architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 8 2021

architekturonline.com

Wenn wir in der Vergangenheit das Thema Stadt aufgegriffen haben, drehte es sich oft um prestigeträchtige Infrastrukturprojekte, große Neubauquartiere oder futuristische Zukunftsvisionen. Diesmal haben wir uns hingegen den eher kleinen Bausteinen gewidmet, die eine Stadt lebenswerter machen. Einzelne Leuchtturmprojekte können Viertel beleben, die Anwohner bereichern oder schlicht hochwertigen Wohnraum mit Mehrwert schaffen. In ihrer Summe geben sie einer Stadt ihr Gesicht und prägen mit ihren Qualitäten das Zusammenleben der Menschen.

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

08

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Dezember 2021

Urbanes

Leben


Schöne Feiertage!

DANKE – dass wir Ihr Partner sind.

Unser Anspruch für 365 Tage im Jahr: Wir möchten die beste Unterstützung für Ihr tägliches

Handeln leisten. Deshalb ist es uns eine Herzensangelegenheit, immer zur Stelle zu sein,

wenn Sie uns brauchen. Ein Versprechen – auch für die Zukunft!

Wir wünschen allen Partnerinnen und Partnern frohe Weihnachten und einen guten Start

ins neue Jahr.

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Leben in der Stadt

Wenn wir in der Vergangenheit das Thema Stadt aufgegriffen

haben, drehte es sich oft um prestigeträchtige Infrastrukturprojekte,

große Neubauquartiere oder futuristische

Zukunftsvisionen. Diesmal haben wir uns hingegen

den eher kleinen Bausteinen gewidmet, die eine Stadt lebenswerter

machen. Einzelne Leuchtturmprojekte können

Viertel beleben, die Anwohner bereichern oder schlicht

hochwertigen Wohnraum mit Mehrwert schaffen. In ihrer

Summe geben sie einer Stadt ihr Gesicht und prägen mit

ihren Qualitäten das Zusammenleben der Menschen.

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Editorial

Kreatives Bauen mit Metall

In Anbetracht moderner Probleme, wie steigender Wohnkosten

und der Explosion an Single-Haushalten in den Städten haben

wir uns dem Thema „Microliving“ angenommen. Diese neue

Wohnform wird langsam auch in Europa immer relevanter, verlangt

aber ein radikales Umdenken seitens der Bewohner, sowie

kreative Lösungen durch die Planer. Wie das gelingen kann, zeigen

wir mit einigen ausgesuchten Beispielen.

Mit Nolistra gestaltete das Büro LAN Architecture den jüngsten

und finalen Zuwachs des urbanen Entwicklungsgebiets Étoile in

Straßburg. Dafür entwickelte es nicht nur einen, sondern acht

Baukörper mit bunt gemischter Nutzung, die mit ihrem pastellfarbenen

Farbcode wie eine eigenständige Insel wirken.

Ein weiteres innovatives Wohnobjekt haben Reiulf Ramstad Arkitekter

mit P77-79 im Herzen von Oslo geschaffen. Es ist so konzipiert,

dass es sensibel auf die umliegende historische Bebauung

aus dem 18. und 19. Jahrhundert reagiert und eine vielfältige und

lebendige Gemeinschaft im Viertel fördern soll.

Die Estación San José aus der Feder des Architektenteams von

FRPO vereint Parkhaus, Büro- und Co-Working-Bereiche sowie

kulturelle und kommerzielle Räume unter einem Dach und bereichert

so ein eng verbautes Viertel im mexikanischen Toluca.

Die Stadt Aalen schafft direkt am Bahnhof ein neues, lebendiges

Stadtquartier. Einen Teil davon bildet KUBAA, der Kulturbahnhof

von a+r Architekten. Rund um die Ruinen eines historischen

Ensembles schrieben sie so ein Stück neue Stadtgeschichte und

schufen jede Menge Raum für kulturelle Veranstaltungen.

In besonders dicht verbauten Städten wie New York muss man

schon kreativ sein, um neue Grünflächen zu erschließen. So geschehen

beim neuen Inselpark Little Island im Hudson River.

Das, mitten in der amerikanischen Metropole gelegene, skulpturale

Eiland ist grüne Oase und perfekt ausgestatteter Veranstaltungsort

zugleich.

Auch im Schwerpunkt RETAILarchitektur haben wir uns diesmal

kleinen, aber feinen Ladenlokalen aus dem urbanen Raum angenommen.

In unserer EDV-Fachkolumne nehmen wir diesmal die

neuesten Möglichkeiten der Brandschutzdokumentation unter

die Lupe. Wie gewohnt runden zudem eine Vielzahl an weiteren

Themen und Produktinformationen den Inhalt dieser Ausgabe

von architektur ab.

Ich wünsche viel Vergnügen mit der neuen Ausgabe sowie

besinnliche Weihnachten und ein schönes neues Jahr,

Andreas Laser

Hinterlüftete

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Individuelle Gestaltungsvielfalt mit

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Das Wiener Studentenwohnheim

Magazin 12

Bau & Recht 22

Mietzinszahlung trotz Lockdown?

more or less 24

Trendthema Microliving

Die urbane Insel 32

Nolistra / Straßburg, Frankreich /

LAN Architecture

Besser wohnen für alle 38

Wohnhaus P77-79 / Oslo, Norwegen /

Reiulf Ramstad Arkitekter

Scheinbar unscheinbar 44

Estación San José / Toluca, Mexiko /

FRPO Rodriguez & Oriol

Endstation Kultur 50

Kulturbahnhof Aalen /

Aalen, Deutschland /

a+r Architekten

Stadt, Land, Fluss 58

Little Island / New York /

Heatherwick Studio

RETAILarchitektur 64

Produkt News 70

edv 94

Brandschutz dokumentation:

Brandschutz per App dokumentieren

32

44

58

38

50

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at)

REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck, Mag. Theresa Stachowitz, Mag. Matthias Nödl

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 94,- / Ausland: € 115,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 64,- / Ausland: € 91,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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6

Architekturszene

Auf der Schmelz

© MIGRA

Das Wiener

Studentenwohnheim

Als Ausbildungsstandort ist Wien für Studierende äußerst attraktiv. Dies ist wenig

verwunderlich – immerhin punktet die Hauptstadt Österreichs nicht nur mit einem

großen Studienangebot, sondern gleichermaßen mit ihrer hohen Wohn- und Lebensqualität.

Für die Studierenden, die aus anderen Bundesländern oder dem Ausland

nach Wien ziehen, braucht es natürlich erschwingliche und komfortable Wohnformen.

Eine Antwort auf dieses Bedürfnis liefern die Studentenwohnheime von

gemeinnützigen Anbietern.

Text: Dolores Stuttner

Sie stellen komfortablen und praktischen

Wohnraum für ihre Bewohner zur Verfügung,

wobei die Kosten hier fix und überschaubar

sind. In der Mehrzahl der Einrichtungen

sind die Zimmer bereits voll

möbliert, während die Reinigung der Räume

ebenfalls inkludiert ist – Studierende haben

so den Vorteil, sich voll und ganz auf

ihre Ausbildung konzentrieren zu können.

Doch steht das Studentenheim als Wohnform

mittlerweile vor der Herausforderung,

zeitgemäßen Ansprüchen in Bezug auf

Ökonomie, Ökologie, Ausbildungs- und Lebensqualität

gerecht zu werden. Eine Kombination

aus innovativen Bautechnologien

und nutzerzentrierter Planung kann einen

Lösungsansatz liefern.

Die Qualität des Minimalismus

„Während früher Doppel- und Mehrbettzimmer

im Studentenwohnheim Standard

waren, sind heute Einzelzimmer stark nachgefragt“,

sagt Marina Döring-Williams, Professorin

an der TU Wien und Co-Autorin

des Buchs „Das Wiener Studentenheim“.

In Bezug auf die Nutzung der studentischen

Wohneinrichtungen findet also ein

Wandel in Richtung Privatsphäre statt.

Der gesteigerte Wunsch nach mehr Intimität

beschränkt sich jedoch nur auf den

Schlafbereich; auf Geselligkeit wollen die

Bewohner nicht verzichten, weshalb Gemeinschaftsräume

in den Heimen nach wie

vor eine zentrale Rolle einnehmen. Die Herausforderung

für die Architektur liegt somit

darin, dem Streben nach Privatsphäre und

Gemeinschaft zu entsprechen. In Kombination

mit minimalistischen Ansätzen soll so

leistbares Wohnen in einem studentengerechten

Umfeld möglich sein. Bereits in den

vergangenen Jahren wurden diesbezüglich

in den Häusern unterschiedliche Schwerpunkte

geschaffen. Moderne Einrichtungen

setzen sogar auf eine Mischung aus halböffentlichen

Bereichen und privaten Treffpunkten

für Lerngruppen.


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Architekturszene

Für die Architektur und Inneneinrichtung,

aber auch für die Preisgestaltung bildet das

Studentenwohnheimgesetz die Basis. Ebendiese

Vorgaben sollen bei Neubauten, aber

auch bei der Renovierung bestehender Heime,

eine gesteigerte Wohn- und Lebensqualität

gewährleisten. Berücksichtigung findet

bei der Planung selbstverständlich auch die

Bauordnung – sie schreibt in neu gebauten

sowie in renovierten Studentenwohnheimen

Barrierefreiheit vor. Es sind barrierefrei zugängliche

und entsprechend ausgestattete

Zimmer einzurichten. Aus Kostengründen

müssen sich Architekten gleichzeitig auf

das Wesentliche beschränken.

Minimalismus kommt aber nicht nur beim

Innenraumdesign zum Tragen. Um dem

Streben nach Effizienz und Flexibilität Folge

zu leisten, werden heute immer mehr

Studentenheime in modularer Bauweise

realisiert. Bei diesem Verfahren erfolgt die

Zusammensetzung des Bauwerks aus vorgefertigten

Modulen nach dem Baukastenprinzip.

Es ergibt sich hier der Vorteil der

verkürzten Bauzeit und der Kostenersparnis.

Großbauten wie Studentenheime bestehen

aus zahlreichen, sich wiederholenden

Nutzungseinheiten, weshalb sich die Modulbauweise

für sie sehr gut eignet. Zweifelsohne

sind studentische Wohneinrichtungen

damit auch Nährboden für nachhaltige und

experimentelle Baukonzepte.

Pop-Up-Dorms

© home4students

Der Stadtraum als Lebensumfeld

Neben der Gestaltung bestimmt die Lage in

der Stadt die Attraktivität eines Studentenheims.

Umfragen ergaben, dass für Studierende

nicht nur die Nähe zur Bildungsstätte,

sondern gleichermaßen eine Anbindung

an Grün- und Erholungsinfrastruktur wünschenswert

ist.

In diesem Kontext ist auch das Konzept von

„Mixed Use“ ein wichtiges Thema. Dieser

Begriff bezeichnet die gemischte Nutzung

eines Baus oder eines Stadtteils. Ein Gebäude,

das dieser Idee entspricht, hat beispielsweise

nicht nur eine Wohnfunktion,

sondern es dient gleichzeitig der Nahversorgung

und der Unterhaltung. In Bezug

auf ein Studentenwohnheim könnte dies

bedeuten, dass sich im selben Bauwerk ein

thematisch passendes Geschäft einmie-

tet. Ein Positivbeispiel dafür, ist die von der

STUWO betriebene Einrichtung im 15. Wiener

Gemeindebezirk, Auf der Schmelz. Geplant

wurde das Wohnheim, welches sich in

erster Linie an Sportstudenten richtet, vom

Architekturbüro WGA. Mit diesem Projekt

stellen die Planer den Studenten einerseits

modernen Wohnraum und andererseits Freizeit-

und Aufenthaltsmöglichkeiten in Form

von Grünraum mit Außensportanlagen. Abgerundet

wird das Angebot für Studierende

der Sportwissenschaft mit einem Shop

für Sportartikel und einem Restaurant im

Erdgeschoss. Viel Wert legten die Architekten

von WGA zudem auf eine barrierefreie

Gestaltung aller Anlagen, was die 2013 realisierte

Wohneinrichtung zu einem Stützpunkt

für den Behindertensport macht.

Pop-Up-Dorms

© home4students


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Magazin


architektur FACHMAGAZIN

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Architekturszene

ÖJAB Haus Johannesgasse

© ÖJAB

Mit seiner Lage im Stadtraum, aber auch

durch historische Architektur punktet

das Heim der ÖJAB (Österreichische Jungendarbeiterbewegung)

in der Johannesgasse,

im 1. Wiener Gemeindebezirk. Es

handelt sich hierbei um einen ehemaligen

Schul- und Klosterbau der Ursulinen, der

Musikstudenten 120 Schlafplätze nahe

dem Konservatorium zur Verfügung stellt.

B18 Architekten bauten das Gebäude im

Jahr 2013 zu einem modernen Studentenwohnheim

mit eigenem Garten und Musikübungsräumen

um. Zeitgemäß ist aber nur

die Inneneinrichtung – das historische Gemäuer

blieb unangetastet, sodass sich der

Bau harmonisch in die historische Wiener

Innenstadt einfügt und den Bewohnern eine

einzigartige Kulisse bietet.

Wohnheime in inneren Bezirken haben zudem

den Vorteil, Unterhaltungs- und Einkaufsmöglichkeiten

sowie Gastronomie in

unmittelbarer Nähe zu haben. Anders verhält

es sich bei Studentenwohnungen in

den Wiener Außenbezirken – Experten halten

in diesem Fall einen Anschluss an das

höherrangige öffentliche Verkehrsnetz für

unverzichtbar. Auch sollte eine Einrichtung

in der Peripherie mit weiteren spezifischen

Standortvorteilen – wie der Nähe zur Bildungseinrichtung,

einem Erholungsgebiet

oder die Lage in einem modernen Stadtteil

– punkten. Letztgenannten Anforderungen

wird das STUWO Wohnheim in der Seestadt

Aspern, dem größten Wiener Stadtentwicklungsgebiet

am Stadtrand, gerecht. Die Einrichtung

mit ihren 295 Apartments zeigt

auf, wie Innovation die Entstehung von studentischem

Lebensraum fördern kann.

Historische Bauten –

moderne Entwicklungen

„Geht es um die architektonische Gestaltung,

die Form und die Ausstattung der

Studentenheime, so ist in Wien eine große

Vielfalt gegeben“, erläutert Elisabeth Wernig

von der TU Wien. Tatsächlich finden

sich in der Bundeshauptstadt Einrichtungen

für studentisches Wohnen sowohl in historischen

Bauten als auch – und immer öfter

– in Form moderner, experimenteller Einrichtungen.

Werden in Wien Studentenheimplätze

in bestehenden Gebäuden realisiert,

geschieht dies häufig in Gründerzeitbauten.

Das Bauen im Bestand ist zweifelsohne ökologischer,

da dafür kein Neubau zu errichten

ist. Außerdem profitieren die Bewohner

von einer einzigartigen Atmosphäre, da sie

immerhin in über 100 Jahre alten Bauten

leben. Die Implementierung zeitgemäßer

Wohnstandards in Altbauten ist aber nur mit

einem großen Aufwand möglich – dies gilt

vor allem dann, wenn den Anforderungen

des Denkmalschutzes Folge zu leisten ist.

Neubauten sind kostspieliger, allerdings

lassen sich in ihnen aktuelle Maßnahmen

zur Sicherheit und Barrierefreiheit leichter

umsetzen. Auch die beschriebene Implementierung

neuer Bautechnologien und

architektonischer Ansätze ist möglich. In

einer Großstadt wie Wien ist eine Kombination

aus beiden Herangehensweisen möglich

und sogar wünschenswert. Immerhin ist

es dann möglich, den zum Teil vielseitigen

Anforderungen der Auszubildenden aus aller

Welt zu entsprechen.

Gemäß Marina Döring-Williams handelt es

sich beim Studentenheim um eine wichtige

Einrichtung, da Bewohner dort die

Möglichkeit haben, Unabhängigkeit in einem

geschützten Rahmen zu erleben: „Der

große Vorteil der Wohneinrichtungen liegt

darin, dass die Bewohner hier alles aus einer

Hand erhalten. So bleibt Studierenden

der Aufwand, der sich mit dem Bezug einer

Mietwohnung ergibt, erspart. Die Architektur

hat die Verantwortung, die Grundlagen

für ein autarkes Leben zu schaffen.“

ÖJAB Haus Johannesgasse

© ÖJAB


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Magazin


architektur FACHMAGAZIN

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Magazin

Mit Energie

zum Wandel

Eine zukunftsorientierte Strategie, die das Zusammenspiel von Architektur und

Städtebau harmonisiert, stellt die Projektidee Powered by Ulsteinvik dar. Dabei ist

es Ziel des Architekturbüros Kaleidoscope Nordic, einen Stadtteil mit hoher Lebensqualität

zu realisieren. Für einen optimierten Energiefluss sorgen die Planer durch

eine Ausnutzung der natürlichen Zyklen und Jahreszeiten in Ulstein – dem zukünftigen

Standort ihres Projekts. Entstehen soll daraus die sogenannte 300-Meter-Stadt.

Text: Dolores Stutner Bilder: KVANT-1, Kaleidoscope Nordic


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Magazin

Nicht nur soll das Areal zu einer autofreien

Fläche werden, sondern es wird auch ein

Zugang zum Meer geschaffen. Mit diesen

Maßnahmen gestalten die Architekten das,

durch den Pkw-Verkehr belastete, Zentrum

zur belebten Fußgängerzone um. Klare urbane

Strukturen und ein vielseitiger Nutzungsmix

bringen zusätzlich frischen Wind

in den Bezirksteil. Gleichzeitig ist eine Integration

des Bestandes angedacht. Die Planer

wollen die bereits existierenden Bauten

nicht etwa mit der Innovation untergehen

lassen, sondern deren Vorzüge herausstreichen

und sich diese bei der Umgestaltung

des Bezirksteils gar zunutze machen.

Als verbindendes Element fungiert bei diesem

Konzept der Smart-Grid. Er soll den

Stadtteil mit autonom gewonnener Energie

versorgen und der Bespeisung des öffentlichen

Verkehrs dienen. Nachhaltige Mobilität

im Areal gewährleisten dabei E-Autobusse.

Der räumlichen Strukturierung dient

die sogenannte „Smart Pergola“. Das energetisch

intelligente Konstrukt schafft im

Straßenraum, aber auch auf Hausdächern,

Aufenthaltsqualität – und es generiert

obendrein Energie.

Im Zentrum des Stadtteils – und auch des

Projekts – steht der Smarthub als Innovationsbau.

Das multifunktionelle Gebäude soll

innovative Netzwerke zwischen privaten

und öffentlichen Akteuren schaffen. Administrative

Einrichtungen, ein Geschäftszentrum,

ein öffentliches Café sowie ein

Innovationslabor für die Allgemeinheit wird

das Bauwerk unter einen Hut bringen. Auch

die Außenhülle gestalten die Architekten im

Zeichen der Energieautarkie, weshalb Photovoltaik-Paneele

diese schmücken werden.

Die Generationengärten sollen das Quartier

baulich und gesellschaftlich abrunden.

Mehrere soziale Einrichtungen – darunter

Jungendclubs, Pflegeheime, Kindergärten

und Büros für Gesundheitsdienstleistungen

– teilen sich hier denselben Standort. Es ist

die Realisierung abgeschirmter Innenhöfe

vorgesehen, die Intimität schaffen und als

sichere Spielfläche für Kinder dienen.

Einen energieautarken Lebensraum schaffen

die Planer mit der „Zirkulären Nachbarschaft“,

die sich auf neue Wohntypologien und gemeinschaftlich

genutzte Einrichtungen

stützt. Die Gebäude selbst sammeln Regenwasser,

das den Bewohnern zum Bewässern

von Pflanzen bereitgestellt wird. Ein Gewächshaus

mitsamt einer Gemeinschaftsküche

soll als Treffpunkt für die Nachbarschaft

dienen. Nachhaltigkeit und soziales Wohnen

treffen hier also gekonnt aufeinander.


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14

Magazin


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Magazin

Die Natur

der Kunst

Eine einzigartige politische Atmosphäre und ein schneller wirtschaftlicher und

urbaner Wandel kennzeichnen die Stadt Peking. Die Entstehung prominenter

Kunstviertel – die so genannten „Art Cities“ – ist auf den Beginn des 20. Jahrhunderts

zurückzuführen. Architekten und Stadtplaner stehen vor der Herausforderung,

der rasanten Entwicklung, aber auch der Geschichte der Metropole gerecht

zu werden. Und dies ist den Experten von Crossboundaries mit dem Songzhuang

Micro Community Park gelungen.

Text: Dolores Stuttner Fotos: BAI Yu

Das Projekt ist eine Grün- und Freifläche, welche eine

2018 realisierte „Art City“ umgibt. Nicht nur die Vegetation,

sondern auch die Materialien wurden gezielt

ausgewählt, sodass sie den einzigartigen Charakter

des Stadtteils unterstreichen. Die Hauptkomponente

des Areals stellt eine graue Ziegelmauer dar. Sie

wurde bewusst mit Perforationen und fensterartigen

Öffnungen versehen. Die Wand wirkt dadurch nicht

nur raumbildend, sondern gleichermaßen spielerisch.

Gelbe Elemente im Inneren des Mauerwerks,

aber auch auf den Gehwegen, lockern das Konstrukt

und die Freifläche auf. Sie leiten die Besucher durch

das Areal und heben einzelne Bereiche hervor. Der

Hauptpfad erstreckt sich bis in eine naturnah gestaltete

Parkfläche hinein, wobei Letztere einen klaren

Kontrast zum Eingangsbereich mit seinen strukturierten

Baumreihen liefert.

Eine Zone mit Pinienbäumen aus Südchina schirmt

den Park von einem angrenzenden Stellplatz ab. Auf

der Straßenseite dienen persische Seidenbäume als

natürlicher Puffer. Auf der urbanen Freifläche ist aber

auch alter Baumbestand zu finden, der bewusst erhalten

und in die Stadtlandschaft integriert wurde.

Die L-förmige Fläche setzt sich aus mehreren Außen-“Zimmern“

zusammen, die allen Besuchern offenstehen.

Es ist auf der linear gehaltenen Strecke möglich,

einer Reihe an Aktivitäten nachzugehen – Sitz- und

Spielgelegenheiten sowie Fahrrad- und Laufwege beherbergt

das Areal, wobei die intelligente Raumaufteilung

ein harmonisches Miteinander gewährleistet.

Mit ihrem Landschaftskonzept gelang es den Planern,

die ehemals verkehrslastige Zone mit dem Grünraum

zu bereichern. Der Eingang zum Stadtpark fungiert

heute als urbaner Platz mit Aufenthaltsqualität.

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16

Magazin

Auf zu

neuen Ufern

Inspiriert von der industriellen Vergangenheit des Ortes ergänzten Moxon

Architects das Areal an der berühmten King’s Cross Station in London um eine

auffällige Fußgängerbrücke. Sie überspannt den Regent’s Canal und sorgt für

neue Verbindungen in dem innerstädtischen Quartier. Ihren Namen verliehen der

Espérance Bridge die Schulkinder der King’s Cross Academy, die damit ein hoffnungsvolles

Zeichen setzen wollten.

Text: Edina Obermoser Fotos: Simon Kennedy / John Sturrock


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Magazin

Der Kanal fließt mitten durch King’s Cross, eine Gegend,

die nicht immer den besten Ruf genoss. Nach

umfassenden Revitalisierungs- und Sanierungsarbeiten

zieht das Viertel mit einem bunten Mix aus

Wohn-, Büro- und Gewerbenutzung inzwischen nicht

nur Einwohner und Touristen, sondern auch zahlreiche

Konzerne an. Im Süden befindet sich neben

King’s Cross mit St. Pancras eine weitere Bahnstation

sowie Firmenzentralen rund um den gleichnamigen

Pancras Square. Über den Granary Square schließt

auf der anderen Seite der Wasserstraße das Gelände

des ehemaligen Güterbahnhofs an. Hier lockt mit der

Coal Drops Yard seit 2018 ein Shoppingcenter. Darüber

hinaus erfüllen eine Kunsthochschule, weitere

Läden und Restaurants das Areal mit Leben.

Beide Seiten wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts

von einer Brücke verbunden. Rund 200 Jahre

später entstand nun an der exakt gleichen Stelle die

25 Meter lange Espérance Bridge. Sie erinnert mit

ihrer Fachwerkstruktur an den Vorgängerbau, dient

aber im Gegensatz zu damals nicht mehr dem Kohletransport,

sondern ausschließlich als Übergang für

Passanten. Heute soll sie eine bessere Anbindung

der südlichen Verkehrsdrehscheibe an die Einkaufsmeile

im Norden garantieren. Gemeinsam mit Arup

Ingenieuren entwickelten die Londoner Architekten

den Entwurf für die neue Überführung. Dieser greift

das Design der viktorianischen Eisenbahnbrücken

wieder auf und übersetzt es in ein modernes Stahltragwerk.

Ein dynamisches Auf und Ab zeichnet

die Kraftverläufe der Konstruktion nach. Zwei geschwungene

Träger bilden den oberen Abschluss der

Struktur und fungieren gleichzeitig als Brückengeländer.

Sie verdecken die indirekte Beleuchtung, die

die Überführung bei Nacht stimmungsvoll in Szene

setzt. Doch auch bei Tageslicht läuft die Brücke nicht

Gefahr, im städtischen Treiben unterzugehen – sie ist

in knalliges Rot getunkt und erweitert den boomenden

Bezirk der britischen Hauptstadt sowohl um einen

neuen Erschließungsweg für Fußgänger als auch

um einen fröhlichen Farbakzent.

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18

Magazin

Die Innovation der

Stadtbegrünung

Bäume bieten sich als praktikable Lösung für die Reduzierung urbaner Hitzeinseln

an. Sie beeinflussen bekanntermaßen das Mikroklima durch Schatten und Verdunstung

positiv und fungieren so als lebende Klimaanlage. Ihre Wurzelsysteme

vermögen es, große Mengen Wasser zu speichern und dienen so als Unterstützung

für das Regenwasser-Management bei Starkregen. Nebenbei reduzieren sie

Windgeschwindigkeiten und bieten Lebensräume für eine Vielzahl an Tieren und

anderen Organismen.

Grafiken: 3:0 Landschaftsarchitektur

Mit dem Prinzip der Schwammstadt für Bäume soll

in dicht verbauten Gebieten zusätzlicher Raum für

Stadtbegrünung geschaffen werden. Dabei handelt

es sich um ein innovatives System, das die gesunde

Entwicklung großkroniger Bäume in befestigten Flächen

ermöglicht und unterirdischen Retentionsraum

für die Niederschlagswässer schafft. Das Konzept

stammt ursprünglich aus Skandinavien wo Großstädte

wie Stockholm dieses bereits seit mehreren Jahren

erfolgreich umsetzen. Stefan Schmidt von der HBL-

FA Schönbrunn hat, mit Daniel Zimmermann vom

Büro 3:0 und Erwin Murer von der BA für Wasserwirtschaft

(BAW), das Konzept nach Österreich gebracht

und forscht, gemeinsam mit den Kollegen des BAW,

federführend dazu. Im „Arbeitskreis Schwammstadt“

unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Gesellschaft

für Landschaftsarchitektur (ÖGLA) treibt

er mit Kolleginnen und Kollegen aus Praxis und Verwaltung

das Prinzip in Österreichs Städten voran.

Entstehen können diese „Schwammstadt-Baumzonen“

überall dort, wo sogenannter Grobschlag eingebaut

und verdichtet werden kann, der die Lasten der

Oberfläche in den Untergrund ableitet. In die dabei

entstehenden großen Hohlräume des Grobschlags

wird dann ein Feinsubstrat aus mineralischen und organischen

Bestandteilen eingeschlämmt, das für die

Versorgung des Baums zuständig ist. Es entsteht ein

durchwurzelbares Porensystem: Grobporen lassen

Luft und Wasser in den Boden eindringen und verteilen

diese. Die Feinporen halten Wasser gegen die

Schwerkraft und machen es pflanzenverfügbar. Dadurch

werden die Wurzeln von Stadtbäumen langfristig

gesichert mit Wasser und Nährstoffen versorgt.

Als Rahmenbedingung für die Implementierung des

Schwamms in der Stadt sind für jeden Baum mindestens

36 m 3 an Wurzelraum vorgesehen.


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19

Magazin

Die Maßnahme ist dabei dem betreffenden Standort

angepasst. Konkret heißt das, dass die Planung und

Realisierung des Schwammstadtbereichs mit den vor

Ort verfügbaren Materialien erfolgt und die Beschaffenheit

des Straßenraums und des Geländes in die

Ausführung mit einfließen.

Im Rahmen einer Kooperation setzten die Planer von

3:0 Landschaftsarchitektur und der Stoik & Partner

ZT GmbH diese Idee im Quartier am Seebogen in

der Wiener Seestadt Aspern um. Landschafts- und

Verkehrsplaner legten den Straßenraum in enger Zusammenarbeit

an – so war es hier möglich, Innovation

und Funktionalität miteinander zu verbinden.

Für den Stadtraum erweist sich diese Maßnahme

als unproblematisch – die Wurzeln samt Schwamm

beschädigen befestigte Flächen wie Straßen, Gehsteige

oder Stellplätze nicht. Zu verdanken ist dies

der anpassungsfähigen und gleichzeitig stabilen

Struktur des Straßenunterbaus. Zu erkennen ist dies

auch beim Projekt zur „Zukunftsweisenden Straßengestaltung

im Quartier am Seebogen“. Die Straßen

stehen nicht nur der Bepflanzung, sondern auch Fußgängern,

Radfahrern und dem motorisierten Verkehr

offen. Eine besondere Oberflächengestaltung macht

zudem auf die einzigartige Zusammensetzung des

Untergrundes aufmerksam.

Die Qualitätssicherung hat sowohl bei der Planung als

auch bei der Realisierung des innovativen Konzepts

einen hohen Stellenwert. Denn da der Schwamm fixer

Bestandteil des Straßentiefbaus ist, lassen sich

etwaige Fehler nach der Fertigstellung nur sehr aufwändig

beheben. Weiteres Ziel ist die Projektausführung

an mehreren und vor allem unterschiedlichen

Standorten. So ist es, wie gerade in der Seestadt

praktiziert, möglich die Entwicklung des Bodens und

der Pflanzen hinsichtlich unterschiedlicher Rahmenbedingungen

wissenschaftlich zu begleiten. Die Erstumsetzung

in der Seestadt Aspern fungiert dabei

als österreichisches Pionierprojekt für diese innovative

Form der Stadtbegrünung und direkten Klimawandelanpassungsmaßnahme

im Straßenraum.

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Blick in Längsrichtung

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der Sonnenallee

werden fortgesetzt

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atmosphärische

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20

Magazin

20 Jahre später

Anfang Oktober eröffnete die EXPO 2020 in Dubai. Auf dem weitreichenden Gelände

wurden 192 Pavillons errichtet, von denen 80 Prozent nachgenutzt werden

sollen. Nachhaltigkeit und die erfolgreiche Entwicklung des Ausstellungsgeländes

in eine „Stadt der Zukunft“ werden, ähnlich wie bei Olympia, häufig von der Politik

versprochen. Doch ist dem auch so? 20 Jahre später ist es interessant festzustellen,

was von Versprechungen geblieben und eingelöst worden ist – oder auch nicht.

Fotos: Piet Niemann

Der Fotograf Piet Niemann hat sich vorgenommen,

von sämtlichen Arealen der EX-

POs eine fotografische Bestandsaufnahme

vorzunehmen, jeweils 20 Jahre nachdem

die Weltaustellungen stattgefunden haben.

So auch im Falle der EXPO 2000 in Hannover

deren Überbleibsel er im Spätherbst

letzten Jahres dokumentierte. Hier wurden

weite Teile des Areals nach Ende der Weltausstellung

sich selbst überlassen. Neben

dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang des

Jahrtausends hat, laut Niemann, auch die

städtische Politik und Stadtverwaltung eine

sinngemäße Nachnutzung aktiv verhindert,

da eine zu starke Konkurrenz für die

Hannoveraner Innenstadt befürchtet wurde.

Vom einstigen Charme des Areals, den

Besucher im Jahr 2000 erleben durften, ist

heute nicht mehr viel spürbar. Der Verfall

des visionären niederländischen Pavillons

vom MVRDV wurde zum Sinnbild der glücklosen

Nachnutzung, die weit hinter den Erwartungen

zurückblieb.

Der nächste Termin ist die EXPO 2005 in

Tokio – diese wird ebenso 20 Jahre später,

sprich 2025, fotografiert werden. Zu jeder

fotografierten EXPO soll neben Ausstellungen

jeweils ein Bildband erscheinen, sodass

im Laufe der Jahre ein Umfang entsteht,

der im Kontext ein größeres Bild zu skizzieren

vermag. Somit ist das erklärte Ziel eine

dokumentarische Arbeit, die stetig wächst,

einen reflektierenden Blick auf die Vergangenheit

ermöglicht und idealerweise Überlegungen

anstößt zum verantwortungsvollen

Handeln in der Zukunft.

www.pietniemann.de


www.architektur-online.com

Klimaneutral:

Quartier 12 in Graz

Alle Klimastrategien kommen zum

Schluss: Sowohl der urbane als auch

der ländliche Raum muss klimafreundlicher

gestaltet und effizienter genutzt

werden. Wie das auf Quartiersebene gelingen

kann, zeigt das Projekt „Quartier

12“ in den Reininghausgründen in Graz.

Das klimaneutrale Stadtquartier erfüllt

höchste Ansprüche in den sechs Bereichen

Städtebau, Gebäude, Versorgung, Mobilität,

Kommunikation und Management. Planungsgrundlage

dabei war der klimaaktiv

Standard für Siedlungen und Quartiere des

Klimaschutzministeriums, welcher Qualitätskriterien

für klimafreundliche Planung

und Umsetzung und eine Berechnungsmethodik

für den Nachweise der Klimaneutralität

anbietet.

Mit dem geplanten Mix aus Schulen und Gebäuden

mit durchmischter Nutzung, kurzen

Wegen und optimaler Anbindung an den

öffentlichen Verkehr, Wärmeversorgung

21

Entgeltliche Einschaltung des Klimaschutzministeriums

aus industrieller Abwärme, klimaaktiv Gold

Gebäuden und vielem mehr, erreicht das

„Quartier 12“ nach klimaaktiv Standard 893

von 1.000 möglichen Punkten. Dies gelang

dank integralem Planungsprozess, in dem

alle Fachexpert:innen die Herausforderungen

und mögliche Lösungen regelmäßig

diskutierten. Eine klimaaktiv Kompetenzpartnerin

begleitete das Projektteam und

bewertete die erarbeiteten Lösungsvorschläge

laufend.

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© schwarz.platzer.architekten.zt.gmbh

Weitere Infos zu klimaaktiv Services

für Siedlungen und Quartiere:

www.klimaaktiv.at/siedlungen

Design & Funktion

in Balance.

Die neue Zetra-Lamelle für Raffstoren

– Maximale Abdunkelung bei Tag und Nacht

– Geradlinige Geometrie fügt sich harmonisch

in die Fassadenoptik ein

– Maximale Gestaltungsfreiheit - von Farbe

bis Oberfläche

Der SonnenLicht Manager

Mehr erfahren:

www.warema.at/zetra


architektur FACHMAGAZIN

22

Bau & Recht

Mietzinszahlung

trotz Lockdown?

Zu der seit Ausbruch der Pandemie viel diskutierten Frage der Anwendbarkeit

des § 1104 ABGB auf Bestandverhältnisse über Geschäftsräumlichkeiten, die von

behördlichen Maßnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie betroffen sind, liegen

inzwischen die ersten Gerichtsentscheidungen vor, aus welchen sich vereinzelt

Klarstellungen zum Anwendungsbereich und zu den Rechtsfolgen des § 1104

ABGB ergeben.

Text: Mag. Theresa Stachowitz und Mag. Matthias Nödl

§ 1104 ABGB besagt, dass wenn die in Bestand genommene

Sache wegen außerordentlicher Zufälle

wie Feuer, Krieg oder Seuche, großer Überschwemmungen,

Wetterschläge, oder wegen gänzlichen

Misswachses gar nicht gebraucht oder benutzt werden

kann, der Bestandgeber nicht zur Wiederherstellung

und der Bestandnehmer nicht zur Entrichtung

von Miet- oder Pachtzins verpflichtet ist.

Während § 1096 Abs 1 Satz 2 ABGB bloß „gewöhnliche

Zufälle“ erfasst, werden die Rechtsfolgen der

„außergewöhnlichen Zufälle“ in § 1104 ABGB geregelt;

beide Anwendungsfälle sind aber im Ergebnis

ident: Die Preisgefahr trägt der Bestandgeber. Der

maßgebliche Unterschied zwischen § 1096 ABGB

und den §§ 1104 f ABGB besteht darin, dass der Bestandgeber

bei „außergewöhnlichen Zufällen“ in der

Regel nicht zur Wiederherstellung verpflichtet ist.

Der Bestandgeber trägt damit zwar weiter die Preisgefahr,

von der Leistungsgefahr wird er aber befreit.

„Außerordentliche Zufälle“ im Sinn des § 1104 ABGB

sind elementare Ereignisse, die von Menschen nicht

beherrschbar sind, sodass für deren Folgen im Allgemeinen

von niemandem Ersatz erwartet werden

kann; diese Elementarereignisse treffen stets einen

größeren Personenkreis auf eine Weise, die durch

eine gesetzliche Regelung über Ersatzansprüche

nicht ausgeglichen werden kann.

Zu den in § 1104 ABGB ausdrücklich genannten Elementarereignissen

zählt auch die „Seuche“. Unter

einer Seuche versteht man eine Infektionskrankheit,

die infolge ihrer großen Verbreitung und der Schwere

des Verlaufs eine Gefahr für die Allgemeinheit

darstellt. Diese Definition trifft nach den inzwischen

vorliegenden Gerichtsentscheidungen auch auf CO-

VID-19 zu, weshalb eine dadurch verursachte Beeinträchtigung

des Gebrauchs oder der Nutzbarkeit

eines Bestandgegenstandes grundsätzlich in den

Anwendungsbereich des § 1104 ABGB fällt.

Weiters ergibt sich aus der vorliegenden Judikatur,

dass die Gebrauchsbeeinträchtigung nicht unmittelbar

aus der Pandemie selbst resultieren muss,

um sie dem Anwendungsbereich des § 1104 ABGB

zuzuordnen. Vielmehr seien auch die legistischen

Maßnahmen, welche die Nutzungsmöglichkeit des

Bestandobjekts beseitigen oder beschränken (z.B.

behördliche Betretungsverbote), als Folge der Pandemie

§ 1104 ABGB zu unterstellen; entscheidend sei,

ob die Gebrauchsmöglichkeit objektiv, gemessen am

Vertragszweck, beseitigt oder eingeschränkt ist.

Aus einer Einzelfallentscheidung des Obersten Gerichtshofes

(im Fall eines Sonnenstudios) ergibt sich

zu § 1104 ABGB überdies, dass ein Bestandnehmer

zur Mietzins- oder Pachtzinszahlung nicht verpflichtet

ist, wenn das Bestandobjekt aufgrund eines uneingeschränkten

behördlichen Betretungsverbotes

hinsichtlich des Kundenbereichs weder für den sonst

üblichen Betrieb (hier des Sonnenstudios) noch zu

Nebentätigkeiten (wie den Verkauf von Getränken)

noch für die Einlagerung von Gegenständen genutzt

werden kann.


www.architektur-online.com

| BA12-22G |

Magazin

Auch mit möglichen Auswirkungen von staatlichen

Förderungen im Zusammenhang mit COVID-19 (z.B.

dem Fixkostenzuschuss oder Zahlungen aus dem

Härtefallfonds) auf die Anwendung des § 1104 ABGB

hat sich die Rechtsprechung schon auseinandergesetzt;

dies zumal von Bestandgeberseite häufig argumentiert

wird, dass der Bestandnehmer – gleichsam

als Ausfluss einer Schadensminderungspflicht – verpflichtet

sei, staatliche Förderungen in Anspruch

zu nehmen und diese im Ausmaß des geschuldeten

Mietzinses an den Bestandgeber weiterzuleiten.

Das Landesgericht für ZRS Wien vertrat in diesem

Zusammenhang den Standpunkt, dass Geschäftsraummietzinse

und Pachtzinse z.B. als Fixkosten im

Sinne des Fixkostenzuschusses anerkannt werden,

ein Unternehmer als Bestandnehmer jedoch zur

Schadenminderung gegenüber dem Förderungsgeber

verpflichtet sei und sich daher beispielsweise

aktiv um eine Reduktion des Mietzinses oder eine

Aussetzung der Mietzinszahlungsverpflichtung bemühen

müsse. Dieser Schadenminderungspflicht

würde ein Bestandnehmer schon entsprechen, indem

dieser vom Bestandgeber die Rückzahlung aus seiner

Sicht zu viel bezahlter Mietzinse begehrt.

Ungeachtet der schon vorliegenden Rechtsprechung

sind bisher noch viele Rechtsfragen im Zusammenhang

mit der Anwendung und dem Wirkungsbereich

der §§ 1104 f ABGB – insbesondere

was im Falle einer zumindest teilweisen Nutzbarkeit

des Bestandobjektes gelten soll – ungeklärt. Hinzu

tritt, dass die Anwendung des § 1104 ABGB dispositiv

ist, weshalb diese auch zur Gänze oder teilweise,

ausdrücklich oder schlüssig abbedungen werden

kann. Die Beurteilung der Frage, ob und inwieweit

§ 1104 ABGB auf ein Bestandverhältnis anwendbar

ist und welche Auswirkungen die Anwendbarkeit auf

das jeweilige Bestandverhältnis hat, ist daher ganz

wesentlich von der Wertung der Umstände des jeweiligen

Einzelfalls abhängig.

Es ist daher zu erwarten, dass die Gerichte mit den

Nachwirkungen der Pandemie, insbesondere mit den

damit einhergehenden Beschränkungen der Nutzbarkeit

eines Bestandobjektes sowie den daraus abgeleiteten

Bestandzinsminderungsansprüchen wohl

noch länger beschäftigt sein werden und sich eine

vom jeweiligen Einzelfall abhängige, kasuistische Judikatur

zu §§ 1104 f ABGB entwickeln wird. Eine harte

Prognose, wie sich die Rechtsprechung zu den einzelnen

Rechtsfragen entwickeln wird, ist derzeit noch

nicht möglich.

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architektur FACHMAGAZIN

24

Urbanes Leben

more

or

less

Steigende Grundstückspreise und Wohnungsmieten, eine zunehmende

Individualisierung der Gesellschaft und die Explosion an Single-Haushalten

verlangen nach neuen Wohnformen. Flexibel, smart und leistbar soll er sein,

der Trend des sogenannten “Microliving”. Aber ist weniger wirklich mehr

und welche Chancen kann ein so radikales Umdenken bei allen Herausforderungen

eröffnen? Einige Beispiele machen es vor.

Text: Linda Pezzei

Gerade in den Städten stellen Single-Haushalte

schon heute die Mehrzahl aller Haushalte dar. Die

Ausdifferenzierung der verschiedenen Lebensstile

und -entwürfe hat mit den Konzepten des vergangenen

Jahrhunderts nicht mehr viel zu tun – indessen

hat sich beim Wohnungsangebot bis dato, bis auf wenige

Ausnahmen, kaum etwas getan. Einer regelrechten

Explosion der Ein- und Zweipersonenhaushalte

stehen Wohnformen gegenüber, die immer weniger

mit dem Leben zu tun haben, das darin tatsächlich

stattfindet. Dazu kommen steigende Mieten und

Wohnungsnot aufgrund des weiterhin ungebremsten

Zuzugs in die Metropolen.

Das Konzept Microliving

Eine Antwort auf diese Herausforderung ist das Konzept

des sogenannten “Microliving”. Darunter lassen

sich Wohnkonzepte verstehen, die aus kompakten

Kleinwohnungen bestehen, ergänzt um eine geteilte

Infrastruktur bis hin zu Gemeinschaftsräumen. Neben

einer entsprechend durchdachten räumlichen

Gestaltung ist gerade die sorgfältige Einbettung in

ein funktionierendes infrastrukturelles und soziales

Netzwerk von immenser Bedeutung. Denn wer

die private Wohnfläche radikal reduzieren und dies

gleichzeitig als Mehrwert erleben möchte, braucht

andernorts Freiräume zur persönlichen Entfaltung.

Per Definition handelt es sich bei solchen Mikro-Apartments

um in sich geschlossene, sehr kleine

Einzimmerwohnungen mit 14 bis 32 Quadratmetern

Platz für Wohn- und Schlafraum, Bad und eine Küchenzeile.

Gerade in den dichtbesiedelten, urbanen

Zentren Europas, Japans, Hongkongs und Nordamerikas

kann man hier einen regelrechten Boom

verzeichnen. Auch, weil sich die Gewinne für Bauherren

und Vermieter bei stetig steigenden Grundstückspreisen

und Baukosten auf diese Weise maximieren

lassen. Die Mieter entscheiden sich indes

meist aufgrund der relativ preisgünstigen Unterkunft

für diese Wohnform. Dabei ist das Microliving keine

neue Erfindung. Ähnliche Konzepte existieren bereits

seit geraumer Zeit – wie beispielsweise der Nakagin

Capsule Tower in Tokio von Kisho Kurokawa. Schon

1972 zogen die ersten Bewohner in die kleinen, ursprünglich

portablen Wohnkapseln ein. Als Vorläufer

der heutigen Mikroapartments gelten außerdem die

Apartment-Hotels, die ursprünglich für längere Geschäftsreisen

gedacht waren.

Soziologische Entwicklungen und kollektive Wohn-

Trends sind gleichzeitig immer auch Anlass für Architekten

und Hersteller, über neue, innovative und gut

gestaltete Lösungen nachzudenken. So entscheiden

sich mittlerweile immer mehr Mieter, losgelöst von

der finanziellen Frage, aufgrund des flexiblen Designs

und positiven, ökologischen Aspekten bewusst

für das Leben auf kleinstem Raum.


www.architektur-online.com

25

Microliving

Fotos: Hawa Sliding Solutions

Smarte Schiebeelemente

Hawa Sliding Solutions kann auf mehr als 50 Jahre

Erfahrung zurückblicken, wenn es um technische Lösungen

für das Schieben von Elementen in Raum und

Einrichtung geht. Seit zehn Jahren schreibt das Unternehmen

in diesem Zusammenhang einen Student

Award aus. 2020 ging es für die Teilnehmer darum,

unter dem Motto “Alleine zusammenwohnen” Lösungen

für Kleinwohnungen und Gemeinschaftsräume

auf dem Areal des Fernbusbahnhofs in der Mitte

Zürichs zu entwickeln. Das Szenario basierte auf der

Annahme, dass sich vor allem in urbanen Gebieten

die privat genutzte Wohnfläche künftig stark reduzieren

wird. Vieles, was sich heute innerhalb der eigenen

vier Wände befindet, wird sich in gemeinschaftliche

Bereiche verlagern – so die Voraussagen. Eine

Möglichkeit, die private Wohnfläche auf ein Minimum

zu reduzieren, ohne dabei an räumlicher Qualität zu

verlieren, besteht in dem smarten Einsatz von Schiebeelementen,

die auf unkomplizierte und schnelle

Weise immer wieder einen neuen “Raum im Raum”

schaffen können.

u


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26

Urbanes Leben

Raum für das, was zählt

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt bumblebee. Die Kreativschmiede

aus San Francisco denkt Räume bewusst

dreidimensional. Modulare und flexible Möbel

sollen dabei helfen, den vorhandenen Platz effizienter

zu nutzen. Bett und Stauraum verschwinden in

der Decke und das Schlafzimmer wird zum videocalltauglichen

Homeoffice oder großzügigen Yogaraum.

Alles hat seinen Zweck und Platz zu schaffen muss

nicht zwangsläufig mit Kompromissen einhergehen.

Faltbett und Wandschrank next level könnte man sagen.

Dazu gibt es natürlich eine eigene App: Damit

lässt sich jede Adaption im Raum virtuell im Voraus

programmieren und robotergesteuert per Siri justieren.

Diese Lösung eignet sich vor allem für bestehende

Altbauten mit hohen Räumen, aber auch für Neubauprojekte

– wie „The Smile“ von BIG - Bjarke Ingels

Group beweist. Das gemischt genutzte Wohnprojekt

bietet inmitten des New Yorker Szeneviertels Harlem

erschwingliche Mietwohnungen zum Marktpreis. Die

kleinsten davon wurden mit dem modularen Möbelsystem

von bumblebee gestaltet.

Fotos: Bumblebee


www.architektur-online.com

27

Microliving

Zusammen ist man weniger allein

“LIFE Co-Living Space” ist ein 16-stöckiges Gebäude

im dichtbesiedelten Seoul, das jungen Erwachsenen

140 private Mikrostudios sowie gemeinschaftlich

genutzte Bereiche bietet. Während jede der 16 bis

23 Quadratmeter umfassenden Wohneinheiten mit

Küche und Bad ausgestattet ist, laden eine Gemeinschaftsküche,

ein Arbeitsbereich, eine Lounge, ein

Fitnessstudio und der Dachgarten zur sozialen Interaktion

der Bewohner ein. Das Ziel von Innenarchitekt

Ian Lee und Auftraggeber Fastfive bestand darin, ein

Gefühl von Zuhause zu schaffen. Das Projekt ist aber

auch das Ergebnis der Suche nach einem Gleichgewicht

zwischen gestalteter Fläche und Raum für

persönliche Gestaltung. Die Designelemente stehen

Fotos: Texture on Texture

dementsprechend nicht im Mittelpunkt, sondern bilden

lediglich eine ruhige Kulisse für die Mieter und

deren Habseligkeiten. Ein Maximum an Stauraum,

flexible Einbauten, gepolsterte Sitzecken sowie lichtdurchlässige

Elemente aus Riffelglas lassen viel individuellen

Spielraum. Positiver Nebeneffekt: Kleinstwohnungen

erfordern einen bewussteren Konsum. u


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28

Urbanes Leben

Eine urbane Hütte

Im Zentrum der Stadt Albino im italienischen Bergamo

entwarf Francesca Perani ein nur 25 Quadratmeter

kleines Mikroapartment für ein ortsansässiges

Paar italienischer und persischer Herkunft. In diesem

Zuge gestaltete die Architektin und Designerin eine

offene Veranda, die früher als Lagerraum genutzt

wurde, mit viel Ironie und Leichtigkeit um. Mit der

Absicht, die saisonalen Nutzungsmöglichkeiten zu

erweitern sowie neue zuzulassen, wurde die Hütte so

konzipiert, dass sie ein Gefühl von Ruhe und Intimität

im Einklang mit der umgebenden Natur vermittelt

und gleichzeitig Privatsphäre gegenüber dem dicht

besiedelten Stadtgebiet bietet. Die äußere Form

wurde dabei unverändert beibehalten, lediglich eine

„zweite Haut” in Form eines frei gefalteten, perforierten

Metallgitters vorgelagert. Die extreme Enge des

Bestandes bedingte einen vollständig maßgeschneiderten

Innenausbau, bei dem Flexibilität und Mehrfachnutzung

sowie kostengünstige Materialien zu

Schlüsselfaktoren wurden. Im Ergebnis verschmelzen

eine kühne, zeitgenössische Architektur und iranische

Kultur miteinander und sorgen für ein beruhigendes

Gefühl von Intimität und Wärme.

Fotos: Francesca Perani


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29

Microliving

Drei in einem

Das Briefing: eine schier unmögliche Aufgabe. Die

Antwort: ein radikales Konzept. Die Architekten

NEUHÄUSL HUNAL sollten in Prag eine Küche, ein

Esszimmer und ein Wohnzimmer gestalten – auf gerade

einmal 20 Quadratmetern Fläche. Die einzige

Möglichkeit: absoluter Minimalismus und ein einziges

Möbelstück in Form eines kompakten Blocks.

Eine komplette Küche mit Kaffeemaschine, Kühlschrank,

Esstisch, Stühlen, Sofa, Projektor, Fußstützen,

Couchtischen, Beleuchtung, Stauraum sind darin

enthalten. Ebenso die Türen, die in den privaten Teil

der Wohnung führen. Das eingefügte Volumen fungiert

als neutraler Hintergrund und gleichzeitig als

“Schweizer Taschenmesser”. Charakter und Atmosphäre

des Raumes werden durch die aktuelle Nutzung

definiert. Wenn eine bestimmte Aktivität nicht

stattfindet, bleibt sie verborgen und nimmt den ohnehin

kleinen Raum nicht unnötig in Anspruch. Helle,

glatte Oberflächen maximieren den freien Raum. Die

leeren Volumen von Küche und Sofa stehen in bewusstem

Kontrast zueinander. Die leere Wand dient

zusätzlich als Projektionsfläche.

u

Fotos: Studio Flusser


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30

Urbanes Leben


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Microliving

Fotos: Ståle Eriksen

Microliving im 21. Jahrhundert

Das sich in London befindende Renovierungsprojekt

“Shoji Apartment” ist eine Studie von Proctor & Shaw

Architects über Materialität, Transparenz und Zurückgezogenheit.

Es wurde als Prototyp für Kleinstwohnungen

in bestehenden Wohngebäuden mit

räumlich begrenzten Innenräumen, aber traditionell

großzügigen Deckenhöhen konzipiert. Heruntergekommene

und ungemütliche Zellenräume werden in

diesem Zuge durch einen großzügigen, multifunktionalen

Wohnraum ersetzt, der eine lichtdurchlässige,

von traditionellen japanischen Shoji-Schirmen inspirierte

Schlafkabine umgibt. Durch die geschickte

Stapelung von Einheiten in einem einzigen hohen Volumen

wird ein zusätzlicher Innenbereich geschaffen,

der auf nur 29 Quadratmetern ein echtes Gefühl von

Luxus und Designqualität vermittelt. Der Entwurf

liegt unter den 37 Quadratmetern, die in den aktuellen

technischen Wohnstandards genannt werden,

und stellt damit erfolgreich die Weisheit der Mindestflächenstandards

als unveränderlichen Maßstab für

Qualität in Frage.

Ob Alt- oder Neubau – all diese Beispiele zeigen, dass

bei geschickter Adaption oder Planung, Wohnen auch

in den Zentren heutiger Metropolen gleichzeitig leistbar

und qualitativ hochwertig sein kann. In Zukunft

gilt es einmal mehr, vorhandenen Raum effizienter

zu nutzen. Kleiner zu bauen, kann Mietpreise senken,

den Verbrauch von Materialressourcen (und Abfall)

verringern und Innovationen im Design fördern – vom

geschaffenen Raum bis hin zur Ausstattung und Einrichtung.

Neue Technologien und sich verändernde

soziale Muster ermöglichen ein kompakteres Leben,

digitale Technologien lassen den Arbeitsplatz in einer

Tasche Platz finden. Der Aufschwung der Sharing

Economy fördert eine Form von Effizienz, die auch

unseren Bedarf an privatem physischem Raum verringern

kann. Im gleichen Ausmaß wird unser Bewusstsein

für die ästhetischen und wohltuenden Vorteile

von „weniger ist mehr” wachsen.


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Urbanes Leben

Die urbane Insel

Nolistra / Straßburg, Frankreich / LAN Architecture

Text: Edina Obermoser Fotos: Charly Broyez, Lorenzo Zandri

Eingefasst vom Saint-Urbain Friedhof, dem Stadtpark

Étoile sowie der Schnellstraße E52 fügt sich das

Projekt in den städtebaulichen Kontext ein. Dem Namen

nach soll Nolistra, der „Nouveau Lieu de Strasbourg“,

laut den Architekten zum neuen „Place to be“

in der elsässischen Stadt werden. Dafür entwickelten

sie ein achtteiliges Ensemble mit Mischnutzung. Die

einzelnen Baukörper sind rund um einen begrünten

Innenhof, der auch als Gemeinschaftsgarten genutzt

wird, angeordnet und bieten Platz für Wohnungen,

Gewerbeflächen, Büros und ein Hotel. Sie ergeben

einen in sich geschlossenen, fast intimen Stadtblock,

der zum autonomen Ökosystem inmitten der Stadt

wird. Gleichzeitig schließt man die Nachbarschaft

aber nicht aus – ganz im Gegenteil. Durch die Positionierung

der Volumen entstehen gezielte Blickachsen

und Verbindungen zur Umgebung.

Das Design der acht Blöcke ist einheitlich und verleiht

dem Projekt seinen Wiedererkennungswert. Sie

unterscheiden sich in Höhe und Form, haben aber

die gleichen, streng gerasterten Lochfassaden. Seine

Identität erhält jeder von ihnen durch einen eigenen

Farbton. Dieses Konzept erinnert an eine moderne Interpretation

von Haussmann, der einst Einheit in der

Vielfalt und vice versa suchte. So erscheint Nolistra

wie aus einem Guss und ist doch abwechslungsreich.

Im Entwurfsprozess wurde der gesamte Lebenszyklus

der Gebäude berücksichtigt und die Konstruktion

dementsprechend angepasst. Das Ergebnis sind tragende

Außenwände, kompakte Erschließungskerne

und offene Grundrisse, die Flexibilität und zukünftige

Nutzungsänderungen ermöglichen.

u

Das urbane Entwicklungsgebiet

Étoile stellt das

Bindeglied zwischen dem

Straßburger Zentrum und

dem südlich gelegenen

Bezirk Neudorf dar. Mit

Nolistra gestaltete das

Büro LAN Architecture

den jüngsten und finalen

Zuwachs des Areals.

Dafür entwickelte es

nicht nur einen, sondern

acht Baukörper mit bunt

gemischter Nutzung, die

mit ihrem pastellfarbenen

Farbcode wie eine eigenständige

Insel wirken.


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33

LAN Architecture


architektur FACHMAGAZIN

34

Urbanes Leben

Die Blöcke variieren in

Höhe, Form und Farbe.

Braun-, Rosa-, Gelb- und

Grüntöne verweisen

nicht nur auf die Bauten

der Umgebung, sondern

sorgen außerdem für

Identität und bessere

Orientierung.

Einen besonderen Fokus legten die Planer außerdem

auf die Fassaden. Sie sollten die einheitlichen Ansichten

nicht nur abschließen, sondern vielmehr zur

verbindenden Hülle werden, hinter der alle Bewohner

gleich sind. Nach dem Vorbild der historischen Bauten

Straßburgs setzte man deshalb auf Repetition.

Dafür kam ein modulares Raster zum Einsatz. Dieses

fasst jeweils vier Fenster zu einer Einheit zusammen

und wirkt wie ein großes Sprossenelement. Die Öffnungen

dienen dazu, die verschiedenen Maßstäbe

in Einklang zu bringen: den gebauten und den des

Menschen.

Während die Fensteröffnungen auf größtmögliche

Einheitlichkeit abzielen, ist bei der Farbgebung der

Betonbauten genau das Gegenteil der Fall. Hier holte

sich das Pariser Büro Inspiration aus der Nachbarschaft

und von den traditionellen Bauten des

Elsass. Das Ergebnis ist eine harmonische Palette

an Pastelltönen: Rötliches Braun stellt einen Bezug

zum historischen Bestand Straßburgs her. Olivgelb

findet sich in den Fachwerkhäusern des Gerberviertels

Little France und Himmelblau auf dem angrenzenden

Friedhofsgelände wieder. Zartes Rosa verweist

auf die Ansichten, der für den Stadtteil Neudorf

typischen Gebäude. Der höchste Baukörper ist in

dunklem Blau gestaltet und fällt bereits von Weitem

auf. Drei Blöcke in Grünnuancen und Grau komplettieren

die bunte Komposition.


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LAN Architecture

Das gesamte Projekt folgt einem nachhaltigen Ansatz:

Mit einer sinnvollen Dichte demonstriert es, wie

zeitgemäße, ressourcenschonende Architektur in

der Stadt funktioniert. Man nutzt eine gemeinsame

Infrastruktur und fühlt sich zugehörig, genießt aber

trotzdem genügend Anonymität. Die Grundrisse der

einzelnen Blöcke sind hinsichtlich Effizienz und Komfort

optimiert. Sie sorgen neben einer guten Energiebilanz

in erster Linie dafür, dass sich die Nutzer

wohlfühlen. Insbesondere der zweite Aspekt gewann

in Anbetracht der Pandemie an Wichtigkeit. Neben

großen Fenstern, durch die jede Menge Tageslicht

ins Innere gelangt, verfügt jede Wohnung über eine

Loggia oder einen Wintergarten. Diese erweitern in

der kalten Jahreszeit den Wohnraum und werden im

Sommer zur geschützten Freifläche. Darüber hinaus

verbinden sie Innen- und Außenraum und ermöglichen

weite Blicke über die französische Stadt.

Das Nutzungsprogramm von Nolistra gestalteten die

Architekten abwechslungsreich. Mit unterschiedlichsten

Funktionen ist das Ensemble wie eine kleine

Stadt innerhalb der Stadt organisiert. Sechs der

Komplexe, darunter auch der 18-stöckige Turm, sind

ganz dem Wohnen gewidmet. In ihnen befinden sich

insgesamt 178 Wohneinheiten verschiedener Größe.

Neben Apartments zum Kauf und zur Miete gibt es

auch Sozialwohnungen. Die anderen beiden Blöcke

beinhalten ein Hotel sowie Büros. In den unteren

Bereichen sind jeweils Shops und Gastronomie untergebracht.

Den Abschluss bilden unterirdische

Parkplätze. Die Geschäftsflächen mit Kulinarik und

Grundversorgung verfügen über bis zu fünf Meter

Raumhöhe und ermöglichen einen fließenden Übergang

zum angrenzenden Stadtraum sowie dem zentralen

Garten hin.

u


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36

Urbanes Leben

Die kräftigen Farben ziehen sich bis ins Innere der

Häuser weiter. Sämtliche Gemeinschaftsbereiche –

wie die zweigeschossig ausgeführten Foyers, die Flure

und Loggien – folgen dem Design der Fassaden

und verstärken damit das Gemeinschaftsgefühl in

den einzelnen Blöcken. Die Innenräume sind dagegen

schlicht und funktional gestaltet und warten darauf,

von den Bewohnern mit Leben gefüllt zu werden.

Nolistra bietet als urbane Insel alles, was es zum Leben

braucht. Bunt sind hier nicht nur die einzelnen

Baukörper, sondern auch die Nutzung. Auf subtile

Art und Weise gelingt es LAN Architecture traditionelle

Komponenten der Stadt aufzugreifen und diese

in ein modernes und nachhaltiges Projekt zu übersetzen.

Die pastellfarbenen Fassaden sorgen für gute

Laune und ermöglichen es dem Planerteam, trotz

Wiederholung nicht in Monotonie zu verfallen. Auch

wenn wir alle unsere Privatsphäre schätzen – ein Gefühl

von Gemeinschaft und ein wenig symbolisches

Zusammenrücken tut in Zeiten wie diesen wohl jedem

gut.


Auch in den Loggien, die sowohl an die

einzelnen Wohneinheiten als auch an die gemeinschaftlichen

Bereiche anschließen und

Ausblicke auf Straßburg bieten, setzt sich

die Farbgebung der Bauten fort.


www.architektur-online.com

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LAN Architecture

Nolistra

Straßburg, Frankreich

Bauherr:

Bauunternehmen:

Planung:

Partnerarchitekten:

Landschaftsarchitektur:

Statik:

ADIM EST

URBAN DUMEZ

LAN Architecture

TOA Architectes

Archimed

CTE

Grundstücksfläche: 45.412 m 2

Bebaute Fläche: 24.407 m 2

Nutzfläche: 20.180 m 2

Planungsbeginn: 2015

Fertigstellung: 2021

Baukosten:

37 Mio. € (exkl. MwSt.)

www.lan-paris.com

„Wir folgen der Idee, die Architektur als einen

Tätigkeitsbereich an der Schnittstelle

mehrerer Disziplinen zu erforschen. Diese

Haltung ist inzwischen zu einer Methodik

geworden. Sie ermöglicht es uns – auf der

Suche nach einer Vision, die soziale, urbane,

ökologische und funktionale Fragen

einbezieht – neue Gebiete zu erkunden.“

Umberto Napolitano & Benoit Jallon,

LAN Architecture

© Claire Dorn


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38

Urbanes Leben

Besser wohnen

für alle

Wohnhaus P77-79 / Oslo, Norwegen / Reiulf Ramstad Arkitekter

Text: Linda Pezzei Fotos: Ivar Kvaal, Reiulf Ramstad Arkitekter

Mit P77-79 haben die in Norwegen und Dänemark

ansässigen Reiulf Ramstad Arkitekter ein innovatives

Wohnobjekt im Herzen von Oslo geschaffen.

Das Projekt ist so konzipiert, dass es sensibel auf die

umliegende historische Bebauung aus dem 18. und 19.

Jahrhundert reagiert und gleichzeitig ein vielfältiges

Angebot an Wohnungen unterschiedlicher Größe und

Identität bietet, sowie eine vielfältige und lebendige

Gemeinschaft im Viertel fördern soll.

In dem von historischen Bauten geprägten Stadtteil

Fagerborg kennen sich die ortsansässigen Architekten

Reiulf Ramstad Arkitekter bereits bestens aus.

Der neue Kindergarten des Osloer Viertels stammt

ebenso wie das 2020 fertiggestellte Wohngebäude

P77-79 aus ihrer Feder und wurde 2010 mit dem norwegischen

Architekturpreis Sundts premie ausgezeichnet.

Wie bei vielen Projekten von RRA wurde der

Entwurf auf Grundlage eines sehr ortsspezifischen

Ansatzes entwickelt.

Reiulf Ramstad Arkitekter erklären ihren stark konzeptionellen

Ansatz so: “Unsere Arbeit ist vielfältig,

und jedes Projekt hat einen eigenen Zweck und

eine einzigartige Geschichte, die auf sozialen, wirtschaftlichen

und kulturellen Gegebenheiten basieren.

Dieser Grundsatz wird sich nicht ändern, aber

die Art und Weise, wie wir architektonische Qualität

konzipieren, ist ein fortlaufender Prozess, der immer

im Fluss bleibt.” Dieser Gedankengang spiegelt sich

auch im Konzept des Wohnbaus in der Pilestredet

wider, das als eine Antwort auf den historischen

Kontext des Stadtteils Fagerborg zu verstehen ist.

Darüberhinaus suchen die Architekten stets die Interaktion

und Kommunikation ihrer Bauwerke mit

der Umgebung und ihren BewohnerInnen. Tradition

und Innovation sollen – architektonisch sorgfältig

durchdacht – dazu beitragen, zukünftig eine diverse

Nachbarschaft zu stärken.

u


www.architektur-online.com

39

Reiulf Ramstad Arkitekter


architektur FACHMAGAZIN

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Urbanes Leben

Neben dem sozialen und baulichen Kontext war es

den Architekten zudem ein Anliegen, ein umweltfreundliches

und urbanes Wohnumfeld von hoher

Qualität zu schaffen: „Die Architektur sollte im Einklang

mit der Natur stehen und eng mit der Umgebung

verbunden sein, in der sie sich befindet. Wir

müssen danach streben, mit der Umwelt zu koexistieren,

sie zu schützen und zu erhalten.” So reagiert das

insgesamt 59 Wohneinheiten umfassende Ensemble

nicht nur sensibel auf die umliegenden historischen

Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, es nimmt

bewusst Rücksicht auf einen besonderen Übergang

im Stadtgefüge der Viertel Fagerborg, Majorstuen,

Norabakken und Stensparken. Der neue Wohnkomplex

besteht daher aus drei Blöcken, die von vier auf

sechs Stockwerke ansteigen. Während die unteren

Gebäude eine Stadthaus-Architektur aufweisen, die

sich nach oben hin allmählich von der Straße zurückzieht

und so fließend in das historische Gefüge von

Fargerborg mit seinen Stadtvillen übergeht, wurde

das größere, nach Süden ausgerichtete, Volumen als

Stadtblock konzipiert und reagiert somit auf seine

prominente Lage an der Straßenecke.

Räumliche Qualität war den PlanerInnen aber nicht

nur in städtebaulicher Hinsicht wichtig. Dieses deutlich

erkennbare Anliegen zieht sich konsequent bis

ins Innere der Gebäude und die einzelnen Wohneinheiten

weiter. Der größte Block umfasst pro Etage

sechs bis acht davon, angeordnet um ein zentrales,

offenes Atrium. Die beiden kleineren, nördlich gelegenen

und zum Park hin ausgerichteten Blöcke weisen

das gleiche Grundrissprinzip mit vier Wohnungen auf

jeder Etage auf. Auffallend ist die besonders hochwertige

und elegante Gestaltung der Gemeinschaftsbereiche,

die regelrecht zum Verweilen und zum gegenseitigen

Austausch auffordert und sich auch in den

Außenraum erstreckt: Alle BewohnerInnen haben

Zugang zu den Dachgärten mit Gartenparzellen, die

Ausblicke auf den Park und die Stadt eröffnen.

Wider aller Erwartungen bietet P77-79 aber nicht nur

teure Penthouse-Wohnungen für Besserverdienende,

sondern ein bewusst vielfältiges Angebot an Wohnungen

unterschiedlicher Größe und Identität, die

sich an eine Vielzahl von Menschen in unterschiedlichen

Lebenssituationen richtet. Für die Architekten

eine Voraussetzung dafür, eine lebendige und diverse

Wohngemeinschaft zu generieren: „In unserer Arbeit

glauben wir daran, bessere Landschaften, bessere

Stadtbilder und bessere Gebäude zu schaffen – aller

Arten, für alle Menschen.” So gehört auch ein Nachbarschaftscafé

zur Anlage, das als Treffpunkt für die

Hausgemeinschaft sowie als Kontaktpunkt zu AnwohnerInnen

aus den angrenzenden Vierteln fungiert.


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Reiulf Ramstad Arkitekter

Qualität und ein hohes Maß an Detailtreue bei der

Materialwahl zeichnen den Wohnkomplex zusätzlich

aus. Die Palette an Materialien ist bewusst schlicht

gehalten – im Außenbereich dominiert die helle

Backsteinfassade, für die auf handgefertigte Ziegel

zurückgegriffen wurde. Das gesamte Projekt erhält

dadurch auf subtile Art einen noch menschlicheren

Charakter und verleiht dem wichtigsten Entwurfs-Aspekt

architektonisch Ausdruck: Ein historisches Material,

das von Hand in einer sehr skulpturalen Weise

zusammengesetzt werden kann und dadurch die

Identität des Ortes definiert. Die ausgewählten Ziegel

wurden allesamt von Hand gebrannt, sodass sie eine

ganz besondere Patina und raue Textur aufweisen.

Das Fassadenbild der neuen Gebäude zelebriert gelungen

eine lange handwerkliche und vor Ort verwurzelte

Tradition, die – kombiniert mit klaren Linien und

bodentiefen Fenstern – viel Raum für eine moderne,

zeitgemäße Architektursprache lässt.

u

Die Anordnung der einzelnen Baukörper zueinander

und die Einbettung in die umgebende

Bestandsbebauung bestimmen die Qualität

dieses Wohnbauprojekts maßgeblich.


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Urbanes Leben

Die großzügig konzipierten und gut durchdachten internen

Gemeinschaftsbereiche zeichnen sich durch

robuste Materialien aus. Wände aus Ortbeton sorgen

für einen modernen, zeitlosen Ausdruck und werden

durch bewusst eingesetzte Lichtführung gekonnt in

Szene gesetzt: „Wenn wir ein Gebäude entwerfen,

müssen wir als Architekten sowohl an die stechende

Sommersonne als auch an die blasse Wintersonne

denken, um das ganze Jahr über eine gute Nutzung

zu ermöglichen. In vielerlei Hinsicht kann man sagen,

dass man, wenn man in Norwegen ein gutes Haus

entwirft, in Wirklichkeit das Licht zeichnet.“ So wirken

die Innenräume in Kombination mit dem warmen

Eichenholz weder kalt noch abweisend, sondern vielmehr

edel und ganz und gar natürlich und authentisch.

Die Flächen der Fußböden und Decken sowie

das als kunstvolle Geometrie umgesetzte und losgelöst

in den Raum gefügte Treppenhaus verleihen

dem Atrium die Atmosphäre einer Galerie, die erst

durch die BewohnerInnen selbst inszeniert und zum

Leben erweckt wird.

Mit P77-79 ist Reiulf Ramstad Arkitekter ein zeitloses

Meisterstück gelungen, das weder laut schreien,

noch sich in seinem Umfeld profilieren muss, um dennoch

selbstbewusst und präsent eine wichtige Position

im städtebaulichen Gefüge einzunehmen. Ein

Beispiel dafür, wie die neue Stadt funktionieren kann,

ohne dabei Traditionen zu verleugnen oder sich zu

sehr anzubiedern. Den BewohnerInnen kann ein solches

Gebäude ebenso Selbstvertrauen verleihen und

langfristig zu einem diversen und gut durchmischten,

vernetzten Stadtgefüge beitragen.


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Reiulf Ramstad Arkitekter

Ebene 6

0

5

30 m

Ebene 3

0

5

30 m

Ebene 1

0

5

30 m

Pilestredet 77-79

Oslo, Norwegen

Bauherr:

Planung:

Statik:

Nutzfläche: 7.100 m 2

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit: 2018-2020

Fertigstellung: 2020

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Aspelin Ramm Eiendom AS

Reiulf Ramstad Arkitekter

Haug og Blom-Bakke

„Ein Großteil der Arbeit eines Architekten hat natürlich

mit praktischen Dingen zu tun. Und das muss auch

so sein. Es liegt jedoch in unserer Verantwortung, die

Grenzen des Möglichen auszuloten und auszudehnen

– sowohl, was den architektonischen Raum betrifft, als

auch die Mentalität derer, die ihn bewohnen.”

Reiulf Ramstad Arkitekter


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Urbanes Leben


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FRPO Rodriguez & Oriol

Scheinbar

unscheinbar

Estación San José / Toluca, Mexiko / FRPO Rodriguez & Oriol

Text: Linda Pezzei Fotos: Luis Gallardo

Die gemischt genutzte Infrastruktur „Estación San

José“ in Toluca de Lerdo wurde von dem in Madrid

ansässigen Architektenteam FRPO konzipiert und

realisiert und soll sich in Zukunft zum neuen kulturellen,

wirtschaftlichen und aktiven Zentrum des bevölkerungsreichsten

Einzugsgebiets der gesamten

mexikanischen Republik entwickeln. Maßgeblich für

den Erfolg: äußerst flexible Strukturen, eine hohe architektonische

Qualität und eine enge Anbindung an

die umgebenden Strukturen.

Örtliche Gegebenheiten wie eine hohe Bebauungsdichte

sowie die privilegierte Lage am nördlichen

Rand der Avenida Juárez, die das historische Viertel

der Hauptstadt des Bundesstaates Mexikos mit dem

Universitätsviertel im Süden verbindet, und ein Dialog

mit dem Kulturerbe des Umfelds prägten die Herangehensweise

der Architekten ebenso sehr wie die

vielfältigen und scheinbar unvereinbaren programmatischen

Anforderungen der privaten Bauherrschaft.

Die Lösung bestand also darin, eine flexible

Struktur zu organisieren, welche die Repetition und

Überlagerung von Ebenen ermöglichen würde. Ziel

dieser Strategie: die Fläche auf Straßenebene zu vervielfachen,

um verschiedene Nutzungsmöglichkeiten

zu generieren. Der Estación San José beherbergt als

Resultat Parkplätze, Büros, Co-Working-Spaces, Kulturräume

und Geschäftsbereiche mit der Option auf

zukünftige Adaptionen und Verflechtungen. u

Am nördlichen Rand der

Avenida Juárez, die das

historische Viertel von

Toluca mit dem Universitätsviertel

im Süden

verbindet, befindet sich

der Estación San José aus

der Feder des Architektenteams

von FRPO.

Die gemischt genutzte

Infrastruktur im Stadtzentrum

des bevölkerungsreichsten

Ballungszentrums

der gesamten

mexikanischen Republik

vereint Parkhaus, Büround

Co-Working-Bereiche

sowie kulturelle und kommerzielle

Räume unter

einem Dach.


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Urbanes Leben

Die umhüllende Struktur

lässt einerseits Ausblicke

aus dem Innenraum

auf die umgebende

Stadtlandschaft zu,

andererseits wirkt sie von

außen betrachtet beinahe

dematerialisierend auf

das Volumen.

Das Projekt versteht sich nicht nur als neues kulturelles

und wirtschaftliches Zentrum auf lokaler wie

städtischer Ebene, sondern auch als ein sozialer Begegnungsort

mit dem Ziel, das Stadtzentrum neu zu

beleben. Ein öffentlich zugänglicher Garten auf dem

Dach des Gebäudes setzt diesem Ansinnen sprichwörtlich

die Krone auf und bietet eindrucksvolle

Ausblicke auf den großen Nevado de Toluca, einem

der höchsten Berge Mexikos, der sich im westlichen

Bereich der nahen Sierra Volcánica Transversal befindet.

Dennoch stellt sich der Baukörper nicht als

markanter Eindringling in einem bestehenden und

gewachsenen Gefüge dar, scheint trotz seiner imposanten

Größe vielmehr mit der urbanen Umgebung

zu verschwimmen. Die helle Farbgebung und

die durchlässige Fassadenstruktur tragen ihren Teil

dazu bei, dass der Estación San José trotz seines

Volumens scheinbar unscheinbar, leicht und elegant

daherkommt.


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FRPO Rodriguez & Oriol

Funktion und Ästhetik basieren auf einem strukturellen

Grundgerüst aus einem Feld von Pfeilern, auf

denen wiederum eine zweifache Ebene schlanker

Träger ruht, die dem Ganzen Charakter und eine harmonische,

geometrische Formensprache verleiht. Die

aufliegenden horizontalen Platten bieten zum einen

Platz für jegliche Nutzungen, sind an anderer Stelle

wiederum durch Öffnungen räumlich aufgelöst, sodass

sich verschiedene vertikale Verbindungen und

Blickbeziehungen ergeben. Das Tragwerk aus nacktem

Beton rückt nicht nur die Eleganz der Statik ins

Auge des Betrachters, folgerichtig bleiben auch alle

Installationen sichtbar und unverblendet. Die Detailliebe

und Exaktheit des Planungsprozesses treten

dabei deutlich zutage: Kein Fehler kann im Nachhinein

kaschiert werden – die Eleganz dieses so rohen

und ehrlichen Bauwerks liegt daher in dessen Authentizität

und dem Mut, wegzulassen.

Eine fast sanft anmutende, leichte Metallhaut umhüllt

das so entstehende Volumen und verleiht den

begehrtesten Ausblicken einen würdigen Rahmen:

Kathedrale, Botanischer Garten Cosmovitral und Nevado

de Toluca erscheinen wie auf Gemälde gebannt.

Die perforierte Metallhaut wirkt dabei wie ein leichter

Vorhang, hinter dem diffus die urbanen Strukturen

und das Tageslicht durchschimmern. Man fühlt

sich im Inneren wie in Watte gepackt, weit weg von

der Großstadthektik, Lärm und Gestank. Begibt man

sich auf die andere Seite der Fassade, unterscheidet

sich die Außenwahrnehmung erstaunlicherweise

gar nicht so sehr von diesem Gefühl. Das Volumen

scheint beinahe zu verschwimmen, löst sich zum

Himmel hin gar auf und will sich nicht recht fassen

lassen. Man nimmt das Gebäude im ersten Augenblick

zwar wahr, doch schon im zweiten fügt es sich

so selbstverständlich in das optische Bild, dass man

nicht weiter darüber nachdenken muss. Was bleibt,

ist ein vertrautes Gefühl.

u


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48

Urbanes Leben

Die Dachterrasse soll noch

begrünt und den Nutzern

als lebendige Parkfläche

inmitten der Stadtlandschaft

zugänglich

gemacht werden.

Der Estación San José wurde auf einem ehemaligen

Parkplatz errichtet, dessen Funktion auch im neuen

Gebäude erhalten bleibt. Die Flächen gliedern sich in

eine offene, durch Rampen verbundene Parkebene

mit angebundenen Geschäfts- und Büroflächen sowie

eine Art Turm, von dem aus über eine großzügige

Wendeltreppe ein begrünter Dachgarten erschlossen

wird. Die oberen Geschosse heben sich auch in der

Nutzung von den darunter liegenden ab – hier beginnt

die autofreie Zone. Diese Kombination von Räumen

wird derzeit noch eingerichtet und auch der Dachgarten

befindet sich noch in der Entstehungsphase.

In seiner zurückhaltenden Schlichtheit sowie dank

einem wohltuenden ästhetischen Anspruch darf der

Estación San José durchaus als Leitbild für andere

Städte und Quartiere dienen. Die feinsinnige Interaktion

mit der bestehenden historischen Substanz hat

in Kombination mit der Verflechtung verschiedener

Nutzungsarten zu einer städtebaulichen sowie visuellen

Antwort der Architekten geführt, die sich so unscheinbar

in die bestehende Bebauung eingliedert,

dass sich sogar ein achtstöckiges Gebäude aus rohem

Beton scheinbar in Luft auflösen kann. •

Hinsichtlich der energetischen Nachhaltigkeit arbeiten

FRPO bereits generell auf dem Standard, dass

kein Gebäude mehr entworfen wird, ohne Aspekte

der Art zu berücksichtigen, wie der CO 2 -Fußabdruck

oder der Energiebedarf reduziert werden können. In

diesem konkreten Fall setzten die Planer auf grundlegende

konstruktive Lösungen, wie das Arbeiten mit

nackten Strukturen, das Freilassen der Installationen

oder den Schutz der Innenräume vor Sonneneinstrahlung

mittels einer auskragenden Doppelfassade.

Allesamt passive Maßnahmen, um das Gebäude

effizienter zu gestalten, ohne dabei die Investitionen

zu erhöhen. Auf spezielle Installationen oder Energiesysteme

konnte in Folge verzichtet werden.


0 1 2 5 10

0 1 2 5 10

0 1 2 5 10

0 1 2 5 10

0 1 2 5 10

0 1 2 5 10

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FRPO Rodriguez & Oriol

1 ROOFGARDEN LOBBY

2 EXHIBITION AREA

1

3

CULTURAL SPACE

3

4

TERRACE

2

4

N

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

Level 6

Ebene 6

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

Section 1

1

1 PARKING

2 COWORKING

3 TERRACE

4 ROOFTOP CONNECTION

5 BATHROOMS

4 2

5

6 KITCHENETTE

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

West Elevation

6

3

N

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

Level 3

Ebene 3

9

8 6 7

3

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

North Elevation

Av Sebastián Lerdo de Tejada

2

1 ACCESS PLAZA

2 STREET MARKET

3 COURTYARD

4 PARKING ACCESS

5 COMMERCIAL SPACE

6 PUBLIC BATHROOMS

7 INSTALATIONS , STORAGE

8 CONSIERGE

9 PARKING EXIT

1

PEDESTRIAN

ACCESS

5 4 10

10 VALET PARKING

CAR ACCESS

Av Benito Juárez Garcia Sur

N

173 - ESTACIÓN SAN JOSÉ / TOLUCA - MX

Level 0

Ebene 0

Estación San José

Toluca, Mexico

Bauherr: Privat

Planung: FRPO Rodriguez & Oriol

Mitarbeiter: Pablo Oriol and Fernando Rodríguez /

Ricardo González, Francisco Díaz,

Ana Suárez-Anta, Esther Ibáñez and Jaime Hortal

Statik:

Axiom Ingeniería

BGF: 6.300 m 2

Planungsbeginn: 11/2015

Bauzeit: 2017-2020

Fertigstellung: 11/2020

Baukosten: 39.000.000 MXN

www.frpo.es

© Luis Asin

“Der Architekturansatz des Büros besteht darin,

Plattformen zu schaffen, die als Schnittstelle zwischen

den Benutzern und ihrer Umgebung dienen.

Jedes Projekt wird auf der Grundlage eines überzeugenden

Konzepts entworfen und gebaut, das eine

Strategie bietet, die sowohl die interne Organisation

als auch die Verbindung zum Kontext definiert. Einfache,

klare und moderne Entwürfe ermöglichen ein

harmonisches Verhältnis zur Umgebung.“

FRPO Rodriguez & Oriol


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Urbanes Leben


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a+r Architekten

Endstation Kultur

Kulturbahnhof Aalen / Aalen, Deutschland / a+r Architekten

Text: Edina Obermoser Fotos: Brigida González

Die Stadt Aalen schafft direkt am Bahnhof ein neues, lebendiges

Stadtquartier. Einen Teil davon bildet KUBAA,

der Kulturbahnhof von a+r Architekten. Hinter dem

Namen verbergen sich weder weiße Sandstrände noch

Palmen, dafür aber jede Menge Raum für kulturelle

Veranstaltungen. Rund um die Ruinen eines historischen

Ensembles entwickelten die Planer das Gebäude

auf dem ehemaligen Gleisareal der Deutschen Bahn als

Leuchtturmprojekt und schrieben so ein Stück neue

Stadtgeschichte.

Durch seine Lage zwischen Zentrum und dem Osten

der Stadt bietet das Areal nordöstlich des Hauptbahnhofs

in Aalen die besten Voraussetzungen für

ein neues Viertel. Das erkannte auch die Stadtverwaltung

und stellte die Weichen für dieses urbane

Entwicklungsprojekt bereits vor mehr als 10 Jahren.

Seit damals entsteht mit dem sogenannten Stadtoval

ein lebendiger Stadtbezirk mit Platz zum Leben,

Arbeiten und für die Freizeitgestaltung. Er setzt sich

aus einer Wohnsiedlung mit bis zu 250 Einheiten

und Gewerbeflächen in östlicher Richtung, zentralen

Grünräumen für Erholung und Entspannung und

einem Hotel sowie dem Kulturbahnhof entlang der

Gleise zusammen.

u


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52

Urbanes Leben

Das 6,5 Hektar große, ovale Gelände steckt voller Geschichte.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es von

der Bahn genutzt, später von einem Industriebetrieb

für Baustahl. Seiner Vergangenheit verdankt der Ort

nicht nur seine Identität, sondern auch die historische

Bausubstanz. Neben alten Gleiskörpern und anderen

Relikten bestand diese aus einem vormaligen Verwaltungsgebäude

und einer großen Halle, die früher

ein Ausbesserungswerk beinhaltet hatte. All das fiel

2014, als die Arbeiten auf dem Areal bereits in vollem

Gange waren, einem Großbrand zum Opfer und wurde

großteils zerstört. Übrig blieben nur die vom Feuer

gezeichneten Fragmente der geschichtsträchtigen

Gebäude. Auf dieser Brandruine baute der Entwurf für

KUBAA auf. Die Planer verfolgten das Ziel, das bauliche

Erbe zu revitalisieren und in eine zeitgemäße Architektur

zu übersetzen, die den Charakter des Ortes

erhält und in den Vordergrund stellt.


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a+r Architekten

Die Überreste repräsentieren die Industriearchitektur

und die Eisenbahngeschichte Aalens und

sollten deshalb bestmöglich in den Neubau integriert

werden. Besonders markant waren die Sandsteinfassaden

und kurzen Quergiebel. Sie fungieren

nun als zentrales Element des neuen Designs. Der

Kulturbahnhof setzt sich aus einem Längsteil, der

parallel zu den Bahngleisen verläuft, und zwei quer

dazu positionierten, kleineren Trakten zusammen.

Das gesamte Ensemble basiert auf den Resten der

einstigen Grundmauern. Wo es die vorhandenen Originalansichten

zuließen, reparierten und komplettierten

Steinmetze die Sandsteinoberflächen. Jene

Abschnitte, die nicht mehr zu retten waren, ersetzte

das Stuttgarter Büro durch stilisierten, gefärbten

Sichtbeton. Alt und Neu trifft an manchen Stellen behutsam

aufeinander. Diese Übergänge zwischen dem

Bestand und den glatten, neu hinzugefügten Steinen

bilden den Reiz der neuen Außenhülle und lassen die

bewegte Geschichte des Gebäudes erahnen. u

Die historischen Sandsteinansichten

wurden behutsam wiederhergestellt.

Zerstörte Abschnitte ergänzten die Architekten

um farblich passenden Sichtbeton

und schafften es so, den ursprünglichen

Charakter des Ensembles zu erhalten.


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54

Urbanes Leben

Auch bei den Dächern von KUBAA entschied man

sich für einen Mix aus Vergangenem und moderner

Interpretation. Im Vergleich zu den Fassaden schlug

das Planerteam hier aber mutigere Wege ein. Während

die Giebel der kurzen Querseiten wie im Original

wieder aufgebaut wurden, ersetzt den historischen

Längsgiebel ein aufgesetzter Quader. Er ist in Lochblech

gefertigt und legt sich wie ein halbtransparenter

Vorhang um den mittleren Gebäudetrakt. Durch

die perforierten Paneele lässt sich die Gestalt des

dahinterliegenden Volumens erkennen. Das gefaltete

Blech wirkt kantig und geradlinig, wodurch es einen

Bezug zur städtebaulichen Umgebung herstellt. Außerdem

bildet es mit seinem dunklen Bronzeton und

seiner Feingliedrigkeit einen spannenden Kontrast

zu den hellen, massiven Sandsteinfassaden.

In seinem Inneren fasst der Kulturbahnhof die bisher

über die Stadt verteilten Kultureinrichtungen an einem

gemeinsamen Standort zusammen. Mit diesem

pragmatischen Konzept verfolgt die Stadt Aalen einen

ressourcenschonenden Ansatz und setzt auf kulturelle

Synergien. Für die Organisation der großzügigen

Räumlichkeiten kam das „Haus im Haus“-Prinzip

zum Einsatz. Anhand von flexiblen Boxen zonierten

die Architekten so das entkernte Ensemble und

schafften die Voraussetzungen für die unterschiedliche

Nutzung. Neben der räumlichen Trennung der

einzelnen Funktionen dienen die eingesetzten Boxen

zudem der Aussteifung des neuen Tragwerks.


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a+r Architekten


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Urbanes Leben

Die öffentlichen Säle mit Kino, Veranstaltungsbereich

und Werkstätten sind in den Quertrakten untergebracht.

Sie fassen das Hauptvolumen mit dem

aufgestockten, neuen Teil ein. In ihm befinden sich

im Erdgeschoss ein großer Theatersaal und eine

Ausstellungsfläche. Darüber liegen mit Proben-, Kostüm-

bzw. Büroräumen sowie der Ballett- und Musikschule

die versorgenden Räume, die im Hintergrund

einer jeden Kulturproduktion notwendig sind. Die

Geschichte von KUBAA wird in sämtlichen Innenräumen

erlebbar. Sie bildet eine stimmungsvolle Kulisse

für kulturelle Darbietungen und Proben. Dachkonstruktionen

und historische Elemente wurden gezielt

inszeniert und in die Gestaltung integriert. Neben rohen

Stahlträgern sorgen Sichtbeton und heller Sandstein

für ein freundliches Ambiente. Dazu kombinierten

die Architekten warmes Holz und weiße Akzente.

An manchen Deckenuntersichten findet sich darüber

hinaus das filigrane Lochblech des Quaders wieder.

Die Stadt Aalen erhoffte sich von dem Projekt einen

„Ort mit überregionaler Strahlkraft“. Dank seines

besonderen Charmes dürfte KUBAA auch weniger

Kulturaffine überzeugen und den gewünschten Anforderungen

damit allemal gerecht werden. Mit dem

Kulturbahnhof hauchten a+r Architekten der ehemaligen

Brachfläche auf eindrucksvolle Weise neues Leben

ein und kreierten dadurch einen Ort für Kultur, der

seine Vergangenheit nicht leugnen kann. Sie machen

vor, wie Revitalisierung und Umnutzung im urbanen

Kontext möglich ist und schaffen dabei nicht nur einen

baulichen Brückenschlag zwischen Industriezeitalter

und Gegenwart, sondern auch in die Zukunft. •

Während in den Probenbereichen

unter dem

Dach Stahlträger von der

industriellen Vergangenheit

zeugen, bildet der

öffentliche Theatersaal

im Erdgeschoss einen

neutralen Hintergrund für

Kulturevents.


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57

a+r Architekten

0 1 2 10

EG

0 1 2 10

Kulturbahnhof Aalen

Aalen, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Statik:

Stadt Aalen

a+r Architekten

wh-p Beratende Ingenieure

Grundstücksfläche: 6.434 m 2

Bebaute Fläche: 4.008 m 2

Nutzfläche: 4.562 m 2

Planungsbeginn: Oktober 2016

Baubeginn: Januar 2018

Fertigstellung: Oktober 2020

Baukosten:

15.535.000 € (exkl. MwSt.)

www.ackermann-raff.de

„Unsere Bauten entstehen aus der intensiven Auseinandersetzung

mit der Bauaufgabe und den Chancen und Bedingungen

eines Ortes. Bestehende Qualitäten werden stets

hinterfragt und in neue Formensprachen überführt. Dieser

Prozess führt zu passgenauen und eigenständigen Lösungen,

die keiner kurzfristigen Mode nacheifern. Form und Konstruktion,

Material und Farbe bilden die Bausteine, Kosten

und Termine den Rahmen unserer Arbeit.“

a+r Architekten


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Urbanes Leben

Stadt, Land, Fluss

Little Island / New York / Heatherwick Studio

Text: Edina Obermoser Fotos: Timothy Schenck

Während am Pier 54 einst die Überlebenden des Titanic-Unglücks

in New York an Land gingen, zeugten über

100 Jahre später nur noch eine verrostete Stahlstruktur

sowie die maroden Pfähle im Wasser von der einstigen

Anlegestelle im Hudson River. An diesen verlassenen

Kai dockt seit Neuestem mit Little Island ein Inselpark

an. Das skulpturale Eiland soll mitten in der amerikanischen

Metropole nicht nur zur grünen Oase, sondern

auch zum Veranstaltungsort werden.


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59

Heatherwick Studio


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60

Urbanes Leben

Für das Design des Projekts ist das Londoner Büro

Heatherwick Studio verantwortlich. Den ersten Vorschlag

für die urbane Insel machten der Medienmogul

Barry Diller und seine Frau Diane von Furstenberg

bereits 2013. Damals noch unter dem Titel Pier

55 stießen die Pläne aber auf viel Gegenwind und

wurden vorübergehend eingestellt. Erst nach Unterstützung

durch Andrew Cuomo, den damaligen

Gouverneur von New York, kamen die Arbeiten rund

um Little Island in Kooperation mit dem Hudson River

Park Trust wieder ins Laufen.

Am südlichen Ende des berühmten High Line Parks

fügt sich der Park in Chelsea an der West Side Manhattans

in das Stadtgefüge ein und bildet die neue Verlängerung

des öffentlichen Hudson River Parks im Süden.

Vom Ufer aus erstrecken sich zwei Stege in den Fluss

und verbinden Little Island mit dem Festland. Die kleine

Insel selbst sieht von oben nahezu quadratisch aus.

Erst beim Wechsel der Perspektive eröffnet sie ihre

ganze Raffinesse: Anstatt einer horizontalen Fläche

setzt sich der Park aus skulpturalen, unterschiedlich

hohen Betonstützen zusammen, die eine organische

Topografie ergeben und die perfekte Voraussetzung

für eine lebendige Grünfläche bieten.

Inspiration für den Entwurf holten sich die Planer

rund um Thomas Heatherwick von den Überresten

des alten Piers. Sie wollten nicht nur eine aufgeständerte

Plattform schaffen, die die Geschichte des

Ortes überdeckt, sondern vielmehr eine Struktur,

die organisch aus den Holzpflöcken herauswächst.

Gleichzeitig sollten die maroden Hölzer des Bestands

erhalten bleiben, um den Lebensraum der Wassertiere

und Fische nicht zu zerstören. Dafür entwickelten

die Architekten ein Konzept, das Konstruktion und

Gestaltung der Seebrücke vereint. Bei der technischen

Umsetzung dieser Idee wurden sie von den Ingenieuren

von Arup unterstützt. Das Ergebnis ist ein

Park mit einem Hektar Fläche, der wie eine Ansammlung

von Pilzen aus dem Fluss zu wachsen scheint.

Zwischen den maroden Holzstümpfen

früherer Anlegestellen fügt sich Little Island

aus unterschiedlich hohen Betonelementen

zusammen und wird zur abwechslungsreichen

Naturlandschaft über dem Wasser.


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61

Heatherwick Studio

Die Tragstruktur besteht aus 280 Betonpfählen. Jeder

von ihnen ist auf eine Belastung von bis zu 350

Tonnen ausgelegt und wurde tief in das Gestein am

Grund des Hudson Rivers getrieben. Auf ihnen lagern

insgesamt 132 Betonelemente, die aus 39 Schalungsteilen

vorgefertigt wurden. Sie variieren in Form

und Größe und ragen wie riesige Tulpen aus dem

Wasser. Die einzelnen Module fügen sich in der Höhe

versetzt aneinander und werden von Ortbeton zu einer

zusammenhängenden Insel verbunden. Bei einer

Breite von bis zu sechs Metern sind die einzelnen

Fertigteile mit Erde gefüllt und fungieren als überdimensionale

Pflanztröge. Neben Beton kam auf Little

Island Cortenstahl zum Einsatz. Er formt Brüstungen,

kleidet Geländesprünge und ergibt mit seiner rostbraunen

Färbung einen spannenden Kontrast zu den

Grünflächen. Stufen und Tribünen wurden aus Robinie,

einer lokalen Holzart, gefertigt.

Für die Vegetation und die Erschließung des Naherholungsgebietes

wurden die New Yorker Landschaftsarchitekten

MNLA mit ins Boot geholt. Sie

erstellten ein 3D-Modell der Insel und ließen Topografie,

Sonneneinstrahlung und Wind in ihre Planung

mit einfließen. So optimierten sie die Anordnung

von fast 400 Pflanzenarten – darunter auch 66.000

Blumenzwiebeln – auf Little Island. Die Bäume und

Sträucher, Gräser, Stauden und Blumen sorgen für

Biodiversität. Sie fühlen sich im Klima der Metropole

wohl und verändern die Insel und sich selbst mit

den Jahreszeiten. Im Sommer spenden hohe Wipfel

Schatten, im Winter schirmen die Gewächse Besucher

vor der rauen Brise ab. Tiere fühlen sich ebenfalls

auf dem Eiland wohl und finden nicht nur Futter

und Schutz, sondern auch Nistplätze.

u


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62

Urbanes Leben

Spazierwege und Treppen

erschließen den gesamten

Inselpark. Von Bäumen,

Blumen und Wiesen

gesäumt, führen sie Besucher

zu Aussichtsplattformen

und den unterschiedlichen

kulturellen

Angeboten.

Durch die künstlich angelegte Naturlandschaft auf

dem Wasser schlängelt sich ein 540 Meter langes

Wegenetz mit Treppen und Rampen. Es verbindet die

unterschiedlichen Bereiche und lädt zu Spaziergängen

mit Blick auf den Hudson River ein. Die bewegte

Topografie von Little Island kreiert auf natürliche

Weise unterschiedliche Zonen für ein abwechslungsreiches

Programm. Dieses beinhaltet neben dem üppigen

Grün und Rasenflächen für Picknicks und zum

Entspannen auch drei Veranstaltungsorte. Dazu gehört

zum einen ein flexibel bespielbarer Platz für bis

zu 3.500 Besucher, der dem Ufer zugewandt ist. Zum

anderen gibt es eine kleinere Bühne mit 200 Plätzen

sowie ein Amphitheater mit einer Kapazität von bis

zu 700 Personen. Das Freilufttheater öffnet sich zum

Wasser hin und macht den Fluss zur Kulisse für die

kulturellen Darbietungen. Backstage-Bereiche wurden

unterirdisch in der Betonkonstruktion versteckt.

Über den gesamten Inselpark verteilt befinden sich

Aussichtspunkte, von denen aus man die Skyline

Manhattans und die Freiheitsstatue in der Ferne sieht.

Little Island erweitert den Stadtraum des Big Apple,

ohne zusätzliche Fläche einzunehmen. Zentral

gelegen streckt der Inselpark seine Fühler in den

Hudson River aus und bietet über dem Wasser mit

Naherholung und Kultur die Möglichkeit, der Hektik

der Metropole zu entfliehen – und das auch noch

in vielen Jahren, denn die Architekten bedachten

die Pegelstände und den prognostizierten Anstieg

des Meeresspiegels. Zudem gelang es dem Planertrio

rund um das Heatherwick Studio nicht nur die

Umgebung und die Geschichte des Ortes geschickt

miteinzubeziehen und zu inszenieren, sondern die

Seebrücke gleichzeitig mit dem unkonventionellen

Design selbst zu einem Kunstwerk zu machen. Die

Insel wartet nur darauf, auf vielen verschiedenen

Ebenen erforscht zu werden und ermöglicht sowohl

erholungssuchenden Städtern als auch Touristen ein

unvergleichliches, urbanes Erlebnis.


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63

Heatherwick Studio

Little Island

New York

Bauherr:

Planung:

Gruppenleitung:

Projektleitung:

Statik:

Landschaftsarchitektur:

Partnerarchitekten:

Nutzfläche: 11.000 m 2

Planungsbeginn: 2013

Fertigstellung: Mai 2021

www.heatherwick.com

Hudson River Park Trust & Pier 55 Project Fund

Heatherwick Studio

Mat Cash

Paul Westwood, Neil Hubbard

Arup

MNLA

Standard Architects

„New York ist bekannt für seine unglaubliche

urbane Dichte, gepaart mit Tatendrang

und Erfindungsgeist, der einige fantastische

öffentliche Parks hervorgebracht hat,

vom Central Park über die Highline bis hin

zu den lokalen Parks. Bei Little Island hatten

wir die Gelegenheit, diese Sammlung

um eine urbane Oase zu erweitern, die allen

New Yorkern ein Maximum an Komfort

und Erlebnissen bieten soll.“

Mat Cash, Heatherwick Studio


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64

RETAILarchitektur

Kaufentscheidung

mit Weitblick

Geht es nach Marten van Middelkoop und Joost Dingemans, den Gründern

von Plasticiet, so ist Plastik das neue Gold. Die beiden Designer beschäftigen

sich seit Jahren damit, Plastikmüll in nachhaltiges Material zu verwandeln.

Umweltfreundlichkeit wird auch beim Brillenhersteller Ace & Tate

großgeschrieben. Dieser möchte bis 2030 CO 2 -neutral sein und ausschließlich

auf Recycling setzen. Die upgecycelten Baustoffe schienen daher wie

geschaffen für den neuesten Shop der Marke in Antwerpen.

Text: Edina Obermoser Fotos: Lennart Wiedemuth

Polyethylen ist ein Stoff, aus dem unzählige Produkte

gemacht werden und den wir umgangssprachlich

mit dem Begriff Kunststoff bezeichnen. Ob Bau oder

Haushalt, ob Plastikbeutel oder Kinderspielzeug – all

diese Dinge wandern nach oft nur kurzem Gebrauch

unweigerlich in den Abfall und haben dabei das Ende

ihres Lebenszyklus noch lange nicht erreicht. Plasticiet

nutzt dieses Material und stellt daraus neue Plattenwerkstoffe

her, die an Marmor, Granit und andere

hochwertige Steine erinnern. Damit schenken sie der

Ausschussware neues Leben und tun gleichzeitig

dem Planeten etwas Gutes.

Für den Brillenladen von Ace & Tate recycelten die

beiden Tüftler 1.000 kg lokalen Plastikmüll und verwandelten

ihn in weiße Paneele mit bunten Partikeln.

Während die weißen Teilchen eingeschmolzen werden

und die Basis bilden, weisen die farbigen Fragmente

in Originalgröße auf ihre einstige Funktion

hin. In lebendigen Rot-, Gelb-, Grün- und Blautönen

sind sie wie Konfetti in das Material integriert und

verleihen ihm eine hochwertige Terrazzo-Optik. Im

Shop formen die gesprenkelten Platten Regale und

Präsentationsflächen und kleiden die Wände und

den Verkaufstresen.


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65

| BA12-14G |

Eine Steuerung

RETAILarchitektur

für alle Gewerke

Integrale, PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff

Dazu kombinierte das innovative Designerduo schlichte,

graue Böden, weiße Akzente und Spiegel. Leuchtende

Neonreklamen – ein Markenzeichen von Ace &

Tate, das in sämtlichen Filialen zu finden ist – runden

den Store ab und schaffen einen Verkaufsraum, der

zum dynamischen Hintergrund für die ausgestellten

Brillen wird. Während der vordere Teil des Ladens offen

und schlicht gestaltet ist und rein der Produktpräsentation

dient, wirkt der hintere Bereich intimer und

gibt den Kunden Zeit für ungestörte Kaufentscheidungen.

Ein verstecktes Hinterzimmer, in dem Sehtests

gemacht werden, komplettiert das Raumprogramm.

Im Schaufenster illustriert ein, mit Plastikkügelchen

und größeren Stücken gefüllter, Kunststoffeinbau den

Recyclingprozess und macht auf das besondere Material

aufmerksam. Drei eingesetzte Boxen bieten Platz

für die neuesten Modelle der Marke und sollen die

Neugier der Passanten wecken.

Microsoft Technology

Center, Köln:

Die integrale Gebäudeautomatisierung

wurde mit

PC- und Ethernet-basierter

Steuerungstechnik von

Beckhoff realisiert.

Die offene, PC-basierte Steuerungstechnik von Beckhoff bildet die

Grundlage einer integralen Gebäudeautomation, die alle Anforderungen

an eine nachhaltige und effiziente Lösung erfüllt. Eine

einheitliche Hard- und Softwareplattform steuert alle Gewerke, von

der nutzungsgerechten Beleuchtung über die komfortable Raumautomation

bis zur hocheffizienten HLK-Regelung. Das Ergebnis:

Durch die optimale Abstimmung aller Gewerke werden die

Energieeinsparpotenziale über die Energieeffizienzklassen hinaus

voll ausgeschöpft. Darüber hinaus reduziert die integrale Gebäudeautomation

Hardware-, Software- und Betriebskosten. Für alle

Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung,

die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen

oder -änderungen sind jederzeit möglich.

Scannen und alles

über die Gebäudeautomation

mit

PC-based Control

erfahren

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


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66

RETAILarchitektur

Melange

trifft Mosaik

In einem dynamischen Viertel Kiews gibt es seit Kurzem eine neue, urbane

Anlaufstelle für die tägliche Dosis Koffein. Auf 30 m 2 können sich Kaffeeliebhaber

in der DOT Kaffeestation ihr Heißgetränk to go abholen oder

ihren Flat White, Americano oder Espresso vor Ort genießen. Das Architekturbüro

YOD Group entschied sich beim Design des Coffeeshops – wie der

Name bereits erahnen lässt – für Punkte.

Text: Edina Obermoser Fotos: Andrey Bezuglov


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67

RETAILarchitektur

Schnell und vielfältig – so lässt sich der Bessarabska-Platz

mitten in der ukrainischen Hauptstadt mit

zwei Worten beschreiben. Genau diese beiden Attribute

sollten sich auch in der Gestaltung des kleinen

Cafés direkt an diesem Platz wiederfinden. Das

Ergebnis ist ein Raum, in dem grafische Pop-Art und

unverputzte Wände aufeinandertreffen. Große Glastüren

lassen das Aroma frisch gerösteter Bohnen

nach draußen dringen und holen gleichzeitig das

städtische Treiben fließend ins Innere des Ladens.

Lichtdurchflutet kann DOT mit fast 5 Meter Deckenhöhe

sein ganzes Potenzial entfalten. Die rechteckige

Coffee Station verkörpert mit ihren nackten Backsteinwänden

und -decken nach wie vor ein Stück ihrer

Vergangenheit. Dazu kombinieren die Planer Holz,

Metall und einfache Punkte. Diese ziehen sich in Form

von mosaikartigen Pixeln durch den ganzen Shop.

Bereits die Stufen am Eingang markieren die kleinen,

weißen Kacheln, die an akkurat aneinander gereihte

Zuckerwürfel erinnern. Sie setzen sich auf dem Boden

des Cafés fort und kleiden die gesamte Rückwand. An

letzterer legen sie sich nahtlos über die Tür zum WC

und fügen sich mit farbigen Fliesen zu einem plakativen

Pixel-Gemälde zusammen. Hinter einem Vorhang

verstecken sich Lager und Küche. Linker Hand kleiden

glatte Metallpaneele eine Nische aus, deren Hintergrund

ebenfalls Kacheln in Weiß und einem kleinen,

roten Herz zieren. Eine Bank aus rustikalen Holzbalken

lädt Besucher dazu ein, den Kaffee direkt im Shop

zu trinken. Ähnliche Sitzgelegenheiten finden sich,

ausgestattet mit Tischchen und Steckdosen, auch

vor der Tür wieder. Der Tresen auf der rechten Seite

bildet das Herzstück von DOT und setzt sich ebenfalls

aus mehreren Althölzern zusammen. Gemeinsam

mit den unverkleideten Ziegeln verleiht er dem Raum

einen rustikalen Charme. Zum krönenden Abschluss

der Kaffeestation wird ein in Boden und Wände integriertes

Leuchtband, das mit umherlaufenden Lettern

News ankündigt und laut den Architekten das Adrenalin

darstellen soll, das nach einem doppelten Espresso

durch die Adern der Gäste strömt.


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68

RETAILarchitektur

Die Post

ist da!

In Ningbo – einer chinesischen Küstenstadt südlich von Shanghai, in der

sich einst das älteste Postamt der Provinz befand – gestaltete das Büro

Yatofu Creatives nun einen neuen Standort, in dem nicht nur Briefe und

Pakete über den Tresen wandern, sondern auch Geschenke und mehr.

Neben Versand und Shop befindet sich in der Postfiliale ein Spielbereich für

Kinder, der außerdem für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Text: Edina Obermoser Fotos: Wen Studio


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69

RETAILarchitektur

Für das Design der neuen Post interpretierte das finnisch-chinesische

Planerteam die Typologie auf moderne

Weise. Häufig ein Anlaufpunkt rund um festliche

Anlässe wie Weihnachten und Neujahr, sollte die Funktion

der Versandzentrale erweitert werden und mit einem

breiteren Programm auch außerhalb bestimmter Feiertage

Kunden und Einwohner anziehen. Das Herzstück

dafür bildet ein doppelgeschossiger Verkaufsraum. Dieser

sorgt mit seiner kräftigen Farbgebung für ein feierliches

Ambiente. Neben ruhigem Grün und Weiß ziehen

sich strahlende Rot- und Terrakottatöne durch sämtliche

Bereiche. Von der Decke hängen kugelförmige Pendelleuchten,

den Boden schmückt gemusterter Terrazzo.

Während im unteren Teil die Einrichtungen des Postamtes

untergebracht sind, befindet sich in der Galerie im

oberen Stockwerk ein Souvenirshop.

Im Erdgeschoss können Kunden rechter Hand am Schalter

ihre Sendungen verschicken und entgegennehmen.

Er ist, ebenso wie die Nische dahinter, komplett in hellem

Holz gefertigt. Die gesamte rechte Seite des Raumes

wird von einem auffälligen Treppenkörper in perforierten,

weißen Metallpaneelen flankiert. Dieser führt in die obere

Etage weiter. Hier kleiden dunkelrote Regale, die als Präsentationsflächen

für kleine Aufmerksamkeiten dienen,

die Außenwände. In der hintersten Ecke gibt es Sitzgelegenheiten

zum Lesen. Entlang der Innenseite legen sich

die Weißmetallelemente in Form von raumhohen, gewölbten

Säulen aneinander. Sie bieten, mit Böden in unterschiedlichen

Höhen, ebenfalls Platz für Verkaufsartikel.

Die fein durchlöcherten Oberflächen fungieren außerdem

als Brüstung und geben subtile Blicke auf die darunterliegende

Postfiliale frei. Der abschließende zweite Stock

wird nicht nur von Kindern, sondern auch für Workshops

und Events genutzt. Der Raum lässt sich frei bespielen

und ist in derselben Farbpalette wie die übrigen Bereiche

gehalten. Eine Wand ziert ein Vorhang aus Holzlamellen,

an zwei weiteren gibt es podestartige Sitzstufen mit integriertem

Stauraum. Umlaufende Fensterbänder ermöglichen

Ausblicke über die Stadt und komplettieren die multifunktionale

Poststation.


architektur FACHMAGAZIN

70

Produkt News

Das Büro im Wandel

Ein erfolgreiches Team benötigt maßgeschneiderte Bürokonzepte und individuelle

Lösungen. Unter „new work“ werden Einrichtungskonzepte für Büro- und

Office-Flächen verstanden, die auf diese Anforderungen eingehen. Der Objekteinrichter

Selmer ermöglicht eine neue Art zu arbeiten, dank durchdachten

Office-Konzepten. Mit einer Vielfalt aus konfigurierbaren Möbeln, Präsentationsflächen

der neuen Generation oder komfortablen Aufenthaltszonen, wird die

Arbeitswelt neu strukturiert.

lift : Eine Sache der Einstellung.

Bei den höhenverstellbaren Tischen der

Produktserie lift trifft frisches Design auf

Technik und Know-How. Der Einsatzbereich

ist vielseitig, egal ob in Besprechungs- und

Projekträumen oder in legeren Lounges.

Diverse Tischformen und -größen stehen

zur Auswahl, auch die Tischplatte kann individuell

in HPL, mit Eichenfurnier oder der

edlen NanoTec Oberfläche bestellt werden.

PARA VERT : Raumteilung mal anders.

Mit dem Raumteiler PARA VERT bringt

man noch mehr Leben in Büroräume. Das

modulare System aus geschwungenen Metallstangen

und bepflanzbaren Gefäßen

schafft ein angenehmes Raumklima und

steigert das Wohlbefinden der Mitarbeiter.

banc : Modularität überzeugt.

Das Banksystem banc ist vielfältig kombinierbar

und überzeugt mit einer puristischen

Designsprache. Egal ob als offene

Sitzlandschaft oder geschlossene Koje

– die modularen Loungemöbel lassen viel

Raum für freie Gestaltung.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


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71

Produkt News

Extravagantes

Einrichtungskonzept

Ein Wohnungseigentümer hat eine mutige und extravagante

eigene Interpretation des modernen Interior-Designs

umgesetzt. Die Wände inklusive der Decke sowie ein Großteil

des Mobiliars sind in dunkelgrau und schwarz gehalten.

Eine große Terrassentür bietet viel Tageslicht, das Schienensystem

an der Decke sorgt zudem mit Spots genau dort

für Beleuchtung, wo Licht benötigt wird. Elemente in Gold,

darunter auch eine ganze Wand im Wohnzimmer und die

Lampe über dem Esstisch, lassen etwas Glamour einziehen.

Die dunkle und kühle Farbe der Wände, Decke und der Möbel

erhalten ein optisches Gegengewicht durch den Boden. Aufgrund

der vielen Vorteile fiel die Wahl dabei auf einen Vinylboden

in Holzoptik von PROJECT FLOORS. Bei dem verwendeten

Bodenbelag mit dem Dekor PW 3130 FP handelt es sich

um ein Chevron Dekor , das aber im Fischgrätmuster verlegt

wurde. Die in einem Winkel von 60° abgeschrägten Planken

ermöglichen eine auffällige Bodengestaltung, die an die Herrenhäuser

des 17. Jahrhunderts erinnert.

PROJECT FLOORS GmbH

T +49 (0)2233 9687-0

info@project-floors.com

www.project-floors.com

#greywood

Die fein nuancierten Grautöne aus der Natur

sind in der Reihe „Natürlich Inspiriert“ erhältlich.

Broschüre anfordern unter

inspiriert@synthesa.at

www.synthesa.at


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72

Produkt News

Smartes Veranstaltungszentrum

Zentrale Kontrolle über die gesamte Beleuchtung und zentrale Gebäude: Die

Gemeinde Gampern im Hausruckviertel hat bereits Kindergarten, Schule und Straßenbeleuchtung

via KNX ins 21. Jahrhundert geholt und kann seither Gebäude wie

Beleuchtung zentral steuern und warten.

Und auch für das 4Kanter Veranstaltungszentrum

hat die Gemeinde auf die Zukunftstechnologie

KNX gesetzt und dafür

eng mit Siblik SmartHome und der EBG

GmbH aus Attnang-Puchheim zusammengearbeitet.

Zudem setzt Gampern nun auf

eine 12 kW Photovoltaik-Anlage von WSelectrics,

die der Gemeinde langfristig hohe

Stromkosten erspart und die ebenfalls in

das KNX-System integriert ist. Versehen

mit einem BYD-Stromspeicher versorgt die

PV-Anlage nachts die gesamte Straßenbeleuchtung

mit Strom. Verbaut wurden

bei diesem Projekt zudem das Berker Q.3

Schalterprogramm in Polarweiß, Zeituhren

und Aktoren sowie Bewegungs- und Präsenzmelder.

Die verbauten KNX-Komponenten steuern

die gesamte Medientechnik, Beleuchtung

und Beschattung im Veranstaltungszentrum.

Sobald die Medientechnik aktiviert ist,

können die KNX-Schalter im Veranstaltungszentrum

nicht mehr manuell bedient werden

– so ist sichergestellt, dass Veranstaltungen

ohne technische Störungen stattfinden können.

Platz- und Innenbeleuchtung werden

über eine KNX-Uhr gesteuert. Der praktische

Nutzen: Vereine und andere Veranstalter, die

das 4Kanter Veranstaltungszentrum mieten,

finden sich dank der Benutzerfreundlichkeit

des Systems bzw. der zentralen Funktionen

sofort zurecht. Langwierige Einschulungen

entfallen daher.

Und das Fazit der Gemeinde? Die bisher

verbauten smarten Komponenten funktionieren

so gut, dass Gampern auch bei künftigen

Projekten auf KNX setzen wird.

Siblik SmartHome

T 0800 20 16 44

smarthome@siblik.com

www.smarthome.siblik.com


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73

Produkt News

Altstadtgerechter Neubau

Der Neubau der Stadtbibliothek Marktheidenfeld in Deutschland

punktet mit ausgewählten Materialien und einem durchdachten

Farbkonzept. Für den fachgerechten Sonnenschutz sorgen farblich

angepasste Raffstoren und Markisen aus dem Hause Warema. Bei

den großen Südfenstern im Erd- und Obergeschoss kamen Raffstoren

zum Einsatz, deren seilgeführte Flachlamellen im Farbton „Erdbraun

Eisenglimmer“ getönt sind. Damit diese im geschlossenen

Zustand den Raum nicht zu sehr verdunkeln, öffnet sich das obere

Drittel der Lamellen nach dem Herunterfahren wieder. Auf diese

Weise werden Sonnenschutz und Blendschutz gewährleistet, ohne

den Innenraum zu verdunkeln.

Für die Schaufenster der Stadtbibliothek wurde als Sonnenschutz

Schacht-Markisen des Herstellers gewählt, die sich fast unsichtbar

in die Pfosten-Riegel-Konstruktion integrieren und deren lichtdurchlässige

Behänge den Innenraum nur wenig verdunkeln. Ein

weiteres Sonnenschutzelement kam auf der Dachterrasse zum Einsatz:

Hier stehen zwei bordeaux-farbige Sonnenschirme von Caravita

als Schattenspender.

WAREMA Austria GmbH

T +43 (0)662 853015-0

info@warema.at

www.warema.at


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74

Produkt News

© MAGK ARCHITEKTEN, schreinerkastler.at

Visualisierung des Siegerprojekts der Alpenland-Wohnhausanlage in Ober-Grafendorf

Heimspiel für modernen Holzbau

Für den Wettbewerb einer Wohnanlage hat Alpenland besondere Vorgaben formuliert:

Holzbauunternehmen und Architekturbüros müssen als Team antreten.

Rubner Holzbau und MAGK Architekten Aichholzer l Klein überzeugten mit ihrem

flexiblen Konzept, Rubner Holzbau darüber hinaus als Totalunternehmer in einer

ARGE mit STRABAG.

Die moderne Holzbauweise bietet alle Voraussetzungen,

auch mehrgeschossige und großvolumige

Wohnbauprojekte ökologisch und ökonomisch

umzusetzen. Die gemeinnützige Bau-, Wohn- und

Siedlungsgenossenschaft Alpenland wollte diese

Vorteile für sich nutzbar machen und suchte

im Rahmen des Wettbewerbs nach einem Umsetzungsplan

für das Projekt in Ober-Grafendorf

sowie nach einer Baukörpertypologie, die durch

einfache Anpassungen auch an anderen Stellen

realisiert werden kann. Rubner Holzbau und MAGK

Architekten Aichholzer l Klein konnten sich gegen

vier weitere Teams durchsetzen.

Skalierbare Pläne

Für Roman Fritz, Geschäftsführer von Rubner

Holzbau, ist dieses Projekt in mehrfacher Hinsicht

ein Heimspiel: „Wir haben einen unserer Produktionsstandorte

nur wenige Straßen von der

Wohnanlage entfernt, die Partnerunternehmen

kennen wir gut. MAGK verfügt über eine umfassende

Holzbauexpertise, STRABAG bringt jene

klassischen Leistungen der Bauwirtschaft ein, die

Rubner nicht abdeckt.“

Roman Fritz,

Geschäftsführer

Rubner Holzbau

© Rubner Holzbau


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75

Produkt News

Juryentscheidung

Es sollten 80 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen

zu je 55 bis 72 m 2 in bis zu fünf gleichartigen

Baukörpern mit drei bis vier Geschossen errichtet

werden. Gewünscht war die Umsetzung als Holzoder

Holzhybridbau in Modulbauweise mit sehr

hohem Vorfertigungsgrad. Holzbauunternehmen

und Architekten hatten gemeinsam ein verbindliches

Totalunternehmerangebot abzugeben.

Hoher Vorfertigungsgrad

Das Siegerprojekt basiert auf einem variablen,

L-förmigen Erschließungskern aus Beton-Fertigteilelementen

und darum angeordneten Wohnmodulen

in Holzbauweise. Die tragenden Innenwände

und Geschossdecken der freistehenden,

viergeschossigen Punkthäuser bestehen aus

Brettsperrholz-Platten, die tragenden Wohntrennwände

werden in Holzrahmenbauweise realisiert.

Die Außenwandelemente der vier mit 23 x 27 x

12 m annähernd gleich großen Baukörper werden

inklusive Wärmedämmung, hinterlüfteter Fassade

aus vorvergrauten Lärchenlatten und Fenstern

werkseitig vorgefertigt. Die Balkonkonstruktion

wird aus BSP-Platten auf Stahlstützen vorgesetzt

und durch reversible Fügepunkte und Verbindungen

voll recyclingfähig ausgeführt.

Flexibles System

Roman Fritz sieht das Holzbaukonzept in mehrfacher

Hinsicht bestätigt: „Dieser Wettbewerb

zeigt, wie wichtig es ist, das Holzbauunternehmen

gleich von Anfang an in die Planung einzubeziehen.

Unser maximal flexibles System funktioniert

ausgezeichnet bei diesem Projekt und lässt sich

auch auf andere Bauplätze und Rahmenbedingungen

anpassen. Auf diese Weise haben wir den

Holzbau und speziell mehrgeschossige Wohnbauten

weiter in Richtung Kosteneffizienz entwickelt

und damit auch für institutionelle Auftraggeber

attraktiver gemacht.“

Rubner Holzbau GmbH

T +43 (0)2747 22 510

holzbau.obergrafendorf@rubner.com

www.rubner.com/holzbau

+

© MAGK ARCHITEKTEN, schreinerkastler.at


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76

Produkt News

Die Zeit vorausdenken

Mit dem Großprojekt QUARTIER SIEBEN entsteht im südlichen Teil des Reininghaus-Areals

in Graz – nach Konzept und Planung von „balloon architekten“ und

„Hohensinn Architektur“ für die Siedlungsgenossenschaft ENW und Ennstal – ein

weiterer Meilenstein im mehrgeschossigen Holzbau in der Steiermark.

Das gesamte Quartier wurde mit teilweise sechsgeschossigen

Gebäuden geplant und umgesetzt, was

eine neue Dimension für den Holzbau darstellt. Erstmals

wurde ein Teilquartier zu 100% aus Holz konstruiert

– also auch die tragenden Elemente der Erschließungskerne

und Stiegenhäuser wurden in Holz

ausgeführt. Das ist gerade bei sechsgeschossigen

Wohnhäusern eine wesentliche Neuerung in Österreich

und gilt definitiv als Leuchtturmprojekt.

Da es sich um einen reinen Holzbau handelt, war der

Schall- und Brandschutz eine besondere Herausforderung

für den ausführenden Trockenbauer Philipp

Kletzenbauer, der für seine Umsetzung Systeme der

Firma RIGIPS und ISOVER wählte. Sämtliche Anforderungen,

die an die Materialien bei einem zukunftsweisenden

Holzbau gestellt werden, konnten durch

den Einsatz von ISOVER ULTIMATE Trennwand-Filz

und den RIGIPS Bau- sowie Feuerschutzplatten eingehalten

und großteils sogar übertroffen werden.


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Produkt News

Auf qualitätsvollen Wohnraum wurde von Seiten

der balloon architekten ZT-OG besonders Wert gelegt.

Die Wohnungen selbst sollen möglichst einfach

und funktional sein und verfügen jeweils über einen

großzügigen Freibereich in Form von Gärten, durchgehenden

Balkonen oder Eck-Loggien.

ISOVER Austria

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at

RIGIPS Austria

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.com

HEIKAUS Architektur GmbH

Räume gestalten.

Mit Designboden vom Experten.

www.project-floors.com


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78

Produkt News

Außenansicht des neuen Seminargebäudes „Ilse Wallentin Haus“ der Universität für Bodenkultur Wien

© HASSLACHER Gruppe | BOKU - Christoph Gruber

Niedrigstenergiegebäude

in Holzbauweise

Dank vorgefertigter Holzelemente der HASSLACHER Gruppe konnte das neue

Seminargebäude „Ilse Wallentin Haus“ der Universität für Bodenkultur Wien in

lediglich 14 Monaten Bauzeit – und damit 2 Monate früher als geplant – errichtet

und im Oktober 2020 feierlich eröffnet werden. Das Niedrigstenergiegebäude in

Holzbauweise wurde mit dem Prädikat „klimaaktiv Gold“ ausgezeichnet.

Das Gebäude besteht aus vier Obergeschossen

in Holzbauweise, wobei die Wände

und Decken aus Brettsperrholz und die

Stützen und Träger aus Brettschichtholz

errichtet wurden. Die skelettartige Konstruktion

stützt sich auf einen Betonkern

ab, welcher für die Ableitung horizontaler

Kräfte verantwortlich ist.

Das im Projekt eingesetzte Brettschichtholz

in Fichte Sichtqualität wurde am Standort

Hermagor der HASSLACHER Gruppe nicht

nur produziert, sondern auch werkseitig

fertig abgebunden und mit einer Oberflächenveredelung

in Form eines UV-Schutzes

versehen. Dieser UV-Schutz verhindert die

Vergilbung des Holzes und lässt es lange

Zeit im typisch hellen Farbton erstrahlen. In

Summe lieferte die HASSLACHER Gruppe

380 m³ Brettschichtholz, wovon 350 m³ als

blockverklebte Verbundbauteile ausgeführt

wurden.

Blockverklebung für den

mehrgeschossigen Holzbau

Die Anzahl mehrgeschossiger Gebäude in

Holzbauweise nimmt weltweit zu. Um diesem

positiven Trend nachhaltig zu begegnen,

investierte die HASSLACHER Gruppe

unlängst in eine neue Pressentechnologie

für sogenannte Blockverklebungen. Dies

ermöglicht die Produktion von Verbundbauteilen

mit einem breiteren Querschnitt,

welche sich optimal für die erhöhten Lasteinwirkungen

bei mehrgeschossigen Gebäuden

in Holzbauweise eignen.

HASSLACHER Gruppe

T+43 4769 22 49 - 0

info@hasslacher.com

www.hasslacher.com

Im Innenbereich bleiben die blockverklebten

Brettschichtholzbauteile sichtbar.

© HASSLACHER Gruppe | BOKU - Christoph Gruber


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Eine Welle der Entspannung

79

Produkt News

Ein weiteres Lounge-Möbel ergänzt die Bankkreation

SEDAN aus der NUSSER-GRUPPE. Wie bei allen

Bänken der Kollektion fällt das schwungvolle Zusammenspiel

von Stahl und Holz einladend ins Auge.

Dahinter steckt eine fertigungstechnisch

anspruchsvolle Bank-Konstruktion:

Zwei massive, feuerverzinkte

und farbbeschichtete

Untergestelle formen die

ergonomische Welle für die

Sitzfläche und Lehne und bilden

zugleich den Standfuß. Die

Bankleisten aus FSC® zertifiziertem

Hartholz zeichnen dann

diese Form nach. Dabei erscheinen

die SEDAN-Bänke aber nicht

nur als harmonisches Gebilde – sie

sind jeder Wetterlage gewachsen.

Die bisherigen Modelle reichen von

Einzel-, über Doppel- bis hin zu Reihenbänken.

Und wie bei STAUSBERG fast schon selbstverständlich

sind auch Sonderanfertigungen möglich:

wie zum Beispiel eine über 10 Meter lange SEDAN

Langbank, die eine ganze Gebäudefront ziert.

Stausberg Stadtmöbel GmbH

T +43 7258/5711

www.stausberg.at

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80

Produkt News

Imponierender Gigant

Frankfurt imponiert mit der rasanten Erweiterung seiner Wolkenkratzer-Skyline.

Ein besonders imposanter Neuzugang ist der OMNITURM, entworfen von BIG

Architects. Er überzeugt nicht nur mit seiner einzigartigen Formgebung, sondern

vorallem mit seiner Multifunktionalität.

Der OMNITURM besteht aus schlank und rationell

übereinander gestapelten Räumen unterschiedlicher

Nutzung. Die Änderungen des Raumprogramms

im Inneren bewirken skulpturale Bewegungen

in der äußeren Formgebung. Auf Straßenniveau

werden die Geschossflächen hin und her verschoben,

um begrünte Terrassen und Vordächer mit

Blick auf den Park zu schaffen. In der Mitte der

Silhouette, wo das Hochhaus zum Wohngebäude

wird, kragen zudem die Deckenplatten in einer spiralförmigen

Bewegung aus und schaffen Terrassen

und Außenräume für die Bewohner, bevor sich das

Hochhaus darüber wieder auf das rechteckige, geradlinige

Klischee eines Turms besinnt.

Gleich mehrere tragwerksplanerische Herausforderungen

stellte der vom Architekturbüro entworfene

„Hüftschwung“ dar. Nachdem das dänische Architekturbüro

um Bjarke Ingels den Architekturwettbewerb

gewonnen hatte, führten die Tragwerksplaner

von Bollinger + Grohmann Ingenieure eine Machbarkeitsstudie

durch. Es galt „die Geometrie der Stützenstränge

zu optimieren, um Schrägstellungen bzw.

Umlenkungen der Stützen zu minimieren. Gleichzeitig

verlangte der Verzicht auf Eckstützen die Entwicklung

eines Stützensystems, welches auf diese

Tragwerkselemente verzichten kann. “

Wesentlicher Bestandteil des so entwickelten Tragwerkskonzept

sind Peikko HPKM Stützenschuhe:

Durch die Bauweise mit Betonfertigteilen und damit

zwangsläufige exzentrische Auflagerungen, entstehen

Verdrehungen der Bauteile. Daher muss die Last

durch eine Zugverbindung statisch zentriert werden.

Peikko HPKM Stützenschuhe und Muffenbolzen

in den Betonfertigteilträgern vermeiden in allen

Etagen der Fertigteilkonstruktion über dem zweiten

Obergeschoss Torsionsmomente – immer dort, wo

ein Unterzug auf eine Stahlbetonkonsole oder ein

Haupt- auf einen Nebenträger aufgelagert wird.


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81

Produkt News

Der Einsatz der HPKM Stützenschuhe wurde für

den horizontalen Einbau vom Technischen Büro von

Peikko bemessen und projektbezogen für den OM-

NITURM entworfen. Peikko Muffenbolzen in genau

abgestimmten Längen der Einschraubgewinde, passend

zur Standard-Schalungsbox, komplettieren das

Verbindungssystem. Da ausgeklinkte Auflager ohne

unterseitige Konsolen geplant waren und somit unterseitig

verschraubt wurden, konnte der volle Öffnungswinkel

erreicht werden.

Die Peikko-Lösung verbindet die Vorteile der Übertragung

von Zugkräften durch die Fugen einer Ortbetonkonstruktion

in einem quasi-monolithischen

Verhalten mit der schnellen Montage der Fertigteilbauweise.

Zudem erfüllt der Stützenschuh mit seiner

ETA-Zulassung alle Anforderungen einschließlich

des Feuerwiderstands von R120 für die tragende

Konstruktion. Diese Anforderung konnte durch den

Nachweis nach ETA-130603 und durch die Einrückung

des Bauteils im Fertigteil erfüllt werden.

Peikko Austria GmbH

T +43 5523 521 210

austria@peikko.com

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82

Produkt News

Fotos: Alexander Bernhard

Von der Seifen- zur Denkfabrik

Im Münchner Norden planten GSP Architekten aus München am Standort einer alten

Siederei den Neubau eines modernen Bürogebäudes. Digitale Arbeitswelten, hoher

technischer Standard und Nachhaltigkeitsaspekte verbinden sich hier mit dem gestalterischen

Ausdruck vergangener Industriearchitektur. Der Bezug stellt sich vor

allem über die symmetrische Lochfassade mit großzügigen Sprossenfenstern her.

„Klinker war von Anfang an als nachhaltiges Material

gesetzt, auch um dem vormals industriellen Gebietscharakter

seine Reverenz zu erweisen“, erklärt der

projektleitende Architekt Igor Cerwinski die Materialwahl.

Das traditionelle Fassadenmaterial Klinkerriemchen

unterstreicht den industriellen Charakter

sowie gleichzeitig den Anspruch an eine langlebige

und wertbeständige Architektur. Die Produktwahl fiel

auf den Spezialisten für Architekturkeramik GIMA –

Girnghuber GmbH. Dessen Riemchenproduktion

erfolgt ungleich marktüblicher Fertigungstechniken

in Form echter Klinkersteine, die dann zu Riemchen

gespalten werden. Dadurch bleiben die authentische

Optik und Haptik sowie die Qualität ganzer Klinkersteine

gewahrt.

Für das Projekt wurden Klinkerriemchen im Sonderformat

52 x 15 x 386 Millimeter sowie elf verschiedene

Winkelformsteine gefertigt. Ebenfalls von GIMA

gefertigt wurden ungefähr 500 Quadratmeter Pflasterklinker

im Format 200 x 200 x 71 Millimeter für die

Gestaltung der Innenhöfe. Die Farbwahl Mahagoni

des rotbunt-changierenden Bodenbelags entfaltet

im Zusammenspiel mit der Fassadenbekleidung eine

eigene, spannungsreiche Wirkung.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Bodenbeschichtung

für Weinbetrieb

Der weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Weinbetrieb

WINZER KREMS – Sandgrube 13 befindet sich seit

Jahren auf Expansionskurs. Daher war der Bau eines zweiten

Gebäudes als Produktions- und Lagerfläche notwendig geworden.

Mit der Planung und Ausführung wurde Bmst. Krammer

von Architektur Krammer betreut. Basierend auf den

speziellen Anforderungen an den Boden des neuen Gebäudes

entschied sich der Planer für den Einsatz der schnellhärtenden,

hochfesten und früh begehbaren Bodenbeschichtung

weberfloor 4610 von WEBER Terranova, die für Industrieflächen

wie z.B. Lagerhallen und Produktionen mit intensivem

Staplerverkehr, insbesondere für mittelschwere und schwere

rollende Belastungen, optimal geeignet ist. Die emissionsarme

Beschichtung gleicht stark beanspruchte Bodenflächen wie

Beton bzw. Zementestrich aus. Ein weiterer Vorteil ist, dass

damit eine enorm gute Ebenflächigkeit erzielt wird.

Saint-Gobain Austria GmbH

WEBER Terranova Austria

T +43 (0) 1 661500

www.weber-terranova.at

Systemlösungen

mit ökologischen

Baustoffen

Mehr Informationen unter

www.claytec.at


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84

Produkt News

Attraktive Parkplätze

Mit Reaktionsharzböden von Silikal lassen sich Parkplätze

in Parkgaragen und Parkhäusern schnell und

sicher sanieren: Markierte Stellflächen in Parkhäusern

und Parkgaragen, Parkplätze für Elektrofahrzeuge,

Frauen- und Behindertenparkplätze werden auf diese

Weise optisch und funktional deutlich verbessert.

Die Methacrylatharzsysteme von Silikal sind bereits

nach einer Stunde ausgehärtet und voll belastbar. Sie

sind resistent gegen auslaufendes Benzin, Motoröl

und sogar gegen Batteriesäure. Und auch stehendes

Wasser oder Tausalze können den MMA-Böden

nichts anhaben.

Dem Anspruch einer deutlich verbesserten Optik

der Flächen und damit einer besseren Orientierung

für die Nutzer entspricht Silikal mit einem modernen

Farbkonzept. Eine breite Auswahl an Farben ermöglicht

individuelles Gestalten der Flächen.

Silikal GmbH

T +49 6182 9235-0

mail@silikal.de

www.silikal.de

© Bernd Ducke/Mappe

Revolution im Schaltschrankbau

Das MX-System von Beckhoff ist ein einheitlicher

Automatisierungsbaukasten. Mit ihm bietet das Unternehmen

eine flexible, bauraumoptimierte und

intelligente Systemlösung, die den konventionellen

Schaltschrank komplett ersetzen und damit den

Schaltschrankbau und auch die Automatisierung allgemein

revolutionieren will. Das System besteht aus

einer robusten Aluminium-Baseplate in Schutzart

IP67 mit integrierten Modulsteckplätzen, die über

EtherCAT zur Kommunikation und eine integrierte

Stromversorgung verfügen. Für den Netzanschluss

sowie sämtliche anderen Funktionen eines Schaltschranks

stehen entsprechende Module zur Verfügung.

Das System reduziert die Aufwände für den

Hersteller insbesondere in den Phasen Planung

und Installation. Somit steht ein modulares Schaltschranksystem

in hoher Schutzart zur Verfügung,

das sich ohne weitere Schutzgehäuse an der Anlage

montieren lässt.

Beckhoff Automation GmbH

T +43 5552 68813-0

info@beckhoff.at

www.beckhoff.at


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Produkt News

Geschützte Schönheit

Seit Anfang September ist sie eröffnet und dem Verkehr

übergeben: die neue Linzer Eisenbahnbrücke,

entworfen von Marc Mimram Architecture Ingénierie,

Paris. Sie ist nicht nur eine technische Meisterleistung,

sondern auch ein städtebauliches und ästhetisches

Statement. Um diese Konstruktion vor

Wind, Wetter, Wasser und sonstigen Einwirkungen zu

schützen, ist der Einsatz von Korrosionsschutzmitteln

notwendig. Dafür wählten die Planer und Techniker

Produkte vom Welser Bauchemie-Experten

AvenariusAgro aus der Synthesa Gruppe.

Rund 45.000 m² der Stahlkonstruktion erhielten eine

Beschichtung mit passgenau auf die Verhältnisse abgestimmten

Korrosionsschutz. Beschichtet wurden

alle luft- und betonberührten Stahlbauteile, Geländer,

Abdeckbleche, Kabelkanalbleche, Lager, Fahrbahnübergänge

sowie die Geh- und Radwegflächen. Insgesamt

wurden so auf „Österreichs schönste Brücke“

ca. 140.000 kg Material aufgetragen.

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at

Avenarius-Agro GmbH

T +43 (0)7242 489-0

office@avenariusagro.at

www.avenariusagro.at

BANKFAMILIE CONNECT mit CITYrund A7 Abfallbehälter

Leichtes Design, durch sieben unterschiedliche Module vielseitig kombinierbar.

Moderne Technik und

handwerkliches Können

seit über 85 Jahren

Stausberg Stadtmöbel GmbH 4531 Kematen a. d. Krems Telefon +43 (0)7258 / 5711 stausberg.at


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Produkt News


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Produkt News

Gebaute Nachhaltigkeit

Im Herzen des neuen Senckenberg-Quartiers im Frankfurter Westen ist kürzlich

der 106 Meter hohe Senckenberg-Turm fertiggestellt worden. Das nach Plänen von

cyrus moser architekten BDA (Frankfurt) realisierte Bürogebäude vereint höchste

internationale Qualitätsstandards im Hochhausbau mit einer konsequent nachhaltigen

Bauweise.

Der schlanke Büroturm wurde gezielt auf die Bedürfnisse

innovativer Unternehmen zugeschnitten

und bietet ein intelligent geplantes Umfeld für konzentriertes

Teamwork und individuelle Freiräume.

Ein echter Eyecatcher ist die durch zwei Fugen gegliederte

Fassade. Durch die Einschnitte wird die

Einteilung in Sockel, Schaft und Krone optisch klar

deutlich. Mehrere Geschosse werden zu Einheiten

zusammengefasst, die im Rhythmus variieren.

Der Wunsch, den modernen Büroturm möglichst ressourcen-

und umweltschonend zu realisieren, kam

vom Bauherrn – der BNP Paribas Real Estate. So wurde

die Fassade des Senckenberg-Turms zu 95 % aus

Elementfassaden von WICONA realisiert, die mit dem

End-of-Life-Aluminium Hydro CIRCAL gefertigt sind.

Dieses war zuvor bereits in einem Aluminiumprodukt

verbaut und benötigt somit bei der Erzeugung nur

5 % der Energie von Primär-Aluminium. Das schlägt

sich deutlich beim ökologischen Fußabdruck nieder,

wie Dipl.-Ing. Architekt Andreas Moser erklärt: „Mit

der Fassade aus Hydro CIRCAL konnten wir 2.600

Tonnen CO 2 einsparen – das entspricht ca. 10.000

Flügen von Frankfurt nach Barcelona.“

Mit der Fertigstellung ist der Senckenberg-Turm eines

der höchsten Gebäude in Deutschland, das mit

nachhaltigem Aluminium gebaut wurde.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at

Wir schließen die letzte

große Wärmebrücke.

SCONNEX® REDUZIERT DEN ENERGIEVERLUST

AN WAND UND STÜTZE.

Das innovative Produktprogramm meistert bisher

ungelöste Herausforderungen beim energieeffizienten

Bauen. Schöck Sconnex® setzt auf bewährte

Technologie, reduziert vertikale Wärmebrücken

und erhöht gleichzeitig den Gestaltungsfreiraum

sowie die Wirtschaftlichkeit.

www.schoeck.com/de-at/sconnex


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Produkt News

Klimaresilienz und Nachhaltigkeit

Der Gebäudesektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen

und daher ein wichtiger Hebel, um das Ziel der österreichischen Bundesregierung,

bis 2040 klimaneutral zu werden, zu unterstützen. Die BUWOG ist

als einziges Immobilienunternehmen Teil des klimaaktiv Pakt des Bundesministeriums

für Klimaschutz und hat schon zahlreiche nachhaltige Projekte

im Neubau und im Bestandsbereich umgesetzt.

Im 14. Wiener Bezirk Penzing, unweit der namensgebenden

Kennedybrücke, entsteht im Auftrag der BU-

WOG seit September 2020 der „Kennedy Garden“, ein

Vorzeigeprojekt für nachhaltiges und zeitgemäßes

Wohnen. Für Planung und Architektur erhielt das Projekt,

das sechs architektonisch individuell gestaltete

Baukörper mit zusammen 512 Wohnungen umfasst,

das Greenpass-Zertifikat in Silber.

Einen entscheidenden Beitrag für eine ganzheitlich

energieeffiziente Fassade leistet dabei der Schöck

Isokorb. Das tragende Wärmedämmelement trennt

als Teil der Statik thermisch die komplex angeordneten

Loggien und Balkone und reduziert dadurch

Wärmebrücken auf ein Minimum. Am zentralen Baukörper

mit H-förmigem Grundriss – „Magnolia“ genannt

– sichert das tragende Wärmedämmelement

den bauphysikalischen Anschluss der Wandscheiben

inklusive der unterschiedlich angeordneten Balkone

und Loggien und trägt damit zum nachhaltigen Bauen

bei.

Für die Wandanschlüsse wurde der Isokorb in Beton-Fertigteile

integriert. Diese stellte Mischek Systembauin

verschiedenen Formaten und Dimensionen

her. Die Wandscheiben reichen zum Teil über

drei Geschosse und bilden die Haupttragstruktur

für die Balkonplatten. Vordefinierte Anschlüsse im

Fertigteil, teils hohe Lasten und verschiedene Einbausituationen

verlangten eine individuelle Auslegung

der wandtragenden Wärmedämmelemente.

Entsprechend fertigte Schöck sie als Sonderbauteile.

Standardelemente für Balkonanschlüsse wurden zur

Verformungsbegrenzung sowie bei punktuellen Lastspitzen

im Eckbereich und in Bereichen mit großen

Spannweiten ergänzt.

Schöck Bauteile

Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office-at@schoeck.com

www.schoeck.com


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Produkt News

grenzen

los

planen.

Hydroaktive Flächen nach Ihren Ideen.

PARTNER FÜR OBJEKTGESTALTER

Deutlich schneller

Die Nivelliermasse CA 60 aus dem Hause Murexin ist das

jüngste Mitglied der Calciumsulfat-gebundenen Nivelliermassen

und das flotteste: Bei Schichtdicken von 2 – 3 mm ist sie

bereits nach 12 Stunden belegreif. Damit gelingt der Arbeitsfortschritt

deutlich schneller als bei bei herkömmlichen Gipsmassen.

Ihr sehr guter Verlauf, die Spannungsfreiheit und ihre

extrem glatte Oberfläche zeichnen sie außerdem aus.

Die pulverförmige, rasch trocknende, spannungsfreie, weiße

Nivelliermasse basiert auf Calciumsulfat und ist nur im Innenbereich

zur Herstellung planebener Unterböden, besonders

auf Calciumsulfat-Fließestrichen sowie auf Magnesiaestrichen,

Gussasphalt, Holzuntergründen und Trockenestrichen, im Altund

Neubau geeignet. Die pump- und rakelfähige Nivelliermasse

CA 60 ist auf Fußbodenheizungen und Flächenbodenheizungen

und auch bei Stuhlrollenbelastung einsetzbar.

Mit einem umfassenden Sortiment an Sickerpflaster, die noch

dazu perfekt mit Friedl Pflastersteinen kombiniert werden

können, eröffnen Friedl Steinwerke neue Möglichkeiten in der

Gestaltung von hydroaktiven Flächen. Wir stehen für Beratung

und Bemusterung gerne bereit: anfrage@steinwerke.at

www.steinwerke.at

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com


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Produkt News

Fotos: Hinterschwepfinger Projekt GmbH

Design und Technik im Einklang

Dass Architektur, Funktionalität und moderne Fassadentechnik auch im Industriebau

eine perfekte Verbindung eingehen können, beweist das neue Werkensemble

der Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH in Fridolfing/Deutschland. Für die

Realisierung des Gebäudekomplexes kamen rund 11.000 m² Planum-Fassadenelemente

von DOMICO zum Einsatz.

Seit 2017 sorgt das neue Gebäude der Betriebsgalvanik

mit rund 5.500 m² Nutzfläche in diesem Fertigungsbereich

nicht nur für Effizienzsteigerung in

Produktion und Logistik; es besitzt neben der Funktionalität

eines Industriebaus ebenso eine aussagekräftige

Architektur. Der markante Neubau ist Teil eines

konsequenten Corporate Architecture Konzepts

und fügt sich sowohl optisch als auch logistisch in

die gegebene Standortstruktur ein. Die Fassaden

wurden mit den Planum-Elementen von DOMICO

als hinterlüftete, wärmegedämmte Metall- sowie als

großflächige Pfosten-Riegel-Konstruktion mit vorgehängten

Reinigungsbalkonen und darin integrierter

Sonnenschutzanlage ausgeführt. Das Planum

Fassadensystem gewährleistet den bauphysikalisch

korrekten Aufbau wobei die Planum-Profile in Deckbreiten

von 300 bis 800 mm und Längen bis 12 m

gefertigt werden können.

In direkter Nachbarschaft zur Galvanik entstand ein

weiteres Gebäude: das Büro West, das auf ca. 6.000 m²

Gesamtfläche neben 280 Arbeitsplätzen auch großzügige

Besprechungs- und Sozialbereiche bietet. Der

neue Bau ergänzt die bestehende Gebäudelandschaft

harmonisch und spricht dieselbe Architektursprache.

Trotz ihrer Größe wirken die Gebäude des Ensembles

nicht wuchtig, sondern leicht und beinahe transparent.

Dieser Effekt wird durch die Farb- und Fassadengestaltung

mit DOMICO Planum® Elementen in

metallisch schimmerndem Silbergrau erreicht.

DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at


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Produkt News

Fotos: Max Seibald

Symbiose von Gebäude und Kunst

Wo endet Kunst, wo beginnt Architektur? Das Objekt „My Space“ unterscheidet

nicht zwischen Kunst und Handwerk. Ein verlassenes Sattlerhaus in der Kärtner

Gemeinde Großkirchheim wurde von Bildhauer Max Seibald zu einem Objekt umgebaut,

das die ideale Schnittstelle zwischen Skulptur und Haus bildet. Während

die Fassade mit Cortenstahlplatten verkleidet ist, sind die Innenwände mit Lehm

verputzt. Der natürliche Baustoff lässt aufgrund seiner plastischen Qualität die

vom Künstler gewünschte Verarbeitungsqualität bis ins Detail zu.

Im Inneren ist das Erdgeschoss der Kunst,

das Obergeschoss und das Dachgeschoss

dem Wohnen gewidmet. Das Erdgeschoss

ist ein einziger großer Raum. Die Treppe in

die oberen Räume ragt wie eine Skulptur

quer hinein. Die Wände und ihre Oberflächen

bekommen in dem auf sich konzentrierten

Raum eine besondere Bedeutung

– sie wurden in ökologischer Bauweise

mit Baustoffen von dem Unternehmen

CLAYTEC gestaltet. Mit modernen Lehmbauplatten

lassen sich in Trockenbauweise

schnell und einfach Innenwände errichten.

Neben bestem Raumklima lässt sich

hervorragender Schallschutz realisieren.

Beim Verputzen mit Lehm wurde ein Glasgewebe

als Armierung eingearbeitet. Für

die Innendämmung wurden ebenfalls Holzfaserausbauplatten

genutzt. Sie wurden

mit Lehmklebe- und Armierungsmörtel

raumseitig auf die Außenwände geklebt

und ebenfalls mit Lehm verputzt. Nach der

Grundierung erhielten die Wände mit dem

YOSIMA Lehm-Designputz im Farbton Kolumba-Grau,

einst extra angemischt für das

Kolumba Museum in Köln, ein hochwertiges

Finish. Das neutrale Grau hat sich als Hintergrund

für die Präsentation von Kunstwerken

bewährt und lässt sich durch verschiedene

Handwerkstechniken individuell

gestalten. Die Farbigkeit beruht einzig auf

den natürlichen, farbigen Tonerden, wie bei

allen 146 werkseitig angebotenen Farbtönen

von CLAYTEC.

CLAYTEC Lehmbaustoffe GmbH

T +43 699 17218877

info@claytec.at

www.claytec.at


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Produkt News

Unsichtbarer Brandschutz

Die textilen Feuerschutzvorhänge von Tortec ermöglichen komplett neue Raumkonzepte:

Der FlexFire fügt sich dezent in den Baukörper ein und stellt dennoch

einen brandschutztechnisch vollwertigen Raumabschluss her.

Schmale Führungsschienen in den Abmessungen 115

x 75 mm sorgen für eine unauffällige seitliche Führung

des textilen Brandschutzes, der dadurch komplett

in die Baugeometrie eingepasst werden kann.

Das platzsparende Wellengehäuse mit integriertem

Rohrmotor ermöglicht den Einbau in einer abgehängten

Decke, wodurch die gesamte Konstruktion

nahezu unsichtbar in die vorhandene Architektur

integriert werden kann. Durch die dezenten Einbaumöglichkeiten

sind komplett neue Raumkonzepte

realisierbar und je nach erforderlicher Brandschutzklasse

ist der FlexFire mit unterschiedlichem Behang

in den Klassen E30/60/90/120 und EW30/60 erhältlich.

So können Feuerschutzabschlüsse bis zu einer

Größe von 5500 x 5330 mm hergestellt und in geöffnetem

Zustand unauffällig in die Architektur integriert

werden.

Und auch optisch punktet dieser Brandschutz: Die

Führungsschienen, die Wellenverkleidung und die

Abschlussleiste können für eine farblich abgestimmte

Gestaltung optional auch in RAL Vorzugsfarben,

RAL nach Wahl und Sonderfarben nach Kundenwunsch

beschichtet werden. So lassen sich die wenigen

sichtbaren Teile ideal an die anschließenden

Bauteile anpassen und fügen sich perfekt in den

Baukörper ein.

Tortec Brandschutztor GmbH

T +43 (0)676 6060

www.tortec.at


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Produkt News

Von der Punktwolke

zum Gebäudemodell

Bis vor kurzem waren es meist Vermessungsingenieure, die Aufmaße erstellten.

Das ändert sich nun: Laserscanner sind erschwinglich geworden und ein exaktes

Aufmaß ist direkt vom planenden Architekten möglich, der es dann in die eigene

BIM-Planungssoftware überführt.

Alexander Maier von zeit + raum aus Mainz vermietet

und verkauft Scansysteme. Er unterscheidet dabei

nach der Komplexität der Scanaufgabe und nach

Einsatzspektrum. Grundsätzlich werden Punktwolken-Laserscanner

verwendet. Hierbei wird zwischen

mobilen oder stationären Kleingeräten, Laser-Scannern

auf Stativen und Flugdrohnen mit integriertem

LiDAR-Scanner unterteilt. Das Architekturbüro

steffen wurster aus Bolanden leiht seit Jahren Laserscan-Systeme

bei zeit + raum. Für Steffen Wurster

sind vor allem die Genauigkeit des Aufmaßes und der

stetige Abgleich zwischen Entwurfs- und Bestandsmodell

bei seiner Planungsarbeit die größten Vorteile.

Bei komplexen Projekten bietet es sich außerdem

an, Zwischenaufmaße durchzuführen. Konsequent

bis in die Ausbaugewerke fortgeführt, erhalten die

Planenden dann ein komplettes Aufmaß, das aus

einer Vielzahl von Ebenen besteht und die gebaute

Situation exakt abbildet. Im Gebäudebetrieb lassen

sich diese Daten nutzen, um „hinter die Wandverkleidung“

zu schauen und Leitungen, Schächte, Stützen

oder Unterzüge virtuell sichtbar zu machen.

Für Bauherren bieten ein Laserscan-Bestandsaufmaß

und das baubegleitende Aufmaß daher vor

allem im späteren Betrieb große Vorteile. Weitere

Aufklärungsarbeit ist trotzdem nötig, weiß Steffen

Wurster: „Der Nutzen des Bestandsaufmaßes und

des Gebäudemodells stehen beim Bauherrn bisher

nicht im Vordergrund. Sicher wird sich das in den

kommenden Jahren ändern. Aktuell ist es aber vor

allem für uns wichtig – und das nicht nur bei Sanierungsvorhaben.

Für Neubauten verwenden wir es

genauso, um beispielsweise die Umgebung oder Außenanlagen

digital aufzunehmen. Ergänzende Sonnenstandstudien

lassen sich daraus ebenso leicht

erarbeiten; wir können in unserer Software Archicad

modellieren und die umgebende Bebauung, Bäume

oder die Topografie direkt in den Entwurf einbinden.

Die nötigen Daten sind mit dem digitalen Aufmaß

einfach da. Also nutzen wir sie!“

GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Vertrieb Österreich

mail@graphisoft.at

www.archicad.at

Ein detaillierter Scan des Bestandsgeländes dient bei diesem Neubauprojekt

am Hang als wichtige Grundlage, um das in Archicad erzeugte Gebäudemodell

passgenau einzubetten.

© raum + zeit, Mainz

Um- und Anbau einer ehemaligen Feuerwehr. Scan des Bestandsgebäudes mit

Außenbereich und umgebender Bebauung aus der Vogelperspektive.

© Architekturbüro steffen wurster


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edv

Brandschutzdokumentation

Brandschutz per App dokumentieren

Brandschutzanlagen, -arbeiten oder -begehungen zu dokumentieren ist

aufwendig. Dokumentations-Apps rationalisieren Prozesse und steigern

die Rechtssicherheit. Welche Lösungen gibt es?

Text: Marian Behaneck

Smarter dokumentieren: Die digitale Dokumentation

rationalisiert die Erfassung und

das Management brandschutzrelevanter

Komponenten und Maßnahmen.

© Hilti


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edv

Brandschutz-Dokumentationslösungen bestehen meist aus einer mobilen Erfassungs-App und

einer PC-Auswertungssoftware. © KEVOX

Begehungsprotokolle, Mängel- und Brandverhütungsschauberichte,

Gefährdungsbeurteilungen,

Stellungnahmen und

Gutachten, Anlagenerfassungen und Wartungsmaßnahmen

– die Anforderungsliste

an die Brandschutzdokumentation ist lang.

Auch formal und inhaltlich werden hohe

Anforderungen gestellt. Spezielle Apps

unterstützen Sachverständige, Planer,

Handwerker oder Gebäudebetreiber durch

strukturierte Abfragen, Automatismen und

an Bauvorschriften, Richtlinien, Normen,

Empfehlungen und Leitfäden orientierte

Vorlagen. Das macht die Dokumentation

des Brandschutzes sicherer.

Vorteile digitaler

Brandschutzdokumentation

Planer und ausführende Unternehmen

sollten den Zustand des baulichen und

anlagentechnischen Brandschutzes von

Gebäuden bei der Ausführung, Sanierung

oder Instandhaltung stets dokumentieren.

Schließlich kann schon kurz nach der Abnahme

eine Brandabschottung durch eine

unsachgemäße Kabel- oder Rohrdurchführung

beschädigt werden. Kommt es dadurch

zu Schäden, lässt sich die ordnungsgemäße

Ausführung mit einem Foto schnell

belegen. Auch für Gebäudebetreiber bieten

Dokumentationen mehr Rechtssicherheit,

bei der Durchführung regelmäßiger Prüfintervalle.

Digitale Dokumentationswerkzeuge

unterstützen mit Checklisten die

Brandschutzbegehung, die Organisation

und Kontrolle von Brandschutzmaßnahmen

oder -anlagen. Planer und Brandsachverständige

können Brandschutzanlagen

und -arbeiten einfacher inspizieren, auf

mögliche Mängel untersuchen und diese

dokumentieren. Mobile Softwarelösungen

rationalisieren die Vor-Ort-Dokumentation,

weil sie den zeitlichen, personellen

und materiellen Aufwand minimieren. Dieser

Aspekt spielt in der Praxis eine große

Rolle, da brandschutzrelevante Details mit

dem Baufortschritt später nicht mehr sichtbar

sind. Eine zeitnahe Dokumentation mit

einfach bedienbaren, mobilen Werkzeugen,

die eine unkomplizierte und flexible

Vor-Ort-Dokumentation ermöglichen, ist

deshalb besonders wichtig.

Was kann die mobile Dokumentation?

Mobile Dokumentations-Apps basieren auf

intuitiv bedienbaren Smartphones oder Tablets

und deren integrierter Fotofunktion.

Sie erübrigen das umständliche Hantieren

mit Notizblock, Plan, Diktiergerät und Fotoapparat

auf der Baustelle. Stattdessen

werden Vor-Ort-Informationen direkt in

Wort, Text und Bild digital erfasst und sofort

Objekten, Geschossen, Räumen und

Beteiligten zugeordnet. Eingabemasken mit

strukturierten Abfragen, Symbol-, Produktund

Textdatenbanken beschleunigen den

Dokumentationsprozess und sorgen dafür,

dass Wichtiges nicht vergessen wird. Durch

Medienbrüche bedingte Mehrarbeit und

Fehler werden vermieden und Arbeitsabläufe

rationalisiert. Da auch rechtliche Aspekte

zu beachten sind, unterstützt die Software

Anwender auch beim Erstellen richtlinienund

rechtskonformer Unterlagen oder der

Verfolgung von Fristen. Neben Fotos können

auch gescannte Pläne, Planausschnitte,

Dokumente, teilweise auch Sprachnotizen

oder Videosequenzen eingebunden werden.

Aus den erfassten Daten lassen sich

über individuell anpassbare Vorlagen Berichte,

Protokolle oder Reports generieren

und per E-Mail versenden. Fristen können

zur Terminüberwachung an einen Terminkalender,

z.B. Microsoft Outlook übergeben

werden. Werden die Daten auf Cloudservern

abgelegt, sind Zugriffsberechtigte

stets auf dem neuesten Stand, sofern Datensicherheitsaspekte

der Auslagerung von

Daten nicht entgegenstehen. Die erfassten

Daten können von den Beteiligten – entsprechend

ihrer in der Benutzerverwaltung

zugewiesenen Rechte – angezeigt, aktualisiert,

ergänzt oder ausgewertet werden.

Verantwortliche können stichprobenartig

den Ausführungsstand überprüfen und

auch die Abstimmung zwischen Planer, Installateur,

Bauherr und Brandschutzbehörde

wird einfacher. Mit der digitalen Dokumentation

entsteht außerdem sukzessive eine

Informationsdatenbank, die in der Bau- und

Nutzungsphase wichtige Fragen beantworten

kann: Wer hat welche Mängel wann

beseitigt? Wann müssen welche Instandhaltungsarbeiten

durchgeführt werden?

Was ist wann gewartet oder ausgetauscht

worden? Diese Daten können auch später

für die Beweissicherung, Gewährleistungsdokumentation

oder für Statistiken und zur

Qualitätsverbesserung genutzt werden.

Werden Dokumentationsfotos vor Ort erläutert, zugeordnet und im Plan verortet, lassen sich

Arbeitsabläufe rationalisieren. © DokuPit


architektur FACHMAGAZIN

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edv

Über im Grundriss verortete Piktogramme können Fotos und Dokumente schnell abgerufen werden.

© OpenExperience

me enthalten beispielsweise alle VdS-Textvorlagen,

Checklisten und Protokolle inklusive

kompletter Brandschutz-Symbolik

nach ÖNORM EN ISO 7010. Bei anderen

Programmen muss man sich alles individuell

Wie wird erfasst und ausgewertet?

Unterstützt wird die Erfassung durch vorgefertigte,

individuell anpassbare Bericht- und

Textvorlagen. Lassen sich auch die Erfassungsmasken

modifizieren, kann man auch

das Programm flexibel an individuelle Aufgaben

anpassen, etwa an das Wartungsmanagement.

Dann sollten auch beliebig viele

Attribute oder Dokumente ergänzt, Geräteund

Messdaten erfasst werden können und

so weiter. Die Erfassung von Mängeln wird

meist durch eine vorgefertigte Mängeldatenbank

vereinfacht, die auch Checklisten,

Terminvorgaben und eine automatisierte

Fristenverfolgung enthält. Fotos von Mängeln

können über vorgefertigte Textbausteine

oder individuell kommentiert werden und

samt Standort und Blickrichtung im Plan

verortet werden. Symbole und Piktogramme

weisen im Plan auf die Art der Objekte

hin. Auch die Spracheingabe unterstützen

einige Programme bei vorhandener Internet-Verbindung

beispielsweise per Google

Docs oder Siri, indem die Audiodaten direkt

in editierbare Textdaten umgewandelt

werden. Bei der Inspektion und Wartung

ermöglichen QR- oder Barcodes, GPS-Daten

und Planverortungen eine eindeutige Kennzeichnung

und Lokalisierung von Bauteilen.

Durchgeführte Prüfungen und Abnahmen

können teilweise per digitaler Unterschrift

auf dem Smartphone oder Tablet bestätigt

werden. Auch hinsichtlich der enthaltenen

Brandschutzsymbole, Brandschutzprodukte

oder Textbausteine und deren Aktualisierung

sowie der Dokumentations-, Auswertungs-

und Reportfunktionen unterscheiden

sich die Produkte deutlich. Einige Programzusammenstellen.

Wichtig ist auch, welche

Funktionen und Automatismen die Software

für die anschließende Weiterbearbeitung,

Verwaltung, Auswertung und Reporterstellung

bereithält. Zur Auswertung sollte unter

anderem die Möglichkeit gehören, Mängel

projektübergreifend in Form von revisionssicheren

PDF-, DOC(X)- oder XLS(X)-Berichten

auszugeben. Damit lassen sich

beispielsweise offene Mängel aus verschiedenen

Baustellen ein- und desselben Unternehmens

herausfiltern und andere Statistiken

erstellen. Eine Such- und Filterfunktion

sollte auch chronologische Auswertungen

ermöglichen. Wichtig bei mobilen App-, respektive

Online-Lösungen ist, dass sie auch

offline funktionieren, weil eine Online-Datenverbindung

beispielsweise in Kellergeschossen

nicht immer verfügbar ist.

Zu jedem im Plan verorteten Brandschutzdetail lassen sich jederzeit Informationen abrufen.

© Themis

Wie unterscheiden sich die Apps?

Die Unterschiede beginnen bereits beim

Software-Konzept: Entweder handelt es

sich um eine konventionelle, auf dem Büro-

PC zu installierende, unter Windows laufende

Software (On Premises), die ergänzt

wird durch eine iOS- oder Android-App für


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edv

die mobile Datenerfassung vor Ort. Oder ist

es eine Cloudlösung (SaaS), die auf allen

Hardware- und Betriebssystemplattformen

läuft und einen zeit-, orts- und plattformunabhängigen

Datenzugriff ermöglicht. Eine

Büro-PC/App-Kombination setzt eine Installation,

Konfiguration und regelmäßige Aktualisierung

der Software sowie einen Datenabgleich

zwischen App- und Büro-Software

voraus. SaaS-Lösungen erfordern weder

Software-Updates noch einen Datenabgleich,

da alle Anwendungsdaten global von

einem zentralen Cloud-Server abgerufen

werden. Einige Lösungen ermöglichen optional

eine Datenhaltung auf lokalen Servern.

Alle Produkte können die brandschutztechnische

Situation auf der Baustelle dokumentieren,

Unterschiede gibt es unter anderem

bei den Einsatzbereichen. Sie reichen von

der Erstellung von Begehungsprotokollen,

Mängelberichten, Checklisten, Brandverhütungsschauberichten,

Gefährdungsbeurteilungen

oder Stellungnahmen und Gutachten,

bis hin zum Wartungsmanagement oder

der CAFM-konformen Erfassung von Brandschutzobjekten,

inklusive aller Informationen

zum Bauteil, zu Prüfintervallen, Kontrollterminen,

Zulassungserklärungen etc.

Welche Lösungen gibt es?

Inzwischen wird eine Vielzahl an mobilen

Dokumentationslösungen angeboten. Sie

bestehen meist aus einer auf mehreren

Smartphones oder Tablets installierbaren

App für die mobile Datenerfassung und

einer stationären Bürosoftware. Damit werden

der Bestand und Aktivitäten an Ort

und Stelle digital dokumentiert, die mobil

erfassten Informationen anschließend am

Büro-PC ausgewertet und verwaltet. Bei

vielen Lösungen liegt der Schwerpunkt auf

der Aufnahme, Beschreibung, Zuordnung

und Verwaltung von Mängeln. Einige wurden

für spezielle Tätigkeiten und Bereiche

erweitert, wie etwa die Dokumentation des

Brandschutzes, die Kontrolle der Arbeitssicherheit

oder die Sammlung von Daten für

den Gebäudebetrieb. Die meisten Programme

sind sowohl für ausführende Gewerke

wie Elektriker, SHK-, Trockenbauer oder

Montageunternehmen für Brandschutzelemente

als auch für Planer, Bauleiter und

Brandschutzbeauftragte, Gebäude- und

Anlagenbetreiber geeignet. Praktisch alle

Lösungen sind produktübergreifend und

verfügen über eine entsprechende Produktdatenbank

oder sie lassen sich individuell

erweitern. Die Anzahl der Nutzer oder

zu erfassenden Objekte und Elemente ist

in der Regel unbegrenzt, außer bei funktional

„abgespeckten“ Produktvarianten.

Apps für die mobile Datenerfassung sind

wahlweise auf Windows-, iOS oder Android-Mobilgeräten

lauffähig, in der Regel

kostenlos und auf beliebig vielen Endgeräten

installierbar, so dass auch eine spontane

Erfassung mit einem auf der Baustelle

gerade verfügbaren Mobilgerät möglich

ist. Die stationäre Büro-Anwendung läuft

meist unter Windows oder es handelt sich

um eine plattformunabhängige Weblösung.

Die Preise für Dokumentationsprogramme

liegen zwischen 900 und mehreren 1000

Euro. Bei webbasierten Lösungen kommen

zur Monatsmiete ab etwa 25 Euro teilweise

noch Zusatzkosten für die Online-Datenhaltung

und -archivierung hinzu.

Ausgegeben werden die Begehungsberichte in

Form von Begehungsprotokollen, Wartungsoder

Dokumentationsberichte. © DokuPit

Produkte und Anbieter*

BauDoc (www.skillsoftware.de)

Capmo (www.capmo.de)

Cheqsite Cloud (www.cheqsite.at)

DOCUsmart (www.wuerth.at)

DokuPit (www.dokupit.com)

Firelog (www.idt.at)

Firstaudit (www.firstaudit.de)

Hilti Documentation Manager (www.hilti.at)

Kevox (www.kevox.de)

Lumiform (lumiformapp.com)

mobiPlan (www.mobiplan.de)

PlanRadar (www.planradar.com)

Protano Brandschutz (www.protano.de)

Themis (www.themis-software.com)

TivApp (www..tivapp.com)

VB-Office (www.createam-software.de)

Wartungsplaner (www.wartungsplaner.de)

Sind die Standorte als Piktogramme ausgebildet, hat man einen besseren Überblick. © Kevox

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


www.architektur-online.com

Abis AVA 34

Mit der aktuellen Programmversion Abis

AVA 34 steht nun die vollständige Unterstützung

des ÖNORM-A2063-2021 Format

zur Verfügung. Der Benutzer kann direkt

beim Export wählen, nach welchem Schema

(2009/2015/2021) der Datenträger

geschrieben werden soll und das LV wird

automatisch gemäß dieser Einstellung validiert.

Viele Probleme können automatisch

korrigiert werden, sodass ein unkomplizierter,

aber korrekter Datenaustausch gewährleistet

wird. Neu ist auch die Unterstützung

98

edv

mals möglich, GAEB-Texte aller unterstützten

Datenformate in das Ausschreibungsprogramm

zu importieren. Kürzlich wurden auch

die Neuentwicklung des Kalkulationsmoduls

auf Basis der aktuellen ÖNORM B1801:2020

angekündigt, welches ab Anfang 2022 für

Wartungskunden zur Verfügung steht.

ABIS Softwareentwicklungs GesmbH

T +43 (0)316 83 13 61

reichhart@abis-software.com

www.abis.at

Wie sieht die Zukunft der Planer aus?

Hunderte Besucher und jede Menge spannende

Vorträge und Diskussionen – das war

die 3. MESSE@home, die man nun auch online

nachschauen kann.

Und da ist sie wieder, die nächste Welle des

C-Zustands. Und wieder pilgern Tausende

Architekten und Ingenieure täglich nicht

mehr ins Büro, sondern nehmen die Kurzstrecke

über den Flur ins inzwischen bestens

ausgestattete Homeoffice. Treffen sich

digital mit ihren Kollegen und werfen per

Videoschaltung einen Blick auf ihre Baustellen.

Inzwischen ist das Routine. Und die

wirft eine Frage auf: Brauchen wir die schicken

und zugegeben teuren Büros überhaupt

noch? Oder besteht die Arbeitswelt

der Architekten und Ingenieure bald nur

noch aus digitalen Räumen, die flexibel per

Mausklick je nach Bedarf gebaut werden?

Das war nur eines der spannenden Themen

der 3. MESSE@home. Hunderte Teilnehmer

aus Deutschland, Österreich und der

Schweiz, spannende Diskussionsrunden

und jede Menge Aussichten in eine wirtschaftlich

erfolgreiche Zukunft der Planungsbüros.

Verpasst? Kein Problem! Immerhin

gibt es die Vorträge der Keyspeaker

mit den Größen der Architektur und des

Ingenieurwesens auch zum Nachsehen.

Jederzeit, von überall und natürlich kostenfrei.

Einfach den QR-Code scannen und

schon geht es direkt zum digitalen Messestand.

Im April 2022 lädt untermStrich zur

4. MESSE@home.

von ONBGS-Datenträgern für Parameterlisten,

die das Kernstück für das BIM-basierte

Ausschreiben nach ÖNORM A2063-Teil

2 darstellen, was in ABIS AVA bereits jetzt

möglich ist. Die Parameterlisten stellen

hier die Verknüpfung zwischen IFC-Datei,

AVA-Elementen und LV-Positionen her.

Seit Erstveröffentlichung der Version 34 im

Sommer, kamen durch Programmupdates

zusätzlich zu den Formaten GAEB 90, GAEB

2000 und GAEB XML3.2, das aktuelle GAEB

XML 3.3 -Format hinzu. Zudem ist es nun erstuntermStrich

software GmbH

T +43 (0)3862 58106-0

office@untermstrich.com

www.untermstrich.com


ZEHN ARCHITEKT:INNEN.

EINE ÜBERZEUGUNG.

WIR-

STEIGEN-

UM.AT

Entwerfen, Visualisieren, Auswerten, Publizieren und

Zusammenarbeiten – Archicad überzeugt Architekt:innen auf

ganzer Linie. Aber lassen wir sie selbst zu Wort kommen:

in unserem neuen Film „Warum auf Archicad umsteigen?“

Jetzt anschauen auf

wir-steigen-um.at


PADS

Spielerische

Raumgestaltung.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

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