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MTD_DDG_2018_01-02

2 Editorial

2 Editorial diabeteszeitung · 3. Jahrgang · Nr. 1/2 · 28. Februar 2018 INhalt »Wir kämpfen weiter für eine bessere Versorgung« Was sich die DDG für 2018 auf die Fahnen geschrieben hat News & Fakten Neue S2e-Leitlinie »Diabetes und Straßenverkehr«, BSG-Urteil zu DMP- Mindestbehandlungszahl, Innovationsfonds-Projekt VeMaWuRLP, Kritik an der »Pseudo-Ampel«, Innovationsbüro beim BfArM 3–6 Kongress aktuell Berichte von der 11. Diabetes Herbsttagung und vom 41. Hypertonie-Kongress, Bericht vom DiaTec 2018, Bericht vom IDF Congress 2018 8–15 Im Blickpunkt Global NCD Alliance Forum: Wie lässt sich die weltweite Zunahme von Zivilisationskrankheiten stoppen?, Was bringt die Qualifizierung zum/zur Diabetesberater/in?, VDBD-Seminar: Fit für die Weiterbildung, Das DZD stellt sich vor, diabetesDE sucht innovative Spendenprojekte Typ-2-Diabetes, Niederschwellige Schulungsangebote, AG Pädiatrische Diabetologie 16, 20–23, 26, 28–29 Das Interview Zahnmediziner Prof. Dr. Thomas Kocher und Biomathematikerin Dr. Birte Holtfreter über den Risiko-Score zum Parodontitis- Screening 17 Forum Literatur SPRINT- und ACCORD-Ergebnisse neu analysiert 18 Consilium Diabetes Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät 24 Medizin & Markt Berichte aus der Industrie 27 Kurznachrichten Nachruf Prof. Dr. Konrad Federlin, Nachruf Prof. Dr. Ulrich Schwedes, Ausblick auf Diabetes Kongress 2018, Neu- oder re-zertifizierte Kliniken und Arztpraxen, Neue Diabetologen DDG, DDG-Reisestipendien 31–33 Liebe Leserinnen und Leser, Das neue Jahr ist bereits in vollem Gange und politische Weichen für das Gesundheitswesen und die Digitalisierung sind gestellt. Wir hoffen inständig, dass unsere Anliegen zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes berücksichtigt werden, und wir werden weiter zusammen mit dia betesDE und DANK dafür kämpfen. Die politischen Forderungen sind die strukturierte Einbindung der Fachgesellschaft bei gesundheits- und wissenschaftspolitischen Gestaltungsprozessen, Stärkung der Forschung und Versorgung im Bereich Diabetologie, Mitgestaltung der digitalen Transformation sowie Umsetzung eines nationalen Diabetesplans. Als Erfolg können wir verbuchen, dass eine »nationale Diabetesstrategie« nun im neuen Koalitionsvertrag genannt wird! »Reduktion sozialer Ungerechtigkeit« Wir freuen uns sehr, dass im Januar Barbara Bitzer zur Nachfolgerin von Dr. Dietrich Garlichs als Sprecherin der DANK (Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten) gewählt worden ist (S. 16). Zusammen machen wir uns für eine gesundheitsbezogene Preisbildung – die „gesunde Mehrwertsteuer“– stark. Das hat nichts mit „Verboten“ zu tun, sondern mit sinnvoller menschenwürdiger Reduktion einer sozialen Ungerechtigkeit, nämlich der ungleichen Dauer gesunder Lebenszeit. »Digitalisierung ebnet den Weg in die Zukunft« Die digitale Transformation wird seitens der DDG aktiv mitgestaltet. In diesem Sinne haben wir uns aktiv am 24. Januar in die diesbezügliche Diskussion beim Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC) eingebracht. Auch auf der Jahrestagung zur Diabetes-Technologie (DiaTec) vom 25.–27. Januar in Berlin gab es viele spannende Beiträge und Diskussionen (S. 14). Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Foto: © DDG, Bild: Deckbar Herzlichst Ihr Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland Sind auch Sie interessiert an der Zukunft der Diabetologie? Dann kommen Sie zum „Zukunftstag Diabetologie 2025“ am 28. Februar in Berlin! Zudem wird zurzeit mit vereinten Kräften eine neue Fortbildungsreihe der DDG zur Digitalisierung vorbereitet. Wir freuen uns, Sie darüber zukünftig in der diabetes zeitung informieren zu können. »Abschied nehmen« Mit Trauer haben wir vom Tod von Professor Konrad Federlin aus Gießen am 31. Januar 2018 erfahren. Er hat die Dia betologie und die Entwicklung der Inselzelltransplantation maßgeblich geprägt. Auch unser ehrenwerter Kollege und lieber Freund Professor Ulrich Schwedes aus Hamburg, der sich bis zuletzt immer für die Betroffenen mit Diabetes mellitus eingesetzt hat, ist am 17. Dezember 2017 verstorben. Unser Beileid gilt den Familien. Unserem Ehren- und Gründungsmitglied der DDG, Professor Hellmut Mehnert, möchten wir zu seinem 90. Ehrentag am 22. Februar gratulieren und wünschen ihm in Dankbarkeit gemeinsam weiterhin viel Glück und Gutes! Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Blättern und Lesen! Lassen Sie uns auch in diesem Jahr die »Diabetologie gemeinsam gestalten«. Weiterbildung & Qualifikation Diabetesberater/in DDG, Diabetesassistent/in DDG, Fit für die Weiterbildung – Vorbereitungsseminar des VDBD, Train-the-Trainer-Seminar: „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“, Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG, Diabetespflegefachkraft DDG (Klinik), Diabetespflegefachkraft DDG (Langzeit), Wundassistent/ in DDG, Podologe/in DDG, 80-Std.- Kurs Klinische Diabetologie, Seminare Kommunikation und patienten zentrierte Gesprächsführung in der Diabetologie, Fachpsychologe/in DDG 35–36 Job- & Praxenbörse Stellenangebote, Stellengesuche, Nachfolger gesucht, Famulatur-, PJ-, Hospitationsbörse 38–39 diabetes zeitung © 2018, Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH Alleiniger Gesellschafter: Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen GmbH, München Verlag: Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH Anschrift: Unter den Eichen 5, 65195 Wiesbaden Telefon: 0611 9746-0 Telefax Redaktion: 0611 9746 480-303 E-Mail: kontakt@medical-tribune.de www.medical-tribune.de CEO: Oliver Kramer Geschäftsführung: Alexander Paasch, Dr. Karl Ulrich Geschäftsleitung: Stephan Kröck, Rüdiger Sprunkel Herausgeber: Deutsche Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG), Albrechtstr. 9, 10117 Berlin; Präsident: Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Geschäftsführerin: Barbara Bitzer Chefredaktion: Jochen Schlabing (V.i.S.d.P.) Redaktion Medizin: Alisa Ort (verantwortlich), Dr. Judith Besseling Redaktion Politik: Michael Reischmann (verantwortlich) Weitere Mitarbeiter: Cornelia Kolbeck, Antje Thiel Leitung Corporate Publishing: Hannelore Schell Redaktionsbeirat: Dagmar Arnold, Barbara Bitzer, Anne-Katrin Döbler, Prof. Dr. Baptist Gallwitz, Dr. Dietrich Garlichs, Dr. Astrid Glaser, Prof. Dr. Andreas Hamann, Prof. Dr. Lutz Heinemann, Manuel Ickrath, Prof. Dr. Hans-Georg Joost, Dr. Matthias Kaltheuner, Prof. Dr. Monika Kellerer, Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Prof. Dr. Michael Nauck, Prof. Dr. Andreas Neu, Prof. Dr. Annette Schürmann, Priv.-Doz. Dr. Erhard Siegel Vertreter der angrenzenden Fachgebiete: Prof. Dr. Matthias Blüher (Adipositas), Prof. Dr. Frank Erbguth (Neurologie), Prof. Dr. Stephan Herzig (Grundlagenforschung und Onkologie), Dr. Helmut Kleinwechter (Diabetes und Schwangerschaft), Prof. Dr. Bernhard Kulzer (Psychologie [Schulung]), Prof. Dr. Karin Lange (Psychologie [Fachpsychologie]), Dr. Holger Lawall (Angiologie), Prof. Dr. Nikolaus Marx (Kardiologie), Prof. Dr. Matthias Nauck (Labordiagnostik), Prof. Dr. Andreas Neu (Pädiatrie), Prof. Dr. Jürgen Ordemann (Bariatrische Chirurgie), Prof. Dr. Klaus Parhofer (Lipidologie), Prof. Dr. Christoph Wanner (Nephrologie) Koordination in der DDG Geschäftsstelle: Katrin Bindeballe Layout: Andrea Schmuck, Beate Scholz, Mira Vetter Objekt- und Medialeitung: Björn Lindenau Verkauf: Josef Hakam, Sebastian Schmitt, Marc Bornschein Anzeigen: Cornelia Polivka, Telefon: 0611 9746-134 Alexandra Ulbrich, Telefon: 0611 9746-121 Telefax: 0611 9746 480-112 E-Mail: anzeigen@medical-tribune.de Anzeigen-Preisliste Nr. 3 vom 1.1.2018 Vertrieb und Abonnentenservice: Ute Groll, Telefon: 0611 9746-166, Telefax: 0611 9746 480 -228 E-Mail: abo-service@medical-tribune.de Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH & Co. 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diabeteszeitung · 3. Jahrgang · Nr. 1/2 · 28. Februar 2018 News & Fakten 3 Sicher im Straßenverkehr Neue S2e-Leitlinie zeigt, was Diabetespatienten beachten sollten BERLIN. Welcher Diabetespatient kann bedenkenlos hinter dem Steuer sitzen? Wer sollte das Auto lieber stehen lassen? Und was sind die Pflichten der behandelnden Ärzte und Berater? Die Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der DDG gibt Antworten. Die Diagnose Diabetes heißt nicht gleich Führerscheinentzug. Dennoch sollten Patienten in bestimmten Situationen auf das eigenständige Fahren eines Kraftfahrzeugs verzichten, für manchen ist sogar ein generelles Fahrverbot auszusprechen. Welche Faktoren sollten bei der Aufklärung angesprochen werden? Hypoglykämien Sinkt der Blutzuckerspiegel, kommt es zu kognitiven Beeinträchtigungen und einer verminderten Fahrsicherheit. Jeder Diabetespatient sollte deshalb über das Hypoglykämierisiko seiner Diabetestherapie aufgeklärt werden. Es ist sinnvoll, für Straßenverkehrsteilnehmer eine Diabetestherapie mit möglichst geringem Hypoglykämierisiko zu wählen. Bei erhöhtem Hypoglykämierisiko oder -wahrnehmungsproblemen kann ein spezifisches Wahrnehmungstraining helfen. Auch technische Hilfsmittel wie Pumpen oder CGM können zur Vermeidung von Unterzuckerungen angeboten werden. Für Diabetespatienten mit erhöhtem Hypoglykämierisiko ist eine Blutglukosemessung vor Fahrtbeginn zu empfehlen. Bei Werten von 50– 80 mg/dl sollten vor Fahrtantritt geeignete Mengen Kohlenhydrate aufgenommen werden. Im Falle einer Hypoglykämie ist von einer Fahrt abzuraten bzw. ein Fahrtstopp geboten, bis normale Blutglukosewerte erreicht werden und alle Symptome »Die Empfehlungen sind ordnungsgemäß zu dokumentieren« überwunden sind. Ein Blutzuckermessgerät und Snacks sollten im Fahrzeug immer griffbereit mitgeführt werden. Schwere akute Stoffwechselentgleisungen und chronische Hyperglykämien Es ist zwar kein Schwellenwert einer Hyperglykämie auszumachen, der zu einer Fahrunfähigkeit führt. Jedoch sollte jeder Diabetespatient über das Hyperglykämierisiko der Diabetestherapie und die Folgen für die Fahrsicherheit informiert werden. Schwere Stoffwechselentgleisungen (diabetische Ketoazidose) können zu Benommenheit und Bewusstseinsstörungen führen und so die Fahrtauglichkeit einschränken bzw. unmöglich machen. Findet eine schnelle Senkung längerfristig erhöhter Blutglukosewerte statt (z.B. durch Insulin), kann die Sehkraft vermindert sein und verschwommenes Sehen auftreten, wodurch die Fahrsicherheit vermindert wird. Diabetische Folgeerkrankungen Diabetespatienten mit verminderter Sehkraft aufgrund einer Retinopathie oder einer Makulopathie können eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit besitzen. Bei fortgeschrittener Erkrankung sollten nur Patienten mit ausreichender Sehfähigkeit nach Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) ein Fahrzeug führen. Periphere Polyneuropathien können die Benutzung der Pedale beeinträchtigen. Werden klinisch relevante Funktionseinschränkungen festgestellt, muss dem Patienten bis auf weiteres ein „ärztliches Fahrverbot“ ausgesprochen werden. Dieses Verbot wird auch nach Amputationen und Prothesenversorgungen nötig, wenn die Pedalbenutzung beeinträchtigt ist. Auch andere schwere neurologische Folgekomplikationen Aufklärung durch den Arzt / das Diabetesteam Form der Aufklärung: Laut § 630e BGB muss die Aufklärung mündlich erfolgen. Ergänzend kann der Patient Unterlagen in Textform erhalten. Es muss sichergestellt sein, dass die Aufklärung für den Patienten verständlich ist. Falls erforderlich, sollte ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Dokumentation: § 630f BGB verpflichtet den Arzt zur ordnungsgemäßen Dokumentation. Der wesentliche Inhalt des müssen abgeklärt werden, um die Fahrsicherheit zu bestimmen. Technische Hilfen wie z.B. die Umrüstung des Fahrzeugs können bei Bedarf herangezogen und gegebenenfalls von Sozialleistungsträgern finanziell unterstützt werden. Aufklärungsgesprächs und die ausgesprochenen Empfehlungen und Bewertungen müssen wiederzufinden sein. Die Aufklärung über ein Fahrverbot soll zweifelsfrei aus den Unterlagen hervorgehen und bestenfalls Ort, Datum, Uhrzeit, Dauer des Gesprächs sowie die anwesenden Personen beinhalten. Es ist vorteilhaft, die Aufklärung zur Fahruntauglichkeit vom Patienten unterschreiben zu lassen, jedoch ist er dazu nicht verpflichtet. Relevante diabetesassoziierte Begleiterkrankungen Menschen mit Diabetes leiden häufiger und früher an Herz-Kreislauf- Erkrankungen, die Einfluss auf die Fahrsicherheit haben. Dazu sollten die Betroffenen beraten werden. Hierzu können die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung im Anhang der Leitlinie genutzt werden. Patienten mit Diabetes und Depression können durch die Depression selbst oder durch Psychopharmaka nur eingeschränkt fahrtauglich sein. Jeder Patient sollte individuell beurteilt werden. Selektive Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer weisen offenbar keinen negativen Effekt hinsichtlich der Fahrsicherheit auf und sollten deshalb trizyklischen Antidepressiva vorgezogen werden. Der Patient ist immer über mögliche beeinträchtigende Nebenwirkungen aufzuklären. Das Schlaf-Apnoe-Syndrom führt durch die auffällige Tagesschläfrigkeit unbehandelt zur Fahruntauglichkeit. Tritt eine komorbide Demenz auf, sollten die Patienten über Einschränkungen der Fahrsicherheit aufgeklärt werden. Bei der Diagnose ist dem Patienten zu vermitteln, dass er im Verlauf der Erkrankung die Fahrtauglichkeit verlieren kann. Für die Beurteilung ist nicht nur die Anam nese des Patienten erforderlich, sondern auch eine Fremdanamnese der Angehörigen. Menschen mit Diabetes können in der Regel am Straßenverkehr teilnehmen. Fotos: iStock/iNueng, iStock/zmicierkavabata Folgen unterlassener bzw. unzureichender Aufklärung: Wird der Patient nicht ausreichend aufgeklärt, liegt hierin meist ein Behandlungsfehler in Form verletzter Sicherheitsaufklärung. Kommt es infolgedessen zu einem Unfall, können dem Arzt rechtliche Konsequenzen drohen. Umgekehrt ist dieser nicht dafür verantwortlich, wenn der Patient seinen ärztlichen Ratschlägen nicht Folge leistet und es deswegen zu einem Unfall kommt. Der Patient macht sich in solchen Fällen meist strafbar. Altersspezifische Besonderheiten Jugendliche Diabetespatienten und ihre Eltern sollen schon früh auf Auswirkungen der Erkrankung auf die Fahrsicherheit aufmerksam gemacht werden. Es empfiehlt sich, das Risiko zusammen mit den Betroffenen individuell zu bewerten und zu dokumentieren. Die Stoffwechseleinstellung sollte vor Führerscheinerwerb optimiert werden. Fahrlehrer und Begleitpersonen beim Fahren ab 17 Jahren sind über die Erkrankung und eventuelle Folgen für die Fahrsicherheit aufzuklären. Alle Beteiligten sollten Symptome einer Hypoglykämie erkennen und behandeln können. Dr. Judith Besseling Direkter Link zur Leitlinie: www.awmf.org/leitlinien/detail/ ll/057-026.html „Ein wichtiger Punkt ist die Aufklärung“ Kommentar der Autoren Dr. Barbara Bohn, RA Oliver Ebert, Prof. Dr. Reinhard Holl Viele Ärzte und Diabetesberater sind unsicher, unter welchen Voraussetzungen die Patienten (noch) fahren dürfen bzw. fürchten etwaige Haftungsrisiken. Mit der Leitlinie werden Unklarheiten beseitigt, Haftungsrisiken reduziert und handhabbare Tipps zur Umsetzung in der Praxis gegeben. Die Leitlinie richtet sich an Ärzte und Dia betesberater, an Sozialmediziner und Gutachter, an Psychologen und Juristen sowie an politisch Verantwortliche, deren Entscheidungen den Lebensalltag von Menschen mit Diabetes entscheidend prägen. Es ist ein Spezifikum dieser Leitlinie, dass nicht nur medizinische Fragestellungen thematisiert werden, sondern das Zusammenspiel zwischen der Erkrankung, dem Versorgungssystem, der Gesellschaft und den geltenden Gesetzen und Richtlinien. Eine zentrale Aussage ist: Menschen mit Diabetes können in der Regel am Straßenverkehr teilnehmen – und zwar sowohl im Privat-PKW als auch beruflich als Busfahrer, im Lastwagen oder Taxi. Hier wird in der Beratung von Menschen mit Diabetes oft zu zurückhaltend vorgegangen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufklärung: Bei Umstellung oder Dosiserhöhung einer hypoglykämiebehafteten Therapie muss der Patient klar und rechtssicher über die Auswirkungen auf die Fahrsicherheit aufgeklärt werden. Für Menschen, die wegen Hypoglykämien oder verminderter Hypoglykämiewahrnehmung aktuell nicht am Straßenverkehr teilnehmen können, steht heute eine weite Palette an Kompensationsmöglichkeiten zur Verfügung, dies reicht von der Hypo-Wahrnehmungsschulung über die Therapieumstellung bis zum kontinuierlichen Glukosemonitoring mit Warnfunktion. Menschen mit Dia betes wird die Fahrerlaubnis oft entzogen oder gar nicht erteilt, da in der Beurteilung häufig antiquierte Konzepte der Diabetestherapie und des Glukosemonitorings zugrunde gelegt werden. Aktuelle Möglichkeiten der Diabetestherapie und strukturierte Schulungsprogramme haben die Häufigkeit von Hypoglykämien reduziert. Einfache, schnelle Glukosemessung und kontinuierliches Glukosemanagement haben das frühzeitige Erkennen von Hypoglykämien – dem Hauptrisiko im Straßenverkehr – dramatisch vereinfacht. Dr. Barbara Bohn, Koordinatorin der Leitlinie RA Oliver Ebert, Vorsitzender des Ausschuss Soziales Prof. Dr. Reinhard Holl, Mitglied im Ausschuss Soziales

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