here – Das Magazin. Von Geflüchteten. Für Bochum – Sonderausgabe Campfire

3satzbochum

Sonderausgabe zum Medienfest Campfire

Das Magazin

Mit geflüchteten Menschen reden. Nicht nur über sie.

Talking with the refugees. Not just about them.

Parler avec les réfugiés. Pas seulement à propos d'eux

التحدث مع الالجئني.‏ ليس فقط عنهم.‏

Sonderausgabe zum

Campfire-Festival

September/Oktober 2017

here-Redaktion berichtet vom Medienfest Campfire-Festival

▸ Interview mit Moderatorin Dunja Hayali auf Seite 4

here-Editors Report from Media Fair Campfire-Festival

Botschafter auf

▸ Interview with Dunja Hayali on page 4

musikalischem Weg

le Campfire-Festival: les rédacteurs de here vous en parlent

Aliou schreibt und performt

▸ une interview avec la présentatrice Dunja Hayali à la page 4

Songs über Themen, die ihn

bewegen. Seite 8

إدارة تحرير مجلة - هنا يف بوخوم - تقدم تقريراً‏ عن الحدث اإلعالمي الذي حصدناه يف مهرجان - الصحافة

• مقابلة مع مقدمة الربامج التلفزيونية دنيا هيايل يف الصفحة ٤


Contenu │Content│Inhalt ‏│املحتوى

أهالً‏ وسهالً‏ Welcome, Willkommen, Bienvenue,

Interview

TV-Moderatorin Dunja

Hayali über Anfeindungen

sowie Freundlichkeit als

Antwort darauf

04

13

Fayk

Al Youssef

Mein Weg nach

Deutschland

08

„Wlad Alam“

Rap-Songs

für den

Große

Frieden

Umfrage:

Freunde fürs

Leben?

18

21

Moussa Diagnes

vegetarisches

Rezept:

Mafé

Interview

Der „Asylbewerber Ihres

Vertrauens“ Ali Can über

die Kunst des Zuhörens

Zu

unkritisch?

Die Flüchtlingskrise

in den Medien

25

Moussa

Diagne kocht

Senegalesisch

20

10

26

Wie lesenswerte

Stories noch

lesenswerter

werden

Die

syrische

Künstlerin

Diala Brisly

28 30

Gemeinsames

Kochen in der

Refugees´

Kitchen

Rezept

aus der

Refugees´

Kitchen:

Ful Mudammas

31

Interview

Terrorexperte Elmar

Theveßen über die Folgen

von Terrorangst für die

Gesellschaft

14

Campfire:

Festival statt

Fachtagung

Interview

Journalist Raphael Thelen

hat viele Reportagen

über Ostdeutschland und

Fremdenfeindlichkeit

geschrieben

22

33

34

Wir waren dabei!

here-Redakteure

auf dem

Campfire

Impressum

Herausgeber:

Angekommen e. V.

Verein zur Förderung der Integration

von geflüchteten Menschen in Bochum

Alte Hattinger Straße 29

44789 Bochum

Tel.: 0234 / 54477964

Fax: 0234 / 54496967

team@here-in-bochum.de

www.here-in-bochum.de

Redaktion und Satz: Vicki Marschall (verantwortlich), Nour Abdalkhalek,

Fayk Al Youssef, Momen Aldanaf, Mohamad Almurad,

Bashar Alsahwi, Manuel Bussler, Munir Chaar, Christian Cirkel,

Jan Franzen, Franziska Gebhardt, Mareike Ickler, Angela Rabing,

Shirawan Rammo, Mahmod Smo, Judy Khawatmi, Anas Makancy,

Robin Rosendahl

Titelfoto: Vicki Marschall

Fotos: Franziska Gebhardt, Vicki Marschall, Bashar Alsahwi, Mohamad

Almurad, Mareike Ickler, Robert B. Fishman

Grafiken: Fotolia

Druck: Bonifatius Druckerei, Paderborn

In Kooperation mit

Gewinner beim

NRW.Bank Ideenwettbewerb

2015/2017

2 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


أهالً‏ وسهالً‏ Welcome, Willkommen, Bienvenue,

Représenter notre association « here »

à un festival pendant trois jours, c’était

vraiment une nouvelle expérience

pour moi mais aussi pour notre équipe

de la rédaction. Munie de rendez-vous

pour une interview et la tête pleine

d’idées, munie d’équipement technique

et de matériel publicitaire, l’équipe

rédactionnelle de « here » se présentait

plein de motivation au festival Campfire.

On ne savait pas ce qui nous attendait,

quels reportages et quels portraits nous

croisaient. Maintenant, nous pouvons

présenter une édition spéciale de notre

magazine « here » avec des interviews,

des portraits de certaines personnes que

nous avons rencontrés au festival et des

photos. Chaque présentation de notre

équipe à une telle manifestation est un

moment spécial. Par contre, le festival

Campfire était quelque chose d’extraordinaire

tout se passait vraiment bien !

Nous avons parlé à beaucoup de gens,

nous avons fait de nouvelles connaissances

et nous avons surtout pris confiance.

Nous sommes prêts à présenter «

here » au prochain festival.

Je suis here

Vicki

Übersetzung: Christian

Being on a festival for three long days was an entirely

new experience for me and our editorial team.

Equipped with a few interview appointments and lots

of ideas, with technical equipment and promotional

material as well as a very motivated team, the here editors

presented themselves at the Campfire-Festival.

We did not know what to expect, which reports and

portraits we might come across. Everything was turned

into this special issue with interviews, portraits and

photographs. Every presentation of our team at events

is something special. The Campfire, then again, was extraordinary

great! We had many conversations, could

establish new contacts and, above all, gain self-confidence.

We are ready for the next event!

I am here

Vicki

Übersetzung: Angela/Mareike

Drei Tage lang auf einem

Festival vertreten zu sein,

war eine völlig neue Erfahrung

für mich und unser

Team. Ausgestattet mit ein

paar Interviewterminen und

vielen Ideen, mit Technik und

Werbematerial sowie einem

hochmotivierten Team, präsentierte

sich die here-Redaktion

beim Campfire-Festival. Was uns dort erwartet,

welche Reportagen und Porträts uns über

den Weg laufen würden, war ungewiss. Nun ist eine

eigene Sonderausgabe mit Interviews, Porträts und

Fotos daraus geworden. Jede Präsentation unseres

Teams auf Veranstaltungen ist etwas Besonderes.

Das Campfire war dagegen außergewöhnlich gut!

Wir haben viele Gespräche geführt, neue Kontakte

geknüpft und vor allem an Selbstvertrauen gewonnen.

Der nächste Außeneinsatz kann kommen.

Ich bin here

Vicki

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

│Éditorial│Editorial│Editorial مقال إفتتاحي

عىل مدى ثالثة أيام أثبتنا حضورنا يف املهرجان ،

وقد كانت هذه تجربة جديدة كلياً‏ بالنسبة يل

ولهيئة تحرير مجلة „ هنا يف بوخوم „

زودت هيئة تحرير مجلة „ هنا يف بوخوم „

ببعض مواعيد املقابالت ، والكثري من األفكار ،

ومعدات التصوير والنرشات اإلعالمية . وبحامسة

كبرية قدم فريق مجلة „ هنا يف بوخوم „ نفسه

يف مهرجان الكامبفاير وخاض التجربة . كنا نجهل

كم التحقيقات الصحفية والصور الشخصية التي

تنتظرنا هناك ! لكن يف نهاية املطاف أصدرنا عدد

خاص مبجلتنا ، قدم محررو مجلتنا من خالله عرض

البرز ما جرى هناك يف املهرجان ، وبداخله العديد

من املقابالت والصور الشخصية . إن كل حضور

ملجلتنا يف املناسبات املختلفة هو حدث مميز .

ويف مهرجان الكامبفاير كان حضورنا متألق وفاق

كل التوقعات . قمنا بإجراء الكثري من الحوارات ،

وحصلنا عىل قنوات اتصال جديدة ، وازدادت ثقتنا

بنفسنا . ونحن بانتظار املناسبات القادمة .

فييك مارشال

Vicki

Übersetzung: Nour

3


│Une │Cover Story │Titelgeschichte القصة الرئيسية

„Wenn sich jemand rassistisch äußert,

fühle ich mich nicht persönlich, sondern

als Teil dieser Gesellschaft verletzt“

TV-Moderatorin Dunja Hayali über Anfeindungen

sowie Freundlichkeit als Antwort darauf

„If someone says something racist, I do not

feel hurt myself but as a part of our society“

TV host Dunja Hayali about hate speech and racist

hostilities as well as friendliness in response

Dunja Hayali scheint ein Allroundtalent zu sein: Sie begann

ihre Karriere beim Radio, moderierte die ZDF heute-Nachrichten,

war Co-Moderatorin des heute-journals. Beim

ZDF-Morgenmagazin ist sie fest verankert, übernimmt aber

auch Polit-Talks im Abendprogramm. Beim Campfire-Festival

war sie für die Diskussionsrunde „Ein Netz aus Hass

Dunja Hayali über ihren Umgang mit Hasskommentaren

und die Chancen des Netzes als Kommunikationsraum“ zu

Gast. Die here-Redakteure waren sehr beeindruckt, wie

viele Interessierte kamen. Beim anschließenden Interview

waren Hiba, Fayk und Mahmod etwas aufgeregt. Aber

durch die sympathische, freundliche und witzige Art der

Moderatorin legte sich das schnell.

Fayk: Hallo Dunja, herzlich willkommen bei uns. Oder darf

ich dich auch auf Arabisch begrüßen: Ahlan biki ma‘na.

Dunja: (Bedankt sich auf Arabisch) Shukran! Ich spreche

leider nur ein bisschen Arabisch, das meiste habe ich

leider vergessen. Ich freue mich sehr auf das Gespräch

mit euch!

Hiba: Wie siehst du persönlich die Situation mit den Ge-

Dunja Hayali seems to be an all-round talent: she started

her career at the radio, presented ZDF “heute” news, was

co-presenter of “heute-journal”. At the ZDF morning show,

she has a fixed position, but also hosts political talk shows

in the evening programme. At the Campfire Festival she was

guest at the discussion group „A Network of Hate Dunja

Hayali about her handling of hate comments and the opportunities

of the internet as a space for communication“.

The here editors were very impressed, how many people

came to the discussion. In the subsequent interview Hiba,

Fayk and Mahmod were a little bit nervous. Yet, because of

the the friendly, sociable and funny character of the presenter,

the excitement quickly passed.

Fayk (in Arabic?): Welcome!

Dunja (in Arabic?): Thank you! I only speak a little Arabic

and it’s not very strong because I forgot most of it.

Hiba: How do you look at refugees?

Dunja: I think not only Germany but Europe has the

responsibility to help refugees. That is written in our

Constitution and the Refugee Convention and many

4 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


flüchteten?

Dunja: Ich finde, dass nicht nur Deutschland, sondern

ganz Europa die Aufgabe hat, Geflüchteten zu helfen.

Das steht in unserem Grundgesetz, in der Flüchtlingskonvention

und noch an ganz anderen Stellen. Dazu

gehört aber auch, genau zu prüfen: Hat ein Geflüchteter

Anrecht auf Asyl? Darf er oder sie bleiben? Ist er

schutzbedürftig oder nicht? Unser Asylrecht sieht nicht

vor, dass wir Wirtschaftsflüchtlinge unterstützen.

Noch haben wir in Deutschland kein Einwanderungsgesetz

und solange das so ist, müssen wir diejenigen, die

kein Anrecht haben in Deutschland zu sein, wieder abschieben.

Das fördert übrigens auch die Akzeptanz der

Geflüchteten, die in Deutschland ein Anrecht auf Asyl

haben.

Fayk: Wie siehst du dich selbst, wenn du über Geflüchtete

berichtest: Als einer von ihnen oder als deutsche Bürgerin?

Dunja: Meine Eltern sind damals nicht aus dem Irak geflüchtet,

sondern sie haben den Irak verlassen, um zu

studieren. Wir sind also Migranten, keine Flüchtlinge.

Ich selbst bezeichne mich als Mensch. Ich habe das große

Glück, beim Geburtslotto gewonnen zu haben, weil

ich in Deutschland geboren wurde. Aber in meinem Herzen

schlagen natürlich zwei Herzen: ein irakisches und

ein deutsches, die aber miteinander verschmolzen sind.

Ich habe irakische Wurzeln, aber ich bin in Deutschland

geboren und aufgewachsen. Für mich spielen aber Nationalitäten

ehrlich gesagt keine Rolle. Für mich gibt es

natürlich faktisch Ländergrenzen, aber wer hat diese

Grenzen gezogen? Gerade wir wissen, worüber wir reden,

wenn wir auf die arabische Welt schauen.

Fayk: Wenn Geflüchtete bei dir in einem TV-Interview verbal

angegriffen werden, fühlst du dich auch persönlich verletzt?

Dunja: Wenn sich jemand rassistisch äußert, fühle ich

mich nicht persönlich, sondern als Teil dieser Gesellschaft

verletzt. Rassismus hat in Deutschland nichts

zu suchen. Nicht nur aufgrund unserer Vergangenheit,

sondern ganz grundsätzlich nicht. Aber als Journalistin

bin ich dazu verpflichtet, neutral zu sein und Fragen zu

stellen.

other places. That also means to check precisely: Has a

refugee a right for Asylum? Can he stay? Is he in need

of protection or not? Our Right of Asylum does not support

economic refugees/migration. As long as we don’t

have an immigration law in Germany, we must deport

those who do not have a right to stay in Germany. That

would also support the acceptance of refugees that

have the right for Asylum in Germany.

Fayk: When you talk about refugees, do you see yourself as

one of them or rather a German citizen?

Dunja: My parents didn’t flee from Iraq, they left to study.

So we are migrants, not refugees. I consider myself

a human being. I was lucky that I won the birth-lottery

because I was born in Germany. But there are two heats

beating in my chest: an Iraqi and a German heart but

they are melted together. I have roots in Iraq but I was

born and I have grown up in Germany. To be honest, for

me nationality isn’t important anymore. Of course, factually

borders still exist, but who made these borders?

We in particular know what we are talking about when

we look at the Arabian world.

Fayk: If refugees are verbally attacked in your show/discussion

group, do you feel personally hurt?

Dunja: If someone says something racist, I don’t feel

personally hurt but as a part of our society. There is no

place for racism in Germany. Not only because of our

past but fundamentally. But as a journalist I am obligated

to be neutral and ask questions.

│Une │Cover Story │Titelgeschichte القصة الرئيسية

Mahmoud: Warum hast du dir das Thema Hate-Speech als

Fokus ausgesucht?

Dunja: Ich habe mir das Thema nicht ausgesucht, es ist

Mahmoud: Why did you choose hate speech to focus on

today?

Dunja: I did not choose the topic, unfortunately it came

to me because I have a migrant background myself and

because I’m a woman and because I work in public-service

media. There are many different reasons that made

me ‘open to attack’/’vulnerable’ or an object of hate

speech. I am not a person who hides, I stand up and

confront it because I still believe that dialogue is helpful

in the end. Not with everyone sadly. That’s where you

have to say: Thus far and no further. But in my experience,

conversation can change a lot. That is our mission/task.

I believe that everyone can lose their fear and

prejudice if they talk to each other. When you realize:

“Wow, you’re human, too! Crazy! There’s normal blood

running through your veins and it probably looks just

like mine.” Why does integration work so well in football?

Because it is not about where you’re from

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

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│Une │Cover Story │Titelgeschichte القصة الرئيسية

leider zu mir gekommen: weil ich selbst Migrationshintergrund

habe, weil ich eine Frau bin, weil ich bei den

Öffentlich-Rechtlichen arbeite. Es gibt viele verschiedene

Gründe, die mich „angreifbar“ oder zum Objekt von

Hate-Speech gemacht haben. Ich bin aber niemand, der

sich wegduckt, sondern ich stelle mich und setze mich

damit auseinander, weil ich immer noch glaube, dass der

Dialog am Ende hilft. Nicht bei jedem leider.

Da muss man auch mal sagen: Bis hierhin und nicht weiter.

Aber meine Erfahrung ist schon, dass man durch das

Gespräch viel bewirken kann. Das ist ja auch die große

Aufgabe für uns. Ich glaube, jeder von uns verliert seine

Angst und seine Vorurteile, wenn man miteinander

ins Gespräch kommt. Wenn man feststellt: „Wow, du

bist auch ein Mensch! Verrückt! Auch durch dich läuft

normales Blut und es sieht wahrscheinlich genauso aus

wie mein Blut.“ Warum funktioniert Integration beim

Fußball so gut? Weil es nicht darum geht, wo du herkommst,

sondern nur darum, was du kannst. Wer bist

du? Spielst du gut? Spielst du vorne? Spielst du hinten?

Sind wir ein gutes Team?

Mahmod: Geht es dir denn auch um Publicity bei diesem

Thema?

Dunja: Nein! Darauf könnte ich gut verzichten. Also

ehrlich: Mein Leben wäre einfacher und friedvoller und

schöner, wenn ich mich nicht um das Thema kümmern

würde. Wenn es mir um Publicity gehen würde, würde

ich den ganzen Tag über meinen Hund sprechen.

Mahmoud: Warum hast du dich persönlich für Journalismus

entschieden?

Dunja: Weil ich sehr gerne Fragen stelle und unglaublich

neugierig bin. Schon als Kind habe ich immer gesagt:

Warum? Warum? Warum? Warum? Deswegen bin

ich Journalistin geworden. Außerdem finde ich Fragen

zu stellen einfacher, als Antworten zu geben.

Und so dreht Dunja auch kurzerhand den Spieß um, und

stellt unseren here-Redakteuren Fragen.

Dunja: Fayk, seit wann bist du hier in Deutschland?

Fayk: Seit fast zwei Jahren.

Dunja: (Auf Arabisch: Allugha maltesch kullesch Sen) Oh,

du sprichst aber sehr gut Deutsch.

Dunja: Und du, Hiba?

Hiba: Ich bin seit neun Monaten hier.

Dunja: Wie ist es bei dir, Mahmod: Wollt ihr irgendwann

zurückgehen in eure Heimat oder hier in Deutschland

bleiben?

Mahmod: Meine Familie entscheidet das. Meine Kinder

wollen gerne bleiben.

Dunja: Immer auf die Kinder hören! (lacht) Aber ich verstehe,

dass man seine Heimat vermisst. Meine Eltern

haben ihr Land immer vermisst.

Dunja: Seid ihr Muslime? Wie nehmt ihr denn selbst die

Diskussion über den Islam in Deutschland wahr?

Hiba: Im Westdeutschland ist es einfacher zu leben als im

but about what you can do. Who are you? Do you play

well? Do you play in the front or in the back? Are we a

good team?

Mahmod: Is this topic about publicity?

Dunja: No! I could do without that. To be honest: my

life would be easier and more peaceful and better if I

wouldn’t have to deal with that topic. If it was about

publicity I would talk about my dog all day.

Mahmoud: Why did you choose journalism?

Dunja: Because I like to ask questions and I’m incredibly

curious. Even as a kid I always said: Why? Why? Why?

Why? That’s why I became journalist. In addition, I find

it easier to ask questions than to give answers.

Campfire-Umfrage:

Wie kann man als

Geflüchteter Freunde finden?

Dunja Hayali:

Jetzt kommt die Klischee-Antwort, die aber trotzdem

wahr ist, weil ich mich selbst um einen minderjährigen

unbegleiteten Geflüchteten gekümmert habe. Das erste,

was ich gemacht habe, war: Ich habe ihn in einem

Sportverein angemeldet. Er konnte und wollte Fußball

spielen. Vereinsarbeit in Deutschland ist großartig.

Es gibt so viele Ehrenamtliche, die darüber hinaus

noch andere wertvolle Dinge machen. Oder man kann

beim THW anfangen oder zur Freiwilligen Feuerwehr

gehen. Also: Es gibt so viele Möglichkeiten, wo man

Menschen kennenlernt, die auch offen und sensibel

sind für dieses Thema. Ich glaube, dass das ein guter

Weg ist.

Ins Fitness-Studio gehen, in einem Café arbeiten

wenn das möglich ist da lernt man auch die Sprache.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ich sage immer:

Integration ist keine Achtung, noch so ein Klischee

Einbahnstraße. Es muss von euch kommen, aber auch

von der Mehrheitsgesellschaft. Viele sind dazu bereit,

lasst euch also nicht entmutigen. Das Ehrenamt in

Deutschland ist und war schon immer riesengroß. Hier

in Nordrhein-Westfalen, ich komme ja auch hierher,

engagiert sich jeder Dritte.

Foto: Robert B. Fishman

6 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Osten. Hier sind die Menschen meiner Meinung nach viel

toleranter.

Vicki: Fällt euch auf, dass jetzt Dunja die Fragen stellt und

nicht mehr ihr?

(Alle lachen)

Munir: Ja, das ist ja auch ihre Leidenschaft.

Fayk: Wünschst du dir, eines Tages bei einem arabischen

TV-Sender zu arbeiten?

Dunja: Machst du Witze? Du hast doch gehört, wie

schlecht ich arabisch spreche! (lacht) Was soll ich denn

da machen? Wenn ich Arabisch sprechen könnte, ja klar,

warum nicht? Aber im Moment würde es für mich da

eher zur Reinigungskraft reichen.

Fayk: Wie kann man sich als Geflüchtete wehren, wenn

man rassistisch beschimpft wird?

Dunja: Wer darf sich denn nicht wehren? Steht irgendwo,

dass das verboten ist? Ihr seid Menschen genauso

wie jeder in diesem Land auch. Ich glaube, dass man

nur weiterkommt, wenn man freundlich bleibt. Es bringt

überhaupt nichts, sich auf die Stufe seines Gegenübers

herabzulassen. Wenn er sagt: „Du scheiß Ausländer!“,

dann sagst du nicht: „Du scheiß Deutscher!“ Denn das

ist kontraproduktiv.

Ich würde fragen: „Warum bin ich denn ein scheiß Ausländer?

Was ist dein Problem? Warum findest du mich

jetzt eigentlich doof? Liegt es an meinen Haaren? Sollen

wir einen Kaffee trinken gehen?“ Ich glaube, dass man

diese Leute mundtot macht mit Freundlichkeit und dass

man sie natürlich nicht physisch umarmt. Das ist

sehr schwer, wenn man rassistische Beleidigungen über

sich ergehen lassen muss. Aber ich glaube, dass ist der

einzige Weg.

Es ist ein schwieriges Thema und es gibt nicht die eine

Antwort. Es geht immer auch darum: Wie fühle ich mich

heute? Fühle ich mich inhaltlich stark? Fühle ich mich

sowieso schon irgendwie müde oder hatte ich Streit mit

meiner Frau oder mit meinem Mann? Oder geht es mir

nicht so gut? Dann würde ich mich wahrscheinlich umdrehen

und gehen. Es gibt natürlich auch Unterschiede

zwischen den Menschen. Aber das ist meine Strategie.

Man muss immer einen Plan haben, aber auch flexibel

sein und davon abweichen können.

Und: nicht sauer sein, wenn es

nicht funktioniert.

Interview:

Hiba, Fayk, Mahmod

Lektorat: Jan,

Übersetzung: Mareike

Fotos: here

Dunja: Fayk, how long are you in Germany?

Fayk: For almost two years.

Dunja (in Arabic): Oh, your German is very good.

Hiba: For nine months.

Dunja: Do you want to go back or do you want to stay

in Germany?

Mahmod: My family will decide that. My children would

like to stay.

Dunja: Always listen to the children! (laughs) But I understand

that you miss your home. My parents have always

missed their county.

Dunja: Are you Muslims? How do you perceive the discussion

about Islam in Germany?

Hiba: It is easier to life in western Germany than in the

east. They are much more tolerant here.

Vicki: Do you realize that Dunja is now asking the questions

and not you anymore?

(everybody laughs)

Munir: Yes, it is her passion, indeed.

Fayk: Would you like to work in an Arabic TV-station one

day?

Dunja: Are you joking? You heard how badly I speak

Arabic! What am I supposed to do there? If I could speak

Arabic, sure why not? But right now, I would only be

a cleaning woman.

Fayk: How can refugees fight back/defend themselves

when they are racially insulted?

Dunja: Who is allowed to fight back? Is it written somewhere

that it is forbidden? You are human beings just

like everyone else in this country. I believe that it can

only work if you stay friendly. There is no use in putting

yourself on the same level as your opponent. If he says

“You shitty/fucking foreigner/alien!”, you don’t say „You

shitty/fucking German!“ That’s counterproductive. I

would ask: “Why am I a fucking alien? What is your problem?

Why do you think I’m stupid? Is it because of my

hair? Should we go and have a coffee?“ I believe you can

silence these people by being friendly and by of course

not physically embracing them. It is very hard when

you have to endure racist insults. But I

believe it is the only way. It is a difficult

topic and there is not one answer. It is

also about: How do I feel today? Do I

feel strong? Do I feel somehow tired

or did I have a fight with my wife or

husband? Or do I not feel well? Then

I would turn around and leave. Of

course there are differences between

people. But that’s my strategy. You always

have to have a plan but at the

same time be flexible to deviate from

it. And: don’t be mad when it doesn’t

work.

│Une │Cover Story │Titelgeschichte القصة الرئيسية

Gruppenfoto mit Dunja Hayali nach dem

Interview am here -Zelt. Foto: here

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

7


│Mon chemin à Allemagne│My way to Germany│Mein Weg nach Deutschland طريقي إلى ألمانيا

Vom Neuanfang, immer neuen Schwierigkeiten

und der Stärke, die daraus erwächst

Der syrische Journalist und here-Redakteur Fayk Al Youssef

lebt seit zwei Jahren in Deutschland

االنطالقات الجديدة محفوفة باملصاعب واملشقات ومحفزة

عىل التوازن والقوة

الصحفي السوري ومحرر يف مجلة ‏„هنا“‏ فائق اليوسف يقيم منذ سنتني يف املانيا

Eigentlich hatte ich vor, nach Europa immer nur als

Tourist zu kommen. Dass ich eines Tages nach Europa

oder Deutschland

flüchten würde, war

für mich unvorstellbar.

Dann brach der Krieg

in Syrien aus und ich

musste fliehen, obwohl

ich einen gut

bezahlten Job als

Moderator in Dubai

hatte. Dies ist meine

Geschichte.

Fayk arbeitete in Dubai als Nachrichtenmoderator

im Fernsehen. Foto: privat

Webseiten zu bauen,

habe ich gelernt.

Im Jahr 2002 habe

ich die erste kurdische

Website in

Syrien mit dem

Namen „Keseksor“ (kurdisch

„Regenbogen“) erstellt. Zwei Jahre später begann der

syrische Geheimdienst mich und meinen Bruder Karam

zu überwachen. 2005 verließ ich meine Heimatstadt

Qamischlo (Kamischli auf Arabisch), um in Damaskus zu

studieren. Ich arbeitete bei einer Zeitung in der IT-Abteilung

und fing etwa zur gleichen Zeit an, dort und

auch bei anderen Medien Artikel zu veröffentlichen.

Mit Hilfe von ein paar Freunden organisierte ich ein

Jahr später eine Demonstration gegen die türkische Regierung

vor der türkischen Botschaft in Damaskus. Der

syrische Machthaber Al-Assad schien gute Beziehungen

mit Erdogan zu pflegen, denn es kamen tausende

Soldaten und Polizisten in Zivilkleidung, die uns angriffen

und festnahmen.

Ich musste Syrien 2008 verlassen, zahlte Schmiergeld,

um nach Dubai zu fliegen. Dreimal kam ich heimlich zurück

ins Land und bezahlte die richtigen Leute, damit

mir nichts Schlimmes passiert. Es ist nicht so einfach,

von vorne anzufangen. Das dauert immer ein bisschen.

Dubai war für mich der dritte Neuanfang nach Qamischlo

und Damaskus. Ich wollte das eigentlich nicht

يف واقع األمر كانت فكرة املجيء اىل أوربا تراودين ، بني حني وآخر،كمجرد زيارة

سياحية وملدة قصرية،‏ ال أكرث،‏ ومل أتخيل يوماً‏ البتة أن تكون أوربا وعىل وجه

التحديد-‏ أملانيا مالذاً‏ أقيم فيه وملدة طويلة نسبياً،‏ كام هو الحال حتى اآلن.‏

مع انطالقة الثورة السورية واندالع الحرب الحقاً،‏ كان البد يل من أن أترك

دولة اإلمارات ، التي لجأت إليها بغرض العمل،‏ براتب جيد كمذيع يف إحدى

الفضائيات.‏ تلك هي ببساطة قصتي.‏

لكوين تعلمت مبكراً-قياساً‏ إىل عمرانتشار االنرتنت يف سوريا-‏ تصميم املواقع

االلكرتونية،‏ فقد قمت يف العام 2002 بتأسيس أول موقع الكرتوين كردي سيايس

ثقايف شامل ومن داخل سوريا تحت اسم « كسكه سور«‏ أي قوس قزح باللغة

الكردية،‏ و بعد عامني بدأت الجهات األمنية مبراقبتي أنا وأخي كرم .

غادرت مدينتي قامشلو ‏)قامشيل بالعربية(‏ يف العام 2005 وقصدت دمشق

ألبدأ مشواري الجامعي هناك.‏ عملت خالل فرتة دراستي الجامعية كمدير فني

يف جريدة اسبوعية،‏ ونرشت مقاالت يف الجريدة املذكورة وكذلك لصالح جهات

أخرى.‏

نظمت الحقا وتحديدا يف العام 2006 وبالتنسيق مع بعض األصدقاء اعتصاما

أمام السفارة الرتكية،‏ ضد سياساتتركيا-.‏ بدوره نظام األسد االستبدادي،‏ والذي

كانت تربطه عالقات متميزة مع أردوغان،‏ أرسل املئات من العساكر وعنارص

الرشطة،‏ ممن كانوا يرتدون اللباس املدين،‏ لقمع نشاطنا واعتقالنا.‏

اضطررت يف العام 2008 من مغادرة سوريا،‏ ودفع بعض الرشاوي لتسهيل

إجراءات السفر من سوريا،‏ قاصدا ديب.‏ عدت مرات ثالث إىل سوريا،‏ دفعت

خاللها لبعض

Fayk lebt mit seiner Frau Hadiya und seinen beiden Söhben

Nasha und Youssef in Essen. Foto: privat

8 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


noch einmal erleben. Aber niemand kennt sein Schicksal.

In Dubai habe ich als Moderator in einem TV-Sender

gearbeitet und war damit sehr zufrieden. Ich wollte dort

bleiben bis der Krieg in Syrien zu Ende ist und dann in

meine Heimat zurückkehren. Aber nicht wir, sondern

das Schicksal entscheidet, wohin gehen wir und wo leben

wir.

Meine Reise nach Deutschland hätte so leicht sein

können. Meine Familie und ich hatten eine offizielle

Einladung, nach Deutschland zu kommen. Wir freuten

uns darauf, in einem fairem Land zu leben. Aber mein

Reisepass war abgelaufen. Ich konnte ihn nicht mehr

verlängern und deshalb auch nicht mehr in Dubai bleiben.

Im März 2014 flog meine Familie ohne mich nach

Deutschland. Mehrere Male versuchte ich erfolglos

meinen Reisepass zu verlängern. Erst im Februar 2015

konnte ich ihnen folgen.

In den zwei Jahren, in denen ich hier

bin, habe ich die deutsche Sprache

gelernt. Ich möchte gern bei einem

Fernsehsender Fuß fassen, aber dafür

muss ich mein Deutsch noch weiter

verbessern. Das ist nicht so einfach,

obwohl ich gute Erfahrungen in diesem

Bereich habe.

Mit meiner Frau und meinen beiden

Kindern lebe ich in Essen. Hier lebt

auch mein Vater Ibrahim Al Youssef. Er

ist ein bekannter syrischer Schriftsteller.

In unserer Heimat schrieb er Gedichte

und Literaturkritiken, aber auch

politische Artikel. Deshalb musste auch

er seine Heimat verlassen. Inzwischen

schreibt er auch Romane. Im vergangenen Jahr hat mein

Vater 13 Bücher veröffentlicht, einige sind in Ägypten,

den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien

erschienen. Sein Ziel ist es, dass sie in weitere Sprachen

auch auf Deutsch übersetzt werden.

Wenn es möglich ist, möchte

ich nach dem Krieg in

mein Heimatland zurückgehen.

Ich bin überzeugt,

dass die Schwierigkeiten,

die wir erlebt haben, uns

Stärke dafür geben.

Text & Übersetzung: Fayk

Fayk während des Interviews

mit Dunja

Hayali auf dem Campfire-Festival.

Foto: here

الناس،‏ لئال أتعرض ألي مكروه.‏

البدايات الجديدة ليست بتلك السهولة املتوقعة،‏ انها تستغرق قليال من الوقت،‏

حيث أن ديب كانت بالنسبة إيل االنطالقة الثالثة بعد قامشلو ودمشق.‏ حقا ال

أرغب يف أن أواجه قصة شبيهة جديدة،‏ لكن مصائرنا واألقدار خارج إرادتنا.‏

عملت وبرىض كمذيع يف فضائية بديب.‏ كنت أرغب أن أبقى هناك حتى نهاية

الحرب،‏ والعودة مجددا لوطني.‏ لكن القدر وليس نحن من يقرر أين ينبغي أن

نستقر أو نقصد.‏

مجيئي إىل املانيا كان يف غاية البساطة،‏ حيث تلقيت وعائلتي دعوة رسمية

للمجيء إىل هنا.‏ وأنه بكل تأكيد ملن دواعي رسورنا اإلقامة يف بلدٍ‏ عادل كام هو

الحال يف املانيا.‏

واقع الحال،‏ انتهت مدة صالحية جواز سفري،‏ ومل أمتكن من متديد او تجديد

جواز سفري،‏ لذلك مل يعد باإلمكان البقاء يف ديب.‏ ويف آذار 2014 غادرت عائلتي

متجهة نحو أملانيا.‏ وبقيت أسعى بدون جدوى ألجل متديد الجواز،‏ بعد أن تم

رفض ذلك،‏ إال أين التحقت بهم ‏أي عائلتي-‏ يف شباط 2015.

خالل عامني من إقامتي هنا،‏ تعلمت اللغة األملانية.‏ أرغب يف أن أجد موطئ قدم

يف إحدى القنوات هنا،‏ عىل الرغم من الخربات الجيدة التي لدي،‏ لكن البد من

تحسني اللغة أوالً.‏

أطفايل االثنني وزوجتي

وأنا نقيم يف مدينة

إيسن.‏ هنا تقيم ايضاً‏

عائلتي،‏ منهم والدي

ابراهيم اليوسف،‏ فهو

كاتب معروف يف

سوريا.‏ كان يكتب يف

سوريا الشعر والنقد

األديب وكذلك فقد

كتب الكثري من

املقاالت يف الشأن

السيايس،‏ لذلك كان

Ibrahim Al Youssef Fayks Vater ist ein bekannter sy-

البد له من ترك rischer Autor und lebt ebenfalls in Essen. Foto: privat

الوطن.‏ كام أنه بدأ

هنا يف املانيا بكتابة الرواية أيضاً.‏ يف

العام الفائت أعدّ‏ وألّف حوايل 13 كتابا،‏ منها ما طبع يف مرص،‏ أودولة االمارات

أو اململكة العربية السعودية.‏ يرغب بأن يتمكن من ترجمة مؤلفاته إىل لغات

أخرى منها األملانية.‏

عندما تتيح يل الظروف بعد الحرب سأعود اىل وطني.‏ أنا مقتنع متاماً،‏ بأن املحن

التي مررت بها،‏ منحتني املزيد من القوة.‏

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

│Mon chemin à Allemagne│My way to Germany│Mein Weg nach Deutschland طريقي إلى ألمانيا

9


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

„Ich würde gerne öfter mit den Pegida-

Leuten reden, aber ich kann nicht jede

Woche nach Dresden fahren“

Interview mit Ali Can, dem „Asylbewerber Ihres Vertrauens“

„I would like to talk

more often with the people from Pegida,

but I cannot go to Dresden every week“

Interview with Ali Can the „asylum

seeker whom you can trust“

Die erste Hotline für sogenannte besorgte Bürger ist eingerichtet

worden jeden Abend hat Ali Can zwei Stunden

Telefondienst. Menschen, die über Geflüchtete, Migranten,

Muslime, Asylbewerber und deutsche Werte sprechen

möchten, können ihn anrufen. Der Lehramtsstudent hört

jedem Anrufer geduldig zu, stellt Fragen und gibt Menschen

die Möglichkeit, ihren Ärger und ihre Zweifel zu

äußern ohne als Rassist abgestempelt zu werden. Beim

Campfire-Festival trat er gleich zweimal auf: in einer Diskussionsrunde

und bei der Lesung aus seinem gerade erschienen

Buch. Die here-Redakteure Fayk und Shirawan

haben ihn vor Ort interviewt.

The first hotline for so-called worried citizens has been set

up every evening, Ali Can is on telephone service for two

hours. People who want to talk about refugees, migrants,

Muslims, asylum seekers and German values can call him.

The student, who wants to become a teacher, listens to

each caller patiently, asks questions and gives people the

opportunity to express their anger and their doubts without

being labeled as a racist. At the Campfire Festival, he

took part in two events straight away: in a discussion and a

reading from his just published book. The here editors Fayk

and Shirwan interviewed him beforehand.

Ali, warum braucht es eine „Hotline für besorgte Bürger“?

Ich bin der Meinung, wir sollten öfter miteinander reden,

ohne uns abzustempeln.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Als immer mehr über Pegida und die AfD gesprochen

wurde, wollte ich selbst aktiv werden. Ich wollte mit diesen

Leuten sprechen, wissen, warum sie so aufgebracht

sind. Also bin zu einer Pegida-Reise aufgebrochen,

Why do we need a „hotline for worried citizens“?

I think we should talk more often with each other without

being labeled.

How did you get the idea?

As more and more people talked about Pegida and AfD,

I wanted to become active myself. I wanted to talk to

these people, know why they are so upset. So I went

on a Pegida trip to start a conversation. At an event one

of the speakers spoke about the Christian Occident and

Easter. Then the chocolate Easter bunny in my pocket

came into my mind and I unwrapped it. Next to me

stood a couple who began to smile. Then I spontaneously

came up with the idea of holding the Easter bunny up

instead of eating it. Suddenly, the Pegida followers started

talking to me! They asked if this was a Pegida bunny.

Suddenly I was talking to the people. They asked where

I came from, wanted to hear my story. I liked talking with

the people. I would like to talk more often with the people

from Pedgia, but I cannot go to Dresden every week.

Die here-Redakteure Shirawan (li.) und Fayk interviewten Ali Can.

Have you ever experienced racism?

If you look like you are not born here, you quite often

experience racism. Have you seen the video of Clausthal?

There was a bus with refugees and the people

10 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Ali Can trat beim Campfire gleich zweimal auf: In einer Diskussionsrunde sprach er über die Idee seiner Hotline. Danach

las „Der Asylbewerber Ihres Vertrauens“ aus seinem Buch.

Fotos (3): here

um das Gespräch zu suchen. Auf einer Veranstaltung

sprach einer der Redner über das christliche Abendland

und Ostern. Ich hatte einen Schokoladen-Osterhasen

in meiner Tasche und ich packte ihn aus. Neben

mir stand ein Pärchen, dass anfing zu schmunzeln. Da

kam ich ganz spontan auf die Idee, den Osterhasen demonstrativ

hochzuhalten, statt ihn zu essen. Plötzlich

suchten die Pegida-Anhänger das Gespräch mit mir! Sie

fragten, ob das ein Pegida-Hase sei. Plötzlich war ich

mitten im Gespräch mit den Leuten. Sie fragten, wo ich

herkomme, wollten meine Geschichte hören. Mir gefiel

es, mit den Leuten zu sprechen. Ich würde gern öfter

mit den Pegida-Leuten reden, aber ich kann nicht jede

Woche nach Dresden fahren.

Hast du selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht?

Rassistische Erfahrungen macht man ja öfter, wenn

einem anzusehen ist, dass man nicht hier geboren ist.

Habt ihr mal das Video von Clausthal gesehen? Da kam

ein Bus mit Geflüchteten und die Leute standen vor

dem Bus und haben geschrien. Die Frauen und Kinder

im Bus hatten unglaubliche Angst. Ich war total betroffen,

als ich das gesehen habe. Was ist das für ein Hass?

Danach kam mir die Idee mit der Hotline.

stood in front of the bus and screamed. The women and

children on the bus were incredibly afraid. I was totally

shocked when I saw this. What kind of hatred is this?

Then came the idea with the hotline.

What is your strategy?

We are all human beings. But there is no patent recipe

for people and for relationships. My recipe is talking.

Do you have any help or is it just you on the hotline?

Basically, I do it myself. But I have a few people who

support me. But of course, you can always help. If you

want to get involved, you should do it.

What was the worst call you answered?

There was a caller who insulted me very badly. He said

he was left and cosmopolitan minded. He told me that

with my hotline, I would give people from the right a

stage. He constantly insulted me and did not

even try to understand me.

What call do you like to remember?

A few months ago, I talked to a man who railed

against the left. He came from southern

│ Interview│Interview│Interview مقابلة

Was ist deine Strategie?

Wir sind ja alle Menschen, egal, wo wir herkommen.

Aber es gibt kein Patentrezept für Menschen und für

ihre Beziehungen zueinander. Mein Rezept ist das Reden.

Hast du Helfer oder machst du die Hotline alleine?

Grundsätzlich mache ich das alleine. Aber ich habe ein

paar Menschen, die mich unterstützen. Aber natürlich

kann man immer helfen. Wer Lust hat sich zu engagieren,

sollte das unbedingt tun.

Was war der schlimmste Anruf, den du geführt hast?

Es gab einen Anrufer, der hat mich sehr stark beleidigt.

Er meinte, er wäre links und weltoffen eingestellt. Er

Germany and I told him I liked to eat Bavarian veal sausages.

And we had already found something in common:

He also likes to eat Bavarian veal sausages and we

talked about it longer. In the course of the conversation,

we then talked about quite different things. Later, he

called me again and told me that he was no longer just

scolding but viewed left-wing topics from a critical distance.

Because he got to know me, there was no longer

just “the foreigners” for him.

Does your hotline help with integration?

Intercultural life in Germany is not easy. On the contrary,

it is laborious. I know this from my own experience.

I just try to talk to people.

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

11


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

warf mir vor, dass ich mit meiner Hotline rechten

Menschen eine Bühne geben würde. Ständig hat

er mich beleidigt und nicht einmal versucht, mich

zu verstehen.

An welchen Anruf erinnerst du dich gern?

Vor ein paar Monaten habe ich mit einem Mann

gesprochen, der gegen Linke gewettert hat. Er

kam aus Süddeutschland und ich erzählte ihm,

dass ich gern Weißwürstchen esse. Und schon

hatten wir eine Gemeinsamkeit gefunden: Er isst

auch gern Weißwürstchen und wir sprachen länger

darüber. Im Laufe des Telefonats haben wir

uns dann über ganz andere Themen unterhalten.

Später hat er sich noch einmal gemeldet und

mir erzählt, dass er jetzt nicht mehr einfach nur

schimpfe, sondern linke und rechte Themen aus kritischer

Distanz sehen würde. Weil er mich kennengelernt

hat, gäbe es für ihn jetzt nicht mehr „den Ausländer“.

Hilft deine Hotline bei der Integration?

Interkulturelles Leben in Deutschland ist nicht einfach.

Im Gegenteil: Es ist mühselig. Das weiß ich aus eigener

Erfahrung. Ich versuche einfach mit den Menschen zu

sprechen.

Gab es schon mal eine richtig hitzige Diskussion am Telefon?

Noch nie! Das ist genau das, was ich vermeide. Ich versuche

mich dem Anrufer anzupassen und ihn immer

ausreden zu lassen. Habt ihr schon mal Kartoffeln gekocht?

Wenn der Deckel drauf ist, fängt es an zu brodeln.

Nimmt man den Deckel runter, geht der Dampf

raus. Und wenn der Dampf abzieht, ist alles plötzlich

ganz klar. Wenn man mit mir telefoniert, kann man alles

rauslassen. Das tut gut. Ich bin dabei eine Reflektionsfläche.

Wenn ich den Anrufern Raum für

ihre Probleme und Ängste gebe und ihnen

zuhöre, kann ich hinter ihre Pa-

rolen

blicken.

Ali Can im Internet:

www.interkulturell-leben.de

Ali Can war selbst Asylsuchender, als sich seine Familie mit

ihm im Jahr 1995 aus einer Kleinstadt nahe der syrischen

Grenze auf den Weg nach Warendorf bei Münster machte.

Dort wurde die Familie bis 2008 geduldet und zog dann

mit dem ersten eingeschränkten Aufenthaltstitel nach

Hessen um. An der Universität Gießen befindet sich Ali

mittlerweile am Ende seines Lehramtsstudiums (Deutsch

und Ethik). Er engagiert sich für diverse Hilfsorganisationen

und gibt seit mehr als einem Jahr Workshops für den

Umgang mit kultureller Vielfalt. Durch seine Friedensreise

im Osten Deutschlands und seine jüngst gegründete „Hotline

für besorgte Bürger“ bekam er im gesamten europäischen

Raum mediale Aufmerksamkeit und setzt wichtige

Akzente im deutschen Integrationsdiskurs. Sein Ziel ist es,

bundesweit den Dialog zwischen (besorgten) Deutschen

und fremdkulturellen Menschen auf unkonventionelle und

wertschätzende Art zu fördern.

Was there ever a really hotheaded

discussion on the phone?

Never! This is exactly what

I avoid. I try to adapt to the

caller and always let him talk.

Have you ever cooked potatoes?

When the lid is on,

it starts to seethe. If you take

the lid off, the steam goes out.

And when the steam disappears,

everything is suddenly clear. If you call me, you

can let it all out. That feels good. I give people space

to reflect on themselves. If I give them room for their

problems and fears and listen to them, I can look behind

their slogans.

Ali Can on the internet:

www.interkulturell-leben.de

Ali Can was himself an asylum seeker, when his family

came with him from a small town near the Syrian border to

Warendorf near Münster in 1995. There the family stayed

with a discretionary leave to remain until 2008 and then

moved with the first restricted residence permit to Hessen.

At the University of Giessen, Ali is now at the end of his studies

in German and ethics to become a teacher. He is active

in various aid organizations and has been giving workshops

in the handling of cultural diversity for more than a year.

Through his peace journey in the east of Germany and his

recently founded “hotline for worried citizens”, he received

attention by the media throughout Europe and was

able to set important impulses in the German integration

discourse. His aim is to promote the dialogue

between (worried) Germans and people from different

cultural backgrounds nationwide in an unconventional

and valued way.

Interview: Fayk & Shirawan

Lektorat: Jan,

Übersetzung: Mareike

Hotline für besorgte Bürger: Antworten

vom Asylbewerber Ihres Vertrauens

von Ali Can, Lübbe Verlag,

16 Euro

Ali Can mit Fayk (li.) und Shirawan. Foto: here

12 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Taha (li.) und Omar von „Wlad Alam“ rappen auf Arabisch beim Campfire-Festival.

Rap-Songs für den Frieden

„Wlad Alam“ singen auf dem Campfire vom Krieg in Syrien

Fotos(2): here

موسيقى│‏Musik│Music│Musique

غناء الراب ألجل الحرية

والد العم الذين يغنون من أجل السالم يف ظل حروب سوريا

Inana, Omar

und Taha sind

drei Syrer, die das Leben in

ihrer Heimat mit Musik verarbeiten. Zusammen gründeten

sie die Band „Wlad Alam“ (übersetzt: Die Söhne

des Onkels). Sie gehören keiner bestimmten Gesinnung

an, wollen aber in Frieden und Freiheit in Syrien leben.

In ihren Liedern erzählen sie von der Realität der

Flüchtlingssituation in Europa, aber auch in Syrien. Auf

dem Campfire-Festival in Dortmund hatten sie einen

Auftritt und stellten den syrischen Rap vor.

„In Syrien war ich für die Freiheit. Ich war gegen das

Töten, gegen den Terror und gegen bewaffnete Konflikte“,

erzählt Omar, „Ein junger Mann meines Jahrgangs

wurde festgenommen und gefoltert. Und das nur, weil

er gegen das Regime und gegen die Korruption

ist.“ IS und die Alnusra Front gehören nicht zu

der wahren Revolution des syrischen Volkes,

meint Omar. Er möchte, dass der bewaffnete

Konflikt und das Töten aufhören. Es ist nicht

nur seine persönliche Meinung. „Das ganze

Volk denkt so.“ Er ist nun in Deutschland und

möchte sein Herz ausschütten. Das möchte

er vor dem deutschen Volk tun, nicht etwa

vor der deutschen Regierung oder irgendwelchen

Politikern. „Wir sind keine Terroristen,

wir sind Menschen“. Omar ist nach Deutschland

gekommen, weil er unter den herrschenden

Umständen nicht mehr weiter in Syrien

leben konnte: „Ich will weder töten, noch

getötet werden.“

انانا وعمر وطه من سوريا من يحكون حكاية وطنهم باملوسيقى وقد أسسوا فرقة

موسيقية بينهم صلة قرابة وهم اوالد عم

هم ثالثة أشخاص كغريهم من البرش يريدون العيش بسالم وحرية وال ينتمون إىل

فئة معينة هم فقط من دعاة السالم والحرية يف سوريا ويف أوربا

قد التقيت بهم يف مدينة دورمتوند األملانية وعندما سمعتهم يغنون الراب

السوري التقيت بعمر وتحدثنا فقال يل انه عندما كان يف سوريا كان يريد الحرية

ويحب أن يعيش بحرية وكان ضد القتل-‏ ضد اإلرهاب ‏-وضد التحالف-‏ ضد

السالح ولكن شاب يف عمري قد اعتقلوه وعذبوه-‏ ملاذا؟ فقط ألن كان له رأي

ضد النظام وذكر أيضا بأن داعش وجبهة النرصة ال عالقة لهم بالثورة السورية وال

ينتمون لها

ال أريد السالح ال أريد القتل يريد فقط الحرية وهذا ليس من منطلق شخيص

إمنا هي مطالب جميع الشعب السوري

Bashar (li.) im Interview mit „Wlad Alam“:

Taha (vorn), Omar (hi.) und Inana.

وهو االن يف املانيا يريد أن يصل

صوته وكلامته التي متزق القلوب

ليس فقط إىل الحكومات وال إىل

السياسيني امنا اىل الجميع أنه ليس

إرهايب إمنا برش

عمر جاء إىل املانيا النو ال يريد ان

يقتل احد وال يريد ان يقتله أحد

Text (Arabisch): Bashar,

Übersetzung (Deutsch):

Munir

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

13


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

„Manche fühlen sich als Vorkämpfer für

eine gerechte Sache, rechtfertigen damit

Gewalt und sind auf dem Holzweg“

Terrorexperte Elmar Theveßen spricht über Islamismus, den Islam,

Gewaltakte und die Folgen von Terrorangst für die Gesellschaft

“Somebody thinks that they are advocates

of a just cause, and justify violence in this

way yet, they are on the wrong track“

The terror expert Elmar Theveßen talks about Islamism, Islam,

acts of violence and the consequences of terrorism for society

Foto: ZDF

Wenn es um Einschätzungen zum Thema Terrorismus geht,

ist Elmar Theveßen ein gefragter Experte. Der Stellvertretende

ZDF-Chefredakteur und Leiter der Hauptredaktion

Aktuelles beschäftigt sich seit vielen Jahren damit und hat

mehrere Bücher dazu veröffentlicht. Beim Campfire-Festival

wurde zur Diskussionsrunde „Leben wir im Zeitalter des Terrorismus?“

eingeladen. Diese wurde wegen des schlechten

Wetters leider abgesagt. Für das Interview mit den beiden

here-Redakteuren Fayk und Momen nahm er sich einige

Tage später Zeit.

Wie stellt sich der Terrorismus aktuell in Europa dar? Ist

die Angst der Bevölkerung gerechtfertigt?

Rein zahlenmäßig ist die Angst nicht gerechtfertigt. Wir

hatten in den 1970er Jahren beispielsweise viel mehr

Anschläge und vor allem größere Opferzahlen quer

durch Europa aufgrund der IRA, der ETA, der RAF, den

Roten Brigaden und andere Terrorgruppen. Heute sind

es viele kleine Attacken, die Menschen in ihrem Alltag

treffen können, und das erhöht die diffuse Angst in der

Bevölkerung. Tatsächlich müssen wir jederzeit damit

rechnen, dass es zu kleineren Anschlägen kommt, wie

Messerattacken oder mit einfachen Handfeuerwaffen,

aber auch zu größeren Anschlägen, wie wir sie in Pa-

When it comes to assessing the issue of terrorism, Elmar

Theveßen is a sought-after expert. The deputy chief editor

of ZDF and head of the main editorial section News, has

dealt with the issue of terrorism for many years and published

several books. At the Campfire Festival, a discussion

on „Are we living in the Age of Terrorism?“ was supposed to

take place. Unfortunately, the discussion fell victim to the

continuous heavy rain and was canceled. For the interview

with the two here editors Fayk and Momen, he found some

time a few days later.

How is terror present in Europe today? Is the diffuse

fear within the public justified?

In numbers only, the fear is not justified. In the 1970s

there were much more attacks and larger numbers of

victims all across Europe because of IRA, ETA and

RAF, the Red Brigade and other terror organisations. Today

there are many smaller attacks that can affect people’s

everyday life and that enhances the public’s diffuse

fear. In fact, we must expect smaller attacks with knifes

or small arms and even bigger attacks like the ones in

Paris, Nice or Barcelona at any time. There, the number

of victims was larger, the number of terrorists small. The

high frequency of attacks indeed leads to increased fear

14 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


is, in Nizza, in Barcelona gesehen haben. Dort war die

Opferzahl größer, die Zahl der Täter gering. Die große

Häufigkeit der Anschläge führt tatsächlich zu der Angst,

obwohl sie eigentlich vom Risiko her, das man persönlich

hat, nicht gerechtfertigt ist.

Welche Arten von Terrorismus gibt es aktuell?

Es gibt den islamistischen Terrorismus, aber auch einen

starken Rechtsextremismus und Linksextremismus, die

beide in Teilen auch terroristisch aktiv sind. Die größte

Gefahr geht davon aus, dass sich die verschiedenen

Gruppen gegenseitig aufschaukeln: rechts gegen links,

links gegen rechts, rechts gegen Islamisten, Islamisten

gegen Rechtsextremismus. Da ist zurzeit eine ganz üble

Spirale im Gange. Die Sicherheitsbehörden glauben,

dass Rechtsextremisten viel daran liegt, das Ganze zu

einem Kampf der Kulturen hochzustilisieren. Es ist aber

keiner. Es ist purer Terrorismus, der von Seiten der Islamisten

ausgeführt wird. Denen geht es in erster Linie

auch nicht um Religion, sondern um politische Dinge,

die sie verändern wollen. Vor diesem Hintergrund ist es

extrem wichtig, dass wir uns als Mehrheitsbevölkerung

in der Mitte nicht einreden lassen, dass das ein Kampf

der Kulturen ist. Wir müssen uns um die Ursachen kümmern

und um die jungen Leute, die für den rechten, linken

oder islamistischen Terror unterwegs sind.

Woher stammen die meisten Terroristen, die Anschläge

in Europa verüben?

Die meisten stammen von hier. Es sind meist keine Zugereisten,

sondern „hausgemachte“ Terroristen. Es sind

junge Leute, vor allem im islamistischen Bereich, die hier

aufgewachsen sind, die hier ihre Staatsbürgerschaften

der verschiedenen europäischen Länder haben. Der

britische Geheimdienst und das deutsche Innenministerium

haben 2004 aufgelistet, was die Hauptmotivationsgründe

für diese jungen Leute sind: die persönliche

Wahrnehmung einer Benachteiligung in der eigenen Gesellschaft,

die von Gleichheit und Gerechtigkeit redet,

aber in Wirklichkeit Chancen verwehrt und Perspektiven

verschließt. Menschen, die sich benachteiligt fühlen,

weil sie anders aussehen, einen anderen ethnischen Hintergrund

oder schlechtere Chancen auf eine Ausbildung,

einen Arbeitsplatz und Akzeptanz in der Gesellschaft

haben. Der zweite Faktor ist die persönliche Wahrnehmung

einer Doppelmoral in der Außenpolitik: Es wird

zwar von Freiheit und Gerechtigkeit geredet, aber werden

tatsächlich im Umgang mit anderen Ländern Dinge

getan, die politisch und militärisch eher benachteiligend

und diskriminierend sind und die möglicherweise weiter

Gewalt erzeugen. Das sind die beiden Hauptmotivationsfaktoren

des islamistischen Terrors, aber ähnliche

Faktoren spielen auch bei Rechtsterroristen und Linksterroristen

eine Rolle. Sie fühlen sich als Vorkämpfer

für eine gerechte Sache, rechtfertigen damit Gewalt

und sind auf dem Holzweg. Man muss versuchen, diese

Überzeugungen zu bekämpfen, indem man in einen Austausch

mit den Gruppen und Menschen tritt, die glauben,

dass sie Gewalt so rechtfertigen können.

Wer ist verantwortlich für den Terrorismus in Syrien?

Das kann man so einfach nicht beantworten. Wir hätten

keinen IS in Syrien, wenn der Irakkrieg nicht stattge-

even though this is not justified by the actual personal

risk that one is faced with.

Which “types” of terrorism are there today?

There is Islamist terrorism but there is also a strong

right- or left-wing extremism which are both active in

terror. The greatest danger comes from these groups

mutually provoking each other: right against left, left

against right, right against Islamists, Islamists against

right-wing extremists. We can see a very dangerous

spiral there. Security authorities believe that right-wing

extremists aim for a Clash of Civilizations. But there is

none. It is pure terrorism, led by Islamists. For them it is

not primarily about religion but about politics that they

want to change. Against this background, it is extremely

important that we as the majority of the centre of the

population should not allow ourselves to be persuaded

into believing that it is a Clash of Civilizations. We must

take care of the causes and the young people, no matter

if they support right, left or Islamist terror.

Where do most terrorists that commit attacks in Europe

come from?

Most come from here. Most of them are not immigrants

but “homemade” terrorists. They are young people,

especially in the Islamist field, that have grown up here

and have their citizenships in various European countries.

In 2004, the British Secret Service and the Ministry

of the Interior have listed the principal motivations

of these young people: the feeling of being discriminated

in your own society, which talks about equality

and justice but in reality, denies chances and perspectives.

Those who feel discriminated because they look

different, have a different ethnic background or poor

chances of finding a job or being accepted in society.

The second factor is their personal perception of double

standards in foreign policy: Freedom and justice are

much spoken about, yet politically and militarily disadvantageous

and discriminating things happen in the

interaction with other countries that might cause violence.

These are the two main motivations for Islamist

terror. But similar factors come to play in right- or leftwing

terrorism. Everybody thinks that they

are advocates of a just cause, and justify

violence in this way yet, they are

on the wrong track, in my opinion.

These beliefs should be fought

against through debates with

these groups and people who

believe that they can justify

violence in this way.

Who is responsible for

terrorism in Syria?

That’s not easy to answer.

There would be no ISIS in Syria,

if there would have been

no war in Iraq and if the complete

Iraqi army would not have

been dismissed. Now, the officers

from the old Saddam regime largely

build the backbone of ISIS. Yet, it is also important

that the ideology of Salafism, which justi-

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

│ Interview│Interview│Interview مقابلة

15


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

funden und man

nicht die komplette

irakische

Armee entlassen

hätte. Jetzt sind

Terror in Deutschland:

Die tödliche Strategie

der Islamisten,

Elmar Theveßen

Piper Verlag, 22 Euro

es im Wesentlichen Offiziere aus dem alten

Saddam-Regime, die das Rückgrat des IS

bilden. Trotzdem spielt auch eine Rolle, dass

die Ideologie des Salafismus aus den Golfstaaten

und Saudi-Arabien finanziert und

weiterverbreitet wird, die die Grundlage bietet,

um Gewalt und Terror zu rechtfertigen.

Und so gibt es viele weitere Gründe, auch

politische. Syrien hatte beispielsweise ein

Assoziierungsabkommen mit der EU abgeschlossen,

woraufhin das Assad-Regime die

Märkte geöffnet hat. Dadurch hatten viele

Menschen in Syrien wirtschaftliche Nachteile,

Perspektiven verschwanden, das Gesundheitssystem

wurde privatisiert und ähnliche Dinge. Mit anderen

Worten: Auch wir Europäer haben ein Stück weit dazu

beigetragen, dass die Emotionen in Syrien hochschaukelten.

Das hat sicherlich auch zu diesem Bürgerkrieg

beigetragen.

Wer sind die Opfer von Terrorismus? Stimmt es, dass

die meisten Terrorismusopfer Muslime sind?

Rein zahlenmäßig sind weltweit mehr Muslime von

Terrorismus betroffen. Die Islamisten behaupten, dass

die Muslime, die nicht auf ihrer Seite stehen, Abtrünnige

wären. Damit wird gerechtfertigt, sie zu töten. Die

Ideologie, die hinter dem Islamismus steckt, ist nicht der

Islam als solcher, sondern eine Verfälschung des Islam

aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Heute ist er bekannt

unter dem Namen Salafismus oder Wahabismus. Alle

Muslime, die nichts mit diesem Salafismus und Wahabismus

zu tun haben, müssen selbst auch Verantwortung

übernehmen und massiv dazu beitragen, dass diese

Ideologie bekämpft wird.

Warum wird in der Gesellschaft häufig Islam mit Islamismus

gleichgesetzt?

Die Verkürzung macht es für manche Leute natürlich

einfacher, die Dinge zu verstehen. Aber es ist trotzdem

falsch: Der Islam hat insofern etwas mit Islamismus

und islamistischem Terror zu tun, als dass diese Verfälschung

stattgefunden hat. Das ist die Grundlage dafür,

die Gewalt gegen jede Art von anders Denkenden zu

rechtfertigen. Deswegen ist es so wichtig, dass sich der

Islam und die Muslime gegen diese Verfälschung engagieren.

Aber es ist genauso wichtig, dass wir differenzieren:

Ein Islamist ist nicht gleichzusetzen mit allen Muslimen

und der Islamismus ist nicht gleichzusetzen mit

dem Islam. Die Islamisten missbrauchen eine Religion

für ihre Zwecke.

Direkt nach Terroranschlägen kommt häufig die Vermutung

auf, dass Geflüchtete die Täter waren. Welchen

Einfluss haben die Medien auf diese Diskussion verstärken

oder beeinflussen sie es?

Wir müssen aufpassen, dass nicht pauschalisiert wird.

fies violence and terror, is financed

and spread by the Gulf States and

Saudi Arabia. And there are many

more reasons, political ones as

well. For example, Syria concluded

an association agreement with the

EU that lead to the Assad-regime

opening the markets. This evoked

economic disadvantages for many

people in Syria; prospects disappeared,

the health care system

was privatised and such things. In

other words: We Europeans too

were in part contributing to the

fact that emotions were running

high in Syria. This has certainly

contributed to the civil war.

Who are the victims of terrorism? Is it true that most

victims are Muslims?

In numbers only more Muslims are affected by terrorism

worldwide. Terrorists claim, that Muslims who are not on

their side are renegades. That justifies killing them. The

ideology behind Islamism is not Islam as such but a distortion

of Islam from the 12th and 13th century. Today it is

known as Salafism or Wahabism. All Muslims that are not

connected to Salafism and Wahabism must take responsibility

and contribute massively to fighting this ideology.

Why is Islam often used synonymously with Islamism in

public discourse?

The reduction makes it easier for people to understand

the issue. But it is wrong all the same: Islamism and Islamist

terror is a distortion of Islam and that is the only

connection. And this distortion is the basis for justifying

violence against all sorts of dissident thinking. Yet, is

why it is important that Islam and Muslims start fighting

against this misrepresentation. But it is equally important

to differentiate: An Islamist cannot be equated with

all Muslims and Islamism cannot be equated with Islam.

Islamists abuse religion for their purposes.

After terror attacks, it is often assumed immediately

that refugees are responsible. How does the media influence

these discussions do they reinforce or influence

it?

We have to be careful not to generalize. If a terror attack

happens we must take a close look: Who were the

offenders? You cannot simply say “the refugees”, “the

foreigners” or “the Muslims”. We must be very clear

about who the persons are and how they became involved

in terrorism. Only through differentiation, by individualizing,

it becomes clear that it is not a whole group

within society. That is particularly important as the vast

majority of refugees, the large majority of Muslims, the

large majority of foreigners or immigrant has nothing

absolutely nothing to do with violence and terror. On

the contrary: most of them fled from terror. However,

we also should not stay silent when terrorists come on

the refugees’ route or misuse this route for their purposes.

If refugees here in Germany or elsewhere become

extremists or terrorists, you must say it out loud and

16 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Wenn ein Terroranschlag passiert, sollten wir genau

schauen: Wer waren die Täter? Und dann nicht einfach

sagen „die Flüchtlinge“, „die Ausländer“ oder „die Muslime“.

Wir müssen klarmachen, welche Personen das sind

und wie sie dazu gekommen sind, sich am Terror zu beteiligen.

Nur durch die Differenzierung, durch das Individualisieren

wird klar, dass es sich nicht um eine Gruppe in der

Bevölkerung handelt. Das ist besonders wichtig, weil die

überwältigende Mehrheit der Geflüchteten, die überwältigende

Mehrheit der Muslime, die überwältigende Mehrheit

der Ausländer oder Zuwanderer nichts aber auch

wirklich gar nichts mit Gewalt und Terror am Hut hat. Im

Gegenteil: Die meisten sind ja vor Terror geflohen. Aber es

darf auch nicht dazu führen, dass man verschweigt, wenn

Terroristen über die Flüchtlingsroute gekommen sind und

diese Route für ihre Zwecke missbraucht haben. Wenn

Geflüchtete hier in Deutschland oder anderswo zu Extremisten

oder Terroristen geworden sind, muss man das

offen benennen und dann schauen, wo Fehler gemacht

worden sind. Es nützt nichts zu pauschalisieren, weder in

die eine noch in die andere Richtung.

Warum lösen terroristische Anschläge Angst bei Geflüchteten

aus?

Sehr viele Geflüchtete haben Kriegserfahrungen gemacht.

Das ist genau das, was sie erlebt haben: Terror.

Gleichzeitig haben sie Angst, dass sie für diesen Terror

verantwortlich gemacht werden von Rechtsextremisten

und Rechtsradikalen innerhalb der jeweiligen

Bevölkerung in den europäischen Ländern. Sie haben

Angst vor Pegida, sie haben Angst vor Rechtsradikalen

in Deutschland, vor Populisten, die keinen Unterschied

machen zwischen Muslimen und Islamisten. Es ist wichtig

zu differenzieren: Je mehr man miteinander redet,

je mehr Kommunikation stattfindet zwischen Geflüchteten

und der Gastgebergesellschaft, die sie aufnimmt,

desto besser ist das gegenseitige Verständnis. Und das

schützt vor Angst und Vorurteilen.

Wie kann ich als Geflüchteter reagieren, wenn ich als

Terrorist bezeichnet werde?

Das Gespräch suchen, diskutieren und erzählen, was

man selbst erlebt hat und dass man vor Terror geflohen

ist. Sie sollten auch fragen: Wie kann ich mich selbst

als Geflüchteter engagieren gegen diesen Terror, gegen

diesen Missbrauch der Religion, gegen die Ideologie, die

dahintersteckt? Es gibt eine Menge Verbindendes, wenn

man sich kennenlernt. Deswegen ist es wichtig, dass man

bereit dazu ist, auf andere zuzugehen. Das gilt natürlich

auch für die Aufnehmenden, die Mehrheitsgesellschaft.

Sie muss bereit sein, sich Geflüchteten zu öffnen und mit

ihnen offen diskutieren, statt Angst vor ihnen zu haben.

Was bedeutet es für die Integration von Geflüchteten,

wenn die Bürger immer mehr Angst vor Terroranschlägen

haben?

Das macht Integration schwieriger. Gerade, wenn immer

nur Misstrauen besteht gegenüber jedem, der anders aussieht,

der woanders herkommt, der die Sprache nicht so

perfekt spricht. Dann wird Integration immer schwerer.

then look where mistakes have been made. It is no use

to generalize neither in one nor in the other direction.

Why do terrorist attacks cause fear among refugees?

Many refugees have experienced war. That is exactly

what they experienced: terror. At the same time, they

fear that they will be held responsible for terror by

right-wing extremists in European society. They fear

Pegida, they fear right-wing extremists in Germany and

populists that do not distinguish between Muslims and

Islamists. It is important to differentiate: the more you

talk with each other, the more communication there is

between refugees and the society that takes them in,

the better the mutual trust. This is the best protection

against fear and prejudice.

How should I as a refugee react, when people call me

a terrorist?

Try to talk to the people, tell them what you experienced

and that you fled from terror yourself. You should also

ask: How can I as a refugee fight against terror, against

abuse of religion, and against the ideology behind it. If

you get to know each other, you will notice many similarities.

That is why it is important to be willing to approach

each other. That is also true for the receiving society, the

majority. They must be willing to open up towards refugees

and talk to them instead of being afraid of them.

What does it mean for the integration of refugees that

citizens are more and more afraid of terror attacks?

It makes integration more difficult. Especially if there

is only mistrust towards everyone who looks different,

comes from somewhere else and does not speak the

language perfectly. Then integration becomes more

and more difficult.

Campfire-Umfrage:

Wie kann man als

Geflüchteter Freunde finden?

Elmar Theveßen:

Sie sollten bereit sein, sich zu öffnen. Sie sollten erzählen

über sich, über ihre Familie, über ihre Erlebnisse

auch wenn es unendlich schwerfällt. Sie sollten

andere suchen in der Gesellschaft, die bereit sind, mit

ihnen zu reden. Ich glaube, der Staat, aber auch die Gesellschaft

haben hier eine große Verantwortung, mehr

zu tun, als einfach nur sagen: „Ok, jetzt seid ihr hier,

ihr dürft bleiben, sucht euch mal eine Arbeit und lernt

die Sprache“. Integration kann nur gelingen, wenn wir

alle bereit sind, mehr zu tun, wenn wir die Vielfalt erlebbar

machen, auch unterschiedliche Ansichten miteinander

ausdiskutieren. Dabei aber in tiefem Respekt

gegenüber dem Anderen. Nicht, indem man sagt „ich

bin in Besitz der Wahrheit“. Sondern man muss bereit

sein, vielleicht Abstriche zu machen von dem, was man

selbst gelernt hat, wenn man als Zuwanderer hierher

kommt. Sich den Regeln, den Gesetzen, den Rahmenbedingungen

anpassen, sie akzeptieren, weil das dann

die neuen sind. Und gleichzeitig erwarte ich auch von

der Mehrheitsgesellschaft Toleranz.

│ Interview│Interview│Interview مقابلة

Interview: Momen & Fayk,

Lektorat: Jan, Übersetzung: Angela/Mareike

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

17


│ Enquête│Survey│Umfrage استطالع الرأي

Freunde fürs Leben?

Diskutieren erwünscht!

here-Redakteure fragten

Festivalgäste, wie

Geflüchtete in Deutschland

Freunde finden können

Bochum ich komm aus Dir“ aber für das Campfire-Festival

kam das here-Team nach Dortmund. Drei Tage lang war

die Redaktion in Zelt Nummer 6 vor Ort, schrieb Artikel,

führte Interviews und machte Fotos, um eine Sonderausgabe

des here-Magazins zu produzieren.

Die here-Redakteure kamen mit einem großen inhaltlichen

Thema nach Dortmund: Ist Integration vielleicht doch nur

eine Einbahnstraße, die nur von Geflüchteten durchlaufen

werden soll? Immer wieder wird ihnen vorgebetet, dass sie

sich integrieren, Deutsch lernen und an der deutschen Gesellschaft

teilhaben sollen. Viele versuchen das sehr motiviert,

verzweifeln aber häufig an der Realität. Wie kann

Integration funktionieren, wenn der „Otto-Normalbürger“

sie ablehnt, ausgrenzt und am liebsten weit von seinem Privatleben

fernhält? Wo und wie kann man als Geflüchteter

Deutsche kennenlernen: im Fitness-Studio, in der Disco, an

der Supermarktkasse? Die Redakteure fragten während des

Festivals viele Besucher.

Am letzten Campfire-Tag stellten sie in einer Diskussionsrunde

die Antworten vor und sprachen mit interessierten

Gästen darüber. Eine junge Frau, die vor zehn Jahren von

Shanghai nach Deutschland gezogen ist, konnte das Problem

der here-Redakteure gut nachvollziehen: „Die Deutschen

sind immer so eingespannt. Es ist anstrengend, sie

näher kennenzulernen, wenn man nicht von hier ist. Ich

glaube, viele haben gar nicht den Wunsch, neue Bekanntschaften

zu machen.“ Schnell kam die Theorie auf, dass es

auch für viele Deutsche inzwischen eine Herausforderung

sei, neue Freunde zu finden. „Unsere Gesellschaft hat sich

dahingehend sehr verändert“, meinte ein Mann, „es hat

eine Verhärtung der Gesellschaft stattgefunden.“

Umfrage

Campfire-Festival Dortmund

Unsere Redakteure stellten zwei Fragen:

1. Wie können Geflüchtete in Deutschland Freund

2. Sind Sie mit Geflüchteten befreundet?

LEON

Ich glaube, das ist nicht so einfach, weil

viele Deutsche eher verschlossen sind

und nicht immer positiv auf Flüchtlinge

reagieren. Geflüchtete sollten an Orte gehen,

wo viel los ist, wie Stadtteilfeste.

Tatsächlich nicht

1

2

CHRISTIAAN (AUS HOLLAND)

Ich denke, Ihr sei hier auf dem Campfire-Festival

wirklich gut darin, Kontakte

zu knüpfen. Aber im Allgemeinen ist das

von Person zu Person sehr unterschiedlich. Ich

mag spontane Situationen, zum Beispiel im

Zug, beim Einkaufen, jemandem helfen. Man

sollte Gemeinsamkeiten teilen: Fussballspielen,

Musik oder auch in der Uni. Dann spielen

die Unterschiede keine Rolle mehr.

1

MIRIAM

1

2

1

2

NATALIE

Über Vereine und Organisationen, in

der Schule, bei Veranstaltungen, über

Tandempartner, in der Uni.

Ja, ich habe einen Tandempartner, mit

dem ich gut befreundet bin.

Ich glaube, dass es wirklich ganz viel

hilft, wenn man sich zusammenschließt

oder sich an Vereine wendet.

Freunde nicht direkt, aber gute

Bekannte

JULIA

1

Es gibt verschiedene M

der Disko, beim Einkau

lern-Cafes, im Internet

LEA

1

2

LILIAN

Ich befinde mich

Situation: Ich bin

gezogen und fra

es, hier Leute kennezu

Sportvereine, Chor od

1

SEBAST

1

2

Indem m

kalen Le

Weise. U

veransta

Ja, aber

Im Alltagsleben

Stadt.

Ja, ich habe gu

Neben der theoretischen Diskussion kamen auch Vorschläge,

wie Geflüchtete in Deutschland Freunde oder Bekannte

finden können. „Es ist wichtig, gemeinsame Interessen zu

teilen“, meinte ein Diskussionsteilnehmer, „jeder Geflüchtete

bringt ja auch ein Leben mit hierher.“ Sport, Vereinsleben

und Nachbarschaftspflege wurden genannt. Die Diskussionen

zwischen den Geflüchteten als Gastgeber der Diskussionsrunde

und den überwiegend deutschen Bürgern als

Gäste der Veranstaltung verlief sehr interessant. Denn die

Geflüchteten banden immer wieder ihre praktischen Erfahrungen,

Erfolge und Misserfolge in die Diskussion ein, die

sie mit dem Thema Freunde bisher gemacht haben. Gerade

der Rollenwechsel zwischen Gastgeber und Gast, Geflüchtetem

und deutschem Bürger zumindest für diese Veranstaltung

zeigte manchem Ratschlag-Geber, dass Theorie

und Praxis hier nicht nahe beieinander liegen.

Während des Festivals fragten die here-Redakteure die Besucher,

ob sie mit Geflüchteten befreundet seien. Am Abschlusstag des

fürs Leben?“ ein, bei denen alle gemeinsam über ihre Erfahrungen sp

18 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


أصدقاء من أجل الحياة ؟ الحوار

املبتغى !

قام محررو مجلة ‏)هنا يف بوخوم(‏ بسؤال زوار

املهرجان : كيف يستطيع الالجئون يف أملانيا إيجاد

أصدقاء ؟

„ بوخوم أنا أتيت منك „ - لكن بالنسبة ملهرجان الكامبفاير فقد ذهب فريق

مجلة „ هنا يف بوخوم „ إىل دورمتوند . أمىض محررو مجلتنا ثالثة أيام يف الخيمة

رقم ٦ هناك يف امليدان ، أعدوا مقاالت وسجلوا مقابالت والتقطوا الصور ، وقاموا

أيضاً‏ بإصدار عدد خاص ملجلة „ هنا يف بوخوم „ يحيك عام جرى يف املؤمتر .

ذهب محررو مجلة ‏„هنا يف بوخوم“‏ إىل دورمتوند مع مواضيع قيمة من حيث

املحتوى : هل االندماج ياترى يأيت فقط من طرف واحد ، هل ينبغي فقط عىل

الالجئني أن يحاولوا اجتيازه ؟ يعاودون دوماً‏ إصدار الحكم واملواعظ ، يجب

أن تندمج ، يجب أن تتعلم اللغة األملانية ، ينبغي عليك أن تصبح عضواً‏ فعاالً‏

يف املجتمع األملاين . األغلبية متحمسون و يحاولون فعل ذلك ، والبعض يئس

من كرثة صدماته بالواقع ‏.كيف ميكن أن يسري االندماج عىل ما يرام مع رفض

املواطنني العاديني إزلة الحواجز بينهم وبني الالجئني ، ال وبل إنهم يفضلون

ابعادهم متاماً‏ واالكتفاء بحياتهم الخاصة ؟كيف وأين ميكن لإلنسان كالجئ أن

يتعرف عىل أصدقاء أملان : يف نادي اللياقة البدنية ، يف الديسكو ، عند الصندوق

أثناء تسديده الفاتورة بالسوبرماركت ؟قام محررونا بسؤال الكثري من الزوار أثناء

املهرجان

يف اليوم األخري من املهرجان قام محررونا بتقديم اإلجابات يف حلقة نقاش ،

إضافة إىل محاورة العديد من الزوار املهتمني . امرأة شابة جاءت إىل أملانيا قبل

عرش سنوات من شنغهاي ، وقد كانت قد عانت من ذات املشكلة والتي يتفهمها

جيدا محررو مجلة „ هنا يف بوخوم „ : „ أشعر دامئاً‏ بأن األملان متوترين ، إنه

ألمر شاق أن تقرتب وتتعرف عليهم ، اذا كنت لست من هنا يف األصل .

أنا أعتقد أن كثريين منهم ليس لديهم أي رغبة يف بناء عالقات اجتامعية .“

„ انترشت رسيعاً‏ النظرية التي تقول ، أنه أيضاً‏ بالنسبة لألملان أنفسهم حتى اآلن

هم يعتربون مسألة إيجاد صديق جديد هو مبثابة تحدي „

„ مجتمعنا غري من نفسه استنتاجاً‏ لذلك „ هذا الرجل يعني أنه يوجد جمود يف

املجتمع األملاين بشكل عام .

2017

e finden?

IAN

an in den Kontakt mit den louten

kommt egal auf welche

nd indem man selbst Events

ltet.

nicht in Deutschland.

öglichkeiten: in

fen, Kennen-

.

, zum Beispiel in der

te Bekannte in der Uni.

in einer ähnlichen

in eine neue Stadt

ge mich, wie schaffe ich

lernen? Meine Ideen:

er Sprachtandem.

JOHANNA

1

2

FRANZISKA

Es funktioniert, wie überall anders auch,

und ich hoffe, dass man kein Unterschied

macht zwischen Geflüchteten und

Menschen, die hier geboren sind: Man muss

an sich glauben und Selbstbewustsein haben.

Über Hobbys sprechen, zum Fussball gehen,

zusammen Konzerte besuchen oder auch im

Zug. Und wenn man die Sprache spricht, ist das

der grösste Schlüssel zu jeder Kultur.

1

Ja. Ich habe viele Freunde in Wien in

einem Protestcamp kennengelernt, in

dem ganz viele Menschen aus der ganzen

Welt waren. Viele von denen, die dort waren,

haben mich bis heute begleitet und sie sind

meine besten Freunde geworden. Das war eine

Begegnung, die mich für mein weiteres Leben

sehr geprägt hat.

2

Sich unter das Volk mischen, in Sportvereinen,

im Chor, in Begegnungsstätten.

Ja, ich habe viele Bekannte.

LUKAS

1

2

In dem man rausgeht, Leute anspricht,

zu Veranstaltungen geht, über gemeinsame

Hobbys.

Nicht direkt

WEITERE ANTWORTEN:

„Sich einen Hund im Tierheim ausleihen und mit

ihm spazierengehen. Mit anderen Hundebesitzern

kommt man immer gut ins Gespräch.“

„In Migrantenorganisationen.“

„Mit den Kindern auf den Spielplatz gehen.“

„Die Nachbarn zum Essen einladen.“

│ Enquête│Survey│Umfrage استطالع الرأي

باإلضافة إىل الحوار النظري فقد قدم املشاركون اقرتاحات أيضاً‏ توضح كيف

يستطيع الالجئون أن يكونوا عالقات صداقة أو معارف هنا يف أملانيا .

„ إنه من الرضوري أن تجد شيئاً‏ تشارك به معهم وتستمتع بالقيام به „ هذا ما

قاله أحد املشاركني بالحوار . „ كل الجئ جلب معه أيضاً‏ حياته إىل هنا „ رياضة

، نوادي الحياة ، صون العالقة بالجار كام يذكرون . الحوار بني الالجئني كمضيفني

لجلسة النقاش وبني غالبية املواطنني األملان كضيوف لفاعليتنا جرى بشكل ممتع

جداً‏ ‏.ألن الالجئني حصلوا من جديد عىل فرصة ليضموها إىل خرباتهم العملية ،

وشاركوا يف مناقشة النجاحات واإلخفاقات والتي كانوا قد تعرضوا لها حتى اآلن

فيام يخص موضوع الحصول عىل أصدقاء ‏.ويف الحال تم قلب األدوار بني املضيف

والضيف ، الالجئني واملواطنني األملان - عىل األقل يف هذه املناسبة - أظهروا بعض

النصائح ليتمكنوا من العيش معاً‏ ، وإسقاط وجهات النظر عىل أرض الواقع .

wie man als Geflüchteter in Deutschland Freunde finden könnte und

Campfire-Festivals lud das here-Team zur Diskussionsrunde „Freunde

rachen.

Fotos (2): here

Text: Vicki, Interviews: gesamtes Team, Übersetzung: Nour

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

19


│Lecker! │Yummy!│savoureux! لذيذ!‏

Afrika trifft Europa

Moussa Diagne kocht auf dem Festival senegalesische Spezialitäten

L’Afrique rencontre l’Europe

Moussa Diagne prépare des spécialités sénégalaises

Seit 17 Jahren lebt Moussa Diagne in Deutschland. Der

Senegalese war mit einer deutschen Frau verheiratet, vor

sieben Jahren hat sich das Paar getrennt. „Dann habe ich

ein neues Leben begonnen“, erzählt Moussa. Er lernte

Awa kennen, die ebenfalls aus dem Senegal stammt und

bereits seit 1994 in Deutschland lebt. Moussa und Awa

heirateten und bauten gemeinsam „Awa Events“ auf. Die

Leidenschaft für die traditionelle Küche ihrer Heimat

zeigte sich bei Awa schon früh: Mit zwölf Jahren begann

sie auf Großveranstaltungen mitzukochen. Als sie nach

Deutschland kam, stand für sie fest, dass sie hier ihre

Kochkünste präsentieren und die senegalesische Küche

populär machen will. Von 1996 bis 2000 leitete sie das

Restaurant Saff Sapp in Düsseldorf und kochte dort senegalesische,

afrikanische und internationale Speisen.

„Awa Events“ bietet Catering und Kochkurse an, aber

auch Tanz- und Trommelveranstaltungen. „Afrika trifft

Europa“ lautet das Motto von Moussa, Awa und ihrem

Team. „Wir leben wie eine Familie und machen dieses

Event zusammen, kochen senegalesisches Essen“, meint

Moussa. Veganes Essen, so Moussa weiter, gebe es im

Senegal schon seit 100 Jahren. Die senegalesischen

Spezialitäten kamen auf dem Campfire-Festival gut

an. Zu den verschiedenen Gerichten gab es Reis oder

Couscous. „Die Deutschen finden das super lecker und

essen es sehr gerne“, ergänzt der Koch.

Auch wenn Moussa nicht als Geflüchteter nach Deutschland

gekommen ist, beschäftigt ihn, dass so viele Afrikaner

auf der Flucht sind. „Die Leute verlassen ihre Heimat“,

so Moussa, „wenn die Menschen in der Heimat

verhungern, muss man dahin gehen, wo man ein neues

Leben finden kann. Ich bete dafür, dass sie Unterstützung

und ein gutes Leben finden. Das ist mein Wunsch.“

Autorin: Nour, Lektorat: Jan, Übersetzung: Christian,

Foto: here

dans le cadre du festival « Campfire »

Depuis 17 ans, Moussa Diagne vit en Allemagne. L’homme

provenant du Sénégal était marié avec une allemande mais

ils se sont séparés il y a sept ans. « Puis, j’ai pris un nouveau

départ dans la vie », raconte Moussa. Il a fait la connaissance

d’Awa qui est également originaire du Sénégal. Elle

habite en Allemagne depuis 1994. Moussa l’a épousée et,

avec elle, il a mis sur pied« Awa Events ». Lors de l’enfance

d’Awa naît la passion pour la cuisine traditionnelle sénégalaise.

À 12 ans, elle a commencé à faire la cuisine aux

grands évènements.Lorsqu‘elle est arrivée en Allemagne,

elle savait qu‘elle voulait présenter ses dons culinaires et

faire reconnaître la cuisine sénégalaise au public. De 1996

à 2000, elle a géré le restaurant Saff Sapp à Düsseldorf où

elle a fait des plats sénégalais, africains et internationales.

«Awa Events» offre des caterings et des cours de cuisine

ainsi que des cours de danse et des cours de tambour

africain. L‘Afrique rencontre l‘Europe - c‘est la devise

de Moussa Diagne et de sa femme Awa Kandji-Bachtig

et c’est aussi la devise de leur équipe. « Nous sommes

comme une famille, nous organisons les évènements et

préparons ensemble les plats sénégalais », dit Moussa et

il continue: « Au Sénégal, on connaît des repas végans

depuis 100 ans. » Les spécialités sénégalaises ont beaucoup

plu aux visiteurs du Campfire. On a servi les plats

avec du riz ou du couscous. « Les allemands disent que

c‘est super délicieux et qu’ils aiment la cuisine sénégalaise

», ajoute le cuisinier.

Même si Moussa n‘est pas venu en Allemagne en tant

que réfugié, quand même, la fuite actuelle de beaucoup

d’africains lui préoccupe. Selon Moussa, les gens quittent

leur pays natal parce que si on meurt de faim on est forcé

à partir ailleurs pour gagner la possibilité de commencer

une nouvelle vie. « Je prie pour ces personnes et j‘espère

qu‘ils reçoivent du soutien et qu‘ils peuvent mener une

meilleure vie. C‘est mon souhait absolu», précise-t-il.

20 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Mafe ein vegetarisches Gericht aus dem Senegal

Koch Moussa Diagnes verrät ein Rezept aus seiner Heimat

Vegetarisches Mafe:

· 250 g Kohlrabi

· 250 g Karotten

· 400 g Kartoffeln

· 100 g Zwiebeln

· 2 Knoblauchzehen

· 2 EL Öl

· 1 EL Currypulver

Foto: privat

· 350 ml Gemüsebrühe

· 2 EL Erdnussbutter

· 1 EL Tomatenmark

· 2 EL Sojasauce

· Salz, Pfeffer, Chilipulver

Gemüse putzen und in mundgerechte Stücke

schneiden. Zwiebeln schälen und in Ringe

schneiden. Knoblauch schälen und kleinhacken.

In einem großen Topf das Öl erhitzen. Das

Currypulver kurz anbraten. Zwiebeln und

Knoblauch dazugeben und glasig andünsten.

Anschließend das Gemüse und die Kartoffeln

hinzugeben und kurz anbraten.

Erdnussbutter, Tomatenmark und Sojasauce

dazugeben und mit der Gemüsebrühe ablöschen.

Das Ganze kurz aufkochen lassen,

dann zudecken und bei kleiner Hitze 2030

Minuten stehen lassen dabei ab und zu

umrühren. Wenn das Gemüse gar ist (noch

bissfest), mit Salz, Pfeffer und Chilipulver

abschmecken.

Zum vegetarischen Mefé schmeckt entweder

weißer Reis oder Couscous. Alternativ kann

man auch Fladenbrot nehmen.

Mafe - un plat végétarien

sénégalais

Le cuisinier Moussa Diagne nous

trahit une recette de son pays

le Mefé végétarien

· 250 g de choux-raves

· 250 g de carottes

· 400 g de pommes

de terre

· 100 g d’oignons

· 2 gousses d’ail

· 2 cuillères à soupe

d’huile

· 1 cuillère à soupe

de curry en poudre

· 35 cl de bouillon

de légumes

· 2 cuillères à soupe

de beurre de

cacahouète

· 1 cuillère à soupe

de concentré de

tomates

· 2 cuillères à soupe

de sauce au soja

· sel, poivre, chili en

poudre

Préparation

· laver les légumes et les couper en petits

morceaux

· éplucher les oignons et les couper en

rondelles d’oignon

· éplucher l’ail et le hacher finement

· faire chauffer l’ail dans une grande casserole

· faire revenir le chili en poudre un court

instant

· ajouter les oignons et l’ail et les faire

blondir, puis ajouter les légumes et les

pommes de terre et les faire revenir

· ajouter le beurre de cacahouète, le concentré

de tomates et la sauce au soja et

les mouiller avec du bouillon de légumes

· porter le tout à ébullition un court instant,

puis couvrir le tout avec le couvercle

de casserole et cuir le tout à feu

doux pendant 20 à 30 minutes, remuer

de temps en temps

· Quand les légumes sont à point, les assaisonner

avec du sel, du poivre et du

chili en poudre.

· servir avec du riz blanc ou du couscous

ou servir avec du pain pita (Fladenbrot)

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

21

│Lecker! │Yummy!│savoureux! لذيذ!‏


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

„Deutschland ist vielleicht

viel besser als sein Ruf“

Journalist Raphael Thelen hat viele Reportagen über

Ostdeutschland und Fremdenfeindlichkeit geschrieben

‏„رمبا أملانيا أفضل بكثري مام يزعمون“‏

الصحفي رافييل تيلن قام بالعديد من التحقيقات الصحفية وكتب الكثري عن رهاب األجانب

Raphael Thelen ist Mitglied der Reportageagentur Zeitenspiegel.

Für seine Reportagereisen durch Sachsen

(www.neuenormalitaet.de) und Mecklenburg-Vorpommern

(www.zeit.de/obenrechts) zum Thema Rechtspopulismus

kürte das Medium Magazin ihn zu einem der „Top

30 bis 30“-Journalisten 2016. 2017 reiste er mehrere

Wochen für Spiegel Online durch Ostdeutschland und

ging der Frage nach, wovon die Menschen träumen.

Zuvor lebte er mehrere Jahre in Ägypten und dem

Libanon. Seine Reportagen aus über fünfzehn Ländern

erschienen im SPIEGEL, der ZEIT, dem Stern,

sowie einer Vielzahl von österreichischen und

schweizerischen Medien. Die here-Redakteure Nour

und Fayk sprachen mit ihm auf dem Campfire.

Du hast viele Erfahrungen in Aue und in Ostdeutschland

gemacht. Was kann die Ansichten der Nazis gegen

Geflüchtete verändern?

Dafür gibt es einen Fachbegriff: Man nennt das die Kontaktthese.

Je mehr Menschen miteinander zu tun haben,

desto weniger Angst haben sie voreinander. Ich habe

eben in meinem Vortrag über über den sächsischen Ort

Coswig gesprochen. Ganz viele Geflüchtete sind nach

Coswig gekommen und die Menschen dort hatten erst

einmal Angst. Werden die jetzt klauen? Werden die unsere

Frauen anfassen? Aber nach drei Monaten

gab es keine Diebstähle und es gab auch

keine Übergriffe. Der Bürgermeister hat sehr

viel dafür getan, dass sich die Geflüchteten

und die Menschen aus Coswig kennenlernen.

Nach einigen Monaten kamen die Einwohner

von Coswig zum Bürgermeister und sagten,

dass die Geflüchteten gar keine Probleme

machen würden. Ich glaube es ist wichtig,

dass man sich kennenlernt.

Wer spielt hier eine Rolle für diese Entwick-

رافييل تيلن هو عضو يف وكالة زاينت شبيغل للتحقيقات الصحفية . اثناء رحلته الجراء

تحقيقات صحفية يف والية سكسن ( www.neuenormalitaet.de ) ووالية ميكلنبورغ

فوربومرن ( www.zeit.de/obenrechts ) حول موضوع الشعبية اليمينية اختار لنفسه

مجلة من الوسط االعالمي ( 30 ) Top 30 bis قام باملشاركة مع صحفيي وكالة شبيغل

مبارش يف عامي 2017/2017 بجولة يف رشق املانيا لعدة اسابيع وقاموا بحصد استطالعات

رأي . مباذا يحلم الناس . وفيام قبل كان رافييل قد عاش لسنوات يف مرص ولبنان . وقد

بدأ بنشاطه الصحفي قبل نحو خمسة عرش عاما ، كتب يف املرآة ، الوقت ، النجمة ، كام

كتب أيضا يف العديد من الوسائط االعالمية يف النمسا و سويرسا . محررو مجلتنا ‏)هنا يف

بوخوم ) نور و فائق تحدثوا اىل رافييل يف مهرجان الكامبفاير .

لقد كان لك العديد من التجارب والخربات يف رشق املانيا ومدينة آوا ، ما الذي ميكن أن

يساهم يف تغيري رؤية النازيني لالجئني ؟

املرء يدعو هذا بأسلوب التواصل ، كلام كان هناك تعامل بني الطرفني بعضهم مع بعض

كلام قل الخوف الذي يتملك بعضهم أمام بعض . لقد كنت قد تحدثت للتو يف محارضيت

عن مدينة كوزفيك ، كان قد وصل الكثري من الالجئني إىل املدينة ، والناس كانوا يف بداية

األمر يحملون خوفاً‏ يف قلوبهم ... كانوا يسألون أنفسهم هل سوف تبدأ الرسقات ؟ هل

سيقرتب أحدهم من نسائنا ؟؟ ولكن بعد ثالث شهور تبني لهم أنه مل تسجل أي حاالت

رسقة أو اغتصاب . وقد كان عمدة املدينة قد بذل مجهوداً‏ كبرياً‏ ألجل هذا التعارف

والتقارب بني الالجئني وسكان كوزفيك . بعد ثالثة أو ستة شهور جاء سكان مدينة

كوزفيك األصليني إىل عمدة املدينة وقالوا له بأن الالجئني مل يتسببوا لهم بأي مشاكل ومل

يقوموا بأي يشء يسء طوال تلك املدة . أنا أعتقد أنه من املهم أن يعرف املرء عن نفسه

من الذي يلعب دوراً‏ أساسياً‏ هنا يف تنمية وتطوير هذه العالقة ؟ هل هي الحكومة عىل

سبيل املثال ؟ أم الالجئني والذين تم جلبهم بالكاد إىل تلك املناطق ؟

أنا أعتقد أن حكومة أملانيا االتحادية بعيدة متاماً‏ عن لعب هذا الدور

هذا يتوقف عىل األشخاص املتواجدين يف تلك املنطقة نفسها ، من

عمدة املدينة ، األندية الرياضية ، الكنيسة ، والالجئني أنفسهم . االندماج

يأيت من كال الطرفني ، وإنه من املهم والجوهري أن يلتقي الطرفان

ويتحدثان .

كيف يستطيع الالجئون أن يدافعوا عن أنفسهم يف وجه النازيني ؟

يوجد نازيني ال ميكن أبداً‏ تغيري وجهة نظرهم بعد اآلن . هم سيبقون

هكذا دوماً‏ . ولن يغريوا من أنفسهم أبداً‏ . لكن يوجد يف املقابل أناس

ليسوا مييننني وال يساريني ، هم لديهم رمبا بعض الخوف يف قلوبهم ،

22 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


lung? Ist es zum Beispiel die Regierung, die quasi die

Geflüchteten in die Orte gebracht hat?

Ich glaube, die Bundesregierung ist bei dieser Argumentation

zu weit weg. Es kommt auf die Leute vor Ort an.

Also die Bürgermeister, die Sportvereine, die Kirche und

die Geflüchteten selbst. Integration kommt von beiden

Seiten. Es ist wichtig und auch gar nichts Großes, sich

einfach zu treffen und zu reden.

Wie können sich die Geflüchteten gegen Nazis verteidigen?

Es gibt Nazis, die kann man nicht mehr ändern. Die werden

immer so sein. Das ändert sich nicht mehr. Aber es

gibt Menschen, die sind nicht rechts oder links, die haben

vielleicht ein bisschen Angst und da muss man hingehen

und reden. Ein Geflüchteter könnte sagen: „Ja,

ich bin Moslem und finde es gut, wenn Frauen ein Kopftuch

tragen, aber trotzdem sind Frauen gleichberechtigt

im Koran.“ Die Geflüchteten müssen reden, reden, reden.

Zum Beispiel: „Syrisches Essen ist genauso lecker

wie deutsches Essen. Ich koche heute für Sie!“

Wie kann Integration im Zuge der Angst von einigen in

der Bevölkerung funktionieren?

Angst kann man abbauen, aber es ist schwierig. Ich

glaube, die Situation ist nicht so schlimm, wie es in den

Medien manchmal aussieht. Dort sieht man immer nur

das Schlimmste. Bochum ist ja ein gutes Beispiel dafür,

wie Geflüchtete und Deutsche zusammenleben können.

Man gewöhnt sich aneinander. Früher im Bergbau

haben Deutsche, Türken und Italiener zusammengearbeitet,

hart gearbeitet, und man sagt: „Vor der Kohle

sind alle schwarz.“ Also alle Gesichter waren schwarz

vom Kohlenstaub. Das heißt also, wenn man zusammen

arbeitet und zusammen lebt, dann geht die Angst weg.

Die Geflüchteten können nur eine kleinere Rolle spielen,

weil sie zuerst die deutsche Sprache lernen müssen,

bevor sie ihre Geschichte erklären können. Das

dauert. Sollten deshalb nicht zuerst die Deutschen zu

den Geflüchteten kommen und nicht umgekehrt?

Ich glaube, da gibt es kein Schwarz und kein Weiß. Der

deutsche Staat muss zuerst Sprachkurse anbieten, damit

die Neuankömmlinge Deutsch lernen können und

anfangen können zu arbeiten. Und sobald sie anfangen

zu arbeiten, kommt der zwischenmenschliche Kontakt

von ganz alleine. In einem Projekt könnte es dann zum

Beispiel so sein, dass man sich begegnet und merkt: Die

Deutschen sind sehr pünktlich. Die Geflüchteten zeigen

etwa die kulinarischen Besonderheiten der heimischen

Küche. So lacht man zusammen und man lernt zusammen.

Es gibt keine Regeln, kein „Du musst“.

Kannst du dir vorstellen, ein zweites Mal Artikel über

die Rechtsradikalen zu schreiben, die du porträtiert

hast mit dem Unterschied, dass sie inzwischen ihre

Einstellung geändert haben?

Ich habe viel über Nazis geschrieben. Jetzt nach zwei

هؤالء يجب عىل املرء أن يذهب إليهم ويتحدث معهم . الالجئ ميكنه أن يقول : „ نعم

أنا مسلم وأجد أن هذا أمر جيد عندما ترتدي النساء الحجاب ، لكن بالرغم من هذا

فإين أجد أن القرآن ينصف املرأة ويعطيها حقها .“ الالجئون يجب أن يتحدثوا ويتحدثوا

ويتحدثوا . عىل سبيل املثال ميكنهم أن يقولوا : „ الطعام السوري أشهى من الطعام

األملاين ، وأنا سأطبخ اليوم ألجلك !... „

كيف ميكن ان يسري االندماج عىل مايرام مع الخوف الذي يحمله الناس يف قلوبهم ؟

الخوف ميكن للمرء أن يهدمه . أنا أعتقد أن الحالة ليست بهذا السوء الذي تصوره

وسائل اإلعالم . حيث تظهر فقط للناس الجانب األسوأ . ومدينة بوخوم هي مثال جيد

عن التعايش بني املهاجرين واألملان . لقد اعتادوا أن يعيشوا جنباً‏ إىل جنب . يف السابق

كان األملان يعملون معاً‏ يف املناجم مع األتراك واإليطاليني ، وكان ذاك العمل شاقاً‏ ، وقد

درج قول يف تلك الفرتة : „ أمام الفحم الكل أسود „ ، اذاً‏ كل الوجوه كانت سوداء من

غبار الفحم . هذا يعني : عندما يعمل الناس معاً‏ ويعيشون معاً‏ ، سوف يتبدد الخوف .

الالجئون يلعبون فقط دوراً‏ بسيطاً‏ ، ألن عليهم يف البداية أن يتعلموا اللغة األملانية قبل

أن يتمكنوا من رشح قصصهم ، وهذا يستغرق وقتاً‏ . لذلك هل تعتقد أنه ينبغي أن

يبادر األملان بالتقرب من الالجئني وليس العكس ؟؟

أنا أعتقد أنه هنا ال يوجد أسود وال يوجد أبيض . عىل الدولة األملانية أن تقدم أوالً‏

دورات لتعليم اللغة ، ليك يتمكن القادمون الجدد من اتقان اللغة أوالً‏ ثم البدء بالعمل

ومبجرد أن يبدؤوا بالعمل يلتقون عىل سبيل املثال بالسيدة مارشال ، ويتعلمون منها

الدقة باملواعيد بينام تتعلم هي منهم أن تطبخ بشكل أفضل . وهكذا يتعلم املرء كيف

يضحك مع اآلخرين ويعيش معهم ويتعلم منهم . ال يوجد قواعد ثابتة ، ال يوجد هنا „

يجب „ .

هل ميكنك أن تتخيل نفسك وأنت تكتب ثانية مقاال عن اليميني املتطرف ، والذي كنت

قد وصفته كثريا . هل تغري يشء حتى اآلن يف رؤيتك الكتابية ؟

لقد كتبت كثرياً‏ عن النازيني يف املايض . اآلن وبعد عامني ، أنا أعتقد أنه ليس من

الرضوري أبداً‏ أن أكتب عن النازيني مجدداً‏ . إن الكلمة الرئيسية للصحافة البناءة

والهادفة هي : أنا أفضل أكرث أن أكتب اآلن عن األندية الرياضية ، عن التقدمية عن

الليربالية ، عن السياسيني ، عن املؤسسات مثال مثل مجلتكم „ هنا يف بوخوم „ .

أفضل أن أكتب عن دورمتوند ، عىل أن أكتب عن مدينة دورزتفيلد والتي يتجول فيها

عرشين نازياً‏ . إنه ملن املمتع أكرث أن أكتب عن األنشطة التي تحصل يف مدينة بوخوم

وكيف تسري األمور هنا .. بالطبع يوجد هنا مشاكل أيضاً‏ ، لكن ال يوجد مشكلة من غري

حل . وعن هذا أود وأفضل أن تكون كتابايت القادمة .

هل شعرت يوماً‏ كصحفي بالخوف يف أملانيا الرشقية ؟

يف بعض األحيان ، نعم . لكن يف اليبزيغ مل أشعر بالخوف يوماً‏ ، ألنها مدينة يسارية

ومنفتحة متاماً‏ . يف أغلب املدن الكبرية الوضع جيد . يأخذ العديد من مراسيل القنوات

التلفزيونية حراس شخصيني معهم ، عندما يريدون تصوير مظاهرات بيغيدا ، ألنه

من املمكن أن يتهجم عليهم أحد املتظاهرين . لكن ، نعم ، يف بعض األحيان كنت قد

شعرت بالخوف .

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

│ Interview│Interview│Interview مقابلة

23


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

Jahren denke ich, dass es vielleicht gar nicht so wichtig

ist, über Nazis zu schreiben. Stichwort konstruktiver

Journalismus: Ich würde viel lieber über Sportvereine

schreiben, die progressiv und liberal sind oder über Politiker

und Initiativen wie here in Bochum. Darüber würde

ich viel lieber schreiben als über Dortmund Dorstfeld,

wo 20 Nazis rumlaufen. Es ist viel interessanter darüber

zu schreiben, welche Projekte es zum Beispiel in Bochum

gibt und wie diese funktionieren. Natürlich gibt es

da auch Probleme, aber auch Lösungen. Darüber würde

ich viel lieber schreiben.

Hattest du als Journalist in Ostdeutschland Angst?

Manchmal, ja. In Leipzig habe ich aber keine Angst gehabt,

weil dies eine sehr linke und offene Stadt ist. Die

meisten größeren Städte sind okay. Viele Fernsehteams

nehmen dennoch Bodyguards mit, wenn sie zu einer Pegida-Demo

fahren, weil es zu Angriffen kommen kann.

Aber ja, manchmal habe ich Angst gehabt.

Warum hast du so viel über Rechtsradikalismus und

Geflüchtete geschrieben?

Wenn mich ein Thema berührt, schreibe ich darüber.

Ich war 2015 bei einer Pegida-Demo in Dresden und

das war für mich 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges

schockierend. 20.000 Menschen stellen sich auf

einen Platz und rufen: „Wir sind das Volk!“ und brüllen:

„Ausländer raus!“ Dass so etwas 70 Jahre nach dem Holocaust

passiert, wollte ich nicht akzeptieren und habe

mich gefragt, weshalb ist das so? Das wollte ich zum

einen verstehen und zum anderen Möglichkeiten schaffen,

etwas dagegen zu tun, indem man es versteht.

Warum hat die Bundesregierung noch keine Umfrage

veröffentlicht, in der steht, wie viele Geflüchtete eine

Arbeit haben, zur Schule gehen und integriert sind?

Die Zahlen über Geflüchtete, die einen Job haben, sind

ziemlich schlecht. Es ist aber auch erst zwei Jahre her.

Für Geflüchtete fühlt es sich lang an, aber für eine Gesellschaft

ist das nicht lang. Nour, Sie sind ein tolles

Beispiel: Sie können auf sich selbst total stolz sein, dass

sie schon gut Deutsch sprechen und sich hier engagieren,

und das mit zwei Kindern. Sie werden auch keine

Schwierigkeiten haben.

Warum bemühen sich die Deutschen nicht syrische

Freunde zu finden?

Die Deutschen sind toleranter, als es in den Medien gezeigt

wird. Mein Vater hatte ein kleines Bauunternehmen

und da haben Ausländer gearbeitet. Es kam nie zu

Problemen. 100.000 Menschen haben sich engagiert

und haben Deutschunterricht gegeben, aber darüber

wurde zu wenig geredet. Die Politiker haben ihnen zu

wenig gedankt. Ich habe zwei Jahre lang über Nazis und

die AfD geschrieben. Vielleicht habe ich sie viel stärker

dargestellt, als sie es eigentlich sind. Vielleicht ist

Deutschland gar nicht so schlecht, wie sein Ruf.

www.raphaelthelen.de

Campfire-Umfrage:

Wie kann man als

Geflüchteter Freunde finden?

Raphael Thelen:

Ich würde denken, auf der Arbeit. Also Deutsche arbeiten

halt. Das ist fast alles, was Deutsche machen. Sie

arbeiten den ganzen Tag. Wenn sie nicht arbeiten und

zu Hause sind, denken sie über ihre Arbeit nach. Wenn

du auf der Arbeit bist und deine Kollegen nicht magst,

dann findest du kaum Freunde in einer neuen Stadt.

Man kann auch in einen Sportverein gehen. Aber das

Wichtigste im Leben der Deutschen ist die Arbeit.

Wenn man da keine Freunde findet, dann hat man ein

Problem. Aber es gibt Möglichkeiten, sich in Vereinen,

in der Schule oder im Kindergarten zu engagieren ist.

ملاذا متحورت أكرث كتاباتك حول اليميني املتطرف والالجئني ؟

عندما يالمسني موضوع ما ويرتك أثرا يف نفيس حينها اكتب عنه . كان هذا يف عام ٢٠١٥

يف اعتصام غيبيدا يف دريسدن وقد كان هذا املشهد صادم بالنسبة ايل بعد مرور ٧٠

عاما عىل نهاية الحرب العاملية الثانية . ٢٠٠٠٠ شخص تجمعوا يف مكان وبدؤوا يهتفون

: „ نحن الشعب „ . ثم عال الرصاخ : „ األجانب إىل الخارج „ . يشء كهذا يحدث بعد

ميض ٧٠ عاماً‏ عىل املحرقة ، مل أكن ألستطيع تقبل هذا أبداً‏ ، وسألت نفيس حينها : ملاذا

يحصل هذا . كنت أتفهم ذلك أحياناً‏ وأخلق احتامليات احيانا أخرى ، ومع ذلك كان

عيل أن أفعل شيئا ما ، ميكن للمرء من خالله أن يفهم ما يجري حوله .

ملاذا مل تقم حكومة أملانيا االتحادية حتى اآلن بنرش استطالعات ، تحيص اعداد الالجئني

الذين حصلوا عىل فرصة عمل ، وبدؤوا بالدراسة ، واندمجوا ؟

إن االحصائيات حول الالجئني الذين بدؤوا بالعمل هي نوعا ما سيئة . لكن أيضاً‏ انها أول

سنتني لكم هنا يف أملانيا ، بالنسبة لالجئني هم يشعرون أن سنتني هو وقت طويل جداً‏

، لكن بالنسبة للمجتمع هو ليس وقت طويل . نور هي مثال رائع : ميكنها أن تكون

فخورة بنفسها ، حيث ميكنها بهذا الوقت أن تتحدث اللغة األملانية بطالقة وتنخرط يف

املجتمع ، هذا كله مع طفلني . بالطبع مع كل ما وصلت اليه لن تقف أي صعاب يف

طريقها

ملاذا ال يبذل األملان أي مجهود ليجدوا أصدقاء سوريني مثال ؟

األملان عىل أرض الواقع متسامحون أكرث من الصورة التي تقدم يف وسائل االعالم . والدي

كان لديه رشكة مقاوالت صغرية ، وهناك كان يعمل الكثري من األجانب . مل يحصل أي

مشاكل أبدا ، ١٠٠٠٠٠ انسان كانوا منخرطني بعد أن قدمت لهم دورات تعلم اللغة

األملانية ، ال أود أن أطيل الحديث عن هذا . السياسون كانوا ال يفكرون يف هؤالء الناس

مطلقاً‏ . لقد كنت قد كتبت ملدة عامني كاملني عن النازيني و حزب البديل من أجل

أملانيا . رمبا أكون قد أعطيتهم أكرب من حجمهم وجعلتهم أقوى مام هم عليه يف الواقع .

رمبا أملانيا ليست أبداً‏ بهذا السوء كام يزعم .

Text & Übersetzung: Nour, Lektorat: Jan

Raphael Thelen (Mi.) mit Nour (li.) und Fayk. Fotos(3): here

24 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Die Flüchtlingskrise in den Medien

Michael Hallers Studie beschäftigt sich mit der

Frage: Waren die Journalisten zu unkritisch?

Die Studie von Michael Haller „Die ‚Flüchtlingskrise‘

in den Medien. Tagesaktueller Journalismus zwischen

Meinung und Information“ ist Mitte Juli veröffentlicht

worden und wird seitdem viel diskutiert. Es ist die

bislang umfassendste und methodisch aufwendigste

Untersuchung zum Thema. Weit über 30.000 Zeitungsberichte

wurden dafür erfasst, Längsschnittanalysen

zurück bis ins Jahr 2005 unternommen, die Berichte

der Newssites wie auch der Leitmedien minutiös auseinandergenommen

und akribisch analysiert. Das Ergebnis:

Große Teile der Journalisten haben ihre Berufsrolle

verkannt und die aufklärerische Funktion ihrer Medien

vernachlässigt. here-Redakteur Mohamad besuchte

den Vortrag und schildert ihn aus seiner Sicht.

Der Vortrag war auf Deutsch und beinhaltete viele

schwierige Begriffe. Ich habe nicht alles verstanden,

aber es gab trotzdem viele interessante Aspekte. Forscher

Michael Haller begann mit dem auch mir bekannten

Satz von Angela Merkel: „Wir schaffen das!“

Er stellte die Fragen: Wie behandelte der Journalismus

2015 das Thema Flüchtlinge? Wie wurde die Politik

dargestellt? Dabei kam heraus, dass viel über Politiker

berichtet wurde, aber nur wenig über Experten, Hilfsorganisationen

oder die Geflüchteten selbst.

Anfang 2015 berichteten die Medien kaum über die

Flüchtlingskrise, im Juli 2015 auf einmal sehr viel. Haller

erklärte, wie Journalismus grundsätzlich funktionieren

sollte und zeigte dann, dass die Berichte über Flüchtlinge

oft schwarz oder weiß waren. Besonders interessant

fand ich die Schlussfolgerung: Wir brauchen mehr neutrale

und weniger wertende Informationen in den Medienberichten.

Ich denke: Über das Problem zu sprechen,

ist Teil der Lösung. Es würde mich freuen, wenn die Studie

von Michael Haller die Menschen dazu bringt, sich

zu informieren und darüber zu sprechen.

Dies war meine erster Einsatz als here-Redakteur, aber

definitiv nicht mein letzter. Ich finde es gut, dass ich hier

als Geflüchteter zu Wort komme und meine Meinung

sagen kann.

Die Studie kann man online auf der Seite der Otto-Brenner-Stiftung

nachlesen:

www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/

aktuelles/die-fluchtlingskrise-in-den-medien.html

The refugee crisis in media

Michael Haller´s study deals with the

question: Were journalists too uncritical?

The study by Michael Haller „The refugee crisis in media.

Daily journalism between opinion and information“ was

published in July and is much discussed since. It is the

most comprehensive and methodically most elaborate

investigation on this topic. More than 30.000 newspaper

articles were gathered, longitudinal analysis reaching

back until 2005 were performed, reports from news

sites and leading media were examined and analysed

meticulously. The result: Great parts of journalists have

misused their professional role and neglected the medias‘

educational function. here-editor Mohamad visited

the presentation and describes it from his perspective.

The presentation was in German and included many

complicated phrases. I didn‘t understand all of it, but

nevertheless there were many interesting aspects to it.

The researcher Michael Haller started with the famous

sentence by Angela Merkel also known to me: „We can

do it“. He posed the questions: How did journalism in

2015 treat the refugee topic? How were politics portrayed?

The results were that much was written about

politicians, but only little about experts, charity organisations

or refugees themselves.

In early 2015 there were hardly any reports on the refugee

crisis, but all of a sudden in July 2015 there were

lots of reports on that topic. Haller explained how journalism

should work in principle and then showed how

reports on refugees are often black or white. I found the

conclusion especially interesting: We need more neutral

and less judgemental information in media. I think:

Talking about a problem is part of its solution. I would

like to see that Haller‘s study leads people to inform

themselves and talk about it.

This was my first experience as editor but it won‘t be

my last. I like the idea that I as a refugee have a chance

to speak here and can share my opinion.

The study can be read online at the Otto-Brenner-foundation‘s

webpage:

www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brennerstiftung/aktuelles/die-fluchtlingskrise-in-denmedien.html

Autoren: Mohamed &

Angela, Übersetzung: Angela

│ étude scientifique│Study│Studie دراسة

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

25


│Séminaire│Seminar│Seminar ندوة

Wie lesenswerte Stories noch lesenswerter werden

Die Kölner Journalistenschule gibt

Expertentipps beim Campfire-Festival

Wie schreibt man einen Artikel, der von der ersten Zeile

an fesselt? Mit welchen Methoden arbeiten die großen

deutschen Zeitungen, um die Aufmerksamkeit der Leser

zu erregen? Im Rahmen des Campfire-Festivals hatten

die here-Redakteure die Möglichkeit, Fragen wie diese

mit Jakob Struller von der Kölner Journalistenschule

auf Einladung der Telekom-Stiftung zu diskutieren.

„Gefällt mir gut, aber…“ über Kritik am Text

Unter dem Motto „Gefällt mir gut, aber…“ besprachen

die Redakteure ihre Artikel mit Struller, bekamen konstruktives

Feedback und überlegten, was an ihren Artikeln

noch besser werden könnte. Die Idee des Workshops:

Durch die Arbeit an eigenen und fremden Texten

zu erkennen, worauf es beim journalistischen Schreiben

ankommt.

Richtig schreiben will für jeden

gelernt sein

Die Lehrredaktion ist ein zentraler

Bestandteil der Ausbildung an

der Kölner Journalistenschule.

Dort besprechen die Journalistenschüler

zusammen mit Lehrredakteuren,

welche Themen

relevant sind, wann eine tiefere

Recherche notwendig ist, welche

Struktur ein Text haben sollte

und wie präzise formuliert werden

kann. Die Telekom-Stiftung sponserte im Rahmen

ihres Engagements für Bildung in der digitalen Welt

den Workshop. Die 2003 gegründete Stiftung hat sich

How to write an article that captivates

from the first line? What are the

methods used by the most important

German newspapers to attract the

readers’ attention? As part of the

Campfire Festival, the here editors had

the opportunity to discuss questions

like these with Jakob Struller from the

Cologne School of Journalism at the

invitation of the Telekom Foundation.

“I like it, but…” about criticism of texts

Under the slogan „I like it, but ...“, the editors discussed

their articles with Struller, received constructive feedback

and talked about how their articles can become

even better. The idea of the workshop: To figure out

what matters in journalistic writing by working on your

own and others’ texts.

How to learn proper writing

The editorial training programme is a central part of the

teaching at the Cologne School of Journalism. There,

the student journalists discuss together with their teacher

which topics are relevant, when a deeper research

is necessary, which structure a text should have, and

how precise formulations can be found. The Telekom

Foundation sponsored the workshop as part of its commitment

to the education in a digital world. Founded in

2003, the foundation has set itself the task of strengthening

education, research and technology in Germany.

Putting moving and interesting stories into the right form

Es geht weiter: Campfire 2018

Das Festival für Journalismus und neue Medien bleibt kein einmaliges Event. Das Festival

gestalten Journalisten, Künstler, Musiker und Partner gemeinsam mit den Besuchern.

Statt einer Fachtagung gibt es ein mehrtägiges Festival umsonst und draußen: Diskussionsrunden

zu aktuellen Themen, Lesungen bekannter Autoren, Theaterstücke, Liveacts,

Streetfood, gute Getränke und jede Menge Workshops.

www.campfirefestival.org

26 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


How good stories become great articles

The Cologne School for Journalism gives

expert tips at the Campfire Festival

zur Aufgabe gemacht, den Bildungs-, Forschungs- und

Technologiestandort Deutschland zu stärken.

Bewegende und interessante Themen in Form bringen

Die wenigsten der here-Redakteure sind ausgebildete

Journalisten und genau darum geht es im Magazin. Die

Geflüchteten erzählen ihre persönlichen Geschichten.

Es sind ihre eigenen Fluchterfahrungen und Berichte

aus ihrem neuen Leben in Bochum, über die sie Artikel

schreiben dabei müssen sie den Leser natürlich bei

jeder Textidee mitdenken. Welche Themen sind interessant?

Welche Informationen wichtig?

Im direkten Austausch wachsen gute

Ideen

Anderthalb Stunden lang wurden die Artikel

der vierten Ausgabe des here-Magazins

unter die Lupe genommen. Zu

aller erst gilt es eine starke Überschrift

zu wählen, die die Story ansprechend

vorstellt. Doch das sei noch nicht alles,

machten die Experten deutlich: Für einen

passenden Anfang muss der erste

Satz Lust aufs Weiterlesen machen. Aus der konstruktiven

Kritik Strullers und auch durch den Austausch mit

den anderen here-Redakteuren, konnten die Autoren viele

wichtige Impulse für ihre nächsten Artikel mitnehmen.

Die here-Redaktion bedankt sich herzlich für die Möglichkeit

zur Teilnahme am Workshop und freut sich darauf,

auch in Zukunft noch einmal vom Know-how der

Kölner Journalistenschule profitieren zu können.

Most of the here editors are not trained journalists and

that is what the magazine is all about. The refugees tell

their own personal stories. They write articles about

their experiences of migration and displacement and

tell about their new life in Bochum. Yet, they should always

think about the reader as well when they develop

an idea for a text. Which topics are interesting? What

information is important?

In direct exchange, good ideas

grow

For one and a half hours, the articles

of the fourth edition of

the here magazine were scrutinized.

First of all, it is important to

choose a strong headline, which

presents the story in an appealing

way. But that is not all, the expert

made clear: For a suitable beginning,

the first sentence must make the reader to want

to read on. From the constructive criticism of Struller

and also through the exchange with the other here editors,

the authors were able to take many important impulses

for their next articles with them.

The here team says thanks for the opportunity to participate

in the workshop and looks forward to benefit

from the know-how of the Cologne School of Journalism

again in the future.

Text & Übersetzung: Mareike, Lektorat: Jan, Fotos: here

│Séminaire│Seminar│Seminar ندوة

Hintergrund: Der Verein hinter dem here-Projekt

Der Verein „Angekommen“ fördert die Integration von Geflüchteten in Bochum. Er ist

ein Zusammenschluss von Journalisten, Kommunikationsexperten, Mediendesignern und

Medienberatern. Die Mitglieder geben ihr Wissen weiter, um mit Geflüchteten Projekte

zu initiieren, die die Interaktion zwischen Geflüchteten, Flüchtlingsorganisationen und

der Öffentlichkeit fördern. So sollen beispielsweise Geflüchtete dabei unterstützt werden,

eine Zeitung, ein Magazin oder ein Online-Magazin zu veröffentlichen.

Interesse am Projekt here in Ihrer Stadt? Sprechen Sie uns an!

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

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│Art│Art│Kunst فن

Zeichnen über Sprachbarrieren

und Grenzen hinweg

Die syrische Künstlerin Diala Brisly gestaltete

auf dem Festival ein Kunstwerk

Jeder Syrer in der Fremde hat eine einmalige Geschichte

seine Geschichte. Der Leser vermag sich an der

Schönheit dieser Geschichte zu erfreuen, aber meistens

vereint diese Geschichte auch eine bittere Note in sich.

Der Held oder die Heldin ist immer der hartgesottene

Syrer oder die hartgesottene Syrerin. Sie haben die verschlossenen

Riegel durchbrochen und sich, am Boden

der Realität angekommen, aus dem Nichts heraus wieder

aufgebaut. Die Künstlerin Diala Brisly aus Damaskus

ist so eine Heldin. Zu Beginn des Campfire-Festivals

in Dortmund stand sie vor einer weißen Leinwand. Mit

ihrem bezaubernden Lächeln schwang sie ihre Pinsel.

Die Leinwand diente ihr nur als bescheidenes Mittel um

den zauberhaften Schwüngen ihre Pinsel Ausdruck zu

verleihen.

Diala studierte an der Universität in Damaskus Arabistik.

Das Zeichnen ist jedoch ihre wahre Leidenschaft.

Sie zeichnet und malt seit ihrer Kindheit. Durch einen

Kollegen kam sie dann zu dem TV-Sender Spacetoon,

ein Kanal für Kinder. Dort lernte sie, wie man Zeichentrickserien

produziert. Im Jahr 2005 verließ sie den

Sender um freiberuflich weiterzuarbeiten. Sie arbeitete

bei einer syrischen Kinderzeitschrift und einem

PC-Spiele-Studio in Damaskus. Zusammen mit anderen

Zeichnern, versuchte Diala ein Buch über Zeichenkunst

herauszugeben. Leider konnten sie dafür aber keine

Druckgenehmigung bekommen.

Die ersten Zeichnungen, die sich um das Thema Krieg in

Syrien drehten, zeichnete Diala im Jahr 2012. Selbstredend

trugen diese Zeichnungen ihren Namen und ihre

Unterschrift. Im Jahre 2013 verließ Diala Syrien aufgrund

der herrschenden Kriegsumstände. Sie brauchte

wieder frische Luft zum Atmen. Die Luft in Syrien war

angereichert mit dem Geruch von verschossener Munition

und brennenden Körperteilen. Ihre erste Station

war die Türkei. Weil sie aber die türkische Sprache nicht

beherrschte und keiner sinnvollen Arbeit nachgehen

konnte, ging sie in den Libanon. Dort half sie den geflüchteten

syrischen Kindern in den Flüchtlingslagern:

Mit ihren Zeichnungen versuchte Diala die Kinder zu

motivieren, in die provisorischen Schulen zu gehen und

zu lernen. Nach zweieinhalb Jahren ging sie schließlich

nach Frankreich. Eine französische Familie nahm sie auf

und verpflichtete sich über die französische Botschaft

ihr zu helfen und für sie zu sorgen.

Nun ist Diala seit acht Monaten in Frankreich. Auf eine

Einladung der Organisation Correctiv, ist Diala nach

Deutschland gekommen. Für Correctiv wird sie bei der

Gestaltung von Bildern für ein Buch mitwirken. Diala

spricht Arabisch und Englisch. Sie kann auch schon etwas

Französisch und hat auf dem Campfire Festival ein

paar deutsche Wörter gelernt: „Entschuldigung“, „nein“,

„ja“ und „danke“!

Danke Diala für dieses Gespräch und wir wünschen dir

alles Gute und viel Erfolg!

Facebook: dialabrisly

Interview & Text (Arabisch): Shirawan

Übersetzung (Deutsch): Munir

Bild: Diala Brisly, Foto: here

28 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


الرسم يتجاوز حاجز اللغة

الفنانة السورية دياال برصيل تقدم عمالً‏ فنياً‏

رائعاً‏ يف املهرجان

لكل سوري يف بالد الغربة قصة تجعل املستمع يستمتع بها وذلك

لجامل القصة وبنفس الوقت للمرارة التي تخفيها هذه القصة بني

طياتها.‏

وبطل القصة دامئا املواطن السوري الصلب الذي كرس اقفال الحرب

وصنع نفسه من جديد بعد أن أعادته الحرب إىل نقطة البداية .

الفنانة التشكيلية الشابة دياال برصيل ابنة الشام ذات االبتسامة

الجميلة التي كانت ترسم يف احد أطراف مهرجان الصحافة يف

دورمتوند لوحة بريشتها الرائعة كانت تحتاج اللوحة فقط إىل روح

حقيقية لتتكلم لدقة تفاصيلها واإلبداع التي فيها.‏

درست ديانا برصيل األدب العريب ولكن الرسم كان هاجسها ورافقها

منذ صغرها إىل أن كربت معها هوايتها الجميلة لتعمل عن طريق

احد أصدقائها يف قناة سبيستون لالطفال .

وكانت ترسم لالطفال لرتسم البسمة عىل وجوههم .

وهناك تعلمت الرسوم املتحركة ايضا.ولكنها يف عام ‎٢٠٠٥‎م تركت

العمل هناك وقررت العمل يف أعامل حرة Freelancer( ) وراحت

تعمل يف مجلة اطفال سورية وايضا مع رشكة العاب فيديو يف

دمشق.‏

حاولت دياال عمل كتاب للرسم مع مجموعة من الرسامني

السوريني يف سوريا اال انها مل تستطيع انجاز ذلك لصعوبة الحصول

عىل رخصة النرش.‏

وكانت أول الرسومات لها يف عام ٢٠١٢ وكانت تحمل توقيعها

واسمها عن وضع الحرب يف سوريا.‏

خرجت دياال من سوريا عام ‎٢٠١٣‎م بسبب ظروف الحرب القاسية

بحثا عن هواء لتتنفس كام كل البرش هواء صايف ليس فيه رائحة

البارود وال دخان أشالء البرش بحثا عن األمن و االمان .

سافرت إىل تركيا ولكن لصعوبة يف اللغة الرتكية ولصعوبة وجود عمل

يناسبها قررت الرجوع إىل لبنان ولكن السبب الرئييس يف عودتها

هو انها تريد مساعدة األطفال السوريني الذين حرمو من التعليم

فرسمت لهم لوحات مجانية وبكل انسانية لتشجيعهم عىل الدراسة

.

وبعد مدة دامت قرابة سنتان ونصف سافرت دياال إىل فرنسا عن

طريق السفارة الفرنسية بعد أن تكفلت بها عائلة فرنسية وقدمت

لها املساعدة وهي تقيم يف فرنسا منذ حوايل مثانية أشهر.‏

دعيت دياال إىل املانيا بطلب من مؤسسة Correctiv الصحفية

وذلك للعمل يف مرشوع كتاب مصور صحفي ‏)تقرير ) وعن طريق

املؤسسة شاركت يف املهرجان ايضا.‏

دياال املرحة الفنانة املوهوبة كانت تتحدث العربية واإلنكليزية

والفرنسية قليال ويف خالل وجودها يف املانيا تعلمت بعض الكلامت

االملانية مثل عفوا وال ونعم وشكرا ‏.....فشكرا دياال عىل وجودك

معنا يف مجلة here نتمنى لك املزيد من التفوق والنجاح!‏

شريوان رمو

Hintergrund

Das here-Projekt

Nachhaltige Integration durch

neue Art der Kommunikation

here baut auf drei Grundpfeilern auf: Interaktion, Information

und Integration. Hier gewinnen alle Seiten, die miteinander reden:

Geflüchtete, Vereine und Initiativen sowie Bürgerinnen

und Bürger. Geflüchtete können ihre Bedürfnisse und Interessen

kommunizieren. Bürgerinnen und Bürger arbeiten mit Geflüchteten

zusammen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt

lernen die Geflüchteten als Mitmenschen kennen. here rückt

nun diejenigen in den Fokus, um die es wirklich geht: die geflüchteten

Menschen selbst. Durch deren aktive Mitarbeit ist

eine ehrliche und direkte Kommunikation möglich.

Geflüchtete

Mit here werden geflüchtete Menschen nicht nur direkt angesprochen,

sondern sie arbeiten aktiv mit. So wird Integration

für alle sichtbar. Sie berichten über ihr Leben in Bochum, ihre

Schicksale, ihre Interessen und von ihrem Weg, ein Teil der

Bochumer Gesellschaft zu werden. Sie teilen sich durch Reportagen,

Interviews, Songtexte, Gedichte, Fotostrecken und Filme

mit. Gleichzeitig informiert here über aktuelle Angebote für Geflüchtete

in Bochum.

Gesellschaft

Geflüchtete erzählen ihre Geschichte: Was haben sie auf dem langen

Weg nach Deutschland durchgemacht? Welche Bedürfnisse

und Interessen haben sie? Wie kann das gemeinsame Leben gestaltet

werden? Was leisten Vereine, Initiativen, Bürgerinnen und

Bürger ehrenamtlich? Aber auch: Was kann die Kommune und

ihre Ehrenamtlichen für eine gelingende Integration tun? Gemeinsam

werden Informationen zusammengetragen, Inhalte erarbeitet

und in ein ansprechendes Design gebracht. Das Beste: Bestehende

Angebote aus Flüchtlingsinitiativen und here können

sich fruchtbar ergänzen!

Wirtschaft

Bei here können Geflüchtete kreativ sein, sich ausprobieren,

ihre Qualifikationen und Interessen einbringen. Alle

Redaktionsmitglieder sprechen bereits Deutsch und zeigen

durch ihre Mitarbeit, dass sie sich integrieren wollen. Meist reichen

die Deutschkenntnisse aber nicht, um auf dem regionalen

Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden. Das Medienprojekt

hilft ihnen, Einblicke in unsere Gesellschaft und die Arbeitswelt

zu bekommen. Sie bauen ihre Fähigkeiten aus und qualifizieren

sich. Durch die Kontakte zu Bildungsträgern und Unternehmen

in der Region unterstützt here Netzwerke, die Geflüchteten den

Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Bundesweites Netzwerk

here ist Gewinner beim NRW.Bank Ideenwettbewerb 2017.

Das Bankhaus würdigte damit auch das Bestreben von Angekommen

e. V., das here-Projekt auch anderen Orten umzusetzen.

Wir unterstützen Sie dabei! Gemeinsam zeigen wir, wie

vielfältig Deutschland durch Integration von Geflüchteten wird.

Interesse? Sprechen Sie uns an!

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

│La Association │The Society│Der Verein الجمعية

29


│Lecker! │Yummy!│savoureux! لذيذ!‏

Ahmad Abbas (v.li), Wassim Msallam und Wael Msallam gehören zum Team der Refugees´ Kitchen und haben auf dem

Campfire-Festival syrische Spezialiäten gekocht.

F o t o : h e r e

Gemeinsames Kochen und Genießen verbindet

Wassim und Ahmad sind Teil der „Refugees´ Kitchen“

Trotz aller Widrigkeiten und Hindernisse hat es eine

Gruppe von Geflüchteten mit Hilfe der Organisation

Kitev (Kultur im Turm e. V.) aus Oberhausen und einigen

ehrenamtlichen Helfern geschafft, einen kleinen

mobilen Imbiss zu errichten die „Refugees’ Kitchen“.

Sie wollen den Menschen beweisen, dass Flüchtlinge

auch mit einfachen Mitteln etwas Großes bewirken

können. Flüchtlinge wollen arbeiten und etwas in der

Gesellschaft leisten. Manchmal sogar mit mehr Eifer

als so manche Leute, die Flüchtlinge pauschal als faule

Menschen und Nutznießer einer sozialen Gesellschaft

abstempeln.

„Wir hatten mit erheblichen Schwierigkeiten beim Beschaffen

der vielen Genehmigungen für unseren mobilen

Imbiss zu kämpfen“ sagen Wassim Msallam und

Ahmad Abbas, Mitglieder von „Refugees’ Kitchen“. Dazu

kamen Probleme die Lebensmittel zu besorgen, die sie

speziell für ihre Gerichte benötigten. Diese Herausforderungen

haben sie überwunden und setzen für ihre

Speisen nur Lebensmittel bester Qualität ein. Wassim

und Abbas wollen aber auch nicht verbergen, dass es

hin und wieder mit der Finanzierung hapert und sie bei

großen Veranstaltungen stark auf helfende Hände angewiesen

sind.

Der mobile Imbiss wird nicht nur von Syrern betrieben.

Jeder ist eingeladen hier mitzumachen. „Neulich

hatten wir hier junge Menschen aus Afghanistan“, sagt

Ahmad, „sie hatten auch Spezialitäten aus ihrem Heimatland

zubereitet und mitgebracht“. Sein Kollege Wassim

schmunzelt. „Klar, das afghanische Essen war ohne

Zweifel sehr lecker“, gibt er zu, „aber nicht halb so gut

wie meine syrischen Gerichte. Die gehen weg wie warme

Semmeln.“ Auch eine Portion Humor steht auf der

Speisekarte.

الطبخ معاً‏ والتلذذ بالطعام يجمعنا

أحمد ووسيم أعضاء من مرشوع Refugees‘ Kitchen

رغم كل الصعاب والعوائق التي واجهتهم نجحت مجموعة من الالجئني مبساعدة

منظمة Kultur im Turm - Kitev

و بعض املتطوعني بتأسيس مطعم متنقل صغري واطلقوا عليه اسم Refugees‘

Kitchen

واحد اهم اهدافهم الرئيسية هو ان يثبتوا للناس أن الالجئني وبامكانيات بسيطة

يستطيعون تحقيق اشياء يشهد لها الجميع بالنجاح . وأنهم نشيطون ويحبون العمل

وأحيانا رمبا أكرث من بعض الناس اللذين يصفون الالجئني بالكسل والالمبااله .

‏„لقد واجهنا صعوبات بريوقراطية كثرية يف الحصول عىل املوافقات من الدوائر

الحكومية اثناء تسجيل وترخيص ‏)العربة(‏ وثم يف إيجاد املواد الغذائية اللتي

نحتاجها ، اما اآلن فاملواد متوفرة بشكل جيد ونحن نحرص دامئا عىل رشاء أجود

األنواع ، وال يوجد الكثري من الصعوبات إال يف التمويل وأحيانا نحتاج عدد أكرب من

األشخاص للمساعدة العملية يف الفعاليات الكبرية „ يقول وسيم مسلَّم وأحمد عباس

( أعضاء يف املرشوع )

وهذا املطعم ال يعتمد فقط عىل السوريني وإمنا ميكن ألي شخص اإلنضامم لهذا

املرشوع واملساعدة فيه،‏ حيث يقوم احيانا بعض الشبّان الصغار من دول اخرى مثل

افغانستان مثال بطبخ بعض املأكوالت املعروفة يف بلدهم ولكنهم ليسو ذو خربة

كبرية مثل وسيم ‏)طباخ ) ألنه كان ميلك مطعام كبريا نسبيا يف دمشق ولذلك يكون

اإلقبال عىل املأكوالت العربية والسورية أكرث من غريها ، وقد أحس وسيم بذلك

عندما سأله كثريون عن الوصفات وطرق تحضري كثري من األطباق السورية وهو

يرشح لهم الطريقة بكل رسور.‏

وقال لنا ايضا أنه يطمح بتأسيس رشكة غذائية لتلبية جميع إحتياجات ومستلزمات

املطاعم وخاصة املطابخ السورية .

وقد قدّم وسيم نصيحة لالجئني بشكل عام وللسوريني بشكل خاص وقال فيها :

ال تبقوا يف املنزل ألن هذا سيزيد من التعب النفيس والشعور بالوحدة وسيشكل

حاجز بينكم وبني الناس ، ولن يكون هناك اندماج بهذه الطريقة ، انصحكم يف البقاء

عىل تواصل مع الناس ومع الشارع ألن الفرصة تأيت فجأة .

30 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Ful Mudammas Ackerbohne in Olivenöl

Traditionelles syrisches Essen

الفول املدمس - بزيت الزيتون األصيل

الطبق السوري التقليدي

Foto: here

الفول املدمس

املقادير :

٢ فص ثوم

١ ليمون

ملح ، فلفل ، كمون

زيت زيتون سوري أصيل

٢ كوب فول يابس

٢ بندورة مفرومة

‎١٠٠‎غ بقدونس مفروم

٥٠ غ بصل اخرض مفروم

Ful Mudammas

Zutaten:

Die Zubereitung:

- 2 Tassen

getrocknete

Ackerbohnen

(Fava- oder

Saubohne)

- 2 Tomaten

- 100 g Petersilie

- 50 g Lauchzwiebeln

- 2 Knoblauchzehen

- 1 Zitrone

- Original Syrisches

Olivenöl

- Salz, Paprikapulver,

Kreuzkümmel

│Lecker! │Yummy!│savoureux! لذيذ!‏

اطريقة التحضري :

ينقع الفول ١٢ ساعة ، ثم يسلق وتزال رغوته ، ثم

نخفف النار عليه حتى ينضج .

نهرس الثوم مع امللح ، ثم نضيف فلفل وكمون وعصري

الليمون .

يصفى الفول من املاء وتضاف اليه تتبيلة البهارات

والثوم والليمون .

نضع الفول يف وعاء التقديم ، ثم نضيف البندورة

املفرومة ، والبقدونس املفروم والبصل االخرض املفروم

.

واخريا نضيف زيت الزيتون السوري االصيل .

Die getrockneten Ackerbohnen werden für

ca. zwölf Stunden in Wasser eingeweicht. Danach

werden sie kurz aufgekocht und man

lässt die Bohnen bei schwacher Hitze weiterköcheln,

solange bis sie weich werden.

Der sich oben ansammelnde Schaum wird

abgeschöpft. Die Knoblauchzehen werden im

Mörser mit einer Prise Salz zerdrückt. Dann

wird noch Paprikapulver, Kreuzkümmel und

der Saft einer Zitrone hinzugefügt. Danach

wird das Kochwasser der Ackerbohnen komplett

abgegossen und die Ackerbohnen mit

der Zitronensaftmischung vermengt. Das

Ganze wird dann in einer Schale angerichtet

und die fein gewürfelte Tomate und die

fein gehackte Petersilie darauf verteilt. Zum

Schluss kommt noch original Syrisches Olivenöl

drauf.

Wassim kann auf eine langjährige Erfahrung als Profikoch

zurückblicken: In Damaskus besaß er ein großes Restaurant

und hat das Kochen quasi von der Pike auf gelernt.

Er wird bei „Refugees’ Kitchen“ oft nach seinen Gerichten

gefragt. „Den Leuten schmeckt mein Essen und sie fragen

mich oft nach den Rezepten aus“, sagt Wassim. Wenn

er dann nicht gerade unter Stress steht und der Andrang

am Imbiss nicht so hoch ist, nimmt er sich die Zeit und

erläutert in aller Seelenruhe und mit einer von großer

Leidenschaft geprägten Detailverliebtheit seine Rezepte.

Wassim strebt die Gründung einer Lebensmittelfirma an,

die Restaurants und Kantinen beliefert. Aber auch speziell

die syrische Küche soll zum Angebot gehören.

Zum Schluss gibt uns Wassim noch seinen persönlichen

Tipp für Geflüchtete: „Bleibt nicht in euren Wohnungen.

Das führt nur zu noch mehr Kummer und Einsamkeit. Es

baut eine Barriere zwischen euch und den Menschen

um euch auf. Bleibt in Kontakt mit den anderen Menschen

und geht auch mal auf die Straße. Die Chance

kommt manchmal plötzlich und ohne Ankündigung und

es liegt dann an euch, sie zu ergreifen.“

Interview: Moment & Nour,

Text: Momen, Übersetzung (Deutsch): Munir

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

31


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

Festival statt Fachtagung

Das Campfire 2017 war eine tolle Mischung aus

Journalismus, Kunst, Kultur und Gesellschaft

More Festival Less Conference

The Campfire 2017 was a remarkable success for all participants

Über 150 Programmpunkte in dreieinhalb Tagen das erste

Festival für Journalismus und Neue Medien im deutschsprachigen

Raum war eine gelungene Mischung aus Diskussionsrunden,

Interviews, Workshops, Lesungen, Kunst

und Kultur. Journalisten, Medienschaffende, Künstler und

Musiker füllten das Zeltdorf mit Leben. Verantwortlich für

das Campfire sind das Recherche-Netzwerk Correctiv und

das Institut für Journalistik an der TU Dortmund. Für das

bunte Programm ist Festivaldirektor Thorsten Bihegue verantwortlich.

Eigentlich ist er Theaterregisseur und Dramaturg

und inszeniert beispielsweise am Theater Dortmund.

Im Interview blickt er auf das Festival zurück.

Bist du mit dem ersten Campfire-Festival zufrieden?

Ja, im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit

der Organisation und dem Programm. Unzufrieden bin

ich mit dem Wetter. Am Morgen des letzten Veranstaltungstags

waren wir schon so weit, das Festival abzusagen,

weil es so viel geregnet hat. Aber ich bin froh, dass

wir das letztlich doch nicht gemacht haben.

Hat alles funktioniert, so wie ihr euch das vorgestellt habt?

Natürlich hat nicht alles funktioniert. Aber wir haben

tatsächlich an viele Dinge im Voraus gedacht. Und wir

wissen, was wir beim nächsten Mal verbessern können

Over 150 events on the agenda in three and a half days

the first Festival for Journalism and New Media in the

German-speaking world was a successful mixture of discussions,

interviews, workshops, readings, art and culture.

Journalists, media producers, artists and musicians filled

the tent village with life. Responsible for the organisation

of the Campfire are the research network Correctiv and the

Institute for Journalism at the TU Dortmund. Thorsten Bihegue

is responsible for the colourful programme. A theatre

director and dramaturge originally, he stages productions

for example at the theatre in Dortmund. In the interview,

he looks back on the festival.

Are you satisfied with the first Campfire Festival?

Yes, by and large, I am very happy with the organisation

and the programme. I am dissatisfied with the weather.

On the morning of the last day of the event, we thought

that we would have to cancel the festival, because it

was raining so much. But I am glad that we did not do it.

Did everything work as you expected?

Of course not everything worked. But we have actually

thought of many things in advance. And we know what

we can improve next time and how. The infrastructure

alone cost a lot of time and energy.

32 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


│ Interview│Interview│Interview مقابلة

und auch, wie. Allein die Infrastruktur hat wahnsinnig

viel Zeit und Kraft gekostet.

Welches Feedback haben euch die Festivalteilnehmer

gegeben?

Die bunte Mischung des Programms kam besonders gut

an. Das riesige Poster mit allen 150 Programmpunkten

hatte einen tollen Effekt auf die Besucher. Viel Programm

in toller Atmosphäre und das alles kostenlos.

Wird es ein zweites Campfire geben?

Auf jeden Fall! Tatsächlich sind wir gedanklich schon bei

der Organisation des nächsten Festivals. Wir werden

noch früher anfangen zu planen und Partner zu finden.

Wir überlegen, es in einer anderen Stadt zu veranstalten.

Die Entscheidung ist noch offen, sicher ist, dass wir

in NRW bleiben werden.

Was nimmst du für dich persönlich mit?

Ich habe ja schon viele Festivals organisiert, aber nie eines

für Journalisten und Medienvertreter. Diesmal habe

ich viel darüber gelernt, wie man eine Festivallandschaft

in so einem Zeltdorf gestaltet und nehme jede Menge

Ideen mit, die ich in das nächste Campfire einbringen

kann.

What feedback did the festival participants give you?

The colourful mixture of the programme was especially

well received. The huge poster with all 150 events had

a democratizing effect. A lot of events in a great atmosphere

and everything for free.

Will there be a second Campfire?

Definitely! In fact, we are already thinking about the organisation

of the next festival. We will begin earlier to

plan and to find partners. We are thinking about organising

it in another city. The decision has not been made

yet, it is certain that we will stay in NRW.

What do you take with you from the festival?

I have organised a lot of festivals, but never for journalists

and media producers. This time I learned a lot

about how to organise a festival in a tent village and will

take a lot of ideas with me, which I can use for the next

Campfire.

Habt ihr eure Ziele erreicht?

Die Podiumsdiskussionen hätten vielleicht noch etwas

konkreter in den Mittelpunkt gestellt werden können.

Die Schreibworkshops waren sehr gefragt. Vielleicht

gibt es beim nächsten Mal ein eigenes Zelt nur dafür.

Unserem Recherche-Netzwerk Correctiv war es wichtig,

das Festival offen zu gestalten. Jeder, der sich in

irgendeiner Form für soziologische, mediale oder politische

Streitkultur interessiert, war eingeladen egal,

aus welchem politischen Lager die Teilnehmer kommen.

Das hat gut funktioniert.

Have you reached your goals?

There could have been more focus on the panel discussions.

The writing workshops were in great demand.

Maybe next time they will have their own tent. For our

research network Correctiv it was important that the

festival would be organised in an open way. Anyone interested

in any form of sociological, media or political

conflict was invited, no matter what political camp the

participants came from. That worked well.

Interview: Vicki, Übersetzung: Mareike, Fotos: here

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

33


Campfire-Festival

Dortmund 2017

Wir waren dabei!

Unsere Mitglieder beantworten

zwei Fragen:

1. Was hat Dir am besten beim

Campfire-Festival gefallen?

2. Was nimmst Du für Dich

persönlich vom Campfire mit?

│Équipe│Team│Team الفريق

FRANZISKA

Projektorganisation

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Bühnen- & Kostümbildnerin

Fremdsprachen:

Englisch, Französisch, Italienisch

Auslandsaufenthalte:

Italien

Bewegt hat mich, dass unsere Redakteure

so mutig und souverän Inter-

1

views auf Augenhöhe mit Personen der

deutschen Medienwelt geführt haben.

2

Die offene ungezwungene Atmosphäre

und das gegenseitige Interesse an den

vorgestellten Projekten, trotz des

Regens.

ANAS

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Informatiker

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: Englisch

HIBA

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

NLP-Diplom (Neuro Linguistic Programming)

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

A1

Weitere Sprachen: Englisch

JUDY

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Informatikerin

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

A2

Weitere Sprachen: Englisch

ANGELA

Projektorganisation

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Mediewissenschaftlerin

Fremdsprachen:

Englisch, Französisch, Spanisch

Auslandsaufenthalte: Städtetrips nach London,

Barcelona, Paris; Schüleraustausch nach Polen

und Frankreich

Besonders gefallen hat mir die Stimmung

des Festivals. Trotz Regen und

1

ohne konkreten Plan, konnten sich viele

interessante Begegnungen, die spannende

Geschichten bereithielten, einfach ergeben.

Ich nehme eine Erinnerung daran mit,

2 wie viel Freude es bereitet, einfach

auf die Dinge und die Menschen, die

einem begegnen, zuzugehen.

MAHMOD

Redaktion

Herkunft:

Kamishli, Syrien

Ausbildung/Beruf:

Elektriker

Muttersprache:

Kurdisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: Arabisch

1

2

Mir hat am besten das Interwiew mit

der bekannten Moderatorin Dunja

Hayali gefallen. Toll war auch, neue

Medien kennengelernt zu haben.

Ich habe neue Erfahrungen mitgenommen,

andere Journalisten und

Magazine kennengelernt.

MUNIR

Übersetzung

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Chemie-Doktorand an der Ruhr-Uni

Fremdsprachen:

Arabisch, Englisch

Auslandsaufenthalte:

Urlaub in Syrien

1

Zelt Nummer 6 mit dem here-Magazin!

Inhaltlich fand ich die Vielfalt der Themen

beim Festival beeindruckend.

Dunja Hayali kann doch nicht so gut

2

Arabisch, wie ich dachte. Und: Auf

dem Festival kamen die Geflüchteten

sehr schnell in Kontakt mit den anderen

Teilnehmern im normalen Alltag ist das

hingegen sehr schwer. Das hat mir gezeigt,

für eine erfolgreiche Integration müssen

beide Seiten etwas tun.

NOUR

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Übersetzerin

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: Englisch

Das Interview mit dem Raphael

1 Thelen war unglaublich interessant.

Unsere Diskussionsrunde „Wie kann

man in Deutschland Freunde finden“ war

meine Idee und es hat mir sehr viel Spaß

gemacht, den Menschen auf dem Campfire

diese Frage zu stellen.

Das Zuhören bei den Veranstaltungen

2

und unseren Interviews war wie eine

Deutschprüfung für mich. In den drei

Tagen habe ich viele neue Vokabeln gelernt.

ROBIN

Projektorganisation

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Student (Lehramt: Chemie/Geschichte)

Fremdsprachen:

Englisch, Niederländisch

Auslandsaufenthalte:

Familienbesuche in der Schweiz

Die Offenheit und die Begeisterung

1 vieler Journalisten für das here-Projekt

und die vielen kleinen Späße, die wir

gemeinsam erlebt haben.

Ich nehme für mich mit, dass die

2 Sprache im Alltag keine unüberwindbare

Hürde darstellt. Kommunikation

und Verständigung finden auch auf anderen

Wegen statt.

34 here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017 www.here-in-bochum.de


Fotos: here, privat

BASHAR

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Abitur

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: keine

1

2

Die drei Tage haben mir viel Spaß gemacht,

weil ich mit so vielen Menschen

in Kontakt gekommen bin.

Meistens bin ich mit der Kamera rumgelaufen

und habe Fotos gemacht. Das

war so gar nicht geplant. Es sind viele

gute Bilder entstanden.

MAREIKE

Übersetzung

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fremdsprachen:

Englisch, Spanisch, Französisch, etwas Italienisch

Auslandsaufenthalte:

Neuseeland, Spanien

Die Vielfalt der Themen, Vorträge und

1

Workshops beim Campfire-Festival

hat mich am meisten beeindruckt. Am

liebsten wäre ich zu allen Veranstaltungen

gegangen, aber dafür hatte ich leider nicht

genug Zeit.

Beim Campfire-Festival hatten wir

2 nicht nur die Möglichkeit, unser

Magazin zu präsentieren, sondern

auch mit anderen Journalisten und interessierten

Menschen in Kontakt zu kommen.

Durch den Austausch mit anderen entstehen

neue Ideen und das Team konnte viele

neue Kontakte knüpfen. Mich persönlich

hat es sehr gefreut, die vielen neuen

Mitglieder im here-Team besser kennenzulernen

und eine schöne und spannende

Zeit mit allen beim Campfire-Festival zu

verbringen.

BETTINA

Projektorganisation

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Sozialpädagogin

Fremdsprachen:

Englisch, Spanisch

Auslandsaufenthalte:

England in meiner Jugend

Zum Festival in Dortmund sind Menschen

aus ganz Deutschland angereist.

1

Ich habe viele interessante Gespräche

geführt und durfte spannende Menschen

kennenlernen. Außerdem hatte ich Zeit,

neuere Teammitglieder im here-Projekt

kennenzulernen. Für unser Team war es eine

intensive Zeit, in der wir mit Freude unsere

Idee vom gemeinsamen Miteinander präsentieren

konnten.

Es hat mich sehr gefreut, dass die

2 Resonanz auf unser Projekt überwältigend

gut ist und Menschen aus ganz

Deutschland Lust hätten, ähnliche Projekte

in der eigenen Stadt umzusetzen um

miteinander statt übereinander zu reden. Das

motiviert und bestätigt, dass wir auf dem

richtigen Weg sind.

MOHAMED

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

3 Semester Wirtschaftswissenschaften

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: Englisch

1

2

Mir hat es gut gefallen, dass wir als

Team gearbeitet und so viele Texte über

die Veranstaltung geschrieben haben.

Ich habe mein Wissen über Journalismus

erweitert. Und ich habe neue

Freunde kennengelernt!

SHIRAWAN

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Agraringenieur

Muttersprache:

Kurdisch

Deutschniveau:

B1

Weitere Sprachen: Arabisch und Englisch

Ich habe andere Journalisten kennengelernt.

Das war ein schönes Gefühl!

1

Wir haben mit der Redaktion auf

dem Campfire gearbeitet, um unsere Ideen

anderen mitzuteilen.

Ich habe Ali Can kennengelernt und

2

ich habe mich darüber gefreut. Wir

planen, mit ihm eine Veranstaltung in

Bochum zu machen.

FAYK

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Journalist

Muttersprache:

Kurdisch und Arabisch

Deutschniveau:

C1

Weitere Sprachen: Englisch

Die Vorträge über Geflüchtete.

Ich habe viele Medienorganisationen

kennengelernt und habe mich über

ihre Aktivitäten informiert.

www.here-in-bochum.de here Sonderausgabe Campfire Festival, Sept./Okt. 2017

1

2

MOMEN

Redaktion

Herkunft:

Syrien

Ausbildung/Beruf:

Schüler (10. Klasse)

Muttersprache:

Arabisch

Deutschniveau:

B1

1

2

Mir hat gefallen, dass dort viele

Veranstaltungen und viele bekannte

Journalisten waren. Jeder durfte

kommen und mitmachen.

Ich habe gelernt, wie ein Interview

geführt wird, wie Redakteure Texte

schreiben und wie Journalisten

miteinander diskutieren.

VICKI

Projektleitung

Herkunft:

Deutschland

Ausbildung/Beruf:

Journalistin

Fremdsprachen:

Englisch, Schwedisch

Auslandsaufenthalte:

Urlaube in Schweden, Griechenland, Spanien

Unser Team besteht zwar nicht aus

1

ausgebildeten Journalisten, aber

auf dem Campfire haben sie sich so

präsentiert und gearbeitet. Als Redaktion vor

Ort haben alle hochmotiviert gearbeitet. Das

hat unglaublich Spaß gemacht.

Die interessanten Gespräche, Anfragen

2

und weiteren Ideen zu unserem

Projekt sind unglaublich motivierend.

Wir werden jetzt Gespräche mit Menschen

aus anderen Städten führen, die sich das

here-Projekt auch bei sich vorstellen können.

│Team│Team│Équipe الفريق

35


Mit Dir

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Fax: 0234 / 54496967

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