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MANAGEMENT

RECRUITING III

Kontakt halten

Will eine Sparkasse Akademiker für sich gewinnen, bedeutet

das Geduld und langfristige Aufbauarbeit. Denn Hochschul-

absolventen kommen und bleiben in der Regel nicht von allein.

� VON ANDREA BITTELMEYER

Einen vorbildlichen Werdegang innerhalb

der Sparkassen-Finanzgruppe

hat Wolfram Münch, Vorstandsmitglied

bei der Sparkasse Bayreuth, vorzuweisen:

Der heute 45-Jährige absolvierte seine

Ausbildung bei der Landessparkasse zu

Oldenburg, anschließend studierte er in

Göttingen Betriebswirtschaft. Während

dieser Zeit wurde er vom Nachwuchsförderkreis

seines ehemaligen Arbeitgebers

unterstützt. Zudem erhielt er ein Stipendium

der Eberle-Butschkau-Stiftung,

die in der Sparkassen-Finanzgruppe

den Kontakt zu engagierten

jungen Menschen hält,

die nach ihrer Ausbildung ein

Studium beginnen. Die Idee:

Sie sollen an die Sparkasse und

die anderen Unternehmen der

Gruppe gebunden werden.

Bei Münch zumindest ist dieser

Plan aufgegangen: Gleich

seine erste Praktikumsstelle

fand er über die Eberle-Butschkau-Stiftung

– kurz Ebusti – bei

der Sparkasse Rügen, die damals

die aufregenden Zeiten

der Wende durchlebte. Regelmäßig

arbeitete er während

der Semesterferien dort. Sehr

schnell übernahm er Verantwortung.

Unmittelbar nach seinem

Studium stieg er bei dem

Institut als Marktbereichsleiter

ein und war für die Geschäftsstellen

der bekannten Ostseebäder

verantwortlich, in die damals

kräftig investiert wurde.

Später leitete Münch die Kreditabteilung,

dann wurde er Vorstandsmitglied. Nach

insgesamt 13 Jahren Rügen wechselte er

im Jahr 2007 in den Vorstand der größeren

Sparkasse Bayreuth.

Zu wenige Akademiker in Sparkassen

„Ohne die Eberle-Butschkau-Stiftung

wäre der Kontakt zur Sparkasse Rügen

wahrscheinlich nicht entstanden“, sagt

Münch, der damals zu den ersten Stipendiaten

zählte. Die Stiftung wiederum

freut sich, den Sparkassen einen

hochqualifizierten Mitarbeiter erhalten

zu haben. Schließlich hat sie es sich seit

Jahren zum Ziel gesetzt, die Akademiker-

„Eine Sparkasse

muss

auch einen

Führungsstil

anstreben,

der der

Arbeitsweise

von Hochschulabsolventengerecht

wird.“

Prof. Thomas

Spengler, Leiter des

Forschungszentrums

für Sparkassenentwicklung,

Magdeburg

quote in der Sparkassen-Finanzgruppe

zu erhöhen. Diese ist im Vergleich zu den

Großbanken mit 12,4 Prozent vergleichsweise

niedrig. Bei den Sparkassen, die

mit rund 260.000 Angestellten den Großteil

ausmachen, haben sogar nur 7,8 Prozent

der Mitarbeiter einen akademischen

Abschluss. Wesentlich höher ist der Anteil

in den Verbänden, bei den Landesbanken

und der DekaBank (siehe auch

Titelinterview Seite 16 ff).

Damit fällt ins Auge, dass die Akademikerquote

bei den Sparkassen weit

unter dem Bevölkerungsdurchschnitt

liegt, der derzeit bei den 25-

bis 34-Jährigen 25,7 Prozent

beträgt. Das weckt zumindest

Diskussionsbedarf. Denn, so erklärt

etwa Professor Eberhard

Stickel, Rektor der Hochschule

der Sparkassen-Finanzgruppe

in Bonn: „Viele Kunden haben

selbst einen akademischen Titel

und erwarten eine Beratung

auf Augenhöhe.“

Bärbel Kaatz, Leiterin der

Eberle-Butschkau-Stiftung,

konstatiert: „Wenn wir in allen

Bereichen die Qualitätsberater

sein wollen, müssen wir entsprechend

dem Trend in der

Gesellschaft den Akademikeranteil

erhöhen.“ Für besonders

wichtig hält die Expertin

aus der Wissenschaftsförderung

des DSGV dies in den Bereichen

Firmenkunden und

Vermögensberatung.

Auch Professor Thomas

Spengler von der Universität

Magdeburg, der dort das Forschungszentrum

für Sparkassenentwicklung leitet,

empfiehlt den Sparkassen, sich mit den

steigenden Anforderungen der Kunden

auseinanderzusetzen. „In einer sich wandelnden

Welt müssen Sparkassen den

künftigen Qualifikationsbedarf ihrer Mitarbeiter

kritisch hinterfragen“, erklärt

er. Wichtig sei nicht nur der Kontakt zu

den Hochschulen, um geeignete Bewerber

für sich zu gewinnen. Eine Sparkasse

müsse auch ihre Attraktivität für Akademiker

prüfen und etwa einen Führungsstil

anstreben, der der Arbeitsweise von

Hochschulabsolventen gerecht wird.

Kaatz bietet mit der Eberle-Butschkau-

SPARKASSE DEZEMBER 2011

Absolventen der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe.

Rund 1000 von ihnen

führen die Bachelor- und Master-Grade der

Einrichtung. FOTO: HOCHSCHULE DER SFG

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