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Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde

Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde

wo dieses Wort

wo dieses Wort aufgenommen wird, wächst – sei es auch im Exil – die Nähe und Vertrautheit zu Gott. Andere können diese Nähe nur an den Ort Jerusalem und den Tempel gebunden sehen. Welche Kraft diese Verheißung aber in jedem Fall besitzt, erleben wir bis auf den heutigen Tag. Christen erwarten seit ihren Anfängen das Neue: die Wiederkunft Christi, die neue Schöpfung. Solche Vorstel lung ist in unseren Breiten sehr in den Hinter- das Neue, das mit Christus in die Welt grund getreten. Damit droht aber auch gekommen ist und in der Welt wirkt, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Der heilige Geist ist der Garant des Neuen und seiner Gegenwart un ter uns. Es wartet darauf, von uns entdeckt zu werden. Am Pfingstfest feiern wir die Freude über dieses Geschenk. Um diese Freude zu erleben, müssen wir lernen, neu zu sehen, zuerst uns selber als bedürftige Wesen. Jesus sagt uns, zu werden wie die Kinder, offen, neugierig, unvoreingenommen und zugleich hilfsbedürftig. Dann werden wir erleben, wie viel Potential da steckt, wo wir nur Probleme und Schwierigkeiten sehen. Dann sind wir eingeladen, dem Neuen, das Gott uns bereitet, entgegen zu gehen, uns als ein Teil von ihm zu begreifen. Wir verlieren die Angst vor dem Neuen. Es gelten nicht mehr die alten Sichtweisen von Sieg und Niederlage, Gewinn und Verlust, Tod und Leben. Im Osterfest feiern wir diesen Triumph des Neuen. Möge es auch in unseren Herzen Raum gewinnen. - Pfarrer Dr. Andreas Fuhr Passion und Ostern in Zwölf Apostel Mit Palmsonntag ziehen wir wieder zum Gottesdienst in die Kirche ein. Am Mittwoch feiern wir die Passionsandacht mit Komplet und Chor. Wie im vergangenen Jahr werden wir wieder am Gründonnerstag die Kirche vorbereiten für Karfreitag. Ostern feiern wir in zwei Gottesdiensten, morgens früh um 6:00 Uhr mit anschließendem gemeinsamem Osterfrühstück und um 11:00 Uhr. Ostermontag ist dann wieder zur gewohnten Zeit um 10:00 Uhr Gottesdienst. A. F. - 6 -

Die Zwölf Apostel (6) Judas Ischarioth Der verräterische Glaube an Geld und Macht Pubertierende Rockbands nennen sich gern nach Judas, denn der war bekanntlich der mit Abstand schlimmste unter den Aposteln. Das in seinem Namen verfasste Evangelium erlebt hohe Auflagen. Judas war so schlimm, dass man kaum glauben mag, dass er dazugehörte. Gehörte er aber. Judas („Gottlob“) ärgerte sich über das herausgeschmissene Geld bei der Salbung des Messias (Joh 12,5), er verkaufte seinen Herrn zum Mindestpreis eines Sklaven (vgl. Sach 11,12 f.) und wegen der Dunkelheit identifizierte er ihn für die hohepriesterliche Greiftruppe mit einem Kuss (Mt 26,48). Wie konnte Jesus nur auf so jemanden hereinfallen? Konnte er natürlich nicht, weil er sowieso alles von vornherein wusste (Joh 13). Aber er hat Judas trotzdem nicht gehindert. Und den elf anderen hat Jesus auch nichts verraten, die hätten doch glatt Judas umgestimmt und die Erhöhung am Kreuz wäre geplatzt. Dass Judas zum Verräter an der Sache Jesu wurde, hat seine innere Logik. Denn bekanntlich war Judas der Kassenverwalter Jesu (Joh 12,6). Und wer in den Kategorien der Wirtschaftlichkeit denkt, der kann nicht zugleich lieben. Entweder das oder das (Mt 6,24). Judas Ischarioth („Dolchkämpfer“?), so darf man vermuten, wollte seinem Herrn Gelegenheit geben oder ihn sogar zwingen, sich zu offenbaren. Judas glaubte voll Inbrunst daran, dass Jesus die himmlischen Kampftruppen (Mt 26,53; Joh 18,36) einsetzen würde, um seine Macht zu demonstrieren, mit ganz großem Trara, mit einstürzenden Mauern und allem, was dazugehört. Aber es blieb still. Nur das Röcheln der Gefolterten und unter dem Kreuz das Schluchzen der Frauen. Laut war höchstens der brutale Spott der abgehärteten Soldateska. Keine himmlischen Trompeten, nur das Signal der römischen Wachablösung. Statt Weihrauch nur der unerträgliche Gestank der Hinrichtungsstätte. Judas ist das tragischste Beispiel dafür, wie jemand in bester Absicht voll danebenliegen kann. Er wollte einen mächtigen Herrn, keinen ohnmächtigen, schon gar keinen in Schande hingerichteten. Auf diese Art der göttlichen Offenbarung war er nicht gefasst, und so erlebte er seine persönliche Apokalypse nur als Vernichtung. Dabei hätte er es besser wissen können. Aber vermutlich hat er bei der Bergpredigt (Mt 5–7) irgendwie nicht zugehört. Als das, was Judas erwartet hatte, nicht geschah, brachen seine kleine Welt und sein kleiner Glau- - 7 -

EV. APOSTEL-JOHANNES-KIRCHENGEMEINDE
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