalistisches Design der gesamten

Tür ermöglicht – für harmonische, gradlinige und flächenbündige Raumkonzepte.

Das neue Schließsystem besteht aus einem

Schließmagneten, einer Magnetplatte sowie

abgestimmten Griffvarianten und ist im

geschlossenen Zustand kaum sichtbar. Der

Schließmagnet KCM 50 in der Zarge arbeitet

kontakt-, geräusch- und stromlos. Die

Magnetplatte KCM 50/G wird ohne jegliche

Glasbohrung an der Hauptschließkante fixiert,

und nur eine schmale Ansichtskante

der Platte ist sichtbar.

Die Anzahl und die individuelle Einstellung

der Schließmagnete bestimmen den

Kraftaufwand zum Öffnen bzw. die Zugkraft

beim Schließen. Alternativ können

Schließmagnet und Magnetplatte auch im

oberen, horizontalen Bereich der Tür montiert

werden – dadurch entziehen sich die

funktionalen Schließelemente fast komplett

dem Blick des Betrachters. So können bei

Bedarf bei überhohen Türen mehrere Magnete

eingesetzt werden, die Haltekraft entsprechend

individuell eingestellt und die

Tür sicher in ihrer geschlossenen Position

gehalten werden.

Die Griffvarianten KCH 1700 und 1200 (neu)

sind schlicht in ihrer Form, hochwertig in ihrer

Ausführung und vielfältig in der Farbauswahl.

Sie werden vertikal und dauerhaft auf

die Tür aufgebracht. Die Fixierung erfolgt

einfach und stabil mithilfe einer Positionierungsschablone:

Bei Ganzglastüren mithilfe

des bereits am Griff aufgebrachten Klebestreifens,

sodass auch hier keine Glasbearbeitung

erforderlich ist.

Ergänzt wird das Angebot durch die neue

innovative Lösung KC Lock System, die

optimal für den Einsatz an Glastüren ausgerichtet

ist. Die Schließung kann von einer

Türseite aus erfolgen – und zwar ohne

Schlossriegel, Falle, Drücker oder andere

sichtbare Beschlagteile. Ein in der Griffinnenseite

integriertes Rädchen löst den Verschlussmechanismus

aus.

KC Lock, bestehend aus dem Schließmagneten

KCM 25 Lock, der Magnetplatte KCM

25/G und dem optisch angepassten Griff

KCH 1701 Lock funktioniert vollkommen

stromlos. Der Schließzustand ist beidseitig

erkennbar und bietet zudem die Möglichkeit

einer Notentriegelung.

SIMONSWERK GmbH

T +49 (0)5242 413-0

info@simonswerk.de

www.simonswerk.com


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Minimale Höhe bei

maximaler Dämmung

Die Vorschriften zur Gebäudehöhe zentimetergenau einzuhalten und dennoch

hochklassig zu dämmen ist oft eine große Herausforderung. Besonders bei

Beschränkung von Gebäudehöhen ist der Spagat zwischen der Ausschöpfung

möglicher Wohnflächen und der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen oft nicht

leicht zu schaffen. Speziell für diese Herausforderungen stellt das Austrotherm

Gefälledach Premium eine neue High-End-Lösung für die Wärmedämmung von

Gefälledächern dar, das bei minimaler Aufbauhöhe ausgezeichnete Dämmwirkung

gewährleistet.

Der größte Anteil an Wärmeverlusten eines Gebäudes

erfolgt über die Dachflächen. Deshalb ist gerade hier

die bestmögliche Wärmedämmung besonders wichtig.

Eine Komponente des Austrotherm Gefälledach

Premium ist das Austrotherm Resolution® Flachdach

mit seiner hervorragenden Wärmeleitfähigkeit von λD

= 0,022 W/(mK). Kombiniert wird es mit dem grauen

Austrotherm EPS® W30-PLUS, das eine hochdruckbelastbare

oberste Dämmschicht mit Gefälle ausbildet.

Durch den Einsatz der schlanken Austrotherm Resolution®

erhält das Dach eine niedrigere Dämmstoffdicke

und zugleich ein ausgezeichnetes Dämmniveau. Reduzierte

Dämmstoffdicken wiederum bringen weitere

Vorteile mit sich: Sie haben entscheidenden Einfluss

auf die Höhe der Attika sowie auf Anschlüsse, Lichtkuppeln

und Rohrdurchführungen. Eine geringe Aufbauhöhe

führt daher gleich in mehrfacher Hinsicht zu

Kostenersparnis.

Eine Stoßüberdeckung bildet den Aufbau des Austrotherm

Gefälledach Premium. Durch diese Art der Verlegung

werden Wärmebrücken wirkungsvoll vermieden.

Die Gefälleausbildung, entsprechend der jeweils

gültigen Norm, sorgt für eine zuverlässige Entwässerung

der Dachfläche. Ein weiterer Vorteil ist auch das

geringe Gewicht des Dämmsystems, denn es ermöglicht

eine einfache Verlegung. Dazu stellt Austrotherm

einen detaillierten Verlegeplan bereit. So erfordert die

Verarbeitung weniger Manpower – auch das spart

Zeit, und damit Kosten.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at


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93

Produkt News

© PREFA | Croce & Wir

Spannungsfeld zwischen Alt und Neu

Mit den Parkapartments Belvedere trägt der italienische Stararchitekt Renzo Piano,

der das Centre Pompidou, das New York Times Building und Londons Wolkenkratzer

„The Shard“ entworfen hat, nun auch erstmals zur Baugeschichte Wiens bei. Die

Belvedere-Apartments stehen im Stadtentwicklungsgebiet – zwischen dem neuen

Hauptbahnhof, dem Schloss Belvedere, den massiven Backsteinbauten des ehemaligen

Militärgebäudes Arsenal und dem Erholungsgebiet Schweizergarten.

Die ersten Ideen und Entwürfe des Architekten für die

Belvedere-Apartments stammen aus dem Jahr 2008.

„Unser Anspruch war nicht, ein Architekten-Feuerwerk

zu entfachen. Wir wollten die Umgebung miteinbeziehen,

viel Licht und interessante Ausblicke

bieten, die innerstädtische Fläche gut ausnutzen

und damit einen kleinen Baustein zur Baugeschichte

der Stadt beitragen oder diese fortsetzen“, erläutert

Thorsten Sahlmann, der seit 20 Jahren Architekt bei

Renzo Piano Building Workshop ist und verantwortlich

für die Umsetzung der Belvedere-Apartments war.

In diesem Spannungsfeld zwischen Alt und Neu wollten

Piano und sein Team keine „große Wand“ errichten,

sondern „Durchblicke schaffen“. Und somit entstand

dieser Aufbruch in Blöcke, die heute die fünf Wohnund

Hoteltürme bilden. Die raumhohen Fenster und

die ausgetüftelten Winkel ermöglichen den Bezug zur

Stadt und die Einbindung des Schweizergartens. Die

außergewöhnliche Säulenkonstruktion des Gebäudes

integriert sich ebenso in den Standort, denn sie spiegelt

als Säulenwald das Motiv der Baumstämme in der

unmittelbaren Umgebung wider. Diese Säulen heben

dabei die Gebäude weit über das Straßenniveau.

Geprägt werden die Parkapartments Belvedere auch

durch die spezielle Fassadengestaltung aus einer

Kombination aus Glas, Keramikelementen und Prefa

Aluminium. Die Keramik steht dabei für das Spannungsfeld

zwischen Neu und Alt und die Profilwellen

aus Aluminium geben den eleganten Touch und sind

gleichermaßen ästhetisch und funktionell. Bei der

Farbgebung der Fassade, die im Laufe des Tages je

nach Sonnenlicht ihre Farbe wechselt, wurde auf Silbermetallic

gesetzt, da Weiß als dominante Farbe von

den Architekten in der Reflexion als zu stark eingeschätzt

wurde. Um den wohnlichen Charakter des Objekts

zu unterstreichen, verfügt jedes Gebäude über

einen eigenen Glaspavillon „als Empfangsgeste“.

PREFA Aluminiumprodukte GmbH

T +43 2762 502 0

office.at@prefa.com

www.prefa.at


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Fotos: Schöck/Franz Pflügl

Kilometerweise gut gedämmt

Im rasant wachsenden Viertel rund um den neuen Wiener Hauptbahnhof entsteht mit

BEL & MAIN Vienna derzeit ein in vielerlei Hinsicht ganz und gar außergewöhnliches

Mixed-Use-Projekt. Das entstehende Gebäudeensemble ist das Ergebnis eines geladenen

Architekturwettbewerbs und Gutachterverfahrens mit fünf Teilnehmern – die

Bautafel liest sich wie das „Who is Who“ der heimischen Bauszene: Delugan Meissl Associated

Architects (DMAA) und Coop Himmelb(l)au für die Architektur, Architektur

Consult, die für die Detail- und Ausführungsplanung verantwortlich zeichnen, Leyrer +

Graf für die Bauausführung und die SIGNA als Projektentwickler.

Vier knapp 60 Meter hohe Gebäude mit bis zu 18 Stockwerken

wachsen auf der Großbaustelle in den Himmel.

Auf dem 12.000 Quadratmeter großen Areal entstehen

bis Ende des Jahres rund 450 Wohnungen, ein Büroturm

und ein Hotel sowie Einzelhandelsflächen in der

Erdgeschosszone. Die Häuser werden überwiegend

in Stahlbetonbauweise mit Ortbeton errichtet. „Über

47.000 Kubikmeter Beton, ca. sieben Tonnen Bewehrung,

über 100.000 Quadratmeter Wand- und rund

95.000 Quadratmeter Deckenschalung werden dabei

verbaut“, erklärt Franz Schierer, Polier beim ausführenden

Bauunternehmen Leyrer + Graf.

Wärmebrückenminimierte Konstruktion

Nahezu jede der rund 450 Wohnungen verfügt über

einen privaten Freibereich in Form einer Loggia oder

eines Balkons. Für den wärmebrückenminimierten

Verbund mit den Geschossdecken sorgen insgesamt

fast drei Kilometer an verschiedenen Typen des

Schöck Isokorb Modell T, mit dem Balkontiefen bis

knapp unter drei Metern realisierbar sind. Mit einem

Dämmstoffkern von 80 mm Stärke sichert der Isokorb

die thermische Trennung von Balkon bzw. Loggia und

Gebäude und schafft damit höchsten Wohnkomfort.

Aufgrund der gebogenen Fassaden wurden Isokorb

Typen mit einer Länge von einem Meter oder kürzer

eingebaut. „So lassen sich große Rundungen einfach

in mehrere gerade Segmente aufteilen – ohne sichtbare

Kanten im Bereich der Fassade“, erklärt Jernej

Standeker, Produktmanager bei Schöck.

Im Straßentrakt wurden alle Isokorb Typen mit eingeschalt,

mit der Deckenbewehrung verknüpft und

in einem Zug mit den Zwischendecken vergossen. So

wachsen die beiden straßenseitigen Türme im Zweiwochentakt

um jeweils ein Geschoss in die Höhe. Die

zurückspringenden und auskragenden Balkone des

Hofsolitärs werden dahingegen im Fertigteilwerk der

Franz Oberndorfer GmbH & Co KG inklusive den eingelegten

Isokorb Typen vergossen und als fixfertige

Bauelemente auf die Baustelle gebracht und per Kran

in die einzelnen Geschosse versetzt.

Schöck Bauteile

Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office@schoeck.at

www.schoeck.at


www.architektur-online.com

95

Produkt News

FÜR JEDE

ANWENDUNG EINE

SUPER WAHL.

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Natürlich und

nachhaltig

Durch eine Vielzahl an Maßnahmen optimierte der österreichische

Ziegelhersteller Wienerberger seine CO 2 -Bilanz und kann

nun Häuslbauern, Architekten und Verarbeitern den ersten,

vom TÜV NORD Austria zertifizierten, klimapositiven Ziegel

Österreichs anbieten: Den Porotherm 38 W.i EFH Plan, der perfekt

für sämtliche Anforderungen beim Bau von Einfamilienhäusern

geeignet ist. Damit hat Wienerberger in seiner kontinuierlichen

Bestrebung zur Reduktion von Energieverbrauch und

CO 2 -Emissionen neue Maßstäbe für die Baubranche gesetzt.

Die werksseitig verfüllte Mineralwolle des klimapositiven Ziegels

ist nicht brennbar, wasserabweisend, schädlingsresistent,

dampfdurchlässig und schimmelt nicht – der Ziegel schafft somit

ein rundum wohngesundes und natürliches Raumklima mit

herausragenden Wärmedämmwerten und spart bis zu 25 % der

Heizkosten. Die Lebensdauer von Ziegeln beträgt generell über

100 Jahre. Daher leisten sie einen nachhaltigen Beitrag zum Klimawandel

und haben einen positiven CO 2 -Fußabdruck.

Wienerberger AG

T +43 (0)1 60192-0

office@wienerberger.com

www.wienerberger.at

© Wienerberger Österreich GmbH / Andreas Hafenscher

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Entscheidend für jeden Bau ist ein solides Fundament.

Unsere Zemente sind regional und ökologisch. Und natürlich

haben wir für jede Anwendung den richtigen Zement.

Lafarge – Fundament

der Zukunft.


architektur FACHMAGAZIN

96

Produkt News

Fotos: Rieder Group, Ditz Fejer

Nachhaltige Betonfassade mit Tiefgang

Funktionalität vor Kreativität? Nicht bei der Gestaltung der Gebäudehülle für den neuen

Komplex der Johan Skytteskolan Grundschule in Stockholm. Sowohl die architektonische

Ambition, die künstlerische Gestaltungskraft als auch der hohe technische

Anspruch, wie er bei einem Schulbau immer eine tragende Rolle spielt, werden bei

dem modernen Gebäude in der schwedischen Hauptstadt befriedigt.

Die Fassade mit concrete skin Glasfaserbeton-Elementen

in Naturtönen, als kreative Stülpschalung

ausgeführt, schafft es alle Anliegen auf unaufgeregte

Art und Weise zu kombinieren. Die Architektin Anna

Curtius und die Künstlerin Maria Friberg gaben der

Fassade des neuen Gebäudes im Stockholmer Ortsteil

Älvsjö eine besondere Ausdruckskraft. Neben der

originellen Stülpschalung mit concrete skin Paneelen

von Rieder schmückt außerdem ein riesengroßes

Kunstwerk die Schulfassade.

Mit der Fassade aus 13 mm dünnen Elemente aus

Glasfaserbeton entspricht die Gebäudehülle den hohen

Anforderungen in Sachen Brandschutz, Beständigkeit

und niedrigem Wartungsaufwand für Schulen.

Durch die erwiesene Ballwurfsicherheit sind die

Paneele aus Glasfaserbeton auch für Fassaden an

Sportplätzen und Pausenhöfen geeignet.

Inspiriert durch die warmen, ruhigen Farbtöne aus

dem mediterranen Raum, entstanden die Farbtöne

der aktuellen pietra-Kollektion. Die sandigen Nuancen

der Fassade der Grundschule in Stockholm wurden an

die außergewöhnliche Optik von Natursteinen angelehnt

und orientieren sich am ursprünglichen Charme

der Natur.

Erhältlich sind die Paneele in vielen Farben, Texturen

und Oberflächenausprägungen. Zudem bieten die

unterschiedlichsten Formate zahlreiche Möglichkeiten

für den kreativen Umgang mit Farbe, Struktur

und Form. Durch ihre Verformbarkeit lassen sich die

Platten auch geschmeidig über Ecken und Kanten

führen. Die Fassadenbekleidung concrete skin ist als

vorgehängte hinterlüftete Fassade konzipiert und für

nahezu jede Gebäudeart einsetzbar.

Rieder Sales GmbH

T +43 (0)6542 690-844

office@rieder.cc

www.rieder.cc


www.architektur-online.com

Produkt News

grenzen

los

planen.

Individuelle Steine nach Ihren Ideen.

5 x schneller für

alle Dämmdicken

2005 präsentierte Baumit erstmals den Baumit KlebeAnker

als Alternative zur herkömmlichen Verdübelung von Dämmplatten

an der Fassade. Seither hat er eine europaweite Erfolgsgeschichte

hingelegt. Es gibt mittlerweile „Spezialisten“

für jeden Einsatz, Baumit KlebeAnker X1 ist das jüngste Mitglied

der Familie.

Baumit KlebeAnker X1 verbindet die bewährten Baumit KlebeAnker

Vorteile mit höchster Schnelligkeit und Effizienz im

Arbeitsfortschritt sowie Kraftersparnis beim Setzen. Zeitaufwändiges

und kräftezehrendes Bohren gehört - dank innovativer

Setztechnik in Kooperation mit Hilti - der Vergangenheit

an. Als Systembestandteil von Baumit open air Klimaschutz-

Fassade oder Baumit WDVS ECO ist der Baumit KlebeAnker

X1 die perfekte Ergänzung für den Neubau aus Beton.

Bedingt durch die einfache Handhabung und Kraftersparnis

ist die Verarbeitung bis zu 5 x schneller als konventionelle

Verdübelung. Der U-Wert verbessert sich bei Verwendung des

Baumit KlebeAnkers gegenüber einer konventionellen Verdübelung

um bis zu 10 %. Das liegt daran, dass die Dämmplatten

nicht durchbohrt, sondern verklebt und Wärmebrücken

nachhaltig vermieden werden.

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

© Markus Kaiser, Graz

PARTNER FÜR OBJEKTGESTALTER

Mit dem umfassenden Standardsortiment und individuellen

Sonderproduktionen bei Farben und Formaten eröffnen Friedl

Steinwerke neue Möglichkeiten in der Gestaltung von Plätzen und

Wegen. Wir stehen für Beratung und Bemusterung gerne bereit:

anfrage@steinwerke.at

www.steinwerke.at


architektur FACHMAGAZIN

98

Produkt News

Fotos: Matthias Weissengruber

Zeitlos schöne Holz-Oberflächen

Der neu gebaute Bildungscampus Bütze in Wolfurt in Vorarlberg fasst Schule und Kindergarten

zusammen und ist ein wegweisendes Vorzeigemodell – in Ästhetik, Funktionalität

und Nachhaltigkeit. Der architektonisch ansprechende und moderne Holzbau

besticht durch seine exklusive vorvergraute Außenhaut, erzeugt mit einer High-End-

Lasur aus der DANSKE-Linie „Natürlich inspiriert“.

Der Holzbau, ausgeführt mit sägerauer

Nordischer Fichte, ist ein Skelettbau mit

hinterlüfteter vorgehängter Holzfassade.

Die im Schindel-Prinzip nach unten überlappenden

Fassaden-Teile verhindern den

Wassereintritt in die Fassade.

Für die Planung und Gestaltung zuständig

zeichnet das Architekten-Büro Andres

Schenker, Michael Salvi und Thomas Weber,

das gemeinsam mit dem ausführenden

Holzbauer Dobler aus Röthis entschied, die

außen liegenden Holzteile mit einer Holzlasur

aus der Danske-Reihe zu beschichten.

Das Produkt mit dem Namen Greywood

sorgt für eine gleichmäßige Vorvergrauung

des Holzes. Als Farbton wurde „Forrest 01“

gewählt, ein warmer Grauton mit natürlicher

Anmutung, der speziell für die Verwendung

auf Fichtenholz abgestimmt ist.

Danske Greywood bietet nicht nur gestalterisch

viele Möglichkeiten. Die transparent

pigmentierte, diffusionsoffene Mittelschichtlasur

schützt gegen Licht- und

Witterungseinflüsse und nimmt die natürliche

Vergrauung des Holzes vorweg. Mit

dem High-End-Produkt aus dem Hause

Synthesa erfährt das Gebäude seine delikat-unaufdringliche

Erscheinung, die sich

wie selbstverständlich in die ländliche

Umgebung des Rheintales einfügt. Der natürlich

wirkende Farbton erweckt den Eindruck,

als wäre die Fassade seit Jahren Bestand

des Ortsbildes. Insgesamt wurden bei

diesem Projekt 3000 m² Holz mit der Lasur

aus Perg beschichtet.

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at


www.architektur-online.com

Systemübergreifendes

BIM-Plugin

Ab sofort steht ein neues systemübergreifendes

BIM-Plugin für Rigips, ISOVER und WEBER zum Download

bereit. Über 3.000 bauphysikalische geprüfte Lösungen

sind für die Planungssoftware ArchiCAD und

Revit verfügbar. Planer und Architekten bekommen

Zugriff auf noch benutzerfreundlichere Bauteillösungen

für Dach, Fassade, Innenausbau, Keller und Bodenplatte.

Mit dem neuen Assistenten können die gewünschten

Lösungen mit einer intelligenten Suchfunktion noch

rascher heruntergeladen und direkt im grafischen Gebäudeplan

verwendet werden. Zusätzlich praktisch ist,

dass danach unverzüglich alle Informationen zu Materialien,

Qualitäten, Flächen, bauphysikalischen Leistungswerten

(Schall, Brand, U-Wert) etc. bereitstehen.

Zudem kann auch auf weitere Informationen wie

Ausschreibungstexte, Produktdetails etc. zugegriffen

werden. Die Update-Funktion des neuen BIM-Plugin

bietet einen zusätzlichen Service: Sie verhindert, dass

Planer und Architekten mit veralteten Daten arbeiten.

99

Bei Änderungen der geprüften Systemlösungen werden

die Nutzer über das integrierte Kommunikationscenter

informiert. Eine automatische Aktualisierung in

bestehende Pläne erfolgt selbstverständlich nicht.

Mit der App „BIMx“ (auch erhältlich im Google Playstore)

lädt Saint-Gobain zu einem virtuellen Rundgang

durch ein BIM-Haus ein! Download auch unter:

https://bim-plugin.saint-gobain-services.de

Produkt News

Andreas Jäger

Klimaexperte

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Generationen.

Dass sich ein traditionelles

Familienunternehmen für die Zukunft

interessiert, liegt in der Natur der

Sache: Wie es den Kindern unserer

Kinder einmal gehen wird, liegt uns

eben am Herzen. Deshalb sorgen wir

mit unseren innovativen Dämmstoffen

schon heute für ein gutes Klima – und

auch morgen.

austrotherm.com

Gutes Klima. Gutes Leben.


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Mit BIM und digitalem Zwilling

geplant und umgesetzt

Als Weltmarktführer bei Schiebedach-Kinematiken und elektromechanischen Türschlossern

betreibt die Firma Pollmann mehrerer Produktionswerke. Das „Jüngste“

steht in Vitis und wurde softwareunterstützt aus der Taufe gehoben.

Das 1888 von Franz Pollmann als Handwerksbetrieb

für feinmechanische Geräte und

Uhren gegründete Traditionsunternehmen

ist heute weltweit aktiv. Der Kernkompetenzbereich

des Waldviertler Unternehmens

mit Hauptsitz in Karlstein und Produktionsstandorten

in Österreich, in Tschechien,

in China und in den USA liegt heute bei

hochkomplexen Mechatronik-Bauteilen für

die Automobilindustrie. Basierend auf dem

Wachstum des mittlerweile in vierter Generation

geführten Familienunternehmens

entstand in den Jahren 2018/2019 in rund 25

Kilometer Entfernung vom Headquarter in

Karlstein in Vitis ein zusätzliches Werk, für

dessen Planung die Auftraggeber besondere

Anforderungen stellten: „Mit Pollmann

2.0 gehen wir schnurstracks in Richtung Industrie

4.0. Deshalb forderten wir von den

ausführenden Firmen ein Setup, das dem

neuesten Stand der Technik entspricht. Eine

maximal effiziente innere Logistik und eine

modulartige Erweiterbarkeit des Gebäudes

waren dabei Grundbedingung“, beschreibt

Robert Pollmann die hohen Ansprüche der

Eigentümer-Familie bei diesem Grüne-Wiese-Projekt.

Unter der Federführung von

Peneder, STIWA und Beckhoff entstand

deshalb bereits während der Planungspha-

se ein digitales Gebäudemodell, das mit den

wichtigsten zu erwartenden realen Kennzahlen

gefüttert wurde. Dadurch gab es das

Endergebnis bereits beim Spatenstich „live“

zu erkunden: Ein Blick durch eine 3D-Brille

machte das BIM-Geplante begreifbar und

gestattete den Bauherren einen realen Ausblick

auf die Zukunft.

Effizientes Zusammenspiel

der Projektbeteiligten

„Da Pollmann mit diesem Werk laut eigenen

Angaben schnurstracks in Richtung Industrie

4.0 marschieren wollte, zeigten sich

unsere Auftraggeber extrem offen für BIM –

eine virtuelle Planungsmethode, bei der die

jeweiligen Teilmodelle der unterschiedlichen

Fachdisziplinen, z. B. Architektur, Logistik,

Haus- und Elektrotechnik, Automation und

Facility Management, in einem zentralen

digitalen 3D-Modell zusammengeführt werden“,

beschreibt DI Harald Setka, Architekt

bei der Peneder Bau-Elemente GmbH den

Planungsansatz der neuen Fertigungsstätte

des Waldviertler Automobilzulieferers.

Und auch DI Thomas Führer, MSc, Leiter

des Geschäftsbereichs Gebäudeautomation

bei der STIWA Holding GmbH, weiß aus Erfahrung

um die Vorteile einer umfassenden

digital unterstützten Planung: „Als Maschinenbauer

und Softwareunternehmen sind

wir es gewohnt, das Produktionsumfeld zu

optimieren. Dabei stellten wir fest, dass die

vorherrschenden Umgebungsbedingungen

einen starken Einfluss auf die Gesamtanlageneffektivität

haben: Wie viel Platz steht

rund um die Maschine zur Verfügung? Welche

klimatischen Bedingungen herrschen in

einer Produktionshalle vor? Wie ist es um

den internen Materialfluss und die Wege

der Mitarbeiter bestellt? Alle diese Dinge

gilt es demnach bei der Planung eines – wie

wir es nennen – Smart Industrial Buildings

genauso zu beachten wie die benötigten

Energieflüsse“. Gemeinsam mit seinem

Kooperationspartner, der Firma Peneder,

wurden in Planungsworkshops die wahren

Erfordernisse der Auftraggeber – sprich die

aktuellen und zukünftigen Anforderungen

der Produktion und Betriebsabläufe an das

Gebäude – eruiert. Diese Phase, in der alles,

von der äußeren architektonischen Hülle bis

zum darin enthaltenen automatisierungstechnischen

Kern, softwareunterstützt geplant

wird, sei laut Führer bei einem guten

Teamplay, wie es bei Pollmann der Fall war,

sogar in acht Wochen zu schaffen.


www.architektur-online.com

101

Produkt News

Als Ausgangspunkt standen insgesamt

65.000 m² Grundfläche für das neue Werk

zur Verfügung. Ein weiterer Fixpunkt war der

Fertigstellungstermin. Nachdem Pollmann

nur dann expandiert, wenn ein konkreter

Kundenauftrag dahintersteckt, schwebte

von Anfang an eine besonders sportliche

Vorgabe im Raum: Das Werk musste maximal

zehn Monate nach dem ersten Spatenstich

in den Vollbetrieb gehen und auch

für die Zukunft gerüstet sein. Im Moment

werden 9.400 m² für die Produktion, für

ein Hochregallager mit derzeit 5.500 Paletten-Stellplätzen,

für Büros, Technik- und Sozialräume

genutzt. Der in der Planungsphase

erarbeitete Masterplan wurde allerdings

so ausgelegt, dass sich dieses Werk sehr

schnell und einfach auf insgesamt bis zu

fünf Hallen ausdehnen lässt. Da alle Versorgungsleitungen

sowie Personen- und Warenströme

in einer zentralen Logistikachse

zusammenlaufen, reicht es, diese Magistrale

im Bedarfsfall entsprechend zu verlängern,

um die nächste Ausbaustufe einzuleiten.

Digitaler Zwilling

Die Smart-Industrial-Building-Spezialisten

erzeugten für das Projekt in Vitis aber nicht

nur ein dreidimensionales Modell des neuen

Gebäudes, sondern darüber hinaus auch

noch einen digitalen Zwilling, über den sich

Proportionen, Materialien, Licht, Formen

und Farben genauso wie die zu erwartenden

Produktions- und Betriebsabläufe auf

ihre Stimmigkeit austesten ließen. Denn

virtuell geplant, ist bei der Ausführung

und beim Betrieb eines Gebäudes viel gewonnen,

wie auch Christian Pillwein von

Beckhoff bestätigt. „Viele Bauherren wissen

nicht, was mit dem Einsatz moderner

Technologien heutzutage in einem ‚Smart

Industrial Building‘ schon alles möglich ist.

Dass es beispielsweise eine erhebliche Reduktion

der Energiekosten mit sich bringt,

wenn auf einen geschlossenen Regelkreis

zwischen Produktion, Logistik und Gebäudetechnik

gesetzt wird“, erläutert der Leiter

der Gebäude- und Infrastrukturautomations-Sparte

bei Beckhoff Automation.

Dementsprechend wurde beim neuen Werk

von Pollmann eine intelligente Verknüpfung

der Fertigung mit der Gebäude- und Energieversorgung

realisiert. Diese stellt zum

Beispiel sicher, dass lediglich jene Luftmenge

in die Halle eingeblasen wird, die

aufgrund der momentan aktiven Maschinen

tatsächlich notwendig ist. Selbst vorbildlich

agierende Betriebe weisen nämlich, durch

Maschinenumrüstungen oder Servicearbeiten,

bei ihren Produktionsanlagen eine

Gesamtanlageneffizienz von maximal 75 %

auf. Und diese Differenz von 25 %, die nicht

die volle Leistung benötigt, birgt enormes

Energiesparpotenzial, die sich mit einer bedarfsorientierten

Regelung der Gebäudeautomation

sehr gut heben lässt. Eine derartige

Lösung amortisiert sich nach Meinung

der Experten zusätzlich auch sehr schnell,

da sämtliche Feinjustierungen und Anpassungen

über die Software erfolgen können.

Hardware-seitig läuft das gesamte Regelungsgeschehen

bei Pollmann über Beckhoff-Komponenten:

Als Leitstand-Server

ist ein Schaltschrank PC der Reihe C6900

im Einsatz und die HKL-Zentrale, die Lüftung

sowie die Raumautomation werden

über fünf hutschienenmontierbare Embedded-PCs

der Serie CX5000 gesteuert.

Nachhaltiges Energiekonzept

Für einen nachhaltigen Umgang mit Energie

wird in Vitis durch unterschiedlichste

Maßnahmen gesorgt: Durch die konsequente

Nord-Süd-Ausrichtung des Gebäudes

werden die solaren Einträge und damit

der Energiebedarf zum Kühlen gering gehalten.

Die Abwärme der Spritzgussanlagen

wird am gesamten Standort zur Raumtemperierung

genutzt, wobei die Abwärme aus

der Antriebskühlung direkt und jene der

Werkzeugkühlung indirekt über Kältemaschinen

zu einem geringeren Verbrauch

beiträgt. Aus den Kältemaschinen selbst

wird ebenfalls Wärme rückgewonnen – genauso

wie aus den Kompressoren. Und last

but not least gewährleisten ausgeklügelte

Regelungsalgorithmen eine effiziente, bedarfsgerechte

Lüftung des gesamten Gebäudekomplexes.

Beckhoff Automation GmbH

T +43 (0)5552 68813-0

info@beckhoff.at

www.beckhoff.at


architektur FACHMAGAZIN

102

edv

Gebäudeautomation:

Home, Smart Home

Das smarte Haus verspricht mehr Komfort, Sicherheit und weniger Energieverbrauch.

Bei der Beratung, Planung, Systemauswahl und Montage

sollte man aber einiges beachten.

Text: Marian Behaneck

Haus mit IQ: Smarte Haustüren, Tore, Fenster oder Rollläden steigern den Komfort und

die Sicherheit für die Bewohner. © Somfy

Viele Gründe sprechen für Smart Home –

die Automation und Vernetzung der Haus-,

Geräte- und Unterhaltungstechnik: Die

gestiegenen Sicherheitsbedürfnisse, die

zunehmende Alterung der Gesellschaft

und die Notwendigkeit, Energie einzusparen

– für all das verspricht die intelligente

Gebäudesteuerung passende Lösungen:

Smarte Schließsysteme von Haustüren, Toren

oder Fenstern steigern die Sicherheit

der Bewohner. Rollladensteuerungen nehmen

älteren oder behinderten Bewohnern

das anstrengende Öffnen und Schließen

ab. Sensorgesteuerte Fensterlüftungen

und Rollläden unterstützen das Heizenergie-Sparen.

Wie funktioniert Smart Home?

Um Bauherren individuell beraten und das

passende System auswählen zu können,

sollte man einige „Basics“ kennen: Smart

Home basiert auf einem vernetzten Zusammenspiel

aus Sensoren, Aktoren, einem Datenübertragungssystem

und einer zentralen

Steuerung. Sensoren (Temperaturfühler,

Bewegungsmelder etc.) geben per Datenleitung

oder Funk digitale Signale direkt oder

über eine Steuerzentrale an Aktoren (Antriebe,

Schalter etc.) weiter. Daraufhin wird die

programmierte Aktion (Lampe dimmen, Heizung

drosseln, Sonnenschutz herunterfahren)

ausgeführt. Die Aktionen können zeit-,

temperatur-, wind-, regen-, anwesenheits-,

App- oder sprachgesteuert erfolgen. Sensoren

und Aktoren können neu programmiert

oder zugeordnet werden, sodass die Gebäudesteuerung

flexibel an neue Anforderungen

angepasst werden kann. Schnittstellen (sogenannte

Gateways) sorgen über entsprechende

Protokolle dafür, dass die einzelnen

Ebenen und Geräte eines Smart-Home-Systems

miteinander kommunizieren können,

auch wenn sie von unterschiedlichen Herstellern

stammen. Die Übertragung dieser

Informationen und Daten erfolgt per Kabel,

Funk, das Stromnetz oder kombiniert über

entsprechende Bussysteme. Aktuell erhältliche

Hausautomationssysteme lassen sich

in offene und geschlossene Systeme unterteilen.

Offene Systeme bieten eine große

Geräteauswahl, ermöglichen Kombinationen

unterschiedlicher Produkte und sind damit

weniger von einem Hersteller abhängig. Allerdings

können Inkompatibilitäten auftreten.

Nutzer geschlossener Systeme können

zwar zwischen perfekt aufeinander abgestimmten

Geräten wählen, allerdings nur

eines Herstellers. Bei Störungen müssen sie

sich dafür nicht mit mehreren Ansprechpartnern

auseinandersetzen.

Kabel oder Funk?

Kabelgebundene Bussysteme übertragen

Signale über spezielle Bus-Kabel, die in der

Regel unter Putz verlegt werden und deshalb

Schlitz- und Stemmarbeiten voraussetzen.

Das ist bei Neubauten in der Ausbauphase

kein Problem, bei Altbauten nur dann,

wenn sie grundsaniert und ohnehin in den

Rohbauzustand versetzt werden. Zu den

genormten, herstellerunabhängigen kabelgebundenen

Bussystemen (Binary Unit System)

gehören der KNX-, LON- oder der BACnet-Standard.

Kabelgebundene Bussysteme


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103

edv

Auf dem Markt erhältliche Lösungen können viele Haustechnik-Elemente miteinander vernetzen und damit deren Zusammenspiel optimieren.

© Somfy

sollten bereits in einer früheren Projektphase

geplant werden, da die Größe der Steigzone,

des Wohnungs- bzw. Geschossverteilers,

die Dimensionen der Leerrohre, die

Anzahl und Art der Anschlusspunkte und

die Anzahl und Typen der Kommunikationskabel

bestimmt werden müssen. Die Kunst

besteht darin, alles vorausschauend so festzulegen

und möglichst geschickt im Haus zu

verteilten, dass eine flexible Nutzung über

viele Jahre möglich ist. Funksysteme sind

einfacher installierbar, preiswerter, flexibler

und in der Altbaumodernisierung optimal,

weil Schlitz- und Stemmarbeiten entfallen.

Zu den wichtigsten Funk-Standards zählen

Bluetooth, EnOcean, WLAN, ZigBee oder

Z-Wave, die sich vor allem in der Reichweite

(ca. 10 bis 100 Meter) unterscheiden. Auch

auf das aktuelle Marktangebot an passenden

Systemkomponenten und Geräten, auf

die Möglichkeit, bestehende Deckenlampen

etc. einzubinden und die Kosten sollte man

achten. Nachteilig nahezu bei allen Funksystemen

ist, dass irgendwann die Batterien

gewechselt werden müssen. Lediglich batterielose

Systeme des Herstellers EnOcean

sind praktisch wartungsfrei. Eine weitere

Nachrüst-Alternative ist die Powerline- oder

Powernet-Technik, die zur Signalübertragung

das vorhandene Stromnetz nutzt. Allerdings

sind die dafür notwendigen Bauteile

und Komponenten teuer und das Stromnetz

sollte nicht zu alt und marode sein. Darüber

hinaus kann es von Außen durch Dimmer,

Mehrfachsteckdosen, Elektrogeräte etc. zu

Störeinflüssen kommen. Wichtige Powerline-Standards

sind DigitalStrom oder LCN.

Lokal oder global?

Je nachdem, wie Steuerungs- und Sensordaten

verarbeitet und gespeichert werden,

unterscheidet man zwischen lokalen und

cloudbasierten Smart-Home-Systemen. Weil

letztere die Daten zunächst online an einen

externen Server senden, dort verarbeiten

und zurück an den lokalen Aktor senden, haben

sie eine Sicherheitsschwachstelle. Was

dabei nämlich mit den Daten passiert, ent-


architektur FACHMAGAZIN

104

edv

Auch die Steuerung smarter Bauteile lässt sich individuell konfigurieren.

© GEZE

Das komplexe Zusammenspiel aller Bauteile, etwa einer smarten Haustür,

setzt Know-how bei der Planung und Montage voraus. © GEZE

zieht sich jeder Kontrolle. Schlimmstenfalls

können das Nutzerverhalten der Bewohner

ausgespäht und für Manipulationen genutzt

werden. Funktioniert das cloudbasierte

Smart-Home-System nur mit Internetverbindung,

können zudem eigene Verbindungsprobleme

oder technische Störungen beim

Internetprovider Smart-Home-Funktionen

beeinträchtigen oder ganz lahmlegen. Deshalb

sollte eine App-Steuerung oder die

Ausführung programmierter Funktionen

auch offline möglich sein. Prinzipiell sicherer

in Bezug auf die Daten- und Ausfallsicherheit

sind lokale Insel-Systeme, bei denen die

Sensordaten ausschließlich im hauseigenen

Server oder Steuergerät gespeichert und

verarbeitet werden. Das ist zwar mit einigen

Funktions- und Komforteinbußen verbunden

(kein Fernzugriff, keine Push-Nachrichten,

kein Sprachassistent). Dafür sind lokale Systeme

sicher vor Hackerangriffen und funktionieren

in vollem Umfang auch offline.

Kosten und Nutzen

Die Mehrkosten gegenüber konventioneller

Installation sind abhängig von der verwendeten

Technik und den Ansprüchen.

Bussysteme kosten etwa 30 Prozent mehr,

je nach eingesetzter Technik und Ausbaustufe.

Einstiegsangebote auf Basis von

Funkstandards beginnen bei mehreren hundert

Euro, wobei es sinnvoll ist, zunächst

eine Grundausstattung auf Basis eines offenen

Systems zu wählen, die bei Bedarf erweitert

werden kann. Eine Vollverkabelung

eines durchschnittlichen Mehrfamilienhauses

mit Licht-, Heizungs- und Verschattungssteuerung

kostet ab etwa 5.000 Euro

pro Wohneinheit. Bei der Konzeption und

Auswahl von Technik und Produkten sollte

man neben den technischen Möglichkeiten

und den Mehrkosten für smarte Endgeräte

auch auf die Praxistauglichkeit, Unempfindlichkeit

der Anlage gegenüber Störsignalen,

die Wartungshäufigkeit und vor allem die Sicherheit

(s.o.) achten. Bedenken sollte man

bei Kosten-Nutzenrechnungen auch, dass

Smart Home zwar das Energiesparen unterstützt,

selbst aber auch Strom kostet. Jedes

funkgesteuerte Systembauteil (Steckdose,

Lampe, Heizkörperventil etc.), jedes smarte

Gerät im Standby-Modus braucht eine

Batterie oder bedient sich aus dem Netz,

was den Energieeinspar-Effekt mindert. Aktuellen

Studien zufolge wird der Trend zur

Heimautomatisierung insgesamt sogar für

einen Anstieg des Stromverbrauchs sorgen.

Danach wird sich der Verbrauch von Energie

und Ressourcen mit der zunehmenden

Verbreitung vernetzter Geräte im Haushalt

deutlich erhöhen – nicht nur aufgrund der

Geräte-Herstellungsprozesse, sondern auch

durch deren laufenden Betrieb.

Beispiel: Smarte Fenster

Zahlreiche smarte Lösungen gibt es bereits

im Bereich Fenster und Fassade: So vernetzt

beispielsweise die Systemplattform

Building Skin Control (BSC) von Schüco

Gebäude-Fassadenelemente miteinander

und ermöglicht durch offene Schnittstellen

eine Anbindung an standardisierte Gebäudeleitsysteme

wie KNX oder BACnet. Darüber

hinaus kann BSC an die Schüco Cloud

angebunden werden. So kann der Fenster-/

Fassadenbauer per Fernzugriff den Status

von Wartungsintervallen oder Ereignissen

abrufen und auf Kundenanfragen reagieren.

Per Fernzugriff oder App lassen sich Einstellungen

und Konfigurationen elementübergreifend

und individuell vornehmen –

etwa eine automatische Raumlüftung oder

Nachtauskühlung. Eine sprachgesteuerte

Smarte Fenster als persönliche Assistenten,

mit denen die Bewohner interagieren können.

© Oknoplast


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105

edv

Bedienung der Elemente verspricht mehr

Komfort. In eine andere Richtung zielt das

Smart Window von Drutex ab. Die Studie für

ein interaktives Fenster soll eine Präsentation

von Multimediainhalten und neue funktionelle

Gebrauchsmöglichkeiten des Fensters

ermöglichen: Fernsehen, Filme streamen,

im Internet surfen, E-Mails checken. Smart

Window besteht aus einem interaktiven

Fenster sowie einer Steuereinheit, die über

Benutzerschnittstellen für die Kontrolle und

Interaktion mit dem Nutzer verantwortlich

ist. Das Fenster ist mit einem energieeffizienten

Prozessor ausgestattet und besitzt

ebenfalls Schnittstellen zur drahtlosen Kommunikation

(WIFI, Bluetooth, Bluetooth Low

Energy). An das Fenster kann ein USB-Stick

oder eine externe Festplatte mit Multimediadateien,

eine Tastatur und Maus angeschlossen

werden. Mitbewerber Oknoplast offeriert

ein ähnliches Konzept. Über das im Fenster

integrierte Touch-Panel kann man im Internet

surfen oder in Full-HD-Qualität einen

Film anschauen. Das Smart Window soll ein

Tablet oder Notebook ersetzen können und

auch als Sonnenschutz dienen. Schaltet man

die Smart Window-Funktion ab, funktioniert

es wie ein normales Fenster. Das Fenster

der Zukunft wird kein isoliertes Bauteil mehr

sein, sondern Teil einer vernetzten Gebäudehülle,

die flexibel auf Wetter- und Umweltbedingungen

reagiert und mit der Umgebung

interagiert. Zu den bisherigen Funktionen

Belichtung und Belüftung, Wärme- und

Schalldämmung sowie Einbruchschutz kommen

smarte Funktionen hinzu: Lüftung, Beleuchtung,

Sichtschutz, Verschattung und

Kühlung, aber auch Information und Entertainment.

Was sich davon am Markt durchsetzen

wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Chancen und Herausforderungen

Es muss nicht immer gleich Smart Home

sein. Häufig reicht auch schon ein Zeitschalter,

ein Temperatur-, Regen- oder Windsensor.

Sollen aber möglichst viele Haustechnik-Komponenten

miteinander vernetzt

werden, sind Gebäudeautomationssysteme

gefordert. Die smarte Technik muss aber

störunempfindlich und manipulationssicher

sein sowie aktuelle Sicherheitsstandards

erfüllen. Experten warnen immer

wieder vor Risiken, die von unzureichend

verschlüsselten, veralteten Funkprotokollen

ausgehen und teilweise noch immer in

neue Systeme verbaut werden. Problematisch

ist auch die in jedem smarten Gerät

integrierte Betriebssoftware (Firmware),

die selten oder überhaupt nicht aktualisiert

wird und dadurch zunehmend anfälliger für

Schadsoftware und Hackerangriffe wird.

Zudem lassen sich mechanische oder elektronische

Manipulationen beispielsweise bei

Das sollten Planer beachten

- Kabelgebundene Bussysteme bevorzugen, da sie störunempfindlich, einfacher und

kostengünstiger im Betrieb sind.

- Bei funkbasierenden Systemen auf Reichweite, Störsicherheit und Wartungszyklen

(Batterieverbrauch) achten.

- Da Aktoren viel Energie benötigen, müssen unmittelbar an smarten Bauelementen

stets Elektroanschlüsse vorhanden sein.

- Eine 24-V-Spannungsversorgung ermöglicht eine einfache Montage auch ohne Elektrofachkraft

und minimiert Leitungsquerschnitte.

- Elektronische Bauteile stets so einbauen, dass sie vor Feuchtigkeit, extremer Temperatur

oder mechanischer Belastung geschützt sind.

- Anlagensicherheit beachten: verschlüsselte Funkprotokolle, aktuelle Sicherheitsstandards,

sichere Webzugänge und ‐übertragungen etc.

- Frühzeitig mit dem Elektrofachplaner, Hersteller und Handwerker Details wie Leitungsführung,

Übergabepunkte etc. abstimmen.

- Mit anderen Gewerken zusammenarbeiten, um Licht, Heizung, Kühlung und Lüftung

in das Smart-Home-Konzept einzubinden.

Weitere Infos/Quellen

www.baunetzwissen.de

www.gebaeudedigital.de

www.intelligenteswohnen.com

www.smarthomes.de

www.wikipedia.at

Keyless-Haustürsystemen nicht ausschließen,

was zum Teil auch an unzureichenden

Sicherheitsstandards liegt. Dennoch sollten

Planer die Chancen des wachsenden Smart

Home-Markts erkennen und nutzen. Die

Themen Komfort und Sicherheit werden

aufgrund des demografischen Wandels und

des zunehmenden Sicherheitsbedürfnisses

vor allem älterer Bevölkerungskreise immer

wichtiger. Komfort und Sicherheit steigern

zudem den Marktwert von Immobilien.

Allerdings sollte man bei der Auswahl bewährte,

einfach zu installierende und bedienbare

Systeme von namhaften Anbietern

favorisieren und wichtige Grundregeln bei

der Planung und Realisierung beachten

(siehe Infokasten).

Rubrik „Elektro“

B2B Gebäudetechnik-Magazin

Initiative Intelligentes Wohnen

B2C Gebäudetechnik-Magazin

Suche: „Raum-/Gebäudeautomation“ etc.


www.architektur-online.com

106

edv

Sanierung unter BIM-Einsatz

BIM im Bestand ist noch immer die Ausnahme. Dabei kann die Methode hier ebenso

sinnvoll sein, wie bei einem Neubau. hks I architekten zeigen mit dem Erfurter

Heizwerk, dass sich BIM und denkmalschutzgerechte Sanierung keineswegs ausschließen.

Im Gegenteil: Mit einer stringenten, digitalen Durchgängigkeit im Planungsprozess

ist der Nutzen für alle bereits im Entwurf gegeben.

Das Digitalaufmaß des Erfurter Heizwerks entstand als

3D-Punktwolke. Sie ist Basis für die BIM-Planung in Archicad.

In diesem Fall modellierten hks den Bestand komplett

nach – ein großer Aufwand, aber wichtig in diesem Projekt.

Auf den Abbildungen zu sehen ist die Überlagerung

von neuer Planung und Punktwolke des Bestandes.

©hks I architekten

Seit Mitte der 1990er Jahre entsteht im

Brühl ein neuer Erfurter Stadtteil, der neben

Neubauten für Wohnen, Büro und Gewerbe

mit der „Zentralheize“ ein eigenes kulturelles

Zentrum erhalten wird. Die geschäftsführenden

Partner von hks|architekten gehören

zur Bauherrengemeinschaft; bis Ende

2020 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Die projektleitenden Architekten setzen

dabei auf Software- und plattformübergreifendes

Open BIM und 3D-Modellierung –

schon ab dem Digitalaufmaß, das die Basis

für ihr 3D-Modell ist. In der Planung arbeiten

die Architekten mit Archicad. Die BIM-Planungssoftware

ist Grundlage für die Koordinierung

aller eingebundenen Fachplaner

und bündelt dank verschiedener Schnittstellen

wichtige Funktionen im Projekt.

Der Nutzen der modellorientierten Arbeitsweise

ist nicht immer allein in Zeit zu messen,

stellen die planenden Architekten von

hks I architekten heraus. Wesentlich sind

andere Vorteile. Sie heben vor allem eine

durchgängige, digitale Prozesskette hervor,

die eine geringere Fehlerquote bedingt und

damit im fortschreitenden Projekt die Kosten

durch Baufehler minimieren hilft.

Für die umfassende Planung, von der ersten Modellierung bis zur Ausführungs- und Detailplanung,

setzen hks auf Archicad. Beim Erfurter Heizwerk planten sie konsequent in 3D und Open

BIM, schon ab dem Aufmaß.

GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Vertrieb Österreich

mail@graphisoft.at

www.archicad.at

© Alex Brunner


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