architektur Fachmagazin Ausgabe 4/2020

architekturonline.com

architektur Fachmagazin Ausgabe 420

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

04

www.architektur-online.com

© Marc Goodwin

Mai/Juni 2020

Bildung

& Kultur


YOUR GENIUS

AT WORK

Office Furniture Solutions

se:motion | sedus.com


www.architektur-online.com

3

Editorial

Bildung & Kultur

Mit abklingender Corona-Vorsicht kehrt langsam wieder Leben auch in die der

Bildung und der Kultur verschriebenen Bauten ein. Vor allem die räumlichen

Gegebenheiten wurden dafür im Vorfeld gründlich analysiert, um entsprechende

Vorgaben für den ersten Schritt in Richtung Normalbetrieb machen zu können.

Das Ergebnis lässt sich recht kurz zusammenfassen:

Wir bauen auch in diesen Bereichen

räumlich sehr effizient und die verordneten

Abstände lassen sich auch ansatzweise nur

mit deutlich geringeren Belegzahlen einhalten.

Inwieweit diese Erfahrungen die Planung

der Bildungs- und Kulturbauten der Zukunft

in ihrer Krisensicherheit beeinflussen wird,

bleibt abzuwarten.

Die in dieser Ausgabe von architektur vorgestellten

Projekte stammen allesamt aus

Vor-Corona-Zeiten und zeigen vorbildliche

Lösungen der bisher geltenden Herausforderungen.

Wie etwa das zeitgemäße Facelift

der denkmalgeschützten Volksschule

Angedair in Landeck durch Franz&Sue. Die

100 Jahre alte Bildungsstätte erhielt ein großes

Wohnzimmer mit vielen Lern- und Spielmöglichkeiten

im Innen- und Außenbereich.

Die von HEIN architekten geschaffene Architektur

für das Kinderhaus Kennelbach basiert

auf Offenheit und dem Lernen durch Beobachten

und Nachahmen: Die Kleinsten lernen dort

in den offenen Strukturen von den Älteren.

PES-Architects wieder zeichnen für das

Strait Culture and Arts Centre in Fuzhou/

China verantwortlich. Sie haben dafür die

Blütenblätter des Jasmin als Ausgangspunkt

für ihren Entwurf gewählt und in der

Konzert- und Opernhalle dieses Projekts

Keramik auf eine ausgesprochen kreative

Art für die optische und akustische Wandgestaltung

verwendet. Für die Schallkontrolle,

Tonqualität und die erforderlichen

Nachhallzeiten wurden nach intensiven

Studien der Akustikexperten zwei verschiedene

Oberflächen entwickelt: ein strukturiertes

Paneel und eine Mosaikfliese.

Viele weitere Projektberichte aus den

Themenbereichen Bildung & Kultur, die

Schwerpunkte Akustik und Büro, die Rubriken

Bau&Recht, Licht und EDV sowie zahlreiche

Produktvorstellungen runden den

Inhalt dieser Ausgabe von architektur ab.

An dieser Stelle möchte ich einmal besonders

auf unser E-Magazin auf www.

architektur- online.com hinweisen: Neben

der gedruckten Version publizieren wir seit

geraumer Zeit eine inhaltlich idente Online-Ausgabe,

die wir auf unserer Website

kostenlos zum Lesen zur Verfügung stellen

und dort auch langfristig archivieren. Was

als kleiner Zusatzdienst an unsere Web-affine

Leserschaft mit ein paar hundert Aufrufen

pro Ausgabe begann hat sich mittlerweile

in die Region von 20.000 entwickelt.

Rein an der Stückzahl gemessen hat die

Online-Ausgabe die gedruckten 12.000 Exemplare

also längst überholt.

Walter Laser


architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Architektur der Pädagogik –

wie Baukunst Bildung schafft

Magazin 10

Bau & Recht 16

Das begehbare Wimmelbuch 18

Kinderhaus Kennelbach /

Kennelbach, Österreich /

HEIN architekten ZT

Lernen mit Leichtigkeit 24

Volksschule Angedair /

Landeck in Tirol / Franz&Sue

Kultur im Bunker 30

Cinémathèque suisse / Penthaz / EM2N

Eine Box mit vielen Facetten 36

Boxen Studio Gallery im ArkDes / Stockholm,

Schweden / Dehlin Brattgård Arkitekter

Ein besonderes Hörerlebnis 42

Strait Culture and Arts Centre / Fuzhou /

PES-Architects

Aus dem Sand erbaut 50

Al Musallah Prayer Hall / Abu Dhabi /

CEBRA architecture

RETAILarchitektur 56

Arbeitswelten 62

Licht 70

Produkt News 72

edv 94

IFC: Schnittstelle zur BIM-Welt

18 24

30

42

36

50

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at)

REDAKTION mag. arch. Peter Reischer, Alexandra Ullmann, Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner,

DI Marian Behaneck, Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger, Mag. Matthias Nödl, Alexander Magyar

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 89,- / Ausland: € 109,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag

Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 59,- / Ausland: € 86,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen

der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.) EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917,

BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801,

BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert

eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge

sind urheberrechtlich geschützt.

www.architektur-online.com

ERRATUM: Leider hat sich in Ausgabe 2/2020 im Artikel „Die Fassade

als Energielieferant“ ein falscher Bildcredit eingeschlichen. Das

obenstehenden Renderings stammt von der xoio GmbH und wurde

im Auftrag von Timo Schmidt ertellt.


architektur FACHMAGAZIN

6

architekturszene

Architektur

der Pädagogik

– wie Baukunst Bildung schafft

Eine Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft – um Fortschritt zu

ermöglichen, braucht es innovative Gebäude. Diesem Grundsatz folgen heute immer

mehr Architekten. Und dies ist durchaus erfreulich. Denn auch bei der Realisierung

öffentlicher Bauten und Bildungseinrichtungen ist eine durchdachte und kreative

Planung wichtig.

Text: Dolores Stuttner Fotos: Günther Egger

Immerhin sind Kultur und Bildung – heute

mehr denn je – einem steten Wandel unterworfen.

Verantwortlich dafür ist nicht

zuletzt ein drastischer Umschwung in den

Grundsätzen der Schulpädagogik. Der klassische

Frontalunterricht ist vielerorts schon

fast Geschichte, wobei moderne didaktische

Konzepte und die dafür benötigten offenen

Raumstrukturen die Architektur vor

eine große Herausforderung stellen.

Offene Raumstrukturen

fördern freies Lernen

In Bildungseinrichtungen wie Schulen und

auch Kulturbauten halten langsam, aber

stetig, neue Konzepte Einzug. Doch zeitgemäße

Ideen lassen sich in einem in die

Jahre gekommenen Schulgebäude nur

schwer realisieren. Ein Interieur aus langen

Gängen, das in erster Linie der räumlichen

Vernetzung separater Klassenräume dient,

macht freies Lernen fast unmöglich. Kinder

verbringen zudem immer mehr Zeit in der

Schule – Wohnlichkeit steht in den heutigen

Schulen also hoch im Kurs. Um den diversifizierten

Anforderungen von Lehrpersonal

und Schülern gerecht zu werden, müssen

Schul- und Kulturbauten eine Vielzahl an

Funktionen erfüllen.

Laut TU Wien-Professor Christian Kühn ist

eine zeitgemäße Bildungseinrichtung auf

Flexibilität ausgerichtet. Lehrern soll sie die

Möglichkeit gewähren, verschiedene Lernarrangements

anzubieten, sodass Schüler

den Unterricht gemäß ihren Begabungen

und Talenten in Anspruch nehmen können.

Da das Ende des klassischen Frontalunter-


www.architektur-online.com

architekturszene

richts angepasster Konzepte bedarf, richtet

sich bei neuen Projekten der Fokus der

Planer vermehrt auf „Campus statt Klasse“.

Eine strikte bauliche Trennung der Klassen

und auch der Altersgruppen ist heute nicht

mehr vorgesehen. Daher werden immer

mehr Schulbauten gemäß dem Clusterprinzip

realisiert – Schüler haben so die Möglichkeit,

altersübergreifend voneinander zu

lernen. Kernstück solch moderner Schulen

sind Bildungsräume, die offen um eine Multifunktionsfläche

angeordnet sind. Kinder

sitzen in Gruppen zusammen und haben

unter Aufsicht trotzdem Rückzugsorte. Flexibilität

hält ebenfalls bei der Versorgung

der Kinder Einzug. Viele Campusse sind

ganztägig geführt und stehen den Schülern

das gesamte Jahr über offen.

Doch die offene Form des Unterrichts und

die freien Raumstrukturen stoßen noch

nicht überall auf Anklang. Um den modernen

pädagogischen Konzepten eine würdige

architektonische Grundlage zu bieten,

braucht es vielerorts noch Überzeugungsarbeit

und nicht zuletzt Pionierprojekte und

Mut. Unbestritten ist aber, dass auch Lehrkräfte

und Schüler lernen müssen, mit offen

angelegten Bildungseinrichtungen umzugehen.

Wie sich Multifunktionalität in Kultur

und Bildung umsetzen lässt, verdeutlicht

das Haus der Musik in Innsbruck.


architektur FACHMAGAZIN

8

architekturszene

Bildung und Moderne –

eine Notwendigkeit?

Noch immer residieren viele Bildungseinrichtungen

in veralteten Bauten. Für

die Pädagogik sind die Bauwerke nicht

mehr zeitgemäß, was für den Unterricht

mit erheblichen Nachteilen verbunden ist.

Oft bieten die betagten Gebäude zu wenig

Platz für Lehrveranstaltungen und

ermöglichen keine Anpassung an moderne

Technologien und Lehrmethoden.

Ebendiese Mängel führten schließlich in

Innsbruck zum Bau vom Haus der Musik,

das die Funktion der Stadtsäle übernahm.

Regelmäßige Wasserschäden, kaputte

Lüftungsanlagen, zu wenig Platz

und Schimmelbefall waren weitere Probleme

in dem 1890 errichteten Gebäude

– sie führten letztendlich sogar zur Absage

von Veranstaltungen und letztlich

zum Abriss des historischen Bauwerks.

Ein Neubau musste also her. 126 Architekten

aus ganz Europa beteiligten sich an

diesem Projekt und wurden von einer hochkarätigen

Jury bewertet und ausgewählt.

Als Sieger des Wettbewerbs ging schließlich

der Innsbrucker Architekt Erich Strolz

hervor, der den Bau gemeinsam mit dem

Vorarlberger Büro Dietrich Untertrifaller realisierte.

Das 2018 eröffnete Haus der Musik

ist nicht nur ein Kulturbau, sondern es bietet

auch musikalischen Ausbildungsstätten

Platz. Als Multifunktionsgebäude punktet

es neben zahlreichen Unterrichtsräumen

ebenfalls mit einer großen Bibliothek.

Mit dem modernen Kultur- und Bildungsbau

schaffte es Innsbruck, das Institut der Musikwissenschaft,

den Standort des Mozarteums

und Teile des Konservatoriums unter

einem Dach unterzubringen. Es treffen auch

hier Auszubildende verschiedener Schulstufen

und Altersklassen aufeinander – die

Möglichkeit, voneinander zu lernen, ist also

gegeben. Das Haus der Musik macht deutlich,

dass der Nutzungsmix in der Bildung

machbar und in einer kulturell bedeutenden

Stadt wie Innsbruck sogar notwendig ist.

Ein Pionier bekennt Farbe

Nach dessen Fertigstellung sorgte das Gebäude

von Erich Strolz für Gesprächsstoff.

Denn der Architekt setzte auf minimalistische

und trotzdem auffallende Elemente.

Glas und Keramik wechseln sich an der

Außenhülle ab und ermöglichen so gezielt

Einblicke ins Innere des Gebäudes.

Auch für verspielte Lichteffekte wird mit

diesem Kniff Raum geschaffen. Die klare

Linienführung unterstreicht den Bau, der

durch seine unmittelbare Nähe zur Innsbrucker

Altstadt geradezu futuristisch wirkt.

Doch nicht nur mit der modernen Formgebung,

sondern auch durch die Farbwahl

überzeugt das neue „Haus der Musik“. In

Österreich ist es üblich, innovative Bauten

mit hellen Fassaden zu schmücken. Diesen

Kompromiss gingen die Planer bei jenem

Projekt nicht ein. Dabei handelt es sich bei

der gewählten Farbe, die heute – genauso

wie das Haus der Musik selbst – Gegenstand

zahlreicher Diskussionen ist, nicht

um einfaches Schwarz. Vielmehr ist es ein

dunkel schimmernder Farbton, der sich

trotz seiner unverkennbaren Intensität seiner

Umgebung anpasst. Je nach Wetter,

Jahres- und Tageszeit schmücken die Fassade

somit rote, braune oder gar auberginefarbene

Muster.

Auf Anklang stößt der Kontrast aber nicht

überall. Kritisch stehen der Farbwahl Innsbrucker

Ortsbild- und Denkmalschützer

gegenüber. Als zu kontrastreich und farblich

dominant wirke das Haus der Musik

als Nachbar des Landestheaters. Architekt

Erich Strolz sieht dies anders. Die Keramiklamellen

auf der Fassade wurden eigens für

das Projekt angefertigt und sind auf dem

Bauwerk in fixer und beweglicher Ausführung

vertreten. Außerdem wurde die Gestaltung

bewusst so gewählt, dass sich das

Gebäude in die Umgebung einfügt. Doch

der Planer respektiert, dass die Fassade

nicht jedem gefällt. „Architektur ist nun einmal

auch Geschmackssache“, sagt Strolz.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten

– über den Nutzen eines Gebäudes aber

nicht. Und diesen hat das Haus der Musik in

Innsbruck durchaus erfüllt. Für die Kulturszene,

aber ebenso für den Bildungssektor ist es

eine zukunftsweisende Bereicherung.

Wie viel darf Bildung kosten?

Geht es um Ausgaben für die Bildung, so ist

in der Öffentlichkeit zumeist nur von den

laufenden Kosten die Rede. Selten wird der

Preis für die dahinter stehende Architektur

diskutiert. Dabei schafft sie das Fundament

für die Ausbildung – sie stellt geschützte

Räume für die intellektuelle und soziale

Entfaltung der Individuen zur Verfügung.

Zum Streitthema wurden die Kosten auch

beim Innsbrucker Haus der Musik. Grund

war die Überschreitung des ursprünglich

angesetzten Betrags von 52 Millionen Euro

um rund 5 Millionen Euro – eine Fehlkalkulation,

die politische Diskussionen nach sich

zog. Eine zu geringe Zahl an Firmenangeboten

für einzelne Bauabschnitte war der

Grund für die Kostenüberschreitung. Laut

Georg Preyer, dem Projektleiter der Innsbrucker

Immobilien GmbH, die das Haus

errichtete, sei der mittlerweile als „Ort der

Begegnung“ ausgewiesene Bau aber trotz

der Mehrkosten eine gute Investition in Kultur

und Bildung. Dies gelte vor allem unter

dem Gesichtspunkt, dass Innsbruck als Musikhauptstadt

bisher kaum wahrgenommen

wurde. Das Haus der Musik könne durch die

Funktionsbündelung im Haus ein Umdenken

und damit eine Wende herbeiführen.

Auch bei Schulbauten ist davon auszugehen,

dass die Projektkosten in Zukunft

höher ausfallen. Denn kooperatives Lernen

braucht in Form der Campusse mehr Platz

und Innovation. Gesellschaftlich machen

sich die Ausgaben für moderne Architektur,

die Qualität, Funktionalität und sozialen

Fortschritt gewährleistet, langfristig durchaus

bezahlt. Denn Bildung ist ein wichtiges,

unverzichtbares Gut.


www.architektur-online.com

9

architekturszene

Photo: © Ales Photography

HIER STECKT GANZ VIEL LINDNER DRIN

Unsere Deckensysteme kombinieren Ästhetik mit technischer Funktionalität, so wie die LMD-L LAOLA Shine mit integrierten Leuchten.

Die Lindner GmbH ist Komplettanbieter für den Innenausbau und überzeugt mit Projektlösungen in ganz Österreich.

austria@Lindner-Group.com

www.Lindner-Group.com


architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Ort für Studien

Die neue Architekturbibliothek der Chulalongkorn University in Bangkok befindet

sich auf dem Prüfstand. Das thailändische Architekurbüro Department of ARCHI-

TECTURE Co. plante für die Studierenden ein Bibliotheksgebäude, das als Raumlabor

gesehen werden kann und mit neuen Nutzungsmöglichkeiten von Bibliotheksgebäuden

experimentiert.

Fotos: W Workspace

Bibliotheken als Ort für Büchersammlungen waren

gestern. Bücher spielen zwar immer noch eine wichtige

Rolle, hinzu kommen aber auch die neuen Medien.

Die Digitalisierung fordert nicht nur Online-Zugänglichkeit

zu den Buchbeständen, sondern auch die Erweiterung

des Angebotes an zur Verfügung gestellten

Medien. Bibliotheken sind auch nicht mehr nur

reine Orte des Wissens. In ihnen begegnen sich Menschen,

tauschen sich aus, diskutieren, finden Inspiration,

lernen und forschen. Der konzentrierte und leise

Ort wird zu einem lebendigen und lauten. Flexibilität

und Offenheit sind die notwendigen Paradigmen.

Auf den zwei untersten Ebenen des dreigeschossigen

Bibliotheksgebäudes sind für Studierende

Arbeits- und Aufenthaltsbereiche eingerichtet, wo

kommunikative Tätigkeiten möglich sind. Eine metallische

Wandstruktur umschließt den Raum der

untersten Ebene und kann für Projektpräsentationen

und Besprechungen genutzt werden. Plakate werden

darauf angepinnt oder auch auf Bildschirmen digital

vorgestellt, Modelle können auf eingehängten Platten

präsentiert werden.

Ein zentrales skulpturales Rastergebilde erstreckt

sich über alle drei Geschosse und verbindet sie miteinander.

Es dient als Ausstellungsdisplay und Aufbewahrungsort

für Zeitschriften. Ein in der Skulptur

integrierter Erschließungsweg führt in die oberen,

leiseren Lese- und Arbeitsbereiche – unterschiedliche

Möblierungen ermöglichen konzentriertes Arbeiten

am Tisch oder entspanntes Lesen auf dem Sofa.

Der ruhigste Bereich der Bibliothek ist über einen

kurzen Verbindungsgang von der dritten Ebene aus

zu erreichen. Ein Labyrinth nimmt hier den Raum ein

und bildet Nischen für einzelne Arbeitstische heraus.

Eine Spiegelung an der Decke verrät dabei die Wege

durch das Labyrinth.


www.architektur-online.com

11

Magazin

Die einzelnen Arbeitsbereiche der Bibliothek folgen

der Staffelung von lauteren zu immer leiseren Bereichen

in die Höhe. Bekrönt werden sie an oberster

Stelle von ihrem großzügigsten Raum, der für Vorträge

und Präsentationen vorgesehen ist. Zwischen den

einzelnen Veranstaltungen kann er wieder von den

Studierenden als Arbeits- und Aufenthaltsbereich

eingenommen werden, seine flexible Möblierung

macht das möglich.

Sicherlich sind in dieser Bibliothek auch physisch

Bücher vorhanden. Es gibt Bücherregale und Bücheraufsteller.

Allerdings bilden diese keine Gangsysteme,

sondern nehmen die Randbereiche des Raumes

ein und umhüllen ihn gewissermaßen. Sie erzeugen

den Hintergrund für das Geschehen in der Raummitte

und stellen eine Atmosphäre her, die dem Raum

Bedeutung verleiht und Konzentration ermöglicht.

Die Architecture Library der Chulalongkorn University

in Bangkok steht für einen experimentellen Raumversuch,

bei dem die Aufgaben und Funktionen des

Bautypus Bibliothek neu gedacht werden. Es gibt

hier vielseitige Räume, die sich von einer nur einseitigen

Verwendung wegbewegen und Nutzungsvielfalt

propagieren. Die Studierenden werden sicherlich

noch mit einigen kreativen Ideen dazu beitragen, auf

die Räume einzuwirken und sie sich weiter aneignen.

SKYFOLD

Das vertikale Trennwandsystem öffnet sich

komplett in den Deckenbereich. Es ist platzsparend,

benötigt keine Führungs- oder

Laufschienen und bietet Schalldämmung

bis zu Rw 59 dB. Die elegante, stabile

Trennwand lässt sich per Knopfdruck schnell

und vollautomatisch Verfahren.

T +43 732 600451

offi ce@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Die Schule

des Wandels

In schnell wachsenden Städten besteht ein erhöhter Bedarf an Bildungseinrichtungen.

Und diesen will das Architekturbüro People’s Architecture Office mit

dem Projekt namens „Plugin Learning Blox“ decken. Das Konstrukt soll als sogenannte

„Pop-Up-Schule“ fungieren und gleichzeitig den vielseitigen Ansprüchen

an heutige Bildungseinrichtungen gerecht werden. Präsentiert wurde das

innovative Gebäude im Rahmen des „The Popup Campus“ bei der 2019 Shenzhen

& Hongkong Bi-City Biennale of Architecture\Urbanism.

Fotos: People’s Architecture Office(PAO )/Vphoto

Die Anforderungen an Schuleinrichtungen

haben sich gewandelt. So wird heute vermehrt

Wert auf selbstbestimmtes Lernen,

soziale Vernetzung und systematische Problemlösung

gelegt. Mit seinen wandelbaren

Boxen wird das Bauwerk des chinesischen

Architekturbüros diesen Ansprüchen gerecht.

Die Vorteile des Projekts, das mit einer

Nutzfläche von 330 m² als Prototyp vorgestellt

wurde, liegen in dessen Wandelbarkeit

– so lassen sich die Rechtecke leicht aufbauen

und gemäß den Bedürfnissen der Lehrenden

und Schüler anordnen.

Das Projekt setzt sich aus mehreren Klassenzimmern

zusammen. Sie sind als

Projektgruppen zusammengefasst und

gruppieren sich um ein zentrales Gemeinschaftsareal.

In ebendiesem Abschnitt finden

Lehrveranstaltungen statt, an denen

die Schüler nach Bedarf teilnehmen können.

Die Klassen dienen hingegen kleineren

Lerngruppen als Rückzugsraum.

Bei der Konstruktion des Bildungsbaus kam

die Technik der China Construction Science

& Technology Company zur Anwendung. Es

handelt sich hierbei um ein neuartiges Konzept,

das der chinesischen Millionenstadt

Wuhan in nur zehn Tagen zu einem neuen

Krankenhaus verhalf. Alle Komponenten

werden in einer Fabrik hergestellt, wodurch

es möglich ist, die Schule in nur drei Tagen

aufzubauen. Auch die Neuanordnung der

Elemente lässt sich problemlos veranlassen.

Bewusst minimalistisch wurde die Gestaltung

der Außenfassade gehalten. Die

mattblauen Container mit durchsichtigen

Elementen gliedern sich so nahtlos in den

Stadtraum ein. Einen Kontrast dazu schaffen

die lebendigen Farben des Innenraums.

Mit einer Mischung aus Weiß und Orange

verliehen die Planer den Schulklassen ein

lebendiges Aussehen. Praktisch und klar

strukturiert fällt dabei die Formgebung aus.

Gerade Linien dominieren das Interieur. Sie

lassen für eine kreative Innenraumgestaltung

Platz und sollen damit Lernen durch

Spielen fördern.

Gemäß dem neuartigen Konzept aus China

wird es in Zukunft möglich sein, Schulen gemäß

Bedarf und pädagogischem Grundsatz

in nur wenigen Tagen zu errichten.


www.architektur-online.com

13

Aluminium-Architektur-Preis 2020

Bereits zum zwölften Mal schreibt das

Aluminium-Fenster-Institut (AFI) in Zusammenarbeit

mit der Architekturstiftung

Österreich und der IG Architektur

den renommierten Aluminium-Architektur-Preis

aus.

Magazin

Ab sofort können in Österreich ausgeführte

Bauten mit Fertigstellung ab 1. Jänner 2017

– sowohl Neubauten als auch Sanierungen –

eingereicht werden. Eine weitere Voraussetzung

für die Einreichung ist die überwiegende

Verwendung von Aluminium-Profilsystemen,

die die Gemeinschaftsmarke ALU-FENSTER

führen. Zur Teilnahme berechtigt sind Architektinnen

und Architekten, Planerinnen und

Planer, Bauherren und Metallbauer. Die Einreichfrist

endet am 7. September 2020.

Weitere Informationen sind online unter

www.alufenster.at/AAP2020 verfügbar.

Aluminium-Fenster-Institut

T +43 (0)1 9834205

office@alufenster.at

www.alufenster.at

Der Aluminium-Architektur-Preis 2018 ging an wiesflecker-architekten

für die HBLA für Tourismus in St. Johann/Tirol

© www.alufenster.at | David Schreyer

u

DECKEN & WAND

DESIGN MIT

FUNKTION

Entdecken Sie unsere Systemlösungen

und Ihre Möglichkeiten.

knaufamf.com


architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Kann Ballett die

Stadt verändern?

Für das English National Ballet planten Glenn Howells Architects ein neues Zuhause

in einem Londoner Stadterweiterungsgebiet, das eine vermittelnde Rolle

einnimmt und die Kunst dieses Tanzens zur Schau stellt. Auf der Halbinsel der

London City Island entstand im Nordosten der britischen Hauptstadt ein neues

Wohnviertel, das geprägt ist von vertikalen Strukturen und bunten Fassaden.

In dessen Herzen, auf dem zentralen Platz, nimmt das neue Ballettzentrum eine

repräsentative Position ein.

Fotos: Hufton + Crow

Es ist der neue Mittelpunkt des Balletts in der Stadt

und vereint Räumlichkeiten für das Unternehmen mit

denen des Nachwuchses in Form der Ballettschule.

Bis dato waren diese in verschiedenen Teilen der

Stadt angesiedelt und finden hier erstmals auf eindrucksvolle

Weise zueinander. Alle notwendigen

Akteure für das Entstehen von ausgezeichneten

Ballettprogrammen sind im Gebäude zusammengebracht,

sodass sie in Zukunft noch enger miteinander

arbeiten können und eine Einheit bilden.

Sieben Proberäume sind im zweiten und vierten

Obergeschoss angeordnet. Sie erstrecken sich über

jeweils zwei Geschosse und sind prominent an der

Fassade platziert. Für eine optimale Versorgung

der Tänzerinnen und Tänzer gibt es im zweiten Geschoss

medizinische Einrichtungen, wie ein Hydro

Pool und zusätzliche Fitnessräume. Die Verwaltung

findet im ersten Obergeschoss Platz, ebenso wie das

hauseigene Kostüm-Atelier, wo die Kostüme für die

Aufführungen entworfen und produziert werden. Das

Musikorchester bekam auch einen eigenen Bereich

zum Proben zugeschrieben. Alles in allem ein breiter

Mix an notwendigen Nutzungen, die alle zum Ballett

dazugehören und hier Platz zur Ausdehnung zur Verfügung

gestellt bekommen.


www.architektur-online.com

15

Magazin

Untergebracht wurde im Gebäude auch

ein Produktionsstudio, eine Art Theater

mit Zuschauerraum, Bühne und Bühnenbild,

das sich über die gesamte Höhe des

Bauvolumens erstreckt. Hier können Proben

für Aufführungen vor Ort in einer realen

Situation stattfinden, ohne dabei den

Weg zum eigentlichen Aufführungsort

selbst machen zu müssen. Zusätzlich kann

dieses Studio als Auditorium auch für externe

Veranstaltungen genutzt werden.

Für die Stadtbewohner sind die Erdgeschossbereiche

als öffentlicher Innenraum

zugänglich, wo Kaffee getrunken und Ausstellungen

besucht werden können. Das

offene Gebäudekonzept möchte die Städter

ins Gebäude bringen und umgekehrt

auch das Innere nach außen transportieren.

So besitzt das Gebäude eine transluzente

Fassade aus Glaspaneelen. Diese

etwa 3.600 m² große Glasfläche erlaubt

den Blick vom öffentlichen Platz aus ins

Gebäude, auf die probenden Tänzerinnen

und Tänzer. Diese Schaufenster in der Fassade

transferieren das Ballett in den Stadtraum.

Dadurch wird der zentrale Platz des

neuen Wohnviertels bespielt und belebt.

Das neue Ballettzentrum der Glenn Howells

Architects unterstützt voll und ganz

die Vision der Gründer des English National

Ballet vor 70 Jahren: Es bringt Ballett

der Spitzenklasse einem breiten Publikum

näher.

Schlank und clever.

In jeder Hinsicht.

Einzigartiges Design mit innovativer

Glasfaser-Technologie – und das ganz

ohne Kompromisse: Elegant kombiniert

einen extrem schlanken Überschlag

und maximale Größe mit hervorragender

Wärmedämmung, erhöhtem Einbruchschutz

und unschlagbarer Langlebigkeit.

Sein minimalis tisches Design

ist einzigartig unter PVC-Fenstern und

harmoniert mit jedem Bauprojekt.

www.deceuninck-elegant.de

Deceuninck Germany GmbH

Bayerwaldstraße 18

94327 Bogen

+49 1755248236


architektur FACHMAGAZIN

16

Bau & Recht

Baustopps aufgrund der

aktuellen COVID-19-Krise

– Wer trägt die Gefahr?

Die COVID-19-Pandemie und deren Auswirkungen sind derzeit allgegenwärtig

und betreffen fast jede Branche, insbesondere auch die Bauwirtschaft. Die Mitte

März 2020 verordneten Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von CO-

VID-19 haben zu einer großen Verunsicherung in der Bauwirtschaft geführt und

dadurch zu zahlreichen Einstellungen von Baustellen. In diesem Zusammenhang

stellt sich nun die Frage der Gefahr- und Kostentragung. Sind Mehrkostenforderungen

zulässig?

Text: Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger und Mag. Matthias Nödl

Der Nationalrat und Bundesrat haben am

15.03.2020 ein Bundesgesetz (COVID-19

Gesetz), mit dem unter anderem das Bundesgesetz

betreffend vorläufige Maßnahmen

zur Verhinderung der Verbreitung von

COVID-19 (COVID-19-Maßnahmengesetz)

erlassen wurde, beschlossen. Das COVID-19

Gesetz ist noch am selben Tag im Bundesgesetzblatt

(BGBl. I Nr. 12/2020) kundgemacht

worden und ist am 16.03.2020 in

Kraft getreten. Auf Basis der Bestimmungen

des COVID-19-Maßnahmengesetzes

hat der Bundesminister für Soziales, Gesundheit,

Pflege und Konsumentenschutz

das Betreten des Kundenbereichs von

gewissen Betriebsstätten zum Zweck des

Erwerbs von Waren und Dienstleistungen

sowie das Betreten von bestimmten Orten

per Verordnung untersagt.

Eine Ausnahme vom Betretungsverbot

öffentlicher Orte besteht unter anderem,

wenn die Betretungen für berufliche Zwecke

erforderlich sind und sichergestellt

ist, dass am Ort der beruflichen Tätigkeit

zwischen den Personen ein Abstand von

mindestens einem Meter eingehalten werden

kann. Der vorgesehene 1-Meter-Mindestabstand

darf jedoch unterschritten

werden, wenn das Infektionsrisiko durch

„entsprechende Schutzmaßnahmen“ minimiert

werden kann (§ 2 Z 4 der Verordnung

gemäß § 2 Z 1 des COVID-19-Maßnahmengesetzes,

BGBl. II Nr. 2020/98 und 107). Diese

Ausnahmebestimmung hat in der Praxis

zu zahlreichen Diskussionen und Verunsicherungen

hinsichtlich der erforderlichen

Schutzmaßnahmen sowie zu zahlreichen

Baustopps geführt.

Erst am 26.03.2020 konnte eine Einigung

von Baugewerbe, Bauindustrie und Gewerkschaft

Bau-Holz in Zusammenarbeit

mit dem Zentral-Arbeitsinspektorat erzielt

und eine „Handlungsanleitung“ für Schutzmaßnahmen

auf Baustellen ausgearbeitet

werden. Diese „Handlungsanleitung“ wurde

durch Erlass vom Bundesminister für

Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

auch als verbindlich erklärt

und sieht zahlreiche Maßnahmen zur Eindämmung

von COVID-19 am Arbeitsplatz

bzw. Baustelle vor, welche zum Schutz der

Gesundheit der Arbeitnehmer umzusetzen

sind. Jedoch stellt sich nun vielfach die Frage,

wer die Nachteile durch die zwischenzeitig

erfolgten Baustopps zu tragen hat.

Bevor jedoch auf diese Frage näher eingegangen

werden kann, ist festzuhalten, dass

der Vertrag zwischen dem Auftraggeber

und dem ausführenden Bauunternehmen

über die Erbringung von Bauleistungen

geradezu typischer Weise ein Werkvertrag

ist. Gemäß § 1151 ABGB liegt ein Werkvertrag

vor, wenn jemand die Herstellung eines

Werks – wie ein Bauwerk – gegen Entgelt

übernimmt. Der Bauwerkvertrag entspricht

somit den gesetzlichen Bestimmungen des

Werkvertrages, weil der Bauunternehmer

als Auftragnehmer das Bauwerk nach den

Wünschen des Bauherrn als Auftraggeber

gegen Entgelt herstellt.

Gemäß § 1168 Abs 1 Satz 2 ABGB gebührt

dem Unternehmer – dem Bauunternehmer

– eine angemessene Entschädigung, wenn

die Ausführungszeit des Werkes durch Umstände,

die auf Seite des Auftraggebers

liegen, verkürzt wird und er selbst zur Leis-

tungserbringung bereit war. Gemäß § 1168a

Satz 1 ABGB kann der Bauunternehmer

jedoch kein Entgelt verlangen, wenn das

Werk vor seiner Übernahme durch einen

bloßen Zufall untergeht.

Für die Geltendmachung von Ersatzansprüchen

bzw. Mehrkostenforderungen ist somit

entscheidend, wem die Umstände des

Baustopps zugeordnet werden können. Die

Zuordnung der die Herstellung störenden

Umstände erfolgt üblicherweise nach der

Sphärentheorie.

Die Sphärentheorie unterscheidet zwischen

der Sphäre des Auftraggebers, der

Sphäre des Auftragnehmers und der neutralen

Sphäre. Der neutralen Sphäre werden

unabwendbare Ereignisse zugeordnet, welche

außerhalb der Ingerenz der Vertragsparteien

des Werkvertrages liegen. Der

Begriff des unabwendbaren Ereignisses ist

ein Sammelbegriff, welcher auch die Fälle

der höheren Gewalt und Elementarereignisse

umfasst. Ein Fall von höherer Gewalt

wiederum wird bei Vorliegen eines außergewöhnlichen,

von außen kommenden Ereignisses

angenommen.

Im Vergleich zu den mietrechtlichen Bestimmungen

des ABGB zeigt sich, dass

auch dort Fälle von höherer Gewalt normiert

sind. Ein Mieter hat demnach keinen

Bestandzins zu entrichten, wenn der Mietgegenstand

aufgrund eines außerordentlichen

Zufalls unbrauchbar wird (§ 1104

ABGB). Als außerordentliche Zufälle sind

insbesondere Feuer, Krieg und Seuche genannt.

Die COVID-19-Pandemie ist durchaus

als Seuche und daher als außerordentlicher

Zufall zu qualifizieren.


www.architektur-online.com

Demgemäß ist die COVID-19-Pandemie auch als

Elementarereignis sowie als unvorhersehbares und

unabwendbares Ereignis im Sinn der Sphärentheorie

zu werten und somit dem Bereich der neutralen

Sphäre zuzuordnen.

Nach herrschender Judikatur und Literatur hat der

Auftragnehmer die neutrale Sphäre zu vertreten. Die

Bauunternehmer tragen daher aufgrund der gesetzlichen

Bestimmungen die aus der COVID-19-Pandemie

resultierenden Nachteile und können keine

Ersatzansprüche bzw. Mehrkostenforderungen geltend

machen. Die gesetzlichen Bestimmungen der

§§ 1168 ff ABGB sind jedoch dispositiv, weshalb die

Vertragsparteien diese – für den Bauunternehmer

nachteiligen – gesetzlichen Gefahrtragungsregelungen

abwählen und davon abweichende Bestimmungen

vereinbaren können.

Bei Bauwerkverträgen ist häufig die Anwendbarkeit

von ÖNORMEN vereinbart. Zu beachten ist in diesem

Zusammenhang, dass beim Vertragsabschluss

mit Verbrauchern im Sinn des KSchG die ÖNORMEN

ausdrücklich zu vereinbaren sind, welche anwendbar

sein sollen.

Vereinbaren die Vertragsparteien die Anwendbarkeit

der Werkvertragsnorm ÖNORM B 2110 – allgemeine

Bestimmungen für Bauleistungen – kommt

die Gefahrtragungsregelung der ÖNORM B 2110 zur

Anwendung. Gemäß Punkt 7.2.1. der ÖNORM B 2110

werden der Sphäre des Auftraggebers unter anderem

Ereignisse zugeordnet, die zum Zeitpunkt des

Vertragsabschlusses nicht vorhersehbar waren und

vom Auftragnehmer nicht in zumutbarerer Weise abwendbar

sind.

In Abweichung zu den Bestimmungen des ABGB

sieht die ÖNORM B 2110 somit vor, dass das Risiko

unvorhersehbarer, unabwendbarer Ereignisse und

von Ereignissen, die die Leistung objektiv unmöglich

machen, vom Auftraggeber zu tragen sind. Die

Risiken der neutralen Sphäre werden daher auf den

Auftraggeber überwälzt.

Im Ergebnis ist der Bauunternehmer gemäß den Bestimmungen

der ÖNORM B 2110 zur Erhebung von

Ersatzansprüchen bzw. Mehrkostenforderungen wegen

Stillhaltezeiten und der erforderlichen Schutzausrüstungen

berechtigt.

Zur Vermeidung böser Überraschungen sind jedoch

vor der Geltendmachung von Ersatzansprüchen bzw.

Mehrkostenforderungen jeweils die vertraglichen Bestimmungen

der Gefahrtragung des zugrundeliegenden

Vertrages zu prüfen. Dies insbesondere aufgrund

des allgemeinen Grundsatzes der Vertragsfreiheit.

In Zukunft ist für neu abzuschließende Bauwerkverträge

zu empfehlen, spezielle Gefahrtragungsregelungen

vorzusehen, weil die COVID-19-Pandemie und

deren Auswirkungen bei Vertragsabschluss dann

nicht mehr unvorhersehbar und unabwendbar sind.

| BA12-15G |

Bau & Recht

Der erste Controller,

der in jedem Raum

willkommen ist

Integrale Gebäudeautomationslösungen:

z. B. mit dem BC9191

www.beckhoff.at/building

Der Raum-Controller BC9191 bündelt die Standardfunktionalitäten

zur Einzelraumsteuerung in einer kompakten Bauform.

Zentrale Informationen werden per Ethernet mit der übergeordneten

PC-Ebene ausgetauscht. Damit ist der BC9191

ein exzellentes Beispiel für die integrale Gebäudeautomation

von Beckhoff auf der Grundlage der offenen, PC-basierten

Steuerungstechnik: Alle Gewerke werden von einer einheitlichen

Hard- und Softwareplattform gesteuert, bestehend aus

skalierbaren Steuerungen, passgenauen I/O-Lösungen und der

Automatisierungssoftware TwinCAT. Durch die optimale Abstimmung

aller Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale über

die Energieeffizienzklassen hinaus voll ausgeschöpft. Für alle

Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung,

die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen

oder -änderungen sind jederzeit möglich. Die Systemintegration

erfolgt über die gängigen Kommunikationsstandards

Ethernet, BACnet/IP, OPC UA oder Modbus TCP.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

18

Bildung & Kultur

Ein Ort zum gemeinsamen und freien Wachsen, Spielen und

Entdecken - das Kinderhaus Kennelbach setzt in der kleinen

Vorarlberger Gemeinde ein echtes Zeichen und bildet zugleich

den Auftakt der Gestaltung eines neuen Dorfzentrums. HEIN

architekten überraschen mit einem kompakten und zurückhaltenden

Bauwerk, das im Inneren durch verspielte Details und

rationelle Raumnutzung besticht. Ein begehbares Wimmelbuch.


www.architektur-online.com

19

HEIN architekten ZT

Das begehbare

Wimmelbuch

Kinderhaus Kennelbach / Kennelbach, Österreich / HEIN architekten ZT

Text: Linda Pezzei Fotos: David Schreyer

Wenn es einen Begriff gibt, der das Kinderhaus Kennelbach

treffend beschreiben will, dann ist das wohl

der der Offenheit. Interessant in diesem Kontext ist

aber auch, dass sowohl die Architektur als auch der

pädagogische Ansatz dieser Maxime folgen. Nutzer

und Raum beeinflussen sich auf diese Weise in bestärkender

Art - letztlich zum Besten der Eltern, Betreuer

und Kinder.

So wie der Nachwuchs in unseren Vorzeiten rein

durch das Beobachten und Nachahmen lernte, funktioniert

auch das Konzept in Kennelbach. Während

die Kleinsten zu den Älteren aufblicken, übernehmen

diese ganz selbstverständlich Verantwortung für die

Jüngeren. Essenziell hierfür sind offene Strukturen,

die Bewegungs- und Begegnungsräume ermöglichen.

Die architektonische Hülle, entworfen von den

in Bregenz ansässigen HEIN architekten, lässt eben

diese Interaktionen zu, provoziert sie vielmehr noch.

So konzipierten die Planer das Kinderhaus ähnlich einem

begehbaren Wimmelbuch - voller Überraschungen

und Entdeckungsmöglichkeiten.

Das Kinderhaus Kennelbach will offen und einladend

auf seine kleinen Gäste wirken. So werden die Einbis

Sechsjährigen auch von der Architektur ohne

Scheu empfangen. Der zweigeschossige Quader ist

mit vertikal angebrachten, schmalen Holzlamellen

aus Weißtanne verkleidet, was dem Bauwerk eine

natürliche und haptische Anmutung verleiht. Im unteren

Bereich wurde das unbehandelte Holz aus der

Region zum Schutz der Kinder gehobelt, weiter oben

bildet die sehr raue Struktur des Holzes einen angenehmen

Kontrast. In Zukunft soll sich dieser durch

die Alterung noch verstärken. Die Zwischenräume

wurden in einem kräftigen Rotton lasiert, sodass sich

das äußere Erscheinungsbild der Fassade je nach

Lichtstimmung und Blickwinkel stetig verändert.

“Mit einfachen Mitteln Wirkung erzielen”, beschreibt

Architekt Matthias Hein die Herangehensweise an

dieses Projekt.

u


architektur FACHMAGAZIN

20

Bildung & Kultur

So kompakt und zurückhaltend sich das Kinderhaus

von außen präsentieren mag - im Inneren dominieren

Ideenreichtum und planerisches Geschick. „Kinder

kennen weder Vergangenheit noch Zukunft, und

– was uns Erwachsenen kaum passieren kann – sie

genießen die Gegenwart.“ Was Jean de la Bruyère so

treffend in Worte gefasst hat, haben die Architekten

in räumliche Strukturen übersetzt. Jede Ecke oder

Nische lädt zum spielerischen Erkunden ein, ungenutzte

Flächen gibt es somit kaum. Selbst das Stiegenhaus

dient nicht nur der praktischen Erschließung

des Gebäudes, sondern bietet darüber hinaus

- konzipiert als Haus im Haus - Nischen, die zum Verstecken

und Spielen einladen. Gekrönt wird dieses

von einem kuscheligen “Baumhaus” ganz oben unter

dem Dach. Das darüberliegende Oberlicht transportiert

die einfallenden Sonnenstrahlen bis ins Erdgeschoss.

Während im restlichen Gebäude Oberflächen

aus Holz dominieren, sind die Wände des Stiegenhauses

mit Tafelflächen beschichtet, welche die Kinder

nach Lust und Laune mit Kreide bemalen dürfen.

Großzügige Fensterflächen vermitteln Transparenz,

gewähren Einblicke, ermöglichen aber auch den Ausblick.

Auf diese Weise tritt das Kinderhaus in direkten

Kontakt mit seiner Umgebung. So steht es im Moment

hinter der „Alten Gmoand“, dem Gebäude, in dem

heute unter anderem das Postamt untergebracht ist.

Langfristig gesehen soll das Kinderhaus allerdings

den Auftakt zur Entwicklung eines neuen Zentrums

im Dorf bilden. Einige umliegende Gebäude sollen in

diesem Zusammenhang abgetragen und durch neue

Strukturen ersetzt werden. Der Masterplan von HEIN

architekten sieht für die weitere Zukunft vor, Kennelbach

das Dorfzentrum zu geben, welches im Moment

aus siedlungstechnischer Historie nicht existiert.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch die Erklärung

für die Positionierung des Gebäudes mit dem

prominenten Eingang nach Süden, wohingegen die

Freiflächen eher untypisch im Norden und Osten liegen.

Der Qualität tut dies aber keinen Abbruch, denn

die Grünflächen grenzen im Norden ohnehin an eine

bewaldete Hangsituation, von der aus keine Erschließung

möglich ist. Im Gegenzug lässt sich dieser Wald

aber wunderbar als erweiterter Spielbereich nutzen.

Zusätzlich gibt es einen überdachten Spielbereich

mit Lagermöglichkeiten, in dem sich Kinder aller Altersstufen

treffen.


www.architektur-online.com

21

HEIN architekten ZT

Den einzigen Einschnitt in das kompakte Gebäude

stellt der Zugang dar. Über die Garderoben gelangen

die Kinder in das Innere des Hauses. Im Erdgeschoss

befinden sich zwei Räume für die Kleinkinder, die als

in sich abgeschlossene “Nester” funktionieren. Die

Räume verfügen über eine eigene Nasszelle und einen

Zugang zum Garten. Sobald die Kleinsten bereit

sind, das Haus auf eigene Faust zu erkunden, dürfen

sie diesen geschützten Kokon verlassen. Die Stiege

kann dann aber von den Betreuerinnen so abgetrennt

werden, dass keine Gefahr für die Abenteurer

besteht. Außerdem ebenerdig angeordnet sind die

Bewegungsräume und die Bereiche für das Essen

und Kochen bzw. die Mittagsbetreuung.

Im Obergeschoss ordnen sich die Räumlichkeiten

der drei Kindergartengruppen und der Verwaltung

sowie die multifunktionalen Schlafräume um das

verbindende Element Stiegenhaus. Es ergeben sich

hier aus allen Blickwinkeln immer wieder verbindende

Sichtachsen, die das Miteinander im Haus

in den Fokus rücken. Generell erfolgte die Entwicklung

der Architektur sowie auch des Innenausbaus

und der Möblierung in enger Zusammenarbeit mit

der pädagogischen Leitung des Hauses. So sind die

Räume des Kindergartens keine Gruppen-, sondern

Themenräume, deren Besuch und Nutzung von den

Kindern selbst gewählt und bestimmt werden kann.

Dabei herrscht im gesamten Haus keinesfalls Hektik

oder Chaos, vielmehr sind die Kinder völlig bei sich

und - wie beim Betrachten eines Wimmelbuches -

ganz bei der Sache.

u


architektur FACHMAGAZIN

22

Bildung & Kultur

Die kräftigen Farbakzente haben die Architekten frei

nach dem Motto des Kinderhaus Kennelbach intuitiv

und aus dem Bauch heraus gesetzt. Die dazu passende

Signaletik stammt vom Büro Sägenvier aus

Dornbirn. Die Gestalter haben die Kinder selbst Bilder

zeichnen lassen, die sich dem Thema Größe und

Wachsen widmen. Übertragen auf das Tierreich und

mittels einer Messleiste mäandern die Ergebnisse

nun als grafische Linienstrukturen über die Fensterflächen.

Auch die auffälligen Spots, die sich an allen

Ecken des Hauses finden lassen, stammen aus der

Region: der Vorarlberger Lichtplaner Georg Bechter

ist der Urheber.

Eine kindgerechte Umgebung umfasst neben den

weichen Faktoren aber auch greifbare Fakten und

Maßnahmen, allen voran im Bereich des umweltverträglichen

und schadstoffarmen Bauens. Während das

Untergeschoss in WU-Beton mit Außendämmung ausgeführt

ist, wurden die beiden oberirdischen Geschosse

als vorgefertigter Holzständerbau realisiert. Durch

die kompakte Bauweise und die Wahl nachwachsender

Rohstoffe – insbesondere durch den Einsatz von

Holz – konnte die Verwendung von grauer Energie für

die Baumaterialien gering gehalten werden. Aufgrund

der Effizienz und der Eigenstromproduktion trägt das

Kinderhaus zudem das Siegel „nearly zero emission“.

Zusätzlich konnten 90% der üblicherweise baubedingten

Emissionen von „Bauchemikalien“ in die Innenräume

vermieden werden.

Das Kinderhaus Kennelbach bietet somit ein umfassend

aktivierendes Klima zum Lernen, Spielen und

Entdecken. Davon werden auch die Eltern nicht ausgeschlossen.

Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen

und Austausch mit anderen Eltern und Pädagogen

ein. Das Kinderhaus soll ein Ort des gemeinsamen

Wachsens sein. Als Grundstein des neuen Zentrums

soll von hier aus auch die Dorfgemeinschaft gestärkt

und belebt werden. Schön zu sehen, dass gerade die

Kinder das Bild dieser zukünftigen Dorfgemeinschaft

aktiv und als treibende Kraft mitgestalten können. •


GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

GSPublisherVersion 440.6.6.100

www.architektur-online.com

23

HEIN architekten ZT

HEIN architekten | Erdgeschoss

EG

OG

HEIN architekten | Obergeschoss

Schnitt

HEIN architekten | Schnitt 1-1

UG

HEIN architekten | Untergeschoss

Ansicht Süd

HEIN architekten | Ansicht Süd

Ansicht West

Ansicht Nord

HEIN architekten | Ansicht West

Kinderhaus Kennelbach

Kennelbach, Österreich

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Bauleitung / Baumanagement:

Statik:

Gemeinde Kennelbach

HEIN architekten ZT

Bernd Rommel, Egon Maier

Baukultur GmbH, Schwarzenberg

merz kley partner GmbH

HEIN architekten | Ansicht Nord

Grundstücksfläche: 1.915 m 2

Bebaute Fläche: 570 m 2

Bruttogeschossfläche: ca. 1.000 m 2 Neubau

Nutzfläche: 837 m 2

Planungsbeginn: 11/2017

Bauzeit: 07/2018 - 09/2019

Baukosten:

ca. 3 Mio. Euro netto


architektur FACHMAGAZIN

24

Bildung & Kultur

Die 100 Jahre alte und denkmalgeschützte Volksschule Angedair in Landeck in

Tirol kann dank der Architekten Franz&Sue heute mit einer äußerst modernen

Erscheinung und einem innovativen Lernkonzept aufwarten. Nach nur drei Jahren

Bau- und Planungszeit konnte die Volksschule 2018 nach erheblichen Renovierungs-,

Um- und Neubauarbeiten für die Schüler wiedereröffnet werden.


www.architektur-online.com

25

Franz&Sue

Lernen mit

Leichtigkeit

Volksschule Angedair / Landeck in Tirol / Franz&Sue

Text: Linda Pezzei Fotos: Franz&Sue/Lukas Schaller


architektur FACHMAGAZIN

26

Bildung & Kultur

Mit ihren 100 Jahren war die denkmalgeschützte

Volksschule mitten im Zentrum der Tiroler Bezirkshauptstadt

Landeck eindeutig in die Jahre gekommen.

Dringendster Handlungsbedarf: mehr Platz für

die Schülerinnen und Schüler, größere Transparenz,

und eine neue Raumorganisation, die zeitgemäße

Lehrmethoden möglich machen sollte. Den daraufhin

ausgelobten EU-weiten, nicht offenen Wettbewerb

konnte das Architekturbüro Franz&Sue mit seinem

Vorschlag letztlich für sich entscheiden.

Die Aufgabenstellung: der “alten Dame” Volksschule

Landeck ein zeitgemäßes Facelift verpassen. Die Antwort

des Entwurfsteams von Franz&Sue: ein großes

Wohnzimmer mit vielen Lern- und Spielmöglichkeiten

im Innen- und Außenbereich. Dieses kindgerechte

Konzept des Wiener Architekturbüros überzeugte

die Stadtgemeinde Landeck zur Vergabe des ersten

Preises, sodass 2017 mit den Renovierungs-, Umund

Neubauarbeiten begonnen werden konnte. Nach

weniger als drei Jahren Bau- und Planungszeit lernen

die Kinder der Volksschule Angedair seit 2018 nun in

einem ganz besonderen Umfeld auf spiel erische Art

und Weise.

“Unsere Bedürfnisse nach Licht und Platz wurden von

allen Seiten ernstgenommen. Das Architekturbüro

hat sich nach innen verwirklicht und nicht nach außen

ein Denkmal gesetzt,” zeigte sich Daniela Lehmann,

die Direktorin der Volksschule, nach der Eröffnung

erleichtert. Tatsächlich sind die Architekten, was die

Außenhülle betrifft, sehr zurückhaltend darangegangen,

diese gestalterisch anzufassen. Vielmehr wurde

die historische Substanz grundsaniert und nur punktuell,

wo es wirklich sinnvoll erschien, ein modernes

Ausrufezeichen gesetzt. Unter dem Motto „Stärken

stärken“ präsentiert sich der historische Baukörper

nach dem Umbau noch klarer und steht heute so

ruhig und selbstbewusst da wie eh und je. Dessen

denkmalpflegerisch schützenswerte Qualität mit der

dominanten Stellung am Platz wurde durch die Maßnahmen

letztlich sogar noch unterstrichen.

Die daher beim Betreten des Schulgeländes auffälligste

Neuerung nach dem Umbau: der im Schulhof

schwebend wirkende Zubau, der jetzt den Zugang

zur Schule markiert. In dem in der Erde versenkten

Glaskubus befindet sich neben der Aula die Sporthalle,

die tageslichtdurchflutet eine besondere Qualität

bietet. Auf der großzügigen Dachterrasse oberhalb

der Halle finden die Kinder in den Pausen viel Platz

zum Toben, die Lehrer ihren Freiraum zum Durchatmen.

Das Geländer bildet eine dichtstehende Holzlattung,

welche die schwarz gestrichene Attika des

Zubaus optisch verschwinden lässt. Die Plattform

der Dachterrasse wirkt so von Weitem wie ein schwebender

Zauberteppich - zum Abheben allzeit bereit

- inmitten des Schulhofs.

Das Dach des Zubaus

bietet Weitblick und

fungiert während der

Pausen als Rückzugsort

und Treffpunkt für Lehrer

und Schüler.


www.architektur-online.com

27

Franz&Sue

Diese Wahrnehmung erklärt sich auch aus der konsequenten

Fortführung der im Bezug auf den Blick

barrierefrei und offen konzipierten Flächen im erdgeschossig

liegenden Inneren des Kubus. Anstatt die im

Erdboden versenkte Turnhalle mit massiven Wänden

oder klobigen Geländern abzugrenzen, setzten die

Architekten auf raumhoch aufgespannte Stahlnetze,

die gleichzeitig als Absicherung und auch als

Sichtfenster funktionieren. Transparenz, Licht und

Platz lauteten die wichtigsten Schlagworte auf der

Wunschliste der Direktorin, denen die Architekten

nicht nur bei der Planung des Neubaus, sondern

auch bei der Umgestaltung der bestehenden Gebäudeteile

Rechnung trugen.

Während die erhaltenswerte Bausubstanz des Bestandsgebäudes

äußerst behutsam saniert wurde,

konnte ein anderer Teil abgerissen und in die entstehende

Lücke ein neuer Klassentrakt eingefügt werden.

Nachdem bestehende Wände aufgebrochen und

zum Teil durch mobile Raumteiler ersetzt wurden,

präsentieren sich die beiden oberen Geschosse nun

als offene, lichtdurchflutete Lernlandschaft. Die wenigen

verbliebenen Wände wirken durch ihre weiße

Farbe in Kombination mit hellem Holz, transparenten

Glastüren und niedrigen Kriechdurchgängen beinahe

entmaterialisiert und werden hier und da zusätzlich

durch Fenster ergänzt, in denen die Schüler gemütlich

sitzen und sich austauschen können. u


architektur FACHMAGAZIN

28

Bildung & Kultur

“Wir haben eng mit Schulleitung und Gemeinde zusammengearbeitet

– das Ergebnis ist eine sympathische,

moderne Schule, in der sich LehrerInnen

und SchülerInnen rundum wohlfühlen,” erklärt Erwin

Stättner, Partner bei Franz&Sue, den reibungslosen

Ablauf in der Planungs- und Umsetzungsphase. Dieses

Wohlfühlen hängt mit Sicherheit auch mit der

neuen Flexibilität der Räumlichkeiten zusammen. Die

offene Lernlandschaft bietet eigene Lernzonen, die

jeweils an den Gebäudeecken positioniert und dadurch

von zwei Seiten belichtet sind. Mobile Raumteiler

anstelle von starren Wänden ermöglichen das

individuelle Weg- oder Zuschalten von Klassenräumen

- je nach Bedarf.

Das Ergebnis der neuen Volksschule Angedair beweist

den offenen Geist der Schulleitung, offenbart

aber auch die kindliche Freude der Architekten bei

der Planung der neuen Räumlichkeiten und Außenanlagen.

Anders als in den vielfach gewohnten

Schu(h)lschachteln, die sich vielerorts Klassenzimmer

nennen, werden in der Volksschule Angedair die

Neugier und Lust am Lernen spielerisch gefördert

und gefordert. Die sprichwörtliche kindliche Leichtigkeit

des Seins darf an diesem Ort voll und ganz

gelebt werden.


Die neue Sporthalle

ist zum Teil im Boden

versenkt. Das umlaufende

Oberlichtband

gewährleistet den Bezug

zur Außenwelt und lässt

viel Tageslicht ins Innere

gelangen.


www.architektur-online.com

29

Franz&Sue

0 10 0 10

0 10

0 10

Volksschule Angedair

Landeck in Tirol, Österreich

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Stadtgemeinde Landeck

Franz&Sue

Lucie Vencelidesová (PL), Anna Ladurner, Bernd Stuffer,

Wolfgang Fischer, Joseph Suntinger, Philipp Stromer,

Philipp Wenzl, Joshua Meighörner, Simon Frey

DI Georg Pfenninger

Grundstücksfläche: 5.223 m 2

Bebaute Fläche: 1.269 m 2

Nutzfläche: 4.280 m 2

Planungsbeginn: 2016

Bauzeit: 2017 - 2018

Fertigstellung: 08/2018

Baukosten:

5,5 Mio. Euro


architektur FACHMAGAZIN

30

Bildung & Kultur

Kultur im

Bunker

Cinémathèque suisse / Penthaz, Schweiz / EM2N

Text: Edina Obermoser Fotos: Damian Poffet, Roger Frei

Seit den 90er-Jahren fasst die Cinémathèque suisse

in Penthaz, einer Gemeinde nordwestlich von Lausanne,

sämtliche Bestände des Filmarchivs an einem

Standort zusammen. Sie ist neben dem Verwaltungssitz

in Lausanne und der Dokumentationsstelle in

Zürich die dritte Zweigstelle der Schweizer Stiftung

und beherbergt die Artefakte. Das Forschungs- und

Archivierungszentrum zog damals in die Räumlichkeiten

einer ehemaligen Buchbinderei. Diese bestand

aus mehreren barackenartigen Baukörpern und war

als provisorische Übergangslösung gedacht. Die

Zürcher Architekten EM2N setzten sich im Zuge der

Ausschreibung zur Sanierung und Erweiterung gegen

die Konkurrenz durch. Sie überzeugten das Bundesamt

für Bauten und Logistik BBL mit einem Entwurf,

der behutsam auf die Bestandsstruktur eingeht

und Alt und Neu in eine auffällige, charakteristische

Hülle verpackt.


www.architektur-online.com

31

EM2N

Bereits seit 1992 befindet

sich die audiovisuelle

Sammlung des Schweizer

Filmarchivs in Penthaz,

nahe Lausanne. 2007

konnte das Architekturbüro

EM2N den Wettbewerb

zur Neugestaltung

und Erweiterung der

Cinémathèque suisse für

sich entscheiden. Drei

Bauabschnitte und zwölf

Jahre später zieht das nationale

Filmerbe mit dem

neuen Forschungs- und

Archivierungszentrum

nun endlich in sein repräsentatives

Zuhause ein.

Zum prägenden Element der Cinémathèque wird die

interne Organisation der unterschiedlichen Bereiche

und deren individuelle Ansprüche. Die Planer gliederten

den 13.000 m 2 großen Bau in Penthaz I und Penthaz

II. Penthaz I im Süden umfasst die bestehenden

Bauten und beinhaltet sämtliche öffentlichen Funktionen.

Penthaz II am nördlichen Grundstücksrand

dagegen bleibt auf den ersten Blick verborgen. Bei

ihm handelt es sich um den nicht öffentlichen Trakt

des Ensembles. Die beiden Gebäudeteile werden von

einer Straße getrennt, sind aber über einen unterirdischen

Gang miteinander verbunden.

u


architektur FACHMAGAZIN

32

Bildung & Kultur

Die barackenartigen Stirnseiten verleihen dem

Ensemble einen kleinteiligen Eindruck. Hinter

ihnen verbirgt sich mit Penthaz I der öffentliche

Teil des Kulturbaus, in dem Besucher empfangen

werden.

Die Architekten erhielten, inspiriert von der „Akkumulation

an Baracken“ der einstigen Buchbinderei,

die länglichen Volumen des Bestands und verwandelten

sie in Penthaz I. Schottenartig reihen sich

die einzelnen Körper parallel aneinander. Sie sind

unterschiedlich lang und an den Querseiten schräg

angeschnitten. Dadurch erhält der Kulturbau eine

gestaffelte Gestalt. Während die zur nördlich anschließenden

Straße hin orientierte Ansicht sich

mehr als 100 Meter ausdehnt, markiert die schmale

Ostfassade den Eingangsbereich. Eine oxidierte

Stahlhülle in kräftigem Orange fasst das kleinteilige

Ensemble zu einem einheitlichen Ganzen zusammen

und verleiht dem Gebäude einen hohen Wiedererkennungswert.

Die Paneele ziehen sich zum Teil vor

die großflächigen Verglasungen und erinnern mit ihrer

Perforierung an Filmrollen. Begrünte Flachdächer

komplettieren die barackenartige Erscheinung der

niedrigen Bauten und verleihen der Cinémathèque

Filmstudio-Flair.


www.architektur-online.com

33

EM2N

In Penthaz I findet man alle öffentlichen Bereiche

des Forschungs- und Archivierungszentrums. Neben

Museum, Vorführsaal, Cafeteria und Lesezone sind in

dem Trakt die Arbeitsplätze und die Logistik untergebracht.

Sie alle reihen sich innerhalb der riegelförmigen

Baukörper aneinander, betonen die horizontale

Ausdehnung des Kulturbaus und werden nur punktuell

von den senkrechten Erschließungswegen durchstoßen.

Das Herzstück des öffentlichen Traktes bildet

die zweigeschossige Empfangs- und Ausstellungshalle.

Sie ist geprägt von den im oberen Stockwerk eingehängten

Sitzungszimmern, die das Foyer von oben

überblicken. Großflächige Fenster ergeben spannende

Blickbeziehungen zwischen den einzelnen, kabinenartigen

Räumen und sollen Assoziationen an die

Filmproduktion mit Schnitt und Montage hervorrufen.

Die schräg positionierten Wände verstärken diesen

Effekt. Auch der Bezug zur umgebenden Landschaft

wird im Gebäude vielerorts spürbar. Immer wieder öffnet

sich die Cinémathèque nach draußen und ergibt

durch die leichten Spiegelungen der Verglasungen,

die teilweise wie Kinoleinwände wirken, einen surrealen

Mix aus Natur und den Innenräumen. u


architektur FACHMAGAZIN

34

Bildung & Kultur

Während sich die Arbeitsbereiche

in Penthaz I zur

Umgebung hin öffnen und

durchwegs hell und lichtdurchflutet

sind, steht im

unterirdischen Lager der

Schutz der Artefakte im

Vordergrund.

Die auffällige Gebäudestruktur Penthaz I ist allerdings

nur die Spitze des Eisbergs. Lediglich ein

kleiner Betonbau mit Satteldach lässt nördlich der

erschließenden Straße leise erahnen, dass sich hier

unter der nahezu unberührten Ackerfläche etwas

verbirgt. Mit Penthaz II – dem nicht öffentlichen Teil

des Forschungs- und Archivierungszentrums – entwickelt

sich mehr als die Hälfte des Projekts unterirdisch.

Damit reagieren die Architekten auf die klimatechnischen

Lageranforderungen der sensiblen

Sammlung. Der „superfunktionale Bunker“ bietet auf

drei Geschosse verteilt Schutz vor Luft, Licht und

Feuer. Große Räume garantieren genügend Fläche

zur Unterbringung der analogen und digitalen Artefakte

wie Filme, Plakate und Drehbücher. Das kleine

Häuschen, das mitten im Feld aus dem Untergrund

auftaucht, ist die Haupttreppe, die zum Verbindungsgang

und zum Lager führt.

Die lange Bauzeit lässt sich durch die Digitalisierung

und einer damit einhergehenden Anpassung des

Raumprogramms erklären. Zudem erfolgten Umbau

und Erweiterung der bestehenden Substanz über

die Jahre hinweg sukzessive. Ein in mehrere Phasen

gegliederter Bauprozess stellte dabei den uneingeschränkten

Betrieb des Archivs und gleichzeitig eine

reibungslose Umsiedelung der umfassenden Sammlung

sicher. Mit dem barackenartigen Gebäudeensemble

verwandelten die Architekten die Cinémathèque

suisse in einen Ort, an dem es nebeneinander

reichlich Platz für Exposition und Lager gibt. Subtile,

gestalterische Filmreferenzen ziehen sich dabei wie

ein roter Faden durch den orangen Bau und schaffen

Bezug zu dem kulturellen Erbe im Inneren. So wird

das Forschungs- und Archivierungszentrum nicht nur

zum repräsentativen Anlaufpunkt für Filmliebhaber,

sondern auch zu einem angenehmen Arbeitsplatz. •


www.architektur-online.com

35

EM2N

UG

Erdgeschoss 1:750 0 5 25 37.5

Cinémathèque

Penthaz

EG

Erdgeschoss 1:750 0 5 25 37.5

Cinémathèque suisse

Penthaz

Untergeschoss 1:750 0 5 25

Querschnitt

Längsschnitt Penthaz I

Querschnitt 1:750 0 5 25

OG

Längsschnitt Penthaz II

Cinémathèque suisse

Penthaz, Schweiz

Obergeschoss 1:750 0 5 25 37.5

Cinémathèque suisse

Penthaz

Längsschnitt 1:750 0 5 25

Bauherr:

Planung:

Projektleiter:

Statik:

Bauphysik:

Bundesamt für Bauten und Logistik BBL

EM2N

Bettina Baumberger, Jean-Baptiste Joye, Roger Küng

Schnetzer Puskas Ingenieure, Boss & Associés Ingénieurs Conseils

Kopitsis Bauphysik

Längsschnitt 1:750 0 5 25 37.5

Ci

Pe

Grundstücksfläche: 11.068 m 2

Bebaute Fläche: 3.079 m 2

Nutzfläche: 8.746 m 2

Planungsbeginn: 2008

Bauzeit:

2010 - 2019 (in drei Teilphasen)

Fertigstellung: 2019


architektur FACHMAGAZIN

36

Bildung & Kultur

Eine Box mit

vielen Facetten

Boxen Studio Gallery im ArkDes / Stockholm, Schweden / Dehlin Brattgård Arkitekter

Text: Linda Pezzei Fotos: Johan Dehlin, Mikael Olsson


www.architektur-online.com

37

Dehlin Brattgård Arkitekter

Mit der “Boxen Studio Gallery”

haben Dehlin Brattgård

Arkitekter einen völlig neuen

und vielschichtigen Ausstellungsraum

für das Schwedische

Architekturmuseum

“ArkDes” geschaffen. Als

Raum im Raum grenzt sich

die minimalistische Struktur

aus Stahlträgern aber nicht

vom restlichen Ausstellungsbereich

ab, sondern tritt

vielmehr auf vielfache Art

und Weise mit ihr und den

Besuchern in Kontakt.

Das Schwedische Zentrum für Architektur und Design

“ArkDes” befindet sich auf der Insel Skeppsholmen

in Stockholm. Es besteht aus zwei Gebäudeteilen

- dem Exercishuset, der alten Exerzierhalle der

Marine, und einem moderneren Bauwerk des spanischen

Architekten Rafael Moneo, welches 1997 fertiggestellt

wurde. Architekturgeschichte in geballter

Form: Historismus trifft Funktionalismus und Minimalismus.

Für Letzteres zeichnen die ortsansässigen

Dehlin Brattgård Arkitekter verantwortlich, die das

Architekturmuseum 2018 um einen temporären Ausstellungsbereich

ergänzen durften.

Die neue Studio Gallery trägt den trefflichen Namen

Boxen, zu Schwedisch wie zu Deutsch “Die Box”, und

wurde ähnlich einem Haus im Haus in eine der bestehenden

Ausstellungshallen implementiert. Die Besonderheit

liegt in der Konzeption der Struktur dieser

Box, die sich in ihrer Gesamtheit nutzen lässt: von

innen wie von außen, vom Boden bis zur Decke. Dabei

sind es nicht nur die Aussteller und Kuratoren, die

diese Box bespielen und befüllen, auch die Besucher

sollen in direkten physischen Kontakt treten können.

Die Gestalter übersetzten das Bedürfnis, Architektur

mit allen Sinnen zu erleben, in eine eigens dafür

konzipierte, robust gefertigte Ausstellungsmaschine.

Die leeren Leinwände des als White Box gestalteten

Innenraums stehen in scharfem Kontrast zu der mit

Maschendrahtdrahtgeflecht versehenen Außenhaut.

Die Hülle ist als informelle Ausstellungsfläche gedacht,

die zusätzlichen Platz für Exponate bietet. u


architektur FACHMAGAZIN

38

Bildung & Kultur

Die Rampe wickelt sich

als filigrane Konstruktion

rund um die Box und bietet

gleichzeitig zusätzliche

Präsentationsflächen.

Über eine Rampe gelangen die Besucher auf eine Galerie,

von der aus sich unterschiedliche Blickwinkel

auf die präsentierten Objekte eröffnen. Der Mensch

wird beim Betreten der Architektur im Raum ein Teil

des Gesamtkunstwerks und kann über Rampe und

Galerie mit der umgebenden Halle in Kontakt treten

- ebenso wie die Box neue räumliche Beziehungen

zu ihrer Umgebung schafft. Dabei verstärken gerade

die Durchlässigkeit und teilweise Entmaterialisierung

der Struktur diesen Effekt.

Durch die zentrale Lage inmitten der Halle und neben

der Dauerausstellung ergeben sich bereits beim

Betreten der Hauptlobby erste Blickbeziehungen zur

Box, die wiederum in direkter Verbindung mit der

temporären Ausstellungshalle steht. Gezielt gesetzte

Öffnungen in der Konstruktion lassen den Blick ungehindert

durch die Ausstellungshallen schweifen. Ganz

den alten architektonischen Regeln der Lenkung der

Blickachsen folgend, findet der Blick des Besuchers

so vom Haupteingang an der Exercisplan aus sein Ziel

in dem neuen Gebäude von Rafael Moneo.


www.architektur-online.com

39

Dehlin Brattgård Arkitekter

Es sind gerade die Konstruktion und die zurückgenommene

Gestaltung der Box, die diese so natürlich

in den Bestand integrieren. Hierfür wurde eine vorgefertigte

Stahlkonstruktion auf Basis von Standardprofilen

entworfen, die im Inneren mit Birkensperrholz

und weißen Gipskartonplatten ausgekleidet ist.

Den oberen Abschluss bildet ein Dach aus stahlverzinktem

Wellblech. Die Primärstruktur zeigt sich in

Trägern, die in regelmäßigem Abstand stehend den

Hauptrahmen der Galerie bilden. Von außen ist der

verzinkte Stahl frei sichtbar und nur mit einem Maschendrahtgewebe

versehen. Dahinter blitzt das auf

deren Rückseite silber lackierte Birkensperrholz der

Innenwände teilweise hervor. Das mit weißem Textilgewebe

versehene Geländer an der Außenkante

der Rampe fügt dem Ganzen eine zusätzliche Ebene

hinzu. Die als Gitterroste aus verzinktem Stahl ausgeführte

Rampe startet an der Hauptöffnung der Box

und führt an deren Wand entlang und an einer kreisförmigen

Öffnung mit zugehöriger Aussichtsplattform

vorbei, ehe sie in einen Balkon mündet, der sich

über die gesamte Länge der Galerie erstreckt. Über

eine verborgene Treppe gelangen die Besucher von

hier aus wieder auf die eigentliche Galerie. Das Dach

scheint aufgrund der ausgesparten Verkleidung der

Stahlkonstruktion im oberen Bereich losgelöst über

der Box zu schweben. Dies verstärkt zum einen den

Eindruck des Verschwimmens der räumlichen Trennung

von Box und Halle, zum anderen gelangt auf

diese Weise natürliches Tageslicht ins Innere der Box.

Durch drei Türen gelangen die Besucher in den Ausstellungsraum.

Dessen großzügige Dimensionen bieten

in Kombination mit der reduzierten und neutralen

Gestaltung in zurückhaltenden Weißtönen den perfekten

Hintergrund für Ausstellungen und Veranstaltungen

jeglicher Art. Ein Schwellenraum am Haupteingang

setzt den Übergang von der temporären

Ausstellung in der benachbarten Halle zusätzlich als

trennendes Element in Szene.

u


architektur FACHMAGAZIN

40

Bildung & Kultur

Ein überdimensional großes,

rundes Fenster lässt

Innen- und Außenraum

von Box und Halle optisch

verschwimmen.

“Boxen” besticht trotz der Einfachheit der Struktur

gerade beim zweiten Blick durch seine Vielschichtigkeit.

Einerseits verleiht die Schichtung von Materialien

auf der Außenseite dem Gebäude einen

filigranen Ausdruck und eine visuelle Tiefe. Andererseits

lässt die Vielzahl der Öffnungen die Grenzen

zwischen dem innenliegenden Galerieraum, der nach

außen gestülpten Ausstellungsfläche und dem umgebenden

Museumssaal verwischen. Auf diese Weise

werden alle Flächen und sich ergebenden Räume als

gleichwertig wahrgenommen - durch den Wechsel

der Perspektive können diese aber wiederum immer

wieder neu erlebbar gemacht werden. Das spannende

daran, die vielen Facetten dieser Box zu entdecken,

liegt aber wohl darin begründet, dass jeder

Besucher für sich selbst entscheiden kann, welcher

Blickwinkel der bevorzugte ist.


www.architektur-online.com

41

Dehlin Brattgård Arkitekter

Boxen Studio Gallery im ArkDes

Stockholm, Schweden

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

ArkDes - The Swedish Centre for Architecture and Design

Dehlin Brattgård Arkitekter

Johannes Brattgård, Johan Dehlin

DIFK Dipl.-Ing. Florian Kosche

Bruttogeschossfläche: 273 m 2

Nutzfläche: 156 m 2

Bauzeit:

6 Wochen

Fertigstellung: 06/2018

Baukosten:

196.000 Euro


architektur FACHMAGAZIN

42

Bildung & Kultur

Ein besonderes

Hörerlebnis

Strait Culture and Arts Centre / Fuzhou, China / PES-Architects

Text: Peter Reischer Fotos: Marc Goodwin, Zhang Yong

Das Strait Culture and Arts Centre, entworfen von den in

Schanghai und Helsinki ansässigen PES-Architects, bringt

nicht nur der Stadt Fuzhou, sondern auch der weiteren

Umgebung die Möglichkeit, Kunst und Kultur in einer

hervorragenden akustischen Qualität zu genießen.


www.architektur-online.com

43

PES-Architects


architektur FACHMAGAZIN

44

Bildung & Kultur

Symbolkraft des Entwurfes

Schon im Jahre 2013 hat die Verwaltung von Fuzhou,

China einen internationalen Wettbewerb für

das sogenannte Strait Culture and Arts Centre ausgeschrieben.

Eines der vielen multinational arbeitenden

Architekturbüros – die in Schanghai und Helsinki

ansässigen PES-Architects – hat diesen gewonnen.

Und sie haben, entgegen dem Trend der beliebigen,

parametrischen Formfindung, Rücksicht auf die Kultur

und Tradition des Ortes genommen und die Blütenblätter

des Jasmin (diese Blüte ist auch das Wahrzeichen

von Fuzhou) als Ausgangspunkt für ihren

Entwurf gewählt. Das ist wichtig, da die chinesische

Kultur sehr großen Bezug auf Symbole nimmt. Dazu

kommt, dass Fuzhou – als Endpunkt der sogenannten

„Neuen Seidenstraße“ gelegen – damit auch eine Metapher

dieses Transportweges von Keramik, Porzellan

und anderen Gütern nach dem Westen, aufgreift.

Ein Hauptanspruch des Entwurfes war es, das kulturelle

Image der Stadt Fuzhou und des neuen entwickelten

Stadtteiles Mawei New Town zu stärken. Er

bietet nun durch die Schaffung einer Art „kultureller

Shoppingmall“ eine außergewöhnliche Erfahrung für

die Nutzer. Die Kulturprogramme der Mall ergänzen

sich mit kommerziellen und familienorientierten Angeboten

und dem entsprechenden Entertainment in

einem hybriden Komplex. Dieses Format ist typisch

für die momentane Phase der Kulturbauten in China.

Interessant bei dem Projekt sind auch die städtebaulichen

Bezüge: Das Strait Culture and Arts Centre

verbindet Städte und Gemeinden entlang und über

die Straße von Taiwan, es verbindet die Fuzhou Mawei

New City Entwicklungsgebiete und deren Wasserwege

mit dem Minjiang River und der natürlichen

Umgebung und schlussendlich verbindet es die Menschen

mit Kultur.

Ein Material prägt diese

Architektur sowohl in der

Außenansicht wie auch im

Innenbereich: Keramik.


www.architektur-online.com

45

PES-Architects

Material und Geschichte

Schon vor fast 3000 Jahren wurden in China mit

„Porzellanerde“ Figuren und Gegenstände gebrannt.

Kaufleute brachten das Porzellan (weißes Gold)

ab dem 13. Jahrhundert mit nach Europa, wo seine

Herstellung lange ein Geheimnis blieb. Die Hauptbestandteile

der Porzellanmasse sind Kaolin, Ton,

Quarz, Feldspat, Dolomit, Kalkspat und Kreide. Der

hohe Quarzgehalt in der Glasur und der Masse ergibt

in Verbindung mit den anderen Rohstoffen hohe Festigkeitswerte

und Verschleißbeständigkeit. Und dieses

Material ist eines der augenscheinlichsten und

auch Form gebendsten dieser Architektur. Es ist hier

– neben dem für die Konstruktion benötigten Stahl,

Beton und Glas – in gewaltigen Mengen verwendet

worden und drückt der Erscheinung, der Sprache,

der Farbe und der Architektur seinen Stempel auf.

Die fünf Blütenblätter des gewählten Entwurfes entsprechen

dem Opernhaus, der Konzerthalle, einem

multifunktionalen Theater, einer Ausstellungshalle

für Kunst und einem Kinokomplex – alle sind miteinander

durch eine „Kulturpromenade“ und großen

Dachterrassen verbunden. Diese Terrassen

sind sowohl von den (im Landesinneren gelegenen)

Jasmingärten aus, wie auch vom zentralen Platz

(Richtung Fluss) zu begehen und bieten eine nahtlose

Verbindung des Komplexes mit dem Ufer des

Minjiang River. Die Aufteilung in die erwähnten fünf

Bereiche (insgesamt 153.000 m 2 ) bietet eine leichte

Orientierung für die Besucher und schafft auch einen

menschlicheren Maßstab. Jeder der fünf Bauteile hat

sein eigenes Zentrum in einer halböffentlichen, gebogenen

Galerie, die der äußeren Form des jeweiligen

Blütenblattes folgt. Von außen gesehen (vor allem in

der Nacht bei Beleuchtung) erscheint hinter der Lamellenfassade

die warme Holzwand der Galerie wie

eine weitere, innenliegende Fassade.

u


architektur FACHMAGAZIN

46

Bildung & Kultur

Von Ton zu Ton

Keramik ist das Material, welches sowohl im Außenbereich

wie auch in den Innenräumen am meisten

eingesetzt wurde. Verwendet wurde in der Produktion

das legendäre „China White“ in Verbindung mit

einer neuen Technologie. Die Architekten haben dafür

mit dem taiwanesischen Keramikkünstler Samuel

Hsuan-yu Shih zusammengearbeitet, um im Inneren

der Architektur sowohl Ästhetik wie auch die entsprechenden

akustischen Anforderungen zu erreichen.

Im Außenbereich sind alle Fassaden mit Blenden

und weißen, keramischen Paneelen bedeckt. Die

Hauptfassaden sind, aufgrund der Anordnung der

Baumassen, linsenförmig gebogen und Großteils aus

Glas. Um eine Verschattung zu erzielen, hat man eine

vorgehängte Fassade aus keramischen Paneelen als

Sonnenblende kreiert. Deren Aufteilung entspricht

einer exakten Berechnung der notwendigen Lichtintensität

für die dahinter liegenden Innenräume und

löst durch seine lockere Verteilung auch ein wenig

die Schwere der Körper auf.


www.architektur-online.com

47

PES-Architects

Die gesamten vorderen Fassadenflächen bestehen

aus 42.250 Teilen, jedes 1,75 Meter lang und mit einer

weißen Glasur überzogen. Sie bilden eine vorgehängte

Fassade. Grund- und Traufenlinie der Körper sind

gegeneinander verschoben und mit geraden Stahlsäulen

zu einer Fläche dritter Ordnung verbunden.

Eine weitere Serie von Stahlträgern bildet eine zweite

Struktur, welche sich diagonal über die Hauptsäulen

zieht. Ihr Abstand beträgt überall ca. 1,8 Meter, so

konnten die keramischen Baguettes mit ihrer einheitlichen

Länge gleichmäßig befestigt werden. Keramik

wurde auch an der Rückseite verwendet und nur das

Dach ist mit vorpatiniertem Titan-Zink-Blech bedeckt.

An der hinteren Fassade entschied man sich

für Keramikplatten in der Größe 80 x 40 cm.

In der Konzert- und Opernhalle zeigt die verwendete

Keramik eine ausgesprochen kreative Art der akustischen

Wandgestaltung und Oberfläche. Für die

Schallkontrolle, Tonqualität und die erforderlichen

Nachhallzeiten wurden nach intensiven Studien der

Akustikexperten zwei verschiedene Oberflächen

entwickelt: ein strukturiertes Paneel und eine Mosaikfliese.

Beide Teile lassen sich entsprechend den jeweiligen

topografischen Gegebenheiten verwenden

und auch kombinieren: Sie erzielen genauso akustische

wie ästhetisch hochwertige, optische Ergebnisse

in der visuellen Designsprache.

u


architektur FACHMAGAZIN

48

Bildung & Kultur

Die Opernhalle ist von – in verschiedenen warmen

Grautönen angefertigten – Keramikteilen geprägt

und kombiniert 13 unterschiedliche florale Motive zu

einem 3.000 m² großen Muster aus Jasminzweigen.

Die komplexen seitlichen Wände der Halle sind dermaßen

gestaltet, dass sämtliche seitlich gerichteten

Reflexionen in Richtung Parterre und der anderen

Balkone vermieden werden. Konvexe und konkave

Formen wirken hier wie effiziente Reflektoren, die

gleichzeitig unerwünschte Halleffekte durch ihre

gekurvte Geometrie unterbinden. Die Bühnenwände

sind auch speziell entworfen – sie kombinieren Lautsprecher

und großformatige Beleuchtungsanlagen

mit effizienten Absorberzonen. Gemeinsam mit den

Reflektorflächen über dem Orchestergraben sichert

das eine perfekte Projektion des Tones von der Bühne

in Richtung der Zuschauer. Durch die Verlegung

der verwendeten, sechseckigen Keramikfliesen

konnte man die doppelt gekurvte Oberfläche relativ

gut in den Griff bekommen, obwohl es evident ist,

dass zweidimensionale Muster eine derartige Geometrie

nicht völlig bedecken können. Dort wo das

Muster „ausreißt“, hat man mit einzelnen Fliesen –

in genauer Abstimmung mit dem Designteam – die

Spalten gefüllt.

In der Konzerthalle wiederum waren eine reiche Resonanz

und eine wirklichkeitsgetreue, musikalische

Klarheit – durch die Optimierung sämtlicher Reflexionsflächen

– gefordert. Zwei in verschiedenen

Ebenen konvex gebogene Wände umgeben Orchester

und Zuhörer, sie erzeugen eine Menge von sich

seitlich entwickelnden Schallwellen. Die Kurvatur

und Neigung jedes Wandelementes ist genau nach

den akustischen Ergebnissen berechnet und ausgerichtet.

Bestimmte Zonen der Wände sind mit einem

diffusen Muster aus dreidimensional herausragenden

Fliesen bedeckt. Diese Unregelmäßigkeit bricht die

Schallwellen, macht Echos sanfter und vermeidet

Nachhalleffekte.

Das zweite, schalltechnisch interessante Material findet

sich in der Multifunktionshalle, die für 700 Besucher

ausgelegt ist. Ihre Wände sind mit CNC gefrästen,

soliden Bambusblöcken verkleidet, diese haben

eine spezielle, akustische wirksame Formgebung und

Oberfläche. Auch in den anderen Bereichen fällt die

stringente und fast ausschließliche Verwendung von

Bambus und Keramik auf. Und so entsteht ein durchgehender

Eindruck einer freundlichen, warmen Atmosphäre

mit hervorragenden Hörerlebnissen. •


www.architektur-online.com

49

PES-Architects

c.

c.

Flowing

Flowing

Hills

Hills

landscape

landscape

d.

d.

LiangCuo

LiangCuo

River

River

Elevations, 1:1250

.

5.

Strait Culture and Arts Centre

Fuzhou, China

Bauherr:

Planung:

Chefdesigner:

Lokales Architekturbüro:

Statik:

Fuzhou New Town Development Investment Group Co., Ltd.

PES-Architects

Pekka Salminen

CCEDGC

Matti Haaramo (Vahanen Oy), CCEDGC

Nutzfläche: 153.000 m 2

Planungsbeginn: 2013

Bauzeit: 2015 - 2018


architektur FACHMAGAZIN

50

Bildung & Kultur

Aus dem

Sand erbaut

Al Musallah Prayer Hall / Abu Dhabi / CEBRA architecture

Text: Peter Reischer Fotos: Mikkel Frost


www.architektur-online.com

51

CEBRA architecture

Eine Architektur wie aus

Sand gewachsen, Kristalle,

die vor der utopisch

wirkenden Skyline von

Abu Dhabi in die Höhe

ragen – das ist die Al

Musallah Prayer Hall,

entworfen vom dänischen

Architekturbüro CEBRA.

Als Teil des Masterplanes

um das Fort Qasr Al

Hosn ist sie ein mutiger

und innovativer Versuch,

islamischen Glauben und

Kultur in einer modernen

Form zu materialisieren.

Das Qasr Al Hosn ist ein ehemaliges Fort in Abu

Dhabi und der Wachturm das älteste Gebäude auf

der Insel. Es war Sitz der Herrscherfamilie Al Nahyan

und bot als Zentrum Schutz für die frühen Siedler.

Nach seiner Erweiterung auf die heutige Größe unter

Schachbut bin Sultan Al Nahyan in den 1940ern, war

es bis 1966 Regierungssitz des Emirats Abu Dhabi

und nach einer langjährigen Renovierung wurde es

am 7. Dezember 2018 als Museum wiedereröffnet – es

hat also eine emotionale und soziologisch wichtige

Rolle und Funktion.

2015 haben CEBRA architecture einen internationalen

Wettbewerb zur Errichtung der Al Musallah

Prayer Hall in unmittelbarer Nachbarschaft zum erwähnten

Fort gewonnen. Seit damals dauerte die Zusammenarbeit

der Architekten mit dem Department

of Culture and Tourism Abu Dhabi (DCT) zur Errichtung

dieser Gebetshalle als Teil des Masterplans für

das große Areal im Zentrum von Abu Dhabi. Heute

ist die historische ehemalige Anlage um das Fort in

einen vibrierenden Kulturraum umgewandelt. Die Gebetshalle

ist etwas kleiner als eine Moschee und in

einem Eck des Grundstückes, hinter einer Wasserfläche

situiert – sie wurde übrigens beim letzten World

Architecture Festival Awards als bester religiöser

Bau gekürt.

u


architektur FACHMAGAZIN

52

Bildung & Kultur

Die Transformation des Qasr Al Hosn-Geländes umfasst

einen 140.000 m² großen Kulturpark, der das

Fort und die Cultural Foundation umgibt – sie ist seit

den 1980er Jahren denkmalgeschützt. Zusammen

mit der Al Musallah Prayer Hall stehen nun auf dem

Areal zwei Gebäudetypen, die sowohl das historische

Erbe wie auch die moderne Zeit in Abu Dhabi repräsentieren.

Der Masterplan greift diese Dualität auf

und teilt das annähernd quadratische Gelände diagonal

in zwei kontrastierende Landschaften. Auf der

einen Seite befindet sich die flache, offene und sanfte

Wüstenlandschaft, welche das Fort als frei stehende

Landmark etabliert – und zwar auf einer Sandfläche,

so wie es die Menschen seit dem 18. Jahrhundert

vom Meer her, durch die Wüste kommend, wahrgenommen

haben. Das war die Zeit, bevor die moderne

Stadt in der Wüste explosionsähnlich entstand. Auf

der anderen Seite findet man eine befestigte, gepflasterte

Ebene mit intensiver Bepflanzung rund um

die Cultural Foundation und der Al Musallah Prayer

Hall, sie verbindet die Wüste mit der Rasterstruktur,

der sie umgebenden modernen Stadt.

Das Design dieser modernen Struktur ist von den

Trocknungsrissen in der Wüstenerde und in den umgebenden

Salzseen inspiriert: Unregelmäßig geformte

Flächen, polygonal ausgebildet, erstrecken sich

entlang der Diagonalen und werden in der nordöstlichen

Ecke zu dreidimensionalen Körpern. Wie seltsame

Diamanten wachsen diese aus dem Sand und

dem Untergrund und formen die Räume der Musallah.

Ihre an Sand erinnernden Oberflächen wirken vor

dem Hintergrund der von den verschiedensten Stararchitekten

errichteten Skyline fast anachronistisch.

Öffnungen sind in den Körpern kaum zu erkennen, lediglich

aus der Luft kann man Lichtöffnungen in den

„Dachflächen“ erkennen.

Die Formen dieser Sanddiamanten vermitteln einen

Übergang zwischen der Wüste und dem städtischen

Raum. Langsam steigen ihre Dimensionen in die

Höhe, wobei die gesamte Anlage jedoch in der Erde,

respektive in der davor liegenden Wasserfläche versenkt

ist. Betreten wird der Komplex von der Stadtseite

her. Und wenn man zwischen den „Felsen“ und

Pfaden langsam zum Eingang schreitet, tritt der Lärm

und die Geräuschkulisse der Stadt ebenso langsam

in den Hintergrund. In dieser Übergangszone ändert

sich der Raum von ebenen Flächen zu langsam ansteigenden

Schrägen und wächst so schrittweise

in das Gebäude hinein. Alle Komponenten, von den

Sitzflächen bis zur tatsächlichen Architektur, verschmelzen

mit dem Park, um wie eine Naturlandschaft

zu erscheinen. So tritt diese Architektur in

ihrer Wichtigkeit zurück und lässt das Fort und die

Cultural Foundation, als die zwei Hauptattraktionen

am Gelände, visuell unangetastet.

Die vielen polygonalen Körper sind miteinander verbunden

und allesamt wie eine Höhle halb in die Wasserfläche

gedrückt. Die Musallah Gebetshalle steht im

Wasser, um ohne Mauern eine Barriere gegen die Außenwelt

zu bekommen. So werden Ruhe, Intimität und

Abgeschlossenheit für die Gebete gesichert. Gleichzeitig

ist das Wasser ein Symbol für die Reinigung

und fließt um und teilweise auch durch den Komplex

hindurch. Die einzelnen Bereiche der Architektur sind

durch Glasgänge miteinander verbunden und diese

lichterfüllten Übergänge über die Wasserflächen

reinigen symbolisch wieder die Nutzer während des

Durchschreitens von einem Bereich in den nächsten.

u


www.architektur-online.com

53

CEBRA architecture


architektur FACHMAGAZIN

54

Bildung & Kultur

Der Innenraum nimmt das Motiv der „Sandkristalle“ auf und

verwirklicht sie in eingefärbtem Sichtbeton. Auch in Nebenräumen

und dem Waschbereich prägen die künstlichen

Felsformationen den Raumeindruck entscheidend mit.

Jedes der Volumina hat seine eigene Funktion und

der gesamte Grundriss ergibt die Form einer gespiegelten

Blume. Ein höhlenähnlicher Eingangsbereich

bietet noch Platz und Zeit für ein Gespräch vor dem

Gebet, dann trennen sich die Wege. Weibliche und

männliche Gläubige gehen separiert durch die Raumfolgen,

entsprechend dem spirituellen Ritual zur Gebetshalle.

Es ist eine Erfahrung und Atmosphäre, die

an die Höhle von Hirā erinnert – hier hat der Prophet

Mohammed angeblich seine erste Offenbarung erhalten.

Zuerst erreicht man die Waschräume, kann

sich mental auf das Gebet vorbereiten und kommt

schließlich in die großen Gebetshallen. Beide Hallen

sind in Richtung Gibla (Mekka) orientiert. Die geometrischen

Formen der Außenwelt finden sich auch in

den Innenräumen wieder. Und zwar als von der Decke

abgehängte Felslandschaften mit derselben optischen

Erscheinung wie die Außenseiten. Innen wie

außen bestehen die Wände aus sauber geschaltem,

sandfarbenem Sichtbeton. Nur kleine Öffnungen

durchbrechen die Decke im ansonsten geschlossenen

Raum der Halle. Durch die runden Löcher dringt

Tageslicht ein und in der Kombination mit abgehängten

punktförmigen Pendellampen ergibt sich der Anschein

eines Sternenhimmels. Das wiederum ist eine

Allegorie an die Eigenschaft der Beduinen, sich an

den Sternen zu orientieren.

Während die Eingangsbereiche und die Waschräume

mit Oberlichten aus Beton versehen sind, ist das Innere

der Gebetshalle an der Decke mit Kupfer verkleidet

– so entsteht eine endlose Reflexion der Lichter

als Symbol des Kosmos. Auch wird so der Grundgedanke

des Entwurfes wie ein Fraktal wieder in den

Raum eingebunden. Die Menschen haben eben immer

schon zum Himmel aufgeblickt, sich gewundert

und über ihre eigene Existenz reflektiert. •


www.architektur-online.com

55

CEBRA architecture

Al Musallah Prayer Hall

Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Department of Culture and Tourism Abu Dhabi

CEBRA

Mikkel Frost, Mikkel Schlesinger, Arthi Balasubramanian,

Janni Vestergaard, Athira Raghu, Rahul Vinodan,

Jacob Christensen, Henrik Nykjaer

GHD

Grundstücksfläche: 1.100 m 2

Bebaute Fläche: 1.100 m 2

Planungsbeginn: 09/2015

Bauzeit:

35 Monate

Fertigstellung: 09/2019


architektur FACHMAGAZIN

56

RETAIL architektur

Mit dem Luftschiff

zum Friseur

Die Erzählung Gullivers Reisen (1726) vom irischen Poeten Jonathan Swift

hat in Japan einige Künstler und Schriftsteller inspiriert – bis heute anscheinend.

Denn der Auftraggeber des Studio fathom wollte beim Design

des Miyanishi Yakeyama Haarsalons in der japanischen Stadt Kure das

Thema von Laputa, der schwebenden Insel aus dem Roman, visualisiert

haben. Im Buch hat sie 4½ Meilen (ca. 7¼ km) im Durchmesser und ein Diamant-Magnet

im Zentrum lässt die Insel in Kombination mit magnetischen

Kräften schweben.

Fotos: Tabii Tatsuya

Der Designer Hiroyuki Nakamoto, Direktor des Studios,

wählte einen außergewöhnlichen Zugang zur Lösung:

Anstatt sich auf eine kostspielige Animation von Laputa

in den Innenräumen zu verlassen, nahm er das Thema

von Goliath – das Luftschiff mit dem Gulliver die Insel erreicht

– auf. Im Augenblick als Goliath die Insel erreicht,

zeigt sich durch das Fenster des Luftschiffes das Grün

des Luftschlosses und die Landschaft. Und so benutzt

er das alte Luftschiff als Motiv.


www.architektur-online.com

57

RETAIL architektur

Ich geh den Dingen

auf den Grund.

Und bin

gut beraten.

Ein lang gezogenes, abgerundetes Fenster

und ein Torbogen begrüßen die Kunden.

Auf der nur sehr grob verputzten Fassade

sind offen Kupferrohre verlegt und ein ganzes

Wirrwarr von Rohren samt Manometern

scheint durch den Torbogen. Dasselbe Bild

ergibt sich auf der Rückseite, gegen einen

kleinen Garten hin. Wie eben im Maschinenraum

des Luftschiffes Goliath. Dazwischen

grünt es. Im Inneren wird das Motiv von

Wolken und Spiegeln verwendet, um Raumzonierungen

zu schaffen. Die runden Spiegelflächen

bei den einzelnen Arbeitsplätzen

wirken wie Bullaugen in einem Schiff, nur

dass sich in ihnen die üppigen Grünarrangements

der Innenräume spiegeln – man vermeint

zu schweben.

Auch an der Decke des Wartebereiches

befindet sich eine Kupferverkleidung. Sie

reproduziert ein verzerrtes Bild des Erdgeschosses

und erweckt so etwas wie Nostalgie

und gleichzeitig ein Fluggefühl. An der

Decke hängende Propeller verstärken die

Imagination des Luftschiffes. Auf der Eingangstüre

hat man die blaue Schutzfolie

auf dem Acrylglas belassen, sie steht nun

für „hiko seki“, ein durchsichtiges Material

aus der Welt des Anime, dem Antigravitationskräfte

zugeschrieben werden. Der insgesamt

68 m² große Salon wurde im November

2019 eröffnet.

Atnan Delic

Fliesendelic

in 1140 Wien

Wenn‘s ein neues Produkt gibt,

will ich mich gründlich informieren.

Wissen, wie‘s geht in der Verarbeitung.

Bei MUREXIN gibt‘s zu jedem

Produkt die beste Beratung.

Auch in schwierigen Zeiten.

Mein Produkttipp: Aus gutem Grund:

Murexin Tiefengrund LF 15

MUREXIN. Das hält.


architektur FACHMAGAZIN

58

RETAIL architektur

Ansprechend

fürs Auge

Ganz dem menschlichen Auge gewidmet ist die Neugestaltung des Centro

Ottici, einem Optikergeschäft in Nea Smyrni, einem südlichen Vorort von

Athen. Verantwortlich für die optische Erneuerung zeichnen die ebenfalls in

Athen ansässigen MOLD architects.

Fotos: Voumvakis Panagiotis

Schon von der Straße aus ins Geschäft hineinlinsend

erkennt man: Jede Brille hat hier ihren Platz.

Ein Schaufenster ist als großzügige Glasfläche in

die weiß gemusterte Fassade eingelassen und dient

gleichzeitig auch als Eingang. Eine gitterartige Struktur

dient als Präsentationsdisplay für Brillenmodelle

verschiedener Formen, Materialien und Farben. Im Innenraum

findet sich diese Art der Zurschaustellung

dann nochmals wieder, diesmal nicht schwebend

von der Decke hängend, sondern solide entlang der

Längswand positioniert und sogar weitergezogen bis

über die Wandelemente der Eingangsseite. Als Ausgangspunkt

dafür kann eine linienhafte Metallstruktur

gesehen werden, die sich an den Abmessungen

einer einzigen Brille orientiert. Vielfach dupliziert und

aneinandergesteckt ergibt diese dann die flächige

Raumstruktur, die das Volumen des Raumes formt.


www.architektur-online.com

59

| BA12-17G |

RETAIL architektur

Das Gebäude der Zukunft

kann auch so aussehen

Ideal für Modernisierungen: Die offene,

PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff

Die gegenüberliegende Längswand präsentiert die

Brillen dann eher auf konventionelle Weise in Schubladen.

Auch hier wurde von klein zu groß gedacht

und der Raum als Ganzes betrachtet. Die Schubladen

stehen dadurch nicht als Möbelstücke im Raum,

sondern sind in der Wand aufgenommen. Optisch

setzen sie sich durch ihre weiße Farbe auch nicht ab,

sie bilden zusammen mit dem Weiß der Wände, des

Bodens, der Decke und des Tresens eine Einheit. Sie

wird von gedämpftem kühlen Licht durchdrungen,

das über die Deckenfläche ausgestrahlt wird. Nur

einige wenige punktuelle Leuchtquellen unterstützen

diese gleichmäßige Ausleuchtung des Raumes.

Das visuelle Erlebnis des Verkaufsraumes wird durch

Spiegelungen an Decke und Fußboden zusätzlich erhöht

und komprimiert. Die gewählte Gestaltung der

MOLD architects tritt hier zugunsten der präsentierten

Brillen zurück und bietet jeder einzelnen von ihnen

einen optimalen Auftritt.

www.beckhoff.at/building

So wird wertvolle Bausubstanz nicht nur erhalten, sondern zukunftsfit

gemacht: Mit der integralen Gebäudeautomation von Beckhoff

implementieren Sie alle Möglichkeiten der Kommunikations- und

Steuerungstechnik – angepasst an die individuellen Bedürfnisse der

Immobilie. Alle Gewerke werden von einer einheitlichen Hard- und

Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob es um die nutzungsgerechte

Beleuchtung, die komfortable Raumautomation oder

die hocheffiziente HLK-Regelung geht. Für alle Gewerke stehen

vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung, die das Engineering

enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen oder -änderungen sind

jederzeit möglich. Das Ergebnis: Durch die optimale Abstimmung aller

Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale voll ausgeschöpft und

die Effizienz der Bewirtschaftung deutlich erhöht.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

60

RETAIL architektur

Sanfter

Hintergrund

Ein zweiter Store für das junge Modelabel Bimani musste her. Dieser wurde vom kreativen

Designstudio CuldeSac gestaltet und öffnete in bester Lage der spanischen

Metropole Valencia seine Tore.

Fotos: David Zarzoso

In einer schmalen geschäftigen Seitenstraße

reiht sich der neue Verkaufsraum für

die Modedesigns der spanischen Jungdesignerin

Laura Corsini in einer Reihe von

zahlreichen weiteren Geschäften ein. Aufzufallen

schafft er dabei trotzdem, vor allem

durch seine zurückhaltende Schlichtheit

und klassische Eleganz. Die schmale

Öffnung in der Fassade, die gleichzeitig als

Schaufenster und Eingang dient, gibt den

Blick ins Geschäftsinnere frei, sodass der

gesamte Verkaufsraum zur Auslage wird.

Auf den ersten Blick wirkt die Farbgebung

des Raumes sehr einheitlich. Erst

auf den zweiten Blick erkennt man, dass

dahinter ein gesamtes Farbuniversum

an natürlichen Farbtönen steckt: beige,

creme, elfenbein, cremeweiß, rosé, sandstein,

champagner, ocker. Eingehüllt von

einer angenehm sinnlichen Lichtstimmung

durch indirekte Beleuchtung und stimmungsvolle

Oberlichter, werden zusätzlich

punktuell mit Deckenspots auch Hervorhebungen

getroffen.

Durch den gesamten länglichen Raum

schwingt sich ein goldenes Stangensystem

in die Tiefe, das mal Kleiderstange,

mal Ablagefläche ist. Es mündet in einen

ebenso fein gestalteten Umkleidebereich

und dient dort als Halterung der schweren

Vorhangstoffe der einzelnen Umkleiden.

Zwischendurch sind im Verkaufsraum immer

wieder Sitzgelegenheiten platziert,

die durch ockerfarbene Kacheln gekennzeichnet

sind und eine weitere Materialität

in den Raum bringen.

Eine ganze Farbpalette wird vor allem

durch die farbenfrohen Kleidungsstücke

eröffnet, die gekonnt platziert den Kundinnen

präsentiert werden. Die zarten

Naturtöne bieten dabei einen dezenten

Hintergrund, um die bunten Farben der

Damenmode zum Strahlen zu bringen.


www.architektur-online.com

61

RETAIL architektur

Durchdachter Bodenbelag

Der Green Product Award & Green Concept Award verzeichnete in diesem Jahr einen

neuen Teilnahmerekord mit insgesamt 1.463 Einreichungen aus 52 Ländern und allen

Kontinenten. 169 davon wurden für den Green Product Award nominiert, wovon wiederum

lediglich 37 mit dem renommierten Preis ausgezeichnet wurden. Darunter das

zukunftsweisende System DryTile, eine Innovation der Deutsche Steinzeug Cremer

& Breuer AG in Kooperation mit der trison GmbH, das die Verlegung von keramischen

Bodenfliesen trocken, also ohne Fliesenkleber, ermöglicht.

DryTile besteht aus sorgfältig abgestimmten

Komponenten, die langjährig in der

Praxis erprobt wurden. Die Basis bilden

hochwertige keramische Bodenfliesen mit

einer rückseitigen Korkschicht, die exakt

definiert leicht übersteht. Durch einfaches

Aneinanderstoßen entsteht quasi automatisch

eine elegante Schmalfuge, die

dann wiederum mit der extra konzipierten

Fugenmasse verfüllt wird. Das System ist

prädestiniert für Ladenbau, Hotellerie, Gewerbebauten,

Gastronomie und ähnliche

Bereiche, in denen Bodenflächen blitzschnell

realisiert, ausgetauscht oder auch

rückgebaut werden sollen. Im Vergleich

zur herkömmlichen Methode sind diese

Fliesen bis zu 8-mal schneller verlegt und

darüber hinaus später restlos rückbaubar.

Die Summe der DryTile-Vorzüge beeindruckte

die kompetent besetzte diesjährige

Green Product Award Fachjury, welche

die eingereichten Beiträge unter den

Gesichtspunkten Design, Innovation sowie

Nachhaltigkeit bewertete: „Eine bemerkenswerte

Lösung, die über den ganzen

Lebenszyklus einen starken, durchdachten

Eindruck hinterlassen hat – von der

Konstruktion und der Materialität über

den Transport und die Verpackung, die

Verlege- und Nutzungseigenschaften bis

zum Rückbau“.

AGROB BUCHTAL GmbH

Erwin Bauer

M +43 (0)664 115 3558

erwin.bauer@deutsche-steinzeug.de

www.agrob-buchtal.de


architektur FACHMAGAZIN

62

Arbeitswelten

Distanz fordert

Kreativität

Die letzten Wochen haben drastisch gezeigt, wie schnell unsere Gesellschaft mit

grundlegenden Veränderungen konfrontiert sein kann. Ein mikroskopisch kleiner

Virus hat Länder, Kontinente, ganze Wertschöpfungsketten und Branchen durcheinandergewirbelt.

Als einzig wirksames Mittel gegen die weitere Verbreitung und

Erkrankung gilt derzeit nur das soziale Distanzieren – also Abstand zu Mitmenschen

zu halten, bis ein medizinisches Wundermittel erfunden ist. Wie lange wir mit

Corona leben werden müssen steht weiter in den Sternen.

© artjafara

Große Bereiche der Arbeitswelt standen für Wochen

still – wer konnte, wechselte in sein Home-Office, arbeitete

unter Einschränkungen oder war gänzlich aus

dem Arbeitsleben ausgeschlossen. Wie auch immer

diese weltweite Krise bewältigt werden wird, vor allem

die Arbeitswelt hat und wird dadurch grundlegende

Veränderungen erfahren.

Die Digitalisierung zählt dabei zu den großen Gewinnern.

Sie hat im aufgezwungenen Praxistest ihre Leistungsfähigkeit

gezeigt und gilt nun so gut wie in allen

Wirtschaftsbereichen als großer Hoffnungsträger.

Damit einhergehend wird der gemeinsame Arbeitsort

wesentlich an Bedeutung verlieren – das Corona-Notprogramm

hat Alternativen aufgezeigt.

Basierend auf diesen Erfahrungen sind nun unsere

Bürowelten grundsätzlich neu zu überdenken. Nicht

nur die Organisationen und Arbeitsabläufe werden

flexibler und dezentraler sein müssen, gleiches gilt für

die Orte des Schaffens. Und wenn das Home-Office –

wie zu erwarten – zum fixen zweiten Büro-Standort

wird, muss es auch mit großer Sorgfalt geplant und

professionell ausgestattet sein. Denn dem Schreibtisch-Erbstück

samt hundertjährigem, restaurierten

Gestühl mag man fehlende ergonomische Eigenschaften

während der Kurzzeit-Corona-Beanspruchung

nachgesehen haben. Auf Dauer soll diese Arbeitsgemeinschaft

besser nicht bestehen, zumal es hier bereits

spezielle Home-Office-Angebote von den Büromöbelherstellern

gibt. So wird zum Beispiel bereits

ein multifunktionaler Drehstuhl in wohnlichen Designs

angeboten, der kurzfristig lieferbar ist.

Aber auch am Firmenstandort wird die Bürolandschaft

Veränderungen erfahren müssen – der „kleine Elefant“

als Maß aller Mindestabstände wird uns noch länger

begleiten. Und selbst wenn Corona überwunden sein

wird, der nächste Virus kommt bestimmt, und wenn

es nur die alljährliche Grippe ist. So gesehen können

Unternehmen die kommenden Investitionen als längerfristig

wirksam verbuchen.

Erste Vorboten aus dem Sortiment der Büromöbelbranche

sind zum Beispiel Stellwände und Tisch-Aufsatzelemente

mit Aerosol-Hygieneschutz, die zusätzliche

Abschirmung und Sicherheitsabstand

ermöglichen. Distanz halten, trotzdem gemeinsam

arbeiten und dabei die zur Verfügung stehende Fläche

aus Kostengründen möglichst effizient nutzen – keine

leichten Rahmenbedingungen für die Büroeinrichter,

deren Kreativität und Planungsgeschick nun besonders

gefragt sind.


www.architektur-online.com

63

Arbeitswelten

Smarter Sichtund

Lärmschutz

Steigende gewerbliche Mieten zwingen Arbeitgeber wie Planer, Büros möglichst

effizient zu „gestalten“ und möglichst viele Mitarbeiter auf kleinstmöglicher

Fläche unterzubringen. Dagegen steht der Anspruch, durch intelligente Raumplanung

die Kommunikation und Teamarbeit der Büroarbeiter gezielt zu fördern.

Der Spagat entsteht, wenn offene Zusammenarbeit,

aber auch konzentrierte Einzelarbeit

gefordert wird. Um diesen Balanceakt

flexibel und effektiv zu meistern, hat Sedus

das Stellwand- und Screensystem mit dem

Namen se:wall entwickelt.

Sedus se:wall überzeugt im Vergleich zu

herkömmlichen Systemen durch die einzigartige

Kombination von Akustik, Design

und Funktionalität. Es sorgt für Sichtschutz,

Zonierung und akustische Abschirmung

und bietet mit umfangreichem Typenplan

und zahlreichen Ausstattungsvarianten

ein Höchstmaß an Funktionalität und Flexibilität

− auf Wunsch sogar in Maßarbeit.

Trotz schlanker Anmutung wird durch die

hochwirksamen Füllungen die Absorptionsklasse

A erreicht. Die optisch reduzierten

Funktionsschienen geben jedem Element

eine klare Kontur und bilden mit ihrer technisch-präzisen

Anmutung einen bewussten

Kontrast zu den weichen Formen der stoffbespannten

Flächen.

Zum Programmumfang gehören Stellwände

und Tisch-Screens, die sowohl auf als auch

hinter den Arbeitstischen angebracht werden

können. Vier Stoffkollektionen bieten

eine Vielzahl an Farben und Dessins, die

mit akustisch herausragenden Eigenschaften

auch strengsten Brandschutznormen

entsprechen. Ebenso sind Aufsatzelemente

mit Aerosol-Hygieneschutz installierbar, die

zusätzliche Abschirmung und Sicherheitsabstand

ermöglichen.

Sedus Stoll GmbH

Showroom Wien

Gumpendorfer Straße 15/9, 1060 Wien

T +43 (0)1 982 94 17 12

sedus.at@sedus.com

www.sedus.com


architektur FACHMAGAZIN

64

Arbeitswelten

Über 1.000 Möglichkeiten

Mit SHUFFLEis1 erweitert der Bürostuhlhersteller Interstuhl sein Produktportfolio

um ein flexibles Universalstuhlsystem. Getreu des Produktclaims „Everything is

a remix!“ und dank seiner modularen Bauweise ist der Stuhl flexibel in Konferenzräume,

Cafeterien und Besucherszenarien integrierbar. Er vereint Optik, Variabilität

sowie Komfort und ist, im Sinne des neu entwickelten Kompetenzfeldes

„Splaces“, die perfekte Lösung für intelligente Raumgestaltung.

Die Basis des neuen Sitzmöbels bilden drei unterschiedliche

Schalen: Besucher-, Bar- und Lounge-Schale.

Jede Ausführung verfügt über eine einheitliche

Gestell-Anbindung und ermöglicht so den

Einsatz verschiedener Gestellvarianten. Durch das

zeitlose Design können damit auch bereits bestehende

Sitz-Szenarien ergänzt werden. Das schafft

zusätzliche Flexibilität in der Gestaltung – so lassen

sich über 1.000 Varianten kombinieren, die sowohl

solitär als auch im Ensemble funktionieren.

Der perfekte Mix beginnt bereits bei der Sitzschale.

Die Besucher- und Lounge-Schale kann jeweils mit

einer von drei Polstervarianten bestückt werden. Sie

sind mit Sitzpolster, mit Innenpolster auf der Sitzund

Rückenfläche und mit Vollpolster erhältlich. Die

Bar-Schale ist mit Sitz- und Vollpolster erhältlich. Alternativ

gibt es bei allen drei Schalen auch eine ungepolsterte

Variante. Zusätzliche Flexibilität bietet die

Auswahl des Gestells. Dieses ist als Vierfuß, Pyrami-

dengestell, Freischwinger, Kufe, Spinnenfuß, Drehfuß

und Vierfuß aus Holz erhältlich. Alle Metallgestelle

sind je nach Wunsch verchromt oder in Schwarz und

Weiß beschichtet verfügbar.

Mit SHUFFLEis1 hat Interstuhl einen modernen Alleskönner

entwickelt, der sich hinsichtlich der Ausführung,

des Gestells sowie der Farbe extrem flexibel für

fast alle Zwecke eignet, ohne dabei seinen eigentlichen

Charakter zu verlieren.

Mehr Informationen finden Sie unter:

www.interstuhl.com/I/at-de/shuffle.php

Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 61 64 113

oesterreich@interstuhl.com

www.interstuhl.at


www.architektur-online.com

Initiative für

das Homeoffice

Auch für den Einsatz im Homeoffice empfiehlt sich

ein bequemer und angemessener Bürodrehstuhl fürs

dauerhafte Sitzen am Schreibtisch. Dafür gelten dieselben

Anforderungen und Kriterien an Arbeitsplätze

wie in den Unternehmen selbst. Girsberger bietet

anlässlich der aktuellen Situation, die für viele eine

Herausforderung im privaten Umfeld darstellt, eine

sofortige und schnelle Abhilfe zu einem sehr attraktiven

Preis: Mit Simplex 3D ist auch zuhause gesundes

Arbeiten möglich. Mit seinem 3D-Mechanismus sorgt

dieser Drehstuhl für dreidimensionale Beweglichkeit

und erlaubt unterschiedlichste Sitzhaltungen. Darüber

hinaus handelt es sich um ein wohnliches Modell,

das sich sehr gut in jedes Wohnumfeld integriert.

Simplex 3D ist nach Verfügbarkeit in unterschiedlichen

Farben wählbar und kurzfristig lieferbar.

Girsberger GmbH

Markus Hammer

T +43 (0)664 153 54 01

markus.hammer@girsberger.com

www.girsberger.com

65

Arbeitswelten

Innovative und hochflexible Aluminiumprofilsysteme

mit unendlichen Möglichkeiten.

Sie haben schon etwas ganz spezielles im Kopf? Wir freuen uns

mehr über ihr Vorhaben zu erfahren und stehen Ihnen gerne

beratend zur Seite. Sprechen Sie uns an!

Dome

Design trifft Licht

H-80 Profil | H-140 PROFIL

Besuchen Sie uns in

Halle 3,1 Stand E71

FORM FOLGT ARCHITEKTUR - LICHT FOLGT FORM

RIDI Leuchten GmbH, Industriepark Nord, Rudolf-Hausner-Gasse 16, 1220 Wien

Tel.: 01/73 44 210, Fax: 01/73 44 210 5; E-Mail: office@ridi.at, www.ridi.at


architektur FACHMAGAZIN

66

Arbeitswelten

Dem Büro einen neuen Rahmen geben

So vielseitig wie die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert, so abwechslungsreich werden

auch die Büromöbel. Arbeitsplätze findet man heute in unterschiedlichsten Objekten:

ob industrielle Gebäude, historische Altbauten, offenen Großraumbüros oder

auch im eigenen Wohnhaus. Dabei bestimmen vor allem die Möbel den Charakter

des Raumes.

Ein Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Flächen

verleiht den Schränken und Modulen des zeitlosen

und doch designverliebten Bürosystems „Framework“

von hali einen ganz eigenen Charme. Mit den

offenen Rahmen in mattem Schwarz, in Verbindung

mit filigranen Korpussen zeigt der oberösterreichische

Büromöbelhersteller Modernität, aber zeitgleich Zurückhaltung

und behält dabei Ecken und Kanten. Die

durchgehenden Seitenwände der Schränke sorgen zusätzlich

für eine aufgeräumte Atmosphäre.

Egal ob Arbeits-, Wohn- oder Essbereich, sogar die

Diele lässt sich mit der Produktserie Framework

und den Aufsätzen aus Metall zu einem echten

Eyecatcher machen. Dabei können die Möbel sowohl

verstecken als auch präsentieren: Unliebsames wird

rasch in den Schränken verstaut, wohingegen Schätze

einen besonderen Platz in dem schlanken Aufsatzmodul

erhalten.

Mit Framework verfeinert hali seine Tischserie s600

und setzt neue Trends in der Arbeitswelt. Das Portfolio

des s600 umfasst einen Arbeitstisch, einen Besprechungstisch

und einen Stehtisch. Durch ein zeitloses

Design und die schwebende, leicht abgesetzte

Optik der Tischplatte erhält der s600 eine spezielle

Leichtigkeit. Ob als Esstisch, Bartisch oder als klassischer

Arbeitstisch, der s600 macht mit seinem hochwertigen

Metallgestell überall eine gute Figur mit

wohnlicher Lifestyle-Anmutung.

hali GmbH

T +43 (0)7272 3731-0

office@hali.at

www.hali.at


www.architektur-online.com

67

Produkt News

REVOLUTIONÄRE

BAUSOFTWARE

AUS ÖSTERREICH.

Es gibt X Wege, um an die Spitze

zu gelangen. Mit dem neuen

SUCCESS X gehen Sie auf Nummer

sicher. Setzen Sie auf Nachhaltigkeit.

Auch bei Ihrer Bausoftware.

Gehen Sie den Erfolgsweg

mit uns?

Licht und Akustik

Die Blade-Akustikprodukte von Spectral

kombinieren hocheffiziente LED-Beleuchtung

mit einem vertikalen Akustikpaneelsystem

für ein hochgradig harmonisches

Design. Die vertikal hängenden Lamellen

bieten ein besonders effizientes Akustikmanagement

und ermöglichen zugleich

eine freie Wärmezirkulation in den Gebäuden.

Anders als bei horizontalen Zwischendecken

oder Akustiksegeln ist hier

eine optimale Durchströmung der warmen

Luft bis zur Kühldecke möglich – ein

Luftstau wird vermieden und die Kühlfunktion

optimiert.

Die Abstände zwischen den Lamellen

sind je nach gewünschter Lichtintensität

und Geräuschunterdrückung auf die

jeweiligen Bedürfnisse anpassbar. Die

Akustik- und Leuchtelemente können

einzeln abgehängt oder linear in einer

Reihe ausgerichtet werden.

Die Lichteinsätze sind werkzeuglos

wechselbar, das Spektrum reicht von satinierten

und opalen Einsätzen für Bewegungsflächen

über Lichtmodulationsoptiken

für unterschiedliche Wallwasheffekte

bis hin zu optimal entblendeten Einsätzen

für Büroanwendungen (bis zu UGR


architektur FACHMAGAZIN

68

Arbeitswelten

Eine wahre Größe

Mit der Produktfamilie ray bietet der Objekteinrichter Selmer ein Modell für jeden

Einsatzbereich. Ob mit Rollen und innovativer Bewegungsmechanik als Chefstuhl

für den Schreibtisch, oder mit fixiertem Rollengestell für die Konferenz. Selbst

als Vierbeiner bietet er sich für Kantine oder Restaurant an und mit Holzgestell

öffnen sich die Türen für den Einzug des Wohnlichen in die Arbeitswelt.

Das Designerduo jehs+laub hat mit der ray Familie

ein Design geschaffen, das durch eine moderne

Formgebung und schlichte Eleganz brilliert: Ein Modell

mit vielen Gesichtern und unverkennbaren Charakter.

So verwandt wie möglich ist doch jedes Modell

der Familie ein Individuum und passt sich perfekt

jeder Architektur an.

Der Polstersessel ray lounge ergänzt die anspruchsvolle

Designsprache der ray Familie. Diese Sessel

stehen nicht nur im Büro, sondern auch für wahren

Sitzkomfort. Es ist die organische, fast flügelhafte Linienführung

und die gemütlich geneigte Sitzposition,

die ihn in Sachen Komfort unverbesserlich machen.

Für höchstes Entspannungslevel bis in die Zehenspitzen

vereint sich der Hochlehner harmonisch mit

der passenden Ottomane – einem Hocker mit der

gleichen designverwöhnten Linienführung.

Erhältlich ist der Loungesessel auch mit niedrigem

Rücken und schafft damit selbst im Business- und

Loungebereich Raum für private Gesprächssituationen.

Die dreidimensional ausgeformte Sitzschale und

Lumbalstütze ist auch beim kleinen Loungesessel

wahlweise mit Fußkreuz, Kufen oder Holzgestell erhältlich.

Außerdem bietet das Modell zusätzlich eine

große Materialvielfalt der Bezugsstoffe.

Mit der ray Familie präsentiert der Objekteinrichter

Selmer universell einsetzbare Modelle, die sowohl in

Design und Funktionalität überzeugen als auch individuell

auf alle Bedürfnisse anpassbar sind.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

69

Arbeitswelten

Hybride Räume

Ob in der modernen Schule, im Gemeindezentrum oder im Tagungs- und Kongressbetrieb:

Der Trend geht zu hybriden Raumkonzepten mit der Option auf variable

Nutzungen. Automatisierte Trennwandsysteme von Dorma Hüppe bieten innovative

Lösungen für diese aktuellen Anforderungen und setzen gleichzeitig architektonische

Highlights. So das horizontal verfahrbare Trennwandsystem Variflex und

Variflex Glas, bei dem transparente und blickdichte Elemente miteinander kombiniert

werden können, wie auch das vertikal verfahrbare Trennwandsystem Skyfold.

In der Middle School in Wiesbaden z.B. schaffen horizontal

verfahrbare Trennwandsysteme eine helle,

freundliche Lernatmosphäre mit einer großzügigen

Offenheit. Mit einem Schalldämmmaß von bis zu Rw

52 dB mit Glas- und Rw 59 dB mit blickdichten Elementen

verhindern sie effizient, dass störende Geräusche

von einem in den anderen Raumbereich dringen.

Für das flexible Raummanagement in der im Bau befindlichen

„The Circle Convention Hall“ am Flughafen

Zürich bietet das Skyfold System eine besonders

attraktive Lösung: eine vertikal verfahrbare Trennwand,

die sich platzsparend in die Decke öffnet. Die

vom Japaner Riken Yamamoto geplante Convention

Hall wird mit ca. 1.600 m 2 Veranstaltungsfläche

ein hervorragender Austragungsort für Kongresse,

Events und Tagungen sein. Um variabel auf vielfach

wechselnde Raumnutzungen reagieren zu können,

ist der Saal mit seinem spektakulären Glasdach in

drei Bereiche teilbar, die allein oder in Kombination

gleichzeitig unterschiedlich bespielt werden können

– vom Bankett über Fortbildungsveranstaltungen bis

hin zur Theateraufführung. Die 29 m breiten und bis

zu 13 m hohen Skyfold Classic Trennwände bieten

mit Rw 54 dB eine hervorragende Schalldämmung.

Sowohl die horizontale Anlage in Wiesbaden als auch

die vertikale in Zürich sind mit einer vollautomatischen

Steuerung ausgestattet, mit der die Elemente

bedienerfreundlich, schnell und sicher in die gewünschte

Position verfahren werden.

DORMA Hüppe

Austria GmbH

T +43 (0)732 600-451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

70

Licht

Schwebende Exponate

Durch die Reise- und Sammelleidenschaft von Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-

1823) zum Zentrum der deutschen Elfenbeinschnitzkunst avanciert, stellte der Odenwaldort

Erbach seine beträchtliche Sammlung lange in der Werner Borchers Halle aus.

Diese wurde Ende 2015 geschlossen.

Text: Alexander Magyar Bilder: Sichau & Walter Architekten BDA


www.architektur-online.com

71

Licht

Seit Herbst 2016 findet ein kleiner, doch exquisiter

Teil der Elfenbeinschnitzereien seine neue Heimat im

Schloss Erbach. Das außergewöhnliche Ausstellungskonzept

von Sichau & Walter Architekten BDA macht

sich dabei frei von der Gebäudehülle und präsentiert

die Sammlung in abgedunkelten Räumen mit anthrazitfarben

gespritzten Raumbegrenzungsflächen.

Vitrinen aus teilsatiniertem

Glas mit Kantenlicht

Die Vitrinengläser sind im unteren Drittel satiniert

und werden aus der Vitrinenbasis heraus mit Kantenlicht

eingespeist. Die Satinierung löst sich in einem

stufenlosen Verlauf in Klarglas auf. Durch das

kanteneingespeiste Licht nimmt die Satinierung eine

sanfte Helligkeit an, die – einem Dunst gleich – die

Objektträger der Elfenbeinfigurinen verhüllt. Darüber

hinaus sind im oberen Vitrinenrand Kleinprofile mit

Miniaturstrahlern verbaut. Die Strahler betonen den

Wert der Kunstgegenstände und zeichnen sich durch

hohen CRI von 95 und Blendfreiheit aus.

Die Miniaturstrahler setzen die Exponate akzentuierend

und gut entblendet in Szene. Dabei erfolgt in den

größeren Vitrinen ein Wechsel aus Miniaturstrahlern

mit engstrahlender und medium strahlender Optik.

So entsteht der Eindruck, die Schnitzereien würden

gleichsam leuchtend aus dem Nebel aufsteigen. Die

Konverter, sowohl für die Kanteneinspeisung des satinierten

Glases als auch für die Miniaturstrahler sind

in einen zugänglichen Hohlraum im Fuß der Vitrine

ausgelagert.

Architekt:

Sichau & Walter

Architekten BDA

Lighting Designer:

Licht Kunst Licht AG


Licht in seiner

persönlichsten

Form.


Kornelius Reutter – Designer

„Ich wollte den Menschen einen Lichtstrahl

geben, den sie besitzen können. Ein Licht, so

perfekt und präzise, dass sie alles andere ausblenden

können. Wo JOKER steht, versprüht

sie Glanz und erweckt Emotionen. Ein Licht

so individuell wie Ihre Bedürfnisse“


architektur FACHMAGAZIN

72

Produkt News

Höchste technische Leistungsfähigkeit

Licht aus dem Boden auf aktuell höchster Qualitätsstufe bietet BEGA mit seinen

neuen Bodeneinbauleuchten. Die materialtechnischen und lichttechnischen

High-End-Produkte aus einer speziellen, hochkorrosionsfesten Aluminiumlegierung,

Edelstahl und glasfaserverstärktem Kunststoff, sind das Ergebnis der aktuellsten

Forschungsergebnisse und den Erfahrungswerten aus mehr als drei Jahrzehnten.

Ausgestattet sind die Leuchten mit den

BEGA Technologien für schützendes Thermomanagement,

optischen Systemen von

höchster lichttechnischer Güte und mit

Oberflächentechnologien mit herausragender

Haltbarkeit. Die hochkorrosionsfesten

Aluminiumkomponenten sind zusätzlich

mit der Beschichtungstechnologie

BEGA Tricoat® versehen. Speziell aufeinander

abgestimmte anorganische und organische

Beschichtungsverfahren sorgen für

herausragende Korrosionsfestigkeit. Zusätzliche

Bauteile aus glasfaserverstärktem

Kunststoff beugen weiteren Korrosionsgefahren

für die Metallteile vor.

Vollständige Lichtkontrolle und perfekte

Lichtlenkung kennzeichnen die optischen

Systeme in den neuen Bodeneinbauleuchten.

Langlebig und nahezu verschleißfrei

stehen sie für höchste lichttechnische Güte.

Die Leuchten stehen als Orientierungsleuchten,

als Scheinwerfer mit symmetrischer

Lichtstärkeverteilung, als Wallwasher

oder als Scheinwerfer mit einstellbarem

Neigungswinkel 0 bis 25 Grad zur Verfügung.

Die neuen Bodeneinbauleuchten sind

überrollbar und nehmen Druckbelastungen

bis zu 5000 Kilogramm auf.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


www.architektur-online.com

Produkt News

kunstdesdämmens#4

Dekafelt PD

Fiume PD

Bilder: LOUM / Molto Luce

Für Trendsetter

Mit LOUM launcht der österreichische Leuchtenprofi Molto Luce

eine frische, trendig-zeitgeistige Marke und positioniert diese im

mittleren Preissegment.

LOUM ist dabei ein Wortspiel aus Lumen und Room und die Marke

steht für die inspirierende Einheit und das duale Miteinander

von Raum und Licht. Diese Symbiose wird durch die Anordnung

von Leuchten aus der designorientierten, dekorativen Leuchtenkollektion

erzielt.

Die neue Marke umfasst ein spannendes Sortiment, kreiert durch

erfahrene Lichtdesigner, das sich immer wieder neu, inspirierend

und abwechslungsreich präsentiert. Loum bringt Freude und

vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Hotel & Restaurant, im hippen

Club genauso wie im privaten Wohnraum.

Hier sehen Sie

unseren flüssigen

PU-Rohstoff einmal

in einem künstlerischen

Licht. Daraus

machen wir Hochleistungs-Dämmstoffe,

die helfen, jede

Menge CO 2

einzusparen.

Mehr unter:

kunstdesdämmens.at

DIE

KUNST

DES

GUTEN ..

DAMMENS

loum-light.com

Molto Luce GmbH

T +43 (0)7242 698-0

office@moltoluce.com

ARKADE System PD


architektur FACHMAGAZIN

74

Produkt News

Fotos: Werner Huthmacher

Inspiration für das architektonische Konzept

Ein großzügiges Raumkonzept mit viel Licht und Luft charakterisiert den Erweiterungsbau

des Genoveva-Gymnasiums in Köln, wo derzeit rund 700 Schülerinnen und

Schüler aus 40 Nationen lernen. Der vom Berliner Büro Chestnutt_Niess Architekten

BDA geplante Neubau mit Klassen- und Fachräumen, einer Mensa, einer Bibliothek

sowie einer Sporthalle schließt direkt an den Altbau aus der Gründerzeit an.

Besonderer Blickfang und zentraler Mittelpunkt des

Erweiterungsbaus sind die vollverglasten „schwebenden“

Gruppenräume, die in das mit einer lichtdurchlässigen

Folienbedachung versehene Atrium

hineinragen. Dort nehmen die Kautschuk-Beläge noraplan

uni von nora flooring systems in Grün, Gelb

und Orange die Farbgestaltung der einzelnen Etagen

auf und schaffen einen reizvollen Kontrast zu der ansonsten

puristischen Optik des Gebäudes. Die übrigen

Klassenzimmer sowie die Fachräume und Flure

wurden mit noraplan sentica in Anthrazit sowie einem

sandigen, sehr hellen Grauton, der als Sonderfarbe

speziell für das Projekt gefertigt wurde, ausgestattet.

Auf den Treppen und den Verbindungsbrücken zum

Altbau setzt noraplan uni in warmem Rot attraktive

Farbakzente und sorgt gleichzeitig durch die besondere

Rutschfestigkeit für umfassende Sicherheit.

noraplan uni ist der Design-Klassiker im nora Sortiment.

Architekten, Planer und Bauherrn schätzen

ihn für sein schlichtes und vielseitiges Design. Es

gibt den Belag in 20 attraktiven Standardfarben,

das Spektrum umfasst eine Vielzahl dezenter Grau-,

Braun- und Beigetöne sowie diverse leuchtende

Akzentfarben, von denen mehrere auch im Genoveva-Gymnasium

verwendet wurden. Neben den

optischen Aspekten sind die nora Böden außerdem

extrem robust und ermöglichen so einen langfristigen

Verbleib im Objekt – auch unter dem Aspekt der

Nachhaltigkeit eine gute Wahl.

nora flooring

systems GesmbH

+43 (0)7242 74 001-0

www.nora.com


www.architektur-online.com

Die Revolution der

Tischleuchte

Eine völlige Neuinterpretation der Tischleuchte präsentiert

der Leuchtenhersteller Regent Lighting mit Joker. Die geradlinige

und schlanke Leuchte folgt moderner Ästhetik -

ohne sichtbare Schrauben, Gelenke und Unterbrechungen

bildet Joker eine eindrucksvolle wie robuste Lichtstele.

Mittels USB-C Anschluss lässt sich die Neuheit einfach anschließen

und spendet Licht, das sich durch die integrierte

Tunable White-Technologie in Stimmung und Farbe anpassen

lässt.

Zum Einsatz kommt dabei erstmals die von Regent Lighting

speziell für Joker entwickelte, innovative Optik, die

anspruchsvolle, asymmetrische Lichtverteilung ermöglicht.

In den Farben Schwarz, Silber und Bronze ab Juni 2020

erhältlich, passt Joker stilsicher in jedes Interieur. Ob im

Büro, im Homeoffice oder in der Leseecke im Wohnzimmer

– schlicht, elegant sowie platzsparend, findet Joker überall

die perfekte Position.

REGENT Licht GmbH

T +43 (0)1 879 12-10

info@regent-licht.at

www.regent.ch

75

Produkt News

SHUFFLE IS1

INTERSTUHL.COM/SHUFFLE

PRODUKTDESIGN:

MARTIN BALLENDAT


architektur FACHMAGAZIN

76

Produkt News

Fotos: Günter König

Eleganz in Dornbirn

Entgegen dem Konzept vergleichbarer Messen, die ein homogenes Erscheinungsbild

in der Gebäudegestaltung aufweisen, will sich die Messe Dornbirn mit baukünstlerisch

herausragenden Einzelbauwerken profilieren.

Die neue Messehalle 5, die an 40 Tagen im Jahr zu

Messezwecken genutzt wird, erfüllt diesen architektonischen

Anspruch mit durchdachter und zeitloser

Eleganz und ist als Dunkelhalle konzipiert. Außerhalb

des Messebetriebs dient die Halle als reine Sporthalle,

die sich der Vorarlberger Badmintonverband und das

Turnsportzentrum Dornbirn aufteilen.

Für die unverwechselbare Charakteristik der neuen

Halle legte Architekt DI Michelangelo Zaffignani bei

seinem Entwurf spezielles Augenmerk auf die Gestal-

tung der Fassade und setzte abwechselnd weiße und

schwarze Fassadenelemente ein, um die Bewegungen

innerhalb der Sporthalle darzustellen. Am Vordach

der Westfassade bilden in einem vorgelagerten Bereich

weiße Metallstäbe einen Stützenwald, der sich

bei Bewegung des Betrachters ständig zu verändern

scheint. Ein ähnliches, allerdings statisches Muster,

gliedert die restliche Metallfassade. Hier wechseln

sich Metallpaneele mit unterschiedlichen Beschichtungen

(Schwarz, Weiß, Anthrazit) und variierenden

Oberflächen (matt, glänzend, perforiert) ab und gliedern

die Fassade durch ein Wechselspiel von stehenden

Flächen.

Als Außenschale kam die DOMICO Metallfassade Planum

in vier Deckbreiten zum Einsatz. Variable Deckbreiten

und flexible Verlegemöglichkeiten sorgen für

Vielfalt in der Gestaltung und stellen einen großen

wirtschaftlichen Vorteil dar. Ein besonderes Merkmal

der DOMICO Fassadenprogramme ist zudem die

durchdringungsfreie und dehnungsgerechte Befestigung.

Die werkseitige Vorfertigung und die technisch

ausgereiften Details sorgen für maximale Verlegequalität

und Langlebigkeit.

DOMICO Dach-, Wandund

Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at


www.architektur-online.com

77

Produkt News

Systemgeprüfter Aufbau

Gestalterische Freiheit, Einbruchschutz, guter Schallschutz

und Effizienz: Alle diese Vorteile in einem System vereint Rigips

Habito, eine massive Trockenbauplatte, die deutlich robuster

ist als herkömmliche Innenwand-Oberflächen. Dank

der massiven Eigenschaften von Habito ist die Montage von

schweren Lasten deutlich komfortabler: An einer doppelt beplankten

Wand können bis zu 140 (!) kg pro Laufmeter ohne

Dübeln befestigt werden, OSB-Platten als Schraubgrund gehören

damit endgültig der Vergangenheit an.

Bei Rigips Habito handelt es sich um einen systemgeprüften

Aufbau, der den Anforderungen an Brandschutz, Statik und

Schallschutz entspricht und der aufgrund der widerstandsfähigen

Oberfläche Schläge und Stöße locker wegsteckt.

Ein Aspekt, der sich auch bei der Einbruchsicherheit bezahlt

macht: Doppelt beplankt wird die Widerstandsklasse RC2

nach ÖNORM EN 1627 erreicht. Nicht zuletzt aufgrund ihrer

einbruchssicheren Eigenschaften und gestalterischen Flexibilität

wurde Rigips Habito auch bei der Landesgalerie Niederösterreich

eingesetzt.

Saint-Gobain RIGIPS Austria GesmbH

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.at


architektur FACHMAGAZIN

78

Produkt News

© archideaphoto

Facettenreiche

Akustik

Hinter dem Begriff Akustik verbirgt sich ein komplexes, interdisziplinäres Fachgebiet

mit einer Vielzahl an spezialisierten Teilbereichen, Ausprägungen und Detaillierungsgraden.

Neben speziellen planerischen Akustikaufgaben, die es beispielsweise

bei der Gestaltung von Musiksälen zu lösen gilt, geht es sonst überwiegend

„nur“ darum, die Ausbreitung von Schall und dessen Wahrnehmung durch das

menschliche Gehör positiv zu beeinflussen.

Schall ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel

und eine gute Raumakustik am Arbeitsort trägt wesentlich

zur Leistungsfähigkeit bei. Speziell bei modernen

Bürobauten mit ihren großen Glas- und vielen

harten Oberflächen sind deshalb akustische Optimierungen

erforderlich, um die Konzentrationsfähigkeit

der Mitarbeiter und generell die Gesprächsqualität

zu verbessern. Aufgrund der steigenden Mietpreise

für gewerbliche Objekte steigt zudem der Druck, die

Räume möglichst ökonomisch zu nutzen. Das Ergebnis

sind ausgereizte Belegungszahlen mit allen sich

daraus ergebenden negativen Auswirkungen auf die

Geräuschkulisse.

Längst haben verschiedene Industriezweige die Verbesserung

der Akustik in ihre Produktprogramme geschrieben.

Für die Gestaltung von Bürobauten ergibt

sich daraus eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Raumakustik

– trotz dichter Besetzung und sich ändernden

Nutzungen – positiv zu gestalten. Das Portfolio an in

der Praxis zumeist kombinierten Maßnahmen reicht

dabei von ausgefeilten Akustikdecken über dämmende

Deckensegel bis hin zu Böden und Möbel, die als

Zusatzfunktion helfen, die Geräuschkulisse zu dämmen.

Die bekannten Raumteiler sind längst akustisch

aktiviert und auch die wandelbaren, hybriden Raumstrukturen

lassen sich heute mit automatisierten

Trennwandsystemen schallgedämmt und bedarfsabhängig

in ihrer Größe variieren.

Ergänzt wird das Produktangebot der Anbieter durch

facheinschlägiges Knowhow und Planungsunterstützung,

durch die ein eigentlich recht komplexes Thema

relativ einfach behandelbar wird.


www.architektur-online.com

79

Produkt News

Individuelle Deckenlösung

Der Firmencampus der Trivago-Zentrale im Düsseldorfer Medienhafen besteht

aus einem sechsgeschossigen, nierenförmigen Sockelgebäude – der markante

Grundriss kommt vom Architekturbüro slapa oberholz pszczulny | sop – und

einem 16-geschossigen Turm, der zum Teil von anderen Mietern genutzt werden

soll. Die Gesamtfläche umfasst ca. 54.000 m², ergänzt von einer Tiefgarage.

Neben weitläufigen, gemeinsam konzeptionierten

Open Space Offices, bietet Trivago zahlreiche Extras

für seine rund 2.000 Mitarbeiter vor Ort: begrünte

Außenanlagen und Terrassen, eine Laufstrecke auf

dem Dach, einen Fitnessraum, Aufenthaltsräume mit

frischen Snacks und Getränken und sogar ein Kino. So

soll den Mitarbeitern ein inspirierendes, gesundheitsförderndes

Umfeld geboten werden. Dies spiegelt sich

auch im nachhaltigen Gebäudekonzept wider – eine

Zertifizierung nach LEED Gold wird angestrebt.

Für die außergewöhnliche Architektur kamen Metalldecken

von Lindner zum Einsatz, die sich u. a. aufgrund

ihrer Anpassungsfähigkeit an individuelle Gebäudegeometrien

auszeichnen. Die im Trivago-Campus

verbauten 21.500 m² Metalldecken bestehen nahezu

komplett aus Unikaten. Um den zeitlichen Aufwand zu

begrenzen und eine zuverlässige Planung der Deckensysteme

zu gewährleisten, wurden die Detailzeichnungen

mit einer eigens programmierten CAD-Lösung

automatisiert nach fixen Parametern erstellt. So sorgen

Plafotherm® Heiz-/Kühldecken einerseits für ein

hochwertiges Erscheinungsbild und darüber hinaus

für eine behagliche, energieeffiziente Temperierung.

Dem Zertifizierungssystem LEED entsprechend erfüllen

die Lindner Metalldecken höchste Ansprüche

an architektonische, bauphysikalische und umweltgerechte

Kriterien. Sie werden z. B. aus Materialien

gefertigt, welche nahezu keine Emissionen von z. B.

VOC und Formaldehyd aufweisen. Ein angenehmes

Raumklima wird durch Luft- und Strahlungstemperatur,

Luftfeuchtigkeit und -bewegung sowie der Raumluftqualität

beeinflusst.

Lindner GmbH

T +43 (0)2252 86160-0

austria@lindner-group.com

www.lindner-group.com


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Geprüfte Akustik

Neues Handbuch zur Raumplanung

Die Zahlen beeindrucken – 31 geprüfte Lochbilder mit insgesamt 98 verschiedenen,

geprüften Deckenaufbauten sind im Handbuch Geprüfte Akustik vereint,

mit dem Fural einen neuen Maßstab in punkto Design und Qualität einer Arbeitsunterlage

zum Thema Akustik setzt.

Dargestellt sind die verschiedensten Situationen, wie sie in der täglichen

Bau-Praxis vorkommen. Deckenaufbauten mit verschiedenen

Abhänghöhen, Auflagen und Auflagendicken sind ebenso geprüft

wie der Einfluss von Kühlmäandern auf die Schallabsorption von

Metalldecken, Streckmetalldecken und Deckensegeln. Auch auf die

Bauakustik wurde nicht vergessen, mehrere Deckenlösungen wurden

auf ihre Wirksamkeit in Bezug auf die Längsschalldämmung

überprüft. Ebenso sind verschiedene Lösungen mit Wandabsorber

dargestellt. Neue Illustrationen zur Erklärung des technischen

Aufbaus der Produkte wurden dazu ebenso entwickelt wie neue

Diagramme zur Darstellung des jeweiligen Schallabsorptionsgrades

und besser lesbare Tabellen zu den Produkteigenschaften. Die

Broschüre beschränkt sich nicht allein auf die Produktdarstellung,

sondern ist vielfach durchsetzt mit redaktionellen Beiträgen und

Best-Practice-Beispielen.

Das Handbuch kann unter fural@fural.at bestellt werden und steht

auf www.fural.com zum Download bereit.

FURAL – SYSTEME IN

METALL GmbH

T +43 (0)7612 74 851-0

fural@fural.at

www.fural.com


www.architektur-online.com

81

Produkt News

In den Büroetagen des Landmark 7 sorgen weiße Deckensegel für

angenehme Akustik, hier im Eingangsbereich eines der Mieter.

© Anke Müllerklein

Akustik nach Maß

Auf dem früheren Industrieareal Phoenixhof in Hamburg realisierten

hmarchitekten mit „Landmark 7“ und „Phoenixkontor

1 (PK 1)“ zwei top-moderne, nutzerorientierte Büroneubauten

mit wirksamen und zugleich stilvollen Akustiklösungen.

Die Architekten setzten in beiden Gebäuden auf die kontrastreiche

Kombination aus thermoaktivierten Sichtbetondecken und weißen

Knauf AMF Deckensegeln an Seilabhängern als schallabsorbierende

Akustikelemente. Zum Einsatz kamen dabei die Softboard-Deckensegel

TOPIQ® Sonic element von Knauf AMF. Geringes Flächengewicht,

leichte Handhabung und sehr gute Schallabsorption kennzeichnen

dieses System.

Im Landmark 7 wurden eher kleinere Büroeinheiten mit zwei bis sechs

Arbeitsplätzen verwirklicht. Das PK 1 wurde innen im Wesentlichen

nach den Vorgaben des schwedischen Hauptmieters als Open Space

mit Büroflächen von zum Teil 120 m² und mehr gestaltet. Zum Grundriss

gehören zusätzlich Kommunikationsinseln („Coffee Areas“) und

schalldichte „Telefonzellen“. Die Zonierung in die einzelnen Arbeitsbereiche

wird hier an den Positionen der abgehängten Akustikelemente

erkennbar.

Die quadratischen und rechteckigen Deckensegelpaare schaffen in beiden

unterschiedlich ausgeführten Objekten eine sehr gute Raumakustik

und Arbeitsatmosphäre.

© Jan Haeselich

Typisch für von hmarchitekten entworfene Büroneubauten sind

Sichtbetondecken mit thermischer Bauteilaktivierung – dazu

bilden weiß beschichtete Deckensegel die ideale akustische und

gestalterische Ergänzung.

Knauf AMF GmbH & Co. KG

+49 (0) 8552 / 422 0

info@knaufamf.com

www.knaufamf.com


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Erstklassige Laborluft

Die Laborluft-Management-Systeme EASYLAB sowie VAV-Regler und Laborabzugsregler

von TROX kamen bei der Energieeffizienzoptimierung des Collaborative Teaching

Laboratory (CTL) der Universität Birmingham zur Anwendung. Das im August

2018 errichtete Gebäude stellt eine Investition von etwa 47,6 Millionen Euro in die

Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik dar. Auf 72.120 m 2

und drei Stockwerken werden die drei verschiedenen internen Laborumfelder (das

Trockenlabor, das Nasslabor und das E-Labor) durch eine Reihe unterschiedlicher

Materialien und Formen verkörpert.

Für den Aufbau der Gebäudetechnik des neuen Gebäudes,

das neun auf die jeweiligen Nutzungszwecke

zugeschnittene Labors beherbergt, bildete die Energieeffizienz

der Forschungseinrichtung eine Top-Priorität.

In Labors ist durch den Bedarf an größeren Mengen

an klimatisierter Luft der Energieverbrauch pro

Quadratmeter oft drei- bis viermal höher als in Bürogebäuden.

Um die anspruchsvollen Kriterien für das neue

CTL zu erfüllen, wurde der Laborluft-Management-Experte

TROX herangezogen. Für die Maximierung der

Umweltfreundlichkeit der Räumlichkeiten installierte

TROX die Laborluft-Management-Systeme EASYLAB,

die insgesamt 88 VAV-Regler (Variable Air Volume)

enthalten. Mithilfe der EASYLAB-Systeme werden die

Zuluft- und Abluftregler verwaltet, um auf Veränderungen

der Abluftvolumina durch technische Abluftsysteme

(z.B. Abzüge), rasch reagieren zu können. Die

insgesamt 50 Abzüge der Anlage wurden zudem mit

Laborabzugsreglern der Serie TVLK ausgestattet. Dadurch

wird klimatisierte Luft nicht unnötig zugeführt

und eine dauerhaft ausgewogene Belüftung und ein

konstanter Luftdruck gewährleistet. Dem Gebäudetechnik-Team

der Universität ist die Überwachung der

Laborluft-Management-Systeme der Labore über das

hauseigene Gebäudeleitsystem möglich.

Die durch die Laborluft-Management-Systeme ermöglichten

Effizienzgewinne tragen zur außergewöhnlichen

Umweltfreundlichkeit des gesamten neuen Gebäudes

bei, das mit einem Energieausweis der Klasse

A sowie mit der BREEAM-Bewertung „sehr gut“ aufwarten

kann.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox@trox.at

www.trox.at


www.architektur-online.com

Neue Installationslösung

In unmittelbarer Nähe des Bielefelder Hauptbahnhofes

wurde Ende 2019 das zweite Boardinghouse

der Marke Stayery eröffnet. Das Angebot der 126

Serviced Apartments richtet sich vor allem an junge

Geschäftsreisende, die den Komfort einer Wohnung

auf Zeit mit dem Service eines Hotels verbinden

möchten. Um bei diesem modernen Beherbergungskonzept

die Installation der Duschwannen schneller,

günstiger und normgerecht sicher zu gestalten,

wurde hier mit der Installationsbox Easy Connect

und dem Minimum Wannenträger eine neuartige

Kombi-Lösung von Bette eingesetzt. Gemeinsam reduziert

dieses Ensemble den bauseitigen Aufwand

erheblich, denn die Produkte werden in hohem Maße

vorkonfektioniert geliefert, wodurch die Installation

vereinfacht und die Zahl der Arbeitsschritte gesenkt

wird. Bei dem konkreten Projekt mit den 126 Einheiten

schätzen die Verarbeiter den Zeitgewinn durch

die neue Installationslösung auf rund 50 Prozent.

Bette GmbH & Co. KG

T +49 (0)5250 511-0

projekte@bette.de

www.my-bette.com

83

Produkt News

Bau auf Uponor

mit Thermatop M*

Das fugenlose Gipskarton Heiz-/Kühldeckensystem

für besondere architektonische Ansprüche

Schnelle Montage, flexible

Installation dank einfacher

Klickmontage

Hohe Heiz- und Kühlleistungen,

große thermisch aktive

Rohroberfläche,

hohe Schallabsorptionsgrade

Klare Gewerketrennung zwischen

Trockenbau und Haustechnik

* Der neue Name für Uponor Varicool Eco S

www.uponor.at/thermatop-m


architektur FACHMAGAZIN

84

Produkt News

Intelligente Behältergaragen

Das steigende Müllaufkommen im öffentlichen Bereich stellt die Kommunen vor große

Herausforderungen, um ihrem Anspruch nachzukommen, die Städte auf wirtschaftliche

Weise sauber zu halten. Gleich zwei Innovative und optisch ansprechende Lösungen

für große Müllmengen bietet Stausberg Stadtmöbel an.

CITYbig von BECK, der für die Unterbringung

von standardisierten 240 Liter

Hausmülltonnen konzipiert ist, ist deutlich

größer als konventionelle öffentliche Abfallbehälter

und mit vergleichsweise großen

Mülleinwürfen auf allen vier Seiten ausgestattet.

Auch in Sachen Ausgestaltung geben

sich die Einhausungen vielseitig: Es stehen

Behälter mit gewölbten, schrägen oder

pyramidenförmigen Dächern aus beschichtetem

Stahlblech zur Auswahl. Der CITYbig

wird mit Seitenwänden aus beschichtetem

Blech sowie mit Holzverkleidungen aus vertikal

oder horizontal angeordneten Leisten

angeboten und passt sich so – trotz der Größe

– gut an die jeweilige Umgebung an.

Eine umweltfreundliche Alternative ist der

solarbetriebene CITYSOLAR, der finnischen

Marke FINBIN, mit im Behälter integrierter

Presse zur Komprimierung von Müll. Er ist

ebenfalls für Standardhausmülltonnen konzipiert,

mit bis zu 1.200 Litern verarbeitet er

aber das fünffache seines eigentlichen Fassungsvermögens.

Angetrieben wird die Presse durch ein in das

gewölbte Dach des CITYSOLAR integriertes,

von schlagfestem Polycarbonat abgedecktes,

Photovoltaik-Modul. Die Presse springt

in regelmäßigen Abständen selbstständig

an, wobei in diesen Intervallen die Mülleinwurfklappe

automatisch verriegelt wird, um

Nutzer vor Unfällen zu schützen. Das PV

Modul ermöglicht zudem eine permanente

Füllstandsmessung mit LED-Statusanzeige.

Diese Daten können über die optionale Online

Plattform FINBIN Care bzw. die dazugehörige

Mobile App abgerufen werden.

Die gesteigerte Kapazität verlängert die Leerungsintervalle,

eröffnet ungewöhnlich viel

Spielraum bei der Leerungsplanung und bietet

den Kommunen ein erhebliches Einsparpotenzial

bei der Abfallentsorgung.

Stausberg Stadtmöbel GmbH

T +43 (0)7258 5711

info@stausberg.at

www.stausberg.at


www.architektur-online.com

85

Produkt News

GVTB-Betonpreis 2019

Bereits zum siebten Mal fiel die Entscheidung

für den Betonpreis des Güteverbandes

Transportbeton, GVTB. Insgesamt wurden

14 Projekte eingereicht – auffällig dabei

die hohe ausgeführte Qualität wie auch die

Innovationskraft.

Die Landesgalerie Niederösterreich in

Krems-Stein an der Donau ist eines der beiden

Siegerprojekte. Der Bau beruht auf der

kühnen Vision von Marte.Marte Architekten,

ausgeführt von Wopfinger Transportbeton

und Dywidag Dyckerhoff & Widmann.

In allen Kategorien – Funktion, Innovation,

Ausführungsleistung, Nachhaltigkeit und

Design – überzeugten neben der Landesgalerie

Krems auch die Rad- und Gehwegbrücke

in Gratkorn, Steiermark. Eine Anerkennung

in der Kategorie Design erhielt

der Wohnbau Aldrans. Weitere Informationen

dazu unter www.gvtb.at.

Im Zentrum der Auszeichnung des Güteverbandes

Transportbeton stehen Projekte,

die überwiegend mit Transportbeton errichtet

wurden. Das eingereichte Bauprojekt

muss fertiggestellt und darf nicht älter

als drei Jahre sein. Zur Einreichung eingeladen

sind jeweils Bauunternehmen, Architekten,

Bauherren und selbstverständlich

Transportbetonunternehmen des GVTB.

Der eingesetzte Beton muss von einem Mitglied

des GVTB stammen.

Wopfinger Transportbeton Ges.m.b.H

T +43 (0)22553 6551-0

office@wopfinger.com

www.wopfinger.com

E-Book

Tageslicht mit

ÖNORM EN 17037

gestalten

Stufen-Lichtband

VELUX Modular Skylights

Modulare Konstruktion.

Filigrane Struktur.

Mehr Tageslicht.

Der innovative Stufenaufbau der

Lichtbänder ermöglicht große

Spannweiten und elegantes Design

bei geringen Konstruktionshöhen

und integrierter Entwässerung.

Für mehr Tageslicht bei

modularen Glasdächern.

www.veluxcommercial.at

Staufer Grundschule, Schongau, Deutschland, balda architekten

https://commercial.velux.at/inspiration/referenzen


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Saubere Luft & saubere Steine

Mit der reduNOx Technologie bietet das burgenländische Familienunternehmen Friedl

Steinwerke eine Lösung an, mit der Pflastersteine als Katalysator wirken und Luftschadstoffe

abbauen. Der wunderbare Nebeneffekt dabei ist, dass diese Technologie

schmutzabweisend und selbstreinigend wirkt.

Stickstoffoxide, kurz Stickoxide (NO x ), entstehen

bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe

und belasten die Atemluftqualität. Für

Menschen ist vor allem Stickstoffdioxid NO 2

gefährlich, das die Atemwege angreift. reduNOx

unterstützt die Umwandlung dieser

Schadstoffe und beschleunigt den natürlichen

Abbauprozess der Stickoxide in Nitrat.

Dem Betonstein wird dafür Titandioxid (ein

Weißpigment, das u. a. in Anstrichen und

Kosmetika vorkommt) zugesetzt. Mithilfe

von Sonneneinstrahlung wandelt es Stickoxide

an der Steinoberfläche in Nitrat um.

Mit dem nächsten Regen wird das leicht

wasserlösliche Nitrat abtransportiert und in

der Bodenzone mikrobiell zersetzt.

Zudem bildet sich unter Sonneneinstrahlung

eine superhydrophile Oberfläche, d. h.

Wasser und Tau breiten sich auf der Pflastersteinoberfläche

gleichmäßig aus und

unterspülen den Schmutz. Der nächste Niederschlag

spült die Schmutzpartikel fort.

Die photokatalytische Wirkung der Friedl

Steine hat das Institut für Technische Chemie

D-TOX in Hannover nachgewiesen: Es

wurde eine Abbaurate unter Laborbedingungen

von 20,04 mg NO/m 2 h erzielt und

dem geprüften Stein damit eine exzellente

Aktivität für den photokatalytischen Abbau

in der Gasphase bestätigt. Die Wirkung

des Titandioxids bleibt über die gesamte

Lebensdauer des Steines erhalten, d. h. es

baut sich nicht ab. Sämtliche Friedl Pflastersteine

können mit reduNOx Technologie

ausgestattet werden.

Das Unternehmen bietet mit über 130 Steinbzw.

Plattenformaten, 20 Kombipflastern,

10 Zaunstein-Systemen und vielen weiteren

Gestaltungselementen wie Blockstufen, Palisaden

etc. ein breites Angebot an Steinen

zur Außenraumgestaltung. Über 50 Standardfarben

stehen zur Verfügung, spezielle

Farb- und bei großen Projekten auch Formatwünsche

sind möglich.

Friedl Steinwerke GmbH

T +43 (0)2618 3208-0

weppersdorf@steinwerke.at

www.steinwerke.at

Mit Hilfe von Sonnenlicht wandelt

Titandioxid (TiO 2 ) Stickoxide (NO x )

in Nitrat (NO 3 -) um.

Regenwasser transportiert das Nitrat

(NO 3 -) von der Fläche. Das Nitrat dient

den Pflanzen als Nährstoff.

NO x

NO x

NO x

NO 3–

NO 3–

NO3–

NO 3– NO 3– NO 3–

NO 3–


www.architektur-online.com

Nachhaltige Terrassensysteme

87

Produkt News

Die aus einem patentierten Holz-Kunststoffverbundwerkstoff

bestehenden Twinson Terrassendielen

Character Massive und Majestic Massive Pro

überzeugen als umweltfreundliche und pflegeleichte

Alternative zu Holzdielen. Da sie keine Hohlkammern

besitzen, lassen sie sich leicht und präzise zuschneiden

und so genau an alle Grundrisswünsche

anpassen. Zudem sind die Massivdielen, deren Oberfläche

der Beschaffenheit von Holz nachempfunden

ist, äußerst rutschfest, langlebig und brandsicher.

Dank des neuen schraubenlosen Clip-Systems sind

die Twinson-Dielen einfach zu verlegen und überzeugen

zudem mit Nachhaltigkeit: Sie sind zu 100%

recyclingfähig und besitzen einen Recyclingkern,

der sich zu je 50% PEFC-zertifiziertem Holz aus

nachhaltiger Forstwirtschaft und recyceltem PVC

zusammensetzt.

Character Massive ist in sechs verschiedenen, natürlichen

Farben erhältlich, Majestic Massive Pro

in vier authentischen Bi-Color Farben. Diese Diele

besitzt zudem eine zusätzliche 360°-Kunststoffummantelung:

Flecken und Feuchtigkeit können gar

nicht erst in die Oberfläche eindringen.

Deceuninck Germany GmbH

T +49 (0)9422-8210-0

info@deceuninck.de

www.deceuninck.de/terrassen

ISOVER

ULTIMATE

Die Hochleistungs-Mineralwolle

Ultimativer Brandschutz

Schmelzpunkt ≥ 1000 °C

Höchster Wärmeschutz

Wärmeleitfähigkeit

ab λ D

= 0,031 W/m·K

Bester Schallschutz

ISOVER. So wird gedämmt.


architektur FACHMAGAZIN

88

Produkt News

Mit der Umgebung verbunden

Der neu gestaltete Rheinboulevard in Köln ermöglicht seinen Besuchern, die

Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu genießen. Neben den großzügigen Treppen

und der belebten Promenade fehlten allerdings Angebote wie Restaurants

oder Kioske.

Deshalb haben Besitzer und Nutzer des Hyatt Regency

Hotel das Architekturbüro Gatermann +

Schossig damit beauftragt, effiziente gastronomische

Strukturen am Rheinufer zu entwickeln, die eine

hohe Aufenthaltsqualität bieten und einen Blick auf

den Dom ermöglichen. Den Vorgaben entsprechend

sollte das Bauprojekt den repräsentativen Zugang

des Fünf-Sterne-Hotels stärken und die Gastronomie

trotzdem klar öffentlich zum Rheinboulevard adressiert

und für Besucher zugänglich sein.

Entstanden ist so ein begehbares Kunstprojekt, das

als eine Erweiterung der Promenade und seiner Treppen

dient und in zwei gläsernen Pavillons das italienische

Restaurant „Grissini“ und das Streetfood-Lokal

„Sticky Fingers“ beherbergt.

Für die Gestaltung der Gebäudehülle initiierte die

Architektin Dörte Gatermann einen Künstlerwettbe-

werb, bei dem der Wiener Künstler Peter Kogler mit

seinem Entwurf überzeugen konnte. Je Pavillon ziert

die Arbeit von Kogler drei gläserne Seitenwände und

das geschlossene Metalldach. Als vierte Glasfassade

bleibt die Rheinseite mit fantastischem Blick auf den

Kölner Dom durchsichtig.

Die großen Glasschiebetüren dort lassen sich vollständig

öffnen und verbinden den Restaurantbereich

nahtlos mit der Terrasse. Die bis zu 400 kg schweren

und raumhohen Glaselemente konnten mit dem Schiebefenster

cero von Solarlux in der geforderten Ausführungsqualität

realisiert werden. Mit über 4,5 Metern

Höhe und äußerst schlanken Profilansichten von 34

mm bietet cero großzügige Ausblicke auf den Kölner

Dom und das Rheinpanorama. Die über 22 Meter lange

Glasfront wurde mit neun Scheiben ausgestattet – ein

bewegliches und ein festes Element wechseln sich ab.

SOLARLUX

AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


www.architektur-online.com

89

Produkt News

grenzen

los

planen.

Individuelle Steine nach Ihren Ideen.

Zuverlässig dicht

Dacharchitektur ist vielfältig, sowohl hinsichtlich der möglichen

Geometrien als auch der eingesetzten Baustoffe. Damit die

Konstruktion zuverlässig vor Feuchtigkeit geschützt ist, bedarf

es einer Abdichtung der Flächen und vor allem der Details.

Insbesondere beim Übergang zwischen verschiedenen Bauteilen

und -stoffen erweisen sich Flüssigabdichtungen auf Basis

von Polymethylmethacrylat (PMMA) als Problemlöser. Für diesen

Anwendungsfall bietet Triflex das Detail Abdichtungssystem

Triflex ProDetail an. Die systemintegrierte Spezialvlieseinlage

wird in zwei Schichten des flüssigen Harzes eingebettet.

Das Ergebnis ist eine naht- und fugenlose Fläche, die Bauwerksbewegungen

dynamisch aufnimmt und aufgrund der Viskosität

auch auf senkrechten Flächen haftet, ohne abzurutschen.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel für PMMA-Flüssigabdichtungen

auf unterschiedlichen Materialien sind Sheddächer,

wo Glas und Metall neben dem geläufigen Untergrund aus Abdichtungsbahnen

vorkommen. Für solche Fälle bietet Triflex

spezielle Primer, mit denen der Untergrund ohne vorheriges

Schleifen vorbereitet werden kann: Triflex Metal Primer wird

aus der Flasche direkt auf die zu behandelnden Stellen aufgesprüht.

Ergänzt wird das Angebot mit Triflex Glas Primer und

der Triflex Primer 610 für ausgewählte Kunststoffbahnen. Beide

sind schnelltrocknend, sodass bereits nach kurzer Zeit mit dem

Auftrag der Abdichtung begonnen werden kann.

Triflex GesmbH

T +43 (0)7667 21505

info@triflex.at

www.triflex.at

© Markus Kaiser, Graz

PARTNER FÜR OBJEKTGESTALTER

Mit dem umfassenden Standardsortiment und individuellen

Sonderproduktionen bei Farben und Formaten eröffnen Friedl

Steinwerke neue Möglichkeiten in der Gestaltung von Plätzen und

Wegen. Wir stehen für Beratung und Bemusterung gerne bereit:

anfrage@steinwerke.at

www.steinwerke.at


architektur FACHMAGAZIN

90

Produkt News

Leistungsfähige Hybridlösung

Großzügige Verglasung, sehr gute Schall- und Wärmedämmung, hohe Schlagregendichtheit

und eine schlanke Optik kennzeichnen WICSLIDE 150 PS von

WICONA, dessen Profile aus Hydro CIRCAL 75R, der Legierung in Spitzenqualität

mit einem Mindestanteil an End-of-Life-Aluminium von 75 Prozent, bestehen.

Die technisch anspruchsvolle und leistungsfähige Hybridlösung

vereint die Vorteile einer Schiebetür und

eines Fensters und erfüllt so die Anforderungen des

modernen Komfort-Wohnens in Zeiten zunehmender

Urbanisierung: Optische Vergrößerung des Raums in

Richtung Terrasse oder Balkon, sehr viel Tageslicht,

gleichzeitig Schutz vor Lärm und Witterungseinflüssen

bei einfacher Bedienung und hoher Funktionalität.

Neben der komfortablen Bedienung – der Flügel

macht zuerst einen sechs Millimeter Versatz nach innen,

dann läuft er parallel zum Festfeld ohne Kontakt

mit den Dichtungen – sorgen die umlaufende Dichtung

und das patentierte Mitteldichtungssystem für

optimale Schlagregendichtheit (Einstufung in Klasse

E1200), die bis zu viermal höher ist als bei normalen

Schiebeelementen.

Besonders innovativ ist das Mikro-Lüftungssystem,

das sich mit der Griff-Stellung in 90Æ aktivieren lässt,

wobei der Schiebeflügel mit sechs Millimeter Versatz

in der Lüftungsposition immer noch verriegelt ist.

Herausragend sind auch Wärmedämmung und Schallschutz:

Das Prüfelement mit 3-fach Verglasung und

thermisch verbessertem Randverbund erreichte einen

Uw-Wert von bis zu 1,00 W/m 2 K. Im Bereich Schallschutz

erreicht WICSILDE 150 PS einen Rw-Wert von

45 dB, die Widerstandsfähigkeit gegen Windlast führte

zur Einstufung in Klasse 3 (Prüflast 1200 Pa; Sicherheitslast

1800 Pa) und wurde bei der Einbruchhemmung

in die Klasse RC 2 eingestuft.

Abgerundet wird das Leistungsspektrum des neuen

Versatz-Schiebesystems durch zahlreiche Möglichkeiten

beim Farb- und Oberflächendesign. Exklusive

Eloxaltöne, Beschichtungen mit antibakteriellen, antiviralen,

kratzresistenten oder wärmereflektierenden

Eigenschaften stehen für das Gestaltungskonzept der

Fassaden- und Gebäudearchitektur zur Verfügung.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


www.architektur-online.com

91

Produkt News

All-in-one Lösung

Mit dem Austrotherm Attikaelement, das sich gleichermaßen

für Warm- und Umkehrdächer bzw. Neubauten und Sanierungen

eignet, lassen sich statisch nicht beanspruchte Attiken einfach

und kostengünstig ausführen. Die Fertigteilelemente ersetzen

die gängigen, teuren und aufwendigen Betonschalungen, die

noch durch zusätzliche Dämmelemente ergänzt werden müssen.

Als Basismaterial für das Attikaelement wird Austrotherm

EPS mit einem Lamdawert 0,037 W/(mK) verwendet. Speziell

für Niedrigenergie- und Passivhäuser gibt es das Fertigteilelement

auch mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,031 W/(mK).

Die Standardmaße betragen 30 bis 50 cm Breite, 40 bis 70 cm

Höhe sowie 200 cm Länge, auf Wunsch sind kundenspezifische

Abmessungen lieferbar.

Binnen kurzer Zeit können die Elemente direkt vor Ort zugeschnitten

und einfach und sofort verarbeitet werden. Die Allin-one

Lösung verfügt über Montagewinkel zur Befestigung im

Untergrund und über integrierte PVC-Leisten zur Befestigung

der Verblechung. Beschichtet ist das Attikaelement mit der

Austrotherm Beschichtungsmasse TOP. Ein detaillierter Verlegeplan

liegt jeder Lieferung bei.

VIELSEITIGE

DACH-

ABDICHTUNG.

MAXIMALE

PLANUNGS-

SICHERHEIT.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at

Unsere Dachabdichtungssysteme

basieren auf Flüssigkunststoff.

Sie eignen sich für einfache, detailreiche oder komplizierte

Dachkonstruktionen, sind flexibel einsetzbar, dichten

die Bausubstanz dauerhaft ab und bieten vielfältige

Gestaltungsmöglichkeiten. Und sie erfüllen dabei alle

Anforderungen der Flachdachrichtlinie. Vor allem aber

lösen wir Projekte immer gemeinsam.

www.triflex.com


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Fassade an prominenter Adresse

Mit gut 125 Metern ist das von Skidmore Owings & Merrill (SOM) geplante Wohn- und Geschäftshaus

The Park Loggia ein für New Yorker Verhältnisse eher kleines aber feines Hochhaus.

Auf einem 6-stöckigen Plateau mit Shop- und Gewerbeflächen erhebt sich der schlanke

Wohnturm und bietet auf 26 Etagen Platz für über 160 Wohneinheiten.

Inspiriert von den prestigeträchtig gemauerten

Mehrfamilienhäusern der Upper West Side wählten

die Architekten für die Fassade des 26-stöckigen

Turms und seines 6-stöckigen Sockels weiß glasierte

Keramikplatten der Firma MOEDING aus Niederbayern.

Die speziell für das Gebäude entwickelten dreidimensionalen

Elemente in einer Breite von 543 bis 760

Millimeter wurden basierend auf dem LONGOTON®

System vorgehängt und hinterlüftet vor Ort montiert.

Mit schwungvollen Rundungen zwischen 120 und

200 Millimeter ragen sie elegant aus der Fassadenebene

heraus und verjüngen sich in drei Abstufungen

bis zur Gebäudeoberkante.

Für ein perfektes Ergebnis besichtigte das New

Yorker Projektteam bereits in den frühen Planungsphasen

das MOEDING Werk in Marklkofen. Die hier

aufgebauten Musterflächen im Verhältnis 1:1 ermöglichten

den Planern, die unterschiedlichen Plattenformen

und Glasuren aus verschiedenen Blickwinkeln

und Lichtverhältnissen zu betrachten.

Aufgrund der Komplexität der Plattengeometrie und

der ungewöhnlichen Plattengrößen galt es einige

Herausforderungen zu meistern: So waren beispielsweise

für die Übergänge zwischen den horizontal

und vertikal ausgerichteten Ziegelelementen sehr

genaue und komplizierte Schnitte nötig, die dank der

rechnergesteuerten Kalibrieranlage durchgeführt

werden konnten.

Moeding Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de


www.architektur-online.com

93

Produkt News

Steildach am Dachstein optimal gedämmt

Als höchstgelegene Schutzhütte Oberösterreichs

hat die Seethalerhütte auf 2.740

m – erbaut vom Alpenverein Austria und

umgeben vom ewigen Eis des Dachsteingletschers

– hartem Klima zu trotzen. Dass

es drinnen trotzdem wohlig warm ist, liegt

auch an der hocheffizienten Aufdachdämmung

mit Steinbacher Dämmstoffen.

Für die optimale Wärmedämmung am

Steildach der neuen Schutzhütte sorgen

106 m 2 des leistungsstarken Polyuret-

han-Aufdachdämmelements steinothan®

125 DO – eine diffusionsfähige Variante des

Steinbacher Produktportfolios für die Dämmung

von geneigten Dächern.

steinothan® 125 DO garantiert mit einer

Wärmeleitfähigkeit von 0,025 W/(mK) eine

Top-Dämmleistung, sehr hohe Druckfestigkeit

und eine erhöhte Regensicherheit.

Dank des Hochleistungsdämmstoffes Polyurethan

sind damit sehr schlanke Aufbauten

möglich und der Wohnraum kann bis

unters Dach optimal ausgenutzt werden.

Aufgrund der Diffusionsfähigkeit eignet

sich dieses Dämmelement insbesondere für

Dachsanierungen, bei denen bereits eine

Dämmung zwischen dem Sparren vorhanden

ist.

Steinbacher Dämmstoff GmbH

T +43 (0)5352 700-0

office@steinbacher.at

www.steinbacher.at

CITYline A18 optional mit Hundekot-Beutelspender

oder Ascher

Stets verfügbar dank moderner

Lagerlogistik

Stausberg Stadtmöbel GmbH 4531 Kematen a. d. Krems Telefon +43 (0)7258 / 5711 stausberg.at


architektur FACHMAGAZIN

94

edv

IFC: Schnittstelle

zur BIM-Welt

Ohne IFC-Schnittstelle gibt es keine Big oder Open BIM-Projekte. Was

leistet das wichtigste BIM-Datenaustauschformat, wo liegen die Grenzen

und was muss man beim Im- und Export beachten?

Text: Marian Behaneck

Der Fachplaner erhält vom Architekt digitale

Projektdaten, die er allerdings nicht

oder nur fehlerhaft in das eigene CAD-Programm

einlesen kann. Deshalb werden sie

notgedrungen neu erstellt und mit eigenen

Informationen ergänzt. Diese gehen an den

Architekt zurück, werden von ihm geprüft

und wichtige Informationen manuell in das

eigene CAD-Programm übernommen. Ein

Planungs-Szenario aus prähistorischen

EDV-Zeiten? Leider nicht! Dass in digitaler

Form übernommene Pläne von Tragwerksoder

TGA-Planern, Energieberatern oder

Bauphysikern neu erstellt werden müssen,

ist eher die Regel als die Ausnahme. Weil

Fehler beim Import entstehen oder Daten

verloren gehen und eine Anpassung

der Importdaten an das eigene Programm

aufwendiger wäre als eine Neueingabe,

geschieht das Jahr für Jahr viele tausend

Male. Schätzungen zufolge könnten bis zu

20 Prozent an Planungskosten eingespart

werden, gäbe es leistungsfähigere Schnittstellen

und Datenaustauschformate.

In der BIM-Planung werden nicht 2D-Pläne, sondern 3D-Gebäudemodelle fachübergreifend per

IFC-Datenformat übertragen. © Autodesk, Network Rail and Jacobs

Keine Kooperation ohne

Datenaustausch

Datenaustauschformate sorgen dafür, dass

ein Programm eines bestimmten Herstellers

die Daten eines von einem anderen

Hersteller stammenden Programms lesen,

gegebenenfalls kommentieren und ändern

kann. Austauschformate haben allerdings

ein Problem: Sie müssen sich als „Vermittler“

zwischen zwei unterschiedlichen

Programm-Welten auf einen kleinsten gemeinsamen

Nenner einigen, damit der Datenaustausch

funktioniert. Deshalb ist er

prinzipiell mit Datenverlusten verbunden

und die ausgetauschten Informationen verfügen

nicht mehr über die Qualität und „Intelligenz“

des Quellformats. Beim Austausch

von Texten oder Bildern ist das weniger

problematisch, bei CAD- oder BIM-Daten

aber sehr wohl. Aktuelle CAD- und BIM-Programme

sind objektorientiert. Das bedeutet,

dass Bauwerksmodelle nicht aus „dummen“

Linien, Flächen oder 3D-Körpern bestehen,

sondern aus „intelligenten“ Objekten wie

Wänden, Stützen, Decken, Versorgungsleitungen

und anderen Bauteilen. Sie sind parametrisierbar,

kennen ihre wechselseitigen

Beziehungen, wissen, was sie sind, welche

technischen Kennwerte sie haben, was sie

kosten und so weiter. Überträgt man diese

Bauteile mit den herkömmlichen CAD-Austauschformaten

wie DXF, DWG oder DGN,

gehen diese Informationen verloren, weil

diese Datenformate nur geometrische 2Dund

3D-Informationen speichern.

Vom Geometrie- zum

Objektdatenaustausch

Mit der BIM-Planungsmethode stehen nicht

mehr Pläne im Zentrum des Informationsaustausches,

sondern Gebäudedatenmodelle.

Deshalb wurde ein neues Austauschformat

notwendig, das neben der Grafik auch

Bauteil- oder Objektdaten übertragen kann.

1996, noch lange vor BIM, wurde mit den Industry

Foundation Classes (IFC) ein offener,

internationaler Standard für den softwareübergreifenden

Austausch von Bauwerksdatenmodellen

vorgestellt, ursprünglich

von der Industrieallianz für Inter operabilität,

heute bekannt als buildingSMART International.

Hervorgegangen ist das IFC-Datenformat

aus den STEP-Standard (Standard

for the Exchange of Product Data), einem in

der Maschinenbau- und Automobilindustrie

verbreiteten Format zum Austausch produktdefinierender

Objektdaten. Seit 2017 ist

mit der DIN EN ISO 16739 IFC ab der Version

4 auch offiziell das europäische Datenformat

für den Austausch von Geometrien und

Bauteileigenschaften eines BIM-Modells

zwischen Softwareanwendungen verschiedener

Hersteller.

Vom IFC-Datenformat abgebildet, werden

Gebäudestrukturen und logische Wechselbeziehungen,

zugehörige Eigenschaften

(Attribute) sowie Geometrien. Ausgetauscht

werden IFC-Informationen über Dateien mit


www.architektur-online.com

95

edv

IFC-Daten beschreiben Gebäudemodelle nach einer logisch aufgebauten,

baumartigen Struktur. © Autodesk

Beim IFC-Export komplexer Bauteile wie mehrschichtiger

Wände müssen neben der Geometrie eine Vielzahl an Bauteildaten

übergeben werden. © Autodesk

der Endung IFC, die über einen ASCII-Editor

geöffnet, gelesen und modifiziert werden

können. Gebräuchlich sind auch komprimierte

IFC-Dateien (IFCZIP) und IFC-Dateien

im XML-Standard (IFCXML) für den

Austausch mit Berechnungsprogrammen,

die kein IFC unterstützen. Seit Einführung

des IFC-Standards wurden sukzessive neue

Versionen entwickelt, wovon erst die Version

IFC 2x3 in der Praxis eine nennenswerte

Verbreitung gefunden hat. Sie wird inzwischen

von den meisten Programmen für

CAD, Tragwerksplanung, Gebäudetechnik,

Mengen- und Kostenermittlung, Bauphysik

oder CAFM unterstützt und daher am häufigsten

verwendet. Der 2014 eingeführte

Nachfolger IFC4 enthält viele Verbesserungen

und Erweiterungen, etwa von IFC-Klassen,

von Modell View Definitions (s.u.) etc.

IFC 4 wird derzeit zwar nur von einigen

Software-Anbietern unterstützt, soll IFC 2x3

aber sukzessive ablösen. In Vorbereitung ist

bereits die Version IFC 5, die Erweiterungen

vor allem für den Infrastrukturbau enthalten

soll (siehe: https://technical.buildingsmart.

org/standards/ifc/ifc-schema-specifications/ifc-release-notes).

Wie sind IFC-Daten aufgebaut?

IFC-Daten beschreiben Gebäudemodelle

nach einer vordefinierten, logisch aufgebauten,

baumartigen Struktur: ifcProject

(Projekt), ifcSite (Grundstück), ifcBuilding

(Gebäude), ifcBuildingStorey (Geschoss),

ifcBuildingElements (Gebäudebauteile).

Gebäudebauteile werden wiederum in sogenannte

Modellelemente oder IFC-Klassen

strukturiert. Zu den Architektur-Modellelementen

gehören beispielsweise

ifcWall (Wand), ifcSlab (Decke) oder ifcStair

(Treppe). Beispiele aus der TGA sind

ifcBoiler (Heizkessel) oder ifcPipeSegment

(Rohr) und aus der Tragwerksplanung ifcReinforceingBar

(Bewehrungsstab) oder

ifcReinforceingMesh (Bewehrungsmatte).

Daneben existieren auch allgemeine

IFC-Klassen, wie zum Beispiel ifcBuildingElementProxy

für nicht definierte,

individuelle Bauteile. Da es hinsichtlich des

Datenvolumens und der Verarbeitungsgeschwindigkeit

sinnvoll ist, in IFC-Dateien

nur jene Bauwerksinformationen abzubilden,

die auch tatsächlich benötigt werden,

beschreiben sogenannte Modell View

Definitions (MVD) eine Teilmenge der

umfangreichen IFC-Datenstruktur. MVDs

bilden also eine Art Informationsfilter, die

bestimmte Inhalte aus den IFC-Modellen

exportieren und damit die in der Praxis

auftretenden Austauschszenarien unterstützen.

Eingesetzt werden sie in Form von

Einstellungen beim Export und Import von

IFC-Daten. MVDs entscheiden darüber, für

welchen Zweck eine IFC-Datei verwendet

wird. Soll beispielsweise das BIM-Architekturmodell

für die Energieanalyse genutzt

werden, wählt der Architekt die passende

MVD. Dabei werden nur die benötigten Informationen

wie Gebäudehülle, Räume und

U-Werte exportiert. Für die TGA-Planung

werden Informationen zu Elementen der

Gebäudetechnik wie Heizung, Lüftung/Klima

oder Elektro benötigt. CAFM-Systeme

setzen Raum- und Bauteilinformationen zu

Nutzungsflächen, zum Brandschutz oder

zur Wartung voraus und so weiter. MVD’s

werden gemeinsam mit der IFC-Version für

den Datenaustausch festgelegt. Die aktuell

am häufigsten verwendete MVD für den

Austausch von Gebäudemodellen zwischen

Architekten, TGA- und Tragwerksplanern,

Bauphysikern und Gebäude-Energieberatern

ist die IFC 2x3 Coordination View 2.0.

Parallel zur Version IFC4 wurde speziell für


architektur FACHMAGAZIN

96

edv

Übergabeprobleme aufgrund falsch modellierter

oder editierter Bauteile und Bauteilanschlüsse

lassen sich durch softwarespezifische

Modellierungsrichtlinien vermeiden.

© Graphisoft Deutschland

die Übergabe energetisch relevanter Daten

die Energy Analysis View definiert, die aufgrund

der geringen Verbreitung von IFC4

allerdings praktisch noch keine Rolle spielt.

Eine Übersicht aktueller MVDs finden Sie

hier: https://technical.buildingsmart.org/

standards/mvd/mvd-database

Herausforderungen beim

IFC-Datenaustausch

In der Praxis kam und kommt es insbesondere

beim Austausch über ältere IFC-Versionen

immer wieder zu Übertragungsfehlern:

Komplexere Bauteile wie mehrschichtige

Wände, Wanddurchbrüche, Treppen oder

Rampen etc. werden falsch, unvollständig

oder überhaupt nicht übertragen. In einigen

Fällen resultieren Fehler allerdings nicht aus

den durchaus vorhandenen Unzulänglichkeiten

des IFC-Datenformats, sondern aus

falsch deklarierten oder unsauber modellierten,

respektive editierten Bauteilen. Das

fängt schon bei der Wand an: Wo beginnt,

wo endet sie? Wie sieht der Wand anschluss

im Detail aus? Sind Raumgeometrien oder

Raumflächen und ihre Eigenschaften korrekt

definiert? Gilt das auch für Installationsschächte,

Hohlräume unter abgehängten

Decken etc.? Werden diese und

weitere Details bei der BIM-Modellierung

nicht beachtet, kommt es zwangsläufig zu

Auswertungs- und Übergabefehlern. Auch

eine nicht regelkonforme Bearbeitung eines

Standard-Bauteils kann schnell zu Fehlern

führen, etwa wenn nicht mit den dafür vorgesehenen

Werkzeugen in eine Geschossdecke

eine Öffnung oder ein Gefälle eingefügt

wird. Geometrien werden dann beim

IFC-Export oder -Import falsch interpretiert

und sind dadurch nicht mehr mit den

gewohnten Werkzeugen bearbeitbar oder

auswertbar. Häufig fehlen BIM-Programmen

auch wichtige Standard-Bauteile, die

vom Anwender dann durch andere Bauteile

oder frei definierte Objekte ersetzt werden.

Als Folge werden beim IFC-Export falsche

Elementtypen übertragen. Deshalb bieten

manche CAD/BIM-Programme die Möglichkeit,

Bauteilen den gewünschten IFC-Typ

zuzuordnen. Einige Hersteller von CAD/

BIM-Software haben für Anwender zusätzlich

BIM-Modellierungsregeln entwickelt,

die sich teilweise an Richtlinien, etwa an der

VDI-Richtlinie 2552, Blatt 3 orientieren. Diese

erläutern, mit welchen Werkzeugen und

Klassifizierungen Bauteile zu modellieren

sind, damit man ein Modell erhält, das anderen

Programmen für bestimmte Zwecke

weiterverwendet werden kann. Ein Beispiel

ist die Graphisoft-Modellierungsrichtlinie

(Download: www.graphisoft.at/open-bim/

open-bim-funktioniert).

Tipps für den IFC-Export und -Import

Die Qualität des IFC-Datenaustausches

hängt neben der Modellqualität natürlich

auch von der Qualität der IFC-Schnittstelle

ab, von der IFC-Version, von den programmspezifischen

Export-Einstellungen,

von den Modell View Definitions und so

weiter. Eine gewisse Sicherheit für den Anwender

über die Qualität einer IFC-Schnittstelle

geben auch die seit 2010 nach dem

überarbeiteten Verfahren 2.0 durchgeführten

buildingSMART-Zertifizierungen für die

Version IFC 2x3, die nach IFC-Import und

‐Export, beim Export zusätzlich nach Fachdisziplinen

unterschieden werden. Eine

aktuelle Übersicht über bisher zertifizierte

Softwareprodukte finden Sie hier: buildingsmart.org/compliance/certified-software.

Für die Wahl der richtigen Einstellungen

beim Exportieren einer IFC-Datei ist entscheidend,

dass bereits vorher der Verwendungszweck

feststeht: Wird sie „nur“ für

Koordinationszwecke eingesetzt oder muss

sie in einer anderen BIM-Software weiterbearbeitet

werden? Auch der Detaillierungsgrad

spielt eine Rolle. Bauteile sollten nur

in speziellen Fällen mit einem hohen geometrischen

Detailierungsgrad exportiert

werden, da der Datenumfang dann erheblich

ansteigt. In den meisten Fällen genügt

ein niedriger Detailierungsgrad. Für die

Planung und Koordination von Durchbrüchen

hat sich die Nutzung von Platzhaltern

bewährt, den sogenannten „Provision for

Void“-Objekten. Diese lassen sich zwischen

Fachmodellen inklusive aller notwendigen

Informationen sowie Abmessungen austauschen.

Für die Übertragung komplexer Geometrien

empfiehlt sich die Design Transfer

View der Version IFC 4 mit Verbesserungen

im Bereich der Geometrieübersetzung.

Die IFC 4 Reference View wurde speziell

für Referenz-Arbeitsabläufe konzipiert,

beispielsweise für Kollisionskontrollen.

Grundsätzlich gilt: bevor eine IFC-Datei

an Planungspartner weitergeben wird, ist

es sinnvoll, das Exportergebnis vorher zu

überprüfen. Dazu werden spezielle IFC-Viewer

angeboten, mit denen die Bauwerksstruktur,

An- oder Aufsichten, das 3D-Modell

und die Eigenschaften von Bauteilen

betrachtet werden können (z.B. Autodesk

Navisworks, BIM Vision, FZK Viewer, Solibri

Tragwerksplaner benötigen tragende Gebäudeelemente, Öffnungen oder Durchbrüche, EnEVund

Bauphysik-Software benötigten Informationen zur Gebäudehülle, zu Räumen und U-Werten.

© Hottgenroth, ETU


www.architektur-online.com

97

edv

Die Qualität der programmspezifischen

IFC-Schnittstellen ist sehr unterschiedlich und

bestimmt die Ergebnisqualität mit.

© Autodesk

Model Viewer oder Tekla BIM-Sight). Die

Einstellungsmöglichkeiten beim IFC-Import

beschränken sich auf den Import in das native

Format des jeweiligen BIM-Programms

oder als Referenz, respektive Link. Während

ersteres eine Weiterbearbeitung der

Importdaten ermöglicht, aber auch länger

dauert, aufwendiger und fehleranfälliger ist,

wird der schnellere und fehlertolerantere

Link-Import vor allem für die Koordination

von BIM-Fachmodellen genutzt. Manche

BIM-Programme bieten zusätzlich die Möglichkeit,

Teile des verlinkten Modells nativ

zu importieren und weiterzubearbeiten.

Diese und weitere Hinweise zum IFC-Export

und Import sind teilweise auch auf Hersteller-Webseiten

oder in Handbüchern der

jeweiligen CAD/BIM-Programme enthalten.

Fazit: Open BIM kann funktionieren, …

… wenn sich alle an die Regeln halten. Zwar

ist der Datenaustausch per IFC – wie über

alle anderen Austauschformate auch – kein

idealer Prozess, da Bauwerksmodelle beim

Export in das IFC-Format einen Teil ihrer

Intelligenz einbüßen. Außerdem werden

beim IFC-Export Daten dupliziert, was Re-

In der Praxis wird IFC weniger für den Datenaustausch, sondern eher für die Koordination von

Fachmodellen und für Kollisionsprüfungen genutzt. © Building Smart

dundanzfehler begünstigt. Dennoch kann

ein importiertes IFC-Modell eine brauchbare

Grundlage für die weitere Planung sein,

wenn Modellier-Regeln und IFC-Exporteinstellungen

beachtet werden. Dass Open

BIM per IFC funktionieren kann, hat auch

der CAD-AVA-Datenaustausch-Test von

Graphisoft belegt, der fast ausschließlich

über das IFC-Austauschformat realisiert

wurde. Schwächen hat das IFC-Format im

Austausch zwischen Programmen unterschiedlicher

Kategorien und Fachdisziplinen,

aber auch zwischen Programmen

derselben Disziplin, etwa zwischen zwei

unterschiedlichen Architektur-CAD, TGA-

CAD- oder CAFM-Programmen. Deshalb

wird IFC derzeit weniger für den Datenaustausch,

sondern eher für die Koordination

und den Abgleich von Fachmodellen

sowie für Kollisionsprüfungen genutzt. Die

Entwicklung neuer IFC-Versionen, die sukzessive

Optimierung der programmspezifischen

IFC-Schnittstellen lassen aber auf

Besserung hoffen.


www.architektur-online.com

Homeoffice mit

Success X

98

edv

Wie rasch ein Umstieg aufs Homeoffice erforderlich

sein kann, hat die Corona-Krise

deutlich gezeigt. Dabei sind diejenigen klar

im Vorteil, die auf eine Software setzen,

welche die Nutzung an unterschiedlichen

Standorten komfortabel unterstützt. Die

neue Kalkulationslösung Success X ist so

konzeptioniert, dass Lizenzen von überall

aus zur Verfügung stehen und Projekte an

verschiedenen Orten bearbeitet werden

können. Das funktioniert auch, ohne sich

von extern auf einem Computer in der Firma

einzuloggen und auch ohne Terminalserverlösung.

Ob Success X auf einem Firmen-Laptop

oder auf dem privaten Computer benutzt

wird, spielt keine Rolle: Erforderlich ist lediglich

eine lokale Installation des Programms.

Zudem wurde vom Success X-Hersteller

NEVARIS bereits zu Beginn der Corona-Krise

das Angebot „Aufeinander bauen“ ins Leben

gerufen. Dieses umfasst die Möglichkeit,

zeitlich begrenzte Lizenzen zu erwerben,

um sich für die Dauer der Ausnahmesituation

optimal aufzustellen. Mit Bausoftware,

die fit für das Homeoffice ist, Online-Webi-

naren zum optimalen Einsatz und temporär

begrenzten Lizenzen sind Success X-Nutzer

auch in dieser schwierigen Zeit auf der sicheren

Seite.

NEVARIS Bausoftware GmbH

T +43 (0)662 890 800-0

kontakt@nevaris.com

www.nevaris.com

Optimiert digitales

Vergabeverfahren

In ABK8 gibt es die neue Funktion „ABK-AN-

KÖ-Schnittstelle“. Neue Vergabeverfahren

werden damit auf der „eVergabe+“Plattform

angelegt, bestehende Verfahren geöffnet.

Die Bearbeitung der Leistungsverzeichnisse

erfolgt wie gewohnt. In ABK wird ein Vergabeverfahren

mit den Projektinformationen

und Informationen zum Auftraggeber

angelegt; für die Bekanntmachung werden

diese Daten auf die „eVergabe+“-Plattform

von ANKÖ übernommen. Wenige Zusatzinformationen,

wie beispielsweise der geschätzte

Auftragswert oder die Vergabeart,

werden ergänzt. Anschließend bearbeitet

man das Leistungsverzeichnis und erstellt

die Ausschreibungsunterlagen. Direkt aus

ABK heraus kann das aktuelle Vergabeverfahren

auf der „eVergabe+“-Plattform

geöffnet werden - die Ausschreibungsunterlagen

werden hochgeladen und die

Ausschreibung wird publiziert. Nach Beendigung

der Angebotsfrist werden alle Angebote,

die auf der Vergabeplattform eingelangt

sind, in die Angebotsprüfung von

ABK eingelesen und in gewohnter Art und

Weise bearbeitet. Für die Bekanntmachung

der Zuschlagsentscheidung kann erneut

direkt aus ABK auf das Verfahren auf der

„eVergabe+“-Plattform zugegriffen werden.

Das Vertrags-Leistungsverzeichnis wird in

ABK vorbereitet und der Zuschlagserklärung

auf der Plattform beigelegt.

ib-data GmbH

T +43 (0)1 492 5570-0

abkinfo@abk.at

www.abk.at


WIR GEBEN KINDERN

WIEDER EIN ZUHAUSE

SPENDEN

unter

projuventute.at

DANKE! DANKE!


RAY LOUNGE

Am Ruhepuls

der Zeit.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine