Cruiser im September 2017

cruisermagazin

Cruiser im September: Wir haben eine Regenbogenfamilie besucht und nachgefragt, wie einfach oder schwierig sich diese Lebensform gestaltet. Ausserdem: Das grosse Interview mit Richard Gere und: Wie steht es eigentlich um LGBT* Flüchtlinge?

cruiser

SEPTEMBER 2017 CHF 7.50

DAS GRÖSSTE

SCHWEIZER

GAY-MAGAZIN

1

GAY…

UND KIND?

KLAR DOCH!

DAVID HASSELHOFF

Das grosse Interview

LGBT*-FLÜCHTLINGE

Keine Chance auf eine Zukunft?

REGENBOGENFAMILIEN

Postmoderne Rollenbilder

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


2

SLIPPERY

SUBJECTS

Securion

kommt.

Mach dich bereit!

Kein Risiko im Oktober, HIV-Test im

November. drgay.ch/securion

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


3

EDITORIAL

Liebe Leser

In den 30 Jahren Cruiser hat es bisher noch nie ein Kind aufs Cover

geschafft. Nicht, weil wir das nicht wollten, sondern weil es keinen

Sinn gemacht hätte. Zu Cruiser-Gründerzeiten hätte es kaum einer zu

träumen gewagt, dass das Thema «Adoption» oder «Regenbogenfamilie»

je eines werden würde. Dass das so ist, ist eine tolle Leistung

von unseren «Vorkämpfern». Nur – wie der Artikel ab Seite 4 zeigt,

sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir haben in unserer Titelgeschichte

auch eine Weltkarte mit dem Status-Quo der aktuellen Situation rund

um die LGBT*-Akzeptanz – es gibt immer

noch erschreckend viele rote Stellen auf dieser

Karte. Rot bedeutet, dass gleichge schlechtliche

Liebe nicht akzeptiert ist oder sogar mit

dem Tod bestraft wird. Aus diesem Grund

müssen queere Menschen aus ihrer Heimat

fliehen. Queere Flüchtlinge sind daher ebenfalls

ein Thema in dieser Ausgabe.

Herzlich; Haymo Empl

Chefredaktor

INHALT

4 Thema

Queer und Familie

8 Reportage Mary’s Old Timers Bar

11 Interview Richard Gere

14 kulutr national & international

16 Thema LGBT*-Flüchtlinge

19 kolumne michi rüegg

20 kultur buchtipp

21 kolumne mirko

IMPRESSUM

CRUISER MAGAZIN PRINT

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269

(1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch

Chefredaktor Haymo Empl

Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl

Bildredaktion Haymo Empl, Astrid Affolter. Alle Bilder

mit Genehmigung der Urheber.

Art Direktion Astrid Affolter

Agenturen SDA, DPA, Keystone

Autor_Innen Vinicio Albani, Anne Andresen,

Yvonne Beck, Haymo Empl, Andreas Faessler,

Birgit Kawohl, Moel Maphy, Michi Rüegg,

Alain Sorel, Peter Thommen

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare

Druck Druckerei Konstanz GmbH

Wasserloses Druckverfahren

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE

Cruiser | Clausiusstrasse 42, 8006 Zürich

redaktion@cruisermagazin.ch

Telefon +41 (0)44 586 00 44 (vormittags)

Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende

Angaben auf www.cruisermagazin.ch

Der nächste Cruiser erscheint am 1. Oktober 2017

Wir vom Cruiser setzen auf eine grösstmögliche Diversität

in Bezug auf Gender und Sexualität sowie die Auseinandersetzung

mit diesen Themen. Wir vermeiden darum Eingriffe

in die Formulierungen unserer Autor_Innen in Bezug auf

diese Bereiche. Die von den Schreibenden gewählten

Bezeichnungen können daher zum Teil von herkömmlichen

Schreibweisen abweichen. Geschlechtspronomen werden

entsprechend implizit eingesetzt, der Oberbegriff Trans*

beinhaltet die entsprechenden Bezeichnungen gemäss

Medienguide «Transgender Network Schweiz». Um es kurz

zu machen: Im Cruiser schreiben die Menschen als solche.

22 Serie Was macht eigentlich …

25 kultur buchtipp

26 NEWS national & international

28 Interview Regenbogenfamilien

31 marktplatz kleinanzeigen

32 RATGEBER DR. GAY

33 KOLUMNE PETER THommen

34 Flashback cruiser vor 30 Jahren

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


4

thema

Queer und Familie

ÜBER DEN ALLTAG ALS

REGENBOGEN FAMILIE

Als homosexuelles Paar mit Kindern

steht man mit seiner Idee von Familie

oft noch recht allein auf weiter Flur.

Doch es gibt es immer mehr Paare, die

sich dazu entschliessen, sich gemeinsam

ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Bis Regen bogen familien zum normalen

Gesellschaftsbild gehören, braucht

es noch Zeit, angepasste Ge setze –

und vor allem Aufklärungsarbeit.

Livia und Tatjana haben sich für Kinder entschieden:

Noch sind Regenbogenfamilien die Ausnahme.

Vo n A n n e A n d r e s e n

Livia und Tatjana sind um die dreissig

und haben sich schon früh dafür entschieden,

gemeinsam eine Familie zu

gründen. Trotzdem hat es eine Zeit gedauert.

«In anderen Beziehungen ist die Familienplanung

etwas, auf das man es vielleicht

eher ankommen lassen kann. Aber für uns

war klar, dass es ein gemeinsamer Weg

wird, den, der seine Herausforderungen mit

sich bringt.» Heute sind sie Mütter von zwei

Kindern und glücklich, dass sich ihr

Wunsch erfüllt hat. Dass sie als Familie auf

der Strasse oftmals noch mit Vorurteilen

konfrontiert sind, nehmen die beiden mit

Humor. Auf Fragen wie «Wer ist denn bei

euch der Papa?» reagieren sie inzwischen

gelassen. «Die Gesellschaft ist eben noch

nicht so weit, die Bilder in den Köpfen sind

noch immer am klassischen Familienmodell

orientiert. Für uns als Familie steht da

ein gesellschaftlicher Auftrag im Fokus,

aufzuzeigen, dass unser Familienmodell

auch eine Möglichkeit von vielen ist.» Dabei

sei es egal, ob man in Berlin oder in Oberbayern

lebe, sagen sie, die Fragen seien

überall dieselben.

Auch dass das Gegenüber oftmals bereits

im zweiten Satz verblüfft fragt «Wie habt

ihr denn das gemacht?», gehört zu den normalen

Situationen, die man als Queerfamily

auf der Strasse erlebt. Die Grenzen zur Intimsphäre

werden da schnell einmal eingerissen.

Dabei würde niemandem in den Sinn

kommen, ein heterosexuelles Pärchen zu

fragen, wie sie ihr Kind gemacht haben, obwohl

Sex dafür schon lange keine Voraussetzung

mehr ist und Fruchtbarkeitsprobleme

heutzutage in immer mehr Beziehungen

Thema werden. Wo man über Daniela und

Stephan die heisse Information gern hinter

vorgehaltener Hand weitergibt, ist es bei

homosexuellen Paaren eben offensichtlich,

dass man Tricks angewendet hat, um an ein

Kind zu kommen. Dies sei eben eine Frage,

die beantwortet sein will, meinen die beiden.

Wenn irgendwann der Wunsch nach

einer eigenen Familie da ist, sehen sich Paare

oftmals als erstes mit der Frage konfrontiert:

Wie soll das gehen? Denn die Wege

zum eigenen Kind sind oftmals verschlungen.

Das Gesetz verwehrt gleichgeschlechtlichen

Paaren noch immer Methoden, die

heute dank der modernen Medizin heterosexuellen

Paaren und sogar alleinstehenden

Personen offenstehen. Und das, wo sie

biologisch gegenüber heterosexuellen Paaren

sowieso benachteiligt sind. Zwar gibt es

auch in der Schweiz seit 2007 die Eingetragene

Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche

Paare, doch anders als verheiratete

Ehepaare dürfen sie weder Kinder

adoptieren noch reproduktionsmedizinische

Hilfe in Anspruch nehmen.

Auch die Adoption eines Kindes ist für

gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt.

Anders in Deutschland: Seit diesem Juni

wurde im Bundestag die Ehe für alle angenommen,

und damit wird in unserem Nachbarland

ab Oktober auch die Adoption für

gleichgeschlechtliche Paare möglich sein.

Die Stiefkindadoption, d.h. die Adoption

eines in die Partnerschaft mitgebrachten

Kindes (beispielsweise aus einer früheren

heterosexuellen Beziehung) ist auch in der

Schweiz möglich, sich als homosexuelles

Paar für eine Adoption zu bewerben jedoch

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


thema

Queer und Familie

5

nicht. Dabei können selbst Alleinstehende

in der Schweiz Kinder adoptieren.

Nur die Stiefkindadoption ist möglich

Die Stiefkindadoption, d.h., die Adoption

eines in die Partnerschaft mitgebrachten

Kindes (beispielsweise aus einer früheren

heterosexuellen Beziehung) ist möglich, sich

als homosexuelles Paar für eine Adop tion

zu bewerben, jedoch nicht. Selbst Allein ­

stehende können in der Schweiz Kinder

adoptieren. Ob sie homosexuell sind, spielt

dabei keine Rolle. Eine gesetzliche Schieflage,

durch die Menschen, die mit einer eingetragenen

Lebenspartnerschaft Bindungswillen

und ein stabiles Umfeld zeigen,

anderen gegenüber benachteiligt sind.

Doch mit Mut und der Bereitschaft,

neue und ungewöhnliche Wege einzuschlagen,

lässt sich einiges bewegen, was auf den

ersten Blick schwierig scheint. «Wenn man

den Wunsch hat, als Paar eine Familie zu

gründen und das auf natürlichem Weg nicht

geht, gibt es doch die Möglichkeit, die eigenen

Schubladen im Kopf zu hinterfragen

und mutig andere Wege einzuschlagen, die

für beide passen,» sagt Tatjana.

Nicht wenige Paare suchen deshalb

oftmals nach individuellen Lösungen, indem

sie den Kinderwunsch gemeinsam mit

einem Paar des anderen Geschlechts realisieren

oder, wie Livia und Tatjana, privat

nach einem Menschen suchen, der bereit

ist, ihnen zu helfen. Die beiden haben

Das Gesetz verwehrt gleichgeschlechtlichen

Paaren

noch immer Methoden, die

heterosexuellen Paaren

und sogar alleinstehenden

Personen offenstehen.

schliesslich eine Annonce geschaltet, da der

Weg über Samenbanken für sie nicht infrage

kam. «Natürlich sind von 100 Zuschriften

99 unseriös, da sind alle Klischees dabei, die

man sich vorstellen kann,» sagt Livia. Aber

letztendlich haben sie dann doch sehr

schnell jemanden gefunden, zu dem sie

Vertrauen hatten. Und natürlich habe es

sich gelohnt, sagen sie, für die zwei tollen

Kinder, die sie jetzt miteinander haben.

Schwierige Lage für Männerpaare

Dass die Lage sich für Männerpaare nochmals

schwieriger gestaltet, liegt nur bedingt

in der Natur begründet, auch hier ist die Gesetzeslage

schwierig. So ist zwar die Samenzellenspende

legal, die Eizellenspende jedoch

nicht. «Wenn eine Frau einem Paar das

ermöglichen will, soll sie das bitte tun dürfen!

Das ist einfach eine unglaubliche Hilfe,

die eine Beziehung glücklich machen kann.

Das würde für Männerpaare viel vereinfachen,»

findet Tatjana. Männliche Paare

reisen deshalb oft ins Ausland, um sich den

Wunsch vom eigenen Kind zu realisieren.

Letztlich bieten die neuen Familienmodelle

auch Chancen, vielfältigere und

neue Beziehungen in der Welt zu knüpfen.

Das betrifft nicht nur die Kinder, sondern

auch die Eltern. Zum Vater der Kinder halten

die beiden auch heute noch Kontakt, wobei

sie von vornherein Rechte und Pflichten der

einzelnen Parteien sorgsam fest gehalten

haben. Über rechtliche Grund lagen muss

man sich vorher genau informieren, um die

Kinder optimal abzusichern.

Trotzdem hält die Bürokratie für

Regenbogenfamilien immer wieder ➔

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C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


6

thema

Queer und Familie

SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVE

ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND INTERSEX A

Greenland

Europe

42 States and 13 entities

Norway Sweden

Iceland

Finland

Russia

Canada

Estonia

Denmark

Ireland UK

Latvia

Lithuania

NL

Belarus

Poland

BE

Germany

CZ

LU LI Slovakia Ukraine

Kazakhstan

Europe 16 States 18 States

AT

France CH

HU MD

Mong

Slovenia

Romania

Italy BA RS

Croatia Bulgaria

SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVERVIEW

Georgia

USA

Portugal Spain

AL

MK

MAY

Andorra

AM Azerbaijan Uzbekistan 2017 Kyrgyzstan

Kosovo Greece Turkey

Turkmenistan

I L G A . Tajikistan O R G

ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND

Tunisia

INTERSEX Cyprus ASSOCIATION

SY

Malta

Morocco

LB

Iraq

China

IL

Iran Afghanistan

Gaza

X

Algeria

KW

Bhutan

Greenland

Libya

Jordan

Pakistan

Nepal

Europe 42 States and 13 entities

The Bahamas

Egypt

Bahrain Qatar

X

X

Dom. Rep.

Mexico

Saudi Arabia

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Norway Sweden

Cuba Virgin Islands

Iceland

Finland

Russia

India

Myanmar

Jamaica

Puerto Rico

Mauritania

Sudan

Laos

Canada

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Belize

Mali

Haiti

KN

AG

Niger

Oman

Bangladesh

Denmark

X

Honduras

DM

Ireland UK

Latvia

Cape Lithuania Verde

Thailand

Guatemala

VC

NL

Senegal

Chad

Eritrea

LC

Belarus

Yemen

Poland

El Salvador

Nicaragua

GD

BE

Germany Gambia

BB

CZ

Burkina F.

LU

Panama

TT

Guinea Bissau Guinea

Djibouti

Camb

LI Slovakia Ukraine

Kazakhstan

Europe 16 States 18 States

AT

France CH

HU MD

Nigeria

Mongolia

Costa Rica

Venezuela

Guyana

Slovenia

Romania

GH

South

Somalia

Sierra Leone Ivory

Italy BA RS

Ethiopia

Colombia

Suriname

Croatia Bulgaria Georgia

TG

Central African

Coast

Sudan

Maldives

USA

Portugal Spain

AL

MK

Andorra

AM Azerbaijan Uzbekistan Kyrgyzstan

North Korea

Kosovo

GF

Liberia Benin Cameroon Republic

Sri Lanka Aceh

Greece Turkey

Turkmenistan Tajikistan

Province M

Tunisia

Cyprus SY

Equatorial Guinea

Uganda

Morocco

LB

Iraq

China

South

Malta

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IL

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Korea

Ecuador

Gaza

Congo

Sao Tomé & Principe X

Gabon Rwanda Kenya

Algeria

KW

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Jordan

Pakistan

Nepal D.R.

The Bahamas

Egypt

Bahrain Qatar

X

X

Burundi

Congo

Dom. Rep.

Mexico

Saudi Arabia

UAEX

Tanzania Taiwan

Seychelles

South

Cuba Virgin Islands

Brazil

India

Myanmar

Sumatra

Jamaica

Puerto Rico

Mauritania

Sudan

Laos

Belize Haiti

Peru

Mali

KN

AG

Niger

Oman

Bangladesh

X

Honduras

DM

Cape Verde

Thailand

Comoros

Guatemala

VC

Senegal

Chad

Eritrea

LC

Yemen

Angola

El Salvador

Nicaragua

GD

Gambia

Vietnam

Philippines

BB

Burkina F.

Malawi

Panama

TT

Guinea Bissau Guinea

Djibouti

Cambodia

Nigeria

Costa Rica

Bolivia

Zambia

Venezuela

Guyana

GH

South

Somalia

Sierra Leone Ivory

Ethiopia

Colombia

Suriname

TG

Central African

Coast

Sudan

Maldives

Palau

Mozambique

Mauritius

GF

Liberia Benin Cameroon Republic

Sri Lanka Aceh

Brunei

Province

Namibia

Zimbabwe Malaysia

Equatorial Guinea

Uganda

Ecuador

Congo

Kenya

Botswana Singapore Madagascar

Paraguay

Sao Tomé & Principe Gabon Rwanda

Indonesia

Nauru

D.R.

Palembang

Kiribati

Chile

Papua New

Burundi

Congo

Guinea

Solomon

Tanzania Seychelles

South

Islands

Samoa

Brazil

Sumatra Swaziland

Tuvalu

Peru

Lesotho

Comoros

Timor-leste

Argentina

Angola

Malawi

South Africa

Cook Islands

Bolivia

Zambia

Vanuatu

Mozambique

Mauritius

Uruguay

Namibia

Zimbabwe

Fiji

Botswana

Madagascar

Tonga

Paraguay

Chile

Australia

Swaziland

Lesotho

Argentina

South Africa

Uruguay

New Zealand

CRIMINALISATION

CRIMINALISATION

PROTECTION

The data represented in these maps

are based on State-Sponsored

RECOGNITION

Homophobia: a World Survey of Sexual

PROTECTION RECOGNITION

Orientation Laws: Criminalisation,

72 STATES 72 STATES

85 States

8547 States

47 States

Protection and Recognition, an ILGA

Many States run concurrent protections

Many

A small

States

number

run

of States

concurrent

provide for marriage

protections

and partnership concurrently

report by Aengus Carroll and Lucas

A small number of States provide for marriage a

implemented in 8 States (or parts of) 14 Y - life (prison) 14 States

Ramón Mendos. The report and these

implemented in 8 States (or parts of) 14 Y - life (prison) 14 States

maps are available in the six official

DEATH

Constitution

9 States

Marriage 22 States

Joint adoption 26 States

UN languages: English, Chinese, Arabic,

DEATH X not implemented in 5 States

Up to 14 Y 57 States

Employment

72 States

Constitution

9 States

French, Russian and Spanish on

Various

63 States

Marriage 22 States

J

ILGA.org. This edition of the world map

X not implemented in 5 States 'Promotion' laws 3 States Up to 14 Y 57 States

Partnership Employment 28 States

2nd parent 72 adoption States27 States

(May 2017) was coordinated by Aengus

Religious-based laws alongside

Hate crime

43 States

Carroll and Lucas Ramón Mendos

the civil code: 19 States

Incitement to hate

39 States

Various

63 States

(ILGA), and designed by Eduardo Enoki

No penalising law

(eduardo.enoki@gmail.com).

'Promotion' laws

Ban on

3

'conversion

States

therapy' 3 states Separate detailed maps for these three categories are produced alongside this Overview map. Partnership 28 States

2

Religious-based laws alongside

Hate crime

43 States

In green, yellow and orange countries, same-sex sexual

acts were decriminalised or never penalised: 123 States

the civil code: 19 States

Incitement to hate

39 States

No penalising law

Ban on 'conversion therapy' 3 states Separate detailed maps for these three categories are

In green, yellow and orange countries, same-sex sexual

Die aktuelle Situation zur Rechts- und Adoptionlage

acts were

der

decriminalised

LGBT*-Community

or never penalised:

wird

123

jährlich

States

von der ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex

Association) in einer Karte dargestellt. Weitere Informationen auf www.ilga-europe.org.

Über raschungen bereit. Livia, die als Schweizerin

in Deutschland lebt, wird für ihren

leiblichen Sohn einen Schweizerpass bekommen,

für ihre adoptierte Tochter wahrscheinlich

nicht. «Dabei sind die beiden auch

gesetzlich zu 100 % meine Kinder», sagt sie.

Die gesetzlichen Voraussetzungen

sind also auch in Zeiten der Ehe für alle

noch immer alles andere als ideal. Und

leider reklamieren immer wieder selbsternannte

Sittenwächter den politischen

Diskurs für sich. Ob jemand sich zum Elternsein

eignet, entscheiden schliesslich ganz

andere Faktoren als die sexuelle Neigung.

Argumente der Gegner, die das vermeintliche

Kindswohl im Blick haben, entbehren

jeder Logik, wenn man bedenkt, dass jedermann,

der dazu biologisch in der Lage ist,

ohne Brief und Siegel Kinder in die Welt setzen

darf. Gerade homosexuelle Paare gehen

oftmals viel reflektierter an das Thema Kinder

heran als manch ein anderer, sind sie

doch von vornherein dazu gezwungen, sich

aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen.

Trotzdem sehen sich gleichgeschlechtliche

Eltern oftmals genötigt zu beweisen

oder zu erklären, dass es ihrem Kind nicht

schlechter geht als anderen. Studien zur Lebenssituation

von Queerkids helfen aufzuklären,

das ist gut. Ihre Existenz zeigt jedoch

gleichzeitig auf, dass wir noch nicht an dem

Punkt sind, Vorurteile, die auf veralteten Moralvorstellungen

basieren, ad acta zu legen.

Dass man die Entwicklung der Geschlechtsidentität

und Persönlichkeit von diesen Kindern

überhaupt speziell untersuchen muss,

ist schliesslich und endlich Beweis für tiefsitzende

Ängste in der Gesellschaft. «Es ist ja

mittlerweile auch für die Kritiker unseres

Familienmodells wissenschaftlich belegt,

dass sich die sexuelle Orien tierung der Eltern

nicht auf die Kinder auswirkt.,» so Livia.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


sliPPery thema

Queer und SubjeCtS Familie

57

RVIEW MAY 2017

olia

SSOCIATION

odia Vietnam

Brunei

alaysia

Singapore

Palembang

VoN MARTIN MüHLHEIM

C

oming-out-Filme gibt es mittlerweile

viele, und entsprechend unterschiedlich

kommen I L G A sie . daher: O R Gleichtfüssig-

komisch wie der britische Klassiker

Beautiful Thing (1996), eher nachdenklich

wie das brasilianische Kleinod Seashore

(2015), bisweilen auch zutiefst tragisch – so

im israelischen Drama Du sollst nicht lieben

(2009), das in der ultraorthodoxen Gemeinde

in Jerusalem spielt.

Angesichts solcher Unterschiede erstaunt

es umso mehr, mit welcher Regelmässigkeit

uns Coming-out-Filme Jungs oder

North Korea

Männer zeigen, die – alleine, zu zweit oder in

nd partnership concurrently

South

Japan

Gruppen

Korea

– schwimmen gehen. Nun könnte

man das natürlich als Zufall oder Nebensächlichkeit

Taiwan

abtun. Bei genauerem Nachdenken

zeigt sich allerdings, dass sich gleich

mehrere

Philippines

Gründe für diese erstaunliche Häufigkeit

finden lassen.

Palau

Indonesia

Nauru

Kiribati

Eine erste, nur Papua scheinbar New

Guinea

Solomon oberflächliche Erklärung

ist, dass (halb)entblösste

Islands

Samoa

Tuvalu

Körper

Timor-leste

sich nicht bloss auf der Leinwand, Cook sondern

Islands

Vanuatu

auch auf Filmpostern und DVD-Covern äus-

Fiji

serst gut machen. Schwimmszenen

Tonga

bieten

Australia

oint adoption 26 States

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nd parent adoption 27 States

Nackte Haut ohne allzu viel Sex

ein perfektes Alibi für das Zeigen von nackter

Haut: Sex sells, wie es so schön heisst.

Warum «Alibi»? Weil man – gerade bei

produced alongside this Overview map.

New Zealand

Filmen mit jungen Protagonisten – aufpassen

muss: «Sex sells» mag zwar zutreffen,

aber allzu explizite Sexszenen können

schnell mal zu hohen Altersfreigaben führen.

Dies wiederum möchten Filmemacher

in der Regel vermeiden: Filme, die erst ab 18

The data represented in these maps

are based on State-Sponsored

Homophobia: a World Survey of Sexual

Orientation Laws: Criminalisation,

Protection and Recognition, an ILGA

report by Aengus Carroll and Lucas

Ramón Mendos. The report and these

maps are available in the six official

UN languages: English, Chinese, Arabic,

French, Russian and Spanish on

ILGA.org. This edition of the world map

(May 2017) was coordinated by Aengus

Carroll and Lucas Ramón Mendos

(ILGA), and designed by Eduardo Enoki

(eduardo.enoki@gmail.com).

Die beiden erinnern sich noch gut an

freigegeben die Besuche sind, vom lassen Jugendamt, sich nämlich als ihre Tochter

im einfach Rahmen vermarkten. des Adoptionsverfahrens

Auf Amazon.de

weniger

zum ein Jahr Beispiel lang werden begleitet Filme wurde. mit «Am Altersfreiga-

Anfang

habe 18 nur ich an noch nachweislich Kuchen volljährige gebacken», Personen

Tatjana, verkauft «ich – dachte, und gerade wir machen für Coming- es hier

lacht

out-Filme, irgendwie die nett.» sich Die auch Frau an ein vom junges Jugendamt Publikum

habe richten, dann auch ist dies sehr sicher schnell kein gesehen, wünschenswerter

bei ihnen Effekt. alles in Ordnung ist. «Sie ist ganz

dass

andere Zustände gewohnt in den Haushalten,

die sie betreut. Bei uns war das für

sie dann das Kaffeestündchen zwischendurch.»

(Lacht.)

Filme, die ersT ab 18

FreiGeGeben sind, lassen

sicH nämlicH WeniGer

Das dickere Fell brauchen

einFacH VermarKTen.

nicht nur die Eltern,

SONDERN vor allem auch

die Kinder.

Schwimmszenen bieten hier eine perfekte

Kompromisslösung: Man kann nackte

Haut filmisch ansprechend inszenieren, dabei

Die aber Gesellschaft allzu heisse muss Techtelmechtel sich wandeln tugendhaft

Wenn vermeiden es um das (beispielsweise, vermeintliche Kindswohl indem der

Wasserspiegel geht, sieht sich immer eben jeder über eingeladen, der Gürtellinie mitzudiskutieren,

wie im denn niederländischen schliesslich Film war jeder Jon-

bleibt,

gens, einmal 2014). Kind Um und das weiss Rezept es deshalb knapp zusammenzufassen:

Gutgemeinte Ratschläge Man nehme von eine älteren grosszügige Damen

besser.

Portion an der Tramstation, feuchter Erotik, dass eine man vorsichtige seinem Baby Prise

doch Sex – bitte und um auch Himmels Hochsommer Willen kein Körnchen

Socken Porno. anziehen solle, sind allen

lieber

Eltern

vertraut – bei gleichgeschlechtlichen Paaren

Eingetaucht hört das Einmischen ins Triebleben dann leider erst auf,

Man wenn täte die Grenzen den lesBischwulen zur Intimsphäre FilmemacherInnen

eine Weile aber im unrecht, Rückspiegel wenn man verschwunden

ihre erzäh-

schon

lerischen sind. Das dickere Entscheidungen Fell brauchen allein nicht auf nur finan-

die

Eltern, sondern vor allem auch die Kinder.

zielles Kalkül reduzieren wollte. Es gibt

nämlich auch ästhetisch-symbolische Gründe,

die Schwimmszenen für das Genre interessant

machen.

Da wäre zunächst die Funktion des

Wassers als Symbol für das Unbewusste.

Dieses Unbewusste, so weiss man spätestens

seit Sigmund Freud, hat viel mit der Triebnatur

des Menschen zu tun – und so erstaunt es

nicht, dass Hauptfiguren auf der Suche nach

ihrer sexuellen Identität sozusagen symbolisch

in die Tiefen des Unbewussten eintauchen

müssen, um ihr gleichgeschlechtliches

Begehren Die Gesellschaft zu entdecken. ist noch nicht überall bereit für

neue Familienmodelle.

Figuren in der Schwebe

Darüber hinaus hat die Filmwissenschaftlerin

Franziska Bis eine Heller Gesellschaft in ihrem sich Buch wandelt, über die

Filmästhetik braucht es Zeit. des Fluiden Wichtig (2010) ist, dass gezeigt, man dass sich

schwimmende als Eltern der Verantwortung Figuren immer den wieder Kindern als

«schwebende gegenüber bewusst Körper» ist inszeniert und ihnen werden: durch oft

in positives Zeitlupe Vorleben und seltsam beibringt, herausgelöst mit merkwürdigen

sonst Fragen zielstrebig umzugehen. voranschreitenden

«Ich fühle mich

aus

dem

Erzählprozess. schon in einer Dieser Verantwortung, Schwebezustand die Fragen wiederum

zu beantworten, ist eine wunderbare um die Ängste visuelle und Schubladen

für des die Gegenübers Phase kurz vor abzubauen,» dem Coming-out: meint

Metapher

Man Livia ist und nicht Tatjana mehr ergänzt: der oder «Wenn die Alte, jemand aber

auch ehrliches noch Interesse nicht ganz zeigt, in der sage neuen ich immer: Identität Ja,

angekommen. klar kannst du Ein nachfragen. Film macht Es das liegt Schweben ja an uns

sogar wie detailliert explizit zum wir Thema: ausholen In und Kinder da Gottes haben

aus wir dem zum Jahr Schutz 2010 unserer zeigt Romeo Kinder dem klare neurotisch-verklemmtezen.

Nichtsdestotrotz Johnny, braucht wie es befreiend diese Art

Gren­

das von «Floating» Aufklärungsarbeit im Meer sein einfach kann. noch.» An

der Beantwortung Neben der Inszenierung dieser Fragen von kann Schwebezuständen

nicht nur ein und einzelnes dem Wasser Kind, als sondern Symbol für die

eben

das ganze Unbewusste Gesellschaft ist drittens wachsen. das Das Motiv Interview von ➔

mit Tatjana und Livia gibt es auf Seite 28.

«Was geht mich meine Gesundheit an!»

Wilhelm Nietzsche

Wir sind die erste Adresse für diskrete Beratung in allen Gesundheitsfragen.

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C R UC IRS UE IR S ES R E PS To EmM mB E R 2017


8

reportage

Mary’s Old Timers Bar

MARY’S OLD TIMERS BAR –

DIE AUFARBEITUNG

EINER SPANNENDEN

GESCHICHTE

Die Mary’s Old Timers Bar war das älteste Männer lokal von Zürich. Die Besitzerin

war Mary Lang, die Bar existierte ab 1935. Jetzt wurde erstmals die Geschichte

dieser Bar aufgearbeitet.

war der erste Zutritt fast unmöglich.» Der

ehemalige Journalist Stephan Jarray ist in

einem Aufsatz nun intensiv der Geschichte

der Bar auf den Grund gegangen. Sein Beitrag

ist eben im Invertito, einer wissenschaftlichen

Zeitschrift für Homosexualität,

erschienen.

«Nicht jeden liess sie ein.

Man musste klingeln und

ging die Türe auf, richteten

sich alle Blicke auf den

Neuling.»

Bar an der Augustinergasse 14 in Zürich. Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus den späten 1950er-Jahren.

Vo n H ay m o E m p l

Mary’s Old Timers Bar: Diese kleine,

gemütliche Bar an der Augustinergasse

14 in der Altstadt von Zürich

gilt bzw. galt als die erste schwule Bar der

Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde

sie international bekannt und blieb es bis

zu ihrer Schliessung im Jahr 1975. Ihre langjährige

Wirtin, Mary Lang, verstarb 1977

mit 94 Jahren. Das Schwulenarchiv Schweiz

schreibt: «Mary führte ein klar geregeltes

Regime. Nicht jeden liess sie ein. Man musste

klingeln und ging die Türe auf, richteten

sich alle Blicke auf den Neuling. Ohne

Begleitung durch einen der Stammgäste

Stephan, warum und wie bist du auf das Mary

Lang und die Männerbar gekommen?

Es war eine Auftragsarbeit. Ende 2014 fragte

mich das Schwulenarchiv an, ob ich den

Nachlass von Mary Lang ordnen und einen

Artikel darüber schreiben wolle. Der Nachlass

umfasst über 1000 Items. Die Arbeiten

sind seit einem Jahr abgeschlossen, nun erscheint

der Artikel «Vom Speakeasy zur

schwulen Herrenbar – Geschichten und Legendenbildung

um die Mary’s Old Timers

Bar in Zürich (1935–1975) und ihre Besitzerin

Mary Lang (1884–1977)» im INVERTIER 18,

einer Zeitschrift von schwulen Historikern.

Fotos: Privatarchiv, Schwulenarchiv Schweiz. Fotografen unbekannt.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


eportage

Mary’s Old Timers Bar

9

Lang all die Kostbarkeiten entdeckt. Damit

kann endlich – über 30 Jahre nach dem Tod

von Mary Lang – ihr Leben und Wirken rekonstruiert

werden.

Mary in ihrer Bar. Als Frau musste sie ein strenges

Regiment führen.

Du schreibst, der Besitz von Mary wurde

von der Familie unter Verschluss gehalten.

Weshalb?

Wie es halt so geht: Da stirbt ein Mensch mit

einer ganz speziellen Geschichte, die Verwandtschaft

schämt sich womöglich und

hat keine Ahnung, was sie mit den übrig

Mary Lang: Zeitlebens eine Dame.

gebliebenen Dokumenten anfangen soll. Im

Fall von Mary Lang verteilte ihre Familie

die Belege ihres Lebens auf verschiedene

Mitglieder. Und so gingen die Kisten verloren.

Bis wieder jemand starb, dessen Nachkommen

erneut damit konfrontiert wurden.

2013 hat so der Grossneffe von Mary

Hast oder hattest du irgendeinen persönlichen

Bezug zu Mary Lang?

Nein, ich war noch zu jung, um das Innenleben

der Bar zu entdecken. Aber ich wusste

schon als Jugendlicher, dass es eine ganz

spezielle Bar war – man sprach hinter vorgehaltener

Hand, dass darin nur «Schwule»

verkehren würden. Allerdings ist sie mir

durch die intensive Analyse ihres Nachlasses

und durch Zeitzeugen-Interviews sehr

viel näher gekommen. So nahe, dass ich

im Moment an einer Biografie mit dem

Arbeitstitel «Ich bin ein durchgehendes

Fräulein» über sie arbeite. Das Buch soll im

Verlag CoLibri erscheinen, wir suchen noch

Sponsoren. ➔

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10

reportage

Mary’s Old Timers Bar

Eines der letzten Bilder von Mary Lang. Sie wurde

kurz vor ihrem Tod sogar entmündigt.

«Dass im Durchschnitt 40 GIs

pro Tag die Bar besuchten,

geht aus den Gästebüchern

hervor – Mary Lang führte

akribisch Buch über ihre

Besucher.»

Die Bar wurde vor allem von amerikanischen

Soldaten besucht. In deinem Aufsatz gehst

du von 40 GIs pro Tag aus, welche die Herrenbar

besucht haben sollen. Wie stellst du den

Bezug zur Homosexualität her? Angaben über

schwule Besucher existieren ja keine.

Nun, während des Zweiten Weltkriegs wurden

16 Millionen US-amerikanische Zivilisten

(GI = Gouvernment Issues = Milizsoldaten)

eingezogen. Darunter waren

natürlich auch viele schwule Männer,

Schätzungen zufolge waren es zwischen

650 000 und 1,6 Millionen. Zu Ende des

Krieges schenkte die US-Armee ihren GIs

eine Woche Ferien in der Schweiz. Innerhalb

von zwei Jahren kamen zwischen

300 000 und 500 000 Soldaten.

Dass im Durchschnitt 40 GIs pro Tag

die Bar besuchten, geht aus den Gästebüchern

hervor – Mary Lang führte akribisch

Buch über ihre Besucher. Wieviele davon

schwul waren, kann natürlich nicht mehr

festgestellt werden. Aber wir können mit

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017

Fug und Recht davon auszugehen, dass es

ein nicht unerheblicher Teil war, der in der

Folge auch die lokalen Schwulen anzog, die

auf Uniformen standen.

Im Rahmen der Aufarbeitung des Nachlasses

hast du ja nicht nur die Dokumente ausgewer -

tet, sondern indirekt auch ein gesellschaftliches

Bild zwischen 1940 bis 1970 dargestellt.

Welche Dekade war deiner Meinung nach für

Homosexuelle in Zürich am einfachsten?

Das ist eine schwierige Antwort, denn

un sere Erinnerung reicht normalerweise

höchstens zurück bis zum Beginn der gay

libera tion. Und das war nach 1969 (Stonewall-Aufstand

in der Christopher Street am

28. Juni 1969).

Die Schweiz war 1942 zu einer Art

Insel für Homosexuelle geworden, weil ab

diesem Jahr Homosexualität zwischen erwachsenen

Männern nicht mehr als strafbar

galt, während in den Ländern rundherum

die Gesetze noch extrem blieben, über

viele Jahre hinaus. In England zum Beispiel

blieben homosexuelle Akte bis 1967 strafbar,

auch in den eigenen vier Wänden.

Aber es wäre falsch, daraus zu schliessen,

dass die Schweiz wirklich eine liberale

Insel, ein safe haven, war – nach wie vor

führten die meisten ein Doppelleben, nur

schon aus beruflichen und familiären

Gründen. So passte wohl ein diskreter Ort

wie Mary›s Old Timers Bar gut in dieses

Doppelleben.

Im Mary’s Old Timers Bar gab es für die Herren

strikte Benimmregeln. Was galt es besonders

zu beachten, wie hatte man sich zu verhalten?

Es fing an bei der Kleidung: Ohne Krawatte

und Anzug kam keiner hinein. Zudem gab

es ein Götti-System: Ein Erstbesuch der Bar

war nur möglich, wenn jemand dabei war,

der Mary Lang schon bekannt war.

Die Anmache selber beschrieb ein

Zeitzeuge so: «Das Flirten ging etwa um

halb zwölf so richtig los. Du konntest ja

nicht laut sprechen. Aber du hattest alle im

Auge und konntest so mit jedem flirten.»

Die eigentliche Kontaktaufnahme fand

dann aber ausserhalb der Bar statt.

1974 wurde Mary 90 Jahre alt, sie galt als

älteste Barmaid der Schweiz. Du sprichst von

einem «traurigen Ende» der Bar. Warum?

Unterdessen gab es andere Schwulen-Bars

in Zürich. Und die waren mehr mit der Zeit

gegangen, insbesondere nach der «gay liberation».

Die Zeit der Mary›s Old Timers Bar

war vorbei, es brauchte keinen Hafen mehr

für all jene, die ein Doppelleben führen wollten

oder mussten. Zudem war Mary physisch

nicht mehr in der Lage, den Laden alleine zu

führen. Und zu guter Letzt machte sich ihre

Familie stark, ihr allfällig angesammeltes

Vermögen selber zu brauchen. So wurde sie

zuerst in eine Alterswohnung gesteckt, dann

in eine Pension in der Innerschweiz, wo

sie – möglicherweise verwirrt, vermutlich

sogar entmündigt – am 17. Juli 1977 verstarb.

«Ein Erstbesuch der Bar

war nur möglich, wenn

jemand dabei war, der Mary

Lang schon bekannt war.»

Was war denn Mary Lang deiner Meinung

nach nun für eine Person?

Wie muss eine Frau beschaffen sein, um

sich erfolgreich in der Männerwelt durchzusetzen?

Diese Frage stellt sich ja heute

auch noch, aber damals, vor über hundert

Jahren, war es wohl fast unmöglich, ohne

eine gewisse Härte beruflich erfolgreich zu

sein. Sie galt als liebenswürdig, aber unnahbar.

Und es scheint, als habe sie sich nur

beruflich verwirklicht. Einen kleinen Einblick

in ihr privates Leben geben Liebesbriefe

von zwei Verehrern. Aber diese datieren

alle von 1900 bis 1914 – es sind fast 200.

Dass sie diese Liebesbeweise lebenslänglich

aufbewahrt hat, spricht wohl Bände.

Darum mein Biografie-Titel «Ich bin ein

durchgehendes Fräulein».

STEPHAN JARAY

Jg. 1948, 1968-1977 Universität Zürich:

Soziologie (Studium und Forschung),

Klinische Psychologie, Wirtschaftsgeschichte;

1978-2007 SRF (Schweizer Radio und

Fernsehen): Jour nalist, Redaktor, Produzent;

seit 2007 selbständig.

Der ausführliche Aufsatz über Mary Lang

erscheint im kommenden Invertito, dem Jahrbuch

für die Geschichte der Homosexualitäten

(Männerschwarm Verlag).


Interview

Richard Gere

11

«AN TRUMP IST NICHTS ECHT.

ER STAMMT

AUS EINER REALITY-

TV-SHOW.»

Richard Gere ist derzeit auf Promotour für seinen

neuen Film «The Dinner». Cruiser nutzte die Gelegenheit

für eine nette Plauderei mit dem Superstar.

Vo n M o e l M a p h y

Richard Gere begrüsst mit einem breiten

Grinsen, funkelnden Augen und

einem ausgelassenen «Hallo!». Der

67-jährige Filmstar ist noch immer von

einer unverwechselbaren Aura umgeben.

In seinem schwarzen Anzug und dem violetten

Hemd mit offenem Kragen sieht Gere

sehr elegant aus und erweckt den Eindruck

eines Mannes, der mit sich selbst absolut im

Reinen ist. Ganz so aalglatt ist der Mann

dann im Cruiser-Interview aber doch nicht.

In der Interviewrunde, in welcher der

Schauspieler seinen aktuellen Film «The

Dinner» promoten sollte, beginnt er dann

auch gleich mit dem aktuellen Lieblingsthema

aller Journalisten:

«Trump stammt aus einer Reality-TV-

Show und an ihm ist nichts echt. Von vornherein

nutzte (Trump) unsere Ängste aus.

Und Angst lässt uns schreckliche Dinge

tun», sagte Gere. «Das Schrecklichste, das

Trump getan hat, war, zwei Wörter miteinander

gleichzusetzen – Flüchtling und Terrorist.

Das ist traurig, denn ein «Flüchtling»

war zuvor jemand, für den wir Mitleid empfanden,

um den wir uns kümmerten, dem

wir helfen und Zuflucht gewähren wollten.

Nun haben wir Angst und genau das ist

(sein) grösstes Vergehen. Wir dürfen nicht

vergessen, dass wir alle Menschen sind,

die gemeinsam auf diesem Planeten Erde

leben, füreinander da sein und einander

lieben sollten.»

Interessanterweise spielt Gere im Film

«The Dinner», der auf dem Bestseller des

niederländischen Autors Herman Koch beruht,

die Figur Stan, ein New Yorker Kongressmitglied,

das Gouverneur werden will.

Seine skrupellosen politischen Instinkte

stehen im krassen Kontrast zu seiner

tiefgründigen Liebe und Sympathie für

seinen zutiefst gestörten und neurotischen

Bruder Paul (Steve Coogan).

Cruiser: Richard, Ihr Charakter im Film «The

Dinner» ist nicht der, der er zu sein scheint,

wenn man bedenkt, dass der aalglatte Politiker

tatsächlich über sehr viel Menschlichkeit

verfügt...

Gere: Das ist eine der interessanten Wendungen

im Film. Sie denken erst, dass mein

Charakter das Klischee des gewieften Politikers

erfüllt, wenn jedoch die Fassade

bröckelt, dann stellen Sie fest, dass er

überhaupt nicht diese Art von Mensch ist.

Er versucht, seinem Bruder und der Situation,

mit der sich alle konfrontiert sehen,

sehr viel Verständnis und Leidenschaft

entgegenzubringen. ➔

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


12

Interview

Richard Gere

Richard Gere und Rebecca Hal im neuen Film «The Dinner».

Was fasziniert Sie persönlich am Film «The

Dinner»?

Ich habe die Arbeit mit Oren Moverman

schon in unserem letzten Film («Time Out of

Mind») sehr genossen und ich fand, dass

dies eine sehr interessante und faszinierende

Art von Drama war, die man nicht oft zu

sehen bekommt. Der Film findet auf verschiedenen

Ebenen seinen Nachhall. Einer ­

seits ist es ein Familiendrama, das sich um

den Konflikt zweier Brüder dreht (gespielt

von Gere und Coogan), und als Spitze des

Eisbergs müssen sie eine Situation lösen,

bei der es um etwas Schreckliches geht, das

ihre Kinder getan haben.

Sie tendieren dazu, bei Independent-Filmen

mitzuwirken – wie bei «The Dinner» und den

meisten Ihrer jüngeren Projekte der letzten

zehn Jahre. Wie kam es dazu?

Ich finde, dass die besten Filme von unabhängigen

Produzenten und Regisseuren gemacht

werden, die mit kleineren Budgets

arbeiten. Wenn mir ein grossartiges Projekt

begegnet, das von einem der grossen

Hollywood-Studios realisiert wird, dann

wäre ich dabei, aber die Branche hat sich

verändert. Die Filme, die ich in den 70ern

und 80ern gedreht habe, wurden von grossen

Studios produziert. Solche Geschichten

werden nun als Low-Budget-Filme umgesetzt

und Sie müssen die Distributoren

förmlich anbetteln, sie zu zeigen.

Ich erinnere mich noch daran, was mir

der Chef eines Hollywood-Studios vor einigen

Jahren gesagt hat, als ich versucht habe,

einen kleinen Film zu realisieren, der mit

geringem Budget gedreht werden sollte und

bei dem die finanziellen Erwartungen und

das Risiko sehr gering ausfielen. Er sagte mir:

«Wir sind keine Branche für kleine Umsätze.»

Für mich ist es also jetzt wichtig, gute

Geschichten zu erzählen. Und das tun zu

können, macht mich glücklich.

Wann haben Sie sich erstmals für Filme interessiert

und angestrebt, das Schauspielern

zum Beruf zu machen?

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen

und hatte niemals die Möglichkeit, viele

Filme zu sehen. Erst im College begann ich,

europäische und asiatische Filme für mich

zu entdecken, was mir eine komplett neue

Welt eröffnet hat. Es war eine ganz andere

Form von Ästhetik – verglichen mit den

standardmässigen Hollywood-Filmen, die

ich zuvor gesehen habe. Und so begann ich,

über das Schauspielern nachzudenken und

ein Teil dieser Welt zu werden.

In der Vergangenheit sagten Sie einmal, dass

Sie Schwierigkeiten damit hatten, mit Ihrem

frühen Erfolg und der Aufmerksamkeit, die der

Hollywood-Ruhm mit sich brachte, zurechtzukommen.

Wie würden Sie diese Zeit mit Ihrer

heutigen Sicht auf die Dinge vergleichen?

Über die Jahre habe ich gelernt, meine Wut

und Frustration zu kontrollieren und in der

Lage zu sein, meine Freude sehr viel leichter

und offener mit anderen zu teilen. Ich frage

mich stets, wie ich auf die Menschen um

mich herum positiv wirken kann – ebenso

wie auf die Menschen, die ich treffe, wo immer

ich gerade bin.

Richard Gere war schon in jungen Jahren in Hollywood

gefragt. Heute sagt er, er sei mit dem frühen

Ruhm kaum zurechtgekommen.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


Interview

Richard Gere

13

Ich kann auch jede Art von Erfolg und

mein Leben sehr viel mehr, leichter und mit

Freuden schätzen als zu einem früheren

Zeitpunkt in meiner Karriere, als mir alles

noch so schwierig erschien.

Als Teenager stachen Sie bei der Gymnastik,

also im Turnunterricht, und Musik hervor. Hatten

Sie schon immer eine artistische Begabung?

Als Kind war ich immer ein Träumer und

habe sehr viel Zeit alleine verbracht, anstatt

sie mit Freunden zu verbringen. Ich denke,

dass meine Eltern, die sehr fürsorglich waren,

sich oft gesorgt und über mich gewundert

haben. «Was stimmt denn mit diesem

Kind nicht?»

Irgendwann als Teenager zog ich mich

sehr stark zurück und wurde sehr introvertiert.

Ich hörte auf, glücklich zu sein und das

hat wirklich Spuren bei mir hinterlassen.

Daher konnte ich die Zeit, in der ich jung

war und viele grosse Filme drehte, nicht geniessen

– ebenso wenig den Erfolg, der mit

den Filmen einherging. Erst als ich mit dem

Studium des Buddhismus begann, war ich

in der Lage, mit all den Ängsten und Sorgen

umzugehen, die mich blockiert haben.

War die Entdeckung des Buddhismus ein

Wendepunkt in Ihrem Leben?

In meinem Leben passierten mir viele aussergewöhnliche

Dinge, aber nichts hatte

denselben Einfluss auf mich wie der Bud ­

d hi s mus, der mich gelehrt hat, zu verstehen,

zu teilen und mich mir selbst zu verpflichten.

Angesichts aller Unruhen, die wir

heute erleben, müssen wir unsere Energie

dafür aufwenden, Dinge zu verändern.

Was hat der Buddhismus Ihnen gegeben?

Eines der grössten Dinge, das ich lernen

musste, war Geduld. Viele Jahre lang war

ich sehr, sehr ungeduldig und das führte zu

sehr grosser Frustration. Wenn Sie Geduld

lernen, dann wird es viel einfacher, mit Situa ­

tionen positiv umzugehen.

«The Dinner» ist ein US-amerikanischer Spielfilm

von Oren Moverman. Der kammerspielartige

Thriller basiert auf dem Roman «Angerichtet»

von Herman Koch und schildert den dramatischen

Verlauf eines Abendessens von zwei

Elternpaaren (dargestellt von Steve Coogan,

Laura Linney, Richard Gere und Rebecca Hall),

die versuchen, ein durch ihre Kinder begangenes

Verbrechen zu vertuschen. Der Film wurde

am 10. Februar 2017 im Wettbewerb der 67. Internationalen

Filmfestspiele Berlin uraufgeführt.

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14

KULTUR

NATIONAL & INTERNATIONAL

KULTUR

LESUNG: ÉDOUARD LOUIS – mit seinem neuen Buch «Im Herzen der Gewalt»

Mit 22 Jahren landete Édouard Louis einen internationalen

Bestseller. «Das Ende von Eddy»

hiess der autobiographische Roman des schwulen

Intellektuellen, der den Underdogs in der

Gesellschaft endlich Gehör verschaffte. Zahlreiche

Interviews und Auftritte auch zu politischen

Themen waren die Folge, der Zweitling

wurde gespannt erwartet. (Wer sein erstes Buch

noch nicht gelesen hat: Wir haben in dieser Ausgabe

eine ausführliche Rezension auf Seite 20.)

«Im Herzen der Gewalt» nun verarbeitet

exakt das, was der Titel besagt: Fremdenfeindlichkeit,

Homophobie und andere

Klüfte zwischen den Menschen in der französischen

und europäischen Gesellschaft.

Eine einzige Nacht im Leben des Protagonisten

zeigt die ganze Tragödie unserer Zeit

auf. Zum Glück ist Schweigen für ihn keine

Lösung. Das Aufbegehren geht weiter.

Lesung und Gespräch.

Deutsche Lesung: Stefan Kollmuss

Donnerstag 21. September 2017 um 20.00 Uhr

Kaufleuten, Pelikanplatz, 8001 Zürich

THE WOUND (LES INITIÉS)

Eastern Cape, Südafrika. In einer abgelegenen

Bergregion unterziehen sich junge

Männer einem archaischen Beschneidungsund

Mannbarkeitsritual. Der Lagerist Xolani

aus Johannesburg wird dem rebellischen

Kwanda dabei als Mentor zur Seite gestellt.

Als Kwanda entdeckt, dass Xolani ein Verhältnis

zum verheirateten Vitcha pflegt,

droht deren geheime Liaison aufzufliegen.

Hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht,

endlich er selbst sein zu können, und

der Furcht, seine Liebe durch ein Outing

endgültig zu verlieren, gerät Xolani in einen

immer auswegloseren Konflikt.

John Trengove, Regisseur des Filmes

zum Film: «‹The Wound› ist entstanden, weil

ich Interesse hatte, mich mit den Stereotypen

auseinanderzusetzen, die im Kino

allzu oft mit schwarzer Männlichkeit verbunden

werden, sei es in Afrika oder anderswo.

Für mich als Weissen war es nicht

selbstverständlich, das Leben ausgegrenzter

schwarzer Männer zu schildern und eine

mir fremde Welt in Szene zu setzen. Es war

sogar äusserst heikel. Es war mir wichtig,

dass sich diese Problematik in der Geschichte

selbst widerspiegelt. Deshalb habe

ich die Figur von Kwanda entwickelt, dem

diese traditionelle Welt fremd ist und dessen

Ansichten über Menschenrechte und individuelle

Freiheit den meinen ähneln.»

In flirrenden, intensiven Bildern erzählt

«The Wound» von Homophobie und

Männlichkeitswahn in einer zwischen Tradition

und Moderne gespaltenen Gesellschaft,

entführt uns in eine Welt von faszinierender

Fremdheit und berührt durch

seine intime Schilderung einer tragischen

Liebesbeziehung.

Der Film läuft ab sofort in den Kinos in der

Deutschschweiz

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


kultur

NATIONAL & INTERNATIONAL

15

DAVID BOWIE. THE MAN WHO FELL TO EARTH

Nicolas Roegs «The Man Who Fell to Earth»

von 1976 wurde ursprünglich als «bewusstseinserweiterndes

Erlebnis» angekündigt

und verschlug der Kinowelt dann

tatsächlich die Sprache. Diese Tour de

Force der Science-Fiction als Kunstform

bescherte dem Publikum nicht nur hypnotische

Bilder und explizite Kritik an der

modernen Konsumgesellschaft, sondern

auch Glam-Rock-Legende David Bowie,

der in der Rolle des paranoiden Ausser ­

ir dischen namens Newton seine Ziggy­

Stardust-Persona weiter ausbaute.

Der Film nach Walter Tevis’ gleichnamigem

Science-Fiction-Roman von 1963

schildert die Erlebnisse des Ausserirdischen

Newton, der auf der Erde nach Wasser für

seinen Heimatplaneten sucht, dank seiner

überragenden Intelligenz und seines fortschrittlichen

technologischen Wissens einen

Industriekonzern aufbaut und mit der

jungen Mary-Lou seine Sexualität entdeckt,

aber letztlich am gefühlskalten Egoismus

und der Oberflächlichkeit der Menschen

zerbricht. Roeg entlockt seinen Darstellern

absolute Bestleistungen – nicht nur Bowie

in all seiner ausserirdischen Entrücktheit,

sondern auch den Co-Stars Candy Clark,

Rip Torn und Buck Henry.

Zur Feier des 40. Jahrestags dieses

Kultfilms präsentiert «David Bowie. The

Man Who Fell to Earth» eine Fülle von

Standbildern und Aufnahmen des Filmfotografen

David James von den Dreharbeiten,

darunter zahlreiche Fotos von

Bowie in schauspielerischer Bestform. Ein

neuer einleitender Essay setzt sich mit den

Dreharbeiten des Films und mit seiner

Be deutung für das Scifi-Genre auseinander

– unter Einbeziehung eines Exklusivinterviews

mit David James, der Einblicke

aus erster Hand in die Entstehung dieses

Meisterwerks beisteuert.

David Bowie. The Man Who Fell to Earth

(Englisch). Gebundene Ausgabe von

Paul Duncan (Hg.). 480 Seiten.

ISBN: 978-3836562416 ca. CHF 14.90.

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16

thema

LGBT*-Flüchtlinge

RAINBOW REFUGEES

GEWALT &

DISKRIMINIERUNG

IM ASYL

Sie werden offenbar verfolgt, egal, wohin sie gehen. Menschen, die aus ihrer

Heimat geflohen sind, weil sie schwul oder lesbisch sind. An der Pride 2017 wollte

man auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen, diese ging aber im

lauten Getöse der Festivitäten beinahe etwas unter.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


thema

LGBT*-Flüchtlinge

17

Vo n Y vo n n e B ec k

In über 75 Ländern steht Homosexualität

unter Strafe. Der Iran, der Jemen, Saudi-

Arabien, Somalia und der Sudan sehen

die Todesstrafe vor, in anderen Ländern wie

Uganda, Bangladesch, Pakistan und Malaysia

droht eine lebenslange Haft. Homophobie

gehört in vielen Ländern zum Alltag.

Sehr häufig fehlt es zudem an Strafverfolgung

und Rechtsschutz für Opfer von

homophob geprägten Gewaltübergriffen.

Häufig werden Strafverfahren eingestellt,

Polizeirapporte verweigert und mutmassliche

Täter einfach wieder freigelassen.

Immer mehr Homosexuelle und Transsexuelle

fliehen vor Diskriminierung und Gewalt

aus ihrer Heimat. Doch angekommen

in Europa werden sie nicht selten in den

Flüchtlingsunterkünften weiter terrorisiert.

Das Anrecht auf Asyl

Artikel 3 Absatz 1 des Asylgesetztes besagt:

«Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem

Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt

wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion,

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten

sozialen Gruppe oder wegen ihrer

politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen

ausgesetzt sind oder begründet Furcht

In den Asylzentren leben sie

oft inmitten von Menschen,

für die Homophobie völlig

normal ist.

haben, solchen Nachteilen aus gesetzt zu

werden.» Als ernsthafte Nach ­teile gelten

namentlich die Gefährdung des Leibes, des

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,

die einen unerträglichen psychischen

Druck bewirken. Die im ersten Absatz enthaltenen

Verfolgungsmotive orien tieren

sich an der Genfer Flüchtlingskonvention.

Danach sind die Rasse, Religion, Nationalität

und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten

sozialen Gruppe die interna tional anerkannten

Verfolgungsmotive. Weder die geschlechterspezifische

Verfolgung noch die

Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung

oder der geschlechtlichen Identität

als Verfolgungsmotiv wird erwähnt. Da

das Asylgesetz und die Genfer Flüchtlingskonvention

kein spezifisches Verfolgungsmotiv

vorsieht, werden Lesben, Schwule,

Bisexuelle, Intersexuelle und Trans sexuelle

einer «bestimmten sozialen Gruppe» zugeordnet.

Wenn jemand wegen der Zugehörigkeit

zur sozialen Gruppe der LGBTI verfolgt

wird und wenn es für diese Person keine

Möglichkeit gibt, in einem andern Teil ihres

Landes Zuflucht zu finden, wird sie als

Flüchtling anerkannt und erhält Asyl, sofern

keine Gründe dagegen sprechen.

Ein Leben in ständiger Angst

Asylsuchende verlassen ihre Heimat, ihre

Sprache, ihre Kultur, ihre Freunde oder ➔

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DONNERSTAG

7. September 2017 – 19 Uhr

SEXUELL ÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN –

WO LAUERN DIE GEFAHREN?

SAFE

THE

DATE

Betroffene und Experten zeigen auf, wo die Risiken bei sexuell übertragbaren Krankheiten (STI)

liegen und welche Schutzstrategien es gibt.

Bringt eure Fragen zu HIV, Syphilis, Chlamydien, Tripper und Hepatitis (Big 5) mit und bringt

sie in die Diskussion ein – wir freuen uns auf Euch!

Anschliessend sind alle herzlich zu einem Apéro eingeladen.

Programm:

18.30 Uhr Türöffnung

19.00 Uhr Podiums- und Publikumsdiskussion

20.15 Apéro

«Checkpoint im Gespräch» findet im Kulturhaus Helferei, in der Kirchgasse 13, 8001 Zürich statt.

Keine Anmeldung erforderlich – Weitere Informationen: mycheckpoint.ch/de/zh/checkpoint-im-gespräch

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


18

thema

LGBT*-Flüchtlinge

Flüchtlinge haben viel gesehen – LGBT*-Flüchtlinge

müssen zudem noch ihre sexuelle Ausrichtung

angstvoll verstecken.

auch Partner, ihre Familie, ihre Arbeit in

der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Was

sie jedoch zuerst erfahren ist Einsamkeit,

Unsicherheit, Zweifel und Hilflosigkeit.

Gerade für homosexuelle Flüchtlinge und

asylsuchende Trans-Menschen sind die Zustände

häufig noch schlimmer, denn ihre

Diskriminierung hört in der Schweiz nicht

auf. In den Asylzentren leben sie oft inmitten

von Menschen, für die Homophobie

völlig normal ist. In manchen Sprachen gibt

es nicht einmal einen sprachlichen Begriff

für gleichgeschlechtlich liebende Menschen

oder es gibt nur Wörter mit beleidigender,

despektierlicher Bedeutung. So hat die arabische

Umgangssprache kein positiv besetztes

Wort für «Homosexuelle». Hier werden

Schwule meist nicht mal in der eigenen

Familie akzeptiert. Sie sind eine Schande.

Manche Eltern zwingen ihre Kinder, zu Ärzten

zu gehen, die sie heilen sollen. Denn in

vielen Ländern gilt Homosexualität immer

noch als Krankheit. In Europa kann sich

kaum jemand vorstellen, was es heisst, seine

geschlechtliche Identität verstecken zu

müssen, sich nie outen zu dürfen und seiner

sexuellen Orientierung nur im Verborgenen

oft werden religiöse oder

moralische Haltungen im

Exil sogar noch stärker

empfunden und gelebt als in

den Heimatländern.

nachgehen zu können und noch dazu mit

der ständigen Angst leben zu müssen,

entdeckt zu werden. Doch genau das haben

die meisten homosexuellen Flüchtlinge ihr

Leben lang erfahren.

Homophobie in Asylunterkünften

Derzeit kommen die meisten Menschen, die

in der Schweiz Asyl suchen, aus Eritrea,

Syrien und Guinea. In allen drei Ländern ist

Homosexualität illegal, gesellschaftlich tabuisiert

und wird mit Gefängnis bestraft.

Asylsuchende leben am

Rande der Gesellschaft und

gerade LGBT-Asylsuchende

scheuen den Kontakt zu

IHREN eigenen Landsleuten

in der Schweiz aus Angst

von ihnen weiterhin diskriminiert

zu werden.

Aber auch hier in der Schweiz gehören sie

nirgendwo so richtig dazu. Asylsuchende

leben am Rande der Gesellschaft und gerade

LGBT-Asylsuchende scheuen den Kontakt

zu ihren eigenen Landsleuten in der

Schweiz aus Angst von ihnen weiterhin diskriminiert

zu werden. Besonders schlimm

ist es in den Flüchtlingsheimen, wo unterschiedlichste

Menschen auf engstem Raum

zusammengepfercht werden. Homosexuelle,

die in der Schweiz Asyl suchen, leben zusammen

mit teils homophoben Männern.

Die Gefahr von Übergriffen, Diskriminierung,

Mobbing und körperlicher Gewalt

gegenüber LGBT-Flüchtlingen ist gross. Die

Toleranz gegenüber Homosexualität ist bei

vielen Flüchtlingen sehr gering und oft

werden religiöse oder moralische Haltungen

im Exil sogar noch stärker empfunden

und gelebt als in den Heimatländern.

Homophobie im Flüchtlingsheim

ist kein Einzelfall. Immer wieder werden

Frauen und Männer wegen ihrer Sexualität

von anderen Flüchtlingen diskriminiert.

Genaue Zahlen darüber gibt es jedoch

nicht, denn viele Betroffene schweigen aus

Scham und Angst.

Ein kleiner Lichtblick: In Deutschland

wurden inzwischen für homosexuelle und

transsexuelle Flüchtlinge, die in ihrer Unterkunft

akut bedroht sind, eigene Unterkünfte

eingerichtet. In den neuen Unterkünften

blühen die Bewohner regelrecht

auf. Zum ersten Mal erleben sie, wie es sich

anfühlt, beschützt und nicht diskriminiert

zu werden. Zum ersten Mal in ihrem Leben

dürfen sie sein, was sie sind, ohne dafür

verspottet, geschlagen oder gar getötet zu

werden. Bleibt zu hoffen, dass diese Unterkünfte

auch in der Schweiz Ableger finden.

Angst vor dem Outing

Bei homosexuellen Flüchtlingen sind Angst

und vor allem Scham viel präsenter als bei

anderen Flüchtlingen. Dadurch treten sie in

Anhörungen häufig recht zögerlich auf und

verstricken sich in Widersprüche. Vielfach

assoziieren die meisten von ihnen schlimme

Erfahrungen mit Beamten und Polizisten.

Es wird häufig vergessen, dass es unter

den Asylanten sehr viele Opfer von physischer,

psychischer und sexueller Gewalt

gibt. Viele gewalttätige Übergriffe gingen

vom eigenen Umfeld oder sogar der eigenen

Familie aus, manche von staatlichen Organen.

Folter, Haft und Stigmatisierung stehen

in vielen Ländern der Erde für «Andersliebende»

auf der Tagesordnung. Ihre

Angst gegenüber Beamten ist also nicht unbegründet.

Hinzu kommt ein Misstrauen

gegenüber den Dolmetschern, die oft aus

ihrem eigenen Kulturkreis stammen. Die

Angst ist gross, dass durch die Dolmetscher

in der Landesgemeinschaft bekannt werden

könnte, dass die asylsuchende Person homosexuell

ist. Tatsächlich kommt es immer

wieder vor, dass Dolmetscher abwertende

Bemerkungen gegenüber LGBT-Asylsuchenden

machen und sie sogar beleidigen.

Daher denken sich viele Flüchtlinge andere

Fluchtgründe aus, denn ein Outing kommt

Zum ersten Mal in ihrem

Leben dürfen sie sein, was

sie sind, ohne dafür verspottet,

geschlagen oder

gar getötet zu werden.

für sie aus Angst nicht in Frage. Wie kann

man auch von einem schwulen oder lesbischen

Geflüchteten verlangen, mit einem

wildfremden Menschen offen über Sexualität,

Liebe und Sehnsüchte zu sprechen? Etwas,

das die meisten von ihnen ihr Leben

lang angstvoll vor den anderen verstecken

mussten.

Fazit:

Bessere Schulung und Aufklärung der entscheidenden

Beamten und Dolmetscher,

die bei den Anhörungen oft eine Schlüsselrolle

einnehmen, sind dringend notwendig.

Bisher ist nicht auszuschliessen, dass «Entscheider»

mit dem Fluchtgrund Homosexualität

häufig nichts anzufangen wissen, die

psychische Fragilität der Asylsuchenden

komplett falsch einschätzen, indiskrete

Fragen (wie nach Sexualpraktiken) stellen

oder beim Antrag durch Unwissenheit negativ

entscheiden.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


kolumne

michi rüegg

19

SOMEWHERE

THE RAINBOW’S OVER

Michi Rüegg versucht anhand eines bekennend

rassistischen Hundes die Unveränderbarkeit der

Rainbow-Flag zu begründen.

Vo n m i c h i r ü egg

Meine beste Freundin lebte eine Weile

am Roten Meer in Ägypten. Dort

lief ihr ein Hund zu. Er war noch

relativ jung, als er beschloss, fortan der

Hund meiner besten Freundin zu sein. Zu

Beginn ignorierte sie das Tier, das ihr auf

Schritt und Tritt folgte. Nach einer Weile

gab sie ihren Widerstand auf, seither lebt

der Hund an ihrer Seite. Ägypter sind in

der Regel nicht sonderlich nett zu Hunden.

Das muss auch dieses Exemplar als Welpe

er lebt haben, jedenfalls kann er Ägypter

nicht ausstehen. Europäer hingegen mag er

grundsätzlich.

Dabei verabscheut der Hund nicht nur

Ägypter, sein Hass dehnt sich auf alle Araber

aus. Wobei er auch koptische Christen

anknurrt, seine Intoleranz beschränkt sich

nicht auf den Islam. Nachdem meine beste

Freundin ihren wiederum besten (vierbeinigen)

Freund in die Schweiz importiert

hatte, lebten die beiden eine Weile ausserhalb

von Zürich. Als während des Arabischen

Frühlings in den Nachrichten am TV

ein Mann Arabisch sprach, bellte der Hund

den Fernseher an.

Manchmal nahm sie das Tier mit zur

Arbeit. Als Frau und Hund eines Abends

durchs Enge-Quartier spazierten, begegneten

sie einer jüdisch-orthodoxen Familie.

Der Hund beschloss spontan, die Juden

lauthals anzubellen. Die Familie rannte panisch

davon. Die Szene war meiner besten

Freundin zu Recht etwas peinlich, konnte

man sie doch für eine Nazi-Braut halten, die

ihrem Schäfer-Mischling (mit viel Fantasie

liess sich darin etwas Derartiges erkennen)

gewaltsamen Antisemitismus antrainiert

hatte. Vermutlich erkannte der Hund die

gemeinsamen Wurzeln der arabischen und

der hebräischen Sprache. Oder aber er

mochte Bärte nicht. Glücklicherweise zogen

beste Freundin und Hund nach Mexiko,

bevor hierzulande die Hipster aus allen

Löchern krochen. Der Hund wäre dieser

Tage in Zürich sehr mit Bellen beschäftigt.

Weshalb Asiatinnen und

Asiaten nicht auch irgendwie

mit einem blassen Gelb

vertreten sind, erschloss

sich mir bis dato nicht.

Schnappi, so heisst der Hund, ist bekennender

Rassist. In seiner Kindheit taten

ihm Araber ein Leid an, also reagiert er negativ

auf Araber. Das ist kein besonders reflektiertes

Verhalten, passt aber zu seinem

auch sonst nicht sonderlich leistungsstarken

Hundehirn. Von Menschen erwarten

wir zu Recht, dass sie zu etwas mehr Abstraktion

fähig sind. Das klappt leider nicht

immer, wie man weiss. Immer wieder werden

etwa dunkelhäutige Menschen diskriminiert.

Aus diesem Grund soll nun die Regenbogenflagge

um zwei Farben ergänzt

werden – Braun und um Schwarz. Wobei

sich noch immer die Geister an der Frage

scheiden, ob Schwarz tatsächlich eine Farbe

ist. Schwarz und Braun stehen offen­

sichtlich für Menschen schwarzer und

brauner Hautfarbe. Also so genannte «African

Americans» und Latinos. Weshalb Asiatinnen

und Asiaten nicht auch irgendwie

mit einem blassen Gelb vertreten sind, erschloss

sich mir bis dato nicht.

Die Übung ist ein Tabubruch. Die

Rainbow-Flagge subsummiert alle sexuellen

Minderheiten. Und Dunkelhäutigkeit ist

meines Erachtens noch keine Sexualität,

auch wenn so mancher weltoffene Zürcher

seine pene trante Fixierung auf schwarze

Schwänze als sexuelle Prägung sieht.

Manchmal erscheint am Himmel ein

Regen bogen. Ein schönes Naturschauspiel.

Re genbogen wären irgendwie weniger

schön, wenn sie am Himmel plötzlich auch

in den Nuancen Schwarz und Braun erschienen.

Das passt irgendwie nicht zum Himmel.

Auch wenn schwarz schimmerndes

Licht vermutlich hammermässig aussehen

würde. Die strahlende Dunkelheit, quasi.

Gibt es in der Szene Rassismus? Zweifellos.

Wir sind Menschen, ausgestattet mit

denselben Schwächen, die auch Schnappi,

den Hund, plagen. Manche von uns dürften

seinen IQ auch nur knapp erreichen. Andere

sind wahnsinnig clever und trotzdem

Arschlöcher. Die Regenbogenflagge versucht

unserer Vielfalt gerecht zu werden.

Ihre Farben stehen für das Leben (Rot), Heilung

(Orange), das Sonnenlicht (Gelb), die

Natur (Grün), Harmonie und Frieden (Blau)

und Geist (Violett). Welche Symbolik könnte

man Schwarz und Braun andichten?

Schwarz wie unsere Darkrooms. Und Braun

wie... Nein, lassen wir das.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


20

kultur

buchtipp

DAS ENDE VON EDDY

Schwul sein in einem Dorf – das geht auch im Jahr 2017 nicht. Des Schriftstellers

Alter Ego muss sich im furiosen Debutroman der kollektiven Abwehrreaktion der

Dörfler stellen.

Von Birgit Kawohl

Dem Autor Édouard Louis, geboren

1992 als Eddy Bellegueule in der

nordfranzösischen Picardie, ist mit

«Das Ende von Eddy» ein bemerkenswertes

Debüt gelungen. Das Grundthema der

Coming of Age-Geschichte «Wie wächst

man als Kind und Jugend licher in einem

Dorf in der französischen Provinz, das

von Vorurteilen und Diskriminierung geprägt

ist, auf?» ist eng verwoben mit der

Co ming-out-Erzählung des Protagonisten.

Louis schildert diese Gratwanderung bewundernswert

souverän in seinem Roman,

der autobiografische Züge trägt.

Mit dem sich mantraartig

eingeredeten Motto «Heute

bin ich ein echter Kerl»

denkt Eddy, sein Schwulsein

besiegen zu können.

«An meine Kindheit habe ich keine

einzige glückliche Erinnerung.» Der Roman

beginnt mit einem Paukenschlag,

dem man sich kaum entziehen kann. Ein

erster Satz, der den Leser sofort in seinen

Bann zieht und in die Handlung hineinkatapultiert.

Man möchte den Ich-Erzähler,

den Jugendlichen Eddy Bellegueule, ohne

zu zögern trösten. Zugleich beginnt man,

diese Aussage mit seinen eigenen Kindheitserinnerungen

abzugleichen und ist

dann froh, wenn man diesen Satz so nicht

unterschreiben würde.

Eddy also ist eins von fünf Kindern

eines Fabrikarbeiters und einer Altenpflegerin,

die immer zu wenig zum Leben verdienen.

So vernachlässigen sie nicht nur die

Erziehung und das Wohl der Kinder, nach

und nach gerät Eddys Vater auch immer

mehr in einen Abwärtsstrudel. Die anstrengende

Arbeit lässt ihn erkranken, was dieser

wiederum als Gelegenheit nutzt, sich ganz

aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen und

fortan nur noch zu saufen. Dies tut er am

liebsten mit seinen Kumpeln, die dann in

ihrer sonstigen Sprachlosigkeit Reden gegen

die Afrikaner («alles Verbrecher») und

an dere Randgruppen schwingen. Eddy

selbst fällt schon früh auf und durch seine

Attitüden, die man schnell als «schwul» bezeichnet,

aus dem Rahmen des dörflichen

Mitei nanders, das an enge Regeln gebunden

ist: Frauen kümmern sich um den Haushalt,

Männer haben das Sagen, bringen – im besten

Fall – das Geld nach Hause und dürfen

sich ansonsten als wahre Machos alles leisten,

es sind ja eben Männer. Wenn man sich

in solch einer Umgebung als Junge dann

nicht für Fussball und Raufen interessiert

und Mädchen am liebsten hat, wenn man sie

schminken darf, hat man es natürlich

schwer. So kommt es zu Hänse leien und körperlichen

Quälereien, denen der junge Eddy

dadurch zu entgehen versucht, dass er sie

zuerst verdrängt und sich dann dazu entschliesst,

sein Leben zu ändern. Mit dem

sich mantraartig eingeredeten Motto «Heute

bin ich ein echter Kerl» denkt Eddy, sein

Schwulsein besiegen zu können. Er schafft

sich dazu ein Mädchen an, mit dem er

«geht», er lernt Namen von Fussballspielern

auswendig, doch alles sinn los. Seine grössten

Glücksmomente hat er beim Nachspielen

von Hetero-Pornos mit drei Freunden

und dem Tanzen in der Disco, wenn er sich

unauffällig an Fremden reiben kann. Damit

wird ihm dann auch bald klar, dass er sein

Anderssein nicht wegdenken kann, es wird

immer zu ihm gehören.

Daher gibt es für ihn nur eine Chance,

dem dörflichen Terror zu entfliehen, er

muss auf die weiterführende Schule gehen

und damit von zu Hause ausziehen. Dass

ihm das am Ende gelingt, lässt den Leser,

der zwischenzeitlich sicherlich immer wieder

ob der Ignoranz und Brutalität mit der

man mit dem Jungen umgeht, verzweifelt,

beruhigt zurück. Man kann letztlich sogar

die Hoffnung haben, dass Eddy den Eingangssatz

bezogen auf sein weiteres Leben

anders formulieren würde. Dass er selbst

der Sprachlosigkeit, die das nie geäusserte

Manifest der Arbeiterklasse im Dorf darstellte,

entkommen ist, sieht man an diesem

Werk bestens.

Buchtipp

Édouard Louis: Das Ende von Eddy

Preis CHF 14.90

ISBN (Taschenbuch) 9783596032433

Der Autor liest am 21.9. im Kaufleuten Zürich.

Details in der «Kultur» auf Seite 14.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


kolumne

mirko

21

DAS BESTE POTENZMITTEL IST

EIN RICHTIGER KATER

Vo n m i r ko

S

ummertime and living is easy. Keine

Zeit für troubles. Umso mehr Bock auf

Männer und alles, was damit so zu tun

ist. So sehe ich das. Sich die Limmat runtertreiben

lassen mit meinen Bro’s auf dem Aufblas-Einhorn.

Irgendwie alles geht. Aber ich

habe mich auch es bitzli durchgearbeitet diesen

Sommer. Jetzt wo meine Kolumne ein Jahr

alt ist, han i dänkt, ich check mol alles dure.

Ist es schlimm, dass ich

den Jungs hinterhersteige,

wo gliichvil i guets Usseh

investiere wie ich?

Ich war an Prides. Ha welle wüsse, ob’s überall

so schwierig tüend wie z Züri oder ob easy living

anderswo einfacher ist. Und es ist. Definitiv,

aber s Gäld verdiene tuen i doch lieber z

Züri, dass das klar isch. Ja, shit, Body Shaming.

Irgendwie interessiert’s mi nöd im

Summer. Ja, mir gfallet die Hunks mit Fuessballerärsch

i Badhose und au gäge duretrainierti

Oberschenkel han i gar nüt. Alles dra,

wo dra muess sie, und vo dem, wo mir gfallt,

nöd zwenig. E chli Sonne und ein paar Drinks,

dann kriege ich von denen dann auch, was ich

will. Chasch glaube. Ja, aber eben, das mit

dem Idealbild. Ist es schlimm, dass ich den

Jungs hinterhersteige, wo gliichvil i guets Usseh

investiere wie ich und das au no mit Erfolg

mached? Wie gseit, ich habe alles mal durchgecheckt,

was es denn so gibt im Homoland.

Ich dachte, gut, die Bären gibt’s, mal schauen,

wie’s in der Welt der behaarten Bierbäuche so

zu- und hergeht. Ich bin ja nun kein Bär, nicht

mal ein Jungbär, mängisch en Problembär,

das scho, aber nöd vom usgseh her. Habe

dann den Berliner CSD grad genutzt, um mal

die Bärenclubs zu besuchen. Mal schauen,

wie die bessere Welt aussieht, in der nicht

nach den Idealmassen gesucht wird. Chasch

vergässe. Ich geh rein und zack, hab ich die

Typen hinter mir her. Nein, ich bin kein Bär,

am Body han i grad en Treasure Trail vom

Bauchnabel abe, find ich auch hot, aber Mann,

mehr Haar han i nöd, echt. Und Bierbauch,

vergiss es, lean muscles, kei Fett, gar nüt. Wird

also nichts mit dem alternativen Ideal bei den

Bären. Villicht im Kochareal, aber da gibt’s

dann umgekehrtes Body Shaming. Und ich

lasse mich nicht gerne dumm anmachen, nur

weil ich auch auf mein Aussehen achte, sorry,

dumm bin i darum no lang nöd, au wenn das

viele hoffen. Ah nei, ich mein nöd, dass sie hoffe,

ich sigi dumm, will, ja ich weiss, dumm

fickt gut. Nei, eifach weil sie’s gerechter fänden,

wenn schöne Menschen dumm wären.

Ich bin ja nun kein Bär, nicht

mal ein Jungbär, mängisch

en Problembär, das scho,

aber nöd vom usgseh her.

Sorry, chan ich nöd diene. Ich dänke gärn. De

Teil mit em Ficke, das kann ich auch, ohne

dumm zu sein. Uf Troubles han i kei luscht

gha. Summertime and living is easy han i mir

gseit und han de Flüger gnoh uf Kroatie. Cool,

he. Eine andere Welt. In der Ferienwohnung

mit meinen Bro’s. Einfach mal geniessen, vergiss,

was richtig und falsch und was in Züri

alles diskutiert wird. Hier hänge ich einfach in

der Sonne, esse mich gesund: Hlap, Jastog,

Kamenice zum Abwinke, chan ich mir süsch

ja nöd leiste. Wenn denn so eifach da bisch,

denn passiert alles. S Läbe cha so eifach sii, ich

säg dir, und dann ist’s nur noch toll. Villicht

Ficke, das kann ich auch,

ohne dumm zu sein.

machen wir hier nicht die grosse Kunst, wobei...

Ein paar Kunststücke waren schon dabei,

shit, was man alles tun kann, wenn man

einfach das tut, wo mer grad luscht druf het.

Kei Body Shaming, aber die Type sind ou alli

saumässig sexy gsi, fuck. Im Gratisheftli woni

auf dem Weg zur Arbeit i de S-Bahn Züri lese,

stand, dass Alkohol Männer schwul macht,

isch mir z Sinn cho. Ja, hani dänkt, Alk macht

nöd schwul, he, Alkohol macht Männer geil

und je mehr Alk, desto mehr wollen sie ficken

und dann kommt’s dann selbst dem straightesten

Straight irgendwann nicht mehr drauf

an, ob de Mensch am andern Ende der Bar einen

Bart hat oder nicht. Ja, und mal ehrlich,

wenn d denn so volltankt bisch, isch es auch

besser, einen Mann mit nach Hause zu nehmen.

Weil dann läuft eh kaum mehr Blut zwischen

die Beine. Aber villicht hoffentlich bim

andere Junge noch. Da besteht wenigstens die

Hoffnung, dass es so dann doch noch Spass

auf der Matratze oder im Gang oder im Bad

oder i de Chuchi git – oder wo denn d Hose

grad sackt, villicht ja scho ufem Heiweg – de

Spass isch denn grad nöd eso versatile, chli

eisiitig halt. Aber wenn man so richtig breit

war am Abend, ist man ebenso total geil mit

Duurständer am Morgen drauf. Kenne mir

alli. And then: Time for revenge. Öppe so isch

Kroatie gsi. Easy living halt.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


22

Serie

Was macht eigentlich …

IKONEN

VON DAMALS

In unserer losen Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten

über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen

(Gay-)Tagen. David Hasselhoff ist im Sommer 75 Jahre alt geworden,

seine Baywatch-Babes haben die Gays nie wirklich interessiert, die männlichen

Rettungsschwimmer aber schon...

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017

Von Johannes Schmitt-Tegge

Ob als Michael Knight im Auto K.I.T.T.

oder als Rettungsschwimmer Mitch

Buchannon: In den 80er- und 90er-

Jahren war David Hasselhoff ein Weltstar.

Inzwischen ist es um ihn ruhiger geworden.

Im Rückblick würde der Schauspieler trotzdem

kein bisschen anders machen. Am 17.

Juli feierte er seinen 65. Geburtstag, kommendes

Jahr geht er auf grosse Tour in Europa.

Grund genug «The Hoff» nach dem Stand

der Dinge zu fragen.

Cruiser: Man kennt Sie vor allem als Rettungsschwimmer

aus «Baywatch». Wie finden Sie

den Film mit Dwayne Johnson und Zac Efron,

der jetzt aus der einst so erfolgreichen TV-

Serie geworden ist? Sie haben darin eine

Gastrolle.

Hasselhoff: Das «Baywatch», das wir gemacht

haben, war nicht das «Baywatch»,

das ich wollte. Als es mir angeboten, wurde

mir klar, dass es ein Witz werden und sie

sich darüber lustig machen würden. Aber

Dwayne Johnson ist ein Freund von mir und

ich kenne Zac Efron, der so ein netter Kerl

ist. Deshalb habe ich mich entschieden

mitzumachen. Ich wusste, wenn ich «Nein»

sagen würde, wären alle damit überfordert.

Hätten Sie gern eine grössere, ernsthaftere

Rolle gehabt?

In Hollywood machst du, was dir angeboten

wird, und du versuchst, das Beste daraus zu

machen.


Serie

Was macht eigentlich …

23

Wie war es, Pamela Anderson, die auch einen

Cameo-Auftritt hat, nach all den Jahren in

dem Zusammenhang wiederzusehen?

Mein Leben dreht sich nicht um Pamela und

das hat es auch nie. Ich habe nichts als Anerkennung

für sie. Ich finde, sie ist eine unglaublich

nette, coole Person. Sie ist sehr

witzig und sehr gut in dem, was sie macht.

Hängen wir zusammen ab? Nein.

Ihre andere sehr erfolgreiche Serie war «Knight

Rider». Was können wir vom dazugehörigen

Film erwarten, der 2018 erscheinen soll?

Das weiss ich nicht. Harvey Weinstein (der

Produzent, Anm. d. Red.) hat gesagt, ich soll

mitspielen und es soll eine Komödie sein.

Die Gespräche liefen nicht so positiv, wie

ich sie gerne gehabt hätte.

Und die neue Serie, die «Knight Rider» wiederbeleben

soll?

Ich weiss nicht, aber ich hoffe, dass es keine

Parodie wird. Ich hoffe, sie wird dem Original

gerecht. Keiner, der die Serie gesehen

hat, will, dass sich darüber lustig gemacht

wird. Es war wie die Ritter der Tafelrunde.

Er (Hauptfigur Michael Knight) ist ein

Ritter in strahlender Rüstung – nur, dass er

schwarzes Leder trägt.

«Mein Ruf ist immer noch

halbwegs cool»

Identifizieren sich die Menschen heute noch

mit Ihnen?

Ich denke immer, das wird verschwinden,

aber dann gehe ich in einen Friseursalon

und werde belagert. Alle Leute wollen Fotos

mit mir machen. Woher kennt Justin Bieber

mich? Es hat offensichtlich nichts mit

«Knight Rider» zu tun, er ist 23 Jahre alt. Die

Serie lief acht Jahre, bevor er geboren wurde.

Irgendwie ist mein Ruf bei diesen Kids

immer noch halbwegs cool. Ich habe keine

Ahnung, warum. ➔

Seine Abstürze scheinen vergessen zu sein, David

Hasselhoff hat sich einigermassen gut gehalten.

Dennoch steckt seine Karriere in einer Sackgasse.

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Celebration! 50

Tip Top

Years of Petra

A P É R O A M D I E N S T A G , 5 . S E P T E M B E R 2 0 1 7 V O N 1 8 . 3 0 – 2 1 . 3 0

D I E N S TA G S B I S S A M S TA G S A B 1 8 . 3 0 U H R

S E I L E R G R A B E N 1 3 8 0 0 1 Z Ü R I C H W W W . T I P - T O P - B A R . C H

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


24

Serie

Was macht eigentlich …

reporTage

gAY nurSing

13

hiV im Alter

Doch wie sieht es mit der Situation HIVpositiver

Menschen aus? «Vor zehn Jahren

betreuten wir einige sterbende Aids-Patienten.

Die waren aber nicht alle schwul. Viele

waren auch Drogenabhängige, die sich in

diesem Kontext mit HIV angesteckt hatten.»

Heute sehe es allerdings anders aus:

«HIV-positive Menschen sterben nicht mehr

oder nur noch ganz selten an Aids, weil die

neuen Medikamente gut wirken und die

Krankheit unter Kontrolle gehalten wird»,

erklärt Fauchs. Dafür kommen andere

Herausforderungen auf die beiden zu. Ein

unterschätztes Problem sei zum Beispiel der

Alkoholkonsum, erzählen sie. Viele ältere

Schwule hätten die meiste Zeit ihres Lebens

rauchend in einer Szenebar verbracht. Dass

das nicht spurlos an einem vorbeigeht, merke

man Hasselhoff dann spätestens als Mitch Buchannon im Alter. in Allerdings der Serie

David

«Baywatch», sei Altersalkoholismus ca. 1990. ein Problem, das

durchaus auch Heterosexuelle betreffe.

«Manchmal werden die HIV-positiven

Schwulen im Alter auch ausgenützt», sagt

Fauchs. So erzählen sie vom Patienten Rolf

Wie (alle erklären Name Sie von sich der Ihre Cruiserredaktion Fanbasis in Europa, geändert),

allem der in von Deutschland, Zeit zu Zeit Österreich Stricher aus und Osteuro-

der

vor

Schweiz? pa zu sich einlädt, die er im Internet kennengelernt

hat. dass Diese ich nutzen 1989 am ihn Neujahrsabend dann aus, indem in sie

Damit,

Deutschland vor einer Mil lion Menschen gesungen

habe und der erste Amerikaner war,

der dort seit 1945 gesungen hatte. Und weil

mein «mancHmal Song «Looking Werden for Freedom» die das Wort

Freiheit

HiV-posiTiVen

enthielt. Für die

scHWulen

Menschen in

im

Ostdeutschland

und Ostberlin war das ein sehr

wichtiges

alTer

Wort,

aucH

weil

ausgenüTzT.»

sie nicht frei waren.

Hätten Sie im Rückblick in Ihrem Leben etwas

anders gemacht?

Wahrscheinlich extra Geld verlangen, nicht. weil Ich er habe HIV-positiv Herz, Humor

«Ohne und zusätzlich Action in jedes zu zahlen, Drehbuch würden gesteckt. die Stri-

ist.

Ich cher suche ihn niemals immer anfassen noch nach – auch Freedom, weil sie nicht

suche wissen, immer wie sich noch HIV nach überträgt. gutem Rolf Entertainmentwegen

Ich auch hatte massive eine Geldprobleme.» grossartige, beschei­

Es gebe

hat desdene,

halt viele glückliche, Brandherde erfolgreiche bei den Karriere. Patienten Ich und

würde Patientinnen, höchstens sind mehr sich die darauf beiden achten, einig. die Das

sei typisch für ihre Arbeit. «Trotzdem bin ich

heute noch begeistert von meiner Arbeit. Sie

bietet einen breiten Einblick in das Leben unserer

Patienten», betont Bucher.

Wahrheit hoi, du Zwätschge!»

zu akzeptieren. Aber ich würde

nichts Bucher ändern. und Fauchs Ich bin pflegen gesegnet. sowohl Ich schwule will

einfach Patienten noch als 20 auch Jahre heterosexuelle am Leben bleiben. Patienten

und Patientinnen. Es fragt sich, was nun das

«Gay Nursing» von normaler Spitex-Pflege

ZUR unterscheidet. PERSON «Das ‹Gay Nursing› hat mit

einer gewissen schwulen Kultur zu tun», erklärt

in Baltimore Fauchs. (Maryland) Als Beispiel geborene erwähnt David er den

Der

Hasselhoff über achtzigjährigen wurde mit den Peter. TV-Serien Er liess «Knight sich zunächst

und von «Baywatch» einer normalen weltberühmt. Spitex-Pflegerin Als Pop-

Rider»

sänger pflegen war und er unter fühlte anderem sich unwohl. mit den «Weil Titeln er sich

«Looking verstecken for Freedom», musste.» «Crazy So bemühte for You» und er sich,

«Everybody mit der Pflegerin Sunshine» erfolgreich. über betont An männliche seinen

Höhenflug Themen und – über das Fussball Millionenpublikum und Ähnliches der 80er- – zu

und reden. 90er-Jahre Nun, konnte wo er er Fauchs trotz verschiedener

als Pfleger hat,

Filmprojekte, kann Peter Serien seine und schwule Musikalben Identität, sowie die als ihn

Schauspieler durch das am Leben Theater begleitete, aber nicht wieder mehr anknüpfen.

Zur Begrüssung Er hat zwei steht Töchter jeweils und ist schon fünffach an der

zeigen.

geschieden. Tür und Seit empfängt sechs Jahren François ist er mit einer einem

walisischen neckischen Verkäuferin «Hoi, du liiert Zwätschge!». und inzwischen Sowieso

verlobt. seien sie (DPA) mit allen schwulen Patienten gleich

per Du. Es gibt so etwas wie eine automatische

Verbundenheit.

Ein anderer Patient habe einen Partner

mit einem Latexfetisch. Da sei eine junge ➔

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kultur

buchtipp

25

HADERN MIT

DER KIRCHE

Schon als Junge entschloss sich Krzysztof Charamsa, Priester zu werden.

Später entdeckte er, dass er schwul ist. Kann das gehen?

Von Birgit Kawohl

D

as Buch ist schon äusserlich ein raffiniert

gemachter Hingucker, bildet es

doch den – zum Glück ziemlich gutaussehenden

– Charamsa auf dem Hintergrund

eines minimal geöffneten Kragens

einer Soutane ab. Krzysztof Charamsa also,

1972 in Polen geboren, lange Zeit im Dienste

der Kirche stehend, veröffentlicht hier seine

Autobiografie, die zugleich eine Anklageschrift

gegen die katholische Kirche, ihr

System und ihr Denken darstellt. Denn, und

das macht das Buch auch inhaltlich zu

einem Hingucker, Charamsa ist schwul,

also um es nochmals ganz deutlich zu sagen:

Er war ein Priester, der hiermit öffentlich

kundtut, ein Mann zu sein, der mit

Männern schläft. Dass das natürlich in der

katholischen Kirche Wellen schlagen muss,

ist klar. Wie sieht es aber bei Lesern aus, die

nicht im System Kirche gefangen sind?

Kann er mit seiner Schrift auch Laien oder

gar Atheisten überzeugen?

Wir lernen einen Mann kennen, der

sich schon als kleiner Junge – nicht zu vergessen,

er wurde im erzkonservativen und

vom katholischen Glauben bestimmten

Polen geboren – davon träumt, Priester zu

werden und später alles daransetzt, diesen

Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Hierfür

nimmt er auch die kasernenartigen Unterkünfte

im Priesterseminar – Bettzeit für

alle Männer ist um zehn Uhr – in Kauf und

passt sich den zum Teil abstrusen Anforderungen

an. Er durchläuft schliesslich die

notwendigen Etappen des Aufstiegs und erreicht

sein Ziel, die Aufnahme in die Glaubenskongregation,

dessen 2. Sekretär er im

Jahr 2011 wird. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm

schon lange klar, dass er schwul ist. Dies ist

besonders pikant, da die Glaubenskongregation,

das Sant' Uffizio, quasi der Geheimdienst

oder die Inquisitionsbehörde des

Vatikans ist. Dort wird spioniert, geurteilt

und gnadenlos verurteilt oder auch geschwiegen,

wenn es zum Beispiel um Missbrauchsfälle

innerhalb der Kirche geht.

Hier fragt sich der Leser dann schon, musste

das sein? Verständlich ist sicherlich, dass

ein im katholischen Glauben erzogener,

polnischer Junge den Berufswunsch Priester

hegt. Verständlich ist auch noch, dass

sich aus diesem Beruf eine Erklärung da ­

für ergibt, dass man als junger Pole nicht

frühestmöglich den Bund der Heteroehe

schliesst. Aber ist das noch verständlich

für einen Mann, der immer wieder betont,

dass Sexualität, egal welcher Art, positive

Energie sei? Der die Forderung nach

Akzeptanz der Andersartigkeit von Schwulen

und Lesben stellt?

Hierfür muss man sicherlich nochmals

seine Herkunft berücksichtigen. So

erklärt Charamsa, dass die Polen immer zu

Duckmäusern gegenüber Staat und Kirche

erzogen worden seien, bei denen der Glaube

über allem stehe. Sich aus dieser Sozialisation

aus eigener Kraft zu befreien, ist sicherlich

nicht einfach. Daher ist es nachvollziehbar,

dass sich sein Befreiungskampf

über Jahre erstreckte. Ob die Angst um die

Sicherung seines Lebensunterhaltes als

Grund für einen solch intelligenten Kopf

genügen mag, ist hingegen anzuzweifeln,

hätte er doch sicherlich auch an einer weltlichen

Universität Karriere machen können.

Dabei die eigene Sexualität zu verschweigen

und sie im Geheimen doch immer

wieder auszuleben – Charamsa geht

davon aus, dass 50 % aller katholischen

Geistlichen schwul sind – ist eine Sache,

sich aber bewusst gegen das Aufdecken

eines Missbrauchs innerhalb der eigenen

Familie zu stellen, weil man damit den eigenen

beruflichen Aufstieg gefährdet, ist nicht

akzeptabel. Nicht nur, aber auch deswegen

wirken weite Teile dieses Textes wie eine

einzige Rechtfertigung, um vielleicht

schluss endlich doch noch ins Himmelreich

zu gelangen. Das ist sicherlich der Punkt, an

dem zumindest die Atheisten ihr Verständnis

verlieren und das Ganze als ein letztendlich

verlogenes Pamphlet empfinden.

Dass andererseits endlich einmal aus dem

Inneren des Systems Kritik an der katholischen

Kirche geübt wird, lässt die Hoffnung

erwachsen, dass sich unter Papst

Franziskus vielleicht auch hier in nächster

Zeit einmal etwas bewegen wird.

Buchtipp

Krzysztof Charamsa: Der erste Stein. Als

homosexueller Priester gegen die Heuchelei der

katholischen Kirche

Preis CHF 29.90

ISBN 9783570103272

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


26

NEws

NATIONAL & INTERNATIONAL

NEWS

WHO: Staaten wollen Hepatitis bis 2030 beseitigen

Gemäss WHO weiss nur jeder zehnte Betroffene, dass er mit Hepatitis infiziert ist.

Mehrere Staaten verfolgen nationale Strategien,

Hepatitis bis 2030 zu beseitigen. Für

den Kampf gegen die Krankheit müssten

vor allem Behandlungskosten sinken und

die Prävention verbessert werden, fordert

die WHO. «Wir haben Grund zu Optimismus,

angesichts einer Krankheit, die oft

nicht erkannt wird und der oft nichts entgegengesetzt

wird», sagte der Direktor des globalen

WHO-Hepatitis-Programms (GHP),

Gottfried Hirnschall, unlängst an einer Medienkonferenz

in Genf. Die Länder bemüh­

ten sich vermehrt, ihren Beitrag zu dem Ziel

zu leisten, bis 2030 die Neuinfektionen im

Vergleich zu 2016 um 90 Prozent zu senken

und die Zahl der Todesfälle um zwei Drittel

zu reduzieren. «Zahlreiche Länder haben

es geschafft, den Impfschutz gegen Hepatitis

B auszuweiten», so WHO-Generaldirektor

Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die

Zahl der Neuinfektionen sei zurückgegangen.

«Wir müssen diesen Fortschritt durch

besseren Zugang zu Diagnostik und Therapie

weiter vorantreiben.»

Weiter haben 87 Prozent der untersuchten

Länder Ziele festgelegt, um Hepatitis

zu beseitigen, und mehr als 70 Prozent

haben mit der Umsetzung nationaler Strategien

begonnen. Fast die Hälfte der Staaten

will die Krankheit beseitigen, indem sie

allen Betroffenen Zugang zu einer Behandlung

ermöglicht.

Das Problem sei, dass «bestenfalls nur

jeder zehnte Betroffene weiss, dass er oder

sie mit Hepatitis infiziert ist», sagte GHP-

Direktor Hirnschall. Er bezeichnete diese

Situation als «inakzeptabel» und rief die

Staaten dazu auf, ihre Anstrengungen und

ihr Engagement fortzusetzen. Insgesamt litten

2015 325 Millionen Menschen an einer

der beiden schwersten Formen von Hepatitis,

den Typen B und C. Fast 1,35 Millionen

erlagen ihrer Erkrankung.

Gegen Hepatitis C gibt es erst seit weniger

als vier Jahren die ersten wirklich wirksamen

Medikamente, die das Virus innerhalb

von drei Monaten eliminieren können.

Aber nur sieben Prozent der Patienten haben

Zugang zu diesen Medikamenten und

die Zahl der neuen Fälle steigt. Die Entwicklung

von Generika hat unlängst dazu beigetragen,

den Preis für die horrend teuren

Medikamente zu senken. Dennoch bleiben

sie in den Industriestaaten sehr kostspielig.

Immerhin: Die WHO hat eines der

Generika nun präqualifiziert, bei dem die

dreimonatige Behandlung nur rund 280 US-

Dollar kostet. Die WHO fordert zudem, die

Prävention bei Risikogruppen zu verbessern.

Neue HIV-Therapie in Sicht: Monatsspritze statt jeden Tag Pillen

Eine Monatsspritze kann das HI-Virus im

Körper einer Studie zufolge ebenso gut kontrollieren

wie die bisher übliche tägliche

Einnahme von Tabletten. Das hat ein internationales

Forscherteam an der «Sommer-

HIV-Konferenz» in Paris berichtet.

Sollten Zulassungsstudien die im

Fachblatt «The Lancet» veröffentlichten Ergebnisse

bestätigen, könnte erstmals eine

Injektionstherapie gegen HIV auf den

Markt kommen, die nur alle vier Wochen

nötig wäre. Unabhängige Experten sprechen

in einem «Lancet»-Kommentar von

einem Meilenstein in der Geschichte der

HIV-Therapie.

Bei der HIV-Behandlung nehmen Patienten

derzeit täglich oral drei Wirkstoffe

ein, die die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze

drücken können. Seit einigen

Jahren gibt es Kombinationspräparate, so­

dass Betroffene nur noch eine Tablette pro

Tag benötigen. Die nun getestete Injektionstherapie

könnte die Behandlung weiter vereinfachen:

Patienten bräuchten – im Fall der

Zulassung – nur noch alle vier Wochen eine

Dosis, allerdings als intramuskuläre Injektion.

In der Studie, die in den DACH-Ländern

vor allem die Sicherheit der Therapie

prüfte, nahmen rund 300 Teilnehmer zunächst

20 Wochen lang wie üblich drei

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


ForscHunG NEws

NATIONAL & INTERNATIONAL

Hiv & Alter

27 29

Schwelle bei 60 gesetzt, dann hätten wir viel

weniger Patienten einschliessen können. Ein

bedeutender Vorteil dieser Studie ist die

grosse Zahl an Teilnehmern sowie deren Zusammensetzung,

die repräsentativ ist für die

HIV-positiven Personen in der Schweiz. Das

wird sich in den Resultaten spiegeln.

Damit festgestellt werden, ob Menschen

mit HIV schneller altern als die Allgemeinbevölkerung,

muss mit einer

negativen Kontrollgruppe verglichen

werden …

Für die Herzkranzgefässe-Untersuchung

haben wir eine HIV-negative Kontrollgruppe.

In dieser erfassen wir zusätzliche

Liegen bereits Resultate vor?

Informationen wie Risikofaktoren für

Nein. Die erste Testreihe wurde erst im Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamenteneinnahme,

Spätsommer 2016 bei allen Teilnehmern

körperliche Tätigkeit

abgeschlossen.

und weitere Informationen.

Spritze statt Tabletten: Sollte die neue Darreichungsform zugelassen Doch werden, für die würde gesamte die Zahl M+A-Studie

der HIV-

Infektionen Wie geht eine noch solche weiter Untersuchung und schneller vonstatten? zurückgehen.

Für alle Tests bei einem Studienteilnehmer

benötigen wir einen ganzen Tag. Wir nehmen

Blut- als und Tabletten Urinproben ein, (nüchtern) um die Virus­

ab,

Wirkstoffe

last messen im Körper die Knochendichte, zu senken. Danach fahren eine führten koronare

60 Computertomografie Patienten diese Behandlung und erfassen fort,

knapp

während mittels neuropsychologischer jeweils 115 Teilnehmer Testung zwei Wirkstoffe

geistige im Fitness. Abstand Bei von vier der und Verlaufsuntersu-

acht Wochen

die

intramuskulär chung nach zwei injiziert Jahren bekamen. führen wir zusätzlich

ein Nach Interview knapp zwei zu Jahren den Ernährungsgewohnheiten

die Viruskontrolle durch. bei der Injektionsthe­

(96 Wochen)

war

haben wir keine HIV-negative Kontrollgruppe.

Das wäre logistisch und finanziell

eine grosse Herausforderung. Zudem wäre

konventionellen es grundsätzlich Tabletten-Einnahme. schwierig, eine geeignete Bei

rund Vergleichsgruppe 90 Prozent der zu Betroffenen finden. wurde das

Virus dauerhaft unterdrückt – sowohl bei Injektionen

Werden Sie im die Abstand Frage, ob von HIV vier das Wochen Altern wie

auch beschleunigt, von acht beantworten Wochen. Häufigste können? Nebenwirkung

Ich hoffe waren es. Schmerzen Unsere Resultate an der Einstichstelle,

wichtiger die im Mittel Mosaikstein nach drei sein Tagen zur abklangen. umfassen-

werden ein

den Beantwortung Die Ergebnisse dieser zeigten, Frage. «dass eine

rapie sogar etwas ausgeprägter als bei der lang wirkende, injizierbare, antivirale Therapie

über einen langen Zeitraum sowohl

hocheffektiv sein als auch gut vertragen

werden kann», so Joseph Eton von der

University of North Carolina in Chapel Hill

in einer «Lancet»-Mitteilung. Zulassungsstudien

für die Injektionstherapie laufen

bereits – allerdings nur für den Abstand von

vier Wochen. Die achtwöchige Injektion

hatte bei vier Teilnehmern nicht angeschlagen.

Eine seltenere Anwendung könnte

dazu führen, dass Patienten sich zuverlässiger

Helen an Therapien Kovari halten. Dies würde sowohl

die ist oberärztin Kontrolle mit des erweiterter Aids-Erregers Verantwortung verbessern

als an der auch Klinik die für Entstehung Infektionskrankheiten von Resistenzen und

gegen Spitalhygiene Wirkstoffe des Universitätsspitals erschweren. Zürich.

Als HIV-Spezialistin «Diese Resultate ist sie sowohl verdienen in der grosse

Aufmerksamkeit», Betreuung von Patienten schreiben wie in der Mark Forschung Boyd

von tätig. der Im Rahmen University der Schweizerischen

of Adelaide und David

Cooper HIV-Kohortenstudie von der University leitet sie zurzeit of New zwei South

Wales Studien, in die Sydney sich mit in dem einem Alterungsprozess

«Lancet»-Kommentar.

HIV- positiver «Eine Personen antivirale sowie Injektionstherapie

dem Einfluss

ist von umso HIV auf attraktiver, die Leber beschäftigen.

je seltener sie injiziert

werden muss.» Die Studie biete einen markanten

News» des Meilenstein Bundesamts für in Gesundheit der Entwicklung (BAG) nachzulesen. von

* Das Interview ist in ausführlicher Form in den «Swiss Aids

HIV-Therapien.

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28

Interview

Regenbogenfamilien

REGENBOGENFAMILIEN UND

POSTMODERNE

ROLLENBILDER

Von Anne Andresen

Die Skypeverbindung wirft ein pixeliges

Livebild aus einem Wohnzimmer

in einer bayerischen Kleinstadt

in mein Zürcher Büro. Zwischen Livia und

Tatjana grinst fröhlich Jascha, sechs Monate,

in die Kamera. Die Grosse, Mathia, ist

schon 1 ½ und gerade in ihrer Spielgruppe.

Bis sie heimkommt, haben wir Zeit, uns auszutauschen,

danach ist bei Familie Schoeler

wieder Action angesagt.

Ihr seid zu dritt! Wie schön, euch zu sehen!

Ich schaue nicht nach Berlin?

Livia: (lacht) Wir passen sicher besser nach

Berlin als nach Oberbayern. Aber ich habe

eine Festanstellung in München bekommen,

und deshalb sind wir hierher gezogen.

«Ich habe mich schon mal

ertappt, dass ich mich

GEFRAGT habe: Kann man

jASCHA jetzt draussen mit

dem rosa Laufrad herumfahren

lassen?»

Wie würdet ihr beiden eure Familie

beschreiben?

Livia: Ich glaube, wir sind locker, lustig und

entspannt.

Tatjana: Genau. Heute Morgen war Mathia

um 4.30 Uhr wach und wir haben Milchreis

gekocht. Wir nehmen es, wie es kommt, und

legen keine Termine auf den frühen Morgen.

Wir starten erst, wenn jeder im Tag angekommen

ist.

Livia mit Baby Jascha, im Kinderwagen Mathia, daneben Tatjana. Die Frage «Wer ist denn hier die Mutter?»

bekommt die Regenbogenfamilie auf der Strasse öfter gestellt.

Livia: Andere würden es vielleicht strukturlos

nennen, wir nennen es gelassen (lacht).

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


Interview

Regenbogenfamilien

29

Tatjana: Unsere Regeln lauten «nicht hauen,

nicht beissen», aber sonst darf man alles

ausprobieren. Die Kinder bringen ihr Temperament

ja schon mit. Und wir probieren

uns natürlich auch aus als Eltern. Wir lernen

alle voneinander.

«natürlich kommen so

Fragen wie: Wer ist denn bei

euch der Papa?»

Ihr habt jetzt einen Jungen und ein Mädchen.

Macht ihr Unterschiede? Seht ihr welche?

Tatjana: Mathia ist sehr wild, Jascha eher

der ruhigere. Mathia spielt mit Autos und

Jascha schmust gerne mit Kuscheltieren.

Also eigentlich gegensätzlich, wenn man in

Rollenbildern denken will. Aber schon bevor

wir Kinder hatten, haben wir uns eigentlich

nie in Rollenbildern definiert. Auch

nicht als Frauen, die auf Frauen stehen. Wir

sind uns einfach begegnet.

Livia: Wir schauen, was die Kinder wollen.

Mathia singt zum Beispiel gerne und wir

unterstützen sie darin.

Livia: Ich habe mich schon mal ertappt, dass

ich mich gefragt habe: Kann man Jascha

jetzt draussen mit dem rosa Laufrad herumfahren

lassen? Aber wir würden eigentlich

gerne einen Schritt weiter sein.

Tatjana: Post-Rollenbilder.

Bei Heteropaaren führen Rollenvorstellungen

oft zu Diskussionen, man muss sich neu definieren,

wenn man Familie wird. Wer ist bei

euch mehr bei den Kindern?

Tatjana: Ich habe einen Monat nach der

Geburt wieder angefangen zu arbeiten,

weil ich das brauche. Ich bin sehr gerne bei

den Kindern, aber die Mischung macht

mich froh.

Livia: Ich bin jetzt eineinhalb Jahre zu

Hause und mache das sehr gerne. Wir teilen

es so, wie es für uns gut ist. Aber natürlich

kommen so Fragen wie: Wer ist denn

bei euch der Papa? Ich wurde sogar gefragt,

als ich schwanger war. Im Gespräch ging es

um den Heiratsantrag, den habe ich gemacht.

Dann hiess es: Bist du denn der

Mann bei euch?

Tatjana: Wenn man uns öfter zusammen

auf der Strasse sieht, dann kommen die Fragen.

Wer ist denn hier die Mutter? Und wenn

wir dann sagen: Beide, dann fällt den Leuten

oft alles aus dem Gesicht. Oft kommt direkt:

Wie habt ihr das gemacht?

Wie reagiert ihr auf solche Fragen? Macht

euch das wütend?

Tatjana: Nein, da haben wir noch ganz andere

Dinge erlebt. Das ist ja auch etwas, was

beantwortet sein will, nehme ich an. Man

sieht es ja eben doch noch nicht so oft auf

der Strasse.

Livia: Aber dich, Anne, würde ja eben auch

keiner fragen «Wie habt ihr euer Kind gemacht?»

und ich finde es schon unverschämt,

wenn das sofort aus reiner Neugierde

und in der Öffentlichkeit kommt.

Und vor den Kindern haben wir ja nochmal

eine andere Verantwortung, was wir vor

denen sagen.

Tatjana: Wir zeigen schon unsere Grenzen

auf.

Livia: Wobei ich glaube, dass unsere Kinder

dann schon anders aufwachsen, da wir sehr

selbstverständlich damit sind. Wir machen

kein Thema aus Rollen, daraus, dass wir

zwei Mütter sind, und wir ärgern uns auch

nicht über Unverständnis.

«Wir machen kein Thema aus

Rollen, daraus, dass wir

zwei Mütter sind, und wir

ärgern uns auch nicht über

Unverständnis.»

Das klingt ja zunächst sehr entspannt! Gab es

Zeiten, in denen das anders war? Habt ihr

euch je gefragt, ob es überhaupt möglich ist

für euch, Kinder zu bekommen?

Tatjana: Ich wusste schon immer, dass ich

mit 27 Mama werden will und habe das Vertrauen

gehabt, dass es dann schon irgendwie

gehen wird.

Livia: Bei mir war das anders. Ich habe mich

schon gefragt: «Wie soll das gehen, wie mache

ich das?»

Tatjana: Wir haben dann eine Art Plan gemacht,

in dem wir alle Etappen festgehalten

haben. Bis wann wir eine Methode finden,

wann wir mögliche Spender treffen und so

weiter. Obwohl ich ihn lieber als «Menschen,

der uns geholfen hat» bezeichne.

Also habt ihr alles lange und genau geplant?

Tatjana: Ja, ich glaube, das muss man. Wobei

man auch spielerisch damit umgehen

sollte und vertrauen haben, dass es schon

geht, wenn man will. ➔

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


30

Interview

Regenbogenfamilien

Livia: Auf jeden Fall muss man klar sein in

dem, was man möchte. Da ist ja auch noch

der Vater. Auch der hat gesagt, er tut das nur

für jemanden, der ihm sympathisch ist. Das

sind ja auch seine Kinder, das ist ja nicht

nichts. Da kann er ja auch sagen: «Mit euch

will ich das nicht.»

Inwiefern ist der Vater Teil der Familie?

Tatjana: Uns war es wichtig, dass die Kinder

ihn kennenlernen können, wenn sie möchten.

Auch für eventuelle spätere gesundheitliche

Fragen ist das wichtig.

Livia: Wir schreiben uns zu Geburtstagen,

zu Weihnachten und hören auch zwischendurch

voneinander. Wir möchten auch zeigen,

dass wir ihm dankbar sind, weil wir

wirklich sehr glücklich sind, aber erzieherischen

Einfluss hat er keinen. Nur wir beiden

sind die Eltern und er sozusagen unser

Helfer.

Denkt ihr, eure Kinder brauchen auch männliche

Bezugspersonen, trotz postmoderner

Rollenbilder?

Livia: Wir haben für beide Kinder männliche

und weibliche Paten ausgesucht. In

erster Linie geht es uns aber darum, den

Kindern tolle Leute vorzustellen, bei denen

wir das Gefühl haben, dass sie eine Bereicherung

für unsere Kinder sind. Und

na türlich auch, dass sie jemanden haben,

mit dem sie Themen besprechen können,

mit denen sie zu uns nicht kommen wollen.

«Es wäre schön, wenn man

irgendwann SAGEN kann, es

ist egal, ob es zwei Mütter

oder Väter sind, weil es

GENAUSO gute oder auch

schlechte Eltern sein können

wie ANDERE.»

Aus euren Erfahrungen im Alltag: Was muss

sich noch ändern? Was wünscht ihr euch für

die Zukunft?

Tatjana: Man müsste die Rollen mehr aufweichen,

was wir ja auch versuchen zu tun.

Es wäre schön, wenn man irgendwann

sagen kann, es ist egal, ob es zwei Mütter

oder Väter sind, weil es genauso gute oder

auch schlechte Eltern sein können wie

andere. Ich wünsche mir, dass man im

Gegenüber das Gemeinsame sieht und

nicht das Trennende. Wir sollten einfach

bei uns selbst anfangen und Wege aufzei­

gen, anstatt zu meckern, und anfangen,

neue Modelle vorzuleben.

Livia: Es wäre toll, wenn auch in den Medien

das Thema viel selbstverständlicher

aufgegriffen würde. Dass es keine Filme

mehr geben muss, die explizit zwei Mütter

zum Thema haben, sondern dass in einem

Film zu einem ganz anderen Thema einfach

eine Familie mit zwei Müttern oder Vätern

vorkommt. Dass es eine Selbstverständlichkeit

ist.

Tatjana: Man sollte generell weniger in

Rollenbildern denken. Zwischen uns vieren

gibt es in jede Richtung eine Lehr-Lern-

Beziehung. Immer im Hier und Jetzt. Wir

wollen uns begegnen, anstatt Rollen auszufüllen.

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VON VINICIO ALBANI

Mein Freund verabredet sich

hinter meinem Rücken zu Sex.

Ich habe erfahren, dass mein Partner

einen Schuh- und NS-Fetisch

hat. Wir haben darüber geredet,

aber es ist nicht mein Ding. Seither

ist das Thema tabu. Jetzt habe ich

gesehen, dass er mit Männern, die

seine Vorlieben teilen, chattet.

Muss ich mir Sorgen machen?

Wenn ich ihn darauf anspreche,

wüsste er, dass ich seine Nachrichten

gelesen habe. Was soll ich

VoN VINICIo ALBANI

tun? iST UriNTriNkEN Daniel (21) gEFäHrliCH?

Hallo ich trinke Daniel jeden Tag den Urin

meines Mannes. Wir finden das

Redet über eure Bedürfnisse und Wünsche.

Es wundert mich, dass du bereit bist, das

beide richtig geil. Dabei macht er

Thema totzuschweigen. Was erwartest du?

Etwa, mir meistens dass dein Partner direkt dir in den zuliebe Mund darauf

verzichtet? Wenn ihr nicht redet, sind die

und trinke alles. Meine Frage:

Chancen gross, dass er seinen Fetisch heimlich

kann auslebt. das für Neben mich gegenseitigem schädlich Vertrauen

karl ist Kommunikation (33)

eine der wichtigsten

sein?

Voraussetzungen für eine funktionierende

Beziehung. Klar, wenn du ihn ansprichst,

weiss Hallo er, Karl dass du seine Nachrichten gelesen

hast. Das Trinken Vielleicht von solltest Urin du ist dir bezüglich bzw. ihm HIV diesen

ungefährlich. Fauxpas eingestehen. Du solltest aber Du auf kannst den Urin aber

auch deines versuchen, Mannes verzichten, ihn ohne dieses wenn Geständnis

ist zur (z.B. Rede Harnwegsinfekt zu stellen. Denn oder eines Blasenent-

steht

er krank

fest: zündung), Solange um du eine es nicht mögliche mit ihm Infektion klärst, befindest

vermeiden. du dich Sexuell im Bereich übertragbare der Spekulatio­

Infektio-

zu

nen. (STI) Es besteht die über die Gefahr, Urin übertragen dass du dir werden über

Sachen können, den sind Kopf Hepatitis zerbrichst, B (und die unter vielleicht Umständen

nicht auch so sind, A), sowie du Tripper. denkst. Ich Also: rate Wirst dir,

gar

du dich mit gegen ihm Hepatitis reden und A die und Sachen B impfen klären zu

oder lassen. weiterhin Wende dich spekulieren, dafür am spionieren besten an und den

misstrauisch Checkpoint: mycheckpoint.ch.

sein? Die Entscheidung liegt

bei dir.

Alles Gute, Dr. Gay

Alles Gute, Dr. Gay

Anfang dieses Jahres hatte ich eine

Sexdate im Freien. Wir haben uns

gegenseitig DaS koNDoM gewichst iST aBgErUTSCHT. und er hat

WaS jETZT?

mir auf den Ärmel meiner Jacke

gespritzt. Ich habe es mit einem

ich hatte vor ein paar Tagen eine

Papiertaschentuch abgewischt und

risikosituation und bin total

dieses dann weggeworfen. Etwa

verunsichert. Beim analverkehr ist

fünf Minuten später war ich auf

das kondom abgerutscht und ich

dem Heimweg und musste die

habe es erst knapp eine Minute

Nase putzen. Dafür verwendete ich

später bemerkt. ich war dabei der

mein Stofftaschentuch. Nun frage

aktive. Mein Sexpartner sagte, er

ich mich, ob womöglich Spermareste

an meiner Hand oder am

hätte vor etwa zwei Monaten

ungeschützten Sex mit jemandem

taschentuch waren. Ich bin eigentlich

sicher, dass es nicht mit

gehabt, der Hiv-positiv ist, aber

unter der Nachweisgrenze liege.

Sperma in Kontakt kam. Aber was

Wie hoch ist das risiko, dass er

wäre wenn? Ist eine Ansteckung

sich da angesteckt hat? Und wie

mit HIV so möglich? Und noch eine

hoch ist mein risiko?

zweite Frage: Mein neuer Freund

Patrick (29)

steht darauf, seine Sneakers vollzuspritzen.

Besteht ein HIV-Risiko,

wenn Hallo ich Patrick die Sneakers später

Unfälle können passieren. In deinem Fall

lecke oder ficke? Bernhard (45)

ist das Kondom abgerutscht und du hast

weniger als eine Minute ohne Kondom gefickt.

Ungeschützter Analverkehr gilt als

Hallo Bernhard

hohes HIV-Risiko. Ein wichtiger Faktor für

«Was die Risikoeinschätzung wäre wenn»-Fragen ist aber bringen auch dich die

nicht Dauer weiter. der Exposition. Am besten Je du länger hältst dich sie dauert, an die

Tatsachen. desto höher Aber das Risiko. selbst theoretisch In deinem Fall scheint war

mir die Dauer eine Ansteckung kurz. Dennoch auf war dem es von ein dir Risiko. beschriebenen

Wenn du Klarheit Weg kaum möchtest, denkbar. empfehle Spermareste

dir einen an der HIV-Test Hand oder machen am Stofftaschentuch

zu lassen. Die-

ich

wären ser ist bereits ungefährlich, 15 Tage weil nach a) Risiko die Menge möglich. für

eine Wende Ansteckung dich für Test auf diesem und Beratung Weg zu klein am besten

an b) das den HI-Virus Checkpoint an der (mycheckpoint.ch).

Luft relativ rasch

ist

und

an Analverkehr Infektiosität ohne verliert. Gummi Dies beantwortet mit einer

auch HIV-positiven deine zweite Person, Frage. welche Das Lecken unter wirksamer

Therapie der Sneax ist ist und unter bei diesen der keine Umstän­

HI-

oder

Ficken

den Viren ungefährlich. im Blut nachweisbar Noch etwas sind, in ist eigener sicher.

Sache: Sogar sicherer Du hast als das ein fragliche Kondom, Taschentuch weil eben

weggeworfen. Kondompannen Ich ausgeschlossen rate dir, zukünftig sind. beim Der

Cruisen «Schutz im durch Freien Therapie» auf Littering gilt als zu Safer verzichten.

Mehr Das zum ist Thema kontraproduktiv #undetectable und findest führt du

Sex.

schlussendlich auf drgay.ch/undetectable.

dazu, dass Cruising-Orte

geschlossen werden. Vielen Dank.

Alles Gute, Dr. Gay

Alles Gute, Dr. Gay


KOLUMNE

THommen meint

33

«GIB MIR DEINEN SAFT –

ICH GEB’ DIR MEINEN!»

Peter Thommen über Präventionsuntiefen und warum er ein ambivalentes Verhältnis

zu dem von der Hip-Hop-Gruppe «Fantastischen Vier» besungenen «Saft» hat.

Vo n P e t e r T h o m m e n

In den 80er-Jahren, den Zeiten von HIV/

AIDS, haben wir gelernt, dass ein ‹lebensspendender›

Saft auch den Tod bringen

kann. Viele ‹todeten› dann auch bis in die

90er-Jahre dahin. In dieser Zeit gingen alle

anderen bei sexuellen Handlungen übertragbaren

Krankheiten irgendwie vergessen.

Darum müht sich die Prävention heute

so ab, uns diese wieder in Erinnerung zu

rufen. Die Nebenwirkungen der antiviralen

Medikamente sind nicht zu übersehen

– auch wenn mann sie nicht wirklich

sehen kann. Das rasche äussere Älterwerden

ei niger HIV/AIDS-Therapierten blieb

mir per sön lich nicht verborgen. Gut, dass

man heute auch mit HIV so alt werden

kann wie die anderen.

In der Folge rollte die Bareback-Welle

heran – bis heute. Eine zornige Reaktion auf

vernünftigen Safersex. Darauf reagierte die

Prävention mit ‹nicht moralisieren›. Sie

verlegte sich darauf, die Risiken zu vermindern

– wie bei der Drogenprävention. Und

trotzdem wurden die anderen sexuell übertragbaren

Infektionen wieder sichtbar,

wenn sie auch nicht gleich zum Tod führen.

Wir sehen: Neben den riskanten Sexualpraktiken

gibt es weitere gesundheitliche

Risiken, denen wir uns aussetzen. Von Alkohol

und anderen Chems ganz zu schweigen.

Verschwiegen werden auch die ganzen

tiefenpsychologischen und psychodynamischen

Abläufe in Männern. Sie weisen auf

grössere Zusammenhänge hin als nur Zorn

und sie bergen auch Risiken. Sperma hat

eine zentrale Bedeutung für Knaben und

Männer. Sei es der erste Saft, mit dem einer

glaubt, zum Mann zu werden, oder derjenige

des anderen, den mann haben möchte.

Also weit über Zeugungsvorstellungen hinaus,

was ich hier alles mal weglasse.

Saft ist die intuitive

‹Vertretung› eines Mannes,

ohne ihn als kompliziertes

Wesen aus Liebe ganz

FRESSEN zu können.

Mein Verhältnis zum Sperma hat sich

mit den Jahren verändert, in denen ich Erfahrungen

hatte und auch darüber gelesen

habe. Beim jungmännlichen Einstieg war es

dégoutant. Dann war ich süchtig danach.

Dann verlor der Saft seine immense Bedeutung

für mich, über seine Zusammensetzung

aus Wasser, Eiweiss und Salz hinaus.

Besonders im Internet sehe ich, wie viele

sich an Säfte klammern, sich an ihnen abarbeiten

und sich von ‹Sahnespendern› beeindrucken,

ja sogar dominieren lassen. Diese

Homepages stellen nur dar, sie geben aber

keine Antworten auf ungestellte Fragen.

Eltern, Schule und die Sexualanleitungen in

Büchern auch nicht. Alles erscheint wie ein

grosses und vielfältiges Paradies. Ich bezeichne

das als grosses sexuelles Elend.

Darum sind Fetische so beliebt: Weil sie

nicht erklärt werden, sich aber mit vieldeutigen

und hohen Energien aufladen und

suchtartige Identitätserlebnisse bieten. Als

rätselhafte Botschaften kultivieren sie individuelle

Glaubensvorstellungen wie in Religionen.

Und genau darin liegen die Untiefen

der Präventions- und Informations-Probleme

mit Männern und ihrem Saft.

Der äusserliche Umgang mit diesem

Produkt weist auf die innere Persönlichkeitsentwicklung

vom Knaben zum Mann.

Saft ist die intuitive ‹Vertretung› eines

Mannes, ohne ihn als kompliziertes Wesen

aus Liebe ganz fressen zu können. Seiner

damit habhaft zu sein, auch wenn der

Mann weg ist, oder einen anderen damit

trösten zu können, bei zeitweiliger Abwesenheit.

Mir ist bald klargeworden, dass

die Menge und deren Verteilungsort symbolische

Bedeutung erhält.

Dass Glaubensvorstellungen die

gröss ten Hindernisse für Veränderung und

Erkenntnis sind, wissen die meisten Menschen.

Ich verstehe, warum Safersex als

moralisierend empfunden werden kann

und warum so viele an ihrem Saft und dessen

Weitergabe oder Eroberung intensiv

hängen. Beinahe unmöglich ein Tabu zu

setzen und unbedingt wichtig, dieses Tabu

endlich zu brechen.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


34

blick zurück

cruiser vor 30 jahren

FLASH-

BACK

Cruiser feiert sein 30-jähriges Bestehen. Daher blicken wir während des ganzen

Jahres an dieser Stelle auf die alten Ausgaben zurück.

Und was war sonst noch so los im September

1987? Die damalige «Agenda» verrät es.

Cruiser «5 1987» ist am

1. September erschienen.

Im damaligen «Editorial»

von Thomy Schallenberger

ist zu lesen:

Nicht nur der «Cruiser» näherte sich dem

ersten Jubiläum, auch der «Macho» feierte.

Schaut man die Inserate der damaligen

Ausgabe an, ist der Laden der einzige, den

es heute noch gibt.

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


SLIPPERY

SUBJECTS

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gaycity.ch

Where to go in the little big city

2

1

4

3

MOUSTACHE

Die Sauna für Männer

Engelstrasse 4

www.moustache.ch

(Nachtsauna jeden Fr / Sa)

HUUSMAA

Kafi – Reschti – Bar

Badenerstrasse 138

044 241 11 18

www.huusmaa.ch

Sa & So Brunch 10:00 – 15:00

LES GARÇONS

Bar/Tanzbar

Kernstrasse 60

www.garcons.ch

Täglich geöffnet ab 18.30 Uhr

MÄNNERZONE

Shop & Bar

Kernstrasse 57

www.maennerzone.ch

MAENNERZONE.CH

6

7

8

9

BEAUTY LOUNGE

FOR MEN

Haarentfernung, Kosmetik,

Anti-Aging und Bodyforming

Kalkbreitestrasse 42

www.marciomf.ch

079 533 41 01

CHECKPOINT

Gesundheitszentrum

Konradstrasse 1

www.checkpoint-zh.ch

044 455 59 10

DANIEL H.

Bar-Restaurant

Müllerstrasse 51

8004 Zürich

044 241 41 78

www.danielh.ch

PARACELSUS

Apotheke & Drogerie

Langstrasse 122

paracelsus@bluewin.ch

044 240 24 05

10

11

12

13

LEONHARDS-

APOTHEKE

Stampfenbachstr. 7

www.leonhards.apotheke.ch

044 252 44 20

MACHO

City Shop

Häringstrasse 16

www.macho.ch

PARAGONYA

Wellness Club

Mühlegasse 11

www.paragonya.ch

PREDIGERHOF

bistro – bar

Mühlegasse 15

www.predigerhof.ch

15

16

17

CRANBERRY

Bar

Metzgergasse 3

www.cranberry.ch

INFINITY

Bar + Lounge auf zwei Etagen

Zähringerstrasse 11

8001 Zürich

www.infinity-bar.ch

Täglich geöffnet ab 17 Uhr

ANORY

Massagen, Haarentfernung,

Skincare und Beratungen.

Winterthurerstrasse 70

8006 Zürich

www.anory.ch 043 810 09 22

5

MED. DENT.

KLAAS FRIEDEL

Heinrichstrasse 239

Mit Tram ab 4/13/17 bis Escher-Wyss-Platz

www.swissdentalcenter.ch

043 444 74 00

Interesse in diesem

Inserat aufgeführt zu sein?

Anfragen an:

info@zbiro.ch

14

TIP TOP BAR

Die Schlager Bar

Seilergraben 13

www.tip-top-bar.ch

Dienstag – Samstag ab

18.30 Uhr

C R U I S E R S E P T E M B E R 2017


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SLIPPERY

SUBJECTS

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C R U I S E R S E P T E M B E R 2017

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