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architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 2 2022

Gebäude energieeffizienter und resilienter gegen Umwelteinflüsse zu machen, ist eine der großen Aufgaben moderner Architektur. Die Fassade, als äußerste Schutzhülle, bietet hier besonders großes Potenzial. Probleme wie zu hoher Hitzeeintrag, die schon hier gelöst werden, entlasten vor allem die Haustechnik und können bei der Energiebilanz entscheidend sein. Doch moderne Fassaden können mehr. Sie erzeugen Strom, lüften selbstständig, kühlen überhitzte Städte und bieten mitunter sogar Lebensraum für allerlei Tiere. So legen sie einen Grundstein für nachhaltiges und zukunftsorientiertes Bauen. Die Projektberichte, die wir für diese Ausgabe zusammengestellt haben, könnten kaum unterschiedlicher sein. Sie spannen den Bogen zwischen smarten High-Tech- sowie cleveren Low-Tech-Ansätzen.

Gebäude energieeffizienter und resilienter gegen Umwelteinflüsse zu machen, ist eine der großen Aufgaben moderner Architektur. Die Fassade, als äußerste Schutzhülle, bietet hier besonders großes Potenzial. Probleme wie zu hoher Hitzeeintrag, die schon hier gelöst werden, entlasten vor allem die Haustechnik und können bei der Energiebilanz entscheidend sein. Doch moderne Fassaden können mehr. Sie erzeugen Strom, lüften selbstständig, kühlen überhitzte Städte und bieten mitunter sogar Lebensraum für allerlei Tiere. So legen sie einen Grundstein für nachhaltiges und zukunftsorientiertes Bauen.

Die Projektberichte, die wir für diese Ausgabe zusammengestellt haben, könnten kaum unterschiedlicher sein. Sie spannen den Bogen zwischen smarten High-Tech- sowie cleveren Low-Tech-Ansätzen.

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

02

www.architektur-online.com

März/Apr. 2022

Intelligente

Fassade

© Seth Powers


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DER LICHTHIMMEL

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3

Auch auf die Hülle kommt es an

Gebäude energieeffizienter und resilienter gegen Umwelteinflüsse zu machen,

ist eine der großen Aufgaben moderner Architektur. Die Fassade, als äußerste

Schutzhülle, bietet hier besonders großes Potenzial. Probleme wie zu hoher Hitzeeintrag,

die schon hier gelöst werden, entlasten vor allem die Haustechnik und

können bei der Energiebilanz entscheidend sein. Doch moderne Fassaden können

mehr. Sie erzeugen Strom, lüften selbstständig, kühlen überhitzte Städte und

bieten mitunter sogar Lebensraum für allerlei Tiere. So legen sie einen Grundstein

für nachhaltiges und zukunftsorientiertes Bauen.

Die Projektberichte, die wir für diese Ausgabe

zusammengestellt haben, könnten

kaum unterschiedlicher sein. Sie spannen

den Bogen zwischen smarten High-Techsowie

cleveren Low-Tech-Ansätzen.

Ein gelungenes Zusammenspiel aus

aktiven und passiven Maßnahmen zur

Gebäudeklimatisierung zeigt das Architekturbüro

Skidmore, Owings & Merrill

(SOM). Sie realisierten in der chinesischen

Millionenstadt Shenzhen ein „atmendes“

Hochhaus mit natürlicher Belüftung,

basierend auf einer Struktur aus

außenliegenden, sich diagonal kreuzenden

Trägern. Ebenfalls in China realisierten

CLOU architects mit dem FarmLab einen

Multifunktionsbau, der sich vor allem

Editorial

der Forschung in den Bereichen Landwirtschaft

und Tourismus widmet. Rund

um die innovativen Arbeits- und Präsentationsbereiche

im Inneren legt sich eine

ebenso smarte Rasterfassade.

Beim Neubau des Amts für Umwelt und

Energie in Basel ist der Name Programm.

Besonderes Gestaltungsmerkmal des von

jessenvollenweider entworfenen Nullenergiehauses

in Holz-Beton-Hybridbauweise,

ist die leichte Photovoltaikfassade,

die ein flexibles Raum- und Tragsystem

umhüllt.

Weniger Technik, dafür umso mehr Grün

bietet ein vom Büro Maison Edouard

François gestaltetes Wohnquartier auf

dem Areal eines ehemaligen Fußballstadions.

Dieses offeriert nämlich nicht nur

qualitativen Wohn- und Lebensraum,

sondern auch eine der größten begrünten

Fassaden Europas.

Das neue dreizehnstöckige Gebäude der

Buckle Street Studios im Londoner Stadtteil

Whitechapel wiederum überzeugt vor

allem auf ästhetischer Ebene. Das New

Yorker Design Studio Grzywinski+Pons

entwarf eine dreigeteilte Fassade, die sich

perfekt in das dichte Konglomerat von Gebäuden

verschiedenster Epochen einfügt.

Abgerundet wird das Leitthema durch ein

Interview mit Architekt und Professor Dr.

Philipp Lionel Molter. Er erklärt seine Arbeitsweise

an praktischen Beispielen und

gewährt einen Einblick, was eine intelligente

Fassade in seinen Augen auszeichnet.

Im Schwerpunkt RETAILarchitektur dreht

sich diesmal alles um kleine, aber feine

Shop-Konzepte. Zum Abschluss zeigen wir

in der Rubrik EDV, warum Künstliche Intelligenz

auch im Baubereich zu den Schlüsseltechnologien

der nächsten Jahre gehört.

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architektur FACHMAGAZIN

4

36

Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Die grüne Fassade der Moderne

Magazin 12

Bau & Recht 24

Suffizienz als 26

Entwurfsstrategie

Interview mit Architekt und Professor

Dr. Philipp Lionel Molter

Atmungsaktive Architektur 30

Shenzhen Rural Commercial Bank

Headquarters / Shenzhen, China / SOM

Schimmerndes Sonnenkleid 36

Amt für Umwelt und Energie /

Basel, Schweiz / jessenvollenweider

Gläserne Krone 42

Buckle Street Studios / London /

Grzywinski+Pons

Kreuz und quer gedacht 48

Sanya Jinmao FarmLab /

Hainan, China / CLOU architects

Urbanes Wohnen im Grünen 54

Le Ray / Nizza /

Maison Edouard François

RETAILarchitektur 60

Produkt News 74

edv 94

KI am Bau: Maschinell

planen und bauen

30

42 48

54

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at)

REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck,

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 94,- / Ausland: € 115,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 64,- / Ausland: € 91,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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architektur FACHMAGAZIN

6

Architekturszene

Die grüne Fassade

der Moderne

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten. Derzeit ist

davon auszugehen, dass sich der Anteil an Stadtbewohnern in Zukunft weiter vergrößert.

Dabei sind Städte heute für mehr als 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs

und der Erzeugung von CO 2 -Emissionen verantwortlich. Es stellt sich daher

durchaus die Frage, ob urbane Konglomerationen zum Erreichen der Klimaziele nicht

kontraproduktiv sind. Laut Architekt Rudi Scheuermann ist die voranschreitende

Urbanisierung und Globalisierung aber nicht etwa das Problem, sondern vielmehr

ein Teil der Lösung.

Text: Dolores Stuttner

Wird nämlich der CO 2 -Ausstoß in einer Großstadt pro

Kopf ermittelt, fällt der Wert in urbanen Arealen um

bis zu 40 Prozent geringer aus als in dünn besiedelten

Gebieten. Für die bessere Umweltbilanz sind kleinere

Wohnräume, die vermehrte Nutzung des Öffentlichen

Verkehrs und kürzere Wege verantwortlich.

Und trotzdem stehen auch Städte vor der Herausforderung,

bis 2050 klimaneutral zu werden. Gemäß

Experten ist der Einsatz von Stadtbegrünung, erneuerbarer

Energie und nachhaltiger Mobilitätskonzepte

dafür unverzichtbar. Große Entwicklungen gab es in

den letzten Jahren vor allem in Bezug auf Fassadenund

Dachbegrünungen.

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Amtsgebäude der MA 48 am Wiener Gürtel

© C. Fürthner


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Architekturszene

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Architekturszene

Das 2016 sanierte Gebäude der MA 31 im 6. Wiener Gemeindebezirk

© Salama Iman

Die Folgen des Klimawandels eindämmen

– Lebensqualität steigern

Begrünte Städte helfen nicht nur bei der

Bekämpfung des Klimawandels, sondern

sie steigern langfristig auch die Wohn- und

Lebensqualität der Bewohner. Pflanzen an

der Fassade wirken obendrein wärme- und

schalldämmend. Mit ihnen ist es möglich,

störende Umgebungsgeräusche im Gebäude

zu reduzieren – im Winter fungieren sie

als lokale Isolation, wobei sie die Wärme

speichern, während sie im Sommer einen

kühlenden Effekt haben. Der Dämmungseffekt

der Fassadenbegrünung ist dadurch

mit positiven Auswirkungen auf die Heizkosten

und den CO 2 -Verbrauch durch Klimageräte

verbunden.

Nicht zu vernachlässigen ist schließlich der

gestalterische Effekt grüner Hausfassaden.

Sie werten das Gebäude und – in weiterer

Folge – den betreffenden Stadtteil ästhetisch

auf.

Werden zusätzlich Dachbegrünungen realisiert,

findet damit eine Rückgabe versiegelter

Flächen an die Natur statt. Kleintieren

wird somit mehr Lebensraum in urbanen

Gebieten zur Verfügung gestellt, wobei die

Pflanzen Vögeln und Bienen Nahrungsquellen

und Nistplätze bieten. Ist ausreichend

Fläche vorhanden, lassen sich bepflanzte

Dachbereiche auch von Menschen zur Erholung

nutzen.

Stadtbegrünung als essenzielle

Zutat für die zukunftsfähige Stadt

Die Stadtbegrünung leistet also zweifelsohne

einen essenziellen Beitrag zum Klimaschutz.

Um nachhaltige Veränderung zu

erzielen, darf die grüne Architektur gemäß

Scheuermann aber nicht bloße „Zutat“ bei

Neubauten sein. Nicht selten wird das üppige

Grün an den Fassaden bei sogenannten

Nachhaltigkeitsprojekten zu Marketingzwecken

genutzt. Die Frage nach dem Klimaschutz

stellt sich besonders dann, wenn der

Bestand solchen Neubauten weichen muss.

Laut Architekt Scheuermann setzen Städte,

die dies oft nicht nötig hätten, auf kostspielige

und ressourcenintensive Wohntürme,

die durch grüne Wände umweltbewusst erscheinen

sollen. Wollen Planer ein Quartier

tatsächlich klimaneutral gestaltet, geht es

in erster Linie darum, Instandhaltungs- und

Sanierungsmöglichkeiten auszuloten.

Natürlich ist unbestritten, dass Begrünungen

von Dächern und Fassaden die Auswirkungen

des Klimawandels eindämmen. Im

Sommer heizen sich die betreffenden Bauteile

nicht so stark auf, wobei sich die Verdunstungskälte

der Pflanzen auch für die

Kühlung des Innenbereichs einsetzen lässt.

Bei intelligenter Planung ist es sogar möglich,

Grünelemente mit Photovoltaik zu kombinieren.

Diese Anlagen arbeiten bei mittleren

Temperaturen äußerst effektiv, wodurch

es also die Dach- und Fassadenbegrünung

schafft, deren Effizienz zu maximieren.

Klimaneutral wird ein Stadtteil aber erst

dann, wenn die Fassadenbepflanzung in

Kombination mit umweltschonender Architektur

zum Einsatz kommt. Positivbeispiel

für die Umsetzung einer grünen Fassade am

Bestand ist das Amtsgebäude der MA 48

am Wiener Gürtel. Auf einer Fläche von 850

Quadratmetern wurden nach den Plänen

von Rataplan Architektur 2.850 Laufmeter

Pflanzentröge aus Aluminium angebracht.

Die Verkleidung aus 17.000 Pflanzen dient

auf dem Bau aus den 1960er-Jahren nicht

nur dem CO 2 -Ausgleich, sondern sie ist

gleichzeitig Wärme- und Schalldämmung.

Ursachen statt Symptome bekämpfen

Mit der Stadt- und Gebäudebegrünung

wird es niemals möglich sein, die Auslöser

des Klimawandels zunichte zu machen. Die

nachhaltige Gebäudeverkleidung lindert

zwar die Symptome, aber nicht die Ursache

der globalen Erwärmung. Es spricht

selbstverständlich nichts dagegen, die

Auswirkungen der zunehmenden Luftverschmutzung

und Temperaturzunahme in

Siedlungsgebieten auf diese Weise zu mildern.

Allerdings ist die Baubranche dazu

angehalten, weitreichendere Lösungen für

eines der wohl größten Probleme der heutigen

Zeit zu finden.

Anstatt auf kostspielige und CO 2 -lastige

Prestigeprojekte mit grünen Fassaden zu

setzen, empfiehlt es sich eher, bestehende

Objekte zu begrünen und so im Kleinen zu

agieren. Das Ziel besteht darin, die Bepflanzung

an Fassaden und Dächern zur Selbstverständlichkeit

werden zu lassen – und

das nicht nur bei Großprojekten. u


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(Hannes K., Architekt)


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Architekturszene

Stadthaus M1 in Freiburg

© Zooey Braun

Das Zusammenspiel der Materialien

Die Kombination von Pflanzen und Fassaden

verlangt Architekten auch ein genaues Wissen

über Bausubstanzen und deren Eigenschaften

ab. Ist ein Haus zu begrünen, muss

dieses in einwandfreiem Zustand sein. Liegt

eine hohe Widerstandsfähigkeit vor, können

auf dem Gebäude selbst Haftwurzler wie

Wilder Wein oder Efeu wachsen. Allein aus

diesem Grund werden Fassadenbegrünungen

häufig auf Neubauten installiert. Bereits

während dem Hausbau ist es möglich, die

Anbringung der Bepflanzung mit einzuplanen

und die Außenhülle entsprechend robust

zu gestalten – besonders gut eignen

sich Aluminium- und Stahlfassaden. Noch

junge Fassaden haben zudem den Vorteil,

frei von Rissen zu sein.

Das heißt allerdings nicht, dass bei Altbauten

auf Begrünungen dieser Art verzichtet

werden muss. Allerdings ist im Vorfeld der

Zustand der Fassade genau zu untersuchen.

Bestimmte Pflanzenarten können bei

Materialien, die bereits in die Jahre gekommen

sind, etwaige Schäden verschlimmern.

Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn

sich erwähnte Haftwurzler in Spalten oder

Rissen festsetzen. Aus diesem Grund eignen

sich Häuser mit Verkleidungen aus

Schindeln oder vorgehängten Wandplatten

ebenfalls schlecht für die Bepflanzung.

Dass Fassadenbegrünung am Bestand

funktioniert, zeigt das 2016 sanierte Gebäude

der MA 31 im 6. Wiener Gemeindebezirk.

In diesem Fall wurde die Bepflanzung am

Bau aus den 1960er-Jahren nicht direkt angebracht

– die Installation erfolgt über eine

Tragkonstruktion, die die Architekten von

Rataplan auf eigenem Fundament vor das

Gebäude stellten.

Beliebt ist aber nicht nur die Fassadenbegrünung

mit Kletterpflanzen, sondern auch

die Bepflanzung von Bauten mithilfe von

Trögen. Solche Maßnahmen sind von den

zuständigen Architekten bereits bei der

Planung mitzudenken. Andere Varianten –

wie beispielsweise Tragkonstruktionen für

Ranken – lassen sich aber auch im Nachhinein

realisieren.

Die Fassadenbegrünung

dem Gebäude anpassen

Heute ist es auf unterschiedliche Weise

möglich, Pflanzen an die Fassade zu bringen.

Bei Alt- sowie bei Bestandsbauten erfreut

sich vor allem die Fassadenbegrünung

mit Kletterpflanzen großer Beliebtheit.

Durch die Unterstützung ausgeklügelter

Ranksysteme lassen sich die Gewächse an

der Wand hinauf leiten. Hierbei wird zwischen

einem Edelstahlseilnetz und einem

Gerüstsystem zur Rankhilfe unterschieden.

Das Seilkonstrukt leitet die Pflanzen

mit einer Kombination aus Edelstahlseilen

und Klemmen in die gewünschte Richtung,

während das Gerüst als Stütze entlang der

Wand fungiert – gelungen setzten diese

Technik die Architekten Barkow Leibinger

am Stadthaus M1 in Freiburg um.

Experten bedienen sich heute aber auch der

flächigen Fassadenbegrünung. Diese setzt

sich aus bepflanzten Vliesmodulen mit einer

Unterkonstruktion als Verbindungselement

zusammen. Dadurch ist es möglich, die Konstrukte

mit der Fassade zu verbinden – die

Außenhaut des Gebäudes ist damit bereits

nach der Montage begrünt, sodass keine

langen Wuchszeiten abgewartet werden

müssen. Die Pflanzen wachsen des Weiteren

in der Fassade selbst, womit eine hohe

Gestaltungsvielfalt gegeben ist – das Beund

Entwässerungssystem ist übrigens in

die Bauteile integriert und von außen nicht

zu sehen. Da die begrünten Elemente bereits

mit der gewünschten Bepflanzung geliefert

werden, ist es ganz einfach möglich,

die Fassadenbegrünung in sämtlichen Teil-


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11

Magazin

bereichen und Höhen unterzubringen. Der

Einsatz dieser Variante ist natürlich mit höheren

Baukosten verbunden, wobei sie sich

fast ausschließlich für Neubauten eignet.

Geht es um den Klimaschutz, ist die Fassadenbegrünung

für den Städtebau sicherlich

eine wichtige Ergänzung. Sie

zählt mittlerweile zu den Maßnahmen, die

in der Stadt der Zukunft als essenzielle

Zutat gehandelt wird, wobei sie nicht nur

dem Umweltschutz, sondern obendrein der

Lebens- und Wohnqualität dient. Das Problem

des Klimaschutzes vermag die Gebäudebegrünung

aber allein nicht zu lösen.

Architekten stehen heute vor der Herausforderung,

die Bauplanung ganzheitlich zu

betrachten – es gilt, veraltete Strukturen

zu durchbrechen und den Lebenszyklus

von Baumaterialien und Gebäuden zu maximieren.

Dabei ist zu bedenken, dass die

Konstruktion von neuen Gebäuden mit

einem hohen CO 2 -Verbrauch einhergeht.

Kurz gesagt: Auch eine noch so grüne

Stadt, kann die negativen Folgen der Materialverschwendung

nicht ausgleichen. •

Stadthaus M1 in Freiburg

© Zooey Braun

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Magazin


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Magazin

Vom Wolkenkratzer

zum Baumhaus

404 Bäume, 4.620 Sträucher und fast 2.500 m 2 Gras, Blumen und Kletterpflanzen

– was wie ein Konzept für Park- oder Grünflächen klingt, ist die begrünte Fassade

zweier Wohntürme. Mit dem Easyhome Huanggang Vertical Forest City Complex

brachten Stefano Boeri Architetti ein Stück vertikalen Wald nach Huanggang. Die

Hochhäuser zeigen, wie man urbanes Grün in neuen Dimensionen denkt und so

die Natur in die Stadt bringt.

Text: Edina Obermoser Fotos: RAW VISION studio

Auf dem über 4.5 Hektar großen Areal in der Metropole

in der Provinz Hubei entstehen mit dem

Easyhome-Komplex neue Wohn-, Hotel- und Gewerbeflächen.

Die fertiggestellten Türme sind die ersten

beiden – von insgesamt fünf – und den italienischen

Architekten zufolge der erste vertikale Wald Chinas.

Mit dieser Typologie beschäftigten sich Stefano

Boeri und sein Team bereits beim Bosco Verticale in

Mailand und vielen anderen Projekten. Für die Fassade

der chinesischen Wohnbauten kombinierten sie

offene und geschlossene Balkone, die sich in einem

diagonalen Muster und in unterschiedlichen Größen

aneinanderfügen. Während die verglasten Loggien

die Ansichten der 80 m hohen Türme wie 3D-Pixel

überziehen, wachsen in den Freiräumen dazwischen

Bäume, Sträucher und andere Pflanzen aus großen

Trögen. Sie umspielen die Fenster, ranken sich an den

Fassaden entlang in die Höhe oder hängen nach unten

und umrahmen die Aussicht der Bewohner. Der

Blick in die natürliche Umgebung soll ein naturnahes,

urbanes Wohnerlebnis bieten.

Bei der Bepflanzung setzte die Botanikerin und Landschaftsarchitektin

Laura Gatti auf lokale Arten. Neben

chinesischem Ginkgo kamen immergrüne Bäume

mit duftenden Blüten sowie Ahorn, Bambus und kleinere

Weidengewächse zum Einsatz. Dazwischen verdichten

Gräser den vertikalen Wald. Die spezifischen

Eigenschaften wie Laubfärbung, Wuchshöhe und

Ausrichtung der Vegetation wurden in die Gestaltung

der Wohntürme miteinbezogen. Die lebendigen

Ansichten sorgen aber nicht nur für einen grünen

Farbtupfer in der Stadt, der sich mit den Jahreszeiten

verändert, sondern haben zudem einen positiven

Einfluss auf das Klima: Laut Berechnungen der Planer

nimmt die bewachsene Hülle pro Jahr 22 Tonnen

CO 2 auf und produziert gleichzeitig 11 Tonnen Sauerstoff.

Mit diesen klimaaktiven Qualitäten birgt das

Projekt insbesondere für asiatische Großstädte mit

hoher Luftverschmutzung interessante Chancen und

trägt vielleicht dazu bei, dass in Zukunft – Mensch

und Planet zuliebe – auch in China mehr urbane Räume

überwiegend Grün statt Grau gebaut werden.


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Magazin

Hightech Blattgrün

Mit einer begrünten Fassade setzt das Hotel Gilbert im 7. Bezirk in Wien Maßstäbe

in der nachhaltigen Klimawandelanpassung. Bei dem im Herbst vergangenen Jahres

eröffneten Beherbergungsbetrieb ist neben der Dachflächenbegrünung und

dem Pflanzkonzept der Innenräume die begrünte Fassade ein integraler Bestandteil

der Gebäudearchitektur.

Fotos: Wolf-Dieter Grabner, Sempergreen


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Magazin

Zum Einsatz kam dafür das Living-Wall-System des

holländischen Begrünungsspezialisten Sempergreen,

das vom Wiener Büro Green4Cities geplant und speziell

für das Gilbert an den Standort in der Breite

Gasse 9 angepasst wurde: Ein individueller, ganzjährig

grüner Pflanzenmix aus Gräsern, Stauden und

Gehölzen sorgt dort an heißen Sommertagen durch

die natürliche Verdunstung für eine Kühlleistung

zwischen 250 bis 337 kWh pro Tag. Das entspricht

ungefähr der Leistung von fünf Raumklimageräten

über den gleichen Zeitraum. Gemeinsam mit der aktiven

Kühlung durch den Verdunstungseffekt ist so für

deutliche Abkühlung gesorgt – um bis zu 3° Celsius.

Hinter der Pflanzenwand schläft es sich aber nicht

nur aus Temperaturgründen besser: Um rund 10

Dezibel verringert die bepflanzte Gebäudehülle die

Lärmbelastung. Der Geräuschpegel wird also – die

Skala verläuft exponentiell – halbiert.

Die einzelnen Paneele dieses Fassaden-Systems

wurden im Glashaus unter optimalen Bedingungen

vorkultiviert und fertig begrünt angeliefert. Durch

die automatisch gesteuerte und über Sensoren überwachte

Wasser- und Nährstoffversorgung erhalten

die Pflanzen in den Cradle-to-Cradle zertifizierten

Fassadenteilen nun auch genau das, was sie zum

Wachsen benötigen – die Living Wall kümmert sich

sozusagen um sich selbst, einzig für den Pflanzenschnitt

müssen die Hausgärtner noch Hand anlegen.

Die Neugestaltung des Gilbert leistet einen aktiven

Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel – die Fassade

speichert etwa 1 kg CO 2 /m 2 im Jahr –, und ist

vor allem eine Maßnahme zur Klimawandelanpassung.

Gemeinsam mit umfangreicher Bepflanzung

der Terrassen im Dachgeschoß, Begrünung des Innenhofes

und einem modernen Pflanzkonzept für

den Innenbereich ist die ganzjährig grüne Gebäudefront

ein Beitrag zu einer belebten Stadt, die nicht

nur für Menschen lebenswert ist, sondern in der auch

Biodiversität und Artenvielfalt ihren Platz finden. Als

Grüninsel ist sie dauerhafter oder temporärer Lebensraum

für unzählige Arten von Vögeln und Insekten

und trägt so auch entscheidend zum Artenschutz

in der Stadt bei.

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Magazin

Textil-Twist

Lang Vonier Architekten realisierten mit Gantner Instruments IV in Schruns

bereits das vierte Projekt für den Prüf- und Messgerätehersteller. Nach der Errichtung

der Firmenzentrale, einer Erweiterung und einem Innenumbau gestalteten

die ebenfalls in der Vorarlberger Gemeinde ansässigen Planer nun einen kompakten

Anbau. Dieser tanzt mit seiner textilen Fassade subtil aus der Reihe und sorgt

so für einen dynamischen Twist.

Text: Edina Obermoser Fotos: Lang Vonier Architekten

Gantner Instruments legte großen Wert darauf, dass

der Unternehmenssitz nicht nur räumliche Anforderungen

erfüllt, sondern auch zur Firmenphilosophie

passt. Bereits der längliche Haupttrakt wurde deshalb

so gestaltet, dass er wachsen und sich flexibel

an neue Bedürfnisse anpassen kann. Im Zuge der

vierten Erweiterung dockt jetzt ein schlichter Kubus

an den Bestand an. Der Neubau beinhaltet über drei

Etagen verteilt Labor- und Versuchsräume im Erdgeschoss

sowie Büro- und Arbeitsflächen in den oberen

Bereichen, die sich rund um einen Erschließungskern

mit zentralem Oberlicht anordnen. Der Zugang zum

Annex erfolgt ausschließlich über eine Brücke im ersten

Stock vom Hauptgebäude aus. Dieses bleibt mit

seiner zentralen Treppe und der Gemeinschaftszone

weiterhin das Herzstück des Headquarters. Wie auch

der Riegelbau ist das neue Volumen orthogonal zur

vorbeiführenden Straße positioniert und hat die gleiche

Breite, steht jedoch leicht versetzt ein paar Meter

weiter innen am Grundstück. Der quadratische Anbau

ist in Stahlbeton ausgeführt. Anders als beim bestehenden

Gebäude – wo der Beton außen konventionell

gedämmt, verputzt und abschließend rundum mit

einer Fassade aus Metalllamellen verkleidet wurde –

entschieden sich die Architekten hier für einen anderen

Ansatz: Sie ließen den grauen Sichtbeton außen

sichtbar und kombinierten ihn mit einer innenliegenden

Schaumglasdämmung, die mit Gips verspachtelt

wurde. Die Oberfläche ergibt leicht angeschliffen eine

raue, lebendige Struktur. Lediglich vereinzelte, neuralgische

Stellen hydrophobierte man.

u


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Magazin

Die Außenansichten umhüllt in den oberen zwei

Dritteln des Baukörpers eine textile Fassade. Sie

setzt sich aus drei Streifen zusammen, die das Volumen

horizontal umschließen. Als Unterkonstruktion

für die Membranen dient ein Stahlrahmensystem.

Rechteckige Formrohre verbinden die Stahlbügel

mit den Fassadenprofilen, in denen die Bahnen

eingespannt sind. Da die vorgehängte Struktur im

Grundriss um vier Grad verdreht wurde, variiert der

Abstand zwischen den beiden Schichten der Gebäudehülle.

Diese leichte Rotation verleiht dem Annexbau

nicht nur eine gewisse Dynamik, sondern hat

zudem konstruktive Gründe: An den Berührungspunkten

befestigte man den Stahlrahmen an den

Betonwänden. Über die Ansichten zieht sich eine

schwarz-weiße Punktewolke, die je nach Blickwinkel

dichter oder lockerer wirkt und auf einem Luftbild

der Region basiert. Das Konzept für das abstrahierte

Muster entstand gemeinsam mit der Grafikagentur

Sägenvier aus Dornbirn. Besonders spannend fanden

Lang Vonier Architekten den Effekt der transluzenten

Gebäudehülle, die sich je nach Licht und

Tageszeit verändert: Während sie von außen tagsüber

eher geschlossen erscheint, macht sie den Bau

nachts zum diffusen Leuchtkörper. In den Innenräumen

nimmt man die Membran hingegen kaum wahr.

Dort lässt sie Blicke nach draußen nahezu uneingeschränkt

zu, schützt aber gleichzeitig vor Sonne und

Blendung. Besonders erfreulich: Trotz etwas höherer

Kosten setzte man beim gesamten Projekt auf Regionalität

und wählte für Planung und Umsetzung

ausschließlich lokale Unternehmen.


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20

Magazin

Energetische

Innovation aus Holz

Einen neuen städtebaulichen Maßstab setzten a+r Architekten mit der „Westspitze“.

Mit dem Gewerbe- und Bürobau aus Holz realisierten sie das erste Holz-Hybrid-Gebäude

in dieser Größenordnung in Deutschland. Das siebengeschossige

Bauwerk wird als Musterbeispiel für Klimafreundlichkeit angesehen und hat sich

in Tübingen bereits als „kompaktes Kraftwerk der Nachhaltigkeit“ einen Namen

gemacht – verantwortlich dafür, ist nicht zuletzt die fast unsichtbare Solarfassade.

Die energieerzeugende Außenhaut arbeitet effizient, wobei sie optisch nicht

zu technisch wirkt.

Text: Dolores Stuttner Fotos: Brigida Gonzalez


21

Magazin

Die PV-Elemente mit farbiger Beschichtung integrieren

sich geradezu spielend in die pulverbeschichtete,

vorgehängte Außenhaut aus Aluminiumblech. Je

nach Lichteinfall ändert die Fassade ihre Farbe, was

den Bau lebendig – und bisweilen gar emotional –

wirken lässt.

Die Holz-Hybrid-Bauweise stellte die Architekten

zweifelsohne vor eine Herausforderung – zur Meisterung

des Zusammenspiels der Materialien war bei

der Planung als auch beim Bau ein genaues Vorgehen

gefragt. Es galt nämlich, die Fassadengeometrie

den Anforderungen des Holz-Tragwerks anzupassen.

Die Raumdecken und die Außenwand bestehen aus

rund 1.100 Kubikmetern Fichtenholz. Gemäß den Architekten

handelt es sich dabei um über 1.000 Tonnen

gebundenes CO 2 , wobei im Vergleich zum Bauen

mit Stahlbeton ebenfalls weniger CO 2 -Verbrauch

stattfand. Die Holz-Hybrid-Bauweise ist damit eine

effektive ökologische Alternative zu konventionellen

Baustoffen – das Innovationsprojekt zeigt auf, dass

sich die noch junge Technik auch bei Hochhäusern sicher

einsetzen lässt. Bereits ab dem ersten Geschoss

wurde das Tragwerk des Gewerbegebäudes in dieser

Ausführung errichtet, während die Planer Beton und

Stahl so sparsam wie möglich anwendeten. Als Beispiel

sind hier die Zimmerdecken zu erwähnen: diese

setzen sich aus einem Holz-Brettschicht-Verbund

mit sieben Metern Spannweite und Aufbeton von nur

zehn Zentimetern zusammen.

Klimagerechte Bauweise fand auch in der Innenraumgestaltung

Einzug. Für jede Ebene sahen die Planer

vertikale Gärten aus Orchideen, Farnen und anderen

Regenwaldpflanzen vor. Die Atmosphäre gleicht auf

den 4.500 m 2 Gewerbefläche damit einem Gewächshaus,

sorgt für Komfort und Wohlbefinden.

Visuell ansprechend und durchaus atmosphärisch ist

des Weiteren die Holz-Verbund-Bauweise an den Unterseiten

der Zimmerdecken sowie den Stützen der

Fassade. Durch raumhohe Verglasungen werden die

Räume durch Tageslicht erhellt. In Kombination mit

der natürlichen Beleuchtung und dem weißen Mobiliar

schafft die freundliche, offene Gestaltung der

Zimmer ein einladendes Gefühl von Weite.

Bei der Raumaufteilung stoßen intime Zonen auf offene

Bereiche. So befinden sich im Gebäude nicht

nur Büros – das Erdgeschoss wurde speziell für die

Abhaltung von Kongressen, Events und anderen

Großveranstaltungen konzipiert, während im siebten

Stock ein Gemeinschaftsraum mit Terrasse allen

Mietern zur Verfügung steht.

Das Tübinger Innovationsprojekt zeigt auf, wie sich

eine klimagerechte Holz-Hybrid-Bauform auch in

Form von Gewerbeeinrichtungen realisieren lässt.

Das Ziel der Architekten – und auch der Bauherrin

Westspitze Gewerbebau GmbH – war es, ein Gebäude

mit langlebiger und wartungsarmer Fassadenverkleidung

auf hölzernem Grundgerüst zu entwickeln;

energetisch wurde die Einhaltung des KfW-55-Standards

angestrebt. Das Vorhaben der Planer ging mit

ihrem Büroturm am Fuße eines jungen Wohnquartiers

voll auf. Auch bei Mietern stieß das einzigartige

Design auf Anklang – nur wenige Wochen nach

seiner Fertigstellung im August 2020 war das Haus

vollständig bezogen.


architektur FACHMAGAZIN

22

Magazin

Hightech-Hülle

Gegenüber des historischen Universitätsgeländes der Harvard University entsteht

auf der anderen Seite des Charles River im Bostoner Stadtteil Allston ein

neuer Campus, der die nachhaltige Ausrichtung der renommierten Hochschule

zeigen soll. Mit dem Science and Engineering Complex (SEC) planten Behnisch Architekten

eines der ersten Gebäude am neuen Standort. Dafür entwickelten sie ein

Forschungs- und Lehrgebäude mit innovativem Fassaden- und Lüftungssystem.

Text: Edina Obermoser Fotos: Brad Feinknopf

Auf 50.000 m 2 finden in dem Neubau der School of

Engineering and Applied Science (SEAS) Labore,

Schulungs- und Seminarräume nebeneinander Platz.

Sie verteilen sich auf drei achtstöckige Volumen, die

sich rund um zwei Atrien legen und auf Terrassengeschossen

ruhen. Die ersten drei Etagen gehen mit

ihren begrünten Dachterrassen stufenweise in die

südlichen Freiflächen über. Sämtliche Grünflächen

tragen maßgeblich zu einem angenehmen Klima auf

dem Gelände bei. Gemeinsam mit Transsolar arbeitete

das Planerteam ein effizientes Klima- und Energiekonzept

für den Bau aus. Dieses setzt sich aus einer

intelligenten Fassade und einem optimierten System

zusammen, das mittels natürlicher Belüftung den

Lüftungsbedarf um bis zu einem Drittel senkt. Das

verringert die CO 2 -Emissionen im Vergleich zu ähnlichen

Forschungsbauten um 50% und brachte dem

Projekt eine LEED-Platinum-Auszeichung ein.


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23

Magazin

Eine Dreifachverglasung mit Fenstern zur Frischluftzufuhr

bildet die erste Schicht und den thermischen

Abschluss der intelligenten Gebäudehülle. Davor

legt sich in den obersten vier Stockwerken ein feststehender

Sonnenschutz aus 12.000 filigranen Edelstahlelementen

in 14 Formen, der zum charakteristischen

Merkmal des Universitätsgebäudes wird. Mit

den Ingenieuren von Knippers Helbig entwickelten

die Architekten die erste hydrogeformte Fassade. Die

einzelnen Paneele presste man dafür mit dem Verfahren

aus der Automobilindustrie mittels Innendruck in

die jeweilige Form. Für maximale Stabilität und niedrige

Blendung wurden die 1.5 mm dünnen Bleche anschließend

gefaltet und perforiert. Jedes Einzelteil

des Brisesoleils ist perfekt auf seine Position und

die Sonneneinstrahlung abgestimmt. Die Verschattungselemente

ermöglichen Ausblicke nach draußen

und lenken das Tageslicht gleichzeitig angenehm in

die Forschungs- und Lehrräume. Je nach Jahreszeit

reduziert das Fassadensystem Kühl- und Heizlast sowie

Gebäudetechnik um bis zu 65%. Im Sockel und

den terrassierten Geschossen prägen Fensterbänder

und bodentiefe Verglasungen das Bild. In den Atrien

gibt es öffenbare Elemente zur Nachtluftkühlung und

außenliegende, horizontale Lamellen. Sie komplettieren

die innovative Gebäudehülle des Bildungsbaus

auf dem neuen Harvard-Campus, schützen vor Überhitzung

und lassen diffuses Licht ins Innere.

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Das vertikale Trennwandsystem öffnet sich

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Bau & Recht

Pop-up-Stores und

Showroom-Konzepte

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 haben auch den Wirtschaftssektor

der Retail-Immobilien nicht verschont. Restrukturierungen und Insolvenzen

von Retailern lassen einen erhöhten (auch großflächigen) Leerstand von Immobilien

erwarten, sofern er noch nicht eingetreten ist. Vermieter sind daher vermehrt

gezwungen, alternative Nutzungen ihrer Objekte ins Auge zu fassen.

Text: Mag. Matthias Nödl

Als alternative Nutzungen von Immobilien

erleben vor diesem Hintergrund Pop-up-

Stores und Showroom-Konzepte derzeit

einen regelrechten Boom. Beide Nutzungsarten

haben gemeinsam, dass sie auf eine

eher kurzfristige und flexible Verwendung

der Immobilien ausgerichtet sind. Sowohl

die Kurzfristigkeit, als auch die Flexibilität

der Nutzung stehen in aller Regel jedoch im

Widerspruch zum Interesse des Vermieters

an einer langfristigen und gleichförmigen

Vermietung.

Das gesetzliche Mietrecht bietet dem Vermieter

im Falle solcher kurzfristigen, flexiblen

Nutzungen kaum Handhabe. Denn das

Mietrechtsgesetz (MRG) ist auf Geschäftsraummietverträge,

deren ursprüngliche

oder verlängerte Vertragsdauer ein halbes

Jahr nicht übersteigt, nicht anwendbar.

Und das – im Wesentlichen mittels Vereinbarung

abdingbare – Mietrecht des ABGB

(§§ 1090 ff) gibt nur einen groben rechtlichen

Rahmen für Mietverhältnisse vor.

Folglich liegt es – von wenigen Ausnahmen

wie z.B. dem zwingenden Mietzinsminderungsrecht

iSv § 1096 Abs 1 Satz 2 ABGB

abgesehen – in der Privatautonomie von

Mieter und Vermieter, im Mietvertrag Bedingungen

und Konditionen zu vereinbaren,

die einerseits dem Wunsch des Mieters

nach einer kurzfristigen, flexiblen Nutzung

der Immobilie gerecht werden, andererseits

das Interesse des Vermieters an einer möglichst

friktionsfreien Vermietung absichern.

Steht das Mietobjekt im Wohnungseigentum

des Vermieters sind auch die Interes-

sen der übrigen Wohnungseigentümer und

die im Wohnungseigentumsvertrag getroffenen

Vereinbarungen zu berücksichtigen,

die einer kurzfristigen, flexiblen Nutzung

des Mietobjekts – z.B. aufgrund des ständigen

Mieterwechsels, häufiger baulicher Anpassung

der Ausstattung des Mietobjekts

und des Hauses an die Bedürfnisse des

Mieters, Wechsels der Klientel, etc. – entgegenstehen

könnten.

Das besondere Risiko, das mit einer kurzfristigen

Vermietung von Geschäftsräumlichkeiten

zur flexiblen Nutzung verbunden

sein kann, liegt darin, dass ein Mieter den

vereinbarten Mietzins nicht bezahlt, aber

die zwangsweise Räumung des Mietobjektes

aufgrund der Rechtslage vor Ablauf der

kurzen Vertragsdauer nicht gelingen kann,

auch wenn der Vermieter unverzüglich die

sofortige Auflösung des Mietverhältnisses

erklärt.

Dies liegt zum einen daran, dass der Vermieter

gemäß § 1118 ABGB zu einer Auflösung

des Mietverhältnisses erst berechtigt ist,

wenn der Mieter den Mietzins trotz Mahnung

bis zum nächstfolgenden Zinstermin

nicht bezahlt hat (qualifizierter Zahlungsverzug).

Die Vereinbarung von vermietergünstigeren

Auflösungsbestimmungen ist

daher überlegenswert, auch wenn eine solche

von der Rechtsprechung allenfalls als

rechtsunwirksam gewertet werden könnte.

Zum anderen bedingt die Dauer eines gerichtlichen

Räumungsverfahrens und die

Möglichkeit des Mieters, die gerichtliche

Durchsetzung der Räumung selbst durch

unbegründete Einwendungen in die Länge

ziehen zu können, dass gerichtliche Hilfe

bei kurzfristigen Vermietungen stets zu

spät kommt. Und Selbsthilfemaßnahmen

des Vermieters könnte der Mieter mittels

Besitzstörungsklage und Maßnahmen des

einstweiligen Rechtsschutzes bekämpfen.

Bei kurzfristigen Mietverhältnissen sollte

der Vermieter daher darauf bestehen, dass

der Mieter die Bezahlung des Mietzinses für

die gesamte oder einen Gutteil der Mietdauer,

in welcher Form immer (z.B. durch Mietzinsvorauszahlung,

Barkaution oder unbare

Sicherstellung in Form einer Bank-, Versicherungs-

oder Konzerngarantie), sicherstellt.

Im Falle einer unbaren Sicherstellung

sollte der Vermieter überdies darauf wertlegen,

dass die beigestellte Garantie abstrakt

ist. Das heißt: Die Auszahlung der vom Vermieter

angeforderten Garantiesumme sollte

nach den Garantiebestimmungen über

erste Anforderung des Vermieters erfolgen,

und dies innerhalb kurzer Frist und unter

Verzicht des Garanten auf jedwede Einreden

oder Einwendungen aus dem zugrunde

liegenden Mietverhältnis.

Im Zusammenhang mit einer kurzfristigen

Vermietung von Geschäftsräumlichkeiten

zur flexiblen Nutzung kann sich aber auch

aus der flexiblen Nutzung des Mietobjektes

durch den Mieter selbst ein erhebliches Risiko

für den Vermieter ergeben, insbesondere

wenn der Rahmen der Flexibilität des

Mieters zwischen Mieter und Vermieter

– auch im Interesse allfälliger Wohnungseigentümer

oder anderer Nutzer der Immobilie

– nicht klar und deutlich vereinbart ist.


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| MT12-01G |

Vom Konferenzraum …

Magazin

© Eric Ferguson / Getty Images

Auch öffentlich-rechtliche Restriktionen

(z.B. Bestimmungen des Baurechts, des

Gewerberechts, des Feuerpolizeirechts,

etc.) können einer flexiblen Nutzung des

Mietobjektes allenfalls entgegenstehen. Für

den Vermieter gilt es daher zu vermeiden,

dass der Mieter daraus (z.B. wegen einer

behördlichen Untersagung der Gewerbeausübung)

Ansprüche ableiten kann, weil

das Mietobjekt allenfalls zur vereinbarten

flexiblen Nutzung nicht taugt.

… bis zur Gebäudeautomation

© Cultura / Getty Images

So wäre es beispielsweise denkbar, dass

Geschäftsräumlichkeiten, die bisher zum

Betrieb eines Textilhandels genutzt wurden,

aufgrund einer Neuorientierung des

Mieters (der sich z.B. auf die Überlassung

der Geschäftsräumlichkeiten an einen Untermieter

beschränkt, ohne selbst ein Gewerbe

in den Räumlichkeiten zu betreiben)

zumindest vorübergehend als Showroom

oder Verkaufsraum für E-Automobile verwendet

werden; einer Nutzungsart, von der

völlig andere Risiken für Nutzer, Kunden,

etc. ausgehen können, als im Falle eines

Textilhandels.

In einer solchen Konstellation kann sich

eine überschießende Beanspruchung der

eingeräumten Flexibilität durch den Mieter

unter Umständen zu einem erheblich

nachteiligen Gebrauch des Mietobjektes

auswachsen, der nicht nur den Bestand

des Mietverhältnisses selbst, sondern auch

den Hausfrieden zwischen den Wohnungseigentümern,

Mietern oder sonstigen Nutzern

des Hauses zum Nachteil des Vermieters

gefährden kann.

Vor diesem Hintergrund ist es im Falle einer

kurzfristigen, flexiblen Vermietung von Geschäftsräumlichkeiten

empfehlenswert, im

Mietvertrag den Rahmen der Flexibilität der

mieterseitigen Nutzung möglichst klar und

deutlich zu definieren, eine möglichst strikte

Zuordnung der damit allenfalls einhergehenden

Haftungsrisiken gegenüber Dritten

vorzunehmen und auch die Einhaltung

allfälliger Restriktionen des öffentlichen

Rechts durch den Mieter sicherzustellen.

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architektur FACHMAGAZIN

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Interview

Suffizienz

als Entwurfsstrategie

Interview mit Architekt und Professor Dr. Philipp Lionel Molter

© Andreas Heddergott


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Philipp Lionel Molter

Philipp Lionel Molter versteht sein Atelier studiomolter

als interdisziplinäres Atelier, das in den Bereichen

Architektur und Design forscht und praktiziert. Als Professor

für Architektur an der IU International University

setzt Molter in seinem Verständnis von Architektur und

Design auch auf einen wissenschaftlichen Forschungsansatz.

Im Interview erklärt er seine Arbeitsweise an

praktischen Beispielen und gewährt einen Einblick, was

eine intelligente Fassade in seinen Augen auszeichnet.

In seinem Münchner Atelier studiomolter setzt Architekt

Philipp Lionel Molter auf eine interdisziplinäre Arbeitsweise.

Da das Bauen und Planen in der heutigen

Zeit zunehmend an Komplexität gewinnt, ist in der

Konzeption auch immer mehr Expertenwissen nötig.

Dabei stellen sich nicht nur Fragen der Energieeinsparung,

des Lebenszyklus oder betreffend der Materialien

– auch rechtliche Belange werden zunehmend

zum Thema. Entgegen der Tendenz zu immer größer

werdenden Bürostrukturen, setzt Molter auf ein eher

kleines und dafür agiles Konstrukt, das im Netzwerk

und projektweise äußerst systematisch, strategisch

und zielgerichtet agieren kann. Die Basis bildet aber

dennoch sein internationales und interdisziplinäres

Team mit verschiedenen Kompetenzen, das für Projekte

oder für Wettbewerbe fachspezifisch erweitert

werden kann. Der Arbeitsalltag im studiomolter ist

dank der Forschungstätigkeiten des Büroleiters geprägt

von einem sich gegenseitig befruchtenden Wissens-

und Inspirationstransfer zwischen Hochschultätigkeit

und Praxis. Das gilt auch für das wichtige

Thema der intelligenten Fassade der Zukunft.

Herr Molter, wie leben Sie den wissenschaftlichen

Designforschungsansatz und wie lässt sich dieser in

die Praxis übersetzen?

Hier setze ich auf „research by design“ – das heißt,

dass ich aus der entwerferischen Fragestellung heraus

einen Forschungsansatz entwickle oder meine

eigene Forschungstätigkeit wiederum in die Bürotätigkeit

einfließen lasse. So wie bei dem Projekt

„Wohnhochhaus in Regensburg“, bei dem es um eine

Lebenszyklusanalyse der Fassade und die Möglichkeit

der Stromerzeugung für die MieterInnen ging. In

meiner Tätigkeit generieren sich die Lösungen immer

sowohl aus der Forschung als auch aus dem Netzwerk

heraus.

„Getrieben von Neugierde erforschen wir mit

einem wissenschaftlichen Ansatz die Komplexität

und Vielfalt aller Maßstäbe, die Architektur

und Design zu bieten haben. Unsere Methodik

zur Gestaltung unserer gebauten Umwelt

basiert auf einer tiefgreifenden kulturellen und

geographischen Recherche. Die Art und Weise,

wie wir arbeiten, spiegelt sowohl den persönlichen

als auch den sozialen Kontext wider, innerhalb

derer wir versuchen, in einer offenen

und kollaborativen Weise mit Architekten, Ingenieuren,

Wissenschaftlern und Experten gemeinsam

die passende Lösung zu finden.“

Wie und mit welchen (Hilfs- oder Arbeits-) Mitteln arbeiten

Sie in der Forschung und in der Praxis?

Ob Pappmodell, 3D-Druck oder 1:1-Mockup – wir

setzen die jeweiligen Mittel ganz individuell ein und

verlassen uns dabei auf unseren Werkzeugkasten an

digitalen und analogen Komponenten, wobei wir alles

nutzen, was uns zur Verfügung steht. In der Lehre

beobachte ich, dass die Studierenden als Digital Natives

oft sehr fit sind am Computer, das Physische

kommt dabei allerdings manchmal zu kurz. In meinen

Augen ist ein Pappmodell meist sehr hilfreich und

auch im Arbeitsprozess leicht zu adaptieren. Später

übersetzen wir dieses ohnehin in die Dreidimensionalität

der CAD-Programme. Ich würde sagen, dass

sich letztlich alle Werkzeuge ergänzen und keinesfalls

ausschließen.

u

Philipp Lionel Molter


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Interview

© studiomolter

Wohnhochhaus in Regensburg:

Bestandsobjekte des Wohnungsbaus

aus den 60er- bis 80er-Jahren bilden

eine der klassischen Bauaufgaben der

kommenden Jahre. Um diese zukunftsfit

zu machen, ist eine Erneuerung der

Gebäudehülle und ein damit einhergehendes

Einläuten der weiteren

Lebensphasen unumgänglich. Das

Wohnhochhaus in Regensburg dient als

exemplarisches Beispiel einer detaillierten

Betrachtung der Lebenszyklusanalyse

sowie der Energiegewinnung

durch gebäudeintegrierte Photovoltaik

in der Fassade.

Inwiefern hat Sie Ihre Zeit im Renzo Piano Building

Workshop beeinflusst bzw. tut es noch?

Die Zeit war tatsächlich sehr entscheidend und prägend

für meine Tätigkeit und ganz klar eine Vertiefung

der universitären Ausbildung. So ist das Büro

wohl auch konzipiert. Renzo Pianos Architektur wird

oft fälschlicherweise auf eine Art Hightech-Architektur

reduziert, wobei ich seine Werke als eine zutiefst

humanistische Architektur empfinde, die ungemein

zeitlos ist. Diese Grundeinstellung und auch die Arbeitsweise

trage ich noch immer in mir. Auch die Methodik,

in der sich der architektonische Entwurf aus

sehr vielen Disziplinen, die sich aus der Gesellschaft

und den jeweiligen kulturellen sowie geografischen

Kontexten speist, ist Grundlage einer jeden Aufgabenstellung

im Atelier.

In Ihrer Forschung und Lehre konzentrieren Sie sich

auf adaptive Gebäudehüllen und ihre thermische,

visuelle und ökologische Leistung – was kann man

darunter konkret verstehen?

Adaptive Architektur geht davon aus, dass sich Architektur

an verändernde Situationen anpassen

kann. Das heißt, eine adaptive Gebäudehülle kann

auf Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die Temperatur

usw. reagieren – ganz analog zu einem biologischen

Organismus. Wenn die Epidermis unsere erste Haut

ist und die Kleidung unsere zweite, dann kann man

die Gebäudehülle als dritte Haut verstehen. Allesamt

können diese auf Umwelteinflüsse reagieren – meiner

Meinung nach sollte eine Gebäudehülle in diesem

Zusammenhang mehr können, als nur Fenster zum

Öffnen und Schließen bereitzustellen. In Zukunft soll-


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Philipp Lionel Molter

© Philipp Lionel Molter

Climate Active Bricks: Das in Kooperation mit der TU München und climateflux

entstandene Rechercheprojekt befasst sich mit der Auswirkung von Fassaden im

urbanen Kontext und deren Einfluss auf die Aufenthaltsqualität unserer verdichteten

Innenstädte. Um der Überhitzung der Stadt sowie dem Entstehen von Wärmeinseln

entgegenzuwirken, wurden in diesem Zuge anpassungsfähige Wände entwickelt, die

sich weniger stark aufheizen, das Mikroklima verbessern und somit den BewohnerInnen

mehr Aufenthaltsqualität versprechen.

te unsere dritte Haut nicht nur extrem anpassungsfähig

sein, sondern durch das Verknüpfen von Technik

und Design auch gestalterisch überzeugen. Ich sehe

eine Weiterentwicklung von der technischen Werkschau

hin zu architektonischen Entwurfskomponenten.

Die Forschung befindet sich momentan an einem

Punkt, an dem Einzelentwicklungen in angepasste

Anwendungen überführt werden, das heißt es gibt

immer mehr Produkte am Markt und der Einzelfall

wird langsam zur Systemlösung.

Was macht für Sie eine intelligente Fassade aus?

Der Unterschied zwischen einer rein adaptiven (reaktiven)

und einer autoreaktiven, sich selbst anpassenden,

Fassade. Hier besteht ein großes Potenzial

in der Vereinfachung aber auch Selbstregulation. Die

Beschaffenheit der Geometrie oder Materialität wird

immer noch allzu oft unterschätzt.

Wo sehen Sie Trends und Potenziale?

Im Moment lässt sich ein extremer Holzbau-Boom

beobachten, in Zukunft aber muss die Architektur

insgesamt eher zum Ort passen. Klimagerechte Architektur

stützt sich auf Prinzipien der vernakulären –

also historisch gewachsenen – und lokalen Architektur.

Ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne Cedric

Price, der bereits 1966 provokant fragte: „Technology

is the answer, but what was the question?“ Das drückt

für mich aus, wohin der Weg gehen sollte. Bisher wurde

allzu viel mit Technik beantwortet, jetzt sollten wir

aus unserem Wissen schöpfen und uns fragen, was

wir wirklich brauchen – Stichwort Suffizienz.

Eine Fassade, die Sie gerne realisieren würden?

Ich sehe ein enormes Potenzial in begrünten Fassaden,

auch um unseren Energiedurst zu stillen. Generell

würde mir mehr “Grün” in all unseren Lebensbereichen

gefallen.


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Intelligente Fassade

Atmungsaktive

Architektur

Shenzhen Rural Commercial Bank Headquarters / Shenzhen, China / SOM

Text: Edina Obermoser Fotos: Seth Powers

Das Architekturbüro

Skidmore, Owings &

Merrill (SOM) realisierte

in der chinesischen

Millionenstadt Shenzhen

ein „atmendes“ Hochhaus

mit natürlicher Belüftung.

Für die neuen Headquarters

der Rural Commercial

Bank entwarfen sie eine

Struktur aus sich diagonal

kreuzenden Trägern. Diese

verleihen dem Gebäude

nicht nur ihr markantes

Aussehen, sondern dienen

zudem als gigantischer

Sonnenschutz.

Wolkenkratzer sind in der Metropole im Südosten

Chinas nichts Besonderes – das 158 Meter hohe

Bankgebäude allerdings schon: Natürlich belüftet

tanzt es aus der Reihe und zeigt, wie nachhaltiges

Design in tropischen Breitengraden aussehen kann.

Mit seinen 33 Stockwerken steht der Turm am Rande

eines öffentlichen Parks im Geschäftsviertel von

Shenzhen. Die Grünfläche steht im Zentrum des

Masterplans für den Stadtbezirk. Durch seine Gestaltung

soll der Neubau auf die Geschichte und die

ländlichen Wurzeln der Bank sowie deren Vision für

die Zukunft hinweisen und traditionelle Komponenten

mit modernen Ideen verbinden.

SOM setzten auf eine simple, quadratische Grundform

und kombinierten diese mit innovativer Technologie.

Das Herzstück des Bankhauptsitzes ist seine

charakteristische Fassade, die als Brisesoleil und

Konstruktion fungiert. Wie ein Exoskelett umschließt

sie den Turm mit einer engmaschigen Struktur. Diese

besteht aus weißen Stahlträgern, die sich überkreuzen.

Als außenliegendes Tragwerk ermöglichen

sie im Inneren offene Grundrisse und eine flexible

Nutzungsanpassung. Die Diagonalen sind in jedem

zweiten Stockwerk über horizontale Rahmen mit

dem Betonkern verbunden, der die Kräfte in den Boden

abführt. Zudem schirmt das Gitter die dahinterliegende

Glasfassade vor der Sonne ab, schützt vor

Blendung in den Büros und reduziert den solaren

Wärmeeintrag um 34 Prozent. Am Fuße des Baus

weiten sich die Abstände zwischen den Rauten der

Außenhülle. Sie umrahmen den Blick in den Park und

markieren die Zugänge zum Gebäude.

u


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SOM


architektur FACHMAGAZIN

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Intelligente Fassade

Zwei Atrien stellen die Lunge der Rural Commercial

Bank dar. Sie verlaufen zentral entlang der Westund

Ostansicht über die gesamte Höhe, begleiten

die offenen Treppenhäuser und teilen die Bürogeschosse

als Verlängerung des Erschließungskerns

in zwei gleich große Bereiche. Die beiden Schächte

lassen den Headquarterbau „atmen“ und sorgen für

eine kontinuierliche Luftzirkulation. Je nach Jahreszeit

und Qualität kommt die Luft dafür entweder

von außen oder von der internen Kühlung. Durch lamellenartige

Öffnungen strömt die Frischluft in die

einzelnen Etagen. Anders als in vollautomatisierten

Bürotürmen können die Nutzer hier selbst zwischen

mechanischer und natürlicher Belüftung wählen. Das

erhöht den Komfort und spart Energiekosten. Hinter

der Stahlkonstruktion bildet eine durchgängige

Glasfassade den thermischen Abschluss. Sie erwies

sich während des Bauprozesses als besondere Herausforderung,

da die außenliegende Tragstruktur zuerst

montiert werden musste. Erst dann konnte man

die Vorhangkonstruktion dahinter anbringen. Die

Verglasungen sind mit einem zusätzlichen Verschattungssystem

ausgestattet, das auf den Lichteinfall

reagiert und automatisch vor der Sonne schützt. Mit

der effizienten Planung und verminderten Kühllast

erfüllt der Bau sämtliche Kriterien für eine LEED Platin-Zertifizierung.

Im Erdgeschoss legt sich

das Exoskelett eindrucksvoll

vor die Glasfassade.

Die größeren Abstände

zwischen den weißen

Stahlträgern schaffen

Eingänge und rahmen den

Blick in die Umgebung ein.


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33

SOM

Dank der tragenden Gebäudehülle sind sämtliche

Geschosse stützenfrei ausgeführt und lassen sich

individuell bespielen. Die Glasfassade bietet Ausblicke

nach draußen und ein angenehm helles Arbeitsumfeld.

Bei der Gestaltung der Innenräume

bedienten sich die Planer Elementen des Feng-Shui

und verbesserten durch sie das Ambiente merklich.

Wasser steht in der chinesischen Harmonielehre für

Wohlstand und kommt im repräsentativen Eingangsbereich

zum Einsatz. Dort fassen Pools – in denen

sich das Licht spiegelt – und 15 Meter hohe Glaswände

die Lobby ein. Das kühle Nass setzt sich auch

in der Vertikale fort: An einem „Regenvorhang“ fließt

es nach unten und benetzt die Oberfläche. Diese

Wasserspiele kühlen in den heißen Monaten durch

Verdunstung das gesamte Bankgebäude. Tropfenförmige

Hängeleuchten greifen das Thema Wasser

erneut auf. Der Erschließungskern ist in Marmor verkleidet

und soll mit seiner wellenartigen Musterung

an nassen Stein erinnern. Wasser- und Grünflächen

sowie Sitzgelegenheiten und in Granit gepflasterte

Wege prägen die Außenräume und leiten Besucher

und Mitarbeiter ins Gebäude. Ein niedriger, gläserner

Anbau dockt direkt an die Eingangshalle an. Er

ist verglast, schimmert in edlem Bronze und verfügt

über eine zweischalige Außenhaut. Im Gegensatz

zum transparenten Hauptgebäude umgibt ihn ein

leichter Lamellenvorhang. Dieser schafft die nötige

Privatsphäre für die Räumlichkeiten des exklusiven

VIP-Banking-Bereichs im Inneren. Oben auf dem

Turm rundet eine Dachterrasse vor dem Panorama

des geschäftigen Shenzhens und der südchinesischen

See das Programm ab. Mit mobilen Trennwänden

scheinen Innen- und Außenraum hier in luftiger

Höhe fließend ineinander überzugehen. u


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Intelligente Fassade

Eine Dachterrasse bildet

den krönenden Abschluss

des intelligenten

Wolkenkratzers. Sie wird

ebenfalls von den diagonalen

Trägern eingefasst

und überblickt Shenzhen

bis hin zum südchinesischen

Meer.

Wasser, Wind, Sonne – für das Design der Shenzhen

Rural Commercial Bank ließen sich die Planer

von SOM, die für ihre innovativen Entwürfe bekannt

sind, von der Natur inspirieren. Mit dem auffälligen

Exoskelett entwickelten sie in Zusammenarbeit mit

den Ingenieuren von Arup die perfekte Balance zwischen

Stabilität, Sonnenschutz, Licht und Luft für

das Projekt. Die weiße Gitterkonstruktion bereichert

die chinesische Metropole nicht nur um ein neues

Wahrzeichen, sondern ist außerdem effizient und

berücksichtigt das Wohlbefinden der Nutzer. Durch

optimierte Planung entstand das perfekte Zusammenspiel

aus aktiven und passiven Maßnahmen zur

Gebäudeklimatisierung. Somit ist bewiesen, dass

eine saisonale, natürliche Belüftung selbst in hohen

Bauten in tropischen Regionen möglich ist. Ein nachhaltiger

Ansatz, der die nächsten Finanzgeschäfte im

Headquarter – in vielerlei Hinsicht – zum atemberaubenden

Erlebnis macht.


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SOM

Shenzhen Rural Commercial Bank Headquarters

Shenzhen, China

Bauherr:

Planung:

Projektleitung:

Brandschutz/Licht:

Gebäudehöhe:

158 m

Grundstücksfläche: 7.665 m 2

Nutzfläche: 94.049 m 2

Fertigstellung: 2021

www.som.com

Shenzhen Rural Commercial Bank

Skidmore, Owings & Merrill (SOM)

Scott Duncan

Arup

„Wir sind immer auf der Suche nach

Möglichkeiten, originelle, technische

Lösungen mit architektonischem

Design zu verbinden. Beim

Hauptsitz der Rural Commercial

Bank konnten wir ein Diagrid – ähnlich

einem Exoskelett – einbauen.

So brachten wir die Tragstruktur

an die Außenseite und hängten den

Turm innen ab, um stützenfreie Arbeitsbereiche

zu schaffen.“

Scott Duncan, SOM


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Intelligente Fassade


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jessenvollenweider

Schimmerndes

Sonnenkleid

Amt für Umwelt und Energie / Basel, Schweiz / jessenvollenweider

Text: Linda Pezzei Fotos: Philip Heckhausen

Der Neubau des Amts für

Umwelt und Energie am

Fischmarkt in Basel ist

so konzipiert, dass seine

Elemente, ihre Funktion

und deren Zusammenspiel

nach innen wie außen erkennbar

sind. Besonderes

Gestaltungsmerkmal des

von jessenvollenweider

entworfenen Nullenergiehauses

in Holz-Beton-Hybridbauweise

ist die leichte

Photovoltaikfassade,

die das flexible Raum- und

Tragsystem umhüllt.

Energie, Abfallbewirtschaftung, Gewässer- und Lärmschutz,

Altlastensanierung sowie Landwirtschaft sind

die Kerngeschäfte des Amts für Umwelt und Energie

in Basel. 2021 bezog das Amt den neu errichteten,

markanten, achtgeschossigen Holz-Beton-Hybridbau

mit Photovoltaikfassade im Herzen der Stadt. Das

ortsansässige Architekturbüro jessenvollenweider

konzipierte den Entwurf als Antwort auf den dichten

städtebaulichen Kontext und konnte mit einer ausgefeilten

energietechnischen Lösung die gewünschte

Zertifizierung als Minergie-A-ECO erreichen.

Die Ausschreibung für den Neubau der AUE BS forderte

bereits 2013 ein Leuchtturmprojekt in Hinblick

auf Nachhaltigkeit und Minergie-A, die für das Bauen

in Basel eine Vorbildfunktion einnehmen sollte. Mit

der gelungenen Umsetzung des Projekts konnte der

Kanton die Chance nutzen, weit über die gesetzlichen

Vorgaben hinauszugehen. Kein anderes Bürogebäude

in Basel weiß bislang die Verwendung von regionalem

Holz, eine ans Stadtbild angepasste PV-Fassade oder

eine aktive Raumkühlung aufzuweisen. Die Zuständigen

erhoffen sich auf interner Ebene aber auch von

der offenen Arbeitswelt ohne individuelle Arbeitsplätze

neue Impulse, sowie regen, externen Besucherandrang

im neuen Kompetenzzentrum.

Um allen Ansprüchen gerecht werden zu können, war

für die Architekten bereits früh klar, dass es darum

gehen würde, eine Einheit im grundsätzlich Gegensätzlichen

zu schaffen. Dies bot die Chance sichtbar

zu machen, wie ein zeitgemässes städtisches Haus,

das die Grundsätze des nachhaltigen Bauens und ein

sinnvolles Maß an gezielten technischen Innovationen

verwirklicht, selbstverständlich in einen historischen

Stadtkontext integriert werden kann. jessenvollenweider

positionierten einen leichten Holzbau in

Hybridbauweise inklusive hochmoderner Photovoltaikfassade

inmitten der Altstadt von Basel, die vom

Baustoff Stein dominiert wird. Das Fassadenkonzept

entwickelte sich als besondere Herausforderung im

Laufe der Planungsphase analog zur rasant voranschreitenden

Evolution der Technik stetig weiter. So

verlagerte sich der konzeptionelle Fokus von der polykristallinen

Zelle – die in der Materialität und Farbigkeit

die Verwandschaft zu den angrenzenden Gebäuden

in Naturstein sucht – hin zur monokristallinen

Zelle mit bis zu 30 Prozent mehr Leistungsfähigkeit.

Die Erscheinung ist dabei grundlegend anders, nämlich

dunkel und monoton. Das Trägermaterial Glas

erhält somit eine besondere Bedeutung. In diesem

Zusammenhang wurde ein Schmelzglas entwickelt,

das eine plastische, unregelmäßige und im Licht changierende

Lebendigkeit entfaltet und durch seine

Struktur die dahinter liegenden PV Zellen abbildet.

Zusammen mit den in das Glas integrierten metallischen

Farbpunkten aus Titannitrid wird die dunkle

Farbe der PV-Zellen überlagert und die charakteristische

Erscheinung der Fassade ermöglicht.

Die Entscheidung, die Photovoltaikflächen auf die

Fassade zu packen, ist auch der Tatsache geschuldet,

dass die zur Verfügung stehende Dachfläche schlicht

zu klein war, um den Bedarf an Betriebsenergie für

das Klimagebäude aus erneuerbaren Quellen in Form

von Sonnenenergie decken zu können. Die Module

enthalten effiziente monokristalline PERC-Zellen, die

auch über Bereiche mit weniger Sonneneinstrahlung

Energie erzeugen können. Das Fassadenkleid vereint

Leistung, Langlebigkeit und Ästhetik in besonderem

Maße. Der Reiz des Erscheinungsbildes rührt aus

dem unterschiedlichen Lichteinfall zu verschieden

Tageszeiten her: Die Bandbreite reicht vom dunklen

technischen Kraftwerk über die farbliche Einbindung

in den Kontext der sandsteinfarbenen Nachbarn bis

hin zum leuchtenden Glashaus, das die Umgebung

widerspiegelt und das Sonnenlicht bricht. u


architektur FACHMAGAZIN

38

Intelligente Fassade

Die künftige Überprüfung der Wirksamkeit des

Energiekonzepts des Gebäudes kann mithilfe eines

digitalen Zwillings evaluiert und entsprechende Parameter

gegebenenfalls justiert werden. Dieses Monitoring

soll im Eingangsbereich auch den Besuchern

und Mitarbeitern aufbereitet präsentiert werden.

Neben der Fassade überzeugt das Amt für Umwelt

und Energie aber auch in räumlicher und konstruktiver

Hinsicht. Als Basis für ein ressourcenschonendes

Bauen setzten die Architekten einen kompakten

Baukörper auf das trapezoid verzogene Grundstück.

Einerseits Solitär, definiert das achtgeschossige Gebäude

andererseits den Straßenraum der Spiegelgasse

und bildet mit seiner Attika an der Blumengasse

eine Torsituation für die Passage zwischen

Marktgasse und Spiegelhof aus. Haupteingang, Foyer

und Empfang orientieren sich zum Fischmarkt,

während sich der Eingang für die Mitarbeiter mit

integriertem Veloabgang ins Untergeschoss an der

Blumengasse befindet.

Auf struktureller Ebene fungiert die stringente

Skelettstruktur ohne aussteifenden Kern als wirtschaftliches

und flexibles Raum- und Tragsystem.

Die Arbeitsbereiche orientieren sich aufgrund der

Lichtsituation in Richtung Westen, während die Archivflächen

in Richtung Nordosten zum beengten

Innenhof hin verortet wurden. Im Zentrum befindet

sich ein zenital belichtetes Treppenhaus mit Lift,

von dem aus sich auch die Besprechungs- und Nebenräume

erschließen lassen. Dank einer gewissen

Großzügigkeit bildet das Treppenhaus den zentralen

Ort im Haus, der zur fußläufigen Bewegung zwischen

den Ebenen animiert und zufällige Begegnungen unter

Kollegen und Besuchern fördert und fordert. u

In Verbindung mit dem Sonnenschutz und der automatisierten

Nachtauskühlung sichern die Closed-Cavity Fassaden von WICONA

einen sehr guten sommerlichen Wärmeschutz.


www.architektur-online.com

39

jessenvollenweider


architektur FACHMAGAZIN

40

Intelligente Fassade

Die Gestaltung der Innenräume

überzeugt nicht

nur funktional, auch die

Ästhetik kommt dank der

gelungenen Materialkombination

nicht zu kurz.

Die Decken wurden als Holzbetonverbundkonstruktion

mit Bauteilaktivierung ausgeführt. In Kombination

mit dem Lüftungskonzept, welches eine

natürliche Nachtauskühlung ermöglicht, konnte auf

die heute für konventionelle Bürogebäude übliche

Klimatisierung verzichtet werden. Der extrem hohe

energetische Standard basiert zudem auf einer sehr

gut gedämmten Gebäudehülle, der kompakten Gebäudeform

sowie einem einfachen Haustechnikkonzept,

das auf einer klaren Systemtrennung und der

Nutzung von Sonnenenergie fußt. Die Maßnahmen

wirken sich in ihrer Gesamtheit – mit wenig Technik,

aber ausgeklügelter Gebäudeautomation – zudem

positiv auf die Raumbehaglichkeit aus.

In Zukunft hofft man, mit der innovativen Fassade

sogar mehr Energie produzieren zu können, als für

den Eigenbedarf nötig. Und dass zahlreiche neugierige

Besucher das Gebäude für sich entdecken und

sich für die Zukunft inspirieren lassen. Ein (Sonnen-)

Kleid für alle Fälle anstelle von High Fashion lautet

die Devise.


Spiegelgasse

Spiegelgasse

N

N

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41

jessenvollenweider

AUE - Amt für Umwelt und Energie, Basel

18.11.21

AUE - Amt für Umwelt und Energie, Basel

18.11.2

Schnitt A-A

Schnitt B-B

Schnitt C-C

2. Untergeschoss

1. Untergeschoss

Erdgeschoss

1./2./4. Obergeschoss

0 5 10 25

Schnitte 1:500

jessenvollenweider

UG22. Untergeschoss

UG1 1. Untergeschoss

Erdgeschoss

EG OG 1./2./4. 1/2/4 Obergeschoss

Blumenr ain

Blumenr ain

Blumengasse

Schi f lände

Blumengasse

Mar k tgasse

Schi f lände

OG 3./5. 3/5Obergeschoss OG 6. Obergeschoss 6 OG 7. Obergeschoss

7

Situation, 1:2000

Mar k tgasse

3./5. Obergeschoss 6. Obergeschoss 7. Obergeschoss

Situation, 1:2000

Grundrisse, 1:500

Grundrisse, 1:500

0

Amt für Umwelt und Energie

Basel, Schweiz

0

5 10 25

Bauherr: Kanton Basel-Stadt,

vertreten durch das Hochbauamt des Kantons Basel-Stadt

Planung: jessenvollenweider architektur ag, Basel

Projektleitung: Mira Lüssow GP-Leiter: Sven Kowalewsky

Statik:

SJB. Kemter.Fitze AG, Frauenfeld

Fassadensystem: WICONA / Hydro Building Systems Switzerland AG

Grundstücksfläche: 335 m 2

Bebaute Fläche: 335 m 2

Haupt-Nutzfläche: 1.267 m 2

Planungsbeginn: 2014 (WB 1. Preis 2013)

Bauzeit: 2018-2021

Fertigstellung: 11/2021

Baukosten:

18,3 Mio. CHF (Gesamtinvestitionskosten inkl. MwSt.)

www.jessenvollenweider.ch

5 10 25

N

N

„Der Neubau des Amts für Umwelt und Energie

am Fischmarkt in Basel verwirklicht als

zeitgemässes Bürohaus Grundsätze des

nachhaltigen Bauens mit einem sinnvollen

Maß an technischen Innovationen und ist

glaubwürdig in den historischen Stadtkontext

integriert.“

Anna Jessen, Ingemar Vollenweider,

Sven Kowalewsky

jessenvollenweider

jessenvollenweide

©Nelly Rodriguez


architektur FACHMAGAZIN

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Intelligente Fassade

Gläserne

Krone

Buckle Street Studios / London / Grzywinski+Pons

Text: Linda Pezzei Fotos: Nicholas Worley

Neben 103 Wohnungen, einem Co-Working-Space und

einem Café finden auch Tagungsräume sowie ein Concept

Store Platz in in dem neuen dreizehnstöckigen Gebäude

der Buckle Street Studios im Londoner Stadtteil Whitechapel.

Das New Yorker Design Studio Grzywinski+Pons

zeichnet neben der Architektur auch für das gesamte Interior

Design und einen Großteil der Möbel verantwortlich.

Besonderer Hingucker: die Fassadengestaltung.

Im Zuge ihres Entwurfs der Buckle Street Studios

im Londoner Stadtteil Whitechapel sah sich

das Planungsteam des New Yorker Design Studios

Grzywinski+Pons mit einem Standort konfrontiert,

der geprägt ist durch ein dichtes Konglomerat von

Gebäuden, die sich sowohl in ihrer Größe als auch ihrem

Stil unterscheiden. Niedrige, denkmalgeschützte

Gebäude befinden sich in direkter Nachbarschaft zu

modernen Hochhäusern und definieren das sogenannte

Londoner East End östlich des mittelalterlichen

Stadtkerns und nördlich der Themse. Arbeiterviertel

trifft hier auf hippes Szenequartier. Matthew

Grzywinski wurde schnell klar: Der geplante dreizehnstöckige

Neubau sollte unbedingt als Bindeglied

zwischen den Welten fungieren.

„Während des Planungsprozesses arbeiteten wir

von Anfang an eng mit den städtischen Behörden

zusammen, um sicherzustellen, dass unser Entwurf

die angestrebte Rolle eines architektonischen Vermittlers

sowohl in Bezug auf das Gebäudevolumen

als auch auf die Gliederung der Fassade erfüllt“, sagt

Grzywinski. „Wir waren uns unserer Verantwortung

bewusst, den größeren städtebaulichen Kontext

unseres Standorts zu berücksichtigen, und haben

in diesem Sinne Materialien spezifiziert und unsere

Formensprache definiert, um den architektonischen

Clash zwischen den kleineren historischen Gebäuden

zu den jüngeren Hochhäusern zu mildern.“ u


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43

Grzywinski+Pons


architektur FACHMAGAZIN

44

Intelligente Fassade

Dank der abgerundeten

Ecken, der Materialität

und der Maßstäblichkeit

fügen sich die Buckle

Street Studios harmonisch

in das bestehende

Stadtgefüge ein.

Entstanden ist ein einprägsames, elegantes Bauwerk,

das sich sanft in den bestehenden Block einfügt. In

seinem äußeren Erscheinungsbild zum einen geprägt

durch die runden Ecken, zum anderen definiert durch

die stringente vertikale Gliederung. „Wir übertrugen

einen Großteil der strukturellen Lasten auf einen expressionistischen

Parabelbogen von doppelter Höhe,

während wir uns gleichzeitig von den Rundbogenfenstern,

bogenförmigen Gesimsen und abgerundeten

Ziegeln der historischen Gebäude in den benachbarten

Straßen inspirieren ließen“, erklärt Grzywinski

die Herangehensweise.

Um das Gebäude mit zunehmender Höhe heller und

transparenter erscheinen zu lassen, setzten die Architekten

auf eine stufenweise Gliederung und eine

Teilung des Volumens in drei Abschnitte. Aufgrund

der eingeschränkt zur Verfügung stehenden Grundfläche

griffen Grzywinski+Pons anstelle von formalen

Rücksprüngen auf eindrückliche, aber geordnet

vorgenommene Materialwechsel über alle Schichten

des Gebäudes hinweg zurück, um in Folge einen Giebel

und eine Krone abzubilden. Die Materialwahl und

-verarbeitung war letztlich ausschlaggebend für den

gesamten optischen Eindruck der Fassade.


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45

Grzywinski+Pons

Der Sockelbereich wurde mit gealterten, vernickelten

Metallpaneelen in Form von unterschiedlich dimensionierten,

vertikal positionierten Kassettenelementen

verkleidet, die gleichermaßen als Brüstungsabdeckungen

und kunstvoll gestaltete Lüftungsgitter fungieren

und die geschichtete Fassade harmonisieren.

„Unsere moderne Interpretation einer progressiven,

geordneten Skalierung“, so Grzywinski. Über diesem

ersten Giebel schließen warmgraue Handstrichziegel

mit vorspringenden Lisenen an, die in ein Gesims am

Fuß der Krone münden und einen erneuten Materialwechsel

einläuten. Die Lisenen und die raffinierten

Anknüpfungspunkte verleihen der ohnehin strukturierten

Gebäudehülle zusätzlich Plastizität und Tiefe.

Der krönende Abschluss der Buckle Street Studios

entspricht in seinen Proportionen dem Sockel und

wurde vollständig mit Glasbausteinen verkleidet.

Durchscheinend, hell und leicht wirkt dieser Teil

nahezu entmaterialisiert und scheint nahtlos in den

Himmel überzugehen. Die Wohnungen in diesem Bereich

verfügen über Fenster mit Ausblick über die

Stadt sowie Fassadenflächen, durch die das durch

die Glasbausteine gefilterte Licht gedämpft nach

innen fällt und eine einmalige Atmosphäre schafft.

Auch um eine maximale thermische und akustische

Effizienz zu erreichen, besteht die Hülle der Krone

aus zwei Wänden, wobei die Außenhaut sowohl als

Brüstung als auch als Fassade dient. Die erforderlichen

haustechnischen Geräte auf dem Dach ließen

sich durch eine entsprechende Überhöhung vollständig

verdecken, während die Lichtdurchlässigkeit der

Glaselemente einen diffusen und sanften Abschluss

des oberen Teils des Gebäudes in der Vertikalen

erzeugt. Trotz dieser Leichtigkeit mutet dieser Gebäudeteil

ebenso wie der darunter liegende schwere

Ziegelstein extrem haptisch und dauerhaft an. „Das

Volumen erscheint solide und flüchtig zugleich, während

die Bewohner durch die Aktivierung der Innenräume

ein natürliches kinetisches Leuchten erzeugen“,

erklärt Grzywinski.

u


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46

Intelligente Fassade

Die Planer nahmen die Gelegenheit dankbar wahr,

sowohl die Konstruktion als auch die Innenräume gestalten

zu dürfen, um schließlich einen umfassenden

Raumeindruck auf Basis des ambitionierten architektonischen

Konzepts kreieren zu können. Gerade auf

den öffentlichen Flächen des Projekts ist diese Integration

von innen nach außen für die Architekten von

grundlegender Bedeutung: „Das wichtigste strukturierende

Element dieser Bereiche ist der parabolische

Bogen. Er ist von der Straße aus durch eine großflächige

Verglasung sichtbar und stützt und definiert

das Zwischengeschoss im Inneren des erdgeschossigen,

überhöhten Raums, während er gleichzeitig die

Last der vorderen Hälfte des Gebäudes aufnimmt.“

Dieser strukturelle Expressionismus wird durch eine

integrierte Holzbalustrade sowie geriffelte Verkleidungen,

warmen Lehmputz, wallende Vorhänge und

die zarte Möblierung abgemildert. In Anlehnung an

die Fassade wurden die Fußböden und Sockelleisten

der Einbaumöbel mit eben jenen Ziegeln verkleidet.

Den Concept Store im Erdgeschoss definieren Vitrinen

aus rautenförmigen, mit Porzellan und Glas

verkleideten Volumina, die die kuratierten Produkte

in Szene setzen. Großzügig geschwungene und gepolsterte

Sitzbänke, weiche Sofas und Poufs laden

zum Verweilen ein. Die Gestaltung befindet sich –

passend zum Inhalt der Vitrinen – an der Schnittstelle

zwischen Kunst und Kommerz. Der Raum, der zu

gleichen Teilen als Galerie, Lounge, Café, Shop und

Wohnzimmer fungiert, wirkt ebenso einladend wie

undefinierbar – eine gewünschte Intention der Architekten:

„Wir hoffen, dass sich die Passanten gezwungen

sehen, hineinzugehen, um zu erfahren, was

genau das ist, und dass sie sich dann wohl fühlen und

eine Weile bleiben.“

Das durchdachte, materialbetonte und detailverliebte

Design zieht sich von der Fassade bis in die Innenräume

durch alle Bereiche stringent durch und eröffnet

Bewohnern und Gästen ein umfassendes Raumerlebnis.


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Grzywinski+Pons

Mezzanin

Während sich in den Buckle Street Studios öffentliche

und private Räume grundsätzlich verzahnen, beginnen

sie sich in Richtung der Krone mit den Wohneinheiten

dennoch mehr und mehr von dem bunten

Londoner Trubel zu abzugrenzen – auch wenn eine

gewisse Offenheit durch die schimmernden Glasbausteine

stets bewahrt bleibt. Hier kommen der Reiz

und der Nutzen der leuchtenden Glasverkleidung

in den Innenräumen voll zur Geltung, deren Anmutung

von Licht und Wärme geprägt sind. Helle Holzböden,

erdfarbener Lehmputz, cremefarbener Stein

und samtige Nude-Töne verleihen dem Interior einen

hochwertigen und einladenden Charakter.

„Für uns als Architekten und unseren Bauherrn fördert

dieses Projekt auch die gleichermaßen urbane wie

persönliche Auseinandersetzung von Öffentlichkeit

und Privatheit, zwischen Bewohnern und Besuchern.

Diese Mischung ist der Stoff, aus dem so viele der erfolgreichsten

und lebendigsten Gemeinden Londons

gemacht sind“, bringt Grzywinski seine Motivation auf

den Punkt. Whitechapel darf sich jedenfalls über einen

rätselhaften und doch verlockenden öffentlichen

Raum freuen, der einen integrativen und einladenden

Kontext eröffnet, in dem die Gemeinschaft und die

Besucher miteinander interagieren und sich gegenseitig

inspirieren können – und sollen.


EG - Lobby

Buckle Street Studios

London, Großbritannien

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Oaktree Capital

Grzywinski+Pons

Matthew Grzywinski, Amador Pons

Manhire Associates

Nutzfläche: 3.530 m 2

Planungsbeginn: 2018

Bauzeit:

2 Jahre

Fertigstellung: 2022

www.gp-arch.com

„Unser Studio hat sich einem herausragenden

Design verschrieben, das

auf Qualität, Schönheit, Innovation und

einer rigorosen Herangehensweise an

Details beruht. Design-Elemente wie

Licht, Gestalt, Erschließung und Materialien

haben stets Funktion, Ästhetik

und Erlebnis in ihrer Gesamtheit im

Blick. Wir betrachten Projektbeschränkungen

immer auch als Chance, um Innovationen

zu forcieren.“

Matthew Grzywinski


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48

Intelligente Fassade


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49

CLOU architects

Kreuz und

quer gedacht

Sanya Jinmao FarmLab / Hainan, China / CLOU architects

Text: Edina Obermoser Fotos: Shining Laboratory

4.600 m 2 Forschungs- und Ausstellungsflächen

realisierten CLOU architects mit dem FarmLab im

chinesischen Sanya. Der Multifunktionsbau vereint

mit Landwirtschaft und Tourismus die beiden wichtigsten

Wirtschaftssektoren der Region unter einem

Dach und bietet Platz für Showrooms, vertikalen

Indoor-Anbau und ein Farm-to-table-Restaurant.

Rund um die innovative Forschung im Inneren legt

sich eine ebenso smarte Rasterfassade.

Mit ihrem tropischen Klima und den weiten Sandstränden

zieht die Insel vor der Südküste Chinas vor

allem Urlauber an. Neben dem Tourismus ist auf Hainan

aber auch die Landwirtschaft von großer Bedeutung.

Der Anbau und Vertrieb von Kaffee, Früchten

und Nüssen floriert. Doch nicht nur der Agrarhandel,

sondern auch die damit verbundene Forschung erlebt

in Sanya, dem Zentrum im Süden des Eilands,

einen regelrechten Boom. Denn immer häufiger wird

die Nahrungsmittelproduktion – in Folge des Klimawandels

– von knappen Ressourcen wie Wasser

oder Boden beeinträchtigt. Auch die lokale Regierung

erkannte den Bedarf an neuen, zukunftsfähigen

Optionen und investiert zunehmend in Projekte

dieser Art. Im Zuge dessen entwickelt sich der Nanfan-Bezirk

sukzessive zum Silicon Valley der Saatgutindustrie

und widmet sich als Hightech-Hub der

landwirtschaftlichen Wissenschaft und Technologie

von morgen. Im Auftrag der Immobilienfirma Jinmao

gestalteten CLOU architects mit dem FarmLab den

jüngsten Zuwachs als neuen Fokus im Stadtteil. u


architektur FACHMAGAZIN

50

Intelligente Fassade

Das L-förmige Gebäude entwickelt sich über vier

Geschosse in die Höhe und wird von einer auffälligen

Hülle umschlossen: Ab dem zweiten Stockwerk

verlaufen die Fassaden schräg und werden mit dem

Flachdach Teil des oberen Abschlusses. Oberhalb

einer teils offenen, teils verglasten Sockelzone legt

sich eine enorme Gitterstruktur über den kompakten

Baukörper. Für diese ließ sich das Planerteam von

den auskragenden Dachkonstruktionen der auf Hainan

ansässigen Li-Minderheit inspirieren. Aus den

traditionellen Strukturen wurde ein großformatiges

Raster, welches dem Neubau sein charakteristisches

Aussehen verleiht. Es stellt die erste Schicht der Außenhülle

dar, schließt diese allerdings nicht hermetisch

ab, sondern lässt mit seiner Transparenz Ausund

Einblicke zu.

Das holzfurnierte

Stahlgitter legt sich vor

Fassade und Dach. Hinter

der gerasterten Hülle

befinden sich nicht nur

geschlossene Forschungsräume,

sondern auch ganz

oder halb außenliegende

Bereiche.


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51

CLOU architects

Aufgrund von baubehördlichen Entscheidungen

durfte das Gitter nicht – wie ursprünglich geplant –

als tragende Fassade in Schichtholzträgern gebaut

werden. Stattdessen besteht es nun aus einem mit

furnierten Aluminiumelementen verkleideten Stahltragwerk.

Die regelmäßig angeordneten Rasterträger

sind bis zu einem Meter tief. Sie dienen mit ihren breiten

Laibungen hauptsächlich als Sonnenschutz und

garantieren die passive Kühlung des Sanya FarmLab.

Neben der Beschattung sorgt die Dach- und Fassadenebene

zudem für die natürliche Belüftung des

Gebäudes: Während die Zwischenräume des Gitters

an den Seiten offen bleiben, sind sie in den schrägen

Abschnitten verglast. Das Glas ist je nach Programm

innenseitig bedruckt oder klar, und schützt die Räume

als zweite Hülle vor der Witterung. Es reduziert

die Solarabsorption um bis zu 70%, lässt gleichzeitig

aber jede Menge Licht einfallen und erinnert damit

an landwirtschaftliche Gewächshäuser. Dadurch

herrscht in dem neuen Zentrum ein durchwegs helles

und freundliches Ambiente sowie ein angenehmes

Raumklima, das durch die freie Luftzirkulation

begünstigt wird. Integrierte Entwässerungsrinnen

sammeln das Regenwasser, das anschließend für die

Bepflanzung im Gebäude und die umgebenden Grünflächen

genutzt wird. Für den ganzheitlichen Ansatz

erhielt der Multifunktionsbau unter anderem den

Iconic Award für innovative Architektur und wurde

beim German Design Award für herausragende Architektur

speziell gewürdigt.

u


architektur FACHMAGAZIN

52

Intelligente Fassade

Im Bereich der geneigten

Dach- und Fassadenflächen

schützt Glas vor

tropischem Regen. Je

nach Ausrichtung ist es

matt bedruckt und sorgt

so für eine geringere

Solar absorption sowie

helle Innenräume.

Hinter der auffälligen Fassaden- und Dachstruktur

verbirgt sich ein bunter Mix aus Außen- und Innenräumen

sowie halboffenen Bereichen. Dynamische

Grundrisse sollen auf allen Etagen den Austausch

zwischen Wissenschaftern, Besuchern und Touristen

fördern. Nur die Labore und Büros sind in gestapelten,

geschlossenen Glasboxen untergebracht und

aktiv klimatisiert. Ein zentraler Kern mit Treppe und

Lift nutzt den Kamineffekt und führt warme Luft aus

dem Gebäude nach oben hin ab. Rund herum ordnen

sich – umschlossen von der Gitterstruktur – mit begrünten

Plattformen, Spielflächen für Kinder, Multimedia-Ausstellungen

und Café sämtliche öffentlichen

Besucherfunktionen an. Im Erdgeschoss kragt

die gerasterte Hülle über den Haupteingang und

die Erschließungsflächen aus. Besucher empfängt

hier nicht nur eine großzügige Lobby, sondern auch

eine skulpturale Wendeltreppe, deren Spiralform den

Raum beherrscht. Sie wird lediglich durch das Fassadenraster

vom Außenraum abgegrenzt und verbindet

vertikal die überdachten Freibereiche innerhalb

des FarmLab. Ein großes offenes Auditorium rundet

das Raumprogramm ab.

Start-ups und innovative Unternehmen widmen sich

in dem neuen Mehrzweckgebäude Themen wie Agrarrobotik

und vertikalem Indoor-Farming. Die Forschung

findet nicht nur hinter verschlossenen Türen

statt, sondern wird in den anschließenden Ausstellungsbereichen

auch den Besuchern nähergebracht.

Diese sollen ihren eigenen Konsum bewusst überdenken

und erhalten praktische Vorschläge für einen

nachhaltigeren Lebensstil. Die angebauten Lebensmittel

kommen im hauseigenen Restaurant direkt auf

die Teller der Gäste und machen so das Farm-to-table-Konzept

schmackhaft.

Mit dem Forschungs- und Ausstellungszentrum wollten

CLOU architects eine moderne Interpretation des

Landwirtschaftsbetriebes schaffen, in dem Büro, Labor

und Ausstellung nebeneinander und miteinander

Platz finden. Diese Vision verkörperten sie in einem

Entwurf, der Nachhaltigkeitsbewusstsein auf programmatischer

wie architektonischer Ebene thematisiert.

Das Sanya FarmLab zeigt neue Wege für die

Landwirtschaft der Zukunft auf, lädt zum Entdecken,

Verstehen und Probieren ein und wird so zum vielschichtigen

Vermittler. Die effiziente Gebäudehülle

ergänzt den zukunftsweisenden Ansatz mit ihrem

Lowtech-Konzept perfekt und zeigt, wie ein komfortables

Raumklima durch passive Planungselemente

auch in tropischen Breitengraden ohne flächendeckende

Klimatisierung umgesetzt werden kann. •


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53

CLOU architects

Sanya Jinmao FarmLab

Sanya, Hainan, China

Bauherr:

Planung:

Projektleitung:

Team:

Jinmao Sanya Nanfan Rongmao Real Estate

CLOU architects

Jan Clostermann, Lin Li

Na Zhao, Sebastian Loaiza, Julien Douillet, Yaxi Wang,

Tianshu Liu, Tiago Tavares, Principia Wardhani,

Javier Pelaez, Yiqiao Zhao

Urban Architecture Design

Statik/ TGA:

Fassadenplanung: China Building Technique Group

Lichtplanung: Fuzhou Bovs Lighting Design

Grundstücksfläche: 3.485 m 2 (Teilfläche)

Bebaute Fläche: 1.280 m 2

Nutzfläche: 4.800 m 2

Planungsbeginn: Januar 2020

Bauzeit:

12 Monate

Fertigstellung: Juli 2021

www.clouarchitects.com

„In unserem internationalen Team verfolgen wir

gemeinsam eine Mission: die besten sozial interaktiven

Orte der Welt zu gestalten. Wir entwerfen

und realisieren innovative Gesamtkonzepte,

Gebäude und Innenräume, die positiven Einfluss

haben – auf die, die sie planen und bauen, auf die

unmittelbar lokale und weitere Umgebung, und

auf die Menschen, Gruppen und Gemeinschaften,

die sie nutzen.“

Jan Clostermann, CLOU architects


architektur FACHMAGAZIN

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Intelligente Fassade


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55

Maison Edouard François

Urbanes Wohnen

im Grünen

Le Ray / Nizza / Maison Edouard François

Text: Edina Obermoser Fotos: Wearecontents

Wo bis 2013 Torjubel

erklang, befindet sich mit

le Ray heute ein urbanes

– und äußerst grünes –

Viertel im Norden von

Nizza. Das Büro Maison

Edouard François konnte

den Wettbewerb auf dem

Areal des ehemaligen

Fußballstadions für ein

neues Wohnquartier mit

Mischnutzung für sich

entscheiden. Mit einem

Masterplan à la Manhattan

gestalteten die

Pariser Planer nicht nur

qualitativen Wohn- und

Lebensraum, sondern

auch eine der größten

begrünten Fassaden

Europas.

Nach dem Abriss des Stadions blieben rund um das

Gelände einige Sportplätze erhalten und auf dem

größten Teil der Fläche entstand ein öffentlicher

Park. Das neue, gemischte Quartier sollte die übrigen

1,2 Hektar mit neuem Leben füllen. Nizza liegt

idyllisch inmitten von üppig bewachsenen Hügeln,

die der Stadt ihren mediterranen Charme verleihen.

Von der südfranzösischen Landschaft ließen sich

die Architekten bei der Planung inspirieren. Sie wollten

eine „Insel der Frische“ schaffen, die trotz ihrer

Großmaßstäblichkeit nicht repetitiv, sondern individuell

wirkt. Um den begehrten Stadtraum an der

Côte d’Azur bestmöglich zu nutzen, entwickelten

sie ein Konzept, das auf vier Punkten basiert, die ihrer

Meinung nach essenziell für urbane Dichte sind:

Mobilität, Mischung, Materialität und Ökologie. Eine

gute Infrastruktur war dabei von Anfang an gegeben:

Der einstige Standort der Sportstätte begeistert mit

Ausblicken bis zur Altstadt und dem Meer hin und

verfügt zudem über eine direkte Straßenbahnverbindung,

die innerhalb von zehn Minuten direkt ins

Zentrum führt.

u


architektur FACHMAGAZIN

56

Intelligente Fassade

Le Ray besteht aus einer gemeinsamen Sockelzone

und zehn Baukörpern, die darüber in die Höhe wachsen.

Auf diese Weise brachte das Planerteam rund um

Edouard François auf fast 25.000 m 2 ein gemischtes

Programm aus Gewerbe- und Wohnflächen sowie 650

Autostellplätze unter. Das Parkhaus erstreckt sich

über zwei unterirdische Ebenen. Darüber befinden sich

im durchgängigen Erdgeschoss ein Dōjō – ein Zentrum

für japanischen Kampfsport – und ein 6.000 m 2

großer Supermarkt, der zu drei Viertel in die Landschaft

eingegraben ist. An der südwestlichen Ecke

des Blocks öffnet sich das Kaufhaus zum Boulevard

Gorbella und einem städtischen Platz hin in Form von

ungleichen Schaufenstern. Sie erwecken den Eindruck

einzelner Geschäfte, anstatt einer zusammenhängenden

Ladenfläche. An diesem Punkt dockt das

neue Wohnquartier an die Umgebung an: Die farbigen

Stein- und Putzfassaden der Gebäude orientieren

sich in ihrer Gestaltung an den traditionellen Ansichten

Nizzas. Sie sind unterschiedlich hoch und sogar

mit den typischen Fensterläden ausgestattet. Oberhalb

der öffentlichen, kommerziellen Bereiche verteilen

sich 250 Eigentumswohnungen und 100 geförderte

Appartements auf die einzelnen Bauten.

Wo sich bis dato relativ kahle Holzstangen

vor die Fassaden legen, wird

schon bald ein grünes Pflanzenkleid

die Ansichten umspielen und sich

sowohl auf das Raum- als auch auf das

Stadtklima positiv auswirken.


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Maison Edouard François

Die Wohnhäuser betteten die Architekten in Kooperation

mit Jean-Frédéric Gay, der als Landschaftsarchitekt

mit seinem Büro La Compagnie du Paysage auch

den angrenzenden Park plante, in einen vielfältigen

Garten ein. Dieser legt sich zwischen die einzelnen

Volumen. Er beschränkt sich nicht nur auf die Horizontale,

sondern wächst an den Außenwänden der

Bauten weiter in die Höhe und unterstützt Edouard

François‘ Idee der „durch Begrünung unterstützten“

Fassade. Bewachsene Dächer und Gemüsegärten

komplettieren das neue, grüne Stadtquartier. Aufgrund

der seismischen Aktivität in der Region sind

die Gebäude in Sichtbeton gefertigt. Davor legt sich

eine leichte Konstruktion aus Kastanienholzstäben,

die Fassaden und Loggien einfasst und als Rankgitter

für das grüne Blätterkleid dient. Zwischen den

Holzstangen verlaufen Edelstahlkabel, an denen die

Pflanzen künftig ebenfalls empor klettern können.

Die Kletterpflanzen wurden unten direkt in die Grünstreifen

entlang der Wohnbauten eingesetzt, weiter

oben wachsen sie in Kübeln. Ein sichtbares Rohrnetz

für Be- und Entwässerung versorgt das junge Grün.

Es rundet die zweischichtigen Ansichten ab und verleiht

ihnen ein nahezu grafisches Design. Notausgänge,

Lüftungsgitter und andere sicherheitstechnische

Einrichtungen verstecken sich an unauffälligen Stellen

hinter dem grünen Vorhang und sorgen für ein

naturnahes Erlebnis. Die Vegetation wurde so ausgewählt,

dass sie ein in sich geschlossenes Ökosystem

ergibt, das Ressourcen wie Wasser, Luft und Sonne

sowie Nährstoffe miteinander teilt. Bereits nach drei

Jahren versorgen sich die Pflanzen völlig autonom

und müssen nicht mehr gegossen werden. u


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58

Intelligente Fassade

Die Fassaden der Gebäude

am Boulevard Gorbella

stellen Bezüge zur Umgebung

her. Lediglich zwei

auf die bunten Putzfassaden

gesetzte Staffelgeschosse

lassen die

Gestaltung des übrigen

Viertels erahnen.

Zwischen grüner und gebauter Hülle ist jeder der

Wohneinheiten ein Balkon oder eine Terrasse zugeordnet.

Von dem Gestänge und Geländern aus

hölzernen Lamellen eingefasst, sollen sie Raum zur

persönlichen Entfaltung der Bewohner bieten. Diese

können selbst entscheiden, ob sie die Loggia als

privaten Außenraum nutzen, oder ihn schließen und

ihre Wohnfläche vergrößern. Laut Hausordnung dürfen

die Erweiterungen ausschließlich aus unverrottbarem

Holz wie Kastanie oder Robinie umgesetzt

werden. In Zukunft erscheinen die Fassaden von Le

Ray dadurch wohl noch individueller und unregelmäßiger.

Der alternative Ansatz mit Durchmischung und

Begrünung stieß anfänglich auf wenig Begeisterung.

Gegenstimmen aus der Bevölkerung begegneten

die Planer aus Paris daraufhin mit Transparenz und

Dialog. In einem partizipativen Prozess bezogen sie

die Nachbarschaft und deren Wünsche in den Entwurf

mit ein und erlangten so die Akzeptanz der Anrainer.

Selbst dem OGC Nizza, dem Fußballclub, der

einst auf dem Areal seine Heimspiele austrug, wurde

Tribut gezollt: In der in Marmor ausgeführten Haupteingangshalle

erinnern Ausstellungsstücke und Stadionsitze

an die sportliche Vergangenheit und lassen

das Herz von Fußballfans höher schlagen.

Getreu dem Motto „mehr ist mehr“ dachten Maison

Edouard François Architekten mit dem Le Ray-Quartier

auf vielen Ebenen einen Schritt weiter. Anstatt

sich auf minimale Anforderungen zu beschränken,

zeigen sie Chancen für moderne, urbane Projekte

auf – Versickerung anstelle von Versiegelung, Grün

statt Grau und Individualität als Ersatz für Monotonie.

Die Fassade der neuen Siedlung in Nizza ist eine

der größten begrünten Fassaden Europas und kühlt

nicht nur den Wohn-, sondern auch den Stadtraum.

So wirkt sie sich in vielerlei Hinsicht positiv auf die

Lebensqualität des Viertels aus.


www.architektur-online.com

59

Maison Edouard François

Le Ray

Nizza, Frankreich

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

Landschaftsplanung:

TGA:

VINCI Immobilier

Maison Edouard François

Mathieu Chatenet, Jérémie Dalin, Pauline Lécrivain

Verdier Ingénierie

La Compagnie du Paysage

Ingerop

Grundstücksfläche: 1,2 Hektar

Nutzfläche: 24.500 m 2

Planungsbeginn: 2016

Bauzeit:

36 Monate

Fertigstellung: 2021

Baukosten:

48,8 Mio. Euro (exkl. MwSt.)

www.edouardfrancois.com

„Ökologie heißt, heute an morgen zu

denken, um Wärmeinseln zu bekämpfen.

Potenzielle Lösungen dafür sind Hyperbegrünung

und Hyperdurchlässigkeit der

Böden. Wir müssen am Fuße der Fassaden

Grünstreifen freilassen, damit Pflanzen

von dort aus die Bauten bewachsen und

so die Städte erfrischen können.“

Maison Edouard François


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60

RETAILarchitektur

Feuer, Wasser,

Erde, Luft

Online-Shopping war gestern. Das Einkaufserlebnis von morgen ist physischer

Natur. Und es soll alle Sinne ansprechen, wenn es nach Ruud Belmans,

dem Kreativdirektor für Raumgestaltung bei WeWantMore geht. Das interdisziplinär

aufgestellte Studio für Raumkonzepte und Markendesign zeichnet

für das neue 400 m 2 große Ladenlokal des belgischen Traditionshauses

Timmermans in Sint-Niklaas verantwortlich. Das Gesamtkonzept umfasst

neben der Innenraumgestaltung auch das Grafik- und Verpackungsdesign.

Text: Linda Pezzei Fotos: WeWantMore

Auch heute noch, 145 Jahre nach der Gründung des

Unternehmens, sind für Geschäftsführerin Carole

Timmermans das Fühlen der Materialien von Schuhen

und Kleidern, das erste Hineinschlüpfen in ein Kleidungsstück

und sogar der Duft vor Ort essenzielle

Bestandteile eines sinnlichen und intuitiven Einkaufserlebnisses.

Dazu gehört für Belmans eine flexible

Verkaufsfläche, die sich im Laufe der Jahreszeiten mit

den Kollektionen wandeln lässt: „Der Shop soll bei jedem

Besuch der Stammkundschaft ein wenig anders

aussehen, ohne dabei seinen Wiedererkennungswert

zu verlieren.“ Die Lösung: ein flexibles Raster, das die

Fläche in vier verschiedene Zonen unterteilt, die wiederum

jeweils eines der vier Elemente repräsentieren.

Dazu ein Vorhangsystem, das sich im Zickzack über

die gesamte Länge des Raumes erstreckt und die Bereiche

je nach Anforderung voneinander trennt oder

sie ineinanderfließen lässt.

Wie die Modebranche selbst, kommt auch der physische

Einzelhandel nicht umhin, sich wieder einmal

neu zu erfinden. WeWantMore haben für ihr Konzept

die Umkleidekabinen und die Kassenzone in der Mitte

des Ladens positioniert. Der Flachs, der die Anprobe

optisch und räumlich fasst, ist gleichermaßen neutral

wie taktil – eine Textur, die geradezu dazu einlädt,

berührt zu werden. Dazu befindet sich in jedem Einkaufsbereich

ein auffälliges Einrichtungsobjekt, das

sich auf eines der vier Elemente bezieht. „Die Kollektionen

geben dem Geschäft bereits seine helle

Farbpalette vor. Deshalb haben wir uns entschieden,

Farbe nur in Form von Materialien hinzuzufügen: Präsentationsflächen

und -volumen aus rotem Travertin,

rohen Betonsteinen, geschwärztem Holz und Baumstämmen

verweisen auf Erde und Feuer, während Kathedralglas

und halbtransparente Vorhänge Wasser

und Luft in das Innere bringen“, erklärt Belmans.


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61

RETAILarchitektur

Da das neue Timmermans-Geschäft außerhalb des

Einkaufsviertels der Stadt liegt, war ein traditionelles

großes Schaufenster nicht notwendig, die Sichtbarkeit

dafür umso entscheidender. WeWantMore

setzten auf eine zweiteilige Fassade mit einem robusten

Teil aus Kork und einer weiteren Wand aus

Aluminium, die mit einer subtilen wellenartigen

Textur das Element Wasser symbolisiert und einen

starken Kontrastpunkt zum erdig anmutenden Naturmaterial

Kork setzt. Ein rundes Fenster verbindet

den Innenraum mit der Außenwelt. „Beim Einsatz von

Kunst- und Tageslicht sind Rhythmus und Schichtung

wichtig. Die Kombination von Oberlichtern, die

für natürliches Licht sorgen, mit eher technischem

und direktem Licht, das die Produkte optimal zur

Geltung bringt, ist bei der Gestaltung von Einzelhandelsflächen

von entscheidender Bedeutung“, sagt

Belmans und verweist auf die Bedeutung der Kombination

von Materialien, Oberflächen und Farben für

ein Einkaufs erlebnis, das alle Sinne ansprechen soll.

Anfassen unbedingt erlaubt!


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62

RETAILarchitektur

stil bewusst sehen

Aschaffenburg, Heinsestraße 8. In der Mitte des offenen, weitläufigen Raumes

eine knuffige Couch in rotem Samt, daneben ein lässiger Retrosessel, dazwischen

ein luftiger Beistelltisch. Gleich gegenüber des Counters ein ausgesucht

bestückter Barwagen. Dazu stilvoll ausgewählte Leuchten und grüne

Pflanzen in naturbetonten Töpfen. Gerahmt wird dieses Gesamtkunstwerk

von einer perfekt abgestimmten Komposition aus kräftigen Farbtönen. Was

auf den ersten Blick wie ein eleganter Concept Store erscheint, ist „nur“ ein

Optikgeschäft. Dabei spiegelt sich der Name „Bartels – stil bewusst sehen“

eins zu eins in der Innenraumgestaltung von Stephanie Thatenhorst wider.

Text: Linda Pezzei Fotos: Stefan Grau

„Das richtige Farbkonzept gibt eindeutig den Ton

vor. Ich liebe starke Farben und den selbstbewussten

Einsatz verschiedenster Materialien – gerade, wenn

es um die Gestaltung von Verkaufsflächen geht“,

erklärt die Innenarchitektin. Während Thatenhorst

die direkte Beleuchtung gezielt einsetzt, um die Verkaufsobjekte

in Szene zu setzen, kommt die indirekte

Beleuchtung zum Tragen, wenn es darum geht, einen

Shop nahbar und wohnlich zu gestalten. Funktionalität

und den gewünschten Look unter einen Hut zu

bekommen – darin besteht die größte Herausforderung

für die Architektin: „Oft wird beim Verkaufsdesign

auf wohnliche Aspekte wie Textilien, Teppiche

oder Akzentleuchten verzichtet – was ich absolut

falsch finde. Bei dem Projekt Bartels Optik konnten

wir beides vereinen: eine angenehme Atmosphäre mit

stilvoller Produktpräsentation.“


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63

RETAILarchitektur

Die farbenfrohe, kontrastreiche Raumwelt setzt auf

eine Kombination von grafischen Mustern für Stoffe

und Fliesen sowie gezielt positionierte Vorhänge und

Teppiche, um den Raum zu zonieren. Der Boden aus

Sichtbeton schafft den balancierten Ausgleich zur

eher warmen Wohnzimmeratmosphäre und vermittelt

eine gewisse Coolness und Eleganz, die ganz der

effektvollen Inszenierung der Brillen dient.

Der Grundriss ist konzeptionell an eine Wohnung

angelehnt und dementsprechend in verschiedene

„Wohnbereiche“ – wie Lounge-Ecke, Kaffeetresen

oder Separee – aufgeteilt, wobei verschiedene Zonen

ineinanderfließen dürfen. Große Auflageteppiche

und gemütliche Polstermöbel sorgen nicht nur für ein

Gefühl der Privatsphäre und Geborgenheit, sondern

schaffen auch eine angenehme Akustik. Auf diese

Weise ergeben sich ganz natürlich intime Bereiche zur

individuellen Beratung der Kunden. Als besonderes

Highlight ist der Werkstattbereich so angelegt, dass

er für den Kunden gut einsehbar ist und das filigrane

Handwerk nebenbei mitverfolgt werden kann.

Die Brillen selbst werden auf farbigen, simplen Metallregalen

präsentiert. Einfache, geometrische Boards

dienen zusätzlich dem Verstauen der Brillen, die in

großen Schubladen gelagert werden. Beim Testen

der Brillen können sich die Kunden in von der Decke

abgehängten Spiegeln in geometrischen Formen betrachten.

Gerade bei der Möblierung von Verkaufsflächen

liegt für Thatenhorst eine individuell gestaltete

Einbaulösung nahe: „Die sollte aber unbedingt durch

weitere Produkte ergänzt werden – der Mix macht es!“


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64

RETAILarchitektur

Aspirin statt

Abendmenü

Im Zuge der Covid-Pandemie sah sich ein Restaurant-Besitzer in Puerto

Vallarta an der Pazifikküste im Westen Mexikos gezwungen, neue Wege

zu gehen. Der Inhaber entschied sich dazu, eine Apotheke aus dem Lokal

zu machen. Nach 35 Jahren heißt es nun: Rezept statt Abendkarte. Für die

Farmacia del Río entwickelten die mexikanischen Architekten güey studio

ein unkonventionelles, buntes Design.

Text: Edina Obermoser Fotos: Eduardo Mendoza

Während vergleichbare Projekte oft eintönig und wenig

aufregend gestaltet sind, entschied sich das Planertrio

dazu, den Besuch in der Apotheke zum Erlebnis

zu machen. Sie kreierten ein Konzept mit hohem

Wiedererkennungswert für diese und alle zukünftigen

Filialen der neuen Franchise-Kette. Ihre Arbeit beschränkte

sich dabei nicht nur auf den Umbau der Innenräume,

sondern setzte sich bis zum Logo fort. Neben

dem Verkaufsraum für Arzneimittel gehört auch

eine kleine Praxis zur Farmacia del Río. Beide sind

über ein gemeinsames Foyer miteinander verbunden,

verfügen aber gemäß den Vorschriften über separate

Eingänge. So können sich Patienten im Anschluss an

den Arztbesuch bequem die verschriebenen Medikamente

besorgen.


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65

RETAILarchitektur

we

ove

livefor

light

Die Präsentation von Highend-Produkten erfordert

ein qualitatives, funktionales Beleuchtungsdesign

sowie ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl

bei der Planung. Abgestimmt auf Brand und

Shop-Architektur liefert Molto Luce ein harmonisches

Konzept für designorientiertes, effizientes

und maßgeschneidertes Shop-Licht.

Von außen fügt sich der in lokalen Materialien gefertigte

Bau mit seiner natürlichen Textur harmonisch

in den Urlaubsort ein. Blickt man durch das große

Schaufenster in die Apotheke, erwartet man zunächst

eher, dass hier Süßigkeiten und keine Arzneien über

den Tresen wandern. Im Gegensatz zur schlichten

Fassade ist das Innere in freundlichen Tönen gestaltet.

Sie ziehen die Blicke der Passanten auf sich und

sorgen außerdem für eine angenehme Atmosphäre.

Farbige Wände zonieren die Ladenfläche optisch. Der

Bereich der Angestellten ist ganz in Blau gestrichen.

Eine Theke in kräftigem Orange trennt den öffentlichen

und privaten Teil der Apotheke endgültig voneinander

ab. An ihrer Vorderseite leuchten türkise

Regalböden aus den Vitrinen. Knalliges Dottergelb an

einer Hintertür und in der Küchenzeile der Mitarbeiter

komplettiert die bunte Farbpalette. Dazu kombinierten

die mexikanischen Architekten Regalböden

aus Holz, die der Farmacia del Río mit ihrer Maserung

einen natürlichen Touch verleihen. Im Kundenbereich

fügen sich die Bretter an die Wand und dienen als Präsentationsfläche.

Hinter dem Verkaufstisch stehen

sie, von Metall gerahmt, als Regale mit mehreren Etagen

mitten im Raum und bieten Platz für die Organisation

der Medikamente. Auch den Wartebereich der

Arztpraxis prägt das farbenfrohe Konzept. Selbst im

dezenten, weißen Behandlungsraum halten in Form

von bunten Möbeln einzelne Farbakzente Einzug.

COLOURFUL LIGHT. COLOURFUL LIFE.

Ab sofort schreibt Molto Luce

seine Stories auch in Farbe.

Kuratierte Creative Colours bedeuten

noch mehr Gestaltungsfreiheit,

auch im Ladenbau.

Wels / Wien / Graz / Innsbruck

München / Köln / Hamburg

Brescia / Lenzburg

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66

RETAILarchitektur

Wo Schuhkauf

zum Erlebnis wird

Traditionelle Qualität trifft im neuen Flagship-Store des High-End-Schuhlabels

Notabene auf industrielles Design. Mitten in der Altstadt von Kopenhagen

entwickelten Norm Architects ein völlig neues Ladenkonzept und

setzten dabei auf Beton, Eichenholz und Metall. Kunden können hier nicht

nur einkaufen, sondern in dem holistischen Shop vom Entwurfsprozess bis

hin zu Produktion und Pflege in die Welt der Schuhe eintauchen.

Text: Edina Obermoser Fotos: Jonas Bjerre-Poulsen

Das Planerteam ließ sich bei der Gestaltung des

Shops von der Philosophie der traditionellen Marke

inspirieren und wählte Kontraste: Klassisch trifft auf

innovativ, zart auf kraftvoll. Während rohe Oberflächen

die Geschichte der Räumlichkeiten erzählen,

spiegeln exklusive Schreinerarbeiten das präzise

Schusterhandwerk wider. Das Ergebnis ist ein 250 m 2

großer Laden, der Verkaufsfläche und Atelier vereint

und die hochwertigen Produkte in den Fokus rückt.

Beim Betreten des Stores gelangt man direkt in den

Hauptraum, der mit hohen Decken, unverkleideten

Sichtbetonwänden und -säulen empfängt. Leichte

Vorhänge legen sich vor die großen Fenster und

sorgen für Privatsphäre, lassen aber gleichzeitig jede

Menge Licht in den Raum. Auf dem hellen Terrazzoboden

stehen Sockel aus Ton und Holz, auf denen

die Schuhe ausgestellt werden. Entlang der Wände

fungieren zart-schimmernde Metallregale als weitere

Präsentationsflächen. Sämtliche Holzeinbauten

wurden von lokalen Handwerkern maßgefertigt. Die

Möbel entwarfen die japanischen Designer Karimoku

Case Study speziell für den Laden. Zum prägenden

Element des Raums wird eine skulpturale Treppe: Sie

verbindet die drei Ebenen des Shops miteinander.

Nach unten gelangt man in die Schuhputz-Bar, hinauf

in eine offene Galerie. Diese ist in den Verkaufsraum

eingehängt und beinhaltet das Designlabor des

Schuhlabels. Die Stiege fassen vertikale, dicke Holzlamellen

ein, die sich in regelmäßigen Abständen aneinanderfügen.

Als Geländer begleiten sie die einzelnen

Stufen und fungieren gleichzeitig als Brüstung des

Zwischengeschosses.


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67

RETAILarchitektur

Im Gegensatz zum grauen Beton im Eingangsbereich

erwarten Kunden in der unteren Etage mit Eichenholz

verkleidete Wände. Sie sollen Wärme ausstrahlen und

ein heimeliges Gefühl vermitteln. Anstatt der neuesten

Schuhtrends dreht sich hier alles um die professionelle

Pflege. Bis das eigene Lieblingspaar wieder

in neuem Glanz erstrahlt, schlüpft man in weiche

Pantoffeln und kann in der gemütlichen Lounge-Ecke

entspannt in Magazinen blättern. Ein zentraler Tresen,

an dem wahlweise Kaffee oder Drinks serviert werden,

komplettiert den Notabene Flagship-Store und rundet

das etwas andere Shopping-Erlebnis stimmig ab.


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68

RETAILarchitektur


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| BA12-22G |

RETAILarchitektur

Futuristisches

Retrodesign

Im Herzen von SoHo in New York hat Kanuk, kanadischer

Hersteller von handgefertigten Wintermänteln

aus Montreal, seine erste internationale Boutique

eröffnet. Gestaltet wurde der Shop, der in einem historischen,

6-stöckigen Gebäude situiert ist, vom Architekturstudio

Atelier Barda aus Montreal.

Fotos: Eric Petschek

Ihr Grundkonzept basiert auf drei unterschiedlichen Räumen,

darunter eine Empfangshalle, ein Produktausstellungsraum

und ein Umkleidebereich. Die Designer mischten bei der Gestaltung

historische Referenzen des Mantelherstellers mit

Elementen, die die New Yorker Umgebung des Geschäfts

widerspiegeln. Das gewünschte, galerieähnliche Ambiente

unterstützen Plakate und Videobildschirme, welche die Werbekampagnen

von Kanuk zeigen – in Anlehnung an die zweisprachige

Kultur in Montreal sowohl auf Französisch als auch

auf Englisch.

Beim Betreten des Stores lenkt der weit geöffnete Raum sofort

von den Erwartungen an eine klassische Verkaufsfläche

ab. Die minimalistischen Gestaltungsmerkmale lassen hier die

Grenzen zwischen Einzelhandel und Galerie verschwimmen.

Ein transluzenter, monolithischer Schreibtisch steht als einer

der wenigen Einrichtungsgegenstände im Raum und verkörpert

eine Art rituellen „Altar“. Helle Teppiche mit Retro-Akzenten

in Grau und Braun bilden einen subtilen Kontrast zu dem

ansonsten zeitgenössischen Erscheinungsbild des Raums.

Designelemente aus dem Montreal der 1960er- und 1970er-

Jahre machen Anspielungen auf die Geschichte der Marke.

Die Beleuchtung fungiert als wesentliches Element, um die

unterschiedlichen Atmosphären der verschiedenen Räume

zu gestalten. Atelier Barda setzte das Konzept dafür in Zusammenarbeit

mit Derek Porter Studio und James Clotfelter

Lighting Design um. Versteckte Vouten-Beleuchtung

strahlt nach oben und wird von der gewölbten, weißen Decke

des Ausstellungsraums reflektiert, wodurch reichlich

diffuses Licht in den scheinbar unendlichen, schattenlosen

Raum zurückgeworfen wird. Diese Helligkeit und Unendlichkeit

rufen ein Gefühl von Winterweiß und Schwerelosigkeit

hervor, das die physischen Grenzen des Raums

verwischt und den Blick auf den Boden und seine scheinbar

schwebenden Produkte und feinen Details lenkt.

„Unsere Absicht bei diesem Projekt war es, einen atmosphärischen

und erlebbaren Raum für Besucher zu schaffen, um uns

von der traditionellen Einzelhandelsumgebung abzuheben.

Wir haben uns auch auf die Einzigartigkeit von Kanuk konzentriert

und sind der Essenz der Vision und Kultur der Marke

treu geblieben,“ erläutern die Designer.

Licht unlimited:

TwinCAT 3 Lighting Solution

für DALI-2

Die TwinCAT 3 Lighting Solution:

über Excel konfigurierbar, voll HTML- und webfähig,

dezentral skalierbar sowie direkt über Panel bedienbar

vereinfacht alle Arbeitsschritte von Engineering bis Wartung

integriert alle typischen Lichtregelungen

unbegrenzte Anzahl der DALI-2-Linien

schnelle Funktionsänderungen, Adressierungen und

Erweiterungen direkt im Betrieb

DALI-2-Linien unabhängige Gruppierungen

ermöglicht tagesverlaufsbezogene Human-Centric-Lighting-

Konzepte

Scannen und

alles über die

Vorteile der

Lighting Solution

erfahren


architektur FACHMAGAZIN

70

RETAILarchitektur

Funktionaler Allrounder

Als Spezialist für innovative Beleuchtungslösungen hat sich Molto Luce auch

international einen Namen gemacht. Großes Know-how hat der Leuchtenhersteller

aus Oberösterreich im Bereich Retail vorzuweisen. Namhafte Marken setzen bei

der Beleuchtung ihrer Shops auf die funktionalen Lichtlösungen und das Fingerspitzengefühl

der erfahrenen Planer, die an den zehn Unternehmensstandorten in

Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien aktiv sind.

Gerade im Shop kommt es auf die richtige Stimmung,

aber ebenso auf die richtige Inszenierung der Produkte

an: Mit dem innovativen Lichtbandsystem TRAIL

bietet Molto Luce ein zukunftssicheres Lichtsystem,

das alle Wege mitgeht. Selbst eine Anpassung an sich

ändernde Erfordernisse ist mit TRAIL eine Kleinigkeit.

Standardmäßig 7- oder 11-polig durchgangsverdrahtet,

bietet TRAIL deutlich mehr Gestaltungsfreiraum

als eine klassische 3-Phasenschiene. Strahler oder

lineare Lichteinsätze in diversen Abstrahlcharakteristiken,

Notlicht oder Lautsprecher – TRAIL nimmt

alles auf und ermöglicht ein nachträgliches Adaptieren!

Darum ist TRAIL wunderbar als Shoplicht-Lösung

geeignet. Das schlichte Design des Systems

lässt die Beleuchtung in den Hintergrund treten. Was

bleibt, sind die gezielt gesetzten Lichteffekte, die das

Produkt in den Fokus des Betrachters rücken, eine

Zonierung des Shops ermöglichen und beste Einkaufsatmosphäre

sicherstellen.

Das Lichtbandsystem kann aber auch für die dazu

gehörenden Lagerbereiche optimal konfiguriert

werden. Gerade bei größeren Flächen besteht die

Möglichkeit, Sensoren zu integrieren, die in direkter

Interaktion mit den Leuchten stehen. Auf diese Weise

kann sowohl Energie als auch CO 2 deutlich eingespart

werden.

Molto Luce GmbH

T +43 (0)7242 698-0

office@moltoluce.com

www.moltoluce.com


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71

RETAILarchitektur

Lösungen zwischen

Tür und Zarge

Fotos: Bründl Sports / Joachim Grothus

Kautschuk für Flagship-Store

Mit 31 Niederlassungen an neun Standorten

ist Bründl Sports das größte Wintersporthaus

im Alpenraum. Dieser Leitgedanke

war auch bei der Erweiterung des

Flagship-Stores im Salzburger Kaprun

prägend. Das mehrfach für seine visionäre

Architektur ausgezeichnete, vierstöckige

Gebäude wurde 2021 auf 2.500

Quadratmeter Verkaufsfläche verdoppelt.

Beim Umbau spielte die Nachhaltigkeit

eine zentrale Rolle. Deshalb entschied

man sich für den Kautschukboden noraplan

unita, der in verschiedenen Farben

auf mehr als der Hälfte der Gesamtfläche

im Verkaufsbereich sowie auf den

Treppen verlegt wurde. Auf dem Großteil

der Verkaufsfläche nimmt sich der Belag

dabei in Naturfarbtönen optisch dezent

zurück, nur auf einigen Pop-up-Flächen

wurde er in Akzentfarben verlegt und

ergibt mit der gleichfarbigen Wandgestaltung

ein Raum-in-Raum-Konzept.

Neben der attraktiven Optik waren vor

allem die Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit

entscheidende Auswahlkriterien

für diesen Boden. noraplan unita ist

CO 2 -neutral – verbleibende Emissionen

gleicht das Unternehmen freiwillig aus.

Er ist mit dem „Blauen Engel“ sowie dem

Indoor Air Comfort Gold-Siegel ausgezeichnet,

enthält keine Phthalat-Weichmacher

und bietet damit optimale Bedingungen

für eine gute Qualität der

Innenraumluft. Zudem vermindern Kautschukböden

durch ihre Dauerelastizität

den Gehschall und sorgen auf diese Weise

für eine gute Raumakustik.

nora flooring systems GesmbH

+43 (0)7242 74 001-0

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www.nora.com

Ihr Kontakt

Alexander Moser

+43 664 / 167 2514

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architektur FACHMAGAZIN

72

Licht

Wohnlich Erleuchtet

Mit ihrem Projekt „Das Bootshaus“ beschritt die Gastronomen-Familie Querfeld

einen „neuen Weg am Wasser“ und verbindet damit zwei ihrer Leidenschaften

miteinander: das Rudern und die Gastronomie.

Fotos: Alexander Magyar

Der Ursprung des Lokals an der Alten Donau liegt

rund um das Jahr 1900, als dort die Kleingartenkolonie

„Neu Brasilien“ gegründet wurde. Aus dem

damaligen kleinen Ausschank für die Kleingärtner,

bestehend aus einer kleinen Hütte und zwei Bänken,

entwickelte sich auch im Sog des aufkommenden

Rudersports das Traditionslokal „Neu Brasilien“, das

2017 von Querfeld übernommen wurde. Es folgte

die behutsame Renovierung des historischen Hauses

und die Schaffung eines Lokals im Stil eines britisch-wienerischen

Ruderclubs.

Stilistisch haben sich die Eigentümer gemeinsam mit

dem Lichtspezialisten Alexander Magyar und den

Innenarchitekten von Derenko an Beispielen des traditionell

britischen Rudersports orientiert und diese

Stimmung nach Wien geholt. Zur Inszenierung bediente

man sich hochwertiger Materialien, wie dunkelbraunem

Leder, Kupfer und Eiche, sowie originaler

Dekor-Elemente. Holzvertäfelungen, alte Spinde


www.architektur-online.com

sowie Sprossenwände und Sportgeräte sorgen für

ein authentisches „Gym-Feeling“. Historische Fotos

und alte Pokale erinnern an die Rudervergangenheit

an der Alten Donau. Das Finish für das perfekte Ruderclub-Flair

bildet ein heller, offener Dachstuhl in

gedecktem Weiß, an dem neben Kristall-Lustern aus

England auch zwei alte Ruderboote abgehängt wurden.

Draußen bietet der idyllische Steg eine unversperrte

Aussicht auf die Skyline der Stadt.

In Szene gesetzt wird all das durch ein durchdachtes

Lichtkonzept. Lichtplaner Magyar fasst seine

Herangehensweise an die Beleuchtung für das nicht

alltägliche Gastronomieprojekt folgendermaßen zusammen:

„Meine Aufgabe bestand darin, die Lichtstimmung

zu inszenieren. Ich entschied mich dazu,

nur von der Seite aus mit speziell gefertigten Auslegern,

die Tische direkt zu beleuchten. Damit wir

eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre erzeugen,

wurden auf den Auslegern Strahler mit engem

Reflektor, warmem Licht und zusätzlichem Blendschutz

montiert. Dieselben Strahler mit stärkerer

Leuchtkraft und breit strahlendem Reflektor und zusätzlichem

Staubschutz wurden auch für die indirekt

Beleuchtung des offenen Dachstuhls eingesetzt. Die

Dimmbarkeit der Leuchten ermöglicht eine durchgehend

perfekte Lichtstimmung – vor allem von Beginn

der Abenddämmerung, bis in die Nacht.“

73

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Die unschlagbare Fassadendämmung

mit Carbonschutz.

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Jetzt auch mit

der Hanffaser

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architektur FACHMAGAZIN

74

Produkt News

Kreativer Freiraum

Im Office von heute steht nicht mehr nur das klassische Einzelbüro im Fokus, sondern

flexibel nutzbare Zonen gewinnen immer häufiger an Bedeutung. Die herkömmlichen

Arbeitsstrukturen verschwinden nach und nach – das Open Office rückt in

den Vordergrund.

Bei einer guten Büroplanung ist die Mischung zwischen

Funktion und Design dabei enorm wichtig: In

vielen Betrieben und Berufen wird zwar immer noch

auf die altbewerten Büroformen gesetzt, jedoch legen

die ArbeitnehmerInnen immer mehr Wert auf

sozialen Austausch und eine flexible Arbeitswelt. Für

den Spagat zwischen offenen Kommunikationszonen

und Rückzugsorten bietet die Produktpalette von

Selmer in einzelnen Produktfamilien stimmige Weiterentwicklungen.

pads | Loungesystem für

individuelle Raumgestaltung

Ganz neu in der Produktfamilie ist ein Würfel, der sich

ganz beliebig kombinieren lässt. Mit den Polsterelementen

von pads sind moderne Mittelzonen, Warteund

Loungebereiche nicht mehr weg zu denken. In

diesen Bereichen fühlen sich nicht nur Kunden wohl,

auch die MitarbeiterInnen können diese Zonen als

kreativen Freiraum nutzen – entweder in der Gruppe

oder allein.

cellular | Rückzugsort für mehr Konzentration

Das Produkt cellular gibt es jetzt auch als Einzelkabine

mit Polstersessel, Schreibtablar und weiteren Features.

Das ist eine Arbeitsplatzlösung, die besonders

geeignet ist für Großraum und Wartezonen. Mitten

im Trubel entstehen so Nischen für ruhiges Arbeiten.

Die Module können beliebig angeordnet werden, egal

ob im Kreis oder in wechselnder Aufstellung.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

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75

Produkt News

Grill Erlebniswelt

Der neue Weber Original Store in Graz-Seiersberg begeistert mit Restaurant,

Weber Grill Academy und Eventlocation nicht nur Grillfans. Damit das multi-funktionale

Konzept aus Grill Store, Academy, Eventlocation und Hotel in einem Gebäude

funktioniert, erforderte speziell der im ersten Obergeschoss befindliche Seminarund

Eventbereich akustische Maßnahmen.

An der Decke sorgen RIGIPS Rigiton-Lochplatten mit

einer durchlaufenden 8/18 Rundlochung für ein optisch

fugenloses Deckenbild. Die hochwertigen und

akustisch wirksamen Lochplatten sind aus dem umweltfreundlichen

Rohstoff Gips hergestellt und sorgen

mit einer fugenlosen Verlegung für ein einheitliches

architektonisches Deckenbild. Um dem Weber

Design- und Farbkonzept zu entsprechen, wurde

die Akustikdecke abschließend schwarz gestrichen.

Damit ein möglichst einheitliches Deckenbild erzielt

werden konnte, wurde beim Akustikvlies auf

die schwarze Variante zurückgegriffen. Im Hotelbereich

sorgt zudem die Auskleidung mit dem ISOVER

Trennwand-Klemmfilz für ausgezeichneten Schalldämmung,

bietet optimale Wärmedämmung und als

unbrennbares Material ebenso Brandschutz.

Saint-Gobain Austria GmbH

RIGIPS Austria

T +43 (0)3622 505-0

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Produkt News

Urbane Fassadenbegrünung

Durch dichte Bebauung und wärmespeichernde Beton- und Asphaltflächen kann

die Luft in vielen Großstädten kaum noch zirkulieren und die Temperaturen

steigen. Autoabgase und die Abwärme von Klimaanlagen tragen ebenfalls zur

Aufheizung und Luftverschmutzung bei und Grünflächen und Pflanzen, die diesen

Effekten entgegenwirken, sind Mangelware.

Deshalb geht der Trend weltweit zu grünen Gebäuden

mit Pflanzen an Fassaden, auf Terrassen, Balkonen und

Dächern. Vor allem bepflanzte Fassaden bieten viele

Vorteile: Sie verbessern das Stadtklima durch die Aufnahme

von CO 2 und säubern die Luft von Feinstaubpartikeln

und Schadstoffen. Gleichzeitig produzieren

grüne Fassaden Sauerstoff, gleichen Grünflächenverluste

aus und beleben und verschönern das Stadtbild

für mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität.

Dieser Entwicklung begegnet AluKönigStahl mit der

neuen begrünten Fassade Schüco AF UDC 80 Green

Façade. Die Cradle-to-Cradle zertifizierte Elementfassade

bietet hohe Gestaltungsvielfalt mit zahlreichen

Pflanzen und Systembauarten und ermöglicht ein Begrünungssystem

mit besonders großer Blattmasse am

Gebäude. Anders als bei der bodengebundenen Fassadenbegrünung

wachsen Pflanzen in dieser Fassade

selbst, sie benötigt keinen Bodenanschluss und eignet

sich daher besonders für innerstädtische Bereiche. Die

Be- und Entwässerung der Pflanzen erfolgt über ein

integriertes, von außen unsichtbares System.

Gefertigt wird die begrünte Fassade aus nicht brennbaren

Baustoffen der Klasse A, sie überzeugt durch

einen hohen Vorfertigungsgrad für eine einfache und

schnelle Montage: Mit Hilfe einer Unterkonstruktion

werden die bepflanzten Vliesmodule unkompliziert

mit dem Schüco UDC 80 Fassadenelement verbunden

und vor Ort in die Fassade eingehängt. Somit ist

die Fassade direkt nach der Montage bereits vorbegrünt,

sodass lange und pflegeintensive Wuchszeiten

am Gebäude entfallen.

ALUKÖNIGSTAHL GmbH

T +43 (0)1 98130-0

office@alukoenigstahl.com

www.alukoenigstahl.com


www.architektur-online.com

Neue Farben

im Jubiläumsjahr

Seit 1972 fertigt markilux hochwertige Markisen „Made

in Germany“. In diesem Jahr feiert das Unternehmen

sein 50-jähriges Bestehen und hat sich dafür eine besondere

Aktion ausgedacht: Unter dem Motto „High

Five“ bietet der Markisenexperte fünf neue Gestellfarben

ohne Aufpreis an: Schillernde Namen wie Concept

Black, Space Blue metallic, Fine Green, New Champagne

metallic und Real Silver metallic verkörpern den wertigen

Stil der markilux Produktpalette und betonen das

moderne Markisendesign. Im Jubiläumsjahr 2022 sind

sie für alle Markisen des Herstellers (ausgenommen

markilux 1300) erhältlich.

Zu den fünf Gestellfarben gibt es eine separate Broschüre

und einen kleinen Farbfächer. Außerdem jeweils zwei passende

Tuchempfehlungen aus der „visutex-Kollektion“ in

den Qualitäten „sunsilk“ und „sunvas“.

markilux Vertriebs- und Servicezentrum

T +43 (0)662 852 206

austria@markilux.com

www.salzburg.markilux.at

77

Produkt News


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Höchste Windstabilität

Außenliegende Sonnenschutz-Systeme sind die effektivste Lösung, wenn es um

ein wirtschaftliches Energiemanagement und thermischen Komfort geht. Der

Wärmeeintrag der Sonne wird vor der Verglasung abgewehrt und Innenräume

wirkungsvoll vor Überhitzung geschützt.

Raffstoren bieten darüber hinaus eine flexible Tageslichtnutzung

bei gleichzeitigem Blendschutz, denn

der Einfall des Sonnenlichts kann durch die verstellbaren

Lamellenwinkel individuell gesteuert werden.

In der Architektur haben sich Flachlamellen wegen

ihrer filigranen und zurückhaltenden Optik bewährt.

Dank ihrer vielfältigen Systemvarianten lassen sich

die schlanken Flachlamellen-Anlagen unkompliziert

in jede Konstruktion integrieren und sind daher sowohl

bei Planern wie Bauherren sehr beliebt.

Für hohe Gebäude oder allgemein bei Fassaden in

windexponierten Lagen standen zwar bisher schon

windstabile Lösungen bereit, doch hinsichtlich Tageslichtlenkung

und Ästhetik setzt die neue Windra

Flachlamelle 80 WF von Warema neue Maßstäbe:

Sie verbindet die filigrane Eleganz der Flachlamelle

mit außergewöhnlicher Stabilität und ist die derzeit

windstabilste Flachlamelle am Markt. Das Sonnenschutzsystem

mit Schienen- oder Seilführung wurde

speziell für anspruchsvolle, windexponierte Fassaden

entwickelt und hält Windgeschwindigkeiten bis

zu 25 m/s stand. Mit ihrer filigranen Geometrie und

vier Trendfarben im Standard (RAL 9006, 9007, 7016

und DB 703) sowie einer Vielzahl an Sonderlamellenfarben

bietet die neue Flachlamelle zahlreiche Gestaltungsvarianten

für eine individuelle und ästhetische

Fassadengestaltung.

WAREMA Austria GmbH

T +43 (0)662 853015-0

info@warema.at

www.warema.at


www.architektur-online.com

Funktionale Einheit

Als eine der ältesten Portland-Zement-Fabriken

in Deutschland und Europa, ist die

1858 erbaute Rohmühle in Bonn ein historisches

und denkmalgeschütztes Gebäude.

Bereits 2006 wurde sie von dem Architekt

Karl-Heinz Schommer umgebaut, um einen

gläsernen Riegel ergänzt und somit etwas

moderner gestaltet. Heute beherbergt der

Komplex Büros sowie eine Gastronomie im

Erdgeschoss, die nun um einen wettergeschützten

Außenbereich auf der ehemaligen

Terrasse erweitert werden sollte. Die

Möglichkeit, den Wintergarten durch eine

Glas-Faltwand zum Gebäude hin komplett

abzutrennen und zum Außenbereich zu

öffnen, wurde dabei mit den Glas-Faltwand-Systemen

Highline und Ecoline von

Solarlux realisiert, die mit einer schlanken

Ansichtsbreite von 99 mm im Flügelstoß

maximale Glasflächen und eine nahezu

transparente Durchsicht bieten. Im Ziehharmonika-Prinzip

lassen sich die Glaselemente

auf einer Gesamtbreite von circa 12

Metern auffalten und als schmales Paket an

der Seite parken.

79

SOLARLUX AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at

Produkt News


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Intelligentes Regenwassermanagement

Mit zunehmenden Niederschlagsstärken steigt auch die Belastung der Entwässerungssysteme,

die für geringere Regenwasserintensitäten dimensioniert sind. Um

ein sicheres Ableiten bzw. Speichern gewährleisten zu können, müssen zusätzliche

Regenwasserrückhalteräume geschaffen werden.

Einfach verfügbar sind hierbei vor allem die Dachflächen:

Sie stellen einen nennenswerten Flächenanteil

im Stadtbereich dar und sind zudem oft durch ihre

bauliche Beschaffenheit zur Nutzung als Retentionsfläche

prädestiniert. So kann beispielsweise auf

0°-Dächern im Tiefgaragenbereich ohne größere

Aufwendungen ein 100-jähriges Regenereignis inklusive

möglicher umliegender Dachflächen zurückgehalten

werden. In die Praxis übertragen bedeutet das,

Wasser-Retentionsboxen, z. B. die WRB von Optigrün,

auf den Dachflächen einzusetzen. Die Retentionsboxen

speichern das Regenwasser und befördern es

über Kapillarsäulen nach oben. Ein kapillarwirksames

Vlies darüber verteilt das Wasser auf der gesamten

WRB-Oberfläche. So hält es auch die darauf ausgebrachte

Substratschicht feucht, die den Pflanzen

als Wurzelbereich dient. Auf diesem Weg steht den

Pflanzen das ursprünglich in den Wasser-Retentionsboxen

gesammelte Regenwasser wieder zur

Verfügung. Bemerkenswert ist, je mehr Regenwasser

den Pflanzen zur Verfügung steht, desto höher

ist ihr Stoffwechsel, der wiederum mehr CO 2 bindet

und das Pflanzenwachstum üppiger ausfallen lässt.

Die Art und Weise, wie das Transpirieren von Pflanzen

mit deren Stoffwechsel verknüpft ist, bringt einen

weiteren positiven Effekt mit sich: die Kühlung

der Städte durch die Verdunstung des gespeicherten

Regenwassers. Für den Verdunstungsvorgang wird

eine hohe Energiemenge benötigt: circa 2.650 Joule

pro Gramm Wasser bei 20 °C. Diese Energie wird

der Umgebung während des Verdunstungsprozesses

entzogen, wodurch sie sich abkühlt.

Optigrün international AG

T +43 (0)1 71728-417

info@optigruen.at

www.optigruen.at

© Optigrün


www.architektur-online.com

Doppelt geschützt

Wer auf der Suche nach der idealen außenliegenden

Beschattung großer Flächen ist, ist mit einer Fenstermarkise

gut aufgehoben. Sie hält die Sonnenstrahlen

bereits außen vom Glas ab und lässt die Hitze erst gar

nicht ans Fenster. So wird der Hitzestau vermieden

und keine Wärme in den Raum hineintransportiert.

Besonders empfiehlt sich hier der ZIP-SOLIDSCREEN

von VALETTA, den es auch als Doppellösung gibt:

Hier wird die senkrechte Fenstermarkise mit einem

separat bedienbaren Insektenschutz kombiniert! So

sind die Bewohner*innen untertags vor der Sonneneinstrahlung

und abends vor unerwünschten Plagegeistern

gut geschützt.

Ob als Auf- oder Unterputz-Variante, mit oder ohne

Dämmung, für große Abmessungen oder mit der

Möglichkeit auf eine distanzierte Ausführung – die

ZIP-FENSTERMARKISE ist ganz nach den individuellen

Anforderungen und Wünschen gestaltbar.

Standardmäßig ist eine Vorbereitung für den Insektenschutz

integriert, sodass jederzeit auch später

nachgerüstet werden kann. Das System ist besonders

regen- und windbeständig: Der Behang ist nicht

nur im Bereich der Welle und des Fallstabs fixiert,

sondern über die gesamte Führungsschienenlänge.

Zusätzlich wird es zur möglichst komfortablen Nut-

81

zung mit einem Funkmotor ausgestattet. Der ZIP und

die Kunststofflaufnut gewährleisten eine sichere Führung

und optimale Spannung des Tuchs. Eine Spezial-Tuchwelle

mit versenktem Tuchschlitz für Schnellwechselkeder

sorgt für eine saubere Tuchwickelung

ohne Druckstellen und einen einfachen Wechsel des

Behangs. Dieser ist zudem durch eine Kassette vor

Nässe und Verschmutzung sicher geschützt.

VALETTA Sonnenschutztechnik GmbH

T +43 (0)732 38 80-0

office@valetta.at

www.valetta.at

Produkt News

++

BUILD

BEYOND

TOMORROW

Den CO 2

-Fußabdruck eines Gebäudes zu reduzieren, bedeutet für uns,

alle Emissionen zu berücksichtigen, die während des Lebenszyklus

eines Gebäudes entstehen. Um die Emissionen im Vorfeld als auch in

der Nutzungsphase zu reduzieren, bieten wir leistungsstarke, zirkuläre

Lösungen für Fenster, Türen und Fassaden für Gebäude in Städten und

urbanen Gebieten. Wir übernehmen Verantwortung für eine nachhaltigere

Zukunft.

Erfahren Sie mehr auf www.wicona.at

BUILD BEYOND TOMORROW.

Erfahren Sie mehr:


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Eine Fassadenmarkise für alle Fälle

Mit dem Soloscreen IV bringt Griesser eine Fassadenmarkise auf den Markt,

welche dank ihrer Vielseitigkeit und zahlreicher Konfigurationen zu jeder Gegebenheit

und Umgebung passt. Dafür sorgt unter anderem die Farbenvielfalt, denn

nicht nur der Stoff, sondern auch die Box und die Führungen sind in allen erdenklichen

Farben erhältlich.

Die Vielseitigkeit macht den Soloscreen IV zudem

zum idealen Sonnenschutz für verschiedenste Anwendungsbereiche.

Das Design passt zu modernen

Gebäuden mit großen Fenstern ebenso wie auch für

Sanierungen älterer und klassischer Häuser, da die

Montage in der Fensterlaibung erfolgen kann. Weitere

Highlights sind, dass keine Schrauben am Produkt

sichtbar sind und die ClipLine Technologie, mit welcher

der Stoff an der Walze befestigt ist. Sie sorgt für

einen perfekt gespannten Stoff ohne Abdrücke. Dank

verbesserter Windfestigkeit (Windwiderstandsklasse

3) ist für die neue Fassadenmarkise leicht windiges

Wetter kein Problem.

Wie üblich legte Griesser bei der Produktentwicklung

großen Wert auf Nachhaltigkeit. Deshalb ist der

Fallstab nicht mit metallischem Material, sondern mit

Sand gefüllt. Nachhaltig ist auch der Einsatz des Soloscreens

IV. Er steigert thermischen Komfort im Gebäude

und filtert das Tageslicht den Bedürfnissen der

Nutzer entsprechend. Das spart Energie bei der Kühlung,

der Heizung und der Beleuchtung.

Griesser AST GmbH

T +43 (0)5525 64222-0

info@griesser.at

www.griesser.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Mehr Grün

in der Stadt mit der

Elementfassade

Schüco AF UDC 80

Green Façade

Schneller und sicherer

Das stetige Wachstum der städtischen

Bevölkerung bedeutet, dass die Städte

und Gebäude größer, höher und komplexer

werden. Folglich steigt der Druck auf

die Bauindustrie, mit dieser Entwicklung

Schritt zu halten. Beim Bau von Hochhäusern

hängt die Produktivität in hohem

Maße davon ab, dass die ArbeiterInnen

und ihr Material effizient und mit minimalen

Verzögerungen auf den mehrstöckigen

Baustellen eingesetzt werden. Dafür

ist KONE JumpLift, ein selbstkletternder,

zeitsparender Aufzug für den Bau, eine

bewährte Lösung für schnelleres, reibungsloseres,

sichereres und kosteneffizienteres

Bauen.

Herkömmliche Bauaufzüge können nicht

mehr mit der JumpLift-Technologie konkurrieren,

denn die durchschnittliche Geschwindigkeit

eines Bauaufzugs beträgt

nur 1,5 Meter pro Sekunde gegenüber bis

zu 4 Metern pro Sekunde beim JumpLift.

Außerdem ist ein typischer Aufzug oft

außen angebracht, was die Produktion

verlangsamt, da die Außenfassade des

Gebäudes bis zur Fertigstellung nicht

geschlossen werden kann. Der KONE

JumpLift hingegen „springt“ im permanenten

Aufzugsschacht des Gebäudes

hinauf, wenn das Gebäude höher wird. Er

bringt auch Aufzüge in der Bauphase früher

nach oben, bevor der Aufzugsschacht

auf seine endgültige Höhe gebaut ist.

Der CITIC Tower in Peking, bekannt als

China Zun, ist 528 Meter hoch und war

bei seiner Fertigstellung im Jahr 2018 das

höchste Gebäude der Stadt. Nach Angaben

des Eigentümers sparte der Einsatz

der KONE JumpLift-Technologie für den

Transport der 4.000 Arbeitskräfte und ihrer

Werkzeuge auf der Baustelle gewaltige

320.000 Arbeitsstunden.

KONE AG

T +43 (0)592 47000

office.at@kone.com

www.kone.at

alukoenigstahl.com


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Spannungsreicher Dialog

Wärmedämm-Verbundsysteme sorgen für umweltschonenden Wärmeschutz, verbessern

den energetischen Standard und bieten Langzeitschutz für die Fassade.

Doch nicht nur in puncto Energieeffizienz können sich wärmegedämmte Fassaden

sehen lassen: Wie sich Gebäude durch eine individuell gestaltete Fassade aufwerten

lassen, zeigen unzählige Beispiele – wie etwa die revitalisierte Stadthalle in

Ybbs an der Donau.

Klare Linien und eine reduzierte Architektur prägen

den Bau. Das Gebäude mit seinem großzügigen Balkon

im Obergeschoß entwickelt einen spannungsreichen

Dialog mit dem Fluss. Nichts mehr erinnert an den

biederen Altbau. Im Innern zeichnet sich die Stadthalle

ebenfalls durch die Hinwendung zum Gewässer und

durch ein hohes Maß an Multifunktionalität aus.

Einen besonderen Beitrag zu diesem Projekt leisten

ein hochwertiger Capatect Vollwärmeschutz und

eine umweltfreundliche Synthesa Innenfarbe. Bei der

Wandbeschichtung sämtlicher Innenräume – von der

großen Vortragshalle bis zu den Büros – wurde auf das

Synthesa Produkt Innendispersion extra gesetzt, eine

umweltschonende und lösemittelfreie, mineralmatte

Innenfarbe mit sehr guten Eigenschaften: Die Farbe

ist wasserverdünnbar mit besonders hoher Deckkraft

und weitgehend geruchsfrei. Sie verleiht dem Inneren

der Stadthalle eine unaufdringliche Eleganz, Frische

und das Gefühl von Weite.

Um den nachhaltigen Umgang mit Energie auf Jahre

hinaus zu ermöglichen und die Kosten dafür so niedrig

wie möglich zu halten, erhielten die bestehenden und

neu hinzugekommenen Betonteile der Fassade einen

Rundum-Vollwärmeschutz. Zum Einsatz kam ein

hochwertiges WDVS System mit Capatect D almatiner

Premium Fassadendämmplatten. Die Deckbeschichtung

erfolgte mit Capatect SH-Reibputz 20.

Synthesa Chemie

Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

KOMFORT

& TAGESLICHT

App Farbdesigner

Mit der neuen Smartphone-App Farbdesigner AR bringt Brillux

die Digitalisierung auf der Baustelle noch ein Stück weiter voran.

Konnte man bereits seit Langem mit dem Farbdesigner

verschiedene Gestaltungsoptionen für Räume und Wände

mithilfe von vorgespeicherten Fotos veranschaulichen, bietet

der Farbdesigner AR nun die Möglichkeit, direkt auf der Baustelle

zu visualisieren und zu beraten. Für die Farbberatung

wird mithilfe der Smartphone-Kamera ein Raum oder eine einzelne

Wand gescannt und in der App die gewünschte Wandgestaltung

einfach per Klick ausgewählt. Dafür bietet die App

eine umfangreiche Auswahl an Farbtönen aus dem Farbsystem

Brillux Scala. Um verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten

aufzuzeigen, besteht die Möglichkeit, mehrere Flächen bei

der digitalen Beratung einzubeziehen. Darüber hinaus können

Nutzer/-innen Farbtöne auch direkt miteinander vergleichen.

Brillux Farben GmbH

T +43 (0)732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at

www.brillux.at/service/software/farbdesigner-ar-app/

Inspired by the Sun.

Gestalten Sie Ihre Fassaden

mit den eleganten und

intelligenten Sonnenschutzprodukten

von Griesser.

Für jedes Projekt die

richtige Lösung

Lassen Sie sich

von uns beraten.

www.griesser.at


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Solar-Kraftwerk am Dach

Auf 1.000 Quadratmeter Dachfläche der neuen Trockenproduktion von Sto in

Villach wird nachhaltiger Photovoltaik-Strom erzeugt, der einen Großteil des

Energiebedarfs des Betriebs deckt. Da diese Form der Energiegewinnung exzellent

in die Sto-Nachhaltigkeitsstrategie „StoClimate“ passt, bekam das neue

Werk in Villach 530 hochmoderne, monokristalline Solarmodule mit einer Leistung

von insgesamt 200 kWp auf das Dach montiert und spart so über 100 Tonnen

CO 2 -Emissionen jährlich ein.

Damit deckt die leistungsstarke Sonnenstromanlage

den Großteil des Energiebedarfs der insgesamt

10.000 Quadratmeter großen Trockenproduktionsanlage,

in der pulverförmige Klebe- und Armierungsmörtel

für die Region Südeuropa vom Band rollen.

Die Photovoltaikanlage in Villach ist bereits die dritte

ihrer Art, die Sto in Österreich auf seinen Gebäuden

installierte. „Als Unternehmen setzen wir seit

Jahrzehnten auf klare ökologische Statements, die

auch ökonomisch Sinn ergeben“, erklärt DI Walter

Wiedenbauer, Geschäftsführer der Sto Ges.m.b.H.

„StoClimate“ heißt die umfassende Nachhaltigkeitsstrategie

bei Sto, die nicht nur Maßnahmen wie Photovoltaik

am Dach umfasst, sondern sich durch die

gesamte Unternehmensphilosophie zieht.

Mit der neuen Trockenproduktionsanlage stammen

nun 80% des gesamten Sto-Produktsortiments aus

Österreich. „Die kurzen Transportwege sparen rund

2.800 LKW-Ladungen ein, das sind 500 Tonnen CO 2

jährlich“, so Wiedenbauer. 100.000 Tonnen Trockenprodukte

werden jährlich im Werk erzeugt, 20 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter finden am Produktionsstandort

Villach Beschäftigung. Lieferengpässe – oft

ein Problem in Krisenzeiten – werden durch die lokale

Produktion vermieden. Das gilt auch für die Stromversorgung:

„Photovoltaik am Dach ist nicht nur

nachhaltig, sondern sie macht auch unabhängiger“,

sagt Wiedenbauer.

Sto Ges.m.b.H.

T +43 (0)4242 33 133-0

info.at@sto.com

www.sto.at


www.architektur-online.com

Ideen mit Zukunft

87

Baumit präsentiert mit der „ALL IN“-Technologie eine

revolutionäre Idee mit Zukunft, bei der die Verpackung

Teil des Endproduktes wird: Der dafür eingesetzte

Sack besteht aus einem speziell hergestellten,

patentierten Kraftpapier, welches einerseits die Auflösung

bei mechanischer Einwirkung und zweitens

einen geringeren Papierverbrauch ermöglicht. Das

Öffnen des Sacks ist nicht mehr erforderlich und somit

ist die Verarbeitung bequem, sauber, schnell und

ohne Abfall möglich.

Bei der Verarbeitung wird der Sack einfach in den

Betonmischer oder Mörteltrog gegeben, die vorgegebene

Menge Wasser zugefügt, der Papiersack dabei

befeuchtet und dann der Mischvorgang mit Betonmischer

oder elektrischem Rührgerät gestartet. Nach einer

durchschnittlichen Mischdauer von 4 Minuten hat

sich der Papiersack komplett aufgelöst, mit dem Mörtel

vermischt und steht für die Verarbeitung bereit.

Baumit startet in diesem Bereich mit ALL IN TrockenBeton

20 und Baumit ALL IN Garten- und LandschaftsbauBeton.

Die Baumit ALL IN Trockenbetone

sind für Betonier- und Ausbesserungsarbeiten ohne

statische Anforderungen geeignet; sie sind frostsicher

und widerstandsfähig gegen mechanische

Einwirkungen. Baumit ALL IN Trockenbetone sind

werksgemischte, naturfaserverstärkte Trockenbetone

der Festigkeitsklasse C16/20 i.A.

Produkt News

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

Andreas Jäger

Klimaexperte

Wann, wenn

nicht jetzt:

Reste verwerten

statt wegwerfen.

Ob Lebensmittel oder Dämmstoffe: Rohstoffe sind zu

schade, um verschwendet zu werden. Deshalb sorgen

wir mit langlebigen, recycelbaren Austrotherm XPS ®

Dämmstoffen für Klimaschutz made in Austria. Das

Prinzip: Was nicht verbaut wird, wird gesammelt und

wandert zurück in die Produktion! Und wenn Sie wollen,

holen wir den Verschnitt sogar direkt bei Ihnen ab.

austrotherm.com


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Fotos: Meilenstein Kreativagentur

Neuer Stadtbaustein

Den Stadtteil Pasing mit seiner historischen Gründerzeitbebauung im äußeren

Westen Münchens bereichert nun ein Hotel- und Geschäftsneubau nach Plänen

von Auer Weber Architekten. Aus einem geladenen Wettbewerb 2015 gingen das

namhafte Münchner Architekturbüro gemeinsam mit Latz+Partner Landschafts-

Architektur Stadtplanung als Gewinner hervor. Der Entwurf sah einen Neubau in

eindeutig zeitgenössischer Architektursprache und dennoch mit formalem Bezug

zum hier vertretenen gründerzeitlichen Ensemble vor.

Darauf basierend zieht sich der realisierte Baukörper

auf polygonalem Grundriss entlang des Grundstücks

und bildet dabei unterschiedliche Höhen aus, die Bezug

zu den ortstypischen Giebel- und Walmdächern

herstellen. Er umschließt einen begrünten, öffentlichen

Innenhof und erlaubt aufgrund geschickter

Setzung und Durchwegung eine Verbindung zum

Pasinger Stadtpark, den die Würm durchfließt. Die

markante Kubatur und eine monolithisch gestaltete

Gebäudehülle aus hellen GIMA-Klinkerziegeln tragen

deutlich zum veränderten Erscheinungsbild der neuen

urbanen Mitte Pasings bei.

Die monolithische Gebäudehülle aus GIMA Klinkerziegeln

zieht sich über die gesamte straßenzugewandte

Fassade sowie die skulptural ausgebildeten Dachflächen.

Hierfür wurde die gedämmte Massivbaukonstruktion

aus Beton im Bereich der Fassade mit einem

Verblendmauerwerk aus Klinkersteinen umhüllt. Die

24 x 11,5 x 5,2 cm großen Steine sind in der Farbigkeit

Edolo FKS und mit einer authentischen Oberflächenstruktur

ausgeführt. Im Dachbereich bekleiden Klin-

ker derselben Serie und Größe das Gebäude, jedoch

in einer abgetreppten Form. Ausgeführt wurde die

komplexe Dachhülle mithilfe von über 150 Klinkerfertigelementen

in einer Größe von bis zu 3 x 4 Metern

und einer Dicke von 21 cm.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de


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Energie aus

der Fassade

Produkt News

StoVentec Photovoltaics Inlay:

das ästhetisch anspruchsvolle

System für regenerative

Fassadenlösungen.

Schützende Umarmung

Fotos: PREFA | Croce & Wir

Aus Liebe zum Bauen.

Bewusst bauen.

In Catania auf Sizilien wurde ein zeitgemäßer architektonischer

Blickfang mit Prefalz in P.10 Prefaweiß realisiert, dessen

Struktur die Idee einer schützenden Umarmung verkörpert

und als formale Anlehnung an ein sizilianisches Bauernhaus

mit großem Innenhof verstanden werden kann. Bei diesem

Projekt, das vom Architekturbüro FRONTINITERRANA aus

Florenz gestaltet wurde, handelt es sich um WonderLAD – ein

Heim für die psychologische Begleitung und die Betreuung

krebskranker Kinder. Das knappe Budget zwang die Bauherren,

Sachspenden bei Baustoffproduzenten, zum Beispiel von

PREFA Italien, zu organisieren.

Vittorio Frontini und Antonino Terrana von FRONTINITERRANA

stellten sich der Aufgabe, einen einladenden Ort für die Betreuung

schwerkranker Kinder auf nachhaltige Weise und

ohne einen antiseptischen Krankenhauscharakter zu schaffen.

Entstanden ist dabei ein ebenerdiger Holzbau, der eine einprägsame

Aluminiumhülle trägt und mit einem eleganten Einlass

in die schützende Umarmung versehen ist. Der Baukörper

mit vorgezogenem, weißem Dach verfügt über eine Oberfläche

von 8.400 Quadratmetern, öffnet sich zum Innenhof hin

mit langen Fensterbändern und bildet einen Laubengang mit

Stützen, welche an Baumstämme erinnern. Die bis zum Boden

mit Prefa verkleideten Fassaden verfügen über wenige Öffnungen

und geben sich freundlich, aber hermetisch. Darüber

hinaus gibt der begrünte Hof als eine Erweiterung des Innenraums

den Kindern die Möglichkeit, sich das ganze Jahr über

im Freien aufzuhalten.

NEU!

ab 04/2022

PREFA Aluminiumprodukte GmbH

T +43 (0)2762 502 0

office.at@prefa.com

www.prefa.at

Die vorgehängte, hinterlüftete Fassade

mit gerahmten Photovoltaikmodulen.

Vorgehängte hinterlüftete Fassadensysteme verbinden

anspruchsvolle Architektur mit den Anforderungen der

Bauphysik. Mit der Integration von Photovoltaik ist es

Sto gelungen, eine funktionale Fassade zu entwickeln.

Sto unterstützt mit diesem System, im Sinne des Europäischen

Green Deals, den Übergang zu modernen,

ressourcenschonenden und wirtschaftlichen Gebäuden.


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Anlehnung an Original-Optik

Ein tristes Bild bot das Gründerzeithaus in der Wiener Nymphengasse an der Ecke

zum kleinen Park, der ans Areal des Theresienbades anschließt. Eine Revitalisierung

im großen Stil wurde unternommen, um hier sowohl angemessene Wohnqualität

als auch eine optische Trendumkehr zu erreichen. Nun verbindet der Bau vom

Keller bis hinauf zum neu ausgebauten Dachgeschoß den Charme der Gründerzeit

mit Facetten der Moderne.

Um das Erscheinungsbild wieder stimmig zu machen,

mussten dafür im Sinne des Gründerzeitstils viele

Anpassungen vorgenommen werden: Frühere Sanierungen

hatten die Fassade unausgewogen und mit

Fehlstellen hinterlassen – nun mussten Profile und

Zierelemente wieder vereinheitlicht werden.

Bei der Realisierung dieses Projekts wurde auf Produkte

von Austrotherm gesetzt: Die Außenmauern

erhielten eine thermische Sanierung mit dem grauen

Austrotherm EPS® F-PLUS, eine Fassadendämmung

mit verbesserter Dämmwirkung. Und für die historische

Optik wurde die Fassade mit Austrotherm Fassadenprofilen

ausgestattet – von der Fensterrahmung

über die Bossenfassade bis hin zu speziell angefertigten

schmückenden Elementen. Besondere Sorgfalt

ließ man bei den auskragenden Erkern walten. Ihre

Untersichten, die im Original aufwändig verziert gewesen

waren, wurden entsprechend nachgebildet.

Die Ornamente dafür entstanden im Austrotherm

Werk Pinkafeld im Gussverfahren. Vor Ort fügte man

dann die einzelnen Teile zusammen. Auch die Sockelprofile

wurden speziell angefertigt: Ähnlich einer Kirche

verfügt das Gebäude über eine hervorspringende

Basis – bei Gründerzeitbauten eine Besonderheit. In

den Kellern wurden durch Absenken des Hofniveaus

auf Kellerebene und mit Trockenlegungs- und Dämmmaßnahmen

zusätzliche Garten-Maisonettewohnungen

geschaffen.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

fassadenprofile@austrotherm.at

www.austrotherm.at


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91

Produkt News

Tradition trifft auf Moderne

Im Zuge der Erweiterung des Weinguts des Wachauer Winzers

Franz-Josef Gritsch entstand nach dem Entwurf von Architekt

Hannes Ritzinger ein neues Gebäude für Weinverkostung

und -verkauf samt Tiefgarage. Bei der Herstellung des Unterbaus

des unmittelbar an den Bestand anschließenden neuen

Gebäudes trat unterhalb des Flaschenlagers eine Quelle zum

Vorschein, wofür die Experten des ausführenden Bauunternehmens

Franz Schütz eine optimale Problemlösung fanden.

Nachdem die Unterfangungen bzw. das bestehende Steinfundament

gründlich gereinigt waren, wurde als Dichtungs- und

Putzträger gegen die Feuchtigkeit bzw. eindringendes Wasser

webertec Sperrputz 934 zweilagig aufgetragen. Dieses Produkt

wurde speziell zur Abdichtung bei Bodenfeuchte bzw.

bei nicht drückendem Wasser entwickelt und ist zudem sehr

vielseitig einsetzbar z.B. als Dichtungsträger für Abdichtungen

mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen,

bei flexiblen und starren Dichtungsschlämmen sowie als

Egalisierungsmörtel und Sockelputz. Abschließend wurde mit

webertec Superfläche D24 die umlaufende vertikale Abdichtung

der Tiefgarage hergestellt. Die bitumenfreie Reaktivabdichtung

ist hochflexibel, reaktiv- und schnell abbindend.

Saint-Gobain Austria GmbH

WEBER Terranova Austria

T +43 (0)1 661500

www.weber-terranova.at

Fotos: Franz Schütz GmbH

grenzen

los

planen.

Individuelle Steine nach Ihren Ideen.

PARTNER FÜR OBJEKTGESTALTER

Mit dem umfassenden Standardsortiment und individuellen

Sonderproduktionen bei Farben und Formaten eröffnen Friedl

Steinwerke neue Möglichkeiten in der Gestaltung von Dachterrassen,

Balkonen und Plätzen. Wir stehen für Beratung und Bemusterung

gerne bereit: anfrage@steinwerke.at

www.steinwerke.at

Projekt Liv an der Alten Donau

© liv.at / Fotograf: nunofoto.com


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

© Katja Bidovec

Ein Teil

ausgezeichneter

Architektur

Im Nordosten der slowenischen Stadt Šentjernej wurde das Gewerbegebiet

„Eltas“ um 6.000 m 2 erweitert. Das neu errichtete Objekt – ausgezeichnet mit dem

BigSEE-Award 2020 – folgt sowohl in der optischen Erscheinung als auch in der

Funktionalität im Innenbereich einem strengen Designkonzept.

Eine funktionelle Produktionsstätte für elektronische

Bauteile schließt an ein zweistöckiges Betriebsgebäude

an, in dem Büros und Gemeinschaftsräume untergebracht

sind. Ziel der Architekten war es, im Inneren

dieses Objekts ein Wohlfühlambiente zu schaffen.

Warme Farbtöne und natürliches Holz in edler Verarbeitung

sollten für die Mitarbeiter und Besucher ein

wohliges Raumklima schaffen.

Der Fokus auf Wärme spiegelt sich auch außen wider.

Um dies zu erreichen, wurden für das zweistöckige

Hauptgebäude für die Fassadengestaltung die Metallelemente

von DOMICO im Farbton Sand-Gold gewählt,

was das Gebäude und die Silhouette des Neubaus

noch mehr erstrahlen lässt. Im Gegensatz zu

diesem Gebäudeteil ist das Produktionsareal sowohl

innen als auch außen kühl und streng strukturiert. Die

Architekten wählten dafür einen Mix aus unterschiedlichen

Breiten, mit dem Dynamik zum Ausdruck gebracht

werden soll. Die Metallelemente in Sand-Gold

wurden senkrecht montiert, die dunklen, vertikal verlaufenden

Fugen nehmen die Farbe der Fenster auf

und bilden ein optisch auffallendes Design, das das

Gebäude umklammert.

DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG

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93

Produkt News

Safety first

Jeden Tag nimmt der Informationsfluss

mehr an Fahrt auf und die neuen digitalen

Möglichkeiten bringen dementsprechenden

Traffic mit sich. Die Tage von

Excel-Listen sind längst gezählt, Ordner

werden hauptsächlich digital befüllt. 5000

Postein- und Postausgänge für ein mittelgroßes

Bauvorhaben sind die Regel. Den

Überblick zu behalten, ist da gar nicht so

leicht. Außer man hat die passenden technischen

Hilfsmittel.

„Architekten und Ingenieure leben vor allem

vom Planen, nicht vom Büromanagement.

Und doch ist es für den wirtschaftli-

chen Erfolg eines Büros essenziell“, betont

untermStrich-Geschäftsführer Guido R.

Strohecker. Die Digitalisierung der Baustelle,

Zeiterfassung, Projektkalkulation, Kommunikationsprozesse

mit Auftraggebern,

E-Rechnung & Co – alles das stellt Architekten

und Ingenieure vor neue Herausforderungen.

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genau diese Prozesse bis auf einen simplen

Mausklick vereinfachen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit

man seine technischen Tools zu 100

Prozent effizient einsetzen kann, ist die

Sicherheit beim Datenaustausch. Wie entscheidend

ist die IT, wie wichtig der richtige

Umgang mit seiner Managementsoftware?

Und was sind die wichtigsten Punkte beim

Safety-Check für ein Planungsbüro? Bei

der mittenDrin LIVE – der digitalen Messe

von untermStrich, die sich aus der MESSE@

home entwickelt hat und nun der digitale

Hotspot für alle Managementthemen von

Planungsbüros wird – gibt es die Antworten.

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architektur FACHMAGAZIN

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edv

KI am Bau:

Maschinell planen und bauen

Neben der Digitalisierung und der BIM-Planungsmethode bestimmt

zunehmend die KI das Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken. Welche

Lösungen und Entwicklungen gibt es derzeit?

Text: Marian Behaneck

Neben der Digitalisierung und BIM beeinflusst

zunehmend auch die Künstliche

Intelligenz (KI) den Bausektor. Das ist ein

Teilgebiet der Informatik, das sich mit der

Erforschung intelligenten Verhaltens und

maschinellen Lernens, aber auch der praktischen

Anwendung von Systemen befasst,

die menschliche Fähigkeiten wie logisches

Denken, Lernen, Planen und Kreativität

nachahmen können. Welche aktuellen Anwendungen

und Entwicklungen gibt es bereits,

welche Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen

entstehen dadurch?

KI fürs Planen

Bestandserfassung: Bei der Bestandserfassung

per 3D-Laserscanner müssen Millionen

von Messpunktdaten ausgewertet

und so strukturiert werden, dass sie für die

CAD- und BIM-Planung verwertbar sind.

KI-basierende Analysemethoden liefern dabei

Informationen über die Art des Bauteils,

z.B. Wand, Stütze, Decke, Fenster, Rohrleitung,

verknüpfen sie mit weiteren Daten –

etwa zu Materialien oder Bauschäden – und

generieren aus diesen Informationen ein

BIM-Modell. Andere KI-Projekte befassen

sich mit der Vermessung von Räumen und

Objekten mithilfe von Apps, die auf die besonderen

Fähigkeiten aktueller Smartphone-Kameras

zurückgreifen und aus den

erfassten Messwerten selbstständig ein

3D-Modell berechnen. (Beispiele: www.actimage.de,

www.aurivus.com, www.bimkit.eu)

Generative Gestaltung: (auch „Generatives

Design“) Regelbasierte Prozesse,

anwenderdefinierte Parameter und Verknüpfungen

bestimmen bei der generativen

Gestaltung das Entwurfsergebnis.

Das ermöglicht eine mit konventionellen

CAD-Planungsmethoden bisher nicht erzielbare

Form- und Gestaltungsfreiheit.

Die Künstliche Intelligenz (KI) gehört auch im Baubereich

zu den Schlüsseltechnologien der nächsten Jahre. © Bosch

So können beispielsweise von der Natur

inspirierte, bionische Formen einfacher

geplant und über CNC-Maschinen oder

3D-Drucker auch direkt gefertigt werden.

Verknüpft man die generative Gestaltung

mit KI- Algorithmen, können auch komplexe

Entwurfsvorgaben berücksichtigt und etwa

Grundrisskonzepte unter Berücksichtigung

von Raumfunktionen, Raumbeziehungen,

Raumqualitäten etc. entwickelt werden

(Beispiele: https://redshift.autodesk.de/generatives-design-ki)

Stadtplanung: Insbesondere in der Stadtplanung

fließt eine Vielzahl von Entwurfskriterien

und -parameter in die Entwurfsüberlegungen

mit ein – wie etwa

das städtebauliche Umfeld, Klima-, Wind-,

Lärm- oder Belichtungsverhältnisse, soziologische

Rahmendaten etc. Auch KI-Algorithmen

basierende Software-Lösungen

wie beispielsweise Spacemaker versprechen

eine schnellere Generierung von Entwurfsalternativen,

unter Berücksichtigung

aller relevanten Einflussfaktoren. So kann

das individuelle Potenzial eines Standortes

optimal ausgereizt und die bestmögliche

Lösung gefunden werden, etwa die optimale

Bebauung eines Grundstücks unter

Beachtung baurechtlicher Vorgaben und

qualitativer Parameter, wie Besonnung,

Lärm etc. (Beispiele: www.spacemakerai.

com, www.propertymax.de)


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edv

BIM-Modellkontrolle: Während der BIM-

Planung müssen Fachmodelle überprüft

werden, ob sie mit Entwurfsvorgaben,

baurechtlichen Vorgaben oder Richtlinien

übereinstimmen. Werden sie zu einem Koordinationsmodell

zusammengeführt, müssen

sie gewerkübergreifend auf Kollisionen

überprüft werden. Das geschieht entweder

manuell oder (halb-)automatisch. Automatisierte

Modellprüfungen, die auf einer großen

Wissensdatenbank und lernfähigen Algorithmen

basieren, sind in der Lage, auch

komplexe Zusammenhänge zu überprüfen,

beschleunigen dadurch Abläufe und entlasten

Planer oder Behörden. KI unterstützt

auch digitale Bauanträge, indem diese beispielsweise

auf die Einhaltung wesentlicher

gesetzlicher Vorschriften, wie Mindestabstände

etc. überprüft werden. (Beispiele:

www.tuvsued.com, www.contilio.com)

KI fürs Bauen

Baustellenerfassung: Will man den Ist-

Stand, Abläufe oder Ausführungsqualitäten

auf der Baustelle effizient kontrollieren,

müssen Baustellendaten digital erfasst

werden – beispielsweise indem Fotos oder

Videos von Baustellen-Kameras, Mobilge-

Die auf KI-gestützte generative Gestaltung kann Entwurfsalternativen generieren

und diese auch bewerten. © Autodesk

räten, 3D-Scannern, Drohnen, Robotern

oder Helmkameras über KI-Algorithmen

interpretiert und analysiert werden. Dabei

werden Bauobjekte und deren Eigenschaften

automatisiert erkannt und die

Ergebnisse mit dem BIM-Ausführungsmodell

abgeglichen. So entsteht ein digitales

Abbild des aktuellen Bauzustands, das die

Abrechnung vereinfacht oder den Baufortschritt,

potenzielle Planungsabweichungen,

Fehler oder Schäden dokumentiert.

Mit den dabei gewonnenen Informationen

lassen sich auch künftige Bauprojekte

optimieren. (Beispiele: www.buildots.com,

www.eskimo-projekt.de, www.tuvsued.com,

www.contilio.com)

das Organisations- und Führungstool

der Architekten und Ingenieure

untermStrich® X3 – wir.wissen.warum.

„Die unternehmerische Komponente hat man als Architekt nicht von Beginn an.

Das ist auch nicht so schlimm, solange man nur rechtzeitig erkennt, das einem hier die

Fähigkeiten fehlen und man sich Hilfe holt. untermStrich bietet genau das.“

Zitat von Arch. Dipl.-Ing. Christian Story

untermStrich® software GmbH,

Mittergasse 11 - 15, A-8600 Bruck/Mur

Unter den Linden 10, D-10117 Berlin

Königsallee 27, D-40212 Düsseldorf

Riegler Riewe

Architekten ZT Ges.m.b.H

T. +43 3862 58106

untermstrich.com


architektur FACHMAGAZIN

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edv

Bauablaufsimulation: Simulationen der

Bau- und Montageablaufplanung können

– unter Berücksichtigung von Erfahrungen

aus vorangegangenen Projekten, Mängelund

Bautagesberichten oder Logistikdaten

– dabei helfen, Bau- und Montageprozesse

zu optimieren. KI-gestützte Risikovorhersagen

ermöglichen darüber hinaus reibungslosere

Baustellenabläufe. Diese bedienen

sich smarter Techniken zur Datenanalyse,

der datenbasierenden Ergebnisvorhersage

oder maschinellen Lernsystemen. Dabei

werden aktuelle und historische Fakten

analysiert, um Vorhersagen über zukünftige

Ereignisse treffen zu können. Wird die

zunehmende Anzahl digital geplanter und

kontrollierter Bauprojekte miteinander vernetzt,

lässt sich die Verlässlichkeit von Risikovorhersagen

steigern (Beispiele: www.

autodesk.com/bim-360, https://pasc.ai).

Baurobotik: Ob bei der Produktion von Baustoffen,

der Bewehrung von Betonbauteilen,

der Montage von Schalelementen, Holzständer-

oder Fachwerkkonstruktionen –

Roboter sind in der Bauindustrie längst im

Einsatz. Auch auf die Baustelle drängen

sie inzwischen – in Form von Mauer- und

Bohrrobotern oder 3D-Druckern, die auf

der Grundlage von 3D-CAD- oder BIM-Daten

Arbeiten ausführen, entweder autonom

oder per Fernbedienung unterstützt.

Bohrroboter beispielsweise orientieren sich

selbständig im Raum und bohren Löcher

für Montage- und Installationsarbeiten,

was körperlich schwere Überkopf-Arbeiten

erübrigt. Um noch komplexere Tätigkeiten

autark ausführen und unvorhergesehene

Situationen auf der Baustelle meistern zu

können, müssen Roboter lernfähig sein und

über viele Sensoren verfügen, deren Daten

vernetzt und KI-gestützt in Echtzeit ausgewertet

werden. (Beispiele: www.baubot.

com, www.bostondynamics.com, www.hilti.

de, www.peri.de, www.trimble.com)

Bauprozessoptimierung: Planungs- und

Bauprozesse hinken technologisch industriellen

Prozessen hinterher. Das Planen

und Bauen mithilfe aktueller Technologien

wie BIM, IoT, KI oder Big Data moderner

und wettbewerbsfähiger zu machen, haben

sich mehrere Forschungsprojekte zum Ziel

gesetzt. Smart Design and Construction

(SDaC) zum Beispiel soll die Grundlage für

die Transformation der Bauindustrie schaffen,

die ein transparenteres, proaktiveres

und kooperativeres Bauen ermöglicht.

Dazu werden Metadaten aus Bauprojekten

unternehmensübergreifend verknüpft und

miteinander verglichen, was verlässliche

Prognosen ermöglichen soll. Auch das Projekt

ESKIMO soll die Überwachung der Bauausführung

mit einer intelligenten Interpretation

der Ist-Situation auf der Baustelle

optimieren. Dabei werden Fotos mobiler

Kameras analysiert und für das Baumanagement

genutzt. (Beispiele: www.sdac.

tech, www.eskimo-projekt.de)

KI fürs Nutzen

Smart Home: KI macht das smarte Heim

noch smarter: Neben der Kommunikation

per Spracheingabe kann das KI-gestützte

Smart Home über Machine-Learning-Algorithmen

aus den Gewohnheiten der Bewohner

Rückschlüsse ziehen und dadurch

Auch komplexe Entwurfsvorgaben, etwa in der Stadtplanung, können

berücksichtigt und Lösungen selbständig entwickelt werden.

© Spacemaker, Autodesk

KI und Big Data können auch die Projekt- und Qualitätskontrolle oder

das Projektmanagement effizient unterstützen. © Autodesk


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edv

Bauroboter können beispielsweise Überkopfarbeiten weitgehend

autark ausführen. © Hilti

KI-basierende Video-Branddetektionssysteme melden Flammen oder

Rauch schnell und zuverlässig und verbessern die Gebäudesicherheit.

© Bosch

den Wohnkomfort erhöhen oder den Energieverbrauch

optimieren. Für mehr Sicherheit

sorgt die maschinelle Gebäudeüberwachung.

Werden Video- oder Infrarotkameras

miteinander vernetzt und über KI-gestützte

Systeme ausgewertet, lassen sich Zutrittskontrollen,

der Brandschutz oder die

Gebäudeüberwachung verbessern. Mit KI

gestützten Sprachassistenten wie Amazon

Echo, Apple Siri oder Google Assistant können

vom Fernseher über die Lichtsteuerung

bis zur Heizung alle technischen Systeme

im Haus gesteuert werden. (www.amazon.

com, www.apple.com, www.google.com)

Vorausschauende Wartung: Im Gegensatz

zur herkömmlichen reaktiven Wartung,

die erst nach Störungen eingreift, bietet

die vorausschauende Wartung (Predictive

Maintenance) gebäudetechnischer Komponenten

Vorteile: Ungeplante Ausfälle

technischer Bauteile werden vermieden,

Servicetermine und die Anlagen-Wirtschaftlichkeit

werden optimiert, Wartungstermine

und die Ersatzteil-Vorhaltung sind

besser planbar. Dazu erfassen IoT-Bauteilsensoren

(Internet der Dinge) Betriebs- und

Zustandsdaten, die zentral mit Hilfe intelligenter

Algorithmen ausgewertet werden.

Anhand der Nutzungsmuster und anderer

Parameter lässt sich automatisch der optimale

Zeitpunkt für Wartungsmaßnahmen

ableiten. (Beispiele: www.techem.com, www.

tuvsud.com)

Gebäudeüberwachung: Die maschinelle

Bildauswertung erweitert die Möglichkeiten

visueller Überwachung. Werden mehrere

Video- oder Infrarotkameras miteinander

vernetzt und über KI-gestützte Systeme

ausgewertet, ist eine effiziente Rund-umdie-Uhr-Überwachung

von Gebäuden, Anlagen

oder Baustellen möglich. Als Basis dienen

Daten aus Überwachungskameras und

ein IP-basiertes Videomanagement-System,

das auch sehr viele und hochauflösende

Videodaten in digital verwertbare Informationen

umwandelt und eine maschinelle

Auswertung ermöglicht. Über eine Gesichtserkennung

können Zugänge kontrolliert und

die Sicherheit verbessert werden. Visuelle

Kameras und Infrarotkameras ermöglichen

einen wirksamen Brandschutz. (Beispiele:

www.boschbuildingsolutions.com)

Chancen und Risiken

KI & Co. ist längst Teil des Planens, Bauens

und Nutzens – oder wird es gerade. Die Einsatzmöglichkeiten

sind vielfältig und in ihren

Potenzialen noch kaum zu überblicken.

Viele KI-Systeme setzen als Datenbasis

allerdings große Datenmengen (Big Data)

voraus, anhand derer sie ihre Algorithmen,

etwa zur Mustererkennung, trainieren und

optimieren können. Das können Planungsund

Ausschreibungsdaten, Stücklisten, Aufmaßdaten,

Baustellendaten, Fotos, Mängellisten

oder Sensordaten sein. Werden diese

Daten kombiniert und ausgewertet, können

sie neben der Planung und Bauausführung

auch den Gebäudebetrieb optimieren. Je

größer die Datenbasis ist, umso zuverlässiger

arbeiten KI-Systeme. Welche Quantität

und Qualität diese Daten haben, wie diese

verknüpft und welche Bewertungs- und

Entscheidungskriterien herangezogen werden

– etwa bei der maschinellen Bewertung

und Auswahl von Entwurfsvarianten – ist

aber meist nicht nachvollziebar. Kritiker

warnen deshalb vor blindem Vertrauen in

KI, Big Data und den häufig intransparenten

Prozessen, die dahinterstecken.


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edv

Archicad Webinare

Der BIM-Planungssoftware-Hersteller GRAPHISOFT vermittelt in seinen hochinformativen

Archicad-Webinaren „Mengen und Kosten“ sowie „Architektur und

Haustechnik“ umfassendes Fachwissen leicht und verständlich.

In aktuell vierzehn Webinaren zum Thema

„Mengen und Kosten“ werden die wichtigsten

Fragen im Bereich Ausschreibung, Vergabe

und Abrechnung bei der Zusammenarbeit

mit Archicad beleuchtet. Vor dem

Hintergrund, dass viele Architekturbüros im

Rahmen der BIM-Planung umfassend und

detailliert im Projekt Massen und Mengen

selbst ermitteln, zeigen die Webinare optimale

Prozess-Schritte und geben wertvolle

Tipps für eine verlässliche wie exakte Kostenschätzung

oder Kostenermittlung. Anhand

eines BIM-Beispielprojekts werden die

Schnittstellen zwischen den Softwarelösungen

erläutert und potenzielle Fehlerpunkte

angesprochen. Da Archicad 25 dank eines

neuen Features ermöglicht, Einzelschichten

aus den Bauteilen korrekt auszulesen, wird

die Massen- und Mengenermittlung damit

noch exakter. Für die mehrschichtigen Bauteile

Wände, Decken und Dächer berechnet

die Software jede Schicht im Bauteil separat

und mit drei Werten: Brutto, Netto sowie

Konditional. So lassen sich für jede Schicht

die benötigten Werte in den verschiedenen

Leistungsphasen normgerecht nach der

VOB (Deutschland) bzw. nach Werkvertragsnorm

(Österreich) ermitteln.

In vier weiteren Webinaren steht die integrale

Zusammenarbeit von Architektur- und

Haustechnikplanung im Fokus. Die frühe

Abstimmung der zwei Planungsdisziplinen

am Gebäudemodell ist enorm wichtig. Wie

der ideale Workflow zwischen der Architekturplanung

und Hautechnikplanung aussieht,

zeigen die Webinare eindrucksvoll.

Die Webinare stehen unter folgendem Link

kostenlos zum Anschauen zur Verfügung:

https://openbim.graphisoft.de/bim-webinare

GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Vertrieb Österreich

mail@graphisoft.at

www.archicad.at


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