Berliner Zeitung 22.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Musik nach dem Tod: Das neue Album von Leonard Cohen – Feuilleton Seite 21

Prinz Andrew

und der

Epstein-Skandal

Seiten 8

und 28

6°/10°

Hin und wieder Sonne

Wetter Seite 28

Wo fahren sie denn?

Berlin will Sharing-Daten

Made in Berlin Seite 14

www.berliner-zeitung.de

Ski und Rodel gut:

Der Wintersport ist zurück

SportSeite 20

Freitag,22. November 2019 Nr.272 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Neues Leben im

Haus der Statistik

Berlin Seite 10

Bürgerengagement

Für eine

ein bisschen

bessere Welt

VonPaul Linke

Befürworten Sie eine „kostenlose

Rückgabe von Verpackungseinheiten

aus Plastik an den Hersteller“

oder sind Sieeher für eine„genehmigungsfreie

Aufforstung auf Privatgrund

bis 1 Hektar Fläche“? Entscheiden

Sie darüber auf der Homepage

des Deutschen Bundestages,

wo Dutzende Petitionen auf Ihre

Stimme warten. Natürlich können

Sieauch –gemäß

Art. 17 Grundgesetz

–Ihr eigenes

Anliegen einreichen;

es wirdauf

jeden Fall geprüft.

Und sollte

es Ihnen dann

tatsächlich gelingen,

inner-

Charlotte Roche,

Unterstützerin einer halb von vier

Petitionskampagne Wochen 50 000

Unterstützer zu

finden, dürfen Sievor dem Petitionsausschuss

sprechen. Das ist gelebte

Demokratie,sogeht Mitmachpolitik.

Aber kann man so die Welt retten?

Es gibt immer mehr Menschen,

die es zumindest versuchen wollen,

und Charlotte Roche zählt dazu. Die

Moderatorin, Bestsellerautorin, Podcasterin

und und und ist eine prominente

Befürworterin der Kampagne

„12062020 Olympia“, die gerade auf

Instagram gestartet wurde und über

Crowdfunding Geld einsammelt.

Das Ziel: 1,8 Millionen Euro an Ticketeinnahmen,

um das bereits reservierte

Berliner Olympiastadion zu

mieten; dort sollen dann im kommenden

Juni 90 000 friedlich mit

Smartphones bewaffnete Mitmachdemokraten

oder „Deutschlands

größte Bürger*innenversammlung“

Petitionen in den Bundestag einreichen

– im Sekundentakt, für eine

vorerst ein bisschen bessere Welt.

Organisiert wird die Kampagne von

Fridays, Scientists und Entrepreneurs

for Future sowie dem Berliner

Kreativ-Start-up Einhorn.

Zum ersten Vortreffen in der

Kreuzberger Markthalle 9kamen ein

paar HundertWeltverbesserer,meist

junge, von sich und der Idee euphorisierte

Leute, und beim gemeinsamen

Erinnerungsfoto stand Roche,

41, in der ersten Reihe; angereist aus

der ländlichen Umgebung vonKöln.

Mitihrer Präsenz und Reichweite hat

Roche schon ganz anderen Kampagnen

Kraft verliehen.

Zuletzt rief sie zum Boykott von

True Fruits auf, also eines Unternehmens,das

es witzig findet, mit rassistischen

und sexistischen Claims für

Smoothies zu werben. „Sei Teil einer

Bewegung“, schrieb Roche an ihre

Follower. Sie folgten. Oder die Sache

mit den Tampons, die in Deutschland

wie Luxusgüter (19 Prozent) besteuert

wurden. Die von Roche und

anderen Prominenten unterstützte

Petition (180 000 Mitzeichner) hatte

Erfolg, ab Januar gelten „Monatshygieneartikel“

als Grundbedarf, zu besteuernmit

sieben Prozent.

Und jetzt alle auf die Homepage

des Bundestages, den privaten Aufforsternfehlen

noch 49 225 Stimmen.

Und raus bist du!

Berlin liegt bei Zwangsräumungen im Vergleich mit anderen Städten weit vorn

Die neue

investigative

Serie der

Berliner

Zeitung

Bedroht vom Verlust der Wohnung sind oft Menschen mit psychischen Erkrankungen. Besondershäufig geraten auch Hartz-IV-Empfänger und Rentner in Bedrängnis.

VonGabriela Keller

Inkaum einer deutschen Großstadt

gibt es so viele Zwangsräumungen

von Wohnungen

wie in Berlin: Knapp 5000-mal

beauftragten die Vermieter im vergangenen

Jahr die Berliner Gerichtsvollzieher

mit der Räumung von

Mietwohnungen; auf rund 750 Einwohner

pro Jahr kommt ein Räumungsauftrag.

Damit ist nicht gesagt,

wie oft tatsächlich geräumt

wurde. Denn einerseits führt nicht

jeder Auftrag zu einer Vollstreckung.

Andererseits sind viele Mieter schon

ausgezogen, bevor die Gerichtsvollzieher

anrücken. Sie tauchen in keiner

Statistik auf.

Trotzdem lohnt der Vergleich: In

München gingen 2018 bei den Behörden

860 Mitteilungen über Räumungstermine

ein –einer pro 1700

Einwohner. In Hamburg liegt die

Zahl der Räumungen bei 848, das ist

nur eine pro2170 Einwohner.

Frankfurt am Main (740 Räumungsmitteilungen)

und Düsseldorf

(597 Mitteilungen) bilanzieren

einen Fall prorund 1000 Einwohner.

Räumungstermine lassen sich nicht

mit -aufträgen gleichsetzen, zudem

erheben die Städte ihre Zahlen auf

jeweils unterschiedlicher Basis.

Diese Ungenauigkeiten sind also

einzurechnen. Dennoch zeichnet

sich ein Bild ab.

DieBerliner Zeitung startet heute

mit einer Serie zum Thema Zwangsräumungen.

Zu der Recherche gehörte

eine umfassende Datenabfrage

in allen Bezirken, bei den Gerichten

und der Senatsverwaltung

für Arbeit und Soziales.Imersten Teil

heute geht es um den Zusammenhang

zwischen den steigenden Mieten

und der Überforderung der Hilfesysteme,

die dem Andrang von

Menschen in akuter Wohnungsnot

kaum noch gerecht werden. DieZahlen,

die der Berliner Zeitung vorliegen,

bestätigen, dass Vermieter Räumungen

vor allem in Gegenden

durchsetzen, wo die Mieten zuletzt

deutlich gestiegen sind. Am stärksten

betroffen sind derzeit die Bezirke

Marzahn-Hellersdorf, Spandau und

Charlottenburg-Wilmersdorf – in

letzteren beiden steigen die Zahlen

entgegen dem gesamtstädtischen

Trend sogar an.

Das zeigt: Obwohl die Zahl der

Räumungsklagen in Gesamt-Berlin

sinken, spielen sie in der Dynamik

des Mietmarkts heute eine große

Rolle. „Wir sehen bei den Mieten,

dass eine deutliche Zunahme der

Belastungen besteht“, sagt Rainer

Wild, Geschäftsführer des Berliner

Mietervereins.„Allein aus dem Mietspiegel

2017 ergibt sich eine Mietsteigerung

von imSchnitt 70 Euro –

allein das macht deutlich, dass es generell

ein hohes Risiko von Wohnungsverlust

gibt.“

Sozialarbeiter und Mitarbeiter in

Bezirksämtern sagen, dass Räumungsklagen

früher vor allem dazu

dienten, Mietschulden einzutreiben.

Inzwischen, so heißt es einhellig bei

Beratungsstellen und Experten, wollen

viele Vermieter die Altmieter loswerden

–bei einer Neuvermietung

winken oft große Renditesprünge.

Elke Breitenbach, Senatorin für

Arbeit und Soziales (Linke), fordert

deshalb eine engere Zusammenarbeit

der Behörden: „Die Prävention

ist der zentrale Aspekt der Wohnungslosenhilfe.

Bezirke und Jobcenter

müssen schneller und abgestimmter

handeln, wenn eine Räumungsklage

ansteht.“ Es sei das gemeinsame

Ziel, die Anzahl von

„Die Prävention ist der zentrale Aspekt der

Wohnungslosenhilfe. Bezirke und Jobcenter

müssen schneller und abgestimmter handeln,

wenn eine Räumungsklage ansteht. “

Elke Breitenbach,

Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales (Linke)

Räumungen „signifikant zu senken“.

Familien mit Kindern sollten möglichst

gar nicht geräumt werden; zudem

sei vorgesehen, einen berlinweit

einheitlichen Prozess zur Mietschuldenübernahme

zu etablieren.

Dass notorische Mietschuldner

vorsätzlich nicht zahlen, kommt

nach Angaben vonFachleuten selten

vor –zugroß ist das Risiko, nach einem

Wohnungsverlust nichts Neues

mehr zu finden. Vielmehr spielen oft

psychische Erkrankungen oder

Suchtproblemeeine Rolle.

Rentner und Hartz-IV-Empfänger

geraten besonders oft in Bedrängnis:

DieJobcenter übernehmen zwar die

Mietkosten –aber nur bis zu einer

bestimmten Grenze. Wenn der Vermieter

die Miete erhöht, wird diese

GETTY IMAGES

schnell überschritten. Derzeit gibt es

in Berlin rund 244 000 Hartz-IV-

Haushalte, deren Mietkosten die

Jobcenter tragen. Bei fast 90 000 davon

liegt die Miete über dem Richtwert

–also bei mehr als jedem dritten

Haushalt. Die Differenz liegt im

Schnitt bei 135 Euro proHaushalt.

In manchen Fällen übernehmen

die Jobcenter die volle Miete, in

manchen müssen die Betroffenen

zuzahlen –von ihrem Regelsatz. Das

Land Berlin hat die Richtwerte 2018

angehoben –noch 2017 lag rund die

Hälfte aller Hartz-IV-Haushalte darüber.

Dennoch schaffen es Politik

und Verwaltung damit nicht, den

Druckdes Mietmarkts aufzufangen.

In Neukölln etwa liegt nach wie

vor mehr als jeder zweite Haushalt

über der Grenze. Allein mit der Anpassung

der Richtwerte ließe sich die

Mietpreisentwicklung „natürlich

nicht bremsen“, sagt Senatorin Breitenbach,

„dazu bedarfesregulierender

Eingriffe“ wie des geplanten Mietendeckels.

Indes fürchten Mietexperten,

dass gerade die zunehmende

Regulierung dazu führt, dass Vermieter

Schlupflöcher suchen.

EinWeg, höhere Renditen durchzusetzen,

sind Räumungsklagen aufgrund

vonvorgetäuschtem Eigenbedarf.„Wir

stellen eindeutig einen Anstieg

fest – leider. Vielfach geht es

aber darum, die Wohnungen danach

teurer zu verkaufen oder zu vermieten“,

sagt Rainer Wild vom Mieterbund;

er schätzt, dass die Zahl der

Mitglieder, die sich wegen von Ei-

Berliner

CDU-Chefs

stützen AKK

Union soll auf

Personaldebatten verzichten

VonElmar Schütze

Führende Berliner CDU-Politiker

stellen sich vor Beginn des CDU-

Bundesparteitags an diesem Freitag

in Leipzig an die Seite der Bundesvorsitzenden

Annegret Kramp-Karrenbauer.Den

Ton, den zuletzt Friedrich

Merz in die Debatte gebracht hat, halten

etliche der 31 Berliner Delegierte

für nicht angemessen.

Zuletzt hatte der im Vorjahr im

Rennen um den Parteivorsitz hauchdünn

geschlagene Friedrich Merz einen

scharfen Angriff auf Kanzlerin

Angela Merkel beziehungsweise Parteichefin

Annegret Kramp-Karrenbauer

lanciert. Etwas Ähnliches wird

auch in Leipzig erwartet.

„Leipzig wird ein Arbeitsparteitag“,

sagte der Berliner CDU-Fraktionschef

Burkard Dregger der Berliner

Zeitung. „Es stehen keine Personalentscheidungen

an, deswegen ist

eine öffentliche Auseinandersetzung

über Personen nicht zielführend. Ich

warne sogar davor“, sagte Dregger.

Im Gegenteil gehe es jetzt darum, ein

„Team der Stärksten“ zu bilden. Und

in dieses gehörten sowohl Kramp-

Karrenbauer als auch Merz.

Der Berliner Parteichef Kai Wegner

rechnet mit einem „unaufgeregten

Bundesparteitag“, bei dem Streit

um Personen fehl am Platz sei. Aber

Schönreden helfe nichts –„schon gar

nicht nach Thüringen“.

Bei der Landtagswahl hatte die

CDU schwer verloren und befindet

sich nun in einer komplizierten

machtpolitischen Konstellation zwischen

den Wahlgewinnern Linke

und AfD. Vor diesem Hintergrund

komme Merz eine wichtige Rolle zu.

„Wir erleben eine AfD, die immer

wieder vermeintliche Bürgerlichkeit

vortäuscht“, sagte Wegner.„Da brauchen

wir auch Köpfe wie Friedrich

Merz, umunser Profil zu schärfen

und enttäuschte Wähler wieder zur

Union zu holen.“ Zugleich brauche

man ein klares Signal, dass es ein

„Weiter-so“ nicht geben dürfe.Dabei

müsse auch über das „suboptimale

Erscheinungsbild der Bundesregierung“

gesprochen werden, soWegner.Als

Parteivorsitzende müsse Annegret

Kramp-Karrenbauer klare

Wortedazufinden, auch wenn sie als

Verteidigungsministerin Teil des Kabinetts

sei. Politik Seite 4

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Entgelt bezahlt

genbedarfskündigungen beraten

lassen, in drei Jahren um 20 Prozent

zugelegt hat. Wieoft in Berlin auf Eigenbedarf

geklagt wird, weiß niemand.

DieStatistiken zu Räumungsklagen

und -terminen erfassen nur

Fälle,indenen Mietschulden der Anlass

sind. Seiten 2und 3 4 194050 501603

51047


2 Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

·························································································································································································································································································

Report

MITTE

426

2018

MARZAHN-HELLERSDOR F

SPANDAU

602

434

420

464

470

2017

Keine Daten

288

455

NEUKÖLLN

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

452

414

452

397

571

439

573

656

381

392

592

563

2016

Räumungstermine

und -klagen in Berlin

Klagen

Räumungstermine

k.A.

191

130

214

k. A.

264

153

187

144 144

STEGLITZ-ZEHLENDOR F

REINICKENDOR F

233

277

Der

Schrecken

lässt sich

verdrängen. Und dass

Termine anstehen und

Fristen verstreichen, ist

gar nicht schlimm, wenn

man nichts davon weiß. Aber

der Schrecken geht davon nicht

weg. Derbleibt.

An einem trüben TagimWinter

stand Marina Gehrs vor ihrer Wohnung,

in die sie nicht mehr zurückkehren

konnte. Eswar der 6. Dezember, bei sich

trug sie nur Taschen mit Kleidung, die Möbel

und alles andere ließ sie zurück. „Ich wusste

ja nicht, wohin damit“, sagt sie heute.

Ihr blieb keine Zeit, sich auf den Auszug

vorzubereiten. Dabei hatte die Räumungsklage

ihres Vermieters einen langen Vorlauf

aus Briefen, Gerichtsmitteilungen und Bescheiden

von Behörden. Gehrs hatte sie alle

ungeöffnet liegen lassen, keinen Widerspruch

erhoben, sie hatte so getan, als wäre

nichts.„Mankann nicht ehrlich zu sich sein“,

sagt sie,„weil man sich so schützt.“

Jetzt, einige Monate später, sitzt sie am

Tisch in einem nüchternen Büro, eine Frau

Mitte 40 mit kurzen dunklen Haaren und

Strasssteinen auf dem T-Shirt. Ihr Name ist

geändert, weil sie sich schämt, so wie sich

viele Menschen für ihre Zwangsräumung

schämen. Siesagt: „Ich bin ja selbst schuld.“

Sie wird jetzt von der Gemeinnützigen

Gesellschaft für Soziale Dienste (BSD) betreut,

die eine ambulante Wohnhilfe anbietet.

Die BSD sitzt in einem Zweckbau in der

Nähe des U-Bahnhofs Wittenau. Christine

Foof, die Geschäftsführerin, lernte Marina

Gehrs kennen, als alles zu spät war; immerhin

konnte sie die Frau in einer Trägerwohnung

unterbringen. Sie hat praktisch jeden

Tagmit Menschen zu tun, die den Verlust ihrerWohnung

voroder hinter sich haben. Der

Andrang ist groß; sie kann nicht jedem helfen.

„Für uns ist eine Frage wichtig: Möchte

jemand sein Leben verändern?“, sagt sie.

„Wir sind keine Makler für Wohnungssuchende.Dann

wärehalb Berlin bei uns.“

Wie viele Räumungen in Berlin tatsächlich

passieren, weiß niemand. Die Amtsgerichte

erfassen nur Räumungsaufträge. 4918 warenes2018,

das sind fast 14 am Tag. DieZahl

ist seit Jahren rückläufig: 2014 waren es noch

fast 7000. Aber damit ist nicht gesagt, dass

das Thema an Relevanz verliert.Vielmehr hat

der Druck auf dem Mietmarkt die Dynamik

der Räumungen drastisch verändert: Was

früher ein Instrument war, umnotorischen

Mietschuldnern beizukommen, ist jetzt ein

326

307

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

423

286

408

324

314

306

437

305

277

Rad

290

in der

Maschinerie

von Aufwertung

und Verdrängung.

Die Berliner Zeitung hat Zahlen

aus allen Bezirken, aus der Senatsverwaltung

für Arbeit und Soziales, von den Amtsgerichten

und von der Arbeitsagentur angefordert,

um die Dynamik vonRäumungen zu

erfassen. Die Daten, die zurückkamen, sind

uneinheitlich und lückenhaft, aber insgesamt

ergibt sich ein Bild. Die Gesamtzahlen

sinken, aber die Intensität nimmt zu. Vermieter,

die gegen ihre Mieter klagen, ziehen

die Verfahren jetzt mit deutlich mehr Vehemenz

durch als früher: In Friedrichshain-

Kreuzbergzum Beispiel gab es 2009 noch 931

Räumungsklagen und 427 Räumungsmitteilungen.

Damit stand den Klagen nur in

knapp 50 Prozent aller Fälle ein Räumungstermin

gegenüber. 2018 dagegen gab es 423

Klagen und 286 Räumungstermine –der Anteil

ist auf fast 70 Prozent gestiegen.

Und ineinigen Bezirken, darunter Spandau

und Charlottenburg-Wilmersdorf, ist

die Zahl der Räumungsklagen in den vergangenen

Jahren sogar noch angestiegen.

Die Menschen, die beim BSD Nordwest

Hilfe suchen, sind nach wie vorüberwiegend

arbeitslos oder prekär beschäftigt. Inzwischen

kommen aber auch Menschen, die

nicht in das Schema passen, sagt Christine

Foof. „Die Leute könnten auch in der

Schlange an der Supermarktkasse voreinem

stehen.“ Jetzt trifft es auch Leute, die arbeiten

gehen und teilweise auch gar nicht

schlecht verdienen.

Der Fall von Marina Gehrs zeigt, wie

schnell es gehen kann, wenn es hartauf hart

kommt. Sie sagt, ihr Vermieter hätte schon

einmal versucht gehabt, sie loszuwerden. Er

habe ihr wegen Eigenbedarf gekündigt, sei

damit aber nicht durchgekommen. Dann

fand er einen Hebel: Gehrs ist geschieden,

PANKOW

249

330

330

293

273

478

267

368

230

257

343

354

TEMPELHOF-SCHÖNEBERG

ihre beiden

erwachsenen Söhne zogen zunächst zum

Vater, dann standen sie doch vor ihrer Tür,

erst der eine, dann der andere. In ihrem

Mietvertrag stand aber, dass nur sie allein in

der kleinen Wohnung leben darf. Trotzdem

nahm sie die Söhne bei sich auf.„Dann hat es

die Nachbarin dem Vermieter gepetzt.“

Derschickte gleich die Kündigung. Gehrs

sagt: „Ich hätte dagegen vorgehen können,

aber ich hatte nicht mehr die Kraft.“ Sie

steckte damals in einer tiefen Krise. Mit den

Söhnen gab es Probleme,der 19-Jährige forderte

Geld. Sie hatte keins. Daschlug er zu.

Das warf sie aus der Bahn. „Ich wollte mich

umbringen“, sagt sie.„Ichwar vierWochen in

der Geschlossenen, dann sechs Wochen in

der Tagesklinik. Ichwar so am Boden.“

Dass sie beim BSD Nordwest eine Unterkunft

für sie hatten, war ein Glück, vieleTräger

müssen Hilfesuchende ablehnen. Die Sozialarbeiter

beim BSD beraten, unterstützen, begleiten,

helfen auch bei der Suche nach einer

neuen Wohnung. Aber je mehr sich die Lage

auf dem Mietmarkt zuspitze, umso weniger

können sie tun, sagt Christine Foof. „Früher

hatten wir viele Kooperationspartner,Vermieter,

gerade hier in Reinickendorf. Wenn man

anrief und fragte: ,Wir haben eine vierköpfige

Familie –haben Siewas für die?‘, konnte man

zwei, drei Wohnungen angucken.“ So sei es

nicht mehr.„DerBerliner Wohnungsmarkt ist

eine Katastrophe. Das ist frustrierend, es

macht die Arbeit nicht einfacher.“

Noch voreinigen Jahren brachte sie sogar

Leute mit Mietrückständen unter. Inzwischen

kann ein Schufa-Eintrag infolge einer

nicht bezahlten Handyrechnung schon ausreichen,

um Menschen zu disqualifizieren.

217

369

175

277

228

239

314

397

208

QUELLE: BEZIRKE; EIGENE RECHERCHE

Christine

Foof

sagt, sie

müsse Acht geben,

dass das alles

sie nicht runterzieht. Es

habe Zeiten gegeben, da

habe sie nachts wach gelegen.

„Das wirdweniger“, sagt sie.„Wasanunserer

Arbeit das Besondere ist, das sind die

Schicksale, die hinter einer Räumung stehen.

Da stumpft man nicht ab, aber man

muss aufpassen, dass man auch etwas für

sich tut.“

Räumungen geschehen in Berlin so gut

wie jeden Tag. Manche mit viel Lärm, Sitzblockaden

und Polizei. Andere sostill, dass

niemand davon etwas mitbekommt außer

dem Betroffenen selbst.

Auch die Ertragslogik des Mietmarkts

spielt eine Rolle, inaller Regel kann der Vermieter

die Wohnung anschließend deutlich

teurer neu vermieten. Eine Räumung kostet

5000 bis 7000 Euro, inden meisten Fällen

amortisieren sich die Kosten über die neue,

erhöhte Mieteschnell.

Solange verlässliche Erhebungen fehlen,

bleibt das Problem schwer greifbar. Die

Amtsgerichte müssen die Bezirke zwar über

Räumungsklagen informieren – aber nur,

wenn Mietschulden der Grund sind. Nicht

alle Bezirke sammeln die Daten, manche

führen Statistiken, anderenicht oder erst seit

ein, zwei Jahren. Dabei variieren die Zahlen

stark: Spandau war 2018 mit 602 Klagen Spitzenreiter,

gefolgt von Neukölln mit 455 und

Charlottenburg-Wilmersdorf mit 452. Marzahn-Hellersdorf

hat für 2018 keine Zahlen,

liegt aber allein in den ersten acht Monaten

dieses Jahres mit 458 Räumungsklagen sehr

weit oben. Am wenigsten betroffen war 2018

Steglitz-Zehlendorfmit 144 Klagen.

„Obwohl es viele Menschen in Wohnungsnotlagen

gibt, ist es ein typisches

Randgruppenthema, an dem weder die Politik

noch die Wirtschaft ein großes Interesse

haben“, sagt der Stadtsoziologe Andrej

Holm. Er hat 2015 in einer Studie nachgewiesen,

dass es einen Zusammenhang gibt zwi-

TREPTOW-KÖPENICK

363

schen der Höhe der möglichen

Mietsteigerung und der Häufigkeit

von Räumungen. Die Recherche der

Berliner Zeitung bestätigt dies: DerBezirk

Lichtenberg zum Beispiel ist einer

der wenigen, die Zahlen für jeden Postleitzahlbereich

erheben. Besonders hohe

Mietsteigerungen verbuchte dortinden vergangenen

vier Jahren mit 30 Prozent der

Postleitzahlbereich 13057 –Falkenberg also:

Dort lagen auch die Zahl der Räumungsklagen

im selben Zeitraum mit 117 pro 1000

Einwohner extrem hoch. Ganz anders dagegen

im Bereich 10318 –Karlshorst –,wodie

Miete umelf Prozent stieg und die Zahl der

Klagen pro1000 Einwohner bei 29 lag.

„Wenn arme Bewohner in Gebieten mit

sehr großen Ertragserwartungen leben, ist

der Verdrängungsdruck am größten“, sagt

Holm. Auch wenn die Gesamtzahl überschaubar

ist: „Räumungen haben eine faktische

und eine symbolische Funktion: Neben

der unmittelbaren Auswirkung für die Betroffenen

verstärken sie die allgemeine Wohnungsangst

in Berlin.“ Das ist ein Grund,

warum die Zahlen sinken: Der Druck auf

dem Mietmarkt hat die Zahlungsdisziplin

deutlich erhöht. Diemeisten Menschen zahlen

jetzt ihre Miete, auch wenn das Geld

nicht reicht, und sparen an anderer Stelle.

LICHTENBERG

Aufgrund der hohen Renditesprünge, die bei

Neuvermietungen möglich sind, greifen

auch die Hilfssysteme der Bezirke nicht

mehr.Sozialamt oder Jobcenter können beispielsweise

Mietschulden übernehmen,

wenn der Mieter dann seine Wohnung behalten

kann. Aber solange der Vermieter

nicht bereit ist, im Gegenzug von der Räumung

abzusehen, können die Behörden wenig

tun.

Dabei kommen die Anträge ohnehin oft

nicht durch. Für Hartz-IV-Empfänger sind

meist die Jobcenter zuständig: 2018 gingen

dortmehrals 6100 Anträge ein; das ist insgesamt

ein Volumen vonknapp neun Millionen

Euro.Nur etwa die Hälfte wurde bewilligt.

Dabei ist es durchaus sinnvoll, die Mietverträge

wenn möglich zu retten: Eine Mietschuldenübernahme

kostet im Schnitt 1500

Euro. Wenn Mieter obdachlos werden, kann

es viel teurer werden. Dann muss der Sozialstaat

sie unterbringen, notfalls in einer Obdachlosenunterkunft.

Unddie Plätze reichen

nicht. Die Bezirke müssen auf Hostels, Pensionen

und sogar umgebaute Gewerberäume

zurückgreifen. Für die Anbieter ist das ein lukratives

Geschäft: 25 bis 30 Euro fallen oft für

eine Person an, das sind pro Monat 750 bis

900 Euro.Wer sich in den Ämternumhört, erfährt

aber auch von Betreibern, die bis zu 70


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 3

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Report

Mit dem Rücken

zur Wand

VonGabriela Keller (Text) und Isabella Galanty (Grafik)

Unsere neue Serie „Geräumt“: Wohnungsnot, Renditedruck

und überforderte Ämter in Berlin –ein System am Anschlag

Teil 1–Wohnungsräumungen gibt es in Berlin jeden Tag, die meisten

geschehen so still, dass außer den Betroffenen selbst niemand etwas davon

mitbekommt. Exklusive Zahlen belegen: Geräumt wird vor allen dort,

wo die Mieten stark steigen

GETTY IMAGES

Kommunale Wohnungsbaugesellschaften

Verfahren gegen Mieter 2018 Räumungsklagen

davon Räumungen

271

230

225

223

Zahl der

Wohnungen

86

47000

7131 000

48

103

62 570

94

75 000

152

42 000

102

62 000

24

Stadtundland

WBM

Gewobag

Degewo

Gesobau

Howoge

QUELLE:KOMMUNALE WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFTEN

Euro pro Nacht berechnen. Die Zustände

seien mitunter kaum tragbar,die Rede ist von

fensterlosen Kammern und Ungeziefer.Viele

Bezirke führen eine rote und eine grüne Liste

von Betreibern. Die auf der grünen sind akzeptabel.

Dieauf der roten nicht.

Werverstehen will, warum die Hilfsangebote

der Behörden oft ins Leere laufen, kann

sich mit Susanne Gerull unterhalten, Professorin

für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit

an der Alice-Salomon-Hochschule. Gerull,

eine hochgewachsene Frau im Blazer, sitzt in

ihrem schmalen Büro und wirft die Hände in

die Luft. „Es ist verrückt, weil man so viel mehr

tun könnte“, ruft sie.„DasGesetz sieht vor, dass

die Sozialämter von jedem die Mietschulden

übernehmen sollen, wenn dadurch Wohnungslosigkeit

verhindert werden kann.“ Susanne

Gerull befasst sich seit 30 Jahren mit der

Frage, wie der Sozialstaat Menschen in Wohnungsnotlagen

helfen kann. Siesagt: „Eigentlich

müssten wir alle retten.“ Eigentlich.

Gerull hat früher selbst im Bezirksamt gearbeitet,

erst in Wedding, später in Mitte.Sie

weiß, wie es in der Praxis oft in den Behörden

aussieht: überforderte Sachbearbeiter, hoher

Krankenstand, Vorgesetzte, die Hilfsmaßnahmen

deckeln, auch wenn das gegen

das Gesetz ist. Die meisten Mietschuldner

setzen ihreRechte nicht juristisch durch. Gerull

weiß, dass viele Betroffene in ihrer Bedrängnis

wie gelähmt sind.„Die Leute sagen:

Ichhab es ja selbst verbaselt“, sagt sie.„Man

möchte die manchmal schütteln.“

Dass Briefe ungeöffnet liegen bleiben, gehört

dazu. Gerull hat deswegen in den 90er-

Jahren Hausbesuche gemacht. Sie sagt,

schon damals sei klar gewesen: „Wir müssen

zu den Leuten hin.“ Das macht heute kaum

noch ein Bezirk. Weil gespart werden muss,

wurden die Hausbesuche weitgehend eingestellt.

Erst seit Kurzem setzt ein Umdenken

ein. „Jetzt heißt es plötzlich wieder:Essoll in

allen Bezirken aufsuchende Sozialarbeit geben.

Ach ja?“, fragt Susanne Gerull. „Das

habe ich vor 19Jahren schon in meiner Dissertation

geschrieben.“

Sie kann sich aufregen über die Trägheit des

Systems. Darüber, dass nach wie vor keine

verlässlichen Zahlen vorliegen –und das in

einem Land wie Deutschland. „Wir wissen,

wie viele Angelscheine die Berliner haben“,

sagt sie,„aber nicht, wie viele Menschen geräumt

werden.“

Es sind nicht nur die großen Konzerne,die

räumen lassen, sondern gerade auch Privatvermieter.

Die landeseigenen Wohnungsunternehmen

gehen ebenfalls juristisch gegen

ihre Mieter vor –trotz ihres sozialen Auftrags

sogar überdurchschnittlich oft. Mit rund

320 000 Wohnungen macht ihr Bestand rund

ein Sechstel derWohnungen in Berlin aus.Mit

1172 Räumungsklagen im Jahr 2018 beläuft

sich ihr Anteil an der insgesamt erfassten Zahl

derVerfahren aber auf rund ein Drittel.

Aus den Statistiken der Unternehmen

geht auch hervor, dass sie sehr unterschiedlich

agieren. Zwischen 2016 und Mitte 2019

haben sie in insgesamt 4447 Fällen auf Räumung

geklagt –und in 1810 Fällen räumen

lassen. Stadtundland ist relativ klagefreudig;

hier kam innerhalb der dreieinhalb Jahreauf

49 Wohnungen eine Klage, in43Prozent davonwurde

die Wohnung geräumt. DieWBM

dagegen, die kleinste Gesellschaft, bewegt

sich mit einer Klage auf 120 Wohnungen am

unteren Rand –wobei aber in fast 60 Prozent

der Klagen eine Räumung folgte.

DieBezirksämter haben Soziale Wohnhilfen

eingerichtet, die sich um Menschen in

Wohnungsnot kümmern sollen. In Friedrichshain-Kreuzberg

ist die Behörde in einem

Gebäudeblock an der Yorckstraße untergebracht.

Am Ende eines neonbeleuchteten,

verwinkelten Flurs sitzt eine Frau an einem

Schreibtisch, auf dem sich Akten

türmen, sie ruft ins Telefon: „Nein! Dieses

Hostel ist ein absolutes No-Gofür Familien.“

Dann legt sie auf und atmet tief ein und aus.

Sabine Saggau, die Leiterin der Sozialen

Wohnhilfen, ist eine drahtige Frau, auf der

Nase trägt sie eine grasgrüne Brille; der

Raum ist vollgestopft mit Papieren, Ordnern

und wuchernden Grünpflanzen. Saggau

hatte gerade ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Wohnungsnot ist für sie Arbeitsalltag, und

das war vonAnfang an so,sagt sie.„Jetzt endlich

ist das Thema in der Öffentlichkeit.“

Saggau arbeitet hier mit 17 Sozialarbeitern

und sechs Verwaltungskräften daran,

die Wucht des Mietmarkts abzufedern, jeden

Tagaufs Neue. Die Leiterin ist eine engagierte

Frau, die ihre Arbeit liebt, weil sie das

Gefühl hat, etwas bewirken zu können. Aber

ihre Spielräume schwinden, sie sagt: „Wir

stehen mit dem Rücken zur Wand.“

Jeden Monat sprechen im Schnitt 1000

bis 1200 Leute vor. Das Publikum spiegelt

die Bevölkerung von Friedrichshain-Kreuzberg.

Es sind oft Hartz-IV-Empfänger darunter.

Aber auch Saggau sagt, es kämen jetzt

nicht mehr nur die Ärmsten zu ihr, sondern

auch Menschen, die in einem Start-up arbeiten

und mit dem Anstieg der Mieten nicht

mehr mithalten können, Kulturschaffende,

Freischaffende,Leute aus der Filmbranche.

Die Sozialarbeiterin tut, was sie kann.

Aber sie erreicht hier nicht jeden. Wenn jemand

nicht auf Briefe antwortet, kann sie

nichts tun. „Aufsuchende Sozialarbeit können

wir nicht leisten“, sagt sie.Verglichen mit

anderen Bezirken sei Friedrichshain-Kreuzberg

gut ausgestattet, aber sie würden dem

Andrang kaum noch gerecht. „Wir sind hier

ja quasi die Endstation. Alle Leute, die aus

dem Leben katapultiert werden, Süchtige,

psychisch Kranke, landen irgendwann an

solchen Stellen.“

Die Ressourcen sind knapp, die Not

wächst.„Es hat sich zugespitzt“, sagt sie,„absolut.“

Der Wohnungsmarkt verändert sich,

und es gibt vieles, was ihren Job schwieriger

macht. Zum Beispiel, dass viele Vermieter

jetzt zusammen mit der fristlosen Kündigung

gleich eine fristgerechte mitschicken.

Das bedeutet: Selbst wenn der Bezirk die

Mietschulden ausgleicht, lässt sich das Mietverhältnis

nicht mehr retten. „Das ist etwas,

das sich total verändert hat“, sagt Sabine

Saggau, „dass die Neuvermietung der Wohnung

lukrativer ist als das Begleichen der

Mietschulden.“

Einige Wochen später wartet am Morgen

eine von Saggaus Kolleginnen an ihrem

Schreibtisch. Die Sozialarbeiterin will nicht

mit Namen in der Zeitung stehen, ihreKlientin

auch nicht, nennen wir sie Manuela

Heinze. Gegen die Frau läuft eine Räumungsklage,und

sie weiß nicht, wohin.

Es ist nach neun Uhr, die Klientin ist noch

nicht da. Die Frau vom Bezirksamt geht erneut

die Unterlagen durch. „Sie merkt jetzt,

dass ihr die Felle wegschwimmen“, sagt sie,

„es ist alles bei ihr im Umbruch.“ Sie wird

versuchen, die Klientin im so genannten geschützten

Segment unterzubringen, das speziell

für Menschen gedacht ist, die alleine

keine Chance auf dem Mietmarkt haben.

1350 solcher Wohnungen gibt es in Berlin,

viel zu wenige, die Wartelisten sind lang. Sie

Der Berliner Mietmarkt hat sich verändert. Früher waren Räumungen ein Instrument, um notorischen Mietschuldnernbeizukommen. Heute sind sie ein Rad in

der Maschinerie von Aufwertung und Verdrängung.

ISTOCKPHOTO

hat ihrer Klientin schon eine Betreuung bei

einem Träger vermittelt, die ihr bei Anträgen

und Behördengängen hilft.

Dann hastet Manuela Heinze hinein, außer

Atem, eine schmale Frau mit blonden

Zöpfen und Röhrenjeans, stottert eine Entschuldigung,

der weite Wegaus Friedrichshain,

Bauarbeiten an der Bahnlinie, Schienenersatzverkehr.

Sie setzt sich an einen Tisch inder Mitte

des Raumes. Esist ihr vierter Termin, heute

soll es um praktische Dinge gehen. Die Frau

vomBezirksamt sagt:„IhreRäumung steht ja

jetzt an. Ich dachte, wir reden darüber, wie

Siesich verhalten.“

Aber zunächst gibt es noch Papierkram zu

erledigen; damit die Klientin ihre Betreuung

vondem Träger erhalten kann, muss ein Antrag

ausgefüllt werden. Die Sozialarbeiterin

schiebt die Papiere auf ihrem Tisch mit den

Fingerspitzen zusammen. „Gesundheitliche

Situation?“ –„Ichhab ständig Kreislaufprobleme.Mir

wirdschwarzvor Augen.“ –„Na ja,

ich sag mal: Ihr Leben verändert sich ja gerade

massiv. Und dann der Stress.“ –„So ist

das. Ich lauf von danach da. Dann müsste

ich was essen, hab aber keine Zeit.“

Heinzehat Mietschulden; deshalb hat ihr

Vermieter ihr gekündigt. Aber sie hätte sowieso

umziehen müssen. Sie lebt von Hartz

IV. Ihr Sohn ist jetzt gerade ausgezogen, und

für sie allein wäre die Wohnung zu teuer. Sie

redet schnell, kommt voneinem Thema aufs

nächste. Erst am Abend hat sie ihren Sohn

verabschiedet; der zieht jetzt nach Bochum.

Gleich muss sie zum Jobcenter,später soll sie

sich um eine Schufa-Auskunft und einen

Wohnberechtigungsschein kümmern.

Wie es zu ihren Mietschulden kam, kann sie

nicht genau sagen. Irgendwann hatten sich

230 Euro angesammelt. Der Vermieter behauptete,das

Jobcenter habe zu wenig überwiesen,

das Jobcenter stritt das ab.„Das mit

der Wohnsituation und dem Jobcenter, das

frisst mich auf“, sagt sie. Sie hat keine Ahnung,

welche Seite rechthat,und weiß nicht,

wie sie die Differenzen aufklären sollte.„Und

jetzt ist da die große Katastrophe.“

Ohnehin versteht sie oft nicht, wie das

Jobcenter die Leistungen berechnet. Sie hat

immer mal wieder gearbeitet, als Leiharbeitskraft

in Betriebskantinen geputzt oder

in Kitas Essen zubereitet. Gerade hat sie wieder

mal eine Stelle verloren, es sieht so aus,

als sei der Arbeitgeber ihr noch Lohn schuldig.

Oder das Jobcenter. Genau weiß sie es

aber nicht. „Haben SieKontoauszüge?“, fragt

die Sozialarbeiterin. „Nein. Die Bank schickt

jetzt nur noch PDFs. Ich weiß nicht, wie das

geht. Mein Computer streikt auch.“

Das Jobcenter hat ihr jetzt nur 32 Euro

überwiesen.Für denganzen Monat. „Davon

müssen Sie ja noch Strom bezahlen. Wie

hoch sind die Kosten?“– „64 Euro.“

Dann endet der Termin, Manuela Heinze

muss jetzt weiter zum nächsten Termin. Am

Ende reicht die Sozialarbeiterin ihr den ausgefüllten

Bogen. Heinze steckt ihn in eine

Plastiktüte,die voll ist mit Papieren.Darüber,

wie sie umgehen soll mit der Zwangsräumung,

haben sie nicht sprechen können.

Nächste Folge: DerFallDaniel Zaibi –ein Mann aufdem

Wegindie Obdachlosigkeit

Gabriela Keller wundertsich darüber,

wie unterschiedlich gut die Bezirkemit

ihren Statistiken aufgestellt sind.


4* Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Mann schändet Bild eines

KZ-Überlebenden in Weimar

Ein36-Jähriger hat in Weimar gegen

das Bild eines KZ-Überlebenden gespuckt,

uriniertund getreten. Nun

ermittelt die Polizei gegen den Mann

wegen Volksverhetzung, Beleidigung

und politisch motivierter Sachbeschädigung.

EinZeuge habe den Angriff

am Mittwochabend gemeldet,

teilte die Polizei am Donnerstag mit.

DerAngreifer sei starkbetrunken gewesen

und habe einen Platzverweis

erhalten. DasBild ist Teil einer Ausstellung

unter freiem Himmel in der

Innenstadt. Diedortigen Porträts erinnernandie

Leiden der Häftlinge

im einstigen nationalsozialistischen

Konzentrationslager Buchenwald

vorden TorenWeimars. (dpa)

SPD will Riester-Verträge

nicht mehr steuerlich fördern

DieSPD will denWegfür einen Ausstieg

aus der steuerlichen Förderung

vonRiester-Verträgen ebnen. Das

geht aus dem Zwischenbericht der

Reformkommission„Zukunft der Alterssicherung“

des Parteivorstands

hervor, der beim SPD-Bundesparteitag

Anfang Dezember beraten werden

soll.„Eine Subventionierung zukünftigerVerträge

lehnen wir ab“,

heißt es im dem Papier des Gremiums,das

unter demVorsitz vonBundesarbeitsminister

Hubertus Heil

(SPD) getagt hatte.Notwendig sei

„eine grundsätzliche Reform“ der Privatvorsorge.

(rb.)

Özdemir rügt nachgiebige

Türkeipolitik der Regierung

DerGrünen-Politiker CemÖzdemir

macht die seiner Ansicht nach zu

nachgiebige Türkeipolitik der Bundesregierung

mitverantwortlich für

die Festnahme eines Kooperationsanwaltes

der Deutschen Botschaft in

Ankara. „Egal, ob Völkerrecht oder

internationale rechtsstaatliche Gepflogenheiten:

Präsident Erdogan

schertsich nicht drum und weiß,

dass er seitens der Bundesregierung

nicht viel zu befürchten hat“, sagte

Özdemir am Donnerstag. Es wird

vermutet, dass der Jurist der Botschaft

sensible Daten vonMenschen

aus der Türkei bei sich hatte,die in

Deutschland politisches Asyl beantragt

hatten. DieDaten könnten nun

dem türkischen Geheimdienst MIT

in die Hände gefallen sein, berichtete

der Spiegel. (kor.)

Kim reist nicht zum

Asean-Gipfel nach Südkorea

Nordkoreas Staatschef Kim sieht „keinen

Grund“, in den Süden zu reisen.

AP

Nordkoreas Machthaber KimJong

Un hat eine Einladung des südkoreanischen

Präsidenten Moon JaeInzur

Teilnahme an einem Sondergipfel

mit der südostasiatischen Staatengemeinschaft

(Asean) ausgeschlagen.

Nordkorea sei zwar dankbar für

die Einladung, die Moon in einem

persönlichen Brief am 5. November

übermittelt habe,doch gebe es keinen

„richtigen Grund“ für Kim, in

der nächsten Woche zu der Veranstaltung

ins südkoreanische Busan

zu reisen, vermeldeten die Staatsmedien

am Donnerstag. DerRegierung

in Seoul wurde vorgeworfen, bei der

Lösung innerkoreanischer Probleme

vonden USA abzuhängen und die

Vereinbarungen Kims mit Moon bei

ihren drei Gipfeltreffen nicht eingehalten

zu haben. (dpa)

Die Nummer drei

Vordem CDU-Parteitag präsentiert sich Gesundheitsminister Jens Spahn als lernfähiger Netzwerker

VonGordon Repinski

Der Einmarsch in die Parteitagshalle

ist der Tunnel,

durch den jeder

Spitzenpolitiker geht; an

dessen Ende leuchtet die Bühne,

aber auf dem Weg dahin verschwimmt

alles: Fähnchen, Jubel,

Gesichter, Hände. Der Politiker lächelt,

greift Hände,hinter jedem Gesicht

könnte sich ein Mensch verstecken,

den man kennt. Ein vergessener

Weggefährte, ein Parteifreund,

dem man einst einen Gefallen getan

hat oder noch einen schuldet. Jede

Hand zählt auf dem Wegnach oben.

Neumünster am vergangenen

Sonnabend, die CDU Schleswig-

Holstein hat zum Landesparteitag

geladen. Vor den Holstenhallen

stoppt der Schwarze Audi A8des

Mannes, der scheinbar auch immer

auf dem Wegnach oben ist. Die Tür

öffnet sich, Jens Spahn steigt aus. Er

sortiertsich, schließt sein Sakko,begrüßt

Gastgeber Daniel Günther.Ein

freundliches Wort, dann folgt der

Tunnel. Schritte, lächeln, Hände.

Schritte,lächeln, Hände.

Im Gang wartet Hans-Peter Küchenmeister.

Spahn und ihn verbindet

eine Geschichte, sie ist fast 20

Jahre alt. Küchenmeister war einst

Vorsitzender der Bundesgesundheitskommission

des Mittelstandskreises

MIT, Spahn mit Anfang 20

sein Stellvertreter. „Ich hab ihn damals

aus einem Ausschuss geschoben“,

sagt Küchenmeister. „Mal sehen,

ob er mich noch erkennt.“

Dann nähert sich Spahn, rauscht

im Kameralicht heran. Kurz vor Küchenmeister

streckt sich ihm die

Hand eines weiteren Parteifreundes

entgegen, Spahn ergreift sie, sagt einen

Satz, lässt wieder los –und läuft

auf die Bühne. Applaus brandet auf.

Küchenmeister bleibt zurück.

Früher laut,heute fleißig

Jens Spahn läuft durch viele Tunnel

in diesen Wochen, er ist mittlerweile

längst mehr als jemand, der auf dem

Wegnach oben ist. Aus dem jungen

Abgeordneten, den Küchenmeister

einst aus einem Fachausschuss geschoben

hat, ist einer der wichtigsten

Politiker des Landes geworden.

Spahn, 39, blickt auf eines der erfolgreichsten

Jahre seiner Karriere

zurück, das mit einer Niederlage begann.

Im Dreikampf um den CDU-

Vorsitz im vergangenen Dezember

unterlag er Annegret Kramp-Karrenbauer

und Friedrich Merz,ermusste

sich einreihen. Aber er hielt eine gute

Rede und verlor als Sportsmann. Es

brachte ihm viele Sympathien ein.

Danach wandelte er sich noch

einmal. Aus dem lauten Karrieristen

wurde ein fleißiger Arbeiter. Statt

über Burkaverbote sprach er über

Impfprogramme. Seine Zwischenbilanzen

konnten sich sehen lassen. 16

Gesetzein16Monaten. Dann 18 Gesetze

in 18 Monaten. Spahn, das

stellt selbst die SPD nicht infrage,

entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten

Minister der großen Koalition.

Während Kramp-Karrenbauer

Fehler machte und Merz mit zu viel

öffentlicher Kritik Zuspruch verlor

wurde für Spahn die Position als dritter

Mann immer komfortabler.

Wenn an diesem Freitag die CDU

zu ihrem Parteitag zusammenkommt,

wirdSpahn eine Nebenrolle

spielen. Er wird zuschauen, wie sich

Kramp-Karrenbauer schlägt, die angeschlagene

Chefin. Underwirdverfolgen,

wie Merz seinen Angriff auf

die Vorsitzende inszeniert.

Kramp-Karrenbauer und Merz

stehen in einem toxischen Wettstreit

miteinander, der beide womöglich

am Ende verlieren lässt. Gerade deshalb

glauben viele in der Union, dass

die Namen, die die nächste Kanzlerkandidatur

unter sich ausmachen,

nicht mehr Kramp-Karrenbauer und

Merz sind. Sonderndass es der nordrhein-westfälische

Ministerpräsident

Armin Laschet und Spahn unter

sich entscheiden.

Zurück in Neumünster, ins Licht,

auf die Bühne. Spahn spricht über

Ein Minister auf dem Wegnach oben: Jens Spahn

sein Lieblingsthema in diesen Monaten

–über die Pflege; aber er bleibt

nicht dabei. „Google weiß bald mehr

über Sie als Ihr Partner“, sagt Spahn

und holt damit langsam aus,umvon

den Gesundheitsthemen zur Digitalisierung

überzugehen und von dort

zur Zukunft. Die Rede funktioniert.

Lauter Applaus. Auch der frühere

Konkurrent Küchenmeister ist überzeugt

und ruft: „Das kann er.“

Natürlich will auch der fleißige

Minister Spahn nicht immer nur Gesundheitspolitiker

sein. Er kennt

sich aus in seinem Fachbereich, aber

als er 2015 von Wolfgang Schäuble

zum Finanzstaatssekretär gemacht

AFP/TOBIAS SCHWARZ

Das Cist weg: Der CDU-Parteizentrale in Berlin ist vor dem Parteitag ein Buchstabe

abhandengekommen. Greenpeace-Aktivisten hatten am Donnerstagmorgen das Caus

dem Parteilogo im Konrad-Adenauer-Haus entfernt. Das verbleibende „DU“ ergänzten

die Aktivisten mit einem Banner:„Du sollst das Klima schützen.“

DPA/PAUL ZINKEN

wurde, war das für Spahn auch die

Gelegenheit, sich endlich um andere

Themen kümmern. Es hatte deshalb

auch etwas Gemeines, dass Angela

Merkel ihn 2018 zum Gesundheitsminister

machte. Eine Beförderung,

einerseits.Doch auch ein Schritt zurück

ins Fachgebiet, aus dem er sich

zuvor befreit hatte.

Doch Spahn ist lernfähiger als andere

Politiker. Ernahm die Aufgabe

an, wurde geduldiger. Arbeitete

seine Gesetze ab, reformierte die

Pflege, setzte eine Impfpflicht gegen

Masern durch. Und verlor dennoch

auch andere Themen nie aus dem

Auge. Aber er tat es geschmeidiger

als früher.Statt mit plumpen Zitaten

agierte er im Hintergrund.

Spahn baut in Berlin an seinen

Netzwerken, die längst über die

Fachpolitik hinausgehen. Gemeinsam

mit seinem Ehemann Daniel

Funke organisierterThemenabende

bei sich, mal geht es um Sicherheitspolitik,

mal um Migration. Parteifreunde

kommen, aber auch Oppositionsvertreter,

Wissenschaftler. Es

ist ein Netzwerk, wie es kaum ein anderer

in der Hauptstadt pflegt: aufstrebend

und machtbewusst, offen

und divers.Und womöglich im richtigen

Moment auch einmal nützlich.

Gerade für Spahn, der in der

Union keine echte Hausmacht besitzt.

Sein Landesverband Nordrhein-Westfalen

wirdgeführtvon Armin

Laschet, einem Konkurrenten

vonfrüher,mit dem Spahn sich ausgesprochen

und einen Nichtangriffspakt

geschlossen hat. Manch

älterem Parteimitglied ist Spahn

noch immer zu schneidig, zu jung.

Die Sympathien der Jungen

Union muss er sich teilen, denn nirgendwo

funktioniertMerzbesser als

Projektionsfläche für die Hoffnung

auf eine am Gestern angelehnte,

aber doch bessere Zukunft. In der

CSU hat Spahn viele Unterstützer.In

der Frage einer Kanzlerkandidatur

hilft das womöglich wenig.

Er spielt auf Zeit

Spahns enge politische Freunde sind

Carsten Linnemann und Paul Ziemiak.

Mit beiden verbinden ihn Generation,

Landesverband und konservative

Grundhaltung. Doch als es

im vergangenen Jahr um die Parteispitze

ging, standen auch diese Verbindungen

unter Spannung. Linnemanns

Wirtschaftsflügel schlug sich

auf Merz’ Seite, Ziemiak lief zu

Kramp-Karrenbauer über und

wurde mit dem Generalsekretärsposten

belohnt. Immerhin: Diepolitische

Freundschaft der drei hat

auch diese Phase überstanden.

Und so spielt Spahn weiter auf

Zeit. Er weiß, in zwölfMonaten kann

die Welt der CDU schon wieder eine

andere sein. Im Guardian pries er

jüngst die Bedeutung von Migration

für die Pflege. In der Frankfurter

Neuen Presse schrieb er über Konservative

als Bollwerk gegen Extremismus.

Und in Neumünster lobt er

am Ende seiner Rede demonstrativ

die prägenden Figuren der CDU in

den vergangenen Jahrzehnten:

„Adenauer,Kohl –Angela Merkel.“

Als er „Angela Merkel“ sagt, betont

er den Namen etwas anders,die

Stimme fällt nach hinten ein wenig

ab.Esist außergewöhnlich in diesen

Wochen, wenn ein Konservativer

Merkels Dienst an der CDU lobt.

Spahn tut es, weil es hier im Norden

populär ist. Aber auch, weil es

scheint, als wolle er vomkonservativen

Flügel einen Schritt in Richtung

der Mitte der Partei gehen. Er weiß,

dass dies noch immer der beste Ort

für einen Kanzlerkandidaten ist.

Wann auch immer es so weit ist.

Am Ende wirdein starkes Bündnis

zwischen zweien der Kontrahenten

entscheiden, wer die Kanzlerkandidatur

übernehmen kann. Merz gilt in

der Partei als nicht bündnisfähig und

unverlässlich. Womöglich sind es Laschet

und Spahn, die sich zusammenschließen

und die Zukunft der

Partei unter sich ausmachen.

Nach der Rede in Neumünster

fällt Spahn auf den Rücksitz seines

Dienstwagens. Ergreift nach einem

Desinfektionsmittel, lehnt sich zurück.

Viele Hände zu schütteln, bedeutet

viele Bakterien zu transportieren.

Wersollte das besser wissen

als der Gesundheitsminister.

In der Halle bleibt Hans-Peter Küchenmeister

zurück, ohne Wort,

ohne Gruß. Wie findet er den Konkurrenten

von früher mittlerweile?

„Er macht einen großartigen Job.“

Könnte er der Kanzlerkandidat sein?

„Er ist sicher einer der absoluten

Top-Leute“, weicht Küchenmeister

aus. Erwill sich nicht entscheiden.

Spahn muss ihn erst überzeugen.

Aber etwas Zeit bleibt auch noch.

Netanjahu

soll vor

Gericht

Anklage wegen Korruption

mitten in Regierungskrise

Israels rechtskonservativer Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu

soll wegen Korruption vor Gericht.

DasJustizministerium teilte am Donnerstag

mit, Netanjahu solle wegen

Betrugs und Untreue sowie Bestechlichkeit

angeklagt werden. DieAnklagen

kommen inmitten einer anhaltenden

politischen Krise in Israel.

Netanjahu hatte bereits in der

Vergangenheit alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Am Donnerstagabend

sprach er von einem „versuchten

Putsch“ gegen einen Regierungschef.

Er werde alle Anklagepunkte

widerlegen. Einen Rücktritt im Fall

einer Anklage hatte er bereits vorab

ausgeschlossen.

Rechtlich gesehen muss Netanjahu

nach Angaben des Israelischen

Demokratie-Instituts (IDI) als Regierungschef

nicht zurücktreten. Sollte

er wegen Bestechlichkeit verurteilt

werden, drohen ihm nach Angaben

des Rechtsprofessors Gad Barzilai

vonder Universität Haifa bis zu zehn

Jahre Haft. Im Falle einer Verurteilung

wegen Betrugs und Untreue

wäre die Höchststrafe drei Jahre Gefängnis.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

drohen bis zu drei Jahre Gefängnis.

In einem der Fälle geht es um den

Verdacht, dass Netanjahu als Kommunikationsminister

dem Unternehmen

Bezeq rechtliche Begünstigungen

gewährt habe. ImGegenzug

soll ein zum Konzern gehörendes

Medium positiv über ihn berichtet

haben. Netanjahu gab das Ministeramt

2017 ab.

Zudem geht es um Vorwürfe, Netanjahu

und seine Familie hätten in

den Jahren 2007 bis 2016 vonzweiGeschäftsleuten

Zigarren, Champagner

und Schmuck im Wert voninsgesamt

einer Million Schekel (umgerechnet

rund 230 000 Euro) angenommen.

Nach Polizeiangaben handelte es sich

dabei um illegale Schenkungen des

Hollywood-Produzenten Arnon

Milchan und des australischen Unternehmers

James Packer.

Eine Frist vondreiWochen

Im Gegenzug soll Netanjahu sich für

ein Gesetz starkgemacht haben, das

Milchan Steuervergünstigungen in

Millionenhöhe verschaffen sollte.

Außerdem habe er ihm geholfen, ein

neues US-Visum zu bekommen.

Laut Justizministerium hat der

Generalstaatsanwalt die Anklagen

bereits dem Parlamentspräsidenten

vorgelegt. Nach Angaben des Israelischen

Demokratie-Instituts bleiben

Netanjahu nun regulär 30 Tage Zeit,

um beim Parlament Immunität vor

Strafverfolgung zu beantragen. Allerdings

verfügt Israel nach der Parlamentswahl

im September noch

nicht über eine neue Regierung. Aktuell

droht bereits eine weitereWahl,

weil sich die Parteien nicht auf eine

Regierungskoalition einigen können.

Nun kann jeder Abgeordnete

versuchen, eine Mehrheit von61der

insgesamt 120 Parlamentarier für

eine Regierungskoalition zu finden.

Scheitert auch dies innerhalb der

nächsten 21 Tage, muss Israel zum

dritten Mal innerhalb eines Jahres

ein Parlament wählen. Die Neuwahl

könnte nach Medienberichten in der

ersten Märzhälfte stattfinden. (dpa)

PA


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 5 *

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Politik

Hoffnung im Hörsaal

Der US-Kongress will der Protestbewegung in Hongkong helfen, doch Donald Trump zögert. China fordert ein Veto des Präsidenten

Trotz scharfen Widerstands

aus China hat sich der US-

Kongress demonstrativ

hinter die Demokratiebewegung

in Hongkong gestellt. Das

Repräsentantenhaus billigte fast einstimmig

zwei Gesetzesentwürfe zur

Unterstützung der demokratischen

Kräfte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion,

die am Vortag

bereits der Senat beschlossen hatte.

MitSpannung wirderwartet, ob DonaldTrump

dieVerordnungen unterzeichnen

wird, damit sie in Kraft treten

können. China forderte den US-

Präsidenten am Donnerstag auf,

sein Veto einzulegen, drohte ansonsten

„harte Gegenmaßnahmen“ an.

Die Gesetzesvorhaben „billigen

stillschweigend gewalttätige Kriminelle“,

sagte Chinas Außenminister

Wang Yi bei einem Treffen mit dem

früheren US-Verteidigungsminister

William Cohen in Peking. Die„Menschenrechts-

und Demokratieverordnung“

sei eine unverhohlene

Einmischung in innere Angelegenheiten

Chinas. Esgehe im Grunde

darum, Hongkong weiter ins Chaos

zu stürzenoder sogar zu zerstören.

Eingeschlossen auf dem Campus

Nach den Ausschreitungen Anfang

derWoche war die Lage in Hongkong

am Donnerstag ruhig. Allerdings

harrten immer noch Dutzende Demonstranten

auf dem von Sicherheitskräften

abgeriegelten Gelände

der Polytechnischen Universität aus.

Die Polizei hatte diese aufgefordert,

den Campus zu verlassen. Doch

„Fünf Forderungen –nicht eine weniger“, rufen die Menschen bei den Demonstrationen in Hongkong.Manchmal genügt ein Handzeichen.

fürchten sie ihreFestnahme als„Aufrührer“.

Rund 1000 Demonstranten

haben das Gelände verlassen.

Einige Hundert wurden festgenommen,

andere seien nach Angaben

des Hongkonger Abgeordneten

Ip Kun-yuen durch das Chaos amWochenende

auf dem Campus eingeschlossen

worden. DieZeit, die ihnen

bis Sonntagabend gegeben worden

sei, um das Gelände zu verlassen, sei

zu kurzgewesen, zitierte ihn der Sender

RTHK. DerBildungsexperte hatte

versucht, bei dem friedlichen Abzug

der Demonstranten zu vermitteln.

Seit fünf Monaten dauerndie Proteste

in Hongkong schon an. Sierichten

sich gegen die Regierung, das als

brutal empfundene Vorgehen der

Polizei und den wachsenden Einfluss

der Pekinger Führung. Seit der

Rückgabe 1997 an China wirdHongkong

nach dem Grundsatz „ein

Land, zwei Systeme“ unter Chinas

Souveränität autonom regiert. Anders

als die Menschen in der kommunistischen

Volksrepublik genießen

die Hongkonger weitgehende

Rechte wieVersammlungs- und Meinungsfreiheit.

Jetzt fürchten sie aber,

DPA

dass ihreFreiheiten zunehmend eingeschränkt

werden.

Der Aktivist Joshua Wong rief die

Europäer zu einem stärkeren Einsatz

für Hongkong auf. „Die EU tut bisher

zu wenig“, sagteWong dem Handelsblatt.

Die Metropole erlebe eine humanitäre

Krise. Die EU müsse eine

unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt

einfordern und Druck

machen, „damit es zu einem Ende

der Polizeibrutalität und zu freien

Wahl in Hongkong kommt“, sagte

Wong, der als Gesicht der Protestbewegung

gilt. Er begrüßte die Beschlüsse

des US-Kongresses: „Die

Regierung in Peking wird einsehen

müssen, dass sie die Stimmen der internationalen

Gemeinschaft nicht

ignorieren kann.“

Trotz der Verärgerung in Peking

hatte der US-Kongress die „Menschenrechts-

und Demokratieverordnung“

zu Hongkong am Mittwochabend

in Washington angenommen.

Aus Protest hatte Chinas

Regierung zuvor schon den US-Geschäftsträger

in Peking einbestellt.

Der US-Präsident hat sich bisher

nicht dazu geäußert, ob er die Gesetze

unterzeichnen oder ein Veto

einlegen wird. Es könnte aber mit einer

Zweidrittelmehrheit überstimmt

werden. Bisher hatte sich Trump mit

Kritik am Vorgehen Chinas in Hongkong

zurückgehalten. Auch sucht er

gerade eine Einigung im Handelskrieg

der USA mit China.

Mögliche Wirtschaftssanktionen

Ein weiterer Gesetzesentwurf, der

den Export unter anderem von Tränengas,Gummigeschossen,

Wasserwerfernund

Handschellen an Hongkongs

Polizei untersagt, wurde sowohl

im Repräsentantenhaus als

auch im Senat angenommen. Die

„Menschenrechts- und Demokratieverordnung“

wurde im Senat einstimmig

und im Repräsentantenhaus

mit nur einer Gegenstimme beschlossen.

Der Gesetzentwurf droht Wirtschaftssanktionen

an, indem Hongkong

die bisher gewährteVorzugsbehandlung

in der amerikanischen

Wirtschafts- und Handelspolitik gegenüber

China entzogen werden

könnte. So sind jährliche Berichte

des Außenministeriums an den Kongress

vorgesehen, ob Hongkong

noch ausreichend autonom von

China ist, um die bevorzugte Behandlung

weiter zu rechtfertigen.

Bürgerrechte sollen besonders berücksichtigt

werden. Der Entwurf

sieht vor, dass der Präsident Sanktionen

gegen Personen verhängt, die

für schwere Menschenrechtsverletzungen

in Hongkong verantwortlich

gemacht werden. (dpa)

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bis 31.12.2019.Zulassungbis 30.06.2020. Istder Leasingnehmer Verbraucher, besteht nach Vertragsschluss ein

gesetzliches Widerrufsrecht. Nach den Leasingbedingungen besteht die Verpflichtung, für das Fahrzeug eine

Vollkaskoversicherungabzuschließen.

BMW 118i:Kraftstoffverbrauch in l/100km(innerorts/außerorts/kombiniert): 7,2/4,3/5,4; CO 2

-Emission in g/km (kombiniert):

122; Energieeffizienzklasse: B. Die offiziellen Angaben zu Kraftstoffverbrauch, CO 2

-Emissionen und Stromverbrauch

wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren VO (EU) 715/2007 in der jeweils geltenden Fassung ermittelt. Fürdie

Bemessung vonSteuern und anderen fahrzeugbezogenen Abgaben, die (auch) auf den CO 2

-Ausstoßabstellen, können

andereals die hier angegebenen Wertegelten.

Abgebildetes Fahrzeug entspricht nicht dem Leasingbeispiel. Abbildung zeigt Sonderausstattungen.


6* Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

22.8.19

22.8.19

▼ 13137,70 (–0,16 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

22.8.19

Stand der Daten: 21.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

21.11.19

▲ 63,78 (+2,15 %)

21.11.19

▲ 1,1091 (+0,29 %)

Quelle

21.11.19

aus DAXund MDAX vom21.11.zum Vortag

CTSEventim 55,25 +2,03 WW

Uniper NA 29,68 +1,92 WW

Daimler NA 51,03 +1,86 WW

Commerzbank 5,16 +1,46 WW

Gerresheimer 67,50 +1,28 WW

Evotec 18,73 +0,92 WW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 21.11. zumVortag

thyssenkrupp 11,67 WWWWWWWWWWW –13,62

Aurubis 46,16 WWWWW –5,22

Rheinmetall 93,00 WWW –3,15

MTUAero Engines 237,70 WWW –2,42

Grand City Prop. 20,76 WWW –2,35

1&1 Drillisch 24,80 WW –1,82

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 21.11. ±% z. 20.11.

Euro Stoxx 50(EU) –0,11

3733/2909 3679,66

CAC 40(FR) – 0,22

5967/4556 5881,21

S&P UK(UK) –0,33

1562/1323 1460,53

RTS (RU) +0,44

1488/1033 1454,74

IBEX (ES) –0,12

9588/8286 9214,00

Dow Jones (US) –0,25

28090/21713 27751,26

Bovespa (BR) +0,36

109672/83892106098,68

Nikkei (JP) – 0,48

23591/18949 23038,58

Hang Seng (HK) –1,53

30280/24897 26475,92

Stx Singap. 20 (SG) –1,09

1657/1395 1608,41

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,56 0,66 0,91

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,50

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,45 0,46 0,51

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,65

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank

deutsche-bank.de - 0,01 0,01

Santander

santander.de - 0,01 0,05

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,01

Commerzbank

commerzbank.de - - -

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,22 0,29 0,38

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die meistenReisebüros von Thomas Cook wurden an Galeria Karstadt Kaufhof weitergereicht.

Von Frank-Thomas Wenzel

Das war’s. Das Ende des

Reiseveranstalters Thomas

Cook ist besiegelt.

Nächste Woche sollen

Kündigungenanetwa 1000Beschäftigte

des Oberurseler Unternehmen

verschickt werden. Dasist knappdie

Hälfte der früheren Belegschaft. Die

Geschäfte der Veranstaltersparte mit

denMarkenAirMarin,ThomasCook

Signature und Neckermann Reisen,

einst Kern des Unternehmens, werden

in den nächsten Tagen endgültig

eingestellt. KnappzweiMonatelang

hatte ein Team von vorläufigen Insolvenzverwaltern

versucht, die Firma

als Ganzes zu verkaufen.

Zwar gab es zahlreiche Interessenten.

„Aber viele sind vorder Größe

des Unternehmens und den Kosten

der Anlauffinanzierung zurückgeschreckt“,

erläuterte Julia Kappel-

Gnirs –die Rechtsanwältin gehörtzu

den Insolvenzverwaltern. Demnächst

läuft das dreimonatige Insolvenzgeld

aus, das dieBundesagentur

für Arbeit für die Beschäftigten zahlt.

Immerhin ist es den Insolvenzverwaltern

aber gelungen, für einen

Teil der Gruppe Käufer zu finden. So

wirddie Gesellschaft, in der die Veranstalter

Öger Tours (spezialisiert

auf die Türkei) und Bucher Reisen

(Last-minute-Experte) zusammengefasst

sind,von der türkischen Tourismusgruppe

Anex Tour übernommen.

Die Öger-Tours-Geschäftsführerin

Songül Göktas-Rosati betonte,

Stahlharte Zeiten

Neue Chefin von Thyssenkrupp verkündet Einschnitte und Kurswechsel –mehrals 6000 Jobskönntenverschwinden

Von Claus Haffert

und Natali Schwab

Das Ende ist besiegelt

Bei Thomas Cook gehen die Lichteraus. 1000Mitarbeiter erhalten die Kündigung

Zahlungsunfähig: Thomas

Cook war einst hinter Tuider

weltweit zweitgrößte integrierte

Tourismuskonzern. Im

September musste zunächst

die britische Muttergesellschaft

ihre Zahlungsunfähigkeit

erklären. Kurz drauf war

auch der deutsche Ableger

zum Gang zum Amtsgericht

gezwungen. Ein Dominoeffekt.

WELTWEIT DIENUMMER ZWEI

Buchungsrückgang: Die finanzielle

Lageder Gruppe

hatte sich im Laufe des Jahres

immer weiter verschlechtert.

Im wichtigen Geschäft

für den Sommerurlaub gingenauchhierzulande

die

Buchungen massiv zurück,

auch weil in Reisebüros vor

finanziellen Risiken einer

Urlaubsreise mit Thomas

Cook gewarnt wurde.

Zerschlagung: Ein nach der

Insolvenzerklärung eingereichter

Antrag für einen

staatlichen Rettungskredit

wurde –mangels Erfolgschancen

–zurückgezogen.

Eine Zerschlagung vonThomas

Cook war vonBranchenexperten

schon länger

erwartet worden. In der Reisebranche

ist der Wettbewerb

außerordentlich hart.

man arbeite nun auf Hochtouren,

damitderReisebetriebsoschnellwie

möglich in den nächsten Wochen

wieder aufgenommenwerden kann.

Sie hofft, Vertriebspartner und Kunden

halten zu können.

Der Warenhauskonzern Galeria

Karstadt Kaufhof übernimmt 106 der

126 Reisebüros von Thomas Cook –

hier bestehenhistorische Beziehungen.

DasReiseunternehmenund die

Warenhäuser gehörten einst zur Arcandor-Gruppe,

die schon 2009 in

die Pleite rutschte. Der neue Karstadt-Kaufhof-Eigner

René Benko

will nun mit dem Deal verstärkt ins

Tourismusgeschäft einsteigen. Sein

Unternehmen hat auch die E-Commerce-Plattform

Golden Gate erworben,

die über IT-Lösungen und

wertvolle Marktdaten im Tourismus

verfügt. Thomas-Cook-Manager

Carsten Seeliger hat den Warenhauskonzern

als Wunschpartner bezeichnet,umüber

verschiedene Kanäle

künftigweiter Reisen verkaufen

zu können.

An den Franchise-Spartenfür Hotels

(Sentido) und für Reisebüros

(Holiday Land)hat die Rewe-Tochter

DER Touristik Interesse. Grundsatzvereinbarungen

wurden bereits

unterzeichnet. Verhandelt wird

außerdem über einen Verkauf einer

Call-Center-Tochter in Bochum, die

nicht von der Insolvenz betroffen

war.Auch für dieMarke beziehungsweise

für den Markennamen Ne-

weit mehr als 160000 Mitarbeitern.

Doch das kostet zunächst einmal:

Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag

hat der Konzern für den

Umbau reserviert.Für eine erwartete

Kartellstrafe sind 370 Millionen Euro

zurückgelegt. Da auch der konjunkturelle

Rückenwind fehlt, wird der

Konzern im neuen Geschäftsjahr

2019/2020 noch tiefer indie Verlustzone

rutschen.Imabgelaufenen Jahr

hatteThyssenkrupp unter demStrich

bereits ein Minus von 304 Millionen

Euro eingefahren. Merz, die erst am

1. Oktober von der Spitze des Aufsichtsrats

auf den Chefsessel gewechselt

war,sollesnun richten.

Auf die Beschäftigten kommen

neue Unsicherheiten zu. Thyssenkrupp

wird möglicherweisemehrals

die bisher geplanten 6000 Arbeitsplätze

streichen. Erste Maßnahmen

beim Personalabbau hat Thyssenkrupp

inzwischen mitgeteilt. Inder

Essener Unternehmenszentrale soll

fast die Hälfte der bislang etwa 800

Arbeitsplätzewegfallen –nur für einige

wird eseinen neuen Job im Konzern

geben. Im Autozulieferergeschäft

sollen 640 Stellen abgebaut

werden. Die Aktionäre müssen für

das abgelaufene Geschäftsjahr auf

eineDividendeverzichten–zumdritten

Malinden vergangenenachtJahren.

Dastrifft vorallem dieKruppstiftung,

die mit den Dividenden ihre

wissenschaftlichen und kulturellen

Förderprogrammefinanziert.

Merz will zudem den Wettbewerb

zwischen den einzelnen Sparten des

Konzerns anheizen. Wenn einzelne

Geschäftenichtzuden Branchenbe-

FOTO: LENTAMART/SHUTTERSTOCK

ckermann Reisen könnte es noch

eine Zukunft geben. Schließlichist er

insbesondere für viele Ältere das

Symbolfür diePauschalreise.Essoll

mehrereInteressenten geben.

Die geplanten Urlaubsreisen des

Konzerns für diesesund für nächstes

Jahr waren allesamt abgesagt worden.

Das gilt auch für Urlaubstrips,

die teilweise oder schon komplett

bezahltwaren. Diebetroffenen Kunden

werden mutmaßlich nur einen

kleinerenTeilihresGeldeszurückbekommen.

Denn die Insolvenzversicherung

bei der Zurich Versicherung

deckte nur die gesetzlich vorgeschriebene

Mindestsumme von 110

Millionen Euro ab.Zurichhat bereits

mitgeteilt, dass die Forderungen

weit darüber hinausgingen. Möglicherweise

wirddies ein gerichtliches

Nachspiel haben, da Verbraucherschützer

davon ausgehen, dass Zurich

sehenden Auges eine unzulängliche

Versicherung abgeschlossen

hat.

Zur Cook-Gruppe gehörte auch

der deutsche Ferienflieger Condor.

Er hat ein sogenanntes Schutzschirmverfahren

auf den Weg gebracht.

Dadurchist die Fluglinie vor

Forderungen der Mutter geschützt.

Derzeit wird nach einem neuen

Eigentümer gesucht.

Condor hat dabei allerdings den

Vorteil, dass man über einen Staatskredit

in Höhe von 380 Millionen

Euro verfügen kann. Essoll bereits

zahlreiche Interessenten für die Airline

geben.

Hohe Verluste, keine Dividende

und möglicherweise ein stärkerer

Personalabbau als geplant: Bei

Thyssenkrupp wirdesunter der neuen

Vorstandsvorsitzenden Martina

Merz ungemütlich. „So wie bisher

kann es nichtweitergehen“, kündigte

sieamDonnerstagbei der Vorlage der

Bilanz des angeschlagenen Stahlund

Industriekonzerns an. Thyssenkrupphabesichinder

Vergangenheit

„durchgewurschtelt“, statt die Probleme

„konsequent und ernsthaft anzugehen“.

Treffen wirdder neue Kurs

alle: Mitarbeiter,Manager, Aktionäre.

Zwei bis drei Jahre veranschlagt

Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens

mit seinen weltsten

aufschließen könnten, müsse

sich Thyssenkrupp eingestehen,

„dasswir nicht derbeste Eigentümer

sind“. Einen dauerhaften Ausgleich

vonVerlustenwerdeesnichtmehrgeben.

Geld für die Sanierung soll die

profitableAufzugsspartebringen.Ob

dies über einen Börsengang, einen

Komplett- odereinen Teilverkauf geschehen

soll,bleibtvorerst offen.

Thyssenkrupp will sich jedenfalls

wieder mehr auf seine Stammgeschäfte

Stahl und Werkstoffhandel

konzentrieren. Doch dieAusgangslage

ist nichtgut: DieStahlindustrie leidet

unter der schwachen Nachfrage

in Europa undweltweiten Überkapazitäten.

Im Dezember will Merz ein

Konzept für den Stahlbereich vorlegen

–schon jetzt sind weitere Einschnitte

absehbar. (dpa)

Söder fordert Ausgleich

für Negativzinsen

CSU-Chef Markus Söder fordertfür

Bankkunden einen steuerlichen Ausgleich

vonNegativzinsen. Es brauche

einen „großenMasterplan, wieman

die Sparer schützt und vonNegativzinsen

befreit“, sagte derbayerische

Ministerpräsident der „Passauer Neuen

Presse“. „Wennein Verbotnicht

möglichseinsollte, musseseinen

Ausgleich geben.“ DerStaat solle Sparern

gezahlteNegativzinsen darüber

zurückgeben,dassdiese steuerlich

geltend gemachtwerdenkönnen, forderteSöder.Unterdessen

sieht die

Deutsche Bundesbank durchZinstief

undKonjunkturschwächemehr Risiken

fürdas heimischeFinanzsystem.

„Die Verwundbarkeit hat zugenommen“,sagteVizepräsidentin

Claudia

Buch. (dpa)

Bußgeld für Autohersteller

wegen Preisabsprachen

Volkswagen, Daimler und BMW

müssen wegen Preisabsprachen

beim Stahleinkauf zusammen 100

Millionen Euro Bußgeld zahlen. Die

Unternehmen hätten sich von2004

bis 2013 beim Einkauf vonLangstahl

abgesprochen, so das Bundeskartellamt.

Siehätten den Sachverhalt

anerkannt und einer einvernehmlichen

Beendigung des Verfahrens zugestimmt.

BMW bezifferte seinen

Anteil auf 28Millionen Euro.Das

Verfahren lief seit dreieinhalb Jahren

und war eine Folge vorangegangener

Ermittlungen gegen mehrere

Stahlproduzenten, denen die Bonner

Wettbewerbshüter bereits im

vergangenen Jahr 205 Millionen

Euro Buße auferlegt hatten. (dpa)

Dürre treibt viele Landwirte

in die Insolvenz

Die Dürrehat einigeBauen zahlungsunfähig

gemacht.

FOTO: PATRICK PLEUL/DPA

Nach der DürreimSommer 2018

sind in diesem Jahr mehr landwirtschaftliche

Betriebeindie Insolvenz

geraten als noch im Vorjahr.

Zwischen Januar und Oktober meldeten

114 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit

an, berichtete am Donnerstag

die Wirtschaftsauskunftei

Crif Bürgel. Dies seien 23,9 Prozent

mehr als noch im vergangenen

Jahr.Damals hatten sich 92 Betriebe

insolvent gemeldet. Geringere

Erlöse und höhereKosteninfolge

der Dürreseien die Hauptgründe

für den Anstieg der Insolvenzen,

teilte die Auskunftei mit. (dpa)

Abnahmemenge

in Liter

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 LiterinEuro

(in Klammern Vorwoche)

1000 72,19 (73,43)

3000 67,49 (68,71)

5000 65,86 (67,10)

10 000 64,36 (65,60)

15 000 63,93 (65,13)

incl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 21.11.2019


8* Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Meinung

Prinz Andrew

ZITAT

Zu wenig,

zu spät

Katrin Pribyl erkennt in dem Fall

das typische Selbstverständnis des

britischen Establishments.

„Anfang des zweiten Satzes

musste ich so dringend

auf Toilette. Das war das

Härteste am heutigen Tag.“

Prinz Andrew hat seine öffentlichen

Ämter niedergelegt. Der Schritt war

unausweichlich –und kommt viel zu spät.

Es ist ein Skandal, dass der Druck auf den

Prinzen erst durch ein entlarvendes Interview

so massiv wurde,dass er nun auf royale

Auftritte verzichtet. Er äußerte in

dem Interview kein Wort des Bedauerns,

der Reue, der Empathie für die Opfer, die

Epstein sexuell missbraucht und zur Prostitution

gezwungen haben soll.

Nun plötzlich will Andrew „tiefes Mitgefühl“

mit den jungen Frauen verspüren?Will

seineVerbindung mit dem verurteilten

Sexualstraftäter bereuen? Das ist

wenig glaubhaft. Vielmehr hat er seine

wahre Natur bereits entlarvt. Arrogant

und abgehoben präsentierte er sich, offenbarte

das typische Selbstverständnis

des britischen Establishments, in dem

einflussreiche Männer noch immer denken,

ihnen gehöredie Welt.

Dieses System, das die Privilegierten

schützt und die Reichen und Mächtigen

bevorteilt, wandelt sich leider nur langsam,

aber zumindest Hoffnung auf einen

Umbruch besteht –ausgelöst durch die

Enthüllung etlicher Missbrauchsfälle und

Pädophilenskandale. Betroffen waren die

Unterhaltungsbranche genauso wie die

BBC, das Parlament und die Politszene,

das Rechtssystem und die Musikindustrie.

Prinz Andrews Name fiel in diesem

Zusammenhang schon damals.Trotzdem

musste er keine polizeilichen Ermittlungen

fürchten und auch die Medien schonten

ihn, weil die royale Jubelpresse es sich

mit der Königsfamilie nicht verscherzen

wollte: Mit deren glamourösen Auftritten

bedienen TV-Sender sowie bunte Blätter

das nach Klatsch gierende Publikum. Dabei

wäre esangebracht, genauer hinter

die Palastvorhänge zu blicken.

Zinsen

Nicht populistisch,

sondern gut begründet

TimSzent-Ivanyi plädiertdafür,

dass negativeZinsen steuerlich geltend

gemacht werden können.

Die unerfreuliche Entwicklung bei den

Zinsen hat eine Hochstimmung unter

Populisten ausgelöst. DieEuropäische

Zentralbank ruiniere die Wirtschaft, die

Sparer würden durch Negativzinsen enteignet,

lauten gängige Parolen. Alles Unsinn:

Ohne das beherzte Eingreifen der

EZB zur Rettung des Euro hätte Deutschland

nicht eine der längsten Boomphasen

der Nachkriegsgeschichte erlebt.

Entscheidend für den Anleger ist nicht,

welche Zinsen –obpositiv oder negativ –

für das Sparbuch oder das Girokonto gelten.

Es kommt vielmehr auf die Differenz

zwischen Bankzinsen und Inflationsrate

an, also auf die Realzinsen. Sind sie positiv,

wächst das Vermögen des Anlegers,

sind sie negativ,wirdesaufgefressen.

Ein Blick zurück bis in die 60er-Jahre

zeigt jedoch, dass die Realzinsen in Bezug

auf Sparkonten in der überwiegenden Zeit

negativ waren. Es ist also mitnichten neu,

dass Sparer Geld verlieren. Das ändert allerdings

nichts an der Tatsache,dass die Situation

mehr als unerfreulich ist.

Hier kommt derVorschlag vonBayerns

Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel.

Er plädiert dafür, dass es möglich sein

muss,die negativen Zinsen steuerlich geltend

zu machen. Diese Forderung ist ausnahmsweise

nicht populistisch, sondern

gut begründbar: Negativzinsen bedeuten

für den Anleger Verluste. Und diese können

im Steuerrecht üblicherweise mit Gewinnen

verrechnet werden.

Doch es war Söders Unionsfreund

Wolfgang Schäuble, der bereits 2015 mit

Unterstützung auch der bayerischen Finanzverwaltung

entscheid, dass Negativzinsen

steuerlich nicht abziehbare„Einlagegebühren“

seien. Diese Entscheidung

muss revidiertwerden.

Esgibt im Hebräischen ein Wort,das

in Israel oft zu hören ist: Balagan. Es

heißt so viel wie Chaos, Durcheinander,

Schlamassel. Israelis benutzen

es, wenn sie im Stau feststecken, Ärger

mit Handwerkern haben, von Raketenalarm

geweckt werden oder politisch nicht durchsehen.

„Balagan“ rufen sie sich zu. Damit ist

alles gesagt. Eigentlich.

Wasderzeit im Land passiert, dafür gibt es

noch kein Wort. Zum ersten Mal inder Geschichte

Israels fanden zwei Neuwahlen hintereinander

statt. Zum ersten Mal ist es keiner

der beiden stärksten Parteien gelungen,

die nötige Mehrheit zu finden und eine Regierung

zu bilden. Zumersten Malgreift das

Parlament, die Knesset, auf eine Regelung

zurück, nach der in den nächsten 21 Tagen

jeder Abgeordnete versuchen kann, eine

Mehrheit zu finden und sich doch noch auf

einen Kandidaten zu einigen. Schafft das

niemand, und so sieht es aus,werden erneut

Neuwahlen ausgerufen. Zumdritten Malinnerhalb

eines Jahres. Auch das gab es noch

nie.

Es ist ein historischer Moment, kein

ruhmreicher, eine Regierungskrise, wie sie

das Land noch nicht erlebt hat. „Italienische

Verhältnisse“, schreibt ein Kommentator,

„nur ohne Pasta und Fußball“. Aufder Suche

nach Gründen reicht es,sich anzusehen, was

sich Israels Politiker so in den letzten 48

Stunden um die Ohren gehauen haben. Da

beschimpfte Avigdor Liberman, Chef der

Partei Jisrael Beitenu, die Araber im Land als

„fünfte Kolonne“, nannte ein ultraorthodoxer

Abgeordneter Liberman eine „Null“, warf

Blau-Weiß-Führer Benny Gantz Premierminister

Netanjahu vor, es gehe ihm immer nur

um sich selbst, er verbreite Hass und Gift.

Staatspräsident Reuven Rivlin, die alte weise

Zwischen 1993 und 2017 wuchs in

Deutschland die Zahl der Studienanfänger

vonjährlich 280 000 auf über 500 000 an.

Im selben Zeitraum sank die Zahl der abgeschlossenen

Ausbildungsverträge von

570 000 auf 513 000. Insgesamt stehen heute

2,9 Millionen Studierenden 1,3 Millionen

Auszubildende gegenüber. Der Befund ist

eindeutig: Dieberufliche Qualifizierung verliertanAttraktivität,

die Mehrheit der jungen

Generation zieht ein Studium vor. Die

Gründe für diese Entwicklung liegen auf der

Hand. Ein Studium bietet, auch unter den

formal strengeren Bedingungen der Bologna-Reform,

mehr Freiräume als die Berufsausbildung.

DieBezahlung für die Berufsanfänger

ist nach einem akademischen Abschluss

erheblich höher. Und die Aufstiegsmöglichkeiten

sind anschließend besser als

im Fall einer beruflichen Ausbildung.

In zentralen Ausbildungsberufen bestehen

mittlerweile erhebliche Engpässe. Wie

kann man hier Abhilfe schaffen? Vorallem

müsste die Bezahlung angehoben werden,

um die Attraktivität der beruflichen Bildung

zu steigern. Das gilt für die Qualifizierungsphase

ebenso wie für das Arbeitsleben nach

der Gesellen- bzw. Fachprüfung. Es müssen

zudem verstärkte Anreize gesetzt werden,

damit diejenigen, die nach einer Berufsausbildung

noch studieren, hinterher den Weg

zurück in ihren erlernten Beruf finden. Wer

nach einer Qualifizierung als Mechatroniker

ein betriebswirtschaftliches Studium aufnimmt,

hat gute Chancen, später einmal als

Israel

Netanjahus

Triumph

Anja Reich

ist überzeugt, dass nur ein Putsch der Partei oder der

Staatsanwalt Netanjahu stoppen können.

Stimme der Vernunft im Land, verbot sich

jegliche Art von Hass und Rassismus –und

klang dabei so hoffnungslos wie nie.

Israel, der 71 Jahrealte Staat im Nahen Osten,

in dem achtzig Prozent Juden und zwanzig

Prozent Araber zusammenleben, war

schon immer in viele kleine Gruppen zersplittert

– Säkulare, Ultraorthodoxe, Religiöse,

Zionisten, Nationalisten, Drusen,

muslimische und christliche Araber.Die Demokratie

ist schneller, direkter, streitlustiger

als die deutsche. Umins Parlament zu kommen,

reichen 3,25 Prozent der Wählerstimmen.

Selten schafft es eine Regierung, bis ans

Ende ihrer Amtszeit durchzuhalten. Ständig

bilden sich neue Parteien und Bündnisse,die

mitunter schwer zu durchschauen sind. Was

KOLUMNE

Berufliche

Bildung

stärken

Peter-André Alt,

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

THOMAS PLASSMANN

etwa haben arabische Parteien mit den ultraorthodoxen

Juden gemeinsam? Warumsetzt

sich eine Kifferpartei für die Rechte fanatischer

Siedler ein? Warum gibt es keine einzige

grüne Partei im Land? Und wosind eigentlich

die Linken?

In all dem Chaos aber gab es immer auch

Konstanten, Dinge, auf die sich die Wähler

verlassen konnten, die eine Demokratie ausmachen:

Kompromisse finden, eigene Interessen

hintanstellen. Damit, das haben die

letzten Wochen bewiesen, ist es vorbei, und

Schuld hat vorallem der Mann, der so lange

wie kein anderer das Land regiertund immer

weiter an dieser Macht festhalten will: Benjamin

Netanjahu hat in diesem Jahr nicht nur

zwei schmutzige Wahlkämpfe geführt, sondern

auch zwei Regierungsbildungen scheiternlassen.

Obwohl ihm ein Korruptionsverfahren

droht und er wahrscheinlich schon

bald ins Gefängnis muss,war er nicht bereit,

auf die Forderungen vonBlau-Weiß einzugehen

und die Parteiführung einem anderen zu

überlassen. Er bestand sogar darauf, im Fall

einer großen Koalition und wechselnder

Amtsführung als Erster an der Reihe zu sein.

In all den Gesprächen mit seinem Kontrahenten

Benny Gantz, das hat dieser gesagt,

sei es nie um Inhalte gegangen, sondernimmer

nur darum, werals erster auf dem Thron

sitzt. Am Ende hat es niemand geschafft.

Für das Land ist das eine Katastrophe,für

Netanjahu –zynischerweise –ein Sieg. Er

muss nicht abtreten, kann zum dritten Mal

innerhalb eines Jahres Wahlkampf machen,

auf Bühnen stehen und sich feiern lassen.

Ihninseinem narzisstischen Wahn stoppen,

das kann nur ein Putsch in der eigenen Partei.

Oder Israels Generalstaatsanwalt. Der

hat am Donnerstagabend mitgeteilt, dass er

Anklage gegen Netanjahu erheben wird.

Selbstständiger mit eigenem Betrieb erfolgreich

zu sein. Solche Perspektiven müssen

frühzeitig in der Beratung für die Berufsanfänger

erläutertund verdeutlicht werden.

Insgesamt benötigen wir flexiblere Übergänge

zwischen den Bildungssystemen. Nicht

wenige der Studienanfänger kommen nach

kurzer Zeit zu der Einsicht, dass sie an einer

Hochschule nicht richtig aufgehoben sind,

und entscheiden sich für den Wegindie Berufsausbildung.

Erbrachte Studienleistungen

sollten bei diesem Wechsel anerkannt werden,

ebenso wie Qualifikationselemente einer

Berufsausbildung beim Studieneinstieg.

Berufliche und hochschulische Bildung

gelten zu Recht als gleichwertig. In der Praxis

sind sie es nicht, solange eine schlechtere

Bezahlung die eigentlich längst überwundene

Diskriminierung der Ausbildungsberufe

zementiert. Dievon Anja Karliczeks Ministerium

geplante Novellierung des Berufsbildungsgesetzes

versucht durch eine Erhöhung

der Mindestvergütung an der richtigen

Schraube zu drehen. Gut auch, dass bereits

erbrachte Prüfungsleistungen bei aufeinander

aufbauenden Ausbildungsberufen künftig

berücksichtigt werden sollen. Der definitivfalsche

Schritt ist jedoch die geplante Einführung

der akademischen Abschlussbezeichnungen

„Bachelor“ und „Master“ für

praktische Berufsabschlüsse. Weder das

Handwerk noch die Gewerkschaften wollen

diese Neuerung wirklich. Undsie nutzt auch

niemandem, sondern sorgt nur für Verwirrung

im Verhältnis zwischen Berufsbildung

und Hochschulen. Wir dürfen in Deutschland

stolz auf die Qualität unseres dualen Berufsbildungssystems

sein. Daher können wir

auch an den bewährten Bezeichnungen vom

Gesellen über den Fachwirt bis zum Meister

festhalten. DieberuflicheAusbildung macht

man attraktiv, indem man gute Löhne für

gute Arbeit zahlt und genügend Aufstiegsmöglichkeiten

für Qualifizierte bietet. Alles

andereist Fassadenmalerei und hilft keinem.

Michael Kohlmann,

Deutschlands Davis-Cup-Teamchef, zum 3:18 Stunden

langen Doppel von Kevin Krawietz und Andreas Mies

gegenArgentinien. Krawietz/Mies gewannen 6:7 (4:7),

7:6 (7:2), 7:6 (20:18).

AUSLESE

In der Krise,

aber nicht hirntot

Die Forderung nach einer Reform der

Nato beschäftigt die Neue Osnabrücker

Zeitung:„DieNato als ,hirntot‘ zu bezeichnen,

ist überzogen und eine leicht zu

durchschauende Spitze Macrons gegen

die USA. Frankreichs Präsident hat damit

aber durchaus eine überfällige Debatte angestoßen.“

Es seien die Mitglieder selbst,

„die dafür sorgen, dass das Vertrauen in

das Bündnis sinkt“.

Der Reutlinger General-Anzeiger

schreibt: „Bei Macron hat sich der Frust

über Amerikaner, Türken, Deutsche, die

Nato unddie EU entladen. Er hatte wie ein

Lehrer in der Schule aufs Pult geschlagen,

wenn es ihm zu bunt wird. DieNatobefindet

sich tatsächlich in einer Krise, sie ist

aber nicht hirntot.“

Die Junge Welt richtet den Fokus auf

China: „Frankreich begreift sich, gestützt

auf Kolonialgebiete,nachwie vorals maritime

Macht im Pazifik; es gerät durch Patrouillenfahrten

seiner Kriegsschiffe im

Südchinesischen Meer mit Beijing in Streit.

Deutschland wiederum fürchtet, globalen

Einfluss an China zu verlieren, und sucht

nach Mitteln, die Volksrepublik in die

Schranken zu weisen. Dassind Motive, die

es –aus eigenem Interesse der EU-Mächte

–manchen verlockend erscheinen lassen,

sich, wie bereits im Machtkampf gegen

Russland, eng an die USA anzulehnen:

nicht aus einer angeblichen Hörigkeit gegenüber

Washington, sondern umgegenüber

China, mit dem man allein kaum

noch mithalten kann, nicht in Rückstand

zu geraten.“ Ingo Preißler

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Seite 3/Report:Bettina Cosack.

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Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Hilft Fluorid

gegenKaries?

Ein Faktencheck

Seite 17

Weizsäcker-Mord: Warum solche Taten kaum zu vermeiden sind Seite 11

Verfassungsgerichtshof: Warum eine vakante Richterstelle für Frust sorgt Seite 13

Stadtbild

Hilfe für

fünf Euro

Lutz Schnedelbach

graust es vorvollen

U-Bahnen und Bussen

Eine meiner großen Freuden ist

das Fahren mit einem Taxi –also

als Gast, nicht am Steuer.Ich ertrage

es kaum in voll besetzten Bussen

und übel riechenden Bahnen die

knapp vier Kilometer zur Arbeit zu

fahren. Einige meiner Kollegen verstehen

das, anderen wäre das zu

teuer.Und der Rest liebt das Radeln.

Mir ist das schnuppe. Ich tue es einfach

und mir bereitet es Freude.

Auch deshalb, weil man als Gast viel

erlebt.

Ich sitze wie wahrscheinlich die

meisten Fahrgäste auch immer auf

der rechten Seite der Hinterbank. Da

ist es bequem, man sieht gut und unterhalten

kann man sich auch. Vor

einigen Tagen wäre esaber besser

gewesen, wenn ich vorn neben dem

Fahrer Platz genommen hätte. Ich

habe nämlich eine Premiereerlebt.

Wie üblich hatte ich mir per

Handy einen Wagen bestellt. Als der

Taxifahrer kurz darauf in meine

Straße einbog, ahnte ich nicht, was

mich erwartet. Also der Fahrer hielt

nicht vor meiner Haustür, sondern

vor der übernächsten. Irgendwann

bemerkte er mich und fuhr rückwärts

zu mir.Eswar ein kleiner,dicklicher

Mann. Das sah man, weil er

ausstieg, um mir die Tür aufzuhalten.

Sensationell war das.

Ich schätzte den Mann auf etwa

40 Jahre. Wie ich bald erfuhr, war er

nicht nur neu in dieser Stadt, sondern

auch im Land. Noch bis zum

Sommer hatte er in der Türkei einen

Obst-und Gemüseladen betrieben.

Als sich dieser nicht mehr rechnete,

zog ernach Berlin, erzählte mir der

Mann, der nun schräg vor mir am

Lenkrad eines Taxis saß, um eine

Fahrt zu beginnen, die ich lange

nicht vergessen werde. Ich war sein

erster Fahrgast.

Die Tour begann damit, dass er

nicht so recht wusste, woder Taxameter

im Rückspiegel eingeschaltet

wird, was für mich noch okay war.

Als er es aber herausgefunden hatte,

stauten sich hinter uns fünf Autos.

Ungeduldige Fahrer hupten bereits.

Das Eingeben des Ziels in sein Navigationssystem

wollte auch nicht so

recht gelingen. Er ließ die Finger davon.

Ich versprach, ihn zu lotsen.

Dann ging es los.

Die Straße, in die ich wollte,

kannte er nicht. Lediglich von der

Leipziger Straße hatte er schon einmal

was gehört. Aber wie er die erreichen

würde, das wusste er nicht.

In solchen Situationen ist eben der

Fahrgast gefragt. Ich beschrieb ihm

die Strecke. Er fuhr also am Märchenbrunnen

vorbei, die Greifswalder

Straße hinunter, überquerte die

Mollstraße und quälte sich durch

den Alextunnel. Dann passierte er

das Rote Rathaus und schlängelte

sich über die Fischerinsel nach

Kreuzberg.

Wir waren etwa 20 Minuten unterwegs

trotz der vielen unsäglichen

Baustellen. Am Berliner Verlag in der

Alten Jakobstraße war die Fahrt zu

Ende.Sein Dank für meine Hilfe war

groß. Er schrieb mir dafür fünf Euro

gut. Ichfreue mich auf ein Wiedersehen.

Es muss dann aber keine Fahrt

nach Friedenau sein. Denn eigentlich

will ich einfach nur bequem und

ungestört von A nach B kommen

und nicht immerzu reden müssen.

Fröhliche Weihnacht überall …AmBreitscheidplatz ist das seit drei Jahren eine echte Herausforderung.

Weihnachts-Festung

Holunderglühwein mit Maschinenpistole: Am Montag öffnet das Budendorf auf dem Breitscheidplatz

VonJulia Haak

Rot-weiß gestreift leuchten

dem Besucher Poller auf 40

Zentimeter hohen Rampen

entgegen. Es gibt grellgelbe

Markierungen. Marktbesucher

müssen die Rampen rauf, zwischen

den Pollern durch und dann wieder

hinunter laufen. Nein, übersehen

kann man die Befestigungsanlagen

am Breitscheidplatz wirklich nicht.

Schon von Weitem wird jeder Besucher

registrieren, dass der Platz auch

in diesem Jahr wieder gut gesichert

ist. Das ist ein eigenartiges Gefühl

bei Glühwein und Christstollen.

Ob es dem Geschäft abträglich ist,

ist eine andere Frage. Am Montag

öffnet zum 36. Mal der Weihnachtsmarkt

auf dem Breitscheidplatz. Im

dritten Jahr nach dem Anschlag, bei

dem der Terrorist Anis Amri 2016

zwölf Menschen getötet hat, versuchen

sich die Veranstalter im Schulterschluss

mit Polizei und Stadtverwaltung

noch einmal in dieser einzigartigen

Gratwanderung zwischen

maximaler Täterabschreckung und

wohligem Weihnachtsgedöns.

Es soll ja alles anders werden

beim Thema Sicherheit: schöner,

eleganter, unauffälliger. Aber natürlich

genauso sicher. Das beteuern

Verantwortliche zurzeit allerorten:

beim Bezirksamt, im Senat, bei der

Polizei. Im kommenden Jahr soll sich

der Weihnachtsmarkt bereits auf einem

vollkommen umgebauten Platz

präsentieren können. Ohne Lkw-

Rampen, ohne mehrstufige Sperrriegel,

bestückt mit schweren sandgefüllten

Kästen und Drahtgeflechtkörben,

randvoll mit Steinen, dafür

künftig mit unterirdisch verbundenen

Pollern, die in ihrer Schlichtheit

nicht so sehr ins Auge fallen.

Aber dieses Jahr müssen sie da

noch mal durch, die Veranstalter,die

Stadt und die Besucher des Weihnachtsmarkts.

AmDonnerstag präsentierten

der Verein der ansässigen

Geschäftsleute AG City und der

Schaustellerverband das diesjährige

Programm für den Markt bis zum 5.

Januar. ImRestaurant Hirschstube,

einem geräumigen Lokal, das wie in

jedem Jahr auf der Südseite des Platzes

steht, sieht es an diesem Tag

schon ordentlich weihnachtlich aus.

Der Markt öffnet am 25. November,um10Uhr,mit

einem

Gottesdienst in der Gedächtniskirche.

Am Nachmittag

wird es mit geladenen

Gästen eine offizielle Eröffnungsfeier

geben. Der Regierende

Bürgermeister Michael

Müller (SPD) unternimmt einen

Rundgang.

Tannenbäumchen, bunte Kugeln, alles

ist bereits an seinem Platz, während

andere Schausteller auf dem

Platz noch schleifen, schrauben und

dekorieren. „36 Jahre Berliner Weihnachtsmarkt

am Breitscheidplatz,

das ist eine große Tradition“, sagt Michael

Roden, Vorsitzender des Berliner

Schaustellerverbands und dann

präsentiert er, was den Markt am

Breitscheidplatz so angenehm

macht: tolle Aufenthaltsqualität, ein

Glühweingarten, ausgesuchte Qualität

bei dem, was die Händler an

Weihnachtsdekoration und Kulinarischem

zu bieten haben. Es gibt

erstmals einen griechischen Stand

und ganz neu zwischen Holunder-,

Erdbeer- und Kirsch- jetzt auch

Roséglühwein. „Wir haben so viele

Glühweinsorten, dass Sie immer

42 TAGE WEIHNACHTEN

Ab dem 27. November werden

Kurfürstendamm und

Tauentzienstraße weihnachtlich

beleuchtet sein. Am 19.

Dezember,dem Jahrestag

des Anschlags, wird um 19

Uhr in der Gedächtniskirche

der Opfer des Anschlages gedacht.

Um 20.02 Uhr erklingenzwölf

Glockenschläge.

Rampen verhindernrings um den Markt das Befahren.

An 200 Ständen und Weihnachtshäuschen

werdenbis

zum5.Januar Essbares, Accessoires

und Kunsthandwerk

angeboten.Der Markt

hat täglich11–21 Uhrgeöffnet,

freitags und sonnabends

11–22 Uhr,Heiligabend

11–14 Uhr,Feiertags 13–21

Uhr, Silvester 11–1 Uhr.

BERLINER ZEITUNG/JULIA HAAK

wieder einen Anspornhaben, uns zu

besuchen“, wirbt Roden.

Arne Herz, Charlottenburg-Wilmersdorfs

Wirtschaftsstadtrat

nimmt den Ton auf. Eine Weihnachtsinsel

nennt er den Markt auf

dem Platz, aber dann sagt er auch,

worum es an diesem Ort gehen

muss. „Dass es Charlottenburg-Wilmersdorf,

aber auch dem Land Berlin

nach dem Jahr 2016 besonders

wichtig ist, der Welt, der Stadt zu zeigen,

dass wir uns nicht unterkriegen

lassen und die fröhliche Stimmung,

die zu Weihnachten gehört, hier zelebrieren“,

sagt Herz. Imvergangenen

Jahr habe sich gezeigt, dass es

durch die Sicherungsmaßnahmen

zu einer geruhsameren Atmosphäre

gekommen sei. Dashabe er sich vorher

nicht vorstellen können.

GETTY IMAGES/CARSTEN KOALL

Eigentlich wollten der Bezirk und

auch andere indiesem Jahr bereits

weiter sein, aber die Abstimmungen

dauerten zu lange,umnoch vordem

Weihnachtsmarkt einen Umbau zu

schaffen. Ein neues Sicherheitskonzept

ist so gut wie fertig. Der Mittelstreifen

an der Budapester Straße

und am Tauentzien wird erhöht auf

bis zu 60 Zentimeter. Ander Ecke

Kant- und Budapester Straße, dort

wo der Lastwagen vordreiJahren auf

den Platz raste, soll ein großer „BER-

LIN“-Schriftzug in Stahlbetonbuchstaben

als eine Art Schutzwall

aufgestellt werden. An der Nord-und

der Südseite des Platzes werden Poller

einbetoniert, die unter-und oberirdisch

miteinander verbunden sind.

Sobald die Budennach dem diesjährigen

Markt wieder verschwunden

sind, soll der Umbaubeginnen.

Das Gedenken an die Opfer des

Terroranschlags,die zwölf Toten und

die etwa 70 Verletzten, hat dagegen

eine Form gefunden. „Eine Kranzniederlegung

ist nicht vorgesehen.

Es waren sich alle einig, dass wir das

so handhaben, weil es keine Grabstätte

ist“, sagt Gerd-Peter Huber

von der AG City. Stattdessen gibt es

wieder eine Andacht und zwölf Glockenschläge

zum Zeitpunkt des Anschlages

am 19. Dezember um kurz

nach 20 Uhr. Noch laufen Abstimmungen

mit den Angehörigen.

Die Polizei wird in diesem Jahr

wieder auf vielerlei Ebenen Teil des

Marktes sein. Manches soll durchaus

wahrnehmbar sein. Es werden Beamte

in Uniform zu unterschiedlichsten

Zeiten über den Markt patrouillieren.

Manche werden Maschinenpistolen

tragen. Es wirdaber

auch Zivilkräfte geben. „Ich hoffe,

dass über die Jahre die Sicherheit

wenigstens optisch ein wenig in den

Hintergrund treten wirdund wir das

alles etwas schöner hinbekommen“,

sagt der zuständige Abschnittsleiter

der Polizei Dirk Gerasch. Vorerst gilt

für die Polizei allerdings demonstratives

Auftreten. Geraschsagt,die Polizei

werdesich nicht verstecken.

Julia Haak

berichtet seit 2016 über

den Ortdes Anschlags.

NACHRICHTEN

Missbrauchsverdacht:

Judo-Trainer verhaftet

Erneut gibt es einen schwerwiegenden

Missbrauchsfall in einem Berliner

Verein: DiePolizei hat jetzt einen

42-jährigen Judo-Trainer unter dem

dringenden Tatverdacht des sexuellen

Missbrauchs verhaftet. Der

Mann soll sich in mindestens 23 Fällen

an Kindernund Jugendlichen sowie

an Schutzbefohlenen vergangen

haben, teilte die Polizei am Donnerstag

zu der am Montag erfolgten Verhaftung

mit. DieTaten sollen sich in

der Zeit von2006 bis November 2018

ereignet haben. Nach Polizeiangaben

ist der Tatverdächtige Vorsitzender

eines vonihm gegründeten Judovereins

in Tegel. Er soll in seiner

Funktion als Trainer regelmäßig

mindestens sechs ihm anvertraute

Jungen im Alter vonzehn bis 16 Jahrenmissbraucht

haben. Etwaige

weitereOpfer werden gebeten, sich

beim Landeskriminalamt unter

030/46 64 91 32 01 zu melden. Erst

am 11. November war der Jugendwarteines

KladowerAngelvereins

festgenommen worden, der seit 2016

mindestens vier Jungen sexuell

missbraucht haben soll. (BLZ)

Haft für Bombendrohung bei

Schröder-Geburtstag

Wegen einer Bombendrohung bei der

Geburtstagsfeier vonAltbundeskanzler

GerhardSchröder hat das Landgericht

Frankfurteinen 42-Jährigen zu

elf Monaten Haft ohne Bewährung

verurteilt.Die Richter des Revisionsverfahrens

ordneten zudem die Unterbringung

in einer Entzugsanstalt

an. MitseinemDrohanruf hatte der

Mann 2014 die Geburtstagsfeier in einem

HotelinHessen gestört. Der

Mann hatte den Anruf mit seinem

„Ärger über die Ungerechtigkeit der

Welt“ begründet, der ihn nach Alkoholkonsum

befalle. (dpa)

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Morgen präsentiert sich

Ihnen in dieser Zeitung:

Lime gibt Bußgelder an

Roller-Nutzer weiter

Nutzer der E-Tretroller vonLime

werden künftig zur Kasse gebeten,

wenn sie die Roller falsch abstellen.

Alle Bescheide über Verwarn-, Bußoder

Strafgelder würden an die Nutzerweitergegeben,

kündigte das Unternehmen

am Donnerstag an. Auch

müssten Kunden per Foto festhalten,

dass sie Roller richtig abgestellt

haben. Lime machte auf Nachfrage

keine Angabe darüber,wie häufig die

Behörden das Unternehmen wegen

Verstößen belangen. (dpa)

Gericht: „Tempo-10-Zone“

nicht zulässig

DasOberverwaltungsgericht hat die

Anordnung einer einer „Tempo-10-

Zone“ in Berliner Straßen für nicht

zulässig erklärt. Weil es in der Straßenverkehrsordnung

und im amtlichen

Verkehrszeichenkatalog ein

Schild „Tempo-10-Zone“ nicht gebe,

könne es in dieser Form auch keine

Anordnung eines verkehrsberuhigten

Bereichs geben. (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Berlin

Das Haus der Statistik, in dem auch das MfS Räume hatte, kurz nach der Fertigstellung 1970.

BPK/GISELA STAPPENBECK

Bauarbeiter 1969 auf dem Dach des Hauses der Statistik. Rechts ist das Centrum-Warenhaus im Bau.

BUNDESARCHIV/EVA BRÜGGEMANN

Das Leben kehrt zurück

In das lange leerstehende Haus der Statistik sind verschiedene Initiativen als Pioniere eingezogen

VonGerhard Lehrke

Die Fassade des Hauses der Statistik wird bereits künstlerisch genutzt.

IMAGO IMAGES/IPON

Im einstigen Fahrradladen kann man sich über das Projekt informieren.

IMAGO IMAGES/CHROMORANGE

Fast Kunst: eine von Archäologen geborgene

Schreibmaschine.

Altkleider werden im Haus der Statistik

wiederverwertet.

Ein Gebäude wird wiederbelebt.

Das Haus der Statistik

am Alexanderplatz

wird von Pionieren besiedelt,

einer bunten Truppe von Initiativen

als Avantgarde der künftigen

Nutzer aus Kunst, Kultur, Klimaschutz,

Ernährung, Sozialem

und Nachbarschaftshilfe. Während

Bauleute den 1970 gebauten und

seit 2008 leer stehenden Komplex

sanieren, formiert sich im Erdgeschoss,was

später Teil der Gesamtnutzung

wird: ein Zusammenwirken

vonMenschen, die in verschiedener

Form dem Zusammenleben

in der Stadt dienen wollen.

Am handgreiflichsten zu fassen

ist das „Haus der Materialisierung“.

Hier wollen Gruppen, die

bislang über die Stadt verstreut tätig

sind, an Vermeidung von Müll

und Wiederverwertung von noch

nutzbarem Material arbeiten. Lars

Gerdes von der Stadtmission zum

Beispiel: „Wir sammeln Altkleider,

die an Bedürftige ausgegeben werden.

80 Prozent der Spenden sind

Frauensachen, aber nur 20 Prozent

unserer Abnehmer sind weiblich.“

Also könne man aus kurzärmligen

Blusen, die keinem Obdachlosen

nutzen, Unterwäsche schneidern.

Die wird nämlich eher selten gespendet.

Nina Peterskoordiniertdie Arbeit der

Pioniere im Haus der Statistik.

Anton Schünemann leitet das Projekt

„Haus der Materialisierung“.

Noch bis zum 29. November

läuft im Haus der Statistik das

Kunst- und Mitmachprojekt „Zack

– der Umbaumarkt“. In einem

Sandhaufen, Abraum der archäologischen

Ausgrabung am Molkenmarkt,

kann man nach Fundstücken

graben und sie reinigen, anschließend

werden die Gegenstände

ausgestellt. Zusammen mit

Stücken aus dem Stadtmuseum

wirdsobeleuchtet, was früher alles

wiederverwendet wurde. Sosieht

man unter anderem zwei Stahlhelme

–einer verrostet, ein zweiter

zu einem Kochtopf umgebaut.

Genussbetonter geht es an einem

kleinen Innenhof zu: Dort

steht ein Lehmbackofen, im Haus

ist eine Küche eingerichtet. Dort

gibt es immer dienstags Koch-

Workshops des Vereins „Restlos

glücklich“, wo krumme Möhren

oder andere, im Handel nicht verkaufte

oder aussortierte Bio-Lebensmittel

unter dem Motto „Zusammen

isst man besser“ zubereitet

und verzehrtwerden.

Bis Ende 2025 sollen alle Arbeiten

im neuen Stadtquartier abgeschlossen

sein. Sie umfassen zunächst

die Herrichtung der 46 000

Quadratmeter des Bestandsgebäudes

für ein Finanzamt, die landeseigene

Immobiliengesellschaft

BIM und im Erdgeschoss die verschiedensten

Initiativen. Daneben

entstehen Neubauten mit 66 000

Quadratmetern Fläche. Inder Planung

sind ein 16-geschossiges Rathaus

für Mitte und zwei Wohnhäuser

mit zwölf beziehungsweise 15

Geschossen, in denen die Wohnungsbaugesellschaft

Mitte 300

Wohnungen errichten wird.

Ermöglicht wurde das, weil die

Genossenschaft „Zusammenkunft

Berlin“ 2015 die Zukunft des einstigen

Sitzes der DDR-Zentralverwaltung

für Statistik künstlerisch kaperte.Sie

hängte bei einem scheinbar

offiziellen Akt ein Bauschild an

die Fassade,das „Räume für Kunst,

Kultur und Soziales“ versprach,

realisiert von Berlin. Dem mochte

sich niemand entgegenstellen,

2018 wurde von Senat, BIM und

Genossenschaft eine entsprechende

Vereinbarung getroffen.

WersicheinenEindruck vonder neuen Nutzung

verschaffen will:AmSonnabend gibtes

von14bis 20 Uhr einen Tagder offenen Tür.

Recycling,damals: eine Briefwaage

aus Gasmasken-Teilen.

Ausgegraben: der Kopf einer Schaufensterpuppe.

BERND FRIEDEL (6)


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 11 *

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Berlin

Unerkannter Wahnsinn

Der 57-jährige Gregor S. war völlig unauffällig. Bis er am Dienstagabend Fritz von Weizsäcker erstach. Warum Taten wie diese kaum zu verhindern sind

VonAndreas Kopietz

und Philippe Debionne

Die Tatwar lange geplant,

das Motiv nach derzeitigen

Ermittlungsstand

Hass. Der Hass eines

Mannes, der Fritz von Weizsäcker

mit einem Messer erstochen hat,

weil er dessen Familie für schuldig

hielt. Der57-jährigeTäter gilt als psychisch

gestört, was die Diskussion

über die Tat komplex macht. Wie

geht man mit solchen Taten um? Wie

mit den Tätern? Und was muss passieren,

dass Menschen durchdrehen

und anderen das Leben nehmen?

Nachdem der Chefarzt am Dienstagabend

seinen Vortragüber Leberleiden

beendet hat, stürmt Gregor S.

los, zieht ein Messer und sticht Fritz

vonWeizsäcker in den Hals.Ein Polizist,

der privat dem Vortragzugehört

hat, wirft sich dazwischen und wird

schwer verletzt. Für den Mediziner

kommt jede Hilfe zu spät. Diese unvermittelte

Tatschockiert, denn der

57-jährige Gregor S. war der Polizei

bislang unbekannt und wohl psychisch

unauffällig – bis zu diesem

Abend.

Jeder kann eine Straftat begehen

Der Polizeibeamte musste zweimal

operiert werden. Es gehe ihm „den

Umständen entsprechend“, sagte

ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Der 57-jährige Gregor S. aus Rheinland-Pfalz

sitzt inzwischen in einer

geschlossenen Psychiatrie.Das Motiv

des Angreifers liegt nach Angaben

der Staatsanwaltschaft in einer

„wohl wahnbedingten allgemeinen

Abneigung des Beschuldigten gegen

die Familie des Getöteten“. Gregor

S. soll in der Vernehmung gesagt

haben, dass er die Familie vonWeizsäcker

hasse.Grund sei die Tätigkeit

des früheren Bundespräsidenten

Richard von Weizsäcker als Geschäftsführer

des Chemieunternehmens

Boehringer Ingelheim. Diese

Firmaarbeitete mit dem den amerikanischen

Konzern Dow Chemical

bei der Herstellung des Entlaubungsmittels

„Agent Orange“ zusammen.

Dasreichte für Gregor S. offenbar

aus, umeinen Mordplan zu entwickeln.

Wie der Spiegel berichtete,

sagte er in der Vernehmung, dass er

eigentlich Richard von Weizsäcker

WasimKopf eines Menschen vorgeht, ist in den seltensten Fällen zu erkennen. Und manchmal ist es dann zu spät.

habe treffen wollen. Dieser ist aber

seit fast fünf Jahren tot. Also habe er

den Sohn ausgewählt. Um seinen

Plan zu verwirklichen, fuhr er nach

Berlin, wo Fritz von Weizsäcker einen

Vortrag inder Schlosspark-Klinik

hielt. Dort liegt inzwischen ein

Kondolenzbuch bereit – ein einer

Klinik, die ihre Sicherheitsvorkehrungen

nach der Tatverstärkt hat.

Hätte man die Auffälligkeit von

Gregor S. im Vorfeld erkennen können?

Nein, sagt die Psychotherapeutin

und forensische Gutachterin Karoline

Klemke. „Die Vorhersage, ob

jemand straffällig wird, wendet man

nur bei Menschen an, die straffällig

geworden sind. Wenn wir diese Methoden

auf Menschen anwenden,

die noch gar nichts gemacht haben,

bewegen wir uns im kritischen Bereich.“

Eine große Zahl vonPersonen

habe Überzeugungen, in denen

Mord- und Rachefantasien eine

Rolle spielen, so die Psychiaterin. Wo

fängt man also an?

„Wenn wir uns Russlands Psychiatrien

in der Vergangenheit anschauen,

wo Regimegegner für psychisch

krank und deshalb gefährlich

erklärt wurden, wissen wir, wodas

hinführen kann.“ Die Psychologin –

die oft mit U- und S-Bahn unterwegs

ist –teilt den Eindruck, dass gerade

Vier Jahre lang nutzten die

Amerikaner die chemische

Waffe Agent Orange, die von

den Behörden offiziell als

Pflanzenvernichtungsmittel

bezeichnet wurde. Agent

Orangewurde in Vietnam

großflächig eingesetzt, um

den Dschungel zu entlauben

und Reisfelder zu zerstören.

Damit sollten den gegendie

USA kämpfenden Vietcong

Rückzugsmöglichkeiten zerstörtund

Hinterhalte auf die

US-Truppen erschwertwerden.

Zudem wollten die USA

die Möglichkeit haben, Panzer

und anderes schweres

Gerät im Dschungel einzusetzen.

AGENT ORANGE

45 Millionen Liter dieses

hochgiftigen Mittels wurden

während des Vietnamkriegs

versprüht, von1967 bis

1971 flogen amerikanische

Flugzeugeund Helikopter

über 6000 Einsätze.

Schwere Krankheiten, Todesfälle

und eine ungewöhnliche

hohe Zahl vonFehlgeburten

in den betroffenen

Gebieten waren die Folge.

150 000 vietnamesische

Kinder sind seit dem dortigenKrieg

zudem mit schweren

Behinderungen zur Welt

gekommen. US-Veteranen

sprachen öffentlich vom

„größten chemischen Kriegsangriff

der Weltgeschichte“.

Das deutsche Chemie- und

Pharmaunternehmen Boehringer

Ingelheim, bei dem Richard

vonWeizsäcker von

1962 bis 1966 in der Geschäftsführung

tätig war,unterstützte

den amerikanischen

KonzernDow Chemical

bei der Herstellung des

Gifts. Weizsäcker hatte später

angegeben, erst nach seiner

Tätigkeit davonerfahren

zu haben. Immer wieder

hatte er zudem großes Bedauernausgedrückt.

Ob

Weizsäcker tatsächlich erst

nach seinem Weggang aus

der Firmavon den Vorgängen

erfuhr,konnte bis heute

nicht geklärtwerden.

in Berlin die Zahl psychosozial und

psychiatrisch beeinträchtigter Menschen

steigt. Das liege wahrscheinlich

an der tiefer werdenden sozialen

Spaltung der Gesellschaft, an psychosozialen

Belastungen und daran,

dass diese Stadt solche Menschen

auch anziehe,sagt sie.Viele Obdachlose

zum Beispiel hätten psychische

Probleme.

GETTY IMAGES

Wie viele gefährliche psychisch

Kranke in der Stadt unterwegs sind,

kann nur gemutmaßt werden. Der

Senat hat nicht einmal eine Zahl, wie

viele Eingewiesene aus psychiatrischen

Anstalten entwichen sind.

Beim Maßregelvollzug gebe es zwar

ein geregeltes Informationsverfahren,

erklärte SPD-Gesundheitssenatorin

Dilek Kalayci erst kürzlich vor

dem Abgeordnetenhaus. „Was die

anderen Einrichtungen angeht, und

das ist tatsächlich eine andere Kategorie,

gibt es so ein Berichtswesen

aber nicht“. Zumindest liege ihr darüber

nichts vor, räumte die Senatorinsein.

DasLandeskriminalamt ist da offenbar

weiter.Seine Zahlen, die auch

der Berliner Zeitung vorliegen, zeigen,

wie weit in den geschlossenen

psychiatrischen Stationen vieler

Krankenhäuser die Türen tatsächlich

offen stehen.

Alleine zwischen Anfang August

und dem 18. September wurden aus

dem St.-Hedwig-Krankenhaus 27

Personen bei der Polizei als vermisst

gemeldet. Darunter ein Insasse, der

insgesamt viermal ausgerissen ist,

einer zweimal. Vonder geschlossenen

Psychiatrie des Krankenhauses

Neukölln gab es in dieser Zeit 19 Vermisstenanzeigen.

Ein Insasse

schaffte es, fünfmal hintereinander

auszureißen, ein anderer zweimal.

Ausder Charité in Mitte gab es neun

Vermisstenanzeigen. Auch dort riss

einer der Patienten fünfmal aus.Aus

der Friedrich von Bodelschwingh-

Klinik wurden drei Personen als vermisst

gemeldet. So wurde am 30. August

in Wilmersdorf ein 32-Jähriger

aufgegriffen, den ein Richter in der

geschlossenen Abteilung der Bodelschwingh-Klinik

untergebracht

hatte.

„Diese planmäßige Unorganisiertheit

im Senat gefährdet Menschenleben“,

sagt der FDP-Abgeordnete

Marcel Luthe. „Das Entweichenlassen

von Insassen ist eine

schwere Straftat. Der Senat muss

diese absurden Zustände beenden.

Die richterlichen Beschlüsse sind

durchzusetzen. Geschlossene

Psychiatrie heißt geschlossene Türen–und

nicht offene.“

Kein Schutz

Doch es gibt auch außerhalb geschlossener

Einrichtungen Menschen

mit teils für die Öffentlichkeit

gefährlichen Wahnvorstellungen.

Denn auch Menschen, die im betreuten

Wohnen leben, können sich

frei in der Stadt bewegen. Wozu das

führen kann, zeigt ein Fall aus Neukölln

von vergangener Woche. Hier

hatte ein unter Betreuung stehender

Mann Nachbarn und die daraufhin

alarmierten Polizisten mit einem

Messer bedroht und sich anschließend

selbst getötet. Später hieß es,

dass der Mann in der Vergangenheit

immer wieder aggressiv gegen sich

und andere gewesen sei. Dennoch

sei er nicht eingesperrtworden.

Täter, wie jener, der Fritz von

Weizsäcker ermordete, könne man

nicht einfach so als gefährlich erkennen,

sagt Gerichtspsychiater Werner

Platz. „Die Menschen sind bislang

nach außen unauffällig gewesen,

ähnlich wie bei den Attentätern auf

Wolfgang Schäuble und Oskar Lafontaine.“

Schützen könne man sich

nur schwer.„Wenn man sich in einer

psychiatrischen Klinik bewegt, wo

man weiß, da sind Aggressionstäter,

kann man bestimmte Verhaltensregeln

einhalten. Dass man ihnen zum

Beispiel nie den Rücken zudreht.“

Auf offener Straße oder bei öffentlichen

Veranstaltungen ist das allerdings

kaum möglich.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radlerin verletzt und geflüchtet.

DerFahrer eines BMW hat am Mittwochvormittag

beim Rechtsabbiegen

in die Neustädtische Kirchstraße

in Mitte eine 34 Jahrealte Radfahrerinerfasst.

DerMann flüchtete anschließend.

Dieimsechsten Monat

Schwangerestürzte auf die Straße

und verletzte sich an den Armen. Sanitäter

der Feuerwehr brachten die

Frau in ein Krankenhaus.Die Polizei

fahndet nach dem Mann.

Senior fährtSeniorin an.

In Mariendorfhat am Mittwochnachmittag

ein 76-Jähriger beim

Rückwärtsfahren eine 81-Jährige angefahren.

DerMann war voneinem

Mieterparkplatz im Westphalweg

langsam rückwärts in Richtung einer

Zufahrtgerollt. Dabei übersah er die

Frau, die mit einem Rollator die Zufahrtbetreten

wollte.Die Seniorin

erlitt Verletzungen an der Hüfte.

SEK-Einsatz in Flüchtlingsheim.

Beamte des Spezialeinsatzkommandos

(SEK) haben am Mittwoch in

KaulsdorfzweiMänner festgenommen.

EinPolizist außer Dienst hatte

die Männer im Alter von27und 29

Jahren hinter einem Fenster in einem

erleuchten Raum einer Flüchtlingsunterkunft

in der Brodauer

Straße beobachtet. Einer der Bewohner

posierte dabei mit einem Sturmgewehr.Sein

Bekannter fotografierte

ihn dabei. DerPolizist alarmierte

Kollegen, die wegen des Gewehrs das

SEK informierten. DasZimmer

wurde gewaltsam geöffnet. Es handelte

sich um eine Softairwaffe,die

zusammen mit der Munition beschlagnahmt

wurde.Gegen die beiden

Männer wurde ein Ermittlungsverfahren

wegen des Verdachts des

Verstoßes gegen das Waffengesetz

eingeleitet.

Auto angezündet.

Aufeinem Parkplatz in der Schneeberger

Straße in Hellersdorfist in der

Nacht zum Donnerstag ein BMW

ausgebrannt. Verletzt wurde niemand.

DiePolizei vermutet vorsätzliche

Brandstiftung.

In diesem Paketbefanden sich die Tintenfische.

Empfänger unbekannt. PUDWELL

Tintenfisch im Paket.

Einabgestelltes Paket mit vier Kilogramm

Tintenfisch hat in der Nacht

zum Donnerstag am S-Bahnhof Savignyplatz

für Unruhe gesorgt. Passanten

hatten die Polizei alarmiert.

DerBahnverkehr wurde unterbrochen.

Dieangrenzenden Straßen

wurden gesperrt. Entschärfer durchleuchteten

den Behälter und sprachen

zunächst davon, dass sich Finger

darin befänden. Daraufhin öffneten

Feuerwehrleute das Behältnis

und entdeckten die toten Tiere. Nach

zwei Stunden hob die Polizei die

Sperrungen wieder auf. DerEmpfänger

der Tintenfische ist nicht bekannt.

Verletzter meldet sich bei der Polizei.

Ein23-Jähriger hat sich in der Nacht

zum Donnerstag mit Schnittverletzungen

auf dem Rücken bei der Polizeiauf

dem Alexanderplatz gemeldet.

DerMann sagte bei seiner Befragung,

dass er im Rathausparkin

Lichtenbergvon einer Gruppe junger

Männer überfallen worden sei.

Dabei seien ihm die Verletzungen

zugefügt worden. Eine freiwillig bei

ihm durchgeführte Atemalkohol-

Messung ergab einen Wert vonüber

einem Promille.Erwurde in ein

Krankenhaus gebracht und dortambulant

behandelt. DieHintergründe

für den Überfall sind unklar. (ls.)

Maria Schrader schwärmt über die Atmosphäre des Weltkinofestivals. CHRISTIAN SCHULZ (3) August Diehl wargerade erst für die deutsche Synchronversion im Studio.

AUGUST DIEHL

freute sich am Donnerstagabend

über eine besondere Bühne für seinen

Film „Ein verborgenes Leben“

von Regisseur Terrence Malick. Der

hatte ihm schon in Cannes viel Kritikerlob

eingebracht und erlebte nun

endlich als Eröffnungsfilm des Weltkinofestivals„Around

theWorld in 14

Films“ im Kino in der Kulturbrauerei

seine Deutschlandpremiere. Der

Schauspieler: „Dieses wunderbare

Festival, das es schon so lange gibt,

ist der perfekte Rahmen dafür.“ Der

Film wurde zwar schon 2016 gedreht,

die Arbeit daran scheint für

Diehl allerdings nie zu enden: „Ich

war erst vor zweiTagen für die deutsche

Synchronversion im Studio.“

MARIA SCHRADER

gerät ins Schwärmen, wenn sie über

das Festival spricht: „Ich kenne so

viele Leute,die wie ich jedes Jahr mit

dem Gedanken spielen, sich einfach

während des Festivals frei zu nehmen

und dann jeden Film anzuschauen.

Dann hat man nämlich auf einmal

ganz viele vonden aktuell besten Filmen

gesehen.“ Sie mag die Atmosphäre:

„Hier kommt man vor und

nach den Filmen in Gespräche,das ist

alles so kontaktfreudig und niedrigschwellig.“

In den zehn Festivaltagen

laufen Filme aus Afghanistan, Australien,

Brasilien, Deutschland, Großbritannien,

Italien, Österreich, Palästina,

Peru, Portugal, Rumänien, Sudan,

Tschechien und Tunesien. Zu den

diesjährigen Paten, die die Filme vorstellen,

gehören Dietrich Brüggemann

und Alice Dwyer.

Greta-Spektakel statt Udo-Musical

Die Produzenten des Cirque du Soleil stellten jetzt das Konzept für die Bespielung des Theaters am Potsdamer Platz vor

VonFlorian Thalmann

Mit Spannung erwartete Berlins

Show-Szene die Verkündung –

und nun ist die Katze aus dem Sack:

Die Produzenten der neuen Show

des berühmten Cirque du Soleil, die

2020 ins Theater am Potsdamer Platz

ziehen soll, stellten jetzt das Konzept

vor. In „nysa“ geht es um ein Mädchen,

das die Welt verändert. Es hört

sich ganz nach der Geschichte von

Greta Thunberg an, Anführerin der

„Fridays for Future“-Bewegung. Und

tatsächlich bestätigt Daniel Ross,der

künstlerische Leiter der bekannten

Zirkus-Company, den Verdacht. „Allerdings

tauchte Greta erst auf, als

wir schon angefangen hatten, die

Geschichte zu schreiben“, sagt er.

„Für uns war das aber ein Zeichen

dafür, dass wir auf dem richtigen

Wegsind, die richtige Botschaft haben:

DieZukunft derWelt liegt in den

Händen der jungen Menschen.“

Die Show, die am 28. Oktober im

Theater am Potsdamer Platz Premiere

feiern wird, heißt „nysa“.

Hauptfigur ist eine furchtlose junge

Frau, die sich nach Abenteuern

sehnt und über den eigenen Horizont

hinausschauen muss,getrieben

vom Wunsch der Jugend nach einer

Weltreise per Kinobesuch

besseren Zukunft. So weit, so künstlerisch.

ZumLeben erweckt wirddie

Geschichte von Artisten und Akrobaten

auf Weltniveau. „Ganz hoch

angesiedelt“ sieht MarekLieberberg,

Chef des Veranstalters Live Nation,

die Qualität in allen Bereichen. „Wir

sind sehr zuversichtlich über diese

großartige Partnerschaft und glauben

daran, dass wir eine neue Attraktion

nach Berlin bringen“, sagt er.Er

schätze den Berliner Markt als sehr

gut ein, für Live Nation sei die

Hauptstadt immer wichtig gewesen.

Neues Entertainment-Zentrum

Karl L. Wambach von der Firma

Brookfield Properties, die das Gebäude

betreut, sieht sogar eine

Chance für ein neues Entertainment-Viertel.

„Der Potsdamer Platz

hat im Entertainment-Bereich eine

lange Tradition“, sagt er. Man wolle

den Platz wieder als Unterhaltungszentrum

etablieren, dabei sei der

Cirque einer der Eckpfeiler. Nebenher

läuft hier seit 15 Jahren die Show

der„Blue ManGroup“, im Januar feiert„Magic

Mike Live“ Premiere.

Ganz begeistert hatte sich nach

der ersten Ankündigung der Theater-Übernahme

auch Berlins Tourismus-Beauftragte

gezeigt –denn eine

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Das Festival „Around the World

in 14 Films“ startet in der

Kulturbrauerei. Daniel Zillmann

singt und spielt und hat die beste

Vermieterin der Welt

Daniel Zillmann und die „Mami von King Mami“, Luci van Org.

Der Cirque du Soleil ist für seine atemberaubende

Akrobatik bekannt. CIRQUE DU SOLEIL

Show, die weltweit einzigartig ist,

könne auch neues Publikum in die

Hauptstadt ziehen. „Der Cirque du

Soleil ist eine der bekanntesten Zirkus-Gruppen,

wobei es mit Zirkus eigentlich

nicht mehr viel zu tun hat –

das ist Unterhaltung auf höchstem

Niveau“, sagte der Tourismus-Beauftragte

Christian Tänzler. „Es ist

großartig, dass sie den StandortBer-

DANIEL ZILLMANN

hat gerade einen Lauf. Als Schauspieler

ist er gefragt, spielt mit im Kinofilm

„Die Känguru Chroniken“,

der im Frühjahr rauskommt, gehört

zur Besetzung der diese Woche mit

guten Quoten gestarteten Serie

„Rampensau“ und wird demnächst

in der zweiten Staffel von„AndereEltern“

zu sehen sein. Und zuhören:

„Ich darfinder neuen Staffel viel singen.“

Genau so sehen für ihn Premiumjobs

aus: dann darfersingen und

spielen, also seinen beiden großen

Leidenschaften frönen.

Am Donnerstagabend hatte Zillmann

Freunde, Familie und Menschen

aus der Musikbranche in den

Münzclub in Mitte eingeladen, um

die nächste Raketenstufe seiner Gesangskarrierezuzünden.

Er feierte in

den Freitag rein, an dem „My Time“,

der erste Song seines aktuellen Projekts

King Mami, herauskommen

wird. Zillmann hat ihn gemeinsam

mit Produzentin Luci van Org, die er

„die Mami von King Mami“ nennt,

am Küchentisch erdacht und dann

aufgenommen. Zwischen dem King

und seiner musikalischen Mami gibt

es kurze Wege, denn erist Mieter in

ihrem Neuköllner Haus. Und wenn

beide,wie neulich, gemeinsam auf einer

Kundgebung gegen den Mietenwahnsinn

auftreten, dann stellt er sie

so vor: „Sie ist die beste Vermieterin

der Welt! Es gibt keine Mieterhöhungen!“

Beide haben nicht nur „My

Time“ produziert, sondern inzwischen

schon zwölf Titel, aus denen

das erste Album vonKingMami wird,

das im Frühjahr erscheinen soll.

lin für eine Bespielung ausgewählt

haben.“

Wieviel der neue XXL-Zirkus kostet,

wie lange er bleibt? Das wird

noch nicht verraten. DieRede ist von

Millionen, einem „mehrjährigen Engagement“

und der Tatsache, dass

Berlin die erste „europäische Residenz“

des kanadischen Unternehmens

wird. Gut für Berlin: Mit dem

Cirque du Soleil zieht Leben im stiefmütterlich

behandelten Potsdamer-

Platz-Theater ein, das zuletzt der

Unterhaltungskonzern Stage Entertainment

betrieb. Seit 2017 für das

Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm

Horizont“ der letzte Vorhang fiel,

wird das Haus nur noch für Gastspiele

genutzt.

Biszu190 Euro proTicket

Vertreter des Cirque du Soleil loben

gerade das Gebäude.„Für uns ist es

wunderbar, hier zu sein“, sagt Finn

Taylor, Senior Vice President der

Crew.„Es ist ein tolles Theater an einem

tollen Standort. Uns bedeutet

es viel, den Berlinern hoffentlich

auch.“ Das wird sich zeigen –auch

nach einem Blick auf die Preise. Tickets

kosten an einem Sonnabend

zwischen 57 und 120 Euro.Wer „VIP“

bucht, zahlt noch mehr:190 Euro.

„Keine

herausragende

Bedeutung“

Innenverwaltung entwertet

die eigene Polizeirefrom

VonPhilippe Debionne

Mehr Polizeipräsenz an den

Brennpunkten wie Alexanderplatz,

Görlitzer Park und Kottbusser

Tor, eine neue Abteilung im Landeskriminalamt

zur Terrorismusbekämpfung

sowie eine neue Direktion

Einsatz und Verkehr. Das sind

die Eckpfeiler der neuen Polizeistrukturreform,

die Ende Oktober

offiziell im Innenausschuss vorgestellt

wurde.

Doch was zunächst nach wirklicher

Reform und bedeutenden Umstrukturierungen

klingt, ist offenbar

nur „eine organisatorische Anpassung

der Polizei Berlin“. Zu dieser

Einschätzung zumindest kommt die

Senatsinnenverwaltung, die nach eigenen

Angaben für „Führung und

Strukturierung der Polizei“ zuständig

ist. Zusammenfassend sei bei der

Polizeireformzudem„eine herausragende

Bedeutung für Berlin als Ganzes

nicht zu erkennen“. Das steht so

in einer Antwort des Staatssekretärs

der Senatsverwaltung für Inneres

und Sport, Torsten Akmann, auf eine

Anfrage des FDP-Politikers Marcel

Luthe.

Opposition nicht informiert

Dieser wollte wissen, wann der Senat

das Abgeordnetenhaus über die Reform

informiert habe. Luthe wirft

dem Senat in diesem Zusammenhang

vor, dass die Regierungsparteien

im Vorfeld der Umstrukturierung

früher und ausführlicher als die

Oppositionsparteien über die Details

der Reform informiert worden

seien. Dies widerspräche aber dem

Artikel 50 der Berliner Verfassung.

Hier heißt es:„Der Senat unterrichtet

das Abgeordnetenhaus frühzeitig

und vollständig über alle in seine Zuständigkeit

fallenden Vorhaben von

grundsätzlicher Bedeutung.“

Zwar teilte Akmann mit, dass bereits

am 4. März2019 in einer Sitzung

des Ausschusses für Inneres, Sicherheit

und Ordnung über die geplante

Strukturreform informiert worden

sei. Zugleich wird inder Antwort an

Marcel Luthe aber auch eingeräumt,

dass „die wichtigsten Eckpunkte“ an

„Abgeordnete der Regierungsfraktion

übermittelt worden“ seien, bevor

das Abgeordnetenhaus und damit

auch die Oppositionsparteien

davon erfuhren.

Unterrichtungnicht erforderlich

Für Luthe ist das insofern ein Problem,

weil der Senat nach seiner Einschätzung

damit gegen besagten Artikel

50 der Berliner Verfassung verstoßen

hat, also die Informationspflicht

über „Vorhaben von

grundsätzlicher Bedeutung“. Diese

grundsätzliche Bedeutung ist aber

laut Torsten Akmann im Fall der Polizeireformnicht

gegeben. „Organisatorische

Anpassungen der Polizei

Berlin sind ein laufender Prozess

und fallen mehr oder weniger umfangreich

aus“, teilte der Staatssekretär

in seiner Antwort auf Luthes Anfrage

mit. „Eine frühzeitige und vollständige

Unterrichtung des Abgeordnetenhauses

im Sinne vonArtikel

50 Absatz 1derVerfassung vonBerlin

war daher nicht erforderlich“, heißt

es in der Antwortweiter.

„Letztlich ging es dem Innensenator

offenbar nur darum, seine Reform

durchzusetzen, ohne sich vorhermit

kritischen und konstruktiven

Vorschlägen auseinanderzusetzen“,

sagte Luthe der Berliner Zeitung. Zudem

berücksichtige die jetzt umgesetzte

Reform das Kernproblem bei

der Berliner Polizei nicht.

Das sei laut Luthe in erster Linie

„der immense Krankenstand als

Folge schlechter Personalpolitik und

der daraus resultierende Personalmangel“.

Die jetzige Reform würde

diese Problem lediglich „mehr oder

weniger gekonnt verstecken, aber

nicht lösen“.


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 13 *

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Berlin

Im obersten

Gericht wächst

der Frust

Linke und CDU streiten

weiter über Richterwahl

VonElmar Schütze

Bei der Frage der Nachwahl für

den Berliner Verfassungsgerichtshof

bleiben die Fronten verhärtet.

CDU und Linke machen einander

gegenseitig dafür verantwortlich,

dass weiterhin eine Richterstelle

an Berlins oberstem Gericht

unbesetzt bleibt. Während die Linke

eine öffentliche Erklärung des CDU-

Fraktionschefs Burkard Dregger

dazu fordert, weist die CDU eine

Schuld an der geplatzten Wahl von

sich. Unterdessen wächst am Verfassungsgerichtshofs

der Frust über die

Hängepartie. Die Nachwahl ist notwendig,

damit der Gerichtshof auch

über den 31. Dezember hinaus über

die in der Verfassung vorgesehenen

neun Köpfe verfügt.

Ende Oktober war eine als sicher

geltende Wahl gescheitert. Üblicherweise

erhalten die nach politischem

Proporz vorgeschlagenen Kandidaten

die notwendige Zweidrittelmehrheit

von 100 Stimmen problemlos.

Während die von der SPD

vorgeschlagene Ludgera Selting als

Gerichtspräsidentin (134 Ja-Stimmen)

und der CDU-Kandidat Christian

Burholt als Richter (148 Ja-Stimmen)

problemlos durchkamen,

scheiterte die von der Linke vorgeschlagene

Lena Kreck. Die38-jährige

Dozentin der Evangelischen Hochschule

Berlin erhielt nur 86 Stimmen.

Aus CDU-Kreisen war von einem

schlechten Auftritt die Rede.

Die Kandidatin habe erkennen lassen,

sie verstehe ihr Amt als parteipolitischen

Auftrag. Damit habe sie

sich um ihren Posten gebracht.

Weihnachten bei Dieben

Ein Zusteller unterschlug Pakete, der Inhalt wurde im Internet verkauft. Er erhält eine Bewährungsstrafe

VonKatrin Bischoff

Tausende Pakete werden jeden Tagausgeliefert, nicht alle kommen an.

„Ich bin gefahren, meine Ex hat

hinten im Wagen die Pakete aufgemacht.

Es fühlte sich an wie Weihnachten.“

Angeklagter Amer El-S.

in der Gerichtsverhandlung

IMAGO IMAGES

Auf so eine „Geschäftsidee“

muss man erst einmal

kommen: Pakete nicht

auszuliefern, sondern zu

unterschlagen, um dann den Inhalt

zu verkaufen. „Schwachsinn“ nennt

die Richterin am Amtsgericht Tiergarten

am Donnerstag dieses Vorgehen.

Der Angeklagte Amer El-S. hingegen

spricht davon, dass „alles ein

wenig dumm gelaufen“ sei. Er habe

nicht nachgedacht, sagt der 28-Jährige

und gibt unumwunden zu, was

ihm in der Anklageschrift vorgeworfen

wird. Mindestens 51 Pakete soll

er an vier Tagen im Februar vergangenen

Jahres unterschlagen haben.

Und das kam so: Amer El-S., ein

gelernter Automechantroniker, hatte

sich Anfang Februar 2018 auf eine

Stellen-Kleinanzeige bei Ebay beworben.

Dort wurde ein Paketzusteller

gesucht. Amer El-S. war damals noch

mit Jessica P. liiert. Er bekam den Job

bei dem Unternehmen, das für Hermes

Pakete ausliefert. Eine Woche

lang wurde er durch einen Angestellten

eingearbeitet, dann durfte Amer

El-S. eigene Touren fahren.

Vom17. bis 21. Februar vergangenen

Jahres sollte der junge Mann in

Neu-Hohenschönhausen 242 Pakete

zustellen. Doch da hatten er und

seine Freundin bereits gemeinschaftlich

geplant, so die Anklage,

nicht alle Sendungen an den Kunden

zu bringen. Amer El-S. hielt, so gibt

er zu, mindestens 51 Pakete zurück.

Er fälschte Unterschriften der Adressaten,

um eine Auslieferung vorzutäuschen,

oder er gab im Zustellungssystem

an, dass eine Auslieferung

nicht möglich gewesen sei.

Seine Freundin verhökerte dann

unter dem Aliasnamen Miriam S. die

unterschlagenen Waren, unter denen

sich eine Sportkamera und ein

Chefsessel befanden, aber auch Filzpantoffel

von Borussia Dortmund,

Pfannen sowie Hunde- und Katzenfutter.

Den Verkaufserlös von

1843,11 Euro teilten sich die beiden.

Es sei das schnelle Geld gewesen, mit

denen sie schneller Drogen haben

kaufen können, so der Angeklagte.

DieIdee,sich als Paketbote zu bewerben,

habe seine Ex gehabt, erzählt

er. Zwar hatte er seine Fahrerlaubnis

längst eingebüßt. Doch das

erwies sich nicht als Problem. In der

Paketfirma sei er nie nach einem

Führerschein gefragt worden.

DerAngeklagte erzählt auch, dass

er auf seinen Auslieferungstouren

seine Freundin mitgenommen habe.

Er sei gefahren, sie habe hinten im

Transporter gesessen und die Pakete

geöffnet. „Das fühlte sich wie Weihnachten

an. Jeder macht doch gerne

Pakete auf“, erklärt der Angeklagte

ernsthaft.

Weil sich Kunden nach der angeblichen

Zustellung, über die sie

eine elektronische Nachricht erhalten

hatten, nach ihren Paketen erkundigten,

flog der diebische Zusteller

schon nach vier Tagen auf. Die

Polizei fand in der Wohnung von P.

noch eine Vielzahl der Waren, die

hätten ausgeliefert werden müssen.

Doch nicht nur damit machte sich

das Pärchen, das eine einjährige

Tochter hat, strafbar. Ihnen wird

auch vorgeworfen, die vonihnen gemieteten

Geschäftsräume Ende

März2018 in einer Kleinanzeige zum

Kauf angeboten zu haben. Zwei Interessenten

zahlten ihnen sodann

insgesamt 28 000 Euro in bar aus.

Eigentlich hätte P. neben ihrem Ex-

Freund auf der Anklagebank sitzen

müssen. Doch die 27-Jährige erschien

nicht zu dem Prozess.Deswegen

wurde das Verfahren gegen die

Frau abgetrennt und Haftbefehl erlassen.

El-S., der bereits mehrfach

vorbestraft ist, verurteilt die Richterin

wegen gemeinschaftlichen Betrugs

und Unterschlagung zu einem Jahr

und acht Monaten Freiheitsentzug.

DieStrafe wirdzur Bewährung ausgesetzt.

Rechtskräftig ist sie noch nicht.

Capital Bra

wird offenbar

erpresst

Einem Bericht zufolge

bedrohen Clans den Rapper

Der Berliner Rapper Capital Bra

wird offenbar erpresst. Die

Staatsanwaltschaft bestätigte nach

einem Bericht der Bild-Zeitung am

Donnerstag, dass ein Ermittlungsverfahren

„wegen versuchter räuberischer

Erpressung zum Nachteil des

Rappers Capital Bra“ geführt wird.

Von Polizei wie Staatsanwaltschaft

hieß es, dass Einzelheiten nicht veröffentlicht

werden könnten.

Die Bild-Zeitung berichtet ohne

Nennung von Quellen, dass Mitglieder

des Miri- und

des El-Zein-Clans

den Rapper um

500 000 Euro sowie

Beteiligung

an zukünftigen

Einnahmen erpressen.

Die Capital Bra

Clans fordern aka Vladislav

laut Bild angeblich

Gefälligkei-

Balovatsky

ten ein, weil sie Capital Brabeim Labelwechsel

geholfen hätten.

Capital Brawar 2018 zu Bushidos

Label„Ersguterjunge“ (EGJ) gewechselt,

hatte im Januar aber verkündet,

dass er EGJ wieder verlasse.„Ich bin

nicht mehr EGJ, da mein Labelboss

mit der Polizei arbeitet“, hatte er in

einem Video gesagt. Bushido war

lange geschäftlich wie privat mit

dem Abou-Chaker-Clan verbunden

–bis er sich vonseinem Partner Arafat

Abou-Chaker trennte. Inzwischen

ermittelt die Staatsanwaltschaft

gegen Mitglieder des Clans,

ihnen werden mehrere Straftaten

mit Bezug auf Bushido vorgeworfen.

Capital Bra heißt mit bürgerlichem

Namen Vladislav Balovatsky.

Der 24-Jährige ist der erfolgreichste

Star der Szene zurzeit, im vergangenen

Jahr landete er neun Nummereins-Hits.

(ann.)

IMAGO IMAGES

Der Verfassungsgerichtshof tagt im Kammergericht

am Kleistpark.

IMAGO

Die rot-rot-grüne Koalition

sprach von einem Eklat, die CDU

habe ungeschriebene Regeln der

parlamentarischen Zusammenarbeit

gebrochen. Die CDU beharrte

darauf, dass bei einer geheimen

Wahl niemand wisse,woKreck möglicherweise

Stimmen gefehlt hätten.

Am Donnerstag hieß es aus der

CDU, dass man nicht prinzipiell gegen

eine Linken-Kandidatur sei, die

Bewerbung müsse nur überzeugend

sein. Eine von der Linken geforderte

öffentliche Erklärung von Fraktionschef

Dregger dazu blieb aber aus.

Gleichzeitig lehnt es die Linke ab,

über eine neue Nominierung auch

nur nachzudenken, solange die CDU

keine eindeutige Erklärung abgebe.

Am Gericht wächst unterdessen

der Ärger über die Lage.Zwar gibt es

mit der Wahl Seltings eine Nachfolgerin

als Gerichtspräsidentin für Sabine

Schudoma, deren Amtszeit

nach sieben Jahren endet. Burholt

ersetzt den im Juni 2018 verstorbenen

Meinhard Starostik. Richterin

Anke Müller-Jacobsen hätte turnusgemäß

im März 2019 ihr Amt aufgeben

sollen, hat sich aber angesichts

der Personalknappheit zu einer Verlängerung

bis Jahresende bereit erklärt.

Danach will sie wieder als Anwältin

arbeiten.

Auf den Verfassungsgerichtshof

wartet im kommenden Jahr unter

anderem eine brisante Verhandlung

zum Mietendeckel.

Advent beim Tiger

Im Tierpark wird ein besinnliches Lichterfest gefeiert

VonKristin Hermann

Essoll ein Gegenstück zu den klassischen

innerstädtischen Weihnachtsmärkten

werden: Am Donnerstag

ließen Berlins Regierender

Bürgermeister Michael Müller (SPD)

und Tierpark-Direktor Andreas

Knieriem per Knopfdruck den Tierpark

inweihnachtlichem Glanz erstrahlen.

Hunderttausende Lichter

verwandeln den Park mit dem historischen

Schloss Friedrichsfelde bis

zum 5. Januar 2020 in eine glitzernde

Winterwelt. Kurz nach dem Ende der

regulären Öffnungszeiten dürfen die

Besucher nahezu täglich zwischen

17 Uhr und 22.30 Uhr durch den

Parkabschnitt spazieren, in dem es

zwar weihnachtlich, aber nach Angaben

der Veranstalter weniger laut

und hektisch als anderswo in Berlin

zugehen soll.

Auf den ersten Blick ist das gelungen.

Vom Eingang Bärenschaufenster

schlängelt sich ein etwa zwei

Dabei sein kostet 15 Euro: Lichterglanz vor

dem Schloss Friedrichsfelde. BERND FRIEDEL

Kilometer langer Rundweg durch

die farbenfroh beleuchtete Parkanlage,auf

dem etwa 30 Installationen

und Hunderttausende Lichtpunkte

verbaut wurden. Neben illuminierten

Baumkronen, Lichtspielen auf

dem Wasser und einem Feuergarten

funkeln Tierfiguren im Dunkeln. Die

Ruhe der echten Tierbewohner soll

durch das neue Angebot übrigens

nicht gestört werden, versprechen

die Organisatoren. Die Winterwelt

finde in einem Teil des Parksstatt, in

dem nur wenige Tieranlagen liegen,

zudem seien keine davon direkt in

das Schauspiel eingebunden. Im

Mittelpunkt der Weihnachtswelt

steht das Schloss Friedrichsfelde,neben

dem eine Eisbahn und einige

Hütten aufgebaut wurden, die Speisen

und Getränke anbieten.

Knieriem sowie Veranstalter

Christian Diekmann, Vorstand der

Deutschen Entertainment AG, zeigten

sich zufrieden mit dem Ergebnis

und begrüßten die Premierengäste,

zu denen unter anderem Berlins Innensenator

Andreas Geisel (SPD)

und die Sängerinnen Ute Freudenbergund

Tanja Lasch gehörten.„Die

Hunderttausenden einzelnen

Lichtpunkte schaffen etwas Magisches.

Sie offenbaren eine gänzlich

neue Facette unseres Tierparks und

sind eine Bereicherung für Berlin“,

sagte Knieriem.

Genau das sei das Ziel hinter der

monatelangen Planung und dem

aufwendigen Aufbau gewesen,

machte Diekmann deutlich: „Wir

würden gerne dazu beitragen, dass

der Park nicht nur während des

Sommers gut besucht ist, sondern

auch während der dunklen und kalten

Jahreszeit.“

Unsere Ärztin Katharina von Goldacker

untersucht im Südsudan ihre Patientin

Nyajuok Thot Tap, die im achten Monat

schwanger ist. ©Peter Bräunig

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Und es

wurde Licht

im Gericht

VonJörg Niendorf

Wer eine Lichttherapie braucht in

diesem düsteren November,

der sollte einmal die Stufen des Gebäudes

in der Kantstraße 79 in Charlottenburg

hinaufsteigen. Vorlanger

Zeit war das Haus einmal ein Strafgericht,

der Eingang ist stattlich und

gleich über dem Portal leuchtet ein

preußischer Adler als riesiges historisches

Fensterbild. Heute ist der Bau

ein Showroom, im Innern funkelt alles,

und zwar sehr bunt: Moderne

Glaskunst ist da zu sehen. Diekanadische

Lichtdesignfirma Bocci zeigt,

was sie kann. Besucher dürfen jederzeit

eintreten und durch die Säle

schlendern.

So viel Licht, das nicht nur leuchtet,

sondern Staunen macht, gibt es

selten. Und solch eine extravagante

Show würde man hier, amEnde der

Kantstraße,ohnehin nicht vermuten.

Nicht einmal der kaiserzeitliche

Prunk des Baus fällt sofort auf. Man

muss genau hinschauen, um seine

neobarocken Schnörkel und Giebel

zu erkennen –und dass dies es ein besonderer

Ortist.

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Lesen Sie am Wochenende

MobileWelten

ZafiraLife:Opelhat den Bus

neu erfunden

Clever berechnen:Die Fallstricke

beimFahrzeug-Leasing

Seit die Justiz vorbald zehn Jahren

auszog und das Land Berlin das Haus

verkaufte,gehörtesdem Architekturbüro

Grüntuch Ernst aus Mitte. Dies

vermietet das Gebäude seit vier Jahrenandas

Glas- und Keramik-Unternehmen

aus Vancouver. Noch etwa

ein halbes Jahr wird Bocci bleiben,

dann bezieht die Firma eine Fabrikhalle

im Norden Berlins. So lange

glänzen und funkeln die Glaskugeln,

teilweise spiegeln sie sich sogar im

Bohnerwachs der typisch behördenbraunen

Linoleumböden.

Gleich neben dem Portal liegt ein

weiteres schweres Holztor mit einer

Durchfahrt –und dahinter verbirgt

sich gleich die nächste Überraschung,

womöglich das, womit man

in Zukunft den Ort vor allem verbinden

wird. Im Hofliegt ein ehemaliges

Untersuchungsgefängnis, das zum

Strafgericht gehörte, mit Burgzinnen

auf dem Dach und vergitterten Fenstern.

In die Zellen und Trakte bauen

die Grüntuch-Ernst-Architekten gerade

ein Boutique-Hotel, es soll 2020

öffnen. Später wird auch das prunkvolle

„Vorderhaus“ des Ensembles,

also das Ex-Gericht, zum Hotel- und

Eventbetrieb dazugehören.

Viele historische Relikte sind weiter

vorhanden, etwa die Knastmauer

im Hof und die schweren Eisentore.

In der Zeit des Nationalsozialismus

saßen nur Frauen in dem Hinterhofgefängnis

ein, darunter viele politisch

Verfolgte. Inder Nachkriegszeit war

der Bau ein Jugendarrest und später

wieder Männergefängnis. Danach

wurden die Zellen nur noch als Lagerraum

für Justizakten genutzt.

Noch etwaein halbes Jahr sind die Lichtinstallationen

zu sehen.

BOCCI

Egal, ob ein Auto, ein Roller,

ein Fahrrad oder ein E-

Scooter von einem Sharing-Unternehmen

verliehen

wird, jedes Mal erhebt der Anbieter

Daten: Werist derjenige, der

gerade fährt? Hat der Nutzer einen

gültigen Führerschein? Vonwoaus

fährt der Kunde los, und wo stellt er

den Wagen oder den Roller wieder

ab? Es ist ein riesiger Datenschatz,

den Sharing-Anbieter sammeln. Allein

in Berlin sind nach Informationen

der Senatsverwaltung mittlerweile

knapp 40 000 Sharing-Fahrzeuge

unterwegs. Umdie 30 Anbieter

teilen sich den Markt

untereinander auf.Weiterehaben ihrenStartinder

Hauptstadt schon angekündigt.

Doch was passierteigentlich

mit den ganzen Daten, die bei

den Unternehmen auflaufen?

Dass diese auch für Dritte einen

Mehrwert haben können, zeigt gerade

der Fahrdienstvermittler Uber.

Kürzlich hat das US-amerikanische

Unternehmen Berlin in seine Plattform

„Uber Movement“ aufgenommen.

Darauf sindVerkehrsdaten einsehbar,

die bei Uber-Fahrten erhoben

worden sind.„Die Daten sind für

jeden zugänglich, auch für Stadtplaner

oder Behörden“, sagt Oliver

Klug, Sprecher vonUber in Deutschland.

Zurzeit beschränken sich die

Analysen auf Durchschnittsgeschwindigkeiten

auf allen befahrbaren

Straßen, schon bald sollen weitereAuswertungsmöglichkeiten

hinzukommen.

„Die Analysen können zum Beispiel

dafür genutzt werden, die Busund

Ampel-Taktung zu optimieren“,

so Klug. Auch könnten Straßen ausgemacht

werden, auf denen der Verkehr

so flüssig läuft, dass es zum Beispiel

auch noch Raum für einen verbreiterten

Radweg gäbe. Nicht hingegen

gehe es darum,

personenbezogene Informationen

auszuwerten. DieDaten seien alle zu

hundert Prozent anonymisiert,

macht Klug vonUber deutlich.

Schon alleine datenschutzrechtlich

wäre das auch nur schwierig

möglich. Verhinderntut dies die Datenschutzgrundverordnung,

die besagt,

dass nur solche personenbezogenen

Daten verarbeitet und genutzt

werden dürfen, die zur Durchführung

des Sharing-Angebots erforderlich

sind. „Wenn ein Sharinganbieter

auch personenbezogene Daten für

ein genaues Profiling oder für Werbezwecke

generieren will, dann

könnte er das theoretisch in den Vertrag

mit reinschreiben, allerdings

nur optional, der Kunde muss die

Möglichkeit haben dies abzulehnen“,

sagt Uwe Schläger, Geschäftsführer

vom Sicherheitsdienstleister

Datenschutz Nord.

Genauso sieht es auch bei der

Übermittlung personenbezogener

Daten an Dritte aus.„Daswäreebenfalls

nur in anonymisierter Form

möglich“, so Schläger.

DerStandortwirdper GPS getrackt

Zumindest in dieser Form passiertes

auch. Neben Uber zeigt sich beispielsweise

auch der Fahrrad- und E-

Scooter-Anbieter Lime – ebenfalls

ein US-amerikanisches Unternehmen

–offen bei der Weitervergabe

von Daten. „Wir teilen gerne unsere

anonymisierten Daten zum Verkehrsfluss,

um die Städte bei der

Weiterentwicklung ihrer Infrastrukturprojekte

zu unterstützen“, teilt

eine Sprecherin vonLime mit.

Technisch ist da einiges möglich.

Denn üblicherweise erhoben werden

eine ganze Reihe von Daten,

weiß Alexander Gmelin, Mitglied der

Geschäftsleitung bei Invers, einem

Siegener IT-Unternehmen, das die

Soft- und Hardware für über 200

Sharing-Unternehmen weltweit

baut. Auch Coup, Miles, Cambio,

Emmy oder Flinkster, Sharing-Anbieter,

die auch in Berlin auf dem

Markt sind, sind Kunden. Mit dem

Betriebssystem von Invers wird beispielsweise

der Standort des Fahrzeugs

per GPS erhoben, übermittelt

wie voll der Akku oder der Tank ist

und bei einem Auto etwa auch, ob es

verschlossen ist. Auch werden anonymisierte

Bewegungsdaten erhoben:

Wann sind Fahrzeuge von wo

nach wo bewegt worden und wie

viele Kilometer sind gefahren worden?

Je nach Fahrzeugklasse müssen

Überwachtes

Fahren

Knapp 40 000 Sharing-Fahrzeuge gibt es

mittlerweile in Berlin. Bei jeder Fahrt werden Daten

erhoben. Der Senat hat schon Interesse bekundet

16000

E-Scooter zum Mieten sind nach Angaben der Anbieter

mittlerweile auf Berlins Straßen unterwegs.

Damit haben die E-Tretroller-Betreiber die größte Flotte

von allen Sharing-Diensten.

7000

Carsharing-Fahrzeugegibt es in etwainBerlin. Davon

sind um die 1000 stationsbasiertund um die 6000

stationslos –sie können überall im Verbreitungsgebiet

abgestellt und abgemietet werden.

2300

VonTheresa Dräbing

14000

Mietfahrräder zählt der Senat auf Berlins Straßen. Diese

werden von neun Anbieternzur Verfügung gestellt. Wobei

die Anzahl der einzelnen Räder jahreszeitlich schwankt.

Leih-E-Roller sind derzeit auf das Stadtgebiet

verteilt. Es ist die kleinste Flotte mit nur zwei

Anbietern: „Coup“ und „Emmy“. Für dieses Jahr hat

sich mit „Felyx“ ein weiterer Verleiher angekündigt.

BLZ/TIEDGE; QUELLE: SENAT

von den Nutzern gültige Führerscheindaten

vorliegen, das ist gesetzlich

vorgeschrieben.

„Bei allen möglichen Analysemöglichkeiten

geht es aber nicht

darum, zu sehen, ob ein Nutzer Freitagabends

mit dem E-Scooter immer

die gleiche Kneipe ansteuert“,

sagt Gmelin. „Theoretisch ist es natürlich

möglich, zu erheben, wer

wann wohin gefahren ist. Eine solche

personenbezogene Analyse stellen

wir aber nicht bereit und wird

von unseren Kunden auch nicht

nachgefragt“, so Gmelin. Für Anbieter

sei viel entscheidender,nachvollziehen

zu können, wo in der Stadt

die größte Nachfrage herrscht, um

die optimale Flottengröße an den

richtigenOrt bereitzustellen.

Seiner Ansicht nach könne es

auch durchaus sinnvoll sein, mit den

Städten in den Austausch zutreten

und Daten zu teilen: Wo fehlt es an

Mobilitätsangeboten, Parkplätzen

oder Fahrradwegen?

Freiwilliger Austausch mit der Stadt

Die Berliner Senatsverwaltung für

Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist

einem solchen Austausch von Daten

gegenüber durchaus aufgeschlossen

eingestellt. Sofern das Sammeln unter

den geltenden Datenschutzbestimmungen

erfolge, seien solche

Verkehrsdaten grundsätzlich von

großem Interesse für die Verkehrsräume

und Verkehrsströme, soeine

Sprecherin. Noch besteht kein systematischer

Austausch solcher Daten.

Der Senat stehe allerdings mit den

Anbietern inKontakt, ohne das vertragliche

Beziehungen mit dem Land

Berlin bestehen. Damit können derzeit

schon Nutzungsdaten auf Basis

von freiwilligen Vereinbarungen zwischen

den Anbietern und dem Land

Berlin geteilt werden.

„Das aktuelle Geschäftsmodell

der Verleiher ist nur durch die Nutzung

des öffentlichen Raumes möglich.

Schon daher gibt es ein Interesse,diese

Daten für die Verwaltung

zu nutzen“, so die Sprecherin von

Verkehrssenatorin Regine Günther

(Grüne). „Die öffentliche Hand

könnte die Daten nicht nur in die

Planung von öffentlichen Verkehrsangeboten,

sondernauch etwa in die

Weiterentwicklung der Angebote

hinsichtlich Verbesserungen bei der

Standortverträglichkeit einfließen

lassen.“

In anderen Ländernist das schon

verbreiteter. Allen voran inden USA

werden bereits Verkehrsdaten von

Sharinganbietern ausgewertet und

den Städten zur Verfügung gestellt.

Manches Malgelangen die Betreiber

in der Folge auch zu kuriosen Ergebnissen.

So hätten Carsharingbetreiber

in Japan in der Vergangenheit

beispielsweise festgestellt, dass ihre

Fahrzeuge oft in der Mittagszeit angemietet

wurden, aber vielfach keinen

Meter bewegt worden sind, erzählt

Gmelin vonInvers.Bei einergenauerenAnalyse

kam heraus,dass die Nutzerdas

Auto nicht angemietet hätten,

um damit vonAnachBzukommen,

sondern um in der Mittagspause

darin zu schlafen. Das Auto diente

quasi als Alternativezueinem teuren

Hotelzimmer. „Man könnte in der

Folge also die Frage stellen, ob es

möglicherweise sinnvoller ist, Schlafkapseln

zu installieren, anstatt Fahrzeuge

an diesen Stellenzupositionieren“,

sagt Gmelin.

Die Sharingbetreiber jedenfalls

sind sich bei der Fragenachder Weitergabe

der Datenweitgehend einig.

Während einige, wie der Berliner E-

Scooter-Verleiher Tier ebenfalls mitteilt,

dass ein Austausch von reinen

Fahrdaten mit den Städtendurchaus

Sinn mache, schließt er wie alle anderen

angefragten Unternehmen

eine kommerzielle Nutzung personenbezogener

Daten aus.„Wir speichern

keine vollständigen Bewegungsprofile

unserer Nutzer“, sagt

etwa Julia Grothe, Sprecherin des

Roller-Verleihers Coup. Das Unternehmen

erfasse nur Daten, die für

eine reibungslose Bereitstellung des

Service erforderlich oder gesetzlich

vorgeschrieben seien.

Theresa Dräbing ist bei

drei Sharing-Anbieternmit

ihren Daten registriert.

NEU IN DER STADT

Wasserstoff

auf

Wasserstraßen

VonJochen Knoblach

Ist in Berlin von Schifffahrt die

Rede,denkt man vorallem an Ausflugsdampfer

und Brückenfahrten.

Doch Schifffahrt ist hier auch Wirtschaftsverkehr.Rund

ein Zehntel des

Güterverkehrs wird schwimmend

abgewickelt. Es geht um Kohle und

Erde, Baustoffe und schwere Maschinen.

Fast 2,2 Millionen Tonnen

wurden allein im vergangenen Jahr

in Berlin auf Spree und Havel bewegt.

„Wenn Siemens, Borsig oder

MAN schwere Anlagen transportierenmüssen,

gibt es zum Schiff keine

Alternative“, sagt Klaus-Günther

Lichtfuß, Logistik-Chef bei der Berliner

Hafen- und Lagerhausgesellschaft,

kurz: Behala.

Allerdings werden sich die Schiffe

verändern. Die Verkehrswende wird

auch in der Binnenschifffahrt stattfinden.

Während aber die nahezu

ausschließlich dieselgetriebenen

Fahrgastschiffe größtenteils nicht

einmal Abgasfilter haben, hat der abgasfreie

Gütertransportauf demWasserwegnun

zumindest schon mal einen

Namen: „Elektra“. So heißt ein

Schubschiff, dessen Bauvor wenigen

Tagen in der Werft Hermann Barthel

in Derben in Sachsen-Anhalt begonnen

hat. Es ist das weltweit erste

emissionsfreie Kanalschubboot. Die

„Elektra“ wird angetrieben von Elektromotoren,

die aus Brennstoffzellen

und Akkus mit Strom versorgt werden.

Entwickelt wurde die Elektra federführend

am Institut für Land- und

Seeverkehr derTUBerlin.

MitStrom nach Hamburg

In etwa einem Jahr soll das Schubboot

fertig sein und dann zwischen

Berlin und Hamburg pendeln. Statt

Diesel wird die„Elektra“ dafür insgesamt

750 Kilogramm Wasserstoff an

Bord haben. Gespeichert wird das

Gas mit einem Druck von 500 bar in

120 Flaschen. In Brennstoffzellen

wird dieser Wasserstoff zu Strom gemacht,

derdann Elektromotoren antreibt.Darüber

hinaus hat die „Elektra“

Akkus an Bord, die ebenfalls

Elektroenergie liefern.

Im Kurzstreckenbetrieb, etwa

zwischen dem Siemens-Anleger in

Moabit unddem Westhafen, soll das

Schiff vor allem mit Batteriestrom

unterwegs sein. Die TU-Entwickler,

die für das Projekt unter anderem

mit Ballard Power Systems (Brennstoffzellen),

dem Wasserstoff-Spezialisten

Anleg, der Behala oder dem

niederländischen Unternehmen

EST-Floattech zusammenarbeiten,

haben dafür eine Betriebsdauer von

etwa acht Stunden oder eine Reichweite

von 65Kilometern berechnet.

Für überregionale Fahrten werden

zudem die Brennstoffzellen genutzt.

Dann soll die rund 20 Meter lange

und achteinhalb Meter breite „Elektra“

mit einer Schublast von 1400

Tonnen 16 Stunden oder 130 Kilometer

unabhängig unterwegs sein

können.„Wonur mit Akkustrom und

wo mit Brennstoffzelle gefahren

wird, werden Praxistests ergeben“,

sagt Behala-Mann Lichtfuß.

DerAufbau einer entsprechenden

Versorgungsinfrastruktur ist ebenfallsTeil

des„Elektra“-Projekts.Sosollen

nicht nur am Westhafen und in

Hamburg leistungsstarke Ladestationen

installiertwerden, sondern auch

in den Häfen vonLüneburgund Haldensleben.

Bis Ende 2024 sollen die

Testsder „Elektra“laufen. Dann wird

die Behala das Schiff übernehmen

undinDienststellen.

TU BERLIN


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 15 *

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Berlin

CDU fordert

mehr

Radautobahnen

Mehr als 200 Änderungen

am Etatentwurf beantragt

VonElmar Schütze

Die CDU ist unzufrieden mit dem

Baufortschritt von Radschnellwegen

in der Stadt und will deshalb

die zuständige Infravelo GmbH wieder

auflösen. Dasist einer voninsgesamt

mehr 200 Änderungsanträgen

der Fraktion zu den laufenden Verhandlungen

für den Doppelhaushalt

2020/21.

Die erst 2017 gegründete Velo

GmbH „bringt nichts“, sagte CDU-

Haushälter Christian Goiny am Donnerstag

bei derVorstellung der Änderungsvorschläge

der Fraktion. Goiny

nannte als Beispiel den geplanten

Schnellweg unter der U1-Hochbahn

in Kreuzberg, der nicht vorankomme.

„Diese Gesellschaft leistet

keinen einzigen Beitrag zum schnelleren

Radwegebau“, sagt er. Die im

rot-rot-grünen Haushaltsentwurf

vorgesehenen jeweils 500 000 Euro

Investitionsmittel für die nächsten

beiden Jahre zur „Verbesserung der

gesamtstädtischen Infrastruktur“

möchte Goiny bei den Bezirken eingesetzt

wissen. „Das wäre deutlich

bürgernäher,dann ginge es auch mit

dem Ausbau der Radwege vorwärts.“

Das landeseigene Unternehmen

hingegen sei nicht einmal in der

Lage,haltbarefarbige Streifen auf die

Fahrbahn zu bringen. Zuletzt war die

Joachim-Friedrich-Straße in Halensee

mit einem grünen Fahrradstreifen

versehen worden. Jedoch verteilte

sich das farbige Material auf

der gesamten Fahrbahn.

DieCDU will neben der Radwegebau-Gesellschaft

auch die Verkehrslenkungsbehörde

(VLB) abschaffen.

Siegilt als Sorgenkind derVerwaltung.

DieVLB ist unter anderem für die Ampelsteuerung,

Verkehrssicherheitsmaßnahmen,

die Genehmigung von

Busspuren und das Baustellenmanagement

zuständig. „Die Behörde ist

den Aufgaben nicht gewachsen“, sagt

Goiny. Das VLB-Personal sollte wieder

in die Senatsverkehrsverwaltung

integriertwerden.

Insgesamt, so Fraktionschef Burkard

Dregger, stehe die CDU „weiter

für eine solide Haushaltspolitik ohne

neue Schulden und finanzielle Risiken“.

Allerdings müsse das Ausgeben

unbedingt besser gelingen als

zuletzt. 2018 hatte der Senat 860 Millionen

Euro an Investitionsmitteln

nicht ausgegeben.

Der Sandmann reist seit 60 Jahren im Fernsehen zu den Kindern. Ob wie hier auf dem Motorrad oder sogar in Raumschiffen: In seinem Fuhrparkstehen mehr als 300 Fahrzeuge.

Wettlauf der Sandmänner

Vor60Jahren war die Fernsehfigur erstmals zu sehen –inder DDR. Die Idee dafür stammt aus West-Berlin

VonNorbertKoch-Klaucke

Sandmann, lieber Sandmann,

es ist so weit: Die in

der DDR entstandene Fernsehfigur

feiert ihren 60. Geburtstag.

Der mittlerweile in ganz

Deutschland beliebte Traumsandstreuer

war am 22. November 1959

erstmals auf dem Bildschirm zusehen

und schickt seither bis heute

täglich die Kinder in den Schlaf.

Seine Existenz verdankt der Fernsehstar

allerdings einer kuriosen Geschichte:

Denn Geburtshelfer des

Ost-Sandmännchens war vor60Jahrendas

Westfernsehen.

Der Berliner Historiker Volker

Petzold, Autor von zwei Sandmann-

Büchern, kennt die Geschichte aufgrund

von Zeitzeugenberichten.

„Anfang November 1959 kündigte

der Sender Freies Berlin (SFB) in

West-Berlin an, erstmals einen Sandmann

im Fernsehen zu zeigen“, sagt

er. Eine Handpuppe, die sehr einem

Wichtelmännchen ähnelte, die die

SFB-Moderatorin Ilse Obrig mit der

Autorin Johanna Schüppel entworfen

hatte. Am 1. Dezember 1959

sollte sie auf Sendung gehen.„Davon

erfuhr Walter Heynowski, damals

Vize-Chef des Deutschen Fernsehfunks

in der DDR. Er wollte den

Westplänen zuvorkommen, gab

Bühnenbildner Gerhardt Behrendt

den Auftrag, schnell eine eigene

Sandmann-Figur zu entwerfen, die

dann im Rahmen des ,Abendgrußes‘

im Ostfernsehen aufttreten sollte.“

Innerhalb von zwei Wochen war

die Figur fertig und die erste Folge

produziert. Auch das Sandmannlied

entstand in Windeseile. Wolfgang

Richter soll es in nur drei Stunden

am Klavier komponiert haben, Walter

Krumbach schrieb rasch den Text

dazu. „So konnte das DDR-Sandmännchen

am 22. November 1959

noch vor dem im Westen im Fernsehen

erscheinen“, sagt Petzold. „Er

wurde sofort ein Star. Die Sandmannpuppe

von Ilse Obrig dagegen

hatte bei den Zuschauern weniger

Erfolg, wurde später in der ARD

durch eine andereersetzt.“

Dabei sah auch der DDR-Sandmann

anfangs mit seinen übergroßen

Augen etwas gruselig aus. „Ab

Sommer 1960 bekam er das Aussehen,

das wir heute alle kennen“, sagt

„November 1959 kündigte der SFB an, einen

Sandmann zu zeigen. Davon erfuhr der

Deutsche Fernsehfunk in der DDR, gab den

Auftrag für eine eigene Sandmann-Figur.“

Volker Petzold, Autor der Bücher „Das große Ost-West-Sandmännchenlexikon“ (2009)

und „Das Sandmännchen: Alles über unseren Fernsehstar“ (2009)

Petzold. In den 70er-Jahren gab es

etwa zehn Puppen, die um die

22 Zentimeter groß waren. „Neben

Erfinder Behrendt arbeitete auch die

Puppengestalterin Diethild Dräger

an der Figur mit“, so der Experte.„Sie

war die Schwester von Lothar Dräger,der

1975 die Mosaik-Helden Abrafaxe

erfand.“ Ein Mitglied der Redaktion

des berühmten ostdeutschen

Comics war auch direkt am

RBB

Entstehen der Sandmann-Geschichten

beteiligt: der Modellbauer Gerhard

Eckert. „Er half dem Szenenbildner

Harald Serowski, die Fahrzeuge

für den Sandmann zu bauen“,

sagt Petzold. Ob Raketen, Autos, U-

Boote oder utopische Fluggeräte: In

den insgesamt 457 produzierten Folgen

reiste der Sandmann in mehr als

300 Fahrzeugen zu den Kindern.

Der DDR-Sandmann wurde zum

Exportschlager:Erwar auch in Skandinavien,

Jemen oder auf Mauritius

zu sehen. „Auch das Westfernsehen

wollte ihn“, sagt Petzold. 1966 bot der

WDR 60000 D-Mark für 50 Folgen.

„Doch die DDR lehnte ab.“

Im Gegensatz zu den DDR-Bürgerndurfte

der Sandmann in alle Erdteile

reisen. Nurder Westen Deutschlands

war für ihn tabu –bis zum Mauerfall.

„Nach dem 9. November 1989

war geplant, dass der Sandmann über

das Brandenburger Torindie Kinderabteilung

des KaDeWe fliegen sollte“,

erinnert sich der damalige Szenenbildner

Gerald Narr. Doch die Folge

erschien nicht.

Heute sehen in OstundWest über

eine Million Menschen den Sandmann

in RBB, MDR und Kika. Einer

seiner größten Fans soll Papst Johannes

Paul II. gewesen sein, der den

Sandmann 1997 sogar segnete.

Bezirke: Keine

Kontrolle des

Mietendeckels

Bürgermeister sehen offene

Rechtsfragen

Der Rat der Bürgermeister hat

dem vom Senat geplanten Mietendeckel

zugestimmt – allerdings

mit Abstrichen. Dem Mehrheitsbeschluss

sei eine kontroverse Diskussion

vorausgegangen, hieß es am

Donnerstag nach einem Treffen des

Gremiums im Roten Rathaus.

Die Einschränkung betrifft einen

wesentlichen Punkt im Gesetzentwurfdes

Senats: DieMehrheit der Bezirkschefs

will nicht, dass die Bezirke

bei der Umsetzung des Mietendeckels

etwa ordnungsrechtliche Aufgaben

übernehmen.

„Der Rat der Bürgermeister lehnt

eine Aufgabenwahrnehmung durch

die Bezirke ab“, steht in dem Beschluss.Der

Senat möge diese Forderung

nochmals „im Detail“ prüfen

und „im Sinne einer rechtmäßigen

und verlässlichen Verwaltungsumsetzung“

auch umsetzen.

Rot-Rot-Grün will die Mieten fünf

Jahre gesetzlich einfrieren, für Neuvermietungen

Obergrenzen je nach

Alter und Ausstattung der Wohnung

festlegen und in bestimmten Fällen

auch Mietsenkungen ermöglichen.

Über die Einhaltung des bundesweit

einmaligen Mietendeckels sollen die

Bezirke wachen. Mietsenkungsbegehren

will die Senatsverwaltung für

Wohnen zentral bearbeiten.

Etliche Bezirksbürgermeister

fürchten nach Inkrafttreten des Mietendeckels

im kommenden Jahr einen

Ansturm auf die Bezirksämter.

Sie glauben, dem aus Personalmangel

nicht Herr zu werden. Dem Rat

der Bürgermeister gehören die zwölf

Bezirksbürgermeister sowie Regierungschef

Michael Müller (SPD) und

seine beiden Stellvertreter Klaus Lederer

(Linke) und Ramona Pop

(Grüne) an. Die Landespolitiker haben

eine beratende Stimme.LautVerfassung

muss das Gremium bei

grundsätzlichen Fragen der Verwaltung

und Gesetzgebung gehört werden.

Seine Beschlüsse sind für Senat

und Parlament aber nicht bindend.

Der weitere Fahrplan beim Mietendeckel

sieht so aus: Am 3. Dezember

verabschiedet der Senat seinen

Gesetzentwurf endgültig und bringt

ihn am 12. Dezember in das Abgeordnetenhaus

ein. Je nachdem, wie lange

die Beratungen dortdauern, kann der

Mietendeckel dann im Januar oder

Februar beschlossen werden und im

MärzinKraft treten. (dpa)

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

In Potsdam ist die

Lebensqualität am besten

Unter den ostdeutschen Großstädten

hat Potsdam in einem neuen

Städteranking am besten abgeschnitten.

Für diese Erhebung verglichen

haben das Institut der deutschen

Wirtschaft (IW), die Wirtschaftswoche

und das Internet-Portal

Immobilienscout24 bundesweit

71 Städte.Demnach rangiertMünchen

ganz oben, Gelsenkirchen ist

das Schlusslicht. Potsdam landet auf

Platz 17 und klettertimVergleich

zum Vorjahr um zwei Plätzehoch.

Zweitbeste ostdeutsche Stadt ist

Jena. DieThüringer Unistadt kommt

auf Platz 22 und büßt fünf Plätzeein.

Berlin erreicht Platz 36. DieBrandenburger

Landeshauptstadt belegt

beim Thema Lebensqualität sogar

bundesweit den ersten Platz vorRegensburgund

Ingolstadt. Auch in

puncto Arbeit und Immobilien spielt

Potsdam relativ weit oben mit,

kommt aber bei der Wirtschaft nur

auf Platz 44. Cottbus belegt als zweite

Brandenburger Stadt Platz 56 von71

und steigt einen Platz auf. (dpa)

Behörde: Rechtsextremist

leitet Bauamt Werneuchen

DerVerfassungsschutz Brandenburg

hat den AfD-Politiker Andy Habermann

ausWerneuchen als Rechtsextremisten

eingestuft. DerLeiter des

Bauausschusses der Stadt sei Sänger

der rechtsextremistischen BandWutbürger,die

sich offen zum Nationalsozialismus

bekenne,teilte derVerfassungsschutz

mit. In einem Musikvideo

der Band sei deutlich zu sehen,

dass der Gitarrist dieWörter„Blut“

und„Ehre“ auf seinem Unterarmtä-

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Lesen Sie am Wochenende

Reise

Schlendern,Stöbern,Staunen in

der Adventsstadt Quedlinburg

Düffel am Niederrhein:Wodie

wilden Gänse rasten

towierthabe.„Blut und Ehre“ war die

Losung der Hitler-Jugend. Dass die

Band und ihr Sänger der rechtsextremistischen

Szene zugerechnet werden

könnten, sei ein Beleg dafür,

„dass in Teilen der brandenburgischen

AfD auch Rechtsextremisten

eine politische Heimat gefunden haben“,

so derVerfassungsschutz. Die

AfD will dieVorwürfe prüfen. (dpa)

Deutscher Tourismuspreis

für Coworking-Projekt

DasCoworking-Projekt Coconat im

brandenburgischen Klein Glien ist

mit dem Deutschen Tourismuspreis

ausgezeichnet worden. Dortkönnten

Digitalarbeiter aus aller Welt ihrenBeruf

ausüben und gleichzeitig

Urlaub machen. MitPreisen bedacht

wurden auch das Postel Usedom in

Wolgast und die Berliner bookingkit

GmbH, die Erlebnisangebote kleiner

Anbieter buchbar macht. (dpa)

LOTTO-QUOTEN

Mittwoch-Lotto:

2-7-10-18-31-42, Sz. 0

QUOTEN

Klasse 1: 1x1329985,60 Euro

Klasse 2: 1x793067,10 Euro

Klasse 3: 44 x9012,10 Euro

Klasse 4: 514 x2314,30 Euro

Klasse 5: 2166 x183,00 Euro

Klasse 6: 26268 x30,10 Euro

Klasse 7: 32779 x24,10 Euro

Klasse 8: 401777 x8,80 Euro

Klasse 9: 225971 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Sehr selten und vom Aussterben bedroht: Vonden Schreiadlerngibt es bundesweit nur noch etwa100 Brutpaare. Knapp ein Viertel davon lebt in Brandenburg. IMAGO, BLZ/BLANKENNAGEL

In Gefahr

Serie zur Vogelwelt in Brandenburg, Teil 2: Die Vogelschutzwarte Buckow ist gerade 40 Jahre alt geworden

VonJens Blankennagel, Buckow

Selbst wer gar nichts weiß

über diesen Mann, begreift

schnell, dass Vögel seine

große Leidenschaft sind.

Über dem Schreibtisch von Torsten

Langgemach hängt ein Foto, auf

dem ein Nest eines Schreiadlers zu

sehen ist –mit einem großen weißen

Ei darin. Daneben hängt das Foto eines

Sperbers in dunkler Nacht –die

Augen des Vogels sind leuchtend

gelb. Und dort hängt auch ein Bild,

das sein Sohn von einem balzenden

Großtrappenhahn gemalt hat. Und

dann gibt es ein kleines professionelles

Gemälde –wiederum von einem

Schreiadler.

„Das ist mein Lieblingsvogel“,

sagt Torsten Langgemach, der Chef

der Staatlichen Vogelschutzwarte im

Land Brandenburg. Als er in den

90er-Jahren seine Arbeit als professioneller

Vogelschützer antrat, galt

der Schreiadler als ein geradezu

mystisches Tier. „Weil er so selten

war“, erzählt der 57-jährige promovierte

Veterinärmediziner.

Außerdem ist dieser Vogel sehr

anspruchsvoll, wenn es um seinen

Lebensraum geht. Er braucht eine

abgelegene und unzerstörte Landschaft.

„Das bedeutet: Dort, wo

Schreiadler heimisch sind, ist die

Natur fast immer sehr schön“, sagt

Langgemach.

VorOrt bei den Menschen

Der Schreiadler steht auf der Roten

Liste, weil er in Deutschland zu den

am meisten vom Aussterben bedrohten

Vogelarten gehört. 2013

wurden bundesweit nur noch 110

Brutpaaregezählt, 23 davon in Brandenburg.

Ganz langsam steigt der

Bestand –auch wegen der Schutzmaßnahmen.

Dass solche gefährdeten Vögel

nicht aussterben und dass vonstaatlicher

Seite möglichst viel für den Erhalt

dieser Arten getan wird, ist eine

Aufgabe der Vogelschutzstation

nahe des Dörfchens Buckow imHavelland.

Sie untersteht dem Landesamt

für Umwelt. Dort werden sehr

viele Daten zu den Vogelbeständen

gesammelt und auch wissenschaftlich

ausgewertet. EinBeispiel ist eine

bundesweite Datenbank, die alleVögel

aufführt, die durch die Rotorblätter

vonWindrädern erschlagen oder

verletzt wurden.

Der Bau an der Naturschutzstation

Buckow begann bereits 1978.

Mit der fachlichen Arbeit wurde

dann im Jahr danach begonnen, und

so konnte die Station 2019 den 40.

Jahrestag ihrer Gründung feiern. Bis

1998 war die Naturschutzstation Buckownicht

nur mit der Vogelwelt befasst.

Seit 1998 heißt sie nun Staatliche

Vogelschutzwarte und ist damit

„Die Bestände von Vögeln und

ihr Bruterfolg sind wichtige Indikatoren

für die allgemeine Artenvielfalt. “

Torsten Langgemach, Leiter der Staatlichen Vogelschutzstation in Buckow im Havelland.

Sie ist die einzige Einrichtung dieser Art imgesamten Land. Sie kümmert sich um den

Vogelschutz in ganz Brandenburg.

221

Vogelarten brüten in

Brandenburg und sind dort

heimisch –bundesweit

sind es nicht viel mehr:248.

ARTEN

10000

Vogelarten gibt es weltweit –

die meisten leben in den

Tropen. In Europa sind

500 Arten heimisch.

44

Prozent aller Brandenburger

Brutvogelarten sind

inzwischen als gefährdet

eingestuft.

für den Vogelschutz im gesamten

Land Brandenburgzuständig.

Fast jedes Bundesland hat heute

eine solche zentrale Vogelschutzwarte;

in der in Brandenburg arbeiten

insgesamt neun Leute. Eine Besonderheit

der Brandenburger Station

ist, dass sich die Fachleute hier

auch ganz besonders um die Großtrappen

kümmern – den größten

Brutvogel Europas,der längst ausgestorben

wäre ohne das jahrzehntelange

Engagement der Profis hier

und der vielen ehrenamtlichen Vogelschützer.

„Unser Vorteil ist nicht nur, dass

wir hier draußen in der Natur sind,

sondern auch vor Ort bei den Menschen“,

sagt Langgemach. „Das ist

viel besser,als vomGrünen Tisch aus

zu agieren. Wir haben direkt mit allen

Landnutzern zutun. Die Landwirte

kommen zu uns, die Förster,

die ehrenamtlichen Vogelschützer.

Wir sprechen ihre Sprache, kennen

ihre Probleme und auch ihre

Zwänge. Die Leute fühlen sich nicht

als Bittsteller.“

Alle Mitarbeiter der Vogelschutzwarte

haben eine landwirtschaftliche

oder naturbezogene Ausbildung

absolviert, waren zum Beispiel

Forstfacharbeiter, Tierarzt oder

Schafzüchter.Das sei ein großer Vorteil,

wenn es darum geht, Einklang

schaffen zu wollen zwischen dem

Schutz der Vögel und den Bedürfnissen

von Land- und Forstwirtschaft.

„Wir machen seit 40 Jahren Naturschutz

mit den Leuten vor Ort“, sagt

Langgemach. „Ich würde mir wünschen,

dass wir dieser so wichtigen

Partnerschaft noch mehr unserer Arbeitszeit

widmen könnten.“

Dazu kommt die wissenschaftlich

fundierte Arbeit der Station, mit der

die bundesweiten Forschungsergebnisse

für die Institutionen im Land

Brandenburg verfügbar gemacht

werden. DieVogelstation stellt diese

Daten zum Vogelschutz zusammen,

damit Landesregierung und Parlament

sie für die entsprechenden

Schutzstrategien oder Förderprogramme

verwenden können oder

wenn zum Beispiel neue Stromtrassen

oder Straßen durch Vogelbrutgebiete

geplant sind.

Die Fachleute des Landesumweltamtes

arbeiten oft mit Freiwilligen

zusammen, die Nisthilfen für

Vögel aufstellen, bei offiziellen Vogelzählungen

mitmachen oder die

verletzte Vögel zur Tierklinik der

Freien Universität in Berlin fahren.

„Ohne unsere Ehrenamtlichen

würde gar nichts gehen“, sagt er.

Nicht zu vergessen: Die Vogelschutzwarte

kümmert sich auch um

die Konfliktthemen. Nicht nur,wenn

es um große Stromtrassen oder

Windräder geht, sondern auch,

wenn die Fischer beklagen, dass Kormorane

ihnen zu viele Fische aus

den Teichen fressen, wenn Kolkraben

junge Kälber angreifen und

wenn Kraniche oder Gänse die Saat

von den Feldern fressen. Aber auch,

wenn jemand Störche mit dem Luftgewehr

beschießt, wenn Sammler

seltene Vogeleier stehlen oder wenn

Leute heimlich die Nester von Adlern

zerstören, weil sie hoffen, dass

danach doch noch die Erlaubnis erteilt

wird, in diesem Gebiet ein

Windrad aufzustellen.

Es gibt einen Windkrafterlass des

Landes, der regelt, was aus Sicht des

Naturschutzes beachtet werden

muss,wenn „Windeignungsgebiete“

ausgewiesen werden oder Windräder

genehmigt. Dieser Erlass

wurde so überarbeitet, dass auch

fünf Jahrenach der Zerstörung eines

Nestes das gesamte Gebiet weiterhin

als geschützter Brutplatz gilt und

kein Windrad gebaut werden darf.

Indikator für die Artenvielfalt

Und die Fachleute kümmern sich

ganz konkret darum, dass einzelne

Arten im Land überleben, weil diese

als „prioritäre Arten“ gelten, die nur

noch ganz selten sind und für die

Brandenburg als ihr wichtigster Lebensraum

eine besondere Verantwortung

hat.

Das gilt zum Beispiel für die

Großtrappen – bei denen dieser

Schutz trotz aller Zweifel durch jahrzehntelanges

Engagement gelungen

ist. Es gibt aber auch das Beispiel

Seggenrohrsänger, bei dem es nicht

geklappt hat. Oder die Schreiadler,

bei denen alles versucht wird.

Doch mancher Laie wirdsich fragen,

warum der Erhalt der Vogelarten

so wichtig ist. Langgemach sagt:

„Die Bestände von Vögeln und ihr

Bruterfolg sind wichtige Indikatoren

für die allgemeine Artenvielfalt.“

Denn ausgehend von den Vögeln

lassen sich Schlüsse auf andere Lebewesen

ziehen, die zum Beispiel ihr

Futter sind –also Insekten, Fische

oder Mäuse und Frösche.

Klar ist inzwischen, dass sich das

seit den 1950er-Jahren wissenschaftlich

belegte Insektensterben massiv

auf die Vogelwelt auswirkt und weiterhin

auswirken wird, weil vielen

Vögeln schlicht das Futter fehlt. Die

Aufgaben der Vogelschutzwarte werden

also eher zu- als abnehmen.

Das kleine Gemälde des Schreiadlers

über dem Schreibtisch von

Torsten Langgemach ist übrigens

nicht irgendein Bild. Es ist das Originalgemälde,

das im großen deutschen

800-seitigen Brutvogel-Altas

neben den Daten zu dem kleinsten

Adler Deutschlands abgebildet ist.

„Ich habe eine Spende von 100 Euro

bezahlt und damit dazu beigetragen,

dass dieses Buch überhaupt erst

möglich wurde“, sagt Torsten Langgemach.

„Dafür bekam ich das Bild.“

Haus 6der

Stasi-Zentrale

verschwindet

Aufarbeitungsverein

kritisiert den Abriss

VonStefanie Hildebrandt

Einst war in dem Gründerzeitbau

in der Magdalenenstraße 13 in

Lichtenberg die „Zentrale Auswertungs-

und Informationsgruppe des

Ministeriums für Staatssicherheit“

untergebracht. Nach dem Mauerfall

stand das Gebäude 29 Jahreleer.Jetzt

haben auf dem Areal der ehemaligen

Stasi-Zentrale umstrittene Abrissarbeiten

begonnen.

Mehr als 400 Stasi-Mitarbeiter

fertigten in Haus 6, wo die wichtigste

Schaltstelle des MfS ihren Sitz hatte,

geheime Papiere unter anderem für

die Parteiführung an. Nach der

Wende verschaffte sich das Volk Zutritt

und rettete Akten vor der Vernichtung,

dann ging die Liegenschaft

an den Bund und nichts passierte

mehr.

Dass das Gebäude jetzt abgerissen

wird, kritisiert ein Aufarbeitungsverein.„Man

hätte das Haus

nicht so verfallen lassen dürfen. Mit

einem Abriss wird der historische

Charakter des geschlossenen Komplexes

zerstört“, kritisiert Historiker

Christian Booß. Der Abriss verstößt

nach Auffassung des Vereins „Bürgerkomitee

15. Januar“, in dessen

Vorstand Booß sich engagiert, außerdem

gegen geltendes Sanierungsrecht.

DerEingriff in das historische

Ensemble sei überflüssig und

undemokratisch, so Booß weiter.

Sein Verein trägt seinen Namen in

Erinnerung an den 15. Januar 1990,

als DDR-Bürger die Stasi-Zentrale

stürmten, Unterlagen sicherten und

der Spitzelei so ein Ende machten.

Abriss: Der Bagger arbeitet am Haus

Magdalenenstraße 13. BLZ/GERD ENGELSMANN

Heute ist die frühere Zentrale der

Geheimpolizei ein Ort der Aufklärung

über Diktatur und Widerstand,

ein Campus für Demokratie soll entstehen.

Auch viele der anderen Gebäude

auf dem riesigen Gelände, in

denen sich heute das Stasi-Unterlagen

Archiv und das Stasi-Museum

befinden, gehören wie Haus 6dem

Bund. Dessen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

trennt sich nun

unwiderruflich von dem Gründerzeitgebäude.

„Im Rahmen regelmäßiger

Überprüfungen hat die Bundesanstalt

für Immobilienaufgaben

festgestellt, dass die Verkehrssicherheit

des Gebäudes nicht mehr gegeben

ist und nur unter erheblichem finanziellen

Aufwand wiederhergestellt

werden könnte. Deshalb wird

das Gebäude aus wirtschaftlichen

und baufachlichen Gründen abgerissen“,

heißt es auf eine Anfrage der

Berliner Zeitung. Es sei vorgesehen,

dort ein weiteres Gebäude für den

Bundesbeauftragten für die Unterlagen

der Staatssicherheit der ehemaligen

Deutschen Demokratischen

Republik zu errichten.

Obwohl für Haus 6 im Sanierungsrahmenplan

des Bezirkes aus

dem Jahr 2013 noch eine Sanierung

vorgesehen war, ist auch ein Abriss

rechtens. Schon vor 1990 sei dem

Gebäude seine Wohnfunktion entzogen

worden, sagt Lichtenbergs

Baustadträtin Birgit Monteiro. Anstelle

maroder Bausubstanz könne

ein Neubau das Grundstück und

seine Umgebung aufwerten, so

Monteiroweiter.


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 17

· ·

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Gesundheit

Umstrittene

Behandlung

Manche Eltern ziehen den Sinn der

Karies-Vorsorge mit Fluorid in Zweifel.

Ein Faktencheck von Experten

IMAGO IMAGES/SABINE LUTZMANN

Fluorid in Zahnpasta ist umstritten.

In Kitas diskutieren

besorgte Eltern darüber, ob

die Zähne der Kleinen mit

fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt

werden dürfen oder nicht –wegen

angeblicher Gesundheitsgefahren.

Zugleich gibt es in den Berliner

Schulen Vorsorgebehandlungen mit

Fluorid-Gel, rund 76 600 Kinder und

Jugendliche beteiligten sich im vergangenen

Jahr nach Angaben der

Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung

von Zahnerkrankungen in

der Hauptstadt daran. Wo liegen

Schaden und Nutzen einer solchen

Behandlung? Undwie viel Fluorid ist

tatsächlich zu viel? EinFaktencheck.

Behauptung: Fluorid schadet den

Zähnen.

Bewertung: Nein, das Gegenteil ist

der Fall.

Fakten: „Fluorid ist der entscheidende

Faktor in der Verhinderung

von Karies“, sagt Stefan Zimmer,

Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen.

Es gebe allein zu

Fluorid-Zahnpasten 300 internationale

klinische Studien, die die Wirksamkeit

belegen würden, so der

Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung

und Präventivzahnmedizin an der

Universität Witten/Herdecke. Der

zweimal tägliche Kontakt der Zähne

mit einer Fluorid-Zahnpasta im Vergleich

zu einer fluoridfreien Creme

hemme Karies um mehr als 30 Prozent,

erklärt Zimmer. Denn Fluorid

lagere sich in die kristalline Struktur

des Zahnes ein und mache dadurch

den Zahn härter, erklärt Dietmar

Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Der Zahn

werde widerstandsfähiger gegen

Säureattacken. Fluoride sind laut der

Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung

die tragende Säule der Kariesvorsorge.Während

früher Kindern

und Jugendlichen Fluoridtabletten

zur Kariesvorsorge gegeben wurden,

raten neuereEmpfehlungen wissenschaftlicher

Organisationen zu einem

direkten Kontakt mit der

Schmelzoberfläche der Zähne. Das

heißt: Für die lokale Prophylaxe werden

fluoridiertes Speisesalz, Fluoridlack,

Fluoridgele oder – lösungen

und eben Zahnpasta genommen.

Behauptung: Mit fluoridhaltiger

Zahnpasta bekommt man nie Karies.

Bewertung: Falsch.

Fakten: Wer eine fluoridhaltige

Zahnpasta verwendet, bekommt

statistisch gesehen weniger Karies.

Die Entstehung der Krankheit ist

aber ein komplexer Prozess.Wichtig

ist, dass der Biofilm (Plaque) regelmäßig

und vollständig vonder Zahnoberfläche

und aus den Zwischenräumen

beseitigt wird.

Behauptung: Fluorid ist Fluor und

damit giftig.

Bewertung: Falsch. Fluoride sind

nicht zu verwechseln mit Fluor, das

für den Menschen giftig ist.

Fakten: So ähnlich die WorteFluorid

und Fluor auch klingen, so groß sind

die Unterschiede zwischen den verschiedenen

chemischen Stoffen.

Fluoride sind Fluor-Verbindungen.

Das blasse, gelbliche Gas, das in seiner

elementaren Form sehr giftig

und stark ätzend ist, verliere gebunden

mit einem Partner-Stoff (etwa

mit Natrium als Natriumfluorid) viel

von seiner toxischen Wirkung, erklärt

die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

Gebundenes Fluor

findet sich in fast jeder Zahnpasta.

Behauptung: Gerade Kinder sollten

keine fluoridhaltige Zahncreme nutzen.

Bewertung: Falsch.

Fakten: Karies könne die Zähne befallen,

sobald diese in der Mundhöhle

erscheinen, warnt Stefan Zimmer.

Nach seinen Worten sind

Milchzähne „sogar besonders gefährdet“.

In Deutschland habe bereits

jedes zweite Kind unter drei Jahren

einen kariösen Zahn, Sechsjährige

sogar im Schnitt zwei. DerFachzahnarzt:

„Das halte ich für ein Land

mit einem so hoch entwickelten Gesundheitssystem,

wie wir es sind, für

inakzeptabel.“

Die Deutsche Gesellschaft für

Zahnerhaltung empfiehlt gerade für

die ersten Beißerchen neuerdings

höhere Dosen mit einem Anteil von

500 bis 1000 ppm Fluorid (parts per

million: Anteile pro Million). Für

Zwei- bis Sechsjährige raten die Experten

zu Zahnpasta mit 1000 ppm

Fluorid. Für ältere Kinder, deren

erste bleibenden Zähne durchgebrochen

sind, darf esdemnach schon

die Erwachsenen-Menge von bis

1500 ppm Fluorid sein.

Behauptung: Kinder können Zahnpasta

verschlucken und so zu viel

Fluorid aufnehmen.

Bewertung: Ja, das ist theoretisch

möglich. Praktisch müssten die Kinder

dazu aber sehr viel Zahnpasta

schlucken.

Fakten: Es kommt wie so oft auf die

Dosierung an. Kinder vor allem zwischen

sechs und acht Jahren, die

ständig mehr als das Doppelte der

empfohlenen Menge Fluoride zu

sich nehmen, können weißliche

Schmelzflecken (Zahnfluorose) bekommen.

Diese sind laut Bundeszahnärztekammer

allerdings gesundheitlich

nicht bedenklich. Bei

stärkerer Überdosierung kann es dagegen

zu deutlich braunen Zahnverfärbungen

kommen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung

(BfR) stellt die folgende Rechnung

auf: DerVerzehr voneiner ganzen

Tube (etwa 65 Gramm) Kinderzahnpasta

mit 500 ppm auf einmal

führtzuÜbelkeit und Bauchschmerzen.

In großen Mengen aufgenommen,

kann Fluorid tödlich sein. Ein

Beispiel: Ein15Kilogramm schweres

Kind müsste mindestens 75 Milligramm

Fluorid aufnehmen, damit

eine Vergiftung wohl tödlich endet.

Das wären rund zwei Tuben Kinderzahncreme

oder eine Tube Zahnpasta

für Erwachsene auf einen

Schlag.

Behauptung: Der Mensch nimmt

schon über die Nahrung zu viel Fluoridauf.

Bewertung: Das stimmt nicht. Das

Bundesinstitut für Risikobewertung

sieht in Deutschland keine Gefahr,

zu viel Fluorid aufzunehmen.

Fakten: Anders als in anderen Ländern,

etwa den USA, wird hierzulande

zum Beispiel Trinkwasser

nicht mit Fluorid versetzt. In einer

Untersuchung aus den 90er-Jahren

wurde in Trinkwasserproben aus

Deutschland bis auf wenige Ausnahmen

ein natürlicher Fluoridgehalt

von unter 0,3 Milligramm pro Liter

gemessen. In Spuren kommen Fluoride

überall in der Natur vor–inVollkornprodukten,

Nüssen, schwarzem

Teeoder Fisch. DieMenge an natürlichen

Fluoriden reicht aber nicht für

eine wirksame Kariesvorbeugung

aus. Auch ist eine Überdosierung

durch fluoridhaltiges Speisesalz

nicht zu befürchten: Der Fluoridanteil

ist so gering, dass eher der hohe

Salzkonsum an sich toxisch wäre.

Die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft

für Ernährung für eine angemessene

tägliche Fluoridzufuhr

liegen für Erwachsene bei 3,1 bis

3,8 Milligramm und für Kinder ab

zwölf Monaten und Jugendliche zwischen

0,7 und 2,9 Milligramm.

Behauptung: Der Fluoridgehalt wird

in Deutschland streng reguliert.

Bewertung: Jein. Es gibt Vorgaben,

aber keine fortlaufenden flächendeckenden

Kontrollen.

Fakten: Die Trinkwasserverordnung

erlaubt einen Fluoridgehalt vonmaximal

1,5 Milligramm pro Liter. Ein

Bericht des Bundesministeriums für

Gesundheit und des Umweltbundesamtes

zur Qualität des Trinkwassers

aus dem Jahr 2006 zeigte, dass

dieser Wert bei den untersuchten

Wasserversorgungsanlagen in einem

Fall überschritten wurde. Eine

systematische und flächendeckende

Erfassung der Fluoridgehalte von

Trinkwasser in Deutschland gibt es

allerdings nicht.

Wegen geologischer Gegebenheiten

hat das Trinkwasser in einigen

deutschen Regionen –wie etwa der

Osteifel –einen erhöhten Fluoridgehalt.

In Münster wurden beispielsweise

Ende der 90er-Jahre inTrinkwasserbrunnen

Fluoridkonzentrationen

bis zu 8,8 Milligramm pro Liter

gemessen.

Mineralwasser kann sehr unterschiedlich

viel Fluorid enthalten –

die Spannbreite reicht von 0,1 bis

4,5 Milligramm proLiter.Wasser mit

einer Konzentration von weniger als

0,7 Milligramm darfals „geeignet für

die Zubereitung von Säuglingsnahrung“

gekennzeichnet werden. Natürliche

Mineralwasser mit mehr als

1,5 Milligramm Fluorid auf einen Liter

müssen einen Hinweis tragen,

dass sie für Kinder unter sieben Jahrennicht

zum regelmäßigen Verzehr

geeignet sind. Wasser mit einer Konzentration

von mehr als 5 Milligramm

Fluorid darfüberhaupt nicht

verkauft werden. (dpa)

Unfallrisiko Herbstlaub

Umgeknickt, Fuß verstaucht: Jede zweite Sprunggelenks-Verletzung benötigt ärztliche Hilfe. Doch wann muss man zum Doktor?

VonMichael Timm

Beim Herbst-Spaziergang raschelt

das Laub unter den Füßen. Doch

so schön sie auch sein mögen: Die

herabgefallenen Blätter verdecken

jetzt Randsteine, Schlaglöcher und

andere Stolperfallen und werden so

zum Unfallrisiko. Hat es auch noch

geregnet, kommt die Rutschgefahr

dazu. In beiden Fällen reicht ein falscher

Schritt und schon ist es passiert:

Der Fuß knickt um, der Knöchel

ist verstaucht!

Bänderriss oder Zerrung

„Inder Tatsehen wir in der Rettungsstelle

gerade jetzt im November

überdurchschnittlich viele Patienten

mit Verletzungen des Sprunggelenks“,

sagt Unfallchirurg Gerhard

Metak, Chefarzt der Sana-Klinik

München. „Bei diesen Unfällen werden

die elastischen Bänder, die das

Gelenk stabilisieren, überdehnt.

Manchmal reißen sie auch ganz oder

teilweise ein.“

Patienten, die sich beim Herbstspaziergang

den Fuß verstauchen,

fragen sich: Darf man dann überhaupt

noch auftreten oder schadet

das dem Gelenk? Kann man es selbst

behandeln oder geht man besser

zum Arzt? „Das Problem für sie besteht

darin, dass der medizinische

Laie oft nicht unterscheiden kann,

ob es sich nur um eine harmlose Zerrung

oder einen Bänderriss handelt,

der dringend ärztlich versorgt werden

muss“, so Metak. „Doch selbst

wenn kein Riss vorliegt, kann eine

Dehnung so ausgeprägt sein, dass

mit dem Band ein kleines Knochenstück

mit ausgerissen ist. Dann ist

eine unfallchirurgische Behandlung

dringend erforderlich.“

Die Symptome sind in beiden

Fällen ähnlich. Zusätzlich zum akut

auftretenden Schmerz schwillt das

Gelenk an. Oft bildet sich auch ein

Bluterguss.Zum Arzt oder nicht? Die

Unfallchirurgie gibt folgende Entscheidungshilfe

zur Hand: Wenn

leichte bis mittelstarke Schmerzen

Dazu tastet er das Sprunggelenk

sorgfältig ab. ImUltraschall erkennt

er, obBänder gerissen sind. Röntgenbilder

zeigen knöcherne Verletzungen.

In den meisten Fällen liegt eine

Außenband-Zerrung vor. „Da reicht

es in den leichteren Fällen, einfach

nur zu schonen und zu kühlen“, so

Unfallchirurg Metak. „Doch auch

angerissene, teilweise oder ganz genach

kurzerZeit schon wieder nachlassen

und sich auch später nicht

mehr verschlimmern, ist das ein gutes

Zeichen. Dann muss man nicht

zum Doktor.

Wenn mittelstarke Beschwerden

am Außenknöchel längere Zeit anhalten

und auch nach 12 bis 24 Stunden

noch nicht besser geworden

sind, reicht ein Arztbesuch am

nächsten Tag.

Wenn die Schmerzenjedoch sehr

stark sind, so dass man nicht mehr

auftreten kann sollte man gleich

zum Arzt gehen.

BeiSchmerzenamInnenknöchel

sollte man ebenfalls rasch einen Orthopäden

oder Unfallchirurgen aufsuchen,

da hier das Risiko besteht,

dass zusätzlich zum Innenband

auch eine Knochenverletzung an der

Außenseite des Gelenks vorliegt.

Wichtig ist auch die richtige Erstbehandlung

durch den Patienten

selbst. „Man sollte den Fußauf jeden

Fall schonen und entlasten“, empfiehlt

Metak. „Um eine Schwellung

möglichst gering zu halten, sollte

man das Gelenk kühlen, hoch lagern

und einen Kompressionsverband

oder eine elastische Binde anlegen.“

Die Erfahrung zeige, dass etwa jede

zweite Verletzung ärztliche Hilfe benötigt.

„Leider nehmen sie nicht alle

Patienten in Anspruch. Dann kann

es zu Folgeschäden wie zum Beispiel

einer Instabilität oder später zu einer

Arthrose kommen“, sagt Chefarzt

Gerhard Metak. Nur ein Arzt könne

eine exakte Diagnose stellen und die

richtige Therapie einleiten.

Schonen und kühlen

rissene Außenbänder können wir

meist konservativ gut behandeln.

Dazu haben sich moderne Sprunggelenk-Orthesen

bewährt. Das sind

Schienen, die man in einem Sportschuh

oder Halbschuh tragen und

mit denen man auftreten und gehen

kann. Sieschützen voreinem erneuten

Umknicken und müssen sechs

Wochen getragen werden. Dann sind

normale Alltagstätigkeiten wieder

möglich. Wer Sport treiben will,

sollte sie dagegen zwölf Wochen tragen.

Dann ist das Band in der Regel

wieder geheilt.“

Im Gegensatz zu früher muss

heute nur noch etwa jede fünfte

Sprunggelenks-Verletzung operiert

werden. In der Regel sind das knöcherne

Verletzungen, Frakturen und

Schäden am Syndesmose-Band, das

quer über dem Sprunggelenk verläuft

und dasWadenbein am Schienbein

befestigt. Nach der OP kann

eine Physiotherapie weiterhelfen.

Damit steht einer raschen Heilung

nichts mehr im Wege.

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(Sicca Syndrom)

Do., 05.12.19, 16:00 Uhr

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„ Weißer Stock” Berlin


18 * Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Lokalsport

Der Sprinter aus dem Süßwarenladen

Der Berliner Ali Lacin hat sich bei Trainer Ralf Otto zu einem Profisportler entwickelt und gerade bei der Para-WM die Bronzemedaille über 200 Meter erlaufen

VonChristian Kattner

Ali Lacin wirkt entspannt,

lächelt bei nahezu jedem

Satz. DerPara-Leichtathlet

aus Berlin ist ohnehin ein

fröhlicher Mensch, aber gerade wirkt

er besonders glücklich. Auch wenn

das Bild beim Videotelefonat hin

und wieder wackelt und der Ton

manchmal verzerrtoder gar nicht zu

hören ist, verrät sein Lächeln vor allem

eins: endlich Urlaub.Nach einer

langen Saison mit dem Höhepunkt

der Weltmeisterschaft in Dubai, wo

er eine Bronzemedaille über 200 Meter

gewann, ging es für ihn am Dienstag

in die Türkei. „Das ist gerade so

ein Cool-Down-Prozess nach einer

wirklich langen Saison. Ich versuche

runterzukommen, um wieder Kraft

für die neue, die paralympische Saison

zu sammeln“, erzählte er am

Donnerstag.

Da hatte sich sein Trainer ebenfalls

gerade auf den Weginden Urlaub

gemacht. Wettertechnisch hat

es Ralf Otto bei sechs Grad Celsius

und leichtem Regen nicht unbedingt

ideal erwischt, dennoch hat auch er

den räumlichen Abstand zur Heimat

vergrößert und versucht, Kraft zu

schöpfen. Noch bis zum Wochenende

war das Erfolgsduo für zehn

Tage in Dubai vereint und konnte

dort diesmal Bronze bei einer WM

gewinnen. Einen Moment lang bekamen

Ali Lacin und Ralf Otto die

Aufmerksamkeit, die sie für ihre Arbeit

verdient haben. Denn: „Im Behindertensport

ist es so, dass man

kurz vor und kurz nach dem Wettkampf

im Rampenlicht steht, aber

dann ist man wieder für ein Jahr vergessen“,

sagt Lacin.

Kampf um Anerkennung

Das hat der 31-Jährige besonders

deutlich im vergangenen Jahr zu

spüren bekommen. Rund um die

Europameisterschaft in Berlin, wo er

eine Silbermedaille gewann, hatte

der beidseitig oberschenkelamputierte

Sprinter plötzlich zahlreiche

Interview-Anfragen, wurde sogar für

die Wahl zu Berlins Sportler des Jahresnominiertund

dortDritter.Doch

nachhaltig war das nicht. Weder für

ihn, noch für den Behindertensport.

Schnell verschwanden Athlet und

Trainer wieder aus dem Fokus der

Öffentlichkeit, um vor wenigen Tagen

wieder in diesen zu rücken.

Auch auf den Stimmzettel der

diesjährigen Sportlerwahl haben es

Lacin und Otto diesmal geschafft,

wissen aber, dass sie eigentlich nur

Außenseiterchancen haben. Doch

auch intern, im eigenen Verband,

Dabei in Dubai: Ali Lacin hat nach der Silbermedaille bei der EM im vorigen Jahr in den Vereinigten Arabischen Emiraten nun Bronze gewonnen.

Wahl: Die Wahl zu Berlins

Champions 2019 läuft noch

bis zum 1. Dezember.Zur

Wahl stehen je zehn Sportlerinnen

und Sportler,Mannschaften

und Trainer/Manager.

Auch Sie können abstimmen

unter:www.berliner-zeitung.de/championswahl

Jury: Neben den Berlinern

wählt wie in den Vorjahren

eine Expertenjurydie Sportler

des Jahres. Die Ergebnisse

aus Publikumswahl

und Expertenjuryfließen zu

je 50 Prozent ein.

WAHL ZU BERLINS CHAMPIONS DES JAHRES

Erfolge: Berlins Athleten

räumten allein in den ersten

neun Monaten des Jahres

2019 mehr als 40 Medaillen,

darunter 18 goldene,

bei Welt- und Europameisterschaften

ab.Zudem triumphierten

weitere Sportler

und Teams aus der Hauptstadt

bei Wettbewerben rund

um den Globus und in nationalen

Meisterschaften.

Gala: Die Sieger werden am

14. Dezember im Rahmen

einer Abendgala vormehr als

2000 Gästen geehrt.

Teams: Erstmals nominierten

Berlins Sportjournalisten

ein Frauen- und ein Männerteam

gemeinsam. So gehen

dieWasserballerinnen von

Spandau 04, die ihr erstes

Jahr in der Bundesligaspielten,

zusammen mit ihren

Vereinskollegen ins Rennen.

BeideTeamswurdenMeister.

Trainer: In dieser Kategorie

werden traditionell nicht nur

Aufstiegs-, Meister- oder Medaillentrainer

nominiert,

sondernauchSportmanager

erfolgreicher Berliner Klubs.

IMAGO IMAGES

musste das Duo umAnerkennung

kämpfen. „Der Bundestrainer hatte

ihn mal zur EM eingeladen, aber

dann gesagt, dass das Freizeitsport

ist“, erinnertsich Ralf Otto.

Dieser Moment weckte damals

den Ehrgeiz des Trainers. Auch Ali

Lacin hatte das mitbekommen, war

allerdings noch mit anderen Dingen

beschäftigt. „Bei ihm war es die Umstellung

des Lebens.Erhat versucht,

den Spagat zwischen der Selbstständigkeit

in seinem Süßigkeitenladen

und dem Sporthinzukriegen“, so der

Trainer. Die Folge: Ali Lacin war immer

zu spät oder sagte immer wieder

Trainingseinheiten komplett ab.„Eigentlich

hat er nicht so trainiert, wie

wir Trainer das wollten“, so Otto.

Also suchte er,der Trainer,mit externer

Unterstützung nach einer Lösung

des Problems. Imvergangenen

Jahr war diese Suche erfolgreich –Lacin

wirdvon seinem neuen Arbeitgeber

sogar für Trainingslager und

Wettkämpfe freigestellt. Auch wenn

noch längst nicht alles so läuft, wie

sich der Trainer das vorstellt, sprechen

die vergangenen zwei Saisons

und gerade die aktuelle,inder Ali Lacin

endlich auch zwei Sportprothesen

zur Verfügung hat, für die gemeinsame

Arbeit.

Dabei ist Ali Lacin ein Spätzünder.

Nach einer Reportage über Behindertensport

imFernsehen hatte

er die Entscheidung gefällt, Sport

treiben zu wollen. 2012 war das.Also

griff er zum Telefon, sprach mit Ralf

Otto und machte sich in Kienbaum

ein Bild von den Bedingungen und

Möglichkeiten. Noch heute ist Lacin

dankbar:„DerTrainer ist der, der für

mich alles organisierthat. Meine ersten

Prothesen, aber auch meine

Sprintprothesen, die ich jetzt habe.“

DerTrainer war es auch, der ihm den

ersten Spitznamen verpasste. Candyman,

Süßigkeitenmann nannte

ihn Otto, wegen seiner Tätigkeit im

familiären Süßigkeitenunternehmen.„Die

Kinder nennen mich Ironman

oder Robocop oder Terminator“,

erzählt Ali Lacin lächelnd. Das

war nicht immer so.„Bisich mitdem

Sport angefangen habe, bin ich mit

der Behinderung gar nicht rausgegangen,

sondern habe mich geschämt

und war häufig zuhause. Ich

hatteimmer nur lange Hosenanund

meine Prothesen gar nicht gezeigt,

weil ich die bemitleidenden Blicke in

den Menschen gesehen habe. Das

hat mich sehr verletzt. Mittlerweile

bekomme ich Blicke der Anerkennung

und des Respekts, was mich

stärkt.“ Sein Auftreten sei viel sicherer

geworden. Er schämt sich nicht

mehr,sondern ist stolz. „Man merkt,

dass die Leute durch den Sport

selbstsicherer sind“, erzählt Ralf

Otto über seine Beobachtungen in

der Arbeit mit Behindertsportlern.

Für Lacin ist „der Sport nicht nur

Sport. „Ich fordere die Behinderung

heraus und möchte das machen, was

die normalen Menschen machen

können“, sagt er,„ich hole das nach,

was ich vorher nicht machen

konnte.“ Bis zuseinem 25. Lebensjahr

konnte er gar nicht rennen oder

springen. Dinge, die die meisten

Menschen seit ihrer Kindheit als

selbstverständlich ansehen, verbindet

er mit ganz anderen Gefühlen.

„Für mich ist das Leidenschaft.

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Lesen Sie am Wochenende

Karriere

VomEinzelkämpfer zum Teamplayer:Soft-Skillsstärken

Spontan mit Plan: Logistikkaufleute

braucheneinen kühlen Kopf

Wenn ich in meinen Sportprothesen

bin, spiele ich verrückt, springe rum

und fühle mich einfach frei darin“,

erzählt er und hat dabei wieder dieses

ansteckende Lächeln im Gesicht.

Wohlwissend, dass es gleich wieder

in den Pool zum Schwimmen geht

und er am Abend wieder bei einem

Film entspannen kann. So schön der

Sport für ihn ist, so sehr freut er sich

auch mal über zwei freie Wochen.

Christian Kattner

hätte gern den Süßwarenladen

der Familie besucht.

So viel Bock

Die Boxerin Nina Meinke hat nie den einfachen Weggenommen. Auch in diesem Jahr muss sie Hürden überwinden. Um so mehr freut sie sich über ihre Nominierung zur Sportlerwahl

VonKarin Bühler

Nina Meinke sagt, sie mag diese

Atmosphäre. Sie hat sich in der

Spandauer Bruno-Gehrke-Halle zusammen

mit Sven Ottke an einen

Stehtisch gestellt. Um sie herum: Boxer

und Boxer-Kumpel, Testosteron

unter Kapuzenpullis und Caps, ein

unglaublicher Geräuschpegel. Alle

warten auf ihren Einsatz beim 40. Juliusturm

Pokalturnier in Berlin. Und

viele hoffen, später von den beiden

Boxprofis eine Medaille oder gar einen

Pokal überreicht zu bekommen.

Ottke, Nina Meinkes Patenonkel,

hat viele Stunden seiner Jugend in

den Trainingsräumen im Untergeschoss

der Halle verbracht. Seine

Mutter führte damals die Kantine,

seinVater arbeitete als Hallenmeister.

Undoben unter dem Dach lebten die

Ottkes in der Dienstwohnung. „Ich

konnte trainieren, wann ich wollte.

Sonnabend, Sonntag, das war total

genial“, sagt Ottke. Erist nach langer

Zeit mal wieder in Berlin, auch um die

Meinkes zu besuchen. Denn Nina

Meinkes Vater Christian ist einer von

Ottkes besten Freunden. Daher war

Nina als Kind oft mit in Ottkes Kabine.

Sie erlebte seine Anspannung mit,

trank Teemit dem Berliner Boxer,der

zwischen 1998 und 2004 Weltmeister

im Supermittelgewicht war. Nina

Meinke liebte schon damals die Atmosphärebei

Kämpfen.

Jetzt ist sie selbst Boxerin: elf Profikämpfe,

zwei Niederlagen, ein Titel.

Nina Meinke ist Europameisterin im

Federgewicht. Als erste Deutsche hat

sich die 26-Jährige vor etwa einem

Jahr in Dessau den Gürtel der European

Boxing Union (EBU) mit einem

Punktsieg über die Tschechin Lucie

Sedlackova erkämpft.

Diese Chance genutzt zu haben,

war wichtig für ihreKarriere, die beim

Spandauer Box-Club begann. Denn

zuvor hatte sie im Kampf um den

WM-Gürtel eine Niederlage gegen

Elina Tissen einstecken müssen.„Das

ist mental so eine Sache. Als ich das

Angebot bekam, um die EM zu boxen,

habe ich mich tierisch gefreut,

wow.“Gleichzeitig zweifelte Meinke:

Gürtel verteidigt: Nina Meinkebehält ihren Europameistertitel.

„Kann ich das?“ Sie machte sich

Druck nach der Niederlage,kam aber

zu dem Schluss:„Wenn ich nach oben

will, muss ich alles mitnehmen.“ Im

Training bei Kay Huste hatte sie viel

umgestellt. „Wir waren viel im defensiven

Boxen, im Rückwärtsgang.“ Ein

Stil wie Sven Ottke. „Wie Svennie,genau,

das war aber nichts für mich“,

IMAGO IMAGES

sagt Meinke. Sie ist eine Boxerin mit

schnellen Beinen, die gernGegenangriffe

einbaut. Sie arbeitete am Deckungsverhalten.

„Als ich gemerkt

habe,dass es im Kampf anschlägt, hat

es auf einmal so viel Bock gemacht.

Pro Runde. Ich habe nicht gedacht:

Wann geht es vorbei. Ich habe mich

auf jede Runde gefreut.“

Meinke hat sich dort, wo Kaffee

und Brötchen verkauft werden, wo

früher Sven Ottkes Mutter Buletten

und Brause in die Durchreiche stellte,

auf einen Tisch gesetzt. Nach der Niederlage

war der EM-Titel für Meinke

doppelt so viel wert.Sie habe viel über

sich gelernt, sei kritischer geworden,

sagt Meinke. Auch aus ihrer ersten

Niederlage 2017 alsVorkämpferin des

WM-Duells zwischen Wladimir

Klitschko und Anthony Joshua vor

80 000 Zuschauern imWembley-Stadion

gegen Katie Taylor habe sie gelernt.

Vielesagten damals,der Kampf

gegen die gnadenlose Irin käme zu

früh. „Das mag sein. Aber ganz ehrlich,

wenn ich immer auf den richtigen

Moment warte, woher weiß ich,

ob derdann noch mal kommt?“, fragt

Meinke.

DieOffensivhaltung liegt ihr.Aber

sie merkte, wie wichtig das Team an

ihrer Seite war. Ihr FreundSerdar Sahin,

selbst Profiboxer,ihrVater,der sie

managt, die Mutter, ihr Trainer.

„Wichtig war,dass ich mich fallenlassen

konnte und aufgefangen wurde“,

sagt sie.Immer wieder hat sie Hürden

gemeistert. Mit16ging sie nach England,

um dortAbiturzumachen und

zu boxen. 2015 brach sie sich den Mittelhandknochen.

Sie biss sich durch,

wurde Europameisterin, verteidigte

den Titel im Aprildieses Jahres gegen

Helene Lascombe aus Frankreich –

und brach sich nun wieder die linke

Hand. Im Urlaub.Sie rutschte auf der

Hoteltreppe aus –wieder alles anders.

Jetzt trainiert Meinke mit Therabändern.

Kraft, Kondition, Führhand.

Sie will es zum WM-Kampf bringen.

Dass sie zum ersten Malfür die Wahl

zu Berlins Sportlerin des Jahres nominiert

ist, hat sie unglaublich gefreut:

„Das ist für mich Wertschätzung für

den Schweiß und das Blut, das man

im Training gelassen hat.“ Bei der

Gala ist sie schon öfter gewesen.„Früher

bin ich immer mit Svennie und

meinem Vater hin. Daswar cool, weil

ich den Ball toll finde“, sagt Meinke.

„Aber ich hätte nie damit gerechnet,

dass ich vielleicht da stehen könnte“ –

an einem Stehtisch inganz anderer

Atmosphäreals in der Gehrke-Halle.


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 19 *

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Sport

Wiein

einer

Ehe

Die Eisbären können sich

auf die Abwehr verlassen

VonBenedikt Paetzholdt

Vielleicht liegt es daran, dass er

erst seit dieser Saison Bandenchef

der Eisbären ist. Womöglich ist

es aber auch nur Strategie, umdas

emotional aufgeladene Spiel nicht

noch mehr anzuheizen. Eisbären-

Cheftrainer Serge Aubin sagte vor

dem Aufeinandertreffen der beiden

siebenfachen DEL-Titelträger in

Mannheim am Freitag (19.30 Uhr)

jedenfalls:„Dieses Spiel ist nicht spezieller

als gegen Krefeld. Wir wollen

drei Punkte holen, das ist die Basis.“

Verteidiger Florian Kettemer hingegen,

der drei Spielzeiten für die

Adler zwischen 2011 und 2014 bestritt

und nun in der zweiten Saison

das EHC-Trikot trägt, hat die Emotionen

schon häufig erlebt und sogar

mitgeprägt. Er meint: „Diese Spiele

sind wegen der Rivalität immer speziell.

Sie sind auch hart umkämpft,

das macht schon Spaß.“ Vorallem in

der aktuellen Verfassung, in der die

Eisbären keineswegs als großer Außenseiter

in der Kurpfalz antreten.

So wie etwa im Vorjahr.

Das liegt zum einen an Mannheim.

Rein tabellarisch liegt der

Deutsche Meister mit Platz drei auf

Kurs. Was etwas überrascht, denn

das 3:0 gegen Bremerhaven am vergangenen

Sonntag war der erste Sieg

in der Liga nach zuvor vier Niederlagen.

Am Dienstag schied das Team

vonPavel Gross zudem in der Champions

Hockey League gegen Mountfield

aus. Wieder mal rumort esim

anspruchsvollen Mannheimer Umfeld.

Die 58 Gegentore, der viertschlechteste

Wert der Liga, sind

Sinnbild für die Anfälligkeit.

Bei den Eisbären (Platz 5)

herrscht gute Stimmung, auch wenn

der zuletzt so treffsichereLeo Pföderl

wegen einer Oberkörperverletzung

Eine Frage der richtigen Balance: Florian

Kettemer.

CITY-PRESS

ausfällt –ihn ersetzt Sebastian Streu.

Mit sechs Punkten am vergangenen

Wochenende legten die Berliner einen

rundum gelungenen Start nach

der Deutschland-Cup-Pause hin.

Der erste Shutout von Torwart Sebastian

Dahm, eine stabile Abwehr,

vier Tore –das Paket gegen Iserlohn

überzeugte besonders. Dass bei 61

Torschüssen nicht mehr Treffer heraussprangen:

verschmerzbar. Verteidiger

Ryan McKiernan sagt:

„Wenn du ein Spiel so dominierst,

besteht die Gefahr, dass du zu viel

versuchst und dann auch mal die Balance

verlierst. Aber es ist uns gelungen,

über das ganze Spiel stabil zu

bleiben.“

Überhaupt ist die Verteidigung

die Vorzeigeabteilung der Eisbären,

47 Gegentore bedeuten das drittbeste

Bollwerkder Liga. Kettemer erklärt:„Das

ist wie in jeder Beziehung.

Man lernt sich kennen und weiß irgendwann,

was der andere will.

Wenn der Mann nach Hause kommt,

weiß die Frau, was er essen will.“

Manchmal ist es aber auch schön,

wenn keiner kochen muss, sondern

sich alle an den gedeckten Tisch setzen

dürfen. So wie unter der Woche,

als Kettemer mit einigen Kollegen im

Fonduerestaurant weilte. Eswar zudem

eine spezielle Form des Teambuildings

voreinem speziellen Spiel.

Samba statt Salsa

Gabriel Barbosa soll Flamengo Rio de Janeiro im Finale gegen River Plate zur Copa Libertadores führen

VonMatti Lieske

Tausende im Maracanã-Stadion

schwenkten Plakate

mit der Aufschrift „Hoje

tem Gol doGabigol“, und

einer von ihnen war Gabriel Barbosa.

DerStürmer vonFlamengo Rio

de Janeiro hatte im Halbfinal-Rückspiel

der Copa Libertadores gegen

Gremio Porto Alegre mit einem

prachtvollen Schuss gerade das 2:0

erzielt, war dem schriftlichen Auftrag

und seinem Ehrennamen Gabigol,

den er schon seit Jugendzeiten

trägt, gerecht geworden. Später ließ

er noch einen Elfmetertreffer folgen,

am Ende hieß es 5:0 für Flamengo,

das damit erstmals seit 38 Jahren das

Finale des Wettbewerbs erreichte.

Der Gegner am Sonnabend in

Lima ist River Plate aus Buenos Aires,

der Titelverteidiger, der diesmal den

Superclásico gegen den Erzrivalen

Boca Juniors im Halbfinale gewann.

River ist auch der Grund dafür, dass

die Copa Libertadores erstmals in einem

einzigen Endspiel an neutralem

Ort entschieden wird und nicht wie

bisher in Hin- und Rückspielen in

den Stadien der Teilnehmer. Vor einem

Jahr musste die zweite Partie im

Final-Superclásico in Madrid ausgetragen

werden, nachdem River-Fans

den Mannschaftsbus vonBoca angegriffen

und Spieler verletzt hatten.

VonChile nach Peru

Allerdings blieb das Copa-Endspiel

auch diesmal nicht von einer Verlegung

verschont. Kurzfristig wurde

das für Santiago de Chile geplante

Match wegen der Unruhen in der

Stadt nach Peru verlegt. Kurioserweise

hatte erst vorzweiWochen das

in Lima angesetzte Finale der Copa

Sudamericana, dem zweitwichtigsten

Pokalwettbewerb,wegen organisatorischer

Probleme in Paraguays

Hauptstadt Asunción stattgefunden.

Ausgetragen wirddas Spiel zwischen

Flamengo und River nun im Estadio

Monumental von Lima, das Nationalstadion

ist wegen einer Salsa-

Show nicht verfügbar.

Salsa oder Samba tanzt Barbosa

gern nach Toren, dennoch dürfte es

ihm egal sein, wo er trifft, ebenso den

Fans, die überzeugt sind, dass der

23-Jährige seine Gabigol-Produktion

gegen River Plate fortsetzt und das

Reich verziert: Gabriel Barbosa jubelt.

Kraftloser Auftritt

Olympiakos ist für die Albatrosse eine Nummer zu groß

VonChristian Kattner

Esist so etwas wie ein ungeschriebenes

Gesetz. Ist ein Spiel kurz

vor Ende entschieden, lässt die siegreiche

Mannschaft die Zeit im letzten

Angriff runterlaufen, ohne einen

letzten Wurf zu nehmen. Weil sich

auch die Spieler von Olympiakos Piräus

daran hielten, blieb

Alba Berlin am Donnerstagabend

zumindest dieses

letzte Negativerlebnis

erspart: keine 100 Punkte

des Gegners. Das 80:99,

welches nach Ablauf der

Spielzeit auf dem Videowürfel

der Arena am Ostbahnhof

zu lesen war, tat

dennoch weh.

Wunderdinge waren

vomausgedünnten Alba-Kader aber

bereits vordem Spiel nicht zu erwarten.

Neben den vier verletzten Spielern

hatten die, die noch zur Verfügung

standen, in den vergangenen

Wochen zu viel Kraft gelassen, um

gegen ein Team, welches lediglich in

der Euroleague antritt, zu bestehen.

Die Kräfteverhältnisse wurden

aufgrund der ungleich verteilten

Kraftreserven schnell sichtbar. Einmal

lag Alba Berlin am Donnerstagabend

kurz in Führung. Danach

wuchs der Rückstand mit zunehmender

Spieldauer immer weiter an,

Olympiakos warzu

groß für Alba.

IMAGO IMAGES/PUPO

„Wir haben es geschafft!

Die Geschichte ist geschrieben, aber wir wollen

mehr und wir brauchen Euch.

Das ist Flamengo.“

Gabriel Barbosa wendet sich über Twitter an die Fans des brasilianischen Fußballklubs

Flamengo Rio de Janeiro.

ENGLER

das erste Viertel ging mit 17:30 klar

verloren.

Gerade unter den Körben wurden

die Personalsorgen der Berliner besonders

deutlich, generell wirkten

die Gäste in allen Belangen frischer.

Undsie waren treffsicher.Unglaubliche

80 Prozent ihrer Zweier gingen

im ersten Viertel rein, selbst zur

Halbzeitpause waren es

noch 78 Prozent. Zwischenzeitlich

war der

Rückstand auch dadurch

auf über 20 Punkte gestiegen,

an einen Berliner Sieg

glaubte zu diesem Zeitpunkt

niemand mehr. Fast

schon dankbar reagierten

die Alba-Fans für jedes

kleine Erfolgserlebnis ihres

Teams. Mehr als Ergebniskosmetik

sollten die Dreier von Tim

Schneider oder der Dunking von

LandryNnoko in der ersten Halbzeit

aber nicht sein.

Man muss es den Gastgebern

aber hoch anrechnen, dass sie sich

nicht willenlos ihrem Schicksal ergaben.

Selbst aus einem 40:65-Rückstand

im dritten Viertel ließen sie

sich nicht entmutigen, verkürzten

auf 57:71. Am Sieg der Griechen änderte

das freilich nichts mehr. Auch

nicht an der Erkenntnis, dass es mit

dieser dünnen Personaldecke in den

nächsten Wochen sehr schwer wird.

beliebteste Team Brasiliens zum

Copa-Gewinn schießt, so wie es der

große Zico 1981 bei der einzigen Finalteilnahme

des Klubs tat. Diefortwährenden

Misserfolge im Libertadores-Pokal

sind ein Stachel in den

Seelen der Flamengo-Anhänger, das

sich selbst wegen seiner vielen Fans

gern„40-Millionen-Nation“ nennt.

DieMiseresoll aufhören, die Voraussetzungen

sind gut. Das Team

steht kurz vor dem ersten brasilianischen

Meistertitel seit zehn Jahren,

Zugänge wie Filipe Luis von Atlético

Madrid oder Rafinha vomFCBayern

haben die Defensive stabilisiert. Vor

allem aber beflügeln die Tore des im

Januar als Leihgabe von Inter Mailand

gekommenen Barbosa, sieben

Treffer in der Copa, 21 schon in Brasiliens

SerieA,womit er den Klubrekordvon

Zico einstellte.

DieMagie vonGabigol scheint jedoch

nur in der Heimat zu wirken. In

der Jugend beim FC Santos vonNeymar

galt Barbosa als eines der begehrtesten

Talente im Weltfußball.

Wegen seiner Tore, aber auch wegen

seiner Flamboyanz und seines trickreichen

Spiels. Nach dem Olympiasieg

2016 an Neymars Seite im

Maracanã wechselte er zu Inter Mailand,

doch das Europa-Abenteuer

verlief alles andere als wunschgemäß.

Kaum eingesetzt, gelang Barbosa

nur ein Ligator für Inter, noch

schlechter lief es bei Benfica Lissabon,

wo er als Leihgabe bloß ein paar

Minuten auf dem Platz stand.

Hochgeschätzter Weltpokal

Im Januar 2018 hatten die Mailänder

ein Einsehen und ließen ihren verhinderten

Torjäger leihweise nach

Brasilien ziehen, zunächst zu seinem

Heimatklub FC Santos, woersofort

traf, als sei er nie weg gewesen. Am

Sonnabend kann Barbosa mit einem

starken Auftritt auch seine europäische

Karrierewiederbeleben, entweder

bei Inter, gern auch anderswo.

Vorher aber möchte er noch eine andere

historische Mission erfüllen.

Ein Copa-Erfolg brächte die Teilnahme

an der Klub-WM im Dezember

in Katar und ein mögliches Finale

gegen den FC Liverpool. Genau

jenen Klub, gegen den Zicos Flamengo

1981 mit 3:0 den in Südamerika

hochgeschätzten Weltpokal gewann.

Feuriges Derby

Füchse siegen verdient beim Rivalen SC Magdeburg

VonCarolin Paul

Gut zwanzig Minuten waren gespielt,

als die Begegnung zwischen

dem SC Magdeburg und den

Füchsen Berlin die versprochene

Derby-Brisanz mehr als deutlich auf

dem Feld widerspiegelte. Fabian

Wiede bekam nach einer Abwehraktion

gegen den Magdeburger

Spielmacher Marko

Besjak glatt die rote Karte

gezeigt – eine harte Entscheidung.

Dafür revanchierten

sich die Schiedsrichter

64 Sekunden später

auf der anderen Seite.Wieder

traf der Platzverweis

die Nummer drei. Dieses

Mal handelte es sich um

AIMAGIO-IMAGES/BOESENER

Abwehrspezialist Piotr

Chrapkowski, der des Feldes verwiesen

wurde nachdem er Paul Drux im

Wurf in den Arm gegriffen und unsanft

zu Boden beförderthatte.

Die Ausgeglichenheit des Strafmaßes

spiegelte ebenfalls das Spielgeschehen

wider. Mit dem besseren

Ende für die Füchse.Die Hauptstädter

besiegten Magdeburg nach hartem

Kampf mit 29:27 (14:14).

Es waren nicht die einzigen Nettigkeiten

die an diesem Abend auf

dem Parkett ausgetauscht wurden.

Schon nach knapp fünf Minuten ertönte

ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert

als Mijajlo Marsenic die

erste gelbe Kasse kassierte, zwei Minuten

später traf es Jakov Gojun.

Letzterer wurde bis zur Halbzeit

noch ein weiteres Mal verwarnt und

stand somit gleichermaßen kurzdavor,

ebenfalls Rotzuerhalten.

Was mit den Spielern begann,

hörte bei den Trainern nicht auf.

Nach einer guten Viertelstunde

beschwerte sich

Velimir Petkovic über die

Diskutierfreudigkeit seines

Gegenübers Bennet Wiegert,

beide tauschten deutlicheWorteaus,beide

wurden

mit Gelb bestraft.

Es war fast so als ob der

Matchwinner: Verzweiflung Luft gemacht

Dejan Milosavljev. werden musste, dass kein

Team das sich vorgenommenen

Spielkonzept durchsetzen

konnte. Das lag seitens der Füchse

auch daran, das man sich zu viele

Fehlpässe erlaubte und den Hausherren

dadurch wiederholt die Möglichkeit

zum Tempogegenstoß gab.

Erst zehn Minuten vor Abpfiff gelang

es den Jungs vonVelimir Petkovic,

sich einen zwei ToreVorsprung zu

erarbeiten –und dieser sollte sich bis

zum Abpfiff halten. Ursache dafür

war nicht zuletzt die überzeugende

Vorstellung von Torwart Dejan Milosavljev.

Mit seinen zwanzig Paraden

war der letztlich der Siegesgarant.

NACHRICHTEN

Berlin will Tennisturnier mit

Bestbesetzung ausrichten

TENNIS. Im kommenden Jahr soll

Berlin mit einem neuen Rasen-Turnier

Schauplatz für die besten Tennisspielerinnen

der Welt werden. Bis

zu sechs Spielerinnen aus den Top

Tender Weltrangliste hoffe man für

die Teilnahme an dem Turnier im

Juni 2020 zu begeistern, sagte Veranstalter

Edwin Weindorfer am Donnerstag

auf der Anlage des LTTC Rot-

Weiß. „Wir verhandeln momentan

mit wahnsinnig vielen Spielerinnen

−auch mit allen aus den ersten Zehn

der Weltrangliste.“

Podolski verhandelt mit

polnischem Klub

FUSSBALL. DerfrühereWeltmeister

Lukas Podolski ist beim polnischen

Erstligaklub Gornik Zabrze im Gespräch.

„Unser Verein ist im ständigen

Kontakt mit Lukas Podolski, aber

wir möchten uns zum Charakter dieser

Gespräche nicht äußern“, sagte

Vereinssprecher Bartlomiej Perek.

Zuvorhatte die Bild-Zeitung über

Wechselpläne Podolskis in sein Geburtsland

berichtet.

Borussia Dortmund schließt

neuen Ausrüstervertrag ab

FUSSBALL. Borussia Dortmund hat

einen neuen Mega-Deal mit seinem

Ausrüster Puma abgeschlossen. Der

Meisterschaftszweite verkündete am

Donnerstag eine Einigung mit dem

fränkischen Sportartikelhersteller

auf eine weitereZusammenarbeit

bis 2028. Derneue Vertragsoll dem

BVBlaut kicker und Bild-Zeitung

insgesamt rund 250 Millionen Euro

einbringen, die jährliche Einnahme

des achtmaligen deutschen Meisters

verdreifacht sich mindestens auf gut

30 Millionen Euro.

ZAHLEN

Eishockey

DEL

Krefeld−Nürnberg 4:5

Mannheim −Eisbären Fr., 19.30

DEG−Ingolstadt Fr., 19.30

Wolfsburg −Köln Fr., 19.30

Augsburg −Bre'haven Fr., 19.30

Straubing −Iserlohn Fr., 19.30

München−Schwen'gen Fr., 19.30

1 München 19 66: 37 52

2 Straubing 19 76: 49 41

3 Mannheim 19 60: 58 32

4 Nürnberg 20 56: 56 32

5 DEG 19 52: 40 31

6 Eisbären 18 54: 47 31

7 Ingolstadt 19 55: 53 29

8 Bre'haven 19 48: 50 27

9 Köln 19 42: 55 25

10 Wolfsburg 19 49: 56 22

11 Krefeld 20 56: 68 21

12 Augsburg 19 52: 64 21

13 Iserlohn 19 42: 57 20

14 Schwen'gen 18 47: 65 15

Handball

BundesligaHerren

HSG Nordhorn−Flensburg 20:29

Magdeb.−Füchse 27:29

Melsung.−Göppingen 30:17

Bergisch. −Lemgo 35:33

HSG Wetzlar −Minden Sa., 20.45

THW Kiel −Leipzig So., 13.30

RN Löwen−Stuttgart So., 16.00

Balingen−Ludwigsh.-Fr. So., 16.00

1 Flensburg 14 371: 322 22: 6

2 Hannover 13 374: 346 20: 6

3 Melsung. 14 391: 380 19: 9

4 THW Kiel 11 340: 287 18: 4

5 Füchse 13 368: 328 18: 8

6 RN Löwen 13 369: 339 18: 8

7 Magdeb. 14 433: 390 18:10

8 Leipzig 13 368: 370 16:10

9 Bergisch. 14 385: 388 15:13

10 Göppingen 14 355: 373 11:17

11 HSG Wetzlar 11 316: 320 10:12

12 Erlangen 12 310: 318 10:14

13 Balingen 12 343: 356 10:14

14 Minden 13 347: 358 10:16

15 Stuttgart 12 302: 340 6:18

16 Lemgo 14 378: 417 6:22

17 Ludwigsh.-Fr. 13 305: 346 5:21

18 HSG Nordhorn 14 330: 407 2:26


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 – S eite 20 *

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Sport

Star and Stripes: Markus Eisenbichler soll in dieser Saison mit guten Ergebnissen den Druck vom deutschen Skispringerteam nehmen.

IMAGO IMAGES/WALGRAM

Neuanfang der üblichen Verdächtigen

Stefan Horngacher führt die deutschen Skispringer erstmals als Cheftrainer in eine Saison. Es ist ein Start ins Ungewisse unter schwierigen Bedingungen

VonLars Becker

Angst hat Stefan Horngacher

nicht. Weder vor den

großen Erwartungen an

die deutschen Skispringer

nach so vielen erfolgreichen Jahren

unter seinem Vorgänger Werner

Schuster. Noch vor der gewaltigen

Kulisse Zehntausender polnischer

Skisprung-Fans, die ihn beim Weltcup-Auftakt

an diesem Wochenende

in Wisla empfangen wird. „Da ist

nichts Böses zu erwarten. Ichdenke,

dass die polnischen Fans meine in

den letzten drei Jahren geleistete Arbeit

schätzen und verstanden haben,

warum ich nach Deutschland

zurückgegangen bin“, sagt Horngacher

im Interview mit dieser Zeitung.

Tatsächlich hat sich der neue Skisprung-Bundestrainer

in seiner alten

Wahlheimat Polen eigentlich ein

Denkmal verdient. Seit 2016 gewannen

Kamil Stoch und Teamkollegen

unter Horngachers Führung alles,

was es im Flug-Zirkus zu gewinnen

gibt: Ob nun Olympiagold, WM-Titel,

den Gesamtweltcup oder den

Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee.

Trotzdem gab Horngacher nach

drei Jahren seinen hoch dotierten

Posten in Polen auf. Seine in Titisee-

Neustadt im Schwarzwald lebende

Familie mit Frau Nicole und den beiden

gemeinsamen Kindern war ein

wichtiges Argument für die Rückkehr

zum Deutschen Skiverband

(DSV). Dort, wo er bis 2016 als Assistent

seines österreichischen Landsmanns

Werner Schuster gearbeitet

hatte,ist er nun der Chef.

Horngacher wird anden spektakulären

Erfolgen seines Vorgängers

gemessen werden. Sieben WM-Titel

und zwei Olympiasiege haben die

deutschen Skispringer in der Ära

Schuster seit 2008 gefeiert. Im vergangenen

Winter gab es bei den

Weltmeisterschaften mit drei von

vier möglichen Goldmedaillen eine

perfekte Bilanz. Eine schwierige Ausgangsposition

für Stefan Horngacher

beim Start ineine neue Ära ist das.

Zumal mit Olympiasieger

Andreas Wellinger,

dem einstigen Vorflieger

Severin Freund und

Toptalent David Siegel

gleich drei potenzielle

Leistungsträger verletzungsbedingt

ausfallen.

Der50Jahrealte Stefan

Horngacher bleibt

trotzdem optimistisch.

Der Druck im anstehenden

Winter ist

glücklicherweise nicht

ganz so groß, weil weder

Olympische Spiele noch Nordische

Ski-Weltmeisterschaften auf

dem Plan stehen „Ich weiß nicht,

welches Team auf der Welt solche

Ausfälle kompensieren kann. Wir

schaffen es fast. Unser Ziel zum Auftakt

ist, mit ein, zwei Springern im

Zurück in Deutschland:

Stefan Horngacher.

Anschlussbereich zur Weltspitze zu

sein. Unduns im Laufe der Saison so

zu steigern, dass wir Athleten aufs

Podest bringen.“ Die

Aussagen von Horngacher

sind auch deshalb

so vorsichtig, weil die

DPA/SCHMIDT

Leistungen seiner

Springer beim Sommer-

Grand-Prix mit Ausnahme

eines Sieges von

Karl Geiger in Hinterzarten

nicht so berauschend

waren.

Das hat etwas mit

den grundlegenden Änderungen

zu tun, die

Stefan Horngacher nach

seinem Amtsantritt vollzogen

hat. Bisauf Jens Deimel wurde

das komplette Trainerteam ausgetauscht.

Auch der Führungsstil des

neuen Chefs ist anders als der seines

Vorgängers.Während Werner Schuster

vor allem ein Meister in der Führung

von weitgehend autark arbeitenden

Teammitgliedern war, setzt

Horngacher mehr auf persönliche

Führung. „Die Betreuung ist weniger

individuell, sondernwirdzentral von

mir gesteuert. Ich gebe die Infos an

die Springer weiter“, berichtet der

neue Chefcoach: „Außerdem hat

sich das Training verändert. Wirsind

nur noch auf Lehrgängen Ski gesprungen

und nicht mehr daheim

auf den Schanzen. Dashatte auch etwas

damit zu tun, dass die Schanzen

in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen

und Oberwiesenthal nicht

sprungbereit waren.“

In einem sensiblen Sportwie Skispringen

sind das sehr viele Änderungen

auf einmal und Horngacher

räumt selbst ein, dass „es eine Zeit

gedauerthat, bis das Verständnis bei

den Springern dafür da war“. Deshalb

werdeesauch eine gewisse Zeit

dauern, bis Erfolge sichtbar werden.

Es ist also zum Auftakt in Wisla noch

nicht besonders viel zu erwarten von

den deutschen Fliegern. Am ehesten

könnten laut Horngacher „die üblichen

Verdächtigen“ wie der viermalige

Weltmeister Markus Eisenbichler

oder der zweimalige Team-Weltmeister

Karl Geiger im Bereich der

TopTen mitmischen.

Viel wichtiger als ein grandioser

Weltcup-Start ist Stefan Horngacher

jedoch die Vierschanzentournee –

neben der Skiflug-WM im März2020

das größte Highlight in diesem Winter.Die

deutschen Flieger warten inzwischen

seit 18 Jahren auf einen Gesamtsieg

beim Skisprung-Grand-

Slam. Es ist dieser eine, sowichtige

Titel, den auch Werner Schuster

nicht holen konnte.„MitKamil Stoch

habe ich ja in Polen zweimal die

Tournee gewonnen. Wir werden für

diesen Sieg kämpfen. Es gibt im Hintergrund

schon ein paar Vorbereitungen.

Wir haben in Sachen Material

noch etwas in petto“, verrät

Horngacher.Angst vordieser großen

Aufgabe hat dieser Mann wirklich

nicht.

Kleine Brötchen im Eiskanal

Wieder einmal kommt das

Zweite Deutsche Fernsehen

seinem Bildungsauftrag nach und

informiert die hiesige Bevölkerung

darüber, dass Winter ist. Und zwar

wie in jedem Jahr mit einer

ausführlichen Berichterstattung

vom Rodeln. An

diesem Sonnabend um

12.05 Uhrmachen in Innsbruck

Igls die Frauen den

Anfang in der Weltcupsaison,

was Bundestrainer

Norbert Loch mit einem

schönen Satz so ankündigt:

„Als erwartungsfrohe

Rodelnation müssen wir

jetzt kleinereBrötchen backen.“

Vor allem die WM-Zweite Julia

Taubitz, 24, vom WSC Oberwiesenthal

soll dafür sorgen, dass der deutschen

Rodelnation nicht die Butter

vom Brötchen genommen wird. Auf

ihr lastet hauptsächlich der Druck,

denn die Stammkundschaft im ZDF-

Rodeln

IMAGO IMAGES/PRÖSSDORF

Wintersportprogramm der vergangenen

Jahrenamens Natalie Geisenberger

und Dajana Eitberger legt

eine Babypause ein, wobei eine

Pause vom Baby frühestens kommende

Saison anstehen

dürfte. Tatjana Hüfner, die

Rekordweltmeisterin, hat

ihreKarrierebeendet.

Also Julia Taubitz. „Sie

wird sicherlich die Chance

nutzen, dass drei Weltklasse-Athletinnen

nicht

mehr dabei sind“, sagt

Will aufs Podest:

Julia Taubitz.

Bundestrainer Loch: „Von

ihr können wir Podien und

Siege erwarten.“ Jessica

Tiebel, 20, Cheyenne Rosenthal, 19,

und Anna Berreiter, 20, komplettieren

das Frauenteam. Davon verfügt

nur Tiebel über Weltcup-Erfahrung.

Loch hofft auf „fünfte oder sechste

Ränge“ von den Nachwuchskräften.

Malsehen. DerWinter geht sportlich

gesehen ja jetzt erst los. (BLZ)

Große Debatten im Verband

In der beliebten Rubrik „Fußball

gespielt wurde auch“, heute: der

Eisschnelllauf. Und schon ist man

beim Weltcup in Tomaszow Mazowiecki,

Polen, und bei der Deutschen

Eisschnelllauf-Gemeinschaft

(DESG), die in den vergangenen

Wochen vor allem

durch Debatten auf sich

aufmerksam gemacht hat.

Etwa darüber, obder Lebensgefährte

der Berliner

Eisschnellläuferin Claudia

Pechstein Präsident der

DESG werden sollte und

wenn ja, warum eigentlich

nicht.

Aber nicht aus diesem

Grund hat die ehemalige Olympiasiegerin

Gunda Niemann-Stirnemann

ihre Angst artikuliert. Eisschnelllauf

könnte hierzulande in

der Bedeutungslosigkeit verschwinden“,

findet sie: „Sorgen mache ich

mir schon, dass wir wirklich endlich

Eisschnelllauf

Will durchhalten:

Claudia Pechstein.

AP/GRITS

wieder auf die Strümpfe kommen.

Dass man weiß, es geht vorwärts,

dass man Licht am Ende des Tunnels

sieht“, sagte Niemann-Stirnemann

im ZDF-Morgenmagazin.

Niemann-Stirnemann ist 53 Jahre

alt, tritt beim Weltcup in

Polen jetzt nicht an, dafür

aber die unverwüstliche

Claudia Pechstein mit ihren47Jahren,

die Olympia

2022 in Peking ins Visier

nimmt. Tomaszow Mazowiecki

kann somit kaum

mehr sein als eine Zwischenstation.

Am vergangenen

Wochenende in

Minsk, Weißrussland,

schaffte sie als einzige Deutsche eine

Platzierung unter den Top 10. Roxanne

Dufter rutschte bei der Gelegenheit

in die B-Gruppe des Weltcups

ab, wo sie in Polen nun die

1500 und 3000 Meter bestreitet.

Zurück zur Debatte. (BLZ)

Große Spannung am Berg

Bevor Wolfgang Maier ins Plaudern

kommt, braucht es bei ihm

natürlich erst mal einen knorrigen

Satz, der suggerieren soll, dass er eigentlich

gar nicht ins Plaudern kommen

will. Auf die Frage, was er sich

vondiesemWinter erwarte,

gab der Alpinchef des

Deutschen Skiverbandes

(DSV) ineinem Interview

mit der ARD zum Einstieg

jedenfalls dies zum Besten:

„Die Weltcupsaison wirdso

sein wie die anderen auch.

Dass man spannende Rennen

sehen wird.“ Aber weil

Maier auch weiß, dass man

sich als Reporter mit so einer

Einschätzung nicht zufriedengeben

kann, fügte er sogleich noch das

an: „Man kann sich auf neue Gesichter

freuen, man kann sich auf Spitzensport

auf höchstem Niveau freuen.

Aber mit anderen Persönlichkeiten,

die vornesein werden.“

Ski Alpin

Will dominieren:

H. Kristoffersen.

Werdas im Einzelnen sein könnte,

lässt sich vielleicht schon am Wochenende

beim zweiten Weltcup der

Saison im finnischen Levi beobachten.

Zum Slalomfahren hat man sich

hier verabredet, die Frauen für den

Sonnabend, die Männer

für den Sonntag. Wobei

sich bei den Männern zuvorderst

die Frage stellt,

werinder Lage ist, das Erbe

vonDominator Marcel Hirscher

anzutreten. Maier

IMAGO IMAGES/STEINER

tippt wie so viele auf den

Norweger Henrik Kristoffersen,

hat im Fahrerfeld

aber auch den einen oder

anderen Youngster mit

Überraschungspotenzial ausgemacht.

Für seine Schützlinge prognostiziert

erinfolge des Abschieds

von Felix Neureuther und der Verletzung

von Thomas Dreßen hingegen

eine „Umbau- und Orientierungs-

Saison“. (BLZ)


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Johannes von

Weizsäcker über das

neue Album von

Lindemann Seite 23

„Wir müssen eine neue Art von Sprache erfinden.“

Der argentinische Künstler Tomás Saraceno, der Spinnennetze studiert Seiten 24 und 25

Sucht

Die Tortur

der Suggestion

Ulrich Seidler

ist Nichtraucher,Nichtraucher,Nichtraucher


Sollen wir uns alle Urkunden von

Peter Phillip Koss zeigen lassen?

Der Mental-Coach ist laut Angaben

des österreichischen Radiosenders

Kronehits ein „zertifizierter Experte

für autogene Tiefenentspannung

mit über 25-jähriger Berufserfahrung“

und bekannt „für seine legendären

TV-Auftritte“. Es folgt in der

Presseaussendung, in der der Sender

für eine Massen-Rauchentwöhnung

wirbt, eine verdächtig ausführliche

Aufzählung von Koss’ Abschlüssen,

Karriere- und Ausbildungsstationen.

Man will schließlich nicht jeden an

sein „Unterbewusstsein“ heranlassen,

wo Koss in nur 15 Minuten Voraussetzungen

für die Suchtüberwindung

schaffen könne. Sagt man

nicht „das Unbewusste“?

Egal, Nichtrauchen ist doch gut!

Wer wollte da mit einem Faktencheck

Zweifel säen und die Wirkung

des Massen-Raucherentwöhnungsversuchs

torpedieren? Am Sonntag,

um 14.15 Uhr, beginnt die Live-Entwöhnung.

Kostenlos!Viel Erfolg! Also

statt an anderen herumzuprüfen,

schreite ich lieber in eigener Sache

zur Transparenzoffensive: Ich habe

mir mit einer ähnlichen Methode

dreimal das Rauchen abgewöhnt.

Mithilfe eines dicken Buches, das

mit Autosuggestion arbeitet −zuletzt

vor ungefähr einem Jahr. Was mich

nun davon abhält, ein viertes Mal

zum Raucher zu werden, ist das Wissen,

dass ich es nicht ein weiteres

Mal aushalten würde, diesen

schlampig formulierten Sermon zu

lesen und mein Oberbewusstsein in

Scham versinken zu lassen, dass es

nicht in der Lage ist, die Sucht in den

Griff zu kriegen, nicht einmal für den

schrecklichen Preis einer solchen

Entwöhnungstortur.

Normalerweise kosten Koss’Dreistundenvorträge

um die 200 Euro,

verbunden mit einem grausigen Versprechen:

„Sollte jemand nach dem

Seminar wieder Erwarten noch mal

anfangen zu rauchen, so kann er kostenlos

die komplette Anwendung, bis

zum endgültigen Erfolg, noch mal

wiederholen!“ Naaaeein!

Der letzte Walzer

Drei Jahre nach seinem Toderscheint ein neues Album von Leonard Cohen: „Thanks For The Dance“

VonFrank Junghänel

Wenn jetzt drei Jahre

nach seinem Tod ein

Album mit letzten

Worten des großen

Songpoeten LeonardCohen das Ohr

der Öffentlichkeit erreicht, vollendet

sich ein Werk von phänomenalem

spirituellen Einklang. Letzte Worte

hatte Cohen schon auf seiner ersten

LP von1967 gesungen oder vielmehr

geraunt. Die Transformation von

Denken und Fühlen in Dichtung war

für ihn zeit seines Lebens ein nahezu

sakramentaler Schöpfungsakt, und

so ist es nun auch bis über sein Ende

hinaus.Nur wenige Tage bevor er am

7. November 2016 an den Folgen seiner

Krebserkrankung starb, hatte er

das Album „You Want It Darker“

herausgebracht, das man nicht nur

aufgrund der Umstände für sein Vermächtnis

halten musste. Jede Strophe

dortklang nach einem Abschied

vonder Welt.

Wie sich nun herausstellt, war es

nicht das letzte Testament. Es ist, als

würde Leonard Cohen noch einmal

kurz vor den Vorhang treten, um für

sein Publikum den Hut zulupfen.

„Thanks ForThe Dance“ versammelt

auf 29 Minuten Länge neun Lieder,

denen man die außergewöhnliche

Artund Weise ihres Entstehens nicht

anmerkt. Grundlage der Aufnahmen

bilden Texte, die der 82-Jährige in

den letzten Tagen seines Lebens eingesprochen

hat. Er konnte zu dieser

Zeit schon nicht mehr sein Haus in

Montreal verlassen und war wegen

Frakturen an seiner Wirbelsäule auf

einen Spezialsessel angewiesen. Was

den Liedern und Poemen so gut wie

gar nicht anzuhören ist. Cohen deklamiertmit

einer Stimme,deren sonores

Timbre einen geradewegs zu

hypnotisieren vermag.Vorsicht beim

Gebrauch vonKopfhörern! Daszieht

einen tief hinein und hinunter.

Musikalisch bearbeitet wurden

die Textpassagen von Adam Cohen,

der die nachgelassenen Zeilen sehr

behutsam in Melodien kleidete, von

denen er sicher zu recht annimmt,

dass sie seinemVater gefallen hätten.

Schließlich war er derjenige, der ihn

bis zum Schluss begleitete. Esgab

ein paar prominente Produzenten,

die sich für die Nachlassverwaltung

ins Gespräch gebracht hatten, neben

Don Was(Brian Wilson) und Daniel

Dankefür den Tanz: Leonard Cohen

Lanois (Bob Dylan) natürlich auch

Rick Rubin, dessen Arbeit mit dem

vomTode gezeichneten Johnny Cash

legendär geworden ist. Adam Cohen,

der als singender Songwriter selbst

einigermaßen erfolglos blieb, traute

sich dasWerk derVollendung zu, und

es ist ihm gelungen.

Thematisch geht es bei Cohen

auch auf dem 15. und finalen Album

um alles: Gott, die Liebe und den

Tod. Die Bilanz ist gemischt. „I was

GETTY IMAGES

always working steady. But Inever

called it art“, heißt es zum Auftakt in

„Happens To The Heart“ Ich habe

immer hart gearbeitet, es aber nie

Kunst genannt. Dazu erklingen

dunkle Klavierakkorde, hier und da

eine spanische Gitarreund am Ende

schwellen Streicher an. Es hat gar

keinen Sinn, sich hier Zeile für Zeile

durch diese poetische Landschaft zu

fransen, deren neun Strophen sich

ohnehin nicht übersetzen lassen.

Sehr viel nahbarer wird erdann

schon bei „Moving On“, einem Lied,

das LeonardCohen geschrieben hat,

nachdem er vom Tod seiner großen

Muse Marianne Ihlen erfahren hat,

der er auf seinem ersten Album das

Lied „So Long, Marianne“ gewidmet

hatte. Mit ihr hatte er einst auf der

griechischen Insel Hydra zusammengelebt

und ein griechisches Motiv

erklingt hier zur Eröffnung. „I loved

your face, Iloved your hair. Iloved

your T-Shirts and your evenig

wear.“ Er liebte alles an ihr, soeinfach.

Aber dann war es vorbei.

„Who’s moving on? Who’s kidding

who?“Werist hier gegangen?Werhat

wen veräppelt? Die ewige Frage, auf

die es nie eine gültige Antwort gibt.

Liebeskummer eines Experten, der

seinen Frauen selbst manchen

Kummer bereitet haben dürfte.

Eine von ihnen war die Sängerin

Anjani Thomas, der er 2006 das Lied

„Thanks For The Dance“ für deren

Jazzalbum „Blue Alert“ geschrieben

hatte. Hier nun interpretiert erden

letzten Walzer auf eine Weise, die

seine Unwiderstehlichkeit für alle

Zeit fixiert. Wieersie bewundert, mit

der Rose in ihrem Haar, eins, zwei,

drei, eins, zwei, drei. Doch die Krise

schwebt über ihnen, leicht wie eine

Feder. Dazu erheben Leslie Feist,

Jennifer Warnes, Damien Rice und

Beck ihre Stimmen zum Lalala-Chor.

So bittersüß die Erinnerung an

verglühte Liebesaffären auch ist, so

sehr treffen die exizstenziellen Songs

ins Schmerzzentrum. „The Goal“ ist

nur ganze 72Sekunden lang. „I can’t

leave my house or answer the

phone.“ Ich komme nicht aus dem

Haus und nicht ans Telefon. „I sit in

my chair, I look at the street, the

neighbour returns my smile of defeat.“

Ich sitze imSessel und schaue

hinaus, der Nachbar erwidert mein

müdes Lächeln. In„Puppets“ stellt er

sich die Welt am Faden vor. Puppet

me, puppet you, puppet germans

burnt the jew.“ Alles ist Schicksal in

den Händen des großen Spielers.

Und dann beginnt man sich zu

fragen, wie dieses Werk nach einem

halben Jahrhundert nun verklingen

wird. Hörtnicht auf mich, empfiehlt

er in „Listen to the Hummingbird“.

Hört auf den Kolibri. Der Ratschlag

eines alten weisen Mannes.

Leonard Cohen: „Thanks For The Dance“(Sony)

NACHRICHTEN

Brahms-Preis 2020 geht an

japanische Geigerin Midori

Dermit 10 000 Euro dotierte

Brahms-Preis 2020 geht an die japanische

Stargeigerin Midori. Damit

wirddie 49 Jahrealte Künstlerin für

ihreweltweit gefeierten Interpretationen

der Werkevon Johannes

Brahms sowie für die große Unterstützung

der jungen Künstler-Generation

und den besonderen Einsatz

im Geiste der Humanität für kulturfördernde

Projekte gewürdigt, wie

die Brahms-Gesellschaft am Donnerstag

in Heide mitteilte.Mit elf

Jahren gab Midoriihr Debüt mit den

NewYorker Philharmonikern. Bis

heute beschäftigt sich die Japanerin

jeden Tagintensiv mit Musik, wie sie

dem Radiosender BR-Klassik sagte:

„Das ist wie Meditation.“ (dpa)

Anzeige

Ein Jahr lang

auf

groSSEM

fuSS

mit der Jahreskarteder

Staatlichen Museen zu Berlin

smb.museum/jahreskarte

In NewYorkwerden

Bürgerdaten zur Kunst

Rund 8,5 Millionen Einwohner,fünf

Stadtviertel, mehr als 800 Sprachen –

und darin unzählige Geschichten:

Zahlen und Daten rund um die Entwicklung

der Metropole NewYork

haben Künstler,Grafikdesigner und

Daten-Analysten für eine Ausstellung

zu Kunstwerken aufbereitet.

Aufinteraktiven Bildschirmen, als

Zeichnungen oder Skulpturen verdeutlichen

die Werkeetwa, wo in der

Stadt welche Sprachen gesprochen

werden oder wo es noch vergleichbar

günstigen Wohnraum gibt. Die

Daten stammen u.a. aus Volksbefragungen

seit 1790. DieSchau „Who

We Are:Visualizing NYCbythe Numbers“

eröffnet am Freitag im Museum

of the City of the NewYorkam

Central Park.

UNTERM

Strich


22 Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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Feuilleton

Als das Chaos noch nicht aufgebraucht war

Der Fotograf Martin Eberle und Autor Heinrich Dubel feiern in dem Band „Hi Schatz!“ ein Berlin der produktiven Zwischenzustände

VonGunnar Lützow

Für die unabhängige Berliner

Kultur wirdeseng. Das

zumindest ist der Eindruck,

den man jüngst

beim Besuch einer überlaufenen

Einraumwohnung in einem Hinterhof

an der Potsdamer Straße gewinnen

konnte: Der eigentliche „Projektraum“

bestand aus gerade mal

zwei Kubikmetern Zwischenboden,

die nur über eine Leiter einsehbar

waren. Dazu berichtet aktuell ein

Stadtmagazin, dass Aktivisten der

Projektraumszene inzwischen anfangen,

unter dem Motto „Along the

Lines“ sogar über die Umnutzung

ungenutzter S-Bahn-Stellwerke

nachzudenken.

Formen der Bohème

Des einen Zumutung ist des anderen Möglichkeit: Martin Eberle: „Ich glaub...“, Rosenthaler Straße/Alte Schönhauser Straße, Dezember 1998 M. EBERLE, COURTESY: LAURA MARS GALLERY (2)

Dabei schien in Berlin doch alles ein

wenig anders zu laufen als anderswo:

Nicht nur ließen sich hier

künstlerisches Schaffen, alternative

Lebensentwürfe und andere Erscheinungsformen

der Bohème gut

mit den Anforderungen des Überlebens

vereinen –obendrein fand sich

auch innerhalb des S-Bahn-Rings,

meist in einer Seitenstraße, ein leer

stehendes Ladenlokal, das sich

schnell und unbürokratisch zu einer

Off-Galerie,einem Club oder einer

Werkstatt umfunktionieren ließ.

Und auch, wenn diese aus dem

Geist der Nachwende-Ära entstandenen

Orte gemeinschaftlicher Praxis

zumeist wirtschaftlich kein Faktor

waren, haben sie Berlin unter

jungen Leuten zu einem globalen

Sehnsuchtsortgemacht.

Der aktuell im Berliner Fantôme

Verlag erschienene Band „Hi

Schatz!“ macht nun die wichtigen

Jahre 1997–2007 noch einmal zugänglich

und hilft sowohl jenen, die

sie nicht selbst erlebt haben, als

auch denen, die sie zwar selbst erlebt

haben, sich aber gerade deswegen

nicht mehr daran erinnernkönnen,

gedanklich auf die Sprünge:

WildeVegetation, die aus Ruinendächern

wuchs, soist es wirklich gewesen,

mitten in der Stadt.

Doch während andere Publikationen

mühsam von außen versuchen,

anhand der üblichen Verdächtigen

einen vagen Zeitgeist zu

beschwören, sind hier ausnahmsweise

einmal zwei AkteureamStart,

die über lange Jahre eine gegenkulturelle

Gegenwart aus nächster

Nähe dokumentiert oder sogar

selbst initiierthaben.

Der Fotograf Martin Eberle, dessen

Arbeit aktuell in der Ausstellung

„NoPhotos on the Dance Floor! Berlin

1989–Today“ bei C/O Berlin zu

sehen ist, gehörte zum Kreis um die

legendäreGalerie berlintokyoinder

Rosenthaler Straße, die auch ein

Club war und sogar Gastspiele in

anderen Städten gab. Autor Heinrich

Dubel, der „psycholinguistische

Miniaturen“ beisteuerte, betrieb

hingegen, ebenfalls in der Rosenthaler

Straße, die konspirative

Martin Eberle: Am Prenzlauer Berg,Sommer 2006

Sniper Bar, ist Gründer des erratischen

Erratik-Instituts Berlin und

betätigte sich als Hubschrauberforscher

(1999 veröffentlichte er das

Buch „Helikopter Hysterie“).

Dokumentiert werden auf den

Fotografien jedoch gerade nicht

jene epischen Momente des Nachtlebens,indenen

man sich wünscht,

noch mindestens drei Tage wach zu

bleiben und der irrigen Überzeugung

verfällt, ewig zu leben oder wenigstens

gelegentlich außerhalb der

Zeit zu existieren. Gezeigt werden

statt dessen: der zerstörte Club am

Morgen danach, das unaufgeräumte

Atelier, das unterirdische

Autowrack am Wegesrand.

All die kleinen und großen Katastrophen,

die eben auch Teil großstädtischen

Lebens sind und vonästhetischen

Missgeschicken bis hin

zum Großbrand reichen. Dazwischen

immer wieder: Freiwillige

und unfreiwillige Improvisation,

ungelenke Graffiti, zwischenzeitlich

aufgegebene Bauprojekte,selbst gebaute

Behausungen und jene undefinierten

Stadtbrachen, die für die

einen eine Zumutung darstellen,

während andere in ihnen einen

temporären Möglichkeitsraum entdecken.

KurzeBotschaften

Dafür, dass all dies keine reine

Mitte-Hymne wird, sorgen lakonische

Aufnahmen vorstädtischer

Tristesse –und natürlich die vonAutor

Heinrich Dubel eingesammelten,

aufgefundenen und mitgeschriebenen

Kurzbotschaften und

Dialoge, die ein ungeschöntes Bild

des Berliner Alltags bieten. So stellt

dieser Band in seiner Gesamtheit

dann das sehr genaue Bild einer

Übergangszeit dar, in der, wer an

Berlin nicht verzweifeln wollte, lernen

musste, mit dem Unfertigen

nicht nur gelassen umzugehen,

sondern auch noch in Eigeninitiativedas

Beste daraus zu machen.

Istaber,was kleine und große urbane

Utopien angeht, heutzutage

nur noch Nostalgie angesagt? Gilt es

gar schon, sich bei Bertolt Brecht

Sätze wie „Das Chaos ist aufgebraucht.

Es war die beste Zeit.“ als

rundum resignierte Gegenwartsbeschreibung

auszuleihen? Nicht

ganz. Glücklicherweise ist zum Beispiel

irgendwem dann doch noch

aufgefallen, dass seit 2008 ganz in

der Nähe des Alexanderplatzes im

Haus der Statistik noch zigtausend

Quadratmeter nutzbarer Fläche

einfach so herumgestanden und

nur auf frische Ideen gewartet hatten.

Das neue Motto auf dem Dach

hätte sogar ein weit über Berlin hinausweisendes

Potenzial: „Allesandersplatz“.

Martin Eberle (Fotos)und Heinrich Dubel

(Text): „HiSchatz!“,192 Seiten, FantômeVerlag,Berlin

2019, 19,90 Euro

Buchpräsentation 22.11.,20Uhr,C/O Berlin,

Hardenbergstraße22–24

Schollen im Eismeer

Das Berliner Kunstmagazin Monopol kürt den in New York lebenden deutschen Konzeptualisten Hans Haacke zum wichtigsten Akteur des Jahres 2019

VonIngeborg Ruthe

Hans Haacke, geboren im

Jahr 1936 in Köln, studierte

von1956 bis 1960 an der

Staatlichen Werkakademie

in Kassel. Schon seit den

Siebzigerneckte er mit seiner

politischen Konzeptkunst

an. Haackelebt seit

Jahren in NewYork.

EIN ANSTIFTER FÜHRT DAS RANKING AN

Hans Haacke

Das warder spektakuläre Vandalenakt, Venedig-Biennale 1993: Hans Haackehatte

den für ihn „kontaminierten“ Travertin-Fußboden des deutschen Pavillons zerhackt. DPA

DPA

Monopol, ein in Berlin erscheinendes

Kunstmagazin,

legt alljährlich ein Ranking

der 100 einflussreichsten

Persönlichkeiten im internationalen

Kunstbetrieb vor.

Gekürtwerden Künstler,Museumsleute,

Kuratoren und

Galeristen.

Beet wächst, blüht, gedeiht. Einfränkischer

CDU-Abgeordneter spendierte

ein Apfelbäumchen aus seinem

Garten. Haacke pflanzte es ein.

Er ist ein Aktionskünstler der Extreme.

Hinter seiner oft rabiaten Ästhetik

stecke, das sagte er einmal in

der Akademie der Künste,deren Mitglied

er ist, die Absicht, sich politisch

einzumischen. Für ihn ist sei das ein

„Anstiften zum Nachdenken“. 2006

schuf er, unterstützt vom damals

scheidenden Kultursenator Thomas

Flierl (Die Linke) „Straßenkunst“ vor

der Berliner Volksbühne. Eswar im

Herbst: Herabgefallene Lindenblätter

bedeckten, wie auch jetzt wieder,

die Schrift. Bruchstückhaft war –und

ist soeben wieder –zulesen; „Freiheit

nur für die Anhänger der Regierung,

nur für die Mitglieder einer

Partei –mögen sie noch so zahlreich

sein –ist keine Freiheit. Freiheit ist

immer die Freiheit der Andersdenkenden.

Rosa Luxemburg(1918)“.

Dieses Zitat wurde in der DDR-

Bürgerbewegung geliebt. Für den

Spruch, öffentlich aufgesagt, gab es

Stasi-Knast. Wir sollten uns, im30.

Jahr des Mauerfalls, erinnern, dass

sie damals, zu Luxemburgs Zeiten

und im Herbst 1989, ermutigten.

Also sollten wir sie mal wieder lesen.

Wieall die anderen Zitate der klugen

Das Kunstjahr neigt sich. Zeit für

die großen Rankings, die den

Betrieb und den launischen Markt

beeinflussen. Monopol, das in Berlin

erscheinende Magazin für Kunst

und Leben, kam soeben zu einem etwas

anderen Ergebnis als das britische

Magazin ArtReview, dessen alljährliches

Ranking der prägendsten

Persönlichkeiten in der Kunst für gewöhnlich

als Gottes Wort gilt. Die

Briten erklären MoMA-Chef Glenn

D. Lowryzum Sieger,gefolgt vonder

US-Fotografin NanGoldin. Diehoch

gehandelte deutsche Video-KünstlerinHito

Steyerl belegt Platz vier.

Monopol hingegen kürte,wie immer

im Austausch mit Kunstexperten,

als Nummer eins den 83-jährigen

Hans Haacke. Erhatte unlängst

in New York eine Retrospektive, die

gleichsam sein politisches Credo

darstellte. Der gebürtige Kölner lebt

seit den SechzigerninNew York und

gehört zuden prominentesten politischen

Künstlern aus Deutschland.

In seinen Arbeiten thematisiert er

die politische und die Geschichte der

Bevölkerung seines Vater- und Mutterlandes.

Inaller Munde war Haacke

mit seinem wahrlich radikalen

und das Publikum teilweise verstörendenVandalenakt

auf der Kunstbiennale

Venedig 1993. Das war damals

eine klareAnsage: DerGiardini-

Pavillon aus NS-Zeit solle weg! Der

Skandal blieb politisch ohne Konsequenz.

Aber Haacke bekam für „Germania“

den Goldenen Löwen. Der

konzeptuell arbeitende Bildhauer

hatte den Travertinboden des Deutschen

Pavillons,auf dem 1934 Hitler

und Mussolini gestanden hatten, mit

Presslufthämmern zerlegt. Die kaputten

Platten lagen ineinander geschoben

wie Schollen im „Eismeer“-

Bild des deutschen Romantikers

Caspar David Friedrich, auch „Gescheiterte

Hoffnung“ genannt.

Sieben Jahre später stellte er den

Deutschen –den Giebel-Spruch des

Reichstags erweiternd –inden Ehrenhof

große Holztröge mit Erde aus

allen Bundesländern, samt Unkraut

und kriechendem und krabbelndem

Innenleben: „Der Bevölkerung“.

Haacke hatte zwar viele Parlamentarier,

gerade aus CDU/CSU, gegen

sich, zugleich aber genug Volksvertreter

überzeugt, bei der vergleichsweise

sanften, überdies fruchtbaren

Aktion mitzumachen. Seither erfreut

wenigstens eine blühende Landschaft

die Politiker auch in trüben

Sparzeiten. Haacke genießt es, dass

die Natur im 140-Quadratmeterund

mutigen Frau. Haacke hat ihre

Sätze als Messingbuchstaben eingelassen

in bis zu sieben Meter lange

Betonstreifen zwischen dem Pflaster.

Sechzig Zitate Luxemburgs aus

Reden, Artikeln, Briefen. Die kämpferischen,

die intimen, die zweiflerischen.

Und die ketzerischen. Ein

„Denkzeichen“ quer über die Gehwege

und bis auf die Fahrbahnen.

Monopol hat sich somit für einen

Künstler entschieden, der das Kunstgeschehen

aktiv beeinflusst, weil er

den Rufeines Störenfrieds und Nestbeschmutzers

hat, unbequem nach

Wahrheit, Demokratie, Menschenrecht

und Moral fragt. Und dem

Kunstgönnertum der Konzerne und

Banken ein Lieblingsfeind ist. „Haacke

ist unsere Nummer eins in diesem

Jahr, weil er vorgemacht hat,

was viele Künstlerinnen und Künstler

heute bewegt: ein politisches Engagement,

das Kritik am eigenen

Umfeld ganz selbstverständlich mit

einbezieht“, so Monopol-Chefredakteurin

Elke Buhr.

Aber auf Platz zwei stellt Monopol

ebenso wie die britischen Kollegen,

die engagierte Menschen-Fotografin

Nan Goldin. Hito Steyerl kommt bei

Monopol erst auf Platz zehn. Ihre

heute beginnende NBK-Schau

könnte 2020 für Steigerung sorgen.


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 23

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Feuilleton

Zieh mich

an! Zieh

mich aus!

Die höchste Eisenbahn im

Festsaal Kreuzberg

VonTorsten Wahl

Alles ist verloren! –Quatsch, alles

ist in Ordnung!“ „Wir lernen uns

gerade erst kennen! –Nein, wir haben

uns gerade getrennt!“ Im Song

„Aufregend und neu“, der ihr neues

Album und den Abend eröffnet, duellieren

sich Moritz Krämer und

Francesco Wilking wie zwei HipHopper

beim Battle-Rap –oder wie ein

streitendes Paar. Unter dem Motto

„Die höchste Eisenbahn“, von dem

im Festsaal Kreuzbergputzigerweise

nur die Buchstaben „Die Hö“ zu lesen

sind, hatten sich vorsechs Jahren

zwei Songschreiber zusammengetan,

die in diversen anderen Projekten

tätig waren. Inzwischen ist diese

Truppe weit mehr als die Summe ihrerEinzelmusiker.

„Deutschlands unverkrampfteste

Band“ nannte sie kürzlich der Rolling

Stone. Auf ihrem dritten Album

„Ich glaube dir alles“, ihrem bislang

besten, haben Krämer und Wilkening

die Dialektik von der Einheit

und dem Kampf der Gegensätze

zum Songprinzip gemacht und die

frühereWeinerlichkeit und Ratlosigkeit

endgültig ausgetrieben. Das

klappt nicht nur in „Aufregend und

neu“. „Zieh mich an“ wird von „Zieh

mich aus“ gekontert, die „Kinder der

Liebe“ vonden „Kindernder Angst“.

Damit beschreibt die Band nicht

nur das Lebensgefühl aller, die sich

im permanenten Sowohl-als-auch

zerrissen fühlen, sondernwirkt auch

musikalisch richtig spannend: mal

soulig, mal schwebend, immer spielerisch.

Undvielseitig sind nicht nur

die beiden Sänger.Auch Bassist Felix

Weigt wechselt zwischen Gitarreund

Keyboard, Schlagzeuger Max Schröder

treibt an und sorgt für steten

Druck im Kessel. Man kommt bei

dieser Band nicht um Vergleiche mit

dem Eisenbahnwesen herum –die

Musiker selbst bemühen den Begriff

der „Weichenstellung“.

Am Mittwoch bleiben sie zunächst

etwas zu lange auf dem Bahnsteig

stehen, weil Krämer und Wilking

mitten auf der Bühne miteinander

plauschen wollten, lösen dann

Weichensteller des Paradoxen: die Band

Die höchste Eisenbahn. DIE HÖCHSTE EISENBAHN

aber doch noch rechtzeitig die Bremsen.

Ihre Songs sind manchmal assoziative

Skizzen, manchmal Kurzgeschichten,

die ins Absurde gehen. Zu

ihren beliebtesten Stücken gehören

Mädchen-Porträts wie „Louise“,

„Lisbeth“ oder „Isi“ –indiese Nummer

extemporiert Franceso Wilking

die Geschichte von einem, der sich

eine Kreuzberger Eigentumswohnung

mit Fahrstuhl für das Auto

kauft, obwohl er gar kein Auto hat.

Zum Finale stellen die vier die

Umsonst-Kultur auf die dialektische

Probe.Franceso Wilkening singt „Alles

muss umsonst sein –sonst will

ich’s nicht haben“, Moritz Krämer

betont „Umsonst, aber nicht sinnlos“.

Damit erreicht Die höchste Eisenbahn

ein überraschend breites

Publikum für eine neuere Indie-

Rockband. Die Wogen im Publikum

breiten sich schnell von der Bühne

bis an den Rand aus und verbinden

Mittzwanziger mit Endfünfzigern.

Diehöchste Eisenbahn,22. 11., 20 Uhr,FestsaalKreuzberg,Am

Flutgraben2

Haben sich für ihr Album von ihren eigenen Vertonungen für „Hänsel und Gretel“ inspirieren lassen: Till Lindemann (links) und Peter Tägtgren.

VonJohannes von Weizsäcker

Ich heiße Erwin Lindemann,

bin 66 Jahre und Rentner“,

muss im allseits beliebten Loriot-Sketch

ein Lottogewinner

in die Kamera sagen, bevor er kurz

ausführen soll, was er mit den gewonnen

500 000 D-Mark anzufangen

gedenkt. Natürlich verhaspelt er

sich, sodass wieder und wieder gedreht

werden muss und mehr und

mehr Verhaspelung stattfindet.

DieTexte auf dem zweiten Lindemann-Album

„F &M“klingen ungefähr

so kohärent wie die Äußerungen

des nervösen Loriot-Lindemanns in

der dritten Verhaspelungsrunde,mit

dem Unterschied, dass Lindemann-

Sänger Till Lindemann, allseits gewiss

als Vokalist der immer wieder

gerne und kontrovers diskutierten

Schock-Rock-Band Rammstein bekannt,

mitnichten so kamerascheu

wie Namensvetter Erwin ist, sondern

im Bewusstsein öffentlichen Augenbeziehungsweise

Ohrenmerks spürbar

aufblüht.

So auch auf dem aktuellen Album:

Er wolle alles fressen, raunt er

lustvoll, am besten aber solle es

keine Knochen haben, doch sollen

es Tieresein, Hühner,Lämmer,möglichst

jung und zart, am besten ungekocht,

singt Lindemann in „Allesfresser“.

Hä? Wasdenn nun? Ungekochtes

Huhn oder zartes? Aber egal:

den ach-so-provokanten Altherrensexualfantasien

wird somal wieder

ein typisches Lindemann-Bild verschafft

– wie wir das ja auch von

Rammstein gewohnt sind, wenn sie

Ich habe Angst, Mami

„F &M“, ein neues Album von Till Lindemann, diesmal mit Peter Tägtgren

nicht gerade mit Nazi-Ikonografie

kokettieren.

Undauch anderswo auf der Platte

geht es ähnlich zu: Unter jedem

akustischen Anfang mit vermeintlich

beschaulichen Worten lauert –

wer hätte es geahnt? –ein doppelter

Boden, der sich –Surprise, Surprise!

–alsbald qua verlässlich prügelnden

Digital-Metal-Riffs und – ich hab

Angst, Mami! –Lindemanns professionell

absolvierten Boot-Camp-Gebrülls

auftut, wie in den Singles

„Stehe auf“ und „Knebel“.

Aber auch Till Lindemann kennt

die tägliche Verwirrung und Unsicherheit,

die wir alle erleben und

deretwegen so viele von uns in der

doch eigentlich eher banal gestrickten

Videospiel-Jungsgewaltfantasiewelt

von Rammstein und auch Lindemann

nach Erbauung suchen; davon

erzählen Stücke wie „Wer weiß

das schon?“ oder „Ich weiß es nicht“!

Ich weiß auch nicht so recht. Immerhin

ist„Wer weiß das schon“ eine

ArtOrchester-Ballade,sonah ist Lindemann

der Opernbühne noch nie

gekommen; allerdings ist das immer

noch ziemlich weit entfernt. Vielleicht

will er da ja auch gar nicht hin

(wer weiß das schon?) –obwohl die

Ursprungsinspiration für das Album

in einer laut Pressetext „sehr modernen“

Theaterfassung von „Hänsel

und Gretel“ lag, für die Lindemann

und sein aus Metal-Bands wie Pain

oder Hypocrisy bekannter schwedischer

Partner Peter Tägtgren (der

folgerichtig für die Metal-Riffs und

Er wolle alles fressen, raunt er lustvoll,

am besten aber solle es

keine Knochen haben,

doch sollen es Tiere sein, Hühner, Lämmer,

möglichst jung und zart,

am besten ungekocht.

überhaupt die Produktion des Albums

verantwortlich ist) einige Lieder

verfassten.

Viel mehr lässt sich sinnvollerweise

gar nicht über den Inhalt dieses

doch eher unnötigen Albums sagen.

Zu seiner Wirkung lässt sich

feststellen, dass es, genau wie bei

Rammstein, weder so schrecklich

gefährlich ist wie viele Beobachter

vermutlich behaupten, noch aber so

gut, wie viele Fans es finden werden.

Hang zur Katastrophe

DPA

Im Gegenteil: Es ist ein äußerst

schlechtes Album, da es in erster Linie

langweilt und mit längst erwartbaren

Provokationen gespickt ist, die

nicht provozieren, da sie, wir erwähnten

es bereits,einfach zu jungshaft

sind. Das Kokettieren mit dem

Martialischen muss gelernt sein. Ein

exzellentes Vorbild wäre hier die seit

den Achtzigerjahren aktive slowenische

Industrial-Gruppe Laibach, deren

bizarre Coverversionen von Hits

wie „Life Is Life“ oder „One Vision“

die Parallelen zwischen Pop-Kultur

und Totalitarismus aufzeigten und

dabei auf verstörende Weise sehr,

sehr lustig waren.

Lustig und verstörend war Lindemann

nie und seine Gruppe Rammstein

war es nur, wenn etwa ein König

der Rekontextualisierung wie

David Lynch ihnen die perfekte Umgebung

baute wie in seinem Surrealhorror-Meisterwerk

„Lost Highway“.

Aber selbst eine solche Meta-Inszenierung

würde für das Lindemann-

Album nicht funktionieren, dafür

mangelt es seiner Brachialität an

Pointiertheit. Mal wird ein bisschen

Indierock gespielt, dann wieder die

unvermeidbaren Metal-Riffs, dann

ein bisschen Akustikgeklimper.

„Gegensätze ziehen sich an“, behauptet

Lindemann zwar im albumtitelgebenden

Lied „Frau &Mann“,

aber im Fall dieses Werks kommen

diese Gegensätze kaum zusammen,

sondern ergeben eine nicht besonders

anregende Verwirrtheit. Dann

schon lieber Erwin Lindemann.

Lindemann:F&M, VertigoBerlin

Richard Linklaters Buchadaption „Bernadette“ mit Cate Blanchett als Architektin in der Midlife-Crisis

VonPhilipp Bühler

Bernadette ist weg. Sie floh aus

dem Fenster, vor der Familie

oder dem FBI, zum Schluss war das

für sie dasselbe.Wie es eben kommt,

wenn sich zu einer „extremen Angststörung“

auch noch die Paranoia gesellt.

Aber eigentlich war sie schon

lang nicht mehr da. Oder wie soll

man es sonst nennen, wenn sich

eine Frau in besten Jahren praktisch

nur noch mit ihrer virtuellen Assistentin

unterhält? Kommt hinzu, dass

die prachtvolle Neurotikerin von

Cate Blanchett gespielt wird.

Große Schauspielerinnen erkennt

man ja daran, dass selbst in

mittelprachtvollen Werken noch die

vergangenen Meisterwerke aufscheinen.

Unmöglich, in Richard

Linklaters „Bernadette“ nicht auch

an frühere Auftritte Blanchetts zu

denken, in Woody Allens „Blue Jasmine“

etwa oder Todd Haynes’„Carol“

– auch da gab sie komplexe

Frauen mit Hang zum Drama.

VorJahren fand Bernadettes groß

gestartete Architektenkarriere ein

rätselhaftes Ende,seitdem quälte sie

die Umgebung mit ihren Klagen. In

Rückblenden dürfen wir herumdoktern,

was schieflief und warum ihre

Familie sie jetzt suchen muss.Das ist

nicht einfach. Ihr Ehemann Elgie

(Billy Crudup) ist herzensgut, ein Genie

bei Microsoft, vielleicht etwas

selbstvergessen. Tochter Bee(Emma

Nelson) ist gar die beste Freundin ihrer

Mutter, aber das kann man auch

als Problem sehen. Mitihrer weniger

innigen Freundin und Nachbarin

Audrey (Kristen Wiig) hingegen verzettelt

sich Bernadette in einem bizarren

Kleinkrieg. Als Künstlerin, rät

ihr ein Kollege, müsse sie arbeiten,

um nicht alles zu zerstören. Wohl

wahr, aber auch leichter gesagt als

getan. Mit einer sanften Renovierungsmaßnahme

an Audreys Brombeerhang

hat das Übel schließlich

angefangen. Der Verdacht steht im

Raum, Bernadette habe den Einsturz

absichtlich herbeigeführt.

Linklater ist ein bekannt sensibler

Regisseur.Man versteht und fühlt mit

Bernadette –wie auch mit jedem, der

mit ihr in Berührung kommt. Man

versteht auch, was ihn an Maria

Semples Buchvorlage gereizt hat, ein

Brief- und E-Mail-Roman, schwer zu

adaptieren. Eine so scharfsinnige wie

komische Analyse innerer familiärer

Zwänge, der schwierigen Selbstbehauptung

in diesem verrückten Leben,

ist jederzeit zu erahnen. Die

schräge Sitcom-Optik, auf die Linklater

gelegentlich verfällt, erscheint eigentlich

ganz passend.

Doch die vielen Teile und Figuren

fügen sich nie zum Ganzen.

Die Binnenenergie eines Paars,

Linklaters Spezialität in der „Before

Sunrise“-Trilogie und vielen

anderen Filmen, will sich hier

nicht erschließen. Warum einem

diese Bande hyperprivilegierter

Neurotiker nahegehen soll, schon

gar nicht. Weder er noch Blanchett

können diese Figur retten, die

ganz offenbar der Schauspielerin

liegt, aber nicht dem Regisseur.

Schon immer zur Harmonie neigend,

bleibt ihm am Ende nur der

Kitsch. Es gibt Schlimmeres, aber

Bernadette würde wohl schreiend

davonlaufen.

Bernadette USA2019.Regie:Richard Linklater,

Drehbuch: RichardLinklater,Holly Gent, Vincent

Palmo,Darsteller: Cate Blanchett,Billy Crudup

u.a.: 110Min., Farbe. FSK ab 6

NACHRICHTEN

„The Banker“: Apple

sagt Filmpremiere ab

Im letzten Moment hat der US-TechnologiekonzernApple

die geplante

Weltpremieredes Films „The Banker“

mit Samuel L. Jackson abgesagt.

Einen Tag, bevor er am Donnerstag

zum Abschluss des AFI-Filmfestivals

in Los Angeles gezeigt werden sollte,

äußerte Apple nicht näher erläuterte

„Bedenken“. DerFilm basiertauf der

wahren Geschichte zweier schwarzerGeschäftsmänner,die

in den USA

der 60er-Jahreeinen Weißen als Aushängeschild

ihres Unternehmens

anheuern, um dem Rassismus ein

Schnippchen zu schlagen. Branchenberichten

zufolge soll es eine

Beschwerde der Familie eines der in

dem Film porträtierten Geschäftsmänner

geben. „The Banker“ ist einer

der ersten vonApple für seinen

neuen Streamingdienst Apple TV+

produzierten Filme und sollte ab 6.

Dezember dortlaufen. (AFP)

Grütterspocht auf

Leistungsschutz für Presse

Deutschland und Frankreich machen

in der Europäischen Union gemeinsam

Druck für die rasche Umsetzung

des Leistungsschutzrechtes

für Presseverlage.Dies machte Kulturstaatsministerin

Monika Grütters

am Donnerstag bei einem EU-Ministertreffen

in Brüssel deutlich.

„Wir müssen dafür sorgen, dass sich

journalistische Qualität und mediale

Vielfalt auch online behaupten können“,

betonte die CDU-Politikerin.

„Für eine freie politische Willensbildung

sind sie in unserer Demokratie

unverzichtbar.“ DieimFrühjahr auf

EU-Ebene verabschiedete Reform

soll Urhebernfür ihreInhalte im

Netz eine bessereVergütung sichern.

Google wehrtsich jedoch. (dpa)

Chefwechsel beim

Bezahlsender Sky

DerBezahlsender SkyDeutschland

bekommt zum Jahreswechsel einen

neuen Chef. Nach viereinhalb Jahren

an der Spitzegeht Amtsinhaber

Carsten Schmidt zum 31. Dezember

–nach Unternehmensangaben vom

Donnerstag aus eigenem Antrieb.

Nachfolger wirdder Manager Devesh

Raj, der im Vorstand derzeit für

das Tagesgeschäft zuständig ist sowie

Marketing und Vertrieb leitet.

Unter Schmidts Leitung hatte das

Unternehmen unter anderem die

Produktion eigener Serien forciert,

darunter „Babylon Berlin“. Nachfolger

Rajkommt vomUS-Mehrheitseigentümer

Comcast, der 2018 in einem

Bieterstreit den Fox-Konzern

des Medienunternehmers Rupert

Murdoch ausgestochen hatte. (dpa)

Chefinnenwechsel

bei der Zeitschrift Gala

DasPeople- und Lifestyle-Magazin

Gala bekommt ein neues Führungsteam.

Brigitte Huber,bereits Chefredakteurin

der Brigitte-Gruppe sowie

vonBarbaraund Guido übernimmt

diese Funktion zum 1. Dezember

nun auch bei der Gala, wie der Verlag

Gruner +Jahr mitteilte. (dpa)

TOP 10

Mittwoch, 20. November

1 Tagesschau ARD 4,86 16 %

2 Bonusfamilie ARD 3,92 13 %

3 heute ZDF 3,86 17 %

4 SokoWismar ZDF 3,66 17 %

5 Wer weiß denn ...? ARD 3,58 17 %

6 Unsere Schätze ZDF 3,55 12 %

7 RTL Aktuell RTL 3,36 14 %

8 heute journal ZDF 3,11 13 %

9 Heldt ARD 3,01 11 %

10 GZSZ RTL 2,80 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

BÜHNE

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: Break the Tango

Akademie der Künste Hanseatenweg

(& 200 57 20 00) 10.00: PostdramatischesTheater

weltweit (Postdramatic Theatre Worldwide)

Ballhaus Naunynstraße (& 75 45 37 25)

20.00: Patterns

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Neues Haus: Pussy

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

Brotfabrik (& 471 40 01)

20.00: Licht im Kasten

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Death in Venice

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Hekabe –ImHerzen der Finsternis

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: ugly duckling

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

HAU1(&25 90 04 27)

19.00: Arcana Swarm(Kat Válastur /HAU)

Anzeige

Eröffnung

Fr, 22.11.2019, 20 Uhr

lightartspace.org

HAU2(&25 90 04 27)

20.00: Alles ist Material /20Jahre„Postdramatisches

Theater“: Kanon (She She Pop)

HAU3(&25 90 04 27)

18.00: Alles ist Material /20Jahre„Postdramatisches

Theater“: Quizoola! (Forced Entertainment)

Haus der Berliner Festspiele (& 25 48 91 00)

17.00: Immersion: Diamante(Mariano Pensotti /

Grupo Marea)

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.30 Studio: Der Morphinist

Kleines Theater (& 821 20 21)

20.00: Drei Männer im Schnee

Komische Oper Berlin (& 47 99 74 00)

19.30: Eine Frau, die weiß, was sie will!

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: AWalk on the Dark Side

20.00 Studio: Mephistoland

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Münchhausen –Die Wahrheit übers Lügen

(Drehbühne Berlin)

Schaubude (& 423 43 14)

20.00: Rehearsing Mwange/Becker (Mwange/

Becker)

KALENDER

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00 Saal A: Hamlet; 20.30 Studio:Prometheus

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Staatsoper Unterden Linden (& 20 35 45 55)

19.30: La Bayadere (Staatsballett Berlin)

TAK–Theater Aufbau Kreuzberg (& 50 56 70 00)

20.00: Türkland

Theater Coupé (& 902 91 67 03)

19.00: Shalom –Salam: wohin? Folge5(Deutsch-Jüdisches

Theater)

Theater untermDach (& 902 95 38 17)

20.00: Das langeNachspiel einer kurzen Mitteilung

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Varieté Salon: Betún –4Träume und 5Wirklichkeiten

vomLeben auf der Straße (Teatro Strappato)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Hiob

Vierte Welt (& 01 57 88 44 09)

20.00: dialogue on difference (Theatercombinat)

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

19.30: Don’t be evil. (KayVoges &Ensemble)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Dominik findet’slustig (Dominik Wagner &

Friends)

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Großes Haus: Dittsche (Olli Dittrich)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(& 017 95 34 66 96) 20.00: Dit kannste unter Ulk

verbuchen (Genz &Hausmann)

BühnenRausch (& 44 67 32 64)

20.00: Familienbande (Die Verstörten Wunschkinder)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Estrel Showtheater (& 68 31 68 31)

20.00: StarsinConcert

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Dann kamlangenichts (Sarah Hakenberg)

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

20.00 Theatersaal: Männer,die auf Handysstarren

(Annette Kruhl)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher (Fil)

Palazzo (& 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

19.00: Die LiveShow

23.00: TURB –The Ultimate Roast Battle

Ratibortheater (& 618 61 99)

20.30: Das große 7(Die Gorillas)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Überall ist besser als nichts!

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia!

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

16.00, 21.00: Zauber Zauber

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Voll Fett (Jürgen vonder Lippe)

KLASSIK

Berliner Dom (& 20 26 91 36)

19.00 Tauf- und Traukirche: Kapellchor des Staatsund

Domchores Berlin, Ltg. Martin Meyerund Felix

Hielscher,Herrscher des Himmels! –Kammerkonzert,

Antonio Vivaldi: Gloria in D, sowie Motetten und Sätze

verschiedener Meister

Blackmore’sMusic Lounge (& 89 73 48 65)

20.00: Florian Heinisch(Klavier), Beethoven–An die

unsterbliche Geliebte, KlaviersonateNr. 9u.a.

Daumenkino

Wie

die Zeit

vergeht

Vor über zwanzig Jahren begann

Volker Gerling seine

Arbeit als Daumenkinograf.

Seitdem fertigt er zwölf Sekunden

lange Schwarz-Weiß-Bildsequenzen

von Menschen und

Orten an, hält Momente,Bewegungen,

Blicke und Stimmungen

in Blöcken mit je 36 Einzelbildern

fest, die, wenn man sie

mit dem Daumen durchblättert,

wieder zum Leben zu erwachen

scheinen. Eine Aufnahme

dauert bei drei Bildern

pro Sekunde zwölf Sekunden.

Das Material wird jeweils eine

Fünfzehntelsekunde lang belichtet.

Der Kameraverschluss

ist also ungefähr 80 Prozentder

Zeit während der Aufnahme

geschlossen. Zeit, die wir beim

Anschauen ergänzen. Auf der

Webseite des Daumenkinografen

gibt es ein Zitat von Paulus

von Tarsus: „Das, was man

sieht, kommt von dem, was

man nicht sieht.“ Denken

macht nervös. Anschauen

glücklich. Ulrich Seidler

Daumenkino-Abend 20 Uhr,Theater

o.N., Kollwitzstraße 53,T.: 4409214

So klug wie die Spinnen

Tomás Saraceno zeigt in der Galerie Esther Schipper,wie wir zukunftsfähi

Vonden Spinnen lernen: Tomás Saraceno hat die Galeriehalle in einen Denkraum verwandelt.

Alle gehen ihm ins Netz.

Abermals, wie vor einem

Jahr im Pariser Palais de

Tokyo. Undnun in der Berliner

Galerie Schipper. Tomás Saracenos

Installation gleicht Spinnweben,

einem riesigen Spinnennetz –

das Kunst-Universum des Argentiniers.

Und er hat es zugleich als ungewöhnliches

Saiteninstrument angelegt.

DasNetz erklingt, sobald man

sich darin bewegt.

Bei diesem Anblick, bei diesen

Tönen spinne ich mir einfach mal

was Unglaubliches zusammen: War

etwa letzte Nacht die große bronzene

„Spider“ der Louise Bourgeois,

die vor Bilbaos Guggenheim-Museum

steht, oder deren Zwilling aus

dem Garten vorm Amsterdamer

Rijksmuseum zu Gange in den Berliner

Mercador-Höfen? In der Ausstellungshalle

der Galerie Schipper?

Alles ist zugesponnen, Riesenspinnen-Netze

spannen sich (an robusten

Wanddübeln befestigt) durch

den Raum. Angedeutete Kokons aller

Größen hängen als symbolische,

poetische Behausungen in den Netzen.

Frauen, Männer, Kinder gehen,

kriechen, schleichen durch das Fädenlabyrinth,

ziehen daran. Dunkle

und helle Klänge ertönen, mischen

sich zu einer seltsamen Melodie. An

manchen Stellen vibriertder Hallenboden.

„Wenn wir miteinander kommunizieren

wollen, müssen wir eine

neue Art von Sprache erfinden, eine

andere Sensibilität“, sagt Saraceno.

Spinnen faszinieren ihn auch deswegen,

weil sie ihreNetzedem Flug der

Insekten anpassen und auf ihre

Weise den Luftraum besiedeln. Er

nennt seine Arbeit für Berlin bedeutungsschwer

„Algo-r(h)i(y)thms“

und prägt dazu ein neues Schlagwort:

„sym(bio)poetisch“. Ihm gehe

es, erklärt er, um ein weiterführendes

Bewusstsein dafür,mit wemund

wie wir eigentlich zusammenleben.

Undwie die radikale Gegenseitigkeit

der Dinge durch die Sprache der

Schwingungen bestimmt wird.

Simpler augedrückt: Dieser seit

Jahren in Berlin lebende südamerikanische

Künstler-Wissenschaftler

führtmithilfe der nachgeahmten Intelligenz

der Spinnen und der Mimesis

vor, wie sehr alles in der Welt verbunden

ist. Saraceno hat in den letzten

zehn Jahren nicht nur biotech-

Ingeborg Ruthe

istauf Strümpfen durch das sanfte Netz-

Labyrinth des in Berlinlebenden Argentiniers

Tomás Saraceno gegangen,

manchmal gekrochen, hat die schwarzen

Fäden zumKlingen gebracht und fühlte

sich danach wie nach einer Stunde

Tiefen-Meditation.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (& 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40; Bernadette 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Lara 15.00,

17.30,20.00

Delphi LUX (& 322 931040) Bis dann, mein

Sohn 15.15, 19.30; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 14.50; Parasite 17.10, 20.00; Land

des Honigs –Honeyland (OmU) 14.30, 19.00; Official

Secrets (OmU) 16.30, 21.00; Pferde stehlen

13.40, 16.20; Ich bin Anastasia 16.30; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 20.45; 2040 –Wir retten

die Welt! 13.30; Das perfekte Geheimnis 15.30,

19.00, 21.40; Die Eiskönigin II–Frozen 2(OF)

14.50, 17.10, 19.00, 21.20; But Beautiful –Nichts

existiertunabhängig (OmU) 14.00, 18.10; Downton

Abbey (OmU) 18.40; Joker (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53)Das Wunder vonMarseille

17.15; The Irishman (OmU) 19.30; Morgen

sind wir frei 17.30; Deutschstunde 20.00

Kant Kino (& 319 98 66) Bernadette 14.40,

17.40; Die Eiskönigin II 15.20,18.00,20.40; Marriage

Story (OmU) 20.30; Das perfekte Geheimnis

14.50, 17.30, 20.15; Ich war noch niemals in New

York 15.50; Es hätte schlimmer kommen können –

Mario Adorf 18.30; Official Secrets 17.30, 20.00;

Nurejew –TheWhite Crow 15.15, 20.15

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) 3D, Atmos: Die

EisköniginII14.30,17.15; Atmos: Das perfekte Geheimnis

20.00;Atmos: Joker 23.00; Die Eiskönigin

II 15.15; Das perfekte Geheimnis 17.50, 23.20;

Joker 20.30; Last Christmas 14.45,17.30; 3D: Die

Eiskönigin II 20.00; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 22.45; Die Addams Family 15.00; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 17.20, 20.45; Das

perfekte Geheimnis 14.00; Joker 16.45; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.45; 3D: Die

Eiskönigin II 23.10; Der letzte Bulle 14.30; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.00; Last

Christmas 20.15; LeMans 66: Gegen jede Chance

22.45; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45;

Die Eiskönigin II 17.30; Last Christmas 20.00; Terminator

–Dark Fate 22.35

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Gott existiert,

ihr Name ist Petrunya 11.00; The Dead Don‘t Die

(OmU)12.45;Synonymes (OmU) 14.25; Shaundas

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.30; Bernadette –

Where‘dYou Go, Bernadette (OmU) 18.00; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 19.50; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.00; Djon Africa (OmU) 11.00;

Easy Love (DFmenglU) 12.45; Im Niemandsland

(DFmenglU) 14.15; Deutschstunde 15.50; Land

des Honigs – Honeyland (OmU) 18.00; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.30; The Irishman (OmU)

21.40; 3From Hell –Three From Hell (OmU) 11.00;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 13.00; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 15.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus –Abominable(OmU) 16.45; Pferde

stehlen 18.30; Joker (OmU) 20.30, 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Das Kapital

im 21. Jahrhundert – Capital in the Twenty-First

Century (OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 16.00; Deutschstunde 17.45; The Irishman

(OmU) 20.00; Joker (OmU) 23.45; M. C. Escher:

Reise in die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige

zoeken: Journey Into Infinity (OmU) 14.15; Verteidiger

des Glaubens –Defender of the Faith 16.00;

Ich bin Anastasia 17.45; Bitte nach Mitte! 19.45;

Frau Stern 21.00; PJHarvey –ADog Called Money

(OmU) 22.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Maleficent: Mächte

der Finsternis 13.45, 16.40; 3D: Die Eiskönigin II

13.45, 16.30, 22.45; Joker 13.50, 16.50, 19.40,

22.20; Die Eiskönigin II 14.00, 14.15, 16.45,

17.00, 19.45; Die Addams Family 14.00; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 19.15, 19.30,

20.00, 23.00; Last Christmas 14.10, 16.45; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.20; Dora und die

goldene Stadt 14.20; IMAX 3D: Die Eiskönigin II

14.45, 17.30, 20.15, 23.00; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 16.20, 19.20, 22.40; Angry

Birds 2:Der Film 16.50; Bernadette 17.00,19.45;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 19.30, 22.40;

Terminator –Dark Fate 19.50; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.15, 22.45; Joker (OF) 22.30;

Midway –Für die Freiheit 22.50; Halloween Haunt

23.15

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Parasite –Gisaengchung (OmU)

20.20; Joker (OmU) 22.50; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 18.00; Searching Eva

(OmU) 20.00; Die Kinder derToten 21.45; Nevrland

(OmU) 23.30

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (& 04 51/703 0200) Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.30, 16.30; Die

Eiskönigin II13.30, 16.30, 19.30; Last Christmas

13.40,16.40,19.40,22.45; Das perfekte Geheimnis

13.40, 17.10, 20.10, 23.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus13.50;3D: Die EisköniginII14.00,

17.00, 20.00, 22.30; Die Addams Family 14.15;

Joker 16.40, 20.00, 23.00;Ich warnochniemals in

New York 16.50; LeMans 66: Gegen jede Chance

19.30, 22.20; Zombieland 2: Doppelt hält besser

19.50,23.10;Terminator –Dark Fate 23.00

Kino Kiste (& 998 74 81) Ich war noch niemals in

New York 13.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.30; Parasite 17.15; Lieber Antoine als gar keinen

Ärger 19.30

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.00; Last Christmas

14.10, 16.50, 19.30, 23.00; Die Eiskönigin II

14.20, 16.00, 17.00, 19.40; Der König der Löwen

14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.30,

20.15; Die Addams Family 14.40; Das perfekte Geheimnis

14.45, 17.30, 19.50, 22.45; Angry Birds

2: Der Film 14.50; 3D: Die Eiskönigin II15.00,

17.30, 20.00, 23.00; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 16.45, 19.40, 22.15; Joker 17.00,

20.20, 22.50; Ich war noch niemals in New York

17.10; Der letzte Bulle 17.15; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 19.50; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 20.10,23.00; Es: Kapitel II22.10; Terminator

–Dark Fate 22.40

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (& 61 60 96 93) Joker (OmU)

16.20, 19.30, 22.15; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.10; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 19.00, 21.50

fsk (& 614 2464) PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 18.00, 22.15; Gott existiert, ihr Name

ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 18.00; Lara (OmenglU) 19.45; Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 20.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 21.45

Moviemento (& 692 47 85) Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 14.45; Land des Honigs – Honeyland

(OmU) 17.00; Ich bin Anastasia 19.00;

Systemsprenger 21.15; Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

9.00, 15.15; Green Book –Eine besondere

Freundschaft (OmU) 11.00; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 17.15; Baskisches Filmfestival: Soinujolearen

Semea –Der Sohn des Akkordeonspielers

(OmenglU) 20.00; Searching Eva (OmenglU)

22.30; Fritzi –EineWendewundergeschichte 10.00;

Booksmart (OmU) 14.15, 19.30; Midsommar

(OmU) 16.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.45

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Systemsprenger

20.30

Sputnik (& 694 11 47) Shaun das Schaf:Der Film:

UFO-Alarm 15.00; Fünf Dinge, die ich nicht verstehe

(OmenglU) 16.30; Bernadette –Where‘d You

Go, Bernadette (OmU) 18.00; Neues slowenisches

Kino: Ne bom vec luzerk –Ich werde keine Loserin

mehr sein (OmenglU) 20.00; Joker (OmU) 21.45;

Morgen sind wir frei 15.00; BorninEvin–Alles über

Evin (OmU) 16.45; Was gewesen wäre 18.30; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 20.15; The House on

Sorority Row (OF) 22.30

Yorck (& 78 91 32 40) Land des Honigs –Honeyland

(OmU) 15.00; Parasite 17.00, 20.00; New

Yorck Lara 14.50, 17.10, 19.30, 21.50

KÖPENICK

Spreehöfe (& 538 9590) Das perfekte Geheimnis

14.30, 17.15,20.15; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.45; Die Eiskönigin II15.00, 17.30; Die

Addams Family 15.15; 3D: Die Eiskönigin II 15.30,

18.00, 20.30; LastChristmas 17.30, 20.00; Bernadette

17.45, 20.15; Joker 20.30

Union (& 65 01 31 41) Le Mans 66: Gegen jede

Chance 13.30, 17.00, 20.15; 3D: Die Eiskönigin

II 13.30, 15.45, 18.00, 20.15; Bernadette 13.30,

18.00; Land des Honigs 16.00; Depeche Mode:

Spirits inthe Forest 20.30

MARZAHN

UCI Eastgate (& 93 03 02 60)Maleficent:Mächte

der Finsternis 14.00; Last Christmas 14.00,17.15,

19.50; Die Eiskönigin II 14.00, 14.15, 16.30,

19.30; Das perfekte Geheimnis 14.10, 17.00,

19.50, 22.50; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.15; 3D:

Die Eiskönigin II14.30, 17.15, 20.00, 22.45; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.45,20.15,

22.45; Ich war noch niemals in NewYork 16.45; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 16.55, 20.00; Joker

17.00, 20.00, 23.00; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 20.20, 23.00

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mein Leben als Zucchini

17.00; Pferde stehlen 18.30; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 20.45; Götter von Molenbeek:

Gods ofMolenbeek –Aatos jaAmine (OmU)

18.00; Morgen sind wir frei 19.30;Water Lilies: Der

Liebe auf der Spur 21.30

Babylon (& 242 5969) LieberAntoine als gar keinen

Ärger –Enliberte! (OmU) 18.15; LaKino: Litigante

–The Defandant (OmenglU) 18.15; LaKino:

PerroBomba (OmenglU) 20.00; Premiere: Adelheid,

Kornelius &die Töde (OmenglU; mitGästen)20.30;

Mobile Kino präsentiert: The Irishman (OmU) 20.30;

LaKino: Midnight Family (OmenglU) 21.45; Korea:

Salinuichueok –Memories of Murder (OmU) 22.00;

Birdemic: Shock and Terror (OF) 23.59

Central (& 28 59 99 73) Joker (OmU) 15.30,

18.15, 21.00; BFG: Big Friendly Giant 10.30; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 14.00; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 16.00; Zombieland 2:

Doppelt hält besser –Zombieland 2:Double Trap

(OF) 18.00, 20.15, 22.30

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) 3D: Die

Eiskönigin II11.00, 14.00, 17.00, 20.00, 22.30;

Das perfekte Geheimnis 11.00, 13.45, 16.40,

19.45, 22.50; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

11.00; Die Addams Family 11.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.30; Die Eiskönigin

II 11.40, 13.40, 16.30, 19.15; Booksmart 13.20;

Last Christmas 13.50, 16.30, 20.10, 22.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30, 17.30; Le

Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OF)

16.00; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.30, 19.45, 23.00; Zombieland 2:Doppelt hält

besser 16.40, 20.30, 23.15; Joker 17.00, 19.30,

23.15;LeMans 66: Gegenjede Chance 19.20; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 20.10; Es: Kapitel

II22.40; Midway –Für die Freiheit 23.00; Joker

(OF) 23.15

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Systemsprenger

(DFmenglU) 14.15; Bernadette (OmU) 17.00,

19.30; Parasite – Gisaengchung (OmU) 22.00;

Was gewesen wäre 15.00,19.00; Land des Honigs

–Honeyland (OmU) 17.00; Marriage Story (OmU)

21.00; Pferde stehlen –Utogstjaele hester (OmU)

14.00, 20.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian

chang (OmU) 16.30; Joker (OmU) 22.30; Berlin

Babylon (DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –

Words of Love (OmU) 17.00; The Irishman (OmU)

19.30; Lara (DFmenglU) 14.30, 19.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille enfeu (OmU) 16.45, 21.45

International (& 24 75 60 11)Lara 14.00, 16.30,

19.00; Bernadette (OmU) 21.30

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Kurzfilmprogramm

(Ulrich Schamoni) 18.30; Abschied von den Fröschen

21.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

Booksmart 14.05; Das perfekte Geheimnis 14.10,

16.40,19.50; Recep Ivedik VI (OmU) 14.15, 17.10,

17.45,19.50, 20.20,23.00; Last Christmas 14.15,

16.55,19.40,23.00; Everest:Ein Yeti will hochhinaus

14.20; Die Addams Family 14.20, 17.00; Dora

und die goldene Stadt 14.30; 3D: Die Eiskönigin

II 14.30, 17.15, 20.00, 22.25; Die Eiskönigin II

15.00, 17.00; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.40, 19.30, 22.30; 7. Kogustaki Mucize –

Das Wunder in Zelle Sieben (OmU) 16.50, 19.50,

22.40; LeMans 66: Gegen jede Chance 19.30,

22.45; Zombieland 2:Doppelt hält besser 20.10,

23.00;Stephen Kings DoctorSleeps Erwachen(OF)

22.40; Joker 23.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Bis dann, mein Sohn

–Dijiu tian chang (OmU) 10.10; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 13.30; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 16.00; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

17.40; Pferde stehlen –Utogstjaele hester (OmU)

19.50; Joker (OmU) 22.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Booksmart (OmU)

16.30, 19.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

21.30

Passage (& 68 23 70 18) Bernadette –Where‘d

You Go, Bernadette (OmU) 17.40, 20.30; Bis dann,

mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 17.00; Joker

(OmU) 20.40; Land des Honigs –Honeyland

(OmU) 16.30; Systemsprenger 18.30; Bernadette

–Where‘dYou Go, Bernadette (OF) 21.00; Das perfekte

Geheimnis 17.20, 20.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Official Secrets (OmU)

16.50, 19.30, 22.10; Parasite (OmenglU) 17.30,

20.30; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF) 15.20,

17.40, 20.00, 22.20; Le Mans 66: Gegen jede

Chance (OmU)15.45,20.00;But Beautiful –Nichts

existiert unabhängig (OmU) 17.20; Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmenglU) 19.00; Joker (OF) 21.40

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) Die

Eiskönigin II13.50, 14.10, 16.30; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 16.45, 19.45, 22.50; Dora und

die goldene Stadt 14.20; Last Christmas 14.25,

16.50, 20.20; 3D: Die Eiskönigin II14.30, 17.15,

20.00, 22.45; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

17.00,19.40,22.30; Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.05; Joker 19.30, 23.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.30, 23.00

Wolf (& 921 03 93 33) Marriage Story (OmU)

12.00, 21.00; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija (OmU)

12.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 14.00;

Querencia –Heimkehren (OmU) 14.40; Tonari no

Totoro –Mein Nachbar Totoro 16.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 16.40; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 19.00; Götter von Molenbeek: Gods of

Molenbeek(OmU) 19.00;Bis dann, mein Sohn –Di

jiu tian chang (OmU) 20.40


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

g werden

nologische Prozesse an

renommierten Wissenschafts-Einrichtungen

verfolgt und mit Forschern

des MIT in Boston, der Nasa

oder des Max-Planck-Instituts gearbeitet.

Er hat vor allem auch aus

nächster Nähe Spinnen studiertund

die fleißigen Gliederfüßer dafür in

riesigen Vitrinen in seinem Berliner

Atelier fantastische Netz-Architekturenspinnen

lassen.

Einer dieser Glaskästen ist in einem

abgedunkelten Nebenraum der

Galerie aufgestellt. Darineine eigenartig

in der Luft schwebende,silbrige

Gespinst-Landschaft, halb Märchen,

halb Laboratorium. Als Saraceno die

Spinnen bei ihrer Arbeit beobachtete,

kam er auf die Idee, ihreVibrationen

nachzuahmen.„Vielleicht haben

sie uns etwas zu sagen.Vielleicht

gibt es da eine Welt, die wir immer

noch nicht kennen.Wirwissen nicht,

mit wemwir in unseren Häusernzusammenwohnen.

Es ist ein erster

Schritt, zu bemerken, dass es auf diesem

Planeten etwas gibt, das schon

lange vor uns da war.“ Das war die

Initialzündung für seine hallenfüllende

Netz-Installation. Damit verfolgt

er nicht nur eine ästhetische

MEIN BILD DER WOCHE

Der Künstler: Tomás Saraceno kam

1973 in Tucuman, Argentinien, zur

Welt. Er studierte erst in Buenos Aires

Architektur,danach an der Städel-Schule

FrankfurtamMain. In den vergangenen

zehn Jahren arbeitete er mit dem

Institute of TechnologyMassachussett,

dem deutschen Max-Planck-Institut, der

Nanyang-Universität und in London mit

dem Naturgeschichtlichen Museum und

dem Imperial Collegezusammen. Der

Wahlberliner war der erste Künstler,der

vonSpinnen gewebte Lebensräume

scannte und als begehbare Kunstwerke

rekonstruierte. Er besitzt die erste

dreidimensionale Spinnweben-

Sammlung.

Die Ausstellung „Algo-r(h)i(y)thms“

ist in der Galerie Esther Schipper zu

sehen: Potsdamer Str.81E.

Bis 21. Dezember,Di–Sa 11–18 Uhr.

Tel.:374 43 31 33,

www.estherschipper.com

T. SARACENO/ FOTO: ANDREAS ROSSETTI/ GALERIE ESTHER SCHIPPER

Mission. Es geht auch um die Schönheit

des Alltäglichen, auch Lästigen.

Etwas,das derMensch beseitigt –die

verstaubten Netze jener Tierchen,

vor denen sich Kinder und auch Erwachsene

–mitunter sogar ziemlich

abergläubisch –gruseln.

Saraceno bewegt sich zwischen

Kunst und Wissenschaft, Ökolobbyismus

und Esoterik. Alles ist mit allem

verbunden. Er macht diese Binsenweisheit

so originell wie sinnlich

erfahrbar. Fast wird er damit zum

Propheten: Wir sollten von den klugen,

fleißigen Spinnen lernen, wie

wir als menschliche Gesellschaft

miteinander leben könnten, wie unsereZukunft

sein sollte,umzuüberleben.

Dieser politisch wie poetisch

agierende Künstler,den in Berlin nur

der Hamburger Bahnhof mal zu einer

musealen Schau einlud, träumt

voneiner neuenEthik, einem Leben

ohne Grenzen und ohne fossile

Brennstoffe, die Luft und Klima ruinieren.

DieHörfähigkeit der Spinnen

–auf viel niedrigerer Frequenzen als

die der Menschen –überträgt er als

Schwingungen der Netze zueinem

faszinierenden Klangteppich. Wie

eine kosmische Jamsession.

Literatur

Du

und dein

Nachbar

Der Nachbar oder die

Nachbarin sind als erzählte

Figuren in Deutschland

selten sympathisch. In den

USA schon, da bringen Nachbarn

den neu Eingezogenen

immer gleich einen Auflauf

und Kuchen, ob sie das wollen

oder nicht. Ha! Der letzte

Halbsatz enttarnt schon wieder

tiefdeutsche Erfahrungen

und Perspektive. Natürlich

wollen die neuen Nachbarnin

den Vereinigten Staaten das,

dass sie von den bisherigien

Nachbarn empfangen und

umsorgt werden. Weil sie ja

Gemeinschaftswesen sind,

auch wenn sie ständig umziehen.

Undwir,die wir viel sesshafter

sind und von unseren

Nachbarn javiel länger etwas

haben? Warum halten wir sie

für neugierig, nur weil sie klingeln

und gerne wissen wollen

was das für Musik ist oder was

in unserem Bad verursachen

könnte, dass es durchihreDecketropft?

PetraKohse

Nachbarschaft Literaturhaus Berlin,

ab 13.45Uhr,Fasanenstr.23

Emmauskirche (& 61 69 31 -0)

20.00: Ölberg-Chor,Yvonne Friedli, Luana Welte

(Sopran), Oscar Marin (Tenor), Orchester,Ltg.Ingo

Schulz, Requiem 1692/1984, Heinrich I. F. Biber:

Requiem f-Moll; AndrewLloyd Webber:Requiem

Französische Friedrichstadtkirche

(& 20 64 99 22) 20.00: MozartPur:Festival

OrchestraBerlin

Haus der Kulturen der Welt (& 39 78 71 75)

20.00: Kammerensemble NeueMusik, Right the

Right, Dan Bodan &Scott Carver: AFlowofSerosities,

Lecture-Performance: John Oswald: Plunderphonics;

Algorave mit Alexandra Cárdenas und Antonio

Roberts

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: Konzerthausorchester Berlin, Ltg.

Michael Sanderling,Noa Wildschut (Violine), Mozart:

Konzertfür Violine und Orchester;Bruckner:Sinfonie

Nr.4Es-Dur „Romantische“

20.00 Werner-Otto-Saal: 25 Jahre modernart ensemble,

Jubiläumskonzert

Mercedes-Benz Arena (& 20 60 70 88 99)

20.00: TheWorld of Hans Zimmer –ASymphonic

Celebration, Ltg.Gavin Greenaway

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin,

Rundfunkchor Berlin, Staats- und Domchor Berlin,

Solist*innen, Ltg.Robin Ticciati, Hector Berlioz: „La

Damnation de Faust“, dramatische Legende op. 24

Silent Green Kulturquartier (& 46 06 73 24)

19.30 Betonhalle: Splitter Music Festival: Skills:

„Enthusiasm“, UA für Splitter Orchester

21.00 Kuppelhalle: Splitter Music Festival: Ensemble

Skogen, Magnus Granberg: „Let Pass My Weary

Guiltless Ghost“

KINDER

Deutsche OperBerlin (& 34 38 43 43)

18.00 Tischlerei: Die Schneekönigin

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show

(ab 5J.)

LITERATUR/VORTRAG

Freizeitforum Marzahn (& 542 70 91)

19.00: Tatort110 –TV-Kommissare lesen: „Andere

machen das beruflich“, Andrea Sawatzki

Ein Daumenkino-Kino-Abend

Wirtshaus Moorlake (& 805 58 09)

19.00: Die Geschichte der Leseratte Walter,mit Walter

Plathe und Maria Mallé, Literarisch-kulinarischer

Abend mit Dreigangmenu. Anm. erf.

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: B3 –FiveYears of Fusion

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: 102 Boyz

BKA (& 202 20 07)

20.00: Fee Badenius, Tour 2019/20

Columbiahalle (& 69 81 75 86)

18.00: Hot Water Music

Festsaal Kreuzberg (& 551 50 65 87)

20.00: DieHöchste Eisenbahn

Gretchen (& 25 92 27 02)

20.30: Electro Deluxe

Huxleys Neue Welt (& 301 06 80 88)

20.00: Fatoumata Diawara

Kiste (& 998 74 81)

21.00: Stadtstreicher

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Felix Meyer&project île

Kulturbrauerei/Kesselhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Sabrina Claudio

Metropol (Nollendorfpl. 5)

19.00: Alec Benjamin, support: BoyinSpace

Passionskirche (& 69 40 12 41)

20.00: Pablo yLudmila &Cuarteto Rotterdam

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

20.00: Giora Feidmann (Klarinetten), Muhittin Kemal

Temel (Kanun), Murat Coskun (Perkussion, Gesang),

Gürkan Balkan (Oud, Gitarre) u. a., Klezmer for Peace

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: Layla Zoe, Retrospective

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MANDELA

THE OFFICIAL EXHIBITION

FREIHEIT IST

WEDERSCHWARZ

NOCH WEIß

19|10|19 – 15|03|20 BIKINI BERLIN

Tickets unter www.mandelaexhibition.de

KINO

PANKOW

Blauer Stern (& 47 61 18 98) Die Eiskönigin II

13.30, 15.50, 18.10, 20.30; Lara 15.30, 17.50,

20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Die Eiskönigin

II 13.40, 16.00, 18.20, 20.40; Bernadette

14.40, 17.30; Bernadette –Where‘d You Go, Bernadette

(OmU) 20.20; Lara 15.40, 20.40; Joker

(OmU) 18.00; Land des Honigs –Honeyland (OmU)

15.00; Bis dann, mein Sohn 17.00; Das perfekte

Geheimnis 17.20, 20.40; But Beautiful –Nichts

existiert unabhängig (OmU) 14.45; Parasite 20.00

Kino & Bar in der Königstadt (& 01 63/

262 72 80) Marriage Story (OmU) 16.30; The Irishman

(OmU) 19.30

Kulturbrauerei (& 04 51/703 0200) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.30; Lara 13.30,

16.00; Booksmart 13.30; Deutschstunde 13.40;

Das perfekte Geheimnis 13.45, 16.45, 19.30;

Porträt einer jungen Frau in Flammen 14.00; Die

Eiskönigin II14.00, 17.00, 20.00; Systemsprenger

14.10; Bernadette 15.45, 19.00; Joker (OmU)

16.00, 19.45; Der Glanz der Unsichtbaren 16.30;

Official Secrets 16.50, 21.40; Parasite 17.00,

22.40; Around The World in 14 Films: Bacurau

(OmenglU) 18.45; Around The World in14Films:

Animals (OF) 19.00; Pferde stehlen 20.00; Around

The World in14 Films: Dylda –Beanpole: Bohnenstange

(OmenglU) 21.30; Around The World in14

Films: Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao: The

Invisible Life ofEuridice Gusmao –Avida invisivel

de Euridice Gusmao (OmenglU) 21.30; Le Mans

66: Gegen jede Chance 21.50; Die Eiskönigin II–

Frozen 2(OmU) 22.30; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

22.50; Joker (OF) 22.50

Krokodil (& 44 04 92 98) Was gewesen wäre

18.00;Land des Honigs–Honeyland (OmU) 19.30;

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,imeto

i‘ ePetrunija (OmU) 21.15

UCI Colosseum (& 44 01 92 00) Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 19.45, 23.00; Die

Eiskönigin II 14.15, 16.50; 3D: Die Eiskönigin II

14.20, 17.10, 20.00, 22.45; Angry Birds 2: Der

Film 14.25; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30; Booksmart 14.30; Last Christmas 14.40,

17.15, 19.50; Die Addams Family 14.40; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.45; Dora und die goldene

Stadt 14.45; Le Mans 66: Gegen jede Chance

16.40, 19.30; Joker 16.45, 19.50, 23.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.55, 20.20,

22.40; Ich war noch niemals in New York 17.05;

3D: Die Addams Family 17.15; Bernadette 17.15,

20.00; Terminator –Dark Fate 19.45; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.05,22.45; Systemsprenger

20.15; Scary Stories to Tell in the Dark 22.50;

Sneak Preview 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 0200) Angry Birds

2: Der Film 13.30; Last Christmas 13.40, 16.30,

19.40, 23.00; 3D: Die Eiskönigin II 13.45, 16.45,

19.45, 22.45; Das perfekte Geheimnis 13.50,

16.30, 20.10, 23.10; Die Addams Family 14.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.05, 16.45;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.20; Die

Eiskönigin II14.30, 17.15, 20.15; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.30; Stephen Kings

Doctor Sleeps Erwachen 16.05, 19.30, 22.30; Joker16.50,

19.55; Ichwar nochniemals in NewYork

17.00; Der letzte Bulle 17.15; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 19.40, 23.15; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 19.40; Terminator –Dark Fate 20.10,

23.05; Es: Kapitel II 22.30; Midway –Für die Freiheit

23.00; Halloween Haunt 23.20

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (& 852 3004)

Ich war noch niemals inNew York 14.30, 17.15,

20.15

Cosima (& 85 07 58 02) Ich war noch niemals in

NewYork 18.00; Systemsprenger 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Bernadette –Where‘d You

Go, Bernadette (OmU) 15.20, 20.30; Marianne &

Leonard –Words of Love (OmU) 18.10

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu

(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00; Die

Eiskönigin II10.00, 12.30, 15.00, 17.40; Die Addams

Family 10.00, 12.10; 3D: Die Eiskönigin II

11.55, 14.25, 17.10, 19.50, 22.55; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 12.10; Das perfekte Geheimnis

14.00, 17.15, 20.20, 23.00; Maleficent:

Mächteder Finsternis 14.10; Last Christmas 14.10,

16.50, 20.10; Le Mans 66: Gegen jede Chance

16.40, 19.30, 22.30; Zombieland 2:Doppelt hält

besser 20.00, 23.10; Joker 22.50

Kino im Kulturhaus Spandau (& 3336081) Rafiki

(OmU) 10.00; Und der Zukunft zugewandt 13.00;

Ich war noch niemals inNew York 15.15, 20.15;

Systemsprenger 17.45

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Last Christmas14.30,

17.15, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.45; Dora und die goldene Stadt 10.00;

Die Eiskönigin II10.00, 12.10, 15.00, 17.45; 3D:

Die Eiskönigin II 10.00, 14.15, 17.15, 20.15; Die

Addams Family 10.00, 12.35, 14.25; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 10.00; Angry Birds 2: Der

Film 10.00; Everest:Ein Yeti willhoch hinaus 12.00;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 12.10; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.15; Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 17.35, 20.00, 20.30,

22.50; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF) 14.15;

Bernadette 14.50; Joker 16.40, 19.50, 23.00; Le

Mans 66:Gegen jede Chance16.45, 19.30, 23.00;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.00,

20.30, 22.45; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.30, 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Ich war noch

niemals in New York 15.15; 3D: Die Eiskönigin II

15.30, 18.00, 20.30; Die Addams Family 15.30;

Das perfekte Geheimnis 15.30, 18.00, 20.30; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.30,20.30;

Last Christmas 18.00, 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) 70mm: The Untouchables

–Die Unbestechlichen (OF) 20.00; Magical

HistoryTour: Ludwig II.(OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Die Eiskönigin II 12.30, 14.00, 16.30, 18.00,

19.00, 19.30, 22.00; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 13.00, 16.40, 20.15, 22.30; Le Mans66:

Gegen jede Chance 13.00, 16.30, 20.15, 22.40;

3D: Die Eiskönigin II 13.00, 15.00, 16.00, 17.00,

20.00, 23.00; Playmobil: Der Film 13.30; Joker

13.30, 16.30, 19.40, 19.45, 23.00; Der König der

Löwen 13.30, 16.00, 19.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 13.40; Maleficent: Mächte der

Finsternis 13.40; Last Christmas 13.40, 16.45,

19.45, 23.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

13.40; Angry Birds 2: Der Film 13.40; Ich war

noch niemals in NewYork 13.50; Dora und die goldene

Stadt 13.50; Die Addams Family 14.00; Das

perfekte Geheimnis 14.10, 17.20, 20.30, 23.00;

Systemsprenger 16.30; Parasite 16.30, 19.30,

23.00; Official Secrets 16.30, 19.30; Zombieland

2: Doppelt hält besser 16.40, 20.50, 23.00; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 16.40, 19.50;

Downton Abbey 16.40; Booksmart 16.40; Bernadette

16.50,19.45; Lara 17.00,19.50; Halloween

Haunt 19.30, 23.00; Blackand Blue 19.40, 22.40;

Terminator –Dark Fate 19.50, 22.50; Gemini Man

22.25; Once Upon aTime in... Hollywood 22.30;

Midway –Für die Freiheit 22.30

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Foxtrot(OmU) 10.00; Yuli (OmU) 10.15; Booksmart

(OF) 13.20; Last Christmas (OF) 13.30, 17.40,

20.30, 22.20; 3D: Die Eiskönigin II–Frozen 2(OF)

13.30, 16.30, 19.30, 22.10; Maleficent: Mächte

der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil (OF)

13.50; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF) 13.50,

16.00, 19.00; Le Mans 66: Gegen jede Chance

–Ford vFerrari (OF) 14.00, 16.20, 19.40; Die

Addams Family –The Addams Family (OF) 14.30;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 16.00;

Bernadette – Where‘d You Go, Bernadette (OF)

16.50; Joker (OF) 17.00, 20.00, 23.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen (OF) 19.30, 23.00;

Zombieland 2: Doppelt hält besser –Zombieland 2:

Double Trap (OF) 19.50, 23.15; Terminator –Dark

Fate (OF) 22.40; Parasite 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D:Galapagos:

Wunderland der Natur 11.30; 3D: Die Eiskönigin

II13.15; 3D: Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF)

16.15, 19.15; Le Mans 66: Gegen jede Chance –

Ford vFerrari (OF) 22.00

Filmrauschpalast (& 394 4344) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30; Zombieland 2:Doppelt

hältbesser –Zombieland2:Double Trap (OF)20.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Die Eiskönigin II 14.00,

16.30; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.15,

20.00, 22.30; 3D: Die Eiskönigin II15.00, 17.30,

20.00, 22.45; Die Addams Family 15.00; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 16.00; Stephen Kings

Doctor Sleeps Erwachen 17.00, 20.00, 22.00; Last

Christmas 18.00, 20.30; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.00, 22.45; Joker 22.30

Casablanca (& 677 57 52) M.C.Escher: Reise

in die Unendlichkeit 16.15; Deutschstunde 18.00;

Parasite 20.30

CineStar – Der Filmpalast Treptower Park (&

04 51/703 02 00) Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.00; Dora und die goldene Stadt 14.00;

3D: Die Eiskönigin II 14.00, 17.15, 20.00, 22.30;

Angry Birds 2: Der Film 14.00; Ich war noch niemals

in NewYork 14.15; Die Addams Family 14.15,

17.10; Das perfekte Geheimnis 14.15, 16.40,

20.10,22.50;Last Christmas 14.30, 17.05, 19.40,

23.10; Die Eiskönigin II14.30, 16.45, 19.30; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.25, 19.45,

22.30; LeMans 66: Gegen jede Chance 16.25,

19.45; Joker 17.00, 20.15, 22.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15; Terminator – Dark

Fate 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.15, 23.10; Midway –Für die Freiheit 23.00;

Scary Stories toTell in the Dark 23.10; Halloween

Haunt 23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 0311) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.00; Dora und

die goldeneStadt 12.00;Bayala –Das magische Elfenabenteuer

12.00; Recep Ivedik VI (OmU) 14.00,

17.10,20.10, 23.00; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00; Last Christmas 14.10, 17.00, 19.50;

Das perfekte Geheimnis 14.10, 17.00, 20.15; 3D:

Die Eiskönigin II 14.20, 16.45, 19.30; Die Addams

Family 14.20; Die Eiskönigin II15.00, 17.45; Le

Mans66: Gegen jede Chance 16.20,20.00, 22.15;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.45,

20.30, 22.30; Joker 20.00, 22.50; 7. Kogustaki

Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben (OmU) 23.00

WEISSENSEE

Brotfabrik (& 471 4001) Götter von Molenbeek:

Gods of Molenbeek (OmU) 18.00; Einfach Leben

(OmU) 19.30; PJHarvey –ADog Called Money

(OmU) 21.30

Toni (& 92 79 12 00) Die Eiskönigin II12.15,

14.30, 16.45, 19.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.00; Das perfekte Geheimnis 12.30,

15.00,17.30,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Parasite

15.30; Land der Wunder –Le meraviglie (OmU)

18.00; Bernadette –Where‘d You Go, Bernadette

(OmU) 20.30

Eva (& 92 25 53 05) Was gewesen wäre 16.00;

Land des Honigs –Honeyland(OmU) 17.45; Official

Secrets 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 16.00; Der Glanz der Unsichtbaren

18.00; Deutschstunde 20.30

Capitol (& 831 64 17) Lara 15.30, 18.00,

20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Premiere:

60 Jahre süße Träume –mit dem Sandmann

durchdie Zeit (mit Gästen) 17.00; Zeitschnitt 2019:

Julias Wahn (m. Gästen u.Einführung) 19.00; Systemsprenger

21.30

Thalia Potsdam (& 03 31/743 7020) Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 13.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen 13.45; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.15; Lara 14.15, 18.45;

Das perfekte Geheimnis 15.30, 18.00, 20.45; fridays

for future: But Beautiful 16.15; Bernadette

16.15,20.45; Pets II 16.45; Pferde stehlen 18.30;

Deutschstunde (m. Gebärdendolmetscherin) 19.00;

Official Secrets 21.00; Parasite 21.30

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Die Addams Family 13.40; Die Eiskönigin II 13.45,

14.10, 16.40; Das perfekte Geheimnis 13.50,

16.50,19.45, 20.00, 23.15; Last Christmas 14.00,

17.10, 19.55; 3D: Die Eiskönigin II14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.15; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.20, 19.40, 22.45; Ich war noch niemals in New

York 16.30;Maleficent: Mächte derFinsternis 16.45;

Joker 16.45, 19.55, 23.10; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 19.50; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.15,23.00; Midway –Für die Freiheit 23.00

UMLAND

ALA Falkensee (& 03322/2798877) Die Addams

Family15.00;Das perfekteGeheimnis 17.15, 20.00

CineStar Wildau A10-Erlebniswelt (& 04 51/

703 02 00) 3D: Die Eiskönigin II 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Die Addams Family 14.00, 17.30;

Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.15, 20.10,

23.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.15; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.15,

17.00; Die Eiskönigin II14.30, 16.30, 19.30; Everest:

Ein Yeti willhoch hinaus 14.40; Last Christmas

14.45,17.20, 20.00,23.00; Dora und die goldene

Stadt 14.45; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.45; Le Mans 66: Gegen jede Chance

16.30,19.30, 22.50; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 16.45, 19.45, 22.50; Der letzte Bulle

17.05; Joker 17.20, 20.15, 23.15; Midway –Für

die Freiheit 19.45; Terminator –Dark Fate 20.15;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.20, 23.15;

Es:Kapitel II 22.30; Scary Stories to Tell in theDark

23.00; Halloween Haunt 23.30

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) 3D: Die Eiskönigin

II 14.45, 17.15, 19.45; DieAddams Family

16.00; Das perfekte Geheimnis 18.00, 20.30


26 Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019

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68 Milliarden Euro für

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Wielassen sich

Menschen

manipulieren?

VonMarcus Posimski

Für viele war das Jugendbuch „Die

Welle“ Pflichtlektüre in der

Schule. Die Geschichte über ein Experiment

eines Highschool-Lehrers,

der seinen Schülern erklären wollte,

wie es zur Machtübernahme der Nationalsozialisten

kam, wie radikale

Ideen schnell zu Selbstläufern werden.

Hier sind drei Streaming-Tipps,

die sich genau mit diesem Thema

beschäftigen:

„The Wave“: Dieser nur 45 Minuten

lange Film, der im Jahr 1981 fürs

Fernsehen gemacht wurde, erzählt

die in dem Buch von Morton Rhue

aufgegriffene Geschichte nach. Trotz

seiner Kürze ist diese Verfilmung unglaublich

stark. Bruce Davison spielt

den Lehrer, und der unschuldige

80er-Jahre Look des Films lässt das

Finale umso krasser erscheinen. Leider

gibt es den Film nur noch in mittelmäßiger

Qualität, aber dafür kostenlos

bei YouTube zu sehen.

DerFilm istbei YouTube zu finden.

„Die Welle“: Genauso wie im Film

„Das Experiment“ aus dem Jahr 2001

ein amerikanischer Versuch (Stanford-Prison-Experiment

von 1971)

nach Deutschland verlegt wurde,haben

die Macher auch hier das Highschool-Experiment

von 1981 in einem

deutschen Kontext fiktionalisiert.

Jürgen Vogel spielt einen Lehrer,

der widerwillig eine Klasse

unterrichten muss und mit den

Schülern, ohne deren Wissen, einen

Versuch durchführt. Könnte mehr

als 60 Jahre nach Ende dem des

Zweiten Weltkriegs in Deutschland

noch mal eine Diktatur funktionieren?

Sind die Mechanismen, die damals

Hitler an die Macht gebracht

haben, heute noch wirksam? Der

Film „Die Welle“ schafft es, auch

dank seiner wirklich guten Jungdarsteller,

genau dies zu zeigen.

DerFilm kannbei iTunes,Amazon oderGoogle

Playgeliehen werden.

Im Arabischen gibt es zu viele individuelle Dialekte, die noch keine Künstliche Intelligenz umsetzen konnte.

Alexa, warum kannst du kein Arabisch?

300 Millionen Menschen auf der Welt sprechen Arabisch. Sprachassistenten haben damit ihre Probleme

VonAdrian Lobe

Siri ist eine polyglotte Zeitgenossin.

21 Sprachen beherrscht

Apples Sprachassistentin,

dazu noch einige

Dialekte wie etwa das mexikanische

Spanisch. Die Künstliche Intelligenz

mit ihren maschinell lernenden Algorithmen

macht ständig Fortschritte.

Doch mit einer Sprache hat

Siri nach wie vor Schwierigkeiten:

Arabisch.

Seitdem Apple 2015 eine arabische

Version seiner Sprachassistentin

lanciert hat, macht die Software

kaum Fortschritte.Sirihat Probleme

bei der Aussprache und versteht

auch zahlreiche Sprachkommandos

nicht oder falsch. Auch Amazons

Sprachassistentin Alexa und das

Microsoft-Pendant Cortana kommen

mit Arabisch nicht klar. Für die

300 Millionen Menschen, die Arabisch

sprechen, tut sich hier eine

neue Sprachbarriere auf, wenn sie

von Maschinen nicht verstanden

werden.

Arabisch kennt keinen Satzbau

Übersetzung: Die Basis sind

statistische Modelle: Sie

durchpflügen tonnenweise

Texte, vergleichen Übersetzungen.

Google fütterte zum

Beispiel seine Übersetzungs-

KI anfangs mit Dokumenten

der Vereinten Nationen und

der Europäischen Union.

Der Grund liegt zum einen in der

komplexen Syntax und Semantik der

Sprache,zum anderen in der Artund

Weise, wie Sprachcomputer lernen.

Das Arabische kennt im Gegensatz

zu romanischen oder angelsächsischen

Sprachen keinen Satzbau

nach der Vorschrift Subjekt, Prädikat,

Objekt. Das heißt: Ein Algorithmus

kann nicht einfach einen Satz

dekonstruieren und in seine einzelnen

Bestandteile zerlegen. Zudem

gibt es in arabischen Texten keine

Großschreibung, was es für Algorithmen

schwer macht, Namen, geografische

Bezeichnungen und den Anfang

eines Satzes zu erkennen. Erschwerend

kommt hinzu, dass es

zwischen dem modernen Hocharabisch,

wie es etwa in den Medien gesprochen

wird, und den lokalen Dialekten

erhebliche Unterschiede gibt.

Hocharabisch folgt mathematischer

Logik.

„Für Arabisch fehlen schlicht oft

Trainingsdaten“, erklärt der Journalist

und Buchautor Gerald Drißner,

der viel in der arabischenWelt gereist

ist und mehrere Jahre in Ägypten

Arabisch studiert hat, im Gespräch

mit der Berliner Zeitung. Für die Dialekte

gebe es weder vernünftigeWörterbücher

noch Audio-Aufnahmen

noch eine Aussprachedatenbank,

SO LERNEN SIRI & CO SPRECHEN

Sprachassistenten: Sie errechnen

Wahrscheinlichkeiten,

mit denen ein Wort oder

ein Satz diese oder jene Bedeutung

hat. Das macht sie

bei derAuswahl der Lösungsmöglichkeiten

flexibler,die

Trefferquote konnte so gesteigertwerden.

ArabischeWelt: Erste, vorsichtige

Versuche gibt es

schon: Google hat für seine

Sprachsoftware in diesem

Jahr eine Version für den saudischen

und den ägyptischen

Dialekt lanciert:Google Assistantsoll

die Gebetszeiten

oder das Wetteransagen.

auf die man zurückgreifen könnte.

Die Dialekte unterscheiden sich

selbst bei grundlegenden Dingen

wie Fragewörtern und Verneinung.

„Ein Iraker und ein Marokkaner können

sich nur mit großer Mühe über

einfache Dinge unterhalten. Man

bräuchte also eine Künstliche Intelligenz

für mehr als ein Dutzend arabischer

Dialekte“, konstatiert Drißner.

Diese zu entwickeln kostet viel Zeit

und Geld. Eine logische Alternative

wäre, wie im Deutschen oder Englischen,

der Verzicht auf Dialekte bei

KIs für große Sprachgemeinschaften:

„Da die Grammatik des Hocharabischen

fast einer mathematischen

Logik folgt, wäreesprinzipiell

nicht wirklich schwierig, einer KI formales

Arabisch beizubringen.“

Das Problem: Die Standardsprache,

das sogenannte Hocharabisch,

spricht kein arabischer Muttersprachler

im Alltag. Selbst die korrekte

hocharabische Aussprache bereite

vielen Schwierigkeiten, da sie

Wörter so aussprechen, wie sie es

von ihren Dialekten kennen. „Die

korrekte Aussprache ist für Hocharabisch

aber von großer Bedeutung,

ebenso die korrekte Grammatik.“ Im

Arabischen gibt es zum Beispiel Zeichen

für die Vokalisation von Kurzvokalen,

sogenannte Diakritika, welche

die Semantik von Wörtern verändern

können und Sprachcomputer

vor Probleme stellen. Eine

Alternativewärelaut Drißner eine KI

für die großen Dialektgruppen:„Sehr

viele arabische Muttersprachler können

den ägyptischen Dialekt verstehen

und einfachste Sätze darin formulieren.“

Hoffnung für Analphabeten

GETTY IMAGES

Nach den Erfahrungen des Journalisten

können die jungen Leute in

der Oberschicht in den arabischen

Länderninzwischen Englisch häufig

besser als Arabisch, da sie auf internationale

Privatschulen gehen. Sie

bräuchten kein Arabisch, um mit

Sprachassistenten zu kommunizieren.

Andererseits sei ein Sprachassistent

für die einfachen Menschen in

den arabischen Ländern noch immer

Luxus.„Gerade für die ärmeren

Menschen, für jene also, die zum

Beispiel nicht lesen und schreiben

gelernt haben, würde ein Sprachassistent

enorm hilfreich sein –zumal

diese Technik das gesprochene Wort

in gedruckte Form bringen kann und

umgekehrt“, sagt Drißner.

Nach der Prognose des Kölner Instituts

für Handelsforschung (IFH)

werden die Bundesbürger in diesem

Jahr rund 68 Milliarden Euro für Einkäufe

im Internet ausgeben –knapp

neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit fällt der Zuwachs prozentual

etwas geringer aus als noch 2018. In

absoluten Zahlen veränderesich

aber kaum etwas am Wachstumstempo

des E-Commerces,betonte

das IFH. So stiegendie Online-Umsätze2017

um 5,5 Milliarden Euro,

2018 um 5,2 Milliarden. Und2019

wirdein Plus von5,4 Milliarden Euro

erwartet. Wachstumstreiber sind dabei

aktuell vorallem Konsumgüter,

aber auch die Bereiche Heimwerker

und Garten sowie Wohnen. (dpa)

Digitales Erbe: Wie

Internetnutzer vorsorgen

Waspassiertmit E-Mail-Konten, Social-Media-Accounts,Onlinebanking-Zugängen

oder persönlichen

Fotos in der Cloud, wenn man stirbt?

Über drei Viertel der deutschen Internetnutzer

(76 Prozent) haben darauf

bislang keine schlüssige Antwort.

Dabei sind sich 42 Prozent der Problematik

nicht bewusst, ein gutes

Viertel (27 Prozent) gibt an, zu wenige

Informationen zu haben, und

rund sieben Prozent ist die Beschäftigung

mit dem eigenen digitalen

Nachlass schlicht unangenehm. Nur

jeder Sechste (15 Prozent) gibt an,

zumindest bei einigen oder sogar allen

Online-Konten vorgesorgt zu haben.

Dassind die Ergebnisse einer

repräsentativen Umfrage im Auftrag

der deutschen E-Mail-Anbieter

Web.de und GMX. (dpa)

Nur wenige twitternzu

Rassismus im Fußball

DieDeutschen thematisieren das

Problem Rassismus im Fußball auf

Twitter nur selten. Zu diesem Ergebnis

kommt eine Auswertung der Online-Marketing-PlattformSEMrush.

DieExperten analysierten dafür die

internationalen Tweets im Oktober

2019, in denen sich User zum Thema

äußerten. Hintergrund der Analyse

sind die vermehrtauftretenden rassistischen

Vorfälle im Fußball der

vergangenen Wochen. So zählte

SEMrush nur 456 Postings deutscher

User zum Thema Rassismus im Fußball

aufTwitter.Inetwa zwölf Prozent

davon positionierten die Twitterer

sich explizit gegen Ausländerfeindlichkeit.

Nurein Prozent der Beiträge

war rassistisch gefärbt. Diegroße

Mehrheit der Tweets (87 Prozent) benutzt

eine neutrale Sprache. (dpa)

Revolte gegen das Establishment: die Serie

„Wir sind die Welle“ von Netflix NETFLIX

Neujahrsgrüße

Werseine Liebsten in der Silvesternacht mobil erreichen will, sollte sich richtig vorbereiten

AUSDER REDAKTION

Freitags

ab sechs

„Wir sind die Welle“: Bei dem Werk

handelt es sich im Gegensatz zu den

ersten beiden Empfehlungen um

eine Serie. Hier geht es nicht so sehr

um ein Experiment, sondern vielmehr

um eine Gruppe vonJugendlichen,

die sich einem charismatischen

und geheimnisvollen Mitschüler

anschließt, um gegen das

Establishment zu revoltieren. Es ist

natürlich nur eine Frage der Zeit, bis

die Aktionen ein wenig zu drastisch

werden. Diese frisch auf Netflix gestartete

sechsteilige Serieist sehr gut

besetzt und orientiert sich auf erfrischende

Weise an der Originalgeschichte

des Buches.

DieSerie ist bei Netflixzusehen.

Marcus Posimski hat amerikanische

Kultur mit

Schwerpunkt Film studiert.

VonKristina Thomas

Wer Neujahrsgrüße direkt um

Mitternacht absetzen möchte,

sollte immer noch mit streikenden

Mobilfunknetzen und Funklöchern

rechnen. Doch wie verhindert man,

dass Nachrichten erst Stunden später

eintrudeln?

In den ersten Minuten des neuen

Jahres sind vor allem in Ballungsgebieten

die Netze teils überlastet –

und auf dem Land sitzt man mitunter

im Funkloch. DieFolgen sind dieselben:

Handyanrufe sind unmöglich,

SMS können auch nicht verschickt

werden.

Überlastung in Ballungsgebieten

Undwer nicht gerade zufällig mit einem

WLAN verbunden ist, kommt

auch per Messenger oder Mail nicht

weiter.Womuss man mit einer Überlastung

der Mobilfunknetze rechnen?

In Ballungsgebieten, wo viel gefeiert

wird, wie am Brandenburger

Torkann das Funk- und Datennetz

nach null Uhr kurzzeitig überlastet

sein, erklärt Henning Gajek vomTelekommunikationsportal

Teltarif.de.

Auch Messenger-Dienste hätten

dann möglicherweise kurz Probleme,die

Masse an Nachrichten zu

bewältigen.

Laut Bernd Theiß vom connect-

Fachmagazin gilt das aber hauptsächlich

für Videonachrichten. Daher

sei es gerade in Ballungsgebieten

ratsam, in den ersten Minuten nach

Mitternacht nur Textnachrichten zu

versenden und gegebenenfalls auch

mal den Messenger-Dienst zu wechseln.

Wenn möglich, sollte man sich

500 Meter oder weiter von Menschenmengen

absetzen, rät Theiß.

Dann loggt sich das Handy vielleicht

in eine Funkzelle ein, die nicht überlastet

ist.

Um „Flaschenhälsen“ in den Mobilfunknetzen

aus dem Weg zugehen,

rät der IT-Branchenverband

Bitkom, Nachrichten vorzuschreiben

und als Entwurfabzuspeichern.

Hilfreich sei auch, vorabeine Versandliste

anzulegen für den Fall, dass

man mehreren Menschen Neujahrsgrüße

mit gleichem Wortlaut schicken

möchte. Soschlägt man zwei

Fliegen mit einer Klappe. Man kann

nicht nur pünktlich auf die Sekunde

mit einem Knopfdruck alle Kurznachrichten

abschicken. Man muss

auch nicht genau dann ins Handy

starren und tippen, wenn um einen

herum die Stimmung hochkocht.

Senden mit Zeitsteuerung

Terminversand: Die Möglichkeit,

Nachrichtenzeitgesteuertzuversenden,

bieten viele Anbieter,Apps oder

Dienste an. Egal, wo man Mobilfunk-Kunde

ist: Die beste Abde-

ckung bieten alle drei Netzbetreiber

derzeit mit ihren Netzen der vierten

Mobilfunkgeneration (4G oder LTE),

erklärt Bernd Theiß. Weralso einen

Tarif mit LTE-Nutzung hat, verringert

zumindest grundsätzlich sein

Funkloch-Risiko –und das natürlich

nicht nur Silvester.

Werdaheim oder bei Freunden zu

Hause feiert, kann seine Messenger-

Nachrichten und E-Mails am zuverlässigsten

perWLAN verschicken, rät

Henning Gajek. Öffentliche WLAN-

Netze seien hingegen in den ersten

Minuten des Jahres oft auch überlastet.

Undwer seine Neujahrsgrüße telefonisch

loswerden möchte, habe

mit dem Festnetz-Telefon – sofern

vorhanden –immer noch die besten

Karten.

Noch ein Tipp: Die Dual-SIM-

Funktion des Handys nutzen und es

mit SIM-Karten verschiedener Netzbetreiber

ausrüsten.

Berlin Mitte,

der Podcast

von

Jochen Arntz

Jetzt gibt’s unter www.berliner-zeitung.de

auch was zum Hören –direkt

aus der Chefredaktion. „Berlin

Mitte“ heißt der Podcast, in dem ich

Ihnen jeden Freitag ab sechs Uhr

morgens Neues aus der Redaktion

und Neues aus Berlin präsentiere.

Diesmal spreche ich mit unserem

Polizeireporter Philippe Debionne

über den Mord an Richardvon Weizsäckers

Sohn Fritz und das Tatmotiv.

Wirhören uns,

Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur

bei Twitter @JochenArntz


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

5.15 Brisant 5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm der Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Wer weiß

denn sowas? 18.50 (für HG) Quizduell-Olymp

19.45 (für HG) Sportschau vor acht 19.50 (für

HG) Wetter /Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Weingut Wader –

Nur zusammen sind wir stark

Familienreihe, D2019. Henriette

Richter-Röhlalias Anne Wader steht vor

einer Herausforderung: Als Chefin muss

sie eine Pleite des Weinguts abwenden.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort: Ihr werdet gerichtet

Krimireihe, D2015. Mit Stefan Gubser

23.30 (für HG) Zorn –Wie sie töten

Krimireihe, D2016. Mit Stephan Luca,

Axel Ranisch

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

9.30 (für HG) Alles was zählt 10.00 RTL-Spendenmarathon

2019 10.05 Der Blaulicht Report

11.00 RTL-Spendenmarathon 2019 11.05 Der

Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 RTL-Spendenmarathon

2019 14.05 Die Superhändler –4Räume, 1

Deal 15.00 RTL-Spendenmarathon 2019 15.05

Schätze aus Schrott 16.00 RTL-Spendenmarathon

2019 16.05 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 RTL-Spendenmarathon 2019 17.05

Herz über Kopf 17.30 Unter uns 18.00

RTL-Spendenmarathon 2019 –Das Finale 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell /

Wetter 19.05 (für HG) Alles was zählt 19.40 (für

HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 (für HG) Ninja Warrior Germany –

Promi-Special

Spielshow. Zum dritten Mal treten 21

Promis im harten TV-Parcours an. Sie

erkämpfen Geld für die RTL-Stiftung „Wir

helfen Kindern e.V.“.

23.55 RTL-Spendenmarathon 2019

Wir helfen Kindern

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 (für HG) Ninja Warrior Germany –

Promi-Special

3.40 Der Blaulicht Report

Reality-Soap

MDR

12.25 Das Sandmännchen–Abenteuer im

Traumland. Animationsfilm, D/F 2010 13.40

Sandmännchen als Ehrengast 13.58 (für HG)

MDR aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2 15.15

(für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR

um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Elefant, Tiger &Co. 20.15 (für HG) Die Schlager

des Jahres 22.30 (für HG) MDR aktuell 22.45

(für HG) Riverboat 0.43 MDR aktuell

Bayern

12.40 Fuchs und Gans 13.30 (für HG) Verrückt

nach Zug 14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45

(für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir in Bayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Unser

Land Extra 20.00 (für HG)Tagesschau 20.15 (für

HG) Hubert und Staller 21.05 (für HG) Hubert

und Staller 21.55 (für HG) Rundschau Magazin

22.10 Harry G–Live auf der Bühne! 22.55 Für

eine Handvoll Dollar. Italowestern, I/E/D 1964

0.30 (für HG) Betrogen. Drama, USA 1971

Vox

5.15 CSI: NY 6.00 CSI: NY 6.55 CSI: Den Tätern

auf der Spur 7.50 CSI: Den Tätern auf der Spur

8.45 Verklag mich doch! 9.45 Verklag mich

doch! 10.50 Vox Nachrichten 10.55 Mein Kind,

dein Kind 11.55 Shopping Queen 12.55

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind 15.00 Shopping Queen 16.00 4

Hochzeiten und eine Traumreise 17.00 Zwischen

Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für

zwei 19.00 Das perfekteDinner 20.00

Prominent! 20.15 Ready to beef 21.15 (für HG)

Kitchen Impossible 0.55 Vox Nachrichten

Super RTL

13.45 Bugs Bunny &Looney Tunes 14.10

Angelo! 14.40 Dragons 15.05 Ninjago 15.40

Alvinnn!!! 16.05 Sally Bollywood 16.35 Barbie

–Traumvilla-Abenteuer 17.05 Grizzy &die

Lemminge 17.30 Angelo! 18.10 Weihnachtsmann

&Co. KG 18.40 Woozle Goozle und die

Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 19.15 Novelmore –Die Invictus

19.40 Super Toy Club 20.15 (für HG) Die

Schneekönigin –Feuer und Eis. Animationsfilm,

RUS 2016 21.55 (für HG) CSI: Miami 22.55 (für

HG) CSI: Miami 0.00 Infomercials

Sport1

5.45 Sport Clips 6.00 Teleshopping 15.30 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher. Doku-Soap 17.30

Container Wars. Doku-Soap. Je größer, desto

besser /Outdoor Abenteuer 18.30 Sport1 News

19.00 FC Bayern Inside 19.30 Fußball. VIKTORIA

–Böse Geister 20.00 Die PS Profis –Mehr Power

aus dem Pott. Doku-Soap 22.00 Sport1 News

22.30 Sky Sport News HD: Die 2. Bundesliga

23.30 Der bet-at-home.com Quotentalk 23.40

Sport1 News Live 0.00 Sport Clips

ZDF

5.15 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) Soko Wismar. Eigenheim 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Tödliche Märchenstunde 17.00 (für

HG) heute 17.10 (für HG) hallo deutschland

17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Wien. Auf der Flucht 19.00 (für HG) heute /

Wetter 19.25 (für HG) Bettys Diagnose. Abschied

20.15 (für HG) Der Kriminalist

Krimiserie.Unsterblich. Stefan Bergmann

liegt erschlagen in der Badewanne seines

Lofts. Von der Tatwaffe keine Spur. Blüten

und Kerzen um den Tatort künden von

einer Zeremonie. Was wurde gefeiert?

21.15 (für HG) Soko Leipzig

22.00 (für HG) heute journal

22.30 (für HG) heute-show

23.00 aspekte

23.45 heute+

0.00 (für HG) Neo Magazin Royale mit Jan

Böhmermann

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Moderation:

Matthias Killing, Alina Merkau. Zu Gast: Paulina

Krasa 10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Reality-Soap 11.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

Reality-Soap 12.00 Anwälte im Einsatz.

Reality-Soap 13.00 Anwälte im Einsatz.

Reality-Soap 14.00 Auf Streife. Reality-Soap

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reality-Soap

16.00 Klinik am Südring.Doku-Soap 17.00

Klinik am Südring –Die Familienhelfer.

Doku-Soap 17.30 Klinik am Südring /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 Die Ruhrpottwache

19.00 Genial daneben –das Quiz. Quizshow

19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Dancing onIce

Gemeinsam mit ihren Partnern trainieren

Jenny Elvers, Klaudia mit K, Lina Larissa

Strahl, Nadine Angerer, Nadine Klein, Peer

Kusmagk, Joey Heindle, Eric Stehfest und

André Hamann für die nächste Live-Show.

0.00 Vorschrift ist Vorschrift

Zu Gast: Ruth Moschner, Pierre M.

Krause, Matze Knop, Sonja Zietlow

1.00 Switch reloaded

Comedyshow

1.25 Switch reloaded

Comedyshow

WDR

10.25 Regionales 10.55 (für HG) Planet Wissen

11.55 Nashorn, Zebra &Co. 12.45 (für HG)

WDR aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger &Co.

13.55 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für

HG) Tierärztin Dr. Mertens 16.00 (für HG) WDR

aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

WDR aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Ausgerechnet 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der beste Chor im Westen 21.45

(für HG) WDR aktuell 22.00 (für HG) Kölner Treff

23.30 Domian live 0.30 (für HG) Kölner Treff

NDR

12.00 (für HG) Brisant 12.25 (für HG) In aller

Freundschaft 13.10 (fürHG) In aller Freundschaft

–Die jungen Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) NDR Info 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) Hofgeschichten 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) die nordstory 21.15 (für HG)

Morddeutschland 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) NDR Talk Show 0.00 Tietjen talkt

Kabel eins

5.00 K1 Magazin 5.55 Blue Bloods 6.40 Blue

Bloods 7.35 Blue Bloods 8.35 Blue Bloods 9.30

(für HG) Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00 (für HG)

Castle 13.55 (für HG) The Mentalist 14.50 (für

HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns drum 20.15

Navy CIS 21.15 Navy CIS 22.15 Navy CIS: New

Orleans 23.10 (für HG) Navy CIS: L.A. 0.05 Navy

CIS 0.55 kabel eins late news 1.00 Navy CIS

RTLZWEI

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Station B1 –Kinderärzte mit Herz 15.00

Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.05 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Chappie. Science-Fiction-Film,

USA/MEX 2015 22.35 Kill Command –Die

Zukunft ist unbesiegbar. Science-Fiction-Film, GB

2016 0.25 Dead Rising. Horrorfilm, USA 2015

Eurosport 1

8.25 Motorsport 8.55 Motorsport. Formel E.

Qualifikation, live 10.10 Ski Alpin 10.55 Ski

Alpin 11.45 Motorsport 13.00 Motorsport.

Formel E. 1. Saisonrennen, live 14.00

Skispringen 17.55 Skispringen.FIS Weltcup.

Qualifikation (HS 134), live 19.10 Fußball.

Flyeralarm Frauen-Bundesliga: 1. FFC Frankfurt –

Hoffenheim, live 21.10 Fußball 21.25

Nachrichten 21.30 Judo 22.55 Nachrichten

23.00 Fußball. Flyeralarm Frauen-Bundesliga

23.55 Nachrichten 0.00 Motorsport

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR FAMILIENREIHE

Weingut Wader

Für die Pfälzer Winzerin Anne (Henriette Richter-Röhl) kommt es als

neue Chefin des Weinguts Wader von Beginn an knüppeldick. Zunächst

schafft sie es nur mit Mühe,bei einem Frosteinfall ihreReben zu retten,

dann schließt die Aufsichtsbehörde ihren Betrieb knallhartwegen Betrugsverdacht.

Erst wenn geklärtist, ob 3000 Liter Wein unter der Hand verkauft

wurden und werden Rotwein in den Tanks überschwefelt hat, können

Produktion und Verkauf weitergehen. Nurwenn Annes Mutter für die Fehler

unter ihrerLeitung einsteht, gibt es einenAusweg fürdie Situation. Unterdessen

mussAnnes 17-jährige,blinde Tochter Tori,diemitihrem Freund nach

Mannheim ziehen und Musik studieren will, eine schwere Enttäuschung

verkraften. Nachdem er ausgestiegen ist, stellt Tori ihregroße Liebe infrage.

(D/2019)

Foto: ARD

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AUFLÖSUNG

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RBB

5.30 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb

7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG)

In aller Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen

11.20 (für HG) Sturm der Liebe 12.10 (für HG)

Julia –Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24

13.10 (für HG) Verrücktnach Fluss 14.00 (für

HG) Als meine Frau mein Chef wurde. Romanze,

D2013 15.30 (für HG) Tiere bis unters Dach

16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG)

Panda, Gorilla &Co. 17.50 (für HG) Unser

Sandmännchen Wunschfilm 18.02 rbb UM6

18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) 60 Jahre süße Träume

Heute vor 60 Jahren nahm eine

Erfolgsstory ihren Anfang: Am 22.

November 1959 wurde im damaligen

Deutschen Fernsehfunk erstmals „Unser

Sandmännchen“ausgestrahlt.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 Das Beste von Herricht &Preil

22.45 (für HG) Riverboat

Talkshow

0.45 (für HG) 60 Jahre süße Träume

Mit dem Sandmanndurch die Zeit

2.15 Sandmann nach Mitternacht (1/6)

ProSieben

5.10 2Broke Girls 5.30 The Middle 6.10 (für

HG) Two and aHalf Men 7.35 (für HG) The Big

Bang Theory 8.55 (für HG) How IMet Your Mother

10.40 Fresh Off the Boat 11.05 Mike &Molly

11.30 2Broke Girls 12.30 Mom. Sitcom. Brunch

der Erkenntnis /Der Zeh im Lady-Pool 13.20 (für

HG) Two and aHalf Men. Sitcom. Der Kirchenbesuch

/Ich hab deinen Schnurrbart gefunden /

Hopp, auf den Tisch 14.40 The Middle.

Comedyserie.Die Auszeichnung /Die Urlaubstage

15.35 (für HG) The Big Bang Theory. Sitcom.

Jodeln für Nerds /Onkel Doktor Cooper /Keine

hübschen Frauen! 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 (für HG) Die Simpsons. Freaks in der

Manege /Nichts bereuen 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Pirates of the Caribbean

–Fremde Gezeiten

Abenteuerkomödie,USA/GB 2011. Jack

Sparrow wird von König George II.

beauftragt, die sagenhafte Quelle der

ewigen Jugend zu finden.

23.00 (für HG) John Wick

Actionfilm, USA 2014. Mit Keanu Reeves,

Willem Dafoe

0.55 Street Kings

Thriller, USA 2008. Mit Keanu Reeves,

Forest Whitaker

2.50 Watch Me –das Kinomagazin

Arte

10.25 Auf der Fährte des Schneeleoparden

11.20 Sibirien –Büffeln in der Tundra 12.15 Re:

12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst

14.00 Die schwarze Tulpe. Abenteuerfilm, F/I/E

1963 15.50 (für HG) Geheimnisvolle Wildblumen

16.45 (für HG) Xenius 17.10 Amerika mit David

Yetman 17.40 Botswana, die Königinnen des

Heavy Metal 18.30 (für HG) Die Schule der Affen

19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15 (für HG)

Jack. Drama, D2014 21.50 Hinter die Welt –Tokio

Hotel 22.50 Seven Songs 23.10 Tracks

23.55 Dans le Club 0.55 Arte Journal

3Sat

11.30 (für HG) Stöckl. 12.30 (für HG) Sehen

statt Hören 13.00 (für HG) ZIB 13.20 (für HG)

Zugvögel 14.05 (für HG) Zugvögel 14.50 (fürHG)

Kielings wildes Afrika 15.35 (für HG) Wie

Elefantendenken 16.20 (für HG) Affenwelten

(1-3/3) 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die Akte BND –Waffengeschäfte

deutscher Reeder 21.00 makro 21.30

auslandsjournal extra 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 (für HG) The Way Back –Der lange Weg.

Abenteuerfilm, USA/PL 2010 0.25 (für HG) Zapp

Phoenix

5.15 (für HG) Die Deutschen und die Polen –Die

Geschichte einerNachbarschaft 6.45 Polen 39

7.30 Das Erbe der Treuhand 8.15 Das Erbe der

Treuhand 9.00 phoenix vor ort 9.30 Großbritannien

vor der Wahl 10.00 phoenix vor ort 10.30

phoenix vor ort. CDU-Parteitag 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 BrasiliensKüsten. Doku-

Reihe. Amazonien /Nordeste /Osten 22.30

Avocado 23.00 phoenix der tag 23.50 augstein

und blome. Hongkong brennt: Deutscher Kotau

vor China? 0.00 phoenix persönlich 0.30

augstein und blome

Kika

13.45 (für HG) Die Zeitfälscherin 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Tinkas

Weihnachtsabenteuer 15.25 (für HG) Schneewelt

15.50 (für HG) Mascha und der Bär 16.00 (für

HG) Mascha und der Bär 16.05 (für HG) Chi Rho

16.50 Peter Pan –Neue Abenteuer 17.35 (für

HG) Der kleine Prinz 18.00 Ein Fall für die

Erdmännchen 18.15 Esme &Roy 18.35 (für HG)

Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? 18.47

Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen 19.00

Sherazade 19.25 (für HG) logo! 19.30 Alfie,der

kleine Werwolf. Abenteuerkomödie,NL/B2011

Dmax

5.40 Outback Inferno 6.00 Die Aquarium-Profis

6.55 Infomercial 8.55 Hardcore Pawn 9.25

Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 Die Zwangsvollstrecker 12.15

Steel Buddies 13.15 Airplane Repo 14.15

Australian Gold 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Steel Buddies 18.15 A8 –Abenteuer

Autobahn 19.15 Deutschland 24/7 20.15

Alaskan Bush People 21.15 Yukon Men 22.15

Die Angelbuddies 23.15 DMAX News 23.18

Hurricane Man 0.15 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin

9.00 Tagesschau-Nachrichten 9.15 Zapp 9.45

Shift 10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 que

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Mex –Das Marktmagazin 20.00

Tagesschau 20.15 Gegen den Hass 21.00

Tagesschau 21.02 London Calling 21.45 Extra

22.00 Tagesthemen 22.15 mehr/wert 22.45

Shift 23.00 Tagesthemen 23.15 Euroblick 23.4

Tagesschau vor 20 Jahren 0.00 Tagesthemen

0.15 Fakt ist! Talkshow 1.15 Tagesschau 1.25

mehr/wert 1.54 Extra 2.00 Tagesschau 2.10

MDR Sachsen-Anhalt Heute

ONE

5.20 Um Himmels Willen 6.10 Hubert und

Staller 7.00 Bauerfeind –Die Show zur Frau 7.1

Brisant 7.50 Eltern und andere Wahrheiten. Fam

lienfilm, D2017 9.20 Brisant 10.00 Hot in

Cleveland 10.20 Hot in Cleveland 10.40

Lindenstraße 11.10 Hubert und Staller 12.00

Sturm der Liebe 13.35 Um Himmels Willen

14.25 Party of Five 15.50 Hubert und Staller.

Krimiserie 16.40 Hot in Cleveland 17.20

Lindenstraße 17.50 Hart aber herzlich 18.40

Sturm der Liebe 20.15 Nuhr im Ersten 21.00

Jürgen –Heute wird gelebt. Komödie, D2017

22.30 Grand Hotel 23.15 Grand Hotel 0.00

Lifjord –Der Freispruch 3.00 Hot in Cleveland

ZDF NEO

5.45 Gätjens großes Kino 6.00 Nix Festes 6.30

Candice Renoir 7.20 Candice Renoir 8.10

Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45

(für HG) Bares für Rares 10.40 (für HG) Bares fü

Rares 11.30 Bares für Rares 12.15 (für HG)

Monk 12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych 14.15

Psych 15.00 (für HG) Monk 15.40 (für HG)

Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für HG)

Bares für Rares 18.35 Bares für Rares 19.20 (fü

HG) Bares für Rares 20.15 Death in Paradise

21.05 Death in Paradise 22.00 Death in

Paradise 22.50 Countdown Copenhagen II

23.35 Silent Witness 0.30 Silent Witness 1.20

Silent Witness 2.10 Silent Witness

ZDF INFO

10.45 Falsche Geständnisse –Verhört, erpresst,

verurteilt 11.30 Police Patrol 12.15 Das

errechnete Verbrechen –Die Polizeiarbeit der

Zukunft 13.00 (für HG) Der Austauschcop 13.30

(für HG) Atlantis der Nordsee 14.15 (für HG)

Geisterschiff im Wattenmeer 15.00 Aufgedeckt:

Geheimnisse des Altertums 15.45 Aufgedeckt

–Rätsel der Geschichte 18.00 (für HG) Das

Jahrhundertwrack –Sensationsfund in der Ostsee

18.45 Geniale Rivalen 19.30 Uran –Das

unheimliche Element 21.00 ZDF-History 22.30

Die Atommüll-Lüge 23.15 Super-GAU Tschernobyl

–Sarkophag für die Ewigkeit? 0.00

Oppenheimers Höllenfeuer

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Live aus dem Anhaltischen Theater

Dessau. Heinz Tiessen: Rondo G-Dur op. 21 /

Benjamin Britten: Serenade op. 31 /Arvo Pärt:

„Cantus in memoriam Benjamin Britten“ /Ludwi

van Beethoven: Sinfonie Nr. 4B-Dur op. 60

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Goldberg-Variationen Mit Clemens Goldberg. Z

Gast: der Tenor Daniel Johannsen, ca. 116 Min.

0.05 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) ARD

Nachtkonzert Joseph Haydn: Symphonie Nr. 10

D-Dur –„Salomon“ /Pavel Haas: Bläserquintett,

op. 10 /Claude Debussy: „Printemps“ /

Wolfgang Amadeus Mozart: Violinkonzert G-Dur,

KV 216 /Paul Hindemith: „Messe 1963“,

ca. 115 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles –

eine Ehe in Briefen(5/20). Von Theodor Fontane

Gelesen von JenniferAntoni und Max von

Pufendorfsowie Thomas Thieme als Erzähler,

ca. 30 Min.

0.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mitternachtskrimi Furor. Von Lutz Hübner und

Sarah Nemitz. Regie: Stefan Kanis, ca. 55 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Hörspiel Die Jahre aus Gold und Eis (3&4). Von

Tom Peuckert. Folge 3: Gründerzeit /Folge 4:

Gewinne und Verluste,ca. 56 Min.

MAGAZIN

18.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Wortwechsel Ein Fossil am Ende. Der deutsche

Kohleausstieg und seine Folgen. Moderation:

Annette Riedel, ca. 55 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen Literatur. Damals hinterm Mond.

Literarische Innenansichtender alten Bundesrepublik.

Von Ralph Gerstenberg, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Musikfeuilleton Zum zweiten Mal ein Kind. Die

Entdeckung der Kindheit in der Musik der

Romantik. Von Sabine Fringes, ca. 57 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Mit Susanne Papawassiliu. Chrissie

Hynde –wie schon viele bekannte Kolleginnen

und Kollegen vor ihr wendet sich die Pretenders-

Sängerin dem Jazz zu, ca. 30 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielraum Bluestime –Neues aus Americana,

Blues und Roots. Am Mikrofon: Tim Schauen,

ca. 45 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 272 · F reitag, 22. November 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Andreas Gabalier (35) wollte mit seinem

ersten Hitgar nicht berühmt

werden. DasLied „Soliab hob idi“

war vorzehn Jahren vielmehr dazu

gedacht, seine damalige Ex-Freundin

zurückzugewinnen. „Ich wollte

damit nicht Superstar werden, sondernhegte

die verzweifelte Hoffnung,

dass sie zu mir zurückkehren

wird“, so der österreichische Schlagersänger.Ja,

manchmal müssen sie

einfach raus,die Gefühle.

Donato Toma (61) macht ein verlockendes

Angebot. Wersich in der

entvölkerten italienischen Region

Molise südöstlich vonRom niederlässt,

dem winkt bares Geld. „Wir

zahlen 700 Euro proMonat, und das

drei Jahrelang“, sagt der Regionalpräsident.

Cool, und was steht im

Kleingedruckten? DerNeubürger

muss in ein Dorfmit weniger als

2000 Einwohnernziehen, und das

für mindestens fünf Jahre. Er muss

dortauch ein Unternehmen gründen

oder ein Gebäude als Wohnhaus

sanieren. Vonnichts kommt nichts!

Ariana Grande (26) wirbt für den demokratischen

US-Präsidentschaftskandidaten

Bernie Sanders.Auf Instagram

und Twitter postete die Sängerin

Fotos mit dem 78-Jährigen,

den sie backstage getroffen hatte,

und schrieb dazu: „Mein Mann.“ Sie

danke ihm für alles,wofür er stehe.

Prominente Unterstützung im jungen

Wählersegment –eskönnte

schlechter laufen für Sanders. (avo.)

TIERE

In Cookham westlich von London

halten Alpakas die Augen offen. DPA

Bodyguard: Aufdieser Farm in England

sind Alpakas für den Schutz von

Truthähnen zuständig. Dieflauschigen

Kamele sind nicht nur höchst dekorativ,sondernauch

effizient. Ihr

Plüschfell sollte nicht darüber hinwegtäuschen,

dass Alpakas eine

wehrhafte Abneigung gegen Raubtiereund

deren bisweilen besitzergreifendesWesen

hegen. Also halten

sie die Füchse in Schach, die es auf die

Truthähne abgesehen haben. Die

Freude der Hühnervögel ist allerdings

–Sie ahnen es –nur vonkurzerDauer.

Stichwort: Christmas Turkey. (avo.)

Der offiziellen Sprachregelung zufolge trat er von seinen Ämternzurück, doch eigentlich hat seine Mutter,die Queen, ihn gefeuert: Prinz Andrew.

Der Prinz im Skandal-Strudel

Seine Freundschaft zum verstorbenen Millionär Epstein bringt Prinz Andrew zunehmend in Erklärungsnot

VonKatrin Pribyl, London

Prinz Andrew winkte und lächelte,

als er am Donnerstagmorgen

in seinem Bentley

sein Zuhause in Windsor

verließ und sich in Richtung London

aufmachte, woerspäter seine

Mutter im Buckingham-Palast treffen

sollte. Eswar eine kleine Showeinlage

für die wartenden Fotografen.

Denn zum Lachen dürfte dem

59-Jährigen keineswegs zumute

sein. Undobesinder aktuellen Krise

hilft, in seinem 170 000 Pfund teuren

Sportwagen aufzutauchen, wenn die

Frage nach der Sinnhaftigkeit und

Finanzierung der Royals aus der

zweiten Reihe zunehmend lauter gestellt

wird, sei einmal dahingestellt.

Aussage in den USA

Die BBC hat für die kommenden

Tage weitere Berichtemit

Aussagen eines weiteren

mutmaßlichen Epstein-Opfers

angekündigt.Epsteinwar

im Augusttot aufgefunden

worden. Ermittler werfen ihm

vor, über Jahre hinweg minderjährigeMädchen

missbraucht

und zur Prostitution

gezwungen haben.

Der Herzog von York gerät nämlich

immer tiefer in den Strudel des Missbrauchsskandals

um den mittlerweile

toten US-Geschäftsmann Jeffrey

Epstein, mit dem der Prinz befreundet

war. Nun haben die Royals

Konsequenzen gezogen, nachdem

die Empörung und vernichtende

Kritik über das von ihm gegebene

Katastrophen-Interview am vergangenen

Wochenende nicht abrissen.

Prinz Andrew legte seine öffentlichen

Aufgaben für die Königsfamilie

bis auf weiteres nieder.

Er habe „Ihre Majestät gebeten,

auf absehbare Zeit von öffentlichen

Aufgaben zurücktreten zu dürfen“,

erklärte der zweitälteste Sohn vonKönigin

Elizabeth II. am Mittwochabend.

Ihm sei in den vergangenen

Tagen klar geworden, dass seine Bekanntschaft

mit dem verurteilten Sexualstraftäter

zu einer„großen Ablenkung“

für die Arbeit der Königsfamilie

und jene in den Organisationen und

Vereinen, die er „mit Stolz“ unterstützt

habe,geworden sei. DieQueen

habe dem Anliegen zugestimmt.

Natürlich handelte es sich lediglich

um eine formelle Freundlichkeit

in dem Schreiben. Es war praktisch

die Monarchin, die ihren Sohn als

Repräsentant der Windsors gefeuert

hatte. Medienberichten zufolge passierte

das in Absprache mit Thronfolger

Prinz Charles. Der Druck war

zu massiv geworden nach dem umstrittenen

Fernsehinterview am Wochenende,

das von Prinz Andrew eigentlich

als Befreiungsschlag gedacht

war. Dieser Versuch ist grundlegend

misslungen. Das Gegenteil

trat ein: Es handelte sich um ein einziges

PR-Desaster.

BELASTENDES MATERIAL

Jeffrey Epstein hatte gute

Kontakte zu Politikernund

Prominenten, darunter auch

US-Präsident Donald Trump.

Die Zeugin Virginia Giuffre

hatte ausgesagt, als 17-Jährigebei

drei Gelegenheiten

zum Sex mit Prinz Andrewgezwungen

worden zu sein.

Dies wies der Prinz im Fernsehinterviewzurück.

Ein Foto aus der Zeit zeigt allerdings

Prinz Andrew(59)

mit Virginia Giuffre im Arm,

ein anderes zeigt den zweitältesten

Sohn vonKönigin

Elizabeth II. im Jahr 2008

bei einem Spaziergang mit

Epstein –zueinem Zeitpunkt,

als dieser bereits wegenSexualstraftaten

verurteilt

worden war.

AFP/ JOHN THYS

Insbesonderedie Tatsache,dass er

weder Mitleid mit den Opfern von

Epstein noch Reue zeigte, löste auf

der Insel Entrüstung aus.Mehrere Firmen

und Universitäten zogen Konsequenzen

aus der möglichen Verwicklung

des Prinzen in den Missbrauchsskandal

und seinen Umgang damit.

Sie kündigten ihre Zusammenarbeit

mit dem Herzog vonYorkauf. Zudem

stoppten einige Sponsoren ihre Unterstützung

für Projekte, für die Andrew

als Schirmherr fungierte.

Für den Prinzen geht es jetzt vor

allem umSchadensbegrenzung. So

stellte er erstmals in Aussicht, bei der

Polizei in den USA auszusagen.

„Selbstverständlich bin ich bereit,

mit jeder angemessenen Ermittlungsbehörde

zusammenzuarbeiten,

wenn es notwendig sein sollte“,

so der Herzog von York. Mit dem

jüngsten Statement versuchte Andrew,

den Eindruck zu korrigieren,

den die Zuschauer am Wochenende

von ihm erhielten. Er bedauere uneingeschränkt

seine Verbindung zu

Epstein und habe „tiefes Mitgefühl“

mit dessen Opfern, hieß es jetzt.

Während des Interviews hatte er

noch auf die Frage,obersich schäme

für seine Freundschaft mit dem verurteilten

Sexualstraftäter, geantwortet,

er bedauere, dass Epstein sich offensichtlich

„unziemlich“ verhalten

habe. Unziemlich? Großbritannien

reagierte fassungslos.

Opferanwältinnen erhöhen Druck

Es galt als der Moment, der die groteske

Diskrepanz zwischen der Sprache

und dem Gebaren des 59-Jährigen

auf der einen Seite und der

Schwere der Vorwürfe gegen ihn sowie

gegen seinen Freund Jeffrey Epstein

auf der anderen Seite zusammenfasste.Von

dem Missbrauch will

Prinz Andrew weiterhin nichts gewusst

haben.

Unterdessen steigt der Druck auf

ihn: Opferanwältinnen drängen den

britischen Prinzen zu einer Aussage.

DerPrinz solle nicht nur zu den strafrechtlichen

Ermittlungen des FBI

beitragen, sondern auch in Zivilklagen

eidesstattliche Erklärungen abgeben

und Beweismittel zur Verfügung

stellen, sagte die US-amerikanische

Anwältin Lisa Bloom, die fünf

mutmaßliche Epstein-Opfer vertritt,

der BBC. Dazu gehörten auch E-

Mails, Kalender, Reisepläne und die

Erlaubnis, dass seine Mitarbeiter

aussagen. Bloom deutete sogar an,

sie könne versuchen, eine Aussage

Andrews zu erzwingen.

Polizei-Mitarbeiter unter

Kinderpornografie-Verdacht

Gegen einen Mitarbeiter der Polizei

in Paderbornwirdermittelt, weil er

kinderpornografisches Material besitzen

soll. EinSprecher der Staatsanwaltschaft

Detmold sagte am

Donnerstag, es werde„wegen Kinderpornografie

gegen einen Regierungsbeschäftigten

der Kreispolizeibehörde

Paderborn“ ermittelt. Die

Polizei in Paderbornteilte mit, der

Mitarbeiter sei mit sofortiger Wirkung

freigestellt worden. DerMann

sei in der Direktion Kriminalität als

IT-Ermittlungsunterstützer eingestellt

worden. DieDirektion Kriminalität

sei auch mit der Bekämpfung

vonAbbildungen sexuellen Kindesmissbrauchs

befasst. (dpa)

Fünf Tote bei Explosionen in

Feuerwerksfabrik in Italien

BeiExplosionen in einer italienischen

Feuerwerksfabrik sind fünf

Menschen ums Leben gekommen.

DasUnglück ereignete sich am Mittwoch

im Werk der in Italien bekannten

FirmaCosta auf Sizilien und der

angrenzenden Lagerhalle.Erste Erkenntnisse

wiesen darauf hin, dass

das Unglück durch Schweißarbeiten

ausgelöst wurde. (AFP)

Moderator Walter Freiwald

gestorben

Erst Anfang November hatte er seine

Krebserkrankung öffentlich gemacht. DPA

DerFernseh-Moderator Walter Freiwald

ist tot. Freiwald, der vorallem

mit der Sendung „Der Preis ist heiß“

bekannt geworden war,starb am

Sonnabend im Alter von65Jahren,

wie seine WitweamMittwochabend

bestätigte.„Am 16.11.2019 hat er den

Kampf gegen den Krebs verloren.

Sein Lebenswerkals Moderator und

Entertainer,wie auch als liebender

Ehemann und Familienvater bleibt

unvergessen“, hieß es in einer Stellungnahme

auf den Social-Media-

Kanälen Freiwalds.Freiwald hatte

über viele Jahrebei RTLShop moderiertund

galt als Teleshopping-Urgestein.

Vielen ist auch sein Mitwirken

in der RTL-DschungelshowAnfang

2015 in Erinnerung. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute kommt bei mitunter bewölktem Himmel hin und wieder die Sonne

über uns hervor. Eswerden Höchstwertevon 9bis 12 Grad erreicht, und

der Wind weht schwach aus Südost. In der Nacht wird der Himmel gelegentlich

von Wolken verdeckt. Dabei ist mit Tiefsttemperaturen von 7bis

4Grad zurechnen.

Biowetter: In der aktuellen Luftmasse

fühlen sich viele Menschen

unwohl. Der gesunde Tiefschlaf verläuft

gestört. Kreislauf und Blutdruck

sind mitunter Schwankungen 5°/9°

Wittenberge

unterworfen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 8µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 17 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 39 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 91%

Gefühlte Temperatur: maximal 10Grad.

Wind: leichter Wind aus Südost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

4°/10° 6°/10°

Luckenwalde

3°/10°

Prenzlau

7°/10°

Cottbus

5°/12°

Sonnabend

Sonntag

Montag

bedeckt heiter stark bewölkt

7°/11° 2°/7° 2°/7°

Frankfurt

(Oder)

7°/11°

Mit südlichen Winden kommt in höheren Luftschichten etwas mildere Luft nach

Zentraleuropa. Dies ist zwischen der Küstenregion und Südskandinavien mit

etwas Regen verbunden. Ein Tief über der Biskaya ist für teils heftige Regenfälle

rund um die Iberische Halbinsel verantwortlich.

Köln

3°/9°

Sylt

2°/8°

Saarbrücken

3°/8°

Hannover

2°/8°

Konstanz

1°/8°

Hamburg

3°/8°

Erfurt

1°/7°

Frankfurt/Main

2°/7°

Stuttgart

3°/8°

Rostock

5°/9°

Magdeburg

3°/9°

Nürnberg

0°/6°

München

0°/7°

Rügen

6°/10°

Dresden

6°/10°

Deutschland: Heute gibt es nur stellenweise

Sonnenschein. Häufig überwiegen

dichte Wolken, und die

Temperaturen steigen am Tage auf

6bis 12 Grad. Nachts sinken die

Wertedann auf 7bis 1Grad. Der

Wind weht nur schwach aus südöstlichen

Richtungen. Morgen betragen

die Temperaturen maximal 7bis

12 Grad. Dazu zeigt sich der Himmel

stark bewölkt bis bedeckt. Nur gebietsweise

ist esfreundlich. Der

Wind weht schwach bis mäßig aus

östlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 8°-10°

Nordsee: 8°-11°

Mittelmeer: 14°-25°

Ost-Atlantik: 11°-17°

Mondphasen: 26.11. 04.12. 12.12. 19.12.

Sonnenaufgang: 07:40 Uhr Sonnenuntergang: 16:04 Uhr Mondaufgang: 01:35 Uhr Monduntergang: 14:42 Uhr

Lissabon

18°

Las Palmas

25°

Madrid

13°

Reykjavik


Dublin

10°

London

11°

Paris

11°

Bordeaux

12°

Palma

18°

Algier

21°

Nizza

15°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin

10°

Mailand

10°

Tunis

22°

Rom

15°

Warschau


Wien

12° Budapest

13°

Palermo

18°

Kiruna


Oulu


Dubrovnik

17°

Athen

21°

St. Petersburg


Wilna


Kiew

-4°

Odessa


Varna

11°

Istanbul

16°

Iraklio

21°

Archangelsk


Moskau

-3°

Ankara

14°

Antalya

20°

Acapulco 32° wolkig

Bali 31° wolkig

Bangkok 31° heiter

Barbados 29° Gewitter

Buenos Aires 27° wolkig

Casablanca 22° bewölkt

Chicago 4° wolkig

Dakar 28° sonnig

Dubai 26° sonnig

Hongkong 26° sonnig

Jerusalem 17° wolkig

Johannesburg 29° Schauer

Kairo 24° sonnig

Kapstadt 26° wolkig

Los Angeles 17° sonnig

Manila 32° wolkig

Miami 26° bewölkt

Nairobi 29° Gewitter

Neu Delhi 28° wolkig

New York 15° Regen

Peking 10° wolkig

Perth 26° wolkig

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 32° Gewitter

San Francisco 16° sonnig

Santo Domingo 26° bewölkt

Seychellen 30° Gewitter

Singapur 32° Gewitter

Sydney 26° Schauer

Tokio 13° Regen

Toronto 10° wolkig

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