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blu September | Oktober 2022

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FILM

SEPTEMBER / OKTOBER 2022 І HEFT 143

BERLIN

„DER SCHWIMMER“

im September auf dem

queerfilmfestival und

in der queerfilmnacht

KUNST

„MYTHOS

NATUR“

Warhol und

Picasso in

Lindau

DESIGN

C'EST CHIC

Möbel-Special

INTERVIEWS: MICHAEL REH, STADT.LAND.SCHWUL., DJ PADERKID, SALOMÉ,

ROBBIE WILLIAMS, SARAJANE, AURA DIONE, ELECTRIC CALLBOY


ICH SPRITZ

DIR JETZT

GLEICH

ZWEIMAL

IN DEN ARM!

WIR IMPFEN GEGEN COVID-19

UND DIE SAISONALE GRIPPE.

HIV · HEPATITIS · PREP · DIABETOLOGIE · MUSKELAUFBAU

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GEGEN COVID-19.

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10435 BERLIN-PRENZLAUER BERG

TELEFON 030 / 442 77 67

HELLO@SCHOENHAUSER.FAMILY

SCHOENHAUSER.FAMILY

#WeAreFamily

SCHÖNHAUSER

INHABER: NICO DANIEL REINOLD E.K.

APOTHEKE


Intro 3

Inhalt

Liebe Queers,

langsam reicht es mit Krisen, Kriegen und sonstigen Katastrophen,

könnte Mensch meinen. Allerdings verhält sich Mensch auch weiterhin

einfach so, als sei er nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr

Zerstörer. Die Hitzewelle war nur ein sanfter Vorgeschmack dessen, was

ab sofort immer mehr Regel denn Ausnahme sein wird. Also: spar Strom,

Gas und verzichte auf Fortbewegungsmittel, die dem Klima schaden.

Spaß kannst du trotzdem haben, etwa beim Lesen dieser Ausgabe, die

sich unter anderem dem 45. Geburtstag des SchwuZ widmet.

Eure blu Redaktion

www.männer.media,

www.facebook.com/blumag

STADTGESPRÄCH

Große Namen und angesagte Avantgardisten

der LGBTIQ*-Community vereint

das im Herbst erscheinenden Buch „Mein

schwules Auge #19 – Sex Utopia“ von

Fedya Ili und Rinaldo Hopf. Unter anderem

Arnoldas Kubilius, Pierre et Gilles, Michael

Rädel, Igor Zeiger und Romain Berger sind

mit dabei.

MUSIK

Das legendäre Techno-Duo U96 („Heaven“,

„Das Boot“, „Love Religion“ …) und der gefeierte

Schauspieler Claude-Oliver Rudolph

werden ab Oktober bundesweit als The

Jules Verne Experience mit dem Fantasy-

Musical „20.000 Meilen unter dem Meer“

begeistern. Geplante Stationen des schon

jetzt Wellen schlagenden Werks sind unter

anderem Frankfurt, Hamburg und Erfurt.

epaper.männer.media

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und digital!

IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) &

Michael Rädel (rä)

Chefredakteur:

Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

Stellv. Chefredakteur:

Christian Knuth (ck)

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MITARBEITER:

Patrick Heidmann, Christian Knuth (ck),

Thomas Wassermann, Felix Just (fj)

Steffen Rüth, Dagmar Leischow,

Christian K.L. Fischer (fis)

Lektorat (ausgewählte Texte):

Tomas M. Mielke, www.sprachdesign.de

Grafik: Janis Cimbulis, Susan Kühner,

Cover: „Der Schwimmer“,

Ingenue Productions

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an LSVD-Geschäftsführer Klaus

Jetz: klaus.jetz@lsvd.de

WWW.LSVD.DE


4 STADTGESPRÄCH

2022 feiert das Neuköllner SchwuZ

sein 45. Wiegenfest.

Diese queere Institution hat schon viele

Krisen gemeistert: Homophobie der 1970er

(außerhalb der Community war es ganz und

gar nicht einfach,) die Aids-Krise der 1980er,

Gentrifizierung der 1990er und Nuller und

aktuell Corona. Trotzdem hat es das Team

JUBILÄUM

FOTOS: P. DOBIAS, E. DISCORDANT, WWW.SCHWUZ.DE, M. RÄDEL

45 JAHRE SCHWUZ

geschafft, auch mit virtuellen Angeboten,

einem Online-Shop mit zum Beispiel Kaffee

und Socken sowie Kalendern, zu bestehen,

zu erfreuen und vor allem für LGBTIQ*-

Sichtbarkeit zu sorgen. Wir gratulieren dem

SchwuZ zu viereinhalb Jahrzehnten Solidarität,

Innovation, Kultur, Nachwuchsförderung,

Hilfe, Coming-out-Support, interkulturellen

Dialog und Queerness! Und nicht nur wir,

auch einige Prominente der Szene wünschen

nur das Beste.

Rosa von Praunheim, Regisseur und Aktivist:

„Das SchwuZ war für mich persönlich

weniger ein Ort, um Party zu machen, sondern

eher politischer Art. Ich erinnere mich

gerne an gemeinsame Aktionen mit den

Polit-Tunten und anderen Aktivist*innen.

Savignyplatz 07-08 | 10623 Berlin

030-318.64.711 | www.habitare.de

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Mo. bis Fr. 10 - 19 Uhr | Sa. 10 - 18 Uhr

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STADTGESPRÄCH 5

Zum Beispiel während der Aids-Krise,

noch bevor es die ersten Aids-Hilfen

gab. Es war ein politischer und kreativer

Raum, den die Community mitgestalten

konnte. Ich wünsche dem SchwuZ

eine facettenreiche Zukunft, auf

dass es ein Ort bleibt, der Vielfalt ein

Zuhause gibt.“

Kilian Flade, Veranstalter: „Das

SchwuZ habe ich noch ein paar Mal

am Mehringdamm besucht, kurz

nachdem ich nach Berlin gezogen war.

Die meisten und besten Nächte habe

ich aber am Rollberg erlebt. Besonders

in Erinnerung ist mir Silvester 2016/17

geblieben. Ich hatte die ganze Nacht

bis morgens in meiner Bar, der

Moritz Bar im Wedding, gearbeitet.

Als ich dort die letzten

Gäste rausgekehrt

hatte, bin ich spontan

ins SchwuZ gefahren

und habe dort noch

lange mit meinen besten

Leuten gefeiert. Für so viele

von solchen unglaublich guten

Nächten schätze und liebe ich

den Ort wirklich sehr. Und dass

ich ein paarmal für Jurassica

Parka als Sportlehrer bei ihrer

epic Popkicker arbeiten durfte,

war für mich das Sahnehäubchen.

Alles Gute zu 45 Jahren wünsche ich

unserem queeren Aushängeschild

Berlins. Long live SchwuZ!“

Michael Rädel, Mitherausgeber blu

und hinnerk: „Für mich ist das SchwuZ

seit Ende der 1990er ein Fixpunkt der

Szene und bis heute ein Ort, an dem

ich gerne bin, um LGBTIQ*-Kultur zu

erleben und Kreative zu treffen. Und

natürlich um Kaey an der Kasse, Florian

am Wirbeln, Camelia an der Bar und

Betty BücKse auf den Dancefloors

zu sehen … Danke für sehr viel Spaß,

Konzerte und Infotainment. Auf die

nächsten 45 Jahre!“

Oliver Sechting, Autor: „Als ich im

Jahr 2000 im Alter von 24 Jahren

nach Berlin zog, war das SchwuZ (am

Mehringdamm) schnell zu meinem

2ten Wohnzimmer geworden. Ich

erinnere mich an Partys, die es in der

Form nicht in anderen Clubs gab, wie

die Queercore-Party (Anm. für die

Redaktion, den Namen der Veranstaltungsreihe

habe ich leider vergessen).

Schwule Punks kannte ich bis dahin

gar nicht. Für mich war das auch

innerhalb der queeren Szene eine neue

Welt, die mir bewusst gemacht hat,

dass es nicht ‚die‘ Szene gibt. Damals

eine echte Bewusstseinserweiterung

für mich als Jungen aus der

Provinz. Happy Birthday, liebes

SchwuZ.“

Betty BücKse, Dragqueen:

„Muddi SchwuZ is nun so alt wie

ich. Ich torkelte 2005 zum ersten

Mal die Stufen am Mehringdamm

hinunter und blieb bis

heute da auch irgendwie liegen

… und werd’s wohl auch die

nächsten 45 Jahre bleiben …

Häppi Madoooonaaaa!“

Lars Deike, Künstler: „45 Jahre,

was für eine Zahl! Die Gäste werden

immer jünger, wir immer älter! Flo, du

bist ein Segen für das Geburtstagskind!

Weiter so!“

Kaspar Kamäleon, Ikone: „Liebes

SchwuZ, happy sexy f###ing birthday!

Danke für den sicheren Begegnungsort,

um queere Sexualität zu erforschen

und Menschen kennenzulernen.

Sei weiterhin kreative und innovative

Brutstätte für Travestietalente. Ich seh

dich auf der Tanzfläche!“

Das komplette Feature gibt es auf

männer.media

FOTO: M. RÄDEL

FESTIVAL

Zuflucht im

Sehnsuchtsort

Die QueerWeek eröffnet im September die

Spielzeit des Gorki.

Das Studio Я im Maxim Gorki Theater ist

der Ort, an dem das queere Festival „In Exile.

QueerWeek22“ im Spätsommer Kulturbegeisterte

bestens unterhalten wird. Das Thema ist

aber ernst, es geht um Selbstfindung in der

Fremde.

Vermeintlicher und eigentlicher Schutz werden

mehrsprachig-sprachlos und nonverbal

mit Performances, Tanz, Partys, Theater,

Diskursabenden und Kunstausstellungen

zur Queerness im Exil und dem Exil in der

Queerness erkundet. Denn in Berlin trifft das

frei ausgelebte Selbst auf ständige Fremdidentifikation,

als wäre die Selbstfremdheit

des eigentlich eigenen Körpers nicht herausfordernd

genug. Wer selbstsicher der Welt

fremd auf der Suche nach Zusammenhalt ist,

wird selbstverständlich fremd gemacht – die

nie endende Suche nach Sicherheit und die

Frage, ob es diese überhaupt gibt, wenn der

einen Gefahr entkommen doch gleich die

nächste lauert.

1. – 4. und 9. – 11.9., „In Exile.

QueerWeek22“, Studio Я, Hinter

dem Gießhaus 2, www.gorki.de

Recamiere FERRARA € 2.999,-*

Strapazierbarer Kaltschaum und Boxspringfederung,

in 21 verschiedenen Bassetti

Designs und in Kombinationen daraus

erhältlich. Auch als Sofa bestellbar.

195 x 82 x 82 cm (B/H/T), Sitzhöhe 45 cm

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6 Stadtgespräch

NACHGEFRAGT

MICHAEL REH:

„Überlebender von sexuellem Missbrauch“

Der in Dortmund geborene Kosmopolit

Michael Reh nahm sich Zeit für

einen Chat mit uns.

FOTO: T. SARGENT

Viele kennen dich als Fotografen, du

bist aber auch – und das erfolgreich

– Buchautor. Das Schreiben musste

lange warten, oder?

Ja und nein. Ich habe Literatur in Hamburg

und Paris studiert. Meinen ersten Roman

„Katharsis“ habe ich bereits 2005 begonnen

zu schreiben. Es hat nur sehr lange gedauert,

bis ein Verlag den Mut hatte, das Buch zu

veröffentlichen. Aber mein Job als Fotograf

bestimmte mein Leben weitreichend bis zur

Pandemie. Seitdem hat sich vieles geändert.

Die Branche und ich mich natürlich auch!

Ich arbeite nach wie vor, aber mein Interesse

gilt jetzt genauso dem Schreiben. Ein

faszinierender Prozess, in dem ich viel lerne,

mich vollkommen einbringe und eine eigene

Welt kreieren kann, mit eigenen Charakteren.

Faszinierend und sehr beglückend. Und

sehr einsam! Aber das stört mich nicht.

Kreativität auszuleben ist für mich immens

wichtig! Im September erscheint auch

mein neuer Krimi: „Das grausame Erbe des

Konrad Corbis“. Natürlich arbeite ich weiter

als Fotograf, aber nicht nur kommerziell für

Mode. Ich habe gerade nach drei Jahren

ein Kunstprojekt über den

amerikanischen Designer

Gene Burk abgeschlossen:

„Looking for Gene“ wird, so

geplant, in 2023 das Licht

der Kunsthallen erblicken, ein

Bildband ist geplant.

Deine Themen sind

sehr ernst, sexueller

Missbrauch etwa.

Genau, zumindest was

„Katharsis“ betrifft. Ich

habe hier meine eigenen

Erfahrungen als Überlebender

von sexuellem Missbrauch

in Romanform verpackt. Es

ist auch ein spannender Familienthriller, die

Chronik meiner Familie des Schweigens.

Familie ist leider oft die Wurzel vieler

Traumata und mich interessiert immer das

Warum. Woher kommen wir, warum handeln

wir so, wie wir es tun? Sind wir eigen- oder

fremdbestimmt? Ich finde es immens

wichtig, sich selbst zu durchschauen – nicht

immer einfach. Und das wird immer schwieriger

in einer Welt, in der wir mehr und mehr

isoliert leben und Bilder auf den Social Media

uns ein Leben vorgaukeln,

das es oft nicht

gibt. Da seine Identität

zu finden, ist nicht

einfach. Ich beleuchte in

meinen drei Romanen

genau das, und auch

mein Inspektor Heiko

Degen, der in ASTA und KONRAD die Fälle

lösen muss, wird ständig auf die Probe mit

sich selbst gestellt, auch und gerade, was

sein Schwulsein betrifft. Auch er geht, wie

die meisten meiner Figuren, durch einen

Prozess und muss sich, wenn er ehrlich

sein will, immer wieder infrage stellen.

Vermeidung nützt da nichts. Ich finde seine

Entwicklung extrem spannend und merke

auch da, dass meine Figuren ein Eigenleben

entwickeln. Sehr spannend!

Wie hast du deine Traumata

verarbeitet?

Ich tue es immer noch. Jeden Tag.

Schwulsein war für mich nie ein Problem,

das war es eher für meine Familie oder

die Gesellschaft. Rosa von Praunheim hat

das schon vor einem halben Jahrhundert

wunderbar in einem Filmtitel ausgedrückt:

„Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern

die Gesellschaft, in der er lebt“. Mein Haupttrauma

war natürlich der sexuelle Missbrauch

durch meine Tante, der acht Jahre lang dauerte

und der mich als Kind und Jugendlicher

in eine Isolation außer- und innerhalb meiner

Familie trieb. Ein Lebensthema!

*Interview: Michael Rädel

michaelreh.com


Stadtgespräch 7

ADVERTORIAL

Ausprobiert:

Bester Geheimtipp für

einen frischen Look

Es war mal wieder ein superheißer Sommer in Berlin. Gerade

nach dem langen grauen Winter und den Lockdowns

verbringen viele Menschen die sonnigen Spätsommertage

draußen am See. Die Gay-Beaches dieser Stadt sind voll

von bunten Strandtüchern mit eingeölten Körpern. Da

wollte ich natürlich mithalten können.

Allerdings fehlt mir schlichtweg die Zeit für mehrfach die

Woche Sport und Falten bekomme ich auch nicht mehr

weggezaubert. Also habe ich mich nach etwas medizinischer

Hilfe umgeschaut, musste aber feststellen, dass

andere auch auf die Idee gekommen sind. Kein Wunder,

dass nach der langen Zurückhaltung durch die Pandemie

nun auch die Wartezimmer der Beautykliniken voll und die

Wartlisten für Fettabsaugungen lang sind. Letztlich fand

ich, was zu mir passt. Ich habe die Beautyklinik medicalthree

am Ku’damm ausprobiert. Ein echter Geheimtipp für

alle, die nicht erst Monate lang warten wollen. Sie bieten

ein vielfältiges Angebot von minimal-invasiven Eingriffen.

Der Service ist dabei sehr persönlich, vertrauensvoll und

erschwinglich. Kein Wunder also, dass Micaela Schäfer und

Harald Glööckler zu den Stammkund*innen zählen. Aktuell

sind besonders Leistungen mit Hyaluronsäure, die Fettweg-Spritze

und natürlich der Klassiker Botox gefragt.

Meine Termine wurden schnell und unkompliziert vergeben.

Das Team war superlieb und hat mir meine Angst vor

der Spritze schnell nehmen können. Auch die weiteren

Termine verliefen super. Keine Nebenwirkungen oder böses

Erwachen. Ich lasse den Spätsommer nun auch am Strand

ausklingen. Ganz selbstbewusst mit flachem Bauch, glatter

Stirn und vor allem keiner Zornesfalte mehr. Für diejenigen,

die es mal ausprobieren wollen: sagt am Empfang einfach

blu2022 und ihr erhaltet ein kleines Goody als Nachlass.

Aktuelle Club- & Dance-Hits aus den Charts.

www.GAYFM.de

Das queere Team empfängt Dich am Ku‘damm 151

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Hor

GAYFM

immer &

uberall.


8 Stadtgespräch

MODERNER EXPRESSIONISMUS

REINER

HEIDORNs

„divisionistische

Malerei“

Seine Kunst nimmt mit auf eine

Reise in die Natur: „Mit einer

eigenen Technik habe ich den Pointillismus

von Mikroskop-Aufnahmen über

Pflanzen und Süßwasser in modernen

Expressionismus übersetzt“, so der

Weilheimer Künstler, der schon international

ausstellte. Für den Herbst steht ein

Soundprojekt an.

Der 1966 in Bayern geborene Künstler

erreicht mit seinen Bildern, dass der/

die Betrachter*in sich einfühlen kann in

Sommerregentropfen, die auf ausgedörrte

Flächen fallen, man schmeckt ihn förmlich,

diesen nachweislich entspannenden

Geruch in der Luft.

Kurator Julian Bachman schwärmt

geradezu: „Mikroskopisch und emotional

gleichermaßen ermöglicht er es uns,

in die Welt einzutauchen. Dissolutio,

Verschwinden, nennt Reiner Heidorn seine

bio-divisionistische Malerei. Sie macht

Naturerlebnis spürbar. Haben wir uns im

mikroskopisch Kleinsten verloren, aufgelöst

und treten nun wieder einen Schritt

zurück, wird die Blume sichtbar.“ Ganz

ohne Zweifel schafft es Reiner Heidorn zu

fesseln, ohne zu stressen. Achtsamkeit

erzeugt durch Kunst. Ein optisch schöner

Idealfall fürwahr. *rä

www.reiner-heidorn.de

ERÖFFUNG

Promis und Fashion

am Bayerischen

Platz

Im hochsommerlichen Juli

begrüßte das Team von NEVO

Berlin eine illustre Schar an Promis

beim glamourösen Red-Carpet-

Event. Unter anderem Dragqueen

Sheila Wolf, Erotikstern Micaela

Schäfer, Starvisagist René Koch und

Sängerin Doreen waren vor Ort und

begeistert.

FOTOS: F. SOHAIL

„Mode zum Anfassen, Lesen und Kaufen.

Kunst wird hier gelebt und an den Wänden

kann man interessante Gemälde besichtigen“,

so die Crew von NEVO Berlin, die hier

mit Starfriseurin Sue von Friseur Barock

zusammenarbeitet. „Das integrierte Café

mit hausgemachten Kuchen lädt mit seinen

Modemagazinen und Modebüchern zum Verweilen

ein. Ein Hollywoodspiegel steht immer

für das Korrigieren des Make-ups bereit. Und

natürlich darf der 15-Meter-Laufsteg nicht

fehlen.“ Berlin ist um einen Ort der Mode

reicher, wir feiern das! *rä

NEVO Berlin, Bayerischer Pl. 7, 10779 Berlin,

www.nevo.store


Stadtgespräch 9

RESTAURANT

Frühstück 3000

Das Team dieser brandneuen

Restaurant-Genuss-Adresse an der

Bülowstraße will die erste Mahlzeit des

Tages auf ein neues Level heben. Und dieser

Vorsatz wird dann auch äußerst lecker

und schick umgesetzt.

Auf ihrer Homepage verraten Maximiliane

Wetzel, Martin Pöller und Lukas Mann,

alles Profi-Gastronomen mit langjähriger

Erfahrung in der Spitzengastronomie, über

ihre Vision: „In Berlin, der Stadt, die niemals

schläft, sind die Grenzen zwischen Morgen,

Mittag und Abend, zwischen Breakfast,

Lunch, Brunch und Dinner fließend.

Deshalb ist Berlin genau der richtige Ort,

um die erste Mahlzeit des Tages neu zu

definieren: Bei Frühstück 3000 wird sie

zum kulinarischen Next-Level-Tagesanfang

– genussvoll und entspannt, mit leichtem

Hang zum Hedonismus.“ Angeboten wird

„eine Mischung aus modern interpretierten

Frühstücks-Klassikern und saisonalen

Specials – frisch, hausgemacht, zum Niederknien

gut. Ein veganes Bircher-Muesli,

French Toast mit einer Sanddorn-Orangen-

Sauce, himmlische Pancakes mit Tonkabohne,

dazu internationale Spezialitäten

FOTOS: NILS HASENAU

wie Shakshuka,

Erbsenkrapfen mit

Minzjoghurt oder ein

asiatisches Rindertatar:

Lieblingsgerichte und

solche, von denen man bis

gerade eben noch nicht wusste,

dass sie welche sind“, so das Team von

Frühstück 3000. „Die Zutaten sind

erstklassig und stammen vor allem von

regionalen Produzenten. Wobei man im

Frühstück 3000 immer auch Köstlichkeiten

wie Ibérico-Schinken,

ausgesuchte französische

Käse oder Sommertrüffel

aus Italien finden wird. Ein

High-End-Frühstück braucht

schließlich High-End-Produkte.“

Genuss de luxe, unaufgeregt und lecker:

Im Westen tut sich was! *rä

Frühstück 3000 GmbH, Bülowstr. 101,

10783 Berlin, Mo – So 9 – 16 Uhr,

fruehstueck3000.com

Musical

Folles

Aux Cage La

Ein Käfig voller Narren

Premiere: 1.10.2022

JETZT IST LECKZEIT!

6 × in Berlin

auch Motzstraße 17

www.vanille-marille.de

Glitzer, Glamour, Travestie – La Cage Aux Folles (Ein Käfig voller

Narren): Opulentes Bühnenbild, elegante Kostüme und große

Show: Mit einem optischen Feuerwerk entführt das fulminante

Musical in die Welt der Revue und Travestie.

Tickets und weitere Termine unter theater-schwedt.de

Uckermärkische Bühnen Schwedt


10 Stadtgespräch

FETISCH

FOTO: FOTO: BEN YOUDAN ART / M. RÄDEL

Kunst, The Knast und Folsom

Im September trifft sich wieder die

Leder- und Fetisch-Community in

Berlin beim Straßenfest von Folsom mit all

seinen Partys davor und danach. Und Lars

Deike lädt in The Knast zur „UNBOUND“-

Ausstellung (Bild).

Über das Festival: Seit 2005 kommt Europas

Leder- und Fetisch-Szene jährlich bei

„Folsom“ in Berlin zusammen. Nach zwanzig

erfolgreichen Jahren in San Francisco

(im Schnitt 300.000 Besucher) war es

auch damals an der Zeit, dass das Fetisch-

Ereignis nach Deutschland kommt! Bei

„Folsom“, dem einzigen Straßenfest auf

europäischem Boden für die gesamte und

breit gefächerte Leder-, Sneaker- und

Fetischszene, erwarten dich Vereine, Klubs

und Bars der Szene – und Live-DJs jeder

Art pumpen fette Musik auf die Massen

im Klub oder beim Straßenfest. Gefeiert

wird 2022 unter anderem im Gretchen, in

der Alten Münze, im Connection und im

KitKatClub. *rä

10.9., Folsom, folsomeurope.info, 7.9.

UNBOUND, The Knast, www.prideart.eu


JUBILÄUM

BRUNOS WIRD 5

Wir gratulieren zu fünf Jahren

queerer Shoppingkultur und

LGBTIQ*-Sichtbarkeit! Unterwäsche,

Toys, Gleitgel und Accessoires für den

queeren Haushalt und erotischen Spaß.

Der Umzug von der Bülowstraße an diesen

Standort am Winterfeldtplatz sei „eine

sehr gute Entscheidung“ gewesen, so

Geschäftsführer Franz Landgraf-Happach.

„Denn mitten im queeren Kiez sind wir

am besten aufgehoben und können fast

jeden Wunsch unserer Kunden erfüllen.“

Am Samstag, den 10.9. kannst du

hier – passend zum zeitgleichen

Fetisch-Straßenfest FOLSOM – von 10

bis 22 Uhr shoppen. Und auch am 11.

September, dem Sonntag nach dem

schwulen Straßenfest, lädt das Team

von Brunos Berlin in die Maaßenstraße

ein, um dort das fünfte Wiegenfest

dieser Filiale mit der Community und

all den Kund*innen zu feiern. Ab 13 Uhr

öffnen sich am Sonntag die Pforten

zum Sonntagsshopping! „Euch erwarten

Drinks und tolle Angebote“, so Ernesto

vom Brunos-Berlin-Team. *rä

10. und 11.9., Brunos Berlin,

Maaßenstr. 14 / Winterfeldtplatz.,

U Nollendorfplatz, Sa 10 – 22 Uhr,

So 13 – 18 Uhr, www.brunos.de

FOTOGRAFIE

Skater, Model und Influencer

aus Heiligenhafen

Steve Anton ist 19 Jahre jung und

begeistert seine wachsende Zahl an

Followern auf Social Media mit Bildern

wie diesen, die wir dir nicht vorenthalten

wollen. Der schwimmbegeisterte

Skateboarder aus Heiligenhafen ist

natürlich auf Instagram zu finden:

www.instagram.com/hst_sa1999. Die

Fotos kommen von www.instagram.

com/men_moment, mehr Features wie

dieses gibt es auf www.instagram.com/

blu_germany. *rä


12 Stadtgespräch

NACHGEFRAGT

STADT.LAND.SCHWUL.

„Mit viel Liebe, großen Herzen und

noch größerem Lächeln schaffen wir

es Dich in Deinem Alltag zu begeistern,

begleiten oder einfach nur zu erheitern“, so

die beiden Influencer auf ihrer Homepage.

Der Name eures Podcasts provoziert

diese Frage: Eure Herkunft aus

ländlicheren Gefilden spielt etwas

mit hinein, oder? Woher kommt ihr

ursprünglich?

Patrick: Unsere Herkunft spielt eine große

Rolle. Ich bin in einem kleinen Dorf im

Schwarzwald groß geworden, Flo in einer

Kleinstadt im Saarland. Alles war sehr

binär und heteronormativ und ich habe

schnell gemerkt, dass ich nicht so richtig

in diese Struktur passe. Mir war schnell

bewusst, dass ich vom Land in die Stadt

ziehen muss, damit ich als schwuler Mann

so leben kann, wie ich es möchte. Da es

Flo genauso ging, passte der Name „Stadt.

Land.Schwul.“ für unseren Podcast perfekt.

Flo: Ich komme aus einem kleinen Dorf im

Saarland. Unsere Herkunft und Erfahrungen

auf dem Land spielen eine große Rolle

in unserem Podcast, weil wir natürlich auch

den direkten Vergleich haben zwischen

Dorf und Großstadt.

Worauf achtet ihr besonders bei

eurem Podcast?

Patrick: Wichtig ist es uns, dass wir uns

mit unseren Themen breit aufstellen und

uns nicht so sehr eingrenzen. Es gibt

außerdem verschiedene Sichtweisen,

die wir beleuchten wollen, und dass wir

unsere eigenen Erfahrungen mit in die

Folgen einbeziehen. Sind wir immer der

gleichen Meinung? Nicht immer, aber das

macht die Folgen spannend, weil wir beide

über die Themen offen und authentisch

diskutieren.

Flo: Uns ist es wichtig, so divers und

authentisch wie möglich zu sein und

auch das Kind beim Namen zu nennen.

Wir sehen uns als Sprachrohr für die

gesamte queere Community, und unser

Ziel ist es, die Menschen zum Nachdenken

anzuregen. Dabei haben wir gar nicht

den Anspruch, dass unsere Hörer unsere

Meinung teilen. Jeder ist eingeladen, sich

seine eigene Meinung zu bilden und mit

uns offen und kritisch zu diskutieren.

Manchmal ändern auch wir danach noch

unsere Meinung – aber nur manchmal!

(grinst). Wir scheuen keine brisanten Themen

wie Rassismus oder Religion, haben

dabei aber immer unsere ganz eigene

Herangehensweise.

*Interview: Michael Rädel

stadt-land-schwul-derpodcast.podigee.io,

www.instagram.com/stadtlandschwul,

www.stadtlandschwul.de


FOTO: M. RÄDEL

BAR

Drinks und Lavendelduft:

Saint Jean

Salut! Schon seit Jahren sind wir Fans der Bar Saint Jean.

Und nicht nur wir, auch Jochen Schropp. Und Comedian

Daniel-Ryan Spaulding drehte hier schon einen seiner extrem

lustigen – und biestigen – Clips. Die Bar in der Ziegelstraße

in Mitte, DIE queere Bar nahe der Friedrichstraße, schafft

den Spagat zwischen entspannter Kiezkneipe und hippem

Hipster-Treff. Mensch kann hier ganz entspannt mit

Freund*innen klönen oder sich am edlen Interieur erfreuen

und sich wichtig fühlen. Dieses Jahr wird der 10. Geburtstag

begangen, wir gratulieren! Die von Barbetreiber Johann,

Wahlberliner mit französischen Wurzeln, und seinem Team

liebevoll geführte Bar lockt im Sommer zudem mit einer

großen Außenterrasse samt duftendem Lavendel in Töpfen

und Vasen. Wer hier seinen Mexico Mule trinkt, fühlt sich wie

im Kurzurlaub! Wichtig: Hier kann #mensch nur mit Karte,

nicht in bar, bezahlen. À bientôt … *rä

Bar Saint Jean, Ziegelstr. 29, 20 Uhr, U Oranienburger

Straße, www.barsaintjean.com

WIEDERAUFNAHME

„Lila Lied“ im Oyoun

Die multimediale queere

Cabaret-Show mit Ludwig

Obst feiert im September

ihre Wiederaufnahme. Am

22.9. zelebriert das Stück,

das auf einem Chanson

von Mischa Spoliansky

aus den 1920ern basiert,

Queerness in all ihren

Facetten.

Lasst uns

stolz auf unsere

Gefühle

sein.

Aktivist*innen, die einst viel

bewegt haben, erwachen

mithilfe von elektronischer

Musik, Drag und Burleske

zu neuem Leben. „Fernab von jeglicher Weimar-Nostalgie

nähert sich das postmigrantische Team um den Sänger

und Regisseur Ludwig Obst diesen Persönlichkeiten, indem

es nach autobiografischen Schnittstellen sucht. Damit

soll eine Identifikationsfläche entstehen, die das Publikum

für eigene solidarische Handlungsräume sensibilisiert und

ein Bewusstsein für intersektionale Perspektiven und die

eigenen Privilegien schafft“, verraten die Beteiligten vorab.

Geschichte, die mahnt, queere Kämpfer*innen, die inspirieren.

Im Dezember erneut in Berlin, am 24. September zudem

auch in Frankfurt (Oder). *rä

22.9., Oyoun, Kultur NeuDenken, Lucy-Lamek-Str. 32, 20 Uhr


14 Stadtgespräch

AVANTGARDE

FOTO: ROMAIN BERGER

KOMPROMISSLOS SCHWUL:

SEX UTOPIA

Rinaldo Hopf „Axel in Havanna“

Große Namen und angesagte

Avantgardisten der LGBTIQ*-

Community vereint das im Herbst

erscheinenden Buch „Mein schwules

Auge #19 – Sex Utopia“ von Fedya

Ili und Rinaldo Hopf. Unter anderem

Arnoldas Kubilius, Pierre et Gilles, Igor

Zeiger und Romain Berger sind mit

dabei.

Der Titel verrät es, das große Thema

des 400 Seiten starken Buches ist Sex.

„Es geht um die Erforschung erotischer

Utopien, den Sex der Zukunft oder

die Zukunft des Sex, um geheime

Wünsche, Fantasien und Geschichten,

um feuchte Träume und die Bilder, die

die Künstler bisher noch nicht zu zeigen

gewagt haben. Es geht um Freiheit

und Experimente mit Neuem“, so die

beiden Herausgeber schriftlich. „Wie in

den vorangegangenen Ausgaben gibt es

Essays, Gedichte und Kurzgeschichten

von renommierten Autoren und neuen

Talenten – sowie Gemälde, Zeichnungen

und Fotos von internationalen

Künstlern. Der gemeinsame Nenner ist

die Auseinandersetzung mit schwuler

Erotik und Sexualität, sowohl explizit

pornografisch als auch eher ästhetisch,

politisch, satirisch und poetisch.“

Das Cover kommt von Pierre et Gilles:

Seit den 1970er-Jahren inszenieren

Fotograf Pierre und Maler Gilles

makellose Menschen und weltbekannte

Persönlichkeiten wie die „Queen of

Pop“ Madonna, die queere Disco-Diva

Amanda Lear, Australiens Popperin

Kylie Minogue, Pornostern Jeff Stryker,

Punk-Heldin Nina Hagen oder auch

Modelegende Karl Lagerfeld und Eurodancer

Stromae. Ihr Stilmittel ist die

Ikonisierung. Durch viel Pathos, Kitsch

und Referenzen an große Meister

werden die Fotografien zu Gemälden,

nichts bleibt dem Zufall überlassen,

alles ist schön – auch das Leid. Pierre

et Gilles verschließen sich nicht den

ernsten Themen, setzen diese in ihren

Werken aber so um, dass man sie ohne

Gräuel, aber nicht ohne danach darüber

nachzudenken betrachten kann. Zum

Beispiel die Verschmutzung der Ozeane.

Die wunderschönen Ergebnisse zeigen

die beunruhigende Veränderung, die die

Welt durchmacht. Ohne Anklage. Mit

trauender Schönheit. Im Mittelpunkt

ihres künstlerischen Outputs steht

immer der Mensch. Jedoch nicht losgelöst

von seiner Umgebung, sondern

im glamourösen Austausch mit der ihn

umgebenden – auch darbenden – (Märchen-)Welt.

„Mein schwules Auge #19

– Sex Utopia“ von Fedya Ili und Rinaldo

Hopf soll Mitte Oktober zur Frankfurter

Buchmesse erscheinen. *rä

www.mygayeye.com


Stadtgespräch 15

EROTIK

Davide Zongoli zeigt viel

Schon der Name klingt nach Genuss. Und genießen

kann der Betrachter die Bilder des modelnden

Vollerotik-Influencers durchaus. Und etwas sparen!

Denn man bekommt wohl 10 % Preisnachlass bei ES

COLLECTION, wenn man beim Bestellvorgang seinen

Code ACRODAVE10 angibt. Wer ihn lieber unbekleidet

sehen will, der kann ihn auf OnlyFans suchen, finden

und supporten … Nur Erotik? Nein, denn eigentlich

ist Davide Tänzer, Akrobat, Sportler und Choreograf.

Derzeit lebt der Muskelmann in Las Vegas. *rä

www.instagram.com/acrodave

www.welcome-interiors.com

Erhältlich in einer 3er, 5er und 7er Variante

(dimmbar). Farben: Marmor schwarz,

Marmor weiß & Onyx grün von kdln

WELCOME interiors

Yorckstraße 26 | 10965 Berlin

Telefon 030 - 39 91 93 65 | Mo - Fr 10 - 19 Uhr | Sa 11 - 18 Uhr


16 Style

LIFESTYLE

LIVING BERLIN

Willkommen in Berlins Zuhause

für Interior Design

Seit seiner Eröffnung im Jahr

1999 hat sich das prägnante,

fünfstöckige Gebäude in der Kantstraße

17 zu einem der bekanntesten Orte

Berlins für ausgesuchtes Interior Design

etabliert – mit einem einzigartigen

Konzept von rund 40 Stores auf 16.000

Quadratmetern und vor allem ganz viel

Expertise bei der Einrichtungsberatung.

Ein Haus wie dieses gibt es nur einmal

– die Fassade ist prägnant und selbst

schon fast eine Design-Ikone, aber

wie immer sind die wahren Werte im

Inneren zu entdecken: Rund 40 Stores

für Interior Design, Heimelektronik,

Musik und alles, was man sich fürs

Zuhause wünscht – vom Bodenbelag

bis zur Deckenleuchte, von der

Ankleide bis zum Zeitungsständer. Und

ob man selbst sich an einen Flügel setzen

möchte oder den besten Pianist*innen der

Welt über eine feine HiFi-Anlage zuhören

möchte – im LIVING BERLIN gibt es unter

einem Dach auf vier Etagen alles aus dem

Bereich des High End Interior Designs

... Und vor allem ganz viel individuelle

Beratung. Denn alle Stores und Showrooms

ist eines gemein: Expert*innen nehmen

sich Zeit für die individuellen Wünsche, ob

es das Lieblings-Einzelstück sein soll oder

die Kompletteinrichtung eines Zuhauses.

LIVING BERLIN ist für alle der perfekte Ort,

die in und um Berlin leben ... Im Haus gibt es

zudem immer etwas Neues zu entdecken:

Wechselnde Ausstellungen im lichtdurchfluteten

Foyer des LIVING BERLIN machen

das Gebäude zu einer der spannendsten

Pop-up-Galerien der Stadt. Das macht

das LIVING BERLIN in der Kantstraße,

Ecke Uhlandstraße auch immer zu einem

Anlaufpunkt für den Stadtbummel im

Viertel – denn es gibt so viel zu sehen und

zu entdecken: Im Sommer geht es ganz

hoch hinaus: Auf dem Rooftop des Hauses

gibt es in den Sommermonaten Rooftop

Cinema. Das Kino mit der wohl schönsten

„Leinwand“ Berlins, dem Blick in den

Himmel Berlins ...

living-berlin.com

WOHNEN

Wellness-Oase und Zeitreise

Das Badezimmer ist in jeder Wohnung,

neben der Küche, der mit wichtigste

Raum. Hier kommt man mehrmals am

Tag zur Ruhe, hier macht man sich

sauber, frisch und schön.

Schade nur, dass so viele Badezimmer

immer noch eher lieblos befüllt sind und

mitunter eher an eine Abstellkammer

mit Duschmöglichkeit erinnern.

Das geht ganz anders! Mit

wenigen – ausgesuchten –

Accessoires und Möbeln,

etwa von home24.de,

kannst du dafür sorgen,

dass dein Badezimmer

zum Schmuckstück wird. Mit

passenden Regalen zum Beispiel,

oder, wenn du es ganz neu einrichten

kannst, mit ausgefallenen Retro-

Badewannen und -Waschbecken, die

etwas an das 19. Jahrhundert erinnern,

die klassische „gute alte Zeit“. Bilder,

persönliche Gegenstände und gut

verstaute Putzmittel runden dann das

Bild ab und sorgen dafür, dass du dich

hier wohlfühlen und entspannen kannst.

Wer gerne badet und eine solche

Möglichkeit besitzt, dem seien zudem

auch die aktuellen Badebomben von

lush.com empfohlen. Das Unternehmen,

das einst die Badebombe

erfunden hat – am 27. April 1990

wurde das Patent für die sprudelnden

Badezusätze angemeldet

– hat wieder viel

Neues im Angebot. Zum

Beispiel die Badebombe

PEACHY mit antibakteriell

wirkendem Grapefruitöl

und aphrodisierendem

Davanaöl, die an das Po-Symbol

in Chats erinnert, aber natürlich einen

Pfirsich darstellen soll. Auch toll: Die

Badebombe „No. 1 Dad“ (auch von

LUSH) für ein Schaumbad, das minzig

duftet und dich in verwöhnenden

Schaumbergen versinken lässt. *rä


Im Urlaub

zu Hause

Übernachten bei queeren

Gastgebern in über 70 Ländern!

29 €

AB

PRO NACHT

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/ DRAZEN_

Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


18 Style

FREIZEIT

NATUR

AKTIV ERLEBEN

Bei einem Ausflug in die Natur – zu Fuß oder mit dem Rad – kann viel

passieren, daher ist eine gute Vorbereitung das A und O. Wenn du von

vornherein mit einer intelligenten und funktionalen Ausstattung versehen

bist, kannst du dich auf das Wesentliche konzentrieren: Wohin

und mit wem?

Eine gute Jacke ist besonders wichtig, soll sie doch sowohl bei Sonne als auch

Regen und Wind Schutz bieten. Die Funktions-Radjacke in Orangerot kann all das,

sie ist atmungsaktiv, feuchtigkeitstransportierend und schnelltrocknend und sieht

auch noch gut aus. Genauso einleuchtend ist die Notwendigkeit eines robusten,

wasserabweisenden Outdoor-Rucksacks mit vielen Schlaufen, Taschen und

Fächern. Doch mindestens ebenso hilfreich sind all die anderen Accessoires und

Gadgets, die es hier noch zu entdecken gibt!

Ab 30.8. auf www.tchibo.de


ALLES, WAS DU FÜR DEN

URLAUB WISSEN MUSST!

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Deutsche Media Agentur & Verlag GmbH

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20 Termine

SEPTEMBER

ALLE TERMINE UND ÜBER 20.000

WEITERE LOCATIONS WELTWEIT.

KOSTENLOS IN DER SPARTACUS APP!

SZENE

DO 1.9.

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV

und andere STIs,

Bülowstr. 106

SO 4.9.

12:00 Tempelhofer Feld,

Life-Run Benefizlauf

der Berliner

Aids-Hilfe e.V.,

www.life-run.de,

Tempelhofer Damm

DO 8.9.

15:00 BOXER Berlin,

Music & Welcome

Drinks, Eisenacherstr.

11

SO 11.9.

13:00 Brunos Store

Berlin Schöneberg,

Sonntagsshopping

am Folsom-

Wochenende,

5-Jähriger Geburtstag

der Filiale mit

Drinks und tollen

Angeboten. Bis 20

Uhr, Maaßenstr. 14

DI 13.9.

12:00 THE JAXX, Jaxx

Spezial, Tagesticket

7 Euro, Motzstraße

19

DO 15.9.

19:00 Zielona Gora,

Treffen der Generationen

-: Dr. Birgit

Ziener & Bodo Niendel.,

Grünberger

Str. 73

SO 18.9.

14:00 Vor dem Schloss

Bellevue, Guided

Tour: Berlin‘s History

of Sex, Englisch und

Deutsch. Anmeldung

erforderlich:

orjizmic.com/berlinsex-history-tour,

Spreeweg 1

DO 26.9.

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, bis

21:30 Uhr, anonym

und ohne Voranmeldung,

Bülowstr.

106

MUSIKCOMEDY

„Wir haben auch

Gefühle“

Alle Gemütslagen werden von Kaiser &

Plain unter die Lupe genommen … Und

das im BKA Theater am Mehringdamm.

Virginia und David präsentieren am 18.9.

ab 20 Uhr eigene Songs und Lieblingsstücke.

Kaiser & Plain betören durch

Witz, Natürlichkeit und die Harmonie von

Virginias außergewöhnlich voller, samtiger

Stimme mit Davids gefühlvollem Klavierspiel

und Gesang. Virginia Plain ist der

Seemann unter den Ladies, David Kaiser

die Prinzessin auf der Erbse am Klavier.

www.bka-theater.de

FOTO: J. HARTMANN

DO 29.9.

19:00 SchwuZ, Panel Diskussion:

NoDoption,

Rollbergstraße 26

KULTUR

DO 1.9.

19:00 SchwulesMUSEUM,

Eröffnung: Queering

the Crip, Cripping

the Queer, Ausstellung

zu Queerness

& Behinderung.,

Lützowstraße 73

20:00 BKA Theater, Ades

Zabel & Company:

Tatort Neukölln,

Mehringdamm 34

20:30 Maxim Gorki Theater,

QueerWeek:

Project O, Anthony

Am Festungsgraben

2

SA 3.9.

17:30 Maxim Gorki Theater,

QueerWeek, Am

Festungsgraben 2,

auch um 20 Uhr

20:00 BKA Theater, Ades

Zabel & Company:

Tatort Neukölln,

Mehringdamm 34

20:00 Haus der Sinne,

Trash Deluxe -

Power Up, Queere

Burlesque,Ystader

Str. 10

SO 4.9.

10:00 Schloss Biesdorf,

Jürgen Wittdorf,

mit Werken von

Veneta Androva,

Norbert Bisky,

Harry Hachmeister,

Bettina Semmer.

Alt-Biesdorf 55

DI 6.9.

11:00 Finnland-Institut,

Visiting Art/ist 2022:

Jukka Korkeila,

Friedrichstr. 153a

MI 7.9.

19:00 prideART Ateliers

im The Knast, Vernissage:

Pride-Art

Expo- Unbound 4.0,

Söhtstraße 7

20:00 BKA Theater, Ades

Zabel & Company:

Tatort Neukölln,

Mehringdamm 34

DO 8.9.

15:00 prideART Ateliers

im The Knast, ,

Söhtstraße 7

18:00 delphi LUX, Queer

FilmFest: Kantstr. 10

20:00 Zwölf-Apostel-

Kirche, Classic

meets Fetish, An der

Apostelkirche 1

FR 9.9.

19:00 delphi LUX, Queer

FilmFest: Der

Schwimmer, Kantstr.

10

19:00 prideART Ateliers

im The Knast, Meet

the MakersSöhtstraße

7

20:00 BKA Theater, Ades

Zabel & Company:

Tatort Neukölln,

Mehringdamm 34

SA 10.9.

17:30 Maxim Gorki Theater,

QueerWeek: Am

Festungsgraben 2

19:15 delphi LUX, Queer

FilmFest: Concerned

Citizen, Kantstr. 10

SO 11.9.

10:00 Schloss Biesdorf,

Jürgen Wittdorf,

mit Werken von

Veneta Androva,

Norbert Bisky,

Harry Hachmeister,

Bettina Semmer.

Alt-Biesdorf 55

13:45 delphi LUX, Queer

FilmFest, Kantstr. 10

MO 12.9.

19:00 SO36, Lesedüne,

Lesebühne, Oranienstraße

190

MI 14.9.

20:00 BKA Theater, C.

Heiland: Hoffnung

für Abgehängte,

Mehringdamm 34

DO 15.9.

17:30 SchwulesMUSEUM,

Kiezspaziergang

,Treffpunkt: vor der

Mainzer Straße 4

20:00 Berliner Kriminal

Theater, Die Mausefalle,

Umspannwerk

Ost Palisadenstr. 48

FR 16.9.

20:00 BKA Theater,

Matthias Egersdörfer:

Nachrichten aus

dem Hinterhaus,

Mehringdamm 34

SA 17.9.

20:00 INCOGNITO, The

Night with the Stars,

Hohenstaufenstr. 53

23:59 BKA Theater,

Jurassica Parka:

Paillette geht immer,

Mehringdamm 34

SO 18.9.

20:00 Sonntags-Club e.V.,

XXV. Cita de la Poesia,

Greifenhagener

Straße 28

DI 20.9.

20:30 Buchhandlung

Eisenherz, Andrea

Roedig - Man kann

Müttern nicht

trauen, Motzstr. 23

MI 21.9.

21:00 delphi LUX, Queer

Filmnacht: Der

Schwimmer, IL 2021,

OmU, YVA Bogen,

Kantstr. 10

FR 23.9.

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Barollbergstraße

26

SA 24.9.

23:59 BKA Theater,

Jade Pearl Baker:

Badeperle, Mehringdamm

34

SO 25.9.

11:00 Deutsche Oper,

Workshop TanzTanz

Spezial, Bismarckstr.

35

20:00 BKA Theater, Ralf

König: 40 JAHRE

SCHWULCOMIX,

Mehringdamm 34

20:00 Wühlmäuse,

Arnulf Rating:

Zirkus Berlin, Pommernallee

2-4

DO 29.9.

19:30 Renaissance Theater,

Hedwig and the

Angry Inch, Knesebeckstr.

100

FR 30.9.

12:00 Galerie Z22,

Cloudy Mirror. Kati

von Schwerin, bis

zum 8.10.2022,

Do 14 - 20 Uhr, Fr

12 - 20 Uhr, Sa 11

- 17 Uhr, Zähringerstr.

22

20:15 Buchhandlung

Eisenherz, Nadine

Lange & Björn Seeling:

„Eis mit Joe“

& „Heteros fragen,

Homos antworten“,

Motzstr. 23


Termine 21

Party

DO 1.9.

19:00 Böse Buben, Fight-

Club, Bis 1 Uhr,

Sachsendamm 76

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Bar: Rollbergstraße

26

FOTO: A. SPANNENBURG

FR 2.9.

20:00 Böse Buben,

Cocksucker Contest,

Bis 2 Uhr,

Sachsendamm 76

23:00 SchwuZ, LA DIS-

COTEKA! - Around

the world, Rollbergstraße

26

23:59 ://about blank,

Away presents Todd

Terje, Markgrafendamm

24B

SA 3.9.

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Bar, Ab 22

Uhr bump!, Rollbergstraße

26

SO 4.9.

15:00 House of Weekend,

UP - Sunday

Rooftop T- Dance

by Revolver, bis 3

Uhr., Alexanderstr. 7

MI 7.9.

22:00 Mutschmann‘s,

FOLSOM Welcome,

Martin-Luther-

Str. 19

DO 8.9.

17:00 WOOF, GRINDR

@ WOOF BERLIN

Fuggerstraße 37

18:00 Quaelgeist Berlin

e.V., Honey & Spice,

Einlass bis 19 Uhr,

Lankwitzer Str.

42 – 43

19:00 ClubCultureHouze,

SLUTerday, moderierte

queere Sex

& Play - Party / All

Genders & Body

Types are welcome,

Görlitzer Str. 71

19:30 BLOND, Schlager

- Wunschmusik der

80er, Eisenacher

Straße 3A

20:00 Böse Buben,

Sport-Club, Bis 3

Uhr, Sachsendamm

76

22:00 Connection, ADAM

Berlin - Official

FOLSOM Europe

Opening Party,

Techno Party.

Dresscode: Nackt,

Leder, Sportkleidung,

Uniformen,

Latex etc., Fuggerstraße

33

FR 9.9.

12:00 Axel Hotel Berlin,

FOLSOM: Berlin Bus

Tour - The sightseeing

tour with

the OSPI Sisters,

Check-in ab 11:30

Uhr vor dem Hotel.

Tickets: folsomeurope.berlin/tickets/,

Lietzenburger Str.

13/15

12:00 Dreizehn, FOLSOM

Weekend, Welserstraße

27

17:00 Living House /

East Side Gallery,

GAY BOAT AHOI -

FOLSOM EUROPE

BOAT, The party

boat produced by

Scheune & BLF,

Mühlenstr. 60

19:00 Rüdigers, BLUF

United Dinner,

Reservierung: www.

male.space, Motzstraße

63

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Bar: Super

Sissy Smackdown

No. 2, by Miss

Ivanka T., Rollbergstraße

26

20:00 Böse Buben, RED-

Session at FOLSOM,

Long Term Fist

Party. Bis 4 Uhr,

Sachsendamm 76

20:00 ClubCultureHouze,

Folsom Fist, Gay

Fist Party, Görlitzer

Str. 71

21:00 Pussycat Bar, BerlinCigarmen

Cigarlounge,

schwules

Zigarrentreffen,

Kalckreuthstr. 7

21:00 Scheune, Rubber

Party by German

Rubberman, Dresscode:

Rubber, Motzstraße

25

22:00 Berghain, Panorama

Bar: Love On

The Rocks, Am

Wriezener Bahnhof

22:00 KitKat, REVOL-

VER XXL - Fetisch

Festiva,, Im U-Bhf.

Heinrich-Heine-Str.

23:00 SchwuZ, SLEAZE,

Rollbergstraße 26

SA 10.9.

12:00 FOLSOM Europe,

FOLSOM Europe

Bis 22 Uhr, Fuggerstraße

/ Welserstraße

19:00 Rüdigers, The

Leather Dinner XXL,

Reservierung bis

zum 6. September:

www.male.space,

Motzstraße 63

23:00 Metropol Berlin,

PROPAGANDA,

Nollendorfplatz 5

23:00 Prince-Charles,

Horse Meat Disco,

Line Up: Bestley,

Prinzenstraße 85F

23:00 Spreewerkstätten

(Alte Münze), PiG

Berlin - Official

FOLSOM Europe

Closing-Party, Men

only! Fetish Party.

Dresscode: sleazy,

Fetish!, Molkenmarkt

2

MO 12.9.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ

& Show, Mühlenstraße

45, Direkt

am Ostbahnhof

FR 16.9.

19:00 Flax, Okoberfest-

Karaokeshow, Chodowieckistraße

41

MO 19.9.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ

& Show, Mühlenstraße

45, Direkt

am Ostbahnhof

DO 23.9.

23:00 Suicide Circus,

Chantals House

of Shame, Super

Disco, Show,

Entertainment,

Revaler Str. 99

FR 23.9.

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Bar, ab

23 Uhr SCARA-

MOUCHE!,: Rollbergstraße

26

22:02 Connection,

Popular - The

Friday Club, Pop,

House, Remix-

Charts. Bis 6:06

Uhr, Fuggerstraße

33

MO 26.9.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ

& Show, Mühlenstraße

45, Direkt

am Ostbahnhof

DO 29.9.

19:00 SchwuZ, Pepsi

Boston Bar: Rollbergstraße

26

23:00 Suicide Circus,

Chantals House

of Shame, Super

Disco, Show,

Entertainment,

Revaler Str. 99

FR 30.9.

20:00 Böse Buben,

Krachleder-Oktoberfest,

Bis 2 Uhr,

Sachsendamm 76

22:00 M-Bia Club, DRTY

by REVOLVER,

Dircksenstr. 123

KONZERT

Classic meets Fetish

Am 8. September trifft in der evangelischen Zwölf-Apostel-

Kirche in Schöneberg das zusammen, was oft zusammengehört:

Klassikmusik und Fetisch-Kerle. In einer Kirche!

Über das ungewöhnliche Konzert verraten die Veranstalter:

„Professionelle Musiker mit internationaler Bühnenerfahrung

spielen etwa eineinhalb Stunden in Lack und Leder für ein

Publikum, das sich ebenfalls in Fetisch zeigt. Die halbstündige

Pause bietet jeden/r Gelegenheit, Gleichgesinnte kennenzulernen

und kulturelle Kontakte für das Folsom-Wochenende zu

knüpfen ... *rä

8.9., „Classic meets Fetish – THE ORIGINAL BERLIN

EDITION“, Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1,

U Bülowstraße, 20 Uhr, www.folsomeurope.berlin

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22 Termine

OKTOBER

ALLE TERMINE UND ÜBER 20.000

WEITERE LOCATIONS WELTWEIT.

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SZENE

SO 2.10.

11:00 Brotfabrik,

Workshop: Tunte

(Sprache: Englisch),

mit Ruco LaPesto

+ Brigitte Oytoyl;

Bis 14 Uhr (go drag!

Festival), Caligariplatz

1

MO 3.10.

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, bis

21:30 Uhr, anonym

und ohne Voranmeldung,

Bülowstr. 106

19:00 fire of love, offenes

Zentrum, Anmeldung

auffireoflove.

berlin, Degnerstraße

9b

DI 4.10.

19:00 Sonntags-Club e.V.,

Trans*Ange-hörigengruppe,

Greifenhagener

Straße 28

MI 5.10.

11:00 Brotfabrik, Workshop:

Drag King, mit

Afro Disiac + Bis 14

Uhr (go drag! Festival),

Caligariplatz 1

19:00 Mann-O-Meter,

Akademicus-Gay-

Berlin, offenes

Treffen schwuler

Akademiker. Bis 21

Uhr, Bülowstr. 106

SA 8.10.

15:00 AHA, Bridge Markland:

king-ing the

drag - drag-ing the

king, Lecture Performance

(Sprachen:

Deutsch + Englisch).

Bis 16:15 Uhr, Monumentenstraße

13

SO 9.10.

14:00 Vor dem Schloss

Bellevue, Guided

Tour: Berlin‘s History

of Sex, Englisch und

Deutsch. Anmeldung

erforderlich: orjizmic.

com/berlin-sexhistory-tour,

Spreeweg

1

DI 18.10.

20:00 Mann-O-Meter,

Arbeitsrechtsberatung,

Kostenlos, Bis

21 Uhr, Bülowstr. 106

MI 19.10.

19:00 Sonntags-Club e.V.,

A*-Spec, Treffen

für Personen aus

dem A-Spektrum,

Greifenhagener

Straße 28

DI 25.10.

12:00 THE JAXX, Jaxx

Spezial, Tagesticket

7 Euro, Motzstraße

19

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, bis

21:30 Uhr, anonym

und ohne Voranmeldung,

Bülowstr. 106

DO 27.10.

19:30 Sonntags-Club e.V.,

Offenes Bi-Treffen,

Greifenhagener

Straße 28

KULTUR

SA 1.10.

14:00 Kino Moviemento,

Venus Boyz, Kottbusser

Damm 22

16:00 SilverFuture, O

Baldwin: Boys on

Film - Opening,

go drag! Festival,

Weserstraße 206

23:59 BKA Theater,

Jurassica Parka:

Paillette geht immer,

Mehringdamm 34

SO 2.10.

14:00 Schwules-

MUSEUM, Queering

the Crip, Cripping

the Queer, Lützowstraße

73

18:00 Tipsy Bear, Berlin

Offstage - Opening,

(go drag! Festival),

Eberswalder Str. 21

19:00 Tipi, The Capital

Dance Orchestra:

Berlin, Große Querallee

20:00 BKA Theater,

Sebastian 23: Maskenball,

Mehringdamm

34

MO 3.10.

20:00 Columbiahalle,

Years & Years,

Columbiadamm

13 – 21

DI 4.10.

19:00 English Theatre

Berlin, Joey Hateley

- Harry Stokes, Fidicinstr

40

20:00 Bar Jeder Vernunft,

Tim Fischer: Tigerfest,

Schaperstraße

24

MI 5.10.

22:00 Monster Ronson‘s

Ichiban Karaoke,

Ladies Night, Warschauer

Straße 34

DO 6.10.

20:00 Berliner Kriminal

Theater, Die

acht Millionäre,

Umspannwerk Ost

Palisadenstr. 48

FR 7.10.

14:00 SchwulesMUSEUM,

Tuntenhaus Forellenhof

1998Lützowstraße

73

SA 8.10.

20:00 Berliner Kriminal

Theater, Das Paket,

Umspannwerk Ost

Palisadenstr. 48

20:00 BKA Theater, The

Cast – die Opernband:

NO LIMITS,

Mehringdamm 34

20:00 Tipi, Lisa Eckhart:

Große Querallee

23:59 BKA Theater,

Jade Pearl Baker:

Badeperle, Mehringdamm

34

SO 9.10.

20:00 Schlosspark Theater,

Eros & Ramazotti

- Ein Duo im

Ausnahmezustand,

Schlossstr. 48

MO 10.10.

20:00 Wühlmäuse, Ades

Zabel & Friends:

Ediths Geburtstach,

Pommernallee 2-4

DI 11.10.

19:30 Komische Oper,

Lab_Works | Half

Life, Behrenstr.

55-57

MI 12.10.

16:00 Komödie im Schiller

Theater, Münchhausen,

Bismarckstr.

110

20:00 BKA Theater,

Jurassica Parka &

Jacky-Oh Weinhaus:

Süss und Deftig,

Mehringdamm 34

DO 13.10.

19:30 Renaissance Theater,

Das Halsband,

Knesebeckstr. 100

FR 14.10.

20:00 Ufa-Fabrik,

Männer-Minne und

Gäste: Baden mit

und ohne, Viktoriastr.

10/18/2016

SA 15.10.

18:00 Chamäleon, The

Mirror, Rosenthaler

Straße 40

23:59 BKA Theater,

Jurassica Parka:

Paillette geht immer,

Mehringdamm 34

SO 16.10.

14:00 Schwules-

MUSEUM, Queering

the Crip, Cripping

the Queer, bis zum

30.01.2023, Täglich,

außer Dienstags

geöffnet, Lützowstraße

73

MI 19.10.

20:00 BKA Theater,

Jonas Greiner:

In voller Länge,

Mehringdamm 34

20:00 Komödie im

Schiller Theater,

Münchhausen, Bismarckstr.

110

DO 20.10.

11:00 Finnland-Institut,

Visiting Art/ist

2022:Friedrichstr.

153a

FR 21.10.

14:00 Schwules-

MUSEUM, Tuntenhaus

Forellenhof

1990: Der kurze

Sommer des

schwulen Kommunismus,

bis zum

31.10.2022, Täglich,

außer Dienstags

geöffnet, Lützowstraße

73

SA 22.10.

20:00 Tipi, Maren Kroymann

& Band: In

my Sixties, Große

Querallee

SO 23.10.

20:00 BKA Theater, Ades

Zabel: Edith Schröder

– unbeugsam

bunt!, Mehringdamm

34

MO 24.10.

20:00 Bar Jeder Vernunft,

Irmgard Knef:

Barrierefrei, Schaperstraße

24

20:00 BKA Theater,

Chaos Royal: Impro

à la carte, Mehringdamm

34

DI 25.10.

20:00 Wühlmäuse, Emmi

& Willnowsky:

Silberne Hochzeit,

Pommernallee 2-4

MI 26.10.

20:00 BKA Theater, Nektarios

Vlachopoulos:

Das Problem sind

die Leute, Mehringdamm

34

20:00 Wühlmäuse, Emmi

& Willnowsky:

Silberne Hochzeit,

Pommernallee 2-4

DO 27.10.

20:00 BKA Theater, Nektarios

Vlachopoulos:

Das Problem sind

die Leute, Mehringdamm

34

20:00 Mercedes-Benz

Arena, Cirque du

Soleil: Corteo,

Mildred-Harnack-

Str. 12

FR 28.10.

16:00 Mercedes-Benz

Arena, Cirque du

Soleil: Corteo, weitere

Vorstellung um:

20 Uhr, Mildred-

Harnack-Str. 12

SA 29.10.

16:00 Berliner Kriminal

Theater, Passagier

23, Umspannwerk

Ost Palisadenstr. 48

16:00 Mercedes-Benz

20:00 Galerie Studio

St. St., Show,

Kunst & Puffi-Puffi

Lounge, von & mit

Juwelia StSt, Sanderstr.

26

20:00 Ufa-Fabrik, Reis

Against The Spülmachine:

Radio Reis

- Die Hitwelle, Viktoriastr.

10/18/2016

23:59 BKA Theater,

Gisela Sommer &

Inge Borg: Die Bühnentrinkerinnen,

Mehringdamm 34

SO 30.10.

13:00 Mercedes-Benz

Arena, Cirque du

Soleil: Corteo,

weitere Vorstellung

um: 17 Uhr, Mildred-

Harnack-Str. 12

Party

SA 1.10.

17:30 KitKatClub Dragonroom

(Eingang

über U-Bahn-

Station Heinrich-

Heine-Str.), 131.

FickstutenMarkt,

Einlass Stuten:

17:30 bis 18:30 Uhr,

Einlass Hengste: 19

bis 20 Uhr, Köpenicker

Str. 76

MO 3.10.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ &

Show, Mühlenstraße

45, Direkt am Ostbahnhof


Termine 23

DO 6.10.

23:00 Suicide Circus,

Chantals House of

Shame, Super Disco,

Show, Entertainment,

Revaler Str. 99

SA 8.10.

19:30 SinBerlin, Die

polynormale Teegesellschaft,

Shows,

Talks und Kinks,

Nostitzstr. 48

SO 9.10.

22:00 Salon zur wilden

Renate, Closing

Tranarchy Party,

Drag-Tanzparty, Alt-

Stralau 70

22:02 Connection, Popular

- The Friday Club,

Pop, House, Remix-

Charts. Bis 6:06 Uhr,

Fuggerstraße 33

MO 10.10.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ &

Show, Mühlenstraße

45, Direkt am Ostbahnhof

MI 12.10.

22:00 SO36, Dancing with

Tears in your Eyes,

die 80er Party, Oranienstraße

190

DO 13.10.

23:00 Suicide Circus,

Chantals House of

Shame, Super Disco,

Show, Entertainment,

Revaler Str. 99

MO 17.10.

18:00 Spreewiesn Berlin,

Gaywiesn, Hüttengaudi,

Liveband, DJ &

Show, Mühlenstraße

45, Direkt am Ostbahnhof

DO 20.10.

19:00 Böse Buben,

FUCK-Club, Sex

im Dunkeln; DC: so

wenig wie möglich.

Bis 2 Uhr, Sachsendamm

76

23:00 Suicide Circus,

Chantals House of

Shame, Super Disco,

Show, Entertainment,

Revaler Str. 99

FR 21.10.

22:00 KitKat, HustlaBall

Berlin 2022 -

REBORN decadence,

Im U-Bhf. Heinrich-

Heine-Str.

SO 9.10.

22:02 Connection, Popular

- The Friday Club,

Pop, House, Remix-

Charts. Bis 6:06 Uhr,

Fuggerstraße 33

TOURNEE

Kim Wilde live

Diese Wilde kennt die ganze Welt! Die 1960 in London

geborene Musikerin ist dank Hits wie „You Came“,

„Kids in America“, „Love Is Holy“ oder auch „Cambodia“,

„Loved“ und „You Keep Me Hangin’ On“ seit den 1980ern

weltweit ein Begriff.

Jetzt ist sie im Oktober auf Tournee und plant, unter

anderem in Köln, Berlin, Hamburg, Rostock, Offenbach,

Stuttgart und Mannheim Konzerte zu geben. Genug

Material für einen kunterbunten Pop-Abend wird die

Sängerin haben, immerhin ist es eine „The Greatest

Hits“-Tour, #mensch kann sich also auf all die lieb

gewonnenen Gassenhauer freuen. *rä

www.reservix.de www.eventim.de, www.adticket.de,

www.kimwilde.com

DVD

VERLEIH

2

3

4

1

2

STADTPLAN2

11

2

3

1

STAY IN

CONTROL OF

YOUR SEX

LIFE.

3

3

4


24 KLUBWELT

INTERVIEW

FOTO: M. RÄDEL

DJ PADERKID:

„Vibe zwischen mir und dem Publikum“

Wir trafen den DJ schon bei „Chantals

House of Shame“, bei „Rose Kennedy“

und im SchwuZ, für das Interview erreichten

wir ihn tagsüber am Telefon.

Welche Musikarten legst du denn

bevorzugt auf?

Eighties, Nineties und Nuller! Meine Eltern

sind ja auch so Party Animals gewesen

und haben immer viel Musik auf ihren

Partys gespielt. Zudem hat mein Vater eine

beeindruckende Plattensammlung, und

so habe ich schon ganz früh angefangen,

seine Vinylplatten zu hören. Daher habe ich

auch ein gewisses Hintergrundwissen mitbekommen,

und dass ich vielleicht diese

Musikrichtungen besonders gerne mag.

Legst du denn auch mit Vinyl auf

oder mit MP3s?

Oh, nicht mit Vinyl. Meist mit einem Stick!

Und wo hast du schon aufgelegt in

Berlin?

Angefangen habe ich in der „Bar zum

schmutzigen Hobby“ als Resident-DJ, im

SchwuZ legte ich auch schon auf, im „Süss.

War gestern“ und bei den Veranstaltungen

von Nina Queer, etwa dem „Irrenhouse“.

Meinen ersten Gig nach der Corona-Krise

hatte ich aber tatsächlich nicht in Berlin,

sondern sehr spontan auf der „Spartacus

Gay Cruise“ Anfang des Jahres – es war ein

Fest!

Hast du denn besonders schöne

Erfahrungen an so eine DJ-Nacht?

Ich finde es immer ganz cool, wenn so

eine Energie zwischen dem DJ und dem

Publikum aufgebaut wird. Das sind dann

meine besten Nächte: Wenn es diesen

bestimmten Vibe zwischen mir und dem

Publikum gibt, dann kriege ich manchmal

sogar Gänsehaut!

Wie lange legst du eigentlich schon

auf?

In den Klubs erst seit kurz vor Corona,

2019 bis 2020?! In meiner Heimatstadt

Paderborn habe ich zuvor aber schon auf

privaten Partys aufgelegt. Daher stammt

übrigens auch mein DJ Name – Paderkid.

Ich habe ab 2008 in einem Kino gearbeitet

und dort die Hausmusik betreut, da hat

das so ein bisschen angefangen, dass ich

Lust auf mehr Musik hatte.

Gibt es eine(n) DJ(ane), die/der dich

besonders beeinflusst hat?

Nein, in den Nullern hörte man natürlich

die damals angesagten DJs wie die Disco

Boys, David Guetta, Tiësto oder Calvin

Harris … Aber die haben mich jetzt nicht so

persönlich beeinflusst.

Hast du aktuell ein Lieblingslied?

Ich war auch bei dem No-Angels-Konzert

und da war „Rivers of Joy“ ein Titel, den

ich wiederentdeckt habe für mich. Das

Publikum mag den Song auch, habe das

kürzlich erst erfolgreich getestet. „All

Good Things (Come to an End)“ von Nelly

Furtado und Quarterhead (Remix) höre ich

gerade sehr viel, aber auch neuere Lieder

des modernen Pop wie „Joan of Arc on the

Dancefloor“ von Aly & AJ.

Gibt es denn ein Stück, das du

immer am Ende des Sets spielst?

Also letztens habe ich „Alles hat ein Ende,

nur die Wurst hat zwei“ aufgelegt, dann

gingen die Leute noch mal ab und haben

mitgesungen, das war ganz unerwartet

und lustig. In der Regel gibt es so ein Lied

aber nicht, das traditionell von mir am

Ende gespielt wird.

*Interview: Michael Rädel

www.instagram.com/paderkid


PARTY

CHANTALs House of Shame

KLUBWELT 25

Jede Woche kann #mensch hier

dem discoiden Eskapismus frönen

und all den schlechten Nachrichten

(Dürre, Krieg, Stromkosten, Gas ...)

entkommen.

Bei Chantal trafen wir schon Dragqueen

Allucard und Queer-Aktivist

Fatal Flash (Bild), auch in den nächsten

Wochen wird hier viel los sein. Schon

seit 1999 lädt die – legendäre – Queer

donnerstags die LGBTIQ*-Community

dazu ein, mit ihr zu House- und

Pop-Beats zu feiern. Gespielt wird von

DJs alles, was tanzen lässt: „Nur nicht

ABBA“, so die gastgebende Diva. Gegen

2 Uhr morgens gibt es eine Show,

das kann Punk, Travestie oder auch

#Kunscht sein – auf jeden Fall immer

ein Hit und DER Hit am Folgetag auf

Social Media in den entsprechenden

Bubbles. *rä

Immer donnerstags: Chantals House

of Shame, Suicide Circus, Revaler Str.

99, S+U Warschauer Straße, 23 Uhr

FOTO: M. RÄDEL

KARSTEN JAHNKE PRÄSENTIERT

26 SEPTEMBER 2022

KÖLN

GLORIA

27 SEPTEMBER 2022

BERLIN

METROPOL

Tickets 030. 883 15 82 // www.bar-jeder-vernunft.de


26 KLUBWELT

HOUSE

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/

OLEH_SLOBODENIUK

Déepalma Records „IBIZA 2022

So richtig entspannen, das wollen

wir alle im Urlaub, im Leben. Das

bedeutet allerdings nicht, dass man auf

der faulen Haut liegt.

Entspannung lässt sich auch via Wandern,

Familie, Party-Nacht, Weingenuss

am Kamin oder Kompost umsetzen.

Hauptsache ist, du fühlst dich wohl und

genießt das, was du tust. Denn auch

die anstrengendsten Mitmenschen – es

muss nicht immer die Schwiegermutter

sein – stressen kaum, wenn man seine

innere Ruhe gefunden hat. Da kann

Achtsamkeit helfen, Religion und Liebe

auch. Und Musik, denn wie kaum etwas

anderes auf der Welt verhelfen Klänge

und Rhythmen, Melodien und Gesang

den allermeisten Lebewesen zu besserer

Stimmung. Zur stressfreien Entspannung.

Tiere, Pflanzen, alle mögen Musik. Das ist

übrigens auch wissenschaftlich belegt, und

auch im Selbstversuch im eigenen Umfeld

schwoften und zwitscherten die gefiederten

Mitbewohner lässig mit, wuchsen die

Zimmerpflanzen besser.

Da kommt jetzt diese Klasse Werkschau

„IBIZA 2022“ von Déepalma Records ins

Spiel: drei CDs voll entspannter Grooves,

sanfter Vocals, verträumter Pianos und

wabernder Synthesizer. Unsere Anspieltipps

sind Gypsymen Todd Terry mit seinem

„Babarabatiri (David Penn Remix)“, „A

Waiting Game (Martin Waslewski Remix)“

von Claptone feat. Nathan Nicholson, Yves

Murascas „All About Housemusic (Sebb

Junior Extended Remix)“, Milk & Sugar

feat. Roland Clarks „Celebrate (Extended

Mix)“ und Danilo De Santo mit „Bora Bora

(Extended Mix)“. *rä

deepalma.com

HOUSE

„MILK & SUGAR:

SUMMER SESSIONS 2022

Woo-hoo! Jocelyn Brown, Bob Sinclar, Gorge, Todd Terry, Martha Wash

und natürlich Milk & Sugar – die Werksammlung „Milk & Sugar: Summer

Sessions 2022“ vereint große Namen der House-affinen Musikszene.

Dreißig Lieder, die dank ausgeklügelter

Melodien, großer Stimmen und fetter

Bass Drums schnell beste Laune ins

Homeoffice, an den Strand, in die

Agentur oder natürlich auch auf den

Balkon zaubern. Die Compilation

verwebt brandneue Tracks mit einigen

Klassikern zu einem pulsierenden Mix

– 100 % Klubgefühl! Unsere Anspieltipps

sind Ella Romand feat. Emi Garth

„Insatiable (Dan.K Remix)“, Kölsch „All

That Matters (Monkey Safari Mix)“,

Bob Sinclar „Save Our Soul (Extended

Rework 2021)“, Mark Knight & Beverley

Knight (feat. London Community

Gospel) „Everything’s Gonna Be Alright

(Extended Mix)“ und Todd Terry &

Project89 feat. Martha Wash & Jocelyn

Brown „Keep on Jumpin’ (Project89

2017 Remix)“.

Beide Sängerinnen wirst du kennen,

etwa von den Hits von SNAP!, Black

Box oder auch The Weather Girls und

Incognito. „Milk & Sugar: Summer

Sessions 2022“ erscheint limitiert als

2CD und als Streaming-Ausgabe. *rä

www.milkandsugar.de


TECHNOHOUSE

„ELECTRONIC GENERATIONS“ von Carl Cox

KLUBWELT 27

Stress, Krieg in den Nachrichten,

Terz im Privaten und gesundheitliche

Probleme – das Leben kann fordernd

sein. Auch, um nicht dem Alltagsblues

zu verfallen, braucht der Mensch Musik.

Zumindest die meisten Erdbewohner.

Stimmen die Melodien, die Bass Drums

und die Gesänge, geht es meist wieder

bergauf. Ein Hoch auf alle Musiker!

FOTO: B. VELLA

Einer, der schon seit den 1970ern Musik

macht, ist DJ und Producer Carl Cox – und

der meldet sich nach längerer Albumpause

mit eben genau solch einem Werk zurück:

„ELECTRONIC GENERATIONS“.

„Ich fühle mich sehr glücklich, dass ich

die Gelegenheit habe, dieses Album zu

veröffentlichen. Als Live-Künstler und

DJ habe ich die Möglichkeit, auf der

ganzen Welt zu spielen und zu sehen,

wie die Menschen die gemeinsame

Erfahrung genießen, zusammen zu

sein und zu tanzen. Ich habe alle

Elemente, die ich beim Beobachten

dieser Menschenmengen gelernt habe,

zusammengeführt, meinen Sound

hinzugefügt und versucht, euch ein

echtes elektronisches Musikerlebnis zu

bieten.“

Egal ob Stücke von CAPPELLA, Moby

oder Jam & Spoon, wenn ihm ein Track

gefällt, remixt Carl Cox ihn. Und seine

Mixe sind immer große Klasse! Ja,

von der Geburt der Tanzmusikkultur

bis hin zu der globalen Kraft, die die

elektronische Musik heute darstellt – der

englische DJ und Producer Carl Cox (geboren

am 29.7.1962) war bei jedem Schritt

ein Innovator und Supporter an vorderster

Front. Im September erscheint sein erstes

Album seit zehn Jahren, voller Tracks, die

Lust machen, sofort zu tanzen, das Leben

zu genießen. Unsere Anspieltipps sind „Our

Time Will Come“, „Bring It Back“ und „See

the Sun Rising“. *rä

www.carlcox.com


28 Kultur

NACHGEFRAGT

SALOMÉ:

„Auseinandersetzung mit anderen Menschen“

FOTO: XAMAX

Der 1954 in Karlsruhe geborene

Künstler erlangte ab den 1980ern

international große Bekanntheit. Künstler

wie Henning von Berg, Joko Koma und

Romy Haag schätzen ihn und seine Kunst,

selbst Helmut Newton arbeitete mit ihm

zusammen. Wir telefonierten mit ihm

über seine Kunst und das Leben.

Woran hast du zuletzt gearbeitet?

An japanischen Bildern. Das waren

Eindrücke, die ich bei meinem letzten

Japanbesuch gesammelt habe, die ich

verarbeite. Ich habe auf Stoffe, die ich dort

gefunden habe, japanische Ikonen gemalt.

Etwa den Fugu-Fisch, den Kaiserpalast

… Ganz zuletzt habe ich an Seerosen auf

Blattgold gearbeitet.

Klingt nach teuren Materialien.

Es war Schlaggold, dann ist das nicht so

teuer. (grinst)

Was inspiriert dich am meisten?

Natürlich der Mensch, als Zweites die Natur,

als Drittes andere Kulturen, wenn man es so

breit sagen möchte.

Du warst auch als Performance-

Künstler*in sehr erfolgreich. Hast du

dir auch von anderen Kulturen etwas

angeeignet?

Ja, natürlich, das passiert ja zwangsläufig,

weil man sich mit dieser Kultur auseinandersetzt

und sie auch dem Betrachter

näherbringen will. 1981 bin ich zum Beispiel

auf die Kultur der Sumo-Ringer gestoßen,

die war hier noch relativ unbekannt. Es

faszinierte mich, dass diese überfülligen

Männer einen wahnsinnig eleganten und

schnellen Sport betreiben.

Kulturelle Aneignung steht heute in

der Kritik.

Das finde ich merkwürdig. Es geht in der

Welt doch immer um die Auseinandersetzung

mit anderen Menschen. Man setzt es

in die eigene Realität um, da sehe ich keine

kulturelle Aneignung.

Welche Kunstform ist dir die liebste?

Malen! Man ist mit sich selbst beschäftigt

und kann in seine ganz eigene Welt

abtauchen, die ein Außenstehender gar

nicht mitbekommen muss. Man ist mit sich

selbst beschäftigt. Bei Performance ist es

immer auch theatralisch, es hat etwas mit

Auftreten zu tun, mit der Vermittlung von

Bildern.

Du hast einmal den von dir verspürten

Jugendwahn in der Community

thematisiert.

Nun, das ist so: Es ist kein neues Phänomen,

das gab es schon immer. Auch als älterer

Schwuler muss einem bewusst sein, dass

die Zeit der sexuellen Attraktion vorbei ist.

Wenn man jung ist, interessiert das einen

nicht, das wächst mit der Zeit. Das geht

jeder schwulen Generation so: Irgendwann

bist du eben draußen.

Haben die Schwulen mit der Daddy-

Community nicht etwas Inklusives am

Start?

Hm, wenn man auf jung steht, kann das

klappen. Aber wenn man auf Gleichaltrige

steht, wird es schwieriger, einen attraktiven

Mann zu finden.

Was würdest du den heutigen Aktivisten,

die oft vor allem im Internet

wirken, gerne mit auf den Weg geben?

Gemeinsame Ziele wie die Ehe für alle, auch

die Adoption und das Personenstandsrecht

sowie die Gleichstellung in der Gesellschaft:

Dahinter sollten alle stehen. Das sind die

großen gemeinsamen Ziele. Aber sonst muss

jeder wissen, was ihm wichtig ist, wofür er

kämpfen will.

Hast Du es je bereut, nach Berlin

gezogen zu sein?

Gar nicht. Karlsruhe war eine furchtbar

spießige Beamtenstadt in den 70ern. Für

mich war mein Schwulsein allerdings nicht

der Grund, nach Berlin zu gehen, sondern

weil ich Kunst studieren wollte. Hier habe

ich meinen Weg gefunden und habe mein

Kunststudium unter nicht unanstrengenden

Umständen abgeschlossen. Ich hatte das

Glück, dass ich danach schnell international

bekannt wurde.

*Interview: Michael Rädel

salomeberlin.de


KONZERT

INFERNO in der

Philharmonie

Am 20. Oktober laden Burak Özdemir & Musica

Sequenza in die Berliner Philharmonie ein, um

mit „INFERNO – Eine Hommage an Dante“ zu

begeistern.

„Der Geist und die Sinnlichkeit, die wir in dieser

Musik hören, berühren unsere Herzen, ohne zu

altern. Es enthält etwas Wildes, Rohes und Zeitloses

unserer Natur“, so der türkischstämmige

queere Künstler Komponist, Fagottist, Choreograf

und Regisseur Burak

Özdemir. Es sei „ein

abenteuerliches

Konzertprogramm

italienischer

Renaissance- und

Frühbarockmusik,

von Dante Alighieri

inspiriert“. Los geht

es im Kammersaal

der Philharmonie um

20 Uhr. *rä

20.10., INFERNO, Philharmonie, Kammersaal,

Herbert-von-Karajan-Straße 1, S+U Potsdamer

Platz, 20 Uhr

FOTO: S. SCHWARZENBERGER

THEATER SCHWEDT

Ein Käfig voller

Narren

„Bienvenue, herzlich willkommen

im La Cage aux Folles – dem

Stolz von St. Tropez!“ Die Filme

über das Etablissement sind Kult,

der Hit von Gloria Gaynor „I Am

What I Am“ daraus auch. Und

jetzt kann man die Geschichte

als Musical neu erleben.

Zur Geschichte: In dem weltberühmten

Varieté, in dem nichts

und niemand ist, was der erste

Blick vermuten lässt, ist Zaza der

strahlende Star. Allerdings muss

sie Abend für Abend angefleht

werden, die Bühne zu betreten.

Sie – oder doch besser: ihr

männliches Alter Ego Albin – lebt

seit vielen Jahren mit Georges,

dem Chef des La Cage, in eheähnlicher

Gemeinschaft. Georges

erträgt Zazas Eskapaden deshalb

mit liebendem Langmut. Als

der von beiden aufgezogene

Kultur 29

Jean-Michel seinen Eltern

eröffnet, dass er ausgerechnet

die Tochter des erzkonservativen

Politikers Dindon heiraten und

den zukünftigen Schwiegereltern

deshalb eine „normale“ Familie

vorspielen will, erreicht das

allabendliche emotionsgeladene

Chaos allerdings neue Qualitäten

… Ab dem 1. Oktober im Theater

Schwedt.

theater-schwedt.de

25 JAHRE

ROBBIE WILLIAMS

XXV DAS NEUE ALBUM

AB DEM 9. SEPTEMBER

ÜBERALL ERHÄLTLICH!


30 Kultur

FOTO: FIVE SENSE REELING

TRAVESTIE

PUNK BITCH of Drag

Danny Noriega, besser bekannt als Adore

Delano, kommt 2022 erstmals für eine

Headline-Tournee nach Köln und Berlin.

Nachdem Noriega seine Stimmgewalt in

Staffel 6 und 7 von „American Idol“ unter

Beweis gestellt hatte, präsentierte er seine

Dragfigur Adore Delano in der Emmyprämierten

US-Castingshow „RuPaul’s

Drag Race“ und schaffte es dort in die

Top 3. Delano setzt ihre eigene, von der

Rock- und Grunge-Szene beeinflusste

Vorstellung in ihren Looks und

Performances durch – mit Erfolg.

Sie schaffte es ins Finale der Show. Zwei

Jahre später kehrte Delano für die Teilnahme

an „RuPaul’s Drag Race All Stars 2“ auf die

Bildflächen zurück und tourt fortan mit ihren

Musik- und Drag-Performances durch die

ganze Welt. Zahlreiche Produktionen und

Shows haben aus dem einstigen Punkgirl

aus Azusa/Texas ein Showgirl der Extraklasse

gemacht, das es nicht zu verpassen gilt. Am

26.9. in Köln, am 27.9. in Berlin live zu erleben.

Adore Delano, „Party Your World“, 040

4132260, www.kj.de, tickets@kj.de,

www.adoredelanolive.com

BAR JEDER VERNUNFT

„Die Bettwurst“ als Musical

Als ich irgendwann in den 1990ern

den Film zum ersten Mal sah, war ich

(noch Teenager) etwas überfordert:

Ist das lustig, tragisch, ernst gemeint

oder ein Spaß? Inzwischen weiß ich es

besser: Es ist Kunst voller liebevoller

Momente, die der Gesellschaft und

Beziehungen allgemein den Spiegel

vorhalten. Und ja, auch ist „Die Bettwurst“

einfach lustig.

Regisseur Rosa von Praunheim schuf

„Die Bettwurst“ 1971. Damals lief die

knallbunte Produktion im ZDF und

sorgte für viel Wirbel, weil es eben kein

normaler Film ist. Schon der Name

des Streifens: eine Nackenrolle, die

eine ältere Dame, Luzi, gespielt von

Luzi Kryn (1919 – 2000, die Nichte

des Großvaters väterlicherseits von

Rosa von Praunheim, also seine

Tante ersten Grades) ihrem jüngeren

Liebsten Dietmar (1941 – 1976)

schenkt. Der sehr, sehr queer ist. Und

die ganze Handlung überhaupt! Liebe,

Liebesschwüre, eine Entführung und

Drama in einem deutschen Haushalt

der Mittelschicht, der sich bemüht,

„alles richtig zu machen“ und spießbürgerlich

perfekt zu sein.

Diese mitunter urkomische

Geschichte wird nun als Musical auf

die Bühne gebracht, ganz passend in

der Bar jeder Vernunft. Regie führt der

Meister Rosa von Praunheim selbst,

als Luzi erleben wir Anna Mateur und

als Dietmar Heiner Bomhard. Die

Voraufführung ist am 7. September,

regulär legen die Verliebten dann vom

8. September bis zum 2. Oktober in

der Schaperstraße 24 los. *rä

www.bar-jeder-vernunft.de

Bild: Anna Mateur

FOTOGRAFIE

Queere Lebensfreude

Magnus Hastings’ Bilder zeigen

Lebensfreude und Queerness und

sorgen für Sichtbarkeit der LGBTIQ*-

Szene. Der englische Fotograf, der

in London aufwuchs, ist ein Meister

seines Fachs und sorgt mit seiner

Kunst dafür, dass unser aller Leben

etwas schöner wird.

Besonders Dragqueens inspirieren

den Künstler, da ist es kaum verwunderlich,

dass er auch schon ein Buch

zum bunten Thema veröffentlichte:

„Why Drag?“ Ende 2020 erschien

sein Buch „Rainbow Revolution“

mit Bildern von unter anderem Boy

George, Nico Tortorella und Bethany

Meyers. Ein Buch, das zeigt, wie vielfältig

unsere weltweite Community

ist! Aktuell lebt der Künstler, Fotograf,

Autor und Aktivist in Hollywood, seine

Bilder erfreuen aber weltweit. Wir sind

Fans – und auch Elton John, Bianca

Del Rio, Courtney Act und die Sterne

von „RuPaul’s Drag Race“. *rä

magnushastings.com, www.instagram.com/magnushastings,

www.facebook.com/

DraggedAroundTheWorld


Kultur 31

Wir gratulieren! Das Museum für

Kommunikation Berlin feiert im

Hochsommer seinen Geburtstag. 1872

unterzeichnete Generalpostdirektor Heinrich

Stephan die Gründungsurkunde für

das heutige Museum, das Ziel ist damals

wie heute dasselbe: globale Kommunikationsgeschichte

erfahrbar zu machen.

150 Jahre, zwei Weltkriege, die Weimarer

Republik, die Lebenslust der 1920er,

JUBILÄUM

150-jähriges Bestehen

die Gräueltaten der Nazis, die Wiedervereinigung,

Influencer und Discowelle:

Es ist viel passiert, seitdem am 24.

August 1872 die Gründungsurkunde

einen Ort der Kunst manifestierte, als

Ort zur Postgeschichte, der sich mit

der kulturhistorischen Bedeutung und

den technischen Errungenschaften

von Schrifttum, Nachrichtenwesen und

Verkehrswesen auseinandersetzen soll.

Wichtiges, Nerviges und Schönes, Trauriges

und Wildes, alles teilen wir Menschen auf

verschiedenen Kommunikationswegen. All

das wird hier erfahrbar gemacht.

Via E-Mail verrät das Museum Genaues:

„Sein 150-jähriges Bestehen feiert das

Museum für Kommunikation Berlin

im August mit einem Jubiläumsprogramm:

Von Highlight-Führungen über

das Social-Media-Projekt #SagtHeinrich,

eine Google Arts & Culture-Ausstellung

und die Lange Nacht der Museen bis

hin zur Sonderpublikation – in zahlreichen

Aktionen wird die Geschichte der Museumssammlung

lebendig. Darüber hinaus

präsentiert eine Kabinettausstellung vom

28. Juli bis zum 30. Oktober 2022 herausragende

Objekte, Möbel und Modelle aus

der Gründungszeit des Hauses. Diese widmet

sich auch dem Museumsgründer und

zeigt unter anderem erstmals den Entwurf

einer Heinrich-von-Stephan-Statue, die im

Original ab 1899 im Lichthof des Museums

stand und heute nicht mehr existiert. Auf

einer Jubiläums-QR-Code-Tour durch

die Dauerausstellung können die

Besucher*innen außerdem 27 Highlight-

Objekte der Sammlung entdecken – darunter

das Bell-Telefon, die Blaue Mauritius

und der Kultwagen von Peckatel.“ *rä

www.mfk-berlin.de


32 Kultur

GESCHICHTE

Der kurze Sommer

des schwulen

Kommunismus

Mitten unter den anschwellenden

„Wir sind ein Volk“- und „Deutschland,

Deutschland“-Rufen, die die Straßen der Hauptstadt

der DDR beschallen, besetzen am Abend

des 1. Mai 1990 Kreuzberger Tunten die Mainzer

Straße 4 in Ostberlin. Schnell wächst das Tuntenhaus

Forellenhof um Ostberliner Tunten sowie

Tunten aus aller Welt und entwickelt sich zur

antipatriarchalen Großkommune voller Träume,

Utopien und konkreter Projekte im Kiez.

Räumung des Tuntenhauses, Hinterhof,14. November 1990

Ein gemeinsames Spielplatzprojekt mit

den alteingesessenen Nachbar*innen,

das Max-Hoelz-Antiquariat für DDR-

Literatur und die Nachtbar Forelle

Blau finden alle ihren Platz im und um

das besetzte Haus herum. Ein jähes Ende

nimmt der kurze Sommer des schwulen

Kommunismus nach einer dreitägigen

Straßenschlacht mit der Polizei und

der darauf folgenden Räumung am 14.

November 1990.

Die Ausstellung „Tuntenhaus Forellenhof

1990“ porträtiert das Tuntenhaus als

Ort des kollektiven Alltags im Spagat

zwischen Einkauf, Kochen, Abwasch und

der Verteidigung der Häuser gegen Nazis

sowie rauschenden Festen und politischen

FOTO: UMBRUCH BILDARCHIV

Aktionen. Sie verschweigt aber auch

nicht die internen Auseinandersetzungen

zwischen Ost- und West-Berliner Tunten,

Autonomen, schwulenbewegten Studis

und den Nachbar*innen des Frauen-/

Lesbenhauses. Im Zentrum der Ausstellung

reinszeniert die Bühnenbildnerin

Bri Schlögel einen wichtigen Ort dieser

Besetzung: das Esszimmer des Tuntenhauses

– inklusive zeitgetreuer Details

wie angebrochenem Drehtabak (BRD)

und filterlosen KARO‐Zigaretten (DDR),

Originalexemplaren der damaligen Besetzerzeitung

und ein stumm für das nächste

Plenum werbender Gips-Lenin an der

Wand. Die Ausstellung versammelt

Stimmen, Anekdoten und Relikte, die

seit 2020 aus Deutschland, der Schweiz,

dem Vereinigten Königreich und den USA

zusammengetragen wurden. Beiträge von

Juliet Bashore, Ronald M. Schernikau, Katrin

Rothe, Guy Parente, Ingo Hasselbach,

Wolfgang Tillmans, Hajo Beer sowie Helga

Krenz und anderen laden zum Betrachten,

Zuhören und Anfassen ein.

Bis 31.10., Tuntenhaus Forellenhof

1990: Der kurze Sommer des schwulen

Kommunismus, Schwules Museum,

Lützowstr. 73

IRON

CURTAIN

MAN

EINE LETZTE SHOW

FÜR DEAN REED

DEN „ELVIS DER DDR“

AB 18.08.22

NEUKOELLNEROPER.DE


TV

OUTtv jetzt Magenta!

Nein, das Programm des europäischen queeren TV-Senders OUTtv wird nicht

von bunt auf nur noch monochromatisch umgestellt. Im Gegenteil: In Kooperation

mit der blu Mediengruppe dürfte es noch vielfältiger werden. Was aber so

richtig ins Gewicht fällt: OUTtv ist jetzt über MagentaTV auf Kanal 68 empfangbar.

über MagentaTV. Das Angebot wird

stetig in den kommenden Jahren für

das Publikum erweitert, um ein vollumfassendes

Inhaltserlebnis bieten

zu können. OUTtv hat eine ganze

Reihe neuer LGBTQI+ Filme, Serien

und Dokumentationen im Angebot,

die man gesehen haben muss.“,

Gründer und CEO Marc Putman

Der Verleger der blu Mediengruppe, Olaf

Alp, wies in diesem Zusammenhang auf

die Wichtigkeit einer eigenständigen

LGBT+ Medienstruktur hin.

Seit dem 1. Juli 2022 ist der europäische

Fernsehsender OUTtv bei MagentaTV,

dem IPTV-Dienst der Deutschen

Telekom, auf Kanal 68 empfangbar.

Mit einer Reichweite von mehr als 5

Millionen deutschen Haushalten ist

OUTtv der erste Lifestyle-TV-Sender

für die LGBTQI*-Community und für

alle Aufgeschlossenen. Das Programm

umfasst eine große Auswahl an queeren

Arthouse-Filmen, Dokumentarfilmen,

Serien und eigenen OUTtv-Originals.

„Ich bin überglücklich und stolz,

dass OUTtv seinen LGBTQI*-„Ich bin

überglücklich und stolz, dass OUTtv

seinen LGBTQI*-Fernsehkanal bei

der Deutschen Telekom startet! Nach

jahrelangem Wunsch der deutschen

OUTtv-Zuschauer und -Fans wird

unser queeres Lifestyle-Programm

nun dauerhaft ein fester und

bunter Bestandteil der deutschen

Medienlandschaft werden. Erreichbar

für mehr als 4 Millionen Haushalten

„Social Media Plattformen üben regelmäßig

Zensur an queeren Inhalten,

während Mainstream Medien sich nur

punktuell für unsere Themen interessieren.

Eine unabhängige Präsenz

auf allen Medienkanälen ist daher

unerläßlich für die Meinungsbildung in

unserer Community.“

Auf OUTtv erwarten euch so denn auch

Highlights wie „Olly Alexander – Growing

Up Gay“, „Veneno“, „Where The Bears

Are“ und „OUT“, Serien wie „Krista’s Road

to Eurovision“, „The Niki Today Tonight

Show“, „Drag Race Thailand“, „Woke“,

„RuPaul’s Gay for Play“, „ Pornstar Pandemic“

und „My Life is a Telenovela“ sowie

„Shade Queens of NYC“. Auch Klassiker

des jungen queren Kinos wie „Mario“ oder

„Wo willst du hin, Habibi?“ sind abrufbar.

Übrigens: Wer kein MagentaTV hat, kann

OUTtv bereits über NetCologne und den

Prime Video Channel empfangen oder

OUTtvs eigenen On-Demand-Service

„OUTtv Pro“ abonnieren. Letzteres

Angebot ist inzwischen die größte

queere Content-Bibliothek im deutschsprachigen

Europa. Zapp mal rein! *ck/rä

www.out.tv


34 Kultur

FESTIVAL

queerfilmfestival

im Spätsommer

Schwul, queer, sexy: Es ist einer

der Höhepunkte des Jahres für

alle Filmfans, das queerfilmfestival,

das vom 8. bis 14. September queere

Filmkunst zeigen wird.

„Wir freuen uns schon sehr, mit Euch

diesmal eine ganze Woche wieder die

besten neuen nicht-heteronormativen

Filme des Jahres zu feiern!“, so das Team

des Filmfestivals online mit berechtigter

Vorfreude. Und auch wir sind begeistert!

Eröffnet wird das queerfilmfestival mit

François Ozons schwuler Verneigung

vor Rainer Werner Fassbinder: „Peter von

Kant“, mehr zum Film hinten auf unseren

FILM-Seiten. Weitere Highlights sind

Mohammad Shawky Hassan in „Soll ich

dich einem Sommertag vergleichen?“

und das Coming-of-Age-Drama „Mein

erster Sommer“.

Besonders gefallen hat uns auch Adam

Kalderons „Der Schwimmer“ (Bild), ein

(sexy!) Film über einen Schwimmer, Erez,

der sich zwischen der Liebe und seinem

sportlichen Lebenstraum Olympia

entscheiden muss. Ein schwules und

hochsommerlich-schwüles Sportdrama

mit jeder Menge Haut, Speedos und

trainierten Sportlern. Der Film läuft in

Berlin am 9. September in Anwesenheit

von Regisseur Adam Kalderon beim

queerfilmfestival im Kino Delphi Lux.

Und am 21. September erneut im

Rahmen der queerfilmnacht, ebenfalls

im Delphi Lux. *rä

8. – 14.9., queerfilmfestival 2022,

Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt

am Main, Fürstenwalde, Halle

(Saale), Köln, Leipzig, Magdeburg,

München, Nürnberg, Stuttgart und

Wien, www.queerfilmfestival.net

FOTO: „DER SCHWIMMER“, INGENUE PRODUCTIONS

NEUKÖLLNER OPER

Der Rote Elvis

Wie für viele Musiker und Stars war auch für

Dean Reed die große Bühne die eigentliche

Heimat. In der Neuköllner Oper wird Dean

nach Hause auf die Bühne geholt. In einer

fantastischen Totenreise stellt sich der Sänger

den Stationen seines Lebens und trifft

Weggefährten und Feinde. Man verfolgt den

Weg des Mannes, der in Denver, Colorado

aufbrach, um den Ostblock zu rocken.

Was war da los: Ein singender Cowboy

landet in der Hauptstadt der DDR und reitet

lassoschwingend durch „Ein Kessel Buntes“?

Dean Reed, geboren in Denver, Colorado

wollte die Stimme der Unterdrückten sein. In

Lateinamerika ein Star, kam er auf Umwegen

über Spanien, Italien und die UdSSR in die

DDR, wo er in den 70ern dem Sozialismus

den Hüftschwung lehrte. Der „Rote Elvis“

erlebte hinter dem Eisernen Vorhang eine

beispiellose Karriere, er war DER Amerikaner

des Ostblocks. Doch mit Glasnost und

Perestroika begann sein Stern zu sinken, und

auch in seiner Heimat wurde er bei einem

Comeback-Versuch verhöhnt. Im Jahr 1986

schließlich nahm sich der Musiker unter bis

heute mysteriösen Umständen das Leben.

Iron Curtain Man, Neuköllner Oper,

www.neukoellneroper.de

FOTO: MIZAFO

AUSSTELLUNG

UNZUCHT –

Andreas Fux + Slava Mogutin

FOTO: LAURENT PELLISSIER

Am 8. September kannst du im Village Community Center bei der elften Ausgabe

der „instinct“ ab 18 Uhr Kunst jenseits des Mainstreams erleben. Queer, schwul und

provokant. Kuratiert von Queer-Aktivist und Fotograf Slava Mogutin zeigen hier im

Village Community Center Künstler*innen wie Johnny Abbate, Flavius Augustin,

Andreas Fux, Homografía, Mathieu & Leolo, Aaron Moth, Laurent Pellissier und Yvelizra

ihren kreativen Output. Die Ausstellung „UNZUCHT – instinct #11“ ist kompromisslos

und direkt, so muss das auch sein. *rä

www.instinct.berlin


Kunstmuseum

Wolfsburg

Empowerment

10. 9. 2022

— 8. 1. 2023

Mit großzügiger Förderung durch Mit Unterstützung von Medienpartner

Laetitia Ky, pow’hair (Teilansicht), 2022, © Laetitia Ky, Courtesy the artist


MUSIK

NACHGEFRAGT

ROBBIE

WILLIAMS:

„Ich konkurriere mit Gleichaltrigen …“

Mit Nacktheit hat der 48-Jährige offenbar kein Problem. Auch auf dem Cover seines Albums „XXV“, mit dem er

jetzt seine 25-jährige Solokarriere zelebriert, zeigt er sich unbekleidet. Während er für das Foto abgelegt hat,

kommen seine Songs nun in einem anderen Gewand daher. Deutlich aufwendiger produziert. Der Sänger hat

Klassiker wie „Let Me Entertain You“ oder „She's the One“ und selbstverständlich seinen kommerziell erfolgreichsten

Hit „Angels“ mit dem niederländischen Metropole Orkest neu eingespielt. Mit herrlich schwelgerischer

Opulenz. Allerdings waren die Musiker überhaupt nicht gemeinsam im Studio. Während der Pandemie, erzählt

Robbie Williams, sei er in Los Angeles gewesen, das Orchester habe sich dagegen in Holland aufgehalten:

„Es wäre sehr teuer geworden, alle einfliegen zu lassen.“

Zum Glück kann man dank moderner

Technik auch aus der Ferne

ziemlich gut zusammenarbeiten.

Mit dem Ergebnis ist Robbie

Williams nun mehr als zufrieden.

Vor allem mit seinem ganz

persönlichen Lieblingssong „Feel“,

den erwartungsgemäß nach dem

altvertrauten Klavier-Intro Streicher

veredeln. Auch in dieser Version

treffen einen Sätze wie „Scare

myself to death“ oder „I don't

wanna die / but I ain't keen on living

either“ immer noch mitten ins Herz.

Wenn man danach in dem neuen

Stück „Lost“ die erste Zeile „I wake

up, terrifying myself again“ hört,

klingt das beinahe wie eine „Feel“-

Fortsetzung. Mit dieser Feststellung

ist der vierfache Familienvater

durchaus einverstanden. „Lost“, urteilt

er, mute wie eine altmodische Robbie-

Williams-Nummer an: „Die emotionalen

Akkorde beschwören geradezu eine Introspektive

der dunkelsten Momente herauf.“

Sich dann vor sich selber zu erschrecken

und aus dem seelischen Gleichgewicht zu

geraten, diese Situation ist dem Musiker

nur allzu vertraut: „Wenn ich nicht gerade

mit meiner Familie zusammen bin oder

mit jener Handvoll Menschen, in deren

Gegenwart ich mich am wohlsten fühle,

überwältigen mich meine Gedanken oft.

Einfach weil ich einen sehr geschäftigen

Geist habe.“

Um das zu kompensieren, griff Robbie

Williams früher regelmäßig zu Drogen

und Alkohol: „Als ich total verloren war,

habe ich mich selber medikamentiert.“

Inzwischen ist er clean, seit mehr als 20

Jahren. Seine Familie ist das, was ihn erdet:

„Ich bin natürlich für sie verantwortlich.“

Gleichwohl haben sich seine Probleme

keineswegs in Luft aufgelöst. Als Robbie

Williams kürzlich bei einer Awareness-

Veranstaltung in St. Tropez vor 500

geladenen Gästen eine Rede hielt, erzählte

er von seinen Depressionen, von seiner

ADHS-Störung, von seiner Legasthenie,

von seinen Zwangsvorstellungen. Er soll

sich als Alkoholiker geoutet haben, als

Süchtiger. Spricht man ihn auf diesen

Abend an und erkundigt sich, ob er mutig

für psychisch Kranke in die Bresche

gesprungen sei, dann gibt er sich erstaunlich

bescheiden: „Ich habe einfach den

Drang, das auszusprechen, was mir durch

den Kopf geht. Falls ich damit anderen

helfen kann – wunderbar!“

So lässig diese Sätze klingen mögen: Das

gesamte Szenario dürfte Robbie

Williams einiges abverlangt haben.

In seiner Ansprache offenbarte

er nämlich ebenfalls, dass er die

Tendenz habe, sich zu isolieren.

Wie schafft er es dennoch, bei

seinen Konzerten vor Tausenden

oder sogar Zehntausenden

aufzutreten? „Ich habe in diesem

Moment die Verantwortung, viele

Menschen gut zu unterhalten“,

erklärt er. „Diese Verantwortung

nehme ich sehr ernst. Unabhängig

davon, wie es mir gerade geht.“

Schließlich ist Robbie Williams

nach wie vor ehrgeizig. Sein Ziel ist

es, mit seinen Alben weiterhin an

der Spitze der Charts zu stehen. In

möglichst vielen Ländern: „Ich will

unbedingt relevant bleiben.“ Allerdings

steht die nächste Generation bereits

in den Startlöchern, etwa mit Harry Styles.

Mit ihm könne man nicht konkurrieren,

stellt Robbie Williams sofort klar: „Ich

konkurriere mit Gleichaltrigen oder mit

Musikern, die noch älter sind.“ Obgleich

ihn Harry Styles nicht zwingend an

den jungen Robbie erinnert, lobt

er seinen Landsmann in den

höchsten Tönen: „Ich kann bloß

Positives über Harry sagen. Er

ist charismatisch und sieht

wirklich gut aus. Seine Songs

sind großartig, zudem ist er

ein toller Performer.“

Ähnliches denken gewiss

unzählige Leute nach

wie vor über Robbie

Williams. Kein Wunder,

dass er keinen

FOTO: LEO BARON


MUSIK

Gedanken daran verschwendet, etwas kürzer zu

treten, wenn er in zwei Jahren 50 wird: „Ich frage

mich: Was bedeutet dieser Geburtstag eigentlich?“

Eine Antwort hat er nicht parat, jedenfalls noch

nicht. Fest steht lediglich: Robbie Williams will

weiterhin vorwärtsgehen, möglicherweise sogar mit

Take That: „Gegenwärtig zeichnet sich zwar nichts

Konkretes am Horizont ab. Sofern Gott es will und

meine Gesundheit es zulässt, würde ich aber gern

wieder etwas mit Take That machen.“

Zuvor hat sich Robbie Williams hingegen erst einmal

mit einer Künstlichen Intelligenz zusammengetan.

Mit Hilfe der KI, mit der 2021 Beethovens 10.

Sinfonie vollendet wurde, entstand eine neue

„Angels“-Version. Dieses Projekt, erläutert Robbie

Williams, sei an ihn herangetragen worden. Von

der Telekom: „Ich fand die Idee aufregend und

gut.“ Das Ergebnis kann sich durchaus hören

lassen. Im Intro vereinigt sich das Klavier mit

einer Geige, danach erst setzt der Gesang

ein. Zwischendurch bleibt abermals Raum für

eine reine Instrumentalpassage. Insgesamt

rückt das Stück jedoch eher den typischen

Robbie-Williams-Sound in den Vordergrund,

nicht so sehr Beethoven par excellence.

Stimmig ist es trotzdem. Könnte das Robbie

Williams animieren, zukünftig häufiger auf

eine KI zu setzen? „Wenn sie mir meinen Job

erleichtert, ja.“

*Interview: Dagmar Leischow

„Ich habe einfach

den Drang, das

auszusprechen,

was mir durch den

Kopf geht. Falls

ich damit anderen

helfen kann

– wunderbar!“


MUSIK

NACHGEFRAGT

SARAJANE

Nippel, Bauchrollen

und Selbstliebe

FOTO: @LEAHBEE.PHOTOGRAPHY

Wenn man gerade noch auf dem

Berliner-CSD durch die Straßen

tanzte, dann erregen Nippel, egal welchen

Geschlechts und Aussehens, wenig Aufmerksamkeit.

Jeder hat sie und sie sind

überall. Deswegen muss man sich, wenn

man das Cover vom neuen Album von

Sarajane betrachtet, daran erinnern, dass

der Rest der Welt mit Brustwarzen Probleme

haben kann: Denn sie stillt auf diesem

Bild ihr Baby und eine Brust ist zu sehen.

„Meine Nippel waren 35 Jahre lang

arbeitslos und es war eine schöne Zeit.

Doch dann kommt ein Kind daher und

hat Hunger – und dafür sind die Dinger ja

letztlich gemacht!“, lacht Sarajane. Das

Foto war nicht einmal so geplant. „Wir

hatten das Shooting bei uns zu Hause.

Mittendrin wacht das Baby auf und will

Nahrung. Dann sitze ich halt da, mit der

Brust draußen. Und die Fotografin hat

weitergearbeitet …“

Natürlich zirkulieren Varianten des Covers

– in den Vereinigen Staaten zum Beispiel

gibt es keine sichtbare Brustwarze. Auch

Instagram ist gespalten. Einerseits ist „laut

den Guidelines aktives Stillen erlaubt“,

weshalb sie das Cover im Feed posten

konnte. „Doch die Storys mit Links, die auf

das Album verweisen, werden gelöscht.“

Da ist ein Algorithmus wohl überfordert.

Doch abgesehen von solch Stolpersteinen

war das Feedback extrem positiv. „Ich

hatte mit mehr Gegenwind gerechnet.“

Vielleicht ist die Reaktion auch deswegen

so gut, weil „Milk & Money“ eine Freude

zu hören ist. Die Lieder sind extrem bunt

geworden und reichen von Reggaeton

zur hymnischen Ballade, von Pop bis zu

House-Beats. Auch inhaltlich ist es wunderbar

vielfältig. Zum Beispiel „Some More

Coffee“, dass unseren

Lieblingskick feiert

oder das Titelstück,

in dem Sarajane mit

Verve und Druck die

Realität zwischen

Business und Mutterschaft

eher zelebriert

als kritisiert. Und auch

„FUPA“, über das „fat

upper public area“, auf

Deutsch vielleicht am

besten als Bauchrolle

beschrieben, ein Lied

über den positiven Umgang mit dem

Körper und seinen Mängeln. Aber kann

ein Song wirklich helfen, wenn man mit

seinem Selbstbild hadert? „Spannende

Frage. Wenn ein Song dir sagt, du bist toll,

während du selbst denkst, nein, bin ich

nicht – dann kann das nicht klappen. Ich

habe auch verschiedene Körpergrößen

gehabt, keine Riesenschwankungen, mal

mehr, mal weniger – doch was immer blieb,

ist dieser Wulst unter dem Bauchnabel.“

Selbst auf einem Kindheitsfoto von ihr

war kein Gramm Fett zu sehen und doch

gab es diese kleine Bauchrolle. „Vielleicht

gehört die ja einfach zu mir?“ Letztlich

muss jeder seinen eigenen, perfekten

Körper finden. „Sei wer du bist und das

ist okay. Egal, ob diese FUPA bleibt oder

nur zu Gast ist. Du musst dich nicht

verstecken!“ Oder deswegen bestimmte

Klamotten tragen,

was auch Sarajane

gemacht hat, weil sie

meinte, sonst sieht mal

ja ihren Unterbauch.

„Aber dann sieht man

ihn halt!“, bekräftigt sie

jetzt selbstbewusst.

„Ich finde es so cool

und kenne es nur von

schwulen Männern,

dass alle Körpertypen

akzeptiert werden: Es

gibt Bears und es gibt

viele Haare oder keine, größer oder kleiner,

dicker, dünner – alle sind okay, wie sie sind.

Jemand macht eine Schublade auf und

entdeckt darin genau den Typ, den er geil

findet. Das bekommen Heten irgendwie

nicht so hin. Da sind wir ein bisschen

armselig.“ Dabei gibt es auch bei Heteros

alles in allen Formen, auch „kleine Dicke die

von großen Schlanken abgöttisch geliebt

werden und umgekehrt. Und doch haben

es schwule Männer besser raus – es klingt

bei ihnen immer liebevoller.“ *fis


MUSIK

AURA DIONE:

„Toleranz und Empathie“

NACHGEFRAGT

2017 erschien Aura Diones dritter

Langspieler „Can't Steel the Music“.

Ihre vierte Platte, ein Best-of-Album

namens „Life of a Rainbow“, ließ also fünf

Jahre auf sich warten. Geschuldet sei das

zum einen der Pandemie, räumt die Dänin

im Video-Interview ein. Zum anderen ihrem

Hang zum Perfektionismus: „Ich habe den

Anspruch, alles bestmöglich zu machen.“

Darum zog sich Aura Dione, die eigentlich

in Kopenhagen wohnt, während der

Corona-Krise auf die Färöer-Inseln zurück.

In der Heimat ihrer Mutter arbeitete sie in

aller Ruhe an „Life of a Rainbow“. Sorgsam

wählte die Musikerin Stücke wie „Song for

Sophie“ aus, die sie noch einmal einspielen

wollte. Inspiriert von der Natur führte sie ihre

Musik zu ihren Ursprüngen zurück – zu ihren

Folk-Wurzeln. Dazu gesellten sich einige

Streicherpassagen: „Ich liebe das Cello.“

Davon zeugt zum Beispiel die neue Version

von „Glass Bone Crash“. Im Video trägt die

37-Jährige nicht umsonst ein blaues Kleid:

„Ich habe zu jedem Lied einen Clip gedreht,

dem eine bestimmte Farbe zugeordnet ist.

Einfach weil das Leben total bunt ist.“

Mit diesem Konzept macht die Sängerin

einerseits darauf aufmerksam, dass

die Stimmungen einer

einzelnen Person immer wieder so facettenreich

wie die Farben des Regenbogens

sein können – mal taucht man in eine rosa

Periode ein, mal in eine dunkle Phase. Auf

der anderen Seite zollt Aura Dione der

LGBTIQ*-Community

Tribut. Ihr fühlt sie

sich eng verbunden,

schon ewig: „Gerade

queere Menschen

haben ziemlich schnell

meine Tiefgründigkeit

erkannt. Hinter

meinen schillernden

Kostümen verbirgt

sich nämlich meine

Sensibilität.“

Dafür möchte die

Tochter zweier Hippies

ihren Unterstützern unbedingt etwas

zurückgeben. „Als Popkünstlerin“, sagt

sie, „habe ich die Verpflichtung, mich für

diejenigen einzusetzen, die keine Stimme

haben.“ Besonders in Russland, erzählt sie,

habe sie zahlreiche Fans: „Es ist furchtbar,

wie sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung

diskriminiert werden.“ Homophobie nimmt

Aura Dione auf keinen Fall hin: „Die Erde

gehört uns allen. Darum sind Toleranz und

Empathie ganz wichtige Werte.“

Die Musikerin sucht stets nach Gemeinsamkeiten,

statt sich auf Unterschiede zu

konzentrieren. Diesen moralischen

Kompass übernahm sie

von ihren

Eltern, die sich aus tiefster Überzeugung

der 68er-Bewegung verschrieben. Ihre

Mutter verbrannte ihre BHs, sie protestierte

gegen die Miss-Dänemark-Wettbewerbe.

Nun ist sie im „Marry Me“-Video zu sehen.

Ausgelassen tanzt sie zu

den lässigen Vibes, mit

denen Aura Dione diese

komplett neue Nummer

unterlegt hat. Dabei ist

der Text eigentlich nicht

besonders fröhlich. Die

Sängerin beklagt, dass

ihr Partner ihr partout

keinen Heiratsantrag

mache. Letztlich, sinniert

sie, bleibe ihr immer nur

ihre Gitarre. Dennoch

war es nie eine Option

für sie, aufzugeben: „Man sollte weiterhin

versuchen, jemanden zu finden, mit dem

man sein Leben teilen kann. Wer die

Hoffnung verliert, sieht vielleicht gar nicht,

was direkt vor ihm liegt.“ Diese positive Einstellung

hat sich zumindest für Aura Dione

ausgezahlt. Sie ist inzwischen verlobt, ihr

Verlobter spielte sogar im „Marry Me“-Clip,

in dem sie ein Hochzeitskleid trägt, mit. Das

sorgte für Wirbel. In den sozialen Medien

machten Szenen von den Dreharbeiten

die Runde, daraufhin gratulierten viele der

Künstlerin zur Hochzeit. Obwohl sie noch

gar nicht unter der Haube ist ...

*Interview: Dagmar Leischow

FOTO: MERMAID RECORDS


MUSIK

DJ

CALVIN HARRIS,

der Junge aus Schottland

FOTO: SONY MUSIC

Als seine Karriere begann, war er

nur ein schüchterner Junge, der

einfach Glück gehabt hat. Calvin Harris

sah damals aus, als könnte er nicht begreifen,

was um ihn herum geschah: Eben

war noch ein unbekannter Musiker auf

MySpace – einen Moment später hatte

er einen Vertrag und stand im Studio mit

Kylie Minogue.

Dabei war er doch nur ein Junge aus

Schottland, aufgewachsen in einer Kleinstadt

namens Dumfries. „Viele Pubs, viele

Kühe!“, fasste er es damals zusammen. Am

Wochenende verließen die Leute das Haus

nur, um sich besinnungslos zu trinken,

Calvin hingegen spielte lieber mit seinem

Atari Sequenzer rum. Irgendwann verließ

er das Nest, um mit seinen über ein Jahr

gesparten 4000 Pfund in London zu leben

und dort an seinem Durchbruch als Produzent

für elektronische Musik zu arbeiten.

Zwölf Monate später war er pleite und

zurück in Dumfries. „Es war ein Desaster“,

gestand er damals. „Alles lief schief.“

Wieder zu Hause entwickelte er endlich

den housigen, poppigen Sound, für den

sein erstes Album „I Created Disco“ stand.

„Und dann ging ich zu MySpace, weil ich

gelangweilt war. Ich lud vier Songs hoch

und addete viele Freunde, möglichst

Leute von Plattenlabeln, um zu sehen,

was sie davon hielten.“ Kurze Zeit später

hatte Calvin Harris besagten Vertrag in der

Tasche und konnte seinen Job bei Marks

& Spencers aufgeben. Und das Erste, was

er danach zu tun bekam, war mit Róisín

Murphy zusammen zu arbeiten. Es war

etwas ins Rollen gekommen, das niemand

mehr aufhalten konnte …

So war Calvin schon 2009, als „Ready

for the Weekend“ erschien, kaum noch

wiederzuerkennen. Er hatte plötzlich Termine

und Aufträge in einem Umfang, dass

einem schwindlig wurde, noch dazu wurde

er in einem Tempo reich, dass jeden aus

der Bahn werfen muss. Kurze Zeit später

gehörte er schon zu den bestbezahltesten

DJs und Produzenten der Welt, arbeitete

mit den erfolgreichsten Musiker*innen und

lebte zwischen den größten Stars – wenn

er sie nicht gleich auch noch datete, wie

bei seiner kurze Beziehung mit Taylor

Swift. Der Junge aus Schottland war jetzt

selbst eine Berühmtheit.

Mittlerweile gibt es kaum noch einen

bekannten Namen, mit dem er über die

Jahre nicht zusammengearbeitet hat, ob

für deren Tracks oder seine eigenen Alben.

So fanden sich schon 2017 auf „Funk Wav

Bounces Vol. 1“ Frank Ocean, Pharrell,

Ariana Grande oder Nicki Minaj zusammen.

Doch vor allem zeigte „Vol. 1“ einen Calvin

Harris, der Frieden mit seinem Leben

gefunden hat – er wirkte angekommen.

Der Sound war relaxed und perfekt für

einen Sommer zwischen Entspannung

und Partys, die keinen Exzess mehr nötig

haben.

Jetzt, auf „Funk Wav Bounces Vol. 2“, setzt

er genau da wieder an. Mittlerweile, als ein

Elder Statesman des Popgeschäfts, wirkt

es als würde er einfach mit Freunden am

Pool abhängen. Nur dass seine Freunde

Dua Lipa, Charlie Puth, Justin Timberlake

oder Halsey heißen. Calvin lebt hier ganz

entspannt seine poppige Seite genauso

aus wie seine funkige, und hinter allem

feiert er seine Liebe zu modernem Soul

und Hip-Hop. Was er sich damals noch

nicht getraut hatte, denn er fand, dass

es lächerlich für einen neunzehnjährigen

weißen Jungen aus Schottland wäre,

R&B oder Rap zu machen. Doch für den

Megaproduzenten Calvin Harris, der Snoop

Dogg zu seinen Buddys zählt …? So passt

„Vol. 2“ perfekt zum entspannten Ende

eines Sommers: Noch einmal die Beine

hochlegen oder sanft grooven, am besten

mit Meerblick und einem Cocktail in der

Hand. Auf dich, Calvin! *fis


TIPP

Luke Sital-Singh:

„Dressing Like a Stranger“

MUSIK

Das Album ist der Nachfolger des

2019 erschienenen Albums „A Golden

State“ („... strotzt nur so vor Akkorden

und Klangstrukturen des klassischen

Westküsten-Songwritings mit Anlehnung

an Springsteen“, The Sunday

Times), das seinem Umzug nach Los

Angeles vorausging. „Dressing Like

a Stranger“ wurde im Golden State

geschrieben und aufgenommen. Anfangs arbeitete Luke allein

zu Hause in Los Feliz, als Covid-19 über die Welt hereinbrach.

Später mietete er ein Studio und nahm ein paar Songs selbst

auf, bevor er seinen britischen Kollegen und Singer-Songwriter

Dan Croll als Co-Produzenten und Tchad Blake (Fiona Apple,

The Black Keys, Elvis Costello) für den Mix hinzuzog.

INDIE

Charlie Winston

„as I am“

Der sympathische Singer-Songwriter

(„Like a Hobo“) meldet sich

Ende September mit einem Album

zurück. Auf seiner Homepage

verrät er darüber: „,as I am‘ ist eine Sammlung von Songs,

die ich 2020 geschrieben habe. Der Lockdown der Welt war

eine Gelegenheit, tief in den kreativen Prozess einzutauchen

und gleichzeitig zu verstehen, was mich zu dem macht, was

ich bin. Ich hatte das große Bedürfnis, meine Perspektive

zu ändern. Wie die Schriftstellerin Anaïs Nin einmal schrieb:

Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern wie wir

sind. Um zu verstehen, wie ich die Realität sehe, musste ich

die Linse untersuchen, durch die ich die Welt sehe. Wenn

ich irgendwelche Wünsche habe, dass sich Dinge in meinem

Leben ändern, muss ich zuerst verstehen, wie ich es sehe. Der

Titel und die Songs erinnern mich also daran, zu versuchen,

mich selbst so zu sehen, wie ich bin.“ Gut geworden! *rä

MUSICAL

„20.000 Meilen

unter dem Meer“

Das legendäre Techno-Duo U96 („Heaven“,

„Das Boot“, „Love Religion“ …) und

der gefeierte Schauspieler Claude-Oliver

Rudolph werden ab Oktober bundesweit als

The Jules Verne Experience mit dem Fantasy-Musical „20.000

Meilen unter dem Meer“ begeistern. Geplante Stationen des

schon jetzt Wellen schlagenden Werks sind unter anderem

Frankfurt, Dortmund, Stuttgart, Köln, Rostock, Kiel, Bremen,

Hamburg, Berlin und Erfurt. Versprochen wird ein „multimediales

XXL-Bühnenbild“, Spannung und Musik, die hypnotisiert. Erzählt

wird, angelehnt an Jules Vernes unheimlichen Abenteuerroman,

von Kapitän Nemo und seinen Abenteuern 20.000 Meilen unter

dem Meeresspiegel. *rä

www.reservix.de, www.eventim.de, www.Adticket.de,

www.myticket.de, www.the-jules-verne-experience.de

FOTO: A. BEHRENS


MUSIK

NACHGEFRAGT

FOTO: SONY MUSIC

ELECTRIC CALLBOY:

„Wir bleiben unberechenbar“

Beflügelt von einer Umbesetzung

und einer Namensänderung zieht

die Dance-Metal-Band aus Castrop-Rauxel

auf ihrem neuen Album „Tekkno“ sogar

noch mehr Register als ohnehin üblich.

Das wäre ein Fest geworden: „Aus einer

Schnapslaune heraus“, wie Frontmann und

Co-Sänger Kevin Ratajczak fröhlich erklärt,

während er im Backstagebereich eines

großen Festivals in der Schweiz mit uns

telefoniert, hatte sich Electric Callboy beim

deutschen Vorentscheid des diesjährigen

Eurovision Song Contest beworben. In

die Vorauswahl waren die sechs Jungs

aus Castrop-Rauxel und Umgebung noch

gekommen, doch dann verließ den für den

ESC zuständigen Norddeutschen Rundfunk

womöglich der Mut und die Band wurde

aussortiert. „Es gab einen Riesenaufruhr,

inklusive einer Petition mit über 100.000

Zuschriften, uns doch zu nominieren, aber

der NDR, der kurz aus seiner Nussschale

herauszukriechen schien, hatte sich wieder

verkrochen und ging lieber auf die vermeintliche

Nummer Sicher.“ Im Nachhinein sei

man aber gar nicht so traurig darüber, nicht

in Turin dabei gewesen zu sein, und noch

einmal wolle man es auch nicht probieren,

denn, so Kevin, „der ESC ist nicht wirklich

unsere Welt.“

Dabei hätte der Song, mit dem Electric Callboy

angetreten war, gar nicht besser zu der

Over-The-Top-Veranstaltung passen können.

Auf „Pump It“, einer der vorab veröffentlichten

Singles von „Tekkno“, dem sechsten

Album, vermischt die Band 80ies-Sounds,

ein wenig Trash-Pop und unterhaltsames

Heavy-Metal-Geschrei zu einem extrem

vergnüglichen, stimmigen Ganzen. Im Video

sieht man die verkleidungsfreudige und

sich musikalisch noch sonst wie keinesfalls

zu ernst nehmende Band beim Aerobic.

„Unsere Kreativität und unser Ideenreichtum

sind absolut unbeschnitten“, sagt Kevin, der

sich den Sängerjob mit dem 2020 zur Band

gestoßenen Nico Sallach teilt. „Wir machen

uns einen großen Spaß

daraus, uns immer

wieder zu verwandeln

und unberechenbar zu

bleiben.“ Anfangs hatte

es die 2010 gegründete

Truppe, die ihren

Namen im Frühjahr

von Eskimo Callboy in

Electric Callboy änderte

(„Das Wort ‚Eskimo‘

ist einfach heute

problematisch“) noch

schwer. „Wir haben

uns damit geplagt, keine klare Identität zu

haben. Es hieß häufig ‚Ihr seid nicht richtig

Metal, ihr seid nicht richtig Pop, was macht

ihr denn eigentlich?‘ Aber diesen wilden

Mix, den lieben wir einfach immer schon am

Allermeisten.“ Und nach und nach erspielte

sich Electric Cowboy dann ein sehr diverses

Publikum von Gleichgesinnten – seien es

Rock- und Hardcore-Fans oder Leute, die

sonst zu Deichkind oder Scooter gehen. Vor

letzteren verneigten sich Electric Callboy

vergangenes Jahr mit ihrem Scooter-auf-

Speed-Metal-Song „Hypa Hypa“, dem bis

dato größten Hit. Scooters HP Baxxter

habe trotz Anfrage nicht auf der Nummer

mitsingen wollen, selber schuld. „Wir gehen

davon aus, dass er mittlerweile weiß, wer wir

sind.“

Und natürlich setzen die überzeugten

Ruhrgebietsbewohner auch auf „Tekkno“ ihr

Stilmix-Spektakel fort. Ekstase, der Drang

zum Durchdrehen und ausgeprägtes Gespür

für Ironie durchziehen die Platte. Harte

Synthies, harte Gitarren

und harter Gesang sind

die Hauptbausteine

von Liedern wie „We

Got The Moves“ oder

„Spaceman“, aber

das bedeutet nicht,

dass Electric-Callboy-

Freunde gefeit wären

vor Überraschungen.

„Fuckboi“ ist eine

Huldigung an den

Pop-Punk der frühen

Nullerjahre und erinnert

an eine Mischung aus Blink-182 und Avril

Lavigne (den weiblichen Gesang steuern

Conquer Divide bei), und „Hurrikan“ ist

ein abgedrehter Ausflug in die seltsame

Welt des Ballermann-Schlagers. Das Video

drehten die Jungs sogar im berühmtberüchtigten

„Bierkönig“ auf Mallorca. „Diese

Welt ist wirklich krass beeindruckend, und

für einen Abend fanden wir es wirklich geil,

ein Teil davon zu sein.“ Aber dann war es

auch genug.

*Interview: Steffen Rüth


POP

Rick Astley: „Whenever You

Need Somebody“

MUSIK

FOTO: C. CIMINO

Das Debütalbum „Whenever

You Need Somebody“ des

Popsterns Rick Astley, der seit

1987 mit Hits wie „Cry for

Help“, „Take Me to Your Heart“

und „Never Gonna Give You

Up“ die Welt beschallt, erschien

2022 neu. Natürlich mit vielen

Bonustracks und Remixen.

In düsteren und stressigen

Zeiten denkt man gerne – oft

idealisierend – zurück an die

Vergangenheit, als alles scheinbar

besser war. Oder auch einfach

lustig(er). Popmusik aus dem

Hause Stock Aitken Waterman

(kurz: SAW) zum Beispiel klang

zwar immer irgendwie ähnlich,

aber auch immer sehr gut. Egal

ob für Donna Summer, Dead or

Alive, Kylie Minogue, Bananarama

oder eben Rick Astely, die drei

Producer aus UK wussten die

1980er hindurch ganz genau, was

die Tanzflächen füllt, wie das Lied

zu klingen hat. Und sie waren in

den Remixen dann auch durchaus

oft wirklich innovativ! Bei Rick

Astley setzten sie erfolgreich auf

Disco-Pop und Herzschmerz und

schufen mit dem 1987er-Album

„Whenever You Need Somebody“

ein Pop-Standardwerk des 20.

Jahrhunderts.

Unsere Anspieltipps auf der

2022er-Ausgabe des Albums

sind die Charthits „Together

Forever“ und „Whenever You

Need Somebody“, aber auch

„My Arms Keep Missing You (The

„Where’s The Harry” Remix)“ und

„You Move Me“. *rä

NEWCOMER

„Hoffnung treibt uns alle an“

– Jason William

Sehr jung, einst bei „The Voice Kids“, jetzt Abiturient mit großer

Karriere vor sich: Jason William. Unlängst hatte sein brandneuer

Videoclip zu „Hope“ Premiere. Über die soulige Popnummer

verrät der Hingucker aus dem Saarland: „Hoffnung treibt

uns alle an, sie ist lebenswichtig. Vor allem in der aktuellen

Lage bedarf es besonders viel davon. Ursprünglich habe ich

den Song aus dem Pandemie-Frust meiner Generation heraus

geschrieben, habe aber schnell gemerkt, dass das Thema viele

Menschen unabhängig vom Alter bewegt. Denn Hoffnung

kann einen auch verzweifeln lassen, und um all das geht es in

‚HOPE‘.“ Konkrete Pläne hat der Newcomer auch, nicht nur

Hoffnungen: „Auch auf die Gefahr hin, dass ich wie ein Fanboy

klinge: Ich würde eines Tages wahnsinnig gerne mal ein Duett

mit Harry Styles singen. Ich glaube, unsere Stimmen könnten

tatsächlich matchen.“ Ja, da hat er recht. *rä

www.instagram.com/jasonwilliammusic

OUT

NOW


FILM

INTERVIEW

LUKE MACFARLANE:

„Ich kann froh sein …“

Luke Macfarlane, geboren 1980 im

kanadischen London, studierte an

der renommierten Juilliard School in New

York und hatte seinen ersten Leinwandauftritt

im Film „Kinsey“ von Bill Condon.

Der Durchbruch gelang ihm mit der Serie

„Brothers & Sisters“, in der er gemeinsam

mit Matthew Rhys ein schwules Paar

verkörperte – und in diesem Kontext auch

seine eigene Homosexualität öffentlich

machte. Es folgten viele, nicht ausschließlich

queere Serienrollen in „The Night Shift“

oder „Killjoys“, der Netflix-Film „Single

All the Way“ und diverse Theaterengagements.

Nun ist er in der romantischen

Komödie „Bros“ (ab 20.10.) in seiner bislang

größten Kinorolle zu sehen.

Mr. Macfarlane, „Bros“ ist ein Film,

wie es ihn so noch nicht gab: eine

von einem großen Hollywood-Studio

produzierte, klassische romantische

Komödie, in deren Zentrum zwei

schwule Männer stehen. Hätten Sie je

gedacht, das mal erleben zu dürfen?

Naiv und optimistisch, wie ich bin, hatte

ich nie Zweifel daran, dass die Filmbranche

irgendwann so weit sein würde. Die Frage

war eher, ob ich dann auch noch jung genug

bin, um darin irgendwie mitzuspielen.

Wie kam es denn letztlich dazu? Kannten

Sie Billy Eichner, der als Ko-Autor

und Hauptdarsteller die treibende

Kraft hinter „Bros“ ist, persönlich?

Nein, das lief über ein normales Casting.

Ich habe lange in New York gelebt und dort

auch studiert, war aber Billy nie persönlich

begegnet. Auch wenn ich natürlich viel

von ihm gehört habe und wir auch etliche

gemeinsame Bekannte haben. Als das

Drehbuch auf meinem Tisch landete, war

ich begeistert davon, wie gut es war und

wie gut die Rolle zu mir passen würde.

Deswegen habe ich mich selbst ganz schön

unter Druck gesetzt, mehr als sonst. Und

als ich dann beim Vorsprechen nicht nur

Billy, sondern auch Comedy-Größen wie

Regisseur Nick Stolle und Produzent Judd

Apatow gegenüberstand, war ich verdammt

nervös. Doch dann lief es zum Glück richtig

gut.

www.CENTURYMEDIA.com


Sie spielen nun Aaron, einen Anwalt,

der zumindest beruflich nicht so

richtig glücklich ist. Das könnte von

Ihnen, der ziemlich direkt nach dem

Schulabschluss fürs Schauspielstudium

nach New York ging, vermutlich

nicht weiter weg sein, oder?

Es gibt schon auch einige Gemeinsamkeiten

zwischen ihm und mir. Auch ich war als

Jugendlicher in den 1990er-Jahren in einer

Kleinstadt damit beschäftigt, mich mit meinem

Schwulsein zu arrangieren. Und damals

gab es dort ein ziemlich eingeschränktes Bild

davon, was Männlichkeit bedeutet. In den Zeiten

von Mark Wahlberg als Calvin Klein-Model

und Abercrombie & Fitch-Werbung konnte

man als schwuler Mann gar nicht anders, als

von Brustmuskeln besessen zu sein. Aber

damit einher ging eben diese Vorstellung,

dass Männer unbedingt kerlig, sportlich, tough

und hart im Nehmen sein müssen. Echte

Bros eben. Das hat damals bei vielen meiner

Generation echt Spuren hinterlassen. Ich

kann froh sein, dass es immer Menschen in

meinem Leben gab, die mir vermittelt haben,

dass man dann am erfolgreichsten ist, wenn

man authentisch man selbst ist. In dieser

Hinsicht verletzlich zu sein habe ich zum

Glück viel früher gelernt als Aaron.

Und wie steht’s mit seinem Musikgeschmack?

Dass Aaron – eher gayuntypisch

– auf die Country-Songs

von Garth Brooks steht, ist in „Bros“

ja ein Running Gag …

Ich verrate Ihnen mal ein kleines Geheimnis:

Das mit Garth Brooks habe ich beim Dreh

improvisiert.

Ist es Ihnen ein Anliegen zu zeigen,

dass nicht alle in der Community

immer über einen Kamm zu scheren

sind?

Ich finde das in der Tat enorm wichtig,

und man muss supervorsichtig sein mit

einem Label wie „typisch schwul“. Dass

es „den Schwulen“ natürlich nicht gibt, ist

eigentlich kein Geheimnis mehr, und dank

des Internets ist die Vielseitigkeit unserer

Community ja auch allgemein einsehbar.

Aber mitunter muss man eben doch daran

erinnern, dass ein queerer Mensch in Los

Angeles vielleicht andere Erfahrungen hat

und anders tickt als ein queerer Mensch auf

dem Land. Deswegen mag ich den Podcast

„Rural Gays“ so gerne. Denn da finde ich

mich als Country liebender, Truck fahrender

Hobby-Tischler manchmal eher wieder als

anderswo.

Das gesamte Ensemble von „Bros“

ist queer, selbst in den nicht-queeren

Rollen. Wie hat sich Regisseur Nick

Stoller als Hetero denn in dieser

Konstellation gemacht?

Wie er sich damit gefühlt hat, müssen Sie

ihn fragen. Aber ich fand ihn großartig,

denn er versteht nicht nur viel von Comedy,

sondern ist auch einfach ein enorm offener,

wissbegieriger Mensch. Und er vermittelt

nie das Gefühl, alles zu wissen, sondern gab

ganz offen zu, in vielen Dingen nicht der

Experte zu sein. Bei einer Sexszene fragte

ich, ob Aaron und Bobby nicht eigentlich

FILM

ein Gespräch über Verhütung und Safe Sex

führen sollten, weil ich das meiner Erfahrung

nach für ein realistisches Szenario

hielt. Da war er der erste, der meinte, dass

er sich da nach uns richtet.

„Bros“ macht sich ein wenig lustig

über die kitschigen Weihnachtsromanzen,

die jedes Jahr von US-

Sendern wie dem Hallmark Channel

produziert werden. Ausgerechnet

in solchen Produktionen spielen Sie

selbst oft mit. Waren diese Gags Ihre

Idee?

Das nicht, aber vielleicht hat Billy noch ein

paar mehr ergänzt, als klar war, dass ich

die Rolle spiele. Und ein paar Gags musste

er auch deswegen anpassen, weil gerade

Hallmark in den letzten paar Jahren bei

seinen Filmen sehr viel inklusiver und weniger

weiß und heteronormativ wurde. Aber

ich würde nie ein schlechtes Wort über

diese Liebesfilme verlieren. Man hat mir

dort Arbeit gegeben, als ich anderswo keine

fand, und dass ich als geouteter schwuler

Mann dort den Feuerwehrmann, Holzfäller,

Eishockeyspieler oder Weihnachtsbaumzüchter

spielen darf, in den sich die Heldin

verliebt, ist doch durchaus bemerkenswert.

*Interview: Patrick Heidmann

WILL YOU

MARRY ME?

Aura Dione: Life Of A Rainbow

Das neue Album, jetzt erhältlich!

Inkl. der neuen Single Marry Me plus alle

Lieblingssongs von Aura Dione, erstmals

akustisch eingespielt:

Glass Bone Crash, You Got Wings,

In Love With The World, Antony,

Songs For Sophie, Into The Wild,

Recipe & Can’t Steal The Music.

Eine wundervolle Reise durch das Oeuvre einer

aussergewöhnlichen Künstlerin, das in einem

zeitgemässen Glanz erscheint.


FILM

KINO

„REX GILDO – Der letzte Tanz“

FOTOS: MISSINGFILMS

Der neue Kinofilm von Rosa von

Praunheim über Rex Gildo (1936

– 1999) glänzt mit viel Hintergrundinformationen

inklusive Interviews mit

Zeitzeug*innen wie Cindy (Cindy &

Bert), Vera Tschechowa, Costa Cordalis,

Gitte Haenning, Cornelia Froboess,

Gudrun Gloth und LGBTIQ*-Stars wie

Dragqueen Absinthia Absolut und Jazz-

Sänger Erik Leuthäuser **.

Natürlich wird seine nur im Privaten

gewagte schwule Liebe zu seinem

Manager Fred Miekley thematisiert, der im

Film vom großartigen Ben Becker gespielt

wird. Fred Miekley, der einst Rex’ Ehe mit

seiner Cousine Marion mitarrangierte,

wurde von Rex Gildo zeitlebens in der

Öffentlichkeit und in den Medien als sein

Onkel vorgestellt.

Rosa von Praunheim versteht es

meisterlich, die Tragik im Leben von Rex

Gildo auszuarbeiten. Ohne Häme,

ohne Gossip, mit Distanz, aber

mitfühlend auch als Kommentator.

Schmunzeln kann man

ebenso, etwa, wenn Bernhard Brink von

Situationen erzählt, als Gildos Perücke – er

litt schon früh unter Haarausfall – mal auf

halb acht saß ... Ende Juni, Anfang Juli

lief der Film schon erfolgreich auf dem

Filmfest München, der Kinostart ist der

29. September. *rä

** nackt im Berliner Klub SchwuZ

KINO

„Peter von Kant“ von François Ozon

Der Film ist eine freie Interpretation von

Rainer Werner Fassbinders Meisterwerk

„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“

und eine Huldigung an #Fassbinder. Das

Plakat wiederum ist eine Hommage an

Andy Warhols Plakat für „Querelle“ – von

Fassbinder.

Erzählt wird von dem narzisstischen und

extrovertierten Filmregisseur Peter von

Kant (Denis Ménochet), der in Köln mit

seinem persönlichen Assistenten Karl

(Stefan Crepon) zusammenlebt, der ihm

verfallen ist. Dann kommt Amir (Khalil

Ben Gharbia) in das Leben der beiden ...

Der neue Film von Regisseur François

Ozon spielt, typisch für Ozon, einmal

mehr in der Vergangenheit, in den

1970ern, und hatte seine Premiere bei

der diesjährigen Berlinale. Als Freundin

Sidonie, die Amir im Schlepptau hat,

glänzt die legendäre Isabelle Adjani.

Der Kinostart von „Peter von Kant“

soll in Frankreich schon im Juli sein, in

Deutschland wird der Film voraussichtlich

ab Ende September laufen. *rä


www.männer.media

immer aktuell

informiert


BUCH

Gerbrand

Bakker

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/KLUBOVY

ROMAN

Fragile Identitäten

„Vor dem Sprung“ von

Brandon Taylor,

erschienen beim

Piper Verlag, wird

weltweit von den

Kritikern gefeiert.

Zu Recht.

FOTO: BILL ADAMS / PIPER VERLAG

PSYCHE

Gefangen in der

Einsamkeit

Depressionen lähmen, sie lassen

Betroffene nicht mehr das Gute

sehen, man fühlt sich alleine, obwohl

man eine*n liebende*n Partner*in

hat, die/der sich um einen kümmert,

eine Familie, Bekannte und Freunde.

Trotzdem fühlt man sich verlassen,

ungeliebt und nicht sichtbar.

Das kann wütend machen, aber diese

Wutanfälle, die oftmals an den Menschen

ausgelassen werden, die es gut

mit einem meinen, machen alles noch

schlimmer. Niedergeschlagenheit und

Hilflosigkeit werden stärker, oftmals

kann der/die Depressive sofort weinen

… Der Schriftsteller Gerbrand Bakker

leidet an Depressionen und an Libido-

Verlust, da die ihm verschriebenen

Antidepressiva die Lust auf Sex und

das Vermögen, es zu tun, rauben.

Gerade erschien sein Buch „Knecht,

Knecht,

allein

allein“ beim Suhrkamp Verlag.

Entstanden ist es, nachdem ihm seine

Sexologin rät, eine Love Map zu erstellen.

Ihren Rat befolgend verzeichnet

der Autor in dem Buch seine persönliche

Liebeskarte, alle im weitesten

Sinne zur Geschichte seines Liebens

gehörenden Erinnerungen. In diesen

Erinnerungen sucht er nach einem

möglichen Auslöser seiner Depression.

Von Gerbrand Bakker ungeschönt,

klar, packend und berührend geschrieben,

gibt das Buch den Lesenden

die Möglichkeit, in die Psyche eines

Depressiven einzutauchen. Das

Buch macht nicht traurig, man lernt,

wie es dabei helfen kann, der Leere,

der Trauer mit Lakonie, Humor und

Freimut zu begegnen. Einfach immer

weitermachen. *rä

www.suhrkamp.de

Suhrkamp

Der 1989 geborene

Autor nimmt uns bei

seiner komplexen, mit

einer subtilen Spannung unterlegten Story-

Sammlung auf über 280 Seiten mit in die Leben

verschiedenster Menschen. Queers in toxischen

Beziehungen, vom Schicksal gebeutelte Familien

und Freunde, die an einer unentschuldbaren

Vergewaltigung zerbrechen. „Vor dem Sprung“

erzählt von „fragilen Identitäten zwischen

Zärtlichkeit und Gewalt“, aber eigentlich sind

die Akteur*innen so fragil wie wir alle. Niemand

ist eine Burg, die uneinnehmbar ist. Das Buch

macht begreifbar, wie zerbrechlich das Leben

ist, wie schnell das Unglück zuschlagen kann.

Und auch, wie die

Liebe – etwa bei der

anfangs erwähnten

toxischen

Beziehung – durch

Eifersucht und

Minderwertigkeitskomplexe

zu etwas

Giftigem werden

kann. *rä

www.piper.de

HUMOR

Yoga und der Highway to Well

Die Luxusprobleme der Corona-Pandemie

sind Stress im Homeoffice, Ärger in der

Beziehung und dominante Mitmenschen, die

zu viel reden (wollen). Yoga kann da helfen

klarzukommen. Und Lachen! Sabine Bode

beschäftigt sich in ihrem aktuellen Buch mit

Yoga. Und bringt zum Lachen.

In dem über 220 Seiten dicken Buch geht es

ums achtsame Stöhnen, um die erzwungene

Entschleunigung, um Wohlfühlwahnsinn

und auch um heiße Kirschkerne. „Lassen

sie mich durch, ich muss zum Yoga“ sei ein

Buch für „Postjugendliche mit aufgehendem

Mittelfinger im Morgenrot“ – und es erhellt

dir den Tag. Als Autorin war sie schon für

Anke Engelke und Hape Kerkeling erfolgreich,

noch erfolgreicher ist Sabine Bode als

Autorin von Büchern, die regelmäßig in den

SPIEGEL-Bestseller-Listen landen. Und

auch dieser kurzweilige Lesespaß wird seine

Fans finden, selten konnte man so kichern,

wenn sich eine Autorin am „Wunderland der

Entspannungsangebote“ abgearbeitet hat.

Wellness-Lifestyle-Angebote treffen auf eine

großartige Comedy-Autorin, da wird Grinsen,

Lachen zum neuen Yoga. *rä

www.goldmann-verlag.de

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/

MUSTAFAGULL


BUCH

PARTNERSCHAFT

Liebe, Lust und

Diskussionen

Menschen streben nach Beziehungen.

Man – ausgenommen überzeugte

Einsiedler*innen – braucht den Austausch

mit anderen. Und die meisten

suchen (viele finden) ihr Glück in einer

Beziehung.

Da gibt es die unterschiedlichsten

Modelle: klassisch monogam, umstritten

polygam oder, oder ... Wichtig ist aber

immer Ehrlichkeit. Zu sagen, man führe

eine monogame Beziehung, dann aber

den D*del in die Webcam zu halten,

ist unfair gegenüber deinem/deiner

Partner*in und wird auch bei dir für

Gewissensbisse sorgen. „Was machst du

da?“ „Ach, nix …“ oder auch „Wer schreibt

dir denn so fleißig auf WhatsApp?“

„Ööööhm, Mama.“ – Viele Notlügen, die

noch für viel Stress sorgen werden, wenn

die Wahrheit ans Licht oder der Po aufs

Handydisplay kommt.

Es gibt aber auch freilich ganz andere

Paarprobleme: Der eine misst der

Ernährung einen sehr hohen Stellenwert

bei und rennt einmal am Tag in den

Bioladen, die andere isst gerne Brot, und

das auch mal vom Backshop. Oder die

liebe Familie. Meist achtet sie nur auf

das Wohl ihrer Angehörigen, der Partner

muss helfen, helfen, helfen, dass alles

klappt. Am besten gleich seinen Beruf

kündigen und nur noch Hausfrau/-mann

sein für den/die Partner/in. So geht das

nicht!

Helfen, dass du dich besser abgrenzen

kannst gegenüber deinem/deiner

Partner*in und seiner/ihrer Familie, kann

dieses Buch der Paartherapeutin Ankha

Haucke: „Soforthilfe für die Paarbeziehung.

Die häufigsten Probleme und wie

man mit ihnen umgeht“, das vor wenigen

Wochen beim Verlag Vandenhoeck

& Ruprecht erschienen ist. „Der Moment,

in dem jemand auf seine Partnerschaft

blickt und herausfinden will, was dort

schiefläuft, ist der Augenblick für dieses

Buch. In ihm finden sich die häufigsten

Paarprobleme und Ideen dazu, wie man

mit ihnen umgeht.“ Ein Buch, das helfen

kann, das Glück zu bewahren oder

wiederherzustellen. *rä

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/DEMKAT

RATGEBER

Setze dein Leben

neu zusammen

Manchmal kommt es knüppeldick: Beziehung

am Ende, Todesfälle, Burn-out, Stress

und was es sonst noch gibt. Dann fragt

man sich, was man wie ändern kann, damit

es wieder besser läuft. Das Buch „Setze

dein Leben neu zusammen. Lebenskrisen

mit dem Tangram-Prinzip meistern“ von

Stefan Balázs ist da ein guter Ratgeber.

Der Düsseldorfer Autor (@netzwege)

studierte Publizistik, Politik und Soziologie

und war in der Unternehmenskommunikation

tätig. Jetzt hat sich Stefan Balázs

dem Schreiben zugewandt, persönliche

Erfahrungen machten ihn zum Fachmann

für Ratgeberliteratur – und sein Wissen

teilt er nun. Flott geschrieben und leicht

verständlich wird anhand des Tangram-

Prinzips (ein chinesisches Legespiel: Plättchen

entstehen durch das „Zerschneiden“

eines Quadrates in zwei große Dreiecke, ein

mittelgroßes Dreieck, zwei kleine Dreiecke,

ein Quadrat und ein Parallelogramm.

Hieraus können zahllose Formen gelegt

werden) geschaut, wie man sein Leben neu

ordnen, Dinge neu gewichten kann. Klingt

komisch? Macht aber Sinn, wenn man das

Buch durchhat. *rä

FOTOS: M. RÄDEL

COMIC

„Hilfe, mein Lover ist ein Hipster“

Autor Sebas Martin nimmt sich in seinem

Comic gleich drei Themenfelder ungemein

unterhaltsam an: des Hipstertums, schwuler

Beziehungen und der Social-Media-Sucht

der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Und eigentlich noch eines vierten Themas:

der Midlife-Crisis, denn die zentrale Figur des

Comics, Peluche, ist 45 Jahre alt und merkt,

dass Mann andere Prioritäten im Leben

setzen sollte, als es sein etwas jüngerer

Partner tut.

Der zeigt sich gerne unentwegt im Internet,

ist fast süchtig nach Aufmerksamkeit und

Likes. Anstrengend! Eine „Bitch mit Bart“

(Zitat aus dem Buch), die sich mit Ihresgleichen

in einem permanenten Wettrennen

befindet, wer den neusten Trend als Erstes

umsetzt, wer das beste Food-Foto postet,

das beste Holzfällerhemd trägt (und dies

auch postet) und die meisten Reaktionen

im Internet erhält. Eigentlich kann einem

Peluche nur leidtun, doch natürlich hat sein

Lover auch seine sehr guten und sexy Seiten


Wenn er doch nur nicht so anstrengend

wäre! Ein ungemein lustiger und mitunter

böser Comic, der Spaß beim Lesen verbreitet

und einem den Alltags-Gram schön

und mit einem Lächeln austreibt. „Hilfe,

mein Lover ist ein Hipster“ wurde bei www.

insektenhaus-verlag.de veröffentlicht, das

spanischsprachige Original erschien erstmals

2015. *rä


BUCH

BILDBAND

EINGEPIKSTER

KÖRPERSCHMUCK

Andrew Burford, Florian Rudolph,

Benjamin Wolbergs und Brody

Polinsky haben zusammen an einem

ungewöhnlichen und sehr interessanten

Buch zum Thema Tätowierungen gearbeitet.

„Queer Tattoo“ ist beim Verlag Kettler

erschienen, wir stellen es dir vor.

Schon fast seit Anbeginn der Menschheit

veränderten, schmückten sich Menschen,

indem sie Farbe in die Haut einbrachten.

Sei es, um Familien- oder Gruppenzugehörigkeiten

zu unterstreichen, um Kraft zu

erlangen, um schöner zu sein oder auch,

um Erlebtes, Überstandenes zu verarbeiten.

Denkt man an Tätowierungen, so denkt

man unter Umständen an Tribals der letzten

Jahrtausendwende, an Schriftzüge wie LOVE

oder auch BROT an Hipstern und natürlich

an Matrosen, die sich mit barbusigen Damen

mit oder ohne Fischschwanz schmücken. Es

geht aber auch anders.

„Nicht zuletzt begünstigt durch die sozialen

Medien, hat sich in den letzten Jahren eine

junge und engagierte Szene etabliert, die

sich dem sogenannten queeren Tattoo

verschrieben hat. Diese spezielle, aber

wachsende Community ist aus dem

Wunsch heraus entstanden, mit den hierarchischen

und patriarchalischen Strukturen

des traditionellen Tätowierens zu brechen

und sichere, tolerante und inklusive Räume

zu schaffen, in denen queere, nicht binäre

und Trans-Menschen mit individuellen Stilen

und Techniken abseits des Mainstreams

experimentieren können“, so Benjamin

Wolbergs via E-Mail an uns.

Tätowierungen als Ausdruck des unangepassten

Geists des Tragenden. „Zahlreiche

Tattoo-Künstler*innen befreien sich in

FOTO: JULIM ROSA

ihren Arbeiten von den destruktiven,

heteronormativen und kapitalistischen

Schönheitsnormen und lösen sich mit

ihrer Bildsprache von der langen Tradition

kultureller Aneignung in der traditionellen

Tattoo-Szene. Ihre Entwürfe offenbaren

einen einzigartigen und kreativen Sinn

für queere Ikonografie.“ Das Buch „Queer

Tattoo“ zeigt dir unterschiedlichste und

vor allem auch mitunter sehr provokante

Motive und nicht weniger ungewöhnliche

Menschen. Mehr Features dieser Art

findest du auf www.instagram.com/

blu_germany. *rä

www.benjaminwolbergs.de,

www.verlag-kettler.de/de/buecher/

queer-tattoo

BILDBAND

Blondinen bevorzugt?

Im August jährte sich ihr Todestag zum 60.

Mal. Der TASCHEN Verlag aus Köln ehrt die

Schauspieler Marilyn Monroe mit einem

Buch: „Norman Mailer. Bert Stern. Marilyn

Monroe“.

Bis heute inspiriert die so tragisch verstorbene

(ermordete?) Schauspielerin und Sängerin

Marilyn Monroe (1. Juni 1926 – 5. August

1962) weltweit die Menschen und auch die

Künstler der Community. Und das, obwohl sie

als platinblondes Busenwunder für das steht,

was Frau und Queer heute ablehnen: Frauen

als aufgebrezelte „Puppen“, die eher hauchen,

denn sprechen, die sich benutzen lassen.

Ein Sinnbild gesellschaftlicher Sexismen.

Das hochwertige Buch ist eine Biografie von

Norman Mailer, die zusammen mit den legendären

Bildern von Bert Stern sicherlich ein

Sammlerstück werden wird. Und eine schöne

Würdigung einer Unterschätzten. Zeitlebens

haderte Marilyn Monroe mit ihrer Rolle als

„Dummchen“ – spielte aber auch damit.

Kennen könntest du Filme wie „Niagara“,

„Das verflixte 7. Jahr“ und „Misfits – Nicht

gesellschaftsfähig“ sowie Hits wie „Diamonds

Are a Girl’s Best Friend“, „Teach Me Tiger“ und

„I Wanna Be Loved by You“. *rä

www.taschen.com


DATES . FREUNDE . LIEBE

Deine Reise beginnt hier. Teile deine Liebe auf dem spannendsten Netzwerk

für Schwule, Bi-Männer und Transgender. Downloade die ROMEO-App in

deinem App-Store, oder melde dich auf unserer Webseite an.

app.romeo.com


Design

SNOOZE*

AUF DIESEN BETTEN SCHLÄFST DU

JETZT NOCH BESSER

227.000 Stunden, 9.500 Tage oder 26 Jahre: Egal, mit welcher

Einheit man es beziffern mag, wir verbringen jede Menge Zeit im

Schlaf – fast ein Drittel unseres Lebens! Auch spannend: Etwa

sieben Jahre benötigen wir allein, um einzuschlafen. Damit dies in

Zukunft noch schneller vonstattengeht, haben wir an dieser Stelle

die weichsten, kuscheligsten und stylishsten Betten für dich zusammengestellt,

die die Möbelhersteller so hergeben. *fj

TRAMA INTRECCIO

PIANCA ist ein italienischer Möbelhersteller

mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit. Es

werden ausschließlich Hölzer aus nachhaltiger

Waldwirtschaft genutzt, eingesetzte Lederwaren

stammen aus kurzkettigen Produktionen mit

besonders wenig Verschnitt, und die für die

Möbel verwendeten Farben sind absolut umweltfreundlich.

Dass Designs aus ökologischen

Herstellungsverfahren auch stylish aussehen

können, beweist PIANCA zum Beispiel mit dem

Bett Trama Intreccio, das mit seinem Kopfteil aus

handgeflochtenem Leder nicht nur ein echter

Hingucker ist, sondern seinen Besitzer auch

guten Gewissens schlafen lässt.

www.pianca.com

ION

Das Label Mazanli wurde 2016 von

Süleyman Mazanli in Berlin gegründet.

Angefangen hat alles mit dem

Wunsch des Designers, ein Metallbett

zu besitzen, das seinem Gespür für

industriellen Charme und puristischen

Stil gerecht wird. Nachdem er eine

solche Schlafgelegenheit auch nach

längerer Recherche nicht aufzutreiben

vermochte, schweißte er sich sein

Traumbett ganz einfach selbst zusammen.

Durch zahlreiche Anfragen aus

dem Freundeskreis später, ein solches

Bett ebenso erstehen zu wollen, wurde

das junge Unternehmen aus der Taufe

gehoben und Süleymans Bett bekam

mit „Ion“ auch einen Namen. Mittlerweile

produziert Mazanli außerdem

Tische, Beistelltische und Regale.

www.mazan.li


Design

CANBERRA

Wer glaubt, die Marke Birkenstock kann nur Sandalen, der irrt gewaltig. Neben den weithin

(und weltweit) bekannten Jesus-Latschen vertreibt das deutsche Traditionsunternehmen

auch Sneaker, Accessoires, Kosmetik und sogar Betten. Das Modell Canberra beispielsweise

besticht durch sein markantes Kopfteil, das mit handgenähtem Birkenstock

Sattelleder bezogen ist. Jede Berührung hinterlässt Spuren und verleiht dem Bett über

die Jahre einen einzigartigen Charakter. Der Bettkasten ist mit feinstem Wollfilz bespannt

und stellt einen wunderbar weichen Gegensatz zum Kopfteil dar.

www.birkenstock.com

FRIDAY NIGHT

Seit über dreißig Jahren produziert das deutsche Unternehmen ZEITRAUM Möbel

aus Massivholz. 1990 gegründet, war ZEITRAUM einer der ersten deutschen Möbelhersteller,

die auf die Verbindung von Ökologie und Design setzten. Mit Friday Night

ist den Designern ein Möbel gelungen,

das sowohl als ganz gewöhnliches Bett

dient, aufgrund seiner modernen Formen

und des leicht geschwungenen Kopfteils

aber auch als Sofa, Kinosessel und

Frühstückslounge dient.

www.zeitraum-moebel.de

LGBT FRIENDLY

LAWS


Design

MÖBEL

GALORE

WITH A SNAP OF YOUR FINGER

Mit ihren innovativen „high

colour“-LEDs sind die Lampen

des deutschen Leuchtenherstellers

Occhio in der Lage, Farben

so nuanciert und tief wie in der

Natur wiederzugeben. Dank des

„touchless control“-Systems

können die Designs außerdem

völlig berührungsfrei bedient werden.

Ein einfacher Handstreich in

Nähe der Lampe genügt, um die

Occhio ein- und auszuschalten.

Erhältlich als Hängeleuchte, Stehund

Deckenlampe. *fj

www.occhio.de

Die schönsten Interior-Ideen für dein Zuhause

PLITSCH-PLATSCH

Badesofa ist ein junges Kölner Unternehmen,

das Kissen für die Badewanne herstellt. Die

Polster sorgen vor allem bei sehr kleinen

Badewannen für Entspannung und kommen in

vier unterschiedlichen Größen und sechs unaufdringlichen

Farbtönen daher. Nach dem Baden

können sie einfach in der Wanne trocknen. *fj

www.badesofa.de

TEICHFREUDEN

Wie ein Teich voller

Koi-Karpfen ergießt sich

der „Yumi“-Teppich von

Roche Bobois auf entweder

200 x 300 oder 250 x 350

Zentimetern in dem Raum,

in dem er ausgelegt wird.

Handgetuftet aus 100 Prozent

pflanzlicher Seide. *fj

www.roche-bobois.com

ITALIENISCHE HEIMATGEFÜHLE

Was wäre unser Zuhause ohne Accessoires?

Ein Showroom im besten Falle, aber sicher kein

Ort, an dem wir uns wohl- und geborgen fühlen.

Die Vase „Silo“ von Natuzzi Italia stammt aus

den Händen von Keramikkünstlern aus dem

italienischen Salento und ist

inspiriert von der fruchtbaren

Erde der Region. Noch

mehr warmes Heimatgefühl

geht nicht. *fj

www.natuzzi.com


Design

CUT

Seit über einem Jahrhundert und

in mittlerweile fünfter Generation

entstehen im Hause Potocco in Italien

wunderschöne Möbel für drinnen und

draußen. Der Loungechair „Cut“ eignet

sich sowohl für den Indoor- als auch

für den Outdoor-Bereich und besteht

aus einem Stahlrahmen mit einer

handgeflochtenen Liegefläche. *fj

www.potocco.it.

OUTDOOR JA, PLASTIK NEIN

Seit 1996 fertigt Kettal hochwertige Outdoor-

Möbel aus ökologisch nachhaltiger Produktion

fernab weißer Plastikstühle und -tische. So

stammt das Holz, das für den Club Chair „Band“

verwendet wird, aus zertifizierter Forstwirtschaft.

Wer mehr auf Metall als auf Holz steht,

kann das Produkt auch mit Aluminium-Beinen

erstehen. Designt wurde „Band“ von der spanischen

Architektin Patricia Urquiola. *fj

www.kettal.com

FÜNF

JAHRE

SONNTAG | 11.09.

13 - 20 Uhr

DJs

DRINKS

ANGEBOTE

BRUNOS STORE

Maaßenstr. 14/

Winterfeldtplatz

Mo - Sa 10 - 22 Uhr


Design

FULL HOUSE

Nie wurden die eigenen vier Wände so vielfältig

genutzt wie zu Zeiten der Pandemie. Die Wohnung

oder das Haus wurden in den vergangenen

zwei Jahren zum Treffpunkt für Freunde und

Familie, zum Kinosaal, Mikro-Klub und Kochstudio.

Umso wichtiger also, dass wir ausreichend

Platz schaffen, um gemeinsam zu lachen, zu

schlemmen und zu lümmeln. *fj

MINIMALIST

„Less is more“ war wohl die Devise

des Designers Michael H. Nielsen

als er den Esstisch „Graceful“

entworfen hat. Die Details sind,

abgesehen von den leicht geneigten

Beinen, auf ein absolutes Minimum

reduziert. Von 1,60 bis 2,20 Meter

in der Länge ist Graceful in vier

unterschiedlichen Größen erhältlich

und passt damit gut in kleinere und

größere Apartments.

www.bolia.com

MULTITASKER

Die „London“-Bank des

dänischen Möbelherstellers

BoConcept ist Parkplatz für

Schuhe, ein bequemer Platz

zum An- und Ausziehen oder

kann immer dann zu einer

zusätzlichen Sitzmöglichkeit

umgewandelt werden, wenn

doch mal mehr Gäste zu

Besuch kommen. Die Bank

ist 1,60 Meter breit und kann

in verschiedenen Farben

bestellt werden.

www.boconcept.com


Design

VERWANDLUNGSKÜNSTLER

1927 wurde Pierre Paulin in Paris geboren

und begann 1948 eine Lehre in einer

Keramikwerkstatt in Vallauris. Seinen

Traum, Bildhauer zu werden, musste er

aufgrund einer Verletzung am Arm aufgeben

und widmete sich deshalb ab 1950 dem

Studium französischer Einrichtungsstile.

Gelangweilt von der Opulenz eines Louis XIV.

oder Napoleons, wandte er sich schon bald

den reduzierteren Designs Skandinaviens zu.

Seine Affinität zu

den kühlen Trends des Nordens

sieht man seinen Möbeln durchaus an.

Für ligne roset entwarf er das „DAYBED“-

Sofa, das mittels diverser Stoffe und Farbkombination

an den eigenen Geschmack

und bestehende Einrichtungsgegenstände

angepasst werden kann. Und wenn

ein Freund mal über Nacht bleiben will,

verwandelt es sich mit wenigen Handgriffen

in ein Bett.

www.ligne-roset.com

# HIVersity

Weil wir mehr sind als nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-200009-11/2020


REISE

MITTELMEER

GAY CRUISE 2023

FOTO: ISTOCKPHOTOCOM/TOXAWWW

Die Spartacus Cruise 2023 sticht

nächsten Mai das dritte Mal in See

auf einer spannenden Route entlang der

französischen und italienischen Küste.

Neben kulturhistorischen Highlights in

Florenz und Rom liegen mit Elba und

Korsika auch zwei traumhafte Inseln

auf der siebentägigen Route. Die Preise

starten bei 989 EUR pro Person in der

Doppelbelegung. Alleinreisende haben die

Möglichkeit, entweder an unserem Single

Match teilzunehmen und einen passenden

Kabinenpartner zu finden oder für

einen Aufschlag von nur 15 % die Kabine

ganz für sich allein zu haben.

Zum abwechslungsreichen Bordprogramm

gehören unsere beliebten Pool Games,

bei denen die Kandidaten zu fast

jugendfreien Spielen gegeneinander

antreten. Am Abend warten zahlreiche

durch akrobatische Einlagen unseres

Artistenteams angereicherte Themenpartys

am Heckpool mit atemberaubenden

Sonnenuntergängen und internationalen

DJs auf die Gäste aller Altersgruppen. Zu

den Themen zählen:








13.5 - Sail Away in White

14.5 - Seetag mit Drag-Party

15.5 - Uniform inkl. Matrosen-Outfits

16.5 - Show your Neon at Disco Nights

17.5 - Sneakers, Turnhosen, Muscleshirts

für die Sports-Nacht

18.5 - Be My Slut at Kinky

19.5 - Bye Bye in Rainbow Colors

Ein besonderes Augenmerk legen wir

dieses Mal auf thematisch angepasste

Ausflüge. So steht in Florenz die „Renaissance

im Spiegel homo-erotischer Kunst“

auf dem Programm.

FLORENZ – AUF DEN SPUREN

SCHWULER KUNST DER RENAISSANCE

Diese Tagestour ist der italienische

Renaissance und ihrer besonderen

Beziehung zur Homosexualität gewidmet.

Nach der Abholung am Hafen fährt

der Bus in die Innenstadt von Florenz,

wo ein Besuch der Accademia-Galerie

mit dem David von Michelangelo auf

dem Programm steht. Anschließend

sieht man im Bargello-Museum eine

gleichnamige Schöpfung von Donatello.

Er war einer der ersten modernen

Künstler, die in Florenz als homosexuell

bekannt waren. Donatellos Atelier

war ein homosoziales Umfeld, in dem

er seine Lehrlinge eher nach seinem

Schönheits- als nach ihrem Können

auswählte. Donatellos David war die

erste bekannte freistehende männliche

Aktskulptur in Lebensgröße seit den

antiken römischen Monumenten. Diese

Figur vergötterte die Männlichkeit und

Androgynität in ihrer Form und ihren

weichen Kurven.

Während der Renaissance erreichte

Florenz seinen Glanz mit der Medici-

Familie, die der Homosexualität gegenüber

recht „tolerant“ war. Ein Besuch der

Medici-Kapellen rundet den Ausflug ab.


Medienpartner:

MÄNNER.

UND MEER.

DEINE GAY CRUISE

13. – 20. Mai 2023

Marseille – Elba – Rom – Livorno –

Nizza – Korsika – Marseille

In Rom können wir sogar aus drei verschiedenen

Themen auswählen: „Vatikanische Museen und ihre

schwulen Künstler“, „Engelsburg – schwule Geschichte

der päpstlichen Residenz“ und „Homosexualität im

antiken Rom“.

FRÜHBUCHER-

RABATT

bis 31. Oktober 2022

Über die Jahrhunderte gab es in der Kirche einige große

Homosexuellenskandale: zum Beispiel Papst Julius III. und

sein junger Liebhaber Innocenzo del Monte, der im Alter

von 17 Jahren Kardinal wurde. Die Tour beginnt mit der

Besichtigung der Vatikanischen Museen. Die Decke der

Sixtinischen Kapelle wurde von Michelangelo zwischen

1508 und 1512 gemalt. Der Auftrag lautete ursprünglich,

die zwölf Apostel zu malen, doch Michelangelo verlangte

freie Hand bei der Gestaltung des Bildinhalts, z.B. beim

Gemälde des Heiligen Sebastian, eines römischen

Soldaten und christlichen Heiligen. Gerne wird er als

schöner nackter Junge gemalt, der an einen Baumstamm

gefesselt ist.

Kaiser Hadrian war berühmt für seine Liebe zu Antinoos,

einem griechischen Jüngling.

Die Engelsburg bot vielen Päpsten in Kriegszeiten Schutz.

Im XII. Jahrhundert verband ein unterirdischer Tunnel

die Burg mit dem Vatikan, so dass der Papst und seine

Soldaten bei Angriffen auf den Vatikan fliehen konnten.

Es war auch eines der größten Gefängnisse in Rom. Der

berühmte italienische Bildhauer Benvenuto Cellini aus

dem XVI. Jahrhundert war hier wegen Raubes inhaftiert.

Benvenuto Cellini war auch ein homosexueller Künstler,

der sich gerne mit jungen Männern in seiner „bottega“

traf und sich von der Perfektion des männlichen

Körpers angezogen fühlte. Heute ist die Engelsburg ein

großartiges Museum mit päpstlichen Kostbarkeiten und

Kunstwerken.

Nur noch bis zum 31. August sind fast alle Kategorien

noch mit einem Frühbucherrabatt von 10 % zu erwerben.

Günstige Anreisemöglichkeiten nach Marseille gibt es mit

Flugzeug, Bahn oder Bus.

www.spartacus.cruises

www.spartacus.cruises


Kunst

Shilpa Gupta, I live under your sky too, 2004 fortlaufend, animierte Lichtinstallation, 975 x 487 cm, Courtesy of the artist, © Shilpa Gupta, Foto/©: ZTS Kira Barlach

GLEICHE RECHTE UND

AUSSTELLUNG

CHANCEN

Die Ausstellung „Empowerment“ im Kunstmuseum

Wolfsburg versammelt diverse feministische

Ansätze und versteht sie als progressive Methoden,

die Gesellschaften der Welt mit den Mitteln der

Kunst zu analysieren und mögliche Wege aus den globalen

Krisen aufzuzeigen.

Strukturelle Macht- und Ungleichheitsverhältnisse verhindern

vielerorts gleiche Bezahlung oder die Honorierung

häuslicher Arbeit und sorgen für Unterdrückung und

Ausbeutung bis hin zu körperlicher Gewalt oder sogar Mord.

Auf diese unhaltbaren Zustände reagieren weltweit zahllose

Künstler*innen mit ihren Werken, um für sich und andere

marginalisierte Menschen gleichberechtigte und zukunftsweisende

Lebensmöglichkeiten zu erwirken.

Das Kunstmuseum Wolfsburg bietet im Rahmen der

Ausstellung „Empowerment“ mit rund einhundert künstlerischen

Positionen erstmals einen derart umfangreichen

globalen Überblick über Kunst und Feminismen des

21. Jahrhunderts – und das aus rund fünfzig Ländern von

allen Kontinenten. Verhandelt werden außerdem Fragen

bezüglich sozialer Ungleichheit, Sexismus, Rassismus,

Migration, Antisemitismus, das Verhältnis von Körpern,

Technologie sowie ökologische Anliegen. Das alles sind

Themen, die jede*n betreffen.

Laetitia Ky, pow'hair, 2022, © Courtesy the artist and LIS10gallery

10.9.2022 – 8.1.2023, Empowerment, Kunstmuseum

Wolfsburg, kunstmuseum.de


Kunst

FOTOS: M. RÄDEL

AUSSTELLUNG

„MYTHOS NATUR“

Warhol und Picasso in Lindau

Von Impressionismus bis hin zu Pop-

Art, von Monet bis Andy Warhol: Die

Inselstadt im Bodensee erfreut das – queere

– Herz mit Kunst, Natur und Historie.

Lindau liegt zwar in Bayern, erinnert aber

mit seiner Pracht, Kunst und Queerness an

große Metropolen.

In der noch bis in den Oktober hinein

laufenden Ausstellung „Mythos Natur“ kann

der Besucher Werke so populärer Künstler

wie Monet, Manet, Renoir, Liebermann,

Macke, Nolde, Münter und auch Pablo

Picasso erleben. Der am 25. Oktober 1881

geborene spanische Künstler gilt als Genie,

aber auch als Macho und Frauen gegenüber

als unsensibel (um es milde auszudrücken).

Seine Kunst – etwa 50.000 Gemälde, Zeichnungen,

Grafiken, Collagen, Plastiken und

Keramiken – beeinflusste die Entwicklung

der Moderne nachhaltig. Am 8. April 1973

starb der zur Ikone gewordene Künstler, bis

heute inspiriert er Maler und Kreative. Auch

seine Kunst ist von der Natur beeinflusst.

Möglichkeiten und Techniken zu

erproben“, so das Museum auf seiner

Homepage über die aktuelle thematisch

geprägte Sonderausstellung. „Schließlich

bediente sich auch der Popartist Andy

Warhol des Motivs der Blume und schuf

mit seiner Serie ,Flowers‘ Ikonen der

modernen Kunst. Doch setzte er der

Freilichtmalerei vergangener Zeiten

die serielle Kunst durch maschinelle

Farbvariationen aus seinem Fabrikatelier

entgegen.“

Über Andy Warhol: Er war der jüngste Sohn

einer Bauernfamilie aus dem Norden der

Slowakei. Erst studierte der spätere Weltstar

Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of

Technology und lebte in den 1950ern von

Gelegenheitsjobs als Grafiker. 1956 hatte

Andy Warhol (6. August 1928 – 22. Februar

1987) seine erste wichtige Einzelausstellung

im New Yorker Museum of Modern Art. Ab

den 1960ern widmete er sich auch immer

mehr dem Film und wurde durch seine

Siebdrucke weltberühmt. Der einstige

Studio-54-Fan ist einer der wichtigsten

Vertreter der US-Pop-Art und eine DER

ganz großen Legenden der Kunstwelt. *rä

„Mythos Natur“, noch bis 3. Oktober,

Kunst Museum Lindau, Lindau,

www.kultur-lindau.de

FOTO: CHRISTIAN FLEMMING

„Für Maler aller Epochen bedeutet das

Studium der Natur eine der wichtigsten

Grundlagen ihres Schaffens. Landschaften

und Blumenstillleben sind seit

jeher reizvolle Bildthemen, und private

sowie öffentliche Gärten wurden zu

unerschöpflichen Inspirationsquellen für

Maler und Poeten. So rückte der Garten

besonders seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

in den Fokus der Künstler, um

in der Freilichtmalerei neue bildnerische


KOMPROMISSLOS

L(I)EBEN.

Das geht auch mit HIV.

NP-DE-HVU-ADVT-220002 07.2022

In der digitalen HIV-Broschüre fi ndest du alle

wichtigen Infos – für ein gutes Leben mit HIV.

Jetzt scannen und mehr erfahren!


Gesundheit

SCHLAU ZU HIV

ANSPRUCH AN DIE ART:

Für mich nur das Beste!

Seit mehr als 50 Jahren wirbt

ein französischer Kosmetikhersteller

mit dem Slogan „Weil ich

es mir wert bin!“ Es geht also

um den selbstverständlichen Anspruch,

sich etwas Besonderes zu gönnen,

wenn nicht sogar darum, das Beste zu

verlangen. Bei der Entscheidung für ein

antiretrovirales Therapieregime (ART)

geht es weniger ums Gönnen oder gar

um das Gefühl von Luxus: Es muss auf

Basis der in Studien nachgewiesenen

Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit

das Regime gefunden werden, das auf

lange Sicht gut zu laufen verspricht.

Bei einer mit heutigem Stand jahrzehntelang

einzunehmenden Therapie ist

aber in jedem Fall jeder Mensch mit HIV

immer wert, das aktuell beste Regime zu

verlangen und zu bekommen.

Aber gibt es bei der Vielzahl möglicher

Regime überhaupt „das eine beste

Regime“? Was sind die Parameter, die bei

der Bewertung und Auswahl zählen? Wie

individuell muss die Therapie heute sein?

Darüber haben wir mit Prof. Dr. Georg

Behrens von der Medizinischen Hochschule

Hannover gesprochen mit XYZ.

Auf den ersten Blick scheint die

Anzahl der zur Verfügung stehenden

Wirkstoffe in der HIV-Therapie

unüberschaubar. Brauchen wir die

alle noch? Gibt es nicht einfach

inzwischen das eine, das beste

Medikament gegen HIV?

Es ist ein bisschen ein Mittelweg: Es gibt

wahnsinnig viele Medikamente mit einzelnen

Wirkstoffen und auch mit mehreren

davon zusammen in einer Tablette.

Wir brauchen auch nicht mehr alle diese

Medikamente. Eine Reihe von Regimen

der letzten Jahre sind besser und haben

ältere, die wir früher eingesetzt haben,

abgelöst. Wir können aber nicht sagen,

dass wir nur noch ein oder zwei oder

sogar das fertige Regime haben, das die

Lösung für alle ist. Menschen sind unterschiedlich,

Situationen verändern sich

und wir müssen hier und da Therapien

anpassen. Mit anderen Worten: Von den

30, 40 Substanzen, die es gibt, brauchen

wir 10, 15 unbedingt und ganz selten

auch noch mal ein paar andere.

Was können die modernen HIV-

Therapien besser? Und gibt es auch

neue Wirkstoffe oder Medikamente,

die dann doch nicht besser sind?

Es hat in den letzten fünf bis sieben Jahren

einige Verbesserungen gegeben. Bei

den Substanzen und Medikamenten der

zweiten Generation. Bei den Integrase-

Inhibitoren, die etwas später kamen

als Substanzklasse, waren die ersten

Medikamente nicht ganz perfekt. Die

nächste Generation ist wirklich noch mal

ein Level höher. Die Proteaseinhibitoren,

die wir vor 20 Jahren als erstes in der

Therapie eingesetzt haben, die waren

sowas wie Panzerknacker. Das war zwar

damals super, hat aber auch, um im Bild

zu bleiben, viel geknallt. Da hat es auch

deutliche Verbesserungen gegeben. Und

dann gibt es noch die Substanzklasse

der NRTI, die einen ganz anderen Bereich

des HI-Virus angreifen. Die sind jetzt

viel stärker wirksam und auch besser

verträglich.

FOTO: OLIVER-RAGFELT / UNSPLASH.COM / CO0


In der HIV-Therapie galt lange Jahre

„Never change a running system“.

Das haben viele HIV-Positive auch

sehr stark verinnerlicht. Ist das

noch zeitgemäß?

Wenn ich auf einer – ich sage mal so ein

bisschen älteren Kombinationen bin und

darauf wie mit meinem alten Golf super

fahre, dann gibt es nicht unbedingt einen

Grund, etwas zu ändern. Aber man sollte

immer überlegen, ob nicht trotzdem noch

etwas angepasst werden kann, um mehr

raus zu holen.

Welche Parameter bei der Bewertung

eines Regimes machen einen

wirklichen Unterschied? Welche

Daten brauchen Sie als Behandler,

um einem Regime Vertrauen

entgegenzubringen?

Die Behandlerinnen und Behandler hatten

immer eins vor Augen: Was wir fürchten

wie der Teufel das Weihwasser ist das virologische

Versagen. Also dass die Viruslast

wieder ansteigt oder es zu Resistenzentwicklungen

kommt. Das steht bei allem

immer im Vordergrund. Und dann gibt es

einen Übergang: Natürlich wollen wir auch

Therapien, die einfach sind. Die kompatibel

sind zu Begleittherapien und so weiter.

Da kommt dann mehr und mehr in den

Vordergrund, wie der Patient eine Therapie

erlebt. Das kann mit verschiedenen

Aspekten zusammenhängen: Modalitäten,

wann die Medikamente eingenommen

werden, oder auch Ängste. ‚Wenn ich da

mal eine vergesse. Muss ich abends

eine Tablette einnehmen, wenn

ich sie morgens nicht

genommen habe? Bin

ich dann trotzdem

sicher?’ Auch subtile

Nebenwirkungen

gehören mit zu

diesen Parametern.

Die kann der

Behandler auch

indirekt einschätzen.

Ein typisches

Beispiel, das ich einfach

immer wieder bei

Patienten erlebe, die lange

zum Beispiel auf so einem

Proteaseinhibitor sind, ist: Die sagen‚

ab und zu habe ich Bauchgrummeln oder

plötzlich Durchfall irgendwie. Nicht oft,

aber es ist total unangenehm.’ Manchmal

sind sie auch überrascht, wenn ich das

direkt abfrage, weil ich ja bei den Kombinationen

weiß, dass so was auftreten kann.

Die Patienten sind dann erleichtert, wenn

ich sage, dass wir einfach etwas anderes

Gesundheit

probieren können. Es ist heute nicht mehr

wie vor zehn Jahren. Wir riskieren damit

nichts. Wir können heute ohne die Angst

vor einem Therapieversagen verschiedene

Kombinationen ausprobieren und auch

wieder zu einer zurückgehen, wenn es

sein muss. Es ist egal, ob ich

mit dem Mercedes oder

dem Daimler fahre, es

sind beides gute

Fahrzeuge. Wer am

Ende was haben

will oder sich

womit am wohlsten

fühlt, muss

man im Dialog mit

den Patienten herausbekommen.

Für

ihn geht es immerhin

um eine lebenslange

Therapie.

FOTO: SANDER SAMMY / UNSPLASH.COM / CO0

Das heißt?

Dass wir eine Therapie brauchen, die er

ein Leben lang ohne Nebenwirkungen und

Einschränkungen einnehmen kann. Die

HIV-Therapie muss nicht mehr nur in den

Körper, sondern flexibel in das Leben des

Patienten passen.

*Interview: Christian Knuth

Kann man Kondome

besser machen ?

Die neuen FAIR SQUARED-Kondome sind

in Kooperation mit der Deutschen Aidshilfe

entstanden. Ein Teil der Erlöse unterstützt

die Arbeit der Deutschen Aidshilfe.

FAIR SQUARED-Kondome sind aus fair

produziertem Naturkautschuk hergestellt.

Für jedes Kilogramm Naturlatex, das wir

verarbeiten, zahlen wir eine Fair-Trade-

Prämie. Die Gummiproduzent:innen,

Kooperativen oder Arbeiter:innen auf den

Plantagen entscheiden selbst, wie sie die

Fair-Trade-Prämie zur Verbesserung ihrer

Lebens- und Arbeitsbedingungen verwenden

wollen.

FAIR SQUARED-Kondome sind 100% vegan.

Es werden keine tierischen Inhaltsstoffe,

z. B. Casein bei der Herstellung der Kondome

benutzt und keine Tiere bei der Ernte des

Naturkautschuks eingesetzt.

FAIR SQUARED-Kondome sind flexibel und

passen sich dem Penis rundum sicher an.

Sie sind nahezu geruchsneutral, lassen sich

schnell aus der Papierfolie entnehmen und

leicht abrollen.

FAIR SQUARED Smooth

extra feucht

Wandstärke: ca. 0,075 mm

nominale Weite: ca. 54 mm

Eine Kooperation mit der

Deutschen Aidshilfe


Gesundheit

„Ich persönlich muss mich mit

meiner HIV-Infektion nicht

verstecken. Aber ich verstehe,

dass nicht jeder HIV-positive

Mensch damit offen umgehen

kann oder möchte.“

– Christoph, lebt seit

2005 mit HIV

NP-DE-HVU-ADVR-220005

Offen mit der eigenen HIV-Infektion umgehen?

Was man gegen die Angst vor einem ungewollten HIV-Outing tun kann

Nicht jeder Mensch mit HIV kann

oder möchte offen mit der eigenen

Infektion umgehen - und das ist absolut

okay. Sobald allerdings Sorgen und Ängste

vor einem ungewollten HIV-Outing ins

Spiel kommen, gilt es wachsam zu sein.

Diese können bei HIV-positiven Menschen

nicht nur den Alltag beeinträchtigen,

sondern sich auch negativ auf die mentale

Gesundheit auswirken, was wiederum auch

einen großen Einfluss auf die Lebensqualität

haben kann.

MENTALE GESUNDHEIT –

WAS IST DAS EIGENTLICH?

Der Begriff der mentalen Gesundheit wird

oft im Zusammenhang mit dem psychischen

Befinden verwendet. Man versteht

darunter einen Zustand des psychischen,

sozialen und emotionalen Wohlbefindens.

Mental gesund sein bedeutet nicht nur „es

geht mir nicht schlecht“, sondern darüber

hinaus auch „es geht mir gut“.

Wenn man als HIV-positiver Menschen

einen für sich gesunden Umgang mit der

eigenen Infektion gefunden hat, bei dem

man keine Angst vor einem ungewollten

Outing haben muss, trägt das zum Erhalt

der mentalen Gesundheit und somit der

Lebensqualität bei.

WAS DIE MENTALE GESUNDHEIT

BEEINFLUSSEN KANN

Häufig wird HIV-positiven Menschen von

ihrem engen Umfeld geraten, niemandem

von ihrem Status zu erzählen. Dahinter

steht meist die Überzeugung, dass die HIV-

Infektion ein selbst verschuldeter Makel sei,

den es um jeden Preis zu verstecken gilt.

Diese Form der Stigmatisierung von Menschen

mit HIV ist leider noch immer weit

verbreitet. Viele Menschen verinnerlichen

diese negative Bewertung von außen sogar

und verknüpfen ihre HIV-Infektion dann

mit belastenden Gefühlen wie Schuld und

Scham – das nennt man auch Selbststigmatisierung.

Sie machen sich zum

Beispiel Vorwürfe, verurteilen sich selbst

und schämen sich für ihren HIV-Status. All

das hat einen negativen Einfluss auf die

mentale Gesundheit.

DIE ANGST GEOUTET ZU WERDEN

Die Angst vor dem ungewollten Outing zeigt

sich oft in der Befürchtung, dass jemand die

HIV-Medikamente entdecken oder einen bei

deren Einnahme beobachten könnte. Diese

Sorge kann dann zu bestimmten Handlungen

führen, die dazu dienen, den eigenen

positiven HIV-Status zu verheimlichen.

Wenn diese Handlungen zur Gewohnheit

werden, dann kann das zu einer andauernden

unbewussten Belastung führen.

Eine beispielhafte Handlung ist das

Verstecken der HIV-Medikamente

häufig – vor allem dann, wenn man mit

anderen Menschen zusammenwohnt, die

nichts von der HIV-Infektion wissen sollen.

Manchmal geht es sogar so weit, dass man

Angst vor Besuch entwickelt, denn dieser

könnte womöglich offen herumliegende

Medikamente entdecken und somit von

der HIV-Infektion erfahren. Spätestens hier

sollte einem bewusst werden, dass dieser

Umgang langfristig nicht förderlich für die

eigene mentale Gesundheit ist.

WAS KANN MAN TUN, WENN EINEM DER

OFFENE UMGANG SCHWERFÄLLT?

Vorteilhaft ist es, wenn man sicher und

selbstbewusst mit der eigenen HIV-Infektion

umgehen kann – denn dann gibt es keinen

Grund mehr für ein unter Umständen

belastendes Versteckspiel.

Falls man aber nicht offen mit dem

HIV-Status umgehen möchte, gibt es auch

andere Möglichkeiten, einen gesunden

Umgang damit zu finden. Im Alltag können

beispielsweise schon Kleinigkeiten- wie

die folgenden Tipps - zu einer merklichen

Veränderung führen:

■ Die Medikamente in eine neutrale

Pillenbox packen. Das erleichtert

auch die Mitnahme, wenn man mal

länger aus dem Haus ist und die

Tabletten bei sich haben muss.

■ Zuhause einen festen und diskreten

Ort für die Aufbewahrung der

Medikamente finden.

■ Wenn man sich einen Wecker

zur täglichen Erinnerung an die

Einnahme stellt, dann kann man bei

der Benennung auf eine neutrale

Bezeichnung achten.

UNTERSTÜTZUNGSANGEBOTE NUTZEN

Auch wenn man als HIV-positiver Mensch

selbst mit solch kleinen Stellschrauben

einiges bewirken kann, lässt sich die

grundsätzliche Angst dadurch leider nicht

beseitigen. Daher ist es wichtig, auch mit

dem/r Ärzt*in über die eigenen Sorgen zu

sprechen, denn nur wenn diese/r Bescheid

weiß, kann sie/er bestmöglich unterstützen.

Die auf HIV spezialisierten Ärzt*innen sind

meist sehr gut vernetzt und können einem

somit gezielte Unterstützungsangebote

ans Herz legen, die im Umgang mit Ängsten

helfen können.

Außerdem kann man sich zusammen die

vielfältigen Therapiemöglichkeiten ansehen

und gemeinsam eine Therapie finden, die

sich besser in den Alltag integrieren lässt,

damit man keine Angst mehr vor einem

ungewollten HIV-Outing haben muss.

Weitere Infos sowie persönliche

Geschichten zum Leben mit HIV

findest du unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


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