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Frauengesundheit

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<strong>Frauengesundheit</strong><br />

NICHT VERPASSEN:<br />

Hormonstörung<br />

Wenn das Verhältnis weiblicher<br />

und männlicher Hormone aus dem<br />

Gleichgewicht gerät<br />

Seite 08<br />

Eine Krankheit, viele Gesichter<br />

Drei Frauen, die trotz Erkrankung<br />

positiv und mutig geblieben sind<br />

Seite 10<br />

Diagnose Endometriose: Franzi König,<br />

erfolgreiche Unternehmerin, Influencerin<br />

und Mutter über ihren Weg mit der<br />

chronischen Krankheit – und das<br />

Glück am Wegesrand.<br />

Lesen Sie das Interview ab Seite 04<br />

Leiden Sie an Belastungsinkontinenz?<br />

Wir entwickeln eine neuartige Therapieoption durch<br />

die Verwendung körpereigener Muskelzellen<br />

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2<br />

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VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT<br />

IN DIESER AUSGABE MÄRZ 2023<br />

Viktoria<br />

Rubinstein<br />

Durch rechtzeitige<br />

Vorsorgeuntersuchungen<br />

werden<br />

viele Erkrankungen<br />

frühzeitig erkannt<br />

und lassen sich gut<br />

behandeln und im<br />

besten Falle heilen.<br />

studio lh<br />

Was kann ich Tag für Tag<br />

für Körper und Seele tun?<br />

Der Wunsch nach langfristiger Gesundheit führt über<br />

den individuellen Lifestyle und das gewissenhafte Wahrnehmen<br />

der Vorsorgeangebote unserer Krankenkassen.<br />

IN DIESER AUSGABE<br />

06<br />

Endometriose ganzheitlich betrachten<br />

Bessere Lebensqualität für Betroffene<br />

Senior Project Manager: Viktoria Rubinstein, Business<br />

Development Manager: Sarra Gläsing, Geschäftsführung:<br />

Richard Båge (CEO), Philipp Colaço (Managing Director),<br />

Alexandra Lassas (Content and Production Manager),<br />

Henriette Schröder (Sales Director), Grafik & Illustration:<br />

Lea Hartmann artstudiolh, Cover: Franzi König von<br />

Manju Schmeiter<br />

Mediaplanet-Kontakt: de.redaktion@mediaplanet.com<br />

Alle Artikel, die mit “in Zusammenarbeit mit“ gekennzeichnet<br />

sind, sind keine neutrale Redaktion der Mediaplanet Verlag<br />

Deutschland GmbH.<br />

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die<br />

gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich,<br />

weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche<br />

Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle<br />

Geschlechter.<br />

facebook.com/MediaplanetStories<br />

Dr. med.<br />

Konstantin Wagner<br />

Facharzt für<br />

Gynäkologie und<br />

Geburtsmedizin<br />

Text<br />

Dr. med.<br />

Konstantin Wagner<br />

Gesundheit ist unser wichtigstes<br />

Gut und der wohl beliebteste<br />

Wunsch zu Geburtstagen, Weihnachten,<br />

Jahreswechseln und<br />

diversen weiteren Jubiläen, bei denen uns<br />

dieser Wunsch angemessen erscheint.<br />

„Viel Gesundheit“, schnell gewünscht<br />

und gut gemeint. Dabei scheinen wir<br />

vergessen zu haben, selbst für unsere<br />

Gesundheit einzustehen, eigenverantwortlich<br />

und proaktiv dafür Sorge zu<br />

tragen, gesund zu leben und zu bleiben.<br />

Prävention ist das Schlagwort. Zugegeben<br />

ein schwerfälliger und wenig greifbarer<br />

Begriff für unseren von Stress und Hektik<br />

getriebenen Alltag.<br />

Anders formuliert: Was kann ich selbst -<br />

Tag für Tag und Jahr für Jahr - für mich,<br />

meinen Körper und die Seele tun, um<br />

diesen Wunsch nach Gesundheit Realität<br />

werden zu lassen. Selbstfürsorge bedeutet<br />

Selbstvorsorge.<br />

Es ist und bleibt wissenschaftlicher Konsens:<br />

Nichts hat einen derart langfristigen<br />

und nachhaltigen positiven Effekt<br />

auf unsere Gesundheit wie unsere Art zu<br />

leben. Unser Lifestyle ist also die Wunderwaffe<br />

im Portfolio der Prävention.<br />

Eine ausgewogene Ernährung (frisch,<br />

bunt, knackig), regelmäßige Bewegung<br />

(Bewegung ist nicht gleichbedeutend<br />

mit Sport) und ausreichend Schlaf sind<br />

das beste und günstigste Rezept für ein<br />

gesundes Leben. Aber auch mit einer<br />

perfekten Lebensweise sind böse und<br />

nicht wünschenswerte Veränderungen<br />

der Gesundheit nicht immer zu verhindern.<br />

Um diese Veränderungen frühzeitig<br />

und gezielt wahrzunehmen und entsprechend<br />

reagieren zu können, wurden<br />

zahlreiche medizinische Vorsorgeuntersuchungen<br />

etabliert. Mit Erfolg. Auch das<br />

früher Erkennen von Krebserkrankungen<br />

hat dazu geführt, dass wir eine steigende<br />

und qualitativ wertige Lebenserwartung<br />

haben. Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs<br />

und Gebärmutterkörperkrebs gehören<br />

bei den Frauen in absteigender<br />

Reihenfolge zu den häufigsten Krebserkrankungen.<br />

All die lästig anmutenden Termine, seien<br />

es die ab dem 20. Lebensjahr angebotenen,<br />

regelmäßigen gynäkologischen<br />

Untersuchungen, sei es der hausärztliche<br />

Check-up, die ab dem 50. Lebensjahr<br />

stattfindende Darmkrebsvorsorge,<br />

das Mammographie-Screening oder die<br />

Hautkrebsvorsorge ab dem 35. Lebensjahr,<br />

sind nicht immer die beliebtesten<br />

Termine in unseren Kalendern, und doch<br />

sollten wir sie dankbar wahrnehmen,<br />

denn sie alle verfolgen ein wichtiges Ziel:<br />

Erkrankungen früh erkennen, um unsere<br />

Gesundheit zu wahren. Der Wunsch nach<br />

langfristiger Gesundheit führt also über<br />

den individuellen Lifestyle und das gewissenhafte<br />

Wahrnehmen der Vorsorgeangebote<br />

unserer Krankenkassen.<br />

@Mediaplanet_germany<br />

Please recycle<br />

www.youtube.com/<br />

@gynaeko.logisch<br />

www.instagram.com<br />

/gynaeko.logisch<br />

www.richtigwissen.de<br />

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen AIDS-Stiftung entstanden.<br />

Frauen mit HIV. Gut versorgt, beraten, unterstützt<br />

Text Andrea Babar<br />

Dr. Kristel Degener<br />

Vorstand Deutsche<br />

AIDS-Stiftung<br />

Was viele nicht wissen: Sie können gesunde<br />

Babys bekommen. Die Deutsche AIDS-<br />

Stiftung hilft, wenn vom Stillen abgeraten<br />

wird. Eine Schwangerschaft ist für die meisten<br />

Frauen eine aufregende und schöne Zeit. Sie<br />

freuen sich auf ihr Baby und hoffen auf ein<br />

gesundes Kind. Die Schwangerschaft ist aber<br />

auch die Phase, in der die meisten HIV-Infektionen<br />

bei Frauen entdeckt werden. Das ist in<br />

Deutschland genauso wie in den HIV-Brennpunkten<br />

im südlichen Afrika. Die Hälfte aller<br />

weltweit mit HIV lebenden Personen sind Frauen,<br />

in Deutschland sind es allein mehr als 18.000.<br />

HIV ist behandelbar<br />

Ein positiver HIV-Test schockiert immer noch,<br />

denn in vielen Köpfen tauchen spontan alte<br />

Bilder von HIV und Aids auf. Doch die Diagnose<br />

ist kein Todesurteil mehr. HIV ist gut behandelbar,<br />

wenn die Infektion früh erkannt wird.<br />

Deshalb informiert die Deutsche AIDS-Stiftung:<br />

HIV-positive Frauen können ein gesundes Baby<br />

bekommen! Das wissen viele nicht. Ein großes<br />

Thema wird später das Stillen. Dazu gibt es Fachempfehlungen,<br />

die mit jeder Mutter frühzeitig<br />

und ergebnisoffen besprochen werden. Denn das<br />

Stillen hat Vor- und Nachteile. Sicheres Stillen<br />

ist nur möglich, wenn die Mutter regelmäßig<br />

ihre HIV-Medikamente nimmt. Die sogenannte<br />

Viruslast darf bei ihr nicht nachweisbar sein,<br />

und Mutter und Baby müssen regelmäßig zur<br />

Kontrollvisite kommen.<br />

Eine Sorge weniger<br />

Was, wenn es aber Gründe gegen das Stillen gibt?<br />

Dann springt die Deutsche AIDS-Stiftung für HIVpositive<br />

Frauen ein, die sich Milchpulver für ihr<br />

Baby nicht leisten können. Eine Sorge weniger.<br />

Dr. Kristel Degener vom Stiftungsvorstand sagt:<br />

"Wir lassen die Frauen nicht allein. Schon 350<br />

Euro reichen für sechs Monate Muttermilchersatznahrung.“<br />

Für die Frauen ist dies eine große<br />

Entlastung. Denn wenn sich die behandelnden<br />

Ärztinnen und Ärzte mit der Mutter einig sind,<br />

dass Stillen keine sichere Option ist, fängt oft ein<br />

kleiner Spießrutenlauf an. Die Frauen werden<br />

von anderen gefragt, warum sie nicht stillen,<br />

müssen sich äußern - oft ohne sich als HIV-positiv<br />

outen zu wollen -, sind verunsichert. Kommt<br />

dazu, dass sie allein für ihr Baby sorgen müssen<br />

und wenig Geld haben, kann aus Sorgen schnell<br />

großer Kummer werden. Die Unterstützung aus<br />

Spenden an die Deutsche AIDS-Stiftung ist dann<br />

eine große Erleichterung!<br />

Frauen in Afrika<br />

60 Prozent aller HIV-Neuinfektionen gibt es in<br />

den Ländern Subsahara-Afrikas. Über die Hälfte<br />

der Menschen, die sich jährlich neu infizieren,<br />

sind dort Frauen. Und leider gibt es auch noch zu<br />

viele HIV-positive Kinder. Deshalb unterstützt<br />

die Deutsche AIDS-Stiftung Projekte in Mosambik,<br />

Kenia, Malawi und Südafrika. Mit dieser<br />

Hilfe können die Projektpartner erfolgreich über<br />

HIV aufklären, Mütter in der Schwangerschaft<br />

begleiten und dafür sorgen, dass ihre Babys<br />

gesund geboren werden. Ein guter Start ins Leben!<br />

Weitere Informationen finden Sie auf unserer<br />

Webseite unter: www.aids-stiftung.de<br />

FOTO: ISTOCK-AYWAN88


Lesen Sie mehr auf gesunder-koerper.info 3<br />

Cheers to that:<br />

Die neue Mutter<br />

#winemom, #momneedswine… Ein Thema, das seit ein paar Jahren<br />

zunehmend auf Social Media verhandelt wird – auf eine ganz besonders<br />

launige Art und Weise – ist das der trinkenden Mutter.<br />

Wer sie sieht, denkt, sie hat den Spaß ihres Lebens.<br />

Das liegt am Wein, klar, nicht an der Mom.<br />

Text Miriam Rauh<br />

FOTO: MEGHAN-HOLMES-5LE49RMTPII-UNSPLASH<br />

Na endlich, es gibt also<br />

ein neues Ideal, dem die<br />

moderne Frau entsprechen<br />

kann. Anders als bei vielen<br />

anderen weiblichen Vorbildern<br />

darf oder vielmehr soll sie das auch<br />

dann noch, wenn sie Mutter ist. Mütter<br />

mit Wein sind cool, lustig und entspannt,<br />

so Instagram. Der Wein, scheint es, ist die<br />

Lösung all ihrer Probleme. Sorgen mit<br />

dem Nachwuchs, Existenzangst, Trennung,<br />

Elternabend… pah! Ist mit dem<br />

kleinen Roten in der Hand doch alles halb<br />

so schlimm.<br />

Eine #winemom jammert nicht, sie<br />

schnappt sich ihr Glas nach Feierabend,<br />

zur Entspannung oder einfach zwischendurch.<br />

Das wirft natürlich ein paar Fragen<br />

auf. Ist das Familienleben oder generell<br />

das Leben nüchtern nicht erträglich? Gibt<br />

es zur mütterlichen Stressbewältigung<br />

denn keine anderen Ideen? Und wo bitte,<br />

sind die Väter?<br />

Mother’s little helper?<br />

Auch wenn Wein an sich nichts Schlechtes<br />

ist – Probleme löst er keine. Dafür<br />

kann er, wenn‘s blöd läuft, welche schaffen.<br />

Laut des Bundesministeriums für<br />

Gesundheit konsumierten im Jahr 2021<br />

7,9 Millionen Menschen in Deutschland<br />

im Alter zwischen 18 bis 64 Jahren Alkohol<br />

„in gesundheitlich riskanter Form“.<br />

Ein „problematischer Alkoholkonsum“<br />

liegt sogar bei etwa 9 Millionen Menschen<br />

innerhalb der gleichen Altersgruppe<br />

vor. Um es plakativer auszudrücken:<br />

Hierzulande hat rund jeder Fünfte ein<br />

Alkoholproblem.<br />

Im Gegensatz zu anderen Drogen ist<br />

Alkohol gesellschaftlich in hohem Maße<br />

akzeptiert. Mehr noch, Wein galt jahrzehntelang<br />

(und länger) sogar als gesund.<br />

Diese Annahme basiert jedoch auf einem<br />

Irrtum. Genauer, auf Studien, bei denen<br />

Forscher einen Zusammenhang<br />

zwischen Weintrinken und einer längeren<br />

Lebenserwartung auszumachen glaubten;<br />

sie führten dies unter anderem auf Inhaltsstoffe<br />

wie Flavonoide, Polyphenole<br />

oder Resveratrol zurück. Doch obwohl die<br />

Annahme längst widerlegt ist, hält sich<br />

der Mythos hartnäckig. Ein Gläschen, na<br />

komm schon, das ist doch sicher nicht so<br />

schlimm.<br />

Alkohol ist ein Zellgift<br />

Alkohol, so weiß man heute, ist in jeder<br />

Form ein Zellgift, das laut der BZgA sogar<br />

in kleinen Mengen schaden kann.<br />

Schwangeren wird deshalb eindringlich<br />

geraten, ganz auf Wein und anderen Alkohol<br />

zu verzichten. Auch außerhalb von<br />

Schwangerschaften sollte das Glas Wein<br />

eher nicht zum Ersatz für Entspannung<br />

werden. Denn anders als es unter Hashtags<br />

wie #winemom oder #momneedswine<br />

auf Instagram & Co. suggeriert, eignet<br />

Wein sich keinesfalls zur Selfcare.<br />

Anders als es unter<br />

Hashtags wie #winemom<br />

oder #momneedswine<br />

auf Instagram & Co.<br />

suggeriert, eignet Wein<br />

sich keinesfalls zur<br />

Selfcare.<br />

Ein wenig Sport, ein bisschen freie Zeit,<br />

ausreichend Schlaf, eine helfende Hand<br />

oder finanzielle Entlastung können viel<br />

effektiver sein. Und wer weiß, vielleicht<br />

dienen die coolen, humorigen #winemom-<br />

Motive auf Instagram gar nicht philanthropischen<br />

Zwecken, sondern schlicht<br />

dem Verkauf? Um es im SoMe-Slang zu<br />

sagen: „Ironie Off.“<br />

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Weg aus der Sucht: Nur mit Hilfe von Experten!<br />

Eine von ärztlichen und psychotherapeutischen Experten durchgeführte Behandlung ärztlich angeleitete Therapie<br />

ist bei Suchterkrankungen ein wichtiger Schritt in ein freies, selbstbestimmtes Leben. In der LIFESPRING-<br />

Privatklinik in Bad-Münstereifel bündelt ein interdisziplinäres Team seine jahrzehntelangen Erfahrungen – es ist<br />

auf die Behandlung der Sucht nach Alkohol, Opioiden, Kokain oder Medikamenten spezialisiert.<br />

„Eine Suchtbehandlung in unserer Klinik ermöglicht es Ihnen, den Weg<br />

aus der Sucht zu finden und Grundlagen für ein dauerhaft abstinentes<br />

Leben zu finden.“, so Andreas Gholmié, Facharzt für Psychiatrie und<br />

Psychotherapie, und leitender Arzt der LIFESPRING-Privatklinik, die<br />

ganz auf Suchtherapie spezialisiert ist, sich durch einen besonders hohen<br />

Personalschlüssel auszeichnet und hervorragend ausgestattet ist.<br />

Menschen, die sich für eine Behandlung bei LIFESPRING entscheiden,<br />

dürfen nicht nur größte Diskretion, sondern auch Service und eine Wohlfühlatmosphäre<br />

erwarten, die mehr an ein exquisites Hotel erinnern, denn<br />

an eine Klinik. Dabei liegt der Schwerpunkt von LIFESPRING auf einem besonderen<br />

Behandlungsmodell, was sich durch hohe Behandlungsdichte,<br />

individuelle Behandlung sowie zahlreiche, den Entzug abmildernde Maßnahmen<br />

auszeichnet. So konnte schon vielen Betroffenen einen Weg in<br />

ein neues suchtfreies Leben geebnet werden.<br />

„Sanfter“ Entzug mit nachhaltiger Wirkung<br />

Während veraltete Entzugskonzepte auf dem Modell des sogenannten<br />

„kalten“ Entzugs basierten, bei dem die Zufuhr des Suchtmittels radikal<br />

und abrupt gestoppt wird, entzieht man heute „warm“. Auch bei diesem<br />

„sanften“ Entzug wird das Suchtmittel substituiert, Patient:innen werden<br />

jedoch fachkundig medizinisch und therapeutisch unterstützt. Auf diese<br />

Weise werden Entzugserscheinungen minimiert oder sogar vermieden;<br />

sich von der schädigenden Substanz zu lösen, fällt leichter. Durch eine<br />

parallel intensive Aufarbeitung der ursächlichen Faktoren ist der Effekt<br />

nachhaltiger und Rückfälle lassen sich besser vermeiden.<br />

Alkoholsucht gehört zu den häufigsten Formen der Sucht, doch gerade<br />

hier verläuft der Weg in die Abhängigkeit oft schleichend. Stellen Betroffene<br />

fest, dass sie „nachtrinken“ müssen, um Symptome zu vermeiden, ist<br />

die Sucht bereits so fortgeschritten, dass ein auf eigene Faust durchgeführter<br />

Entzug zu Hause sehr gefährlich ist. „Es sollte unbedingt ärztliche<br />

Hilfe in Anspruch genommen werden“, so Gholmié. Nur wenn Patient:innen,<br />

wie in der LIFESPRING-Privatklinik, rund um die Uhr während des<br />

Entzugs durch erfahrene Ärzt:innen und Pflegerin:innen betreut werden,<br />

lassen sich lebensbedrohliche Entzugserscheinungen wie Delir oder<br />

Krampfanfälle vermeiden.<br />

Spezialisiert auf den Entzug ausgewählter Suchtmittel<br />

Neben Alkoholabhängigkeit werden auch Suchtmittel wie Medikamente,<br />

Opiate, Opioide und Kokain bei LIFESPRING therapiert. Ein Opioidentzug<br />

durch Methadon beispielsweise ist alles andere als trivial. Hier gibt es viele<br />

Fehlermöglichkeiten, und zwar sowohl, was die Behandlung der Symptome<br />

als auch Kombination, Dosierung und Wechselwirkungen der jeweiligen<br />

Medikamente betrifft. Auch das plötzliche Absetzen von Substituten<br />

oder Medikamenten kann zu schweren Krisen führen; eine professionelle<br />

medizinische Betreuung ist dringend geboten.<br />

Intensiv-individuell betreut<br />

Selbst wenn eine Methadonbehandlung unter idealen Bedingungen –<br />

einem stabilen privaten Rahmen, einer guten sozialen Einbindung sowie<br />

engmaschige suchtmedizinische und therapeutische Betreuung – auch<br />

ambulant möglich ist, überwiegen die Vorteile einer Klinik.<br />

LIFESPRING gewährleistet die Betreuung rund um die Uhr, sodass im Falle<br />

einer Komplikation sofort eingegriffen werden kann. Zudem hilft den<br />

meisten Patient:innen das vom Alltag losgelöste Setting. Sie werden nicht<br />

von Eindrücken aus ihren monologen Alltagen abgelenkt, sondern können<br />

sich mit anderen Betroffenen austauschen und sich ganz auf sich und das<br />

Gesundwerden konzentrieren.<br />

Andreas Gholmié<br />

Leitender Arzt<br />

und Facharzt für<br />

Psychiatrie und<br />

Psychotherapie


4<br />

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Ich hatte großes Glück!<br />

FOTO: JULIA BARTELT<br />

Laut einer Studie 1 vergehen zwischen<br />

dem Auftritt erster Symptome und<br />

der Diagnose einer Endometriose<br />

im Schnitt mehr als zehn Jahre.<br />

Jahre, in denen die betroffenen<br />

Mädchen und Frauen oft sehr<br />

leiden. Franzi König bekam ihre<br />

Diagnose mit Mitte 20. Hier erzählt<br />

die erfolgreiche Unternehmerin,<br />

Influencerin und frischgebackene<br />

Mutter von ihrem Weg mit der<br />

chronischen Krankheit – und dem<br />

Glück am Wegesrand.<br />

Text Doreen Brumme<br />

Franzi, wann und wie hast du gemerkt, dass<br />

etwas nicht stimmt, und wie kamst du zu<br />

deiner Diagnose?<br />

Vor drei Jahren erreichte ich den Punkt, wo ich mir<br />

sagte, dass es mir jetzt reichte und ich endlich etwas tun<br />

musste: Mein Zyklus machte mir von Mal zu Mal mehr<br />

zu schaffen. Mir ging es vor, während und nach meiner<br />

Menstruation zunehmend schlechter. Die Blutung tat<br />

immer mehr weh, wurde immer stärker und dauerte<br />

immer länger. Die ersten zwei Tage der Regel überstand<br />

ich kaum mehr ohne Schmerzmittel. Und ich hatte<br />

immer wieder einen enorm aufgeblähten Bauch, der<br />

mich wie schwanger aussehen ließ. Heute weiß ich, dass<br />

es der sogenannte Endo-Belly war.<br />

Meine Beschwerden beeinträchtigten meinen Alltag<br />

immer häufiger, beruflich wie privat. Lange hatte ich sie<br />

hingenommen, doch die Belastung wuchs ins Unerträgliche.<br />

Also machte ich einen Termin bei meinem<br />

Gynäkologen. Der untersuchte mich und schickte mich<br />

zu einem Spezialisten ins Endometriosezentrum hier in<br />

Köln.<br />

Wie verlief die Untersuchung?<br />

Ich wurde zunächst wie bei meinem Gynäkologen<br />

untersucht. Zudem machte der Facharzt einen vaginalen<br />

Ultraschall und er schallte auch meinen Bauch.<br />

Nach einem langen Gespräch zu meiner allgemeinen<br />

Befindlichkeit stand der starke Verdacht auf eine Endometriose<br />

im Raum. Für eine klare Diagnose riet mir der<br />

Arzt dringend zu einer Bauchspieglung, die ich drei<br />

Wochen später, im März 2021, machen ließ. Da ich dafür<br />

in Vollnarkose gelegt wurde, hatte ich veranlasst, dass<br />

mir das typische Endometriosegewebe direkt entfernt<br />

würde – sofern sich welches zeigte.<br />

Hattest du Angst vor dem Eingriff?<br />

Vor der OP selbst war mir nicht bange, vor dem Arztgespräch<br />

danach und dem Befund, den er mir mitteilen<br />

würde, schon. Ich tröstete mich aber damit, dass ich<br />

dann zumindest wissen würde, was mit mir los ist.<br />

Und mein Befund hatte es in sich: Man fand diverse<br />

Endometrioseherde, also Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut<br />

ähnlich ist, sich aber auch außerhalb<br />

dieser ansiedelt. On top hatte ich die gutartigen<br />

Wucherungen auch in der Gebärmutter drin, wo sie<br />

jedoch nicht entfernt werden konnten. Im Zuge des<br />

Eingriffs spülte man mir auch gleich den einen Eileiter<br />

durch, den ich noch hatte, um zu checken, ob er trotz<br />

Endometriose noch funktionstüchtig war. War er zum<br />

Glück.<br />

Lasst uns offen<br />

über unsere<br />

Erkrankung<br />

sprechen<br />

und sie damit<br />

enttabuisieren!<br />

Wirkte sich die Diagnose auf deinen Kinderwunsch<br />

aus?<br />

Nach der OP fragte mich der Arzt direkt, ob ich mir<br />

Kinder wünsche. Damit überraschte er mich etwas: Ich<br />

war Mitte 20, hatte gerade erst geheiratet und meine<br />

Karriere nahm an Fahrt auf. Ein Kind stand zwar auf<br />

meiner Wunschliste, aber nicht ganz oben. Der Arzt<br />

sagte mir jedoch klipp und klar, wenn ich Kinder wollte,<br />

dann jetzt. Wobei ich wieder Glück hatte: Zumindest<br />

war schon der Mann an meiner Seite, der mit mir Kinder<br />

wollte. Dennoch fokussierte ich mich nicht aufs Kinderkriegen.<br />

Ich hatte andere Baustellen: Ich litt wegen<br />

meiner langjährigen Beschwerden an einer starken<br />

Depression und war in ein Burnout gerutscht. Zudem<br />

hatte ich nur noch einen intakten Eierstock und wusste<br />

auch, dass die Endometriose das Risiko für Fehlgeburten<br />

signifikant erhöht. Das drückte mich runter, ich<br />

erlebte einen kleinen Nervenzusammenbruch.<br />

Also kümmerte ich mich zunächst um mich. Im<br />

Sommer nach der OP ging es mir richtig gut, mein Mann<br />

und ich machten Urlaub auf den Malediven und sagten<br />

uns: Als Paar sind wir vollkommen – wir reichen uns.<br />

Im August wurde ich dann schwanger, was ich aber erst<br />

Wochen später merkte. Ich konnte es zunächst gar nicht<br />

glauben!


Lesen Sie mehr auf gesunder-koerper.info 5<br />

Wie verlief deine Schwangerschaft mit Endometriose?<br />

Ich hatte wieder ein Riesenglück. Die Schwangerschaft<br />

hielt die Endometriose in Schach, sodass ich<br />

mich so gut fühlte wie lange nicht! Ich hatte keinerlei<br />

Beschwerden und über Monate auch keine Periode –<br />

ein Traum! Auch die Geburt im Geburtshaus verlief<br />

zunächst wunderbar. Allerdings hatte ich eine dreifach<br />

vergrößerte Plazenta, die sich nicht richtig lösen wollte<br />

– fast wäre ich verblutet. Eine Not-OP konnte mich<br />

retten. Es ist unklar, inwieweit die Endometriose das<br />

verursacht oder beeinflusst hatte.<br />

Wie erging es dir nach der Schwangerschaft?<br />

Ich erlebte schon acht Wochen nach der Entbindung<br />

meinen ersten Zyklus und habe ihn jetzt ein halbes<br />

Jahr. Noch empfinde ich ihn als weniger beschwerlich<br />

als vor der Schwangerschaft. Aber das kann sich ja<br />

von einem zum nächsten Monat ändern. Mir ist klar,<br />

dass die Krankheit chronisch ist und mich noch lange<br />

begleiten wird.<br />

FOTO: MANJU SCHMEITER<br />

Die Schwangerschaft<br />

hielt die Endometriose in<br />

Schach, sodass ich mich so<br />

gut fühlte wie lange nicht!<br />

Welchen Rat würdest du Frauen mit Endometriose<br />

geben?<br />

Da habe ich gleich mehrere, die teils auch aus dem<br />

Austausch mit meiner Community resultieren.<br />

• Weil ich es immer wieder von Frauen lese und höre<br />

und selbst großes Glück mit einer schnellen Diagnose<br />

hatte: Nehmt alle Anzeichen eures Körpers<br />

ernst! Ihr kennt euren Körper am besten – ihr seid<br />

die Expertin dafür. Hört auf das Gefühl, das euch<br />

signalisiert, dass etwas nicht stimmt! Sucht Fachärzte<br />

auf und lasst euch nicht mit Aussagen<br />

abweisen, dass die Regelblutung nun mal schmerzhaft<br />

ist und frau da durchmüsse. Muss sie nicht!<br />

• Wägt gut ab, auch gemeinsam mit dem Arzt eures<br />

Vertrauens, ob ihr es eurem von der Endometriose<br />

eh schon belasteten Körper noch zumuten wollt,<br />

mit Extrahormonen oder der Pille klarzukommen.<br />

• Findet euren eigenen Weg, eure Beschwerden<br />

erträglicher zu machen: Sport, Yoga, Meditation<br />

und Entspannungsübungen helfen dabei recht<br />

gut – das weiß ich von mir selbst und von vielen<br />

Betroffenen, mit denen ich mich austausche.<br />

• Sucht nach Möglichkeiten zur Vereinbarung von<br />

Herausforderungen im Alltag, beruflichen wie<br />

privaten, und eurer Erkrankung. Selfcare ist ein<br />

Must-do! Fordert Verständnis ein bei Partnern,<br />

Freunden, Kollegen und Vorgesetzten. Wer mit<br />

einer Endometriose zu kämpfen hat, dem tut<br />

mitunter die Arbeit im Homeoffice gut.<br />

Text Anja Moritz<br />

ENDOMETRIOSE:<br />

ZWEITHÄUFIGSTE GYNÄKO-<br />

LOGISCHE ERKRANKUNG<br />

Jede neunte bis zehnte Frau erkrankt chronisch<br />

an Endometriose; das sind in Deutschland ca. 2<br />

Millionen Betroffene. Jährlich kommen 40.000<br />

Neuerkrankungen hinzu. Bei 40 bis 60% der Frauen,<br />

die ungewollt kinderlos sind, ist Endometriose die<br />

Ursache. Der Leidensweg der Betroffenen beginnt<br />

zumeist bereits in der frühen Jugend, mit der ersten<br />

Menstruation.<br />

Bei Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches<br />

Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Dies führt zu<br />

Zysten und Entzündungen, bspw. an Eierstöcken, Darm oder<br />

Bauchfell. Diese sogenannten Endometrioseherde können –<br />

obwohl sie als gutartig kategorisiert werden – metastasieren<br />

und bleibende Schäden an Organen verursachen.<br />

Betroffene leiden unter extremen Schmerzen in Bauch,<br />

Rücken, Beinen, beim Geschlechtsverkehr, bei gynäkologischen<br />

Untersuchungen, beim Stuhlgang. Unregelmäßige und<br />

sehr starke Monatsblutungen, Blutungen aus Blase und Darm<br />

gehören ebenso zu den Symptomen. Die Vielgestaltigkeit<br />

der Symptome und die nach wie vor zu geringe Bekanntheit<br />

der Erkrankung führen dazu, dass bis zu zehn Jahre bis zur<br />

Diagnose und somit bis zum Beginn einer Therapie vergehen.<br />

Die psychischen Auswirkungen sind enorm: Erschöpfung,<br />

Schlafstörungen, Depressionen. Die Ursachen der Krankheit<br />

sind noch immer nicht erforscht. Das führt dazu, dass<br />

lediglich eine Behandlung der Symptome erfolgt. In vielen<br />

Fällen leiden die Betroffenen ihr Leben lang an immer wieder<br />

auftretenden schwerwiegenden Beschwerden. Durch die<br />

chronischen Schmerzen werden die Betroffenen immobiler.<br />

Hinzu kommen Belastungen durch Mehrfacherkrankungen.<br />

Das erhöht den Leidensdruck bei Betroffenen und ebenso<br />

bei ihrem sozialen Umfeld. Fehlzeiten und längere Krankheitsphasen<br />

führen zu Nachteilen in Schule, Ausbildung und<br />

Beruf. Häufig führt die Erkrankung in eine Abhängigkeit von<br />

staatlichen Sozialleistungen, Erwerbsunfähigkeit oder Rente.<br />

• Lasst uns offen über unsere Erkrankung sprechen<br />

und sie damit enttabuisieren! Damit schaffen<br />

wir Awareness bei Medizinern, Patientinnen<br />

und deren Umfeld. So verkürzen wir den oftmals<br />

langen Leidensweg der betroffenen Mädchen und<br />

Frauen zur Diagnose.<br />

1<br />

Hudelist, G., et al., Diagnostic delay for endometriosis<br />

in Austria and Germany: causes and possible consequences.<br />

Hum Reprod, 2012. 27(12): p. 3412-6.<br />

Die Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V.,<br />

gegründet 1996, ist eine bundesweite Selbsthilfeorganisation<br />

von und für Endometriosebetroffene. Der Vereinigung<br />

gehören über 3.000 Mitglieder an. Die Kernaufgaben sind<br />

die Aufklärung und Information über Endometriose, die<br />

Beratung von Betroffenen sowie die Vertretung der<br />

Interessen von Betroffenen.<br />

www.endometriose-vereinigung.de<br />

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Wärme gegen den Schmerz: Der HoneyBagz Wärmegürtel<br />

Ein einfacher Gang in die Küche für eine Tasse Tee oder mal eben etwas aus dem Schlafzimmer holen? Für Frauen mit<br />

Endometriose oder chronischen Unterleibsschmerzen kann so etwas zum echten Kraftakt werden! Ein Krankheitsbild,<br />

welches in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat und dennoch viele betrifft.<br />

Unser junges Start-up hat sich mit genau diesem Thema befasst<br />

und nach einer Möglichkeit gesucht, Beschwerden und Schmerzen<br />

in diesem Zusammenhang zu lindern und setzt dabei auf Bewährtes.<br />

Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass das Wärmen betroffener<br />

Stellen, immer noch eines der wirksamsten Mittel zur Linderung<br />

von Symptomen darstellt. Betroffene sind so aber oft gezwungen,<br />

stunden- mitunter auch tagelang, eine Wärmequelle in der Hand<br />

mit sich zu führen. Das stellt neben den Schmerzen eine zusätzliche<br />

Belastung dar und erschwert jede weitere Tätigkeit. Diesem<br />

Problem widmet sich HoneyBagz. Ein aus hochwertiger Baumwolle<br />

hergestellter Gürtel, der für dich deine Wärmflasche hält.<br />

Der HoneyBagz Wärmegürtel ist so konzipiert, dass an den<br />

schmerzenden Stellen Wärme gespendet wird, während du deinen<br />

alltäglichen Tätigkeiten nachgehen kannst. Durch das hochwertige<br />

Material bleibt der Gürtel bequem, schnürt nicht ab und hält trotzdem<br />

eine 1,5 Liter Wärmflasche – alles Made in Germany.<br />

Ob du im Bett liegst, einen Spaziergang unternimmst oder tapfer<br />

trotz Schmerzen deine Arbeiten erledigst, der HoneyBagz Wärme-<br />

gürtel versorgt dich stets mit Wärme. Dank seiner vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten<br />

kann der HoneyBagz Wärmegürtel um<br />

verschiedene Körperregionen gebunden werden und somit auch<br />

bei Rücken-, Blasen- und Nierenschmerzen helfen. Die gezielte<br />

Wärmetherapie ist ein schnelles und zuverlässiges Mittel, um<br />

neben chronischen Krankheitsbildern wie Endometriose oder<br />

PMS, auch bloßen Muskelverspannungen am Körper sowie<br />

Krämpfen entgegenzuwirken und die Durchblutung anzuregen.<br />

Erfahrungen von unseren Kunden zeigen, dass durch das Tragen<br />

des HoneyBagz Wärmegürtels Schmerzen gelindert und der Alltag<br />

angenehmer erlebt werden konnte. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen,<br />

dass Beschwerden und Schmerzen bei Endometriose<br />

unterschiedlich ausgeprägt sein können. Therapien sind hier vielseitig<br />

und reichen von Ernährungstipps, bis hin zu operativen Maßnahmen.<br />

Dem Team von HoneyBagz ist es dabei wichtig, dass wir<br />

mit einer natürlichen Möglichkeit einen Beitrag zur Erleichterung<br />

des Alltags leisten können und daneben auf dieses Thema weiterhin<br />

aufmerksam machen.<br />

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www.honeybagz.com


6<br />

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Text Miriam Rauh<br />

Eine bessere Versorgung für Endometriosebetroffene<br />

ist das Ziel<br />

Zwischen 8 und 15 Prozent der Frauen sind von Endometriose betroffen, jedes Jahr kommen allein in Deutschland ca. 40.000<br />

Diagnosen neu hinzu. Ivonne van der Lee ist eine von ihnen. Nachdem die Erkrankung bei ihr ausbrach, gab sie ihrem Leben eine neue<br />

Wendung und machte eine medizinische Ausbildung. Seitdem arbeitet Ivonne van der Lee in einem Endometriosezentrum und leitet die<br />

Selbsthilfegruppe „Endo Ladies“.<br />

Was genau ist Endometriose?<br />

Man geht davon aus, dass es sich um<br />

Gewebeansiedlungen handelt, die der<br />

Gebärmutterschleimhaut ähneln, sich<br />

aber auch außerhalb der Gebärmutter lokalisieren.<br />

Wie genau Endometriose entsteht, darüber gibt es<br />

viele Theorien. Zum Beispiel die der retrograden<br />

Menstruation, das bedeutet, dass die Menstruationsblutung<br />

nicht nur aus dem Körper, sondern über<br />

den Eileiter auch in den Bauchraum fließt. Eine andere<br />

besagt, dass es sich um Metaplasien, gutartige<br />

Zellumwandlungen, handelt. Recht sicher ist, dass<br />

Endometriose familiär gehäuft auftritt. Aber obwohl<br />

Endometriose die zweithäufigste gynäkologische<br />

Erkrankung ist, ist bis heute vieles unklar,<br />

z. B. ob es Maßnahmen gibt, die verhindern können,<br />

dass sie ausbricht.<br />

Sie sind Gründerin der Selbsthilfegruppe<br />

„Endo Ladies“ in Stuttgart. Was hat Sie zu diesem<br />

ehrenamtlichen Engagement bewogen?<br />

Ich bin selbst betroffen und habe aus dieser Erfahrung<br />

heraus ein Gespür dafür, was Frauen mit<br />

Endometriose brauchen. Als ich vor zehn Jahren<br />

meine Diagnose erhielt, hätte ich mir mehr Auf-<br />

klärung gewünscht, auch mehr Unterstützung<br />

oder Austausch. Über Social Media ist der Informationsfluss<br />

mittlerweile sehr viel besser geworden,<br />

auch die Politik greift das Thema auf. Aber es<br />

gibt noch viel zu tun und meine Motivation zur<br />

Gründung war und ist, dass ich Frauen Hilfestellung<br />

und Informationen zur Seite stellen<br />

möchte, wie ich sie mir selbst gewünscht hätte.<br />

Zum ersten Treffen von „Endo Ladies“ kamen<br />

nur zwei oder drei Frauen, heute arbeiten wir mit<br />

verschiedenen Kliniken zusammen und führen<br />

Symposien und Informationsveranstaltungen mit<br />

Experten aus ganz Deutschland durch. Allein im<br />

Raum Stuttgart ist „Endo Ladies“ auf über 400<br />

Mitglieder gewachsen, die sich auch über eine<br />

WhatsApp-Gruppe austauschen. Unser YouTube-<br />

Kanal erreicht mehrere tausend Menschen.<br />

Was waren oder sind persönlich Ihre größten<br />

Erfolge seit Gründung von „Endo Ladies“ 2015?<br />

Ich freue mich sehr, wenn wir viele Menschen erreichen<br />

und das Feedback bekommen, dass unser<br />

Angebot ihnen hilft. Wenn z. B. die Presse über uns<br />

berichtet, werden betroffene Frauen auf uns aufmerksam,<br />

die uns bis dahin vielleicht noch nicht<br />

kannten. Stolz bin ich auch auf unser großes Netzwerk<br />

und die Kliniken, die uns unterstützen. Auch<br />

die AOK unterstützt uns im süddeutschen Raum.<br />

Welche Möglichkeiten bietet eine Selbsthilfegruppe<br />

für Betroffene und ggf. auch deren<br />

Angehörige?<br />

Der Austausch und das Gefühl, nicht alleine zu sein,<br />

ist sehr wichtig. Die Symptomatik von Endometriose<br />

ist oft so unterschiedlich, dass es kein Patentrezept<br />

für den Umgang damit gibt und jede Betroffene für<br />

sich selbst herausfinden muss, welcher Weg für sie<br />

der richtige ist. Die Erfahrungen anderer aus der<br />

Gruppe können dabei helfen, das herauszufinden.<br />

Sie helfen auch beim Finden von Ärzten oder geeigneten<br />

Therapiezentren.<br />

Was wünschen Sie sich in Zukunft für die Versorgung<br />

von Endometriose?<br />

Ich wünsche mir sehr, dass die Erkrankung so ernst<br />

genommen wird wie andere häufige Erkrankungen<br />

auch. Es muss ein Netzwerk für betroffene Frauen<br />

geben und eine breiter aufgestellte gute Versorgung.<br />

www.endoladies.de<br />

Ivonne van<br />

der Lee<br />

Gründerin und<br />

Leiterin der Selbsthilfegruppe<br />

Endo<br />

Ladies Stuttgart<br />

Die Lebensqualität sollte im<br />

Vordergrund stehen<br />

Ann-Sophie Knittel erhielt die Diagnose „Endometriose“ im Jahr 2021. Die heute 28-Jährige<br />

ist jedoch nicht nur Betroffene, sie setzt sich auch wissenschaftlich mit der Erkrankung<br />

auseinander.<br />

Text Miriam Rauh<br />

Welche Symptome sind charakteristisch<br />

für die Erkrankung und<br />

wie und wann haben sich diese bei<br />

Ihnen geäußert?<br />

Starke Menstruationsschmerzen werden oft mit<br />

Endometriose in Verbindung gebracht. Allerdings<br />

können Endometrioseherde an unterschiedlichen<br />

Orten und auch zyklusunabhängig auftreten,<br />

Schmerzen im ganzen Körper auslösen und auch<br />

verschiedene Organe befallen, z. B. Bauchfell, Darm,<br />

Blase oder Eierstöcke. Sie wachsen z. T. invasiv, sodass<br />

sie mitunter bleibende Organschäden<br />

verursachen. Auch Unfruchtbarkeit kann eine Folge<br />

von Endometriose sein, dies ist Schätzungen zufolge<br />

bei etwa 40 bis 60 Prozent aller ungewollt<br />

kinderlosen Frauen der Fall. Hinzu kommen Begleiterscheinungen<br />

wie Erschöpfungszustände,<br />

Nervenschmerzen in den Beinen oder im Rücken,<br />

Fibromyalgie oder Migräne. Auch der sogenannte<br />

„Endo-Belly“, der Blähbauch, ist sehr verbreitet.<br />

Ich selbst hatte ganz verschiedene Symptome, die<br />

sich im Laufe der Jahre stark veränderten und den<br />

ganzen Körper betrafen.<br />

Welche Einschränkungen erlebten und erleben<br />

Sie im Alltag?<br />

Ich hatte und habe teilweise starke körperliche<br />

Einschränkungen, fühle mich phasenweise sehr<br />

schlapp und erschöpft, mit Schmerzen im ganzen<br />

Körper. Ich war manchmal mehrere Tage<br />

oder auch eine Woche wie ausgeschaltet und bin<br />

nicht an jedem Tag gleich leistungsfähig, was das<br />

Planen schwer macht. Natürlich ist es auch eine<br />

psychische Belastung, wenn man mit starken Beschwerden<br />

kämpft, die die Lebensqualität beeinträchtigen.<br />

Meine Familie hat mich zum Glück sehr<br />

unterstützt, auch mein Freund und meine beste<br />

Freundin haben viel Verständnis.<br />

Wie viel Zeit verging von den ersten Symptomen<br />

bis zur finalen Diagnose?<br />

Im Juli 2021, sieben Jahre nach den ersten Symptomen,<br />

bekam ich die Diagnose. Ich bin von Arzt<br />

zu Arzt gegangen; alle sagten, dass meine Probleme<br />

stressbedingt seien oder die Schmerzen normal,<br />

viele Frauen müssten da durch. Später wurde eine<br />

gastroenterologische Ursache vermutet. Ich war<br />

aufgrund der starken Schmerzen mehrfach in der<br />

Notaufnahme und bekam auch eine Darmspiegelung.<br />

Dann nahm ich die Pille, die tatsächlich half,<br />

aber nur für kurze Zeit. Schließlich habe ich durch<br />

Zufall auf Instagram von Endometriose gelesen<br />

und sprach meine Gynäkologin darauf an. Eine<br />

Bauchspiegelung bestätigte, dass ich Endometriose<br />

habe. Mein ganzer Bauchraum war entzündet,<br />

auch mein Blinddarm war chronisch gereizt.<br />

Nach jahrelanger Ungewissheit ist die Diagnose<br />

Endometriose für Betroffene oftmals eine<br />

Erleichterung, da die Symptome einen Namen<br />

bekommen. Wie war das bei Ihnen?<br />

Es war tatsächlich sehr erleichternd, endlich zu wissen,<br />

was los ist, auch Gewissheit darüber zu haben,<br />

dass die Schmerzen real und nicht eingebildet oder<br />

psychosomatisch sind. Natürlich erlebte ich das als<br />

Betroffene, aber ständig von Ärzten gesagt zu bekommen,<br />

das könne nicht sein, es wäre alles normal,<br />

bringt einen so ins Zweifeln, dass man seiner<br />

eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut – obwohl<br />

ich z. T. aufgrund meiner Schmerzen tagelang ausgeknockt<br />

war. Eine Diagnose zu haben, erleichtert<br />

den Umgang mit den Schmerzen und hilft auch im<br />

Umgang mit anderen.<br />

Im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit über den<br />

„langen Weg zur Diagnose“ konnten Sie sich<br />

mit vielen Betroffenen austauschen. Wie würden<br />

Sie die Gespräche kurz zusammenfassen?<br />

Sehr viele berichteten, dass sie zunächst nicht ernst<br />

genommen oder beschwichtigt wurden und dass<br />

ihr Vertrauen in die Ärzte schwand. Im Schnitt dauerte<br />

es acht bis zehn Jahre bis zur Diagnose, in einigen<br />

Fällen waren es sogar über 20. Die Interaktion<br />

zwischen Ärzten und Patienten scheint ein wichtiger<br />

Faktor zu sein. Wenn Ärzte keine Erklärung für<br />

etwas haben, neigen viele dazu, die Symptome vorschnell<br />

auf die psychische Verfassung zu schieben.<br />

Die Verunsicherung, die dadurch eintritt, dass den<br />

Betroffenen niemand glaubt, ist schlimm. Viele berichten<br />

auch, dass sie unter dem Gefühl, ihrer Rolle<br />

als Mutter, Partnerin oder im Beruf nicht mehr<br />

nachkommen zu können, sehr gelitten haben.<br />

Welche Optionen der Behandlung gibt es, und<br />

wie sollten Therapieentscheidungen getroffen<br />

werden?<br />

Es gibt im Wesentlichen zwei Optionen: Hormone<br />

können den Östrogenspiegel senken, da das Östrogen<br />

die Endometrioseherde wachsen lässt. Dies<br />

gelingt allerdings nur bei Patientinnen, die auf die<br />

Hormontherapie ansprechen, und auch Hormone haben<br />

Nebenwirkungen, die es sorgfältig abzuwägen<br />

gilt. Eine Bauchspiegelung ist derzeit die einzige<br />

Möglichkeit, Endometriose sicher zu diagnostizieren.<br />

Hierbei werden meist die sichtbaren Herde<br />

gleich entfernt, um einen zweiten Eingriff zu vermeiden.<br />

In meinen Augen sollte bei der Wahl der<br />

Behandlungsoption immer das Ziel sein, die Lebensqualität<br />

zu erhöhen.<br />

Ich empfehle auch, Endometriose ganzheitlich zu<br />

betrachten, ggf. mit einer Ernährungsumstellung<br />

und Stressreduktion. Auch Struktur kann helfen,<br />

seinen Alltag mit der Erkrankung besser zu bewältigen.<br />

Ann-Sophie<br />

Knittel<br />

Endometriosebetroffene<br />

studio lh


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Intuitive Surgical Deutschland GmbH entstanden.<br />

Endometriose in den Griff bekommen<br />

Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und ist eine chronisch<br />

verlaufende Krankheit. Das heißt aber nicht, dass Betroffene der Erkrankung hilflos ausgeliefert sind.<br />

Welche Therapieoption zu ihnen passt, hängt von vielen Bedingungen ab.<br />

Text Regine Marxen<br />

Prof. Dr.<br />

Achim Wöckel<br />

Klinikdirektor der<br />

Frauenklinik am<br />

Uniklinikum<br />

Würzburg<br />

Die Ursachen für Endometriose sind bisher<br />

weitestgehend unbekannt. Man weiß aber,<br />

dass das gebärmutterähnliche, versprengte<br />

Gewebe am häufigsten innerhalb der Muskelschicht<br />

der Gebärmutter oder in den Eileitern auftreten<br />

kann. Seltener wachsen Endometrioseherde im<br />

kleinen Becken und in der Nähe der Geschlechtsorgane,<br />

des Darms oder der Blase, sehr selten an Lunge oder Herz.<br />

Abhängig vom Differenzierungsgrad reagieren die Endometrioseherde<br />

auf den zyklischen Einfluss der Sexualhormone.<br />

Hormontherapien setzen genau hier an. Sie<br />

stoppen den Menstruationszyklus – und die Endometriose<br />

gleich mit. Mögliche Nebenwirkungen können<br />

Symptome sein, die denen der Wechseljahre gleichen.<br />

Schwere Krankheitsverläufe oder endometriosebedingte<br />

Unfruchtbarkeit können hingegen meistens operativ behandelt<br />

werden. Es wird versucht, das versprengte Gewebe<br />

bei einer Bauchspiegelung mittels Laser, Skalpell<br />

oder Strom zu entfernen. Der minimalinvasive Eingriff<br />

kann auch mithilfe eines roboter-assistierten Operationssystems<br />

durchgeführt werden.<br />

Endometriosezentren: Hohe Auslastung und<br />

Wartezeiten<br />

Fachkundige Hilfe finden Betroffene vor allem in<br />

auf Endometriose spezialisierten, medizinischen Einrichtungen.<br />

Solche Zentren verfügen über interdisziplinäre<br />

Behandlungsansätze und Operationsmöglichkeiten.<br />

„Insbesondere bei fortgeschrittenen Befunden,<br />

mit Verwachsungen und tiefer Harnblasen- oder Darminfiltration,<br />

bieten spezialisierte Zentren oftmals Eingriffe<br />

mit einem roboter-assistierten Operationssystem,<br />

die einen schonenderen Ansatz und erhöhte chirurgische<br />

Präzision ermöglichen", erläutert Prof. Achim<br />

Wöckel, Klinikdirektor der Frauenklinik am Universitätsklinikum<br />

Würzburg. Doch in Relation zur Häufigkeit<br />

der Erkrankung existieren in Deutschland zu wenige<br />

Endometriosezentren.<br />

OP-METHODEN:<br />

ROBOTER-ASSISTIERTE<br />

OPERATION<br />

Gerade bei der Entfernung von komplexen und<br />

ausgedehnten Endometriosebefunden, wie tief infiltrierender<br />

Endometriose, können roboter-assistierte<br />

Operationssysteme eine Alternative zur<br />

konventionellen Laparoskopie sein. Bei einem<br />

roboter-assistierten Eingriff werden an den Armen<br />

des Systems die Instrumente platziert, die durch<br />

zentimeterkleine Schnitte im Bauchraum in den<br />

Körper eingeführt werden. Die Operateurin bzw.<br />

der Operateur kann dann die Arme des Systems<br />

über eine Konsole direkt neben der Patientin<br />

steuern. Die Arme haben einen nahezu uneingeschränkten<br />

Beweglichkeitsgrad auch auf engstem<br />

Raum, was bei einer Endometrioseoperation im<br />

Becken wichtig sein kann.<br />

Die hochauflösende 3D-Bildgebung ermöglicht zudem<br />

eine präzise Entfernung der Endometrioseverwachsungen<br />

bei gestochen scharfer Sicht.<br />

„Die Genauigkeit, die uns die roboter-assistierte<br />

Chirurgie bietet, geht zum Teil über das hinaus,<br />

was das menschliche Auge und die menschliche<br />

Hand bieten können“. so Dr. Anastasia<br />

Altides, Oberärztin der Frauenklinik am Universitätsklinikum<br />

Würzburg und Leiterin des Endometriosezentrums.<br />

Roboter-assistierte Operationen erlauben also ein<br />

sehr präzises und gezieltes Operieren. Durch das<br />

minimalinvasive Vorgehen profitieren Patientinnen<br />

von einer schonenderen Operation und<br />

kleinsten Schnitten, die sowohl in puncto Genesung<br />

als auch mit Blick auf das kosmetische Ergebnis<br />

Vorteile haben können.<br />

Hier mehr erfahren<br />

Dr. Anastasia<br />

Altides<br />

Oberärztin an<br />

der Frauenklinik<br />

und Leiterin des<br />

Endometriosezentrums<br />

am<br />

Uniklinikum<br />

Würzburg<br />

ZERTIFIZIERTE<br />

ZENTREN<br />

Seit 2006 können sich Endometriosezentren zertifizieren<br />

lassen. Die strukturellen und personellen<br />

Anforderungen dafür werden regelmäßig von der<br />

EuroEndoCert im Auftrag der Stiftung Endometriose-<br />

Forschung und der Europäischen Endometriose<br />

Liga überprüft.<br />

Es gibt in Deutschland rund 100 spezialisierte<br />

Praxen, Kliniken und Zentren, hinzu kommen<br />

Kinderwunschzentren und Reha-Kliniken.<br />

Raum für Optimierungen<br />

Aber mit Blick auf die Behandlungsprozesse und Hintergrundforschung<br />

herrscht Optimierungsbedarf. „Endometriose<br />

ist eine Krankheit, die noch nicht vollständig<br />

erforscht ist“, stellt Wöckel fest. Die Bundesregierung<br />

hat den Handlungsbedarf erkannt und will die Endometrioseforschung<br />

mit fünf Millionen Euro fördern.<br />

Ein erster Schritt – jedoch mit Luft nach oben. Frankreich<br />

stellt im Rahmen einer nationalen Strategie zur<br />

Bekämpfung der Krankheit ganze 25 bis 30 Millionen<br />

Euro zur Verfügung. Die Investition ist wichtig für<br />

Patientinnen, denn es herrscht ein akuter Mangel an<br />

Terminen: „Der Beratungs- und Behandlungsbedarf ist<br />

sehr groß und auch in Würzburg ist die Nachfrage hoch,<br />

weshalb es dazu kommen kann, dass mehrere Wochen<br />

Wartezeit für eine Erstvorstellung eingeplant werden<br />

müssen“, sagt Altides.<br />

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt weder eine individuelle Beratung noch enthält er rechtsverbindliche Angaben.<br />

Patienten sollten ihren Arzt konsultieren, um zu entscheiden, ob ein roboter-assistierter Eingriff im individuellen Fall geeignet ist und um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, die Vorteile und Risiken<br />

berücksichtigt. Die individuellen Ergebnisse können von einer Reihe von Faktoren abhängen, unter anderem von Patientenmerkmalen, Krankheitsmerkmalen und/oder der Erfahrung des Operateurs.<br />

© 2023 Intuitive Surgical Operations, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Produkt- und Markennamen/Logos sind Marken oder eingetragene Marken von Intuitive Surgical oder deren jeweiligen Eigentümern.


8<br />

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PCOS – Hormonstörung bei Frauen<br />

Hormone spielen bei vielen Vorgängen im Körper eine wichtige Rolle. Doch was passiert, wenn das Gleichgewicht der weiblichen<br />

und männlichen Hormone aus den Fugen gerät? Das erklärt Prof. Dr. med. Onno E. Janßen im Interview.<br />

Text Alexandra Lassas<br />

Was ist PCOS?<br />

Unter PCOS (Polyzystisches<br />

Ovar-Syndrom) versteht man eine<br />

Hormonstörung bei Frauen.<br />

Um diese Erkrankung zu diagnostizieren,<br />

müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein,<br />

von denen mindestens zwei von drei zutreffen.<br />

Das wichtigste Kriterium ist der Überschuss an<br />

männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie),<br />

welcher entweder durch die Messung<br />

von Testosteron im Blut oder durch eine<br />

erhöhte Wirkung männlicher Hormone im<br />

weiblichen Körper festgestellt werden kann.<br />

Symptome hierfür sind männliche Behaarung<br />

(Hirsutismus), Haarausfall im Kopfbereich und<br />

unreine Haut (vor allem Akne).<br />

Das zweite Symptom ist eine Zyklusstörung,<br />

bei der die Menstruation höchstens neunmal<br />

im Jahr auftritt. Dadurch kommt es seltener zu<br />

einem Follikelsprung und es ist schwieriger,<br />

Kinder zu bekommen. Die nicht gesprungenen<br />

Follikel führen zur Bildung von Zysten. Dies ist<br />

das dritte und letzte PCOS-Kriterium.<br />

Ein weiteres Kriterium, das nicht in der Definition<br />

inkludiert ist, dass einige Betroffene zum<br />

metabolischen Syndrom, das heißt Übergewicht,<br />

Adipositas, und einem erhöhten<br />

Risiko für Gefäßerkrankungen sowie Bluthochdruck<br />

und Zucker- bzw. Fettstoffwechselstörungen<br />

neigen. Je nach Testosteronspiegel sind<br />

diese unterschiedlich stark ausgeprägt. Grundsätzlich<br />

ist festzuhalten, dass bei der Abklärung<br />

eines PCOS Differenzialdiagnosen, d.h. andere<br />

Ursachen für erhöhte männliche Hormone, wie<br />

z. B. das Adrenogenitale Syndrom (AGS), ausgeschlossen<br />

werden müssen.<br />

Welche Symptome sind typisch für das<br />

PCOS?<br />

Typisch ist der Hyperandrogenismus, d.h. eine<br />

starke Wirkung männlicher Hormone im weiblichen<br />

Körper. Dies äußert sich mit Symptomen<br />

wie oben beschrieben. Darüber hinaus erkranken<br />

Frauen mit dieser Erkrankung dreimal<br />

häufiger an der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.<br />

Wie wird PCOS behandelt?<br />

Fast alle Symptome des PCOS lassen sich gut<br />

behandeln. Dies geschieht in der Regel durch<br />

die Einnahme einer Pille, die eine antiandrogene<br />

Komponente enthält, welche das Testosteron<br />

hemmt und die Symptome lindert.<br />

Die Anwendung erfolgt als Langzeittherapie,<br />

deren Wirkung bis zu einem Jahr andauern<br />

kann. Reicht die Therapie mit der Pille nicht<br />

aus, können zusätzlich antiandrogene Medikamente,<br />

z. B. Spironolacton, eingesetzt werden.<br />

Antiandrogene dürfen nur bei sicherer Verhütung<br />

eingesetzt werden, um einem männlichen<br />

Fötus nicht zu schaden. Prinzipiell<br />

können auch andere Medikamente wie etwa Metformin<br />

eingesetzt werden, um z.B. übergewichtigen<br />

PCOS-Patientinnen bei der Gewichtsabnahme<br />

und auch bei unerfülltem Kinderwunsch zu<br />

helfen.<br />

Führt PCOS zwangsläufig zu Unfruchtbarkeit?<br />

Nein, ein erheblicher Anteil an PCOS-Patientinnen<br />

wird spontan schwanger. Bei anderen<br />

Patientinnen kann mit verschiedenen Methoden,<br />

von Lebensstiländerungen bis Gewichtsabnahme,<br />

Stimulationsverfahren oder assistierte Reproduktion<br />

wie etwa In-vitro-Fertilisation (IVF) der<br />

Kinderwunsch häufig erfüllt werden.<br />

Welche Begleiterkrankungen treten auf?<br />

Eine der häufigsten Begleiterscheinungen ist das<br />

metabolische Syndrom, also Übergewicht, Bluthochdruck<br />

und Fettstoffwechselstörungen. Auch<br />

junge Patientinnen erkranken an Diabetes und<br />

vor allem das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes<br />

und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht.<br />

Viele Frauen leiden durch die Veränderungen<br />

ihres Körpers unter hohen psychischen Belastungen,<br />

Unzufriedenheit mit dem Aussehen, einer<br />

verminderten Lebensqualität und damit einhergehenden<br />

Depressionen.<br />

Dieser Begleiterscheinung kann durch Aufklärung<br />

über die Erkrankung, z. B. auch durch die<br />

PCOS-Selbsthilfe, entgegengewirkt werden.<br />

Prof. Dr. med.<br />

Onno E. Janßen<br />

Facharzt für Innere<br />

Medizin, Endokrinologie<br />

und Diabetologie<br />

Hamburg<br />

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH entstanden.<br />

Hashimoto – wenn die Schilddrüse<br />

zu wenig oder zu viel arbeitet<br />

Univ.-Prof. Dr. med. Joachim Feldkamp, Direktor der Bielefelder Universitätsklinik für<br />

Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Infektiologie, erklärt im Interview,<br />

was Hashimoto ist und was die Diagnose für Betroffene bedeutet.<br />

Text Doreen Brumme<br />

Univ.-Prof. Dr.<br />

med. Joachim<br />

Feldkamp<br />

Direktor der Uniklinik<br />

für Allgemeine<br />

Innere Medizin,<br />

Endokrinologie,<br />

Diabetologie und<br />

Infektiologie<br />

Bielefeld<br />

Weitere Informationen<br />

finden Sie unter<br />

www.forumschilddruese.de<br />

MAT-DE-2300665-1.0-02/2023<br />

Diagnose Hashimoto – womit bekommen<br />

Betroffene es zu tun?<br />

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung<br />

der Schilddrüse – es liegt<br />

demnach eine Störung des Immunsystems vor.<br />

Sie wird von „falschen“ Eiweißen (sogenannten<br />

Antikörpern) verursacht, die sich im Blut bilden<br />

und die Schilddrüse „angreifen“. Das kleine Organ,<br />

das unterhalb des Kehlkopfes sitzt, reagiert<br />

darauf mit einer Entzündung, was wiederum<br />

die Produktion der Schilddrüsenhormone beeinträchtigt.<br />

So entsteht typischerweise eine<br />

Schilddrüsenunterfunktion.<br />

Wie zeigt sich die Erkrankung?<br />

Typische Symptome für Hashimoto sind Müdigkeit<br />

und allgemeine Mattheit, verlangsamtes<br />

Denken, Haarausfall und Verstopfung.<br />

Während sich die Schilddrüse bei einem Teil<br />

der Patient*innen vergrößert, schrumpft sie bei<br />

anderen im Verlauf der Krankheit zusammen –<br />

und manchmal verändert sie ihre Größe auch<br />

gar nicht.<br />

Wen trifft Hashimoto?<br />

Mit etwa zwei Prozent ist die Erkrankung in der<br />

deutschen Bevölkerung recht weit verbreitet.<br />

Der Geschlechtervergleich zeigt, dass zehnmal<br />

mehr Frauen als Männer an Hashimoto erkranken,<br />

besondere Häufungen gibt es bei jüngeren<br />

Frauen und älteren Menschen. Zu beobachten<br />

sind zudem familiäre Neigungen für Hashimoto.<br />

Darüber hinaus erleben etwa 5 bis 7 Prozent<br />

der Frauen nach der Geburt eines Kindes meist<br />

eine vorübergehende Hashimoto-Erkrankung.<br />

Grundsätzlich tritt Hashimoto häufig in<br />

Lebensphasen mit starken Hormonveränderungen<br />

(Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre)<br />

auf.<br />

Mit etwa zwei Prozent<br />

ist die Erkrankung<br />

in der deutschen<br />

Bevölkerung recht<br />

weit verbreitet. Der<br />

Geschlechtervergleich<br />

zeigt, dass zehnmal<br />

mehr Frauen<br />

als Männer an<br />

Hashimoto erkranken.<br />

Lässt sich Hashimoto behandeln?<br />

In der Regel sogar sehr gut! Bei der typischerweise<br />

auftretenden Schilddrüsenunterfunktion<br />

wird dem Körper ersetzt, was an Schilddrüsenhormonen<br />

fehlt. Das wird individuell passgenau<br />

gemacht, sodass gut eingestellte Patient*innen<br />

keinerlei Einschränkungen erfahren, weder bei<br />

der Realisierung eines Kinderwunsches noch<br />

bei der Lebenserwartung.<br />

Im Internet liest man, dass Schwangere<br />

mit Hashimoto kein Jod nehmen sollten.<br />

Stimmt das?<br />

Das ist eine falsche Information: Im Jodmangelland<br />

Deutschland ist ein Ausgleich über die Ernährung<br />

sogar zu empfehlen – insbesondere<br />

für Schwangere, deren Bedarf an Jod deutlich<br />

erhöht ist. Und wo wir gerade bei Falschinformationen<br />

sind: Man hört und liest immer<br />

wieder, dass Hashimoto eine Glutenunverträglichkeit<br />

(Zöliakie) begünstige oder gar auslöse.<br />

Dem ist keineswegs so: Fakt ist, dass bei Autoimmunerkrankungen<br />

wie der Hashimoto-Krankheit<br />

ein leicht erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen<br />

besteht. Jede*r 50. Hashimoto-Patient*in<br />

ist beispielsweise auch Zöliakie-Patient*in.<br />

Wo finden Hashimoto-Betroffene, Angehörige<br />

und Interessierte zuverlässige Informationen<br />

zu Hashimoto?<br />

Zum Beispiel im „Forum Schilddrüse“ 1 . Dort bieten<br />

wir als Schilddrüsenexpert*innen wissenschaftlich<br />

gesicherte Informationen zur Schilddrüse,<br />

ihren Erkrankungen und deren Behandlungen<br />

an.<br />

Zudem beantworten wir Fachärzt*innen in Telefonsprechstunden<br />

über das Forum regelmäßig<br />

Fragen zur Schilddrüse, die uns aus aller Welt<br />

erreichen – ich hatte dort schon Anrufer aus<br />

Timbuktu und den USA.<br />

1<br />

https://www.forum-schilddruese.de/service


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Drei Frauen, drei lebensverändernde Diagnosen<br />

FOTO: PIA KRÜGER, PRIVAT<br />

FOTO: CLAUDIA LIANE NEUMANN,<br />

PRIVAT<br />

FOTO: KIRSTEN HAHN, PRIVAT<br />

Meinen Lebensmut verdanke ich<br />

meiner verstorbenen Schwester<br />

Herzliches Lachen und ein Strahlen übers ganze<br />

Gesicht – Pia Krüger, 35, verbreitet gute Laune und<br />

Optimismus. Dass sie heute so im Leben steht und<br />

sogar anderen Menschen Kraft und Mut geben kann,<br />

damit hätte sie selbst lange Zeit nicht gerechnet. Sie<br />

trägt die Genmutation BRCA-1 und hatte eine sehr<br />

hohe Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken.<br />

Text Christina Kempkes<br />

Pia, wodurch hast du erfahren, dass bei dir<br />

die Genmutation BRCA-1 vorliegt?<br />

Vor 10 Jahren ist meine Schwester Manja an<br />

Brustkrebs gestorben. Wir standen uns sehr nahe.<br />

Sie hat mir vor ihrem Tod das Versprechen abgenommen,<br />

dass ich einen Gentest machen lasse. Brustkrebs<br />

war in unserer Familie ein Thema, doch bislang hatte<br />

niemand nach den Gründen gesucht. Meine Mutter erhielt<br />

im Alter von 39 Jahren zum ersten Mal die Diagnose<br />

Brustkrebs, da war ich zwölf. Sie hat mittlerweile<br />

schon mehr als zehn Brustkrebs-Erkrankungen hinter<br />

sich. Manja war erst 28, als sie Brustkrebs bekam.<br />

Leider hat sie den Kampf nicht gewonnen. Zwei Tage<br />

nach Manjas Tod saß ich beim Arzt, um den Gentest<br />

machen zu lassen. Es dauerte einige Wochen, bis ich<br />

das Ergebnis erhielt. BRCA-1-Genträgerin zu sein,<br />

bedeutete in meinem Fall, dass ich eine 86% Wahrscheinlichkeit<br />

hatte, vor 30 an Brustkrebs zu erkranken.<br />

Wie ging es für dich weiter?<br />

Für mich war schnell klar, dass ich meine Brüste loswerden<br />

wollte. Inklusive Wiederaufbau. Doch eine<br />

solche Entscheidung zu treffen, ist alles andere als<br />

leicht. Ich habe leider nach dem ersten Brustaufbau<br />

mit Silikon große Probleme bekommen. Mittlerweile<br />

- 15 Operationen später - geht es mir gut. Meine Brüste<br />

bestehen nun aus Eigengewebe.<br />

Du hast eine lange Zeit mit vielen Schmerzen<br />

und Sorgen hinter dir. Wie gelingt es dir, so voller<br />

Lebensfreude zu sein?<br />

Meine Fröhlichkeit und meinen Lebensmut verdanke<br />

ich nicht zuletzt Manja. Schon die frühe Erkrankung<br />

meiner Mama und meine große Sorge als Jugendliche,<br />

sie zu verlieren, haben mir einen Aha-Moment beschert:<br />

Ich habe nur dieses eine Leben und ich sollte<br />

es in vollen Zügen genießen. Nach dem Tod von Manja<br />

wurde das verstärkt, denn durch sie habe ich noch mal<br />

einen neuen Blick dafür bekommen, auf was es im<br />

Leben ankommt.<br />

Was meinst du genau damit?<br />

Ich kann vieles nicht beeinflussen, aber meine Perspektive,<br />

die ich einnehme. Und ich bin jeden Tag<br />

dankbar. Die Dankbarkeit richtet sich auch an meinen<br />

Körper, der schon einiges für mich durchgestanden<br />

hat. Ich gehe achtsam mit mir selbst um, dazu gehören<br />

die regelmäßige Früherkennung und ein bisschen gesund<br />

zu leben. Wer dabei Hilfe braucht, dem empfehle<br />

ich die kostenlose breastcare App von Pink Ribbon<br />

Deutschland. Die gemeinnützige Organisation kümmert<br />

sich um das Thema Brustkrebs und Gesundheitsvorsorge<br />

in Deutschland. Ich engagiere mich hier seit Jahren<br />

ehrenamtlich.<br />

Worin besteht dein Engagement?<br />

Ich setze mich für die Pink Kids ein, Jugendliche,<br />

deren Mütter an Brustkrebs erkrankt sind. Wir stärken<br />

die jungen Menschen, die aufgrund der Erkrankung<br />

ihrer Mütter eine schwierige Zeit durchmachen. Diese<br />

Situation kenne ich nur zu gut. All die Erfahrungen,<br />

die ich gemacht habe, sind nun nützlich und helfen<br />

mir dabei, viel Positives zu bewirken!<br />

www.breastcare.app | www.pink-kids.de<br />

Darmkrebs mit 28: Ein Appell<br />

Claudia Liane Neumann erhält unter 30 die Diagnose<br />

Darmkrebs. Länger schon hatte sie Symptome ignoriert,<br />

und an Krebs hätte sie erst recht nicht gedacht. Heute<br />

– mit 35 Jahren – steht sie voll im Leben, will ihr Leid<br />

anderen ersparen.<br />

Text Carsten Frederik Buchert<br />

Die Symptome waren eindeutig: Stuhlunregelmäßigkeiten,<br />

Blut im Stuhl, Schmerzen beim<br />

Sitzen. Aber Claudia Neumann hat dies als<br />

Begleiterscheinungen ihrer damaligen stressigen<br />

Situation abgetan. Doch nach einem Besuch bei der<br />

Hausärztin wird sie sofort zur Koloskopie geschickt.<br />

Da bei vielen jungen Erwachsenen eine mögliche<br />

Krebserkrankung im Darm oft nicht als Ursache für<br />

die Beschwerden in Betracht gezogen wird, ist dies<br />

keine Selbstverständlichkeit. Das Klischee „Krebs im<br />

Alter“ ist immer noch weit verbreitet, obwohl Darmkrebs<br />

auch bei Menschen unter 50 auftreten kann.<br />

Tendenz steigend!<br />

Claudia Neumann hatte damals großes Glück mit<br />

ihrer Ärztin und erhielt im April 2015 die Diagnose<br />

Kolorektalkarzinom im metastasierten Stadium mit<br />

einer fünf-Jahres-Überlebenschance von unter 30%.<br />

Ein Schock für die junge Frau die mit Karriere und<br />

Hausbau beschäftigt ist und frisch verheiratet. Nach<br />

etlichen Operationen, Bestrahlung und Behandlung<br />

ist Claudia Neumann jetzt gesund. Sie arbeitet im<br />

Bereich Medizintechnik und hat auch beruflich mit<br />

der Darmkrebsvorsorge zu tun. Zu ihren Produkten<br />

zählt eine Koloskopiekapsel, die Kameras und Lichtquellen<br />

enthält und im Darm verdächtige Gewebeveränderungen<br />

fotografiert. Als Patientenvertreterin<br />

und anerkannte Sprecherin setzt sie sich für die Verbesserung<br />

der onkologischen Versorgung, speziell<br />

für jüngere Patienten, ein. Für ihr Engagement in der<br />

Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs wurde sie<br />

2018 mit dem Ehrenfelix der Felix Burda Stiftung ausgezeichnet.<br />

Dank ihrer Initiative wurde die Kryokonservierung<br />

– das Einfrieren von Eizellen und Sperma<br />

– für junge Krebsbetroffene seit Juli 2021 zur Leistung<br />

der gesetzlichen Krankenkassen. „Dass ich so krank<br />

war, ergibt auf diesem Weg jetzt Sinn. Ohne mein<br />

eigenes Schicksal hätte ich mich sicherlich nicht so<br />

für das Thema engagiert.“<br />

Bleibe hartnäckig und<br />

lass es abklären.<br />

Ihre Empfehlung:<br />

„Bei Symptomen wie lang anhaltende Bauchschmerzen,<br />

Stuhlunregelmäßigkeiten und vor allem bei Blut<br />

im Stuhl ist es wichtig, diese Probleme beim Hausarzt<br />

anzusprechen. Es gibt kein zu jung für Darmkrebs –<br />

das ist Fakt, aber leider nicht jedem Arzt bewusst.<br />

Bleibe hartnäckig und lass es abklären“, so ihr Rat.<br />

Zudem empfiehlt sie, in der Familie über Krebs zu<br />

sprechen, um herauszufinden, welche onkologische<br />

Geschichte in der Verwandtschaft vorliegt. Mit dem<br />

Wissen über familiäre Krebserkrankungen lässt sich<br />

feststellen, ob ein erhöhtes Risiko besteht, früher als<br />

andere zu erkranken. So können Untersuchungen schneller<br />

von Ärzten in Betracht und eingeleitet werden.<br />

www.felix-burda-stiftung.de<br />

"Informieren Sie sich,<br />

achten Sie auf sich und werden<br />

Sie Ihre eigene Expertin"<br />

Kirsten Hahn, im Vorstand des Vereins für Gynäkologische<br />

Krebserkrankungen e. V. über ihre Diagnose:<br />

Eierstockkrebs(ESK).<br />

Text Alexandra Lassas<br />

Wie und wann wurde bei Ihnen ESK festgestellt?<br />

Welche Symptome haben Sie veranlasst<br />

sich untersuchen zu lassen?<br />

Mit 48 Jahren, im August 2015, bekam ich eine<br />

sehr schmerzhafte Regelblutung, die nur durch<br />

hoch dosierte Schmerzmittel erträglich war. Zuvor<br />

litt ich schon eine längere Phase unter Müdigkeit,<br />

Erschöpfung, nervösen Blasenbeschwerden und<br />

einem leicht aufgeblähten Bauch. Nach dem Rat<br />

meiner Ärztin suchte ich die Schmerzsprechstunde<br />

einer Klinik mit Schwerpunkt Endometriose auf, wo<br />

sich der Verdacht erhärtete und mir eine Gebärmutterentfernung<br />

im Rahmen einer Bauchspiegelung empfohlen<br />

wurde. Fünf Tage nach der Operation wurde<br />

mir von der Klinik geraten, auch die Eierstöcke entfernen<br />

zu lassen, da der Befund nun eher auf einen<br />

Borderline-Tumor hindeutete. Nach dieser Diagnose<br />

recherchierte ich und informierte mich selbst.<br />

Dabei stieß ich immer öfter auf die Problematik, dass<br />

diese Tumore oft falsch diagnostiziert werden und<br />

eine Zweitmeinung ratsam sei. Ich nahm Kontakt mit<br />

dem Kompetenzzentrum der Kliniken Essen-Mitte im<br />

Huyssensstift auf, wurde dort beraten und über den<br />

Umfang einer kompletten Operation aufgeklärt. Die<br />

erneute Untersuchung des entfernten Gewebes ergab<br />

Eierstockkrebs. Durch die Zweitmeinung und den<br />

richtigen Befund wurde ich leitliniengerecht operiert<br />

und habe eine höhere Lebenserwartung.<br />

Gibt es Früherkennungsmaßnahmen?<br />

Bis heute gibt es leider keine wirksame Früherkennung<br />

beim ESK. Jede Frau sollte aber regelmäßig ihre<br />

Frauenärztin oder ihren Frauenarzt aufsuchen und<br />

immer dann informieren, wenn sich etwas verändert<br />

hat, z. B. häufiger Harndrang, verändertes Stuhlverhalten,<br />

Zunahme des Bauchumfangs, Beschwerden<br />

beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen im Unterleib,<br />

Müdigkeit. Leider sind dies aber auch alles Symptome,<br />

die auf viele andere Krankheiten hinweisen<br />

können, und so gibt es keine eindeutigen Warnzeichen.<br />

Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?<br />

Nach der ausgedehnten Operation und während<br />

der Chemotherapie bin ich wieder ins Berufsleben<br />

zurückgekehrt und habe versucht, mich weiter zu<br />

informieren, denn die Nebenwirkungen erforderten<br />

eine ständige Behandlung. Es ist gut, über seine<br />

Krankheit Bescheid zu wissen und dieses Wissen im<br />

besten Fall auch weiterzugeben.<br />

Was raten Sie jeder Frau, die die Diagnose ESK gestellt<br />

bekommt?<br />

Nutzen Sie das kollektive Wissen von Eierstockkrebs-<br />

Selbsthilfegruppen, besuchen Sie Veranstaltungen<br />

und sprechen Sie mit medizinischen Experten, um<br />

sich über den aktuellen wissenschaftlichen Stand<br />

zu informieren. Ich persönlich habe die Erfahrung<br />

gemacht, dass man nur auf gut gestellte Fragen richtige<br />

und ausführliche Antworten bekommt, die einem<br />

weiterhelfen. Und der wichtigste Rat: Gönnen Sie sich<br />

viel Zeit ohne das Thema Krebs und genießen Sie das<br />

Leben mit Ihren Angehörigen.<br />

www.eskd.de


ERDBEBEN<br />

TÜRKEI UND SYRIEN<br />

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Starke Erdbeben haben in der Türkei und Syrien ein unvorstellbares Ausmaß der Zerstörung<br />

hinterlassen. Viele Menschen sind tot und Tausende verletzt. Aktion Deutschland Hilft<br />

leistet Nothilfe. Mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Hilfe.<br />

Helfen Sie jetzt – mit Ihrer Spende!<br />

Spendenkonto: DE62 3702 0500 0000 1020 30<br />

Jetzt spenden: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

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