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Grundschule aktuell Heft 152

Grundschule in und nach Corona

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Thema: <strong>Grundschule</strong> in und nach Corona<br />

Thema: <strong>Grundschule</strong> in und nach Corona<br />

Hartmut Wedekind, Olga Theisselmann, Holger Haas<br />

„Experimentieren zu Hause“<br />

– zu Zeiten von Corona<br />

Dieser Artikel berichtet von einem Projekt, das im Kinderforscher*zentrum 1<br />

HELLEUM in Berlin zu Zeiten des Lockdowns realisiert wurde und später eine<br />

interessante Fortsetzung fand.<br />

Das HELLEUM ist eine außerschulische<br />

Bildungseinrichtung<br />

in Berlin-Hellersdorf, in der<br />

Kita- und Grundschulkinder in der<br />

anregungsreichen Lernumgebung einer<br />

großen Lernwerkstatt eigenständig Phänomene<br />

unter naturwissenschaftlichtechnischer<br />

und mathematischer Perspektive<br />

erkunden und forschend entdecken<br />

können. Vormittags besuchen<br />

regelmäßig Kindergruppen das HEL-<br />

LEUM zu unterschiedlichen Themen.<br />

Nachmittags nehmen Kinder und Familien<br />

die kostenlosen Angebote in der<br />

„Offenen Lernwerkstatt“ gerne an. Die<br />

konzepttragende Idee und zugleich auch<br />

ein Hauptziel des Kinderforscher*zentrums<br />

besteht darin, die Idee des forschenden<br />

und entdeckenden Lernens<br />

im Bereich der frühen naturwissenschaftlich-technischen<br />

und mathematischen<br />

Bildung im Kontext der Lernwerkstattarbeit<br />

transparent zu machen<br />

und dazu beizutragen, dass diese Idee<br />

sich sukzessive in den Einrichtungen<br />

des Bezirks und darüber hinaus verbreitet.<br />

Das methodische Vorgehen und<br />

die Arbeitsweise im HELLEUM<br />

Die Forschungsaktivitäten der Kinder<br />

beginnen mit der Orientierung in einer<br />

themenspezifischen Lernumgebung. In<br />

dieser Lernumgebung sind die meisten<br />

Angebote mit Dingen und Gegenständen<br />

aus dem täglichen Gebrauch aufgebaut,<br />

die die Kinder anregen, sie spielerisch<br />

und explorierend zu erkunden.<br />

Diese alltäglichen Dinge und ihr Arrangement,<br />

verteilt über einen etwa 200 qm<br />

großen Raum, spielen im Konzept des<br />

Kinderforscher*zentrums eine außerordentlich<br />

große Rolle und werden bei<br />

der Erstellung von Lernumgebungen im<br />

Sinne von Claus Stieve bewusst gestal-<br />

tet (Stieve 2003, 84), um Kinder zum<br />

Handeln zu provozieren. Aus dem Alltäglichen<br />

herausgelöst, erfahren sie<br />

neue Bedeutungen, lösen oft Verwunderung<br />

aus und führen dazu, Interesse und<br />

Ideen für Erkundungen zu wecken und<br />

zu entwickeln. Die Auseinandersetzung<br />

mit ihnen wird für die Kinder sinnvoll<br />

und letztlich auch sinnstiftend. Während<br />

der Annäherung an ein Thema halten<br />

sich die Lernbegleiter*innen weitestgehend<br />

beobachtend zurück. Die Vorbereitung<br />

auf die Versuche erfolgt, indem<br />

die Kinder die Planung des Versuchs<br />

vornehmen und die dafür notwendigen<br />

Materialien zusammenstellen. Immer<br />

zwei Lernbegleiter*innen stehen den<br />

Kindern als Ansprechpartner*in und<br />

wenn nötig auch als Impulsgeber*in zur<br />

Seite. In der abschließenden Reflexion<br />

präsentieren die Kinder ihre Ergebnisse<br />

und Lernwege und erfahren Wertschätzung<br />

und Anerkennung. Zugleich trägt<br />

die Reflexion dazu bei, Phänomene auf<br />

einem kindlichen Niveau gemeinsamen<br />

zu verstehen und – wie Martin Wagenschein<br />

so trefflich formulierte – nicht<br />

der „fertigen Physik“, sondern der „werdenden<br />

Physik im Kind“ (Wagenschein,<br />

2009, 47) Raum zu bieten.<br />

Und dann kam Corona …<br />

HELLEUM-Forscherkreis (vgl. Theisselmann, Wedekind 2017)<br />

Wie für alle Einrichtungen kam auch<br />

für das HELLEUM die Schließung völlig<br />

unerwartet. Kinder standen vor verschlossenen<br />

Türen oder schrieben bzw.<br />

sprachen Mitarbeiter*innen an: „Wir<br />

vermissen euch!“ „Wann können wir<br />

euch wieder besuchen?“<br />

Für das Team stellte sich die Frage, wie<br />

unser Lernwerkstattansatz in einer Zeit<br />

der ausschließlichen digitalen Kontaktaufnahme<br />

weitergeführt werden kann.<br />

Welche Möglichkeiten können wir nutzen,<br />

um Kindern und ihren Eltern weiter<br />

einen lernwerkstattaffinen Zugang zum<br />

Erkunden und Forschen zu bieten?<br />

Wir wollten nicht zurückfallen in eine<br />

– dann doch leider sehr oft beobachtete –<br />

Arbeitsblatt-Renaissance. Wir wollten<br />

weiterhin Phänomene nutzen, die zum<br />

Helle und Leum laden euch ein zum gemeinsamen Tüfteln!<br />

MACH DEIN ZIMMER ZUR LERNWERKSTATT!<br />

Ein <strong>Heft</strong> voller Ideen vom<br />

KINDERFORSCHER*ZENTRUM<br />

HELLEUM<br />

Das Hybridangebot zum „Geheimnis der Streichholzschachtel“:<br />

Die Broschüre beinhaltet Impulskarten (Anleitungen,<br />

Auf gaben) und verweist auf Filmmaterial auf der Homepage.<br />

Sie kann unter www.helleum-berlin.de bezogen werden.<br />

Verwundertsein anregen und das Bedürfnis<br />

auslösen, ‚dahinter kommen zu<br />

wollen‘, um Kinder zum Forschen einzuladen.<br />

Wir waren uns klar darüber, dass<br />

ein zentrales und wichtiges Kennzeichen<br />

von Lernwerkstattarbeit, die unmittelbare<br />

und direkte Begleitung der Lernenden<br />

bei ihren explorierenden Erkundungsversuchen,<br />

über digitale Angebote nur<br />

schwer umzusetzen ist. Da wir nie mit<br />

festen Gruppen gearbeitet haben, sondern<br />

täglich immer wieder andere Kinder<br />

zu Besuch hatten, waren Formen des<br />

Chattens oder auch Videokonferenzen<br />

nicht möglich. Es musste eine Form gefunden<br />

werden, die mithilfe der digitalen<br />

Medien ermöglicht, bei Kindern Lust<br />

und Freude am Forschen zu Hause oder<br />

auch in Schulen, im Offenen Ganztagsbetrieb,<br />

im Hort oder in Kitas zu erzeugen<br />

bzw. aufrechtzuerhalten.<br />

8<br />

Die Idee „HELLEUM Zuhause“<br />

wurde geboren<br />

Folgende Fragen waren aber vorher zu<br />

klären:<br />

1. In welchem Format wollen wir digitale<br />

Angebote unterbreiten, um dem<br />

Lernwerkstattansatz treu zu bleiben?<br />

2. Wie sollen die Kinder und ihre Eltern<br />

(später auch Pädagog*innen) ermutigt<br />

und vielleicht auch „verführt“<br />

werden, die Angebote abzurufen?<br />

3. Wie wollen wir die Idee des Lernwerkstattansatzes<br />

auch nach der Lockerung<br />

bzw. der Aufhebung der<br />

pandemiebedingten Einschränkungen<br />

oder als pädagogisches Angebot<br />

im „Distanzunterricht“ (NRW) oder<br />

saLzH (schulisch angeleitetes Lernen<br />

zu Hause, Berlin) weiterverfolgen?<br />

Hier einige Antworten und<br />

ein kleiner Einblick ins Projekt<br />

Auf der Suche nach den Antworten auf<br />

die o. g. Fragen haben wir in der Lockdown-Zeit<br />

angefangen, einen kleinen<br />

Experimentierbereich für unsere HEL-<br />

LEUM-Webseite zu entwickeln. So ent-<br />

DAS GEHEIMNIS DER STREICHHOLZSCHACHTEL<br />

Du brauchst<br />

(nicht alle Dinge, die du hier siehst):<br />

▪ Streichholzschachtel<br />

▪ verschiedene kleine Gegenstände<br />

▪ eine Nadel oder Aale<br />

▪ ein Messer, eine Schere<br />

▪ kleine Steine, Korken<br />

▪ kleine Gewichte<br />

▪ dünner Strick ...<br />

Was muss ich<br />

tun, damit sie<br />

stoppt, wenn<br />

ich es will?<br />

Wenn<br />

du willst<br />

bleibt sie<br />

stehen.<br />

Eine Streichholzschachtel, durch die<br />

ein Faden gezogen wurde, kann am<br />

Hinunterrutschen gehindert werden …<br />

Hast Du eine Idee, warum sie das macht?<br />

Wenn du das Geheimnis der Streichholzschachtel<br />

lüften möchtest, dann....<br />

▪ versuche eine solche Streichholzschachtel zu<br />

bauen, indem du einige der Materialien nutzt,<br />

▪ benutze unterschiedliche Gegenstände und<br />

teste, welche sich besonders gut eignen.<br />

▪ Hast du festgestellt welche der Gegenstände sich besonders gut eignen?<br />

▪ Was meinst du, welche Eigenschaften sie haben müssten und was in der<br />

Streichholzschachtel passiert?<br />

Schau dir gern den Film dazu an.<br />

Dokumentiere deine Arbeit. Nutze dazu die Vorlage „Mein Forschungsweg“.<br />

Wenn du möchtest, mache Fotos, zeichne ein Bild oder schreibe eine<br />

kleine Geschichte dazu auf und stelle sie auf die digitale Pinnwand (Padlet)<br />

AUF<br />

SEITE 37<br />

FINDEST DU<br />

MEHR INFOS<br />

DAZU.<br />

26 GS <strong>aktuell</strong> <strong>152</strong> • November 2020<br />

GS <strong>aktuell</strong> <strong>152</strong> • November 2020 27

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