JB_2018

raphael12130

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1. Geschäftsbericht für das Jahr 2018 4

2. Beratung 18

2.1 Einleitung 18

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung 18

2.2.1 Persönliche Beratung 18

2.2.2 Telefonische Beratung 19

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung 19

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet 20

2.2.5 E-Mail Beratung 20

2.3 Danksagung 21

3. Begleitung 22

3.1 Einzelbegleitung 23

3.2 Positivenfond 23

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen 23

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids 24

3.5 Trauerarbeit 24

Seite

4. Öffentlichkeitsarbeit 26

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit 28

4.2. Veranstaltungen 29

4.3. Benefiz-Veranstaltungen 33

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2018 34

4.5. Berichterstattung in den Medien 38

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 39

5. Zielgruppenspezifische Prävention 40

5.1 HIV und AIDS Prävention bei Schwulen und Männern

die Sex mit Männern haben 40

5.2 Drogen und Substitution 46

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention 46

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm 47

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen 47

5.2.2 Substitution 47

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe 47

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB) 48

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen 48

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene

Drogengebraucher*Innen“ am 21. Juli 49

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen 51

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung 51

2


5.3 HIV und Strafvollzug 52

5.3.1 Einführung 52

5.3.2 Überregionale Aktivitäten 53

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’ 53

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten 53

5.3.5 Primär- und Sekundärprävention 54

5.3.6 Begleitung 54

5.3.7 Resümee 55

5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen 56

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration 57

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung 60

5.6.1 Veranstaltungsinhalte 64

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork 65

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikator*innen 67

5.6.4 Multiplikator*innen- und Erwachsenenbildung 67

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung 68

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 69

5.7. SCHLAU Duisburg 70

6. Self Duisburg / Kreis Wesel 73

7. Ehrenamtliche Mitarbeit 74

7.1. Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen 74

7.2 Externe Fortbildungen 75

8. Controlling / Anhang / Pressespiegel 76

Seite

3


1. Geschäftsbericht für das Jahr 2018

4

oder

N = N :

nicht nachweisbar = nicht übertragbar !

Diese Formel (im englischen Original u = u: undetectabel

= untransmittabel) ist sicherlich die markanteste

Botschaft, die von der 22. Welt-AIDS-Konferenz in

Amsterdam im Sommer 2018 ausgesendet wurde und

nicht nur dieses Berichtsjahr dominiert hat, sondern –

so hoffen wir – nachhaltig wirken wird.

Auch wenn die Erkenntnis, dass eine stabile antiretrovirale

Therapie die HIV-Viruslast dauerhaft unter die

sog. Nachweisgrenze bringen und halten und dann eine

Übertragbarkeit verhindern kann, wahrlich nicht ganz

neu ist, sondern im Grunde seit dem damals mutigen

Statement der Schweizer Kommission für Aidsfragen

(EKAF) im Jahre 2008 schon ihr zehnjähriges Jubiläum

feiern könnte, ist damit eine neue Qualität verbunden.

Denn bis hierhin haben einige Wissenschaftler

`dem Braten nicht vollständig getraut´ und lieber von

einem „vernachlässigbaren Risiko“ gesprochen, was

Hintertüren offenhielt und für Menschen mit HIV noch

keine verlässliche Vertrauensbasis schuf. Mit der vielbeachteten

Studie HPTN 052 und der Auswertung der

Datenlagen durch weitere Studien (v.a. der PARTNER

2-Studie) gelang dann doch der Durchbruch und die

Wissenschaftler konnten ein einstimmiges Urteil fällen:

JA – es stimmt und es ist an der Zeit die eindeutige

Botschaft zu verkünden und sie in eine einprägsame

Formel zu gießen.

Was bedeutet N = N?

„Es ist bewiesen, dass unter einer wirksamen Therapie

die Anzahl der Viren soweit reduziert wird, dass HIV

selbst beim Sex ohne Kondom nicht übertragen werden

kann.

Eine HIV-Infektion ist heute zwar nicht heilbar, aber gut

behandelbar. Bei rechtzeitiger Diagnose und wirksamer

Therapie kommt es nicht zu Aids. Für viele HIV-positive

Menschen und ihre Partner*innen eröffnet n = n soziale,

sexuelle und reproduktive Entscheidungen, die viele

nie für möglich gehalten hätten. Es ist eine beispiellose

Gelegenheit, das Leben von Menschen mit HIV zu verändern.

n = n bedeutet:

• HIV muss beim Sex keine Rolle mehr spielen

• Sex ohne Angst vor einer HIV-Übertragung zu

leben

• Kinder ohne Inseminationsmethoden zu bekommen

• mit HIV lange zu leben


• Freiheit und Stärkung des Selbstbewusstseins

• ohne Angst und Scham mit HIV zu leben und

so (Selbst-) Stigmatisierung abzubauen

• Menschen zum regelmäßigen HIV-Test und

zum Beginn einer Therapie zu ermutigen

• eine starke Argumentation für den universellen

Zugang zu Diagnostik, Behandlung und Pflege

Ärzteschaft, Pflegekräfte sowie die Bereiche Justiz,

Bildung und Arbeit sind gefordert.“ (a.a.O., S. 4).

Ähnlich gute Konzepte und Vereinbarungen gibt es

vom Land NRW und einigen weiteren staatlichen

Organen und Fachgesellschaften (BZgA, Deutsche STI-

Gesellschaft, Vereinigung der AIDS-Koordinator*innen

in NRW et al.). Die Musik ist also bestellt – und die

Leistungsverzeichnisse sehr gut erstellt. Sie wird nur

leider nicht adäquat bezahlt!

• Aids beenden zu können“

(Quelle: Homepage der Aidshilfe NRW, s. www.nrw.

aidshilfe.de )

Diese wunderbare Botschaft wurde dann auch von der

Deutschen AIDS-Hilfe hervorragend mit einer weiteren

PR-Offensive unter dem Motto „Wir wollen das Wissen

verdoppeln“ (www.wissen-verdoppeln.hiv ) aufgegriffen,

weil durch BZgA-Umfragen deutlich wurde, dass

maximal 10 % der deutschen Bevölkerung von diesen

Erkenntnissen überhaupt schon mal etwas gehört hat.

Darüber hinaus gibt die Botschaft auch der laufenden

Kampagne „Kein AIDS für alle! Bis 2020!“ (s. Jahresbericht

2017) noch mal neuen Schwung und untermauert

die Machbarkeit der Zielerreichung.

Wir haben eigentlich gute Voraussetzungen dazu: eine

sehr geringe Inzidenz und Prävalenz, HIV-Medikamente

sind in Deutschland flächendeckend verfügbar und

werden in aller Regel über das Gesundheitssystem finanziert

und wir haben eigentlich ein sehr leistungsfähiges

Gesundheitssystem – dies allerdings nicht unbedingt

flächendeckend! Vor allem ländliche Regionen

hinken in vielen Gesundheitsversorgungsfeldern bekanntermaßen

hinter Ballungsräumen mit guter Präventions-

und Versorgungsinfrastruktur her. So auch in

Teilen unserer Region.

Die Ziele sind klar, die dazu erforderlichen strategischen

Maßnahmen erkannt und vielfach gut formuliert.

Und damit sich auch in unseren Strukturen die

Erkenntnisgewinne verstetigen und verdoppeln, halten

wir sie an dieser Stelle erneut fest. Schon im April 2016

hat das Bundeskabinett in fachlich hoher Qualität den

„Fahrplan“ vorgelegt, mit dem Papier zur „Strategie zur

Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen

sexuelle übertragbaren Infektionen. BIS 2030 – Bedarfsorientiert

* Integriert * Sektorenübergreifend“

(Bundesministerium für Gesundheit und Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beschluss

des Bundeskabinetts vom 06.04.2016).

So heißt es dort: „Um diese Ziele zu erreichen und die

errungenen Erfolge nicht zu gefährden, bedarf es in

den nächsten Jahren verstärkter Anstrengungen aller

Beteiligten. Ein ganzheitlicher Ansatz ist dafür erforderlich.

(…) Für die Umsetzung müssen alle relevanten Akteure

sektorenübergreifend zusammenarbeiten. Bund,

Länder, kommunale Selbstverwaltung, Öffentlicher

Gesundheitsdienst, freie Träger, die Selbsthilfe,

In Deutschland haben wir bekanntermaßen gesagt,

dass 2030 nicht ambitioniert genug ist. Die Deutsche

AIDS-Hilfe hat entsprechend eine andere Marke gesetzt:

„Kein AIDS für alle! Bis 2020!“ – ob die Ziellinie

2020 aber auch für unsere Region realistisch sein mag,

wagen wir nach wie vor zu bezweifeln. Von erforderlicher

Verstärkung der Anstrengungen ist im Berichtsjahr

2018 allerdings immerhin in und für die Stadt Duisburg

viel Erfreuliches passiert, während sich im Kreis Wesel

die Ressourcen weiter reduziert haben. Wir konstatieren

also gewissermaßen ein Spiegelbild der Analysen

des Robert-Koch-Institutes (s.u.).

Richtig ist, dass wir noch erhebliche Anstrengungen unternehmen

müssen, um das Mögliche zeitnah erreichen

zu können. Klar ist, dass wir dazu eine adäquate Infrastruktur,

insbesondere zu Beratungs- und Testmöglichkeiten,

aber auch bzgl. der medizinischen Versorgungslage

benötigen. Und dort, wo dies gegeben ist, wo also

etwa checkpoints mit Beratungs- und Testangeboten,

mit interdisziplinären Fachlichkeiten zum Themenfeld

der sexuellen Gesundheit entstanden sind, verzeichnen

wir seit ein paar Jahren deutliche Effekte – im Sinne

einer Reduzierung der HIV-Inzidenzen – insbesondere

in der besonders relevanten Gruppe der MSM (Männer,

die Sex mit Männern haben). Das ist allerdings zumeist

nur in einzelnen großstädtischen Räumen der Fall.

5


Epidemiologische Eckdaten in Deutschland

weil das RKI sich zurzeit dazu außer Stande sieht, seriöse

Angaben zu machen.

Und diese Gruppe der Ungetesteten spielt wiederum

eine wesentliche Rolle hinsichtlich der Zahl von

HIV-Neuinfektionen (für das Berichtsjahr 2017 etwa

2.700 = ca. 6% weniger als in 2016), denn diese sind

vermutlich für einen großen Teil der Übertragungen

verantwortlich.

Für das Jahr 2017 verzeichnet das RKI ca. 3.300 Neudiagnosen

(gesicherte Diagnosen, die nicht zwingend

alle aus 2017 stammen müssen, hier werden z.T. auch

ältere Infektionszeiten inkludiert, die aber in 2017 gemeldet

wurden). Diese verteilen sich wie folgt auf die

„Transmissionsgruppen“: 63 % MSM = Männer, die Sex

mit Männern haben; HETerosexuelle: 24,8 %; intravenös

verabreichter Drogenkonsum –IVDU- 11,8 %; Mutter-Kind-Übertragungen

in 2017 = < 10 Fälle gesamt.

Mit HIV leben nach den Angaben des Robert-Koch-Institutes

(RKI, Epidemiologisches Bulletin 47/2018 vom

22.11.2018 in Deutschland immer mehr Menschen

(2017 etwa 86.100) mehr oder weniger gut. Etwa 2/3

davon sogar so gut, dass sie der Unterstützung durch

die AIDS-Hilfen kaum noch bedürfen. Es bleibt allerdings

gut ein Drittel, die aufgrund von diversen, oft

prekären Lebenssituationen auch aufgrund der HIV-Infektion

dringend auf Unterstützung, Rat und Hilfe durch

AIDS-Hilfen angewiesen sind. Und das zumindest phasenweise

sehr intensiv.

Dies gilt insbesondere für die Gruppe der sogenannten

„late presenter“, der Menschen also, die erst sehr spät

ihre Erstdiagnose bekommen und sich dann bereits in

sehr ernst zu nehmenden gesundheitlichen Problemlagen

befinden – nicht selten mit sehr fortgeschrittenem

Immundefekt (in 2017 ca. 1.100 Fälle und davon

ca. 510 im Stadium AIDS). Sie tauchen erst so spät

auf, weil sie bis dahin vielleicht nur wenig gesundheitliche

Probleme hatten, weil sie entweder bis dahin kein

Risikobewusstsein entwickelt haben, weil sie sich aus

diffusen Ängsten heraus bewusst gegen einen Test entschieden

haben oder weil sie Stigmatisierung oder/und

diskriminierende Folgen befürchten oder weil ihnen

schlichtweg die Informationen fehlen. Oder weil sie bis

dahin auf schlecht informierte oder nicht sensibilisierte

Mediziner gestoßen sind und sie somit keine Testempfehlung

bekommen haben.

Leider sind auch in 2017 über 450 Todesfälle von

HIV-Infizierten zu verzeichnen.

Für das Berichtsjahr 2017 geht das Robert-Koch-Institut

(RKI; für 2018 kommen belastbare Daten erst Mitte

2019) zudem davon aus, dass von den etwa 86.100

HIV-Infizierten in Deutschland ungefähr 11.400 Menschen

noch nicht getestet sind und somit keine Ahnung

von ihrem Status haben können. Und dabei sind die

zugewanderten Menschen mit Migrationshintergründen

(wie etwa Geflüchtete) nicht (mehr) berücksichtigt,

6

Auffällig bei der weitergehenden Analyse der regionalen

Verteilung war laut RKI, dass die absoluten Zahlen

der HIV-Neudiagnosen bei MSM insgesamt weiter gesunken

sind (von 2.600 in 2007 auf 1.700 in 2017),

was das RKI „primär auf die effektive und frühere Behandlung

von HIV-Infizierten und die gestiegene Testbereitschaft

und frühere Diagnosen von Infektionen“

(Epidemiologisches Bulletin, Nr. 47, 22.11.2018) zurückführt.

Diese Entwicklungen zeigen sich allerdings

vorwiegend in den Regionen mit einer guten Präventions-

und Versorgungsinfrastruktur und eindeutig nicht

in ländlichen Bereichen.

Anstiege sind hier insbesondere bei heterosexuell orientierten

Menschen mit substanziellem Infektionsrisiko

außerhalb der klassischen Zielgruppen (z.B. Partnerinnen

bzw. Partner von Menschen mit HIV mit einer Viruslast

über der sog. Nachweisgrenze, Heterosexuelle

mit Indikatorerkrankungen) zu sehen.

Solche stellen im Übrigen im Jahr 2017 auch über 40%

der neuen HIV-Patient*innen in unserer Duisburger

Schwerpunktpraxis.

Hinzuzurechnen wären auch noch die nicht erfassten

HIV-Neudiagnosen bei Geflüchteten, wovon gemäß

Königsberger Schlüssel eben auch die meisten NRW

zugewiesen wurden. Da es sich aber epidemiologisch

betrachtet um keine auffälligen Herkunftsregionen

handelt, sprechen wir hier sicher nicht über „Massen“.

So sind wir im Berichtsjahr 2018 mit weniger „Fällen“

als noch in 2016 und 2017, dann aber auch sehr intensiv

beschäftigt gewesen.

Das RKI zieht im Bulletin vom November 2018 ein

Fazit, in dem es unter anderem heißt: „Die Zahl der

HIV-Neuinfektionen geht nur langsam zurück. Der Anteil

von Infizierten, die eine wirksame antiretrovirale

Behandlung erhalten und in der Regel nicht mehr infektiös

sind, nimmt zu. (…) Eine schnellere und frühere

Diagnose trägt zum einen dazu bei, sehr späte Diagnosen

und die damit verbundene höhere Sterblichkeit


und Behandlungskosten zu verringern, zum anderen

kann sie auch präventive Effekte haben, weil die Therapie

bei Menschen mit HIV Folgeinfektionen verhindert.“

(Epidemiologisches Bulletin Nr. 47, Robert-Koch-Institut,

22.11.2018, S. 503)

Entsprechend fordert das RKI, dass die Strategie zur

Eindämmung von HIV weiter konsequent umgesetzt

werden sollte!

Alles in allem also kein Grund zur Entwarnung oder

zur Reduktion von Maßnahmen der strukturellen HIV-/

STI-Prävention.

Epidemiologische Eckdaten aus der Region

Aufgrund technischer Probleme bei der Auswertung der

Meldedaten konnten für das Jahr 2017 (halbwegs valide

2018er Daten sind erst im Laufe 2019 zu erwarten)

keine regionalen Daten abgefragt werden.

Insofern können wir für das Jahr 2017 keine wirklich

seriösen Angaben für die Stadt Duisburg machen. Die

zuletzt deutlich gestiegene HIV-Inzidenz (HIV-Erstdiagnosen

/ 100.000 Einwohner) auf 6,31 ist allerdings

einer von vielen guten Gründen, die Anstrengungen

zur strukturellen Prävention zu verstärken.

Wie erhofft und erwartet hat sich die Wiedereinrichtung

und –besetzung einer vollen Stelle „AIDS-Koordination“

ab November 2017 im Berichtsjahr 2018 sehr

positiv ausgewirkt. Neben dem insgesamt zu verzeichnenden

Zugewinn an Ressourcen, Kapazitäten und Synergien

durch kooperative Zusammenarbeit ergab sich

auch eine Entlastung der AIDS-Hilfe bei koordinativen

Aufgaben in der Netzwerkarbeit.

Ganz besonders begrüßen wir die Ausweitung und Etablierung

des Beratungs- und Testangebotes in Kooperation

mit unserem „Herzenslust-Projekt“ vor allem für

die Zielgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben

(MSM) durch den „Herzenslust-Checkpoint in

der AIDS- und STD-Beratungsstelle des Duisburger

Gesundheitsamtes“ in zentraler Citylage und in

Abendstunden (s. 5.1.).

Sehr erfreulich ist neben dem HIV-Testangebot auch

das breite Angebotsspektrum zu weiteren STI`s, deren

Berücksichtigung aus der HIV-Prävention nicht mehr

wegzudenken ist.

Unsere Pläne, im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte

2018, mit dem begleiteten Beratungs- und Testangebot

in Verbindung mit dem sog. HIV-Heim- bzw.

Selbsttest in der AIDS-Hilfe ein weiteres, ergänzendes

niedrigschwelliges und qualifiziertes Testangebot

– einmal monatlich in den Abendstunden und mit zeitlichem

Abstand zum checkpoint-Angebot umzusetzen,

konnten noch nicht realisiert werden. Das lag vor allem

an der dann doch recht späten Zulassung durch die

Bundesgremien und der traditionell hohen Arbeitsintensität

im Herbst.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Voraussichtlich

ab März 2019 wird das Angebot einmal monatlich

an einem Mittwoch-Abend zwischen 18 und 20 Uhr umgesetzt.

Hier würde das Testangebot natürlich mit einer

qualifizierten Beratung durch Expert*innen einhergehen,

damit niemand alleine im stillen Kämmerlein mit

den Ergebnissen klarkommen muss.

Der HIV-Test ist eben keine Schande, sondern eine

Chance!

Für den Kreis Wesel verzeichnen wir leider weiter eine

gegenläufige Entwicklung, nämlich eine deutliche Reduktion

der Ressourcen – zumindest im ÖGD.

Die Funktion der „AIDS-Koordination“ war zwar seit

dem Frühjahr 2017 wiederbesetzt, allerdings leider nur

bis zum Sommer 2018 und ist seither wieder mal vakant.

Ohnehin ist der für die AIDS-Koordination vorgesehene

Stellenanteil eher als „Alibi“ (nur 0,1 VZÄ) zu

bezeichnen. Leider hat der Gesetzgeber es versäumt,

den Umfang der Pflichtaufgabe zu regeln. Darüber hinaus

ist der Kreis Wesel aus der Präventionsarbeit mit

Jugendlichen (v.a. in schulischen Zusammenhängen)

komplett ausgestiegen. Das Beratungs- und Testangebot

(in Moers zwei Stunden wöchentlich zwischen 14

und 16 Uhr; in Wesel nur zweimal 1,5 Stunden zwischen

14 und 15:30 Uhr im Monat) ist reduziert geblieben

(aus unserer Sicht ist vor allem die Aufgabe

eines Abendangebotes, das recht gut angenommen

worden ist, besonders bedauerlich! Weiterhin gibt es

keine aufsuchenden Angebote mehr). Das ist gemessen

an der Größe des Kreises und seiner Einwohnerzahl

äußerst bescheiden! Und hier geht es ja schon lange

nicht mehr „nur“ um HIV und AIDS, sondern in zunehmendem

Maße auch um andere STI`s, bei denen

wir leider andere epidemiologische Zahlen konstatieren

müssen – nämlich zum Teil deutliche Anstiege – auch in

der sog. Allgemeinbevölkerung (s. RKI-Daten). Zudem

mussten wir ja unsere Beratungsstelle in Wesel (das

einzige spezifische Vor-Ort-Angebot) zum Jahresende

2016 aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben.

Gleichzeitig aber waren wir gefordert, das modifizierte

Berichtswesen für den Kreis Wesel zu bearbeiten, was

auch in diesem Berichtsjahr unverhältnismäßig viele

7


Ressourcen (auf beiden Seiten!) gebunden hat. Die

Auswertung des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen

steht immer noch aus. Statt dem Ziel eines möglichst

einheitlichen Berichtswesens für die verschiedenen

föderalen Ebenen näher zu kommen –wie es die

-> Rahmenvereinbarung mit dem Land NRW eigentlich

einfordert- sehen wir uns inzwischen mit fünf bis sechs

verschiedenen Dokumentationssystematiken konfrontiert

und werden zunehmend an den Schreibtisch und

an den Computer gedrückt (für die der Kreis Wesel

nach wie vor leider keinen Cent refinanziert)! Und das

modifizierte Berichtswesen bildet mit der hauptamtlichen

Beratung und den Youthwork-Aktivitäten noch

dazu nur Teilaspekte unseres Leistungsspektrums ab.

Wenn wir in der ein oder anderen Beratungsvorlage

für den Fachausschuss und den Kreistag lesen mussten,

dass die vorgenommenen Maßnahmen als einvernehmlich

erzielte „Synergieeffekte“ dargestellt wurden,

so kann man das nur als „Hohn“ bezeichnen. De

facto handelt es sich hier um „Einsparpotentiale“, die

die sog. „Jamaika-Koalition“ zur Senkung der Kreisumlage

intendiert hat. In wie weit es sich dabei auch

um nachhaltige Einspareffekte für die Sozialkassen und

Ausgabetöpfe für das Gesundheitswesen und damit für

Kassenbeiträge und Steuern der Bevölkerung handelt

– dies zu beurteilen überlassen wir Ihnen, liebe Leser*innen.

Gemeinsam gegen AIDS

Angesichts der ambitionierten aber erreichbaren Ziele

erachten wir es für entscheidend, dass die partnerschaftliche

und partizipative Kooperation zwischen

staatlichen Strukturen (hier die unteren Gesundheitsbehörden)

und den freien Trägern (hier also wir, die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel) erhalten und günstigenfalls

gestärkt wird.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle

Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur

so können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden

und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor

allem auch, weil die Erfordernisse für Netzwerkarbeit

stetig anwachsen, diese allerdings nur dann auch effektiv

wirken können, wenn hier personelle Kontinuität

gewährleistet werden kann.

Das gilt natürlich auch für die Versorgungslage von

Menschen mit HIV und AIDS in unserer Region. Im Berichtsjahr

blieb es leider auch dabei, dass wir mit Dr.

Friedhelm Kwirant nur noch einen einzigen HIV-Schwerpunktbehandler

im Duisburger Süden haben, mit dem

wir allerdings sehr zufrieden sind und der im Verbund

mit seinem Praxisteam enorm viel leistet. Diesem Team

gilt unser tiefer Respekt und großer Dank!

Eine weitere Erosion der spezifischen Ressourcen zu

verhindern erfordert wiederum mehr zeitliche Investi-

tionen in die Gremien- und Netzwerkarbeit, um drohenden

Know-how-Verlusten vorzubeugen und das

Mögliche zu tun, um zumindest etablierte Standards

zu erhalten.

Ob dies im erforderlichen Maße gelingen mag, ist mehr

als fraglich. Wir werden uns voraussichtlich eher mit

der Verhinderung von weiteren Erosionen befassen

müssen – und zwar im personellen wie auch im finanziellen

Bereich, denn die Deckelungen der öffentlichen

Förderung werden sich weiter sehr ungünstig auf den

Erhalt der vorhandenen Kapazitäten auswirken!

Unsere Haushaltslage und die Folgen

Die seit vielen Jahren gedeckelten Landes- und kommunalen

Fördermittel führen auch bei unserer AIDS-Hilfe

dazu, dass die Schere zwischen öffentlicher Förderung

und Haushaltsbedarfen immer weiter auseinanderdriftet

und darüber allein schon die Aufrechterhaltung unseres

Angebotsspektrums immer schwieriger wird. Zu

betonen ist, dass ein ganz überwiegender Teil dieser

Angebote kommunale Pflichtaufgaben abdeckt.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der

Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche Steigerungen

im Personalkostenetat sowie stetig steigender

Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer, technische

Ausstattung durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten,

vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte

Qualitätssicherungsmaßnahmen, Nebenkosten für den

Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten,

Mitgliedsbeiträge bei Dachverbänden

und vieles mehr).

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen,

benötigen wir mittlerweile über 50.000

Euro per anno aus nicht-öffentlichen Drittmitteln. Das

macht zwischen 15 und 20 % unseres Haushaltsvolumens

aus. Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 2800

Stunden ehrenamtlicher (entgeltfreier, aber nicht kostenfreier!)

Arbeit per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!)

noch nicht eingerechnet!

Allerdings mussten wir auch im Berichtsjahr weitere

Einbrüche bei den Drittmitteln (Spenden, Sponsoring

und sonstige Einnahmen) verzeichnen. Da unsere Betriebsmittelrücklagen

inzwischen aufgebraucht werden

mussten, wären wir schon im ersten Quartal 2018 nicht

mehr in der Lage gewesen, die Gehälter und Sachkosten

auszuzahlen, wenn uns nicht eine unverhoffte Erbschaft

zur rechten Zeit über den Berg gebracht hätte.

Den Ernst der Lage haben wir selbstverständlich einmal

mehr den kommunalen Strukturen mitgeteilt und zum

vierten Mal in Folge Aufstockungsanträge gestellt, um

betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und unseren

pflichtigen Aufgaben nachkommen zu können.

Während die Stadt Duisburg dem Antrag durch eine

Dringlichkeitsentscheidung schon für das Jahr 2018

stattgegeben hat, standen wir im Kreis Wesel einmal

8


Die Instrumente der Prävention sind heute vielfältiger

und müssen kommuniziert werden. Mit der unumstrittenen

Strategie des „Schutzes durch Therapie“

(SDT oder „treatment as prevention) und der für manche

Zielgruppen sinnvollen „Präexpositionsprophylaxe“

(PrEP) sind wichtige neue Möglichkeiten des

Schutzes vor HIV-Infektionen der alten –und nach wie

vor unerlässlichen- Kondomstrategie hinzugefügt worden.

Neue Testformate, wie HIV-Heim- oder Selbsttests

sind im Oktober 2018 auf Initiative des Bundesgesundheitsministers,

Jens Spahn, zugelassen worden

und sogar über Apotheken und Drogeriemärkte beziehmehr

einer Blockadehaltung durch die sog. „Jamaika-Koalition“

(CDU-, GRÜNE- und FDP/VWG- Kreistagsfraktionen)

gegenüber.

Diese lehnten unseren Aufstockungsantrag im Rahmen

des ersten Beratungszyklus´ mit den Haushaltsberatungen

erneut ab und forderten zum wiederholten Male

eine zwingende Abstimmung mit der Stadt Duisburg.

Da sei die Frage erlaubt, warum dies in den letzten

drei Jahren nicht zustande gekommen ist, obwohl die

Forderung schon lange im Raume steht und wir eine

solche immer befürwortet haben? Das ist eindeutig

Aufgabe der Kommunen!

Nach einer Neuausrichtung der Vorstandsbereiche im

Kreis Wesel und einem Wechsel der Beigeordneten sind

dann aber im Frühsommer endlich bilaterale Kooperationsgespräche

aufgenommen und zu einem abgestimmten

Ergebnis für die Jahre 2019 bis 2021 geführt

worden. Für diesen Zeitraum ist nunmehr ein unterschiedlicher

Anteil der kommunalen Ergänzungsfinanzierung

ausgehandelt worden, wonach die Stadt Duisburg

fortan 58% und der Kreis Wesel 42% und zwar in

Form einer Festbetragsfinanzierung trägt.

Obwohl die Gesamtförderung nach wie vor deutlich

unterhalb einer Deckung unserer Personalkosten und

ohne Berücksichtigung von Overhead- und anderen

Sachkosten für –wohlgemerkt- kommunale Pflichtaufgaben

bleibt, haben wir dieser Vereinbarung schweren

Herzens zugestimmt, weil wir ansonsten das Gesamtkonstrukt

gefährdet hätten. So erhielten wir für das

Jahr 2019 ff zumindest eine gewisse Planungssicherheit

auf eindeutig zu niedrigem Niveau.

Es bleibt eine große Herausforderung, den Status quo

zu erhalten. Und diesen müssen wir paradoxerweise

vorhalten, weil wir vom Land NRW, von der Stadt Duisburg

und dem Kreis Wesel über Zuwendungsverträge

und die -> Rahmenvereinbarung mit dem Land dazu

verpflichtet sind. Zu betonen ist an dieser Stelle sicherlich

auch, dass auch das Land NRW sich seit 30 Jahren

(!) nicht adäquat bewegt und die geforderte Weiterentwicklung

nicht hinreichend fördert. Im Berichtsjahr

gab es eine sehr moderate Anhebung der „zielgruppenspezifischen

Landesmittel“ um insgesamt 2.000 Euro

– auch das ist einfach zu wenig.

Um es an dieser Stelle einmal deutlich zu sagen: Vor

dem Hintergrund der kraftraubenden und unsäglichen

Verweigerungshaltung der „Jamaikaner“ im Kreistag

Wesel, wären wir eigentlich am liebsten aus der Zuständigkeit

für den Kreis Wesel ausgestiegen. Das ist

aber keine Option, denn wenn an einer Stellschraube

der Förderung durch die föderalen Ebenen gedreht

wird, ist eben sofort auch das Gesamtkonstrukt gefährdet!

Ein Konstrukt, das eigentlich schon lange ein

best-practice-Beispiel für interkommunale und sektorenübergreifende

Zusammenarbeit und kostengünstige

Synergiepotentiale darstellt bzw. darstellen könnte.

Bemerkenswerter Weise hat der Kreistag der ausgehandelten

Aufstockung für die Jahre 2019 – 2021 im

Herbst einstimmig zugestimmt, der von den Verwaltungen

vorgelegten interkommunalen Vereinbarung

mehrheitlich (Jamaika) nicht. Das verstehe, wer will –

wir verstehen das Vorgehen der Jamaika-Koalition über

die letzten Jahre nicht und sind noch immer entsetzt

darüber, dass diese die („geschätzte und gute“) Arbeit

der AIDS-Hilfe erheblich gefährdet hat. Dass sie sich

infolge der Kreistagsentscheidung zum Teil auch noch

öffentlich mit der „Rettung der AIDS-Hilfe“ gebrüstet

hat, empfinden wir als Hohn.

Wie weit die Förderungsregelung nachhaltig tragen

wird, ist offen. Wir sind skeptisch und prognostizieren

leider baldigen Nachbesserungsbedarf. Jedenfalls sind

wir weiterhin zu erheblichen Anstrengungen im Bereich

der Drittmittelakquise gefordert, welche Kapazitäten

von den eigentlichen Aufgaben abziehen – ohne

kalkulierbare Erfolgssicherheiten. Das ist angesichts

der fachlichen Herausforderungen und Entwicklungen

äußerst bedauerlich!

Die stabile Vorhaltung unseres Leistungsspektrums ist

nach wie vor latent gefährdet. Wenn es nicht gelingen

sollte, diesen Trend zu stoppen, wird das Überleben

schwer.

Trotz einer erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung,

die bei Werner Garbe und Susanne Renner in besten

Händen liegt, mussten auch wir uns in den letzten

Jahren konkret mit eigenen Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen

beschäftigen und äußerst schmerzliche

Einschnitte vollziehen (s. Vorjahresberichte). Es zeigt

sich deutlich, dass wir damit schon an die Grenzen des

Machbaren gegangen sind und wir darüber kaum Entlastung

erfahren konnten.

Wir können mehr!

Und wir wollen mehr und wir müssten mehr, denn die

Möglichkeiten der strukturellen HIV-Prävention sind

einfach gewachsen. Allerdings sind die Strategien auch

komplexer geworden und damit steigen die Anforderungen

an fundierte Aus- und Fortbildungen unserer

ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und ihrer

Qualifikationen.

Safer Sex 3.0

9


Angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland

müssen Präventionsmittel und –maßnahmen

insbesondere dort zur Verfügung stehen, wo sie bebar.

Sog. Home-Sampling-Tests gehen in Pilotprojektphasen

u.a.m. Das eröffnet weitere Chancen auf frühe

Diagnosen und mehr und frühere Therapieeinstiege.

Wir wollen uns diesen neuen Optionen stellen und sie

konstruktiv aufgreifen.

rung von

Damit einher geht allerdings ein eher gesteigerter Beratungsbedarf

– und gute Beratung gehört eindeutig zu

unseren Kernkompetenzen – hier sind wir mehr denn

je gefragt und gewillt, diese einzubringen.

Die anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI`s)

sind gleichsam originäre Bestandteile der HIV-Präventionsthemen

geworden und nicht mehr wegzudenken.

Die Bearbeitung der Testbarrieren, wie insbesondere

das enorme Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential

und anderes mehr sind weiterhin „dicke Bretter“

für die Präventionsarbeit. Wir könnten die Liste der

(relativ) neuen thematischen Herausforderungen für

eine „Präventionsarbeit auf aktuellem Anforderungslevel“

noch weiter fortführen, wollen es aber an dieser

Stelle dabei belassen. Es ist einfach viel Bewegung in

der Landschaft – und das macht die Arbeit ja durchaus

auch spannend, nie langweilig und unterstützt uns bei

der motivierten Zielverfolgung von „Kein AIDS für alle!

Bis 2020!“

Auch wenn wir die staatlichen Strukturen nicht aus

ihrer Verantwortung für die pflichtige Arbeit entlassen

wollen, tuen wir gut daran, weiter auch nach entlastenden

Kooperationen oder Ergänzungen unseres Aufgabenspektrums

und/oder nach alternativen Einnahmequellen

Ausschau zu halten.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung bleibt die

Zahl unserer Begleitungsverhältnisse auf stabil hohem

Niveau. Während uns eindeutig immer mehr Menschen

mit HIV immer weniger „nötig“ haben, wächst leider

auch die Zahl derjenigen Klient*innen, die aufgrund

vielfältiger lebenspraktischer Problemlagen eine besonders

hohe Begleitungs- und Betreuungsintensität

benötigen. Hinzu kommt, dass in der Bevölkerung insgesamt,

aber in unserer Klientel in besonderem Maße

die Zahl und Vielfalt der psychischen (Begleit-) Erkrankungen

wächst. Hier stießen wir zunehmend an

Kapazitäts- und Qualifikationsgrenzen und haben uns

intensiv mit Lösungsmöglichkeiten beschäftigt.

Einen Meilenstein in der jüngeren Geschichte der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel stellt die Erweiterung

unseres Angebotsspektrums mit dem Aufbau des

Projektes zum Ambulant Betreuten Wohnen nach § 53

ff SGB XII (Eingliederungshilfe) unter dem Dach der

AIDS-Hilfe dar. Nach vielen Jahren der Beschäftigung

mit der Thematik und der Planung, konnten wir im

März des Berichtsjahres dank der Unterstützung durch

Fördermittel der

mit der Implementie-

beginnen und eine volle Stelle der Fachlichen Leitung

sowie einer ¼-Stelle für die spezifische Verwaltung

einrichten. Nach umfänglichen und aufwendigen Vorbereitungen

erhielten wir zum 01. November 2018 die

Zulassung durch den Landschaftsverband Rheinland

(LVR). Leider zunächst nur für die Stadt Duisburg. Im

Kreis Wesel hätten wir einen (Büro-) Standort vorhalten

müssen. Umso mehr bedauern wir die notwendige

Aufgabe unseres Büros in Wesel Ende 2016. Aber aufgeschoben

ist auch hier nicht aufgehoben. Wir bleiben

dran, das Angebot alsbald auszubauen, denn nach unserer

Beobachtung ist der Bedarf eindeutig da.

Für die Aufrechterhaltung des originären AIDS-Hilfe-Leistungsspektrums

bleibt es allerdings dabei: Ohne

Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen wäre

die Aufrechterhaltung unseres regulären Angebotes

schon lange nicht mehr denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt

von derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten

wir es gerne mit Erich Kästner und wollen über

gutes Tun reden (s. 4.).

Um den Ziel der Minimierung von HIV-Neuinfektionen

näher zu kommen, der Umsetzung des Menschenrechtes

auf Gesundheit, Information und Aufklärung gerecht

zu werden und um die adäquate Versorgung von

Menschen mit HIV und AIDS sicher zu stellen, werden

entsprechende Ressourcen benötigt.

10


sonders benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-)

Prostitution (s. 5.4.), bei Menschen mit

bestimmten Migrationshintergründen (s. 5.5.) oder bei

der Versorgung von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig

im Bereich von homo- und bisexuellen Männern

und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) (s.

5.1.). Eine weitere sehr wichtige Zielgruppe stellen

Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere

Infektionsgefährdungspotentiale (besonders bzgl.

der Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen

auf HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch

höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen

begründet sind (s. 5.3.).

Offenbar müssten angesichts der Anstiege der letzten

Jahre auch die Aufklärungs- und Präventionsanstrengungen

bei Heterosexuellen wieder verstärkt werden.

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche (s. 5.6.). Wichtig

ist, HIV/AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung

und Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche

frühzeitig zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität

zu erreichen“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung der

HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen“, 2013,

S. 10; s. auch 5.6. im vorliegenden Jahresbericht).

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext

von Gesundheitsförderung hat sich dazu ganz

eindeutig bewährt. Angesichts der epidemiologischen

Daten in Deutschland und der positiven Effekte komplementärer

Präventionsstrategien (SDT und PrEP) erweist

sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit

als immer bedeutungsvoller, damit die richtigen Menschen

mit den passenden Botschaften und Maßnahmen

lebenswelt- und akzeptanzorientiert erreicht werden

können und die Ansätze nicht ins Leere greifen, denn:

Nur wer sich schätzt, schützt sich und andere!

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung - arbeitet von

Beginn an nach diesem Grundsatz und bietet – mit einem

für die Größe des Zuständigkeitsgebietes und der

Einwohnerzahl vergleichsweise kleinen Team von ehren-

und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen - ein umfassendes

Projektspektrum dazu.

So gibt der vorliegende Bericht vor allem Auskunft über

die konkrete Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V.- Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderungim

Jahre 2018. Wir wünschen anregende Lektüre!

Als ein bedeutsamer Erklärungsansatz für die nur „langsame“

Reduktion der HIV-Neuinfektionen gelten die

Infektionszahlen anderer STI`s (sexuell übertragbare

Infektionen, wie etwa die Syphilis-, Gonokokken- und

Chlamydieninzidenzen), was wiederum die zwingende

Verbindung von HIV- mit STI-Prävention untermauert

und eine Intensivierung der Arbeit vor allem in der

Zielgruppe (junger) schwuler Männer und Männern,

die Sex mit Männern haben (MSM) nach sich ziehen

sollte. Das RKI weist hier darauf hin, dass die Syphilis

die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit auch dann erhöht,

wenn sich am (insgesamt sehr guten) Risikoverhalten

(s. Daten der EMIS-Studie) nichts ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern.

Regelmäßige Checks auf STI`s sollten auch für sexuell

aktive Menschen ohne Symptome zur Kassenleistung

werden, denn dies ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen

der HIV-Prävention und auch zur Vermeidung von

sehr hohen Folgekosten. Darüber hinaus zeigen Studienergebnisse

bei entsprechenden Projekten (hervorragend:

das PrEP-Projekt über „Hein & Fiete“ in Hamburg

– übrigens komplett vom Senat finanziert) zwar naturgemäß

einen deutlichen initialen Anstieg von STI´s,

aber aufgrund der darüber erfassten Diagnosen auch

rasch einen Abfall wegen der Behandlungseffekte.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patient*innen erfordert

dies allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang

mit dem Thema Sexualität, denn nur wenn offen

darüber kommuniziert werden kann, können diagnostische

und therapeutische Maßnahmen zur Anwendung

kommen. Let`s talk about Sex!

Wir beginnen mit einer der wichtigsten Netzwerkaufgaben,

der Analyse und Koordination der Versorgung

von Menschen mit HIV und AIDS und derer, die davon

betroffen sind oder sein können in unserer Region. Die

Zusammenarbeit im Rahmen des „Runden Tisches zur

HIV-Versorgung“, in dem neben Dr. Kwirant auch die

Gesundheitsämter der Stadt Duisburg und des Kreises

Wesel (dieser allerdings zuletzt eher als passives Mitglied)

sowie die AIDS-Hilfen Duisburg / Kreis Wesel

und Oberhausen vertreten sind, gestaltet sich recht

stabil und aktiv. Hier übernehmen wir –wie in manch

anderen Feldern- die Koordination und Organisation,

was eigentlich eine der Kernaufgaben der kommunalen

AIDS-Koordination wäre (s. § 23 ÖGDG).

11


Wir pflegen den verbindlichen Austausch, der wichtige

Anhaltspunkte für die Situation in der Region und daraus

resultierender Steuerungsaspekte ergibt und treffen

uns in dieser Runde in der Regel zweimal im Jahr.

In diesem Kreise wird unter anderem auch das alljährliche

Fachgespräch zur HIV-Therapie geplant und vorbereitet.

Die Bewerbung dessen wird unter anderem

auch dazu genutzt den Strukturen der medizinischen

Versorgungssysteme Kenntnis über die spezifische Infrastruktur

zu vermitteln und so der Versuch unternommen,

das Thema HIV / AIDS u.a. STI`s wach zu halten.

Wie bereits beschrieben können wir für die Stadt Duisburg

(wie auch in Oberhausen) eine spürbar gesteigerte

Aktivität von Seiten der kommunalen Gesundheitsämter

– insbesondere durch die volle(n) Stelle(n) der

kommunalpflichtigen „AIDS-Koordination“ verzeichnen.

In konstruktiven Planungsgesprächen wurde die

Aufgabenteilung und die synergetische Zusammenarbeit

neu aufgeteilt und umgesetzt. Darauf lässt sich

aufbauen – ein lange vermisstes „Gemeinsam gegen

AIDS“ ist wieder zu erkennen.

Wir hoffen sehr, dass der Zugewinn an Kapazitäten

nachhaltig verankert bleibt. Und wir hoffen natürlich

weiterhin, dass auch der Kreis Wesel hier deutlich

nachbessert. Wie in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens

wird es auch darauf ankommen, die

Stellenattraktivität zu steigern, um die erforderlichen

Fachkräfte im System zu halten und/oder neue gewinnen

zu können.

Wir werden uns nach Kräften dafür einsetzen und uns

auch weiterhin bei der Wahrnehmung der „AIDS-Koordination“

unterstützend und kooperativ einbringen Das

machen wir seit vielen Jahren, auch wenn wir dafür

keine Refinanzierung erfahren, weil es aber unerlässlich

ist, um die fachlichen Standards so gut es geht zu

halten und Weiterentwicklung vor dem Hintergrund der

sich stetig verändernden Anforderungen grundsätzlich

möglich zu machen.

Vor dem Hintergrund der heutigen medizinischen Optionen

muss es unser gemeinsames Ziel sein, möglichst

auch denjenigen HIV-Positiven Zugang zu medizinischer

Versorgung zu ermöglichen, die diesen bisher

noch nicht hatten. Darüber hinaus gilt es, die noch

nicht Getesteten zu möglichst früher Diagnosestellung

zu bewegen und somit u.a. die Problematik der „late

presenter“ zu verringern.

Unsere Aufgabe diesbezüglich besteht dabei darin,

zum einen ein Risikobewusstsein in der Bevölkerung

zu schärfen und die Testbereitschaft zu erhöhen. Dieser

Komplex benötigt dann aber eben auch eine entsprechende

Infrastruktur der strukturellen Prävention

und eben auch eine adäquate HIV-spezifische medizinischen

Versorgung und bestenfalls funktionierende

sektorenübergreifende Netzwerke zum Themenkomplex

„Sexualität und Gesundheit“.

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie

die stete Weiterentwicklung dessen als erstes Ziel

sind in erster Linie nur deshalb noch möglich, weil wir

trotz immer wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien

und manch anderer Ernüchterungen

(Wegfall wichtiger Personen in den Netzwerken, Erhöhung

des bürokratischen Aufwandes u.a.) ein immer

noch hochmotiviertes ehren- und hauptamtliches Team

haben.

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die

Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette sind und

bleiben dabei unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen,

denen einmal mehr ein riesiges „Danke

schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen

Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile

wenn auch vergleichsweise kleine „Mannschaft“, bauen.

Allerdings gibt es leider auch nur überschaubaren

Andrang von neuen Interessent*innen.

Wir möchten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, an

dieser Stelle bitten, potentiell interessierte Menschen

auf uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit

ist spannend, kann intensiv und unter Umständen

belastend sein, aber auch dankbar und für die eigene

Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend. Das gilt

nach wie vor auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf

allen Ebenen (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.

de/Ehrenamt).

Wenn wir immer wieder vom „ehren- und hauptamtlichen

Team“ der AIDS-Hilfe reden, so ist dies keine

Floskel. Wir sind ein Verein und wir arbeiten partnerschaftlich

und partizipativ gemeinsam – jede/r im Rahmen

seiner/ihrer Möglichkeiten und alle im Sinne unseres

Vereinszweckes und der verfolgten Ziele. Das gilt

natürlich insbesondere für die gute Zusammenarbeit

von Vorstand und hauptamtlichem Team.

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und Entwicklung

erfuhren wir auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung

am 28. Mai 2018, die vergleichsweise

gut besucht war. Insgesamt verzeichnen wir

allerdings leider einen fortschreitenden Rückgang an

beitragszahlenden Mitgliedern.

Der amtierende Vorstand wurde einmal mehr einstimmig

entlastet und für seine umfassende Arbeit gewürdigt.

Zum Jahresende trat unser jüngstes Vorstandmitglied,

Kevin Hengsteler aus persönlichen Gründen von

seinem Amte zurück. Wir sagen Dank für die bis dahin

geleistete Arbeit und wünschen alles Gute! Eine Nachbesetzung

musste nicht erfolgen.

12


Der Vorstand bis Mai 2017: Silke Stützel, Thomas Hilgers,

Daniela Niemczyk und Peter Külpmann

Mit der neuen „Legislaturperiode“ standen auch in diesem

Jahr gleich wichtige Inhalte und Weichenstellungen

an. Aufstockungsanträge an die und Verhandlungen

mit den Kommunen, Antrag an den Landschaftsverband

Rheinland und Prüfung als neuer Anbieter, die

Implementierung des BeWo-Projektes (SELF Duisburg/

Kreis Wesel), Personalsuche und –auswahl für den

Bereich Youthwork und PSB und vieles mehr.

Personelle Struktur

Stete Fort- und Weiterentwicklung einer Organisation

kann nur da gut gedeihen, wo auch spezifische Kompetenzen

und Erfahrungen vorhanden sind, wo Bewährtes

den erforderlichen Wandel konstruktiv, kritisch begleitet.

Kontinuität bei der Personalstruktur ist einer der

wichtigsten Faktoren für die Aufrechterhaltung des

Leistungsspektrums und das Funktionieren auch der

Kooperations- und Netzwerkarbeit, auf die wir in vielfältiger

Weise angewiesen sind. Ganz zu schweigen von

der enormen Bedeutung möglichst fester Ansprechpartner*innen

in der Begleitungsarbeit mit Klient*innen.

Zum 01.08.2019 durften wir den Dienstvertrag mit unserem

Herzenslust-Koordinatoren, Raphael Diaz Fernandez

entfristen und auch für ihn gilt nicht nur Dank

und Anerkennung für seine Kerntätigkeit, sondern auch

für seinen unermüdlichen Einsatz an der EDV- und IT-

Front. Wenn wir diese Leistungen einkaufen müssten,

wäre das eine Katastrophe!

Sehr traurig stimmte uns, dass unsere langjährige Mitarbeiterin

in der Begleitung, im XXelle-Projekt und im

Youthwork, Anika Walther, uns zum Jahresende verlassen

hat, um in die Frauenberatung zu wechseln,

was wir allerdings gut verstehen können – zumal sie

dort ein größeres Stundenkontingent bekommen kann.

Herzlichen Dank für 18 Jahre Treue und hervorragende

Arbeit! Und alles Gute im neuen Arbeitsfeld, wo sich

sicherlich die ein oder andere Zusammenarbeit ergeben

wird.

Erfreulicherweise konnte schon im Berichtsjahr die

nahtlose Nachfolge geklärt werden. Um aber überhaupt

Chancen auf eine Fachkraft zu bekommen, mussten wir

die bisherige 1/4-Stelle auf eine halbe aufstocken. Damit

kommen wir allerdings zum alten Besetzungsstand

zurück und Beschäftigung gibt es reichlich. Die Sozialpädagogin,

Hanife Kayadelen, wird uns ab 01.01.2019

tatkräftig unterstützen.

Das Berichtsjahr 2018 zeichnete sich erfreulicherweise

durch personelle Stabilität im hauptamtlichen Team

aus – ein Segen!

Eine besondere Stabilität und Kontinuität bietet seit

nunmehr 15 Jahren, unser „Graf Zahl“ und „Mann für

alle Fälle“, unsere Verwaltungsfachkraft Werner Garbe.

Wir sagen DANK für die tolle Arbeit, die weit über die

eigentlichen Verwaltungsaufgaben hinausgeht und an

vielen Stellen den „Laden zusammenhält“.

Unsere „Neuen“, Marie Schellwat als Fachliche Leitung

des BeWo-Projektes und Susanne Renner in der Verwaltung

haben ihre Probezeit mit Glanz bestanden und

bereichern unser Team außerordentlich.

Ganz besonders erfreulich konnten wir im Berichtsjahr

die stete Weiterentwicklung und Etablierung des

13


SCHLAU Duisburg-Projektes beobachten. Hier hat der

Koordinator, Kai-Uwe Diel, mit unglaublicher Akribie,

Kreativität und Fleiß sowie dank seiner enormen Fähigkeiten

und Affinitäten bei der Nutzung der sozialen Medien

und Netzwerke ein Team für die LSBTIQ*-Aufklärungsarbeit

aufgebaut, das sich vor Nachfragen kaum

noch retten kann. Das Team erhielt dann auch noch im

Berichtsjahr eine besondere Auszeichnung durch den

„Sonderpreis des PARITÄTISCHEN NRW“ für besonders

innovative Projekte zur Gewinnung von jungen Ehrenamtlichen.

Diese Auszeichnung und die gute Arbeit ist auch den

Medien nicht entgangen und so gab es sehr schöne Berichte

in der WDR-Lokalzeit und dem Studio47 sowie in

der WAZ zur Arbeit unseres SCHLAU-Teams. Wir sind

stolz auf Euch!

Wir bedanken uns beim Jugendamt und dem Jugendhilfeausschuss

der Stadt Duisburg für eine Sachkostenförderung

aus dem Aktionsprogramm zum Kinder- und

Jugendschutz im Berichtsjahr.

über legt der vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten

im Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welche

nicht unbedingt zum Kernbereich zählt, zu berichten,

dass dieses Angebot, wenngleich mit gesunkenen

Teilnehmerzahlen, recht stabil weiter läuft. Diese Regelung

ist nicht nur für die Klient*innen von hohem gesundheitlichen

und psychosozialen Nutzen ist, sondern

auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier gilt

den Ärzten Dr. Hander und Frau Stech, Herrn Harzem,

Dr. Stark und Dr. Gudat sowie unseren begleitenden

Ehrenamtler*innen ein ganz großes Dankeschön! (s.

5.2.2.).

Die Arbeit im Bereich der Drogenarbeit in Duisburg

hat sich im Berichtsjahr durch verschiedene Umstände

leider verändert und die Erfolge der letzten Jahre konnten

nicht in gewünschter Weise stabilisiert werden. Das

lag in keinster Weise an der nach wie vor höchst engagierten

Arbeit unserer Kollegin, Nadine Bolte, die sich

unermüdlich weiterhin für die Belange von drogengebrauchenden

Menschen einsetzt.

Die Aufrechterhaltung der JES- (Junkies, Ehemalige

und Substituierte) Selbsthilfegruppe gelang zwar, war

aber durch längere Krankheitsphasen mit Durststrecken

verbunden. Die aufsuchende Arbeit in Hamborn

wurde dennoch in der zweiten Jahreshälfte intensiviert,

allerdings nunmehr nur noch durch Frau Bolte. Die aufsuchende

Arbeit in der Stadtmitte mutierte dagegen zu

einer suchenden Arbeit, denn infolge der Umgestaltung

des Kantparks hat sich die Szene nahezu aufgelöst,

was auch mit Vertreibungsaktionen zu erklären ist. Das

Problem ist vielfach kommuniziert und auch erkannt

und im Berichtsjahr entstanden erste Initiativen von

Seiten der Stadt Duisburg, hier etwas zu unternehmen.

Wir haben uns eindeutig positioniert, dass wir uns an

dem Prozess aktiv beteiligen.

Unser erklärtes und auch satzungsgemäßes Ziel bleibt

es, im Sinne eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen

anzuschieben, so gut es geht zu fördern

und dafür Sorge zu tragen, dass die Selbsthilfe auch

beteiligt wird (s. 5.2.).

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung und des Vorstandes

gilt einmal mehr den ehren- und hauptamtlichen

Kolleginnen und Kollegen, die Ihre Arbeit weit

über das erwartbare „business as usual“ hinaus wahrnahmen.

Und das in einem Jahr mit erneut hohen Intensitäten

und wachsenden Sorgen über die Erhaltung

des Status Quo. DANKE!

Dass wir trotz zum Teil demotivierender Umstände und

zusätzlichen Arbeitsbelastungen unsere angestammten

Arbeitsbereiche und –angebote in gewohnter Form

und Qualität fast durchgehend vorhalten konnten, dar-

Auch im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit

in den Justizvollzugsanstalten konnte

die erfreuliche Kooperation im Berichtsjahr nicht im

gewünschten Maße umgesetzt werden. Das lag im Wesentlichen

an erheblichen personellen Engpässen und

Wechseln in den Zuständigkeiten in den JVA-Strukturen

begründet. Wir haben dies zum Anlass genommen,

um mit der Leitung und dem Sozialdienst darüber zu

sprechen, wie die Kooperation wieder verbessert werden

kann. Dies verlief sehr konstruktiv und hat schon

zu deutlichen Verbesserungen geführt, denn letztlich

ist die JVA-Duisburg-Hamborn mit der Arbeit von Rüdiger

Wächter sehr zufrieden. So wurde der Kooperationsvertrag

einmal mehr verlängert, worüber auch

14


Fördermittel des Justizministeriums NRW abgerufen

werden können, die zumindest Teile der Personalkosten

decken können. Indiz für die hohe Wertschätzung

unserer Arbeit in diesem Bereich sind die regelmäßigen

Anfragen an Rüdiger Wächter, als Referent bei Fachkongressen

(s. 5.3).

Es freut uns ganz besonders, dass im Bereich der Frauenarbeit

mit Janina Boers die wichtige Arbeit (XXelle-Kampagne,

PSB bei Frauen mit HIV u.a.m.) mit einer

festen Ansprechpartnerin stabil fortgeführt werden

konnte. Ist es doch die einzige fachspezifische Stelle

in unserem großen Zuständigkeitsgebiet. Die Frauenquote

in unserer AIDS-Hilfe ist gewachsen – und das

ist gut so. Eine ganze Reihe von neuen Beratungs- und

Begleitungskontakten ergab sich insbesondere durch

die gute Vernetzung mit der HIV-Schwerpunktpraxis

von Dr. Kwirant. Besonders intensiv waren im Berichtsjahr

einmal mehr die Begleitungsfälle von Frauen mit

Migrationshintergründen – auch aus der Gruppe der

Geflüchteten.

Darüber hinaus funktioniert die landesweite und überregionale

Vernetzungsarbeit im landesgeförderten

XXelle-Projekt hervorragend (s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaffungs-)

Sexarbeit angesichts erheblicher Zuwanderung

–v.a. von Frauen aus südosteuropäischen Regionen-

im Praktischen und Konzeptionellen zunehmend

gefordert. Auch für die dabei unerlässliche Netzwerkarbeit

und im Besonderen die Zusammenarbeit mit den

ÖGD-Strukturen ist eine stabile personelle Struktur besonders

wichtig. Erst recht durch die Veränderungen,

die die Umsetzung des ab dem 01.07.2017 geltenden

neuen Prostitutionsschutzgesetzes (ProstSCHG) mit

sich gebracht hat und weiter bringen wird. Als erste

Zwischenbilanz kann aus unserer Sicht nicht von einer

Verbesserung der Situation von Sexarbeiter*innen gesprochen

werden, sondern eher von deutlichen Verschlechterungen,

was etwa den Zugang zur Zielgruppe

betrifft.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die

Sex mit Männern haben (MSM), gab es nicht nur bei

den Präventionsoffensiven im Umfeld des im Berichtsjahr

weiter ausgebauten CSD in Duisburg ebenfalls

wieder viel „Action“ für die Abteilung Herzenslust (s.o.)

– und auch hier viel Anerkennung für das Geleistete.

Erfreulich ist insgesamt eine weiter zu verzeichnende

(Wieder-) Belebung der schwul-lesbischen Szene in

Duisburg. Es tut sich was und wir sind zuversichtlich,

dass das auch positive Auswirkungen bei der Gewinnung

von neuen „Herzenslüstlern“ haben mag. Die Zahl

der Veranstaltungen, bei denen das Herzenslust-Team

als gern gesehener Partner auftritt, um das hier und da

gar heftig geworben wird, ist weiter deutlich gestiegen.

Darüber hinaus ist auch hier die erheblich gesteigerte

Qualität und Quantität der konsequenten Einbeziehung

moderner Kommunikationskanäle besonders erwähnenswert.

Herzenslust kann social media!

Auch das große Ziel, das Beratungs- und Testangebot

zumindest in Duisburg in Kooperation mit dem ÖGD

auszubauen, konnte im Berichtsjahr endlich stabil umgesetzt

werden (s.o.). Nach einer Pilotphase im ersten

Halbjahr, zeigte die Annahme des Angebotes den

prognostizierten Bedarf und wurde entsprechend –mit

leichten Ablaufmodifikationen auch im zweiten Halbjahr

etabliert werden. Darüber hinaus zeigte sich, dass

der „herzenslust Checkpoint“ in Kooperation mit dem

GA Duisburg die Frequentierung des Regelangebotes

des Gesundheitsamtes eben nicht schmälerte, sondern

eindeutig als wichtiges zusätzliches Angebot angenommen

wurde. Wir erwarten für die Bilanz des Berichtsjahres

eine nennenswerte Steigerung der Testzahlen.

Nur so gibt es eine gute Chance auf frühe Diagnosen

(HIV und STI`s betreffend) und entsprechend frühe

Zugänge zu den Behandlungsoptionen – gemäß den

90-90-90-Zielen der WHO, der Bundesregierung und

den Zielen der „Kein Aids für alle!-Kampagne der DAH.

Unser Dank gilt den Kolleginnen der Beratungsstelle

des Gesundheitsamtes für eine gute und wichtige Zusammenarbeit

(s. 5.1.).

Im Sektor Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

(s. 5.6.) können wir über

weitgehend stabile Nachfragen mit nach wie vor

hervorragenden Rückmeldungen berichten. Dank der

tatkräftigen Unterstützung von Anika Walther im Arbeitsfeld

„Youthwork“ können wir zumindest gelegentlich

auch hier wieder etwas mehr anbieten – vor allem

in Zeiten von Mehrfachanfragen. Erwähnenswert ist dabei

sicher das tolle Projekt der „Sexualpädagogischen

Stadtrallye“ für Schüler*innen der neunten Jahrgänge

aller Schulformen, das in Kooperation mit der pro familia

Duisburg dank der Förderung durch den Jugendhilfeausschuss

der Stadt Duisburg weiter erfolgreich

durchgeführt wurde und sich reger Nachfrage erfreut.

Das Ausscheiden von Anika Walther zum Ende des Berichtsjahres

reißt (nicht nur) hier eine große Lücke. Die

Weichen für eine qualifizierte Nachfolge konnten aber

schon früh gestellt werden, so dass wir zuversichtlich

sein können, dass hier keine „Versorgungslücken“ entstehen

müssen. Dies ist umso wichtiger, als wir seit

über zwei Jahren das einzige spezifische Aufklärungsprojekt

für die gesamte Region sind, weil sich der ÖGD

sowohl in Duisburg als auch im Kreis Wesel aus diesem

Tätigkeitsfeld zurückgezogen hat.

Erwähnenswert auch in diesem Arbeitsfeld ist die nur

leicht nachlassende Nachfrage an Veranstaltungen für

junge (vorwiegend männliche) Geflüchtete, die insgesamt

sehr erfreulich verliefen und sich vor allem bei

der DAA, dem Bildungsträger mit zahlreichen Integrationskursen

in unserer Region sehr schnell herumgesprochen

haben.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) sind wir erfreulicherweise

nicht mehr „Alleinunterhalter“ für die

Region, denn auch hier zeigen sich die Effekte des

Ressourcenzugewinns durch die Wiederbesetzung der

15


AIDS-Koordinator*innen-Stelle in Duisburg. Und das

ist gut so! Da heißt es doch wieder „Gemeinsam gegen

AIDS“! Einsam blieben wir dagegen weiterhin im Kreis

Wesel (s.o.).

Positive Auswirkungen sind auch bei der wichtigen

Netzwerkarbeit – zumindest in Duisburg zu verzeichnen,

wie etwa beim Arbeitskreis Prävention Duisburg,

wo wir die Koordinationsarbeit abtreten konnten. Hier

ist auch schon im Berichtsjahr eine Stabilisierung durch

die aktive Mitarbeit des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg zu verzeichnen.

Intensiviert haben wir unsere Kooperation mit dem

Suchthilfeverbund Duisburg e.V. durch einen intensivierten

Austausch.

„Unser“ Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS erfuhr

eine Neuausrichtung und Erweiterung der Thematik

und heißt seit 2018 nun „Duisburger Aktionsbündnis

für Gesundheit und Gerechtigkeit“. Die sexuelle Gesundheit

und natürlich auch HIV/AIDS bleiben allerdings

eindeutig im Portfolio.

Neu hinzugekommen ist ein Engagement im Rahmen

der „Initiativgruppe Männergesundheit“ der Kommunalen

Gesundheitskonferenz der Stadt Duisburg, die erstaunlich

effektiv wirkt u.a.m.

Leider waren wir im Berichtsjahr erneut mit zum Teil

heftigen Diskriminierungsfällen beschäftigt. In der

Regel irrationale Ängste, aber auch klare Ausgrenzungen

scheinen eher wieder zu- als abzunehmen. Als

„Dauerbrenner“ sind hier insbesondere wiederkehrende

Probleme mit Zahnarztpraxen hervorzuheben. Besonders

heftig war aber auch die Erteilung eines Hausverbotes

einer Duisburger Klinik für eine Klientin, weil

sie nicht bei jeder Vorstellung offensiv ihren HIV-Status

erklärt hat. Zum einen ist dieser in ihren Akten erfasst,

zum anderen handelte es sich um eine rein orthopädische

Behandlung. Der „Runde Tisch zur HIV-Versorgung“

(s.o.) hat mit einer gemeinsam gefassten Stellungnahme

sehr deutlich reagiert!

Wir hatten eine Zeit lang den Eindruck, wir hätten die

80er Jahre überwunden, doch das scheint nicht überall

im Gesundheitssystem der Fall zu sein. Hier wartet

noch viel und wohl auch kontinuierliche Arbeit auf uns.

Hinzu kamen über das gesamte Jahr rege Korrespondenzen

und Gespräche mit den kommunalen Strukturen

durch unsere Aufstockungsanträge, Gespräche

und Gesprächsangebote / -versuche mit der Kreispolitik,

die Bewerbung und Publikmachung unseres neuen

Angebotes des Betreuten Wohnens (SELF Duisburg /

Kreis Wesel), die intensive Beschäftigung mit der Umsetzung

der am 25.05.2018 in Kraft tretenden Datenschutz-Grundverordnung

(DS-GVO), die insgesamt

betrachtet ganz überwiegend gut ist, aber eben auch

zusätzlichen bürokratischen Aufwand (und Kosten!)

mit sich gebracht hat und bringt. Dass wir an dieser

Stelle allerdings schon recht gut aufgestellt waren, ist

16

nicht zuletzt dem Engagement unseres treuen IT-Supporters,

Vicente Diaz Fernandez, zu verdanken, der

uns ganz viele seiner Leistungen ehrenamtlich zur Verfügung

stellt. Ganz großer Dank!

Es deutet einiges darauf hin, dass unser Haushaltsabschluss

für 2018 erneut ein etwas kleineres Defizit

ausweisen wird, als es die Planung befürchten ließ.

Letztlich haben wir unser Überleben im Berichtsjahr

allerdings einer unverhofft eingegangenen Erbschaft

zu verdanken, die uns schlichtweg gerettet hat, weil

unsere vorzuhaltende Betriebsmittelrücklage im Laufe

des Jahres aufgebraucht war, weil sich die kommunalen

Zuwendungsgeber über drei Jahre trotz unserer Anträge

nicht bewegt haben.

Eigentlich hätten wir mit dem Segen dieser Erbschaft

unsere Rücklage zumindest in Teilen wieder aufbauen

müssen, aber die laufenden Kosten ließen dies nicht

zu.

Natürlich waren wir auch in diesem Jubiläumsjahr wieder

„auf der Straße“ mit Infoständen und Aktionen im

Sommer und boten ein umfangreiches Programm zum

Welt-AIDS-Tag 2016 (s. 4.4.).

„Klappern gehört zum Handwerk“.

Unsere Arbeit und unsere Aktionen werden wahrgenommen

– wir können nicht behaupten, dass wir keine

Lobby hätten. Allerdings möchten wir an dieser Stelle

eingestehen, dass der stete Kampf für den Erhalt der

Strukturen immer wieder auch demotiviert und Kraft

raubt.

Einmal mehr erfreulich war diesbezüglich allerdings im

Berichtsjahr das Medieninteresse und die Unterstützung

durch Funk und Fernsehen – und auch einzelne

Printmedien haben uns im Berichtsjahr wieder mehr

Beachtung geschenkt.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch

und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher

Förderung immer mehr gefragt. Diesbezüglich

können wir einmal mehr auf ein Jahr mit zum Teil wirklich

großartiger Unterstützung zurückblicken (s. 4.).

Insbesondere im Zusammenhang mit dem diesjährigen

Welt-AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel Engagement

von verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen.

Stellvertretend möchten wir hier schon mal auf

die WAT-Aktionen an einigen Schulen unserer Region

sowie die hervorragende mediale Unterstützung durch

das Duisburger Lokalfernsehen „Studio47“ wie auch

der WDR-Lokalzeitredaktion verweisen.

Besonders bemerkenswert ist auch das treue Engagement

der Alpener Gastronomen, Wolfgang Gödeke und

Frank Stieger und Ihrem Team der „Burgschänke“, die

uns abermals das hervorragende Essen für die Weihnachtsfeier

am Heiligen Abend spendeten. Dieses ist


von den über 20 Teilnehmer*innen einmal mehr sehr

gelobt worden. Ganz herzlichen Dank für diese wunderbare

Geste, die Menschen zugutekam, die über

Weihnachten keine Familienanbindung haben.

DANKE!

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus unserer Region

für ebenso treue Unterstützung und besonders

beim „Strick-Team“ der Targobank Duisburg um Frau

Ursula Busshoff. Dieses Duisburger „Bären-Alleinstellungsmerkmal“,

die wunderbaren Strick-Accessoires,

ist kaum noch wegzudenken. Immer mehr Interessent*innen

fragen gezielt danach. Ein ganz großer

Dank gilt dieser Kreativ-Gruppe sowie in diesem Jahr

dem „Auszubildenden-Team“ der Targobank, die mit

viel Eifer und Freude über 400 Solibären unter das

Bankenvolk brachten!

Ein sehr großer Dank gilt dem Team für Förderanträge

der Aktion Mensch, ohne die die Umsetzung von „SELF

Duisburg / Kreis Wesel“ nicht denkbar gewesen wäre!

Phantastisch war die Hilfe der sog. „Be able-Gruppe“

des NiederrheinTherapiezentrums Duisburg, mit dem

wir seit einigen Jahren hervorragend kooperieren.

Diese handwerklich sehr begabte Truppe hat uns am

07.05.2018 bei einer anstehenden umfänglichen Renovierungsaktion

ehrenamtlich gerettet. Ohne Euch wäre

das wohl ein Monatsprojekt geworden. Danke Jungs!

Ein Vertreter ist dann auch noch für ein mehrwöchiges

„Praktikum“ bei uns hängengeblieben und hat in unglaublich

kreativer Weise alle ausstehenden „Kleinigkeiten“

im hauswirtschaftlichen Bereich erledigt. Danke,

geschätzter Daniel!

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle

bei all jenen treuen Freund*innen und Förderern,

Zuwendungsgebern und Sympathisant*innen sowie

bei den Vertreter*innen aus Politik, Verwaltungen, der

Staatsanwaltschaft Duisburg für die Berücksichtigung

der AIDS-Hilfe bei der Zuweisung von Bußgeldern,

bei den Gesundheitsämtern, medizinischen und Beratungseinrichtungen,

einigen Kirchengemeinden für

die Unterstützung unserer Weihnachtsfeier, den vielen

Netzwerkpartnern, Schulen und sonstigen Kooperationspartnern

und unseren Dachverbänden, den „PA-

RITÄTISCHEN“ Kreisgruppen, der Deutschen AIDS-Hilfe

und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen,

unterstützenden Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr

aufs Herzlichste bedanken.

17


2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. zum Themenkomplex der sexuellen Gesundheit

mit dem Fokus auf HIV / AIDS und anderen sexuell

übertragbaren Infektionen (STI`s) von der primärpräventiven-

bis zur tertiärpräventiven Ebene wurde wie

in den vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt

unserer Arbeit durchgeführt.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden

wie folgt genutzt werden:

18

1. persönliche Beratung in unseren Büroräumen

während der Öffnungszeiten und nach Vereinbarung

in der AIDS-Hilfe oder aufsuchend;

2. telefonische Beratung durch Hauptamtler*innen

während der Bürozeiten in Duisburg unter

der Nummer 0203 / 66 66 33 sowie für die

bundesweite Telefonberatung Donnerstags in

der Zeit von 09.00 – 12.00 Uhr am Donnerstag

unter der Nummer 0180 / 33 19411;

3. im Bedarfsfall können auch persönliche Beratungen

vor Ort vereinbart werden.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer

Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten

Ratsuchende sich persönlich durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen

in unserer Beratungsstelle in Duisburg

beraten lassen. Bei diesen Beratungsgesprächen wird

auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet.

Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die anonym bleiben

wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten

und dem damit verbundenen Publikumsverkehr geben

lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich

ihr HIV-positives Testergebnis erhalten haben, kann im

Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet

werden, mit einem geschulten HIV-Positiven

zu sprechen, der schon länger mit der Infektion lebt.

Dieses Angebot wurde auch im Berichtsjahr vereinzelt

nachgefragt.

Die persönliche Beratung wurde im Berichtszeitraum

erneut recht rege in Anspruch genommen. Der Standortwechsel

im Jahre 2013 zur Bismarckstr. in Du-Neudorf

kann inzwischen als bekannt angesehen werden.

Nach der Schließung der Beratungsstelle in Wesel zum

Jahresende 2016 ist es natürlich für Ratsuchende aus

dem Kreisgebiet deutlich schwieriger geworden, eine

persönlichen Beratung in geschützter Atmosphäre einer

Beratungsstelle in Wohnortnähe zu bekommen. Diese

Ratsuchenden müssten entweder nach Duisburg kommen

können oder einen Vor-Ort-Termin über Telefon

oder per e-mail mit uns vereinbaren. Dieses Angebot

halten wir grundsätzlich noch vor, da dies allerdings mit

erheblichen Kosten verbunden (Fahrt- und Arbeitszeit)

ist, können wir dies angesichts unserer Unterfinanzierung

leider nur noch in Einzelfällen (bei besonderer Bedarfslage)

leisten.

Das (Test- und) Beratungsangebot durch den Fachdienst

Gesundheitswesen im Kreis Wesel ist leider sehr

spärlich (Montags von 14-16 Uhr in Moers und nur jeden

1. und 3. Dienstag von 14-15.30 Uhr in Wesel) und

die Zeiten sind etwa für Berufstätige sicherlich suboptimal.

Laut Homepage des Kreises Wesel sind leider auch

keine Termine nach Vereinbarung möglich.

Das (Test- und) Beratungsangebot des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg konnte dagegen im Berichtsjahr

verbessert werden. Neben vier Sprechstunden an

jedem Donnerstag, konnte in Verbindung mit unserem

„Herzenslust-Team“ der checkpoint mit einem Abendangebot

an jedem ersten Dienstag im Monat etabliert

werden. In der Folge sind auch die Testnachfragen und

–durchführungen im Berichtsjahr deutlich gestiegen –

und zwar ohne Rückgänge im bisherigen Regelangebot.

Eine Entwicklung, die ganz im Sinne der „neuen“ Ziele

(s. 90-90-90 unter 1.) und eindeutig zu festigen ist.

Insgesamt haben wir im Berichtsjahr 2018 1423 Einzelberatungen

mit primärpräventivem Hintergrund

(+ 200 im Vgl. zum Vorjahr) über persönliche und

telefonische Gesprächskontakte geleistet. Davon 768

für männliche und 655 (hier liegt das Plus von > 200!)

für weibliche Personen, davon geschätzt 379 Menschen

mit Migrationshintergrund, bis 21 Jahre 108 und 1322

über 21 Jahren (s. Controlling-Daten im Anhang).

Für HIV-Positive erfolgten im Berichtsjahr 762 Beratungskontakte

mit sekundärpräventivem Charakter,

davon 401 für männliche und 361 für weibliche Personen.

254 Beratungskontakte mit Personen mit Migrationshintergrund

wurden angeboten, wobei in Einzelfällen

Sprachmittlungsdienste erforderlich waren. 736

Beratungen erfolgten für Menschen ab 22 Jahren. (s.

3.)


1.1.2 Telefonische Beratung

Die aktive Beteiligung an diesem bundesweiten Angebot

wird ausgesprochen gut genutzt. Häufig melden

sich sehr verunsicherte Menschen, die sich über das

Internet oder andere Quellen informiert haben, aber

durch die Vielfalt an unterschiedlichen Aussagen im Ergebnis

eher verunsichert wurden und umso dankbarer

für klare und kompetente Beratungsleistungen sind.

Die Telefonberatung trägt dem Wunsch nach Anonymität

in besonderem Maße Rechnung. Dadurch können

wir allerdings in aller Regel keine regionale Zuordnung

der Ratsuchenden leisten. Für unsere Mitarbeiter*innen

bietet die Telefonberatung gewissermaßen eine

wöchentliche Fortbildungsmöglichkeit zur HIV-/AIDSund

STI-Beratung.

Im Berichtsjahr 2018 wurden 643 Beratungen im Rahmen

dieses Angebotes durchgeführt (über 100 mehr

als 2017), davon 484 mit Männern, 159 mit Frauen

und überwiegend für Heterosexuelle (geschätzt über

62 %).

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

wurden nach eingehender Erörterung der

Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden

die Ratsuchenden zwecks HIV-Antikörper-Test an das

jeweilige örtliche Gesundheitsamt verwiesen. Vor dem

Hintergrund der sehr schmalen Zeitfenster der Testberatungsangebote

der Gesundheitsämter mussten wir

allerdings weiterhin auch auf Angebote in umliegenden

Städten verweisen. Insbesondere gilt dies für Berufstätige

(s.o.). Eine sehr unbefriedigende Situation, zumal

das Testangebot zu HIV und STI`s eine kommunale

Pflichtaufgabe ist, deren Umfang allerdings leider nicht

festgelegt ist.

Mit 62% lagen Fragen zu HIV-Ansteckungsrisiken ganz

oben auf der Fragenskala, gefolgt von 20% zu Testzusammenhängen.

Fragen zu anderen STI`s nehmen

langsam zu (4,6 %), Fragen zum Leben mit einer

HIV-Infektion spielen häufig eine nachrangige Rolle,

sind aber immerhin bei 2,5% das Schwerpunktthema.

62% der Anrufer*innen sind heterosexuell orientiert,

19% homosexuell und knapp 3% bisexuell oder transidentisch.

Bei der (geschätzten) Altersverteilung liegen

die 30-39-Jährigen mit 35,6% vorne, gefolgt von den

20-29-Jährigen mit 32,8% und den 40-49-Jährigen mit

17,3%. Nur etwa 3% sind unter 20 Jahren und ca. 8%

über 50 Jahren.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich Ratsuchende

unter der Rufnummer 0180 33 19411 (9 ct./min. aus

dem deutschen Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen

Mobilfunknetzen) mit ihren Fragen rund um HIV/

AIDS telefonisch an die Berater*innen der AIDS-Hilfen

wenden. Die Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags

bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am Samstag

und Sonntag von 12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich

als eine von bundesweit 26 Einrichtungen an diesem

nunmehr fest etablierten Angebot. Vor allem aufgrund

personeller Engpässe bei den ehrenamtlichen Kräften,

haben wir uns von der Beratung am Montagabend verabschieden

müssen, da wir die Ausfallzeiten auf Dauer

nicht durch hauptamtliche Kräfte auffangen können.

Eine deutliche Steigerung der Frequenzen haben wir

am Donnerstag vormittag erfahren, wo wir zwischen

09.00-12.00 Uhr geschaltet sind. Nicht selten gibt es

hier mehr als 15 Anrufe.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV

nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur

Beantwortung persönlicher Fragen und zur Abklärung

eines individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der

Rufnummer 0180 33 19411 werden bestehende Angebote

unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt

und damit die Erreichbarkeit für Ratsuchende

weiter verbessert. Durch die Intensivierung der Weiter-

19


ildung und die Einrichtung eines Online-Portals für Berater*innen

wird die Qualität der Beratung langfristig

gesichert.

Im Rahmen der Bundesweiten Telefonberatung werden

mit den ehren- und hauptamtlichen Telefonberatern regelmäßig

Treffen mit dem hauptamtlichen Koordinator

durchgeführt. Ziel ist einerseits der Austausch und die

Terminvergabe (wer ist an welchen Tagen für die Beratung

zuständig) und andererseits werden Beratungsgespräche

als Fallbeispiele bearbeitet sowie bei belastenden

Gesprächen supervidiert. Seit 2016 leistet Werner

Garbe die hauptamtliche Koordination.

Seit der Aufgabe der Montagabend-Beratung sind nur

noch hauptamtliche Berater*innen im Einsatz. Fallbesprechungen

und ggf. supervisorische Bedarfe werden

seither im Rahmen der Teamsitzungen aufgegriffen.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen

Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer

Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen. Ziel

dieser Vernetzung ist der fachliche Austausch und der

Erhalt der hohen Qualitätsstandards. Diese Vernetzung

blieb grundsätzlich erhalten. Die Vernetzungstreffen

finden in der Regel einmal im Jahr statt.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin

angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden

Adresse zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de/beratung.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden

auf unserer Homepage die acht häufigsten gestellten

Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte

beim Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen.

Durch dieses Beratungsangebot konnten viele Ratsuchende,

ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben

mussten, bedient werden. Detailliertere Fragen konnten

dann per E-Mail an uns gesendet werden.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

GIBT ES EXTRAGROSSE KONDOME?

Ja, es gibt extragroße Kondome. Kondome, in allen

möglichen Ausführungen, gibt es in Apotheken und

Drogeriemärkten zu kaufen. Achtet dabei auf das aufgedruckte

Haltbarkeitsdatum und auf eine vorhandene

Kontrollnummer!

Übrigens: Kondome sollten kühl, trocken, vor Hitze

und direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert

werden. Sie sollten auch nicht mit Ölen oder Fetten

in Berührung kommen, dies greift sie an und lässt sie

schneller zerreißen. Benutze für den Gebrauch von

Kondomen nur vom Hersteller zugelassene Gleitmittel.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WO MACHE ICH EINEN HIV-TEST?

Einen kostenlosen und anonymen HIV Test kann man

beim Gesundheitsamt machen.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WANN MUSS ICH MEDIKAMENTE NEHMEN?

Die Frage nach einem Therapiebeginn und Medikamenten

können wir nicht so allgemein beantworten.

Das sollte ein Arzt entscheiden, da dafür aufwendige

Blutuntersuchungen nötig sind.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WIE WIRD MEIN PARTNER REAGIEREN?

Um diese Frage zu klären, ist es ratsam ein Beratungsgespräch

zu führen oder komm doch mit Deinem

Partner in die AIDS-Hilfe und sprecht vor Ort über

Eure Probleme und Fragen.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

IST AIDS EIN GRUND ZUR KÜNDIGUNG?

20


Es besteht kein Gesetz in der BRD, dass Du dem Arbeitgeber

einen positiven HIV Test mitteilen musst.

AIDS-Hilfe.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WIE GEFÄHRLICH IST ORALER SEX?

Bei oralem Sex, ohne Verletzungen / Wunden und

ohne Abspritzen besteht ein sehr geringes HIV Risiko,

jedoch hinsichtlich anderer Geschlechtskrankheiten

besteht ein hohes Risiko!

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WO TREFFE ICH ANDERE POSITIVE?

Wo Du andere Positive treffen kannst erfährst Du am

besten in Deiner regionalen AIDS-Hilfe. In Duisburg

gibt es eine Positivengruppe.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

INFO ZUR E-MAIL BERATUNG

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2018 allerdings

sehr wenig genutzt. Als Grund ist hierfür sicherlich

die ebenfalls bundesweite E-Mailberatung der

AIDS-Hilfen zu nennen. Wir prüfen für das kommende

Jahr, ob eine Aufrechterhaltung sinnvoll erscheint.

1.2 Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die

diese anspruchsvolle und zuweilen äußerst belastende

Tätigkeit sehr lange ausgeübt und sich konsequent weitergebildet

haben, um den hohen Qualitätsstandards in

der Beratung zu entsprechen. Diese Fähigkeiten werden

ganz sicher künftig an anderer Stelle wieder zum

Einsatz kommen – etwa bei der Umsetzung eines angedachten

„Beratungs- und Selbsttest-Angebotes“ in der

21


3. Begleitung

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet HIVpositiven

und an Aids erkrankten Menschen Begleitung

an. Eine HIV-Infektion geht oftmals einher mit Ängsten

und Problemen bei der Bewältigung der Diagnose.

Dieser Prozess kann soziale Isolation fördern und

auch in ökonomische Krisen führen, die nicht selten

vielfältige sozialrechtliche Problemen mit sich bringen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die

Nebenwirkungen der lebenslang erforderlichen

Medikamente in der Lage sind den Alltag von HIVpositiven

Menschen zu beeinflussen. Ängste vor

dem Verlust sozialer Attraktivität oder einer

möglichen Verkürzung des Lebens, können den Alltag

beeinträchtigen. Die psychische Stabilisierung und

Akzeptanz einer veränderten Lebenssituation sind

wichtige Ziele im Rahmen der Begleitung.

Die Menschen, die zu uns in die Beratung kommen,

haben vielfaltige Probleme. Gerade in der PSB

(Psychosoziale Begleitung) begegnen uns Menschen

mit existenzbedrohlichen Problemlagen. Verlust der

Wohnung und anstehende Obdachlosigkeit, bei

Migrant*innen häufig eine fehlende KV, die den Zugang

zu der lebenswichtigen ART erschweren oder verzögern,

bei HIV positiven Drogenkonsument*innen psychische,

physische und mentale Instabilität aufgrund von

Drogenkonsum oder fehlende Compliance bzgl. der

HIV Medikation.

Im Mittelpunkt der PSB steht die individuelle

Gesundheitsförderung, das gemeinsame Suchen und

Finden von situativ angepassten Strategien bei der

Bewältigung von Krisen und emotionalen Konflikten.

Das soziale Umfeld, also die Bedeutung sozialer

Verhältnisse auf die individuelle Gesundheit, in denen

Menschen leben, müssen ebenfalls mit einbezogen

werden, wenn es um die Stärkung individueller

Ressourcen und Kompetenzen geht.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet:

22

• Individuelle Hilfen für Menschen mit HIV/Aids

• Beratung für An- und Zugehörige zur

Stabilisierung des sozialen Umfeldes

• Psychosoziale Begleitung bei Substituierten

durch Fachkräfte

• Angeleitete Gruppen für Menschen mit HIV/Aids

• Angebote zur Freizeitgestaltung

• Förderung von Selbsthilfegruppen

HIV ist heute eine chronische Erkrankung, allerdings

mit einigen Besonderheiten. Ein großer Teil der

HIV-positiven Menschen verträgt die Medikamente

gut und hat auch eine gute Compliance. Während

aufgrund der verbesserten Medikation die akuten

Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger

Langzeitnebenwirkungen und Multimorbidität

insbesondere psychische Erkrankungen, Osteoporose

und Herz-Kreislauferkrankungen auf. Hier gilt es,

andere gesundheitsschädigende Risiken zu minimieren.

Des Weiteren werden unsere Begleiteten auch älter

und in der Beratungs- und Begleitungsarbeit ist es

uns wichtig, für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen

zu sensibilisieren und altersbedingte Erkrankungen,

wie das „Thema Krebs und HIV“ mit in den Fokus zu

nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von

Begleiteten liegt in der Koinfektion mit Hepatitis C.

Einige von Ihnen haben neben ihrer HIV-Infektion

zusätzlich noch eine Hepatitis C-Infektion. Insbesondere

im Bereich der Psychosozialen Begleitung von

Substituierten ist dies häufig Gegenstand der Beratung

und bedeutsam, dass auch diese Zielgruppe von den

heute verbesserten Therapieoptionen- mit deutlich

weniger Nebenwirkungen- profitieren kann.

Viele unserer langjährig Begleiteten waren bereits

an Aids erkrankt, beziehen eine kleine Rente und

leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der

Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt

es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung nach zur

Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren.

Letztendlich verharren diese Begleiteten nicht selten

in einer Lebenssituation, die Ihnen finanziell keinen

Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft

bietet. Neben fehlenden Mitteln für existentielle Dinge,

wie Stromnachzahlung oder Ersatzanschaffungen

von Haushaltsgeräten, fehlt es aufgrund der nicht

vorhandenen materiellen Ressourcen an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wie

Kinobesuche und andere Freizeitaktivitäten einen

Faktor für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch

kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so

dass auch von Einzelnen suizidale Gedanken geäußert

werden, die Thema in der Beratungsarbeit sind. Um der

Vereinzelung vorzubeugen, haben wir einige Angebote,

die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr

vorgehalten bzw. freuen uns, dass Angebote in

Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten

wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen

Schwierigkeiten.

Einige unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein oder

engagieren sich auf landes- und bundesweiter Ebene in

Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen

die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten Fragen in

Anspruch, besuchen unser Mittwochs-Café oder von

uns durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

Im Berichtsjahr mussten wir uns – wie in den letzten

Jahren auch - mit dem Thema „Late-Presenter“

beschäftigen. Das bedeutet, dass bei diesen Personen

die Infektion erst festgestellt wurde, als sie sich

schon im Stadium Aids befanden. Hier ist besonders

psychosoziale Unterstützung gefordert, da in diesen


Fällen bereits eine lebensbedrohende Situation

vorlag. Für die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen

bedeutete dies, häufige und zeitintensive Besuche im

Krankenhaus.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir in

Formen ambulant betreuten Wohnens.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten

wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit

Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann bei

dem Begleiteten Zuhause oder einem neutralen Ort

außerhalb von AIDS-Hilfe und Wohnung sein.

3.1 Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wurde im Berichtsjahr 2018

von drei hauptamtlichen Mitarbeiter*innen mit

unterschiedlichem Zeitanteil ihrer Voll- bzw.

Teilzeitstellen neben ihren anderen Aufgabenbereichen

durchgeführt.

In der Begleitungsarbeit bieten wir

Beratungen zu unterschiedlichen Themen, z.B.

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und

finanziellen Problemen, an. Wir unterstützen

bei Rentenanträgen wegen Erwerbsminderung

oder schreiben Widersprüche bei fehlerhaften

ALG II Bescheiden. Bei weitergehenden und

komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu

entsprechenden Beratungsstellen, wie zum Beispiel der

Schuldnerberatung, her.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir

Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die

Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für die

perfekte Unterstützung durch die Deutsche AIDS-Stiftung

und des Verbandes der Privaten Krankenversicherung

e.V., für die Zuwendung in Höhe von 645.- €, die uns

als Zuschuss für Dolmetscher*innenkosten gewährt

wurden. Im Berichtsjahr 2018 entstanden insgesamt

370,-€ für Übersetzungstätigkeiten.

Zeitintensive Krankenhausaufenthalte waren im

Berichtsjahr bei vier Männern und zwei Frauen

zu verzeichnen. Hier ist es den Mitarbeiter*innen

des Begleitungsteams weiterhin wichtig, dass -

wenn irgendwie möglich – wir einmal pro Woche im

Krankenhaus einen Besuch abstatten. Da die Aufenthalte

in den Krankenhäusern in den unterschiedlichsten Orten

stattfinden, und unsere Begleiteten aus einem großen

Einzugsgebiet kommen (Duisburg / Kreis Wesel) sowie

teilweise die stationäre Versorgung in den Unikliniken

Essen und Düsseldorf erfolgt, ist der Besuch mit hohem

Zeitaufwand verbunden.

Im Berichtjahr 2018 konnten die hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen insgesamt 1.423 Beratungs- und

Begleitungskontakte verzeichnen. Im Vergleich zum

Vorjahr ist hier eine Steigerung von 9,8% erkennbar.

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sind in diesem Feld,

u.a. da die Qualifikationsanforderungen nicht mehr

adäquat erfüllt werden können, zurzeit nicht aktiv.

3.2 Positivenfond

Im Jahr 2016 veränderte die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. die bisherigen Strukturen und

Auszahlungsmodalitäten des Positivenfonds.

Der Rückblick zeigt, dass sich die neuen Strukturen aus

der Sicht der Mitarbeiter*innen im Begleitungsbereich

als sinnvoll erwiesen haben.

Die Vorgabe, dass in dringenden Notfällen eine

finanzielle Hilfe ohne großen administrativen Aufwand

ermöglicht werden sollte, blieb bestehen.

Im Jahr 2018 war es mithilfe des Positivenfonds

möglich, Menschen, die von der AIDS-Hilfe begleitet

werden, in problematischen finanziellen Situationen zu

entlasten.

Die Gesamtausgaben des Positivenfonds beliefen

sich im Jahr 2018 auf 970 €, wobei 59,78 € für die

Begleitungsarbeit in der JVA Hamborn und Dinslaken

verwendet wurden.

3.3 Zusammenarbeit mit

Kooperationspartner*innen

Die langjährige Zusammenarbeit mit

Kooperationspartner*innen wurde im Berichtsjahr

fortgesetzt. Im Einzelnen handelt es sich um folgende

Partner*innen:

HIV-Schwerpunktpraxen

In Duisburg und dem Kreis Wesel gibt es nur noch eine

HIV-Schwerpunktpraxis. Mit Dr. Kwirant haben wir eine

gute Zusammenarbeit. Ein Teil unserer Begleiteten

wird in den Ambulanzen der Uni-Kliniken Essen und

Düsseldorf behandelt.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten werden unsere

Begleiteten in die umliegenden Uni-Kliniken Essen,

Bochum und Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere

zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte.

Im Berichtsjahr gab es eine gute Zusammenarbeit mit

den örtlichen Krankenhäusern und somit konnten wir

sehr gut mit dem medizinischen Personal kooperieren.

Flüchtlingsberatung

In diesem Bereich haben wir fallspezifisch eine

enge Zusammenarbeit mit Mitarbeiter*innen von

Flüchtlingsunterkünften (ZUE). Weiter konnten wir

23


ei Verständigungsschwierigkeiten auf die Hilfe einer

Mitarbeiterin der Aidshilfe Oberhausen, die uns als

Dolmetscherin bei einer russischen Familie telefonisch

hilfreich zur Seite stand, zurückgreifen. Ein herzlicher

Dank an dieser Stelle dafür.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir

bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich

fortgeführt.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten

Berichtsjahr nicht erforderlich.

war im

wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

3.5 Trauerarbeit

Wir gedenken der Verstorbenen in der

Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke,

die sich im Café befindet. Hier befinden sich unser

Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

Im Berichtsjahr haben wir zu einem Gedenkabend

für Angehörige und Freunde unserer Verstorben

eingeladen.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern, im Berichtsjahr

2018 insbesondere mit Aussicht Duisburg und der

AIDS-Hilfe Essen zusammen.

ÖGD Duisburg

Die gute Kooperation wurde auch im Jahr 2018

fortgeführt.

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin ein

beliebter Treffpunkt zwischen HIV positiven und an Aids

Erkrankten, ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und der

AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender Menschen.

Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle

für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Im Café ist ein Austausch zwischen HIV positiven

Menschen, hauptamtlichen und ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen möglich. Hier können sich

Interessierte auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe

informieren und die Angebote an der Infotafel zur

Kenntnis nehmen.

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher

schon vor 15 Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr.

Während der Café-Zeit sind immer hauptamtliche

Mitarbeiter*innen präsent, da diese Treffen von vielen

Cafébesucher*innen dazu genutzt werden, Anliegen

an die Berater*innen heranzutragen. Über die Café-

Zeit hinaus ist die AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für

persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

Die Weihnachtsfeier fand wieder in den

Räumlichkeiten unserer Fachstelle statt. Die

20 Teilnehmer*innen verbrachten einen schönen

Nachmittag mit anschließendem Festessen und

erhielten eine Weihnachtstüte. Die Vorbereitung

und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegen

schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand.

Die Weihnachtsfeier konnte wieder mit Spenden aus

den Kirchengemeinden und insbesondere durch eine

Cateringspende von Wolfgang Gödecke – Inhaber der

Burgschänke, in Alpen - durchgeführt werden, wofür

24


25


4. Öffentlichkeitsarbeit

und DAS). Und jüngst hinzugekommen ist noch eine

weitere Strategie mit der sogenannten Präexpositionsprophylaxe

(kurz PrEP), die in Europa schon länger zugelassen

ist und die auf Initiative des neuen Bundesgesundheitsministers,

Jens Spahn, in Kürze vermutlich

sogar auch als Kassenleistung zugelassen werden wird.

Wir befinden uns im Zeitalter von Safer Sex 3.0! und n

= n (Nicht nachweisbar = nicht übertragbar, s.o.).

Zeit und Grund für eine weitergehende Entspannung

im Umgang mit dem einstigen Schreckensphänomen

„HIV und AIDS“. Aber sind wir schon so weit? Jein.

Viele Menschen wissen leider immer noch nichts von

der Schutzwirkung der HIV-Therapie –laut Umfragen

der BZgA nur etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung.

Auch deshalb ist es wichtig, immer wieder

über das heutige Leben mit HIV aufzuklären – und zu

zeigen, dass „positiv zusammen leben“ möglich ist.

Und zu AIDS kommt es heute eben nicht mehr, wenn

eine HIV-Infektion rechtzeitig diagnostiziert und kontinuierlich

behandelt wird – sie ist dann eine chronische

Infektion. Bei fast allen Menschen mit HIV, die ihre Medikamente

regelmäßig einnehmen und darüber stabil

unter eine sog. HIV-Viruslast-Nachweisgrenze kommen,

sind so wenige Viren im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten,

dass eine Übertragung von HIV selbst

beim ungeschützten Sex auszuschließen ist.

Mit HIV kann man leben, lieben, alt werden. Weitersagen!.

In Deutschland leben über 86.000 Menschen mit HIV.

Dank sehr effektiver Medikamente haben die meisten

von ihnen eine fast normale Lebenserwartung. Sie können

in jedem Beruf arbeiten, ihre Freizeit gestalten wie

andere auch. Wird HIV rechtzeitig festgestellt und behandelt,

ist eine AIDS-Erkrankung vermeidbar und HIV

ist unter Therapie nicht übertragbar (s. 1.)!

Man kann also heute in der Regel gut mit HIV leben.

Aber immer noch wird hinter dem Rücken von Menschen

mit HIV getuschelt, verweigern manche Ärztinnen

und Ärzte eine Behandlung, und in einigen Fällen

ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr. Zurückweisung,

Ausgrenzung und die Angst davor wiegen heute für

viele HIV-Positive schwerer als die gesundheitlichen

Folgen der Infektion selbst.

Ursache für Zurückweisung und Diskriminierung sind

häufig Vorurteile, Unwissen oder unbegründete Ängste

vor einer Ansteckung.

„Da hilft nur eines: drüber reden!

Denn wir alle können ganz selbstverständlich und ohne

Angst positiv zusammenleben. Im Beruf, im Alltag

und in der Freizeit gibt es keine Übertragungsgefahr.

Und beim Sex schützen Kondome ebenso gut wie eine

wirksame HIV-Therapie“ (Aus der Kampagnenbroschüre

zum Welt-AIDS-Tag 2017, Hrsg.: BMG, BZgA, DAH

26

Im Verbund mit unserem Dachverband, der Deutschen

AIDS-Hilfe, wollen wir intensiv daran mitwirken, dass

sich dieses Wissen vervielfacht. Nach über zehn Jahren

der Erkenntnis sollte dies doch allmählich auch

gelingen können. Dazu bedarf es aber sicherlich auch

groß angelegter Kampagne, wie der im Mai 2017 gestarteten

Kampagne „Kein AIDS für alle! Bis 2020!“

, einer guten und konsequenten

Ergänzung der großen, jährlichen Kampagne

zum Welt-AIDS-Tag oder der Ende 2018 aufgelegten

flankierenden Kampagne #wissenverdoppeln (s. www.

wissen-verdoppeln.hiv ).

Die 2014 neu ausgerichtete bundesweite Kampagne

zum Welt-AIDS-Tag ist in ihrer Ausrichtung und den

Botschaften im Kern gegen Stigmatisierung und Diskriminierung

von Menschen mit HIV und AIDS auch

im Jahre 2018 nur marginal modifiziert worden. Das

erscheint uns konsequent, denn zum einen finden

wir diese Form der direkten Ansprache von Menschen

gut und zum anderen ist die Zielrichtung unverändert

wichtig. „Gemeinsam gegen Angst und Ausgrenzung!“

Die zwingende Kombination von Information & Aufklärung

über HIV und andere STI`s mit Maßnahmen und


Botschaften, die zur Entdiskriminierung und Entstigmatisierung

von Menschen mit HIV und AIDS beitragen

sollen, ist nach wie vor geboten. Denn nur so können

wir Ängste abbauen und zu einem entspannteren Umgang

miteinander kommen.

Aber nicht nur nach unserem Eindruck sind diese Botschaften

immer noch schwer zu „verkaufen“, stoßen

wir immer noch häufig auf Unglauben, Gleichgültigkeit

oder Ablehnung, wenn es um die Annahme der Wahrheiten

geht. Und unsere langjährigen Erfahrungen aus

der präventiven Arbeit lehren eben auch, dass Erfolge

in der Medizin immer auch die Prävention latent gefährden,

weil sie Entwarnungsphantasien und Sorglosigkeit

hervorrufen können. Dennoch werden wir nicht

nachlassen, betrachten diese Arbeit als „positive“ Herausforderung

– wissend, dass es sich lohnt und dass

in Deutschland durchaus schon viel erreicht wurde, wir

aber noch lange nicht am Ziel unserer Wünsche sind.

Der im Jahre 2018 anhaltend zu verzeichnende Rechtsruck

in der Gesellschaft, das scheinbar gesellschaftsfähig

werdende Verbreiten von „alternativen Faktenlagen“,

gefühlten und nicht hinterfragten Wahrheiten im

„post-faktischen Zeitalter“ oder „fake news“ meist in

populistischen Formen vorgetragen, macht die Arbeit

nicht leichter. Dies gefährdet generell die „Akzeptanz

von Lebensweisen“, das respektvolle Miteinander und

den gesellschaftlichen Frieden – und befördert in immer

gleichen Mustern die „Suche nach Minderheiten,

die sich als Sündenböcke“ eignen.

HIV- / AIDS-und STI- Prävention bleibt Herausforderung

„Aufklärung, Information und Prävention statt Repression

ist seit nunmehr (über) 30 Jahren der Leitgedanke

der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen.

Seitdem sehen sich das Land Nordrhein-Westfalen, die

Kommunen und die freien Träger in der Verantwortung,

die weitere Verbreitung von HIV-Infektionen (…) zu minimieren,

HIV-Infizierte und an AIDS erkrankte Menschen

zu unterstützen und sie vor Ausgrenzung und

Diskriminierung zu bewahren.

Diese grundsätzliche Ausrichtung war und ist die Basis

des großen Erfolges der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen

und hat deshalb auch heute noch Bestand.

Dabei haben sich als besondere Qualitätsmerkmale

das Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und

nichtstaatlicher Akteurinnen und Akteure, die Orientierung

der Angebote an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen

und die Einbeziehung der Menschen, die von

HIV und AIDS bedroht oder betroffen sind, bewährt.

Diese Qualitätsmerkmale sind auch für die zukünftige

Entwicklung und Umsetzung der Präventionskonzepte

unverzichtbar.

Einem Wandel unterworfen sind jedoch die Rahmenbedingungen

der Prävention in sehr unterschiedlichen

Feldern: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die

Übertragbarkeit des HI-Virus werden immer detaillierter.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen der

HIV-Prävention verändern sich. Das Internet bietet

neue Möglichkeiten der Information und Beratung. Die

Lebenserwartung von Menschen mit HIV nimmt zu.

Die Präventionsbotschaften und die Methoden der Vermittlung

an die Zielgruppen müssen sich diesem Wandel

anpassen. Deshalb bleibt die HIV/AIDS-Prävention

auch in Zukunft eine Herausforderung.“

(Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter des Landes NRW bis Mai 2017,

Vorwort zum Landeskonzept „Weiterentwicklung der

HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen“, Düsseldorf

2013, S. 5 f)

Einem Wandel unterworfen sind in der Tat die Rahmenbedingungen

der Prävention. Diese Erkenntnis

trifft trotz – auch im Berichtsjahr - massiver wissenschaftlicher

Untermauerung durch verschiedene Fachgesellschaften

und Organe leider auch auf andere Felder

immer mehr zu. Der Kampf um die finanziellen

und personellen Ressourcen zur Erfüllung der Anforderungen

an die Träger der Aufgabe der strukturellen

HIV-Prävention wird immer schwieriger (s. 1.). Und

dieser Kampf bindet wiederum wichtige Ressourcen.

Wir haben schon viel erreicht und der Leitgedanke der

Präventionsarbeit hat sich in Deutschland eindeutig bewährt,

denn bezogen auf HIV gilt in den allermeisten

denkbaren Lebenssituationen nach wie vor, dass jeder

vernunftbegabte Mensch sich selbst und andere davor

schützen kann, wenn er über die notwendigen Informationen,

Fähigkeiten und Mittel verfügt und seine Verhältnisse,

in denen er lebt, keine Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „strukturellen HIV-/

AIDS-Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis

für einen großen Erfolg, den die beteiligten Akteure

fortschreiben wollen und müssen. Das Ziel bleibt, die

Zahl der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau zu halten

und nachhaltig zu minimieren und das Stigma von

Menschen mit HIV zu nehmen, damit es uns gelingen

kann, die Testbereitschaft von Menschen zu erhöhen,

die Zahl der sog. „late presenter“ (Spätdiagnosen)

deutlich zu verringern und die Errungenschaften der

medizinischen Behandelbarkeiten auch anwenden zu

können.

Das Ziel hat seit dem letzten Jahr quasi einen neuen

Namen: „Kein AIDS für alle! Bis 2020!“

Information und Aufklärung zielgruppenadäquat und

seriös zu transportieren, ist die zentrale Aufgabe der

Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel.

Diese Aufgabe umzusetzen, wird nicht leichter angesichts

der langen Zeit, in der es darum geht, das The-

27


Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der

entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit

befasste Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag

im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um

Veranstaltungen, Informationsstände u.a. Aktionen zu

konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit

stabil sechs bis acht Mitgliedern besetzt. Um diesen

Kern von Mitarbeiter*innen herum finden sich immer

wieder neue Interessent*innen über mehr oder minder

lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht

das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler*innen

voraus, wie dies für die Bereiche der Berama

im Bewusstsein der Bevölkerung wach und bewusst

zu halten, die Menschen zu erreichen, denn schon der

gute Freiherr von Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt

werden.“

Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefingerpädagogik geprägt,

sondern sehr darum bemüht, Information & Aufklärung

so zu gestalten, dass sie die Menschen erreichen kann.

der Lebensqualität führen kann und eben ein nicht unerhebliches

Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential

birgt, bleibt eine große Herausforderung für

die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Von wachsender Bedeutung bleibt dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell

übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz

für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn STI`s erhöhen

das HIV-Übertragungsrisiko um das Zwei- bis Achtfache.

Während wir nach über 30 Jahren HIV- / AIDS-Prävention

in der Region sicherlich behaupten können,

dass das Aufklärungsniveau bezüglich HIV/AIDS in der

Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich

der STI`s noch keineswegs in gleicher Weise. Hier

muss in der künftigen Präventionsarbeit weiter nachgearbeitet

werden.

28

Prävention darf und muss Spaß machen – auch den

Präventionist*innen!

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die

neue, alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag,

die unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV abgebaut werden.

Indem wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen

und ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll

mit ihrer Infektion oder Krankheit umzugehen, indem

wir den Mut aufbringen, aufeinander zuzugehen, über

Ängste zu sprechen, einander verstehen lernen.

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein adäquates

soziales Klima und sie braucht gewissermaßen

den Geist der Aufklärung. Wer informiert ist, ist (nicht

nur) beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten klar im Vorteil – hinsichtlich des

Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich

des Schutzes vor einer Infektion und ihren Folgen.

Wir werden weiter über Verhütungsmöglichkeiten

aufklären und nicht die Aufklärung verhüten!

Der `präventive Spagat´ zwischen Enttabuisierungsund

Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven

und an AIDS erkrankten Menschen und der

Mahnung vor einer „chronischen Infektion“, die im

Einzelfall immer noch zu erheblichen Einschränkungen

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten

unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil

hoch. Das spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen

unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen

und die Flexibilität eines kleinen, freien

Trägers in der Wohlfahrtspflege werden offensichtlich

sehr geschätzt. Dies zeigen uns die vielen positiven

Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen

kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die

Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen

und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren

Förderung angenommen werden. Dies ist nicht

zuletzt auch für die Arbeit und die Motivation unserer

ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind das Leitbild sowie das Konzept

zur Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung (s.

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit


tung und Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r

Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen wäre die Menge an Veranstaltungen

und Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder

durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten

Ehrenamtler*innen gilt dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen wir gerade für das Feld der Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit neue ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen. Wer hier aktiv werden möchte oder

Interessenten kennt … bitte melden! Ansprechpartner

sind Dietmar Heyde für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

oder alle anderen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen.

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört

die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de )

und inzwischen sicherlich auch der Auftritt bei facebook.

Medien, die immer mehr an Bedeutung gewinnen

und auf die Schnelle nicht nur Informationen zum

Verein und seinen Angeboten bieten, sondern auch

zu Beratungszwecken genutzt werden. Für die Pflege

und Aktualisierung ist immer noch unser hauptamtlicher

Kollege als „Herzenslust-Koordinator“, Raphael

Diaz-Fernandez, verantwortlich. Er lebt allerdings vom

„Futter“ durch das AIDS-Hilfe-Team. Und allmählich

bessert sich das Mitdenken an die Veröffentlichung von

Informationen und Terminen hier. Das gilt auch für den

Auftritt bei „facebook“, welcher ebenfalls in neuer Qualität

gepflegt wird. Ein herzlicher Dank dafür geht an

unsere Facebookerin, Lara Merke!

Das gilt natürlich insbesondere auch für den vorliegenden

Jahresbericht, für dessen Lay-out ebenfalls Raphael

Diaz Fernandez (weiterhin mit freiwilligem Engagement!)

verantwortlich ist. DANKE, lieber Raphael! Die

Welt der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel wäre ohne

dieses tolle Engagement erheblich trister.

AIDS u.a.m.) über öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen

abzubilden, ist es alljährlich auf`s Neue schwierig,

halbwegs flächendeckend in unserer großen Region

Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine

Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“

(s. 5.6.) sowie durch intensive Berichts- und

Dokumentationsarbeit zum Vorjahr.

Diese war im Berichtsjahr 2018 (das 32. Jahr der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) weiter mit erhöhtem

Erfassungsaufwand zum vom Kreis Wesel verlangten

modifizierten Berichtswesen verbunden – wir

sind mit nunmehr fünf verschiedenen Dokumentationssystemen

konfrontiert! Vom Ziel einer möglichst einheitlichen

Systematik für das Land und die Kommunen

sind wir weiter entfernt als je zuvor

Hinzu kommen noch andere Verwendungsnachweisverpflichtungen

für Projektförderungen für Drittmittel

(wie z.B. für Fördermittel der Aktion Mensch), die leider

immer lebenswichtiger werden, weil die öffentliche

Förderung bei weitem nicht auskömmlich ist, obwohl

es ganz überwiegend um „kommunale Pflichtaufgaben“

geht (s. 1.).

Wie schon im Geschäftsbericht, haben die Gespräche

und Verhandlungen mit den unteren Gesundheitsbehörden

des Kreises Wesel und der Stadt Duisburg immerhin

im Berichtsjahr zu einer abgestimmten neuen

Vereinbarung über die Förderung der „strukturellen

HIV-Präventionsarbeit“ der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel geführt und uns deutlich vermittelt, dass gewünscht

wird, dass wir unsere Arbeit in allen Bereichen

weiterführen mögen. Ob und wie lange dies unter der

defizitären Refinanzierung gelingen mag, wird allerdings

immer fraglicher. Wir haben die Hoffnung, dass

die Fachbereiche der Stadt und des Kreises weiter und

regelmäßig miteinander im Gespräch bleiben und ihre

Verantwortung für die pflichtige Aufgabe der AIDS-Koordination

in unserer Region auch wieder kooperativ

wahrnehmen.

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer

bemüht, ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent

zu machen und nutzt dazu verschiedene Orte

und Anlässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung,

Entdiskriminierung und Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit

leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung

über den Sinn und Zweck zielgruppenspezifischer

Arbeit zu informieren und zu überzeugen?

Neben der Herausforderung, das sehr breite Spektrum

an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden

und andere sexuell übertragbare Infektionen,

Homo-, Bi- und Trans*Sexualität, Drogengebrauch,

Frauen/Mädchen und HIV/AIDS, Migration und HIV/

Gemeinsam gegen AIDS!

Trotz zum Teil zermürbender Antrags- und Verhandlungsprozesse

waren wir auch im Berichtsjahr intensiv

öffentlich tätig und sichtbar – mit einer nur leichten

Verringerung der Zahl an Infoständen und Aktionsformen.

Eine hoch interessante und spannende Einstimmung

bietet die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung

„HIV-Kontrovers“ von der Deutschen AIDS-Gesellschaft

(DAIG) und der Aidshilfe NRW, in diesem Jahr

am 24.02. in Essen. Hier waren wir wieder mit mehreren

Mitarbeiter*innen vertreten und konnten die Impulse

ins ehren- und hauptamtliche Team tragen.

29


Weitere neue aktuelle Informationen und Hintergründe

brachte Dietmar Heyde vom Fachkongress der „Münchner

AIDS-Tage“ mit, der Ende März mal wieder „zu Gast

in Berlin“ stattfand.

Bündnisse und Netzwerke sind wichtig und schaffen

Synergieeffekte. So auch über mehr als zehn Jahre das

„Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS“ (AIDS-Beratungsstelle

des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg,

Kindernothilfe e.V., Infostelle Dritte Welt des evangelischen

Kirchenkreises Duisburg, evang. Kirchengemeinde

Alt-Duisburg, UNICEF Duisburg, evang. Kirchenkreis

Duisburg und die AIDS-Hilfe), welches vor allem das

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ alljährlich geplant

und durchgeführt hat. Ein wunderbares Format mit liturgischen

Elementen, aber vor allem auch mit Informationen

und politischen Forderungen von der globalen

bis zur lokalen Ebene – eingerahmt von musikalischen

Genüssen. Diese waren aber zuletzt nur schwerlich zu

finanzieren. Darüber hinaus gab es den Wunsch, die

Thematik zu erweitern, um so auch weitere Akteure

gewinnen zu können. Auf der Januar-Sitzung 2018

verständigten wir uns auf die thematische Erweiterung

auf „Gesundheit und (Zugangs- und Versorgungs-) Gerechtigkeit“

und geboren wurde das „Duisburger Aktionsbündnis

für Gesundheit und Gerechtigkeit“ für alle.

Der Roll-out wurde für den Duisburger Umweltmarkt

im Juni des Berichtsjahres terminiert (s.u.).

Die „Infostand-Saisoneröffnung“ begingen wir erneut

schon im März mit einem Info- und Beratungsstand

beim 2. Weseler Gesundheitstag am 17.03. in der Niederrheinhalle.

Wir hatten zwar keinen Massenzulauf,

aber eine ganze Reihe von zum Teil sehr guten Gesprächen

mit einer hohen Quote an Interessierten und

potentiellen Multiplikator*innen.

Lara Merke steht bereit zur Präventionsoffensive

Ein neues Netzwerk mit aktiver Beteiligung gründete

sich am 21.03.2018 in Duisburg auf Initiative der

Kommunalen Gesundheitskonferenz der Stadt zum

Themenfeld „Männergesundheit“. Die interessante und

sektorenübergreifende Initiativgruppe (bestehend aus

Klinikvertreter*innen, Gesundheits- und Krankenpflegeschulen,

niedergelassenen Ärzt*innen, Beratungseinrichtungen,

Selbsthilfegruppen, Krankenkassen und

Unternehmensvertreter*innen u.a.) setzte es sich zum

Ziel, die Jahre 2018 und 2019 intensiv zu nutzen, um

öffentlichkeitswirksam etwas gegen die „Vorsorgemuffeligkeit“

der Duisburger Männer zu unternehmen, die

im Landesvergleich (z.B. bezüglich der Darmkrebsinzidenzen)

besonders schlecht abschnitten. Im Laufe

des Jahres konnten einige Veranstaltungen für eine Öffentlichkeitsarbeitsoffensive

unter dem Motto „Man(n)

sorgt vor!“ mit gutem Erfolg genutzt werden (s. www.

duisburg.de/maennergesundheit ).

Das bundesweit agierende Projekt „100% Mensch“

präsentierte vom 20.03. – 01.04.2018 mit „WE ARE

PART OF CULTURE – eine Kunstausstellung zum prägenden

Beitrag von LGBTTIQ* zur gesellschaftlichen

Entwicklung Europas“ im Duisburger Hauptbahnhof,

die viel Beachtung fand. Und im Rahmenprogramm gab

es ein hochinteressantes „Talk-Format“. In diesem Fall

eine Podiumsdiskussion zum Thema „HIV / AIDS / PrEP

und VERSORGUNG IN DUISBURG“ im Kleinen Prinzen

am 27.03.2018, bei dem sich insbesondere unser Duisburger

HIV-Netzwerk präsentieren und seine Haltungen

und Positionen darstellen konnten. Eine spannende

Diskussion, die leider nicht so gut besucht war.

Schon Anfang April mussten wir unser Kontingent für

die diesjährigen „Solibären“ für die Einsätze rund um

den Welt-AIDS-Tag ordern. Immer wieder ein gewisses

Wagnis – in diesem Jahr besonders, weil unser „Premium-Vertriebspartner“,

die Targobank Duisburg nach

einer Aktionspause im letzten Jahr ihr Abnahmekontingent

verständlicherweise nicht allzu konkret einschätzen

konnte – genau so wie es für uns alle Jahre

schwierig ist, den Bedarf und die Absatzchancen einzuschätzen.

Dennoch ist dies nach wie vor ein tolles Instrument

– schaffen es doch die Bärchen, die ein oder

anderen Menschen zu uns ins Gespräch zu führen, die

wir ansonsten kaum erreicht hätten. Bzgl. des Erlöses

– sagen wir es schon vorweg, waren die 2018er Bären

leider kein Renner, brachten aber immerhin ein leichtes

Plus in unsere leeren Kassen (s. 4.4.).

Am 21.04. waren wir mit einem Infostand erstmalig

auf der „Gesundheitsmesse in Dinslaken“ vertreten,

die im Foyer der dortigenTrabrennbahn stattfand, allerdings

suboptimal beworben und ausgeschildert war

und daher relativ geringe Besucherzahlen registrierte.

Ein vergleichsweise geruhsamer Arbeitstag für unsere

Präventionisten. Immerhin waren wir einmal wieder

auch in Dinslaken präsent und haben zumindest einige

Multiplikator*innen erreichen können.

Die außergewöhnliche Sommerhitze haben wir schon

am 26.05. beim Vereinsfest in Wesel „genießen“ können.

Vielleicht haben die Temperaturen dazu beigetragen,

dass wir auch hier nur wenig Zulauf am Stand

erfuhren. Die wenigen Gespräche waren allerdings allesamt

von hoher Intensität und Qualität – einschließlich

mehrerer Beratungsanlässe. Insofern war der Tag und

unsere Präsenz gut und wichtig – insbesondere weil wir

ja kein Vor-Ort-Angebot mehr vorhalten können.

30


Der Mai brachte nicht nur hohe Temperaturen, ein

Starkregenereignis, das unsere Beratungsstelle unter

Wasser setzte, sondern auch die „Datenschutz-Grundverordnung“

– kurz: DS-GVO. Wie viele andere kleinere

Vereine hat diese uns eine recht hohe zusätzliche

Beschäftigung abverlangt, die wir nicht einfach mal so

nebenher aufbringen können, weil wir keine Profis im

System haben. Unterm Strich durften wir aber feststellen,

dass wir im Wesentlichen doch schon gut gerüstet

waren – und auch das war letztlich eine gute Erfahrung,

weil wir die damit verbundenen Datenschutzziele

ganz überwiegend für wichtig und umsetzungswürdig

erachten – nicht zuletzt auch zum Schutz der Persönlichkeitsrechte

unserer Klient*innen und (ehren-) amtlichen

Mitarbeiter*innen.

Infolge der Veröffentlichung unseres Jahresberichtes

2017 wurde Dietmar Heyde am 12.05. einmal mehr von

unserem treuen Medienpartner, dem Regional-TV-Sender

„Studio47“ eingeladen, um über die Arbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel zu berichten. Über

den Youtube-Kanal sind inzwischen eine ganze Reihe

von Interviews und Berichten abrufbar.

Am 09.06. hatten wir – vor allem unsere Präventions-

und Öffentlichkeitsmitarbeiter*innen – Gelegenheit,

unser Wissen aufzufrischen und unsere Methoden

zu überprüfen. Die sog. „Medizinische Rundreise der

Deutschen AIDS-Hilfe“ war für ein Tagesseminar zu

Gast in unserer AIDS-Hilfe. Der hervorragende Referent,

Diplom-Biologe Siggi Schwarze, brachte uns auf

den neuesten Stand der „HIV-Präventionsmethoden“.

Das bereits erwähnte neue „Duisburger Aktionsbündnis

für Gesundheit und Gerechtigkeit für alle“ versammelte

sich unter einem neuen Banner am 15.06. im Rahmen

des Duisburger Umweltmarktes erstmals zur Offensive

in die Öffentlichkeit und versorgte die Passanten mit

gebündelten Informationen aus den teilnehmenden

Einrichtungen in Form von Materialpaketen und natürlich

in Gesprächen. Gut 200 Infopakete gingen dabei

über die Infostandtheken.

Nachdem die traditionelle Fachtagung des AK Prävention

Duisburg für Multiplikator*innen aus Schulen und

Jugendarbeit im letzten Jahr kurzfristig abgesagt werden

musste, waren wir froh, dass sie im Berichtsjahr

wieder angeboten werden und dank der hervorragenden

Koordinierungsarbeit unserer „neuen“ AIDS-Koordinatorin,

Martina Jungeblodt, von der Beratungsstelle

zu AIDS u.a. STI`s des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg“ sowie der Fachgebietsleiterin, Melanie Klaus,

am 19.06. in den Räumen der VHS Duisburg im schönen

„Stadtfenster“ stattfinden konnte.

Über 50 Teilnehmer*innen beschäftigten sich auf dieser

17. Fachtagung des AK Prävention mit dem Titel „Gender-TÜV

– Geschlechterrollen auf dem Prüfstand“ in

verschiedenen workshops und Vorträgen vor allem mit

Fragen zur sozialen, geschlechtlichen und sexuellen

Vielfalt und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung

damit, mit besonderem Fokus auf Belange von Jugendlichen.

Einmal mehr gab es ein sehr gutes Feed-back

von den Teilnehmenden.

Die direkte Zielgruppe von LSBTIQ*-Jugendlichen

stand dann im Rahmen der „Party: Duisburg tanzt

queer“ am 13.07.2019 im JuZ in Du-Neumühl im Fokus

und konnte in diesem Rahmen nicht nur ausgelassen

feiern, sondern auch ihre Wünsche und Forderungen

an die Stadt Duisburg vortragen und sammeln lassen.

Die AIDS-Hilfe hat diese 2. Party vor allem mit unserem

Herzenslust-Team gerne begleitet.

Beim „Runden-Tisch-zur HIV-Versorgung“ in der Region

Duisburg / Kreis Wesel und Oberhausen am 12.07.

mussten wir uns leider u.a. wieder mal mit besonders

schwerwiegenden Fällen von Diskriminierung von

HIV-Positiven im medizinischen Versorgungssystem

beschäftigen und ziehen hier bei der An- und Abmahnung

an einem Strang. Auch und gerade hier gilt sicher:

Gemeinsam sind wir stärker.

Am 06.07. waren wir erneut beim Sommerfest unseres

Kooperationspartners, des Niederrhein-Therapie-Zentrums

(geschlossene forensiche Einrichtung) in Duisburg-Hohenbudberg

mit einem Info- und Beratungstisch

vertreten – bei einer wichtigen Zielgruppe für die

Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen. Und

in diesem Jahr gab es deutlich mehr Zulauf und weniger

„Berührungsängste“ als noch im letzten Jahr, weil

man uns inzwischen einfach kennt.

Zu den Aktivitäten zum Gedenktag an die an den Folgen

des Drogenkonsums Verstorbenen am 21.07. lesen

Sie mehr unter 5.2.

Ein großes AIDS-Hilfe Team war natürlich auch beim

Duisburger CSD am 28.07. aktiv involviert. Zum einen

im Rahmen des Herzenslust-Auftrittes (s. 5.1.), natürlich

der Parade, aber auch im Rahmen der Aktivitäten

der Initiativgruppe zur Männergesundheit, die erstmalig

auch beim CSD – und gleich mit hervorragender

Resonanz- vertreten war.

Nach einer kurzen Sommerpause im August, waren wir

am 04.09. bei einer schönen Premiere vertreten. Passend

zum „Tag der sexuellen Gesundheit“ waren wir

mit einem Infostand bei einem neuen Format zur internen

Weiterbildung der neu gegründeten Fortbildungsakademie

im Klinikum Bethanien in Moers vertreten

und konnten aktiv dazu beitragen, das up-date zum

aktuellen Wissensstand bzgl. HIV und AIDS auch wirklich

auf den aktuellen Stand zu bringen. Mit über 40

Teilnehmenden aus dem Kreis der Ärzteschaft und der

Pflege war diese erste Veranstaltung gut angenommen

worden.

Der September stand im Zeichen der Weichenstellungen

bezüglich der kommunalen Förderung durch den

Kreis Wesel mit den Beratungen im Fach- und dem

Kreisausschuss und den dazugehörigen Gesprächen

und Korrespondenzen mit den Fraktionen sowie dem

31


wichtigen „Prüfungsgespräch“ beim LVR hinsichtlich

unserer Zulassung als Träger des Ambulant Betreuten

Wohnens (s. 1.)

Einen intensiven Abschluss des September erlebten wir

am letzten Wochenende. Am 29.09. beteiligten wir uns

erneut an der „Inspirit“-Gesundheitsmesse im Klingerhuf

in Neukirchen-Vluyn, die allerdings –vermutlich

wegen des tollen Spätsommerwetters- an diesem

Samstag nur spärlich besucht wurde. Zu unserem im

Programm angekündigten Vortrag zum Thema „keine

Angst vor sexuell übertragbaren Infektionen“ kam

letztlich nur ein Interessent. Am –vermutlich besser besuchten-

Sonntag, dem 30.09. konnten wir dort nicht

mehr vertreten sein, weil wir uns an der „Offensive“

der Initiativgruppe Männergesundheit der KGK Duisburg

beteiligten, die bei der gut besuchten Automesse

„Lack & Chrom“ auf der Duisburger Königstraße aufschlug.

Die „Klischee“-Unterstellungen, hier die Zielgruppe

der männlichen „Vorsorgemuffel“ zu erreichen,

hat sich durchaus bestätigt.

An insgesamt sechs Stationen konnten –nicht nur Männer-

eine „Gesundheits-Inspektion“ durchlaufen und

sich beraten lassen. Ein „Laufzettel“ und der attraktive

Preis eines Wochenendes mit einen chicken Fahrzeug

(von Händlern gestiftet) sorgte für regen Zulauf bei

den beteiligten Einrichtungen und ihren Angeboten.

Im Oktober begann der Feinschliff an den Aktions- und

Veranstaltungsplanungen zum diesjährigen Welt-AIDS-

Tag - in Duisburg erstmalig wieder gut abgestimmt

mit dem Gesundheitsamt bzw. der Beratungsstelle zu

AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Im Kreis Wesel gab es leider keinerlei Ressourcen und

Ambitionen dazu.

Die im Berichtsjahr 2018 erneut recht hohe Zahl an Infostand-Aktivitäten,

die ganz überwiegend an Wochenenden

platziert sind, war nur deshalb möglich, weil wir

zwar eine überschaubare Zahl von- aber ausgesprochen

motivierten ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen haben,

ohne die dies nicht zu stemmen gewesen wäre. Deshalb

gilt all denen an dieser Stelle ein großes DANKE

schön! für den phantastischen Einsatz im Jahre 2018!!!

Damit unsere Informationen und Botschaften auch

dem aktuellen Wissensstand entsprechen wurde auch

die fachliche Fort- und Weiterbildung im Berichtsjahr

nicht vernachlässigt. So sind sowohl im hauptamtlichen

Dr. Friedhelm Kwirant …

Team wie auch bei den Ehrenamtlichen erneut jeweils

gut 300 Stunden zur Fort- und Weiterbildung investiert

worden. Neben den Tagungs- und Seminarangeboten

vor allem unserer Dachverbände sind wir immer auch

darum bemüht, inhouse-Angebote für unsere Mitarbeiter*innen,

für Netzwerk- und Kooperationspartner vorzuhalten

– wie etwa die „Rundreise der DAH“ (s.o.).

Darüber hinaus werden die monatlichen Sitzungen der

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeitsgruppe genutzt,

um über aktuelle Entwicklungen zu berichten und sich

auszutauschen.

Im Sinne einer partizipativen Qualitätsentwicklung sind

die meisten Angebote auch für unsere Klient*innen offen

und manche speziell für sie konzipiert.

Soweit umsetzbar, holen wir uns die fachlichen Updates

auch von den wichtigen Fachkongressen. So

konnte Dietmar Heyde etwa im März an den „Münchener

AIDS- und Hepatitis-Tagen“ in Berlin (s.o.) und am

Fachtag zur „Diskriminierung von Menschen mit HIV

und/oder AIDS“ der Deutschen AIDS-Hilfe im November

in Braunschweig teilnehmen und die dort gewonnenen

Erkenntnis in die Mitarbeiterschaft transportieren.

Daraus resultieren oft auch wichtige Impulse für die inhaltliche

Planung unseres alljährlichen Fachgespräches

zur HIV-Therapie. Eine solche Teilnahme ist einfach

effektiver und nachhaltiger als die aufwendige Literatur-Recherche,

für die in der Praxis eh selten Zeit ist.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

haben wir auch in diesem Jahr ein Fachgespräch

zur HIV-Therapie veranstaltet, das mit fast 40 Teilnehmer*innen

wieder einmal sehr gut besucht und genutzt

wurde. Im Rahmen des Welt-AIDS-Tags-Veranstaltungsprogrammes

fand dies am 21.11.18 in der AH

Oberhausen unter dem Titel „WEN, WIE und WOVOR

schützt die HIV-Therapie?“ statt. Unser verbliebener

Duisburger HIV-Schwerpunktbehandler, Dr. Friedhelm

Kwirant gab dazu den fachlichen Input zu Aspekten

von Prophylaxestrategien, Schutzwirkungen und der

Bedeutung von Therapietreue und stand in einer anschließenden

„offenen Sprechstunde“ gerne Rede und

Antwort.

Ermöglicht wurde uns dieses tolle Fachgespräch einmal

mehr durch die freundliche Unterstützung der Firmen:

MSD Sharp & Dohme, Janssen-Cilag GmbH und Hexal.

Danke schön!

und das Moderator*innen-Paar

Natalie Rudi und

Dietmar Heyde

32


Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses

Abends, nämlich insbesondere, dass immer klarer

wird, dass HIV-Therapie nach wie vor kein „Wunschkonzert“

ist und viele Bedingungen erfüllt sein müssen,

damit die erzielbaren guten Optionen auch wirklich

greifen können, dass die Effekte aber einfach immer

besser werden. Schließlich muss die Therapie auch zu

den jeweils individuellen Lebensbedingungen passen.

Dazu aber ist es von ganz besonderer Bedeutung, dass

ein gutes Arzt-Patientenverhältnis entstehen und eine

offene, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Kommunikation

stattfinden kann.

Wie immer begannen wir in der Arbeitsgruppe im Frühsommer

auch mit den Planungen zum Veranstaltungsprogramm

zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag (s. 4.4.).

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen

für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern

oder anderen Prominenten doch meist die Möglichkeit,

unser Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit

öffentlichkeitswirksam zu platzieren.

Und was wären unsere Solibären ohne die „Duisburg-Accessoires“?

Auch in diesem Jahr hat die durch

eine Mitarbeiterin der Bank initiierte „Strickgruppe“ in

vielen, vielen Stunden Heimarbeit abermals eine eigene

Mützen- und Schalkollektion erstellt. In 2018 wurde

erneut eine unfassbare Menge an ganz individueller

Bärenwinterkleidung produziert, die erneut unglaublich

gut ankam. Eine Aktion, die aus dem Duisburger Geschehen

rund um den Welt-AIDS-Tag eigentlich nicht

mehr wegzudenken ist, denn die Zahl derjenigen Menschen,

die gezielt nach den bekleideten Bären fragen,

wächst und gedeiht jedes Jahr weiter an.

Frau Ursula Busshoff und den fleißigen Stricker*innen

gilt entsprechend abermals unser Riesen-Dank!

Im Berichtsjahr 2018 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“

Gruppen und Einzelpersonen, die für uns

und unsere Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen

darüber reden und schreiben.

Nach nur einem Jahr Pause konnte unser „alter“ Premiumpartner

beim Vertrieb der Solibären, die Targobank

AG & Co. KGaA dem „Druck der Mitarbeiter*innen“,

die die Aktion im letzten Jahr schmerzlich vermissten,

nicht mehr standhalten. Die Ausbildungsabteilung und

das Personalmarketing sprangen für das GudsO-Projektteam

der Targobank „in die Bresche“. Unter der

Koordination von Frau Julia Schmieder führten die

Auszubildenden am 04.12. mit ganz viel Engagement,

Herzblut und offenkundigem Spaß wieder einen Solibären-Aktionstag

in den Duisburger Bankräumen durch.

Man konnte zwar noch nicht ganz an die großen Erfolge

der letzten Jahre anknüpfen, aber doch immerhin über

400 Bären an die Frau und an den Mann bringen. Ganz

herzlichen Dank für diese tolle Unterstützung!

Unermüdliche Kämpfer*innen im Kampf gegen AIDS

sind schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid

und ihr Mitstreiter*innen-Team in Duisburg-Rheinhausen,

die im Berichtsjahr mit Ihrem Benefiz-Konzert

„Treatment for all, part XV“ im Haus der Jugend in

Rheinhausen, das in diesem Jahr pünktlich zum WAT

am 01.12. über die Bühne ging. Begleitend zu den Konzerten

gibt es zu Beginn eine Diskussionsrunde und

einen Infotisch von der AIDS-Hilfe. Da wir aufgrund

des besonderen Termines erst zu späterer Stunde auf-

33


tauchen konnten, gab es noch dazu einen moderierten

Talk mit Dietmar Heyde in einer Bühnenumbauphase.

Etwa 80 Besucher*innen sorgten für gute Stimmung

und eine erfreuliche Resonanz. Die Hälfte des

Reinerlöses kommt noch dazu unserer Arbeit zugute.

Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden

Bands sowie den Mitarbeiter*innen des Jugendzentrums

„Haus der Jugend“ an der Friedrich-Alfred-Str. 14

in Duisburg-Rheinhausen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Aus Solidarität, Überzeugung oder aus Einsicht in die

Notwendigkeit der Unterstützung unserer Arbeit erfahren

wir Jahr für Jahr viel Wertschätzung, aber eben

auch finanzielle Hilfen von zivilgesellschaftlichen Einzelpersonen,

Gruppen und Institutionen, ohne die vieles

nicht machbar wäre.

2018

Der „Soli-Bär“ 2018

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

Es ist schön, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr

stabile Unterstützungsaktivitäten berichten zu können.

Da sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen

Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage

hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen

mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen

Dank dafür!

Zum anderen möchten wir die Spendenausschüttungen

der Sparkasse am Niederrhein (mit den Zweigstellen

Moers und Rheinberg) erwähnen, die unsere Arbeit

sehr kontinuierlich fördern. Ganz besonders bedanken

wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue

hinsichtlich der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden

Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen

Schülerinnen und Schülern und engagierten Lehrkräften

zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung

und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen vor

allem zum Welt-AIDS-Tag nicht nur bei der Spendensammlung,

sondern auch bei der Thematisierung von

HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten Zielgruppen

fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir

hier die Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum in

Moers, dem Gymnasium Rheinkamp, der Gustav-Heinemann-Realschule

Duisburg-Mitte und dem Sophie-Scholl-Berufskolleg

in Duisburg-Marxloh erwähnen.

„Du hast HIV? Damit komme ich klar. Streich die Vorurteile!“

„Schwerer als die gesundheitlichen Folgen der Infektion

selbst wiegen heute für viele Menschen mit HIV

Ausgrenzung und die Angst davor. Deshalb müssen

wir Diskriminierung entgegentreten – an jedem Tag im

Jahr.“

(aus dem Kampagnenflyer zum WAT 2018, hrsgg. von:

BMG, BZgA, DAH und DAS)

Klar – eigentlich an jedem Tag im Jahr! Aber rund um

den Welt-AIDS-Tag am 01. Dezember können wir einfach

mehr Menschen und mehr Medienaufmerksamkeit

erreichen.

34


Einmal mehr konnten wir uns der Ausrichtung und Intention

der WAT-Kampagne voll und ganz anschließen

und in unsere lokale Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen

– so auch in unserer Pressemitteilung zum Welt-AIDS-

Tag 2018:

Fakten statt Angst!

Welt-AIDS-Tag 2018

Wirksame HIV-Behandlung verhindert sexuelle Übertragung.

HIV ist unter einer wirksamen Behandlung sexuell nicht

übertragbar. Auf dieses wissenschaftliche Ergebnis der

diesjährigen Internationalen AIDS-Konferenz in Amsterdam

weist die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel im

Vorfeld des Welt-AIDS-Tages hin.

„Eine wirksame HIV-Therapie vermindert und kontrolliert

die HI-Viren im Körper so stark, dass die Viren

nicht mehr messbar sind. Und sind die Viren nicht mehr

messbar, kann HIV auch beim ungeschützten Sex nicht

übertragen werden. Dieses durch viele Studien gesicherte

Ergebnis fassten die Wissenschaftler mit dem

Slogan „Nicht messbar = Nicht übertragbar (n = n)“

als Botschaft an Menschen mit und ohne HIV zusammen“,

erläutert Dietmar Heyde, Geschäftsführer der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Menschen mit HIV können dank der Behandlungserfolge

relativ beschwerdefrei leben und erreichen ein nahezu

gleiches Lebensalter wie Menschen ohne HIV-Infektion.

Sie können am gesellschaftlichen Leben teilhaben,

arbeiten, ihre Sexualität ohne Angst leben und auf natürlichem

Wege Eltern werden. „Mit HIV zu leben ist

heute etwas ganz Anderes als vor 20 Jahren“, betont

Peter Külpmann, Vorstand der AIDS-Hilfe. „Wir hoffen,

dass die Verbreitung der Botschaft „n = n“ Menschen

ermutigt, sich beraten und gegebenenfalls auch testen

zu lassen, denn nur wer von der Infektion weiß und

eine möglichst frühe Diagnose bekommt, kann auch

von den Vorteilen der Behandlung profitieren, ergänzt

die Vorstandskollegin, Silke Stützel.

„n = n“ ist aber auch eine wichtige Botschaft für die

gesamte Bevölkerung: Obwohl viele wissen, dass HIV

im Alltag und am Arbeitsplatz nicht übertragbar ist,

verspüren sie Unsicherheiten im konkreten Umgang

mit Menschen mit HIV. Neuere Erkenntnisse, wie die

Nicht-Übertragbarkeit unter wirksamer Therapie sind

nur wenigen bekannt. „Unwissen und Ängste können

aber Quellen der Diskriminierung von Menschen mit

HIV sein“, führt Dietmar Heyde aus. „Da hilft vor allem

Eines: Drüber reden und sich informieren. Wir bieten

Beratung für Familienmitglieder und den Freundeskreis

ebenso wie für das Personal im Gesundheitswesen oder

anderen Unternehmen – nach wie vor in Duisburg und

auch im Kreis Wesel an. Bei uns sind alle willkommen,

die Fragen rund um HIV haben.“

Die aktuell vom Robert-Koch-Institut (s. www.rki.de

) vorgelegten Eckdaten für 2017 zeigen einen leichten

Rückgang der Neuinfektionen in Deutschland (ca.

6%). Vor allem in der Gruppe der Männer, die Sex mit

Männern haben (MSM) konnten deutliche Erfolge verzeichnet

werden, während bei den intravenös drogengebrauchenden

Menschen und den heterosexuellen

Männern nennenswerte Anstiege beobachtet wurden.

Dies belegt einmal mehr, dass der Ausbau zielgruppenspezifischer

Beratungs- und Testangebote und ein

früher Behandlungsbeginn Erfolge zeigen. „Dieser Weg

sollte konsequent weiter umgesetzt werden, insbesondere

durch eine Verbesserung der Testangebote und

die Gewährung des Zugangs zur Therapie für alle in

Deutschland von HIV betroffenen Menschen inklusive

der Menschen ohne Krankenversicherung“, lautet die

Schlussfolgerung des RKI (RKI, Epidemiologisches Bulletin

Nr. 47, 22.11.2018).

Die AIDS-Hilfe ruft alle auf, bei der Verbreitung der guten

Nachrichten mitzuhelfen und das Motto der diesjährigen

bundesweiten Welt-AIDS-Tags-Kampagne aufzugreifen:

Wir können positiv zusammenleben. Weitersagen!

Mit vier eigenen Veranstaltungen und acht weiteren mit

und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen

konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches

Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel

im Anhang) und viele Menschen darüber erreicht

werden.

Fachliche Einstimmung gewährte uns das traditionelle

Fachgespräch zur HIV-Therapie am 21.11. – siehe oben

(4.2.)

Infostand mit Roter-Schleifen-Aktion zum WAT in Moers

am Samstag, dem 24.11.2018.

Traditionell am Samstag vor dem Welt-AIDS-Tag haben

wir die Moerser Bevölkerung dazu bewegen wollen,

Schleife und damit Solidarität zu zeigen. In diesem

Jahr bekamen wir einen eigentlich sehr guten Standort

zugewiesen, der in der Fußgängerzone (Steinstr.) und

zugleich in unmittelbarer Nähe eines Eingangs zum

Weihnachtsmarkt lag. Daran hat es nicht gelegen, dass

35


Der Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag konnte bereits zum

zehnten Male in Kooperation und Partnerschaft mit dem

FORUM Duisburg stattfinden. Diese –aus unserer Sichtwirklich

glorreiche und konstruktive Partnerschaft mit

dem Centermanagement ermöglicht uns schon lange

einen besonders öffentlichkeitswirksamen Auftritt am

01.12. Nicht nur die Chance, viele Menschen erreichen

zu können ist für uns natürlich ganz wichtig, sondern

auch die menpower, das Engagement und die Ressourcen,

die das Centermanagement bereitstellen, macht

dies zu einem echten Gewinn und sicher zu einem

best-practice-Beispiel für „private public partnership“.

Dafür gilt unser großer Dank an die beteiligten Akteuwir

einen ungewöhnlich spärlichen Zulauf an unserem

Stand hatten. Das lag zum einen am sehr schlechten

Wetter und zum anderen daran, dass tags zuvor prächtiges

Wetter herrschte und noch dazu der Coca-Cola-Weihnachtstruck

offenbar sehr viele Moerser*innen

angelockt hatte. Dennoch konnten wir einige Menschen

erreichen und nicht nur zum Tragen der Roten Schleife,

sondern auch zum Spenden bewegen. Die unmittelbare

Nähe zum 01. Dezember ist grundsätzlich gut, um die

Menschen auf die Kampagne aufmerksam zu machen.

AIDS-Hilfe, voller Stolz im Studiointerview berichten

konnte.

Auf ein zentrales Mediengespräch zum Welt-AIDS-Tag

2018 haben wir nach Verabredung mit der Beratungsstelle

zu HIV u.a. STI`s des Gesundheitsamtes der

Stadt Duisburg in diesem Jahr aus Kapazitäts- und anderen

Gründen verzichtet, uns aber auf eine gemeinsame

Pressemitteilung verständigt (s.o.).

Ein Dank gilt der Stadt Moers und ihrer Tochter, der

Moers Marketing GmbH für die gute Unterstützung.

Am Mittwoch, dem 28.11. traf sich eine illustre Runde

von aktiven und ehemaligen ehren- und hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen zum Gedenk-Café im Rahmen

des WAT-Programmes in der AIDS-Hilfe in erster Linie

zum würdevollen Gedenken an die Menschen, die

uns verlassen mussten. Gleichsam in guter niederrheinischer

Tradition wurden dann aber auch Geschichten

und Anekdoten aus über 30 Jahren AIDS-Hilfe ausgetauscht,

in denen viele derer eine tragende Rolle spielten.

Auch so darf Gedenken sein, denn wir sind in der

Rückschau nicht selten durchaus froh, dass wir eine

gewisse Lebenswegstrecke gemeinsam gehen durften.

Am 29.11. bot unser treues Unterstützermedium, das

Studio47, Dietmar Heyde wieder Gelegenheit, in der

Live-Sendung Werbung für die weiteren Veranstaltungen

zum Welt-AIDS-Tag zu machen und auch die Kampagnenbotschaften

in die Zuschauerschaft zu transportieren.

Und am gleichen Abend noch berichtete die WDR-Lokalzeit

über unsere tolle SCHLAU-Truppe, über deren

Einsatz Dietmar Heyde, als Vertreter des Trägers, der

36


innen und Akteure der Einkaufsmall.

Allerdings mussten wir uns auch 2018 abermals mit

einem „Schmalspur-Auftritt“ begnügen, vor allem wegen

der immer noch nicht gänzlich geklärten Auflagen

durch das neue Brandschutzkonzept, das zu einer

deutlichen Verringerung der Präsentationsmöglichkeiten

führte. Dennoch waren wir letztlich froh, überhaupt

noch einen Fuß „an der goldenen Leiter“ des Forums zu

erhalten und danken insbesondere dem neuen Manager,

Herrn Jan Harm und den „guten Seelen“ des Centermanagements,

Frau Vanessa Rademacher und Frau

Ingrid Döhring, für ihre tolle Unterstützung und Kooperationsbereitschaft.

Am Abend des 01.12. ging es in Rheinhausen weiter –

beim 15. Benefizkonzert „Treatment for all, pt. XV“ im

Haus der Jugend in Duisburg-Rheinhausen (s. 4.2.).

Ganz besonders aktiv war in diesem Jahr erneut unser

„Herzenslust-Präventainment-Team“ um Raphael Diaz

Fernandez und Uwe Altenschmidt von Anfang November

bis Mitte Dezember bei verschiedensten Events (s.

5.1.)

Parallel zu dieser Aktion bot die AIDS- und STI-Beratungsstelle

der Stadt Duisburg zwischen 11 und 17 Uhr

in der neuen Beratungsstelle auf der Universitätsstraße

32 in der Innenstadt ein HIV-Test-Angebot an, welches

erneut erfreulich gut angenommen wurden.

Seit einigen Jahren findet auch im Arbeitsbereich „Sexarbeit“

die gute Kooperation mit dem Gesundheitsamt

Duisburg eine Jahresabschlussaktion in dem großen

Duisburger Bordellbereich statt, bei der nicht nur die

Sexarbeiter*innen kleine, nützliche „Geschenke“ und

Beratungen bekommen, sondern natürlich auch Freier

mit Erkenntnisgewinnen bereichert werden können (s.

5.4.).

Und ab Mitte Dezember 2018 begannen die Auswertungen

des diesjährigen WAT-Geschehens und damit auch

die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

37


Zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis in eigener

Sache: Nachdem wir seit Ende 2016 keine Beratungsstelle

im Kreis Wesel unterhalten können, möchten wir

an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir natürlich

auch weiterhin im Kreis aktiv und auch zuständig sind:

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bittet die Bürgerinnen

und Bürger des Kreises Wesel darum, sich bei

Bedarfen zur Information, Aufklärung und Beratung sowie

natürlich bei Hilfs- und Unterstützungswünschen

von und für Menschen mit HIV oder davon bedrohten

Personen an die Geschäftsstelle in Duisburg zu wenden

(Kontaktdaten, s. unten). Darüber können natürlich

auch Termine im Kreisgebiet ausgemacht werden.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2018 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben, gilt an

dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank

!!! –

Dies gilt auch weiterhin für Anfragen für die Präventionsprojekte

(Youthwork, SCHLAU, Herzenslust oder

XXelle) in Schulen oder von anderen Einrichtungen und

Gruppen. HIV ist treu – die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel auch!“

4.5. Berichterstattung in den Medien

Für das Berichtsjahr 2018 haben wir, was das Interesse

von Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien betrifft,

relativ wenig Grund zur Klage. Wir konnten vereinzelt

sogar wieder Redakteur*innen der Printmedien zur Berichterstattung

bewegen, was uns sehr freute und in

den letzten Jahren eher selten geworden war (s. Pressespiegel).

Dank ans Ehrenamt und unsere Förderer – unser Dezember

„Sonder-Aktiven-Treffen“

Ein Engel hat Euch / Sie geschickt.

Es bleibt dabei: Wir brauchen sie, denn nur gemeinsam

bewirken wir mehr, um das Thema im Bewusstsein der

Bevölkerung zu halten, die guten Nachrichten (s. n =

n u.a.) zu verbreiten und so dem Ziel der Minimierung

von Neuinfektionen sowie der Verbesserung der Akzeptanz

und Toleranz gegenüber HIV-Positiven näher zu

kommen.

Mit dem Interesse von Seiten des Lokalfunks und dem

Lokalfernsehen sind wir einmal mehr sehr zufrieden.

Insbesondere das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen

„Studio 47“ ist ein ungemein treues Begleiterund

Unterstützermedium, das uns im Berichtsjahr wieder

einmal mehrmals in den Nachrichtenfokus gerückt

hat – dafür herzlichen Dank! Dank gilt genauso den

Lokalradios von Radio DU und Radio KW und für das

Berichtsjahr auch der Redaktion der WDR-Lokalzeit

Duisburg.

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-

AIDS-Tag! Interessierte, die 2019 dabei sein wollen,

können sich jederzeit gerne bei uns melden.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu können und

die neu ausgerichteten Kampagnenziele der weiteren

Akzeptanz und Toleranz gegenüber Menschen mit HIV

und AIDS umsetzen zu können, müssen aus unserer

Sicht aber auch weitere Kommunikationsoffensiven folgen,

um die Präventionserfolge der vergangenen Jahre

nicht wieder zu gefährden. Aufklärung, sachliche Information

und Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.

38


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen in

Duisburg, dem Kreis Wesel und auf Landesebene

• Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Aktionsformen sowie Seminarund

Vortragsangeboten,

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

• Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

• Kontaktpflege zu Förderern, Kooperations- und Netzwerkpartnern,

• Telefonische und persönliche Beratung,

• Geschäftsführung,

• U.a.m.

Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2018 – Veranstaltungen insgesamt

39


5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1 HIV und AIDS Prävention bei Schwulen und

Männern die Sex mit Männern haben

Vorbemerkung:

Das Projekt „strukturelle Prävention für homosexuelle

und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die

Sex mit Männern haben) im Kontext HIV / STI“ unter

dem Namen „Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel“

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist im Jahr

2018 durch zielgruppenspezifische Mittel des Landes

NRW gefördert worden.

punkt, wirkt aber auch im sekundärpräventiven Bereich,

stets methodisch und niedrigschwellig, wie für

den Nutzer kostenlos. Besonders intensiv wurde die

Einbettung des Projektes auf die zu erreichende Zielgruppe

ausgelegte lokale Infrastruktur betrieben.

Das Projekt ist regional und überregional eingebunden

und vernetzt. Die Kooperationen mit weiteren lokalen

Projekten sowie den landesweiten Strukturen ermöglicht

Ressourcen schonende Synergien bei Kampagnen

und Großveranstaltungen und gewährleistet wesentliche

Aspekte im Bereich der Qualitätssicherung.

Die Ausrichtung des Projektes ist hauptsächlich lokal/

regional und hat einen primärpräventiven Schwer-

40


Vernetzung und Kooperationen

Herzenslust wird lokal angeboten. Die Aidshilfe NRW

e.V. dient als Koordinierungsstelle aller lokalen Herzenslustprojekte

und organisiert die Landesarbeitsgemeinschaft,

über die Austausch, Abstimmung und

Qualitätssicherung gewährleistet werden. Der Projektnehmer

nahm im Berichtsjahr an allen Terminen der

Landesarbeitsgemeinschaft aktiv teil.

Im Rahmen der Qualitätssicherung fanden erneut verschiedene

Veranstaltungen auf Landes- und auf Bundesebene

statt.

Die Abstimmung mit den umgebenden Herzenslustprojekten

wurde, fokussiert auf gemeinsame Aktionen,

fortgesetzt.

Lokal schritt die angestrebte Vernetzung mit weiteren

Akteuren schwuler Lebenswelten voran. Der Projektnehmer

ist aktives Mitglied des Vereins DU-Gay e.V.,

welcher den Duisburger CSD und den monatlich stattfindenden

Regenbogenstammtisch organisiert. Der

Projektnehmer (oder in Vertretung der HL-Gruppenleiter)

nahm an allen durch die kommunale Politik veranstalteten

Treffen der schwul-lesbisch-bi-trans Akteure

teil und pflegt regelmäßigen Austausch mit dem

zuständigen Mitarbeiter des auf städtischer Ebene

angesiedelten Referates für Gleichberechtigung und

Chancengleichheit.

Mit den Vertreter*Innen des öffentlichen Gesundheitsdienstes

wurde ein intensiver Austausch gepflegt und

Kooperationsmöglichkeiten, insbesondere bzgl. eines

Beratungs- und Testangebotes ausgelotet. Während

in Duisburg erhebliche Fortschritte erreicht werden

sonnten (s.o.), konnten im Kreis Wesel leider, im Berichtsjahr,

keine gemeinsamen Beratungs- und Testangebote

im Kreis Wesel vorgehalten werden, was

im Wesentlichen an den deutlich schrumpfenden Res-

sourcen in den regionalen ÖGD-Strukturen liegt. Diese

unbefriedigende Situation und das insgesamt schmale

Testangebot des ÖGD in der Region des Kreises Wesel

wurden im Laufe des Berichtsjahres erneut offensiv

mit den Leitungsstrukturen (Gesundheitsamtsleitungen

und Dezernenten) thematisiert, allerdings zunächst

ohne unmittelbare Erfolge. Die Problematik

konnte aufgrund personeller Veränderungen der städtischen

Partner nicht behoben werde. Das suboptimale

Angebot wird eingestanden und grundsätzlich bedauert.

Personelle Veränderungen in den ÖGD-Strukturen

im Berichtsjahr ließen allerdings keine Umsetzungschancen

zu.

Die konkreten Angebote von Herzenslust Duisburg

/ Kreis Wesel (Umsetzung, Methodik, Ergebnisse)

Herzenslust Gruppe

Die Herzenslust Gruppe traf sich mehrmals im Monat

und ist somit selbst Teil der schwulen Szene und Ort

schwuler Begegnungen. Die ehrenamtlich Mitwirkenden

und die bei Bedarf durch den Projektnehmer angeleitete

Teilzeitkraft wirken durch das regelmäßige,

öffentliche und kostenlose Angebot strukturell präventiv.

Durch Aktionen in der schwulen Lebenswelt

Duisburgs und des Kreises Wesel (z.B. Szenerundgänge,

Rastplatzbegehungen, Besuch von Partys und

präventive Infoabende, Beratung und Test) werden

primärpräventive Botschaften vermittelt. Kontakte

entstehen, die sowohl primär- als sekundärpräventive

Wirkung haben. Die Gruppe ist Kern der kreativen Arbeit

und plant eigenständig mit der Teilzeitkraft, ggf.

unter Anleitung und Mitwirkung des Projektnehmers

Aktionen, bspw. zum CSD. Der Projektnehmer gibt Informationen,

besonders zu Fortbildungsmöglichkeiten

und Schulungen anderer Ebenen an die Gruppe wei-

41


ter. Im Berichtsjahr 2018 konnten die Gruppentermine

ausgebaut, die Teilnehmerzahl erhöht, mehr Männer

für das aktive Mitwirken der Gruppe gewonnen und

die Anzahl von Aktionen ausgebaut werden.

Konkrete Aktionen

Für das Jahr sind hier regelmäßige Szenerundgänge

(alle vier bis acht Wochen) und mehrere Infostände

mit Aktionsformen zu besonderen Events in den Duisburger

Szenekneipen zu benennen. Darüber hinaus

beteiligte sich das Herzenslust-Team der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel auch am Düsseldorfer CSD am

02.06.2018 aktiv.

Herzenslust Checkpoint - in der AIDS- und STD-

Beratungsstelle des Duisburger Gesundheitsamtes

Fazit: Das Beratungs- und Testangebot - insbesondere

für die Zielgruppe der Männer die Sex mit Männern

haben (MSM) konnte im Berichtsjahr für Duisburg

deutlich erweitert und etabliert werden! Hervorzuheben

ist das breite Testangebot für STI’s und die kooperative

und konstruktive Zusammenarbeit mit der

Beratungsstelle des Gesundheitsamtes!

Mutburger - Die heißesten Burger der Stadt

Die Herzenslustgruppe wirkte beim Auftritt der Herzenslust-Landesarbeitsgemeinschaft

beim ColognePride

sowie beim Duisburger CSD mit. Unter dem Motto:

„Mutburger - Die heißesten Burger der Stadt“ traten

in Köln wieder einmal über einhundert ehrenamtlich

Engagierte gemeinsam auf. Mit dem den Auftrag, die

Vielfalt ins echte Leben zu bringen, konnte eine sehr

große Zahl von Menschen erreicht werden. Die politisch

angehauchten Botschaften wurden in zahlreichen

Kontakten vermittelt und konnten dank der zur Verfügung

gestellten, dem Moto entsprechend gestalteten

Informationsbroschüre auch nachhaltig vermittelt

werden.

In Abstimmung mit dem ÖGD Duisburg wurde für die

Zielgruppe MSM das letztjährig geplante, offene HIV/

STI Beratungs- und Testangebot in einer Pilotphase

umgesetzt. Diese wurde von März - Juli mit einem anschließenden

Feedbackgespräch geplant und durchgeführt.

Mit durchschnittlich sieben Nutzern ist die Pilotphase

sehr gut angelaufen, so dass das Angebot bis

Ende des Jahres weitergeführt wurde. Über die zweite

Jahreshälfte ist durch Ausfall einiger Termine, sowie

der Tatsache, dass das Gesundheitsamt keinen Ersatzarzt

für Krankheit und Urlaubstermine bereitstellt die

Gesamtnutzerzahl auf durchschnittlich 6 Nutzer gesunken.

Im Berichtsjahr testeten wir auf: HIV, Syphilis,

Chlamydien, Tripper sowie Hepatitis A,B und C.

Dem geplanten Beratungs-und-Test Angebot, in Kooperation

mit dem Gesundheitsamt Duisburg, wurde

ebenfalls im Jahre 2018 mit viel Enthusiasmus entgegengefiebert.

Durch dem Umstand, dass Ende 2017

eine neue AIDS-Koordinatorin bei der Stadt Duisburg

angefangen hat, konnten wir in Kooperation mit der

Stadt Duisburg das Thema Beratung und Test neu angehen.

Beim „Runden Tisch HIV“ in der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel Anfang 2017, bei dem das Gesundheitsamt

der Stadt Duisburg unter anderem vertreten

war, wurde durch den Herzenslust-Koordinator

und den Geschäftsführer sehr deutlich gemacht, dass

dieses Angebot im Hinblick auf die neue Stelle der

AIDS-Koordination der Stadt Duisburg nach mehrjähriger

Pause wieder in neu ausgerichtet werden musste.

Daraufhin wurden Termine ab März 2018 geplant

und bis Dezember 2018 durchgeführt.

42

Diese Aktion wurde auch auf dem CSD Duisburg am

28.07.2018 umgesetzt. Der CSD wurde durch die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. verstärkt,

welches einen Auftritt ergab, der in diesen Dimensionen

lange nicht mehr beim CSD in Duisburg gesehen

wurde. Es gelang, mit dem HL-Gruppenleiter (geringfügige

Beschäftigung) und hohem Engagement der

Ehrenamtlichen aus der Ruhrgebietsvernetzung und

hauptamtlichen Mitarbeitern der AIDS-Hilfe, sowie

der Öffentlichkeitsgruppe eine sehr starke Präsenz zu

zeigen und viele personalkommunikative Kontakte zu

erreichen. Wie viele Stände, so war auch der Herzenslust-Stand

durchweg belagert. Dieses Jahr fand dazu

das zweite Mal eine Demonstration im Vorfeld des

Straßenfestes statt, bei dem natürlich auch das Herzenslust-Team

durch die große Präsenz, ebenfalls aus

der Ruhrgebietsvernetzung, exponiert und gut sichtbar

vertreten war. Sie fanden nach den (politischen)


Parteien die größte öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit,

die in Duisburg zu erreichen war.

Herzenslust im Rahmen des Queeren Kulturmonats

zum CSD Duisburg

Im Berichtsjahr gab es darüber hinaus eine aktive

Veranstaltungsbeteiligung des Herzenslust Teams im

Rahmenprogramm zum CSD, einem Monat mit einer

Veranstaltungsreihe:

Auch im diesem Jahr fand wieder eine Auftaktveranstaltung

zum CSD mit Herzenslust statt („Herzenslust

CSD Angrillen 2018“). Dieses entwickelt sich

zunehmend zu einem etablierten Event, dass immer

mehr Besucher anzieht. Es fungiert auch als „Preventainment“-Plattform,

mit einem breiten Spektrum aus

Informationsmöglichkeiten, die mit personalkommunikativen

Angeboten flankiert werden. Während in den

ersten Jahren seit 2015 durchschnittlich 20 Besucher

anwesend waren, ist die Zahl in den letzten Jahren

deutlich gestiegen. So konnten wir am 25.07.2018

über 100 Besucher zählen. Neben vielen neuen Gästen

waren auch Vertreter*Innen von Vereinen, Organisationen,

Gruppen aus der Vernetzungsarbeit und

politische Parteien aus Duisburg und dem Kreis Wesel

anwesend. Unter anderem sind zu erwähnen, dass

„Posithiv handeln“ und die Bundestagsabgeordnete

Bärbel Bas (MdB-SPD) zu den Besucher*Innen zählten.

Dies konnte Zugang zu neuen Interessierten für

die ehrenamtliche Herzenslust-Arbeit.

Zum CSD wurde im Vorfeld der Akzeptanzpreis verliehen.

Der „Brücke der Solidarität“ - Akzeptanzpreis“

wurde im Berichtsjahr Jahr an Bettina Böttinger verliehen.

Der Gala-Rahmen konnte unter Beteiligung

von mehreren Vereinen und anderen Honoratioren

umgesetzt werden, was noch dazu ein sehr erfreuliches

Medienecho und somit ein hohes Maß an Aufmerksamkeit

in der öffentlichen Wahrnehmung erfuhr.

Mit der Party „TANZT QUEER! – DU & FRIENDS“, die in

den Räumen des Bürgerhauses Neumühl in Duisburg

stattfand, wurde eine schwul lesbische Party, aus ehrenamtlichen

Kreisen organisiert, fortgeführt. Diese

findet im Jahr 2019 erneut statt, da sie sehr gut besucht

wurde. Die Veranstaltung ist so besonders, da

sie auch jüngeren Duisburger*Innen eine Plattform

bietet und damit einzigartig ist.

Zudem konnte zum fünften Mal in der Geschichte des

Duisburger CSDs erreicht werden, dass die Regenbogenflagge

am Duisburger Rathaus installiert wurde.

Ein weiterer Meilenstein und Hinweis auf die deutlich

verbesserte Lobbyarbeit für Belange schwuler Lebenswelten.

Herzenslust im Rahmen von QUEER.LIFE.DUIS-

BURG

Eine gute Präsentationsplattform für die Herzenslust-Kampagne

und deren Botschaften ist alljährlich

die „QUEER.LIFE.DUISBURG“-Reihe von hokudu e.V.

(Homosexuelle Kultur Duisburg), die in diesem Jahr

zwischen dem 31. Oktober und dem 1. Dezember

2018 in Duisburg und Moers eine ganze Reihe von

Veranstaltungen anbot.

In Berichtsjahr fand das Jubiläum von QUEER.LIFE.

DUISBURG, an dem Herzenslust auch teilnahm,

statt. Seit nun 30 Jahren bietet hokudu e.V. mit dem

schwul- lesbischen- Kulturfestival, ein vielfältiges

Programm mit Filmen, Theater, Lesungen, queeren

Fachvorträgen und - Diskussionsveranstaltungen, das

immer wieder auch Foren für Herzenslust-Aktivisten

ermöglicht. Am 8.11.2018 feierte QUEER.LIFE.DUIS-

BURG sein Jubiläum mit allen Vertretern von Vereinen

und Gruppen in Rahmen einer Ausstellungseröffnung.

Herzenslust zum Welt-AIDS-Tag 2018

Im Rahmen der WAT Großveranstaltungen war auch

das Herzenslust-Team aktiv beteiligt und konnte zudem

„seine“ Botschaften präsentieren.

Und auch im Dezember konnte die Herzenslust-Ak-

43


tionen im Rahmen einer „Weihnachtsrevue“ eines

Duisburger Szenelokals fortgeführt werden. Eine

Travestie-Show im Mittelpunkt der Revue zog das

entsprechende Zielpublikum an. Weiterhin zog eine

Veranstaltung mit Infostand am Anfang des Welt-

AIDS-Tages im Duisburger Hof, unter demselben Motto,

ebenfalls zahlreiche Besucher an.

In Rahmen des Geburtstages des „Harlekin“ am

30.11.2018 und der Durchführung des dreißigsten

Welt-AIDS-Tages, hat das Duisburger Szenelokal

„Harlekin“ für das Präventionsteam „Herzenslust

Duisburg“ der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Spenden gesammelt. Dies geschah in Rahmen von

Versteigerungen der aktuellen Welt-AIDS-Tags Teddys

2018, mit einem Travestiekünstler aus Duisburg. Im

Fokus stand die fortwährende Arbeit gegen das Vergessen,

gegen Entwarnung und Gleichgültigkeit sowie

gegen Angst und Ausgrenzung gegenüber HIV, AIDS

und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Dazu

wird insbesondere auch zivilgesellschaftliche Unterstützung

benötigt. Gemeinsam mit der Zusammenarbeit

des Duisburger Szenelokals „Harlekin“ und

Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel konnten sehr viele

Menschen erreicht werden.

Darüber hinaus gab es weitere Veranstaltungen in Kooperationen

mit der Duisburger Szene wie beim „Pink

Wednesday“ auf dem Duisburger Weihnachtsmarkt,

der sich mittlerweile etabliert hat und vom Angebot

her wächst.

Herzenslust online

Ganz erheblich verbessert und weiterentwickelt werden

konnte die online-Präsenz und Präsentation über

die Homepage, den Facebook-Auftritt und den Instagram-Auftritt.

Hier zeigt sich anhand der Zugriffszahlen,

dass die Weckung von User-Interesse mit der

Pflege und steten Aktualisierung dessen einhergeht

und dies neben dem spezifischen Informationstransport

in die Zielgruppe wichtiges Instrument für die

Akquise von Ehrenamtlichen sein kann bzw. ist.

Im Berichtsjahr wurde die Homepage „herzenslust-duisburg.de“

sowie „herzenslustteam-du.de“ reaktiviert

und angefangen neu zu gestalten, jedoch

nicht zu Ende geführt. Dies wird im kommenden Jahr

weitergeführt und zum Abschluss gebracht.

Projektkritik

eine Testbereitschaft zu fördern, frühe Diagnosestellungen

zu erreichen und sie zu einem möglichst frühen

Therapiestart zu bewegen oder die Zahl der „late

presenter“ zu verringern. Ganz zu schweigen von den

primärpräventiven Effekten von „Schutz durch Therapie“.

Hier ist die Infrastruktur in unserer Region äußerst

bescheiden aufgestellt. Wir werden dies weiter

thematisieren und dafür kämpfen – zur Not auch ohne

den ÖGD.

Die Zusammenarbeit zwischen Projektnehmer und

dem HL-Gruppenleiter (geringfügig beschäftigt), konnte

durch gemeinsames Auftreten bei allen Aktionen

ganz erheblich optimiert und der Bekanntheitsgrad

von Herzenslust deutlich gesteigert werden. Die Intensität

der Herzenslust-Arbeit konnte durch die Neubesetzung

im Jahr 2016 deutlich gesteigert werden

konnte.

Die Nutzung sozialer Netzwerke und mobiler Medien

wurde ausgebaut und stets aktualisiert und erwies

sich insbesondere zur Veranstaltungsbewerbung und

Nachbetrachtung als sehr gewinnbringend. Die Kooperation

auf regionaler und landesweiter Ebene ist in der

Umsetzung sehr effizient. Die Kooperation auf lokaler

Ebene ist in Bezug auf die queere Infrastruktur erheblich

verbessert und auch personell gewachsen, aber

auch mit Ressourceninvestition verbunden.

Die Kommunalisierung der Landesmittel und der Umstand,

dass bei den grundsätzlich pflichtigen Aufgaben

der Umfang nicht gesetzlich geregelt ist, erweisen sich

in unserer Region immer mehr als kontraproduktiv. Es

würde viel zu (re-) investieren sein, um eine halbwegs

bedarfsgerechte Steuerung und eine adäquate Ressourcenausstattung

zu erhalten bzw. zu erreichen. Für

die Stadt Duisburg ist allerdings immerhin eine gewisse

Trendwende zu konstatieren und die Wiedereinrichtung

einer vollen Stelle „AIDS-Koordination“ hat im

Berichtsjahr zu einen spürbare Ressourcenzugewinn

geführt, was sich bzgl. der Herzenslust-Ziele insbesondere

im verbesserten Beratungs- und Testangebot

für die Zielgruppe wiederspiegelt.“ Es bleibt allerdings

dabei, dass die Förderung der „Strukturellen HIV/

AIDS-Prävention bei MSM“ über zielgruppenspezifische

Landesmittel für unser großes Zuständigkeitsgebiet

(mit einer nach der EMIS-Studie vergleichsweise

hohen Populationsdichte an MSM) unerlässlich und

unverzichtbar ist und bleibt.

Die Projektziele wurden trotz des erneuten Personalwechsels

beim ÖGD Duisburg überwiegend erreicht.

Ressourcen wurden schonend und unter Nutzung

bestmöglicher Synergieeffekt aus Arbeitsteilung eingesetzt.

Eine Erhaltung der fachlich geforderten Standards

und eine Weiterentwicklung der strukturellen

HIV-Prävention ist in unserer Region gefährdet, denn

mit dem präventiven Einsatz – hier speziell von Herzenslust

– muss auch eine gute Testinfrastruktur verbunden

sein. Anders wird es schwer, bei Menschen

44


45


5.2 Drogen und Substitution

Im Arbeitsbereich Drogen fand eine enge Zusammenarbeit

mit der Selbsthilfegruppe JES (Junkies, Ehemalige,

Substituierte) Duisburg statt. Im Berichtsjahr

2018 haben wir für Gruppentreffen unsere Räumlichkeiten

zur Verfügung gestellt und begleiteten und

unterstützten unsere Begleiteten, soweit es unsere

Ressourcen zuließen. Wie in den Vorjahren haben wir

in Kooperation mit JES Duisburg und dem Suchthilfeverbund

gemeinsam den nationalen Gedenktag am

21.7.2018 für verstorbene Drogengebraucher*innen

erfolgreich geplant, vorbereitet und durchgeführt.

JES Duisburg führte weiterhin anlaog zur Aids-Hilfe

das Streetwork durch. Care-Packs, die vom Land NRW

finanziert wurden sowie Spritzen und Kondome, die

die AIDS-Hilfe Duisburg aus Eigenmitteln finanzierte,

sind verteilt worden.

Hierdurch und durch gemeinsame Treffen und Fachtage

wurde der partizipative Ansatz der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel im Bereich Drogen umgesetzt, da

wir im direkten Austausch mit der Zielgruppe waren.

Weiterhin wurde die Substitution an Wochenenden

und Feiertagen in der Aids-Hilfe durchgeführt. Bewährt

hat sich hier das Frühstück am letzten Sonntag

im Monat, welches rein ehrenamtlich angeboten wird.

Ebenso wird das monatliche JES Frühstück, das auch

von den hauptamtlichen Mitarbeitern mit organisiert

und durchgeführt wird, gut angenommen.

Es gab einige Veränderungen in der Gesetzgebung im

Drogenbereich.

Politisch hat sich beispielsweise im Bereich der Substitution

einiges geändert. Bereits am 30. Mai 2017

sind Änderungen in der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung

(BtMVV) in Kraft getreten. Am

zweiten Oktober 2017 wurde die neue Richtlinie der

Bundesärztekammer (BÄK) bekanntgemacht. Die

wichtigste Änderung ist wohl die Aufhebung des absoluten

Abstinenzgedankens. Jetzt ist es möglich,

auch andere Ziele zur Sicherung des Überlebens bei

der Behandlung in den Vordergrund zu stellen. Ebenso

sind Take-Home-Regelungen und PSB- Vorschriften

gelockert worden. Sie ermöglicht ferner die Durchführung

der Substitutionsbehandlung in Alten- und Pflegeheimen

sowie Rehabilitationszentren. Wir freuen

uns über diese Entwicklung, aber es bleibt sicherlich

abzuwarten, wann sich die Neuerungen in der Praxis

bemerkbar machen.

Gleiches gilt leider auch für Cannabis auf Rezept. Am

19.1. 2017 hat der Bundestag einen Gesetzentwurf

der Bundesregierung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher

Vorschriften angenommen und seit dem

10. März 2017 können schwer kranke Patienten künftig

auf Kosten der Krankenversicherung mit hochwer-

46

tigen Cannabis-Arzneimitteln versorgt werden. Bisher

kam Cannabis nur mit einer Ausnahmegenehmigung

des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte

(BfArM) als Heilmittel zum Einsatz, etwa um

Schmerzpatienten zu helfen. Die nicht unerheblichen

Kosten mussten die Patienten in der Regel selbst tragen.

Für die Versicherten wurde zudem, auch in eng

begrenzten Ausnahmefällen, ein Anspruch auf Versorgung

mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon

geschaffen. Um die Versorgung sicherzustellen, wird

der Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in

Deutschland ermöglicht, was allerdings laut Cannabisagentur

des Bundes erst im zweiten Halbjahr 2019

der Fall sein wird. Diese koordiniert und kontrolliert

dann den Anbau und Vertrieb. Um die genaue medizinische

Wirkung der Cannabis-Arzneimittel zu erforschen,

ist eine wissenschaftliche Begleiterhebung

vorgesehen. Die generelle Freigabe von Cannabis wird

von der Bundesregierung weiter strikt abgelehnt.

In der Praxis verschreiben bisher leider nur wenige

Ärzte Cannabis. Gründe sind Unsicherheit im Umgang

mit der Arznei, ein hoher Dokumentationsaufwand

und nicht zuletzt die Sorge der Ärzte vor einem Regress

wegen Überschreitung ihres Budgets. Krankenkassen

erstatten sehr häufig die Rezepte nicht und es

gibt Lieferengpässe in Apotheken.

Es scheint also noch etwas Zeit zu brauchen, bis das

Gesetz, so wie es verabschiedet wurde auch umgesetzt

wird und sich für schwerkranke Patienten etwas

ändert.

Diamorphin wird trotz Anerkennung als Arzneimittel

immer noch nur in wenigen Städten eingesetzt und

nur sehr wenige Menschen profitieren hiervon.

Letztendlich geht es aber immer noch um die Abschaffung

des BtmG, welches die größten Probleme in

dem Lebensbereich drogengebrauchender Menschen

verursacht.

Leider gab es auch Veränderungen im Umgang mit

der lokalen Szene in Duisburg.

In Duisburg sind niedrigschwellige Hilfeangebote wie

Steetwork, Notschlafstellen, Wasch- und Duschmöglichkeiten,

soziale Beschäftigungsmöglichkeiten und

eine ausreichende medizinische Versorgung z.B. im

Rahmen einer Substitutionsambulanz und Originalstoffvergabe

nicht oder nur eingeschränkt vorhanden.

Mit Verweis auf die Haushaltslage der Kommune wurden

während der letzten 10 Jahre die Finanzmittel

stetig gekürzt, während gleichzeitig die Aufgaben und

Beratungszahlen in der Suchthilfe stiegen.

Zudem wird in Duisburg seit Beginn des Jahres eine

harte Vertreibungspolitik gefahren. Dies geschieht

bspw. durch Maßnahmen wie dem Alkoholverbot in

der Innenstadt, welches erst vor kurzem vom Verwaltungsgericht

in Düsseldorf wieder wegen Un-


echtmäßigkeit gekippt wurde und durch verstärkte

Verfolgung. Die Szene ist derzeit zersplittert und „auf

der Flucht“. Dies macht den Zugang fast unmöglich

und die wenigen niederschwelligen Angebote können

kaum noch Wirkung erzielen.

Trotzdem konnte die Zusammenarbeit mit verschiedenen

Nutzern des Kantparks aufrechterhalten werden,

obwohl derzeit kaum noch von einem Szenetreffpunkt

am Kantpark die Rede sein kann. Die Kooperation mit

den verschiedenen Nutzern bezieht sich vor allem auf

das Lehmbruckmuseum, das an dem „Aufeinanderzugehen“

der Akteur*innen des Sozialraumes maßgeblich

mitgearbeitet hat.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. nimmt weiterhin

mit den von ihr betreuten Spritzenautomaten

am Projekt der Aids-Hilfe NRW e.V. teil. Die Standorte

befinden sich in Wesel neben der Dogenberatung und

in Duisburg befindet sich der leider einzige Spritzenautomat

an der Aids-Hilfe direkt vor dem Eingangsbereich.

Der Spritzenautomat in Duisburg wird gut angenommen

und muss mehrfach wöchentlich aufgefüllt

werden. Der Spritzenautomat in Wesel wird im zweiwöchigem

Rhythmus neu bestückt. Insgesamt wurden

aus den Automaten 2018 3538 Safer-Use-Materialien

gezogen. Tendenz steigend. Deshalb laufen Planungen

für einen weiteren Automaten in Moers. Deutlich

gesteigert hat sich auch die Anzahl der getauschten

Spritzen an Drogenabhängige in Duisburg. Dementsprechend

muss der Bedarf an spezifischen Angeboten

mindestens aufrecht, eher aber noch weiter ausgebaut

werden. Neben niedrigschwelligen Angeboten der Aidshilfe

in Stadtmitte und Hamborn und dem kostenlosen

Spritzentausch ist es für die Zukunft unerlässlich, weitere

Mittel in die Prävention zu investieren.

Weiter besteht die Möglichkeit während der Öffnungszeiten

auch persönlich gebrauchte Spritzen gegen neue

Materialien zu tauschen. Dabei wurden 2500 Materialien

vergeben.

Insgesamt ist das Angebot des Spritzentausches und

der Automaten nach wie vor eine sehr erfolgreiche

Maßnahme der strukturellen HIV- und HCV-Prävention.

Spritzenautomat Bismarckstr. 67

von innen mit Entsorgungsbox

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

Aufgrund mangelnder Ressourcen und fehlender ehrenamtlicher

Mitarbeitenden konnten im Berichtsjahr

in diesem Arbeitsbereich keine Projekte umgesetzt

werden.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2018 haben wir über das komplette

Jahr an allen Wochenenden und Feiertagen also insgesamt

an 65 Tagen die Vergabe von Methadon in der

Aids-Hilfe in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der

Substituierten lag im Durchschnitt bei 70 Personen. Die

Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Seit 2014 wird die

Vergabe von Honorarkräften begleitet. Insgesamt vier

Ärzte entsenden ihre Patient*innen. Die Vergabe in der

Aids-Hilfe führen vier Ärzte durch.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, unseren

Honorarkräften und den Apotheken verlief weiterhin

reibungslos. An dieser Stelle einen ganz herzlichen

Dank an die Mitarbeiter*innen für ihr Engagement und

47


ihre Mithilfe.

Weiterhin wird bei fast jeder Vergabe den Substituierten

Kaffee angeboten mit Ausnahme von den Tagen,

an denen unser Gruppenraum durch andere Veranstaltungen

belegt war. Am letzten Sonntag im Monat gibt

es ein ehrenamtlich organisiertes Frühstück. Bei der

Vergabe und dem Frühstück bietet sich die Gelegenheit,

sich über Sorgen und Nöte auszutauschen. Hierbei

bietet sich regelmäßig die Möglichkeit zur Präventionsberatung

und zu Safer-Use-Strategien.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter

(PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an

Aids erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil

der Drogenarbeit innerhalb der Aids-Hilfe.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der

Klient*innen, die in ihrer Lebenssituation gestärkt

und unterstützt werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt

dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der

Klient*innen. Das bedeutet in erster Linie, dass das

subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und

die Lebensverhältnisse verbessert werden sollen. Entsprechend

dieser Zielsetzung steht bei einigen Substituierten

die Verbesserung des Gesundheitsstatus im

Mittelpunkt, während bei anderen die Sicherung der

materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer

Netze im Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir

in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um

wenige Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den

substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel

problemlos. Des Weiteren stellen wir den Kontakt

zu dem HIV-Schwerpunkt-Arzt oder den Ambulanzen

her und unterstützen die Drogengebraucher*innen, die

zum Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser

Fachrichtung haben, sich in eine adäquate Behandlung

zu begeben. Teilweise ist es jedoch schwierig, neue Klient*innen

in ein relativ schematisches Korsett zu bringen,

welches für eine HIV Behandlung notwendig ist

(regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter,

regelmäßige Tabletteneinnahme, Compliance).

enthalten.

Insgesamt hatten wir im Berichtsjahr 762 zeitintensive

Psychosoziale Begleitungskontakte.

Wir sehen hier steigende Bedarfe der Begleiteten auch

Angebote von Betreutem Wohnen in Anspruch zu nehmen.

Hier wurden wir vermittelnd tätig.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten

Drogengebraucher*innen

Im Jahr 2018 hat die Aids-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel

in Kooperation mit JES Duisburg 121 Streetworkeinsätze

in Duisburg Mitte im Kantpark geleistet. In Duisburg

Hamborn am Rathaus waren wir 18 Mal unterwegs.

Ziel dieser Einsätze waren die Aufklärung zu Safer-Use

Strategien, klientenzentrierte Beratung zu Ansteckungswegen

bei HIV, Hepatitis und anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten und die Ausgabe von ca.

6743 Spritzen und anderen Safer-Use Materialien. Eine

weitere wichtige Funktion ist dabei die Alltagsberatung,

z.B. Hilfestellungen und Unterstützung zu Anträgen

oder das Verweisen/Vermitteln an andere Hilfsangebote

oder Institutionen. Genau wie auch im Bereich der

PSB stiegen hier die Anfragen zu Betreutem Wohnen.

Allerdings ist es durch die schon beschriebene derzeitige

Vertreibungspolitik schwierig, überhaupt Menschen

anzutreffen, geschweige denn mit der nötigen Ruhe

Problemstellungen zu besprechen.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care

Sets verteilt. Zudem wurde unbeschichtete Alufolie

zum Rauchen gut angenommen. Im Sinne des Safer-Use-Gedankens

stellt diese Konsumform eine gute

Alternative zum intravenösen Gebrauch dar und wird

von der Szene gut angenommen.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-Positive Drogengebraucher*Innen

bzw. Subsituierte erreicht werden,

die ansonsten die AIDS-Hilfe selten aufsuchen.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu stärken. Durch die eigene

Bewältigung von Problemen und Aufgaben erfahren sie

eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Im Jahr 2018 ging es in der PSB vor allem um Hilfestellungen

im medizinischen und alltäglichen Bereich, die

Vermittlung in eine Schuldnerberatung, Unterstützung

bei Ämtergängen und Postverkehr und Vermittlung zu

einer Substitutionsärztin und Hilfestellungen und Unterstützung

bei der Organisation von Krankenhausauf-

48


Insgesamt hat die sozialräumliche Arbeit positive Auswirkungen

auf die drogengebrauchenden Menschen,

z.B. stärken Einbeziehung und Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben das Selbstwertgefühl. Regelmäßige

Gespräche mit Anwohnern und anderen Akteuren fördern

aber ebenso die Akzeptanz gegenüber Drogengebraucher*innen

und wirken Diskriminierung und Kriminalisierung

entgegen.

JES Duisburg hatte 2018 insgesamt 22 Gruppentreffen.

Zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

wurde eine erfolgreiche gemeinsame Aktion mit

dem Suchthilfeverbund durchgeführt (siehe unten).

JES Duisburg stand in Verbindung mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle

und erhielt die Selbsthilfe-Förderung

nach §20 SGB V von 500Euro.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene

Drogengebraucher*Innen“ am 21. Juli

Das Frühstück für Drogengebraucher*innen, Ehemalige,

Substituierte und Freund*innen fand in der Aids-Hilfe

im Berichtsjahr 2018 regelmäßig am dritten Freitag

im Monat statt. Das Frühstück wird überwiegend von

zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und mit

Lebensmittelspenden vom Verein „Bürger für Bürger“

unterstützt. Hierfür sagen wir recht herzlichen Dank.

Das Frühstücksangebot wurde gut angenommen. Allerdings

sind auch hier die Folgen der Vertreibungspolitik

deutlich spürbar, da die direkte Bewerbung des Frühstücks

vor allem durch den Face-to-face-Kontakt stattfindet.

Auf Initiative des Landesverbandes der Eltern und

Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit

NRW e.V. finden seit 1998 jedes Jahr zum Gedenktag

für verstorbene Drogenabhängige Aktionen

und besinnliche Gedenkveranstaltungen satt. 2018

also zum 20. Mal. In diesem Zeitraum sind mindestens

45.000 Menschen an den Folgen von Kriminalisierung,

Schwarzmarktsubstanzen, Überdosierung sowie HIVund

Hepatitis-Infektionen verstorben.

Der Aufbau einer Substitutionsambulanz in Duisburg

ist eine wichtige Säule, um den Zugang zur medizinischen

Versorgung langfristig sicherzustellen. Nur so

kann die Zahl der Todesfälle minimiert und das Überleben

von Drogengebraucher*innen sichergestellt werden

können.

In Duisburg sind im vergangenen Jahr drei Menschen,

die illegale Drogen konsumierten, verstorben. Dies ist

49


eine erneute Steigerung zum Vorjahr. Die Dunkelziffer

ist jedoch leider viel höher. Das ist vor allem den gesellschaftlichen

und gesetzlichen Umstände geschuldet.

Es gibt in Duisburg keinen Drogenkonsumraum. In

einem solchem Raum wäre geschützt unter sicheren

Bedingungen der Konsum möglich. Medizinisch ausgebildetes

Personal kann bei lebensgefährlichen Überdosierungen

Akuthilfe leisten, sterile Spritzen werden zur

Verfügung gestellt und im Verhältnis 1 zu 1 getauscht,

es besteht die Möglichkeit in Therapien oder Entgiftungen

zu vermitteln. Auch die nicht Drogen konsumierende

Bevölkerung wird durch Drogenkonsumräume

deutlich entlastet, da durch diese der Konsum illegaler,

harter Drogen in der Öffentlichkeit, etwa in Parkanlagen

wie dem Kantpark, auf offener Straße sowie in Verkehrsstationen

erheblich reduziert werden konnte. Das

belegen auch Beispiele aus anderen Städten. Dies führt

wiederum auch dazu, dass dort deutlich weniger benutztes

Spritzbesteck, aufgeschnittene Blechdosen und

weitere Mittel vorzufinden sind, welche zum Konsum

der Drogen außerhalb von Drogenkonsumräumen trotz

damit verbundener gesundheitlicher Risiken oft verwendet

werden. Somit wird auch die damit verbundene

Verletzungsgefahr deutlich verringert. Drogenkonsumräume

gibt es in zehn Städten in NRW u. a. Dortmund,

Bochum, Essen, Wuppertal und sogar in Troisdorf.

Die Substitution mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln

kann helfen, die Drogengebraucher*innen

gesundheitlich und sozial zu stabilisieren, den Drogenkonsum

zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. In

Duisburg wird die Substitution durch engagierte niedergelassene

Ärzte gewährleistet und hier ist auch mit

der Wochenendvergabe die Aids-Hilfe ein Partner im

System. Für die Zukunft gilt es jedoch, neue substituierende

Ärzt*innen zu finden, da die bisherigen in

absehbarer Zeit aus Altersgründen ihre Tätigkeit aufgeben

werden. Eine zentrale Forderung von JES und

der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist die Substitution

mit Diamorphin, welches als Arzneimittel und

zur Substitution zugelassen ist, aber nur in einigen wenigen

Städten verfügbar ist.

Die einzigen niedrigschwelligen Angebote in Duisburg

werden von JES Duisburg und der AIDS-Hilfe aufrecht

erhalten, hierbei handelt es sich um das Streetwork

und zweimal monatlich ein Frühstück, am dritten

Freitag und letzten Sonntag im Monat. Die klassische

Drogenhilfe in Duisburg hat kein Kontakt-Cafe und erreicht

daher keine Drogengebraucher*innen im niedrigschwelligen

Bereich.

Durch die Substitution werden drogengebrauchende

Menschen älter und benötigen spezifische Angebote,

da sie in bestehende Altersheime kaum zu integrieren

sind. Auch hier sind in Duisburg im Gegensatz zu anderen

Städten, keine Angebote in Planung.

Generell liegt in der Illegalität das Hauptproblem der

Drogenkonsumenten. Die überteuerten Preise auf dem

Schwarzmarkt erzeugen Beschaffungskriminalität und

Beschaffungsprostitution. Dies führt zu Kriminalisierung,

Stigmatisierung, sozialer Ausgrenzung und massiven

Schäden an Körper und Seele. Der Schwarzmarkt

ist auch die Ursache für die Streckung des Stoffes mit

gesundheitsgefährdenden Beimengungen wie Arsen,

Puddingpulver oder zerstoßenem Glas.

Der bessere Weg wäre es, Energie und finanzielle Mittel

nicht für die Prohibition sondern für Präventions- und

Hilfsangebote für Menschen zur Verfügung zu stellen,

die mit ihrem Drogenkonsum Probleme haben.

Am 21.07. führten wir eine gemeinsame Aktion mit JES

Duisburg und dem Suchthilfeverbund Duisburg, zum

Gedenktag der verstorbenen Drogengebraucher*innen,

durch.

Es gab einen Infostand in der Innenstadt. Wir stellten

Kreuze und Kerzen für die im Jahr 2018 verstorbenen

Drogengebraucher*innen auf. Es wurden weiße Rosen

an die Passantinnen und Passanten verteilt und gleichzeitig

ein Folder überreicht. In diesem Folder befanden

sich die Presseerklärung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. und eine Forderung zu Drogenkonsumräumen

vom Bundesverband der akzeptierenden Eltern

und Angehörigen e.V., vom JES Bundesverband, der

DAH und Akzept e.V.

Durch die gemeinsame Aktion wurden ca. 150 Passanten

erreicht und mit ihnen teilweise intensiv über die

aktuelle Situation der drogengebrauchenden Menschen

in Duisburg diskutiert.

50


Medial gab es am 21.07. einen Artikel in den Printmedien.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch

die hauptamtliche Mitarbeiterin für den vorgenannten

Bereich in dem Arbeitskreis Suchtmedizin

(Qualitätszirkel der substituierenden Ärzte), am Landesarbeitskreis

„Drogen und Haft“ und in der PSAG Basisarbeitsgruppe

„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist Mitglied im

Landesverband JES NRW e.V. Aufgrund eines Projektantrages

von JES NRW letztes Jahr über die Krankenkassenförderung

konnten der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e. V. Care-Packs, Spritzen, Feuerzeuge,

Abbinder und Smoke-it-Sets für das Streetwork zu

Verfügung gestellt werden. Ebenso wie eine Drop-Flag

von JES Duisburg, z.B. zur Nutzung am Gedenktag für

verstorbene Drogengebraucher*innen. Von diesen Materialien

konnte auch 2018 profitiert werden.

Zusammen mit JES Duisburg nahm die hauptamtliche

Mitarbeiterin für den Drogenbereich an der Mitgliederversammlung,

an den JES NRW-Treffen, JES Westschienentreffen

und an Fachtagen u.A. dem Akzept

Kongress teil.

51


5.3 HIV und Strafvollzug

vollzug führen. Neben dem Angebot der Gruppenarbeit

ist daher vermehrt auf die visuelle Präventionsarbeit

zu setzen sowie dem Auslegen der Informationsmaterialien

in anderen Sprachen. Hier zeigt sich in der Praxis

deutlich, dass die Informationsvermittlung in Flyern

und Plakaten kurz und prägnant erfolgen muss und

viele Bilder enthalten muss, um eine visuelle Untermalung

des Geschriebenen zu gewährleisten.

Aufgrund der Defizite, die die Inhaftierten vorweisen

(niedrige Intelligenz, geringe Regelakzeptanz, geringe

soziale Kompetenz, Drogenabusus, geringes Selbstbewusstsein,

Impulsivität) müssen die Angebote der

AIDS-Hilfe, die sich im Rahmen der strukturellen Prävention

für eine autarke und akzeptierende Arbeit mit

den Menschen einsetzt, den Gegebenheiten angepasst

umgesetzt werden.

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2018 durch die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf der lokalen

und landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten

Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in

Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im

Bereich „HIV und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei

dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der Aidshilfe

NRW e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten,

dem offenen Vollzug sowie

den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region

kooperiert, um die Präventionsarbeit für Bedienstete

und Inhaftierte im Bereich Strafvollzug zu platzieren.

Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen

und Schutzmöglichkeiten im Themenfeld der sexuellen

Gesundheit mit dem Fokus auf sexuell übertragbare

Infektionen (STI´s), vor allem im Hinblick auf

HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte

waren die Begleitung HIV-positiver Inhaftierter sowie

die Durchführung regelmäßiger Gruppenangeboten für

inhaftierte Frauen sowie Männer zum Thema „Gesundheit

in Haft“.

Um die Infektionsketten effektiv zu unterbinden sind

daher „Basics“ notwendig, die den inhaftierten Menschen

vermittelt werden müssen. Neben Körperhygiene

und sozialer Kompetenz (von sozialer Kompetenz

gibt es mehrere Definitionen; nach Hirsch und Pfingster

ist soziale Kompetenz ein Gleichgewicht zwischen

den eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen von

der sozialen Umwelt) sind dies vor allem die Stärkung

des Selbstbewusstseins und die Verbesserung der

Kommunikation. Wenn diese „Basics“ vermittelt werden

konnten, kann die „eigentliche“ Präventionsarbeit

umgesetzt werden.

Daher hat sich das Angebot der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V. in den letzten Jahren verändert, welches

sich im folgenden Jahresbericht auch niederschlägt.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise

weiterhin über das Justizministerium NRW zum

Teil refinanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass

unser Ansatz über die Region Duisburg hinaus anerkannt

und gewürdigt wird.

5.3.1 Einführung

Tendenziell kann in den letzten Jahren eine Veränderung

der Zielgruppe „Menschen in Haft“ beobachtet

werden. Zum einen nimmt die Anzahl der Insassen,

die eine

psychische Störung aufweisen, zu (hier stellt sich die

Frage, ob eine Hafttauglichkeit immer gegeben ist) und

zum anderen sind immer weniger Inhaftierte der deutschen

Sprache mächtig. Diese Veränderungen müssen

daher auch zu einer Anpassung unserer Arbeit im Straf-

52


- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Regelmäßige Gruppenveranstaltungen

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Die AIDS-Hilfe hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis

„Drogen und Haft“ der Aidshilfe NRW e.V. teilgenommen.

Durch den regelmäßig stattfindenden

fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich

modifiziert, einheitliche Standards erarbeitet und somit

die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

European HIV/AIDS Archive

Die Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. im

Strafvollzug wurde durch ein Interview einer Mitarbeiterin

der Humboldt-Universität zu Berlin im European

HIV/AIDS-Archive integriert. Weitere Informationen zu

diesem Projekt sind unter dem Link www.euroethno.

hu-berlin.de zu finden.

Unsere Mogelpackung, die in Kooperation mit der Deutschen

AIDS-Hilfe entstand, soll in diesem Zusammenhang

ebenfalls auf einer Ausstellung in Berlin zu sehen

sein

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen

in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt

Duisburg-Hamborn sowie deren Zweiganstalt in Dinslaken.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind

das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien

beim intravenösen Drogenkonsum (IVDU), sexuelle

Kontakte und Tätowieren / Piercen. Daher hat die

Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

Intravenöser Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb,

aber die Inhaftierten, die ihren Konsum in Haft fortsetzen,

tun dies unter hoch riskanten Bedingungen und in

der Regel in Form eines gemeinsamen Gebrauches von

Spritzen, Nadeln und anderen Spritzutensilien. Wedershoven

(s. Wedershoven C. Katamnese der HIV-Infektion

bei drogenabhängigen und nicht-drogenabhängigen

Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des Landes

Nordrhein-Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile

Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle der von ihr

untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand, dass

bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen

bis zu neun Personen eine Spritze zusammen

benutzten (s. Knapp R., AIDS im Strafvollzug. Zur

Situation HIV-Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener

unter besonderer Berücksichtigung der Problematik

intramuralen Drogenkonsums: Ergebnisse einer

empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen.

Bonn (Unveröff. Diss. 1996).

Sexuelle Beziehungen

53


Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie

der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von

gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch so gut wie

unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten

heterosexuelle Kontakte im Rahmen der Besuchszeit

von (Ehe-) Partner*innen (z.B. JVA Werl, JVA

für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten

sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung

von Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies

wird nicht zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen.

Der Drang nach sexuellen Handlungen führt zu

einer Abspaltung der Sexualität von der allgemeinen

sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche

Handlungen praktiziert, die konträr

zur Haltung und allgemeinen Aussage der Inhaftierten

stehen. Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität

wird teilweise bzw. vollständig auf Kondomgebrauch

verzichtet. Die Prävention steht hier vor einem

Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität in Präventionsveranstaltungen wird mit

Ablehnung begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit

eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen

zu Übertragungswegen vertrauensvoll beantwortet

werden, bietet die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis-

/ HIV-Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn

und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit

von Hepatitis C und, in geringerem Ausmaß, von HIV.

Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten

durchgeführt, um hier eine Aussage in Richtung Risiko,

Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über

Tätowieren und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit

und bietet den Rahmenbedingungen entsprechende

Lösungsansätze an.

5.3.5 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten

durchgeführt. Neben den Übertragungswegen von HIV

und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten

und mögliche Schutzmaßnahmen angesprochen

(Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung

des „Blutbewusstseins“, Vorgehen bei Nadelstichverletzungen

und Safer Sex - Praktiken bei Männern,

die Sex mit Männern haben sowie Frauen, die Sex mit

Frauen haben).

Auch am Sommerfest in der Untersuchungshaftanstalt

für Frauen in Dinslaken war die AIDS-Hilfe mit

einem Informationsstand vertreten. Frauen konnten,

nach dem sie drei Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden

beantwortet hatten, an einem Glücksrad drehen. Als

Trostpreise gab es Lippenpflegestifte und als Hauptpreise

Duschgels.

Ca. 85 Frauen konnten so erreicht werden.

5.3.6 Begleitung

54

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten

Frauen und Männern die Möglichkeit, regelmäßig

(in der Regel alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu sprechen.

Hier werden folgende Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten,

Stadium der HIV-Infektion, medizinische

Behandlung sowie die Angebote der AIDS-Hilfe (z.B.

Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung


nach der Haftentlassung etc.).

Außenansicht des Flyers

Innenansicht des Flyers

5.3.7 Resümee

Aufgrund von strukturellen Problemlagen (insbesondere

Personalmangel und unklare Zuständigkeiten) konnte

im letzten Jahr nicht durchgängig das Gruppenangebot

der AIDS-Hilfe im Strafvollzug angeboten werden.

Nach einem Treffen im Strafvollzug wurden die Problematik

angesprochen und eine Optimierung der Abläufe

verabredet.

55


5.4. Frauen und HIV und Aids-Prävention bei

Frauen in besonderen Lebenslagen

Im Berichtsjahr 2018 konnte die Arbeit im Bereich

Frauen und HIV/Aids sowie für Frauen in STI relevanten

Lebenslagen mit Hilfe der Bereitstellung der Fördermittel

für die zielgruppenspezifische Prävention des

Landes NRW umgesetzt werden. Sie ist seit vielen Jahren

fester Bestandteil unserer Angebote.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der Beratung

und psychosozialen Begleitung von Frauen mit HIV und

Aids aus unserer Region Duisburg / Kreis Wesel mit

ca.1 Mio. Einwohnern.

Die angestrebten Projektziele konnten aufgrund einer

kontinuierlichen Besetzung dieses Arbeitsbereiches

durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin erreicht und in

dem Maße umgesetzt werden, wie diese geplant wurden.

Die Projektinhalte umfassen insbesondere Beratung /

Begleitung von Frauen mit HIV / Aids, die Gestaltung

bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, den Abbau

von gesellschaftlichen Diskriminierungen und die Primärprävention

bei spezifischen Zielgruppen innerhalb

des Frauenbereiches.

Im Berichtsjahr 2018 konnten durch die Projektnehmerin

insgesamt 220 persönliche 93 telefonische und

379 zeitintensive Beratungs- und Begleitungskontakte

(PSB) verzeichnet werden. Innerhalb der bundesweiten

anonymen Telefonberatung waren es 154 Beratungskontakte.

Die insgesamt 846 Beratungs- und Begleitungskontakte

verteilen sich wie folgt:

522 Frauen,

323 Männer

1 transidentische Person.

Hiervon hatten 418 einen Migrationshintergrund.

Im Bereich der zielgruppenspezifischen Prävention –

Frauen und Prostitution- wurden im Berichtsjahr 360

Sexarbeiterinnen durch Streetwork und Aktionen in

den Laufhäusern der Vulkanstraße und auf dem Straßenstrich

erreicht.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Besetzung der für

unsere Region einzigen auf HIV spezialisierten strukturellen

Präventionsstelle mit einer qualifizierten hauptamtlichen

Projektnehmerin unerlässlich ist.

Im Jahr 2018 wurde insbesondere deutlich, dass für

eine erfolgreiche Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen

die Vernetzung ein wesentlicher Bestandteil ist.

Vernetzungen fanden auf der überregionalen Ebene

mit den benachbarten AIDS-Hilfen Dortmund, Essen,

Oberhausen, Bochum, Düsseldorf und Unna sowie auf

landesweiter Ebene innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und HIV/Aids in NRW“ und auf lokaler

Ebene insbesondere mit dem ÖGD Duisburg statt.

So konnten vorhandene personelle Ressourcen gebündelt

werden, was eine effiziente Planung und Durchführung

der Projekte gewährleistete.

Darüber hinaus ist der fachliche Austausch auf der

kollegialen - ebenso wie die auf der Selbsthilfeebene

- unverzichtbar, um das Projekt adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel

wurde auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt, der

landesweiten, ruhrgebietsweiten und der kommunalen

Ebene.

Projektziele

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Ziele 2018

darin, durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und HIV / Aids in NRW“

den fachlichen Austausch fortzuführen und die Marke

XXelle weiter politisch zu positionieren. Durch die inhaltliche

Auseinandersetzung mit den Fachfrauen auf

der Landesebene entwickeln sich neue Projektideen,

die sich auf der lokalen und regionalen Ebene umsetzen

lassen. So konnten gemeinsame Veranstaltungen

geplant und durchgeführt werden. Die kontinuierliche

Beteiligung der Projektnehmerin an der Arbeitsgemeinschaft

Öffentlichkeitsarbeit der LAG „Frauen und HIV /

Aids in NRW“ konnte auch im Jahr 2018 sichergestellt

werden.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene wurde die sehr gute

Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Aidshilfen Dortmund,

Bochum, Essen, Düsseldorf, Oberhausen und

Duisburg / Kreis Wesel weiter fortgeführt.

Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen konnten

im Jahr 2018 gemeinsame Aktionen geplant und

durchgeführt werden. Hierbei handelte es sich sowohl

um Angebote für Klientinnen als auch um öffentlichkeitswirksame

Aktionen. Es fanden regelmäßige Arbeitstreffen

statt. Darüber hinaus erfolgten weitere

Vernetzungstreffen des Runden Tisches Ruhrgebiet, an

dem alle Ruhrgebiets –Aidshilfen und andere Träger mit

XXelle-Standorten teilnehmen. Ebenso fanden in regelmäßigem

Turnus „ XXelle - Runder – Tisch“ – Arbeitstreffen

der beteiligten Fachfrauen im Ruhrgebiet statt,

in denen unter anderem die Planung und Durchführung

öffentlichkeitswirksamer Aktionen erfolgte.

Im Jahr 2018 konnte innerhalb der XXelle Ruhrgebietsvernetzung

erstmalig eine Beteiligung am Ruhr International

- in Bochum, vom 16.06.-17.06.2018 - realisiert

werden. In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen

Essen, Bochum, Düsseldorf, Dortmund, und Duisburg

/ Kreis Wesel wurde dieses Angebot umgesetzt. Die

Koordination hatte die Aidshilfe Bochum perfekt übernommen.

56


tiver Beitrag, der sozialen Isolation entgegen

zu wirken und positive Begegnungen zu fördern

und somit eine willkommene Abwechslung zum

regulären Alltag. Hier wurden Kontakte und

Freundschaften zu anderen HIV positiven Frauen,

Kindern und ihren Familien hergestellt.

Auf der lokalen Ebene erwies sich die Zusammenarbeit

mit dem Duisburger Frauennetzwerk Agenda 21 auch

im Jahr 2018 als sehr erfreulich und konstruktiv.

Durch tatkräftige Unterstützung von Herzenslust Bochum,

Nekabene und Mashallah Essen sowie zahlreichen

ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, konnten wir

insgesamt mindestens 1.200 Kontakte verzeichnen.

Davon waren laut Schätzungen:

ca. 75% Migrant*innen.

40% Kinder bis 14 Jahre

15% Jugendliche bis 17 Jahre

25% Frauen

20% Männer

Diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv die Vernetzung

von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die Bündelung

von personellen und finanziellen Ressourcen

konnte dieses Projekt umgesetzt werden.

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration

Eine besonders wichtige Zielgruppe innerhalb der frauenspezifischen

Arbeit sind Migrantinnen. Hierbei handelt

es sich um eine sehr heterogene Personengruppe.

Unterschiedliche Formen der bereits erfolgten oder

noch zu erfolgender Integration in Bezug auf sprachliche,

kulturelle oder soziale Integration spiegeln sich

hier wieder.

Die Zielgruppe Migrantinnen - Frauen mit Kindern

und HIV/Aids - wurden ebenfalls durch

verschiedene ruhrgebietsweite Veranstaltungen

erreicht.

Insgesamt nahmen 27 Teilnehmer*innen – 8

Mütter, 2 Väter, 14 Kinder, 1 ehrenamtliche

Mitarbeiterin und 2 Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen

- an einem Familienausflug zum

Ketteler- Hof, teil. Die Erfahrung der letzten

Jahre hat gezeigt, dass gerade alleinerziehende

Frauen und ihre Kinder mit HIV/Aids dieses

Angebot sehr gerne nutzen. Oftmals verfügen

diese Familien über keinerlei finanzielle Ressourcen

zur Realisierung von Freizeitaktivitäten.

Des Weiteren ist dieses Angebot ein krea-

Am internationalen Frauentag, welcher in diesem Jahr

an 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnerte, hat die Projektnehmerin

dies zum Anlass genommen und den Film

Suffragetten gezeigt. Insgesamt nahmen 7 Frauen an

dieser Veranstaltung teil.

Der Arbeitsbereich Frauen und Migration war im Berichtsjahr

gekennzeichnet durch zeitintensive Beratungs-

und Begleitungsarbeit.

Im Jahr 2018 konnte durch die Projektnehmerin in

Duisburg und den Kreis Wesel die Beratung / Begleitung

von Frauen mit Migration und HIV / Aids sichergestellt

werden. Insbesondere für Frauen mit Migrationshintergrund

und HIV / Aids ist diese Form der geschlechtsspezifischen

Arbeit unabdingbar.

Die zielgruppenspezifische Prävention auf dem Duisburger

Straßenstrich konnte im Berichtsjahr 2018 -in

Kooperation mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg- regelmäßig im 14-tägigen Rhythmus

erfolgen.

Zeitlich wird darauf geachtet, die Frauen möglichst

noch vor Aufnahme ihrer Tätigkeit zu erreichen, um die

Möglichkeit für individuelle Fragestellungen zu geben.

Thematisch geht es vor allem darum, sich über sexuell

übertragbare Krankheiten zu

informieren, sich zu schützen und ausstiegsorientierte

Problemstellungen zu bewältigen. Gerade bei drogenabhängigen

Frauen, die der Beschaffungsprostitution

nachgehen, sind aufgrund der HIV Relevanz in dieser

Population, Beratungs- und Testangebote von großer

Bedeutung.

In abendlichen Gesprächen während der aufsuchenden

Arbeit wird auf die verschiedenen Möglichkeiten

der Substitution und entsprechende Beratungsangebote

der AIDS- Hilfe Duisburg/Kreis Wesel hingewiesen.

Ein mehrsprachiger Flyer, den wir insbesondere neuen

Frauen auf dem Straßenstrich anbieten, weist auf

HIV-Testmöglichkeiten, STI - Untersuchungsangebote

im Gesundheitsamt hin. Gelegentlich werden auch

konkrete Termine vereinbart, die jedoch nicht immer

eingehalten werden.

Während einer Straßenstrichaktion, die in Kooperation

mit Kober Dortmund stattfand, wurden Flyer in verschiedenen

Sprachen zur Anmelde- und Beratungspflicht

nach den ProstSchG an Sexarbeiterinnen ver-

57


teilt. Des Weiteren konnte die Bewerbung der LolaApp

erfolgreich umgesetzt werden.

Im Jahr 2018 konnten insgesamt 360 Sexarbeiterinnen

erreicht werden. Auf dem Straßenstrich in Duisburg

sind ca. 80% der Frauen Migrantinnen, vor allem aus

Osteuropa. Viele besitzen keine Krankenversicherung

und verfügen – wenn überhaupt - nur über geringe

Deutschkenntnisse.

Hier ist Sensibilität und Empathie in Bezug auf unterschiedliche

Kulturen und der allgemeinen Lebenssituation

der Frauen gefragt.

Sexarbeiterinnen sind eine multinationale, heterogene

und gesundheitlich gefährdete Gruppe, die oft nur einen

eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem

haben. Die STI-Prävention stößt somit an Grenzen, die

durch z.B. Lebensbedingungen, soziale und wirtschaftliche

Zwänge, Armut, Unwissenheit über STI und Verhütungsmethoden

gesetzt werden.

Darüber hinaus gibt es wie bei vielen Menschen eine

Tendenz, medizinische Hilfe nur bei akuten Beschwerden

in Anspruch zu nehmen. Ein kontinuierliches

Beratungs- und Untersuchungsangebot sollte auch

aus diesem Grund eine Grundvoraussetzung für die

STI-Prävention bei Sexarbeiterinnen sein.

Die regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen

langfristigen Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen.

Darüber hinaus gewährleistet die Kontinuität,

dass die Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen

der Arbeit vor Ort angepasst wird.

Hierbei steht vor allem die Verbesserung der Arbeitssituation

der Frauen im Fokus. Beratungs- und medizinische

Angebote werden durch niedrigschwellige,

arbeitsplatznahe und aufsuchende Arbeit angeboten.

und die Präsentation in der (Fach-) Öffentlichkeit.

Mit Hilfe der personellen Ressourcen konnte die Beratung

und Begleitung von Frauen mit HIV/ Aids sichergestellt

und umgesetzt werden.

Aufgrund der komplexen Problemlagen und sehr heterogenen

Ausgangslagen der betroffenen Frauen beansprucht

die Beratungs- und Begleitungsarbeit die

größten Zeitkapazitäten. Dementsprechend sehen und

setzen wir hier auch die Priorität.

Nach Einführung der gesetzlichen Verpflichtungen

durch das ProstSchG, ist ein verstärkter Rückzug von

Sexarbeiterinnen sowohl auf dem Straßenstrich und

insbesondere in den Laufhäusern der Vulkanstraße zu

beobachten.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist ein wichtiger

Teil der Ruhrgebietsvernetzung und mittlerweile

fester Bestandteil der Angebote für Frauen mit HIV/

Aids der AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Auf der lokalen, regionalen und landesweiten Ebene

hat sich das etablierte Netzwerk hier äußerst bewährt

und hervorragende kollegiale Unterstützung geleistet.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2018 konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg

/ Kreis Wesel verbundene frauenspezifische Angebot

und die feste Ansprechpartnerin wieder öffentlichkeitswirksam

präsentiert werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit konnten die Angebote

auf den Internetportalen: www.xxelle.nrw.de,

www.xxelle.ruhrgebiet und aufgrund einer kontinuierlichen

Aktualisierung der Termine auf unserer Homepage,

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de , Frauen

zugänglich gemacht werden.

In der Adventszeit wurde in Kooperation mit dem ÖGD

Duisburg -wie jedes Jahr - eine Weihnachtsaktion in

den Bordellen/ Laufhäusern und auf dem Straßenstrich

in Duisburg durchgeführt.

Mit tatkräftiger Unterstützung einer Sprachmittlerin,

konnte die Projektnehmerin in nächtlichen Aktionen

insgesamt 183 Sexarbeiterinnen mit Kondomen, und

Angeboten zur Untersuchung von STI´s erreichen.

Die strukturelle HIV- und STI- Prävention für Sexarbeiterinnen

ist somit weiterhin unbedingt erforderlich.

Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die frauenspezifische

Arbeit von XXelle Duisburg/ Kreis Wesel

wieder kontinuierlich und erfolgreich umgesetzt werden

konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Vernetzungsstrukturen von XXelle Ruhrgebiet

58


59


Gefördert durch das

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (HIV-/AIDS-Prävention in sexualpädagogischem

Kontext) ein fester und wichtiger

Bestandteil der Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. Auch wenn das alte richtliniengestützte

Förderprogramm (1988 vom damaligen MAGS

NRW eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge

des Kommunalisierungsprozesses seit 2009 grundsätzlich

nicht mehr landesgesteuert ist, so ist aufgrund der

unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung

erhalten geblieben, sondern auch die kommunalen

Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch gedeckelt

und nicht mehr auskömmlich, s.o.) – zumal auch die

„Sexualpädagogisch orientierte HIV-Primärprävention

für Kinder und Jugendliche in Schulen und im außerschulischen

Bereich“ zu den kommunalen Pflichtaufgaben

nach Öffentlichem Gesundheitsdienstgesetz,

ÖGDG § 12 (1) und dem Infektionsschutzgesetz, IfSG

§ 16, zählen.

Mit Hilfe einer zusätzlichen Förderung durch das damalige

MGEPA NRW konnte seit 2014 eine Relaunch der

Marke „Youthwork“ entwickelt werden, die seit 2016

online ist und stetig weiterentwickelt wird. Das Motto

„dein leben. deine lust“ macht seither noch deutlicher,

um wen und was es bei „Youthwork“ geht - um junge

und jugendliche Menschen und ihre Lebenssituation.

Die neuen Medien bieten im Corporate Design neue Informations-

und Aktionsmöglichkeiten unter dem bewährten

Ansatz (s. www.youthwork-nrw.de ).

Inhaltlich fußt die modernisierte Youthwork-Kampagne

ganz wesentlich auf dem Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen.

Schwerpunkt Neuinfektionen minimieren“ (Juli

2013), welches den spezifischen Arbeitsansatz auch

sehr eindeutig untermauert:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders

gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang

ihrer sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine

wichtige Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche

stehen vor der Herausforderung, zu Beginn ihrer

partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität sich sowohl

mit Fragen der Verhütung und des Schutzes vor sexuell

übertragbaren Infektionen als auch mit physischen und

psychischen Veränderungen auseinanderzusetzen. Die

bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass personalkommunikative

Ansätze in der Sexualaufklärung und

Prävention diese Lernprozesse besonders fördern und

unterstützen. Sie müssen jedoch frühzeitig einsetzen,

kontinuierlich weitergeführt werden und sich an dem

jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen Orientierung

und den sozialen, kulturellen und ethischen Hin-

60


Die Zielgruppenanalyse erklärt eben auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS-Hilfe,

die seit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der strukturellen

und vor allem zielgruppenspezifischen Präventionsarbeit

besitzt. Darüber bringen wir spezifische Kenntnisse

und Feldkompetenzen in den Themenfeldern der

sexuellen Gesundheit, sexueller Vielfalt, Drogengebrauch

und diversen Formen sozialer Benachteiligung

bis hin zu Stigmatisierungsproblematiken mit und können

jeweils flexibel auf Bedarfe in Gruppen oder auf

Einzelpersonen reagieren. Wie bei allen Adressaten,

so gilt auch - und vielleicht besonders - für Jugendtergründen

der Jugendlichen ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

HPV, Syphilis, Tripper und Chlamydien auch

Jugendliche betreffen und sich damit das Risiko einer

HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte der HIV/

AIDS-Prävention und Sexualaufklärung mit den Informationen

zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft

werden. (…)

wir die Nachfragen zumindest überwiegend bedienen

können. Wir agieren häufig in Kooperation mit Partnern

von sexualpädagogischen Angeboten, wie der pro

familia in Duisburg und der AWO im Kreis Wesel, um

Synergien erzielen zu können.

Die Angebote der Schule und der außerschulischen

Jugendarbeit werden durch HIV- und STI-Präventionsmaßnahmen

der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen

unterstützt und ergänzt. Notwendig sind

kontinuierliche und strukturierte Kooperationen und

gemeinsame Projekte zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,

Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen

und anderen Bildungseinrichtungen in öffentlicher und

freier Trägerschaft.“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ vom Juli 2013;

S. 21 f; Die Druckfassung kann bestellt oder heruntergeladen

werden: www.mgepa.nrw.de/ministerium/service,

unter Angabe der Veröffentlichungsnummer 112).

bietet HIV-/AIDS- und

STI-Prävention in sexualpädagogischen Kontext in verschiedenen

Formen und im Kern für die Zielgruppe jugendlicher

Menschen sowie natürlich für An- und Zugehörige

sowie Fachkräfte in der Jugendarbeit:

• Beratung (persönlich, telefonisch, online)

• Präventionsprojekte und -veranstaltungen (im

schulischen und außerschulischen Bereich)

• Aus-, Fort- und Weiterbildung für Multiplikator*innen

• Beratung von Fachkräften in sozialen, pädagogischen,

medizinischen Arbeitsfeldern

• Öffentlichkeitsarbeit

• Lokale, regionale und überregionale Kooperation,

Koordination, Vernetzung.

Diese wichtigen Aufgaben wurden in unserer Region

auch im Berichtsjahr 2018 ausschließlich von den Youthworkern

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel wahrgenommen,

nachdem sich der Kreis Wesel per Kreistagsbeschluss

seit April 2016 komplett aus diesem

Aufgabenfeld herausgezogen hat. In Duisburg hat das

Gesundheitsamt in den letzten Jahren ebenfalls kein

eigenes Angebot mehr vorgehalten.

Seit einigen Jahren sind wir also auch hier die einzigen

spezialisierten Anbieter. Daher sind wir froh, wenn

Jugendliche sind also per se eine besondere Zielgruppe

für den Auftrag der HIV- / STI-Prävention, jedoch differenziert

das besagte Landeskonzept hier noch speziell:

„Besonders zu berücksichtigen sind männliche

Jugendliche im „coming out“, Jugendliche, die Drogen

konsumieren, und Jugendliche in schwierigen sozialen

Verhältnissen, da das Infektionsrisiko in diesen Gruppen

erhöht ist. Sie benötigen einen niedrigschwelligen

Zugang zu den vorhandenen Angeboten der Information,

Beratung und Untersuchung“ (ebd., S. 22).

Der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention unter

Federführung des Referates IV A 5 „AIDS, Sucht

und Drogen“ in der Abteilung IV des Ministeriums

für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS NRW) (s.

www.aids-nrw.de) gebührt ein großes Kompliment für

die Analyse und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen.

Diese sind nach wie vor auf der Höhe

der Zeit. Und - aufmerksame Leser*innen unserer Jahresberichte

haben es längst bemerkt – sie bestätigen

unsere regionale Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze in

eindrucksvoller Weise. Zielgruppenspezifische Prävention

ist unser Geschäft!

61


liche der didaktische Grundsatz, dass (Präventions-)

Angebote an der jeweiligen Lebenswelt (akzeptierend)

orientiert werden sollten. „Die Berücksichtigung von

sozialen, ethnischen, kulturellen und geschlechtsspezifischen

Besonderheiten ist Voraussetzung, um Jugendliche

emotional und kognitiv zu erreichen“ (Landeskonzept,

a.a.O., S. 37). Darüber hinaus können Themen

durchaus auch in Präventionsveranstaltungen in heterogenen

Gruppen (wie Schulklassen) integriert oder

exponiert platziert werden. Die Bedarfe werden jeweils

in Planungsgesprächen erhoben.

und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht

unwesentlichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland

und auch in unserer Region tatsächlich nicht zu den

von HIV besonders riskierten Personengruppen zählen.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von HIV-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen

Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat

also nichts an Bedeutung verloren – und dass sie wirkt,

beweisen nicht zuletzt die Infektions-Diagnose-Zahlen

und Inzidenzannahmen des RKI (s. www.rki.de ) für

das Jahr 2017, wonach die Neuinfektionen (ca. 2.700)

immerhin um ca. 6% im Vergleich zum Vorjahr gesunken

sind. Das sieht im Bereich einzelner anderer STI`s

(Gonokokken, Chlamydien et al.) leider ganz anders

aus.

Insofern ist die Berücksichtigung von anderen sexuell

übertragbaren Infektionen auch und gerade für Jugendliche

zunehmend bedeutungsvoll, da sich nach

RKI-Angaben die Diagnosen insgesamt mehren. Auf die

Erwähnung wirklich belastbarer Daten für das Berichtsjahr

2018 müssen wir zwar noch etwas warten, aber

die bisherigen Hinweise scheinen sich einmal mehr zu

verifizieren.

„Youthwork“ will „Appetit“ und / oder „Heiß-Hunger“

machen auf präventive Kommunikation über Liebe, Sexualität

& Partnerschaft – inklusive deren potentielle

Risiken und Nebenwirkungen. „Youthwork“ zielt auf sexuelle

Gesundheit und auf die Befähigung, ein Schutzbedürfnis

kommunizieren und durchsetzen zu können.

Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung wirkt

und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von

Präventionswissen und die Stärkung der Handlungskompetenzen

für die individuelle Gesunderhaltung sowie

die Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens

62

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden

zu können ist eine entscheidende Voraussetzung

für Schutz und Diagnostik. Hier kommt der schulischen

Arbeit eine besondere Bedeutung zu, denn über den

Rahmen der Schulpflicht kann es besser als in weiteren

Lebensphasen funktionieren, möglichst viele Jugendliche

die Erfahrung machen zu lassen, dass dies gelingen

kann – dazu bedarf es guter Unterrichtsprozesse,

geschulter Lehrkräfte (oder noch besser: sexualpädagogischer

Fachkräfte) und am besten gezielter Projektformen

in adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem

Auftrag, s. Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW vom

30.09.1999, BASS 15 – 04 Nr. 1) zudem entscheidend

zur spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei.

Sie sollen damit allerdings nicht allein gelassen werden.

So wird ihnen über den –im Juli 2012- aktualisierten

Runderlass zur „HIV/AIDS-Aufklärung in den

Schulen“ explizit die „Zusammenarbeit mit außerschulischen

Einrichtungen und Fachkräften“ anempfohlen:

„Die Behandlung des Themas HIV und AIDS legt eine

enge Zusammenarbeit der Schule mit den unteren Gesundheitsbehörden

sowie anderen außerschulischen

Einrichtungen und Fachkräften nahe. Hierzu zählen

neben der Ärzteschaft vor allem die bei den Kommunen,

AIDS-Hilfen und anderen freien Trägern angesiedelten

sog. Youth-Workerinnen und Youth-Worker,

die insbesondere sexualpädagogisch orientierte HIV/

AIDS-Aufklärung für Jugendliche durchführen. Ihre

Fachkompetenz sollte sowohl in den Unterricht als auch


in Beratungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen

werden.“ (aus: BASS, 18 – 12 Nr. 4; RdErl. D. Kultusministeriums

vom 01.07.1987, GABI. NW. S. 416; geänderte

Fassung vom 01.07.2012)

Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich

auch gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von

Menschen mit HIV und den von HIV besonders betroffenen

Gruppen –wie z.B. homosexuellen Jungs und

Männern- stark machen. Dies berücksichtigen wir in

unserer Youthwork-Arbeit –soweit es die zeitlichen und

personellen Möglichkeiten zulassen – schon immer.

Eine wichtige Ergänzung in unserem Angebotsportfolio

ist unser ehrenamtliches Projekt SCHLAU-Duisburg

(s. 5.7.). Dieses konnte im Berichtsjahr weiter stabilisiert

werden und konnte über 1.600 Schüler*innen

in zahlreichen workshops erreichen und ist damit das

erfolgreichste SCHLAU-Projekt in NRW geworden. Das

Feedback von den Schulen ist klasse und die Anfragen

wachsen. Wir sind glücklich und stolz darüber. Wir bedanken

uns ganz herzlich für das ehrenamtliche Engagement

sowie auch für die Unterstützung durch das

Jugendamt und den Jugendhilfeausschuss der Stadt

Duisburg.

Interessent*innen sind nach wie vor herzlich willkommen

(s. http://duisburg.schlau.nrw.de oder über facebook:

SCHLAU Duisburg).

Die Teamerweiterung im „Youthwork“ durch die Dipl.

Pädagogin Anika Walther war und ist ein Segen.

Damit konnten wir prinzipiell auch wieder geschlechtsspezifische

Angebote unterbreiten und neue Projektformen

`aus der Wiedervorlage´ holen und umsetzen,

aber auch hier sind die Kapazitäten für das Arbeitsfeld

„Youthwork“ immer noch begrenzt, da Frau Walther

vorwiegend im Bereich der psychosozialen Begleitung

tätig war. Für die Größe der Region und die Anzahl

der Schulen und Bildungsträger ist dies einfach viel zu

wenig. Wir sind froh, wenn wir zumindest die meisten

Nachfragen bedienen können.

Als besonders wert- und sinnvoll erscheint uns ein gemeinsames

Wirken von Frau und Mann im Bereich der

Zielgruppe von Geflüchteten jungen Menschen. Hier

haben wir im Berichtsjahr erneut äußerst positive Erfahrungen

in einer ganzen Reihe von sog. Integrationsmaßnahmen

mit vorwiegend männlichen Jugendlichen

und jungen Männern machen dürfen, die sich durch

einen regelrechten „Bildungshunger“ und durch ein

hervorragendes Sozialverhalten auszeichnen.

Eine wirklich dankbare Aufgabe, die wir gerne wahrnehmen

und damit die Hoffnung verbinden, wichtige

Impulse zu gelingenden Integrationsprozessen geben

zu können.

Sexualpädagogische Stadt-Rallye

Die Sexualpädagogische Stadt-Rallye wurde 2015 gemeinsam

mit der pro familia Duisburg und SchLAU

Duisburg entwickelt.

Aufgrund der damaligen personellen Engpässe bei

SCHLAU Duisburg ersetzt seit August 2017 Lebenslust

– Beratung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*Personen,

deren Freund_innen & Familie den Workshop

von SchLAU Duisburg.

Im Vordergrund der sexualpädagogischen Stadt-Rallye

steht die Präsentation der spezifischen Beratungs- und

Hilfe-Infrastruktur Duisburgs. Mit der Rallye sollen die

teilnehmenden Schüler und Schülerinnen lernen, diese

im Bedarfsfall selbständig und eigenverantwortlich

aufzusuchen.

Darüber hinaus werden in den ca. 40 minütigen Workshops,

die die Schüler*innen durchlaufen von Seiten

der AIDS-Hilfe die Ansteckungswege bei HIV und sexuell

übertragbaren Krankheiten sowie ein vorurteilsfreier

Umgang mit HIV-infizierten und an AIDS erkrankten

Menschen thematisiert. Lebenslust e.V. bespricht mit

den Teilnehmer*innen die sexuelle Vielfalt und den Respekt

vor verschiedenen Lebens- und Liebesformen.

Pro familia Duisburg stellt die Angebote für Jugendliche

bezüglich Schwangerschaftskonflikt- und Sexualberatung

und die sexuellen und reproduktiven Rechte

Jugendlicher dar.

Die Erweiterung der Kommunikations- und Alltagskompetenzen

der Jugendlichen ist ein weiterer Schwerpunkt

der Rallye. So gilt es auf dem Weg von der pro

familia zur AIDS-Hilfe Auskünfte, die thematisch passen,

bei den aktiv beteiligten Handelseinrichtungen

in Duisburg zu erfragen. Beispielsweise stellen die

Schüler*innen im Drogeriemarkt Fragen zu Kondomen

oder sie informieren sich in einer Apotheke über die

„Pille danach“.

Die Rückmeldebögen, welche die Lehrer*innen im Anschluss

an die Veranstaltung mit den Schüler*innen

ausfüllen, dokumentieren, dass die Rallye die gesetzten

Ziele erreicht. So bestätigten beispielsweise die

Teilnehmer*innen, dass ihnen eine Kontaktaufnahme

zu den Beratungsstellen nach der Veranstaltung in

Zukunft leichter fallen würde.

63


2018 ließen sich in Kooperation mit der pro familia

Duisburg e.V. und Lebenslust e.V. sieben Termine erfolgreich

durchführen. Genutzt wurde die Rallye in diesem

Jahr in erster Linie von Duisburger Gesamtschulen

und einer Förderschule. Durchschnittlich nahmen

2018 an einer „Sexualpädagogischen Stadt-Rallye“ 28

Schüler*innen im Alter von 14-17 Jahren teil. Insgesamt

ließen sich mit diesem Projekt 196 Schüler*innen

erreichen.

Das Projekt wurde 2018 mit den Mitteln des „Aktionsprogrammes

Kinder- und Jugendschutz“ der Stadt

Duisburg gefördert.

Danke!

Terminmöglichkeiten und nähere Informationen zur

Sexualpädagogischen Stadtrallye finden sich auf unserer

Homepage (www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

).

batte zur Sexualpädagogik, die vor allem durch sog.

„besorgte Eltern“ befördert wird, schließen wir uns dem

Statement der Gesellschaft für Sexualpädagogik ausdrücklich

an. Außerdem verweisen wir auf die Erklärung

des Bundesverbandes von pro famila zum Recht

auf Sexualaufklärung.

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden

sich auch auf der Internetseite www.youthwork-nrw.

de . Die ca. 60 Youthworker*innen in NRW sind gut

vernetzt und pflegen den fachlichen Austausch sowie

die stete Fort- und Weiterentwicklung über eine jährliche

dreitägige Fachfortbildung und durch quartalsweise

Treffen der Gruppen der fünf Regierungsbezirke.

Diese stellen jeweils zwei Sprecher/innen für den sog.

„Sprecherkreis Youthwork“ ab, der den Kontakt mit

dem Ministerium (MAGS NRW) pflegt und die Fachtagungen

organisiert. Seit 2013 ist der Youthworker der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, Dietmar Heyde, Mitglied

dieses Sprecherkreises.

Darüber hinaus ist Dietmar Heyde seit September 2017

als Vertreter ebendieses Sprecherkreises der Youthworker*innen

NRW vom Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege

in die AG Aidsprävention NRW berufen.

Um auch weitere Chancen auf Umsetzung kreativer

Projektformen zu erhalten, die wir mit den vorhandenen

Ressourcen für das Regelangebot „Youthwork“

nicht vorhalten könnten, ist die „Abteilung Youthwork“

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel seit 2015 beim

Jugendamt der Stadt Duisburg als freier Träger der

Kinder- und Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII anerkannt.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze

sind eindeutig kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz

dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch

Rückmeldungen, Resonanzen und Evaluationserfahrungen

zu unseren Veranstaltungen in diesem Sektor

(s. Abb. Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern)

bestätigt.

Dem Rechnung tragend, gestalten wir unsere HIV-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext und zielen

auf einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre

und ohne pädagogischen Zeigefinger.

„Youthwork NRW“ steht für wertorientierte, altersgemäße

und fachlich fundierte Präventionsarbeit basierend

auf dem Landeskonzept des Gesundheitsministeriums

NRW zur Minimierung von HIV/STI-Infektionen

und den Standards für die Sexualaufklärung in Europa.

Dabei ist uns die Vernetzung und Kooperation im Kontext

von Sexualität und Gesundheit mit professionell

Tätigen und entsprechenden Facheinrichtungen ein Anliegen.

Das landesweite Logo von Youthwork-NRW.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen

massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings

auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate

und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese

Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll vornehmen

zu können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche

mit den Veranstaltungspartnern statt.

Im Zusammenhang der immer noch schwelenden De-

64


Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und

Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder

behandelt werden:

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

• Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und

AIDS und anderen STI`s (Virologie, Immunologie,

...)

• Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

• Testverfahren und ihre Bedingungen

• Epidemiologische Entwicklung und daraus

resultierende Präventionserfordernisse und

–strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und Anoder

Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an

AIDS erkrankten Menschen

• Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

• Diskriminierungs- u. Stigmatisierungspotentiale

• Juristische und ethische Fragestellungen

• HIV in der Arbeitswelt

• Sekundärpräventive Aspekte für Menschen

mit HIV

• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Sexuelle Bildung, sexuelle Gesundheit, sexuelle

Rechte

• LSBTI* Lebens- und Liebesformen (v.a.

über SCHLAU Duisburg)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld

der Sexualität

• u.a.m.

Unsere Youthworkerin Anika Walther und unser Youthworker

Dietmar Heyde

HIV/AIDS- und STI-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und Schüler

aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt.

In der Regel werden unsere Angebote in den

Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen begründeten

Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert

konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht

hier von Formen eines „Expert*innengespräches“ im

Rahmen von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem

Fachhintergrund bis hin zu Projekttagen und – wochen,

die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt

werden.

Mit dem Berichtsjahr 2018 blicken wir im Bereich „Youthwork

/ Prävention in der Allgemeinbevölkerung“ auf

ein sehr aktives Jahr mit leicht steigenden Nachfragen

zurück.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der zunehmenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen

und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes

in der Region sind unsere Fachkraftressourcen

trotz der stabilen Einbeziehung von Frau Walther nach

wie vor begrenzt. Zudem stehen wir vor zunehmenden

Finanzierungsschwierigkeiten, weil die öffentliche

Förderung schon die Personalkosten des hauptamtlich

Beschäftigten längst nicht mehr abdecken und wir

schon lange immer mehr Eigenmittel zur Refinanzierung

der Sachkosten und derer für die ehrenamtlich

Tätigen einsetzen müssen. Die Gewinnung von Projektfördermitteln

sowie die steigende Notwendigkeit, von

den Nachfragenden (Schulen et al.) Aufwandsentschädigungen

abzuverlangen, sind unerlässlich geworden.

Diese Maßnahmen erfordern aber auch Zeit und Kapazitäten

und senken zudem die Niedrigschwelligkeit des

65


Zugangs und die Finanzierbarkeit des Angebotes für

die „Kunden“. Wenn die Zuwendungsgeber (Land und

Kommunen) weiterhin dieses wichtige Angebot vorhalten

wollen, wird hier eine Nachbesserung unumgänglich

werden!

Der von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzung

in Duisburg kommt ebenfalls besondere Bedeutung

zu. Dabei geht es uns vor allem darum, über Multiplikator*innen

eine kontinuierliche Präsenz der Präventionsthemen

in den Institutionen zu schaffen und von

`nur´ punktuellen Veranstaltungen wegzukommen.

Durch die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation

und Koordinierung werden Synergieeffekte

erzielt. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für

die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten

geschaffen und den Schülerinnen

und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre Mitarbeiter*

innen bekannt gemacht.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische Konsequenzen“

Wir konstatieren bei der Zielgruppe der Jugendlichen

weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen

und kommunikativen Kompetenzen im Feld von

Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz

mag in der intensiven Nutzung von virtuellen

Medien und den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern

zu finden sein (die „Explosion“ im

Bereich der sog. Sozialen Netzwerke, …). Ein anderer

Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt

in das Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer

noch mit ganz viel Aufregung, Nervosität und auch

Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz oder gerade

wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik

durch vielfältige einschlägige Medien, die den Jugendlichen

vermeintliche Realitäten und / oder Normalitäten

vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns

zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll.

Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen

Unterschiede im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen

Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung

finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes

fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche

Kommunikationsprozesse hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer

bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in

vollem Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich

heterosexuellen Orientierungen Erfahrungen

gelingender Kommunikation zwischen den Geschlechtern

unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig

für die Verabredung von Verhütungsmethoden, für

die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse. Aufgrund

unserer schmalen personellen Besetzung (in der

Regel sind wir „Einzelkämpfer*innen“, weil es für die

gesamte Region nur eine Youthworker-Stelle gibt, können

wir diese Trennungsphasen allerdings in aller Regel

leider auch nicht bedienen und sind an dieser Stelle auf

die Mitwirkung der Lehrenden in den Projekten angewiesen.

Dies ist aber eine suboptimale Situation, da die

Lehrenden nicht selten in einen Rollenkonflikt geraten

können, da sie in ihrer „Hauptrolle“ am nächsten Tag

wieder zensieren müssen und so eine professionelle

Distanz wahren müssen.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations-

und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der

thematischen Auseinandersetzung von entscheidender

Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass HIV/

AIDS-Prävention mit Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik

anzusiedeln ist, dass personalkommunikative

Methoden, d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu

Mensch“, die an der Lebenswelt der Schüler*innen orientiert

und hinsichtlich der ersten Erfahrungen zeitnah

zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen

Vermittlungsformen vorzuziehen sind, bzw. diese

unbedingt ergänzen sollten (vgl. Landespräventionskonzept

o.).

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht

66


erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die

rasante Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung

oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität

wird einerseits sehr geschätzt, aber andererseits

immer wieder mal missbraucht. Der Ansatz, kommunikative

Kompetenzen zu fördern, wird aus unserer Sicht

immer wichtiger (vgl. o.).

Mit diesem spezifischen Ansatz platzieren wir unsere

Veranstaltungen in der Regel frühestens ab der Jahrgangsstufe

9. In den letzten Jahren kommen wir allerdings

immer häufiger aus Veranstaltungen aus dieser

Altersgruppe mit dem Eindruck, es sei möglicherweise

für einige SuS eigentlich zu früh, sie schon in die Auseinandersetzung

mit den „Risiken und Nebenwirkungen“

der Sexualität zu „schubsen“. Dies gilt insbesondere

für einen größeren Teil der Jungen. Grundsätzlich wäre

angesichts der entwicklungspsychologischen Unterschiede

ein jahrgangsstufenübergreifendes Agieren

wünschenswert. Es lohnt sich, darüber mit den schulpolitischen

Entscheidungsträger*innen in den Austausch

zu treten. An einigen Modellschulen laufen dazu

auch schon vielversprechende Ansätze.

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und

–bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen

in der Allgemeinbevölkerung

konnten wir im Berichtsjahr 2018 3.753 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon 187

sog. Multiplikator*innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog*innen

sowie ehrenamtliche Mitarbeiter*innen).

Allein im schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote)

erreichten wir in 12 Schulen des Kreises Wesel und

fünf Schulen der Stadt Duisburg 1.265 Jugendliche aus

allen Schulformen, 315 in außerschulischen Zusammenhängen

wie offener Jugendarbeit u.a. und 1.986

Jugendliche im Rahmen von personalkommunikativen

Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B. bei Veranstaltungen

zum Welt-AIDS-Tag). 33,8 % der jungen

Menschen kamen aus dem Alterssegment zwischen 14

und 17 Jahren, 20,9 % der Jugendlichen hatten einen

Migrationshintergrund (s. auch Controlling-Daten für

2018 im Anhang).

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche

und Multiplikator*innen

Leicht rückläufig war in diesem Berichtszeitraum die

Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler*innen,

die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat

suchten. Gleiches gilt für die Zahl der studentischen

Nachfragen für Referate.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B.

Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)

gab es im Berichtsjahr nur einzelne

Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel

wichtige Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16

und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen

und einen geringen Grad an Aufklärungsniveau

(z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen. Stabil ist dafür

die Nachfrage von Bildungsträgern, die Integrationsmaßnahmen

für junge Geflüchtete anbieten (s.o).

Insbesondere ein ausgeprägter „Bildungshunger“ und

ein insgesamt tolles Sozialverhalten waren hier zu verzeichnen.

Günstiger Weise konnten wir in diesen Gruppen

mit Deutsch und Englisch sehr gut in den Dialog

kommen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im Umfeld

des Welt-AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit

Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten.

Dass wir hier allerdings auch keine Offensiven starten

konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen

zu tun.

5.6.4 Multiplikator*innen- und Erwachsenenbildung

Die Bereitschaft der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V., viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen zu investieren ist nach wie vor

sehr hoch, allerdings ist die Zahl der Bewerber*innen

– mit der sehr positiven Ausnahme vom SCHLAU-Projekt!-

zwar nicht weiter gesunken, aber leider auch

nicht gestiegen. Und das nicht nur bei uns, sondern

auch bei unseren Nachbar-AIDS-Hilfen. Daher konnten

wir auch in diesem Jahr keine vernetzte Grundlagenausbildung

anbieten.

Ein modifiziertes Konzept, das mit einem geringeren

Aufwand für eigene Kapazitäten einhergeht und externe

Angebote des Dachverbandes der DAH einbezieht,

ist immer noch in Bearbeitung. Allerdings fehlt zur Weiterbearbeitung

jemand, der Kapazitäten für die überregionale

Koordinationsarbeit hat.

Es spricht weiterhin vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen

gerade auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit

weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren,

z.B. für den peer-to-peer-Ansatz. Die aktiven

Ehrenamtler*innen sind eine wichtige Ressource und

die wichtigsten Multiplikator*innen. Sie zu akquirieren,

zu qualifizieren und ihre Einsätze zu koordinieren erfordert

aber hauptamtliche Ressourcen, die zu wenig

67


vorhanden sind. Auch muss dies von zuwendenden

staatlichen Strukturen so erkannt, gewollt und dann

auch gefördert werden – und darf sich nicht auf „Sonntagsreden“

über die Bedeutung des freiwilligen Engagements

beschränken.

Doch gibt es zarte Hoffnungsschimmer, dass sich Türen

auch öffnen können, wie wir am Beispiel des

SCHLAU-Projektes auf der Landesebene, aber auch bei

der Stadt Duisburg mit ihrem Aktionsprogramm zum

Kinder- und Jugendschutz und bei Förderprogrammen

der Aktion Mensch erfahren durften.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen

Multiplikator*innen sind in diesem Präventionsfeld

natürlich die Lehrenden und / oder sozialarbeiterisch

Tätigen in schulischen und außerschulischen Einrichtungen.

Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick

auf und im Vorfeld von Projektformen stagnieren

auf sehr niedrigem Niveau. Dies hat unter anderem

mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich

mit erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte

zu tun. Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden

sind, sind nicht leicht zu installieren. Dies hat

auch damit zu tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon

sehr lange etablierten Projekten agieren und hier nicht

mehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Darüber

hinaus wirkt hier in sehr positivem Sinne die alljährliche

Fachtagung des AK Prävention Duisburg in genau

diese Richtung (s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung

des Angebotes wünschenswert, aber wir sind nach wie

vor froh, wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen

die Nachfragen weitestgehend bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die

epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin

zu Aspekten spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation,

wie Gesprächsführung und Moderation.

in Duisburgs Stadtfenster. Gute Arbeit, Frau Jungeblodt

– Danke!

Mit 52 Teilnehmenden aus verschiedensten Einrichtungen

der Jugendarbeit war diese Fachtagung durchschnittlich

gut besucht und erhielt ein sehr gutes Feedback.

Neben inhaltlichen Anregungen und methodischen Zugangsformen

dient die Fachtagung immer auch dem

Ziel, die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen

lernen zu können.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, bei

sonstigen Pflegeanbietern und im medizinischen Versorgungssystem

verortet. Insbesondere bei den Krankenpflegeschulen

unserer Region verzeichnen wir sehr

stabile Nachfragen und hocherfreuliche Rückmeldungen.

Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der

medizinischen Seite bis zu den Tiefen im psychosozialen

Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes

rund um das Phänomen „HIV / AIDS und

andere sexuell übertragbare Infektionen“ abdecken

können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt

sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der

Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband

sowie der Ansatz der Strukturellen Prävention immer

wieder aufs Neue.

Vereinzelt tauchen auch –wieder- Anfragen aus dem

Bereich der Altenpflegeseminare auf, was uns sehr erfreut,

weil es doch zeigt, dass immer mehr Menschen

mit HIV auch hier in Erscheinung treten, da sie immer

größere Chancen auf ein Älterwerden haben.

Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen

und die damit verbundenen Ziele an Schulen und in

außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst

ganzjährig zu platzieren. Geschulte Pädagog*innen,

Erzieher*innen oder Sozialarbeiter*innen und –pädagog*innen

sollten diese repräsentieren, zumindest mit

Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als

Ansprechpartner*innen für die Jugendlichen bekannt

sein / werden.

Auch für das Berichtsjahr 2018 hat der AK Prävention

Duisburg die schon für 2017 geplante Fachtagung für

Multiplikator*innen am 19. Juni mit dem Schwerpunktthema

„Gender TÜV – Geschlechterrollen auf dem Prüfstand“

umsetzen können – und zwar erstmalig unter

der Federführung unserer neuen AIDS-Koordinatorin

des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg, Frau Martina

Jungeblodt und erstmalig in den Räumen der VHS

68


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber:

• Beteiligung an der Grundlagenausbildung für Ehrenamtler*innen inhouse und in der Ruhrgebietsvernetzung

der AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen

und dem Youthwork-Qualitätszirkel sowie im Sprecherkreis der NRW Youthworker*innen

• Vertretung des Youthwork-NRW-Projektes in der AG Aidsprävention NRW

• Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling

MGEPA, NRW – seit 2013 der landesweiten Datenerhebung über die AG

Aidsprävention

• Beratung / Informationen für Zeitungs- TV- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

• Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator*innen

• Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum

Thema HIV / AIDS und anderer STI`s

• Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

• E-mail Beratung

• Unterstützung von Jugendvertretungs- und Schülerzeitungsredakteur*innen

• Geschäftsführung

• u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)


Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

69


SCHLAU Duisburg

Der Unterstrich (auch als GenderGap bezeichnet)

schafft einen Raum für alle sozialen und geschlechtlichen

Identitäten, die sich nicht in die Dichotomie von

weiblich und männlich einordnen

Seit 2013 ist die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V.

Träger des ehrenamtlichen Projektes SCHLAU. SCHLAU

steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch welche nachhaltige Antidiskriminierung in Duisburg

(und im Kreis Wesel) erreicht werden soll.

Beschreibung

Mittels pädagogischer Methoden und evaluierter Konzepte

führt SCHLAU niedrigschwellig und unaufgeregt

in die Themengebiete ein. Dabei wird über Lebenswirklichkeiten

und Biografien, das eigene Coming-Out,

Diskriminierungserfahrungen und Rollenbilder gesprochen.

Vorurteile und Klischees können so wirkungsvoll

abgebaut werden und SCHLAU leistet damit einen

grundlegenden Beitrag zu nachhaltiger Antidiskriminierung,

effektiver Gewaltprävention und demokratischer

Menschenrechtsbildung. Denn die Vision von SCHLAU

ist eine Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Angst

verschieden sein können.

Im Zentrum von SCHLAU steht die Begegnung zwischen

Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Les-

wollen und /oder können.

ben, Schwulen, Bi-, Intersexuellen und Trans*. Die dahinterstehende

Idee ist, dass Vorurteile und Klischees

durch die direkte Begegnung wirkungsvoll hinterfragt

und abgebaut werden können. Wir möchten die Jugendlichen

mit Lesben, Schwulen, Bi-, Intersexuellen

und Trans* ins Gespräch bringen:

„Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern mit

uns!“

Denn noch immer zeigen Studien in trauriger Regelmäßigkeit,

dass Homo- und Transphobie feste Bestandteile

in Klassenräumen, Freizeiteinrichtungen

und auf Schulhöfen sind. Manchmal entsteht so ein

Klima gegenseitiger Feindseligkeit, unter dem nicht

nur homo- und bisexuelle sowie inter- und transgeschlechtliche

Jugendliche leiden, sondern das alle

betrifft. SCHLAU-Workshops thematisieren diese Diskriminierungsmechanismen,

geben authentische Einblicke

in gleichgeschlechtliche Lebensweisen und vermitteln

Akzeptanz gegenüber der Vielfalt menschlicher

Lebensentwürfe.

70


Kooperation mit dem Träger

SCHLAU Duisburg agiert weitgehend eigenständig,

bedarf aber eines Trägers. Die AIDS-Hilfe Duisburg

Kreis Wesel e.V. stellt sich dazu gerne zur Verfügung.

SCHLAU erhält administrative Unterstützung

sowie Sach-Unterstützung z.B. einen Arbeitsplatz,

Zugriff auf Materialien und im Rahmen der Möglichkeiten

personelle Unterstützung durch die AIDS-Hilfe

Mitarbeiter_innen. Die Zusammenarbeit und das

Verhältnis der beiden Institutionen werden durch

eine Kooperationsvereinbarung geregelt.

Einsätze

Im Jahr 2018 konnten die ehrenamtliche Teamer_

innen von SCHLAU Duisburg über 1600 Schüler_

innen in über 60 Workshops erreichen.

Neben den Workshops haben die Teamer_innen

an Infoständen wie beispielweise beim CSD in

Duisburg über die Arbeit von SCHLAU sowie über

Homo,- und Transphobie aufgeklärt.

Erfolge

SCHLAU Duisburg wurde im Juni 2018 mit dem Sonderpreis

für Engagement von dem Paritätischen Dienst

NRW ausgezeichnet. Dieser Preis war mit einem Preisgeld

von 2.000,-€ dotiert. Neben dieser Auszeichnung,

wurde SCHLAU Duisburg von dem Queer Magazin

„Fresh“ im Mai 2018 als Gruppe des Monats gekürt.

Neben diesen Auszeichnungen gelang es SCHLAU

Duisburg auch die Medien auf das Projekt aufmerksam

zu machen. Neben einem großen Zeitungsartikel

in der WAZ/ NRW sowie der Rheinischen Post berichtete

das Stadtfernsehen „Studio47“ sowie der WDR

Duisburg über das lokale Projekt.

Durch diese Medienpräzens konnte SCHLAU Duisburg

neue Schulen für sich gewinnen und hat bereits zahlreiche

Anfragen für das kommende Jahr.

Vernetzung

SCHLAU Duisburg ist Teil des landesweiten Netzwerkes

SCHLAU NRW, getragen vom Schwulen Netzwerk NRW

e.V. Die Landesstruktur steht im Kontakt zur Landespolitik

und den fördernden Ministerien. Schulungen und

Dokumentation zählen zu den dortigen Aufgaben, wie

auch die bundesweite Vernetzung.

71


6. SELF Duisburg Kreis Wesel

Einleitung

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel beobachtet seit

Jahren eine wachsende Zahl unter der Klient*innenschaft,

die aufgrund vielfältiger lebenspraktischer Problemlagen

einen besonders hohen Beratungs- und

Begleitungsbedarf haben. Die Erweiterung unseres Angebotsportfolios

um das Ambulant Betreute Wohnen

war angezeigt.

Im Oktober 2017 wurde eine Starthilfeförderung zum

„Aufbau eines Ambulant Betreuten Wohnen-Projektes

in einer bestehenden Organisation“ durch die Aktion

Mensch bewilligt. Durch die Förderung ist es uns nun

möglich, über (max.) 4 Jahre eine Förderung der Personalkosten

zu erhalten, um das Angebot strukturiert

aufzubauen.

Zum 1. März 2018 konnte mit der Einstellung einer

fachlichen Leitung sowie einer Verwaltungskraft das

Projekt starten und das Angebot seine Arbeit aufnehmen.

Im Vordergrund der ersten Zeit stand die Antragsstellung

auf Abschluss einer Leistungs- und Prüfungsvereinbarung

(LPV) mit dem Landschaftsverband

Rheinland. Das Antragsverfahren konnte im September

2018 positiv abgeschlossen werden, sodass die LPV

zum 01. November 2018 in Kraft trat.

Da die AIDS-Hilfe die Weseler Außenstelle Ende 2016

aufgeben musste und nun nur noch über eine Geschäftsstelle

in der Bismarckstraße 67 in DU-Neudorf

verfügt, beschränkt sich das Zuständigkeitsgebiet des

Ambulant Betreuten Wohnens auf die Stadt Duisburg.

Die Betreuung von Personen aus dem Kreis Wesel ist

nur im Rahmen einer Ausnahmeregelung möglich –

z.B., weil eine HIV-Infektion vorliegt oder jemand zum

LSBTIQ-Bereich gehört.

Ist perspektivisch abzusehen, dass der Bedarf im Kreis

Wesel soweit ansteigt, dass es den Status der Ausnahme

übersteigt, werden wir entsprechende Vorbereitungen

treffen (Beschaffung von Büroräumlichkeiten

und weiterer Infrastruktur) und zeitnah an den Landschaftsverband

herantreten, um eine Erweiterung des

Gebietes zu beantragen.

Menschen mit HIV-Infektion/AIDS-Erkrankung sind

im Alltag leider immer noch Diskriminierungen und

Stigmatisierungen ausgesetzt. Darum entschieden

wir, dem Ambulant Betreuten Wohnen einen eigenen

Namen zu geben: SELF Duisburg / Kreis Wesel. Die

Abkürzung bedeutet selbstbestimmtes Leben fördern.

Der Name verrät nach Außen somit weder einen Infektions-

noch einen Krankheitshintergrund. Das Angebot

verfügt über eine eigne Homepage: www.self-dukw.de.

Zielgruppe:

Zielgruppe des Ambulant Betreuten Wohnens sind Personen

mit einer psychischen und/oder Suchterkran-

72

kung, die Unterstützung im Alltag und beim selbständigen

Wohnen benötigen.

SELF legt den Schwerpunkt auf die Betreuung von

Menschen mit einer HIV-Infektion/AIDS-Erkrankung

oder chronischen Hepatitis C. Aufgrund der besonderen

Erfahrung und Zielgruppennähe sind auch LSBTIQ bei

uns gut aufgehoben.

Unsere Klient*innen sind in der Regel erheblich an der

Teilhabe in der Gesellschaft eingeschränkt und benötigen

Unterstützung und Begleitung bei alltäglichen Aufgaben.

Durch die Folgen einer Suchtmittelabhängigkeit, einer

psychischen Erkrankung oder einer HIV-Infektion rücken

Begleiterkrankungen, Funktionsstörungen und

anderen Beeinträchtigungen in den Fokus. Die günstigen

Effekte der Therapien sind zudem nur unter der

Bedingung einer zuverlässigen und regelmäßigen Nutzung

der Behandlungen zu erzielen. Dies erfordert allerdings

möglichst tragfähige Lebensverhältnisse und

psychische Stabilität. Dabei spielt insbesondere die

Wohnsituation und die soziale Verankerung der Betroffenen

eine entscheidende Rolle.

Die Klient*innen erhalten beispielsweise Hilfe bei der

Haushaltsführung und bei der Sicherung der eigenen

Wohnung. Oftmals bestehen finanzielle Sorgen oder

Schulden. Häufig lebt die/der Klient*in zurückgezogen

und isoliert. Beziehungen zur Herkunftsfamilie oder

tragfähige Freundschaften bestehen nur selten.

Auch der Gang zum Facharzt und die Organisation der

Termine und Behandlungspläne überfordern unseren

Personenkreis teils so stark, dass nur eine Begleitung

durch das Ambulant Betreute Wohnen die medizinische

Versorgung der Betroffenen sicherstellt.

Auch Angebote zur Freizeitgestaltung und zur Strukturierung

des Tages hält SELF bereit. Es gilt, die Betreuten

zu unterstützen, ihren Alltag selbständig zu gestalten

und die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen zu

fördern. Ziel ist die Reduzierung der Isolation und die


Kooperationen:

Als Anbieter der Eingliederungshilfe in Duisburg und

dem Kreis Wesel ist es jedoch auch unsere Aufgabe,

auf Änderungen der Bedarfe in der Hilfslandschaft

aufmerksam zu machen und uns aktiv zu vernetzen.

Hierzu ist unsere fachliche Leitung Mitglied der Psychosozialen

Arbeitsgemeinschaft Erwachsenenpsychiatrie

in der Stadt Duisburg sowie im Kreis Wesel. Zudem

beteiligt sich die Geschäftsführung an der Trägerkonferenz

Duisburg. Die Netzwerkarbeit mit der regionalen

Versorgungsstruktur ist Teil der Qualitätssicherung

Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe.

Im November und Dezember 2018 wurden bereits erste

Anfragen bearbeitet und Kontakt zu interessierten

Personen aufgenommen. Es fanden weiter Erst- und

Übergabegespräche mit den Klient*innen und den jeweiligen

vermittelnden Stellen statt.

Der erste Klient wurde am 08.01.2019 beim überörtlichen

Leistungsträger – dem Landschaftsverband

Rheinland – angemeldet. Eine weitere Betreuung folgte

Ende Januar.

unseres Angebotes und schafft wertvolle Synergieeffekte.

So konnten nicht nur die bereits bestehenden

Kooperationen weiter genutzt und ausgebaut werden.

Es wurden auch Partner*innen dazugewonnen, z.B.

weitere Beratungsstellen oder die Stadtteilsozialarbeit

in Duisburg.

Die Landesstelle Aidshilfe NRW bietet ihren Mitgliedern

eine Plattform zum fachlichen Austausch und der inhaltlichen

Weiterentwicklung. Dies gestaltet sich dialogisch

und im Rahmen von Vernetzungstreffen.

Ausblick:

Bislang verzeichnet SELF eine hohe Nachfrage, sodass

wir eine Vergrößerung des Angebotes im kommenden

Geschäftsjahr prognostizieren. Dies wird auch mit dem

Ausbau der Personalstunden einhergehen.

Zur Erweiterung gehört auch, dass vermehrt Gruppenangebote

bereitgestellt und Freizeitaktivitäten durchgeführt

werden sollen.

In Bezug auf die Veränderungen durch die nächste

Umsetzungsstufe des Bundesteilhabegesetztes (BTHG)

wird in 2019 die Angebotskonzeption angepasst und

notwendige Umstellungen umgesetzt.

73


7. Ehrenamtliche Mitarbeit

Im Berichtsjahr waren regelmäßig 25 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig. Punktuell, wie zum

Beispiel im Rahmen der CSD-Saison oder beim WAT

beteiligen sich weitere interessierte Menschen an unserer

Arbeit und unterstützen uns tatkräftig.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. weiterhin

überaus wichtig. Ohne die freiwilligen Mitarbeiter*innen

könnten wir unser umfangreiches Angebot nicht

aufrechterhalten. Daher an dieser Stelle unser großer

Dank für den unermüdlichen Einsatz und die vielen

unentgeltlich geleisteten Stunden des freiwilligen Engagements

– auch im Jahre 2018 wieder über 3.200

Stunden!

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete, in

denen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen engagieren

können. Diese umfassen die Begleitungsarbeit,

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust,

SCHLAU Duisburg, Telefon- und E-Mail-Beratung,

Chat-Beratung, die Prävention im Bereich HIV & Drogen,

die „Knastarbeit“, Vorstandsarbeit, Mittwochs-Café,

das JES-Frühstück und die Weihnachtsfeier. Einige ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen arbeiten in mehreren

Bereichen, andere haben sich spezielle Aufgabengebiete

gesucht, so zum Beispiel das JES-Frühstück.

Wir bieten unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen:

• Kostenlose Qualifizierung, Fort- und Weiterbildung,

• Spannende Themenfelder,

• Aktive Mitgestaltung der Weiterentwicklung

der AIDS-Hilfe,

• Teamwork, soziale Kontakte, qualifizierte Ansprechpartner,

• Fahrtkostenerstattung,

• Unfall- und Haftpflichtversicherungsschutz,

• Umfang und Dauer der ehrenamtlichen Tätigkeit

ist frei wählbar!

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind in den unterschiedlichsten

Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder

HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern aus

allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen

aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen.

Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen

enormen Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit mit

einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der

zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen

oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich

Tätigen auszutauschen.

74


Mit unserem traditionellen Dezember-Aktiventreffen

dankte die AIDS-Hilfe den ehrenamtlich Mitarbeitenden.

Zu einem leckeren Buffet richtete das hauptamtliche

Team den Gruppenraum gemütlich her. In stilvoller

Atmosphäre und geselliger Runde fand in unserem Café

der Abend statt. Wie in den Vorjahren konnten wir uns

bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahr und auch bei

den Veranstaltungen zum WAT bedanken. Unter den

Anwesenden fand ein reger Austausch statt.

schwieriger wird, Kapazitäten für ein überregionales

Engagement frei zu stellen.

So müssen wir zurzeit für die Einsteigerschulungen auf

die Verbandsangebote verweisen, können aber natürlich

unsere spezifischen AIDS-Hilfe Bedarfe in verschiedenen

Formen in der Regel auch intern abdecken. Die

großen Synergien sind aber zunächst mal weg.

Gute Gespräche bei vorweihnachtlicher Atmosphäre –

unser Danke schön! – Sonder-Aktiven-Treffen

6.2 Externe Fortbildungen

6.1. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr fand erneut leider keine Schulung für

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in Vernetzung mit den

AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen statt.

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat

für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter*innen.

Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich,

sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung ergeben

sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende

Weiterbildungen garantieren somit eine kompetente

und aktuelle Beratung und daraus resultierend entsprechende

Qualitätssicherung.

Vor dem Hintergrund des hohen Ressourceneinsatzes

von hauptamtlichen Trainer*innen sollte ein modifiziertes

Konzept mit einer Basisschulung über den Dachverband

der DAH und aufbauenden Modulen in den Aidshilfen

entstehen. Das Gerüst dazu konnte entwickelt

werden, allerdings stockt der Prozess, weil es immer

Wir bedanken uns abschließend an dieser Stelle für das

enorme freiwillige Engagement und die vielen Stunden

ehrenamtlicher Arbeit bei unserem „EA-Team“!

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Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2018 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2018 durch Maßnahmen primärpräventiver Zielsetzung

(personalkommunikativ) :

Gesamt 14.578 (2017: 13.170)

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 3753 ( 25,7 %)

Davon männlich 1779

Davon weiblich 1974

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 783

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 2970

Bis 21 Jahre 2042

Über 21 Jahre 1711

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung u.per e-mail)

Gesamt : 1423 ( 9,8 %)

Davon männlich 768

Davon weiblich 655

Mit Migrationshintergrund 379

Ohne Migrationshintergrund 1044

Bis 21 Jahre 108

Ab 22 Jahre 1315

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1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 539 ( 3,7 %)

Mit Migrationshintergrund 431

Ohne Migrationshintergrund 108

Bis 21 Jahre 50

Ab 22 Jahre 489

1.4 Migration (in 2018 subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg-Veranstaltungen, queer-life, Parties, …)

Gesamt : 3135 (21,5 %)

Davon männlich: 2207

Davon weiblich 928

Mit Migrationshintergrund 380

Ohne Migrationshintergrund 2755

Bis 21 Jahre 479

Ab 22 Jahre 2656

1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, fast vollständig über ZSP-Landesmittel gefördert)

(CSDs Köln, Düsseldorf und Essen, ..)

Gesamt : 410 (2,8 %)

Davon männlich 345

Davon weiblich 65

Mit Migrationshintergrund 80

Ohne Migrationshintergrund 330

Bis 21 Jahre 65

Ab 22 Jahre 345

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1.7. SCHLAU Duisburg (seit 06/2013 in Trägerschaft der AIDS-Hilfe)

Gesamt: 1624 (11,1 %)

Davon männlich: 998

Davon weiblich: 626

Mit Migrationshintergrund: 538

Ohne Migrationshintergrund: 1086

Bis 21 Jahre: 1570

Ab 22 Jahre: 54

1.8. Justizvollzug („Knastarbeit“) (JVA Du-Hamborn mit Zweigstelle Dinslaken)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 200 (1,4 %)

Davon männlich 20

Davon weiblich 180

Mit Migrationshintergrund 120

Ohne Migrationshintergrund 80

1.9. Drogen (allgemeine und zielgruppenspezifische Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 444 (3,1 %)

Davon männlich 333

Davon weiblich 111

Mit Migrationshintergrund 62

Ohne Migrationshintergrund 382

Bis 21 Jahre 27

Ab 22 Jahre 417

1.10. Spritzentausch (über persönlichen Kontakt, ohne Automaten in Du. u. Wesel)

Gesamt : 2500 (17,1 %)

Davon männlich 2000

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Davon weiblich 500

Mit Migrationshintergrund 350

Ohne Migrationshintergrund 2150

Bis 21 Jahre 230

Ab 22 Jahre 2270

1.11. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg, flankierende personalkommunikative

Maßnahmen)

Gesamt : 550 (3,8 %)

Davon männlich 430

Davon weiblich 120

Mit Migrationshintergrund 95

Ohne Migrationshintergrund 455

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre 550

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2018 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer Zielsetzung

(personalkommunikativ)

Gesamt : 1.017 (2017: 1.114)

1.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 762 (74,9 %)

Davon männlich 401

Davon weiblich 361

Mit Migrationshintergrund 254

Ohne Migrationshintergrund 508

Bis 21 Jahre 26

Ab 22 Jahre 736

79


1.2 Beratung (für 2018 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.3 Justizvollzug

Gesamt : 0 (0,0 %)

Davon männlich 0

Davon weiblich 0

Mit Migrationshintergrund 0

Ohne Migrationshintergrund 0

Ab 22 Jahre (alle!) 0

1.4 Frauen

Gesamt : 182 (17,9 %)

Mit Migrationshintergrund 86

Ohne Migrationshintergrund 96

Bis 21 Jahre 3

Ab 22 Jahre 179

1.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

80


2.6 Drogen

Gesamt: 48 (4,7 %)

Davon männlich 45

Davon weiblich 3

Mit Migrationshintergrund 9

Ohne Migrationshintergrund 39

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 48

1.7 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 25 (2,5 %)

Davon männlich 18

Davon weiblich 7

Mit Migrationshintergrund 5

Ohne Migrationshintergrund 20

Bis 21 Jahre 2

Ab 22 Jahre 23

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Ambulant

Betreutes

Wohnen

für

enschen mit psychischen Erkrankungen

und

Menschen mit Suchterkrankung,

ie Unterstützung bei der Alltagsbewältigung

nd beim eigenständigen Wohnen benötigen.

Tätigkeitsschwerpunkt unserer Arbeit

ist die Begleitung von Menschen

mit einer zusätzlichen HIV-Infektion/

AIDS-Erkrankung und/oder chronischen

Hepatitis C. Diese sind allerdings keine

Voraussetzung für die Aufnahme

in das Ambulant Betreute Wohnen.

So erreichen Sie uns

SELF Duisburg / Kreis Wesel

Bismarckstraße 67

47057 Duisburg

Telefon: 0203 / 666 222

Fax: 0203 / 6 99 84

Mail: info@self-dukw.de

Internet: www.self-dukw.de

Erreichbarkeit:

Mo: 08.30 – 18-00

Di: 08.30 – 17.00

Mi: 08.30 – 17.00

Do: 08.30 – 17.00

Fr: 08.30 – 16.00

Ambulant

Betreutes

Wohnen

Das Ziel der Hilfe von SELF Duisburg

/ Kreis Wesel ist eine selbständige Lebensführung

im eigenen Wohnraum

sowie die (Wieder-) Erlangung sozialer

Teilhabe an der Gesellschaft.

SELF Duisburg Kreis / Wesel ist ein Angebot der

und wird unterstützt von der

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