architektur Fachmagazin Ausgabe 5/2020

architekturonline.com

architektur Fachmagazin Ausgabe 520

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

05

www.architektur-online.com

Juni/Juli 2020

Bauen für

morgen


www.architektur-online.com

3

Editorial

Bauen für morgen…

…das Leitthema dieser Ausgabe von architektur kann als selbstverständlich abgetan

werden – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die (nahe?) Zukunft

bauen wir. Welche Eigenschaften den Gebäuden dabei von ihren Entwicklern mitgegeben

werden, um fit für kommende Zeiten und Nutzungen zu sein, ist oft recht

unterschiedlich, wie die Projekte auf den folgenden Seiten zeigen.

Im oberösterreichischen Molln gestalteten Steinkogler

Aigner Architekten das Atriumhaus S unter den

Gesichtspunkten Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit,

damit seine Bewohner dort möglichst autonom alt

werden können.

Die Niederlande setzen progressiv auf eine Kreislaufwirtschaft

aller Bereiche. Das Building D(emountable)

ist die gebaute Antwort der Architekten cepezed: Es

lässt sich vollständig zerlegen und ebenso einfach

wieder aufbauen.

Das Cork House wieder basiert auf der Suche nach

einem innovativen Material für den nachhaltigen

Häuserbau: Dieses vereint - ganz aus Kork - Konstruktion,

Dämmung und Gestaltung in einem und

zeigt auf, wie energie- und ressourcenschonendes

Bauen in der Zukunft aussehen könnte.

Und im Ruhrpott haben Sigurd Larsen Design & Architecture

das jahrhundertealte Dortmanngut mit

ihrem Konzept eines übergroßen Raummöbels zu

neuem Leben erweckt. Dank der zurückhaltenden

Herangehensweise der Architekten wurde das denkmalgeschützte

Gebäude auch für nachkommende

Generationen fit gemacht.

Thematisch passend haben wir weitere Projekte

ausgewählt und auch die Schwerpunktthemen unter

dieser Sichtweise gestaltet. In der Licht-Rubrik

präsentieren wir das Beleuchtungskonzept einer

Transformation von einer ehemaligen Lagerhalle in

ein Designhotel. Unter EDV setzen wir uns mit dem

3D-Druck auseinander und im Produktbereich sind

wieder zahlreiche Innovationen zu finden.

Walter Laser


architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Architektur im Dienst des Menschen

Architekt und Urbanist Balkrishna Doshi

Magazin 10

Immer im Dorf zuhause 28

Atriumhaus S / Molln, Oberösterreich /

Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

Altehrwürdige Eleganz 34

Dortmannhof / Essen, Deutschland /

Sigurd Larsen Design & Architecture

Kork-Lego XXL 40

Cork House / Eton /

Matthew Barnett Howland

mit Dido Milne & Oliver Wilton

Nicht nur Fassade 46

Atlas Medical Office Building /

Hamedan, Iran

Raha Ashrafi, Marziah Zad,

Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei

(De- und Re-)Montiert 52

in die Zukunft

Building D(emountable) /

Delft, Niederlande / cepezed

Wald trifft Wasser 58

City of London Freemen‘s

School Swimming Pool

Surrey, Großbritannien / Hawkins\Brown

Restaurant- & Bararchitektur 64

Licht 74

Produkt News 76

edv 98

Additive Fertigung:

Drucken statt bauen

28 34

40

52 58

46

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at)

REDAKTION mag. arch. Peter Reischer, Alexandra Ullmann, Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck, Alexander Magyar

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 89,- / Ausland: € 109,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 59,- / Ausland: € 86,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

www.architektur-online.com


WIR SCHLIESSEN DEN KREISLAUF DES GESTEINS

REZYKLIERTES GESTEIN

ÖKOBETON

5

4

6

NASSAUFBEREITUNG

HOCHBAURESTMASSEN

1

3

BRECHEN

2

1 ANLIEFERUNG DER HOCHBAURESTMASSEN

Mineralische Baurestmassen, die zum Beispiel beim Abbruch von

Gebäuden anfallen, werden in unsere Annahmestellen angeliefert.

VORSORTIERUNG

2 VORSORTIERUNG

Entfernung von groben Verunreinigungen wie Holz, Metallen und

Kunststoffen im Zuge der Anlieferung. Diese werden händisch

aussortiert und einer Wiederverwertung zugeführt.

3 BRECHEN

Das vorsortierte Material wird mittels Brecher zerkleinert.

4 NASSAUFBEREITUNG & SIEBKLASSIERUNG

Das gebrochene Material wird gewaschen, klassiert (gesiebt) und

kleinste noch vorhandene störende Teile werden maschinell entfernt.

5 REZYKLIERTE GESTEINSKÖRNUNGEN

Mehr als 98% der Baurestmassen werden wiederverwendet und können

als zertifizierte Gesteinskörnungen dem Wertekreislauf erneut zugeführt

werden.

6 ÖKOBETON

Der Kreislauf schließt sich: Die aufbereiteten, gewaschenen und rezyklierten

Gesteinskörnungen werden zu zertifiziertem ÖKOBETON verarbeitet.

Ein nachhaltiger Baustoff mit hohen Produkt- und Qualitätsstandards ist entstanden.

ÖKOBETON - der Baustoff für nachhaltiges Bauen


architektur FACHMAGAZIN

6

architekturszene

© Vastushilpa Foundation, Ahmedabad © Vastushilpa Foundation, Ahmedabad

Balkrishna Doshi, Wohnsiedlung Aranya, Indore, 1989

Balkrishna Doshi, Architekturbüro Sangath,

Ahmedabad, 1980

Architektur im

Dienst des Menschen

Einer der wichtigsten Vertreter der indischen Moderne ist der Architekt und

Urbanist Balkrishna Doshi. Mit seiner visionären Arbeit der letzten sechzig Jahre

erlangte er auf der ganzen Welt Ansehen. Heute ist er unter anderem als „Architekt

der Armen“ bekannt, wobei sich Doshi auch durch seine Ideen zum kostengünstigen

Wohnen und sein Engagement für die Bildung einen Namen machte. Doch von wohl

größter Relevanz sind heute die Ansichten des Planers zur Nachhaltigkeit, die auf

eine ökologische, soziale und wirtschaftliche Integration der Architektur setzen.

Text: Dolores Stuttner

Aufgrund seiner innovativen Ansätze in

der sozialen Bauplanung erhielt er als erster

indischer Architekt den Pritzker-Preis,

der als Nobelpreis der Architektur gehandelt

wird. Um das Lebenswerk des Planers

zu würdigen, widmete ihm das Architekturzentrum

Wien die Ausstellung

„Balkrishna Doshi – Architektur für den

Menschen“. Sie zeigte bis Ende Juni Projekte

aus sechs Jahrzehnten seines Wirkens.

Soziale Lehren aus der Tradition

Zu den bekanntesten Projekten, die Doshi

realisierte, gehören die soziale Wohnsiedlung

Aranya, das Institute of Management

in Bangalore sowie die Architekturschule

in Ahmedabad. Auf den ersten Blick wirken

die Bauwerke gegensätzlich – und doch

verbindet sie eine wichtige Eigenschaft miteinander:

die soziale Inklusion.

Schon in den 1950er-Jahren arbeitete der

indische Architekt mit Größen wie Le Corbusier

und Louis Kahn zusammen. Modernistische

Elemente aus diesen Kooperationen

flossen somit in viele Projekte Doshis

mit ein. So zieren die 1973 errichtete Siedlung

LIC Housing nicht nur simple, farbige

Fassaden, sondern gleichermaßen corbusianische

Treppen, die Tiefe und einen

puristischen Blickwinkel erzeugen. Dabei

schaffte es die Architekturgröße trotzdem,

ein ganz eigenes Vokabular zu entwickeln.

Seinen Fokus legte er auf das harmonische

Zusammenspiel von Innen- und Außenräumen,

offene und flexible Bauweise sowie

soziale Durchmischung der Bevölkerung.

Daraus schuf der Architekt und Stadtplaner

eine neue Herangehensweise an den

experimentellen Wohnbau. Seine Bauten

sind wandelbar und wachsen mit den sich

verändernden Bedürfnissen der Bewohner

mit. Zentralen Stellenwert hatte in Doshis

Projekten stets Mahatma Gandhis Ansatz

der Selbstbestimmung. Nicht nur sind die

Wohnbauten des Architekten darauf ausgelegt,

Menschen ein Dach über dem Kopf

bieten, sondern sie sollen ihnen auch ein

Zuhause sein. Und das schafft er durch

die Berücksichtigung lokaler Bräuche und

Bedürfnisse im Planungsprozess. Seine

Herangehensweise stützt Doshi auf seine

Überzeugung, dass die gebaute Umwelt

das Wohlergehen der Menschen entscheidend

beeinflusst. Mit seiner ganzheitlichen

Bautechnik will er zudem das Zugehörigkeitsgefühl

der Bewohner stärken. u


www.architektur-online.com

architekturszene

peneder.com

RICHTUNGSWEISEND BEI BRANDSCHUTZ

Sicher, schön und intelligent.


architektur FACHMAGAZIN

8

architekturszene

Balkrishna Doshi,

Indian Institute of Management,

Bangalore, 1977, 1992

© Vinay Panjwani India

Aus experimentellen Ansätzen lernen

Vor allem in Großstädten besteht heute ein

Mangel an leistbarem Wohnraum. Daneben

stellt die zunehmende Fragmentierung der

Gesellschaft die Architektur vor neue Herausforderungen.

Ebendiesen begegnete

Balkrishna Doshi während seiner Laufbahn

gerne mit experimentellen Ansätzen. Er

gab sich nicht nur mit dem Entwurf von

leistbarem Wohnraum zufrieden. Seine

Konzepte mussten gleichermaßen sozial

integrativ und klimagerecht sein. Dafür

kombinierte der Architekt Fertigbauweisen

mit regionalen Handwerkstechniken und

modularen Erweiterungen. Letztgenannter

Aspekt ermöglicht es den Bewohnern, den

Wohnraum gemäß ihren Bedürfnissen und

wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen

oder ihn auszubauen.

Über bereits etablierte Konzepte hinauszugehen,

war stets ein Bestreben des Planers.

Er wollte aber nicht einfach „Neues“

schaffen, sondern mit seinen Ideen auf die

Bedürfnisse der Menschen eingehen. Zentrales

Thema seiner Arbeiten ist daher der

Umgang mit der Knappheit der Ressourcen.

Installationen wie Klimaanlagen sind in den

Projekten der Architekturgröße nicht zu

finden. Vielmehr arbeitete er mit natürlichem

Licht und naturbelassenen Ventilationen,

um Wohnqualität zu gewährleisten.

Zusätzlich leben die Ideen des Architekten

von ihrer klassenübergreifenden Baukunst.

Vor der Realisierung großer Wohnprojekte

in Indien stellte er sich die Frage, wie Besitzlose

durch sie zu Eigentümern werden

können. Mit Unterstützung der Regierung,

die die Fläche zur Verfügung stellte, errichtete

er einen Wohnbau samt Grundausstattung.

Die Bewohner hatten dann die

Möglichkeit, ihre Behausung zu erweitern,

was letzten Endes die örtliche Wirtschaft

ankurbelte – so entstanden in der Nachbarschaft

kleine Betriebe, die Bauelemente

an die Bewohner verkauften.

Ein Architekt der Bildung

Nicht nur die Architektur, sondern auch

die Bildung veränderte Balkrishna Doshi

in Indien nachhaltig. Immerhin ist das Centre

of Environmental Planning and Technology

(CEPT) in Ahmedabad eines der

Schlüsselprojekte des visionären Denkers.

Zwischen 1962 und 2012 entstand rund

um die Bildungseinrichtung ein vielseitiger

Bildungscampus mit unterschiedlichen Disziplinen.

Das Gelände ist als frei fließender

Raum angelegt, der die Kommunikation

zwischen Studenten und Lehrenden fördert.

Puristische Elemente und klare Linien

kennzeichnen die Gebäude, die mit ihrer zurückhaltenden

Gestaltung der persönlichen

Entfaltung der Studierenden Raum lassen.

Auch bei diesen Bauten ist der Einfluss Le

Corbusiers spürbar.

Ideen für die heutige Planung

Für die zeitgemäße Architektur sind vor allem

die institutionellen Bauwerke und die

städtebaulichen Konzepte des Architekten

und Urbanisten von Interesse. Im Zentrum

seiner Projekte steht stets der zwanglose

Austausch, der durch verbindende Treppen,

Flure, Wege und begrünte Innenhöfe

gefördert wird. Sie bilden einen übergreifenden

Zusammenhang, der eine Flexibilität

in der Nutzung ermöglicht.

In seiner Tätigkeit als Stadtplaner stellte

Doshi stets die alltäglichen Wege der Bevölkerung

in den Vordergrund. Straßen,

Balkrishna Doshi in Zusammenarbeit mit M. F. Husain,

Amdavad Ni Gufa Kunstraum, Ahmedabad, 1994

© Iwan Baan 2018

öffentliche Plätze und Gebäude passte er

diesen an und verband sie zu einem funktionierenden

„Ganzen“. Eine Kombination aus

Tradition und Moderne prägen das Denken

des Urbanisten. Die Lebensqualität in

Großstädten verbesserte der Planer, indem

er traditionelle Planungskonzepte wie die

dichte Bauweise, kurze Wege und die Multifunktionalität

baulicher Einrichtung auf die

heutige Zeit übertrug. Durchaus also war

Balkrishna Doshi seiner Zeit voraus, indem

er die Architektur und Stadtplanung dem

Menschen unterordnete – eine Vorgehensweise,

die mancherorts auch heute nicht

selbstverständlich ist.

Ein für die heutige Zeit ebenso wichtiger

Ansatz ist das Konzept des „Regionalismus“.

Diese Herangehensweise lebt vom

Einsatz lokaler Handwerkskunst, womit sie

Architektur mit Tradition verknüpft. Das

Ergebnis sind Bauwerke, welche die regionalen

Eigenschaften bewahren und die

Autonomie der dortigen Bewohner fördern.

Daneben ermöglicht dieser Ansatz eine

verstärkte Identifikation der Menschen mit

der Baukunst.

Obwohl der Urbanist seine Ideen vordergründig

in Indien umsetzte, so lassen sich

die Konzepte auch auf andere Kulturen anwenden.

Doshi setzt in all seinen Projekten

auf Universalität, wobei es ihm ein Bestreben

ist, Menschen aus der Komfortzone

ausbrechen zu lassen. Die Architektur darf

dabei Gebäude nicht als Produkt der Ökonomie

ansehen, sondern als ein sich veränderndes,

wachsendes Gebilde, das sich

mit den Bedürfnissen dessen Bewohnern

weiterentwickelt. So wird die Baukunst wieder

zum Werkzeug, das im Dienst der Menschen

steht.


www.architektur-online.com

9

architekturszene


architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Vom Bauschutt

zum Ökobeton

Als erstes Unternehmen in Ost-Österreich führt die Wopfinger Transportbeton

Ges.m.b.H. Baurestmassen durch hochwertige Aufbereitung wieder der Betonproduktion

zu. Teure Deponieflächen können damit fast gänzlich eingespart werden.

Ebenso werden Sand- und Schotterressourcen geschützt.

Um hochwertig rezyklierte Gesteinskörnung

mit gleichbleibender Qualität herzustellen,

sind moderne Aufbereitungstechnik

und strikte Vorgaben im Prozesskreislauf

einzuhalten. Den Kernprozess in der qualitativen

Baurestmassenaufbereitung stellt

das Waschen und Sieben des Materials dar.

Hier werden unerwünschte Feinstoffanteile

sowie Reste an mitzerkleinerten Störstoffen

ausgewaschen. Es entsteht Recyclingmaterial,

mit welchem problemlos Anteile

an natürlichen Sanden und Kiesen bei der

Betonerzeugung, bei gleichbleibender Betonqualität,

ersetzt werden können.

Das so hergestellte Recyclingmaterial wird

nach geltenden Regelwerken kontrolliert und

fremdüberwacht. Es verdient nicht umsonst

die Bezeichnung nachhaltiger Bau stoff. Ca.

98% des Ausgangsmaterials können so dem

Wertekreislauf als Qualitätsbaustoff wieder

zugeführt werden. Unter Beachtung gewis-

ser grundlegender Voraussetzungen können

so hergestellte hochwertige Ökobetone, neben

Anwendungen als Füllbeton oder Magerbeton,

auch im konstruktiven Betonbau

verwendet werden. Damit steht nun im Vergleich

zu herkömmlichen Transportbetonen

ein ÖNORM geprüftes, gleichwertiges Transportbetonprodukt

zur Verfügung, welches

sowohl Ressourcen schont als auch Deponievolumen

spart.

Unter Verwendung von hydraulischen Bindemitteln

und Zusatzstoffen werden rezyklierte

Hochbaurestmassen auch zur

Herstellung von selbstverdichtenden,

pumpfähigen und selbstfließenden Verfüllbetonen

verwendet. Das so gewonnene

leistungsfähige, umweltschonende und

nachhaltige Produkt entspricht der ONR

23131, lässt sich leicht und rasch verarbeiten

und ist für jede gewünschte Hohlraumverfüllung

geeignet.

Die Entwicklung des Sekundärrohstoffeinsatzes

im Beton ist noch lange nicht abgeschlossen.

Die Wopfinger Transportbeton

Ges.m.b.H. hat sich als Ziel gesetzt, die

Einsatzmöglichkeiten des Ökobetons noch

mehr zu erweitern sowie die Ressourcenschonung

zu erhöhen. Durch weitere Rezeptur-

und Qualitätsverbesserung bei der

Herstellung von Recyclingmaterialien sieht

der Hersteller große Chancen, weitere neue

Anwendungsgebiete zu erschließen.

Der ökologische Aspekt wurde auch in einer

LCA (Life Cycle Analysis) durch das IBO

(Österreichisches Institut für Bauen und

Ökologie) festgestellt und mit dem IBO Gütesiegel

bestätigt. Weiters ist der Ökobeton

auch im baubook gelistet.

Wopfinger Transportbeton

Ges.m.b.H.

T +43 (0)2253 65 51-0

office@wopfinger.com

www.wopfinger.com


www.architektur-online.com

11

Magazin

Seien Sie

dabei!

Reichen Sie

Ihr Objekt ein.

Ab sofort.


Der Brillux Design Award: die Auszeichnung, die gesehen wird.

Stellen Sie Ihr Objekt der unabhängigen Fachjury in einer der sechs Kategorien vor.

Sie prämiert die besten Innenraum- und Fassadengestaltungen und ihre Ausführungsqualität.

Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 25.000 € dotiert. Die

Gewinner und Nominierten erfahren große Aufmerksamkeit in den Fachmedien und der

Branche. Ein Paket zur eigenen Vermarktung der Ehrung rundet die Auszeichnung ab.

Nehmen Sie teil!

www.brillux.at/design-award


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

CO 2 als Ressource

Lafarge Zementwerke, ein Unternehmen der LafargeHolcim Gruppe, OMV,

VERBUND und Borealis unterzeichneten eine Absichtserklärung für die Errichtung

einer Anlage zur CO 2 -Abscheidung und -Nutzung im großindustriellen

Maßstab bis 2030. Die Anlage soll die Abscheidung von CO 2 aus der

Zementherstellung sowie die Fertigung von hochwertigen Kunststoffen,

Olefinen und Kraftstoffen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe ermöglichen.

Ziel des Projektes ist die Errichtung einer

Anlage im industriellen Maßstab, welche

eine Abscheidung von nahezu 100% des

jährlichen Ausstoßes im Zementwerk Mannersdorf

(NÖ) von 700.000 Tonnen CO 2 ermöglicht.

Das abgeschiedene CO 2 soll dann

mithilfe von Wasserstoff von OMV zu Kohlenwasserstoffen

verarbeitet werden. Hierbei

wird grüner Wasserstoff zum Einsatz

kommen, der durch VERBUND in einem

Elektrolyseprozess auf Basis von Strom aus

erneuerbaren Energien erzeugt wird. Diese

Kohlenwasserstoffe werden im weiteren

Produktionsprozess für die Herstellung von

Kraftstoffen (OMV) sowie für die Erzeugung

hochwertiger Kunststoffe (Borealis)

genutzt. Beide Endprodukte basieren somit

auf erneuerbaren Rohstoffen und zeigen

damit eine funktionierende Weiterverwendung

von CO 2 auf.

Das gemeinsame Projekt ist in drei Phasen

angelegt: In Phase 1 evaluieren die Partner

derzeit einen gemeinsamen Ansatz für die

Projektentwicklung, das Geschäftsmodell

und die Verfahrenstechnik. Basierend auf

den Ergebnissen der Phase 1 könnte in Phase

2 ein Cluster von industriellen Pilotanlagen

im Osten Österreichs technisch entwickelt

und bis 2023 in Betrieb genommen

werden. Phase 3 beinhaltet die vollständige

Realisierung des Vorhabens durch Erweiterung

auf die volle Größe von 700.000 Tonnen

CO 2 , womit die globale Skalierbarkeit

der Technologie demonstriert werden kann.

Mit ihrer ambitionierten Zusammenarbeit

zeigen Lafarge, OMV, VERBUND und Borealis

eine innovative und tragfähige Lösung für

die Transformation hin zu einer CO 2 -freien

Wirtschaft in Europa auf, in der das Treibhausgas

CO 2 als wertvolle Ressource für

die industrielle Weiterverwendung etabliert

werden kann. Der Erfolg dieses C2PAT genannten

Projekts wird nun wesentlich davon

abhängen, ob die notwendigen finanziellen

und regulatorischen Rahmenbedingungen

sowohl auf europäischer als auch auf nationaler

Ebene geschaffen werden.

Lafarge Zementwerke GmbH

T +43 (0)1 588 89-0

marketing.austria@lafargeholcim.com

www.lafarge.at

Sektorübergreifende Wertschöpfungskette

für für für Klimaneutralität

Erneuerbarer Strom

Erneuerbarer Strom

Erneuerbarer Strom

Elektrolyse

Elektrolyse

Elektrolyse

Polymerisation-Anlage Schwechat

Polymerisation-Anlage Schwechat

Polymerisation-Anlage Schwechat

Kunststoffe erneuerbaren aus

Kunststoffe Ressourcen

erneuerbaren aus

Kunststoffe Ressourcen aus

erneuerbaren Ressourcen

Zementwerk Mannersdorf

Zementwerk Mannersdorf

Zementwerk Mannersdorf

H – 2 Grüner Wasserstoff

H – 2 Grüner Wasserstoff

H – 2 Grüner Wasserstoff

Raffinerie Schwechat

Raffinerie Schwechat

Raffinerie Schwechat

Kraftstoffe aus

erneuerbaren Kraftstoffe aus

Ressourcen erneuerbaren Kraftstoffe aus

Olefine Ressourcen erneuerbaren aus

erneuerbaren Olefine Ressourcen aus

Ressourcen erneuerbaren Olefine aus

Ressourcen erneuerbaren

Ressourcen

Polymerisation

Polymerisation

Polymerisation

H – 2 Grüner Wasserstoff

H – 2 Grüner Wasserstoff

H – 2 Grüner Wasserstoff

CO 2-

Abscheidung CO 2-

Abscheidung CO 2-

Abscheidung

CO 2

CO 2

CO 2

Synthese

Synthese

Synthese

CO 2

+ H 2


Kohlenwasserstoffe

CO 2

+ H 2


Kohlenwasserstoffe

2

CO + H 2


Kohlenwasserstoffe

Kohlenwasserstoffe

Kohlenwasserstoffe

Kohlenwasserstoffe

CARBON PRODUCT

C2PAT CARBON PRODUCT

C2PAT 2 CARBON 2 2

AUSTRIA AUSTRIA

PRODUCT

AUSTRIA


www.architektur-online.com

13

Magazin

DAS BESTE HOTEL DER STADT.

ABER LEIDER DER

ZWEITBESTE BRANDSCHUTZ.

Alles vom Feinsten, dafür beim baulichen Brandschutz gespart? Eine Rechnung,

die im Ernstfall nie aufgeht, weil solche Entscheidungen richtig teuer werden können.

Entscheiden Sie sich lieber für den erstklassigen Brandschutz mit nichtbrennbaren

Steinwolle-Dämmstoffen von ROCKWOOL: Euroklasse A1, Schmelzpunkt > 1000 °C.

Übernehmen Sie beim Brandschutz die 1000 °C-Verantwortung!

www.rockwool.at

> 1000 °C


architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Kunst getankt

Wie kann sich eine Stadt ein ehemaliges Industrieareal einverleiben? Das multidisziplinäre

Gestaltungsteam von OPEN Architecture setzte mit dem Tank

Shanghai ein derartiges Vorzeigeprojekt um.

Fotos: INSAW Image, WU Qingshan

Auf einer 47.000 m² großen Freifläche, im

Süden der Stadt Shanghai gelegen, ragen

fünf zylinderförmige Körper in die Höhe. Es

sind Hinterlassenschaften des ehemaligen

Flughafens, der sich dort befand. Genutzt

wurden sie als Tanklager für Flugzeugtreibstoff.

Nachdem das Areal aber schon jahrzehntelang

nicht mehr seine ursprüngliche

Funktion innehat, waren die fünf Zylinder

dem Verfall preisgegeben. Die Lösung sollte

nicht in einem Abriss gefunden werden, sondern

in einer Umnutzung. Eine neue Aufgabe

für das gesamte Grundstück und für die fünf

großvolumigen Baukörper musste her. Man

entschied sich dafür, die Freifläche als solche

zu belassen und als öffentlichen Grünraum

zu gestalten. Er umgibt nun die fünf früheren

Tanklager, in denen nun gemischte Nutzungen

untergebracht sind, die vorrangig mit

Kunst und Kultur in Zusammenhang stehen.

Die hervorragende Lage des Grundstückes

direkt am Fluss Huangpu sollte genutzt werden,

um die Stadt wieder stärker mit dem

Wasser in Verbindung zu bringen. So entstand

eine Parklandschaft auf dem Gelände,

die direkt mit dem Flussufer verbunden

ist und sich von diesem weiter ins Innere

der Stadt erstreckt. Man entschied sich bewusst

dagegen, das Grundstück mit weiteren

Bauten zu füllen. Denn solch dicht und

hoch bebaute Flussufer gibt es in Shanghai

zuhauf. Dazwischen finden sich auch immer

wieder größere und kleinere Freiflächen. In

Relation zu den fast 25 Millionen Einwohnen

der Metropole sind diese aber noch lange

nicht in einem ausreichenden Maß vorhanden.

Nicht nur Freiflächen, sondern vor allem

auch Grünräume sind Mangelware. Der Tank

Shanghai leistet einen kleinen Beitrag dazu,

diesem Mangel entgegenzuwirken.

Der hügelig gestaltete öffentliche Park umgibt

die fünf Zylinder nicht nur, sondern

sie sind auch an einigen Stellen in ihn eingelassen.

Unterirdische Räume verbinden

die Tanks teilweise miteinander, sind dabei

aber vom Park aus nicht sichtbar. So bleibt

die Wirkung der Zylinder als Solide bestehen

und auch die Parklandschaft wird nicht

unterbrochen. Die weiße Fassade der Tanks

und die neu geschaffenen Fensteröffnungen

lassen aber trotzdem eine neue Nutzung

erkennen. Sie werden vor allem als Ausstellungsräume

für zeitgenössische Kunst verwendet,

aber auch als Veranstaltungsraum

für Live-Musik, als Restaurant und Bar.


www.architektur-online.com

15

Magazin

Jeder der fünf Tanks folgt dabei einem

individuellen Neugestaltungskonzept des

Innenraumes: Ein Tank wird in drei Geschosse

unterteilt, zwei weitere beherbergen

weiterhin einen großvolumigen

Raum, der andere beherbergt ein zylinderförmiges

Atrium in seiner Mitte, durch

den letzten schneidet ein Quader hindurch,

der in den Parkraum hinausragt.

Am zentralen Platz des Areals finden die

Parklandschaft und die Tanks zusammen.

Er dient als Treffpunkt, von dem aus

man direkt in die Tanks sowie in den Park

gelangen kann. Seine befestigte Fläche

kann auch für Open-Air-Veranstaltungen

genutzt werden und bietet an heißen Tagen

Abkühlung durch Nebelsprühgeräte.

Von der Atmosphäre des ehemaligen

Industrieareals spürt man beim Tank

Shanghai nur mehr wenig. Neben den

Tanklagern selbst steht vor allem die Bezeichnung

des neuen Areals als letzter

Stellvertreter für dessen Vergangenheit.

Es ist eine Bereicherung für Shanghais

Museums- und auch Parklandschaft.

Durch diese Verflechtung wird bewusst

ein breites Publikum angesprochen. Das

Kunstmuseum wird hier nicht als Tempel

präsentiert, sondern als lebendiger Ort

für jedermann.

MEHR LICHT,

MEHR RAUM,

MEHR RUHE

Mit dem Trennwandsystem

Variflex gestalten Sie Räume

schnell und kom for tabel

genau nach Bedarf. Die Kombination

mit Glas-Elementen

ermöglicht eine Raumteilung

mit maximaler Transparenz und

gleichzeitigem Schallschutz.

T +43 732 600451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Vielfältige

Schichtung

Zeile oder Blockrand? Die Eisenman Architects in Zusammenarbeit mit Degli

Esposti Architetti und AZstudio hätten sich dafür entscheiden können, das dreieckige

Grundstück in Mailand mit einer Blockrandbebauung zu versehen. Für die

Residenze Carlo Erba fiel die Wahl stattdessen auf einen S-förmigen Baukörper,

der sich, vom Bestandsgebäude am südlichsten Punkt des Grundstückes ausgehend,

weiter bis zur nördlichen Begrenzung schwingt. Er beinhaltet Wohnungen

unterschiedlicher Größe, jede mit ihrem eigenen individuellen Außenraum.

Fotos: Maurizio Montagna, Marco De Bigontina (Dronenfotos)


www.architektur-online.com

17

Magazin

Der dynamische Schwung des linienhaften Baukörpers

wirkt im Stadtraum keineswegs aufdringlich. Er

nimmt Momente der umgebenden geschlossenen

Bebauungsstruktur in sich auf und denkt sie weiter.

Anstatt eines großen und von allen Seiten umschlossenen

Innenhofes entstehen so zwei kleinere Höfe,

die sich zur Umgebung hin öffnen. Bereichernd wirken

diese Grünflächen sowohl für die Bewohnerinnen

und Bewohner des Gebäudes als auch für das

gesamte Viertel.

Ein viergeschossiger Bestandsbau funktioniert als

Kopfgebäude des neuen Wohnbaus. Für dessen untere

Zonen gibt er die Fassadengliederung vor und

auch die Materialität orientiert sich an ihm. So entsteht

eine dreigeschossige Sockelzone, die mit Travertin

ummantelt ist und auf das Rustikamauerwerk

des Bestandbaus anspielt. Das „Piano Nobile“, das

edle Geschoss, wird im vierten Obergeschoss des

Neubaus durch zurückversetzen des Baukörpers

interpretiert, wodurch eine schmale und beinahe

umlaufende Terrasse entsteht. Überdacht wird diese

von den darüberliegenden beiden Stockwerken,

denn der Baukörper nimmt dort wieder an Tiefe zu.

Den oberen Abschluss bilden drei Ebenen, die an vier

Stellen Einschnitte besitzen, an denen sie abgetreppt

sind. Alle Wohnungen dieser Etagen bekommen auf

diesen Stufen einen oder sogar mehrere Außenräume

zugewiesen. Eine weiß emaillierte Metallstruktur

lässt den Baukörper als ein geschlossenes Volumen

wirken und vermeidet das Erkennen der Terrassierung

auf den ersten Blick.

Insgesamt lassen sich die neun Geschosse in vier

Zonen unterteilen, die verschiedene Typologien

des Wohnbaues zusammenbringen. Zeilenbau und

Blockrandbebauung werden miteinander verflochten

und durch aufeinander geschichtete Terrassenhäuser

bekrönt. Vielfältige Außenräume stehen für jede

einzelne Wohnung zur Verfügung. Loggien unterschiedlicher

Größen fügen sich in den Baukörper ein,

Terrassenflächen verlaufen entlang der Fassade und

besetzen auch die Abstufungen der obersten Zone.

Diese geschickte Kombination und Variation unterschiedlicher

Typologien, sowie bekannter Motive der

italienischen Baukultur können sich sehen lassen. Die

Architekten versuchten, die Flexibilität der Dichte einer

Stadt auszuloten - ein gelungenes Beispiel dafür,

welche Richtung weiter verfolgt werden könnte.


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Gotteshaus profan

Als Alternative zum Abriss wurde die Kirche Saint Rocco im italienischen Rotello

verkauft. Die Architekten Luigi Valente und Mauro Di Bona funktionierten sie zu

einem Theater um.

Fotos: Stefano Pedretti

Die Kirche hat mit Verweltlichung zu kämpfen.

Das spiegelt sich auch in den immer

häufiger anzutreffenden Umnutzungskonzepten

für ehemalige Gotteshäuser wieder.

Bevor das überhaupt möglich ist, muss eine

sogenannte Profanierung erfolgen, wodurch

der heilige Ort seine Segnung verliert und für

sein Weiterleben freigegeben wird. Statt der

Kirche entstand hier ein permanentes Theater,

dessen Zuschauerbereich auch als Mehrzwecksaal

für die dörfliche Gemeinde dient.

Zu kämpfen hatten die Architekten hier mit

notwendigen Instandsetzungsarbeiten. So

musste das originale Dach durch eine Konstruktion

aus Beton und Mauerwerk ersetzt

werden, die seinem Ursprungszustand nachempfunden

ist.

Der Innenraum der Kirche tritt als White

Cube in Erscheinung. Wände, Decke, Boden

und Kirchendekor bekamen ein komplett

weißes Erscheinungsbild und treten zurück.

Im Vordergrund steht das Geschehen auf

der Theaterbühne und eben auch das Publikum

selbst, das auf der dunklen Bestuhlung

Platz findet.

Die Struktur von Kirchenräumen bietet eine

Umnutzung zum Theater an, es sind aber

auch einige Veränderungen notwendig. Der

Altarraum wurde erhöht und dient nun als

Bühne. Dafür mussten vor allem beleuchtungstechnisch

einige Anpassungen vorgenommen

werden. Die Zuschauer können das

Geschehen auf der Bühne vom Kirchenschiff

oder auch von der Galerie aus beobachten.

Anstelle des predigenden Pastors treten hier

weltliche Aufführungen.


FARBE I BOLOGNA

ART I KLINKER FORMSTEIN MIT SCHWALBENSCHWANZ

FORMAT I 490 I 200 I 35 MM

ARCHITEKT I HILD UND K ARCHITEKTEN, MÜNCHEN

OBJEKT I HOTEL WERK 17, MÜNCHEN

FOTOGRAFIE I ALEXANDER BERNHARD

JEDES PROJEKT

EIN UNIKAT MIT

GIMA KLINKER

FORMSTEINEN

Mit dem Hotel Werk 17 ist ein Gebäude entstanden, das sich vor

allem durch seine Fassadengestaltung behutsam in das bauliche

Gefüge einordnet. Man entschied sich für einen Klinker Formstein

mit Schwalbenschwanz-Verzahnung in Rot. Die Besonderheit liegt

hier in der Konstruktionsweise: Als Teil einer mehrschichtigen Fassade

wurden die Klinker in Rot eingefärbte Fertig-Betonelemente

eingegossen, wodurch eine plisseeartige Schuppung entsteht.

GIMA – über 100 Jahre führend in Qualität, Innovation und Service.

WWW.GIMA-ZIEGEL.DE


PRODUKT I LONGOTON ®

FARBE I WEISS GLASIERT

PLATTENBREITE I 543 MM BIS 760 MM

PLANER I SOM ARCHITECTS I NEW YORK

OBJEKT I HOCHHAUS BROADWAY 1865 I NEW YORK

FOTOGRAFIE I FIELD CONDITION FOR SHILDAN GROUP

MOEDING

IHR PARTNER

FÜR INDIVIDUELLE

FASSADEN

Auf einem sechsstöckigen Plateau mit Shop- und Gewerbeflächen

erhebt sich der schlanke Wohnturm und bietet auf 27 Etagen Platz

für über 160 Wohneinheiten. Weiße Keramikplatten überziehen die

Gebäudehülle mit einem gleichmäßigen Fassadenraster, das sich bis

zur Gebäudeoberkante in drei Abstufungen elegant verjüngt. Die

dreidimensionalen Elemente ragen mit schwungvollen Rundungen

bis zu 200 mm aus der Fassadenebene heraus.

WWW.MOEDING.DE


www.architektur-online.com

21

Magazin

Her mit Grün

In der Millionenstadt Tainan in Taiwan wurde die Wichtigkeit des öffentlichen Raumes

erkannt und in einem Vorzeigeprojekt vom niederländischen Architekturbüro

MVRDV umgesetzt. Ein ehemaliges Shoppingcenter wurde zum Tainan Spring

umgewandelt, einem großzügigen öffentlichen Raum, der mit der grauen Erscheinung

der Stadt bricht.

Fotos: Daria Scagliola

Öffentliche Räume können in verschiedenen Formen

in Erscheinung treten, im weiteren Sinne auch in

Form eines Shoppingcenters. Die Stadtregierung von

Tainan entschied sich 1983 dazu, am Ort des alten

Hafens ein solches zu errichten. Durch die Beliebtheit

des Online-Shoppings konnte es im Laufe der

Zeit seinen Zweck als große Handelsstruktur aber

nicht mehr erfüllen und wurde zu einer Ruine. Diese

Ruine erfuhr eine radikale und revolutionäre Umnutzung:

für alle Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner

entstand eine Lagune, die einen Teil des ehemaligen

Wassernetzes in die Stadt zurückbringt. Das

Gebäude des Shoppingcenters wurde bis ins Untergeschoss

abgebrochen und beherbergt jetzt einen

kreativ gestalteten urbanen Badeteich. Dieser befindet

sich unterhalb des Straßenniveaus und setzt sich

so etwas vom lebhaften Treiben oberhalb ab. Für die

Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt entstand

hier ein beliebter Treffpunkt und Naherholungsgebietdas

vor allem von Kindern als neuer öffentlicher

Badeteich sehr geschätzt wird. Zum Projekt gehört

auch die Schaffung einer T-förmigen Grünachse entlang

des Straßennetzes, wozu einige Fahrspuren einer

Hauptverbindungsstraße abgegrenzt wurden.

So entstand ein scheinbar kleiner Beitrag, der aber

großes bewirkt um die Stadt Tainan ein Stück weit

lebenswerter zu machen. Der neu geschaffene öffentliche

Raum wird von den Stadtbewohnern Tainans

dankbar angenommen und ist hoffentlich der

Startschuss für weitere derartige Projekte.


architektur FACHMAGAZIN

22

Magazin

Vielschichtiges

Stadtleben

Ein neues Zentrum für Sport entsteht inmitten des dichten Wohnviertels El Turó

de la Peira in Barcelona. Architektin Anna Noguera verleiht dem Viertel einen

neuen Treffpunkt für sportliche Aktivitäten und Soziales.

Fotos: Enric Duch

Die nähere Umgebung ist vor allem geprägt

durch soziale Wohnbauten aus den 1960er

Jahren, eine hohe Bevölkerungsdichte,

wenig Frei- und Grünräume, kaum soziale

Treffpunkte und öffentliche Einrichtungen.

Das neue Sportzentrum und der davor entstandene

öffentliche Platz tragen dazu bei,

den Stadtteil vielschichtiger zu gestalten.

Dadurch wird die Lebensqualität der Bewohner

gesteigert und auch das soziale

Miteinander abwechslungsreicher.

Die neue Sportanlage beherbergt ein beheizbares

Schwimmbecken im unteren Geschoss

und einen darüber befindlichen Sportplatz,

beides im Innenraum. Um Sport betreiben zu

können, ist man hier von nun an also nicht

mehr vom Wetter abhängig. Trotzdem ist

man im Inneren der Sportstätte immer mit

dem Außenraum in Beziehung: Das Gebäude

öffnet sich zum Park hin mit seiner Glasfassade

und wird durch eine vertikale Begrünung

beschattet. Durch das aufeinanderstapeln

der beiden Sporteinrichtungen wird das Gebäude

bewusst kompakt gehalten, um Raum

für einen öffentlichen Platz inmitten des

Gebäudeblocks zu gewinnen. Dort entstand

eine kleine grüne Oase, die sich als Fassadenbegrünung

auch über das Gebäude erstreckt.

Dessen straßenseitige Fassade unterscheidet

sich von dieser grünen Platzfassade aber

vollkommen, denn sie gibt überhaupt keinen

Hinweis auf den Grünraum, der sich dahinter

befindet. Durch ihre Geschlossenheit und

Flächigkeit passt sie sich dem vorhandenen

städtischen Erscheinungsbild der Umgebung

an. Allein die transluzenten Kunststoffpaneele

verweisen auf die beiden Hallen, die sich im

Inneren befinden.


www.architektur-online.com

23

| BA12-16G |

Facility Manager

Eine Steuerung für alle Gewerke:

Gebäudeautomation von Beckhoff

Magazin

Von außen erkennt man auch nicht, dass es sich eigentlich

um einen Holzbau handelt. Holz dominiert

im Gebäudeinneren durch die massive Tragstruktur

und auch als Oberflächenmaterial. Durch den hohen

Vorfertigungsgrad der Holzkonstruktion war es

möglich, das gesamte Gebäude in nur acht Wochen

zu errichten. Nicht nur die Auswahl des Baustoffes

Holz macht das Gebäude ökologisch wertvoll und

nachhaltig. Die grüne Fassade für eine natürliche Beschattung,

Fotovoltaik-Anlagen am Dach und Wasserrecycling

tragen auch dazu bei. Regenwasser wird

vom Dach gesammelt und in einem Wassertank im

Keller gespeichert, das dann zur Bewässerung der

Grünfassade verwendet wird.

Nicht zuletzt wirkt das Gebäude auch sozial nachhaltig.

Das Spektrum an unterschiedlichen Freizeitangeboten

und Aufenthaltsmöglichkeiten in der Stadt

wird hier bereichert, von denen die Bewohnerinnen

und Bewohner des Viertels und der näheren Umgebung

profitieren. Die barcelonische Architektin Anna

Noguera setzt mit dem neuen Sportzentrum El Turó

de la Peira bewusste Entscheidungen für eine grünere

und vielfältigere Stadtlandschaft.

www.beckhoff.at/building

Das ganze Gebäude zukunftssicher im Griff: Mit der integralen

Gebäudeautomation von Beckhoff implementieren Sie eine PC-basierte

Steuerungslösung, mit der Sie heute schon an den nachhaltigen

Betrieb von morgen denken. Alle Gewerke der TGA werden von einer

einheitlichen Hard- und Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob

es um die nutzungsgerechte Beleuchtung, die komfortable Raumautomation

oder die hocheffiziente HLK-Regelung geht. Die Steuerungslösung

besteht aus leistungsstarken Industrie-PCs, Busklemmen zur

Anbindung aller Datenpunkte und Subsysteme sowie der Automatisierungssoftware

TwinCAT. Für alle Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine

zur Verfügung, die das Engineering enorm vereinfachen.

Funktionserweiterungen oder -änderungen sind jederzeit möglich. Die

Systemintegration erfolgt über die gängigen Kommunikationsstandards

Ethernet, BACnet/IP, OPC UA oder Modbus TCP.

Skalierbare Steuerungstechnik –

von der ARM-CPU bis zur

x86-CPU mit 2,3 GHz auf 4 Cores

Embedded-PCs

(ARM)

Embedded-PCs

(x86)

Industrie-PCs

(x86)


architektur FACHMAGAZIN

24

Magazin

Hülle zur Stadt

Mit ihrem Renovierungsprojekt THE VILLAGE setzt sich das TEAM_BLDG für

mehr Wohn- und Lebensqualität in dicht bevölkerten chinesischen Megacities ein

und zeigt, dass schon mit kleinen Eingriffen viel bewirkt werden kann.

Fotos: Jonathan Leijonhufvud

Die chinesische Millionenstadt Guangzhou gilt als

eines der wichtigsten ökonomischen Zentren des

Landes. Das schnelle Wirtschaftswachstum führte

zu einer enormen Zuwanderung und zu einer ebenso

schnellen Urbanisierung. Die Folge: ungeplantes

und unkontrolliertes Stadtwachstum, sowie eine extrem

dichte Besiedelung. Wohnbauten sind geprägt

von immer gleichen vertikalen Stapelungen, die als

Laubenganghäuser funktionieren. Dazu zählt auch

das von TEAM_BLDG umgestaltete Wohnhochhaus.

Gemäß seiner Bezeichnung THE VILLAGE ist es Teil

eines Urban Villages, einer dorfähnlichen Struktur inmitten

der Stadt. Bewohnt wird das Gebäude hauptsächlich

von Büroangestellten, die die zentrale Lage

in der Stadt und den guten Anschluss an das Verkehrsnetz

schätzen.


www.architektur-online.com

25

Magazin

Im Unterschied zu den nachbarschaftlichen Wohnbauten

handelt es sich hier um ein Gebäude mit einer

vergleichsweise geringen Höhe von „nur“ neun Geschossen.

Trotzdem hat es mit denselben Problemen

zu kämpfen: der schlechte Zustand der Baustruktur,

lose herunterhängende Kabel und offene Rohrleitungen.

Die lieblose Gestaltung der Wohnhäuser zeugte

von der Notwendigkeit an schnell benötigten Wohnräumen.

Im Laufe der Zeit wurden deshalb auch Ergänzungen

hinzugefügt und Veränderungen durchgeführt,

sowohl an der Fassade als auch im Inneren

des Gebäudes.

Eine Verbesserung der bestehenden Struktur und

auch des gesamten Wohnumfeldes war dringend

notwendig. Die Herausforderung bestand dabei,

das Gebäude mit nur geringen finanziellen Möglichkeiten

lebenswerter zu gestalten. Die schwierige

Zugänglichkeit des Gebäudes für Umbauarbeiten

wirkten zusätzlich erschwerend. Dennoch verfolgte

das TEAM_BLDG einen weitreichenden Lösungsansatz:

Es sollte ein Renovierungskonzept erarbeiten

werden, das reproduzierbar ist und auch auf andere

Gebäude in der Umgebung angewendet werden

kann. Mithilfe von gewellten Lochblechen aus weiß

lackiertem Aluminium schafften sie eine halbtransparente

Hülle für die Fassade des Wohnbaus, die hinterleuchtet

werden kann und so in einen engeren Dialog

mit dem Stadtraum tritt. Die neue Fassade vermittelt

Leichtigkeit, bringt Ruhe in den Stadtraum und

schafft Privatsphäre für die Bewohner. Dieselbe Wirkung

sollte auch im Innenhof hervorgerufen werden.

Hier herrscht nun eine geordnetere und gepflegtere

Atmosphäre vor. Das Erdgeschoss funktioniert als

einladender halböffentlicher Bereich für die Bewohnerinnen

und Bewohner. Die durchgeführten Veränderungen

zogen sich von der Fassade über den Innenhof

bis hin zur kleinsten Einheit, sodass auch die

einzelnen Wohnungen neu aufgeteilt wurden. Wichtig

war es, die ursprüngliche Struktur des Gebäudes

soweit wie möglich beizubehalten. Das Projekt THE

VILLAGE zeigt, dass nachträgliches Adaptieren und

Renovieren zwar aufwendig ist, aber dennoch nicht

unmöglich und vor allem dringend notwendig.


RAUS AUS DER KRISE &

REIN INS VERGNÜGEN!

Innovation 2020

» hygienisch & sicher

» stylisch & modern

» innovativ & kontaktlos


Die Innovation 2020

Während die Zeit beinahe

stillstand, haben wir getüftelt!

Nachdem anzunehmen ist, dass

die Reisemöglichkeiten in den

nächsten Monaten noch eingeschränkt

sein werden, ist es

wichtig, die potentiellen Gäste

locken und begeistern zu können.

Der regionale Trend der Zeit und

das daraus resultierende Umweltbewusstsein

lassen Kunden

Betriebe etwas genauer unter

die Lupe nehmen.

Schlagwörter wie Regionalität,

Umweltbewusstsein, Trends zu

setzen, rückten bereits in den

letzten Jahren immer mehr in

den Fokus. Der nun weitere

Aspekt, welcher zusätzlich

aufgrund der Pandemie abgedeckt

werden sollte, ist Sicherheit.

Bereits in den letzten Jahren hat

sich unser Innovationsteam mit

dieser Thematik auseinander

gesetzt und nach einigen Testläufen

eine wirkliche Neuheit auf

den Markt gebracht.

Wer kennt nicht diese "Metzgerei"-

Vorhänge. Sie fallen einem ins

Gesicht, wurden schon von

unzähligen Gästen berührt und

eigentlich, wer nicht darunter

durchtauchen möchte, muss

zwangsläufig diesen "Schleier"

mit den Händen wegdrücken.

Absolut unhygienisch!

Genau dieser Thematik hat sich

unser Team angenommen und

eine absolute Innovation in

diesem Bereich entwickelt.

Automatische Pool-Schwimmbad-Schiebetüranlagen!

Mittels Bewegungssensorik öffnet

und schließt die automatische

Pool-Schiebetüranlage zwischen

In- und Outdoor-Becken. Hochwertiges

Chrom mit speziellem

Glas, Schrauben und Dichtungen

wurde entwickelt um eine

hygienische Lösung auf den

Markt zu bringen. Nicht nur aus

Kundensicht bringt diese Neuheit

einen Wohlfühlfaktor - sondern

auch aus Betreibersicht sparen

Sie sich dadurch unnotwendiges

Plastik und Heizkosten und das

Wichtigste - Ihre Kunden werden

es lieben! Wir haben nun bereits

die ersten Hotels damit ausgestattet

und können auf zahlreiche

positive Rückmeldungen zurückgreifen!

Die einzige Pool-

Schiebetüranlage

aus Österreich!

ZENTRALE - Österreich

Symatic Türsysteme GmbH

Gewerbestraße 1

A-5325 Plainfeld

Tel.: +43 (0) 6229 / 3477 - 0

Mail: office@symatic.at

web: www.symatic.at


architektur FACHMAGAZIN

28

Bauen für morgen

Immer im

Dorf zuhause

Atriumhaus S / Molln, Oberösterreich / Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

Text: Alexandra Ullmann Fotos: Martin Bilinovac

Wie möchte ich im Alter

wohnen? Im oberösterreichischen

Molln entschieden

sich die Bewohner

des Atriumhauses S dafür,

im Eigenheim alt werden

zu wollen. Die bauliche

Hülle dafür gestalteten

die in Wien ansässigen

Steinkogler Aigner Architekten.

Die Paradigmen

dafür: Barrierefreiheit

und Nachhaltigkeit.

Mit dem Atriumhaus S gestaltete das junge Architekturbüro

Steinkogler Aigner Architekten ein barrierefreies

neues Zuhause. Im Jahr 2015 gegründet, bauen

sie seitdem unter dem Motto „Mit dem arbeiten, was

man hat – nicht Protzen“. Verwirklicht wurden seitdem

kleine und mittelgroße Projekte, vor allem im

ländlichen Raum, die für einen feinfühligen Umgang

mit dem baulichen Kontext und der lokalen Bauweise

stehen. Das favorisierte Material: Holz. Auch beim

Atriumhaus S handelt es sich um einen Holzbau, bei

dem ein klares ökologisches Konzept und ein starkes

sozialen Engagement verfolgt wird.

Der demografische Wandel ist wohl eines der grundlegendsten

Themen, mit dem sich die Gesellschaft, Politik

und Wirtschaft für die Zukunft auseinandersetzen

muss. Man spricht dabei von einer demografischen

Alterung, das bedeutet, dass vor allem die Bevölkerung

über 65 Jahren stark anwächst und für das drastische

Bevölkerungswachstum ausschlaggebend sein

wird. Diese Veränderung innerhalb der Altersstruktur

darf also keineswegs vernachlässigt werden. Das betrifft

auch die Architektur, denn die Versorgung dieser

immer älter werdenden Bevölkerung muss auch hier

bedacht und vor allem geplant werden.

Auf persönlicher Ebene kann man schon frühzeitig

selbst Überlegungen dazu anstellen, wie man im Alter

wohnen möchte. Oft steht dabei der Wunsch im

Vordergrund, solange wie möglich in der gewohnten

Umgebung leben zu können. Um das ermöglichen zu

können, sollten schon bei der Planung des Eigenheimes

gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, was

vor allem eine barrierefreie Nutzung betrifft.


www.architektur-online.com

29

Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

Auch bei den Bewohnern des Atriumhaus S gab es

das Verlangen in ihrem gewohnten Umfeld altern zu

können. Sie entschieden sich dafür, aus ihrem alten

Forsthaus abseits des Ortszentrums der etwa 3.500

Einwohner zählenden Gemeinde Molln auszuziehen.

Gefunden wurde ein Grundstück in ruhiger und auch

zentraler Lage am Rande des Ortskerns. Ruhe und

Abgeschiedenheit waren wichtige Aspekte, ebenso

wie eine möglichst lange und aktive Teilhabe am

Dorfleben. Die Selbstständigkeit der Bewohner soll

solange als möglich bewahrt werden, was durch eine

gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr

und an die örtliche Nahversorgung begünstigt

wird.

u


architektur FACHMAGAZIN

30

Bauen für morgen

Für das Wohnen im Alter wurden wichtige bauliche

Rahmenbedingungen geschaffen. Der gesamte Bau

erstreckt sich auf nur einer Ebene, alle Räume befinden

sich im Erdgeschoss. Es gibt keinen Keller oder

Dachboden, stattdessen fiel die Entscheidung auf

zwei separierte Baukörper. Im größeren befinden sich

alle Wohnräume samt Atrium, im anderen sind Lager,

Haustechnik und Garage ausgegliedert. Alle Räume

sind barrierefrei zu erreichen, es gibt keine störenden

Schwellen. Eine großzügige Flächenverteilung

und ausreichend breite Türöffnungen erlauben ein

problemloses Befahren aller Räume mit einem Rollator

oder Rollstuhl. Vor allem die mittige Platzierung

eines Atriums im Baukörper erlaubt es mit nur einem

Minimum an Gangflächen auszukommen.


www.architektur-online.com

31

Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

In das Wohngebäude gelangt man über einen mit der

Garage gemeinsamen Vorplatz. Schon beim Betreten

fällt der Blick in das zentrale und komplett verglaste

Atrium, sodass man gleich zu Anfang einen Überblick

über die Verteilung der Räume bekommt. Vom Eingangsbereich

aus gelangt man direkt in eine großzügige

Küche mit angrenzendem Ess- und Wohnbereich,

sowie eine zur Nachbarschaft hin ausgerichtete

Terrasse. Eine weitere zum Atrium hin orientierte

Terrasse lädt ebenso zum Essen und Entspannen im

Freien ein. Sie ist teilweise überdeckt, sodass im Innenraum

eine schmalere Verbindungsfläche mit Kamin

zu einem weiteren Aufenthaltsbereich entsteht,

der als Arbeitszimmer genutzt wird. Von hier aus

gliedern sich die Schlaf- und Sanitärbereiche mit zusätzlicher

Terrasse an und vervollständigen die ringförmige

Anlage der Räume um das Atrium herum, die

schließlich wieder zum Eingangsbereich führen.

Alle Räume öffnen sich zum Atrium hin. An ausgewählten

Stellen werden durch Fensteröffnungen

an der Außenfassade auch Blickbezüge zur Umgebung

geschaffen. Es gibt helle offene Bereiche und

zugleich auch geschützte private Zonen. Flexibilität

schaffen die Architekten auch mit der Positionierung

der Außenräume: Man kann in Verbindung zur Nachbarschaft

treten, muss aber nicht. Der Bautypus des

Atriumhauses erlaubt das.

Eine Abwanderung der Bewohner in eine innerstädtische

Lage wurde durch das zur Verfügung stellen

eines altersadäquaten Wohnhauses mit guter Integration

in die Dorfstruktur verhindert. Dadurch bleibt

der Dorfkern aktiv und einem Sterben der Ortszentren

wird entgegengewirkt. Auch auf ökonomischer

Ebene trägt das Gebäude zur Nachhaltigkeit bei.

Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Firmen und

Handwerkern wird ein Beitrag zur regionalen Wertschöpfung

geleistet. Hinzu kommt das Verwenden

von lokalen Rohstoffen, wie Fichtenholz und Kalksandstein.

Nicht nur die Tatsache, dass es sich um

einen reinen Holzbau handelt, sondern auch die Beheizung

durch Erdwärme, machen das Gebäude ökologisch

nachhaltig.

u


architektur FACHMAGAZIN

32

Bauen für morgen

Durch einen hohen Vorfertigungsgrad,

konnten die Architekten in nur sechs Monaten

Bauzeit hier einen architektonischen

und nachhaltigen Rahmen schaffen, um ein

altersgerechtes Wohnen im Eigenheim zu

ermöglichen. Das Atriumhaus S kann als

Prototyp für ein dafür vorbildliches Wohngebäude

gesehen werden. Vergessen darf

man dabei aber auch nicht auf soziale Bedürfnisse.

Stellen wir uns also vor, dass

das Atriumhaus S ein Teil einer größeren

Struktur ist. So könnte es mehrere derartige

Häuser in der direkten Nachbarschaft,

entlang der gesamten Straße oder sogar

das komplette Dorf aus ihnen bestehen. Zusätzlich

muss es auch barrierefreie Gemeinschaftsräume

geben, sowie ein Angebot an

weiterer notwendiger Infrastruktur, um eine

gute Versorgung sicherzustellen. Diese gilt

es zu fördern, um das Altern im Eigenheim

in einer Dorfgemeinschaft zu einer echten

Alternative zu machen. Wohnen im Alter

wird oft mit Betreuung und Pflege assoziiert.

Das betrifft aber nur altersmäßig weit

fortgeschrittene Menschen. In den Phasen

davor geht es viel mehr um die Vernetzung

mit einer altersgerechten Infrastruktur und

um das gut Versorgt sein, sowie um das

Respektieren des Wunsches im gewohnten

Umfeld zu verbleiben.

Steinkogler Aigner Architekten verspüren

dieses Bedürfnis auch bei ihren Bauherren:

„Wir bemerken ein Umdenken. Gerade aus

dem ländlichen Raum hatten wir in letzter

Zeit vermehrt Projekte von Bauherren, die

sich rechtzeitig für das Altern noch einmal

eine neue eigene Wohnsituation schaffen

wollten.“ Das Wohnen stellt also einen

wichtigen Teil der Selbstbestimmtheit und

der aktiven Lebensgestaltung dar und wird

beim Atriumhaus S auch als ein solcher

beibehalten.


www.architektur-online.com

33

Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

0 1

10 20

SCHNITT | M 1:200

0 1

10 20

GRUNDRISS | M 1:200

Atriumhaus S

Molln, Oberösterreich

Architekt:

Mitarbeiter:

Statik:

Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH

DI Jonathan Lutz, DI Christina Troppmann

Holzbau Aigner GmbH

Grundstücksfläche: 1.035 m²

Bebaute Fläche: 287 m²

Nutzfläche: 216 m²

Planungsbeginn: 10/2018

Bauzeit:

6 Monate

Fertigstellung: 10/2019

Baukosten:

ca. 460.000 Euro


architektur FACHMAGAZIN

34

Bauen für morgen

Altehrwürdige

Eleganz

Dortmannhof / Essen, Deutschland / Sigurd Larsen Design & Architecture

Text: Linda Pezzei Fotos: Christian Flatscher

Den Wert alter Strukturen und Bauwerke erkennt

man an der Hingabe und Sorgfalt, mit der diese bis

heute gepflegt und erhalten werden. Die Qualität dieser

“Urahnen“ unserer heutigen Wohnformen liegt in

deren Schlichtheit. Gebaut wurde nur, was wirklich

notwendig und für den Alltag im Laufe der Jahreszeiten

sinnvoll war. Räumliche Qualitäten, die maximale

Ausnutzung der Sonneneinstrahlung oder eine

natürliche Durchlüftung sind nur einige Merkmale,

die damals schon bedacht waren, heute aber durch

technisches Equipment wie Klimaanlagen oder Luftbefeuchter

gewährleistet werden müssen. Der Dortmannhof

in der Nähe der deutschen Großstadt Essen

ist einer jener betagten Urahnen.

Auf 500 Jahre bewegte Geschichte kann der unter

Denkmalschutz stehende Bauernhof zurückblicken.

Das ehemalige Behandigungsgut des Stiftes Essen

umfasst ein Hofgebäude von 1791, das bis heute noch

weitgehend im Originalgrundriss erhalten geblieben

ist. Zwischenzeitlich wechselte das Gut den Besitzer,

doch die Zeche Zollverein verpachtete den Bauernhof

weiter, anstelle das Land mit den geplanten Arbeitersiedlungen

zu bebauen. Zum Glück. So blieb

dieses herausragende Exemplar eines niederdeutschen

Hallenhauses in Fachwerkbauweise bis heute

bestehen. Typisch für diese Bauform ist, dass Wohnbereiche

und Stallungen unter einem Dach errichtet

wurden, wobei von der Diele im Wohnteil eine zentral

angeordnete Treppe in das Obergeschoss führt.

Solche Hallenhäuser konnten dank ihrer kompakten

Bauweise bis zu fünf Stockwerke hoch sein. u

Sigurd Larsen Design &

Architecture haben das

jahrhundertealte Dortmanngut

im Ruhrpott

mit ihrem Konzept eines

übergroßen Raummöbels

für eine Musikerfamilie zu

neuem Leben erweckt. Alt

und Neu bilden eine perfekte

Harmonie, vorhandene

Strukturen wurden

erhalten und in das Hier

und Jetzt übertragen.

Dank der zurückhaltenden

Herangehensweise

der Architekten wurde

das denkmalgeschützte

Gebäude aber auch für

nachkommende Generationen

fit gemacht.


www.architektur-online.com

35

Sigurd Larsen Design & Architecture


architektur FACHMAGAZIN

36

Bauen für morgen

Die alten Bestandsbalken wurden ganz

selbstverständlich in den neuen Einbau

integriert und auf diese Weise gezielt

in Szene gesetzt.

Heute wird der Dortmannhof zwar nicht mehr von

Bauern bewohnt, dafür hat eine Musikerfamilie hier

ihr neues Zuhause gefunden. Die vorgefundene

Bausubstanz bot für deren Ansprüche an ihr neues

Zuhause perfekte Voraussetzungen: Der Wunsch

der Bauherren war es, ein räumlich sehr hohes Musikstudio

in ihr neues Heim zu integrieren. So windet

sich dieses Studio nun in der Mitte der drei parallelen

Scheunenräume elf Meter in die Höhe und endet

erst knapp unter dem bestehenden Dach. Zusätzlich

wurde in der östlichen Scheune ein Gästehaus mit

separatem Eingang sowie in der westlichen Scheune

ein großes zusätzliches Badezimmer errichtet. Das

bildgewaltige Konzept stammt aus der Feder des in

Berlin ansässigen Architektur- und Designbüros von

Sigurd Larsen.

Die alten Tragstrukturen, die äußere Erscheinung,

die Holzläden, das Dach mit seinen Balken sowie

die Bodenbeläge wurden dabei fast vollständig erhalten.

Von außen erscheint das Gehöft wie vor 200

Jahren, als hätten Zeit, Wind und Wetter dem stolzen

Bauwerk nichts anhaben können. Im Inneren

offenbart sich ein überraschend heller, luftiger und

wohnlicher Raum. Das strahlend reine Weiß der Einbauten

kontrastiert perfekt mit den umliegenden

rauen Naturoberflächen verschiedenster Steine und

Hölzer. Auch innerhalb der Raumelemente durchstoßen

alte Holzbalken deren Außenwände, die Hände

der Bewohner berühren die jahrhundertealten Steinmauern,

die weiß getüncht wurden und anstelle von

Bildern schmücken alte Holzläden die Wände. So

verbindet sich Neu und Alt zu einem harmonischen

Ganzen, ohne dabei dem jeweils Einzelnen die Individualität

zu rauben. Alle Einbauten sind als übergroße,

bewohnbare Möbel konzipiert, die sich bei Bedarf

wieder entfernen lassen, ohne dass in den Bestand

eingegriffen werden muss. Auf diese Weise konnten

Architekt und Bauherr den Anforderungen des Denkmalschutzgesetzes

gerecht werden, das es ermöglicht,

historische Gebäude für die moderne Nutzung

zu adaptieren.


www.architektur-online.com

37

Sigurd Larsen Design & Architecture

Schmal und zart entwickeln sich die neuen Raumelemente

in die Höhe, ganz so, als würden sie es

den umliegenden Pflanzen gleichtun wollen. Durch

großzügige, nach Norden ausgerichtete Fenster

fällt viel Tageslicht ins Innere. Die davor liegenden

Lochwände waren ursprünglich zur Belüftung des

Heus gedacht, heute ergibt sich durch den indirekten

Lichteinfall ein sich ständig wechselndes Spiel

aus Licht und Schatten. Vorhänge aus weißem Textil

zonieren die Flächen zusätzlich, bieten Rückzugsmöglichkeiten

und verleihen den Räumen Behaglichkeit.

Wenige, dafür kräftige Akzentfarben sorgen für

Stimmung. Bestehende Holzelemente wie Treppen,

Türen oder Fensterläden sind, soweit nicht naturbelassen,

in erdige Grün- und Blautöne getaucht,

die an vergangene Zeiten erinnern. Designelemente

wie Leuchten oder Stühle setzen farblich dazu kontrastierende

Akzentpunkte. Auch bei der Gestaltung

des Badezimmers spielten die Planer rund um Sigurd

Larsen mit der Kombination von Alt und Neu: Während

die Waschbecken ganz in weiß gekalkt an eine

Viehtränke erinnern, setzt die Dusche mit ihrem rosa

Anstrich und dem Boden in Terrazzo-Optik ein klares

Statement der aktuellen Trends.

u


architektur FACHMAGAZIN

38

Bauen für morgen

Auch im Nassbereich

setzt Larsen konsequent

die verspielte Kombination

von alt und neu fort.

Das historische Gebäude umfasst gleich mehrere

Eingänge und interne Verbindungswege. Diese ermöglichten

es den früheren Bewohnern, verschiedenen

landwirtschaftlichen Aktivitäten gleichzeitig

nachzugehen. Für die Zukunft bauen heißt aus der

Vergangenheit lernen und praktische wie erprobte

Merkmale der bestehenden Architektur und Strukturen

in die neue Zeit zu übersetzen. So wurden diese

Anknüpfungspunkte beibehalten, sodass Familienleben,

kreatives Schaffen und tägliche Arbeit auf dem

Dortmannhof auch heute in einem ähnlichen Geist

nebeneinander existieren können.

So stellt das alte Westdeutsche Gut heute einen

äußerst modernen und nachhaltigen Ansatz für unser

zukünftiges Wohnen dar. Alte, funktionierende

Strukturen konnten konserviert und ein architektonisches

Erbe für die Nachwelt erhalten werden, ohne

dass dieses zum Museum verkommen muss. Wie vor

mehr als 200 Jahren auch, füllen die Bewohner das

Bauwerk mit – und erhalten es somit auch am Leben.

Durch das Konzept des Einbaus von bewohnbaren

Möbeln bleibt das Gebäude aber auch für nachfolgende

Nutzer nach deren Bedürfnissen individuell

nutzbar – denn die Anforderungen an unsere Wohnwelten

werden sich wohl wie in den vergangenen 200

Jahren auch in den kommenden Jahrhunderten wandeln.

Solche und ähnliche Konzepte bieten gerade

für unsere ländlichen Strukturen und gewachsenen

Gehöfte interessante Möglichkeiten und Chancen,

die wir noch viel öfter nutzen sollten.


www.architektur-online.com

39

Sigurd Larsen Design & Architecture

EG

OG

DG

Dortmannhof

Essen, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Statik:

Privat

Sigurd Larsen Design & Architecture

Scheuten Bautechnik

Grundstücksfläche: 800 m 2 (plus 260 m 2 Bestand)

Bebaute Fläche: 260 m 2

Nutzfläche:

80 m 2 Neubau + plus 270 m 2 Bestand

Planungsbeginn: 08/2016

Bauzeit:

3.5 Jahre

Fertigstellung: 02/2020


architektur FACHMAGAZIN

40

Bauen für morgen

Kork-Lego XXL

Cork House / Eton / Matthew Barnett Howland mit Dido Milne & Oliver Wilton

Text: Edina Obermoser Fotos: Matthew Barnett Howland, Magnus Dennis, Ricky Jones, Oliver Wilton


www.architektur-online.com

41

Matthew Barnett Howland mit Dido Milne & Oliver Wilton

Matthew Barnett Howland und Dido Milne, die gleichzeitig

die Bauherren des Projekts sind, machten sich mit

ihrem Architektenkollegen Oliver Wilton auf die Suche

nach einem innovativen Material für den nachhaltigen

Häuserbau. Das Produkt der jahrelangen Forschung ist

das Cork House. Dieses vereint, ganz aus Kork, Konstruktion,

Dämmung und Gestaltung in einem und zeigt

auf, wie energie- und ressourcenschonendes Bauen in

der Zukunft aussehen könnte.

Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“ wollte das

Planertrio weg von modernen Hightech-Lösungen, hin

zu mehr Natur, und stieß dabei auf Kork. Das facettenreiche

Naturmaterial wird durch das Schälen der

Korkeiche gewonnen. Im Vergleich zur Holzgewinnung

muss der Baum also nicht gefällt werden – ganz im Gegenteil

– innerhalb von neun Jahren erneuert sich die

Rinde und kann erneut geerntet werden. Ein weiterer

Pluspunkt ist die hohe Biodiversität, die Korkwälder

aufweisen. Auch sonst ist Kork ein wahrer Allrounder,

er schützt nicht nur vor Wind und Wetter, sondern

trotzt auch Feuer und Schädlingen. Dennoch besteht

seine primäre Nutzung nach wie vor in der Produktion

von Flaschenkorken oder Dämmplatten.

u


architektur FACHMAGAZIN

42

Bauen für morgen

Während der dunkle Kork

im Inneren für Gemütlichkeit

und eine angenehme

Akustik sorgt, lässt das

von oben einfallende Tageslicht

die Bereiche hell

und geräumig erscheinen.

In Kooperation mit einer Reihe an Firmen und Instituten

forschten und experimentierten die Architekten

über sechs Jahre hinweg, um aus Kork einen innovativen

Bau zu machen. Neben MPH Architects, diversen

Hochschulen und den Ingenieuren von Arup

war unter anderem auch der Korkhersteller Amorium

an dem Prozess beteiligt. Vor dem eigentlichen

Wohnhaus wurden zuerst mehrere Prototypen im

kleineren Maßstab gefertigt. Diese dienten dazu, die

Eigenschaften des organischen Materials, vor allem

in Hinsicht auf seine Verdichtung, genauer zu verstehen

und die Ergebnisse schließlich in den Entwurf

integrieren zu können.

Howland, Mine und Wilton folgten bei der Umsetzung

des Projekts dem Grundsatz „form follows lifecycle“.

Sie bedachten den gesamten Lebenszyklus des Baus

– von Produktion, Montage und Nutzung bis hin zu

Abbau und Entsorgung bzw. Weiterverwendung –

und entwickelten ein Stecksystem aus vorgefertigten

Korkblöcken. Diese wurden mit Unterstützung

der Bartlett School of Architecture realisiert und bestehen

aus Abfällen der Korkproduktion, die zu Granulat

weiterverarbeitet, in Plattenform gepresst und

schließlich gefräst wurden. Die Blöcke wirken nicht

nur wie riesige Korklegosteine, sie können tatsächlich

einfach von Hand auf- und abgebaut werden und

kommen dabei ganz ohne Binde- oder andere Hilfsmittel

aus. So lässt sich das biologisch abbaubare

Material am Ende seiner Lebenszeit recyceln.


www.architektur-online.com

43

Matthew Barnett Howland mit Dido Milne & Oliver Wilton

Das Cork House ist das Endergebnis der umfassenden

Forschungsarbeit, das seinem Namen alle Ehre

macht. Es befindet sich in Eton, 25 km westlich von

London, auf einer kleinen Insel in der Themse. Über

den Baumwipfeln ragen die gotischen Spitztürme der

Eton College Chapel in die Höhe. Dort gliedert es sich,

neben einem denkmalgeschützten Mühlenhaus, auf

dem grün bewachsenen Grundstück ein und strukturiert

den großen Garten. Auf einer leicht angehobenen

Bodenplatte, die den Bau im Erdboden verankert,

fügen sich die 1.268 Korkblöcke zu einem innovativen

Wohnhaus zusammen. Rahmen aus Accoya, acetyliertem

Holz, vervollständigen die Kon struktion. Um die

Produktion der Bausteine möglichst effektiv zu gestalten,

wurde die Grundform möglichst simpel gehalten.

Ein rechteckiger Sockelbereich formt die Basis.

Darüber schließen fünf Pyramidenstümpfe das Korkhaus

nach oben hin ab. Diese sind als Kraggewölbe,

also rein druckbeansprucht, ausgeführt und erinnern

an eine Mischung aus Mayatempel und Termitenhügel.

Dachfenster dienen nicht nur der Belichtung der

Innenräume, sondern komplettieren die sogenannten

falschen Gewölbe, indem sie die leichten Blöcke beschweren

und so für die nötige Stabilität sorgen.

Auf 44 m 2 finden im Inneren des Korkhauses verschiedene

Funktionen nebeneinander Platz, ohne

beengend zu wirken. Unter dem ersten der fünf Pyramidenstümpfe

befindet sich das abgetrennte Schlafzimmer.

Darauf folgt ein offener Wohn-Essbereich

mit Küche, der sich über zwei Abschnitte erstreckt.

Den Abschluss bilden zuerst ein zweigeschossig

genutzter Teil mit Bad unten und darüberliegenden

Gästebetten und schließlich eine offene Loggia, die

sich sowohl zum Garten als auch zum Bestandsgebäude

hin öffnet.

u


architektur FACHMAGAZIN

44

Bauen für morgen


www.architektur-online.com

45

Matthew Barnett Howland mit Dido Milne & Oliver Wilton

Die Korkwände verleihen den Innenräumen nicht nur

eine einzigartige Optik, sondern wirken sich auch auf

die Akustik, die Haptik und den Geruch aus. Dank der

unkonventionellen Dachform und der Luken erscheinen

die Räume größer, als sie eigentlich sind. Dazu

tragen auch großflächige Schiebeverglasungen bei,

die sämtliche Bereiche in Tageslicht tauchen und

trotz der dunklen Farbe des Korks für ein helles und

freundliches Ambiente sorgen. Fichten- und Eichenholz

sowie Messing-Akzente ergänzen die natürliche

Produktpalette des Hauses und verstärken den höhlenartigen

Charakter. Sie kleiden Böden und Einbauten,

Armaturen und sichtbare Rohrleitungen.

Besonders hervorzuheben ist auch, dass die CO 2 -Bilanz

des kleinen Hauses sogar negativ ausfällt, da

das Naturmaterial mehr Kohlenstoff bindet, als während

des gesamten Bauprozesses abgegeben wurde.

Dies ist gerade im Bausektor beträchtlich, wenn man

bedenkt, dass die Branche mit rund einem Drittel der

jährlichen Emissionen maßgeblich zum Klimawandel

beiträgt. Ressourcen- und energieschonende Lösungen,

die das Prädikat „Nachhaltigkeit“ nicht nur als

Vermarktungsstrategie tragen, sondern diese auch

tatsächlich verkörpern, werden vor allem in Zukunft

heiß begehrt sein. Auch die Jury der RIBA Awards

konnte das kleine Cork House überzeugen – sie

zeichnete das Projekt gleich dreifach aus und honorierte

damit den Einsatz der drei Architekten. •

Cork House

Eton, Großbritannien

Bauherr:

Planung:

Partner:

Statik & Brandschutz:

Dido Milne, Matthew Barnett Howland

Matthew Barnett Howland mit Dido Milne (CSK Architects) & Oliver Wilton (UCL)

MPH Architects, Wup Doodle, Sturgis Carbon Profiling LLP, Urquhart & Hunt,

Bartlett School of Architecture UCL, University of Bath, Amorim UK, Ty-Mawr Lime,

BRE, Innovate UK, EPSRC

Arup

Grundstücksfläche: 950 m 2

Bebaute Fläche: 75 m 2

Nutzfläche:

44 m 2 + 12 m 2 Loggia

Planungsbeginn: 2013

Bauzeit:

1 Jahr

Fertigstellung: Jänner 2019


architektur FACHMAGAZIN

46

Bauen für morgen


www.architektur-online.com

47

Raha Ashrafi, Marziah Zad, Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei

Nicht nur

Fassade

Atlas Medical Office Building / Hamedan, Iran

Raha Ashrafi, Marziah Zad, Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei

Text: Linda Pezzei Fotos: Farshid Nasr Abadi

Das Atlas Medical Office

Building im Iranischen Hamedan

ist ein zukunftsweisendes

Beispiel für

moderne Architektur mit

Seele. Das Bauwerk aus

der Feder der vier Architektinnen

Raha Ashrafi,

Marziah Zad, Mohsen

Marizad und Ahmad

Bathaei beweist, dass

Technologie, Zukunftsdenken,

lokale Baustoffe

und Betriebe sowie Raumqualität

und städtebauliche

Relevanz sich nicht

widersprechen, sondern

eben erst bedingen.

Der Iran kann auf eine lange, von Traditionen geprägte

Architekturgeschichte zurückblicken. Doch wohin

sich das moderne Bauen entwickeln wird, ist noch

nicht zur Gänze entschieden. Fakt ist, dass viele junge

Menschen nach Europa oder in die USA gehen, um

dort Architektur zu studieren. Von dort bringen sie

westliche Ideen und Konzepte zurück in ihr Heimatland.

In der gebauten Wirklichkeit bedeutet dies allerdings

leider allzu oft nur schlechte Imitationen von

Hadid bis Libeskind. Spektakuläre Fassaden ohne

Substanz. Dem gegenüber steht eine wachsende

Zahl an Investorenprojekten mit pseudohistorischen

Fassaden. Dazwischen blitzen allerdings auch einige

architektonische Juwelen auf, die zeigen, dass es

auch anders geht. Umso spannender, wenn ein solches

Kleinod in diesem männerdominierten Berufsbild

aus Frauenhand stammt.

Um genau zu sein aus acht Frauenhänden. Marziah

Zad, Raha Ashrafi, Mohsen Marizad und Ahmad Bathaei

zeichnen für den Entwurf des Atlas Medical Office

Building in Hamedan verantwortlich. Die beiden

Erstgenannten führen gemeinsam ein Designbüro, das

sich mit Strategien befasst, die zu innovativen, ikonischen

Gebäuden und attraktiven städtischen Umgebungen

führen sollen. Das Büro will eine Plattform

zum Nutzen der Gemeinden bieten. Ziel ist es, eine

Reaktion auf die ständigen Veränderungen der sozialen,

kulturellen und technologischen Bedingungen von

Städten und Umwelt zu liefern. Die vier Frauen stehen

stellvertretend für eine selbstbewusste Generation

junger Architektinnen, die die Zukunft ihres Landes

mit innovativen Designkonzepten positiv beeinflussen

möchten – und das völlig genderunabhängig.

Das Hauptgeschäftsviertel von Hamedan steht mit seinen

gemischt genutzten Hoch- und Flachbauten stellvertretend

für viele andere Städte im Iran. Die knapp

700.000-Einwohner-Stadt liegt etwa 300 Kilometer

westlich von Teheran und damit an der Seidenstraße,

der traditionellen Handelsroute zwischen Bagdad und

der Iranischen Hauptstadt, wo auch das Büro von Ashrafi

& Zad seinen Sitz hat. Die Geschichte Hamedans

reicht bis in das zweite Jahrtausend vor unserer Zeit

zurück, was die Stadt zur vermutlich ältesten im gesamten

Iran macht – von hier sollen auch die Heiligen

Drei Könige nach Bethlehem losgezogen sein. u


architektur FACHMAGAZIN

48

Bauen für morgen

Die Fassadengestaltung verleiht

dem Gebäude nicht nur

Dynamik, die fließenden Bänder

scheinen die Grenze zwischen

Innen- und Außenraum zu

verwischen.

Umso spannender gestaltet sich in dieser Stadt der

Blick auf moderne Architekturbauten. Eines davon ist

das 2019 fertiggestellte Atlas Medical Office Building

inmitten des Stadtzentrums. Der Entwurf des sechsstöckigen

Gebäudes basiert auf der Verknüpfung

innovativer Designstrategien und fortschrittlicher

digitaler Werkzeuge. Dieses Zukunftsdenken wurde

mit dem Knowhow und der Erfahrung der lokalen

Arbeitskräfte fusioniert. Die verwendeten Baustoffe

stammen außerdem bevorzugt aus der Region. Die

Kombination all dieser Komponenten ermöglichte

in der Konsequenz eine kosteneffektive Umsetzung

des Bauwerks.

Während der Entwurfsphase näherte sich das Designteam

schrittweise in wiederholten Versuchen der

endgültigen Gebäudeform an. Maßgeblich dabei wirkten

sich von außen betrachtet allen voran die Bauvorschriften

auf das Konzept aus, sowie, von innen her

gesehen, die Anforderungen des Kunden an die zukünftige

Nutzung. Die organisch geschwungene Gebäudeform

ergab sich im letzten Schritt aus dem Anspruch,

den Einfall des natürlichen Tageslichts in das

Gebäudeinnere zu erleichtern: Sonnenbahnen und

Einfallswinkel bestimmten in Folge die Ausformung

der Baumasse. Dieser architektonische Ansatz zur

Optimierung des natürlichen Lichtpegels in beengten

Räumen nennt sich „Solar Carving“. Die Gebäudemorphologie

resultiert letztendlich aus einem krummlinigen

geometrischen System, das auf Sonnenbahnen

reagiert und visuelle Verbindungen zwischen Ebenen

ermöglicht. Die Architektinnen sehen diese Herangehensweise

und das Ergebnis als ein gelungenes

Beispiel, wie zuvor als Einschränkung empfundene

Vorgaben sich im Rahmen eines innovativen Designprozesses

letztlich als zielführend erweisen können.

Die Fassade ist passend zu dem Kerngedanken der

Planerinnen äußerst geometrisch gestaltet. Weiße

Bänder wickeln sich in unterschiedlicher Stärke um

das gesamte Gebäude und erzeugen auf diese Weise

ein sehr rhythmisches Gesamtbild, das zu keinem

Zeitpunkt statisch wirkt. Der Blick wird nahezu an

diesen Bändern fixiert und wie magisch in die Höhe

und in das Innere des Bauwerks gezogen. Die umlaufenden

Fensterbänder verstärken diesen Effekt noch

und lassen die Struktur durch ihre vertikale Positionierung

der Rahmen elegant und schlank wirken.

Insgesamt spricht die Fassade auf diese Art eine moderne,

aber dennoch eigene Formensprache. u


www.architektur-online.com

49

Raha Ashrafi, Marziah Zad, Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei


architektur FACHMAGAZIN

50

Bauen für morgen

Jede der Ebenen besteht aus drei vertikal gestapelten

Einheiten, die zu drei horizontal getrennten

Türmen führen. Auch hier wurde ein krummliniges

geometrisches System als Grundlage verwendet, um

die drei Türme in einem Objekt harmonisch zu vereinen.

Aus der Analyse zukünftiger Bewegungsmuster

durch und um das Grundstück wurde ein Durchgang

konzipiert, der den primären städtischen Korridor mit

einer sekundären Durchgangsstraße verbindet und

tagsüber für Fußgänger zugänglich ist.

Das Projekt brilliert in seinem Zusammenspiel von

positivem und negativem Raum. Auf diese Weise

wird die Position des Gebäudes zu seiner Umgebung

sowie die daraus resultierende räumliche Qualität

bewusst in Szene gesetzt. Lichteinfallswinkel und visuelle

Verbindungen werden für den Nutzer erlebbar,

während sich Form und Raum ganz selbstverständlich

ergänzen. Die krummlinige Fassade folgt einer

konkaven und konvexen Bewegung, die Terrassen

und Treffpunkte über Ebenen hinweg erzeugt und

einen einladenden städtischen Zugang im Erdgeschoss

betont.

Mit ihrem Ansatz, öffentliche und private Räume

verschmelzen zu lassen, setzen die Architektinnen

ein wichtiges städtebauliches und soziales Zeichen.

Auch soll das Gebäude durch mehrere Grünflächen

über die Jahre zu einer innerstädtischen Oase werden,

zu einem Treffpunkt auf dem Weg zum Innehalten

und Durchatmen. Das Atlas Medical Office

Building liefert zudem den Beweis, dass moderne Planungsinstrumente

die Verwendung lokaler Bau stoffe

und die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben

nicht ausschließen muss. Wenn die Vergangenheit

verwaschen und die Gegenwart wenig greifbar ist, so

sieht die Zukunft der Architektur im Iran doch recht

vielversprechend aus.


Die Erschließung ist

zugleich öffentlicher

Durchgangsweg, der Begegnungspunkte

schafft

und Aufenthaltsflächen

bietet.


www.architektur-online.com

51

Raha Ashrafi, Marziah Zad, Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei

EG OG 2 & 5 OG 3 OG 4

Atlas Medical Office Building

Hamedan, Iran

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Ali Dadi, Momeni, Bathaei

Raha Ashrafi, Marziah Zad,

Mohsen Marizad, Ahmad Bathaei

Asal Alizadeh, Farzad Ghassemi, Mohamad Reza Hoorjandi,

Negar Hosseini, Saba Shenasi

M. Niazi

Grundstücksfläche: 675 m 2

Bebaute Fläche: 450 m 2

Nutzfläche: 3.200 m 2

Planungsbeginn: 2016

Bauzeit:

2 Jahre

Fertigstellung: 2019


architektur FACHMAGAZIN

52

Bauen für morgen


www.architektur-online.com

53

cepezed

(De- und Re-)Montiert

in die Zukunft

Building D(emountable) / Delft, Niederlande / cepezed

Text: Edina Obermoser Fotos: Lucas van der Wee | cepezed

Rohstoff-, Energie- und Wasserverbrauch, Abfall und

CO 2 -Ausstoß – sie alle sind Teil des Bauwesens. Die Niederlande

gehen in Sachen Progressivität in der Branche

mit bestem Beispiel voran: Bis 2050 wollen sie den

Sektor nachhaltiger gestalten und sämtliche Gebäude

in eine Kreislaufwirtschaft einbinden. Das Building

D(emountable) ist die Antwort der Delfter Architekten

cepezed. Es lässt sich vollständig zerlegen und ebenso

einfach an anderer Stelle bei Bedarf wieder aufbauen.


architektur FACHMAGAZIN

54

Bauen für morgen

Bei Dämmerung verwandelt

sich der Bürobau mit

seiner modularen Glasfassade

in ein diffuses

Leuchtmittel. Lediglich

die Gebäuderückseite ist

geschlossen ausgeführt.

Das modulare Projekt entstand auf dem ehemaligen

Areal der Technischen Universität Delft. 2012 erwarb

das holländische Planerbüro cepezed das Grundstück

mit den historischen Laborgebäuden und

transformierte es Schritt für Schritt in einen Kreativcluster

und Anlaufpunkt für verschiedene Firmen.

Fast der ganze Komplex konnten im Zuge der Revitalisierung

erhalten werden, lediglich ein desolater Bau

musste weichen. An seiner Stelle realisieren die Architekten

den Neubau, der als Wegweiser für die Umsetzung

der nachhaltigen Ziele für die Bauszene des

Landes dienen soll und gleichzeitig zu ihrem neuen

Arbeitsplatz wird.

Das Building D(emountable) fügt sich behutsam in

die Bestandsstruktur ein. Seine Außenmaße gleichen

mit 11 auf 21.5 Metern denen seines Vorgängers.

cepezed beschäftigt sich seit Jahren mit der Planung

modularer, demontierbarer Gebäude und kann daher

auf einiges an Erfahrung zurückgreifen. Die Architekten

legen großen Wert auf einfache Geometrien

und minimalen Materialaufwand und entwickeln den

Baukörper als modularen Leichtbau. Bis auf die Betonbodenplatte

sind alle Elemente vorgefertigt und

müssen vor Ort nur noch montiert werden.


www.architektur-online.com

55

cepezed

Das feingliedrige Haupttragwerk aus Stahl ergänzen

Zwischendecken und ein Dach aus Furnierschichtholz,

in deren schlankem Aufbau sich die

Gebäudeinstallationen verbergen. Trockenestrichplatten

ermöglichen die geringe Höhe der vorgefertigten

Einzelteile. Sie bilden die oberste Schicht der

Geschossplatten und sind aus zum Teil recyceltem

PVC hergestellt. Da die Glashülle, die den Bau rundum

abschließt, rahmenfrei ausgeführt ist, mussten

Stahl- und Fassadenbauer besonders eng zusammenarbeiten.

Die Doppelverglasung schließt direkt

an die Stahlstruktur an und erlaubte nur sehr geringe

Bautoleranzen.

cepezed ist nicht nur für das Aussehen des Gebäudes

verantwortlich. Zum Büro gehören mit Architektur,

Projektentwicklung und Innenraumgestaltung

mehrere verschiedene Abteilungen. Sie alle vereinten

die Planung unter einem Dach und deckten sie

bis hin zur Ausführung komplett ab. Konstruktion

und Design wurden Hand in Hand entwickelt und

optimiert. Bei den externen Beauftragten handelte es

sich um langjährige Partner. In Kombination mit der

vorgefertigten Trockenbauweise dauerte der Bauprozess

deshalb nicht länger als ein halbes Jahr. Die

tragende Struktur des innovativen Gebäudes war mit

dem Stahlskelett und den Holzböden sogar innerhalb

von nur drei Wochen fertiggestellt.

u


architektur FACHMAGAZIN

56

Bauen für morgen

Jedes der vier Geschosse im Building D(emountable)

bietet ca. 200 m 2 Fläche, die flexibel genutzt werden

kann. Sie ist als großer Open-Space-Bereich gestaltet

und kann mit raumhohen Vorhängen optisch und

akustisch in privatere Zonen abgetrennt werden. Die

Architekten teilen sich die Arbeitsplätze derzeit mit

dem Web- und App-Entwickler 9to5 Software und

Triumph Studios, einem Spieleentwickler.

Mit der nach Nordosten orientierten Längsfassade

dockt das Gebäude an den Bestand an. Neben dem Erschließungsturm

an der nördlichen Gebäudeecke befinden

sich hier, entlang der geschlossen gehaltenen

Ansicht, die administrativen Räume. Der schwarze Einbau

erstreckt sich über alle Stockwerke und schützt

vor ungewollten Einblicken. Im Inneren wird die Konstruktion

des Baus gleichzeitig zum gestalterischen Element

und verleiht ihm seinen Charme. So zeichnet sich

zum Beispiel entlang der Untersicht der Zwischendecken

die gerippte Holzstruktur der vorgefertigten

Module ab. Die Glasvorhangfassade sorgt nicht nur

für spannende Blickbeziehungen zwischen Innen- und

Außenraum, sondern sorgt außerdem für eine helle,

freundliche Arbeitsatmosphäre in den Büroräumen.

Während vertikale Lüftungselemente manuelle Lüftung

ermöglichen, dienen die an den Stahlprofilen befestigten

Rollläden bei Bedarf als Sonnenschutz.

Um Material und damit Gewicht einzusparen, wurde

das Gebäude als ein einziger Brandabschnitt konzipiert.

Lediglich das Treppenhaus ist abgetrennt und

feuerfest. In die Decken integrierte Klimaanlagen

sorgen in den einzelnen Geschossen für ein angenehmes

Raumklima. Sie sind außerdem für die Beheizung

des Bürohauses zuständig. Ein Wärmetauscher

komplettiert die Gebäudetechnik.

Das transparente Stahltreppenhaus erschließt die einzelnen

Geschosse. Es bildet den einzigen abgetrennten

Brandabschnitt und senkt Materialeinsatz und Gewicht

des Neubaus.

Langlebigkeit, Sanierung, Umnutzung und Recycling,

das sind die Kernpunkte des „Circular Netherlands“-Plans.

Sie bieten spannende Herausforderungen

für die Architektur und hätten auch in

anderen Ländern durchwegs positive Auswirkungen

auf die Bautätigkeiten. Sollte Building D(emountable)

eines Tages ausgedient haben, kann es dem

Cradle-to-Cradle-Prinzip entsprechend zur Gänze

rückgebaut und recycelt, oder an einem neuen Ort

wieder montiert werden. Projekte wie dieses machen

Hoffnung auf mehr zukunftsweisende, nachhaltige

Konzepte. Sie erfordern zwar auf kurze Sicht größere

Investitionen, wirken sich aber vor allem auf lange

Sicht sowohl auf die Geldbörse als auch auf das Klimabudget

positiv aus.


0m

0m

5m

5m

0m 5m 0m

5m

www.architektur-online.com

57

cepezed

Building D(emountable)

Delft, Niederlande

Bauherr:

Planung:

Statik:

Bauingenieur:

Jan Pesman

cepezed

IMd Raadgevende Ingenieurs

Nelissen ingenieursbureau

Grundstücksfläche: 242 m 2

Nutzfläche: 968 m 2

Planungsbeginn: September 2016

Bauzeit:

6.5 Monate

Fertigstellung: Dezember 2019


architektur FACHMAGAZIN

58

Bauen für morgen

Wald trifft

Wasser

City of London Freemen‘s School Swimming Pool

Surrey, Großbritannien / Hawkins\Brown

Text: Linda Pezzei Fotos: Jack Hobhouse

Die Fertigstellung des neuen Poolgebäudes für die City of

London Freemen‘s School im britischen Surrey stellt den

Abschluss der Phase II eines großangelegten Masterplans

zur Entwicklung des denkmalgeschützten Campusgeländes

dar. Unter der Führung der Architekten Hawkins\Brown

soll die geschichtsträchtige Privatschule für Tages- und

Internatsschüler für die Zukunft gerüstet werden.


www.architektur-online.com

59

Hawkins\Brown

Die Privatschule City of London Freemen‘s School

(CLFS) wurde bereits 1854 gegründet und befindet

sich inmitten einer herrlichen Naturlandschaft im

englischen Surrey. 1926 übersiedelte die Schule von

Brixton in den Ashtead Park und bezog das denkmalgeschützte

Gebäude. Die akademisch und sportlich

ausgerichtete Schule wird von Tages- wie Internatsschülern

besucht. Trotz ihrer langen Tradition ist die

CLFS aber keineswegs elitär - eher das Gegenteil. So

wird Historie hier bewahrt und gepflegt, ohne dabei

Innovation und Zukunftsdenken außer Acht zu lassen.

Seit 2008 läuft in diesem Sinne ein Mehr-Phasen-Plan

zur Weiterentwicklung des 230.000 m² umfassenden

Areals.

Das Architektenteam von Hawkins\Brown zeichnet

für die Umsetzung und Ausgestaltung der Maßnahmen

auf dem Schulcampus verantwortlich. So

wurden in einer ersten Phase bereits eine neue Musikschule

und ein Internatsgebäude für 60 Schüler

realisiert. Mit dem Umbau des unter Denkmalschutz

stehenden Haupthauses wurde 2019 begonnen und

für die weitere Zukunft sind ein neuer Spielplatz und

eine verbesserte Landschaftsgestaltung geplant. In

der zweiten Phase ergänzten die Planer die Vielzahl

der Sportanlagen um einen Indoor-Pool. Der Neubau

war notwendig geworden, nachdem das ursprüngliche

Schwimmbad 2014 durch einen Brand zerstört

worden war.

Der Neubau eröffnete die Möglichkeit, das Sportbecken

von der Westseite nach Osten zu verlegen

und den Pool so an die vorhandenen Sportanlagen

anzugliedern. Das 25 Meter lange, wettkampftaugliche

Becken umfasst sechs Bahnen, die den Schülern

zu Trainingszwecken zu Verfügung stehen. Außerdem

sind in dem neuen Gebäude Umkleidekabinen

sowie ein Mehrzweckraum für Unterricht und Veranstaltungen

untergebracht. Der besondere Reiz der

Schwimm anlage liegt neben der malerischen Lage

inmitten einer wilden Baumlandschaft in deren anmutigen

Konstruktion aus naturbelassenem Holz.

Um dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht zu werden,

griffen die Architekten und Statiker auf modernste

Holzkonstruktions- und Vorfabrikationsmethoden

zurück. Ziel war es, das Gebäude möglichst

sanft in den bestehenden Kontext der historischen

Wälder einzufügen und einen einladenden Rückzugsort

zu schaffen. Natürliche Materialien und eine

naturverbundene Farbwelt unterstützen diesen Gedanken

ebenso wie die tiefen Stützen aus massivem

Holz und die umlaufende vollflächige Verglasung. So

eröffnen sich vom Wasser aus überraschende Blickwinkel

auf die umgebende Naturlandschaft. Die Architekten

sprechen von dem Gefühl, unter den Bäumen

zu schwimmen. Dieser Eindruck wird dadurch

noch verstärkt, dass das Untergeschoss teilweise in

den Boden versenkt wurde. Dadurch fügt sich das

Poolgebäude nicht nur zurückhaltend in die Landschaft,

es konnte auch ein möglichst großer Teil des

Baumbestandes bewahrt werden. Eine Anforderung,

welche die Planer aufgrund der Kategorisierung des

Campus auf der amtlichen Denkmalliste als “besonders

bedeutendes Bauwerk von allgemeinem Interesse”

erfüllen mussten.

u


architektur FACHMAGAZIN

60

Bauen für morgen

Die Umsetzung der Planung wurde von dem britischen

Bauunternehmen Gilbert-Ash geleitet. Bei der

Konstruktion kamen Portalrahmen aus Brettschichtholz

zum Einsatz, die mit Brettsperrholzplatten (CLT)

verspannt wurden. Die Verwendung von Holzwerkstoffen

ermöglichte eine schnelle, effiziente und

klimaneutrale Bauweise. Gerade beim Blick in den

Innenraum eröffnet sich zudem die schlichte Schönheit,

welche die tragende Struktur mit der Gestaltung

der Oberflächen ganz natürlich vereint. Die strukturell

ausdrucksstarke Dachgeometrie wird durch eine

Reihe sich verschiebender Brettschichtholzrahmen

betont, die einen visuell dynamischen Raum schaffen.

Die Holzoberfläche von Dach und Wänden ist

zudem naturbelassen und lediglich weiß gebeizt.

Dadurch entsteht eine für einen Indoor-Pool ganz

besondere Umgebung zum Schwimmen bei direktem

Bezug zur Außenwelt.

Die Vollholzkonstruktion bietet aber auch eine Reihe

von Vorteilen bei der Bewältigung der Herausforderungen

eines Schwimmbadbaus: Sie ist statisch belastbar,

wärmeisolierend und korrosionsbeständig.

Auch die relativ kurze Planungs- und Bauzeit von nur

knapp einem Jahr ist auf die Vorfertigung aller konstruktiven

Elemente zurückzuführen. Brettschichtholzportalrahmen,

Brettsperrholzwände und das Dach

konnten auf diese Weise in nur gut drei Wochen vor

Ort errichtet werden.

u


www.architektur-online.com

61

Hawkins\Brown

Die hellen und fein abgestimmten Farbnuancen

schaffen in Kombination mit der einfachen und

klaren Formensprache einen extrem ruhigen

Raumeindruck.


architektur FACHMAGAZIN

62

Bauen für morgen

Die großen Panoramafenster mit

integrierter Sitzbank bieten vom

oberen Bereich aus Einblicke in die

Schwimmhalle.

Die massiven Konstruktionselemente wirken

dabei nicht schwer oder klobig, die gesamte

Struktur erscheint in ihrer Ausgestaltung

vielmehr filigran und leicht. Ein durchdachtes

Lichtkonzept setzt die rhythmische Abfolge

der Elemente zusätzlich in Szene und schafft

in den Abendstunden ein angenehmes Ambiente.

Im Gegensatz zu vielen Schwimmbädern

wirkt der Pool der Freemen’s School gerade

nicht kalt und steril, sondern warm und

einladend. Zwischen den tiefen Holzstützen

sind Holzbretter montiert, die als Bank dienen.

Weitere Sitzgelegenheiten bieten sich

auf einer Stufe an der Längsseite des Pools.

Auf diese Weise konnten zusätzliche lose

Möblierungselemente vermieden werden

und der Raum kann in seiner schlichten Natürlichkeit

wirken.

Die Außenhaut des Gebäudes ist mit

schlichten, stehend gefalzt verlegten Aluminiumpaneelen

verkleidet. Der höchste

Punkt des leicht geneigten Daches kennzeichnet

den Haupteingang, der Über-Eck

verglast in der Fassade ablesbar und durch

ein Vordach gekennzeichnet ist. Beim Betreten

des Foyers wirkt das Gebäude eingeschossig,

durch die Hanglage und das

nach unten versetzte Becken ergibt sich

die großzügige Raumhöhe der Poolhalle.

Im Untergeschoss befinden sich auch die

Umkleiden, der Mehrzwecksaal hingegen

ist neben dem Eingang situiert. Ein großes

Glasfenster mit integrierter Sitzbank eröffnet

den Blick auf die Bahnen des Schwimmbeckens.

Bei Bedarf kann ein Vorhang zugezogen

werden.

Blickt man auf die lange Geschichte der City

of London Freemen‘s School und auf das ambitionierte

Planungskonzept der Gegenwart,

so kann man mit Sicherheit sagen, die CLFS

geht einen guten Weg, um auch für die Zukunft

gewappnet zu sein. In unsere Kinder

und deren Bildung zu investieren lohnt sich

schließlich zu jeder Zeit und in jedem Maß -

besonders schön, wenn Architektur, Nutzen

und Natur dabei scheinbar so spielerisch zusammenfließen,

wie bei der Realisierung des

neuen Poolgebäudes von Hawkins\Brown. •


www.architektur-online.com

63

Hawkins\Brown

City of London Freemen‘s School Swimming Pool

Surrey, Großbritannien

Bauherr:

Planung:

Statik:

City of London Corporation

Hawkins\Brown

Eckersley O‘Callaghan

Bebaute Fläche: 1.720 m 2

Fertigstellung: 10/2017

Baukosten: 8.2 MIO £


architektur FACHMAGAZIN

64

Restaurant- & Bararchitektur

Von Frachten

entleert

Die iranischen ZAV Architects verwandeln mit ihrem Containing Space einen

ehemaligen Schiffscontainer. Es entsteht ein mobiler sozialer Raum, der

für verschiedene Nutzungen an unterschiedlichen Orten offen steht.

Fotos: Soroush Majidi

Das Upcycling von Schiffscontainern liegt voll im

Trend. Aus den ehemaligen Transportboxen für

Frachten aus aller Welt werden Hotelzimmer, Studentenwohnheime,

Verkaufsräume, Aussichtstürme,

Swimmingpools oder sogar komplette Wohngebäude.

Die Schiffscontainer-Architektur ist modular, kostengünstig,

robust und nachhaltig, solange man auf

schon gebrauchte Container zurückgreift. Ebenso

eignen sie sich auch hervorragend für temporäre mobile

Raumstrukturen, wie der Containing Space eine

ist. Er besteht aus nur einem einzelnen Schiffscontainer,

der ein Café in einem Innenhof, eine Bibliothek

an einem öffentlichen Platz, eine Erste-Hilfe-Station

an einem Veranstaltungsort, oder eine Rasthütte in

der Natur sein kann. Mit ausreichend Kreativität ist

das Spektrum an Nutzungen unbegrenzt, das durch

die vorhandene Versorgung des Containers mit

Strom aus Solarpaneelen zusätzlich erweitert wird.

Die höhenverstellbaren Füße des Containers erlauben

eine Anpassung an unterschiedliche topographische

Bedingungen und dadurch eine Positionierung

in unterschiedlichen Kontexten. Exemplarisch

kann die Fläche des Containers von 14,5 m² für eine

mobile Cafébar genutzt werden. Von außen ist der

Container noch als ein solcher erkennbar, der Innenraum

setzt sich dann von diesem Eindruck komplett

ab. Öffnungen an der Längswand und der Decke,

die sich an den Wellen des Stahlbleches orientieren,

bringen Licht ins Innere der Box. Durch sie geht die

abgeschlossene Wirkung verloren und es wird eine

Verbindung zur Umgebung hergestellt.


www.architektur-online.com

65

Restaurant- & Bararchitektur

Verschiebbare Elemente an der sechs Meter

langen Außenwand machen den Container zu

einem begehbaren einladenden Raum. Die Außenhülle

und Innenausstattung nehmen wie

Wände, Decke und Boden des Innenraumes

einen einheitlichen kräftigen Rotton an und

schaffen so eine kompakte Einheit. Automatisch

nimmt der Containerraum nicht nur die

Fläche ein, auf der er steht, sondern schafft

durch seinen offenen Charakter und seine präsente

Ausstrahlung auch einen kleinen Platz

davor, der zum gemeinsamen Genuss eines

Kaffees und Austausch einlädt.


architektur FACHMAGAZIN

66

Restaurant- & Bararchitektur

Farben zum Sehen

und Genießen

Nicht nur in Coronazeiten ist gesunde Ernährung wichtig. Die Avocado ist

ein wahrer Schatz an Vitaminen und Nährstoffen und sie kann auf mehr

als 100 verschiedene Arten zubereitet werden. Vor allem ihr Farbenspiel –

außen in den verschiedensten Farbtönen saturiert und innen leuchtend hellgrün

– macht sie zu einem begehrten Ess- und Dekorationsobjekt. Dieses

Prinzip hat sich das Restaurant „Avocado Gang“ auf die Fahnen geheftet

und sich vom Studio der Mimosa Architekti das Lokal designen lassen.

Fotos: BoysPlayNice

Der Entwurf ist auch ein wenig von der Wachstumsperiode

der Pflanze angeregt: Ein schmaler Trieb entwickelt

sich aus dem Kern und explodiert dann förmlich

in vielen Verzweigungen, die ein wahres Wirrwarr

von Früchten, Blättern und Ästen ergeben.

Die 106 Quadratmeter am Lyčka Platz in Prag – Karlín

sind einfach und doch raffiniert gestaltet. Es ist auch

das erste Avocadorestaurant in der Stadt, ein kleines

Experiment also. Es liegt im Erdgeschoss an einer

Straßenecke. Der schlichte, längliche und Grundriss

bietet einen 9,3 Meter langen Tisch mit 22 Sitzmöglichkeiten,

zusätzlich gibt es weitere Sitzplätze an den

Wänden. Der geöffnete Küchenbereich erlaubt es den

Gästen, sich auch visuell von der Frische der zubereiteten

Speisen zu überzeugen. Im Zentrum des Raumes

dominiert der erwähnte lange Tisch, inspiriert

von den Farben der Avocados. Er besteht aus einem

einfachen Gestell aus gebogenem, galvanisierten

Bandstahl, darauf liegen fünf dicke Bohlen (160 x 100

mm), bemalt in den leuchtenden Farben der Frucht.

Die um den Tisch gruppierten Sessel sind entsprechend

den Tischfarben gestaltet. Grau als „Nichtfarbe“

bestimmt den restlichen Raum und bietet den

Hintergrund für den farbenfrohen Mittelpunkt und

die servierten Spezialitäten. Das Grau des restlichen

Raumes zieht sich stringent über Decke, Zementfußboden,

Kücheneinrichtungen, Beleuchtung etc. weiter

und bindet das Gesamtensemble zusammen.


www.architektur-online.com

67

Restaurant- & Bararchitektur


architektur FACHMAGAZIN

68

Restaurant- & Bararchitektur


www.architektur-online.com

69

Restaurant- & Bararchitektur

Purer Weingenuss

Gegen Ende des letzten Jahres wurde in Prag nach den Plänen von Studio Formafatal,

in einem alten Stadthaus ein gemütlicher und einladender Platz für das Testen

guter Weine eröffnet. Das Gebäude in der Prager Altstadt ist renoviert und auf der

Fassade sind noch Reste der ehemaligen Sgraffiti der Renaissancezeit zu sehen. So

wirkt auch der Name des Lokals ganz authentisch: Autentista Wine Bar.

Fotos: BoysPlayNice

Von der Straßenebene aus gelangt man gleich in den

ersten der gewölbten alten Räume. Hier findet man

die ersten Sitzgelegenheiten. Die eigentliche Bar, die

Ausschank, befindet sich im zweiten Raum und eine

ca. einen Meter dicke Wand wurde großzügig geöffnet,

um die Verbindung herzustellen. Ganz am Ende der

Weinbar gibt es links einen Ausgang in einen schmalen

Hinterhof und rechts geht es zu den Nasszellen.

Sämtliche Bögen, Gewölbe und deren Verschneidungen

mit Durchbrüchen sind mit einem grau gefärbten

Zementputz verrieben und dieser wiederum mit einer

leichten Struktur versehen. Alles schmucklos ohne

sonstiges Dekor oder Zierrat. Nur die Beleuchtungen

aus feinsten Gitternetzen sind ein Blickfang an der Decke.

Die Schatten der Netze überlagern sich mit dem

fleckigen Putz und so wirken die Decken und Wände,

wie von einem grafischen Muster überzogen. Es entsteht

ein Raum und eine Atmosphäre, die gut mit den

erlesenen (und auch luxuriösen) Weinen harmoniert.

Der Rest der Einrichtung ist simpel, zielgerichtet und

sehr sophisticated. Mit dezenten grafischen Mustern,

die an Sternbilder erinnern, sind die Fronten der Theke

überzogen, an den seitlichen Wänden bieten bequeme

Sitzbänke und einfache Tische genügend Sitzplätze

für das Weintrinken und auch in den Nasszellen

herrscht Purismus.

Denn ein Wein sollte ja ohne zusätzliche Ingredienzien

und im Respekt für die Natur produziert werden – dieses

Prinzip haben die Designer auch in der Gestaltung

dieser Bar durchgezogen. Alle gezeigten Materialien

sind in ihrem Naturzustand belassen, die Stahlteile der

Tische und Sessel sind von keinerlei Schutzschicht

verhüllt, ihre Patina ist zu sehen, sandgestrahlte Metallteile

blieben naturbelassen. Indirekte und dimmbare

LED-Leuchten betonen die Konturen der Raumbildung

und der Bogenformen mit einem warmen Licht.

Und über dem schmalen Bartisch, der sich nach hinten

zum Hof erstreckt, hängt eine ebenso lange, handgefertigte

Lampe aus verkohltem Akazienholz. Dieses

Holz verwendete man für die Markierungen und

Grenzpfosten der Weingärten, es steht für Langlebigkeit

und Naturverbundenheit und ist somit ebenfalls

authentisch.


architektur FACHMAGAZIN

70

Restaurant- & Bararchitektur

Für Wein

verwandelt

Für den Umgang mit Bestandsbauten gibt es verschiedene Konzepte, die von sensibel

bis radikal alles dazwischen einschließen. CHYBIK + KRISTOF ARCHITECTS

stellen für ihr House of Wine im mährischen Znojmo zwei gegensätzliche Ansätze

einander gegenüber und bieten Weinliebhabern dadurch ein eindrucksvolles

Raumerlebnis.

Fotos: Alex Shoots Buildings, Laurian Ghinitoiu

Den Ausgangspunkt stellten zwei aneinander angrenzende

Räume dar. Der eine beherbergte eine

Brauerei aus dem 19. Jahrhundert, für die man in

den 1970er Jahren einen zusätzlichen Technikraum

benötigte, der direkt daneben angebaut wurde. Als

die Brauerei dann nicht mehr in Betrieb war, verloren

beide Räume ihre Aufgabe und warteten darauf

mit einer neuen Nutzung belebt zu werden. Die neue

Verwendung ist der alten sehr verwandt und widmet

sich dem Wein. Bei der Restaurierung des Raumes

der ehemaligen Brauerei wurde sehr darauf geachtet,

dass er nichts von seinem historischen Charme

verliert und sein industrieller Charakter erhalten

bleibt. Sein großzügiges Volumen wurde als solches

belassen und nimmt heute einen Verkostungsraum

auf, der auch für Veranstaltungen und Ausstellungen

genug Platz bietet.

Beim benachbarten ehemaligen Technikraum erfolgte

die Umgestaltung dann weniger feinfühlig. Die hier

untergebrachte Weinbar erstreckt sich auf verschiedenen

Ebenen innerhalb des gesamten Raumvolumens.

Ein skulpturales Gebilde macht den gesamten

Raum mit seinen acht Metern Höhe begehbar und

erlebbar. Mit den langgestreckten Durchwegungen,

abgerundeten Abschlüsse und der Erstreckung auf

unterschiedlich hohen Ebenen erinnert das Holzgebilde

an die Gewölbe der traditionellen Weinkeller als

auch an die unterirdischen historischen Katakomben

der Stadt Znojmo. In der Fassade eingeschnittene

Öffnungen schaffen auf der Höhe Ausblicke in die

Umgebung, wo die Raumskulptur sie verlangt. So

entstehen Blickverbindungen zur benachbarten Kirche,

zur Stadt und in das Flusstal. Von außen machen

die asymmetrisch platzierten Fenster auf die neue

Nutzung aufmerksam. Sie geben einen Hinweis darauf,

dass es im Gebäudeinneren etwas zu entdecken

gibt, das sich mit der Geschichte und Tradition auseinandersetzt

und gleichzeitig auch etwas kreatives

Neues entstehen ließ.


www.architektur-online.com

71

Restaurant- & Bararchitektur


architektur FACHMAGAZIN

72

Restaurant- & Bararchitektur

Alles in Kupfer

Schon der Name „Refinery 091“ sagt einiges über das Konzept dieses Pubs aus. Refinery

kann man in diesem Fall mit Veredelung übersetzen und 91 ist der internationale

Telefoncode für Indien. Das Studio Nexus Design Integrated Pvt. Ltd. mit seinen

Architekten Devesh Bhatia, Pratyay Chakrabarti entwarf das 740 Quadratmeter

große Lokal für einen Kunden mit hohen Ansprüchen. Dieser wollte in Kalkutta ein

Pub eröffnen, mit noch nie angebotenen Speisen und Getränken in einer noch nie

gesehenen Atmosphäre. Diese hohen Ansprüche sollten den Entwurf bestimmen.

Fotos: Nexus Design

Ausgangspunkt war ein Raum mit einer Zwischenebene

(Galerie) aus Stahlbeton, insgesamt betrug

die Höhe fast acht Meter. Die Mezzaninebene störte,

wurde also abgebrochen und durch eine neue Ebene

mit einer Leichtkonstruktion – die höhenmäßig ins

Konzept passte – ersetzt. Materialien wie Holz und

Metall kennzeichnen die Vermengung von warmen

und kalten Stoffen in einem einzigartigen Layout.

Das Dekor des Pubs verbindet das Gefühl des Industriellen

an der Decke (inspiriert von einer Ölraffinerie)

mit einer kontrollierten, methodischen Gestaltung

am Boden um die Kundenfrequenz zu fördern. Die

kupfernen Industrierohre und -leitungen beginnen in

den Kühlaggregaten hinter der Theke und sind parallel

an der Decke geführt. So entsteht der Eindruck,

dass die Getränke und Drinks direkt mit dem Blubbern

und der Energie in den Kupferrohren verbunden

sind. Auch bewirkt die kluge Anwendung von Kupfer

als Hauptelement, dass sowohl Musik, Essen, Geträn-

ke in diesen Rohren zu fließen scheinen. Refinery 091

ist eine Hommage an die reinste Form des Designs

mit einer subtilen Vermischung von Elementen, die

zu einem sowohl groben, wie auch formvollendeten

Design führt.

Der Eingang zum Restaurant besteht aus einer acht

Meter hohen Holztüre, die sich komplett öffnet und

gleich den Blick auf die gesamte Raumhöhe und das

Interieur freigibt. Links ist die Musik platziert. Das

Mischpult für den DJ ist auch vom Tank einer Brauerei

inspiriert, die Musikmacher sollen hier ihre eigene

Musik brauen. Ebenso sind hier die Tanzfläche und

ein kleiner Sitzbereich für VIPs. Von hier führt auch

der Stiegenaufgang zur Mezzaninebene mit drei verschiedenen

Sitzbereichen für die Gäste. Alles in allem

soll dieses Pub eine Landmark in Kalkutta werden, bekannt

für das beste Essen, Drinks, Musik und Events –

eine Extravaganz aus verfeinerter und purer Energie.


www.architektur-online.com

73

Restaurant- & Bararchitektur


architektur FACHMAGAZIN

74

Licht

Designhotel in

ehemaliger Lagerhalle

In Stockholms Galerienviertel an der Nordspitze der Stadt befindet sich das

Blique by Nobis Hotel, beheimatet in einer ehemaligen Lagerhalle aus den 1930er

Jahren, die vom renommierten Architekten Sigurd Lewerentz entworfen wurde.

Bei der Umgestaltung des denkmalgeschützten Gebäudes entschied sich die

Nobis-Gruppe für die Zusammenarbeit mit Architekt Gert Wingårdh und seinem

Team. Das Ergebnis – ein zeitgenössisches Hotel, das sich von seinen Nachbarn

im Galerienviertel der Stadt inspirieren lässt.

Text: Alexander Magyar Bilder: Beatrice Graalheim

Zeitgenössischer Treffpunkt

Liebhaber von Architektur, Design, Kunst, Musik und

gutem Essen werden vor allem in den öffentlichen

Bereichen des Hotels fündig. Dort haben die Architekten

das strenge Interieur – alles roher Beton mit

massiven Säulen und freiliegenden Metallrohren –

mit zeitlosen skandinavischen Möbeln, modernen

Skulpturen und zeitgenössischen Kunstwerken ausgestattet.

Mit Licht die Identität halten

In der Entwicklung des Beleuchtungskonzeptes ging

es vor allem darum, eine Lösung zu finden, die das

Projekt optimal ergänzte und die Grundidee für das

Gebäude verdeutlicht. Das heißt, Funktionen zu modernisieren,

ohne die Grundästhetik und den Stil des

Gebäudes mit dem erhaltenen Sichtbeton und seiner

modernistischen Einfachheit zu verlieren.

Beleuchtung als architektonische Komponente

Angesprochen auf die besonderen Herausforderungen

im Projekt, betonen die Architekten vor allem

die Deckenhöhe sowie die Anzahl der technischen

In stallationen und Betonsäulen, nicht zuletzt angesichts

der komplizierten Anschlüsse und Montage.

„Indem wir die Allgemeinbeleuchtung als architektonische

Komponente, ein schmales und offenes Gitter,

gestalteten, gelang es uns, die große Menge an technischen

Installationen in der Decke etwas weniger

sichtbar zu machen“, erklärt Wingårdhs Architektin

Helena Toresson.


www.architektur-online.com

75

Licht

Intelligente Lichtsteuerung

Eine weitere wichtige Frage war, wie die Leuchten

optimal genutzt werden können, um den Raum trotz

großer Freiflächen und harter Oberflächenschichten

gemütlich und abwechslungsreich zu gestalten. Eine

intelligente Lichtsteuerung war dafür die Lösung.

Für die Ansteuerung wurden die verschiedenen Bereiche

in Zonen und Gruppen eingeteilt. In Summe

wurden 1600 DALI Adressen im Steuerungsprotokoll

inkludiert. Für ausgewählte Zonen wurde eine astronomische

Uhr programmiert. Wie in der Bildergalerie

ersichtlich, konnte so der saisonale Sonnenstand

berücksichtigt werden und die Lichtstimmung in der

Lobby entsprechend angepasst werden.

Zusammenarbeit auf höchstem Niveau

Die Qualität und Flexibilität der allgemeinen Beleuchtung

war essenziell, da es in der Lobby wenig Tageslicht

gab. Darüber hinaus fungiert das Hotel auch als

Kunstgalerie. Diese hohe Komplexität des öffentlichen

Raums sowie die Anforderungen an eine intelligente

Lichtsteuerung erforderten die Zusammenarbeit

mit einem Lichtdesigner und einem innovativen

Premiumhersteller. Alles aus einer Hand bot XAL mit

seinem hauseigenen Lighting Designer.

Die optimale Lösung

Mit MOVE IT 25 mit seinen hochwertigen Insets (Opal,

Spots, Linear, Wallwasher) dem NODE Connector und

der dekorativen Erweiterung der TULA Pendelleuchten

konnten diese Anforderungen optimal erfüllt

werden. Für die variable Anpassung der Farbtemperatur

(morgens wärmeres und abends kühleres Licht)

kamen sowohl Tunable White als auch Colour Warm

Dimming Varianten zum Einsatz.


architektur FACHMAGAZIN

76

Produkt News

Den Waschtisch neu erfunden

Dank der Saphirkeramik von Laufen gehören zur Badkollektion Sonar auch neuartige

Typen von Waschtischen, die bei der Gestaltung des Waschplatzes zusätzliche

Möglichkeiten eröffnen. Noch variantenreicher wird die iF award prämierte

Badkollektion jetzt durch weitere Waschtische, WCs, ein Bidet, eine neue Badewanne

und ein eigenes Badmöbel-Set.

Beim Entwurf von Sonar stand für Laufen vor allem

im Fokus, die formalen Spielräume zu erkunden, welche

die Saphirkeramik für neuartige Bad-Lösungen

am Waschplatz eröffnet. Zu den bekannten Waschtischen,

Waschtischschalen und der Badewanne gesellen

sich nun ein neuer, 600 mm breiter Waschtisch

und ein weiterer kompakter, 1000 mm breiter Doppelwaschtisch.

Dazu hat Designerin Patricia Urquiola Unterbaumöbel

in den edlen Metallic-Lackierungen Gold, Kupfer

und Titanium sowie in einer Oberfläche in Nero

Marquina entworfen, einem Kalkstein in Schwarz mit

weißer Aderung. Die Farben und das strenge, geometrische

Design der Möbel lassen die Waschtische

formvollendet zur Geltung kommen und sind perfekt

auf deren Maße und Möglichkeiten abgestimmt. Ein

Hochschrank stellt zusätzlichen Stauraum im Sonar-Bad

zur Verfügung.

Ein Highlight unter den Neuheiten ist auch die ovale,

freistehende Badewanne aus Laufens Hightech-Material

Marbond. Die 1600 x 815 x 535 mm große Wanne

trägt auf ihrer schlanken Außenseite das charakteristische

Schallwellen-Relief und besitzt eine integrierte

Armaturenbank. Neu sind zudem ein bodenstehendes

und wandhängendes WC, beide reinigungsfreundlich

ohne Spülrand, sowie ein Bidet. Auch sie sind in der

charakteristischen D-Form der Kollektion gehalten

und haben eine abgeschrägte Frontpartie, was ihnen

eine angenehme optische Leichtigkeit verleiht.

Die Serie kann im Laufen Showroom,

Salzgries 21, 1010 Wien besichtigt werden.

LAUFEN Austria AG

T +43 (0)2746 6060-0

office.wi@at.laufen.com

www.laufen.co.at


www.architektur-online.com

77

Produkt News

Für flächenbündige Raumstrukturen

Für das eigene Wohnhaus hatte die Architektin Marai Ströcker vom Büro Rinsdorf

Ströcker Architekten klare Vorstellungen: Es sollte nachhaltig sein und mit innovativer

Technik sowie ökologischen Materialien ausgestattet werden.

Fotos: Fabian Linden

Bei der Innenarchitektur des Gebäudes wurde großer

Wert auf Offenheit, Transparenz, Flächenbündigkeit,

klare Farbtöne sowie den Einsatz von nachhaltigen

Baustoffen und technisch innovativen Produkten gelegt.

Die fast raumhohen, stumpf einschlagenden Türelemente

mit den schmalen Zargen sollten dezent in

den Hintergrund treten – sie wurden daher flächenbündig

mit verdeckt liegenden Türbändern der Produktmarke

TECTUS von SIMONSWERK eingebaut.

Sind die Türen geschlossen, ist die Bandtechnik für

den Betrachter nicht sichtbar. Die Türen verschwinden

optisch fast vollständig in den Wandflächen.

Die eingesetzte Modellausführung TECTUS TE 340

3D verfügt über alle technischen Eigenschaften für einen

flächenbündigen Einbau von Türelementen und ist

an ungefälzten Objekt- und Wohnraumtüren einsetzbar.

Hierzu gehört die komfortable 3D-Verstelltechnik:

Sie ermöglicht eine stufenlose Justierung von jeweils

+/- 3,0 mm zur Seite und Höhe sowie die Veränderung

des Andrucks von +/- 1,0 mm. Weitere Vorzüge sind

der 180 Grad Öffnungswinkel, die wartungsfreie Gleitlagertechnik

sowie ein Belastungswert bis 80 kg. Das

Bandsystem gewährleistet eine dauerhaft sichere und

wartungsfreie Funktion der Türelemente.

SIMONSWERK GmbH

T +49 (0)5242 413-0

info@simonswerk.de

www.simonswerk.com


architektur FACHMAGAZIN

78

Produkt News

Großzügigkeit in der Raumarchitektur

Vorhandene Räumlichkeiten müssen sich in der modernen Architektur permanent

an veränderte Nutzungen und Gruppengrößen anpassen lassen. Das Trennwandsystem

Variflex und Variflex Glas von DORMA Hüppe bietet hier vielfältige intelligente

Lösungen, da sich Glas- und blickdichte Elemente des Systems miteinander kombinieren

lassen. So können Raumteilungen mit großer Offenheit und hohem Schallschutz

realisiert werden – mit Variflex bis Rw 59 dB, mit Variflex Glas bis Rw 52 dB.

Insbesondere bei den Glaselementen wartet der Hersteller

nun mit einigen Neuerungen auf, die die Großzügigkeit

der Raumarchitektur unterstreichen und die

Arbeits- und Beratungsatmosphäre positiv beeinflussen.

Ergänzt wurde das Programm um eine Durchgangstür

aus vollflächigem Glas, die bei hervorragender

Schalldämmung für helle, lichtdurchflutete Räume

sorgt. Neu ist auch die sog. „Extension“-Lösung, mit

der T-förmig oder über Eck zusammenlaufende Wände

vollflächig mit Glas ausgestattet werden können.

Für variablen Sichtschutz stehen für alle Glaselemente

zwei elegante Lösungen zu Verfügung: Zum einen

innenliegende Jalousien, die sich auch als „Bottom

Up“ von unten nach oben bewegen lassen. Zum andern

Magic Glas, das sich einfach per Wandschalter

oder Fernbedienung auf transparent oder transluzent

schalten lässt.

Alle Variflex Trennwände können wahlweise mit manueller,

halb- oder vollautomatischer Bedienung ausgestattet

werden. Höchsten Bedienkomfort bietet

ComfortDrive, die vollautomatische Steuerung mit

moderner BUS-Technologie. Sie ist kundenspezifisch

individuell programmierbar und überzeugt mit einer

hohen Auf- und Abbaugeschwindigkeit.

DORMA Hüppe Austria GmbH

T +43 (0)732 600-451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


www.architektur-online.com

Verschmelzung von

Design und Technik

79

Produkt News

Bereits zum fünften Mal seit 2012 ist KONE mit den Red Dot Awards ausgezeichnet

worden. Die Jury prämierte die Anfang 2020 in Österreich

eingeführten DX Aufzüge in gleich vier Kategorien.

Die Jury überzeugten die gestalterische und handwerkliche Qualität der

Kabinenoberflächen, Handläufe sowie der Anzeige- und Bedienelemente.

Prämiert wurden auch die antibakteriellen, schmutz- und kratzabweisenden

Oberflächen der Aufzugkabinen, die flexiblen Beleuchtungskonzepte

und auch das Konzept zur optionalen Ausstattung der Kabinen

mit nachhaltigen Materialien: So unterstützt KONE „grünes Bauen“

nach internationalen Gebäudezertifizierungen wie BREEAM und LEED.

Die Konnektivität der neuen Aufzug-Generation wurde von den Juroren

besonders hervorgehoben. Die KONE DX Aufzüge sind serienmäßig

an die KONE-Plattform mit offener Schnittstelle (API) angebunden und

können in die Gebäudesteuerung eingebunden und den Nutzern smarte

Services angeboten werden. Die Möglichkeiten reichen vom Aufzugruf

via App über das Abspielen von Musik nach Wunsch bis zu KONE Media-Spiegeln,

mit denen die Kabinenwand zum virtuellen Fenster oder

zum digitalen Infobildschirm wird.

KONE AG

T +43 (0)1 863 67-0

office.at@kone.com

www.kone.at

Die Sprache der Gebäude

verstehen

Digitalisierung verändert die Art und

Weise, wie wir bauen, zusammenarbeiten

und Gebäude betreiben.

siemens.at/gebaeudetechnik


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Moderner

Brandschutz

Den Maßnahmen zum Brandschutz wird ein wesentlicher Anteil an der steigenden

Komplexität im Baubereich zugeschrieben. Abhängig vom Gebäudetyp, der Beschaffenheit

und Nutzung gilt es für Planer, sich mit umfangreichen Regelwerken

und einer Vielzahl an Gewerken, Materialien und Techniken auseinandersetzen, um

das Gebäude für den Fall der Fälle fit zu machen. Die vielseitigen Herausforderungen

und auch die Bauaufgabe selbst können, wie etwa bei der Umgestaltung von

historischen Bauwerken, den Einbezug von spezialisierten Brandschutz-Planern

erforderlich machen.

Die Industrie trägt mit Prüfzeugnissen und Zertifikaten

zu ihren Produkten und Systemen dazu bei, den Planungsprozess

zu vereinfachen und das Gesamtwerk

brandtechnisch sicherer zu machen. Zu erkennen ist

auch ein Trend, in der Praxis übliche Kombinationen

der eigenen mit Produkten anderer Hersteller zu prüfen,

um so – oft gewerkeübergreifend – nachweisbare

Systemsicherheit zu bieten.

Das erwartete Ergebnis aller dieser Maßnahmen ist ein

nach heutigem Ermessen möglichst sicheres Gebäude

– für den Großteil der Investoren und Nutzer eine

im Verborgenen liegende Eigenschaft. So gesehen ist

Brandschutz vergleichbar mit den Airbags in den Autos

– kaum jemand hat sie in Aktion erlebt, aber dass

es sie gibt, gibt Sicherheit.

Auf den Punkt gebracht hat es einmal ein Richter in

einem Urteil: Seiner Meinung nach ist mit der Entstehung

eines Brandes jederzeit zu rechnen, auch wenn

in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Feuer ausbricht.

Für ihn ist dies ein Glücksfall, mit dessen Ende

jederzeit gerechnet werden muss. Diese Rechtsmeinung

und spektakuläre Brände der letzten Jahre sollten

Grund genug sein, dem Brandschutz besonderes

Augenmerk zu schenken.

Brandschutzplanung mittels BIM

Digitale Planungsmethoden wie BIM unterstützen bei

der Planung, Ausführung und der Bewirtschaftung von

Gebäuden und können auch zur Planung der Brandschutz

Maßnahmen genutzt werden. Die Brandschutzpläne

lassen sich im BIM Modell automatisch erstellen.

Obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen, wird das

Tool in der Praxis nicht oft eingesetzt. Von der BIM basierten

Planung profitiert nicht nur der Brandschutzfachplaner

sondern dient auch anderen Gewerken wie

z.B. Licht-, Lüftung- und TGA-Planern als Grundlage

zur weiteren Planung. Das hat damit zu tun, dass die

Brandschutzanforderungen bei der BIM-basierten Planung

bauteilbezogen erstellt und dargestellt werden.

Eine manuelle Übertragung der Daten entfällt somit.

Der Brandschutzfachplaner bekommt vom Architekten

das Gebäudemodell und erstellt die Brandschutzanforderungen

mittels einzelner Parameter.

Bei erkennen eines Planungsfehlers erstellt der Brandschutzfachplaner

einen BCF-Issue. Dieser dient dem

Architekten zur Planung, da der BCF-Issue eindeutig

einem Bauteil zu geordnet ist. Das Besondere an

BCF ist die Kommunikation zwischen den IFC-Tools

und den nativen Modellierungssoftwares. Das BCF

identifiziert genau, welche Objekte an einem Problem

beteiligt sind, und zeichnet sogar den entsprechenden

Screenshot auf. Wenn jemand ein BCF-Problem in

seiner Modellierungssoftware öffnet, wird derjenige in

seinem Modell auf die exakt gleiche Ansicht gebracht.

Damit muss nicht durch das ganze Modell navigiert

werden um z.B. nach einer fehlenden Brandschutzklappe

zu suchen. Wenn das Problem in der Modellierungssoftware

gelöst wurde, wird das BCF aktualisiert

und dem Projektmanager zurückgemeldet. Der Vorteil

liegt klar auf der Hand: Nach Bearbeitung stehen jedem

an der Planung beteiligten die neuen Daten zur

Verfügung. Zudem wird durch diesen iterativen Prozess

eine genehmigungsfähige und gewerkeübergreifende

konsistente Planung ermöglicht.

Als Nebenprodukt des BIM-basierten Planungsprozesses

können zu jedem Zeitpunkt der Planung mithilfe

der im Modell hinterlegten Parameter die Brandschutzpläne

generiert werden.


www.architektur-online.com

81

Produkt News

Zuverlässiger Schutz vor Feuer

Innerhalb von wenigen Sekunden kann mit einem textilen Brandschutzvorhang

von Tortec auch eine große Öffnung geschlossen und somit ein Übergreifen eines

Feuers auf angrenzende Gebäudebereiche verhindert werden.

Der Tortec Brandschutzvorhang FlexFire

ist in den Maßen von bis zu 5 x 5 Metern

erhältlich und empfiehlt sich somit auch für

große Durchgänge in Hotels, öffentlichen

Gebäuden, Büros oder Kaufhäusern, sowie

für Einbausituationen mit begrenzten

Platzverhältnissen. Der Behang des Feuerschutzvorhangs

besteht aus V4A-Draht

verstärktem Glasfilamentgewebe und ist je

nach Brandschutzanforderung in den Feuerwiderstandsklassen

E30, E60, E90 und

E120 erhältlich, also mit raumtrennender

Funktion „E“ für die Dauer von 30, 60, 90

oder 120 Minuten.

Bei Rauchentwicklung im Brandfall schließt

der Feuerschutzvorhang FlexFire innerhalb

von nur 6 Sekunden pro Meter automatisch.

Zuverlässig gesteuert wird der textile Brand-

schutzvorhang mithilfe der serienmäßigen

Steuerungseinheit FSA-FLEXControl, die in

Kombination mit optischen oder thermischen

Brandmeldern den Anforderungen nach EN

14637 entspricht und auch an eine bauseitige

Brandmeldezentrale anschließbar ist.

In der Führungsschiene verdeckt liegend

eingebaute Magnetkontakte, ein werkseitig

in die Torwelle eingesetzter Rohrmotor, das

geringe Gewicht und eine vorkonfektionierte

Verkabelung machen den FlexFire besonders

montage- und servicefreundlich.

Mit dem nur 0,5 Millimeter dünnen Behang,

extra schmalen seitlichen Führungsschienen

in den Abmessungen 115 x 75 mm und dem

platzsparenden Wellengehäuse mit integriertem

Rohrmotor ist der Brandschutzvorhang

auch für den Einbau in einer abgehängten

Decke geeignet und nahezu unsichtbar

in die vorhandene Architektur integrierbar.

Die Führungsschiene, die Wellenverkleidung

und die Abschlussleiste werden serienmäßig

aus verzinktem Stahl geliefert. Für eine

farblich abgestimmte Gestaltung werden die

Komponenten optional auch in RAL nach

Wahl und in Sonderfarben angeboten.

Vom ift Rosenheim wurde dem Tortec

Brandschutzvorhang FlexFire eine Umweltproduktdeklaration

(EPD) nach ISO

14025 ausgestellt. Somit eignet sich der

Feuerschutzvorhang auch für den Einsatz

in besonders nachhaltigen Gebäuden mit

entsprechender Zertifizierung.

Tortec Brandschutztor GmbH

T +43 (0)676 6060

www.tortec.at


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Neues nachhaltiges Wärmedämmsystem

Der nachwachsende Rohstoff Holz erlebt im Baubereich einen

regelrechten Boom. Gründe dafür sind die relativ kurzen Bauzeiten

durch den hohen Vorfertigungsgrad und der Trend zum

nachhaltigen Bauen und Wohnen. Generell ist bei Gebäuden

der Witterungsschutz vor Regen und Kälte von größter Bedeutung.

Ganz besonders trifft das für Holzbauten zu. Nachhaltigen

und bestmöglichen Schutz bietet webertherm timber, ein

neues nachhaltiges Wärmedämmsystem aus dem Hause Weber

Terranova. Es besteht aus einer Kombination von Mineralwolle

und einer breiten Produktpalette an Deckputzen, vom bewährten

weberpas topdry AquaBalance Putz bis zum mineralischen

Kratzputz. Neben den ökologischen Aspekten (kein Einsatz von

auswaschbaren Bioziden) bietet das System noch weitere Vorteile,

wie z.B. beim Schallschutz. Durch die einzigartige Kombination

aus Mineralwolle und mineralischem Kratzputz bleibt der

Lärm draußen und sorgt somit für mehr Wohlbefinden in den

Innenräumen. Diese Schallreduktion ist auch durch das Holzforschungsinstitut

nachgewiesen. Zudem bietet webertherm timber

zuverlässigen Schutz vor Kälte und Hitze. Zudem ist durch

den Einsatz mineralischer Komponenten – von der Dämmplatte

bis zum Putz – ein optimaler Brandschutz gewährleistet. Die Zuverlässigkeit

des Systems ist durch eine Europäisch Technische

Zulassung (ETA) gewährleistet, da nur aufeinander abgestimmte

Produkte von Weber zum Einsatz kommen.

Saint-Gobain Weber Terranova Österreich

T +43 (0)1 66 150

marketing@weber-terranova.at

www.weber-terranova.at

© Dariusz Jarzabek Shutterstock.com

Innovative Steinwolle-Dämmplatte

Für die Ausführung einer nichtbrennbaren Flachdachdämmung bietet

ROCKWOOL seit Jahrzehnten bewährte Dämmplatten und Gefälledachsysteme

für unterschiedliche Anforderungen an Wärmeschutz

und Druckbelastbarkeit an. Ab sofort lieferbar ist die neue „Bitrock“,

eine Platte im Dickenbereich von 60 bis 140 mm mit einer innovativen,

planeben geschliffenen Oberfläche. Sie fungiert zu 100% als Klebefläche

und ist ein optimaler Haftverbund für direkt aufgeschweißte Bitumenabdichtungen.

Sowohl die Verklebung der Dämmplatten auf der

Dampfsperre als auch der Dämmplatten untereinander bei mehrlagiger

Verlegung erfolgt einfach und schnell mit einem systemgeprüften

Polyurethankleber.

Dank ihrer Druckbelastbarkeit von 70 kPa ist „Bitrock“ hochbelastbar

und auch gemäß Flachdachrichtlinie für die Anwendung bei Dächern

mit PV-Anlagen geeignet.

Eine Flachdachdämmung und -abdichtung mit „Bitrock“ kann pauschal

bis zu einer Windlast von max. 3,6 kN/m² verwendet werden.

ROCKWOOL Handelsgesellschaft m.b.H.

T +43 (0)1 797 26-0

info@rockwool.at

www.rockwool.at


www.architektur-online.com

Einbruch- und beschusshemmende

Hebeschiebetür

aus Holz in RC4 mit FB4

83

Produkt News

Hebeschiebetüren werden immer beliebter – auch für Altbauten. Hoher

Bedienkomfort und vor allem der Panoramablick durch vollverglaste raumhohe

Fronten zeichnen moderne Hebe-Schiebesysteme aus. Gerade das

macht eine Ausstattung mit zuverlässigen Sicherheitsstandards so problematisch.

Nicht umsonst gilt die Entwicklung einbruch- und beschusshemmender

Elemente dieses Typs bei den Herstellern als Königsklasse.

Die RvE Fenster + Türen Manufaktur in Senden/DE hat sich dieser Herausforderung

gestellt und ein Hebeschiebetür-System aus Holz in Widerstandsklasse

RC4 entwickelt, das vom Prüfzentrum für Bauelemente

in Rosenheim getestet und nach DIN EN 1627 zertifiziert worden ist. „Wir

kommen damit der steigenden Nachfrage unserer Kunden aus ganz Europa

nach“, sagt Geschäftsführer Uwe Kapp. „Gefragt sind Elemente, die

ohne Abstriche den Designwünschen der Architekten entsprechen, einen

nachweislich sehr hohen Sicherheitsstandard erfüllen und auch dem heutigen

Umweltbewusstsein entsprechen. Unsere Manufaktur-Produkte aus

nachhaltig angebautem, heimischem Eichenholz sind hierfür bestens geeignet.“

Die Hebeschiebetür ist auch mit Beschusshemmung FB4 und als

Holz-Aluminium-Variante erhältlich und ergänzt die RvE Produktpalette

von Sicherheitsfenstern und -türen für moderne, historische und denkmalgeschützte

Architektur.

RvE Geschäftsführer Uwe Kapp (re.) und Vertriebsleiter Balthasar

Dieckmann vor der PfB-geprüften Holz-Hebeschiebetür in Widerstandsklasse

RC4.

RvE Fenster + Türen Manufaktur GmbH & Co. KG

T +49 2536-34674-0

info@rve-manufaktur.de

www.rve-manufaktur.com

+

Sicherer Trittschallschutz mit der blauen Linie.

Machen Sie keine Kompromisse.

Optimaler Trittschallschutz funktioniert nur im System. Ob Stiegenlauf

oder Podest: Die genau aufeinander abgestimmten Varianten

der Schöck Tronsole® sorgen für einen exzellenten Trittschallschutz.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H | Thaliastrasse 85/2/4 | 1160 Wien | Tel.: 01 7865760 | www.schoeck.at


architektur FACHMAGAZIN

84

Produkt News

Justizgebäude umfassend saniert

Das Justizgebäude in Salzburg hat sich im Rahmen einer umfassenden Sanierung

nicht nur von alten Mauern getrennt, sondern auch von der altehrwürdigen Architektur.

Dem Architekturbüro Franz&Sue gelang es mit einem durchdachten Konzept

und einigen einschneidenden Veränderungen, dem Landesgericht den autoritären

Charakter zu nehmen und zu einem offenen Ort der Begegnung umzugestalten.

Die Fassadenpaneele des Glasfaserbeton-Spezialisten

Rieder konnten sowohl in Bezug auf die Synergien mit

dem Denkmalschutz ihre Tauglichkeit unter Beweis

stellen als auch mit den ökologischen Fakten überzeugen.

Zentrale Vorgaben in der Planung und Ausführung

waren, nur qualitativ hochwertige und ökologisch

unbedenkliche Produkte zu verwenden. Das

Gebäude konnte so den klimaaktiv Gold Standard erreichen

und entspricht damit auch im internationalen

Vergleich höchsten Anforderungen an die Energieeffizienz

sowie anspruchsvollen ökologischen Kriterien.

Außerdem wurde das Projekt für außergewöhnliche

Leistungen im Bereich des nachhaltigen Bauens und

Sanierens mit dem Österreichischen Staatspreis für

Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Wichtig war den Architekten so auch bei der Wahl

des Fassadenmaterials Leichtigkeit und Nachhaltigkeit.

Die concrete skin Fassadenplatten von Rieder

in der Farbe sahara kommen am Kernstück des Gebäudes

– am Y-förmigen Neubau mit der imposanten

Eingangshalle – zum Einsatz. Sie ziehen sich als

Bänder über den gesamten vollverglasten Komplex.

Die Paneele spannen sich perfekt als moderne Ergänzung

zwischen den Neu- und Altbau.

Für die Betonprodukte von Rieder werden Rohstoffe

aus der Natur verwendet. Dadurch hat der Werkstoff

etwas Vertrautes, Lebendiges und einen unverwechselbar

ehrlichen Materialcharakter.

Rieder Sales GmbH

T +43 (0)6542 690-844

office@rieder.cc

www.rieder.cc


www.architektur-online.com

Neubau und Renovierung

Beim Neubau einer Mehrzweckhalle und der Renovierung

des Schulgebäudes in Fels am Wagram/NÖ

setzte Architekt Christian Galli auf Produkte von

Murexin. Das umfangreiche Projekt umfasste neben

dem Bau der Mehrzweckhalle mit Sanitärräumen und

Zentralgarderobe auch eine Reihe an Sanierungen

bestehender Gebäudeteile und Neugestaltungen im

Außenbereich.

Auf insgesamt rund 430 Quadratmeter Boden und

etwa 320 Quadratmeter Wandfläche wurden dabei

Fliesen verlegt: Abgedichtet wurde mit Flüssigfolie

2 KS und Dichtband DB 70. Die Verklebung erfolgte

mit Flex Klebemörtel Maximo M 41, verfugt wurde

dann mit Flexfuge Profi FX 65 bzw. Fugenmörtel

Epoxy FMY 90. Als Dichtstoff kamen Sanitärsilikon

Profi SIL 65 und Spezialdichtstoff X-Bond MS-D81

zum Einsatz.

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com

85

Produkt News

RÄUME FLEXIBEL ÖFFNEN

MIT EINZIGARTIGEN GLAS-FALTWÄNDEN: 99 mm Ansichtsbreite

sicher nach RC2 · hoch wärmegedämmt · individuelle Projektlösungen

solarlux.com


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Transparente Fassade

Bei einem luxuriösen Einfamilienhaus im Schwarzwald stand die Innen-Außen-Beziehung

im Fokus des architektonischen Konzeptes. Mit großflächigen Schiebefenstern

konnten weite Blickbezüge realisiert werden.

Über die komplette Front zum Garten wurden auf

16 Metern raumhohe Schiebefenster eingesetzt, die

aus jedem Blickwinkel des Schwimmbeckens die

umgebende Landschaft sichtbar machen. Architekt

Thomas Martin hat sich für ein exklusives Schiebefenster

mit schlanken Profilen entschieden: cero von

Solarlux. Es besticht durch seine filigranen Rahmen

mit nur 34 mm Ansichtsbreite. Dabei sind 15 Quadratmeter

große Scheiben mit bis zu sechs Meter Höhe

realisierbar.

Die stabile Edelstahl-Lauftechnik lässt das Schiebefenster

auch bei derartigen Größenverhältnissen

manuell einfach zur Seite gleiten. Die Bauherren des

idyllisch gelegenen Einfamilienhauses entschieden

sich jedoch für einen elektrischen Antrieb. Per Knopfdruck

öffnen sich die Glaselemente und ermöglichen

einen schwellenlosen, barrierefreien Zugang zur Terrasse.

Eine besondere Ausführung ist die stützenfreie

Öffnung der Verglasung über Eck. Diese technische

Finesse schafft eine fließende Verbindung zur Umgebung.

An warmen Sommertagen wird das Schwimmbad

so im Handumdrehen zum Freibad.

Neben dem Design überzeugte den Architekten vor

allem die durchdachte Technik von cero. Die dreifachverglasten

Scheiben und die hochwärmegedämmten

Aluminiumprofile sind im Sinne der aktuellen EnEV

passivhaustauglich. So kann das Schwimmbad auch

an kalten Tagen ohne Einschränkung genutzt werden.

SOLARLUX

AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


www.architektur-online.com

87

Produkt News

TECTUS® Glas

Ganzheitliches

Beschlagsystem für

Ganzglastüren

Hygiene-Schiebetüranlagen

Die herausfordernden Zeiten der COVID-19-Pandemie und des damit verbundenen

Shut-Downs brachte viele Unternehmen in Bedrängnis. Schnell wurde vielen HotelbetreiberInnen

klar, dass sie den Stillstand zur Beseitigung von hygienischen Schwachstellen

nutzen müssen, um für die Zeit nach der Pandemie gerüstet zu sein.

Symatic®, ein seit 20 Jahren am internationalen Markt tätiges heimisches Unternehmen,

erkannte schon vor Jahren die Schwachstellen bezüglich der Hygienemaßnahmen und

präsentiert mit den neuen automatischen Schiebetüranlagen ideale Problemlösungen.

Es beginnt schon im Eingangsbereich, wo sich die Türe des Haupteinganges automatisch

öffnen und ein Durchgang berührungslos erfolgen kann. Oder im Poolbereich, wo

anstelle der üblichen „Metzgerei“-Vorhänge zwischen dem In- und Outdoorbereich, die

schon von unzähligen Gästen berührt wurden, nun automatisierte Türanlagen einen

hygienisch bedenkenlosen Durchgang ermöglichen.

Mittels Bewegungssensorik öffnen und schließen sich diese automatischen Pool-Schiebetüranlagen

von Symatic® an der Schnittstelle zwischen In- und Outdoor-Becken:

Hochwertiges Chrom mit speziellem Glas, Schrauben und Dichtungen wurden entwickelt,

um eine hygienisch und ästhetisch perfekte Lösung auf den Markt zu bringen.

Eine absolute Hygiene- und Sicherheitsbereicherung im Bereich automatischer Türsysteme,

die noch dazu hilft, Heizkosten einzusparen.

Symatic Türsysteme GmbH Austria

T +43 (0)6229 / 3477-0

info@symatic.at

www.symatic.at

Ihr Kontakt

Alexander Moser

+43 664 / 167 2514

www.tectus-glas.de


architektur FACHMAGAZIN

Neue Website

Mit der neuen Website der Feuerschutzmarke Pyrobel,

die sich vornehmlich an Architekten und Glasverarbeiter

richtet, schafft AGC Glass Europe für die europäischen

Märkte ein hilfreiches Tool im modernen

Erscheinungsbild.

Gezeigt werden Verglasungen für 15- bis 180-minütigen

Brandschutz: das zuschneidbare Pyrobel und

Pyrobelite, Pyrobel-T für übergroße Formate abseits

des Standards und das beschichtete und gehärtete

Pyropane für Außenanwendungen (als Einzel- oder

Mehrscheiben-Isolierverglasung).

Fachinformationen zu Gesetzgebungen, Normen,

Feuerwiderstandsprüfungen und Angaben zur richtigen

Lagerung erweitern den Inhalt sinnvoll. Ein

integrierter „Product Selector“ erhöht die Nutzungsfreundlichkeit:

Benutzer können anhand wichtiger

Kriterien, wie der gewünschten Produktleistung,

Nutzungsdauer, Rahmenmodell/-marke und weiteren

Filtern, die optimale Lösung finden. Fotos von Referenzprojekten

dienen als Inspiration.

Die neue Seite ist unter www.agc-pyrobel.com zu finden.

88

AGC INTERPANE

+49 5273 809-221

pr@interpane.com

www.interpane.com

Produkt News

Zeit für eine Bilanz

Der österreichische Beitrag zum Projekt ModelHome 2020, das

VELUX Sunlighthouse, geplant als erstes CO 2 -neutrales Wohngebäude

Österreichs, ist angetreten, um Energieeffizienz neu zu

definieren: Hauptaugenmerk sollte die Verbindung zwischen Energieeffizienz

in Kombination mit bestmöglichen gesundheitlichen

Bedingungen zum Wohnen sein. HEIN-TROY Architekten überzeugten

mit einem ausgesprochen unkonventionellen, aber durchdachten

Konzept. Mit Licht von oben wurde dem steilen Nord-/

Osthang getrotzt und höchster Wohnkomfort erzielt.

Die Erkenntnisse aus dem Sunlighthouse

Tageslicht-Architektur und sommerlicher Wärmeschutz lassen sich

vereinen: Effiziente Beschattung und Ventilative Cooling (= gezielte

Nachtkühlung durch automatisierte Fensterlüftung) garantieren

Sommertauglichkeit.

Bei einem klugen Entwurf mit klarem Konzept für winterlichen und

sommerlichen Wärmeschutz kommt man mit „schlanker“ Haustechnik

aus. Architektur hat also deutlich mehr Bedeutung als gutes

Design und Funktionalität.

Hohes Tageslicht-Niveau mit Licht von oben wird von den Bewohnern

besonders geschätzt.

Es war schon mit den Produkten und Technologien im Jahr 2010

möglich CO 2 -neutral zu bauen. Erst recht 2020.

© VELUX / Foto: Adam Mørk / Architekt: HEIN-TROY Architekten

VELUX Österreich GmbH

T +43 (0)2245 3235-0

tageslicht@velux.com

www.velux.at/tageslichtplanung


www.architektur-online.com

Ideallösungen für

Sanierung mit Neuwert

Südlich von Gratkorn in der Steiermark erstreckt sich entlang

der Mur die Hackher-Kaserne. Bei der Generalsanierung

der Sporthalle, die optisch einem Flugzeughangar

nachempfunden ist, wurde das neue Dach mit Produkten

der oberösterreichischen Firma DOMICO ausgeführt.

Auf den bogenförmigen Holzbindern wurden 1.360 m 2 Element-Dach

montiert. Am Giebel an der höchsten Stelle der

Halle wurden Lichtelemente über die gesamte Gebäudelänge

installiert, die für ausreichend natürliches Licht in

der Sportstätte sorgen. Auch durch die weiße Untersicht

des Element-Daches wirkt die Halle hell und freundlich.

Nach außen hin zeigt sich das Gebäude zurückhaltend in

Graualuminium.

DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at

89

Produkt News

© Militärisches Servicezentrum 10 Graz

© Militärisches Servicezentrum 10 Graz

Wandelbare Sitzpodeste

Viel Anklang bei Auftraggebern und Nutzern finden

die Möblierung und Ausgestaltung der Ruhezonen

des RMK in Winnenden. Das als „Kliniken im Park“

konzipierte Klinikum basiert auf verstreut angelegten

Abteilungsgebäuden in Pavillionstruktur. Entsprechend

locker sollten die Aufenthaltsbereiche im

Außengelände sein.

Bei der Möblierung dieser Bereiche überzeugte

Stausberg Stadtmöbel mit ihren Sonderanfertigungen:

Mit Nadelholz verkleidete Kuben mit Stahl-Unterkonstruktion

wurden zu kantigen Sitzpodesten,

die mit und ohne Rückenlehne an den Laufwegen

angeordnet sind. Eine Stimmigkeit und Harmonie, die

es Patienten, Besuchern und Mitarbeitern ermöglicht

zueinander zu finden oder sich in ihrer eigenen Ecke

zu erholen.

Stausberg Stadtmöbel GmbH

T +43 (0)7258 5711

info@stausberg.at

www.stausberg.at


architektur FACHMAGAZIN

Gegen die

Hitze dämmen

Die Sommer werden immer heißer. Statt den aus dem

Klimawandel resultierenden hohen Raumtemperaturen

mit energieaufwendiger Klimatisierung zu begegnen,

rät Klimaexperte und Meteorologe Andreas

Jäger: „Effizientes Dämmen spart Kühlungsenergie –

und das wiederum spart CO 2 und wirkt dadurch dem

Klimawandel entgegen. Eine hochwertige Dämmung

ist ein besonders effizienter Weg, CO 2 einzusparen,

das Klima zu schützen und in Gebäuden nicht unter

der andauernden Hitze zu leiden.“

Mit einer perfekten Dämmung eines Massivhauses

und der Verschattung der Fenster werden im Sommer

bis zu 6 Grad niedrigere Raumtemperaturen

erreicht als bei einem Haus ohne Wärmedämmung.

Auch bei Hitzewellen mit bis zu 36 Grad im Schatten

liegen die Innenraumtemperaturen in gut gedämmten

Massivhäusern nur zwischen 24 und 27 Grad – im

ungedämmten Haus wird es mit über 30 Grad tropisch

warm.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at

90

Produkt News

Nachschlagewerk für

Trittschallminderung

Neben optischen Ansprüchen müssen Stiegen auch

immer anspruchsvolleren technischen Anforderungen

gerecht werden. Schallschutz ist eine davon.

So müssen sie heutzutage beispielsweise als schallbrückenfreies,

entkoppeltes Element entwickelt und

dies schon beim Entwurf berücksichtigt werden. Zudem

sind konstruktive Regeln und Anforderungen an

den Brandschutz zu erfüllen, da Stiegen häufig als

Fluchtwege genutzt werden.

Das Schöck Planungshandbuch für Stahlbetonstiegen

wurde gemeinsam mit Architekten als umfassendes

Nachschlagewerk konzipiert und gibt einen

Überblick darüber, welche gesetzlichen Anforderungen

zu beachten sind und wie Details geplant werden

können. Es liefert jede Menge Informationen zu geltenden

Anforderungen, Detailplanung und Regeln,

die während des Bauablaufs zu beachten sind.

Das Nachschlagewerk ist kostenfrei und kann per

E-Mail unter planungshandbuch@schoeck.at oder

per Formular unter https://www.schoeck.at/de-at/

planungsunterlagen-bestellen angefordert werden.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office@schoeck.at

www.schoeck.at


www.architektur-online.com

91

Produkt News

Aufwachen im Werk 17

Auf dem früheren Pfanni-Areal im Münchener Stadtteil Berg am Laim ist der Hotelneubau

Werk 17 entstanden, der vor allem durch seine hochwertige Fassadengestaltung

überzeugt. Charakteristisch ist die Komposition aus einer Betonfassade

mit eingelegten Ziegelplatten, durch die sich das Gebäude optisch in das spannende

Stadtquartier Werksviertel einfügt.

Fotos: Alexander Bernhard

Wo einst Kartoffelbrei und Knödel hergestellt wurden,

entsteht seit 2016 ein neues Stadtquartier unter

dem Namen Werksviertel. Wesentliches Merkmal des

Bebauungskonzepts ist, die Bestandsgebäude zu erhalten

und die Nachverdichtung als eine schrittweise

Entwicklung zu verstehen. Auch der breit angelegte

Mix aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit ist vorgesehen.

Nach diesem Leitbild entstehen neben zahlreichen

Wohnungen, Büros, Kunst- und Konzerträumen

auch zwei Hotels. Darunter das kürzlich fertiggestellte

Hotel im Werk 17 vom ortsansässigen Architekturbüro

Hild und K. Die Nummerierung im Namen gibt

einen direkten Hinweis: Werk 1 bis 9 zählt zum Bestand,

während es sich bei den Nummern 11 bis 20 um

Neubauten handelt.

Die Schwalbenschwanzverzahnung garantiert 100%

sicheren Halt zwischen Betonkern und Keramikschale.

Die spezielle Anordnung der Klinker-Formsteine im

Format 490 x 200 x 35 mm sorgt für ein abwechslungsreiches

Bild aus Licht und Schatten.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de

Mit dem Werk 17 ist ein Gebäude enstanden, das sich

vor allem durch seine Fassadengestaltung behutsam

in das bauliche Gefüge und die Geschichte des Ortes

einordnet. Lange Zeit prägte der Abbau von Lehm und

dessen Weiterverarbeitung den Stadtbezirk – deshalb

entschieden sich die Architekten für eine Kombination

aus einer Beton- und Ziegelfassade und den regionalen

Klinker-Formstein mit Schwalbenschwanzverzahnung

der Firma GIMA im typischen Rot. Die Besonderheit

liegt hier in der Konstruktionsweise: Als Teil

einer mehrschichtigen Fassade wurden die Klinker in

rot eingefärbte Fertig-Betonelemente eingegossen.


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Gesund für Körper und Geist

Die Gesundheitseinrichtung Josefhof in der Steiermark ist ein Kompetenzzentrum

für stationäre Gesundheitsförderung und Prävention der Versicherungsanstalt für

Eisenbahnen und Bergbau – und ein prämierter Holzbau.

„Die Nutzung von möglichst naturbelassenen, ungiftigen

Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen

und der sparsame Einsatz von Ortbeton und Kunststoffen,

sind dem Heute geschuldet“, meint dazu der

Grazer Architekt Dietger Wissounig, der für die Planung

verantwortlich war.

Es ist daher mehr als naheliegend, dass bei diesem

mit dem Holzbaupreis für Gesundheitsbauten ausgezeichneten

Projekt mit der RIGIPS Riduro Holzbauplatte

auch eine der neuesten technischen Produktlösung

für den Holzbau verwendet wurde. Die Platte

ist vollständig recycelbar, da die neue Generation

von Gipsplatten im Wesentlichen aus einem imprägnierten,

faserverstärkten Gipskern und einer hochfesten

Kartonummantelung besteht. Zudem ist diese

Produktneuheit ein regionales Produkt mit sehr geringem

CO 2 -Fußabdruck.

Damit der niedrige Energiebedarf für das Gesundheitszentrum

erreicht wird, sind auch die Anforderungen

an die benutzten Dämmstoffe hoch. Eine

zusätzliche Herausforderung lag darin, dass der Josefhof

sehr viele unterschiedliche Räume beinhaltet:

Wohnräume gibt es hier ebenso wie Seminar-, Speise-,

Ambulanz- und Wasserbereiche. Zum Einsatz ist

mit ISOVER ULTIMATE eine Hochleistungs-Mineralwolle

mit Wärmeleitfähigkeit 0,034W/m.K und einem

Schmelzpunkt über 1000° Celsius gekommen. ULTI-

MATE wird besonders häufig bei Konstruktionen –

vor allem aus Holz – verwendet, bei denen erhöhter

Brandschutz gefordert ist.

Saint-Gobain RIGIPS Austria GesmbH

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.at

Saint-Gobain ISOVER Austria GmbH

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at


www.architektur-online.com

Produkt News

GuteIdeen

fürDämmung

© betonbild/powerstation Klemens Werner

ArchitekTour

& Konzert Blaibach

In der Gemeinde Blaibach in der Oberpfalz ragt seit 2014 ein

Konzerthaus für 200 Gäste, das der Münchner Architekt Peter

Haimerl zusammen mit dem renommierten Bariton Thomas E.

Bauer initiiert und gebaut hat, wie ein Granitblock aus dem neuen

Dorfplatz. Das monolithische Bauwerk besteht aus Dämmbeton

mit Glasschaumschotter, der hilft, komplizierte Schichtungen und

für Schäden anfällige Details zu vermeiden. Der Beton im Inneren

des Konzertsaals ist unbehandelt. Die lebendige Optik seiner geneigten

Flächen hat hier eine besondere Funktion: Die ansonsten

als Betonierfehler geltenden Lunker dienen dazu, die mittelhohen

Töne zu absorbieren und verbessern so die Akustik.

Vom 23. bis 24. Oktober 2020 findet eine ArchitekTour mit Führungen

kombiniert mit der sinnlichen Klangerfahrung eindrucksvoller

Musik nach Blaibach statt. ArchitekTour und Konzert wird

von Erleben! Reisen & Events gemeinsam mit dem InformationsZentrum

Beton GmbH, BETONSUISSE und der Zement + Beton

Handelsgesellschaft organisiert.

Weitere Informationen

www.zement.at

www.reisenundevents.de

Information

jetztanfordern

Liapor ® Ground

DieDämmungunterder

Fundamentplate und seitliche

ArbeitsgrabenVerfülung

Liapor

Natureinundcirca11,5

M ilionenJahrealt–

Ilit-TonbildetdenhochwertigenGrundstoffür

Liapor.Im Liapor-W erkwird

dasnatürliche Rohmaterial

gemischtundbeicirca

1.200°Cgebrannt.

DabeiverbrennendieorganischenAnteileundderTon

blähtsichauf.Gewicht,

GrößeundFestigkeitdes

luftporendurchsetzten

M aterials la sensichim

technischausgereiftenProduktionsverfahrenexakt

steuern.

Soentstehteinnatürlicher

Hochleistungsbaustofmit

bestenEigenschaftenbei

sehrgeringem Gewicht.

LiaporGroundeignetsichaufgrundseinereinzigartigen

physikalischen Eigenschaften hervoragendzurhochbelastbarenFundamentplatendämmungundzurseitlichenArbeitsgrabenverfülung.

Die luftporen-durchsetzten,keramischen TonkugelnverminderndenErddruckdankseinergeringenTrockenschütdichte

deutlich.Die Schütung

istformstabilundnahezuselbstverdichtend.Der

EintragkannauchinschmalsteSpaltenerfolgen,

zusätzlicheRütleroderVerdichtersindnichterforderlich.LiaporGroundistnichtbrennbar(A1),reduziertWärmeverluste,kann

gleichzeitigWärme

speichernundwirktschaldämmend

© betonbild/powerstation Klemens Werner

LiasÖstereichGesmbH.-8350Fehring-Fabrikstraße11

Tel. +43(0)3155-2368 -Email: info@liapor.at


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Stilfassade denkmalgerecht saniert

In der Zeit um 1900 entstand in Innsbruck die Zinsvilla in der Claudiastraße 12. Als

Teil eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles wurde deren Fassade

denkmalgerecht saniert. Großer Wert wurde dabei darauf gelegt, die vorgefundenen,

stilgebundenen Elemente zu erhalten und mit viel Liebe zum Detail und Sachverstand

zu bearbeiten.

Die reichhaltige Ausschmückung, die die

Fassade so markant gliedert, wurde in handwerklich

feinster Manier bearbeitet. Stuckapplikationen

und die Unterteilung der Fassade

mit einer Zweifarbigkeit von zartem

Hellblau und Weiß zeigen die Schlüssigkeit

der ausgeführten Maßnahmen. Besonders

bei diesem Objekt ist es die Synthese aus

handwerklicher Perfektion und sachkundiger

Denkmalpflege, die zu einer vorbildlichen

Lösung geführt hat, die gestalterische

Qualität des Bauwerks neu betont und

gleichzeitig das Ensemble des Straßenzuges

qualitativ aufwertet.

Eingesetzt wurde bei der Fassadensanierung

mit Ultrasil HP 1901 eine biozidfreie Beschichtung

mit einem Wirkmechanismus gegen

Algen und Pilze. Die einkomponentige,

mineralische Silikat-Fassadenfarbe ist wetterbeständig,

zeigt eine geringe Verschmutzungsneigung

und ist zudem hochdeckend

und besonders farbtonstabil.

Von der Sanierung der Fassade war auch die

Jury des Brillux Design Awards überzeugt

und nominierte das Objekt in der Kategorie

„Wohnbauten“ im Jahr 2019. Die Beurteilung

stammt von unabhängigen, international erfahrenen

Experten aus Architektur, Innenarchitektur

und Handwerk. Auch 2021 wird der

Brillux Design Award verliehen, die Einreichungsphase

hat begonnen. Weitere Informationen

unter www.brillux.at/design-award

Brillux Farben GmbH

T +43 732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


www.architektur-online.com

95

Produkt News

Gründlich grundiert

Mineralische Untergründe wie Beton verursachen bei der

Applikation einer flüssigen Beschichtung aufgrund ihrer

Porenstruktur oftmals Blasenbildung. Platzen diese sogenannten

Pinblister auf, entstehen Pinholes: stecknadelkopfgroße

Löcher, durch die sich Feuchtigkeit ihren Weg in

die Konstruktion bahnt und dort zu Schäden führen kann.

Mittels einer Untergrundvorbehandlung mit dem Triflex Cryl

Primer 280 auf Basis von Polymethylmethacrylat (PMMA)

kann die Entstehung von Pinholes erfolgreich vermieden werden.

Die Grundierung ist ein 2-komponentiges Produkt, das

frei von Lösungsmitteln und niedrigviskos ist. Das PMMA und

der Katalysator sind binnen weniger Minuten angemischt und

fertig für die Applikation. Diese ist auch bei niedrigen Oberflächen-

und Umgebungstemperaturen von mindestens 0 °C

möglich. Bei der Behandlung von Pinholes empfiehlt Triflex

den Materialverbrauch zu erhöhen: Statt der sonst üblichen

0,40 kg/m² sollte ein Minimum von 0,8 kg/m² auf glatten, ebenen

Flächen verarbeitet werden. Der Auftrag erfolgt dabei in

zwei Arbeitsschritten, wobei mit dem zweiten Schritt nach

Ausbildung einer klebefreien Oberfläche begonnen werden

kann. Da es sich um ein schnell reaktives Harz handelt, kann

eine zügige Weiterverarbeitung im Sinne eines wirtschaftlichen

Projektablaufs erfolgen.

Triflex GesmbH

T+43 (0)7667 21505

info@triflex.at

www.triflex.at

KONSEQUENT NACHHALTIG

Unsere Verglasungen tragen das C2C TM - Siegel:

ipasol – Stopray – iplus - Clearlite – Clearvision

Stratophone – Stratobel – Clearsight – Pyrobel

Lacobel – Matelac – Matelux - Mirox – Imagin

Wir bieten Ihnen ökologisch wertvolle Produkte, die

in Kreisläufe gehen, statt am Ende entsorgt zu

werden. Sie erhalten so einen hohen Mehrwert bei

der Umweltzertifizierung von Gebäuden.

Als einziger Glashersteller weltweit bietet die

AGC Gruppe bereits seit 10 Jahren ein breites

Portfolio an Cradle to Cradle TM

zertifizierten

Glasprodukten. Unser klares Bekenntnis zu

Verantwortung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

AGC INTERPANE – Bildungspartner des C2C LAB, Berlin

INTERPANE GLAS INDUSTRIE AG

Telefon: +49 5273 8090

info@interpane.com

www.interpane.com


architektur FACHMAGAZIN

96

3D-Visualisierung

3D-Visualisierung

– ein Multi-Tool

Den Blick in eine unbekannte Realität erlauben und die Ideen von Architekten und

Gestaltern sichtbar machen – das ermöglichen Visualisierung. Bilder der Planung

sollen diese aber nicht nur prüfen, sondern auch verkaufen. Sie begleiten und

unterstützen zunehmend den gesamten Prozess. Über die aktuelle Situation in

diesem Bereich sprach architektur mit der Architektin Bettina Ludwig, CEO und

Creativ Director der auf 3D-Visualisierungen spezialisierten xoio GmbH.

3D Visualisierungen: xoio Gmbh

Welche Trends bemerken Sie im Bereich

der Visualisierungen?

Wir beobachten, dass Renderings zunehmend

früher im Planungsprozess zum

Schnittstellenprodukt werden: in unserem

Studio kommen Planer, Vertrieb und Investor

zusammen, um anhand der Visuals Fragen

zur Gestaltung und Marketingausrichtung

zu klären. Nicht selten geben unsere

Bilder wertvolle Impulse.

Wir werden zunehmend vom Abbildenden

zum Mitwirkenden – das verdanken wir wohl

einem erhöhten Kommunikationsbedarf.

Worauf basiert dieser erhöhte

Kommunikationsbedaf?

Durch die zunehmende Spezialisierung im

architektonischen Prozess wollen mehr Beteiligte

bei kürzeren Projektlaufzeiten auf

einen Nenner gebracht werden. Ein wirkmächtiges

Bild kann zum zentralen Element

guter und erfolgreicher Kommunikation

werden – nicht allein, aber vor allem in der

Architektur.

Wie gehen Sie dabei vor?

Zu Beginn unserer Arbeit stellen wir zentrale

Fragen: Welche Zielgruppe soll angesprochen

werden? Welche Emotion soll geweckt

werden? Was ist die architektonische

Aussage? Zusammenfassend ist es unsere

Aufgabe, aus einer Entwurfsplanung ein

glaubhaftes, emotional erzählendes Bild zu

generieren. Wir schließen die Gestaltungslücke

zwischen Entwurfsplanung (1:200/100)

und fotorealem Bild. Natürlich unter Berücksichtigung

der Zielvorgabe. Hier liegt die

Kompetenz der 3D-Bildgestaltung.


www.architektur-online.com

97

3D-Visualisierung

Ein konkretes Beispiel für die Abwicklung

eines Visualisierungsprojekts?

Wie wir dabei vorgehen, zeigt beispielhaft

das Projekt „New Courts“ in der Gerichtstraße

in Berlin, das welter+welter Architekten

BDA für den Bauträger Gerichtstraße

48-51 GmbH entworfen haben.

Zu Beginn sind Fragen zu Inhalt und Ausrichtung

noch offen, sodass unser Input

auf ganzer Bandbreite gefragt ist: Marketing-Ausrichtung,

Interior Design und Anwendungskonzeption

entstand im gemeinsamen

Diskurs mit den Projektbeteiligten.

Die Außenbilder sollten das Gesamtgebäude

dokumentieren, die Tag- und Nachtwirkung

zeigen und natürlich in Serie funktionieren.

Die Architektur liefert uns einen

fantastischen Rahmen, wir determinieren

Perspektive, Vegetation, Licht und schaffen

damit Atmosphäre und Fokus.

Die Flexibilität des Bürobaus und die Zielgruppendiversität

sind übergeordnete

Themen der Innenbilder: In identischer Perspektive

zeigen wir ein Zellenbüro und ein

Open-Space-Office.

Um neben Typologie auch Zielgruppen zu

differenzieren, wurden zwei Interior Design

Welten konzipiert, die der breiten

Zielgruppenausrichtung gerecht werden.

Die Darstellung auf der Webseite https://

newcourts.net/ in einer Überblendung unterstreicht

dabei das Thema Wandelbarkeit.

Danke für das Gespräch.

Architektur:

welter+welter Architekten BDA

Bauträger:

Gerichtstraße 48-51 GmbH

3D-Visualisierungen:

xoio Gmbh

www.xoio.de


architektur FACHMAGAZIN

98

edv

Additive Fertigung:

Drucken statt bauen

Die additive Fertigung, auch „3D-Druck“ genannt, gehört zu den digitalen

Schlüsseltechnologien. Im Architektur- und Baubereich werden inzwischen

Möbel, Bauteile oder komplette Gebäude gedruckt. Was sind die

Vorteile, wo liegen die Grenzen?

Text: Marian Behaneck

Mit immer besseren Druckqualitäten und

sinkenden Preisen etabliert sich die additive

Fertigung (auch Generative Fertigung,

Rapid Prototyping oder 3D-Druck genannt)

zunehmend auch im Baubereich. In einigen

Planungsbüros stellen 3D-Drucker nicht nur

Modelle, sondern auch Muster oder Prototypen,

Einzelstücke oder Kleinserien von Möbeln

oder Designobjekten her. Was können

3D-Drucker mittlerweile, welche Verfahren,

Möglichkeiten und Grenzen gibt es und wann

sind 3D-Druckdienstleister eine Alternative?

Was leisten 3D-Druckverfahren?

Im Unterschied zur konventionellen Fertigung

werden bei additiven Fertigungsverfahren

Objekte nicht durch Umformen,

Trennen oder Zerspanen eines Werkstücks,

sondern additiv aus einem flüssigen, pulverförmigen

oder festen Ausgangsmaterial

aus Kunststoff, Kunstharz, Keramik, Metall

oder vielen weiteren Materialien mit Hilfe

chemischer und/oder physikalischer Prozesse

Schicht für Schicht aufgebaut. Es

können sowohl statische Objekte aus unterschiedlichen

Materialien oder Farben als

auch bewegliche Funktionsmodelle in einem

Arbeitsgang gefertigt werden. Die Objekte

können auch transparent oder elastisch sein.

Die Fertigungsqualität hängt ab von der Genauigkeit

und Oberflächenbeschaffenheit

und diese wiederum von der dreidimensionalen

Druckauflösung in X-, Y- und vor allem

in Z-Richtung (Schichtdicke) des Ausgabegerätes.

Die Modelldaten neuer Objekte

werden mit CAD- oder Modellierprogrammen

generiert, bestehende Objekte werden

mit 3D-Hand- oder Stativscannern erfasst.

Steht der 3D-Drucker neben dem CAD-Arbeitsplatz,

ist das Prototyp-Modell schneller

verfügbar und Varianten lassen sich mit weniger

Aufwand entwickeln, da sich die Objektdaten

vor dem Druck beliebig individuell

verändern lassen. Nahezu alles ist druckbar:

Kunststoff- und Metallstrukturen ebenso

Additive Verfahren zur Herstellung großer Bauteile oder kompletter Gebäude werden sowohl

Prozessabläufe als auch Gestaltungsmöglichkeiten im Baubereich revolutionieren.

© Contour Crafting Corporation

wie filigrane Konstruktionen oder massive

Bauteile aus Stein- oder Betonwerkstoffen,

teilweise mit Eisen-, Glasfaser- oder Textilarmierung,

oder der Beimischung recycelter

Materialien etc. Mechanische oder elektrische

Bauteile, medizinische Implantate,

Schuhe, Kleidungsstücke, Schmuck oder

spielbare Musikinstrumente lassen sich

ebenso drucken, wie essbare Lebensmittel

oder bewohnbare Häuser.

Welche Vor- und Nachteile

hat der 3D-Druck?

3D-Druckobjekte können individuell gestaltet

und sofort ausgedruckt werden. Sie sind

mehrfach reproduzierbar und in Kleinserien

bis zu einer bestimmten Stückzahl wirtschaftlicher

als konventionell hergestellte

Produkte. Das gilt insbesondere für komplexe

Objekte, denn die Wirtschaftlichkeit additiver

Fertigung steigt mit der Komplexität

der Objektgeometrie. Für komplex geformte,

amorphe, organische oder bionische, von

der Natur inspirierte Strukturen, oder mit

generativen Designverfahren erzeugte Objekte,

ist die additive Fertigungstechnik das

einzige wirtschaftliche Fertigungsverfahren.

Der 3D-Druck schont auch Ressourcen,

denn es wird nur das für den Druck benötigte

Material verbraucht, das allerdings nicht

immer umweltfreundlich ist. Die additive

Fertigung bietet vor allem unbegrenzte gestalterische

und konstruktive Freiheiten: So

können mit konventionellen Methoden nicht

oder nur sehr aufwendig herzustellende Objekte

mit Hinterschneidungen, Hohlräumen

etc. realisiert werden. Bauteile können dabei

partiell mit bestimmten mechanischen oder

thermischen Eigenschaften versehen werden,

damit Kräfte und Spannungen optimal

abgeleitet werden. Die Einzel- und Kleinserienfertigung

oder der Druck nicht mehr

erhältlicher Ersatzteile stellen allerdings höhere

Ansprüche – etwa an die mechanische

Festigkeit, statische oder thermische Belastbarkeit,

Beständigkeit gegenüber Flüs-


www.architektur-online.com

99

edv

© Ultimaker

© Big Rep

Experten zufolge wird sich der 3D-Druck als Ergänzung und Erweiterung der konventionellen Fertigung

etablieren. Die Palette der 3D-Drucker reicht von kleinen, einfach bedienbaren Desktop-Druckern bis zu

professionellen, industriellen Anlagen, die auch größere Bauteile oder Gebäude drucken können.

sigkeiten oder chemischen Stoffen etc. Das

schränkt die Auswahl der Druckverfahren

und ‐werkstoffen ein. Grenzen setzen auch

die Produktionszeiten, die bei weitem nicht

mit der Massenproduktion mithalten können.

Auch die Druckkosten sind mit 60 bis

400 Euro pro Kilogramm für das Druckmaterial,

bzw. 0,5 bis 5 Euro pro Kubikzentimeter

gedrucktem Volumen hoch. Deshalb bieten

sich vor allem für kleinere Druckaufträge

(Online-)Dienstleister an, die 3D-Druckobjekte

in der gewünschten Materialqualität

drucken und per Post liefern (siehe auch

architektur 6/2018: „Druckfrisch geliefert“).

Welche Druckverfahren

und Drucker gibt es?

Additive Fertigungstechniken werden grob

in die Kategorien Pulverbett-, Freiraum- und

Flüssigmaterialverfahren unterteilt. Zu den

Pulverbettverfahren zählen beispielsweise

das Selektive Laserschmelzen (SLM) oder

Lasersintern (SLS), zu den Freiraumverfahren

das Fused Deposition Modeling (FDM)

oder das Contour Crafting (CC). Wichtige

Beispiele für Flüssigmaterialverfahren sind

das Digital Light Processing (DLP) und die

Stereolithografie (SLA). Daneben gibt es

zahlreiche weitere Schichtbauverfahren,

wie etwa den Holz-, Stein- oder Betondruck.

das Organisations- und Führungstool

der Architekten und Ingenieure

untermStrich® X3 – wir.wissen.warum.

Sehr frei nach Karl Valentin: „Architektur ist schön, macht aber viel Arbeit...“

untermStrich ist für uns ein sympathisches Tool, den zweiten Teil dieses Satzes in unternehmerische

Zahlen zu fassen: prognostisch und in der Nachkalkulation.

Zitat von Benedict Marginter

untermStrich® software GmbH,

Mittergasse 11 - 15, 8600 Bruck/Mur

Tel. +43 3862 58106

Marginter Architekten ZT-GmbH

untermstrich.com


architektur FACHMAGAZIN

100

edv

Die Funktionsweisen sind ähnlich: Entweder

wird über einer mit Flüssigkunststoff oder

Metall-/Kunststoffpulver gefüllten Kammer

eine von einem Schrittmotor gesteuerte Lasereinheit

geführt. Dort, wo der Laserstrahl

die Konturen des Bauteils abfährt, erhärtet

das Druckmaterial schichtweise. Oder das

Material wird direkt aus einer Druckkopfdüse

schichtweise aufgebracht und erhärtet

selbstständig. Eine Vorrichtung senkt die

erhärtete Schicht ab, beziehungsweise der

Druckkopf hebt sich. Anschließend fährt

der Laser oder Druckkopf die Kontur erneut

nach, bis eine neue Schicht fertig ist.

Auf diese Weise entsteht schichtweise von

unten nach oben das Objekt, das anschließend

gegebenenfalls gehärtet, gereinigt,

getrocknet, geglättet, lackiert, respektive

von Stützkonstruktionen befreit werden

muss. Das Angebot an 3D-Druckern ist mittlerweile

unüberschaubar. Die Spanne reicht

von kleinformatigen Home-Druckern für

Privatanwender mit Baugrößen (L x B x H)

bis etwa 250 x 200 x 150 Millimetern ab 500

Euro, über Profi- oder Desktopdrucker für

CAD-Konstruktionsarbeitsplätze ab 5.000

Euro für Modellgrößen bis etwa 400 x 250

x 200 Millimetern sowie industrietauglichen

High-End-Anlagen ab etwa 100.000 Euro.

Das sind Lasersinteranlagen für Metall oder

Kunststoff bis etwa 4 x 2 x 1 Metern, bis hin

zu Großformat-Druckern mit 70 x 10 x 6 Metern

und mehr. Gängige Schichtdicken liegen

zwischen 0,2 bis 0,5 mm (Heimdrucker)

und 0,05 bis 0,001 mm (Profi- und Industriedrucker).

Je kleiner dieser Wert ist, desto

präziser ist das Druckobjekt und desto höher

ist die Oberflächenqualität.

Gedruckt werden beispielsweise auch Architekturdetails, Möbel, Innenbauteile

oder komplette Fassaden, bestehend aus dreidimensionalen Fassadenfliesen.

© Matthew Millman Photography / Emergingobjects

Wie werden 3D-Druckdaten erstellt?

Zur Modellerzeugung werden die während

der CAD-Konstruktion entstandenen dreidimensionalen

Bauteil-Geometriedaten

genutzt. Das für die rechnergestützte Modellgenerierung

wichtigste 3D-Datenformat

STL (STereoLitography) unterstützen

derzeit vorwiegend designorientierte CAD-,

Modellier- und Rendering-Programme, wie

z.B. 3DS-Max, Catia, Cinema4D, FormZ,

Maya, MegaCAD, Rhino 3D, SketchUp, SolidWorks,

Vectorworks und andere. Weitere

3D-Druck-kompatible Datenformate sind

STEP, IGES, 3DS, OBJ, VRML, DXF, DWG

etc. 3D-Druckverfahren setzen geometrisch

korrekt konstruierte Innen- und Außenflächen

sowie vollständige, eindeutige

und fehlerfreie Baukörpervolumina voraus.

In vielen Fällen ist eine mehr oder weniger

aufwändige Aufbereitung und Korrektur

oder gar eine komplette Neuerstellung der

Geometriedaten erforderlich. Eine weitere

Datenquelle für die additive Fertigung ist

das 3D-Laserscanning. Mit handgeführten

oder auf Stativen montierten Laserscannern

lassen sich in wenigen Minuten auch

sehr komplexe Objekte dreidimensional

erfassen. Hinterschneidungen, Hohlräume

oder Fehlstellen erfordern allerdings eine

Nachbearbeitung der Scandaten und eine

anschließende Überführung in ein CAD-Volumenmodell.

Eine weitere Quelle von

3D-Druckmodelldaten sind 3D-Bibliotheken

wie etwa das Google 3D-Warehouse, Thingiverse,

Youmagine oder Pinshape. Während

der Druckvorbereitung werden mit einer

druckerspezifischen Software verfahrensund

materialspezifische Einstellungen vorgenommen,

gegebenenfalls unterschiedliche

Modellfarben oder ‐materialien definiert

und das Modell im Druckraum ausgerichtet.

Anschließend unterteilt die Software die

Geometrie horizontal in scheibenförmige

Querschnitte, wobei die Scheibendicke der

Schichtdicke einer Druckschicht entspricht.

Je kleiner die Schrittabstände, desto glatter

die Oberflächen, desto länger werden aber

auch die Druckzeiten.

© CNC Automation Würfel

Elementmethode: Mit Elementen zur

präzisen und transparenten Kostenplanung!

Die Lösung für OpenBIM und AVA | www.abk.at


www.architektur-online.com

101

edv

Bauteile oder Bauwerke

drucken statt bauen

Die Einsatzmöglichkeiten im Baubereich

sind vielfältig. Sie reichen von Architekturmodellen

in beliebigen Maßstäben, über

einzelne Gebäudebauteile wie Wände,

Decken, Stützen, Träger oder Treppen, bis

hin zu kompletten Gebäuden im Maßstab

1:1. Dabei wird das CAD-Gebäudemodell in

einzelne Bauteile aufgeteilt, der 3D-Drucker

produziert sie anschließend in einer

Werkstatt oder direkt auf der Baustelle.

Nach dem Aushärten werden die Bauteile

zusammengefügt. Teilweise werden auch

komplette Objekte auch in einem Arbeitsgang

gedruckt. Nahezu alles ist druckbar:

Metallstrukturen ebenso wie Konstruktionen

aus holzähnlichen Werkstoffen oder

massive Bauteile aus Beton mit oder ohne

Eisen-, Glasfaser- oder Textilarmierung.

Besondere Anforderungen werden an das

Druckmaterial gestellt. Es sollte sowohl

durch Rohrleitungen und die Druckkopfdüse

gepumpt werden können, zugleich

auch schnell härtend sein, damit es für

den nächsten Schichtauftrag stabil genug

ist. Im erhärteten Zustand muss es ebenso

stabil und statisch belastbar sein, wie

herkömmliche Baustoffe. Da sich die digital

vorliegenden Objekte vor dem Druck

beliebig verändern lassen, sind Varianten

schnell realisierbar. Insgesamt steigern

additive Fertigungssysteme die Kreativität,

minimieren den Personalaufwand und

tragen zur Ressourcenschonung bei. Das

gilt insbesondere für 3D-Drucksysteme,

die auch recycelte Baumaterialien verarbeiten.

Da der 3D-Druck in der Lage ist,

bisher nicht oder nur sehr aufwendig produzierbare

Formen und Strukturen wirtschaftlich

realisieren zu können, eröffnen

sich für Planer neue kreative Freiräume.

Auch Passform- oder Funktionsprüfungen,

Einbau- und Montagetests können

schon in früher Projektphase durchgeführt

und Probleme erkannt werden. Allerdings

setzen Gebäudebauteile und erst

recht komplette Gebäude extrem große

Bauräume voraus, die etwas größer sein

sollten, als das zu fertigende Objekt. Deshalb

orientieren sich für den Baubereich

konzipierte 3D-Drucker häufig an Portalkran-Konstruktionen,

mit einem an der

„Laufkatze“ oder an Seilen montierten

Druckkopf. Daneben gibt es auch auf einer

herkömmlichen Autobetonpumpe basierende

Konzepte, bei denen der Druckkopf

mit Hilfe von Schrittmotoren und einer

Steuerung präzise entlang einer vorgegebenen

Kontur geführt wird. Damit sollen

auch mehrstöckige Gebäude direkt an Ort

und Stelle gefertigt werden können.

REVOLUTIONÄRE

BAUSOFTWARE

AUS ÖSTERREICH.

Es gibt X Wege, um an die Spitze

zu gelangen. Mit dem neuen

SUCCESS X gehen Sie auf Nummer

sicher. Setzen Sie auf Nachhaltigkeit.

Auch bei Ihrer Bausoftware.

Gehen Sie den Erfolgsweg

mit uns?

Auch komplette Appartement-Zellen, inklusive

der Haustechnik, wurden bereits gedruckt. © 3M

www.success-x.at


www.architektur-online.com

ArCon Render Studio V19

Es ist immer wichtiger, die Produkte, die im Unternehmen

produziert und verkauft werden, werbewirksam

darstellen zu können. ArCon Render Studio ist

genau das richtige Werkzeug, um im Handumdrehen

aus 3D-Modellen hochklassige Fotos oder Videos zu

erzeugen. Damit lassen sich reale Beleuchtungsszenarien

aus Tageslicht, indirekten Lichtquellen oder

Licht abstrahlenden Materialien erstellen und so mit

wirklich realen Lichtverläufen arbeiten. Der neuartige

GPU Turbo berechnet die Lichtverläufe innerhalb

kürzester Zeit.

Mit dem ArCon Render Studio werden Filme erzeugt,

in denen Kunden schon vorab durch das neue Gebäude

wandern, noch bevor es gebaut ist. Zusätzlich

können Bewegungsabläufe animiert und Lichtanimationen

dargestellt werden. Sehr einfach werden

so Innen- und Außenpanoramen erzeugt, wobei der

Kunde selbst entscheiden kann, wie er sich in einem

Innenraum bewegt bzw. von welcher Seite er ein Objekt

von außen betrachten will.

Das ArCon Render Studio steht für hochklassige Visualisierungen

und einfache Handhabung!

DI Kraus & CO GmbH

T +43 (0)2622 89497-13

office@dikraus.at

www.dikraus.at

www.arcon-cad.at

102

edv

Renderings: Werz 3d Digitale Visualisierungen

BAU 2021

untermStrich® X3 – wir.wissen.warum.

@HOME

BAU2021 @Home

Die untermStrich software GmbH, langjähriger Aussteller

auf der BAU in München, verzichtet auf die

Teilnahme an der BAU 2021 und setzt stattdessen auf

verstärkte digitale Angebote für Kunden und Interessenten.

Der Anbieter des gleichnamigen Organisationsund

Führungstools für Architekten und Ingenieure, teilt

dazu mit: „Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie

erscheint uns die Messeteilnahme derzeit zu wenig

kalkulierbar. Andererseits haben wir während des Corona-Lockdowns

unsere digitalen Kommunikationsmöglichkeiten

systematisch ausgebaut – sei es intern, mit

der Anbindung unserer Standorte in Deutschland und

Österreich im gemeinsamen Homeoffice, sei es in der

Kommunikation mit unseren Kunden und Interessenten.

Neue Fortbildungsformate der untermStrich Akademie

wurden entwickelt und stehen auf einer neuen Buchungsplattform

zur Verfügung.“

Auf dieser Basis wird untermStrich während der Laufzeit

der BAU 2021 ein digitales Angebot bereit stellen, das

Kunden, Interessenten und Neugierige mit den jeweils

passenden Spezialisten zusammen bringt.

untermStrich software GmbH

T +43 (0)3862 58106-0

office@untermstrich.com

www.untermstrich.com


A-BENCH

Kunden gewinnen.

Schon im Wartebereich.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine