30.08.2017 Aufrufe

Cruiser im September 2017

Cruiser im September: Wir haben eine Regenbogenfamilie besucht und nachgefragt, wie einfach oder schwierig sich diese Lebensform gestaltet. Ausserdem: Das grosse Interview mit Richard Gere und: Wie steht es eigentlich um LGBT* Flüchtlinge?

Cruiser im September: Wir haben eine Regenbogenfamilie besucht und nachgefragt, wie einfach oder schwierig sich diese Lebensform gestaltet. Ausserdem: Das grosse Interview mit Richard Gere und: Wie steht es eigentlich um LGBT* Flüchtlinge?

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cruiser<br />

SEPTEMBER <strong>2017</strong> CHF 7.50<br />

DAS GRÖSSTE<br />

SCHWEIZER<br />

GAY-MAGAZIN<br />

1<br />

GAY…<br />

UND KIND?<br />

KLAR DOCH!<br />

DAVID HASSELHOFF<br />

Das grosse Interview<br />

LGBT*-FLÜCHTLINGE<br />

Keine Chance auf eine Zukunft?<br />

REGENBOGENFAMILIEN<br />

Postmoderne Rollenbilder<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


2<br />

SLIPPERY<br />

SUBJECTS<br />

Securion<br />

kommt.<br />

Mach dich bereit!<br />

Kein Risiko <strong>im</strong> Oktober, HIV-Test <strong>im</strong><br />

November. drgay.ch/securion<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


3<br />

EDITORIAL<br />

Liebe Leser<br />

In den 30 Jahren <strong>Cruiser</strong> hat es bisher noch nie ein Kind aufs Cover<br />

geschafft. Nicht, weil wir das nicht wollten, sondern weil es keinen<br />

Sinn gemacht hätte. Zu <strong>Cruiser</strong>-Gründerzeiten hätte es kaum einer zu<br />

träumen gewagt, dass das Thema «Adoption» oder «Regenbogenfamilie»<br />

je eines werden würde. Dass das so ist, ist eine tolle Leistung<br />

von unseren «Vorkämpfern». Nur – wie der Artikel ab Seite 4 zeigt,<br />

sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir haben in unserer Titelgeschichte<br />

auch eine Weltkarte mit dem Status-Quo der aktuellen Situation rund<br />

um die LGBT*-Akzeptanz – es gibt <strong>im</strong>mer<br />

noch erschreckend viele rote Stellen auf dieser<br />

Karte. Rot bedeutet, dass gleichge schlechtliche<br />

Liebe nicht akzeptiert ist oder sogar mit<br />

dem Tod bestraft wird. Aus diesem Grund<br />

müssen queere Menschen aus ihrer He<strong>im</strong>at<br />

fliehen. Queere Flüchtlinge sind daher ebenfalls<br />

ein Thema in dieser Ausgabe.<br />

Herzlich; Haymo Empl<br />

Chefredaktor<br />

INHALT<br />

4 Thema<br />

Queer und Familie<br />

8 Reportage Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar<br />

11 Interview Richard Gere<br />

14 kulutr national & international<br />

16 Thema LGBT*-Flüchtlinge<br />

19 kolumne michi rüegg<br />

20 kultur buchtipp<br />

21 kolumne mirko<br />

IMPRESSUM<br />

CRUISER MAGAZIN PRINT<br />

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269<br />

(1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)<br />

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media<br />

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch<br />

Chefredaktor Haymo Empl<br />

Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl<br />

Bildredaktion Haymo Empl, Astrid Affolter. Alle Bilder<br />

mit Genehmigung der Urheber.<br />

Art Direktion Astrid Affolter<br />

Agenturen SDA, DPA, Keystone<br />

Autor_Innen Vinicio Albani, Anne Andresen,<br />

Yvonne Beck, Haymo Empl, Andreas Faessler,<br />

Birgit Kawohl, Moel Maphy, Michi Rüegg,<br />

Alain Sorel, Peter Thommen<br />

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl<br />

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch<br />

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30<br />

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare<br />

Druck Druckerei Konstanz GmbH<br />

Wasserloses Druckverfahren<br />

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE<br />

<strong>Cruiser</strong> | Clausiusstrasse 42, 8006 Zürich<br />

redaktion@cruisermagazin.ch<br />

Telefon +41 (0)44 586 00 44 (vormittags)<br />

Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende<br />

Angaben auf www.cruisermagazin.ch<br />

Der nächste <strong>Cruiser</strong> erscheint am 1. Oktober <strong>2017</strong><br />

Wir vom <strong>Cruiser</strong> setzen auf eine grösstmögliche Diversität<br />

in Bezug auf Gender und Sexualität sowie die Auseinandersetzung<br />

mit diesen Themen. Wir vermeiden darum Eingriffe<br />

in die Formulierungen unserer Autor_Innen in Bezug auf<br />

diese Bereiche. Die von den Schreibenden gewählten<br />

Bezeichnungen können daher zum Teil von herkömmlichen<br />

Schreibweisen abweichen. Geschlechtspronomen werden<br />

entsprechend <strong>im</strong>plizit eingesetzt, der Oberbegriff Trans*<br />

beinhaltet die entsprechenden Bezeichnungen gemäss<br />

Medienguide «Transgender Network Schweiz». Um es kurz<br />

zu machen: Im <strong>Cruiser</strong> schreiben die Menschen als solche.<br />

22 Serie Was macht eigentlich …<br />

25 kultur buchtipp<br />

26 NEWS national & international<br />

28 Interview Regenbogenfamilien<br />

31 marktplatz kleinanzeigen<br />

32 RATGEBER DR. GAY<br />

33 KOLUMNE PETER THommen<br />

34 Flashback cruiser vor 30 Jahren<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


4<br />

thema<br />

Queer und Familie<br />

ÜBER DEN ALLTAG ALS<br />

REGENBOGEN FAMILIE<br />

Als homosexuelles Paar mit Kindern<br />

steht man mit seiner Idee von Familie<br />

oft noch recht allein auf weiter Flur.<br />

Doch es gibt es <strong>im</strong>mer mehr Paare, die<br />

sich dazu entschliessen, sich gemeinsam<br />

ihren Kinderwunsch zu erfüllen.<br />

Bis Regen bogen familien zum normalen<br />

Gesellschaftsbild gehören, braucht<br />

es noch Zeit, angepasste Ge setze –<br />

und vor allem Aufklärungsarbeit.<br />

Livia und Tatjana haben sich für Kinder entschieden:<br />

Noch sind Regenbogenfamilien die Ausnahme.<br />

Vo n A n n e A n d r e s e n<br />

Livia und Tatjana sind um die dreissig<br />

und haben sich schon früh dafür entschieden,<br />

gemeinsam eine Familie zu<br />

gründen. Trotzdem hat es eine Zeit gedauert.<br />

«In anderen Beziehungen ist die Familienplanung<br />

etwas, auf das man es vielleicht<br />

eher ankommen lassen kann. Aber für uns<br />

war klar, dass es ein gemeinsamer Weg<br />

wird, den, der seine Herausforderungen mit<br />

sich bringt.» Heute sind sie Mütter von zwei<br />

Kindern und glücklich, dass sich ihr<br />

Wunsch erfüllt hat. Dass sie als Familie auf<br />

der Strasse oftmals noch mit Vorurteilen<br />

konfrontiert sind, nehmen die beiden mit<br />

Humor. Auf Fragen wie «Wer ist denn bei<br />

euch der Papa?» reagieren sie inzwischen<br />

gelassen. «Die Gesellschaft ist eben noch<br />

nicht so weit, die Bilder in den Köpfen sind<br />

noch <strong>im</strong>mer am klassischen Familienmodell<br />

orientiert. Für uns als Familie steht da<br />

ein gesellschaftlicher Auftrag <strong>im</strong> Fokus,<br />

aufzuzeigen, dass unser Familienmodell<br />

auch eine Möglichkeit von vielen ist.» Dabei<br />

sei es egal, ob man in Berlin oder in Oberbayern<br />

lebe, sagen sie, die Fragen seien<br />

überall dieselben.<br />

Auch dass das Gegenüber oftmals bereits<br />

<strong>im</strong> zweiten Satz verblüfft fragt «Wie habt<br />

ihr denn das gemacht?», gehört zu den normalen<br />

Situationen, die man als Queerfamily<br />

auf der Strasse erlebt. Die Grenzen zur Int<strong>im</strong>sphäre<br />

werden da schnell einmal eingerissen.<br />

Dabei würde niemandem in den Sinn<br />

kommen, ein heterosexuelles Pärchen zu<br />

fragen, wie sie ihr Kind gemacht haben, obwohl<br />

Sex dafür schon lange keine Voraussetzung<br />

mehr ist und Fruchtbarkeitsprobleme<br />

heutzutage in <strong>im</strong>mer mehr Beziehungen<br />

Thema werden. Wo man über Daniela und<br />

Stephan die heisse Information gern hinter<br />

vorgehaltener Hand weitergibt, ist es bei<br />

homosexuellen Paaren eben offensichtlich,<br />

dass man Tricks angewendet hat, um an ein<br />

Kind zu kommen. Dies sei eben eine Frage,<br />

die beantwortet sein will, meinen die beiden.<br />

Wenn irgendwann der Wunsch nach<br />

einer eigenen Familie da ist, sehen sich Paare<br />

oftmals als erstes mit der Frage konfrontiert:<br />

Wie soll das gehen? Denn die Wege<br />

zum eigenen Kind sind oftmals verschlungen.<br />

Das Gesetz verwehrt gleichgeschlechtlichen<br />

Paaren noch <strong>im</strong>mer Methoden, die<br />

heute dank der modernen Medizin heterosexuellen<br />

Paaren und sogar alleinstehenden<br />

Personen offenstehen. Und das, wo sie<br />

biologisch gegenüber heterosexuellen Paaren<br />

sowieso benachteiligt sind. Zwar gibt es<br />

auch in der Schweiz seit 2007 die Eingetragene<br />

Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche<br />

Paare, doch anders als verheiratete<br />

Ehepaare dürfen sie weder Kinder<br />

adoptieren noch reproduktionsmedizinische<br />

Hilfe in Anspruch nehmen.<br />

Auch die Adoption eines Kindes ist für<br />

gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt.<br />

Anders in Deutschland: Seit diesem Juni<br />

wurde <strong>im</strong> Bundestag die Ehe für alle angenommen,<br />

und damit wird in unserem Nachbarland<br />

ab Oktober auch die Adoption für<br />

gleichgeschlechtliche Paare möglich sein.<br />

Die Stiefkindadoption, d.h. die Adoption<br />

eines in die Partnerschaft mitgebrachten<br />

Kindes (beispielsweise aus einer früheren<br />

heterosexuellen Beziehung) ist auch in der<br />

Schweiz möglich, sich als homosexuelles<br />

Paar für eine Adoption zu bewerben jedoch<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


thema<br />

Queer und Familie<br />

5<br />

nicht. Dabei können selbst Alleinstehende<br />

in der Schweiz Kinder adoptieren.<br />

Nur die Stiefkindadoption ist möglich<br />

Die Stiefkindadoption, d.h., die Adoption<br />

eines in die Partnerschaft mitgebrachten<br />

Kindes (beispielsweise aus einer früheren<br />

heterosexuellen Beziehung) ist möglich, sich<br />

als homosexuelles Paar für eine Adop tion<br />

zu bewerben, jedoch nicht. Selbst Allein ­<br />

stehende können in der Schweiz Kinder<br />

adoptieren. Ob sie homosexuell sind, spielt<br />

dabei keine Rolle. Eine gesetzliche Schieflage,<br />

durch die Menschen, die mit einer eingetragenen<br />

Lebenspartnerschaft Bindungswillen<br />

und ein stabiles Umfeld zeigen,<br />

anderen gegenüber benachteiligt sind.<br />

Doch mit Mut und der Bereitschaft,<br />

neue und ungewöhnliche Wege einzuschlagen,<br />

lässt sich einiges bewegen, was auf den<br />

ersten Blick schwierig scheint. «Wenn man<br />

den Wunsch hat, als Paar eine Familie zu<br />

gründen und das auf natürlichem Weg nicht<br />

geht, gibt es doch die Möglichkeit, die eigenen<br />

Schubladen <strong>im</strong> Kopf zu hinterfragen<br />

und mutig andere Wege einzuschlagen, die<br />

für beide passen,» sagt Tatjana.<br />

Nicht wenige Paare suchen deshalb<br />

oftmals nach individuellen Lösungen, indem<br />

sie den Kinderwunsch gemeinsam mit<br />

einem Paar des anderen Geschlechts realisieren<br />

oder, wie Livia und Tatjana, privat<br />

nach einem Menschen suchen, der bereit<br />

ist, ihnen zu helfen. Die beiden haben<br />

Das Gesetz verwehrt gleichgeschlechtlichen<br />

Paaren<br />

noch <strong>im</strong>mer Methoden, die<br />

heterosexuellen Paaren<br />

und sogar alleinstehenden<br />

Personen offenstehen.<br />

schliesslich eine Annonce geschaltet, da der<br />

Weg über Samenbanken für sie nicht infrage<br />

kam. «Natürlich sind von 100 Zuschriften<br />

99 unseriös, da sind alle Klischees dabei, die<br />

man sich vorstellen kann,» sagt Livia. Aber<br />

letztendlich haben sie dann doch sehr<br />

schnell jemanden gefunden, zu dem sie<br />

Vertrauen hatten. Und natürlich habe es<br />

sich gelohnt, sagen sie, für die zwei tollen<br />

Kinder, die sie jetzt miteinander haben.<br />

Schwierige Lage für Männerpaare<br />

Dass die Lage sich für Männerpaare nochmals<br />

schwieriger gestaltet, liegt nur bedingt<br />

in der Natur begründet, auch hier ist die Gesetzeslage<br />

schwierig. So ist zwar die Samenzellenspende<br />

legal, die Eizellenspende jedoch<br />

nicht. «Wenn eine Frau einem Paar das<br />

ermöglichen will, soll sie das bitte tun dürfen!<br />

Das ist einfach eine unglaubliche Hilfe,<br />

die eine Beziehung glücklich machen kann.<br />

Das würde für Männerpaare viel vereinfachen,»<br />

findet Tatjana. Männliche Paare<br />

reisen deshalb oft ins Ausland, um sich den<br />

Wunsch vom eigenen Kind zu realisieren.<br />

Letztlich bieten die neuen Familienmodelle<br />

auch Chancen, vielfältigere und<br />

neue Beziehungen in der Welt zu knüpfen.<br />

Das betrifft nicht nur die Kinder, sondern<br />

auch die Eltern. Zum Vater der Kinder halten<br />

die beiden auch heute noch Kontakt, wobei<br />

sie von vornherein Rechte und Pflichten der<br />

einzelnen Parteien sorgsam fest gehalten<br />

haben. Über rechtliche Grund lagen muss<br />

man sich vorher genau informieren, um die<br />

Kinder opt<strong>im</strong>al abzusichern.<br />

Trotzdem hält die Bürokratie für<br />

Regenbogenfamilien <strong>im</strong>mer wieder ➔<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


6<br />

thema<br />

Queer und Familie<br />

SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVE<br />

ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND INTERSEX A<br />

Greenland<br />

Europe<br />

42 States and 13 entities<br />

Norway Sweden<br />

Iceland<br />

Finland<br />

Russia<br />

Canada<br />

Estonia<br />

Denmark<br />

Ireland UK<br />

Latvia<br />

Lithuania<br />

NL<br />

Belarus<br />

Poland<br />

BE<br />

Germany<br />

CZ<br />

LU LI Slovakia Ukraine<br />

Kazakhstan<br />

Europe 16 States 18 States<br />

AT<br />

France CH<br />

HU MD<br />

Mong<br />

Slovenia<br />

Romania<br />

Italy BA RS<br />

Croatia Bulgaria<br />

SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVERVIEW<br />

Georgia<br />

USA<br />

Portugal Spain<br />

AL<br />

MK<br />

MAY<br />

Andorra<br />

AM Azerbaijan Uzbekistan <strong>2017</strong> Kyrgyzstan<br />

Kosovo Greece Turkey<br />

Turkmenistan<br />

I L G A . Tajikistan O R G<br />

ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND<br />

Tunisia<br />

INTERSEX Cyprus ASSOCIATION<br />

SY<br />

Malta<br />

Morocco<br />

LB<br />

Iraq<br />

China<br />

IL<br />

Iran Afghanistan<br />

Gaza<br />

X<br />

Algeria<br />

KW<br />

Bhutan<br />

Greenland<br />

Libya<br />

Jordan<br />

Pakistan<br />

Nepal<br />

Europe 42 States and 13 entities<br />

The Bahamas<br />

Egypt<br />

Bahrain Qatar<br />

X<br />

X<br />

Dom. Rep.<br />

Mexico<br />

Saudi Arabia<br />

UAEX<br />

Norway Sweden<br />

Cuba Virgin Islands<br />

Iceland<br />

Finland<br />

Russia<br />

India<br />

Myanmar<br />

Jamaica<br />

Puerto Rico<br />

Mauritania<br />

Sudan<br />

Laos<br />

Canada<br />

Estonia<br />

Belize<br />

Mali<br />

Haiti<br />

KN<br />

AG<br />

Niger<br />

Oman<br />

Bangladesh<br />

Denmark<br />

X<br />

Honduras<br />

DM<br />

Ireland UK<br />

Latvia<br />

Cape Lithuania Verde<br />

Thailand<br />

Guatemala<br />

VC<br />

NL<br />

Senegal<br />

Chad<br />

Eritrea<br />

LC<br />

Belarus<br />

Yemen<br />

Poland<br />

El Salvador<br />

Nicaragua<br />

GD<br />

BE<br />

Germany Gambia<br />

BB<br />

CZ<br />

Burkina F.<br />

LU<br />

Panama<br />

TT<br />

Guinea Bissau Guinea<br />

Djibouti<br />

Camb<br />

LI Slovakia Ukraine<br />

Kazakhstan<br />

Europe 16 States 18 States<br />

AT<br />

France CH<br />

HU MD<br />

Nigeria<br />

Mongolia<br />

Costa Rica<br />

Venezuela<br />

Guyana<br />

Slovenia<br />

Romania<br />

GH<br />

South<br />

Somalia<br />

Sierra Leone Ivory<br />

Italy BA RS<br />

Ethiopia<br />

Colombia<br />

Suriname<br />

Croatia Bulgaria Georgia<br />

TG<br />

Central African<br />

Coast<br />

Sudan<br />

Maldives<br />

USA<br />

Portugal Spain<br />

AL<br />

MK<br />

Andorra<br />

AM Azerbaijan Uzbekistan Kyrgyzstan<br />

North Korea<br />

Kosovo<br />

GF<br />

Liberia Benin Cameroon Republic<br />

Sri Lanka Aceh<br />

Greece Turkey<br />

Turkmenistan Tajikistan<br />

Province M<br />

Tunisia<br />

Cyprus SY<br />

Equatorial Guinea<br />

Uganda<br />

Morocco<br />

LB<br />

Iraq<br />

China<br />

South<br />

Malta<br />

Japan<br />

IL<br />

Iran Afghanistan<br />

Korea<br />

Ecuador<br />

Gaza<br />

Congo<br />

Sao Tomé & Principe X<br />

Gabon Rwanda Kenya<br />

Algeria<br />

KW<br />

Bhutan<br />

Libya<br />

Jordan<br />

Pakistan<br />

Nepal D.R.<br />

The Bahamas<br />

Egypt<br />

Bahrain Qatar<br />

X<br />

X<br />

Burundi<br />

Congo<br />

Dom. Rep.<br />

Mexico<br />

Saudi Arabia<br />

UAEX<br />

Tanzania Taiwan<br />

Seychelles<br />

South<br />

Cuba Virgin Islands<br />

Brazil<br />

India<br />

Myanmar<br />

Sumatra<br />

Jamaica<br />

Puerto Rico<br />

Mauritania<br />

Sudan<br />

Laos<br />

Belize Haiti<br />

Peru<br />

Mali<br />

KN<br />

AG<br />

Niger<br />

Oman<br />

Bangladesh<br />

X<br />

Honduras<br />

DM<br />

Cape Verde<br />

Thailand<br />

Comoros<br />

Guatemala<br />

VC<br />

Senegal<br />

Chad<br />

Eritrea<br />

LC<br />

Yemen<br />

Angola<br />

El Salvador<br />

Nicaragua<br />

GD<br />

Gambia<br />

Vietnam<br />

Philippines<br />

BB<br />

Burkina F.<br />

Malawi<br />

Panama<br />

TT<br />

Guinea Bissau Guinea<br />

Djibouti<br />

Cambodia<br />

Nigeria<br />

Costa Rica<br />

Bolivia<br />

Zambia<br />

Venezuela<br />

Guyana<br />

GH<br />

South<br />

Somalia<br />

Sierra Leone Ivory<br />

Ethiopia<br />

Colombia<br />

Suriname<br />

TG<br />

Central African<br />

Coast<br />

Sudan<br />

Maldives<br />

Palau<br />

Mozambique<br />

Mauritius<br />

GF<br />

Liberia Benin Cameroon Republic<br />

Sri Lanka Aceh<br />

Brunei<br />

Province<br />

Namibia<br />

Z<strong>im</strong>babwe Malaysia<br />

Equatorial Guinea<br />

Uganda<br />

Ecuador<br />

Congo<br />

Kenya<br />

Botswana Singapore Madagascar<br />

Paraguay<br />

Sao Tomé & Principe Gabon Rwanda<br />

Indonesia<br />

Nauru<br />

D.R.<br />

Palembang<br />

Kiribati<br />

Chile<br />

Papua New<br />

Burundi<br />

Congo<br />

Guinea<br />

Solomon<br />

Tanzania Seychelles<br />

South<br />

Islands<br />

Samoa<br />

Brazil<br />

Sumatra Swaziland<br />

Tuvalu<br />

Peru<br />

Lesotho<br />

Comoros<br />

T<strong>im</strong>or-leste<br />

Argentina<br />

Angola<br />

Malawi<br />

South Africa<br />

Cook Islands<br />

Bolivia<br />

Zambia<br />

Vanuatu<br />

Mozambique<br />

Mauritius<br />

Uruguay<br />

Namibia<br />

Z<strong>im</strong>babwe<br />

Fiji<br />

Botswana<br />

Madagascar<br />

Tonga<br />

Paraguay<br />

Chile<br />

Australia<br />

Swaziland<br />

Lesotho<br />

Argentina<br />

South Africa<br />

Uruguay<br />

New Zealand<br />

CRIMINALISATION<br />

CRIMINALISATION<br />

PROTECTION<br />

The data represented in these maps<br />

are based on State-Sponsored<br />

RECOGNITION<br />

Homophobia: a World Survey of Sexual<br />

PROTECTION RECOGNITION<br />

Orientation Laws: Cr<strong>im</strong>inalisation,<br />

72 STATES 72 STATES<br />

85 States<br />

8547 States<br />

47 States<br />

Protection and Recognition, an ILGA<br />

Many States run concurrent protections<br />

Many<br />

A small<br />

States<br />

number<br />

run<br />

of States<br />

concurrent<br />

provide for marriage<br />

protections<br />

and partnership concurrently<br />

report by Aengus Carroll and Lucas<br />

A small number of States provide for marriage a<br />

<strong>im</strong>plemented in 8 States (or parts of) 14 Y - life (prison) 14 States<br />

Ramón Mendos. The report and these<br />

<strong>im</strong>plemented in 8 States (or parts of) 14 Y - life (prison) 14 States<br />

maps are available in the six official<br />

DEATH<br />

Constitution<br />

9 States<br />

Marriage 22 States<br />

Joint adoption 26 States<br />

UN languages: English, Chinese, Arabic,<br />

DEATH X not <strong>im</strong>plemented in 5 States<br />

Up to 14 Y 57 States<br />

Employment<br />

72 States<br />

Constitution<br />

9 States<br />

French, Russian and Spanish on<br />

Various<br />

63 States<br />

Marriage 22 States<br />

J<br />

ILGA.org. This edition of the world map<br />

X not <strong>im</strong>plemented in 5 States 'Promotion' laws 3 States Up to 14 Y 57 States<br />

Partnership Employment 28 States<br />

2nd parent 72 adoption States27 States<br />

(May <strong>2017</strong>) was coordinated by Aengus<br />

Religious-based laws alongside<br />

Hate cr<strong>im</strong>e<br />

43 States<br />

Carroll and Lucas Ramón Mendos<br />

the civil code: 19 States<br />

Incitement to hate<br />

39 States<br />

Various<br />

63 States<br />

(ILGA), and designed by Eduardo Enoki<br />

No penalising law<br />

(eduardo.enoki@gmail.com).<br />

'Promotion' laws<br />

Ban on<br />

3<br />

'conversion<br />

States<br />

therapy' 3 states Separate detailed maps for these three categories are produced alongside this Overview map. Partnership 28 States<br />

2<br />

Religious-based laws alongside<br />

Hate cr<strong>im</strong>e<br />

43 States<br />

In green, yellow and orange countries, same-sex sexual<br />

acts were decr<strong>im</strong>inalised or never penalised: 123 States<br />

the civil code: 19 States<br />

Incitement to hate<br />

39 States<br />

No penalising law<br />

Ban on 'conversion therapy' 3 states Separate detailed maps for these three categories are<br />

In green, yellow and orange countries, same-sex sexual<br />

Die aktuelle Situation zur Rechts- und Adoptionlage<br />

acts were<br />

der<br />

decr<strong>im</strong>inalised<br />

LGBT*-Community<br />

or never penalised:<br />

wird<br />

123<br />

jährlich<br />

States<br />

von der ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex<br />

Association) in einer Karte dargestellt. Weitere Informationen auf www.ilga-europe.org.<br />

Über raschungen bereit. Livia, die als Schweizerin<br />

in Deutschland lebt, wird für ihren<br />

leiblichen Sohn einen Schweizerpass bekommen,<br />

für ihre adoptierte Tochter wahrscheinlich<br />

nicht. «Dabei sind die beiden auch<br />

gesetzlich zu 100 % meine Kinder», sagt sie.<br />

Die gesetzlichen Voraussetzungen<br />

sind also auch in Zeiten der Ehe für alle<br />

noch <strong>im</strong>mer alles andere als ideal. Und<br />

leider reklamieren <strong>im</strong>mer wieder selbsternannte<br />

Sittenwächter den politischen<br />

Diskurs für sich. Ob jemand sich zum Elternsein<br />

eignet, entscheiden schliesslich ganz<br />

andere Faktoren als die sexuelle Neigung.<br />

Argumente der Gegner, die das vermeintliche<br />

Kindswohl <strong>im</strong> Blick haben, entbehren<br />

jeder Logik, wenn man bedenkt, dass jedermann,<br />

der dazu biologisch in der Lage ist,<br />

ohne Brief und Siegel Kinder in die Welt setzen<br />

darf. Gerade homosexuelle Paare gehen<br />

oftmals viel reflektierter an das Thema Kinder<br />

heran als manch ein anderer, sind sie<br />

doch von vornherein dazu gezwungen, sich<br />

aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen.<br />

Trotzdem sehen sich gleichgeschlechtliche<br />

Eltern oftmals genötigt zu beweisen<br />

oder zu erklären, dass es ihrem Kind nicht<br />

schlechter geht als anderen. Studien zur Lebenssituation<br />

von Queerkids helfen aufzuklären,<br />

das ist gut. Ihre Existenz zeigt jedoch<br />

gleichzeitig auf, dass wir noch nicht an dem<br />

Punkt sind, Vorurteile, die auf veralteten Moralvorstellungen<br />

basieren, ad acta zu legen.<br />

Dass man die Entwicklung der Geschlechtsidentität<br />

und Persönlichkeit von diesen Kindern<br />

überhaupt speziell untersuchen muss,<br />

ist schliesslich und endlich Beweis für tiefsitzende<br />

Ängste in der Gesellschaft. «Es ist ja<br />

mittlerweile auch für die Kritiker unseres<br />

Familienmodells wissenschaftlich belegt,<br />

dass sich die sexuelle Orien tierung der Eltern<br />

nicht auf die Kinder auswirkt.,» so Livia.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


sliPPery thema<br />

Queer und SubjeCtS Familie<br />

57<br />

RVIEW MAY <strong>2017</strong><br />

olia<br />

SSOCIATION<br />

odia Vietnam<br />

Brunei<br />

alaysia<br />

Singapore<br />

Palembang<br />

VoN MARTIN MüHLHEIM<br />

C<br />

oming-out-Filme gibt es mittlerweile<br />

viele, und entsprechend unterschiedlich<br />

kommen I L G A sie . daher: O R Gleichtfüssig-<br />

komisch wie der britische Klassiker<br />

Beautiful Thing (1996), eher nachdenklich<br />

wie das brasilianische Kleinod Seashore<br />

(2015), bisweilen auch zutiefst tragisch – so<br />

<strong>im</strong> israelischen Drama Du sollst nicht lieben<br />

(2009), das in der ultraorthodoxen Gemeinde<br />

in Jerusalem spielt.<br />

Angesichts solcher Unterschiede erstaunt<br />

es umso mehr, mit welcher Regelmässigkeit<br />

uns Coming-out-Filme Jungs oder<br />

North Korea<br />

Männer zeigen, die – alleine, zu zweit oder in<br />

nd partnership concurrently<br />

South<br />

Japan<br />

Gruppen<br />

Korea<br />

– schw<strong>im</strong>men gehen. Nun könnte<br />

man das natürlich als Zufall oder Nebensächlichkeit<br />

Taiwan<br />

abtun. Bei genauerem Nachdenken<br />

zeigt sich allerdings, dass sich gleich<br />

mehrere<br />

Philippines<br />

Gründe für diese erstaunliche Häufigkeit<br />

finden lassen.<br />

Palau<br />

Indonesia<br />

Nauru<br />

Kiribati<br />

Eine erste, nur Papua scheinbar New<br />

Guinea<br />

Solomon oberflächliche Erklärung<br />

ist, dass (halb)entblösste<br />

Islands<br />

Samoa<br />

Tuvalu<br />

Körper<br />

T<strong>im</strong>or-leste<br />

sich nicht bloss auf der Leinwand, Cook sondern<br />

Islands<br />

Vanuatu<br />

auch auf Filmpostern und DVD-Covern äus-<br />

Fiji<br />

serst gut machen. Schw<strong>im</strong>mszenen<br />

Tonga<br />

bieten<br />

Australia<br />

oint adoption 26 States<br />

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nd parent adoption 27 States<br />

Nackte Haut ohne allzu viel Sex<br />

ein perfektes Alibi für das Zeigen von nackter<br />

Haut: Sex sells, wie es so schön heisst.<br />

Warum «Alibi»? Weil man – gerade bei<br />

produced alongside this Overview map.<br />

New Zealand<br />

Filmen mit jungen Protagonisten – aufpassen<br />

muss: «Sex sells» mag zwar zutreffen,<br />

aber allzu explizite Sexszenen können<br />

schnell mal zu hohen Altersfreigaben führen.<br />

Dies wiederum möchten Filmemacher<br />

in der Regel vermeiden: Filme, die erst ab 18<br />

The data represented in these maps<br />

are based on State-Sponsored<br />

Homophobia: a World Survey of Sexual<br />

Orientation Laws: Cr<strong>im</strong>inalisation,<br />

Protection and Recognition, an ILGA<br />

report by Aengus Carroll and Lucas<br />

Ramón Mendos. The report and these<br />

maps are available in the six official<br />

UN languages: English, Chinese, Arabic,<br />

French, Russian and Spanish on<br />

ILGA.org. This edition of the world map<br />

(May <strong>2017</strong>) was coordinated by Aengus<br />

Carroll and Lucas Ramón Mendos<br />

(ILGA), and designed by Eduardo Enoki<br />

(eduardo.enoki@gmail.com).<br />

Die beiden erinnern sich noch gut an<br />

freigegeben die Besuche sind, vom lassen Jugendamt, sich nämlich als ihre Tochter<br />

<strong>im</strong> einfach Rahmen vermarkten. des Adoptionsverfahrens<br />

Auf Amazon.de<br />

weniger<br />

zum ein Jahr Beispiel lang werden begleitet Filme wurde. mit «Am Altersfreiga-<br />

Anfang<br />

habe 18 nur ich an noch nachweislich Kuchen volljährige gebacken», Personen<br />

Tatjana, verkauft «ich – dachte, und gerade wir machen für Coming- es hier<br />

lacht<br />

out-Filme, irgendwie die nett.» sich Die auch Frau an ein vom junges Jugendamt Publikum<br />

habe richten, dann auch ist dies sehr sicher schnell kein gesehen, wünschenswerter<br />

bei ihnen Effekt. alles in Ordnung ist. «Sie ist ganz<br />

dass<br />

andere Zustände gewohnt in den Haushalten,<br />

die sie betreut. Bei uns war das für<br />

sie dann das Kaffeestündchen zwischendurch.»<br />

(Lacht.)<br />

Filme, die ersT ab 18<br />

FreiGeGeben sind, lassen<br />

sicH nämlicH WeniGer<br />

Das dickere Fell brauchen<br />

einFacH VermarKTen.<br />

nicht nur die Eltern,<br />

SONDERN vor allem auch<br />

die Kinder.<br />

Schw<strong>im</strong>mszenen bieten hier eine perfekte<br />

Kompromisslösung: Man kann nackte<br />

Haut filmisch ansprechend inszenieren, dabei<br />

Die aber Gesellschaft allzu heisse muss Techtelmechtel sich wandeln tugendhaft<br />

Wenn vermeiden es um das (beispielsweise, vermeintliche Kindswohl indem der<br />

Wasserspiegel geht, sieht sich <strong>im</strong>mer eben jeder über eingeladen, der Gürtellinie mitzudiskutieren,<br />

wie <strong>im</strong> denn niederländischen schliesslich Film war jeder Jon-<br />

bleibt,<br />

gens, einmal 2014). Kind Um und das weiss Rezept es deshalb knapp zusammenzufassen:<br />

Gutgemeinte Ratschläge Man nehme von eine älteren grosszügige Damen<br />

besser.<br />

Portion an der Tramstation, feuchter Erotik, dass eine man vorsichtige seinem Baby Prise<br />

doch Sex – bitte und um auch H<strong>im</strong>mels Hochsommer Willen kein Körnchen<br />

Socken Porno. anziehen solle, sind allen<br />

lieber<br />

Eltern<br />

vertraut – bei gleichgeschlechtlichen Paaren<br />

Eingetaucht hört das Einmischen ins Triebleben dann leider erst auf,<br />

Man wenn täte die Grenzen den lesBischwulen zur Int<strong>im</strong>sphäre FilmemacherInnen<br />

eine Weile aber <strong>im</strong> unrecht, Rückspiegel wenn man verschwunden<br />

ihre erzäh-<br />

schon<br />

lerischen sind. Das dickere Entscheidungen Fell brauchen allein nicht auf nur finan-<br />

die<br />

Eltern, sondern vor allem auch die Kinder.<br />

zielles Kalkül reduzieren wollte. Es gibt<br />

nämlich auch ästhetisch-symbolische Gründe,<br />

die Schw<strong>im</strong>mszenen für das Genre interessant<br />

machen.<br />

Da wäre zunächst die Funktion des<br />

Wassers als Symbol für das Unbewusste.<br />

Dieses Unbewusste, so weiss man spätestens<br />

seit Sigmund Freud, hat viel mit der Triebnatur<br />

des Menschen zu tun – und so erstaunt es<br />

nicht, dass Hauptfiguren auf der Suche nach<br />

ihrer sexuellen Identität sozusagen symbolisch<br />

in die Tiefen des Unbewussten eintauchen<br />

müssen, um ihr gleichgeschlechtliches<br />

Begehren Die Gesellschaft zu entdecken. ist noch nicht überall bereit für<br />

neue Familienmodelle.<br />

Figuren in der Schwebe<br />

Darüber hinaus hat die Filmwissenschaftlerin<br />

Franziska Bis eine Heller Gesellschaft in ihrem sich Buch wandelt, über die<br />

Filmästhetik braucht es Zeit. des Fluiden Wichtig (2010) ist, dass gezeigt, man dass sich<br />

schw<strong>im</strong>mende als Eltern der Verantwortung Figuren <strong>im</strong>mer den wieder Kindern als<br />

«schwebende gegenüber bewusst Körper» ist inszeniert und ihnen werden: durch oft<br />

in positives Zeitlupe Vorleben und seltsam beibringt, herausgelöst mit merkwürdigen<br />

sonst Fragen zielstrebig umzugehen. voranschreitenden<br />

«Ich fühle mich<br />

aus<br />

dem<br />

Erzählprozess. schon in einer Dieser Verantwortung, Schwebezustand die Fragen wiederum<br />

zu beantworten, ist eine wunderbare um die Ängste visuelle und Schubladen<br />

für des die Gegenübers Phase kurz vor abzubauen,» dem Coming-out: meint<br />

Metapher<br />

Man Livia ist und nicht Tatjana mehr ergänzt: der oder «Wenn die Alte, jemand aber<br />

auch ehrliches noch Interesse nicht ganz zeigt, in der sage neuen ich <strong>im</strong>mer: Identität Ja,<br />

angekommen. klar kannst du Ein nachfragen. Film macht Es das liegt Schweben ja an uns<br />

sogar wie detailliert explizit zum wir Thema: ausholen In und Kinder da Gottes haben<br />

aus wir dem zum Jahr Schutz 2010 unserer zeigt Romeo Kinder dem klare neurotisch-verklemmtezen.<br />

Nichtsdestotrotz Johnny, braucht wie es befreiend diese Art<br />

Gren­<br />

das von «Floating» Aufklärungsarbeit <strong>im</strong> Meer sein einfach kann. noch.» An<br />

der Beantwortung Neben der Inszenierung dieser Fragen von kann Schwebezuständen<br />

nicht nur ein und einzelnes dem Wasser Kind, als sondern Symbol für die<br />

eben<br />

das ganze Unbewusste Gesellschaft ist drittens wachsen. das Das Motiv Interview von ➔<br />

mit Tatjana und Livia gibt es auf Seite 28.<br />

«Was geht mich meine Gesundheit an!»<br />

Wilhelm Nietzsche<br />

Wir sind die erste Adresse für diskrete Beratung in allen Gesundheitsfragen.<br />

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C R UC IRS UE IR S ES R E PS To EmM mB E R <strong>2017</strong>


8<br />

reportage<br />

Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar<br />

MARY’S OLD TIMERS BAR –<br />

DIE AUFARBEITUNG<br />

EINER SPANNENDEN<br />

GESCHICHTE<br />

Die Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar war das älteste Männer lokal von Zürich. Die Besitzerin<br />

war Mary Lang, die Bar existierte ab 1935. Jetzt wurde erstmals die Geschichte<br />

dieser Bar aufgearbeitet.<br />

war der erste Zutritt fast unmöglich.» Der<br />

ehemalige Journalist Stephan Jarray ist in<br />

einem Aufsatz nun intensiv der Geschichte<br />

der Bar auf den Grund gegangen. Sein Beitrag<br />

ist eben <strong>im</strong> Invertito, einer wissenschaftlichen<br />

Zeitschrift für Homosexualität,<br />

erschienen.<br />

«Nicht jeden liess sie ein.<br />

Man musste klingeln und<br />

ging die Türe auf, richteten<br />

sich alle Blicke auf den<br />

Neuling.»<br />

Bar an der Augustinergasse 14 in Zürich. Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus den späten 1950er-Jahren.<br />

Vo n H ay m o E m p l<br />

Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar: Diese kleine,<br />

gemütliche Bar an der Augustinergasse<br />

14 in der Altstadt von Zürich<br />

gilt bzw. galt als die erste schwule Bar der<br />

Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde<br />

sie international bekannt und blieb es bis<br />

zu ihrer Schliessung <strong>im</strong> Jahr 1975. Ihre langjährige<br />

Wirtin, Mary Lang, verstarb 1977<br />

mit 94 Jahren. Das Schwulenarchiv Schweiz<br />

schreibt: «Mary führte ein klar geregeltes<br />

Reg<strong>im</strong>e. Nicht jeden liess sie ein. Man musste<br />

klingeln und ging die Türe auf, richteten<br />

sich alle Blicke auf den Neuling. Ohne<br />

Begleitung durch einen der Stammgäste<br />

Stephan, warum und wie bist du auf das Mary<br />

Lang und die Männerbar gekommen?<br />

Es war eine Auftragsarbeit. Ende 2014 fragte<br />

mich das Schwulenarchiv an, ob ich den<br />

Nachlass von Mary Lang ordnen und einen<br />

Artikel darüber schreiben wolle. Der Nachlass<br />

umfasst über 1000 Items. Die Arbeiten<br />

sind seit einem Jahr abgeschlossen, nun erscheint<br />

der Artikel «Vom Speakeasy zur<br />

schwulen Herrenbar – Geschichten und Legendenbildung<br />

um die Mary’s Old T<strong>im</strong>ers<br />

Bar in Zürich (1935–1975) und ihre Besitzerin<br />

Mary Lang (1884–1977)» <strong>im</strong> INVERTIER 18,<br />

einer Zeitschrift von schwulen Historikern.<br />

Fotos: Privatarchiv, Schwulenarchiv Schweiz. Fotografen unbekannt.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


eportage<br />

Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar<br />

9<br />

Lang all die Kostbarkeiten entdeckt. Damit<br />

kann endlich – über 30 Jahre nach dem Tod<br />

von Mary Lang – ihr Leben und Wirken rekonstruiert<br />

werden.<br />

Mary in ihrer Bar. Als Frau musste sie ein strenges<br />

Reg<strong>im</strong>ent führen.<br />

Du schreibst, der Besitz von Mary wurde<br />

von der Familie unter Verschluss gehalten.<br />

Weshalb?<br />

Wie es halt so geht: Da stirbt ein Mensch mit<br />

einer ganz speziellen Geschichte, die Verwandtschaft<br />

schämt sich womöglich und<br />

hat keine Ahnung, was sie mit den übrig<br />

Mary Lang: Zeitlebens eine Dame.<br />

gebliebenen Dokumenten anfangen soll. Im<br />

Fall von Mary Lang verteilte ihre Familie<br />

die Belege ihres Lebens auf verschiedene<br />

Mitglieder. Und so gingen die Kisten verloren.<br />

Bis wieder jemand starb, dessen Nachkommen<br />

erneut damit konfrontiert wurden.<br />

2013 hat so der Grossneffe von Mary<br />

Hast oder hattest du irgendeinen persönlichen<br />

Bezug zu Mary Lang?<br />

Nein, ich war noch zu jung, um das Innenleben<br />

der Bar zu entdecken. Aber ich wusste<br />

schon als Jugendlicher, dass es eine ganz<br />

spezielle Bar war – man sprach hinter vorgehaltener<br />

Hand, dass darin nur «Schwule»<br />

verkehren würden. Allerdings ist sie mir<br />

durch die intensive Analyse ihres Nachlasses<br />

und durch Zeitzeugen-Interviews sehr<br />

viel näher gekommen. So nahe, dass ich<br />

<strong>im</strong> Moment an einer Biografie mit dem<br />

Arbeitstitel «Ich bin ein durchgehendes<br />

Fräulein» über sie arbeite. Das Buch soll <strong>im</strong><br />

Verlag CoLibri erscheinen, wir suchen noch<br />

Sponsoren. ➔<br />

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10<br />

reportage<br />

Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar<br />

Eines der letzten Bilder von Mary Lang. Sie wurde<br />

kurz vor ihrem Tod sogar entmündigt.<br />

«Dass <strong>im</strong> Durchschnitt 40 GIs<br />

pro Tag die Bar besuchten,<br />

geht aus den Gästebüchern<br />

hervor – Mary Lang führte<br />

akribisch Buch über ihre<br />

Besucher.»<br />

Die Bar wurde vor allem von amerikanischen<br />

Soldaten besucht. In deinem Aufsatz gehst<br />

du von 40 GIs pro Tag aus, welche die Herrenbar<br />

besucht haben sollen. Wie stellst du den<br />

Bezug zur Homosexualität her? Angaben über<br />

schwule Besucher existieren ja keine.<br />

Nun, während des Zweiten Weltkriegs wurden<br />

16 Millionen US-amerikanische Zivilisten<br />

(GI = Gouvernment Issues = Milizsoldaten)<br />

eingezogen. Darunter waren<br />

natürlich auch viele schwule Männer,<br />

Schätzungen zufolge waren es zwischen<br />

650 000 und 1,6 Millionen. Zu Ende des<br />

Krieges schenkte die US-Armee ihren GIs<br />

eine Woche Ferien in der Schweiz. Innerhalb<br />

von zwei Jahren kamen zwischen<br />

300 000 und 500 000 Soldaten.<br />

Dass <strong>im</strong> Durchschnitt 40 GIs pro Tag<br />

die Bar besuchten, geht aus den Gästebüchern<br />

hervor – Mary Lang führte akribisch<br />

Buch über ihre Besucher. Wieviele davon<br />

schwul waren, kann natürlich nicht mehr<br />

festgestellt werden. Aber wir können mit<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong><br />

Fug und Recht davon auszugehen, dass es<br />

ein nicht unerheblicher Teil war, der in der<br />

Folge auch die lokalen Schwulen anzog, die<br />

auf Uniformen standen.<br />

Im Rahmen der Aufarbeitung des Nachlasses<br />

hast du ja nicht nur die Dokumente ausgewer -<br />

tet, sondern indirekt auch ein gesellschaftliches<br />

Bild zwischen 1940 bis 1970 dargestellt.<br />

Welche Dekade war deiner Meinung nach für<br />

Homosexuelle in Zürich am einfachsten?<br />

Das ist eine schwierige Antwort, denn<br />

un sere Erinnerung reicht normalerweise<br />

höchstens zurück bis zum Beginn der gay<br />

libera tion. Und das war nach 1969 (Stonewall-Aufstand<br />

in der Christopher Street am<br />

28. Juni 1969).<br />

Die Schweiz war 1942 zu einer Art<br />

Insel für Homosexuelle geworden, weil ab<br />

diesem Jahr Homosexualität zwischen erwachsenen<br />

Männern nicht mehr als strafbar<br />

galt, während in den Ländern rundherum<br />

die Gesetze noch extrem blieben, über<br />

viele Jahre hinaus. In England zum Beispiel<br />

blieben homosexuelle Akte bis 1967 strafbar,<br />

auch in den eigenen vier Wänden.<br />

Aber es wäre falsch, daraus zu schliessen,<br />

dass die Schweiz wirklich eine liberale<br />

Insel, ein safe haven, war – nach wie vor<br />

führten die meisten ein Doppelleben, nur<br />

schon aus beruflichen und familiären<br />

Gründen. So passte wohl ein diskreter Ort<br />

wie Mary›s Old T<strong>im</strong>ers Bar gut in dieses<br />

Doppelleben.<br />

Im Mary’s Old T<strong>im</strong>ers Bar gab es für die Herren<br />

strikte Ben<strong>im</strong>mregeln. Was galt es besonders<br />

zu beachten, wie hatte man sich zu verhalten?<br />

Es fing an bei der Kleidung: Ohne Krawatte<br />

und Anzug kam keiner hinein. Zudem gab<br />

es ein Götti-System: Ein Erstbesuch der Bar<br />

war nur möglich, wenn jemand dabei war,<br />

der Mary Lang schon bekannt war.<br />

Die Anmache selber beschrieb ein<br />

Zeitzeuge so: «Das Flirten ging etwa um<br />

halb zwölf so richtig los. Du konntest ja<br />

nicht laut sprechen. Aber du hattest alle <strong>im</strong><br />

Auge und konntest so mit jedem flirten.»<br />

Die eigentliche Kontaktaufnahme fand<br />

dann aber ausserhalb der Bar statt.<br />

1974 wurde Mary 90 Jahre alt, sie galt als<br />

älteste Barmaid der Schweiz. Du sprichst von<br />

einem «traurigen Ende» der Bar. Warum?<br />

Unterdessen gab es andere Schwulen-Bars<br />

in Zürich. Und die waren mehr mit der Zeit<br />

gegangen, insbesondere nach der «gay liberation».<br />

Die Zeit der Mary›s Old T<strong>im</strong>ers Bar<br />

war vorbei, es brauchte keinen Hafen mehr<br />

für all jene, die ein Doppelleben führen wollten<br />

oder mussten. Zudem war Mary physisch<br />

nicht mehr in der Lage, den Laden alleine zu<br />

führen. Und zu guter Letzt machte sich ihre<br />

Familie stark, ihr allfällig angesammeltes<br />

Vermögen selber zu brauchen. So wurde sie<br />

zuerst in eine Alterswohnung gesteckt, dann<br />

in eine Pension in der Innerschweiz, wo<br />

sie – möglicherweise verwirrt, vermutlich<br />

sogar entmündigt – am 17. Juli 1977 verstarb.<br />

«Ein Erstbesuch der Bar<br />

war nur möglich, wenn<br />

jemand dabei war, der Mary<br />

Lang schon bekannt war.»<br />

Was war denn Mary Lang deiner Meinung<br />

nach nun für eine Person?<br />

Wie muss eine Frau beschaffen sein, um<br />

sich erfolgreich in der Männerwelt durchzusetzen?<br />

Diese Frage stellt sich ja heute<br />

auch noch, aber damals, vor über hundert<br />

Jahren, war es wohl fast unmöglich, ohne<br />

eine gewisse Härte beruflich erfolgreich zu<br />

sein. Sie galt als liebenswürdig, aber unnahbar.<br />

Und es scheint, als habe sie sich nur<br />

beruflich verwirklicht. Einen kleinen Einblick<br />

in ihr privates Leben geben Liebesbriefe<br />

von zwei Verehrern. Aber diese datieren<br />

alle von 1900 bis 1914 – es sind fast 200.<br />

Dass sie diese Liebesbeweise lebenslänglich<br />

aufbewahrt hat, spricht wohl Bände.<br />

Darum mein Biografie-Titel «Ich bin ein<br />

durchgehendes Fräulein».<br />

STEPHAN JARAY<br />

Jg. 1948, 1968-1977 Universität Zürich:<br />

Soziologie (Studium und Forschung),<br />

Klinische Psychologie, Wirtschaftsgeschichte;<br />

1978-2007 SRF (Schweizer Radio und<br />

Fernsehen): Jour nalist, Redaktor, Produzent;<br />

seit 2007 selbständig.<br />

Der ausführliche Aufsatz über Mary Lang<br />

erscheint <strong>im</strong> kommenden Invertito, dem Jahrbuch<br />

für die Geschichte der Homosexualitäten<br />

(Männerschwarm Verlag).


Interview<br />

Richard Gere<br />

11<br />

«AN TRUMP IST NICHTS ECHT.<br />

ER STAMMT<br />

AUS EINER REALITY-<br />

TV-SHOW.»<br />

Richard Gere ist derzeit auf Promotour für seinen<br />

neuen Film «The Dinner». <strong>Cruiser</strong> nutzte die Gelegenheit<br />

für eine nette Plauderei mit dem Superstar.<br />

Vo n M o e l M a p h y<br />

Richard Gere begrüsst mit einem breiten<br />

Grinsen, funkelnden Augen und<br />

einem ausgelassenen «Hallo!». Der<br />

67-jährige Filmstar ist noch <strong>im</strong>mer von<br />

einer unverwechselbaren Aura umgeben.<br />

In seinem schwarzen Anzug und dem violetten<br />

Hemd mit offenem Kragen sieht Gere<br />

sehr elegant aus und erweckt den Eindruck<br />

eines Mannes, der mit sich selbst absolut <strong>im</strong><br />

Reinen ist. Ganz so aalglatt ist der Mann<br />

dann <strong>im</strong> <strong>Cruiser</strong>-Interview aber doch nicht.<br />

In der Interviewrunde, in welcher der<br />

Schauspieler seinen aktuellen Film «The<br />

Dinner» promoten sollte, beginnt er dann<br />

auch gleich mit dem aktuellen Lieblingsthema<br />

aller Journalisten:<br />

«Trump stammt aus einer Reality-TV-<br />

Show und an ihm ist nichts echt. Von vornherein<br />

nutzte (Trump) unsere Ängste aus.<br />

Und Angst lässt uns schreckliche Dinge<br />

tun», sagte Gere. «Das Schrecklichste, das<br />

Trump getan hat, war, zwei Wörter miteinander<br />

gleichzusetzen – Flüchtling und Terrorist.<br />

Das ist traurig, denn ein «Flüchtling»<br />

war zuvor jemand, für den wir Mitleid empfanden,<br />

um den wir uns kümmerten, dem<br />

wir helfen und Zuflucht gewähren wollten.<br />

Nun haben wir Angst und genau das ist<br />

(sein) grösstes Vergehen. Wir dürfen nicht<br />

vergessen, dass wir alle Menschen sind,<br />

die gemeinsam auf diesem Planeten Erde<br />

leben, füreinander da sein und einander<br />

lieben sollten.»<br />

Interessanterweise spielt Gere <strong>im</strong> Film<br />

«The Dinner», der auf dem Bestseller des<br />

niederländischen Autors Herman Koch beruht,<br />

die Figur Stan, ein New Yorker Kongressmitglied,<br />

das Gouverneur werden will.<br />

Seine skrupellosen politischen Instinkte<br />

stehen <strong>im</strong> krassen Kontrast zu seiner<br />

tiefgründigen Liebe und Sympathie für<br />

seinen zutiefst gestörten und neurotischen<br />

Bruder Paul (Steve Coogan).<br />

<strong>Cruiser</strong>: Richard, Ihr Charakter <strong>im</strong> Film «The<br />

Dinner» ist nicht der, der er zu sein scheint,<br />

wenn man bedenkt, dass der aalglatte Politiker<br />

tatsächlich über sehr viel Menschlichkeit<br />

verfügt...<br />

Gere: Das ist eine der interessanten Wendungen<br />

<strong>im</strong> Film. Sie denken erst, dass mein<br />

Charakter das Klischee des gewieften Politikers<br />

erfüllt, wenn jedoch die Fassade<br />

bröckelt, dann stellen Sie fest, dass er<br />

überhaupt nicht diese Art von Mensch ist.<br />

Er versucht, seinem Bruder und der Situation,<br />

mit der sich alle konfrontiert sehen,<br />

sehr viel Verständnis und Leidenschaft<br />

entgegenzubringen. ➔<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


12<br />

Interview<br />

Richard Gere<br />

Richard Gere und Rebecca Hal <strong>im</strong> neuen Film «The Dinner».<br />

Was fasziniert Sie persönlich am Film «The<br />

Dinner»?<br />

Ich habe die Arbeit mit Oren Moverman<br />

schon in unserem letzten Film («T<strong>im</strong>e Out of<br />

Mind») sehr genossen und ich fand, dass<br />

dies eine sehr interessante und faszinierende<br />

Art von Drama war, die man nicht oft zu<br />

sehen bekommt. Der Film findet auf verschiedenen<br />

Ebenen seinen Nachhall. Einer ­<br />

seits ist es ein Familiendrama, das sich um<br />

den Konflikt zweier Brüder dreht (gespielt<br />

von Gere und Coogan), und als Spitze des<br />

Eisbergs müssen sie eine Situation lösen,<br />

bei der es um etwas Schreckliches geht, das<br />

ihre Kinder getan haben.<br />

Sie tendieren dazu, bei Independent-Filmen<br />

mitzuwirken – wie bei «The Dinner» und den<br />

meisten Ihrer jüngeren Projekte der letzten<br />

zehn Jahre. Wie kam es dazu?<br />

Ich finde, dass die besten Filme von unabhängigen<br />

Produzenten und Regisseuren gemacht<br />

werden, die mit kleineren Budgets<br />

arbeiten. Wenn mir ein grossartiges Projekt<br />

begegnet, das von einem der grossen<br />

Hollywood-Studios realisiert wird, dann<br />

wäre ich dabei, aber die Branche hat sich<br />

verändert. Die Filme, die ich in den 70ern<br />

und 80ern gedreht habe, wurden von grossen<br />

Studios produziert. Solche Geschichten<br />

werden nun als Low-Budget-Filme umgesetzt<br />

und Sie müssen die Distributoren<br />

förmlich anbetteln, sie zu zeigen.<br />

Ich erinnere mich noch daran, was mir<br />

der Chef eines Hollywood-Studios vor einigen<br />

Jahren gesagt hat, als ich versucht habe,<br />

einen kleinen Film zu realisieren, der mit<br />

geringem Budget gedreht werden sollte und<br />

bei dem die finanziellen Erwartungen und<br />

das Risiko sehr gering ausfielen. Er sagte mir:<br />

«Wir sind keine Branche für kleine Umsätze.»<br />

Für mich ist es also jetzt wichtig, gute<br />

Geschichten zu erzählen. Und das tun zu<br />

können, macht mich glücklich.<br />

Wann haben Sie sich erstmals für Filme interessiert<br />

und angestrebt, das Schauspielern<br />

zum Beruf zu machen?<br />

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen<br />

und hatte niemals die Möglichkeit, viele<br />

Filme zu sehen. Erst <strong>im</strong> College begann ich,<br />

europäische und asiatische Filme für mich<br />

zu entdecken, was mir eine komplett neue<br />

Welt eröffnet hat. Es war eine ganz andere<br />

Form von Ästhetik – verglichen mit den<br />

standardmässigen Hollywood-Filmen, die<br />

ich zuvor gesehen habe. Und so begann ich,<br />

über das Schauspielern nachzudenken und<br />

ein Teil dieser Welt zu werden.<br />

In der Vergangenheit sagten Sie einmal, dass<br />

Sie Schwierigkeiten damit hatten, mit Ihrem<br />

frühen Erfolg und der Aufmerksamkeit, die der<br />

Hollywood-Ruhm mit sich brachte, zurechtzukommen.<br />

Wie würden Sie diese Zeit mit Ihrer<br />

heutigen Sicht auf die Dinge vergleichen?<br />

Über die Jahre habe ich gelernt, meine Wut<br />

und Frustration zu kontrollieren und in der<br />

Lage zu sein, meine Freude sehr viel leichter<br />

und offener mit anderen zu teilen. Ich frage<br />

mich stets, wie ich auf die Menschen um<br />

mich herum positiv wirken kann – ebenso<br />

wie auf die Menschen, die ich treffe, wo <strong>im</strong>mer<br />

ich gerade bin.<br />

Richard Gere war schon in jungen Jahren in Hollywood<br />

gefragt. Heute sagt er, er sei mit dem frühen<br />

Ruhm kaum zurechtgekommen.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


Interview<br />

Richard Gere<br />

13<br />

Ich kann auch jede Art von Erfolg und<br />

mein Leben sehr viel mehr, leichter und mit<br />

Freuden schätzen als zu einem früheren<br />

Zeitpunkt in meiner Karriere, als mir alles<br />

noch so schwierig erschien.<br />

Als Teenager stachen Sie bei der Gymnastik,<br />

also <strong>im</strong> Turnunterricht, und Musik hervor. Hatten<br />

Sie schon <strong>im</strong>mer eine artistische Begabung?<br />

Als Kind war ich <strong>im</strong>mer ein Träumer und<br />

habe sehr viel Zeit alleine verbracht, anstatt<br />

sie mit Freunden zu verbringen. Ich denke,<br />

dass meine Eltern, die sehr fürsorglich waren,<br />

sich oft gesorgt und über mich gewundert<br />

haben. «Was st<strong>im</strong>mt denn mit diesem<br />

Kind nicht?»<br />

Irgendwann als Teenager zog ich mich<br />

sehr stark zurück und wurde sehr introvertiert.<br />

Ich hörte auf, glücklich zu sein und das<br />

hat wirklich Spuren bei mir hinterlassen.<br />

Daher konnte ich die Zeit, in der ich jung<br />

war und viele grosse Filme drehte, nicht geniessen<br />

– ebenso wenig den Erfolg, der mit<br />

den Filmen einherging. Erst als ich mit dem<br />

Studium des Buddhismus begann, war ich<br />

in der Lage, mit all den Ängsten und Sorgen<br />

umzugehen, die mich blockiert haben.<br />

War die Entdeckung des Buddhismus ein<br />

Wendepunkt in Ihrem Leben?<br />

In meinem Leben passierten mir viele aussergewöhnliche<br />

Dinge, aber nichts hatte<br />

denselben Einfluss auf mich wie der Bud ­<br />

d hi s mus, der mich gelehrt hat, zu verstehen,<br />

zu teilen und mich mir selbst zu verpflichten.<br />

Angesichts aller Unruhen, die wir<br />

heute erleben, müssen wir unsere Energie<br />

dafür aufwenden, Dinge zu verändern.<br />

Was hat der Buddhismus Ihnen gegeben?<br />

Eines der grössten Dinge, das ich lernen<br />

musste, war Geduld. Viele Jahre lang war<br />

ich sehr, sehr ungeduldig und das führte zu<br />

sehr grosser Frustration. Wenn Sie Geduld<br />

lernen, dann wird es viel einfacher, mit Situa ­<br />

tionen positiv umzugehen.<br />

«The Dinner» ist ein US-amerikanischer Spielfilm<br />

von Oren Moverman. Der kammerspielartige<br />

Thriller basiert auf dem Roman «Angerichtet»<br />

von Herman Koch und schildert den dramatischen<br />

Verlauf eines Abendessens von zwei<br />

Elternpaaren (dargestellt von Steve Coogan,<br />

Laura Linney, Richard Gere und Rebecca Hall),<br />

die versuchen, ein durch ihre Kinder begangenes<br />

Verbrechen zu vertuschen. Der Film wurde<br />

am 10. Februar <strong>2017</strong> <strong>im</strong> Wettbewerb der 67. Internationalen<br />

Filmfestspiele Berlin uraufgeführt.<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


14<br />

KULTUR<br />

NATIONAL & INTERNATIONAL<br />

KULTUR<br />

LESUNG: ÉDOUARD LOUIS – mit seinem neuen Buch «Im Herzen der Gewalt»<br />

Mit 22 Jahren landete Édouard Louis einen internationalen<br />

Bestseller. «Das Ende von Eddy»<br />

hiess der autobiographische Roman des schwulen<br />

Intellektuellen, der den Underdogs in der<br />

Gesellschaft endlich Gehör verschaffte. Zahlreiche<br />

Interviews und Auftritte auch zu politischen<br />

Themen waren die Folge, der Zweitling<br />

wurde gespannt erwartet. (Wer sein erstes Buch<br />

noch nicht gelesen hat: Wir haben in dieser Ausgabe<br />

eine ausführliche Rezension auf Seite 20.)<br />

«Im Herzen der Gewalt» nun verarbeitet<br />

exakt das, was der Titel besagt: Fremdenfeindlichkeit,<br />

Homophobie und andere<br />

Klüfte zwischen den Menschen in der französischen<br />

und europäischen Gesellschaft.<br />

Eine einzige Nacht <strong>im</strong> Leben des Protagonisten<br />

zeigt die ganze Tragödie unserer Zeit<br />

auf. Zum Glück ist Schweigen für ihn keine<br />

Lösung. Das Aufbegehren geht weiter.<br />

Lesung und Gespräch.<br />

Deutsche Lesung: Stefan Kollmuss<br />

Donnerstag 21. <strong>September</strong> <strong>2017</strong> um 20.00 Uhr<br />

Kaufleuten, Pelikanplatz, 8001 Zürich<br />

THE WOUND (LES INITIÉS)<br />

Eastern Cape, Südafrika. In einer abgelegenen<br />

Bergregion unterziehen sich junge<br />

Männer einem archaischen Beschneidungsund<br />

Mannbarkeitsritual. Der Lagerist Xolani<br />

aus Johannesburg wird dem rebellischen<br />

Kwanda dabei als Mentor zur Seite gestellt.<br />

Als Kwanda entdeckt, dass Xolani ein Verhältnis<br />

zum verheirateten Vitcha pflegt,<br />

droht deren gehe<strong>im</strong>e Liaison aufzufliegen.<br />

Hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht,<br />

endlich er selbst sein zu können, und<br />

der Furcht, seine Liebe durch ein Outing<br />

endgültig zu verlieren, gerät Xolani in einen<br />

<strong>im</strong>mer auswegloseren Konflikt.<br />

John Trengove, Regisseur des Filmes<br />

zum Film: «‹The Wound› ist entstanden, weil<br />

ich Interesse hatte, mich mit den Stereotypen<br />

auseinanderzusetzen, die <strong>im</strong> Kino<br />

allzu oft mit schwarzer Männlichkeit verbunden<br />

werden, sei es in Afrika oder anderswo.<br />

Für mich als Weissen war es nicht<br />

selbstverständlich, das Leben ausgegrenzter<br />

schwarzer Männer zu schildern und eine<br />

mir fremde Welt in Szene zu setzen. Es war<br />

sogar äusserst heikel. Es war mir wichtig,<br />

dass sich diese Problematik in der Geschichte<br />

selbst widerspiegelt. Deshalb habe<br />

ich die Figur von Kwanda entwickelt, dem<br />

diese traditionelle Welt fremd ist und dessen<br />

Ansichten über Menschenrechte und individuelle<br />

Freiheit den meinen ähneln.»<br />

In flirrenden, intensiven Bildern erzählt<br />

«The Wound» von Homophobie und<br />

Männlichkeitswahn in einer zwischen Tradition<br />

und Moderne gespaltenen Gesellschaft,<br />

entführt uns in eine Welt von faszinierender<br />

Fremdheit und berührt durch<br />

seine int<strong>im</strong>e Schilderung einer tragischen<br />

Liebesbeziehung.<br />

Der Film läuft ab sofort in den Kinos in der<br />

Deutschschweiz<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


kultur<br />

NATIONAL & INTERNATIONAL<br />

15<br />

DAVID BOWIE. THE MAN WHO FELL TO EARTH<br />

Nicolas Roegs «The Man Who Fell to Earth»<br />

von 1976 wurde ursprünglich als «bewusstseinserweiterndes<br />

Erlebnis» angekündigt<br />

und verschlug der Kinowelt dann<br />

tatsächlich die Sprache. Diese Tour de<br />

Force der Science-Fiction als Kunstform<br />

bescherte dem Publikum nicht nur hypnotische<br />

Bilder und explizite Kritik an der<br />

modernen Konsumgesellschaft, sondern<br />

auch Glam-Rock-Legende David Bowie,<br />

der in der Rolle des paranoiden Ausser ­<br />

ir dischen namens Newton seine Ziggy­<br />

Stardust-Persona weiter ausbaute.<br />

Der Film nach Walter Tevis’ gleichnamigem<br />

Science-Fiction-Roman von 1963<br />

schildert die Erlebnisse des Ausserirdischen<br />

Newton, der auf der Erde nach Wasser für<br />

seinen He<strong>im</strong>atplaneten sucht, dank seiner<br />

überragenden Intelligenz und seines fortschrittlichen<br />

technologischen Wissens einen<br />

Industriekonzern aufbaut und mit der<br />

jungen Mary-Lou seine Sexualität entdeckt,<br />

aber letztlich am gefühlskalten Egoismus<br />

und der Oberflächlichkeit der Menschen<br />

zerbricht. Roeg entlockt seinen Darstellern<br />

absolute Bestleistungen – nicht nur Bowie<br />

in all seiner ausserirdischen Entrücktheit,<br />

sondern auch den Co-Stars Candy Clark,<br />

Rip Torn und Buck Henry.<br />

Zur Feier des 40. Jahrestags dieses<br />

Kultfilms präsentiert «David Bowie. The<br />

Man Who Fell to Earth» eine Fülle von<br />

Standbildern und Aufnahmen des Filmfotografen<br />

David James von den Dreharbeiten,<br />

darunter zahlreiche Fotos von<br />

Bowie in schauspielerischer Bestform. Ein<br />

neuer einleitender Essay setzt sich mit den<br />

Dreharbeiten des Films und mit seiner<br />

Be deutung für das Scifi-Genre auseinander<br />

– unter Einbeziehung eines Exklusivinterviews<br />

mit David James, der Einblicke<br />

aus erster Hand in die Entstehung dieses<br />

Meisterwerks beisteuert.<br />

David Bowie. The Man Who Fell to Earth<br />

(Englisch). Gebundene Ausgabe von<br />

Paul Duncan (Hg.). 480 Seiten.<br />

ISBN: 978-3836562416 ca. CHF 14.90.<br />

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16<br />

thema<br />

LGBT*-Flüchtlinge<br />

RAINBOW REFUGEES<br />

GEWALT &<br />

DISKRIMINIERUNG<br />

IM ASYL<br />

Sie werden offenbar verfolgt, egal, wohin sie gehen. Menschen, die aus ihrer<br />

He<strong>im</strong>at geflohen sind, weil sie schwul oder lesbisch sind. An der Pride <strong>2017</strong> wollte<br />

man auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen, diese ging aber <strong>im</strong><br />

lauten Getöse der Festivitäten beinahe etwas unter.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


thema<br />

LGBT*-Flüchtlinge<br />

17<br />

Vo n Y vo n n e B ec k<br />

In über 75 Ländern steht Homosexualität<br />

unter Strafe. Der Iran, der Jemen, Saudi-<br />

Arabien, Somalia und der Sudan sehen<br />

die Todesstrafe vor, in anderen Ländern wie<br />

Uganda, Bangladesch, Pakistan und Malaysia<br />

droht eine lebenslange Haft. Homophobie<br />

gehört in vielen Ländern zum Alltag.<br />

Sehr häufig fehlt es zudem an Strafverfolgung<br />

und Rechtsschutz für Opfer von<br />

homophob geprägten Gewaltübergriffen.<br />

Häufig werden Strafverfahren eingestellt,<br />

Polizeirapporte verweigert und mutmassliche<br />

Täter einfach wieder freigelassen.<br />

Immer mehr Homosexuelle und Transsexuelle<br />

fliehen vor Diskr<strong>im</strong>inierung und Gewalt<br />

aus ihrer He<strong>im</strong>at. Doch angekommen<br />

in Europa werden sie nicht selten in den<br />

Flüchtlingsunterkünften weiter terrorisiert.<br />

Das Anrecht auf Asyl<br />

Artikel 3 Absatz 1 des Asylgesetztes besagt:<br />

«Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem<br />

He<strong>im</strong>atstaat oder <strong>im</strong> Land, in dem sie zuletzt<br />

wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion,<br />

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer best<strong>im</strong>mten<br />

sozialen Gruppe oder wegen ihrer<br />

politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen<br />

ausgesetzt sind oder begründet Furcht<br />

In den Asylzentren leben sie<br />

oft inmitten von Menschen,<br />

für die Homophobie völlig<br />

normal ist.<br />

haben, solchen Nachteilen aus gesetzt zu<br />

werden.» Als ernsthafte Nach ­teile gelten<br />

namentlich die Gefährdung des Leibes, des<br />

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,<br />

die einen unerträglichen psychischen<br />

Druck bewirken. Die <strong>im</strong> ersten Absatz enthaltenen<br />

Verfolgungsmotive orien tieren<br />

sich an der Genfer Flüchtlingskonvention.<br />

Danach sind die Rasse, Religion, Nationalität<br />

und die Zugehörigkeit zu einer best<strong>im</strong>mten<br />

sozialen Gruppe die interna tional anerkannten<br />

Verfolgungsmotive. Weder die geschlechterspezifische<br />

Verfolgung noch die<br />

Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung<br />

oder der geschlechtlichen Identität<br />

als Verfolgungsmotiv wird erwähnt. Da<br />

das Asylgesetz und die Genfer Flüchtlingskonvention<br />

kein spezifisches Verfolgungsmotiv<br />

vorsieht, werden Lesben, Schwule,<br />

Bisexuelle, Intersexuelle und Trans sexuelle<br />

einer «best<strong>im</strong>mten sozialen Gruppe» zugeordnet.<br />

Wenn jemand wegen der Zugehörigkeit<br />

zur sozialen Gruppe der LGBTI verfolgt<br />

wird und wenn es für diese Person keine<br />

Möglichkeit gibt, in einem andern Teil ihres<br />

Landes Zuflucht zu finden, wird sie als<br />

Flüchtling anerkannt und erhält Asyl, sofern<br />

keine Gründe dagegen sprechen.<br />

Ein Leben in ständiger Angst<br />

Asylsuchende verlassen ihre He<strong>im</strong>at, ihre<br />

Sprache, ihre Kultur, ihre Freunde oder ➔<br />

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Betroffene und Experten zeigen auf, wo die Risiken bei sexuell übertragbaren Krankheiten (STI)<br />

liegen und welche Schutzstrategien es gibt.<br />

Bringt eure Fragen zu HIV, Syphilis, Chlamydien, Tripper und Hepatitis (Big 5) mit und bringt<br />

sie in die Diskussion ein – wir freuen uns auf Euch!<br />

Anschliessend sind alle herzlich zu einem Apéro eingeladen.<br />

Programm:<br />

18.30 Uhr Türöffnung<br />

19.00 Uhr Podiums- und Publikumsdiskussion<br />

20.15 Apéro<br />

«Checkpoint <strong>im</strong> Gespräch» findet <strong>im</strong> Kulturhaus Helferei, in der Kirchgasse 13, 8001 Zürich statt.<br />

Keine Anmeldung erforderlich – Weitere Informationen: mycheckpoint.ch/de/zh/checkpoint-<strong>im</strong>-gespräch<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


18<br />

thema<br />

LGBT*-Flüchtlinge<br />

Flüchtlinge haben viel gesehen – LGBT*-Flüchtlinge<br />

müssen zudem noch ihre sexuelle Ausrichtung<br />

angstvoll verstecken.<br />

auch Partner, ihre Familie, ihre Arbeit in<br />

der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Was<br />

sie jedoch zuerst erfahren ist Einsamkeit,<br />

Unsicherheit, Zweifel und Hilflosigkeit.<br />

Gerade für homosexuelle Flüchtlinge und<br />

asylsuchende Trans-Menschen sind die Zustände<br />

häufig noch schl<strong>im</strong>mer, denn ihre<br />

Diskr<strong>im</strong>inierung hört in der Schweiz nicht<br />

auf. In den Asylzentren leben sie oft inmitten<br />

von Menschen, für die Homophobie<br />

völlig normal ist. In manchen Sprachen gibt<br />

es nicht einmal einen sprachlichen Begriff<br />

für gleichgeschlechtlich liebende Menschen<br />

oder es gibt nur Wörter mit beleidigender,<br />

despektierlicher Bedeutung. So hat die arabische<br />

Umgangssprache kein positiv besetztes<br />

Wort für «Homosexuelle». Hier werden<br />

Schwule meist nicht mal in der eigenen<br />

Familie akzeptiert. Sie sind eine Schande.<br />

Manche Eltern zwingen ihre Kinder, zu Ärzten<br />

zu gehen, die sie heilen sollen. Denn in<br />

vielen Ländern gilt Homosexualität <strong>im</strong>mer<br />

noch als Krankheit. In Europa kann sich<br />

kaum jemand vorstellen, was es heisst, seine<br />

geschlechtliche Identität verstecken zu<br />

müssen, sich nie outen zu dürfen und seiner<br />

sexuellen Orientierung nur <strong>im</strong> Verborgenen<br />

oft werden religiöse oder<br />

moralische Haltungen <strong>im</strong><br />

Exil sogar noch stärker<br />

empfunden und gelebt als in<br />

den He<strong>im</strong>atländern.<br />

nachgehen zu können und noch dazu mit<br />

der ständigen Angst leben zu müssen,<br />

entdeckt zu werden. Doch genau das haben<br />

die meisten homosexuellen Flüchtlinge ihr<br />

Leben lang erfahren.<br />

Homophobie in Asylunterkünften<br />

Derzeit kommen die meisten Menschen, die<br />

in der Schweiz Asyl suchen, aus Eritrea,<br />

Syrien und Guinea. In allen drei Ländern ist<br />

Homosexualität illegal, gesellschaftlich tabuisiert<br />

und wird mit Gefängnis bestraft.<br />

Asylsuchende leben am<br />

Rande der Gesellschaft und<br />

gerade LGBT-Asylsuchende<br />

scheuen den Kontakt zu<br />

IHREN eigenen Landsleuten<br />

in der Schweiz aus Angst<br />

von ihnen weiterhin diskr<strong>im</strong>iniert<br />

zu werden.<br />

Aber auch hier in der Schweiz gehören sie<br />

nirgendwo so richtig dazu. Asylsuchende<br />

leben am Rande der Gesellschaft und gerade<br />

LGBT-Asylsuchende scheuen den Kontakt<br />

zu ihren eigenen Landsleuten in der<br />

Schweiz aus Angst von ihnen weiterhin diskr<strong>im</strong>iniert<br />

zu werden. Besonders schl<strong>im</strong>m<br />

ist es in den Flüchtlingshe<strong>im</strong>en, wo unterschiedlichste<br />

Menschen auf engstem Raum<br />

zusammengepfercht werden. Homosexuelle,<br />

die in der Schweiz Asyl suchen, leben zusammen<br />

mit teils homophoben Männern.<br />

Die Gefahr von Übergriffen, Diskr<strong>im</strong>inierung,<br />

Mobbing und körperlicher Gewalt<br />

gegenüber LGBT-Flüchtlingen ist gross. Die<br />

Toleranz gegenüber Homosexualität ist bei<br />

vielen Flüchtlingen sehr gering und oft<br />

werden religiöse oder moralische Haltungen<br />

<strong>im</strong> Exil sogar noch stärker empfunden<br />

und gelebt als in den He<strong>im</strong>atländern.<br />

Homophobie <strong>im</strong> Flüchtlingshe<strong>im</strong><br />

ist kein Einzelfall. Immer wieder werden<br />

Frauen und Männer wegen ihrer Sexualität<br />

von anderen Flüchtlingen diskr<strong>im</strong>iniert.<br />

Genaue Zahlen darüber gibt es jedoch<br />

nicht, denn viele Betroffene schweigen aus<br />

Scham und Angst.<br />

Ein kleiner Lichtblick: In Deutschland<br />

wurden inzwischen für homosexuelle und<br />

transsexuelle Flüchtlinge, die in ihrer Unterkunft<br />

akut bedroht sind, eigene Unterkünfte<br />

eingerichtet. In den neuen Unterkünften<br />

blühen die Bewohner regelrecht<br />

auf. Zum ersten Mal erleben sie, wie es sich<br />

anfühlt, beschützt und nicht diskr<strong>im</strong>iniert<br />

zu werden. Zum ersten Mal in ihrem Leben<br />

dürfen sie sein, was sie sind, ohne dafür<br />

verspottet, geschlagen oder gar getötet zu<br />

werden. Bleibt zu hoffen, dass diese Unterkünfte<br />

auch in der Schweiz Ableger finden.<br />

Angst vor dem Outing<br />

Bei homosexuellen Flüchtlingen sind Angst<br />

und vor allem Scham viel präsenter als bei<br />

anderen Flüchtlingen. Dadurch treten sie in<br />

Anhörungen häufig recht zögerlich auf und<br />

verstricken sich in Widersprüche. Vielfach<br />

assoziieren die meisten von ihnen schl<strong>im</strong>me<br />

Erfahrungen mit Beamten und Polizisten.<br />

Es wird häufig vergessen, dass es unter<br />

den Asylanten sehr viele Opfer von physischer,<br />

psychischer und sexueller Gewalt<br />

gibt. Viele gewalttätige Übergriffe gingen<br />

vom eigenen Umfeld oder sogar der eigenen<br />

Familie aus, manche von staatlichen Organen.<br />

Folter, Haft und Stigmatisierung stehen<br />

in vielen Ländern der Erde für «Andersliebende»<br />

auf der Tagesordnung. Ihre<br />

Angst gegenüber Beamten ist also nicht unbegründet.<br />

Hinzu kommt ein Misstrauen<br />

gegenüber den Dolmetschern, die oft aus<br />

ihrem eigenen Kulturkreis stammen. Die<br />

Angst ist gross, dass durch die Dolmetscher<br />

in der Landesgemeinschaft bekannt werden<br />

könnte, dass die asylsuchende Person homosexuell<br />

ist. Tatsächlich kommt es <strong>im</strong>mer<br />

wieder vor, dass Dolmetscher abwertende<br />

Bemerkungen gegenüber LGBT-Asylsuchenden<br />

machen und sie sogar beleidigen.<br />

Daher denken sich viele Flüchtlinge andere<br />

Fluchtgründe aus, denn ein Outing kommt<br />

Zum ersten Mal in ihrem<br />

Leben dürfen sie sein, was<br />

sie sind, ohne dafür verspottet,<br />

geschlagen oder<br />

gar getötet zu werden.<br />

für sie aus Angst nicht in Frage. Wie kann<br />

man auch von einem schwulen oder lesbischen<br />

Geflüchteten verlangen, mit einem<br />

wildfremden Menschen offen über Sexualität,<br />

Liebe und Sehnsüchte zu sprechen? Etwas,<br />

das die meisten von ihnen ihr Leben<br />

lang angstvoll vor den anderen verstecken<br />

mussten.<br />

Fazit:<br />

Bessere Schulung und Aufklärung der entscheidenden<br />

Beamten und Dolmetscher,<br />

die bei den Anhörungen oft eine Schlüsselrolle<br />

einnehmen, sind dringend notwendig.<br />

Bisher ist nicht auszuschliessen, dass «Entscheider»<br />

mit dem Fluchtgrund Homosexualität<br />

häufig nichts anzufangen wissen, die<br />

psychische Fragilität der Asylsuchenden<br />

komplett falsch einschätzen, indiskrete<br />

Fragen (wie nach Sexualpraktiken) stellen<br />

oder be<strong>im</strong> Antrag durch Unwissenheit negativ<br />

entscheiden.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


kolumne<br />

michi rüegg<br />

19<br />

SOMEWHERE<br />

THE RAINBOW’S OVER<br />

Michi Rüegg versucht anhand eines bekennend<br />

rassistischen Hundes die Unveränderbarkeit der<br />

Rainbow-Flag zu begründen.<br />

Vo n m i c h i r ü egg<br />

Meine beste Freundin lebte eine Weile<br />

am Roten Meer in Ägypten. Dort<br />

lief ihr ein Hund zu. Er war noch<br />

relativ jung, als er beschloss, fortan der<br />

Hund meiner besten Freundin zu sein. Zu<br />

Beginn ignorierte sie das Tier, das ihr auf<br />

Schritt und Tritt folgte. Nach einer Weile<br />

gab sie ihren Widerstand auf, seither lebt<br />

der Hund an ihrer Seite. Ägypter sind in<br />

der Regel nicht sonderlich nett zu Hunden.<br />

Das muss auch dieses Exemplar als Welpe<br />

er lebt haben, jedenfalls kann er Ägypter<br />

nicht ausstehen. Europäer hingegen mag er<br />

grundsätzlich.<br />

Dabei verabscheut der Hund nicht nur<br />

Ägypter, sein Hass dehnt sich auf alle Araber<br />

aus. Wobei er auch koptische Christen<br />

anknurrt, seine Intoleranz beschränkt sich<br />

nicht auf den Islam. Nachdem meine beste<br />

Freundin ihren wiederum besten (vierbeinigen)<br />

Freund in die Schweiz <strong>im</strong>portiert<br />

hatte, lebten die beiden eine Weile ausserhalb<br />

von Zürich. Als während des Arabischen<br />

Frühlings in den Nachrichten am TV<br />

ein Mann Arabisch sprach, bellte der Hund<br />

den Fernseher an.<br />

Manchmal nahm sie das Tier mit zur<br />

Arbeit. Als Frau und Hund eines Abends<br />

durchs Enge-Quartier spazierten, begegneten<br />

sie einer jüdisch-orthodoxen Familie.<br />

Der Hund beschloss spontan, die Juden<br />

lauthals anzubellen. Die Familie rannte panisch<br />

davon. Die Szene war meiner besten<br />

Freundin zu Recht etwas peinlich, konnte<br />

man sie doch für eine Nazi-Braut halten, die<br />

ihrem Schäfer-Mischling (mit viel Fantasie<br />

liess sich darin etwas Derartiges erkennen)<br />

gewaltsamen Antisemitismus antrainiert<br />

hatte. Vermutlich erkannte der Hund die<br />

gemeinsamen Wurzeln der arabischen und<br />

der hebräischen Sprache. Oder aber er<br />

mochte Bärte nicht. Glücklicherweise zogen<br />

beste Freundin und Hund nach Mexiko,<br />

bevor hierzulande die Hipster aus allen<br />

Löchern krochen. Der Hund wäre dieser<br />

Tage in Zürich sehr mit Bellen beschäftigt.<br />

Weshalb Asiatinnen und<br />

Asiaten nicht auch irgendwie<br />

mit einem blassen Gelb<br />

vertreten sind, erschloss<br />

sich mir bis dato nicht.<br />

Schnappi, so heisst der Hund, ist bekennender<br />

Rassist. In seiner Kindheit taten<br />

ihm Araber ein Leid an, also reagiert er negativ<br />

auf Araber. Das ist kein besonders reflektiertes<br />

Verhalten, passt aber zu seinem<br />

auch sonst nicht sonderlich leistungsstarken<br />

Hundehirn. Von Menschen erwarten<br />

wir zu Recht, dass sie zu etwas mehr Abstraktion<br />

fähig sind. Das klappt leider nicht<br />

<strong>im</strong>mer, wie man weiss. Immer wieder werden<br />

etwa dunkelhäutige Menschen diskr<strong>im</strong>iniert.<br />

Aus diesem Grund soll nun die Regenbogenflagge<br />

um zwei Farben ergänzt<br />

werden – Braun und um Schwarz. Wobei<br />

sich noch <strong>im</strong>mer die Geister an der Frage<br />

scheiden, ob Schwarz tatsächlich eine Farbe<br />

ist. Schwarz und Braun stehen offen­<br />

sichtlich für Menschen schwarzer und<br />

brauner Hautfarbe. Also so genannte «African<br />

Americans» und Latinos. Weshalb Asiatinnen<br />

und Asiaten nicht auch irgendwie<br />

mit einem blassen Gelb vertreten sind, erschloss<br />

sich mir bis dato nicht.<br />

Die Übung ist ein Tabubruch. Die<br />

Rainbow-Flagge subsummiert alle sexuellen<br />

Minderheiten. Und Dunkelhäutigkeit ist<br />

meines Erachtens noch keine Sexualität,<br />

auch wenn so mancher weltoffene Zürcher<br />

seine pene trante Fixierung auf schwarze<br />

Schwänze als sexuelle Prägung sieht.<br />

Manchmal erscheint am H<strong>im</strong>mel ein<br />

Regen bogen. Ein schönes Naturschauspiel.<br />

Re genbogen wären irgendwie weniger<br />

schön, wenn sie am H<strong>im</strong>mel plötzlich auch<br />

in den Nuancen Schwarz und Braun erschienen.<br />

Das passt irgendwie nicht zum H<strong>im</strong>mel.<br />

Auch wenn schwarz sch<strong>im</strong>merndes<br />

Licht vermutlich hammermässig aussehen<br />

würde. Die strahlende Dunkelheit, quasi.<br />

Gibt es in der Szene Rassismus? Zweifellos.<br />

Wir sind Menschen, ausgestattet mit<br />

denselben Schwächen, die auch Schnappi,<br />

den Hund, plagen. Manche von uns dürften<br />

seinen IQ auch nur knapp erreichen. Andere<br />

sind wahnsinnig clever und trotzdem<br />

Arschlöcher. Die Regenbogenflagge versucht<br />

unserer Vielfalt gerecht zu werden.<br />

Ihre Farben stehen für das Leben (Rot), Heilung<br />

(Orange), das Sonnenlicht (Gelb), die<br />

Natur (Grün), Harmonie und Frieden (Blau)<br />

und Geist (Violett). Welche Symbolik könnte<br />

man Schwarz und Braun andichten?<br />

Schwarz wie unsere Darkrooms. Und Braun<br />

wie... Nein, lassen wir das.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


20<br />

kultur<br />

buchtipp<br />

DAS ENDE VON EDDY<br />

Schwul sein in einem Dorf – das geht auch <strong>im</strong> Jahr <strong>2017</strong> nicht. Des Schriftstellers<br />

Alter Ego muss sich <strong>im</strong> furiosen Debutroman der kollektiven Abwehrreaktion der<br />

Dörfler stellen.<br />

Von Birgit Kawohl<br />

Dem Autor Édouard Louis, geboren<br />

1992 als Eddy Bellegueule in der<br />

nordfranzösischen Picardie, ist mit<br />

«Das Ende von Eddy» ein bemerkenswertes<br />

Debüt gelungen. Das Grundthema der<br />

Coming of Age-Geschichte «Wie wächst<br />

man als Kind und Jugend licher in einem<br />

Dorf in der französischen Provinz, das<br />

von Vorurteilen und Diskr<strong>im</strong>inierung geprägt<br />

ist, auf?» ist eng verwoben mit der<br />

Co ming-out-Erzählung des Protagonisten.<br />

Louis schildert diese Gratwanderung bewundernswert<br />

souverän in seinem Roman,<br />

der autobiografische Züge trägt.<br />

Mit dem sich mantraartig<br />

eingeredeten Motto «Heute<br />

bin ich ein echter Kerl»<br />

denkt Eddy, sein Schwulsein<br />

besiegen zu können.<br />

«An meine Kindheit habe ich keine<br />

einzige glückliche Erinnerung.» Der Roman<br />

beginnt mit einem Paukenschlag,<br />

dem man sich kaum entziehen kann. Ein<br />

erster Satz, der den Leser sofort in seinen<br />

Bann zieht und in die Handlung hineinkatapultiert.<br />

Man möchte den Ich-Erzähler,<br />

den Jugendlichen Eddy Bellegueule, ohne<br />

zu zögern trösten. Zugleich beginnt man,<br />

diese Aussage mit seinen eigenen Kindheitserinnerungen<br />

abzugleichen und ist<br />

dann froh, wenn man diesen Satz so nicht<br />

unterschreiben würde.<br />

Eddy also ist eins von fünf Kindern<br />

eines Fabrikarbeiters und einer Altenpflegerin,<br />

die <strong>im</strong>mer zu wenig zum Leben verdienen.<br />

So vernachlässigen sie nicht nur die<br />

Erziehung und das Wohl der Kinder, nach<br />

und nach gerät Eddys Vater auch <strong>im</strong>mer<br />

mehr in einen Abwärtsstrudel. Die anstrengende<br />

Arbeit lässt ihn erkranken, was dieser<br />

wiederum als Gelegenheit nutzt, sich ganz<br />

aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen und<br />

fortan nur noch zu saufen. Dies tut er am<br />

liebsten mit seinen Kumpeln, die dann in<br />

ihrer sonstigen Sprachlosigkeit Reden gegen<br />

die Afrikaner («alles Verbrecher») und<br />

an dere Randgruppen schwingen. Eddy<br />

selbst fällt schon früh auf und durch seine<br />

Attitüden, die man schnell als «schwul» bezeichnet,<br />

aus dem Rahmen des dörflichen<br />

Mitei nanders, das an enge Regeln gebunden<br />

ist: Frauen kümmern sich um den Haushalt,<br />

Männer haben das Sagen, bringen – <strong>im</strong> besten<br />

Fall – das Geld nach Hause und dürfen<br />

sich ansonsten als wahre Machos alles leisten,<br />

es sind ja eben Männer. Wenn man sich<br />

in solch einer Umgebung als Junge dann<br />

nicht für Fussball und Raufen interessiert<br />

und Mädchen am liebsten hat, wenn man sie<br />

schminken darf, hat man es natürlich<br />

schwer. So kommt es zu Hänse leien und körperlichen<br />

Quälereien, denen der junge Eddy<br />

dadurch zu entgehen versucht, dass er sie<br />

zuerst verdrängt und sich dann dazu entschliesst,<br />

sein Leben zu ändern. Mit dem<br />

sich mantraartig eingeredeten Motto «Heute<br />

bin ich ein echter Kerl» denkt Eddy, sein<br />

Schwulsein besiegen zu können. Er schafft<br />

sich dazu ein Mädchen an, mit dem er<br />

«geht», er lernt Namen von Fussballspielern<br />

auswendig, doch alles sinn los. Seine grössten<br />

Glücksmomente hat er be<strong>im</strong> Nachspielen<br />

von Hetero-Pornos mit drei Freunden<br />

und dem Tanzen in der Disco, wenn er sich<br />

unauffällig an Fremden reiben kann. Damit<br />

wird ihm dann auch bald klar, dass er sein<br />

Anderssein nicht wegdenken kann, es wird<br />

<strong>im</strong>mer zu ihm gehören.<br />

Daher gibt es für ihn nur eine Chance,<br />

dem dörflichen Terror zu entfliehen, er<br />

muss auf die weiterführende Schule gehen<br />

und damit von zu Hause ausziehen. Dass<br />

ihm das am Ende gelingt, lässt den Leser,<br />

der zwischenzeitlich sicherlich <strong>im</strong>mer wieder<br />

ob der Ignoranz und Brutalität mit der<br />

man mit dem Jungen umgeht, verzweifelt,<br />

beruhigt zurück. Man kann letztlich sogar<br />

die Hoffnung haben, dass Eddy den Eingangssatz<br />

bezogen auf sein weiteres Leben<br />

anders formulieren würde. Dass er selbst<br />

der Sprachlosigkeit, die das nie geäusserte<br />

Manifest der Arbeiterklasse <strong>im</strong> Dorf darstellte,<br />

entkommen ist, sieht man an diesem<br />

Werk bestens.<br />

Buchtipp<br />

Édouard Louis: Das Ende von Eddy<br />

Preis CHF 14.90<br />

ISBN (Taschenbuch) 9783596032433<br />

Der Autor liest am 21.9. <strong>im</strong> Kaufleuten Zürich.<br />

Details in der «Kultur» auf Seite 14.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


kolumne<br />

mirko<br />

21<br />

DAS BESTE POTENZMITTEL IST<br />

EIN RICHTIGER KATER<br />

Vo n m i r ko<br />

S<br />

ummert<strong>im</strong>e and living is easy. Keine<br />

Zeit für troubles. Umso mehr Bock auf<br />

Männer und alles, was damit so zu tun<br />

ist. So sehe ich das. Sich die L<strong>im</strong>mat runtertreiben<br />

lassen mit meinen Bro’s auf dem Aufblas-Einhorn.<br />

Irgendwie alles geht. Aber ich<br />

habe mich auch es bitzli durchgearbeitet diesen<br />

Sommer. Jetzt wo meine Kolumne ein Jahr<br />

alt ist, han i dänkt, ich check mol alles dure.<br />

Ist es schl<strong>im</strong>m, dass ich<br />

den Jungs hinterhersteige,<br />

wo gliichvil i guets Usseh<br />

investiere wie ich?<br />

Ich war an Prides. Ha welle wüsse, ob’s überall<br />

so schwierig tüend wie z Züri oder ob easy living<br />

anderswo einfacher ist. Und es ist. Definitiv,<br />

aber s Gäld verdiene tuen i doch lieber z<br />

Züri, dass das klar isch. Ja, shit, Body Shaming.<br />

Irgendwie interessiert’s mi nöd <strong>im</strong><br />

Summer. Ja, mir gfallet die Hunks mit Fuessballerärsch<br />

i Badhose und au gäge duretrainierti<br />

Oberschenkel han i gar nüt. Alles dra,<br />

wo dra muess sie, und vo dem, wo mir gfallt,<br />

nöd zwenig. E chli Sonne und ein paar Drinks,<br />

dann kriege ich von denen dann auch, was ich<br />

will. Chasch glaube. Ja, aber eben, das mit<br />

dem Idealbild. Ist es schl<strong>im</strong>m, dass ich den<br />

Jungs hinterhersteige, wo gliichvil i guets Usseh<br />

investiere wie ich und das au no mit Erfolg<br />

mached? Wie gseit, ich habe alles mal durchgecheckt,<br />

was es denn so gibt <strong>im</strong> Homoland.<br />

Ich dachte, gut, die Bären gibt’s, mal schauen,<br />

wie’s in der Welt der behaarten Bierbäuche so<br />

zu- und hergeht. Ich bin ja nun kein Bär, nicht<br />

mal ein Jungbär, mängisch en Problembär,<br />

das scho, aber nöd vom usgseh her. Habe<br />

dann den Berliner CSD grad genutzt, um mal<br />

die Bärenclubs zu besuchen. Mal schauen,<br />

wie die bessere Welt aussieht, in der nicht<br />

nach den Idealmassen gesucht wird. Chasch<br />

vergässe. Ich geh rein und zack, hab ich die<br />

Typen hinter mir her. Nein, ich bin kein Bär,<br />

am Body han i grad en Treasure Trail vom<br />

Bauchnabel abe, find ich auch hot, aber Mann,<br />

mehr Haar han i nöd, echt. Und Bierbauch,<br />

vergiss es, lean muscles, kei Fett, gar nüt. Wird<br />

also nichts mit dem alternativen Ideal bei den<br />

Bären. Villicht <strong>im</strong> Kochareal, aber da gibt’s<br />

dann umgekehrtes Body Shaming. Und ich<br />

lasse mich nicht gerne dumm anmachen, nur<br />

weil ich auch auf mein Aussehen achte, sorry,<br />

dumm bin i darum no lang nöd, au wenn das<br />

viele hoffen. Ah nei, ich mein nöd, dass sie hoffe,<br />

ich sigi dumm, will, ja ich weiss, dumm<br />

fickt gut. Nei, eifach weil sie’s gerechter fänden,<br />

wenn schöne Menschen dumm wären.<br />

Ich bin ja nun kein Bär, nicht<br />

mal ein Jungbär, mängisch<br />

en Problembär, das scho,<br />

aber nöd vom usgseh her.<br />

Sorry, chan ich nöd diene. Ich dänke gärn. De<br />

Teil mit em Ficke, das kann ich auch, ohne<br />

dumm zu sein. Uf Troubles han i kei luscht<br />

gha. Summert<strong>im</strong>e and living is easy han i mir<br />

gseit und han de Flüger gnoh uf Kroatie. Cool,<br />

he. Eine andere Welt. In der Ferienwohnung<br />

mit meinen Bro’s. Einfach mal geniessen, vergiss,<br />

was richtig und falsch und was in Züri<br />

alles diskutiert wird. Hier hänge ich einfach in<br />

der Sonne, esse mich gesund: Hlap, Jastog,<br />

Kamenice zum Abwinke, chan ich mir süsch<br />

ja nöd leiste. Wenn denn so eifach da bisch,<br />

denn passiert alles. S Läbe cha so eifach sii, ich<br />

säg dir, und dann ist’s nur noch toll. Villicht<br />

Ficke, das kann ich auch,<br />

ohne dumm zu sein.<br />

machen wir hier nicht die grosse Kunst, wobei...<br />

Ein paar Kunststücke waren schon dabei,<br />

shit, was man alles tun kann, wenn man<br />

einfach das tut, wo mer grad luscht druf het.<br />

Kei Body Shaming, aber die Type sind ou alli<br />

saumässig sexy gsi, fuck. Im Gratisheftli woni<br />

auf dem Weg zur Arbeit i de S-Bahn Züri lese,<br />

stand, dass Alkohol Männer schwul macht,<br />

isch mir z Sinn cho. Ja, hani dänkt, Alk macht<br />

nöd schwul, he, Alkohol macht Männer geil<br />

und je mehr Alk, desto mehr wollen sie ficken<br />

und dann kommt’s dann selbst dem straightesten<br />

Straight irgendwann nicht mehr drauf<br />

an, ob de Mensch am andern Ende der Bar einen<br />

Bart hat oder nicht. Ja, und mal ehrlich,<br />

wenn d denn so volltankt bisch, isch es auch<br />

besser, einen Mann mit nach Hause zu nehmen.<br />

Weil dann läuft eh kaum mehr Blut zwischen<br />

die Beine. Aber villicht hoffentlich b<strong>im</strong><br />

andere Junge noch. Da besteht wenigstens die<br />

Hoffnung, dass es so dann doch noch Spass<br />

auf der Matratze oder <strong>im</strong> Gang oder <strong>im</strong> Bad<br />

oder i de Chuchi git – oder wo denn d Hose<br />

grad sackt, villicht ja scho ufem Heiweg – de<br />

Spass isch denn grad nöd eso versatile, chli<br />

eisiitig halt. Aber wenn man so richtig breit<br />

war am Abend, ist man ebenso total geil mit<br />

Duurständer am Morgen drauf. Kenne mir<br />

alli. And then: T<strong>im</strong>e for revenge. Öppe so isch<br />

Kroatie gsi. Easy living halt.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


22<br />

Serie<br />

Was macht eigentlich …<br />

IKONEN<br />

VON DAMALS<br />

In unserer losen Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten<br />

über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen<br />

(Gay-)Tagen. David Hasselhoff ist <strong>im</strong> Sommer 75 Jahre alt geworden,<br />

seine Baywatch-Babes haben die Gays nie wirklich interessiert, die männlichen<br />

Rettungsschw<strong>im</strong>mer aber schon...<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong><br />

Von Johannes Schmitt-Tegge<br />

Ob als Michael Knight <strong>im</strong> Auto K.I.T.T.<br />

oder als Rettungsschw<strong>im</strong>mer Mitch<br />

Buchannon: In den 80er- und 90er-<br />

Jahren war David Hasselhoff ein Weltstar.<br />

Inzwischen ist es um ihn ruhiger geworden.<br />

Im Rückblick würde der Schauspieler trotzdem<br />

kein bisschen anders machen. Am 17.<br />

Juli feierte er seinen 65. Geburtstag, kommendes<br />

Jahr geht er auf grosse Tour in Europa.<br />

Grund genug «The Hoff» nach dem Stand<br />

der Dinge zu fragen.<br />

<strong>Cruiser</strong>: Man kennt Sie vor allem als Rettungsschw<strong>im</strong>mer<br />

aus «Baywatch». Wie finden Sie<br />

den Film mit Dwayne Johnson und Zac Efron,<br />

der jetzt aus der einst so erfolgreichen TV-<br />

Serie geworden ist? Sie haben darin eine<br />

Gastrolle.<br />

Hasselhoff: Das «Baywatch», das wir gemacht<br />

haben, war nicht das «Baywatch»,<br />

das ich wollte. Als es mir angeboten, wurde<br />

mir klar, dass es ein Witz werden und sie<br />

sich darüber lustig machen würden. Aber<br />

Dwayne Johnson ist ein Freund von mir und<br />

ich kenne Zac Efron, der so ein netter Kerl<br />

ist. Deshalb habe ich mich entschieden<br />

mitzumachen. Ich wusste, wenn ich «Nein»<br />

sagen würde, wären alle damit überfordert.<br />

Hätten Sie gern eine grössere, ernsthaftere<br />

Rolle gehabt?<br />

In Hollywood machst du, was dir angeboten<br />

wird, und du versuchst, das Beste daraus zu<br />

machen.


Serie<br />

Was macht eigentlich …<br />

23<br />

Wie war es, Pamela Anderson, die auch einen<br />

Cameo-Auftritt hat, nach all den Jahren in<br />

dem Zusammenhang wiederzusehen?<br />

Mein Leben dreht sich nicht um Pamela und<br />

das hat es auch nie. Ich habe nichts als Anerkennung<br />

für sie. Ich finde, sie ist eine unglaublich<br />

nette, coole Person. Sie ist sehr<br />

witzig und sehr gut in dem, was sie macht.<br />

Hängen wir zusammen ab? Nein.<br />

Ihre andere sehr erfolgreiche Serie war «Knight<br />

Rider». Was können wir vom dazugehörigen<br />

Film erwarten, der 2018 erscheinen soll?<br />

Das weiss ich nicht. Harvey Weinstein (der<br />

Produzent, Anm. d. Red.) hat gesagt, ich soll<br />

mitspielen und es soll eine Komödie sein.<br />

Die Gespräche liefen nicht so positiv, wie<br />

ich sie gerne gehabt hätte.<br />

Und die neue Serie, die «Knight Rider» wiederbeleben<br />

soll?<br />

Ich weiss nicht, aber ich hoffe, dass es keine<br />

Parodie wird. Ich hoffe, sie wird dem Original<br />

gerecht. Keiner, der die Serie gesehen<br />

hat, will, dass sich darüber lustig gemacht<br />

wird. Es war wie die Ritter der Tafelrunde.<br />

Er (Hauptfigur Michael Knight) ist ein<br />

Ritter in strahlender Rüstung – nur, dass er<br />

schwarzes Leder trägt.<br />

«Mein Ruf ist <strong>im</strong>mer noch<br />

halbwegs cool»<br />

Identifizieren sich die Menschen heute noch<br />

mit Ihnen?<br />

Ich denke <strong>im</strong>mer, das wird verschwinden,<br />

aber dann gehe ich in einen Friseursalon<br />

und werde belagert. Alle Leute wollen Fotos<br />

mit mir machen. Woher kennt Justin Bieber<br />

mich? Es hat offensichtlich nichts mit<br />

«Knight Rider» zu tun, er ist 23 Jahre alt. Die<br />

Serie lief acht Jahre, bevor er geboren wurde.<br />

Irgendwie ist mein Ruf bei diesen Kids<br />

<strong>im</strong>mer noch halbwegs cool. Ich habe keine<br />

Ahnung, warum. ➔<br />

Seine Abstürze scheinen vergessen zu sein, David<br />

Hasselhoff hat sich einigermassen gut gehalten.<br />

Dennoch steckt seine Karriere in einer Sackgasse.<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


24<br />

Serie<br />

Was macht eigentlich …<br />

reporTage<br />

gAY nurSing<br />

13<br />

hiV <strong>im</strong> Alter<br />

Doch wie sieht es mit der Situation HIVpositiver<br />

Menschen aus? «Vor zehn Jahren<br />

betreuten wir einige sterbende Aids-Patienten.<br />

Die waren aber nicht alle schwul. Viele<br />

waren auch Drogenabhängige, die sich in<br />

diesem Kontext mit HIV angesteckt hatten.»<br />

Heute sehe es allerdings anders aus:<br />

«HIV-positive Menschen sterben nicht mehr<br />

oder nur noch ganz selten an Aids, weil die<br />

neuen Medikamente gut wirken und die<br />

Krankheit unter Kontrolle gehalten wird»,<br />

erklärt Fauchs. Dafür kommen andere<br />

Herausforderungen auf die beiden zu. Ein<br />

unterschätztes Problem sei zum Beispiel der<br />

Alkoholkonsum, erzählen sie. Viele ältere<br />

Schwule hätten die meiste Zeit ihres Lebens<br />

rauchend in einer Szenebar verbracht. Dass<br />

das nicht spurlos an einem vorbeigeht, merke<br />

man Hasselhoff dann spätestens als Mitch Buchannon <strong>im</strong> Alter. in Allerdings der Serie<br />

David<br />

«Baywatch», sei Altersalkoholismus ca. 1990. ein Problem, das<br />

durchaus auch Heterosexuelle betreffe.<br />

«Manchmal werden die HIV-positiven<br />

Schwulen <strong>im</strong> Alter auch ausgenützt», sagt<br />

Fauchs. So erzählen sie vom Patienten Rolf<br />

Wie (alle erklären Name Sie von sich der Ihre <strong>Cruiser</strong>redaktion Fanbasis in Europa, geändert),<br />

allem der in von Deutschland, Zeit zu Zeit Österreich Stricher aus und Osteuro-<br />

der<br />

vor<br />

Schweiz? pa zu sich einlädt, die er <strong>im</strong> Internet kennengelernt<br />

hat. dass Diese ich nutzen 1989 am ihn Neujahrsabend dann aus, indem in sie<br />

Damit,<br />

Deutschland vor einer Mil lion Menschen gesungen<br />

habe und der erste Amerikaner war,<br />

der dort seit 1945 gesungen hatte. Und weil<br />

mein «mancHmal Song «Looking Werden for Freedom» die das Wort<br />

Freiheit<br />

HiV-posiTiVen<br />

enthielt. Für die<br />

scHWulen<br />

Menschen in<br />

<strong>im</strong><br />

Ostdeutschland<br />

und Ostberlin war das ein sehr<br />

wichtiges<br />

alTer<br />

Wort,<br />

aucH<br />

weil<br />

ausgenüTzT.»<br />

sie nicht frei waren.<br />

Hätten Sie <strong>im</strong> Rückblick in Ihrem Leben etwas<br />

anders gemacht?<br />

Wahrscheinlich extra Geld verlangen, nicht. weil Ich er habe HIV-positiv Herz, Humor<br />

«Ohne und zusätzlich Action in jedes zu zahlen, Drehbuch würden gesteckt. die Stri-<br />

ist.<br />

Ich cher suche ihn niemals <strong>im</strong>mer anfassen noch nach – auch Freedom, weil sie nicht<br />

suche wissen, <strong>im</strong>mer wie sich noch HIV nach überträgt. gutem Rolf Entertainmentwegen<br />

Ich auch hatte massive eine Geldprobleme.» grossartige, beschei­<br />

Es gebe<br />

hat desdene,<br />

halt viele glückliche, Brandherde erfolgreiche bei den Karriere. Patienten Ich und<br />

würde Patientinnen, höchstens sind mehr sich die darauf beiden achten, einig. die Das<br />

sei typisch für ihre Arbeit. «Trotzdem bin ich<br />

heute noch begeistert von meiner Arbeit. Sie<br />

bietet einen breiten Einblick in das Leben unserer<br />

Patienten», betont Bucher.<br />

Wahrheit hoi, du Zwätschge!»<br />

zu akzeptieren. Aber ich würde<br />

nichts Bucher ändern. und Fauchs Ich bin pflegen gesegnet. sowohl Ich schwule will<br />

einfach Patienten noch als 20 auch Jahre heterosexuelle am Leben bleiben. Patienten<br />

und Patientinnen. Es fragt sich, was nun das<br />

«Gay Nursing» von normaler Spitex-Pflege<br />

ZUR unterscheidet. PERSON «Das ‹Gay Nursing› hat mit<br />

einer gewissen schwulen Kultur zu tun», erklärt<br />

in Balt<strong>im</strong>ore Fauchs. (Maryland) Als Beispiel geborene erwähnt David er den<br />

Der<br />

Hasselhoff über achtzigjährigen wurde mit den Peter. TV-Serien Er liess «Knight sich zunächst<br />

und von «Baywatch» einer normalen weltberühmt. Spitex-Pflegerin Als Pop-<br />

Rider»<br />

sänger pflegen war und er unter fühlte anderem sich unwohl. mit den «Weil Titeln er sich<br />

«Looking verstecken for Freedom», musste.» «Crazy So bemühte for You» und er sich,<br />

«Everybody mit der Pflegerin Sunshine» erfolgreich. über betont An männliche seinen<br />

Höhenflug Themen und – über das Fussball Millionenpublikum und Ähnliches der 80er- – zu<br />

und reden. 90er-Jahre Nun, konnte wo er er Fauchs trotz verschiedener<br />

als Pfleger hat,<br />

Filmprojekte, kann Peter Serien seine und schwule Musikalben Identität, sowie die als ihn<br />

Schauspieler durch das am Leben Theater begleitete, aber nicht wieder mehr anknüpfen.<br />

Zur Begrüssung Er hat zwei steht Töchter jeweils und ist schon fünffach an der<br />

zeigen.<br />

geschieden. Tür und Seit empfängt sechs Jahren François ist er mit einer einem<br />

walisischen neckischen Verkäuferin «Hoi, du liiert Zwätschge!». und inzwischen Sowieso<br />

verlobt. seien sie (DPA) mit allen schwulen Patienten gleich<br />

per Du. Es gibt so etwas wie eine automatische<br />

Verbundenheit.<br />

Ein anderer Patient habe einen Partner<br />

mit einem Latexfetisch. Da sei eine junge ➔<br />

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C R U I S E R j U n I <strong>2017</strong>


kultur<br />

buchtipp<br />

25<br />

HADERN MIT<br />

DER KIRCHE<br />

Schon als Junge entschloss sich Krzysztof Charamsa, Priester zu werden.<br />

Später entdeckte er, dass er schwul ist. Kann das gehen?<br />

Von Birgit Kawohl<br />

D<br />

as Buch ist schon äusserlich ein raffiniert<br />

gemachter Hingucker, bildet es<br />

doch den – zum Glück ziemlich gutaussehenden<br />

– Charamsa auf dem Hintergrund<br />

eines min<strong>im</strong>al geöffneten Kragens<br />

einer Soutane ab. Krzysztof Charamsa also,<br />

1972 in Polen geboren, lange Zeit <strong>im</strong> Dienste<br />

der Kirche stehend, veröffentlicht hier seine<br />

Autobiografie, die zugleich eine Anklageschrift<br />

gegen die katholische Kirche, ihr<br />

System und ihr Denken darstellt. Denn, und<br />

das macht das Buch auch inhaltlich zu<br />

einem Hingucker, Charamsa ist schwul,<br />

also um es nochmals ganz deutlich zu sagen:<br />

Er war ein Priester, der hiermit öffentlich<br />

kundtut, ein Mann zu sein, der mit<br />

Männern schläft. Dass das natürlich in der<br />

katholischen Kirche Wellen schlagen muss,<br />

ist klar. Wie sieht es aber bei Lesern aus, die<br />

nicht <strong>im</strong> System Kirche gefangen sind?<br />

Kann er mit seiner Schrift auch Laien oder<br />

gar Atheisten überzeugen?<br />

Wir lernen einen Mann kennen, der<br />

sich schon als kleiner Junge – nicht zu vergessen,<br />

er wurde <strong>im</strong> erzkonservativen und<br />

vom katholischen Glauben best<strong>im</strong>mten<br />

Polen geboren – davon träumt, Priester zu<br />

werden und später alles daransetzt, diesen<br />

Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Hierfür<br />

n<strong>im</strong>mt er auch die kasernenartigen Unterkünfte<br />

<strong>im</strong> Priesterseminar – Bettzeit für<br />

alle Männer ist um zehn Uhr – in Kauf und<br />

passt sich den zum Teil abstrusen Anforderungen<br />

an. Er durchläuft schliesslich die<br />

notwendigen Etappen des Aufstiegs und erreicht<br />

sein Ziel, die Aufnahme in die Glaubenskongregation,<br />

dessen 2. Sekretär er <strong>im</strong><br />

Jahr 2011 wird. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm<br />

schon lange klar, dass er schwul ist. Dies ist<br />

besonders pikant, da die Glaubenskongregation,<br />

das Sant' Uffizio, quasi der Gehe<strong>im</strong>dienst<br />

oder die Inquisitionsbehörde des<br />

Vatikans ist. Dort wird spioniert, geurteilt<br />

und gnadenlos verurteilt oder auch geschwiegen,<br />

wenn es zum Beispiel um Missbrauchsfälle<br />

innerhalb der Kirche geht.<br />

Hier fragt sich der Leser dann schon, musste<br />

das sein? Verständlich ist sicherlich, dass<br />

ein <strong>im</strong> katholischen Glauben erzogener,<br />

polnischer Junge den Berufswunsch Priester<br />

hegt. Verständlich ist auch noch, dass<br />

sich aus diesem Beruf eine Erklärung da ­<br />

für ergibt, dass man als junger Pole nicht<br />

frühestmöglich den Bund der Heteroehe<br />

schliesst. Aber ist das noch verständlich<br />

für einen Mann, der <strong>im</strong>mer wieder betont,<br />

dass Sexualität, egal welcher Art, positive<br />

Energie sei? Der die Forderung nach<br />

Akzeptanz der Andersartigkeit von Schwulen<br />

und Lesben stellt?<br />

Hierfür muss man sicherlich nochmals<br />

seine Herkunft berücksichtigen. So<br />

erklärt Charamsa, dass die Polen <strong>im</strong>mer zu<br />

Duckmäusern gegenüber Staat und Kirche<br />

erzogen worden seien, bei denen der Glaube<br />

über allem stehe. Sich aus dieser Sozialisation<br />

aus eigener Kraft zu befreien, ist sicherlich<br />

nicht einfach. Daher ist es nachvollziehbar,<br />

dass sich sein Befreiungskampf<br />

über Jahre erstreckte. Ob die Angst um die<br />

Sicherung seines Lebensunterhaltes als<br />

Grund für einen solch intelligenten Kopf<br />

genügen mag, ist hingegen anzuzweifeln,<br />

hätte er doch sicherlich auch an einer weltlichen<br />

Universität Karriere machen können.<br />

Dabei die eigene Sexualität zu verschweigen<br />

und sie <strong>im</strong> Gehe<strong>im</strong>en doch <strong>im</strong>mer<br />

wieder auszuleben – Charamsa geht<br />

davon aus, dass 50 % aller katholischen<br />

Geistlichen schwul sind – ist eine Sache,<br />

sich aber bewusst gegen das Aufdecken<br />

eines Missbrauchs innerhalb der eigenen<br />

Familie zu stellen, weil man damit den eigenen<br />

beruflichen Aufstieg gefährdet, ist nicht<br />

akzeptabel. Nicht nur, aber auch deswegen<br />

wirken weite Teile dieses Textes wie eine<br />

einzige Rechtfertigung, um vielleicht<br />

schluss endlich doch noch ins H<strong>im</strong>melreich<br />

zu gelangen. Das ist sicherlich der Punkt, an<br />

dem zumindest die Atheisten ihr Verständnis<br />

verlieren und das Ganze als ein letztendlich<br />

verlogenes Pamphlet empfinden.<br />

Dass andererseits endlich einmal aus dem<br />

Inneren des Systems Kritik an der katholischen<br />

Kirche geübt wird, lässt die Hoffnung<br />

erwachsen, dass sich unter Papst<br />

Franziskus vielleicht auch hier in nächster<br />

Zeit einmal etwas bewegen wird.<br />

Buchtipp<br />

Krzysztof Charamsa: Der erste Stein. Als<br />

homosexueller Priester gegen die Heuchelei der<br />

katholischen Kirche<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


26<br />

NEws<br />

NATIONAL & INTERNATIONAL<br />

NEWS<br />

WHO: Staaten wollen Hepatitis bis 2030 beseitigen<br />

Gemäss WHO weiss nur jeder zehnte Betroffene, dass er mit Hepatitis infiziert ist.<br />

Mehrere Staaten verfolgen nationale Strategien,<br />

Hepatitis bis 2030 zu beseitigen. Für<br />

den Kampf gegen die Krankheit müssten<br />

vor allem Behandlungskosten sinken und<br />

die Prävention verbessert werden, fordert<br />

die WHO. «Wir haben Grund zu Opt<strong>im</strong>ismus,<br />

angesichts einer Krankheit, die oft<br />

nicht erkannt wird und der oft nichts entgegengesetzt<br />

wird», sagte der Direktor des globalen<br />

WHO-Hepatitis-Programms (GHP),<br />

Gottfried Hirnschall, unlängst an einer Medienkonferenz<br />

in Genf. Die Länder bemüh­<br />

ten sich vermehrt, ihren Beitrag zu dem Ziel<br />

zu leisten, bis 2030 die Neuinfektionen <strong>im</strong><br />

Vergleich zu 2016 um 90 Prozent zu senken<br />

und die Zahl der Todesfälle um zwei Drittel<br />

zu reduzieren. «Zahlreiche Länder haben<br />

es geschafft, den Impfschutz gegen Hepatitis<br />

B auszuweiten», so WHO-Generaldirektor<br />

Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die<br />

Zahl der Neuinfektionen sei zurückgegangen.<br />

«Wir müssen diesen Fortschritt durch<br />

besseren Zugang zu Diagnostik und Therapie<br />

weiter vorantreiben.»<br />

Weiter haben 87 Prozent der untersuchten<br />

Länder Ziele festgelegt, um Hepatitis<br />

zu beseitigen, und mehr als 70 Prozent<br />

haben mit der Umsetzung nationaler Strategien<br />

begonnen. Fast die Hälfte der Staaten<br />

will die Krankheit beseitigen, indem sie<br />

allen Betroffenen Zugang zu einer Behandlung<br />

ermöglicht.<br />

Das Problem sei, dass «bestenfalls nur<br />

jeder zehnte Betroffene weiss, dass er oder<br />

sie mit Hepatitis infiziert ist», sagte GHP-<br />

Direktor Hirnschall. Er bezeichnete diese<br />

Situation als «inakzeptabel» und rief die<br />

Staaten dazu auf, ihre Anstrengungen und<br />

ihr Engagement fortzusetzen. Insgesamt litten<br />

2015 325 Millionen Menschen an einer<br />

der beiden schwersten Formen von Hepatitis,<br />

den Typen B und C. Fast 1,35 Millionen<br />

erlagen ihrer Erkrankung.<br />

Gegen Hepatitis C gibt es erst seit weniger<br />

als vier Jahren die ersten wirklich wirksamen<br />

Medikamente, die das Virus innerhalb<br />

von drei Monaten el<strong>im</strong>inieren können.<br />

Aber nur sieben Prozent der Patienten haben<br />

Zugang zu diesen Medikamenten und<br />

die Zahl der neuen Fälle steigt. Die Entwicklung<br />

von Generika hat unlängst dazu beigetragen,<br />

den Preis für die horrend teuren<br />

Medikamente zu senken. Dennoch bleiben<br />

sie in den Industriestaaten sehr kostspielig.<br />

Immerhin: Die WHO hat eines der<br />

Generika nun präqualifiziert, bei dem die<br />

dre<strong>im</strong>onatige Behandlung nur rund 280 US-<br />

Dollar kostet. Die WHO fordert zudem, die<br />

Prävention bei Risikogruppen zu verbessern.<br />

Neue HIV-Therapie in Sicht: Monatsspritze statt jeden Tag Pillen<br />

Eine Monatsspritze kann das HI-Virus <strong>im</strong><br />

Körper einer Studie zufolge ebenso gut kontrollieren<br />

wie die bisher übliche tägliche<br />

Einnahme von Tabletten. Das hat ein internationales<br />

Forscherteam an der «Sommer-<br />

HIV-Konferenz» in Paris berichtet.<br />

Sollten Zulassungsstudien die <strong>im</strong><br />

Fachblatt «The Lancet» veröffentlichten Ergebnisse<br />

bestätigen, könnte erstmals eine<br />

Injektionstherapie gegen HIV auf den<br />

Markt kommen, die nur alle vier Wochen<br />

nötig wäre. Unabhängige Experten sprechen<br />

in einem «Lancet»-Kommentar von<br />

einem Meilenstein in der Geschichte der<br />

HIV-Therapie.<br />

Bei der HIV-Behandlung nehmen Patienten<br />

derzeit täglich oral drei Wirkstoffe<br />

ein, die die Viruslast <strong>im</strong> Blut unter die Nachweisgrenze<br />

drücken können. Seit einigen<br />

Jahren gibt es Kombinationspräparate, so­<br />

dass Betroffene nur noch eine Tablette pro<br />

Tag benötigen. Die nun getestete Injektionstherapie<br />

könnte die Behandlung weiter vereinfachen:<br />

Patienten bräuchten – <strong>im</strong> Fall der<br />

Zulassung – nur noch alle vier Wochen eine<br />

Dosis, allerdings als intramuskuläre Injektion.<br />

In der Studie, die in den DACH-Ländern<br />

vor allem die Sicherheit der Therapie<br />

prüfte, nahmen rund 300 Teilnehmer zunächst<br />

20 Wochen lang wie üblich drei<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


ForscHunG NEws<br />

NATIONAL & INTERNATIONAL<br />

Hiv & Alter<br />

27 29<br />

Schwelle bei 60 gesetzt, dann hätten wir viel<br />

weniger Patienten einschliessen können. Ein<br />

bedeutender Vorteil dieser Studie ist die<br />

grosse Zahl an Teilnehmern sowie deren Zusammensetzung,<br />

die repräsentativ ist für die<br />

HIV-positiven Personen in der Schweiz. Das<br />

wird sich in den Resultaten spiegeln.<br />

Damit festgestellt werden, ob Menschen<br />

mit HIV schneller altern als die Allgemeinbevölkerung,<br />

muss mit einer<br />

negativen Kontrollgruppe verglichen<br />

werden …<br />

Für die Herzkranzgefässe-Untersuchung<br />

haben wir eine HIV-negative Kontrollgruppe.<br />

In dieser erfassen wir zusätzliche<br />

Liegen bereits Resultate vor?<br />

Informationen wie Risikofaktoren für<br />

Nein. Die erste Testreihe wurde erst <strong>im</strong> Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamenteneinnahme,<br />

Spätsommer 2016 bei allen Teilnehmern<br />

körperliche Tätigkeit<br />

abgeschlossen.<br />

und weitere Informationen.<br />

Spritze statt Tabletten: Sollte die neue Darreichungsform zugelassen Doch werden, für die würde gesamte die Zahl M+A-Studie<br />

der HIV-<br />

Infektionen Wie geht eine noch solche weiter Untersuchung und schneller vonstatten? zurückgehen.<br />

Für alle Tests bei einem Studienteilnehmer<br />

benötigen wir einen ganzen Tag. Wir nehmen<br />

Blut- als und Tabletten Urinproben ein, (nüchtern) um die Virus­<br />

ab,<br />

Wirkstoffe<br />

last messen <strong>im</strong> Körper die Knochendichte, zu senken. Danach fahren eine führten koronare<br />

60 Computertomografie Patienten diese Behandlung und erfassen fort,<br />

knapp<br />

während mittels neuropsychologischer jeweils 115 Teilnehmer Testung zwei Wirkstoffe<br />

geistige <strong>im</strong> Fitness. Abstand Bei von vier der und Verlaufsuntersu-<br />

acht Wochen<br />

die<br />

intramuskulär chung nach zwei injiziert Jahren bekamen. führen wir zusätzlich<br />

ein Nach Interview knapp zwei zu Jahren den Ernährungsgewohnheiten<br />

die Viruskontrolle durch. bei der Injektionsthe­<br />

(96 Wochen)<br />

war<br />

haben wir keine HIV-negative Kontrollgruppe.<br />

Das wäre logistisch und finanziell<br />

eine grosse Herausforderung. Zudem wäre<br />

konventionellen es grundsätzlich Tabletten-Einnahme. schwierig, eine geeignete Bei<br />

rund Vergleichsgruppe 90 Prozent der zu Betroffenen finden. wurde das<br />

Virus dauerhaft unterdrückt – sowohl bei Injektionen<br />

Werden Sie <strong>im</strong> die Abstand Frage, ob von HIV vier das Wochen Altern wie<br />

auch beschleunigt, von acht beantworten Wochen. Häufigste können? Nebenwirkung<br />

Ich hoffe waren es. Schmerzen Unsere Resultate an der Einstichstelle,<br />

wichtiger die <strong>im</strong> Mittel Mosaikstein nach drei sein Tagen zur abklangen. umfassen-<br />

werden ein<br />

den Beantwortung Die Ergebnisse dieser zeigten, Frage. «dass eine<br />

rapie sogar etwas ausgeprägter als bei der lang wirkende, injizierbare, antivirale Therapie<br />

über einen langen Zeitraum sowohl<br />

hocheffektiv sein als auch gut vertragen<br />

werden kann», so Joseph Eton von der<br />

University of North Carolina in Chapel Hill<br />

in einer «Lancet»-Mitteilung. Zulassungsstudien<br />

für die Injektionstherapie laufen<br />

bereits – allerdings nur für den Abstand von<br />

vier Wochen. Die achtwöchige Injektion<br />

hatte bei vier Teilnehmern nicht angeschlagen.<br />

Eine seltenere Anwendung könnte<br />

dazu führen, dass Patienten sich zuverlässiger<br />

Helen an Therapien Kovari halten. Dies würde sowohl<br />

die ist oberärztin Kontrolle mit des erweiterter Aids-Erregers Verantwortung verbessern<br />

als an der auch Klinik die für Entstehung Infektionskrankheiten von Resistenzen und<br />

gegen Spitalhygiene Wirkstoffe des Universitätsspitals erschweren. Zürich.<br />

Als HIV-Spezialistin «Diese Resultate ist sie sowohl verdienen in der grosse<br />

Aufmerksamkeit», Betreuung von Patienten schreiben wie in der Mark Forschung Boyd<br />

von tätig. der Im Rahmen University der Schweizerischen<br />

of Adelaide und David<br />

Cooper HIV-Kohortenstudie von der University leitet sie zurzeit of New zwei South<br />

Wales Studien, in die Sydney sich mit in dem einem Alterungsprozess<br />

«Lancet»-Kommentar.<br />

HIV- positiver «Eine Personen antivirale sowie Injektionstherapie<br />

dem Einfluss<br />

ist von umso HIV auf attraktiver, die Leber beschäftigen.<br />

je seltener sie injiziert<br />

werden muss.» Die Studie biete einen markanten<br />

News» des Meilenstein Bundesamts für in Gesundheit der Entwicklung (BAG) nachzulesen. von<br />

* Das Interview ist in ausführlicher Form in den «Swiss Aids<br />

HIV-Therapien.<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


28<br />

Interview<br />

Regenbogenfamilien<br />

REGENBOGENFAMILIEN UND<br />

POSTMODERNE<br />

ROLLENBILDER<br />

Von Anne Andresen<br />

Die Skypeverbindung wirft ein pixeliges<br />

Livebild aus einem Wohnz<strong>im</strong>mer<br />

in einer bayerischen Kleinstadt<br />

in mein Zürcher Büro. Zwischen Livia und<br />

Tatjana grinst fröhlich Jascha, sechs Monate,<br />

in die Kamera. Die Grosse, Mathia, ist<br />

schon 1 ½ und gerade in ihrer Spielgruppe.<br />

Bis sie he<strong>im</strong>kommt, haben wir Zeit, uns auszutauschen,<br />

danach ist bei Familie Schoeler<br />

wieder Action angesagt.<br />

Ihr seid zu dritt! Wie schön, euch zu sehen!<br />

Ich schaue nicht nach Berlin?<br />

Livia: (lacht) Wir passen sicher besser nach<br />

Berlin als nach Oberbayern. Aber ich habe<br />

eine Festanstellung in München bekommen,<br />

und deshalb sind wir hierher gezogen.<br />

«Ich habe mich schon mal<br />

ertappt, dass ich mich<br />

GEFRAGT habe: Kann man<br />

jASCHA jetzt draussen mit<br />

dem rosa Laufrad herumfahren<br />

lassen?»<br />

Wie würdet ihr beiden eure Familie<br />

beschreiben?<br />

Livia: Ich glaube, wir sind locker, lustig und<br />

entspannt.<br />

Tatjana: Genau. Heute Morgen war Mathia<br />

um 4.30 Uhr wach und wir haben Milchreis<br />

gekocht. Wir nehmen es, wie es kommt, und<br />

legen keine Termine auf den frühen Morgen.<br />

Wir starten erst, wenn jeder <strong>im</strong> Tag angekommen<br />

ist.<br />

Livia mit Baby Jascha, <strong>im</strong> Kinderwagen Mathia, daneben Tatjana. Die Frage «Wer ist denn hier die Mutter?»<br />

bekommt die Regenbogenfamilie auf der Strasse öfter gestellt.<br />

Livia: Andere würden es vielleicht strukturlos<br />

nennen, wir nennen es gelassen (lacht).<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


Interview<br />

Regenbogenfamilien<br />

29<br />

Tatjana: Unsere Regeln lauten «nicht hauen,<br />

nicht beissen», aber sonst darf man alles<br />

ausprobieren. Die Kinder bringen ihr Temperament<br />

ja schon mit. Und wir probieren<br />

uns natürlich auch aus als Eltern. Wir lernen<br />

alle voneinander.<br />

«natürlich kommen so<br />

Fragen wie: Wer ist denn bei<br />

euch der Papa?»<br />

Ihr habt jetzt einen Jungen und ein Mädchen.<br />

Macht ihr Unterschiede? Seht ihr welche?<br />

Tatjana: Mathia ist sehr wild, Jascha eher<br />

der ruhigere. Mathia spielt mit Autos und<br />

Jascha schmust gerne mit Kuscheltieren.<br />

Also eigentlich gegensätzlich, wenn man in<br />

Rollenbildern denken will. Aber schon bevor<br />

wir Kinder hatten, haben wir uns eigentlich<br />

nie in Rollenbildern definiert. Auch<br />

nicht als Frauen, die auf Frauen stehen. Wir<br />

sind uns einfach begegnet.<br />

Livia: Wir schauen, was die Kinder wollen.<br />

Mathia singt zum Beispiel gerne und wir<br />

unterstützen sie darin.<br />

Livia: Ich habe mich schon mal ertappt, dass<br />

ich mich gefragt habe: Kann man Jascha<br />

jetzt draussen mit dem rosa Laufrad herumfahren<br />

lassen? Aber wir würden eigentlich<br />

gerne einen Schritt weiter sein.<br />

Tatjana: Post-Rollenbilder.<br />

Bei Heteropaaren führen Rollenvorstellungen<br />

oft zu Diskussionen, man muss sich neu definieren,<br />

wenn man Familie wird. Wer ist bei<br />

euch mehr bei den Kindern?<br />

Tatjana: Ich habe einen Monat nach der<br />

Geburt wieder angefangen zu arbeiten,<br />

weil ich das brauche. Ich bin sehr gerne bei<br />

den Kindern, aber die Mischung macht<br />

mich froh.<br />

Livia: Ich bin jetzt eineinhalb Jahre zu<br />

Hause und mache das sehr gerne. Wir teilen<br />

es so, wie es für uns gut ist. Aber natürlich<br />

kommen so Fragen wie: Wer ist denn<br />

bei euch der Papa? Ich wurde sogar gefragt,<br />

als ich schwanger war. Im Gespräch ging es<br />

um den Heiratsantrag, den habe ich gemacht.<br />

Dann hiess es: Bist du denn der<br />

Mann bei euch?<br />

Tatjana: Wenn man uns öfter zusammen<br />

auf der Strasse sieht, dann kommen die Fragen.<br />

Wer ist denn hier die Mutter? Und wenn<br />

wir dann sagen: Beide, dann fällt den Leuten<br />

oft alles aus dem Gesicht. Oft kommt direkt:<br />

Wie habt ihr das gemacht?<br />

Wie reagiert ihr auf solche Fragen? Macht<br />

euch das wütend?<br />

Tatjana: Nein, da haben wir noch ganz andere<br />

Dinge erlebt. Das ist ja auch etwas, was<br />

beantwortet sein will, nehme ich an. Man<br />

sieht es ja eben doch noch nicht so oft auf<br />

der Strasse.<br />

Livia: Aber dich, Anne, würde ja eben auch<br />

keiner fragen «Wie habt ihr euer Kind gemacht?»<br />

und ich finde es schon unverschämt,<br />

wenn das sofort aus reiner Neugierde<br />

und in der Öffentlichkeit kommt.<br />

Und vor den Kindern haben wir ja nochmal<br />

eine andere Verantwortung, was wir vor<br />

denen sagen.<br />

Tatjana: Wir zeigen schon unsere Grenzen<br />

auf.<br />

Livia: Wobei ich glaube, dass unsere Kinder<br />

dann schon anders aufwachsen, da wir sehr<br />

selbstverständlich damit sind. Wir machen<br />

kein Thema aus Rollen, daraus, dass wir<br />

zwei Mütter sind, und wir ärgern uns auch<br />

nicht über Unverständnis.<br />

«Wir machen kein Thema aus<br />

Rollen, daraus, dass wir<br />

zwei Mütter sind, und wir<br />

ärgern uns auch nicht über<br />

Unverständnis.»<br />

Das klingt ja zunächst sehr entspannt! Gab es<br />

Zeiten, in denen das anders war? Habt ihr<br />

euch je gefragt, ob es überhaupt möglich ist<br />

für euch, Kinder zu bekommen?<br />

Tatjana: Ich wusste schon <strong>im</strong>mer, dass ich<br />

mit 27 Mama werden will und habe das Vertrauen<br />

gehabt, dass es dann schon irgendwie<br />

gehen wird.<br />

Livia: Bei mir war das anders. Ich habe mich<br />

schon gefragt: «Wie soll das gehen, wie mache<br />

ich das?»<br />

Tatjana: Wir haben dann eine Art Plan gemacht,<br />

in dem wir alle Etappen festgehalten<br />

haben. Bis wann wir eine Methode finden,<br />

wann wir mögliche Spender treffen und so<br />

weiter. Obwohl ich ihn lieber als «Menschen,<br />

der uns geholfen hat» bezeichne.<br />

Also habt ihr alles lange und genau geplant?<br />

Tatjana: Ja, ich glaube, das muss man. Wobei<br />

man auch spielerisch damit umgehen<br />

sollte und vertrauen haben, dass es schon<br />

geht, wenn man will. ➔<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


30<br />

Interview<br />

Regenbogenfamilien<br />

Livia: Auf jeden Fall muss man klar sein in<br />

dem, was man möchte. Da ist ja auch noch<br />

der Vater. Auch der hat gesagt, er tut das nur<br />

für jemanden, der ihm sympathisch ist. Das<br />

sind ja auch seine Kinder, das ist ja nicht<br />

nichts. Da kann er ja auch sagen: «Mit euch<br />

will ich das nicht.»<br />

Inwiefern ist der Vater Teil der Familie?<br />

Tatjana: Uns war es wichtig, dass die Kinder<br />

ihn kennenlernen können, wenn sie möchten.<br />

Auch für eventuelle spätere gesundheitliche<br />

Fragen ist das wichtig.<br />

Livia: Wir schreiben uns zu Geburtstagen,<br />

zu Weihnachten und hören auch zwischendurch<br />

voneinander. Wir möchten auch zeigen,<br />

dass wir ihm dankbar sind, weil wir<br />

wirklich sehr glücklich sind, aber erzieherischen<br />

Einfluss hat er keinen. Nur wir beiden<br />

sind die Eltern und er sozusagen unser<br />

Helfer.<br />

Denkt ihr, eure Kinder brauchen auch männliche<br />

Bezugspersonen, trotz postmoderner<br />

Rollenbilder?<br />

Livia: Wir haben für beide Kinder männliche<br />

und weibliche Paten ausgesucht. In<br />

erster Linie geht es uns aber darum, den<br />

Kindern tolle Leute vorzustellen, bei denen<br />

wir das Gefühl haben, dass sie eine Bereicherung<br />

für unsere Kinder sind. Und<br />

na türlich auch, dass sie jemanden haben,<br />

mit dem sie Themen besprechen können,<br />

mit denen sie zu uns nicht kommen wollen.<br />

«Es wäre schön, wenn man<br />

irgendwann SAGEN kann, es<br />

ist egal, ob es zwei Mütter<br />

oder Väter sind, weil es<br />

GENAUSO gute oder auch<br />

schlechte Eltern sein können<br />

wie ANDERE.»<br />

Aus euren Erfahrungen <strong>im</strong> Alltag: Was muss<br />

sich noch ändern? Was wünscht ihr euch für<br />

die Zukunft?<br />

Tatjana: Man müsste die Rollen mehr aufweichen,<br />

was wir ja auch versuchen zu tun.<br />

Es wäre schön, wenn man irgendwann<br />

sagen kann, es ist egal, ob es zwei Mütter<br />

oder Väter sind, weil es genauso gute oder<br />

auch schlechte Eltern sein können wie<br />

andere. Ich wünsche mir, dass man <strong>im</strong><br />

Gegenüber das Gemeinsame sieht und<br />

nicht das Trennende. Wir sollten einfach<br />

bei uns selbst anfangen und Wege aufzei­<br />

gen, anstatt zu meckern, und anfangen,<br />

neue Modelle vorzuleben.<br />

Livia: Es wäre toll, wenn auch in den Medien<br />

das Thema viel selbstverständlicher<br />

aufgegriffen würde. Dass es keine Filme<br />

mehr geben muss, die explizit zwei Mütter<br />

zum Thema haben, sondern dass in einem<br />

Film zu einem ganz anderen Thema einfach<br />

eine Familie mit zwei Müttern oder Vätern<br />

vorkommt. Dass es eine Selbstverständlichkeit<br />

ist.<br />

Tatjana: Man sollte generell weniger in<br />

Rollenbildern denken. Zwischen uns vieren<br />

gibt es in jede Richtung eine Lehr-Lern-<br />

Beziehung. Immer <strong>im</strong> Hier und Jetzt. Wir<br />

wollen uns begegnen, anstatt Rollen auszufüllen.<br />

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VON VINICIO ALBANI<br />

Mein Freund verabredet sich<br />

hinter meinem Rücken zu Sex.<br />

Ich habe erfahren, dass mein Partner<br />

einen Schuh- und NS-Fetisch<br />

hat. Wir haben darüber geredet,<br />

aber es ist nicht mein Ding. Seither<br />

ist das Thema tabu. Jetzt habe ich<br />

gesehen, dass er mit Männern, die<br />

seine Vorlieben teilen, chattet.<br />

Muss ich mir Sorgen machen?<br />

Wenn ich ihn darauf anspreche,<br />

wüsste er, dass ich seine Nachrichten<br />

gelesen habe. Was soll ich<br />

VoN VINICIo ALBANI<br />

tun? iST UriNTriNkEN Daniel (21) gEFäHrliCH?<br />

Hallo ich trinke Daniel jeden Tag den Urin<br />

meines Mannes. Wir finden das<br />

Redet über eure Bedürfnisse und Wünsche.<br />

Es wundert mich, dass du bereit bist, das<br />

beide richtig geil. Dabei macht er<br />

Thema totzuschweigen. Was erwartest du?<br />

Etwa, mir meistens dass dein Partner direkt dir in den zuliebe Mund darauf<br />

verzichtet? Wenn ihr nicht redet, sind die<br />

und trinke alles. Meine Frage:<br />

Chancen gross, dass er seinen Fetisch he<strong>im</strong>lich<br />

kann auslebt. das für Neben mich gegenseitigem schädlich Vertrauen<br />

karl ist Kommunikation (33)<br />

eine der wichtigsten<br />

sein?<br />

Voraussetzungen für eine funktionierende<br />

Beziehung. Klar, wenn du ihn ansprichst,<br />

weiss Hallo er, Karl dass du seine Nachrichten gelesen<br />

hast. Das Trinken Vielleicht von solltest Urin du ist dir bezüglich bzw. ihm HIV diesen<br />

ungefährlich. Fauxpas eingestehen. Du solltest aber Du auf kannst den Urin aber<br />

auch deines versuchen, Mannes verzichten, ihn ohne dieses wenn Geständnis<br />

ist zur (z.B. Rede Harnwegsinfekt zu stellen. Denn oder eines Blasenent-<br />

steht<br />

er krank<br />

fest: zündung), Solange um du eine es nicht mögliche mit ihm Infektion klärst, befindest<br />

vermeiden. du dich Sexuell <strong>im</strong> Bereich übertragbare der Spekulatio­<br />

Infektio-<br />

zu<br />

nen. (STI) Es besteht die über die Gefahr, Urin übertragen dass du dir werden über<br />

Sachen können, den sind Kopf Hepatitis zerbrichst, B (und die unter vielleicht Umständen<br />

nicht auch so sind, A), sowie du Tripper. denkst. Ich Also: rate Wirst dir,<br />

gar<br />

du dich mit gegen ihm Hepatitis reden und A die und Sachen B <strong>im</strong>pfen klären zu<br />

oder lassen. weiterhin Wende dich spekulieren, dafür am spionieren besten an und den<br />

misstrauisch Checkpoint: mycheckpoint.ch.<br />

sein? Die Entscheidung liegt<br />

bei dir.<br />

Alles Gute, Dr. Gay<br />

Alles Gute, Dr. Gay<br />

Anfang dieses Jahres hatte ich eine<br />

Sexdate <strong>im</strong> Freien. Wir haben uns<br />

gegenseitig DaS koNDoM gewichst iST aBgErUTSCHT. und er hat<br />

WaS jETZT?<br />

mir auf den Ärmel meiner Jacke<br />

gespritzt. Ich habe es mit einem<br />

ich hatte vor ein paar Tagen eine<br />

Papiertaschentuch abgewischt und<br />

risikosituation und bin total<br />

dieses dann weggeworfen. Etwa<br />

verunsichert. Be<strong>im</strong> analverkehr ist<br />

fünf Minuten später war ich auf<br />

das kondom abgerutscht und ich<br />

dem He<strong>im</strong>weg und musste die<br />

habe es erst knapp eine Minute<br />

Nase putzen. Dafür verwendete ich<br />

später bemerkt. ich war dabei der<br />

mein Stofftaschentuch. Nun frage<br />

aktive. Mein Sexpartner sagte, er<br />

ich mich, ob womöglich Spermareste<br />

an meiner Hand oder am<br />

hätte vor etwa zwei Monaten<br />

ungeschützten Sex mit jemandem<br />

taschentuch waren. Ich bin eigentlich<br />

sicher, dass es nicht mit<br />

gehabt, der Hiv-positiv ist, aber<br />

unter der Nachweisgrenze liege.<br />

Sperma in Kontakt kam. Aber was<br />

Wie hoch ist das risiko, dass er<br />

wäre wenn? Ist eine Ansteckung<br />

sich da angesteckt hat? Und wie<br />

mit HIV so möglich? Und noch eine<br />

hoch ist mein risiko?<br />

zweite Frage: Mein neuer Freund<br />

Patrick (29)<br />

steht darauf, seine Sneakers vollzuspritzen.<br />

Besteht ein HIV-Risiko,<br />

wenn Hallo ich Patrick die Sneakers später<br />

Unfälle können passieren. In deinem Fall<br />

lecke oder ficke? Bernhard (45)<br />

ist das Kondom abgerutscht und du hast<br />

weniger als eine Minute ohne Kondom gefickt.<br />

Ungeschützter Analverkehr gilt als<br />

Hallo Bernhard<br />

hohes HIV-Risiko. Ein wichtiger Faktor für<br />

«Was die Risikoeinschätzung wäre wenn»-Fragen ist aber bringen auch dich die<br />

nicht Dauer weiter. der Exposition. Am besten Je du länger hältst dich sie dauert, an die<br />

Tatsachen. desto höher Aber das Risiko. selbst theoretisch In deinem Fall scheint war<br />

mir die Dauer eine Ansteckung kurz. Dennoch auf war dem es von ein dir Risiko. beschriebenen<br />

Wenn du Klarheit Weg kaum möchtest, denkbar. empfehle Spermareste<br />

dir einen an der HIV-Test Hand oder machen am Stofftaschentuch<br />

zu lassen. Die-<br />

ich<br />

wären ser ist bereits ungefährlich, 15 Tage weil nach a) Risiko die Menge möglich. für<br />

eine Wende Ansteckung dich für Test auf diesem und Beratung Weg zu klein am besten<br />

an b) das den HI-Virus Checkpoint an der (mycheckpoint.ch).<br />

Luft relativ rasch<br />

ist<br />

und<br />

an Analverkehr Infektiosität ohne verliert. Gummi Dies beantwortet mit einer<br />

auch HIV-positiven deine zweite Person, Frage. welche Das Lecken unter wirksamer<br />

Therapie der Sneax ist ist und unter bei diesen der keine Umstän­<br />

HI-<br />

oder<br />

Ficken<br />

den Viren ungefährlich. <strong>im</strong> Blut nachweisbar Noch etwas sind, in ist eigener sicher.<br />

Sache: Sogar sicherer Du hast als das ein fragliche Kondom, Taschentuch weil eben<br />

weggeworfen. Kondompannen Ich ausgeschlossen rate dir, zukünftig sind. be<strong>im</strong> Der<br />

Cruisen «Schutz <strong>im</strong> durch Freien Therapie» auf Littering gilt als zu Safer verzichten.<br />

Mehr Das zum ist Thema kontraproduktiv #undetectable und findest führt du<br />

Sex.<br />

schlussendlich auf drgay.ch/undetectable.<br />

dazu, dass Cruising-Orte<br />

geschlossen werden. Vielen Dank.<br />

Alles Gute, Dr. Gay<br />

Alles Gute, Dr. Gay


KOLUMNE<br />

THommen meint<br />

33<br />

«GIB MIR DEINEN SAFT –<br />

ICH GEB’ DIR MEINEN!»<br />

Peter Thommen über Präventionsuntiefen und warum er ein ambivalentes Verhältnis<br />

zu dem von der Hip-Hop-Gruppe «Fantastischen Vier» besungenen «Saft» hat.<br />

Vo n P e t e r T h o m m e n<br />

In den 80er-Jahren, den Zeiten von HIV/<br />

AIDS, haben wir gelernt, dass ein ‹lebensspendender›<br />

Saft auch den Tod bringen<br />

kann. Viele ‹todeten› dann auch bis in die<br />

90er-Jahre dahin. In dieser Zeit gingen alle<br />

anderen bei sexuellen Handlungen übertragbaren<br />

Krankheiten irgendwie vergessen.<br />

Darum müht sich die Prävention heute<br />

so ab, uns diese wieder in Erinnerung zu<br />

rufen. Die Nebenwirkungen der antiviralen<br />

Medikamente sind nicht zu übersehen<br />

– auch wenn mann sie nicht wirklich<br />

sehen kann. Das rasche äussere Älterwerden<br />

ei niger HIV/AIDS-Therapierten blieb<br />

mir per sön lich nicht verborgen. Gut, dass<br />

man heute auch mit HIV so alt werden<br />

kann wie die anderen.<br />

In der Folge rollte die Bareback-Welle<br />

heran – bis heute. Eine zornige Reaktion auf<br />

vernünftigen Safersex. Darauf reagierte die<br />

Prävention mit ‹nicht moralisieren›. Sie<br />

verlegte sich darauf, die Risiken zu vermindern<br />

– wie bei der Drogenprävention. Und<br />

trotzdem wurden die anderen sexuell übertragbaren<br />

Infektionen wieder sichtbar,<br />

wenn sie auch nicht gleich zum Tod führen.<br />

Wir sehen: Neben den riskanten Sexualpraktiken<br />

gibt es weitere gesundheitliche<br />

Risiken, denen wir uns aussetzen. Von Alkohol<br />

und anderen Chems ganz zu schweigen.<br />

Verschwiegen werden auch die ganzen<br />

tiefenpsychologischen und psychodynamischen<br />

Abläufe in Männern. Sie weisen auf<br />

grössere Zusammenhänge hin als nur Zorn<br />

und sie bergen auch Risiken. Sperma hat<br />

eine zentrale Bedeutung für Knaben und<br />

Männer. Sei es der erste Saft, mit dem einer<br />

glaubt, zum Mann zu werden, oder derjenige<br />

des anderen, den mann haben möchte.<br />

Also weit über Zeugungsvorstellungen hinaus,<br />

was ich hier alles mal weglasse.<br />

Saft ist die intuitive<br />

‹Vertretung› eines Mannes,<br />

ohne ihn als kompliziertes<br />

Wesen aus Liebe ganz<br />

FRESSEN zu können.<br />

Mein Verhältnis zum Sperma hat sich<br />

mit den Jahren verändert, in denen ich Erfahrungen<br />

hatte und auch darüber gelesen<br />

habe. Be<strong>im</strong> jungmännlichen Einstieg war es<br />

dégoutant. Dann war ich süchtig danach.<br />

Dann verlor der Saft seine <strong>im</strong>mense Bedeutung<br />

für mich, über seine Zusammensetzung<br />

aus Wasser, Eiweiss und Salz hinaus.<br />

Besonders <strong>im</strong> Internet sehe ich, wie viele<br />

sich an Säfte klammern, sich an ihnen abarbeiten<br />

und sich von ‹Sahnespendern› beeindrucken,<br />

ja sogar dominieren lassen. Diese<br />

Homepages stellen nur dar, sie geben aber<br />

keine Antworten auf ungestellte Fragen.<br />

Eltern, Schule und die Sexualanleitungen in<br />

Büchern auch nicht. Alles erscheint wie ein<br />

grosses und vielfältiges Paradies. Ich bezeichne<br />

das als grosses sexuelles Elend.<br />

Darum sind Fetische so beliebt: Weil sie<br />

nicht erklärt werden, sich aber mit vieldeutigen<br />

und hohen Energien aufladen und<br />

suchtartige Identitätserlebnisse bieten. Als<br />

rätselhafte Botschaften kultivieren sie individuelle<br />

Glaubensvorstellungen wie in Religionen.<br />

Und genau darin liegen die Untiefen<br />

der Präventions- und Informations-Probleme<br />

mit Männern und ihrem Saft.<br />

Der äusserliche Umgang mit diesem<br />

Produkt weist auf die innere Persönlichkeitsentwicklung<br />

vom Knaben zum Mann.<br />

Saft ist die intuitive ‹Vertretung› eines<br />

Mannes, ohne ihn als kompliziertes Wesen<br />

aus Liebe ganz fressen zu können. Seiner<br />

damit habhaft zu sein, auch wenn der<br />

Mann weg ist, oder einen anderen damit<br />

trösten zu können, bei zeitweiliger Abwesenheit.<br />

Mir ist bald klargeworden, dass<br />

die Menge und deren Verteilungsort symbolische<br />

Bedeutung erhält.<br />

Dass Glaubensvorstellungen die<br />

gröss ten Hindernisse für Veränderung und<br />

Erkenntnis sind, wissen die meisten Menschen.<br />

Ich verstehe, warum Safersex als<br />

moralisierend empfunden werden kann<br />

und warum so viele an ihrem Saft und dessen<br />

Weitergabe oder Eroberung intensiv<br />

hängen. Beinahe unmöglich ein Tabu zu<br />

setzen und unbedingt wichtig, dieses Tabu<br />

endlich zu brechen.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


34<br />

blick zurück<br />

cruiser vor 30 jahren<br />

FLASH-<br />

BACK<br />

<strong>Cruiser</strong> feiert sein 30-jähriges Bestehen. Daher blicken wir während des ganzen<br />

Jahres an dieser Stelle auf die alten Ausgaben zurück.<br />

Und was war sonst noch so los <strong>im</strong> <strong>September</strong><br />

1987? Die damalige «Agenda» verrät es.<br />

<strong>Cruiser</strong> «5 1987» ist am<br />

1. <strong>September</strong> erschienen.<br />

Im damaligen «Editorial»<br />

von Thomy Schallenberger<br />

ist zu lesen:<br />

Nicht nur der «<strong>Cruiser</strong>» näherte sich dem<br />

ersten Jubiläum, auch der «Macho» feierte.<br />

Schaut man die Inserate der damaligen<br />

Ausgabe an, ist der Laden der einzige, den<br />

es heute noch gibt.<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


SLIPPERY<br />

SUBJECTS<br />

35<br />

gaycity.ch<br />

Where to go in the little big city<br />

2<br />

1<br />

4<br />

3<br />

MOUSTACHE<br />

Die Sauna für Männer<br />

Engelstrasse 4<br />

www.moustache.ch<br />

(Nachtsauna jeden Fr / Sa)<br />

HUUSMAA<br />

Kafi – Reschti – Bar<br />

Badenerstrasse 138<br />

044 241 11 18<br />

www.huusmaa.ch<br />

Sa & So Brunch 10:00 – 15:00<br />

LES GARÇONS<br />

Bar/Tanzbar<br />

Kernstrasse 60<br />

www.garcons.ch<br />

Täglich geöffnet ab 18.30 Uhr<br />

MÄNNERZONE<br />

Shop & Bar<br />

Kernstrasse 57<br />

www.maennerzone.ch<br />

MAENNERZONE.CH<br />

6<br />

7<br />

8<br />

9<br />

BEAUTY LOUNGE<br />

FOR MEN<br />

Haarentfernung, Kosmetik,<br />

Anti-Aging und Bodyforming<br />

Kalkbreitestrasse 42<br />

www.marciomf.ch<br />

079 533 41 01<br />

CHECKPOINT<br />

Gesundheitszentrum<br />

Konradstrasse 1<br />

www.checkpoint-zh.ch<br />

044 455 59 10<br />

DANIEL H.<br />

Bar-Restaurant<br />

Müllerstrasse 51<br />

8004 Zürich<br />

044 241 41 78<br />

www.danielh.ch<br />

PARACELSUS<br />

Apotheke & Drogerie<br />

Langstrasse 122<br />

paracelsus@bluewin.ch<br />

044 240 24 05<br />

10<br />

11<br />

12<br />

13<br />

LEONHARDS-<br />

APOTHEKE<br />

Stampfenbachstr. 7<br />

www.leonhards.apotheke.ch<br />

044 252 44 20<br />

MACHO<br />

City Shop<br />

Häringstrasse 16<br />

www.macho.ch<br />

PARAGONYA<br />

Wellness Club<br />

Mühlegasse 11<br />

www.paragonya.ch<br />

PREDIGERHOF<br />

bistro – bar<br />

Mühlegasse 15<br />

www.predigerhof.ch<br />

15<br />

16<br />

17<br />

CRANBERRY<br />

Bar<br />

Metzgergasse 3<br />

www.cranberry.ch<br />

INFINITY<br />

Bar + Lounge auf zwei Etagen<br />

Zähringerstrasse 11<br />

8001 Zürich<br />

www.infinity-bar.ch<br />

Täglich geöffnet ab 17 Uhr<br />

ANORY<br />

Massagen, Haarentfernung,<br />

Skincare und Beratungen.<br />

Winterthurerstrasse 70<br />

8006 Zürich<br />

www.anory.ch 043 810 09 22<br />

5<br />

MED. DENT.<br />

KLAAS FRIEDEL<br />

Heinrichstrasse 239<br />

Mit Tram ab 4/13/17 bis Escher-Wyss-Platz<br />

www.swissdentalcenter.ch<br />

043 444 74 00<br />

Interesse in diesem<br />

Inserat aufgeführt zu sein?<br />

Anfragen an:<br />

info@zbiro.ch<br />

14<br />

TIP TOP BAR<br />

Die Schlager Bar<br />

Seilergraben 13<br />

www.tip-top-bar.ch<br />

Dienstag – Samstag ab<br />

18.30 Uhr<br />

C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>


36<br />

SLIPPERY<br />

SUBJECTS<br />

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C R U I S E R S E P T E M B E R <strong>2017</strong>

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