17.06.2021 Aufrufe

ocean7 4/2021

Eye of the Wind. Kreuzfahrten wie zu Urgroßvaters Zeiten sind heute noch gut möglich, wie ein 100-jähriger Schoner zeigt. Ewiger Frühling. Familie Mandl verbrachte ein Jahr in „Selbst­quarantäne“ an Bord ihrer Segelyacht Inaya auf den Kanaren. Flottillensegeln. Von geführten Törns für Einsteiger bis zu ausgedehnten „Explorer­“-Rundreisen. Quallen. Harmlos oder gefährlich? Eine Übersicht der faszinierenden Nesseltiere. Excess 12. Testschlag mit dem Missing Link zwischen Ein-­ und Mehrrümpfern. Bavaria C38. Die erfrischendste Neuerscheinung im heiß begehrten 11­-Meter-­Segment. Cranchi E26 Rider. Den noblen Daycruiser gibt es jetzt auch mit Roadster­-Feeling.

Eye of the Wind. Kreuzfahrten wie zu Urgroßvaters Zeiten sind heute noch gut möglich, wie ein 100-jähriger Schoner zeigt.
Ewiger Frühling. Familie Mandl verbrachte ein Jahr in „Selbst­quarantäne“ an Bord ihrer Segelyacht Inaya auf den Kanaren.
Flottillensegeln. Von geführten Törns für Einsteiger bis zu ausgedehnten „Explorer­“-Rundreisen.
Quallen. Harmlos oder gefährlich? Eine Übersicht der faszinierenden Nesseltiere.
Excess 12. Testschlag mit dem Missing Link zwischen Ein-­ und Mehrrümpfern.
Bavaria C38. Die erfrischendste Neuerscheinung im heiß begehrten 11­-Meter-­Segment.
Cranchi E26 Rider. Den noblen Daycruiser gibt es jetzt auch mit Roadster­-Feeling.

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YACHTING, REISEN UND MEER<br />

4/<strong>2021</strong> Juli/August € 4,90<br />

www.<strong>ocean7</strong>.at<br />

ÖKO-TÖRNS<br />

Kreuzfahrten wie zu Urgroßvaters Zeiten sind heute noch gut<br />

möglich, wie die EYE OF THE WIND zeigt. Neben Wind- braucht<br />

es aber auch viel Willenskraft, um umweltfreundlich zu cruisen.<br />

QUALLEN<br />

Achtung,<br />

Brandgefahr<br />

Vom Leben und<br />

Wirken der Medusen.<br />

CRANCHI E26<br />

Hüllen<br />

fallen lassen<br />

Die offene Version<br />

eines Klassikers.<br />

BAVARIA C38<br />

Segeln im<br />

hohen C<br />

Kleine Segelyacht mit<br />

großen Ambitionen.<br />

Mit News der österreichischen<br />

Verbände YCA und MSVÖ


www.frauscherboats.com<br />

facebook.com/frauscherboats<br />

instagram.com/frauscherboats


Editorial<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Endlich<br />

Sommer<br />

Verständlich der Unmut vieler Yachties<br />

und Eigner, die heuer schon wieder viel<br />

zu spät in die Saison starten durften.<br />

Die gute Nachricht für <strong>2021</strong> ist:<br />

Der Sommer wird lang!<br />

TAHSIN ÖZEN<br />

Journalist, Segler und<br />

Liebhaber aller Reviere<br />

und Yachten, Skipper,<br />

Chefredakteur.<br />

redaktion@<strong>ocean7</strong>.at<br />

Der Nachholbedarf ist groß,<br />

viele konnten ihre Yachten<br />

erst jetzt wieder auf Vordermann<br />

bringen und zu Wasser lassen.<br />

Charterer, die fleißig frühgebucht<br />

haben, mussten ebenfalls<br />

da und dort noch nachjustieren,<br />

um ihren Urlaubstörn passend<br />

unter Dach und Fach zu bringen.<br />

Sie dürfen sich jetzt aber zu den<br />

Glücklichen schätzen – sie sind<br />

in sicheren Häfen. Wer jetzt nach<br />

den späten Öffnungsschritten<br />

nach seiner Traumyacht in seinem<br />

Lieblingsrevier sucht, hat es hingegen<br />

nicht mehr ganz so leicht:<br />

Nicht zuletzt aufgrund des Rückstaus<br />

im Zuge der vergangenen<br />

Lockdowns sind die meisten Charteryachten<br />

in den „naheliegenden“<br />

Destinationen bis weit in den<br />

Herbst ausgebucht, sodass man<br />

nun eine gehörige Portion Kompromiss-<br />

bzw. Reisebereitschaft an<br />

den Tag legen muss, um noch nach<br />

Wunsch aufs Wasser zu kommen.<br />

Vielleicht eine gute Gelegenheit,<br />

um aus dem gewohnten Umfeld<br />

aus- und zu neuen Ufern aufzubrechen?<br />

Alle namhaften Charteragenturen<br />

haben ihr Portfolio<br />

entsprechend erweitert und sind<br />

aufgrund der Pandemie nolens<br />

volens zu Reiserestriktions-Experten<br />

– ja sogar zu lautstarken Interessensvertretungen<br />

der Chartergemeinde<br />

avanciert. Das sehr zum<br />

Vorteil der Yachties, muss man sich<br />

doch nicht mehr selbst mühsam alles<br />

heraussuchen, studieren und im<br />

Auge behalten. Darüber informiert<br />

Sie nun stets aktuell die Agentur<br />

Ihres Vertrauens.<br />

Also warum nicht einmal Atlantik<br />

statt Mittelmeer? Ein Segeltörn<br />

auf den Kanaren beispielsweise ist<br />

definitiv ein einzigartiges Erlebnis.<br />

Für manche sogar so faszinierend,<br />

dass man mit Kind und Kegel<br />

gleich für längere Zeit bleiben<br />

möchte. Wie der Salzburger<br />

Skipper Mathias, der mit seiner<br />

Frau und den beiden Töchtern fast<br />

ein ganzes (Lockdown-)Jahr in<br />

diesem Archipel an Bord einer<br />

Sun Odyssey 37 verbracht hat<br />

(nachzulesen ab Seite 30).<br />

Ich wünsche auch Ihnen einen<br />

langen Sommer und eine schöne<br />

Zeit am und auf dem Wasser, die<br />

wir Ihnen mit dieser Ausgabe<br />

hoffentlich unterhaltsam ausschmücken<br />

dürfen.<br />

4/<strong>2021</strong> 3


4SEA.COM<br />

FASHION<br />

ON A<br />

MISSION<br />

THE SEA IN MIND


Cartoon<br />

Freunde ...<br />

ILLUSTRATION: INGA BEITZ, WWW.INGABEITZ.JIMDO.COM<br />

... bilden Fahrgemeinschaften.<br />

4/<strong>2021</strong> 5


Inhalt 4/<strong>2021</strong><br />

IM TEST: BAVARIA C38. Mit Ecken und Kanten wie V-Bug und Chines am 68Heck folgt die jüngste Giebelstädterin dem Erfolgskurs der großen Schwester C42.<br />

FOTOS: NILS BERGMANN, CONNY MANDL, COURTESY CRANCHI<br />

30<br />

74<br />

DAS FAMILIENJAHR AN BORD. Ein Rückblick in Briefen: Familie Mandl verbrachte<br />

die Zeit der Lockdowns an Bord ihrer 11-Meter-Segelyacht Inaya auf den Kanaren.<br />

VON DER QUALITÄT DES FAHRTWINDES. Cranchi hat seinem Bestseller das Dach<br />

weggenommen: Herausgekommen ist die E26 Rider, ein Luxus-Daycruiser mit Frischluft-Garantie.


Mit News der österreichischen<br />

Verbände YCA und MSVÖ<br />

Rubrik<br />

8 SCHAUFENSTER<br />

Inseln des ewigen Frühlings.<br />

67 IMPRESSUM<br />

Kolumnen<br />

10 BOBBY SCHENK<br />

Wenn der Traum von der perfekten<br />

Yacht zum Albtraum wird.<br />

16 OCEAN WOMAN<br />

Kochen bei Sturm. Und wie man<br />

mit der Zeit darin besser wird.<br />

43 GOTTFRIED RIESER<br />

Die sechs wichtigsten Knoten<br />

auf der Yacht.<br />

60 SKIPPER’S DIARIES<br />

Jeder Klabautermann fängt<br />

einmal als Jungspund an.<br />

82 SAILING POETRY<br />

Mit Vergil im Porto di Roma.<br />

Reisen<br />

26 FLOTTILLEN FÜR<br />

FORTSCHREITENDE<br />

Von geführten Törns für Einsteiger bis<br />

zu den ausgedehnten Explorer-Reisen<br />

von Yachtcharter Müller.<br />

30 KANARISCHE INSELN<br />

Familie Mandl und ihr Jahr in „Selbstquarantäne“<br />

an Bord ihrer Segelyacht<br />

Inaya auf den Kanaren.<br />

36 COUCHSAILING<br />

Timo Peters ist als Rookie per Anhalter<br />

über den Atlantik gesegelt und hat<br />

seine Erfahrungen zu Papier gebracht.<br />

38 PAPUA-NEUGUINEA<br />

Raue Sitten im Paradies: Wolfgang<br />

Hausners Tipps, um unbeschadet<br />

durchs Bismarck-Archipel zu segeln.<br />

Features<br />

18 GUTER STOFF<br />

Nachhaltige Segelmode aus recycelten<br />

Fischernetzen: Wie die neue Marke<br />

4SEA den Ozeanen helfen will.<br />

24 KLASSISCHES SCHUHWERK<br />

Die Segelschuhe der irischen Tradi ­<br />

tions marke Dubarry. Mit Gewinnspiel.<br />

44 LEBEN AN BORD<br />

Tipps zum Kauf und zum wohnlichen<br />

Herrichten einer gebrauchten Yacht.<br />

48 TÖRNS AUF DEM GROSSSEGLER<br />

Möglichst authentisch und umwelt ­<br />

schonend: Segeln auf dem 110 Jahre<br />

alten Windjammer Eye of the Wind.<br />

52 WELCHE QUALLEN QUÄLEN?<br />

Von harmlos bis sehr gefährlich:<br />

eine Übersicht der faszinierenden<br />

Nesseltiere.<br />

58 CHARTER-COMEBACK<br />

Interview mit Andrea Barbera, der<br />

Grande Dame der Charterbranche.<br />

Yachten<br />

62 EXCESS 12<br />

Testschlag mit dem Missing Link<br />

zwischen Ein- und Mehrrümpfern.<br />

68 BAVARIA C38<br />

Die spannendste Neuerscheinung im<br />

heiß begehrten 11-Meter-Segment.<br />

74 CRANCHI E26 RIDER<br />

Den noblen Daycruiser gibt es jetzt<br />

auch mit Roadster-Feeling.<br />

Im Verband<br />

76 MOTORBOOTSPORT UND SEEFAHRTS<br />

VERBAND ÖSTERREICH<br />

78 YACHT CLUB AUSTRIA<br />

YACHTCHARTER<br />

UND KREUZFAHRTEN<br />

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Ihren Sommer!<br />

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FOTO: FORUM TRAIN & SAIL<br />

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www.<strong>ocean7</strong>.at<br />

Quarantänepflicht<br />

Grenzschließung<br />

Verbot der Freizeitschifffahrt<br />

Österreichische Post AG | MZ 12Z039473 M | <strong>ocean7</strong>, Feschnigstraße 232, 9020 Klagenfurt<br />

QUALLEN<br />

Achtung,<br />

Brandgefahr<br />

Vom Leben und<br />

Wirken der Medusen.<br />

CRANCHI E26<br />

Hüllen<br />

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Kreuzfahrten wie zu Urgroßvaters Zeiten sind heute noch gut<br />

möglich, wie die EYE OF THE WIND zeigt. Neben Wind- braucht<br />

es aber auch viel Willenskraft, um umweltfreundlich zu cruisen.<br />

BAVARIA C38<br />

Segeln im<br />

hohen C<br />

Kleine Segelyacht mit<br />

großen Ambitionen.<br />

Naturnah Cruisen an<br />

Bord eines 110 Jahre<br />

alten Windjammers –<br />

Bericht ab Seite 48.<br />

Zahlungen an GlobeSailor<br />

sind insolvenzversichert<br />

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+49 30 56795183<br />

www.globesailor.de


Schaufenster<br />

Freiraum<br />

Text TAHSIN ÖZEN<br />

Unterschiedlicher die sieben<br />

Kanarischen Inseln landschaftlich<br />

nicht sein könnten<br />

(im Bild ein Katamaran vor Anker<br />

am La Tejta-Strand auf Teneriffa),<br />

gemeinsam sind ihnen die ganz ­<br />

jährig milden Temperaturen, viel<br />

Sonnenschein und Passatwinde,<br />

die das Seglerherz höher schlagen<br />

lassen. Kein Wunder also, dass viele<br />

Weltumsegler und Atlantik-Crosser<br />

hier erst einmal „hängen bleiben“,<br />

manche sogar für viele Monate<br />

(nachzulesen ab Seite 30). Natürlich<br />

sind auch Chartergäste auf den „Inseln<br />

des ewigen Frühlings“ herzlich<br />

willkommen – das Flottenangebot<br />

ist groß, die Preise im Herbst klein.<br />

Argos Yachtcharter hat auf<br />

seiner Homepage sehr detaillierte<br />

Törnvorschläge vom „kurzen Entdeckertörn“<br />

über „Segeln und<br />

Sightseeing auf den Kanaren“ bis<br />

hin zum „Kanaren-Segeltörn für<br />

anspruchsvolle Segler“ aufbereitet.<br />

Interessant auch die Oneway-Angebote<br />

– will man z. B. von Teneriffa<br />

nach Lanzarote, ist eine Oceanis 41<br />

bereits ab € 2.200,– zu haben.<br />

è www.argos-yachtcharter.de<br />

8 4/<strong>2021</strong>


FOTO: SHUTTERSTOCK


In den Wind gesprochen<br />

Wie manche Segler ihr<br />

einziges Kapital vernichten<br />

Der Traum von der perfekten Yacht für die Weltumsegelung ist für viele nur im<br />

Rahmen der „Selbst ver wirklichung“ zu erfüllen. Einige schaffen es bis an ihr<br />

Lebensende nicht einmal an den Start.<br />

Teil 1<br />

Er war eine traurige Gestalt<br />

in diesem belgischen Hafen.<br />

Und jeder kannte ihn, nämlich<br />

Heinz und seine Story. Sie hatte<br />

nach seinem Leben gegriffen. „Da<br />

kommst du in Düsseldorf auf die<br />

Bootsmesse, denkst an Palmen und<br />

Südsee und die Realität lautet dann:<br />

,Liegeplatz vor einem europäischen<br />

Industrie-Bahnhof!‘ “ Morgens<br />

strich Heinz durch die Marina und<br />

erzählte jedem seine Geschichte, die<br />

mit einem Traum von einer Superyacht<br />

begonnen hatte und mit dem<br />

Verlust seines Vermögens und dem<br />

Besitz eines in jeder Hinsicht untauglichen<br />

Schiffs endete.<br />

Bei Robert (alle Namen aus diesen<br />

wahren Begebenheiten sind geändert)<br />

war es ähnlich, wobei der<br />

tragische Ausgang umso mehr verwundert,<br />

als dass es sich bei Robert<br />

um einen blitzgescheiten, realitätsnahen<br />

Selfmademan gehandelt hat,<br />

der es mit eigener Tüchtigkeit zu einer<br />

Fabrik gebracht hatte. Als es an<br />

den Schiffskauf für den ersehnten<br />

„Ruhestand“ (selbstverständlich mit<br />

Weltumsegelung) ging, schien den<br />

Erfolgsmenschen aber der Verstand<br />

verlassen zu haben.<br />

Statt irgendeine Millionenyacht<br />

von einer Erfolgswerft zu ordern,<br />

wollte Robert unbedingt all seine<br />

Ideen von einer Superyacht in seinem<br />

„perfekten Schiff “ realisieren.<br />

Das ging bis zu einem Tauchkompressor<br />

als Backup für die Druckluftversorgung<br />

des Kreiselkompasses.<br />

Der Werft wollte er einreden,<br />

die gesamte Elektrik nach seinen<br />

Vorstellungen anders zu fertigen,<br />

als sie es bei ihren hunderten von<br />

(zum Teil berühmten) Bauten gewohnt<br />

war.<br />

Das ging schief. Es ging ungefähr<br />

alles schief, auch finan ziell. Schließlich<br />

entführte Robert „seine“ Yacht<br />

vom Werftgelände und brachte sie<br />

nach England, wo eine Universität<br />

beauftragt wurde, ein Gutachten zu<br />

diesem Bau zu fertigen. Dieses war<br />

vernichtend. Auch für Robert, für<br />

ihn brach eine Welt zusammen.<br />

Das Schiff wurde dann gerade noch<br />

nach Mallorca geskippert. Das war’s.<br />

Robert starb kurze Zeit später –<br />

völlig verarmt.<br />

DIE YACHT ALS SARGNAGEL<br />

Markus wollte seine Yacht, die ihm<br />

wegen seiner originellen Ideen keine<br />

Werft gut genug gebaut hätte,<br />

selbst fertigen. Nach acht Jahren<br />

Arbeits-, Energie- und Geldverschwendung<br />

war sie halbfertig –<br />

und musste verschenkt werden.<br />

In Holland baute der Amerikaner<br />

Toni seine 42-Fuß-Schale auf dem<br />

Werftgelände aus, wo er die Schale<br />

gekauft hatte. Seine Freundin Ines<br />

zog zu ihm aufs Schiff, um die Sache<br />

zu beschleunigen. Dann wurde das<br />

Geld knapp, aber Toni wollte das<br />

tollste Schiff auf Erden, und so wurde<br />

ein Kredit aufgenommen, um<br />

Segel-Rollanlagen zu bestellen – sie<br />

konnten nie mehr ausgelöst werden.<br />

Ines musste sich einer Augenope ration<br />

unterziehen, was dem Un ternehmen<br />

„Weltumsegelung“ finanziell<br />

den letzten Rest gab.<br />

Segelkameraden sorgten dafür,<br />

dass im Winter zumindest das Gas<br />

zum Heizen der „Blechhütte“ nicht<br />

ausging. Ines flüchtete von Bord,<br />

Toni, ohnehin schon herzkrank,<br />

überlebte das nicht mehr.<br />

Georg hatte zehn Jahre an seinem<br />

Traumschiff für eine Weltumsegelung<br />

gebaut. In seiner Garage stand<br />

das gesamte Zubehör, liebevoll und<br />

über Jahre sorgfältig ausgesucht.<br />

Wieder einmal sollte es die perfekte<br />

Weltumsegler-Yacht werden. Nach<br />

vielen Jahren, die Yacht bei weitem<br />

noch nicht fertig, schlug das Alter<br />

zu: Georg starb. In seinem Testament<br />

vermachte er den Rohbau<br />

mit Zubehör einem Segelclub.<br />

Warum überschätzen sich<br />

Menschen wie in den Beispielen<br />

derart? Segler, die im Berufsleben<br />

doch sehr erfolgreich waren? Meine<br />

Antwort darauf darf ich Ihnen in<br />

der nächsten Ausgabe geben. <br />

Bobby Schenk live<br />

auf der Interboot <strong>2021</strong><br />

BOBBY SCHENK<br />

ist Weltumsegler,<br />

Navigations-Experte<br />

und Buchautor.<br />

kolumne@<strong>ocean7</strong>.at<br />

Astro-Seminar<br />

Samstag, 18., und Sonntag, 19. September.<br />

Teilnehmer ohne jegliche Vorkenntnisse erfahren von<br />

Bobby Schenk, wie sie auf hoher See nur mit Hilfe des<br />

Sextanten und Gestirnen (Sonne, Mond, Planeten) ihren<br />

Standort bestimmen. Teilnahmegebühr inkl. Verpflegung<br />

und Eintrittskarten für die Interboot pro Person € 390,–<br />

(Partnerticket € 290,–).<br />

18. Blauwasserseminar<br />

Samstag, 25., und Sonntag, 26. September.<br />

Mit hochkarätigem Programm für Weltumsegler in spe,<br />

Fahrtensegler, Träumer und Blauwassersegler. Teilnahmegebühr<br />

inkl. Verpflegung und Eintrittskarten für<br />

die Interboot pro Person € 210,– (€ 170,– für eine Begleitperson).<br />

Limitierte Teilnehmerzahl, Reservierung<br />

unbedingt erforderlich! Die Seminare im Detail, alle Infos<br />

und Anmeldemöglichkeiten unter<br />

è www.bobbyschenk.de<br />

10 4/<strong>2021</strong>


Aufrumpfen<br />

ELEKTRO-KAT. Mit der Präsentation<br />

der TimeSquare 20 ist der Frauscher<br />

Bootswerft eine ziemliche<br />

Überraschung gelungen. Zum einen<br />

haben die Oberösterreicher in den<br />

letzten Jahren bei ihren Neuvorstellungen<br />

sportlichere und luxuriösere<br />

Modelle bevorzugt. Zum anderen<br />

ist das Konzept der eher gemütlich<br />

orientierten TimeSquare 20 wirklich<br />

neu: Ein kleiner Katamaran mit je<br />

einem Elektroaußenbordmotor am<br />

Rumpf!<br />

Vorteile des Designs: Geringere<br />

Verdrängung (und damit geringerer<br />

Energiebedarf und höhere<br />

Reichweite), bessere Manövrierbarkeit<br />

und mehr Platz<br />

als bei einem Einrumpfboot<br />

vergleichbarer Größe.<br />

Die Nutzfläche beträgt<br />

20 m 2 , die sich sieben Passagiere<br />

teilen können. Bei der Motorisierung<br />

stehen Außenbordmotoren<br />

von Torqeedo mit bis zu 2 x 10 kW<br />

Leistung und 30 kWh Batteriekapazität<br />

zur Ver fügung. Die Fahrleistungen<br />

sollen jener der Frauscher 740<br />

Mirage Air ähneln – mit deutlich reduziertem<br />

Energieaufwand.<br />

è www.frauscherboats.com<br />

TimeSquare 20 von<br />

vorne. In der Heckansicht<br />

würde man die beiden<br />

E-Motoren sehen.<br />

Vom Atter- zum Wörthersee<br />

VERTRETUNG. Boote Schmalzl<br />

hat für die Kärntner Seen den Vertrieb<br />

und Service der Daysailer von<br />

A-Yachts übernommen. Angeboten<br />

werden nicht nur die drei Modelle der<br />

Werft vom Attersee – a27, a33 und<br />

a39 –, sondern auch alle Dienstleistungen<br />

für den unbeschwerten Segelgenuss,<br />

also Kranen, Vorbereiten, Lagern,<br />

Liegeplatz bis zum Winterlager<br />

und Reparaturservice. Beste Chancen<br />

auf Kärntner Käufer räumt man dem<br />

Einstiegsmodell a27 ein, dieses wird<br />

auch beim Sommerfest der Bootswerft<br />

Schmalzl von 6.–7. August zum<br />

Besichtigen und Testen bereitstehen.<br />

è www.boote-schmalzl.at<br />

è www.a-yachts.info<br />

a27 mit geschmalzenem Service.


PANORAMA<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

Cranchi, öffne dich!<br />

LUXUS-TENDER. Vor eineinhalb<br />

Jahren als A44 vorgestellt, scheint<br />

Cranchis Luxus-Tender nun als<br />

A46 tatsächlich verwirklicht worden<br />

zu sein – die Plätze auf den Messen in<br />

Cannes und Genua sind jedenfalls gebucht,<br />

Testfahrten seit Juni möglich.<br />

Geändert hat sich an den wichtigen<br />

Daten nichts: 46 Fuß Gesamtlänge,<br />

14 Fuß Breite, Standardmotorisierung<br />

zwei Volvo Penta IPS 650 mit jeweils<br />

480 PS. Sehr offenes Design vom<br />

Steuerstand bis zur Sonnenlounge im<br />

Heck, die durch abklappbare Bordwände<br />

erheblich vergrößert werden<br />

kann. Unter dem Sonnendeck befindet<br />

sich eine Garage, in der ein kleines<br />

Boot mit einer Länge von bis zu<br />

zwei Metern untergebracht werden<br />

kann – ein Tender für den den Tender!<br />

Sehr flexibel präsentiert sich<br />

auch die Dinette unter Deck, die sich<br />

in eine Kabine verwandeln lässt, damit<br />

hätte man mit der Eignerkabine<br />

vier Schlafplätze zur Verfügung.<br />

è www.topyacht.eu<br />

Offen für alles: Cranchi<br />

A46 Luxury Tender.<br />

Neue Mitte<br />

13-M-KAT. Mit dem ab Jänner 2022<br />

ausgelieferten Bali 4.4 räumt der<br />

französische Katamaranhersteller<br />

sein Modellprogramm im heiß umgekämpften<br />

Segment der Kats von<br />

11 bis 15 Metern Länge etwas auf.<br />

Die Neuentwicklung ersetzt den<br />

Bali 4.3 und 4.5 und schafft zum<br />

4.2 und 4.8 einen größeren Abstand.<br />

Wie alle Bali Cats besitzt auch der<br />

Bali 4.4 das verglaste Schwingtor, mit<br />

dem man den Außenbereich achtern<br />

wie einen Wintergarten verschließen<br />

kann. Das beliebte Vorschiffscockpit<br />

mit den Durchgang vom Salon aus ist<br />

natürlich ebenfalls vorhanden. Der<br />

Baum ist im Vergleich zu den größeren<br />

Modellen niedriger angeschlagen.<br />

Dies verringert zwar die Stehhöhe auf<br />

der Sonnenliege, vergrößert aber die<br />

Segelfläche. Zur Auswahl stehen eine<br />

luxuriöse Eignerversion mit drei Kabinen<br />

und eine Vier-Kabinenversion,<br />

die auch über vier Nasszellen verfügt.<br />

Skipperkabine und separate Nasszelle<br />

für den Skipper stehen optional ebenfalls<br />

zur Verfügung.<br />

è www.trend-travel-yachting.com<br />

Bali 4.4 auf gutem<br />

Auslieferungskurs.<br />

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Tel.: 0732 / 65 10 05 · sail@yachtcharter-mueller.at · www.yachtcharter-mueller.at<br />

Baska Voda<br />

Krvavica


Zeit für Tokio<br />

UHR-IKONE. Omega, der offizielle Zeitnehmer<br />

der Olympischen Spiele 2020 in Tokio, die voraussichtlich<br />

<strong>2021</strong> stattfinden werden, hat mit der<br />

Seamaster Diver 300M Tokyo 2020 eine Uhr präsentiert,<br />

deren Farbkonzept vom Emblem eben<br />

dieser Veranstaltung inspiriert worden ist. Das<br />

42-mm-Gehäuse ist aus<br />

Edelstahl gefertigt<br />

Wasserdicht bis<br />

in 300 Meter Tiefe.<br />

und verfügt über einen<br />

Lünetten-Ring<br />

aus blauer Keramik<br />

und eine Taucher-<br />

Skala aus weißem<br />

Email. UVP:<br />

€ 5.500,–.<br />

è www.omegawatches.com<br />

Schnell.<br />

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Wirksam.<br />

„ Das Meer ist der letzte<br />

freie Ort auf der Welt.“<br />

Ernest Hemingway (1899–1961), US-Reporter, Schriftsteller<br />

Markensammler<br />

HÄNDLER. Mit den Motorkatamaranen von Fountaine<br />

Pajot und den Motorbooten von De Antonio<br />

Yachts hat Baotic Yachting zwei neue Marken<br />

im Portfolio. Als offizieller Vertragshändler werden<br />

die französischen Katamarane in Kroatien,<br />

Slowenien, Bosnien und Herzegowina und zwei<br />

deutschen Bundesländern vertrieben; De Antonio<br />

Yachts wird in Österreich, Deutschland, Kroatien<br />

und Slowenien vertreten. Dank der eigenen Marina<br />

Baotić in Seget Donji bei Trogir kann man<br />

s ogar einen besonderen Service anbieten: Eine<br />

Fountaine Pajot MY6 und eine De Antonio D42<br />

Open stehen ebendort für Testfahrten bereit.<br />

è www.baotic-yachting.com<br />

Fountaine Pajot MY4.S, jetzt bei Baotić.<br />

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PANORAMA<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

Versichern vereinfacht<br />

CHARTER-VERSICHERUNG. Nette<br />

Details hält die Hamburger Yacht-<br />

Versicherung Schomacker in seinen<br />

neuen Charter-Versicherungen parat.<br />

So gibt es nun eine Skipper-Haftpflicht-Versicherung<br />

für Kurztörns –<br />

der 3-Tage-Tarif wird je nach gewünschter<br />

Versicherungssumme<br />

schon ab 49,50 Euro angeboten.<br />

Ganz einfach abzuschließen sind<br />

Kautionsversicherungen. Kautionen<br />

bis 8.000 Euro lassen sich online ab ­<br />

sichern, auf Anfrage auch bis zu<br />

10.000 Euro. Auf Wunsch kann sogar<br />

das Regattarisiko eingeschlossen werden.<br />

Auch eine Reiserücktritts kosten-<br />

Versicherung lässt sich bis zu einer<br />

Höhe von 10.000 Euro einfach online<br />

abschließen und muss mit<br />

der Buchung des Törns<br />

bzw. maximal 14 Tage danach<br />

abgeschlossen werden.<br />

Die Reiserücktrittskosten-Versicherung<br />

zahlt<br />

den Ausfall des gesamten<br />

Charters, wenn der Skipper<br />

oder seine engsten Angehörigen<br />

erkranken oder<br />

verstorben sind, bei Arbeitslosigkeit<br />

oder bei An­<br />

Regattarisiko? Kann man auch absichern.<br />

tritt eines neues Jobs. Aus aktuellen<br />

Gründen interessant: Mitversichert ist<br />

auch ausdrücklich eine Erkrankung<br />

an Covid-19, nicht jedoch der Gang<br />

in Quarantäne ohne Erkrankung.<br />

è www.schomacker.de<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Öko-Olympia<br />

Die auf der Isle of Man beheimatete<br />

Werft The Ultimate Boat<br />

Company (UBC) hat mit der<br />

Olympia 32 eine vollständig<br />

recycelbare Rennyacht vorgestellt,<br />

die ein Kandidat für die<br />

noch diskutierte Mixed Offshore<br />

Disziplin der Olympischen Spiele<br />

2024 in Paris sein soll. Basis des<br />

nachhaltigen Projekts ist der<br />

firmeneigene Verbundwerkstoff<br />

DANU, der aus recyclingfähigem<br />

Harz und einer Naturfaser besteht,<br />

über die sich UBC aus patentrechtlichen<br />

Gründen noch<br />

nicht öffentlich geäußert hat.<br />

UBC hat schon eine Reihe von<br />

aus DANU hergestellten Motorbooten<br />

im Programm und arbeitet<br />

nicht nur an der olympischen<br />

Rennyacht, sondern auch an einem<br />

neuen 10-Meter- Segelkat.<br />

è www.ultimate-boats.com<br />

Aller guten Dinge sind vier<br />

WELTUMSEGLUNG. Norbert Sedlacek<br />

will es mit seinem Ant ArCtic<br />

Lab-Projekt ein viertes Mal probieren.<br />

Nach technischen Schwierigkeiten<br />

in den Jahren 2018 und 2019 und<br />

nachdem die Nordwestpassage letztes<br />

Jahr von der kanadischen Regierung<br />

wegen der Corona-Pandemie für<br />

Durchfahrten gesperrt worden war<br />

(und er sich außerdem einer Krebsoperation<br />

unterziehen musste), plant<br />

der Wiener Weltumsegler (2006–<br />

2008) und Vendée Globe­ Finisher<br />

(2008/2009) mit seiner Innovation<br />

Yachts Mitte August seine spektakuläre<br />

Weltumseglung zu starten.<br />

Zur Erinnerung: Sedlacek möchte<br />

mit seiner modifizierten Open 60<br />

die Arktis und Antarktis einhand<br />

und nonstop umsegeln und dabei<br />

neue Materialien testen. Rumpf und<br />

Deck des Seglers sind aus Vulkan ­<br />

faser, einem Kern aus Balsakopfholz<br />

und einem biologisch abbaubaren<br />

Epoxidharz gefertigt und sollen sich<br />

komplett recyceln lassen. Die Nordwestpassage<br />

ist freilich immer noch<br />

geschlossen, deshalb musste Sedlacek<br />

seine ursprüngliche Route ändern.<br />

Der neue Plan sieht so aus: Start<br />

am 15. August in Les Sables-d‘Olonne<br />

und Umrundung von Spitzbergen auf<br />

ca. 80° N, dann den Atlantik hinunter<br />

in das Südpolarmeer, von dort ostwärts<br />

um den Globus bis Kap Hoorn<br />

und dann zurück nach Les Sablesd‘Olonne.<br />

Gesamtdistanz: mind.<br />

32.000 Seemeilen. Und der Rekordversuch<br />

durch die Nordwestpassage?<br />

Will Sedlacek später versuchen,<br />

wenn Covid unter Kontrolle ist<br />

und die Kanadier die Route<br />

wieder geöffnet haben.<br />

è www.ant-arctic-lab.com<br />

Norbert Sedlacek will mit seiner<br />

Open60AAL einmal um die ganze Welt.<br />

14 4/<strong>2021</strong>


Blaues Wunder<br />

Nerea NY 24 „Bit of Blue“.<br />

LUXUSTENDER. Auf dem Anfang<br />

Juni abgehaltenen Salone Nautico<br />

Venezia hat Nerea eine „Bit of<br />

Blue“-Sonderedition seiner NY 24<br />

vorgestellt. Der Name ist Programm:<br />

Der luxuriöse Daycruiser schimmert<br />

in diversen Blau-Schattierungen,<br />

die besonders fein zum Farbton des<br />

Teakholzes passen, mit dem die<br />

Lauf stege verkleidet sind. Für die<br />

Kabine der Sonderedition wurde<br />

ein neuer Materialmix aus Leder<br />

und Oltremateria gewählt. Letzteres<br />

ist ein Beschichtungsmaterial auf Ölbasis,<br />

das aber recycelbar sein soll.<br />

è www.nereayacht.com<br />

Zweite Haut<br />

NEOPREN-TOP. Der australische Wassersport-Spezialist<br />

Zhik rühmt sich, mit dem<br />

Z-Skin-Top einen der dünnsten Neopren-<br />

Oberteile entwickelt zu haben. Das Top besteht<br />

aus einem 0,8 mm dünnen Neopren<br />

für den Oberkörperbereich und atmungsaktivem<br />

sowie wasserabweisendem 4-Wege-Stretch-Gewebe<br />

in den Schultern und<br />

Ärmeln mit hochelastischen Flatlock-Nähten.<br />

Die Kombination ermöglicht ein hohes<br />

Maß an Beweglichkeit und bietet UPF 50+<br />

Sonnenschutz. Das Top kann mit einem<br />

Neoprenanzug, Leggings oder Boardshorts<br />

kombiniert werden. Erhältlich in schwarz,<br />

Männergrößen M–XXL, UVP: € 169,95.<br />

è www.zhik.com<br />

è www.frisch.de<br />

Schatzi-Suche für Betuchte<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

DATING-WEBSITE. Die teuerste Dating-Website<br />

der Welt hat den maritimen<br />

Markt entdeckt: Lusso Dating<br />

möchte Yachteignern, Kapitänen und<br />

vermögenden Skippern passende<br />

Partner für gehobene Aktivitäten vermitteln.<br />

Die Fotos und Kommuni kation<br />

sind nur für VIP-Mitglieder freigeschaltet,<br />

wobei die VIP-Plätze pro<br />

Land/Geschlecht limitiert sind und<br />

bis zu 1.000 USD pro Monat kosten.<br />

è www.lusso.dating<br />

Ihr Charter<br />

Spezialist<br />

15x Kroatien<br />

2x Türkei<br />

4x Griechenland<br />

Slowenien<br />

NEU: Italien<br />

Niederlande<br />

Karibik<br />

Charter-Weltweit<br />

Ab in den Segelurlaub!<br />

Sommer, Sonne, Meer ...


Ocean Woman<br />

Kochen für Kinder<br />

bei Sturm<br />

Heute<br />

sag ich jaja, man wächst hinein in das Blauwassersegeln,<br />

wird abgehärtet, tapfer, cooler. Keine Rede davon bei unserem<br />

ersten Sturm im Atlantik auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln.<br />

Starkwind“ meinte mein Skipper.<br />

OMG! Das war immerhin<br />

der große Atlantik, die<br />

Wellen waren riesig, die Wolken<br />

grau und dick und unheimlich.<br />

Zuvor im Internetcafe war keine<br />

Rede davon. Ach, dieses Wetter!<br />

„Hunger!“ Das war Finn. Dem<br />

war es egal, was da draußen passierte.<br />

Egal, welche Wellen, egal, welches<br />

Tiefdruckgebiet, egal, welche Störungen<br />

derselben. Mist. Seekrank<br />

wird bei uns keiner. Das ist ein Vorteil,<br />

kenne ich doch genug Crews,<br />

die zu diesem fortgeschrittenen<br />

Gewackel im Gleichton reierten.<br />

„Hunger!“ Ok. Es war ja schon<br />

der zweite Sturmtag. Am ersten hatte<br />

ich vorgesorgt. Krautfleckerl noch<br />

im Hafen gemacht. Und Chips mit<br />

Dips und Brot gebacken. Am zweiten<br />

Tag stand der Gusto an Bord<br />

nach etwas anderem. Pasta. Basta.<br />

Es gab wieder was mit Nudeln. Ich<br />

klemmte mich in die Kombüse der<br />

Risho Maru. Erhöhte Schiffsbewegungen.<br />

Heißt, das Schiff bewegt<br />

sich vorwärts, was gut ist, aber eben<br />

durch die Wellen auch seitwärts und<br />

auf und ab. Der Deckel des Spaghetti ­<br />

topfs knallte auf meinen Zeh. Aua!<br />

Egal. Auf den Monoyachten muss es<br />

ALEXANDRA SCHÖLER<br />

ist Weltumseglerin,<br />

Sängerin, Regisseurin,<br />

Buchautorin und seit<br />

2010 Ocean Woman.<br />

kolumne@<strong>ocean7</strong>.at<br />

FOTO: STEFAN HARING<br />

noch schlimmer sein, weil Schräglage.<br />

Aber ich denke, im Grunde ist es<br />

auf jedem Schiff bei solch einem<br />

Wetter grenzwertig. Außer vielleicht<br />

auf einer Fähre oder einem Kreuzer.<br />

Aber da war ich nicht. Leider. Zwiebel<br />

schneiden. Gut, dass unsere<br />

Kombüse klein ist. Ich klemmte<br />

mich zwischen Niedergangsleiter<br />

und Küchenbankerl, drückte Halt<br />

suchend die Zwiebel aufs rutschende<br />

Brett und schnipselte.<br />

Viel Olivenöl in den Topf. Was<br />

noch? Vor mir Kapern. Rein damit,<br />

Oliven ohne Kerne, rein damit, eine<br />

salzige Sardelle, rein damit. Und<br />

Knoblauch, wenn ich es bis zu ihm<br />

schaffe. Bumm! Kopf angehauen am<br />

Querbalken. Gut, die Küchenorganisation<br />

war damals noch bescheiden.<br />

Würde mich da in den folgenden<br />

Segeljahren sehr verbessern.<br />

Eine Knoblauchzehe landete im<br />

Topf, der Rest hinter dem Ofen.<br />

Mach ich später sauber, heißt in<br />

Lanzarote – sollten wir da je ankommen<br />

– heißt in vier Tagen. Da<br />

könnte ich den Knoblauch wahrscheinlich<br />

getrocknet verwenden.<br />

Platsch! Wasserspritzer von oben.<br />

Blöde Welle. Boden feucht. Mist.<br />

Wo sind die Bodenfetzen? Irgendwann,<br />

viel später, würde ich dann<br />

Zeitungspapier auf den Boden legen,<br />

das saugt super und man entsorgt<br />

es schnell und es stinkt nicht<br />

wie ein alter Hund. Aber das würde<br />

erst in Tonga sein, zwei Jahre später.<br />

Ja, Seefrau werden ist nicht schwer,<br />

aber sein dagegen sehr ...<br />

4,5 JAHRE URLAUB?!<br />

Chili. Rein in die Pfanne und dann<br />

eine Dose Tomaten aus der nassen<br />

Bilge. In Neuseeland werde ich so<br />

weit gereift sein, dass für die jeweilig<br />

berechnete Überfahrtszeit alles<br />

handlich bereitsteht, mit Speiseplan,<br />

aber im Augenblick suchte ich den<br />

Dosenöffner. Hatte die billigen Tomatendosen<br />

ohne integrierte Öffnungsschlaufe<br />

gekauft. Schöner<br />

Mist bei 25 Knoten Wind. Wo war<br />

die Stauliste, um dieses Manko zu<br />

vermerken? Ach, pfeif drauf.<br />

„Hunger!“ Finn muss ein Affront<br />

für seekranke Menschen sein, kopfüber<br />

hing er in seiner Koje und las<br />

Asterix!<br />

So, Nudeln rein, kochen, kochen.<br />

Kosten, kochen. Passt. Jetzt das<br />

Meisterstück: heißes Wasser abseihen,<br />

die Schiffsbewegungen berücksichtigend.<br />

Dabei immer be­<br />

Sohn Finn, das hungrige<br />

Seemonster an Bord.<br />

Palatschinken à la Risho Maru<br />

Zutaten: 150 g Mehl, 2 Eier, 250 ml Milch, 125 ml Wasser.<br />

Zubereitung: Alle Zutaten mit dem Schneebesen glattrühren, in einer Pfanne mit etwas Öl von beiden<br />

Seiten goldgelb ausbacken. Füllung: Schokocreme à la Nuetella gibt es von Kroatien bis Papete …<br />

Tipps: Eier: Einzeln aufschlagen – ich habe oft Eier auf Inseln<br />

in kleinen Supermärkten oder von Einheimischen direkt<br />

gekauft. Die Frische lässt sich da oft nicht nachvoll ­<br />

ziehen und ein stinkendes Ei an Bord ist wirklich<br />

grauenhaft und verdirbt das ganze Gericht sofort!<br />

Milchpulver: Das beste Milchpulver habe ich in<br />

Neuseeland gekauft. Lange bin ich mit Haltbarmilchtetrapacks<br />

ge segelt, aber Milchpulver ist leichter zu<br />

stauen und kann sparsamer verwendet werden.<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

16 4/<strong>2021</strong>


kleidet sein. Damals auf<br />

dem Atlantik sowieso, es war<br />

saukalt. Aber in den Tropen<br />

würde ich schon mal im Bikini<br />

dastehen und das könnte<br />

böse enden. Ok, Nudeln fertig,<br />

Tomatensoße dazu, Parmesan<br />

drüber, Blechteller, Gabel.<br />

Essen fertig! Die Männer<br />

futterten. Ich war total erledigt.<br />

Seekrank war ich nicht,<br />

aber hungrig auch nicht mehr.<br />

Ich würde dann später während<br />

der Nacht wache meine<br />

Portion essen.<br />

Fünf Jahre später fragte mich<br />

bei einer unserer Multivisionsshows<br />

eine pikierte Dame, wie<br />

es denn so sei, viereinhalb Jahre<br />

Urlaub zu machen. Urlaub!<br />

Ich geh dann mal Abwaschen.<br />

Muss sein, lieber gleich, weil<br />

sonst das Chaos morgen noch<br />

schlimmer ist. Außerdem hab<br />

ich nur zwei Töpfe, mehr passen<br />

nicht in die Küche.<br />

Und warum diese traditionelle<br />

Rollenverteilung an Bord?<br />

Kann nicht Peter kochen oder<br />

abwaschen? Der navigiert. Und<br />

da wird mir richtig schlecht.<br />

Da koch ich lieber. Peter liest<br />

und empfängt die Wetterfaxe,<br />

wartet, starrt, versucht, sich zu<br />

konzentrieren und auch sein<br />

Appetit hält sich in Grenzen.<br />

Aber wie immer lobte er die<br />

Küche!<br />

Nur Finn aß immer begeistert.<br />

Wollte noch eine Portion.<br />

Fiel dann wieder in seine Koje<br />

und verlangte Nachspeise. Ich<br />

schmiss ihm einen Schokoriegel<br />

auf den Kopf. So, die Küche<br />

ist geschlossen, Seemonster!<br />

Da Sturmspaghetti in Wirklichkeit<br />

einfach aus dem gemacht<br />

werden, was gerade in<br />

der Kombüse herumliegt, gibt<br />

es dazu kein Rezept, aber dafür<br />

ein „all time favorite“ für<br />

hungrige SeglerInnen von<br />

1–99: Nutella-Palatschinken!<br />

Gib Gummi!<br />

PANORAMA<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

Urlaub auf Holz<br />

SPEED-RIB. Die Pirelli 35 entstand in<br />

Zusammenarbeit des italienischen Luxus­<br />

RIB-Spezialisten TecnoRib mit dem<br />

schwedischen Mannerfelt Designstudio.<br />

Der Reifenmulti selbst spendet nur den<br />

Markennamen, dürfte aber mit dem Ergebnis<br />

der Kooperation – wie schon bei<br />

der Pirelli 42 – zufrieden sein.<br />

Das 11-Meter-Walkaround-Boot besitzt<br />

einen zweistufigen Rumpf, der für Stabilität,<br />

Sicherheit und ordentlich Leistung<br />

sorgt – TecnoRib verspricht eine Höchstgeschwindigkeit<br />

von über 50 Knoten. Die<br />

Pirelli 35 ist sowohl mit Außenborder als<br />

Viel Holz, viel Platz, viele Ziele:<br />

Urlaub auf einer klassischen Gulet.<br />

GULET-TÖRN. Jeder Türkei-Urlauber<br />

kennt sie: Gulets, jene zwei- oder dreimastigen<br />

Segelyachten, die klassischerweise<br />

aus Holz gebaut werden. Auch wenn<br />

diese Schiffe von außen traditionell aussehen,<br />

verbirgt sich im Inneren zeitgemäßer<br />

Komfort: geräumige Kabinen, gut ausgestattete<br />

Kochecken und moderne Bäder.<br />

Hot-Spot der Gulets ist die südwestliche<br />

türkische Küste, Globesailor vermittelt<br />

die Holzschiffe aber auch in Griechenland,<br />

Kroatien und Italien. Ein Gulet zu mieten<br />

ist eine gute Wahl für größere Gruppen<br />

wegen des großen, luxuriösen Platzangebots<br />

sowohl auf als auch unter Deck. Zudem<br />

besitzt die Crew immer einen Koch.<br />

Die Preise richten sich natürlich nach<br />

der Saison und nach der Größe der Segelschiffe,<br />

ab Trogir z. B. ist eine Gulet für<br />

zehn Personen für eine Woche Mitte<br />

September schon ab € 6.460,– zu buchen.<br />

è www.globesailor.de<br />

auch mit Z-Antrieb erhältlich und kann<br />

mit Motoren von 600 bis 700 PS ausgerüstet<br />

werden.<br />

è www.tecnorib.it<br />

den<br />

Wörthersee mit dem boot erleben<br />

bootsvermietung<br />

segelschule<br />

Werzer’s Segelschule · Pörtschach<br />

F. A. Kuzmanic · Tel. +43 664 1550661


Marine Fashion<br />

Des Meeres li<br />

18 4/<strong>2021</strong>


ebste Kleider<br />

Bekleidung für den Yachtsport wird immer funktioneller –<br />

und natürlich will man darin auch eine gute Figur machen.<br />

Mit seiner neuen Mode-Marke 4SEA hat sich Christian<br />

Kilger ein noch viel höheres Ziel gesetzt: Der passionierte<br />

Segler will mit ihr auch die Ozeane in Schutz nehmen.<br />

Wie, erläutert er im Interview.<br />

Text STEFAN DETJEN | Fotos 4SEA/DANIELE BARACCO<br />

Dress Pope, € 89,–.


Marine Fashion<br />

Jacket Pope, € 229,–.<br />

Für was steht 4SEA?<br />

4SEA macht innovative Segelbekleidung.<br />

Wir sind anders, denn<br />

wir erfüllen Ansprüche, die bisher<br />

vernachlässigt wurden: Mode und<br />

innovative Nachhaltigkeit, soweit<br />

es derzeit für uns als kleines Unternehmen<br />

möglich ist.<br />

Warum ist das so schwierig?<br />

Einfache Gegenfrage: Sehen Sie<br />

selbst nach, wie und woraus Ihr<br />

Sporthemd gemacht wurde? Der<br />

Kunde muss besser aufgeklärt werden.<br />

Bekleidung belastet die Meere.<br />

Die typische Segelmode ist Gift für<br />

die Ozeane, mehr noch als gewöhnliche<br />

Mode. Bei der Herstellung<br />

werden Polyester oder Polyamid<br />

(Nylon) als Grundstoffe der meisten<br />

Marine-Fashion-Teile verwendet.<br />

Das sind Chemikalien, die aus Erdöl<br />

hergestellt werden. Einmal ins<br />

Meer eingetragen, verrotten die<br />

Grundstoffe quasi nie.<br />

Allein das Waschen unserer alltäglichen<br />

Wäsche setzt pro Jahr<br />

500.000 Tonnen Mikrofasern ins<br />

Meer frei, das sind 50 Milliarden<br />

Plastikflaschen! 50 Prozent des Mikroplastiks<br />

im Meer stammen von<br />

Textilien. Zudem gibt es Entwicklungen<br />

wie „Fast Fashion“ – da ist<br />

billig und austauschbar gefragt.<br />

Die Belastungsfaktoren auf unsere<br />

Meere sind gewaltig, wachsende<br />

Bevölkerung, Fast Fashion, hoher<br />

Wasserverbrauch, CO 2 -Emissionen,<br />

Chemikalien, Mikroplastik.<br />

Firmen prahlen damit, wie wasserdicht<br />

ihre Jacken sind. Wassersäule<br />

nennt man dieses Maß. Man<br />

nimmt dabei perfluorierte und polyfluorierte<br />

Chemikalien (PFC). Das<br />

ist toxisch. Paraffine, Silikone, Polyurethane<br />

oder Dendrimeren werden<br />

auch verwendet. Wer eine Yacht hat,<br />

will auch technisch anspruchsvolle<br />

Textilien.<br />

Die Bekleidung muss heute verschiedene<br />

Wünsche erfüllen, sie<br />

muss schnell trocknen, wasserdicht<br />

oder wasserabweisend sein, warmhalten,<br />

4-Wege-Stretch haben und<br />

20 4/<strong>2021</strong>


4SEA Ashirt Short Sleeve Sea Spirit,<br />

€ 89,–; Bermuda Porto Cervo, € 129,–.<br />

Sie: Tank Amaru, € 79,–, Legging<br />

Amaru, € 89,–. Er: Ashirt 4SEA,<br />

€ 69,–, Bermuda Porto Cervo, € 129,–.<br />

Tank Amaru, € 79,–,<br />

Shorts Marinella, € 129,–.<br />

supercool aussehen. Wir entwickeln<br />

daher derzeit wasserdichte Segelbekleidung,<br />

die sowohl aus recycelten<br />

Materialien besteht als auch mit einer<br />

biologisch verträglichen Substanz<br />

wasserdicht gemacht wird.<br />

Nach dem Gebrauch können diese<br />

Bekleidungsstücke aber nicht einfach<br />

in den Müll. Sie verrotten<br />

nicht. Das gilt auch für die meisten<br />

modernen Tennishemden – leider.<br />

Ich bin Segler, aber auch Genetiker<br />

und als solcher Naturwissenschaftler.<br />

Das Problem interessierte<br />

mich. Es ist ein scheinbares Conundrum<br />

– sustainable or technical –<br />

beautiful or bio? Ich glaube, wir<br />

müssen versuchen, all das zu erzielen.<br />

Unser Planet ist in Gefahr,<br />

Wegschauen ist keine Option.<br />

4SEA ist „Fashion on a Mission“.<br />

Welche Herausforderungen kommen<br />

„ Unser Planet ist in Gefahr,<br />

Wegschauen ist keine Option.“<br />

bei der Herstellung auf Sie zu?<br />

Die Anforderungen sind unterschiedlich.<br />

Ein Kunde hat eine 40­<br />

Meter-Yacht, ein anderer segelt eine<br />

49er. Für die Olympiasegler Ubert<br />

Marine Mode,<br />

neu und nach haltig<br />

interpretiert<br />

Der Gründer von 4SEA, Christian<br />

Kilger, wurde in den USA geboren<br />

und wuchs sowohl in Deutschland<br />

als auch in den USA auf. Er arbeitet<br />

heute als Patentanwalt und ist mit<br />

Kanzleien in Deutschland und Argentinien<br />

vertreten. Der leidenschaftliche Segler kreuzt<br />

mit seiner Solaris-Yacht Tango am liebsten zwischen<br />

Korsika und Sardinien.<br />

Mit seinem Label 4SEA trifft er den Zeitgeist, die großen<br />

Marken schielen bereits auf seine Anfangserfolge. Mit<br />

dem Yacht Club de Monaco hat er bereits strategische<br />

Partnerschaften etabliert.<br />

è www.chkilger.com<br />

CHRISTIAN KILGER<br />

4SEA Founder<br />

4/<strong>2021</strong> 21


Marine Fashion<br />

„The sea in mind.“<br />

Er: T-Shirt Porto Cervo, € 59,–,<br />

Bermuda Porto Cervo, € 129,–.<br />

Sie: Dress Pope, € 89,–.<br />

Crivelli und Leonardo Chistè<br />

habe wir Rashguards entwickelt,<br />

die UV-50-Sonnenschutz haben,<br />

aber aus recycelten Fischernetzen<br />

stammen. Diese beiden Seglertypen<br />

wollen jedoch unterschiedliche<br />

Produkte. Die Herausforderungen<br />

sind deshalb immens. Wer 49er<br />

segelt, braucht einen Neoprenanzug.<br />

Das ist kein sonderlich naturver ­<br />

trägliches Zeug. Aber auch dafür<br />

gibt es Lösungen.<br />

Derzeit sind wir noch viel zu klein<br />

für diese Produktsparte. Im kommenden<br />

Jahr werden wir Offshore-<br />

Jacken präsentieren. Das ist eine<br />

große Investition, das Sourcing<br />

ist immens schwierig für einen<br />

kleinen Betrieb.<br />

Gerne würden wir mehr reine<br />

Naturprodukte anbieten, wir haben<br />

ganz spannende Produkte in der<br />

Entwicklung. Ich frage mich oft,<br />

wieviele Yachtbesitzer Jacken brauchen,<br />

mit den man die Vendée Globe<br />

im Südatlantik bestreiten könnte.<br />

Für 4SEA kommen ausschließlich<br />

hochwertige und nachhaltige Materialien<br />

wie beispielsweise Econyl® –<br />

Recyclate aus alten Fischernetzen<br />

und Plastikflaschen – in Frage.<br />

Das Langfristziel wären biologisch<br />

abbaubare Materialien, die ihren<br />

Ursprung nicht im Erdöl haben.<br />

Als Patentanwalt habe ich viele<br />

Erfindungen mit Lactat als Ersatz<br />

für Plastik betreut. Die Bakterien<br />

wachsen in großen Fermentern<br />

und stellen das Lactat, also den<br />

Rohstoff für die Einkaufstüte, her.<br />

Prinzipiell kommt das auch bei<br />

Textilien irgendwann.<br />

Fällt die Ästhetik bei<br />

Sustainable nicht hinten runter?<br />

Ja, das ist eine gute Frage. Zara produziert<br />

im Jahr 24 unterschiedliche<br />

Kollektionen, habe ich gelesen. Wir<br />

sourcen und produzieren in Europa,<br />

Slow Fashion sozusagen. Für jedes<br />

einzelne Produkt suchen wir eine<br />

22 4/<strong>2021</strong>


nachhaltige Lösung. Das heißt,<br />

dass wir manchmal eben nicht<br />

zehn Farben anbieten können.<br />

In der Marine Fashion ist wenig<br />

passiert in den letzten 20 Jahren,<br />

wir müssen aber endlich weg von<br />

den hässlichen Plastikjacken.<br />

Unsere nachhaltige Damenkollektion<br />

ist in der Mode zuhause:<br />

feminine Tank-Tops und Leggings<br />

in seidenweichen Materialien mit<br />

schmeichelnden, figurbetonten Silhouetten<br />

– Luxus, den man fühlt<br />

und sieht, immer und überall, wo<br />

Frau sich am und auf dem Meer bewegt.<br />

Bei 4SEA haben wir uns Gedanken<br />

gemacht, wie wir besonders<br />

für Frauen schöne Marine Fashion<br />

machen können. Innovation ist das<br />

Stichwort.<br />

Wie setzen Sie Innovation ein?<br />

Für Farbvariation entwickeln wir<br />

gezielt Materialkombinationen, die<br />

bis dato keiner so genutzt hat. Unsere<br />

4SEA-Jacken „La Maddalena“<br />

und bei den Damen „Pope“ sind in<br />

Farben wie Türkisblau, Mintgrün<br />

oder Orange zu haben. Sowohl der<br />

Innen- als auch der Außenstoff sind<br />

aus recycelten Fischernetzen. Unsere<br />

Fabrik verbindet diese Materialien<br />

dann thermisch. Auf diese Weise<br />

kombinieren wir Design mit Nachhaltigkeit.<br />

Das steckt viel mühsame<br />

Entwicklungsarbeit darin.<br />

Als Patentanwalt habe ich ja<br />

täglich mit Erfindungen zu tun.<br />

Es passiert in der Textilindustrie<br />

zu wenig. Das mag aber auch am<br />

Kunden liegen. Kleidung sollte ein<br />

geschätztes Luxusprodukt sein.<br />

Mir scheint, zu oft geht es nur um<br />

günstig. Was ich am Körper trage,<br />

sollte mir aber wichtig sein. Als<br />

Yachtie sollte ich auch das Meer<br />

am Herzen tragen.<br />

Welche Player spielen<br />

denn hier eine Rolle?<br />

Die Wertschöpfungskette ist lang.<br />

Da sind die Hersteller der Rohware,<br />

der Garne, die Hersteller der Stoffe<br />

und die Hersteller der eigentlichen<br />

Bekleidung – wie 4SEA. Alles aber<br />

3 Fragen an Guillermo Parada<br />

Azzurra TP52-Skipper und Markenbotschafter von 4SEA.<br />

Warum engagieren Sie sich für 4SEA?<br />

Die Modeindustrie trägt wesentlich<br />

zur Plastikverschmutzung der<br />

Meere bei. Natürlich ist Segelbekleidung<br />

nur ein kleiner Teil des<br />

Pro blems, aber hier können wir<br />

als Profi-Segler ein Statement machen:<br />

„Setzt ein Zeichen und kauft<br />

nachhaltige Segelbekleidung.“ In<br />

unserem kommenden Club Swan<br />

50 Team Tango, welches durch<br />

4SEA gesponsert wird, peilen wir<br />

mit Unterstützung von 4SEA an,<br />

nur nachhaltige Segelbekleidung<br />

einzusetzen. Unsere Rash Guards<br />

bestehen aus Materialien, die von<br />

alten recycelten Fischernetzen<br />

stammen, ebenso unsere Shorts.<br />

beginnt am Anfang. Rohware und<br />

Garne spielen die größte Rolle. Sowohl<br />

was die Chancen, als auch die Risken<br />

anbelangt.<br />

Firmen wie Aquafil in Italien haben<br />

Technologien entwickelt, mit denen<br />

es möglich ist, aus Fischernetzen und<br />

Plastikmüll Garne herzustellen, da<br />

macht Giulio Bonazzi, der Präsident<br />

von Aquafil, eine tolle Arbeit. Dazu<br />

gehört Risikobereitschaft und eine<br />

Vision.<br />

Jedes Glied in der Kette braucht<br />

aber einen Ansporn, „sustainable“<br />

zu werden. Der Kunde muss diese<br />

Produkte einfordern. Die Eigner großer<br />

Yachten sind wichtig. Einige melden<br />

sich bei uns wollen für Ihre Crew<br />

nachhaltige Bekleidung. Yachtbauer<br />

kommen nun auch schon auf uns zu<br />

im Dienste ihrer Kunden.<br />

Leistungssportler wie die in der Vendée<br />

Globe haben eine Vorbildfunktion,<br />

wenn es z. B. um Plastik im Meer geht.<br />

Wir haben bei der diesjährigen Vendée<br />

Globe Didac Costa unterstützt, um auf<br />

das Thema aufmerksam zu machen.<br />

Yachtclubs sind auch wichtig. Der<br />

Yachtclub Costa Smeralda hat mit der<br />

Klappt das auch offshore?<br />

Wir werden die neuen offshore-<br />

Jacken von 4SEA im Herbst<br />

testen. Da kommen spannende<br />

nachhaltige Produkte. Es geht ja<br />

nicht nur um die Kombination<br />

aus Außenhaut und Futter, es<br />

geht auch um die Wahl der<br />

Beschichtungen.<br />

Was sind Ihre Pläne jetzt, wo<br />

die Azzurra-Ära zu Ende ist?<br />

Mein Plan ist es, weiter auf höchstem<br />

Niveau zu segeln, und da<br />

freue ich mich auf das kommende<br />

Club Swan 50 Team Tango ebenso<br />

wie auf die J70-Saison. Ich bin ja<br />

auch offen für alles Neue.<br />

„One Ocean Foundation“ eine Orga nisation<br />

gegründet, die gegen die Verschmutzung<br />

der Meere kämpft. Sie<br />

haben sich auch die Probleme in der<br />

Textilindustrie angesehen und kürzlich<br />

den „Business for ocean sustainability<br />

focus – fashion industry“ publiziert.<br />

Das sind wichtige Beiträge.<br />

Wie geht es nach der<br />

ersten Kollektion weiter?<br />

In diesem Jahr haben wir in Porto<br />

Rotondo auf Sardinien unseren ersten<br />

Laden eröffnet. Wir sind stolz darauf,<br />

dass sich einige sehr pres tigeträchtige<br />

Yachtclubs für 4SEA entschieden haben.<br />

Das ermöglicht uns, in diesen<br />

Partnerschaften über neue Produkte<br />

nachzudenken. Unsere Offshore-Kollektion<br />

kommt nächstes Jahr auf den<br />

Markt – da haben wir noch viel vor.<br />

Warum 4SEA?<br />

Damit definieren wir eine völlig neue<br />

Form von Marine Fashion: fürs Auge,<br />

für die Seele, fürs gute Gefühl, für die<br />

Zufriedenheit auf allen Ebenen – „the<br />

sea in mind“ sagen wir.<br />

è www.4sea.com<br />

GUILLERMO PARADA<br />

ist Argentinier und Sieger<br />

der Coppa del Rey<br />

(2007, 2009 und 2010)<br />

sowie Weltmeister<br />

und Gewinner der TP52<br />

Superseries (2012, 2015<br />

und 2019). Er hat auch<br />

an den Olympischen<br />

Spielen 1988 teilgenommen<br />

(470) und war insgesamt<br />

zehn Jahre lang<br />

Azzurra TP52-Skipper.<br />

4/<strong>2021</strong> 23


Sportswear<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Fuß fassen<br />

Von ausgesprochen klassisch bis überaus<br />

sportlich: Dubarry weiß seit über 80 Jahren,<br />

was des Seglers Füße schmeichelt.<br />

Text WOLFGANG GEMÜND<br />

Dubarry klingt irgendwie nach<br />

altenglischem Landadel – damit<br />

ist man aber auf der ganz<br />

falschen Fährte! Gegründet wurde<br />

das Unternehmen nämlich 1937 an<br />

der irischen Westküste als Kooperative,<br />

die den Menschen in der Region<br />

Arbeit geben sollte. Es kommt<br />

aus englischer Sicht noch schlimmer:<br />

Benannt hat man die Marke,<br />

um ihr einen europäischen Klang<br />

zu verleihen, nach Madame du Barry,<br />

der berühmten Mätresse des<br />

verlost unter allen Teilnehmern zwei Paar<br />

Dubarry-Schuhe – 1 x Modell Palma und 1 x Modell<br />

Dungarvan. Einfach eine E-Mail mit Betreffzeile „Palma“<br />

oder „Dungarvan“ (je nach Wahl) an gewinnen@<strong>ocean7</strong>.at<br />

senden und mit etwas Glück gewinnen! Das Modell<br />

Palma gibt es für Damen und Herren, das Modell<br />

Dungarvan nur für Herren. Bitte Ihre Wunschfarbe und<br />

-größe in der E-Mail bekanntgeben – Informationen darüber finden<br />

Sie auf der Dubarry-Homepage www.dubarry.com. Teilnahmeschluss<br />

ist der 26. Juli <strong>2021</strong>, die Gewinner werden per E-Mail verständigt.<br />

Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich ein verstanden, den -<br />

News letter (jederzeit kündbar) per E-Mail zu er halten. Ihre Daten werden<br />

in keiner Form an Dritte weiter gegeben. Eine Bar ablöse des Gewinns ist<br />

nicht möglich. Rechtsweg ausgeschlossen.<br />

Must have<br />

Redaktions-<br />

Tipp<br />

französischen Königs Ludwig XV.<br />

Segelschuhe gehörten sehr bald<br />

zur Produktpalette der Iren, später<br />

kamen noch Stiefel für See und Jagd<br />

dazu. Das Motto der Kooperative<br />

hätte lauten können „Wir machen es<br />

ordentlich oder gar nicht“, die Qualität<br />

des Schuhwerks war jedenfalls<br />

von Beginn an legendär.<br />

An die traditionell handgefertigten<br />

Leder-Mokassins der ersten<br />

Jahrzehnte erinnert das aktuelle<br />

Modell Dungarvan. Unter der klassischen<br />

Nubuk-Haut stecken allerdings<br />

einige sehr schlaue Features,<br />

die das Leben an Bord angenehm<br />

machen. So etwa die extrem rutschfeste<br />

und nicht abfärbende Sohle,<br />

eine leichte EVA-Zwischensohle<br />

und ein wasserabweisendes Finish.<br />

Wer einer segelsportlicheren<br />

Optik den Vorzug gibt, halte sich<br />

an das Modell Palma. Das extra<br />

weiche Obermaterial und die<br />

Schnürung sorgen für eine<br />

präzise Passform. Dazu kommen<br />

ein einzigartiges Fußbett,<br />

das sich der Form des<br />

Fußes anpasst, sowie eine<br />

stoßdämpfende EVA-Zwischensohle.<br />

Das Fußbett ist zum<br />

einfachen Waschen herausnehmbar,<br />

das Obermaterial besteht aus<br />

schnelltrocknenden,<br />

atmungsaktiven<br />

und antimikrobiellen<br />

Stoffen.<br />

Die Sohle? „Non<br />

Slip-NonMarking“,<br />

so wie es sich gehört<br />

an Bord.<br />

<br />

è www.dubarry.com/eu/de<br />

24 4/<strong>2021</strong>


ÜBER<br />

JAHRE<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Grandezza<br />

Neu: die Bavaria C38<br />

Ghost in Kroatien<br />

und die Basis an<br />

der Amalfiküste in<br />

Italien.<br />

Bildunterschrift<br />

SERVICE IST TRUMPF. Als Spezialist<br />

im Segelrevier Kroatien (15 Basen) hat<br />

sich Pitter Yachtcharter mit Sitz in Österreich<br />

etabliert. Entsprechend groß, aber<br />

auch hochwertig ist die Flotte. So ist die<br />

nagelneue Bavaria C38 (ausführliche<br />

Modellvorstellung ab Seite 68) zurzeit<br />

nur bei Pitter verfügbar. „Weitere haben<br />

wir bereits für 2022 bestellt, um der<br />

großen Nachfrage gerecht zu werden“,<br />

sagt Klaus Pitter – vielleicht findet eine<br />

davon auch ihren Weg nach Italien,<br />

wo Pitter jetzt neu an der Amalfiküste<br />

mit einer kleinen, aber feinen Charter-<br />

Partner-Basis zu finden ist.<br />

In Summe ist Pitter in sieben Ländern<br />

vertreten, eine enorme Herausforderung<br />

in Zeiten unterschiedlichster Reiserestriktionen.<br />

Im Dienste des Kunden hat<br />

man sich daher auch auf diesem Gebiet<br />

zum Top-Experten-Team gemausert,<br />

das über aktuelle Bestimmungen nicht<br />

nur laufend informiert, sondern im Fall<br />

der Fälle auch schnell und kundenfreundlich<br />

agiert und berät.<br />

è www.pitter-yachting.com<br />

Segelrunde<br />

GEMEINSAME TÖRNS. Der Flottillen-<br />

Spezialist Sunsail hat zwei weitere<br />

Kroatien-Törns und exklusive Genuss-<br />

Reisen in sein Programm aufgenommen.<br />

Neu ist die Brač-Flottille ab<br />

Marina Agana, auf der die Gäste<br />

Kroatien rund um die Insel mit dem<br />

berühmten Strand „Goldenes Horn“<br />

ganz ursprünglich erleben können.<br />

Die beliebte Hvar-Flottille an der<br />

Dalmatinischen Küste folgt einer<br />

neuen Route mit kurzen Inselhops<br />

und Option zum Wracktauchen.<br />

Intensiv mit der kulinarischen<br />

Seite der jeweiligen Destination<br />

setzen sich Sunsails vier Wein- und<br />

Genuss-Flottillen auseinander, beispielsweise<br />

ab Portorosa entlang der sizilianischen<br />

Küste und zu den Äolischen<br />

Inseln. Während der siebentägigen<br />

Segelurlaube für Gourmets liegt der<br />

Fokus auf einheimischer Küche und<br />

regionalen Weinen. Neben Weinver ­<br />

kostungen werden besondere Restaurants<br />

entlang der Route besucht.<br />

Kultur & Mythen<br />

Segeln in Griechenland<br />

Törnvorschlag ab Athen:<br />

Familientörn im<br />

Saronischen Golf<br />

www.argos-yachtcharter.de/s/tva<br />

Urlaubsflotte an der Leine.<br />

+49 (0) 611 - 66 05 1<br />

mail@argos-yachtcharter.de<br />

www.argos-yachtcharter.de


Flottillensegeln<br />

26 4/<strong>2021</strong><br />

Mitte der 1970er-Jahre<br />

starteten die ersten von<br />

Agenturen organisierten<br />

Flottillen-Chartertörns.


Flottillen für<br />

Fortschreitende<br />

Geführte Törns sind der ideale Urlaubsmodus für Skipper mit wenig (Revier-)Kenntnissen oder<br />

Familien mit Kindern. Flottillen können aber auch genutzt werden, um erfahrenen Skippern<br />

Segelspaß in der Gemeinschaft zu bieten. Yachtcharter Müller nennt seine z. B. Explorer-Törns ...<br />

Text WOLFGANG GEMÜND<br />

FOTOS: SHUTTERSTOCK (2), GERNOT WEILER (1)<br />

Die Idee ist so simpel und<br />

gut, dass es nicht lange<br />

brauchte, bis jemand den<br />

entsprechenden Geistesblitz<br />

hatte. Ende der 1960er-Jahre<br />

entwickelte sich der Segelcharter<br />

langsam zum Massenphänomen,<br />

und schon Mitte der 70er-Jahre<br />

starteten die ersten von Agenturen<br />

organisierten Flottillen, um synchron<br />

die Anker zu lichten. Sunsail<br />

zum Beispiel, anfangs nur eine Segelschule<br />

im Saronischen Golf, fing<br />

1975 an, mit kleinen Segelflotten<br />

die griechische Ägäis zu bereisen.<br />

Lieber gemeinsam als einsam zu<br />

segeln erwies sich als so durchschlagender<br />

Erfolg, dass sich aus<br />

der kleinen Segelschule eines der<br />

weltweit größten Charterunternehmen<br />

entwickelte.<br />

Vor allem Segelnovizen sprach<br />

und spricht das Konzept des Flottillensegelns<br />

an. Man segelt auf<br />

der eigenen Charteryacht in einer<br />

Gruppe von – meist sind es zwischen<br />

fünf und 15 – Yachten. Angeführt<br />

wird die Flottille von einer<br />

Begleityacht, die mit einer professionellen<br />

Crew besetzt ist, immer<br />

mit einem revierkundigen Skipper<br />

und einem Mechaniker, meist auch<br />

mit einem Arzt. Großer Vorteil<br />

beim Segel urlaub in einer Flottille:<br />

Es ist für alles gesorgt – reservierte<br />

Anlegeplätze, volle Diesel- und<br />

Wassertanks, organisierte Veranstaltungen,<br />

bis hin zur Auswahl<br />

der schönsten Badebuchten und<br />

einladendsten Strandrestaurants.<br />

Statt sich mit Behördengängen,<br />

Landesgesetzen, Schiffstechnik,<br />

Wind und Wetter oder dem Einkauf<br />

von Proviant zu beschäftigen,<br />

kann man sich auf die schönen<br />

Seiten des Segelns konzentrieren.<br />

Und für viele frischgebackene<br />

Skipper mit noch wenig Erfahrung<br />

sorgt allein die Tatsache, dass ein<br />

erfahrener Skipper immer in der<br />

Nähe ist und bei Bedarf jederzeit<br />

Unterstützung geben kann, für<br />

einen ordentlichen Schub Selbstvertrauen.<br />

DIE ENTENFAMILIE<br />

Neben Segeleinsteigern sind Familien<br />

mit Kindern die größte Klientel<br />

von Flottillenanbietern, finden<br />

die Kids doch beim gemeinsamen<br />

Baden in den Buchten oder Landgängen<br />

auf den anderen Booten<br />

sehr leicht gleichaltrigen Umgang.<br />

Die beiden Zielgruppen haben<br />

gemeinsam mit Törns mit vielleicht<br />

etwas allzu stringenter Organisation<br />

allerdings dazu geführt, dass<br />

Flottillensegeln bei erfahrenen<br />

Skippern den Hautgout von Entenfamilien<br />

bekam: Vorneweg die Entenmamma<br />

(= Führungsboot), dahinter<br />

eine diszipliniert aufgefädelte<br />

Formation von schnatternden<br />

Küken (= Kunden).<br />

Namhafte Flottillen-Anbieter wie<br />

etwa Yachtcharter Müller mit Sitz<br />

in Linz bemühen sich sehr, dieses<br />

Bild aus den Köpfen ihrer Kundschaft<br />

zu bringen und betonen,<br />

dass man als Mitsegler sehr wohl<br />

aus der Reihe tanzen darf.<br />

Für Thomas Hickersberger,<br />

Geschäftsführer von Yachtcharter<br />

Müller, bot das Flottillen-Image als<br />

einer in Reih und Glied segelnden<br />

Karawane die Möglichkeit, die<br />

Grundidee des gemeinsamen<br />

Segelns aufzunehmen und ihr<br />

einen anderen Spin zu geben.<br />

THOMAS HICKERSBERGER<br />

ist Geschäftsführer von<br />

Yachtcharter Müller mit<br />

Sitz in Linz.<br />

Neben Segeleinsteigern<br />

sind Familien mit Kindern<br />

die größte Klientel<br />

von Flottillenanbietern.<br />

4/<strong>2021</strong> 27


Flottillensegeln<br />

ERFOLGREICHE NISCHE<br />

Hickersberger erinnert sich, wie<br />

ihm um das Jahr 2000 die Idee seiner<br />

Explorer-Törns kam – Gruppentörns<br />

in exotischen Revieren im<br />

losen Verband, bei dem jede Yachtcrew<br />

tun und lassen kann, wonach<br />

ihr ist. „Die Gruppe soll Sicherheit<br />

vermitteln, gleichzeitig soll aber<br />

auch die Individualität eines Segeltörns<br />

nicht verloren gehen“, erklärt<br />

Hickersberger sein Konzept. „Bei<br />

der Törnplanung wird besonders<br />

darauf geachtet, dass man sich<br />

leicht von der Route aus- und wieder<br />

einklinken kann. Der Törnverlauf<br />

soll zu vielen Sehenswürdigkeiten<br />

führen, aber es soll auch<br />

genug Freiraum zum Schwimmen<br />

und Schnorcheln bleiben.“<br />

„2003 war es dann soweit und<br />

unser erster Karibik-Explorer<br />

konnte starten“, erzählt Hickersberger.<br />

Zuerst wurden Crewtreffen,<br />

Route, Flüge, Transfer und<br />

Insel rundfahrten von uns organisiert<br />

und bestellt und im Mai legten<br />

wir mit fünf Katamaranen und<br />

Yachten in Martinique ab. Meine<br />

Führungsyacht war besetzt mit<br />

einem Arzt und einem Einheimischen<br />

als Skipper, Techniker und<br />

Guide, der uns über die lokalen<br />

Gepflogenheiten, Highlights,<br />

nautischen Besonderheiten, aber<br />

auch über die besten Cocktails<br />

Auskunft geben konnte.<br />

Jeden Morgen trafen sich die<br />

Skipper bei mir auf dem Kat oder<br />

an Land und wir besprachen gemeinsam<br />

die Tagesroute und vereinbarten<br />

einen Treffpunkt für die<br />

Nacht, wo gegebenenfalls ein Lokal<br />

oder eine Marina für unsere Explorer<br />

reserviert wurde. Für untertags<br />

gab es Tipps über die besten<br />

„ Die Gruppe soll Sicherheit<br />

vermitteln, gleichzeitig soll<br />

aber auch die Individualität<br />

eines Segeltörns nicht<br />

verloren gehen.“<br />

Badebuchten oder Schnorchel plätze,<br />

die jede Crew nach Lust und Laune<br />

aufsuchen konnte.“<br />

Nach der gelungenen Premiere<br />

folgten fortan weitere Explorer-<br />

Törns, jedes Jahr in einem anderen<br />

Revier. Nach der Karibik waren<br />

Mittelmeer-Destinationen an der<br />

Reihe, 2017 folgte dann mit den<br />

Seychellen der Sprung in den<br />

Indischen Ozean.<br />

DER CLUB ALS FLOTTILLE<br />

Der große Organisationsaufwand<br />

bei jedem Törn lässt für Yachtcharter<br />

Müller nicht die große Kasse<br />

klingeln, dafür aber gewinnt man<br />

Stammkunden für spätere Alleinfahrten<br />

oder weitere geführte<br />

Törns. „Es haben uns aber auch<br />

schon zahlreiche Segelvereine kontaktiert,<br />

für die wir tolle Clubtörns<br />

erarbeitet und deren Mitglieder<br />

wir in die ausgefallensten Reviere<br />

der Welt entführt haben“, erzählt<br />

Thomas Hickersberger. „Besonders<br />

erwähnenswert ist hier der Yachtclub<br />

Austria, mit dem wir gemeinsam<br />

eine Langstrecke von den<br />

Azoren nach Madeira und mit<br />

Crewwechsel wieder zurück als<br />

fixen Bestandteil der FB4-Ausbildung<br />

implementieren konnten.“<br />

Die nächste reguläre Explorer-<br />

Reise hätte eigentlich schon stattfinden<br />

sollen. 2020 stand Thailand<br />

auf dem Programm, das wegen Corona<br />

zuerst auf <strong>2021</strong> und dann auf<br />

2022 verschoben werden musste.<br />

„Aber Vorfreude ist die schönste<br />

Freude“, so der stets optimistische<br />

Geschäftsführer und leidenschaftliche<br />

Segler. Er freut sich gemeinsam<br />

mit den schon eingebuchten Crews<br />

auf die Andamanensee mit ihren<br />

exotischen Inseln.<br />

Viele weitere Reviere stehen auf<br />

seiner To-Do-Liste. „Die fertigen<br />

Konzepte für Kuba und Malta liegen<br />

bereits in meiner Schublade,<br />

aber auch Französisch-Polynesien<br />

mit der Insel Raiatea reizen mich<br />

sehr und warten schon auf die<br />

Ausschreibung.“ <br />

<br />

Von der Organisation im Vorfeld bis<br />

zur täglichen Skipperbesprechung:<br />

Thomas Hickersberger hat alles im Griff.<br />

Kein Gruppenzwang, aber Spaß in der<br />

Gruppe – das ist Flottillensegeln.<br />

FOTOS: SHUTTERSTOCK (3), YACHTCHARTER MÜLLER (3)<br />

28 4/<strong>2021</strong>


YACHT HAVEN MARINA 1<br />

Phang Nga<br />

K. Nakha Yai<br />

K. Nakha Noi<br />

Phuket<br />

K. Rang Yai<br />

K. Sire<br />

K. Racha Yai<br />

Im Verband segelnd in Thailand, hier in<br />

Phuket vor Anker an einem Sandstrand.<br />

Im Verband segeln seit 1993<br />

8<br />

K. Phing Kan<br />

K. Hong<br />

K. Yao Noi<br />

K. Yao Yai<br />

K. Phak Bia<br />

2<br />

Andamanensee<br />

K. Yung<br />

Phi Phi Don<br />

Phi Phi Leh<br />

Krabi<br />

AO NANG BEACH<br />

3 RAI LEH BEACH<br />

Tradition verpflichtet. Yachtcharter Müller wurde 1980 als erste Charteragentur Österreichs<br />

gegründet. Mit dem „1. Austria Holiday Cup“ ging 1993 der erste geführte Törn<br />

über die Bühne und war so ein Erfolg, dass sogar im TV darüber berichtet wurde. 2003<br />

startete Thomas Hickersberger seinen ersten „Explorer“-Flottillentörn in der Karibik.<br />

2022 steht der „Thailand Explorer“ (Andamanensee, siehe Karte) auf dem Programm.<br />

è www.yachtcharter-mueller.at<br />

4<br />

K. Sriboya<br />

K. Pu<br />

K. Mai Phai<br />

K. Rok Noi<br />

K. Lanta<br />

K. Talabeng<br />

K. Por<br />

Kantiang Bay<br />

5<br />

K. Rok Yai<br />

7<br />

K. Ngai<br />

K. Kradan<br />

K. Muk<br />

6<br />

WEIL DU<br />

DAS NOCH<br />

DEINEN<br />

ENKEL-<br />

KINDERN<br />

ERZÄHLEN<br />

WILLST<br />

Vereint segeln: Hier mit Skippern des<br />

Yacht Club Austria im hohen Norden.<br />

Die Flottille bringt nicht nur Sicherheit,<br />

sondern auch viele neue Freunde.<br />

Der nächste Explorer<br />

von Yachtcharter Müller<br />

startet 2022 in Thailand.<br />

TAUSEND GRÜNDE,<br />

EIN PARTNER


Sabbatical<br />

We are<br />

sailin‘ Family<br />

Für viele war das vergangene Jahr ein Fiasko, für wenige ein Vergnügen. Zu den Glücklichen darf sich Familie Mandl<br />

zählen. Sie beschloss, sich nach dem ersten Lockdown für fast ein Jahr „in Selbstquarantäne“ zu begeben. Und zwar<br />

auf ihrem Segelschiff Inaya, das sie nach den ersten Grenzöffnungen im Juli 2020 von Sardinien auf die Kanaren<br />

überführten, um dort an Bord zu leben. Im Juni <strong>2021</strong> hieß es dann wieder „Koffer packen“ – und das vergangene Jahr<br />

noch einmal Revue passieren lassen: War das Familienjahr an Bord wirklich eine gute Idee von Skipper Mathias (39)<br />

gewesen? Hatte Ehefrau Conny (38) keine Zweifel, als sie sich auf dieses Abenteuer einließ? Ist Tochter Emilia (10)<br />

niemals seekrank gewesen und wie kam deren Schwester Leona (8) mit der fremden Sprache zurecht? Jedes<br />

Familienmitglied hat für sich seine Gefühle und Erfahrungen noch an Bord in Wort und Bild zu Papier gebracht.<br />

Und dies auch<br />

zur Inspiration angehender Langzeit-Segler zukommen lassen.<br />

30 4/<strong>2021</strong>


Meine liebe Conny,<br />

jetzt sitze ich hier in unserem Cockpit und schreibe ein Resümee über unsere Zeit.<br />

Normalerweise würde ich über so etwas gar nicht nachdenken. So gut waren wir schon darin,<br />

im Moment zu leben und einfach nur die Zeit zu genießen. Nach vorne schauten wir, wenn<br />

wir auf See waren, und jetzt am Ende zurückblickend kann ich nur sagen: Es war die<br />

schönste Zeit meines Lebens!<br />

Damals im November 2019 war es ein unspektakulärer Moment, als wir in unserer Küche<br />

standen und nach einer gemeinsamen Entscheidung suchten. Viele Dinge würden anstehen,<br />

wenn wir so eine große Veränderung wagen wollen, Wohnung aufgeben usw., dann hab ich<br />

einfach gesagt: Ja, wagen wir das, jetzt oder nie!“<br />

Danke, dass du damals mitgemacht hast, es war ja immer meine Spinnerei. Beim Plaudern<br />

darüber bei Freunden und Familie hab ich natürlich gemerkt, dass, wenn hier was schief<br />

geht und auch nur eines meiner drei Mädels irgendwie Schaden nehmen sollte, alle Schuld<br />

auf mir lasten würde. Das war schon eine Bürde, aber zum Glück ist nichts passiert.<br />

Es war sicher hundert mal schwerer für dich, alles zurückzulassen, als für mich.<br />

Aber wie immer war es ein Leichtes für dich, auch während unserer Zeit an Bord<br />

viele neue Freunde zu f inden.<br />

Als sich der Bug der Inaya nach Gibraltar in Richtung Atlantik gerichtet hat,<br />

hast du gesagt: Jetzt hast du es geschafft, uns hierher zu bringen - mit vielen Frage zeichen<br />

und Zweifeln in deiner Stimme. Mittlerweile kennst du the ugly side about sailing nur zu<br />

gut, und trotzdem weiß und freue ich mich, dass dir unser Leben an Bord gefallen hat.<br />

Wenn ich bei langen Passagen völlig ausgepowert war, hast du dich immer um unsere Mädels<br />

gekümmert. Klar waren das anstrengende Momente, die aber das Ankommen umso schöner<br />

machten. Und schön haben wir es die meiste Zeit über gehabt!<br />

Ich habe die Zeit mit euch so sehr genossen. Wir waren immer draußen in der Natur und<br />

auch den Mädls tat das richtig gut. Ja, sie waren hier weit weg von dem gewohnten Komfort<br />

in Österreich. Aber sie haben neben deiner Schule an Bord auch die Geschwindigkeit<br />

der Natur kennengelernt, gesehen, wie es um unsere Umwelt steht, wie der Ozean atmet,<br />

Sterne und Sonne und tausende Eindrücke erlebt, die sie wohl niemals vergessen werden.<br />

Wenn die Leona in einem fremden Land im Restaurant einfach aufsteht und auf<br />

Englisch Sojasauce nachbestellt oder Emilia dich fragt, wie Häkeln geht, und ein paar<br />

Tage danach Großbestellungen an selbstgehäkelten Hauben abarbeitet, sich selbst lernt,<br />

Kuchen zu backen, oder am Ankerplatz mit dem SUP kurz mal weg ist, um andere<br />

Boote zu besuchen, zeigt mir das, was auch die vielen Freunde, die wir auf den<br />

Kanaren kennen und lieben gelernt haben, mir sagten: Du kannst so stolz sein auf<br />

deine Mädels. Und das bin ich auch!<br />

Ich bin gespannt, ob sie später einmal stolz von dieser Reise erzählen.<br />

Wenn ja, würde mich das überglücklich machen.<br />

Und nein, die ganze Zeit zu viert auf so engem Raum zu leben hat<br />

mich nie gestört. Im Gegenteil, ich genoss die Zeit mit euch so nah um<br />

mich, da lebe ich auch gerne in einfachen Verhältnissen. Von mir aus<br />

hätten wir noch gut ein weiteres Jahr anhängen können, aber ein<br />

neues Kapitel wird aufgeschlagen ...<br />

Ob es das letzte Jahr toppen kann? Wir werden sehen :-)<br />

Papa Mathias


„Sie haben die Geschwindigkeit der Natur<br />

kennengelernt, gesehen, wie es um unsere<br />

Umwelt steht, wie der Ozean atmet, Sterne<br />

und Sonne und tausende Eindrücke erlebt,<br />

die sie wohl niemals vergessen werden.“<br />

Sailin‘ Canaries – ein Jahr, ein Boot, eine Familie<br />

Juli 2020:<br />

Aufbruch aus dem Winterlager in Arbatax, Sardinien<br />

August und September: Spanien/Balearen<br />

Oktober:<br />

Überfahrt von Gibraltar zu den Kanaren – La Graciosa<br />

Bis 15. Juni <strong>2021</strong>: Insel-Hopping zwischen allen sieben kanarischen Inseln<br />

Seemeilen insgesamt: rd. 3.000 nm<br />

Motorstunden / Diesel: rd. 350 h/424 l<br />

è www.sailing-inaya.com<br />

Die Inaya war fast ein Jahr lang<br />

das Zuhause für Conny, Emilia,<br />

Leona und Mathias auf den Kanaren.<br />

Die Segelyacht<br />

Modell/Baujahr Sun Odyssey 37/2000<br />

Länge<br />

Breite<br />

Tiefgang<br />

11,4 m<br />

3,7 m<br />

1,5 m<br />

Kabinen 3<br />

4/<strong>2021</strong> 33


xxxxx xxxx<br />

Leona, mit 8 Jahren das jüngste<br />

Familienmitglied, schickte uns<br />

dieses Bild als ihre Erinnerung<br />

an das eine Jahr an Bord auf<br />

den Kanaren.<br />

„ Bis jetzt, finde ich, waren die tollsten<br />

Er leb nisse, Delfine und Wale zu sehen,<br />

mein Tauchkurs, das Surfen, unsere<br />

Ausflüge an Land und das Reiten.“<br />

34 4/<strong>2021</strong><br />

Im letzten Jahr habe ich auf einem 11 Meter langen<br />

Segelboot gelebt.Wir sind in Sardinien gestartet und<br />

über die Balearen nach Gibraltar gesegelt. Von Gibraltar<br />

aus sind wir dann hierher auf die Kanaren gesegelt.<br />

Auf unserer Reise haben wir Delfine, Wale, Schildkröten,<br />

viele Fische und ganz viele verschiedene Orte gesehen.<br />

An einem Segeltag setzten wir je nach Wind die Segel. Ich<br />

machte es mir am Boden mit Decken und Pölstern gemütlich.<br />

Meistens hörte ich dann Geschichten oder häkelte etwas.<br />

Das Tolle am Segeln war, dass wir viele verschiedene Orte<br />

entdecken konnten.Nicht so toll fand ich es, wenn die Wellen zu<br />

hoch waren und das Boot wild schaukelte. Dann freute ich mich<br />

immer, wenn wir in der Marina ankamen.<br />

Bis jetzt finde ich waren die tollsten Erlebnisse Delfine und Wale<br />

zu sehen, mein Tauchkurs, das Surfen, unsere Ausflüge an Land<br />

und das Reiten.<br />

Ganz viel vermisst habe ich meine Familie und Freunde, aber auch<br />

meine Nähmaschine und Omas riesige Küche - damit ich noch<br />

mehr backen kann.<br />

Ich werde die Menschen, die wir hier kennengelernt haben, vermissen.<br />

Emilia


Yachtcharter – Yachtverkauf<br />

Einhand-Veteran<br />

ERINNERUNGEN. Seit über 50 Jahren segelt<br />

der Autor Wilfried Erdmann auf den<br />

Weltmeeren und schreibt darüber. Z. B.<br />

über seine Einhand-Weltumseglung in<br />

den 1960er-Jahren als erster Deutscher<br />

überhaupt. Sein aktuelles Buch mit dem<br />

schönen Titel „Ich bin auf See“ ist ein<br />

kleiner, aber feiner Bildband, randvoll<br />

mit Fotos seiner Reisen. Fotos, die bislang<br />

zum Teil nicht veröffentlicht wurden,<br />

dazu Reflektionen<br />

und Gedanken<br />

über sein Leben auf<br />

dem Wasser.<br />

Wilfried Erdmann:<br />

Ich bin auf See.<br />

Delius Klasing Verlag,<br />

272 Seiten, 180 Fotos,<br />

€ 45,–.<br />

è www.delius-klasing.de<br />

Gönn Dir eine<br />

Auszeit, setz die<br />

Segel und sei eins<br />

mit der Natur<br />

Bahnenzähler<br />

SMARTWATCH. Die TAG Heuer Connected ist<br />

eine Luxus-Smartwatch (ab € 1.700,–), die auch<br />

über verschiedene Fitnessfunktionen verfügt.<br />

Obwohl wasserdicht, unterstützte die Software der<br />

Uhr bislang leider keine Schwimm einheiten. Mit dem<br />

neuesten Update der hauseigenen Sport-App ist dieses<br />

Manko jetzt behoben. Sehr fein: Die Uhr zählt<br />

automatisch Bahnen. Nicht so fein: Die Herzfrequenzmessung<br />

funktioniert unter Wasser nicht.<br />

è www.tagheuer.com<br />

Kompakter hören<br />

EINSTIEGSRADIO. Das neue MS-RA60<br />

ist das bisher effizienteste Marine-Radio<br />

von Fusion Entertainment, einer Marke<br />

von Garmin.<br />

Entwickelt im kompakten Design<br />

und mit integriertem DAB+-Empfänger<br />

eignet sich das MS-RA60 insbesondere<br />

als Einstiegsmodell für alle, die sich trotz<br />

beschränktem Platz am Steuerstand gutes<br />

Entertainment an Bord wünschen.<br />

Selbstverständlich können Klang, Lautstärke<br />

und Balance für selbstdefinierte<br />

Audio-Zonen an Bord je nach Bedarf<br />

angepasst werden.<br />

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August und tolle Herbst-Angebote!<br />

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„ Still folg‘ ich meinem Stern beflissen;<br />

Das Segel wird vom Sturm zerrissen,<br />

Doch rettet es den Steuermann.“<br />

Victor Hugo (1802–1885), französischer Schriftsteller<br />

Vertragshändler für<br />

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Tel. +43(0)5332/74291<br />

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Segel-Tramper<br />

Couchsailing<br />

Timo Peters ist – seglerisch noch ziemlich<br />

grün hinter den Ohren – per Anhalter über<br />

den Atlantik gesegelt. Seine Abenteuer unter<br />

Seglern hat er nun in einem Buch veröffentlicht.<br />

Wir baten zum Interview.<br />

Was treibt einen Nichtsegler in ein so waghalsiges<br />

30-Tage-Abenteuer auf hoher See?<br />

Vor der Atlantiküberquerung war ich vor<br />

allem leidenschaftlicher Reisender und<br />

Tramper. Auf einer Reise per Anhalter<br />

fand ich mich plötzlich in Südportugal auf<br />

einem Segelboot wieder – und von da an<br />

träumte ich davon, so mal einen Ozean zu<br />

überqueren. Zur Vorbereitung bin ich<br />

dann auf ein paar Wochenendtörns auf der<br />

Ostsee mitgesegelt und habe parallel den<br />

Sportbootführerschein See gemacht. Und<br />

dann ging es auch schon los: Als ich zur<br />

ersten Etappe in Richtung Kanaren ablegte,<br />

war ich echt noch blutiger Segel-Anfänger.<br />

Insgesamt war ich übrigens vier Monate<br />

unterwegs, davon 30 Tage auf See.<br />

Von wo bist du gestartet, auf welcher Yacht<br />

hattest du deine erste Mitfahrgelegenheit?<br />

Bei meiner Vorbereitung auf das Abenteuer<br />

war ich auf Gibraltar als günstigen Ausgangspunkt<br />

gestoßen. Dort landete ich<br />

dann auf einer amerikanischen MacGregor<br />

65 – eine sehr gut ausgerüstete Yacht, lang,<br />

schmal und sehr sportlich. In der Spitze<br />

segelten wir mit fast 15 Knoten über den<br />

Atlantik, das hat schon echt Spaß gemacht.<br />

36 4/<strong>2021</strong>


Wie ging es weiter?<br />

Mein nächstes Boot war das komplette<br />

Gegenteil: eine behäbige,<br />

dicke Stahlketsch. Langsam, aber<br />

sehr sicher. Auch die Crewzusammensetzung<br />

hätte kaum unterschiedlicher<br />

sein können: Auf der<br />

ersten Etappe war ich noch der einzige<br />

Mitsegler. Der Kapitän hatte<br />

den Atlantik einhand überquert und<br />

mich auf der Rücktour nur für das<br />

Teilstück bis zu den Kanaren mitgenommen,<br />

weil ihm die Geschichten<br />

über marokkanische Fischerboote<br />

ohne Beleuchtung Respekt eingeflößt<br />

hatten. Weiter ging es dann<br />

mit einer vierköpfigen Crew aus<br />

drei Ländern – über mangelnde<br />

Abwechslung kann man sich nicht<br />

beklagen, wenn man so von Boot<br />

zu Boot hüpft!<br />

Hattest du auf dem Atlantik jemals<br />

Zweifel an deinem Unterfangen?<br />

Die größten Zweifel hatte ich zu<br />

Beginn der Reise. Als ich einem<br />

Hafenmeister in Málaga von meinem<br />

Plan erzählte, schaute der<br />

mich nur verdutzt an und meinte,<br />

dass hier keiner über den Atlantik<br />

wolle. Da hatte ich kurz Sorgen,<br />

dass das Ganze vielleicht doch eine<br />

Schnapsidee war. Unterwegs dann<br />

gab es eine etwas brenzlige Situa ­<br />

tion mit viel Bruch am Boot. Da<br />

habe ich mich schon kurz gefragt,<br />

ob das gut geht und wieso ich mir<br />

sowas überhaupt antue.<br />

Du warst viel unter Weltumseglern,<br />

eine besondere Erfahrung für dich?<br />

Ich habe diese Community als sehr<br />

buntes Völkchen mit ganz unterschiedlichen<br />

Menschen aus aller<br />

Herren Länder kennengelernt. Alle<br />

gemein haben sie, dass sie es nicht<br />

beim Träumen belassen, sondern<br />

Dinge anpacken. Wie diese Leute<br />

ihre Träume in die Tat umsetzen<br />

und dabei auch Rückschläge und<br />

Entbehrungen in Kauf nehmen und<br />

Herausforderungen annehmen –<br />

das hat mich begeistert. Auch die<br />

verschiedenen Lebensmodelle der<br />

Weltumsegler finde ich spannend:<br />

Rentner auf dem großen Abenteuer<br />

ihres Lebens, junge Paare und sogar<br />

Familien, die sich gleich für mehrere<br />

Jahre eine Auszeit nehmen.<br />

Ist dein Buch eine Anleitung zum<br />

Segel-Trampen?<br />

Couchsailing ist mein Abenteuerbericht<br />

von hoher See. Wer eine Anleitung<br />

sucht, wie er so ein Abenteuer<br />

als Mitsegler angehen soll, dem gebe<br />

ich Tipps auf meinem Blog. Dort<br />

findet man auch ein kleines E-Paper<br />

„Mitsegeln“ mit praktischen Tipps<br />

zur Ozeanüberquerung per Anhalter<br />

auf einem Blick.<br />

Fühlst du dich fit für eine eigene Yacht?<br />

Als richtiger Segler oder Skipper<br />

fühle ich mich ehrlich gesagt noch<br />

immer nicht. Irgendwann einmal<br />

will ich aber unbedingt in der Südsee<br />

segeln. Ob ich den Pazifik als<br />

stolzer Yacht-Eigner oder wieder<br />

per Anhalter überquere, muss ich<br />

noch herausfinden.<br />

„Couchsailing – wie ich per An halter<br />

über den Atlantik reiste“ von Timo<br />

Peters ist im Verlag Kiepen heuer &<br />

Witsch erschienen und als Taschenbuch<br />

oder E-Book erhältlich.<br />

è www.kiwi-verlag.de<br />

verlost unter allen Teilnehmern drei Exemplare des Buches<br />

„Couchsailing“! Einfach eine E-Mail mit Betreffzeile „Couchsailing“ an<br />

gewinnen@<strong>ocean7</strong>. at senden und mit etwas Glück gewinnen! Teilnahmeschluss<br />

ist der 26. Juli <strong>2021</strong>, die Gewinner werden per E-Mail verständigt.<br />

Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden, den<br />

- News letter<br />

(jederzeit kündbar) per E-Mail zu er halten. Ihre Daten werden in keiner Form an<br />

Dritte weiter gegeben. Eine Bar ablöse des Gewinns ist nicht möglich. Rechtsweg<br />

ausgeschlossen.<br />

Per Anhalter über den<br />

Atlantik. Wie das geht,<br />

verrät Tramper Timo<br />

Peters auf seinem Blog:<br />

è www.bruderleicht<br />

fuss.com<br />

4/<strong>2021</strong> 37


Papua-Neuguinea<br />

Wenn man auf New Britain nicht jeden Ankerplatz-Tipp ernst nimmt, genug Tauschwaren an<br />

Bord hat und nachts den Aufenthalt in den Vergnügungsvierteln sowie unliebsamen Besuch<br />

an Bord vermeiden kann, ist es durchaus möglich, in diesem landschaftlich beeindruckenden<br />

Revier schöne Erfahrungen zu machen. Zumindest kurzfristig.<br />

Text und Fotos WOLFGANG HAUSNER<br />

Unerfreuliche<br />

Begegnungen<br />

38 4/<strong>2021</strong>


FOTOS: SHUTTERSTOCK (2)<br />

Essen fassen!<br />

Taboo III segelte über die<br />

Solomon Sea, alles war<br />

bestens, nur die Baumstämme,<br />

die wir während<br />

der letzten zwei Tage regelmäßig<br />

gesichtet hatten, waren etwas nervend<br />

und zwangen uns zu ständigen<br />

Ausweichmanövern. Am späten<br />

Nachmittag gelangten wir in<br />

die Nähe der Marshall-Bennet­<br />

Inseln, die zu Papua-Neuguinea<br />

gehören, und wollten bei Kwaiawata<br />

ankern. Niemand an Bord<br />

hatte Lust auf eine weitere mondlose<br />

Nacht zwischen den riesigen,<br />

hölzernen Hindernissen.<br />

Während wir in Lee der Insel<br />

entlangglitten, kam uns ein alter<br />

Mann zügig entgegengepaddelt,<br />

der uns partout den einzigen tauglichen<br />

Ankerplatz zeigen wollte.<br />

Dort angelangt sahen wir mit<br />

dem letzten Licht gerade noch die<br />

Korallenköpfe knapp unter der<br />

Wasseroberfläche, machten einen<br />

schnellen Rückzieher und ließen<br />

den Anker weiter draußen auf<br />

gut 35 Meter fallen. Für weitere<br />

Aufregung oder Gedanken waren<br />

wir einfach zu müde.<br />

Am nächsten Morgen sah die<br />

Welt schon besser aus. Unter einer<br />

strahlenden Sonne hakten wir die<br />

26 Seemeilen bis zum Egum-Atoll<br />

ab, segelten durch die North Western<br />

Entrance und ankerten vor einem<br />

langen Sandstrand. Ein paar<br />

hundert Meter weiter war eine malerische<br />

Ansammlung von Hütten<br />

zu sehen, deren Dächer fast bis<br />

zum Boden reichten.<br />

Es dauerte nicht lange, bis die<br />

ersten Kanus zu Besuch kamen.<br />

Die Männer brachten Tauschwaren<br />

mit: Trinknüsse, Schneckenund<br />

Muschelschalen oder Schnitzereien<br />

aus Ebenholz. Wir waren<br />

schließlich in einer Gegend, wo<br />

Der Lonely Planet beschreibt<br />

die Willaumez-Halbinsel an der<br />

Nordküste von New Britain als<br />

abgelegen und wild romantisch.<br />

4/<strong>2021</strong> 39


4° 12‘ S<br />

Bismarcksee<br />

152° 10‘ E<br />

RABAUL<br />

Willaumez Taure Kwaiawata<br />

Südpazifik<br />

Papua-Neuguinea<br />

Neubritannien<br />

Salomonensee<br />

Marshall<br />

Bennett-Inseln<br />

PORT MORESBY<br />

Egum-Atoll<br />

diese Art von Handel nicht nur<br />

gang und gäbe ist, sondern auch<br />

von jedem Schiff erwartet wird,<br />

das sich in die Lagune verirrt –<br />

uns inbegriffen.<br />

Bargeld hat keinen besonderen<br />

Wert und war daher kein Thema.<br />

Vor noch nicht allzu langer Zeit<br />

wurde noch Muschelgeld verwendet:<br />

kleine, aus roten Schneckenschalen<br />

hergestellte Scheiben, die<br />

dann aufgefädelt und per Zoll gehandelt<br />

wurden. Doch heute waren<br />

Taschenlampenbatterien, Seife,<br />

Baumwolltuch, Angelhaken, Fischleinen<br />

und dergleichen gefragt.<br />

Nachdem wir einige Dinge getauscht<br />

hatten, saßen wir noch eine<br />

Weile auf dem Achterdeck und<br />

plauderten. Da zog ein Bursche<br />

eine spitze Bambusnadel aus seinem<br />

krausen Haar und stocherte<br />

damit in einer eitrigen Wunde auf<br />

seinem Bein herum. Diese unappetitliche<br />

Betätigung wurde bald von<br />

Erfolg gekrönt: Mit Grunztönen<br />

der Befriedigung harpunierte er<br />

eine fette Made, schnippte sie weg<br />

und deponierte die Nadel dann<br />

wieder in seinem Haar.<br />

Danach kam ein Boot von Egum<br />

Island auf Besuch. Sofort begannen<br />

die jungen Männer über das nahe<br />

Dorf zu schimpfen, die Leute würden<br />

lügen, stehlen und obendrein<br />

nicht einmal ihre Kanus richtig dekorieren.<br />

Auf ihrer Insel wäre alles<br />

besser und wir sollten doch unbedingt<br />

dorthin kommen. Doch ich<br />

hielt nicht viel von der Route, die<br />

sie mir einreden wollten. Laut Seekarte<br />

war sie schon zu erreichen,<br />

aber nicht auf dem von ihnen angegebenen<br />

Weg.<br />

Sie versuchten dieselbe Masche<br />

wie der alte Mann auf Kwaiawata,<br />

der auch über die Bewohner ringsum<br />

geschimpft hatte und uns danach<br />

zielstrebig zum Anker- sprich<br />

„Schiffbruch“-Platz – gelotst hatte.<br />

SPRINTER BEI NACHT<br />

Eigentlich hatten wir in Erwägung<br />

gezogen, zu besagter Insel zu segeln,<br />

aber jetzt war uns die Lust<br />

vergangen. Stattdessen machten<br />

wir uns auf den Weg nach Rabaul<br />

und fanden bald, dass diese Stadt<br />

auch ihre Eigenheiten hat.<br />

Tagsüber ist alles in Ordnung,<br />

die Leute sind freundlich und geben<br />

bereitwillig Auskunft, nur nach<br />

Einbruch der Dunkelheit sollte<br />

man als Fremder nicht mehr auf<br />

der Straße sein. Ab dann ist die allgemeine<br />

Lethargie verflogen und<br />

man ist oft das Ziel unerwünschter<br />

Aufmerksamkeit. Aber als flotter<br />

Sprinter kann man sich in Sicherheit<br />

bringen, wie wir von Pancho,<br />

dem kroatischen Kapitän des<br />

Thuna-Fängers Galea erfuhren.<br />

Erst zwei Tage zuvor wurde er<br />

nach Verlassen der Disco von einem<br />

dutzend aggressiver Männer<br />

provoziert, die ihm dann wie ein<br />

Rattenschwanz folgten, als er wieder<br />

ins Hotel zurückhetzte. Von<br />

dort forderte er telefonisch Polizeischutz<br />

an, um heil zum Pier zu<br />

kommen. Das war um zwei Uhr<br />

morgens. Keine drei Stunden später<br />

pochten dieselben Männer an<br />

seiner Kabinentür. Als sie kein heimisches<br />

Mädchen in seiner Koje<br />

fanden, fauchten sie ihn an, das<br />

nächste Mal Bier und Geld bereitzuhalten.<br />

WIDERSTAND ZWECKLOS<br />

Als wir Pancho trafen, zeigte er<br />

uns das Schiff, angefangen von der<br />

Brücke bis zu den tiefgekühlten<br />

Salzlaugenbehältern, in denen die<br />

Thunfische hineingekippt und in<br />

Sekundenschnelle tiefgefroren<br />

werden. Anschließend wurden zu<br />

den Klängen von Musik saftige<br />

Steaks an Deck gegrillt, während<br />

die Sonne gerade hinter einem der<br />

Vulkane unterging.<br />

Einzig störend waren später die<br />

drei Polizisten, die am Abend unangemeldet<br />

an Bord kletterten, mit<br />

einer Schrotflinte herumfuchtelten<br />

und vier einheimische Mädchen<br />

lautstark vom Schiff scheuchten.<br />

Als diese verbalen Widerstand leisteten,<br />

wurde dieser mit Ohrfeigen<br />

rasch gebrochen.<br />

Pancho kochte vor Wut, protestierte,<br />

war aber machtlos. Er könnte<br />

WOLFGANG HAUSNER<br />

ist Weltumsegler,<br />

Schriftsteller und<br />

<strong>ocean7</strong>-Autor. Derzeit<br />

weilt er mit seiner<br />

Taboo III, einem<br />

18-Meter-Katamaran,<br />

auf den Philippinen<br />

und bietet individuelle<br />

Mitsegel gelegenheiten<br />

an.<br />

wolfgang-hausner.com<br />

FOTOS: SHUTTERSTOCK (2)<br />

40 4/<strong>2021</strong>


Mount Tavuruvur, ein aktiver<br />

Vulkan in der Nähe von Rabaul.<br />

CRUISE<br />

CRUISE<br />

CRUISE<br />

WITHOUT<br />

WITHOUT<br />

LIMITS<br />

LIMITS<br />

Das Egum-Atoll mit den Baumstämmen,<br />

die auf See eine große Gefahr darstellen.<br />

Einbäume sind die gängigsten Verkehrsund<br />

Transportmittel in Papua-Neuguinea.<br />

sich zwar gegen diese Behandlung wehren,<br />

sagte er, aber dann würden die Polizisten<br />

das nächste Mal Rauschgift mitbringen,<br />

es gleichzeitig finden und das<br />

Schiff an die Kette legen. Dreimal schon<br />

kamen sie mitten in der Nacht an Bord,<br />

suchten nach Mädchen und wollten Bier<br />

trinken. Nach unseren letzten Einkäufen<br />

am nächsten Tag verließen wir Rabaul<br />

und suchten neue Reviere auf.<br />

DIEBESGUT AUS DEM GARTEN<br />

Die Willaumez-Halbinsel an der Nordküste<br />

von New Britain ist im Lonely-Planet-Handbuch<br />

über Papua-Neuguinea so<br />

positiv beschrieben, dass wir unbedingt<br />

dorthin wollten, um ja nichts zu versäumen.<br />

Geplant war, mindestens eine Woche<br />

in dieser Gegend zu bleiben, die als<br />

„abgelegen und wild romantisch“ beschrieben<br />

wird. Beides traf zu, nur das<br />

„romantisch“ hätte ich weggelassen.<br />

Als wir am Abend ankamen und auf<br />

30 Meter in der Tauwali-Bucht ankerten,<br />

empfahlen uns Einheimische einen anderen<br />

Ankerplatz, doch wir verließen<br />

uns lieber auf unsere Erfahrung. Mit<br />

Eine ganze Bucht für uns allein.<br />

Recht, wie sich am nächsten Morgen herausstellte,<br />

als wir genau an der empfohlenen<br />

Stelle brechende Wellen sahen –<br />

die einzigen weit und breit. Das passierte<br />

jetzt zum dritten Mal, an Zufall konnte<br />

ich nicht mehr glauben.<br />

Mittags ankerten wir bei den kleinen<br />

Taure-Inseln, wo uns ein Mann einen<br />

Korb voller Gemüse und Obst brachte,<br />

das wir gerne für gewünschte Sachen<br />

eintauschten. Erst später, als der Besitzer<br />

der Insel auftauchte, erfuhren wir, dass<br />

unser Lieferant alles aus dessen Garten<br />

gestohlen hatte.<br />

UNTER HOCHSPANNUNG<br />

Kurz vor dem Dunkelwerden hatten wir<br />

dann erneut Besuch. Wir hörten das Gehuste<br />

eines größeren Außenborders. Als<br />

ich an Deck kam, versuchte gerade ein<br />

behäbiger Mann an Bord zu klettern. Ein<br />

riesiger Einbaum mit weiteren zehn oder<br />

zwölf Personen lag längsseits.<br />

Taboo III ist nicht leicht zu entern, was<br />

nicht von ungefähr kommt. Als ich den<br />

Kat entwarf, legte ich bewusst keinen<br />

Wert auf einen achterlichen Treppenauf­<br />

„ Bargeld hat keinen besonderen Wert<br />

und war daher kein Thema.“<br />

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Papua-Neuguinea<br />

So klein und schon auf See.<br />

Die Großen trauen sich weit hinaus.<br />

„ Ein Aufentern hätte ich um jeden Preis verhindert, notfalls mit Hilfe<br />

der griffbereiten Keule, mit der ich sonst nur große Fische besänftige.“<br />

gang, der selbst Schwimmern ein<br />

leichtes und lautloses An-Bord-<br />

Kommen ermöglicht. Auch an den<br />

Außenseiten der Rümpfe kann<br />

man nicht hoch, da das runde<br />

Kajütdach keinen Halt bietet. Das<br />

Vorschiff ist bereits zu hoch über<br />

der Wasserlinie und das achterliche,<br />

unter Spannung stehende<br />

Trampolin zwischen den Rümpfen,<br />

eignet sich nur für kleine Fahrzeuge.<br />

Also bleibt für ein größeres<br />

Gefährt nur die letzte, achterliche<br />

Decksfläche jedes Rumpfes.<br />

Dort ist normalerweise auf der<br />

Backbordseite eine solide Bordleiter<br />

eingehängt, aber die war bereits<br />

verstaut. Ein sportlicher Mensch<br />

kann sich ohne weiteres von einem<br />

Boot aufs Deck schwingen, aber<br />

unser dicker Besucher schaffte das<br />

nicht beim ersten Versuch, beim<br />

zweiten stand ich bereits abwehrend<br />

im Weg.<br />

„Haben Sie Erlaubnis hier zu<br />

sein?“ schnauzte er mich durch seine<br />

Alkoholfahne an. Sich in Papua-<br />

Neuguinea mit Besoffenen rumschlagen<br />

zu müssen, ist schon in<br />

Städten gefährlich, in dieser spärlich<br />

besiedelten Gegend ohne Polizei<br />

umso mehr. Aber soweit war<br />

es noch nicht. Die beiden Männer<br />

hielten sich zwar an der Bordkante<br />

fest, konnten jedoch nicht hoch.<br />

Das hätte ich auch um jeden<br />

Preis verhindert, notfalls mit Hilfe<br />

der griffbereiten Keule, mit der ich<br />

sonst nur große Fische besänftige.<br />

Seine Frage bejahte ich, ließ ihn<br />

aber auch wissen, dass eine Erlaubnis<br />

nicht notwendig sei und<br />

es außerdem keine Zeit für einen<br />

Besuch war, was nur ein blödes<br />

„Warum nicht?“ zur Folge hatte.<br />

So ging es für einige Minuten hin<br />

und her, bis ich ihnen dringend nahelegte,<br />

abzuhauen. Daraufhin forderte<br />

der Rädelsführer Angelhaken<br />

und Benzin, was natürlich nicht in<br />

Frage kam. Ein Nachgeben würde<br />

sofort als Schwäche ausgelegt werden,<br />

was die Situation verschärft<br />

hätte. Fluchend legten sie kurz darauf<br />

ab und brausten unter Vollgas<br />

die Küste entlang, wahrscheinlich<br />

zu dem Dorf, wo man uns zuvor<br />

schon auf das Riff lotsen wollte.<br />

Eines war klar: Nur weil die<br />

Männer nicht gleich an Bord gelangen<br />

konnten, kam es zu keiner kritischen<br />

Situation. Andererseits ist<br />

es aber auch nicht so, dass man<br />

sich vor der gesamten Bevölkerung<br />

fürchten muss, wir hatten in anderen<br />

Gebieten sehr gute, freundschaftliche<br />

Erfahrungen mit den<br />

Einheimischen gemacht.<br />

LEICHTER ABSCHIED<br />

Während ich am nächsten Vormittag<br />

den Bereich des „Weidezaunes“<br />

auf das besagte Achterdeck erweiterte,<br />

hatten wir ein Gespräch mit<br />

einem immens dicken, aber offensichtlich<br />

freundlich gesinnten<br />

Mann. Er riet uns, den Platz baldigst<br />

zu verlassen, denn jedes<br />

Fahrzeug, das die Küste entlangfährt,<br />

steuert die Inseln an.<br />

Die Bevölkerung der Halbinsel<br />

wusste bereits, dass wir hier ankerten,<br />

wir konnten also sehr bald<br />

mit einem nächtlichen Besuch<br />

und Troubles rechnen. Ich verschwieg<br />

die 7.000 Volt, den ver ­<br />

riegelten Kajütniedergang und<br />

das griffbereite Schnellfeuer ­<br />

gewehr. Dennoch war sein Hinweis<br />

sehr nett.<br />

Auch vor Talasea, einer kleinen<br />

Stadt 15 Seemeilen weiter südlich,<br />

warnte er uns ausdrücklich. Dort<br />

gäbe es ein großes „rascal problem“<br />

und nicht einmal er würde<br />

sich für seine Einkäufe hinwagen.<br />

Damit hatten wir endgültig genug<br />

von der romantischen Willaumez-<br />

Halbinsel und verließen sie noch<br />

in derselben Nacht.<br />

Wohin war noch nicht klar, aber<br />

momentan war absegeln wichtiger<br />

als irgendwo ankommen. <br />

42 4/<strong>2021</strong>


Wissen und Meer<br />

Knoten sind nicht nur<br />

zum Durchschlagen da<br />

Frei nach Gordion und Alexander – immerhin hat sich der phrygische König Gordion im 9. Jahrhundert<br />

v. Chr. mit diesem Thema auseinandergesetzt und Alexander der Große hat 333 v. Chr. den Knoten mit<br />

Brachialgewalt gelöst – so kann man es natürlich auch machen. In den tausendjährigen Erfahrungen<br />

der Seefahrt hat sich aber die Anwendung von Knoten etwas verfeinert.<br />

Immer wieder erlebe ich diese<br />

oder ähnliche Situationen: Man<br />

liegt gemütlich in der Marina in<br />

der Box, schlürft seinen Sundowner,<br />

plötzlich kommt Bewegung in<br />

die Beschaulichkeit: Eine Yacht will<br />

den Platz neben dir anlaufen, der<br />

Wind drückt den Bug nach Lee auf<br />

deine Yacht – verflixt, der Fender<br />

ist weiß-Gott-wo, sh… – ich bringe<br />

den Knoten nicht auf, zum Teufel –<br />

wer hat denn da einen Schuster-<br />

Knopf gebunden anstelle eines<br />

Fenderknotens?<br />

Zur guten Seemannschaft gehört<br />

auch der richtige Umgang mit<br />

Knoten. Jeder Knoten hat seinen<br />

Sinn und seine Berechtigung. Die<br />

Bezeichnungen selbst sind nicht so<br />

wichtig. Die Bergsteiger sagen Bulinknoten<br />

zum Palstek, Mastwurf<br />

zum Webeleinstek und Prusik zum<br />

Stopperstek. In der Literatur werden<br />

tausende Knoten beschrieben,<br />

in der Knotenbibel von Ashley findet<br />

man um die 3.900 Varianten.<br />

FÜR UNS SEELEUTE REICHEN<br />

SECHS KNOTEN ALLEMAL<br />

Da ist einmal der Achtknoten.<br />

Er wird am Ende einer Leine angebracht<br />

und verhindert dadurch das<br />

Ausrauschen durch die Klemme<br />

oder das Verschwinden der Schot<br />

unter die Abdeckung einer modern<br />

gestylten Yacht.<br />

Der Webeleinstek, das ist der<br />

Knoten fürs Festmachen an Pfählen,<br />

Dalben oder Pollern. Und in Abwandlung<br />

mit Slipstek der ideale<br />

Fenderknoten. Und zum Festbändseln<br />

aller möglichen Leinen.<br />

GOTTFRIED<br />

TITZL RIESER<br />

ist Ausbildungs referent<br />

des Yacht Club Austria,<br />

dem größten Yachtclub<br />

Österreichs. Er ist passionierter<br />

Fahrtensegler<br />

und hat insgesamt so<br />

um die 20.000 See -<br />

meilen in seinen Log -<br />

büchern dokumentiert.<br />

Sein Motto: „Die See ist<br />

der beste Lehrmeister!“<br />

kolumne@<strong>ocean7</strong>.at<br />

Einer der einfachsten Knoten ist der<br />

Klampenschlag – oder doch nicht?<br />

Einer der einfachsten Knoten ist<br />

der Klampenschlag, allerdings<br />

wird er in den seltensten Fällen<br />

auch richtig gelegt: Die Engländer<br />

haben dafür eine Eselsbrücke, nämlich<br />

O – X – O! Die Leine kommt<br />

im spitzen Winkel zur Klampe, einmal<br />

um den Fuß der Klampe (= O),<br />

dann folgt das Überkreuzen (= X)<br />

und mit einem kleinen O wird der<br />

Klampenschlag geschlossen. Klingt<br />

einfach, gelingt aber nicht immer<br />

auf Anhieb.<br />

Für den eineinhalb-Rundtörns<br />

mit-zwei-halben-Schlägen habe<br />

ich keinen klingenden Namen parat,<br />

er heißt eben so. Diesen Knoten<br />

braucht man, wenn es beim Anle gen<br />

schnell gehen soll und das Schiff<br />

gegen den Wind oder gegen die<br />

Strömung gehalten werden muss.<br />

Jetzt kommt noch der Schotstek.<br />

In den Lehrbüchern findet man<br />

immer noch den „einfachen<br />

Schotstek“. Die p. t. Leserschaft<br />

möge bitte diesen aus dem Gedächtnis<br />

streichen, er taugt nichts.<br />

Ich empfehle den doppelten<br />

Schotstek zum Verknüpfen zweier<br />

Enden, besonders wenn die zwei<br />

Leinen unterschiedlich stark sind.<br />

Zum Schluss darf ich den Königsknoten,<br />

nämlich den Palstek erwähnen.<br />

Ich nehme an, jeder kennt<br />

den Spruch „Das Krokodil kommt<br />

aus dem Teich, kriecht um den<br />

Baum herum und springt wieder in<br />

den Teich zurück“, diese Anleitung<br />

zum Knüpfen findet in fast jeder<br />

Segelschule Anwendung.<br />

Der Pal stek wird am meisten gebraucht,<br />

für mich ist er der wichtigste<br />

Knoten, nicht nur an Bord. Er<br />

hält unter jeder Belastung, ist leicht<br />

zu lösen und slippt nicht. Ich verwende<br />

ihn fast immer dort, wo ich<br />

Schlingen brauche, wenn ich zwei<br />

Leinen verbinden möchte – wie<br />

gesagt, für mich der zuverlässigste<br />

und vielseitigste Knoten.<br />

Abschließend und für den Eintrag<br />

ins Stammbuch sei gesagt, Übung<br />

macht den Meister und Knoten<br />

müssen sitzen. Es muss halt manchmal<br />

schnell gehen, und dann sollte<br />

man nicht mehr überlegen müssen:<br />

„Wie war das doch gleich mit<br />

Krokodil, Baum und Teich?“ <br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

4/<strong>2021</strong> 43


Leben an Bord<br />

Keine Angst vor<br />

alten Booten<br />

Holger Peterson ist vom Festland auf seine Stahlyacht<br />

umgezogen. In seinem Buch „Mein Boot ist<br />

mein Zuhause“ gibt er praktische Tipps rund um<br />

den Lebensraum „Boot“ – hier eine Leseprobe.<br />

Wann ist eigentlich der ideale<br />

Zeitpunkt für den Kauf<br />

eines Bootes? Eindeutig<br />

im Herbst. Angebote können zu<br />

diesem Zeitpunkt besonders attraktiv<br />

sein. Viele Eigner entscheiden<br />

sich während der Segelsaison zum<br />

Bootswechsel. Kauft man das Boot<br />

im September, wird es vielleicht<br />

noch im Wasser liegen.<br />

So erhält man bei einem Probeschlag<br />

die besten Eindrücke: Ist das<br />

Boot dicht? Schließen die Seeventile?<br />

Funktionieren die Winschen<br />

oder die Rollfockanlage auch unter<br />

Last? Läuft der Motor zuverlässig?<br />

Lassen sich Türen noch öffnen,<br />

wenn mit 30 Grad Lage gesegelt<br />

wird oder verzieht sich der Rumpf?<br />

Ich gebe zu, dass ich auch schon<br />

Boote ohne Probefahrt gekauft<br />

habe. Aber ratsam ist das nicht.<br />

Beim Krantermin sollte man auf<br />

jeden Fall dabei sein. Frühzeitig offenbaren<br />

sich „Wahrheiten“ über<br />

den Zustand des Unterwasserschiffs.<br />

Besteht nur der geringste Verdacht,<br />

dass sich ein Schaden unter der Anti ­<br />

foulingschicht verbirgt, kommt unser<br />

Spezialwerkzeug zum Einsatz:<br />

eine Ziehklinge, im Katalog meist<br />

„Farbschaber“ genannt.<br />

Hat man es mit einem ehrlichen<br />

Eigner zu tun, wird er nichts dagegen<br />

haben, das Antifouling über der<br />

verdächtigen Stelle abzuziehen. Es<br />

dauert ja kaum eine Minute und das<br />

Unterwasserschiff benötigt für das<br />

nächste Frühjahr ohnehin einen<br />

neuen Anstrich. Am besten ist es,<br />

der Eigner nimmt den Farbschaber<br />

und macht das selbst. So bleibt man<br />

haftungstechnisch auf der sicheren<br />

Seite, falls der Farbschaber „unerklärlicherweise“<br />

bis ins Innere des<br />

Bootes vorstoßen sollte …<br />

Der Kauf im Herbst hat einen<br />

weiteren Vorteil: Bis zur nächsten<br />

Saison hat man noch ein halbes<br />

Jahr, um das Boot richtig kennenzulernen.<br />

Die See ist wie eine wunderbare<br />

Geliebte, verzeiht aber keine<br />

Fehler. So benötige ich ein halbes<br />

Jahr, um bei Bastelarbeiten auch die<br />

letzte Ecke im Boot zu entdecken.<br />

Erst dann bilde ich mit dem Schiff<br />

eine „seetaugliche Einheit“. Und die<br />

ist unabdingbar für gutes Segeln.<br />

Ein sehr kostengünstiges Boot<br />

wird vermutlich einige Mängel<br />

HOLGER PETERSON<br />

ist Wassersport-<br />

Journalist und lebt<br />

ganzjährig auf seiner<br />

Stahlyacht Fuchur.<br />

44 4/<strong>2021</strong>


Der beste Zeitpunkt für den Kauf eines<br />

gebrauchten Bootes ist im Herbst.<br />

haben. Vielleicht wurde es seit Jahren<br />

nicht mehr gesegelt. Innen riecht es<br />

muffig. Hinter den Verkleidungen hat<br />

sich das eine oder andere Schimmelnest<br />

ausgebreitet. Der Lack ist stumpf.<br />

Der Motor „schwitzt“. Unter der<br />

Wasserpumpe gibt es verdächtige<br />

Rosttropfen. Die Kraftstoffleitung<br />

riecht nach Diesel. Eine Stelle am<br />

Unterwasserschiff ist nach Wochen<br />

immer noch feucht. All diese Mängel<br />

erklären den günstigen Preis, müssen<br />

aber behoben werden.<br />

Die Arbeiten können umfangreich<br />

sein, selbst wenn man beim Kauf alles<br />

gründlich geprüft hat. Das passiert<br />

auch bei Booten, die nicht billig waren.<br />

So war es bei unserer ersten Hai<br />

710. Ein Auszug aus der Liste der Arbeiten,<br />

die ich im Winter 1994/1995<br />

durchführte, illustriert den Aufwand,<br />

den ein gebrauchtes Boot machen<br />

kann (siehe Kasten rechts).<br />

Ich würde es jedoch bedauern,<br />

wenn Sie nach dem Lesen kein eigenes<br />

Schiff mehr haben wollten, denn<br />

diese Arbeiten sind nicht sonderlich<br />

kompliziert und auch nicht teuer. Im<br />

Gegenteil: Erfolgreiche Reparaturen<br />

verbinden uns mit dem Boot umso<br />

mehr. Sie lassen uns die letzten Ecken<br />

erkunden und sie machen uns fit für<br />

eventuelle Reparaturen auf See, denn<br />

nun weiß man, wo jedes Schräubchen<br />

sitzt. Ein Segler wächst an seinen<br />

Aufgaben. Und das Schiff wird dem<br />

Eigner wahrlich „zu eigen“.<br />

Aus Kostengründen stelle ich meine<br />

Boote im Winter nie in einer Halle<br />

ab. Wenn ich verfolge, wie häufig in<br />

Hallen Brände mit enormen Schadenssummen<br />

ausbrechen, schlafe ich<br />

ruhiger, wenn mein Boot im Freien<br />

steht. Besonders bei Stahlschiffen<br />

oder Staubverbreitung wäre eine<br />

Hallennutzung auch nicht ratsam.<br />

Denn nach Schleifarbeiten müsste<br />

ich damit rechnen, von den Nachbarskippern<br />

gelyncht zu werden.<br />

Das würde nicht am selben Tag,<br />

aber nach ungefähr zwei Wochen<br />

passieren, wenn die dabei abgeschliffenen<br />

Rostpartikel auf ihren Booten<br />

erblühen. Freunden ist zum Ende des<br />

Schleifens der Staubsauger explodiert<br />

– blauer Antifouling-Staub verunzierte<br />

mehrere Boote und sie selbst<br />

sahen aus wie Schlümpfe.<br />

Bei Arbeiten auf dem Freigelände<br />

richte ich mich nach der Witterung.<br />

Das ist eigentlich logisch. Trotzdem<br />

wundere ich mich, wie viele Eigner<br />

im Frühjahr klagen, dass sie wegen<br />

„schlechten Wetters“ ihre Lackier ­<br />

arbeiten nicht schaffen. Erst Anfang<br />

April oder Mai den Gemeinschaftskran<br />

bestellen? Nach meinem Verständnis<br />

ist die kostbare Saison dann<br />

schon bald vorbei. Segel werden im<br />

März gesetzt. Spätestens.<br />

To-Do-Liste: Überholung einer Hai 710<br />

• Polster mit atmungsaktiven Matten gegen Schwitzwasser<br />

unterlegt (Gisatex).<br />

• Automatische Lenzpumpe mit Schwimmerschalter eingebaut.<br />

• Dieselgewebeschläuche stinken. Neue Leitungen eingebaut.<br />

• Kunststoffdieseltank im Vorschiff stinkt. Tank ausgebaut und<br />

mehrfach mit Alufolie umwickelt. Stinkt nicht mehr.<br />

• Wassertank aus Kunststoff lag neben dem Dieseltank.<br />

Trinkwasser stinkt nach Diesel. Neuen Trinkwassertank<br />

aus Niro anfertigen lassen.<br />

• Das Abdeckbrett über dem Dieselkunststofftank stinkt.<br />

Neues Sperrholzbrett eingepasst.<br />

• Winterklar: Frostschutzmittel in den Seewasserfilter gefüllt<br />

und Motor durchlaufen lassen.<br />

• Motoröl gewechselt, Ventilspiel (0,2 mm) einmal im Jahr<br />

geprüft, Lichtmaschine durchgemessen.<br />

• Echolotgeber leckt. Mit Sikaflex gedichtet und Öl aufgefüllt.<br />

• Kontakte der Positionslampen gereinigt. Zwei Stecker auf<br />

Deck neben dem Mast von Kupferwurm befallen. Stecker<br />

erneuert.<br />

• Windex und UKW-Funkantenne auf Maststopp installiert.<br />

• UKW-Funkgerät gekauft und eingebaut. Heißt jetzt „Delta<br />

Juliet 4298“. „Juliet“ klingt nicht unbedingt nach beinhartem<br />

Skipper. Aber immerhin habe ich zwar eine richtige Seefunkstelle,<br />

kann sie aber nicht ausprobieren, da ich mich am Rand<br />

der Lüneburger Heide befinde. Leider weit und breit kein<br />

Funkkontakt. Ich gebe alles. 25 Watt Sendeleistung –<br />

keiner antwortet …<br />

• Licht in Motorraum gelegt.<br />

• Diverse Holzteile abgezogen und im warmen Haus mit Klarlack<br />

neu lackiert.<br />

• Ruderskeg weist eine feuchte Stelle auf. Geöffnet. Aus dem<br />

Holzkern tropft Wasser. Mit Bohrer den Skeg durchlöchert<br />

und bis zum Frühjahr trocknen lassen. Dann mit Epoxidharz<br />

neu laminiert.<br />

• Ruderkopfbeschlag mit passenderen Schrauben fixiert. Kein<br />

Spiel mehr.<br />

• Schadhafte Segelnähte mithilfe der Familie ausgebessert.<br />

• Spiritusdruckkocher erhält neue Dichtungen und Düsen.<br />

• Heizungsanlage nicht mehr zu reparieren. Entsorgt.<br />

• Auto hängt bei angehängtem Trailer achtern durch. Stützlast<br />

mit „Feingewicht-Personenwaage“ gemessen. Waage völlig<br />

zerstört. LUKTHOR beim Bootsbauer mit Gurten durch Gabelstapler<br />

angehoben. Dabei auch das Schwert gereinigt und<br />

lackiert. Boot auf dem Trailer nach hinten versetzt. Neue<br />

Personenwaage zeigt 70 Kilo Stützlast und hält durch.<br />

4/<strong>2021</strong> 45


Leben an Bord<br />

„ Aus Kostengründen stelle<br />

ich meine Boote im Winter<br />

nie in einer Halle ab.“<br />

Die Montage<br />

des Spiegels,<br />

der Schiffsuhr<br />

(um 1900) etc.<br />

ist für Peterson<br />

eine Winterarbeit.<br />

BEI TEE UND KUCHEN<br />

Der goldene Oktober hält trockene<br />

Tage bereit. Die Außenarbeiten<br />

kommen darum zuerst dran, bevor<br />

im November die dunkle und kalte<br />

Jahreszeit beginnt. Bei zwei Booten<br />

zog ich das Antifouling am Unterwasserschiff<br />

mit der Ziehklinge ab.<br />

Über-Kopf-Arbeiten sind nicht<br />

leicht – das Abziehen eines Unterwasserschiffes<br />

ist die schlimmste<br />

Arbeit, die ein Boot bereiten kann.<br />

Doch danach konnte ich sicher sein,<br />

keine verborgenen Haarrisse im<br />

Laminat zu haben.<br />

Innerhalb des Bootes gibt es Bastelarbeiten,<br />

die große Freude bereiten,<br />

wenn draußen tiefer Schnee<br />

liegt. Dazu ein heißer Tee vom<br />

Bootskocher und ein Stück Kuchen<br />

auf dem Tisch – auch der Winter<br />

hält für den Bootseigner Freuden<br />

bereit. Ich habe ein kleines Navigationsregal<br />

selbst gebaut. Es wartet nur<br />

noch darauf, am Schott angebracht<br />

zu werden. In einer Kiste horte ich<br />

eine Reihe schöner Dinge für die<br />

Winterarbeiten. Darunter befand<br />

sich einmal eine Schiffsuhr aus der<br />

Jahrhundertwende von 1900. Dann<br />

eine selbst gebaute Messinghalterung<br />

für eine historische Eisenbahnerlampe<br />

mit weißen, roten und<br />

grünen Glaseinsätzen, die so maritim<br />

wirkte. Auf einem Flohmarkt<br />

hatte ich einen Messingspiegel entdeckt.<br />

Am Spiegel befanden sich<br />

zwei Kerzenhalter. Nur waren die<br />

Tropfschalen viel zu klein. Passende<br />

Schalen entdeckte ich später in einem<br />

Secondhand-Laden. Ich freute<br />

mich wie ein kleines Kind, als ich<br />

sie einbaute. Dieser Spiegel hing auf<br />

Boot Nummer zwei und ist auch<br />

heute noch an Bord von Fuchur.<br />

Über die Jahre habe ich von allen<br />

Booten, die ich besaß, einige Dinge<br />

behalten, die besonders praktisch<br />

oder schön waren. Darunter ist die<br />

schwarze Pütz mit der kunstvoll<br />

gespleißten Leine von Lukthor 1.<br />

Oder die nautischen Tassen von<br />

46 4/<strong>2021</strong>


Das Backbordfenster hat<br />

den letzten Buchstaben des<br />

Bootsnamens gefressen.<br />

Bad mit Wanne an Bord –<br />

Herz, was willst du mehr?<br />

Kauft man ein Boot im September,<br />

wird es vielleicht noch im Wasser liegen.<br />

Leviathan. Es ist eine besondere<br />

Freude, für Dinge, an denen man<br />

hängt, wieder einen Platz im neuen<br />

Boot zu finden.<br />

Die schönste Arbeit folgt zum<br />

Schluss. Bevor das Boot ins Wasser<br />

kommt, wird der neue Schiffsname<br />

angebracht. Über den Winter hatten<br />

wir genug Zeit, uns in diesem Punkt<br />

einig zu werden. Als ich im Jänner<br />

2014 die Buchstaben Fuchur aufklebte,<br />

lag noch die Winterpersenning<br />

auf dem Boot und das Nachbarboot<br />

ließ mir keinen Platz zum<br />

Peilen. Trotz Ausmessens sind die<br />

Aufkleber unterschiedlich weit vom<br />

Bug entfernt. Das sehe ich jetzt auch<br />

an den neuen Bordfenstern: Das<br />

Loch für das Backbordfenster hat<br />

den letzten Buchstaben des Bootsnamens<br />

gefressen. Ich lasse es so;<br />

es sieht lustig aus und erinnert mich<br />

stets daran: „Bedenke, du bist nicht<br />

unfehlbar.“<br />

<br />

Auch ein Boot<br />

kann im Winter<br />

ein kuscheliges<br />

Zuhause sein.<br />

verlost unter allen Teilnehmern drei Exemplare von „Mein Boot ist mein<br />

Zuhause“! Einfach eine E-Mail mit Betreffzeile „Peterson“ an gewinnen@<strong>ocean7</strong>. at<br />

senden und mit etwas Glück gewinnen! Teilnahmeschluss ist der<br />

26. Juli <strong>2021</strong>, die Gewinner werden per E-Mail verständigt.<br />

Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden, den -<br />

News letter (jederzeit kündbar) per E-Mail zu er halten. Ihre Daten<br />

werden in keiner Form an Dritte weiter gegeben. Eine Bar ablöse<br />

ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

„Mein Boot ist mein Zuhause“ von Holger Peterson<br />

ist in 4. Auflage im Verlag millemari. erschienen.<br />

Erhältlich als eBook oder Taschenbuch ab € 19,99.<br />

è www.millemari.de<br />

Kommen Sie in<br />

unseren Schauraum<br />

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Bootshändler • Bootsservice<br />

TopYacht<br />

www.topyacht.eu


Öko-Charter<br />

Segeln wie zu<br />

Urgroßvaters<br />

Zeiten<br />

Die Eye of the Wind bietet eine bewegend<br />

authentische Möglichkeit, Chartertörns auf<br />

einem historischen Großsegler zu verbringen.<br />

Aber wie sehr lässt sich ein 110 Jahre alter<br />

Windjammer, der auf zeitgemäßen Komfort<br />

wert legt, auch umweltfreundlich betreiben?<br />

Wir haben nachgeschaut.<br />

Text WOLFGANG GEMÜND | Fotos HANS PETER BLECK<br />

Die Brigg hat ein spannendes<br />

Leben hinter sich.<br />

1911 in der deutschen<br />

Lühring-Werft vom Stapel<br />

gelassen, dient der Gaffelschoner<br />

zunächst unter dem Namen Friedrich,<br />

dann Sam und schließlich<br />

Merry als Frachtschiff.<br />

1955 die erste Katastrophe: Das<br />

Schiff strandet in einem schweren<br />

Orkan an der schwedischen Westküste.<br />

Das Wrack wird geborgen,<br />

repariert und als Rose Marie erneut<br />

in Fahrt gebracht, zeitweise in der<br />

Heringsfischerei vor Island. 1970<br />

die zweite Katastrophe: Ein Feuer<br />

vernichtet das gesamte Achterschiff<br />

und den Maschinenraum.<br />

Dann die wundersame Auferstehung:<br />

1973 erwirbt eine Gruppe<br />

von Schiffsliebhabern das Wrack<br />

und beginnt damit, das Schiff als<br />

Brigantine aufzuriggen. Fast vier<br />

Jahre dauert die Restaurierung auf<br />

der Werft in Faversham/England.<br />

In den ehemaligen Laderäumen<br />

entstehen ein Salon sowie Unterkünfte<br />

für Crew und Passagiere.<br />

Ab 1976 fährt der Zweimaster<br />

unter seinem neuen Namen Eye of<br />

the Wind großen Abenteuern entgegen:<br />

Eine Weltreise mit Stationen<br />

in Australien, der Südsee und einer<br />

Umrundung des Kap Hoorn, dann<br />

als Flaggschiff die Führung der<br />

„Operation Drake“, einer zwei ­<br />

48 4/<strong>2021</strong>


jährigen Expeditionsreise auf den<br />

Spuren des berühmten Seefahrers<br />

Sir Francis Drake.<br />

Schließlich entdeckt Hollywood<br />

das edle Segelschiffsjuwel: In dem<br />

Abenteuerstreifen „Die Blaue<br />

Lagune“ (1980), dem Piratenfilm<br />

„Savage Islands/Die Insel der Piraten“<br />

(1983), „Tai-Pan“ (1986)<br />

und „White Squall/Reißende Strömung“<br />

(1996) dient das Schiff als<br />

Filmkulisse.<br />

TÖRNS IN DIE VERGANGENHEIT<br />

Seit gut elf Jahren in Besitz eines<br />

deutschen Medienunternehmens,<br />

wird die Eye of the Wind nun für<br />

Urlaubstörns, Segelcharter und<br />

Führungskräftetrainings eingesetzt.<br />

Die Passagiere – maximal zwölf in<br />

sechs Kabinen – begeben sich auf<br />

dem 110 Jahre alten Windjammer<br />

auf eine gemütliche Reise in die<br />

Vergangenheit, sind dabei aber sehr<br />

komfortabel und zeitgemäß unter­<br />

FOTO: HANS PETER BLECK<br />

gebracht. Neben WC, Dusche und<br />

Klimaanlage sind in jeder Kabine<br />

Standardstromanschlüsse mit 230<br />

Volt vorhanden; Frühstück, Mittagessen<br />

und Abendessen werden im<br />

Salon auf dem Oberdeck serviert.<br />

Der Segelbetrieb wird auf traditionelle<br />

Weise in Handarbeit ausgeführt,<br />

auf Knopfdruck funktioniert<br />

an Deck der Eye of the Wind nichts.<br />

Die Passagiere können der Crew bei<br />

den Segelmanövern helfen. Man<br />

darf das Schiff nach Anweisung und<br />

Kompass auch mal selbst steuern.<br />

Andere Tätigkeiten wie Ausguck<br />

und Ankerwache können übernommen<br />

werden, für das Aufentern in<br />

den Mast stehen Klettergurte an<br />

Bord zur Verfügung.<br />

Wenn gar kein Wind geht, muss<br />

leider der 600-PS-Diesel den 240-<br />

Tonnen-Verdränger schieben. „Wir<br />

fahren aber so oft und so lange es<br />

geht unter Segel. Das ist in der<br />

Großsegler-Szene durchaus nicht<br />

selbstverständlich“, erklärt Kapitän<br />

Moritz Hannoschoeck.<br />

RECYCLING-SCHIFF<br />

Auch wenn die Atmosphäre der einer<br />

110 Jahre alten Brigg entspricht,<br />

mit dem genuinen Segelschiff aus<br />

dem Jahr 1911 hat die Eye of the<br />

Wind nicht mehr so viel gemeinsam.<br />

Original erhalten ist zum Beispiel<br />

der genietete Stahlrumpf. Eine<br />

wesentliche Modifikation war natürlich<br />

der Einbau des Caterpillar-<br />

Motors Mitte der 1970er-Jahre, der<br />

die Sicherheit und den Komfort<br />

massiv verbesserte mit dem Makel,<br />

dass die Brigg nicht immer so sauber<br />

unterwegs sein kann wie damals<br />

vor 100 Jahren.<br />

Die umfassende Renovierung vor<br />

45 Jahren aber wurde dennoch als<br />

großes Recycling-Projekt aufgezogen:<br />

Die Deckshäuser entstanden<br />

aus dem Teakholz eines ehemaligen<br />

Tanzbodens. In den Salons wurden<br />

alte Kirchenbänke eingebaut. Als<br />

Ballast im Schiffsrumpf dienten<br />

Pflastersteine, Granitsplit und<br />

Teile von Eisenbahnschienen vom<br />

Schrottplatz. Viele Holzverkleidun­<br />

4/<strong>2021</strong> 49


FOTO: FORUM TRAIN & SAIL<br />

gen im Innenraum stammen aus<br />

einem Londoner Bankgebäude,<br />

das kurz vor dem Abriss stand.<br />

Die beiden Masten wurden zuvor<br />

als Gestänge zum Auskleiden von<br />

Bohrlöchern bei der Erdölförderung<br />

verwendet. Sogar das Steuerrad kam<br />

secondhand als Geschenk an Bord:<br />

Die Ruderanlage ist von 1906 und<br />

somit sogar fünf Jahre älter als das<br />

Schiff selbst.<br />

Zu den Materialien an Deck kann<br />

man sagen: „ökologisch eher nein,<br />

nachhaltig ja“, so Moritz Hannoschoeck.<br />

„Beispielsweise besteht das<br />

Tauwerk nicht wie früher aus Naturhanf,<br />

sondern aus Polypropylen.<br />

Das klingt erstmal nicht sehr umweltfreundlich,<br />

aber es besitzt eine<br />

deutlich längere Lebensdauer, muss<br />

demzufolge seltener ausgetauscht<br />

werden und produziert weniger<br />

Müll. Zudem ist es deutlich reißfester<br />

als Naturtauwerk und somit unter<br />

dem Sicherheitsaspekt absolut<br />

notwendig.“<br />

Auch das Segeltuch hat einen hohen<br />

Kunstfaseranteil, mit der gleichen<br />

Begründung: längere Lebensdauer,<br />

längerer Herstellungszyklus,<br />

weniger Müll.<br />

Und die Erhaltung des Schiffs?<br />

Die Werftarbeiten werden in<br />

Deutschland oder in Holland und<br />

demnach unter höchsten Umweltstandards<br />

durchgeführt. Trotzdem<br />

ist es unvermeidbar, dass bei der<br />

Konservierung eines Stahlschiffs<br />

mit viel Holz auch große Mengen<br />

an Lack, Farben, Härtern, Ölen<br />

etc. zum Einsatz kommen.<br />

ÖKOLOGISCH IM DETAIL<br />

Authentisch und umweltfreundlich,<br />

Segeln wie vor 100 Jahren ist<br />

also selbst auf der vorbildlichen Eye<br />

of the Wind nicht hundertprozentig<br />

möglich. Aber man arbeitet im Detail<br />

laufend daran, ohne Abstriche<br />

beim Komfort für die Gäste hinnehmen<br />

zu müssen. So wurde letzten<br />

Winter eine Schwarzwasser-Behandlungsanlage<br />

installiert, die wie<br />

ein kleines Klärwerk funktioniert.<br />

Das Abwasser wird gefiltert, bis<br />

da raus fast wieder Seewasser wird,<br />

das abgepumpt werden darf. Es<br />

verbleibt eine kleine Menge an<br />

Klärschlamm im System, der im<br />

nächsten Hafen entsorgt wird.<br />

Und in der Kombüse ist man<br />

schon längst umweltbewusst unterwegs.<br />

Echtes Geschirr und Besteck,<br />

Mehrweg-Getränkeflaschen –<br />

Küchenabfälle und sonstiger Müll<br />

werden nur im Hafen entsorgt, wo<br />

vor allem auch frische Lebensmittel<br />

und regionale Erzeugnisse eingekauft<br />

werden. Das freut übrigens<br />

alle Chartergäste, denn die Bordküche<br />

erhält in Umfragen zur Kundenzufriedenheit<br />

stets Bestnoten. <br />

Segeln wie damals: Eye of the Wind<br />

Baujahr 1911<br />

Werft<br />

Länge ü. a.<br />

Breite<br />

Tiefgang<br />

Takelagetyp<br />

C. H. Lühring Werft, Brake, Deutschland<br />

40,23 m<br />

7,01 m<br />

2,70 m<br />

Brigg<br />

Segelfläche 750 m 2<br />

Maschine<br />

Geschwindigkeit<br />

Schiffsrumpf<br />

Deck<br />

Passagier-Kabinen <br />

Crew-Kabinen <br />

Caterpillar-Diesel, 600 PS<br />

ca. 8 Knoten<br />

Stahl<br />

Teak<br />

6 (12 Kojen)<br />

4 (10 Kojen)<br />

Charter: Neben Kojen- und Kabinencharter ist auch die<br />

Buchung der gesamten Brigg tage- oder wochenweise<br />

möglich. Alle Angebote inkl.Törnplan <strong>2021</strong>–2022 unter<br />

è www.eyeofthewind.net<br />

Nachhaltig: Das Steuerrad<br />

der Eye of the<br />

Wind kam secondhand<br />

an Bord, das Tauwerk<br />

ist zwar nicht aus Hanf,<br />

aber langlebig. Die<br />

Kombüse setzt auf<br />

frische Lebensmittel<br />

und echtes Geschirr.<br />

SKIPPER MORITZ<br />

HANNOSCHOECK<br />

ist Kaptän auf der Eye<br />

of the Wind und sucht<br />

gelegentlich Verstärkung<br />

für seine Crew.<br />

è info@<br />

eyeofthewind.net<br />

50 4/<strong>2021</strong>


GREEN MILE<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

Megagrün?<br />

LUXUSSEGLER. Das Designstudio<br />

Nuvolari Lenard präsentierte<br />

Anfang Juni auf der Bootsmesse in<br />

Venedig mit dem Vento-Projekt das<br />

Konzept einer umweltfreundlichen<br />

100-Meter-Megayacht.<br />

Extremer Leichtbau (Rumpf aus<br />

Aluminium, Aufbauten und Mast<br />

aus Verbundmaterialien) und ein<br />

Rigg mit neu designtem Flügelsegel<br />

(Segelfläche: 2.100 m 2 ) sind zwei der<br />

sehr teuren Basics für das Projekt.<br />

Als zusätzlicher Antrieb ist eine<br />

hybride Diesel-Elektrik-Maschine<br />

angedacht. Die Ausstattung (sechs<br />

VIP-Kabinen für Gäste, eine groß ­<br />

zügige Master-Suite mit privater<br />

Terrasse, SPA, Beach Club, etc.) geht<br />

so sehr Richtung Luxus, dass man<br />

gespannt sein darf, wie sich – falls<br />

das Konzept jemals realisiert werden<br />

sollte – ein wirklich nachhaltiger<br />

Betrieb ausgehen kann.<br />

è www.nuvolari-lenard.com<br />

Eine realistische Rückkehr zum<br />

nachhaltigen Segeln. Sagt Nuvolari Lenard.<br />

Nicht die Segel gestrichen<br />

REGATTA-ERSATZ. Die schlechte<br />

Nachricht: Die 65. Auflage der<br />

Tall Ships Races, der bedeutendsten<br />

Regatta für historische Großsegler<br />

und Traditionsschiffe, musste<br />

Tall Ships Show in Stettin.<br />

aufgrund der anhaltend unsicheren<br />

Pandemielage abgesagt werden.<br />

Die gute Nachricht: Die polnische<br />

Ostseemetropole Stettin, in der das<br />

große Finale der Regatta hätte stattfinden<br />

sollen, plant als Ersatzevent<br />

vom 30. Juli bis 1. August auf den Inseln<br />

Łasztownia und Wyspa Grodzka<br />

die „Żagle.<strong>2021</strong>“ (Segel.<strong>2021</strong>). Die<br />

Veranstalter rechnen mit einer Vielzahl<br />

der für die Tall Ships Races gemeldeten<br />

Großsegler.<br />

Geplant sind ein kleines Ersatz ­<br />

rennen auf der Ostsee sowie eine<br />

Segelparade mit anschließender<br />

Bootsbesichtigung in Stettin. Be ­<br />

gleitet soll das Spektakel auf dem<br />

Wasser mit einem Fest am Land<br />

werden, bei dem eine Kirmes, Food-<br />

Truck-Zone, Craft-Beer-Zone und<br />

Showbühnen für Unterhaltung und<br />

Stärkung sorgen werden.<br />

è www.zagle<strong>2021</strong>.szczecin.eu<br />

Silent im Port Adriano<br />

OFFICE. Seine weltweite Marktführung<br />

in der Fertigung von rein elektrisch<br />

betriebenen Motorkatamaranen<br />

baut Silent Yachts mit einer<br />

neuen Niederlassung weiter aus. Im<br />

Port Adriano auf Mallorca hat das<br />

vom Kärntner Michael Köhler gegründete<br />

Unternehmen einen weiteren<br />

Hafen für aktuell eine Silent 55<br />

und eine Silent 64 gefunden. Im<br />

Spätsommer sollen eine Silent 60<br />

und eine Silent 80 folgen. Diese<br />

stehen für Besichtigungen und<br />

Probefahrten bereit. Im modernen<br />

Office mit Schauraum kann man sich<br />

dann vom Profiteam individuell beraten<br />

lassen – bei der Wahl des Interieurs,<br />

der Farben und Materialien<br />

bis hin zum Sonderzubehör.<br />

è www.silent-yachts.com<br />

Silent Yachts neues<br />

Office auf Mallorca.<br />

4/<strong>2021</strong> 51


Quallen<br />

Achtung, Bran<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

52 4/<strong>2021</strong>


Von feurigen Begegnungen und<br />

falschem Alarm. Denn nicht alles,<br />

was einer Qualle ähnlich sieht, ist<br />

auch eine. Und nicht alle Quallenarten<br />

sind gefährlich.<br />

Text und Fotos REINHARD KIKINGER<br />

dgefahr!Die Sommerferien stehen vor<br />

der Tür und damit auch die<br />

lang ersehnte Gelegenheit<br />

zur Ausübung von Wassersport<br />

aller Art. Sonne, Meer, Wind<br />

und Strand erfreuen Körper und<br />

Geist, das Eintauchen in die warmen<br />

Fluten des Meeres vermittelt Freiheit<br />

und Schwerelosigkeit. Wenn wir Pech<br />

haben, gehören aber auch andere<br />

Empfindungen dazu, nämlich plötzlicher<br />

und brennender Schmerz …,<br />

wir sind mit einer Qualle in Berührung<br />

gekommen. Das kann eine eher<br />

harmlose Nesselung oder, vor allem<br />

in tropischen Meeren, lebensbedrohlich<br />

sein.<br />

Wer jemals schlechte Erfahrungen<br />

mit diesen Nesseltieren gemacht hat,<br />

wird um jede Qualle, oder was dafür<br />

gehalten wird, einen weiten Bogen<br />

machen. Aber nicht alles, was einer<br />

Qualle ähnlich sieht, ist auch eine.<br />

Und nicht alle Quallenarten sind gefährlich.<br />

Pelagia noctiluca, der Kontakt mit ihr ist für uns schmerzhaft und brennt wie Feuer.<br />

Ihr Name ist aus dem Griechischen hergeleitet. Pelagós, das Meer und noctiluca, die in<br />

der Nacht Leuchtende. Ihr Schirm ist etwa 10 Zentimeter groß, blass-rosa bis bräunlich<br />

gefärbt und kann in der Nacht durch Biolumineszenz schwach leuchten. Die dünnen,<br />

kontrahierbaren Tentakel am Schirmrand werden etwa 1 Meter lang, sind leicht zu übersehen<br />

und nesseln heftig. Umgangssprachlich wird Pelagia Leucht- oder Feuerqualle<br />

genannt. Sie ist im Mittelmeer hauptverantwortlich für Nesselungen beim Wassersport.<br />

DIE HARMLOSEN<br />

Das sind die sogenannten Wurzelmundquallen<br />

(Ordnung Rhizostomeae).<br />

Wie der Name sagt haben sie<br />

reich verzweigte Mundarme, die an<br />

ein dichtes Wurzelsystem erinnern.<br />

Damit wird Kleinplankton als Nahrung<br />

gewonnen. Dafür brauchen sie<br />

weder lange Tentakel, noch ein starkes<br />

Nesselgift.<br />

Es sind große Quallen, einige Arten<br />

können mehrere Dezimeter Schirmdurchmesser<br />

erreichen und die meisten<br />

sind kräftige Schwimmer. Die<br />

Ausnahme von der Regel sind die<br />

Mangrovenquallen der Gattung<br />

Cassiopea. Sie besitzen ein stärkeres<br />

Nesselgift als die anderen Wurzel­<br />

4/<strong>2021</strong> 53


Quallen<br />

Feuerqualle der kälteren Regionen. Cyanea capillata ist in kalten und gemäßigten<br />

Zonen verbreitet und kann Schirmdurchmesser von über einen Meter erreichen. Die<br />

zahlreichen Tentakel werden bis 30 Meter lang und sind sehr stark nesselnd. Ihr deutscher<br />

Name ist Feuer- oder Haarqualle, „Lion‘s mane“ ist ihre englische Bezeichnung.<br />

Der Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle beschreibt in einem seiner Sherlock-Holmes-<br />

Romane den Tod eines Schwimmers durch den Kontakt mit der „Lion‘s mane“.<br />

„ Kommt man in Kontakt, dann erfolgt innerhalb von Millisekunden<br />

ein gewaltiges Feuerwerk von Entladungen der Nesselkapseln.“<br />

mundquallen, sind semi-sessil und<br />

liegen upside-down am Meeresgrund.<br />

Wir kommen daher mit<br />

ihnen beim Schwimmen nicht in<br />

Berührung.<br />

DIE UNANGENEHMEN<br />

Sie zählen vorwiegend zu den Fahnenquallen<br />

(Ordnung Semaeostomeae).<br />

Sie besitzen fahnenartig ausgezogene<br />

Mundarme und am<br />

Schirmrand Tentakel, die einen Meter<br />

und länger werden können. Die<br />

dünnen Tentakel sind leicht zu<br />

übersehen und können schmerzhaft<br />

nesseln. Der umgangssprach liche<br />

Trivialname „Feuerqualle“ bezieht<br />

sich auf Vertreter dieser Gruppe.<br />

Im Mittelmeer ist es vor allem<br />

die Leuchtqualle Pelagia noctiluca,<br />

die saisonal in großen Schwärmen<br />

vorkommen kann und den Badebetrieb<br />

massiv beeinträchtigt. Die<br />

Ursachen und das lokale Auftreten<br />

solcher Quallenplagen sind schwer<br />

auszumachen, da diese Tiere einen<br />

komplizierten Entwicklungszyklus<br />

durchlaufen und als Planktonorganismen<br />

von Strömungen weit<br />

verdriftet werden.<br />

DIE GEFÄHRLICHEN<br />

Das sind eindeutig die Würfelquallen<br />

(Klasse Cubozoa). Der deutsche<br />

Name Würfelqualle und die englische<br />

Bezeichnung box-jellyfish<br />

beschreiben ihre Körperform sehr<br />

gut. Ihr Schirm ist fast würfelförmig<br />

und trägt an seinen vier Ecken je einen<br />

oder ein Büschel von Tentakeln.<br />

Die Schirmgöße ist artspezifisch<br />

und reicht von einem bis 30 Zentimeter.<br />

Diese Medusen sind transparent<br />

und daher leicht zu übersehen.<br />

Die retraktilen Tentakel sind mit<br />

extrem potenten Nesselzellen besetzt.<br />

Besonders schmerzhaft sind Begegnungen<br />

mit Würfelquallen der<br />

„Irukandji-Gruppe“. Die oft nur<br />

Fingernagel-großen Medusen sorgen<br />

an Australiens Küstengewässern<br />

zeitweise für striktes Badeverbot.<br />

Hauptverbreitungsgebiet<br />

der Würfelquallen sind tropische<br />

Meere. Durch die Erwärmung<br />

des Mittelmeeres und wegen der<br />

Möglichkeit der Einwanderung<br />

durch den Sueskanal werden sie<br />

in Zukunft wohl auch hier häufiger<br />

anzutreffen sein.<br />

Neben den Würfelquallen besitzen<br />

auch einige Staatsquallen (Ordnung<br />

Siphonophorae) sehr starkes<br />

Nesselgift. Staatsquallen sind freischwimmende<br />

Kolonien hochspezialisierter<br />

Polypen. Ein bekanntes<br />

Beispiel ist die Portugiesische Galeere,<br />

die an der Meeresoberfläche<br />

treibt und deren Tentakel mehrere<br />

Meter tief hinabreichen.<br />

Der Auftriebskörper, Pneumatophor<br />

genannt, behält auch seine<br />

Form, wenn die Kolonie an Land<br />

gespült wird. Wegen ihrer blauen<br />

Färbung und des bojenartigen<br />

Pneumatophor haben diese Quallen<br />

den englischen Namen Blue bottles.<br />

FOTOS: SHUTTERSTOCK (3)<br />

54 4/<strong>2021</strong>


Die Sternhimmel-Qualle<br />

Phyllorhiza punctata<br />

(harmlos) erkennt man an ihren<br />

zahlreichen weißen Punkten<br />

an der Schirmoberfläche.<br />

In den letzten Jahrzehnten ist<br />

sie aus tropischen Meeren in<br />

das Mittelmeer eingewandert.<br />

Die harmlose Lungen-Qualle Rhizostoma pulmo ist im Mittelmeer häufig anzutreffen und pulsiert kontinuierlich mit<br />

ihrem großen Schirm. Ihre bevorzugte Schwimmlage ist mit horizontaler Körperachse. Achtung: Auch harmlose Quallen<br />

scheiden bei Berührung Nesselkapseln mit ihrem Mucus ab. Wenn der auf den Fingern haftet und wir damit Gesicht, Augen<br />

oder andere empfindliche Stellen berühren, kann das zu Reizungen führen. Daher auch harmlose Quallen nicht anfassen.<br />

Nicht ganz harmlos. Die Mangrovenquallen der Gattung Cassiopea liegen upsidedown<br />

am Meeresgrund im flachen Wasser. Für Wurzelmundquallen haben sie relativ<br />

starkes Nesselgift. Auch sie sind neue Zuwanderer im Mittelmeer.<br />

Harmlos. Die Spiegeleiqualle Cotylorhiza tuberculata<br />

ist in ruhigem Wasser oft direkt an der<br />

Wasseroberfläche anzutreffen. Sie ist im Mittelmeer<br />

die häufigste Wurzelmundqualle.<br />

Auch gestrandete Exemplare nicht<br />

berühren, sie nesseln immer noch!<br />

DIE HÄUFIGSTEN<br />

IM MITTELMEER<br />

Von den harmlosen Wurzelmundquallen<br />

sind die Spiegelei-Qualle<br />

Cotylorhiza tuberculata, die Lungen-Qualle<br />

Rhizostoma pulmo und<br />

die aus den Tropen eingewanderte<br />

Sternhimmel-Qualle Phyllorhiza<br />

punctata am häufigsten. Das sind<br />

große, schön gefärbte Medusen, alle<br />

sind in diesem Artikel abgebildet.<br />

Lokal kann auch eine Fahnenqualle,<br />

die milchig-weiße Ohrenqualle<br />

Aurelia aurita massenhaft<br />

Chrysaora hysoscella,<br />

die Kompass-Qualle<br />

oder „Sea nettle“ verdankt<br />

ihren umgangssprachlichen<br />

Namen<br />

der Zeichnung ihres<br />

Schirmes bzw. ihrer<br />

starken Nesselwirkung.<br />

Sie kommt neben Atlantik,<br />

Nord- und Ostsee<br />

auch im Mittelmeer vor.<br />

Ihr Schirm wird bis zu<br />

20 Zentimeter groß, ihre<br />

Tentakel werden etwa<br />

zwei Meter lang.<br />

auftreten. Auch sie nesselt nur ganz<br />

schwach. Dagegen ist ihre stark<br />

nesselnde Verwandte, die blass-rötlich<br />

gefärbte Leuchtqualle Pelagia<br />

noctiluca, für die meisten Nesselungen<br />

im Mittelmeer verantwortlich.<br />

Auch die Portugiesische Galeere<br />

Physalia physalis tritt lokal gelegentlich<br />

massenhaft auf und ist<br />

dann wegen ihrer starken Nesselkraft<br />

ein ernstes Problem für Tourismus<br />

und Fischereiwirtschaft.<br />

DIE BRANDBEKÄMPFUNG<br />

Generell ist zu beachten, dass alle<br />

Vertreter des Tierstammes Cnidaria,<br />

der Nesseltiere, Nesselzellen<br />

besitzen. Hier gilt daher ganz besonders:<br />

nicht berühren! Kommt<br />

man trotzdem in Kontakt, dann erfolgt<br />

innerhalb von Millisekunden<br />

ein Feuerwerk von Entladungen der<br />

Nesselkapseln.<br />

Die Folgen für das Opfer hängen<br />

von vielen Faktoren ab: von der<br />

Quallenart und der Stärke ihres<br />

Nesselgiftes. Wurde man an einer<br />

empfindlichen Hautstelle genesselt?<br />

Wie großflächig war der Kontakt<br />

und wie empfindlich oder allergisch<br />

ist die individuelle Reaktion? Die<br />

schmerzhaftesten und gefährlichsten<br />

Nesselungen erfolgen durch<br />

Würfelquallen, auch Seewespen<br />

Harmlos. Klein in der<br />

Größe, groß in der Zahl.<br />

Mastigias papua hat<br />

durch ihre Häufigkeit<br />

und durch tagesperiodische<br />

Wanderungen den<br />

„Jellyfish lake“ im pazifischen<br />

Palau berühmt<br />

gemacht.<br />

4/<strong>2021</strong> 55


Quallen<br />

REINHARD KIKINGER<br />

ist Meeresbiologe und<br />

langjähriger Kursleiter<br />

an der Universität Wien,<br />

an Feldstationen im<br />

Mittelmeer und auf den<br />

Malediven.<br />

FOTO: PRIVAT<br />

genannt. Ihr Gift ist hochgradig<br />

hämolytisch und kardiotoxisch.<br />

Ein Allheilmittel gegen den Giftcocktail<br />

der verschiedenen Quallenarten<br />

gibt es leider nicht. Literaturtipps<br />

sind zwar zahlreich, oft<br />

aber auch widersprüchlich. In jedem<br />

Fall empfiehlt es sich, anhaftende<br />

Tentakelreste vorsichtig zu<br />

entfernen und auf der Haut verbliebene<br />

Nesselkapseln zu immobilisieren.<br />

Dafür wird häufig Essig<br />

empfohlen.<br />

Für die Nachbehandlung bewähren<br />

sich Antihistamin-Salben. Bei<br />

schweren Nesselungen (Schockzustand,<br />

Kreislaufbeschwerden,<br />

unerträgliche Schmerzen) ist ärztliche<br />

Hilfe nötig.<br />

DIE VERKANNTEN<br />

Das sogenannte gelatinöse Megaplankton<br />

sind Tiere oder Tierkolonien,<br />

die als Anpassung an ihre<br />

ozeanische, frei driftende Lebensweise<br />

gemeinsame Merkmale aufweisen,<br />

wie hohen Wassergehalt<br />

und fehlende harte Skelettstrukturen.<br />

Dazu gehören neben Quallen<br />

z. B. auch Vertreter der Manteltiere<br />

(Stamm Tunicata) und Rippenquallen<br />

(Stamm Ctenophora).<br />

Sie besitzen keine Nesselzellen<br />

und sind für uns absolut ungefährlich,<br />

werden aber sehr oft irrtümlich<br />

für Quallen gehalten. Hat man<br />

die Verkannten als Taucher oder<br />

Schnorchler erst mal richtig eingeordnet,<br />

dann steht ihrer genauen<br />

Betrachtung nichts mehr im Wege:<br />

Sie gehören zu den fragilsten, elegantesten<br />

und faszinierendsten<br />

Meeresbewohnern.<br />

Auch die großen Wurzelmundquallen<br />

sind interessante Meerestiere.<br />

Ihre Farben, ihr Schwimmverhalten,<br />

ihre rhythmischen<br />

Pulsationen und die oftmalige<br />

Assoziation mit Jungfischen sind<br />

Lebensbedrohlich! Die Würfelquallen der Gattungen Chironex und Chiropsalmus<br />

haben das stärkste Gift aller Cubomedusen. Sie besitzen jeweils ein Büschel von Tentakeln<br />

an den vier Ecken ihres Schirms, sind in tropischen Meeren auch im Flachwasser anzutreffen<br />

und können wegen ihrer Transparenz leicht übersehen werden.<br />

Gefährlich! Die portugiesische<br />

Galeere Physalia physalis ist<br />

eine Staatsqualle. Sie besteht<br />

aus einer Kolonie spezialisierter<br />

Polypen, die an der Meeresoberfläche<br />

treiben. Die sehr stark<br />

nesselnden Tentakel reichen<br />

viele Meter in die Tiefe.<br />

gefahrlos zu beobachten. Wir<br />

können uns dabei auch bewusst<br />

machen, dass wir ein ausgesprochenes<br />

Erfolgsmodell der Evolution<br />

vor uns haben: Quallen gab es<br />

lange vor den Dinosauriern und<br />

es wird sie wohl lange nach uns<br />

noch geben. Sie gehören zu den<br />

Quellen<br />

Giftiges Strandgut. Auch<br />

angeschwemmte Exemplare<br />

der Portugiesischen Galeere<br />

(im Englischen „Blue bottle“)<br />

können noch nesseln.<br />

Heeger, T. (1998). Quallen, gefährliche Schönheiten. Wissenschaftliche<br />

Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart. 358 S. ISBN 3-8047-1487-0<br />

è www.alertdiver.eu/de_DE/artikel/staatsquallen-alarm-im-mittelmeer<br />

Das ist keine Qualle, sondern eine Kolonie von Manteltieren<br />

(Tunicata). Salpen sind frei schwimmende Meerestiere,<br />

die sich von Plankton ernähren und ketten- oder<br />

ringförmige Kolonien bilden können. Auch im Mittelmeer<br />

sind diese besonderen Begegnungen möglich. Zu den Salpen<br />

gehören auch die Feuerwalzen. Das sind zylindrischhohle<br />

Kolonien, die durch Bakterien blaugrün leuchten.<br />

Organismen, die mit den Veränderungen<br />

des marinen Milieus am<br />

besten zurechtkommen werden. <br />

„ In jedem Fall empfiehlt es sich, anhaftende Tentakelreste vorsichtig<br />

zu entfernen und auf der Haut verbliebene Nesselkapseln<br />

zu immo bilisieren. Dafür wird häufig Essig empfohlen.“<br />

FOTOS: SHUTTERSTOCK (2)<br />

56 4/<strong>2021</strong>


Kleines Boot,<br />

großes Abenteuer<br />

INSEL<br />

HOPPING<br />

REISEBERICHT. Eigentlich waren Franz X. Priester<br />

und seine Gattin mit ihrer K30 auf dem Attersee<br />

daheim. 2003 und 2004 nahm sich das Paar ein<br />

Herz und segelte mit dem Boot von Linz die Donau<br />

hinunter ins Schwarze Meer und durch den<br />

Bosporus nach Istanbul. Und von dort durch das<br />

Mittelmeer nach Triest. Der Reisebericht ist im<br />

Eigenverlag erschienen, Herr Priester versendet<br />

auf Anfrage gerne seine Restexemplare.<br />

Franz X. Priester: Von Linz nach Istanbul in<br />

30 Tagen. Eigenverlag € 35,–, bestellbar bei<br />

è franz@priester.at<br />

Hafenführer Ägäis<br />

NEUAUFLAGE. Der Salzburger Axel<br />

Kramer veröffentlicht im eigenen<br />

Verlag seine Hafenführer für das<br />

Mittelmeer. Bislang sind es acht,<br />

wobei es zahlreiche aktualisierte<br />

Neuauflagen gibt.<br />

Die neueste, diesen Mai erschienene,<br />

betrifft den Zentralraum der Ägäis<br />

samt Kykladen. Die Informationen sind<br />

aktuell, die Texte kurz und prägnant,<br />

die Aufmachung praktisch (Spiralbindung,<br />

kräftiges Papier,<br />

Beschreibung<br />

und Plan auf einer<br />

Doppelseite).<br />

Axel Kramer:<br />

Hafenführer Ägäis.<br />

Zentralraum und<br />

Kykladen. 8. Auflage,<br />

See-Verlag.<br />

159 Seiten, € 37,–.<br />

è www.hafenführer.at<br />

€ 22,90 € 22,90 [D] [D] • ISBN • ISBN 978-3-667-11935-3<br />

Dieser kulinarische Reiseführer<br />

führt Sie Sie zu zu den den besten Restaurants<br />

entlang der der Adriaküste<br />

von von Kroatien. Alle Alle vorgestellten<br />

Lokale sind sind vom vom Wasser aus aus gut gut<br />

zu zu erreichen und und bieten typisch<br />

kroatische Gerichte und und Spezialitäten.<br />

Mit Mit einer kleinen kulinarischen<br />

Kroatisch-Deutsch-<br />

Wörterliste.<br />

ku-<br />

Von Split nach Tahiti<br />

REISEBERICHT. Die einen fliegen in<br />

der Pension nach Mallorca. Die anderen<br />

suchen sich weiter entfernte Ziele.<br />

So auch Martin Tscherny.<br />

Der Tullner Optiker<br />

erwarb 2017 mit 67 Jahren<br />

eine 17 Jahre alte Bavaria<br />

40 und segelte mit<br />

ihr zweieinhalb Jahre<br />

von Split bis nach Tahiti.<br />

Bis Sardinien noch<br />

alleine segelnd, suchte<br />

sich Tscherny für die<br />

weiteren Etappen über das Internet<br />

Mitreisende und fand sie auch. Das<br />

aus der Reise entstandene Buch ist im<br />

Eigenverlag erschienen<br />

und kann bei Martin<br />

Tscherny erworben<br />

werden.<br />

Martin Tscherny: Mit<br />

dem Segelboot von Split<br />

bis Tahiti. Eigenverlag.<br />

108 Seiten, € 15,–,<br />

Zu bestellen unter<br />

è www.martinsegeln.at<br />

Satz Satz 7: Venedig-Drvenik 7: V. V. Satz Satz 8: Žirje 8: Žirje - Bar - Bar<br />

€ 59,90 € 59,90 [D] [D]<br />

€ 59,90 € 59,90 [D] [D]<br />

978-3-667-12144-8<br />

978-3-667-12146-2<br />

www.delius-klasing.de


Charter<br />

FOTO: CHRISTIAN LENDL<br />

Nach 30 Jahren in der Branche nahm sich Andrea Barbera<br />

eine Auszeit – nun ist die Grande Dame im Charter-Business<br />

voller Elan wieder da. Und mit welchem Plan? Das verriet<br />

uns die Powerfrau im Interview.<br />

Jedem seine Insel<br />

ANDREA BARBERA<br />

ist Geschäftsführerin<br />

und Charterbranchenkennerin<br />

seit 30 Jahren.<br />

è www.barberayachting.de<br />

Nach deinem Sabbatical bist du wieder<br />

in die Charterwelt zurückgekehrt. Was<br />

hat dich dazu bewogen?<br />

Es geht eben doch nicht ohne. Ich<br />

bin davon überzeugt, dass man<br />

nach 30 Jahren Power einmal eine<br />

Auszeit benötigt, um zu überlegen,<br />

ob der Weg, auf dem man geht,<br />

noch der richtige ist. Da habe ich<br />

festgestellt, dass das Charterbusiness<br />

doch mehr ist als nur eine Arbeit.<br />

Es ist meine Passion. Die Idee,<br />

meinen Kunden einen Urlaub „auf<br />

der eigenen Insel“ zu ermöglichen,<br />

das treibt mich jeden Morgen wieder<br />

aufs Neue an.<br />

Der Name „Barbera Yachting“ ist neu,<br />

deine Werte sind die alten geblieben?<br />

Der Name Bar bera ist bekannt in<br />

der Branche und gar nicht so neu.<br />

Seit mehr als 30 Jahren stehe ich<br />

für den persönlichen Kontakt zu<br />

unseren Kunden, für die hohe<br />

Qualität der Yachten von unseren<br />

Vercharterern vor Ort und für unsere<br />

Verlässlichkeit, im Übrigen<br />

auch in diesen schwierigen Zeiten.<br />

Das sind Werte, die ich schon 30<br />

Jahre lang vertrete und lebe. Dafür<br />

steht auch – wie der Name schon<br />

sagt – meine eigene Agentur Barbera<br />

Yachting, die ich gemeinsam<br />

mit meinem Sohn Max Barbera<br />

führe.<br />

Ende Oktober 2020, also mitten im<br />

zweiten Lockdown, an den Start zu<br />

gehen, war schon ein mutiger Schritt …<br />

Niemand wusste ja, dass wir so lange<br />

mit der Pandemie zu kämpfen<br />

haben. Wir waren bereits im Sommer<br />

in Vorbereitung, wollten das<br />

Business für die Saison <strong>2021</strong> mitnehmen.<br />

Daraus wird nun eher ein<br />

Last-Minute­ Geschäft, das einher<br />

geht mit den Länderöffnungen und<br />

den sich täglich ändernden Gegebenheiten.<br />

Aber wir sehen eine erfreuliche<br />

Entwicklung, auch noch<br />

für das Jahr <strong>2021</strong>. Im nächsten und<br />

in den folgenden Jahren – so schätzen<br />

wir – werden alle urlaubshungrig<br />

sein und buchen, buchen. Eine<br />

der sichersten Urlaubsdestinationen<br />

ist dabei ganz klar die Segelyacht<br />

oder der Katamaran.<br />

Noch ist die Angst vor Corona nicht<br />

ausgestanden, was könnt ihr da euren<br />

Kunden bieten?<br />

Neben der Einhaltung aller erforderlichen<br />

Hygienevorschriften ist<br />

das Testen vor der Rückreise für<br />

viele eine große organisatorische<br />

Hürde. Denn jeder möchte seinen<br />

– erfahrungsgemäß doch meist nur<br />

einwöchigen – Yachturlaub bis zum<br />

„ Ich selbst finde das Ionische Meer<br />

wunderschön und letztlich kann man<br />

keine Yachten vermitteln, wenn man<br />

seinen Beruf nicht liebt und lebt!“<br />

58 4/<strong>2021</strong>


X<br />

X<br />

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X<br />

X<br />

CMYK CMYK CMYK<br />

RGB RGB RGB<br />

X<br />

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PANTONE 1655 C PANTONE 348 C PANTONE 300 C<br />

RGB 221/72/20 RGB 0/133/66 RGB 0/101/189<br />

X<br />

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X<br />

X<br />

letzten Augenblick auskosten. Die<br />

Terminvereinbarung und das Aufsuchen<br />

von Teststationen sind da<br />

ein Wermutstropfen. Seit Neuestem<br />

bieten wir deswegen einen Antigen-Schnelltest<br />

an Bord an. Die<br />

Kunden verbinden sich mit einer<br />

digitalen Teststation, lassen ihre<br />

Daten vom Ausweis per Video­<br />

Ident verifizieren, machen den<br />

Schnelltest live und erhalten dann<br />

das Ergebnis ihres Tests per E-Mail,<br />

das gleichsam durch unser Siegel<br />

für die Rückreise gültig ist. Unsere<br />

Kunden benötigen dazu lediglich<br />

einen eigenen Schnelltest um fünf<br />

Euro und eine Termin vereinbarung<br />

beim digitalen Testzentrum um<br />

zehn Euro.<br />

Wie sieht dein Fahrplan für die<br />

nächste Zeit aus?<br />

Wir hoffen doch, dass sich die<br />

Gesamt situation im nächsten Jahr<br />

wieder nor malisiert, damit wir<br />

eine stärkere Planungssicherheit<br />

bekommen. Das heißt, dass die<br />

Kunden schon zu den üblichen<br />

Buchungszeiten im Herbst ans<br />

kommende Jahr denken und ihren<br />

Törn buchen. So gehen wir grundsätzlich<br />

davon aus, dass es im<br />

nächsten Jahr einen großen Run<br />

auf Charterboote geben wird. Das<br />

Mittelmeer wird sehr gefragt sein.<br />

Die Bootsmesse in Düsseldorf als<br />

Seismograf der Branche wird ja<br />

ebenfalls wieder im Jänner nächsten<br />

Jahres stattfinden. Für uns<br />

heißt das auch, dass wir uns dort<br />

offiziell präsentieren und Barbera<br />

Yachting repräsentativ in der<br />

Branche etablieren können.<br />

Volles Programm – geht sich da<br />

noch ein privater Segeltörn aus?<br />

Mindestens einmal im Jahr muss<br />

das sein. Derzeit – wohl auch, weil<br />

Antigen-Schnelltest bequem an Bord? Unter Einsatz digitaler Hilfsmittel ist<br />

das behördenkonform möglich, Barbera Yachting hilft dabei.<br />

die Lage es erlaubt – favorisiere ich<br />

Griechenland. Max war zur Saisoneröffnung<br />

am 15. Mai dort segeln,<br />

seinen Bericht gibt es auf unserem<br />

Blog. Ich selbst finde das Ionische<br />

Meer wunderschön und letztlich<br />

kann man keine Yachten vermitteln,<br />

wenn man seinen Beruf nicht<br />

liebt und lebt!<br />

LEBE DEN EXCESS!<br />

Die hochkarätigen Katamarane von Excess<br />

vereinen Geschwindigkeit und Komfort.<br />

+43 (0) 4242 41310<br />

boote@ortner-boote.com<br />

www.ortner-boote.com<br />

TERHI GRAAFINEN OHJE - 2016 - CONEVERTOITU<br />

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Skipper‘s Diaries<br />

Der Sohn des<br />

Klabautermanns<br />

In die Fußstapfen des Schreckgespensts aller Seefahrer zu treten<br />

ist keine leichte Aufgabe. Aber Übung macht den Meister, das<br />

gilt auch für kleine Klabautermänner.<br />

Kapitän Meyers schwang wie<br />

gewohnt seine Beine aus der<br />

Koje und wollte in seine hohen,<br />

braunen Lederstiefel, die vor<br />

seinem Bett standen, schlüpfen.<br />

Doch da waren keine Stiefel, sondern<br />

nur die ausgetretenen, weißen<br />

Pantoffel des Schiffskochs.<br />

Da bemerkte der Kapitän das aufgeregte<br />

Hin- und Herlaufen auf dem<br />

Oberdeck. Barfuß ging er hinauf<br />

und musste schmunzeln. Die gesamte<br />

Mannschaft war damit beschäftigt,<br />

die jeweils richtigen Schuhe<br />

zum richtigen Mann zu finden. Der<br />

Koch kam mit den Kapitänsstiefeln<br />

vorbei. Meyers schnappte sich sein<br />

Schuhwerk und donnerte mit brummiger<br />

Stimme los: „Wem bei allen<br />

Stürmen dieser Weltmeere ist denn<br />

dieser Unfug eingefallen?“ Betretenes<br />

Schweigen der Mannschaft.<br />

„Statt eurer Arbeit nachzugehen<br />

habt ihr Halunken nichts Besseres<br />

im Sinn, als Streiche zu spielen!“<br />

Nachdem sich kein Verantwortlicher<br />

finden ließ, ging der Kapitän<br />

auf die Brücke, um dort nach dem<br />

Rechten zu sehen. Wie üblich stand<br />

gleich neben dem Kartentisch eine<br />

Schale duftenden Kaffees, ohne<br />

den Meyers in der Früh besonders<br />

brummig war.<br />

Nach zwei Löffeln Zucker nahm<br />

er den ersten Schluck, stürmte mit<br />

einem lauten „Hrpff “ zur Seereling,<br />

spuckte das salzige Gebräu ins Meer<br />

und warf die Schale gleich hinterher.<br />

Irgendjemand hatte in seine geliebte<br />

Zuckerdose Salz eingefüllt!<br />

Wer war so dreist, ihm solche<br />

Streiche zu spielen? Da fielen ihm<br />

die Begebenheiten der letzten Tage<br />

ein. Der verlegte Kartenzirkel, die<br />

plötzlich leere Tabaksdose, der Mittagstisch<br />

ohne Besteck. Wer konnte<br />

der Täter sein?<br />

Am nächsten Morgen kam er an<br />

Deck und es fiel ihm sofort auf, dass<br />

seine Männer ihm schweigsam auswichen.<br />

Als er einen Blick in den<br />

Himmel warf, traute er seinen Augen<br />

nicht. Die Vorsegel waren gelb,<br />

die Großsegel rot und die Besansegel<br />

blau angemalt! Wie eine bunte Kuh<br />

zog sein Schiff über das Meer. Das<br />

schlug dem Fass den Boden aus!<br />

Sofort gab er Befehl, die Segel zu<br />

bergen und zu reinigen. Später in<br />

seiner Kajüte fasste er einen Plan.<br />

EINE MÜNZE UNTERM MAST<br />

Am Abend rollte der Kapitän seine<br />

Kleider zusammen, so dass man<br />

durch das Bullauge blickend glauben<br />

konnte, er läge in seiner Koje. Meyers<br />

setzte sich aber gleich hinter die<br />

Tür und hielt Wache. Die Stunden<br />

vergingen, da öffnete sich plötzlich<br />

leise der Eingang. Mit seinen riesigen<br />

Händen packte Meyers zu und<br />

schnappte eine kleine, grünliche Gestalt<br />

mit blauen, zotteligen Haaren.<br />

„Wer bist du, und was fällt dir ein,<br />

hier herumzuschleichen und Unfug<br />

zu treiben?“, fragte er.<br />

Zerknirscht, aber auch trotzig<br />

antwortete der kleine Wicht: „Ich<br />

bin der jüngste Sohn des Klabautermanns<br />

und schon seit Tagen hier<br />

an Bord, um zu üben, wie man<br />

Seeleuten Streiche spielt.“<br />

„Aber ich habe dich erwischt“,<br />

spottete Meyers, „und morgen früh<br />

Illustration aus dem Buch „Zur See“, Henk Verlagsanstalt<br />

und Druckerei, Hamburg, 1885.<br />

werde ich dich der Mannschaft vorführen.<br />

Die werden sich freuen, dich<br />

in die Finger zu kriegen.“<br />

Da begann der Sohn des Klabautermanns<br />

zu betteln und zu weinen:<br />

„Mein Vater wird sehr böse sein, es<br />

ist nämlich die größte Schande für<br />

einen Klabautermann, erwischt zu<br />

werden! Kannst du nicht ein Auge<br />

zudrücken und mich freilassen?“<br />

Der Kapitän, der im Innersten ein<br />

weiches Herz hatte, nahm dem<br />

Wicht das Versprechen ab, dass er<br />

zukünftig alle Schiffe, auf denen er<br />

das Kommando haben sollte, verschonen<br />

würde. Er begleitete den<br />

Sohn des Klabautermanns noch zur<br />

Reling und sah zu, wie dieser in den<br />

Tiefen des Meeres verschwand. Zurück<br />

in seiner Kajüte fand der Kapitän<br />

auf seinem Polster einen Zettel,<br />

auf dem in krakeliger Schrift stand:<br />

Weil du im Herzen ein guter<br />

Mensch bist, verrate ich dir das große<br />

Klabauter-Geheimnis. Wenn du<br />

willst, dass dein Schiff von uns in<br />

Ruhe gelassen werden soll, so lege<br />

eine kleine Münze unter den Mast,<br />

wo jeder Klabautermann zuerst<br />

nachschaut. Das ist für uns das Zeichen,<br />

dass du ein Eingeweihter bist.<br />

Dein Klabautermann<br />

<br />

THOMAS PERNSTEINER<br />

ist Skipper, allgemein<br />

beeideter und gerichtlich<br />

zertifizierter<br />

Sachverständiger für<br />

Schifffahrt und Wasserfahrzeuge.<br />

kolumne@<strong>ocean7</strong>.at<br />

60 3/<strong>2021</strong>


f<br />

Alles Alu<br />

BLAUWASSERYACHT. Die Ovni 370 des<br />

französischen Aluminiumyacht-Spezialisten<br />

Alubat soll Ende September bei<br />

der Grand Pavois in La Rochelle Premiere<br />

feiern. Die kleine Schwester der vor<br />

zwei Jahren vorgestellten Ovni 400 wird<br />

ebenfalls blauwasser-, ja sogar eismeertauglich<br />

sein. Neu sind z. B. die Rumpfform<br />

mit dem abgerundeten, voluminösen<br />

Bug, das zweite Steuerrad und das<br />

Panoramadach. Das fürs Einhandsegeln<br />

ausgelegte Boot ist in einer klassischen<br />

Kompakter Kat<br />

So klein und<br />

schon ein Kat:<br />

Broadblue 346.<br />

Traum in Türkis<br />

Version (Mittelsalon) oder einer Decksalon-Version<br />

(Salon an Steuerbord)<br />

erhältlich.<br />

è www.alubat.fr<br />

SEGELKATAMARAN. Viele langstreckentaugliche<br />

Segelkats unter zwölf Metern<br />

gibt es ja nicht. Mit seiner 10,2 Meter langen<br />

346 stellt der englische (aber inzwischen<br />

auch schon in Polen bauen lassende)<br />

Hersteller Broadblue Catamarans<br />

eine der wenigen Ausnahmen. Highlights:<br />

4,85 Meter Breite, Tiefgang 1 Meter, Zertifizierung<br />

A für Hochsee, ausgelegt für<br />

maximal sechs Personen in zwei Doppelkabinen<br />

achtern und zwei Einzelkabinen<br />

in den Bugräumen, festes Vorschiff, hochwertige<br />

Materialien und viele Möglichkeiten<br />

zur Personalisierung.<br />

è www.broadblue.com<br />

CUSTOMIZING. Taiwans Premiumwerft<br />

Hylas baut Semi-Custom-Hochseeyachten,<br />

deren Innenräume von ihren<br />

Käufern sehr individuell ausgestattet<br />

werden können. Die Ausstaffierung von<br />

Rumpf Nr. 3 der Hylas H57 wurde z. B.<br />

in die bewährten Hände des italienischen<br />

Designstudios Hot Lab gelegt. Herausgekommen<br />

ist ein Traum in Türkis, das jeder<br />

Mailänder Luxussuite gut zu Gesicht<br />

stehen würde. Doch damit nicht genug:<br />

Hylas ließ sich von der Kolorierung inspirieren<br />

und stimmte Riggs, Hardtop<br />

und Rumpf auf die Farbpalette der Hot-<br />

Lab-Innenausstattung ab.<br />

è www.hylasyachts.com<br />

Mit Alu ins Blaue: Ovni 370.<br />

YACHT-POOL<br />

Versicherungen<br />

45<br />

Jahre<br />

Innovator<br />

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Trendsetter<br />

Pionier<br />

der Allgefahrendeckung für<br />

Yachteigner<br />

Erfinder<br />

der Haftpflichtversicherung für<br />

Charterskipper<br />

da kann auch kommen<br />

was man nicht will.<br />

YACHT-POOL Deutschland<br />

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Hylas H57 auf Mailänder Art.


Di<br />

Kom<br />

Excess 12<br />

62 4/<strong>2021</strong>


e Kunst des<br />

promisses<br />

Mit der neuen Marke Excess will die Beneteau-Gruppe bei den Katamaranen den Spagat<br />

zwischen Sport und Komfort schaffen. Die eben erst mit hohem Fun-Faktor aufgefrischte<br />

Excess 12 zeigt, dass der Mittelweg für viele Eigner tatsächlich der goldene sein könnte.<br />

Text AREK REJS | Fotos WERFT<br />

4/<strong>2021</strong> 63


Excess 12<br />

Keine Flybridge, dafür aber mehr Segelfläche und achtern angeordnete<br />

Steuerstände. Die Modellpflege brachte der Excess 12 vorschiffs eine<br />

neue Leiter, die das Dach zum leicht enterbaren Sonnendeck macht.<br />

Der Katamaranmarkt wird von<br />

Modellen dominiert, die ihren<br />

Eignern in erster Linie<br />

viel Platz und Komfort auf<br />

zwei Rümpfen bieten sollen. Eine zweite,<br />

wesentlich kleinere Gruppe von<br />

Kats hat sich dem Hochleistungssegeln<br />

verschrieben.<br />

Die Marktforscher der Beneteau-<br />

Gruppe glauben, dass es eine Lücke<br />

zwischen den beiden Arten von Multihulls<br />

gibt, die groß genug ist, um mit<br />

einer eigenen Kategorie von Kats gefüllt<br />

zu werden. So entstand die Idee,<br />

die Marke Excess zu schaffen, deren<br />

Modelle sich leistungsmäßig den<br />

Sportyachten annähern, ohne Abstriche<br />

beim gewohnten Komfort<br />

einstecken zu müssen.<br />

Die ersten präsentierten Modelle<br />

waren 2019 die Excess 12 und 15. Letztes<br />

Jahr wurde die Excess 11 vorgestellt<br />

und heuer, ziemlich unerwartet, eine<br />

aufgefrischte Version der 12, die wir<br />

probesegeln konnten. So flotte Modell-<br />

Updates sind in der Branche eigentlich<br />

nicht üblich. In der Werft betont man,<br />

dass hier ein neues Konzept der Zusammenarbeit<br />

von Werft und Kunden<br />

verwirklicht werde.<br />

Die Struktur des Kats selbst, seine<br />

Linien oder die Segel wurden nicht<br />

verändert, aber mehr als 25 Änderungen,<br />

die von Eignern oder Crews vorgeschlagen<br />

wurden, seien umgesetzt<br />

worden. Meist handelt es sich um<br />

Detailmodifikationen wie etwa ver ­<br />

größerte und absenkbare Esstische,<br />

eine ver längerte Couch oder ein<br />

adaptierter Schreibtisch.<br />

Eine bemerkenswerte Änderung<br />

fand vorschiffs statt: Hier befindet sich<br />

nun eine klappbare Leiter, über die<br />

man auf das Dach klettern kann. Die<br />

Treppe soll nicht nur für mehr Sicherheit<br />

für die Crew sorgen, die beim Setzen<br />

oder Einholen der Segel hilft, sondern<br />

auch sonnenhungrigen Gästen<br />

den Weg aufs Dach erleichtern. Es<br />

wurde ein neues Sonnendeck gewonnen,<br />

auf dem spezielle Matratzen ausgelegt<br />

werden können.<br />

64 4/<strong>2021</strong>


„ Modellpflege mit ganz feinem Pinsel: Die 25 Änderungen wurden von<br />

den Eignern und Crews der Excess 12 vorgeschlagen.“<br />

NO FLYBRIDGE<br />

Prinzipiell wurzelt die Excess 12 auf<br />

Beneteaus zweiter Katamaranmarke<br />

Lagoon. Bei der Excess 11, dem<br />

ersten Modell der Marke, der ohne<br />

Anleihen von Lagoon ent wickelt<br />

wurde, ist dies nicht mehr sichtbar.<br />

Allen Excess-Modellen gemeinsam<br />

ist das Grunddesign: eine außergewöhnlich<br />

flache und niedrige<br />

Deckslinie, der Aufbau ohne Fly ­<br />

bridge und die weit achtern, am<br />

Ende der Rümpfe, angeordneten<br />

Steuerstände. Typische Lösungen<br />

für traditionelle Einrumpfyachten,<br />

aber sehr selten für Katamarane.<br />

Dank der nicht vorhandenen<br />

Flybridge war es möglich, den<br />

Mast nach hinten zu versetzen,<br />

den Baum zu senken und damit<br />

eine größere Segelfläche zu erhalten.<br />

Durch die Verlegung des<br />

Steuer standes nach achtern hat<br />

der Skipper ständigen Kontakt mit<br />

seiner Crew und ist nicht durch ein<br />

Deck oder eine hohe Treppe von<br />

seinen Gästen getrennt. Zudem hat<br />

er eine viel bessere Kontrolle über<br />

das Geschehen an Bord.<br />

KAT OF THE ART<br />

Die Möglichkeiten zum Verstauen<br />

und das Platzangebot innen und<br />

außen, die Ausstattung und das<br />

freundliche Ambiente unter Deck –<br />

alles State of the Art, man merkt,<br />

dass hier routinierte Katamaranbauer<br />

am Werk waren.<br />

Die Tür vom Cockpit in den Salon<br />

ist vielleicht ein wenig schmal<br />

ausgefallen. Und die Stützen des<br />

nach hinten verlegten Mastes gleich<br />

Excess 12<br />

Länge ü. a.<br />

Länge<br />

Breite<br />

Großmast<br />

Tiefgang<br />

Verdrängung Leerschiff <br />

11,74 m<br />

11,46 m<br />

6,73 m<br />

18,27 m<br />

1,35 m<br />

10,3 t<br />

Kojen 6–12<br />

Frischwasser<br />

Grauwasser<br />

Kraftstofftank<br />

Motoren<br />

300 l<br />

160–320 l<br />

2 x 200 l<br />

2 x 29 PS bis 2 x 45 PS<br />

Segel<br />

Großsegel 50 m 2<br />

Selbstwendefock 32 m 2<br />

Code 0 (optional) 67 m 2<br />

Segelfläche am Wind 88,5 m 2<br />

Basispreis netto ab € 292.000,–<br />

Händler: Ortner Boote, 9500 Villach; Kontakt:<br />

Ing. Hans Ortner, Tel. +43 4242 / 413 10.<br />

è www.ortner-boote.com<br />

4/<strong>2021</strong> 65


Helle Farben, große Fensterflächen, viel Stauraum: Schon rein optisch gehört die<br />

Excess 12 nicht zu den barocken Kats, sondern zu den sportlich-fitten.<br />

hinter dem Eingang, direkt neben<br />

dem Kombüsenschrank, stehen<br />

etwas im Weg.<br />

Im Backbordrumpf wurde<br />

die Eignerkabine mit einem Schlafraum,<br />

einer Sitzecke und einem Bad<br />

im Bugbereich gestaltet, während<br />

sich im Steuerbordrumpf zwei Gästekabinen<br />

und ein Bad mit Dusche<br />

dazwischen befinden. In den Zimmern<br />

herrscht Stehhöhe und viel<br />

natürliches Licht. Eine Variante mit<br />

vier Kabinen ist auch erhältlich,<br />

wird aber seltener bestellt – die<br />

meisten Kunden sind Privateigner<br />

und keine Charterfirmen.<br />

LET’S SAIL!<br />

Bei den Tests überraschte die Excess<br />

12 mit leichter Manövrierbarkeit<br />

und guter Performance. Für eine<br />

komfortable Steuerung sorgen zwei<br />

Steuerräder, die direkt an der Ruderblattsäule<br />

montiert sind. Das<br />

macht die Steuerung extrem effizient.<br />

Die Yacht reagierte während<br />

der Manöver fantastisch auf das Ruder.<br />

Das Wenden? Wie ein Manöver<br />

auf einer Einrumpfyacht!<br />

Die Basisfock ist selbstwendend,<br />

was es besonders einfach macht,<br />

allein oder mit unerfahrener Crew<br />

zu segeln. Die Fock und andere Vorsegel<br />

werden zu Winschen im hinteren<br />

Cockpit und die Großschot<br />

durch ein System von Blöcken am<br />

Heckspiegel geführt.<br />

Trotz der Lage des Steuerstandes<br />

ziemlich tief hinter den Aufbauten<br />

gibt es auf der Excess 12 freie Sicht<br />

in alle Richtungen. Große Fenster<br />

rund um die Aufbauten ermöglichen<br />

es, auch das Vorschiff gut im<br />

Auge zu behalten. Optional können<br />

zwei Kameras am Bug bestellt werden,<br />

die für mehr Sicherheit bei der<br />

Schiffsführung unter Segel sorgen.<br />

LET’S SAIL!<br />

Eine gelungene Sym biose zwischen<br />

Komfort und Raumangebot eines<br />

Katamarans und dem Segelspaß<br />

sowie der Sportlichkeit eines Einrümpfers.<br />

Obwohl die Excess 12<br />

noch die DNA der Schwesternmarke<br />

Lagoon besitzt (was man z. B. an<br />

der fast quadratischen Form des<br />

Aufbaus bemerkt), geht die Rechnung,<br />

etwas Raum (Flybridge) zu<br />

opfern, um mehr Performance zu<br />

erhalten, sehr gut auf. Man darf gespannt<br />

sein, wie die zukünftigen<br />

Modelle von Excess diesen Ansatz<br />

noch weiter verfeinern werden. <br />

„ Die gelungene Symbiose<br />

zwischen dem Komfort<br />

eines Kats und dem<br />

Segelspaß eines<br />

Einrümpfers.“<br />

66 4/<strong>2021</strong>


Tragbarer Wassersport<br />

PANORAMA<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

DACHSYSTEME. Früher brauchte man<br />

für den Autotransport für Surfbretter einen<br />

Bus, einen Anhänger oder ein sehr<br />

durchdachtes Schnürsystem für den<br />

Dachträger. Dank moderner Trägersysteme<br />

ist man heute flexibler und sicherer<br />

unterwegs. Weltmarktführer Thule z. B.<br />

stellt mit dem Board Shuttle einen Surfboard-<br />

und SUP-Träger her, der sich ideal<br />

für den Transport von ein oder zwei<br />

Boards auf einem beliebigen Dachträger<br />

eignet. Gute Nachrichten für Kajak- und<br />

Kanubesitzer: Auch hier gibt es inzwischen<br />

flexible Trägersysteme.<br />

Erhältlich z. B. online bei<br />

Rameder.<br />

è www.thule.com<br />

è www.kupplung.at<br />

Board Shuttle<br />

von Thule.<br />

Breitband übers All<br />

SATELLITENEMPFANG. Die neue v45C­<br />

Antenne von Intellian ist einer der Gründe,<br />

warum Internetverbindungen über Satellitennetzwerke<br />

immer kompakter werden und<br />

effektiver zu betreiben sind. Bislang brauchte<br />

man, um das FlexMaritime-Netzwerk des<br />

Satellitenkommunikationsdienstes Intelsat<br />

nutzen zu können, Antennen mit mindestens<br />

60 cm Durchmesser. Nun hat Intelsat sein für<br />

Freizeit-, Fischerei- und kommerzielle Seeschiffe<br />

gedachtes Netzwerk auch für die kleineren<br />

45-cm-Antennen freigegeben. Die 23 kg<br />

schwere v45C als eine der ersten Antennen der<br />

neuen Klasse soll den globalen Internet-Empfang<br />

auch für kleinere Schiffe ermöglichen.<br />

è www.intelliantech.com<br />

Glänzende Aussichten<br />

LACKPFLEGE. Das deutsche Unternehmen<br />

Nobelclean hat sich auf Lackpflege<br />

von Flugzeugen und Luxuslimousinen<br />

spezialisiert, darf aber auch zahlreiche<br />

Superyachten zur Kundschaft zählen.<br />

Das selbst entwickelte Reinigungs- und<br />

Poliersystem nennt sich Diamonding und<br />

ist eine Methode der Lackbehandlung, die<br />

zwar mit den üblichen Poliermaschinen<br />

funktioniert, aber anstatt Lammfell und<br />

Schwämme zu verwenden, arbeiten die<br />

Nobelclean-Teams mit „Nobelpads“ aus<br />

Baumwolle oder Mikrofaser. Vorteile:<br />

Die Methode ist umweltfreundlich, benötigt<br />

kein Wasser, verursacht keinen<br />

Lärm oder Schmutz und ist viel billiger<br />

und schneller als ein Neuanstrich.<br />

è www.nobelclean.com<br />

Diamondingen<br />

statt polieren.<br />

IMPRESSUM<br />

MEDIENINHABER: Satz- und Druck-Team GmbH,<br />

Feschnig straße 232, 9020 Klagenfurt, +43 463/461 9025,<br />

www.<strong>ocean7</strong>.at, redaktion@<strong>ocean7</strong>.at, office@<strong>ocean7</strong>.at,<br />

Firmenbuchnummer 105347 y, Landes gericht Klagenfurt,<br />

UID ATU 25773801 · ANWENDBARE VOR-<br />

SCHRIFT: Österreichische Gewerbeordnung, Mediengesetz<br />

(www.ris.bka.gv.at) · GESCHÄFTS FÜHRER:<br />

Wolfgang Forobosko · CHEF REDAKTION: Tahsin Özen,<br />

1180 Wien, redaktion@<strong>ocean7</strong>.at · ART-DIREKTION:<br />

Catharina Pichler · GRAFISCHES KONZEPT: Thomas<br />

Frik, www.viertelbogen.at · MIT ARBEITER DIESER<br />

AUSGABE: Daniele Baracco, Inga Beitz, Hans Peter<br />

Bleck, Stefan Detjen, Mag. Wolfgang Gemünd,<br />

Wolfgang Hausner, Bernd Hofstätter, Detlef Jens, Dr.<br />

Reinhard Kikinger, Familie Mandl, Thomas Pernsteiner,<br />

Holger Peterson, Arek Rejs, Gottfried Titzl Rieser, Dr.<br />

Bobby Schenk, Alexandra Schöler-Haring, Dr. Alfred<br />

Zellinger · PRODUKTION UND DRUCK: Satz- und<br />

Druck-Team GmbH · ANZEIGEN: Bernd Hofstätter<br />

+43 664/ 552 09 32, b.hof staetter@<strong>ocean7</strong>.at · EINZEL-<br />

VERKAUFSPREIS: Österreich € 4,90 · ABO-PREISE:<br />

Bezugs preis Inland für sechs Ausgaben: € 29,– · ABO-<br />

BE STELLUNG: abo@<strong>ocean7</strong>.at, www.<strong>ocean7</strong>.at · VER-<br />

TRIEB: Presse Großvertrieb Austria Trunk GmbH, St. Leonharder<br />

Straße 10, 5081 Anif/Salzburg · Diese Zeitschrift<br />

und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen<br />

sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung<br />

außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts gesetzes<br />

bedarf der Zustimmung des Herausgebers. Die Ver ­<br />

wendung von Zitaten aus Berichten für Anzeigen ist möglich.<br />

Durch Annahme eines Manuskripts erwirbt der Herausgeber<br />

das ausschließliche Recht zur Veröffent lichung.<br />

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird<br />

keine Haftung übernommen. Alle Rechte, auch die Übernahme<br />

von Bei trägen nach § 44 Abs. 1 u. 2 Urheberschutzgesetz,<br />

sind durch den Herausgeber genehmigungspflichtig.<br />

Bei Nichtbelieferung ohne Heraus geber-Verschulden<br />

oder wegen Störungen des Arbeits friedens bestehen keine<br />

Ansprüche gegenüber dem Herausgeber.<br />

Verantwortlich für die Mitteilungen des YCA: Yacht<br />

Club Austria, Generalsekretariat 4020 Linz, Lederer ­<br />

gasse 88, www.yca.at · Verantwortlich für die Mitteilungen<br />

des MSVÖ: Motor bootsport und Seefahrts Verband<br />

Österreich, Forchheimergasse 34/118, 1230 Wien,<br />

www.msvoe.at<br />

JURY<br />

DANIELE BARACCO<br />

4/<strong>2021</strong> 67


Bavaria C38<br />

68 4/<strong>2021</strong>


Das<br />

C-Gefühl<br />

Die Bavaria C38 vereint überraschend sportliche<br />

Segeleigenschaften, einfachstes Handling und ein<br />

erstaunliches Raumangebot unter Deck. Möglich<br />

wird das dank innovativer Design-Merkmale<br />

wie V-Bug und Chines am Heck. Dank dieser<br />

wurde das C-Feeling zuvor schon auf der<br />

größeren Schwester C42 erlebbar gemacht.<br />

Die C38 macht es jetzt erschwinglicher.<br />

Text DETLEF JENS | Fotos BAVA R I A YACH TS<br />

4/<strong>2021</strong> 69


Bavaria C38<br />

Die Lübecker Bucht zeigte<br />

sich am Testtag von ihrer<br />

ruppigen Seite. Schiefergraues<br />

Wasser mit einzelnen<br />

Gischtstreifen darin, ein kurzer,<br />

aber harter Seegang und viel Wind<br />

aus tiefhängenden, schnell ziehenden<br />

Wolken. Ideale Bedingungen<br />

also, um die neue Bavaria C38 unter<br />

Segel so richtig zu testen.<br />

Unter zunächst vollem Großsegel<br />

und der Selbstwendefock gehen wir<br />

hart an den Wind, der mit fünf<br />

Beaufort, in Böen deutlich mehr,<br />

weht. Die Bavaria C38 lässt sich davon<br />

nicht aus der Bahn werfen. Die<br />

große Breite und der Chines, der<br />

ausgeprägte Knickspant im Rumpf,<br />

sowie der 2,05 m tiefe Kiel mit 2,2<br />

Tonnen Ballast sorgen dafür, dass<br />

die Yacht nicht zu stark krängt und<br />

den Druck im Rigg direkt in Fahrt<br />

umsetzt. Bis zu sieben Knoten stehen<br />

auf der Logge. Dazu wirkt das<br />

tiefe Ruder sehr effektiv und sorgt<br />

dafür, dass die C38 immer entspannt<br />

kontrollierbar bleibt.<br />

Noch etwas fällt sogleich auf:<br />

Trotz des rauen Seegangs segelt das<br />

Schiff erstaunlich trocken, Spritzwasser<br />

gelangt so gut wie nie bis ins<br />

Cockpit. Auch das eine Folge des bis<br />

in den Bug reichenden Chines. Denn<br />

auch das ist bei der Bavaria C38,<br />

ebenso wie bei der größeren C42,<br />

bemerkenswert. Über Wasser ist das<br />

Vorschiff voluminös, bietet viel Auftrieb<br />

beim Segeln und viel Platz unter<br />

Deck – doch in der Wasserlinie<br />

wird es durch den Chines schmal<br />

und ausgeprägt V-förmig.<br />

Nach einer Weile beschließen wir<br />

dennoch, das Großsegel zu reffen,<br />

denn der Wind ist noch böiger geworden.<br />

Das ist, wie sich zeigt, eine<br />

unkomplizierte Sache von wenigen<br />

Minuten, wobei das komplette Reffmanöver<br />

vom Niedergang aus<br />

durchgeführt werden kann: Groß­<br />

fall und Reffleinen sind zu den<br />

Winschen und Fallstoppern bei ­<br />

derseits des Niedergangs geführt,<br />

eine saubere und vor allem sichere<br />

Sache. Nass werden muss man<br />

beim Reffen hier an Bord normalerweise<br />

nicht, ganz gleich, wie hoch<br />

der Seegang sein mag!<br />

Auch die Großschot wird in der<br />

von uns gesegelten Version hier gefahren.<br />

Damit ist sie nicht in direkter<br />

Reichweite der Person am Ruder,<br />

dafür hat das Arrangement andere<br />

Vorteile. In jedem Fall wird die<br />

Schot über Fußblöcke auf dem Kabinendach<br />

direkt vor der Sprayhood<br />

gefahren. Hier hat sie auf Wunsch<br />

zwei holende Parten, was vor allem<br />

beim Feintrimm des immerhin 46<br />

Quadratmeter messenden Groß ­<br />

segels von Vorteil ist.<br />

Das Luv-Ende der Großschot bestimmt<br />

den Anstellwinkel des Baumes,<br />

das Lee-Ende aber zieht den<br />

Baum nach unten, mit direkter Auswirkung<br />

auf das Segelprofil und das<br />

Achterliek. Und zwar präziser und<br />

einfacher, als es mit dem üblichen<br />

Baumniederholer geht – was natürlich<br />

auch möglich ist.<br />

Sollen die Schoten in Griffweite<br />

der Steuerpositionen gefahren werden,<br />

gibt es die Möglichkeit, zwei<br />

zusätzliche Winschen direkt neben<br />

den Rädern zu bestellen. Hier werden<br />

dann die Schot der selbstwendenden<br />

Fock und die Großschot<br />

gefahren. Auch eine sehr praktische<br />

und komfortable Lösung.<br />

Damit wäre auch das Cockpit vor<br />

den zwei Steuer rädern komplett befreit<br />

vom „Segelbetrieb“, sofern<br />

nicht gerade Segel gesetzt, geborgen<br />

oder gerefft werden sollen. Der<br />

Rudergänger hat dank der Doppelruderanlage<br />

und der großen Breite<br />

des Hecks vom Platz am besten jeweils<br />

in Luv immer eine gute Sicht –<br />

auf das Geschehen ringsum ebenso<br />

wie auf das Vorliek und die Trimmfäden<br />

in der Fock.<br />

HECK-TERRASSE<br />

Die Instrumente sind ebenfalls bei<br />

den Steuerständen angebracht und<br />

gut lesbar, ohne dass diese hier von<br />

Mitseglern verdeckt werden könnten.<br />

Die Motorschaltung und der Auto ­<br />

pilot befinden sich an Steuerbord,<br />

ein Kartenplotter unter der Hinterkante<br />

des Cockpittisches. Auch dies<br />

eine mittlerweile bewährte und<br />

gute Lösung.<br />

Das Cockpit vor den Steuerrädern<br />

bietet trotz des großen, zentralen<br />

Klapptisches viel Bewegungsfreiheit<br />

und genügend Sitzplätze. Auf unserem<br />

Probeschlag mit fünf Erwachsenen<br />

an Bord hat man sich zu keiner<br />

Zeit im Cockpit eingeengt gefühlt.<br />

Dieses Gefühl der Weite und Großzügigkeit<br />

verstärkt sich noch einmal<br />

dramatisch, sobald man im Hafen<br />

mit dem Heck zum Steg anlegt oder<br />

in einer schönen Bucht ankert. Dann<br />

nämlich verwandelt sich die große<br />

Klappe im Heck mit wenigen Handgriffen<br />

zu einer ausladenden Terrasse<br />

„ Über Wasser ist das Vorschiff voluminös, bietet viel Auftrieb beim<br />

Segeln und viel Platz unter Deck – doch in der Wasserlinie wird es<br />

durch den Chines schmal und ausgeprägt V-förmig.“<br />

70 4/<strong>2021</strong>


über dem Wasser. Perfekt zum<br />

Baden, zum Anlanden mit dem<br />

Dingi und auch zum An-Bord-<br />

Gehen, ganz ohne Turnerei und<br />

Verrenkungen vom Steg aus.<br />

Hier im Heck befindet sich noch<br />

ein großer Stauraum unter dem<br />

Cockpitboden, zusätzlich zu zwei<br />

Backskisten und einem weiteren<br />

Stauraum im Vorschiff. Dort ist<br />

auch die Ankerwinde unter der Luke<br />

angebracht. Ein halbhohes Schott<br />

trennt hier den Ketten kasten von<br />

einem weiteren tiefen Stauraum für<br />

Fender, Leinen oder zusätzliche<br />

Downwind-Segel.<br />

TISCH UND BETT<br />

Der Niedergang ist sicher und komfortabel<br />

zu begehen, dank des fehlenden<br />

Brückendecks und einer sehr<br />

4/<strong>2021</strong> 71


Bavaria C38<br />

breiten, nicht besonders steilen<br />

Treppe in den Salon. Die markanten<br />

Rumpflinien mit dem durchgehenden<br />

Chines und der großen Breite<br />

kommen nicht nur den Segeleigenschaften<br />

zugute, sondern sorgen<br />

auch für viel Raum unter Deck.<br />

Zwei große Achterkabinen mit ausgewachsenen<br />

Betten von 1,5 mal<br />

zwei Metern sind sozusagen der beeindruckende<br />

Anfang von hinten.<br />

Auch der WC- und Duschraum<br />

weist „erwachsene“ Maße auf und<br />

die Küche – das Wort „Pantry“<br />

würde diesem Bereich wirklich<br />

nicht mehr gerecht werden – ist<br />

ein erstaunliches Raumwunder.<br />

Mittschiffs der Salon, mit einem<br />

Zweisitzer-Sofa an Backbord und einem<br />

kleinen Navigationstisch am<br />

vorderen Schott. Gegenüber befindet<br />

sich die Messe, ein U-Sofa rund<br />

um einen großen Tisch, der sich<br />

ausklappen lässt, um den Zweisitzer<br />

mit in die Tafelrunde aufzunehmen.<br />

Der sich aber auch absenken lässt,<br />

um aus dem Esstisch eine Liegefläche<br />

zu machen. Alles mit viel Luft<br />

und Licht, dank der Rumpffenster,<br />

der Fenster im Kajütaufbau und<br />

gleich mehrerer Luken im Deck.<br />

Kommen wir zum vielleicht Besten<br />

am Schluss – der Eignerkabine<br />

im Bug. Nämlich, dass man sich<br />

hier trotz Kingsize-Bett von 1,73<br />

mal zwei Meter Größe inklusive<br />

Ausblick von der Matratze durch<br />

die Rumpffenster nach draußen,<br />

„ Die C38 lässt sich gerne auch mal sportlich segeln,<br />

denn das Potenzial dazu hat sie.“<br />

dazu viel Ablage- und Stauraum<br />

und Platz, auch bei geschlossener<br />

Salontür frei bewegen kann. Bemerkenswert<br />

für eine 38-Fuß-Yacht!<br />

WOHNEN AUF DEM WASSER<br />

Insgesamt bleibt der positive Eindruck,<br />

dass die neue Bavaria C38<br />

eine aufregende, vor allem aber vielseitige<br />

Yacht ist. Sie ließe sich gerne<br />

auch mal sportlich segeln, denn das<br />

Potenzial dazu hat sie. Selbst wenn<br />

eine Familiencrew etwas entspannter<br />

zur See fährt, wird sie nicht langsam,<br />

aber vermutlich immer gut zu<br />

handeln und zu beherrschen sein.<br />

Ihre andere ganz große Stärke<br />

spielt sie im Hafen oder vor Anker<br />

aus, wo der überdurchschnittlich<br />

hohe Wohnkomfort so richtig zum<br />

Tragen kommt. Sei es durch die großen<br />

Kabinen und Betten, den hellen<br />

Salon, die üppige Küche oder auch<br />

das großzügige Leben an Deck, im<br />

breiten Cockpit mitsamt der Badeterrasse.<br />

<br />

<br />

Bavaria C38<br />

Gesamtlänge (inkl. Bugspriet) 11,38 m (11,90 m)<br />

Länge Rumpf<br />

Länge Wasserlinie <br />

Gesamtbreite <br />

Tiefgang Standard Gusseisenkiel <br />

Tiefgang Option Gusseisenkiel als Flachkiel <br />

Ballast Standard Gusseisenkiel <br />

Ballast Option Gusseisenkiel als Flachkiel <br />

Verdrängung Standard Gusseisenkiel <br />

Verdrängung Option Gusseisenkiel als Flachkiel <br />

Motor (Standard)<br />

Treibstofftank <br />

10,99 m<br />

10,28 m<br />

3,98 m<br />

2,05 m<br />

1,65 m<br />

2.205 kg<br />

2.460 kg<br />

9.070 kg<br />

9.320 kg<br />

21,3 kW (29,3 PS)<br />

210 l<br />

Wassertank 210 l (150 l)<br />

Segelfläche 79,3 m 2<br />

Großsegel (Standard) 46,0 m 2<br />

Großsegel (Rollsystem) 42,8 m 2<br />

Fock (selbstwendend) 29,3 m 2<br />

Genua / Gennaker / Code 0 35 / 130 / 70 m 2<br />

CE-Kategorie A-8 / B - 12 / C - 14 A - 8 / B - 12 / C - 14<br />

Design<br />

Cossutti Yacht Design / Bavaria Yachts Design Team<br />

Basispreis netto ab € 134.300,–<br />

Händler: Yachten Meltl,<br />

D–83233 Bernau am Chiemsee,<br />

Tel. +49 8051/965 53-0<br />

è www.yachten-meltl.de<br />

72 4/<strong>2021</strong>


Mehr Licht!<br />

MOTORYACHTEN<br />

Tipps, Trends & Neuheiten<br />

EXPRESS CRUISER. Mit der GT 45<br />

wird Beneteau im September das<br />

neue Topmodell seiner Gran Turismo-<br />

Reihe auf den Markt bringen. Was gegenüber<br />

dem Vorgänger GT 46 sofort<br />

auffällt: Die Neue verfügt über deutlich<br />

mehr Fensterflächen. So wurde<br />

z. B. das neue, elektrisch verstellbare<br />

Hardtop verglast. Bestimmendes Element<br />

im Cockpit ist eine U-förmige<br />

Sitzbank gegenüber der Wetbar. Der<br />

Salon im Unterdeck kann auch durch<br />

eine dritte Kabine mit zwei Etagenbetten<br />

ersetzt werden. Angetrieben wird<br />

die GT 45 entweder von einem Volvo<br />

Z-Drive D6 mit 2 x 380 PS oder einem<br />

Volvo D6-IPS 600 mit 2 x 440 PS.<br />

è www.masteryachting.com<br />

Fast 15 Meter Sport und Geselligkeit: GT 45.<br />

Springinkerl<br />

EINSTEIGERBOOT. Die Invictus SX<br />

200 ist das erste Modell der neuen Capoforte-Kollektion<br />

und auch das neue<br />

Einsteigerboot der italienischen Edelmarke.<br />

Sowohl der Bug- als auch der<br />

Heckbereich lassen sich als Liege- oder<br />

Wohnbereich einrichten. Praktisch: Die<br />

6,10 Meter italienische Eleganz.<br />

dezentrale Steuerkonsole, die einen direkten<br />

Übergang zwischen Heck und<br />

Bug schafft. Angetrieben wird die kleine<br />

Invictus von einem Außenborder mit<br />

maximal 150 PS, der für eine Höchstgeschwindigkeit<br />

von 30 Knoten gut ist.<br />

è www.invictus-boote.de<br />

Maßgeschneiderte Gemütlichkeit<br />

SUPERYACHT. Die 42 Meter lange<br />

M/Y Crowbridge war letztes Jahr die<br />

erste Yacht, die nach dem Covid-<br />

19-Lockdown von der auf Explorer<br />

spezialisierten Werft Cantiere<br />

delle Marche zu Wasser gelassen<br />

wurde. Entworfen wurde der Verdränger<br />

von Designer Tommaso Spadolini,<br />

der für die Eignerfamilie im Unterdeck<br />

sechs großzügige Gästekabinen<br />

mit eigenem Bad sowie vier Crewkabinen<br />

und auf dem Hauptdeck eine große<br />

Küche als zentralen Wohnbereich<br />

unterbringen musste. Zwei Caterpillar-Diesel<br />

mit jeweils 1.300 PS sorgen<br />

für eine Höchstgeschwindigkeit von<br />

15 Knoten.<br />

è www.cantieredellemarche.it<br />

42 Meter langer Familiencruiser.<br />

FOTO: GIOVANNI MALGARINI<br />

Rasender Tender<br />

SPORTVERSION. Dass man nicht nur<br />

Luxus, sondern auch Sport kann, will<br />

Wally mit seiner neuen 43wallytender<br />

X beweisen.<br />

Die Außenborder-Version des Daycruisers<br />

ist standardmäßig mit drei<br />

300 PS starken Mercury Verados ausgestattet,<br />

die eine Höchstgeschwindigkeit<br />

von 40 Knoten erreichen. Man<br />

kann sich aber auch für die drei mal<br />

450 PS starke Version und 50 Knoten<br />

entscheiden. Die Joystick-Bedienung<br />

und das Autopilot-System sollen die<br />

Handhabung des Schiffes zu einem<br />

Kinderspiel machen.<br />

è www.wally.com/wallytender<br />

13,20 Meter bis zu 50 Knoten schnell.<br />

4/<strong>2021</strong> 73


Locker vom<br />

xxxxx xxxx<br />

Vom Feinsten:<br />

die Lounge vorschiffs.<br />

Höhenverstell- und um 360 Grad<br />

drehbare Cockpit-Bestuhlung.<br />

Mit der E26 Rider präsentiert Cranchi die offene<br />

Version des Kassen schlagers E26 Classic. Der flotte<br />

Rumpf ist gleich geblieben, das Design von Christian<br />

Grande ist der neue Trumpf.<br />

Text TAHSIN ÖZEN | Fotos COURTESY CRANCHI<br />

Nach dem durchschlagenden<br />

Erfolg der geschlossenen<br />

Version war die Modellerweiterung<br />

in Form eines<br />

Bowriders mit Außenbordmotor nur<br />

eine Frage der Zeit. „Mehr als 220<br />

Einheiten der E26 Classic wurden seit<br />

der Einführung vor drei Jahren verkauft,<br />

die neue Rider hat mindestens<br />

ebensoviel Potenzial“, so der Österreich-Importeur<br />

Bernhard Prillinger,<br />

Geschäftsführer von TopYacht mit<br />

Sitz in Linz.<br />

Die Werft am Comer See hat sich<br />

jedenfalls nicht lumpen und mit<br />

Christan Grande einen Top-Designer<br />

Hand anlegen lassen, um ihren hoch<br />

74 4/<strong>2021</strong>


Hochwertige<br />

Verarbeitung.<br />

Viele Farben zur Auswahl bei<br />

Speziallack und Polsterung.<br />

Zwei Chaiselongues oder acht<br />

Sitzplätze im Salonbereich.<br />

Wasserdichter Sound.<br />

Edler Steuerstand.<br />

Die Cranchi E26 Rider<br />

ist voll trailerbar.<br />

Hocker an die Bar<br />

gesetzten Ansprüchen an den<br />

neuen „Luxury Day Tender“ ohne<br />

wenn und aber gerecht zu werden.<br />

Der nahm die Herausforderung an<br />

und interpretierte den Klassiker<br />

kurzerhand neu.<br />

SALON-BAR-LOUNGE<br />

So ist der Einstieg über das Heck<br />

mit Außenborder-Rahmen, der<br />

auch die wasserdichten Lautsprecher<br />

trägt, nicht nur leicht und sicher,<br />

sondern schon erhabend. Nur<br />

zwei Stufen trennen das Heck vom<br />

Salon mit seinen zwei gegenüberliegenden<br />

Chaiselongues, der<br />

abends auch ein edles Ambiente als<br />

Bar für bis zu acht Personen bietet.<br />

Die großzügig dimensionierten<br />

Cockpit-Stühle dürften spätestens<br />

ab dem Sundowner als Barhocker<br />

Einsatz finden, sind sie doch höhenverstell-<br />

und um 360 Grad<br />

drehbar und somit absolut salonfähig.<br />

Fast im völligen Kontrast zu<br />

diesen steht der Steuerstand mit<br />

seinen filigranen Instrumenten.<br />

Links neben der Steuerkonsole<br />

haben auch ein Waschbecken und<br />

ein Toilettenraum Platz gefunden.<br />

Üppig bemessen wurde der Raum<br />

dafür zwar nicht – aber in Anbetracht<br />

der Tatsache, dass man auf<br />

vielen Daycruisern in der Regel<br />

„ohne“ auskommen muss, dennoch<br />

ein Gefühl von Luxus – spätestens<br />

wenn man muss …<br />

Ohne lästige Stufen gelangt man<br />

schließlich in das Herzstück des<br />

Bowriders: in die Lounge im Bug ­<br />

bereich mit zwei weiteren Chaiselongues,<br />

wo man sich den Fahrtwind<br />

durchs Haar rauschen lassen kann.<br />

EASY RIDER<br />

„Fahrtechnisch gibt es auch in der<br />

Außenbordversion nichts zu beanstanden<br />

– sie lässt sich präzise,<br />

leicht und jederzeit kontrolliert<br />

steuern, kommt sofort ins Gleiten<br />

und vermittelt in jeder Lage ein<br />

sicheres Gefühl“, sagt Prillinger.<br />

Die Cranchi E26 Rider ist für<br />

eine Motorisierung mit bis zu<br />

350 PS ausgelegt, serienmäßig hat<br />

man die Wahl zwischen einem<br />

Mercury-F300- oder F350-Verado-<br />

Außenborder. <br />

<br />

Cranchi E26 Rider<br />

Design<br />

Art Director<br />

Rumpf<br />

Rumpflänge <br />

Länge inkl. Außenborder<br />

Max. Breite <br />

Verdrängung <br />

Treibstofftank<br />

Wassertank<br />

CE-Kategorie<br />

Motor<br />

Centro Studi Ricerche Cranchi<br />

Christian Grande<br />

Aldo Cranchi<br />

7,80 m<br />

8,10 m<br />

2,49 m<br />

2.000 kg<br />

270 l<br />

70 l<br />

Mercury Verado (300 / 350 PS)<br />

Basispreis netto mit 300 / 350-PS-Motor ab € 113.750,– / €116.500,–<br />

Händler: TopYacht, 4020 Linz; Kontakt: GF Bernhard Prillinger, Tel. +43 / 732 770 581.<br />

è www.topyacht.eu<br />

B<br />

4/<strong>2021</strong> 75


M<br />

V<br />

S<br />

Ö<br />

MOTORBOOTSPORT UND SEEFAHRTS VERBAND ÖSTERREICH<br />

News Juli/August <strong>2021</strong><br />

Am Ende des FB4-<br />

Prüfungstörns<br />

wartete bereits die<br />

Giuardia Costiera<br />

im Porto San<br />

Rocco, Muggia.<br />

Tender to Vogel<br />

So heißt das Dingi, das im Rahmen eines MSVÖ-Praxisprüfungstörns für das FB4-Patent<br />

einsam und verlassen aus ruppiger See geborgen wurde. Als sich dann auch noch die<br />

Guardia Costiera einklinkte, wurde die Prüfung auf der Segelyacht Compañera zum<br />

Ernstfall, wie Prüfer Mike Hecker berichtet.<br />

Eine FB4-Prüfung ist für mich<br />

als Prüfer immer eine spannende<br />

Geschichte, weil man<br />

doch einige Tage mit erfahrenen<br />

Skippern mindestens 200 Seemeilen<br />

gemeinsam in zumindest drei Tagen<br />

absolviert. So lief ich also mit sechs<br />

Prüflingen auf der SY Compañera,<br />

einer Hanse 455, von Porto San<br />

Rocco in Muggia aus. Der Eigner<br />

Christian Hofer hat sich mit seinem<br />

Sohn und weiteren Segelfreunden<br />

zum FB4 entschieden und nun<br />

ging es ins Finale.<br />

Eine Eigneryacht ist natürlich oft<br />

viel besser ausgerüstet als eine herkömmliche<br />

Charteryacht. So ist<br />

Radar neben neuester Bordelektronik<br />

nicht nur an Bord, sondern<br />

wird auch dementsprechend eingesetzt.<br />

Das erste Ziel wird von mir<br />

mit Porto Garibaldi definiert und<br />

völlig unspektakulär steuern die erfahrenen<br />

Seefahrer bei 25–30 Kn<br />

Wind in die Nacht hinein. Selten<br />

gehe ich bei einer Nachtfahrt ruhig<br />

in die Koje, aber da hatte ich vollstes<br />

Vertrauen in die Männer. Genau<br />

nach Wachplan wurden die<br />

Positionen besetzt und gekonnt gemeistert.<br />

Aus- und Einreffen wurden<br />

ohne Hektik und Aufregung<br />

erledigt. Niemals hatte ich das Gefühl,<br />

dass die diensthabenden<br />

Männer nicht wussten, was sie tun.<br />

Die Strecke führte über das Po-<br />

Delta und dann nach Chioggia, wo<br />

wir einmal anlegten und Essen gingen,<br />

da dies in Italien wieder möglich<br />

war. Am dritten und letzten Tag<br />

legten wir um 2.00 Uhr ab, da ja<br />

noch einige Nachtansteuerungen<br />

zu absolvieren waren. Kurz vor<br />

Sonnenaufgang hatten wir auch<br />

die letzte Ansteuerung auf Porto<br />

Lido geschafft, als krönenden Abschluss<br />

legten wir in Venedig an.<br />

Kaffee war um diese Uhrzeit nirgends<br />

zu bekommen, also fuhren<br />

wir weiter. Gleich nach Moses wurden<br />

wieder die Segel gesetzt, mit<br />

dem Heimathafen als Ziel. Der<br />

Wind wurde kontinuierlich stärker,<br />

aber die Kandidaten, die ihre Ausbildung<br />

bei der YCA-Crew Steiermark<br />

gemacht hatten, ließen sich<br />

selbst bei der Astronavigation nicht<br />

aus der Ruhe bringen.<br />

Während dieser wurde ein unbemanntes<br />

Beiboot gesichtet. Erst im<br />

vierten Anlauf gelang es, das Boot<br />

an Bord zu hieven. Darin fanden<br />

wir zwei Wasserflaschen kroati­<br />

MICHAEL HECKER<br />

ist MSVÖ-Referent für<br />

Küste und Hochsee<br />

msvoe@msvoe.at<br />

76 4/<strong>2021</strong>


Nachrichten für die<br />

Schifffahrt der OSB<br />

schen Mineralwassers, 2 Drybags, ein<br />

iPhone 11+, eine Schwimmweste, einen<br />

Schlafsack sowie ein Faltpütz.<br />

Das Dingi mit der Aufschrift „Tender<br />

to Vogel“ hatte einen festen GFK-<br />

Rumpf, die Ruder waren angeschlagen,<br />

kein Motor. Wir informierten<br />

die italienische Küstenwache per<br />

Funk (Kanal 16) über unseren Fund<br />

und verständigten uns auf ein Treffen<br />

im Porto San Rocco in Muggia.<br />

Vor dem Einlaufen hatten sie uns<br />

schon auf ihrem Schirm, ich wurde<br />

das erste Mal in meinem Leben von<br />

der VTS (Vessel Traffic Service) von<br />

vor Anker liegender Großschifffahrt<br />

gewarnt. In Muggia kam ein Offizier<br />

der Coast Guard an Bord, nahm sich<br />

eine Kopie der Schiffspapiere, fotografierte<br />

das MSVÖ-Prüfungslogbuch<br />

und das Dingi, das Handy<br />

nahm er mit. Kurz nach unserer Abreise<br />

wurde auch das Dingi abgeholt.<br />

Wir wissen nicht, was mit dem<br />

„Tender to Vogel“ passiert ist – als<br />

Treibgut würde es eigentlich der<br />

Crew der Compañera zustehen. Falls<br />

also jemand das Motor- oder Segelboot<br />

Vogel kennt, würde ich mich<br />

über eine Nachricht freuen.<br />

Die FB4-Prüfung wird mir noch<br />

lange in Erinnerung bleiben, da ich<br />

den Törn auf der Compañera sehr<br />

genossen habe und der Zusammenhalt<br />

der Crew vorbildlich war. Alle<br />

Kandidaten haben die Prüfung bestanden<br />

– ich wünsche ihnen alles<br />

Gute auf ihrem weiteren seemännischen<br />

Kurs!<br />

Links die<br />

sechs FB4-Anwärter<br />

(ganz<br />

links Prüfer<br />

Mike Hecker),<br />

rechts die<br />

Bergung des<br />

gefundenen<br />

Beiboots.<br />

KIESVERLADUNG<br />

Krems, Donau, Strom-km 1982.6 bis 1983.0<br />

– Beschränkungen 7. Juni bis 17. September<br />

<strong>2021</strong>, Mo–Fr, 6–20 Uhr: Sog- und Wellenschlag<br />

vermeiden, besondere Vorsicht. Arbeiten<br />

bei Strom-km 1982,8, rechtes Ufer. Arbeits ­<br />

gerät und -bereiche sind entsprechend der<br />

WVO mit Tag- und Nachtbezeichnungen gekennzeichnet.<br />

Donau, Strom-km 1914.0 bis 1920.4 – Beschränkung<br />

bis 23. Dezember <strong>2021</strong>, Mo–Do,<br />

6–18 Uhr: Besondere Vorsicht. Kiesverladung<br />

im Bereich Strom-km 1920,162 bis 1920,400,<br />

linker Fahrbahnrand. Verklappt wird im Bereich<br />

Strom-km 1914,000 bis 1920,000 über<br />

die gesamte Strombreite. Arbeitsgeräte und<br />

-bereich sind entsprechend der WVO mit<br />

Schifffahrtszeichen (Tag- und Nachtbezeichnung)<br />

gekennzeichnet. Ergänzende Informationen<br />

über UKW-Kanal 10 bei MS Krems<br />

oder MS Linz.<br />

ARBEITEN<br />

Donau, Strom-km 1916.0 bis 1934.0 – Beschränkung<br />

bis 30. Juli <strong>2021</strong>: Verzögerung<br />

höchstens 1 Stunde. Zusätzliche Meldepflicht<br />

über UKW-Kanal 10, Polizei Wien (Talfahrer<br />

bei Strom-km 1934, Bergfahrer bei Strom-km<br />

1916 – gilt auch für Talfahrer aus dem Donaukanal,<br />

die einen Grenzübertritt zur Slowakei<br />

vorhaben. Passagier- und Besatzungs listen<br />

(Excel-Format) zu Gunsten der Kontrollzeit<br />

vorweg per E-Mail an PI-W-02-Handelskai-<br />

Wasserpolizei@polizei.gv.at. Ergänzende Informationen:<br />

http://nts.doris.bmk.gv.at/Down<br />

load?attachement=2006000510000000363<br />

Brandstatt, Sportboothafen, Donau-km<br />

2157.1 – Beschränkung bis 31. Dezember<br />

<strong>2021</strong> durchgehend: Teilweise nur eine Tiefe<br />

von 1 Meter verlaufend bis gegen 0 Meter gegeben.<br />

Eine Stromgrundaufnahme steht als Anlage<br />

zur Verfügung. Ergänzende Informationen:<br />

http://nts.doris.bmk.gv.at/Download?<br />

attachement=2006000510000000342<br />

Donau, Strom-km 1978.0 bis 1979.0 –<br />

Beschränkung bis 31. August <strong>2021</strong><br />

durchgehend: Ankerverbot.<br />

Altenwörth, Wartelände, Unterwasser,<br />

Donau-km 1979.1 im linken Bereich –<br />

Beschränkung bis 31. August <strong>2021</strong> durchgehend:<br />

Sperre. Im angegebenen Bereich ist ein<br />

Saugrohr verankert.<br />

BAUARBEITEN<br />

Linz – Obere Donaulände, Strom-km<br />

2136.5 bis 2136.7 – Beschränkung bis<br />

31. Dezember <strong>2021</strong> durchgehend:<br />

Sperre des rechten Ufers.<br />

Donau, Strom-km 1999.4 bis 2003.1 – Beschränkung<br />

bis 31. Dezember <strong>2021</strong>, 6–20<br />

Uhr: Sog und Wellenschlag vermeiden, besondere<br />

Vorsicht. Eingesetzte Geräte: Baggerstelzenponton<br />

F802, Ponton F601, MS Grafenau,<br />

MS Greifenstein, MS Emma, MS Theresa, SL<br />

F 101, F102, F103, F104, F105, F106, F106,<br />

F107, F122, F121, F135, F132, F133, F134<br />

REPARATURARBEITEN<br />

Neue Donau, Liegestelle Tanklände,<br />

Donau, Strom-km 1917.3 bis 1917.2 – Beschränkung<br />

bis 31. Dezember <strong>2021</strong> durchgehend:<br />

Sperre rechtes Ufer, Donau km 1917.1.<br />

Stein-Mautern Strassenbrücke, Donau-km<br />

2003.5 – Beschränkung bis 29. Oktober<br />

<strong>2021</strong>, Mo–Do, 7–17 Uhr, Fr, 7–13 Uhr:<br />

Besondere Vorsicht. Prüfungs- und Erhaltungsarbeiten<br />

(Hängegerüst) mit eingeschränkter<br />

Durchfahrtshöhe von 2,25 m. Finden<br />

diese Arbeiten in den Feldern 1, 2, 4 statt,<br />

werden diese Joche während den Arbeitszeiten<br />

mit Schifffahrtszeichen gesperrt, bei Arbeiten<br />

im empfohlenen Durchfahrtsjoch (Feld<br />

3) werden diese von der Schifffahrtsaufsicht<br />

überwacht und der Schiffsverkehr vor Ort geregelt.<br />

Schifffahrt ist grundsätzlich nicht behindert,<br />

kurze Verzögerungen möglich.<br />

AUSGLEICHSMASSNAHMEN<br />

(polizeiliche Kontrollen im<br />

grenzüberschreitenden Verkehr)<br />

Donau, Strom-km 1916.0 bis 1932.0 ab<br />

17. Juni 2020. Ergänzende Informationen:<br />

http://nts.doris.bmk.gv.at/Download?<br />

attachement=2006000510000000244<br />

SEICHTSTELLEN<br />

Donau, Strom-km 1872.8 bis 2035.0:<br />

Minimale Tiefe. Informationen über Seichtstellen<br />

in der Wachau und im Bereich östlich<br />

von Wien (einschließlich Einfahrten zu den<br />

Wiener Häfen) werden laufend im Internet<br />

veröffentlicht. Ergänzende Informationen:<br />

http://www.doris.bmvit.gv.at/<br />

fahrwasserinformation/seichtstellen<br />

4/<strong>2021</strong> 77


YACHT CLUB AUSTRIA<br />

News Juli/August <strong>2021</strong><br />

YCA-CLUBLEBEN<br />

Generalversammlung<br />

Schwere Zeiten: harter Lockdown, keine Treffen mit Freunden, keine Ausbildungen, keine Törns – und ja,<br />

auch keine Generalversammlung, wie wir es gewohnt sind. Sie fand letztlich doch statt, allerdings haben<br />

wir uns virtuell getroffen.<br />

Text GOTTFRIED RIESER, AUSBILDUNGSLEITER YCA<br />

Via Zoom fanden sich über<br />

60 Teilnehmer ein, die den<br />

Berichten unseres Commodore,<br />

des Schatzmeisters, des Ausbildungsleiters<br />

und der Crew-Commander<br />

lauschten, hinterfragten<br />

und wertvolle Anregungen gaben.<br />

Wir haben tatsächlich trotz aller<br />

Umstände viel weitergebracht im<br />

letzten Jahr: Der Umbau von einem<br />

„Generalsekretariat“ hin zu einem<br />

„Nautischen Kompetenz-Zentrum“<br />

ist so gut wie abgeschlossen. Unser<br />

Büro hat sich zur Drehscheibe für<br />

Kommunikation, Information und<br />

Organisation entwickelt – und unsere<br />

Mitglieder nutzen auch dieses<br />

einzigartige Serviceangebot: Wir<br />

haben im Vorjahr trotz aller Covid-<br />

Einschränkungen über 50 Veranstaltungen<br />

registriert und rund<br />

3.100 Rechnungen ausgestellt –<br />

bei über 2.400 Mitgliedern eine<br />

beachtliche Dichte.<br />

Apropos Mitglieder: Wir konnten<br />

auch 2020 einen Mitglieder-Zuwachs<br />

von verzeichnen, wobei die<br />

Crew Steiermark mit + 6,5 % den<br />

größten Zuwachs verzeichnen<br />

konnte.<br />

In der Ausbildung wurde der erste<br />

Teil unseres OE-Prozesses abgeschlossen,<br />

wir haben unsere Ausund<br />

Weiterbildungsformate unter<br />

Dach und Fach. Der nächste Schritt<br />

ist nun, unsere Angebote und Leistungen<br />

auch entsprechend darzustellen<br />

– die p. t. Leserschaft wird im<br />

-Magazin laufend darüber<br />

informiert.<br />

In den Crews ist es 2020 Covid-19-<br />

bedingt rundgegangen: Absagen<br />

von Ausbildungen, Trainings- und<br />

Prüfungstörns, die Hochsee-Regatten,<br />

die Clubtörns und Clubabende,<br />

all das haben die ehrenamtlichen<br />

Funktionäre grandios gemeistert –<br />

ein herzlicher Dank an dieser Stelle<br />

für diese großartige Kameradschaft<br />

im Yacht Club Austria.<br />

OHNE GELD KA MUSI<br />

Finanziell steht der Yacht Club<br />

Austria auf gesunden Beinen, unser<br />

neuer Schatzmeister legte eine ausgeglichene<br />

Bilanz vor, die Generalversammlung<br />

konnte den Vorstand<br />

entlasten. Lediglich bei den Satzungen<br />

gab es Diskussionsbedarf,<br />

das Thema wird aber in einer<br />

außerordentlichen Generalversammlung<br />

noch abgehandelt.<br />

Auch wenn die Zoom-Konferenz<br />

gut organisiert war (großes Lob an<br />

Wolfgang Hurch vom YCA-Kompetenz-Zentrum),<br />

war der einhellige<br />

Tenor der Teilnehmer: Wir freuen<br />

uns auf die nächste Generalversammlung,<br />

zu der wir uns wieder<br />

persönlich einfinden können. Immerhin<br />

feiern wir nächstes Jahr<br />

unser 50-jähriges Jubiläum!<br />

78 2/<strong>2021</strong> 4/<strong>2021</strong>


YCA-AUSBILDUNG<br />

Bildungsausschuss<br />

Seit zwei Jahren arbeitet<br />

der YCA-Bildungsausschuss<br />

auf Hochtouren<br />

und das erste Kapitel<br />

wurde erfolgreich abgeschlossen:<br />

Das Aus- und<br />

Weiterbildungssystem wurde<br />

auf neue Beine gestellt,<br />

YCA-Bildungsausschuss – alle<br />

Crew-Commander, alle Ausbildungsreferenten.<br />

die Organisation und die<br />

Formate entrümpelt und<br />

übersichtlicher gemacht.<br />

Die nautische Bildung<br />

wird von allen Landesorganisationen<br />

mitgetragen und<br />

hat sich zu einem Think-<br />

Tank im YCA entwickelt.<br />

YCA-Events und -Veranstaltungen<br />

2. Juli Attersee/Weyregg Clubyacht Schiffseinweisung<br />

10. Juli Holland Mit Plattbodenschiff auf historischen Pfaden, 8 Tage<br />

23. Juli Solent Gezeiten- und Stromrevier erleben, 8 Tage<br />

24. Juli Kroatien Jugendtörn <strong>2021</strong>, Crew OÖ, 8 Tage<br />

7. August Rosenberg-Krumau Moldau, Fluss-Wandern, 1 Tag<br />

21. August Izola, Slowenien Competent Crew, Theorie und Praxis<br />

21. August Schottland Hebriden mit Oban, Isle of Skye, Loch Alsh, 8 Tage<br />

21. August Ludersdorf SRC Short Range Certificate, 1 Tag<br />

28. August Ebensee Sicherheitstraining World Sailing, Christian Kargl, 2 Tage<br />

29. August Ebensee Sicherheitstraining World Sailing, Christian Kargl, 1 Tag<br />

4. September Linz Radausflug, Crew OÖ, Linz–Aschach, 1 Tag<br />

11. September Laufnitzdorf Clubwanderung im Grazer Bergland, 1 Tag<br />

11. September Kaštela Big Boat-Training auf der 60 ft Austria One, 8 Tage<br />

19. September Portsmouth Tidal Training – Solent<br />

25. September Biograd OSYC vs YCA, Freundschafts-Regatta, 8 Tage<br />

26. September Portsmouth Channel Crossing RYA-Yachtmaster<br />

3. Oktober Punat 14. Alpe Adria Sailing Week, Regatta <strong>2021</strong>, 5 Tage<br />

20. November Kapverden ab Mindelo auf São Vicente, 16 Tage<br />

Allfällige Änderungen vorbehalten.<br />

Clubabende<br />

Sämtliche YCA-Clubabende (online oder real), Aus- und<br />

Weiterbildungs-Möglichkeiten tagesaktuell abrufbar unter<br />

è www.yca.at/vereinonline<br />

Crew Kärnten: Clubabende 14-tägig, siehe<br />

è www.yca-crew-ktn.at<br />

Gäste und Freunde sind an den YCA-Clubabenden ebenfalls willkommen!<br />

YCA-FOTO-WETTBEWERB<br />

Bis 31. August <strong>2021</strong>: Auf die schönsten Boots-Aufnahmen warten<br />

wieder tolle Preise! Einsendungen bitte an marketing@yca.at<br />

YCA-Services und -Vorteilspartner<br />

Wir bauen laufend unser Netzwerk zu<br />

starken Partnern aus. Damit können wir<br />

unseren YCA-Mitgliedern attraktivste<br />

Konditionen in vielen Bereichen anbieten,<br />

siehe unsere Service/Vorteilspartner<br />

auf è www.yca.at<br />

Marinas: Sondertarif für Tages- bzw.<br />

Jahres-Liegeplätze. Italien: Marina Certosa<br />

(Venedig), Marina Aprilia Marittima<br />

(Lignano*). Kroa tien: Marina Vrsar, Marina<br />

Funtana, Marina Punat, Marina Frapa<br />

in Rogoznica und Dubrovnik. Spanien:<br />

Marine Project Iberia (Barcelona).<br />

* In Kooperation mit der Agenzia Adrianautica und Agenzia Immobiliare-Nautica & Yachting San Marco.<br />

Charter: Wir Müller Yachtcharter, konnten das ganze Pitter<br />

Yachtcharter, My Jahr SeaTime 2020 Yachtcharter<br />

über keinen<br />

d.o.o. (Kroa tien), einzigen Ionian Charter Trainingstörn (Griechenland),<br />

durchführen, four seasons geschweige yachting GmbH denn<br />

(Deutschland).<br />

YCA-Mitglieder profitieren<br />

einen Prüfungstörn. Und im<br />

von Vergünstigungen in<br />

Service: Herbst MEC-Energietechnik, kam es dann noch SeaHelp, einmal<br />

knüppeldick, Thomas zum Pernstei-<br />

Start der<br />

vielen Marinas.<br />

Seemannsladen.at,<br />

ner, Schiffs-Sachverständiger, Ausbildungssaison mussten <strong>ocean7</strong>- Interessierten Sponsoren und Partnern<br />

bieten wir gerne attraktivste<br />

wir<br />

Magazin. auch die Theoriekurse absagen.<br />

Kooperations formen und Möglichkeiten<br />

Versicherung: Haben wir Pantaenius. im Frühjahr 2020 noch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.<br />

YCA-Stützpunkte: unsere themenbezogenen Alle Marinas wie Webina­ links Wir freuen uns auf Ihre Anfragen und<br />

angeführt + Ionian Charter.<br />

Vorschläge: è marketing@yca.at<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

4/<strong>2021</strong> 79


YACHT CLUB AUSTRIA<br />

News Juli/August <strong>2021</strong><br />

YCA-AUSBILDUNG<br />

FB4-Praxisprüfung<br />

Nach mehreren Anläufen fand vom 1. bis 4. Mai <strong>2021</strong><br />

die FB4-Praxisprüfung trotz Corona in Izola statt.<br />

Text und Fotos GABI MONZ<br />

Sie begann mit Starkwind über<br />

35 Knoten, starkem Regen<br />

und Wellen bis 2 Meter Höhe.<br />

So segelten wir in die Nacht hinein.<br />

Die erste Ansteuerung war der<br />

Stadthafen von Grado, gefolgt von<br />

Venedig. Ruhig, fast menschenleer<br />

und unnahbar – eine Stadt, die sonst<br />

von Touristen heillos überlaufen ist.<br />

Ein Blick auf den Markusplatz, San<br />

Giorgio Maggiore und Santa Maria<br />

della Salute entschädigte uns für<br />

die stürmische Überfahrt. Ohne in<br />

Venedig anzulegen (Corona-bedingt!)<br />

segelten wir durch die Kanäle<br />

der Lagune über Chioggia bis hi ­<br />

nunter nach Punta della Maestra<br />

und zurück nach Izola. 240 durchgesegelte<br />

Seemeilen in nur drei Tagen!<br />

Auf gute Seemannschaft, Astronavigation<br />

und BOB-Manöver wurde<br />

größter Wert gelegt. Unserem Prüfer<br />

Gottfried Rieser ist es gelungen, die<br />

richtige Mitte zwischen freundlicher<br />

Atmosphäre und professioneller Abwicklung<br />

zu finden. Herbert Achleitner,<br />

Frowalt Hickersberger, Andreas<br />

Reinbold, Christian Sperner (alle<br />

Crew Oberösterreich) und Michael<br />

Monz (Crew Salzburg) sind die<br />

Glücklichen, die nach dieser anstrengenden<br />

Prüfung ihre Urkunde<br />

in den Händen hielten. Herzliche<br />

Gratulation nochmals an alle Beteiligten<br />

und die Organisation!<br />

FB4-Crew: Gottfried,<br />

Frowalt, Andreas,<br />

Herbert, Michael und<br />

Christian.<br />

FB2-Prüfungstörn trotz Corona<br />

Dank Trainer Harald Neumayer konnte die Trainingswoche planmäßig kurz vor Ostern<br />

ab 3. April <strong>2021</strong> starten, obwohl knapp vor Beginn ganz Slowenien im Lockdown versank.<br />

Text und Fotos GABRIELE SKACEL<br />

Im kroatischen Pula in der Marina<br />

Veruda konnte eine kesse Bavaria<br />

46 Cruiser namens SchickiMicki<br />

organisiert werden.<br />

Allem wetterbedingtem Ungemach<br />

zum Trotz – wie Bora, 35 Knoten<br />

Schneesturm und Kälte wurde die<br />

großartige Seemannschaft beim<br />

An- und Ablegen für die Azubis<br />

FB2-Crew:Christian, Gabi, Thomas,<br />

Harald, Gottfried, Nina und Marianne.<br />

Marianne, Nina, Gabi, Christian und<br />

Thomas immer mehr zur täglichen<br />

Routine. Trainer Harald nützte die<br />

Wetterkapriolen aber auch an Land<br />

für intensive Schulungen. Die Nachtfahrten<br />

wurden im Laufe der Trainings<br />

ebenso zur Routine wie das<br />

An- und Ablegen in der engen Marina.<br />

Ein kräftiger Jugo war kein Hindernis<br />

mehr für die segelbegeisterten<br />

Trainees. Für den bewährten Prüfer<br />

Gottfried Rieser zeigten sich alle Teilnehmer<br />

von ihrer besten Seite. Am<br />

Tag der Prüfung begannen Militärübungen<br />

vor der Marina Veruda,<br />

wobei eine Ein- und Ausfahrt nur<br />

zeitlich beschränkt möglich war.<br />

Ein Kurs nach Süden war unmöglich.<br />

Beim Kurs nach Norden über<br />

Brijuni wurden bei steifer Brise die<br />

praktischen Segelkenntnisse u. a.<br />

beim „Boje über Bord“-Manöver<br />

(BOB) geprüft. Die Nachtansteuerungen<br />

nach Pula, nach Fažana<br />

und Brijuni erfolgten reibungslos,<br />

da der Wind nachgelassen hatte.<br />

Herzliche Gratulation an alle<br />

TeilnehmerInnen zum Erwerb des<br />

FB2-Scheins – aber auch der höchst<br />

motivierten YCA-Organisation!<br />

80 4/<strong>2021</strong>


YCA-AUSBILDUNG<br />

20-m-Schiffsführerpatent<br />

Der YCA bietet seit etlichen Jahren eine umfassende praktische und theoretische<br />

Ausbildung für das „Schiffsführerpatent – 20 m“ im Linzer Winterhafen und<br />

hat bisher bereits über 40 YCA-Mitglieder zu ihrem Patent geführt.<br />

Text PATRICK KINDSTHALER | Fotos PAUL SCHÜRZ<br />

YACHT CLUB AUSTRIA<br />

GENERALSEKRETARIAT<br />

Estermannstraße 6, 4020 Linz<br />

+43(0)732 781086, office@yca.at<br />

www.yca.at<br />

COMMODORE<br />

Christian Schifter<br />

+43(0)664 5315353<br />

cschifter@yca.at<br />

Dieses Schiffsführerpatent<br />

20 m ist national, d. h. in<br />

Österreich gültig. Es gibt<br />

aber die Möglichkeit, zusätzlich<br />

ein entsprechendes internationales<br />

Zertifikat zu bean tragen. Damit<br />

darf man dann zum Beispiel auch<br />

auf dem Gardasee, Po, Ebro, Lipno<br />

Stauseen und allen anderen Wasserstraßen<br />

in Europa – wie der<br />

Donau bis zum Schwarzen Meer –<br />

fahren. Man lernt dabei, mit zwei<br />

Maschinen auf einem Stecknadelkopf<br />

zu wenden, wie man sich den<br />

Radeffekt zunutze macht, wie man<br />

im Strom sicher anlegt und Schleusenfahrten<br />

routiniert bewältigt.<br />

Die erforderliche Praxis wird<br />

auf unserer Clubyacht Esperanza<br />

absolviert. Sie hat zwei Motoren<br />

mit je 150 PS, eine Länge von<br />

13,81 Meter, einen Tiefgang von<br />

0,85 Meter und eine Verdrängung<br />

von 16 Tonnen.<br />

Die Donau verläuft über 320<br />

Kilometer durch Österreich und<br />

bietet auf dieser Strecke eine Vielzahl<br />

von großartigen Ausflugs ­<br />

möglichkeiten. Seitenarme und<br />

Zuflüsse, Sportboothäfen, Sehens ­<br />

würdig keiten, Badeplätze, Schleusen<br />

oder einfach nur schöne Landschaften,<br />

die es zu entdecken gilt.<br />

Eine der Voraussetzungen, dieses<br />

Angebot als Skipper auch nutzen<br />

zu können, ist ein entsprechendes<br />

Schiffsführerpatent.<br />

Es ist immer wieder erstaunlich,<br />

welche Fülle an wunderbaren Möglichkeiten<br />

sich auf der Donau auftun,<br />

wenn man sich auf den Strom<br />

einlässt. Sei es bei einer Fahrt mit<br />

einer Zille des Zillenbauers Witti,<br />

eine Fährfahrt mit dem Donaubus<br />

durch die Schlögener Schlinge, ein<br />

schneller Ausflug mit dem Twin<br />

City Liner von Wien nach Bratis ­<br />

lava oder eben am Steuer des eigenen<br />

oder gecharterten Bootes.<br />

Viele fleißige Hände des Linzer<br />

Esperanza-Teams waren unter der<br />

Leitung von Patrick und Paul am<br />

Werk, um das Boot im Linzer<br />

Winter hafen wieder in Schuss zu<br />

bringen. Unter penibler Einhaltung<br />

der Corona-Bedingungen konnten<br />

im April wieder Ausbildungsfahrten<br />

durchgeführt werden. Bald<br />

dürfen wir 18 frisch gebackene<br />

„Donaukapitäne“ begrüßen.<br />

Weitere 20-m-Interessenten<br />

wenden sich bitte an:<br />

è wolfgang.hurch@yca.at<br />

Dummy Over Bord-<br />

Manöver: Wolfgang<br />

Hurch und Patrick<br />

Kindsthaler.<br />

Schleusenfahrt: Stefan<br />

Illwitzer, Peter Hofstätter<br />

und Titzl Rieser.<br />

CREW WIEN, NÖ, BURGENLAND<br />

Crew-Commander<br />

Günther Holzinger<br />

+43(0)664 2108020<br />

guenther.holzinger@yca.at<br />

CREW SALZBURG<br />

Crew-Commander<br />

Hubert Kraft<br />

+43(0)664 9645011<br />

hubert.kraft@yca.at<br />

CREW OBERÖSTERREICH<br />

Crew-Commander,<br />

Generalsekretär<br />

Thomas Hickersberger<br />

+43(0)676 3067224<br />

thomas.hickersberger@yca.at<br />

CREW TIROL UND VORARLBERG<br />

Crew-Commander<br />

Johannes Lindig<br />

+43(0)660 5208136<br />

j.lindig@tsn.at<br />

CREW KÄRNTEN<br />

Crew-Commander<br />

Fritz Abl<br />

+43(0)664 2436871<br />

office@yca-crew-ktn.at<br />

www.yca-crew-ktn.at<br />

CREW STEIERMARK<br />

Crew-Commander<br />

Mike Hecker<br />

+43/(0)0676 6086035<br />

mike.hecker@yca.at<br />

AUSBILDUNG<br />

YCA-Ausbildungsleiter<br />

Gottfried „Titzl“ Rieser<br />

+43(0)664 3706027<br />

gottfried.rieser@yca.at<br />

NAUTISCHES<br />

KOMPETENZ-ZENTRUM<br />

Wolfgang Hurch<br />

+43 (0)732 781086<br />

wolfgang.hurch@yca.at<br />

4/<strong>2021</strong> 81


Sailing Poetry<br />

Vergil im Porto di Roma<br />

In der Marina di Porto di Roma, unter den Arkaden beim Yachtclub, treffen wir auf Vergil<br />

und danken ihm für die „Aeneis“, mit der er uns das Abendland begründet hat.<br />

Neben Homers Odyssee führe<br />

ich auch Vergils Aeneis mit<br />

an Bord, die man die römische<br />

Odyssee nennt: die Verbindung<br />

des alten Griechenlands mit<br />

Rom, des Orients mit dem Occident,<br />

Asiens mit dem Römischen<br />

Reich. Eine Ironie der Geschichte:<br />

das erste, vereinte Europa, gegründet<br />

von einer Dynastie aus dem<br />

kleinasiatischen Troja. Ein erstmals<br />

weitgehend friedliches Europa<br />

übrigens, bedenkt man die letztlich<br />

200 Jahre lang dauernde „Pax<br />

Romana“.<br />

Auf dem Seeweg von Rapallo<br />

nach Triest, rund um Italien, etwa<br />

1.200 Meilen, auf Kursen die jene<br />

des Odysseus vielfach kreuzen sollten,<br />

laufen wir mit der Katawa vor<br />

einem Unwetter in die Marina di<br />

Porto di Roma ein, halten durch<br />

zwischen den beiden gabelförmigen<br />

Wellenbrechern, bei einigem<br />

Wind und Kreuzseen, vor denen<br />

schon das Handbuch warnt.<br />

Circe arbeitet dieses Jahr nicht<br />

mehr in der Rezeption der Marina,<br />

wo wir sie einst kennenlernten;<br />

sie soll jetzt Direttore sein in der<br />

Marina di Capraia an der Küste<br />

von Cinqueterre.<br />

Unter den Arkaden, nah beim<br />

Yachtclub, stoße ich auf den großen<br />

Dichter der augusteischen Zeit, der<br />

Homers Epen fortgesetzt, die römische<br />

Odyssee geschrieben und den<br />

Grundstein gelegt hat für ein römisches<br />

Zeitalter. „Vergil, I presume?“<br />

eröffne ich mit einer klassischen<br />

Formel und er erlaubt, dass ich<br />

mich setze.<br />

Hier, südlich der Mündung des<br />

Tiber, hebe ich an, liegt das Ufer,<br />

das Aeneas gewinnt, nach Gefahren,<br />

Nöten, Irrfahrten und Stürmen.<br />

Hier treibt er strandwärts die<br />

Kiele/rollt die Segel zusammen/der<br />

Anker fällt vom Verdeck/es liegen<br />

die Kiele am Ufer.<br />

Vergil blickt sinnend hin zur<br />

Einfahrt der Marina mit den beiden<br />

Leuchttürmen und hinaus<br />

aufs offene Meer, sagt dann:<br />

Singen wollt ich von Kämpfen/<br />

und von dem Mann/der von Trojas<br />

Gestade/vom Schicksal verbannt/<br />

nach Italien kam/der viel in Kriegen<br />

erlitt/bis er die Stadt gegründet/ein<br />

neues Troja/von dem das<br />

Haus des Aeneas/die Länder der<br />

Erde beherrschen würde …<br />

Zehn Jahre lang haben Sie an der<br />

Aeneis geschrieben, fahre ich fort,<br />

das hohe Lied von Rom als Fortsetzung<br />

Ilions und seiner weltgeschichtlichen<br />

Sendung. Kurz vor<br />

Ihrem Tod in Brindisium dachten<br />

Sie daran, das Werk, das Sie für ungenügend<br />

hielten, zu verbrennen,<br />

was Augustus, mit dessen Segelgeschwader<br />

Sie, vom Fieber bereits<br />

hingestreckt, von Athen geholt<br />

worden waren und der Sie am<br />

Krankenlager aufsuchte, zum Glück<br />

verhinderte. Ich danke Ihnen,<br />

Dichter, denn Sie haben uns die<br />

Idee des Abendlandes begründet!<br />

EIN LEBEN, WIE ES<br />

NOCH WERDEN KÖNNTE<br />

Worauf wir anstoßen mit einem<br />

Glas sabinischen Weins. Beatus<br />

ille … sagt Vergil launig, mit einem<br />

Wort aus den Epoden beginnend,<br />

die Geschichte prophezeien, nachdem<br />

sie stattgefunden hat …<br />

Vergils Grabepigramm in Neapel<br />

lautet: „Mantua brachte mich hervor,<br />

Kalabrien raffte mich hinweg,<br />

nun birgt mich Neapel. Ich besang<br />

Weiden, Felder und Herrscher.“<br />

Schöne Bescheidenheit: Im letzten<br />

Wort des Epigramms wird auf sein<br />

Yachtclub di Roma.<br />

Unter den Arkaden im Porto di Roma.<br />

großes Werk hingewiesen, in dem<br />

er die Regierung des Augustus und<br />

die Bestimmung Roms zur Herrschaft<br />

über ein Europa feierte, das<br />

einst auch den Maghreb, Kleinasien<br />

und das Schwarze Meer umfasste.<br />

Die Aufgabe, meine Damen und<br />

Herren, egal wie alt oder jung sie<br />

sind, ihr Grabepigramm zu formulieren,<br />

habe ich Ihnen schon einmal<br />

gestellt: es könnte Ihnen den Weg<br />

weisen zu einem Leben, wie es<br />

noch werden könnte … <br />

Im nächsten Sailing Poetry, meine<br />

Damen und Herren, begegnen wir<br />

einem König der Antike: Gilgamesch<br />

von Uruk, der auf der Suche nach<br />

dem ewigen Leben ist und dabei –<br />

das Segel erfindet.<br />

ALFRED ZELLINGER<br />

ist Schriftsteller und<br />

erlernte das Segeln in<br />

der O-Jolle des Vaters<br />

auf dem Traunsee. Dort<br />

segelt er heute einen<br />

30er-Schärenkreuzer,<br />

auf dem Meer eine 46er<br />

Grand Soleil.<br />

kolumne@<strong>ocean7</strong>.at<br />

82 4/<strong>2021</strong>


YACHTING, REISEN UND MEER<br />

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