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E_1934_Zeitung_Nr.068

E_1934_Zeitung_Nr.068

kehrs keineswegs

kehrs keineswegs abgeschlossen, und wenn es der Technik gelingt, wirtschaftlich bedeutend leistungsfähigere Verkehrsformen zu schaffen, so würde die Addition der Fehlinvestitionen im Automobil-Fernstrassenbau zu den festgefroreneti Eisenbahnkapitalien zu untragbaren Lasten anwachsen. Bei der immerhin noch bescheidenen Dichte unseres Automobilverkehrs reichen die allgemeinen Strassen bei sachgemässem Ausbau, eventuell mit Parallelbauten, wie wir sie auf der Strecke Zürich-Lenzburg haben, noch lange Zeit aus. Nur-Autostrassen oder Autobahnen sind für uns vorerst noch ein Luxus, der bei der Passivität unserer Zahlungsbilanz während den nächsten Jahren kaum zu verantworten wäre. Was nützen uns die besten Autofernstrassen, wenn nachher bei fortschreitender Belastung des Motorfahrzeugverkehrs keine Wagen vorhanden sind, die sie befahren? Strassenbau erfordert in erster Linie Förderung des Automobilverkehrs, dessen Leistungen erst das hineingesteckte Kapital rentabel machen. Auch hier wird es heissen «Schuster bleib bei deinen Leisten» erst Ausbau des vorhandenen Strassennetzes und Erstellung der noch fehlenden Verbindungsstücke und dann vielleicht darf man von solchen Riesenprojekten träumen! Wy. Schweizerisdie Rundschau Autotourismus in der Schweiz. Die Entwicklung des Automobilfremdenverkehrs hat im Verlaufe des Monats Juli 1934 eine erfreuliche Zunahme zu verzeichnen. Während der Vormonat erstmals in diesem Jahr gegenüber den Vergleichsziffern des Vorjahres eine um 1843 Einheiten kleinere Zahl von Grenzübertritten zu registrieren hatte, ist im Verlaufe des Monats Juli dieser Rückschlag vollkommen aufgewogen worden. Im Berichtsabschnitte haben im gesamten 40,794 Automobile unsere verschiedenen Landesgrenzen passiert. Gegenüber dem Vormonat bedeutet diese Ziffer eine Zunahme um nicht weniger als 18,784 Einheiten. Im Vergleich zum Monat Juli des Vorjahres schliesst der nämliche Monat im laufenden Jahre mit einem Plus von 7336 Wagen ab. Vergleichen wir das Total der in unser Land eingefahrenen ausländischen Automobile im Verlaufe der ersten sieben Monate des Jahres 1934 mit der entsprechenden Parallelperiode des Vorjahres, so ergibt sich eine Zunahme um 23,659 Einheiten und gegenüber den ersten sieben Monaten des Jahres 1932 eine solche um 45,728 Wagen. Um die Bedeutung dieses Resultates im Entwicklungsprozess des internationalen Automobil-Reiseverkehrs zu verstehen, dürfte am besten ein Vergleich mit dem Jahre 1926 gewagt werden, wo während des gesamten Jahres nur rund 50,000 Wagen unsere vier Landesgrenzen traversierten. An der Frequenzvermehrung des Juli-Ergebnisses 1934 waren alle Kategorien beteiligt, und zwar die mit provisorischen Karten die Grenze überschreitenden Automobile mit 12,172 mehr als im Vormonat, diejenigen mit Freipass mit + 363 und die mit Triptyks versehenen Wagen mit + 6249 oder mit total 18,784. Wenn wir das Gesamtergebnis der 126,373 Einheiten während den ersten 7 Monaten des laufenden Jahres zusammenfassen, die in dieser Periode über unsere Grenzen gekommen sind, und vergleichen damit die Gesamteintritte von rund 131,000 Wagen während der ganzen 1929er Jahresperiode, d. h. mit einem wirtschaftlich ausgezeichneten Geschäftsgang, so lässt sich daraus deutlich die ununterbrochene Entwicklung des internationalen Automobilismus verfolgen. Weiterhin kann man aus der Gegenüberstellung des Jahres 1929 mit den während den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres erreichten Ergebnissen die Tatsache ableiten, dass der Automobilismus unter den verschiedensten Verkehrsarten, neben dem sich Pferde sogar schon einen sauberen «Schweifaraber» ausführen. Aber die Uebungen allein befriedigen ihren Ehrgeiz nicht. Sie will nun auch «arbeiten», das heisst auftreten — bei irgend einer der Nummern mitwirken. Aber Bux hat diese Frage noch nicht mit dem Oberregisseur besprochen. Er weiss, dass Cilly, wenn sie erst abends die Manege geschmeckt hat, für das Privatleben sicher verloren ist. Vorläufig darf sie nur beim Umzug mitmachen. Jäh wird Bux aus seinen Gedanken gerissen: Die Tür des Schlafkabinetts fliegt auf und im nächsten Augenblick sitzt Cilly im Nachthemdchen auf seinen Knien. Sie schlingt die Arme um seinen Hals und ruft vorwurfsvoll: «Onkel Bux, warum hast du mich verschlafen lassen! Wie spät ist es denn schon?» «Dreiviertel auf neun.» «Oooch! — Bist du bös?» «Keine Spur, Cilly; ich hab' dich doch absichtlich ausschlafen lassen. — Sieh mal, was wir für herrliches Wetter für den Umzug haben! Hoffentlich hält sieh's bis Mittag.» «Denk, ich hab' so viel geträumt — von Auto Elektrisch betriebener Benzinhahn. Eine neue Erfindung, die demnächst praktisch ausgenutzt werden soll, ist der elektrisch betriebene Benzinhahn. Eine besondere technische Einrichtung ermöglicht es, durch Abziehen des Anlasser-Schlüssels automatisch auch den Benzinhahn zu schliessen, so dass damit die Benzinzufuhr zum Vergaser gesperrt wird, ohne dass hierzu besonders die Motorhaube geöffnet werden muss. Die neue Erfindung soll gleichzeitig einen wirksamen Schutz gegen Diebstahl bilden. Die Airflows bleiben. Gelegentlich konnte man bisher hören, die Airflow-Typen der Marken Chrysler und De Soto seien nur Versuchskonstruktionen und würden wahrscheinlich schon im nächsten Jahr wieder durch andere Typen ersetzt. Dem gegenüber gibt Chrysler bekannt, dass die Airflow-Typen auch auf dem Produktionsprogramm des nächsten Jahres stehen und sich ständig zunehmender Wertschätzung erfreuen. Ehrliche Leute am Klausen. Ein bekannter Zürcher Sportsmann verlor anlässlich des Klausenrennens auf der Passhöhe beim Ziel seine Brieftasche, die neben zahlreichen Papieren auch einen Betrag von Fr. 250 in Banknoten enthielt. Trotz eifrigen Suchens wurde sie aber nicht gefunden. Als sich der Verlierer bereits mit dem Verluste abgefunden hatte, erhielt er von der Ur- ner Polizei die Mitteilung, dass eine Dame die Brieftasche bei ihr deponiert habe. Der Jubiläums-Klausen hat also auch für diesen Besucher einen recht zufriedenstellenden Ab- ebenfalls immer ständig aufwärts entwickelnden Flugverkehr, diejenige Form der nationalen und internationalen Verkehrsbelebung darstellt, welche einzig und allein freundlichere Aspekte für die Zukunft Öffnet. Um so tiefschneidender und auffallender ist diese Tatsache, als damit sogar eine rückläufige Entwicklung auf beinahe allen übrigen Wirtschaftszweigen einhergeht. Wenn wir weiterhin die grosse Bedeutung des Reiseverkehrs für unser Land in Rechnung stellen, so muss auch der dümmste Kopf einsehen, dass vorläufig der internationale Automobilismus einzig und allein in der Lage ist, unsere schwer leidende Fremdenindustrie zu unterstützen. In Verbindung damit ergeben sich gleichzeitig neue Einnahmequellen auf vielen andern wirtschaftlichen Tätigkeitsgebieten, worunter nicht zuletzt auch der Staat über die hohen Benzinzölle einen schönen Anteil für sich beansprucht. Wir können somit auf autotouristischem Gebiet wirklich einen der wenigen Lichtblicke im Dunkel unserer Wirtschaftslage registrieren, und zudem noch bei einem Verkehrszweig, der durch allerhand Lohengrin und Elsa. Aber es war so komisch. Plötzlich, als er mit dem Nachen ankam, war es gar nicht mehr Lohengrin, sondern Herr Friedenthal. Weisst du, wie das kommt? Ich glaube: weil Herr Friedenthal mir neulich mal ein Bild von sich gezeigt hat, wie er noch Löwendompteur war. Da hatte er auch so einen glänzenden Helm auf und eine Rüstung an wie Lohengrin, und da hab' ich das im Traum durcheinandergewurstelt.» Cilly lachte hell auf in der Erinnerung. — «Aber ich hab' noch mehr durcheinandergewurstelt: Der Kahn wurde nicht von einem Schwan gezogen, sondern von Anton. Und gleich wie ich das geträumt habe, bin ich aufgewacht und habe gedacht, dass es doch viel richtiger war', wenn der Kahn von einem Nilpferd gezogen würde, das doch viel stärker ist. Ein Schwan wird diese Nummer sicher nicht lange durchhalten können, weil er zu schwach ist — nicht wahr?» «Aber schön war's doch, Cilly, — wie? — auch ohne Nilpferd?» fragte Bux lächelnd. «Oh, wunderschön! Ich weiss gar nicht, AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 68 schlass gefunden. Ja, ja der Klausen hat es entschieden an sich! Autobahn-Teilstrecke Frankfurt/Main-Darmstadt vor der Fertigstellung. Die Bauarbeiten an der Autobahn Frank- Autotourismus von Jahr zu Jahr 1933 eher furt\Main - Darmstadt sind soweit fortgeschritten, dass die linke Fahrbahn dieser Teilstrecke bereits am 1. Oktober eröffnet werden kann. Die lieber- und Unterführungen für den Strassen- und Eisenbahnverkehr — insgesamt müssten sechs Ueberbrückungen vorgenommen werden — sind sämtlich vollendet. Der « Blendstreifen» zwischen den beiden Fahrbahnen, der auf dieser Strecke eine Breite von 3,50 m erhält, zeigt versuchsweise bereits an verschiedenen Stellen Grün' anlagen. • Regelung des Altwagenmarktes in England. Die Society of Motor Manufacturers and Traders, in der alle massgebenden englischen Automobilfabriken- und Händler vereinigt sind, hat Massnahmen zur strengeren Ueberwachung des Handels in neuen und gebrauchten Wagen getroffen. Danach müssen sich die Automobilhändler verpflichten, den ihnen von den Automobilfabriken gewährten Rabatt für neue Wagen unter keinen Umständen teilweise an die Automobilkäufer weiterzugeben. Ausserdem soll der Handel mit gebrauchten Wagen einer grundsätzlichen Neuregelung unterworfen werden. Es soll versucht werden, die Preise für Altwagen nach Marken zu normen, um zu verhindern, dass Altwagen zu überhöhten Bewertungen im Umtausch gegen neue Automobile von den Händlern hereingenommen werden. Auflagen, Steuern und Zölle bis an die Grenze des Tragbaren belastet ist. Als trauriges und engstirniges Kapitel steht dem hingegen die Passivität unserer Behörden auf dem Gebiete des Alpenstrassenausbaues gegenüber. Hunderte von Millionen werden Monat ^** ~ ° Da PTOV. Karte |Freipa»»| Trlplyfc Totti { E^dV"Monat *"»• K ' rt « l F f "H *""*» | J ** [ tnffi»ff,tl Januar . 3094 451 1389 4934 4934 3686 483 1382 5551 5551 Februar. 3023 421 1374 4818 9752 4560 514 1532 6606 12157 März ... 4577 735 2155 7467 17219 6092 874 2907 9873 22030 April... 9948 892 4387 15227 32446 11881 982 4823 17686 39716 Mai .... 7155 1133 4586 12874 45320 16081 1288 6484 23858 63569 Juni 14341 1145 7584 23070 68390 13251 1546 7213 22010 85579 Juli.... 21301 1377 11740 34418 102808 25423 1909 13462 40794 126373 August . 38749 1499 18113 58361 161169 Sept 22963 1077 12312 36352 197521 Oktober 9628 866 5200 15694 213215 Nov. ... 6579 653 2062 8294 221609 Dez 3919 452 1585 5956 227465 Total 144277 10701 72487~ T27465 — ' ' TfllaJudeJuli 63439 6154 33215 102808 — 80794 7596 37803 126373 _ jährlich verlocht, ohne dass daraus der Gesamtwirtschaft unseres Landes ein Nutzen erwächst, sondern es vermögen höchstens die lautesten Schreier am meisten zu profitieren. Dort aber, wo eine dringende Unterstützung für die Erhaltung des Lebensnerves unserer Volkswirtschaft von Interesse wäre, und das ist vor allem auf dem Gebiete des Strassenbaues, schiebt man die Projekte von der einen in die andere Schublade und lässt dabei den bereits heute für uns nur unter grössten Opfern zu bewerkstelligenden Anschluss an das initiative Vorgehen des Auslandes auf dem Gebiete des Alpenstrassenausbaues um noch weitere Jahre vertrödeln. Während in den Gebirgsgegenden der benachbarten Länder ununterbrochen am Ausbau der verschiedenenAlpenstrassennetze gearbeitet wird, womit der Vorsprung sich immer grösser gestaltet, verschleppt man in" der Schweiz eine Angelegenheit, die unsere Wirtschaft noch sehr teuer zu stehen kommen wird. Den verantwortlichen Stellen (und da wir in unserem Staatswesen sehr viele haben, wird keine als verantwortlich herangezogen werden können), sei dessen ungeachtet dennoch der Rat erteilt, sich einmal an einem schönen Sonntag per Auto über eine schweizerische Passstrasse zu begeben, vielleicht über Furka, Gotthard oder Grimsel, und sich einmal mit ausländischen Fahrern über die Zustände auf unsern einst so berühmten Hochstrassen der Alpen zu unterhalten. Sie werden erstaunt sein, wie abschätzig die Verhältnisse auf den Alpenstrassen in einem «^Reiseland par excellence» beurteilt werden, m Ausland wird wirklich für unser Land keine Reklame gemacht, wenn z. B., wie unängst vorgekommen, Engländerinnen aus Angst den Zug von Gletsch nach Realp benutzten, um die nach ihrer Ansicht gefährliche Furkastrasse nicht befahren zu müssen. Immer und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass es bei weitem über die Finanzkraft der Kantone geht, mit eigenen Kräften noch mehr für den Strassenausbau, geschweige denn für Neubauten leisten zu können. Inzwischen entwickelt sich aber unentwegt der Autotourismus und fühlt sich zusehends in unseren Konkurrenzgebieten heimisch. Wenn man sich endlich einmal soweit durchgerungen hat, dass nur mit Bundeshilfe die alten Poststrassen über die Alpen dem neuzeitlichen Motorfahrzeugverkehr zu entsprechen vermögen, dann müssen erst noch gewaltige Summen zur Rückeroberung der wegen unverantwortlicher Bummelei verloren gegangenen Fremdengebiete aufgebracht werden. a Grosser Preis der Schweiz. Auf den verschiedenen Rennplätzen, an denen in den letzten Tagen noch internationale Autorennen stattfanden, so 'in Freiburg i. Br., in Nizza und Pescara, werden nun die Koffern mit Bestimmung nach Bern gepackt. Bquipenchefs, Fahrer, Mechaniker und weiteres Hilfspersonal werden heute oder morgen in der Bundesstadt Quartier beziehen und alsbald die Vorarbeiten an Hand nehmen. Angesichts der schweren Unfälle, die sich bei der Coppa Acerbo ereigneten, musste man mit einer möglichen Umgruppierung in der einen oder anderen Mannschaft rechnen. Insbesondere liefen wegen Chiron, der sich bekanntlich bei einem Boxenhalt nur noch knapp aus dem brennenden Wagen retten konnte, die wildesten Gerüchte um, und ausausländische Zeitungen meldeten schon seine Verbringung in einen Spital. Von E. Ferrari, dem Chef des italienischen Rennstalles, dem der berühmte Monegaske angehört, erhielt die Rennleitung in Bern den erfreulichen Bericht, dass Chiron zusammen mit Varzi und Graf Trossi für seine Organisation starten werde. Ghersi, ein sehr gewiegter Pilot, wird die Mannschaft als Ersatzmann begleiten. Nach den von der Auto-Union eingetroffenen Mitteilungen wird neben Stuck, der eben den grossen deutschen Bergpreis gewonnen hat, voraussichtlich Prinz von Leiningen und nicht Momberger starten. Die italienische Gruppe San Giorgio hat als Pilot für den gemeldeten Maserati-Monöposto für das Kleinwagen-Rennen den in seiner Heimat sehr bekannten Fahrer Toti einschreiben lassen. So nimmt also die Veranstaltung immer deutlichere Formen an, und vom Donnerstag weg, wenn das erste Training stattfindet* wird Bern für einige Tage ganz im Banne dieser erstmaligen und bedeutendsten autosportlichen Veranstaltung unseres Landes stehen. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass das Publikum bereits während den Trainingszeiten, nämlich je zwischen wie ich dir danken soll, Onkel Bux, weil du Wissbegier in dem leidenschaftlichen Kinde immer so gut bist — du, du, du!» Und es seit Jahren gleichsam angesammelt hatte, folgte einer ihrer jähen Zärtlichkeitsausbrüche — eine ganze Flut von schallenden Kinderküssen auf Buxens Mund und Wangen und auf seine grosse Nase. So sehr Cilly und ihre Eltern aneinander gehangen: nie hatte es zwischen ihr und ihnen solche Zärtlichkeiten gegeben. Frau Berndt war, bei aller Liebe zu Mann und Kind, eine herbe Natur gewesen. Ihr von Jugend an so hartes Leben und ihr fast männlich-energisches Wesen hatten sonderbare Grundsätze in dieser Frau reifen lassen; und zu denen gehörte auch die Ansicht, dass die Duldung von hemmungslosen Liebkosungen, müssigem Geschwätz und neugieriger Fragerei ein Kind nur verweichliche und ausserdem den schuldigen Respekt untergrabe. Herr Berndt aber hatte von jeher die Grundsätze seiner bewunderten Gattin auch zu den seinen gemacht und nur selten seinen eigenen Ansichten und Neigungen nachzugeben gewagt. — Nun aber brach alles, was sich an Zärtlichkeitsbedürfnis, Mitteilsamkeit und s»

NP68 - 1934 MJTOMOBIL-REVUE 3 14.00 trnd 17.00 Uhr am 23. bis und mit 25. August die Möglichkeit hat, von der Tribüne aus oder längs der Piste gegen ein bescheidenes Entgelt den Probeläufen zu folgen. Der Trainingsbetrieb wird ein recht reger sein, ist doch jeder Fahrer verpflichtet, wenigstens zehn Runden vor dem Rennen zu absolvieren. Zu den bereits von offizieller und privater Seite eingegangenen Ehrenpreisen sind nun zwei prächtige Gaben der Stadt Bern und des bernischen Regierungsrates hinzugekommen. Die Preise werden übrigens Ende der Woche bei der Firma Pochon an der Marktgasse ausgestellt sein. Der Grosse Bergpreis von Deutschland. Stuck revanchiert sich für den Klausen und stellt mit einem Stundenmittel von 88,779 km St. (8'06"%) einen neuen absoluten Strekkenrekord auf. H. Kessler fährt neuen Klassenrekord und erzielt trotz schärfster Konkurrenz die fünftbeste Zeit des Tages. Schauinsland, 19. August 1934. Der Grosse Bergpreis ist für Deutschland das, was unser Klausen der Schweiz bedeutet. Beide begehn übrigens dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum, wobei allerdings der Wettergott die Freiburger rechtzeitig mit wirklichem Festwetter bedachte und sich nicht so lange besann wie am Klausen. Die Bergstrasse, welche in weit über hundert Kehren inmitten einer prächtigen Landschaft zur «Passhöhe» des Schauinsland hinaufführt, stellt eine vorzügliche Rennstrecke dar, deren weiterer sorgfältiger Ausbau •wesentlich zur Erzielung neuer Bestzeiten beitrug. Die jetzige Führung im deutschen Automobilwesen macht offensichtlich alle Anstrengungen, um den Motorsport so zu popularisieren, dass er die weiten Volksmassen ebenso zu interessieren vermag wie alle jbrigen Sportdisziplinen, die sich heute schon einer Massensympathie erfreuen. Dazu gehört nach ihrer Auffassung offenbar nicht nur eine sehr geschickte und wuchtige Propaganda (von der auch wir noch manches zulernen vermöchten, wenngleich die nämlichen Methoden nicht überall zu Hause sein können), sondern vor allem auch eine riesenhafte Nennliste. So kamen für das Motorradrennen 165 Anmeldungen ein und bei den Automobilen prangten rund 80 Namen im Programm. Ob dabei die Qualität auch ohne weiteres der Zahl entsprach, lassen wir dahingestellt. Wenn die Grossbeteiligung in dieser Hinsicht eine gewisse Gefahr darstellte, so sorgten die Veranstalter dafür, dass ein Vorexamen die nötige Ausscheidung brachte. Es wurden nämlich mindestens drei Trainingsfahrten als Pflichtpensum vorgeschrieben, um einmal die Konkurrenten mit der Strecke vertraut zu machen. Dann kam .die bedeutend wichtigere Bestimmung, dass 'öei dieser Gelegenheit eine Mindestzeit zu erzielen war. Diese wurde als Mittel aus den jeweiligen fünf ersten Klassenresultaten des letztjährigen Rennens ermittelt und für die entsprechenden Wertungsgruppen als Minimalleistung bestimmt. Darob zum Teil nicht geringe Aufregung im Fahrerlager, das offenbar den Haken nicht beachtet hatte, allein es blieb dabei. Im Prinzip ist eine solche Vorwahl durchaus zu begrüssen und verdient auch bei uns studiert zu werden. Freilich hat sie in ihrer jetzigen Form einige Härten mit sich gebracht, die gewiss noch auszumerzen sind. So mussten einige Fahrer, deren Qualifikation ZUr Teilnahme bereits durch frühere Erfolge gegeben war, auf den Start verzichten, weil infolge Irgendwelcher Unstimmigkeiten der Maschine diese gar nicht voll beansprucht werden konnte und daher bei den vorsichtig gefahrenen Trainingsläufen die verlangte Zeit nicht erreicht wurde. Hier wird man der Rennleitung eine gewisse Handels- und Entschlussfreiheit einräumen müssen, obwohl diese wiederum den Vorwurf der Bevorzugung einzelner mit sich bringen könnte. (Das Training brachte aber nicht nur auf diese Weise, sondern auch durch allerlei Tücken der Maschinerie eine erste Abklärung der «taktischen Lage». Dabei schwanden die Chancen der Schweiz recht erheblich, indem sich sowohl Stuber, als auch die beiden Zürcher Schneider und Kautz entschliessen mussten, vom Start am Sonntag abzusehen. Da wenigstens Stuber und Schneider als Kenner der Strecke sowie vertraute Bergfahrer zu den Favoriten ihrer Klassen zählen konnten, bedauerte man ihren Forfait allgemein. Die stattliche Gruppe schweizerischer Rennbesucher war zudem um ihre Hoffnung gekommen, die einheimischen Farben mehrmals einmal am Ehrenmast gehisst zu sehen. Es blieb nunmehr H. Kessler, Rampinelli und Uboldi vorbehalten, zu zeigen, was unsere Leute am Berg zu leisten vermögen. Trotz einer ansehnlichen ausländischen Beteiligung; die übrigens vorweg durch d» j Die Verkehrspolizei wird ihrerseits eine gewaltige Arbeit zu leisten haben, um den zu erwartenden Massenandrang bewältigen zu können. Das Polizeikommando hat einen sehr geschickten « Schlachtenplan » ausgearbeitet, der eine flotte Abwicklung der ganzen Zuund Abfahrt gewährleistet... wenn jedermann, ob zu Fuss, Ross oder Wagen mit etwas gutem Willen zum richtigen Gelingen .das Seinige beiträgt. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme und genauer Befolgung der erteilten Anweisungen wird sich alles in Minne bester Ordnung abspielen können. Die Rennen des Sonntags Italiener und Schweizer bestritten wurde, und einer vollwertigen Vertretung deutscher Landskraft, so konnte über den Ausgang des Hauptrennens keinerlei Zweifel bestehen. Stuck und Caracciola waren mit ihren Maschienen wie am Klausen eine Klasse für sich, an die niemand heranreichte, und so wusste man wiederum zum voraus, dass der Tagessieg zwischen ihnen geteilt werde. Nach dem Ausgang am Klausen durfte man freilich um so erwartungsvoller über das Endergebnis sein. Tatsächlich stand auch die Frage im Vordergrund, ob Stuck seinen Sieg vom Kesselberg wiederholen könnte oder ob Caracciola seinem Erfolg am schweizerischen Bergpreis ein neuen hinzufügen werde. Beide Favoriten haben übrigens eine äusserst strenge Zeit hinter sich: vom Nürburgring ging's zum Klausen, von dort nach Pescara, dann hieher nach Freiburg, von wo die Reise nunmehr nach Bern weitergeht. Die sportliche Ausbeute des Rennens war eine eindrucksvolle, indem mit einer einzigen Ausnahme sämtliche Klassenbestzeiten unterboten wurden, und dies jeweilen nicht nur durch den Sieger, sondern oftmals durch mehrere Konkurrenten der nämlichen Gruppe. Burggaller vermochte in zwei Kleinwagen- Klassen den Sieg gleich zweimal an sich zu reissen, und dies, obwohl er ausgerechnet in der vom Publikum dicht umsäumten grossen Kurve an der Holzschlägermatte einen langsameren Kollegen überholen musste und dabei einige Zeit verlor. Diese Kurve, auf welche sich mit Recht das Hauptinteresse des Publikums konzentrierte, ergab einen recht zuverlässigen Massstab für die Gesamtleistung der Fahrer. Die anf dem etwa 800 m langen Teilstück, das von der Tribüne aus gewinnt 19S4 leicht überblickt werden konnte, gefahrenen Zeiten liessen in den meisten Fällen einen richtigen Rückschluss auf die endgültige Klassierung der Konkurrenten zu. Stuck war allerdings hier nur eine Sekunde schneller als sein Hauptgegner, dessen Maschine aber dann offenbar im oberen Endstück nicht mehr ganz wunschgemäss arbeitete, ansonst gewiss kein Unterschied von 26 Sekunden zwischen dem absoluten Ersten und der zweitbesten Tageszeit möglich gewesen wäre. Einen ebenso eindrücklichen Doppelsieg wie Burggaller erntete Kohlrausch, ein weiterer Spezialist der Kleinkaliber, auf M. G., wobei gleich zwei Klassenrekorde gestürzt wurden. Bei den Sportwagen über 2 Liter war der Ungar Hartmann neben Balestrero der aussichtsreichste Mann. Sein Wagen, der in einigen der vorangehenden Rennen ziemlich mitgenommen worden war, konnte rechtzeitig gründlich überholt werden. Sowohl dem Fahrer wie der Maschine schien diese Strecke ganz besonders zuzusagen und bereits die Trainingszeiten waren sehr erfolgversprechend. Hartmann hat denn auch in neuer Rekordzeit den Lorbeer der sehr stark beschickten Klasse sicher -geholt. Unter den fünf ersten dieser Gruppe, welche die jetzige Bestzeit ausser Kraft setzten, befand sich auch Rampinelli, der als Dritter in der sehr stark beschickten Klasse ein eindrückliches Rennen fuhr. Wir hatten bereits früher Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass der Schaffhauser mit seinem ausgesprochenen Sportwagen mit 1500 kg Gewicht stets einen schweren Stand gegen die rennmässig frisierten Maschinen hat, die jeweilen in der nämlichen Klasse starten. Um so erfreulicher war seine gute Haltung und Leistung in Freiburg. Einen ganz grossen Tag hatte diesmal unser H. Kessler auf seinem in mühseliger Arbeit umgebauten Maserati Monoposto. Der Wagen wurde als 1100-cem-Maschine von der Fabrik geliefert und dann von seinem Besitzer umgebaut, indem durch die Erhöhung des Zylinderinhaltes auf rund 1490 ccm auch die Leistung entsprechend gesteigert zu werden vermochte. Obwohl zu diesem Zweck die hiefür notwendigen Ersatzteile aus den entsprechenden Serien von der Fabrik bezogen wurden, bedurfte es allen fachmännischen Geschickes und grösster Geduld, bis die verbesserte zweite Auflage tatsächlich den Erwartungen voll und ganz entsprach. Freilich wurde die Mühe reichlich belohnt, indem Kessler eine Zeit fuhr, die für einen Motor dieser Klasse fast als unwahrschein- I>as Internat. Rally von Monte Carlo Das grosse Rennen Paris-Nizza .Das Damen-RallyParis-St-Raphael Den 48-Stundeii- Weltrekor«1 Den grossen 1O Stunden-Preis von Belgien (Kategorie 3 and 4 Liter) 1933 gewinnt Motckkiss den Alpen- Pokal Einen HOTCIIKISS, kaufen, lieisst das Maximum an Qualität zu einem Mini mal preis erwerben. Verl.Sie den illustr. Katalogu. die Preisliste durch den Generalvertr.f.dieSchweiz: GRANDGARAGE E. MAURER, Boulevard des Tranchees 50, G E N F Vertr.f. Zürich, St,Gallen u.Thurgau: Binelli u. Ehrsam A.-G., Stampfenbachpl.48, Vertreter für BASEL: Paul Staehli, Hardstrasse 62, Basel (Zürich Vertreter für BERN: Andre Zumstein, Eff i ngerstrasse 93, Bern Vertreter f. LAUSANNE: O.Tailtens, Garage Hirondelle,r.deGenöve42, Lausanne lieh erschien und die dann auch einige allzu erstaunte und überraschte Konkurrenten zu einer Rückfrage bei der Rennleitung veranlassten, ob die Maschine tatsächlich noch in diese Klasse gehöre. Die Antwort, welche durch Vermittlung des Schweiz. Sportpräsidenten Töndiury erteilt wurde, scheint jedermann befriedigt zu haben und Kessler konnte unbehelligt mit seinem wohlverdienten Lorbeerkranz abreisen. Herr Töndury hat sich übrigens für seine zahlreichen Auslandsverpflichtungen das Flugzeug als schnellstes Reisevehikel dienstbar gemacht und führt bei. diesen Dienstreisen den Steuerknüppel meistens selbst. Gestern benötigte er in Begleitung von Hptm. Karnbach nur 45 Minuten zur Herreise, eine auch in den deutschen offiziellen Kreisen beachtete Leistung. Die neue Rekordzeit von Steinweg auf seinem ä la Monoplace umgebauten Bugatti hätte noch ein eindrücklicheres Relief gehabt, wenn es zum Kampf mit dem tüchtigen Palmieri gekommen wäre. Aber gerade dieser musste die Härte der Trainingsbestimmungen spüren. Da ein neuer Kolben eingebaut worden war, schonte der Italiener seine Maschine in den Vortagen und konnte dabei das geforderte Mindestresultat nicht erzielen und fiel aus. Nicht wenig zum Gelingen des Rennens, vielmehr zur Schaffung der richtigen Rennstimmung trug der Lautsprecher bei, der es verstand, im geeigneten Augenblick die bestwirkenden Register zu ziehen. So waren die Voranmeldungen und die Kurzberichte über den Stand der beiden Favoriten im Rennen selbst durchaus dazu angetan, die Stimmung hochzuschrauben und die Spanung auf Siedehitze zu bringen. Durch nicht unbeträchtliche Kunstpausen zwischen einzelnen Klassen konnten sich die Gemüter nämlich jeweilen wieder ordentlich abkühlen! Auch wer schon die beiden neuen deutschen Fabrikate an Rennen gesehen hat, freut sich immer wieder an dem überwältigenden Eindruck, den diese überaus eleganten und leistungsfähigen Maschinen jedesmal hinterlassen. Stucks Wagen, der fast lautlos vorüberpfeilt, erinnert an den fliegenden Holländer, der nach der Sage so geheimnisvoll rasch auftauchte, um ebenso flink und ungehindert wiederum am Horizonte zu verschwinden. Es hätte sich wirklich gelohnt, die paar Stunden auf der Tribüne auszuhalten (was bei dem schönen Sonntagswetter übrigens mehr Vergnügen ails Anstrengung war), nur um die beiden Grossen wieder zu sehen. Ueber die Anfahrt von Carratsch konnte man dagegen nicht im Zweifel sein, denn der ganz eigenartig sirenende Kompressorton eilt der Maschine voraus, und wenn sich das Geheul an den Hängen bricht und tausendfach widerhallt, so hat man das Gefühl, als hätten Fahrer und Maschine von der gesamten Umwelt Besitz ergriffen, so stehen Mensch und Natur in ihrem Bann. Stuck scheint sich seine klassische Kurventechnik doch etwas abgewöhnt oder der neuartigen Gewichtsverteilung in seinem Wagen, die durch den Heckmotor bedingt ist, in erhöhtem Masse angepasst zu haben, denn die Kurve an der Holzschlägermatte nahm er mit mathematischer Präzision, die sonst eine Spezialität von Caracciola war. Wie bereits erwähnt, erwies sich Stuck an der Holzschlägermatte um eine Sekunde schneller als sein Opponent. Da man aber allgemein die Ueberzeugung hatte, es werde sich bei den Beiden wiederum nur um eine Differenz von wenigen Seikunden handeln, so hätte man doch noch nicht mit voller Ueberzeugung an seinen Sieg zu grlauben gewagt. Allerdings warf dann das Resultat alle Prognostiken über den Haufen und die Zeitdifferenz spricht deutlich für irgendeine maschinelle Störung beim Wagen von Caracciola, denn anders könnte sie bei der Qualität des Piloten und der Gleichwertigkeit der Maschinen kaum gedeutet werden. Stuck ist nun freilich nach wie vor der Bergspezialist, und man ist immer wieder versucht, ihm schon deshalb die grössten Chancen bei solchen Rennen einzuräumen. Er konnte sich bei seiner Talfahrt kaum der Begeisterung und des Jubels erwehren und oftmals hatte die Streckenpolizei alle Hände voll zu tun, um ihm wiederum einen Weg zu bahnen. Der Sieg war verdient und die Freude des Publikums war echt und herzlich: mehr kann man wohl von einer Veranstaltung nicht erwarten. Auf diese Feststellung läuft auch der Eindruck von der ganzen Veranstaltung hinaus. Kleinere Schönheitsfehler gibt's ja immer. So war es z. B. dem Pressechef, obwohl er die personifizierte Dienstbereitschaft darstellte, nur mit erheblicher Verspätung möglich, die Resultate zusammenzufassen, weil ihm keine eigene Telephonleitung mit dem Ziel zur Verfügung stand. Aber davon hing ja schliesslich das gute Gelingen der Veranstaltung nicht ab (höchstens das Schlafmanko der gehetzten Journalisten wegen vermehrter Nachtarbeit!). Alles in allem: ein freudiges Jubiläumsereignis, das ein hoffentlich ebenso erfolgreiches zweites Dezennium eingeleitet