flip-Joker_2021-05

ArtMediaVerlag2013

Mai 2021

32. Jahrgang

Kunsterleben online

„Es ist rau da draußen“

Im Gespräch: Punkrocker und Virusexperte Dr. Dexter Holland von The Offspring

INHALT

THEATER_____________________ 5

25. Europäische Kulturtage 2021

BIENNALE FÜR FREIBURG _______6

Stadtraum, Kunstraum

KUNST_______________________9

Markgräfler Traumwelten

VISION 2025________________ 14

70 Jahre Kunst am Bau

LITERATUR___________________ 16

Im Gespräch: Georgi Gospodinov

NACHHALTIG_______________ 22

Fashion Revolution 2021

GESUNDHEIT________________ 25

Sigma-Zentrum mit Gutachter-Expertise

HANDWERK_________________ 26

Qualitätsversprechen Schreiner-Innung-FR

VERANSTALTUNGEN_________ 31

2. International Screen Dance Festival

Dexter Holland ist das Gesicht

von The Offspring. Vor vier

Jahren hat der Punksänger

seinen Doktortitel in Molekularbiologie

bekommen. Nach

langer Funkstille erscheint

nun das Comebackalbum seiner

Band: “Let The Bad Times

Roll”. Bis auf seinen blonden

Bürstenhaarschnitt und seine

glitzernde Halskette erscheint

Holland via Zoom vom Scheitel

bis zur Sohle in schwarz.

Er gibt das Interview in dem

Studio, in dem Metallica-Produzent

Bob Rock den neuen

Offspring-Songs den letzten

Schliff verliehen hat. Mit Dr.

Dexter Holland sprach Olaf

Neumann über Virenforschung,

Wahrhaftigkeit und

wilde Punkrock-Shows

Kultur Joker: “Let The Bad

Times Roll” ist Ihr erstes neues

Album seit 2012. Haben Sie sich

Punkrocker Dr. Dexter Holland

Foto: Offspring

Kultur Joker: Kann man mit

Punkrock in Würde alt werden?

Holland: Absolut! Einige meiner

Lieblingsmusiker waren alte

Punkrocker, The Ramones, Joe

Strummer. Punkrock ist eine

Lebenseinstellung. Und was

The Offspring betrifft, bedeutet

Punkrock selbständiges Denken.

Kein blinder Mitläufer zu sein.

Kultur Joker: Und was war Ihr

persönlicher Höhepunkt während

der vergangenen zwölf Monate?

Holland: Ich habe kleine Kinder

zuhause. Es war toll, mehr

Zeit als sonst mit ihnen zu verbringen.

Das ist natürlich keine

Rock’n’Roll-Antwort, aber mit

meinen Kids zusammen sein zu

dürfen, ist schlichtweg großartig.

Kultur Joker: Sind Sie gut im

Homeschooling?

Holland: Ich würde die Kinder

lieber zur Schule schicken, weil

Respekt Vielfalt Weitsicht

Teilhabe

Verantwortung

Vorsorge

Weil’s um

mehr als

Geld geht.

Wir Wir setzen uns uns ein ein für für das, das, was was im

im

Leben Leben wirklich zählt. Für Für Sie, Sie, für

für

die die die Region, für für uns uns alle. alle. Mehr auf

auf

sparkasse-freiburg.de

zu dem Titelsong durch Donald

Trump inspirieren lassen?

Dexter Holland: Dieser Song

wurde inspiriert durch viele politische

Ereignisse in den letzten

Jahren. Und zwar nicht nur

in den USA, sondern auf der

ganzen Welt. Aber er hat auch

eine gesellschaftlich-persönliche

Komponente bekommen durch

Covid-19. Allein in den USA

sind bereits 500.000 Menschen

an dem Virus verstorben. Viele

andere haben ihren Job verloren

und sind deshalb deprimiert oder

isoliert. Diese Beobachtungen

habe ich in den Song mit einfließen

lassen, und zwar wertfrei.

Der Hörer soll seine eigenen

Schlüsse ziehen.

Kultur Joker: Sind schlechte

Zeiten die besten Zeiten für gute

Ideen?

Holland:(lacht) Es scheint so!

Im Moment passiert vieles,

über das man schreiben kann.

Die Zeile “Let The Bad Times

Roll” bringt die Weltlage auf

den Punkt. Leider ist die globale

Krise längst nicht vorbei.

Ich denke aber, dass in unseren

Texten immer auch ein bisschen

Hoffnung mitschwingt. Vieles

davon ist mit einem Augenzwinkern

geschrieben. Ich blicke gern

durch die ironische Brille auf die

Welt. Aber “Let The Bad Times

Roll” meine ich wirklich so.

Vielen Staatenlenkern sind die

schlechten Zeiten doch gar nicht

so unrecht.

Kultur Joker: Was war Ihr persönlicher

Tiefpunkt in den vergangenen

zwölf Monaten?

Holland: Wir sind normalerweise

vier Monate im Jahr auf Tour,

um live zu spielen. Mir persönlich

ist es sehr schwer gefallen,

darauf zu verzichten. Die Energie,

die bei Punkrock-Shows

freigesetzt wird, ist mit nichts

vergleichbar.

Kultur Joker: Corona hat so

ziemlich Einfluss auf alles – natürlich

auch auf unser Sexleben.

Ist die Zeit von Sex, Drugs &

Rock’n‘Roll definitiv vorbei?

Holland: (lacht) Sie spielen auf

unseren Song „We Never Have

Sex Anymore“ an? Jeder Mensch

hat Erfahrungen mit Beziehungen,

ob Jung oder Alt. Aber

noch niemand hat darüber in dieser

Art einen Song geschrieben.

„Wir haben keinen Sex mehr“

klingt erst einmal ziemlich deprimierend,

aber wenn man es augenzwinkernd

sagt, löst es auch

Lacher aus. Dieser Song drückt

nichtsdestotrotz Selbstachtung

aus: Der selbe Kerl, der nie

Glück mit seinen Freundinnen

hatte, lebt Jahre später in einer

Beziehung – aber ohne Sex.

Schule eine wichtige soziale

Funktion hat. Aber aus der Notwendigkeit

heraus lernen wir

auch zuhause. Buchstabieren,

Lesen oder Rechnen. Gestern

Fortsetzung des

Interviews auf

Seite 28

Kultur Joker

Tel.: 0761 / 72 0 72

www.kulturjoker.de

kulturjoker


Liebe Leser*innen,

die ersten warmen Sonnentage stehen vor der Tür:

Das heißt Joker schnappen und zum Lesen ab in

die Sonne! Denn auch im Monat Mai gibt es wieder

vieles zu entdecken.

Als „einzigartige Stimme der europäischen Literatur“

gewann Georgi Gospodinov den Usedomer-

Literaturpreis 2021. Viktoria Balon, die das Interview

aus dem Bulgarischen übersetzte, sprach für uns

mit dem Autoren Gospodinov über sein literarisches

Werk, seine Heimat Bulgarien und das Gefühl „Europa“.

„Linda McCartney – The Sixties and more“ heißt die

neue Ausstellung in der Kunsthalle Messmer, die die

Werke der „Rockfotografin“ Linda McCartney zeigt,

die Rocklegenden wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und

die Rolling Stones ablichtete.

Das Live-Streaming-Portal #inFreiburgzuhause bietet

Künstler*innen seit letztem Jahr eine virtuelle

Bühne. Fabian Lutz sprach für uns mit Thomas Walz,

Ideengeber und Betreuer des Projekts.

Seit ein paar Wochen ist Christine Buchheit (Bündnis

90/DIE GRÜNEN) neue Dezernentin für Umwelt, Jugend,

Schule und Bildung in Freiburg. Im Gespräch

mit Danny Schmidt spricht sie über ein zukunftsfähiges

Klimaschutzkonzept, umfassende Digitalisierungsvorhaben

für Freiburger Schulen und ihre Lieblingsteesorte

„Green Energy“.

Eva Stegen wirft indes einen Blick unter den Klimaschutzdenkmantel

dreier Atommächte und entdeckt dort klare militärische

Interessen, die dem großen Publikum verschwiegen

werden.

Veranstaltungsankündigungen und Ausstellungen sind weiterhin

ohne Gewähr. Informieren Sie sich bitte direkt bei den

Veranstalter*innen oder Museen über mögliche Absagen

und Schließungen. Aktuelle Ankündigungen finden Sie täglich

auf www.kulturjoker.de.

Wir wünschen Ihnen einen sonnendurchfluteten Mai, bleiben

Sie gesund und solidarisch!

Kultur-Joker-Redaktion

In diesen schweren

Zeiten sind wir dankbar

für jedes Zeichen der

Solidarität; egal ob liebe

Worte oder eine finanzielle

Unterstützung, damit wir unsere Arbeit

fortsetzen können.

Empfänger: Art Media Verlag

IBAN: DE 26 680 5010 1000 2022 512

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THEATER KULTUR JOKER 3

Rebecca Mary Narum

Foto: Jürgen Gocke

Eine Assoziationsreise durch die Jahrhunderte

Rebecca Mary Narums erste abendfüllende Soloperformance „The Doll in her Pocket“ feierte im E-Werk in Freiburg Premiere

Stereo- und Archetypen,

Klischees und Rollenzuschreibungen

– Frausein war schon

immer Projektionsfläche für

komplexe, sich ständig wandelnde

Gesellschaftssysteme.

Aber was ist eigentlich weiblich

und wer definiert das? Wie

fühlt es sich an, eine starke Frau

zu sein? – Inmitten lebhafter

Gender-Debatten und befreiender

Geschlechtervielfalt hat

sich die in Freiburg lebende

US-amerikanische Choreografin

und Tänzerin Rebecca Mary

Narum (Tanztheaterkollektiv

Quizzical Körper) auf eine sehr

persönliche Spurensuche nach

der eigenen Geschlechtsidentität

gemacht. Parallel forschte sie

in Literatur und Film, transportierte

sie in ihrem Studio Körper-

und Bewegungsstudien in

Choreografien. Begleitet wurde

ihre monatelange Recherche

von Mitbewohnerin Antonia

Bischof. Jetzt feierte Rebecca

Mary Narums erste abendfüllende,

von Stadt und Land geförderte

Soloperformance. „The

Doll in her Pocket“ im Freiburger

Südufer Premiere und ist per

Livestream in der Mediathek

von infreiburgzuhause.de zu

sehen.

Nur zwei Live-Zuschauerinnen

sind an diesem Abend

zugelassen. Also sitzt man wie

beim Filmset neben konzentrierter

Technik-Geschäftigkeit

zwischen Kabeln, Kameras und

Mikros rund um Monitor und

Schaltpult. Letzte Checks, der

Countdown wird ein gezählt,

dann ist die minimalistische

Bühne live auf Sendung: Weißer

Tanzboden, weiße Rückwand,

weißer Tisch, von der

Decke schwebt ein imposantes

Ballkleid in Purpur. Wie eine

vierbeinige Königin thront Narum

auf dem Tisch, dessen Platte

unter ihrem ausladendem Rock

ganz verschwindet. Mit warmem

Lächeln und großzügigen, grazilen

Gesten hält sie Hof: Kopf,

Arme und Oberkörper deklinieren

minutenlang in großer Anmut

bedeutungsschwere Gesten.

Die werden zu Posen, dann zu

mechanischem Spielfiguren-

Ruckeln. Erst als Narums Blick

sich vom fiktiven Gegenüber

löst, schwingt sie sich mit einem

beherzten Schritt vom Podest.

Es ist diese betörende Arie

„Che si puó fare, Op. 8“ von Barbara

Strozzi, die bei goldenem

Bühnenlicht (Jenny Herman) in

ferne Zeiten entführt und damit

in eine 45-minütige Assoziationsreise

durch die Jahrhunderte.

Immer wieder wird sich

die 29-jährige Kulturanthropologin

und TIP-Absolventin

(2017) dabei neue Räume und

Bewegungssprachen erobern

und dabei ganz unterschiedliche

Gefühle und Energien erzählen.

Die ausgewählten Musikstücke

sind stark und wirken als

Soundtrack stellenweise zu illustrierend,

auch gibt es choreografische

Längen. Intensiv ist dieses

Solo aber unbedingt, ist Narums

Tanz doch fein ziseliert, wandelbar

und sehr ästhetisch, triggert

mühelos eigene Fantasien

und Bilder: Ob im wirbelnden

Kleid oder in schwarzer Hose,

ob als Zehenspitzen-Ballerina,

neckische Verführerin, aufgedrehte

Barbie-Parodie oder

Kriegerin – Narums geschmeidige

Bewegungslust ist spürbar,

ihre Choreografien erwecken

ausdrucksstark Klischees und

Geschlechterrollen zum Leben.

Dabei verschiebt sich der

Körperfokus im Laufe der Performance

entlang romantischer

Klaviermusik, indianischem

Trommeln, melodiösem Wolfsgeheul

und viel Spanischem:

Beweglichkeit und Ausdruck

wandern vom Oberkörper in

die Hüften und von dort in Becken

und Beine, bis nackte Füße

kraftvolle Rhythmen in den

Boden stampfen. Immer wieder

gibt es Brüche und damit Momente

von Selbstermächtigung

und Befreiung. – Inspirierend!

Da hätte es das nachfolgende

Künstlergespräch auf Englisch,

bei dem Narum über Konzeptund

Probenprozess erzählt, so

ausführlich nicht gebraucht,

zumal Zuschauerfragen zu kurz

kommen. Am lebendigen Publikumsgespräch

per Live-Chat

lässt sich auf dieser tollen Plattform

noch tüfteln.

„The Doll in her Pocket“, live

aus dem Südufer unter infreiburgzuhause.de

Marion Klötzer

10. BILDRAUSCH

FILMFEST BASEL

16. — 20.06.21

WWW.BILDRAUSCH-BASEL.CH


4 KULTUR JOKER THEATER Theater

Wenig Requisiten, dafür aber viel Gefühl

Junges Theater Freiburg zeigt furiose Premiere von

„Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ nach dem Debütroman Dita Zipfels

Clara Schulze-Wegener

Foto: Marc Doradzillo

Dita Zipfels 2020 mit dem

Deutschen Jugendliteraturpreis

ausgezeichneter Debütroman

„Wie der Wahnsinn mir die

Welt erklärte“ ist ein Fantasiestrotzendes,

grandios-durchgeknalltes

Abenteuer. Jetzt feierte

die Bühnenadaption von Benedikt

Grubel und Michael Kaiser

(Regie: Benedikt Grubel)

vom Jungen Theater Freiburg

im Werk-raum per Livestream

furiose Premiere.

Zoom auf eine rosafarbene,

wirbelnde Masse, die sich als

Smoothie im Mixer herausstellt,

dazu ein gekachelter

Küchen-Laborblock mit Utensilien

neben einer Gitterwand,

von der Obst und Gemüse

baumelt (Bühne und Kostüme:

Caroline Stauch). „Kochen für

Killer!“ wird Christoph Kopp

als grantig-verrückter Herr

Klinge später in dieser Kulisse

zu stampfenden Synthesizer-

Rhythmen (Musik: Jan Paul

Werge) grölen – aber noch gibt

er neben Clara Schulze-Wegener

als umwerfend lebendige

Lucie den Erzähler.

Ein Salatkopf – Lucies angespannte,

gefühlsverwirrte

Mama, eine Lauchstange – deren

neuer, schmierig-verspulter

Esoterik-Lover Michi. Der

jüngere, in einem Wut-Kokon

gefangene Bruder – ein modrig

müffelnder Fenchel. Im Spagat

zwischen Erzähl – und Objekttheater

werden die Protagonisten

dieser Geschichte vorgestellt,

Lucies anthropologische

Studien zu ihren Mitmenschen

zeigt ein Wandplakat. Auf die

Leinwand wird ihr Goldenes

Ticket in die Freiheit per Kamera

projiziert: „Gassigehen – 20

Euro die Stunde“, verspricht der

Supermarkt-Aushang. Nur wenige

Tage und die Zwölfjährige

kann ihrem nervigen Zuhause

mit einem Ticket nach Berlin

zu Mamas Ex-Freundin Bernie

entkommen!

Gruselmusik, grün-blaues

Dämonenlicht (Frederik Menzel)

und Lucie landet vor Herrn

Klinges Haustür: „Keine Mädchen!“

schnaubt es hinter der

Kachelwand, dann schießt ein

Metallgreifer aus einer Klappe

und schnappt Lucie den

Smoothie aus der Hand. Bizarr!

Mit riesiger Sonnenbrille

und Bademantel fegt Christoph

Kopp wie ein Rumpelstilzchen

über die Bühne – sein alter

Klinge hat ganz offensichtlich

einen Mega-Knall samt Verfolgungswahn.

Einen Hund gibt es

keinen, stattdessen wird Lucie

die Ghostwriterin für die „Enzyklopädie

der Wunderwesen“

dieses verrückten Hexenmeisters,

für den Tomaten Drachenherzen

und Auberginen

Hexenlebern sind.

Wie Lucie daraus dann Liebesketchup

mixt, wie sich die

Ereignisse zuhause, im Freibad,

Friedhof und Supermarkt

überschlagen, das spielen

Clara Schulze-Wegener und

Christoph Kopp großartig in

wechselnden Rollen, mit wenig

Requisiten, aber viel Gefühl,

Tempo und überbordender Energie.

Dabei gibt es wilde und

zarte Momente, viel Slapstick

und eine Botschaft: „Wenn man

bedenkt, dass wir alle verrückt

sind, ist das Leben erklärt…“

– Ein ebenso spannendes wie

vielschichtiges Stück, für das

es am Ende viele Chat-Smileys

statt Applaus gibt.

„Wie der Wahnsinn mir die

Welt erklärte“, Junges Theater

Freiburg unter: www.dringeblieben.de.

Ab 12 Jahren

Marion Klötzer

„Verzweifelt nicht!“

Die Immoralisten zeigen ihr Streaming-Projekt „1665 – Das Jahr der Pest“

Angst und Tod wegen einer

Krankheit, die sich sprunghaft

über Grenzen hinweg ausbreitet

und das gesamte öffentliche

Leben zum Erliegen bringt –

Corona ist nicht die erste Pandemie,

von der die Menschheit

gebeutelt wird. Spannend, da

einen Blick zurück zu werfen

und auf Zeitreise zu gehen.

Mit ihrem von Stadt und Land

geförderten Streaming-Projekt

„1665 – Das Jahr der Pest“ entführen

die Immoralisten jetzt in

das Leben von Samuel Pepys,

ein Londoner Angestellter des

Flottenministeriums und leidenschaftlicher

Tagebuchschreiber.

Seinen offenherzigen Aufzeichnungen

ist es zu verdanken, dass

KULTUR-JOKER-BUCHCLUB

Instagram: kulturjoker

Unser Buch im Mai:

Allegro Pastell!

Der viel gelobte und

kontrovers diskutierte

Roman von Leif Randt

ist so nah an seiner Zeit,

wie es Faserland in den

Neunzigern war. Eine

Lovestory direkt aus dem

Jetzt und eine präzise Bestandsaufnahme

unserer

Gegenwart. Soziologisch,

intelligent und on point

cool.

der Transfer ins Hier und Jetzt

funktioniert und sich ein guter

Geist aus der Geschichte an uns

Nachgeborene wendet. Die Parallelen

sind da so verblüffend

wie berührend.

Der halbstündige Theatermonolog

von Florian Wetter (Neu-

Übersetzung, Arrangement

und Schauspiel) und Manuel

Ab Freitag, 30. April,

diskutieren wir Kapitel

Eins: Frühling 2018 auf

unserem Instagramaccount

@kulturjoker.

Alle Leseabschnitte folgen

wöchentlich auf Instagram.

Wir freuen uns auf

den gemeinsamen Austausch!

Kreitmeier (Idee und Regie) beamt

die Zuschauer nach einem

schwarz-weiß-gestrichelten

Intro, das leergefegte, mittelalterliche

Straßen und strömende

Ratten zeigt, in ein behaglich

mit Kerzenlicht ausgeleuchtetes

Zimmer. Im Vordergrund ein

Schreibtisch, dahinter Vorhänge

und Möbel. Auch diese Szene

kennen wir. Nur liegt bei den

wenigsten von uns ein Schädel

herum, während wir abends vor

dem Monitor sitzen und mit der

Welt kommunizieren. Weiß auf

schwarzem Grund wird nun das

Datum des 1. Januars eingespielt,

dann sitzt uns Samuel Pepys

live gegenüber. Er trägt Perücke

und ist nur bis zur Brust zu sehen,

Bewegung und Schauspiel

sind da nur begrenzt möglich.

Doch Florian Wetter blickt und

spricht direkt in die Kamera,

seine Figur entwickelt dank

ausdrucksstarker Mimik und

Rede sofort Präsenz (Kamera

und Animation: Chris Meiser.

Schnitt: Marie Hopermann).

Der Spannungsbogen dieses

chronologisch, mit knappen

Tagebucheinträgen erzählten

Jahres 1665 ist gewaltig: Von

lustig geschlemmter Trüffelpastete

am Neujahrstag, dem

Tod des Kanarienvogels und

allerhand beruflichen, kulturellen

und amourösen Erlebnissen

plätschert das erst amüsant

und interessant dahin. Dann

der 10. Juni: „Die Pest ist in

die Stadt gekommen“. Pepys

selbst und seine Familie bleiben

verschont, er wird zum

erst ängstlichen, dann zunehmend

beherzten Beobachter.

So berichtet er von überfüllten

Friedhöfen, verriegelten Häusern

und abgesperrten Parks,

liefert wachsende Todeszahlen

und findet aus Verzweiflung

und Angst zur Demut vor der

eigenen Vergänglichkeit. Irgendwann

siegt die Hoffnung:

Der strenge Winterfrost lässt

das Wüten der Pest abnehmen,

das Leben kehrt zurück. – Die

Botschaft von einem, der privilegiert,

aber wach und empathisch

nicht nur eine Pandemie,

sondern auch deren Ende bezeugt:

Genießt das Leben, seid

dankbar, verzweifelt nicht!

Stream unter: www.immoralisten.de

Marion Klötzer


THEATER KULTUR JOKER 5

„Europa – Ein Versprechen“

25. Europäische Kulturtage 2021

Die Festivalleitung der Europäischen Kulturtage: Dr. Susanne Asche, Leiterin Kulturamt Stadt

Karlsruhe und Peter Spuhler, Generalintendant Staatstheater Karslruhe Foto: Felix Grünschloß

Ist Europa noch ein Versprechen?

Von außen betrachtet

wirkt die Euopäische Union

wie eine Verheißung von

Wohlstand, Frieden, Rechtssicherheit.

Im Inneren jedoch

kriselt es, um alle großen Themen

gibt es Streit. Wie lässt

sich die Begeisterung für Europa

neu entfachen? Die Europäischen

Kulturtage, kurz EKT,

wollen vom 2. bis 16. Mai über

die Kunst neue Impulse setzen

für ein Europa, in dem Solidarität

und Zusammenarbeit

mehr sind als Versprechungen.

Künstler*innen aus Europa

und anderen Regionen

der Welt haben sich mit dem

„Versprechen Europa“ auseinandergesetzt,

was in über 70

Veranstaltungen und 9 Ausstellungen

zu sehen und zu

hören ist. Rund 30 Karlsruher

Kulturinstitutionen machen

mit, coronabedingt meist digital.

Für das Eröffnungsprogramm

am 2. Mai konnte als

Redner ein Mann gewonnen

werden, der das Versprechen

Europa verkörpert: Leoluca

Orlando. Der langjährige

Bürgermeister von Palermo ist

berühmt für seinen mutigen

Kampf gegen die Mafia. Sein

Eröffnungsvortrag wird, wie

viele andere Veranstaltungen,

im eigens eingerichteten TV

der Europäischen Kulturtage

ausgestrahlt: www.karlsruhe.

de/ekt-tv

Die Karlsruher Museen und

Galerien bieten ein reichhaltiges

Ausstellungsspektrum

an. „Verborgene Spuren“ verheißt

die Städtische Galerie.

Sie beleuchtet vom 6. Mai bis

8. August die Bedeutung jüdischer

Künstler*innen und

Architekt*innen für Karlsruhe.

Bis 1933 bildeten sie oft die

kulturelle Avantgarde, was die

ausgewählten Gemälde, Zeichnungen,

Fotografien, Skulpturen

und Architekturpläne

aus der Zeit zwischen 1890

und 1950 deutlich machen.

Das ZKM widmet sich während

des Festivalzeitraums

unter dem Titel „Europa, so

fern und doch so nah“ in Zusammenarbeit

mit der JCR, der

gemeinsamen Forschungsstelle

Europas, der aktuellen Klimaund

Umweltkrise. Eigens dafür

schuf die Karlsruher Komponistin

und Medienkünstlerin

Sabine Schäfer eine interaktive

audiovisuelle Installation,

die der Schau ihren Titel gab.

Die hinterleuchteten Glasplatten

der Installation zeigen Satellitenaufnahmen

von Hauptstädten

der Europäischen Union

bei Nacht, daneben ein Audio

QR-Code Ensemble. Mit

einer kostenlosen Bildscan-

App können animierte Videos

und Klang-Kompositionen per

QR-Code abgerufen werden.

Der Badische Kunstverein

Das Gelbe vom Gau

Das österreichische Festival „Supergau“ denkt die Landschaft als Kulturraum neu

Kann eine ländliche Region

Raum für außergewöhnliche

Kunst bieten? Oft besteht das

Bild einer strukturschwachen

Gegend, die erst erschlossen

werden muss, ehe dort spannende

Kunst entstehen kann.

Das österreichische Festival

„Supergau für zeitgenössische

Kunst“ geht den umgekehrten

Weg. Hier werden im Mai

tausend Quadratkilometer des

Salzburger Flachgau zur Bühne

von Installationen, Performances,

Wanderungen, Konzerten,

Diskussionen, Seebädern,

Fahrradwerkstätten und

Filmen. Und auch das Land

verwandelt sich. Es wird zur

imaginären Ur-Landschaft „Supergau“.

Was den Gegnern „strukturschwacher

Regionen“ als Nachteil

dünkt, wird für die Initiative

des Landes Salzburg zur Stärke.

„Der Supergau ist befreit von

der Schwere der Stadt mit ihren

programmierten Kulturräumen,

befreit von Museen, Theatern,

Kleinkunstbühnen und Salons,

die gefüllt werden müssen mit

Zielpublikum. Befreit vom Begriff

des öffentlichen Raums.“

18 Projekte sollen es werden

und die finden einen abwechslungsreichen

Raum vor.

Wald- und Wiesenlandschaften,

Seenlandschaften, Häuserlandschaften,

Asphalt- und

Betonlandschaften. All das soll

einbezogen werden, unter Fragestellungen,

die ganz große

Themen streifen. Etwa Mobilität,

Landschaftsromantik oder

Digitalisierung. Ungewöhnliche

Perspektiven sollen möglich

werden. Vor dem Horizont

einer ländlichen Gegend, die

nicht mehr länger nachrangig

behandelt werden soll, wenn es

um Kulturfragen geht. Projektnamen

wie „Belvedere Flachgau“,

„Almwiesensymphonie“,

„Das Gelbe vom Gau“ oder

„Bustopia“ versprechen einen

nachdenklichen wie gewitzten

Blick auf nur scheinbar altvertraute

Landschaften. Das

„Supergau für zeitgenössische

Kunst“ fragt nach Gegebenheiten,

die nicht nur Österreich

kennt. Wenn irgendwann also

auch der Schwarzwald ruft,

sollten die Künstler*innen nicht

zögern, sondern folgen.

Das Festival „Supergau für

zeitgenössische Kunst“ findet

vom 14–23. Mai statt.

Weitere Informationen: www.

supergau.org

Moritz Matschke und Anna Pech: „Das Gelbe vom Gau. Temporäre

Skulptur“

Foto: Matschke, Pech

stellt ab 6. Mai „Dinge, die wir

voneinander ahnen“ vor. 21

internationale Künstler*innen

haben sich kritisch mit den gegenwärtigen

Tendenzen und

Problemen Europas auseinandergesetzt.

Das Karlsruher

Stadtmuseum im historischen

Prinz Max-Palais zeigt ab dem

16. Mai „Mari Parmissi – Unsere

Geschichte“. Die Wanderausstellung

des Landesverbands

deutscher Sinti und

Roma Baden-Württembergs

zeichnet ihre wechselvolle, oft

von Ausgrenzung und Verfolgung

begleitete Geschichte

nach, von der ersten schriftlichen

Erwähnung im Jahr

475 vor Christus bis zur Einrichtung

der Forschungsstelle

„Antiziganismus“ an der Universität

Heidelberg.

Geplant ist eine ganze Reihe

von Führungen an der frischen

Luft, in der man zum Beispiel

die Gartenstadt Rüppurr kennenlernen

kann oder trifft sich

am Schlossplatz, um sich unter

der Überschrift „Der Krieg

ist aus – 75 Jahre Kriegsende

in Karlsruhe“ an die letzten

Kriegs- und ersten Besatzungstage

im weitgehend zerstörten

Karlsruhe zu erinnern.

Die Konzerte werden ins

Digitale verlegt. Am 8. Mai

um 18.30 Uhr kann man eine

internationale Berühmtheit

des 19. Jahrhunderts kennen

lernen, die Sängerin und

Komponistin Pauline Viardot-

Garcia. Musik kannte noch nie

Grenzen, und ihrer brückenbildenden

Funktion folgt man

in zwei Konzerten. Am 5. Mai

erklingen „Catchy tunes of

Europe“. Das Gambenconsort

Les Escapades spielt beliebte

Stücke der Renaissance aus

England, Frankreich, Spanien

und Deutschland. Am 16. Mai

erklingt zeitgenössische Kammermusik.

Weitere Informationen zu

den Lesungen, Führungen,

den Theateraufführungen

und Konzerten, dem Kinoprogramm,

den Ausstellungen und

Performances, Aktionen und

Diskussionen finden sich unter

www.europaeische-kulturtage.

de.

Nike Luber


6 KULTUR JOKER biennale für freiburg

Stadtraum, Kunstraum

Die erste Biennale für Freiburg öffnet die Kunst und eröffnet der Kunst neue Räume

Leon Hösl und Catherin Schöberl organisieren die Biennale für Freiburg Fotos: Marc Doradzillo

von der Künstlerin selbst übernommen.

Sitzgelegenheiten und

Bühnenelemente an den ungewöhnlichsten

öffentlichen Orten

machen die Ästhetik eines

Ausnahmezustands greifbar.

Die erste Biennale für Freiburg

wird ein Fest in Bewegung sein.

Ein umfangreiches Programm

lädt dazu ein, dem zu folgen.

Weitere Informationen auf der

Website der Biennale Freiburg

und in den kommenden Ausgaben

des Kultur Joker. www.

biennalefuerfreiburg.de

Fabian Lutz

Biennale – ein Begriff der

für große Kunstausstellungen

steht, in Städten wie Venedig,

Paris oder São Paulo. 2021

erhält auch Freiburg im Breisgau

seine erste Biennale. Im

Mittelpunkt der Biennale für

Freiburg, die unter der Leitung

von Leon Hösl stattfindet, steht

das Thema der künstlerischen

Produktionsweisen innerhalb

und außerhalb des Studios. In

zwei Phasen eingeteilt, führt

die Freiburger Biennale ihre

Zuschauer*innen von einem

ungewöhnlichen Studioprogramm

in einen Ausstellungsparcours.

Geboten wird vieles,

Grenzen gibt es wenige. Das

Studio als Produktionsort von

Kunst öffnet sich und greift

in den öffentlichen Raum. Die

Stadt Freiburg selbst wird zum

Ort ästhetischer Experimente

und des Austauschs über Kunst.

Zu Beginn der Biennale von

Mai bis Ende August steht das

Studioprogramm. Ein breites

Kunstangebot streut über die

ganze Stadt und nimmt viele

Außenräume ein. Experimentierfeld

und Diskussionsgegenstand

werden die Stadt

Freiburg selbst und auch ihre

Bewohner*innen. Zwischen

Momenten fast intimer Kunstproduktion

und Momenten öffentlicher

Präsentation zeigen

sich die Künstler*innen der

Biennale nicht nur ungewohnt

offen, sondern laden auch die

Betrachter*innen dazu ein,

an den Gestaltungsprozessen

mitzuwirken. Das Ergebnis

präsentiert ein Ausstellungsparcours

vom 10. September bis

3. Oktober. Als Videoarbeiten,

Installationen, Malerei oder

Fotografie, Performances und

Veranstaltungen zeigen sich

die entstandenen Werke – oder

werden durch neue Elemente

ergänzt. Deutlich wird: Ein fertiges

Ding soll die Kunst nicht

sein – anregen aber soll sie.

Was eignet sich dafür besser

als die Auseinandersetzung

mit dem, was wir alle zu haben

glauben: Wissen. In ihrer „Library

of Requests #6“ fragt die

Künstlerin und Autorin Belinda

Kazeem-Kamiński nach dem

Standort von Wissen. Für die

Biennale Freiburg ist eine Kooperation

mit dem Freiburger

Festival „Dear White People“

und der Stadtbibliothek zum

Thema koloniale Gewalt und

deren Gegenwärtigkeit geplant,

die letztlich in einer neuen Zusammenstellung

der „Library of

Requests“ münden wird. Texte

aller Art in verschiedener Präsentation

informieren über ein

Thema, dessen sich die Mehrheitsgesellschaft

noch selten

bewusst ist. Jenseits der klassischen

„Lesehöllen“ wie Bibliotheken

sucht die Library of Requests

über das kollektive Zusammenstellen

einer Publikationsliste

für die Stadtbibliothek

sowie gemeinsamen Lesungen

und Aktionen an Orten, die in

Zusammenhang mit kolonialer

Geschichte stehen, nach unmittelbarem

Anschluss an die Freiburger

Öffentlichkeit – und die

soll ab Juni gerne auf die Bücher

zugreifen, mitdiskutieren,

handeln, politisch werden.

Aktiv ist der Freiburger

Künstler Andreas von Ow

längst. Er sammelt das, was

andere gerne achtlos am Boden

lassen: grüne Glassplitter.

„Was sonst lästige Rückbleibsel

unbeherrschten Verhaltens auf

der Straße sind, sind mir reiche

Quellen.“ Aus diesen Quellen

schöpft Andreas von Ow Farbe,

die er für eine besondere Form

der Farbmalerei nutzt. Zunächst

lädt der Künstler im Juni zum

gemeinsamen Grünsammeln

ein. Jeweils zwei Leute gehen

mit Pinzette und ihren Fragen

auf Grünspurensuche in der

Stadt. Sowohl die Eindrücke

der Spazierenden als auch deren

feines, gläsernes Material

finden in einem „Fest zur Feier

des gesammelten Materials“

zusammen. Aus dem Material

einer Stadt wird Material einer

Kunst zur Stadt. Vom Grün der

Flaschenreste zum Stadtbild-

Grün.

Einen ganz anderen Dialog

beginnt der Performance-

Künstler Thomas Geiger mit

seinem „Bust Talk“ im Juli.

Thomas Geiger sieht Büsten,

wie sie überall in jeder Stadt

zu finden sind, als ideale Gesprächspartner

für Fragen zu

Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft. Dies gilt auch für die

Statue „Illumina“ im Stadtgarten

Freiburg. Vom Bildhauer

Till-Peter Otto als Sonnenuhr

konzipiert, wurde der Statue

2014 von Unbekannten der

Kopf gestohlen. Sieht manch

einer hierin nur mehr Sprachlosigkeit,

weiß Thomas Geiger

die Leere mit neuen Perspektiven

zu füllen. Weil die Statue

das Porträt einer anonymen

Freiburgerin mit äthiopischer

Herkunft darstellte, stellen

sich Fragen zu Repräsentation

und Politik im öffentlichen

Raum. Thomas Geiger wird für

den Dialog mit einer Gruppe

aus vier Freiburger*innen zusammenarbeiten,

die aus unterschiedlichen

Bereichen der

Gesellschaft kommen, darunter

die Straßenzeitung FREIeBÜR-

GER und die Initiative Here &

Black. In einer Performance

Ende Juli stellen sich die eingeladenen

Freiburger*innen und

die Statue Fragen zu Identität,

Körperlichkeit wie auch dem

Leiden und Potential von Kopflosigkeit.

Durchgehend und in stetem

Wandel begreift sich die Szenografie

der Künstlerin Diane

Hillebrand. Sie beschäftigt sich

mit einer gesellschaftlichen

Problematik, die allgegenwärtig

ist: Die Covid19-Pandemie.

Für viele Künstler*innen ein

Totalaus, nutzt Hillebrand die

außergewöhnlichen Umstände,

um eine Diskussion über Veranstaltungen

in Corona-Zeiten

zu beginnen. Sowohl die von

den Künstler*innen durchgeführten

Workshops als auch das

geplante Symposium „A Commonplace

is Not a Cliché” sollen

nach Möglichkeit unter freiem

Himmel, an öffentlichen Orten

stattfinden. Die Gestaltung

der Veranstaltungsräume wird

dabei nicht delegiert, sondern

Künstlerin Belinda Kazeem-Kamiński: "LoR #1 + #2" Foto: Joanna Pianka

Thomas Geiger: "Bust Talk: Ernst Späth", Bust Talks

© Thomas Geiger

Andreas von Ow: "Zwischen dem Pflaster liegt der Strand, a slow

walk for a green (Freiburg)", Arbeitsprozess, 2021

Foto: Andreas von Ow


Kunst KULTUR JOKER 7

Ungeahnte Wahrnehmungserlebnisse

„Mit allen Sinnen. Französischer Impressionismus“ –

Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart

Eine Ausstellung mit rund

sechzig Gemälden französischer

Impressionisten in der Staatsgalerie

Stuttgart legt den Besuchenden

nahe, deren sinnliche

Wirkung zu erspüren. Unter den

Exponaten befinden sich Werke

von Berthe Morisot und Mary

Cassatt, zudem Klassiker von

Manet, Renoir, Degas, Monet,

Signac, Pissarro, Sisley, Caillebotte,

Jean-Louis Forain und

Paul Gauguin. All diese Künstler

haben seit den 1860er Jahren

die Malerei erneuert und dem

Betrachter ungeahnte Wahrnehmungserlebnisse

eröffnet,

indem Landschaften und alltägliche

Szenen atmosphärisch und

als lebendige Gegenwart erfasst

werden. Nicht etwa zeitenthoben

wurde gemalt, sondern meist direkt

vor dem Motiv und bevorzugt

im Freien. Eine Schlüsselrolle

kommt dabei dem Einsatz

von Farbe zu, die ihre Geltung

durch Opposition oder Nachbarschaft

zu anderen Farben erhält

und der gewohnten Zuordnung

widersprechen darf. Bewusst

werden auf der Bildfläche Licht

und Luft, Raum, Form und

Kontur in Striche und Tupfer

übersetzt und ins Skizzenhafte

aufgelöst, was den momentanen

visuellen Eindruck verstärkt;

zudem bleibt der Pinselduktus

sichtbar, die vibrierende Spur

des Handwerks. Damit wird dem

Auge des Betrachters Spielraum

gelassen, das Angedeutete zu

vollenden.

Angesichts dieser Gemälde

lässt sich der Geruch luftiger

Gärten imaginieren und Manets

Flieder riechen; das Gefühl einer

feucht-nassen Atmos-phäre stellt

sich beim Anblick von Pissaros

„Rouen, Platz der Republik bei

Regen“ ein und Alfred Sisleys

„Winter in Luveciennes“ lässt

einen nicht kalt. Erwärmend

wirkt hingegen die kräftige Sonne

über Paul Gauguins „Bretonischen

Heuerinnen“. Der Geschmack

und das Geräusch von

Meerwasser entströmt Eugène

Boudins „Strand von Trouville“.

Aus Claude Monets „Felder im

Frühling“ vermag sich eine flirrende

Stille zu übertragen und

Mary Cassatts Gemälde „Die

Lesende“ entströmt eine gespannte

Ruhe. Die Sinne sind

schließlich nicht von der physischen

Berührung abhängig, im

Pierre-Auguste Renoir „Das Gewächshaus“ um 1876, Leihgabe aus Privatbesitz

Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Auge sitzen Tastempfindungen,

die ohne Hautkontakt affizieren

und die Gegenstandswelt synästhetisch

erfassen können. Das

ursprüngliche Ausstellungskonzept

hatte vorgesehen, dem

Publikum zusätzlich Reize zu

bieten, konkrete Anlässe zum

Riechen, Hören, Schmecken

und Fühlen, was die derzeit angeratene

C-Distanz jedoch vereitelt.

Doch Wirkung kann auch

die Lektüre des kleinen Buches

erzeugen, das die Schau begleitet,

es geht den vielen Aspekten

unserer multisensorischen

Welterfahrung und ästhetischen

Kompetenz nach. Ein immerwährendes

und unverwüstliches

Thema.

Mit allen Sinnen. Französischer

Impressionismus. Staatsgalerie

Stuttgart. Di-So 10-17,

Do 10-20 Uhr. Derzeit müssen

Zeitfenster gebucht werden:

www.staatsgalerie.de. Bis 4. Juli

2021 Cornelia Frenkel

27. März — 15. August 2021

AUFBRUCH ZUR AVANTGARDE

Impressionismus

in Russland

Karin Kneffel, Ohne Titel (Detail), 1996. Öl auf Leinwand, 710 × 240 cm. KfW Stiftung, Frankfurt am Main © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Alexej von Jawlensky, Andrei und Katja, 1905. Sammlung Iveta und Tamaz Manasherov, Moskau


8 KULTUR JOKER kunst

Symbolische Kunst aus Holz

Die Galerie Cecile Fakhoury zeigt Arbeiten des Bildhauers Jems Koko Bi

Mit der Kettensäge erschafft

der ivorische Bildhauer Jems

Koko Bi Meisterwerke aus

Holz, ähnlich wie der Malende

ein Kunstwerk mit einem Pinselstrich

entwirft.

Jems Koko Bis monumentale

Holzfiguren und symbolische

Holzschnitte auf Papier erzählen

eine eindrucksvolle Kulturgeschichte.

In seinen Arbeiten

steckt eine originelle Idee, ein

Stück Persönlichkeit und sie

basieren auf eigenen Erfahrungen.

Seine Kunst ist der

Ausdruck einer Wahrnehmung

der Natur als wertzuschätzende

Materie. Dabei kreieren

die Holzmaterialien ein Spiel

mit originellen Formen und

bilden eine Konfrontation zwischen

Volumen und Leerraum.

Dem Künstler ist es hierbei

besonders wichtig, sich der

Nähe zum Ursprung bewusst

zu werden. Dabei bearbeitet er

das Holz zuerst mit der Kettensäge

und nutzt das Messer um

Feinheiten herauszuarbeiten.

Um eine längere Haltbarkeit

der Unikate zu generieren, erhitzt

der afrikanische Künstler

einzelne Holzteile. Die Vielfalt

der Vorgehensweise zeigt uns

ganz deutlich: Jede Kreation

ist ein neues Erlebnis für den

Künstler, mit dem er uns einen

Einblick in afrikanische

Naturvorstellungen gewährt.

Die Kunst des afrikanischen

Künstlers propagiert ein umfassendes

Weltverständnis:

Die Welt trennt die Menschen

nicht von anderen Lebewesen,

sondern sie unterliegen

einer wahrhaften Gleichwertigkeit.

Ein Vogelfuß geht in

ein pflanzliches Gebilde über,

daneben befindet sich ein Menschenkopf.

Beide Gebilde sind

miteinander verwachsen, haben

also einen gemeinsamen

Ursprung. Die Verwurzelung

im Denken an die afrikanische

Heimat des Künstlers im zeitgenössischen

Kunstkontext ist

deutlich zu spüren. Jems Koko

Bi möchte die Welt nicht verändern.

Alles was ihn täglich begleitet,

in seiner Heimat, in der

Welt, all das was seine Ideen

und Persönlichkeit betrifft,

ist die Quelle jeden Impulses.

Was er jedoch erreichen möchte,

ist, sich selbst täglich zu erneuern,

um der Welt zu zeigen,

wie sich alles „im Fluss“ befindet.

Nach dem Studium an der

Kunstakademie in Düsseldorf,

lehrt er heute als Gastdozent

an der Kunsthochschule in

Abidjan. Seine zweite Heimat

ist die Stadt Essen. Jems Koko

Bi gilt als ein bedeutsamer

Vertreter der zeitgenössischen

Kunst der Elfenbeinküste und

ist interna-tional anerkannt.

Seine Werke wurden unter

anderem im Centre Pompidou

in Paris, auf der documenta 13

und mehrfach auf der Biennale

di Venezia ausgestellt. 2019

gründete er die Waldbiennale

Abidjan Green Arts. Mit seiner

Kunst schafft es Jems Koko Bi,

uns das Universelle der Welt

ein wenig näher zu bringen.

Jems Koko Bi: „Père et enfant“, 2020 Foto: Communic‘Art

„Patrimoine“, Jems Koko

Bi, Galerie Cecile Fakhoury,

06 BP 6499 Abidjan 06, Côte

d‘Ivoire. Bis 05. Juni 2021.

Miriam Paustian

„Nach der Shoah“

Das Blaue Haus in Breisach zeigt in seiner

neuen Dauerausstellung die Lebenswege der

Kantorenfamilie Eisemann

Im September 2019 wurde

im Beisein von Nachkommen

der jüdischen Familien Breisachs

die Dauerausstellung

„Jüdisches Leben in Breisach

1931“ eröffnet. In einem weiteren

Raum im Obergeschoss

des Blauen Hauses werden

jetzt die Lebenswege der Mitglieder

der Kantorenfamilie

Eisemann thematisiert, die

bis zum November 1938 im

Obergeschoss des ehemaligen

jüdischen Gemeindehauses gelebt

hatte. Wer konnte wie die

Verfolgung überleben, wer hat

geholfen und wer wurde ein

Opfer der Shoah? Wo leben

die Nachkommen heute? Mit

Fotos, Texten und Hörspielen

nach wahren Begebenheiten

wird versucht, Antworten zu

geben.

Ein Schaudepot präsentiert

Objekte, die Holocaustüberlebende

und ihre Nachkommen

dem Blauen Haus seit der ersten

Begegnungswoche 2000

anvertraut haben. Hinzu kamen

einige Fundstücke aus

heutigen Breisacher Familien.

Die Objekte helfen dabei, die

Alltags- und Festkultur kennenzulernen

und zu erfahren,

was den Mitgliedern der jüdischen

Gemeinde Breisachs

widerfahren ist. Eine interaktive

Erkundung wird mit einer

Forschungsstation angeregt.

So bieten sich für die pädagogische

Arbeit neue und vielfältige

Möglichkeiten.

Am 9. Mai, 16 Uhr soll die

Eröffnung der Dauerausstellung

„Nach der Shoah“ stattfinden.

Die Ausstellung wurde

realisiert mit der Unterstützung

der Landeszentrale für

politische Bildung Baden-

Württemberg.

Serviettenring, hergestellt

1940 von Else Dreifuß im Internierunglager

Gurs, Südfrankreich,

Sammlung Blaues Haus

Breisach

Foto: Blaues Haus Breisach

Kultur- und Literaturtheoretiker

Dr. Klaus Theweleit erhält den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt

Klaus Theweleit

Klaus Theweleit, ehemaliger

Professor für Kunst und Theorie

an der Staatlichen Akademie

der Bildenden Künste

Karlsruhe, erhält den Theodor-

W.-Adorno-Preis der Stadt

Frankfurt. Diese hoch angesehene

Auszeichnung gilt der

Anerkennung hervorragender

Leistungen in den Bereichen

Philosophie, Musik, Theater

und Film. Sie ist mit 50.000

Euro dotiert und wird alle drei

Jahre von der Stadt Frankfurt

vergeben, in Erinnerung an

den Philosophen und Soziologen

Adorno (1903-1969), der in

der Stadt geboren wurde und

zu den Hauptvertretern der als

Kritische Theorie bezeichneten

Denkrichtung der sogenannten

„Frankfurter Schule“ gehörte.

Von 1998 bis 2008 lehrte Theweleit

an der Kunstakademie

Karlsruhe. „Er war die ideale

Foto: KT

Brücke zwischen den Feldern

der Kunst und der Theorie in

unserem Haus, fasziniert und

vorurteilsfrei dem Gegenstand

seiner Betrachtung zugewandt,

eine Theorie ohne jede Hoheitsansprüche“,

äußert sich

der Rektor, Harald Klingelhöller,

zu der Ehrung für seinen

ehemaligen Professorenkollegen.

„Ich erinnere mich

an einen aufregenden Vortrag

über Jimmy Hendrix, der mich

vom Fan zu einem wirklichen

Beobachter dieses großartigen

Künstlers gemacht hat. Klaus

Theweleits Arbeit wird für uns

Maßstab bleiben.“

Die Stadt Frankfurt, die durch

ein Kuratorium den Preisträger

bestimmen lässt, begründete

ihre Entscheidung für Klaus

Theweleit in ihrer Presseerklärung

mit dessen Position als

einer der einflussreichsten und

zugleich originellsten Kulturund

Literaturtheoretiker. Sein

zweiteiliges Werk „Männerphantasien“,

das 1977 erschien

und die Körperpolitik des Faschismus

erstmals beschrieb,

gilt seitdem als Standardwerk

kritischer Gesellschaftstheorie.

Es folgten weitere viel beachtete

Werke wie das dreibändige

„Buch der Könige“ (1988 bis

1994) und „Buch der Königstöchter“

(2013). Neben der Literatur

gehören Psychoanalyse,

Film und Popkultur zu Theweleits

produktivem Bezugssystem.

Sein unorthodoxer assoziativer

Stil erscheint heute aktueller

und lebendiger denn je.

Bezüge zu Adorno werden in

der Mitteilung zur Preisvergabe

ebenfalls hergestellt. Wie

dieser überschreite Theweleit,

so spielerisch wie ernst, die

Grenzen der Wissenschaft.

„Sein wucherndes Narrativ,

das von den dunkelsten Seiten

der Menschheit handelt,

zielt letztlich auf einen Akt der

Befreiung, die das Bekenntnis

zu Kunst und Sinnlichkeit einschließt.“

Vorherige Preisträger waren

unter anderen Judith Butler

(2012), Georges Didi-Huberman

(2015) und Margarete von

Trotta (2018). Der erste Preisträger

war im Jahr 1977 der

Soziologe Norbert Elias.

Die Preisvergabe an Klaus

Theweleit findet am 11. September

in der Frankfurter

Paulskirche statt.


KUNST KULTUR JOKER 9

Markgräfler Traumwelten

Das Markgräfler Museum Müllheim erinnert mit einer Ausstellung an den Menschen und die Malerin Else Blankenhorn

Wer in Müllheim nach den

Blankenhorns fragt, erhält

schnell Antwort. Die Blankenhorns

sind als wohlhabende

Weingutsbesitzer und

Weinhändler im Markgräflerland

gut bekannt. Noch heute

zeugen Orte wie die Adolph-

Blankenhorn-Schule oder

das Blankenhorn-Palais vom

gewichtigen Erbe der Familie

in Müllheim. In eben jenem

Blankenhorn-Palais, dem

Hauptgebäude des Markgräfler

Museums Müllheim, wird nun

Gestalten vor weicher Kulisse

auch an die Traumwelten Marc

Chagalls. Schwer zu sagen, wer

die Bilder Else Blankenhorns,

die vom Heidelberger Kunstsammler

und Psychiater Hans

Prinzhorn an die interessierte

Öffentlichkeit gebracht wurden,

noch alles sah.

Der Einfluss jener „Malerei

der Geisteskranken“, so der

Titel einer berühmten Studie

Hans Prinzhorns, reicht vom

farbverrückten Expressionismus

über die wahnhaften

einsetzende plötzliche Erschöpfungszustand

erhielt einen

zusätzlichen Schub, als 1905–

1906 Großmutter und Vater

verstarben. Bereits zuvor Gast

in Heilanstalten, zieht sich die

unter Angst- und Wahnzuständen

leidende Else Blankenhorn

in das Sanatorium Bellevue in

Kreuzlingen am Bodensee zurück.

In Abgeschiedenheit und

in einem großräumigen Apartment

verbrachte sie 16 Jahre

ihres Lebens, malte, zeichnete,

komponierte gar. Ein Großteil

Die junge Else Blankenhorn Foto: Markgräfler Museum

Foto: Sammlung Prinzhorn Heidelberg

einer bisher unbeachteten, dafür

umso ungewöhnlicheren

Familienangehörigen Raum

gegeben. Unter dem Titel „Eigensinnige

Welten“ eröffnet

Müllheim in Kooperation mit

der Heidelberger Sammlung

Prinzhorn die erste Einzelausstellung

zur Malerin Else Blankenhorn

(1873–1920). Eine junge

Malerin, psychisch erkrankt,

in jahrelanger Isolation. Dazu

ein rätselhaftes wie intensives

Werk, das nie so recht ins Portfolio

einer Großbürgersfamilie

passen wollte.

Jan Merk, Leiter des Markgräfler

Museums und Kurator

der Ausstellung kann es nur betonen:

„Es ist erstaunlich, dass

in dieser Region fast niemand

die Tochter der berühmten Familie

Blankenhorn kennt. Dabei

gilt Else Blankenhorn in der

Kunstgeschichte als eine wichtige

Vorreiterin des Expressionismus.“

Kein Geringerer als

Ernst Ludwig Kirchner staunte

über die „traumhaft visionären

Dinge“, die jene ungewöhnliche

Malerin mit „fast unglaublicher

Feinfühligkeit“ auf die Landwand

setzte. Ein wenig erinnern

die Begegnungen bunter

Traumgebilde der Surrealisten

bis zur antiakademischen Art

Brut. Die oft rohen Gesten einer

Avantgarde findet man in Else

Blankenhorns Werk allerdings

kaum. Ihr Bildkosmos spielt

vor allem in natürlichen Räumen

voller Pflanzen, in denen

sich Liebespaare verirren oder

sich seltsame Erlösergestalten

tummeln. Durch ihre musische

Bildung und den Kontakt mit

den prachtvollen Parkanlagen

und Anwesen ihrer reichen

Familie war Else Blankenhorn

mit allen Elementen einer

sanftmütigen, zarten Ästhetik

vertraut.

Über Else Blankenhorns biografischen

Hintergrund erfährt

man in der Müllheimer Ausstellung

einiges. Familienhintergrund

und Jugend werden in

zwei Räumen zur präzisen Betrachtung

gestellt. Das Markgräfler

Museum präsentiert hier

auch eigens verwahrte Fotografien,

Bildnisse und Dokumente

der Familie Blankenhorn. Sie

alle präsentieren eine großbürgerliche

Idylle, die erst 1899

zu brechen drohte. Die junge

Musikliebhaberin Else verlor

ihre Singstimme. Der darauf

der rund 450 Werke Else Blankenhorns

in der Heidelberger

Sammlung Prinzhorn stammen

aus dieser schwierigen wie inspirierten

Zeit.

Ein Schwerpunkt der Motivwelt

Else Blankenhorns

bilden Naturelemente, religiöse

Symbole und ein stets

variiertes Paarkonzept. Nicht

nur zeigt die Ausstellung in

Müllheim mit einer kleinen,

aber repräsentativen Auswahl

an Bildern, welche Vielfalt das

Schaffen der begabten Laienmalerin

kennzeichnet, sondern

auch wie viele der Motive aus

der Erfahrungswelt einer heranwachsenden

Großbürgerstochter

stammen. Auf einem

Portrait sehen wir den Blauen,

den Hausberg Müllheims. Vor

ihm sitzt eine junge Else Blankenhorn.

Der Blick unstet, wie

verschleichert, ruht in selbstbewusster

Pose. Man kann nur

mutmaßen, wie die Malerin die

Kunstgeschichte und vielleicht

auch ihre Heimatregion noch

geprägt hätte. Else Blankenhorn

starb mit 47 Jahren an

Krebs. Im prachtvollen Müllheimer

Familiengrab liegt sie

bestattet.

Die Ausstellung „Eigensinnige

Welten. Die Malerin Else

Blankenhorn“ im Markgräfler

Museum Müllheim ist noch

bis zum 27. Juni geöffnet. Öffnungszeiten:

Fr.–So., 14–18

Uhr. Besuch nach Voranmeldung.

Weitere Informationen: www.

markgraefler-museum.de

Fabian Lutz


10 KULTUR JOKER KUNST

Fotografin unter Musikern

„Linda McCartney – The Sixties and more“–

Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel

Paul McCartney

Foto: Paul McCartney,

Linda McCartney

Nur wenige Jahre dauerte

ihre Karriere als „Rockfotografin“.

Dennoch hat Linda

McCartney mit ihren Porträts

der Rollings Stones, der Beatles,

von Jimi Hendrix und Janis

Joplin Fotogeschichte geschrieben.

In der aufregenden

Zeit von Mitte der sechziger

Jahre bis zu ihrer Heirat 1969

mit Paul McCartney sind ihre

heute berühmten Aufnahmen

der Swinging Sixties entstanden.

Immer mit natürlichem

Licht und in möglichst entspannten

Situationen hat sie

die später so berühmten Stars

in ihren Anfängen eingefangen.

Der junge Jim Morrison

blickt mit rundlich weichem

Gesicht aus dem Foto und

auch Aretha Franklins Stern

war gerade erst am Soulhimmel

aufgegangen. Janis Joplin

mit ihrer Band – als Farbfoto

– spiegeln mit Peace-Zeichen

und Hippie-Kleidung das

Zeitalter der Blumenkinder

wider. Mit einem Porträt von

Eric Clapton gelang es Linda

McCartney auf das Cover des

Rolling-Stone-Magazins zu

kommen. Zu diesem Zeitpunkt

war sie die erste Frau hinter

der Kamera, der das gelang. Es

gab keine Berührungsängste,

man war jung und interessierte

sich für die gleichen Themen

und Linda gehörte dazu. In

entspannter Stimmung konnte

sie fotografieren, keine Inszenierungen,

wenig Posen, kein

Blitzlicht.

Als Fotografin war Linda

McCartney Autodidaktin. Ihr

Interesse wurde schon früh

geweckt, doch außer einem

Kurs bei der Fotografin Hazel

Archer aus Tucson/Arizona,

brachte sie sich alles, was sie

benötigte, selber bei. Den Sinn

für den richtigen Augenblick,

das Auge dafür hatte sie. Das

ist es was an ihren Fotos immer

positiv hervorgehoben

wird: die Momenthaftigkeit

und das Intime.

Nach ihrer Heirat mit Paul

McCartney war ihre Laufbahn

als Chronistin der Bands zu

Ende. Danach fotografierte sie

ihre Familie, das Haus, Schafe

und die Kinder. Sie wurde Mitglied

bei den „Wings“, Pauls

Band nach den Beatles, spielte

Keyboard und sang. Als überzeugte

Vegetarierin und Tierschützerin

schrieb sie mehrere

Kochbücher und propagierte

die fleischlose Küche. Heute

ist das selbstverständlich, Linda

war eine Vorreiterin.

Die Berühmtheit der Familie

ermöglichte ihr kein normales

Leben mehr in der Öffentlichkeit.

Sie begann aus dem

Auto heraus zu fotografieren.

Die „Roadworks“ sind atmosphärisch

dichte Schnappschüsse

durchs Wagenfenster.

Polaroid-Serien entstanden

und die experimentellen „Sun

Prints“. Einige Abzüge aus

dieser interessanten Serie, die

auf einer alten, im frühen 19.

Jahrhundert entwickelten fotografischen

Technik basiert,

sind auch in der Kunsthalle

Messmer in Riegel zu sehen.

Sonnenlicht spielt bei der Belichtung

die Hauptrolle, eine

Dunkelkammer kommt gar

nicht zum Einsatz.

In der Ausstellung werden

auf elf Räume verteilt 125 Fotografien

gezeigt. Es ist eine

Auswahl aus der Sammlung

von Ina Brockmann und Peter

Reichelt. Vor Linda McCarthys

Tod (1998) konnten sie ihre

Kollektion noch in Absprache

mit der Fotografin zusammenstellen.

Seit einigen Jahren

tourt die Sammlung durch

verschiedene Kunsthallen und

Museen. Letztes Jahr war die

Ausstellung in Oberhausen zu

sehen. Nun haben wir im Südwesten

die Gelegenheit, wenn

die Pandemie es erlaubt, den

ikonischen Bildern der Linda

McCartney und mit ihnen einer

ganzen Ära zu begegnen.

Ein Blick auf die Homepage

der Kunsthalle empfiehlt sich.

Linda McCartney – The Sixties

and more.

Kunsthalle Messmer, Riegel.

Bis zum 04. Juli 2021

Christiane Grathwohl

Janis Joplin in Fillmore

East mit „Ball and

Chain“, NY 1967

Foto: Paul McCartney, Linda

McCartney

Jimi Hendrix, Rheingold

Festival NY 1967

Foto: Paul McCartney, Linda

McCartney

Kunstvoll lachen

Eine Ausstellung in Endingen bringt Besucher*innen mit Kunst zum Lachen

Kein Geheimnis: Die aktuelle

Corona-Lage gibt kaum jemandem

etwas zu lachen. Dabei

gäbe es so viel, das Anlass zur

Lebensfreude und Heiterkeit

bietet. Etwa Kunst. Das dachte

auch Michaela Lucie (MILU)

Dassow, Kunstmalerin und Veranstalterin,

und schrieb prompt

die Ausstellung „Einfach nur

gute Laune!“ aus. Die Resonanz

war mehr als zufriedenstellend:

17 Künstler*innen meldeten

sich zurück – aus dem Bundesgebiet

und Frankreich. Ihr

gemeinsames Ziel: Den Leuten

ein wenig die Zeit zu versüßen.

Zur Verfügung steht MILU

Dassow und ihrem Projekt

dafür der neue Ausstellungsraum

KunstKÖ21 in der alten

Stumpenfabrik in Endingen.

Hier treffen Besucher*innen

auf skurrile, muntere, ausgefallene

Bilder und Skulpturen. Da

zwinkert das Schwarzwaldmädel

verschmitzt, da freut sich der

Fisch, ausgenommen zu werden,

da schreit das Pferd bunt

und wild „Happy“. Und manch

einem stellt es die Haare zu Berge.

Im Bildtitel heißt das dann

„Sturmfrisuren“. Keine schlechte

Ansammlung, die noch dazu

neugierig auf die Werke der unterschiedlichen

Künstler*innen

macht. Entdeckerfreude macht

schließlich auch glücklich...!

Die Ausstellung „Einfach nur

gute Laune!“ hat noch bis zum

24.05.2021 geöffnet. Öffnungszeiten:

Fr., 16–18.30 Uhr; Sa.,

10–14 Uhr; So. 15–17.30 Uhr.

Die Öffnungszeiten werden

nach den geltenden Vorschriften

angepasst.

Weitere Informationen: www.

kö21.de

Christoph Kossmann: „Didi“ Foto: Christoph Kossmann


KUNST KULTUR JOKER 11

Das Modell einer künstlichen Landschaft

Olafur Eliasson gibt in der Fondation Beyeler mit der Installation „Life“ ein Bild fürs Leben

Noch ist kein Wasserläufer

zu sehen. Sind die eigentlich

sensibel gegenüber Farben und

stören sich womöglich an dem

giftig wirkenden Grün? Olafur

Eliasson sollte es wissen,

schließlich liegt ihm schon seit

Jahren an einer Wahrnehmung

von Natur und Kunst, die den

menschlichen Blick zugunsten

eines „biozentrischen“ aufgibt.

Aber vielleicht ist es einfach zu

kalt in diesem Frühjahr. Ein frostiger

Wind liegt in der Fondation

Beyeler über Schwimmfarn,

Entengrütze, Froschbeiß und

Wassernuss. Manche der Wasserpflanzen

sehen ein bisschen

so aus wie vertrocknete Hortensienblütenblätter,

andere wie die

Muschelblume ragen ein gutes

Stück aus dem Wasser. Mitunter

werden sie vom braunen

Steg abgeschnitten, der über die

Wasserwelt führt, so dass sie

aus diesem hervorzuwachsen

scheinen.

Für menschliche Augen nicht

ganz unwesentlich: der dänischisländische

Künstler hat für seine

neue Installation „Life“ die

Glasfassade des Renzo Piano-

Baus entfernt. Was beim Architekten

ein Spiel mit Transparenz,

Museum und Teich

war, nimmt Eliasson nun ernst

und flutet die vorderen Ausstellungsräume.

Claude Monets

Seerosen-Triptychon wird für

Pianos Architektur als auch für

dessen Aufhebung durch Eliasson

Inspiration gewesen sein.

Und so kommt es, dass auf der

leuchtend grün gefärbten Wasserfläche

die unterschiedlichsten

Pflanzen treiben oder aus

Töpfen an die Wasseroberfläche

wachsen. An die Stelle der

Malerei oder die Erinnerung an

Monets Garten in der Normandie

ist nun eine Teichlandschaft

getreten, die bis Mitte Juli –

die Installation hat kein festes

Ende, sondern orientiert sich

am pflanzlichen Wachstum –

noch einige Veränderungen erleben

wird. Nachts geht von ihr

blaues Licht aus und sie wird

dann noch ganz andere Tiere als

Wasserläufer anziehen. Wie

schon öfters hat Olafur Eliasson

mit dem Schweizer Landschaftsarchitekten

Günter Vogt

zusammengearbeitet, gemeinsam

haben sie 2001 etwa einen

Entengrützeteich im Kunsthaus

Bregenz angelegt, auch er war

über einen Steg begehbar.

Olafur Eliasson, der auf Island

aufgewachsen ist und in Berlin

ein Studio mit Fachleuten der

unterschiedlichsten Disziplinen

aufgebaut hat, ist seit den 1990er

Jahren bekannt für aufwändige

Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2021

Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar

Gallery, New York / Los Angeles

© 2021 Olafur Eliasson, Foto: Pati Grabowicz

Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2021, Courtesy of the artist;

neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles

© 2021 Olafur Eliasson Foto: Pati Grabowicz

temporäre Installationen, die

mit den Mitteln von Technik

und Kultur natürliche Phänomene

und Landschaften nachahmen.

Nicht selten, um auf die

Zerstörung von Lebensräumen

aufmerksam zu machen. Doch

um Menetekel zu sein, sind die

künstlichen Sonnenaufgänge

oder Wasserfälle doch zu ästhetisch

und zu gewaltig. Sie

vereinen eher Menschen in der

Betrachtung von Phänomenen.

Eine solche erhabene Gruppenerfahrung

wird – Corona

geschuldet – „Life“ nicht werden

und als Flanierparcours ist

die Wegstrecke dann doch zu

kurz, auch wenn sie Blicke in

den gegenüberliegenden Park

inszeniert. Wer das Werk dieses

globalisierten Künstlers kennt,

dem dürfte auch die Farbe bekannt

vorkommen. Sie stammt

von Uranin, einer Chemikalie,

die unter anderem dafür

verwendet wird, unterirdische

Wasserverläufe verfolgen zu

können. Sie sieht ziemlich giftig

aus, ist aber harmlos und hat

so auch die Ansprüche der Zürcher

Aktivisten von Extinction

Rebellion erfüllt, als diese vor

drei Jahren die Limmat färbten,

um auf den Klimawandel hinzuweisen.

Und so passt sie auch

in das Oeuvre von Olafur Eliasson,

bewirkt sie doch einerseits

alarmierende Bilder, die für

den schlechten Zustand unseres

Planeten stehen können, andererseits

schafft sie auch faszinierende

Ansichten.

Diese Ambivalenz überlagert

überhaupt das Werk von Olafur

Eliasson, mit dem er weltweit

Erfolge feiert. In seiner Ausstellung

„Symbiotic Seeing“ letztes

Jahr im Kunsthaus Zürich liefen

die Besucherinnen und Besucher

an einer Wand mit unzähligen

Zeitungsausschnitten und

Statements vorbei, die über die

drohende Zerstörung der Samenbank

auf Spitzbergen oder

Solarenergie berichteten. Zuvor

konnten sie durch eine in die

Wand eingelassene Linse, die

den Querschnitt einer Kugelalge

simulierte, auf den Platz vor

dem Kunsthaus schauen, auf

dem die Passanten Kopf standen.

Doch bevor der Mensch

das Bewusstsein der Kugelalge

adaptiert, müssten wohl noch

ganz andere Bewusstseinsveränderungen

vorgehen.

Olafur Eliasson, Life.

Fondation Beyeler, Baselstr.

101, Basel-Riehen. Mo-So 10-

18 Uhr, Mi 10-20 Uhr. Bis Juli.

www.visit.life.fondationbeyler.

ch (mit Live-Kamera)

Annette Hoffmann


12 KULTUR JOKER KUNST

Dehnungsübungen

In der Gruppenschau „Kontamination“ werden Häute durchlässig

Die phönizische Prinzessin

Dido soll mit einer ganz ähnlichen

Haut Karthago gegründet

haben. Anstatt sich eine Fläche

von der Größe einer Kuhhaut

auszubedingen, zerschnitt sie

diese und machte den Streifen

zur Grenze der zukünftigen

Stadt. Im Kunstverein Freiburg

hängt nun in der Ausstellung

„Kontamination“ grob bearbeitetes

Leder über zwei Schnüren,

die an der Galerie befestigt sind.

Es hat wenig mit dem geschmeidigen

Material zu tun, das für

Handtaschen oder andere Accessoires

verwendet wird. Es

ist weniger aufgearbeitet, man

sieht die Spuren und Narben

von Temperaturschwankungen,

Regen, Sonne und Schnee, denen

es draußen ausgesetzt war.

Umrundet man das Leder, steht

man einem Gebilde gegenüber,

das ein bisschen wie ein Tierschädel

mit imposanten Hörnern

wirkt. Für Rindon Johnson

ist die Kuh, insbesondere ihre

Haut, ein aufgeladenes Zeichen.

Denn die Haut ist nicht allein

Membran zur Außenwelt, mit

der wir mit ihr kommunizieren

und uns von ihr abgrenzen.

Der in Berlin lebende Künstler

ist Afroamerikaner. Er kennt

also die verschiedenen Zuschreibungen,

die an der Haut

haften. Und es ist wohl auch

kein Zufall, dass ausgerechnet

die Kuh ein weit gespanntes

Spektrum an Bedeutungen

weckt. Sie war einfach immer

da und ist Gründungsmythos

und Begleiterin unserer Zivilisation.

So ist der Konflikt

zwischen den Reisbauern und

den Fulani-Hirten um Land in

Westafrika letztlich eine Wiederholung

der alten Geschichte

von Kain und Abel, verschärft

durch die Bedingungen des Klimawandels.

Das Leder, so sagt

Johnson, sei ein Nebenprodukt

der Produktion von Fleisch so

wie er selbst ein Nebenprodukt

des Sklavenhandels sei. Allein

diese Analogien zeigen, es geht

um tief sitzende Probleme.

Johnson versucht der industriellen

Tierhaltung – in Eoghan

Ryans Videoinstallation „Truly

Rural“ wird es um den BSE-

Schock gehen – Alternativen

entgegenzusetzen. In seiner

VR-Arbeit „Meat Growers: A

Love Story“ entspinnt sich um

die Erschaffung einer fleischproduzierenden

Pflanze, die

klimaneutral von zwei Avataren

geerntet wird, die Vorstellung

eines weniger ausbeuterischen

Verhältnisses zur Natur. Aber

wissen wir nicht spätestens seit

Donna Haraways Schriften,

dass auch Pflanzen Gefühle

haben?

Obgleich der Titel der Gruppenschau

„Kontamination“ es

nahelegt, betritt man im Kunstverein

Freiburg eine coronafreie

Zone. Doch natürlich spielen die

Erfahrungen des letzten Jahres

mit hinein, wenn die Haut immer

wieder thematisiert wird. In

Hannah Blacks korrespondierenden

Videos „Aeter (Jack)“

und „Aeter (Sam)“ geht es um

veränderte Körpergrenzen.

In überdrehten Farben, die an

eine Infrarot-Kamera erinnern,

erzählt Jack vom Nägelkauen

als einer kindlichen Regression,

derweil Sam von einem

Sportunfall berichtet, der eine

Knochenimplantation notwendig

machte. Black lässt von den

Protagonisten Ausschnitte aus

dem „Manifesto Antropófago“

von Oswald de Andrade einlesen,

das er in den 1920er Jahren

geschrieben hatte. Während der

eine Nägel und Nagelhaut abnagt,

beziehungsweise isst, ist

im Körper des anderen fremdes

Knochenmaterial zur Heilung

eingesetzt worden. So nahe

kommen wir einem anderen

und dem eigenen Körper ansonsten

allenfalls in der Liebe und

beim Sex. Und es überrascht etwas,

dass beides eine Leerstelle

bleibt in einer Gruppenschau,

in der es auch um die Souveränität

von Körpern geht. Wenn

in „Kontamination“ einverleibt

wird, sind es eigene Hautfetzen

oder körperfremdes Material.

Kannibalismus als Avantgarde.

In Mire Lees Skulptur, die von

der Decke hängend den Boden

berührt, wirken die medizinnahen

Tentakel der Schläuche

und Kabel wie eine Erweiterung

des Körpers, hier jedoch

als Ausweitung der Körperzone.

Die Arbeit stößt durch Reibung

mehr und mehr Substanz

ab, gleichzeitig ermöglichen

Flüssigkeiten, die ein wenig an

Vaseline erinnern, dass sie auf

dem Boden ihren Aktionsradius

erweitert. Die Skulptur bewegt

sich in Richtung einer Zukunft,

die von derartigen Hybriden geprägt

sein wird.

Kontamination. Kunstverein

Freiburg, Dreisamstr. 21, Freiburg.

Di-So 12-18 Uhr, Do 12-

20 Uhr. Bis 16. Mai 2021

Annette Hoffmann

Rindon Johnson, View out the slender window: There’s always a hair in the soup somewhere and

some people are looking with a magnifying glass, 2019–fortlaufend, Ausstellungsansicht, Kontamination,

Kunstverein Freiburg, 2021

Foto: Marc Doradzillo

MUSEEN & AUSSTELLUNGEN

FREIBURG

Archäologisches Museum Colombischlössle

- „freiburg.archäologie - Leben vor der

Stadt“-09.01.22

Atelier 4e Galerie

- „Kleine Formate, feine Kunst“-29.05.

Augustinermuseum

- „Der Schatz der Mönche - Leben

und Forschen im Kloster St. Blasien“

-19.09.

Haus der Graphischen Sammlung

- „Spuk! Die Fotografien von Leif

Geiges“-26.09.

Carl-Schurz-Haus

- „Hope, Never Fear“-08.05.

depot.K

- „FrauenGestalten 3 - Gedok Freiburg“-30.05.

E-Werk / Galerie für Gegenwartskunst

- „Regionale21: Songs from the end of

the world“ -25.05.

Faulerbad

- „Kunst auf der Liegewiese“ -12.06.

Galerie G

- „Andrea Hess: Nach Strich und

Faden - Textile Arbeiten“-07.05.

Galerie Marek Kralewski

- „Jochen Damian Fischer: Raum

ohne Fenster“-30.05.

JVA Freiburg

- „Strafraum - Absitzen in Freiburg“

-17.07.

Katholische Akademie

- „Harald Herrmann: Legenden der

Übertreibung - Heilige“-30.07.

Kulturaggregat

- „100 Gute Gründe gegen Atomkraft:

virtueller Raum“ -10.05.

Kunsthaus L6

- „Romina Abate, Nina Laaf: Den

Himmel mit den Ohren riechen“-02.05.

Kunstverein Freiburg

- „Kontamination“-16.05.

Museum Für Neue Kunst

- „Friedemann Hahn: Foresta Nera“

-29.08.

Museum für Stadtgeschichte

- „buochmeisterinne – Handschriften

und Frühdrucke aus dem Freiburger

Dominikanerinnenkloster Adelhausen“

-13.06.

PEAC Museum

- „Nearby - Wie Bilder zeigen“

-22.08.

T66 Kulturwerk

- „regionale21: Emmanuel Henninger,

Jochen Kitzbihler, Ingrid Rodewald“

-29.05.

VHS

- „FrauenGestalten“ 2 - Gedok Freiburg-28.05.

BASEL

Antikenmuseum

- „Von Harmonie und Ekstase. Musik

in den frühen Kulturen“ -19.09.

Fondation Beyeler

- „Rodin / Arp“-16.05.

- „Life von Olafur Eliasson“ -Juli

Haus der elektronischen Künste

- „Shaping the Invisible World: Digitale

Kartografie als Werkzeug des

Wissens“-23.05.

Historisches Museum Basel

- „Grenzfälle - Basel 1933-1945“

.-30.05.

Kunsthalle Basel

- „Lydia Ourahmane: Barzakh“ -16.05.

- „Joachim Bandau: Die Nichtschönen,

Werke / Works 1967-1974“-06.06.

- „Judith Kakon“ -15.08.

Kunsthaus Baselland

- „Nachleuchten. Nachglühen Videoinstallationen

und ihre Wegbereiter“

-24.05.

Kunstmuseum Basel

- „Sophie Taeuber-Arp“ -20.06.

- „Dorian Sari“ -24.05.

- „Continuously Contemporary“-09.05.

Museum Tinguely

- „Impasse Ronsin. Mord, Liebe und

Kunst im Herzen von Paris“ -29.08.

- „Leu Art Family. Caresser la peau du

ciel“-31.10.

- „Bruce Conner. Light out of Darkness“05.05.-28.11.

S AM

- „Access for All. São Paulos soziale

Infrastruktur“-15.08.

ANDERE ORTE

ABU DHABI (AE)

Louvre Abu Dhabi

- „Abstraction and Calligraphy - Towards

a Universal Language“-12.06.

Amsterdam (NL)

Foam Fotografiemuseum

- „Les Adu - I Am“-27.06.

- „Laia Abril: A History of Misogyny,

Chapter Two: On Rape“ -27.06.

Van Gogh Museum

- „Here to stay: A decade of remarkable

acquisitions and their stories“

-29.08.

Augsburg

Galerie Noah

- „Alex Katz“-13.06.

Baden-Baden

Kunstmuseum Gehrke Remund

- „Frida Kahlo: Leid und Leidenschaft“-Dauer

Museum LA8

- „Schön und gefährlich. Die hohe See

im 19. Jahrhundert“-05.09.

Museum Frieder Burda

- „Impressionismus in Russland“

-15.08.

- „James Turrell: Accretion Disc“b.a.w.

Staatliche Kunsthalle

- „Yael Bartana: Resurrection I-II“

-28.06.

- „Jan St. Werner: Encourage The

Stream“12.05.-17.10.

BARCELONA (E)

Museu d’Art Contemporani

- „Felix Gonzalez-Torres: The Politics

of Relation“ -12.09.

BERLIN

Galerie Crone

- „Emmanuel Bornstein“ -05.06.

- „Ashley Hans Scheirl“ -18.06.

Gropius Bau

- „Yayoi Kusama: Eine Retrospektive“

-15.08.

Hamburger Bahnhof

- „Xinyi Cheng“-30.05.

Schwules Museum

- „Intimacy: New Queer Art From

Berlin And Beyond“ -30.08.

BERN (CH)

Alpines Museum der Schweiz

- „Let‘s Talk about Mountains: Eine

filmische Annäherung an Nordkorea“

-03.07.22

Kunstmuseum Bern

- „Werke aus der Sammlung“-30.05.

Zentrum Paul Klee

- „Aufbruch ohne Ziel. Annemarie

Schwarzenbach als Fotografin“

-09.05.

- „Paul Klee. Ich will nichts wissen“

08.05.-29.08.

BIETIGHEIM-BISSINGEN

Städtische Galerie

- „Keine Schwellenangst! Die Tür

als Motiv in der Gegenwartskunst“

-06.06.

bilbao (e)

guggenheim Museum

- „The Roaring Twenties“07.05.-19.09.

Bonn

Bundeskunsthalle

- „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“-16.05.

- „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne

- Das Original“-25.07.

Galerie Burg Lede

- „Benjamin Bronni: Field Works“

-10.05.

BREGENZ (A)

Kunsthaus Bregenz

- „Pamela Rosenkranz: House of

Meme“-04.07.

- „Lois Weinberger“ -04.07.

Vorarlberg Museum

- „2000 m über dem Meer“-27.06.

BREMEN

Kunsthalle

- „The Picasso Connection. The Artist

and his German Gallerist“

-18.07.

- „Herzstücke: Von Kollwitz bis Miró“

-11.07.

BREISACH

Museum für Stadtgeschichte

- „Ausstellung zur Geschichte der

Stadt Breisach am Rhein” (ständig)

BRUCHSAL

Schloss Bruchsal

- „Busy Girl - Barbie macht Karriere“

-13.06.

BRÜSSEL (BEL)

Galerie Templon


KUNST KULTUR JOKER 13

- „Anju Dodiya - Tower of Slowness“

-22.05.

COLMAR (F)

Musée Unterlinden

- „Yan Pei-Ming - Au nom du père“

-06.09.

DAKAR (SEN)

Galerie Cécile Fakhoury‘s space

- „Roméo Mivekannin“-05.06.

DARMSTADT

Kunstforum der TU

- „Hilde Roth: Eine Zeitreise durch

Darmstadt 1950-1990“29.05.-03.10.

DRESDEN

Deutsches Hygienemuseum

- „Im Gefängnis. Vom Entzug der

Freiheit“-31.05.

- „Future Food. Essen für die Welt von

morgen“-26.09.

DÜREN

Leopold-Hoesch-Museum

- „Alice Creischer: Komm, wir gehen

in die Wälder“02.05.-08.08.

DÜSSELDORF

Kunstpalast

- „Caspar David Friedrich und die

Düsseldorfer Romantik“ -24.05.

- „Heinz Mack“ -30.05.

FRANKFURT am main

Museum für Moderne Kunst

- „Sammlung“-30.05.

GRAZ (A)

Neue Galerie Graz

- „Kunst-Kontroversen“-17.10.

- „Ladies First!“ -02.05.

Hamburg

Deichtorhallen

- „Katharina Sieverding“-25.07.

- „William Kentridge“ -01.08.

HANNOVER

Sprengel Museum

- „Lienhard von Monkiewitsch“-30.05.

HEIDELBERG

Sammlung Prinzhorn

- „Grenzgänger zwischen Kunst und

Psychiatrie / Werke der Sammlung

Kraft“-11.07.

Karlsruhe

Badischer Kunstverein

- „Dinge, die wir voneinander ahnen:

21 Künstler*innen“07.05.-04.07.

Badisches Landesmuseum/

Schloss

- „HumAnimal - Das Tier und Wir“

-06.06.

- „Räuber Hotzenplotz Mitmachausstellung

für Familien“ -06.06.

Naturkundemuseum

- „Kosmos Kaffee“-06.06.

Städtische Galerie

- „Verborgene Spuren. Jüdische

Künstler*innen, Architekt*innen und

Fotograf*innen in Karlsruhe“-08.08.

- „Daniel Roth: Stac Lee“-12.09.

- „Peco Kawashima“ -08.08.

- „Wilhelm Loth. Figuration 1949-

1989“-12.09.

ZKM

-“Chiharu Shiota. Connected to Life“

-11.07.

- „BarabásiLab. Hidden Patterns.

Netzwerkdenken“-16.01.22

KIEL

Kunsthalle zu Kiel

- „Zauber der Wirklichkeit. Der Maler

Albert Aereboe“-05.09.

KIRCHZARTEN

Kunstverein Kirchzarten

- „Walter Diedrichs: Retrospektive

zum 90.“-16.05.

KOCHEL AM SEE

Franz Marc Museum

- „Anselm Kiefer: Opus Magnum“

-06.06.

KÖLN

Galerie Drei

- „The Future Never Sat Still“-29.05.

- „Phung-Tien Phan: Daata Fair“

-09.05.

in focus Galerie

- „Anna Halm Schudel: Blossom“

-01.07.

Museum Ludwig

- „Andy Warhol Now“-13.06.

- „Sisi privat. Die Fotoalben der Kaiserin“-04.07.

Parrotta Contemporary Art Gallery

- „Les Fleures du Mal: Wo alles

Ungeheure so wie eine Blume sprießt“

22.05.-01.08.

LEIPZIG

Kunsthalle Leipzig

- „Informal City Park“-28.05.

Museum für Druckkunst

- „Zeit zu drucken“-13.06.

LICHTENSTEIN (LIE)

Kunstmuseum Lichtenstein

- „Werke aus der Hilti Art Foundation“

-10.10.

LÖRRACH

Dreiländermuseum

- „Kunst und Nationalsozialismus“

-11.07.

- „Gefeiert und gefürchtet“ -11.07.

MADRID (E)

Museo Reina Sofía

- „Trilogía marroquí“-27.09.

Mannheim

Kunsthalle Mannheim

- „Grenzenlos – Michael Buthes

Künstlerbücher“-13.06.

- „Anselm Kiefer“-22.08.

Reiss-Engelhorn-Museen

- „In 80 Bildern um die Welt“-04.07.

- „Jörg Brüggemann: Wie lange noch“

-24.05.

MARCH

Kunstverein March

- „Skulptour - Der Kunstweg. Optische

Mitte. 8 KünstlerInnen“ -01.08.

MERZHAUSEN

Kulturverein artisse e.V.

- „Christel A. Steier: Autonome Räume

- Innere Landschaften“-07.06.

METZ (F)

Centre Pompidou

- „Chagall. Überbringer des Lichts“

-30.08.

- „Aerodream. Architektur, Design und

Aufblasbare Strukturen 1950-2020“

-23.08.

MOSKAU (R)

Staatliche Tretjakow-Galerie

- „Träume von Freiheit. Romantik in

Russland und Deutschland“-08.08.

MÜLLHEIM

„Eigensinnige Welten. Die Malerin

Else Blankenhorn“ im Markgräfler Museum

-27.06.

MÜNCHEN

Lenbachhaus

- „Michaela Eichwald“-16.05.

- „Unter freiem Himmel. Unterwegs

mit Wassily Kandinsky und Gabriele

Münter“-30.01.22

Pinakothek

- „Nicholas Nixon. The Brown Sister,

1975-2020“-11.07.

- „Francis Alÿs: Re-Enactments“

-05.09.

Villa Stuck

- „Bis ans Ende der Welt und über

den Rand – mit Adolf Wölfli“ -25.07.

- „Lee Mingwei: Li, Geschenke, Rituale“13.05.-12.09.

PARIS (F)

Galerie Templon

- „Gérard Garouste“ -19.06.

- „Iván Navarro“ -15.05.

OFFENBURG

Städtische Galerie Offenburg

- „Peter Bosshart“ -20.06.

RIEGEL

Galerie Messmer

- „Richard Dubure: Today or not

„Spielen strengstens erlaubt“

Mitmachausstellung „Räuber Hotzenplotz“ im Badischen Landesmuseum

Karlsruhe

today“-04.07.

Kunsthalle Messmer

- „Linda McCartney: The Sixties and

more“-04.07.

ROTTWEIL

Erich Hauser Kunststiftung

- „Sammlung“-ständig

SALZBURG (A)

Fotohof archiv

- „Bilder aus dem Archiv“-03.06.

SINDELFINGEN

Schauwerk

- „There is another way of looking at

things“-24.05.

SPEYER

Historisches Museum der Pfalz

- „Medicus: Die Macht des Wissens“

-13.06.

- „Der Grüffelo“-27.06.

STAUFEN

Galerie K

- „Restart 2.1“b.a.w.

Keramikmuseum

- „Jochen Rüth - KraftSpuren“-16.05.

- „Andreas Steinemann: Der perfekte

Schnitt“21.05.-04.07.

STRASBOURG (F)

Archäologisches Museum

- „Archäologische Sammlung“-28.06.

Museum für bildende Kunst

- „Wofür wurden Bilder gemalt, als es

noch keine Museen gab?“-02.08.

ST. Gallen (CH)

Kunstmuseum

- „Erker“ -21.11.

- „Welt am Draht“ -29.08.

Museum im Lagerhaus

- „Durch die Linse: Fotografien aus

dem Psychatriealltag“-11.07.

ST. Märgen

Kloster Museum

- „Holzräderuhren“-2021

STUTTGART

Kunstmuseum

- „Wände | Walls“-30.05.

- „Frischzelle_27: Claudia Magdalena

Merk“-19.09.21

- „Kamm, Pastell und Buttermilch“

-26.09.

Landesmuseum

- „Fashion?! Was Mode zu Mode

macht“-24.04.22

Schacher - Raum für Kunst

- „Jan Jansen, Marc Dittrich – Stadtwerk“-08.05.

Staatsgalerie

- „Mit allen Sinnen! Französischer

Impressionismus“-04.07.

- „Joseph Beuys. Der Raumkurator“

-18.07.

- „Trotz allem. Fred Uhlman. Ein

jüdisches Schicksal“ 21.05.-12.09.

TÜBINGEN

Art 28 Gallery

- „90 Jahre Janosch“-28.08.

Kunsthalle

- „Karin Sander“-04.07.

ULM

Kunsthalle Weishaupt

- “Intermezzo - Die Sammlung als

Zwischenspiel“b.a.w.

VADUZ (LIE)

Landesmuseum Lichtenstein

- „Hexenjagd in Papua-Neuguinea“

-09.05.

WALDENBUCH

Museum Ritter

- „Heinz Mack. Werke im Licht (1956-

2017)08.05.-19.09.

WEIL AM RHEIN

Vitra Design Museum

- „Deutsches Design 1949–1989:

Zwei Länder, eine Geschichte“-05.09.

- „Memphis. 40 Jahre Kitsch und

Eleganz“-23.01.22

Wien (A)

Belvedere

- „Johann Jakob Hartmann“-29.08.

- „Christine und Irene Hohenbüchler“

-12.09.

Kunstforum

- „Gerhard Richter: Landschaften“

-07.03.

- „Daniel Spoerri“-27.06.

MUMOK

- „Andy Warhol Exhibits“-30.05.

- „Hugo Canoilas. On the extremes of

good and evil“ -20.06.

„Defrosting the Icebox“ -30.05.

WINTERTHUR (CH)

Fotomuseum

- „Eva & Franco Mattes: Dear Imaginary

Audience“-24.05.

WOLFSBURG

Kunstmuseum Wolfsburg

- „In aller Munde. Von Pieter Bruegel

bis Cindy Sherman“-06.06.

- „Macht! Licht!“-10.07.

- „Mischa Kuball. ReferenzRäume“

08.05.-19.09.

ZÜRICH (CH)

Kunsthaus

- „Gerhard Richter. Landschaft“-25.07.

- „Preview: Chipperfield-Bau“ -24.05.

- „Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte“21.05.-29.08.

Migros Museum für Gegenwartskunst

- „Potential Worlds 2: Eco-Fictions“

-09.05.

Museum Haus Konstruktiv

- „Reset - Museum. Sammlung.

Zukunft.“-16.05.

Photobastei

- „Zürich - Schwarz auf Weiss“

-06.12.

„Spielen strengstens erlaubt“

verkündet ein Schild in der

Ausstellung. Weder Groß noch

Klein werden sich das zwei

Mal sagen lassen, sobald sie

den Vorhang durchquert haben.

Dahinter hat das Badische

Landesmuseum im Karlsruher

Schloss die Welt eines der bekanntesten

Helden deutscher

Kinderbücher entfaltet: willkommen

bei „Räuber Hotzenplotz“.

Bäume, handgesägt

und handbemalt, locken zum

Erkunden der Mitmachausstellung.

Zwischen den Bäumen

liegen Räume, so liebevoll

detailliert gestaltet, dass

man meint, einfach durch die

Illustration hindurch direkt ins

Buch gehen zu können. Denn

die Zeichnungen von F. J. Tripp

sind ebenso ikonisch wie die

Charaktere von Otfried Preußlers

Kinderbuchklassiker, und

die Ausstellung baut direkt auf

Tripps Bilderwelt auf.

Also, nichts wie hinein in

Großmutters gute Stube, einladend

für’s Kaffeekränzchen

gedeckt. Aber, oh Schreck,

Hotzenplotz, der Räuber mit

den sieben Messern, war da

und hat ihre Kaffeemühle gestohlen.

Dringend muss er

verfolgt werden! Für Kinder

wird es ein Heidenspaß, der

ausgelegten Spur zu folgen

und dabei eine Reihe von Aufgaben

zu lösen. Der Einsatz

von falschem Gold ist da noch

das Mindeste… Hinter jeder

Biegung öffnen sich neue Räume

in neue Welten, jede davon

ist aufregend für die Kleinen

und einfach hinreißend für die

Großen. Eine Theatermalerin

hat, extra für das Badische

Landesmuseum, den Kulissen

den letzten Schliff gegeben.

Jedes Detail stimmt, wie zum

Beispiel die alten Telefone und

die Grammophone, die man

ankurbeln muss.

Raffiniert wird die Spannung

aufgebaut und gesteigert.

Schon das Reich der Fee liegt

in geheimnisvollem Halbdunkel.

Und dann erst das Zauberschloss

des unheimlichen

Magiers Petrosilius Zwackelmann!

Überall schauen Augen

auf die ungebetenen Gäste, die

sich hinein schleichen wollen.

In Zwackelmanns Studierzimmer

möchte man sich am

liebsten ein Buch aus dem Regal

holen, sich auf den thronartigen

Stuhl des Zauberers

setzen und lesen – aber vorher

muss unbedingt noch eine Befreiungsaktion

gestartet werden.

Doch flog da nicht eben

eine Gestalt durch das Blickfeld?

Die Mitmachausstellung „Räuber Hotzenplotz“ bietet großen

und kleinen Besucher*innen einen besonderen Museumsbesuch

Fotos: Badisches Landesmuseum

Es ist schwer zu sagen, wer

mehr Spaß an dieser zauberhaften

Ausstellung hat, die

Kinder oder die Erwachsenen.

Das Badische Landesmuseum

hat „Räuber Hotzenplotz“

vom Landesmuseum Stuttgart

übernommen, aber komplett

neu aufgebaut und der eigenen

Ausstellungsfläche von über

500 Quadratmetern angepasst.

Außerdem sind im Eingangsbereich

Informationen über

Otfried Preußler sowie Zitate

aus Briefen seiner jungen

Leser*innen an ihn zu sehen

und Zitate aus den Antwortbriefen

des Autos. So gewinnt

man eine Vorstellung davon,

wie Preußler gearbeitet hat.

„Räuber Hotzenplotz“, Badisches

Landesmuseum Karlsruhe.

Bis 06. Juni 2021

Nike Luber


14 KULTUR JOKER VISION 2025

Herrmann in der Kirche

Neue sakrale Arbeiten des Freiburger Künstlers Harald Herrmann

Wo treffen Menschen auf

Kunst? Zunächst natürlich in Museen

und Ausstellungshäusern, in

Galerien, die besonders Interessierten

dann in privaten Sammlungen,

auf dem Kunstmarkt, bei

Messen und Auktionen. Öffentlich

präsent sind seit jeher der

urbane Raum, die Agora, große

Plätze, Garten- und Parkanlagen,

Gebäudefassaden. Zumindest

halböffentlich bleiben, je nach

Zugänglichkeit, Kunstwerke in

Verwaltungsgebäuden, Palästen

und Residenzen. Und schließlich

kommen die sakralen Orte hinzu:

Nekropolen seit der Antike, Friedhöfe

heute – und eben Tempel und

Heiligtümer, also in der Moderne:

Kirchen. Hier spielt sich ein Gutteil

der Hochkunst ab. Von der

Sixtinischen Kapelle Michelangelos

über Baldung Griens Altar

im Freiburger Münster reicht das

bis in die Gegenwart zu Gerhard

Richters Kirchenfenstern.

Und da kommt Harald Herrmann

ins Spiel. Der gebürtige

Schwarzwälder (Wolfach, 1954)

verschreibt sich schon längst vorrangig,

auch bei Kunst-am-Bau-

Projekten, den theologischen

Themen. Zuletzt, bei der Evangelischen

Christuskirche in der

Wiehre, die 2015/16 umfassend

restauriert wurde: Sehr kalt und

hell, wenig wärmelnd empfängt

der historistische Bau von 1891

die Besucher seitdem. Man mag

das kritisieren, manche tun es

auch, aber Herrmanns Arbeit,

eine kühle hellblaue Hinterfangung

des Altarraums unterstreicht

das Ensemble nurmehr. Hier zeigt

sich folglich sein Credo: die gegebene

Architektur zu verstehen,

aufzugreifen und zu „bespielen“,

wie er selbst sagt, – nicht brutalistisch

Kontrapunkte zu setzen.

Derzeit bietet der Künstler, beinahe

synchron, in drei Kirchen

und zwei kirchennahen Instituten

eine ganze Ausstellungsserie. Der

Start fand vorösterlich statt und ist

inzwischen abgebaut: in der Günterstäler

Liebfrauenkirche gab es

die Acrylbilder-Serie „Passio“,

erneut zentral hinter dem Altar.

Im Kreuzgang von St. Martin am

Rathausplatz hängen drei Bilder,

nicht aus der Distanz schaubar,

sondern im Vorbeischlendern,

wie es der Architektur entspricht,

zum Thema „Effata“: angespielt

ist auf Jesu Taufe eines Taubstummen,

berichtet im Markusevangelium.

‚Öffne Deine Sinne‘ lautet

der Appell hier.

Ebenfalls liturgisch definiert ist

die Intervention „Maria voll der

Gnade“ in der ökumenischen Kirche

im Rieselfeld und „Maria von

Magdala“. Beide Mariengestalten

inspirieren. Diejenige der sog.

Jungfräulichen Geburt erscheint

in fünf großformatigen Arbeiten

als Unterleib. Die Kontrahentin

Maria Magdalena, die Zeugin

der Auferstehung, schon früh als

„Apostelgleiche“ verehrt, gehörte

für Herrmann zwingend zum

Konzept dazu – und hätte ja auch

so gut in dies Gotteshaus gehört.

Doch die Gemeinde lehnte diesen

komplementären Part (ärgerlicherweise)

ab. Umso wichtiger,

dass wir eine der Arbeiten des

zweiteiligen Zyklus hier abbilden

können: Brust und Vulva, teils

klar, teils umspielt, bestimmen

das Bild; rechts die kräftige blutrote

Pinselspur als Zeichen von

Erotik, Kraft und Verletzlichkeit,

links die Dreiviertel-Silhouette

einer Löwin, größte Räuberin und

Beschützerin der jungen Mädchen

zugleich, wie schon die Göttin

Artemis in der griechischen Antike.

Parallel begleitende Ausstellungen

im Karl-Rahner-Haus und

in der Katholischen Akademie

liefern gleichsam die Erläuterung

im breiteren Schaffenskontext

Herrmanns. Wobei nicht im

Atelierlager gestöbert wurde, um

Verwaltungsgebäude zu bestücken.

Herrmann betont, dass er

Harald Herrmann: „Maria von Magdalena“ 2021 Foto: Roland Krieg

konkret für die Raumsituatio-nen

produziert hat, insgesamt eineinhalb

Jahre lang. Die alttestamentarische

Hiob-Figur, auch Maria

Magdalena und Judas begegnen

uns da, allesamt Exempel des

Generalthemas. „Legenden der

Übertreibung – Heilige“ heißt

das Projekt. Mit den christlichen

Legenden verhält es sich kaum

anders als mit den Mythen der

alten Griechen: je nach Bedarfslage

und punktueller (meist politischer)

Intention der Autoren

wurden sie variiert und geradezu

beliebig ausgeschmückt. Das hat

der Künstler wahrgenommen; insofern

steckt in dem von ihm gewählten

Begriff „Übertreibung“

auch eine kritische Haltung, die

er an die Kirche zurückwendet.

Tradierte Narrative gilt es stets

neu zu überprüfen. Gerade heute.

Harald Herrmann signiert nicht

als Monogrammist. Doch er

könnte es sich leisten, sein Name

hat sich als Signet längst in die

Kunstlandschaft eingedrückt.

Infos: St. Martin, Kreuzgang.

Karl-Rahner-Haus, bis 20. Juli

2021.

Katholische Akademie, bis 30.

Juli 2021.

St. Maria Magdalena, ab 15.

Mai 2021.

Martin Flashar

70 Jahre Kunst am Bau – Bundesbauministerium legt Zeugnis ab

Der politische Prozess begann

im Juni 1928, als ein

Ministererlass der Weimarer

Regierung bei staatlichen Bauten

das Engagement forderte,

um Bildenden Künstlern aus

finanziellem Engpass zu verhelfen

und ihnen Aufträge zu

verschaffen. Der etwas sperrige

Titel hat sich bis heute

gehalten, wobei „am“ ebenso

„neben“, „bei“ und „im“ meint.

Die Kunstpolitik der NS-Zeit

desavouierte das Programm, so

dass erst ein zögerlicher Neuanfang

in Zeiten des Wiederaufbaus

kam. Doch schon 1950

beschlossen beide deutsche

Staaten, ein Jahr nach ihrer

Gründung, mit der Auflage entsprechender

Kunstförderung.

Das gab Anlass für das verantwortliche

Bundesbauministerium,

eine Ausstellung zum

Jubiläums-Thema sowie einen

begleitenden, opulenten Katalog

auf den Weg zu bringen.

Darin sind die großen Etappen

der Kunst am Bau bestens

dargestellt. Stets geht es um die

Balance zwischen ästhetischem

Dialog mit der geplanten Architektur,

möglichem Rekurs auf

Inhalte und Zweckbestimmung

der betreffenden Gebäude sowie

die Einbettung in den urbanistischen

Kontext. Inzwischen

gilt unstrittig: „Kunst am Bau

ist ein wesentliches Element

der demokratischen Kultur (…)

Sie bezieht zu den Themen unserer

Zeit Stellung und ist eine

besonders nachhaltige Möglichkeit,

die Umwelt zu humanisieren

und im Sinne heutiger

Baukultur aufzuwerten“ (Katalog).

Hotspot der Politik war nach

der Wiedervereinigung natürlich

Berlin. Das Kanzleramt

birgt seitdem mannigfaltige

Kunst. Vor dem Axel Schultes-

Bau posiert, tagtäglich in den

Nachrichten, die große Cortenstahl-Plastik

von Eduardo

Chillida: „Berlin“, als Symbol

der Annäherung zweier vormals

getrennter Einheiten. Im

Innern, am Treppenaufgang

steht Lüpertz‘ „Philosophin“,

vorahnend als Sinnfigur weiblicher

Führungskraft im Staat,

mit klassischem Nachdenklichkeitsgestus

der an das Kinn

geführten Linken. In dem Katalogbuch

sind weitere Etappen

des Programms dokumentiert

und historisch aufgearbeitet.

Die wesentliche Zäsur gibt eine

Richtlinie des Bundes aus dem

Jahr 2005 (2012 aktualisiert),

wonach, je nach Höhe der Bauwerkskosten,

zwischen 0,5 und

1,5 Prozent aus dem Bautitel

für Kunst eingesetzt werden

sollen. Dies gilt zugleich als

Memento an Länder und Kommunen.

Die Vorgabe des Bundes ist

ein deutliches Signal auch an

die Stadt Freiburg, die in den

letzten Jahrzehnten nur sehr

zögerlich – meist mit Verweis

auf knappe Finanzen – Kunstam-Bau-Maßnahmen

umsetzte.

Die Ausstellung wandert.

Infos: Ute Chibidziura –

Constanze von Marlin, 70 Jahre

Kunst am Bau, Katalog, 316

Seiten, Deutscher Kunstverlag

2020, 45 Euro.

Martin Flashar

Markus Lüpertz: „Die Philosophin“,

Bronze 1998/2001,

Bundeskanzleramt Berlin

Foto: privat


KUnst KULTUR JOKER 15

Ein Zeremonienmeister der Sprache

Marcel Beyer erhält für seinen „Dämonenräumdienst“ den Peter-Huchel-Preis

Alles ist anders, als es einmal

war. So wird auch die diesjährige

Preisverleihung nicht

wie seit jeher am 3. April, dem

Geburtstag des Lyrikers Peter

Huchel (1903-1981), stattfinden,

sondern voraussichtlich

am 21. Mai in Staufen öffentlich

nachgeholt werden. Zusammen

mit Marcel Beyer soll

bei dieser Gelegenheit auch der

letztjährige Preisträger Henning

Ziebritzki nachträglich

noch für seinen Gedichtsband

„Vogelwerk“ geehrt werden.

Die Veranstaltung war 2020,

wie so vieles, durch Corona

verhindert worden.

Der Peter-Huchel-Preis für

deutschsprachige Lyrik wird

jeweils für einen im voran

gegangenen Jahr erschienen

Gedichtband vergeben, den

eine Jury als herausragend erachtet.

Während es mit dem

Tübinger Henning Ziebritzki

zuvor einen kaum bekannten

Autor traf, ist es diesmal der

schon vielfach ausgezeichnete

Marcel Beyer, der 1965 in

Tailfingen geboren wurde und

lange schon in Dresden lebt.

„Dämonenräumdienst“ ist ein

weiteres Kabinettstück seiner

Lyrik, im Jahr des Erscheinens

2020 von der Kritik allseits

hoch gelobt. Ein Höhepunkt

seiner Karriere war schon

der Georg-Büchner-Preis, der

ihm 2016 für ein Werk verliehen

wurde, welches Romane,

Gedichte und Essays enthält

und in nunmehr über drei

Jahrzehnten entstanden ist.

Ein ungewöhnliches, äußerst

eigenwilliges Werk ist es, in

dem die Welt auf wundersame

Weise bekannt erscheint und

durch eine kunstvolle, irisierende

Sprache surreal verwandelt

wird und neu betrachtet

werden will. Von Anfang an

setzte sich der Schriftsteller

und Dichter mit der deutschen

Geschichte, insbesondere mit

der NS-Zeit auseinander, mit

der Erinnerung an die eigene

Kindheit, an Mythen und

Märchen, die Stationen seiner

Sozialisation. Es ist immer ein

poetisches Nachspüren, durch

das auch der Irrsinn und Irrwitz

unserer Epoche zum Vorschein

kommt.

Mit seinem „Dämonenräumdienst“

bewegt sich Marcel

Beyer einmal mehr durch ein

anscheinend vertrautes, doch

letztlich vermintes Gelände.

Man gerät unversehens in

ein Zwielicht, wo Untote und

Wiedergänger herumirren,

Gespenster der Geschichte,

Gestalten der Popkultur und

manch traurig-komischer Held

(„Der Mann mit dem schiefen

Maul“). Es entstehen unheimliche

Szenerien, hervorgerufen

Peter-Huchel-Preisträger Marcel Beyer

durch das, was dem Dichter so

alles durch den Kopf geht und

geistert, womit er spielt und

frei assoziiert - was eben die

Suchmaschine in seinem Kopf

so alles hergibt („Mir glüht der

Schädel in allen Fasern...“).

Doch mit diesen Turbulenzen

geht Marcel Beyer sicher um

wie ein Zeremonienmeister,

der auf seine sprachliche Virtuosität

bauen kann. Was ebenfalls

ein Überborden verhindert,

ist eine gleichmäßig festgelegte

Form, in der die Poesie

wild wuchern kann. Alle Gedichte

sind vierzig Verszeilen

lang und in jeweils zehn vierzeilige

Strophen unterteilt. Das

schafft beim Durchblättern des

umfangreichen Buches einen

einheitlichen optisch-graphischen

Eindruck, ein Bild, das

aber Ordentlichkeit nur vortäuscht.

Denn: „Geister sind

das hier in deiner / Bude, deren

letzten Winkel / die Tchibo-

Taschenlampe nicht erfasst...“

Manchmal fühlt man sich

etwas hinters Licht geführt.

Ein Schabernack um uns zu

überlisten, die Dinge mit andern

Augen sehen zu sollen?

Doch viele der Gedichte bleiben

durch ihre Schrägheit, die

sprachlichen Verschränkungen

zunächst ziemlich unzugänglich.

Den wilden, grotesken

Vorgängen ist oftmals erst

durch wiederholtes Lesen beizukommen.

Die Wirklichkeit

Foto: SWR

wird hier nicht abgebildet,

sondern lustvoll und spielerisch

durcheinander gewirbelt

zu einer womöglich größeren

Kenntlichkeit oder Erkenntnis.

Stringenz muss hier nicht

unbedingt ein Kriterium, und

Poesie sowieso nicht vernünftig

oder politisch korrekt sein,

und das ist gut so. Mit seinen

kunstvollen, kühnen Spracheskapaden,

dem Jonglieren mit

sprachlichen Versatzstücken

und Verweisen auf Alltagsgegenstände

(„Ratansofa“) erschafft

Marcel Beyer eine ganz

eigene Welt, die bei aller Verquertheit

oder vielleicht gerade

dadurch, viel mit der unseren

zu tun hat. Sein „Dämonenräumdienst“

erweist sich als

ein Geschäft ohne Ende, denn

da geht es um die Entsorgung

von allerlei Sprach- und Zivilisationsmüll.

So heißt es in

dem Gedicht „Kosmos“: „...

ein Jahrzehnt nach dem andern

will / uns mit seinem Abfall unter

/ sich begraben, Großeltern,

Eltern / und Kind. Im Kopf der

ganze / Weltraumschrott aus

fernen vierzig / Jahren. Und

keiner räumt / etwas weg. Was

bleibt uns für eine / Wahl, wir

müssen ins All ...“

Doch bleiben wir auf dem

Boden, lassen wir uns ein aufs

irdische Treiben. Dort begegnen

wir dem Modedesigner

Rudolph Moshammer mit den

bekannten Stirnlocken, wie er

seinen Yorkshire Terrier Daisy

durch einen Münchner Abend

trägt, bis zu seinem bitteren

Ende. Oder Hildegard Knef,

die nach allerlei Verrichtungen

endlich im Regenmantel und

mit Sonnenbrille das Haus verlässt

und ins Auto steigt, um

nach Berchtesgaden zu ihrer

Wunderheilerin zu düsen. Und

noch viele andere Figuren aus

Vergangenheit und Gegenwart,

Populär- und Hochkultur geben

sich wie in einem Panoptikum

ein Stelldichein. Manchmal

tritt auch ein „lyrisches

Ich“ deutlich hervor, doch

gleich versteckt es sich wieder

hinter Masken und spricht, auf

Dämonenart, mit vielen Zungen.

Selbst Vertreter aus der

Tierwelt melden sich zu Wort,

ein Hund, ein Affe, sogar eine

Gemeine Küchenschabe. „Der

Dichter arbeitet als Reh / im

Innendienst...“, wird in dem

Gedicht „Bambi“ vermeldet.

Die Titel der Gedichte bezeichnen

zumeist nur die Namen

der Dinge, Themen, Tiere

und Pflanzen, um die es, mehr

oder weniger, geht. Immer

zuverlässig sind es außergewöhnliche

Betrachtungen, die

in unerhörte Zusammenhänge

gebracht werden. Selbstironisch

hofft der Dichter: „... ich

schreibe diese Gedichte / wie

ein Kind, das heimlich / tut

und einfach froh ist, wenn /

niemand mit ihm schimpft.

Unter den Texten, die dann

doch durch ihre Geschlossenheit

und Eindrücklichkeit

hervorzuheben sind, findet

sich neben dem „Moshammer“-

und dem Knef-Gedicht

(„Benzin“) eines mit dem Titel

„Schwermut“, das einen Sommer

im Leben des Heranwachsenden

beschreibt: „Ich lernte,

es ist nie zu spät für einen /

Neuanfang in Flandern. Ein

Bild aus / der Zuchtstation,

das man nicht vergisst: / Der

Blick des Fohlens Frantic,

hinter / Glas. Ich las in jenem

Sommer / Pferdekrimis, einen

nach dem andern.“ Auch

„Depot“ ist ein weiteres unter

jenen Gedichten, die sich besonders

einprägen. Da werden

wir mit hinunter genommen in

die Abstellkammer eines imaginären

Museums, wo Werke

lagern, „die kein Lebender /

je zu Gesicht bekommen hat,

für immer / ins Dunkel geschobene

Tafelbilder, ohne /

Blick verräumte Skizzen und

Studien...“ Darunter „Schongauers

erfrorene Hände, Goyas

ausgeschütteter Wein... „ Und

nicht zu vergessen: „Dieser

fein gezeichnete / Tausendfüßler,

vom siebenjährigen Goethe

/ mit dem Fingernagel in ein

Stück Schiefer / gekratzt: Nur

die Sprache noch kann sich / an

ihn klammern...“

Der Gedichtband ist in fünf

Kapitel unterteilt, besonders

im letzten ist Marcel Beyer

ganz in seinem Element. Es

ist ein Zyklus unter dem Titel

„Die Bunkerkönigin“, in dem

stufenweise abgetaucht wird in

die Untiefen deutscher Kriegsund

Nachkriegsgeschichte.

„Bei Nacht bin ich in den leeren

/ Bunker gestiegen. Ich

räume / auf vor dem inneren

Auge / und lasse die Moorbrühe

/ aus dem Betonboten sprudeln,

/ vergrabe die Finger im /

Moos, das die Wände rundum

/ überzieht. Ich phantasiere...“

Es ist ein gewissermaßen archäologisches

Graben, durch

das Zeitgeschichte, bei aller

Glitschigkeit, dinglich und

habhaft gemacht wird. Was

Marcel Beyer in diesen Phantasmagorien

zur Sprache

bringt, gehört zum Stärksten

dieses insgesamt außergewöhnlichen,

auf seine Art

unerschöpflichen Werks. Am

Ende stellt sich zum „Dämonenräumdienst“,

nimmt man

den Titel wortwörtlich, nur

noch die Frage: Treibt hier einer

seine Dämonen aus, oder

beschwört er sie erst herauf?

Ganz wie Goethes „Zauberlehrling“,

der die Geister rief

und sie nicht mehr los wurde?

Marcel Beyer: Dämonenräumdienst.

Gedichte. Suhrkamp

Verlag, Berlin 2020. 173

Seiten, 23 Euro.

Peter Frömmig

Wolfgang Benz

Vom Vorurteil

zur Gewalt

ONLINE-Vortrag: Feindbilder

in Geschichte und Gegenwart

Mi. 5. Mai 20 Uhr

www.erwachsenenbildungfreiburg.de

Tel. 0761-70863-42


16 KULTUR JOKER Kultour/Literatur

Ein Leben mit einem Zukunftsdefizit

Im Gespräch mit Georgi Gospodinov

Der bulgarische Schriftsteller

Georgi Gospodinov hat

als “eine einzigartige Stimme

der europäischen Literatur“

den Usedomer Literaturpreis

2021 gewonnen. „Sein Werk

– fragmentarisch, voller

Melancholie und Eindringlichkeit

– schöpft aus den

besten Traditionen mitteleuropäischer

Prosa mit ihrem

unbändigen Bedürfnis, aufeinanderfolgende

Schichten

menschlicher Erfahrung aufzudecken“,

rühmt die Jury

den Autor. Der mit 5.000

Euro dotierte Literaturpreis

beinhaltet auch einen vierwöchigen

Aufenthalt in der

wunderschönen Gegend der

Ostseeinsel Usedom, die mit

Maxim Gorki, Theodor Fontane

und Thomas Mann ihre

literarische Geschichte hat.

Georgi Gospodinov ist

der Autor von „Natürlicher

Roman“ und „Physik der

Schwermut“, 15 Gedichtbänden

und Theaterstücken,

Gewinner mehrerer europäischer

Preise und des PEN

American Translation Prize.

Seine Bücher wurden in

mehr als 25 Sprachen übersetzt.

Viktoria Balon hat Georgi

Gospodinov per Zoom

interviewt.

Kultur Joker: Was bedeutet

für Sie der Usedomer Literaturpreis?

Georgi Gospodinov: Es ist

ein sehr spezifischer Preis für

mich. Er wurde von einer Jury

vergeben, in der meine Lieblingsautorin

Literaturnobelpreisträgerin

Olga Tokarczuk

den Vorsitz hat. 2012 war sie

selbst eine der ersten Preisträgerin

in Usedom. Der zweite

Grund ist, dass all diese Autorinnen

und Autoren, die vor mir

diesen Preis erhalten haben,

wirklich gute Schriftsteller

sind und ich glaube wir teilen

in mancher Hinsicht dieselben

Gefühle und Anschauungen,

und sogar die Art des Schreibens.

Außerdem war es auch

das erste Mal, dass ich einen

Preis von einer Insel bekommen

habe.

Kultur Joker: Ihr neuer Roman

heißt „Времеубежище“- so

was etwa wie „Zeitschutzbunker“.

Schon wegen diesem

witzigen Namen würde ich ihn

lesen. Er ist leider noch nicht

ins Deutsche übersetzt. Können

Sie ein paar Worte über den

Plot sagen?

Gospodinov: Der Roman wurde

im April letzten Jahres

mitten im Lockdown veröffentlicht,

und es war eine sehr

spezielle Zeit, um so einen Roman

zu publizieren. Er handelt

von einem Charakter Namens

Gaustin, der auch in den anderen

Büchern von mir erscheint.

Und dieser hat nun die geniale

Idee, eine Klinik für die Vergangenheit

zu gründen und

dort die Räume für die 60er

oder für die 70er, 80er (usw.)

Jahre zu gestalten. Dies soll

Menschen mit Alzheimer heilen,

denn das Interior der Räume,

all die alte Musik, die Gerüche

usw. könnten die verloren

gegangenen Erinnerungen der

Alzheimer Patienten wieder

aufleben lassen. Eigentlich ist

es eine Art neue Therapie, aber

dann möchte Gaustin etwas

Größeres... Er gründet eine

ganze „Alzheimer-Stadt“ und

nicht nur für die Alzheimer

Patienten, sondern für alle

Leute, die in einem vergangenen

Zeitalter leben möchten.

Zum Beispiel in den 60er oder

70er, als das Leben glücklich

war. Es entstehen Städte

der Vergangenheit, und dann

kommt ein Moment, an dem die

europäischen Politiker ein Referendum

machen wollen, das

das glücklichste Zeitalter bestimmen

soll. Also sollten die

Leute aus den verschiedenen

Ländern, Deutschland, Frankreich,

Bulgarien, Schweden

usw. für das glücklichste Zeitalter

ihres Landes abstimmen.

Und das ist der Punkt an dem

sich der Roman als eine Art

Dystopie herausstellt, der ein

Leben mit einem Zukunftsdefizit

beschreibt. Schon jetzt ist

die Zukunft nicht mehr greifbar,

vermisst oder abgesagt.

Wir sind wie die Leute, die in

einem großen Flughafen stehen

und sehen: bei London, Berlin,

Sofia – überall nur „abgesagt“,

„abgesagt“ oder „verspätet“.

Das ist mein Gefühl für Europa

und die Welt in den letzten

Jahren: Es war eine Art Angst

in der Luft.

Kultur Joker: Was hat Sie zum

Schreiben Ihres neuen Buches

veranlasst?

Gospodinov: Ich begann mit

dem Schreiben meines Buches

vor etwa 5 Jahren und ich

wollte über dieses Zeitalter der

Angst berichten. Im Roman

gibt es einen Satz über das

Virus der Vergangenheit. „Das

Virus der Vergangenheit wird

kommen und es wird passieren

wie mit der Spanischen Grippe

1918.“ Ich denke die Situation,

in der wir jetzt leben, ist die

Grippe der Vergangenheit. Als

ich jung war, wurde uns eine

strahlende Zukunft versprochen.

Der Kommunismus war

mit einer strahlenden Zukunft

verbunden. Und die heutigen

populistischen Ideologien in

der Welt von Donald Trump

bis hin zu europäischen Populisten,

sind mit der Vergangenheit

verbunden. Sie versprechen

uns eine strahlende,

bessere Vergangenheit, um so

ruhmreich zu sein, wie wir

mal waren. Wir haben keine

Zukunft und wissen nicht, was

wir mit unserer Gegenwart voller

Angst anstellen sollen. Der

einzige Weg, den die Populisten

wissen, um ruhig zu leben, ist

zurück in die Vergangenheit.

Und das kann gefährlich sein!

Kultur Joker: Ich habe Sie vor

fast 15 Jahren interviewt, und

wir haben über die strahlende

Zukunft von Bulgarien in der

EU gesprochen, es gab viele

Zukunftsversprechungen...

Gospodinov: Ich bin sicher, es

war die richtige Entscheidung.

Es war gesund für Bulgarien,

ein Teil der EU zu sein. Aber

was ist nun in vielen europäischen

Ländern passiert? Es

gibt diese Art der Enttäuschung,

auch in Bulgarien,

aber ich denke Bulgarien ist

nicht das „worst-case scenario“

in seinem Gefühl für Europa.

Vor den Wahlen versuchen

die nationalistischen und populistischen

Parteien diese

Enttäuschung über Europa

auszunutzen, wie auch jetzt

bei den Wahlen in April. Trotz

allem denke ich, dass wir in

Bulgarien wissen, dass die EU

die beste Option ist.

Kultur Joker: Ist seit dem EU-

Beitritt Bulgariens das Interesse

an bulgarischer Literatur

gestiegen?

Gospodinov: Bezüglich der

Literatur und Kultur änderte

sich nach dem Beitritt in die

„Common Ground“

Geimeinsames literarisches Programm aus dem ehemaligen Jugoslawien zum Lesefest Leipzig liest extra der

Leipziger Buchmesse

Unter dem Titel „Common

Ground“ präsentiert sich in

den Jahren 2020 bis 2022 auf

der Leipziger Buchmesse die

Literatur aus Südosteuropa.

Die Buchmesse wurde zwei

Mal pandemiebedingt abgesagt,

jedoch soll ein virtuelles

Programm Literatur und Kultur

der Schwerpunktregion

vorstellen.

Das Lesefest Leipzig liest

extra findet vom 27. - 30. Mai

statt.

Beim „Literarischen Frühstück“

bringen ausgewählte

Autor*innen und Expert*innen

eine ganze Menge Lesestoff

aus Südosteuropa in die heimischen

Wohnzimmer. Jeden

Donnerstag wird ein neuer

Beitrag gesendet. Alle Beiträge

des Literarischen Frühstücks

finden Sie auch direkt

auf YouTube. Die Gespräche

sind auf Deutsch oder Englisch.

Der Videotitel verweist

darauf, in welcher Sprache

„gefrühstückt“ wird. https://

traduki.eu/literarisches-fruehstueck/

„Literarischer Nerd „erliest“

Südosteuropa“. Jeden

ersten Montag des Monats

treffen sich Florian Valerius,

bekannt als Literarischer Nerd,

und Hana Stojić zum lockeren

Austausch über ausgewählte

Bücher. https://traduki.eu/

common-ground/literarischernerd-erliest-suedosteuropa/

Archipel Jugoslawien

Der Zerfall Jugoslawiens,

der vor 30 Jahren begann,

haben 15 Autoren und Autorinnen

aus Südosteuropa in

bewegenden persönlichen

Essays verarbeitet. Sie geben

auch ihre Prognosen, wie eine

Zukunft Südosteuropas aussehen

könnte. Sechs dieser Texte

sind auf Frankfurter Allgemeine

online präsentiert.https://

www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/archipel-jugoslawien/

Weitere Essays werden

wöchentlich bis Ende Mai auf

der „Common Ground“-Website

eingestellt. https://traduki.

eu/common-ground/

Buchtipps:

Angel Igov: „Die Sanftmütigen“

aus dem Bulgarischen:

Andreas Tretner. eta Verlag;

Preis der Leipziger Buchmesse

2020 in der Kategorie Übersetzung.

„Die Sanftmütigen“ greift

ein historisches Tabu auf: Die

sogenannten „Volksgerichte“

von 1944/45, die die früheren

Machthaber in Schauprozessen

nach Moskauer Vorbild aburteilten.

Mit viel Witz erzählt

Angel Igov, wie der proletarische

Jungpoet aus der Provinz

erst zum Mitläufer, dann

zum Kader und Ankläger am

bulgarischen Volksgericht im

Dienste des neuen Terrorregimes

wird.

Kapka Kassabova: „Am

See“ aus dem Englischen:

Brigitte Hilzensauer. Zsolnay

Verlag.

Die bulgarisch-neuseeländische

Schriftstellerin Kapka

Kassabova folgt am Ohridsee

den Spuren ihrer Familie

und macht die Konflikte von

Nationalstaaten in diesem

Winkel Europas, der zwischen

Nordmazedonien, Albanien

und Griechenland aufgeteilt

ist, sichtbar.


Kultour/Literatur KULTUR JOKER 17

Georgi Gospordinov, Usedomer Literaturpreisträger 2021

© Usedomer Literaturtage, Foto: Dafinka Stoilova

EU nicht sonderlich viel. Wir

sind ein Teil des europäischen

Übersetzungsprogramms, was

sehr wichtig ist. Ich muss sagen,

dass ich die meisten osteuropäischen

oder auch Balkan

Schriftsteller in Leipzig oder

Berlin getroffen habe. Und

das ist sehr seltsam, denn ich

glaube wir haben immer noch

dieses Problem mit dem Kulturaustausch

zwischen unseren

Nachbarländern. Und wir sind

für die EU mit unserer Literatur

immer noch nicht sichtbar

genug, obwohl das Interesse

an der bulgarischen Literatur

gestiegen ist. Desto wichtiger

ist es, an solchen internationalen

Bücherveranstaltungen wie

den Usedomer Literaturtagen

oder der Leipziger Buchmesse

teilzunehmen, um einen

festeren Fuß im internationalen

Raum fassen zu können.

Außerdem gibt es viele junge

Schriftsteller, die sich von der

europäischen Literatur inspirieren

lassen.

Kultur Joker: Wie wichtig ist

die bulgarische Identität für Ihr

literarisches Schaffen?

Gospodinov: Diese Frage wird

in meinem letzten Roman sehr

gut beantwortet. Denn es geht

um die europäische Identitätskrise.

Was jetzt traumatisch ist:

Wie fühlst du dich als Bulgare,

Pole etc., und wie kann man

ein guter Europäer sein ohne

ein guter Bulgare, Pole, etc., zu

sein? Das ist eine sehr dünne

Linie zwischen Nationalismus

und Identität. Und das ist auch

das Thema meines Romans.

Aber es handelt auch von dem

konkreten Land Bulgarien. Alle

Geschichten, die ich erzähle,

sind Geschichten meiner Kindheit,

einer bulgarischen Kindheit.

Wir alle sind Immigranten

der Länder unserer Kindheit.

Die kommunistische Partei,

nationalistische Parteien oder

die bulgarischen großen Helden

aus dem 13. Jahrhundert – all

das ist kein Teil meiner Identität.

Ein Teil meiner Identität ist,

dass ich diese Sprache spreche,

in dieser Sprache schreibe. Ich

habe Erinnerungen an meine

Großeltern und Eltern und

Städtchen, wo ich aufwuchs.

Und das ist sehr wichtig für

mein Schreiben.

Kultur Joker: Herr Gospodinov,

wie danken Ihnen für

dieses Gespräch.

EUROPÄISCHE KULTURTAGE KARLSRUHE


18 KULTUR JOKER nachhaltig

„Sauber“, „sicher“, „bezahlbar“ – klare

militärische Interessen verschwiegen

Atomare Fiktion fürs breite Publikum – drei Blicke unter den

Klimaschutzdeckmantel dreier Atommächte

Klimafreundliche Kriegsführung? Warmingstripes

beim Stapellauf eines Atom-U-Bootes? Wohl kaum.

Noch nie ging es Militärstrategen um Klimaschutz bei

Antriebs-Reaktoren für Kriegsschiffe. Atomkraft dient

hier der Reichweite, der Unauffindbarkeit, der Zweitschlagfähigkeit.

Fotomontage: Eva Stegen

Als vor 35 Jahren die Tschernobyl-Katastrophe

begann,

wurde das Vertrauen in die

Atomkraft so massiv erschüttert,

dass die Branche mit einer

neuen Reaktor-Generation reagierte.

Fürs Publikum wurde

schon damals mit Klima und

Kosten argumentiert – Argumente

die man nie hört, wenn

es um militärische Reaktoren

geht. Das Klima-Kosten-Verlässlichkeits-Stück

wird nur fürs

breite Publikum aufgeführt.

Wenn die Akteure sich unbeobachtet

fühlen, geht es um ganz

andere Dinge. Drei Blicke unter

den Klimaschutz-Deckmantel

dreier Atommächte.

„Das Vereinigte Königreich

ist derzeit nicht in der Lage, es

hat weder die finanziellen noch

die personellen Ressourcen,

um beide Programme isoliert

zu entwickeln.“ Ein brisantes

Zitat, wenn man weiß, dass es

um die Ausbildung von Nuklearfachkräften

für die Atom-

Stromproduktion einerseits geht

und andererseits um die atomare

Abschreckung. Es stammt aus

einer Parlamentarischen Anhörung

im britischen Unterhaus

aus dem Jahr 2008. Dort wurden

Vertreter von Reaktorbauern,

Ingenieursvertretungen,

Rüstungskonzernen und Ausbildungsinstituten

aufgemuntert:

„Sprechen sie ruhig ganz offen,

es hört uns niemand zu“. Ihre

Expertise wurde gebraucht, um

die Erneuerung des AKW-Parks

zu organisieren – als Infrastrukturgarant

und Kostendämpfer

für die nukleare Abschreckung

der Atommacht. Das offenherzige

Statement zeigt die Nöte

einer großen Forschungs- und

Ausbildungsstätte in der Atomenergie

auf, dem Dalton Nuclear

Institute, dessen Vertreter zuvor

erklärt hatte: “In der Vergangenheit

wurde das militärische Programm

weitgehend isoliert vom

zivilen Programm entwickelt.

Aus Rücksicht auf Geheim-Informationen.“

Er beschrieb das

duale Ausbildungsprinzip wie

ein System kommunizierender

Röhren, in dem die jeweiligen

Fachkräfte zwischen dem zivilen

und dem militärischen

Bereich hin und her wechseln

können und betonte: “Diese

Verbindung muss allerdings

mit Vorsicht behandelt werden,

um die Wahrnehmung zu vermeiden,

dass das zivile und das

militärische Atomprogramm ein

und dasselbe sind.“

Inzwischen ist hinlänglich

bekannt, dass die britische Regierung

bar jeder energiewirtschaftlichen

Vernunft den Bau

des teuersten Kraftwerks der

Welt angezettelt hat. Wer weiß,

dass das Militär ansonsten nicht

in der Lage wäre, die Atomreaktoren

zu erneuern, die ihre

U-Boote und Flugzeugträger

antreiben, dem erschließt sich

die Logik: Die Fridays-for-

Future-Generation wird noch

bis zum Rentenalter mit ihrem

Stromgeld das Atom-U-Boot-

Programm quersubventionieren

- nur aus Sicht der Militärs ein

guter Deal.

Um die Rolle der Ausbildungsinfrastruktur

besser zu verstehen,

hilft eine Stellungnahme

der Berufsgruppen-Verbände

der Atomkraft: “Die Frage der

Überschneidung zwischen Zivilem

und Militärischem kann

in zwei Bereiche unterteilt werden:

Waffen und Atom-U-Boot-

Antrieb.“ Ein wichtiger Punkt,

denn die Glaubwürdigkeit der

nuklearen Abschreckung, auf

die die Briten allergrößten Wert

legen, steht und fällt mit dem

Atomantrieb der U-Boote. „Es

gibt ein größeres Maß an Gemeinsamkeit

zwischen Ingenieuren,

die in der zivilen Atomkraft

arbeiten und denen, die an

Antriebssystemen für U-Boote

beteiligt sind.“ Im Unterschied

dazu haben diejenigen, die an

Atomwaffen arbeiten, „mehr

mit Atomphysik zu tun als mit

Energietechnik.“

Praktische Beispiele für die

Durchlässigkeit in der zivilmilitärischen

Ausbildungsinfrastruktur

gibt es reichlich bei

Atommächten. So hatte beispielsweise

der damalige Chef

des Reaktorbauers Areva UK,

Robert Davis, als er in einem

Guardian-Gastbeitrag die Leserschaft

mit Falschinformationen

zu den Kosten seines

AKW-Neubauprojektes, den

EPR Hinkley Point, fütterte, bereits

eine 25-jährige Navy-Karriere

als Kriegsschiff-Kommandant

hinter sich. Danach war er

im Verteidigungs-Ministerium

für die Budgetplanung zuständig.

Einer der so genau weiß, wo

der Schuh drückt, erklärte den

Guardian-Leser*innen frech,

es ginge um Energieversorgung

und es würden keine staatlichen

Subventionen benötigt.

Nun ist die Idee des Europäischen

Druckwasser-Reaktors,

EPR, die Kosten pro kWh durch

die zunehmende Größe des Reaktors

zu senken, schon andernorts

krachend gescheitert, auch

in Frankreich, dem Mutterland

des EPR. Dennoch will die

„freundliche“ Atommacht von

nebenan 6 neue EPR ab 2025

bauen, weil dies „ein Anliegen

für zivile Tätigkeiten, aber auch

für die Verteidigung – mit dem

Atomantrieb von U-Booten und

Flugzeugträgern“ sei, wie ein

militärisches Geheimdokument

belegte, das 2018 an die Zeitung

‚Les Echos‘ durchgestochen

wurde. Die beiden Verfasser

des Dokuments haben jeweils

beeindruckende zivil-militärische

Drehtür-Karrieren hinter

sich, mit Stationen beim staatlichen

Stromversorger EdF, im

Rüstungsbeschaff-ungsbüro des

Verteidigungsministeriums,

beim Hersteller von nuklearen

U-Boot-Antrieben TechnicAtome

und weiteren. Beim zivilen

Reaktorbauer hat man das

Kostenfiasko offenbar auch erkannt.

Es gibt Pläne, statt auf die

gescheiterten „Größenvorteile“

nun doch auf vermeintliche Replikationsvorteile

zu setzen. Mit

dem EPR New Model-Konzept,

also vielen kleinen EPR NM.

Frankreich hat 2019 sogar stolz

verkündet, man wolle jetzt auch

mitmischen beim Small Modular

Reactor (SMR) Business,

die Grande Nation entwickelt

einen eigenen Atomzwerg.

Bei der Bekanntgabe der Konsortialpartner

unterschlug das

Umweltministerium, dass der

Atomantriebs-Bauer TechnicAtome

sowie die Naval Group,

die auf ihren Werften Atom-U-

Boote baut, beteiligt sind.

Die kleinen modularen Reaktoren,

deren Heilsbringer-Geschichten

derzeit wie Pilze im

Medien-Boden sprießen, liefern

ebenfalls Anlass, einmal auf

zivil-militärische Ambivalenz

zu schauen.

Atommächte – ganz schön

ähnlich

Wie bei den beiden Europäischen

Atommächten Frankreich

und Großbritannien

werden auch beim SMR-Hype

in den USA fürs Publikum

Geschichten vom Klimaschutz

erzählt, obwohl hinter der

nächsten Ecke gleich eine Militärverbindung

zu finden ist.

Sowohl bei NuScale als auch

bei Terrapower findet man in

den oberen Konzern-Etagen

Personal mit Nuklear-Marine-

Expertise. Das mediale Gesicht

von Terrapower ist jedoch Gründer

und Investor Bill Gates,

den es auf die Bühnen drängt,

wo er den postfaktischen Dreiklang

der „neuen Atomkraft“

zu Kosten, Klimagasen und

Verlässlichkeit besingt – ohne

auf das Finanzierungs- und

Lobby-Netzwerk einzugehen,

das seine Flüssigsalz- und

Laufwellen-Reaktor-Konzepte

dereinst materialisieren soll.

TerraPower wird teilweise vom

US-Energieministerium DOE

und dem Los Alamos National

Laboratory, finanziert, der ältesten

US-Forschungsstätte für

Atomwaffen. Das DOE ist u.a.

zuständig für den Bau von atomaren

Kriegsschiffs-Antriebsreaktoren,

Energieforschung

und ‚Entsorgung‘ radioaktiver

Abfälle. Dazu kommt Unterstützung

durch die ‚Break-through

Energy Coalition‘, eine von

Gates gegründete Milliardärs-

Clique, deren Klimakiller-Lifestyle

Zweifel aufkommen lässt

am ausgegebenen Ziel, „saubere“

Energie voranzubringen.

Als einer der Hauptinvestoren

von ‚Terrapower‘ organisiert er

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nachhaltig KULTUR JOKER 19

mit der familieneigenen Stiftung

Geldflüsse in Richtung

reichweitenstarker Unterstützer:

Über den Geldsegen freuen

sich große Medienhäuser, eine

Animations-Agentur, die bunte

Filmchen macht und Bill‘s geschätzter

Statistik-Freak, Max

Roser, dessen Plattform ‚Our

World in Data‘ anhand von ausgewählten

Daten die Harmlosigkeit

der Atomkraft belegen will.

Militär-Veteranen im Energiesektor

Ein Blick unters Klima-

Deckmäntelchen zeigt, dass der

Weg vom ‚Weltklimaretter‘ zur

Nuklear-Marine bemerkenswert

kurz ist. Auf seiner Website veröffentlicht

Terrapower ein „Happy

Veteran‘s Day“-Grußwort

von CEO Chris Levesque: “Ich

bin stolz darauf, dass mein Unternehmen

talentierte Veteranen

beschäftigt“ erklärt er und verweist

auf eine Initiative namens

„Veterans in Energy“. In den

Streitkräften werde seit langem

Atomenergie zum Antrieb von

Schiffen und U-Booten eingesetzt.

Dies habe „eine gut ausgebildete

militärische Belegschaft

parallel zur zivilen Industrie“

und einen zivilmilitärischen

Austausch geschaffen.

Levesque begann seine

30-jährige Nuklear-Karriere als

Offizier auf verschiedenen U-

Booten. Auf einem atomgetriebenen

Jagd-U-Boot mit nichtatomaren

Waffen, überwachte er

als Chefingenieur dessen erste

Kritikalitäts- und Reaktor-Start-

Tests. Von der Navy wechselte

er zum zivilen Reaktorbauer

Westinghouse. Schiffsbau, Rüstung,

Nuklear-Großkomponenten-Bau

und mehrere Managementpositio-nen

an zwei

nuklearfähigen Werften waren

weitere Karrierestationen. Levesque

ist Vorstandsmitglied

der US-Atom-Lobbyorganisation

Nuclear Energy Institute

NEI, die im Weißen Haus und

im Kongress mächtig Einfluss

nimmt.

Klima, Klima, Klima – natio-nale

Sicherheit

Während Gates Geld und

Reichweite nutzt, um das Hohelied

des nuklearen Klimaschutzes

zu singen, offenbart

eine Terrapower-Stellungnahme

zur globalen nuklearen Führerschaft

der USA völlig andere

Motive: „Amerikas Verzicht

auf kerntechnische Chancen im

Ausland gefährdet auch seine

nationale Sicherheit, indem es

den Schwund der nuklearen

Expertise und Qualifikation

ermöglicht. Diese ist für den

Erhalt von zweierlei erforderlich:

seiner bestehenden AKW

sowie seiner reaktorgetriebenen

Marine.“ Gates‘ Atom-Startup

verweist auf den Atlantic Council-Bericht

„Der Wert des US-

Atomkraftkomplexes für die

nationale Sicherheit der USA“.

Dieser beziffert den Beitrag der

zivilen US Atomstrom-Industrie

zur Kosten-Entlastung des militär-ischen

Nuklearkomplexes

mit jährlich 42,4 Milliarden

US-Dollar.

Terrapower findet, der Kongress

soll u.a. Mittel für Forschung

und Entwicklung bereitstellen.

Das könne über das Gesetz

zur nuklearen Führerschaft,

NELA geschehen, oder das

Genehmigungsgesetz zur nationalen

Verteidigung, NDAA,

welches den US Militärhaushalt

festlegt. Zur Begründung, nämlich

„wegen des zivilen, militärischen

und geopolitischen Wertes

der US-Führerschaft in der

Atom-Technologie“, hat ‚Terrapower‘

ein Dokument verlinkt,

das es in sich hat. Hier fand sich

das Who is Who von über 40

Interessenvertretern aus dem

gesamten zivil-militärischen

Atomspektrum zusammen, um

dem Verteidigungsausschuss

beizubiegen, dass die „neuen

Atomenergie-Produkte“ wichtige

Bestandteile für den Verteidigungs-Bedarf

bieten und auch

„für ein modernes, sauberes, resilientes

Energie-System“

Was atomare Klimakrisen-

Trittbrettfahrer sonst vehement

bestreiten, wird hier von allen

unterzeichnet: „In der Geschichte

unseres Landes haben

sich militärische und zivile Anwendungen

synergistisch entwickelt.

Durchbrüche bei der

zivilen Atomkraft kommen dem

Militär zugute und militärische

Durchbrüche kommen der zivilen

Energie-Erzeugung zugute.“

Auch im folgenden Satz geht’s

nicht ums Klima: „Da China

und Russland ‚fortschrittliche

Reaktoren‘ entwickeln und in

strategisch wichtige Länder in

der ganzen Welt exportieren, ist

es entscheidend, dass die USA

ihre Führungsrolle in diesem

geopolitisch wichtigen Bereich

wieder behauptet.“ Sehenswert

ist die Liste der Unterzeichner,

vom ‚Advanced Nuclear Weapons

Alliance Deterrence Center,

über Atomkraft-Startups

und alte Reaktorbauer, hippe

‚Nuclear-Pride-Coaliton‘-Mitglieder

wie ‚Energy for Humanity‘

oder ‚Generation Atomic‘,

bis zu Brennstoff-Lieferanten,

die entweder im HALEU-Uran

oder Thorium die Zukunft sehen.

Klare militärische Interessen

beim EU-Lobbying verschwiegen

Die klaren militärischen Interessen

der ‚Terrapower‘-Konzepte

werden mit dem Mantel

des Schweigens bedeckt, wenn

Gates auf seinem Klimakrisen-

Trittbrett offene Türen aufstößt,

egal ob er mit Peter Altmaier

über die internationale Energiewende

diskutiert und sein

Wirtschaftsministerium „in

enger Abstimmung mit den

EU-Partnern eine Zusammenarbeit

mit der ‚Breakthrough

Energy Coalition‘“ plant. Oder

die Breakthrough-Kumpel mit

EU-Forschungs-Kommissar

Carlos Moedas in illustrer Runde

arbeitsfrühstücken – kurz

nachdem jener mit einem Papier,

das ambitionierte Ziele

für Mini-AKW nannte, 2016

für Schlagzeilen sorgte. Und

natürlich ging es weder ums

Militär noch um Geostrategie,

als EU-Forschungskommissar

Moedas und EU-Kommissions-Vize

Šefčovič im Mai

2019 gemeinsam mit Gates die

Gründung des 100 Mio €-Risikofonds

„Breakthrough Energy

Ventures Europe“ mit ihrer Unterschrift

besiegelten. Mit Breakthrough-Milliardärs-Kapital

und EU-Steuergeld wolle man

„Europäischen Firmen helfen

‚saubere Energie-Technologien‘,

zu entwickeln“. Sauber,

das Kryptonym für ‚Atomkraft

mitgemeint‘.

Eva Stegen

Ab auf‘s Rad, raus auf‘s Land!

Nachhaltig einkaufen in Hofläden

Wer nachhaltig einkaufen

und lokale Landwirte unterstützen

möchte, geht am besten

direkt in einen Hofladen

oder auf einen Wochenmarkt.

Dort gibt es frisches und regionales

Gemüse, wechselnd

mit der Saison. Daneben sind

meist auch tierische Produkte

wie Fleisch, Milch und Eier

Sielke Kiechle für nachhaltige

Landwirtschaft ein. Ihr Hof

ist Demeter zertifiziert, was

unter anderem bedeutet, dass

beim Anbau auf chemische

Dünge- und Pflanzenschutzmittel

verzichtet wird. Wer

nicht raus fahren will, findet

die Produkte der Kiechles auch

auf dem Freiburger Münstermarkt.

Ein weiteres Beispiel

ist der Baldenwegerhof unter

der Leitung von Bernd Hug,

welcher seine hauseigenen

Produkte ausschließlich im eigenen

Hofladen verkauft. Der

Hof betreibt zudem eine hauseigene

Bäckerei, deren Leckereien

sich ebenfalls im Hofladen

finden lassen. Ein Ausflug

nach Stegen lohnt sich nicht

nur des Einkaufs wegen, der

Hof von Familie Hug lädt auch

zum Verweilen ein. Besonders

beliebt bei Familien mit

Kindern: Schweinebürsten.

Wer wert auf gesunde Ernährung

und auf die Herkunft von

Lebensmitteln legt, ist in Hofläden

wie diesen gut aufgehoben.

Bei einem Besuch im Hofladen

findet man nicht nur eine

große Auswahl an Produkten,

sondern man kann auch mehr

über die Produktion, die Höfe

und die Menschen dahinter erfahren.

Auf dem Baldenweger Hof wird viel Wert auf das

Tierwohl gelegt: Bernd Hug mit seinen zufriedenen Ferkeln

Foto: Baldenweger Hof

Präsentkorb mit Produkten

vom Hof Foto: Baldenweger Hof

im Angebot. Im Freiburger

Umland finden sich jede Menge

Höfe mit eigenem Laden,

bei denen es sich lohnt für einen

Einkauf vorbeizuschauen.

Ab auf‘s Rad und raus auf‘s

Land. In 30 Minuten ist man

z.B. beim Obsthof Kiechle.

Seit mehr als 25 Jahren setzen

sich die Betreiber Bernd und


20 KULTUR JOKER Nachhaltig

Wechselhafte Stadtgeschichte

Ein Stadtjubiläumsprojekt erzählt aus 150 Jahren Freiburger Quartiersgeschichte

Wer dem Begriff „Grundriss“

etwas genauer nachspürt, entdeckt

hinter dem planerischen

Aspekt auch den „Riss“, die

Unstimmigkeit und den Widerspruch.

Genau diesen Besonderheiten

widmet sich das

Stadtjubiläumsprojekt

„GrundRisse – Ein Quartier im

Umbruch“. Gegenstand ist die

wechselvolle Geschichte des

Freiburger Sedanquartiers / Im

Grün. Wo sich heute ein alternatives,

teils selbstverwaltetes

Viertel befindet, waren früher

ganz andere Akteur*innen

ansässig. Genau die will das

Projekt sichtbar machen, anhand

verschiedener Stationen,

die über das ganze Quartier

verstreut sind und von nun an

zur Entdeckung einladen. Coronagerecht

findet die Begegnung

mit der Geschichte so an

frischer Luft statt.

Und es geht tief in die Geschichte.

Bis zu 150 Jahre zurück

in die Gründerzeit reichen

die Spuren, die über das Projekt

wieder sichtbar gemacht

werden sollen. Ausgehend

von 15 ausgewählten Gebäuden

und Arealen macht es die

Entstehung und den urbanen

Wandel des Quartiers erkennbar.

Aktuelle und vergangene

Nutzungen geben Einblicke

in Gründerzeit, Werkstätten,

Industriebetriebe, Zwischennutzungen,

Auseinandersetzungen

um selbstbestimmte

Freiräume, Verdrängungen

und den postindustriellen

Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft.

Im Kleinen werden

so große Prozesse westeuropäischer

Gesellschaften

erkennbar.

Nicht nur über die, teils dunklen,

Kapitel der Geschichte

gelangt man so zu äußerst politischen

Fragestellungen. Die

Veranstalter*innen stellen bewusst

immer wieder die hochaktuelle

Frage in den Raum,

in welcher Stadt wir leben

wollen und bieten so die Möglichkeit,

aus der Geschichte zu

lernen. Vor den Gebäuden und

Arealen ist auf Texttafeln von

(Um-)Nutzungen, Abrissen,

Neubauten und den Auseinandersetzungen

um die Gestaltung

des Quartiers die Rede.

Eine Auseinandersetzung, die

bis heute anhält, gerade angesichts

steigender Mieten und

Gentrifizierung.

Das Projekt geht bis auf das

Jahr 2019 zurück. Studierende

des Freiburger Instituts für

Kulturanthropologie und Europäische

Ethnologie recherchierten

die historischen Hintergründe

des Quartiers. Mit

den Rechercheergebnissen aus

Freiburg arbeiteten Bachelor-

Studierende des Fachbereichs

Gestaltung der Hochschule

Offenburg im Sommersemester

2020 weiter. Sie erarbeiteten

ein Gestaltungskonzept

für eine Ausstellung im öffentlichen

Stadtraum. Und so

öffentlich die Ausstellung ist,

so direkt spricht sie zu allen

Stadtbewohner*innen, fordert

sie auf, sich selbst auf Spurensuche

zu begeben. Wer es nicht

auf die Straße schafft, kann die

Begehung aber auch online

vom Sofa aus wagen.

„GrundRisse – Ein Quartier

im Umbruch“, Sedanquartier

/ Im Grün, Freiburg. Bis

24.05.21.

Weitere Infos und Online-

Begehung: www.alltagskultur.

info/projekte/grundrisse

Zwischen Meeting-Space und

Proberaum

Das Haus des Engagements (HdE) in Freiburg hat Geburtstag

Das Haus des Engagements,

ein Treffpunkt für engagierte

Gruppen und Vereine, feiert sein

zweijähriges Bestehen. Entstanden

ist die Idee bereits 2015 aus

dem Wunsch heraus eine Anlaufstelle

für soziale, politische oder

kulturelle Projekte aufzubauen.

Dabei ist das übergeordnete Ziel

die Förderung der Nachhaltigkeit

„im ökologischen, sozialen und

ökonomischen Sinn, um eine zukunftsfähige

globale Gesellschaft

mitzugestalten“. Austausch und

Innovation stehen dabei im Mittelpunkt.

Vereine wie der Afrikarat

BW e.V., Greenpeace Freiburg

oder Omas gegen Rechts sind nur

ein paar derer, die regelmäßig vor

Ort zusammenkommen.

Zu finden ist das Haus des Engagements

in der Rehlingstraße

9 in Freiburg. Dort gibt es ein

breites Angebot, welches Fortbildungen,

Veranstaltungen und

Meetings- bzw. Coworkingspaces

umfasst. Im Keller des Hauses

befindet sich ein Proberaum,

der jungen Bands aus Freiburg

zur Verfügung steht und in dem

regelmäßig musiziert wird. Auf

Nachfrage verschiedener Initiativen

entstand die Idee eines

Materialverleihs, wie es ihn in

anderen Städten bereits gibt. Die

benötigten Utensilien wurden

anhand einer Umfrage der ansässigen

Gruppen und Vereine

ermittelt. Mehr als 30 Gegenstände

können seit Juli 2020 über

eine Onlineplattform reserviert

werden. Dabei fallen Kosten von

ungefähr einem Euro pro Teil am

Tag an. „Besonders beliebt sind

Pavillons, Moderationswände

und Beamer“ erzählt Magdalena

Junge Bands sind Teil des Hauses

Langer, die Koordinatorin des

Hauses. „Der Leitgedanke hinter

der Ausleihe ist eine Materialeinsparung

durch das Teilen der

Utensilien und auf den Bedarf

verschiedener Vereine zu reagieren“,

so Langer. Die vorhandenen

Objekte wurden teilweise an den

Verleih gespendet oder durch das

Umweltschutzamt Freiburg im

Rahmen der Klimaschutzmaßnahmen

finanziert.

Auch während der Pandemie

war das Motto: Bedarf decken!

Durch Corona sind Nachfrage

und Angebot in den digitalen

Raum gewechselt. Das Haus des

Engagements hat sogleich reagiert

und bietet inzwischen eine

Beratungsmöglichkeit für digitale

Tools an, um die Projekte

beim Aufbau von Webseiten,

digitalen Veranstaltungen und

mehr zu unterstützen. Um der

steigenden Nachfrage gerecht

zu werden, soll die digitale Infrastruktur

vor Ort entsprechend

ausgebaut werden. Da das Haus

des Engagements als Vernetzungsort

sehr beliebt ist, aber nur

ein befristeter Mietvertrag besteht,

suchen die Initiator*innen

nach einem neuen Standort. „Wir

würden gerne mehr Meeting- und

Veranstaltungsräume anbieten.

Wir können uns vorstellen, auch

ein Café oder eine Werkstatt bei

uns aufzunehmen. Eine Fläche

von 1000m² wäre perfekt. Tipps

sind immer willkommen“, äußert

sich Magdalena Langer. Auch das

zwölfköpfige Team ist offen für

Zuwachs.

Insgesamt kann das Haus des

Engagements auf zwei erfolgreiche

Jahre zurückblicken und

geht motiviert in die Zukunft. Da

bleibt nur noch zu sagen: Herzlichen

Glückwunsch und alles

Gute!

Weitere Infos: www.haus-desengagements.de

Foto: Seyeon Jeong

Der Materialverleih versorgt Initiativen mit der benötigten Ausrüstung

Foto: Haus des Engagements

Herausgeber:

Art Media Verlagsgesellschaft mbH

Auerstr. 2 • 79108 Freiburg

Redaktionsleitung (V.i.S.d.P.):

Christel Jockers

Redaktion:

Cornelia Frenkel

Peter Frömmig

Annette Hoffmann

Marion Klötzer

Erich Krieger

Nike Luber

Fabian Lutz

Georg Rudiger

Claus Weissbarth

Friederike Zimmermann

u.a.

Terminredaktion:

Elisabeth Jockers

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Für unverlangt eingesandte Manuskripte,

Fotos, Vorlagen und für Programmhinweise

kann keine Garantie übernommen werden,

sie sind aber herzlich willkommen.


Nachhaltig KULTUR JOKER 21

„Global denken, lokal handeln“

Im Gespräch: Christine Buchheit, Dezernentin für Umwelt, Jugend,

Schule und Bildung

Der Eid zum Amtsantritt

Am 7. April hat Christine

Buchheit (Bündnis 90/DIE

GRÜNEN) ihr Amt als neue

Dezernentin für Umwelt,

Jugend, Schule und Bildung

der Stadt Freiburg angetreten

und damit ihre Vorgängerin

Gerda Stuchlik nach

24 Jahren Amtszeit abgelöst.

Die 53-Jährige Buchheit,

Anfang Februar mit großer

Mehrheit vom Gemeinderat

gewählt, bringt vielfältige

Erfahrung aus ihrer bisherigen

politischen Karriere

mit, die sie u.a. über Stationen

im Auswärtigen Amt

und der Bundeszentrale für

politische Bildung führte. Zu

ihrem Amtsantritt sprach

Danny Schmidt mit Christine

Buchheit.

Kultur Joker: Guten Tag

Frau Buchheit, zu allererst

noch einen verspäten Glückwunsch

zur Wahl als neue

Bildungs- und Umweltbürgermeisterin

unserer Stadt! Sie

treten Ihr Amt in einer Zeit

an, die uns alle vor vielfältige

neue Herausforderungen stellt

– viele davon, wie zum Beispiel

die Digitalisierung der Schulen

oder die Verkehrswende,

betreffen konkret Ihre neuen

Arbeitsgebiete als Dezernentin

für Umwelt, Jugend, Schule

und Bildung. Was hat Sie zur

Kandidatur für das Amt inspiriert?

Christine Buchheit: “Global

denken, lokal handeln”

– der Satz ist nicht ganz neu,

aber letztlich hat er mich zur

Kandidatur für das Amt der

Foto: P. Seeger, Stadt Freiburg

Bürgermeisterin inspiriert.

Denn es entscheidet sich in

den Kommunen, wie wir als

Gesellschaft in Zukunft leben

werden. Hier vor Ort müssen

die drängenden Fragen in konkrete

Handlungen umgesetzt

werden – beim Klimaschutz,

Fragen der sozialen Gerechtigkeit,

bei Bildung und Chancengleichheit,

beim gesellschaftlichen

Zusammenhalt.

Kultur Joker: Als Umweltbürgermeisterin

sind Sie

mitverantwortlich für die

Umsetzung des Freiburger

Klimaschutzkonzepts, dass

unter Ihrer Vorgängerin Gerda

Stuchlik im 2019 verabschiedet

wurde. Einen wesentlichen

Punkt des Konzepts bildet die

angestrebte Klimaneutralität

der Stadt bis zum Jahr 2050,

bis dahin gibt es aber noch viel

zu tun – womit fangen Sie an?

Buchheit: Klimaschutz ist

die vordringliche Aufgabe des

nächsten Jahrzehnts. Auf allen

Ebenen – national, im Land, in

der Kommune. Meine Aufgabe

ist jetzt eine doppelte: Ich muss

die rasche und gute Umsetzung

der Maßnahmen begleiten,

zu denen sich die Stadt

im Klimaschutzkonzept und

im Klima- und Artenschutzmanifest

verpflichtet hat. Und

ich muss ihre Wirkung auf die

CO2-Reduktionsziele überprüfen.

Außerdem muss ich

als erste Lobbyistin für den

Klimaschutz in- und außerhalb

des Rathauses für die Relevanz

von Klimaschutz-maßnahmen

streiten und will weitere Mittel

und Maßnahmen dafür ermöglichen.

Dabei werde ich eng

mit meinen Bürgermeisterkollegen

und dem Oberbürgermeister

zusammenarbeiten,

schließlich ist Klimaschutz

eine Querschnittsaufgabe.

Auf mich kommt daher mit

Tag eins im Rathaus eine wichtige

Kommunikationsaufgabe

zu, denn viele Maßnahmen

haken immer noch an Akzeptanz-

und Vermittlungsproblemen.

Zu viele betrachten Klimaschutz

immer noch als grüne

Spielwiese und nicht als die

Menschheitsaufgabe, die wir

alle zusammen lösen müssen.

Sie betrifft uns schließlich alle.

Kultur Joker: Die Bereiche

Schule und Bildung gehören

ebenfalls zu Ihrem Ressort.

Vor allem hier mussten im

Zuge der Covid-19-Pandemie

viele grundlegende Konzepte

neu gedacht werden, allen voran

die Umstellung von Präsenz-

auf digitalen Unterricht.

Welche konkreten Ansätze hat

die Stadt, um die Schulen in

puncto digitaler Infrastruktur

zu unterstützen?

Buchheit: Die Stadt Freiburg

hat ein umfassendes Digitalisierungskonzept

erarbeitet, mit

dem wir die Schulen digital

ertüchtigen wollen. Die Aufgabe

ist groß und wird uns in

den nächsten Jahren beschäftigen.

Wir hoffen dabei auch auf

weitere Unterstützung durch

Bundes- und Landesmittel –

denn mit der Erstausstattung

ist es natürlich nicht getan.

Es braucht eine verlässliche

Wartung und Betreuung und

dafür eine dauerhafte Unterstützung

z.B. in Form von

Digitalisierungsmanager*

innen die die Schulen auch im

Tagesbetrieb am Laufen halten.

Kultur Joker: Stichwort

Mobilitätswende in Freiburg

– die Initiative Fuß- und Radentscheid

Freiburg hat mit

zwei erfolgreichen Bürgerbegehren

und einer Bürgerbeteiligung

zum Freiburger

Doppelhaushalt 2021/22 das

Thema Nachhaltige Mobilität

vom öffentlichen Diskurs auf

direktem Weg in den Gemeinderat

hinein getragen. Gelingt

mit der Verkehrswende auch

die Klimawende?

Buchheit: Die Verkehrswende

ist nur ein Teil der Klimawende,

daneben geht es um

den Ausbau der Erneuerbaren

Energien, den Gebäudebereich

und um den industriellen Sektor.

Jeder Bereich muss seinen

Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Das kann übrigens auch

Die neue Bildungs- und Umweltbürgermeisterin Christine

Buchheit

Foto: P. Seeger, Stadt Freiburg

jede Bürgerin und jeder Bürger

– durch das Mobilitätsverhalten

im Alltag und in der Freizeit,

aber zum Beispiel auch

durch die Art der Ernährung

und das allgemeine Konsumverhalten.

Kultur Joker: Und wie ist

der Kaffee – oder Tee – im

Rathaus?

Buchheit: Ich trinke tagsüber

Tee und bringe mir meine

Lieblingssorte “Green Energy”

von zu Hause mit. Leider habe

ich so viele Termine, dass ich

es noch nicht einmal bis zur

Kantine geschafft habe, um

mir das dortige Angebot wenigstens

anzuschauen. Zur Zeit

ist es sowieso nur zum Mitnehmen,

aber irgendwann werde

ich hoffentlich meine neuen

Kolleginnen und Kollegen im

Rathaus auch beim Mittagessen

treffen.

Kultur Joker: Frau Buchheit,

wir bedanken uns für das

Gespräch und wünschen alles

Gute!


22 KULTUR JOKER Nachhaltig

Nachhaltige Mode,

Second Hand oder

Kleider leihen?

Es gibt viele Möglichkeiten den ökologischen

Fußabdruck zu verringern und zu einer gerechten

Modeindustrie beizutragen

Was macht ihr, um euren

ökologischen Fußabdruck zu

verringern und zu einer gerechteren

Modeindustrie beizutragen?

Bei dem Einsturz des Fabrikgebäudes

Rana Plaza in der

Nähe von Dhaka, Bangladesch

im Jahr 2013 verloren mehr

als 1.000 Textilarbeiter*innen

ihr Leben. Mehr als 2.000

Menschen wurden verletzt.

Manche davon so schwer, dass

20 % Rabatt-Gutschein

gültig bis Ende Mai

fair & gut

sie bis heute nicht mehr arbeiten

können. Der Einsturz des

Gebäudes, gilt als der bisher

größte Unfall der internationalen

Textilindustrie und lenkte

den Blick einmal mehr auf die

katastrophalen Missstände im

Bereich der Modeproduktion.

Dies führte zur Gründung von

Fashion Revolution- der weltweit

größten Mode-Aktivismus-

Bewegung.

Fashion Revolution erinnert

jährlich an die Opfer

von Rana Plaza und macht in

der Woche um den 24. April

verstärkt auf die Missstände

und auf notwendige Veränderungen

aufmerksam. Weltweit

gehen mittlerweile tausende

Menschen auf die Straße oder

demonstrieren im Netz und

fordern von Unternehmen ihre

Lieferketten offenzulegen, ihre

Arbeiter*innen fair zu entlohnen

und umweltfreundlich zu

produzieren. Ziel ist es, die

Modeindustrie weltweit nachhaltig

zu verändern. Hin zu

einer Modeindustrie, welche

die Umwelt schont, sich für die

Regeneration dieser einsetzt

und Menschen über Wachstum

und Profit stellt. Nach wie

vor erhalten die meisten Menschen

entlang der Lieferketten

unterdurchschnittliche Löhne,

die nicht zum Leben reichen.

Durch die weltweite Pandemie

hat sich die Lage für die

Arbeitnehmer*innen der un-


Nachhaltig KULTUR JOKER 2323

Fotos: Fashion Revolution

terschiedlichsten Bekleidungsfabriken

vor allem in Ländern

wie Bangladesch, Myanmar,

Indien und Kambodscha weiter

verschlechtert. Aufgrund

des weltweiten Lockdowns

haben viele große Modemarken

ihre Aufträge bei Textilfabriken

storniert und viele

Menschen haben dadurch ihre

Arbeit verloren.

Neben den verheerenden Arbeitsbedingungen

in der Modeindustrie

werden oft auch

die Auswirkungen auf die

Umwelt vergessen. Die Modeindustrie

zählt zu den drei

größten Umweltverschmutzern

der Welt und wir tragen

einen großen Teil dazu bei. Die

Deutschen kaufen im Schnitt

60 neue Kleidungsstücke pro

Jahr, davon werden wiederum

40 Prozent nie oder nur selten

getragen. Doch nicht nur

der maßlose Konsum und die

Überproduktion sind verantwortlich

für die hohe Umweltbelastung,

denn bereits bei der

Gewinnung der Materialien

wird das Klima stark belastet.

So braucht es beispielsweise

11.000 Liter Wasser für die Gewinnung

von einem Kilo konventioneller

Baumwolle.

Auch in Freiburg setzen sich

Menschen und Läden für eine

faire Modeindustrie ein. Ob

Fair Fashion, Second Hand

oder Kleider leihen, mittlerweile

gibt es in Freiburg ein breites

Angebot für jeden Geldbeutel.

Eco-faire Fashion für Männer

und Frauen findet ihr im Zündstoff

in der Moltkestraße. Von

Kleidung über Schuhe bis hin

zu Accessoires, die Auswahl

lässt jedes nachhaltige Herz höher

schlagen. Auch das Suslet

Outlet in der Fischerau hat eine

große Auswahl an nachhaltiger

und fair produzierter Mode für

Frauen, Männer und Kinder.

Das besondere, da es sich um

Bestände älterer Kollektionen

handelt, ist das gesamte Sortiment

bis zu 70 Prozent günstiger.

Ihr schont somit nicht

nur euren Geldbeutel, sondern

tragt auch dazu bei, dass weniger

Kleidung in den Tiefen der

Lagerräume verschwindet.

Fair und Feminin geht es im

Blickfang am Augustinerplatz

zu, wo euch das gut gelaunte

Team um Ulrike Steinfels

empfängt und berät. Zu nicht-

Corona Zeiten lädt der schöne

Hinterhof außerdem zum Verweilen

und Café trinken ein.

„Eine faire Jeans für jeden“

gibt es bei FairJeans im Vauban.

Miriam Henninger und

Walther Blauth setzen auf einen

minimalistischen Ansatz.

In Ihrem Laden und online bieten

sie je drei Jeans Modelle für

Frauen und Männer an und eine

davon passt eigentlich immer.

Einen der ersten Läden für

fair gehandelte Naturtextilien

in Freiburg eröffnete Anette

Schlieper bereits 1995. Im

Hanfhaus in der Günterstalstraße

verkaufte sie Textilien,

Kosmetik und Nahrungsmittel

aus dem Rohstoff Hanf. Unter

dem Motto „Einfach natürlich

wohlfühlen“ findet ihr heute

in ihrer Boutique Anna Madée

(Merianstraße 5) eine große

Auswahl an fair hergestellter

Mode für die Frau, von lässiger

Alltagskleidung bis hin zu elegantem

Chic.

Produkte aus fairem Handel

gibt es auch in den Weltläden

in der Gerberau und in

Herdern. Ziel ist dabei nicht

Gewinn zu erwirtschaften

sondern durch den Absatz fair

gehandelter Produkte den sogenannten

„globalen Süden“

zu unterstützen. Eventuelle

Gewinne fließen in Projekte

und Bildungsarbeit. Auch wer

auf neukaufen verzichten will,

findet in Freiburg mittlerweile

eine großes und gutsortiertes

Angebot. Die UMKLEIDE in

der Merianstraße bietet seit

Ende 2019 ein großes Angebot

von Secondhand und Vintage

Mode an. Auf zwei Etagen

findet ihr Vintageschätze und

Mode aus zweiter Hand. Seit

Mitte 2019 könnt ihr außerdem

in der Kleiderei im Stühlinger

mit einer monatlichen

Mitgliedschaft euren Kleiderschrank

unendlich erweitern.

Als Gegenentwurf zur Fast

Fashion wird eco-faire und

gebrauchte Kleidung (weiter)

verwendet und geteilt. Neben

dem Leihen, kann fast alles

auch gekauft werden.

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24 KULTUR JOKER nachhaltig

Die wahre Geschichte von Jesus, Maria Magdalena und Judas

Das neue Buch „Die außergewöhnlichste Liebe aller Zeiten“ von Franz Alt

Franz Alt war schon immer

ein streitbarer Geselle. Der 1938

in Untergrombach Geborene

hat später Politikwissenschaften,

Geschichte, Philosophie

und Theologie studiert. Er hat

sich als politischer Journalist,

langjähriger Fernsehmoderator,

Buchautor, Vortragsredner, Umwelt-

und Friedensaktivist (Anti-

Atom-Bewegung, Rüstungsgegner,

Solarpionier, Stuttgart-21…)

stets prononciert als Anwalt der

sozial Schwachen und Benachteiligten

geäußert und sich für

eine „bessere Welt“ im Sinne

der Bewahrung und Pflege der

Schöpfung eingesetzt. Richtschnur

dabei war sein tiefer

christlicher Glaube, oder besser,

sein eigenes emanzipatorisches

Verständnis davon. Sein gegenüber

der herrschenden Dogmatik

der Amtskirche revolutionäres

Jesusbild führte ihn wiederholt

in theologische Konflikte mit

der Kirchenhierarchie und 1988

zum Austritt aus der CDU, als

diese eine weitere Nutzung der

Atomenergie propagierte. Sein

jüngstes Buch „Die außergewöhnlichste

Liebe aller Zeiten“

ist nichts weniger als ein Frontalangriff

auf wesentliche Inhalte

der biblischen Glaubenslehre,

insbesondere die Ostergeschichte

betreffend.

Die Evangelien der Bibel –

unvollständig und falsch übersetzt?

Ist Jesus von Nazareth wirklich

am Kreuz gestorben und

als Sohn Gottes auferstanden,

war Maria Magdalena die sündige

„Hure“, als die sie von den

Kirchenvätern dargestellt wurde

und war Judas der „gemeine Verräter“,

der seinen Meister gegen

Silberlinge ausgeliefert hat? Diesen

Fragen spürt Franz Alt nach,

verneint sie kategorisch und setzt

dagegen: Der besondere Mensch

Jesus habe in Abgrenzung zum

zu seinen Lebzeiten herrschenden

Tempelkult in Jerusalem ein

neues Gottes- und Menschenbild

entwickelt. Gott ist für ihn sein

„Abba“, das meint aramäisch

mütterlicher oder gütiger Vater.

Dessen Lehre verkündete

er nach seiner Taufe durch Johannes

in seiner Muttersprache

aramäisch als „Heiler“, indem

er durch Galiläa zog und sich

mit den “Schwachen, den Hungernden,

den Kranken, den Gefangenen,

den Kindern und den

Frauen“ solidarisierte. Eine Lehre

von der friedvollen Liebe aller

Menschen zueinander. In diesem

Geiste scharte er Anhänger um

sich, darunter auch Maria Magdalena

und Judas. Beide wurden,

so Alt, die engsten und geliebten

Vertrauten und Ratgeber von

Jesus. Im Falle von Maria Magdalena

war dies, gemessen am

damals herrschenden Frauenbild,

ein eklatanter Tabubruch. Judas

habe, entgegen der biblischen

Behauptung, Jesus nicht verraten,

sondern ihn in Jesu Auftrag

und auf dessen Geheiß der Obrigkeit

übergeben. Jesus wollte

selbst – im Einklang mit seinem

„Abba“ – ans Kreuz, um für seine

Botschaft bis zum Äußersten

zu gehen.

Diese Thesen bedurften freilich

der Untermauerung. Franz

Alt sieht sie in der Korrektur

von entscheidenden Übersetzungsfehlern

in den auf dem

Konzil von Nicäa im Jahr 325

als verbindliche Glaubenslehre

festgesetzten Evangelien, die

nur in der damaligen griechischen

Amtssprache überliefert

sind. Die aramäischen Urschriften

dagegen sind nicht erhalten.

Daher könne nur eine Rückübersetzung

vom Griechischen ins

Aramäische mehr Klarheit schaffen

und Alt beruft sich auf eine

solche durch den evangelischen

Theologen und Altphilologen

Günther Schwarz (gest. 2009).

Ein Beispiel: Jesus kündigt im

(griechischen) Matthäusevangelium,

als er seine Apostel auf

Golgatha schlafend antraf, seine

Kreuzigung und den Verrat seiner

Person durch einen der Ihren

an. In der Rückübersetzung ins

Aramäische klingt die Stelle

aber so: „Ihr schlummert und

ruht? Das Ende ist gekommen.

Der rechte Augenblick ist da. Ich

bin gewillt, übergeben zu werden

in die Gewalt der Toren. Steht

auf! – Ich muss gehen! Seht! Er,

der mich übergeben muss – Er

ist da.“ Der angebliche schnöde

Verrat aus Gewinnsucht wird

hier zum abgesprochenen Auftrag

an Judas, der sich als Vertrauter

Jesu und als einzig gebürtiger

Jerusalemer am besten

dafür eignete. Alt liefert im Buch

noch zahlreiche weitere und ähnliche

Beispiele für Falschinterpretationen,

insbesondere zum

nicht eindeutig bewiesenen Tod

und der in der Bibel behaupteten

Auferstehung Jesu. Zudem verweist

er auf erst vor einigen Jahren

entdeckte aramäische Evangelientexte

von Maria Magdalena

und Judas, die bisher von den

Amtskirchen nicht als relevant

anerkannt worden sind. Letztere

enthielten wertvolle Hinweise

auf das Verhältnis von Jesus zu

Maria Magdalena und Judas,

welches Alt als die „außergewöhnlichste

Liebesgeschichte

aller Zeiten“ bezeichnet.

Der Autor behauptet, dass der

offizielle Bibeltext an entscheidenden

Stellen von ordnungstheologischem

„Wunschdenken“

geprägt ist und dem befreienden

„jesuanischen“ Weg der allseitigen

Liebe in wesentlichen

Aspekten widerspricht. Er setzt

die Forderung dagegen, dem „jesuanischen“

Weg der allseitigen

Liebe und Fürsorge zu folgen

und resümiert: „Kirchen können

vergehen, Jesus wird bleiben…

der soziale Jesus der Bergpredigt

zur Überwindung der weltweiten

sozialen Ungerechtigkeiten,

der ökologische Jesus für die

Bewahrung der Schöpfung, der

pazifistische Jesus für eine effizientere

Friedens- und Abrüstungspolitik

im Atomzeitalter

und der feministische Jesus, der

mit seiner Gefährtin Maria Magdalena

vorgelebt hat, was echte

Gleichberechtigung von Mann

und Frau bewirken kann“.

Das Buch enthält noch eine

ganze Reihe weiterer Aspekte,

die gläubige Christen dazu

veranlassen können, weniger

auf eine künftige jenseitige Seligkeit

oder die „unfehlbare“

Autorität der Amtskirchen zu

bauen, sondern in der Nachfolge

des „wahren Jesu“ aktiv an der

Schaffung eines menschen- und

naturfreundlichen friedvollen

Diesseits mitzuarbeiten. Es ist

spannend geschrieben und lädt

zur geistigen Auseinandersetzung

ein. Sicherlich eine Stärke

des Textes, der seine aufklärerische

Wirkung in christlichen

Kreisen haben wird. Deshalb,

auch und gerade mit Blick auf

die rapide wachsende Legitimationskrise

der Kirchen, ist Alts

Buch sehr zu empfehlen.

Dies kann jedoch nicht darüber

hinwegtäuschen, dass der Autor

sich, zumindest was die theologischen

Implikationen betrifft,

auf einem ähnlich dünnen wissenschaftlichen

Quellen-Eis wie

die herkömmliche Theologie

bewegt. Und jeder Mensch kann

auch ohne jeglichen religiösen

Überbau und auch ohne Jesus die

Notwendigkeit der dringenden

Transformation der überwiegend

destruktiven Entwicklungen unserer

Lebenswelt erkennen und

sich dagegen engagieren.

Das Buch ist im Freiburger

Herder-Verlag erschienen und

zum Preis von 24 Euro im Buchhandel

erhältlich. Mehr Informationen

zum Autor auf seiner

Homepage: www.sonnenseite.

com

Erich Krieger

Michael Paul: „Scharfmacher“

Michael Paul:

„Radioaktive

Kochtöpfe“

Foto: Elektrizitätswerke

Schönau

(EWS)

Foto: Elektrizitätswerke Schönau (EWS)

Gefahren nuklearer Energieerzeugung

Virtuelle Ausstellung „100 gute Gründe gegen Atomkraft“

Zum 35. Jahrestag der

Tschernobyl-Katastrophe eröffneten

die EWS gemeinsam

mit dem Freiburger Kulturaggregat

e.V. und „.ausgestrahlt“

am 26. April die virtuelle Ausstellung

„100 gute Gründe gegen

Atomkraft“.

Vor 35 Jahren, am 26. April

1986, explodierte der Atomreaktor

in Tschernobyl. Fast

genau ein Vierteljahrhundert

später, am 11. März 2011, kam

es zur zweiten großen Katastrophe

der zivilen Kernkraftnutzung,

dem Super-GAU in

Fukushima. Beide Ereignisse

kosteten vielen Menschen das

Leben und verseuchten die

betroffenen Gebiete für Jahrhunderte.

In Deutschland, bis

dahin Treiber der nuklearen

Forschung und Energiegewinnung,

befeuerten die Katastrophen

einen langen Disput um

die Kernenergie, der letztlich

im Ausstieg aus der Atomkraftnutzung

mündete.

Zu diesem Anlass präsentieren

die EWS Elektrizitätswerke

Schönau, der Freiburger

Kulturverein Kulturaggregat

e.V. und die Anti-Atom-

Organisation „.ausgestrahlt“

die virtuelle Sonderausstellung

„100 gute Gründe gegen

Atomkraft“ mit Illustrationen

des Künstlers Michael Paul.

Pandemiebedingt muss die

Ausstellung ins Internet verlegt

werden. Dafür hat das

Kulturaggregat einen Raum

in seiner Online-Präsenz geschaffen.

Die „HILDAv5.0“

bildet nicht nur die Räumlichkeiten

des Vereins nach, sie

wurde von vorneherein als Ort

der Begegnung und sozialen

Interaktion geschaffen.

In der Online-Ausstellung

steuern die Besucher*innen

ihren Avatar wie im Computerspiel

durch die Räumlichkeiten.

Begegnen sich die

Teilnehmer*innen, können sie

per Video-Chat miteinander in

Kontakt treten.

Virtuelle Ausstellung: „100

gute Gründe gegen Atomkraft“.

Bis 10.05.2021.


Gesundheit KULTUR JOKER 25

„Dem Kindeswohl verpflichtet“

Sigma-Zentrum mit Gutachter-Expertise

Prof. Dr. Christoph Bielitz

© Sigma-Zentrum

Die letzte Eskalationsstufe,

die es bei Konflikten um das

erheblich in Familienstrukturen

eingreifende Sorgerecht gibt, ist

der Streit vor Gericht. Gerichtsverfahren

vor dem Familiengericht

stellen die Weichen für das

zukünftige Leben junger Menschen.

Von Gerichten in Auftrag

gegebene Gutachten sollen das

Gericht dabei unterstützen, zu

einer Entscheidung im Einzelfall

zu kommen und die richtige

Balance zwischen den Grundrechten

junger Menschen und

deren Eltern oder Sorgeberechtigten

zu finden. Zu einem auch

bundesweit vielbeachteten und

umstrittenen Sorgerechtsurteil

um ein 12-jähriges Mädchen

wurde die Expertise des Freiburger

Sigma-Instituts im Ärztehaus

beim Ev. Diakoniekrankenhaus

in Anspruch genommen.

Die Sozialpädagogin und zertifizierte

Verfahrensbeiständin

Carola Wilcke aus Görlitz unterstützt

mit ihrer Selbsthilfegruppe

„Löwenmamas“ Mütter

und Großmütter, die von Entscheidungen

und Verfahrensgestaltungen

am Familiengericht

betroffen sind, die sich nicht am

Kindeswohl orientieren, sondern

einer Bestrafungsintension

folgen. Die über die Mütterinitiative

MIA (www.die-mias.de)

erreichbare, geschlossene Facebook-Gruppe

ist der Individualität

und daraus resultierenden

abweichenden Bedürfnissen der

Kinder verpflichtet.

In der Begleitung eines aktuellen

Falles machte Carola

Wilcke zum wiederholten

Mal Erfahrung mit kinderpsychologisch

nicht geschulten

Jugendamtsmitarbeiter*innen,

Familienrichter*innen und

Gutachtern*innen. Die auch als

Sachverständige für die Kinderkommission

des Bundestages

tätige Sozialpädagogin hat sich

daraufhin an das Sigma-Zentrum

Bad Säckingen gewandt.

Kultur gegen den Corona-Blues

Kunstausstellung im Impfzentrum Offenburg

Ärztehaus beim Diakonierkrankenhaus Freiburg © Nicolai Schmidt

„Gründliches Aktenstudium,

geduldige Untersuchung und

exakte Darlegung führen zu Prägnanz,

Nachvollziehbarkeit und

Gerichtsfestigkeit“, definiert der

Geschäftsführende Ärztliche Direktor,

Professor Dr. Christoph

Bielitz, als Erfolgsfaktoren seiner

„dem Kindeswohl verpflichteten“

Tätigkeit als Gutachter. Die Ergebnisse

aus diesen Gutachten

haben daher einen erheblichen

Einfluss auf die Gerichtsentscheidung.

Auf der Grundlage

so genannter „Erziehungsfähigkeitsgutachten“

werden beispielsweise

Beschlüsse zum Entzug

oder zur Übertragung des

Personensorgerechtes getroffen.

Damit verbunden sind häufig

auch weitreichende Eingriffe in

die Lebenswelt der Kinder und

Jugendlichen. Der ARD-Beitrag

über das für das Kind vorerst positiv

ausgegangene aktuelle Gerichtsverfahren

ist über die Website

des Sigma-Zentrums (www.

sigma-zentrum.de) abrufbar (der

Gutachter Prof. Bielitz ist ab Minute

9:00 zu sehen).

AL-KOPURE

HIGH-TECH ZUR LUFTREINIGUNG

Der Kunststammtisch Emmendingen,

Kunst in EM, will

auch in Corona-Zeiten die Kultur

an die Menschen bringen.

So entstand die Idee, Kunst in

den Schaufenstern der Innenstädte

auszustellen. Dort kann

sie von Spazierenden betrachtet

werden, ist Corona-konform

und bietet Künstler*innen eine

Annette Kögel: „Die weißen Masken sind müde“, 2020, Mischtechnik,

90x120cm

Möglichkeit aktiv zu werden

und nicht weiter abwarten zu

müssen. Außerdem werden so

die Innenstädte wieder belebter

und Leerstände können für den

guten Zweck genutzt werden.

Unter dem Titel „Aktionsbündnis

Innenstadt“ werden in der

Gemeinde Sexau bereits Arbeiten

in Schaufenstern ausgestellt.

In Emmendingen sollen

weitere Schaufenster bespielt

werden und auch andere Städte

können dazukommen.

Die Idee, eine Kunstausstellung

in ein Impfzentrum

zu legen, kam Fritz Kendel,

Mitglied des Kunststammtischs,

als er seine Impftermine

wahrnahm. Er langweilte

sich während der Wartezeit in

der Messehalle Offenburg und

dachte, dass die kahlen Wände

doch einem guten Zweck

dienen könnten: Kunst musste

her! Gesagt getan. Seit dem 17.

April ist nun die Ausstellung

„Kunst in Impfzentren“ eröffnet.

Zu sehen sind verschiedene

Werke der Künstlerin Annette

Kögel. Sie führte während des

ersten Lockdowns ein Kunst-

Tagebuch. Damit fing sie

Nachrichten, Alltäglichkeiten

und Gefühle malerisch ein. Ein

Teil dieser Bilder hat Kögel auf

120×90 Zentimeter große PVC-

Planen drucken lassen. Unter

dem Titel „Ruhe. Jetzt ist Pandemie.“

waren die Kunstwerke

zuletzt in Neuenrade zu sehen

und werden ab Samstag das

Impfzentrum schmücken.

Momentan wird daran gearbeitet,

die Ausstellung durch

verschiedene Impfzentren

wandern zu lassen. Außerdem

sollen weitere Künstler*innen

hinzugeholt werden, um diese

Chance für die Kunstschaf-

fenden zu nutzen und weiter

auszubauen. Interessierte

Künstler*innen können sich bei

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26 KULTUR JOKER handwerkskultur

Verbindung von Kreativität und Handwerk

Schreiner-Innung Freiburg bietet sichere Zukunftsperspektiven und höchste Qualität

Das Handwerk des Schreinerns

blickt auf eine lange

Geschichte mit ebenso großer

Tradition zurück. Das Holz

gehört wohl zu den ersten

Bau- und Werkstoffen, die der

Mensch zur Errichtung von

Häusern und Fertigung von

Möbelstücken nutzte. Bereits

im 12. Jahrhundert tauchte

im süddeutschen Raum der

Begriff des „Schreyner“ auf

und ab dem 13. Jahrhundert

bildeten sich die ersten Schreinerzünfte

im deutschen Raum.

Auch die Schreiner-Innung

Freiburg blickt auf eine lange

Geschichte zurück. Seit 1826

bietet die Innung einen Ort

für Schreiner*innen, an dem

Weiterbildung, fachlicher Erfahrungsaustausch

und gegenseitige

Unterstützung stattfindet.

Die Mitgliedschaft in der

Schreiner-Innung Freiburg

kommt aus diesen Gründen

einem Gütesiegel höchster

Qualität gleich. Nicht zuletzt

durch aktuelles Fachwissen,

Designkompetenz und der Verarbeitung

hochwertiger Materialien

setzen Kund*innen im

gesamten Landkreis auf das

Qualitätsversprechen der Innungsbetriebe.

Doch nicht nur Kund*innen

sind zufrieden. Der Beruf des

Schreiners gewinnt auch bei

jungen Menschen an immer

Foto: Schreiner-Innung Freiburg

größerer Beliebtheit. Holz gilt

heute als essenzielles Baumaterial

der Zukunft, das nachhaltiges

und regionales Bauwesen

unterstützt und so für

Auszubildende eine sichere

Zukunftsperspektive ermöglicht.

Einen Aufschwung zeigen

auch die Zahlen der Auszubildenden,

die die Schreiner-

Innung Freiburg aufweist.

Waren es 2020 noch 29 Prüflinge,

erwartet Bernd Schwär,

Obermeister der Innung, voraussichtlich

36 Gesellenprüfungen

im kommenden Sommer.

Die steigenden Zahlen der

Gesellen in diesem Jahr sind

nicht zuletzt den erfolgreichen

Lösungswegen zu verdanken,

die die Betriebe der Schreiner-

Innung Freiburg für die großen

Herausforderungen der Covid-

19-Pandemie gefunden haben.

Telefonische Beratungs- und

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Eine Küche nach Maß

Foto: Schreinerei Brender, Schreiner-Innung Freiburg


handwerkskultur KULTUR JOKER 27

Maßgefertigtes Schlafzimmer

Foto: LaModula

Planungsgespräche und strenge

Hygienevorschriften vor

Ort konnten die Qualität der

Ausbildung sichern.

Es sind aber nicht nur die

vielversprechenden Zukunftsperspektiven,

die die Berufswahl

so attraktiv macht. Der

Beruf des Schreiners verbindet

auf fast einzigartige Weise

kreative Verwirklichung und

handwerkliches Können. Gemeinsam

mit den Kund*innen

werden Zeichnungen erstellt,

Hölzer ausgewählt, gesägt, gebeizt

und poliert, bis am Ende

ein einzigartiges Möbelstück

entsteht. Tische, Kommoden,

Stühle und auch Küchen bieten

Raum zur freien Entfaltung

des Schreiners und kreieren

zugleich Herzensstücke und

Begegnungsorte für Familien,

die über Generationen weitergegeben

werden können.

Für die Verwirklichung dieser

hochwertigen Holzarbeiten

setzen die Betriebe der Schreiner-Innung

Freiburg auf aktuelles

Know-How, individuelle

Beratung und gemeinsame

Lösungskompetenz, um für

Kund*innen die beste Qualität

bieten zu können.

Schreiner Innung Freiburg

E-Mail: info@schreiner-innung-freiburg.de,

Web: www.

schreiner-innung-freiburg.de

Elisabeth Jockers

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Foto: Geberit, Schreiner-Innung Freiburg

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28 KULTUR JOKER Interview

Abend zum Beispiel ging es um

zwei plus zwei.

Kultur Joker: Bringen Sie den

Kids auch Musik bei?

Holland: Bei uns zuhause läuft

immer Musik aus verschiedensten

Quellen. iPads und

Smartphones liegen überall

herum und spielen irgendeine

Kindermusik ab. Bei uns findet

definitiv musikalische Erziehung

statt.

Kultur Joker: Sie sind nicht nur

ein erfolgreicher Musiker, sondern

auch Wissenschaftler. Sie

haben über Viren geforscht.

Holland: 2017 habe ich einen

Doktortitel in Molekularbiologie

an der University of Southern

California bekommen.

Mein Schwerpunktthema war

die HIV-Forschung. Ich habe

mich schon immer für Viren interessiert.

Aber ich konnte natürlich

nicht ahnen, dass sich eines

Tages die ganze Welt für Viren

interessieren würde. HIV macht

mittlerweile keine Schlagzeilen

mehr, aber Aids ist nach wie

vor eine sehr reale und schwere

Krankheit.

Kultur Joker: Werden wir Aids

bald besiegt haben?

Holland: Es dürfte schwer sein,

HIV mit der Wurzel auszureißen,

weil es einige komplizierte Besonderheiten

aufweist. Ich hoffe

eher, dass wir das Coronavirus

auslöschen können – beziehungsweise

bald besser mit ihm

umgehen können. .

Kultur Joker: Lesen Sie viel

über das Coronavirus?

Holland: Na klar, ich möchte

auf dem Laufenden bleiben.

Ich würde mich zwar nicht als

Covid-19-Experten bezeichnen,

aber ich begreife schon, was Viren

auszeichnet.

Kultur Joker: Wann wird es

wieder möglich sein, gefahrlos

große Konzerte zu veranstalten?

Holland: Das lässt sich zum

gegenwärtigen Zeitpunkt nicht

vorhersagen, weil es hinsichtlich

Covid-19 noch zu viele

unbekannte Aspekte gibt. Man

kann zum Beispiel nicht jeden

Einzelnen testen, weshalb man

nie wissen wird, wo das Virus

überall umgeht, wie stark es die

Bevölkerung bereits durchdrungen

hat und wie schnell es sich

verbreitet. Das alles kann man

eigentlich nur schätzen aufgrund

von Testungen. Ich vermute, dass

zwischen Sommer und Jahresende

2021 Konzerte möglich sein

werden. Das hängt aber auch von

den Impfungen ab.

Kultur Joker: Der deutsche Ticketverkäufer

CTS Eventim will

die Corona-Impfung an der Konzertkasse

prüfen. Wie denken Sie

über eine Impfpflicht für Konzertbesucher?

Holland: Das wäre ein möglicher

Weg. Mit einer Impfung

fühlt man sich natürlich viel sicherer.

Gesichtsmasken wären

auch eine gute Idee. Und natürlich

Konzerte an der frischen

Luft.

Kultur Joker: Sind Sie bereits

geimpft worden?

Holland: Ich warte immer noch

geduldig auf einen Termin. Einige

Länder sind beim Impfen

schneller als andere. Großbritannien

gehört zu den schnelleren,

die USA sind eher langsam. Aber

der Impfstoff des Herstellers

Johnson & Johnson ist bei uns

jetzt auch zugelassen worden.

Können wir bitte auch noch ein

wenig über Musik reden?

Kultur Joker: Natürlich. Der

Song “The Opioid Diaries” handelt

von der Drogenkrise in den

USA. Überschattet die Coronakrise

das Drogenproblem?

Holland: In den Medien auf jeden

Fall, denn da dreht sich alles

um Corona. Auf dieser Platte

wollten wir aber verschiedene

gesellschaftliche und politische

Themen in Angriff nehmen,

über die geredet werden muss.

Sie war fertig, als die Pandemie

begann. Es macht für mich auch

keinen Sinn, eine ganze Platte

über Corona zu schreiben. Die

Opioidkrise in den USA interessiert

mich persönlich, weil

sie anders ist als bisherige Drogenkrisen.

Klassische Süchtige

hat es schon immer gegeben,

aber die Leute, die sich Opioid-

Schmerzmedikamente verschreiben

lassen, suchen nicht nach

einem Hochgefühl à la Heroin.

Sie werden eher unbeabsichtigt

zu Süchtigen, weil diese Substanzen

in kürzester Zeit extrem

abhängig machen. Und dann

wollen sie immer mehr davon

haben. Irgendwann bekommen

sie aber keine ärztlichen Rezepte

mehr, weshalb sie sich auf der

Straße Heroin besorgen. In den

USA werden Football-Spieler zu

Junkies! Das ist eine einzigartige

Situation.

Kultur Joker: Wer ist dafür verantwortlich?

Holland: Unter anderem die

Pharmaindustrie. Hauptsächlich

trifft es jüngere Menschen. Seit

einigen Jahren nimmt der Missbrauch

von Fentanyl in den USA

zu. Seine extrem hohe Wirksamkeit

führt zu extrem hohen Todesraten.

Manche Leute sterben

bereits bei einmaliger Einnahme.

Es ist rau da draußen.

Kultur Joker: Kennen Sie persönlich

viele Opioid-Abhängige?

Holland: Natürlich kenne ich

welche. Darunter sind auch

Freunde von mir.

Kultur Joker: Trauen Sie Joe Biden

zu, die größten Probleme der

USA zu lösen?

Holland: Normalerweise äußere

ich mich nicht zum Thema Politik.

Aber Amerika hat auf diesen

Wechsel lange gewartet. Es ist

Zeit, dass sich etwas ändert. Biden

hat einen ganz anderen Ansatz

als sein Vorgänger. Ich hoffe,

er hat damit Erfolg. Amerika ist

bereit, neue Wege zu gehen.

Kultur Joker: Warum machen

Sie Musik? Als Wissenschaftler

könnten Sie Ihrem Land ja auch

anders dienen.

Holland: Einerseits liebe ich

Musik. Andererseits habe ich

einen Standpunkt zu den verschiedensten

Themen. Als ich

The Offspring: Pete Parada, Todd Morse, Dexter Holland und

Kevin Wasserman (v.l.n.r.)

Foto: Daveed Benito

jünger war, stand ich total auf

Punkbands. Deren Einstellung

hat mich geprägt. Mainstreamund

Popbands hingegen ließen

mich eher kalt. Punkbands

haben keine Angst, Tabus wie

Depression, Geisteskrankheit

oder das Schlechte im Leben

anzusprechen. Die unterschiedlichsten

Erfahrungen, die junge

Menschen machen, haben mich

dazu ermuntert, tröstliche Songs

zu hören und später auch selber

zu schreiben.

Kultur Joker: Was hat Sie zu

dem Song „Breaking These Bones“

inspiriert?

Holland: Das ist ein Song über

Trauer. Trauer ist assoziiert mit

dem Tod oder mit dem Ende einer

Beziehung. In meinem Song

geht es jedoch darum, sich aus

der Welt zurückzuziehen und

Türen und Fenster hinter sich zu

schließen. Depression kann sich

anfühlen wie ein Amboss auf

deiner Brust, der die Kraft hat,

dir die Knochen zu brechen. Ich

wollte einmal das körperliche

Gefühl dieser Krankheit ausdrücken

und keinen Ratgebersong

machen. Das klingt jetzt

vielleicht seltsam, aber ich sehe

sonst keine Songs, die aus dieser

Perspektive geschrieben wurden.

Kultur Joker: Hat Musik für Sie

einen therapeutischen Aspekt?

Holland: Absolut. Wie nennt

man das gleich? Katharsis! Viele

unserer Fans schreiben uns über

die Sozialen Medien, wie sehr

wir ihnen dabei geholfen haben,

dunkle Zeiten zu überwinden.

Des öfteren habe ich den Satz

gehört, „Musik hat mein Leben

gerettet“. Ich weiß nicht, ob ich

das alles so glauben kann, aber

Musik hat definitiv die Macht,

Menschen zu helfen oder vielleicht

sogar zu heilen.

Kultur Joker: Können Sie sich

an einen lebensrettenden Moment

mit Musik erinnern?

Holland: Nun, unsere musikalische

Reise ist eine Entwicklung.

Alter Schwede! Am Anfang

war es die Popmusik, die

meine Mutter gehört hat. Später

die Platten, die mein großer

Bruder mit nach Hause gebracht

hat, von Elton John, Kiss und

anderen Hardrockbands. Als prägendes

Erlebnis erinnere ich aber

Punk: die Sex Pistols, die Ramones

oder gewisse kalifornische

Bands wie The Vandals. Diese

krachige und aggressive Musik

mit ihren Botschaften veränderte

für mich alles. Schlagartig.

Kultur Joker: Möchten Sie Musik

machen, die tiefer geht als

der übliche Punkrock?

Holland: Mit Sicherheit. Sind

wir überhaupt eine Punkband?

Ich denke, im Kern schon. Wir

versuchen, das Genre mit jeder

Platte ein bisschen mehr zu

erweitern. Weshalb wir keine

typische Punkband sind. Mit

„Gone Away Requiem“ ist auf

der neuen Platte sogar ein Pianosong.

Dergleichen würde man

von einer Punkband eigentlich

nicht erwarten. Ich will aber sehr

persönliche Songs machen. Und

das hat wunderbar funktioniert,

indem ich einfach nur zum Piano

gesungen habe.

Kultur Joker: Besteht die Hoffnung,

dass wir diesen und weitere

neue Songs dieses Jahr in

Deutschland live erleben?

Holland: (lacht) Wir können es

kaum erwarten, wieder auf Tour

zu gehen. Je eher, desto besser.

Sobald das Touren wieder sicher

ist, werden wir da sein.

Kultur Joker: Dexter Holland,

vielen Dank für das Gespräch!

The Offspring - Let The

Bad Times Roll (Concord

Records/Universal

Music) - VÖ: 16.04.2021


VERANSTALTUNGEN KULTUR JOKER 29

Kultur streamen, Kultur unterstützen

Im Gespräch mit Thomas Walz, Ideengeber und Betreuer von #infreiburgzuhause

Im Livestream: Die Musikerin Cécile Verny beim BENEFIZIVAL

im E-Werk

Foto: Raphael Pietsch

Zuschauer*innen das Live-

Erlebnis nach Hause bringen

und den Kulturschaffenden

dahinter während der Corona-Krise

helfen. Das sind die

Ziele des Live-Streaming-

Portals #infreiburgzuhause.

Initiatorin des Konzepts, das

seit letzten Jahres in Umsetzung

ist, ist die Sparkasse

Freiburg, Mitiniatiatorin die

Freiburg Wirtschaft Touristik

und Messe (FWTM). Der

Verein Kulturaggregat ist

Konzeptpartner. Ideengeber

des Projekts und Betreuer ist

Thomas Walz. Im Gespräch

mit Fabian Lutz spricht der

Sparkassen-Mitarbeiter und

Musiker über das neue Format.

Kultur Joker: Was war der

Auslöser, der Sie zur Idee dieses

Projekts brachte?

Thomas Walz: Auslöser war

der im März 2020 ausgerufene

Lockdown. Ich musste selbst

alle Veranstaltungen der Sparkasse

absagen und war im Anschluss

meiner täglichen Arbeit

beraubt. Außerdem bekam ich

durch meine Vorstandstätigkeit

bei der Vereinigung Freiburger

Jazzhaus schnell mit, wie die

Krise Kulturschaffende treffen

wird.

Kultur Joker: Wie haben Sie auf

die Lage reagiert?

Thomas Walz: Ich überlegte

mir, wie ich mich selbst sinnvoll

beschäftigen, wie man Kulturschaffenden,

Künstler*innen,

Techniker*innen und anderen

helfen und wie ich meinen Auftrag

im gesellschaftlichen Engagement

der Sparkasse auch in

Corona-Zeiten fortsetzen kann.

Kultur Joker: Hatten Sie Vorbilder?

Thomas Walz: Vorbilder gab es

keine. Bei der technischen Gestaltung

der Website haben wir

uns allerdings an bestehenden

Beispielen orientiert.

Kultur Joker: Wie ist das Projekt

angelaufen? Gab es von Beginn

an ermutigendes Feedback

oder musste sich die Plattform

erst langsam etablieren?

Thomas Walz: Das Konzept

wurde speziell für den Lockdown

erdacht und erarbeitet.

Die achtwöchige Aufbauphase

der Website, die Klärung ablauftechnischer,

juristischer

und steuerlicher Fragen, machte

einen Start des Projekts jedoch

erst möglich, als es im Frühsommer

2020 allmählich wieder

Lockerungen gab. Trotzdem

war der Auftakt mit dem Singalong

von Cécile Verny, dem

Freiburger Barockorchester und

mit El Flecha Negra sowie weitere

folgende Live-Streamings

erfolgreich. Wir waren zufrieden

– hatten bis dahin aber auch

keine Vergleiche.

Kultur Joker: Mit den breiten

Lockerungen im Sommer

2020 bekam ihr Projekt aber

wahrscheinlich unerwartet

Konkurrenz.

Thomas Walz: Je mehr es in

den Sommer 2020 ging und

weitere Öffnungen stattfanden,

gingen die Nutzerzahlen und die

Zahlungsbereitschaft des Publikums

nach unten. Doch nach der

Sommerpause, spätestens kurz

vor dem zweiten Lockdown

nahm das Projekt wieder Fahrt

auf und seit Januar sind die

Streaming-Zahlen und endlich

auch die Zahlungsbereitschaft

der Zuschauer stetig nach oben

gegangen.

Kultur Joker: Zugespitzt könnte

man sagen: Umso mehr Lockdown

umso erfolgreicher Ihr

Projekt?

Thomas Walz: Die Statistik-

Kurve erinnert tatsächlich ein

wenig an die der Inzidenzzahlen

und orientiert sich am Lockdowngeschehen.

Das hatten

wir aber nicht anders erwartet,

denn es hat sich ja von Anfang

an lediglich um einen Kompromiss

für alle gehandelt, mit

dem wir in Lockdownzeiten für

Perspektiven in der Kulturszene

sorgen wollten.

Kultur Joker: Wie sieht es mit

diesen Perspektiven aus? Haben

Sie langfristig Erfolge erzielen

können?

Thomas Walz: Bis jetzt haben

wir fast 90 Veranstaltungen gestreamt,

wir haben über 95.000

Ansichten gemessen, davon

waren über 45.000 Nutzer live

dabei. Bei den Publikumserlösen

knacken wir demnächst

die 100.000 Euro-Marke. Mit

den Sponsoringgeldern der

Sparkasse, FWTM, Dr. Falk

Pharma, SC Freiburg, Lexware,

Rotary Club Freiburg zusammen

haben wir so bis jetzt über

250.000 Euro an die Freiburger

Kulturwirtschaft ausgeschüttet.

Mit den noch nicht investierten

über 80.000 Euro können wir

noch rund 35 Veranstaltungen

realisieren. Unsere Ziele, die

Kulturwirtschaft zu unterstützen,

Perspektiven zu schaffen

und Freiburgs Kulturszene in

einer ihrer größten Krisen wertzuschätzen,

haben wir so bereits

jetzt schon erreicht.

Kultur Joker: Was sind Ihre

Veranstaltungsfavoriten in

nächster Zeit?

Thomas Walz: Ich will mich

ungern auf den einen Veranstaltungsfavoriten

festlegen.

Ich freue mich über die große

Vielfalt, die Freiburg auf in-

Freiburgzuhause.de weiterhin

zu bieten hat. Vieles habe ich

bisher vorher nicht gekannt oder

auch nicht in Freiburg verortet.

Deshalb bin ich neugierig auf

nahezu jeden Stream, der noch

stattfinden wird.

Kultur Joker: Sehen Sie auch

über die Corona-Krise hinaus

Potential für eine solche lokale

Streaming-Plattform?

Thomas Walz: Ob und wie Kultur-Live-Streamings

nach der

Corona-Krise noch erfolgreich

sein werden, wird der Markt

entscheiden. Wichtig wäre ein

Streaming-Stammpublikum,

das die neuen Vorzüge auch

verlässlich zu schätzen weiß und

vor allem auch dafür bezahlt.

Denn die Zusatzkosten müssen

sich für Kulturschaffende oder

Veranstalter auch lohnen. Wahrscheinlich

sind die Chancen

im Live-Streaming vor allem

hybrid zu suchen, also in Kombination

mit Präsenzpublikum,

denn wer sehnt sich nach den

langen Lockdownmonaten nicht

nach Live-Kultur vor Ort?

Kultur Joker: Wo könnte eine

Thomas Walz

Foto:

Thomas Zeller

solche „hybride“

Lösung zum Beispiel greifen?

Thomas Walz: Kommunale

oder institutionelle Eventveranstalter

könnten auf eine Zukunft

mit Live-Streaming- oder

Hybridveranstaltungen setzen.

Diese suchen ja große Reichweiten,

welche sie wegen der

beschränkten Raumkapazitäten

bislang nicht genutzt haben.

Und die Kosten für Streamingtechnik

wären hier auch gut

zu legitimieren. Die ersten

Gehversuche, siehe der Neujahrsempfang

der Stadt oder die Galanacht

des Sports, waren ja sehr

erfolgreich. Technisch dürfte

die Website infreiburgzuhause.

de jedenfalls auch nach der

Pandemie funktionstüchtig sein.

Kultur Joker: Herr Walz, wir

danken Ihnen für dieses Gespräch!

Weitere Infos: www.infreiburgzuhause.de


30 KULTUR JOKER veranstaltungen

Minimal Music Freiburg

Steve Reich ist ein wichtiger

Pionier der sogenannten Minimal

Music. Zu seinem 85.

Geburtstag kommen das Holst-

Sinfonietta-Ensemble und die

Black Forest Percussion Group

zusammen und spielen einige

seiner bedeutendsten Werke wie

das Sextet, City Life und, als

Freiburger Erstaufführung, Tehilim,

die legendäre Psalmvertonung

für Frauenstimmen und

Ensemble in hebräischer Sprache.

Das Konzert „Steve Reich‘s

Masterworks“ findet in Freiburg

am 28./29. Mai, jew. um 20 Uhr

im E-Werk statt. Je nach Corona-Lage

wird eventuell auch

nur das zweite Konzert am 29.

Mai auf der Plattform „www.infreiburgzuhause.de“

gestreamt.

Sicher stattfinden wird die Aufführung

am 8. Juni, 20 Uhr im

Museum Tinguely in Basel.

Steve

Reich

Foto:

Jeffrey

Herman

Kalviertalent Miku Arizono Freiburg

Ein facettenreiches Programm,

gespielt von einer prämierten

Pianistin präsentiert der Verein

Haus der Kultur Freiburg am

23. Mai, 17 Uhr im Historischen

Kaufhaus Freiburg. Die junge, in

Freiburg lebende Japanerin Miku

Arizono, Gewinnerin des internationalen

Klavierwettbewerbs

Livorno 2020, spielt ein progressiv

angelegtes Klavierrezital.

Im Programm stehen Werke

unterschiedlicher Komponisten

wie Haydn, Debussy, Janáček,

Wagner und Liszt. Dazu kommen

zwei Eigenkompositionen

der Pianistin. Kein schlechter

Anlass, ein vielseitiges Talent zu

erleben und zu feiern.

Foto: 2R Studio Produzioni Multimediali

Geister in Freiburg Freiburg

Die Freiburger*innen interessieren

sich nicht nur für ihre

Geschichte, sondern auch für

das Sonderbare, Okkulte ihrer

Stadt. Anlässlich des Freiburger

Stadtjubiläums erschien

2020 das von Uwe Schellinger

und Michael Nahm herausgegebene

Sachbuch „Freiburgs

Gespenster: Spuk und Geister

in der Stadt von 1800 bis heute.

Ein Quellen- und Textbuch“.

Auch herausgegeben vom Institut

für Grenzgebiete der Psychologie

und Psychohygiene,

war das Buch innerhalb kurzer

Zeit verkauft und vergriffen.

Nun ist die zweite Auflage erschienen

und im Buchhandel

erhältlich. Frohen Spuk!

Neue Projekte für Freiburg Freiburg

Die Freiburger Bürgerstiftung

steht seit 2006 unermüdlich und

ehrenamtlich hinter Projekten

aller Art, immer wieder mit

dem Anspruch, das Stadtleben

Freiburgs zu bereichern, aber

auch mit kritischen Fragen zu

begleiten. Besonders wichtig

sind ihr dabei die Themen

Soziales, Bildung, Kultur und

Ökologie. Nach 15 Jahren ist

nun Zeit für eine Bilanz. Am

19. Mai, 18.30 Uhr lädt die Stiftung

zu einem digitalen Forum

ein. Die Stiftung beantwortet

hier nicht nur Fragen interessierter

Bürger*innen, sondern

nimmt auch Vorschläge für Projekte

entgegen. Wer dabei sein

möchte, meldet sich bis zum

16. Mai unter info@freiburgerbuergerstiftung.de

Vintage in der Fischerau

Das ETCETERA feiert seinen 40. Geburtstag und hält kein Ende in Sicht

Maureen Winterhager vor

ihrem Geschäft Foto: privat

Ein bisschen muss Maureen

Winterhager selbst staunen: 40

Jahre! Und fügt hinzu: „Nicht

schlecht, oder? Für einen kleinen

Individualladen ohne jegliche

Hilfe.“ Angefangen hat

Maureen Winterhager Anfang

der 80er-Jahre. Als alleinstehende

Frau mit Kind, Lehrerin

von Beruf und mit einer neuen

Vision: Einen eigenen Antiquitätenladen!

Zusammen

mit einer Freundin brachte die

gebürtige Australierin ihre gesammelten

Schätze nach Freiburg

und bot sie in der Wiehre

zum Verkauf. Das Geschäft

trug den Namen ETCETERA.

Und so ist es auch heute.

Seitdem hat sich aber auch

viel verändert. Nicht nur ist

das Sortiment vielfältiger geworden

und die Kundschaft

größer. Auch liegt schon der

sechste Umzug hinter Maureen

Winterhager, die längst

alleinige Inhaberin des Ge-

schäfts ist. Nun befindet sich

das ETCETERA idyllisch gelegen

in der Fischerau.

Die Besonderheit des Geschäfts

liegt für Maureen Winterhager

in der Vielfalt. Vintage-Schmuck

steht neben Designerware,

große Namen neben

fast vergessenen Stücken.

Herzstück des Sortiments sind

sicher die Hüte, die bereits im

Schaufenster ansichtig sind.

Hier finden neugierige, stilbewusste

Menschen vieles, sicherlich

aber keine faden Designs.

Alles leuchtet, strahlt,

ist bunt, auch verwegen. Kam

Winterhager ursprünglich vor

allem mit Möbeln und Lampen

nach Freiburg, bietet ihr Laden

nun vor allem funkelnden

Schmuck, farbsatte Taschen in

eigenen Designs und ausgefallene,

stilvolle Hüte.

Geschätzt wird das ETCE-

TERA nicht nur für seine

bunte Kollektion, sondern

auch für den Verkauf seltener

Designerstücke. Dabei gibt es

auch Mode für kleinere Geldbeutel,

weshalb auch hier am

Ende vor allem die Vielfalt

steht. Zu ihrem 74. Geburtstag

wünscht sich Maureen Winterhager

aber keine Bremse, sondern

eine Fortführung ihrer

Leidenschaft. „Ich bin voller

Tatendrang!“ Soeben hat sie

ihren Mietvertrag in der Fischerau

verlängert und trotzt

damit allem Pessismus in dieser

schwierigen Zeit. Hut ab!

Weitere Infos: www.etceterantik.com

Hut mit Schmuck von Elsa

Schiaparelli

Foto: promo

„Vom Vorurteil zur Gewalt“

Online-Talk mit Diskussionen

Foto: promo

Die Evangelische Erwachsenenbildung

in Freiburg (EEB)

kündigt einen Vortrag samt

Diskussion an, den es mitzuteilen

lohnt: „Feindbilder in

Geschichte und Gegenwart“.

Prominenter Referent ist der

international anerkannte Historiker

Prof. Wolfgang Benz,

der von 1990 bis 2011 das

‚Zentrum für Antisemitismusforschung‘

an der TU Berlin

leitete. Seitdem im Ruhestand,

publiziert Benz, Jahrgang

1941, regelmäßig zu Themen

wie: Antisemitismus und Islamkritik,

Widerstand im Dritten

Reich – und zuletzt in einer

im Herder-Verlag 2020 erschienenen

Monographie über

„Vom Vorurteil zur Gewalt“.

Leider sind dies wiederkehrende

und heute umso aktuellere

Probleme. Die Veranstaltung

findet statt in Kooperation mit

dem Friedensinstitut Freiburg,

der Gesellschaft für Christlich-

Jüdische Zusammenarbeit, der

Christlich-Islamischen Gesellschaft

e.V. und dreisam3.

Die Teilnahme sei allen Interessierten

dringend ans Herz

gelegt – man/frau kann da nur

dazulernen, gerade auch für

den gegenwärtig manchmal so

schwierigen Diskurs in unserer

Gesellschaft.

Termin: Mittwoch, 05. Mai

2021, 20 bis 21.30 Uhr.

Die Durchführung erfolgt

als online-Talk mit Zwischenbreaks

und Diskussionen;

Anmeldung hier: www.

erwachsenenbildung-freiburg.de/site/suche.php?we_

objectID=7689?catid=3

Info: 0761-7086342.

Um eine freiwillige Spende

wird gebeten.


VERANSTALTUNGEN KULTUR JOKER 31

Wir tanzen im Viereck

Das 2. International Screen Dance Festival in Freiburg

Screendance, auch Videodance

oder Cinedance genannt,

ist mittlerweile eine weltweit anerkannte

und boomende Kunstform,

die jedoch in Deutschland

immer noch weitestgehend unbekannt

ist. Ein zentrales Prinzip

des Screendance bildet – neben

der Konservierung von Tanz als

ephemerem Spektakel – Interdisziplinarität.

Daher agiert Screendance

stets an der Schnittstelle

von Tanz, Choreografie, Performance,

Film und Bildender

Kunst und geht damit der grundsätzlichen

Frage nach der Fruchtbarmachung

und Bereicherung

der Techniken einer bestimmten

Kunstform für die jeweils andere

nach. Besonders durch die

fortschreitende Digitalisierung

und zusätzlich bedingt durch

die anhaltende Pandemielage ist

Screendance in Bezug auf seine

Verbreitung, sein Publikum, aber

auch auf seine Macher*innen besonders

niederschwellig – jede*r

Handykamerabesitzer*in erfüllt

die technologischen Bedingungen

einen eigenen Screendance-Film

zu entwickeln.

Das 2. International Screendance

Festival Freiburg wird von

27. bis 30. Mai 2021 in einer reinen

Online-Form stattfinden. Es

ist eine Kooperation zwischen

der Tanzsparte des Theater Freiburg

unter der Künstlerischen

Leitung von Adriana Almeida

Pees als Initiatorin und den beiden

Screendance-Expert*innen

und Gründer*innen des Festival

International de Vidéo Danse

de Bourgogne Marisa C. Hayes

und Franck Boulègue. Die zweite

Version des Festivals besteht aus

einer nationalen sowie einer südamerikanischen

Kategorie und

schließt auch die Ergebnisse der

zahlreichen Screendance-Workshops

ein, die das Theater Freiburg

seit einigen Jahren anbietet.

Für das Screening der nationalen

Screendance-Filme konnten

sich Künstler*innen aus ganz

Deutschland über einen Open

Screendance in Aktion

Foto: Patricio Soto-Aguilar/Festival Bestias Danzantes

Call bewerben,

die Filme aus

S ü d a m e r i k a

wurden von den

künstlerischen

Leiter*innen

der dor tigen

drei namhaftesten

Screendance-Festivals

ausgewählt.

Eröffnet wird

das Festival am

Freitagabend

mit einer Video-

Begrüßung des

Kurator*innen-

Teams, gefolgt

vom ersten Screening der Kategorie

Südamerika/Brasilien,

kuratiert von Leonel Blum. Bereits

davor, am Donnerstag- und

Freitagnachmittag, findet für alle

Screendance-Interessierten ein

zweiteiliger Intermediate-Workshop

statt. Am Festivalsamstag

werden die Gewinner*innen des

Open Call in der nationalen Kategorie

präsentiert, im Anschluss

findet ein Künstler*innen- und

Publikumsgespräch via Zoom

statt. Am letzten Festivaltag

steht das Screening der zweiten

Kategorie Südamerika an, mit

jeweils einer eigenen Vorführung

der Filme aus Kolumbien

(kuratiert von Soraya Vargas)

und Chile (kuratiert von Marjorie

Rodriguez). Den Abschluss

bildet noch einmal ein Zoomtalk

mit dem Kurator*innenteam

und den Festivalleiter*innen aus

Südamerika, das Gespräch wird

Spanisch-Deutsch übersetzt.

Weitere Informationen: www.

theater.freiburg.de.

Leise Töne und nah am Menschen

Festival of Transcultural Cinema findet vom 6. bis 16. Mai online statt

Die Pandemie schickt auch

das Freiburger Filmforum in

die Sphären des Internets. Per

Livestream und Zoomgespräch

wird die Bühne für alle weltweit

geöffnet: Mit #Junction Nairobi

und #Junction Karachi gibt es

eine Direktverbindung zu Filmschaffenden

in diesen beiden

Städten.

Seit 1985 ist das Festival ein Forum

für Filme und Begegnungen,

für Dialog und Diskussion, für

den gegenseitigen Austausch

der Kulturen der Welt. Gäste

aus allen Kontinenten prägen zu

normalen Zeiten die Festivaltage

im Alten Wiehrebahnhof. Die

Umsetzung der Veranstaltung in

den digitalen Raum ist auch als

Chance zu sehen, das Forum um

ein internationales Publikum zu

erweitern. Alle Veranstaltungen

werden als Livestream mit anschließendem

Filmgespräch angeboten,

wobei Zuschauende die

Möglichkeit erhalten, persönlich

am Gespräch mit den Filmschaffenden

(per zoom) teilzunehmen.

Sofern dies die Situation erlaubt,

werden an den Wochenenden die

Abendprogramme für das Freiburger

Publikum auch OpenAir

angeboten.

Programmatisch haben sich die

Veranstaltenden für Filme entschieden,

die eher leise Töne anschlagen,

auf Strukturen schauen

und nah am Menschen bleiben.

Arbeitsbedingungen und Migration

als Folge der Globalisierung

sind wiederkehrende Themen wie

auch die Folgen der Wachstumsökonomie

und Fragen diverser

kultureller Identitäten.

So beginnt das Festival auf

Baustellen, an Verkehrswegen

und Grenzübergängen. Oft konstituiert

sich das Narrativ der

Filme aus der Spannung zwischen

der Statik eines Ortes

und den fließenden Prozessen,

die dort stattfinden – seien dies

Verkehrsströme, der Umsatz von

Waren oder das Vergehen von

Zeit bei persönlichen Entscheidungen

und Veränderungen.

Der Langfilm am Eröffnungsabend

„143 rue du désert“ von

Hassen Ferhani entführt in ein

winziges Café mitten in der Wüste

an der Transsahara-Nationalstraße.

Dort wird Pause gemacht

von Fernreise und Schwerverkehr.

Ein historisches Thema berührt

der Kompilationsfilm „They Call

Me Babu“ von Sandra Beerends,

der das Schicksal von indonesischen

Kindermädchen in der

Kolonialzeit anhand von Tagebüchern,

Home Movies und

Archivmaterial schildert. Dazu

wird als europäische Premiere

der Film „Help Is On The Way“

von Ismail F. Lubis gezeigt, der

die Vermittlung und Arbeit heutiger

Hausangestellten aus dem

gleichen Land zeigt.

Es gibt auch wieder die students‘

platform mit Hochschul-

und Debütfilmen. Junge

Filmemacher*innen befassen

sich viel mit Fragen von Identität

in der Gesellschaft und zwischen

den Kulturen sowie Folgen von

Migration und befragen die eigene

Position hinter der Kamera.

Alle Filme sind englisch untertitelt

und die Gespräche finden

auf Englisch statt. Eine Ausnahme

ist die Sonntagsmatinee „Die

Bidonvilles“ von Paris – Ein Hörspiel

von Hubert Fichte aus dem

Jahr 1967. Zu Gast ist der Kulturanthropologe

und Schriftsteller

Hans-Jürgen Heinrichs.

Weitere Infos: www.freiburgerfilmforum.de

Filmstill aus „They Call Me Babu“ von Sandra Beerends

Foto: promo

Kampf der Impronauten Basel

Wer denkt, Improtheater sei

ein harmloses Geplänkel, der

hat echten Theatersport wohl

noch nicht erlebt. Das Schweizer

Improvisationskollektiv

Die Impronauten lädt am 11.

Mai, 20 Uhr im Tabourettli

Basel zum „Theatersport!“ ein.

Zwei Improteams treten hier

gegeneinander an, im Kampf

Prämierte Lyrik hören Freiburg

Gedichtbände, die vielerorts

für Begeisterung sorgten, sind

jetzt auch über die Website

des Literaturhauses Freiburg

zu erfahren. Die Peter-Huchel-Preisträger

Marcel Beyer

(„Dämonenräumdienst“) und

Henning Ziebritzki („Vogelwerk“)

gestalten einen Abend

voller Gedichte. Der Peter-Huchel-Preis

wird alljährlich vom

um die Gunst des Publikums.

Das gibt die Vorgaben und

verkündet schließlich den Sieger.

Sichere Pläne gibt‘s keine,

dafür wilde, romantische,

musikalische, ungewöhnliche

Momente. So ungewohnt wie

die Situation, in der wir uns

alle aktuell befinden.

Südwestrundfunk und dem

Land Baden-Württemberg

für eine herausragende Neuerscheinung

in der deutschsprachigen

Lyrik vergeben.

Durch den Abend führen Kristina

Maidt-Zinke und Norbert

Hummelt. Die Veranstaltung

findet im Livestream am 21.

Mai, 19.30 Uhr statt.

Foto: promo


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