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PressEnte 2014

Magazin des Presseclubs Regensburg

Leserlich musste das

Leserlich musste das schon sein, denn der Kollege an der Setzmaschine hatte keine Zeit für Rätsel. Im Akkord plumpsten dort die Typen ins flüssige Blei, um schließlich als kleine silberne Platte zu einer Zeile zu werden. Viele solcher Zeilen ergaben einen Artikel, der dann auf einem Metallrahmen, dem »Schiff«, umbrochen wurde. Bevor es ins oberpfälzische Umland ging, hatte man aber noch dem Umgang mit Metteuren (Umbrecher bzw. Gestalter der Seiten) und eben den Setzern zu lernen. Dazu ging es in den »Umbruch«. Dort lag Blei in der Luft, weil immer wieder Bleiblöcke mit einer Art Kreissäge auseinandergeschnitten wurden. Es war heiß, auch wenn die Setzmaschinen mit ihren Öfen, die die Bleistangen flüssig kochten, etwas abseits standen. Dazwischen war ein Verschlag mit dem Korrektorenteam. Deren Vorabeiter trug eine Hornbrille mit kreisrunden Gläsern. Die Artikel lagen als Bleizeilen-Block da, die Schrift spiegelverkehrt, weil die erst durch den Druck richtig herum gedreht wurde. Man gewöhnte sich daran. Jeder gesetzte Artikel war mittels einer Handpresse schon auf eine Papierfahne gedruckt, denn die Korrektoren mussten ja ihres Amtes walten. Die gefundenen Fehler wurden angestrichen, das Ganze ging zurück zum Setzer, der für jeden Fehler die ganze Zeile neu setzen musste. Der Metteur baute die Seite mit den unkorrigierten Artikeln. Die waren mit roter Kreide markiert. Er Vom Tipp-ex tauschte dann die korrigierten Zeilen aus und markierte mit gelber Kreide. Fertig, ab zu einer Maschiwissenschaft zur Computerne, die daraus eine gebogene Metallplatte für die Druckmaschine herstellte. Ach ja: Ein Besuch bei den Setzern, um Korrekturen schnell abzuholen, konnte schmerzhaft sein. Denn die frischen Zeilen kamen recht heiß aus der Maschine. Und wenn der Setzer einem die Zeile einfach so in die Hand gab, brannte das ordentlich. Die Redakteure hatten je nach Metteur ein gewisses Mitspracherecht beim Layout. Meist hatte der Ressort- oder Redaktionsleiter eine gezeichnete grobe Layout-Idee mitgeliefert. Wenn das nicht umgesetzt werden konnte, büßte der zum Umbruch eingeteilte Redakteur. »Wie soll’n des geh? Ihr spinnt’s scho. Und do brauch i no zwoa Zeil’n.« Das bedeutete, man musste den Artikel irgendwie kürzen. Das ging aber nur an Absatzenden, was bei kleinen Einspaltern hieß, dass man den letzten Satz wegließ. Oder man bat den Mann an der Kreissäge, aus einem Komma einen Punkt zu machen. Dass sich aber bald viel ändern sollte, Der Druck noch schwarzweiß, war schon ein wenig zu erahnen. Denn es der Automatisierungsgrad gab da einen quasi exotischen Bereich, in aber schon ein Stück weit einer Ecke. Lichtsatz hieß das, was zwei fortgeschritten: Eine Rotation Metteure da verarbeiteten. Der Text war in den 90er Jahren. Foto: MZ-Archiv 8

ichtigherum zu lesen, auf einem Spezialpapier, das hinten mit Wachs versehen wurde. Die Artikel wurden ausgeschnitten und der Umbruch fand auf einer Art Millimeterpapier statt. Eine saubere Sache. Gesetzt wurde das alles mit ganz modernen Schreibgeräten, das Papier mit den Texten kam dann aus riesigen Kästen, die Belichter hießen. Elektronische Datenverarbeitung und Computer sollten das Zeitungmachen ein Stück weit revolutionieren. Die Redaktion arbeitete zunächst wie gehabt weiter, schrieb Texte, bearbeitete Texte von Agenturen und Mitarbeitern, machte eventuell Fotos und gab das Ganze dann »an die Technik« weiter, damit es für den Druck fertig gemacht werden konnte. Die »Technik« wurde unter dem Begriff Druckvorstufe zusammengefasst. Erst allmählich zogen Ressorts und Lokalredaktionen mit dem Lichtsatz nach. Aber es gab jetzt sogenannte Fernkopierer, mit denen man Texte zum »Leitstand« schicken konnte, der wiederum die Setzer beauftragte. Zuvor kamen die Texte und Bilder aus den Bezirksredaktionen per Holzkoffer über Bus und Bahn nach Regensburg. Nicht immer problemlos. Dann, so um 1983 herum, kam der »Big Bang« in den Redaktionen: Die Schreibmaschinen, auch die IBM-Kugelkopf, verschwanden. Stattdessen hielten Sichtgeräte Einzug, die mit einem Zentralrechner verbunden waren. Redakteure wie Setzer schrieben per Tastatur in ein System, das alles zentral verwaltete. In der Redaktion war jetzt mehr Zeit notwendig, um Texte zu bearbeiten. Wo man früher mit dem Kugelschreiber herumgestrichen und Überschriften handschriftlich hinzugefügt hatte, redigierte man nun mit der Tastatur des Sichtgeräts selbst. Zum Umbruch musste man bald nicht mehr zum Metteur, sondern zu einem Mitarbeiter an einem Bildschirm, der den Seitenumriss zeigte. Waren Artikel zu lang, ging man zurück an den eigenen Arbeitsplatz und kürzte – nicht mehr einfach von »hinten« weg, sondern an jeder beliebigen Textstelle. Der nächste Schritt war logisch. Die Redakteure wollten die Seitenumrisse auf ihre Bildschirme holen, um die Artikellängen gleich perfekt abschätzen zu können. Die einst als »technisch« bezeichnete Arbeit war zu großen Teilen in die Redaktion gewandert. Die großen Produktionsabteilungen im Zeitungshaus hatten sich auf die beiden R reduziert: Redaktion und Rotation. Die Druckvorstufe war gewissermaßen Geschichte. Nur die Bearbeitung von Fotos bzw. von deren Negativen blieb noch einige Zeit außen vor. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre folgte eine Revolution in der Textübermittlung. Die Redakteure benutzten dafür zwar weiter Telefone, aber sie diktierten keinem Gesprächspartner mehr ihre Erlebnisse. Nein, sie hatten das Ganze vorher in einen tragbaren e Computer getippt und konnten dies dann mittels der Telefonleitung ins Redaktionssystem übertragen. Man wählte eine Nummer im eigenen Verlag, der Hörer wurde auf zwei Gummiringe gelegt, die auf dem Computer montiert waren, dann wurden die Text- in Akustiksignale gewandelt und übertragen. Akustikkoppler sagte man dazu. Das klappte erstaunlich gut. Allerdings durften keine Störgeräusche dazukommen. In Fußballstadien war das problematisch. In den 1990er Jahren begann das Internet seinen Siegeszug. Es rückte langsam auch den Redaktionen auf den Leib, wenngleich es noch einige Zeit dauern sollte, bis die Dimension erkannt war, die die Möglichkeiten des Internets in Verbindung mit der Digitalisierung schufen. Es gab aber auch noch etwas anderes. Beim Publikum, aber auch in den Redaktionen selbst wuchs der Wunsch, Zeitungsinhalte werthaltiger und bisweilen auch ästhetischer zu präsentieren. Layout wurde immer wichtiger, bisweilen hielt schon der Vierfarbdruck Einzug in die Zeitungsproduktion, freilich besonders befeuert durch die Ansprüche der Anzeigenkunden. »Layout wurde immer wichtiger, bisweilen hielt schon der Vierfarbdruck Einzug in die Zeitungsproduktion, freilich besonders befeuert durch die Ansprüche der Anzeigenkunden.« Die Unternehmensgruppe Peter Trepnau baut Wohn- und Gewerbeimmobilien und saniert denkmalgeschützte Häuser. Über 25 Jahre Erfahrung stehen für Qualität, die hohen Ansprüchen genügt. Lust auf Wohnen. Tel. 0941 59212-25 · www.trepnau-gruppe.de

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