blu Mai / Juni 2021

blumediengruppe

blu ist das queere Lifestyle-Magazin für Berlin

04.2021 І MAI • JUNI І HEFT 135

BERLIN

VIP

MARCELLA

ROCKEFELLER

im exklusiven Gespräch

GESELLSCHAFT

POLEN:

Eine Community

in Angst

STYLE

Unsere DESIGN-

Highlights für 2021

04

4 193289 301909

1,90€

INTERVIEWS: VICTORIA BACON, GEORG KRONEIS, SVEN REBEL,

JENDRIK, OWEN PALLETT, MARINA


WO DIE

NATUR

NOCH

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INTRO 3

Inhalt

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Alle Magazine online!

KULTUR

„Schwierige Zeiten bringen immer

auch Chancen mit sich. Schon als

uns vor einem knappen Jahr der

erste Lockdown erwischt hat, habe

ich angefangen, nach künstlerischen

Alternativen zu suchen.“ Georg Kroneis

produziert Kunst, ist Obmensch

von ĀRT HOUSE und spielt Viola

da Gamba und Kontrabass. Wir

chatteten mit dem Künstler.

STYLE

Der aus der Ukraine stammende

Tänzer Denys Popovych beweist

in der Kleinserie „Frühlingserwachen“

des Berliner Modedesigners

Matthias Maus Modelqualitäten.

Und die hier bei uns

zu sehende Fashion-Serie selbst

ist wiederum vom Tanz beeinflusst.

Aber nicht nur.

KUNST

Der Fotograf Jonas Norén war

gerade einmal vier Jahre alt, als er

das erste Mal eine Kamera in den

Händen hielt. Mittlerweile ist der

Skandinavier einer der ganz Populären

in der queeren und homoerotischen

Fotografenszene. Wir haben

einige seiner besten Bilder für dich

versammelt.

Liebe Queers,

der Sommer kann kommen! Der letzte Lockdown

ist hoffentlich vorbei, die Impfkampagne

nimmt Fahrt auf und Reisen werden wieder

möglich. Auch die Community blickt nach

vorne auf einen neuen Sommertraum. Es heißt,

die Gewohnheit macht den Genuss schal und

die Entbehrung unerträglich. Manches, was

uns selbstverständlich erschien, können wir

neu entdecken und genießen. Viele Locations

brauchen nun unsere Unterstützung, indem wir

sie fleißig besuchen. Wahrscheinlich werden

sich manche Türen nicht mehr öffnen, dafür

versucht vielleicht eine jüngere, queerere Generation

ihr Glück, die bislang an den Platzhirschen

nicht vorbeigekommen ist. Auch die heißen wir

herzlich willkommen und freuen uns auf die

Bereicherung. Möglicherweise erübrigen sich

auch Kämpfe der Vergangenheit und man stellt

fest, dass wir alle in einem Boot sitzen und uns

mehr verbindet als trennt.

Euer blu Team!

Kostenlos

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IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) &

Michael Rädel (rä)

Chefredakteur: Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

Stellv. Chefredakteur: Christian Knuth (ck)

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MITARBEITER:

Christian K. L. Fischer, Patrick Heidmann,

Felix Just (fj), Christian Knuth (ck), Dagmar

Leischow, Leander Milbrecht (lm), Steffen

Rüth, Thomas Wassermann

Lektorat (ausgewählte Texte):

Tomas M. Mielke, www.sprachdesign.de

Grafik: Susan Kühner

Cover: Marcella Rockefeller, Foto: Mirko

Plengemeyer, Styling: Laila Licious

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4 STADT

Community

EIN PRÄCHTIGER HUT

Eigentlich kommt Steffen

Linck ja aus Hamburg, doch

er hat sein Herz nicht nur

an die Musik, sondern auch

an das „dicke B“ verloren

und gehört als Monolink

seit einigen Jahren zur

Avantgardeszene Berlin. Sein

Singer-Songwriter-Elektro-

Pop gewinnt mehr und mehr

Fans, nicht nur durch Social

Media, auch durch seine Auftritte

wie beim US-„Burning

Man Festival“ in Nevada. Im

Juni erscheint sein Album

„Under Darkening Skies“,

das verträumten und doch

tanzbaren Elektro bietet, der

all denen gefallen dürfte, die

auch Faithless oder Björk

mögen. Unsere Anspieltipps

sind „Otherside“ und „The

Prey“. *rä

CORONA

Greifbar kommt

nicht wieder

Die Greifbar war eine der wenigen

schwulen Bars, die es im

Prenzlauer Berg noch gab. Ein

Ort des puren Hedonismus.

Cruising unter Männern mit Popcorn,

Darkroom und flimmernden Pornos

auf den Monitoren über und neben der

Bar. Damit wird es wohl auch nach der

Corona-Pandemie nicht weitergehen.

„Nach 2-mal Lockdown mit Berufsverbot für die Gastronomie habe ich mich entschlossen,

die Greifbar nicht mehr zu öffnen und etwas anderes zu machen“, postete der Wirt auf

Social Media. „Ich bedanke mich bei allen Gästen und Freunden für die Unterstützung in den

letzten Jahren, insbesondere aber für die Treue während der Corona-Zeit.“ Es scheint, als

ob die Entscheidung des Betreibers Karsten Brodak endgültig sei. Hier trafen sich schwule

„Normalos“, (Lebens-)Künstler, Studenten und Männer jeden Alters, um zu flirten, auch um

Sex zu haben, manchmal aber nur auf ein Bier. Es war, so die Eigenbeschreibung, „eine traditionelle

Gaybar für schwule Männer und deren Freunde im Bauarbeiter-Stil“. Sicherlich war

die Greifbar nicht unumstritten, immerhin hatten Dragqueens (lange Zeit **) keinen Zutritt,

sie war aber ein Stück schwuler Emanzipation vom heterosexuellen Mainstream, gelebte

Sichtbarkeit. Der Prenzlauer Berg verliert durch den Wegfall eine womöglich etwas aus der

Zeit gefallene, aber durchaus wichtige Lokalität. Noch unbestätigte Gerüchte besagen, dass

nach der Schließung und „nach Corona“ hier wohl eine Shisha-Bar eröffnen soll. *rä

** Nach unseren Informationen wurde diese Türpolitik aber schon vor ca. zehn Jahren geändert und auch Trans* und

Dragqueens waren willkommen.

FOTO: WWW.LACOCOTTE.DE FOTO: CK

BARBIE DEINHOFF’S

Unseren Informationen nach

soll die queere alternative

Bar Barbie Deinhoff’s gleich

zweimal überfallen worden

sein. Wie uns von einem

Barkeeper erzählt wurde,

hätten es die Einbrecher wohl

nur auf den Lagerbestand der

Traditionsadresse abgesehen

haben. Diesen haben sie

wohl versucht, sofort zu

Geld zu machen, allerdings

ohne Erfolg. Trotzdem: Der

Sachschaden ist da. Wie es

mit dem „Barbie Deinhoff‘s“

in der Schlesischen Straße

in Kreuzberg weitergeht, sei

gerade nicht einzuschätzen.

Wahrscheinlich gar nicht. *rä

SOLIDARITÄT

La Cocotte braucht dich

Auch die Restaurants sind von den Folgen

der notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung

der Corona-Pandemie betroffen.

Das Team vom La Cocotte, jenem queeren

Promi-Treff, bietet daher nun Essen zum

Mitnehmen an.

„Unsere Antwort auf Glühwein ist Champagner“,

so das Team auf Social Media. Und

auch sonst bekommt man nur das Beste.

Und vor allem: In wenigen Minuten kann

man alles hier Gekaufte wieder aufwärmen

und in Ruhe in den sicheren „eigenen“ vier

Wänden verspeisen. Montag bis Samstag

zwischen 17:30 Uhr und 20:30 Uhr kann

man vor Ort Essen kaufen, zwischen 9

und 22 Uhr kann man sein Essen zuvor bei

Philippe telefonisch planen: 0179 3267463.

„Beim Kauf der neuen COCOTTES MINUTE

geht es nicht nur darum, sich selbst zu verwöhnen,

sondern auch darum, eine Berliner

Institution in großen Schwierigkeiten zu

unterstützen.“ Gut zu wissen: Partyveranstalterin

Chantal speiste hier regelmäßig,

Sängerin Oshri legte hier schon live los. Und

Divatlantique auch. *rä

La Cocotte, Vorbergstr. 10, www.lacocotte.de


STADT 5

NACHGEFRAGT

JULIAN

F.M.

STOECKEL:

„No hate!“

FOTO: M. RÄDEL

Lagerkoller? Zusammensein

mit Plauderei bei Kaffee

und Kuchen an der frischen Luft,

das geht. Oder auch auf Social

Media schauen und lauschen, zum

Beispiel Julian F.M. Stoeckel. Für

uns nahm sich der Queer Zeit für

einen Chat.

Unlängst warst du im BKA Theater

zu sehen. Woran sitzt du gerade?

Ich bin gerade aus Köln gekommen. Dort

habe ich die letzten 14 Tage für RTL.DE

einen Livestream moderiert. Natürlich

geht mein Engagement am BKA Theater

ebenfalls weiter und wir starten eine

zweite Staffel meiner Late-Night-Show

„Bitte bleiben Sie doch auf dem roten

Teppich“. Ich freue mich sehr darauf …

Alltagsrassismus ist seit letztem

Jahr stärker in den Fokus der

Öffentlichkeit gerückt. Wie verhältst

du dich, wenn du Rassismus

etwa auf Social Media bemerkst?

Rassismus, Homo- oder Transphobie und

Antisemitismus haben auf meinen Social-

Media-Kanälen absolut keinen Platz – ich

verweise auch Menschen von meinen

Portalen, und wenn es sein muss, dann

werden User auch entfernt oder geblockt.

No hate!

Du selbst wurdest oft als oberflächlich

bezeichnet und aufgrund deiner

Sexualität Zielscheibe von homophober

Häme im Netz. Verletzt dich

das?

Wirklich? Siehst du, so was weiß ich gar

nicht – ich bin so oberflächlich und desinteressiert,

dass mir solche Dinge gar nicht

auffallen. Es ist mir auch vollkommen

Wurscht, was Leute über mich sagen,

denken oder schreiben. Ich kenne auch

gehässige Kollegen, die sich am liebsten

über mich erheben. Aber: Es interessiert

mich nicht! Null, nada, niente …

Inwiefern trifft dich die Corona-

Pandemie, hast du Angst?

Die Corona-Pandemie ist eine Situation

mit der wir uns alle beschäftigen müssen,

und gewinnen kann man diese Situation

nur, wenn man sich in der für uns alle

schwierigen Situation auch über andere,

neue Wege und Lösungen Gedanken

macht. Wie es ist, kann es ja nicht bleiben.

Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst

gehen wir mit der Zeit …

Wie trifft die Pandemie den

Geschäftsmann Julian F.M.

Stoeckel?

Das kann man weder in Worten noch in

Zahlen bemessen. Meine gesamten Events

(Public Viewing zum Dschungelcamp,

meine CSD-Tour und meine „Julian F.M.

Stoeckel & Friends – die Show“) können

nicht stattfinden. Natürlich laufen meine

Fernseh- und TV Produktionen weiter,

aber am meisten bin ich froh über mein

Engagement im BKA Theater … Das rettet

mich auch vor der totalen Langeweile …

*Interview: Michael Rädel


6 STADTGESPRÄCH

AUSSTELLUNG

FOTO: M. RÄDEL

DER MIT DER FETTECKE

Dieses Jahr ist ein Beuys-Jahr. Der

am 12. Mai 1921 geborene Krefelder

Künstler war bis zu seinem Tod am 23. Januar

1986 einer DER weltbekannten Avantgardisten

der Kunstwelt aus Deutschland.

Vor allem seine „Fettecke“ brannte sich 1963

ins kollektive Gedächtnis ein: Eine Zimmerecke,

die mit einigen Kilogramm Butter

veredelt wurde. Eine pure Provokation für

viele. Und 1986 dann auch vom Hausmeister

entfernt – ein (legendärer) Skandal!

Düsseldorf/Essen: Spannende Ausstellungen

über den Aktions- und Objektkünstler

Joseph Beuys – ungewöhnliche Kunst-

Happenings – sind in Essen und Düsseldorf

geplant. Los geht es am 11. und 12. Mai in der

Kunsthalle Düsseldorf, Essen folgt im Juli.

Berlin: Dem „idealtypischen Gegenspieler“

von Andy Warhol wird dieses Jahr auf

vielfältige Weise gedacht. Zum Beispiel in

Berlin-Mitte in der St. Matthäus Kirche.

Bis September gibt es hier zum 100.

Geburtstag des Künstlers eine von dem

Joseph-Beuys-Experten Eugen Blume

kuratierte Einzelausstellung: „Der Erfinder

der Elektrizität – Joseph Beuys und der

Christusimpuls“. Diese Ausstellung widmet

sich – der Name verrät es – den christlichen

Wurzeln des Sozialphilosophen und

Humanisten, etwa seinen Herz-Jesu-

Bildchen, die er mit „Der Erfinder der

Elektrizität“ betitelte.

Ulm: Der Kunsttheoretiker und Professor

an der Kunstakademie Düsseldorf soll

versucht haben, in seiner provokanten

Kunst die Wiederherstellung der Einheit

von Geist und Natur zu erlangen. Das

klingt nach Süddeutschland ... Und in der

Tat stammten Joseph Beuys’ Materialien

unter anderem aus dem Allgäu. (Fast)

genau dort wird an sein Wirken und Werk

erinnert, zum Beispiel bei „Ein Woodstock

der Ideen – Joseph Beuys, Achberg und der

deutsche Süden“ bis Juli im Museum Ulm.

Österreich: Auch in Wien, im Belvedere

21, wird des revolutionären Künstlers

gedacht, der in dem Wirken Jesu auch einen

Freiheits- und Heilungsimpuls sah, den er in

seiner Kunst ausdrückte. Joseph Beuys war

in Wien sehr präsent, etwa an der Hochschule

für angewandte Kunst, an der Beuys

1980 als Gastdozent unterrichtete. Hier

inszenierte der Künstler 1983 die Pflanzung

von Bäumen für seine weltweite Aktion

„7000 Eichen“. Die aktuelle Ausstellung

„Joseph Beuys – Denken. Handeln. Vermitteln.“

ist bis zum 21. Juni zu sehen. *rä

www.belvedere.at/joseph-beuys,

www.stiftung-stmatthaeus.de,

www.beuys2021.de, www.museumulm.de

FOTO: M. RÄDEL

STREET-ART

„Sachbeschädigung“, die zum Denken

anregt

Eine Ausstellung zu Ehren

Banksys eröffnet in Berlin ihre

Pforten. „The Mystery of Banksy –

A Genius Mind“ startet ab dem 16.

April in der STATION-Berlin. Graffitis,

Installationen und Paste-ups – dieser

legendäre, vermutlich 1974 in Bristol in

England geborene Künstler hat Street-Art

und Graffiti-Installationskunst seit 2000

zum Kult gemacht. „Sachbeschädigung“,

die zum Denken anregt und für immense

Summen verkauft wird. Aufsehen erregte der hier

gewürdigte Künstler auch, als sich eines seiner

Kunstwerke 2018 direkt nach der Versteigerung

vor laufenden Kameras teilweise selbst zerstörte.

Bis heute ist die Identität Banksys ungeklärt. *rä

Bis 1.8., The Mystery of Banksy – A Genius

Mind, STATION-Berlin, Luckenwalder Str. 4 – 6,

www.themysteryofbanksy.de


STADTGESPRÄCH 7

COMIC

Lucky Luke &

Ralf König

1946 erschien der Westernheld

zum ersten Mal auf der

Comic-Bildfläche und wurde

schnell Kult. Lucky Luke

glänzte in Filmen, Comics,

als Hörbuch und als Aufkleber.

Und neuerdings auch

auf Social Media.

Dieses Jahr wird der coole Cowboy 75

Jahre jung, einer seiner prominentesten Fans ist der Kölner

Comic-Meister Ralf König. Und der widmet 2021 dem

schnoddrigen Reiter mit seinem treuen Hund Rantanplan

** einen ganzen Comic: „Zarter Schmelz“.

Schwule Lust, Native Americans, Eisenbahnen und

Saloons, Pferde, Knarren und Kakteen, Viehtriebe, Planwagen

– und turbulente Abenteuer: Lucky Luke @ Ralf König

bietet jede Menge Spannendes, auf das man sich freuen

kann. Der Ralf-König-Comicband „Zarter Schmelz“ soll

im Rahmen einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen

zu Ehren des legendären Cowboys mit den engen Jeans

und dem Grashalm im Mund erscheinen. Für März ist

zudem „Lucky Luke, Band 100: Die Ursprünge – Western

von Gestern“ geplant. „Dieses Album zum 75. Geburtstag

des Western-Helden, mit der Nummer 100, enthält die

ersten beiden Lucky-Luke-Geschichten, die noch nie im

Rahmen der regulären Albenreihe erschienen sind. Die

erste Auflage kommt mit einer Goldfolie veredelt“, verrät

der Verlag. *rä

Marienfelder Allee 212,

12279 Berlin

Termine auf doctolib.de

Öffnungszeiten

Mo. 9 - 14 Uhr

Di. 9 - 12 & 14 -18 Uhr

Mi. 9 - 12 Uhr

Do. 9 - 12 & 14-18 Uhr

Fr. 9 - 12 Uhr

Telefon: 030 / 7231896

www.egmont-comic-collection.de

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe

BILDER: © LUCKY COMICS

2021 – ALL RIGHTS RESERVED

BY RALF KÖNIG

** Dieser

(ehemalige)

Gefängnishund

war zum ersten

Mal 1960

dabei, ab 1985

gab es extra

Comics mit dem

verfressenen

Vierbeiner.


8 STADTGESPRÄCH

VICTORIA

BACON

„Bin total happy

damit“

Montag bis Freitag erfreut die RTL-II-Serie

„Berlin – Tag & Nacht“ einer große Fangemeinde

vor den Fernsehern und Rechnern

– hier kann man die Soap auch bei TVNOW

in der Mediathek genießen. Neu dabei ist die Berliner

Dragqueen Victoria Bacon, für uns hatte die Schauspielerin

Zeit für ein Telefonat.

FOTO: SELFIE

Wie kamst du zur Serie?

Ich wurde von der Produktionsfirma

angeschrieben, die mich auf Social Media

entdeckt hatte, dass sie eine Dragqueen

suchen. Ich dachte dann erst mal, dass

es um eine einmalige Sache geht, etwa

„Dragqueen tanzt auf einer Party im Hintergrund“.

Aber es sollte tatsächlich eine

regelmäßig auftauchende Rolle besetzt

werden.

Wie ging es weiter?

Natürlich habe ich liebend gern am Casting

teilgenommen. Es gab Telefoninterviews

und ich habe Bewerbungsvideos erstellt.

Du hast überzeugt und hast die

Rolle. Bist du denn mit dieser

zufrieden?

Ich bin total happy damit! Victoria ist eine

gute Freundin der Mädels im Friseursalon

geworden, tröstet bei Liebeskummer, ist

für jeden Spaß zu haben und bringt Stimmung

in die Bude. Bei Gossip und Dramen

mischt sie gerne mal mit, es macht Spaß,

sie zu spielen.

Wie lange ist die Rolle denn

angelegt?

Das darf ich nicht verraten, aber wir drehen

noch, man kann sich also auf die kommenden

Monate mit mir freuen…

Hast du noch weitere Pläne in

Sachen Schauspielerei?

Es ist ein Thema, das mich interessiert und

mir Spaß macht. Nicht unbedingt nur vor

der Kamera, auch ein Bühnenprogramm

könnte ich mir vorstellen.

Eine Frage habe ich noch: Was hat es

mit deinem Nachnamen auf sich?

Du meinst Bacon? Das ist eine kleine

Referenz an Victoria Beckham, ich wollte

einen internationalen Nachnamen!

Es ist also keine Parodie auf

Conchita Wurst?

Nein, Wurst und Bacon … Es sind zwar

beides Fleischgerichte, aber Conchita

hatte nichts damit zu tun. (lacht)

*Interview: Michael Rädel

www.facebook.com/

victoria.bacon.berlin,

www.instagram.com/bacon.victoria

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STADTGESPRÄCH

9

DHL hisst Regenbogen

Bunt, groß und außergewöhnlich ist der Auftrag, der bei der Wuppertaler Firma Fahnen Herold hereingeflattert ist: 750

Regenbogenfahnen sind in den Produktionshallen angefertigt worden. Auftraggeber war der Logistikkonzern Deutsche Post

DHL, der damit ein starkes Zeichen rund um die Themen Diversität und Akzeptanz setzt.

Die Regenbogenfahnen wurden am

17. Mai, dem „Internationalen Tag gegen

Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“

an zahlreichen Betriebsstätten der

Deutschen Post in der gesamten

Bundesrepublik gehisst. „Wir setzen ein

starkes Zeichen für Diversität. Mir ist kein

Unternehmen in Deutschland bekannt,

das je eine Diversity-Aktion in solch

einer Größenordnung umgesetzt hat“,

sagt Initiator Peter Steinhoff von der

Deutschen Post.

Das unternehmensinterne Netzwerk

RainbowNet wurde 2008 für LGBTI-

Beschäftigte gegründet. Es soll dazu

beitragen, dass alle Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter ungeachtet ihrer sexuellen

Orientierung und geschlechtlichen Identität

unbelastet ihrer Arbeit nachgehen

können, um einen Raum für Erfahrungsaustausch

zu ermöglichen. Das Netzwerk,

das nicht nur in Europa, sondern auch in

Asien, Südamerika und den USA Mitglieder

hat, unterstützt Beschäftigte und

Führungskräfte in beratender Funktion.

Der Konzern vereint Menschen aus einer

Vielzahl von Kulturkreisen und kulturellen

Hintergründen. Dies spiegelt sich auch

im Motto des Diversity-Managements

wider: „Alle verschieden - gemeinsam

erfolgreich“. Der Konzern bekennt sich

darüber hinaus ausdrücklich zu Chancengleichheit,

was im Verhaltenskodex

sowie in der konzerneigenen Erklärung

zu Vielfalt und Inklusion hervorgehoben

wird. Deutsche Post DHL Group feiert

seit mehreren Jahren im Monat Mai eine

gesamte Diversity Week.

www.dpdhl.com

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10 STADTGESPRÄCH

PAVLO

STROBLJA:

NACHGEFRAGT

„Lerne, gestalte,

bestärke,

transformiere“

FOTO: E.REMO

Auf Social Media versorgt der

Münchner als Coach seine Follower

mit guten Vibes und guten Gedanken. Wir

fragten nach.

Was genau macht ein LGBT-Coach?

In meiner Tätigkeit unterstütze ich queere

Menschen in ihrer persönlichen und

beruflichen Entwicklung. Basierend auf

den Erfahrungen aus den letzten Jahren,

stellte ich einen Kurs mit Theorie und

praktischen Übungen zusammen, der aus

vier Modulen besteht:

Lerne aus deiner Vergangenheit

Gestalte dein Mindset

Bestärke dich selbst

Transformiere deine Zukunft

LGBT-Coaching hilft dabei, die emotionalen

Blockaden zu erkennen und zu

lösen und dadurch mehr Klarheit und

Selbstbewusstsein zu gewinnen. Im

beruflichen Umfeld werden die Klienten

erfolgreicher, weil sie lösungsorientierter

sind, effizienter kommunizieren

und an weniger Konflikten beteiligt

sind.

Wie nutzt du Instagram dafür?

Gerade in den Zeiten des Lockdowns,

wenn die „analogen“ Beratungsstellen

geschlossen bleiben, ist es wichtig, die

Mitglieder der LGBTIQ*-Community

aufzufangen und zu unterstützen. Auf

Insta kommuniziere ich kleinere „Häppchen“

aus meinem Coaching-Konzept,

die einen gewissen Mehrwert für die

Nutzer bringen. Sehr gut angekommen

waren zum Beispiel die Impulse zum

Thema Resilienz oder Tipps zum

Ausbau eines starken Netzwerks.

Was macht für dich den Reiz und

Nutzen von Social Media aus?

Für den Austausch mit der Community

nutze ich verschiedene Plattformen.

Social Media bieten eine hervorragende

Möglichkeit, auf täglicher Basis bestimmte

Inhalte und Themen zu transportieren und

ein unmittelbares Feedback zu erhalten.

Du lebst in München, was magst du

an der Bayernmetropole?

Vom Sternzeichen bin ich Stier und mein

Element ist Erde. An München schätze ich

sehr die Nähe zu den Bergen. Die Ausflüge

ins Grüne helfen mir, meine Batterien

aufzuladen und achtsam zu bleiben.

*Interview: Michael Rädel

www.instagram.com/pavlo.stroblja

TRAVESTIE

RuPaul’s Drag Race:

Barbie Breakout und Conchita Wurst

Zwei, die es wissen und können,

kommentieren immer freitags in

einem wöchentlichen Podcast die

Episoden der 13. Staffel der Show

„RuPaul’s Drag Race“. Klingt nach

Spaß und Hörgenuss. Und ist es auch.

Wie das abläuft? In BartSchatten – „Ich

bin der Bart, du die shady bitch“, so Conchita

zu Podcast-Partnerin Barbie – wird die gerade

angelaufene 13. Staffel der weltweit erfolgreichen

Show von RuPaul unter die Lupe genommen. Die

Regeln werden erklärt, die Shows rezensiert und

vor allem die Kandidatinnen vorgestellt. Warum

sollte man sich das anhören? Beide Dragqueens

kennen „RuPaul’s Drag Race“ sehr, sehr genau,

sind große Fans der Show und kennen auch einige

der RuPaul-Drags persönlich. „Du bist definitiv die

Königin von Drag Race“, bauchpinselt Conchita

dann auch Barbie. „Ich bin eben auch älter“, verrät

die kichernd. Äußerst unterhaltsam anzuhören,

informativ und auch lustig. „Am Ende isses doch

auch a Spaaaß“, so Conchita. Ja, genau. Danke!

Gut zu wissen: Es ist tatsächlich Conchitas

erster Podcast. Ursprünglich wollte sie „Pandoras

Büchse“ in Sachen Podcasts nicht öffnen: „Mache

ich einen, mache ich alle“. *rä

Hier geht es zum Podcast:

www.instagram.com/bartschattenpodcast


STADTGESPRÄCH 11

HAPPENING

Queere bildende Künste bei instinct.berlin

Bis Mitte Mai ist ein Community-Kunst-

Happening geplant, bei dem auch

namhafte Künstler wie Rinaldo Hopf, Ema

Discordant sowie Keen & Tchivett ihre

Kunst erlebbar machen wollen: „instinct.

berlin #inBETWEEN“.

Ort des queeren Treibens ist das Village

Community Center Berlin an der Kurfürstenstraße

31/32. Neben den bereits

erwähnten Künstlern kündigt Kurator

Eric Le Rouge noch folgende Kreative an:

Gonzalo Orquin, Robert Leveroos, Salvatore

Siciliano, Toni Karat und Swann Clément.

Das große Thema ist natürliche die

aktuelle Lage, dieses mitunter angsterfüllte,

angespannte und wütende Verharren,

das Hoffen, die Sorgen, das Warten auf

bessere Zeiten nach der Pandemie. „Weder

hier noch dort. Ein Zustand des Wartens.

Eine Zeit, um langsamer zu werden und

auf Aktivitäten zu achten, zu denen wir

nicht immer kommen. Eine Zeit, um unsere

Stimmen zu beruhigen und zuzuhören, was

in uns vorgeht. Wir tun dies für uns selbst

und füreinander“, so beschreibt Eric Le

Rouge via E-Mail an uns diese Zeit.

Doch sind wir Queers – und zwar nicht erst

seit der Aids-Krise in den 1980ern – nicht

erprobter, solches auszuhalten?! „Queere

Menschen mussten eine ganze Kultur des

Lebens im Unbekannten, des Lebens am

Rande und des Kampfes ums Überleben

entwickeln. Nur allzu oft mussten Queers

in diesen Einschränkungen Möglichkeiten

finden“, so Eric. Sind wir also geübter als

die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft?

Ja. Nein? Genau damit beschäftigt sich

„instinct.berlin #inBETWEEN“. Los geht

der Kunst-Event am 29. April um 18 Uhr

mit einer Performance von Rob Talin, ein

weiteres Highlight ist am 9. Mai dann eine

Performance von Keen & Tchivett. *rä

www.instinct.berlin

Bild: Rinaldo Hopf „Social Distancing – Grande Grazie“

INTERNET

Blogger, Influencer,

Models ...

Das ist ja immer so eine Sache mit den Bloggern

auf Social Media. Manche sind zu belehrend,

andere zu kommerziell, andere schwurbeln

Verschwörungstheorien.

Und manche haben sich leider zu regelrechten

Trollen entwickelt, die immer nur für Stunk sorgen,

die lieber Anklagen posten, als sich wirklich

eingehend mit der Person, dem Fall zu beschäftigen,

statt Entschuldigungen anzunehmen, Weiterentwicklungen

zu bemerken oder einfach fair

zu kommentieren. Eher in die Kategorie „Zucker

fürs Auge“ fällt Steve aus Norddeutschland. Sein

Instagram-Account bespaßt mit etwas Mode,

etwas Erotik, etwas Werbung und viel „good vibes

only“. Und das gefällt doch fast jedem, oder?!

Wir sind gespannt, wie sich dieser Newcomer

weiterentwickelt. *rä

www.instagram.com/

deine_traume_werden_wahr


12 STADTGESPRÄCH

GANZ NEU:

art.berghain

NACHGEFRAGT

BILD: WWW.INSTAGRAM.COM/ART.BERGHAIN

FOTO: M. RÄDEL

Den Dresdner Künstler Søren

Zschocke haben wir dir schon einmal

mit einem Interview nähergebracht.

Jetzt hat er ein neues Projekt am Start:

art.berghain.

Wie inspirierte dich das Berghain?

Das Berghain ist ein Schutzraum

gewesen. Dort wollten die Leute Spaß

haben auf ihre Art und Weise. Dafür

wurde er erschaffen und darin liegt auch

die Verantwortung des Betreibers.

Gerade ist der Klub ein Museum.

Sollte das nach Corona in einigen

Räumen dort so bleiben?

Wenn sich der neu hinzugekommene Charakter

als Kunstmuseum wieder entfernt,

finde ich die Aktion unglaubwürdig, was

die Message angeht. Da komme ich auch

gleich auf die dritte Frage …

Wie weit darf Kunst gehen in Sachen

Sex?

Kunst hat immer auch mit Freiheit zu

tun, und Freiheiten gab es vor Corona im

Berghain auch zu erleben. Wenn jetzt die

Kunst wieder gehen darf und nur die Party

wiederkäme, so ist das für mich unglaubwürdig.

Kunst darf alles, begeistern und

provozieren. So auch das Berghain, aber

nur gemeinsam mit den Kunstwerken!

*Interview: Michael Rädel

www.instagram.com/art.berghain,

www.instagram.com/studiozschocke

FESTIVAL

Verschoben in den Sommer:

15. XPOSED

Das internationale Community-Filmfestival hat ein

neues Datum und findet nun mehrtägig im August statt.

Queere Filme können noch bis zum 16. Juli eingereicht

werden.

„Die 15. Ausgabe des XPOSED Queer Film Festival Berlin findet

vom 11. – 15. August 2021 statt. Das Festival wird aufgrund der

durch Covid-19 bedingten Einschränkungen vom ursprünglichen

Festival-Zeitraum im Mai auf den Sommer verschoben.“ 2020

fiel der queere Film-Event aufgrund der notwendigen Maßnahmen

zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leider aus, 2021 soll

er stattfinden, so zwei der Masterminds, Merle Groneweg und

Bartholomew Sammut, die sich zusammen mit dem gesamten

Team nicht nur darauf freuen, sondern auch schon vorbereiten.

„Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass uns die Sommerzeit

mehr Möglichkeiten für ein Zusammenkommen unter

Beachtung aller Schutzmaßnahmen bietet – beispielsweise im

Freiluftkino. Deshalb möchten wir die 15. Ausgabe von XPOSED

im Berliner Sommer veranstalten.“ Zugleich wird dieses Jahr

der 15. Geburtstag begangen! Wir gratulieren. Und wir hoffen.

„Ob das 15. XPOSED Queer Film Festival Berlin als eine hybride

Edition mit analogen und digitalen Aufführungen oder als

komplett digitale Ausgabe stattfindet, wird gemeinsam mit der

Veröffentlichung des Programms im Juli bekanntgegeben.“ *rä

11. – 15.8., XPOSED International Queer Film Festival,

www.xposedfilmfestival.com


STADTGESPRÄCH 13

STREAMING

Berliner Stern bei „Hashtag Daily“

Ausgezeichnet in Cannes und beliebt bei der queeren TikTokund

Instagram-Community, das ist die Online-Serie „Hashtag

Daily“, die in der Tat mit durchaus gelungenen Handlungssträngen und

jetzt auch mit Prince Damien, dem einstigen „Ich bin ein Star – Holt

mich hier raus!“-Gewinner erfreut.

Darauf sollte man den Musical-Stern aber

bitte nicht reduzieren! Prince Damien

liefert seitdem beste Arbeit ab und wurde

nicht zum Opfer der Medienmaschinerie.

Um die es übrigens auch bei dieser Serie

geht. Im Frühling startete die 5. Staffel

der Webserie „Hashtag Daily“, seit einigen

Wochen ist dann auch Prince Damien

mit dabei. Es ist übrigens der erste

Schauspiel-Job des Sängers und Tänzers,

man mag es kaum glauben. Die Webserie

wurde 2020 beim Filmfest Cannes als

NEXT-Projekt ausgezeichnet, wird also

sogar international wahrgenommen. Produziert

wird diese Soap über Social Media

und Influencer in München und Nürnberg

von Schauspielerin Anna Juliana Jaenner

(„GZSZ“, RTL), die selbst auch eine der

Hauptrollen spielt. „Wir begleiten einen

Freundeskreis aus erfolgreichen jungen

Schauspielern, Influencern und Tänzern.

Ihr Leben scheint perfekt zu sein, ganz im

Sinne der makellosen Social-Media-Welt.

Doch der Schein trügt“, verrät sie via

E-Mail. Jede Folge dauert nur etwa fünf

Minuten, kann man sich also auf dem

Weg zur Arbeit oder in der Kaffee- oder

Teepause gönnen. *rä

www.tiktok.com/@hashtagdaily

FOTO: I. ERBILEN

PLASTISCHE CHIRURGIE

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14 KULTUR

NACHGEFRAGT

Er produziert Kunst, ist Obmensch

von ĀRT HOUSE und

spielt Viola da Gamba und Kontrabass.

Wir chatteten mit dem

Künstler.

FOTO: VINCENT NANTEZA

GEORG KRONEIS:

„Schwierige Zeiten bringen immer auch

Chancen ...“

Corona hat das Musikleben fast

völlig zum Erliegen gebracht. Wie

geht es dir damit?

Schwierige Zeiten bringen immer auch

Chancen mit sich. Schon als uns vor

einem knappen Jahr der erste Lockdown

erwischt hat, habe ich angefangen,

nach künstlerischen Alternativen

zu suchen. Zum Glück habe ich ein paar

Partner, die das genauso sehen. Zusammen

haben wir einen neuen Verein

gegründet, ĀRT HOUSE, und als Erstes

einen digitalen Salon aufgezogen.

Durch die neuen Kommunikationstools

wie Zoom ist es jetzt eigentlich ganz

leicht, sich zu vernetzen, auch wenn

man in Quarantäne sitzt oder Tausende

Kilometer voneinander entfernt ist.

Und wir besprechen dort in einer

superinteressanten und diversen Runde

ganz grundlegende Fragen, von Gender

und Politik bis hin zur Zukunft der

Kunst. Natürlich war das erst einmal

eine Vollbremsung, ich war gerade von

meiner ersten Australientour zurück, als

der Lockdown kam. Ich muss dennoch

ehrlich sagen, ich arbeite seitdem

bestimmt nicht weniger.

Zumindest ist ja ein Ende

abzusehen …

Aber ich denke, die Szene wird sich

nachhaltig verändern, und auch das

Publikum. Ich spiele ja durchaus auch

jetzt noch immer wieder, CD-Aufnahmen,

Live-Streamings, was eben erlaubt ist. Es

ist eben nicht selbstverständlich, dass die

Leute in unsere Programme strömen. Ich

glaube, wir müssen uns wirklich viel mehr

Gedanken darüber machen, was wir den

Leuten erzählen wollen und wie.

Hat das auch mit deiner Sexualität

zu tun?

Nicht unmittelbar, aber im weiteren Sinne

schon. Die klassische Musik hatte schon

vor Corona viele Probleme. Zu Recht wird

sie oft als abgehoben wahrgenommen.

Diversität ist kaum sichtbar, alte

Rollenmodelle wie der männliche Dirigent

oder der gottgleiche Intendant spielen

immer noch eine große Rolle. Mit meinem

Ensemble FETISH BAROQUE – Musiker

aller Sexualitäten in Leder spielen klassische

Musik – gehen wir bewusst dagegen

an. Das ganz große Projekt, an dem wir

gerade arbeiten, ist eine Aufführung von

Bachs berühmter „Kaffeekantate“ in

queerem Kontext. Das kaffeesüchtige

Liesgen ist bei uns ein Mann im Comingout.

Das Ganze spielt in einer kleinen

Bar mit Talentbühne, Crossdressern und

Transmenschen. Dass dabei richtige

Klassikstars wie Philipp Mathmann und

Dietrich Henschel mitmachen, darauf bin

ich richtig stolz.

Produzierst du nur, oder spielst du

auch mit?

Haha, natürlich spiele ich mit … ich hab

mir auch schon den passenden Song

ausgesucht: „Ich weiß nicht, zu wem ich

gehöre …“

Das ist aber hoffentlich nicht

autobiografisch …

Na klar doch, schließlich endet der Song

so: „Ich glaub, ich gehör nur mir ganz

allein.“ Und damit kann ich mich durchaus

identifizieren. (grinst breit)

*Interview: Michael Rädel


KULTUR 15

PODCAST

Lässt grinsen und

motiviert:

FOTOS: WWW.INSTAGRAM.COM/SCHWEISSAUSBRUCH_PODCAST

SCHWEISSAUSBRUCH

„Jeden Freitag überall, wo es Podcasts gibt“,

kannst du Adrianos Fitness-Beiträge hören und

nicht nur bestens unterhalten werden, du bekommst

auch richtig Lust, selbst zu sporteln.

Und das geht auch, wenn die Fitnessstudios

aufgrund der notwendigen

Maßnahmen zur Bekämpfung der

Corona-Pandemie leider noch

geschlossen sein müssen. Wer beim

Lachen nicht schwabbeln will und keine

Lust auf Schwimmringe beim Sitzen

oder Hüftgold unterm T-Shirt hat, der

muss vor allem viel Sport machen und

zudem leicht hungrig ins Bett gehen.

Das ist scheinbar einfach so. Oder

nicht? Dieser Podcast klärt auf. Was

nicht heißen soll, dass Queer sich nicht

wohlfühlen soll, wenn Queer etwas mehr

auf den Hüften hat. Jeder Körper ist

schön! Wenn du aber an deinem Körper

etwas arbeiten willst, schon wegen der

besseren Laune durch Bewegung, dann

gilt: Für eine optimale Fettverbrennung

musst du (leider) das ganze Jahr

über an deiner Kondition arbeiten.

Bei gleicher Anstrengung verbrennen

Menschen mit guter Ausdauer doppelt

so viel Fett wie Sportmuffel. Woran das

liegen soll? Nun, man vermutet, dass

Ausdauersportarten die Produktion von

Enzymen anregen, die die Fettverbrennung

fördern. Man geht davon aus, dass

regelmäßiges Training die Produktion

dieser Biokatalysatoren anregt und die

Fettverbrennungskapazität von Muskeln

steigert. Rugby-Fan Adriano von www.

instagram.com/schweissausbruch_podcast

weckt den Sportler in dir. Und

wenn nicht, dann auch gut, denn du bist

schön, so wie du bist. Funfact: Prominenter

Hörer des Berliner Podcasts ist

Künstler, Choreograf und Model Darwin

Stapel. *rä

www.instagram.com/

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16 KULTUR

NACHGEFRAGT

MARTIN TIETJEN:

„Humor ist natürlich eine absolute

Geschmackssache“

Buchautor, Moderator, Blogger – diesen

Kerl kennt man unter anderem vom NDR,

RTL, seinem Buch „Selbstrufmord“ und

auch durch FluxFM Hamburg. Mittlerweile

lebt Martin auch nicht mehr in seiner

einstigen Wahlheimat Berlin, sondern in

der schmucken Hansestadt Hamburg. Zeit

für ein Interview!

Du wohnst in einer WG in Hamburg.

Mit wem, warum? Und warum

Hamburg?

Mir war Berlin irgendwann zu viel. Ich hatte

das Gefühl, dass ich irgendwann alles gesehen

und erlebt habe, und ich hatte Lust,

wieder in meine Heimatstadt Hamburg

zu ziehen. Da kamen eh ein paar Sachen

zusammen. Mein Ex, sein anschließender

Ex und ich wollten zusammenziehen. Klingt

jetzt strange, aber irgendwie haben wir es

alle geschafft, nach der Liebe eine echte

und aufrichtige Freundschaft zu behalten.

Andre und Hannes sind mittlerweile wie

Familie für mich, und daher kam die Idee,

eine Erwachsenen-WG zu gründen. So

richtig mit spießigem Einfamilienhaus in der

Vorstadt. Jeder hat seinen eigenen Bereich

und gelegentlich trifft man sich im Garten,

um mit unseren Hunden zu spielen.

Ist eine WG eine feine Sache in

Pandemiezeiten oder geht man sich

eher auf den Keks?

Die WG war unsere zufällige Rettung. Im

März 2020 sind wir in das Haus gezogen.

Quasi direkt vor dem ersten Lockdown. Ich

glaube, wenn wir das nicht gemacht hätten,

wären wir alle einsam in unseren jeweiligen

Wohnungen eingegangen. In der ersten

Zeit haben wir von dem Lockdown auch

kaum was mitbekommen. Wir waren so

damit beschäftigt, das Haus zu renovieren

und einzurichten, dass bei uns der Corona-

Blues erst im zweiten Lockdown eingesetzt

hat. Natürlich fehlt es mir, auszugehen und

zu feiern, aber „three is a party“. Langweilig

wurde uns bisher nicht, und da jeder genug

Platz für sich hat, geht man sich auch echt

wenig auf den Keks.

Wie hat sich dein Arbeitsleben

durch Corona verändert? Mehr

Homeoffice?

Als der erste Lockdown kam, hatte

ich wirklich für ein paar Wochen Panik

im Gesicht stehen. Fest zugesagte

Jobs wurden abgesagt, mein zweites

Buchprojekt wurde auf Eis gelegt und der

„Let’s Dance“-Podcast, den ich zu dem

Zeitpunkt für RTL gemacht habe, wurde

auch infrage gestellt. Reisen nach Köln ins

TV-Studio waren halt nicht mehr wirklich

möglich. Auch für das Buch war eigentlich

geplant, mit meinem Bruder auf eine Reise

zu gehen. Nach ein paar Tagen Stillstand

und Ratlosigkeit hat man sich aber schnell

an die Situation angepasst. Der Podcast

wurde ins Homeoffice verlegt, und da es

generell einfacher ist, Audio-Jobs leichter

coronakonform umzusetzen, habe ich im

August angefangen, für FluxFM in Hamburg

die Morningshow zu moderieren.

Du hast ein neues Projekt am Start:

Postkarten.

Ja, das war eher eine Schnapsidee, die

auf einmal ernst wurde. Hannes, der Ex

von meinem Ex, und ich haben eine Firma

namens FCK YOU CARDS gegründet. Wir

verkaufen lustige, fiese und aufmüpfige

Grußkarten. Aber fangen wir vorne an.

Wir beide waren auf einen Geburtstag

eingeladen und wollten zur Flasche Wein

noch eine Karte besorgen. Nachdem wir

im Grußkartenregal aber nur kitschige und

spießige Grußkarten finden konnten, dachten

wir uns: „Wie lustig wäre eine Karte,

auf der einfach nur steht: „Ich find dich

scheiße, aber deine Partys sind geil – Happy

Birthday!“

Aus dieser Idee sind mithilfe von Bier

und einem befreundeten Grafiker dann

insgesamt zwölf Sprüche und

Designs entstanden. In einem

selbst gezimmerten

Webshop fingen wir

an, die Karten zu

verkaufen, und

waren etwas

erschlagen

von den

FOTO: M. RÄDEL

immer mehr werdenden Bestellungen.

Denn eigentlich war FCK YOU CARDS nur

als kleines Spaß-Business an der Seite

gedacht. Aber wir hatten Bock, die Idee

größer werden zu lassen. Ziemlich schnell

bin ich dann provisorisch zu Hannes in

seine Wohnung gezogen. Das war, bevor wir

zusammen in eine WG gezogen sind. Wir

bauten das Wohn- und das Schlafzimmer

im 5. OG zum Lager um, und ich baute mir

in der Küche ein Hochbett auf, damit ich

einen Platz zum Schlafen hatte.

Unsere sehr vorstädtischen und

konservativen Eltern waren zuerst gar

nicht davon angetan, was ihre Söhne da

für „furchtbare Sprüche“ verkaufen, aber

irgendwann mussten auch sie anerkennen,

dass es für den ganzen „Unsinn“ wohl eine

echte Nachfrage gibt. Bis heute haben

wir 500.000 Karten verkauft und unser

Sortiment umfasst über fünfzig Motive zu

den Themen Geburtstag, Weihnachten,

Liebe, Freundschaft und Ostern. Und es

gibt sogar ein Happy End: Um die ganzen

Bestellungen bearbeiten zu können, helfen

unserer Mamas beim Verpacken und

Versenden der Karten mit.

*Interview: Michael Rädel

Das ganze Interview findet ihr auf

männer.media. Mehr Features dieser Art

gibt es auf Instagram/blumediengruppe.


KULTUR 17

STREAMING

FOTOS: ARD DEGETO / ANDREA HANSEN

ARD mit schwuler Serie

Der Wonnemonat wirft seinen Schatten

voraus, nein, er lässt seinen queeren

Schein strahlen: Ab Mai soll die Serie „All

You Need“ über den Alltag vierer schwuler

Männer in der ARD-Mediathek zu sehen

sein – in einem für die junge Zielgruppe

maßgeschneiderten Shortform-Format,

fünf Folgen à 20 Minuten. Die Serie gibt es

ab 7. Mai in der ARD-Mediathek zu sehen.

Sie wird am 16. Mai auch auf ONE ausgestrahlt.

*rä

„Noch immer werden im deutschen Fernsehen

Charaktere aus der LGBTIQ*-Community

hauptsächlich als Nebenfiguren erzählt.

Ich freue mich, dies mit All You Need

ändern zu können. Und das ist hoffentlich

nur der Anfang“, so Regisseur Benjamin

Gutsche. „Wir fangen endlich an, auf den

Bildschirmen abzubilden, wie unsere

Gesellschaft wirklich aussieht. So rückt

Diversität ganz selbstverständlich in die

Mitte unserer Arbeit“, ergänzt Nataly Kudiabor,

Produzentin UFA Fiction **. Worum

geht es in der Serie, die unter anderem im

SchwuZ und in der Sauna Boiler gedreht

wurde? Um Themen, die jeden betreffen

können, natürlich in geballter Serienfassung

und aus der queeren Perspektive (obwohl

die Hauptdarsteller alle heterosexuell sind

...): „Die langjährige Beziehung, die plötzlich

vor der Zerreißprobe steht. Der finanzielle

Schuldenberg, der unaufhörlich wächst. Der

One-Night-Stand, der nicht lockerlässt. Der

Lebenstraum, der wie eine Seifenblase zu

platzen droht. Die große Liebe, die unerwidert

bleibt. Die Dramedy-Serie behandelt

universelle Themen, mit denen sich jeder

identifizieren kann“, wird schriftlich vorab

verraten. Die Serien-Charaktere sind: Langzeitstudent

und Nachtschwärmer Vince

(29), der geheimnisvolle Robbie (27, kleines

Bild rechts), der zum Spießer mutierende

Webdesigner Levo (34) und der erst spät

geoutete Familienvater Tom (43). Schwuler

Serienspaß mit Drama, Leidenschaft und

einem diversen Cast, wir sind gespannt!

VIER FRAGEN

Frédéric Brossier, der den Robbie spielt,

hatte Zeit für einen kurzen Chat mit uns.

Es wurde im Vorfeld kritisiert, dass

keiner der Hauptcharaktere im realen

Leben wirklich schwul lebt, wie

stehst du dazu?

Ich kann die Irritation nachvollziehen

und gleichzeitig habe ich nicht in diesen

Kategorien gedacht, als man mir die Rolle

angeboten hat. In einer Liebesbeziehung,

die gezeigt wird, interessiert mich die sexuelle

Ausrichtung der Schauspieler*innen

nicht. Ich persönlich hätte es sogar schwierig

gefunden, wenn mich die Produktion

bei den Casting-Aufnahmen nach meiner

sexuellen Orientierung gefragt hätte. Der

Anstoß von Kampagnen wie #ActOut, die

dieses Jahr veröffentlicht wurde, verändert

sicherlich bei zukünftigen Produktionen die

Besetzungsprozesse von queeren Rollen.

Berührungsängste gab es nicht?

Da ich vor der Kamera generell noch nie

jemandem so nahe gekommen bin, war

ich sehr gespannt, wie die Situation dann

sein würde. Ich habe aber schnell Vertrauen

in meine Kollegen und das Team gefasst,

sodass ich mich gut aufgehoben gefühlt

habe.

Warum ist diese Serie wichtig?

Einfach, weil es immer noch einen großen

Teil unserer Gesellschaft gibt, der im

Fernsehen nicht stattfindet. Es ist längst

überfällig, dass es auch hierzulande eine

Serie mit queeren Hauptrollen gibt. Dabei

sollte das doch 2021 eine Selbstverständlichkeit

sein. Als ich meinen Freunden aus

der Heimat erzählt habe, dass ich Robbie

spiele, waren sie erst einmal ein wenig

erstaunt. Das hat mich aber auch noch mal

mehr darin bestätigt, diese Rolle spielen

zu wollen! Ich habe auch das Gefühl, dass

immer mehr Bewusstsein für die Vielfalt

unserer Gesellschaft entsteht und dass

vor allem in der jüngeren Generation viel

mehr Offenheit dafür herrscht. Deshalb

ist es schön, daran anknüpfen zu können

und dies mit einer Serie wie „All you need“

weiter zu fördern.

Was erhoffst du dir von der Serie?

Ich erhoffe mir, dass die Leute bei der Serie

in vielerlei Hinsicht mitfühlen und erleben,

dass Liebe nichts mit der Sexualität zu tun

hat. Liebe ist frei und es ist egal, ob ich als

Mann einen Mann liebe, als Frau eine Frau

oder als Mann eine Frau – oder eben divers.

Das Schöne an dieser Produktion für uns als

Schauspieler war, dass auch wir uns in die

Figuren verliebt haben.

www.ardmediathek.de

** Die UFA Fiction produziert damit erstmalig Content im

Auftrag der ARD Degeto exklusiv für die ARD-Mediathek


18

KULTUR

NACHGEFRAGT

FELIX RÄUBER:

„Ich denke, dass wir in besserer Balance mit

der Umwelt leben müssen“

Der in Dresden und Berlin

lebende Sänger ist seit seiner

Band Polarkreis 18 erfolgreich im

Geschäft, wir sprachen mit ihm

über Sachsen, Corona und auch

neue Musik.

Gerade hast du neue Musik

veröffentlicht.

Ja, „Autsider“, meine neue Platte. Sie ist

der Abschluss meiner Solo-EP-Triologie

„Wall“, „Me“ und „Autsider“, auf denen

ich gesellschaftspolitische Themen mit

Cinematic Pop verarbeite.

Du thematisierst auch deine Wurzeln

in der DDR.

Als die Wende kam, war ich sechs Jahre alt

und meine Eltern mussten sich beruflich

neu- und umorientieren und hatten

wenig Zeit für mich. Etwa zur selben

Zeit erwachte meine Liebe zur Musik. Es

war eine Flucht aus der Einsamkeit, eine

Kompensation. Das A am Anfang von

„Autsider“ steht für Autismus, weil ich

mich, wenn ich Musik mache, in meinen

eigenen autistischen Raum zurückziehe.

Wie stehst du zum Thema Ostalgie?

Ich komme aus Sachsen und habe dort –

obwohl ich seit etwa zehn Jahren in Berlin

lebe – auch immer noch einen Wohnsitz,

Familie und Freunde. Dort hat sich ganz,

ganz viel verändert. Ich habe viele Menschen

kennengelernt, die sich zu dieser

abgehängten Gesellschaft zählen. Da habe

ich dann versucht herauszufinden, woran

das liegt. Bei „Empty Space“ zum Beispiel

geht es um Alkoholsucht, bei „Scared to

Be Human“ um meine Erfahrungen mit

Nazis in den 90er-Jahren.

Du hast noch ein anderes Projekt in

der Mache: „Heimat“.

Bald beginnt unser allererster Dreh zu

„Wie klingt Heimat?“. Die Idee kam uns,

nachdem wir von einem Aufenthalt in

Nordkorea zurückkamen, dort läuft extrem

viel Propagandamusik. Und wir fragten

uns, wie eigentlich unsere Heimat klingt.

Es ist ein interdisziplinäres Projekt, eine

Dokumentarfilm-Serie in zehn Episoden.

Am Ende einer Folge entsteht immer ein

Lied von mir über die vorgestellten Menschen,

alle haben etwas mit Musik zu tun

und gehören zu einer bestimmten Kultur

… zum Beispiel Sorben, Vietnamesen,

Vertriebene, aber auch Regionen wie die

Natur der Zittauer Gebirge.

Wie hat Corona dein Berufsleben

verändert?

Ich meine das nicht gehässig, aber für

mich persönlich hat die Pandemie

viel Gutes bewirkt. Ich hatte zum

ersten Mal die Möglichkeit

durchzuatmen. Die Zeit

ist für mich eine gute

Chance, innezuhalten und

mir zu überlegen, was ich

eigentlich will im Leben.

Ich versuche, das Leben

als Fluss anzusehen, so

funktioniert das Künstlerleben

auch. Wichtig ist, dass man

die Zeichen, die man gezeigt

FOTO: M. MADLEN KRIPPENDORF

bekommt, auch sieht. Ich denke, dass

wir in besserer Balance mit der Umwelt

leben müssen, dann wird solches weniger

passieren.

*Interview: Michael Rädel

www.felixraeuber.com


KULTUR 19

FOTOS: FLORIAN HETZ

LITERATUR

KÜNSTLER UND AUTOREN

GESUCHT

Das jährlich erscheinende Buchprojekt

„Mein schwules Auge“ soll auch

2021 wieder für Lese- und Bildgenuss

sorgen. Da seit über einem Jahr vieles

pandemiebedingt nur unter freiem Himmel

stattfindet, ist das Thema dieses Jahr

dann auch „Outdoors“.

„Nach drei sehr themenbezogenen Ausgaben

zur Tom of Finland Foundation, Berlin

seit dem Mauerfall und Body Issues im

ersten Pandemiejahr möchten wir diesmal

mit dem Thema ,Outdoors‘ nur einen sehr

lockeren Rahmen vorgeben“, so die beiden

Herausgeber Rinaldo Hopf und Fedya Ili in

einer E-Mail an unseren Verlag über das

kommende Buchprojekt, das im Oktober

2021 im konkursbuch Verlag Claudia

Gehrke erscheinen soll. Kreative Queers,

die gerne schreiben oder fotografieren,

können ihre Werke ** nun einreichen.

„Der gemeinsame Nenner sollte die

Auseinandersetzung mit schwuler

Erotik und Sexualität sein. Ob dies explizit

pornografisch oder eher ästhetisch, ob

politisch, satirisch oder poetisch geschieht,

ist jedem Einzelnen überlassen“.

Rinaldo Hopf: „Leider müssen wir uns

immer noch mit der Pandemie und deren

Folgen und Verlusten befassen, die für uns

Schwule womöglich noch einschneidender

sind als für die Allgemeinheit. Wir denken,

dass alle von Isolation und dem fortwährenden

Eingesperrtsein Zuhause erschöpft

sind und möchten Euch einladen, wieder

nach draußen zugehen und das Leben

zu feiern – wenn immer noch nicht in der

Realität, dann doch wenigstens in der Fantasie

und Erinnerung.“ An was für Themen

kann man dabei denken? Zum Beispiel an

(schwulen) Spaß in der Sommerhitze, in

Parks oder beim Wandern. Natürlich kann

man auch Erotik einarbeiten: Sportswear,

Cruising, FKK aber auch Sex am Strand

und beim Reisen ... Hier kannst du bis

zum 30. Juni deine Kunst einreichen:

www.mygayeye.com/opencall *rä

** Für Essays, Gedichte oder Kurzgeschichten gilt:

Textlänge bitte maximal 10.000 Zeichen inklusive

Leerzeichen, bitte als doc oder docx einreichen,

Bilder sollten 20x15 cm / 8x6 in sein (oder 20x30 cm /

8x12 cm für Doppelseiten) bei 300 dpi, PSD, TIFF oder

JPG sowie CMYK

FOTO: T. KORHONEN

GEBURTSTAG

Alles Gute, Gaynor Hopkins!

Wer das ist? Bonnie Tyler natürlich, wir wollten

nur mal ihren richtigen Namen verraten, schließlich

gratulieren wir hiermit zum 70. Wiegenfest ...

Im Februar erschien ihr neues Album „The Best Is

Yet to Come“, das sie 2022 auch live vorstellen

will. Sie macht Musik, weil sie es liebt, beweisen

muss sich Bonnie längst nichts mehr.

Denn dank Hits wie „Total Eclipse of the Heart“,

„Islands“ mit Mike Oldfield, „Lost in France“

sowie „It’s a Heartache“ und „Holding Out for

a Hero“ ist Bonnie eine Legende. Und dank

ihrer unablässigen Tourneen ein

überall populärer Star. Die am

8. Juni 1951 in Wales geborene

„Bitterblue“-Sängerin trat 2013

für Großbritannien beim Eurovision

Song Contest an. Dragqueens wie

Brigitte Skrothum sind Fans der

Rock-Röhre.

Funfact: „Kings & Queens“ von Ava Max

basiert auf dem Bonnie-Tyler-Lied „If You

Were a Woman (And I Was a Man)“. *rä


20 STYLE KULTUR

NACHGEFRAGT

MARKUS

PABST:

„Wir sind ja nicht nur

wegen des Geldverdienens

Künstler

geworden“


FOTOS: R. PATER

Der Mann hinter legendären

Artistik-Shows gilt als Punk

und Poet unter den Varieté-

Machern Deutschlands. Seit

über einem Jahr gibt es nun fast keine

Shows mehr, wir fragten nach.

Wie geht es dir in der

Pandemie-Zwangspause?

Mir geht es noch relativ gut, da ich

innerhalb des letzten Jahres ja noch

einige Monate spielen konnte, anfangs

noch im Berliner Wintergarten Varieté,

unter Auflagen und unter Einhaltung

aller Auflagen war dann auch etwa das

GOP (bundesweit gibt es Varietés des

Georgspalasts, Anm. d. Red.) offen. Uns

Künstlern geht es allen schlecht, wir

sind ja nicht nur wegen des Geldverdienens

Künstler geworden … Im Kopf geht

es uns allen schlecht. Wir haben etwas

zu sagen und das nimmt man uns.

Verliert man das Vertrauen in die

Politiker?

Sie wirken ideenlos und beharren auf

dem, was nicht oder nur schlecht

funktioniert. Wir haben eine Pandemie,

wir alle wollen nicht, dass jemand stirbt.

Aber ich finde nicht, dass alle getroffenen

Maßnahmen richtig waren. Wenn

man sagt, man wolle alte Menschen

schützen, dann muss man dafür auch

etwas tun. Und ich denke nicht, dass

das letzten Sommer passiert ist. Wir

müssen uns international austauschen,

es sterben auch viele junge Leute an

den Folgen der Pandemie, die „Dritte

Welt“ etwa leidet massiv.

Hältst du Kontakt zu deinen

Künstlern?

Hauptsächlich über Social Media, aber

ich versuche auch, je einen Freund

zu treffen. Proben sind ja noch unter

Einhaltung der Auflagen erlaubt. Die

Artisten proben in unserer Halle an ihren

Darbietungen und Stücken. Man muss

sich Aufgaben geben, um etwas zu tun

zu haben. Ich habe viel mit Jack Woodhead

zusammengearbeitet, das war

meine Hauptaufgabe, den „Hellen

Wahnsinn“ zu überarbeiten, als Musical,

vor allem die Charaktere der Figuren zu

vertiefen.

Auf Social Media kann man dich

jetzt mehr als früher als Fotograf

wahrnehmen …

Es gibt ja diese zwei Namen für mich,

Markus Pabst und Robert Pater. Die

Presse hat früher meine Stücke

beschrieben und dann stand da über

einer Kritik über ein Stück von Markus

Pabst, „Foto: Markus Pabst“. Das wirkte

auf mich so, als ob ich die Kritik beeinflusst

hätte, das wollte ich nicht. Daher

nannte ich mich als Fotograf Robert

Pater. Jetzt in der Pandemie guckt man

dann, was man so alles gemacht hat.

Meine Fotos waren schon in der „Times“

und anderer internationaler Presse,

auch habe ich vor langer Zeit mal einen

recht erfolgreichen Bildband über die

Ceasar Twins herausgebracht, einer der

Zwillinge ist übrigens mein Partner in

der Firma.

Worauf legst du wert bei einem

Foto?

Meine Fotos dienten immer der Theaterschiene,

waren ein Geschenk an den

Künstler. Es sind immer relativ einfache

Bilder, aber sie haben eine gewisse

Stärke. Mein Gegenüber soll sich so

darstellen können, wie er es will.

*Interview: Michael Rädel

Alle 11 Minuten 1)

verliebt sich ein

Single mit

1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


22 STYLE

SCHMUCKER

SCHMUCK

auch zur Verteidigung

Kaum eine Woche, in der wir nicht über Gewalt gegen Queers

berichten. Obwohl in den Firmen und in den Medien weitaus mehr

Toleranz und Akzeptanz als vor zwanzig Jahren gelebt wird, steigen

die queerfeindlichen Übergriffe auf den Straßen an. Da gibt es

einem ein Gefühl von Sicherheit, wenn man weiß, dass man sich verteidigen

könnte, wenn es denn sein muss. Hier setzt das von Frauen geführte Startup

„Not Just A Jewel“ an. Es sei „eine umfassende Lösung für persönliche

Sicherheit und umfasst ein smartes Schmuckarmband zur gewaltfreien

Selbstverteidigung mit angeschlossener Schutz- und Community-App“.

Wir fragten nach. *rä

Entwickelt wurde das Schmuckarmband

zur gewaltfreien Selbstverteidigung

für Frauen, aber auch

Dragqueens und Queers können

davon profitieren. Verrate uns doch

mal, wie es genau funktioniert.

Wir haben unser Armband im ersten

Schritt für alle Menschen entwickelt,

die Design und Schmuck lieben und

mit uns gemeinsam ein Zeichen gegen

Gewalt setzen wollen! Polizei und

Selbstverteidigungsexpert*innen empfehlen

das Tragen eines lauten Alarms als

besonders wirksame Methode, potenzielle

Angreifer*innen abzuschrecken, den

Überraschungsmoment zu nutzen und

andere auf sich aufmerksam zu machen,

um Hilfe zu organisieren. Hier gehen wir

einen Schritt weiter. Über unsere App kann

man Freunde und Familie dazu einladen,

zum persönlichen Schutzengel zu werden.

Diese können dann im Notfall schnell

Hilfe organisieren oder die Polizei rufen.

Und so funktioniert das Ganze: Für unser

erstes Produkt integrieren wir einen 120

dB lauten Alarm in ein stylish designtes

und IoT-fähiges Schmuckarmband und

verbinden es mit unserer Schutz- und

Community-App.

IN EINER NOTSITUATION BIETET

UNSERE LÖSUNG EINE MENGE

VORTEILE:

• Mit einem Zwei-Wege-Auslösemechanismus

kann man ganz intuitiv entweder

den lauten oder einen stillen

Alarm mit nur einem Finger auslösen.

• Im Fall einer Alarmaktivierung geht

dann eine SMS mit den GPS-Daten an

die vorab über die App ausgewählten

Notfallkontakte und andere App-

Nutzer*innen im Umfeld für die erste

Hilfe.

• Der Link in der SMS führt zu einer

gesicherten Website, wo dann der Live-

Standort verfolgt werden kann und die

Kontakte entweder schnell selbst vor

Ort sind oder die Polizei zu Hilfe rufen

können.

Uns ist es besonders wichtig, das

Sicherheitsgefühl der Träger*innen zu

stärken, indem sie unser Armband ganz

selbstverständlich in ihren Alltag und auch

ihren Lifestyle integrieren können. Zu wissen,

dass man sich im Fall der Fälle selbst

helfen kann und Hilfe rufen kann, selbst

wenn das Handy aus oder unerreichbar

ist, beruhigt ungemein. Eltern können ihre

Teenager beruhigter ausgehen lassen.

Freund*innen wissen, dass sie informiert

werden, wenn eine Situation außer

Kontrolle gerät, ohne dass ein dauerhaftes

Tracking nötig wird. Um im Notfall helfen

zu können, braucht der Schutzengel

die App nicht selbst runterzuladen – ein

Handy mit SMS-Funktion reicht aus.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Ich habe einen Tag nach meinem 40sten

Geburtstag darüber nachgedacht,

wie es wohl sein wird, wenn meine


FOTOS: R. KATER

beiden Töchter als Jugendliche ihre

eigenen Wege gehen und wie meine

Jugend so war. In dieser Überlegung

kamen Ängste auf. Mir war klar, dass

ich meine Kinder beschützen will.

Genauso wichtig ist mir allerdings,

dass sie sich immer und überall frei

und unabhängig bewegen können und

ihre eigenen Erfahrungen sammeln.

Daraus habe ich die Idee zu unserem

Alarm-Armband entwickelt, das ihnen

eine laute Stimme gibt, für den Fall,

dass die eigene versagt. Gleichzeitig

sind sie in einer Notsituation direkt

mit ihren Lieben verbunden, die dann

Hilfe organisieren können. Ohne

dauerhaftes Tracking. Für mich war

klar, dass dieser Alarm etwas sein

muss, was ich meinen Kindern gerne

mitgebe, und vor allem etwas, was

sie als Jugendliche von ihrer Mama

auch zu ihrem eigenen Schutz gerne

annehmen. Im besten Fall sollte es

etwas sein, was sie cool finden und

sogar lieben, weil es ein wertvolles

Geschenk ist. Da ich darüber hinaus

Design studiert habe, lag Schmuck

für mich sehr nahe. Ich selbst liebe

hochwertigen Schmuck und die Kraft,

die ein Statement Piece ausstrahlen

kann. Dadurch, dass wir unsere Technik

in ein Accessoire integrieren, das

man im besten Fall gerne und täglich

trägt, wollen wir ein sichereres Gefühl

im Alltag schaffen. Das Bedürfnis,

das Armband zu tragen, soll nicht aus

Angst entstehen, sondern aus Freude

am Produkt.

Wo wird produziert?

Wir sind gerade mitten in der

Entwicklung der zweiten Prototypen-

Generation und rekrutieren interessierte

Tester*innen, um unser Alarm-Armband

an die wahren Bedürfnisse unserer

zukünftigen Kund*innen anzupassen.

Zeitgleich bauen wir den Produktionsplan

auf und suchen nach passenden

Produktionspartner*innen, die unsere

Ansprüche an Qualität, Material und

Nachhaltigkeit erfüllen. Unser Ziel ist, in

Europa zu produzieren.

Präsentiert habt ihr euer Armband

auf der Fashion Week in Berlin,

wie war das Feedback?

Das Feedback zur Funktionalität und

zum Design war durchweg positiv

und hat uns wahnsinnig gefreut. Da

wir tatsächlich unsere unperfekten

Prototypen präsentiert haben, konnten

wir sehr viel Feedback zu Sitz, Gewicht

und Handhabung einholen, welches wir

jetzt in die Weiterentwicklung integrieren.

So können wir unser Armband

entsprechend verbessern, bevor es

dann wie geplant Ende des Jahres in

den Verkauf geht.

notjustajewel.eu


24 STYLE

„Ganz schön Berlin!“ mit

SVEN REBEL

NACHGEFRAGT

In der ARD-Mediathek und

im TV im rbb gibt es die

„Fortsetzung“ der 2020 angelaufenen

Show „rbb queer 4 you“. Aber

mit neuem Namen und auch mit

neuen Gesichtern. Wir fragten bei

Sven nach.

Was war dir wichtig bei der neuen

Show?

Bei meiner Arbeit, egal ob vor oder

neben der Kamera, geht es mir vor allem

um Authentizität. Die Erfahrung zeigt,

dass „echt“ sein – sowohl in der Praxis

bei meinem Klienten als auch bei den

Menschen, die wir bei „Ganz schön Berlin!“

treffen – der Schlüssel zur Lösung vieler

Probleme ist.

Das macht so eine Sendung allerdings in

der Realisierung nicht unbedingt einfach,

denn echtes Leben, echte Gefühle und

vor allem ein respektvoller Umgang mit

Menschen ist einfach zeitintensiver als

überspitzt zu inszenieren, wie es viele

Formate heutzutage tun. Für mich ist es

der Aufwand allerdings wert, auch wenn

es schmerzhaft ist, dass viele emotionale

Momente letztendlich dem Schnitt zum

Opfer fallen.

Ich habe ehrlich gesagt kein richtiges Wort,

sondern finde es einfach unglaublich,

dass ein Sender, und dann auch noch ein

öffentlich-rechtlicher Sender, so ein Team

zusammenstellt. Vor der Kamera schwule

Männer und eine Hetero-PoC, die sich

beispielsweise mit einer 75-jährigen Frau

über Sex und Einsamkeit unterhalten oder

einem schwulen Rugby-Spieler helfen,

seinen Körper zu akzeptieren. Das Ganze

dann auch noch fast ausschließlich von

Frauen, hetero und lesbisch, produziert –

wir drehen beispielsweise ausschließlich

mit Kamera-Frauen, beim Sender regieren

Frauen usw.

Man vergisst es so schnell im

Arbeitsalltag, doch für mich wird

einfach nicht genug darauf

hingewiesen, wie divers unser

komplettes Team ist, und dass

dieses Team sich nicht gefunden

hat wegen seiner Diversität,

sondern wegen des Könnens jeder

einzelnen Person.

Was magst du besonders an dem

Format?

„Ganz schön Berlin!“ beinhaltet drei meiner

liebsten Tätigkeiten: Geschichten hören,

Menschen helfen und Geschichten erzählen.

Ich bin überzeugt, jeder Zuschauer

wird etwas von sich in den meisten

unserer Geschichten wiederfinden und

hoffentlich mit einem Lächeln, einer

neuen Leichtigkeit und vielleicht auch mit

mehr Offenheit anderen Menschen auf

der Straße begegnen.

*Interview: Michael Rädel

Warum eigentlich der neue Name?

Wir wollen uns ganz klar neu aufstellen

und neu definieren und nicht schon durch

eine Namensgebung selbst beschränken;

sei es, was die Experten angeht, als auch

die Menschen, die wir treffen. Womit ich

schon wieder beim Thema Authentizität

bin. Auch wir, die gesamte Produktion,

durchläuft natürlich eine Entwicklung und

einen Selbstfindungsprozess.

Jeder Einzelne von uns ist, wer er ist, und

steht für seine Überzeugung, für seine

Philosophie, sein Selbstbild und auch

seine Sexualität. Je größer das Spektrum

der Experten, umso umfangreicher und

einfühlsamer können wir helfen. Berlin,

eine der diversesten Städte der Welt, ist,

was uns alle verbindet – unendlich viele

Geschichten der unterschiedlichsten Menschen.

Wir sind wie Berlin, und wir wollen

all diese Geschichten erzählen – deshalb

„Ganz schön Berlin!“.

Wie ist das neue Team?

Wie soll man sechs vollkommen individuelle,

eigenständige Menschen, jeder ein

Experte auf seinem Gebiet, beschreiben?


UPDATE

Zurück zu den

Wurzeln

STYLE

25

FOTO: M. RÄDEL

Sein Handwerk hat der international

erfolgreiche Schweizer Modedesigner

Julian Zigerli in Berlin gelernt, an der

Universität der Künste, unweit des

berüchtigten Bahnhofs Zoo. Dann ging

er wieder nach Zürich, im Frühling kam

Zigerli zurück nach Berlin.

Zurück zu den Wurzeln – vom Studierenden

zum Gastprofessor. Mit großem Stolz,

Motivation und Elan trete ich ab März

2021 die Gastprofessur an der Universität

der Künste Berlin für die kommenden drei

Jahre an“, verriet uns der Modedesigner via

E-Mail.

„Vor über 10 Jahren, im Oktober 2010 habe

ich mein Modedesign-Studium an der UdK

abgeschlossen, worauf ich kurzerhand

in die Schweiz zurückkehrte, um mein

Label JULIAN ZIGERLI zu gründen und

seitdem erfolgreich zu führen. Umso

mehr freut es mich, als Gastprofessor

an die Geburtsstätte meiner modischen

Laufbahn zurückzukehren und ein Teil des

UdK-Teams zu werden“, fährt er fort. „Mein

Aufgabenbereich wird die Entwurfslehre

in der Studienrichtung Modedesign sein,

welche aktuell relevante, branchenspezifische,

wie auch interdisziplinäre Themen,

Diskurse und Technologien mit der Lehre

verbindet. Außerdem die Betreuung der

BA- und MA- Abschlüsse.“

Wird der Umzug denn komplett, also privat

und beruflich, erfolgen? Nein, „das Label

JULIAN ZIGERLI bleibt seinem Standort

Zürich treu. Ich werde zwischen den

beiden Städten pendeln und freue mich

darauf, wieder vermehrt in meiner zweiten

Heimat Berlin sein zu dürfen.“ Wir freuen

uns auf einem neuen, alten Wahlberliner

– und wenn es auch „nur“ fifty-fifty ist.

Funfact: Erotik-Model Sam Morris ist Fan

des Designers. *rä

www.julianzigerli.com

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26 STYLE

Balletttänzer

in Mode von

MODE

MATTHIAS

MAUS

Der aus der Ukraine stammende

Tänzer Denys Popovych

beweist in der Kleinserie

„Frühlingserwachen“ des

Berliner Modedesigners Matthias

Maus Modelqualitäten.

Und die hier bei uns zu sehende

Fashion-Serie selbst ist wiederum

vom Tanz beeinflusst. Aber nicht

nur. „Die Kleinserie ‚Frühlingserwachen‘

ist inspiriert von der

Baukeramik der Belle Époque

sowie meiner ewigen Inspiration

Nijinsky, der das Ballett in dieser

Epoche geprägt und revolutioniert

hat, um es mehr dem Geschmack

der homosexuellen Zielgruppe anzupassen“,

so Matthias Maus über die hier

zu sehende Mode, die Gedanken dahinter

und die verarbeiteten Einflüsse darin. „Nijinsky

hat mit seinem Tanzstil das Ballett des frühen

20. Jahrhunderts zusammen mit seinem

Mentor Sergei Djagilew revolutioniert [...] Mit

seiner Choreografie und Aufführung ‚L’Aprèsmidi

d’un faune‘ zu der Musik von Claude

Debussy schockierte er Paris 1912, da er am

Ende des Tanzes ‚öffentlich masturbierte‘“, so

der kunstliebende Designer, der vor Corona

immer die Promis auf der Fashion Week um

sich scharte. *rä

www.mbrilliant.com,

www.instagram.com/denyssworld,

www.instagram.com/mausmatthias

FOTOS: M. MAUS


STYLE 27

KOSMETIK

ALLEIN?

Tu dir was Gutes!

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/TXEMA_GERARDO

Die Maßnahmen zur Bekämpfung

der Pandemie sorgen mitunter für

Unmut und Einsamkeit. Ab 21 Uhr soll

man keinen Besuch mehr empfangen,

ohnehin arbeiten viele im Homeoffice, die

Fitnessstudios sind zu, die Klubs und Bars

geschlossen. Das kann natürlich (leider!)

für depressive Verstimmungen sorgen.

Umso wichtiger ist es jetzt, sich selbst

wertzuschätzen (und den etwaigen

Partner). Helfen kann es, sich an einen

festen Tagesablauf zu halten. Wer

einfach im Bett liegen bleibt und denkt,

er schafft die Büroarbeit einfach so, tut

sich letztendlich nichts Gutes. Man wird

träger, lustloser, gestresster und auch

melancholischer. Und dicker, denn wer

liegt und liegt, der neigt dazu, sich mit

Essen abzulenken. Auch dein Partner

freut sich, wenn du Energie und nicht

Lethargie, Lebensfreude statt Melancholie

ausstrahlst. Kleine Freuden, etwa der Kauf

eines Stück Kuchens oder eines Parfüms,

sorgen zudem für bessere Laune bei dir

und deinen Mitmenschen. Einen kleinen

Kosmetik-Tipp haben wir da für dich: „By

the Sea“ vom Hamburger Unternehmen

TOM TAILOR. Der Duft mit salziger

Pfefferminz-Kopfnote und einer Basisnote

mit unter anderem Moschus vertreibt

beim Aufsprühen sofort trübe Gedanken

und lässt zumindest in Gedanken ans

Meer reisen. Wir stehen drauf und duften

danach! *rä

T

EBERSWALDER

K ASTANIEN

S C H Ö N H A U S E R A L L E E

U

PAPPEL

D A N Z I G E R S T R A S S E

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Inhaberin: Astrid Rehbein e. Kfr. · Filialleitung: Nico Reinold


28 SZENE

ROMAN

ERINNERUNGEN

ANS NACHTLEBEN

FOTO: C. SOLTANI

Kleine Dramen, wenn der Freund

unauffindbar ist, Diskussionen an

der Tür, Drinks, Flirts und ein stampfender

Beat, der all die unterschiedlichen Charaktere

in Schach und meist auf der Tanzfläche

hält ... Die queere Klubkultur war

zugleich Safe Space und Theaterbühne,

Ort des Tanzes und des Arbeitens. Ja, wir

vermissen das Nachtleben, die Klubwelt.

Schön, dass es Bücher wie dieses gibt.

Das über 280 Seiten starke Buch „Fromme

Wölfe“ von Kevin Junk, das unlängst beim

Berliner Querverlag erschienen ist, spielt

genau in diesem Mikrokosmos mit seinen

ganz eigenen Regeln und Themen. Es

nimmt uns mit auf eine turbulente Reise,

deren Teilnehmer – die fünf Protagonisten

– vom Rausch beseelt durch Berlin

streifen.

Dass der Autor Jahrgang 1989 ist, wirkt

sich äußerst positiv auf die Szenerie

des Episodenromans aus. Es geht in

„Fromme Wölfe“ nicht um die elitären

Disco-Klubs der 1970er und 1980er, nein,

man zofft und liebt sich hier in Klubs

und auf Partys, die eine ausgesuchte

technoide queere Subkultur vereinen.

Zum Beispiel Tom aus dem Hipster-Kiez

Neukölln, okay, eigentlich aus der

westdeutschen Provinz, und seinen

Freund. Oder auch Erik, der für einen

Dealer schwärmt und Speed zieht ... *rä

www.frommewoelfe.de

CHILL-OUT

Zum Runterkommen

Vor einigen Wochen erschien mit „Ambient

Nights“ ein ganz wunderbares

Chill-out-Album ohne musikalische

Peinlichkeiten, aber mit viel entspannenden

Kompositionen.

Die elf Musikstücke faszinieren ab der

ersten Minute. Sphärische Klangteppiche

bereiten eine weiche Grundlage für entspannte

Klaviermelodien und Regentropfen,

an William Orbit erinnernde Synthesizer nehmen

mit auf eine Reise in eine friedliche Welt. Unsere

Anspieltipps auf dem Album „Ambient Nights“ von

Thomas Lemmer sind „The Beauty of the Realm“,

„Sapphire Skies“ sowie „There You’ll Be Free“ und

„Close Your Eyes“. „Ich habe viel Zeit in das Sounddesign

gesteckt und auch Umgebungsgeräusche

aus meiner Umgebung mit meinem Feldrekorder

aufgenommen und verarbeitet“, verrät der Künstler

hinter dem Werk über sein Album. „Das Konzept

des Albums ist eine Reise in die Traumwelt. Nimm

dir am besten Zeit für das Album und schließ beim

Hören die Augen. Wer sich darauf einlässt, erlebt

pure Entspannung.“ Stimmige, aufeinander

abgestimmte Kompositionen, die auch tagsüber

und mit offenen Augen ihre absolute Berechtigung

haben. Wer Robert Miles mochte, aber den

Dance-Beat nervig fand, wer Enigma schätzte,

aber das Melodramatische als „too much“ wahrnahm,

der wird mit „Ambient Nights“ glücklich.

Das Album erschien beim Schwarzwälder Label

SINE MUSIC. *rä

www.thomas-lemmer.com


FOTOGRAFIE

WILLST

DU IHN

HABEN?

SZENE

29

Schwule, queere Kunst in limitierten Auflagen mit

Unterschrift des Künstlers und Echtheitszertifikat,

das sucht man oft. Der französische Künstler

Romain Berger bietet genau das an.

„Mach dir eine Freude mit meiner Kunst“, postete er auf

Social Media und zeigte eine Auswahl seiner großartigen

Fotokunst. Und die ist gar nicht mal teuer! Zwischen 70

und 110 Euro braucht der geneigte Sammler und Kunstliebhaber

nur auszugeben, um sich zu erbauen und einen

tollen Künstler zu unterstützen. Hier geht es zu Romain

Bergers „Online Art Boutique“: www.romainbergerphotography.com.

*rä

Der Anzeigenschluss für die

Juli/August-Ausgabe der blu ist am

11.6.2021

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30 SZENE

TERMINE

ALLE TERMINE UND ÜBER 20.000

WEITERE LOCATIONS WELTWEIT.

KOSTENLOS IN DER SPARTACUS APP!

SO 2.5.

14:00 AHA, Die AHA zum

Mitnehmen - SOLI

& TO GO, bis 18

Uhr, Monumentenstraße

13

MO 3.5.

21:00 BKA Theater, Chaos

Royal: Impro im Netz

(Livestream), https://

www.bka-theater.

de/content_start.

php?id=355,

Mehringdamm 34

DI 4.5.

18:30 Mann-O-Meter,

Rechtsberatung,

Kostenlos, durch

einen Anwalt. Bis

19:30 Uhr,

Bülowstr. 106

DO 6.5.

20:00 Zum Schmutzigen

Hobby, GNTM 2021

Viewing, mit Brigitte

Skrothum auf

https://zumschmutzigenhobby.de,

Revaler Straße 99

21:00 Neuköllner Oper,

The Dean of Germany,

Iron Curtain

Man – Die Online

Show. Stream:

https://dringeblieben.de/neukollneroper-3/videos,

Karl-

Marx-Str. 131 – 133

MO 10.5.

19:30 Mann-O-Meter,

Literatunten Online:

#allabendlichqueer,

Autorin*enlesungen

queerer Texte:

https://ogy.de/lhxd,

Bülowstr. 106

DI 11.5.

18:00 SchwulesMUSEUM,

Online-Workshop:

Intimacy – Intimität in

Zeiten von Covid-19,

bis 20 Uhr. Anmeldung

erforderlich!

https://www.schwulesmuseum.de/

veranstaltung/

intimacy-intimitaetin-zeiten-voncovid-19/,

Lützowstraße 73

MI 12.5.

20:00 Ufa-Fabrik, Ulla

Meinecke: Das

würd ich im Film nie

glauben....., Freiluftbühne,

Viktoriastr.

10-18

DO 13.5.

20:00 Zum Schmutzigen

Hobby, GNTM 2021

Viewing, mit Brigitte

Skrothum auf

https://zumschmutzigenhobby.de,

Revaler Straße 99

DI 18.5.

16:00 Mann-O-Meter,

Café Doppelherz

(Entfällt im Lockdown),

bis 18 Uhr.

Schwuler Kieztreff

für Männer ab 50,

Bülowstr. 106

FR 21.5.

20:00 Mann-O-Meter,

Romeo & Julius,

schwule Jugendgruppe

14-29 Jahre.

Im Lockdown nur

Online! Zugangsdaten

per e-Mail:

jugend@mann-ometer.de,

Bülowstr. 106

21:00 SchwuZ, SchwuZ

TV: Euro Diva (Streaming),

The international

Tunt*Contest.

https://www.youtube.

com/SchwuZ/live,

Rollbergstraße 26

SO 23.5.

18:00 Renaissance Theater,

Hedwig and the

Angry Inch, Knesebeckstr.

100

MI 26.5.

19:00 Berliner Aids-Hilfe,

Medizinische Reise:

HIV und Diabetes

- Online Veranstaltung,

Zugangsdaten

für Zoom-Meeting:

https://www.berlinaidshilfe.de/angebote/medizinischereise,

Kurfürstenstr.

130

DO 27.5.

20:00 Berliner Kriminal

Theater, Der Tatortreiniger,

Umspannwerk

Ost Palisadenstr.

48

SA 29.5.

10:00 Buchhandlung

Eisenherz, Ausstellung:

Georg

Weise -Engel der

Geschichte, Mo -

Sa 10 bis 20 Uhr.,

Motzstr. 23

12:00 Galerie Deschler,

TRANSFORMER:

Luciano Castelli -

Selfportraits 1974,

bis zum 12.06.2021,

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr,

Sa: 12 - 18 Uhr,

Auguststraße 61

SO 30.5.

20:00 BKA Theater, Ralf

König: DER KÖNIG

LIEST, DAS VOLK

SOLL LAUSCHEN,

Mehringdamm 34

DI 15.6.

19:30 Mann-O-Meter,

Arbeitsrechtsberatung,

Kostenlos,

durch einen Anwalt.

Bis 20:30 Uhr,

Bülowstr. 106

Wöchentlich

MONTAG

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, bis

21:30 Uhr, anonym

und ohne Voranmeldung,

Bülowstr. 106

DIENSTAG

19:00 AHA, Manoa-

Mano LGBT*QIPA+

- Gruppo di Auto

Mutuo Aiuto, italienischsprachige

LGBT*QIPA+ Selbsthilfegruppe.

Treffpunkt

per E-Mail:

manoamanolgbtiq@

riseup.net., Monumentenstraße

13

DONNERSTAG

17:00 Jugendnetzwerk

Lambda Berlin-

Brandenburg e.V.,

Die Trans*formerz,

Trans*Gruppe, Sonnenburger

Str. 69

FOTO: WARNER MUSIC

GEBURTSTAG

20. Mai 1946 …

Vor 75 Jahren ist eine der größten

Showbusiness-, Film- und Musik-

Ikonen des 20. und 21. Jahrhunderts

geboren worden: Cherilyn

Sarkisian, Cher.

75, ein stolzes Alter, in dem sie

hoffentlich ein bisschen Stolz auf

Filmerfolge wie „Mondsüchtig“, „Die

Hexen von Eastwick“, „Die Maske“ und

„Meerjungfrauen küssen besser“ sowie

auf Hits wie „Believe“, „If I Could Turn

Back Time“, „The Shoop Shoop Song (It’s

in His Kiss)“, „I Got You Babe“ und „Half

Breed“ zurückblicken kann. Ihre Kunst gab

und gibt Energie und Mut in Momenten,

an dem es einen nicht so gut geht, die

Oscar-Preisträgerin ist eine mutige Queer-

Aktivistin und Frauenrechtlerin. Danke für

alles, du Tolle!

Sorgen muss man sich um Cher übrigens

kaum, ihr Vermögen wird auf 600 Millionen

US-Dollar geschätzt, und nicht nur ihre

Beauty-Docs sind die Besten der Besten. *rä

www.cher.com


SZENE

31

Die Kunst des

19. JAHRHUNDERTS

AUSSTELLUNG

Damals wie heute ist es so: Die einen

werden reicher und freuen sich

wie eine aufgedrehte AMAZONe, dass die

Gesellschaft an ihren Unternehmen nicht

vorbeikommt, die anderen können vor

Angst nicht mehr ruhig schlafen.

Um nicht den Lebensmut zu verlieren,

kann es helfen zu entdecken, dass es

immer wieder Phasen in der Menschheitsgeschichte

gab, die ungerecht waren,

die düster erschienen. Trotzdem und

immer gilt aber: „Hurra, wir leben noch!“

Auf andere Gedanken bringen kann einen

auch der morbide Reiz der Kunst des Fin

de Siècle, des 19. Jahrhunderts zwischen

Pomp, Kolonialmachtspracht und Antike,

die sich dank der Staatlichen Museen zu

Berlin in einer Dauerausstellung entdecken

lassen.

Kunst kann helfen, seelische Wunden zu

heilen. Und wenn auch die Museen (immer

wieder) geschlossen sind, lässt sich trotzdem

großartiges Wirken der Menschheit

in ihnen entdecken, denn viele Museen

bieten digitales Erleben an. Die Staatlichen

Museen zu Berlin zum Beispiel.

„Während der Schließung der Museen

lädt eine fokussierte Videoreihe im

YouTube-Kanal der Staatlichen Museen

zu Berlin zur Erkundung […] ein. Zudem

ist ein Rundgang durch die Ausstellung

auf dem Facebook-Kanal der Alten

Nationalgalerie verfügbar.“ Mehr Informationen

gibt es hier: www.smb.museum/

online-angebote. *rä

FOTO: M. RÄDEL

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DESIGN 33

FOTOS: KARE

NATUR & LUXUS

In Zeiten steigenden Umwelt- und Klimabewusstseins

wenden sich mehr und mehr

Menschen von billig produzierten Möbeln

ab und entscheiden sich für langlebige,

qualititiv hochwertige Produkte.

Hier punkten die KARE Designstudios

mit Meisterstücken aus Massivholz. Das

Spiel von Farben und Maserung und die

Verarbeitung von Hand durch Schreiner

machen jedes Stück zum Unikat. Möbel

aus Echtholz leben und entfalten über

die Zeit immer mehr Charme und können

nicht zuletzt in den Rohstoff-Kreislauf

zurückfließen und wiederverwertet werden.

ELEGANT WOOD

Neben Qualität und Nachhaltigkeit ist

natürlich die Optik ein entscheidendes

Kriterium. In der Kollektion Ravello treffen

klare Linien auf zierliche Gestelle und

schlanke Griffleisten. Der skandinavische

Top-Möbeldesigner Morten Georgsen lässt

hier der Schönheit des Holzes den Vortritt

und setzt diskret schimmernde Akzente

in Messing.

PINK ELEGANCE

Wer sich mutig und experimentierfreudig

an Farben, Muster und Texturen wagt, ist

hier im Paradies. Der Trend Colour Splash

feiert das Leben: mit einem Sofa in einer

Knallfarbe statt grauen Mäusen in der Sitzecke.

Hier wird fröhlich kombiniert: samtige

Cocktailmöbel in runden Retroformen mit

Accessoires und Tapeten in leuchtenden

Rot-, Orange- und Pinktönen, romantische

Blütendrucke mit geometrischen Beistelltischen.

Traut euch! Das Ergebnis wird sich

sehen lassen. *sk

www.kare.de

WOHNEN

Entspannen, arbeiten und lümmeln:

ALLES IST MACHBAR

„Wir legen höchsten Wert auf

erstklassige Qualität. Nur Produkte,

die unseren hohen Qualitätsstandards

entsprechen, finden ihren Weg in

den Verkauf“, verrät das Team von

WELCOME interiors über seine Unternehmensphilosophie.

Hier bekommt

man Möbel, die länger halten als zwei

Winter oder einen Sommer. Zum

Beispiel das Elementsofa Reef von

FlexTeam aus Italien. Das trendige

Teil überzeugt mit 13 verschiedenen

Elementen in Breite und Tiefe, ist

komplett abziehbar und mit 100 %

sterilisierten Gänsedaunen (unterteilt

in Kammern, damit diese nicht

ausbrechen) gefüllt. Gönn es dir! *rä

www.welcome-interiors.com,

www.facebook.com/welcome.

interiors.berlin, www.instagram.com/

welcome_interiors_berlin


34 DESIGN

GENTRIFIZIERUNG

kann so schön sein ... Und nicht immer schlecht!

Architekt Alex Nerovnya erlangte dank

dem ungewöhnlichen Einsatz von Glas

und dem Spiel mit geometrischen Formen

Bekanntheit über die Grenzen seiner

russischen Heimat hinaus. Das im letzten

Jahr von ihm konzipierte York House

verbindet seine beiden großen Stärken auf

ungewöhnliche Weise.

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung.

Neben dem großartigen Feedback

unserer Kundinnen und Kunden ist es ein

weiterer Beleg dafür, dass wir mit unserem

Konzept richtig liegen und einen Platz

geschaffen haben, der bei den Menschen

richtig gut ankommt“, so Gründer und

Geschäftsführer Tomislav Karajica, der die

„Ding“-Reihe mit seinem Team in weitere

Städte bringen wird. „Hamburg war das

Pilot-Projekt, Kiel und Osnabrück stehen

schon als nächste Standorte fest. Mittelfristig

ist es unser Anspruch, das Konzept

bundesweit auszurollen.“

Und nein, es geht hierbei nicht nur um Büro-

und Barbetrieb. „Wir schaffen zahlreiche

Angebote für unterschiedliche Zielgruppen,

in unserem Gebäude wird nicht allein klassisch

gearbeitet. Das Hamburger Ding setzt

darauf, Menschen über geteilte Interessen

zusammenzubringen, mit Inhalten aus Sport,

E-Sport und Gaming, Gesundheit, Begegnung

und Bildung – eingebettet in einen Mix

aus hochwertigem Interieur und digitalen

Lösungen“, verrät Karajica.*rä

www.homeunited.de

LIFESTYLE

VINTAGE-FLAIR

für jede Art Behausung

Seit Jahren schon und immer noch

kombiniert Mensch gerne Altes

mit Neuem, Erinnerungsstücke mit

modernen Neuanschaffungen. Bei

home24.de entdeckten wir diese äußerst

ansprechenden Design-Objekte,

die man selbstverständlich alle dort

erwerben kann. Klassische Möbelstücke

mit Vintage-Flair, helle Farben

und natürliche Materialien – das passt

in jede Art Behausung, oder? *rä

www.home24.de

GRAFIK

LINE ART für die Wand

Dein Nest ist deine Burg. Und wenn

man sich vor allem in Pandemiezeiten

schon häufiger in den eigenen oder

gemieteten vier Wänden aufhält,

dann sollten sie auch etwas von der

Persönlichkeit des/der Bewohner

transportieren, oder? Besonders gut

gefallen haben uns die Kunstdrucke

von Desenio, die man auch mit eigener

Kunst kombinieren kann. Zudem sind

diese Poster – schwarz-weiß, einfach

gehalten und dennoch ausdrucksstark

– ein vorzügliches Geschenk! *rä

www.desenio.de


DESIGN

BESTES AUS

ARCHITEKTUR

JAPAN

Der japanische Architekt Shigeru Ban ist ein Paradebeispiel dafür, dass man niemals

nur an die unmittelbaren Tätigkeiten des eigenen Berufs gebunden ist. Er hat bewiesen:

Der Blick über den professionellen Tellerrand kann die Karriere sogar vorantreiben.

Seine humanitären Bemühungen auf internationalem Boden haben ihm nicht nur den Ruf

eines engagierten Philanthropen eingebracht, sondern auch den wichtigsten Preis der

Architekturszene.

Shigeru Ban wurde 1957 in Tokio geboren. Er studierte am

Southern California Institute of Architecture in Los Angeles

und später an der Cooper Union’s School of Architecture in

New York. Das Resultat sowohl japanischer als auch westlicher

Stileinflüsse lässt sich heute gut an Bans Arbeiten ablesen.

Bekannt wurde er aber vor allem durch den Einsatz von Papier

und Pappe als Baumaterial. Papier wird aus nachwachsenden

Rohstoffen hergestellt und kann vollständig recycelt werden.

Ban wird deshalb auch zu den Vertretern des sogenannten

Ökologischen Bauens gezählt. So schuf er 2013 eine Kirche

in Neuseeland, die teilweise aus Karton besteht, und zeichnete

bereits im Jahr 2000 für den japanischen Pavillon auf

der Expo in Hannover verantwortlich, für das vornehmlich

die Ban-typischen Pappröhren verwendet wurden. Seit 1995

setzt er sich außerdem für die Katastrophenhilfe ein, für die er

ein eigenes Netzwerk von Architekten (Voluntary Architects’

Network) gründete. Mithilfe von simplen Materialien wie Papier,

Pappe, Bierkästen oder Sandsäcken hat Ban Notunterkünfte

in der ganzen Welt geschaffen, die schnell auf- und abzubauen

sind. Für seine Aktivitäten als Architekt und Wohltäter erhielt

er 2014 den Pritzker Architecture Prize. Der TASCHEN Verlag

hat Shigeru Ban ein Sammelwerk seiner wichtigsten Arbeiten

gewidmet. *fj

www.shigerubanarchitects.com / www.taschen.com

„Shigeru Ban. Das vollständige Werk 1985 – 2015“, Philip

Jodidio, Hardcover, 22,8 x 28,9 cm, 2,90 kg, 568 Seiten


ARCHITEKTUR

THE YORK

DESIGN

HOUSE

Architekt Alex Nerovnya erlangte dank dem ungewöhnlichen Einsatz von Glas und dem Spiel mit

geometrischen Formen Bekanntheit über die Grenzen seiner russischen Heimat hinaus. Das im letzten Jahr

von ihm konzipierte York House verbindet seine beiden großen Stärken auf ungewöhnliche Weise.

Eigentlich könnte das York

House ein ganz normales

Ferienhaus in irgendeinem

Tannenwald in Nordosteuropa

oder Kanada sein, wenn es nicht

mit einer Front daherkäme, die

anmutet, als hätte jemand das

Gebäude in der Mitte schlichtweg

durchgeschnitten und die

andere Hälfte weggeworfen.

Darüber hinaus hat Alex Nerovnya

die klassische Form des

Spitzdachhauses leicht entrückt

und die links und rechts vom

Mittelblock verlaufenden Seiten

einige Meter versetzt angelegt.

Das ausgefallene Design soll

zum einen die Interaktion mit

der natürlichen Umgebung

intensivieren und das Gefühl

aufkommen lassen, Innen- und

Außenbereiche würden verschwimmen.

Zum anderen will

Nerovnyas Entwurf einer bereits

unzähligen Male verwendeten

Form einen modernen Anstrich

verleihen. Insgesamt sollen auf

200 Quadratmetern bis zu acht

Personen in vier Schlafzimmern

Platz haben. *fj

en.alex-nerovnya.com


REISE

SPARTACUS CRUISE

die einzige deutschsprachige

Gay Cruise

Endlich ist es so weit: Die zweite Gay

Cruise der blu Mediengruppe sticht in See.

Termin ist der 8. bis 18. Februar 2022 mit

einer Route vor der afrikanischen Küste.

Bei deutlich über 20 Grad im Schatten und

acht Sonnenstunden pro Tag kann man

den Winter hinter sich lassen und Wärme

tanken. Gleichzeitig sind es angenehme

Temperaturen für Ausflüge. Die Cruise wird

ohne Social-Distancing-Maßnahmen und

Maskenpflicht durchgeführt. Daher muss

jeder Gast spätestens 14 Tage vor der

Abfahrt eine abgeschlossene Covid-Impfung

oder Immunitätsbescheinigung nachweisen.

Diese Kreuzfahrt kombiniert die unbekannteren

Inseln der Kanaren mit der

Blumeninsel Madeira. Damit auch Raum

für Erkundungen ohne Zeitdruck bleibt,

ist an mehreren Orten ein Overnight

eingeplant. Geplant ist folgende Route:

Neben diesen Anläufen sind zahlreiche

Highlights, die dem späteren Ausflugsprogramm

entnommen werden können,

geplant. Dazu gehört die kleine Schwester

Madeiras, Porto Santo, wo man wandern

oder edlen Wein verkosten kann.

Zurück auf den Kanaren lernt man

Lanzarotes imposante Vulkanlandschaft

kennen und besucht auch La Graciosa,

die kleinste der Kanarischen Inseln. Auf

Gomera warten in den Nebeln des hoch

gelegenen Nationalparks Garajonay dichte

Wälder aus Farnen und moosbedeckten

Bäumen. La Palma bietet neben engen

Gassen aus Kopfsteinpflaster und

Häusern mit Holzbalkonen in der

Hafenstadt Santa Cruz auch spektakuläre

Sehenswürdigkeiten der Natur wie den

Wasserfall der Farben oder den Idafe Rock

/ Roque Idafe im Nationalpark Caldera

de Taburiente. Wer seine Reise nicht

8. – 18. FEBRUAR 2022

8.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Abfahrt um 18 Uhr

9.2. FUNCHAL (MADEIRA) Ankunft um 15 Uhr (Overnight)

10.2. Abfahrt Funchal um 20 Uhr

11.2. At sea

12.2. ARRECIFE (LANZAROTE) Ankunft um 7 Uhr (Overnight)

13.2. Abfahrt Arrecife um 20 Uhr

14.2. At sea

15.2. SANTA CRUZ (LA PALMA) von 8 bis 24 Uhr

16.2. LA GOMERA von 8 bis 21 Uhr

17.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Ankunft um 8 Uhr (Overnight)

18.2. Ausschiffung


REISE

verlängern will, hat am vorletzten Tag die

Gelegenheit, die Dünen von Maspalomas

auf Gran Canaria zu besuchen. Zwei Seetage

an Bord der Vasco da Gama schaffen

eine echte Kreuzfahrtatmosphäre, die wir

mit Poolspielen verbringen werden.

DAS BORDPROGRAMM

Zusätzlich zum Bordprogramm des

Schiffes werden auf der Spartacus Cruise

wieder zahlreiche Künstler der Community

auftreten. Auf der Agenda stehen

außerdem zahlreiche Themenpartys am

Pool wie „White“, „Wig“ oder „Kinky“, bei

denen der Kreativität bei den Outfits

keine Grenzen gesetzt sind. Auch die

beliebten Pool Games mit der Wahl

zum „Mr. Cruise“ werden auf keinen Fall

fehlen. Alle Gäste sind natürlich wieder

herzlich eingeladen, ihre Türen individuell

zu gestalten, wobei die verrückteste Idee

prämiert wird. Die Details zu Künstlern

und DJs werden im Laufe der kommenden

Wochen ständig ergänzt. Zu den

Künstlern gehört Joel von Lerber, der die

Tea Times mit seinem Harfenprogramm

von Klassik bis Pop begleiten wird. Für

den fetten Sound sorgt u. a. Star-DJ Chris

Bekker.

SINGLE MATCH

Kreuzfahrten sind leider keine optimale

Reiseform für Singles, da sich die Preise

nach Kabinen in Zweierbelegung berechnen.

Das heißt, für die alleinige Nutzung

einer Kabine ist immer der Preis einer

Zweierbelegung zu entrichten. Auf der

letzten Cruise wurden erfolgreich

vierzig Singles verknüpft, die sich eine

Kabine geteilt haben. Auch dieses Mal

wird es in der Buchungsmaske wieder die

Option „Singlematch“ geben. Wer sich

dafür entscheidet, wird kontaktiert und

kann im persönlichen Gespräch ein paar

Anhaltspunkte zu seinem gewünschten

Match geben. Gesichtspunkte a) ähnliches

Alter, b) ähnlicher Tagesrhythmus

(Morgenmensch versus Nachtmensch),

c) gleiche Kabinenkategorie. Selbstverständlich

können sich auch Zweiermatches

melden, die sich bereits gefunden

haben. Dafür gibt es auf Romeo einen

Club unter dem Namen „mCruise“.

Mehr Infos unter

www.spartacus.cruises


GESELLSCHAFT

ZWEI

REPORT

GESICHTER

EINER STADT

LANGE WIRKTE KRAKAU WIE EIN SICHERER HAFEN DER LGBTIQ*-COMMUNITY IM

FEINDSELIG GESTIMMTEN POLEN. DOCH SEIT DIESEM JAHR MEHREN SICH AUCH

HIER DIE ANGRIFFE AUF DIE QUEERE GEMEINSCHAFT. NUN REGT SICH WIDERSTAND

GEGEN DEN HASS.

Eigentlich wollte Han nur seinen Freund

besuchen. Doch als er eine Straße

überquerte, bemerkte er, dass ein

parkender Autofahrer ihn beobachtete.

„Als er mich gesehen hat, hat er den Motor

angelassen – und ist in mich reingefahren“,

erzählt Han, friemelt eine Zigarette aus der

Packung und steckt sie sich zwischen die

Lippen. Er verharrt einen Moment, bevor

er sie anzündet, und blickt in die Ferne, als

sehe er dort die Situation, in der er vor ein

paar Monaten am Stadtrand von Krakau

war. „Der Typ machte das Fenster runter

und starrte mich böse an. Er sagte nichts,

bis ich weggerannt war.“

Das Auto hatte nicht genug Geschwindigkeit,

um Han ernsthaft zu verletzen.

Trotzdem ging an diesem Tag etwas

kaputt: Krakau ist Hans Heimat, hier

wurde er geboren. Und doch fühlt sich der

21-Jährige nun nicht mehr sicher, denn

Han möchte sich nicht festlegen, welchem

Geschlecht er sich zugehörig und von welchem

er sich angezogen fühlt. Bisexuell,

non-binär, queer – es gibt viele Labels, mit

denen er sich identifiziert. Jedes einzelne

ist gefährlich, wenn es die falsche Person

in der falschen Ecke Krakaus zur falschen

Uhrzeit erkennt – oder sich von seinen

auffälligen roten Haaren provoziert fühlt.

Es sind die zwei Seiten einer Stadt,

die damit ringt, wer sie ist und wer

sie sein möchte. Im Zentrum der

800.000-Einwohner-Metropole gibt es

queere Klubs, Regenbogenfahnen hängen

in den Fenstern. An den Stadträndern, wo

die Häuserblocks abgelöst werden von

Einfamilienhäusern mit Garten und Garage,

ist es für Han, als sei er in einer anderen

Stadt. „Wenn ich an die Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame Blicke, ich werde

angeschrien, auf mich wird gezeigt und

ich werde verfolgt“, sagt Han, setzt die

Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug.

Krakau bei Nacht ist ein anderer Ort als

Krakau bei Tag. Sich bloß nicht von der

Gruppe trennen, nicht alleine unterwegs

sein, nicht auffallen: Han kennt die Regeln,

er erinnert seine Freunde daran, wenn sie

abends gemeinsam unterwegs sind. Muss

Han alleine los, hat er inzwischen eine

Dose Pfefferspray bei sich, „nur für den

Fall“. Außerdem trainiert er seit einigen

Monaten Selbstverteidigung, „weil viele

meiner Freunde angegriffen worden sind,

vor allem in letzter Zeit.“

MIT MESSERN GEJAGT

In diesem Jahr häufen sich die Angriffe auf

queere Menschen, beobachtet Mateusz

Gędźba. „Die Gewalt von Bürger*innen

gegenüber der LGBTIQ*-Community

wächst. Im Sommer hatten wir einige

besorgniserregende Vorfälle, bei denen

queere Menschen vor Schwulenbars

wie dem „Club Papuga“ mit Messern

gejagt wurden“, sagt er. Mateusz ist

Vorstandsvorsitzender von DOM EQ, einer

Föderation, die verschiedenste LGBTIQ*-

Gruppierungen zusammengebracht hat.

Gemeinsam versuchen sie, die Situation

für queere Menschen in Krakau zu verbessern.

Im vergangenen Jahr eröffnete

das Team ein Gemeinschaftszentrum: ein

altes Einfamilienhaus, mit Glitzer am Zaun

und Regenbogenlichterkette, umfunktioniert

zum queeren Hauptquartier Krakaus.

Hier treffen sich verschiedene Selbsthilfegruppen,

der queere Chor probt in den

Räumen und Literaturliebhaber*innen

organisieren Gedichtlesungen. Für

Mateusz mit am wichtigsten sind die

Beratungsangebote. Sowohl rechtlich

als auch psychologisch können sich


GESELLSCHAFT

LGBTIQ*-Personen hier helfen lassen:

„Wenn jemand selbstmordgefährdet ist,

lädst du ihn nicht auf ein Bier in einer Bar

ein“, sagt der 36-Jährige. Deshalb sei es so

wichtig gewesen, einen sicheren Ort wie

das DOM EQ zu schaffen.

Wie es scheint, ist DOM EQ gerade

zur rechten Zeit entstanden. Mateusz

erschreckt, wie schnell Szenen wie vor der

Schwulenbar Papuga Alltag geworden sind,

wie selbstverständlich die LGBTIQ*-Community

zur Zielscheibe wahlloser Angriffe.

Für ihn ist klar, wer dafür verantwortlich

ist: „Der Ton wird von oben angegeben,

das ist mehr als deutlich. Wenn hohe

Offizielle im Staat nach Aggression rufen,

sie rechtfertigen, die Täter*innen schützen,

dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle

anderen glauben, das sei normal.“

Auch Han hat bemerkt, wie sich die

Stimmung in Krakau seit der letzten Wahl

verändert hat. Trotzdem geht er weiter

feiern, Freunde besuchen, versteckt seine

roten Haare nicht unter der Kapuze: „Ich

will nicht so viel Angst haben, dass ich

nicht mehr mein Leben leben kann.“

„MEINE KIRCHE

HASST MICH“

Nicht nur die Politik ist Auslöser für die

wachsende LGBTIQ*-Feindlichkeit. Auch

die katholische Kirche ist eine treibende

Kraft des Hasses. Von einer „Regenbogenpest“

sprach der Erzbischof von Krakau,

Marek Jedraszewski, im Sommer 2019.

Nicht sein erster Kommentar gegen

die queere Community und nicht sein

letzter. Regelmäßig stellt er die LGBTIQ*-

Gemeinschaft als eine Ideologie des

„Wenn ich an die

Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame

Blicke, ich werde angeschrien,

auf mich wird

gezeigt und ich werde

verfolgt“

HAN


GESELLSCHAFT

KAROL

„Hier in Polen scheinen die Kirche und die LGBTIQ*-

Community das Gegenteil voneinander zu sein

und klar getrennt. Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden Identitäten

miteinander zu verbinden.“

Westens dar, die bekämpft werden müsse.

Was der Erzbischof sagt, hat Gewicht:

Etwa neunzig Prozent der polnischen

Bevölkerung sind katholisch.

„Meine Kirche hasst mich.“ So fasst Karol

Szymonik die aktuelle Situation zusammen.

Der 26-Jährige ist gläubiger Christ

– und schwul. „Ich habe zu Gott gebetet,

dass er das von mir nimmt“, sagt er, wenn

er an seine Schulzeit zurückdenkt. Karol

stammt aus der kleinen Stadt Oświęcim.

Dort kannte er keinen anderen schwulen

Mann. Sich zuzugestehen, homosexuell

zu sein, fiel ihm schwer. „Erst als ich für

mein Studium nach Krakau kam, habe

ich mich freier gefühlt.“ Dort hörte er das

erste Mal von anderen schwulen Männern

und vertraute sich seinen engsten

Freund*innen an. Nach und nach erzählte

er es mehr Kommiliton*innen, ehe er sich

schließlich outete. Am schwersten war

es für Karol, gegenüber seinen streng

katholischen Eltern offen zu sein: „Sie

waren sehr überrascht, sie haben nicht

einmal in Erwägung gezogen, dass so

etwas möglich ist.“ An das Gespräch

mit seiner Mutter kann er sich noch gut

erinnern, obwohl es inzwischen vier Jahre

her ist: „Als ich mich geoutet habe, hat

meine Mutter heftig geweint. Das war

eine schwierige Unterhaltung zwischen

uns. Danach wusste ich nicht, ob das für

sie in Ordnung ist oder nicht.“ Seit dem

Gespräch wird über Karols Sexualität in

der Familie geschwiegen.

Karol arbeitet inzwischen in Krakau als

Tierarzt. „Während meines Studiums

habe ich darüber nachgedacht, aufs

Land zu ziehen und Kühe zu behandeln.

Aber dann habe ich mir gedacht: Ich

bin schwul – so kann ich nicht leben.

Auf dem Land ist es viel gefährlicher für

mich.“ In Krakau fühlt sich Karol wohl,

zumindest bis zu einem gewissen Grad:

„Es gibt Orte, an denen wir uns gemeinsam

treffen können, es gibt Kirchen, in

die wir gehen können, wo wir akzeptiert

sind – es ist sehr viel angenehmer als

in den Dörfern. Aber trotzdem gibt es

überall Zeichen von Homophobie.“ Es

fällt Karol schwer, diese Ambivalenz in

Worte zu fassen. Auf der einen Seite eine

Freiheit, von der er in seinem Heimatdorf

nicht einmal träumen konnte, auf der

anderen Seite die ständige Angst, doch

auf die falschen Leute zu treffen. „Wenn

ich nachts mit meinen Freunden unterwegs

bin, habe ich diesen Gedanken im

Kopf, dass die Leute erkennen, dass wir

schwul sind, und uns deswegen zusammenschlagen

werden.“ Vieles könnte

besser sein in Krakau, „aber es ist gerade

nun einmal, was es ist“, sagt Karol..

ABLENKEN VOM MISS-

BRAUCHSSKANDAL

Karol redet ruhig und konzentriert, nur

wenn er über die Ungerechtigkeiten in

seinem Land spricht, wird er merklich

aufgebrachter, seine Stimme wird

schneller, er fängt an zu gestikulieren.

„Hier in Polen scheinen die Kirche und

die LGBTIQ*-Community das Gegenteil

voneinander zu sein und klar getrennt.“

Um das zu ändern, engagiert sich Karol in

der Initiative „Glaube und Regenbogen“.

„Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden

Identitäten miteinander zu verbinden.“

Mit der aktuellen Kirchenführung fällt das

nicht immer leicht, aber Karol hat einen

Weg für sich gefunden: „Die Bischöfe in

Polen sind die eine Sache, mein Glaube ist

etwas anderes. Ich höre nicht so genau hin,

worüber die Priester in ihrer Predigt reden

– denn das tut mir manchmal weh.“

Dass sich die Rhetorik der katholischen

Kirche in den vergangenen Monaten noch

einmal verschärft hat, ist für Karol kein

Zufall. Ähnlich wie in Deutschland erschütterte

auch in Polen ein Missbrauchsskandal


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Foto: istockphoto.com/vladorlov

Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


GESELLSCHAFT

der katholischen Kirche die Öffentlichkeit.

Die Enthüllungsdokumentation „Aber

sag es nur keinem“ zeigte 2019, wie

Kirchenoberste missbrauchende Priester

schützten und sie beispielsweise in andere

Gemeinden versetzten, anstatt sie anzuzeigen.

Seitdem kämpft die katholische

Kirche mit Ablenkungsmanövern gegen

den Imageschaden. Weil mehr Jungen

als Mädchen vergewaltigt wurden, müsse

es einen Zusammenhang zwischen

Pädophilie und Homosexualität geben,

so die haltlose Behauptung der Kirche.

„Sie musste irgendetwas angreifen, und

wir als Minderheit in Polen sind leicht zu

fassen“, sagt Karol. Besonders für Teenager

sieht Karol die Rhetorik der Kirche als

große Gefahr. „Jugendliche, die gerade

erst verstehen, wer sie sind, die glauben,

vielleicht bin ich schwul ... Wenn sie Worte

wie ,Regenbogenpest‘ hören, was halten

die dann von sich selbst? Ich mag mir das

gar nicht vorstellen.“

100 „LGBTIQ*-

FREIE“ ZONEN

Besonders schwierig ist die Situation

für queere Jugendliche im ländlichen

Polen, sind sich Karol und Han einig. Dort

gibt es keine Klubs, keine Treffs, keine

Gemeinschaft wie in Krakau. „Wenn du

auf dem Land als LGBTIQ*-Person keine

Unterstützung deiner Familie hast, bist

du ziemlich allein“, sagt Han. Und auch

der Druck der Politik auf die LGBTIQ*-

Gemeinschaft ist stärker. Seit 2019 riefen

sich mehr als 100 Kommunen als frei von

„LGBTIQ*-Ideologie“ aus. „Du kannst doch

nicht einfach ein Gebiet für LGBTIQ*-frei

erklären und dann gibt es dort keine

queeren Menschen mehr“, sagt Han. „Die

Politiker erreichen nur eines: Sie verletzen

diese Personen.“ Rechtlich gesehen

haben die Deklarationen keine Wirkung

– bislang. Aber DOM-EQ-Leiter Mateusz

Gędźba blickt mit Bangen nach Russland,

wo zunächst ähnliche Erklärungen

verabschiedet und dann in einem zweiten

Schritt auch die Gesetze angepasst wurden.

„Wir befinden uns an einem ziemlich

traurigen und empfindlichen Moment,

der für ganz Europa gefährlich ist. Wenn

wir sagen: ‚Ach Werte, was bedeuten die

schon?‘, dann wird das einen Moment

lang funktionieren. Aber bald werden

die Probleme auch in anderen Ländern

losgehen. Es ist wie Krebs: Wenn wir nicht

früh genug dagegen kämpfen, wird es sich

weiter ausbreiten.“

Fünf der 16 polnischen Woiwodschaften,

vergleichbar mit den deutschen Bundesländern,

verabschiedeten inzwischen

eine entsprechende Deklaration. Darunter

auch Kleinpolen, die Woiwodschaft, in der

Krakau liegt. Doch Krakau machte bei der

homophoben Kampagne nicht mit. Stadtpräsident

Jacek Majchrowski betonte in

einem offenen Brief, dass Krakau eine

tolerante und weltoffene Stadt sei: „Alle,

darunter auch Vertreter der LGBTIQ*-

Community, sind hier willkommen. Wir alle

sollen uns in Krakau wie zu Hause fühlen“,

schrieb er darin.

Mateusz sieht Statements wie dieses

kritisch. Er glaubt, hinter der Erklärung

stecke vor allem politisches Kalkül. 2023

sollen in Krakau die Europaspiele stattfinden.

Das bedeutet viel Aufmerksamkeit

und viel Geld für die Stadt. Ausländische

Politiker*innen kritisierten den

Austragungsort aufgrund der Erklärung

Kleinpolens zur LGBTIQ*-freien Zone

und forderten, die Spiele nicht in Krakau

zu veranstalten: „Krakau profitiert enorm

von den europäischen Geldern. Wenn das

Geld zurückgehalten wird, steckt Krakau

in großen Schwierigkeiten. Das haben die

Politiker*innen recht schnell verstanden“,

sagt Mateusz. Mit Blick auf das Ausland

unterstütze man die Community, gehe

„Wenn hohe Offizielle Aggression

rechtfertigen, die Täter*-

innen schützen, dann ist es

nur eine Frage der Zeit,

bis alle anderen glauben,

das sei normal.“

MATEUSZ


GESELLSCHAFT

es aber um echte Bekenntnisse, etwa

finanzielle Unterstützung, halte sich die

Stadt zurück.

Gleichzeitig gehen kirchliche rechtskonservative

Gruppen immer aggressiver vor,

um auch die etwas besser geschützten

LGBTIQ*-Gemeinschaften in den Städten

anzugreifen – wie in Krakau. Regelmäßig

fahren Trucks mit großen Lautsprechern

durch die Städte des Landes und rufen

homophobe Propaganda aus. Damit

schüren sie in den Großstädten den Hass

und verunsichern queere Menschen. Vor

einigen Monaten hatte Han endgültig

genug davon. Mit ein paar anderen

queeren Aktivist*innen Krakaus schloss

er sich zur Bewegung „Der Regenbogen

ist nicht tot“ zusammen. Gemeinsam

starteten sie eine Petition, in der sie den

Stadtrat aufforderten, das Fahren dieser

Trucks durch Krakau zu verbieten. Dafür

sammelten sie Unterschriften, organisierten

Veranstaltungen und versuchten,

bei der Bevölkerung ein Gegengewicht

zur Homophobie von Politik, Kirche und

Medien zu sein: „Das Wichtigste ist, Aufmerksamkeit

zu erzeugen, die Bevölkerung

aufzuklären und ein Bewusstsein für

die LGBTIQ*-Community zu erzeugen“,

sagt Han. Große Erfolgschancen rechnet

sich DOM-EQ-Sprecher Mateusz Gędźba

für die Petition nicht aus: „Um ehrlich zu

sein, bin ich mir ziemlich sicher, dass der

Stadtrat den Bürgervorschlag ablehnen

wird – aber trotzdem hat es etwas Gutes:

Es wird eine Diskussion angestoßen, die

die Stadt weiter unter Druck setzen wird,

etwas gegen die Trucks zu unternehmen.“

OPTIMISTISCH

TROTZ ALLEM

Je stärker der Gegenwind, desto selbstbewusster

wird die Gemeinschaft, meint

Gędźba: „Vor ein paar Jahren waren wir

eine soziale Gruppe hier in Krakau. Aber wir

hatten kein Bewusstsein für unsere verschiedenen

Herkünfte, keine gemeinsame

Identität. Mein Eindruck ist, dass Initiativen

wie DOM EQ dabei geholfen haben, so

eine gemeinsame Identität entstehen zu

lassen.“

Wenn Han an die Zukunft denkt, ist er

vorsichtig optimistisch: „Es gibt viele junge

Personen, die aufstehen, ihre Stimme

erheben und Pride-Proteste organisieren

– mit 15 Jahren. Ich bin so stolz, dass sie

vieles in die eigene Hand nehmen und viel

motivierter sind, als ich es in ihrem Alter

war.“ Und nicht nur die Jugend macht ihm

Hoffnung für die Zukunft: „Ich sehe auch

Menschen über vierzig, die sich auf einmal

outen und sagen: ‚Ich habe genug von dem

Scheiß‘, die protestieren gehen und sich

zeigen.“

Auch Karol will sich nicht länger verstecken:

„Ich versuche, sehr extrovertiert zu

sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir

uns als LGBTIQ*-Personen den anderen

Menschen zeigen. Wenn sie uns nicht

sehen, dann denken sie auch nicht über

uns nach.“ Seit diesem Jahr bietet er in

Krakau Tanzkurse für gleichgeschlechtliche

Paare an und ist damit polenweit ein Vorreiter.

„Bei heterosexuellen Paaren ist klar,

der Mann führt. Aber wie ist das bei gleichgeschlechtlichen

Paaren? Das bringe ich

ihnen bei“, sagt er. Bis Karol coronabedingt

pausieren musste, betreute er zwölf Paare.

Das Feedback sei sehr positiv, berichtet

Karol. Wenn er von seinen Tanzkursen

spricht, erzählt er mit einer Freude, dass

man meinen könnte, als schwuler Christ

Tanzkurse für gleichgeschlechtliche Paare

im streng katholischen Krakau anzubieten,

sei das Normalste auf der Welt. Und

vielleicht ist es das bald auch. Aktuell ist in

Polen einiges in Bewegung. Die Menschen

gehen auf die Straße, um gegen das

Abtreibungsverbot zu demonstrieren, und

damit auch gegen die Regierung, gegen

die Einmischung der katholischen Kirche

in die Politik, für Menschenrechte. Karol

macht eine kurze Pause, als müsse er über

die nächsten Worte gut nachdenken. Als er

sich entschieden hat, bringt er diese Sätze

mit einer Überzeugung zum Ausdruck,

dass man ihm am liebsten glauben will:

„In den Köpfen der Leute passiert etwas –

langsam, aber es gibt eine Veränderung.“

*Astrid Benölken und Tobias Zuttmann

„In den Köpfen der Leute

passiert etwas – langsam,

aber es gibt eine

Veränderung.“


ADVERTORIAL

GABLE

das LGBTQ+ Netzwerk von P&G

Bei Procter & Gamble sind

Chancengleichheit, Vielfalt und

Inklusion zentrale Elemente der

Unternehmenskultur.

Procter & Gamble hat es sich zur Aufgabe

gemacht, gleiche und inklusive Arbeitsplätze

für alle Mitarbeitenden zu schaffen.

Dies schließt ganz ausdrücklich auch die

Gruppe der LGBTQ+-Gemeinschaft ein.

Die Unternehmenspolitik von Procter

& Gamble wendet sich sehr klar gegen

Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung

oder geschlechtlicher Identität.

GABLE (GAY, ALLY, BISEXUAL,

LESBIAN AND TRANSGENDER

EMPLOYEES)

1996 gründete Procter & Gamble

das Netzwerk GABLE für LGBTQ+-

Mitarbeitende und ihre Unterstützer in

den USA. Im Jahr 2014 startete GABLE

in Deutschland und ist seither schnell

gewachsen. Inzwischen ist das Netzwerk

an zehn Standorten in der DACH-

Region, darunter acht in Deutschland,

aktiv – sowohl in städtischen als auch in

ländlichen Gegenden. Ziel des Netzwerks

ist es, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen,

in der LGBTQ+-Menschen sich vollständig

und ohne Einschränkungen in ihre Arbeit

einbringen können. Ein wesentlicher

Faktor, um dieses Ziel zu erreichen, sind

Unterstützer – sogenannte „Allies“. Sie

sind ausgebildet, Verantwortung für ihr

eigenes Verhalten zu übernehmen und

einzugreifen, wenn sie in der Sprache oder

dem Verhalten anderer eine Diskriminierung

gegen LGBTQ+-Menschen erkennen.

Die Unterstützer erhalten außerdem

Sticker mit denen sie ihre Hilfe für die

LGBTQ+- Gemeinschaft visuell deutlich

machen können.

#WEAREUNIQUEANDUNITED

Jedes Jahr im März feiert Procter

& Gamble seine Equality&Inclusion

Woche – in diesem Jahr wurde daraus

ein ganzer Monat unter dem Motto

#WeAreUniqueAndUnited. Mitarbeitende

aus verschiedenen Netzwerken haben

Workshops, Vorträge und Mitmach-

Aktionen organisiert mit dem Ziel, das

Bewusstsein für Vielfalt zu fördern, für

dieses Thema weiter zu sensibilisieren und

Bias zu reduzieren. GABLE nutzt die Veranstaltungen,

um Informationen zu seinen

Zielen im Unternehmen vorzustellen, um

neue Mitglieder zu finden und als Allies

auszubilden.

CAN’T CANCEL PRIDE

Zusätzlich unterstützt das Netzwerk

Procter & Gamble dabei, sich auch extern

und weltweit gegen die Diskriminierung

der LGBTQ+-Community einzusetzen,

beispielsweise durch die Organisation

der Hilfsaktion „Can’t Cancel Pride“

mit iHeartRadio während der Corona-

Pandemie zur Unterstützung betroffener

LGBTQ+-Gemeinschaften oder durch

verschiedene LGBTQ-zentrischen

Marketing-Kampagnen.

AUSZEICHNUNGEN

Im letzten Jahr war das GABLE-Netzwerk

von P&G einer der Prout At Work-Award-

Gewinner in der Kategorie GLOBAL

LEADER NETWORK. Diese Würdigung

bezog sich auf diverse Aktivitäten, wie

der Produktion einer Film-Trilogie zur

Unternehmensgeschichte im Hinblick

auf LGBTQ+ -Inklusion. Die Filme,

die in Zusammenarbeit mit CNN

entstanden sind, erhielten internationale

Auszeichnungen.

Vor wenigen Wochen hatte P&G einen

weiteren Grund zum Feiern: Das Unternehmen

wurde mit dem PRIDE Champion

Arbeitgebersiegel in Silber ausgezeichnet.

Dieses wird von der UHLALA Group vergeben

und steht für eine offene, inklusive

und wertschätzende Unternehmens- oder

Organisationskultur. Das Siegel ist nicht

käuflich und kann nur durch Nachweise

und eine Prüfung in Form des PRIDE

Audits erhalten werden.

P&G freut sich über viele Bewerber:innen

aus der LGBTQ+-Community. Offene

Stellenangebote sind hier zu finden:

www.pgcareers.com


INTERVIEW

Die Sprache der Liebe entschlüsselt?

GESELLSCHAFT

FOTO: ELITE CONTACTS

Anita G. und ihr Sohn Philipp Schwarzenberg

bezeichnen sich mit einer

angemessenen Portion Stolz als Partnervermittler.

Wir trafen Philipp in Berlin und

hatten viele Fragen – denn er weitete das

Geschäft mit der Partnerschaftsvermittlung

auf die Liebe Homo-sexueller aus.

Wie kam es denn dazu?

Meine ersten Berührungspunkte mit homosexuellen

Paaren waren glückliche Männer in

langfristige Partnerschaften. Für mich war es

damals klar, dass da einfach ein Mann einen

Mann liebt und mit ihm zusammen ist. Erst

heute ist mir vollumfänglich bewusst, dass

das Thema offene Homosexualität damals

nicht so einfach war. In den 2010ern wurde

Liebe zu einem Konsumgut und unzählige

Menschen machten sich auf die Suche

nach einem kurzfristigen (gemeinsamen)

Endorphinrausch. Zurückzuführen ist

dies auf unsere Gesellschaft selbst, dem

menschlichen Streben nach Perfektion

sowie dem Trend der Digitalisierung durch

Smartphones und Apps. Das was wir dort

finden, ist aber etwas völlig anderes als das

sich in einer langfristigen Partnerschaft

entwickelnde Wir-Gefühl. Ich betone das

immer wieder: Egal, wer wen liebt, der

Kern des Ganzen und damit auch unserer

Arbeit, ist die Sprache der Liebe. Die hat mit

Hormonen und Geschlechtern erst einmal

nichts zu tun.

Es gibt moderne Formen von

Partnerschaften jenseits dem

„Standardmodell“ Zweierbeziehung.

Kommen auch zum Beispiel polyamore

Menschen zu euch?

Es ist spannend, wie sich der Mensch in

dieser Beziehung weiterentwickelt hat.

Das Gros unserer Klientel ist jedoch nach

wie vor auf der Suche nach einer stabilen

Zweierbeziehung mit den klassischen

Parametern Treue, Wir-Gefühl, Vertrauen

und emotionaler Identifikation.

Bemerkenswert finde ich, dass sich die

Wünsche und Ziele von heterosexuellen

und homosexuellen

Singles

in vielerlei Hinsicht

gleichen. Was mich auch noch

mal zu dem Satz bringt, dass es nicht

darum geht, wer wen liebt, sondern um

die Sprache der Liebe.

*Interview: Christian Knuth

www.elite-contacts.com

Das ganze Interview findet ihr auf

www.männer.media.

#Diversity

#Inventingforlove

MSD.PARTNER.HIV.

DE-NON-01778

Auf MSD Gesundheit finden Sie Informationen zu HIV: http://m.msd.de/rwQ

MSD Sharp & Dohme GmbH, Lindenplatz 1, 85540 Haar

www.msd.de


GESUNDHEIT

Welchen Einfluss eine

HIV-Therapie im Alltag hat

Mit HIV kann man heutzutage ein

gesundes und langes Leben führen.

Dennoch kann die Diagnose ein einschneidendes

Ereignis sein und viele neue

Fragen aufwerfen. Eine davon ist, wie man

die HIV-Therapie nun bestmöglich in den

eigenen Alltag integrieren kann.

Das erste, woran viele dabei denken, sind

klassische Einnahmevorschriften – wie

zum Beispiel die Einnahme zum Essen. Bei

der modernen HIV-Therapie sind solche

strikten Vorschriften mittlerweile eher

Ausnahme als Regel.

HERAUSFORDERUNG ARBEITSALLTAG

Es gibt aber auch einige Punkte, die

man vielleicht nicht gleich im Kopf hat.

Beispielsweise spielt der Arbeitsrhythmus

eine wichtige Rolle: Wenn man geregelte

Arbeitszeiten hat, lässt sich die täglich

etwa zeitgleiche Einnahme der Medikamente

deutlich leichter planen, als wenn

man in einem Beruf mit Schichtdienst

arbeitet. Selbst mit geregelten Arbeitszeiten

kann es zu Herausforderungen im

Arbeitsalltag kommen, etwa wenn eine

Dienstreise mit Zeitverschiebung ansteht.

DIE FREIZEIT GESTALTEN

Auf die Wahl der Freizeitaktivitäten hat

eine HIV-Therapie so gut wie keinen

Einfluss. Dennoch gibt es für HIV-positive

Menschen einige Punkte zu beachten,

um eine erfolgreiche Behandlung

sicherzustellen: Natürlich sollte man bei

Ausflügen immer daran denken, seine

Medikamente mit einzupacken, falls

es mal später wird. Aber auch Hobby-

Sportler*innen sollten bei der Einnahme

von Nahrungsergänzungsmitteln, um zum

Beispiel den Muskelaufbau zu fördern,

im Hinterkopf behalten: Nahrungsergänzungsmittel

können Wechselwirkungen

mit HIV-Medikamenten verursachen, die

im ungünstigsten Fall den Therapieerfolg

gefährden.

MUSS MAN SICH ALSO MIT HIV

EINSCHRÄNKEN?

Natürlich ist das jetzt nicht gleich ein

Grund, um mit dem Sport aufhören. Man

sollte allerdings mit seinem/r Ärzt*in

darüber sprechen, was es zu beachten

gilt. Das ist wichtig, um auch mit HIV-

Therapie den bisherigen Lebensrhythmus

beibehalten und vor allem die eigene

Lebensqualität hochhalten zu können.

Nur weil man HIV-positiv ist, muss sich

also nicht gleich der gesamte Alltag

ändern.

VERÄNDERUNGEN IM BLICK BEHALTEN

Viele Dinge im Alltag verändern sich ja

meist nicht über Nacht, sondern Stück für

Stück. Diese oft unbemerkten Veränderungen

sollte man im Blick behalten, denn

sie können zu Reibungspunkten mit der

HIV-Therapie führen. Gerade in solchen

Situationen ist ein offenes Gespräch mit

dem/r Ärzt*in sehr wichtig.

HIV ZU EINEM KLEINEN TEIL IM

LEBEN MACHEN

Es kann manchmal herausfordernd

sein, die eigene HIV-Therapie in den

persönlichen Tagesablauf zu integrieren.

Manchmal liegt das auch daran, dass die

momentan eingenommenen Medikamente

plötzlich nicht mehr in den eigenen

Alltag passen.

Es gibt für jeden Lebensrhythmus eine

geeignete individuelle Therapie. Wenn man

diese gemeinsam mit seinem/r Ärzt*in für

sich findet, wird HIV dadurch zu einem

kleineren Teil im eigenen Leben.

Weitere Infos sowie persönliche Geschichten

zum Leben mit HIV findest

du unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


SCHLAU ZU HIV

Warum du an der IAS

teilnehmen solltest

Der alle zwei Jahre stattfindende

Kongress der IAS (International

AIDS Society) ist die weltgrößte

offene wissenschaftliche Konferenz

zum Thema HIV/Aids.

Ihre 11. Ausgabe findet vom

18. bis 21. Juli in Berlin und

erstmals auch online statt. Also

ist die Konferenz sogar aus dem

heimischen Wohnzimmer heraus

bequem zu besuchen.

DAS PROGRAMM

Fast alle namhaften Akteure

im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit

werden die

neuesten Erkenntnisse vorstellen

und die dringendsten aktuellen

Themen erörtern. Aufgeteilt in

vier Themenblöcke.

Im Block Grundlagenforschung

wird unter anderem über

den Stand der Forschung zur

Regulierung und Heilung der HIV-

Reservoirs diskutiert. Außerdem

soll über den Einfluss von

Geschlecht und Bevölkerungsdiversität

auf die Bekämpfung des

Virus gesprochen werden.

Der Block klinische Wissenschaft

hält eine für unsere Kernleserschaft

sicher besonders interessanten

Thematik vor: HIV und

sexuell übertragbare Krankheiten.

Es geht aber ausnahmsweise

nicht um die Aufforderung,

regelmäßig zum Test zu gehen,

sondern um das Ausloten von

Möglichkeiten, aus der HIV-

Therapie für den Umgang mit

Antibiotika-Resistenzbildungen

zu lernen.

Mehr Informationen zum

Programm und zur Anmeldung

unter ias2021.org!


GESUNDHEIT

Die Konferenz der

„International

Aids Society“,

kurz IAS ist

neben der

„Conference

on Retroviruses

and Opportunistic

Infections“

(CROI) die wichtigste

internationale Konferenz zu

HIV, bei der Wissenschaftler

aus aller Welt Ergebnisse aus

Grundlagenforschung und

Studien präsentieren.

Siegfried Schwarze, Aids-Aktivist

und Vorstand Projekt Information e.V.

(www.projektinfo.de)


# HIVersity

Weil wir mehr sind als nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-200009-11/2020


FILM

INTERVIEW

JAKOB M.

ERWA:

„Da habe ich

viel von mir und

meiner Welt

hineingepackt“

Panische Menschen, dichter Rauch

und ein Meer an Einsatzkräften:

Was für ein Unglück hat sich am Münchner

Hauptbahnhof ereignet? Diesem Ereignis

geht die brandneue Coming-of-Age-Serie

„Katakomben“ auf den Grund.

Jakob, „Katakomben“ ist Ihr erstes

Projekt seit dem Kinofilm „Die Mitte

der Welt“. Wie kam es dazu?

Nach der Verleihung des Bayerischen

Filmpreises, den ich für „Die Mitte der

Welt“ bekommen habe, haben mich die

Jungs von der Produktionsfirma NEUE-

SUPER angesprochen. Die mochten, was

ich da auf der Bühne gesagt hatte, und

fragten, ob wir nicht einmal zusammen

ein Projekt entwickeln wollen. So habe ich

dann angefangen, mit Florian Kamhuber

an einer Geschichte über moderne Liebe

zu arbeiten, an der wir auch nach wie

vor noch dran sind. Doch irgendwann

kam uns „Katakomben“ in die Quere,

weil Flo einen Zeitungsartikel über das

Tunnelsystem unter München gelesen

hatte und mich fragte, ob wir nicht schnell

mal eine Geschichte dazu pitchen wollen.

Wir haben uns dann drei Tage in Berlin

eingeschlossen, einen groben Plot überlegt

und die Figuren entwickelt.

Entstanden ist jetzt eine spannende

Mischung aus Coming-of-Age-

Geschichte und Sozialdrama mit

Gruselthriller-Elementen ...

Geschichten über junge Menschen finde

ich immer cool, denn über die sogenannte

First-Life-Krise kann man einfach spannende

Sachen erzählen. Aber besonders

interessant an unserer Idee fand ich

tatsächlich die soziale Komponente. Das

ist schließlich schon eine perfide Sache.

München ist einerseits diese schicke,

cleane, teure Stadt, in der es immer heißt,

dass es kein Drogenproblem gibt. Doch

andererseits gibt es eben diese Katakomben,

wo plötzlich eine Grauzone und

all die Leute akzeptiert werden, die oben

das saubere Stadtbild zerstören würden.

Also Drogensüchtige, Obdachlose oder

Sexarbeiter*innen. Das fand ich heftig. Und

ich wollte unbedingt einen Weg finden,

diese beiden Welten aufeinanderknallen zu

lassen und – bei aller Unterhaltung – etwas

Kritisches über unsere Gesellschaft zu

erzählen.

War von Anfang an klar, dass Sie

die Geschichte als Serie erzählen

wollen?

Ja, das war tatsächlich von Anfang an klar.

Da habe ich nie drüber nachgedacht, ob

man auch einen Film draus hätte machen

können. Mich hat diese Art des Erzählens

eh interessiert, und ich habe auch andere

serielle Ideen, an denen ich arbeite. Schon

damals in Österreich habe ich nach meinem

ersten Film „Heile Welt“ eine kleine

Miniserie gemacht: „Tschuschen:Power“.

Ich finde das Format einfach toll, weil man

viel länger und kleinteiliger erzählen und

sich tiefer auf Figuren einlassen kann.

Aber nicht zu früh freuen – ich werde auch

weiterhin Filme drehen. Hahaha.

Gibt es unter den vielen Figuren der

Serie welche, die Ihnen besonders

am Herzen liegen?

Janosch, der queere Influencer und beste

Freund der Protagonistin, ist auf jeden Fall

eine Figur, die mir sehr wichtig und nah

ist. Da habe ich viel von mir und meiner

Welt hineingepackt. Und an ihm Fragen

von Zugehörigkeit, Entwurzelung und dem

Zwiespalt, zwischen mehreren Welten

zu stehen, durchgespielt, die man nicht

zuletzt als queerer Mensch kennt. Mir war

sehr wichtig, dass er nicht nur schillernd

ist, sondern auch eine echte Breite und

Tiefe bekommt. Aus der eher oberflächlichen

Figur am Anfang wird schließlich

eine ganz traurige, feine und suchende.

Mit der ActOut-Aktion und

dem zugehörigen Manifest

hatten kürzlich 185 deutsche

Schauspieler*innen ihr öffentliches

Coming-out. Wie fanden Sie das?

Das war ein ganz großer, längst

überfälliger Schritt. Ich habe darüber

mit vielen Kolleg*innen vor und hinter

der Kamera in den letzten Jahren immer


FILM

FOTOS: JOYN / NEUESUPER / A. UHLIG

wieder gesprochen und mir genau so

etwas gewünscht. Eine breite Front,

die daherkommt und sagt: „Wir sind

hier und wir sind überall.“ Dass man die

Privatleben eines Schauspielers oder einer

Schauspielerin von ihrer Arbeit trennen

kann, sollte eigentlich kein Problem

sein. Aber auch das ist noch lange nicht

selbstverständlich, deswegen muss man

immer mal wieder solche großen Bretter

fahren.

Es geht in diesem Kontext immer

auch darum, wen man für welche

Rollen besetzt. In der neuen Serie

„It’s a Sin“ zum Beispiel werden alle

queeren Rollen auch von queeren

Schauspielern gespielt ...

Ich würde das jedes Mal als Einzelfall

behandeln. Ich arbeite seit Langem an

einem Film mit dem Titel „Valeska“ über

eine trans* Frau, den ich unter anderem

deswegen noch nicht umgesetzt habe,

weil ich einfach noch keine perfekte

trans* Schauspielerin für die sehr herausfordernde

Rolle gefunden habe. Da muss

man sich dann die Frage stellen, ob ein

Projekt gar nicht stattfinden soll, bloß weil

man nicht „politisch korrekt“ besetzen

kann? Ist das sinnvoll, wenn es gleichzeitig

bedeutet, dass die entsprechenden

Themen womöglich gar nicht auf der

Leinwand behandelt werden? Man kann

außerdem nicht unsere Situation hier im

deutschsprachigen Raum mit den USA

oder so vergleichen.

In welcher Hinsicht?

Englischsprachige Produktionen wie

gerade „It’s a Sin“ haben es natürlich

wesentlich leichter, alle queeren Rollen

mit queeren Schauspieler*innen zu

besetzen. Schon einfach, weil der Markt

riesig ist – und es gleichzeitig sehr viel

früher Role Models gab und sich das

Selbstbewusstsein entwickelt hat,

dass man queer sein und trotzdem als

Schauspieler*in zum Star werden kann. So

weit sind wir noch nicht. Weswegen eben

ActOut auch so ein Meilenstein war. Allein

um zu zeigen, was für einen großen Pool

an queeren Schauspieler*innen es gibt,

der einem zur Verfügung steht, wenn man

bewusst so besetzen und die Community

stärken will.

Kurz noch ein Blick zurück zu

Ihrem Film „Die Mitte der Welt“,

der in diesem Jahr seinen fünften

Geburtstag feiert. Wie haben Sie es

damals erlebt, dass der ganz große

Erfolg an der Kinokasse ausblieb?

Angesichts der wahnsinnig langen

Entstehungsgeschichte und der Tatsache,

dass die Vorlage ein Bestseller war, war ich

im ersten Moment schon sehr ernüchtert

und enttäuscht, dass die Sache nicht so

aufgegangen ist, wie ich es erhofft hatte.

Und war auch eifersüchtig auf Filme

wie „Love, Simon“ und „Call Me By Your

Name“, die als queere Filme groß und

aufwendig vermarktet wurden und stolz

riesige Banner gedruckt bekamen. Während

bei unserem Film die Thematik eher

versteckt wurde und man nicht wusste,

wie man damit umgehen soll. Das hat

mich schon sehr frustriert. Aber natürlich

freue ich mich auch, dass der Film dann

trotzdem noch ein kleines Eigenleben

entwickelt hat. Es gibt sehr viele Leute,

die den Film kennen, und denen er – so

wie mir damals das Buch – irgendwie

geholfen hat.

Würde er heute besser laufen?

Vielleicht. Gerade durch Streamer wie

Netflix ist die queere Community im

Moment ja wieder stärker vertreten in

den Geschichten, die erzählt werden.

Dadurch kommen diese Themen und

Figuren in der Gesellschaft stärker an

und werden selbstverständlicher. Und die

Leute wollen das scheinbar sehen. Es ist

traurig, das sagen zu müssen, aber wenn

ich im Moment einen queeren Stoff hätte,

würde ich damit vermutlich eher bei

einem Streamingdienst anklopfen als bei

einem Kinoverleih.

*Interview: Patrick Heidmann


FILM

FOTO: WARNER / HBO

STREAMING

SIE KOMMEN ZURÜCK

Seit Ende der 1990er war die US-Serie „Sex and the

City“ ein Muss für Frauen und Queers, wenn man sich

auch über die zum Teil klischeehafte Darstellung der

(queeren) Charaktere ärgern konnte. Trotzdem waren

die Serie und die beiden Kinofilme extrem lustig und sorgten

auch für den ein oder anderen Denkanstoß. Jetzt wird an der auf

der Original-TV-Serie und dem Buch basierenden Nachfolgeserie

„And Just Like That“ gearbeitet, so HBO Max, der Streamingdienst

von Warner.

Die in der weißen oberen Mittelschicht New Yorks angesiedelte

Glamour-Soap ließ uns teilhaben am geselligen Leben einer

Frauenclique und ihren Liebschaften. Lange bevor es Social Media

gab, wurde hier kommentiert, polarisiert und gelacht. Vor allem

Schauspielerin Sarah Jessica Parker wurde in Sachen Mode zur

Influencerin, die auch bestens mithalten konnte, als Social Media

dann den Ton angab. Waren die vier Freundinnen –Lifestyle- und

Modefachfrau Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Heimchen

Charlotte York (Kristin Davis), Vamp Samantha Jones (Kim Cattrall)

und Anwältin Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) – zu Beginn

der Serie in ihren 30ern, Samantha schon damals wesentlich älter,

so können wir uns jetzt auf Damen freuen, die auf die sechzig

zugehen. Ein wichtiger und sicherlich unterhaltsamer Kontrapunkt

zum überall herrschenden Jugendwahn. Nicht mehr dabei sein

wird allerdings Kim Cattrall, die vor allem in den letzten Jahren ihre

Abneigung gegenüber Sarah Jessica Parker betonte.

In „Sex an the City“ ging es eigentlich immer um die Suche nach

der wahren Liebe in der hektischen und so extrem hippen Großstadt.

Darum, den einen Mann zu finden, für intensive Stunden

oder für immer. Aufs Amüsanteste unterbrochen wurde dieser,

bei aller etwaigen Melancholie immer lebensfroh umgesetzte,

rote Faden durch Episoden und Szenen, die mal ironisch, mal

traurig das Leben in seiner manchmal abstrusen Art abbildeten.

Gaststars waren unter anderem Bradley Cooper, Liza Minnelli,

Matthew McConaughey, Heidi Klum, Alanis Morissette und auch

David Duchovny. Und Dido sang im Soundtrack. *rä

Funfact: Donald Trump hatte ebenfalls einen Cameo-Auftritt in

„Sex and the City“. Gottlob nur kurz. Aber wo war er nicht?

FOTOS: ITV STUDIOS

SERIE

Ausgezeichneter Serienspaß:

„Schitt’s Creek“

Die kanadische Serienproduktion „Schitt’s Creek“ ist nicht nur extrem erfolgreich,

diese humorvolle Gesellschaftssatire zeigt auch, wie man queere Charaktere

sinnvoll und nicht nur als „skurrile Minderheit“ einsetzen kann. Dafür gab es zum

Beispiel den „GLAAD Media Award für herausragende Comedy-Serien“.

Autor, Regisseur und Schauspieler Daniel Levy, der gemeinsam mit seinem Vater

Eugene die Idee zur Serie hatte und auch als David und Johnny Rose zum Hauptcast

gehören, war dann auch sehr gerührt: „Ich möchte unseren Fans danken, die eine

Bewegung für das Gute geschaffen haben [...] Wir lieben euch alle. Ich kann mir keine bessere

Fanbase vorstellen – Menschen, die für die Botschaft unserer Serie einstehen, für Liebe, für

Akzeptanz und dafür, füreinander da zu sein. Die queeren Charaktere zu kreieren, war die größte

Freude meines Lebens [...] Diese Serie zu machen, war sechs Jahre lang mein absolutes Glück.“

Die Serie erzählt von einer einst reichen, dann verarmten Familie, die dorthin ziehen muss, wo sie noch

Besitz hat: in ein Motel nach Schitt’s Creek. Die exzentrische Großstadtfamilie Rose muss sich fortan

mit Rednecks und Dorfturbulenzen rumschlagen. Schreiend komisch! *rä


meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria FEBRUAR 2022

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MUSIK

INTERVIEW

MARCELLA

ROCKEFELLER

Seit über zehn Jahren ist Marcella in

der Szene und auch in den Medien

eine feste Größe. Was sie so besonders

macht, ist, dass sie eine Sängerin ist. Wir

sprachen mit La Rockefeller über ihr erstes

Album, Céline Dion, Rosenstolz und Drag.

Ein großer Einfluss war Rosenstolz.

Ja, ich fand das schon immer extrem

verblüffend, wie diese Texte mein Leben

repräsentiert haben. Zum Beispiel „Wenn

Du jetzt aufgibst“, was habe ich dieses

Lied nächtelang gehört, weil ich dachte,

es geht nicht mehr! Aber die Botschaft

ist: Du hast schon einen Riesenberg hinter

dir, du schaffst es. Diese Ehrlichkeit der

Texte!

Ein gutes Stichwort. Ist Ehrlichkeit

in der Musik wichtiger als Glamour

und Show?

Nun, ich sage mal so: Showbusiness ist

eben Show. Aber ich bin einfach eine

sensible Seele, die sehr viel Wert darauf

legt, dass Texte etwas ausdrücken, womit

man sich identifizieren kann. Oft hatte

ich etwas „Angst“, Stars kennenzulernen,

weil sich mitunter rausstellte, dass die gar

nicht so cool sind, dass da mehr Show

als Sein war … Und bei Peter und Ulf (von

Rosenstolz, Anm. d. Red.) ist das genau

das Gegenteil, da steht SO viel mehr

hinter der Musik.

Glaubst du, dass deine perfekte

Optik deiner „handgemachten“

Musik im Weg steht? Oder dass du

eine Dragqueen bist?

Ich mache mir aus der Erscheinung

überhaupt nichts. Aber ich habe

schon vor zwölf Jahren gemerkt, dass

Marcella ein viel größeres Sprachrohr

für mich ist, als wenn ich als Marcel

stehe und singe. Ich habe diesen Weg

und dass ich dieses Album machen

konnte, Marcella zu verdanken! Wenn

eine Dragqueen singt oder auf der Bühne

steht, dann schauen die Leute … Es ist

einfach schön, bei jungen Leuten, bei

Kindern, dieses Leuchten in den Augen

zu sehen. Ich bin es aber auch gewohnt,

von manchen Menschen Abneigung zu

erfahren. Authentischer als Marcella

kann ich nicht sein.

Glaubst du, es ist heute einfacher als

vor zehn Jahren, als Dragqueen ernst

genommen zu werden?

Ich muss sagen, dass ich selbst immer

wieder überrascht bin, wie ernst ich

genommen werde. Aber dafür kämpft

man ja als Musiker. Das macht mich

unendlich glücklich. Ich bin ja kein

Clown, der Stimmung macht! Meine

Musik ist auch nicht Drag-typisch, ich

breche die Erwartungen der Leute, die

Elektronisches oder Lady Gaga erwarten.

Ich mache melancholische Musik, aber

keine depressive …

Wie ist das Album entstanden?

Warst du in Drag?

Nein, ich habe die Lieder als ungeschminkter

Mann aufgenommen. (lacht)

Wobei, manchmal hatte ich tatsächlich


„Das hätten

noch 100

mehr werden

können“

MUSIK

eine Perücke auf, wenn wir danach noch

etwas gedreht haben. Entstanden ist

es mit Elias Kunz in Hannover, der zwar

etwas jünger als ich, aber auch eine

„alte Seele“ ist. Wir haben einige Songs

von Rosenstolz und von Peter Plates

Soloplatte überarbeitet. 2020 hatten wir

„Der größte Trick“ rausgebracht, eigentlich

war das nur ein Projekt, nachdem mich

Peter Plate zuvor auf Instagram mit

Sarah Connors „Vincent“ entdeckt hatte.

Dann kam „Der blaue Sonntag“ … Das hat

alles so Spaß gemacht, dass Peter mir

vorschlug, ein ganzes Album zu machen.

Wir hatten so viele Ideen … Das hätten

noch 100 Lieder mehr werden können.

Verzeih mir das Wort: „Verstellst“ du

deine Stimme beim Singen?

Alles gut, ich weiß, was du meinst. Heute

mache ich das nicht mehr. Tatsächlich

habe ich aber früher gedacht: „Ich muss

die Höhen von Céline Dion treffen, egal,

wie beschissen das nachher klingt.“ Ich

habe lange versucht, meine Stimme

zu verstellen, heute bin ich bei meiner

Stimme angekommen und fühle mich

sehr wohl so, wie ich singe.

Welches Lied sollte ein hektischer

Spotify-Hörer mal anhören, um

einen guten Eindruck vom Album zu

erhalten?

Hm, ich würde „Die Liebe kennt mich

nicht“ empfehlen, jeder hatte schon mal

das Gefühl, dass man an den Falschen

geraten ist, der es nicht gut mit einem

meint. Einfach eine wunderschöne

Nummer, und „Lass sie reden“, im Original

von Rosenstolz.

FOTOS: MIRKO PLENGEMEYER

Findest du deine Version besser?

Ich würde mich nie mit AnNa R. oder

Rosenstolz messen. Ich kann es nicht

vergleichen, ich möchte es auch nicht.

Meine Follower kennen die Lieder im

Original nicht, sie folgen mir, weil ich bin,

wie ich bin. Und ich freue mich, dass ich

einer neuen Generation die Message

von Rosenstolz, von Peter, AnNa und Ulf,

weitergeben kann.

Du bist ein sensibler Mensch. Ist

dann der Beruf im Showbusiness

eine Mutprobe?

Ich habe schon viel Schlimmes gelesen,

vor allem damals beim „Supertalent“, die

Kommentare kann man ja heute noch

lesen. Es ist mir eigentlich relativ egal.

Was mich damals getroffen hat, ist, dass

es meine Mutter getroffen hat, sie hatte

mich auf Facebook verteidigt … Ich habe

einen extrem festen und lieben Inner

Circle im Freundeskreis, auch Peter und

Ulf stehen voll und ganz hinter mir. Diese

Unterstützung stärkt. Aber ich war zwölf

Jahre lang Dragqueen, ich habe eine harte

Schule hinter mir! (lacht)

*Interview: Michael Rädel

www.facebook.com/

MarcellaRockefellerOfficial


MUSIK

NACHGEFRAGT

OWEN

FOTO: YUULA BENIVOLSKI

PALLETT

„Es ist so wichtig,

mit Fremden zu

reden“

Es hat lange gedauert, bis Owen

Palletts neustes Album „Island“

erscheinen konnte – der Vorgänger „In

Conflict“ stammt immerhin schon aus

dem Jahr 2014. Woran es lag? Zum Großteil

an ihm selbst.

Der Kanadier, der seine ersten Schritte

unter dem Namen Final Fantasy gemacht

hat und mittlerweile für seine Arbeit mit

Arcade Fire mit einem Grammy ausgezeichnet

wurde, hat einfach viel zu tun.

Ob Arrangements für Frank Ocean und

Christine and The Queens, Taylor Swift

oder die Pet Shop Boys oder die zahlreichen

Aufträge für Filmmusik. Es dauerte

einfach. „Dabei habe ich gar nicht hart

an dem Album arbeiten müssen, es kam

schnell zusammen. Sehr schnell. Es hat

sich nur lange hingezogen aufgrund all der

anderen Projekte.“ Selbst die Aufnahmen

mit dem London Contemporary Orchestra

in den Abbey Road Studios waren kein

Drama. „Das war ein symbiotisches

Verhältnis. Und es ist auch einfach meine

Aufgabe als Arrangeur, so zu schreiben,

dass man mich versteht.“

Zu seiner eigenen Überraschung setzt

Owen auf „Islands“ eine Geschichte fort,

die er mit seinem Solodebüt „Heartland“

2010 begonnen hat, und die von einem

Mann namens Lewis und seinem Ringen

mit einem Gott namens Owen handelt –

und die am Ende des neuen Albums dazu

führt, dass Lewis in den Weltraum gefickt

wird („Lewis Gets Fucked Into Space“

heißt dieses Lied dann auch bestechend

direkt). Erst als Owen mit dem Album

fast durch war, spürte er, wie gut er mit

diesen dunklen, intensiven Liedern Lewis’

Story fortsetzen konnte. „Ich hatte die

meisten Lyrics fertig, als mir auffiel, dass

es Sinn ergibt, wenn die Songs in sein

Narrativ eingepasst werden.“ Jetzt weiß

Owen auch, dass es irgendwann ein drittes

Album um diesen eigenartigen Charakter

geben wird, selbst wenn es unsicher ist,

wann es kommt. Bis dahin schwebt Lewis

einfach weiter im Weltraum umher.

Doch selbst so eine eigenartige Handlung

wie diese hat es schwer, mit unserer

Realität zu konkurrieren, denn es waren

auch für Owen Pallett sehr eigenartige

zwölf Monate. „Dabei hat sich mein

Leben weniger als das Leben anderer

Menschen geändert. Ich habe wie immer

zu Hause gearbeitet, mein Studio ist ja

auch hier. Irgendwo war es zwar schon

enttäuschend, nicht auf Tour zu sein –

andererseits war ich aber auch seit 2017

nicht mehr unterwegs.“ Was Owen am

meisten berührt, ist, wie sich die Pandemie

auf seine Freunde, Familie und Liebhaber

auswirkt: „Sie sind so gestresst, so einsam.“

Owen selbst fehlt es vor allem, neue

Menschen zu treffen. „Es ist so wichtig,

mit Fremden zu reden, für dich, für dein

Gehirn. Bei mir in Toronto begegne ich

normalerweise immer neuen Leuten.“

Inwieweit sich das alles auch auf ihn

auswirkt, kann er kaum sagen, er weiß nur,

dass er in diesen Monaten nichts Neues

geschrieben hat, „ich fühlte mich nicht

so. Aber ich habe Aufträge gesucht und

viele gefunden.“ Doch vor allem hat er die

Zeit genutzt, um an seinem Instrument

zu üben, der Violine. „Ich bin richtig gut

geworden!“, sagt er, obwohl er sie bereits

seit dem dritten Lebensjahr spielt und

am Anfang seiner Karriere gerade für sein

Geigen berühmt wurde. Doch jetzt habe er

ein ganz neues Niveau erreicht, berichtet

er stolz. „Wenn ich wieder auf der Bühne

bin, werde ich richtig spektakulär sein.

Diese Wochen waren wie musikalische

Push-ups für mich. Allerdings“, lacht er,

„habe ich dafür keine echten gemacht.

Ich bin in einer schlechteren körperlichen

Verfassung als jemals zuvor in meinem

Leben!“ Und er klingt dabei nicht, als würde

ihm das Sorgen bereiten. *fis


MUSIK

TIPP

Ungewöhnlich:

Charlotte Cardin

Hier ist es also, das Debütalbum der kanadischen Sängerin:

„Phoenix“. Für sie sei das stimmige Werk eine Befreiung

gewesen, „und wenn andere sich damit ebenfalls von Druck

und Erwartungen befreien können“, habe es seinen Zweck

erfüllt. Ganz wunderbarer Pop mit Kanten, Ecken und

Melodien einer großen

Singer-Songwriterin mit

starker und wandlungsfähiger

Stimme. Unsere

Anspieltipps sind

„XOXO“, „Meaningless“

sowie „Je quitte“ und

„Passive Aggressive“. *rä

JAZZ

ERIK LEUTHÄUSER:

„Gegen jede Art von

Depression hilft ja

bekanntlich Lachen“

Der queere Sänger ist einer DER Geheimtipps der Jazz-

Welt. Sein kommendes Album nimmt sich des Œuvre

eines weniger bekannten US-Songwriters an: Kent

Carlson.

Über sein neues Album „In The Land of Kent Carlson“

verrät der Künstler: „Kents Song-Lyrics erinnern mich

manchmal an die Direktheit und den Witz eines Dave

Frishberg oder Bob Dorough.“ In der Tat: Doppeldeutige

oder ungewöhnliche Geschichten scheinen in den Texten

immer durch. Etwa bei „The Obsessing-on-my-Baby

Blues“, darüber verrät Erik Leuthäuser: „Er erzählt von

einer Zeit, in der man die besessene Verrücktheit nach

einer Person noch durchaus poetisch als Krankheit

bezeichnen konnte, die einem den ,Blues‘ gibt. Aber

gegen jede Art von Depression hilft ja bekanntlich

Lachen. Und lachen musste ich zahlreich beim Lernen

dieses fast schon absurden Textes.“ „Alle Songs von Kent

haben die Zeitlosigkeit von Jazzstandards gemischt mit

tollen authentischen Texten. Bei ,You Never Have to Say

(I Love You)‘ speziell schätze ich sehr die Message: Liebe

braucht keine vielen Worte. Love is action!“ Das Album,

übrigens eingespielt

mit dem Pianisten

Wolfgang Köhler, soll

am 11. Juni erscheinen.

*rä

www.facebook.com/

erikleuthaeuserpage,

erik-leuthaeuser.de

IM NAMEN DER LIEBE TOUR 2022

MIT

NEUEN HITS

UND

GROSSEN

KLASSIKERN

NACHHOLTERMIN

22.04. NÜRNBERG

26.04. MÜNCHEN

27.04. KÖLN

29.04. BERLIN

30.04. FRANKFURT

AM MAIN

DAS NEUE ALBUM „IM NAMEN DER LIEBE“ JETZT ÜBERALL!

TICKETS unter:

www.eventim.de

09.05. DRESDEN

11.05. LEIPZIG

12.05. HANNOVER

13.05. HAMBURG

15.05. BOCHUM


MUSIK

INTERVIEW

JENDRIK:

Auf einmal ist er da: Jendrik Sigwart,

26 Jahre alt, Hamburger und von

Beruf Musicaldarsteller, war ein komplett

unbeschriebenes Blatt, als er im Februar

von der zuständigen Jury zum deutschen

Teilnehmer am diesjährigen Eurovision

Song Contest am 22. Mai in Rotterdam

auserkoren wurde. Sein federleicht

klingender Popsong „I Don’t Feel Hate“

geht ohne Umwege in die Ohren, hat eine

sinnvolle Botschaft und eine Ukulele. Aber

wer ist dieser Typ überhaupt? Am Telefon

erlebten wir einen aufgeweckten, quirligen

und komplett sympathischen Jendrik.

Der Name Jendrik ist ziemlich

ungewöhnlich. Gibt es dazu eine

Geschichte?

Es ist einfach so, dass meine Eltern Namen

mögen, die ein bisschen besonders sind.

Oder sie haben herkömmlichere Namen

genommen und einfach einen Buchstaben

ausgetauscht. So wie bei mir. Oder bei

meinem älteren Bruder Marten. Tatsächlich

habe ich in meinem gesamten Leben

bisher nur einen einzigen anderen Jendrik

kennengelernt.

Wie viele Geschwister hast du?

Vier. Die fiebern jetzt natürlich alle mit

mir mit. Aber ich bin definitiv der einzige

richtige Mega-ESC-Fan in der Familie.

Wie sehr bestimmt die Teilnahme am

Eurovision Song Contest momentan

dein Leben?

Tatsächlich ist mein Leben aktuell noch

recht entspannt. Vorhin hatte ich sogar

noch Zeit zum Playstation-Spielen.

Was hast du gespielt?

„Dead by Daylight“. Das ist ein Horrorspiel,

das man online mit mehreren Leuten spielt.

So eine Art virtuelles Versteckspiel. Mir

macht das sehr viel Spaß, obwohl ich mir

Horrorfilme absolut nicht angucken kann.

Warum das nicht?

Weil ich vor ihnen Angst habe. (lacht) Ich

bin sehr schreckhaft, und einmal musste

ich während eines Gruselfilms im Kino laut

schreien. Ich konnte es nicht unterdrücken

und habe mich ein bisschen geschämt.

Obwohl du keine Horrorfilme guckst,

hast du dir also doch einen angeschaut.

Zwei Freunde und ich. Wir sind immer zu

einer ganz bestimmten Uhrzeit ins Kino

gegangen und haben dann grundsätzlich

den Film ausgesucht, der als Nächstes lief.

Warst du beliebt in der Schule?

Innerhalb unserer Klasse war ich einer von

den „coolen“ Kids, aber nach außen galten

wir komplett als die Loser- und Opferklasse.

Also ja und nein. Ich selbst war auch beides:

der Mobber und der Gemobbte.

Die Aussage deines ESC-Songs ist ja,

dass du auf Hass nicht mit Gegenhass,

sondern mit Gelassenheit und

Mitleid reagierst. Erinnerst du dich,

wann und warum du dieses Lied

geschrieben hast?

Als wäre es gestern gewesen! Das war im

Frühsommer 2019, nachdem mich eine

andere Person respektlos und von oben

herab behandelt hat. Ich dachte „Was

bist du für ein übler Mensch“, aber dann

beschloss ich, eben nicht aggressiv auf

diesen Angriff zu reagieren. Denn dadurch

lernt die oder der andere nichts. Stattdessen

habe ich der Person ganz ruhig gesagt,

dass ich ihr Verhalten respektlos finde.

Daraus ist dieser Song entstanden.

Funktioniert dieses Konzept?

Sehr häufig ja. Wobei es, grob gesagt, zwei

Arten von Anfeindungen gibt: Auf oberflächliche

Sprüche wie „Deine Frisur finde

ich scheiße“ reagiere ich überhaupt nicht.

So was ist mir echt egal, denn ich mag

meine Frisur ja. Bei wirklich diskriminierenden

Beleidigungen, bei Homophobie oder

Rassismus sollte man aber etwas sagen.

Man sollte dem anderen klarmachen, dass

das, was er sagt, absolut falsch ist. Diesen

Weg versuche ich in dem Song aufzuzeigen.

Auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Klar. Ich habe „I Don’t Feel Hate“ ja auch

geschrieben, um gute Laune zu verbreiten

und negative Gefühle in etwas Positives zu

verwandeln.

Hast du persönlich Erfahrungen mit

Diskriminierung gemacht?

Natürlich. In letzter Zeit vor allem online.

Kommentare wie „Du Schwuchtel“ gibt es

immer wieder. Ich reagiere sachlich darauf

und antworte: „Das verletzt mich.“

*Interview: Steffen Rüth

Das ganze Interview findet ihr auf

männer.media. Mehr Features dieser Art

gibt es auf Instagram/blumediengruppe.


www.männer.media

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informiert


MUSIK

FOTO: WARNER MUSIC

NACHGEFRAGT

MARINA

Zoom-Interview mit Katze

Marina Diamandis plagen gleich

mehrere Allergien. Dauernd muss

sie niesen und schniefen, sie unterbricht

sogar kurzfristig das Gespräch, um sich

neue Taschentücher zu holen. Weil sie

nicht in Bestform ist, möchte die Sängerin

während des Zoom-Interviews die Kamera

lieber ausgeschaltet lassen.

Auch ohne Bildübertragung kriegt man

allerdings einiges von ihrem Leben in Los

Angeles mit. Eigentlich wollte sie dort

lediglich ihr fünftes Album „Ancient Dreams

in a Modern Land“ aufnehmen und dann

wieder nach London zurückkehren, doch

während des ersten Lockdowns beschloss

die Waliserin, ganz nach Kalifornien zu

ziehen. Mit ihrer schwarzen Katze, die sich

lautstark bemerkbar macht, nachdem sie

aufgewacht ist. Daran ist die 35-Jährige

gewöhnt, somit bringt sie das Miauen nicht

gleich aus der Fassung. Sie redet völlig

gelassen weiter über das Konzept ihres

jüngsten Langspielers. Im Grunde sei er in

zwei Teile geteilt, sagt sie: „Die erste Hälfte

fokussiert sich mehr auf das Sozialkritische,

dann kommen die Trennungssongs.“

Zu ihnen zählt zum Beispiel „I Love You,

But I Love Me More“. Mit diesem Lied

verabschiedet sich Marina, die ihren

Künstlernamen Marina and the Diamonds

schon mit ihrer letzten Platte „Love + Fear“

abgelegt hat, endgültig von ihrem Exfreund.

Es knüpft musikalisch zweifellos mit seinem

eingängigen Indie-Pop an das Debüt

„The Family Jewels“ an – was im Übrigen für

die meisten Nummern gilt. Eine bewusste

Entscheidung sei das aber nicht gewesen,

hält Marina dagegen: „Wahrscheinlich stellt

sich dieser Sound einfach ein, wenn ich

alleine schreibe.“

So entstanden Ohrwürmer wie „Purge

the Poison“. In dieser Powerpop-

Nummer bringt Marina allerlei Themen

von Rassismus über Frauenhass, #MeToo,

Quarantäne und Mutter Natur bis zu

Menschlichkeit aufs Tableau. „Es hat 91

Botschaften“, witzelt sie. „Im Ernst: Dieser

Track entstand zu Beginn der Pandemie,

also in einer äußerst verwirrenden Zeit.

Mein Ziel war es, Schnappschüsse des 21.

Jahrhunderts einzufangen.“ Mal erinnert

sie daran, wie sich Britney Spears 2007 ihre

Haare abrasiert hat. Mal beschwört sie den

Harvey-Weinstein-Missbrauchsskandal

herauf: „Letztlich wirft dieser Song die Frage

auf: Was ist eigentlich Weiblichkeit?“

Die Bedürfnisse der Frauen treiben

Marina auch in dem Stück „Man‘s World“,

für dessen Produktion sie sich ein rein

weibliches Team zur Seite stellte, um. Da

spricht sie mit der Zeile „I don‘t wanna live

in a man‘s world anymore“ Klartext. „Ich

kämpfe jeden Tag gegen das Patriarchat“,

erklärt sie. „Meiner Ansicht nach profitieren

Männer von Gleichberechtigung nicht

weniger als wir Frauen.“ Ginge es nach ihr,

dann dürfte sich niemand über andere

erheben. Insbesondere die Diskriminierung

von Minderheiten wie LGBTIQ*-Bewegung

geht ihr gegen den Strich. Nicht umsonst

spielt sie in „Man‘s World“ auf einen Sultan

an, der in seinem Land die Todesstrafe für

Homosexuelle eingeführt hat. Gemeint

ist Hassanal Bolkiah, ihm gehört das

„Beverly Hills Hotel“ in Los Angeles. „Wie

kann jemand auf der einen Seite ein

wunderschönes Hotel besitzen, das bei

der queeren Community extrem angesagt

ist und auf der anderen Seite homophob

sein“, empört sich Marina. „Ich habe gehört,

dass dieser Mann in seiner Heimat Schwule

zu Tode steinigen lässt.“ Nicht nur für die

Künstlerin ist das ein Verstoß gegen die

Menschenrechte: „Keiner sollte aufgrund

seiner Sexualität verurteilt werden.“

*Dagmar Leischow


POP

Lana Del Rey

Seit etwa zehn Jahren lässt die Sängerin uns

melancholisch werden – und das auch noch

genießen. Unlängst erschien ihr neues Album:

„Chemtrails over the Country Club“, das einmal

mehr chillen und träumen lässt. „Vielleicht war ich

mit meiner Geschichte und meinen Erlebnissen,

die ich in die Songs einfließen ließ, zu ehrlich? Komplexität im Pop ist immer noch verwirrend

für manche Menschen. Ich habe tatsächlich aus meinem Leben berichtet, und

nicht nur nichtssagende, freundliche Sommerliedchen geträllert.“ Vertonte Sehnsucht,

großer Pop. Lana Del Rey (geboren am 21. Juni 1985) haucht, singt und flüstert und

macht auch ihr siebtes Studioalbum „Chemtrails over the Country Club“ – erhältlich als

CD, Kassette, Download und auf Vinyl – zum großen Wurf. *rä

COMEBACK

KLEE trotz alledem

Das Kölner Pop-Duo KLEE meldet sich zurück!

2021 starten Suzie und Sten mit neuen Hits und

dem Album „TROTZALLEDEM“ wieder durch.

Gerade jetzt in der Pandemie machen sie Mut

und lenken ab von den alltäglich gewordenen

(Corona-)Hiobsbotschaften aus aller Welt.

Über KLEE: 2002 begann die Karriere der Band mit dem Klub-Hit „Erinner dich“,

einem melancholischen Rückblick auf eine Beziehung, umschmeichelt von sanften

Elektrobeats. 2005 gelang KLEE dann mit dem poppigen „Gold“ der erste richtige

Hit und 2008 mit „Zwei Herzen“ aus dem Album „Berge versetzen“ dann der bisher

größte Wurf in Sachen Vielfalt. 2011 folgte das bis dato erfolgreichste Album „Aus

lauter Liebe“. Musiziert hat die Band bereits schon ab 1997, damals nannte man sich

aber noch Ralley. 2015 erschien ihr letztes Album „Hello Again“ – Platz 23 war für die

neuinterpretierten Schlager drin. Unsere Anspieltipps auf „TROTZALLEDEM“ sind

„Kopfüber“, „Glitzer drauf“ und „Septembernebel“. *rä

www.kleemusik.de

EURODANCE

Retro-Freuden

auf Platte

In den 1990ern gab es unzählige Musikprojekte,

die mit wechselnden Sängerinnen sowie von Techno,

Trance und House inspirierten Beats und nicht mehr

als vier Sätzen pro Lied weltweit Hits landeten.

Nicht alle waren schlecht.

Zu den Guten gehört zum Beispiel Odyssey (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen

Soul-Disco-Formation). Dieses deutsche Eurodance-Projekt landete zwischen

1993 und 1998 diverse Hits und veröffentlichte zwei Alben – das eine gibt es jetzt

erstmals auf Vinyl: „Love Train“. Unsere Anspieltipps sind die Chart-Erfolge „Move

Your Body“, „Into The Light“ und „Riding on a Train“. Mit involviert bei Odyssey waren

unter anderem DJs wie Quicksilver und Projekte wie U.S.U.R.A., gesungen hat immer

die großartige Lisa Cash, die auch heute noch Erfolg hat – etwa mit und bei Nina

Hagen, den Brothers Keepers/Sisters Keepers oder Samy Deluxe. *rä

www.maschinarecords.com

CD, 2xLP & DIGITAL

“Unter all den großen

Werken, die uns Pallett in

den letzten anderthalb

Jahrzehnten geschenkt

hat, ist dies das größte,

berührendste - und

das verstörendste.“

ROLLING STONE GERMANY

JULY 2020


KUNST

FOTOGRAFIE

MÄNNER

AUS STOCKHOLM

Der Fotograf Jonas Norén war gerade einmal vier

Jahre alt, als er das erste Mal eine Kamera in den

Händen hielt.

Mittlerweile ist der Skandinavier einer der ganz

Populären in der queeren und homoerotischen

Fotografenszene. Wir haben einige seiner besten

Bilder für dich versammelt. „Ich finde meine Models

im Fitnessstudio, auf Facebook und auf Instagram.

Und manchmal finden sie mich ...“, verriet uns

Jonas Norén im Chat. Wer von dem schwedischen

Künstler abgelichtet werden will, der kann sich via

Social Media bei ihm melden. Vor Kurzem erschien

auch ein Buch von Jonas Norén (wir berichteten):

„Human Behind the Penis“. Schwule Kunst, die

durch das Können des Machers und ihre innewohnende

Erotik überzeugt. *rä

www.jonasnoren.se,

www.facebook.com/jonasnoren.se,

www.instagram.com/jonasnoren.se,

mehr Features dieser Art auf instagram.com/

blumediengruppe


MALEREI

ROSS

WATSON

Oft widmete sich der australische

Künstler Ross Watson der malerischen

Neuinterpretation von Stilen

und Werken alter Meister, momentan

erfreut er mit nackten Ansichten

und Uniformen.

KUNST

Unbekleidete Trainierte neben den

Wachen der Königshäuser! Das mag

den einen oder anderen sicher vor

den Kopf stoßen, schafft aber auch

eine Intensität, die sonst selten so

schnell beim Betrachter hervorgerufen

wird. Denn so verbindet sich

der erotische Muskelmann mit dem

ehrwürdigen Traditionellen, was ja

auch schon fast wieder etwas Sakrales

hat. Der 1962 geborene australische

Maler Ross Watson stellte

schon erfolgreich in London, Berlin

und Los Angeles aus und nahm an

Gruppenausstellungen zeitgenössischer

internationaler Künstler in

der australischen Nationalgalerie

und auf der Kunstmesse Toronto

teil. Weltstar Sir Ian McKellen ist Fan

und unser aller Piano-Meister Sir

Elton John hat auch schon Watsons

Kunst gekauft. *rä

www.rosswatson.com,

mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe

3DVD

mit beiden

Halbfinals und

Finale

ab 25. Juni

erhältlich!

Album

mit allen

Teilnehmersongs

ab sofort als

2CD und

Download

erhältlich!

www.eurovision.tv · www.universal-music.de/eurovisionsongcontest


BUCH

ROMAN

Noch immer erleben Trans* Gewalt, werden umgebracht, verjagt, verspottet

und zur Prostitution gezwungen. Harter Tobak, thematisiert in

einem wunderbaren Buch.

Die 1982 in Argentinien geborene Autorin und Schauspielerin Camila Sosa Villada

erzählt in ihrem unlängst beim Berliner Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „Im

Park der prächtigen Schwestern“ (im Original erschienen als „Las Malas (Tusquets

Editores, Planeta de Libros, Buenos Aires“) vom Zusammenhalt und dem Leid

einer Gruppe von Trans*-Prostituierten in einem Park in Córdoba, der nachts „zur

Wildnis“ wird. Hierher, in den Sarmiento, verschlägt es die junge Camila, als sie vor

familiärem Hass in die angebliche Anonymität der Stadt flüchten muss ... Hier

erlebt sie Fürsorge, Freundschaft und Akzeptanz. Sie alle wollen keine Opfer sein,

sie wollen leben. *rä

KINDER

ELIAS

LIEBT EINEN MÄRCHENPRINZEN

Gleichgeschlechtliche Liebe

kommt in den allermeisten

Geschichten nicht, kaum oder

nur am Rand vor. Schön, dass es

Bücher wie diese gibt: „Elias und

die Märchenrevolution“ und „Elias

und die Konferenz der Gefühle“.

Beide Bücher stammen aus der

Feder des in Bayern geborenen

Wahl-Wieners Harald Buresch,

der als Musical-Darsteller

tätig war und jetzt hinter den

Bühnenkulissen in der Kinder- und

Jugendpädagogik wirkt. Und

eben als Buchautor in diesen

belastenden Zeiten von Krisen-,

Pandemie- und Internet-Hass-

News ganz wunderbar ablenkt.

„ELIAS, ein moderner Held in Märchengeschichten,

die Klein und

Groß gleichermaßen begeistern.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte

zwischen ELIAS und dem

Märchenprinzen sowie viel Humor

machen die ELIAS-Bücher zu

etwas ganz Besonderem“, verrät

uns der Autor via E-Mail.

„Die altbekannten Märchen von

Rotkäppchen bis Aschenputtel

haben ausgedient: Kinder von

heute interessieren sich nicht

mehr für sie. Es herrscht Welt-

Märchen-Krise! Elias gibt ihnen

neue Botschaften und verhilft

den märchenhaften Held*innen

zu einem modernen und

zeitgemäßen Neuanfang“, so der

Wiener Queer. In seinen Büchern

treffen wir auch alte Bekannte,

doch Queerness scheint in dieser

Märchenwelt keine neue Erscheinung:

„Selbst Rotkäppchens

** Großmutter hat darüber die

ein oder andere Story parat“, so

Harald Buresch. *rä

www.maerchenheld.com

** Es gibt viel ältere Versionen als die der

Gebrüder Grimm. Nicht in allen hilft ein Jäger,

mitunter befreit sich Rotkäppchen selbst. Immer

schwingt aber mit, dass sich Mädchen nicht

auf fremde Männer einlassen, „nicht vom Weg

abkommen“ sollen.


DATES. FREUNDE. LIEBE.

Willkommen bei ROMEO, dem offensten Netzwerk weltweit für Schwule, Bi-Männer

und Transgender. Lade die App herunter oder logge dich in unsere Webseite ein.

app.planetromeo.com


BUCH

BILDBAND

ZWANZIG NACKEDEIS

IN DER NATUR

Und im Pool! Diese Jungs hatten dabei viel Spaß – und lassen dich dank

Salzgeber an ihren Erinnerungen teilhaben.

Die Macher der Vollerotikseite CockyBoys, Jake Jaxson und RJ Sebastian,

veröffentlichten gerade zusammen mit Salzgeber diesen äußerst

erotischen, aber nicht peinlichen, Bildband. „SUMMER BOYS“ bietet auf 160

Seiten farbenfrohe, schwule und vom Sommer geküsste Fotografie(-Erotik)

in Buchform. Entstanden seien diese Bilder in einem Camp im Wald samt

Ferienhütte und Pool ... Dort war der Sommer dann doch schöner als in

den überhitzten deutschen Großstädten mit zu wenigen Straßenbäumen,

oder? Zwanzig Models der Vollerotik-Seite CockyBoys waren dabei, hundert

Fotografien sind herausgekommen. Schwul! *rä

FOTOS: SALZGEBER


PrEP

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