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OceanWoman Band 1 (2018)

Von Adria-Skippern im Adamskostüm bis zum Bach-Konzert am Strand von Tonga. Autorin Alexandra Schöler segelte mit Mann Peter und Sohn Finn viereinhalb Jahre um die Welt. Seit 2010 ist sie als OceanWoman-Kolumnistin mit an Bord der Redaktion und unterhält unsere LeserInnen mit launigen Beträgen, viel Witz und dem feinen Gespür einer Frau über die Welt der Langfahrtsegler. Eine Top-Auswahl ihrer Geschichten von 2010 bis 2018 wurde nun in dieser Sonderausgabe aufgelegt – zur erlesenen Unterhaltung erfahrener SkiperInnen, aber auch zum lockeren Einstieg angehender BlauwasserseglerInnen!

Von Adria-Skippern im Adamskostüm bis zum Bach-Konzert am Strand von Tonga.
Autorin Alexandra Schöler segelte mit Mann Peter und Sohn Finn viereinhalb Jahre um die Welt. Seit 2010 ist sie als OceanWoman-Kolumnistin mit an Bord der Redaktion und unterhält unsere LeserInnen mit launigen Beträgen, viel Witz und dem feinen Gespür einer Frau über die Welt der Langfahrtsegler.
Eine Top-Auswahl ihrer Geschichten von 2010 bis 2018 wurde nun in dieser Sonderausgabe aufgelegt – zur erlesenen Unterhaltung erfahrener SkiperInnen, aber auch zum lockeren Einstieg angehender BlauwasserseglerInnen!

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YACHTING, REISEN UND MEER<br />

SONDERAUSGABE <strong>2018</strong><br />

OCEAN<br />

WOMAN<br />

Von Adria-Skippern im Adamskostüm bis zum Bach-<br />

Konzert am Strand von Tonga: die launigsten Geschichten<br />

unserer Kolumnistin ALEXANDRA SCHÖLER-HARING.<br />

DAMEN AN BORD<br />

Wie werde ich die<br />

perfekte Seefrau?<br />

Die Skipperin steckt in uns drin<br />

und ist auf See leicht zu finden<br />

GÄSTE AN BORD<br />

Unter Segel<br />

mit Freunden<br />

Die besten Gäste sind die, die<br />

keine Ahnung vom Segeln haben<br />

BACKEN AN BORD<br />

Kombüsengeflüster<br />

Brot und Schokoladekuchen<br />

gegen Hunger und Sturm


YACHTING, REISEN UND MEER<br />

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2008 bis 2017<br />

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www.ocean7.at


Inhalt<br />

BEST OF oceanwoman<br />

4 Hallo, ist da jemand?<br />

6 Wie werde ich die<br />

perfekte Seefrau?<br />

8 Seefrau und Odysseus<br />

9 Wann ist man alt genug?<br />

10 Meisterin Proper<br />

geht segeln<br />

11 Achtung, Frauen an Bord!<br />

12 Was ist mit der<br />

Segelmode los?<br />

14 Auf den Hut!<br />

15 Die Schöne und das Schiff<br />

16 Kombüsengeflüster<br />

18 Oh, mein Brot<br />

20 Kaffeesegeln – what else?<br />

22 Segelurlaub mit Freunden<br />

24 See you, miss you, love you!<br />

25 Das Crowhurst-Syndrom<br />

26 What shall we do with<br />

the drunken sailor?<br />

28 Kapitän, ich bin im Kino!<br />

29 Musik an Bord!<br />

30 Gefangen im Netz<br />

32 Sport an Bord<br />

34 Seekrank<br />

36 Aua!<br />

37 What‘s up Doc?<br />

38 Am schnellsten.<br />

Am langsamsten.<br />

Am glücklichsten.<br />

40 Oje Boje<br />

41 Ankergebühr – ein Einakter<br />

42 I’m sailing in the rain<br />

44 Sturm im Segelboot<br />

46 So ein Mist<br />

48 Der stille Ort an Bord<br />

50 Noch Platz, Noah?<br />

52 Chill, Mama …<br />

53 Von großen und<br />

kleinen Fischen<br />

54 Wer geht an die Leinen?<br />

56 Von Träumen, Schäumen<br />

und Weltumsegelungen<br />

58 Quo vadis, Albatros?<br />

60 Segelfrauen,<br />

Männer-Latein<br />

62 Der Kran kommt!<br />

64 Im Winterlager<br />

66 Krieg gegen den Rost<br />

68 Warum Segeln<br />

nicht langweilig ist<br />

70 Auf die Plätze, fertig, los!<br />

72 Abendrot ist Seglers …<br />

74 (Lese)Ratten an Bord<br />

76 See in Rot-Weiß-Rot<br />

78 Das Unheil Naht<br />

79 10 Jahre! Wo ist die Zeit hin?<br />

YACHTING, REISEN UND MEER<br />

DAMEN AN BORD<br />

Wie werde ich die<br />

perfekte Seefrau?<br />

Die Skipperin steckt in uns drin<br />

und ist auf See leicht zu finden<br />

3<br />

GÄSTE AN BORD<br />

Unter Segel<br />

mit Freunden<br />

Die besten Gäste sind die, die<br />

keine Ahnung vom Segeln haben<br />

SONDERAUSGABE <strong>2018</strong><br />

OCEAN<br />

WOMAN<br />

Von Adria-Skippern im Adamskostüm bis zum Bach-<br />

Konzert am Strand von Tonga: die launigsten Geschichten<br />

unserer Kolumnistin ALEXANDRA SCHÖLER-HARING.<br />

BACKEN AN BORD<br />

Kombüsengeflüster<br />

Brot und Schokoladekuchen<br />

gegen Hunger und Sturm<br />

OCEAN WOMAN<br />

IMPRESSUM<br />

2. Auflage, März 2022.<br />

GmbH<br />

HERAUSGEBER UND EIGENTÜMER: Satz- und Druck-Team GmbH, Feschnig straße 232, 9020 Klagenfurt, Tel.<br />

+43 463/461 90 25, www.ocean7.at, redaktion@ocean7.at, office@ocean7.at, Firmenbuchnummer 105347 y, Landes gericht<br />

Klagenfurt, UID ATU 25773801 · ANWENDBARE VORSCHRIFT: Österreichische Gewerbeordnung, Medien gesetz (www.<br />

ris.bka.gv.at) · MEDIENRECHTSINHABER: Satz- und Druck-Team GmbH · Geschäftsführung: Wolfgang Forobosko ·<br />

CHEF REDAKTION: Tahsin Özen, 1180 Wien, redaktion@ocean7.at · ART-DIREKTION: Catharina Pichler · GRAFISCHES<br />

KONZEPT: Thomas Frik, www.viertelbogen.at · BLATTLINIE: ocean7 ist das Lifestyle-Magazin für Fahrten- und Blauwassersegler,<br />

Motoryachtfahrer und alle Wassersport-Fans. Die Redaktion berichtet in Zusammenarbeit mit namhaften Autoren<br />

aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nicht nur über die neuesten Yachten und schönsten Reviere weltweit, sondern<br />

widmet sich mit besonderem Engagement auch den Themen Charter, Equipment, Lifestyle, Genuss, Reisen, Umwelt<br />

und Meer. ocean7 erscheint zweimonatlich als Print-Magazin und ist auch als E-Paper erhältlich. Die laufende Bericht -<br />

erstattung inkl. Marketingaktivitäten erfolgt weiters auch über die Homepage www.ocean7.at sowie über Social Media ·<br />

ABO- BE STELLUNG: abo@ ocean7.at, www.ocean7.at · VERTRIEB: Presse Großvertrieb Austria Trunk GmbH, St. Leonharder<br />

Straße 10, 5081 Anif/Salzburg · Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Bei träge und Abbildungen sind ur -<br />

heberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außer halb der engen Grenzen des Urheberrechts gesetzes bedarf der Zustimmung<br />

des Herausgebers. Die Ver wendung von Zitaten aus Berichten für Anzeigen ist möglich. Durch Annahme eines Manuskripts<br />

erwirbt der Herausgeber das ausschließliche Recht zur Veröffent lichung. Für unverlangt eingesandte Manuskripte<br />

und Fotos wird keine Haftung übernommen. Alle Rechte, auch die Übernahme von Bei trägen nach § 44 Abs. 1 u. 2<br />

Urheberschutzgesetz, sind durch den Herausgeber genehmigungspflichtig. Bei Nicht belieferung ohne Heraus geber-Ver -<br />

schul den oder wegen Störungen des Arbeits friedens bestehen keine Ansprüche gegenüber dem Herausgeber.<br />

JURY<br />

3


xxxx


Hallo, ist da jemand?<br />

XX X XX<br />

Jemand, der mit „See” anfängt und mit „frau” aufhört?<br />

AUSGABE 3-4/2010<br />

Ich verstehe natürlich, dass nach der<br />

Boot Tulln der Sättigungsgrad betreffend<br />

Schiff und alles rundherum<br />

erreicht ist. Ganz klar. Auch ich<br />

bin neben, beziehungsweise hinter<br />

meinem Mann, dem Kapitän, nachgeschlurft,<br />

habe mehr oder weniger begeistert<br />

das Innen leben der Dieselmotoren<br />

betrachtet, mich in die Schlange<br />

vor der größten Yacht zum Tag eingereiht<br />

und bin mit eingefrorenem Lächeln<br />

vor einem Herrn gestanden, der<br />

die Vorzüge diverse Rettungsinseln<br />

anpries.<br />

Nein, ich meckere nicht. Ich bin<br />

da sowieso abgehärtet. Mit meinem<br />

Mann um die Welt gesegelt und in<br />

zusammengerechnet 3.000 bis 4.000<br />

Marinageschäften gestanden, kenne<br />

die Marinas dieser Welt und ihre<br />

Schiffe und habe sämtliche Yachtbekleidung<br />

sämtlicher Yachtbrands<br />

probiert oder zumindest betrachtet.<br />

Ich mag Segeln noch immer.<br />

Und um gleich eines klarzustellen,<br />

ihr „Noch-nicht-Seglerinnen” da<br />

draußen: Ich war nie ein Segelfreak!<br />

Ich habe nie von den Weltmeeren geträumt<br />

– außer jetzt, aber das ist eine<br />

andere und lange Geschichte.<br />

SEEFRAUEN, VEREINIGT EUCH!<br />

Bevor ich auf meinen Mann traf,<br />

wusste ich gerade einmal, dass Segel<br />

weiß sind und man mit Stöckelschuhen<br />

kein Schiff betritt. Ich las ab und<br />

zu, wenn wirklich gar nichts anderes<br />

mehr da war, auch in einem Yachtmagazin.<br />

Das ist jetzt nicht gerade gute<br />

Werbung hier und ich hoffe, ihr da<br />

draußen seid etwas lesefreudiger und<br />

kriegt diese Zeilen vor die Augen.<br />

Vielleicht hat euer Geliebter die Zeitung<br />

auf dem Klo liegengelassen oder<br />

ordnungshalber mal wieder eure Magazine<br />

zu Gunsten seiner Bootmagazine<br />

entsorgt. Und gibt euch entschuldigend<br />

diese Kolumne zum Lesen.<br />

„Schau’ Schatz, da ist auch etwas für<br />

dich drinnen!“ Ja, das will ich meinen.<br />

Seefrauen dieser Welt: Vereinigt euch!<br />

An diesem Wochenende in Tulln<br />

habe ich mit vielen Frauen geplaudert<br />

und die meisten starrten mich an und<br />

meinten: „So etwas würd’ ich mich<br />

nicht trauen, um die Welt segeln.“<br />

Hab’ ich auch einmal gesagt und<br />

während der Reise ganz selten, aber<br />

doch überlegt, ob ich überhaupt noch<br />

bei Trost bin. So im Sturmtief Richtung<br />

Neuseeland, vier Tage ohne Dusche,<br />

salzverklebte Haare, rote Augenlider,<br />

Riesenwellen im Nacken.<br />

Aber was soll ich sagen. Man glaubt<br />

ja gar nicht, was man sich alles traut.<br />

Vor allem muss man es einmal austesten.<br />

Ich war erstaunt über mich. Und<br />

wenn da draußen gerade ein paar<br />

Mütter sind: Ich finde das erste Jahr<br />

mit einem Baby und dem damit einhergehenden<br />

Schlafentzug immer<br />

noch um vieles härter als Nacht -<br />

wachen, Stürme und ausgefallene<br />

Autopiloten.<br />

ICH GLAUBE, OFT WISSEN<br />

WIR GAR NICHT, WAS WIR<br />

ALLES AUSHALTEN.<br />

So ging es zumindest mir. Schön war<br />

es dann aber auch, mit ein paar Mädels<br />

vom Aus trian Woman Sailing<br />

Team zu plaudern. Da war diese hübsche<br />

Blondine, die mir begeistert von<br />

der letzen Regatta vorschwärmte, als<br />

es volle Kanne blies; oder die sportliche<br />

Brünette, die gerne einmal das<br />

Motor-Service bei Papas Yacht übernimmt.<br />

Nur, dass Segeln noch immer<br />

eine Männerdomäne sei, das gestanden<br />

beide sofort ein. Bei der letzten<br />

Regatta stand es bei den Teams 8 zu 1.<br />

Ratet einmal, wer die eins war?<br />

Auf unserer Weltreise, muss ich sagen,<br />

stand es immer fifty-fifty. Natürlich<br />

gibt es die Einhandsegler, aber<br />

Paare gibt es mehr. Und die Frauen<br />

werden definitiv nicht auf die Kombüse<br />

reduziert. Wäre auch nicht möglich<br />

bei solch einem Unternehmen. Sie<br />

schaukeln Kinder, Küche und Segelboot.<br />

Sie trauen sich, sie schaffen das<br />

und sie sind verdammt gute Seglerinnen.<br />

Weltumseglerinnen!<br />

Was ist es also, was uns so erschöpft<br />

werden lässt, sobald Boote, Motoren,<br />

Radar und Navigationsinstrumente<br />

am Horizont erscheinen? Vielleicht<br />

einfach die Tatsache, dass es schwierig<br />

ist, in so einer Umgebung einen guten<br />

Cappuccino zu kriegen.<br />

Ich liebe Segeln. Ich liebe meinen<br />

Mann und wenn er keine Spompanadeln<br />

macht, auch unseren Auto -<br />

piloten. Und natürlich den besagten<br />

Cappuccino. Mhm. Ich mach’ mir<br />

gleich einen und … Verdammt noch<br />

mal, wo ist meine Kaffee literatur?<br />

? Das darf doch nicht<br />

wahr sein! Captain! <br />

<br />

„Wenn man vor allem Angst<br />

hat, verbringt man sein Leben<br />

hinter dem Ofen.“<br />

Karla Schenk (28.5.1932–15.2.<strong>2018</strong>), Weltumseglerin, Kap Hoorniere, Pilotin<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 5


Wie werde ich die<br />

perfekte Seefrau?<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 3/2016<br />

Kürzlich erhielt ich die E-Mail<br />

einer Leserin meines Karla<br />

Schenk-Buches. Sie habe das<br />

Buch verschlungen und sei nun sehr<br />

traurig, schrieb sie, da sie nie so eine<br />

Seefrau wie Karla Schenk oder ich<br />

sein würde. Vor einem halben Jahr<br />

waren sie und ihr Mann von Italien<br />

aus losgesegelt. In Spanien hatte sie<br />

genug. Ihr Mann weile nun in der<br />

Karibik und sie wieder zu Hause in<br />

der Schweiz. Sie arbeite wieder im<br />

alten Job, er habe sich eine neue<br />

Crew organisiert und plane, nach<br />

Südamerika zu segeln. Sie möchte<br />

jetzt ergründen, warum sie keine<br />

perfekte Seefrau sein kann.<br />

VOLLER ABENTEUER<br />

Die E-Mail ging mir nicht mehr aus<br />

dem Kopf. Wen oder was stellte sich<br />

diese Dame unter einer perfekten Seefrau<br />

vor? Eine Segelmaschine, die seit<br />

frühester Kindheit Segelliteratur verschlingt,<br />

sich über jeden Ölwechsel<br />

diebisch freut, Segel hinter dem<br />

Rücken des Ehemanns nachtrimmt,<br />

um noch einen Knoten rauszuholen?<br />

Im Sturm freudig gegen Wind, Welle<br />

und Strom anstampft, riskante Ankerplätze<br />

bevorzugt, nächtelang an Segler-Stammtischen<br />

über Navigationssysteme<br />

diskutiert, fischt, filettiert,<br />

viersternig in Schräglage kocht? Kinder<br />

auf verschiedenen Erdteilen zur<br />

Welt bringt und dieselben auf Französisch,<br />

Spanisch und natürlich Polynesisch<br />

unterrichtet? Traumrevier: NW-<br />

Route, Barfußroute absolutes No-Go!<br />

6 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


FOTO: FOTOLIA<br />

Die Seefrau in uns ist<br />

immer schon da, nur auf<br />

einer Segelreise lässt<br />

sie sich eher blicken als<br />

zu Hause im stressigen<br />

Landalltag. Und das<br />

Glück in einer Beziehung<br />

hängt nicht mit<br />

dem Leben auf einem<br />

Segelboot zusammen,<br />

sondern mit dem Leben<br />

miteinander.<br />

Apropos barfuß: immer pedikürt<br />

und Haare gestylt oder im Gegenteil<br />

ein Mannweib mit selbstgeschnittener<br />

Kurzhaarfrisur und sonnengegerbter<br />

Krokodilhaut?<br />

Vor unserer Weltumsegelung kannte<br />

ich zwei Seefrauen.<br />

Die eine: Seenomadin Doris. Sanft,<br />

bescheiden, ruhig, fröhlich. Angst?<br />

„Ja, sicher, aber man wächst in dieses<br />

Leben hinein und über sich hinaus.“<br />

Die andere: Ingrid, Mutter einer<br />

Vierjährigen, als sie mit Ehemann lossegelt.<br />

Tough, charmant, humorvoll,<br />

sportlich. Alles immer toll? „Es kommen<br />

Augenblicke, da willst du nur<br />

noch weg vom Schiff, aber es geht<br />

nicht, und du schwörst dir und deinem<br />

Ehemann, im nächsten Hafen<br />

auszusteigen. Und dann sitzt du da<br />

am Strand mit einem karibischen<br />

Drink und bleibst, weil der Sonnenuntergang<br />

einfach ein Traum ist!“<br />

Ich fand diese beiden Frauen ziemlich<br />

beeindruckend, aber hatte nicht<br />

das Gefühl, Heldinnen vor mir zu haben,<br />

die unerreichbar waren in ihrem<br />

Mut und ihren Taten.<br />

Vielleicht war das mein Riesenglück.<br />

Die beiden sahen einfach beseelt<br />

aus. Voller Abenteuer und Sommersprossen.<br />

Lachfältchen und<br />

Persönlichkeit.<br />

DIE PERFEKTE SEEFRAU<br />

GIBT ES NICHT<br />

Mit der perfekten Seefrau ist es so wie<br />

mit der perfekten Frau: Es gibt sie<br />

nicht. Genauso wenig wie es den perfekten<br />

Seemann gibt. Meine Theorie:<br />

Die Seefrau in uns ist immer schon<br />

da, nur auf einer Segelreise lässt sie<br />

sich eher blicken als zu Hause im<br />

stressigen Landalltag.<br />

Auf dem Segelboot kommt sie vielleicht<br />

schneller an ihre Grenzen,<br />

wenn der Wind am Mast rüttelt und<br />

ein Segel in Streifen reißt. Da zittert<br />

und heult sie und denkt sich, nie<br />

wieder – um am nächsten Tag fröh-<br />

lich ein wirklich gelungenes Brot aus<br />

dem Ofen zu holen und das gesamte<br />

Ankerfeld zum Brunch einzuladen.<br />

Oder sie steht in der Nachtwache an<br />

Deck und genießt es, Herrin über<br />

eine schlafende Crew zu sein. Den<br />

Wind im Gesicht, die funkelnden<br />

Sterne über sich. Sie erinnert sich<br />

länger an stressige Überfahrten als<br />

ihr Seemann, aber sie kann auch die<br />

spanische Anleitung des neuen Autopiloten<br />

mit ihren wenigen Französisch-Kenntnissen<br />

übersetzen. Ihre<br />

Segelsprösslinge und deren Matheaufgaben<br />

hat sie fest im Griff, bis<br />

dann der Spinnaker runter muss.<br />

Noch ein Segel zu versenken sprengt<br />

das Reisebuget, argumentiert sie und<br />

der Segel-Ehemann kapituliert.<br />

Sie ist Reiseleiterin, Medizinfrau,<br />

technische Assistentin, Funkerin,<br />

Navigatorin, checkt das Wetter und<br />

die Verwandschaft im Internetcafé.<br />

Sie findet das Ersatzteil, weil sie Spanisch<br />

mit Hand und Fuß spricht und<br />

tritt mit demselben gegen das Dingi,<br />

weil der verdammte Außenborder<br />

wieder spinnt, bevor sie die Ruder<br />

packt und sich über ihre genialen<br />

Oberarmmuskel freut. Und ja, es ist<br />

absolut ok., Angst zu haben. Diese<br />

kleinen Panikattacken werden wunderbare<br />

Storys abgeben und stärker<br />

machen, vertrauensvoller in das Boot.<br />

Und in den eigenen Mann.<br />

Natürlich: Manche Beziehungen an<br />

Bord zerbrechen. Aber das tun sie<br />

auch an Land. Und sicher öfter. Hängt<br />

wahrscheinlich nicht mit dem Leben<br />

auf einem Segelboot zusammen,<br />

sondern mit dem Leben miteinander.<br />

Das Leben auf dem Schiff ist wie unter<br />

einer Lupe. Es kommt alles zutage.<br />

Das Gute und das Schlechte. Das<br />

Ängstliche und das Mutige. Das Fröhliche<br />

und das Traurige. Das Menschsein<br />

prinzipiell – und wie egal ist es<br />

da, ob man Mann oder Frau ist?<br />

Ein einziges Mal hatte ich das Gefühl,<br />

der perfekten Seefrau doch gegenüberzustehen.<br />

Als ich Karla Schenk<br />

kennenlernte. Cool, elegant, furchtlos.<br />

Aber wie heißt es so schön: Ausnahmen<br />

bestätigen die Regel! Das gilt auf<br />

dem Meer genauso wie an Land! <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 7


Seefrau und<br />

Odysseus<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 5-6/2010<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Also, es ist soweit! Die Segelsaison ist eröffnet! Und<br />

da muss ich gleich ganz dringend mein Lieblings-<br />

Chartersegelurlaub-Thema ansprechen: Ankern.<br />

Unsere große Reise ließen wir<br />

im Juli 2010 in Kroatien ausklingen.<br />

Kreuzten meist gegen<br />

den Wind Richtung Heimathafen<br />

Italia – uns entgegen motorten sämtliche<br />

Charterurlauber.<br />

Aber das Motoren ist ein anderes<br />

Thema und da soll mal jeder machen,<br />

wie er will. Wir sind heute<br />

beim Ankern. In der ersten überfüllten<br />

kroatischen Bucht ging es nämlich<br />

los.<br />

„Runter damit, Schatzi“, brüllte ein<br />

Charterkapitän ohne Badehose am<br />

Steuer seiner Mietyacht. (Auch das<br />

Nacktsegeln würde eine Kolumne<br />

füllen, aber wie gesagt heute geht’s<br />

ums Ankern.)<br />

Seefrau am Anker bediente locker<br />

die elektrische Ankerwinsch und<br />

ließ die Kette runterrasseln. „Passt!“<br />

Kapitän probierte weder den Rückwärtsgang,<br />

um den Halt des Ankers<br />

zu testen, noch tauchte er ab, um sich<br />

den Ankergrund anzusehen, sondern<br />

holte sich ein kaltes Getränk.<br />

Schließlich vergnügten sich alle<br />

wie die Kinder im Blau der Adria –<br />

keiner an Bord.<br />

Da – wie aus dem Nichts – schien<br />

sich der Abstand zwischen unserem<br />

Boot und dem des Herrn Kapitän<br />

ziemlich verkleinert zu haben und<br />

weiterhin zu verkleinern.<br />

„Der slippt“, meinte mein Skipper.<br />

Als alle wieder an Bord in der Sonne<br />

glühten, fiel auch dem Charterkapitän<br />

die große Nähe zu uns – seinen Nachbarn<br />

– auf. „I glaub’, eicha Anker<br />

slippt“, rief er vom Heck seines Schiffes<br />

zu unserem Bug. Seltsam, gegen<br />

den Wind nach vorne zu slippen<br />

schien mir ein ziemliches Kunststück.<br />

Mein Skipper machte sich Luft. Kapitän<br />

schaute beleidigt, aber warf den<br />

gerade abgekühlten Motor doch wieder<br />

an, während er gut verständlich für<br />

das Ankerfeld und die umliegenden<br />

Inseln seine Frau anpfauchte: „Anker<br />

rauf, aber schnell, Schatzi!“ Seefrau<br />

stand wieder am Anker und hantierte<br />

verdrossen an der Ankerwinsch.<br />

NUR WER LENKT, DENKT?<br />

Bei Fahrtenseglern hatte ich festgestellt,<br />

dass meist die Männer am Anker<br />

waren und die Frauen am Steuer.<br />

Im Charterbetrieb war es immer umgekehrt.<br />

Warum? Bei Fahrtenseglern<br />

müssen beide erfahrenen Segler sein.<br />

Also sollte es eigentlich egal sein, wo<br />

man sich positioniert, überall muss<br />

man Bescheid wissen. Und dennoch.<br />

Bei uns war diese Einteilung vorrangig,<br />

weil wir keine elektrische Ankerwinsch<br />

haben (Ja, so etwas gibt es!).<br />

Ankern war ziemliche Kraftanstrengung,<br />

Steuern erforderte gutes Gefühl.<br />

Peter und ich entwickelten uns<br />

zu einem richtig guten Team. Und<br />

eines vor allem: Peter brüllt nie.<br />

Charterkapitäne und eventuell auch<br />

andere Kapitäne, die ihre Frauen am<br />

Ankerplatz anbrüllen, sind gar nicht<br />

so selten, um nicht zu sagen ziemlich<br />

oft zu erleben. Wir verständigen uns<br />

vorrangig mit Handzeichen. Am Ende<br />

der Reise reagierte ich oft schon vor<br />

Peters Zeichen – ich wusste einfach,<br />

was kommt.<br />

Weibliche Intuition?<br />

Frauen in Kroatien brüllen entweder<br />

zurück oder sagen nichts und gehen<br />

nicht mehr segeln. Beides keine<br />

besonders guten Voraussetzungen für<br />

einen netten Urlaub ohne Spannungen.<br />

Ich weiß nicht, warum es umge-<br />

8 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Wann ist man alt genug?<br />

XX X XX<br />

AUSGABE 7-8/2010<br />

Also, das ist schon interessant. Alle regen sich über die Jugend auf:<br />

lasch, verwöhnt, desinteressiert, leidenschaftslos, faul – und dann<br />

segelt eine 16-Jährige um die Welt und alle regen sich auf, wie<br />

unverantwortlich das ist.<br />

Risho Maru in einer Ankerbucht auf Vanuatu.<br />

kehrt besser funktioniert, aber ich denke,<br />

man sollte es versuchen. Vielleicht glaubt<br />

der Kapitän, eine Katastrophe könnte<br />

passieren, wäre er nicht am Steuer, denn<br />

nur wer lenkt, denkt – denkt er, der lenkt<br />

… oder … wie auch immer.<br />

Oder die Frauen denken sich, na mit<br />

der Maschine kenn’ ich mich nicht aus,<br />

wie war das mit dem Vorwärtsgang?<br />

Hallo? Autofahren ist schwieriger! Und<br />

wer sind denn bitte rein statistisch die<br />

besseren AutofahrerInnen?<br />

Also ran ans Steuer!<br />

Und vielleicht fällt dem Freizeitkapitän<br />

vorne bei der elektrischen Ankerwinsch<br />

mit einem Blick auf den Meeresgrund<br />

auf, dass der Anker auf einem Flecken<br />

Seegras nicht so gut hält wie auf einem<br />

Flecken Sand. Oder es fällt ihm sogar ein,<br />

ganz archaisch so wie Odysseus Mannen<br />

den Anker runterzulassen bzw. aufzuholen,<br />

ohne Elektrik, nur mit Muskelkraft,<br />

die sich am Ende des Urlaubs auch andeutungsweise<br />

an den Oberarmen und<br />

eventuell sogar waschbrettbauchmäßig<br />

zeigen wird – was der Seefrau sicher angenehm<br />

auffällt.<br />

Im Idealfall also passiert Folgendes:<br />

Die Seefrau knallt den Rückwärtsgang<br />

rein, bis der Anker einrastet und spart<br />

sich so nächtlich die Panik eines Not-<br />

Ankermanövers. Odysseus – pardon,<br />

Kapitän springt klassisch vom Bug in<br />

das Wasser und schaut, ob sich die Kette<br />

spannt, gibt ein Victory-Handzeichen<br />

und beide genießen dann ein kaltes Getränk<br />

ihrer Wahl.<br />

Ankern. Segeln. Ehekrisen. Das<br />

kennt man doch. Ankern. Seefrau und<br />

Odysseus. Das wäre doch einmal etwas<br />

anderes, oder? <br />

<br />

Dabei ist das Mädel mit 16 kein<br />

Kind mehr, fit, zäh, interessiert<br />

(offensichtlich), voller Leidenschaft<br />

(fürs Segeln), fleißig – alles was sie doch<br />

besser sein sollte. Komisch. Was hat<br />

Jessica Watson also falsch gemacht?<br />

Na ja, ich denke, das Problem war die<br />

Weltumsegelung. Obwohl, das ist ja nichts<br />

Besonderes mehr, hörte ich vor kurzem<br />

von einem Bekannten. Das machen eh<br />

schon so viele. Und bei der Jessica Watson<br />

waren sicher die Eltern dahinter, dass sie<br />

das macht, damit Geld ins Haus kommt.<br />

Nur – äh, kleiner Zwischenruf! – keinen<br />

Menschen kann man zu einer Weltumsegelung<br />

zwingen. Auch wenn es angeblich<br />

eh so viele machen. Die so vielen<br />

tun es freiwillig! Eine Weltumsegelung ist<br />

nicht wie ein Klavierabend oder eine<br />

Tanzvorstellung, wo die Oldies sagen:<br />

„Geh Spatzi, jetzt zeig’ doch einmal, was<br />

du am Konservatorium gelernt hast!“ Und<br />

dann klopfen sich alle auf die Schulter<br />

und das Spatzi verzieht sich wieder mit<br />

seinem Nintendo ins Jugendzimmer.<br />

Natürlich findet sich der Profilierungszwang<br />

mancher Eltern in unserer Gesellschaft.<br />

Und ich gebe zu, ein 13-Jähriger<br />

auf dem Mount Everest oder auf dem<br />

Ozean ist bescheuert. Aber mit 16?<br />

Einerseits soll die Jugend tough, fleißig<br />

und zielstrebig sein, anderseits kann so<br />

mancher 16-Jährige heutzutage nicht einmal<br />

sein Frühstück selber machen und<br />

ein paar Jährchen später wohnt er/sie<br />

noch immer zu Hause bei Mama, weil es<br />

halt so praktisch ist.<br />

In Wirklichkeit geht’s nämlich gar nicht<br />

um die Weltumsegelung, sondern um etwas<br />

ganz anderes: um das Nicht-mit-dem<br />

Strom-schwimmen. Um das Sich-trauenund-es-machen.<br />

Uiuiuiuiu!<br />

Das ist unser Thema! Ich erinnere<br />

mich, als wir unsere Entscheidung loszusegeln<br />

verkündeten, an die Reaktionen<br />

der Umgebung. Die meisten fanden es<br />

toll, aber fürchteten um unsere Wiedereingliederung<br />

und die Erziehung unseres<br />

Kindes. Andere gaben uns ein knappes<br />

Jahr, um dann doch wieder in den Kreis<br />

der Normalität zu finden. Und wieder andere<br />

redeten plötzlich nur mehr von sich<br />

und – ups – begannen ihr Leben zu rechtfertigen,<br />

warum es für sie besser sei dazubleiben,<br />

wegen Karriere, Kindern, Garten,<br />

Arbeitskollegen. Ist ja alles fein, aber warum<br />

das Gerede?<br />

Weil es eben so ist, dass man weiß, man<br />

sollte etwas ändern, aber man kann nicht.<br />

Und dann kommt da jemand, der kann<br />

und macht und dann muss man irgend -<br />

etwas finden, um das zu erklären und um<br />

sich zu erklären, dass eh alles so passt, wie<br />

es ist und unausweichlich seinen Weg<br />

geht.<br />

Passt ja! Es muss nicht jeder eine Weltumsegelung<br />

machen! Es will nicht jeder!<br />

Aber wenn’s einer tut – warum denn<br />

nicht? Obwohl, es machen ja schon so<br />

viele. Fragt sich nur, warum nie die, die<br />

das so normal finden.<br />

Das Thema sorgt natürlich auch für<br />

Diskussionsstoff in unserem Seglerfreundeskreis.<br />

Und der Peter meinte dann einmal:<br />

„Also wenn der Finn in der Pubertät<br />

zu spinnen anfängt, schick’ ich ihn<br />

auch über den Atlantik – allein!“ Darauf<br />

tönte Sohnemann, der zufällig mit seinen<br />

zehn Lenzen schon 29.000 Seemeilen<br />

auf dem Buckel und wie immer mit<br />

halben Ohr aus dem Nebenzimmer<br />

gelauscht hatte: „Ok. Und was ist da<br />

besonderes dabei?“<br />

<br />

Jugend (Sohn Finn) am Ruder.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 9


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Meisterin Proper<br />

geht segeln<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 6/2014<br />

Die Seefrau, die nicht fürs Putzen an Bord verantwortlich<br />

zeichnet, werfe den ersten Putzschwamm!<br />

Ich lehne mich seufzend zurück und<br />

überlege, ob es nun wirklich notwendig<br />

ist, nochmal alle Kojen mit<br />

Essigwasser auszuwischen. Ach, Essig<br />

– aber dazu später!<br />

„Pink and Blue jobs“, so umschreiben<br />

amerikanische SeglerInnen, die<br />

von außen betrachtet doch recht traditionelle<br />

Geschlechteraufteilung an<br />

Bord eines Segelbootes. Dass man<br />

aber das Leben an Land nicht mit dem<br />

auf einem Boot vergleichen kann, sollte<br />

von Nichtseglerinnen, die befürchten,<br />

zum Heimchen am Schiffsherd<br />

degradiert zu werden, stets bedacht<br />

werden. Wobei, seien wir uns ehrlich:<br />

Wollen wir wirklich das Öl wechseln<br />

und das Dingi ins Wasser hieven (blue<br />

jobs)? Nein danke – da polier’ ich lieber<br />

den Rumpf (pink job)!<br />

Womit wir wieder beim Thema wären.<br />

Ein Boot sauber zu halten, innen<br />

und außen, kann zur Herausforderung<br />

werden. Der Raum ist klein, heiß, stickig<br />

und feucht, draußen lauern Salz<br />

und Sand, drinnen lechzen Schaumstoffmatratzen,<br />

versteckte Ecken und<br />

vergessene Backs kisten. Fenster lassen<br />

sich nur spaltbreit öffnen, wenn überhaupt.<br />

Die Pantry umfasst eine Fläche<br />

von ein bis eineinhalb Quadratmeter,<br />

muss aber die gleiche Anzahl an Menschen<br />

versorgen wie die Küche zu<br />

Hause. Stauräume sind wunderbar, sofern<br />

man sie nicht vergisst. Süßwasser<br />

ist begrenzt, außer man will Kanister<br />

schleppen oder den Wassermacher auf<br />

Hochtouren bringen. Schimmel<br />

schlägt Staub, Klo geruch verseucht<br />

zeitweise selbst das gepflegteste Boot.<br />

Außen sprießen Rostflecken,<br />

schmieren Ölspuren, wachsen Algen -<br />

flecken und hin und wieder wohnt<br />

nach langen Landaufenthalten so<br />

manche Hornissenfamilie friedlich<br />

neben einem Ameisennest. Doch SeglerInnen<br />

sind erfinderisch und der<br />

Mensch mag es prinzipiell einfach und<br />

bequem – also findet man im Netz<br />

und bei freundschaftlichen Sundowner-Gesprächen<br />

so manche guten<br />

Tipps und Tricks.<br />

OHNE KÜCHENROLLE<br />

GEHT GAR NIX<br />

Die wunderbare Karla Schenk war der<br />

Meinung, dass ohne Küchenrolle gar<br />

nix geht an Bord. Ich stimme ihr zu,<br />

auch wenn ich umwelttechnisch damit<br />

ein Problem habe. Diesen Fauxpas<br />

versuche ich dann mit „grüneren“ Ideen<br />

beim Putzmitteleinsatz auszugleichen.<br />

Womit wir beim Essig wären!<br />

Nichts, aber auch gar nichts geht über<br />

das gute alte Essigwasser. Schon unsere<br />

Großmütter haben damit Wasch -<br />

becken und Klos gereinigt, die Essigessenz<br />

richtig verdünnt ergab auch ein<br />

veritables Salatdressing. Mehrfacheinsatz<br />

eines Gegenstandes auf dem<br />

Schiff ist immer willkommen! Je mehr<br />

ich mir an Zusatzmaterial sparen<br />

kann, umso weniger muss ich irgendwohin<br />

verstauen. Als Katamaran-<br />

Seglerin kommt dazu: Je weniger Gewicht,<br />

desto schneller das Schiff, desto<br />

weniger Entenmuscheln am Rumpf,<br />

die abgekratzt werden wollen! (Aber<br />

das ist jetzt wirklich schon für fortgeschrittene<br />

Segelabenteuer!)<br />

Der Schiffsgeruch ist ja an sich etwas<br />

sehr Schönes – wie wenn man in<br />

eine Berghütte kommt und es riecht<br />

einfach nach Freiheit und Ferien.<br />

Nur wenn der sanfte Feriengeruch in<br />

Schimmelmuffel, gespickt mit Klo -<br />

ausdünstungen, umschlägt, muss gehandelt<br />

werden. Stauräume mit Essigwasser<br />

auswischen, Ölzeug der letzen<br />

20 Jahre ausmisten, und vielleicht ist<br />

der Opposumfleece-Pullover aus Neuseeland<br />

doch nicht fürs Sommersegeln<br />

auf Cres nötig! Das Schiffsklo bedarf<br />

wie schon erwähnt besonderer Beachtung<br />

– auch hier Essig, Essig, Essig …<br />

Draußen lauern dann putzbedürftige<br />

Winschen, Relingstützen, Bordwände.<br />

Es geht ans Polieren! Wüsste<br />

ich ein schnell wirkendes, nicht giftiges<br />

Geheimmittel, würde ich es nicht<br />

verraten und mir mit der Idee lebenslanges<br />

Segeln verdienen!<br />

Angeblich soll Zitronensaft gut bei<br />

Roststellen wirken, schreibt der kanadische<br />

Segler Frank und gibt auch ein<br />

offenes Säckchen Backpulver in die<br />

Kühlbox, um nicht Seekrankheit nach<br />

dem Öffnen derselbigen herauszufordern.<br />

Essig zum Salat hatten wir<br />

schon, mit Olivenöl kann man übrigens<br />

wunderbar Holzinterieur pflegen!<br />

Segelfreundin Edith verwendet<br />

Feuchttücher, um in die hintersten<br />

Winkel ihres Wharram-Kats zu kommen,<br />

Seefrau Laura schwört auf Dr.<br />

Bronners Seife für alles – Haare, Körper,<br />

Teakdeck. Mein Mann liebt seinen<br />

„Soda Antischimmel“-Spray von einer<br />

bekannten Öko-Putzmarke mit<br />

Frosch. Soviel zu pink and blue Jobs!<br />

Vor einigen Wochen renovierten<br />

wir unser Schiff und ich hatte mal wieder<br />

die Ehre, die Schleifmaschine zu<br />

schwingen. Die Auswirkung: Meine<br />

Oberarme könnten Werbung fürs Fitnesscenter<br />

ums Eck machen! Ich war<br />

dann aber dennoch froh, als ich gemütlich<br />

im Bikini die Schiffsaußenwand<br />

per Schlauch befeuchtete und<br />

per Geheimmittel säuberte. Herrlich!<br />

Und ganz ehrlich. Die besten Jobs<br />

an Bord? Die violetten! <br />

<br />

Essig oder Zitronensaft<br />

– das ist an Bord<br />

die Frage. Seefrau<br />

Laura schwört auf<br />

Dr. Bronners Seife mit<br />

dem Reinheitsgebot für<br />

alles: Haare, Körper,<br />

Teakdeck.<br />

10 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Achtung, Frauen an Bord!<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 3/2017<br />

Was haben Frauen, Plattfüße, Bananen, rote Haare, Freitage und Katzen gemeinsam?<br />

Sie bringen angeblich Unglück an Bord eines Schiffes.<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Stellt sich nun die Frage:<br />

Warum sind Seemänner so<br />

abergläubisch? Ganz einfach:<br />

Ein Mann zu sein auf See bedeutete<br />

früher eine haarsträubend kurze<br />

Lebens erwartung. Das Leben war<br />

hart, die Arbeit schwer, das Essen<br />

schlecht, der Rum gepanscht und<br />

Schiffsschlachten standen auf der<br />

Tagesordnung.<br />

Mann brauchte irgendeinen Aberglauben,<br />

um das Gefühl zu bekommen,<br />

dem Unglück entrinnen zu<br />

können. Also galt es, am Freitag<br />

nicht loszusegeln, denn an diesem<br />

Tag war Jesus gekreuzigt worden.<br />

Auch Donnerstag war kritisch,<br />

da könnte man Thor, den Gott des<br />

Sturmes und des Donners verärgern.<br />

Blöd auch der erste Montag im April,<br />

da erschlug der Kain den Abel und<br />

am zweiten Montag im August wurden<br />

Sodom und Gomorrha zerstört.<br />

Am besten war noch Sonntag, aber<br />

da hatte man meist den Kater vom<br />

Vortag zu überstehen und keinerlei<br />

Lust auf Wellengeschaukel.<br />

APROPOS KATER<br />

War einer an Bord und kam auf einen<br />

zu, war das ein gutes Zeichen.<br />

Doch wehe, er bog ab – Unglück auf<br />

dem Vormarsch. Maunzte er jedoch<br />

Frauen sind mehr als<br />

nur Gallionsfiguren.<br />

zu fröhlich, kündigte dies einen Hagelsturm<br />

an!<br />

Wenn jemand mit rotem Haar das<br />

Schiff betrat, konnte man das Un -<br />

glück abwenden, indem man ihn zuerst<br />

ansprach, bevor er etwas sagen<br />

konnte. Dürfte zuweilen ein bisschen<br />

stressig gewesen sein, weil man ja<br />

auch gleich checken musste, ob er<br />

Plattfüße hatte. Warum gerade dieser<br />

Fußtyp das Schicksal an Bord beeinträchtigen<br />

könnte, kann wohl nur<br />

ein segelnder Orthopäde erklären.<br />

Und warum bringen Bananen<br />

Unglück? Zu Zeiten der europäischen<br />

Kolonialinseln in den Tropen zählten<br />

die Bananentransporte zu den gefürchtetsten<br />

unter Seeleuten, denn<br />

viele dieser Großsegler verschwanden<br />

auf Nimmerwiedersehen. Könnte natürlich<br />

auch etwas mit den Jack Sparrows<br />

dieser Zeit zu tun gehabt haben.<br />

Belegt ist aber, dass giftige Spinnen,<br />

die gerne zwischen den Bananenstauden<br />

nisteten, so manchen<br />

Seemann bissen und zur Strecke<br />

brachten. Da soll einer nicht abergläubisch<br />

werden!<br />

Übrigens: Bis heute gilt das Singen<br />

und Pfeifen in den Wind als höchst<br />

gefährlich! Man könnte so einen<br />

gewaltigen Sturm herbeirufen. Also<br />

besser den Mund halten!<br />

UND DIE FRAUEN?<br />

Irgendwo wurde einmal berichtet,<br />

ein Handelsschiff war in einen<br />

schweren Sturm geraten und da<br />

Frauen anwesend waren, wurden<br />

sie alle über Bord geworfen, um<br />

Poseidon zu beruhigen. Hat nicht<br />

viel genützt – das Schiff ging trotzdem<br />

unter.<br />

Ziemlich sicher ist, dass dieser<br />

Aberglaube mit dem Unglück durch<br />

Frauen von einem Kapitän in die<br />

Welt gesetzt wurde. Wenn die<br />

Männer schon erst am Montag mit<br />

Restrausch lossegeln konnten, dann<br />

sollten sie wenigstens nicht von<br />

Frauen abgelenkt werden. Die Regeln<br />

wurden aber später etwas gelockert<br />

und Kapitäne nahmen fortan ihre<br />

Gemahlinnen mit!<br />

Eines war den Herren damals aber<br />

nicht entgangen: die Tatsache, dass<br />

das weibliche Geschlecht besser<br />

navi gieren konnte. Die Lösung: Die<br />

wunderschönen, meist aus Holz geschnitzten<br />

Galionsfiguren, die auf<br />

Segelschiffen unter dem Bugspriet<br />

angebracht wurden. Mit großen<br />

Augen, um etwaige Riffe rechtzeitig<br />

zu sehen, und nacktem Busen, um<br />

Poseidons grantige Wogen zu glätten.<br />

Und heute? Das Leben ist nicht<br />

mehr gar so hart, die Arbeit an Bord<br />

gerecht geteilt, das Essen ist richtig<br />

gut, der Rum-Punsch vom Feinsten<br />

und Schiffsschlachten gibt es nur,<br />

wenn der Seemann seine Unterhosen<br />

im Cockpit herumliegen lässt oder die<br />

Seefrau mit ihren Haaren die Bilge<br />

verstopft. Die Navigation fühlt sich<br />

nach wie vor am wohlsten in den<br />

Frauenhänden. Und nackt sind alle<br />

einmal an Bord. Morgen ist Freitag?<br />

Mädels, lasst uns segeln gehen! <br />

Quellen:<br />

è www.timelessmyths.co.uk/<br />

women-board-ship-bad-luck<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 11


Was ist mit der<br />

Segelmode los?<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 9-10/2010<br />

Warum ist Surfmode nur so viel cooler?<br />

Das Ganze begann, als Peter,<br />

mein Ehemann und Kapitän,<br />

zur Panerai Classic Yachts<br />

Challenges nach Cannes flog.<br />

Er stand vor mir mit besorgtem<br />

Blick, die Stirn gerunzelt und ich<br />

wartete darauf, dass er sagen würde:<br />

„Meine Güte, wir waren die letzen<br />

sechs Jahre jeden Tag und jede Nacht<br />

zusammen und jetzt fliege ich zwei<br />

Tage weg – wie werden wir das<br />

schaffen?“<br />

Sagte er aber nicht. Über die Lippen<br />

des Mannes, mit dem ich die<br />

Welt umsegelt habe, kam: „Ich kann<br />

nicht nach Cannes fliegen – nicht mit<br />

meinen alten Segelschuhen.“<br />

NOTHING CHANGED<br />

Da waren wir also. Die Garderobe<br />

der Segler. Ich beruhigte ihn und<br />

meinte, er solle sich doch einfach<br />

neue Segelschuhe kaufen, die gäbe<br />

es doch sowieso zuhauf. Das schien<br />

ihm sehr unangenehm. „Aber die<br />

jetzigen haben endlich aufgehört<br />

weh zu tun. Nach zwei Jahren.“<br />

Das war nun schwierig. Ich fragte<br />

mich zum wiederholten Male in den<br />

letzen Jahren: Was ist mit der Segelmode<br />

los? Meines Erachtens nach<br />

nämlich nichts. Gar nichts. Als wir<br />

nach viereinhalb Jahren auf den Ozeanen<br />

heimkehrten und auf einer Bootmesse<br />

umherschweiften, rettete ich<br />

mich wieder mal zu den Bekleidungs-<br />

FOTO: MARINEPOOL<br />

12


ständen und musste mit Schrecken<br />

erkennen: Nothing changed.<br />

Die gleichen marineblau-weißen<br />

Sweater, V-Ausschnitt, Segelstrick-<br />

Pullis, Einheitsfigur-Sporthosen, einige<br />

in sanften Blautönen abweichende<br />

Polo-T-Shirts – für Frauen etwas kleiner<br />

geschnitten. Natürlich die multifunktionalen<br />

Schwerwetterwesten,<br />

ideal für die kalte, stürmische Sommersegelei<br />

in der Adria. Besonders<br />

anziehend: weiße Stretchhose. Jeder,<br />

der nur zwei Tage auf einem Schiff<br />

verbracht hat, weiß, dass weiß an<br />

Bord keine gute Idee ist. Beliebt auch<br />

die atmungsaktive Damen-Überhose<br />

oder die gemütliche Bordhose – beständig<br />

gegen jeden Verschleiß. Auch<br />

beständig gegen jede Art von Figur –<br />

die passt wirklich keinem. Aber<br />

wenigstens wasserabweisend.<br />

Ich habe auf unserer gesamten Reise<br />

keine Segler gesehen, die so angezogen<br />

waren. Die einzigen, die Segelmode<br />

tragen, sind die Models in den<br />

Segelmode-Katalogen. Wobei ich hier<br />

wiederum das dumpfe Gefühl habe,<br />

Farben der Südsee – Noumea.<br />

Alexandra und Finn in Crocs:<br />

„Können nass werden, halten ewig.“<br />

dass diese immer strahlenden, schön<br />

frisierten Menschen gerade zum ersten<br />

Mal auf einem Segelboot stehen,<br />

das wiederum in einer Ma rina steht.<br />

Um meinen verzagten Mann etwas<br />

zu unterstützen, langte ich nach dem<br />

druckfrisch eingetroffenen Segelmoden-Katalog<br />

und begann darin zu<br />

blättern. Ich entdeckte eine winddichte<br />

Wendeweste, die von einem jungen<br />

Herrn getragen wurde, der offensichtlich<br />

gerade einer Wiener Tanzschule<br />

entkommen war. Sauber gebügeltes<br />

kariertes Hemd, darüber fescher Pullunder<br />

und eben die besagte Wendeweste.<br />

Seine Schuhe konnte ich auf<br />

dem Bild nicht erkennen. Ich fand<br />

dann aber welche auf der nächsten<br />

Seite, getragen von einem solariumgebräunten<br />

Jungvater, der seine kleine<br />

Tochter am Strand spazieren führte.<br />

Sie ohne Schuhe (aber mit weißer<br />

Hose), er mit Schuhen, die im Sand<br />

versanken und wahrscheinlich schon<br />

damit gefüllt waren. Ich stellte mir<br />

vor, dass er auf sein in der Marina<br />

geankertes Segelboot ging und die<br />

Segelschuhe im Cockpit auszog.<br />

Sand auf dem Schiff. Jaaa! Eines der<br />

liebsten Dinge meines Kapitäns.<br />

Eine Seite weiter saß die Dame des<br />

Katalogs, schön geschminkt, Haare<br />

perfekt gelegt, zwei weißbehoste<br />

Waden unbequem über eine Klappe<br />

gelegt. Besonders berührte mich das<br />

Pärchen, das in aufeinander abgestimmten<br />

schwarzen Thermal Base-<br />

Unterhosen an Deck lag, nur das<br />

Vorstag drängte sich zwischen die<br />

Turteltäubchen. Im gesamten Katalog<br />

fiel mir auf, dass die Herren prinzipiell<br />

am Steuer standen und mit<br />

strahlendem, aber doch entschlossenem,<br />

mutigem Blick zu den nicht<br />

gesetzten Segeln starrten.<br />

„Hast du Schuhe gesehen?“, fragte<br />

mein Kapitän. So weit war ich noch<br />

gar nicht. Ich schlug ihm vor, doch<br />

Gummistiefel anzuziehen mit dicken<br />

Socken, die hatten sich im Sturm<br />

nach Neuseeland auch bewährt,<br />

wenn auch die Geruchsentwicklung<br />

grausam gewesen war. Aber dazu<br />

braucht man bei Bootschuhen keinen<br />

Sturm. Ein bisschen Salzwasser genügt<br />

und sie stinken für ewig. Und<br />

sind hart und schmerzhaft. Da lobe<br />

ich mir das Schuhwerk, das wir nahtlos<br />

viereinhalb Jahre um die Welt<br />

trugen: Crocs. Stinken nicht, halten<br />

warm, können nass werden. Übrigens<br />

von einem Surfer entworfen. So<br />

wie die gesamte Mode der Crew der<br />

Risho Maru eine auffallende Tendenz<br />

Richtung Surfmode hatte.<br />

Warum ist Surfmode so viel cooler<br />

als Segelmode? Und soviel praktischer?<br />

Und so viel funktioneller.<br />

Unser Ölzeug war von der Marke,<br />

die auch Rapper sofort adaptierten.<br />

Und die so auch eine enorme Umsatzsteigerung<br />

erfuhr.<br />

WO GIBT‘S EINEN SEGELMODE-<br />

KATALOG FÜR ECHTE SEGLER?<br />

Ich denke, es liegt daran, dass Segeln<br />

noch immer mit Worten wie elegant,<br />

korrekt, dezent, ernsthaft, alt und<br />

langweilig verkauft wird. Und wen<br />

wundert es da, dass die Segelclubs<br />

so wenig Nachwuchs haben?<br />

Ich wäre absolut für einen Segel -<br />

modekatalog mit richtigen Seglern. Da<br />

würde es dann Sturmfrisuren regnen<br />

und ausgebleichte Lieblings-T-Shirts,<br />

bunte Surfer-Shorts, Surferbrillen,<br />

übergroße Hoodies, Sarongs, Strohhüte<br />

und Flip-Flops zu kaufen geben.<br />

Am Ankerplatz würde keines der<br />

Nicht-Models am Steuer stehen, sondern<br />

in der Kombüse Spaghetti machen.<br />

Und beim Segeln würde einer<br />

den Autopiloten bewachen und dabei<br />

Erdnüsse essen, der andere ein Buch<br />

lesen. Und wenn’s ordentlich stürmt,<br />

würde eh keiner mehr Fotos machen<br />

und so würde dem geehrten Leser<br />

für immer verwehrt sein zu wissen,<br />

was echte Segler bei Sturmfahrt tragen.<br />

Das gleiche übrigens wie echte<br />

Rapper.<br />

„Und gibt es irgendwelche guten<br />

Seglerschuhe für mich?” Nein, mein<br />

Schatz, aber schau doch einmal auf<br />

YouTube, welche Schuhe der Herr<br />

50 Cent trägt. <br />

Nachtrag: Mein Kapitän segelte dann doch mit den alten<br />

Segel schuhen und – Ausnahmen bestätigen die Regel –<br />

mit seiner sehr schicken<br />

-Softshell-<br />

Jacke, die passt nämlich auch für Cannes!<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 13


Auf den Hut!<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 4/2016<br />

Alles eingepackt? Tablet mit aktuellstem Naviprogramm geladen? Bestseller-Hörbücher? Hightech-Flossen?<br />

Neueste Drohne für Super-Segelshots von oben? GoPro für Wahnsinnshots beim Spinnaker-raufziehen?<br />

Unterwasser-Spezial-Kamera, um den letzen Seestern der Adria zu verewigen? Multifunktionale Bordschuhe,<br />

schicker Kaftan, Solar-Haarfön, wasserdichte Pads für die Kaffeemaschine? Vorfreude!<br />

Eines fehlt aber sicher noch im<br />

modischen Seesack: der passende,<br />

extrem coole, schmeichelnde,<br />

abenteuerversprechende Sonnenhut.<br />

Denn egal, ob Frauenmagazin,<br />

Männerzeitschrift, Tageszeitung,<br />

Wochenpost – überall wird einem<br />

bewusst gemacht, was für schlimme<br />

Risiken das an der Sonne sein birgt.<br />

Über „The sailors Disease“ steht genug<br />

im Netz und – oh nein – es ist nicht<br />

Mundfäule oder Syphilis damit gemeint.<br />

Es sind die durch Sonne verursachten<br />

Hautschädigungen …<br />

ECHT IST DIE HACKLERBRÄUNE<br />

Auf Weltumsegler-Blogs findet man<br />

die Bilder braungebrannter Menschen<br />

im Bikini, Sarong oder Surfershorts<br />

mit sonnnengebleichten Haaren und<br />

Sonnenbrillen. Man möchte meinen,<br />

diese Aussteiger liegen den ganzen<br />

Tag in der Sonne und braten glücklich<br />

vor sich hin, damit sie ja dem Idealbild<br />

des Abenteurers entsprechen.<br />

Falsch. Ich kenne keinen einzigen<br />

Weltumsegler und keine einzige Weltumseglerin,<br />

die gerne in der Sonne<br />

brät. Blauwassersegler pflegen die berühmte<br />

„Haklerbräune“. Gesicht, Unterarme<br />

und Waden braun – der Rest<br />

weiß. Natürlich nicht alle. Aber mehr,<br />

als man glauben mag. Meine Freundin<br />

Tine besuchte uns in Neuseeland,<br />

als wir dort wegen der pazifischen<br />

Cyclone Season sechs Monate verbrachten<br />

und schon bei der Begrüßung<br />

meinte sie: „Du bist ja gar nicht<br />

braun?“ Wir waren gerade zwei Monate<br />

über die Nordinsel gewandert.<br />

Nach der Atlantiküberquerung war<br />

Segelfreund Brad bass erstaunt, warum<br />

ich noch immer so käsig war wie<br />

zwei Wochen zuvor. Seine rotbraun<br />

verbrannte Nase schälte sich und die<br />

Haut wirkte ungesund ledrig.<br />

Ich fand mich eigentlich ziemlich<br />

sonnengeküsst. Auch jetzt, wenn ich<br />

mir die Fotos von damals ansehe, entsprachen<br />

wir absolut dem Weltumsegler-Idealbild,<br />

auch wenn wir Sun -<br />

blocker 30 plus verwendeten,<br />

möglichst immer im Schatten saßen<br />

und niemals zum Sonnenhöchstand<br />

Landausflüge unternahmen.<br />

In Neuseeland zitterten wir vor<br />

dem ersten Hautarztbesuch nach drei<br />

Jahren. Hatten wir uns gut geschützt?<br />

Der Hautarzt – ein aus Schottland<br />

stammender Segler – beäugte uns<br />

mit einer Lupe. Manche Muttermale<br />

länger, manche kürzer, dazu raunte<br />

er lapitare Kommentare wie „That’s a<br />

friend“ oder „Give him a name“.<br />

Nach einer Woche bangem Warten<br />

wurde die Diagnose mit folgenden<br />

(original schottischen) Worten überbracht:<br />

„Ich habe zwei Nachrichten<br />

für Sie – eine gute und eine schlechte.<br />

Welche wollen Sie zuerst hören?“<br />

„Die schlechte ...“ „Wir werden uns<br />

nie wieder sehen. Die gute: alles ok.“<br />

Doch zurück zum Hut!<br />

AUF DEN HUT GEKOMMEN<br />

Den idealen Seglerhut zu finden, ist<br />

nicht leicht. Denn meist will man<br />

nicht wie ein Vollidiot aussehen –<br />

auch nicht, wenn man auf hoher See<br />

ist. Zur Hutsuche kommen die verschärften<br />

Bedingungen an Bord.<br />

Wind, nicht gerade Freund jeglicher<br />

Kopfbedeckung, erlaubt keinen schicken<br />

Panamahut und auch bei so<br />

mancher sportlichen Baseballkappe<br />

kann es schnell einmal zu einem<br />

Mann über Bord-Training kommen –<br />

vor allem, wenn das Markenkäppchen<br />

Blauwassersegler pflegen die<br />

berühmte „Haklerbräune“.<br />

teurer war als das neue GPS, was<br />

durchaus möglich ist!<br />

Auch die so eleganten Sonnenhüte<br />

à la Grace Kelly im 1950er-Jahre-Stil<br />

halten selten einem Wendemanöver<br />

oder Sommergewitter stand. Ein festgezurrter<br />

Allzweckhut aber erfüllt alle<br />

Bedingungen, außer die, dass man<br />

cool aussieht. Trotzdem findet es<br />

mein Sohn extrem peinlich, dass er<br />

seine ersten Weltumseglerjahre mit<br />

Sonnenkappe plus Nackenschutz herumlaufen<br />

musste. Ich fand, er sah wie<br />

ein abenteuerlicher Entomologe aus –<br />

besonders auf den Galapagos-Inseln!<br />

Dort bestand er dann aber auf einen<br />

Outdoorhut der kanadischen Marke<br />

Tilly plus aufgebügeltem Hammerhai.<br />

Hab ich heute noch als Souvenir tief<br />

in einer Backskiste versteckt.<br />

Ich persönlich liebe bis heute mein<br />

Sonnenkäppchen, erstanden in einem<br />

Surferladen in Kalifornien. Es ist verwaschen,<br />

ausgebleicht, zerfranst, hat<br />

einen Rostfleck – und passt mir einfach<br />

großartig. Und schützt mich.<br />

Natürlich gibt es Einwände mancher<br />

Sonnenschutz-Polizisten, dass damit<br />

nicht alle Gesichtpartien im Schatten<br />

sein können. Aber dafür habe ich<br />

meinen 60er-Sunblocker und die Gewissheit,<br />

dass man auf unserem Schiff<br />

immer ein schattiges Plätzchen findet!<br />

Eine Hutsorte hätte ich jetzt fast<br />

vergessen: die Kapitänsmütze. Erkennungszeichen<br />

einer ganz besonderen<br />

Seglerspezies, des Adriaseglers. Wobei<br />

– insgeheim glaube ich, diese Mütze<br />

hat wenig mit Sonnenschutz zu tun …<br />

Egal. Hauptsache, gut behütet! <br />

14 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Die Schöne<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 2/2014<br />

und das Schiff<br />

Erst kürzlich, als ich in einem kuschelweichen<br />

Friseurstuhl mitten<br />

in Wien versank und mich<br />

vertrauensvoll in die Hände meiner<br />

Lieblingsfriseurin begab, fiel mir Nula,<br />

die Friseurin aus Panama City ein. Ich<br />

hatte mit Hand und Fuß zu erklären<br />

versucht (an alle zukünftigen FahrtenseglerInnen,<br />

die ein bisschen eitel mit<br />

ihren Haaren sind: Spanisch lernen<br />

macht Sinn!), was sie denn mit meiner<br />

salzverkrusteten, sonnengebleichten<br />

Mähne machen sollte.<br />

„Just a little“, mit Daumen und<br />

Zeige finger versuchte ich zu unterstreichen,<br />

wie wenig sie wegschneiden<br />

sollte, denn schon aus Wien wusste<br />

ich: FriseurInnen lieben Kürze. Nula<br />

hatte mich verstanden. Nur etwas anders.<br />

Sie ließ „just a little“ von meinen<br />

Haaren übrig und ich trug für zwei<br />

Wochen meinen Sonnenhut überall<br />

und jederzeit.<br />

Das mit der Schönheitspflege auf<br />

dem Schiff ist so eine Sache. Einer seits<br />

kann man locker behaupten, das<br />

SeglerInnenleben macht schön.<br />

Immer gebräunt, frische Luft, sportlich,<br />

glitzernde Augen, glückliches Gesicht.<br />

Anderseits hat man eben seine<br />

Rituale im Laufe der segellosen Jahre<br />

ent wickelt und gerade als Fahrtenseglerin<br />

werden diese ordentlich über den<br />

Haufen geworfen.<br />

Beate, Seglerin aus Leidenschaft,<br />

Ex-Managerin im schönheitschirurgischen<br />

Bereich, tough bis zum Umfallen,<br />

warf ihren gefüllten Schminkkoffer<br />

schon bald über Bord. Früher<br />

immer perfekt gestyled merkte sie:<br />

An Bord reicht guter Sonnenschutz,<br />

Lippenstift und etwas Wimperntusche.<br />

Nur ihr „kleines Schwarzes“ mit<br />

passenden High Heels hatte sie stets<br />

in den Staufächern ihrer Monoyacht<br />

und nein: Sie war keine Tussi.<br />

Meine englische Segelfreundin<br />

Samantha kam auf Lanzarote mit<br />

Schamesröte im Gesicht aus dem<br />

Marinaschwimmbad zurück. „Oh<br />

my goodness!“. Sie hatte durch die Betreuung<br />

ihrer beiden Kleinkinder und<br />

der Überquerung der Biskaya ihre<br />

Beinrasur etwas vernachlässigt und<br />

war am Kinderschwimmbecken mit<br />

einer französischen Vierfach-Mutter/<br />

Seglerin mit Modelfigur und glatten<br />

Waden ins Gespräch gekommen.<br />

Solange, bis diese etwas kritisch die<br />

britischen Beine beäugte. Ich fand<br />

dennoch, Samantha sah – rasiert oder<br />

unrasiert – immer aus wie aus einer<br />

BBC-Verfilmung von Stolz und Vorurteil<br />

entsprungen. Ich mochte auch<br />

Renate von den Symi sehr, die zu jedem<br />

Sundowner auf dem einsamsten<br />

Atoll mit wunderschöner Holzkette<br />

und Seidensarong erschien.<br />

Selbst machte ich mich stets<br />

„hübsch“ für den Landgang. Bis auf<br />

die Flip-Flops, die schaffte ich selten –<br />

nein, nie auszuziehen. Ich hatte aber<br />

auch welche mit hübschen Perlen im<br />

Repertoire.<br />

Wirklich verwahrlost fühlte ich<br />

mich eigentlich nie auf dem Boot.<br />

Außer damals, als ich mir piratinnenmäßig<br />

in Panama City ein Teil meines<br />

Vorderzahns ausbiss. Aber in der<br />

Shopping Mall meiner Friseurin gab<br />

es auch eine Dental Clinic und dort<br />

musste ich mein Anliegen nicht weiter<br />

erklären. Auch fühlte ich mich<br />

nach sieben Tage Sturm Richtung<br />

Neuseeland nicht mehr so richtig<br />

frisch und duftig. Dennoch, das erste<br />

Steak am ersten Abend an Land genoss<br />

ich mit Mascara und Lipgloss.<br />

Ach, fühlte ich mich stark, schön und<br />

verwegen!<br />

UND WIE SIEHT’S MIT<br />

DEN HERREN AUS?<br />

Gut. Sehr gut. Unser Freund<br />

Michael träumt seit langem von<br />

einer Weltumsegelung, möchte sich<br />

aber vorher das Rauchen abgewöhnen<br />

und ein paar Kilos verlieren.<br />

Michael: Segel los, spätestens in der<br />

Karibik wird Robert Redford sich<br />

einen neuen Job suchen müssen.<br />

Im Grunde genommen kann man<br />

überall auf der Welt seine Facials,<br />

Pediküren, Maniküren, was auch<br />

immer, bekommen. Kleidung<br />

braucht man bekanntlicherweise<br />

wenig, und dabei ist nur das Problem,<br />

dass man sich selten ganz im<br />

Spiegel sieht und deswegen Rost-,<br />

Öl- und andere Flecken gar nicht<br />

bemerkt.<br />

Und sollte am Ankerplatz wirklich<br />

eine Seefrau total aus dem Ei gepellt<br />

daherkommen, dann ist es wahrscheinlich<br />

Daria Werbowy, das kanadische<br />

Supermodel, das gerade<br />

wieder mal um die Welt segelt. Oder<br />

Taru mit Alex, ihrem Ehemann,<br />

beide bekannt als „das“ superfesche<br />

Langfahrtenseglerpaar. Aber auch<br />

die haben ihre „40-Knoten-Mist-<br />

Wetter-Nachtwachen“ und spätestens<br />

dann sind alle Segler Innen gleich! <br />

Liebes Tagebuch …<br />

Vava’u:<br />

Peter hat mir die Haare geschnitten. Gar nicht schlecht.<br />

Oder sagen wir so: Fällt keinem auf.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 15


Alexandra in der Puppenküche<br />

der Risho Maru.<br />

XX<br />

Kombüsengeflüster<br />

Ob Charterboot, Eignerboot, Mega-Yacht, Motorboot, Hausboot – die Küche ist und bleibt die Kombüse.<br />

XX<br />

AUSGABE 1/2011<br />

Und Kombüse mieft immer ein<br />

bisschen nach Konserven -<br />

futter. Nach Tortellini schön<br />

schlatzig aus der Dose, Bohnensuppe<br />

von Inzerberger (oder so ähnlich)<br />

und die allseits schon seit den Camping-1970ern<br />

beliebten Leberstreichwurstpasteten.<br />

Für mich waren diese kulinarischen<br />

Aussichten deprimierend, als<br />

wir unsere mehrjährige Segelreise zu<br />

planen begannen.<br />

Das Schmökern in der absoluten<br />

Fahrtensegler-Muss-Lektüre „Die<br />

Proviantfibel“ machte mich auch<br />

nicht gerade glücklich. Algensalat?<br />

Trockenfisch als Zwischendurch-<br />

Snack, Dosenbrot, Butter in Salzwasser<br />

vor sich hin dämmernd. Panik!<br />

Auch fand ich in fast jedem Fahrtenseglerbuch<br />

ein Kapitel über die Versorgung<br />

auf dem Schiff. Leute, die<br />

Fleisch einkochen in Gläsern, damit<br />

sie ihr Rinds-Geschnetzeltes auch in<br />

der Südsee genießen können. Andere,<br />

die Joghurtkulturen anlegten zur<br />

Milchprodukt-Versorgung, und<br />

schließlich der heiße Tipp zur Keimherstellung,<br />

um Dinge wie Alfalfa<br />

oder Alfafa oder so über ihr Streichwurstbrot<br />

zu streuen.<br />

Das fiel mir erst kürzlich wieder<br />

ein, als ich in der italienischen Lagune<br />

herzhaft in mein Mozzarella-<br />

Basilikum-Panino, mit Olivenöl<br />

beträufelt, biss.<br />

Natürlich wird der Charter ur lau -<br />

ber von heute in den zwei Wochen<br />

seines Urlaubs nicht auf die Idee<br />

kommen Vorräte anzulegen. Wobei –<br />

wenn die Preise an der Adria weiterhin<br />

so steigen, könnte sich das noch<br />

ändern. Aber Segeln und Essen ist<br />

schon etwas ganz Besonderes.<br />

Eines kann ich jetzt wirklich sagen:<br />

So gesund wie wir auf dem Schiff<br />

während unserer Reise gegessen<br />

haben, werden wir wohl nie wieder<br />

essen. Konserve? Ha! Dazu später.<br />

Ich schwor mir beim Losfahren: Lieber<br />

esse ich drei Wochen Spaghetti<br />

mit Olivenöl und Knoblauch, bevor<br />

ich eine Gulaschdose öffne. Wir aßen<br />

Fisch! Frischen Fisch. Und damit<br />

16 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Seglers Fusion-Cuisine:<br />

Basilikum in Italien,<br />

Kochbananen, Yams und<br />

Kokosnüsse in der Südsee,<br />

Käfer ohne Bohnen auf<br />

einem Markt auf Phuket.<br />

meine ich wirklich frischen Fisch, direkt<br />

aus dem Meer in den Magen. Bei der<br />

ersten Goldmakrele wusste ich, besser<br />

geht’s nicht und heute bin ich gelernte<br />

Fischköchin!<br />

Die Märkte der Welt waren stets unser<br />

erstes Ziel. Minikartoffel von den<br />

Kanaren, Brotfrucht geröstet in der<br />

Karibik, Kochbananen-Curry, Kokos -<br />

brot selbst gebacken und Kokos tarte<br />

zum Niederknien, gelernt bei Valo auf<br />

den Tuamotus.<br />

Einmal ging uns der Proviant aus –<br />

auf den Inseln Venezuelas. Da lebten<br />

wir eben von frischem Fladenbrot,<br />

Spaghetti al olio und öffneten einige<br />

Dosen. Das war einmal. Und diese<br />

Konserven waren gut – gekauft in<br />

Martinique und die Franzosen – sicher<br />

keine Kostverächter – sorgen auch hier<br />

für Delikatessen. Im Ernst: Wir kauften<br />

Dosen-Spinat! Echt gut! Und ideal, um<br />

in der Einsamkeit<br />

einer fernen Insel noch eine Spinat-<br />

Lasagne zu zaubern. Mit Dosen-Tomaten,<br />

die einzig absolut erlaubten Schiffskonserven!<br />

Immer viel Zwiebel an Bord,<br />

immer Knoblauch und immer Olivenöl.<br />

Und natürlich Mehl. Denn Brot, Pizza<br />

und Kuchen an Bord zu backen ist meiner<br />

Meinung nach Pflicht.<br />

Man kann sich nicht vorstellen, wie<br />

gut die wohlweislich vorgebackenen<br />

Brownies in einer Sturmnacht schmecken.<br />

Schokoladig, beruhigend, stär-<br />

kend, nährend. Frisches Brot gab es<br />

bei uns immer. Ich hortete mein<br />

Roggenmehl von Italien bis zu den<br />

Kanaren. Von der Karibik bis nach<br />

Panama. In Neuseeland gab es das<br />

beste Vollkornmehl, aber auch auf<br />

Bali wurde ich fündig – bei einem<br />

deutschen Bäcker! Mein Rezept war<br />

schnell, gassparend und gut.<br />

GERMTEIG IN DEN TROPEN<br />

GEHT WIE DER TEUFEL<br />

Dort ist es ja warm wie in einem<br />

Backrohr. Lange hielt das Brot nie.<br />

Meine Männer hatten einfach immer<br />

Appetit! Ich lernte sogar, Tortilla -<br />

Chips zu backen. Man hat viel Zeit in<br />

den einsamen Atollen. Und einmal<br />

machte ich sogar Strudelteig – hart<br />

wie Beton –, verlegte mich dann<br />

aber schnell wieder auf die tropische<br />

Küche. Kombüsenküche.<br />

Nur in Asien blieb die Küche kalt,<br />

denn besser und günstiger isst man<br />

nirgends auf dieser Welt! Als Seefrau<br />

oder Schiffskoch muss man einfach<br />

ein bisschen improvisieren. Aus<br />

nichts oder wenig etwas zaubern.<br />

Und vor allem zum rechten Augenblick<br />

servieren. Oliven (aus dem<br />

Glas) und Schafskäse (aus der Salzlake)<br />

zum Sundowner, frisches Fladenbrot<br />

(Wasser, Backpulver, Mehl)<br />

mit Sardinen-Dip (Dose, Tube) zu<br />

Mittag. Und abends natürlich Pasta<br />

mit viel … wie schon oben besprochen.<br />

Ja, und nie vergessen: das<br />

Auge isst mit, die Auswahl der zum<br />

Dinner passenden Ankerbucht liegt<br />

natürlich beim Skipper.<br />

Übrigens: Rinds-Geschnetzeltes koche<br />

ich noch immer nicht. Dann schon<br />

lieber schnelle Spaghetti, garniert mit<br />

Erinnerungen an die Südsee! <br />

Alexandras Sturm-Spaghetti<br />

Zutaten<br />

4 EL Olivenöl<br />

1 große Zwiebel<br />

1–3 Knoblauchzehen<br />

1 kleine Sardine in Öl (nur für den salzigen Geschmack)<br />

2 Dosen Tomaten (in Stückchen)<br />

1 EL Kapern<br />

1 EL Oliven (entkernt, in Scheiben)<br />

Salz<br />

Pfeffer<br />

Oregano<br />

Zubereitung<br />

Topf mit Wasser zum Kochen bringen (halb Salz-, halb<br />

Süßwasser). Zwiebel und Knoblauch kleinschneiden, in Öl<br />

anbraten, alle weiteren Zutaten dazugeben, zuletzt die<br />

Tomaten. 15 Minuten köcheln lassen.<br />

Parmesan reiben. Spaghetti oder Penne bissfest kochen.<br />

Spaghetti und Tomatensauce mischen, noch einmal mit<br />

Salz und Pfeffer abschmecken, mit Parmesan bestreuen.<br />

Luxus<br />

Käse ist in den Tropen schwer zu bekommen. Eingeführten<br />

amerikanischen Parmesan gibt es jedoch überall – und diesen<br />

bereits gerieben. Ist zwar besser als kein Käse, aber<br />

der erste Parmiggiano vom Farmers Market in Neuseeland<br />

nach drei Jahren war einfach ein Genuss!<br />

Mit frischer Petersilie bestreuen – frische Kräuter sind auf<br />

See höchst selten!<br />

Tipp<br />

1/3 des Kochwassers mit Meerwasser ersetzen. Spart auf<br />

dem Schiff kostbares Süßwasser.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 17


Oh, mein AUSGABE 2/2016<br />

XX<br />

XX<br />

Brot!<br />

Weihnachten vorbei, Ostern naht und wann ist<br />

das nächste Geburtstagsfest? Partys an Bord –<br />

die gibt es immer und nicht nur zu den<br />

Feiertagen. Da ein Potluck, dort ein Sundowner.<br />

Eines wird an Bord fast immer angeboten:<br />

Selbstgebackenes. Zumindest bei uns!<br />

Mein erstes Brot wäre durchaus<br />

als Dingi-Anker durchgegangen.<br />

Die Konsistenz<br />

war die eines Ziegels. Nein, ich begann<br />

nicht erst als Seefrau zu backen,<br />

sondern als ich Mutter wurde. So<br />

in der Art: Jetzt wird es Zeit, mein<br />

Kind, meine Familie zu nähren.<br />

Archaisch und gesund, vollkornig<br />

und händisch. Brotbackmaschine,<br />

von einer guten Freundin vorgeschlagen,<br />

ging und geht nach wie vor<br />

gar nicht. War gut so, denn als ich einige<br />

Jährchen später an Bord ging,<br />

um dort längere Zeit zu bleiben, war<br />

Brotbacken kein großes Thema mehr.<br />

Inzwischen hat es sich unter<br />

Segler Innen herumgesprochen, dass<br />

frisches Brot oder gar ein Schokoladenkuchen<br />

so manches Sturmtief<br />

neutralisiert. Allein der Duft, der<br />

sich aus der Kombüse ins salzwasserverkrustete<br />

Cockpit schleicht, kann<br />

Crew und SkipperIn zu Entspan-<br />

So sah der „kleine Imbiss“<br />

aus, den uns Tiroler See -<br />

frau Edith“ auftischte.<br />

Vielen Dank!<br />

18 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


nung und dennoch Höchstleitung<br />

anspornen.<br />

BACKEN AN BORD<br />

IST ANGESAGT<br />

Unter Fahrtenseglern kann es dabei<br />

durchaus zu Konkurrenzspielchen<br />

kommen. Schweiz gegen Österreich<br />

gegen Deutschland. Aus diesen Ländern<br />

kommen die meisten maritimen<br />

BäckerInnen.<br />

Französische Crews schaffen es<br />

fast immer, irgendwo in Baguette -<br />

nähe zu segeln oder verzichten ganz<br />

auf Brot. Amerikanische Crews verstehen<br />

den Brotehrgeiz gar nicht, da<br />

sie am Morgen ihre gut lagerbaren<br />

Lieblingflocken in Milch einweichen.<br />

Englische BlauwasserseglerInnen<br />

haben Toastbrot an Bord, das mindestens<br />

drei Jahre haltbar ist und<br />

auch so schmeckt. Cookies sind bei<br />

fast allen SeglerInnen aus Nordamerika<br />

Nummer eins. Niederländische<br />

Crews essen kein Brot – zumindest<br />

die nicht, die wir trafen. Italiener-<br />

Innen kreuzten nicht unsere Seewege<br />

und die einzigen Süd afrikaner auf<br />

unserer Strecke waren ein ausgewandertes<br />

Paar aus Wien Ottakring –<br />

also Schwarzbrot-Bäcker.<br />

SCHWARZBROT AUF GOMERA<br />

Schwarzbrot – das klingt in Fahrtenseglerohren<br />

verheißungsvoll. Vor allem,<br />

wenn man schon viele Seemeilen<br />

auf dem Buckel hat und irgendwo<br />

in den tropischen Breiten segelt.<br />

Kaufen kann man Schwarzbrot zumindest<br />

auf der Barfußroute nur bis<br />

zu den Kanarischen Inseln – auf Gomera<br />

bietet eine netten Schweizerin<br />

auf dem Markt verschiedene Vollkornbrotarten<br />

an. Mit dem Sprung<br />

zu den Kapverden ändert sich die<br />

Brotsituation schlagartig. Und noch<br />

ein Stück weiter in der Karibik sollte<br />

man sein Roggen- und Vollkornmehl<br />

bereits eingelagert haben.<br />

Wobei glücklicherweise die französischen<br />

Inseln wunderbare Supermärkte<br />

haben, um den Mehlvorrat<br />

noch einmal so richtig aufzustocken.<br />

Andererseits schließt man sich ge -<br />

rade dort den französischen Segler -<br />

Innen an und genießt goldene Baguettes<br />

vom Feinsten!<br />

Die bei uns üblichen Brotbackmischungen<br />

finden sich immer seltener<br />

in den karibischen Regalen und es<br />

wird Zeit, selber ans Mischen zu gehen.<br />

Roggenmehl wird ab dann wie<br />

Gold gehandelt und Körndl wie Sonnenblumen,<br />

Nüsse oder gar Kürbiskerne<br />

sind Platingold für ambitionierte<br />

BäckerInnen.<br />

Auf Bali, in Neuseeland und auf<br />

Tonga konnte ich Vollkornmehl direkt<br />

beim Bäcker um teures Geld erwerben<br />

– gratis dazu gab es Mehlwürmer<br />

und anderes Getier, wobei<br />

ich meinen Jungs nichts von den<br />

Mitbewohnern erzählte und wie zu<br />

Omas Zeiten aussiebte!<br />

Auf dem Weg zum Bäcker auf Vava‘u, Tonga.<br />

Blauwasser-Erbeertorte mit Kakaopulver<br />

zum Geburtstag in Singapur.<br />

Glücks-Krapfen von der Südsee (Bora Bora)<br />

bis in die Adria (Ilovik).<br />

Risho Maru-Brot<br />

500 g Weizenmehl<br />

21 g Trockenhefe<br />

300 ml Wasser<br />

etwas Salz<br />

Rosmarin/Basilikum/grobes Meersalz zum Bestreuen<br />

Und natürlich viel Back-Leidenschaft!<br />

Sollte es nicht gleich auf Anhieb klappen: Einen Reserveanker<br />

kann man immer brauchen!<br />

Interessant waren auch die Ein-<br />

Kilo-Trockenhefe-Pakete! Es dauerte<br />

einige ungewöhnliche Brotkreationen,<br />

bis die Mischung stimmte …<br />

Leichter ist es da schon mit dem<br />

weißen Mehl, das gibt es überall.<br />

Kuchen, Palatschinken, Fladenbrote<br />

– was für eine erfreuliche Ergänzung<br />

des Seglerspeiseplans!<br />

BLAUWASSER-FOCACCIA<br />

Und da komme ich wieder zu den<br />

Partys und Jahresfesten. Lebkuchenhaus<br />

auf den Guna Yala Inseln bei<br />

Panama (Lebkuchengewürz aus der<br />

Heimat eingelagert), Krapfen auf den<br />

Las Perlas, Geburtstagstorte in Curaçao/Samoa/Singapur/Bora<br />

Bora<br />

(meist mit Kakaopulver und ein einziges<br />

wunderbares Mal mit frischen<br />

Erbeeren!), Osterpinze auf Barbuda,<br />

Vanillekipferl auf den thailändischen<br />

Krabi Islands (Öl statt Butter – ein<br />

Grauen …), und immer und überall<br />

für unsere Sundowner-Gäste das berühmte<br />

Risho Maru-Brot – eine Art<br />

adaptierte italienische Focaccia mit<br />

getrockneten Kräutern (genau die,<br />

die noch in der Kombüse zu finden<br />

sind).<br />

Heute an Land, in der Stadt, gibt’s<br />

unser Risho Maru-Brot regelmäßig<br />

und selbst wenn gar nix mehr an<br />

Bord – pardon, im Haus – ist, diese<br />

Ingredienzien sind immer da! <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 19


Kaffeesegeln –<br />

what else?<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 1/2016<br />

FOTO: FOTOLIA<br />

Das Wort Kaffeesegeln hörte ich<br />

das erste Mal in der Karibik,<br />

als wir bei stürmischer See<br />

und strahlendem Himmel nach Martinique<br />

aufkreuzten. Dies sei nun<br />

wirklich kein Kaffeesegeln, berlinerte<br />

unser Segelfreund Michi in die morgendlichen<br />

Funkrunde. Doch – für<br />

mich schon, denn ich wusste, diese<br />

Segelei würde mich zum ersten französischen<br />

Café au lait seit langer Zeit<br />

bringen!<br />

Kaffee und Segeln. Nicht nur eine<br />

Wortkreation, um Schönwettersegeln<br />

zu beschreiben, sondern ein Team par<br />

excellence! In Seglerforen rund um<br />

die Welt finden sich außergewöhnlich<br />

viele Meinungen zum perfekten Kaffee-zubereiten<br />

an Bord. Das übertrifft<br />

beinahe die Diskussionsbeiträge zum<br />

Thema Wassermacher, den ich persönlich<br />

völlig überbewertet finde.<br />

Ohne Wasser macher um die Welt?<br />

Sofort! Ohne Kaffee-Ausstattung –<br />

niemals!<br />

Was noch lange nicht heißt, dass<br />

mein Skipper-Ehemann wegen mir<br />

eine neue Solarzelle auslegen muss,<br />

um diverse Kaffeemaschinen zu<br />

versorgen. Wobei viele Seefrauen<br />

und Seemänner darüber ganz anders<br />

denken. Erst neulich freute sich eine<br />

Segelfreundin über den neuen Generator,<br />

der jetzt die „What else“-Maschine<br />

großzügig mitfütterte!<br />

In der Sailnet Community schrieb<br />

oceanbuddy1, dass er jeden Morgen<br />

den Dieselmotor zum Frühstück mitlaufen<br />

lässt, um die sieben Kaffee-<br />

Pads sorgfältig auspressen zu können.<br />

Da freuen sich sicher die Nachbarn,<br />

dachte ich mir und versuchte, die Diesel-Kaffeemischung<br />

aus der Nase zu<br />

kriegen.<br />

Was tun, wenn man keinen Strom<br />

für das Kaffeekochen aufwenden<br />

will?<br />

Vor allem Blauwassersegler sind<br />

ja besonders geizig, was ihre Stromreserven<br />

angeht – zu Recht, müssen<br />

doch der Autopilot, das Radar, Kartenplotter,<br />

der Bordstrom, Positionslichter<br />

und dergleichen ausreichend<br />

versorgt sein. Und das nicht nur bis<br />

zum nächsten Fischrestaurant oder<br />

in die Nachbarmarina, sondern über<br />

den Atlantik oder zur nächsten Insel<br />

in drei Tagen.<br />

Löslicher Kaffee ist für manche die<br />

schnellste und für mich grausigste<br />

Methode, aber was tun, will man in<br />

der Hundswache etwas Koffeinhaltiges<br />

trinken? Eine Thermoskanne mit<br />

Kaffee irgendwann am späten Nachmittag<br />

bereitstellen und den Kaffee<br />

langsam vor sich hindämmern lassen?<br />

Was ist das gegen frischen Kaffee?<br />

Zeit hat man viel auf dem Schiff<br />

und segelt man nicht gerade in einer<br />

Sturmnacht, ist es durchaus aufmunternd,<br />

einen Kaffee machen zu gehen.<br />

FRENCH PRESS ODER ITALIE-<br />

NISCHE ESPRESSOMASCHINE?<br />

Ich habe beides probiert und muss sagen,<br />

bei Wellengang ist beides nicht<br />

ungefährlich. Wobei man an Bord mit<br />

der Zeit Taktiken ent wickelt – sei es<br />

nun beim Segel einstellen, Sturm ablaufen<br />

oder bei der Handhabung von<br />

heißem Wasser. Man lernt, wo man<br />

was einklemmen muss, um nichts zu<br />

verschütten.Meine knallrote French<br />

Press aus Tahiti ist bezaubernd schön,<br />

aber aus Glas. Glas und Segeln hat<br />

wenig Zukunft, wie ich bei meinem<br />

Glasdeckel für die Bratpfanne auf<br />

20 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Italienisch oder Griechisch?<br />

Flat White in Auckland.<br />

dem Weg nach Neuseeland festellen<br />

musste. Glasscherben auf dem Boden in<br />

der Koje/Bilge/überall – und das bei<br />

Wellengang – sind sehr unangenehm,<br />

vor allem wenn man sie auf allen vieren<br />

zusammenkehren muss. Und natürlich<br />

für ein paar Tage barfuß auf die besonders<br />

kreativ verstreuten Scherben tritt.<br />

Meine italienische Espressokanne aus<br />

feinstem Alu hielt lange durch und ich<br />

war froh, mindestens drei Reservedichtungsgummis<br />

mitgenommen zu haben,<br />

denn in der Karibik bzw. Südsee gelten<br />

diese also genauso selten wie frische<br />

Kuhmilch. Deshalb auch die Freude auf<br />

den Café au lait in Martinique!<br />

Überzeugen konnte mich auch der<br />

türkische Kaffee eines Einhandseglers<br />

aus Istanbul, traditionell zubereitet mit<br />

viel Zucker. Mein dafür nötiges kupfernes<br />

Ibrik-Kännchen kriegte ich aber erst<br />

fast am Ende der Weltum segelung in<br />

der Südtürkei. Wie auch immer – ein<br />

Cappuccino mit geschäumter Milch aus<br />

Milchpulver war natürlich bei uns an<br />

Salzluft verbessert den<br />

Geschmack von Kaffee.<br />

Bord immer zu haben, auch in<br />

den abge legensten Atollen. Ritual<br />

ist Ritual!<br />

Mein batteriebetriebener Milchschäumer<br />

schaffte den Atlantik bis<br />

nach Panama, dann kapitulierte er vor<br />

dem Flugrost und ein mechanischer<br />

Italo-Schäumer nahm seinen Platz in<br />

der Kombüse ein, wo er auch heute<br />

noch steht. Importiert von einem enthusiastischen<br />

Neapolitaner nach Panama<br />

und von dort mit uns wieder<br />

nach Italien gesegelt. Kleiner Rat für<br />

zukünftige Fahrtensegler: Gleich den<br />

Schäumer aus Italien mitnehmen! In<br />

jedem Fall langlebiger als so manches<br />

Wassermacher-Ersatzteil.<br />

Zurück zum Kaffee. Noch eine Gemeinsamkeit<br />

gibt es mit dem Segeln:<br />

das Salz! Ein Hauch von Salz in den<br />

frisch gemahlenen Kaffee (Handmühle!)<br />

lässt ihn weniger bitter schmecken.<br />

Angeblich. Wissenschaftlich ist<br />

das nicht erwiesen, jedoch in Schweden,<br />

Sibirien, der Türkei und Ungarn<br />

ist es Tradition, und dunkel erinnere<br />

ich mich, dass meine Oma auch diese<br />

Angewohnheit hatte. Was jedoch belegt<br />

ist, dass Kaffee im letzten Jahrhundert<br />

mit Schiffen transportiert wurden,<br />

da die salzige, feuchte, warme<br />

Luft die Kaffeebeere schneller altern<br />

ließ und den Geschmack dadurch sehr<br />

positiv beeinflusste.<br />

Heute wird in Indien die Methode<br />

des Monsoonigs angewandt, die die<br />

Kaffeebeeren der salzig-feuchten Luft<br />

des Monsoons aussetzt, um den besten<br />

Geschmack zu erzielen. Vielleicht<br />

war deshalb einer der besten Kaffees<br />

für mich auf unserer Weltumsegelung<br />

der auf Bali, als wir uns vor dem<br />

Monsoonregen in einer kleinen Kaffeerösterei<br />

versteckten? Auch der aus<br />

dem Hochland in Papua-Neuguinea<br />

schmeckte vorzüglich, unvergesslich<br />

der brühheiße Espresso in Kolumbien<br />

und der aus der hauseigenen Rösterei<br />

in Neuseeland. Oder der Kaffee mit<br />

frischer Vanille aus Tahaa!<br />

Doch nichts konnte nach diesen<br />

viereinhalb Jahren um die Welt den<br />

Espresso aus Italien toppen. Der ist<br />

der beste. Sorry Wien! So, ich brauch’<br />

jetzt ein Schälchen …<br />

<br />

è blog.khymos.org<br />

è www.sailawaygirl.com<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 21


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Segelurlaub mit Freun<br />

Wer zahlt den Schinke<br />

Sie planen segeln zu gehen –<br />

gemeinsam mit Freunden?<br />

Ich denke, es ist nötig, dieses<br />

Thema nun – mitten in der<br />

Vorbereitung zur Segelsaison –<br />

anzusprechen.<br />

Sie waren noch nie mit Freunden<br />

segeln? Und Sie träumen<br />

schon lange davon? Diese Ge -<br />

mütlichkeit, einfach Zeit füreinander<br />

zu haben, gut zu essen, Karten zu<br />

spielen, ein bisschen Abenteuer,<br />

ein bisschen verstopfte Toilette reparieren?<br />

Ups – da ist mir etwas dazwischen<br />

gerutscht. Kann nicht sein.<br />

Da ein paar schöne Sonnenuntergänge,<br />

dort ein stiller Abend in der<br />

Traumbucht, hier ein bisschen Bora<br />

und eine über die Reling reiernde<br />

beste Freundin. Da schau her –<br />

schon wieder.<br />

Mit dem eigenen Boot unterwegs?<br />

Wie schön. Den Traum vom Segeln<br />

teilen, stolz sein schwimmendes Zuhause<br />

zeigen, die kleine Küche, der<br />

leere Süßwassertank? Was, schon<br />

wieder kein Süßwasser nach ein -<br />

einhalb Tagen?<br />

JEDER MAG KAPITÄN SEIN<br />

Na gut, es führt kein Weg vorbei – wir<br />

müssen reden. Vielleicht haben sie<br />

sich ja gerade mit ihrem -<br />

Magazin irgendwo auf dem Boot verschanzt<br />

und wollen nur ihre Ruhe!<br />

Es ist nämlich so – meint mein Charter-erprobter<br />

Ehemann und Skipper.<br />

Eine Woche Gäste – perfekt. Zwei<br />

Wochen an der Grenze, drei Wochen<br />

Albtraum. Warum ist das so?<br />

Stellen sie sich doch vor, sie würden<br />

mit ihren besten Freunden zwei<br />

22 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


den oder:<br />

nspeck?<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 3/2011<br />

Wochen in einer 40-Quadratmeter-<br />

Wohnung verbringen. Ein Klo –<br />

klein, eng und heiß. Die Dusche im<br />

Kleiderkasten und die Küche mit<br />

Vorratsraum, so groß wie ihr Flat-<br />

Screen-Fernsehapparat. Ginge das<br />

wirklich gut?<br />

Mögliche Verschärfung: Das ist<br />

ihre eigene Wohnung und keine gemietete<br />

Ferienwohnung. Das sind<br />

ihre Sachen, die ihre Freunde benützen<br />

und besetzen. Sie haben nicht<br />

vor, an Bord zu kochen? Na ja – ein<br />

Frühstück wird es schon werden.<br />

Oder sieben in einer Woche. Und da<br />

gibt es dann eine Bordkasse und vielleicht<br />

eine beste Freundin, die nicht<br />

versteht, warum sie den Schinkenspeck<br />

mitbezahlen soll, wenn sie<br />

doch nur Müsli und Orangensaft in<br />

der Früh zu sich nimmt. Und warum<br />

denn immer das Obst weggefressen<br />

wird? Wer holt denn heute das Brot?<br />

Warum ist denn schon wieder kein<br />

Brot da? Müssen wir heute noch lange<br />

segeln? Gibt es irgendwo einen<br />

Sandstrand? Der dort drüben wäre<br />

schön! Was heißt, da kann man nicht<br />

ankern? Auflandiger Wind? So<br />

schlimm kann es doch nicht sein.<br />

Es ist nicht ganz einfach, mit<br />

Freunden oder mit Bekannten segeln<br />

zu gehen. Gut ist auch, wenn klar ist,<br />

wer der Kapitän ist. Was beim eigenen<br />

Schiff klar sein sollte, aber so<br />

manchem Mitsegler ein Dorn im<br />

Auge ist. Jeder mag Kapitän sein,<br />

oder? Warum kann man bei starker<br />

Bora nicht raussegeln? Können<br />

schon, aber …<br />

Kein Aber! Let’s go! Da kann es für<br />

die Eigner recht einsam werden, weil<br />

dann nämlich die Mannschaft einige<br />

Stunden flach liegt und sich im nächsten<br />

Hafen so unwohl fühlt, dass sie<br />

lieber mit dem Bus zum Ausgangs -<br />

hafen zurückfahren möchte, als noch<br />

einmal ein Schiff zu besteigen. Für die<br />

Gesamtstimmung ist das vielleicht<br />

nicht so gut. Was soll denn das für<br />

ein Urlaub sein? Segelurlauber wollen<br />

baden, essen, gemütlich im Cockpit<br />

plauschen – so wie es im Prospekt<br />

gezeigt wird!<br />

Man sollte ihnen aber vielleicht<br />

auch sagen, Frühstückgeschirr wegräumen,<br />

einkaufen, Wassertank füllen,<br />

am Wind segeln, Gewitter in der<br />

Nacht stehen ebenfalls auf dem Plan.<br />

Natürlich gibt es die Segelurlauber, die<br />

Rauschefahrt wollen, möglichst viele<br />

Meilen, viele verschiedene Ankerbuchten<br />

und Inseln, ein bisserl Sturm<br />

– und dann einen einsamen Strand<br />

mit Bar und Restaurant.<br />

Was kann dann aber wer dafür,<br />

wenn Flaute angesagt ist? Oder die<br />

Rauschefahrt in die andere Richtung<br />

zurück, gegen den Wind, nur halb so<br />

lustig und schnell ist, aber gemacht<br />

werden muss? Und dann: ein einsamer<br />

Strand mit netter Bar und gutem<br />

Restaurant. Das gibt es nicht. Nicht<br />

in der Karibik, nicht in der Südsee,<br />

nirgends.<br />

Denn entweder gibt es auf dem<br />

einsamen Strand kein Restaurant –<br />

wer macht schon eines auf, wenn<br />

keiner hinkommt? Eine nette Bar –<br />

detto. Und wenn dort ein schöner<br />

Strand ist, wie kann er einsam sein,<br />

wenn jemand dort ein nettes Restaurant<br />

aufmacht? Weiters, ein nettes<br />

Restaurant, eine nette Bar könnten<br />

Lärmbelästigung beinhalten. Dann<br />

ist es vorbei mit der stillen Bucht.<br />

LASSET SIE AN DER<br />

ALLTAGSROUTINE TEILHABEN<br />

Natürlich ist Segeln mit Freunden<br />

schön, aber ich muss sagen, als Fahrtenseglerin<br />

bin ich skeptisch. Da gibt<br />

es den Spruch: Mach bloß nichts anderes<br />

als sonst, wenn du Gäste hast!<br />

Mach, was du sonst auch machst, iss,<br />

was du sonst auch isst, lass sie an der<br />

Alltagsroutine teilnehmen. Sie sind<br />

da, weil sie sehen wollen, wie du<br />

lebst. Sie wollen deinen Traum mit<br />

dir teilen.<br />

Ich denke, die besten Gäste sind<br />

die, die keine Ahnung vom Segeln<br />

haben. Blöd ist dann halt nur, wenn<br />

keiner auf dem Schiff Ahnung vom<br />

Segeln hat – eine Tatsache, die mir<br />

beim Sommersegeln immer schon<br />

auffiel. Schwarze Wand am Hori zont,<br />

wir auf dem Schiff bei der Ankerwache,<br />

Charterboot-Segler um uns<br />

gehen gemütlich zum Abendessen.<br />

Vielleicht ist es, weil unser Schiff<br />

eben unser Schiff ist und man auf<br />

seine eigene Wohnung einfach mehr<br />

aufpasst. Kann sein. Aber was nützt<br />

mir das, wenn mir dann ein anderes<br />

Schiff auf den Bug treibt?<br />

Ich geh’ jetzt einmal davon aus,<br />

dass das hier nur Segler lesen, Interessierte,<br />

die Ahnung haben und auch<br />

schon einmal die Bordtoilette entstopfen<br />

mussten. Allen anderen hoffe<br />

ich, jetzt nicht den Urlaub völlig vermiest<br />

zu haben.<br />

Mein Tipp? Umsichtig sein, tolerant<br />

und stets hilfsbereit. Dann kann ja<br />

eigentlich nix mehr schiefgehen – und<br />

dazu braucht man nicht einmal einen<br />

Segelschein! <br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 23


See you, miss you, love you!<br />

XX XX<br />

AUSGABE 2/2011<br />

Canadier Ian und<br />

Schweizerin Catharina<br />

– Völkerverständigung<br />

paarweise!<br />

Laura und Mark lernten wir<br />

kennen, als sie uns in Galapagos<br />

das Taxiboot wegschnappten.<br />

Da lässt man nämlich sein Dingi zu<br />

Hause – pardon, zu Schiff –, wegen<br />

der Stinkrobben, die es sonst belagern,<br />

und leistet sich die 20 Cent für<br />

das Taxi. Zuerst ließ also der Taxler<br />

die Amerikaner einsteigen und erbarmte<br />

sich dann doch noch unser.<br />

Laura war mir gleich sympathisch<br />

und streitet heute noch vehement ab,<br />

dass sie den Taxiraub geplant hätte.<br />

Zwei Tage später trafen wir sie wieder.<br />

Auf Isla Isabella – immer noch<br />

Galapagos – hatten wir gerade den<br />

Hafenkapitän bestochen und durften<br />

illegal eine Woche bleiben, als Laura<br />

und Mark ums Eck bogen, ihre legale<br />

400-Dollar-Ankererlaubnis vorwiesen<br />

– und den Hafenkapitain trotzdem<br />

bestechen mussten. Laura ärgert sich<br />

heute noch, dass sie so blöd war, diese<br />

Erlaubnis zu kaufen. Am Abend saßen<br />

wir dann gemeinsam im illegalen<br />

Grilllokal am Strand und wussten,<br />

dass es auch mit Mitte dreißig noch<br />

möglich ist, Freunde fürs Leben zu<br />

finden. Eine Beobachtung, die sich<br />

über all diese Reisejahre hinweg fortsetzen<br />

würde. Auf den Marquesas trafen<br />

wir Britta und Michael von der<br />

Vera aus Berlin – mit denen wir nun<br />

zurück in Österreich bereits zwei Skiurlaube<br />

verbracht haben. Zuvor in der<br />

Karibik waren wir in einer Runde von<br />

Engländern, Franzosen und einigen<br />

Schweizern zu finden. Sicher auch<br />

wegen der Kinder, aber vielleicht auch<br />

nicht.<br />

Neuseeland schließlich wurde unvergesslich<br />

durch Schelmi, den Tischler,<br />

seine französische Frau Isabelle<br />

und Antonio, den italienischen Millio<br />

när, der uns am liebsten adoptiert<br />

hätte. Dort trafen wir auch wieder auf<br />

unsere Espis’ – Ilse und Helmut wohnen<br />

jetzt praktisch bei uns ums Eck.<br />

Und schließlich der Red Sea-Konvoi –<br />

Skandinavien und Nachbarländer und<br />

die Rishos. Große Aufregungen, tiefe<br />

Freundschaften. Und das alles zu einem<br />

Zeitpunkt in unserem Leben, an<br />

dem man denkt, tja, so, mein Freundeskreis<br />

ist komplett. Nix da. Und was<br />

ist nun der Schlüssel dazu? Natürlich<br />

das Segeln – eh klar. Man sitzt sozusagen<br />

in einem Boot, hat gleiche Erfahrungen,<br />

gleichen Mut bewiesen, alle<br />

sind irgendwie Träumer, Abenteurer,<br />

Fantasten.<br />

DER TON MACHT DIE MUSIK<br />

Noch ein Schlüssel? Ja. Englisch. Wir<br />

wunderten uns immer etwas über die<br />

abschätzigen Bemerkungen einiger<br />

deutsch- bzw. österreichisch-beflaggten<br />

Schiffe Amerikanern gegenüber.<br />

Ein Schiff behauptete sogar, nicht zu<br />

den Marchesas zu segeln, weil dort ja<br />

alle „Amis“ seien. Wir waren auch<br />

dort, mit gezählten vier österreichischen<br />

Schiffen, drei Franzosen, zwei<br />

Australiern und unseren einzigen<br />

Amerikanern weit und breit – Laura<br />

und Mark – in der großen Bucht bei<br />

Nuku Hiva. Das erwähnte Schiff war<br />

aber tatsächlich zu den abgelegenen<br />

Gambier-Inseln gesegelt und hing<br />

dort bald in der Flaute. 16 Tage ohne<br />

Wind und ohne Amerikaner.<br />

Ich wunderte mich schon damals.<br />

Da segelt einer in die Welt und will<br />

vor allem nur deutschsprechende<br />

Leute treffen, da kann man doch<br />

gleich in Deutschland oder Österreich<br />

bleiben.<br />

Des Rätsels Lösung brachte Laura.<br />

Eines Tages am Ankerplatz in Papete,<br />

dort wo sich wieder sehr viele Nationen<br />

mischen, da jeder zum Carrefour-<br />

Supermarkt einkaufen gehen will,<br />

motorte Laura mit ihrem Dingi auf<br />

ein deutsches Schiff zu, das sie schon<br />

mehrmals gesehen, dessen Crew sie<br />

aber nie kennengelernt hatte. Das besagte<br />

„Ich-segel-nicht-zu-den-Marchesas<br />

wegen-der-Amis“-Schiff. Davon<br />

wusste Laura nichts. Ich beobachtete<br />

das Treffen aus der Ferne – naja, ein<br />

bisschen Schrebergarten darf doch<br />

sein. Die Konversation war kurz und<br />

unterkühlt, erzählte mir Laura.<br />

ENGLISCH ALS ZWEITSPRACHE<br />

Die Leute konnten kein Wort Englisch!<br />

Das war es also! Sprachbarriere,<br />

nicht Vorurteil! Laura und ich tranken<br />

einen Cappuccino und ich vergaß<br />

ganz, dass wir Englisch sprachen.<br />

Peter begann englisch zu träumen,<br />

und für Finn war Englisch irgendwann<br />

eine Zweitsprache geworden.<br />

Wie schön.<br />

Und wie schön vor wenigen Wochen,<br />

als Laura und Finn an unserem<br />

Küchentisch in Wien die Köpfe zusammensteckten<br />

und über einer Partie<br />

Mancala grübelten. Oder Peter<br />

Mark die Ingredienzien von Scheiterhaufen<br />

auf englisch zu erklären versuchte.<br />

Und als wir dann wieder<br />

Adieu winkten, wussten wir einfach:<br />

Egal, wie viele Jahre wir uns vermissen<br />

würden, unsere Freundschaft<br />

würde standhalten. Bye-bye, see you,<br />

miss you, love you. Und nach den<br />

viereinhalb Jahren mit der Risho<br />

Maru weiß Finn eines ganz sicher:<br />

Englisch lernt man nicht nur für die<br />

Schule – sondern für das abenteuerliche,<br />

aufregende Leben da draußen! <br />

24 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Das Crowhurst-Syndrom<br />

XX XX<br />

AUSGABE 1/<strong>2018</strong><br />

Da brachten die Jungs zehn Kilo Shrimps vom Fischtrawler, was blieb anderes übrig,<br />

als die Elchkeule aus der Tiefkühle zu räumen …? Nichts ist schöner als an einem<br />

gewöhnlichen Dienstagabend in Wien Segelfreunde nach einigen Jährchen wiederzusehen.<br />

Der Abend war wirklich großartig.<br />

Die Gastgeber-Weltumsegler<br />

servierten selbst -<br />

fabrizierte Wildschweinwürste. Dazu<br />

Pecorino, Polenta und Wein – mitgebracht<br />

aus Italien, aus der Latteria<br />

hinter der Werft bzw. dem kleinen<br />

Alimentari-Laden neben dem Weinbauern.<br />

Die Gäste langten ordentlich zu.<br />

Hungrig, denn die letzten Monate<br />

waren fordernd gewesen. Die einen<br />

hatten die Nordwestpassage passiert,<br />

die anderen waren die Nordwest -<br />

passage in die andere Richtung und<br />

anschließend nonstop weiter von<br />

Grönland nach Galicien, Spanien, um<br />

dort die Großmutter der beiden Segelkinder<br />

zu besuchen, gesegelt.<br />

Die Gespräche drehten sich um<br />

Packeis, Eisbären und die Probleme,<br />

bei tiefen Wassertemperaturen<br />

Fische zu fangen. Karl – der mit der<br />

Schwiegermutter in Galicien – schilderte<br />

die Möglichkeiten, einen Heilbutt<br />

mit ordentlich Blei und einem<br />

Plastik-Squid zu fangen. Seine Frau<br />

Ali erzählte, während sie ihre Strickjacke<br />

ablegte, dass es der ganzen Familie,<br />

seit sie in Europa gelandet waren,<br />

überall zu überheizt vorkam.<br />

Die Jahresdurchschnittstemperatur<br />

in Nuuk (Grönland) beträgt –1,4 °C.<br />

Die höchsten Temperaturen werden<br />

im Juli erreicht mit 10,6 °C. Also<br />

kein Wunder. Die Seenomaden zeigten<br />

dann ein Filmchen von einem<br />

Ankerplatz irgendwo in der Nähe der<br />

Beringsee. Dagegen ist die Bora-Welle<br />

in der Kvarner im Juli Flachwasser.<br />

Diese Abenteuer wurden alle im<br />

gemütlichen Plauderton dargebracht.<br />

Kein Aufschneiden – einfach Erzählungen<br />

aus dem Alltag des Fahrten -<br />

segelns. Das Gute, das Besch…, das<br />

absolut Grandiose.<br />

Wir waren gerade aus dem Einwinterungs-Wochenende<br />

gekommen.<br />

Und nein, ich erzählte nicht,<br />

dass mir auf dem Schiff bei fünf<br />

Grad kalt gewesen war. Wenigstens<br />

gab es dort keine Eisbären – dafür<br />

aber einige mit dem Crowhurst-Syndrom<br />

behaftete Schiffsbesitzer.<br />

EINE IRRE GESCHICHTE<br />

Donald Crowhurst war ein Geschäftsmann,<br />

der in den 1960er-Jahren<br />

ein Navigationssystem erfand<br />

und um es populär zu machen beschloss,<br />

beim Sunday Time Golden<br />

Globe Race – einmal nonstop um die<br />

Welt – teilzunehmen. Allenfalls ein<br />

Wochenendsegler, schaffte er es dennoch,<br />

Sponsoren für den Bau eines<br />

Trimarans zu finden und segelte los –<br />

das Schiff unfertig, leckend, chaotisch.<br />

Im südlichen Atlantik wurde<br />

ihm klar, dass dieses Unterfangen<br />

eine Nummer zu groß war. Doch er<br />

musste gewinnen, da er das Geld und<br />

den Ruhm brauchte. Und so beschloss<br />

Crow hurst, seine Logbücher<br />

und Funksprüche zu fälschen, um<br />

vorzutäuschen, ganz vorn zu sein.<br />

England glaubte ihm, bis man seinen<br />

Trimaran im Nordatlantik treibend<br />

fand. Crowhurst war nicht an Bord,<br />

dafür seine Aufzeichnungen, die da -<br />

rauf schließen ließen, dass er verrückt<br />

geworden war.<br />

Eine irre Geschichte, aber für mich<br />

so wertvoll, weil ich endlich eine Diagnose<br />

gefunden habe für Menschen,<br />

die ohne Ahnung Schiffe bauen,<br />

wahnwitzige Segelreisen ohne je gesegelt<br />

zu sein planen, überzeugt sind<br />

von sich, ihrem Können und ihrem<br />

Schiff – selbst noch, wenn alles schon<br />

den Bach, pardon, Ozean runtergeschwommen<br />

ist. Manche enden (immerhin)<br />

in der Karibik. Andere been-<br />

den wegen kaputter Motoren (Segeln,<br />

was ist das?), nicht vorhandener Stürme<br />

und Haiattacken. Alles meist<br />

medien wirksam in den sozialen<br />

Netzwerken präsentiert.<br />

Das Crowhurst-Syndrom. Eine<br />

Mischung aus Ehrgeiz, Selbstüberschätzung,<br />

Nichtwissen und Überheblichkeit.<br />

An diesem außergewöhnlichen<br />

Abend in Wien? Nichts<br />

von alldem! Sondern vor allem Leidenschaft,<br />

Mut, Respekt, Lebensfreude<br />

und Humor.<br />

Und wie war die Elchkeule? „Sehr<br />

gut, aber bei zwei Wochen Sturm<br />

schmeckt selbst der beste Elch nicht<br />

besonders.“<br />

<br />

+<br />

+<br />

The first drink on the other side of the ocean<br />

… sagen die amerikanischen Yachties, wenn sie über das<br />

beste der Atlantiküberquerung sprechen. Karla Schenk<br />

mochte diese Weisheit. Karla blieb Karla, egal, wie oft sie<br />

wo drübergesegelt oder -geflogen ist. „Prahlerei ist Bullshit“<br />

sagen die Australier und Karla pflichtete dem bei.<br />

Ich sah Karlas Ankunft in der Karibik mit dem letzten<br />

„Büchsenlicht“. Es war Heiliger Abend.<br />

Das Cockpit der Thalassa, Karla die Haare raspelkurz,<br />

Shorts, die extravaganten Sonnenbrillen über die Stirn geschoben<br />

– sie genoss die tropische Landschaft, die Wärme,<br />

die Gesellschaft der Segelfreunde. Ein köstliches Dinner<br />

an Land in frischer Luft, die romantischen Klänge der<br />

Steelband. Sie erinnerte sich mit blitzenden Augen an das<br />

Erwachen am ersten Morgen. „Wir waren aus dem tiefblauen<br />

Meer in Las Palmas gestartet und hier in einer<br />

helltürkisfarbenen Lagune vor Anker gegangen. Um uns<br />

herum ein weißer Sandstrand, umrahmt von dunkelgrünen<br />

Palmenwäldern. Man denkt, man ist im Märchen. Was<br />

kann es Schöneres geben?“. Ruhe in Frieden, Karla.<br />

Crowhursts vorgetäuschte<br />

und tatsächliche<br />

Position während<br />

des Golden Globe Race<br />

am 10. April 1969.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 25


What shall we do with<br />

Es war auf Tahiti. Wir hatten gerade den Anker fallen lassen nach einer<br />

rauschenden Nachtfahrt von den Tuamotos. Vor uns ein uns nicht bekannter<br />

Katamaran. Österreichische Flagge. Die Besitzer grüßten freundlich und riefen<br />

schließlich: „Griaß’ eich! Kummt’s uma auf a Bier?“ Es war neun Uhr. Am Morgen.<br />

Die Geschichte des Segelns ist<br />

durchtränkt von Alkohol.<br />

Nicht ohne Grund. Je weiter<br />

sich die britisch/französisch/spanischen<br />

Fregatten auf die Ozeane wagten,<br />

um neue Welten zu erschließen<br />

und in Folge zu kolonialisieren, desto<br />

wichtiger wurde es, Lebensmittel<br />

haltbar zu machen. 50 bis 100 Mann<br />

galt es zu versorgen.<br />

Ein Hauptproblem war das Wasser,<br />

das schnell verrottete und nicht nur<br />

ungenießbar wurde, sondern die<br />

ganze Schiffsmannschaft außer Gefecht<br />

setzte. So kam man auf die Idee,<br />

Alkohol in Form von Wein und Bier<br />

zu lagern. Jedoch auch da erwies<br />

sich, das die Haltbarkeit äußerst<br />

begrenzt war. Eine Atlantiküber-<br />

querung z. B. dauerte damals 40 Tage<br />

– wenn man schnell war. Cook segelte<br />

auf der Suche nach einem neuen<br />

Kontinent 117 Tage durch. Fast vier<br />

Monate! Die Lösung war Rum.<br />

WASSER MIT RUM<br />

Durch die Erzeugung von Rum in<br />

den karibischen Kolonien setzte eine<br />

Wende ein. Die Engländer und Franzosen<br />

bauten im 17. Jahrhundert Zuckerrohr<br />

auf den karibischen Inseln<br />

an, Europa verlangte nach Süßigkeiten.<br />

Bei der Herstellung wurde ein<br />

Teil der Molasse zur Erzeugung von<br />

Rum verwendet. Zahllosen Fässer<br />

konnten jedoch nicht in den Mutterländern<br />

angebracht werden, da dort<br />

Einfuhrverbot für Rum galt – man<br />

wollte sich wohl den Whiskey-Markt<br />

nicht ruinieren! Ein Kommandant<br />

der Royal Army hatte dann die zündende<br />

Idee: Man schenkte Matrosen<br />

ab sofort ein halben Pint Rum pro<br />

Tag aus. Gemischt mit zwei Teilen<br />

Wasser war die Truppe zwar etwas<br />

beduselt, aber der Durst war gelöscht,<br />

die Haltbarkeit sensationell.<br />

Und die Laune gut. Was bei den Lebensbedingungen<br />

für Matrosen in<br />

dieser Zeit nicht schaden konnte. Die<br />

Mannschaften waren zufrieden, denn<br />

mit etwas Alkohol im Blut stieg der<br />

Mut, feindliche Schiffe zu entern<br />

oder im Sturm um Kap Hoorn ans<br />

Ende des Bugsprits zu balancieren.<br />

Abgeschafft für die Tradition der<br />

Royal Navy 1970. Man fand, dass<br />

man die inzwischen höchst technisierten<br />

Navigationsgeräte und andere<br />

Tätigkeiten an Bord ohne Alkohol im<br />

Blut besser und genauer bewältigte.<br />

In Neuseeland durften Matrosen<br />

Top-Location für Sun -<br />

downer: Das Ankerfeld<br />

auf den Marchesas.<br />

26 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


the drunken sailor? AUSGABE 4/2015<br />

XX<br />

XX<br />

noch bis 1990 ihre Ration verlangen!<br />

Das bringt mich zurück zum morgendlichen<br />

Bierchen in Tahiti. Wir<br />

baten um Kaffee. Und saßen im<br />

knallheißen Cockpit auf Plastikbänken<br />

von Bierdunst umhüllt. Fast wie<br />

auf der alten Donau im Freibad, das<br />

wir vom Jollensegeln kannten.<br />

Die Crew des Katamarans machte<br />

den Anschein, als würde sie auch im<br />

Freibad gerne zu langen, wenn’s um<br />

alkoholische Genüsse geht. Unterschied<br />

dabei: Sie sitzen im Freibad<br />

nicht auf einem Gefährt in der<br />

Schwere eines Lkw, das sie jederzeit<br />

manövrieren können sollten …<br />

APROPOS MANÖVER<br />

Manöverschluck, Auslauf-Bierchen,<br />

Anlege-Schnäpschen. Oder Wende-<br />

Stamperl, Anker-Viertel, Panik-Achtel<br />

(bei Bora!), Zwei-Meter-Wellen-<br />

Enzian, Drei-Meter-Wellen-Wodka<br />

… die Liste lässt sich unendlich fort-<br />

Genussvoll: Pastis mit<br />

italienischen Spezereien.<br />

Ein Manöverschluck muss<br />

nicht hochprozentig sein.<br />

setzen. Und wird auch eventuell gerne<br />

vorgeschoben, um die zahllosen<br />

kalten Biere im Kühlschrank anzukriegen.<br />

Erst kürzlich war mein Skipper-Ehemann<br />

zu einem Bootsausflug<br />

geladen und wunderte sich nicht<br />

schlecht, als es „vor dem Ablegen“<br />

gleich einmal Alkoholika gab. Es war<br />

zehn Uhr morgens – immerhin. Auf<br />

Nachfrage, er hätte lieber Wasser,<br />

waren die Organisatoren irritiert.<br />

Wasser war keines eingekauft worden.<br />

Nur Bier. Sonst nix.<br />

Die Matrosen im 16. Jahrhundert<br />

hätten es hingenommen und sich<br />

gestärkt, um trotz 40 Knoten Wind<br />

ungesichert 30 Meter in die Takelage<br />

zu klettern und danach ihre Essensration<br />

inklusive Madenbefall runterzuschlucken.<br />

Und das für die nächsten<br />

Monate oder Jahre.<br />

Beim Bootsausflug gab es Wurstsemmeln<br />

(ohne Maden) und die Reise<br />

war nach einigen Stunden vorbei.<br />

Die Stimmung war mehr feucht als<br />

fröhlich. Mein Skipper grummelte<br />

grantig: „Was hat das denn noch mit<br />

Seemannschaft, Schifffahrt und Genuss<br />

daran zu tun?“ Nun ja, vielleicht<br />

haben die Seefrauen gefehlt, die ausdrücklich<br />

nicht eingeladen waren.<br />

Ich versuchte, ihn mit einem Shantey<br />

aus Stevensons Schatzinsel aufzumuntern.<br />

„Fifteen men on the dead man‘s<br />

chest Yo-ho-ho and a bottle of rum,<br />

drink and the devil had done for the<br />

rest.“<br />

Womit ich wieder beim Rum lande.<br />

Die Tres Hombres segeln ihn aus<br />

der Karibik nach Europa und es<br />

spricht nichts dagegen, ein paar Pints<br />

dieses vollmundigen Rums von Kroatien<br />

nach Griechenland zu segeln<br />

und zu genießen. Aber eben mit<br />

Maß. Und Stil. Denn Traditionen<br />

sind schön. Solange sie nicht ausarten<br />

und grölende Männercrews in<br />

Buchten zurücklassen. Oder Yachten<br />

What shall we do with a drunken sailor<br />

Drunken Sailor ist ein traditionelles Shanty (Arbeitslied der<br />

Seefahrer) im dorischen Modus. Die Melodie wurde ursprünglich<br />

dem traditionellen irischen Tanz- und Marschlied<br />

„Oró Sé do Bheatha ’Bhaile“ entnommen.<br />

Publiziert wurde der Liedtext erstmals 1891 unter dem<br />

Titel What to Do With a Drunken Sailor?, wobei die Melo -<br />

dien bereits 1824–1825 in Cole‘s Selection of Favourite<br />

Cotillions in Baltimore herausgegeben wurden. Eine andere<br />

Version schrieb Richard Runciman Terry, die im Liederbuch<br />

The Shanty Book, Part I, Sailor Shanties abgedruckt.<br />

Liedtext:<br />

What shall we do with a drunken sailor,<br />

What shall we do with a drunken sailor,<br />

What shall we do with a drunken sailor,<br />

Early in the morning?<br />

Refrain:<br />

Way hay and up she rises,<br />

Way hay and up she rises,<br />

Way hay and up she rises,<br />

Early in the morning<br />

Traditionelle Verse:<br />

1. Put him in the long boat till he‘s sober,<br />

2. Put him in the scuppers with a hose-pipe on him.<br />

3. Shave his belly with a rusty razor.<br />

4. Put him in bed with the captain‘s daughter.<br />

5. Take him and shake him and try to awake him.<br />

Zusätzliche Verse:<br />

6. Have you seen the captain‘s daughter?<br />

7. Put him in the bilge and make him drink it<br />

8. Truss him up with a runnin‘ bowline.<br />

9. Give ‚im a dose of salty water.<br />

10. Stick on ‚is back a mustard plaster.<br />

11. Send him up the crow‘s nest till he falls down,<br />

12. Tie him to the taffrail when she‘s yardarm under,<br />

13. Soak ‚im in oil ‚til he sprouts a flipper.<br />

14. Put him in the guard room ‚til he‘s sober.<br />

15. That‘s what we‘ll do with the drunken sailor.<br />

16. Keel haul ‚im ‚til he‘s sober.<br />

17. Put him in a hole with an angry weasel.<br />

18. Scratch his back with a cat o‘ nine tails.<br />

Variationen:<br />

a. Keep him there and make ‚im bale ‚er.<br />

b. Pull out the plug and wet him all over,<br />

c. Shave his balls with a rusty razor.<br />

d. Give ‚im a taste of the bosun‘s rope-end.<br />

e. Heave ‚im by the leg with a runnin‘ bowline.<br />

auf kroatischen Felsen parken. Oder<br />

Ausflugsschiffe zu Heurigen umgestalten.<br />

Die Katamaran-Segler aus Tahiti<br />

luden wir dann im Gegenzug zum<br />

Kaffee ein. Mit selbstgebackenen<br />

Brownies. Sie fühlten sich wohl,<br />

glaub’ ich. Es war zwei Uhr. Am<br />

Nachmittag. <br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 27


Kapitän, ich bin im Kino!<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 4/2011<br />

(Gesungen:) „Ta, ta, tataaaa … tatat … tatatatatatat … tatataaaaaaaat tatata“.<br />

Na? Haben Sie es erkannt? Natürlich!<br />

Die Kennmelodie der<br />

„Onedin Linie“. Peter Gilmore<br />

– etwas brummiger, aber genialer<br />

rothaariger Kapitän Onedin in Dauerkonkurrenz<br />

mit einer anderen<br />

Schiffslinie. Was für ein Kapitän!<br />

Was für grandiose Segelboote, gleich<br />

zur Eröffnung. Damals, als ich die<br />

Serie sah, war ich noch ein unerfahrenes<br />

Segelkücken. Aber heute, wenn<br />

sie mir zwischen die Finger kommt,<br />

sehe ich den hohen nautischen Anspruch.<br />

Und dass auf Originalschiffen<br />

gedreht wurde!<br />

SEGELN UND FILME<br />

Ist man wie ich mit einem Seemann<br />

verheiratet, kommt man an diesen<br />

Filmen nicht vorbei. Sobald ein<br />

Fetzchen Segel auftaucht – auch wenn<br />

nur in einer alte Columbo-Folge, in<br />

der der Mörder auf dem Schiff lebt –<br />

heißt es sogleich: „Ahh, schönes<br />

Schiff, schlecht gesetzte Segel, die<br />

Schauspieler haben echt keine Ahnung.“<br />

Als gelernte Schauspielerin verteidige<br />

ich dann meine Zunft und sage: „Na,<br />

eigentlich sagen ja die Regisseure, was<br />

zu tun ist? Und der Kameramann<br />

filmt!“. Egal. Es kommt ja nicht so oft<br />

vor, dass Nicole Kidman ein 47-Fuß-<br />

Segelboot allein aufriggt und dabei<br />

auch noch mit wallenden Gewändern,<br />

toll geschminkt und perfekt frisiert<br />

auf dem Vordeck steht. Bei 25 Knoten,<br />

von der Seite. Immerhin muss sie<br />

im Streifen „Todesstille“ ihren Mann<br />

vor einem irren Massenmörder retten.<br />

Es ist eben bei den Segelfilmen<br />

genauso wie bei den Arztserien oder<br />

Polizeithrillern: Wer Ahnung von<br />

diesem Metier hat, sieht die kleinen<br />

bis großen Ungereimtheiten, aber<br />

sieht eben auch darüber hinweg.<br />

Und dann ist es natürlich schon<br />

besonders toll, wenn einer wie Jeff<br />

Bridges das Kommando übernimmt!<br />

Auch wenn er sein Schulschiff leider<br />

in einem „White Squall“ versenkt. So<br />

auch der Titel des Filmes.<br />

Schade nur um seine hübsche,<br />

tolle, coole Frau und Skipperin. Sie<br />

wird mitversenkt und vielleicht liegt<br />

es daran, dass ich mir den Film bis<br />

heute nicht besonders gern anschaue.<br />

Ein Freund schenkte uns in der Karibik<br />

„Captain Ron“, Kurt Russell als<br />

vertrottelter Charterkapitän. Sehr<br />

blöd, sehr oberflächlich, sehr lustig.<br />

Familie muss zwecks Erbe altes, verrottetes<br />

Segelboot von der Karibik<br />

nach Florida überstellen. Aus dem<br />

faden Familienvater, der Tussen-<br />

Mama und den beiden verwöhnten<br />

Kids wird ein richtig tolles Team!<br />

Na, wenn das nicht ein Ansporn ist,<br />

mit der Familie segeln zu gehen!<br />

Oder zum Beispiel Russell Crowe<br />

in „Master and Commander“. Meine<br />

Seemänner lieben diesen Film, Seeschlachten<br />

ohne Motor – alles Taktik!<br />

Und ich muss zugeben, Russell<br />

Crowe passt die Frisur meines Mannes<br />

sehr gut. Ja, auch mein Mann<br />

hätte die Franzosen so gekonnt seglerisch<br />

ausgetrickst – nur dafür sicher<br />

den Oskar gewonnen, was Russell<br />

Crowe nicht gelungen ist!<br />

Aber es gibt auch Kapitäne, die ins<br />

Wasser müssen – wie Kevin Costner<br />

in „Message in a bottle“. Ein Schiffsbauer<br />

an der amerikanischen Ostküste,<br />

Holzschiffe natürlich, traumhaft<br />

schön und dazu eine Liebesgeschichte.<br />

Aber ohne Happy End!<br />

In „Waterworld“ hingegen schafft<br />

es der Kevin, dass alles gut ausgeht.<br />

Auf einem heißen Trimaran übrigens.<br />

Der Mann kann wirklich segeln<br />

– oder er spielt es gut!<br />

Bei Johnny Depp ist sie erwiesen –<br />

die Schwäche zum Segelsport. Hat er<br />

doch schon an einigen Regatten<br />

teilgenommen, sein eigenes Schiff<br />

ist aber eine Motoryacht aus den<br />

1930er-Jahren. Ansonsten genial:<br />

„Captain Sparrow“. Wankend, mit<br />

Seemannsbeinen. Und natürlich zerfetzten<br />

Segeln.<br />

ABER BITTE WO SIND DENN DIE<br />

FRAUEN IN DEN SEGELFILMEN?<br />

Bis auf eine versenkte Skipperin ist<br />

das Aufkommen rein seglerisch gering.<br />

Selbst in „Seewolf “ – egal, ob<br />

mit Kartoffel oder ohne.<br />

Frauen an Bord sind schmückendes<br />

Beiwerk. Da bin ich ja froh, dass<br />

Geena Davids es doch schafft, in<br />

„Die Piratenbraut“ den Säbel und die<br />

Segel auszupacken. Blöderweise einer<br />

der größten Kinoflops der Filmgeschichte.<br />

Ach, dieses Hollywood! Gut, dass<br />

im wirklichen Leben alles ganz anders<br />

ist, oder?<br />

„… Tatatatata … tatata … tatataaaaaaaaaaaa<br />

…“ (Geigen). <br />

28 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


I am sailing …<br />

Musik an Bord!<br />

Nicht nur Herr Rod Stewart mag Segeln und Musik. Auch wir,<br />

mein Skipper und ich, musizieren an Bord und wenn nicht<br />

anders möglich an Land – dann natürlich mit <strong>Band</strong>.<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 1/2013<br />

Skipper und Ehemann<br />

Peter, die Gitarre<br />

und das Meer.<br />

Manchmal ist die Beschallung<br />

an Bord auch unfreiwillig,<br />

zum Beispiel letztes Jahr an<br />

der Küste Istriens von Veruda bis<br />

Umag. In jeder Bucht gab es ab 21<br />

Uhr Disco, Techno, Schlager, Volkslied.<br />

Gegen keine dieser Musik arten<br />

wäre etwas einzuwenden, nur die<br />

Ausführung ist bisweilen Ohren zerstörend.<br />

Laut, schlecht und endlos.<br />

Viel kann man dabei aber über Physik<br />

und den Schall lernen. In welches<br />

Eck der Bucht verhole ich mich, um<br />

doch ein bisschen schlafen zu können?<br />

Besonders schwierig war es in<br />

einer bekannten istrischen Bucht mit<br />

einem Wasserski-Lift. Das Hotel dort<br />

spielte Disco und im Tanzschuppen<br />

in der Nebenbucht gab es ein Rave.<br />

Der Mix traf sich genau über unserem<br />

Schiff. Um drei in der Früh waren<br />

wir sicher, dass nun ein Ende in<br />

Sicht war – doch nach der Pause ging<br />

es beschwingt hämmernd weiter und<br />

der letzte Ton entschwand um sieben<br />

Uhr mit dem Morgendunst.<br />

Unfreiwillige Beschallung kann<br />

auch vom Nachbarschiff kommen:<br />

Entweder wenn es dort eine Party zu<br />

feiern gibt, oder wenn Segler ihr<br />

Song-Repertoire auspacken. Bei österreichischen<br />

Crews wird oft „Schifoan“<br />

zum Höhepunkt der musikalischen<br />

Darbietung, was auf einer<br />

Yacht seltsam ist, außer vielleicht in<br />

der oben genannten Wasserski-<br />

Bucht. Glück hat man, wenn unser<br />

segelnder Tiroler Karli am Ankerplatz<br />

ist, da ertönt meist nach der<br />

Mittagsschlafzeit die „Quetschn“<br />

über das Ankerfeld. Karli übt fleißig<br />

und macht super Fortschritte, findet<br />

auch Sissi, sein Hund, der gern mitjault<br />

– sorry, singt.<br />

HARFENKLANG IM PAZIFIK<br />

Auf unserer Weltumsegelung trafen<br />

wir vor allem irische Segler, die zu<br />

drei Gitarrenakkorden circa 200 ähnlich<br />

klingende irische Folksongs anstimmten.<br />

Je später die Abendstunde,<br />

desto melancholischer, weil meist der<br />

Biervorrat zu diesem Zeitpunkt ex -<br />

trem geschrumpft war.<br />

Die englischen Crews haben selten<br />

Instrumente dabei, dafür lernten wir<br />

durch sie ein Gesellschaftsspiel kennen,<br />

das wahrscheinlich wegen der<br />

hysterischen Lachsalven an Bord die<br />

anderen Boote im Umkreis auch auf<br />

die Palme brachten. Man teilt Kärtchen<br />

aus, auf denen berühmte Songs<br />

aus allen Sparten stehen, die man<br />

nachpfeifen muss und die anderen<br />

müssen draufkommen, welcher Song<br />

es sein könnte. Versuchen Sie mal „I<br />

Can’t Get No Satisfaction“ zu pfeifen!<br />

Selbst mit größter Leidenschaft vorgetragen,<br />

kann das Erraten unmöglich<br />

sein.<br />

Für Überraschung sorgte eine<br />

Amerikanerin. Die Harfenistin Gail<br />

schleppte ihr Instrument auf jede pazifische<br />

Insel, dort wartete bereits die<br />

coole Dorfjugend, um mit Ukulelenklängen<br />

mitzu jammen. Auf Suwarow<br />

trafen wir John, den Ranger des<br />

Atolls, der sich als geschmeidiger<br />

Rocksänger entpuppte. John hatte<br />

etwas von Jack Johnson, dem singenden<br />

Surfer, der sämtliche Charts<br />

anführt und auch die Favorite-Song-<br />

Liste auf unserer Risho Maru.<br />

MUSIK UND SEGELN PASSEN<br />

EINFACH ZUSAMMEN<br />

Einerseits, weil man als segelnder<br />

Musiker an wunderbare Plätze<br />

kommt und Musiker trifft, anderseits,<br />

weil man auch wieder schnell<br />

abhauen kann, wenn der Musikgeschmack<br />

der Nachbarn schmerzt.<br />

Wer jetzt Lust auf ein Instrument<br />

an Bord bekommen hat, dem sei die<br />

allseits beliebte Gitarre empfohlen.<br />

Das Triangel ist für Übfaule durchaus<br />

eine Möglichkeit.<br />

Seefrau Laura hatte ihr Yamaha-<br />

Keyboard dabei und spielte Bach auf<br />

Tonga. Eve aus Australien liebte ihre<br />

Klarinette auch in Neuseeland. Beat,<br />

der Geiger aus der Schweiz, spielte<br />

auf den San Blas Inseln Weihnachtslieder.<br />

Für kleine Boote empfiehlt<br />

sich die Maultrommel – weil Mundharmonika<br />

ist so was von out.<br />

Wer gar nix kann, gönnt sich einen<br />

iPod mit ordentlichen Segelsongs.<br />

Vorschläge unten, Lautstärke mittel –<br />

außer bei müden Nachtfahrten mitten<br />

auf dem Ozean. Delfine mögen<br />

übrigens balinesische Flötenklänge,<br />

dazu passend wären Spinnaker und<br />

tausend Sterne. Segeln – und alles ist<br />

möglich!<br />

<br />

Songlist der Risho Maru<br />

Jack Johnson/In between dreams:<br />

Am Ankerplatz nach dem Surfen<br />

Pat Metheny/Missouri Sky: Blister Sailing bei flacher See<br />

Marcos Valle: Zum Wachbleiben in langen Nachtfahrten<br />

PAF/Wellenzeit: Für alle Fälle, einmal um die Welt!<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 29


Gefangen im<br />

Und da war ich mal wieder. Auf<br />

der Boot Tulln. ocean<br />

woman wurde ja einst dort<br />

aus der Taufe gehoben. Die erste Kolumne<br />

ging damals erfolgreich, wenn<br />

auch „bootsmessenkritisch“ über die<br />

Seebühne. Es war der kritische Blick<br />

einer Seefrau, die zwar gern segelt,<br />

aber Hallen mit aufgebockten Plastik -<br />

yachten, schlechter Luft und noch<br />

schlechterem Kaffee definitiv nichts<br />

abgewinnen konnte. Und daran hat<br />

sich bis heute nichts geändert.<br />

Aber dennoch, irgendwie bedeutet<br />

die Bootsmesse in Tulln immer: Die<br />

Segelsaison rückt näher! Ich setzte<br />

mich an diesem Samstag auf eine<br />

knallorange Plane unter einer großen<br />

Yacht irgendeiner Marke – sorry, keine<br />

Ahnung, welche – während meine<br />

Seemänner eine drei Meter hohe Leiter<br />

bestiegen, um sich in eine Menschenschlange<br />

ohne Schuhe einzureihen.<br />

Vor mir lag ein Hund und blickte<br />

mich erwartungsvoll an. Vielleicht<br />

wegen der typischen Bootmessen-<br />

Snacks, die sich auf einem Kaffeehaustisch<br />

neben mir türmten? Soletti,<br />

Zuckerl, Chips, Speckbrotreste.<br />

Der Yachtvertreter und Hundebesitzer<br />

steuerte freudenstrahlend auf<br />

mich zu. Ich schenkte dem Hund<br />

meine Chips und flüchtete. Meine<br />

Seemänner winkten mir fröhlich von<br />

Deck und verschwanden im Polyesterbauch<br />

der Yacht. Einige Meter<br />

weiter stoppte ich abrupt, da ich –<br />

oh Schreck – ein iPhone in einem<br />

Aquarium versinken sah.<br />

Braucht es Internet an<br />

Bord? Im Urlaub? Nein.<br />

Bei uns nicht. Nicht auf<br />

dem Schiff. Wenn unbedingt<br />

nötig, frequentieren<br />

wir ein Internetcafé,<br />

dies aber auch eher aus<br />

nostalgischen Gründen.<br />

menge, einer von ihnen warf sein iPad<br />

dem iPhone nach. Mit Kondom natürlich.<br />

„Toll, praktisch, perfekt, cool, genial<br />

– wozu?“ fügte ich der Lobeslitanei<br />

leise zu. Zu leise, keiner beachtete<br />

mich. „Jederzeit einsteigen ins Netz,<br />

überall Wetter runterziehen, Mail<br />

checken, absolute Freiheit.“ Etwas abseits<br />

stellte ich mir diese begeisterten<br />

Messebesucher im Sommer auf ihren<br />

Charter yachten vor, wie sie gerade<br />

online ihr Handy im Bora-aufgewühlten<br />

Adria-Gewässer versenkten und<br />

die neueste Wetterkarte auf dem nassgespritzten,<br />

salzkrustigen iPad-Gehülse<br />

nicht entziffern können. „Scotty, es<br />

könnte sein, dass wir eine Bora kriegen,<br />

beam uns hier weg!“<br />

Der Artikel „Life without the Web“<br />

vom amerikanischen Comiczeichner<br />

James Sturm rückte in mein Gedächtnis.<br />

Der hatte sich freiwillig vier Monate<br />

ohne Internet verschrieben. Das<br />

Handy hatte er zwar eingeschaltet,<br />

aber nur, um zu telefonieren und<br />

sonst nix.<br />

LEBEN OHNE INTERNET?<br />

Wäre das möglich? Wäre das lebbar?<br />

Wäre das sinnvoll? Ich erinnere mich<br />

an meine erste Bekanntschaft mit Facebook.<br />

Wir waren gerade vier Tage<br />

von Sri Lanka zu den Malediven gesegelt.<br />

Ein Minidorf ganz im Norden<br />

der Inselgruppe, Häuser mit hohen<br />

Lehmmauern, Männer die sich allesamt<br />

als Agents, Tourist guides oder<br />

Ship Chandler ausgaben.<br />

Nach einigen Tagen lernten wir die<br />

Menschen etwas näher kennen. Die<br />

unverheirateten Mädels waren mitten<br />

im Geschehen, fröhlich und mit Handys<br />

ausgestattet, die in selbstgenähten<br />

funkigen Täschchen an ihren Hälsen<br />

baumelten. Als wir so ins Plaudern<br />

TRAGÖDIE? NEIN, WERBUNG!<br />

Das iPhone trug eine Art Handy-Plastikkondom<br />

und schwebte langsam auf<br />

den falschen Sandgrund seines Wassergrabes<br />

zu. Rund um das Becken<br />

stand eine staunende Messebesucher-<br />

30 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Netz<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 3/2013<br />

kamen, fragten mich die Girls, ob ich<br />

denn Michael Ballack kenne. Sorry,<br />

keine Ahnung. The Soccer Star! German<br />

guy, very good looking! Und<br />

schon zückten sie ihre Handys, stiegen<br />

ins Netz ein und Facebook erleuchtete<br />

vor meinen erstaunten Fahrtenseglerinnenaugen.<br />

Heute bin ich selber dabei. Klar. Ich<br />

weiß, natürlich könnte ich hier schreiben,<br />

dass mich so etwas gar nicht interessiert<br />

– aber ehrlich: So stimmt das<br />

nun auch wieder nicht.<br />

Aber dafür im Sommer auf dem<br />

Schiff einen kroatischen Internetstick<br />

kaufen? Sicher nicht. Auch mein Skipper<br />

pfeift auf Internet auf dem Schiff,<br />

wenn wir drei Wochen durch die kroatische<br />

Inselwelt zuckeln. Wenn unbedingt<br />

nötig, frequentieren wir ein Internetcafé,<br />

dies aber auch eher aus<br />

nostalgischen Gründen. Auf unserer<br />

Weltumsegelung war dies nun mal die<br />

beste Verbindung nach Hause. Und ich<br />

spreche hier von Weltumsegelung. Mit<br />

fernem Pazifik, wildem Jemen, indonesischem<br />

Dschungel. Nicht von Mali<br />

Lošinj, Korcula und Murter.<br />

Braucht es Internet an Bord? Im Urlaub?<br />

Nein. Bei uns nicht. Nicht auf<br />

dem Schiff. Wetter gibt es auch im Radio<br />

oder noch besser: Schaut euch die<br />

Wolken an, riecht die Luft und sucht<br />

einen sicheren Hafen (in Kroatien gibt<br />

es den wahrscheinlich alle zehn Seemeilen).<br />

Und was ist mit meinen Mails,<br />

Blogs, Jobs, Networks, Google, Twitter,<br />

WhatsApp …?<br />

Ok., bei der nächsten Weltum -<br />

segelung sind wir wieder online beim<br />

Segeln, aber sonst: Vielen Dank für<br />

Ihre Nachricht! Ich bin am TT.MM.JJJJ<br />

ab hh:mm Uhr wieder erreichbar. Ihre<br />

Nachricht wird nicht weitergeleitet!<br />

Mit den allerbbesten Grüßen, Ihre<br />

oceanwoman. <br />

<br />

Wellenzeit – Drei<br />

segeln um die Welt<br />

In viereinhalb Jahren umsegelten<br />

Peter, Alexandra und Sohn Finn<br />

(heute 18 Jahre alt) auf ihrem Katamaran<br />

Risho Maru die Welt!<br />

Sie trafen „Jungle Man“ in der Karibik,<br />

entdeckten die glücklichen Inseln<br />

der Südsee, auf denen auch Polizisten<br />

Blüten hinterm Ohr tragen, und verliebten<br />

sich in die süßen, aber furchtbar<br />

stinkenden Seehunde auf den<br />

Galapagos-Inseln. Und sie stellten<br />

fest, dass der Erzherzog-Johann-<br />

Jodler auch den Leuten im Insel -<br />

archipel Vanuatu im Pazifik gefällt!<br />

Und Sohn Finn?<br />

Möchte nach der Matura mit<br />

seiner Risho Maru um Kap Hoorn<br />

segeln und wird dabei seine<br />

E-Gitarren nicht zu Hause lassen.<br />

Alexandra Schöler-Haring/Peter<br />

Schöler: Wellenzeit – Drei segeln um<br />

die Welt. E-Book, 294 Seiten,<br />

52 Fotos, Aequator Verlag, ISBN-13<br />

9783957370150, € 9,99<br />

Ankunft in Italien nach<br />

4,5 Jahren Weltumsegelung.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 31


Sport an Bord<br />

Oder: Hit the trail, Jack<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 5/2011<br />

Es gibt Leute, die nicht segeln wollen, weil sie nicht genug Bewegung dabei<br />

finden. Den ganzen Tag auf dem Boot sitzen. Die tägliche Routine des Joggens<br />

im Park, des Fitnesscenterbesuchs, die Laufmaschine im eigenen Wohnzimmer<br />

missen zu müssen. Das scheint unvorstellbar. Auch im Urlaub.<br />

Ich spreche hier nicht vom anstrengenden<br />

Regattasegeln, nein, ich<br />

spreche vom fröhlichen Zwei-Wochen-Chartertörn<br />

oder auch dem Leben<br />

auf dem Schiff als Fahrtensegler.<br />

Hier kommt die gute Nachricht für<br />

Betroffene: Es gibt sie, die Trainingsprogramme<br />

für Yachties! Ideenführend<br />

dabei – die amerikanischen Fitnessgurus.<br />

Im Internet. Natürlich.<br />

„Use Steps!“, stand da fett auf einer<br />

sportlich gelayouteten Yachting-Web -<br />

site. Stufen? Ich überlegte einmal<br />

stark, wo wir denn auf unserem<br />

Schiff Stufen hätten. Der Niedergang!<br />

In unserem Fall eine Leiter. Fünf<br />

Sprossen. Ich las weiter. „Stop at the<br />

gym“. Was? Beim Tipp „Order smart“<br />

hatte ich’s kapiert. Die Yacht stand in<br />

diesem Fall für Kreuzfahrtschiff –<br />

hochhaushoch – da leuchtet das Stufen-Training<br />

natürlich ein und das<br />

Fitnesscenter und das Küchenservice.<br />

Ich war aber auf der Suche nach einem<br />

Fitnessprogramm für Segelboote!<br />

Nicht unbedingt für mich selbst,<br />

denn als Fahrtenseglerin war mir der<br />

Gedanke an mehr Bewegung selten<br />

gekommen. Selbst die 21-tägige Pazifiküberquerung<br />

ließ bei mir keine<br />

Fitnesslust aufkommen – ich war<br />

damals von den Nachtwachen derart<br />

übermüdet, dass das Setzen der Genua<br />

mich so erschöpfte, als hätte ich<br />

soeben 100 Liegestütze gemacht.<br />

Aber ich wollte endlich argumentieren<br />

können, wenn das Thema „Zu<br />

wenig Bewegung an Bord“ angesprochen<br />

wurde.<br />

Und so lernte ich Jack kennen. Im<br />

Internet. Natürlich.<br />

Jack ging mit seinen Freunden an<br />

der Westküste Amerikas segeln und<br />

Jack wollte fit bleiben und sogar noch<br />

ein bisschen fitter werden. Und er ist<br />

Vegetarier. Jack wusste auf all meine<br />

Fragen eine Antwort. Ich hatte keinen<br />

Ahnung, wie Jack aussah – was<br />

im Netz eher unüblich ist –, aber ich<br />

kriegte nach und nach beim Lesen<br />

seiner Fitness-Yachties-Tipps eine<br />

Idee davon.<br />

PRACTICE YOGA<br />

Wo genug Platz zum Sonnenliegen,<br />

da auch genug Platz zum Trainieren!<br />

Ich höre gerade sämtliche Chartercrews<br />

erschrocken die Luft anhalten<br />

bzw. den Bauch einziehen. Dort vorne<br />

am Bug, wo wir so gerne rösten,<br />

sollen wir trainieren?<br />

Jack schlug den „Sonnengruß“ vor.<br />

Eine Kombination mehrerer Yogaübungen.<br />

Und meinte, wenn es sehr<br />

rau wird beim Segeln, hält er sich<br />

beim Vorsegel fest, um die stehenden<br />

Yogapositionen entspannt durchführen<br />

zu können. Der Tänzer. Der<br />

Krieger oder das Triangel. Der Seegang,<br />

die Schräglage oder die Welle<br />

ins Gesicht. Willkommen beim<br />

Segel yoga. Vielleicht sollte ich da<br />

Kurse anbieten? Aber sicher gibt es<br />

das schon. Im Internet. Natürlich.<br />

Ich gebe zu, das mit dem Yoga hab’<br />

ich auch bei uns an Bord probiert.<br />

Auf dem Katamaran mit viel Decksfläche.<br />

Trotzdem hab ich mich bei<br />

Winschen, Lukdeckeln und Wasserkanistern<br />

angehauen, bin in Sonnendächern,<br />

Seitenwanten und Relingstangen<br />

hängengeblieben. Keine<br />

Ausrede für Jack. In der Ankerbucht<br />

geht’s an den Strand – mit Handtuch,<br />

Matte oder der Bereitwilligkeit, etwas<br />

sandig zu werden. Dazu Sonne, Meeresrauschen<br />

und einige glotzende Strandgäste<br />

– perfekter Friede für Körper und<br />

Geist.<br />

MEDITATE – MEDITIERE<br />

Egal, ob quengelnde, seekranke, sich<br />

lustig machende Mannschaft, „sei ganz<br />

in dir, fühl’ die Bewegung der Wellen<br />

und verbinde dich mit der großartigen<br />

Energie rund um dich“. Und schlaf ’ dabei<br />

nicht ein – das ist mein Tipp dazu.<br />

HIT THE TRAIL<br />

Übersetzt: „Geh’ joggen“. Ich hab’ das<br />

mehrmals beobachtet. Vorwiegend bei<br />

Chartergästen. Beim Fahrtensegeln<br />

praktizierte ich das einmal. Auf den San<br />

Blas-Inseln bei Panama. Wir waren drei<br />

Tage wegen Starkwinds auf dem Schiff<br />

eingeschlossen. Und das Inselchen, hinter<br />

dem wir uns versteckt hatten, war<br />

nach 20 Minuten zu Fuß gemütlich umrundet.<br />

Also ging ich laufen. Aber nur<br />

einmal – die Einheimischen schauten<br />

mich an, als wäre ich nicht ganz bei<br />

Trost.<br />

WALK ON THE BEACH<br />

Aber wehe, einer bleibt stehen um Muscheln<br />

zu sammeln oder glaubt, ein<br />

Besuch der Strandbar ist auch Training!<br />

No way!<br />

GO FOR A SWIM<br />

Das bietet sich doch an. Zehnmal ums<br />

Schiff. Blöd ist nur, wenn man gerade<br />

wie meine Freundin Laura in Australien<br />

segelt. Nun, dann kann man es sich aussuchen:<br />

Krokodile oder Speckröllchen.<br />

32 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Kanutin Alexandra<br />

auf Huhaine.<br />

SEA KAYAKING<br />

Die Gegend ohne Motorlärm erforschen<br />

und dabei gegen wabbelige<br />

Oberarme arbeiten. Kein Platz für<br />

Boote am Boot? Es gibt aufblasbare<br />

Kajakvarianten – da ist dann das<br />

Aufblasen selbst schon ein Sport.<br />

FIND SOME WAVES<br />

Ok. Jetzt wusste ich, wie Jack aussah<br />

– trainiert, braungebrannt und wahrscheinlich<br />

Mitte zwanzig. Surfer.<br />

Und was tun als Nicht-Surfer? No<br />

Problem. Probieren Sie einmal, auf<br />

einem Surfbrett bei Flachwasser zu<br />

stehen. Das zirka eine Stunde lang<br />

und man kann sich sämtliche Fitnesscenter,<br />

Push up, Klappmesser et<br />

cetera sparen. Und Farbe kriegt man<br />

auch. Klingt gut!<br />

EAT LOCAL<br />

Lieber Jack, ich weiß inzwischen, du<br />

segelst in der Baja California, bist<br />

Skipper Peter<br />

surfing Bonaire.<br />

Kiten auf den Los<br />

Roques, Venezuela.<br />

Surfer und gehst mexikanisch essen<br />

– vegetarische Tapas, Mangos, Papayas,<br />

Ananas. Einmal Mittagessen – so<br />

um die fünfzig Cent. Aber wir sind<br />

hier zum Beispiel in Kroatien und<br />

essen gehen kann ziemlich teuer<br />

werden. Ich empfehle wieder meine<br />

allseits bewährte Portion Spaghetti<br />

mit Knoblauch, Chili und Olivenöl –<br />

herrlich. Im Cockpit mit Kerzenlicht.<br />

Und da kann man dann auch darüber<br />

nachdenken, wie wichtig dieses<br />

Fitnesstraining nun wirklich ist. Ob es<br />

nicht wichtiger wäre, einfach einmal<br />

dazusitzen und nichts zu tun. Zu<br />

schauen und zu denken und vielleicht<br />

sogar miteinander zu reden. Denn das<br />

kann man auf dem Schiff wirklich gut.<br />

Vor allem wohl deshalb, weil man auf<br />

dem Schiff etwas schwieriger vor sich<br />

selbst und anderen davonjoggen kann.<br />

Was meinst du Jack?<br />

Jack? … Wo bist du? … Oh – alles<br />

klar … im Internet. Natürlich. <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 33


Seekrank<br />

AUSGABE 4/2014<br />

Von Pflastern, Kübeln und anderen Geheimmitteln.


Auf Kats wird man<br />

nicht seekrank –<br />

zumindest wir nicht!<br />

Wie jedes Jahr schleppte ich<br />

mich auch dieses Jahr auf<br />

der Boot Tulln von Halle<br />

zu Halle. Meine Männer waren wie<br />

jedes Jahr voller Freude und Glück!<br />

Ich fühlte mich ermattet, etwas<br />

schwindlig, leichte Kopfschmerzen<br />

pochten in meinen Schläfen, mein<br />

Mund war trocken. Da stoppte<br />

ich vor einem Stand, der all diese<br />

Symptome großartig auf einem<br />

Video ankündigte.<br />

Interessiert blieb ich am Bildschirm<br />

hängen und da erschien es:<br />

das Pflaster. Hinter ein braungebranntes<br />

Ohr geklebt, das unter einer<br />

Seglerkappe an einem Seglerkopf<br />

angewachsen war. Der Segler lachte.<br />

Die Seglerin staunte. Ich war also<br />

tatsächlich zum ersten Mal seekrank<br />

geworden. Auf der Tullner Bootsmesse.<br />

SEEKRANKHEIT, SEASICKNESS,<br />

MAL DE MER, NAUSEA, BEWE-<br />

GUNGSKRANKHEIT, KINETOSE<br />

Egal, wie man es dreht, wendet oder<br />

nennt: Seekrank zu sein ist übel.<br />

Zuerst hat man Angst zu sterben,<br />

schließlich wünscht man sich nichts<br />

sehnlicher.<br />

Ich spreche nicht aus Erfahrung,<br />

denn bislang hatte ich an den ersten<br />

Segeltagen höchstens etwas Kopfweh<br />

und weniger Appetit. Natürlich, unter<br />

Deck würde ich bei Seegang nicht<br />

gerade Marmeladen einkochen und<br />

Scrabble spielen. Unser Sohn Finn<br />

hätte selbst damit kein Problem. Er<br />

spielte schon als Kleinkind in seiner<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Koje kopfüber Lego oder las begeistert<br />

Asterix und Obelix, während der<br />

Rest der Crew dem Neuseeland-<br />

Sturmtief trotzte.<br />

Der Kapitän fütterte nur einmal<br />

die Fische, als ich zwischen Lanzarote<br />

und Teneriffa Backsoda statt Salz<br />

in den Kartoffelauflauf getan hatte.<br />

Interessant dabei: Den etwas seltsamen<br />

Geschmack hatten wir uns mit<br />

den ersten schaukeligen Seemeilen<br />

nach einigen ruhigen Marina-Wochen<br />

erklärt. Was ich stets vor längeren<br />

Passagen machte, war vorzukochen.<br />

Sagen wir mal so: Ein Topf<br />

Chilli für drei Tage. Reicht völlig,<br />

weil viel Appetit hat sowieso keiner.<br />

Außer unser Sohn. Aber Ausnahmen<br />

bestätigen die Regel.<br />

Was sich bei uns in der Speisekoje<br />

weiters türmt, sind Salzgebäck,<br />

Grissini und Cracker. Das Segelessen<br />

par ecellence! Erstens soll man ja –<br />

von vielen Seiten bestätigt – immer<br />

etwas im Magen haben und zweites<br />

schmeckt es gut. Dazu das obligatorische<br />

Cola und alle Anflüge von Seekrankheit<br />

sind auf unserem Katamaran<br />

eingedämmt.<br />

Ahhhh … Katamaran! Der immer<br />

sprühende Blauwassererzähler Bobby<br />

Schenk ließ es sich auch diesmal<br />

nicht nehmen, am<br />

-Messestand<br />

die Vorzüge des Katamarans<br />

zu beschreiben. Das mit dem Schiffsbewegungen<br />

stimmt, anderseits entsteht<br />

Seekrankheit nicht bloß durch<br />

Schwankungen, sondern ebenso<br />

durch Angst, zuviel Party am Vorabend<br />

oder zuviel Kaffee in der Früh.<br />

Das mit der Angst lässt sich vermindern,<br />

indem man genau weiß, was<br />

vor einem liegt – sofern das beim<br />

Segeln möglich ist.<br />

Wetter, Seemeilen, Revier. Der<br />

Rest liegt bei einem selbst. Nur eines<br />

sei geschrieben: Ein Kater an Bord ist<br />

nur in tierischer Form zu empfehlen.<br />

WAS PASSIERT EIGENTLICH,<br />

Der Kapitän<br />

fütterte nur<br />

einmal die Fische.<br />

WENN MAN SEEKRANK WIRD?<br />

Das Gleichgewichtsorgan macht<br />

verärgert Meldung an das Gehirn,<br />

welches bereits vom Auge wegen der<br />

verrückten Schaukelei ebenso angeschnauzt<br />

wurde. Histamin wird ausgeschüttet<br />

und so enden viele Seemänner<br />

und Seefrauen an der Reling.<br />

Wobei, auf einem amerikanischen<br />

Blog wird vor der Reling gewarnt –<br />

wegen Mann/Frau-über-Bord-<br />

Gefahr. Nicht wenige Betroffene<br />

wünschen sich nichts mehr als den<br />

Sprung ins erlösende Nass und so<br />

mancher Kapitän musste schon<br />

Crew-Mitglieder unter Deck ein -<br />

sperren oder fesseln. Da bleibt dann<br />

nur der Kübel und hoffentlich geht<br />

nichts daneben. Denn man muss<br />

wohl auch sagen, als Nicht-<br />

Betroffene/r ist man dann zu diversen<br />

Putzarbeiten verdammt.<br />

Was vielleicht noch zum Thema<br />

anzumerken ist, ist der Hang vieler,<br />

ihre Seekrankheit herunterzuspielen.<br />

Bloß nicht auffallen. Das ist nicht<br />

klug, denn nicht viel später wird man<br />

ganz gewaltig auffallen und kann<br />

sich eventuell sogar selbst auf You -<br />

Tube beim Erbrechen zusehen. Ein<br />

Markt scheint dafür da zu sein, die<br />

Videos kriegen bis zu 5.000 Klicks!<br />

Wer sich das ersparen will, gibt<br />

sich zu erkennen, bevor das die<br />

Gesichtsfarbe für einen erledigt.<br />

Am besten ist ran ans Steuer, fester<br />

Blick zu Horizont und vielleicht ein<br />

Ingwerzuckerl im Mund oder ein<br />

lösliches Aspirin im Thermohäferl.<br />

Und wenn gar nix mehr geht, schlafen<br />

gehen – aber bitte mit Kübel.<br />

Ich denke, mir würde das alles das<br />

Segeln ziemlich vergällen. Nicht so bei<br />

anderen Seglern. Ja, sogar Seenomadin<br />

Doris ist darunter. Sie leidet lieber ein<br />

paar Tage, als sich den Traum vom<br />

Segeln entgehen zu lassen.<br />

Ich kaufte mir das Seglerpflaster<br />

dann doch nicht. Schleppte mich zurück<br />

zum<br />

-Stand und<br />

tunkte ein bisschen köstliches Olivum<br />

Kobas-Olivenöl bei Sandra.<br />

Und siehe da: Genau das entpuppte<br />

sich als absolutes Anti-Seekrankheits-Geheimmittel!<br />

<br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 35


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Aua!<br />

Über das Leben auf dem Segelboot.<br />

Schön, wenn die untergehende<br />

Sonne den Großbaum küsst<br />

und nicht der eigene Kopf.<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 5/2017<br />

Hier sitze ich nun mit der<br />

kalten Wasserflasche in der<br />

Hand und drücke sie auf meine<br />

Stirn. Ja, ich bin auf dem Segelboot<br />

und nein, nicht irgendwo auf<br />

einem der großen Ozeane dieser<br />

Welt. Vielmehr sitze ich in der Werft,<br />

unter mir keine blauen Wogen,<br />

sondern Schotter und Beton. Antifouling-Dünste<br />

liegen in der Luft, der<br />

Bootskran macht die Musik dazu<br />

und irgendwo surren die Wespen,<br />

die es sich im Surfbrett cover seit<br />

Ostern gemütlich gemacht haben.<br />

Und dieses tiefe Brummen? Mein<br />

Schädel, der heute zum dritten Mal<br />

den Baum geküsst hat. Der Schmerz<br />

lässt langsam nach, die Beule legt<br />

rasch zu. Da ich gerade unfähig bin,<br />

meinen Skipper beim Auswintern<br />

des Bootes zu unterstützen, denke<br />

ich nach – sofern es mein geprelltes<br />

Gehirn erlaubt, über die unzähligen<br />

Schmerzen, die ich auf diesem Boot<br />

schon erdulden musste. Und nicht<br />

nur ich. Aber dazu später.<br />

Mein Blick fällt auf meinen kleinen<br />

Zeh – verkrümmt, seit ich damals in<br />

Griechenland als Frischling an Bord<br />

selig zum Bug rennen wollte, weil<br />

dort Delfine sprangen. Eine in der<br />

Ägäis-Sonne glänzende Klampe<br />

stoppte meinen Anlauf rapide und<br />

renkte die Zehe aus. Sie ähnelte kurz<br />

drauf und für die nächsten Wochen<br />

einer reifen Zwetschke. Danke<br />

Modewelt für die Erfindung der<br />

FlipFlops! Im selben Sommer versuchte<br />

ich, ein ausrauschendes Tau<br />

festzuhalten – ja eh: Anfängerfehler<br />

–, unvergesslich dafür das glasklare,<br />

griechische Glitzerwasser und da rin<br />

schön kontrastreich meine verbrannten,<br />

roten, wunden Finger.<br />

Im Jahr darauf war ich fast schon<br />

Skipperprofi und stand einem schreienden<br />

Chartergast zur Seite, der<br />

seinen Fuß in ein Bodenbrett eingeklemmt<br />

hatte und mit dem anderen<br />

auf demselben Brett stand. Die<br />

gesuchte Rumflasche in der Bilge<br />

diente gleich zur Des in fektion.<br />

Kurz vor unserer Weltumseglung<br />

kam es dann zu einigen Renovierungen<br />

an Bord. Neue Winschen da und<br />

dort, neue Verletzungen hie und da.<br />

Dann in der Karibik ein Abgang in<br />

den Niedergang – kopfüber. Eigentlich<br />

wollte ich nur das Fernglas vom<br />

Navigationstisch holen, aber mich<br />

nicht wirklich bewegen. Dass gerade<br />

in diesem heiklen Moment eine fette<br />

Atlantikwelle seitlich an die Bordwand<br />

klatschte und ich mich gerade<br />

noch durch Festhalten an den Stufen<br />

vorm Schlimmsten bewahren konnte,<br />

rechne ich meiner damaligen<br />

Weltumseglerinnen-Fitness hoch an.<br />

Zwar spürte ich das gezerrte Handgelenk<br />

noch einige Zeit, aber ich ließ<br />

es mir nicht anmerken und lachte<br />

fröhlich mit, wenn meine Geschichte<br />

zur Unterhaltung bei diversen<br />

Sundownern herhalten musste. In einer<br />

dieser fröhlichen Runden erzählte<br />

dann jemand von der Frau, deren<br />

Haare beim Wendemanöver in die<br />

Winsch eingeklemmt wurden und<br />

sie erst bei der nächsten Wende wieder<br />

befreit werden konnte. Auch<br />

wenn diese Story an den Haaren herbeigezogen<br />

klang: Ich blieb auf weiteres<br />

bei meinem Kurzhaar-Schnitt.<br />

Kurze Verletzungsstatistik auf<br />

Segelbooten: Aua am Schädel durch<br />

Großbaum-Attacken ist gleich hinter<br />

den fast schon üblichen Finger/<br />

Hand-Verletzungen gereiht. Gleich<br />

gefolgt von den Ausrutsch-, Stolper-,<br />

„ins-Leere-treten“-Vorfällen.<br />

ICH HASSE GROSSBÄUME<br />

Nein, ich werde jetzt nicht die Geschichte<br />

vom Segler zum Besten geben,<br />

dessen Daumen sich in einem<br />

Tau verhedderte und über Bord gespült<br />

wurde. Der Daumen, mein ich.<br />

Vielmehr fällt mir gerade ein, was<br />

einer Segelgästin bei uns auf dem<br />

Wharram-Kat auf der Toilette wiederfuhr.<br />

Dazu muss man erläutern:<br />

Bei uns steigt man von oben in die<br />

Toilette ein und sitzt dann gemütlich<br />

getrennt von allen wie in einem<br />

Häuschen mit Blick in den Himmel.<br />

Wie auch immer: Sie saß dort und<br />

unser Hund Bärli rutschte an Deck<br />

aus, als ich „Futter!“ aus der Kombüse<br />

rief und die Gier ihn übermannte.<br />

Was geschah? Der Hund fiel in die<br />

Toilette und landete auf der Segelgästin,<br />

die sich eigentlich schon<br />

längst ins Buch der Rekorde ein -<br />

tragen sollte für die erste und einzige<br />

Frau der Welt, der beim Sch... ein<br />

Hund auf den Kopf fiel.<br />

So, das reicht für heute. Ich geh’<br />

wieder auswintern. Aua! Ich hasse<br />

Großbäume!<br />

<br />

36 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

What’s up Doc?<br />

XX XX<br />

AUSGABE 1/2012<br />

Das leerste Krankenhaus bisher<br />

hab ich auf Vanuatu gesehen.<br />

Auf Erromango, einer kleinen<br />

Insel in diesem zauberhaften Südseearchipel,<br />

gibt es eine Krankenstation.<br />

Von einem selbsternannten Guide<br />

bekamen wir eine Führung durch<br />

den ebenerdigen, langgestreckten<br />

Betonbau mit Blick auf die Lagune.<br />

Niemand war zu sehen. Ein Behandlungszimmer<br />

war mit medizinischen<br />

Utensilien aus den 1940er-Jahren<br />

ausgestattet.<br />

Dann ums Eck, in einem offenen<br />

Türausgang zum Garten, saß eine<br />

hochschwangere Frau mit ihrer<br />

Freundin und kaute an einer Zuckerrohrstange.<br />

Und was ist bei einem<br />

medizinischen Notfall? Dann kommt<br />

das Flugzeug von der Hauptinsel und<br />

bringt einen ins Hospital. Dauer:<br />

eine Stunde. Schön war auch die<br />

Krankensta tion auf Fatu Hiva auf<br />

den Marchesas. „Ferme! Bis auf weiteres<br />

geschlossen“.<br />

Sicherheitshalber absolvierte ich<br />

vor unserer Reise den Kurs „Medizin<br />

an Bord“ – das Schwierigste daran:<br />

das Vernähen der Schweinshäute.<br />

Nähen war nie meine Stärke (siehe<br />

auch Seite 78). Und ich hoffte, keiner<br />

würde anstelle der Schweinshäute<br />

treten müssen. Interessant auch die<br />

Beatmung einer unterkörperlosen,<br />

als Fahrtensegler verkleideten Puppe.<br />

Und natürlich der richtige Griff, um<br />

jemanden aus dem Wasser zu retten.<br />

Meine Frage: „Was macht man, wenn<br />

man mitten auf dem Pazifik eine<br />

Blinddarmentzündung hat?“, wurde<br />

nur vage beantwortet. Antibiotikum<br />

essen und auf einen Tanker mit Spitalstation<br />

innerhalb der nächsten<br />

zwei Tage hoffen. Oh mein Gott!<br />

Panisch stellte ich eine Bordapotheke<br />

zusammen, die ungefähr soviel<br />

kostete wie ein Privathelikoper ins<br />

nächste Spital. Aber egal. Ich war<br />

gerüstet. Wespe in der Kehle oder<br />

Schock durch Steinfisch? Meine<br />

Adrenalinspritzen lagen bereit. Daumen<br />

abgetrennt durch blödes Tau?<br />

Einige Anti-Schmerz-Drogen waren<br />

schon drauf auf meiner Liste, die verfeinert<br />

war mit lateinischen Medizinfachausdrücken,<br />

um Wirkstoffe für<br />

alle Sprachen verständlich zu machen.<br />

Ich kaufte mir auch ein Yachtie-Medizinbuch<br />

für alle Fälle.<br />

Geburt an Bord. Epileptische Anfälle.<br />

Trombosen. Verlust des Auges.<br />

Gesplittertes Schienbein. Das mit<br />

den Zähnen hatten wir aber voll im<br />

Griff. Denn wenn etwas mehr weh<br />

tun kann als alles andere, dann ein<br />

kaputter Zahn. Peter hatte nicht lange<br />

gefackelt und eine Tasche Zahnzangen<br />

zusammengestellt. Allein der<br />

Anblick der kalt-glänzenden Instrumente<br />

jagte einem den kalten Schauer<br />

durch die Zahnwurzeln.<br />

WIR WAREN NIE GESÜNDER<br />

Antibiotika hatten wir für alle mög -<br />

liche und unmögliche Fälle und<br />

brauchten keine. In Neuseeland waren<br />

die meisten auch abgelaufen und<br />

so kaufte ich neue, die ich dann im<br />

ersten Winter zu Hause in Wien bei<br />

einer schweren Grippe einsetzte. Die<br />

Salzlösungsinfusion liegt heute noch<br />

auf der Risho Maru mitsamt allen<br />

Nadeln. Kristallisiert und ungebraucht.<br />

Glücklicherweise! Und die<br />

vielen Einwegspritzen für was auch<br />

immer verwenden wir gerne beim<br />

Epoxy-abmischen. Sehr nützlich.<br />

Einen Engpass hatten wir aber<br />

dann doch. Die Aspirin C-Brause.<br />

Diese gibt es nämlich nur bis zu den<br />

Kanarischen Inseln und dann nicht<br />

mehr. Und irgendwie wirkte sie perfekt<br />

bei kleinen Schwächeanfällen<br />

nach extensiven Nachtwachen oder<br />

Sundownern. Die Verwandtschaft in<br />

der Heimat gewöhnte sich daran, uns<br />

Aspirin C-Brause, Manner-Schnitten<br />

und Elmex-Zahncreme an diverse<br />

Plätze dieser Erde zu schicken (Tipp:<br />

Diese drei Produkte sind absolut<br />

unverzichtbare Bestandteile jeder<br />

Bordapotheke – und beiweitem die<br />

preisgünstigsten!).<br />

Und waren wir krank? Ich denke,<br />

wir waren nie gesünder als in den<br />

viereinhalb Jahren. Ein Fieber bei<br />

Sohn Finn, ein Ohrenpolyp beim<br />

Skipper (gibt es laut Yachtie-Medizinbuch<br />

nicht einmal), eine Fischvergiftung<br />

bei der Skipperin.<br />

Und die anderen Segler um uns?<br />

Detto. Und irgendwie sind diese informierten,<br />

auf sich gestellten Fahrtensegler<br />

auch ziemlich gefürchtet.<br />

Holländische Freunde stellten nach<br />

Lektüre des Klassikers „Where there<br />

is no Doctor“ von David Werner einen<br />

möglichen <strong>Band</strong>wurm bei ihrem<br />

Sohn fest. Der australische Arzt war<br />

richtig beleidigt, als sie seine Dia -<br />

gnose Bronchialhusten widerlegten<br />

und recht behielten. What’s up doc?<br />

Aspirin C-Brause gefällig? <br />

Was macht man, wenn<br />

man mitten auf dem<br />

Pazifik eine Blinddarmentzündung<br />

hat? Antibiotikum<br />

schlucken und<br />

auf einen Tanker mit<br />

Spitalstation innerhalb<br />

der nächsten zwei Tage<br />

hoffen …?<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 37


Am schnellsten.<br />

Am langsamsten.<br />

Am glücklichsten.<br />

XX<br />

XX<br />

AUSGABE 2/2012<br />

In Zeiten wie diesen unglaublich beliebt: die Superlativen! Auch beim Segeln!<br />

In fünfundvierzig Tagen segelte ein<br />

Franzose mit dreizehn Mannen<br />

auf dem Trimaran BAnQuE PoPu-<br />

LAIrE um die Welt. Der Preis dafür:<br />

die Jules Verne Trophy – die Trophäe<br />

für den schnellsten Weltumsegler!<br />

Was hätte Jules Verne wohl dazu gesagt.<br />

Für seine Zeitgenossen waren<br />

achtzig Tage um die Welt schon der<br />

glatte Wahnsinn.<br />

„Der glatte Wahnsinn“, stammelte<br />

auch mein Skipper-Ehemann in<br />

den letzten Wochen jedes Mal,<br />

wenn er die Franzosen anklickte.<br />

„Achtundvierzig Knoten Spitzen -<br />

tempo!“<br />

„Cool“, meinte der Skipper-Sohn<br />

beim Anblick der über das Wasser<br />

fliegenden Dreirumpf-Rennziege.<br />

„Urgs“ dachte die Skipper-Seefrau,<br />

die gerade in der Küche stand und<br />

wieder einmal das schnellste, beste,<br />

einfallsreichste Abendessen des Jahres<br />

zusammenwarf.<br />

KEINE TOILETTE. AM WIND.<br />

Nein danke. Obwohl. Von Gibraltar<br />

auf ein Abendessen nach Teneriffa.<br />

In zwei Tagen in der Karibik.<br />

In Panama traf ich Alexandra, die<br />

mit einem Renn-Katamaran und ihrem<br />

KTM-Mechaniker-Ehemann<br />

unterwegs war. Zum Speed-Segeln<br />

meinte sie damals: „Schnell ist super,<br />

aber man fühlt sich wie in einer<br />

Waschmaschine und da können zwei<br />

Stunden auch lang sein.“ Heute segelt<br />

38 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


auch anmerken, der nervigsten Song<br />

des Jahrhunderts. Superlativen, wo<br />

man hinschaut!<br />

sie mit zwei Kindern und Hund in<br />

Alaska. Und auf einem langsamen,<br />

schweren Stahlschiff. Aber die Abenteurer<br />

sind mit größter Wahrscheinlichkeit<br />

die nördlichste Familiencrew<br />

Österreichs!<br />

Ich schob das Essen in den Ofen,<br />

setze mich vor den Computer und<br />

ging auf Segler-Superlativen-Suche.<br />

AM LANGSAMSTEN<br />

Die langsamste Weltumsegelung. Da<br />

schau her! Zweitausendfünfhundert<br />

Tage – bisher. Neville und Catherine<br />

starteten vor sechs Jahren ihre Weltumsegelung<br />

von New York aus und<br />

segeln gerade in der Südsee. Als in<br />

New York die Anker hochgingen,<br />

dauerte der erste Schlag ihrer epischen<br />

Reise genau zwei Stunden. Erstes<br />

Ziel: die Nachbarbucht. „Oyster<br />

Bay ist einfach einer unserer Lieblingsankerplätze<br />

– wir blieben eineinhalb<br />

Wochen“.<br />

Finn fischt nach Slow-Food<br />

auf Tuao in der Südsee.<br />

AM KLEINSTEN<br />

Das kleinste Weltumseglerboot unserer<br />

Reise ankerte auf Sri Lanka neben<br />

uns. Aron Meder mit seiner Sloop Carina.<br />

Diese Sechs-Meter-Nussschale<br />

hob und senkte sich im Schwell vor<br />

der Hafeneinfahrt von Galle, als wir<br />

gemeinsam auf den Zoll warteten. Auf<br />

unserem Schiff kaum zu spüren, warf<br />

der sanfte Schwell den Ungarn und<br />

sein Boot hin und her. Was das draußen<br />

auf See bedeutete, wollte ich mir<br />

nicht ausmalen.<br />

Auf das geringe Freibord seines<br />

Schiffes angesprochen, antwortete<br />

Aaron philosophisch: „Ich kann die<br />

See streicheln, während ich steuere.<br />

Das ist mehr als körperliche Nähe.“<br />

Heute ist Aron einer der größten Segelhelden<br />

seines Landes.<br />

AM GLÜCKLICHSTEN<br />

Um nicht melancholisch zu werden,<br />

suchte ich nach der glücklichsten<br />

Weltumrundung. Und fand sie! Im<br />

Disneyland in LA fährt man per<br />

Boot in circa zehn Minuten zum<br />

Song „It’s a small world (after all)“<br />

(YouTube) einmal um die Welt. Puppen<br />

tanzen und zelebrieren die Einheit<br />

der Welt in sämtlichen Sprachen.<br />

Angeblich der populärste Disney-<br />

Song weit und breit. Man könnte<br />

AM BILLIGSTEN<br />

Fröhlich vor mich herpfeifend fand<br />

ich zufällig Tipps für die billigste<br />

Weltumsegelung. Ganz einfach,<br />

meint die Schöpferin dieses Postings:<br />

Man segelt auf dem Schiff eines anderen<br />

mit.<br />

Warum die eigene Ersparnisse aufbrauchen?<br />

Rund um die Welt werden<br />

große Segelyachten schneller gebaut<br />

als gelangweilte Angestellte ihre<br />

sicheren Jobs verlassen können,<br />

um qualifizierte Crew zu werden.<br />

Es gibt mehr Schiffe als vorhandene<br />

Crews! Selbst mit wenig Ahnung<br />

vom Segeln kann man rasch einen<br />

Platz auf einem Segelboot kriegen,<br />

wenn man nicht gerade wie ein Kettensägenmörder<br />

aussieht.<br />

Reid Stowe, der Mann, der es 1.157<br />

Tage auf einem Segelboot auf offener<br />

See aushielt – freiwillig – sah nach<br />

drei Jahren ohne Land ein bisschen<br />

aus wie ein Kettensägenmörder. Lag<br />

wohl auch daran, dass man da draußen<br />

vielleicht doch ein bisschen verrückt<br />

werden kann, wie schon Bernhard<br />

Moitessier anmerkte. Reid<br />

Stowes Frau Soyana verließ das Boot<br />

nach einem Jahr. Nicht, weil sie es<br />

hasste, nie an Land gehen zu können,<br />

sondern weil sie schwanger wurde.<br />

„Du darf nicht den Traum deines<br />

Partners zerstören.“<br />

Urgs. Mein Essen brannte beinahe<br />

an. Als ich meine beiden Skipper am<br />

gegenüberliegenden Schreibtisch am<br />

Bildschirm kleben sah, die flotten<br />

Franzosen bewundernd, fragte ich<br />

mich, ob auch in den beiden vielleicht<br />

ein bisschen etwas von Reid<br />

Stowe oder Jules Vernes steckte.<br />

Wahrscheinlich. Aber solange ich die<br />

schnellste, knusprigste Lasagne des<br />

Jahrtausends zaubern kann, brauche<br />

ich mir darüber wohl keine Gedanken<br />

zu machen!<br />

<br />

è www.zeroXtE.com<br />

è www.meder.hu/meder_en.htm<br />

è www.escapeartist.com<br />

è www.1000days.net<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 39


Oje Boje<br />

Sommersegeln! Nach einem entspannten Törn über<br />

den kroatischen Kvarner landeten wir in Premuda<br />

an der Boje. Es ist schön dort, das Wasser türkis,<br />

das Dörfchen fein, die Zikaden fröhlich …<br />

XX<br />

Wir waren guter Dinge,<br />

kramten die verstaubten<br />

Tauchsachen aus der Bilge<br />

und wollten gerade ins Wasser springen,<br />

als ein Motorboot mit Vollgas<br />

neben unserem Schiff abbremste.<br />

„Wie lang?“, waren die Begrüßungsworte,<br />

die uns entgegenschossen wie<br />

tödliche Blitze. Der Mann, der uns<br />

durch spiegelnde Brillen anstarrte,<br />

wäre absolut als Nachfolger von Marlon<br />

Brando in „Apocalypse Now“<br />

durchgegangen, nur noch dicker und<br />

humorloser. Als er sich behäbig über<br />

die Reling beugte, unsere zwölf Meter<br />

notierte und die Rechnung ausstellte,<br />

tropfte sein Schweiß auf die ausgestellte<br />

Rechnung. Der Betrag hätte<br />

für ein schönes Hotel inklusive Spa,<br />

Swimmingpool und Abendessen<br />

gereicht. Ich musste instinktiv kurz<br />

an Jack denken. Wir hatten Jack, den<br />

neuseeländischen Fahrtensegler, in<br />

der Veruda Bucht Soline getroffen.<br />

Er meinte, nirgends auf der Welt sei<br />

Segeln so teuer wie in Kroatien. Und<br />

er überlegte, ein Bojenfeld in der zauberhaften<br />

Bay of Islands zu eröffnen<br />

oder – noch besser – gleich für den<br />

eigenen Anker zu kassieren.<br />

Auf die Frage, warum wir doppelt<br />

so viel zahlen sollten wie sonst wo,<br />

verzog Colonel Kurtz 2 den Mund zu<br />

einem verächtlichen Grinsen: „Catamarano<br />

‒ more big ‒ more money.“<br />

Da explodierte mein Skipper. Die 20<br />

Tonnen-Motoryacht hinter uns, mit<br />

dem seit unserer Ankunft stinkenden<br />

und lärmenden Generator, zahlte<br />

„Catamarano ‒ more big ‒<br />

more money.“ Da<br />

explodierte mein Skipper.<br />

XX<br />

AUSGABE 6/2012<br />

gleich viel wie wir mit sechs Tonnen?<br />

Hat vielleicht bei einer Boje das Gewicht<br />

etwas mit der Bojenabnützung<br />

zu tun? Oder werden Leinen durchgescheuert,<br />

weil ein Schiff breiter ist<br />

als ein anderes? Wortlos besserte der<br />

Colonel den Betrag aus, nahm das<br />

Geld und fuhr zur nächsten Yacht.<br />

Den ausladenden Gesten des italienischen<br />

Besitzers nach zu schließen,<br />

verrechnete er dort das Dreifache.<br />

NÄCHSTE STATION CRES<br />

Die Bucht war traumhaft. Circa 15 Bojen,<br />

alle ganz neu. Auch das Schild am<br />

Strand, das bestätigte, dass dieses Gebiet<br />

Nationalpark war, glänzte neu in<br />

der Sonne und ließ den Verdacht aufkommen,<br />

dass die Ernennung zum<br />

Nationalpark eventuell etwas mit den<br />

Bojen zu tun haben könnte. Egal.<br />

Wir saßen zum Sundowner an Deck,<br />

als eine österreichische Motoryacht mit<br />

Vollgas ins Ankerfeld einfuhr. Alle<br />

Schiffe schwankten, Schwimmer und<br />

Schwimmerinnen erlangten ihre persönliche<br />

Bestzeit beim Davonschwimmen.<br />

Der Skipper stand ‒ nackt ‒ am<br />

Steuer, seine weibliche Begleitung mit<br />

Schiffshaken auf dem Vordeck. Er<br />

bremste circa einen Meter vor der Boje<br />

ab, die Frau schaffte das Unmögliche<br />

und fing die Boje mit dem Haken. Sie<br />

hielt so gut es ging fest, versuchte, sich<br />

gegen die 25 Tonnen Schiffsgewicht zu<br />

stemmen, verzerrte das Gesicht, kegelte<br />

sich fast die Schulter aus und – platsch!<br />

– lag der Schiffshaken im Wasser. Die<br />

Frau wendete sich geknickt zum Mann,<br />

der entnervt schrie: „Geh bitte, wieso<br />

lasst du los?“ Warum müssen immer<br />

die Frauen die Bojen fangen? Zu 99<br />

Prozent beobachteten wir diese Rollenaufteilung!<br />

Die Motoryacht machte einen zweiten<br />

Versuch, die Frau hing über die<br />

Reling und tastete nach der Boje, dabei<br />

hatte aber die gesamte Crew nicht bemerkt,<br />

dass eine weitere Boje knapp<br />

hinter dem Schiff Aufmerksamkeit verlangte.<br />

Trotz heftiger Zurufe unsererseits<br />

flutschte die Boje in die Schraube.<br />

Es krachte. Dann herrschte gespenstische<br />

Stille. Das Schiff war an der Boje,<br />

wenn auch nicht ganz wie gewollt.<br />

Stumme Verzweiflung machte sich<br />

an Bord der Yacht breit. Mein Skipper<br />

mit Sohn hüpfte ins Dingi, sammelte<br />

den Schiffshaken ein, den die Bora<br />

schon fest im Griff hatte. Der italienische<br />

Segler vor uns packte seine<br />

Tauchflasche (!) und folgte meinen<br />

Männern. Doch bevor beide die Yacht<br />

erreichten, hatte dort der inzwischen<br />

bekleidete Kapitän panisch einen Anker<br />

ausgeworfen. Der Tauchskipper<br />

schnitt die Boje aus der Schraube,<br />

mein Mann befestigte das Schiff an<br />

einer freien Boje und eine Boranacht<br />

senkte sich über das Drama.<br />

Die nächsten Tage sollten ruhig verlaufen.<br />

In Rab gab es nur einen verschlafenen<br />

Ankerplatz, den noch niemand<br />

als Geldquelle entdeckt hatte,<br />

und in Osor standen interessante Kanalmanöver<br />

im Vordergrund. Vor allem<br />

ein Motorbootfahrer, der die Kanalzeit<br />

verpasst hatte und glaubte,<br />

unter der Brücke durchzukommen,<br />

sorgte für einigen Trubel. Es tut immer<br />

weh, wenn Schiffe ruiniert werden.<br />

Es blieb noch Ilovik, der nette Ort<br />

mit Ankerfeld vor dem Franziskanerkloster<br />

auf der Insel Petar. Wohl von<br />

der franziskanischen Nächstenliebe erfüllt<br />

freuten sich die Bojenmänner, begrüßten<br />

uns freundlich und nahmen<br />

wenig Geld und den Mistsack mit.<br />

Nach einer Eiscreme in der zweiten<br />

Reihe mit Spaziergang im Olivenhain<br />

kamen wir gerade rechtzeitig auf unser<br />

Schiff, um einen Segler zu beobachten,<br />

der mitten im Bojenfeld ankerte. Auch<br />

schön. Als er zuerst rechts touchierte,<br />

dann links, dann hinten und schließlich<br />

vorne wurde ihm klar, dass er da<br />

wohl etwas im Segelkurs überhört hatte.<br />

Auch dass man Bojen nicht mit dem<br />

Wind fängt, scheint sich noch nicht herumgesprochen<br />

zu haben. Und immer<br />

die viel zu hohe Geschwindigkeit bei<br />

den Manövern. Ich glaube, mit ihren<br />

Autos würden die Freizeitkapitäne niemals<br />

so rasant einparken. Der Schwell<br />

der vorbeirasenden Motoryachten<br />

wiegte uns in den Schlaf, die Bora pfiff.<br />

Auch egal ‒ das beste an einem Bojenfeld<br />

ist, dass kein Schiff slippen kann<br />

und dabei unseres rammen! <br />

40 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Ankergebühr - ein Einakter<br />

XX XX<br />

AUSGABE 6/2017<br />

Da war sie, die Löwin in mir. „No way!“, meine Stimme schallte in bester Burgtheater-Manier<br />

über die Uvala Soline-Bucht. Dass der Skipperin der Kragen platzte, war eine Premiere.<br />

Mein Publikum – zwei kaum<br />

volljährige kroatische Marineros<br />

in einem alten Holzboot –<br />

starrte mich erstaunt an. Ebenso mein<br />

Mann und Sohn an Deck – auf den<br />

oberen Rängen sozusagen. Dass der<br />

Skipperin der Kragen platzte, war eine<br />

Premiere.<br />

Die alten Griechen banden ihre<br />

Schiffe einfach an Unterwasserfelsen<br />

fest. Oder füllten Säcke mit Steinen, die<br />

sie nach Bedarf versenkten. Erst mit<br />

der Entdeckung des Eisens ent wickel -<br />

ten sich Anker so wie wir sie heute<br />

kennen. Der Stockanker wirkte, weil er<br />

mindestens dreimal so schwer war wie<br />

ein Muringblock in einem kroa tischen<br />

Bojenfeld. Danach folgten die uns bekannten<br />

Ankermodelle, die je nach<br />

Skipper/ Schiff/Ankergrund/Geschmack/Erfahrung/Preis<br />

mehr oder<br />

weniger beliebt sind.<br />

Unser Bügelanker hielt rund um die<br />

Welt und wir taten viel für ihn. Wir<br />

pflegten und hegten Schaft und Flunke,<br />

kontrollierten die Imbusse des Ankerkettenwirbels<br />

regelmäßig. Die Kette<br />

wurde bei jedem Werftaufenthalt komplett<br />

ausgelegt und Glied für Glied<br />

kontrolliert, gesäubert, gesprayed. Der<br />

Skipper winschte die 26 Kilo regelmäßig<br />

an Deck. Fitnesscenter an Bord<br />

ohne Jahresgebühr. Kurz, wir verwöhn(t)en<br />

unseren Anker, wenn möglich<br />

auch mit einer Süßwasserdusche.<br />

Nur eines machten wir auf der ganzen<br />

Reise nie: für ihn zahlen. Das wird<br />

auch meines Wissens nach nirgends<br />

auf dieser Welt eingefordert – außer in<br />

Kroatien. Bestätigung holte ich mir aus<br />

dem Netz.Frage: Zahlen für den eigenen<br />

Anker? Mehrere Seiten zu Brot<br />

und Gebäck öffneten sich. Ich wechselte<br />

in den englischen Sprachraum.<br />

Für den eigenen Anker bezahlen zu<br />

müssen kommt in absoluten Ausnahmefällen<br />

vor und wird besonders in<br />

(Kosten-)Frei Ankern<br />

außerhalb Kroatiens:<br />

San Blas/Panama.<br />

England einfach boykottiert. User Mermaid<br />

schreibt im cruising forum: „There<br />

is something wrong with fees when<br />

no service is provided.“ Ein andere Seahorse<br />

fragt: Wieviel kostet das und<br />

was ist inkludiert? Internet, Pumpout,<br />

Dingy dock, Duschen, Wasser?“ „16<br />

Euro und das Müll sackerl wird mitgenommen“.<br />

Zumindest in Kroatien.<br />

WAR COOK IN KROATIEN?<br />

Ganz sicher musste Odysseus nicht für<br />

seinen Anker zahlen oder der alte<br />

Cook, wenn er in irgendwelchen Buchten<br />

zwischen seinen Ozean abenteuern<br />

haltmachte. War Cook eigentlich in<br />

Kroatien? Natürlich hätte er das Jahrespermit<br />

bezahlt – ist absolut ok.,<br />

mussten auch wir in Vanuatu oder<br />

Guadeloupe. Die Leuchtturmsteuer<br />

wäre ihm auch einleuchtend erschienen<br />

und die Bojenfelder wären ganz<br />

nach seinem Geschmack gewesen,<br />

denn Stockanker bedeuteten wie erwähnt<br />

ganz schön viel Arbeit. Besonders<br />

hätte er die Bojen vor den Konobas<br />

gemocht. Ein gegrillter Fisch übersteigt<br />

zwar jede Bojengebühr um ein<br />

Vielfaches, dafür ist es entspannter,<br />

wenn während des Abendessens die<br />

Bora auffrischt. Doch hätte Cook für<br />

seinen Anker bezahlt?<br />

Neuseeländer, die wir vor einigen<br />

Jahren in besagter Veruda Bucht trafen,<br />

überlegten, eine neue Geschäftsidee in<br />

der Bay of Island umzusetzen. „I have<br />

never heard of such an absurd fee!“ So<br />

wie auch in manchen Bojenbuchten<br />

Katamaran-Gebühren eingehoben werden.<br />

Als ob sich die Breite eines Schiffes<br />

in irgendeiner Weise auf die Muring<br />

auswirkt! Cook hätte sich gefreut, seine<br />

Endeavour so easy festzumachen, wäre<br />

aber Seemann genug gewesen um zu<br />

wissen, dass keine Muring die 350 Tonnen<br />

seines Lieblings stemmen würde.<br />

Im Gegensatz zum 30-Meter-Motor -<br />

yacht-Besitzer, der im Bojenfeld in<br />

Molat lustig festmachte. Ohne Widerspruch<br />

der Bojenmänner – sie nahmen<br />

den Müll mit. In Wahrheit sind die<br />

Griechen die Erfinder der Bojenfelder,<br />

mit ihren Felsen, die schon Odysseus<br />

so praktisch fand. Nur dass sie bis heute<br />

kein Geschäft daraus machen.<br />

Die Typen vor mir im Holzkahn<br />

strecken mir einen Ausweis entgegen.<br />

Irgendeine Port Autority, die besagt,<br />

dass in der Uvala Soline für den Anker<br />

bezahlt wird. 16 Euro. Nie wieder. Es<br />

gibt ja noch andere „freie“ Buchten in<br />

Kroatien. Noch. Haben wir eigentlich<br />

das aktuelle Griechenland-Hafen-<br />

Handbuch?<br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 41


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

I’m sailing<br />

in the rain<br />

AUSGABE 1/2015<br />

.<br />

Dass ich in diesem Sommer in Kroatien meinen Opposum-<br />

Fleecepullover aus den Tiefen unseres Segelbootes kramen würde,<br />

war nicht vorauszusehen. Gut, dass ich ihn trotz bester Vorsätze<br />

in meiner Putz-Kolumne vom letzten Mal nicht ausgemistet habe!<br />

42 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Auch hatte ich schon lange<br />

nicht mehr unter meinem<br />

blitzblauen Südwester hervorgeblinzelt.<br />

Kleine Schiffskunde so nebenbei:<br />

Südwester sind wasserdichte<br />

Hüte mit einer breiten Krempe, die<br />

hinten weit überhängt, damit Regenwasser<br />

nicht in die Kleidung laufen<br />

kann. Die Benennung nach der Himmelsrichtung,<br />

aus der der meiste Regen<br />

kommt, kommt vielleicht ebenso<br />

wie der Hut selbst aus dem Norwegischen.<br />

Ich hatte das gute Stück zuletzt<br />

in Neuseeland aufgesetzt – lange<br />

her, wie sich auch am Geruch und<br />

Zerknitterungsgrad ablesen ließ.<br />

Und weil wir gerade dabei sind:<br />

Ölzeug (engl. Oilskin) bezeichnet<br />

wetterfeste Oberbekleidung in der<br />

Seefahrt, die den Träger vor Nässe<br />

und Wind schützen soll. Ja, soll! Wie<br />

undicht mein uraltes Ölzeug war,<br />

war mir auf den letzten Kroatientörns<br />

nie aufgefallen. Wahrscheinlich,<br />

weil ich es nicht brauchte.<br />

Ahh! Kroatien: Das Segelparadies<br />

im Mittelmeer, voller Naturschönheiten<br />

und spannenden Urlaubs-Möglichkeiten.<br />

Nicht einmal zuviel versprochen,<br />

denn schön ist es dort<br />

allemal und spannend konnte man<br />

es an Land, Wasser, Campingplatz in<br />

diesen Sommer wirklich haben. Und<br />

ich meine jetzt nicht den Motorschaden,<br />

den wir in der zwölfstündigen<br />

Totalflaute mitten in der Kvarner<br />

Bucht hatten!<br />

Unsere Regenplane versagte uns<br />

den Dienst, just als es wie aus Kübeln<br />

schüttete. Erinnerungen an den Monsoonregen<br />

damals in Indonesien stiegen<br />

hoch wie das Wasser in unserem<br />

Mittelcockpit. In Indonesien waren<br />

wir selig am Vordeck gestanden und<br />

hatten uns die Haare gewaschen und<br />

sämtliche Flaschen und Wannen mit<br />

dem kostbaren Süßwasser gefüllt. All<br />

das war so unendlich erfrischend<br />

nach den heißen, windlosen Tagen<br />

auf See. Nun standen wir pitschnass<br />

unter Deck, fröstelten und trockneten<br />

uns die Haupthaare mit den seit<br />

Tagen feuchten Handtüchern.<br />

Durch die Luken sahen wir verschwommen,<br />

was Mali Lošinj im<br />

November sein könnte: leere Strände,<br />

leere Bojenfelder, ins Leere blickende<br />

Chartersegler. Die Chartercrew neben<br />

uns beschloss in einer Regenpause<br />

mutig einen Ausflug an Land<br />

zu wagen. Sie trugen Badehosen<br />

kombiniert mit um die Schultern geknoteten<br />

Badetüchern, auf dem Kopf<br />

hatte jeder einen kleinen Müllsack.<br />

Die Erfindung von Müllsäcken<br />

wird auf die Kanadier Harry Wasylyk,<br />

Larry Hansen und Frank Plomp<br />

zurückgeführt, die den Müllsack in<br />

den 1950er Jahren erfunden haben<br />

sollen. Ob die Herren Segler waren?<br />

Später, als wir übersetzten, um wenigstens<br />

gut essen zu gehen, trafen<br />

wir die Truppe bei der zweiten Nachspeise.<br />

„Frustessen“ sagt der Salzburger<br />

Skipper. Seine Frau murrte: „Am<br />

Attersee hat’s 25 Grad!“<br />

Wobei, das dürfte auch nicht angehalten<br />

haben, Freunde flüchteten aus<br />

dem sieben Grad kalten Salzkammergut<br />

nach Grado, um sich dort<br />

aufzuwärmen. 15 Grad plus und leider<br />

hatten sie die warmen Sweater<br />

nicht dabei.<br />

Dieser Regen! Wir landeten in der<br />

Veruda Soline Bucht und mein Bruder<br />

filmte uns beim Ankommen von<br />

Land aus. Es sieht aus, als würden<br />

wir gerade Neufundland im Sturm<br />

ansteuern …<br />

UND DANN KAM DIE BORA<br />

Würde sich gut bei einem Diavortrag<br />

machen und da fallen mir gleich<br />

die Naturschönheiten Kroatiens ein.<br />

In den wenigen Sonnenstunden<br />

strahlte die kroatische Inselwelt in<br />

einem saftigen Grün, wie ich es seit<br />

der letzen Schwammerlsuche in der<br />

Steiermark nicht mehr gesehen hatte.<br />

Die Tomaten in den kleinen Gärten<br />

der Blumeninsel Illovik zeigten sich<br />

in Höchstform und auf Olib spazierten<br />

wir über grüne Wiesen. Nach<br />

dem allabendlichen Gewitter froren<br />

wir kurz im Cockpit und verzichteten<br />

dann doch aufs Kartenspielen.<br />

Der Wind war einfach zu kalt und<br />

ich hatte vergessen, Tee einzulagern.<br />

Und dann der erste traumhaft<br />

schöne Tag! Sonne schon am Morgen,<br />

wir segelten ums Eck und – kein<br />

Wind! Aber was soll’s! Wir sahen den<br />

blauen Himmel weit gespannt ohne<br />

kleinste Anzeichen irgendwelcher<br />

Schlechtwetterfronten. Das Schicksal<br />

wendete sich also doch, dachte ich<br />

freudig und wollte mich gerade ausnahmsweise<br />

mal in die Sonne legen!<br />

Ein Knall und unser Dieseloutborder<br />

beschloss, nach 25 Jahren erstmals zu<br />

streiken.<br />

So hingen wir in der Flaute und<br />

ich versuchte nicht zu verzagen: Hey!<br />

Wenn uns das damals in Indonesien<br />

passiert wäre, weit und breit so ziemlich<br />

gar nix! War doch viel besser<br />

hier! Eine Motoryacht nach der anderen<br />

zog an uns vorbei, Segelboote<br />

Erinnerungen an den<br />

Monsoonregen damals<br />

in Indonesien stiegen<br />

hoch wie das Wasser in<br />

unserem Mittelcockpit.<br />

schaukelten wie wild im Schwell derselben.<br />

Wir standen. Bis es dunkel<br />

wurde.<br />

Und dann kam die Bora. Und<br />

mein Südwester und das undichte<br />

Ölzeug. Und wir segelten wie damals<br />

nach Neuseeland sehr flott bei<br />

schlechtem Wetter drauf los, Richtung<br />

Italien, bis in die Marina. Im<br />

Zickzack durch die Lagune, den<br />

Fluss Stella hinauf.<br />

Irgendwie war es schön und das<br />

Beste war: Ich hatte in einer vagen<br />

Vorausahnung ein großes Glas Nutella<br />

eingepackt. Für die Nachtfahrt.<br />

Mit meinen Sommersöckchen in den<br />

Schlechtwetter-Gummistiefeln. Links<br />

Wetterleuchten, rechts die leuchtende<br />

kroatische Küste, vor uns leuchtende<br />

Fischerboote.<br />

Und auf einmal war es wieder da.<br />

Das Abenteuer. Und wenn ich nicht<br />

hätte steuern müssen, hätte ich doch<br />

glatt vor Aufregung einen kleinen<br />

Stepptanz an Deck hingelegt.<br />

I am sailing in the rain ... <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 43


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Sturm im<br />

Segelboot<br />

AUSGABE 5/2012<br />

.<br />

Segelsaison! Endlich!<br />

Oder doch mit Vorsicht zu genießen?<br />

Erst kürzlich las ich im Segelreport,<br />

das Wetter würde sich<br />

mehr und mehr verändern und<br />

wir müssten mit massiven Stürmen<br />

ozeanweit rechnen. Und das genau<br />

zwei Wochen vor dem Segelurlaub.<br />

Bin ja nur froh, dass wir unsere Weltumsegelung<br />

schon geschafft haben!<br />

Obwohl – auch damals prophezeite<br />

man uns nichts Gutes. Natürlich<br />

starteten wir in einem El Niño-Jahr<br />

(wie irgendwie fast jeder). Das bedeutet<br />

laut erfahrener Seebären viel,<br />

sehr viel Wind aus ganz falschen<br />

Richtungen. Gleich unter den Sturmprognosen<br />

der Seglerplattform gab es<br />

einen YouTube-Link über den letzten<br />

Orkan im Ionischen Meer.<br />

In einer Segelclubzeitung sah ich<br />

passend zum Thema eine auf einem<br />

Felsen geparkte Yacht.<br />

„Wie wäre es heuer einmal mit Urlaub<br />

in den Bergen?“, fragte ich meinen<br />

Skipper. Er reagierte nicht und<br />

zog sich im Internet Sturmsegelberichte<br />

rein. Mein Skipper ist eher im<br />

praktischen Bereich zu Hause. Stürme<br />

findet er lästig und sie bedeuten<br />

für ihn immer mögliche, noch lästigere<br />

Reparaturen.<br />

Ich wandte mich meinem Computer<br />

zu und klickte auf den stür-mischen<br />

Link. Nach dem „Orkan im Ionischen<br />

Meer“-youtube- Filmchen<br />

fand ich den „Segelboot im Tsunami<br />

Desaster“-Mitschnitt und schließlich<br />

das „Tanker gegen Monsterwelle“-Video.<br />

Interessant auch der Trailer zum<br />

Surf einer kleinen Yacht zwischen<br />

Klippen in den sicheren Hafen an<br />

der französischen Küste.<br />

Warum schauen sich Leute solche<br />

Filme an? Sind das alles Segler auf<br />

der Jagd nach Informationen? Oder<br />

fanatische Nicht-Segler auf der Suche<br />

nach Bestätigung? Dass ich nicht als<br />

einzige die Filmchen anklickte, ist<br />

klar ‒ 30.000 Besucher sind die untere<br />

Grenze.<br />

WIE SIEHT ES DENN NUN WIRK-<br />

LICH AUS MIT DEN STÜRMEN?<br />

Vielleicht ist man als Segler auch einfach<br />

sensibler bei Nachrichten dieser<br />

Art ‒ so wie man überall Schwangere<br />

sieht, wenn man schwanger ist.<br />

Den schlimmsten Sturm hatten wir<br />

auf der Fahrt von Neuseeland nach<br />

Neukaledonien, da ging es echt zur<br />

Sache und ich erinnere mich, dass ich<br />

mir zwei Gläser Nutella genehmigte,<br />

ohne zuzunehmen. Nerven-beruhigend<br />

und wachhaltend. Denn wenn<br />

ein Sturm etwas ist, dann ermüdend.<br />

Außer für unseren Sohn. Die Neuseelandfahrt<br />

begeisterte ihn: „Mama<br />

schau, die Welle ist cool, was meinst<br />

du, sechs oder sieben Meter? Und die<br />

werden immer höher! Yippii!“<br />

Oder die dreijährige Tochter eines<br />

befreundeten englischen Segelpaares,<br />

die sich bei 40 Knoten von der Seite<br />

in die Koje stemmte und fröhlich jubelte:<br />

„More, more, more!“<br />

Also ich gestehe hier jetzt frei herraus,<br />

ich bin eine „15–20 Knoten von<br />

achtern bei flacher See und Sonnen -<br />

schein“-Seglerin. Hab mir aber von<br />

ganz anderen Naturellen erzählen lassen<br />

von befreundeten Skippern, die<br />

auf Wunsch der Chartercrew bei richtig<br />

schlechtem Wetter raussegelten.<br />

Zwar dauerte der Törn keine 20 Minuten<br />

und sie kehrten mit bleicher<br />

44 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Crew wieder heim, aber wer nicht hören<br />

will, muss fühlen ...<br />

Es gibt ja im Internet auch Angebote<br />

zum Sturmsegeln oder dem Schwerwettertraining.<br />

Was ja prinzipiell eine gute<br />

Idee ist, aber dennoch: freiwillig in<br />

schlechtes Wetter segeln? Urgs!<br />

Natürlich ist ein Filmbeweis schon toll,<br />

um die Heldenhaftigkeit eines Sturmseglers<br />

zu verewigen. Wir aber schafften es<br />

nie, während eines Sturms auch noch zu<br />

filmen. Und alle ernsthaften Segler, die<br />

ich kenne, auch nicht.<br />

Auch kommt dazu, dass Stürme auf<br />

Video selten stürmisch rüberkommen.<br />

Das Meer schaut immer flacher aus als in<br />

Wirklichkeit und wenn die Sonne dabei<br />

scheint, wirkt alles ganz gemütlich. Einmal<br />

sah ich einen Dia-Vortrag über<br />

Sturmsegeln in Süd-Georgien, nach der<br />

15. Welle mit wackeliger Möwe musste<br />

ich gähnen. Ja, wahrscheinlich war es eh<br />

rau, aber wen interessieren 50 Wellenfotos<br />

aus allen Blickwinkeln? Den besten Beweis<br />

für die Wackelei an Bord brachten<br />

wir in einer Szene unserer Multivisionsshow,<br />

als unser Sohn Finn mich am<br />

Funkgerät filmte. Was uns damals völlig<br />

normal schien, sieht mit Abstand doch<br />

ziemlich unruhig aus. Würden wir dabei<br />

nicht blöde Witze machen und in die<br />

Kamera grinsen, hätten wir dies spektakulärer<br />

in den Vortrag einbauen können.<br />

EIN STURM KANN AUCH<br />

ETWAS GUTES HABEN<br />

Ein Eintrag in unserem Website-Gästebuch<br />

lautet: „Ihr könntet aber schon auch über<br />

die schlechten Dinge eurer Reise, zum Beispiel<br />

über Stürme, erzählen!“<br />

Ok. Also einmal in Indonesien riss es<br />

bei 40 Knoten am Ankerplatz meinen<br />

Lieblingsbikini von der Leine. Unrettbar<br />

verloren. Ein andermal ‒ bei Martinique ‒<br />

leerte Sohnemann den Pinkelkübel gegen<br />

den Wind aus. Die Hinterluke war dabei<br />

leider offen. Darunter die Speisekammer.<br />

Auf dem Weg nach Tonga vergaßen wir<br />

auf einem Am-Wind-Kurs, die Vorderluke<br />

zu schließen. Die Vorschiffskoje war<br />

nass und die Gitarre unter dem Fenster<br />

mit Salzwasser gefüllt. Aber seither klingt<br />

sie noch besser als früher.<br />

Da sieht man wieder: Ein Sturm kann<br />

auch etwas Gutes haben.<br />

<br />

Karla Schenk<br />

Abenteurerin, Weltumseglerin,<br />

Kap Hoorniere, Pilotin, verrücktes Huhn!<br />

Ein kleiner, feiner <strong>Band</strong> über Karla<br />

Schenk, eine der letzten großen<br />

Vertreterinnen einer Abenteurergeneration,<br />

die mutig, entschlossen und<br />

voller Neugier die Welt abseits ausgetretener<br />

Pfade für sich erobert hatte.<br />

Karla, diese außergewöhnliche Persönlichkeit,<br />

war mit Seglerlegende<br />

Bobby Schenk verheiratet. Alexandra<br />

Schöler-Haring traf Segelpionierin<br />

Karla Schenk erstmals auf Malaysien.<br />

Das Ergebnis vieler weiterer Begegnungen<br />

und Gespräche zwischen den<br />

beiden Weltumseglerinnen ist diese<br />

erfrischende, sehr modern geschriebene<br />

Biografie einer großartigen Frau,<br />

die in keiner Segler-Bibliothek fehlen<br />

sollte.<br />

Karla Schenk – Abenteurerin, Weltumseglerin,<br />

Kap Hoorniere, Pilotin,<br />

verrücktes Huhn! Ein ocean7-Buch,<br />

Taschenbuch, 96 Seiten, zahlreiche Fotos,<br />

14,8 x 21 cm, 9,99 Euro zzgl. Versand.<br />

Bestellungen: buch@ocean7.at<br />

Auch als E-Book erhältlich unter<br />

è www.ocean7.at/specials<br />

28.5.1932–15.2.<strong>2018</strong><br />

Karla mit vier Männern – aber ohne<br />

Bobby Schenk – auf dem Weg über<br />

den Atlantik (1995).<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 45


So ein Mist.<br />

AUSGABE 2/2013<br />

Volle Windeln sind mistmäßig<br />

wohl das Schlimmste, was<br />

einem auf einem Segelboot<br />

passieren kann. Unser Sohn Finn<br />

war von Baby an mit uns segeln.<br />

Unvergesslich: der süßlich, grausige<br />

Duft aus dem festverschlossenen<br />

Müllsack, der sich, wenn der Wind<br />

die richtige Richtung einschlug, im<br />

Cockpit bemerkbar machte. Diesen<br />

Geruch bekam ich auf unserer Weltumsegelung<br />

noch einmal in die Nase,<br />

als wir im Konvoi unseren holländischen<br />

Segelfreunden auf der Antares<br />

Richtung Jemen folgten. Ihr Sohn<br />

Marein, gerade zwei, schaffte es noch<br />

nicht aufs Töpfchen. Vorteil: Antares<br />

konnte man auch orten, wenn wegen<br />

der Piratengefahr die Positionslichter<br />

ausgeschaltet waren.<br />

Das Bordleben zeigt einem noch<br />

deutlicher vor Augen, wie viel Dreck<br />

man in seinem Leben produziert. Als<br />

Fahrtensegler ist eben der nächste<br />

Müllkübel nicht im Hof zwei Stockwerke<br />

tiefer. An Land gibt einem<br />

das tägliche Müllsackerl nicht das<br />

Gefühl, dass es gar so schwer ins Gewicht<br />

fällt. Oder? Anders beim Fahrtensegeln.<br />

Nach einer Woche sitzt<br />

meist ein riesiger Müllsack im Cockpit<br />

und stinkt. In Thailand erwischte<br />

ich einmal Müllsäcke mit Erdbeer-<br />

Kunst? Müllbaum in Premuda, Kroatien.<br />

46 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


duft. Die Mischung aus künstlichem<br />

Erdbeeraroma und Mist ist wirklich<br />

einzigartig und fördert den Brechreiz<br />

enorm, was auf einem Segelboot ja<br />

nun wirklich gar nicht sein muss.<br />

DAS EINZIGE, WAS BEIM MÜLL-<br />

PROBLEM HALF UND HILFT:<br />

WENIGER DRECK PRODUZIEREN<br />

Plastik an Bord zu nehmen wurde<br />

für uns zum absoluten No-Go.<br />

Einkaufen gingen wir ab sofort mit<br />

Stoff säcken und Körben. Trinkwasser<br />

kauften wir in wiederbefüllbaren<br />

20-Liter-Gallonen. Kartons und anderes<br />

Verpackungsmaterial wurden<br />

noch im Hafen bzw. Bucht ordnungsgemäß<br />

entsorgt.<br />

Und dann trafen wir auf Tonga unsere<br />

Surferboys. Vier junge Kanadier<br />

auf der Suche nach der perfekten<br />

Welle, allesamt Riffforscher im<br />

Auftrag ihrer Universität. Auf jeder<br />

kleinen Insel, die die Jungs anliefen,<br />

säuberten sie den Wetterstrand vom<br />

Plastikmüll, verstauten ihn an Bord<br />

und segelten damit in den nächstgrößeren<br />

Hafen – in der Hoffnung, dort<br />

auf Mülltrennung zu stoßen. Auch<br />

wir entdeckten auf den entlegensten<br />

Inseln Strände, die mit Computerbildschirmen,<br />

Fischerbojen, zerborstenen<br />

Bierkisten und Kühlboxen<br />

übersät waren.<br />

An Bord hämmerten wir sauber<br />

ausgewaschene Konservendosen<br />

flach, Papier und Plastik trennten<br />

wir in Säcken, aber es blieb uns nicht<br />

erspart, den Müll an unseren Zielorten<br />

zu entsorgen.<br />

Am einfachsten war es noch mit<br />

dem Biomüll, den warf ich ohne<br />

So einfach geht Mülltrennung.<br />

Plastic Planet.<br />

schlechtes Gewissen über Bord.<br />

Nur auf dem Atoll Suwarrow, einem<br />

National park, wurden wir vom Ranger<br />

darauf hingewiesen, in keinem<br />

Fall Fischreste über Bord zu werfen –<br />

wegen der Haie! Die waren trotzdem<br />

da, selbst wenn höchstens ein schim -<br />

m liges Gurkenscheibchen die Reling<br />

überflog!<br />

Unsere Welt ist schön –<br />

sorgen wir dafür, dass<br />

sie so bleibt.<br />

Interessant war aber auch beim<br />

Biomüll, dass an Bord fast nichts<br />

weggeworfen wurde, weil es eben begrenzt<br />

zu haben war. Voller Geiz hütete<br />

ich meine letzte Zwiebel auf der<br />

Atlantiküberquerung und schaffte es<br />

sogar, noch mit einem Viertel davon<br />

in Tobago anzukommen. Zweieinhalb<br />

Knoblauchzehen hatte ich noch<br />

nach der Neuseelandüberfahrt. Und<br />

eine halbe Limette schaffte es auf die<br />

Marchesas. Seltsame Vorstellung,<br />

wenn ich heute den Kühlschrank<br />

aufmache und die welken Frühlingszwiebeln<br />

und etwas angegatschen<br />

Tomaten entsorgen will.<br />

Zu selten denke ich hier, mitten in<br />

der Stadt, an den im Nordpazifik<br />

treibenden gigantischen Teppich aus<br />

Kunststoffabfall. Auch im Nordatlantik<br />

gibt es eine solche schwimmende<br />

Deponie, drei weitere werden in den<br />

Ozeanen der Südhalbkugel vermutet.<br />

David Rothschild, ein Abenteurer<br />

und Öko-Aktivist, wollte darauf mit<br />

seinem Plastiki-Projekt aufmerksam<br />

machen. Einem Katamaran, gebaut<br />

aus 12.000 Plastikflaschen. Er wollte<br />

ein Zeichen gegen die Verschmutzung<br />

der Weltmeere und für Recycling<br />

setzen. Gegen das qualvolle Sterben<br />

der Meerestiere, gegen die<br />

Ignoranz der zivilisierten Welt. Und<br />

was tu ich? Ich mach’ aus den angegatschten<br />

Tomaten ein Sugo und die<br />

Zwiebel schneide ich auch hinein.<br />

Vielleicht würde es etwas helfen,<br />

wenn im Hof bei den Müll tonnen<br />

ein paar Haie herumschwimmen<br />

würden?<br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 47


Der stille<br />

Ort an Bord<br />

.<br />

AUSGABE 3/2012<br />

Denke ich an meinen ersten Segeltörn<br />

als fröhlicher Teenager<br />

mit den Eltern der besten<br />

Freundin auf einer 12-Meter-Monoyacht<br />

vor der kroatischen Küste,<br />

steigt mir dieser Geruch sofort wieder<br />

in die Nase. Derselbe Geruch,<br />

den auch die Toiletten des alten<br />

Turnplatzes meines steirischen Heimatortes<br />

umwehte. Der Turnplatz<br />

war damals schon 50 Jahre alt und<br />

genauso rochen die Toiletten und<br />

genauso roch dieses Segelboot.<br />

Ich möchte damit nicht sagen, dass<br />

Turnplatz beziehungsweise Segelboot<br />

ungepflegt waren. Gar nicht. Da wie<br />

dort war alles picobello! Nur trotzdem<br />

– es roch nach Klo. Dann noch<br />

eng und heiß – und schon litt ich an<br />

den Symptomen einer häufig auftretende<br />

Chartersegler-Erkrankung.<br />

Obstipation. Verstopfung.<br />

Das kann einem den Urlaub verderben.<br />

Trauben essen, eine Zigarette,<br />

schwarzer Kaffee – nichts half, gar<br />

nichts. Nur das erlösende Klo zu<br />

Hause in Österreich.<br />

Was tröstend ist: Ich war nicht die<br />

einzige. Heute mit eigenem Boot und<br />

Klo und Familiencrew sind diese<br />

Probleme Vergangenheit. Für mich.<br />

Im Hafen sehe ich immer noch<br />

Crews direkt nach dem Anlegemanöver<br />

in alle Himmelsrichtungen ausströmen<br />

Richtung Taverne, Bar, Café.<br />

Zum Kaffeetrinken? Möglich, aber<br />

nicht nur.<br />

Zusammenzwicken, verschieben<br />

oder schwimmen gehen – das sind<br />

für viele die Tücken des Segelurlaubs.<br />

Haben Sie nicht auch schon öfters<br />

Schwimmer in stillen Buchten weit<br />

hinauskraulen sehen?<br />

Schön, denkt man sich. Wie friedlich.<br />

Doch dann machen dieselben<br />

ein Kehrtwende und man hat das<br />

Gefühl, sie würden verfolgt. Denn<br />

ängstlich blicken sie immer nach<br />

hinten, beschleunigen, schwimmen<br />

im Zickzack – so als würden sie irgendetwas<br />

abschütteln wollen, vor<br />

etwas versuchen zu entkommen, das<br />

sie hartnäckig verfolgt.<br />

KENNT MAN SICH GUT<br />

AN BORD, IST DAS ALLES<br />

HALB SO SCHLIMM<br />

Aber wehe, wenn es nicht so ist!<br />

Nach dem Frühstück muss man zusehen,<br />

als erster die Toilette zu stürmen,<br />

denn der Mini-Schlitz des Lukenfensters<br />

kann kaum der Entlüftung<br />

dienen.<br />

Worst case: Man ist nicht der Erste,<br />

sondern vielleicht sogar der Letzte.<br />

Und et voilá – Obstipation. Schon<br />

sitzt man gezwungenermaßen sogar<br />

länger als gewollt auf dem Klo, die<br />

Yachtzeitungen des Eigners bis zu<br />

den kleinsten Annoncen lesend. Als<br />

Erinnerung für den Rest des Tages<br />

den Abdruck der Klobrille am Hintern.<br />

DER STILLE ORT AN BORD<br />

Nun kommt aber zum Geruchsfaktor<br />

auch noch den Geräuschfaktor. Ein<br />

Boot ist klein. Ein Charterboot meist<br />

aus dünnem Plastik und das lässt<br />

wirklich alles durchschallen.<br />

Wie peinlich. Man kann nur hoffen,<br />

dass man seine Klositzungen an<br />

den feucht-fröhlichen Cockpitabenden<br />

vollzieht, während draußen die<br />

Beatles ertönen, dröhnen drinnen …<br />

Wie auch immer.<br />

FOTO: NOUVELLE-CALÉDONIE TOURISME POINT SUD<br />

Nach einer Umfrage meinerseits<br />

stellte sich heraus, dass die meisten<br />

weiblichen Crew-Mitglieder vor allem<br />

die Bedienung der Toilette abschreckend<br />

finden. Mädels, das kann<br />

doch nicht war sein! Da checken wir<br />

praktisch bereits alles selber, vom Ölkontrollstab<br />

bis zur Programmierung<br />

der Waschmaschine und dann das?<br />

Die Hauptangst ist – wie ich nach<br />

einigen Umfragen bestätigt fand –,<br />

dass das „Geschäft“ den engen Ausgang<br />

nicht passieren kann und man<br />

pumpt und pumpt und es tut sich gar<br />

nix und man muss dann unter größter<br />

Peinlichkeit irgendjemanden einweihen,<br />

der dann möglicherweise einen<br />

Blick auf das private Stoffwech-<br />

48 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


selprodukt werfen könnte. Abhilfe<br />

naht! Nehmt eure iPads mit aufs Klo<br />

und googelt auf YouTube „How to<br />

use a head“.<br />

Wie man seinen Kopf benützt?<br />

Nein. Im Englischen heißt das Bordklo<br />

Head. Früher, bei den großen<br />

Schiffen, war die Freilufttoilette ganz<br />

vorne neben dem Bugspriet, praktisch<br />

neben dem Kopf der Gallionsfigur<br />

am Bug. Dort, wo alles schön<br />

sauber von den Meereswogen umund<br />

abgewaschen wurde.<br />

Das mit der Freilufttoilette finde<br />

ich nun nicht wirklich so schlimm.<br />

Natürlich, im Hafen eher nicht, aber<br />

draußen auf See? Ein Kübel und die<br />

Sache hat sich! Ohne Chemie, ohne<br />

Gestank, ohne Kloputzen. Man sollte<br />

nur darauf achten, in welchem Kübel<br />

man später das Geschirr wäscht.<br />

Aber das ist auch schon alles.<br />

ELEKTRISCHE TOILETTEN<br />

Natürlich höre ich da so manche:<br />

„Was ist mit den elektrischen Toiletten?“<br />

Ein Knopfdruck und die Sache<br />

hat sich. Das sagen nur Leute, die<br />

noch nie verstopfte Bordtoiletten<br />

säubern oder elektrische Pumpen<br />

warten durften.<br />

Und ja, auch die elektrischen Toiletten<br />

stinken. Auch die neuen Kompostierklos,<br />

auch die Porto Pottis<br />

und selbst die Vakuum-Toiletten.<br />

Das teuerste Bordklo kostet übrigens<br />

10.000 Dollar und ist aus Fiber<br />

Carbon. Schaut elegant aus – solange<br />

keiner reinsch… alles klar, schon<br />

wieder das.<br />

Aber ist Ihnen denn nicht auch<br />

schon aufgefallen, dass Gespräche an<br />

Bord immer irgendwann um dieses<br />

Thema kreisen? Das hängt dann<br />

wohl damit zusammen, dass man auf<br />

dem Schiff zu sich findet und über<br />

sein Leben nachdenkt. Eng verbunden<br />

mit der Natur lebt, dem Wind,<br />

der Sonne, dem Wasser.<br />

Man öffnet sich und lässt los, außer<br />

natürlich, außer, naja man hat …<br />

Verstopfung.<br />

Sorry! Aber irgendwer muss das<br />

doch ansprechen!<br />

<br />

Stille Bucht, aber kein<br />

stilles Örtchen: Baie<br />

d’Upi, Neukaledonien.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 49


Noch Platz, Noah?<br />

Von Seehunden, Meereskatzen und anderen Bordgefährten.<br />

AUSGABE 6/2011<br />

.<br />

Schon Noah nahm einst Tiere<br />

mit an Bord seiner Arche und<br />

rettete damit die Welt. Sein<br />

Vorteil war, dass damals zum Beispiel<br />

Neuseeland auch unter Wasser war<br />

und die Einwanderungsbehörde andere<br />

Probleme hatte, als Hygienebestimmungen<br />

zu überprüfen. Diese<br />

waren nämlich der Grund dafür, dass<br />

Koka per Flugzeug nach Canada<br />

heimgeschickt wurde – von Tonga<br />

aus. Aber alles der Reihe nach.<br />

Während unseres Kroatien-Segeltörns<br />

hatten wir an einem Tag in einer<br />

Bucht vier Segelboote mit Hun-<br />

den getroffen. Warum auch nicht?<br />

Unter den Seglern dürften die Hundeliebhaber<br />

genauso zahlreich vertreten<br />

sein wie überall sonst. Warum man<br />

sich natürlich auf beengtem Raum,<br />

der meist kleiner ist als zu Hause<br />

Rumpelkammer und Badezimmer zusammen,<br />

auch noch einen Vierbeiner<br />

einquartiert – sei es auch nur für zwei<br />

Ferienwochen – ist nicht logisch zu<br />

erklären. Muss man auch nicht. Die<br />

Beziehung zwischen Mensch und Tier<br />

ist eben nicht logisch – wie auch so<br />

manch anderes Liebesgefühl. Die<br />

Tiroler neben uns paddelten fröhlich<br />

Gassi um sechs in der Früh und<br />

Karli, der Skipper, meinte, er brauche<br />

den Auslauf genauso wie seine<br />

Sissi. Außerdem entdecke er so<br />

manchen neuen Landstrich auf<br />

seinen Wanderungen mit Hund.<br />

Neben uns die Salzburger schickten<br />

ihr Hundsvieh auf das Katzenklo<br />

vorne am Bug. Burli, muss man<br />

dazu anmerken, hat Katzengröße<br />

und ist uralt. Schlecht wird ihm nie,<br />

er schläft meist. Die Italiener mit<br />

dem kaputten Dingimotor trieben<br />

an uns vorbei und ihr Hund (Giovanni?)<br />

wirkte etwas unrund, sprang<br />

50 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Schweindl in Vanuatu.<br />

Wo ist das Sackerl fürs<br />

Gackerl? San Blas-Inseln<br />

ca. zwei Meter vor dem Strand ins<br />

Wasser und kackte mitten zwischen<br />

die Sonnenanbeter am Strand.<br />

Schien niemand besonders zu stören,<br />

was mich echt wunderte, aber<br />

vielleicht bin ich einfach schon zu<br />

zivilisiert und kann gar nicht mehr<br />

ohne Sackerl fürs Kackerl.<br />

Wir hatten übrigens auch einen<br />

Hund. Jahrelang segelte er mit uns vergnügt<br />

durchs Mittelmeer. Keine besonderen<br />

Vorkommnisse. Außer vielleicht<br />

der samt Angelhacken verschlungene<br />

Köderfisch, ein Beinah-Tod durch Rattengift<br />

und ein Riesenhaufen auf einer<br />

tunesischen Kaimauer. Beim Beinah-<br />

Tod versuchten wir verzweifelt, einen<br />

Tierarzt auf einer griechischen Mini -<br />

insel zu finden. Keine Chance. Der<br />

Menschenarzt behandelte schließlich<br />

den Hund heimlich im Stiegenhaus<br />

und rettete sein Leben.<br />

Der Angelhaken wurde restlos verdaut<br />

und in Tunesien herrscht jetzt<br />

Revolution. Die Ankerlieger in der<br />

kroatischen Buch schienen mir alle<br />

sehr entspannt. Kein Wunder, hier<br />

kümmerte sich niemand um das Getier<br />

– ganz im Gegenteil zum Rest<br />

der Welt.<br />

Fragt sich, wo die Tiere auf<br />

Noahs Arche Gassi gegangen sind.<br />

TIERE AN BORD<br />

Wir trafen auf unserer Weltumsegelung<br />

so manchen Tierliebhaber.<br />

Nicht nur Hunde tummeln sich da<br />

auf Segelbooten! Katzen sind sehr<br />

beliebt – wie Koka, die dicke, weiße<br />

Perserkatze unseres Segelfreundes<br />

Ian aus Kanada.<br />

Früher, zur Zeit der Großsegler,<br />

wäre Kokas Job das Ratten- und<br />

Mäuse-fangen gewesen. Nicht so bei<br />

Ian. Hier lag sie faul über dem Niedergang<br />

unter der Sprayhood und<br />

starrte uns mit Riesenaugen an. Sie<br />

ging nie von Bord. Uninteressant.<br />

Dennoch, in Neuseeland verlangt<br />

man bei Ankunft eine geimpfte, entseuchte<br />

Katze. Ian hatte zu spät geimpft<br />

– eine Woche zu spät – in Neuseeland<br />

durften nur Katzen einreisen,<br />

die genau sechs Wochen vor Ankunft<br />

geimpft waren oder so höchst kompliziert<br />

und mühsam. Koka bekam<br />

ein Flugreiseticket und flog 1. Klasse<br />

von Tonga nach Hause. Als Ian Koka<br />

zwei Jahre später wiedersah, pisste<br />

sie ihm in die Schuhe. Dann war alles<br />

wieder ok. Tierliebe.<br />

Auch in der Karibik und in der<br />

Südsee kämpften viele Segler mit den<br />

Hygienebestimmungen, einige Hunde<br />

durften das Land nur vom Schiff<br />

aus sehen. Gassiverbot. So manches<br />

Herrl oder Frauerl schlich sich dann<br />

mit ihrem Liebling natürlich in der<br />

Nacht an Land. Die Karibik steht<br />

heute noch und die Südsee auch.<br />

Vor allem muss man dazu sagen,<br />

dass wohl die einzig geimpften Tiere<br />

auf diesen Inseln die Hunde der Segler<br />

waren. Einmal trafen wir in Panama<br />

Segler, die ein Aquarium an Bord<br />

hatten plus Goldfischen. Die Wasserhöhe<br />

so abgestimmt, dass bei Schräglage<br />

kein Malheur passierte.<br />

So mancher Fahrtensegler fand<br />

sein Tier erst auf der Strecke, wie<br />

Hugo Wehner seinen Honigbären<br />

Taugenichts. Auf dem Cover seines<br />

Buches „Tagedieb und Taugenichts“<br />

springt ihm die Bärenliebe geradezu<br />

aus dem Gesicht.<br />

Ansonsten kamen uns keine Tiere<br />

unter – außer die ungeliebten, nicht<br />

eingeladenen wie Kakerlaken und<br />

Rüsselkäfer. Dass ich Rüsselkäfer aus<br />

Sri Lanka über den Indischen Ozean<br />

durchs Rote Meer nach Italien einführte<br />

– per Lasagnepackung –, das<br />

interessierte keinen Hygiene- und<br />

Seuchenbeamten dieser Welt.<br />

Aber Noah hätte es gefreut! Auf<br />

seiner Arche fand jedes Tier Platz –<br />

egal wie grauslich! Fragt sich nur, wo<br />

die alle auf der Arche Gassi gegangen<br />

sind. Von Sackerln ist im alten Testament<br />

nichts überliefert, oder? <br />

Liebes Tagebuch …<br />

Kenutu, Nr. 30, Tonga<br />

Wal gesehen! Oder besser die exorbitant riesige Walflosse!<br />

Das Segeln hier ist herrlich, wie auf dem Neusiedler See.<br />

Ich mag dableiben. Morgen ist Kinderparty. Ronnie hat das<br />

organisiert. Alle im Kostüm! Anchorage 13!<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 51


Chill, Mama …<br />

Oder: Wespen-Alarm!<br />

AUSGABE 6/2013<br />

.<br />

Es passierte kurz nach der Kvarner in einer türkisen Ankerbucht der<br />

lieblichen Insel Mali Lošinj. Wir freuten uns, denn schon von weitem<br />

war klar – wenige Schiffe! Kein Bojenfeld! Yippiie!<br />

Der Anker war kaum gefallen,<br />

als ich schon wild um mich<br />

wedelte. Wespen! Rat des kundigen<br />

Skippers und zahlreicher allwissender<br />

Segler in internationalen<br />

Foren: Nicht schnell bewegen, ruhig<br />

bleiben. Und den Anker lichten,<br />

würde ich beifügen.<br />

Doch wir blieben, denn irgendwie<br />

hoffte ich, dass die Wespen mit der<br />

Sonne schlafen gingen. Ich tauchte<br />

ins Glitzerwasser, erfreute mich der<br />

karibisch-kroatischen Wassertemperaturen<br />

und wedelte mich trocken.<br />

Ich hasse diese Viecher!<br />

Glücklicherweise verfügen wir<br />

über zahlreiche Moskitonetze, die<br />

gut zum Einsatz gekommen waren in<br />

der Südsee, Indonesien, überall auf<br />

der Welt, wo Moskitos ihr Unwesen<br />

treiben. Wespen trafen wir übrigens<br />

nirgends auf unsere Weltumsegelung.<br />

Außer in Kroatien.<br />

„Wir gehen an Land. Hier kann<br />

man gut essen.“ Der Skipper hatte<br />

immer die besten Ideen, wobei ich<br />

mir sicher war, wir würden sofort<br />

wieder aufs Schiff flüchten nach einer<br />

desaströsen Wespeninvasion im Restaurant,<br />

die Finn mit seinem aktuellen<br />

Lieblingsfilm vergleichen würde.<br />

World War Z, Invasion der Zombies<br />

– pardon, Wespen.<br />

Auf dem Weg zum Restaurant –<br />

durch den Fahrtwind im Dingi von<br />

der akuten Gefahr befreit – überlegten<br />

wir, warum diese Insekten überhaupt<br />

existierten. Warum vor allem<br />

so viele und warum dieses Jahr und<br />

nicht letztes Jahr, da hatten wir nämlich<br />

einen der entspanntesten Abende<br />

hier verbracht. Man muss aber<br />

dazu sagen, die Ankerbucht platzte<br />

damals vor Schiffen fast aus den<br />

Nähten. „Wohl, weil es keine Wespen<br />

gab“ fügte Sohnemann Finn seemännisch<br />

hinzu.<br />

Uns wurde ein besonders schöner<br />

Tisch auf der Terrasse des Restaurants<br />

zugeteilt. Angespannt beäugte<br />

ich die Gäste rechts und links. Niemand<br />

schien von Wespen belästigt<br />

zu werden.<br />

„Chill, Mama“, beruhigte mich unser<br />

Teenager-Sohn, um kurz danach<br />

ein „Boah, grindig!“ von sich zu geben.<br />

Vor uns auf dem lieblichen<br />

Dattelbaum hingen nicht nur reife<br />

Früchte, sondern auch Plastikflaschen,<br />

die zur Hälfte mit einer bräun -<br />

lichen Flüssigkeit gefüllt waren. Die<br />

Flüssigkeit schien vom Gestrampel<br />

der sterbenden Wespen zu brodeln.<br />

Verzweifelt versuchten sie sich aus<br />

dieser Apokalypse zu befreien. Nichts<br />

da. Wespen können offensichtlich nur<br />

nach oben fliegen, der Flaschenhals,<br />

durch den sie geflogen waren, war<br />

aber in die Flasche gedrückt und so<br />

zur Falle geworden.<br />

WOZU WESPEN?<br />

Das Internet behauptet, sie fressen<br />

Moskitos und Fliegen. Also echt, jede<br />

Fliege ist mir da lieber!<br />

Bei nächster Gelegenheit googelte<br />

ich die Wespen und siehe da, in fetten<br />

Lettern sprang mir Folgendes ins<br />

Auge: „Wespen-Angriff – Segelboot<br />

versinkt“. Eine Seglerin war mit dem<br />

Schiff in die Ufer böschung gekracht,<br />

weil eine Wespe sie während des<br />

Steuerns attackierte. Hatte sie vergessen,<br />

an Deck alles zu vermeiden, was<br />

süß ist und vielleicht sogar einen Saft<br />

getrunken, vielleicht ungeschickterweise<br />

aus der Dose? Höchst gefährlich<br />

bei Wespengefahr! Die Seglerforen<br />

strotzten vor guten Tipps!<br />

Wespen mögen kein Kaffeepulver –<br />

wenn man es entzündet! Hatte es<br />

deswegen in der hübschen Bucht auf<br />

Cres gebrannt? Sie lehnen Schokolade<br />

ab. Aber nicht im Ernst?<br />

Auch Marzipan scheint ihnen unangenehm.<br />

Wer bitte nimmt aufs<br />

Segel boot Marzipan mit?<br />

Aber sie stehen unter Naturschutz<br />

– die Wespen. Nur bei akuter Gefahr<br />

solle man ein Nest entfernen, zum<br />

Beispiel in der Nähe des Kinderzimmers.<br />

Was, wenn ich eines nach dem<br />

Winterlager unter der Dingiplane<br />

entdecke?<br />

Wespen mögen<br />

keine Bora.<br />

Wir fanden am Ende des Urlaubs<br />

doch raus, was die Quälgeister nicht<br />

besonders mögen.<br />

Die Bora. Als wir wieder auf dem<br />

Rückweg in derselben Mali Lošinj-<br />

Bucht einkehrten, zeigte die Bora,<br />

was sie von Wespen hielt. 30 Knoten<br />

direkt auf die Nase. Oder hinter den<br />

Stachel. Die Tage waren windig, aber<br />

wespenfrei.<br />

Übrigens waren auch da nur wenige<br />

Segelboote vor Anker. „Wohl wegen<br />

der Bora“ meinte Seemann Finn.<br />

Da sieht man es wieder: Nichts wirkt<br />

auf Kroatien-Segler abschreckender<br />

als Wespen und viel Wind. Ich nahm<br />

mir ein Stück Marzipan und tat das<br />

einzig Richtige: Ich chillte. <br />

Quellen:<br />

è www.insidersegeln.com/Tipps/Wespen.php<br />

è skippertricks.de/crew/crewbriefing.html<br />

52 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Von großen und<br />

kleinen Fischen<br />

Spricht man über Segeln bzw. Weltumsegeln, ist das Thema Meerestiere,<br />

vor allem Haie, kaum zu vermeiden. Für manche Menschen ist nämlich die<br />

Vorstellung, im satten Meeresblau zu schwimmen, sichtbar für unsichtbare<br />

Seemonster, Riesenkraken und anderes Getier, schier unerträglich.<br />

Urlauber dieser Art buchen<br />

prinzipiell „All-inklusive“-<br />

Schwimmbecken mit Meeresblick,<br />

exklusive Haie. Urlaubsdestinationen,<br />

will man meinen, sind<br />

dann Thailand, die Malediven oder<br />

Tunesien. Aber wo! Wir sprechen<br />

vom lieblichen Kroatien!<br />

Im Internet-Forum Kroatien<br />

schreibt Herr K. besorgt, ob was an<br />

den immer wieder kursierenden Haigeschichten<br />

dran ist, denn er würde<br />

vom 7.7.–13.7. auf der Insel Rab weilen.<br />

Internetschreiber „diggerfisch“<br />

antwortet: „Ja, es gibt dort Haie,<br />

bevorzugt auf der Speisekarte!“<br />

Im breitmaschigen Internetz geistern<br />

Haivideos aus aller Herren Länder<br />

herum, mehr oder weniger grauselig<br />

oder undefinierbar. Haie aus der<br />

Mittelmeergegend sehen dabei verdächtig<br />

nach Rochen, Delfinen oder<br />

Plastiksackerln aus. Da hilft auch raffiniert<br />

eingefügte Weiße-Hai-Musik<br />

nicht. Unsere Weltumsegelungs-Haigeschichten<br />

packen wir manchmal<br />

aus, um verängstigte angehende Blauwassersegler<br />

oder Atlantikbezwinger<br />

zu beruhigen.<br />

Hai Numero Eins. Straße von Messina,<br />

blöder Gegenwind, sinnloses<br />

Aufkreuzen. Da! Ein flott gegen Wind<br />

und Strömung schwimmender Hai.<br />

Nur Rückenflosse sichtbar. Angst?<br />

Nein! Neid!!! Ich hasse Aufkreuzen,<br />

der Hai war wohl immun dagegen.<br />

Hai Numero Zwei ging mir auf die<br />

Nerven. Wir hatten mitten auf dem<br />

Atlantik diesen Riesen-Thunfisch an<br />

der Schleppangel. Letztendlich holten<br />

wir nur einen Riesen-Thunfisch-Kopf<br />

an Bord. Den Rest ließ sich wahr-<br />

scheinlich ein Riesen-/Weiß-/Hammer-<br />

oder Sichelhai – in jedem Fall<br />

ein verfressener Hai – schmecken!<br />

Hai Numero Drei knallte auf dem<br />

Atoll Tuao an das Schienbein unseres<br />

damals achtjährigen Sohnes. Er war<br />

mit wenigen Zentimetern Körperlänge<br />

ein Babyhai, der vor dem Inselhund<br />

Balu flüchtete. Balu, ein dicker<br />

Schäfersüdseemischling, liebte es,<br />

Haie im flachen Riffwasser zu jagen,<br />

so wie seine Artgenossen gerne Tennisbällen<br />

apportieren.<br />

Hai Numero Vier. Tauchen am Außenriff<br />

in Bora Bora. Türkises Wasser,<br />

auf dem Meeresgrund ein Grauhai.<br />

Meine Mutter, damals zu Besuch,<br />

meinte: „Naja, nicht besonders groß,<br />

vielleicht zwei Meter.“ Sie hatte die 15<br />

Meter Wassertiefe nicht eingerechnet.<br />

Als mein Skipper ihr dies erklärte und<br />

den Hai auf acht Meter schätze, sah<br />

mein Sohn seine Oma so schnell wie<br />

noch nie ins Dingi hechten.<br />

Hai Numero Fünf. Suwarow. Ankerplatz.<br />

Glasklares Wasser. Ich will<br />

meine morgendlichen Schwimmrunden<br />

ums Boot machen. Stehe auf der<br />

Badeleiter, hab’ so ein Gefühl, setze<br />

die Taucherbrille auf und sehe einige<br />

Blacktip Riffhaie filmreif auf dem<br />

Meeresgrund kreisen und zu mir<br />

raufschielen. Fünf Meter mindestens!<br />

Da kann mir das Internet tausendmal<br />

argumentieren, dass Riffhaie nicht<br />

mehr als zwei Meter groß werden! Ich<br />

entschied, an diesem Tag lieber am<br />

Atoll joggen zu gehen.<br />

Warum immer Haie? Ich liebe Delfine!<br />

Und sie lieben unseren Katamaran,<br />

düsen mit ungeheurem Tempo<br />

zwischen den Rümpfen durch, drehen<br />

AUSGABE 3/2014<br />

Hai Numero Zwei ging<br />

mir auf die Nerven.<br />

Wir hatten mitten auf<br />

dem Atlantik diesen<br />

Riesen-Thunfisch an der<br />

Schleppangel. Letzt -<br />

endlich holten wir nur<br />

einen Riesen-Thunfisch-<br />

Kopf an Bord.<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

.<br />

sich auf den Rücken, blinzeln mit<br />

neugierigen Augen und pfeifen noch<br />

dazu. Säugetiere wie wir, doch ohne<br />

Angst vor dem großen Hai! Kompliment!<br />

Dann die vielen Thunfische, die<br />

wir kennenlernten – roh, gedünstet,<br />

gebraten, paniert. Die güldenen Doraden<br />

– besonders willkommen mit<br />

Kokos reis, als Fischsuppe, als Sushi<br />

mit scharfem Wasabi.<br />

SCHNAPP’ DIR DEN SNAPPER<br />

Meine Favoriten sind bis heute die<br />

Kofferfische von den Los Testigos, einer<br />

Inselgruppe vor Venezuela. Sohnemann<br />

fischte vom Ankerplatz aus<br />

eines dieser süßen Geschöpfe, die ihrem<br />

Namen alle Ehre machen. Sie<br />

sehen aus wie ein Rollkoffer mit<br />

Flossen. Für Barbiepuppen wohlgemerkt.<br />

Wir schenkten ihm die Freiheit.<br />

Wenig später versammelte sich<br />

die gesamte Kofferfischfamilie um<br />

den erneut ausgeworfenen Angelhaken.<br />

Offensichtlich um sich zu bedanken.<br />

Da soll einer noch sagen, Fische<br />

sind kalte, unpersönliche Wesen!<br />

Nett waren auch eine Dorfgemeinschaft<br />

von roten Rifffischen, die uns<br />

allmorgendlich zum Tauchen begleitete.<br />

Red Snapper, lasen wir im Fische-Lexikon<br />

– und machten draus<br />

am Abend Fish and Chips. Sorry<br />

Snapper, manche Säugetiere sind eben<br />

schlimmer als Haie! <br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 53


Wer geht an<br />

die Leinen?<br />

Oder: Warum Leonardo<br />

diCaprio sterben musste.<br />

AUSGABE 4/2013<br />

Als ich kürzlich eine kleine Reise als Crewmitglied antrat, fiel<br />

es mir wie Schuppen von den Augen. Was bei mir, auf dem<br />

eigenen Boot, im Leben, ganz selbstverständlich ist, scheint<br />

so gar nicht im Wertesystem andere verankert zu sein.<br />

Seemannschaft – eine vergessenen Tugend?<br />

.<br />

Wikipedia sagt über „Seemannschaft“,<br />

dass man<br />

darunter „die Fertigkeiten<br />

versteht, die ein Seemann zur praktischen<br />

Handhabung eines Wasserfahrzeuges<br />

beherrschen muss“.<br />

Zwei Negativ-Beispiele: Wenn ich<br />

wegen überhöhtem Tempo gegen einen<br />

Eisberg knalle oder zu nahe am<br />

Ufer mit meinem Kreuzfahrschiff ein<br />

Riff ramme, nennt man das schlechte<br />

Seemannschaft.<br />

Was ist nun aber, wenn eine Crew<br />

die immense Kapazität von Außenlautsprechern<br />

am Ankerplatz testet?<br />

Jemand ganz schnell den Motorhebel<br />

auf Anschlag drückt, wenn er/sie das<br />

letzte Plätzchen an der Kaimauer erspäht?<br />

Wenn es regnet und niemand<br />

an die Leinen gehen will, weil man<br />

sonst nass werden könnte und der<br />

Kapitän das eh freiwillig macht?<br />

Oder was ist mit FKK-Ankermanövern?<br />

Oder Leuten, die mit der<br />

Badehose zum Hafenkapitän spazieren?<br />

Würden Sie in ihrer Heimatgemeinde<br />

oben ohne beim Bürgermeister<br />

antanzen? Und warum verführt<br />

manche das Schiffsleben dazu, Frauen<br />

auf die Venus und Männer auf<br />

den Mars zu schicken?<br />

Auf meinem letzen Trip drückte<br />

ich einem bekennenden Hausmann<br />

und Crewmitglied am dritten Tag<br />

charmant lächelnd das Geschirrtuch<br />

in die Hand und musste beifügen:<br />

„Jeder macht einmal die Küche.<br />

Auch auf dem Schiff!“ Und ich war<br />

nicht einmal die Kapitänin. Oder<br />

vielleicht doch?<br />

GUTE SEEMANNSCHAFT<br />

Seemannschaft war früher neben der<br />

Überlebensfrage auch eine Charakter-<br />

und Stilfrage.<br />

Im Yacht Club de Monaco gibt es<br />

eine Charta, in der wichtige Leitbegriffe<br />

verankert sind, wie zum Beispiel:<br />

Die Beachtung der nautischen<br />

Etikette; die gegenseitige Unterstützung;<br />

die beiderseitige Hilfe; würdiges<br />

Verhalten an Land und auf See;<br />

Achtung vor der Umwelt.<br />

Mhm. Das klingt alles sehr nobel,<br />

klar, aber alles ist auch auf dem<br />

stinknormalsten Charterboot mach-<br />

54 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Früher war Seemannschaft auch eine Frage des Charakters<br />

bar. Dazu braucht es kein klassisches<br />

Rigg, keine Segel aus feinstem Tuch<br />

oder blitzblank polierte Messingbeschläge.<br />

Es reicht, die Vorrangregeln neben<br />

das Steuer zu kleben, zu schauen,<br />

ob man vielleicht doch zu nahe ge -<br />

ankert hat, den Müllsack nicht in<br />

einer Bucht zu „vergessen“.<br />

Und ja – anzupacken, wenn es<br />

nötig ist. Zum Beispiel die Leinen zu<br />

nehmen und danach wieder aufzuschießen.<br />

Oder einfach das Cockpit trockenzuwischen.<br />

MIT ANPACKEN<br />

Vielleicht ächzt jemand da draußen:<br />

Meine Güte, wie altmodisch, wie<br />

langweilig, wie unentspannt. Aber<br />

hey, wer hat mehr zu erzählen? Die<br />

SonnenliegerInnen auf dem Vordeck<br />

oder die AbenteurerInnen am Steuer<br />

nach einem gelungenen Ankermanöver?<br />

Kann natürlich sein, dass es Leute<br />

gibt, die nichts erleben wollen. Aber<br />

vielleicht nur deshalb, weil sie noch<br />

nie etwas erlebt haben.<br />

Und mit Abenteuer ist nicht gemeint,<br />

mit Vollgas an anderen Seglern<br />

vorbeizudonnern, um als erstes<br />

die letze Boje zu kriegen. Sicher –<br />

man wird deswegen wohl nicht mit<br />

einem geschichtsträchtigen Untergang<br />

bestraft werden wie die Besatzung<br />

der Titanic, aber man trägt<br />

dazu bei, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft,<br />

Respekt und Verantwortung –<br />

eben Seemannschaft – zu zeigen. Ein<br />

solches Verhalten „adelt“ den Seemann<br />

und es adelt die Mannschaft.<br />

Außerdem: wäre doch schön gewesen,<br />

wenn Leonardo DiCaprio nicht<br />

wegen schlechter Seemannschaft<br />

hätte erfrieren müssen, oder? <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 55


Auf der Liste: da steht sie. Im Kopf: da formiert<br />

sie sich. Die Frau will meist nichts davon wissen<br />

und die Kinder hält man bei der Stange mit<br />

den aufregenden Piratengeschichten in diversen<br />

Pixie-Büchern. Für manche ist die Route schon<br />

klar und für die Fortgeschrittenen ist die außergewöhnliche<br />

Umrundung durch besonders unbekannte<br />

Gewässer gegen den Wind, gegen die<br />

Hurrikan-Saison, gegen alle, Pflicht.<br />

56<br />

Ich wollte nie eine Weltumsegelung<br />

machen. Mein Mann schon.<br />

Risho Maru vor Vanuatu.


Von Träumen,<br />

Schäumen und<br />

AUSGABE 5/2013<br />

.<br />

Weltumsegelungen<br />

Blöd nur, wenn die Weltumsegelung<br />

in der Karibik endet.<br />

Oder noch blöder auf den<br />

Kanaren. Oder ganz blöd in Griechenland.<br />

Vielleicht wundert mich<br />

das alles nur so, weil ich nie eine<br />

Weltumsegelung machen wollte.<br />

Mein Mann schon. Der plante unsere<br />

Reise ab seinem ersten Segelausflug<br />

mit einem Autoreifen als Boot, Paddel<br />

als Mast und Handtuch als Segel<br />

– mit sieben Jahren.<br />

Aber mein Mann sprach es nie aus,<br />

machte es nie zum einzigen Thema,<br />

Ziel, Listenpunkt. Als wir lossegelten,<br />

war die Karibik das Ziel und danach:<br />

Schau’ ma mal. Davor waren wir jahrelang<br />

im Mittelmeer gesegelt, das<br />

Schiff schon lange bereit für diesen<br />

großen Schritt.<br />

Und nun treffe ich immer öfter auf<br />

Leute, die in einem halben Jahr losfahren<br />

und noch kein Boot gefunden<br />

haben. Ehefrauen, die ängstlich an<br />

meinen Lippen hängen und hoffen<br />

zu hören, dass das alles eh gut<br />

ausgeht und eh ok. ist. Und Kinder,<br />

denen das alles wurscht ist, Hauptsache,<br />

die Eltern, Omas, Opas, Tanten<br />

streiten deswegen nicht mehr<br />

miteinander. Wegen der Weltumsegelung,<br />

meine ich.<br />

Vielleicht hat sich das so entwickelt,<br />

weil eine Weltumsegelung<br />

eigentlich heutzutage nichts Besonderes<br />

ist – wie mir ein Veranstalter<br />

einmal mitteilte. Das machen ja<br />

schon 14-Jährige, oder? Das sollte<br />

doch jeder hinkriegen! Also rauf auf<br />

die Liste, rüber über die Weltmeere<br />

und alle müssen mit.<br />

BESSER ALS IM<br />

STURM ZU HEULEN<br />

Ein guter Bekannter ist erst kürzlich<br />

von seiner Weltumsegelung, die in<br />

der Karibik endete, zurückgekommen.<br />

Das ist nichts für ihn, zu einsam.<br />

Aber er hat’s probiert und seinen<br />

Traum zumindest zum Teil<br />

gelebt. Und er hat’s allein gemacht,<br />

weil seine Frau diesen Lebensstil<br />

nicht teilen wollte. Diese Entscheidung<br />

fand ich von Frauenseite her<br />

übrigens toll. Besser als dann heulend<br />

im Sturm zu sitzen und alles<br />

und jeden zu verdammen, der sie je<br />

auf ein Schiff geschleppt hat. Nur leider<br />

– die meisten machen es so nicht.<br />

Da werden alle Leinen gekappt, auch<br />

wenn Frau/Kind/Partner/Partnerin<br />

zuvor nie segeln waren.<br />

Ich glaub’, beim Träumen von einer<br />

Weltumsegelung ist es für manche<br />

wie beim Träumen von gemeinsamen<br />

Kindern mit seinem geliebten<br />

Partner. Oh, wie romantisch, wie<br />

lieb, wie perfekt – und dann schlaf -<br />

lose Nächte, entnervte Schreiduelle,<br />

alles anders als im Babymagazin,<br />

pardon, Segelmagazin.<br />

SCHREIBT DENN KEINER,<br />

WIE DAS WIRKLICH IST?<br />

Ich schon! Hab’s in meinem Buch<br />

„Wellenzeit“ mehr als deutlich dokumentiert<br />

und dafür viel Lob von Seefrauen<br />

und Seemänner bekommen!<br />

„Meine Güte, wenn ich gewusst hätte,<br />

dass es dir auch so geht!“ Wichtigster<br />

Rat zur Ausführung einer<br />

Weltumsegelung: Partner, die nicht<br />

auf Teufel komm raus ihr Ding<br />

durchziehen wollen! Beide sollten an<br />

einem Strang oder Tau ziehen, dann<br />

lassen sich die Hochs und Tiefs<br />

(nicht nur die der Wetterkarte) gut<br />

abwettern. Eine Weltumsegelung ist<br />

kein Punkt auf der Liste der Dinge,<br />

die Mann/Frau im Leben angeblich<br />

schaffen sollte, gleich neben einem<br />

Häuschen am Land/Mont Everest-<br />

Besteigung/Tiefseetauchen im Mariannen-Graben.<br />

Eine Weltumsegelung<br />

macht man für sich selbst.<br />

So wie Simon, der unser Buch las<br />

und aus der Schweiz nach Wien flog,<br />

um mit uns essen zu gehen. Er hätte<br />

ein kleines Segelboot, er liebt das Segeln,<br />

er wird das irgendwann machen,<br />

mit seinem Sohn, aber er<br />

braucht noch Zeit. Nächster Schritt<br />

nach dem Wochenende bei uns:<br />

Simons überstellt sein 8-Meter-Segelboot<br />

vom Genfer See ins Mittelmeer.<br />

Mal sehen, wie es ihm, seiner abenteuerlustigen,<br />

aber noch nicht see -<br />

festen Freundin und dem Teenager<br />

wirklich dabei geht.<br />

Ich fand das beeindruckend. Ich<br />

denke, Simon wird einer von denen<br />

sein, die einfach mal losfahren und<br />

sagen werden: Weltumsegelung, keine<br />

Ahnung, probieren wir es mal mit<br />

der Karibik. Und außerdem: Wer<br />

braucht schon Listen? Ich nicht einmal<br />

zum Einkaufen. Fair Winds! <br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 57


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Quo vadis,<br />

Albatros?<br />

AUSGABE 1/2014<br />

.<br />

Ein Schiffsname gibt viel über die Eigner preis, über ihren Intellekt, ihre Weltoffenheit, ihren Humor.<br />

Also dann: Bumsti2. Hurricane.<br />

Carpe Diem. Alimente. Wet<br />

Dreams. OMG! Apropos: Die<br />

alten Griechen waren die ersten, die<br />

ihren Schiffen Namen gaben – Götter<br />

standen Pate: der Meeresgott Poseidon,<br />

der Gott der Winde Aiolos.<br />

Die antiken Seefahrer wollten die<br />

Chefs im Olymp gnädig stimmen<br />

und erhofften sich, so Unheil und<br />

Untergang zu ersparen. Nach der Legende<br />

ist jedes Schiff nach seinem<br />

Namen in „The Ledger of the Sea“<br />

eingetragen – dem Hauptbuch des<br />

Meeres und somit fest eingebrannt in<br />

Poseidons Gedächtnis. Bei den Römern<br />

war es genauso, Neptun ließ da<br />

auch nichts durchgehen.<br />

Bis heute hält sich der Aberglaube,<br />

dass eine Schiffsumbenennung Unglück<br />

bringe. Dieses Gerücht machte<br />

sich schon die britische Admiralität<br />

zu Nutze, um die extrem abergläubischen<br />

Piraten daran zu hindern<br />

Schiffe umzubenennen, denn so<br />

konnten gestohlene Schiffe leichter<br />

ausfindig gemacht werden.<br />

HA, DIE RISHOS KOMMEN!<br />

Was würde Poseidon eigentlich zu<br />

Schiffen mit dem Namen Boatox, Biopsea,<br />

Aquaholic, Bin Baden und<br />

Männertraum sagen? Ich denke, er<br />

hätte sich das nie träumen lassen.<br />

Und am Funk? Darüber sollte man<br />

sich wirklich Gedanken machen, will<br />

man ein Schiff benennen. … Mayday,<br />

Maday, this is sailingboat Quitschentchen<br />

calling. We are sinking … Sailingboat,<br />

sailingboat, please spell<br />

your name ... Je weiter man sich vom<br />

Mittelmeer entfernt, desto nötiger<br />

wird der Funk. Klar, im Sommer in<br />

Kroatien kann man immer noch per<br />

Handy gerettet werden, weil wahrscheinlich<br />

keiner weiß, wo die Handfunke<br />

liegt. Und die meisten Charterboote<br />

unverfängliche Namen wie<br />

Antares, Azzuro, Aquarius tragen. Ab<br />

Gibraltar gelten jedoch andere Gesetze.<br />

Zum Einklarieren, auf sich aufmerksam<br />

machen, um im schlimmsten<br />

Fall einen Notruf auszulösen,<br />

wäre ein genehmer Schiffsname nicht<br />

so übel.<br />

Wobei – ich sollte vorsichtig sein.<br />

Mit unserer Risho Maru sind wir<br />

auch nicht gerade leicht zu verstehen.<br />

Aber der Name im Funkalphabet<br />

steht bis heute über der Funke, auch<br />

wenn wir ihn inzwischen im Schlaf<br />

buchstabieren können. Beim Fahrtensegeln<br />

übrigens verschmilzt die<br />

58 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Nomen est Omen: Schiffe auf dem Neusiedler See und auf anderen Wassern in aller Welt.<br />

eigene Person mit dem Schiffsnamen!<br />

Ha, die Rishos kommen! Grüß euch,<br />

Esperanzas, habt ihr die Sabaticals gesehen?<br />

Nein, die Veras haben gestern<br />

mit ihnen gesprochen, schau, die<br />

Symis! Huhu, Afriki!<br />

Stellen Sie sich einmal vor, Sie machen<br />

eine epische Weltumsegelung<br />

und alle erinnern sich an Sie als die<br />

Seezicken, Rumpelstilzchens, WTFs,<br />

Piece of Ships?<br />

Angeblich gibt es Leute, die ihr<br />

Schiff Mayday nennen, ich finde Taifun<br />

schon etwas vermessen, weil –<br />

naja, Nomen est Omen?<br />

NAMEN, NICHT ZAHLEN<br />

Ich bin nicht sehr abergläubisch, denn<br />

Frauen an Bord bringen ja angeblich<br />

Unglück, doch unsere Weltumsegelung<br />

ging gut aus. Auch der großartige<br />

Herr Wilfried Erdmann meint, der<br />

Name sein nun mal nicht so wichtig,<br />

als ein wirklich seetüchtiges Boot zu<br />

finden. Wobei: Auch er hat seine Kathena<br />

nicht umgetauft, aber Nui drangehängt<br />

– in der polynesischen Sprache<br />

gleichbedeutend mit unerschrocken,<br />

stark –, um sich Mut für seine<br />

Reisen zu machen. Zahlen, findet er,<br />

haben hinter dem Namen nichts zu<br />

suchen – denn unser Leben ist sowieso<br />

schon von Zahlen bestimmt. Danke,<br />

Herr Erdmann!<br />

Wobei Frauennamen mit Zahlen<br />

hinten immer wieder zu finden sind.<br />

Susi 2 zum Beispiel. Piraten wiederum<br />

nannten ihre Schiffe gerne nach<br />

Frauen – wahrscheinlich, weil sie auf<br />

See selten welche zu Gesicht bekamen.<br />

Aber im Ernst: Was soll man tun,<br />

findet man wirklich sein Traumschiff<br />

und es heißt Jürgen? Es gibt im Internet<br />

einige Webseiten, die das Ritual<br />

der Umbenennung anführen. Am allerwichtigsten<br />

dabei: Alle Gegenstände,<br />

auf denen der jetzige Name des<br />

Bootes steht, müssen von Bord und<br />

einige Flaschen Wein müssen an<br />

Bord, um die Götter umzustimmen.<br />

Dazu kommen viele Ansprachen an<br />

diverse Gottheiten … und da bin ich<br />

dann ausgestiegen. Zu kompliziert<br />

und aufwändig. Ich bin froh, dass<br />

unser Schiff so heißt, wie es heißt.<br />

Risho Maru. Aus dem Japanischen<br />

und bedeutet „Das Schiff verlässt<br />

den Hafen und kehrt wieder sicher<br />

zurück“.<br />

Naja, vielleicht bin ich ja doch<br />

ein klein bisschen abergläubisch? <br />

Quellen:<br />

è www.bootsbeschrifter.de/bootsnamenschiffsnamen-yachtnamen<br />

è www.thechive.com<br />

è www.themonkeysfist.blogspot.co.at<br />

è www.wilfried-erdmann.de<br />

è www.frugal-mariner.com<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 59


Segelfrauen,<br />

Männer-Latein<br />

AUSGABE 5/2014<br />

.<br />

Roger. Treffen uns in der Marina, direkt bei der Einklarierungsmole. Können danach frei<br />

ankern, wenn der Wind nicht auflandig dreht. Vor dem Ablegen müssen wir aber noch die<br />

Bilge mit Getränkevorräten füllen! Haben Netze an der Reling, also keine Sorge wegen der<br />

Kinder! Over and out.<br />

Dies sind klare Worte für Segler,<br />

jedoch Rätsel für Chartergäste,<br />

Bordgreenhorns, Inselhüpftouristen.<br />

Ja, es gibt Mitmenschen,<br />

die über ein Regal voller<br />

nautischer Bücher und frisch gedruckter<br />

-Magazine nicht<br />

entzückt nach Luft schnappen! Gerade<br />

jetzt in der schönen Feriensegelzeit<br />

sollte besondere Rücksicht auf<br />

sie genommen werden.<br />

Wenn mich jemand danach fragt,<br />

wo sich unser Schiff gerade befindet<br />

und ich drauf sage, auf dem Trockendock<br />

in der Werft und der jemand<br />

dann meint, hey, ich bin da ganz in<br />

der Nähe, wann seid ihr dort, ich<br />

schau mal vorbei. Ja, dann ist Vorsicht<br />

geboten!<br />

Trockendock heißt, beim Pipi gehen<br />

mitten in der Nacht zur Marina-<br />

Toilette eine steile Leiter runter- und<br />

raufkraxeln zu müssen, in der heißen<br />

Koje schmachten mit (wahrscheinlich)<br />

Antifouling-Geruch in der<br />

Nase. Eine Freundin, Musikschul-<br />

Direktorin, beneidete mich kürzlich,<br />

als ich ihr erzählte, wir hätten Pfingsten<br />

auf dem Schiff in der Werft verbracht.<br />

Sie sah uns segelnd bei sanfter<br />

Brise, dann im Sonnenuntergang<br />

einen schönen Hafen anlaufend, direkt<br />

vor dem Fisch lokal über die<br />

Nacht festgemacht. Ja – so etwas gibt<br />

es natürlich!<br />

Aber wir hatten zu Pfingsten das<br />

Mittelcockpit geschliffen und den<br />

Mast gelegt, damit er sich nicht selbst<br />

zu einem sicher ungünstigen Zeit-<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

60 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


punkt legt. Die Freundin schaute<br />

mich sichtlich verwirrt an. Dachte<br />

aber wahrscheinlich insgeheim, na,<br />

so schlimm kann dieses Werftgelände<br />

nicht sein, wenn man davon derart<br />

gut gebräunt heimkommt.<br />

HEAD IST NICHT IMMER KOPF<br />

Natürlich – Relingstützen polieren<br />

kommt einem Besuch im Sonnenstudio<br />

sehr nahe. Relingstützen?<br />

Als ich mein erstes Mal auf unserer<br />

Risho Maru segelte, war ich extrem<br />

verwirrt von Ausdrücken wie aufschießen,<br />

fieren, wenden und besonders<br />

gefährlich klang auslaufen. Was würde<br />

wo wie sehr auslaufen und könnte das<br />

meine Gesundheit gefährden?<br />

Nach einem Sommer mit dem geduldigsten<br />

Kapitän von allen wusste<br />

ich, dass die „Schnürdln“ Taue heißen<br />

und hatte ohne deswegen extra<br />

die Toilette zu besuchen gelernt, was<br />

ein Bootsmannsstuhl ist. Zur Toilette<br />

fällt mir der „Pützkübel“ ein. Den<br />

Ausdruck hörte ich das erste Mal von<br />

deutschen Fahrtenseglern, die mit<br />

ihrem (randvollem) Pützkübel jeden<br />

Morgen zur Marina-Toilette gingen.<br />

Wir waren am Trockendock, eh klar!<br />

Übrigens brauchte ich lange, um zu<br />

kapieren, dass das Klo an Bord bei<br />

den Engländern als „Head“ bezeichnet<br />

wird. Warum „Kopf “ für genau<br />

das Gegenteil? Weil früher auf den<br />

alten Segelbooten das Klo ganz vorne<br />

angebracht war, über dem Wasser,<br />

um alles gleich sauber zu entsorgen.<br />

Und diese Bezeichnung gilt bis heute.<br />

Viele dieser nautischen Ausdrücke<br />

stammen aus alten Zeiten und scheinen<br />

Segelneulingen etwas altmodisch.<br />

Dabei sind sie einfach präzise und<br />

sorgen für Klarheit und Sicherheit.<br />

Es ist nun mal wesentlich klarer, wenn<br />

der Kapitän die Anweisung „Großsegel<br />

fieren“ gibt als zu beschreiben,<br />

man soll doch das Seil rechts von<br />

einem, das um diesen Metalltopf<br />

gewickelt ist, etwas locker lassen.<br />

Ein Boot im Trockendock ist kein<br />

Ort für einen Wellness-Urlaub.<br />

Klar, wenn’s gemütliches Flachwasser/Schönwetter<br />

Segeln ist, kann so<br />

eine Erklärung perfekt sein, doch<br />

wenn die Gewitterfront im Anmarsch<br />

ist, könnte es ungemütlich werden.<br />

ANKERN MITTEN IM ATALNTIK<br />

Immer wieder fragten mich Nichtsegler,<br />

wie es denn sei, mitten auf<br />

dem Atlantik zu ankern.<br />

Die Vorstellung, wie lange eine Ankerkette<br />

sein müsste, um den Ozeanboden<br />

zu erreichen, dringt in nicht<br />

nautisch geprägte Gehirne nicht ein.<br />

Das hat aber nichts mit Dummheit zu<br />

tun. Es ist doch in jedem Interessensgebiet<br />

so. Ich komme vom Theater und<br />

ein Durchlauf bedeutet nichts Medizinisches,<br />

sondern die Anweisung,<br />

einmal das Theaterstück im Ganzen<br />

durchzuspielen. Mein Sohn erzählt<br />

mir, ein gewisser Typ hat den Swag,<br />

was nicht bedeutet, dass er an einer<br />

gefährlichen Infektionskrankheit leidet,<br />

sondern einfach, dass er cool ist.<br />

Oder mein Mann greift gerne zum<br />

Ruder und meint damit nicht das alte<br />

Plastikruder in unserem Dingi, sondern<br />

seine Stratocaster E-Gitarre.<br />

Swag? Strat? Dingi? Man kann immer<br />

und überall dazulernen, oder?<br />

JETZT FUNKT‘S<br />

Und das war es, was mir schließlich unglaubliche<br />

Freude auf dem Schiff machte.<br />

Als ich plötzlich auch diese Sprache<br />

zu sprechen begann und Segel-Kataloge<br />

und -Magazine nicht verwirrend und<br />

irritierend auf mich wirkten. Und jetzt<br />

noch die Lösung des Sprachrätsels vom<br />

Beginn der Kolumne – extra für Segeleinsteiger<br />

und oceanwoman-<br />

Kolumnen-Neulinge: Alles verstanden<br />

(amerikanische Funkersprache). Ruft<br />

mich am Handy an, wenn ihr da seid,<br />

ich hol’ euch beim Eingang ab (Kurzfassung).<br />

Wenn alles passt, gehen wir<br />

heut noch Segeln (frei ankern lasse ich<br />

aus – kann man in Kroatien eh bald<br />

nicht mehr). Hoffe, ihr habt ihr die<br />

Kids bei der Oma gelassen! Ciao. <br />

Oben: Peter mit Flautenschieber (= Motor).<br />

Links: Pfingsten beim Schiff (nur auf dem Trockendock).<br />

Rechts unten: der Franzl (= unsere Windsteueranlage).<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 61


Der Kran kommt!<br />

AUSGABE 6/2015<br />

.<br />

Kürzlich kam in der Werft ein Seglerfreund vorbei und fragte, ob wir dabei sein könnten,<br />

wenn sein Schiff gekrant wird. Einfach so. Falls noch ein paar Hände benötigt würden.<br />

Zum x-ten Mal gekrant und immer noch nervös! Ziemlich typisch, finden Sie nicht?<br />

Ich erinnere mich gut, als ich das<br />

ersten Mal beim Kranen unserer<br />

Risho Maru dabei war. In Griechenland,<br />

in einer mittelgroßen<br />

Werft mit einer sehr kleinen Box, die<br />

für einen Katamaran mit einem Außenboder<br />

ohne Möglichkeit im Stand<br />

zu drehen, schnell zu klein wurde.<br />

Natürlich fegte ein starker Wind und<br />

natürlich drückte die Strömung auch<br />

noch von der Seite.<br />

Ich hatte mich nicht nur in den<br />

Skipper, sondern auch in dieses<br />

Schiff verliebt und konnte mir unmöglich<br />

vorstellen, wie unser Liebstes<br />

je an Land stehen könnte, vor<br />

allem jemals in diesem seltsamen<br />

Gefährt auf vier Rädern mit zwei<br />

Gurten hängen sollte – die mich an<br />

diverse Transporte meines Pianos<br />

in Wien erinnerten. Nur natürlich<br />

größer und viel stärker.<br />

Hoffentlich.<br />

Mein Skipper schien ruhig und<br />

konzentriert. Etwas sehr konzentriert<br />

für meinen Geschmack. Vielleicht<br />

doch nervös? Hatte er mir doch nicht<br />

alles über das Kranen erzählt? Gut<br />

nur, dass dieses erste Mal vor You<br />

Tube-Zeiten passierte. Ich hatte also<br />

keine Bilder vor mir von ins Wasser<br />

kippenden Schiffen, von Mobilkränen<br />

begraben, zerschmettert, zerhackt,<br />

auf Grund gesetzt.<br />

Immerhin schafften wir es unter<br />

Müh’ und Not in die Mini-Box.<br />

Heutzutage – das heißt seit diesem<br />

Sommer – blitzt unter unserem<br />

Schiff ein zweiter Außenborder und<br />

das Beste an diesem Ersatzmotor ist<br />

seine Fähigkeit, uns bzw. unser Schiff<br />

im Stand zu drehen und das Bauchweh<br />

vor dem Kranen um einige Prozent<br />

zu reduzieren.<br />

Damals lagen wir endlich in der<br />

Box und bevor sich mein bis zum<br />

Hals klopfendes Herz wieder beruhigen<br />

konnte, jagte mir ein Schauer<br />

62 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Wir fragten den Kranfahrer, wie oft denn der Kran gewartet<br />

wurde. Die Antwort: alle drei Monate – je nach Bedarf.<br />

über den Rücken, ausgelöst vom<br />

Lärm eines sich nähernden Gefährtes<br />

– auch Travel Lift genannt.<br />

Mein Skipper hatte mir am Vorabend,<br />

um mich zu entspannen, bei<br />

einem Gläschen griechischen Weins<br />

erzählt, dass er sein Schiff schon auf<br />

die abenteuerlichsten Arten in das<br />

und aus dem Wasser geschafft hatte.<br />

Höhepunkt war sicher in einer winzigen<br />

Marina im Ionischen Meer gewesen,<br />

mit einem Traktor, der das<br />

Schiff über eingeseifte Planken gezogen<br />

hatte.<br />

Als das Schiff wieder ins Wasser<br />

musste, wurden einfach die Kiele<br />

eingeseift und ab ging es die Rutsche<br />

runter! Auch ein Autokran war bereits<br />

zum Einsatz gekommen. Hätte<br />

der Kapitän damals eines dieser<br />

„Yacht fällt vom Kran“-Videos gekannt<br />

– lieber hätte er sein Schiff eigenhändig<br />

aus dem Wasser gezogen!<br />

GLÜCKLICH OHNE GURT<br />

Auf unserer Weltumsegelung waren<br />

uns natürlich auch einige Kranmethoden<br />

untergekommen.<br />

In Curaçao in der holländischen<br />

Karibik befand sich die Marina hinter<br />

der Ölraffinerie. Das Wasser hatte<br />

Farbe und Geruch derselben, nichtsdestotrotz<br />

erschien der Besitzer der<br />

Marina im Neoprenanzug und mit<br />

Taucherbrille und tauchte unter unserem<br />

Schiff in dieser Brühe, um es<br />

auf einer Art Anhänger richtig zu<br />

positionieren. Der wiederum wurde<br />

von einem traktorähnlichen Gefährt<br />

aus dem Wasser gezogen.<br />

In Neuseeland wurden wir auf einem<br />

hydraulischen Trailer bei strömendem<br />

Regen per Bagger aus der<br />

Box gezogen. Der Marina-Angestellte<br />

Cullum war in Ölzeug aus den<br />

1950er Jahren gekleidet und sah aus,<br />

als könne ihn nichts erschüttern.<br />

In Malaysia mussten wir glücklicherweise<br />

nicht aus dem Wasser, bewunderten<br />

aber die schönen Marinas<br />

und Werften und ein Fahrungetüm<br />

namens „Sea Lift“, das alle Yachtbesitzer<br />

glücklich machte, weil auf<br />

Gurte verzichtet wurde.<br />

Verständlich – die Geräusche, die<br />

ein Schiff von sich gibt, wenn es mit<br />

Gurten gehoben wird, sind angsteinflößend.<br />

Ein Quietschen, Knarzen<br />

und Raunzen, das selbst gestandene<br />

Seebär innen und Seebären erzittern<br />

lässt. Betrachtet man epische Kran-<br />

Desaster, sind es immer die Gurte,<br />

die versagen, oder besser die Gurtanleger,<br />

die nicht wissen, wo genau<br />

man denn so einen Gurt platzieren<br />

sollte.<br />

MACH’ DIR EIN BILD<br />

Ein durch Gurte rutschendes Schiff,<br />

ein in Gurten gefährlich schwingendes<br />

Schiff, ein von Gurten gezweiteiltes<br />

Schiff. Es gibt inzwischen an manchen<br />

Schiffen Plaketten, die darauf<br />

hinweisen, wo die Gurte liegen sollten.<br />

Eine bekannte Schiffsversicherung<br />

rät auf ihrer Website, das Schiff<br />

im Kran zu fotografieren und es dem<br />

Kranfahrer zu zeigen. Aber wer<br />

schafft schon bei all dieser Aufregung,<br />

den Fotoapparat oder das Handy<br />

nicht auf dem Schiff zu vergessen?<br />

Erstmals übrigens fragten wir diesen<br />

Sommer den Kranfahrer unserer<br />

Marina, wie oft denn der Kran gewartet<br />

wurde. Die Antwort: alle drei Monate<br />

– nach Bedarf. Nach Bedarf? Was<br />

muss denn passieren, damit Bedarf …<br />

Ach, lassen wir das Thema besser …<br />

All das wusste ich natürlich damals<br />

in Griechenland nicht. Ich hätte vor<br />

Freude springen können, als unser<br />

Schiff endlich an Land stand, fürchtete<br />

mich aber gleichzeitig vor dem ins-<br />

Wasser-Heben einige Monate später.<br />

Heute geht’s mir nicht anders, auch<br />

wenn ich inzwischen nach außen hin<br />

Contenance bewahre und seemänisch<br />

cool vor mich hinblicke.<br />

So wie die meisten Skipperinnen<br />

und Skipper – oder? <br />

<br />

Kran, Traktor, Bagger:<br />

Die Risho Maru<br />

in der Stella Marina/<br />

Italien, in der Curaçao<br />

Marina/Curaçao und in<br />

der Whangarei Marina/<br />

Neuseeland.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 63


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Im<br />

Das Schiff ist gut versorgt, neue Teile sind bestellt, alte Teile entrostet, im<br />

Schlafzimmer liegt der verzinkte Anker, im Jugendzimmerwandschrank<br />

die neuen, blaugestreiften Sitzpölster, im Abstellkammerl der reparierte<br />

Außen border. Chartersegler haben das Griechenland-/Italien-/Kroatien-/<br />

Türkei-Törn video rechtzeitig zum Allerseelenkaffee bei den Schwiegereltern<br />

präsentiert. Schön und gut. Es ist Winter. Auch für SeglerInnen.<br />

Winterlager<br />

AUSGABE 2/2015<br />

Die Segelsaison in der Karibik<br />

hat begonnen, leider<br />

haben die Online-Segelshop-Bestellungen<br />

das<br />

Konto leergeräumt und der Stille<br />

Ozean mit seinen Inselchen findet<br />

sich höchstens am stillen Örtchen<br />

mit seinen Yachtzeitungen. Nebensaison.<br />

Oder für die meisten grad<br />

gar keine Saison.<br />

Was tut ihr SeglerInnen jetzt gerade<br />

da draußen? Was ist euer Ventil?<br />

Denn einfach so abschalten, ausstecken<br />

lässt sich die Segelleidenschaft<br />

ja doch höchstens, wenn der letzte<br />

Kroatienurlaub sturmgepeitscht war.<br />

Und selbst dann denkt man dran,<br />

wie großartig die Erzählungen von<br />

der Windhose vor Dubrovnik im<br />

Freundeskreis angekommen sind.<br />

Und die Nachtfahrt bei Bora, als der<br />

Arbeitskollege über der Reling hing<br />

und versprach, sämtliche Fenstertage<br />

freiwillig zu übernehmen, wenn man<br />

nur endlich ...<br />

In meinem Seglerfreundeskreis<br />

geht man wandern oder – wenn’s<br />

Schnee gibt – auf Skitouren. Das ist<br />

sehr beliebt, vor allem weil man<br />

dann gleich das neue GPS testen<br />

kann.<br />

Manche finden sich in apfelverzierten<br />

Fachgeschäften vor flachen<br />

Narrenkasteln, die einem doch glatt<br />

64 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


ausrechnen, wie lang man von Pula<br />

nach Kuba braucht. In Seemeilen.<br />

Oder von Lignano nach Tonga.<br />

Korfu–Tahiti. Rovinj–Neuseeland.<br />

Andere wiederum surfen nicht auf<br />

der Welle, sondern im Netz. Betrachten<br />

Promotion-Videos diverser Super-Klassikyachten,<br />

moderiert von<br />

einem Segeljournalisten, der sich vor<br />

Glück nicht mehr halten kann, weil<br />

die Inneneinrichtung sogar eine<br />

Werkstatt inklusive Drehbank bietet!<br />

Gar nicht zu reden von der Badewanne<br />

mit Messinggriffen und intarsienverziertem<br />

Handtuchwärmer.<br />

Der nächste Handgriff? Der zum<br />

Lottoschein. Es muss irgendwann<br />

doch klappen!<br />

Und was dann? Dann wird natürlich<br />

dieser Katamaran aus einem<br />

französischen Atelier erstanden! Das<br />

Prachtstück stellen wir erstmal nach<br />

Portugal. Für ein halbes Jahr. Und<br />

schauen uns die Gegend an. Danach<br />

über den Atlantik nach Belize. Nein,<br />

vorher New York.<br />

Dort leben wir in Maine, natürlich<br />

auf dem Schiff, deswegen wäre die<br />

18-Meter-Ausführung genau richtig.<br />

Aha, sag’ ich, und stolpere beim Wäsche<br />

aufhängen über die Ankerkette.<br />

MODELLBOOT-AUSSTELLUNG<br />

Das Handy läutet. Dran eine enthusiastische<br />

Segelfreundin, die<br />

eine Einladung bereithält. Modellboot-Ausstellung<br />

in Weidling bei<br />

Klosterneuburg.<br />

Der Nebel zieht durch den Wienerwald,<br />

drei Weltumsegler drücken<br />

die Tür zur ortsansässigen Galerie<br />

auf und flüchten in die maritim getränkte<br />

Atmosphäre. Schiffe! Alte<br />

Segler!<br />

Santa Maria, Endeavour, Kon Tiki,<br />

wunderschöne alte Yachten, Segeltuch<br />

– viele Quadratzentimeter feinstens<br />

verarbeitet, die verschiedenen<br />

Decks vorwiegend von Männlein in<br />

Legoformat bevölkert, die stumm<br />

Befehle weiterleiten und noch stummer<br />

ausführen.<br />

Der Herr über diese Prachtstücke<br />

ist Heinz, ein stiller, etwas schüchtern<br />

wirkender Mittsechziger. Wir<br />

outen uns als Freunde von den<br />

Freunden, denen er als Tischler die<br />

Inneneinrichtung ihres Kats gezimmert<br />

hat, der vor uns am Austellungstisch<br />

als grandioses Model<br />

steht. Typisches Seglergeplauder.<br />

Und dann: „Nein. Segeln geh’ ich nie,<br />

das hat mich nie interessiert. Aber<br />

das Bauen im Miniformat schon.“<br />

Im Sommer, wenn das Bad offen ist,<br />

geht der Heinz lieber schwimmen,<br />

mit den Enkerln, aber sonst fließt<br />

alle Energie ins Bauen seiner Schiffe.<br />

Eines im Jahr oder zwei. Im Winter<br />

ist noch mehr Zeit vorhanden.<br />

„Segeln geh’ ich nie, das<br />

hat mich nie interessiert.<br />

Aber das Bauen im<br />

Miniformat schon.“<br />

„Und was ist an diesem Boot noch<br />

nicht fertig“, fragt unser Sohn, der<br />

15-jährige Weltumsegler, dabei auf<br />

einen wunderschönen Doppelmaster<br />

blickend? „Die cremefarbenen Taue<br />

müssen dringend ausgewechselt werden!<br />

Und die Ankerkette“.<br />

„Ich hätte eine im Schlafzimmer“,<br />

rutscht es mir fast heraus.<br />

Ein Segelfan, der nicht segelt und<br />

sich über Nebensaison, Winterlager<br />

und dergleichen noch nie den Kopf<br />

zerbrochen hat! Ich überlege kurz, ob<br />

das Modellbauen eine Ersatzreligion<br />

für mich wäre. Ein Blick auf die perfekte<br />

Naht des Hauptsegels einer<br />

Dschunke im Millimeterformat und<br />

schon löst sich dieser Gedanke ebenso<br />

schnell in Nichts auf wie der Novembernebel,<br />

der gerade noch über<br />

dem Wienerwald hing.<br />

Wir kehren heim, schön war’s:<br />

Schiffe, Segel und Menschen, die all<br />

das lieben, mitten in der Nebensaison.<br />

Passt doch, denke ich, als ich die<br />

Wohnungstür aufsperre und der<br />

schiffige Duft unseres Außenborders<br />

meine Nase umschmeichelt. Winterlager.<br />

Kann auch ganz schön gemütlich<br />

sein! <br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 65


Krieg gegen<br />

den Rost<br />

AUSGABE 5/2016<br />

… und andere Arbeiten am Schiff<br />

„Jetzt hast du dir aber eine Menge Arbeit gekauft“, sagt der Verkäufer der Yacht<br />

zum Käufer. Dass dem tatsächlich so ist, weiß oceanwoman nur zu gut.<br />

Schreib’ doch einmal eine Kolumne<br />

über die Reling“, sagt<br />

mein Skipper, als er mein verbissenes<br />

Gesicht beim Entrosten der<br />

Relingstützen sieht. Ein altes Schiff<br />

ist wie ein altes Haus – man muss es<br />

andauernd pflegen, hegen, streicheln,<br />

ihm gut zureden und es entflugrosten.<br />

tisch in Wien und deswegen geht<br />

Abzählen gerade nicht. Der Skipper<br />

ist mit dem Jung-Skipper segeln auf<br />

der Alten Donau und wenn ich jetzt<br />

beginne, die Schiffsfotos zu sichten,<br />

werde ich nie mit dieser Kolumne<br />

fertig. Ich denke, es sind insgesamt<br />

zwölf. So viele?<br />

Die Reling! Ich möchte sie dennoch<br />

nicht missen. Der Name Reling<br />

kommt laut Wiki pedia entweder aus<br />

dem Neuenglischen – railing –, was<br />

soviel wie Geländer heißt oder auch<br />

aus dem Niederländischen – regeling<br />

–, was mit Riegel schön übesetzt ist.<br />

Es gibt die feste Reling oder die<br />

offene Reling. Bei der festen Reling<br />

findet sich in der Erklärung auch<br />

das Wort Schanzkleid.<br />

Oje, das Schanzkleid! Das wird<br />

mein nächster Job. Unser Schiff besitzt<br />

ein niedriges, hölzernes Schanzkleid,<br />

das gerne durch Hitze und<br />

Feuchtigkeit spröde bzw. rissig wird<br />

und eingeölt werden muss. Mach’<br />

ich im Herbst, versprochen!<br />

In früheren Zeiten zogen die<br />

Schiffsschreiner die Deckswand hoch<br />

und verbauten sie mit Holz oder<br />

Leinen. Dies diente zum Schutz vor<br />

flachfliegenden Kugeln im Gefecht<br />

oder eben Wind und Wasser.<br />

Heute sieht man die „festen“ Relings<br />

(ja, das ist die korrekte Plural-<br />

ENTROSTEN!<br />

Das ist mein Job und solange dieser<br />

Lieblingsjob nicht bei 40 Grad Mittagshitze<br />

auszuführen ist, hab’ ich<br />

mich damit abgefunden und muss<br />

gestehen, sogar fast etwas Meditatives<br />

darin zu sehen.<br />

Nachdem ich gedanklich die<br />

Schiffs-To-do-Liste durch- und übergangen<br />

bin, fällt mir, während ich den<br />

Reibeschwamm wieder und wieder in<br />

die Putzpaste drücke, ein, dass ich<br />

nicht vergessen sollte, meine Steuererklärung<br />

zu machen. Dieser Gedanke<br />

verflüchtigt sich rasch, und ich lande<br />

mitten in einem Rezept für Flammkuchen,<br />

das ich für einen Brunch in zwei<br />

Wochen unbedingt ausprobieren<br />

sollte. Wäre das nicht auch ein tolles<br />

Gericht an Bord zum Sundowner?<br />

Ich bin bei der dritten. Relingsstütze,<br />

mein’ ich. Von … wie vielen eigentlich?<br />

Ich gestehe: Natürlich entsteht<br />

diese Kolumne hier am Schreibform!)<br />

bei Ausflugsschiffen, Fischerbooten,<br />

Coastguarddampfern etc. –<br />

auf Segelbooten eher selten, außer sie<br />

stammen aus dem 18. Jahrhundert.<br />

„Die offene Reling besteht aus einer<br />

Reihe von senkrecht stehenden<br />

Stützen, über denen waagrecht das<br />

Relingprofil liegt.“ Einfach gesagt:<br />

Das, was so aussieht wie ein Zaun,<br />

rund ums Schiff.<br />

WOZU EINE OFFENE RELING?<br />

Zum Beispiel zum Wäsche aufhängen.<br />

Oder Festhalten, wenn man Poseidon<br />

opfern muss. Oder einfach,<br />

um ein Gefühl von Sicherheit an<br />

Bord zu haben. Netze, die zwischen<br />

die Relingstützen gespannt werden,<br />

bedeuten Kinder an Bord. Sehr oft<br />

aber auch Katzen bzw. Hunde. Finde<br />

ich nicht sehr sinnvoll, denn zur<br />

absoluten Sicherheit müsste man<br />

das ganze Schiff damit über- und<br />

umspannen. Da wäre es dann wohl<br />

besser, den nächsten Urlaub auf dem<br />

Bauernhof zu verbringen.<br />

Übrigens nennt man zusätzlich ans<br />

hohe Schanzkleid angebrachte Netze<br />

auf Hochseeschiffen Leichenfänger.<br />

Leichen fängt man doch erst, wenn<br />

sie schon im Wasser sind, oder?<br />

Unsere Relingstützen sind genau<br />

die vorgeschriebenen 90 cm hoch,<br />

auf Ausflugsschiffen müssen sie<br />

66 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


FOTO: FOTOLIA<br />

xxxxx xxxx<br />

110 cm hoch sein. Was aber nach wie<br />

vor manch männliche Crew nicht<br />

daran hindert, darüberzupinkeln.<br />

Übrigens eine der unseemännischten<br />

Verhaltensweisen weit und breit. Ist<br />

bei uns an Bord absolut verboten.<br />

Weiters kann man an der Reling<br />

das Dingi festmachen, sich im Notfall<br />

hochziehen (meist erfolglos), und<br />

hat man einen Riesenfisch an der<br />

Angel, kann man sich mit aller Kraft<br />

dagegenlehnen. Vorausgesetzt, alle<br />

Einzelteile des Schiffszauns sind entrostet<br />

und gewartet. Und man kann<br />

Blumenkästen daran festmachen.<br />

Zuletzt gesehen auf dem Neusiedler<br />

See auf einem Schrebergartenfloß.<br />

Inzwischen putze ich Numero 10<br />

und mein Skipper unterbricht kurz<br />

das Motorservice. „Relingslogge –<br />

Ich liebe diese Arbeit –<br />

wenn sie fertig ist.<br />

das hab ich früher oft gemacht“, und<br />

verschwindet wieder im Dieselnebel.<br />

GUTE ANREGUNG!<br />

Man wirft ein kleines Hölzchen auf<br />

der Leeseite des Buges ins Wasser<br />

und misst die Zeit, die es braucht,<br />

um am Heck des Schiffes anzugelangen.<br />

Die folgende Division: Schiffslänge<br />

durch gestoppte Zeit und et voilà: die<br />

Fahrt in Knoten!<br />

Andere Division: Zeit der Entrostung<br />

durch zwölf Relingstützen ergibt<br />

bei großer Hitze Anzahl der zu<br />

trinkenden Wassergläser hoch Sommersprossen<br />

verursacht durch Sonneneinstrahlung.<br />

Ich liebe Mathematik. Und Relingstützen<br />

entrosten. Am meisten,<br />

wenn ich damit fertig bin. <br />

PS: Der Skipper sagt gerade, es sind<br />

20 Relingstützen … du meine Güte!<br />

Saubere Reling, saubere Wäsche.<br />

Immer schön schleifen …<br />

Skipperin mit Putztrupp.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 67


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

xxxx<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

Hin und wieder werde ich gefragt,<br />

ob Segeln nicht furchtbar langweilig<br />

wäre. Eine Bekannte beschwerte<br />

sich kürzlich über einen Chartertörn<br />

im Pazifik, weil es dort nichts zu tun gab.<br />

Keine Shops, keine Restaurants, keine<br />

Unterhaltung. Ich fragte, ob ihr die Atolle,<br />

Schnorchelausflüge, Sonnenuntergänge,<br />

Wolkenmalereien, Lesestunden, Inselerkundungen<br />

nicht gefallen hätten? Doch,<br />

aber für immer wäre das nichts für sie.<br />

Es sei einfach zu langweilig.<br />

Ich war etwas vor den Kopf gestoßen,<br />

denn fad war mir noch nie an Bord. Meinen<br />

Mann Peter fragte ich erst gar nicht,<br />

ihm war noch nie in seinem Leben langweilig<br />

und schon gar nicht auf seinem<br />

Wharram-Katamaran mit einigen Jährchen<br />

auf dem Buckel. Mein Sohn Finn<br />

sah mich irritiert an. „Langweilig auf dem<br />

Schiff? Nein, noch nie. Dann lese ich ein<br />

Buch oder schau’ in die Weite oder geh’<br />

ans Steuer.“ Nachsatz: „Tja, und wenn<br />

man dann irgendwo wieder einmal<br />

WLAN hat, freut man sich so richtig.“<br />

Also setzte ich mich hin und überlegte<br />

einmal, was SeglerInnen, die ich auf<br />

unserer viereinhalbjährigen Weltumsegelung<br />

kennengelernt hatte, so an Bord<br />

trieben. Bei den Männern waren die Aktivitäten<br />

klar und immer mit dem Schiff<br />

verbunden. Eine Gemeinsamkeit der<br />

Frauen: Die Männeraktivitäten gingen<br />

allen meist nach einiger Zeit auf die<br />

Nerven. Ja, ja – der Wassermacher ist ein<br />

Universum für sich und seine Pumpen<br />

ferne Galaxien. Aber deshalb drei Nachmittage<br />

lang diskutieren und beraten?<br />

Der Autopilot: Auch ich liebe einen,<br />

der funktioniert. Nur: Kann man ihn<br />

nicht einmal ein Wochenende vergessen?<br />

Warum Segeln<br />

AUSGABE 3/2015<br />

nicht langweilig ist<br />

Haben Sie schon einmal einem Harfenkonzert unter Palmen gelauscht, Bach auf<br />

Tonga genossen, Seeigelstachel als Schmuck getragen? Nein? Dann wird’s aber Zeit!<br />

68 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Vor allem, wenn man grad sicher in der<br />

Traumbucht liegt?<br />

Nicht Helmut. Ihm schenkten wir<br />

zum Geburtstag unseren alten Autopiloten.<br />

Er hat selbst einen funktionierenden<br />

und einen Ersatzpiloten, aber nichts<br />

konnte Helmut mehr erfreuen als die<br />

Aussicht auf eine langwierige, aussichtslose<br />

Reparatur. Sein Frau Ilse explodierte<br />

deshalb von Zeit zu Zeit. Als studierte<br />

Ägyptologin interessierte sie alles, was<br />

mit Geschichte zu tun hatte. Ob nun die<br />

uralten heiligen Marestätten auf Raiatea<br />

oder das Schifffahrtsmuseum in Ägypten.<br />

Aber auch die Tapa-Malereien auf<br />

Tonga im vergammeltsten Museum der<br />

Welt betrachtete sie voller Entzücken –<br />

ich an ihrer Seite nicht minder hingerissen.<br />

Bei uns zu Hause auf der Toilette<br />

hängt nun eine dieser Malereien und<br />

mehrmals täglich fühle ich mich nach<br />

Tonga zurückversetzt! Helmut hatte für<br />

so etwas selten Zeit …<br />

Architekt Michael aus Berlin wiederum<br />

hatte mehrere Computer mit Grafik-<br />

Planungsprogrammen an Bord, die ihm<br />

dazu dienten, sein perfektes Schiff zu<br />

planen. Wobei ich nichts mehr genoss<br />

als die köstlichen Sundowner auf seinem<br />

gemütlichen aktuellen Boot, zubereitet<br />

von seiner Frau Britta, die sich zum Ziel<br />

gesetzt hatte, Fische derart kreativ in<br />

Soja und Salz einzulegen, dass sie wie<br />

Tiroler Speck schmeckten. Britta war<br />

auch eine der Frauen, die über alles<br />

Technisch/Navigatorische/Nautische<br />

an Bord perfekt Bescheid wusste. Beide<br />

saßen stets am Morgen an Bord an den<br />

Mast gelehnt und tranken Schwarztee,<br />

den sie in der 100 Jahre alten Kanne<br />

von Brittas Uroma servierten.<br />

ARBEITE AN DIR SELBST!<br />

Laura aus Rhode Island mag keine Museen,<br />

es ermüdet sie, gestand sie mir<br />

einst. Anderseits ist sie Spezialistin, um<br />

perfekte Coffeeshops ausfindig zu machen,<br />

in welchem Hafen dieser Welt<br />

auch immer. Als wir völlig durchgerüttelt<br />

in Neuseeland ankamen, packte sie<br />

uns in ihr Leihauto und wir bekamen<br />

eine kulinarische Einführung zum Thema<br />

„Frühstücken in Neuseeland“. Flat<br />

white und Egg Benedict. Unvergesslich<br />

köstlich bis heute. Wenn Laura nicht das<br />

Land erforscht, spielte sie an Bord ihres<br />

Schiffes Bachmotetten auf ihrem E-Piano.<br />

Wie damals an diesem stürmischen<br />

Tag auf Tonga.<br />

Die Australierin Gail transportierte<br />

per Dingi sogar ihre Harfe auf das Atoll<br />

Suwarow und gab im Mondlicht unter<br />

Palmen „Heaven, I‘m in heaven“ zum<br />

Besten. Die ansässige Rangerfamilie und<br />

einige Segler lauschten verzückt. Der<br />

Kanadier Ian bastelte sein eigenes Kuhhandel-Kartenspiel,<br />

während er den<br />

Indischen Ozean überquerte. Lehrerin<br />

Hanne aus Dänemark unterrichtete freiwillig<br />

auf jedem Fleckchen dieser Erde –<br />

so auch unseren Sohn – in Weltreligionen.<br />

Ihr Mann Bo, Fotograf, hatte zum<br />

Thema ein Skript an Bord erstellt. Sam<br />

Menschen treffen,<br />

lesen, schreiben. Für<br />

mich ist Segeln nie<br />

langweilig.<br />

aus England kannte jede essbare Frucht<br />

auf dem Markt plus Rezept und Jack aus<br />

Neuseeland jedes essbare Getier aus dem<br />

Ozean plus Fangtechnik. Die Surferboys<br />

aus Vancouver Island hatten sich zum<br />

Ziel gesetzt, die besten Surfspots der<br />

Erde zu besuchen. Und gleichzeitig<br />

verschmutze Strände zu säubern.<br />

Und wir? Mein Mann Peter liebt jeglichen<br />

Wassersport, Inselwanderungen,<br />

Fischen und natürlich die Shipchandler<br />

auf der ganzen Welt. Meine Freude sind<br />

örtliche Märkte, die Menschen, das Lesen,<br />

das Planen eines Landausfluges und<br />

das Schreiben. Hätte ich damit nicht auf<br />

unserer Reise begonnen, gäbe es hier nix<br />

zu lesen! Segeln ist niemals langweilig.<br />

Eine befreundete Seglerin hatte zu<br />

diesem Thema eine interessante These.<br />

Sie erkannte eines Tages: Wenn etwas<br />

langweilig ist, dann sie selbst. Und so<br />

begann Ann an sich selbst zu arbeiten.<br />

Dafür ist auf einem Schiff nun wirklich<br />

viel Zeit vorhanden! Sie schenkte mir<br />

übrigens auf Samoa eine bezaubernd<br />

unstachelige Kette aus Seeigelstacheln.<br />

Schon einmal Brotfrucht Oil down gekocht?<br />

Oder Pandanus-Matten geflochten?<br />

Nein? Dann wird’s aber Zeit! <br />

Karla<br />

Schenk<br />

28.5.1932–15.2.<strong>2018</strong><br />

Wir waren auf unserer Weltumsegelung<br />

in Malaysien in der Telaga Marina angekommen,<br />

über die Stege gestrolcht und<br />

hatten den Katamaran der Schenks entdeckt.<br />

Wie spricht man solche Berühmtheiten<br />

an, ohne lästig zu wirken? Karla grinste<br />

mich an, ihre blauen Augen blitzten spitzbübisch.<br />

„Karla. So wie Karl, nur mit A“,<br />

sagte sie zu mir und streckte die Hand aus.<br />

Karl? Dass ich nicht lache – die Frau ist eine<br />

Mischung aus Meryl Streep, Piratenqueen<br />

Ann Bonny und einem Schiffsjungen!<br />

Ich hatte mir Karla größer vorgestellt.<br />

Kräftiger. Immerhin – eine Abenteurerin<br />

der Meere! Nicht nur, dass Karla den Atlantik<br />

mehrmals „übersegelt“ hatte, so hatte sie<br />

ihn auch überflogen – eigenhändig mit einem<br />

einmotorigen Flugzeugwinzling von<br />

Augsburg nach Feuerland in Argentinien.<br />

Bobby ist natürlich dabei gewesen. Anschließend<br />

ging man segeln am Kap Hoorn<br />

und flog dann gemütlich – natürlich eigenhändig<br />

– wieder über den Atlantik zurück.<br />

Das war 1989. In einem der vielen Bücher<br />

der Schenks sah ich ein Foto. Karla in Hotpants<br />

mit Riesensonnenbrille und big, big<br />

smile am Steuer der Thalassa. Die wilden<br />

Siebziger! Kein Wunder, dass Bobby dieser<br />

Frau zu Füßen gelegen ist. „Sportlich,<br />

schrill, mit Schmuck behängt wie ein<br />

Christbaum – das ist mein Stil!“ beschrieb<br />

Karla sich selbst. In der Telaga Marina in<br />

ihren letzen Segeljahren stellte sie sich gern<br />

aufs Achterschiff und pfiff durch die Finger<br />

– schon kamen die feschen Marinaboys dahergewieselt!<br />

„Alle Abenteuer wären nie<br />

passiert ohne Karla“, stellte Bobby damals<br />

klar. Sie wollte, er zog mit. Glaub’ ich sofort.<br />

Als ich Karla einige Jahre später auf einer<br />

Bootsmesse wiedertraf, tranken wir Espresso<br />

und redeten im Schatten der ausgestellten<br />

Superyachten über alles andere als<br />

Segeln. Karla liebte Storys, egal, ob wahr<br />

oder nicht. Nur gut erzählt mussten sie sein.<br />

Das was sie genauso wenig interessierte<br />

wie mich, waren schwachphilosophische<br />

Gespräche und Segelgeschwafel. Danke<br />

für die wunderbare Zeit mit dir, Karla!<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 69


xxxx<br />

Er: „Ich bin eher der Gewinnertyp“. Sie: „Ich eher<br />

die Fahrtenseglertypin.“ Damit war das Gespräch<br />

zwischen mir und einem Regattasegler eröffnet –<br />

und fast beendet. Das eine schließt das andere<br />

eben aus. Oder doch nicht?<br />

Auf die Plätze, fer<br />

Ich muss ganz ehrlich gestehen:<br />

Meine Regattaerfahrungen reduzieren<br />

sich auf eine abgebrochene Tall<br />

Ship-Regatta in Neuseeland auf dem<br />

Lastensegler Caliph unseres Freundes<br />

Antonio und eine wegen Starkwind<br />

abgesagten Clubregatta auf der Alten<br />

Donau. Beide Events verband bzw.<br />

unterschied der kulinarische Aspekt.<br />

An der Donau gab’s Würstel und Nudelsalat,<br />

in der Bay of Island Safran-<br />

Risotto und Champag ner. Antonio<br />

drehte sogar extra bei, damit auch der<br />

Steuermann gemütlich essen konnte.<br />

Womit man auch schon zusammenfassend<br />

sagen kann, was beim Regattasegeln<br />

besonderen Stellenwert hat:<br />

das gemeinsame Feiern nach dem<br />

Rennen!<br />

Bevor unser Gespräch völlig versickerte,<br />

merkte der Regattasegler<br />

noch an, das besonders Witzige am<br />

Regattasegeln sei: Am Abend machen<br />

alle gemeinsam Party, am<br />

nächsten Morgen sind alle Feinde.<br />

Klingt nach großem Spaß, finde ich.<br />

STREIT UM DIE HERRSCHAFT<br />

Das Wort Regatta schien erstmals in<br />

Venedig auf. Im Zuge eines Armbrusttrainings<br />

der adeligen Herren der<br />

Stadt hingen irgendwann im 13. Jahrhundert<br />

deren rudernde Chauffeure<br />

fadisiert in den Gondeln und beschlossen<br />

spontan, sich zu matchen.<br />

So wie ich die Italiener einschätze,<br />

war auch schon damals die Kulinarik<br />

nicht zweitrangig. Aus dem Venezianischen<br />

frei übersetzt, heißt „regata“<br />

soviel wie „Streit um die Herrschaft“.<br />

Im Duden steht zweifach erklärend:<br />

1. (Sport), auf einer markierten<br />

Strecke ausgetragene Wettfahrt<br />

für Boote.<br />

70 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


AUSGABE 5/2015<br />

tig, los!<br />

2. (Textil), schmal gestreifter Stoff<br />

aus Baumwolle oder Zellwolle.<br />

Egal, ob in Baumwollstoff oder<br />

kratzigerem Material gekleidet: Zu<br />

Beginn wurde bei Regatten nur gerudert.<br />

Die Engländer brauchten ein<br />

bisschen länger, um Spaß am Wettkampf<br />

zu finden. Im 16. Jahrhundert<br />

wurde es den Fährschiffern auf der<br />

Themse langweilig, vielleicht wurden<br />

sie aber auch von ungeduldigen Passagieren<br />

dazu angefeuert, schneller<br />

zu sein als die anderen.<br />

Jedenfalls wurde 1715 mit Dogget‘s<br />

Coat and Badge das erste und bis heute<br />

älteste Wettrudern der Welt organisiert.<br />

Dogget war ein irischer Theaterkomödiant,<br />

der angeblich von einem<br />

Fährmann aus dem Wasser gerettet<br />

wurde. Auch hatte er eine weite<br />

Strecke zwischen seinem Wohnort<br />

und dem Theater zu bewältigen und<br />

was gibt es Peinlicheres, als zu spät ins<br />

Theater zu kommen – vor allem als<br />

Hauptdarsteller! Ein Grund mehr, die<br />

Fährmänner mit einer Rennparty bei<br />

Laune zu halten.<br />

Zur selben Zeit gab es in den Niederlanden<br />

die erste Yacht regatta zwischen<br />

zwei königlichen Schiffen Kathrine<br />

und Anne. Eines wurde vom<br />

englischen König Charles, dem Zweiten<br />

gesteuert. Der König verlor das<br />

Rennen blöderweise – dies war aber<br />

offensichtlich kein Grund, die Wettfahrt<br />

für immer abzusagen. Viele Regatten<br />

und 100 Jahre später gab‘s den<br />

ersten America‘s Cup!<br />

Bis heute gibt es dafür keine festgelegten<br />

Regeln, vielmehr bestimmt der<br />

Herausforderer die Regeln. 132 Jahre<br />

lang waren die Engländer die Herausforderer,<br />

dann übernahmen die Amerikaner<br />

die Führung, wenige Male<br />

unterbrochen von Schweizern und<br />

Neuseeländern. Eine einzige Regel<br />

ist in Schiffsplanken gemeißelt: Man<br />

braucht verdammt viel Geld, um dort<br />

überhaupt an den Start zu kommen.<br />

Das wiederum unterscheidet sich<br />

sehr vom Fahrtensegeln. Da kann jeder<br />

mitmachen, der Träume und<br />

handwerkliches Geschick beweist.<br />

Und selbst wenn ihm beides fehlt, ist<br />

er willkommen oder macht es trotzdem.<br />

Natürlich ist ein Schiff Voraussetzung<br />

– keine Frage –, aber wie dieses<br />

aussieht, ist mehr als indviduell!<br />

Bei Regatten sind solche Details<br />

festgelegt: Laser-Boote, Optimisten,<br />

Klassiker, Katamarane – whatever!<br />

Das gemeinsame Ziel für alle, allein<br />

im Ziel anzukommen!<br />

Beim Fahrtensegeln ist der Weg<br />

das Ziel und das Ziel meist bis auf<br />

einige Infos aus dem Hafenhandbuch<br />

unbekannt. Man braucht keine orange<br />

Boje, um zu wissen, dass man auf<br />

dem richtigen Kurs ist!<br />

Wobei – ganz unkompetitiv ist<br />

Fahrtensegeln natürlich auch nicht.<br />

Ich erinnere mich mit Vergnügen, als<br />

wir uns mit unseren amerikanischen<br />

Segelfreunden von der Sabbatical<br />

Three auf dem Weg nach Tonga<br />

matchten. Am-Wind-Kurs, die Amel<br />

46 Fuß legte sich ins Zeug und wir<br />

mit Katamaran kämpften vor uns<br />

hin. Dann in den frühen Morgenstunden<br />

Winddrehung achterlich,<br />

unsere Risho Maru flog dahin wie<br />

der magische Teppich und unsere<br />

rollenden Freunde winkten uns mit<br />

grünlichen Gesichtern nach. Angekommen<br />

sind wir alle und auch die<br />

anderen Stahl/Holz/Alu/Plastik-Gefährte<br />

in allen Größen und Designs.<br />

A VOYAGE FOR MADMEN<br />

Natürlich bleibt man vor dem Bildschirm<br />

hängen, wenn diverse Rennspinnen<br />

oder klassische Onedin-Linien-Vertreter<br />

über das Wasser jagen<br />

bzw. majestätisch schweben im Rahmen<br />

von Veranstaltungen, die gern<br />

nach Automarken, Uhrdesignern,<br />

berühmten Städten wie Hobart,<br />

Newport, Barcelona oder nach<br />

Schriftstellern benannt werden.<br />

Jule Verne zum Beispiel ist Namensvetter<br />

einer Regatta, die als einzige<br />

Regel hat, dass eine bestimmte<br />

Strecke unter 80 Tagen zu bewältigen<br />

sei. Oder man ist verrückt genug,<br />

macht bei einer Round the World<br />

Regatta mit und segelt dann statt ins<br />

Ziel einfach weiter – so wie Bernhard<br />

Moitessier.<br />

Diese legendäre „Voyage for Madmen“<br />

beendete nur einer von neun<br />

Seglern, nämlich der berühmte Sir<br />

Robin Knox-Johnson. Einer gab nach<br />

dem Kap Hoorn auf, ein anderer sank<br />

und einer names Crowhurst nahm<br />

sich das Leben, nachdem er ziemlich<br />

lange sein Logbuch gefaked hatte.<br />

Moitessier segelte lieber weiter in<br />

die Südsee mit der Begründung „Weil<br />

ich auf dem Ozean glücklich bin und<br />

vielleicht so meine Seele rette.“<br />

Möglich ist natürlich auch, dass<br />

man im Rahmen einer Regatta mit<br />

seiner dollarhoch gesponserten Superyacht<br />

einfach ein ziemlich großes<br />

Riff übersieht und gezwungenermaßen<br />

aufhören muss. Das sind dann<br />

die Geschichten, die sich die Fahrtensegler<br />

beim gemütlichen Zusammensitzen<br />

am Lagerfeuer am Strand<br />

erzählen. Einzige Regel beim Fahrtenseglen?<br />

Gut ankommen. In diesem<br />

Sinne: Fair Winds! <br />

Quelle: A voyage for Madmen<br />

Peter Nicols (2002)<br />

è www.britannica.com<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 71


Abendrot ist<br />

Seglers …<br />

AUSGABE 6/2016<br />

Und wieder einer dieser Sonnenuntergänge, die wohl nirgendwo sonst so herrlich zu<br />

betrachten sind wie vom Cockpit einer Segelyacht aus. Man genießt das Leben an Bord<br />

und den Sundowner in der Hand, lässt den Blick über die Bucht schweifen zu den<br />

sanften Hügeln der Insel vis-à-vis, zum Horizont – Farbenspiele!<br />

Und dann die beunruhigte<br />

Stimme der Skipperin:<br />

„Der Sonnenuntergang ist<br />

aber sehr rot. Gibt es da nicht diesen<br />

Spruch: ,Abendrot ist Seemanns Not‘<br />

– oder so ähnlich?“<br />

Auf der sich sanft in der Abendbrise<br />

wiegenden Segelyacht entfacht<br />

sich eine Diskussion, die erst enden<br />

soll, als sich die Dämmerung wie ein<br />

dunkelblaues Tuch über die Bucht<br />

gelegt hat. Und das allwissende Netz<br />

befragt wurde.<br />

„Abendrot und Morgenhell sind<br />

ein guter Wettergesell“, steht da zumindest<br />

im Bauernkalender und<br />

schließlich international: „Red sky<br />

at night, sailors delight.“ Red sky in<br />

the morning, sailor’s warning.<br />

Uff! Entspannt lehnt sich die Skipperin<br />

zurück und betrachtet die hell<br />

blitzenden Sterne am Himmelszelt.<br />

„Bei rotem Mond und hellen Sterne’<br />

sind Gewitter gar nicht ferne.“ Das<br />

neue Crew-Mitglied aus der Steiermark,<br />

erstmals per Schiff on Tour,<br />

hat nun mit dieser Weisheit aus dem<br />

Munde seines bäuerlichen Großvaters<br />

aus St. Stefan ob Stainz auch<br />

seine Wortspende zum nächtlichen<br />

Thema abgegeben.<br />

BLICK NACH OBEN<br />

Sind sie hell, die leuchtenden Sterne<br />

über uns? „Es gibt keinen Mond!“,<br />

streut der hungrige Teenager beiläufig<br />

ein und beginnt, das Dingi für<br />

den Aufbruch zum Strand-Restaurant<br />

klar zu machen.<br />

Kein Mond? Bringt Neumond nicht<br />

Schlechtwetter? „Neumond mit<br />

Wind ist zu Regen oder Schnee gesinnt“<br />

– das WLAN der Konoba<br />

funktioniert bestens an Bord. Zwar<br />

streicht gerade ein sanfter Windhauch<br />

über die kroatische Bucht, eines<br />

ist dennoch sicher: Mit Schnee<br />

ist nicht zu rechnen. Wobei ich mich<br />

gerade mit Schrecken an einen gar<br />

nicht lange zurückliegenden Sommer<br />

an Bord er innere: Ich verzehrte mich<br />

damals geradezu nach meinem Neuseeland-Fleecepullover.<br />

Du meine<br />

Güte, die Wolken formationen dieses<br />

Sommers hätten ganze Fotobände<br />

gefüllt!<br />

APROPOS WOLKEN<br />

Welche Wolken hatten wir denn heute,<br />

als wir die etwas stürmische Kvarner<br />

bezwangen? „Keine Wolken“,<br />

brummelt der Skipper und sucht<br />

seine Zigarillos im Schwalbennest.<br />

Keine Wolken? Autsch, das klingt gefährlich<br />

– so kann man ja überhaupt<br />

nichts voraussagen! „WeatherOnline<br />

spricht von einem stabilen Hoch“,<br />

ruft der Skipper aus der Kombüse auf<br />

der Suche nach einem Feuerzeug.<br />

„Wetter-Apps! Dass ich nicht lache!<br />

Sitzen die mit uns in einem Boot?“,<br />

denkt die nervöse Skipperin und erinnert<br />

die Mannschaft daran, dass<br />

irgendwann nach dem Einlaufen am<br />

Nachmittag am Himmel Cirren zu<br />

sehen waren.<br />

„Marestails and mackerel scales<br />

make tall ships carry low sails.“<br />

Unser steirisches Crew-Mitglied ist<br />

bereits eingetaucht in eine mit vielen<br />

Seglersprüchen gespickte britische<br />

Website. Wie bitte? Marestail heißt<br />

übersetzt Zinnkraut – und das hat in<br />

seiner Form eine Ähnlichkeit mit<br />

den Cirren. Die berühmten Cirrocumulus-Wolken<br />

ähneln hingegen den<br />

Schuppen der gemeinen Makrele.<br />

Da erhebt der Skipper seine Stimme:<br />

„Nun bleibt aber die Frage, ob diese<br />

Cirren am Nachmittag von SW nach<br />

NW gezogen sind? Das könnte<br />

Schlechtwetter ankündigen …“ „Oh<br />

nein!“, werfe ich ein. „… aber erst in<br />

zwei Tagen und nur, wenn sie sich<br />

verdichten“, ergänzt der Skipper und<br />

lächelt ganz fein.<br />

Kommt der Regen vor<br />

dem Wind, nimm die<br />

Segel weg geschwind.<br />

72 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Verdichtet haben sie sich nicht,<br />

der Sonnenuntergang war makellos.<br />

Aber rot. Ein sanfter Wind weht der<br />

Skipperin eine Locke ins Gesicht.<br />

Aus West, Ost, Nord oder Süd?<br />

„Landwind, es riecht nach gegrillten<br />

Calamares – ich hab’ Hunger“,<br />

ruft der 16-jährige Junior aus dem<br />

startklaren Dingi.<br />

Es riecht nach Fisch. Das hatten<br />

wir doch damals auch in der Megaflaute<br />

auf dem Atlantik, oder? Folgte<br />

dann nicht eine ausgewachsene Regenfront?<br />

„Kommt der Regen vor<br />

dem Wind, nimm die Segel weg geschwind.<br />

Kommt der Wind vor dem<br />

Regen, wirst bald Vollzeug setzen<br />

mögen.“<br />

„Der Spruch stimmt immer“,<br />

meint der Skipper und zieht genüsslich<br />

an seinem Zigarillo.<br />

Der Rauch zwirbelt sich senkrecht<br />

in die Höhe. „Steigt der Rauch ganz<br />

gerade in die Höh‘n, bleibt das Wetter<br />

lange schön“.<br />

„Bauernkalendersprüche sind beruhigender<br />

als jede Wetter-App!“,<br />

denkt sich die Skipperin, gönnt sich<br />

noch einen letzten Rundblick auf den<br />

klaren Abendhimmel und macht sich<br />

klar fürs Dingi. „Aber Vorsicht beim<br />

Anlegen am Steg“, ermahnt das steirische<br />

Crew-Mitglied und ergänzt:<br />

„Ist der Steg gespalten, hat der Skipper<br />

sich verschalten!“<br />

Gemächlich tuckern wir Richtung<br />

Konoba, hinter uns die immer kleiner<br />

werdende Segelyacht, deren Mast<br />

nach den Sternen zu greifen scheint.<br />

Gut so, denn: „Scheint die Sonne auf<br />

das Schwert, macht der Skipper was<br />

verkehrt!“<br />

<br />

„Bauernkalendersprüche sind<br />

beruhigender als jede Wetter-App“,<br />

denkt sich die Skipperin.<br />

„Abendrot und Morgenhell<br />

sind ein guter<br />

Wettergesell“, steht<br />

zumindest im Bauern -<br />

kalender.<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 73


FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

xxxx<br />

(Lese)Ratten an Bord!<br />

Diesen Sommer waren es fünf in vier Wochen. Vorigen Sommer nur<br />

zwei in zehn Tagen. Auf der Weltumsegelung waren es zwei pro Woche.<br />

AUSGABE 1/2017<br />

Bei der Durchquerung des<br />

Mittelmeeres war man noch<br />

gut versorgt – der Kapitän<br />

zog zwar die Augenbrauen<br />

hoch, als auch die Vorschiffkoje um<br />

ein weiteres Regal zu bereichern war,<br />

aber die Seefrau an Bord hatte<br />

Durchsetzungsvermögen. Ab Gibraltar<br />

wurden die Bestände etwas mager,<br />

die deutschen Kolonien auf den<br />

Kanarischen Inseln hatten jedoch einige<br />

feine Shops mit erlesener Auswahl<br />

zu bieten. Ab der Karibik waren<br />

wir mit unseren deutschsprachigen<br />

Büchern am Ende.<br />

Nein, hier ist nicht die Rede von<br />

Törnplanungs-Ratgebern, Hafen-<br />

Handbüchern, Motorwartungs-Lektüre,<br />

Yachtelektronik-Fachbuch oder<br />

Literatur über Bootsbau und Refit<br />

von Segelbooten und Segelyachten.<br />

Es sind Bücher von Moitessier,<br />

Gebhard, Schenk, Slocum etc., die<br />

bei uns in der Navigationsecke stehen.<br />

„Medizin an Bord“, „Where there<br />

is no Doctor“ und „Die Proviant -<br />

fibel“ verstauben in zweiter Reihe,<br />

müssen aber einfach vorhanden sein.<br />

SCHWIERIG IN DER KARIBIK<br />

Erwähnte Sach- bzw. Pflichtliteratur<br />

wird ja meist schon in frühen Jugendtagen<br />

voller Abenteuerlust und<br />

Vorfreude auf Segelreisen verschlungen.<br />

Sie eignen sich aber auch hervorragend<br />

zur Überbrückung des<br />

graukalten Winters an Land. Hier ist<br />

jedoch von den tatsächlich an Bord<br />

gelesenen Büchern die Rede. Zwischen<br />

Kroatien, Griechenland und<br />

der Türkei beispielsweise. Nicht<br />

wenige auch auf Menorca, Mallorca<br />

oder Ibiza. Sommersegler präferieren<br />

Bestseller, Sommerhits oder Bücher,<br />

die nicht gerade zum Nachdenken<br />

animieren, sondern einfach verschlungen<br />

werden wie eine Handvoll<br />

Chips beim Sundowner.<br />

Blauwassersegler legen sich in der<br />

Regel ein ansehnliches Repertoire<br />

ausgewählter Bücher zu, bevor sie die<br />

Leinen lösen. Bücher, die sie immer<br />

schon einmal lesen wollten. Wälzer<br />

über Geschichte, Naturwissenschaft,<br />

74 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Jetzt habe ich einen E-Reader und<br />

verstehe, warum Segelfreundin Laura<br />

die ganze Zeit so davon schwärmte.<br />

Spannend entspannend:<br />

Liegen und Lesen an<br />

Bord der Risho Maru.<br />

Astronomie, Weltliteratur. Zur Auflockerung<br />

gibt’s zwischendurch spannende<br />

Fälle diverser Kommissare aus<br />

der Provence, Italien, Wales oder<br />

Schweden, die die Crew auf Nachtwache<br />

begleiten wie gute Freunde.<br />

Schwierig wird es wie schon gesagt<br />

in der Karibik, wenn man am Ende<br />

der Atlantiküberquerung sogar das<br />

Impressum der auf Lanzarote erstandenen<br />

„Zeit“ ganz genau studiert hat<br />

und auch den Wortlaut so mancher<br />

Traueranzeige wortgenau wiedergeben<br />

kann. Der englischen Sprache<br />

mächtig zu sein macht dann nicht<br />

nur Sinn, um sich mit anderen Leuten<br />

und Mitseglern in der Welt da<br />

draußen zu verständigen, sondern<br />

bereitet auch Freude, wenn man das<br />

„Book Swap“-Regal in so mancher<br />

Marina oder Seglerbar entdeckt.<br />

Dort hinterlassen Segler aller Nationen<br />

ihre gelesenen Bücher und nehmen<br />

sich im Austausch andere mit.<br />

Bei einer Weltumsegelung gelangt<br />

durch diesen regen Austausch einiges<br />

an Literatur an Bord, die man zu<br />

Hause eher links liegen gelassen hätte.<br />

Zum Beispiel die Geschichte der<br />

bodenständigen Giorgia, die sich im<br />

Jahre 1830 in einen guten Samariter<br />

verliebt, der unter Amnesie leidet<br />

und sich letztendlich als Landgraf<br />

entpuppt. Fünf Bände. Wunderschön!<br />

Vor allem, wenn man noch<br />

ein Monat warten muss, bis Besuch<br />

von zu Hause mit frischer Lektüre im<br />

Gepäck ankommt. Die „Mini Libreria“<br />

im kolumbianischen Cartagena<br />

fasst vier englischsprachige Bücher.<br />

Alle von Garcia Marquez, alle schon<br />

dreimal gelesen – denn Literatur einheimischer<br />

Autoren hat höchste Anziehungskraft.<br />

LIES, WO DU BIST<br />

Aber auch Bücher mit Schauplätzen,<br />

die man gerade durchsegelt – wie<br />

zum Beispiel die spannende Geschichte<br />

des Panamakanals in „The<br />

Path between the Seas“ von David<br />

McCullough. In einem Bookstore auf<br />

der Antilleninsel Bequia entdeckte<br />

ich V.S. Naipaul, den Literatur-Nobelpreisträger<br />

aus Trinidad, dessen<br />

Buch „A House for Mr. Biswas“<br />

weltberühmt wurde. In der Südsee<br />

schenkte mir ein Segler Kopien des<br />

Buches „An Island for myself “ von<br />

Tom Neal, dem verrückten Neuseeländer,<br />

der mehrere Jahre auf dem<br />

Atoll Suwarow lebte und sich mit einer<br />

Salzwasserente anfreundete. Was<br />

für ein Erlebnis, letztlich selbst in<br />

seinem Haus auf Suwarow zu stehen<br />

und sein Leben zu rekapitulieren.<br />

In Penang in Malaysien kaufte ich<br />

mir einige Kochbücher voller ungewöhnlicher<br />

Gerichte, die ich nie<br />

nachkochen werde, weil die Hälfte<br />

der Ingredienzien sonst nirgendwo<br />

auf der Welt zu kriegen ist. Auf Bali<br />

kam ich natürlich nicht an „Eat, Pray,<br />

Love“ von Elisabeth Gilbert vorbei.<br />

Auf dem Indischen Ozean las ich<br />

sämtliche damals erhältliche Dan<br />

Brown-Thriller. Dies lenkte von<br />

den unruhigen Gewässern vor dem<br />

Jemen etwas ab.<br />

Im Suezkanal zerstörte der grässliche<br />

Nordwind „Das große Praxisbuch<br />

der Traumdeutung“ von Klausbernd<br />

Vollmar, weil es leider unter<br />

einer schlecht verschlossenen Luke<br />

lag. Die Seiten zum Thema „Schulträume“<br />

kleben bis heute salzsauer ineinander.<br />

In der Setur Finike Marina<br />

in der Türkei durchforstete ich verzweifelt<br />

die kleine Bibliothek und<br />

vertiefte mich in eine Reihe von Romantic<br />

Novels einer auf dem Cover<br />

ausgewiesenen amerikanischen Bestsellerautorin,<br />

von der ich noch nie<br />

etwas gehört oder gelesen hatte.<br />

Durch die Ägäis begleitete mich Paul<br />

Theroux’s „In den Gestaden des Mittelmeers“,<br />

ab Kroatien kauften wir<br />

uns das Spiegel-Magazin.<br />

Heutzutage schlafe ich zu Hause im<br />

Alltagsleben nach zwei Seiten ein –<br />

egal wie toll, aufwühlend, spannend<br />

das Buch ist. Im Sommer auf dem<br />

Schiff habe ich seit letztem Jahr einen<br />

E-Reader und verstehe jetzt, warum<br />

unsere Segelfreundin Laura die ganze<br />

Zeit so davon schwärmte. Wie<br />

herrlich, zwischen 800 Büchern wählen<br />

zu können! Jaja, ich weiß schon:<br />

Nichts ist schöner als ein richtiges<br />

Buch zwischen den Fingern zu spüren.<br />

Aber keine Nachtwache mehr<br />

mit drückender Stirnlampe auf dem<br />

Kopf hat auch seinen Reiz – selbst<br />

die Lesebrille kann ich getrost im<br />

Schwalbennest belassen!<br />

Und Bücher, die in gedruckter<br />

Form längst vergriffen sind, werden<br />

Leseratten auf diesem digitalen Weg<br />

wieder zugänglich gemacht. So auch<br />

unser Buch „Wellenzeit – Drei segeln<br />

um die Welt“. Wobei ich mit nicht<br />

wenig Stolz sagen muss, dass unser<br />

Buch von einer deutschen Seglerin<br />

auf einem österreichischen Boot in<br />

Australien im Bücherregal gesichtet<br />

wurde – und dieses gedruckte Exemplar<br />

trotz aller Bitten nicht verborgt<br />

wurde. <br />

<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 75


See in Rot-<br />

„Treffen sich vier Yachten aus vier Bundesländern in einer abgelegenen Südsee -<br />

bucht …“ – ein Witz, möchte man meinen. Ist aber eine typisch österreichische<br />

Geschichte nach einer wahren Begebenheit auf einer Insel im Südpazifik.<br />

Der Horizont erstrahlt an<br />

diesem Abend fernab der<br />

Heimat in orange-gelb-türkiser<br />

Südseepracht. Eine Ankerbucht<br />

auf Nuku Hiva. Pazifischer Traum.<br />

Schwarzer Sand. Grüne Berge.<br />

Und dann Rot-Weiß-Rot. Österreicher<br />

laufen ein. Ein ungewohntes<br />

„Griaß enk!“ schallt von der Yacht<br />

Schatzi, als sie unseren Katamaran<br />

passiert.<br />

Unsere amerikanischen Segelfreunde,<br />

die genüsslich den Sundowner<br />

mit uns teilen, staunen nicht<br />

schlecht. Diese Austrians … Haben<br />

keinen Ozean zur Verfügung, sind<br />

aber wirklich überall auf den Weltmeeren<br />

anzutreffen! Vier Yachten<br />

aus vier Bundesländern in einer abgelegen<br />

Südseebucht. „Tyrol? The<br />

country of skiing and mountains?“<br />

„Yes“, antworte ich, und der Anker<br />

der Tiroler fällt klatschend vor<br />

uns ins Wasser.<br />

Nun springt der Außenborder<br />

der Wiener von links hinten an.<br />

Burli, der echte Wiener Dachshund,<br />

wird Gassi geführt mit kurzem<br />

Stopp bei den Neuankömmlingen.<br />

„Servus!“, ruft der Wiener<br />

Skipper Schurli. „Isch des bärig!“,<br />

antwortet der Tiroler. „Mei, schian!<br />

Ihr seid’s då!“<br />

Man kennt sich auf den Welt -<br />

meeren. Zumindest unter Öster -<br />

reichern ist das recht auffällig. Der<br />

Hang zum Schrebergarten wahrscheinlich.<br />

„Wuits auf a Bier rüberkommen?“,<br />

schallt es quer über die Bucht<br />

von links vorne. Steirischer Riesen-<br />

Katamaran. Skipper Ronnie unterwegs<br />

mit drei Ehepaaren aus Graz,<br />

die heute im Luxus-Ressort ein<br />

Candle-Light-Dinner verzehren.<br />

Risho Maru – irgendwo<br />

im Paradies auf Erden.<br />

76 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


Weiß-Rot<br />

AUSGABE 2/2017<br />

DIE EX? A BLEDE FUNZEN!<br />

Ronnie – übrigens aus Bruck an der<br />

Mur – hat sich gestern bei uns ausgeweint.<br />

Viel lieber würde er die<br />

Welt alleine umsegeln, aber leider:<br />

Seit der Scheidung von seiner segelunwilligen<br />

Ehefrau muss er sich erst<br />

ein neues Schiff verdienen. „Blede<br />

Funzen.“ Unsere Berliner Segelfreunde<br />

von der Vera, die auch bei<br />

uns im Cockpit sitzen, verstehen<br />

kein Wort und denken kurz, der<br />

Typ spräche Fidschianisch.<br />

Alle freuen wir uns über die Ankunft<br />

der Burgenländer Gerhard<br />

FOTO: SHUTTERSTOCK<br />

und Veronika zwei Tage später. Sie<br />

segeln im Konvoi mit Holländern,<br />

deren Motor den Geist aufgegeben<br />

hat. Der steirische Skipper hat die<br />

passenden Ersatzteile en masse an<br />

Bord und mein Skipper plus der<br />

Wiener Schurli basteln, bis der<br />

Diesel wieder fröhlich brummt.<br />

Die Amerikaner kochen am Abend<br />

Fleischbällchen „for the austrians“<br />

und anwesende Kinder dürfen Pink<br />

Panther-Videos schauen.<br />

Der Wiener meint „Na bumm!“,<br />

als die Holländer einige Tage später<br />

zum Training unter Segeln ablegen,<br />

der Schurli ruft uns zu: „Baba und<br />

foid’s net!“ Und Burli kläfft. Die<br />

marquesianischen Flughunde<br />

würden sich wahrscheinlich für<br />

einige Wochen in die grünen Berge<br />

verziehen.<br />

Kurz habe ich die Vision einer<br />

österreichischen Kolonialinsel mitten<br />

im Pazifik. Irgendwo ein Eiland mit<br />

österreichischer Flagge und einem<br />

grantigem „Grüß Gott, de Papiere<br />

bitte!“ beim Einklarieren. Danach<br />

Wiener Schnitzel und Apfel strudel<br />

im Beisl unter Palmen. Aus dem<br />

Fensterchen mit den karierten Vor -<br />

hängen sieht man die orange-gelbtürkise<br />

Südsee. Schwarzer Sand.<br />

Grüne Berge. Und dann Rot-Weiß-<br />

Rot. Österreicher laufen ein. Oh, da<br />

war ich doch gerade …<br />

<br />

Spanish Water, die Fahrtensegler-Bucht<br />

auf Curaçao.<br />

Der Pazifik – in Rot-Weiß-Rot.<br />

Ein junger Österreicher chillt<br />

auf den Los Roques, Venezuela.<br />

„In Spanish Water, der<br />

Fahrtensegler-Bucht auf<br />

Curaçao herrschte<br />

Schrebergartenstimmung.<br />

Die Yacht vor<br />

uns ließ sich scheiden,<br />

der amerikanische<br />

Schoner hinter uns<br />

hatte eine 20 Jahre jüngere<br />

russische Freundin,<br />

der Belgier schräg<br />

vor uns kontrollierte<br />

täglich im Stringtanga<br />

seine Anker kette und<br />

die Holländer neben<br />

uns gingen nach dem<br />

Frühstück nackt im<br />

dreckigen Lagunenwasser<br />

schwimmen.<br />

Es wurde wirklich Zeit<br />

abzuhauen, sonst würde<br />

ich mich noch in den<br />

Yoga-Kurs der Sarifundi-Marina<br />

einschreiben<br />

oder Peter zu den<br />

Bingo-Nachmittagen<br />

schleppen.“<br />

Wellenzeit Seite 72, „Jedem Kap sein Hoorn“<br />

OCEAN WOMAN <strong>2018</strong> 77


Das<br />

Unheil Naht<br />

Mein Skipper hat ein neues Schiffshobby. Nein, nicht<br />

Dieselmotoren-Kosmetik oder Winschen-Wellness,<br />

Spinnaker-Beauty-Spa oder Solarzellen-Maniküre.<br />

Er ist auf die Nadel gekommen. Er näht!<br />

AUSGABE 2/<strong>2018</strong><br />

Wer oceanwoman<br />

schon länger kennt, weiß<br />

ob meiner tiefen Abneigung<br />

gegenüber allem, was mit Nähmaschine,<br />

Nähnadel und Zwirn zu<br />

tun hat. Eindringlich geschildert im<br />

Kapitel „Ich, Frau Lehman und der<br />

Spinnaker“ im Buch „Wellenzeit“.<br />

Frau Lehmann war meine Handarbeitslehrerin<br />

damals im Stiftgymnasium<br />

in der Steiermark und sie erkannte<br />

sofort, dass kein großes<br />

Talent in mir schlummerte: die<br />

Handarbeit.<br />

Nichts gegen Handarbeit im Allgemeinen.<br />

Ich backe, koche, produziere<br />

mit heller Begeisterung,<br />

aber sobald zwischen mir und dem<br />

zu Kreierenden eine Nadel Platz<br />

hat, ist’s vorbei. Meine Finger werden<br />

zu den verschwitzten Patschhändchen<br />

einer Neunjährigen, die<br />

verzweifelt versucht, eine Häkelnadel<br />

durch ein Wollfadenchaos zu<br />

würgen, Kreuzstiche nicht zu überkreuzen,<br />

singende Nähmaschinen<br />

nicht verstummen zu lassen.<br />

Unsere Nachbarin hatte alle<br />

Hände voll zu tun, um Faltenröcke,<br />

Tischdecken etc. rechtzeitig zum<br />

Schulschluss fertigzustellen, denn<br />

mein Talent hatte ich eindeutig von<br />

meiner Mutter geerbt, die Stoffe<br />

gerne statt zu nähen tackerte!<br />

Auch weiß ich nicht, ob mein<br />

erster Teenie-Schwarm je in den<br />

von mir produzierten Riesenstrickpulli<br />

hineingewachsen ist oder ob<br />

er ihn als Zelt verwendete. Mein<br />

Vater lächelte stets milde über die<br />

alljährlichen Geburtstagssocken,<br />

die auch hervorragend als Motorradabdeckung<br />

dienten.<br />

Damals – also mitten im Atlantik<br />

– nähte ich den zerissenen Spinnaker.<br />

Er riss wieder, ich nähte wieder<br />

– verzweifelt, weinend, mir schwörend,<br />

würde ich diese Überquerung<br />

überleben, nie wieder eine Nadel<br />

anzugreifen. Als wir heimkehrten<br />

nach Österreich, versuchte ich<br />

noch ab und zu, etwas fürs Schiff<br />

zu nähen. Glücklicherweise wohnte<br />

wieder eine nette Nachbarin einen<br />

Stock tiefer, die sich mit Freude der<br />

Abdeckungen für die Luken annahm<br />

und kommentarlos meine<br />

asymmetrischen Winschschutzbezüge<br />

um- bzw. neu nähte.<br />

Und nun näht also der Skipper.<br />

Wahrscheinlich reichte es ihm<br />

einfach, meine Schimpftiraden zu<br />

hören, sobald ich die alte Singer auf<br />

den Küchentisch stellte. Auch<br />

merkte er, dass mein Blick ins<br />

Leere abschweifte, wenn in Seglerrunden<br />

die Rede auf neue Sonnendächer<br />

kam. Verwundert stellte ich<br />

dann fest, dass viele Seefrauenrichtig<br />

gerne nähen. Maßgeschneiderter<br />

Steuerradschutz, Winterlager-<br />

Bespannungen, Relingstützenverkleidungen,<br />

abknüpfbare Cockpitverkleidungen.<br />

Also probierte ich<br />

es noch einmal und nähte einen<br />

Vorhang für das Kombüsenregal.<br />

Es krachte und die Nähmaschinennadel<br />

steckte in einem seltsamen<br />

Die perfekte Segel -<br />

wäsche näht der<br />

Mann – ich backe<br />

lieber Kuchen.<br />

Winkel im Fuß der alten Singer.<br />

Diese gab nur noch ein leises Wimmern<br />

von sich, um hernach beleidigt<br />

zu verstummen und nie wieder<br />

zum Leben zu erwachen.<br />

KEINE MASCHINE, KEIN NÄHEN<br />

Ich stellte meinen Skipper vor vollendete<br />

Tatsachen: keine Maschine,<br />

keine Näharbeiten. Zwei Tage später<br />

stand eine Pfaff-Indus trie-<br />

Nähmaschine auf dem Küchentisch.<br />

Davor saß mein Skipper und werkte<br />

beglückt an einem Sonnendach<br />

aus Spezial-Canvas. Auch eine<br />

Ösenpresse fand Einzug in den<br />

Haushalt. Und unter dem Christbaum<br />

lag „Canvas for Cruisers“<br />

von Julie Gifford. Nicht meine Idee<br />

– meine nähbegeisterte Schwägerin<br />

war Wichtel meines Mannes und<br />

hatte nun endlich jemand gefunden,<br />

mit dem sie über Ecken nähen,<br />

Nahtzugaben, Fadenlauf und<br />

Coverlocks fachsimpeln konnte.<br />

Ich fand wieder ein entspanntes<br />

Verhältnis zu Sprayhoods, Kuchenbuden<br />

und Persennings aller Art.<br />

Während mein Mann jetzt auf der<br />

Bootsmesse bei den Ösen, Segel -<br />

fäden und Spezialnadeln zu finden<br />

ist, kauf ’ ich einen neuen Tisch<br />

fürs Cockpit, damit unsere Segelgäste<br />

meine Kuchenvariationen gemütlich<br />

genießen können. <br />

78 OCEAN WOMAN <strong>2018</strong>


10 Jahre! Wo ist die Zeit hin?<br />

Wie bitte? Ich hab doch erst vor kurzem … – oder warte! Das waren doch<br />

höchstens …? Nein, nie im Leben! Doch. Unglaublich. Die Zeit rennt.<br />

Mein erste Geschichte für<br />

schrieb ich vor<br />

sieben Jahren, gerade frisch<br />

von der Weltumsegelung wieder an<br />

Land, auf der Suche nach einem Magazin,<br />

das eventuell Interesse an unserer<br />

Geschichte hatte. An den Geschichten<br />

einer Zeit, die mir noch so<br />

nah und doch schon so fern schienen.<br />

Was sollte ich schreiben, um die<br />

Aufmerksamkeit eines vielbeschäftigten,<br />

E-Mail-bedrängten Chefredakteurs<br />

zu erlangen? Etwas über die<br />

blauen Lagunen der Karibik? Über einen<br />

wilden Sturm im Atlantik? Über<br />

Südseeträume und Coconut-Stories?<br />

Piraten, Reparaturen oder doch die<br />

netten Neuseeländer? Hm. Ich saß da<br />

an meinem Schreibtisch im grauen<br />

Februar-Wien und dachte nach. Und<br />

kam zum Entschluss: Ich schreib’, wie<br />

es ist, wieder da zu sein. Über die<br />

Jetzt-Zeit. Wieder im Sog der Stadt<br />

mitgezogen zu werden, der Zeit nachzurennen,<br />

sie davonlaufen zu sehen.<br />

Schmerzlich wurde mir klar: Meine<br />

Güte, wie luxuriös waren die letzten<br />

viereinhalb Jahre gewesen! Wir hatten<br />

nämlich genau das gehabt, was wir<br />

hier nicht so schnell kriegen konnten:<br />

Zeit. Und wenn ich mir heute meine<br />

- Geschichte „You can<br />

have Papaya anytime” (Ausgabe<br />

7-8/2010) durchlese, dann merke ich:<br />

Mit der Zeit hat sich dieses Gefühl<br />

von viereinhalb Jahren Einzigartigkeit<br />

aber sowas von nicht verändert.<br />

Ganz oft denke ich darüber nach,<br />

wie lange die Tage und Nächte damals<br />

waren, erfüllt mit Abenteuern,<br />

mit Bildern, Menschen, Farben, Gerüchen.<br />

Eine Woche schien auf dem<br />

Schiff wie ein Monat. Oder mehr.<br />

Drei Monate.<br />

Dieses Gefühl ist sogar wissenschaftlich<br />

erklärt! Erleben wir immer<br />

das Gleiche – aufstehen, arbeiten,<br />

Mittagspause, arbeiten, Abendessen,<br />

schlafengehen –, braucht das Gehirn<br />

keine neuen Informationen aufzubereiten<br />

und umso schneller scheint die<br />

Zeit zu vergehen. Doch stürzen neue<br />

Eindrücke und Informationen auf<br />

uns ein – Nachtfahrt, Gewitterfront<br />

zum Frühstück, Zwei-Meter-Thunfisch<br />

zum Mittagessen, Land in Sicht<br />

am Nachmittag, Anker fällt in einer<br />

von Palmen umsäumten Südseebucht,<br />

hinter der sich massive grüne<br />

Berge erheben, rumgefüllte frische<br />

Kokosnüsse als Sundowner mit Segelfreunden<br />

am Strand, ein türkisrot-rosa-dunkelblauer<br />

Abendhimmel,<br />

Riesen-Leuchtkäfer im dampfenden<br />

dunklen Dschungel –, dann<br />

hat das Gehirn wirklich zu tun, um<br />

all dies für uns so aufzubereiten, damit<br />

wir nicht vor Glück verrückt<br />

werden. Und et voilà: Es scheint, als<br />

würde die Zeit stillstehen!<br />

Das ist das eine. Das andere ist die<br />

Frage: Was ist denn Zeit überhaupt?<br />

Dass der Wecker morgen wieder läutet<br />

und mir schmerzlich klarmacht,<br />

dass das lange Wochenende vorbei<br />

ist? Oder die Tatsache, dass man seine<br />

Papayas auf den Marchesas jederzeit<br />

holen kann, weil immer irgendwer<br />

da ist, um sie vom Baum zu<br />

schlagen? Oder man den Anker dann<br />

hochholt, wenn man will oder wenn<br />

es der Wind bestimmt – und nicht<br />

der Wecker? Wenn man sich treiben<br />

lässt mitten auf dem Ozean, weil<br />

Windstille herrscht und es doch egal<br />

ist, ob man einen Tag früher oder<br />

später ankommt? Die Freiheit, das zu<br />

tun, was man will und vor allem,<br />

wann man es will?<br />

Einzig der Wind bestimmt den<br />

Tages rhythmus, den Wochenplan,<br />

den Monatsablauf. Heute rauscht<br />

er fast lauter als die Autos auf der<br />

Straße vor dem Fenster der Stadtwohnung.<br />

Und das einzige, was er<br />

eventuell bestimmt, ist die Kleidungsauswahl.<br />

Ich muss auf die Zeit schauen,<br />

es ist spät. Oder sollte ich mir einfach<br />

Zeit lassen? Oder die Zeit lassen.<br />

Und eintauchen in das Leben.<br />

Und gemütlich mein<br />

-Magazin lesen? Das mach’ ich jetzt.<br />

Und übrigens: Gratulation zum<br />

10-Jahre-Jubiläum!<br />

<br />

ALEXANDRA SCHÖLER<br />

ist Weltumseglerin,<br />

Sängerin, Regisseurin,<br />

Buchautorin und seit<br />

2010 Ocean Woman.<br />

kolumne@ocean7.at<br />

Ich muss auf die Zeit schauen, es ist spät.<br />

Oder sollte ich mir einfach Zeit lassen? Oder<br />

die Zeit lassen. Und eintauchen in das Leben.<br />

FOTO: STEFAN HARING


Pension Schöler<br />

jazz/pop/chanson<br />

Alexandra Schöler-Haring · Peter Schöler · Florian Paul Ebner<br />

Unsere <strong>Band</strong> auf Facebook:<br />

www.facebook.com/Pension-Schöler-109581518355768

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