Lungau - Akzente Salzburg

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Lungau - Akzente Salzburg

Vorwort

Vorliegende Bezirksstudie w urde von Akzente Salzburg, einer überparteilichen und

überkonfessionellen Social-Profit Organisation im Bereich Jugendarbeit, in Auftrag gegeben.

Ziel dieser Studie w ar es, die aktuelle Lebenssituation von Mädchen und Burschen im Lungau

zu erheben. Diese Studie w urde thematisch sehr breit gefasst, um sämtliche „Lebensw elten“

von Jugendlichen w ie Wohnen, Schule, Arbeit, Mobilität, Freizeit, Gesundheit, Konsum, Politik

und Werte integrieren zu können und somit ein abgerundetes Bild der Lebenssituation von

Jugendlichen im Lungau darstellen zu können. Dies ist Akzente ein besonderes Anliegen, um

auf Wünsche, Anregungen, Probleme und Nöte von Jugendlichen auch dementsprechend

reagieren bzw . diese auch gegenüber PolitikerInnen vertreten zu können.

Ich möchte mich auch im Namen meiner Kollegin Mag. a Karolin Pichler an dieser Stelle für die

gute Zusammenarbeit mit Akzente Salzburg – im speziellen mit Frau Mag. a Marietta Oberrauch

und DSA Harald Brandner – die Unterstützung des Landesschulratspräsidenten Prof. Mag.

Herbert Gimpl, bei den Lehrern und Lehrerinnen an den betreffenden Schulen sow ie ganz

besonders bei den Jugendlichen bzw . SchülerInnen bedanken, die durchw egs mit großer

Gew issenhaftigkeit sehr umfangreiche Fragebögen ausfüllten und dadurch einen Einblick in

ihre Lebenssituation ermöglichten.

Besonderer Dank gilt auch den Interview partnerInnen, die sich in ihrem Berufsalltag den

Anliegen bzw . der Betreuung Jugendlicher w idmen und uns somit w ertvolle Informationen

über ihre Erfahrungen gaben.

Für die informativen Gespräche und E-Mails sow ie SPSS-Kurse der „ditact w omen’s IT

summer studies“ bin ich vor allem Mag. a Kirstin ECKSTEIN, Mag. a Gerda HAGENAUER, Mag. a

Ulrike STERING und Mag. Konrad DÄMON zu großem Dank verpflichtet. Beim Kapitel

Gesundheit erfuhr ich besondere Unterstützung von Dr. med. Gerd OBERFELD, w ofür ich

mich herzlich bedanke.

1

Salzburg, Dezember 2008

Christiana Hartw ig


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

1.1 Motivation des Forschungsvorhabens 3

1.2 Jugend als Lebensphase 4

2. Methodisches Design und Themenwahl 7

3. Ergebnisse der Akzente Jugendstudie für das Bundesland 20

Salzburg: Bezirk Lungau

3.1 Eine kurze Einführung in den Bezirk Lungau 20

3.2 Quantitative und qualitative Ergebnisse nach Themen 23

3.2.1 Metadaten 23

3.2.2 Wohnen 28

3.2.3 Schule 29

3.2.4 Arbeit 37

3.2.5 Mobilität 45

3.2.6 Freizeit 55

3.2.7 Jugendzentren 77

3.2.8 Alkohol/Drogen, Gesundheit 80

3.2.9 Konsum/Finanzen 132

3.2.10 Jugend und Politik 143

3.2.11 Werte 154

3.3 Ausw ertung der ExpertInnenrunden 174

4. Zusammenfassung der Ergebnisse 179

5. Empfehlungen der Studienautorin 187

6. Literaturverzeichnis 201

7. Anhang 207

1. Einleitung

2


1.1 Motivation des Forschungsvorhabens

Die Lebenssituation junger Menschen gerät oft erst dann in den Blickpunkt einer größeren

(politischen) Öffentlichkeit, w enn Probleme offensichtlich w erden und damit möglicherw eise

akut. Die „Jugendphase“ bedeutet für die meisten Jugendlichen, um es vereinfacht

auszudrücken, eine Suche nach Orientierung und Identität, w ährend w elcher ihnen

abverlangt w ird, sich ins soziale Rollengefüge zu integrieren. Daraus ergeben sich in

verschiedenen sozialen Beziehungen oft Spannungsfelder, die sich in Konflikten entladen.

Diese Experimentierphase erzeugt nämlich auch Unsicherheiten sow ie Fragilität, w enn

Jugendliche in der eigenen Persönlichkeit noch nicht gefestigt sind. Es bedarf daher

bestimmter gesellschaftlicher Strukturen, die unterstützend und fördernd diese

Entw icklungsphase begleiten.

Die überparteiliche und konfessionell unabhängige Social-Profit Organisation Akzente

Salzburg hat es sich mit einem vielfältigen Aufgabenspektrum die Besonderheiten jugendlicher

Lebensw elten betreffend zum Ziel gemacht, die Anliegen, Probleme und Bedürfnisse junger

Menschen w ahrzunehmen, in Öffentlichkeit und Politik zu artikulieren und kommunizieren zu

helfen und sich dafür einzusetzen.

Zur empirischen Untermauerung der Jugendarbeit im Bundesland Salzburg sow ie zur

Gew innung neuer Erkenntnisse zur Optimierung/Verbesserung bestehender Initiativen w ie

auch der Entw icklung innovativer Ansätze für die Jugendarbeit entstanden im Auftrag von

Akzente Salzburg im Laufe der letzten Jahre mehrere bezirksspezifische Studien. Mit jew eils

unterschiedlichen Themenschw erpunkten ging es hauptsächlich darum, Erkenntnisse zu

speziellen Problematiken zu Tage zu fördern. Dies hat einerseits den Vorteil fokussierter

Fragestellungen, die konkretere Ergebnisse in Bezug auf eine Ableitung politischer

Handlungsoptionen zulassen. Andererseits kann ein aktueller, punktueller Forschungsbedarf

oft nur auf der Grundlage breiten Basisw issens erfolgen. Um die richtigen

Forschungsinstrumente und Methoden zu w ählen, bedarf es Grundlagenw issens. Darüber

hinaus führen allzu hastige Handlungsableitungen aus Studien, die sich aktuellen (w eil oft erst

aufgebrochenen) Problematiken w idmen, oft zu nur kurzzeitig und damit nicht nachhaltig

w irkenden Aktionen.

Die vorliegende Studie hat damit zum Ziel, ein Stimmungsbild eines Teils der jungen

Bevölkerung des Bundeslandes Salzburg zu skizzieren. Dies spiegelt sich in der breit

angelegten Themenpalette des Fragebogens w ider. Diese Grundlage macht fundierte

Jugendarbeit erst qualitativ w ertvoll und kann damit in zw eiter Linie erst das Verständnis für

die Lebensw elt junger Menschen erzeugen, das langfristige und auf Nachhaltigkeit angelegte

(politische) Maßnahmen ermöglicht.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sollen damit einen Beitrag für die Verbesserung der

Jugendarbeit im Bundesland Salzburg darstellen.

3


1.2 Jugend als Lebensphase

Jugend – dieser Begriff hat sich in den letzten Jahren besonders in der medialen Debatte zum

geflügelten Wort entw ickelt. Oft verbinden sich mit ihm sogar gegensätzliche Bedeutungen.

Wir befinden uns in einer umfassend mediatisierten Welt und unsere Wahrnehmung der

Realität basiert sehr stark auf medial verbreiteter Information. Dennoch, hat man die mediale

Berichterstattung zum Thema „Jugend“ in den letzten Jahren verfolgt, so ist man geneigt zu

meinen, es handle sich um eine Art im Ausnahmezustand taumelnden dieser w ie auch immer

gefassten Gruppe junger Menschen, die offenbar ihren für sie vorgesehenen Platz in der

Gesellschaft nicht zu finden vermögen bzw . nicht w ollen. Ob nun von einem kollektiven

Komasaufen, sich Hingeben exzessiver Gew altspiele am Computer oder ihrer politischpartizipativen

Lethargie die Rede ist. Lassen w ir uns aber noch auf die für uns

unmittelbarsten Formen der Wahrnehmung ein, noch dazu vielleicht bereinigt um die

Medienbilder in unseren Köpfen, dann ergibt sich ein Bild, das – ja vielleicht eben gerade –

zumeist sehr unspektakulär auf uns w irkt.

Zw eifellos ist der Jugendbegriff ein normativ aufgeladener Begriff, der aber nicht nur

negative Schlagzeilen macht. Man denke beispielsw eise an die Rolle von jugendlichem

Aussehen, auch Begriffe w ie Agilität und Flexibilität verbinden sich häufig mit dem

Jugendbegriff.

Dass der Blick der Öffentlichkeit sich immer w ieder auf „die Jugend“ richtet, w enn es vor

allem um anstehende gesellschaftliche Veränderungen geht und den besonderen

Fragestellungen in Zusammenhang damit, hat vielfach damit zu tun, dass Jungendliche als

Zukunft der Gesellschaft gelten. Wie ist die Einstellung Jugendlicher dazu? Welche Wege

w erden sie im Hinblick auf gesellschaftliche Herausforderungen beschreiten? 1

Neben leider oft unseriös interpretierten und zu Trends emporgehobenen Einzelfällen w ird ein

zw eiter Fehler begangen: Jugend immer w ieder als eine geschlossene, homogene Gruppe in

der Gesellschaft zu verorten. Wenn von einer Jugendstudie die Rede ist, so ist neben ihren

spezifischen Fragestellungen z. B. auch die jew eilige Altersgruppe von Bedeutung, aber

selbst hier stößt man ja bereits auf Argumentationsschwierigkeiten, w enn man jeder

Altersgruppe dieselben Interessen und Grundeinstellungen zuzuschreiben versucht. Eine

Differenzierung von Jugend als Begriff ist schließlich auch dann besonders w ichtig, w enn es

darum geht, politische Handlungsoptionen für diese Bevölkerungsgruppe zu entw erfen im

Sinne einer Förderung der Integration in das bestehende Gesellschaftsgefüge. An die

„Jugendlichen“ scheint es in diesem Sinne w enig sinnvoll heranzugehen w ie an eine

Zielgruppe für eine PR-Aktion. Zunächst sollte eine einfache Betrachtung als Individuum mit

bestimmtem Interessens- oder Einstellungsspektrum stehen, w ie dies im Übrigen auch für

andere pauschalisierte Bevölkerungsgruppen gelten sollte.

1 Vgl. Baier/ Tully 2006, 124

4


Wie lässt sich Jugend w issenschaftlich beschreiben? Festzustellen ist, dass Jugend in

vergangenen Epochen unterschiedliche Bedeutungen innehatte und also etw as Wandelbares

ist. Jugend als eigenständige Lebensphase einer jungen Bevölkerungsgruppe zu verstehen

w ar nicht immer selbstverständlich. So stellen Schäfers und Scherr 2 fest, dass es erst mit

der Trennung von Familie, Ausbildung und Erw erbsarbeit sow ie der Einführung der

allgemeinen Schulpflicht im Zuge der Industrialisierung zu einer Institutionalisierung von

Jugend kam.

Das moderne, soziologische Verständnis von Jugend nimmt Bezug auf zw ei w ichtige

unterschiedliche historische Bedeutungen:

Zum einen Jugend als geschlossene Lebensphase mit bestimmtem Anfang (z. B. Beginn der

Schulzeit) und einem Endpunkt (etw a Ende der Ausbildungszeit und Beginn des

Erw erbslebens). Kennzeichen dieser Phase ist die ökonomische Abhängigkeit, die

Unterordnung unter Erw achsene und eingeschränkte Rechte. Zu dieser Eingrenzung ist

allerdings anzumerken, dass diese heute nicht mehr ohne w eiteres zutrifft: Denn die

Schnittstelle zw ischen Ausbildungszeit und Erw erbsleben ist eben nicht mehr nahtlos

sondern dehnt sich aus. „Jugendliche sind immer öfter mit Problemen bei der Bew ältigung der

ersten und der zw eiten Schw elle konfrontiert. Immer w eniger Jugendliche finden tatsächlich

einen Ausbildungsplatz, und immer seltener ist eine absolvierte Ausbildung Garant für einen

Job.“ 3

Ein zw eiter Bezugspunkt besteht in der Sichtw eise als Entw icklungsstadium im Sinne der

Entfaltung von Persönlichkeit, w orin Jugendliche unterstützt w erden sollen. 4 Die genannten

Autoren spannen zw ischen diesen unterschiedlichen Konzepten ihre Definition von Jugend

als sozialem Phänomen auf:

„Jugend ist eine gesellschaftlich institutionalisierte, intern differenzierte Lebensphase, deren

Verlauf, Ausdehnung und Ausprägungen w esentlich durch soziale Bedingungen und

Einflüsse (sozioökonomische Lebensbedingungen, Strukturen des Bildungssystems,

rechtliche Vorgaben, Normen und Erw artungen) bestimmt sind. Jugend ist keine homogene

Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche Jugenden.“ 5

Diese Definition fasst also vereinfacht zw ei Bedeutungspole von Jugend zusammen:

- Jugend als bestimmte, in Grenzen setzende Rahmenbedingungen (z. B. durch Rechte)

eingebettete Lebensphase, oder

- Jugend als Freiraum der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten.

2

2005, 19

3

Baier/ Tully 2006, 126f. Wenngleich diese Feststellung der Autoren vermutlich für Deutschland

gemacht wurde, kann dies dennoch als Tendenz innerhalb der wohlhabenden Länder der

Europäischen Union festgemacht werden.

4

Vgl. Schäfers/Scherr 2005, 21

5

Schäfers/Scherr 2005, 23

5


Reinders und Wild 6 versuchten eine ähnliche, aber systematischere und explizitere Form der

Integration zw eier Ansätze, die in etw a die oben skizzierten Pole w iderspiegeln. 7

So geht es ihnen um die Versöhnung von „Transitionsansatz“ und einer Sichtw eise der

Jugendzeit als „Moratorium“.

Ersterer begreift das Jugendalter als eine Periode, in der systematisch Entwicklungsaufgaben bew ältigt w erden müssen, die der Erfüllung gesellschaftlicher Normen dienen. Die Kritik

besteht darin, dass diese Entw icklungsnormen von der Erw achsenenw elt definiert w erden.

Dagegen betrachtet der zw eite Ansatz Jugend als gesellschaftlich zugesprochene Auszeit,

um sich in das soziale Rollengefüge einzuleben. Dabei w ird also vor allem die subjektive

Konstruktion dieser Lebensphase betont und damit auch die Selbstzuschreibung ein

Jugendlicher zu sein, diesem überlassen 8 .

Obgleich nun die Feststellung eines „Forderns“ und „Förderns“, eines Abverlangens und

Zugestehens von Autonomie als integrierendes Paradigma banal klingt, fällt es in Forschung

und Praxis immer w ieder schw er, dieses Wechselspiel als solches anzuerkennen und für

konkrete Handlungsoptionen fruchtbar zu machen. Nicht zuletzt sind die oft recht starren

Bildungssysteme mitteleuropäischer Länder ein Zeugnis dafür.

Erw ähnensw ert im Zusammenhang mit der Konkretisierung der Jugendphase als bestimmtem

Altersspektrum ist das Ergebnis des vierten Berichts zur Lage der Jugend in Österreich

(2003) zur Frage nach der Selbstseinschätzung der befragten jungen Menschen als

„Jugendliche“. Demnach bezeichnen sich 90 % der 14-15-Jährigen, 70 % der 16-17-Jährigen,

aber nur noch 42 % der 18-19-Jährigen als „Jugendliche“. JedeR zw eite in dieser

Altersgruppe bezeichnet sich als „jungeR Erw achseneR“. 9 Damit w ird die klare Altersgrenze,

ab der die Jugendzeit endet, für die befragten jungen Menschen selbst unterschiedlich

bew ertet, sie kommt aber der in den meisten Jugendstudien definierten Altersgruppen sehr

nahe.

Stellenw ert von „Jugend“ in der Gesellschaft:

Einerseits w ird es für Jugendliche immer schw erer einen (Mode-)Trend für sich zu

beanspruchen, w eil es bei den älteren Generationen „chic“ w urde, ew ig jugendlich zu w irken

und Trends der Jugend aufzugreifen, andererseits sind die gesellschaftliche Macht, die

finanziellen Ressourcen und die öffentliche Aufmerksamkeit von der jungen zur älteren

Generation gew andert. Worauf viele Jugendliche mit der so genannten „Politikverdrossenheit“

und Ablehnung traditioneller Institutionen reagieren. Dadurch w ird es für PolitikerInnen immer

6 2003, 27ff

7 Es ist anzumerken, dass das Interpretationsspektrum zwischen diesen beiden Konzepten groß ist.

Wohl keine Theorie bzw. Konzeption von Jugend wird sich völlig auf die eine oder andere Seite

schlagen.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. 4. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich, Teil A, S. 5

6


schw ieriger, glaubhaft ihr Interesse an Jugendlichen und ihren Anliegen zu vermitteln. Das

Wahlalter auf 16 Jahre zu senken ist zu w enig. Jugendliche müssen auch einen

entsprechenden Stellenw ert innerhalb der Gesellschaft besitzen und dieser muss für sie

auch erlebbar sein. Umgekehrt kann dann auch von jungen Menschen erw artet w erden, dass

sie sich w ie ein Teil der Gesellschaft w ahrnehmen und auch die Bereitschaft besitzen

zunehmend Verantw ortung für ihr Tun und Handeln zu übernehmen. Für jede Gesellschaft ist

es existentiell, dass die junge Generation sich und ihre Ideen einbringen kann. Sie ist Garant

für Innovation und Erneuerung.

2. Methodisches Design und Themenwahl

Die vorliegende Studie ist Teil eines aus fünf Einzelstudien bestehenden Forschungsprojekts

im Bundesland Salzburg. Ziel w ar es, die jugendlichen Lebensw elten der fünf Bezirke des

Bundeslandes Salzburg anhand verschiedener Themenbereiche zu untersuchen. Die

Landeshauptstadt Salzburg ist damit ausgeklammert.

Welche Altersgruppe jew eils als „jugendlich“ definiert w ird, unterliegt in der Forschung oft

pragmatischen Gründen, um beispielsw eise aussagekräftige Vergleichsstudien über einen

längeren Zeitraum hinw eg zu erstellen. Die Selbsteinschätzung der Jugendlichen als eben

solche und die Perspektive der sie umgebenden Gesellschaft w andelt sich aber im Zuge

gesellschaftlicher Entw icklungen. Wie schon im Einleitungskapitel angesprochen, macht dies

ein klar definiertes Altersspektrum für Jugendliche schw ierig. Eine andere Möglichkeit für die

Untersuchung bietet sich durch den Bezug auf gemeinsame Lebensumstände w ie etw a im

Falle junger Menschen die Zeit der Ausbildung.

Für die vorliegende Studie w urden Jugendliche ab dem 13. Lebensjahr als Zielgruppe

gew ählt. In Österreich besucht man in diesem Alter in der Regel das letzte Schuljahr einer

Hauptschule oder das letzte Schuljahr der Unterstufe allgemein bildender höherer Schulen.

Nach diesem letzten Jahr stehen formal verschiedene Bildungsw ege für die w eitere

Laufbahn zur Ausw ahl. Daher kann dieses Jahr als Zeit fortgeschrittener Orientierung mit

w ahrscheinlicher Entscheidungssicherheit für die w eitere schulische Sozialisation

angesehen w erden und w ird relevant für w esentliche Themen im Rahmen der Erhebung. Das

Durchschnittsalter bei dieser Erhebung liegt bei 17 Jahren. Dass vorw iegend Schülerinnen

und Schüler, zu denen natürlich auch Lehrlinge als BerufsschülerInnen zählen, für die

vorliegende Studie herangezogen w urden, hat zum einen den Grund, dass die meisten

Jugendlichen in den schulischen Bildungsinstitutionen integriert sind und beinhaltet zum

anderen den pragmatischen Aspekt einer besseren Erreichbarkeit und sicherer

Rücklaufquoten.

In den späten Frühlingsmonaten des Jahres 2007 w urden insgesamt 1.500 Fragebögen

gedruckt und nach folgendem Schlüssel an verschiedene Schultypen der jew eiligen Bezirke

ausgeteilt (mit Angabe des Rücklaufs):

7


Schule Fragebo- Klassen Fragebögen Bezirk

gennummausge-

leer fehlend

er

füllt

F

HS Eugendorf

1-45 3 45 12

33

(1Kl.)

L

A

PTS Walserfeld 46-68 1 23 7 - C

LBS Obertrum 69-117 2 49 11 - H

BG Seekirchen 118-143 1 26 - 4 G

BHAK/ Oberndorf 144-164 1 21 8 1 A

BHAS Oberndorf 165-183 1 19 10 1 U

HBLA Neumarkt 184-209 1 26 - 4

BHAS Hallein 1-15 1 15 15 -

LBS Kuchl 16-51 3 36 41 23

HLMB Hallein 52-76 1 25 - 5

HS Golling 77-126 2 50 10 0

PTS Hallein 127-142 1 16 0 14

LBS Hallein 143-172 1 30 0 0

BG Hallein 173-181 1 9 21 -

HTL Hallein 182-231 2 50 - 10

HS Bad Vigaun 232-285 2 54 7

HS Radstadt 1-78 3 78 2 10

PTS Bischofshofen 79-91 1 13 16 -

LBS St. Johann 92-115 1 24 - 5

BG St. Johann 116-140 1 25 3 2

BORG St. Johann 141-159 1 19 - 11

BHAS St. Johann 160-170 1 11 5 14

BHAK St. Johann 171-196 1 26 - 4

Elisabethinum St.

Johann

197-222 1 26 - 4

HS Mariapfarr 1-41 2 41 0 19

PTS Tamsw eg fehlt 1 30

LBS Tamsw eg 42-62 1 21 1 7

BG Tamsw eg

Oberstufe

BG Tamsw eg

Unterstufe

63-92

93-115

1

1

53 6 1

BHAK Tamsw eg 116-146 1 31 17? -

BHAS Tamsw eg 147-158 1 12 15 3

9

T

E

N

N

E

N

G

A

U

P

O

N

G

A

U

L

U

N

G

A

U


FS St. Margarethen 159-173 1 15 - 15

Jugendzentrum 174-179 6

HS Bruck 1-68 3 68 - 22

PTS Saalfelden 69-92 1 24 5 1

LBS Zell am See 93-116 1 24 - 6

BGORG Zell am See 117-123 1 7 - 23

BG (Unterst.) Zell am

See

124-142 1 19 - 11

HTL Saalfelden 143-160 1 18 - 12

HBLA Saalfelden 161-191 1 31 - -

BHAS Zell am See 192-208 1 17 - 13

Anzumerken ist, dass ein Teil der Befragten über Jugendzentren erreicht w urde und dieser

vor Ort den Fragbogen ausgefüllt hat.

Die spezifische Zusammensetzung bzw . Ausw ahl der einzelnen Schulklassen innerhalb einer

Schule musste zum Teil pragmatischen Gründen unterliegen. Um innerhalb des begrenzten

Rahmens der Studie agieren zu können, kam es so in manchen Regionen zu einer

Überrepräsentanz einer Geschlechtergruppe oder eines der beiden definierten Bildungstypen.

Dies w urde bei der statistischen Berechnung von Unterschieden hinsichtlich dieser Merkmale

selbstverständlich berücksichtigt.

Die Zahl der an den Schulen ausgeteilten Fragebögen ergab sich aus den SchülerInnenzahlen

der Landesstatistik Salzburg, die somit die Ausw ahlgesamtheit für die Stichprobe bildete.

Diese w urde proportional nach der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Volksschule in

den jew eiligen Bezirken sow ie nach der zahlenmäßigen Verteilung auf die jew eiligen

Schultypen geschichtet. Damit meinen die Autorinnen angemessen aussagekräftige

Ableitungen aus dem Antw ortverhalten der jugendlichen Zielgruppe der vorliegenden Studie

vollziehen zu können.

Die Vorteile einer Erhebung ausschließlich an Schulen sind w ie bereits erwähnt die

Erw artbarkeit einer besseren Rücklaufquote, auf Grund der Erhebungssituation in

Klassenräumen aber auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, vollständig ausgefüllte

Fragebögen zurückzubekommen. Genau dieser letzte Punkt kann sich allerdings auch

nachteilig auf die Ergebnisse ausw irken, da die Situation im Klassenraum unter Aufsicht einer

Lehrperson und in unmittelbarer Nähe von MitschülerInnen hemmend w irken kann,

insbesondere bei sehr persönlichen Themen w ie Gesundheit oder Drogenkonsum. Die

Abw esenheit der Forscherinnen zum Zeitpunkt des Ausfüllens der Fragebögen durch die

SchülerInnen kann ebenfalls als ambivalent gesehen w erden insofern, dass zum einen die

Befragungssituation w eniger kontrolliert und eventuell entsprechend gestaltet w erden kann,

10

P

I

N

Z

G

A

U


andererseits aber diese Abw esenheit einer den SchülerInnen im Gegensatz zur Lehrperson

unvertrauten Person „entspanntere“ Atmosphäre vermitteln kann.

Als Erhebungsinstrument w urde also ein umfangreicher standardisierter Fragebogen

entw ickelt mit einer breiten Themenpalette. Er setzt sich aus offenen und geschlossenen

Fragen zusammen. Da geschlossene Fragen, insbesondere Fragebatterien oder andere

Frageformen mit vorgegebenen Antw ortkategorien suggestiv für die Befragten w irken können

und damit ihr Antw ortverhalten zu beeinflussen drohen, w urde vielfach zumindest darauf

geachtet, offene Antw ortmöglichkeiten als „Ausw eg“ anzubieten. Die Antw orten auf offene

Fragen w urden als qualitative Ergebnisse tabellarisch dargestellt (siehe Anhang) und in

Kategorien strukturiert. Die quantitativen Ergebnisse w urden mittels Statistikprogramm SPSS

14 ausgew ertet.

Zur Vertiefung einzelner Themenbereiche aus dem Fragebogen w urde für die fünf Bezirke

ein nicht standardisierter Interview leitfaden für teilstrukturierte Experteninterview s erstellt.

Zum einen w idmet er sich Themen, die in der (Medien-)Gesellschaft immer w ieder diskutiert

w erden, w enn es um „Jugendliche von heute“ geht, zum anderen w urden bezirksspezifische

Fragen integriert. Es ging vor allem um die Jugendarbeit im Bundesland bzw . den einzelnen

Bezirken im Besonderen, deren Verbesserung ja auch Ziel der Studie ist. Somit w urden als

ExpertInnen auch hauptsächlich Personen herangezogen, die in der offenen w ie auch der

aufsuchenden bzw . mobilen Jugendarbeit tätig sind. Mit der Einladung politischer AkteurInnen

in die ExpertInnenrunden sollten auch andere Perspektiven durch einen anderen Zugang zum

Thema „Jugend“ generell die Vielfalt an Vorstellungen fördern.

Mittels einer Kombination qualitativer und quantitativer Methoden ist die vorliegende Studie

bemüht, w enigstens einige „Graustufen“ zw ischen einzelnen quantitativ erfassten

Fragestellungen lesbar zu machen.

Fragebogen, die Ausw ertung der qualitativen Daten sow ie Interview leitfaden und die

Transkription der Interview s sind dem Anhang beigefügt.

Die Themen

Teil 1: Demographische Daten

In diesem ersten Teil w erden verschiedene Merkmale der Person abgefragt: Geschlecht, das

Alter unter Angabe des Geburtsjahres, die besuchte Schule sow ie die Postleitzahl des

Hauptw ohnsitzes. Das Geschlecht sow ie der nach zw ei Bildungstypen gruppierte schulische

11


Hintergrund bilden die w esentlichen unabhängigen Variablen für die Ermittlung von

Unterschieden hinsichtlich demographischer Merkmale. Die Bildungstypen definieren sich w ie

folgt: Bildungstyp 1 umfasst SchülerInnen der Hauptschulen, Berufsschulen, von Polytechnika

und der berufsbildenden mittleren Schulen (BMS). Bildungstyp 2 bezieht sich auf SchülerInnen

der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS-Unter- und Oberstufe) und der

berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Das Unterscheidungskriterium bildet also die

Abschlussprüfung (Matura), die bei Schulen des Bildungstyps 1 nicht vorgesehen ist, bei

Bildungstyp 2 angestrebt w ird.

Hinzu kam eine offene Abfrage über den eigenen Geburtsort sow ie jenen der Mutter und des

Vaters, um einen „Migrationshintergrund“ ermitteln zu können.

Warum ist das notw endig? Was verstehen w ir unter SchülerInnen mit

„Migrationshintergrund“?

Lebhart w eist mit seiner Migrantendefinition auf die Unterscheidung von „Ausländern“ und

„Migranten“ hin. Einerseits gehören zu letzteren alle Personen, die im Ausland geboren und

inzw ischen eingebürgert sind sow ie jene, die schon als „Inländer“ nach Österreich gekommen

sind. 10 Andererseits können die Kinder, die unter ausländischen Staatsangehörigen in

Österreich geboren und aufgew achsen sind, nicht als Immigranten bezeichnet w erden.

„Geburtsland“ und „Staatsangehörigkeit bei der Geburt“ gelten gemeinhin als

Identifikationsmerkmale. Dabei w ird unterschieden zw ischen einer „ersten

Migrantengeneration“, sie umfasst „die zugew anderte und im Ausland geborene Bevölkerung

mit nichtösterreichischer Staatsangehörigkeit zum Zeitpunkt der Volkszählung“ 11 und der

„zw eiten“ und „dritten Migrantengeneration“, sie umfasst die in Österreich geborene

Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit.“ 12 Von dieser Definition bew egt sich die

vorliegende Studie insofern w eg, dass die Staatsangehörigkeit der SchülerInnen sow ie deren

Eltern nicht als Kriterium dient, sondern lediglich das Geburtsland. Dabei w urden jene

Jugendliche als solche mit Migrationshintergrund definiert, deren Eltern im Ausland geboren

w urden.

Dies ist zugegeben eine äußerst w eite Definition, sie speist sich aus der Annahme, dass

Menschen mit Migrationshintergrund im Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung –

und dies scheint hier w esentlich – von derselben über ihre Kultur und/oder Religion definiert

bzw . betrachtet w erden. Die kulturelle Distanz ist denn auch der zentrale Streitpunkt in der

Auseinandersetzung von In- und Ausländern in Österreich 13 und kommt in Aussagen w ie

„Ausländer passen sich zu w enig an“ genauso zum Ausdruck w ie in „andere Kulturen sind

eine Bereicherung“. In der vorliegenden Studie w ird also davon ausgegangen, dass junge

10 Lebhart 2004, 54

11 Lebhart 2004, 55

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. Lebhart 2004, 85

12


Menschen von Eltern mit Migrationshintergrund kulturell anders sozialisiert w erden als jene,

deren Eltern in Österreich geboren w urden.

Relevant sollte dies nun einerseits lediglich hinsichtlich der Bestimmung der Anzahl von

SchülerInnen mit w ie oben definiertem Migrationshintergrund sein, andererseits w urde die

Frage nach dem Besuch von Jugendzentren in Teil 7 des Fragebogens u. a. hinsichtlich

dieses Merkmals unterschieden.

Teil 2: Wohnen

Nach den ersten Fragen zu demographischen Daten w ie Alter, Geschlecht und Wohnort folgt

im Fragebogen das Thema Wohnen. Hier ging es darum, die allgemeine Wohnsituation der

Jugendlichen anhand der Wohnform und Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation zu

erfragen.

Wie bzw . mit w em leben die befragten Salzburger Jugendlichen bzw . SchülerInnen

hauptsächlich zusammen, und gibt es hier Zusammenhänge in Bezug auf die

Zufriedenheit/Unzufriedenheit mit der Wohnsituation und möglicherw eise mit spezifischen

Störfaktoren?

Teil 3: Schule

Die Schule bildet zw eifellos den w esentlichen Bezugsrahmen der hier befragten Salzburger

Jugendlichen. Die soziale Institution der Schule ist nicht nur Hort für die Ausbildung im Sinne

der Aneignung grundlegender Wissensbestände als Voraussetzung für den späteren

Karriereverlauf, sondern ist auch Mittelpunkt bei der Integration in soziale Netzw erke, bei der

Bildung von Beziehungen. Hier erfährt der Einzelne Einbeziehung in w ie auch Ausgrenzung

aus sozialen Gruppen/Gemeinschaften und macht für die w eitere persönliche Entw icklung

w esentliche (gruppendynamische) Erfahrungen, um sich in der Gesellschaft als

eigenständiges Individuum zurechtzufinden.

Blenden w ir den gesamtgesellschaftlichen Hintergrund ein, in dem sich das System Schule

heute bew egt, kann festgestellt w erden, dass sich, bedingt durch Individualisierung und der

Etablierung einer Kultur gesteigerter Leistungserw artungen an jeden Einzelnen, gew achsene

Anforderungen an die Schule ergeben. Und damit an alle AkteurInnen, die Teil des Systems

Schule in engerem Sinne sind: SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern.

Für Novotny liegen in diesem System auch Vorbedingungen für einen Realitätsverlust: Dies

liegt beispielw eise an der Rolle der Schule als Institution, die

- Berechtigungen und Lebenschancen verteilt,

- Kinder besuchen müssen

- ein starres hierarchisches System mit vielfältigen Abhängigkeitsverhältnissen ist,

- mit überhöhten Erw artungen an die LehrerInnen zu kämpfen hat und

13


- immer w eniger den an sie gestellten Anforderungen gerecht w ird: „Sie gerät

zunehmend unter Beschuss konservativer w ie progressiver Positionen, ihr

pädagogisches Selbstverständnis zerfällt, es droht der Bankrott.“ 14

Ein immer w ieder zitierter steigender Leistungsdruck für die SchülerInnen von heute mag

Ausdruck dieser Entw icklungen sein.

Um die allgemeine Lage und Sichtw eise der befragten Jugendlichen im Hinblick auf zentrale

Fragestellungen zum Thema Schule zu eruieren, w urde versucht, einerseits die

Stimmungslage/ Befindlichkeit der Jungendlichen zu ermitteln, andererseits auf

Beziehungsaspekte innerhalb und zw ischen den oben genannten w esentlichen schulischen

AkteurInnen SchülerInnen – LehrerInnen – Eltern einzugehen.

Teil 4: Arbeit

Das Thema Arbeit ist in der erhobenen Altersgruppe vermutlich vor allem für Lehrlinge

relevant und MaturantInnen. Daneben gibt es aber auch kurzfristige Arbeitsverhältnisse w ie

Ferialjobs oder Praktika, mit denen einige junge Menschen die Ferienzeit ausfüllen w ollen, um

sich finanziell besser zu stellen und/oder in ihre praktische Ausbildung zu investieren. Im

Mittelpunkt des Themenkomplexes stehen die Frage nach der Informiertheit über verschiedene

arbeitsrelevante Themen und die Einschätzung der Arbeitsmarktsituation von den befragten

Jugendlichen. Zum letzten Punkt gibt es immer w ieder mediale Debatten w ie etw a zu

Lehrstellenmangel (auch w enn in Salzburg die Situation diesbezüglich sow ohl an sich positiv

zu bew erten ist w ie auch im Vergleich mit Gesamt-Österreich) oder etw a

Jugendarbeitslosigkeit, die sich in den Köpfen der Menschen auf ihre Einschätzung der

Situation ausw irken.

Teil 5: Mobilität

„Jung sein bedeutet Loslösung, Unbeständigkeit, Bew egung und Schnelligkeit, mit einem Wort

Mobilität im ursprünglichen Sinn. Jugendliche entw ickeln spätestens mit 15 Jahren einen

hohen selbständigen Mobilitätsbedarf, um sich gesellschaftlich zu integrieren.“ 15

Wege zur Schule, zum Ausbildungsplatz oder zu Freunden und Treffs erfordern Mobilität.

„Anders gesagt: Soziale Handlungen Jugendlicher gründen auf Mobilität.“ 16 Dieser spezifische

Mobilitätsbedarf junger Menschen muss vor allem vor dem Führerscheinalter durch öffentliche

Verkehrsmittel gestillt w erden. Dabei ist ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz

w esentlich auch für das Erreichen einer gew issen Unabhängigkeit der Jugendlichen

gegenüber einem Angew iesensein auf z. B. Eltern oder ältere Personen mit Führerschein.

Jugendliche stellen hierfür bestimmte Anforderungen an die öffentlichen Verkehrsmittel. Für

sie sollte die Möglichkeit geschaffen w erden, auch ohne Auto vollw ertige Verkehrsteilnehmer

14 Novotny 1996, 24.

15 Nowak 1999, 3

16 Baier/ Tully 2006, 131

14


zu sein. Gerade in sehr ländlich geprägten Regionen ist eine – vor allem im Jugendalter

gew ünschte – Mobilitäts(infra-)struktur oft nicht gew ährleistet. Allgemein ist festzustellen,

dass das Erreichen des 18. Lebensjahres bzw . der Erw erb des Führerscheins eine Schw elle

im Mobilitätsverhalten darstellt: Zu einer Abkehr von öffentlichen Verkehrsmitteln und einer

großen Bedeutung des Autos.

In diesem Themenkomplex geht es ausgehend von der generellen Nutzung verschiedener

Verkehrsmittel daher hauptsächlich um eine Bew ertung der öffentlichen Verkehrsmittel an

sich sow ie des Verkehrsnetzes durch die Jugendlichen.

Teil 6: Freizeit

Durch das enge, geregelte Eingebundensein in das System Schule kommt der Freizeit für

Jugendliche eine besondere Bedeutung zu. Schule – Freizeit ist gar schon ein gegenteiliges

Begriffspaar. Auch in Hinblick auf gegenw ärtige oft gegeneinander laufende gesellschaftliche

Entw icklungstendenzen von Anpassung und Leistungsdruck einerseits sow ie

Individualisierung andererseits gew innt Freizeit eine besondere Bedeutung und zeigt sich in

einer enormen Vielfalt an Freizeittätigkeiten und -stilen. Freizeit ist als Konsumgut zu einem

w ichtigen Wirtschaftsfaktor gew orden. Die Freizeitindustrie kann dabei durchaus beides

bedingen: Entlastung und Ausgleich zu Alltag aber auch eine zw anghafte Beziehung dazu

etw a im Rahmen des Strebens nach Selbstverw irklichung.

Das Thema Freizeit beinhaltet eine allgemeine Abfrage zu den Freizeitaktivitäten der

Jugendlichen. Die Betätigung in Vereinen w ird als Freizeitbeschäftigung eigens abgehandelt.

Wichtig erscheint auch, w ie zufrieden die Mädchen und Burschen mit dem Freizeitangebot in

Ihrer Umgebung sind und w ie sie über verschiedene Angebote informiert sind bzw . informiert

w erden w ollen.

Teil 7: Jugendzentren

Jugendzentren sind spezielle Einrichtungen zur Gestaltung der Freizeit für junge Zielgruppen,

die dort unter Betreuung die Zeit verbringen, etw as planen oder organisieren können. Die

Erhebung des Besuchs bzw . des Interesses Jugendlicher an Jugendzentren erscheint

sinnvoll für eine grobe Evaluation eines Bereiches der (offenen) Jugendarbeit. Durch offene

Fragen soll hier zusätzlich eruiert w erden, w elche Haltung Jugendliche gegenüber diesen

Einrichtungen haben.

Teil 8: Alkohol/Drogen, Gesundheit

Alkohol und Jugendliche sind im vergangenen Jahr als Medienthema unter dem Schlagw ort

„Komatrinken“ recht unheilsam liiert w orden. Somit w urde Komatrinken auch zum Unw ort des

Jahres 2007 in Österreich gekürt. Jugendliche KomasäuferInnen schienen bisw eilen die

Normalität einer verw irrten Generation abzubilden. Aktuelle Debatten bilden immer w ieder

auch für die Forschung den Anstoß, „Anlassstudien“ zu erstellen, w as als ambivalent

15


gesehen w erden kann. Einerseits können durch die bloße Häufigkeit solcher Studien

durchaus Vorurteile verstärkt bzw . bestätigt w erden, andererseits haben sie freilich das

Potenzial zur Versachlichung einer Debatte. Was w ie kommuniziert w ird, können Ergebnisse

w elcher Art auch immer einer Studie aber allzu oft nicht beeinflussen.

Die vorliegende Studie konnte nicht umhin, sich diesem Thema zu w idmen: Einerseits geht es

um den quantitativen Alkoholkonsum, andererseits um die Eruierung von Gründen exzessiven

Alkoholkonsums.

Auch vom Rauchen und Zigarettenkonsum unter den jugendlichen Befragten soll ein Bild

vermittelt w erden, sow ie des Konsums verschiedener Drogen bzw . Rauschmittel. Innerhalb

des Teilbereichs Gesundheit, der zugegebenermaßen sehr w eit gefasst ist, w ird eine

Einschätzung des Gesundheitszustandes der Jugendlichen erhoben. Um der laufenden

Diskussion um mögliche gesundheitliche Effekte durch elektromagnetische Felder (EMF)

Rechnung zu tragen w urde unter dem Kapitel Gesundheit auch das Ausmaß der individuellen

Handynutzung erhoben. Die Bew ertung von Aussagen hauptsächlich gesundheitsrelevanter

Fragestellungen zu „Liebe-Beziehung-Sexualität“ w urde ebenfalls in diesen Bereich gefasst.

16


Teil 9: Konsum/Finanzen

Bei diesem Thema geht es zunächst um die Frage nach der finanziellen Situation der

Jugendlichen und für w elche Dinge sie ihr Geld hauptsächlich verw enden. In Zusammenhang

damit steht die Frage nach Verschuldung und w odurch diese verursacht w urde. Es soll damit

auch überprüft w erden, ob häufig zitierte Aussagen, dass vor allem das Handy als heute

eines der w ichtigsten Kommunikationsmittel der Jugendlichen eine ernst zu nehmende

Schuldenfalle darstelle, für die Salzburger Jugendlichen zutrifft. Ferner w ird versucht, mittels

einer Bew ertung von Aussagen das Selbstverständnis im Umgang mit Geld zu ermitteln.

Teil 10: Jugend und Politik

Seit Jahren w ird unter Jugendlichen eine zunehmende Politikverdrossenheit vermutet. 17

Laut der deutschen Shell-Jugendstudie bekennt sich aber eine überw ältigende Mehrheit von

ihnen zur Demokratie als die beste Regierungsform, auch demokratiekritische Jugendlichen

sehen keine Alternative zur Demokratie. 18 Gleichzeitig jedoch stehen Jugendliche zunehmend

kritisch den traditionellen politischen Partizipationsformen und Organisationsstrukturen w ie z.

B. politischen Parteien, Unternehmerverbänden, Regierung und Politikern gegenüber. Es

besteht zunehmend Konsens darüber, dass unter Jugendlichen keine generelle

Politikverdrossenheit herrscht, sondern viel eher einer Verdrossenheit gegenüber politischen

Parteien und PolitikerInnen. Viele junge Leute denken, dass PolitikerInnen jeglichen Bezug zur

Basis verloren hätten und sie nicht im Interesse der einfachen BürgerInnen agieren w ürden.

Gleichzeitig haben viele Jugendliche auch den Eindruck, dass sich PolitikerInnen nicht w irklich

für ihre Anliegen interessieren. Aus der Sicht der Jugendlichen w äre es vermutlich korrekter

von einer Jugendverdrossenheit der PolitikerInnen zu sprechen als von einer

Politikverdrossenheit der Jugend. 19 Treffend hierzu meint etw a Burdew ick in

Zusammenfassung ihrer Interview s mit Jugendlichen, dass PolitikerInnen eine fremde Sprache

sprechen, sie kennen sich w enig aus mit Jugendlichen und gehen w enig auf ihre Bedürfnisse

ein und sind in der Regel zu alt, um die Bedürfnisse der Jugendlichen verstehen zu können.

„[…] den Akteuren in der Politik mangelt es in der Regel an moralischer Integrität und an

Kompetenz bzw . Durchsetzungsfähigkeit, w enn es um die Lösung existenziell bedeutsamer

Probleme geht.“ 20

Generell w äre zu diesem Thema jedoch zunächst einmal die Frage zu stellen, w ie politisch

Jugendliche sein müssen, w enn man der Jugendzeit zugestehen möchte, dass andere, aus

deren Perspektive w ohl w eit näher an ihrer Lebensw elt liegende Dinge w ichtiger sind. 21

Auch der Vorw urf, Jugendliche interessierten sich nur für ihre eigenen Belange, kann nicht

gelten, w enn man neuere Studienergebnisse aus dem deutschsprachigen Raum heranzieht.

17 Vgl. Hoffmann-Lange 1995a, 2001

18 Vgl. Schneekloth 2006, 113

19 Vgl. Hurrelmann et al. 2004, 43

20 Burdewick 2001, 5ff

21 Vgl. von Alemann 2006, 10

17


Die kritische Haltung gegenüber politischen Akteuren und Aktivitäten zeigt sich etw a darin,

dass Jugendliche für sich andere Formen der sozialen Beteiligung entdeckt haben,

beispielsw eise das Interesse und Engagement für Umw eltschutz oder Entw icklungspolitik. 22

Man müsste demnach die Definition konventioneller politischer Beteiligung in Form von Wählen

gehen“, „sich selbst w ählen lassen oder einer “Partei beizutreten“ erw eitern.

Eindrucksvoll im Zusammenhang mit dem oben genannten Vorw urf an die Jugendlichen kommt

auch das Österreichische Institut für Jugendforschung zum Ergebnis, dass das Motiv für

Engagement bei Jugendlichen mit größter Zustimmung im „Einsatz für andere“ liegt. 23

Der Themenkomplex w ird im Fragebogen zum einen über die Frage nach der Beteiligung an

verschiedensten, hauptsächlich jugendspezifischen Formen der Partizipation abgehandelt.

Eine Bew ertung von Aussagen zu Politik, w ie etw a dem allgemeinen Interesse daran, Wählen,

Gemeinde und Informiertheit u. a. sow ie eine offene Frage, die zur Äußerung diesbezüglicher

Wünsche an PolitikerInnen einlädt, schließen das Thema ab.

Teil 11: Werte:

Die Frage nach den Wertorientierungen der Jugendlichen von heute stellt zumeist die

spannendste in der Jugendforschung dar und stößt allgemein bei Sozialforschern auf

besonderes Interesse. Mit Vorliebe w ird ein Schema verschiedener Wertorientierungen

entw ickelt, um einzelne Werthaltungen der Jugendlichen besser einordnen bzw . zum Teil

auch politischen Orientierungen zuordnen zu können, darauf w urde bei dieser Studie im

Wesentlichen verzichtet.

In vorliegender Studie ging es den Autorinnen vor allem darum, die Einstellungen Jugendlicher

in Bezug auf Gesellschaft abzufragen, indem versucht w urde Werte w ie persönliche Freiheit,

Unabhängigkeit, Leistungsorientierung, Pluralismus, Toleranz, Solidarität, Konformität,

Wohltätigkeit, Familie, Tradition, Glaube, Sicherheit, Nationalstolz, Natur und Umw elt usw . in

verständliche Sätze mit teilw eise aktuellen Bezügen zu formulieren, um diese dann von den

Befragten bew erten zu lassen, inw iefern diese Aussagen für sie zutreffen bzw . nicht

zutreffen.

Augenmerk w urde in diesem Teil auch auf das Thema „In- und AusländerInnen“ gelegt. Eine

Reihe von Aussagen sollten hier bew ertet w erden. Thematisch scheint dies einerseits vor

dem Hintergrund einer in Österreich besonders brisant geführten Wahlkampagne in Bezug auf

MigrantInnen bzw . Einw anderung vor allem bei der letzten Nationalratsw ahl relevant.

Allgemein scheint in Österreich w ie kaum in einem anderen Land dieses Thema die Gemüter

zu erhitzen. Lebhart folgert aus drei repräsentativen Befragungen aus den Jahren 1992, 1998

und 2001:

22 Vgl. Godewerth 2006, 17

23 Vgl. ÖGJ-Endbericht 2005, 22

18


„Die Ergebnisse zeigen, dass Migration zu Veränderungen innerhalb der

Aufnahmegesellschaft beiträgt, die sich in neuen soziokulturellen Konfliktlinien manifestieren.

Öffentliche Wahrnehmung von Zuw anderung, mediale Berichterstattung, politische und

private Diskussionen verstärken in diesem Zusammenhang jedenfalls die Differenzierungsund

Abgrenzungsbedürfnisse. Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang auch

fremdenfeindliche Einstellungsmuster. Migration erscheint daher auch jenseits kultureller

Konkurrenz als potenzielle Bedrohung der eigenen Gemeinschaft. Einstellungen zu Fragen der

Integration sind seit 1992 deutlich positiver gew orden, obw ohl für bestimmte

Zuw anderergruppen nach w ie vor zum Teil starke Vorbehalte in der österreichischen

Bevölkerung vorliegen.“ 24 Ein relativ hoher Afteil der österreichischen Bevölkerung nimmt den

Ergebnissen zufolge subjektiv „zu viele Ausländer“ w ahr.

24 Lebhart 2004, 129

19


3. Ergebnisse der Akzente Jugendstudie für das Bundesland

Salzburg: Bezirk Lungau

3.1 Eine kurze Einführung in den Lungau

Quelle: SAGIS (Salzburger Geographisches Informationssystem)

Auf die etw a 7.000 km� große Fläche des Bundeslandes Salzburg verteilen sich sechs

politische Bezirke. Die Stadt Salzburg bildet hierbei eine eigene Einheit, umschlossen vom sich

nach Norden hinziehenden Flachgau (Salzburg-Umgebung), spiralförmig dem Uhrzeigersinn

folgend hängt sich einer der Gebirgsgaue, der Lungau im Südosten an das Land, es

schließen sich der Pongau in der Mitte und der großräumige Pinzgau im Westen an, Kern der

„Spirale“ bildet demnach der Tennengau. Die nahezu 530.000 Einw ohner mit Hauptw ohnsitz

im Bundesland verteilen sich auf 119 Gemeinden. 25

25 Vgl. http://www.salzburg.gv.at/themen/se/bezirke.htm

20


Der durch die Gebirgskette der Tauern geographisch geradezu abgeschnitten scheinende

Lungau ist mit etw as über 21.000 Einw ohnern der kleinste der fünf Bezirke. 26 Mit einer Fläche

von etw a 1.000 km� ist er hiermit der am dünnsten besiedelte Bezirk (21 Einw ohner/km�).

Der von der Bezirkshauptstadt Tamsw eg aus verw altete Bezirk ist überaus ländlich geprägt.

Mit nicht ganz 6.000 Einw ohnerInnen vereint Tamsw eg nur w enig mehr als ein Viertel der

Gesamtbevölkerung des Lungaus auf sich. Es folgen der Einw ohnerzahl nach die Gemeinden

Sankt Michael (3.600) und Mariapfarr (2.300).

Jugendliche im Alter von 15-24 Jahren gibt es im Lungau derzeit etw a 2.800. 27 Die EuRegio

Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein listet insgesamt drei spezielle

Jugendeinrichtungen – Jugendtreffs – auf (Tamsw eg, St. Margarethen, Muhr). 28

Als Ansprechpartner für Jugendliche selbst, aber auch Gemeinden und deren politische

VertreterInnen, Jugendorganisationen, Jugendinitiativen oder Schulen treten verschiedene z.

T. vom Land unterstützte Jugendeinrichtungen in Erscheinung. Diese sind in allen Bezirken

des Landes Salzburg vertreten, so auch im Lungau. Kernaufgaben der kommunalen und

regionalen Jugendarbeit sind Beratung, Begleitung, Strukturverbesserungen im Sinne der

Jugendlichen und Vernetzung. Einen Bereich der regionalen und kommunalen Jugendarbeit in

den Bezirken bilden auch die regionalen Jugendinformationsstellen. Betrieben w ird vor allem

die offene, außerschulische Jugendarbeit. ExpertInnen sind beispielsw eise in den Bereichen

Suchtprävention, Gender-Aktivitäten, kulturelle Projekte, Weiter- und Fortbildung in der

Jugendarbeit sow ie in der Jugendinformation tätig.

Was die schulischen Bildungseinrichtungen betrifft, w eist der Lungau 30 Schulen auf. Neben

den Hauptschulen (4) gibt es eine polytechnische Schule, eine Berufsschule, drei

Berufsbildende Mittlere Schulen und zw ei Berufsbildende Höhere Schulen, w obei die

berufsbildenden Schulen im kaufmännischen und w irtschaftsberuflichen sow ie land-

/forstw irtschaftlichen Bereich angesiedelt sind, sow ie eine Allgemein Bildende Höhere

Schule. Der Rest entfällt auf die Volksschulen und eine Sonderschule. 29

Was die w irtschaftliche Entw icklung des Bezirks betrifft, zeigen landesstatistische Daten aus

dem Jahr 2006, dass in allen Bezirken des Landes mit Ausnahme des Lungaus die

Bevölkerung im Vergleich zu 2002 leicht gew achsen ist. Dort ist die Bevölkerungszahl seither

leicht zurückgegangen. 30

26

Vgl. Landesstatistischer Dienst. Bevölkerung per 1.1.2006. Bevölkerungsdaten der Salzburger

Gemeinden, S. 24.

27

Vgl. Landesstatistischer Dienst. Bevölkerung per 1.1.2006. Bevölkerungsdaten der Salzburger

Gemeinden, S. 22 u. S. 52.

28 Vgl. Liste der Jugendzentren der EuRegio, http://www.euregio-juzi.de/info.php.

29 Vgl. Schulwesen in Österreich 2002/2003.

30 Vgl. http://www.salzburg.gv.at/bev06-langf.pdf

21


Einen w eiteren Indikator für die w irtschaftliche Entw icklung bildet die Beschäftigungszahl. Die

sich Anfang 2007 niederschlagende positive Beschäftigungsdynamik erfasste alle Bezirke

Salzburgs, auch das ursprüngliche „Sorgenkind“ Lungau. Laut jüngster Studie der Salzburger

Arbeiterkammer (AK) 31 konnte sich der Lungau prozentuell mit einem Plus von 4,6 Prozent

deutlich von den anderen Bezirken abheben. Dies bedeutet für den Lungau im Jahr 2008 in

konkreten Zahlen, dass es um 278 Arbeitsplätze 32 mehr als im vergangenen Jänner gibt. Die

größten Zuw achsraten w eist das Gastgew erbe und der Bereich der Warenherstellung auf.

Dennoch ist die w eitgehende geographische Abgeschlossenheit des Lungaus in mancherlei

Hinsicht problematisch für die dortige Bevölkerung. Von 2002 bis 2005 ist die

Wanderungsbilanz negativ, mehr Personen sind w eg- als zugezogen. 2,2 % (knapp 500)

Einw ohnerInnen verlor der Lungau in diesem Zeitraum. Nach ihrer w irtschaftlichen

Zugehörigkeit verteilt sich die Bevölkerung vor allem auf die Bereiche Sachgütererzeugung,

Bauw esen, Handel sow ie Land- und Forstw irtschaft. 33

Die w irtschaftliche Entw icklung des Lungaus beschreibt die Bezirkshauptmannschaft so:

„Die w irtschaftlich beste Zeit erlebte der Lungau in früheren Jahrhunderten, w eil die

transalpinen Handelsstraßen durch den Bezirk verliefen und auch der Bergbau eine w ichtige

Einnahmequelle bildete. Mit der großen europäischen Industrialisierung und der Errichtung von

Eisenbahnen gingen diese Wirtschaftsfaktoren verloren. Die Hälfte des Bezirkes ist heute

bew aldet.“ 34

Die seit 1975 bestehende Tauernautobahn beförderte die Erschließung des Lungaus durch

den Tourismus, der heute einen nicht unw esentlichen Wirtschaftszw eig darstellt (siehe

Zuw achsraten von Arbeitsplätzen im Bereich Gastgew erbe). Dennoch haben viele ihren

Arbeitsplatz nicht hier, w as sich an vielen BerufspendlerInnen aus dem Lungau zeigt.

31 Vgl. Arbeiterkammer Salzburg (AK) (2008):

32 Vgl.ebd.

33 Vgl. Statistik Austria, Volkszählung Salzburg, S. 82f.

34 Vgl. http://www.salzburg.gv.at/themen/se/bezirke/bh-tamsweg/allgemeines-5/geschichte-2.htm

22


3.2 Quantitative und qualitative Ergebnisse nach Themen

3.2.1 Metadaten

Mit 57 % dominieren die w eiblichen Befragten die Geschlechterverteilung innerhalb des

Lungaus. In der Grundgesamtheit zeigt sich eine relativ ausgew ogene Verteilung der

Geschlechter über die Schulen insgesamt.

Mit einem Durchschnittsalter von 15,8 Jahren bzw . fast Dreiviertel der Befragten (74,4 %)

zw ischen 14 und 17 Jahren ist die Zielgruppe für die vorliegende Jugendstudie eindeutig

erreicht w orden. Die 15-Jährigen gehören dabei zu der zahlenmäßig größten Gruppe mit 24

%. Mit knapp 20 % folgen die 14-Jährigen, dann die 17-Jährigen mit 18 %.

23


Bei der Aufteilung der Befragten auf die einzelnen Schultypen liegt mit knapp 26 % die

Hauptschule (HS) an erster Stelle. Dieser deutliche Überhang kommt den realen

Gegebenheiten in der Grundgesamtheit der SchülerInnen nahe. Dieser Sachverhalt w irkt sich

damit auch auf die Verteilung in den jew eiligen Bildungstypen aus.

Es folgen die höheren Bildungsstufen mit der Handelsakademie (HAK) sow ie der Oberstufe

der Allgemein Bildenden Höheren Schule (AHS) mit jew eils 18%.

Relativ ausgew ogen ist die Verteilung der Geschlechter auf die einzelnen Schultypen.

Lediglich in der Berufsschule gibt es einen deutlichen Überhang junger Frauen (9,5 %

24


gegenüber knapp 2 % bei den jungen Männern). Die LBS Tamsw eg ist Ausbildungsort für

folgende Lehrberufe: Einzelhandel, Farbenfachhandel, Verw altungsassistent, Buchhaltung,

Bürokaufmann, Rechtskanzleiassistent, Immobilienkaufmann und Baustoffe. Vor allem die

Lehrberufe Einzelhandel und Bürokaufmann w erden vermehrt von jungen Frauen gew ählt.

Bedeutender w ird die Verteilung nach Schultypen durch die Zusammenführung in

Bildungstypen.

Der Bildungstyp I ist mit etw a 45 % vertreten und Bildungstyp II mit rund 55 %. Somit ergibt

sich eine leichte Überrepräsentation des Bildungstyps II. Unter Bildungstyp I sind folgende

Schultypen zusammengefasst: Berufsschule, Hauptschule, Polytechnikum sow ie

Berufsbildende Mittlere Schulen w ie die Handelsschule. Diese Schultypen haben keinen

Abschluss mit Matura bzw . w ird dieser formal nicht angestrebt. Bildungstyp II, mit rund 55 %

vertreten, beinhaltet die AHS-Unter- und Oberstufe und die BHS. Diese Schultypen schließen

mit der Matura bzw . w ird diese formal angestrebt. Im Falle des Einbezugs der AHS-Unterstufe

ist das Argument, dass diese tendenziell von SchülerInnen besucht w ird, deren schulische

Laufbahn auf die Matura „hinausläuft“.

25


Anhand der Angabe der Postleitzahl des Hauptw ohnsitzes zeigt sich, dass knapp 21 % der

befragten SchülerInnen aus dem Zentrum (Gemeinden über 5.000 EW) Tamsw eg stammen.

Einen sehr großen Anteil haben im Lungau Ansässige aus anderen Bundesländern bzw .

Bezirken, insgesamt 14 %, w obei über 12 % aus der Steiermark stammen.

Anzumerken ist, dass knapp 17 % keine Angabe zu ihrem Hauptw ohnsitz gemacht haben.

26


Anhand der Angabe des Geburtslandes w urde auch eine Verteilung nach „Herkunft“

errechnet. Die Gruppe der „MigrantInnen“ definiert sich in der vorliegenden Studie, w ie

eingangs erläutert aus der Annahme „kultureller Sozialisation“ heraus, nach der Herkunft der

Eltern. Rund 83 % sind demnach „ÖsterreicherInnen“, 8 % „MigrantInnen“. Die Gruppe

„Österreich und anderer Staat“ meint, dass jew eils nur ein Elternteil immigriert ist, w obei der

Schüler/die Schülerin zumeist in Österreich geboren ist.

Von den 17 MigrantInnen kommen 6 aus Bosnien, der Rest verteilt sich hauptsächlich auf

andere Staaten östlich von Österreich.

27


3.2.2 Wohnen

Die Frage, w o die meiste Zeit über gew ohnt w ird, ergab ein sehr eindeutiges Ergebnis. Rund

85 % der SchülerInnen leben demnach bei den Eltern. Die Wohnform mit einem Elternteil,

nämlich bei der Mutter, ist mit knapp 8 % vertreten. Andere Wohnformen folgen ebenfalls in

großem Abstand. Es gab noch drei eigenständige Nennungen w obei zw ei Personen angaben,

dass sie beim Freund w ohnen und eine Person bei der Halbschw ester w ohnt.

28


Die große Mehrheit ist außerdem zufrieden mit der Wohnsituation, nämlich über 90 %. Etw as

über 9 % äußern sich unzufrieden über ihre persönliche Wohnsituation, w obei eine

mehrfache Angabe von Gründen möglich w ar. Von den 18 Personen, die hierzu etw as

äußern, w ünschen sich fünf den Auszug von zu Hause, können es sich aber nicht leisten,

jew eils vier bemängeln, keinen Platz zu haben, an dem sich Jugendliche aufhalten dürfen

bzw . Probleme mit der Nachbarschaft.

Unter der Antw ortkategorie „Sonstiges“ benannten vier Personen ihre Probleme mit der

Nachbarschaft näher w ie Streitigkeiten oder Nicht-Mögen, dass die Nachbarskinder immer am

Wochenende schreien aber auch dass es zu Konflikten kommt, w eil man selbst Lärm macht.

Eine Heimschülerin hat noch Probleme mit der ihrer Meinung nach „schlechten Rechtslage und

unfähigen Heimbetreuern“.

(Detailauflistung der Nennungen siehe Anhang unter „Qualitative Tabellen“)

3.2.3 Schule

Anhand eines Sets von Smileys mit unterschiedlichen Stimmungsausdrücken sollte eine

Momentaufnahme der Befindlichkeit an der Schule ermittelt w erden. Die Skala stellt dabei keine

richtige Rangordnung dar („nachdenklich“, „gestresst“), um in Zusammenhang mit dem Thema

Schule ein angemesseneres Spektrum an Befindlichkeiten abzudecken. Über zw ei Dritteln der

Lungauer Jugendlichen, die hier etw as angaben, ging es im Zeitraum der Befragung offenbar

29


gut. Bei über der Hälfte w ar „alles okay“, knapp 14 % fühlte sich sehr glücklich. Ein knappes

Fünftel sieht sich „nachdenklich“. Bei den knappen 7 % gestressten SchülerInnen kann

vermutet w erden, dass der Zeitraum der Befragung kurz vor Beginn der Sommerferien oft

angespannt ist und somit eine Rolle spielte (Noten/Zeugnisse).

Zw ischen Männern und Frauen und dem Befinden konnte kein Zusammenhang festgestellt

w erden, sehr w ohl hingegen bei Bildungstypen.

Die Gruppe des Bildungstyps I hat sich zum Zeitpunkt der Befragung w ohler gefühlt als die

Gruppe des Bildungstyps II.

So w ar für rund 66 % des Bildungstyps I und für rund 46 % des Bildungstyps II „alles okay“.

Hingegen fühlte sich Bildungstyp II (27,8 %) im Vergleich zu Bildungstyp I (9,1 %)

„nachdenklicher“. 35 Ferner dominierte der Bildungstyp II bei den Antw ortkategorien „w ütend“

(5,6 %) und „gestresst“ (8,9 %) im Vergleich zu Bildungstyp I (1,9 % und 3,9 %).

Anschließend sollten zw ei w ichtige Gründe für die Wahl der Schule angegeben w erden. 36 60

% gaben persönliches Interesse als Hauptgrund an. Die Hälfte entschied sich außerdem auf

Grund der Nähe dafür, an dritter Stelle w ird als Grund die Voraussetzung für den

Berufsw unsch von einem Fünftel genannt.

Somit kann generell festgestellt w erden, dass genauere Überlegungen (Interesse,

Berufsw unsch/Planung) bei der Wahl der Schule w eit w ichtiger sind als pragmatische

Gründe (z. B. Nähe).

35 Cramer’s V 0,331 (mittlerer Zusammenhang, sehr signifikant)

36 Aufgrund dieser mehrfachen Angabe von Gründen ergeben die Prozentzahlen der einzelnen Optionen mehr

als 100%.

30


Unter den sonstigen Gründen mischen sich diese beiden Kategorien: „Wegen Matura, viele

Berufsmöglichkeiten“, „gute Allgemeinbildung, nette Mitschüler“, „Bessere Chancen an einer

anderen Schule aufgenommen zu w erden“ und andererseits „Vater hat auch diese Schule

besucht“, „Meine Schw ester geht auch dort hin“ und „w usste nicht w ohin sonst“.

(Detaillierte Auflistung der Nennungen siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

Bei der Wahl einer Schule spielen nicht nur Interesse und Zukunftsplanung eine Rolle,

sondern, w ie schon oben festgestellt w urde, Sachzw änge w ie z. B. die Erreichbarkeit.

Folgende Zusammenhänge zw ischen Geschlecht bzw . Bildungstypen und Motive für die

Schulw ahl können festgestellt w erden.

Rund 31 % der jungen Frauen und rund 10 % der jungen Männer geben an, dass sie die

Schule gew ählt haben, w eil sie eine w ichtige Voraussetzung für ihren Berufsw unsch sei. 37

Für rund Dreiviertel des Bildungstyps II ist das persönliche Interesse für die Schulw ahl

ausschlaggebend gew esen (Bildungstyp I rund 43 %). 38

Hingegen ist es beim Bildungstyp I (20 %) noch w ichtiger, dass der beste Freund bzw . die

beste Freundin die Schule besucht, als beim Bildungstyp II (6 %). 39

37 Cramer’s V 0,252 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

38 Cramer’s V 0,323 (mittlerer Zusammenhang, hoch signifikant)

39 Cramer’s V 0,205 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

31


Positiv fällt diesbezüglich das Ergebnis hinsichtlich der Einschätzung des Schulangebotes in

der Nähe aus: Über die Hälfte findet es eher gut, ein w eiteres knappes Fünftel sehr gut. Ein

knappes Viertel findet es allerdings eher schlecht. Festzustellen ist ferner, dass die Gruppe

des Bildungstyps I zufriedener ist als jene des Bildungstyps II. Rund 29 % des Bildungstyps I

und rund 12 % des Bildungstyps II empfinden das Schulangebot in ihrer Nähe als „sehr gut“,

hingegen ist es für ein Drittel (33 %) des Bildungstyps II und 14, 5 % des Bildungstyps I „eher

schlecht“. 40

Hinsichtlich Geschlechtes kann kein Zusammenhang festgestellt w erden.

Auf die offen gestellte Frage, ob ein Schultyp abgehe, antw orteten 57 Personen, w ovon 22

Personen keine w eitere Schule abgeht. Die häufigste Nennung bezieht sich auf den Schultyp

HTL, den 16 Personen nachfragten. Je vier Personen geht eine HBLA bzw . eine

Tourismusfachschule ab. Ferner w erden noch Schultypen w ie Medizinisch-Technische-

Schule, Modeschule, Kunst-Theater-Schauspielschule, Schule mit Sportschw erpunkt und

Gymnasien mit besonderem Schw erpunkt genannt. (Detailübersicht siehe Anhang „Qualitative

Tabellen“).

In Zusammenhang mit der vorhergehenden Frage steht die Frage nach der Informiertheit über

die verschiedenen Möglichkeiten des Schulbesuchs. Nur w enn man über verschiedene

Schultypen informiert ist, kann man die Möglichkeiten, die sich in der Nähe bieten, angemessen

bew erten. Zw ei Drittel fühlen sich eher gut informiert, w eitere knappe 14 % sehr gut, nicht

ganz ein Fünftel eher schlecht.

40 Somers’d 0,242 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

32


Bei der offenen Frage, was an der Schule besonders gut gefunden wird, äußerten

sich 115 SchülerInnen. Auch hier ist das Spektrum der Antw orten sehr vielfältig, w as immer

w ieder auch mit dem Besuch unterschiedlicher Schultypen und den damit verbundenen

besonderen Erfahrungen zu tun hat. Generell lassen sich jedoch w iederum zw ei Arten von

Antw orten unterscheiden, die die Äußerungen der SchülerInnen gut zusammenfassen: Zum

einen w erden vor allem die Vorzüge genannt, die sich an den Fächern des jew eiligen

Schultyps, den räumlichen Gegebenheiten oder etw a dem Schulgebäude festmachen, aber

auch pragmatische Überlegungen zur Lage der Schule:

„Allgemeinbildung“, „die Computerräume“, „Dass sie RENOVIERT w ird“, „Man kann mit dem Rad

hinfahren und man muss nicht unbedingt mit dem Bus. Man lernt sehr viel in dieser Schule“,

„die Werkräume und den guten Ruf der Schule“, „die Zukunftschancen“, „Sehr gute

Berufsorientierung“.

Auf der anderen Seite spielen vor allem die Personen, mit denen man Umgang in der Schule

hat, eine Rolle. Aspekte des Schulklimas bzw . des Miteinanders von LehrerInnen und

SchülerInnen sind hier w ichtig: „die Menschen“, „Die Lehrer sind sehr streng, unterrichten

sehr gut!!!“, „Die nette Zusammenarbeit zw ischen Schülern, w enn man etw as nicht w eiß,

w ird einem schnell geholfen“, „Dass ich Freunde habe“, „Nette Mitschüler, nette Lehrer“,

„Klima an der Schule“.

(Detailauflistung siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

33


Eindeutig ist das Ergebnis bei der Frage nach negativen Aspekten in Zusammenhang mit der

Schule. Fast 38 % nennen Leistungsdruck/Schulstress als w ichtigsten Faktor. Etw a ein

Viertel ist zufrieden und äußert keine Probleme. Probleme mit LehrerInnen bzw . eine

ungerechte Benotung folgen mit jew eils mehr als einem Fünftel. Mit knapp 11 % sind auch

Probleme mit MitschülerInnen in Form von Mobbing ein Thema.

Steigender Leistungsdruck in der Schule w ird immer w ieder in Zusammenhang mit einer

„Leistungsgesellschaft“ genannt. Dabei w ird von verschiedenen Studien, so etw a auch den

Shell-Jugendstudien der letzten Jahre eine zunehmende Identifikation junger Menschen mit

Leistungsprinzipien ausgemacht, ohne dabei zu revoltieren. Auch der österreichische

Leistungsdruck-Report 2007 kommt zum Ergebnis, dass Stress und Leistungsdruck zu einer

Grundbefindlichkeit junger Menschen gew orden sei. Die dort befragten 11-29-Jährigen

äußerten in großer Mehrheit, dass der Druck in Schule/Arbeit/Studium von Jahr zu Jahr

zugenommen habe bzw . fühlen sie sich selbst stark unter Druck. 41

Bei der Kategorie „Leistungsdruck/Schulstress“ kann ein sehr schw acher Zusammenhang

zw ischen Bildungstypen festgestellt w erden, der signifikant ist. 42

Rund 46 % des Bildungstyps II und rund 28 % des Bildungstyps I gaben an, unter

Leistungsdruck bzw . Schulstress zu leiden.

Ebenso kann bei der Antw ortkategorie „Probleme mit LehrerInnen“ ein sehr schw acher

Zusammenhang in Bezug auf Bildungstypen festgestellt w erden, der signifikant ist. 43

So haben rund 30 % des Bildungstyps II und rund 14 % des Bildungstyps I „Probleme mit ihren

LehrerInnen“. Ferner geben 11,2 % des Bildungstyps II und 2,8 % des Bildungstyps I an, dass

sie an ihrer Schule Probleme mit AusländerInnen hätten an. 44

Ein sehr schw acher Zusammenhang konnte auch zw ischen Geschlecht und der

Antw ortkategorie „Probleme mit Rassismus/Intoleranz“ festgestellt w erden, w obei diese

Kategorie von keiner jungen Frau, aber von 5,7 % der jungen Männer gew ählt w urde. 45

41 Leistungsdruck Report 2007, S. 6f.

42 Cramer’s V 0,187

43 Cramer’s V 0,194

44 Cramer’s V 0,160 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

45 Cramer’s V 0,180 (signifikant)

34


Sehr positiv zu bew erten ist der Umgang mit Problemen an der Schule: zw ei Drittel der

SchülerInnen gaben an, dass diese in Kooperation mit SchülerInnen und LehrerInnen

angegangen w ürden. Sehr häufig setzen sich den Ergebnissen gemäß auch SchülerInnen für

eine Lösung ein.

35


Auf die Frage, w as man sich an der Schule w ünsche, w ird von etw a 30 % ein größerer

Praxisbezug genannt. Ein gutes Viertel äußert sich zufrieden. Neben verschiedenen

räumlichen Umgestaltungen/Verbesserungen innerhalb der Schule scheinen auch mehr

Wahlfächer w ichtig zu sein. Diese sind jedoch vor allem SchülerInnen des Bildungstyps II

(AHS, BHS) ein Anliegen: Über 30 % hier stehen nur knapp 6 % innerhalb des Bildungstyps I

(HS, BS, Poly, BMS) gegenüber. 46 Als Wahlfächer w erden von den SchülerInnen vor allem

Sprachen gew ünscht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Wunsch nach mehr Praxisbezug. Über 40 % des Bildungstyps

II und 19 % des Bildungstyps I w ollen mehr Praxisbezug an ihrer Schule. 47

In der Kategorie „Sonstiges“ gibt es sehr unterschiedliche Antw orten, die einerseits sich mit

räumlichen Gegebenheiten auseinander setzen andererseits vor allem um den Wunsch

zusätzlicher Fächer (vor allem Sprachen w ie Spanisch aber auch Kreativ-Fächer und Sport)

kreisen.

(Detailnennungen siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

46 Mittlere Korrelation nach Cramer’s V (0,318); höchst signifikant (0,000).

47 Cramer’s V 0,225 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

36


3.2.4 Arbeit

Die Frage, ob bereits Joberfahrungen gemacht w urden, bejahten rund 52 % der befragten

SchülerInnen. Nur etw as w eniger, 48 % haben noch keine Arbeitserfahrungen gesammelt.

Bei Joberfahrungen ging es im w eitesten Sinne um Praktika, Ferialjobs oder auch das

Innehaben einer Lehrstelle. Zw eifelsohne beeinflusst damit der Anteil der BerufsschülerInnen

immer auch das Ergebnis, im Lungau ist dieser Anteil jedoch eher gering.

37


Wenig überraschend ist der Zusammenhang von Alter und Joberfahrungen. Sind es

zw ischen 14 und 16 Jahren um die 40 %, die bereits solche Erfahrungen gemacht haben,

steigt der Anteil bei den 17-Jährigen auf 57 %, bei den 18-Jährigen sind es bereits 81 %.

Es existiert ebenso ein schw acher Zusammenhang zw ischen Bildungstyp und Joberfahrung,

der sehr signifikant ist. 48 Innerhalb der Gruppe des Bildungstyps I gibt es einen Anteil von rund

65 % der bereits Joberfahrung besitzt und innerhalb der Gruppe des Bildungstyps II beträgt

dieser Anteil rund 43 %.

Abgefragt w urde auch, w ie die SchülerInnen zu einzelnen Themen rund um

Arbeit/Arbeitsmarkt informiert sind. Über verschiedene Berufsmöglichkeiten sow ie Aus- und

Weiterbildungsmöglichkeiten geben sich die meisten SchülerInnen als gut informiert (ersteres

rund 80 % eher gut/sehr gut bzw . zw eites rund 72 % eher gut/sehr gut). Besonders w enig

48 Cramer’s V 0,217

38


Information besitzen die Befragten zu Arbeitsmöglichkeiten im Ausland, dies stößt aber

generell auch auf w eniger Interesse. Auslandserfahrungen spielen w ährend des

Eingebundenseins in das Schulsystem vermutlich generell kaum eine Rolle.

Informationsdefizite gibt es offenbar bei Arbeitsrecht, w orüber sich rund 50 % eher schlecht

bzw . sehr schlecht informiert fühlen, ähnlich ist es bei Berufsberatungsstellen und

Ferialjobs/Praktika.

Jobben im Ausland (n = 167)

Aus- und

Weiterbildungsmöglichkeiten

(n = 169)

Arbeitsrecht (n = 169)

Ferialjobs/Praktika (n = 168)

Lehrstellen (n = 168)

Berufsberatungsstellen (n =

169)

verschiedene

Berufsmöglichkeiten (n =

170)

2,4

3,6

10,1

7,7

10,1

15

20,1

26,5

Subjektiver Informationsstand: Thema Arbeit

31,0

34,9

40,5

33,7

Wie gut fühlst du dich

inform iert zum Them a

„Arbeit“ (in %) n

40,1

52,1

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

sehr

gut

54,1

39

42,9

37,9

28,6

41,4

eher

gut

31,1

23,1

13,7

13

21,4

11,8

17,6

sehr gut

eher gut

eher schlecht

sehr schlecht

interessiert mich nicht

eher sehr

interessie

rt mich

schlecht schlecht nicht

verschiedene Berufsmöglichkeiten 170 26,5 54,1 17,6 1,8 0

Berufsberatungsstellen 169 10,1 33,7 41,4 11,8 3

Lehrstellen 168 3,6 31,0 42,9 13,7 8,9

Ferialjobs/Praktika 168 7,7 40,5 28,6 21,4 1,8

Arbeitsrecht 169 10,1 34,9 37,9 13 4,1

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

169 20,1 52,1 23,1 4,1 0,6

Jobben im Ausland 167 2,4 15 40,1 31,1 11,4

Bei „offene Lehrstellen“ ist die anschließende Einzel-Grafik zu betrachten, denn diese

Kategorie kann sich nur auf jenen Teil der SchülerInnen beziehen, die auch (auf Grund des


Schultyps) eine Lehre anstreben bzw . viel eher daran interessiert sein könnten (BS, HS, Poly)

als etw a SchülerInnen des Bildungstyps II.

Hier meint die Hälfte der der Gruppe des Bildungstyps I, eher gut informiert zu sein,

konterkariert aber durch nicht w enige (37 %), die sich eher schlecht informiert fühlen.

Prozent (n = 64)

60

50

40

30

20

10

0

Subjektiver Informationsstand: offene Lehrstellen

(HS, BS, Poly)

6,25

50

37,5

6,25

40

sehr gut

eher gut

eher schlecht

sehr schlecht

Erw artungsgemäß ist das Ergebnis bei der Aufschlüsselung nach Bildungstypen: Bildungstyp

I schätzt sich bei verschiedenen Berufsmöglichkeiten (91 %) und Berufsberatungsstellen

(knapp 58 %) als w esentlich besser informiert ein im Vergleich zu Bildungstyp II. 49 Das heißt

zw ar nicht, dass SchülerInnen dieses Bildungstyps hier ihren Informationsstand als prinzipiell

schlecht einstufen. Bei erst genannter Kategorie fühlen sich SchülerInnen des Bildungstyps II

ebenfalls eher gut informiert (rund 59 % eher gut), bei der subjektiven Informiertheit über

Berufsberatungsstellen scheint jedoch ein größeres Informationsdefizit zu bestehen. 50

Dies hängt vermutlich zum Teil auch damit zusammen, dass für SchülerInnen des

Bildungstyps II die längere schulische Laufbahn noch w eniger die Auseinandersetzung mit

arbeitsmarktspezifischen Fragen erfordert.

49 Die Prozentzahlen fassen die Ausprägungen „eher gut“ und „sehr gut“ zusammen.

50 Berechnungen der Zusammenhänge: Mittlere Korrelation nach Cramer’s V, höchst signifikant.


Ferialjobs/

Aus- u. Jobben im

Praktika Arbeitsrecht Weiterbildung Ausland

versch.

BerufsBerufsbe- offene

möglichkeitenratungsstellenLehrstellen Subjektiver Informationsstand zum Thema Arbeit nach Bildungstypen

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

Subjektiver Informationsstand zum Thema

Arbeit nach Bildungstypen (in %)

Prozent (n = 170)

Typ I (n =

versch. Berufsmöglichkeiten (n = 77)

170) Typ II (n =

93)

Typ I (n =

76)

Berufsberatungsstellen (n = 169)

Typ II (n =

offene Lehrstellen (n = 168)

93)

Typ I (n =

75)

Typ II (n =

93)

sehr eher

gut gut

41

sehr gut

eher gut

eher schlecht

sehr schlecht

interessiert mich nicht

eher sehr interessiert

schlecht schlecht m ich nicht

42,9 48,1 6,5 2,6 0

12,9 59,1 26,9 1,1 0

14,5 43,4 26,3 13,2 2,6

6,5 25,8 53,8 10,8 3,2

5,3 45,3 37,3 10,7 1,3

2,2 19,4 47,3 16,1 15,1


Ferialjobs/ Praktika (n = 168)

Arbeitsrecht (n = 169)

Aus- u. Weiterbildung (n = 169)

Jobben im Ausland (n = 167)

Typ I (n =

76)

Typ II (n =

92)

Typ I (n =

76)

Typ II (n =

93)

Typ I (n =

76)

Typ II (n =

93)

Typ I (n =

74)

Typ II (n =

93)

42

7,9 40,8 30,3 19,7 1,3

7,6 40,2 27,2 22,8 2,2

13,2 32,9 34,2 11,8 7,9

7,5 36,6 40,9 14 1,1

21,1 51,3 19,7 7,9 0

19,4 52,7 25,8 1,1 1,1

4,1 14,9 37,8 28,4 14,9

1,1 15,1 41,9 33,3 8,6

Abgefragt w urden auch die von den SchülerInnen verw endeten Informationsquellen, w enn

es um das Thema Arbeit geht bzw . die Arbeitssuche. Dabei w ar eine mehrfache Angabe von

Antw orten möglich. Hier herrschen „traditionelle“/personengebundene Anlaufstellen bzw .

Medien vor: Über die Hälfte (knapp 53 %) geben das AMS als Informationsquelle an, für über

45 % spielen Freunde eine große Rolle, Ansprechpartner in der Schule sind ebenfalls sehr

w ichtig. In Internetjobbörsen w ird von rund 21 % der Befragten nach Jobs und Praktika

gesucht und rund ein Viertel steuert direkt „Homepages von Firmen“ an, um sich über offene

Stellen bzw . Praktika zu informieren. Unter „Sonstiges“ w erden vor allem Eltern und

Verw andte als Informationsquellen genannt.

Bezüglich einer Unterscheidung nach Geschlecht zeigt sich bei Zeitungsinserat ein sehr

schw acher Zusammenhang, der signifikant ist. 51 Rund 35 % der jungen Frauen und rund 17

% der jungen Männer bevorzugen Zeitungsinserate als Informationsquelle für offene Stellen

bzw . Praktika.

Es konnten auch Zusammenhänge zw ischen Bildungstypen und der Wahl von

Informationsquellen zum Thema Arbeit festgestellt w erden. Für den Bildungstyp I sind

Schule/Lehrer 52 und das AMS 53 eine w ichtige Informationsquelle und für Bildungstyp II sind es

vermehrt Freunde 54 .

51 Cramer’s V 0,195

52 Cramer’s V 0,226 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

53 Cramer’s V 0,166 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

54 Cramer’s V 0,182 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)


Für rund 62 % des Bildungstyps I und rund 45 % des Bildungstyps II ist das AMS eine

w ichtige Anlaufstelle. Für rund die Hälfte der Gruppe Bildungstyp I sind Schule und Lehrer

eine w ichtige Informationsquelle für Stellenangebote beim Bildungstyp II trifft dies nur auf 28

% zu. Dafür informiert sich Bildungstyp II (53,8 %) lieber bei Freunden über Praktika und

offene Stellen als Bildungstyp I (35,5 %).

Schule/LehrerIn/ Schulpsycholog/e/in

Zeitungsinserate

Homepages von Firmen

Internetjobbörsen

Akzente Ferialjobbörse

Berufsberatungsstelle

Informationsquellen zu Arbeit

AMS

Freunde

Sonstiges

10,1

43

13,6

14,8

20,7

26,6

24,9

37,9

45,6

52,7

0 10 20 30 40 50 60

Prozent (n = 169)

Anschließend w urde anhand verschiedener Antw ortmöglichkeiten nach der Einschätzung

der Arbeitsmarktsituation in der Umgebung gefragt. Die Indikatoren hierfür beziehen sich

einerseits auf gesamtgesellschaftliche Entw icklungen (z. B. Arbeitslose, Aufstiegschancen)

und andererseits speziell auf den Jugendarbeitsmarkt (z. B. Lehrstellen, Ferialjobs).

Generell kann hier von einem recht negativen Bild gesprochen w erden. Die Aussagen

„genügend Jobs“, „genügend Aufstiegschancen“, „genügend Lehrstellen“, „großes Angebot

an verschiedenen Berufen“ sow ie „genügend Ferialjobs/Praktika“ w erden mit deutlicher

Mehrheit (zw ischen 45 % und 63 %) verneint. Bei „w enig Arbeitslose“ verteilen sich

Zustimmung und Ablehnung auf jew eils über 30 %.

Sehr hoch ist auch der Anteil derer, die nicht w issen, w ie sie die Situation einschätzen

können/w ollen. Er liegt zw ischen 18 % und 26 %, bei „w enig Arbeitslose“ sogar bei über

36 %.

Bezüglich der Einschätzung solcher Aussagen spielen immer auch die spezifischen

vorherrschenden Meinungsströme, stark durch die mediale Berichterstattung geformt, und die

jew eilige Orientierung an einem politischen Raum (Bezirk, Bundesland, darüber hinaus?) eine

Rolle. Betrachtet man die Statistik, so kann die Situation am Arbeitsmarkt im Lungau


(gemessen an Indikatoren w ie Arbeitslosenzahlen und Beschäftigungszahlen) als eher

problembehaftet bew ertet w erden. 55

Im Lungau spiegelt sich jedenfalls die w irtschaftliche Lage, die im Vergleich zu den anderen

Bezirken auf Grund verschiedener Faktoren (siehe Einleitung) benachteiligt ist, in den

Einschätzungen der Jugendlichen w ider.

Nach Bildungstypen ergibt sich lediglich ein Zusammenhang dahingehend, dass Bildungstyp II

die Aussage „großes Angebot an verschiedenen Berufen“ mit über 70 % gegenüber knapp

54 % bei Bildungstyp I deutlich verneint. 56

Ein ähnliches Bild ergibt sich bezüglich der Aussage „genügend Ferialjobs/Praktika“ die

ebenfalls vermehrt vom Bildungstyp II mit rund 60 % (Bildungstyp I 27,3 %) verneint w ird. 57

Bezüglich Geschlechtes kann kein Zusammenhang mit der Einschätzung der

Arbeitsmarktsituation festgestellt w erden.

Prozent

70

60

50

40

30

20

10

0

57,1

genügend Jobs (n = 170)

3.2.5 Mobilität

23,5

19,4

48,5

genügend Lehrstellen (n = 169)

33,1

Einschätzung Arbeitsmarkt

18,3

45

genügend Ferialjobs/Praktika (n = 169)

32,5

22,5

44

56,2

genügend Aufstiegschancen (n = 169)

17,2

26,6

63,1

großes Angebot an Berufen (n = 168)

55 Vgl. http://www.salzburg.gv.at/arbmrktq107-langf.pdf

56 Cramer’s V 0,203, (schwacher Zusammenhang, signifikant)

57 Cramer’s V 0,341 (mittlerer Zusammenhang, hoch signifikant)

21,4

15,5

wenig Arbeitslose (n = 170)

36,5

32,4 31,2

nein

ja

weiß ich nicht


Bei der Frage nach der Häufigkeit der Nutzung verschiedener Verkehrsmittel zeigt sich, dass

der Bus das w ichtigste Verkehrsmittel für die Mobilitätsbedürfnisse der Jugendlichen im

Lungau ist. Etw a zw ei Drittel benutzen den Bus häufig (= täglich bzw . mehrmals in der

Woche). Wege zu Schule und Ausbildungsplatz spielen hier sicherlich die w ichtigste Rolle.

Dies zeigt auch eine vom Verkehrsclub Österreich herausgegebene Studie des

Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr. 58 Der Zug spielt im Lungau kaum eine

Rolle, die Gebirgsregion ist auch kaum durch ein Schienennetz erschlossen.

Dagegen w ird das Fahrrad mit rund 60 % häufiger NutzerInnen neben dem Bus am meisten

genutzt.

Der motorisierte Individualverkehr (MIV) durch Auto und Moped/Motorrad ist deutlich

unterrepräsentiert. Moped/Motorrad w ird von 6,6 % mehrmals in der Woche bis täglich (4,8

%) genutzt, und das Auto von rund 6,5 % mehrmals in der Woche bis 8,3 % täglich.

Fahrgemeinschaften w erden von rund 5 % täglich, 13 % mehrmals in der Woche, 11 % einmal

in der Woche und von fast 20 % zumindest einmal im Monat genutzt.

Nachtbus und Discotaxi spielen vermutlich vor allem an Wochenenden bzw . zum Ausgehen

eine Rolle, sie w erden von rund 15 % der SchülerInnen einmal pro Woche bzw . von 19 %

einmal pro Monat genutzt.

58 Vgl. Verkehrsclub Österreich (Hg) (1999).

45


Fahrrad (n = 169) Zug (n = 169)

Häufigkeit der Nutzung von Verkehrsmitteln

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100

%

Häufigkeit der Nutzung

verschiedener Verkehrsmittel (in

%) n täglich

46

mehrmals

in der

Woche

täglich

mehrmals in der Woche

1x pro Woche

1x pro Monat

nie

1x pro

Woche

1x pro

Monat nie

Fahrrad 169 31,4 30,2 14,8 14,8 8,9

Moped/Motorrad 167 4,8 6,6 3 8,4 77,2

Auto 169 8,3 6,5 1,2 0,6 83,4

Bus 171 42,7 22,8 5,8 15,2 13,5

Zug 169 7,7 2,4 3 16 71

Fahrgemeinschaften 169 4,7 13 11,2 19,5 51,5

Nacht-Taxi/Discobus 171 1,8 4,1 15,2 19,3 59,6

Betrachtet man das Mobilitätsverhalten der Jugendlichen ab 16 Jahren (ab diesem Alter kann

mit dem Kleinmotorrad ohne Führerschein gefahren w erden), können nur tendenzielle

Aussagen gemacht w erden. Hier zeigen sich kaum Unterschiede zum Gesamtbild hinsichtlich

einer w esentlichen Verlagerung in Richtung MIV.

Bus und Fahrrad verlieren gegenüber dem Moped/Motorrad nicht an Bedeutung, dessen Rolle

bleibt eher unw ichtig.

Bei den SchülerInnen ab 18 Jahren w ird dagegen die Bedeutung des eigenen Autos

ersichtlich, w obei hier aber sehr vorsichtig interpretiert w erden muss, denn nur 29 der

befragten Lungauer SchülerInnen fallen in die besagte Altersgruppe. Über die Hälfte nutzen


das Auto täglich (35 %) oder mehrmals in der Woche (21 %), zugleich tritt die Bedeutung aller

anderen Verkehrsmittel deutlich zurück. Knapp 35 % verw enden das Auto nie.

Zischen Geschlecht und Häufigkeit der Nutzung kann bei Nacht-Taxi bzw . Discobus ein

schw acher Zusammenhang, der sehr signifikant ist, festgestellt w erden. 59

Junge Frauen verw enden Nacht-Taxi bzw . Discobus häufiger als junge Männer. Von den

jungen Männern verw enden rund 72 % nie Nacht-Taxi bzw . Discobus, bei den jungen Frauen

sind es rund 50 %. 20 % der jungen Frauen und rund 10 % der jungen Männer benutzen

Discozubringer einmal pro Woche. Kein junger Mann aber rund 6 % der jungen Frauen

benutzen diesen Dienst sogar mehrmals in der Woche. Einmal pro Monat nutzen 22 % der

jungen Frauen und 17 % der jungen Männer das Nacht-Taxi bzw . den Discobus.

Ferner kann bei der Nutzung von Moped/Motorrad ein schw acher nicht proportionaler

Zusammenhang zw ischen Nutzungshäufigkeit und Geschlecht festgestellt w erden, der sehr

signifikant ist. 60 So nutzen einerseits 6,3 % der jungen Frauen und 3 % der jungen Männer

das Moped/Motorrad täglich, umgekehrt nutzen rund 15 % der jungen Männer und 1 % der

jungen Frauen das Moped/Motorrad mehrmals in der Woche.

Nacht-

Taxi/

Discobus

(n = 167)

Fahrgemeinschaften

(n = 165)

Zug

(n = 165)

Bus

(n = 167)

Auto

(n = 165)

Moped/

Motorrad

(n = 163)

Fahrrad

(n = 165)

Häufigkeit der Nutzung von Verkehrsmitteln nach Geschlecht

weibl. (n = 95)

männl. (n = 72)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 71)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 71)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 71)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 71)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 67)

weibl. (n = 93)

männl. (n = 72)

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100

%

47

täglich

mehrmals die Woche

1 x pro Woche

1 x pro Monat

nie

Häufigkeit der n Geschlecht täglich mehrmals 1 x pro 1 x nie

59 Somers’d 0,242

60 Cramer’s V 0,295


Nutzung von

Verkehrsmitteln:

Nach Geschlecht

männl. (n =

72)

Fahrrad 165

w eibl. (n =

93)

männl. (n =

67)

Moped/ Motorrad 163

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

71)

Auto 165

w eibl. (n =

94)

männl. (n =

71)

Bus 167

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

71)

Zug 165

w eibl. (n =

94)

männl. (n =

71)

Fahrgemeinschaften 165

w eibl. (n =

94)

männl. (n =

Nacht-Taxi/

72)

167

Discobus

w eibl. (n =

95)

48

die Woche Woche pro

Monat

40,3 26,4 12,5 12,5 8,3

24,7 34,4 16,1 16,1 8,6

3 14,9 4,5 6 71,6

6,3 1 2,1 10,4 80,2

5,6 8,5 1,4 1,4 83,1

9,6 5,3 1,1 0 84

39,4 26,8 9,9 15,5 8,5

44,8 20,8 3,1 14,6 16,7

5,6 2,8 2,8 18,3 70,4

9,6 2,1 3,2 14,9 70,2

4,2 12,7 8,5 19,7 54,9

4,3 13,8 12,8 19,1 50

1,4 0 9,7 16,7 72,2

1,1 6,3 20 22,1 50,5

Anschließend sollten anhand verschiedener Aussagen die öffentlichen Verkehrsmittel

hinsichtlich Verbindung, Anschlüsse sow ie anderer qualitativer Aspekte w ie z. B. Fahrpläne,

Preise und Personal bew ertet w erden. Bei dieser Frage w urde ein Filter aktiviert. Wurde die

zuvor gestellter Frage nach der Häufigkeit der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel mit

„nie“ beantw ortet, so gelten bei dieser Frage fehlende Angaben als „Filter-Missings“.


Eine gute Verbindung zur Arbeit/Schule sehen über 54 % der SchülerInnen als zutreffend/ 24

% eher zutreffend, gute Anschlussmöglichkeiten w erden von rund 28 % als zutreffend bzw .

37 % als eher zutreffend gesehen. Etw as w eniger eindeutig fällt die Beurteilung der Aussage

„genügend Öffis am Tag“ aus, rund 25 % finden diese Aussage als zutreffend bzw . rund 31

% als eher zutreffend. Dies korrespondiert in gew isser Weise mit der großen Zustimmung zur

Aussage „oft überfüllt – kein Sitzplatz“ (über 45 % trifft zu/26 % trifft eher zu), denn dieses

hängt freilich auch mit der Frequenz der Fahrten zusammen.

Mehrheitlich w ird ein Mangel öffentlicher Verkehrsmittel am Abend beklagt, über die Hälfte

(51,3 %) finden die Aussage „abends zu w enige Öffis“ zutreffend bzw . rund 31 % als eher

zutreffend.

Nicht allzu schlecht w ird das Preis-Leistungsverhältnis der „Öffis“ bew ertet. Für rund 22 %

ist es zutreffend bzw . für rund 43 % ist es eher zutreffend, dass das Preis-

Leistungsverhältnis okay ist. Dies korrespondiert auch damit, dass mehr als die Hälfte es

verneinen (rund 17 %) bzw . eher verneinen (rund 38 %), dass die Öffis zu teuer seien.

Eher schlecht bew ertet w erden die Freundlichkeit des Personals sow ie die Sauberkeit der

Fahrzeuge, einen Pluspunkt gibt es für übersichtliche Fahrpläne.

Insgesamt fällt das Urteil der Lungauer SchülerInnen über die öffentlichen Verkehrsmittel aber

schlecht aus: Nur rund ein Drittel findet die Aussage „ich fahre gerne mit Öffis“

zutreffend/eher zutreffend. Der Großteil gibt an, dass er mit den Öffis unterw egs ist, w eil er

muss bzw . keine andere Möglichkeit hat.

49


abends zu w enige Öffis (n = 154)

oft überfüllt - kein Sitzplatz (n = 154)

fahre mit Öffis, w eil ich muss (n = 153)

fahre gerne mit Öffis (n = 155)

Öffis zu teuer (n = 154)

Preis-Leistung okay (n = 154)

Fahrpläne übersichtlich (n = 152)

Personal freundlich (n = 155)

Fahrzeuge sind sauber (n = 155)

genug Öffis am Tag (n = 153)

gute Anschlussmöglichkeiten (n = 152)

gute Verbindung (Schule/Arbeit) (n = 155)

Bewertung von öffentlichen Verkehrsmitteln

8,4

11,6

22,7

22,1

16,8

28,3

24,8

28,3

51,3

45,5

45,1

25,2

32,3

54,2

50

22,7

36,8

42,9

30,7

36,8

36,1

46,1

26

27,5

37,4

31,2

37,7

27,1

24,5

30,7

8,5

20,8

18,8

25

19,7

11,7

30,3

14,2

19

16,9

14,3

18,7

19,4

5,8

9,7

5,9

13,7

9,9

7,1

0% 20% 40% 60% 80% 100%

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu

Es konnten Zusammenhänge nach Bildungstypen festgestellt w erden, w obei der Bildungstyp

II den öffentlichen Verkehrsmitteln generell kritischer eingestellt sind.

Empfinden 63 % des Bildungstyps I es als zutreffend, dass es eine gute Verbindung zu ihrer

Schule bzw . Arbeit gibt, so sind es beim Bildungstyp II nur 47 %. 61

Rund 48 % des Bildungstyps II empfinden es als nicht bzw . eher nicht zutreffend, dass die

öffentlichen Verkehrsmittel, die sie benutzen, über gute Anschlussmöglichkeiten verfügen,

beim Bildungstyp I sind es rund 19 %. 62

Der Großteil (52,4 %) des Bildungstyps II findet es als nicht bzw . eher nicht zutreffend, dass

es genügend öffentliche Verkehrsmittel am Tag gibt, beim Bildungstyp I sind es rund 35 %. 63

Rund 81 % des Bildungstyps II und 62 % des Bildungstyps I empfinden es als zutreffend bzw .

eher zutreffend, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, w eil sie müssen bzw . keine

andere Alternative besitzen. 64

61 Somers’d 0,205 (schwacher proportionaler Zusammenhang, sehr signifikant)

62 Somers’d 0,302 (mittlerer proportionaler Zusammenhang, hoch signifikant)

63 Somers’d 0,249 (schwacher proportionaler Zusammenhang, sehr signifikant)


Zu berücksichtigen ist, dass die Gruppe des Bildungstyps II oft w eitere Strecken mit

öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Schule zurückzulegen haben als die Gruppe des

Bildungstyps I.

fahre mit

Öffis, weil

ich muss (n

= 153)

gute

Anschluss-

genug Öffis

am Tag (n =

153)

möglichkeiten

(n = 152)

gute

Verbindung

(Schule/Arbeit)

(n = 155)

Bewertung von öffentlichen Verkehrsmitteln: Nach Bildungstypen

(nur signifikante Zusammenhänge)

Typ II (n = 84)

Typ I (n = 69)

Typ II (n = 84)

Typ I (n = 69)

Typ II (n = 83)

Typ I (n = 69)

Typ II (n = 85)

Typ I (n = 70)

16,7

21,7

40,6

34,8

36,2

48,8

47,1

31

62,9

30,1

21,7

30,4

51

44,9

23,5

32,1

7,2

34,5

34,9

26,1

25,7

20

9,5

30,4

17,9

13

9,5

8,7

13,3

5,8

9,4

7,1 4,3

0% 20% 40% 60% 80% 100%

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu

Ferner w urde den Jugendlichen noch die Möglichkeit geboten, anhand einer freien

Texteingabe Verbesserungsvorschläge für die öffentlichen Verkehrsmittel zu benennen. Die

hohe Anzahl von Nennungen w eist auf die Bedeutung des Themas hin.

Die 103 Angaben orientieren sich im Wesentlichen und in unterschiedlicher Intensität an den

oben benannten Indikatoren für die Bew ertung der „Öffis“. Zusammenfassend können vor

allem drei Kategorien genannt w erden, die den Jugendlichen am Herzen liegen:

Eine Verbesserung der Anschlüsse und Fahrzeiten bzw . mehr Sitzplätze, w obei diese beiden

Kategorien freilich miteinander verknüpft sind:

„Die Öffis sollen mehr Sitzplätze haben und schneller w erden“, „mehr Sitzplätze“, „mehr Öffis,

damit man nicht stehen muss“, „sollten eine Stunde früher fahren!“, „mehr Busse, mehr

Sitzplätze“, „sollten alle halbe Stunde fahren“, „Stundenverkehr! Alle Stunden sollte man mit

dem Bus, Zug w o hinkommen!“, „öftere Fahrzeiten“, „Mehrere Verbindungen/Möglichkeiten

auch in die Steiermark zu gelangen!“, „Bessere, vor allem öftere Verbindungen nach Salzburg

(und zurück), Murtalbahn ist eine Zumutung (langsam, stinkt, schiach)“, „Auch am Abend

64 Somers’d -0,184 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)


fahren; billiger; öfter“, „mehr Verbindungen/billiger/modernisieren (alte STLB-Züge)“, „bessere

Verbindungen am Wochenende und abends“, „letzten Dienstag ist es mir passiert, dass ich

w ohin fahren w ollte, am Fahrplan stand, dass um 19.13 Uhr ein Bus ging, doch als ich

eingestiegen bin, meinte der Fahrer, dass er an diesem Tag nicht mehr dort hin fahren w ürde,

obw ohl er nur 5 Minuten länger gebraucht hätte.“

(Detailauflistung der Nennungen siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

Anschließend sollte speziell das Nachtbusnetz hinsichtlich verschiedener Kriterien bew ertet

w erden. Mit dem Nachtbusnetz ist die Mehrheit der befragten SchülerInnen, die dieses

verw enden, hinsichtlich Fahrzeiten und Verbindungen zu w ichtigen Treffpunkten offenbar

recht zufrieden. Jew eils über drei Viertel geben sich hier eher zufrieden/sehr zufrieden.

Auch Pünktlichkeit, die Sauberkeit der Fahrzeuge und das Benehmen der Chauffeure w erden

eher positiv bew ertet. Interessanterw eise äußert sich bezüglich des Benehmens der

Fahrgäste der größte Unmut: Rund 18 % sind damit unzufrieden und rund 39 % eher

unzufrieden.

Es w urde auch hier die Möglichkeit einer freien Texteingabe geboten, um

Verbesserungsvorschläge äußern zu können. Die 51 Eingaben kreisen hauptsächlich um

günstigere Fahrpreise sow ie den Wunsch nach mehr Bussen/Taxis („Bessere und mehr

Möglichkeiten (z. B. Discobus)“. (Detailauflistung der Gesamtnennungen siehe Anhang

„Qualitative Tabellen“)

52


Außerdem w urde, w iederum anhand einer freien Eingabemöglichkeit gefragt, ob man sich

vorstellen könne, die öffentlichen Verkehrsmittel auch dann noch zu benutzen, w enn bereits

der Führerschein gemacht w urde bzw . gemacht w ird. Auch hier gilt, dass die vielen Angaben

auf die Wichtigkeit des Themas für die SchülerInnen hinw eisen.

Das Ergebnis der 137 Angaben fällt nicht überraschend aus: 56 SchülerInnen verneinen die

Frage klar, zum Teil mit Anmerkungen:

„nein, w enn ich nicht muss, sicherlich nicht so gerne“, „Nein, w eil es mich nicht interessiert“,

„Eigentlich nicht! Auto ist bequemer, schneller,…“ usw .

Öffentliche Verkehrsmittel w erden nur noch als eine „Notlösung“ betrachtet:

„Kommt darauf an, ob man selbst ein Auto hat oder nicht“, „Nur, w enn notw endig“, „Nein, nur

w enn ich gerade kein Auto habe“, „Ja, w enn ich w o hin fahre, w o ich kein Auto brauche“,

„Wenn es notw endig ist (Stadt) ja!“ oder „Na ja, w enn es geht, w ürde ich natürlich mein

eigenes Fahrzeug verw enden.“

57 Personen antw orten mit einem klaren Ja, zum Teil mit Anmerkungen w ie:

„Ja, mir gefällt es mit dem Zug zu fahren“, „Ja, w eil die Umw eltbelastung durch Verkehrsmittel

dadurch geringer w äre, und Fahrgemeinschaften bzw . Öffis auch netter sind als alleine zu

fahren!“, aber auch „ja, manchmal muss sie jeder benutzen“, „Ja, aber eher selten“, „Ja, aber

nur w enn sich die Kosten in Grenzen halten“, „Ja, w eil ich zur Schule muss & nicht immer

selber fahren w ill.“

Der Rest gibt sich unentschieden („vielleicht“).

Damit kann sich rein quantitativ etw a die Hälfte der SchülerInnen vorstellen, öffentliche

Verkehrsmittel auch nach Erw erben des Führerscheins zu benutzen, w as freilich nichts über

die Häufigkeit ihrer Nutzung aussagt und eigentlich, angesichts der großen Ablehnung, die

auch bei den SchülerInnen zum Ausdruck kommt, die sich prinzipiell vorstellen können,

w eiterhin Öffis zu benutzen, deutlich negativ für den ÖPNV ausfällt. Die Wahl zw ischen MIV

(bzw . Auto) und ÖPNV entscheidet sich für sehr viele SchülerInnen offenbar schon früh. Das

Auto scheint vor allem auf Grund von Mobilität bzw . der individuell möglichen Flexibilität

attraktiver zu sein. Dies bestätigt z. B. auch die bereits erw ähnte Mobilitätsstudie des

Verkehrsclubs Österreich. Die große Anzahl der SchülerInnen, die hier eine Angabe gemacht

haben, w eist jedenfalls auf die Bedeutung des Themas hin.

53


Dies ist aber auch ein bezirksspezifisches Problem bzw . generell von sehr ländlich geprägten

Regionen. Die spärliche Dichte des öffentlichen Nahverkehrs im Lungau und auch seine kaum

vorhandene Erschließung durch ein Bahnnetz sind einerseits durch seine Topographie als

Gebirgsgau bedingt, die resultierende Abgeschiedenheit von den anderen Bezirken Salzburgs

w irkt sich zudem als Standortfaktor für die Ansiedelung von Betrieben und Unternehmen

negativ aus und spiegelt sich in langsam schrumpfenden Bevölkerungszahlen w ider. Auch mit

der östlich benachbarten Steiermark bestehen w enig dichte verkehrstechnische Anbindungen

durch den ÖPNV.

54


3.2.6 Freizeit

Bei diesem Schw erpunktthema ging es darum, w omit die befragten Jugendlichen ihre Freizeit

am häufigsten verbringen. Die Freizeit ist für SchülerInnen eine w ichtige Zeit zur Entfaltung

und für das Ausleben ihrer individuellen Interessen. Diese Zeit w ird vor allem durch

zunehmenden Leistungsdruck in der Schule für Entspannung und Ausgleich w ichtig.

Abgefragt w urden hier sehr viele unterschiedliche Aktivitäten, die die Lebensw elt der

Jugendlichen jew eils unterschiedlich berühren. Hier darf sich der/die LeserIn nicht unbedingt

von „Spitzenreitern“ in der Häufigkeit der Ausübung von Freizeitaktivitäten verleiten lassen,

denn die unterschiedlichen Aktivitäten sind oftmals auch von sehr unterschiedlicher Qualität,

etw a w as die zeitliche Aufw endung dafür betrifft. Damit geht es hier vor allem darum, einen

Überblick über die differenzierte Freizeitw elt der Jugendlichen zu verschaffen, w obei eben

bei der Betrachtung der Häufigkeit des Ausübens einzelner Aktivitäten diese mit ihren

jew eiligen (zeitlichen) Spezifika/Bedingungen mitgedacht w erden müssen.

Es erscheint sinnvoll, eine grobe Kategorisierung der Aktivitäten vorzunehmen. Demnach zeigt

sich, dass (Unterhaltungs-)Medien für die Freizeitgestaltung der befragten SchülerInnen eine

w ichtige Rolle spielen. Wenig überraschend ist Fernsehen als dominierender Bestandteil der

Freizeit. Über 60 % sehen täglich fern, über 30 % mehrmals in der Woche. Fast 80 % surfen

täglich bzw . mehrmals in der Woche im Internet. 78 % hören täglich Musik, rund 27 %

schauen mehrmals in der Woche Video/DVD. Computerspiele w erden von rund 39 % täglich

bzw . mehrmals in der Woche gespielt.

Aktivitäten mit einer ausgeprägten „sozialen Komponente“ spielen eine sehr w ichtige Rolle: So

treffen rund drei Viertel ihre Freunde/innen täglich bzw . mehrmals in der Woche.

Ausgegangen w ird im Lungau von den befragten Jugendlichen jedoch gar nicht so oft: Rund

17 % gehen mehrmals in der Woche fort, etw a 38 % einmal pro Woche, rund 23 % einmal pro

Monat.

Mit der Familie w ird auch regelmäßig etw as unternommen, knapp 16 % geben an, dies

mehrmals in der Woche zu tun, rund 42 % einmal pro Woche und etw a 33 % einmal pro

Monat. Zu dieser Kategorie kann auch das Kino gezählt w erden, das rund 69 % einmal pro

Monat besuchen, sow ie „Shoppen“, w as von den meisten (60 %) einmal im Monat gemacht

wird.

Wichtiges Element der Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen ist das „Styling“, über 55 %

machen dies täglich.

55


Auch Faulenzen nimmt seinen Stellenw ert ein, mit rund 76 %, die dies täglich/mehrmals in der

Woche tun. Im schulischen Alltag nimmt aber auch das Lernen seinen Raum ein: Fast 49 %

tun dies mehrmals in der Woche, etw a 29 % einmal pro Woche, nur knapp 11 % täglich.

Täglich bzw . mehrmals in der Woche gelesen w ird von rund 43 % der SchülerInnen, und

Sport betreibt fast ein gutes Viertel täglich und 44 % mehrmals in der Woche, w as sich mit

dem Schulsport alleine w ohl nicht erklären lässt.

Die Antw ortkategorie „Sonstiges“ haben 29 Personen gew ählt, w ovon 27 konkretere

Angaben machten.

Fünf Personen gaben Telefonieren und SMS, jew eils 3 Personen Moped fahren,

Computerspiele (Nitendo, Playstation 2) und Sex an. Der Rest sind Einzelnennungen w ie z. B.

Heigen, in der Firma helfen, Fußball und Tenorhorn spielen, Chor, Reiten usw .

(Detailauflistung siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

Musik hören (n = 169)

Fernsehen (n = 169)

Internet surfen (n = 169)

Faulenzen (n = 168)

FreundInnen treffen (n = 169)

Computer-Spiele (n = 170)

Lernen (n = 169)

Video/DVD (n = 168)

Musik machen (n = 170)

Fortgehen (n = 162)

Shoppen (n = 166)

mit Familie etw as unternehmen (n = 165)

Häufigkeit der Ausübung von Freizeitaktivitäten

Styling (n = 164)

Sport (n = 168)

Lesen (n = 166)

Kino (n = 169)

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Häufigkeit der

mehrmals

Ausübung von

in der 1x pro 1x pro

Freizeitaktivitäten (in n täglich Woche Woche Monat nie

56

täglich

mehrmals in der Woche

1x pro Woche

1x pro Monat

nie


%)

Kino 169 0 1,2 5,9 69,2 23,7

mit Familie etw as

unternehmen

165 3,0 15,8 41,8 33,3 6,1

Shoppen 166 4,8 7,8 15,1 60,2 12

Fortgehen 162 3,7 16,7 38,3 23,5 17,9

Musik machen 170 14,7 15,3 8,2 5,9 55,9

Video/DVD 168 10,1 27,4 32,1 28,6 1,8

Lernen 169 10,7 48,5 29,0 8,3 3,6

Lesen 166 18,1 24,7 19,9 24,7 12,7

Computer-Spiele 170 18,2 21,2 13,5 12,9 34,1

Sport 168 25,6 44 23,2 4,8 2,4

FreundInnen treffen 169 27,2 47,3 16,6 6,5 2,4

Faulenzen 168 45,8 30,4 15,5 4,8 3,6

Styling 164 55,5 14,6 8,5 9,1 12,2

Internet surfen 169 55,6 24,3 10,7 3,6 5,9

Fernsehen 169 62,7 30,8 5,3 0,6 0,6

Musik hören 169 78,1 14,8 5,3 0,6 1,2

Zusammenhänge nach Geschlecht:

Während junge Männer in ihrer Freizeit vermehrt Sport 65 und Computerspiele 66 betreiben,

bevorzugen junge Frauen vermehrt Musik hören 67 und selbst musizieren 68 , Styling 69 ,

Shoppen 70 Fernsehen 71 und FreundInnen treffen 72

So betreiben rund 36 % der Burschen und 18 % der Mädchen täglich Sport.

70 % der Burschen spielen mehrmals in der Woche bis täglich am Computer, bei den Mädchen

sind es rund 17 %.

Die „Männerdomäne“ Computerspiele w urde auch in der mobilkom-Freizeitstudie 2005

bestätigt. 73

65 Somers’d -0,212 (indirekt proportionaler schwacher Zusammenhang, signifikant)

66 Somers’d -0,602 (indirekt proportionaler sehr starker Zusammenhang, hochsignifikant)

67 Somers’d 0,171 (proportionaler sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

68 Somers’d 0,194 (proportionaler sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

69 Somers’d 0,553 (proportionaler starker Zusammenhang, hochsignifikant)

70 Somers’d 0,239 (proportionaler schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

71 Somers’d 0,155 (proportionaler sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

72 Somers’d 0,227 (proportionaler schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

73 S. 26. Durchgeführt vom Österreichischen Institut für Jugendforschung. Altersgruppe sind hier die 10-16-

Jährigen.

57


Junge Frauen treffen ihre FreundInnen (rund 82 % täglich/mehrmals pro Woche) häufiger als

junge Männer (rund 64 %).

Junge Frauen tendieren auch dazu häufiger etw as mit ihrer Familie zu unternehmen. 22 % der

jungen Frauen und 9 % der jungen Männer unternehmen mehrmals in der Woche etw as mit

ihrer Familie.

Rund 67 % der jungen Frauen und rund 53 % der jungen Männer gehen einmal pro Monat

shoppen. 6,5 % der jungen Frauen und 1,4 % der jungen Männer gehen sogar täglich

shoppen.

Styling w ird nach w ie vor von jungen Frauen als Freizeitbeschäftigung dominiert, w enn auch

die jungen Männer bereits etw as aufholen. Rund 75 % der jungen Frauen und 29 % der

jungen Männer betreiben es täglich.

weibl. (n = 93)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 95)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 95)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 95)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 92)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 92)

männl. (n = 66)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 66)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 95)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 96)

männl. (n = 69)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 68)

Häufigkeit der Ausübung von Freizeitaktivitäten nach Geschlecht

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

Häufigkeit der

Ausübung von

Freizeitaktivitäten

mehrmals

nach Geschlecht

in der 1x pro 1x pro

(in %) n Geschlecht täglich Woche Woche Monat nie

Lesen

männl. (n =

162

68)

16,2 23,5 19,1 26,5 14,7

58

täglich

mehrmals in der Woche

1x pro Woche

1x pro Monat

nie


w eibl. (n =

94)

männl. (n =

70)

Sport 164

w eibl. (n =

94)

männl. (n =

69)

Fernsehen 165

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

69)

Video/ DVD 164

w eibl. (n =

95)

männl. (n =

69)

Musik hören 165

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

70)

Musik selbst machen 166

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

69)

Internet surfen 165

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

66)

Styling 160

w eibl. (n =

94)

männl. (n =

66)

Fortgehen 158

w eibl. (n =

92)

männl. (n =

69)

FreundInnen treffen 165

w eibl. (n =

96)

19,1 26,6 20,2 23,4 10,6

35,7 40 21,4 1,4 1,4

18,1 47,9 23,4 7,4 3,2

55,1 34,8 7,2 1,4 1,4

68,8 28,1 3,1 0 0

11,6 30,4 33,3 24,6 0

8,4 26,3 30,5 31,6 3,2

68,1 21,7 7,2 1,4 1,4

85,4 9,4 4,2 0 1

11,4 11,4 4,3 5,7 67,1

17,7 17,7 11,5 5,2 47,9

47,8 36,2 8,7 1,4 5,8

59,4 16,7 12,5 5,2 6,3

28,8 12,1 15,2 18,2 25,8

74,5 17 3,2 2,1 3,2

59

0 15,2 37,9 21,2 25,8

6,5 16,3 39,1 26,1 12

20,3 43,5 21,7 8,7 5,8

31,3 51 12,5 5,2 0


männl. (n =

Aktivitäten mit 69)

161

Familie

w eibl. (n =

92)

männl. (n =

70)

Computerspielen 166

w eibl. (n =

96)

männl. (n =

69)

Faulenzen 164

w eibl. (n =

95)

männl. (n =

70)

Lernen 165

w eibl. (n =

95)

männl. (n =

70)

Kino 165

w eibl. (n =

95)

männl. (n =

70)

Shoppen 163

w eibl. (n =

93)

60

0 8,7 47,8 39,1 4,3

4,3 21,7 38 29,3 6,5

28,6 41,4 12,9 8,6 8,6

10,4 6,3 14,6 16,7 52,1

40,6 34,8 17,4 2,9 4,3

48,4 27,4 14,7 6,3 3,2

4,3 50 34,3 8,6 2,9

14,7 48,4 25,3 7,4 4,2

0 1,4 5,7 64,3 28,6

0 1,1 5,3 73,7 20

1,4 8,6 12,9 52,9 24,3

6,5 7,5 17,2 66,7 2,2

Zusammenhänge nach Bildungstypen können vor allem beim Internet-Surfen und Shoppen

festgestellt w erden.

So geben rund 61 % des Bildungstyps II und 49 % des Bildungstyps I an täglich im Internet zu

surfen. 74

Umgekehrt geht der Bildungstyp I öfter Shoppen als Bildungstyp II. Dies dürfte sicher auch

damit zusammenhängen, dass z. B. BerufsschülerInnen über ihr eigenes Gehalt verfügen.

Vom Bildungstyp I gehen 8,3 % täglich, rund 14 % mehrmals in der Woche und rund 21 %

einmal in der Woche Shoppen. Innerhalb der Gruppe des Bildungstyps II gehen 2,1 % täglich,

3,2 % mehrmals in der Woche und 10,6 % einmal pro Woche Shoppen. 75

Bildungstyp I unternimmt auch häufiger etw as mit der Familie als Bildungstyp II. 76

74 Somers’d 0,169 (proportionaler sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

75 Somers’d -0,316 (indirekt proportionaler mittlerer Zusammenhang, hochsignifikant)

76 Somers’d -0,212 (indirekt proportionaler schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)


Wie verbringst du deine Freizeit: Nach Bildungstypen (in %)

Freizeitaktivität n Bildungstyp täglich Woche Woche Monat nie

Typ I (n = 74) 12,2 25,7 20,3 23 18,9

Lesen 166 Typ II (n =

92)

22,8 23,9 19,6 26,1 7,6

Typ I (n = 73) 38,4 30,1 23,3 6,8 1,4

Sport 168 Typ II (n =

95)

15,8 54,7 23,2 3,2 3,2

Typ I (n = 75) 65,3 28 5,3 1,3 0

Fernsehen 169 Typ II (n =

94)

60,6 33 5,3 0 1,1

Typ I (n = 74) 12,2 28,4 24,3 32,4 2,7

Video/ DVD 168 Typ II (n =

94)

8,5 26,6 38,3 25,5 1,1

Typ I (n = 75) 70,7 20 8 0 1,3

Musik hören 169 Typ II (n =

94)

84 10,6 3,2 1,1 1,1

Musik selbst

machen

Typ I (n = 75)

170 Typ II (n =

95)

12

16,8

12

17,9

10,7

6,3

6,7

5,3

58,7

53,7

Typ I (n = 74) 48,6 23 14,9 2,7 10,8

Internet surfen 169 Typ II (n =

95)

61,1 25,3 7,4 4,2 2,1

Typ I (n = 73) 61,6 15,1 11 5,5 6,8

Styling 164 Typ II (n =

91)

50,5 14,3 6,6 12,1 16,5

Typ I (n = 73) 6,8 16,4 42,5 15,1 19,2

Fortgehen 162 Typ II (n =

89)

1,1 16,9 34,8 30,3 16,9

FreundInnen

treffen

Typ I (n = 75)

169 Typ II (n =

94)

29,3

25,5

46,7

47,9

17,3

16

5,3

7,4

1,3

3,2

Aktivitäten mit

Familie

Typ I (n = 73)

165 Typ II (n =

92)

4,1

2,2

20,5

12

46,6

38

23,3

41,3

5,5

6,5

62

mehrmals

in der

1x pro

1x pro


Typ I (n = 75) 20 22,7 12 16 29,3

Computer-Spiele 170 Typ II (n =

95)

16,8 20 14,7 10,5 37,9

Typ I (n = 75) 40 41,3 10,7 4 4

Faulenzen 168 Typ II (n =

93)

50,5 21,5 19,4 5,4 3,2

Typ I (n = 76) 13,2 36,8 32,9 11,8 5,3

Lernen 169 Typ II (n =

93)

8,6 58,1 25,8 5,4 2,2

Typ I (n = 74) 0 2,7 9,5 66,2 21,6

Kino 169 Typ II (n =

95)

0 0 3,2 71,6 25,3

Typ I (n = 72) 8,3 13,9 20,8 50 6,9

Shoppen 166 Typ II (n =

94)

2,1 3,2 10,6 68,1 16

Da sich Computerspiele zunehmender Beliebtheit unter Jugendlichen erfreuen, w urde diese

Freizeitaktivität separat und vertiefend abgefragt.

„Die Computer- und Konsolenspielekultur der Jugend steht im Zeichen einer

jugendkulturellen Aneignung und Stilisierung von Technologie. Vor allem für männliche

Jugendliche sind Computer- und Konsolenspiele heute fester Bestandteil der jugendlichen

Unterhaltungs- und Freizeitkultur. Nicht nüchterne Technikanw endung steht für sie im

Vordergrund. Sondern ganz im Gegenteil: der Spaß- und Unterhaltungsfaktor“ (4. Bericht zur

Lage der Jugend in Österreich 2003, 111).

Bezüglich bestimmter Inhalte von Computerspielen gibt es seit geraumer Zeit immer w ieder

kontroverse Diskussionen in Politik und Gesellschaft, vor allem w enn es um den

Zusammenhang von zum Teil sehr beliebten Kriegsspielen bzw . Killerspielen und deren

Ausw irkungen auf das Gew altpotenzial ihrer (vor allem jugendlicher) NutzerInnen geht. Die

Medienw irkungsforschung beschäftigt sich intensiv mit verschiedenen Theorieansätzen zum

Zusammenhang von Gew alt und Medien. Wie stark das Vorkommen von Gew alt das

Aggressivitätspotenzial beeinflusst, hängt von einer Vielzahl komplexer Zusammenhänge ab;

das Zusammenw irken von Persönlichkeitsstruktur und sozialem Umfeld ist hier nur ein

Beispiel, das es der Forschung oft erschw ert, zw eifelsfreie Ergebnisse zu liefern. Dennoch

ist unbestritten, dass gerade durch die neue Technologie, die eine sehr realitätsnahe

dreidimensionale Darstellung ermöglicht, Gew alt noch drastischer dargestellt w erden kann,

w as unvermeidlich zu mehr Aggression bei den SpielerInnen führen kann. 77 Die Welt w ird als

77 Vgl. Lukesch Helmut (2005)

63


Kriegsschauplatz w ahrgenommen und die einzige Möglichkeit, um bestehen bzw . „gew innen“

zu können, ist möglichst viel Gew alt verbunden mit viel Blut. Diese Bilder speichert das

Unterbew usst sein ab und dies kann sehr w ohl auch zu negativen Einflüssen auf das

psychische Verhalten eines Spielers führen.

Da es neben den umstrittenen Killerspielen auch noch andere Computerspiele w ie Puzzles,

Karten-/Brett-, Denk- oder Action-Spiele usw . gibt, w erden auf der anderen Seite von

verschiedenen Studien auch kompetenzfördernde Potenziale von Computerspielen erhoben.

Zu nennen sind hier Gebel/Gurt/Wagner, w elche beispielsw eise ein Set von Kriterien mit

unterschiedlichem Kompetenzbezug entw ickelten. Ihre Untersuchung verglich Computerspiele

hinsichtlich ihres kompetenzförderlichen Potenzials. Kompetenzbereiche sind z. B. das

Motivationspotenzial, Angemessenheit des ethisch-normativen Gehalts, das

Anforderungsprofil (beinhaltet soziale, kognitive, medienbezogene und emotionale

Anforderungen und solche an Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und sensomotorische

Koordinationsleistungen), die jew eiligen Problemstellungen (w elche Denkleistungen, z. B.

durch Problemlösungen sind zu erbringen?) u. a. 78

In der vorliegenden Studie w urde zunächst gefragt, w ie oft man Computerspiele spiele. Gut

36 % geben an, dies selten bzw . nie zu tun. Etw a 23 % spielen mehrmals in der Woche bzw .

19 % täglich, ein gutes Zehntel jew eils mehrmals im Monat bzw . einmal im Monat oder

seltener. Fasst man die Ausprägungen täglich/mehrmals in der Woche/mehrmals im Monat

zusammen, gibt es also knapp 53 % regelmäßige ComputerspielerInnen.

Dabei ist das Computerspielen eine Männerdomäne: Während 7 % innerhalb der männlichen

Befragten nie Computerspiele spielen, sind es bei den jungen Frauen 57 %. Nur 13 % der

jungen Frauen spielen mehrmals in der Woche, bei den jungen Männern sind es 38 %. Rund

32 % tägliche Spieler stehen gut 10 % täglichen Spielerinnen gegenüber. 79 Diese

Geschlechterdiskrepanz bei Computerspielen bestätigen auch verschiedene Studien. 80

78 Vgl. Gebel/Gurt/Wagner 2004, S. 6ff.

79 Starke Korrelation nach Cramer’s V (0,607), höchst signifikant.

80 Vgl. z. B. 4. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich 2003.

64


Prozent (n = 164)

60

50

40

30

20

10

0

32,4

Häufigkeit der Nutzung von Computerspielen nach

Geschlecht

9,7

38,0

12,9

täglich mehrmals

in der

Woche

18,3

5,4

mehrmals

im Monat

4,2

65

15,1

1x pro

Monat oder

seltener

7

57

(fast) nie

männl. (n = 71)

weibl. (n = 93)

Jene, die angaben Computerspiele zu spielen, tun dies in großer Mehrheit (gut 80 %)

zw ischen ein und drei Stunden. Nur knapp 15 % sitzen drei Stunden und länger am Computer,

gut 5 % länger als sechs Stunden.


Prozent (n = 116)

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

80,2

Spielzeit am Computer

14,7

1-3 Stunden 3-6 Stunden länger als 6 Stunden

Anschließend sollten anhand einer freien Eingabemöglichkeit die drei beliebtesten (Online-)

Computerspiele angegeben w erden. Die 65 Eingaben zeigen folgendes Bild:

Bei einzelnen Spielen dominieren die Shooter/Kriegs-/Strategiespiele „Counterstrike“ (8

Nennungen, davon 7 von männlichen Befragten) und „World of Warcraft“ (7 Nennungen,

davon 6 von männlichen Befragten), allenfalls noch „Die Stämme“ (5 Nennungen). 81 Die

anderen Angaben bilden vor allem einen Mix aus Sport-, anderen Kriegs-/Strategie- und

Abenteuerspielen (Motorradrennen, Autorennen, „Singstar“, Formel 1, „Tarock”, „Super

Mario“, Billard, Schach). Häufiger w erden dagegen Spieleportale im Internet genannt (10

Nennungen), z. B. „miniclip.com“, „codespiele.de“, „spele.nl“ (ein offenbar sehr beliebtes

niederländisches Internet-Spieleportal mit Spielen unterschiedlichster Genres).

(Detailnennungen siehe „qualitative Tabellen“ im Anhang)

Ähnlich den Ergebnissen des 4. Berichts zur Lage der Jugend in Österreich zeigt sich in den

offenen Eingaben der Jugendlichen damit der Trend eines klar männlich dominierten Computerund

Konsolenspielesektors. Während junge Männer außerdem häufiger „Action/Shooter“

(Actionspiele, die aus der Ich-Perspektive gespielt w erden), „Kriegs-/Strategie-“ und

„Sportspiele“ spielen, sind es bei jungen Frauen eher „schnelle Spiele für zw ischendurch“, so

z. B. in Spieleportalen im Internet. Öfter genannt w erden z. B. „Super Mario“, Sudoku oder

„Bubble Trouble“.

Anschließend w urde nach der Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen gefragt, einer sehr

speziellen Freizeitaktivität, die bereits Implikationen politischer Partizipation enthält.

Sportvereine kommen mit rund 25 % und somit großem Abstand auf den höchsten Wert.

81 Simulations-/Strategiespiel im Internet. In einer mittelalterlichen Zeit entwerfen die SpielerInnen

Dörfer und Städte, wobei auch Kämpfe zwischen Völkern ausgetragen werden.

66

5,2


Diesbezüglich sind auch die Ergebnisse der österreichischen Jugendstudie „Elf/18“

interessant, die entgegen einer gängigen Meinung, Jugendliche seien unsportlich, die

Wichtigkeit „körperbezogener Praxen“ zu Tage fördert. Die Sportinteressen bew egten sich

außerdem w eg von Vereins-/Verbandssportarten hin zu Fitness-/Lifestyle-/Funsportarten.

Dabei sind es vor allem männliche Jugendliche, die Defizite im Sportbereich artikulieren. 82

Bei den Angaben zu „religiöse Organisation“ w ird vermutet, dass vielen Röm.-kath.

SchülerInnen nicht bew usst ist, dass sie mit der Taufe eigentlich automatisch Mitglied der

Röm.-Kath. Kirche sind, denn sonst hätte die Zahl der „Mitglieder“ eigentlich höher ausfallen

müssen als rund 17 %.

Es darf somit davon ausgegangen w erden, dass hauptsächlich „aktive“ Mitglieder von

Glaubensgemeinschaften diese Antw ortkategorie mit „ja“ beantw ortet haben. Ferner ist

natürlich anzumerken, dass eine Glaubensgemeinschaft bzw . Kirche kein Verein im

klassischen Sinn ist, w enn dies jedoch ebenfalls zur Sozialisation von Jungendlichen

beitragen kann.

Brauchtum und Musikkapellen erfreuen sich im Lungau großer Beliebtheit und auch an

Vereinsmitgliedern scheint es nicht zu mangeln. Rund 15 % der Befragten gaben an Mitglied in

einer Musikkapelle bzw . in einem Brauchtumsverein zu sein. Rund 10 % der befragten sind

Mitglied bei der Landjugend, über 6 % bei der Freiw illigen Feuerw ehr, über 5 % beim

Jugendrotkreuz und knapp 5 % bei den Naturfreunden bzw . Alpenverein.

Die Antw ortkategorie „Sonstige“ w urde von 59 Personen gew ählt, w ovon 21 ihren Verein

benannten. Sechs Personen befinden sich demnach in einem Reitverein, drei in einem

Schützenverein, je zw ei in einem Fußballclub und Chor. Der Rest bezieht sich auf

Einzelnennungen w ie Zündappclub, Theatergruppe, Mopedclub (Motocross), Autoclub,

Krampusgruppe, Wasserrettung, Raiffeisen Club.

82 Vgl. „Elf/18 – die Jugendstudie – Defizite im Freizeitbereich“, durchgeführt vom Institut für

Jugendkulturforschung Wien. Altersgruppe: 11-18-Jährige.

67


Prozent

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

24,6

Sportverein (n = 167)

Schachclub (n = 162)

0 0

Pfadfinder (n = 162)

Vereinsmitgliedschaft

16,7

Religiöse Organisation (n = 162)

6,1

Freiwillige Feuerwehr (n = 164)

68

5,5

Jugendrotkreuz (n = 163)

15,2

Musikkapelle, Brauchtumsgruppe (n = 164)

9,8

Landjugend (n = 164)

Politische Jugendorganisation (n = 163)

0,6

4,9

Naturfreunde/Alpenverein (n = 163)

Signifikante Zusammenhänge nach Geschlecht konnten bei Freiw illiger Feuerw ehr und

Sportvereinen festgestellt w erden, die beide männlich dominiert sind.

Rund 33 % der Burschen und 18 % der Mädchen sind Mitglied in einem Sportverein 83 und 13

% der Burschen sow ie 1 % der Mädchen sind bei der Freiw illigen Feuerw ehr 84 .

Für diejenigen, die Mitglied in einem Verein sind, w urde die Frage gestellt, w ie oft mit diesem

Verein etw as unternommen bzw . w ie oft hingegangen w erde. Dabei sei daran erinnert, dass

es sich hauptsächlich um Sportvereine und allenfalls Brauchtumsvereine handelt. Demnach

besuchen fast 43 % ihren Verein mehrmals im Monat, fast ein Drittel mehrmals in der Woche.

Prozent (n = 82)

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Vereins-/Jugendorganisationsfrequenz

4,9

19,5

42,7

32,9

83 Cramer’s V 0,175 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

84 Cramer’s V 0,244 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

1x pro Jahr oder seltener

1x pro Monat oder

seltener

mehrmals im Monat

mehrmals in der Woche

ja

nein


All jenen, die Mitglied in einem Verein sind, w urde die Frage gestellt, w as am Verein

besonders gefalle. Hier konnten die Befragten aus einer Reihe von Aussagen mehrfach

w ählen. Besonders häufig genannte Aussagen sind demnach „der Zusammenhalt zw ischen

den Mitgliedern“ (66 %) und „interessantes Freizeitprogramm“ (48 %).

Die überw iegende Mitgliedschaft in Sportvereinen macht sich auch hier bei den

Begründungen, w as am Verein besonders gefällt, bemerkbar. Rund 36 % geben an, dass sie

sich fit halten w ollen, 34 % lieben die Herausforderung und rund 16 % treten gerne mit

anderen in Wettstreit.

Ferner w erden auch eine gute Organisation und Ordnung (31 %), aber auch, dass man eine

sinnvolle Aufgabe/Funktion übernehmen könne (30 %) geschätzt.

An Verein/Jugendorganisation gefällt besonders:

Zusammenhalt zw . Mitgliedern

interessantes Freizeitprogramm

w ill mich f it halten

Ich liebe Herausforderungen

gute Organisation und Ordnung

kann sinnvolle Funktion/Aufgabe übernehmen

trage gerne Uniform/Tracht

gew inne an gesellschaftlichem Ansehen

w ill Brauchtum/ Kultur pf legen

trete gerne mit anderen in Wettstreit

bew ege mich gerne in der Natur

setze mich gerne für Menschen in Not ein

Sonstiges

Mir ist Umw eltschutz w ichtig

Die Gemeinschaft hilft mir, meinen Glauben zu vertiefen

an Politik sehr interessiert

8

4,5

3,4

1,1

69

36,4

34,1

30,7

29,5

28,4

23,9

18,2

15,9

15,9

12,5

47,7

65,9

0 10 20 30 40 50 60 70

Prozent (n = 88)

Es gibt einen einzigen schw achen Zusammenhang und zw ar zw ischen Geschlecht und der

Antw ortkategorie „Ich setzte mich gerne für Menschen in Not ein“, die sehr signifikant ist. 85

Hier schlagen sich vor allem die Burschen der „Freiw illigen Feuerw ehr“ bemerkbar zu Buche.

Es w urde auch gefragt, ob man den „S-Pass“ besitze. Rund 11 % bzw . 19 befragte Lungauer

SchülerInnen gaben an, Besitzer der Salzburger Jugendkarte zu sein. 86

85 Cramer’s V 0,283


Es gilt zu berücksichtigen, dass die Jugendkarte bis zum 18. Lebensjahr bzw . der S-Pass pur

bis zum 16. Lebensjahr gültig ist.

Die befragten S-Pass-BesitzerInnen im Lungau bew egen sich im Alter zw ischen 13 und 17

Jahren, w obei zahlenmäßig die Gruppe der 17-Jährigen mit 7 Personen dominiert (= 12,5 %

innerhalb der Gruppe der 17-Jährigen und 4,2 % in Gesamtrelation). Danach folgt die Gruppe

der 15-Jährigen mit 5 Personen (= 12,5 % innerhalb dieser Altersgruppe bzw . 3 % in

Gesamtrelation) und die der 14-Jährigen mit 4 Personen (= 12,1 % innerhalb dieser

Altersgruppe bzw . 2,4 % in Gesamtrelation).

Prozent (n = 171)

100

80

60

40

20

0

S-Pass Besitz

88,9

11,1

Anschließend w urde nach der Zufriedenheit mit dem Freizeitangebot in der Gemeinde gefragt,

ergänzt durch die Möglichkeit einer freien Texteingabe, die jenen SchülerInnen, die

unzufrieden sind mit dem Freizeitangebot Raum zur Äußerung von Defiziten geben sollte.

Die große Mehrheit, nämlich fast 74 % zeigt sich nicht zufrieden. Betrachtet man die 112

qualitativ gew onnenen Eingaben, w elche Freizeitangebote in der Gemeinde den Jugendlichen

fehlen, ist es sinnvoll, dies nach den jew eiligen Gemeinden aufzugliedern.

Aus Tamsw eg (69 Angaben) kommt der Ruf nach mehr Sportangeboten einerseits

(„Volleyballplatz“, „Skaterpark“, „mehr Sportvereine; Veranstaltungen am Abend“, „mehr

Konzerte bzw . Veranstaltungen, Sportplatz, Fitness-Studio“, „Mehr Sportmöglichkeiten, mehr

Möglichkeiten, w o man sich treffen kann (immer nur Cafés)“, „Öffentlicher Fußballplatz,

Beachvolleyballplatz!!!“) sow ie kulturellen Einrichtungen/Veranstaltungen andererseits („Kino,

Tanzkurse, Theatergruppen“, „Mehr Veranstaltungen (Konzerte), Tanzabende“, „Kino,

Beachvolleyballplatz, Einkaufsmöglichkeiten (für Jugendliche!!)“.

86 Der S-Pass ist eine seit 2004 bestehende Jugendkarte für 12-18-jährige SalzburgerInnen. Er gilt beispielsweise

als Altersnachweis und bietet Ermäßigungen für verschiedene Freizeitaktivitäten.

70

nein

ja


Auch Orte, an denen Jugendliche sich treffen können sow ie mehr Einkaufsmöglichkeiten

w erden gew ünscht („Sportanlagen, Treffpunkte, Jugendzentrum“, „Mehr Möglichkeiten zum

Fortgehen! Mehr Einkaufsmöglichkeiten!“, „Kino, mehr Einkaufsmöglichkeiten (besonders für

Jugendliche), es gibt zw ar Geschäfte (Kleidung) aber die sind viel zu teuer!!!“).

In Mariapfarr (28 Angaben) sind es vor allem Sportangebote, die genannt w erden, darunter

häufiger „Skaterpark“, Sport- bzw . Fußballplatz oder Schw immbad. Auch ein Kino w ird öfter

genannt.

In die beiden obigen reihen sich auch die fünf Angaben aus St. Margarethen ein.

(Detailauflistung siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

Das Ergebnis dieser qualitativen Erhebung spiegelt deutlich die Ergebnisse der bereits

genannten „Elf/18“-Studie zu Defiziten im Freizeitbereich unter Jugendlichen in Österreich

w ider. Auch hier w erden vor allem Defizite im Sportbereich geäußert. Gar jeder Zw eite der

hier befragten Jugendlichen, die mit dem Freizeitangebot unzufrieden sind, w ünscht sich

Angebote im Sportbereich. Auch hier sind es meist Fußballplätze, Volley- bzw .

Beachvolleyballplätze oder Skaterparks, die gew ünscht w erden. Auch informelle Treffpunkte

für Jugendliche spielen laut Studienergebnissen eine w ichtige Rolle, w ie dies auch in den hier

vorliegenden qualitativen Ergebnissen zum Ausdruck kommt

Im Lungau ist die Unzufriedenheit aber noch differenzierter: Generell w ünschen sich die

Jugendlichen, die hier eine Angabe gemacht haben, ein differenzierteres Freizeitangebot. Ein

Kino, mehr Veranstaltungen w ie z. B. Konzerte sow ie Einkaufsmöglichkeiten

(Einkaufszentrum) und Treffpunkte für Jugendliche sind neben den sportlichen Angeboten die

häufigsten Wünsche.

71


Bezüglich des eingeschätzten Informationsstandes zu verschiedenen jugendspezifischen

(Freizeit-)Angeboten zeigen sich die befragten Jugendlichen vor allem hinsichtlich

Veranstaltungen in der Nähe gut informiert zu fühlen (rund 57 % gut/eher gut). Über ein Drittel

allerdings auch schlecht/eher schlecht. Beratungsstellen erreichen die Jugendlichen zu fast

55 % gut/eher gut.

Spezielle Angebote in Sport oder Kultur bzw . öffentliche Verkehrsmittel haben dagegen eine

geringere Reichw eite, rund 33 % fühlen sich eher gut informiert, knapp 39 % eher schlecht,

über 16 % sogar schlecht bzw . gar nicht.

Über die Arbeit der Jugendinformationsstelle in der Nähe herrscht ein noch größeres

Informationsdefizit, fast 55 % fühlen sich schlecht/eher schlecht informiert, fast 13 % gar

nicht.

Am w enigsten informiert fühlen sich die befragten LungauerInnen über spezielle Angebote

von Akzente (S-Pass, Euro


Wie gut fühlst du dich

informiert über:

(in %)

Beratungsstellen f ür

Jugendliche

(wie z.B. Beruf s-, Sexual-,

Drogenberatung)

(n = 171)

Ev ents/Veranstaltungen

in deiner Nähe

(n = 171)

spezielle Angebote f ür

Jugendliche (Sport, Kultur,

ÖBB,...)

(n = 171)

über die Arbeit der

Jugendinf ostelle in deiner

Nähe

(n = 170)

S-Pass, EURO


Flugzettel sind demnach vermutlich vor allem bei Veranstaltungen/Festen/Konzerten gefragt,

Brief und Zeitung spielen dagegen bei Beratungsangeboten vermutlich eine größere Rolle. E-

Mail und SMS eignen sich vermutlich für die meisten Angebote gut.

Weniger relevant sind zusammenfassend betrachtet mit Ausnahme der Schule (Jugend-)

Institutionen als Informationsquellen (Gemeinde-/Jugendhomepage, Jugendmagazin etc.).

Jugend-Magazin (z.B. "EURO


Prozent (n = 162)

120

100

80

60

40

20

0

Jugendzeitschrift ULTIMO

5,6

76

58,7

41,3

5,6 94,4

ja nein

Abschließend w urde mittels einer freien Eingabemöglichkeit gefragt, w elche nach Ansicht der

befragten SchülerInnen die derzeit angesagtesten Trends unter Jugendlichen sind.

Die 135 Eingaben sprechen für ein gew isses Mitteilungsbedürfnis.

Unter den w ichtigsten Kategorien sind hier Freunde treffen sow ie allgemein Ausgehen („sich

mit Freunden treffen, Aussehen/Styling, fortgehen“, „Fortgehen, Chillen, Probleme diskutieren“

etc.), und die nicht einer gew issen Ironie entbehrende Nennung von Trinken/Saufen bzw .

Alkohol, w eniger auch Rauchen („Komasaufen“, „Wie man in den Medien hört, leider

"Komasaufen"; Konzerte“, „"Komasaufen" (bzw . alles tun w as verboten ist) gew isse

Kleidungsart (Streifen, Punkte…)“, „Disco, Alkohol, Freunde“).

Hier spiegelt sich sicher auch die im Zeitraum der Erhebung geführte mediale Debatte um

jugendliche „Komasäufer“ w ider bzw . die breit geführte Diskussion um neue oder w eniger

neue jugendliche Untugenden. Umso vorsichtiger muss hier interpretiert w erden, w enn eine

Behauptung in Bezug auf das Selbstbild der Jugendlichen gemacht w erden w ill. Zum Einen

kann also vermutet w erden, dass die befragten Jugendlichen diesem Thema zum Teil sehr

ironisch, sich über die gesellschaftliche Debatte lustig machend, begegnen; andererseits kann

davon ausgegangen w erden, dass Jugendliche immer auch Spiegel der Gesellschaft sind,

indem Themen bzw . Problematiken sensibel aufgenommen w erden und spezifische

Ausdrucksformen erzeugen. Jedenfalls sind sie als die „Insider“ von Jugendkultur bzw .

jugendkulturellen Phänomenen die Zielgruppe für die Jugendforschung und erfordern eine

klare Auseinandersetzung.

Daneben w ird aber auch häufig Sport als Trend genannt, darunter öfters Beachvolleyball.

Einzelne kleinere Kategorien sind Einkaufen/Kleidung („Shoppen“) sow ie Moped/Mopedfahren.

(Detailnennungen siehe Anhang „Qualitative Tabellen“)

nein

ja


3.2.7 Jugendzentren

Hier ging es vor allem um eine Erhebung der Jugendlichen, die ein Jugendzentrum in ihrer

Nähe besuchen und w ie sie es bew erten. Dabei konnten anhand freier Texteingaben die

Angaben genauer begründet w erden bzw . auch Verbesserungsvorschläge geäußert

w erden.

Anzumerken ist, dass hier nur ein Überblick bzw . ein allgemeines Bild von der Rolle, die

Jugendzentren für Jugendliche spielen, verschafft w erden soll. Detailergebnisse erforderten

eine Analyse einzelner Jugendzentren in den jew eiligen Orten/Gemeinden.

Im Lungau besuchen rund 10 % der Befragten ein Jugendzentrum. Alle Befragten, die ein

Jugendzentrum besuchen sind zw ischen 14 und 17 Jahre alt, w obei der Großteil zw ischen

dem 15. und 16. Lebensjahr ein Jugendzentrum im Lungau aufsucht.

Prozent (n = 171)

100

80

60

40

20

0

Besuch von Jugendzentren

90,1

9,9

Die meisten der befragten Jugendzentrums-BesucherInnen (7 Personen) gehen mehrmals pro

Woche. 5 Personen gehen einmal pro Woche, 3 Personen einmal pro Monat und eine Person

geht täglich in ein Jugendzentrum.

Hier kann es sich natürlich nur um eine Angabe der Vollständigkeit halber handeln, denn durch

die geringe Anzahl von Jugendlichen können bestenfalls tendenzielle Aussagen gemacht

w erden.

Für jene 17 Personen, die angaben ein Jugendzentrum zu besuchen, sind die w ichtigsten

Motive dafür Freunde treffen (100 %) (über 40 % schätzen es auch, neue Freunde kennen

zu lernen), Tischfußball spielen und miteinander Musikhören. Es folgen die verschiedensten

Freizeitaktivitäten, w ie die Möglichkeit einen Computer mit Internetzugang benutzen zu können

usw .

77

nein

ja


Die näheren Begründungen 93 w arum man in ein Jugendzentrum geht lauteten, neben der

näheren Ortsangabe w ie z. B. Tamsw eg oder Muhr, w ie folgt:

„Ja, w eil dort auch meine Freunde sind“

„Ja, ins Jugendzentrum Tamsw eg, das ist super….“

„Ja, um Freunde zu treffen, w eil mir zu Hause fad ist“

„Jugendtreff“

Von den über 90 % der Befragten bzw . 154 Personen, die kein Jugendzentrum besuchen,

gaben 134 nähere Begründungen an:

Einerseits können Jugendliche oft gar nicht in ein Jugendzentrum gehen, w eil es keines gibt,

oder vom Heimatort zu w eit entfernt liegt, andererseits gibt es auch oft gar kein Interesse

eines zu besuchen, w eil Jugendliche die Zeit lieber anderw ärtig verbringen, bzw . sie sich

lieber mit FreundInnen an individuelle Treffpunkten verabreden.

„Nein, w eil es mich nicht interessiert. Ich unternehme mehr mit meinen Freunden“

„Nein, w eil es kein direktes Zentrum gibt. Wenn ich bestimmte Leute treffen möchte, rufe ich

sie an und w ir unternehmen etw as Bestimmtes (Schw immen, spazieren….)!“

93 Genaue Auflistung, der Nennungen, siehe „Qualitative Tabellen“ im Anhang

78


Andere Begründungen kreisen vor allem um das soziale Umfeld im Jugendzentrum, das bei

vielen auf Ablehnung stößt:

„Nein, w eil ich unser Jugendzentrum sinnlos finde (besonders die Leute, die dort hingehen)“,

„Nein, w eil dort genau die Leute hingehen, die ich nicht treffen w ill (hauptsächlich

Hauptschüler) --> die, die vorher im Park herumgelungert sind“, „Nein, w eil sie aller unterstes

Niveau sind“, „Nein, w eil sich die Anzahl der einheimischen Jugendlichen in Grenzen hält (es

gibt keine)“, „Nein, w eil ich meine Freunde treffe zum Kaffee trinken, zum Beispiel und w eil in

meiner Nähe im Jugendzentrum nur Leute sind, die ich nicht kenne“, „Nein, w eil zu viele

Ausländer dort sind“.

Hier scheint eine Art w echselseitiges „Ingroup-Outgroup“-Phänomen zum Ausdruck zu

kommen: Offenbar halten viele Jugendliche ein/ihr Jugendzentrum für eine geschlossene

Gesellschaft jener, die sich dort regelmäßig treffen und grenzen sich stark von ihnen ab.

Jene, die angeben, in ein Jugendzentrum zu gehen, fühlen sich dort w ohl eben aufgrund des

herrschenden sozialen Umfelds von Freunden.

Auch fühlen sich viele der Befragten oft zu alt für den Besuch eines Jugendzentrums:

„Nein, w eil die Jugendlichen die das Jugendzentrum besuchen viel jünger sind als ich“

„Nein, w eil es mich nicht interessiert; w eil immer kleine Kids (13-Jährige) herum rennen“.

Bei der offenen Frage danach, w as im Jugendzentrum fehle, gibt es nur sehr w enige und zu

unterschiedliche Angaben 94 , w as eine sinnvolle Kategorisierung nicht möglich macht.

Vereinzelt w erden eine höher angesetzte Altersbeschränkung sow ie eine vielfältigere

Ausrüstung w ie z. B.: Billardtisch, Internetzugang usw . gew ünscht.

94 Genaue Auflistung, der Nennungen, siehe „Qualitative Tabellen“ im Anhang

79


3.2.8. Alkohol/Drogen, Gesundheit

Alkohol

Europa ist der Kontinent, w o im w eltw eiten Vergleich der Alkoholkonsum am höchsten ist.

Zw ischen acht und 10 Prozent von Krankheiten sind EU-w eit auf übermäßigen

Alkoholkonsum zurückzuführen. 95 Doch übermäßiger Alkoholkonsum hat nicht nur negative

gesundheitliche Ausw irkungen sondern bringt vor allem auch gesellschaftliche Probleme w ie

Gew alt, Row dytum, Verbrechen, familiäre und berufliche Probleme (Jobverlust) sow ie fatale

Folgen im Straßenverkehr mit sich. Wird gerade von Jugendlichen der Alkoholkonsum oft auch

als Teil des Erw achsenw erdens und der erste Rausch als eine Art Initiationsritual betrachtet,

um Teil der Gesellschaft bzw . der Clique zu sein, so ist Alkohol, w enn er zum Problem bzw .

zur Sucht w ird, ein w esentliche Grund Menschen an den Rand der Gesellschaft zu drängen.

Auffallend ist, dass die ÖsterreicherInnen beim Alkoholkonsum oft noch über dem EU-

Durchschnitt liegen. So hat z. B. die Frage, ob in den letzten 30 Tagen Alkohol konsumiert

w urde, im Durchschnitt 66 Prozent der befragten EU-Bürgerinnen bejaht, in Österreich w aren

es hingegen 69 Prozent. Aber auch bei der Konsummenge ist Österreich nach Spanien (28

%) EU-Spitzenreiter. So gaben in Österreich 24 Prozent jener, die Alkohol trinken, an fünf oder

mehr Drinks mehrmals die Woche zu konsumieren. Der EU-Duchschnitt liegt im Vergleich bei

13 Prozent. 96

Daraus lässt schließen, dass das Rauschmittel Alkohol in der österreichischen Gesellschaft

leider kaum als solches w ahrgenommen w ird bzw . oft erst dann, w enn bereits eine Sucht

vorliegt. Alkoholkonsum gehört w ie selbstverständlich zur österreichischen Trink- und Feiraber

auch Alltagskultur dazu.

In der Fachw elt w ird das in Österreich vorherrschende Trinkmuster als „integrativ“

bezeichnet. Dies bedeutet, „dass es w enige völlig alkoholabstinente Personen gibt, der

Alkoholdurchschnittskonsum relativ hoch ist, aber w enig Probleme pro Liter getrunkenen

Reinalkohol auftreten“.

Im Gegensatz dazu steht das „explosive“ Trinkverhalten im englischsprachigen und

nordeuropäischen Raum, w as bedeutet, dass relativ viele Personen gar keinen Alkohol

trinken, „der Alkoholdurchschnittskonsum eher niedrig ist, dafür aber durch vornehmlich

exzesshaftes Trinken relativ viele Probleme pro Liter getrunkenem Reinalkohol auftreten“. 97

Man sollte jedoch davon Abstand nehmen das österreichische Trinkmuster positiver zu

bew erten, nur w eil „w eniger Probleme pro Liter getrunkenem Reinalkohol“ auftreten. Dies

95 Attitudes Towards Alcohol – Special Eurobarometer 272b (2007, 2)

96 Attitudes Towards Alcohol – Special Eurobarometer 272b (2007, 5, 12)

97 BMGF: Alkoholkonsum in Österreich (2006, 3 -4)

80


hängt vermutlich mit einem gew issen Gew öhnungseffekt auf Grund des regelmäßigen

Konsums zusammen.

Auf Grund des in Österreich vorherrschenden integrativen Trinkmusters w ird Alkoholkonsum

in der Öffentlichkeit erst dann thematisiert, w enn er exzessiv, spektakulär und von immer

Jüngeren (in der Öffentlichkeit) betrieben w ird.

Kinder und Jugendliche erleben heute ihre ersten Alkoholräusche früher, w eil Kinder und

Jugendliche generell früher „reif“ w erden und sich immer früher w ie Erw achsene verhalten

und somit auch deren Konsummuster früher übernehmen. Folglich hat auch die Zahl der

Vollräusche bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich zugenommen. 98

Österreichische Medien berichteten in den letzten zw ei Jahren vermehrt über „Trinken bis

zum Umfallen“, somit w urde „Komasaufen“ nicht ohne Grund zum Unw ort des Jahres 2007 in

Österreich gekürt.

Einerseits durch österreichische Medien zum Thema gemacht, andererseits von den jungen

Befragten selbst als Jugendtrend genannt, ist der teilw eise exzessive Alkoholkonsum

Jugendlicher auch Untersuchungsgegenstand dieser Studie.

Einerseits geht es um den quantitativen Alkoholkonsum, andererseits um die Eruierung von

Gründen exzessiven Alkoholkonsums, dabei nicht unbew usst mit (medialen) Klischees zu

spielen. Ferner w urde auch nach Flate-Rate-Angeboten in den jew eiligen Heimatgemeinden

der Jugendlichen gefragt. Da in der Vergangenheit einige „schw arze Schafe“ der

Gastronomie jugendliche Konsumenten als Zielgruppe entdeckt haben und diese mit

besonders günstigen Angeboten in ihre Lokale lockten. Wobei unter Flate-Rate-Trinken

verstanden w ird, dass zu einem Fixpreis so viele alkoholische Getränke konsumiert w erden

können, w ie man schafft bzw . w ill. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Wirte meist nur kurzfristig

Gew inne mit Flat-Rate-Angeboten für Jugendliche verbuchen konnten. Längerfristig nahmen

sie (auch finanziellen) Schaden auf Grund des schlechten Rufs, den sie sich durch ihr

verantw ortungsloses Agieren eingehandelt haben.

Neben Angeboten w ie Flat-Rate-Trinken w urden Jugendliche von der Getränkeindustrie auch

durch so genannte Alkopos zum Alkoholkonsum verführt. Dabei handelt es sich um oft sehr

süße limonadenähnlich alkoholische Mischgetränke in Flaschen (aber auch als Pulver und

Pasten zum Auflösen). Durch das poppige Verpackungsdesign von Flaschen und Dosen und

dem limonadenähnlichen süßen Geschmack w urde ganz bew usst auf junge Leute und im

Besonderen auf junge Frauen als Zielgruppe gesetzt. Um diesem Modegetränk etw as

98 BMGF: Alkoholkonsum in Österreich (2006, 4 -5)

81


entgegenzusetzen w urde z. B. in Deutschland, der Schw eiz und in Frankreich eine spezielle

Alkopopsteuer eingeführt.

In Salzburg hat man neben gesetzlichen Regelungen unter anderem 2007 gemeinsam mit

einem bekannten Fruchtsafthersteller und unter Mitw irkung von Jugendlichen einen nicht

alkoholischen Drink für Jugendliche unter dem Namen „GOA (Genuss ohne Alkohol) – der S-

Pass-Drink“ kreiert und eingeführt. Dessen Bekanntheit und Beliebtheit w urde ebenfalls in

dieser Studie erhoben.

Rechtliche Grundlagen im Bundesland Salzburg

Laut dem Salzburger Jugendgesetz sind Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 16.

Lebensjahr der Erw erb, der Besitz und der Konsum von alkoholischen Getränken nicht

erlaubt. Ab dem 16. Lebensjahr ist Jugendlichen der Erw erb, Besitzt und mäßige Konsum

(keine Berauschung!) von alkoholischen Getränken gestattet, sofern diese nicht unter die

Kategorie gebrannte alkoholische Getränke aber auch Mischgetränke w ie z. B. Alkopops

fallen, w elche w eiterhin verboten bleiben. 99

In der Studie w ird öfter der Begriff Binge Drinking verw endet, w as frei übersetzt soviel

bedeutet w ie „Saufgelage“. Binge Drinking bezieht sich auf den Konsum einer großen

Alkoholmenge innerhalb kurzer Zeit. Eine international akzeptierte Definition besagt, dass

Männer fünf oder mehr Drinks (Frauen vier oder mehr) hintereinander bei einer Gelegenheit

konsumieren müssen um von Binge Drinking sprechen zu können.

99 Salzburger Jugendgesetz § 36 Abs. 1

82


Vermutungen über Ursachen des massiven Alkoholkonsums Jugendlicher

in Lokalen oft billige Angebote (n = 169)

Kampftrinken (Wettbewerb) (n = 168)

sich (sexuell) mehr trauen (n = 168)

Grenzerfahrungen erleben (n = 167)

Neugierde (n = 169)

private Probleme vergessen (n = 170)

Schul-/Arbeitsprobleme vergessen (n = 169)

weil es schmeckt (n = 169)

macht Spaß (n = 170)

wollen "cool" sein (n = 170)

Gruppenzwang (n = 170)

wollen dazugehören (n = 169)

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Warum glaubst du, betrinken sich Jugendliche

manchmal bis zur Bewusstlosigkeit.

trifft

trifft eher trifft

trifft eher nicht nicht

Gründe zur Auswahl n zu zu zu zu

w ollen dazugehören 169 63,9 26 7,1 3

Gruppenzw ang 170 58,8 28,8 8,8 3,5

w ollen "cool" sein 170 66,5 24,1 7,1 2,4

macht Spaß 170 27,6 40,6 27,1 4,7

w eil es schmeckt

Schul-/Arbeitsprobleme

169 18,3 28,4 39,1 14,2

vergessen 169 37,9 43,8 16 2,4

private Probleme vergessen 170 43,5 44,7 10,6 1,2

Neugierde 169 21,3 45,6 27,2 5,9

Grenzerfahrungen erleben 167 26,9 43,7 23,4 6

sich (sexuell) mehr trauen 168 31,5 39,3 23,2 6

Kampftrinken (Wettbew erb)

in Lokalen oft billige

168 41,1 35,7 17,9 5,4

Angebote 169 34,3 28,4 23,7 13,6

83

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu


Über 90 Prozent der Befragten befinden, dass „cool sein w ollen“ als Grund für übermäßigen

Alkoholkonsum bei Jugendlichen „zu trifft“ bzw . „eher zu trifft“. An zw eiter Stelle der Gründe

befindet sich „w ollen dazugehören“ gefolgt von „Gruppenzw ang“. Hier w ird die

gesellschaftliche Rolle des Alkoholkonsums für Jugendliche sehr deutlich. Wer sich dem

Alkholkonsum verw eigert läuft Gefahr nicht (mehr) Teil der Gruppe bzw . der Clique zu sein

und als „uncool“ zu gelten. Alkoholkonsum als Wettbew erb w ird als Grund auch noch relativ

hoch als zutreffend bew ertet (rund 41 %).

Doch auch Alkohol als „Problemlöser“ bzw . „Problemverdränger“ w ird als w esentlicher Grund

für übermäßigen Alkoholkonsum vermutet, w obei private Probleme (rund 44 %) noch vor

beruflichen bzw . schulischen Problemen (rund 38 %) liegen.

Wenn man die Begründungen für übermäßigen Alkoholkonsum nach Zusammenhängen

bezüglich Geschlechtes untersucht, so können doch einige festgestellt w erden. In allen drei

Fällen handelt es sich um sehr schw ache Zusammenhänge, die signifikant sind. Bei „w ollen

dazu gehören“ 100 , „Schul-/Arbeitsprobleme vergessen“ 101 und „private Probleme

vergessen“ 102 konnte festgestellt w erden, dass diese tendenziell von mehr jungen Frauen als

Männern als zutreffend gew ählt w urden.

100%

90%

80%

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

Vermutungen über Ursachen des massiven Alkoholkonsums

Jugendlicher: Nach Geschlecht

2,9

10

32,9

54,3

männl. (n =

70)

100 Soners’d -0,175

101 Somers’d -0,198

102 Somers’d -0,175

wollen dazugehören

(n = 165)

2,1

5,3

21,1

71,6

weibl. (n =

95)

2,8

12,7

50,7

33,8

männl. (n =

71)

private Probleme

(n = 166)

9,5

41,1

49,5

weibl. (n =

95)

84

5,6

18,3

47,9

28,2

männl. (n =

71)

13,8

42,6

43,6

weibl. (n =

94)

Schul-/Berufsprobleme

(n = 165)

trifft nicht zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft zu


8,7 Prozent w ählten die Antw ortkategorie „aus anderen Gründen“, w obei insgesamt 13

eigenständige Angaben gemacht w urden, die sich w ie folgt zusammenfassen lassen:

Einerseits w ird die Rolle der Medien angesprochen w ie „In den Medien w ird viel darüber

gebracht“; „Medien sprechen von nix anderem, Jugendliche w erden verleitet“, andererseits

w ird die Ursache auch bei Jugendlichen selbst gesucht w ie aus Trotz; Frust; Dummheit;

Spaß; „Aufmerksamkeit erregen“; „Kennen Grenzen nicht“.

Andere Argumente w ie „Weil es zurzeit leider cool ist“; „ um nicht als Weichei dazustehen“;

„Mutproben“; „ Keiner haltet sich an das Gesetz“ lassen sich unter dem Begriff Gruppendruck

zusammenfassen. Eine Begründung einer jungen Frau zielt auf Mischgetränke Alcopops und

Co, indem sie meint, dass man bei diesen Getränken „den Alk nicht sofort merkt“.

Alkoholkonsum im Freundeskreis

Bei der Frage „Wie viel Alkohol w ird in deinem Freundeskreis getrunken“ handelt es sich um

eine subjektive Einschätzung der Befragten.

Prozent (n = 169)

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Alkoholkonsum im Freundeskreis

10,7

11,2

27,8

35,5

85

14,8

gar nichts

wenig

eher wenig

eher viel

Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass in ihrem Freundeskreis „viel“ bzw . „eher

viel“ Alkohol getrunken w ird. Bei über 10 % trinkt der Freundeskreis gar keinen und rund 11 %

w enig Alkohol.

viel


Prozent (n =165)

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Alkoholkonsum im Freundeskreis: Nach Geschlecht

12,9

11,4 10,5 10,5

37,1

22,1

31,4

36,8

86

7,1

gar nichts wenig eher wenig eher viel viel

20

männl. (n = 70)

weibl. (n = 95)

Junge Frauen (20 %) geben häufiger an, dass in ihrem Freundeskreis viel Alkohol getrunken

w ird als junge Männer (7,1 %). Hierbei handelt es sich um einen sehr schw achen

Zusammenhang 103 , der signifikant ist. Man darf hier nicht davon ausgehen, dass in

Freundeskreisen von jungen Frauen generell mehr Alkohol getrunken w ird, sondern vielmehr,

dass junge Frauen die konsumierte Menge subjektiv anders w ahrnehmen als Männer.

Flat-Rate-Angebote in der Heimatgemeinde

Mit folgender Frage (inklusive Erklärung) w urde das Flat-Rate-Angebot im Lungau erhoben:

Wurde/ w ird in Lokalen deiner Gemeinde Flat-Rate-Trinken angeboten?

Prozent (n = 166)

50

40

30

20

10

0

103 Somers’d 0,193

Angebot von Flat-Rate-Trinken

44,6

18,1

37,3

nein

ja

weiß ich nicht


Über 18 % w issen von Flat-Rate-Angeboten in ihrer Gemeinde, w obei die Jugendlichen aus

folgenden Gemeinden stammen:

Flat-Rate-Angebot Anzahl der Bejahungen

Mariapfarr 7

Mauterndorf 5

Tamsw eg 4

St. Michael 3

St. Margarethen 1

87


Häufigkeit des Alkoholkonsums

Liköre (n = 167)

Schnaps/Wodka/Rum

(n = 170)

Cocktails/Mixgetränke

(n = 165)

Alcopops (n = 166)

Wein/Sekt (n = 168)

Bier (n = 171)

Häufigkeit: Alkoholkonsum

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Wie oft trinkst du folgende alkoholische Getränke?

1x pro

mehr-

Monat

mals in mehr- oder

der mals im seltene (fast)

Getränke n täglich Woche Monat r nie

Bier 171 0,6 14 23,4 21,1 40,9

Wein/Sekt 168 0,6 6,5 18,5 30,4 44

Alcopops 166 0,6 5,4 27,1 23,5 43,4

Cocktails/Mixgetränke 165 0 4,8 28,5 26,1 40,6

Schnaps/Wodka/Rum 170 0 4,7 27,6 25,9 41,8

Liköre 167 0,6 0,6 10,8 22,2 65,9

88

täglich

mehrmals in der Woche

mehrmals im Monat

1x pro Monat oder seltener

(fast) nie

Bier w ird in Summe am häufigsten konsumiert. Rund 38 % geben an Bier mindestens

mehrmals im Monat oder öfter zu konsumieren, gefolgt von rund 33 % bei Cocktails und

Mixgetränke sow ie Alcopops. Schnaps kommt mit rund 32 % noch vor Wein/ Sekt mit rund 26

% der Befragten, w elche dieses Alkoholika mindestens mehrmals im Monat oder öfter


konsumieren. Die Zahl jener, die fast nie etw as trinken, liegt bei fast allen abgefragten

alkoholischen Getränken über 40 %, lediglich bei Likör liegt der Prozentsatz bei fast 66.

Liköre

(n = 163)

Schnaps/

Wodka/Rum

(n = 166)

Cocktails/

Mixgetränke

(n = 161)

Alcopops

(n = 162)

Wein/Sekt

(n = 164)

Bier (n = 167)

weibl. (n = 93)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 95)

männl. (n = 71)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 67)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 68)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 70)

weibl. (n = 94)

männl. (n = 71)

Häufigkeit: Alkoholkonsum nach Geschlecht

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

89

täglich

mehrmals in der Woche

mehrmals im Monat

1x pro Monat oder seltener

(fast) nie

Männer Frauen

1x pro

1x pro

mehrmehr- Monat

mehr- mehr- Monat

mals in mals oder

mals in mals oder

Alkoholische

der im seltene (f ast)

der im seltene (f ast)

Getränke n täglich Woche Monat r nie n täglich Woche Monat r nie

Bier 71 1,4 19,7 25,4 18,3 35,2 94 0 9,4 21,9 24 44,8

Wein/Sekt 70 0 5,7 15,7 27,1 51,4 94 1,1 6,4 19,1 33 40,4

Alcopops

Cocktails/

68 1,5 0 20,6 23,5 54,4 94 0 9,6 30,9 23,4 36,2

Mixgetränke

Schnaps/

67 0 0 19,4 25,4 55,2 94 0 7,4 34 27,7 30,9

Wodka/Rum 71 0 1,4 25,4 26,8 46,5 95 0 7,4 28,4 24,2 42,8

Liköre 70 1,4 0 5,7 18,6 74,3 93 0 1,1 15,1 23,7 60,2


Zw ischen der Häufigkeit des Bie rkonsums und dem Geschlecht existiert ein sehr schw acher

indirekt proportionaler Zusammenhang 104 , der signifikant ist. Dies bedeutet, dass junge Männer

häufiger Bier trinken als junge Frauen.

Junge Frauen hingegen trinken tendenziell häufiger Wein/Sekt als junge Männer.

Bei Alcopops kommt es zu einem schw achen direkt proportionalen Zusammenhang 105

zw ischen Konsumhäufigkeit und Geschlecht, der sehr signifikant ist. Dies bedeutet im

Wesentlichen, dass junge Frauen häufiger Alcopops konsumieren als junge Männer. Dies

w ird vor allem bei den Kategorien „mehrmals im Monat“ und „mehrmals in der Woche“ aber

auch bei „(fast) nie“ deutlich.

Der größte Zusammenhang zw ischen Konsumhäufigkeit und Geschlecht konnte bei

Cocktails und Mixgetränken festgestellt w erden. Hierbei handelt es sich um einen

mittleren direkt proportionalen Zusammenhang 106 , der hoch signifikant ist. Dies bedeutet, dass

junge Frauen häufiger Cocktails und Mixgetränke konsumieren als junge Männer. So geben z.

B. 7,4 % der jungen Frauen aber kein junger Mann an Cocktails und Mixgetränke mehrmals in

der Woche zu trinken. Mehrmals im Monat w erden diese Alkoholika von 34 % junger Frauen im

Vergleich zu rund 20 % junger Männer konsumiert.

Bei Likör kommt es zu einem sehr schw achen direkt proportionalen Zusammenhang 107

zw ischen Konsumhäufigkeit und Geschlecht, der signifikant ist. Junge Frauen konsumieren

häufiger Likör als junge Männer, w obei zu berücksichtigen ist, dass Likör generell von beiden

Geschlechtern am seltensten getrunken w ird.

Die Spirituosen, Schnaps, Wodka, Rum, w eisen keine signifikanten Zusammenhänge

zw ischen Konsumhäufigkeit und Geschlecht auf.

104 Somers’d -0,174

105 Somers’d 0,240

106 Somers’d 0,310

107 Somers’d 0,152

90


Liköre

(n = 162)

Schnaps/

Wodka/

Rum

(n = 165)

Cocktails/

Mixgetränke

(n = 160)

Alcopops

(n = 161)

Wein/Sekt

(n = 163)

Bier

(n = 166)

ab 16 J. (n = 77)

bis 15 J. (n = 85)

ab 16 J. (n = 79)

bis 15 J. (n = 86)

ab 16 J. (n = 78)

bis 15 J. (n = 82)

ab 16 J. (n = 77)

bis 15 J. (n = 84)

ab 16 J. (n = 79)

bis 15 J. (n = 84)

ab 16 J. (n = 79)

bis 15 J. (n = 87)

Häufigkeit: Alkoholkonsum: Nach Altersgruppen

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Wie oft trinkst du folgende alkoholische Getränke? Nach Altersgruppen

91

täglich

mehrmals in der Woche

mehrmals im Monat

1x pro Monat oder seltener

(fast) nie

Altersgruppe bis 15 Jahre Altersgruppe ab 16 Jahre

mehrmehr- 1x pro

mehrmehr- 1x pro

malsmals Monat

malsmals Monat

Alkoholische

in der im oder (f ast)

in der im oder (f ast)

Getränke n täglich Woche Monat seltener nie n täglich Woche Monat seltener nie

Bier 87 0 10,3 19,5 25,3 44,8 79 1,3 17,7 27,8 17,7 35,4

Wein/Sekt 84 1,2 3,6 14,3 27,4 53,6 79 0 8,9 21,5 34,2 35,4

Alcopops

Cocktails/

84 1,2 3,6 29,8 17,9 47,6 77 0 7,8 23,4 29,9 39

Mixgetränke

Schnaps/

82 0 3,7 19,5 28 48,8 78 0 5,1 37,2 25,6 32,1

Wodka/Rum 86 0 5,8 17,4 19,8 57 79 0 3,8 38 31,6 26,6

Liköre 85 1,2 0 14,1 17,6 67,1 77 0 1,3 7,8 26 64,9

Generell darf noch behauptet w erden, dass die Altersgruppe bis (inklusive) 15 Jahre w eniger

häufig Alkohol konsumiert als die Altersgruppe ab 16 Jahren. Wenn man berücksichtigt, dass

laut Gesetz den Unter-16-Jährigen jeglicher Alkoholkonsum untersagt ist, so ist es schon

überraschend, dass die Unterschiede bei der Konsumhäufigkeit von Alkohol zw ischen den

Altersgruppen nicht größer ausfallen.


So gibt es z. B. bei Bie r nur einen sehr schw achen direkt proportionalen Zusammenhang 108 ,

der signifikant ist. Dies bedeutet, dass Jüngere generell w eniger häufig Bier trinken, w enn

auch der Abstand zu den Älteren nicht besonders groß ausfällt.

Bei Wein/Sekt fällt der Unterschied schon etw as größer aus. Hier existiert ein schw acher

direkt proportionaler Zusammenhang zw ischen Alter und Konsumhäufigkeit, der sehr

signifikant ist.

So geben mehr als die Hälfte (53,6) der Jüngeren an fast nie Wein bzw . Sekt zu trinken

w ährend es hingegen bei den Älteren rund 35 % sind. Mehrmals im Monat und häufiger

trinken fast 20 % der Jüngeren im Vergleich zu über 30 % der Ältern Wein bzw . Sekt.

Bei Alcopops geben rund 30 % der Jüngeren, im Vergleich zu rund 23 % der Älteren an

diese mehrmals im Monat zu konsumieren, auch w enn dieser Zusammenhang nicht signifikant

ist. Das harmlose Limonadenimage der Alcopops konnte offensichtlich noch nicht genügend

entkräftet w erden.

Bei Cocktail/Mixgetränke liegt ein schw acher direkt proportionaler Zusammenhang 109

zw ischen Altersgruppen und Konsumhäufigkeit vor, der sehr signifikant ist. Dies bedeutet,

dass die Gruppe der Über-16-Jährigen häufiger Cocktails und Mixgetränke konsumieren als

die Jüngeren. Cocktails und Mixgetränke w erden von 23 % der Jüngeren mehrmals im Monat

und häufiger getrunken, im Vergleich zu rund 42 % der Älteren.

Auch bei Schnaps/Wodka/Rum gibt es einen schw achen direkten Zusammenhang 110 , der

aber hoch signifikant ist. Diese Spirituosen w erden von rund 23 % der Jüngeren und fast 42

% der Älteren mehrmals im Monat und häufiger konsumiert.

Bei Likör konnten keine signifikanten Zusammenhänge festgestellt w erden.

Nach Bildungstypen w urde nicht unterschieden, w eil diese meist mit den Altersgruppen

korrespondieren. Da ausschließlich SchülerInnen in Schulen befragt w urden, bedeutet höhere

Schulbildung auch höheres Alter.

108 Somers’d 0,169

109 Somers’d 0,223

110 Somers’d 0,297

92


Konsumierte Alkoholmenge:

Die durchschnittliche Konsummenge von alkoholischen Getränken in den letzten 30 Tagen

w urde mit Hilfe folgender Frage ermittelt, w obei die zuvor gestellte Frage nach der Häufigkeit

des Alkoholkonsums insofern ein Filter für all jene w ar, die angaben fast nie ein bestimmtes

Alkoholika zu trinken und auch nichts angekreuzt haben:

„Wie viel hast du in den letzten 30 Tagen bei einzelnen Trinkgelegenheiten im Durchschnitt

getrunken?“

Auf Grund des Filters kam es zu stark variierenden Teilstichproben (n), die es bei der

Interpretation zu berücksichtigen gilt.

Liköre (n = 75)

Schnaps/Wodka/Rum

(n = 107)

Cocktails/Mixgetränke

(n = 98)

Alcopops (n = 92)

Wein/Sekt (n = 97)

Bier (n = 115)

Menge: Alkoholkonsum in den letzten 30 Tagen

57,9

59,2

63

63,9

58,3

89,3

93

21,5

21,7

27,6

19,6

21,6

20,6

8

13,3

17,4

14,4

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100

%

Keine Angabe –

Schnaps

gemessen an der

Cocktails/ /Wodka/Ru

Gesamt-stichprobe Bier Wein/Sekt Alcopops Mixgetränke m Likör

Filter 30,2 37,2 37,8 34,3 32,0 49,4

nicht ausgef üllt 2,9 6,4 8,7 8,7 5,8 7

Gesamt: 33,1 46,6 46,5 43 37,8 56,4

20

1-2 Glas

3-4 Glas

5 und mehr


Zur Erläuterung:

Anhand der Tabelle kann man erkennen, dass z. B. bei Likör rund 56 % der Befragten gar

keine Angabe lieferten, w ovon vorher rund 49 % angaben fast nie Likör zu trinken und auch

bei dieser Frage Likör nicht ankreuzten. Die restlichen 7 % haben bei der Frage nach der

Konsum-Häufigkeit nichts angegeben oder zumindest nicht „fast nie“ angekreuzt und auch bei

dieser Frage nach der Konsummenge nichts angestrichen.

Am meisten w ird Bie r aber auch Spirituosen wie Schnaps, Wodka, Rum im Lungau

konsumiert. Rund 20 % von jenen, die angaben Bier bzw . Spirituosen zu trinken, haben in den

letzten 30 Tagen im Durchschnitt bei einzelnen Gelegenheiten 5 Drinks und mehr (Binge

Drinking) konsumiert. Rund 17 % haben bei einer Gelegenheit 5 Drinks und mehr Alcopops

hintereinander konsumiert. Die geringste Konsummenge kann Likör für sich in Anspruch

nehmen.

94


Wie viel hast du in den letzten 30 Tagen bei einzelnen Trinkgelegenheiten im

Durchschnitt getrunken: Geschlecht

Junge Männer Junge Frauen

Alkoholische

1-2 3-4 5 und

1-2 3-4 5 und

Getränke n Glas Glas mehr n Glas Glas mehr

Bier 49 46,9 34,7 18,4 62 67,7 11,3 21

Wein/Sekt 36 77,8 19,4 2,8 58 56,9 22,4 20,7

Alcopops

Cocktails/

30 73,3 20 6,7 59 57,6 18,6 23,7

Mixgetränke

Schnaps/

32 65,6 28,1 6,3 63 57,1 27 15,9

Wodka/Rum 42 66,7 23,8 9,5 62 50 21 29

Liköre 30 96,7 0 3,3 42 83,3 14,3 2,4

Bei Bie r kommt es zu einem nicht linearen schw achen Zusammenhang 111 zw ischen

Konsummenge und Geschlecht, der sehr signifikant ist.

Generell trinken eher Burschen mehr Bier, w enn man die Menge 3-4 und 5 und mehr Gläser

zusammen rechnet, dann konsumieren über 53 % der biertrinkenden Burschen, und rund 32

% der biertrinkenden Mädchen diese Menge.

Auffallend ist jedoch, dass bei Binge Drinking die biertrinkenden Mädchen mit 21 % sogar die

Burschen (18,4 %) leicht überholen. Umgekehrt trinkt ein Großteil (67,7) der w eiblichen

Jugendlichen 1 bis 2 Gläser bei einer Gelegenheit, im Gegensatz zu männlichen Jugendlichen

(47 %).

Wein und Sekt wird in größeren Mengen von Mädchen bei einzelnen Gelegenheiten

konsumiert. Hier liegt ein schw acher direkt proportionaler Zusammenhang 112 zw ischen

Geschlecht und Konsummenge vor, der sehr signifikant ist. Über 20 % der w eintrinkenden

jungen Frauen trinken bei einer Gelegenheit 5 und mehr Gläser Wein/Sekt, bei den jungen

Männern sind es im Vergleich 2,8 %. Hingegen trinken rund 78 % der Burschen bei einer

Gelegenheit 1 bis 2 Gläser Wein/Sekt im Vergleich zu rund 57 % der Mädchen.

Bei Alcopops sowie Cocktails und Mixgetränken kann kein signifikanter Zusammenhang

bezüglich Konsummenge und Geschlecht festgestellt w erden. Es fällt dennoch auf, dass beim

Binge Drinking, die Mädchen deutlich voran liegen. Bei Alcopos trinken nahezu 24 % der

jungen Frauen im Vergleich zu den Burschen mit rund 7 % 5 Gläser und mehr. Ähnlich verhält

111 Cramer's V 0,286

112 Somers' d 0,243

95


es sich bei Cocktails und Mixgetränken, w o rund 16 % der Mädchen im Vergleich zu 6 % der

Burschen Binge Drinking betreiben.

Bei Schnaps/Wodka/Rum kommt es zu einem schw achen direkt proportionalen

Zusammenhang 113 zw ischen Konsummenge und Geschlecht, der signifikant ist.

Wobei auch hier w ieder junge Frauen angeben mehr auf einmal zu trinken als junge Männer.

Hier ist ebenfalls der Unterschied zw ischen jungen Männern (9,5 %) und Frauen (29 %)

w ieder am deutlichsten bei der Kategorie 5 Gläser und mehr.

Bis auf Likör, w ird bei allen abgefragten alkoholischen Getränken deutlich, dass junge Frauen

gerade beim Binge Drinking (5 Gläser und mehr) die jungen Männer deutlich überholt haben.

Liköre

(n = 72)

Schnaps/

Wodka/

Rum

(n = 104)

Cocktails/

Mixgetränke

(n = 95)

Alcopops

(n = 89)

Wein/Sekt

(n = 94)

Bier

(n = 111)

Menge: Alkoholkonsum in den letzten 30 Tagen: Nach Altersgruppen

ab 16 J. (n = 35)

bis 15 J. (n = 37)

ab 16 J. (n = 55)

bis 15 J. (n = 49)

ab 16 J. (n = 51)

bis 15 J. (n = 44)

ab 16 J. (n = 44)

bis 15 J. (n = 45)

ab 16 J. (n = 51)

bis 15 J. (n = 43)

ab 16 J. (n = 59)

bis 15 J. (n = 52)

41,8

52,9

51

57,8

52,5

68,2

68,2

65,4

73,5

81,4

88,6

89,2

96

29,1

20,3

27,5

29,4

26,7

11,4

23,1

14,3

27,3

29,1

11,6

27,1

19,6

20,5

19,6

8,6

8,1 2,7

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

12,2

15,6

11,5

4,5

7

2,9

1-2 Glas

3-4 Glas

5 und mehr

Auf Grund des zuvor eingebauten Filters, kommt es zu kleineren Teilstichproben, im Vergleich

zur Gesamtstichprobe, w o der Anteil der bis 15-Jährigen 50,6 % bzw . 87 Personen und jener

der ab 16-Jährigen rund 48 % bzw . 80 Personen beträgt (fast 3 % gaben kein Alter an).

Bei Bier, Alcopops und Likör konnten keine signifikanten Zusammenhänge zw ischen

Altersgruppen und Konsummenge festgestellt w erden.

Bei Wein/Sekt 114 und Schnaps/Wodka/Rum 115 konnte ein mittlerer direkt proportionaler

Zusammenhang festgestellt w erden, der hoch signifikant ist. Dies bedeutet, dass die

113 Somers' d 0,216


Altersgruppe ab 16 Jahre größere Mengen dieser Alkoholika bei einzelnen Gelegenheiten

konsumieren als die jüngere.

So geben z. B. rund 19 % der w ein/sekttrinkenden Unter-16-Jährigen an 3 und mehr Gläser

bei einer Gelegenheit im Durchschnitt zu trinken, im Vergleich zu rund 49 % der Über-16-

Jährigen. Bei Schnaps/Wodka/Rum verhält es sich ähnlich. Rund 27 % der Jüngeren und mehr

als 58 % der Älteren trinken bei einer Gelegenheit im Durchschnitt 3 Gläser und mehr.

Cocktails und Mixgetränke w eisen einen sehr schw achen direkt proportionalen

Zusammenhang 116 zw ischen Konsummenge und Altersgruppen auf, der signifikant ist.

Am größten ist der Unterschied zw ischen der Gruppe bis 15 und jener ab 16 Jahre in der

Kategorie „5 Gläser und mehr“, w elche 4,5 % der bis (inkl.) 15-Jährigen im Vergleich zu fast

20 % der ab 16-Jährigen angekreuzt haben.

Rauscherfahrung

Hier w urde eruiert, w ie viele der befragten Jugendlichen bereits einen Rausch auf Grund von

Alkoholkonsum in ihrem Leben hatten und w enn ja, in w elchem Alter.

Prozent (n = 164)

70

60

50

40

30

20

10

0

Rauscherfahrung

38,4

61,6

Über 60 % der Befragten hatten in ihrem Leben bereits einen Rausch.

114 Somers' d 0,306

115 Somers' d 0,322

116 Somers’d 0,193

97

nein

ja


Prozent (n = 160)

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Rauscherfahrung: Nach Geschlecht

46,4

53,6

33,0

98

67,0

männlich (n = 69) weiblich (n = 91)

In diesem Fall haben mehr junge Frauen Rauscherfahrungen als Männer. Hierbei handelt es

sich jedoch um einen sehr schw achen Zusammenhang zw ischen Rauscherfahrung und

Geschlecht, der sich auch nicht als signifikant erw iesen hat.

Prozent (n = 159)

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Rauscherfahrung: Nach Altersgruppen

50

50

25,3

74,7

bis 15 J. (n = 84) ab 16 J. (n = 75)

Logischerw eise steigt die Rauscherfahrung mit dem Alter.

Die Altersverteilung für den ersten Rausch sieht folgendermaßen aus:

nein

ja

nein

ja


Im Durchschnitt haben die meisten Jugendlichen mit 14 Jahren ihren ersten Rausch auf Grund

von Alkoholkonsum, w obei es auch zw ischen den Geschlechtern keinen nennensw erten

Unterschied gibt.

Mit w ie viel Jahren hattest du deinen ersten Rausch auf Grund von Alkoholkonsum?

Geschlecht Mittelwert N

Std.

Abweichung Median Minimum Maximum

männlich 13,57 35 1,737 14,00 10 17

weiblich 13,70 61 1,498 14,00 11 17

Total 13,66 96 1,582 14,00 10 17

Mit folgender Frage w urde die Anzahl der Rauscherfahrungen in den letzten 30 Tagen

erhoben.

„Wie oft hattest du in den letzten 30 Tagen einen Rausch auf Grund von Alkoholkonsum?“

Bei dieser Frage w urde ein Filter aktiv. All jene, die bereits angegeben haben, noch nie in

ihrem Leben einen Rausch gehabt zu haben, und diese Frage ausgelassen haben, w urden

als „Systemmissing“ betrachtet. Das bedeutet, dass es für diese eine logische Konsequenz

w ar, diese Frage über die Rauscherfahrung der letzten 30 Tage auszulassen. Somit hat sich

99


die Stichprobe der folgenden Frage um rund 37 % bzw . 63 Personen aufgrund dieses Filters

verringert. Dies gilt es bei der Interpretation der folgenden Ergebnisse zu berücksichtigen.

Prozent (n = 105)

35

30

25

20

15

10

5

0

Rauscherfahrung in den letzten 30 Tagen

31,4

27,6

18,1

nie 1x 2x 3x 4x häufiger

als 4x

9,5

In den vergangen 30 Tagen hatten mehr als 31 % keinen und fast 69 % zumindest einen

Rausch. Über 13 % der befragten Jugendlichen gaben an vier Mal bzw . häufiger als vier Mal

oder anders ausgedrückt, mindestens jedes Wochenende einen Rausch gehabt zu haben.

Prozent (n = 102)

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Rauscherfahrung in den letzten 30 Tagen: Nach Geschlecht

44,7

23,4

28,9

26,6

10,5

21,9

10,9

7,9

100

5,3

4,8

4,7

2,6

12,5

nie 1x 2x 3x 4x häufiger

als 4x

8,6

männlich (n = 38)

weiblich (n = 64)

Auch die Frage nach der Häufigkeit der Rauscherfahrung bestätigt, w as sich bei der Frage

nach der konsumierten durchschnittlichen Alkoholmenge abgezeichnet hat. Junge Frauen

trinken im Lungau größere Mengen an Alkohol und haben folglich in Summe häufiger

Rauscherfahrungen als junge Männer. Hier existiert ein schw acher direkt proportionaler


Zusammenhang 117 zw ischen Geschlecht und Häufigkeit der Rauscherfahrung, der sehr

signifikant ist. So hatten rund 45 % der Burschen im Vergleich zu rund 23 % der Mädchen nie

einen Rausch in den letzten 30 Tagen. Umgekehrt hatten über 17 % der Mädchen im Vergleich

zu rund 8 % der Burschen im letzten Monat vier Mal und häufiger einen Rausch – sprich

mindestens jedes Wochenende einen.

Im Vergleich dazu gibt es bei Altersgruppen und Häufigkeit der Rauscherfahrung in den

letzten 30 Tagen nur einen sehr schw achen Zusammenhang 118 , der nicht signifikant ist.

Prozent (n = 102)

40

35

30

25

20

15

10

5

0

34,1

29,3

Alkoholkonsum in den letzten 30 Tagen: Nach

Altersgruppen

36,4

20,7

15,9

19

6,8

12,1

101

6,9

2,3

4,5

12,1

nie 1x 2x 3x 4x häufiger

als 4x

bis 15 J. (n = 44)

ab 16 J. (n = 58)

Die Altersgruppe der Über-16-Jährigen tendiert zu häufigeren Rauscherfahrungen im

Vergleich der Altersgruppe bis (inkl.) 15-Jährigen.

GOA die alkoholfreie Alternative?

Dem Auftraggeber Akzente w ar es ein besonderes Anliegen, den Bekanntheits- und

Beliebtheitsgrad des alkoholfreien Jugendgetränks GOA „Genuss ohne Alkohol“ festzustellen,

das ja erst 2007 angeboten w ird, so zum Beispiel auch in Tamsw eg im "kenn i di".

117 Somers' d 0,293

118 Somers' d 0,196


Prozent (n = 170)

100

80

60

40

20

0

Bekanntheit den alkoholfreien Jugendgetränks

"GOA"

88,8

11,2

Lediglich 11,2 % der Befragten kennt GOA, von diesen äußern sich rund 10 % bzw . 17

Personen über den Geschmack. Vier Personen geben an, dass ihnen GOA schmeckt, für 11

ist es okay und 2 Personen schmeckt dieses Jugendgetränk nicht.

Rauchen von Tabakwaren:

Laut EU-Statistik sterben innerhalb der Europäischen Union (EU) jährlich mehr als eine halbe

Million Menschen an den direkten und indirekten Folgen Tabakkonsums. Durch passives

Rauchen erleiden auch Nicht-RaucherInnen negative Einflüsse auf ihre Gesundheit. So w urde

festgestellt, dass 25 % aller Krebssterbefälle innerhalb der EU auf Rauchen zurückgeführt

w erden können. 119 Dies hat die EU veranlasst diverse Maßnahmen gegen das Rauchen zu

erlassen. Dies sind einerseits rechtliche Maßnahmen w ie Tabakw erbeverbot in europäischen

Medien und andererseits Anti-Raucherkampagnen w ie „HELP: For a Life Without Tobacco 120 “,

die sich vor allem an Jugendliche w endet, die kurz davor sind, mit dem Rauchen zu beginnen,

aber auch an jene, die bereits aufhören möchten.

Im EU-Durchschnitt sind 32 % der EU-BürgerInnen Raucher, 21 % haben aufgehört und 47 %

haben nie geraucht. Österreich liegt leicht unter dem EU-Durschschnitt mit 31 %

RaucherInnen, 22 % haben zu rauchen aufgehört und 46 % haben nie geraucht. 121

Der Großteil der RaucherInnen raucht regelmäßig, ja sogar täglich. So liegt der EU-

Durchschnitt derer, die täglich rauchen bei 96 %, in Österreich bei 97 %. 122

Im Alter zw ischen 15 und 25 Jahren rauchen im EU-Durchschnitt 35 %.

119

Vgl. European Commission: Special Eurobarometer 272c (2007, 3)

120

http://www.help-eu.com/pages/index-2.html

121

Vgl. European Commission: Special Eurobarometer 272c (2007, 4-5)

122

Vgl. ebda. (S.10)

102

nein

ja


Die österreichischen RaucherInnen zeigen w enig Bew usstsein gegenüber den Gefahren des

Passiv-Rauchens. Sie schneiden im EU-Vergleich besonders schlecht im Bereich

Rücksichtnahme gegenüber Nicht-RaucherInnen und Kindern ab.

Die Frage „Rauchst Du zu Hause in Gegenw art von Nicht-Rauchern?“, beantw orten 79 % der

befragten österreichischen RaucherInnen mit „Ja“, der EU-Durchschnitt liegt im Vergleich bei

66 %. Auch auf Kinder nehmen die österreichischen RaucherInnen w eniger Rücksicht als

dies im EU-Durchschnitt der Fall ist. In nahezu allen 25 Mitgliedstaaten raucht die

überw iegende Mehrheit der RaucherInnen zu Hause nicht in Gegenw art ihrer Kinder. Anders

in Österreich, hier raucht die Mehrheit (51 %) sehr w ohl in Gegenw art ihrer Kinder.

In Schw eden sind es vergleichsw eise 10 %. 123

Somit darf es auch nicht w undern, w enn Kinder und Jugendliche, die in österreichischen

Haushalten schon längst passiv mitgeraucht haben, selbst zur Zigarette greifen bzw . kein

oder zumindest zuw enig Problembew usstsein gegenüber den negativen gesundheitlichen

Folgen des Rauchens besitzen.

In Österreich gibt es folgende Tendenzen, w as das Rauchen betrifft:

Die erste Zigarette w ird immer früher geraucht. So haben rund 50 % der Burschen und 45 %

der Mädchen im Alter von 13,5 bereits die erste Zigarette geraucht. Umgekehrt beginnen

Mädchen etw as früher mit dem regelmäßigen Zigarettenkonsum. Generell gibt es bei Mädchen

bereits einen höheren RaucherInnen-Anteil als bei Burschen. Ferner ist der

RaucherInnenanteil beim Bildungstyp I (ohne Matura) größer als beim Bildungstyp II (mit

Matura). Im Alter zw ischen 14 und 19 Jahren gibt es die meisten RaucherInnen. Mit

steigendem Alter hören immer mehr Menschen w ieder mit dem Rauchen auf. 124

Auf Grund der Themenvielfalt der vorliegenden Studie w ar es nur bedingt möglich dem Thema

„Jugend und Rauchen“ gerecht zu w erden. Es w urde vor allem erhoben ob und w ie viel

Jugendliche rauchen und ob sie gew illt sind, damit aufzuhören.

Auf die Frage „Rauchst du Zigaretten?“, haben rund 34 % mit „Ja“ geantw ortet.

123 Vgl. ebda. (S.45)

124 Vgl. BMGF (2005, 1-3)

103


Prozent

70

60

50

40

30

20

10

0

66,5

Zigarettenkonsum

104

33,5

nein ja

Es konnte ein mittlerer Zusammenhang 125 zw ischen Geschlecht und Rauchen festgestellt

w erden, der hoch signifikant ist, w obei es unter den Mädchen deutlich mehr RaucherInnen

gibt als unter den Burschen. Rund 16 % der Burschen und rund 46 % der Mädchen geben an,

dass sie rauchen.

Dies bestätigt zw ar eine österreichw eite Beobachtung, dass inzw ischen mehr junge Frauen

als junge Männer rauchen, aber im Lungau ist dieser Unterschied jedoch etw as extrem

ausgefallen.

Prozent (n = 160)

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

125 Cramer’s V 0,310

Zigarettenkonsum: Nach Geschlecht

83,8

16,2

54,3

45,7

männlich (n = 68) weiblich (n = 92)

nein

ja


Prozent (n = 164)

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Zigarettenkonsum: Nach Bildungstypen

56,3

43,7

74,2

105

25,8

Typ I (n = 71) Typ II (n = 93)

Es existiert ein schw acher Zusammenhang 126 zw ischen Bildungstypen und

Zigarettenkonsum, der sehr signifikant ist. Generell gibt es unter dem Bildungstyp II w eniger

RaucherInnen.

Diese Beobachtung ist sogar EU-w eit deckungsgleich.

Etw as schw ierig w ar die Ausw ertung der Frage nach dem Zigarettenkonsum. Ursprünglich

w ar gedacht, dass jene, die eher GelegenheitsraucherInnen sind, die Frage nach dem

Zigarettenkonsum pro Woche beantw orten und jene die täglich rauchen, die Konsummenge

pro Tag angeben. Leider hat das bei den Jugendlichen nicht ganz so funktioniert, einige füllten

beide Fragen aus, andere w iederum nur eine oder gar keine. Somit kam es hier zu relativ

geringen Teilstichproben.

Von der Gesamtstichprobe (n = 172) haben rund 23 % (bzw . 39 Personen) die Summer der

Zigaretten, die sie pro Tag rauchen angegeben, w obei sich folgende Aufteilung zeigt.

126 Cramer’s V 0,187

nein

ja


Prozent (n = 39)

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Zur Erläuterung:

74,4

Zigarettenkonsum pro Tag

20,5

schwacher Raucher mittlerer Raucher starker Raucher

Schw ache RaucherInnen rauchen täglich zw ischen 1 und maximal 9 Zigaretten.

Mittlere RaucherInnen rauchen zw ischen 10 und 19 Zigaretten täglich.

Starke RaucherInnen rauchen 20 Zigaretten und mehr pro Tag.

Nahezu Dreiviertel der RaucherInnen im Lungau sind schw ache RaucherInnen. Rund 20 %

zählen zu den mittleren und 5 % zu den starken RaucherInnen.

Im Durchschnitt konsumieren die jungen LungauerInnen, die regelmäßig rauchen, 6 Zigaretten

pro Tag.

Auf Grund der geringen Teilstichprobe konnten keine signifikanten Zusammenhänge

zw ischen Geschlecht bzw . Bildungstypen und Zigarettenkonsum pro Tag festgestellt

w erden.

Die Frage nach dem w öchentlichen Zigarettenkonsum w urde von rund 22 % der Befragten

beantw ortet, w obei der Großteil als schw ache Raucher bezeichnet w erden kann. So liegt

der Durchschnittskonsum pro Woche bei rund 23 Stück Zigaretten (Median bei 15 Stück).

Zusammenhänge zw ischen Bildungstypen bzw . Geschlecht und Zigarettenkonsum pro

Woche, w aren auf Grund der verringerten Teilstichprobe und der breiten Streuung nicht mehr

signifikant.

Die Bereitschaft mit dem Rauchen aufzuhören liegt bei rund 28 %, über 47 % haben sich

dieser Frage noch nicht w irklich gestellt.

106

5,1


Prozent (n = 53)

50

40

30

20

10

0

Drogen

Bereitschaft mit dem Rauchen aufzuhören

24,5

28,3

107

47,2

nein ja weiß ich nicht

In einer Jugendstudie das Thema Drogen gew issenhaft abzudecken ist sehr schw ierig, da

alleine der Befragungsort Schule keine ausreichende Anonymität gew ährleistet. Immerhin

handelt es sich hier um illegale Drogen, deren Konsum verboten ist.

Somit w urde dem Thema Drogen nur eine einzige Frage in dieser Studie gew idmet und zw ar

folgende:

Welche der genannten Medikamente oder Drogen hast du noch nie genommen, schon einmal

probiert bzw . häufiger genommen?

Gas, Kleber (n = 167)

Heroin (n = 166)

Crack (n = 168)

Kokain (n = 168)

Amphetamine (n = 167)

Pilze ("Psilos") (n = 167)

Ecstasy (n = 168)

Cannabis (Haschisch/Marihuana) (n = 168)

Aufputschmittel (n = 168)

Beruhigungsmittel (n = 165)

Schmerzmittel (n = 165)

Medikamenten-/Drogenkonsum

LSD (n = 168)

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100

%

öfter

1x

nie


Welche Medikamente oder Drogen hast du noch nie genommen, schon einmal

probiert bzw. häufiger genommen?

Drogen/Medikamente n öfter 1x nie

Schmerzmittel 165 42,4 15,8 41,8

Beruhigungsmittel 165 5,5 9,7 84,8

Aufputschmittel 168 18,5 11,9 69,6

Cannabis (Haschisch/Marihuana) 168 3,6 5,4 91,1

Ecstasy 168 0,6 0,6 98,8

Pilze ("Psilos") 167 0,6 0,6 98,8

LSD 168 0,6 0,6 98,8

Amphetamine 168 0,6 0,6 98,8

Kokain 168 0,6 1,2 98,2

Crack 168 0,6 0,6 98,8

Heroin 166 0,6 0 99,4

Gas, Kleber 167 6,6 12,6 80,8

Schmerzmittel w erden von rund 42 %, Aufputschmittel von rund 19 % und Beruhigungsmittel

von rund 6 % der Befragten öfter konsumiert. Rund 7 % schnüffeln Gas und Kleber öfter und

Cannabis liegt bei ca. 4 %.

Die Kategorie „andere Rauschmittel w urde von 14 Personen durch eigenständige Einträge

ergänzt.

So w urde z. B. von drei Personen darauf hingew iesen, dass Medikamente nur eingenommen

w erden, w enn sie vom Arzt verschrieben w urden bzw . w enn man krank ist.

Homöopathische Medikamente als Beruhigungsmittel bei Prüfungsangst oder Notfallstropfen

als Schmerzmittel finden ebenso Erw ähnung. Alkohol w urde ebenfalls noch zusätzliche von 4

Personen genannt. Als Schnüffel-Zeug w ird noch Schaumstoff und Benzin angegeben.

Es w urden aber auch noch härtere Dinge w ie, Angle Dust, Crystal Meth, und Wasserpfeife

(bzw . Wasserpfeife-Apfel) hinzugefügt.

Als Aufputschmittel darf natürlich auch ein Salzburger Energy Drink nicht fehlen.

108


Gas,

Kleber

Am

phetamine

Kokain Crack Heroin

CanAufnabisput

(Hasch./

schMari- Pilze

mittelhuana) Ecstasy ("Psilos") LSD

Ber

uhigungsmittel

Sch

merzmittel

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

Medikamenten-/Drogenkonsum: Nach Geschlecht

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

109

öfter

1 x

nie


Welche Medikamente oder Drogen hast du noch nie genommen, schon

einmal probiert bzw. häufiger genommen: Geschlecht

Männer Frauen

Medikamente - Drogen n öfter 1x nie n öfter 1x nie

Schmerzmittel 68 36,8 13,2 50 93 46,2 17,2 36,6

Beruhigungsmittel 69 5,8 7,2 87 92 5,4 12,0 82,6

Aufputschmittel

Cannabis

71 16,9 14,1 69 93 19,4 10,8 69,9

(Haschisch/Marihuana) 70 4,3 7,1 88,6 94 3,2 4,3 92,6

Ecstasy 70 1,4 0 98,6 94 0 0 100

Pilze ("Psilos") 70 1,4 1,4 97,1 93 0 0 100

LSD 70 1,4 1,4 97,1 94 0 0 100

Amphetamine 69 1,4 1,4 97,1 94 0 0 100

Kokain 70 1,4 1,4 97,1 94 0 1,1 98,9

Crack 70 1,4 1,4 97,1 94 0 0 100

Heroin 68 1,5 0 98,5 94 0 0 100

Gas, Kleber 71 9,9 15,5 74,6 92 4,3 9,8 85,9

Es konnten keine signifikanten Zusammenhänge zw ischen Konsumhäufigkeit und Geschlecht

festgestellt w erden. Dennoch kann beobachtet w erden, dass tendenziell junge Frauen öfter

Schmerzmittel und junge Männer mehr Gas und Kleber schnüffeln.

Welche Medikamente oder Drogen hast du noch nie genommen, schon einmal

probiert bzw. häufiger genommen: Bildungstypen

Bildungstyp I Bildungstyp II

Medikamente - Drogen n öfter 1x nie n öfter 1x nie

Schmerzmittel 72 40,3 18,1 41,7 93 44,1 14 41,9

Beruhigungsmittel 72 2,8 9,7 87,5 93 7,5 9,7 82,8

Aufputschmittel

Cannabis

74 9,5 17,6 73 94 25,5 7,4 67

(Haschisch/Marihuana) 74 2,7 4,1 93,2 94 4,3 6,4 89,4

Ecstasy 74 1,4 0 98,6 94 0 1,1 98,9

Pilze ("Psilos") 74 1,4 1,4 97,3 93 0 0 100

LSD 74 1,4 1,4 97,3 94 0 0 100

Amphetamine 73 1,4 0 98,6 94 0 1,1 98,9

Kokain 74 1,4 2,7 95,9 94 0 0 100

110


Crack 74 1,4 1,4 97,3 94 0 0 100

Heroin 74 1,4 0 98,6 92 0 0 100

Gas, Kleber 74 8,1 10,8 81,1 93 5,4 14 80,6

Es gibt einen schw achen Zusammenhang 127 , der sehr signifikant ist, zw ischen

Konsumhäufigkeit von Aufputschmittel und Bildungstypen. Über ein Viertel (25,5 %) der

Gruppe Bildungstyp II im Vergleich zu rund einem Zehntel der Gruppe Bildungstyp I haben

bereits öfter Aufputschmittel zu sich genommen.

Weitere signifikante Zusammenhänge konnten nicht festgestellt w erden.

Gesundheit

Diese Studie soll ebenfalls das Befinden von Jugendlichen w iderspiegeln. Daher w urde auch

das Thema Gesundheit bzw . gesundheitliche Probleme angeschnitten, um auf mögliche

gehäufte Beschw erden unter Jugendlichen hinw eisen zu können. Alleine durch den

schulischen Leistungsdruck leiden immer mehr Jugendliche an psychosomatischen

Symptomen und Stress.

Im Lungau ist im Vergleich zu anderen Salzburger Bezirken die Bedeutung von Gesundheit am

geringsten. Gleichzeitig gibt es jedoch niemand der Gesundheit als unw ichtig betrachtet, w ie

dies in allen anderen Bezirken Salzburgs sehr w ohl der Fall ist.

Prozent (n = 169)

60

50

40

30

20

10

0

Wichtigkeit von Gesundheit

47,9

43,2

8,9

111

sehr wichtig

eher wichtig

eher unwichtig

Rund 48 % der Befragten empfinden Gesundheit als sehr w ichtig und rund 43 % als eher

w ichtig. Nahezu 9 % ist ihre Gesundheit eher unw ichtig.

127 Cramer’s V 0,239


Es gibt einen schw achen Zusammenhang 128 dahingehend, dass den jungen Frauen ihre

Gesundheit w ichtiger ist als den jungen Männern.

Prozent (n = 165)

60

50

40

30

20

10

0

Wichtigkeit von Gesundheit: Nach Geschlecht

48,4

45,7

47,4

38,6

15,7

4,2

sehr wichtig eher wichtig eher unwichtig

112

männlich (n = 70)

weiblich (n = 95)

Auch zw ischen Wichtigkeit von Gesundheit und Bildungstypen kann ein schw acher

Zusammenhang 129 festgestellt w erden, der sehr signifikant ist.

I

Prozent (n = 169)

70

60

50

40

30

20

10

0

Wichtigkeit von Gesundheit: Nach Bildungstypen

60

38,3

36

48,9

4

12,8

sehr wichtig eher wichtig eher unwichtig

Typ I (n = 75)

Typ II (n = 94)

In Summe kann festgestellt w erden, dass der Gruppe des Bildungstyps I ihre Gesundheit

w ichtiger ist als jener des Bildungstyps II.

Das subjektive Befinden w ird durchw egs von den meisten positiv bew ertet.

128 Cramer’s V 0,201

129 Cramer’s V 0,235


Prozent (n = 169)

60

50

40

30

20

10

0

50,9

Subjektives Befinden

43,8

4,7

0,6

113

sehr wohl

eher wohl

eher unwohl

unwohl

Rund die Hälfte fühlt sich sehr w ohl und rund 44 % eher w ohl. Rund 5 % geht es nicht so gut

und 0,6 % fühlt sich unw ohl.

Was die Unterscheidung zw ischen dem Wohlbefinden bei jungen Männern und jungen Frauen

betrifft, so können keine bedeutenden Unterschiede festgestellt w erden.

Sehr w ohl hingegen zw ischen den Bildungstypen.

Zw ischen Wohlbefinden und Bildungstypen kann ein schw acher Zusammenhang 130 , der

signifikant ist, festgestellt w erden.

Prozent (n = 169)

70

60

50

40

30

20

10

0

Subjektives Befinden: Nach Bildungstypen

57,9

45,2

42,1

45,2

8,6

0 0

1,1

sehr wohl eher wohl eher unwohl unwohl

Typ I (n = 76)

Typ II (n = 93)

In Summe fühlen sich Angehörige des Bildungstyps I w ohler als jene des Bildungstyps II.

Die Frage nach dem subjektiven Wohlbefinden w urde gleichzeitig als „Filter“ für die darauf

folgende Frage nach den gesundheitlichen Beschw erden herangezogen. Jene die angaben

130 Cramer’s V 0,228


sich „sehr w ohl“ bzw . „eher w ohl“ zu fühlen und auch in der Folge keine Beschw erden

ankreuzten, w urden als „Filter-Missings“ betrachtet. Somit reduziert sich bei der folgenden

Frage die Teilstichprobe um all jene, die sich generell w ohl.

Interessant ist, dass obw ohl ein Großteil das subjektive Wohlbefinden generell positiv

einschätzt, doch rund 53 % der Befragten gesundheitliche Beschw erden angeben unter

denen sie leiden.

Zu den fünf häufigsten Beschw erden zählen Stress, Müdigkeit trotz genügend Schlaf,

Konzentrationsschwierigkeiten, Liebeskummer, und Schlafstörungen.

Über die Hälfte beklagt sich über Stress, rund 39 % fühlen sich müde trotz ausreichendem

Schlaf, ebenso viele können sich nicht konzentrieren und rund 35 % leiden unter

Liebeskummer. Rund 31 % können nicht schlafen und immerhin noch rund 30 % leiden an

Kopfschmerzen bzw . fühlen sich zu dick.

Die Kategorie „Sonstiges“ haben 5 Personen mit ihren eigenen Einträgen ergänzt, w obei vor

allem seelische Nöte im Vordergrund stehen w ie:

mein Freund hat mich verlassen

Bin sehr schnell böse!

zu nachdenklich, fühle mich für zu viel verantw ortlich.

114


Familienprobleme belasten mich

Lediglich eine Person beklagt ein physisches Problem, nämlich Asthma.

Vergleicht man die gesundheitlichen Beschw erden in Bezug auf Geschlecht, so ergibt sich

vor allem bei Liebeskummer und Schlafprobleme ein signifikantes Ergebnis.

Sow ohl bei Liebeskummer 131 als auch bei Schlafproblemen 132 kann ein schw acher

Zusammenhang bezüglich Geschlechtes festgestellt w erden, w obei hier die jungen Frauen

dominieren.

Beim Vergleich von Bildungstypen können keine Zusammenhänge festgestellt w erden, die

signifikant sind, dennoch lassen sich gew isse Tendenzen erkennen. So leidet z. B. der

Bildungstyp II tendenziell häufiger an Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf,

Konzentrationsschwierigkeiten und Stress.

131 Cramer’s V 0,252

132 Cramer’s V 0,217

115


Gesundheitsprobleme bei jenen, die sich nicht so wohl fühlen: Nach Bildungstypen

keine Freund/e/innen

müde, auch wenn genug geschlafen

Handy-Nutzung

Angstgefühle

einsam

Ess-Störung

Kopfschmerzen

Liebeskummer

Magenprobleme

nicht konzentrieren

nicht ruhig halten

nicht schlafen

oft traurig

Sonstiges

Stress

zu dick

0

1,8

5,4

5,4

5,7

7,1

5,7

5,4

5,7

10,7

8,6

8,6

7,1

8,6

12,5

14,3

116

25,7

30,4

28,6

32,1

31,4

30,4

31,4

0 10 20 30 40 50 60

32,1

Prozent (n = 91)

34,3

40

41,1

42,9

48,6

54,4

Typ II (n = 56)

Typ I (n = 35)

Manche mögen sich w undern, w arum die Frage nach der Handynutzung unter dem Kapitel

Gesundheit zu finden ist. Die Autorinnen w ollten der Diskussion rund um die möglichen

gesundheitlichen Ausw irkungen von elektromagnetischen Feldern (EMF) Rechnung tragen,

indem das Einstiegsalter und die Dauer der täglichen Handynutzung erhoben w urden.

Die diesbezügliche Datenlage hat sich in den letzten Jahren zunehmend verdichtet, dass

intensive Handynutzung negative gesundheitliche Folgen haben kann. Daher ist gerade in

Bezug auf Kinder und Jugendliche besondere Vorsicht geboten.

Auch die österreichische Ärztekammer hat zu „mehr Sorgfalt im Umgang mit mobilen

Kommunikationsmitteln“ gemahnt und sogar empfohlen, dass Kinder und Jugendliche unter 16

Jahren am besten gar keine Mobiltelefone verw enden sollten. 133

In experimentellen Studien konnten in Zell- und Tierversuchen Effekte auf Zellen festgestellt

w erden, die eine Schädigung des Erbguts zur Folge haben. 134

Hardell et al. gehen davon aus, dass ab einer Anzahl von 2.000 Stunden Verw endung von

analogen und digitalen Handys sow ie von Schnurlostelefonen ein erhöhtes Krebsrisiko (v. a.

Tumore des Hörnervs und Gehirntumore) existiere. Diese 2.000 Stunden entsprechen in etw a

einem 10-jährigen Gebrauch von einer Stunde w erktags. 135

133 Vgl. ÖAK (2005-08-30)

134 Vgl. Kundi M (2004) bzw. Kundi et al. (2004)

135 Vgl. Hardell et al. (2006)


Es soll nicht unerw ähnt bleiben, dass es auch Studien gibt, die gegenläufige Meinung

repräsentieren. Huss et al 136 . konnten anhand von 59 Studien, die sie analysierten, einen

Zusammenhang zw ischen Sponsoren und Studienergebnissen feststellen. Die

Telekommunikationsindustrie selbst tritt immer w ieder als Auftraggeber und Sponsor von

Studien auf, die die Handynutzung und die damit verbundenen möglichen gesundheitlichen

Effekten zum Inhalt haben. Dass hier ein Interessenskonflikt vorherrscht, liegt auf der Hand.

Dies konnten Huss et al. auch in ihrer Meta-Studie belegen, nämlich, dass es bei Studien, die

ausschließlich von der Industrie finanziert w urden, w esentlich w eniger w ahrscheinlich ist,

dass diese von statistisch signifikanten Effekten berichten, die die Gesundheit beeinflussen

können.

Nach einem Report 137 der BioInitiative Working Group, eine internationale Gruppe von

Wissenschaftern, Forschern und ExpertInnen im Bereich elektromagnetischer Felder) sah

sich auch die Europäische Umw eltagentur (EEA) veranlasst im Fall von EMF und deren

Ausw irkungen auf die Gesundheit die Forderung nach besseren Sicherheitsstandards bei der

Regulierung von Handystrahlung zu unterstützen und für das Vorsorgeprinzip zu plädieren. 138

Im Sinne des vorsorglichen Gesundheitsschutzes erscheint es angezeigt Kinder und

Jugendliche auf mögliche gesundheitliche Effekte und in der Folge auf einen bew ussten

Umgang mit dem Handy, aufmerksam zu machen, da gerade sie es sind, die mit dieser

Technologie aufw achsen und klare Handlungsanleitungen brauchen.

Doch das Handy in Verbindung mit Jugendlichen beinhaltet nicht nur die gesundheitliche

Komponente sondern auch eine finanzielle und manchmal sogar eine verbotene.

Für sehr viele Jugendliche w urde das Handy bereist zur Schuldenfalle. Durch die

Mulitmedienfunktion der Dritten Handy-Generation w erden die Kosten immer unübersichtlicher

und für Eltern oft nicht abschätzbar, da sie oft noch gar nicht die Nutzungsfähigkeiten ihrer

Kinder besitzen. Die Arbeiterkammer sah sich daher schon veranlasst eine

Zusammenfassung unter dem Titel „Mobilfunk und Jugendschutz“ zu veröffentlichen. 139 Es

w erden unter anderem monatliche Kostenlimits auch für Vertragshandys empfohlen, die nach

Erreichung ein Sperre mit sich bringen, Mehrw ertdienste und Roaming sollten generell für

Jugendliche automatisch gesperrt w erden, Zugang zu Diensten sollte alters- und

bedarfsgerecht (so z. B. Internetnutzung am Handy) sein und es sollte ein Limit bei der

Übermittlung von Datenmengen geben.

Durch die Videofunktion auf den Handys kommt eine w eitere problematische Komponente

hinzu. Einerseits überschreiten Jugendliche selbst die Grenzen, indem sie ihre MitschülerInnen

und vermehrt auch LehrerInnen in peinlichen Situationen (bis hin zu „Happy Slapping“ 140 )

136

Huss et al. (2007, 3)

137

Bioinitiative: A Rationale for a Biologically-Based Public Exposure Standard for Electromagnetic Fields'(2007)

138

EEA (2007)

139

Zimmer, D. (Nov. 2006)

140

Happy Slapping kann mit „fröhlichem Dreinschlagen“ übersetzt werden, worunter man grundlose Angriffe auf

Personen versteht, die von weiteren Beteiligten mit einem Handy oder einer Videokamera gefilmt werden, um die

Videos dann anschließend im Internet zu veröffentlichen.

117


ingen und filmen. Diese Videos w erden dann w eitergesandt bzw . sogar ins Internet gestellt

(z. B. YouTube). Andererseits kommen immer mehr Porno- und Gew altvideos auf Kinder- und

Jugendhandys. Der Salzburger Landesschulrat sah sich nun ebenfalls veranlasst etw as

dagegen zu unternehmen und bietet eine Unterrichtsmappe an, in der vor den Gefahren der

Handy-Nutzung gew arnt w ird.

Von den Befragten nutzen 93 % ein Handy, lediglich 5, 2 % nutzen ausdrücklich keines.

Einstiegsalter:

Im Durchschnitt beginnen Jugendliche im Lungau mit 11,37 Jahren mit der Handynutzung.

Bereinigt man diesen Wert von so genannten „Ausreißern“, so ergibt sich ein Zentralw ert von

11,5 Jahre Einstiegsalter. Das Alter, das für den Einstieg der Handynutzung am häufigsten

genannt w urde ist 10 Jahre. Die Jüngsten begannen mit 6 Jahren und die Ältesten mit 16

Jahren ein Handy zu nutzen.

118


Im Lungau gibt es w eder zw ischen den Bildungstypen noch zw ischen Männern und Frauen

signifikante Unterschiede beim Einstiegsalter der Handynutzung.

Mit einem Mobiltelefon w ird bisw eilen vor allem telefoniert, SMS (short mail services)

geschrieben und zunehmend auch im Internet gesurft. Letzteres ist noch relativ teuer und

w ird erst durch die UMTS-Technologie bzw . dritte Generation von Mobiltelefonen, den so

genannten smart-phones bzw . i-phones, bei Jugendlichen an Bedeutung gew innen.

119


Handynutzung pro Tag in Prozent:

Handy

telefoniert (n =

Daue r

156)

(n = 154)

(n = 153)

0 Minuten 1,9 14,9 77,1

0-5 Minuten 24,4 28,6 11,8

6-15 Minuten 14,1 23,4 3,9

16-30 Minuten 19,9 16,2 0

31-60 Minuten 15,4 6,5 1,3

mehr als 60 Minuten 24,4 10,4 5,9

120

SMS schreiben

Internet am

Handy

Rund 24 % telefonieren täglich länger als eine Stunde und rund 15 % telefonieren immerhin

noch bis zu einer Stunde mit ihrem Handy.

Rund 15 % schreiben gar keine SMS. Der Großteil schreibt zw ischen 0-5 Minuten (28,6 %)

und 6-15 Minuten (23,4 %) täglich SMS. Rund 10 % verbringen mehr als eine Stunde bzw .

rund 7 % bis zu einer Stunde täglich mit SMS-Schreiben.

Relativ w enig w ird Internet am Handy genutzt. Über 77 % nutzen es überhaupt nicht und rund

12 % surfen maximal 5 Minuten pro Tag. Rund 6 % surfen länger als eine Stunde pro Tag im

Internet am Handy.


100%

90%

80%

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

Handynutzung pro Tag: Nach Geschlecht

männl. (n = 61) weibl. (n = 91) männl. (n = 60) weibl. (n = 90) männl. (n = 59) weibl. (n = 90)

Handy telefonieren (n = 152) SMS schreiben (n = 150) Internet am Handy (n = 149)

Handynutzung pro Tag gesamt: Nach Geschlecht

Handy telefonieren

121

SMS schreiben

mehr als 60 Minuten

31-60 Minuten

16-30 Minuten

6-15 Minuten

0-5 Minuten

0 Minuten

Internet am Handy

(n = 152)

(n = 150)

(n = 149)

männl. w eibl. männl. w eibl. männl. w eibl.

Dauer

(n = 61) (n = 91) (n = 60) (n = 90) (n = 59) (n = 90)

0 Minuten 1,6 2,2 21,7 11,1 76,3 76,7

0-5 Minuten 41 14,3 41,7 18,9 13,6 11,1

6-15 Minuten 14,8 14,3 15 28,9 5,1 3,3

16-30 Minuten 14,8 23,1 15 16,7 0 0

31-60 Minuten

mehr als 60

16,4 13,2 3,3 8,9 1,7 1,1

Minuten 11,5 33 3,3 15,6 3,4 7,8

Beim Telefonieren mit dem Handy gibt es einen direkt proportionalen mittleren

Zusammenhang 141 zw ischen Gesprächsminuten pro Tag und Geschlecht, der hoch signifikant

ist. Dies bedeutet, dass junge Frauen generell mehr Zeit mit telefonieren am Handy pro Tag

verbringen als junge Männer.

141 Somers’d 0,339


33 % der jungen Frauen im Vergleich zu 11,5 % der jungen Männer telefonieren mehr als eine

Stunde pro Tag mit dem Handy. Hingegen telefonieren 41 % der jungen Männer im Vergleich

zu rund 14 % der jungen Frauen maximal 5 Minuten pro Tag.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim SMS-Schreiben, zw ar w ird im Vergleich zum Telefonieren

etw as w eniger Zeit für das SMS-Schreiben verw endet, aber hier dominieren ebenfalls die

jungen Frauen.

Es besteht somit ein direkt proportionaler mittlerer Zusammenhand 142 zw ischen Minuten pro

Tag, die für SMS-Schreiben verw endet w erden und dem Geschlecht, der hoch signifikant ist.

Rund 16 % der jungen Frauen im Vergleich zu rund 3 % der jungen Männer schreiben täglich

mehr als eine Stunde an SMS. Rund 22 % der jungen Männer im Vergleich zu rund 11 % der

jungen Frauen schreiben hingegen gar keine SMS. Rund 42 % der Männer im Vergleich zu 19

% der jungen Frauen beschränken ihr tägliches SMS-Schreiben auf maximal 5 Minuten.

Bei Internet am Handy konnten keine signifikanten Zusammenhänge zw ischen Minutenanzahl

pro Tag und Geschlecht festgestellt w erden.

Handynutzung pro Tag gesamt: Nach Bildungstypen (in Prozent)

Dauer

142 Somers’d 0,355

122


= 156) 154) = 153)

Typ I (n = Typ II Typ I (n = Typ II Typ I (n = Typ II

66) (n=90) 65) (n=89) 64) (n=89)

0 Minuten 3 1,1 12,3 16,9 64,1 86,5

0-5 Minuten 25,8 23,3 27,7 29,2 17,2 7,9

6-15 Minuten 15,2 13,3 29,2 19,1 6,3 2,2

16-30 Minuten 19,7 20 15,4 16,9 0 0

31-60 Minuten

mehr als 60

7,6 21,1 3,1 9 3,1 0

Minuten 28,8 21,1 12,3 9 9,4 3,4

Bei Telefonieren und SMS-Schreiben am Handy konnte kein signifikanter Zusammenhang

zw ischen Anzahl der Minuten pro Tag und Bildungstypen festgestellt w erden.

Lediglich bei Internet am Handy gibt es einen schw achen indirekt proportionalen

Zusammenhang 143 zw ischen Minuten pro Tag und Bildungstypen, der signifikant ist. Wobei

der Bildungstyp I generell mehr Zeit pro Tag mit Internet am Handy verbringt als Bildungstyp II.

Rund 87 % des Bildungstyps II im Vergleich zu rund 64 % des Bildungstyps I verw enden gar

kein Internet am Handy. Umgekehrt surfen rund 9 % des Bildungstyps I im Vergleich mit rund 3

% des Bildungstyps II täglich länger als eine Stunde im Internet am Handy.

Liebe – Beziehung – Sexualität

In dieser Studie w urde absichtlich kein Sexualverhalten der Jugendlichen abgefragt, w eil

dazu bereits einschlägige Studien w ie z. B. Durex Local Report 2006 existieren. Wenngleich

man dessen Erkenntnisw ert durchaus in Frage stellen kann. Denn einem Kondomhersteller

geht es primär darum ob seine Produkte gekannt und auch angew andt w erden. Hier geht es

nicht um gelebte Sexualität und ihre Rahmenbedingungen sondern um Sex als Geschäft. 144

Dennoch möchten die Autorinnen feststellen, dass Jugendliche in Österreich immer früher

geschlechtsreif w erden und auch sie können nicht umhin, die populären Eckdaten kurz in

Erinnerung zu rufen. Nämlich, dass österreichische Jugendliche im Durchschnitt ihr Erstes Mal

zw ischen 16 und 17 Jahren erleben, w obei Mädchen im Durchschnitt um ein Jahr jünger sind

als Burschen. 145 Darf man zitierter Studie Glauben schenken, so sind die österreichischen

Jugendlichen eher romantisch veranlagt, nehmen sich Zeit für „die schönste Sache der Welt“

und verzichten dafür auf Quantität.

143 Somers’d -0,229

144 Vgl. ebs. Perner R. (2007)

145 Durex (2006, 13)

123


Der vorliegenden Studie ging es nicht um die Abfrage von Sexualpraktiken bzw . sexuellen

Erfahrungen sondern vielmehr um die Thematiken, die von Jugendlichen in einer Studie vor

einem Jahr selbst zu „Liebe – Beziehung –Sexualität“ assoziiert und somit an die Autorinnen

herangetragen w urden. Damals hatten Jugendliche in einer Online-Befragung die Möglichkeit

die Frage „Was sind die Dinge beim Thema „Liebe – Beziehung – Sexualität“, die dich

betreffen?“ 146 mit eigenständigen Assoziationen zu beantw orten. Jene Nennungen die

gehäuft auftraten, w urden in Sätze formuliert und in den Fragebogen der aktuellen Studie

integriert. Somit konnte überprüft w erden, ob diese Nennungen zufällig zustande kamen, oder

doch für den Großteil der Salzburger Jugendlichen von Bedeutung sind. Die Befragten der

hier vorliegenden Studie konnten nun beurteilen inw iefern sie diesen Aussagen zustimmen

oder nicht.

Wie würdest du folgende Aussagen zum

Trifft

Trifft

eher Trifft

Thema "Liebe - Beziehung - Sexualität"

Trifft eher nicht nicht

beurteilen? (in Prozent) n zu zu zu zu

w ill mehr über Verhütung w issen 168 8,3 20,2 32,1 39,3

Ich denke, dass Jugendliche immer früher Sex 168 54,8 33,3 6,5 5,4

146 Maier-Rabler/Hartwig (2007, 116 bzw. A29)

124


haben

Ich bin der Meinung, dass in unserer Gesellschaft

Sex überbetont w ird (z. B. Werbung usw .)

Ich fühle mich von Clique/Freunden unter Druck

gesetzt, sexuelle Erfahrungen zu sammeln bzw .

ich habe mich unter Druck gesetzt gefühlt

Ich möchte gerne mehr über Krankheiten w ie AIDS

usw . erfahren

Ich kenne Mädchen, die ungew ollt schw anger

gew orden sind

In meiner Umgebung gibt es ausreichend Sex-

Beratungsstellen für Jugendliche

Bei uns in der Schule w ird w enig über Verhütung

und Aufklärung gesprochen

Ich habe schon einmal Porno-Angebote über

Internet/Handy erhalten

Für mich ist w ichtig, dass Sex mit Liebe verbunden

ist

Für mich ist es w ichtig, möglichst viele sexuelle

Erfahrungen zu sammeln

Mir sind in meiner Partnerschaft Ehrlichkeit und

Treue w ichtig

125

168 14,9 35,7 39,3 10,1

168 3 5,4 28,0 63,7

168 13,1 26,8 36,9 23,2

169 21,9 10,7 17,2 50,3

166 3,6 10,2 38 48,2

163 16,6 28,2 33,7 21,5

165 20 13,9 15,2 50,9

166 50,6 33,7 7,8 7,8

166 16,9 22,9 45,8 14,5

168 73,8 20,2 3,6 2,4

Die Aussage, dass Jugendliche immer früher Sex haben, findet großen Zuspruch, so

empfinden dies über die Hälfte der Befragten (rund 55 %) als zutreffend bzw . über ein Drittel

als eher zutreffend. Die meisten fühlen sich jedoch w eder bew usst von der Werbung bzw .

von einem gew issen Gruppenzw ang in der eigenen Clique unter Druck gesetzt.

Ähnlich großen Zuspruch gibt es für die Aussage „für mich ist es w ichtig, dass Sex mit Liebe

verbunden ist“ (zu treffend (50,6 %) /eher zutreffend (33,7 %)).

Die größte Bejahung gibt es für die Aussage „mir ist in meiner Partnerschaft Ehrlichkeit und

Treue w ichtig“. Somit gibt sich der überw iegende Großteil der Befragten in Sachen Liebe und

Sexualität eher „w ertekonservativ“.

Was das Anstreben von möglichst vielen sexuellen Erfahrungen betrifft, so scheint dies für

den Großteil der Befragten im Lungau eher nicht vordergründig zu sein. Für rund 46 % ist es

eher nicht und für 14,5 % ist es nicht w ichtig möglichst viele sexuelle Erfahrungen zu

sammeln.

Der Großteil fühlt sich ausreichend informiert w as Verhütung und Krankheiten w ie z. B. AIDS

betrifft, w obei die Schule als primäre Informationsquelle nicht ausreichend sein dürfte, denn


für rund 17 % ist es zutreffend und für über 28 % ist es eher zutreffend, dass in der Schule

w enig über Verhütung und Aufklärung gesprochen w ird.

Über 86 % empfinden es als nicht (48,2 %) bzw . eher nicht zutreffend (38 %), dass in ihrer

Umgebung ein ausreichendes Angebot an Sex-Beratungsstellen für Jugendlichen existiert.

Wie schon bei der „Handy-Frage“ thematisiert, bekommen auf Grund der Videotauglichkeit der

neuen Handy-Generation immer mehr Jugendliche Porno- und Gew altvideos auf ihr Handy,

das oft auch noch mit hohen Kosten verbunden ist, daher w ollte auch diese Studie der Frage

nachgehen w ie viele Jugendliche bereits von diesen Porno-Videos sow ohl auf Handy als

auch über Internet betroffen sind.

Über ein Drittel (34 %) konnte die Aussage „Ich habe schon einmal Porno-Angebote über

Internet/Handy erhalten“ als zutreffend (20 %) bzw . eher zutreffend (14 %) einstufen.

Die Aussage „Ich kenne Mädchen, die ungew ollt schw anger gew orden sind“ w ird von rund

22 % als zutreffend bzw . von rund 11 % als eher zutreffend eingestuft.

Dies w ird jedoch als w enig aussagekräftig eingestuft und w äre diese Thematik nicht von

Jugendlichen an die Autorinnen herangetragen w orden, so hätte man auf diese Kategorie

sicher verzichtet, da diese eher „Gerüchte-Charakter“ hat (ich kenne, w en, der kennt w en

usw .).

126


Zusammenhänge nach Geschlecht:

Es gibt bei folgenden Aussagen Zusammenhänge zw ischen Geschlecht und Zustimmung:

Aussagen, die bei jungen Frauen mehr Zuspruch fanden, sind folgende:

„Ich denke, dass Jugendliche immer früher Sex haben“: Diese Aussage befinden über 63 %

der jungen Frauen und 42,3 % der jungen Männer als zutreffend. 147

„Ich kenne Mädchen, die ungew ollt schw anger gew orden sind.“: Dieser Aussage stimmen

rund 32 % der jungen Frauen und 5,6 % der jungen Männer zu. 148

„Für mich ist w ichtig, dass Sex mit Liebe verbunden ist“: Dies empfinden rund 63 % der

jungen Frauen und rund 35 % der jungen Männer als zutreffend. 149

„Mir sind in meiner Partnerschaft Ehrlichkeit und Treue w ichtig.“ Rund 81 % der jungen Frauen

und rund 66 % der jungen Männer finden diese Aussage zutreffend. 150

Bei der Aussage „Ich habe schon einmal Porno-Angebote über Internet/Handy erhalten“, gibt

es hingegen mehr Zustimmung bei den jungen Männern (31 %) /(Frauen 12 %). 151

147 Somers’d -0,226 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

148 Somers’d -0,350 (mittlerer Zusammenhang, hoch signifikant)

149 Somers’d -0.290 (schwacher Zusammenhang, hoch signifikant)

150 Somers’d -0,161 (sehr schwacher Zusammenhang, signifikant)

151 Somers’d 0,338 (mittlerer Zusammenhang, hoch signifikant)

127


Ehr

lichkeit,

Treue

wichtig

(164)

sexuelle

Erfah-

Sex + rungen

Liebe wichtig

(162) (162)

in

genü- Schule

gend wenig Porno-

Sex-Be- über AngeratAufboteungsklärung

Internet/

stellen etc. Handy

(163) (160) (162)

ungewollte

Sch

wangere

(165)

mehr

Druck - über

sexuelle AIDS

Erfah- usw.

rungen erfahren

(164) (164)

Sex

überbetont

(164)

immer

früher

Sex

(164)

mehr

über

Verhütung

(164)

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

Bewertungen zum Thema: Liebe-Beziehung-Sex: Nach Geschlecht

0% 20% 40% 60% 80% 100%

128

Trifft zu

Trifft eher zu

Trifft eher nicht zu

Trifft nicht zu

Wie würdest du folgende

Aussagen zum Thema

junge Männer junge Frauen

"Liebe - Beziehung -

Trifft

Trifft

Sexualität" beurteilen?

Trifft eher Trifft

Trifft eher Trifft

Nach Geschlecht (in

Trifft eher nicht nicht Trifft eher nicht nicht

Prozent) n zu zu zu zu n zu zu zu zu

w ill mehr über Verhütung

w issen

71 7 19,7 36,6 36,6 93 9,7 20,4 29 40,9

Ich denke, dass Jugendliche

immer früher Sex haben

Ich bin der Meinung, dass in

71 42,3 40,8 8,5 8,5 93 63,4 28 5,4 3,2

unserer Gesellschaft Sex

überbetont w ird (z. B.

Werbung usw .)

Ich fühle mich von

Clique/Freunden unter Druck

71 14,1 35,2 39,4 11,3 93 14 37,6 39,8 8,6

gesetzt, sexuelle

Erfahrungen zu sammeln

bzw . ich habe mich unter

Druck gesetzt gefühlt

71 4,2 4,2 32,4 59,2 93 1,1 6,5 24,7 67,7


Ich möchte gerne mehr über

Krankheiten w ie AIDS usw .

erfahren

Ich kenne Mädchen, die

ungew ollt schw anger

gew orden sind

In meiner Umgebung gibt es

ausreichend Sex-

Beratungsstellen für

Jugendliche

Bei uns in der Schule w ird

w enig über Verhütung und

Aufklärung gesprochen

Ich habe schon einmal

Porno-Angebote über

Internet/Handy erhalten

Für mich ist w ichtig, dass

Sex mit Liebe verbunden ist

Für mich ist es w ichtig,

möglichst viele sexuelle

Erfahrungen zu sammeln

Mir sind in meiner

Partnerschaft Ehrlichkeit und

Treue w ichtig

Zusammenhänge nach Bildungstypen:

71 7 28,2 40,8 23,9 93 17,2 26,9 32,3 23,7

71 5,6 12,7 14,1 67,6 94 31,9 9,6 20,2 38,3

70 2,9 5,7 41,4 50 93 3,2 12,9 36,6 47,3

68 13,2 30,9 35,3 20,6 92 18,5 27,2 33,7 20,7

71 31 22,5 9,9 36,6 91 12,1 5,5 19,8 62,6

69 34,8 46,4 7,2 11,6 93 63,4 25,8 6,5 4,3

70 24,3 22,9 38,6 14,3 92 12 22,8 52,2 13

70 65,7 24,3 4,3 5,7 94 80,9 16 3,2 0

Es konnten zw ei schw ache Zusammenhänge zw ischen Zustimmung und Bildungstypen

festgestellt w erden, die sehr signifikant sind.

Bei der Aussage „Ich fühle mich von Clique/Freunden unter Druck gesetzt, sexuelle

Erfahrungen zu sammeln bzw . ich habe mich unter Druck gesetzt gefühlt“ stimmen rund 5 %

des Bildungstyps I (1 % Bildungstyp II) zu und über 9 % des Bildungstyps I (über 2 %

Bildungstyp II) stimmen eher zu. 152

152 Somers’d 0,257 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

129


Der Bildungstyp I dominiert auch bei der Aussage „Für mich ist es w ichtig, möglichst viele

sexuelle Erfahrungen zu sammeln“. Rund 26 % des Bildungstyps I und rund 10 % des

Bildungstyps II empfinden diese Aussage als zutreffend. 153

Ehrlichkeit,

Treue

wichtig

(168)

sexuelle

Erfahrungen

wichtig

(166)

Sex +

Liebe

(166)

Porno-

Angebote

Internet/

Handy

(242)

in

Schule

wenig

über

Aufklärung

etc.

(163)

genügendSex-Beratungsstellen

(166)

ungewollte

Sch

wangere

(169)

mehr

über

AIDS

usw.

erfahren

(168)

Druck -

sexuelle

Erfahrungen

(168)

Sex

überbetont

(168)

immer

früher

Sex

(168)

mehr

über

Verhütung

(168)

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Bewertungen zum Thema "Liebe-Beziehung-Sex": Nach Bildungstypen

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

130

Trifft zu

Trifft eher zu

Trifft eher nicht zu

Trifft nicht zu

Wie würdest du

folgende

Aussagen zum

Thema "Liebe -

Beziehung -

Bildungstyp I Bildungstyp II

Sexualität"

Trifft

Trifft

beurteilen? Nach

Trifft eher Trifft

Trifft eher Trifft

Bildungstypen (in Trifft eher nicht nicht Trifft eher nicht nicht

Prozent) n zu zu zu zu n zu zu zu zu

w ill mehr über

Verhütung w issen

Ich denke, dass

75 9,3 17,3 32 41,3 93 7,5 22,6 32,3 37,6

Jugendliche immer

früher Sex haben

75 60 32 6,7 1,3 93 50,5 34,4 6,5 8,6

153 Somers’d 0,234 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)


Ich bin der Meinung,

dass in unserer

Gesellschaft Sex

überbetont w ird (z.

B. Werbung usw .)

Ich fühle mich von

Clique/Freunden

unter Druck gesetzt,

75 18,7 37,3 34,7 9,3 93 11,8 34,4 43 10,8

sexuelle Erfahrungen

zu sammeln bzw . ich

habe mich unter

Druck gesetzt gefühlt

Ich möchte gerne

75 5,3 9,3 34,7 50,7 93 1,1 2,2 22,6 74,2

mehr über

75

Krankheiten w ie AIDS

usw . erfahren

Ich kenne Mädchen,

16 24 36 24 93 10,8 29 37,6 22,6

die ungew ollt

schw anger

gew orden sind

In meiner Umgebung

75 25,3 8 14,7 52 94 19,1 12,8 19,1 48,9

gibt es ausreichend

Sex-Beratungsstellen

für Jugendliche

Bei uns in der Schule

w ird w enig über

73 8,2 6,8 30,1 54,8 93 0 12,9 44,1 43

Verhütung und

Aufklärung

gesprochen

Ich habe schon

einmal Porno-

71 22,5 28,2 31 18,3 92 12 28,3 35,9 23,9

Angebote über

Internet/Handy

erhalten

Für mich ist w ichtig,

72 19,4 13,9 16,7 50 93 20,4 14 14 51,6

dass Sex mit Liebe

verbunden ist

73 49,3 38,4 5,5 6,8 93 51,6 30,1 9,7 8,6

Für mich ist es

w ichtig, möglichst

74 25,7 27 33,8 13,5 92 9,8 19,6 55,4 15,2

131


viele sexuelle

Erfahrungen zu

sammeln

Mir sind in meiner

Partnerschaft

Ehrlichkeit und Treue

wichtig

3.2.9. Konsum – Finanzen

74 78,4 18,9 1,4 1,4 94 70,2 21,3 5,3 3,2

Die Lebensw elt Jugendlicher von heute spielt sich im Kontext einer ausdifferenzierten

Warenw elt ab, w ie frühere Generationen sie kaum erlebt haben. Die Vielfalt der

Konsummöglichkeiten spiegelt sich in Jugendkulturen deutlich w ider, und immer mehr w erden

diese an den Konsum bestimmter Lebensstile oder „Lifestyles“ geknüpft. Konsum- und

Freizeitw elten von heute stellen große Herausforderungen bei w eitem nicht nur an junge

Erw achsene dar, Bedürfnisse und Ansprüche in ein gew isses Gleichgew icht mit den

finanziellen Möglichkeiten zu bringen. Kinder und Jugendliche haben jedoch zumeist sehr

begrenzte Möglichkeiten. Ihre Einkommensquellen sind unterschiedlich – von Taschengeld,

einer Ausbildungsvergütung über Einnahmen durch Ferialjobs bis zu Geldgeschenken

zw ischendurch. In diesem Kontext w ird auch der Umgang mit Geld sow ie allgemein das

Verhältnis dazu stark geprägt. Im ersten Teil dieses Kapitels w erden w ir zunächst sehen, w ie

viel Geld Jugendliche überhaupt zu ihrer freien Verfügung haben. Dies bestimmt den Rahmen,

innerhalb dessen sie ihre Konsumw ünsche ausleben können. Eine w eitere Frage w ird sich

den Bereichen w idmen, in die das Geld der Jugendlichen hauptsächlich fließt. Schließlich w ird

eine Einschätzung der Jugendlichen im Hinblick auf ihre finanzielle Situation und den Umgang

mit Geld den Einblick in das Spannungsfeld zw ischen Bedürfnis/Anspruch und begrenzten

Möglichkeiten vertiefen.

Auf die Frage „Wie viel Geld hast du im Monat zur freien Verfügung?“ haben 133 Personen

geantw ortet, w obei vorerst nicht zw ischen SchülerInnen und Lehrlingen unterschieden w ird.

Rund 23 % der Gesamtstichprobe w aren nicht bereit eine nähere Auskunft über ihre

finanzielle Lage zu geben.

Im Durchschnitt verfügen die Befragten 93,88 Euro im Monat. Bereinigt man die Eingaben von

so genannten „Ausreißern“, so ergibt sich ein Zentralw ert von 30,-- Euro pro Monat. Der am

häufigsten vorkommende Wert sind 20,-- Euro. Das Minimum w aren 7,-- und das Maximum

800,-- Euro.

132


Auf Grund der großen Standardabw eichung erschien es als sinnvoll zw ischen SchülerInnen

mit eigenem Einkommen (= Lehrlinge) und SchülerInnen ohne eigenem Einkommen zu

unterscheiden.

Insgesamt gaben 17 Lehrlinge an w ie viel Geld ihnen pro Monat zur Verfügung steht. Im

Durchschnitt verfügen die befragten Lehrlinge im Lungau über 411,-- Euro pro Monat, w obei

der Zentralw ert bei 400,-- Euro und der am häufigsten genannte Wert bei 300,-- Euro liegen.

Als Minimum scheint 250,-- Euro und als Maximum 630,-- Euro auf.

Bei dieser Befragung hatten männliche Lehrlinge durchschnittlich 500,-- Euro und w eibliche

393,57 Euro monatlich zur Verfügung. Auf Grund der geringen Stichprobe und der ungleichen

Geschlechterverteilung innerhalb der Gruppe der Lehrlinge, kann dies jedoch nur eine

Randbemerkung sein.

133


In der Gruppe der SchülerInnen ohne eigenständiges Einkommen (n = 116) liegt der monetäre

Durchschnittsw ert, der pro Monat zur Verfügung steht, bei 47,40 Euro. Der um „Ausreißer“

bereinigte Wert beträgt 30,-- Euro pro Monat und der am häufigsten genannte Wert 20,-- Euro

pro Monat. Der niedrigste Wert beträgt 7,-- Euro und der höchste 800,-- Euro monatlich.

Da bei den SchülerInnen die Stichprobe größer ist und auch die Geschlechterverteilung

ausgew ogener (m = 52; w = 61) w erden an dieser Stelle auch Aussagen über das

durchschnittliche Taschengeld in Bezug auf Geschlecht getätigt.

Der durchschnittliche Geldbetrag der Schülerinnen monatlich zur Verfügung steht, beträgt

35,51 Euro, jener der Schülern zur Verfügung steht beträgt 56,77 Euro. Auch beim um

Ausreißer bereinigten Zentralw ert liegt das Taschengeld der Burschen (30,--) mit 5,-- Euro

über jenem der Mädchen (25,--).

134


Die Frage “Wofür gibst du am meisten Geld aus?“, beinhaltete eine

Merhfachantw ortmöglichkeit.

Für folgende fünf Dinge investieren die meisten Befragten im Lungau ihr Geld:

Fortgehen (rd. 48 %), Kleidung/Mode (rd. 46 %), Handy (rd. 41 %), Kosmetik (34,5 %) und

CDs/DVDs (28 %).

135


Fortgehen

Kleidung/Mode

technische Geräte (ICTs)

Öffentliche Verkehrsmittel

Handy

Kosmetik/Make up

CDs, DVDs

Lebensmittel

Bücher/Zeitschriften

Sportausrüstung

spezielles Hobby

Geschenke

Eintrittskarten

Haustiere

Moped/Motorrad

Auto

Sonstiges

Wohnen/Miete

0

4,2

5,4

7,1

7,1

8,9

11,9

14,3

16,7

16,1

16,1

Geldausgaben

18,5

24,4

136

28

0 10 20 30 40 50 60

Prozent (n = 168)

Die Antw ortkategorie „Sonstiges“ haben 9 Personen gew ählt, w obei je 2 Personen für ihr

Pferd und für Süßigkeiten das meiste Geld ausgeben. Der Rest sind Einzelnennungen w ie

Mineraliensammlung, PS2 spielen, Sparen, Internet.

Zusammenhänge nach Geschlechtern:

Überprüft man diese Sachliste auf Zusammenhänge zw ischen Geschlecht und

Ausgabenvorlieben, so ergibt sich ein klassisches Bild zw ischen jungen Männern und jungen

Frauen.

Frauen dominieren bei den Geldausgaben für Kosmetik/Make up, Kleidung/Mode, Fortgehen,

Handy und Fortgehen.

Der „metrosexuelle Mann“ w ie David Beckham, Brad Pitt oder George Clooney, scheint für die

Lungauer Burschen noch keine Vorbilder zu sein.

Rund 60 % der jungen Frauen (aber kein junger Mann!) geben das meiste Geld für Kosmetik

und Make up aus. Hierbei handelt sich um einen sehr starken Zusammenhang zw ischen

Konsumgew ohnheit und Geschlecht der hochsignifikant ist. 154

Auch das Konsumverhalten bezüglich Kleidung und Mode passt in dieses Bild.

154 Cramer’s V 0,629

34,5

41,1

45,8

48,2


Rund 67 % der jungen Frauen und rund 18 % der jungen Männer geben ihr meistes Geld für

Kleidung und Mode aus. 155

Frauen dominieren auch bei den Ausgaben fürs Fortgehen, so geben

rund 63 % der jungen Frauen und rund 28 % der jungen Burschen das meiste Geld fürs

Fortgehen aus. 156

Wie im Kapitel 3.2.8 Gesundheit-Handynutzung bereits abzulesen w ar, nutzen junge Frauen

w esentlich intensiver ihr Handy als junge Männer. Als logische Konsequenz daraus, zeigt

sich auch bei den Geldausgaben, dass sich dies bei den jungen Frauen zu Buche schlägt.

So geben 50,5 % der jungen Frauen und rund 30 % der jungen Männer das meiste Geld für ihr

Handy aus. 157

Burschen hingegen investieren mehr in Sportausrüstung und technische Geräte w ie MP3-

Player, Computer, i-Pod, DVD-Player usw .

Rund 27 % der Burschen und rund 9 % der Mädchen investieren viel Geld in

Sportausrüstungen. 158

Ganz im traditionellen Sinn erw eist sich Technik nach w ie vor als eine Domäne der jungen

Männer, so geben rund 45 % der Burschen und rund 9 % der Mädchen das meiste Geld für

technische Geräte aus. 159

155 Cramer’s V 0,481 (mittlerer Zusammenhang, hochsignifikant)

156 Cramer’s V 0,350 (mittlerer Zusammenhang, hochsignifikant)

157 Cramer’s V 0,211 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

158 Cramer’s V 0,243 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

159 Cramer’s V 0,421 (mittlerer Zusammenhang, hochsignifikant)

137


Fortgehen

Kleidung/Mode

Kosmetik/Make up

technische Geräte (ICTs)

ÖffentlicheVerkehrsmittel

Handy

CDs, DVDs

Lebensmittel

Geschenke

Moped/Motorrad

Eintrittskarten

Bücher/Zeitschriften

spezielles Hobby

Auto

Sportausrüstung

Sonstiges

Haustiere

0

1,4

5,6

9,9

7,5

7

8,5

8,6

8,6

8,6

8,6

3,2

5,6

9,7

8,5

14

14,1

12,9

Geldausgaben: Nach Geschlecht

18,3

15,1

21,1

18,3

18,3

21,1

23,7

28,2

26,8

29,6

32,4

0 10 20 30 40 50 60 70

Proze nt (n = 164)

138

45,1

50,5

60,2

63,4

66,7

weibl. (n = 93)

männl. (n = 71)

Zw ischen Bildungstypen und Ausgabevorlieben kann ebenfalls ein Zusammenhang

festgestellt w erden. Ein schw acher Zusammenhang existiert bei Eintrittskarten 160 und

Bildungstyp, der sehr signifikant ist, w obei rund 18 % des Bildungstyps II und rund 4 % des

Bildungstyps I das meiste Geld für Eintrittskarten ausgeben.

Sehr schw ache Zusammenhänge existieren jew eils bei Ausgaben für

Bücher/Zeitschriften 161 , Fortgehen 162 und Auto 163 , die alle signifikant sind und w o der

Bildungstyp II dominiert.

160 Cramer’s V 0,219

161 Cramer’s V 0,177

162 Cramer’s V 0,172

163 Cramer’s V 0,169


Fortgehen

Kleidung/Mode

Kosmetik/Make up

technische Geräte (ICT)

Öffentliche Verkehrsmittel

Handy

CDs, DVDs

Lebensmittel

Geschenke

Moped/Motorrad

Eintrittskarten

spezielles Hobby

Auto

Bücher/Zeitschriften

Sportausrüstung

Sonstiges

Haustiere

1,1

4

3,2

6,5

8

9,3

4,3

6,7

5,4

8

12

Geldausgaben: Nach Bildungstypen

14

12,9

13,3

16

18,3

18,7

16,1

16

18,3

13,3

21,3

24

22,6

29

139

32,3

37,3

35,5

0 10 20 30 40 50 60

Prozent (n = 168)

33,3

38,7

38,7

48,0

54,7

55,9

Typ II (n = 93)

Typ I (n = 75)

37 Personen bzw . rund 22 % geben an, schon einmal Schulden gehabt zu haben. 31

Personen benennen die Ursache ihrer Schulden auch näher, w obei auch w enig

Aussagekräftiges w ie „habe mir Geld ausgeliehen“ (14 Nennungen) und „Geld vergessen“ (2

Nennungen) zu finden ist. 3 Personen hatten „Schulden“ durch Jausenkauf und 2 Personen

haben ihr Konto überzogen. Bei den Einzelnennungen finden sich einerseits Ursachen w ie

Geldmangel und zu geringes Taschengeld, andererseits aber auch „Spezialfälle“ w ie „Wurde

über ebay betrogen“, „Spiele kaufen“, „Handyrechnung“ usw .

(Detailauflistung der Nennungen, siehe Anhang „Qualitative Tabellen“).

Für die Schulden kommt der überw iegende Teil (rund 68 %) selbst auf. Bei rund 15 % stehen

Eltern oder Verw andte dafür gerade und ebenso viele w issen nicht, w ie sie ihre Schulden

begleichen sollen.


Als nächstes w urde die Einstellung der Befragten zu „Geld und Finanzen“ anhand von

Aussagen überprüft, die einerseits (Un-)Zufriedenheit mit der finanziellen Lage symbolisieren

und andererseits etw as über einen verantw ortungsvollen bzw . problematischen Umgang mit

Geld aussagen soll.

140


Die Befragten beurteilen ihren Umgang mit Geld durchw egs positiv. So befinden z. B. nahezu

80 % dass es zutreffend (40,5 %), bzw . eher zutreffend (38 %) ist, dass sie sich ihr Geld

gut einteilen. Auf über 70 % ist es zutreffend (26,4 %) bzw . eher zutreffend (46,5 %), dass

sie auf das Preis-Leistungsverhältnis achten.

Für den Großteil (88 %) ist auch die Versuchung Schulden zu machen kein Thema.

Rund 70 % behaupten, dass es für sie nicht zutrifft, bzw . für 18,4 % trifft es eher nicht zu,

dass für sie die Versuchung groß sei Schulden zu machen.

Dennoch w äre es für rund 48 % von Vorteil, w enn sie ihr Konto nicht überziehen dürften

(trifft zu (31,2 %) / trifft eher zu (rd. 17 %)). Hier sollten Banken Jugendlichen mehr entgegen

kommen, indem sie ihnen keinen oder nur einen sehr geringen Überziehungsrahmen

einräumen.

Zw ischen Geschlecht und Zustimmung konnten bei dieser Fragenbatterie kein

Zusammenhang festgestellt w erden.

Ein schw acher Zusammenhang 164 , der sehr signifikant ist, konnte jedoch zw ischen

Bildungstyp und der Zustimmung zu folgender Aussage „Für mich w äre es gut, dass ich mein

Konto nicht überziehen darf“, festgestellt w erden. Diese Aussage ist für rund 41 % des

Bildungstyps I und für rund 23 % des Bildungstyps II zutreffend. Dies hängt sicher auch damit

zusammen, dass sich im Bildungstyp I auch Lehrlinge befinden, die bereits über ein eigenes

Gehaltskonto verfügen.

Für mich w äre es gut,

dass ich mein Konto nicht

Bildungstypen Total

überziehen darf Bildungstyp I Bildungstyp II

trifft zu 40,8 % 22,9 % 31,2 %

trifft eher zu 19,7 % 14,5 % 16,9 %

trifft eher nicht zu 8,5 % 18,1 % 13,6 %

trifft nicht zu 31,0 % 44,6 % 38,3 %

Gesondert w urde die Zufriedenheit mit Taschengeld bzw . Lehrlingsentschädigung dargestellt.

BerufschülerInnen und alle anderen SchülerInnen w urden getrennt dargestellt, da

Lehrlingsentschädigung nur BerufschülerInnen betrifft.

Hier kann man erkennen, dass die monetäre Zufriedenheit bei den SchülerInnen höher ausfällt

als bei den Lehrlingen.

164 Somers’d 0,228

141


Für nahezu Zw eidrittel der Lehrlinge ist es zutreffend bzw . eher zutreffend, dass sie

zuw enig Lehrlingsentschädigung bekommen. Bei den SchülerInnen sind es hingegen rund 42

%, die es als zutreffend bzw . eher zutreffend bezeichnen, dass sie zuw enig Taschengeld

erhalten.

Rund 37 % der Lehrlinge und rund 26 % der SchülerInnen erachten es als zutreffend, dass

sie zuw enig Lehrlingsentschädigung bzw . zuw enig Taschengeld bekommen.

Es besteht somit die Tendenz, dass SchülerInnen etw as zufriedener mit der Höhe ihres

Taschengelds sind als Lehrlinge mit der Höhe ihrer Lehrlingsentschädigung.

142


3.2.10 Jugend und Politik

Mit der Verabschiedung der UN-Charter über die Rechte des Kindes im Jahr 1989 w urden

Kindern erstmals Mitbestimmungsrechte zugesprochen (vgl. ebd. § 9).

Gerade in einer Zeit, w o ein zunehmender Individualisierungsprozess unter Jugendlichen zu

beobachten ist, der sich oft auch bis hin zu Egoismus steigert, ist eine aktive Miteinbeziehung

von Jugendlichen in gesellschaftspolitische Willensbildungsprozesse für alle Gesellschaften

von w esentlicher Bedeutung. Desto früher Jugendliche in demokratischen

Entscheidungsprozessen eingebunden w erden, desto früher lernen sie auch die Spielregeln

von Demokratie. Somit haben Partizipationsangebote für Jugendliche vor allem auch einen

erzieherischen Charakter.

Insbesondre vor dem aktuellen Hintergrund der Senkung des Wahlalters in Österreich auf 16

Jahre, gew innt das Wissen um die Möglichkeiten der Einbeziehung von Jugendlichen in

demokratische Willensbildungsprozesse an Bedeutung 165 .

Jedoch das Angebot alleine reicht nicht, es bedarf auch einer gew issen Motivation, damit sich

Jugendliche überhaupt dafür interessieren.

Viele junge Menschen stehen gerade den traditionellen politischen Strukturen und

Partizipationsformen skeptisch gegenüber und es hat den Anschein, als ob diese nicht mehr

den Interessen der Jugendlichen gerecht w erden könnten. Das oft bemühte Schlagw ort von

der Politikverdrossenheit der Jugendlichen w ird in diesem Zusammenhang oft strapaziert. 166

Wer aber soll es Jugendlichen verdenken, sieht es bei den Erw achsenen in der Zw ischenzeit

auch nicht mehr viel besser aus.

Eine Abkehr von der traditionellen institutionalisierten Parteienpolitik darf nicht als generelles

Desinteresse Jugendlicher an Politik fehlinterpretiert w erden. Es lässt sich vielmehr ein

zunehmendes Interesse der Jugendlichen für unkonventionelle Organisations- und

Partizipationsformen beobachten. Das politische Interesse der jungen Generation ist eher

„kleinräumig, sehr flexibel, von Fall zu Fall, hochfluktuativ und einzelthematisch an Vorhaben

und Projekte gebunden“ (Hafeneger 2001, 5).

In diesem Teil geht es somit um sozio-politische Beteiligung von Jugendlichen. Hierbei w urde

ein Set von verschiedenen Partizipationsangeboten vorgegeben, gleichzeitig w ar aber auch

eine freie Eingabe möglich. Bei den ausgew ählten Antw ortkategorien handelt es sich zum

einen um Angebote mit stark institutionalisiertem, politischem Bezug w ie BürgermeisterInnen-

Sprechstunde, Jugendlandtag, Kinder- und Jugendbeauftragte, Kinder- oder

Jugendgemeinderat usw . zum anderen um Dinge w ie Jugendhomepages in den Gemeinden,

Internetabstimmungen, Schulparlament, und einzelne Projekte w ie Jugendzentrums-, Spielund

Sportplatzplanung, Schulprojekte usw .

165 Maier-Rabler/Hartwig 2007

166 ebd.

143


Auf die Frage „Hast du bei folgenden Dingen schon einmal mitgemacht?“ w urde w ie folgt

geantw ortet:

kenne w ürde

Hast du bei folgenden Dingen schon

ich gerne

einmal mitgemacht? (in %) n nein ja nicht mitmachen

Jugenddiskussion (z. B.

Bezirksjugendgespräche)

160 67,5 15,6 10,6 6,3

Kinder- bzw . Jugendforum 159 70,4 12,6 12,6 4,4

Jugendstammtisch 158 69 13,3 13,3 4,4

Kinder- und Jugendbefragung 159 61 28,9 5 5

Jugendhomepages in den Gemeinden 159 76,7 6,3 15,1 1,9

Internetabstimmung 159 49,7 42,1 6,9 1,3

Jugendzentrumsplanung 160 78,8 5,6 10,6 5

Spiel- und Sportplatzplanung 160 71,3 21,9 2,5 4,4

Schulprojekte 161 34,2 59 2,5 4,3

Kinder- oder Jugendgemeinderat 158 82,9 1,9 10,8 4,4

Kinder-/Jugendbeauftragte 159 83,6 1,9 10,1 4,4

Jugendlandtag 159 80,5 3,1 10,7 5,7

144


Schulparlament 157 76,4 6,4 12,1 5,1

BürgermeisterInnen-Sprechstunde 158 77,2 3,8 15,2 3,8

sonstige Projekte 28 78,6 10,7 3,6 7,1

Der Partizipationsgrad ist bei Schulprojekten mit 59 % Beteiligten am höchsten. Gefolgt von

einer Partizipationsform, die einen sehr geringen Aufw and mit sich bringt, nämlich der

Internetabstimmung (42, 1 %). Rund 29 % haben sich bereits bei einer Kinder- und

Jugendbefragung beteiligt und rund 22 % w aren bereits in einer Spiel- und Sportplatzplanung

involviert. Diskussionsangebote w urden im Durchschnitt immerhin noch von mehr als 10 %

der Befragten genutzt. Darunter fallen vor allem Jugenddiskussionen (z. B.

Bezirksjugendgespräche) (15,6 %), Jugendstammtisch (13,3 %) und Kinder- und

Jugendforum (12,6 %). Schulparlament und Jugendhomepages in den Gemeinden w eisen

einen Beteiligungsgrad von über 6 % auf. Den geringsten Beteiligungsgrad w eisen Angebote

w ie Kinder- oder Jugendgemeinderat und Kinder-/Jugendbeauftragte mit jew eils unter 2 %

auf. Den geringsten Bekanntheitsgrad w eisen BürgermeisterInnen-Sprechstunde und

Jugendhomepages in den Gemeinden mit jew eils über 15 % auf. Dies kann einerseits mit

einem tatsächlich fehlenden Angebot oder aber mit einer mangelnden Kommunikation über

bestehende Angebote zusammenhängen. Der Anteil jener, die in Zukunft sich gerne beteiligen

möchten liegt zw ischen mehr als einem Prozent bis über sechs Prozent, w obei die größte

Motivation Beteiligungsformen w ie Jugenddiskussion (Bezirksjugendgespräche) (6,3 %) und

Jugendlandtag (5,7 %) aufw eisen.

Von jenen 28 Personen, die die Antw ortkategorie „sonstige Projekte“ w ählten, benannten 3

Personen diese näher, nämlich „Partnerhunde“, „Feste organisieren“, sow ie

„Interview s mit Politikern/ Österreichs Schüler im Europäischen Parlament repräsentiert“.

Es konnten Zusammenhänge zw ischen Geschlecht und Beteiligungsgrad festgestellt w erden,

w obei die Beteiligung von jungen Frauen bei Kinder- und Jugendbefragung und von jungen

Männern bei Spiel- und Sportanlagen dominiert.

Rund 36 % der jungen Frauen und rund 19 % der jungen Männer haben sich bereits an einer

Kinder- und Jungendbefragung 167 beteiligt. Umgekehrt w aren fast 30 % der jungen Männer

und rund 16 % der jungen Frauen an der Planung einer Spiel- oder Sportstätte 168 involviert.

167 Schwacher Zusammenhang nach Cramer’s V (0,204), signifikant

168 Sehr schwacher Zusammenhang nach Cramer’s V (0,156), signifikant

145


Nach Bildungstypen gibt es signifikante Zusammenhänge bei Jugendstammtisch 169 , Kinderund

Jugendbefragung 170 sow ie Internetabstimmungen 171 , w obei jew eils Bildungstyp II einen

höheren Partizipationsgrad aufw eise.

Rund 38 % des Bildungstyps II und rund 17 % des Bildungstyps I geben an, bereits an einer

Kinder- und Jugendbefragung teilgenommen zu haben.

Rund 19 % des Bildungstyps II und 6 % des Bildungstyps I geben an, sich bereits an einem

Jugendstammtisch beteiligt zu haben.

Die Hälfte des Bildungstyps II und w eniger als ein Drittel (rd. 32 %) des Bildungstyps I gibt an,

bereits an einer Internetabstimmung teilgenommen zu haben.

169 Schwacher Zusammenhang nach Cramer’s V (0,207), signifikant

170 Schwacher Zusammenhang nach Cramer’s V (0,231), sehr signifikant

171 Sehr schwacher Zusammenhang nach Cramer’s V (0,155), signifikant

146


Im Anschluss sollten verschiedene Aussagen beurteilt w erden, die sich grob in zw ei

Gruppen einordnen lassen: So geht es zum einen um die Erhebung des Informationsstandes

der Jugendlichen in Bezug auf bestimmte Fragestellungen zum Thema (Jugend-)Politik, so z.

B. bei „Ich bin gut über aktuelle Dinge in der Gemeinde informiert“, „Ich w eiß über meine

Rechte/Pflichten als StaatsbürgerIn Bescheid“, „Ich kenne die Jugendschutzbestimmungen“,

„Ich w ürde gerne w ählen gehen, kenne mich aber zu w enig aus“. In Zusammenhang damit

steht die Aussage „Ich lerne genug über Politik in der Schule“, dies ist w ichtig, denn für die

befragten SchülerInnen stellt mit großer Wahrscheinlichkeit die Schule das w ichtigste Forum

für die Vermittlung politischen Wissens dar. Hier ist also der Zusammenhang mit den

Bew ertungen der Informations-Aussagen zu beleuchten.

Dagegen setzt die zw eite Gruppe von Aussagen schon ein gew isses Maß an Informiertheit

über das politische Geschehen im Nahraum (speziell Institutionen von Jugendpolitik) voraus:

„Probleme und Wünsche von Jugendlichen w erden in der Gemeinde ernst genommen“,

„Jugendbeauftragte vertreten die Interessen der Jugendlichen gut“ und „Ich freue mich, dass

Jugendliche nun ab 16 Jahren w ählen dürfen“. Hinzu kommt die w eitergehende Aussage „Ich

möchte an Entscheidungen in der Schule/Gemeinde mitw irken“, die schon auf das

Vorhandensein eines gew issen Partizipationspotenzials abzielt.

Schließlich geht es auch um das generelle Interesse an Politik mit der Bew ertung der Aussage

„Politik interessiert mich nicht“.

147


Im Lungau fühlt sich die Mehrheit der Befragten relativ gut informiert über

Jugendschutzbestimmung, ihre Rechte und Pflichten als StaatsbürgerInnen und auch der

Schule w ird von der Mehrheit ein gutes Zeugnis als Vermittlerin politischen Wissens

ausgestellt.

Für rund zw ei Drittel der Befragten ist es zutreffend (35 %) bzw . eher zutreffend (31 %),

dass sie die Jugendschutzbestimmungen kennen. Somit kommt es hier innerhalb der

Fragenbatterie zur größten Zustimmung.

Etw as w eniger als zw ei Drittel geben an, dass es für sie folgende Aussage „Ich w eiß über

meine Rechte/Pflichten als StaatsbürgerIn Bescheid“ zutreffend (28 %) bzw . eher zutreffend

(36 %) ist. Rund ein Drittel hätte hier noch Informationsbedarf.

Etw as mehr als die Hälfte hat das Gefühl über Politik in der Schule ausreichend informiert zu

w erden. Dies befinden rund 17 % als zutreffend und über 36 % als eher zutreffend.

Knapp die Hälfte könnte sich vorstellen bei Entscheidungen in der Schule bzw . Gemeinde

mitzuw irken. Wobei hier die Zusammenfassung von Schule und Gemeinde etw as

problematisch ist, denn der Großteil (siehe Partizipationsfrage „Hast du bei folgenden Dingen

schon einmal mitgemacht?) kann sich vermutlich eher eine Beteiligung im Schulbereich

vorstellen.

148


Doch auch w enn sich der Beteiligungsw unsch vorw iegend auf die Schule beziehen sollte, so

ist das ebenso als positives Signal zu w erten. Würde man Jugendliche in

Schulentscheidungen, die sie ja unmittelbar betreffen, mehr einbinden, könnte auch das

Interesse sich auch auf kommunaler Ebene zu engagieren, gew eckt w erden. Laut

partizipatorischer Demokratietheorie ist es w ichtig, dass auf möglichst vielen

Gesellschaftsebenen Partizipation aus Gründen des „social training“ stattfindet. 172

Für fast ein Drittel der Befragten ist es nicht zutreffend und für 19 % ist es eher nicht

zutreffend, dass sie Politik nicht interessiert – das heißt, diese Jugendlichen w ären generell

an Politik interessiert.

Hingegen ist es für mehr als ein Viertel der Befragten zutreffend und für rund 20 % eher

zutreffend, dass sie sich nicht für Politik interessieren.

Die Freude darüber, dass Jugendliche nun ab 16 Jahre w ählen dürfen, hält sich bei den

Befragten die Waage. Für jew eils über 26 % ist dies zutreffend bzw . nicht zutreffend.

Rund zw ei Drittel der Befragten lehnen hingegen die Aussage „Ich w ürde gerne w ählen

gehen, kenne mich aber zu w enig aus“ mehr oder w eniger ab. Somit dürfte ein

Informationsdefizit nicht primär die Ursache dafür sein, dass Lungauer Jugendliche den

Wahlen fernbleiben.

Ein Informationsdefizit kann hingegen bei Gemeindepolitik, Wissen über die Arbeit von

Jugendbeauftragten festgestellt w erden. So ist es für über die Hälfte der Lungauer Befragten

nicht zutreffend (14 %) bzw . eher nicht zutreffend (38 %), dass sie gut über aktuelle Dinge in

der Gemeinde informiert sind.

Rund 26 % geben auch an, dass sie nicht w issen, ob die Jugendbeauftragten die Interessen

der Jugendlichen gut vertreten. Dies ist somit der absolut höchste Wert innerhalb der

Fragebatterie in der Antw ortkategorie „w eiß ich nicht“. Es ist jedoch zu berücksichtigen,

dass es im Lungau lediglich in zw ei Gemeinden Jugendbeauftragte gab, die zum Zeitpunkt der

Befragung aber nicht mehr aktiv w aren. Damit ist dieser geringe Wert auch zum Teil zu

erklären.

Der Großteil der Befragten hat auch nicht das Gefühl, dass Probleme und Wünsche von

Jugendlichen in der Gemeinde ernst genommen w erden. Für rund 23 % ist es nicht zutreffend

und für 41 % eher nicht zutreffend, dass Jugendliche und ihre Anliegen in der Gemeinde

berücksichtigt w erden. Lediglich 7,5 % befinden, dass dies der Fall sei.

172 Pateman (1970, 42) „..for maximum participation by all the people at that level socialisation, or „social training“,

for democracy must take place in other spheres [not just in representative institutions at national levels] in order

that the necessary individual attitudes and psychological qualities can be developed.”

149


Zusammenhänge nach Geschlecht:

Um die Berechnung mit Kennzahlen zu erleichtern, w urde die Antw ortkategorie „w eiß ich

nicht“ – hier nicht berücksichtigt.

In Bezug auf Zusammenhänge nach Geschlecht zeigt sich, dass mehr w eibliche Befragte die

Aussage „Ich w ürde gerne w ählen gehen, kenne mich aber zu w enig aus“ zutreffend (14,8

%) bzw . eher zutreffend (24,7 %) finden. Während dies nur 6,2 % innerhalb der jungen

Männer zutreffend bzw . 10,8 % eher zutreffend finden. 173

Ansonst ist das Antw ortverhalten zw ischen jungen Männern und Frauen ziemlich ähnlich.

173 Somers’d -0,216 (schwacher proportionaler Zusammenhang, signifikant)

150


Zusammenhänge nach Bildungstypen:

Bei den Zusammenhängen nach Bildungstypen fällt auf, dass sich in der Gruppe des

Bildungstyps I mehr über Politik informiert fühlen als in der Gruppe des Bildungstyps II. Dies

kann auch damit zusammenhängen, dass in Allgemeinhöherbildenden Schulen das

Unterrichtsfach „politische Bildung“ fehlt.

So bezeichnen es fast 21 % des Bildungstyp I und rund 7 % des Bildungstyps II als

zutreffend, dass sie sich über aktuelle Dinge in der Gemeinde gut informiert fühlen. 174

Rund 30 % des Bildungstyps I und 8 % des Bildungstyps befinden es als zutreffend, dass sie

genug über Politik in der Schule lernen. 175

Die Aussage „Ich w eiß über meine Rechte/Pflichten als StaatsbürgerIn Bescheid“ finden über

41 % innerhalb der Gruppe des Bildungstyps I und rund 20 % des Bildungstyps II als

zutreffend. 176

174 Cramer’s V 0,225 (schwacher Zusammenhang, signifikant)

175 Somers’d 0,286 (schwacher proportionaler Zusammenhang, sehr signifikant)

176 Somers’d 0,289 (schwacher proportionaler Zusammenhang, sehr signifikant)

151


Obw ohl sich die Gruppe des Bildungstyps I besser informiert w eiß, besteht in dieser Gruppe

ein geringes Interesse an Politik. So geben 40 % innerhalb der Gruppe des Bildungstyps I (17

% des Bildungstyps II) an, dass sie Politik nicht interessiere.

Der Freude darüber, dass Jugendliche bereits ab 16 Jahre w ählen dürfen, tut dies in der

Gruppe des Bildungstyps I jedoch keinen Abbruch. Für rund 43 % des Bildungstyps I ist diese

Freude zutreffend, bzw . für rund 25 % eher zutreffend.

In der Gruppe des Bildungstyps II sind es 15,5 % für die diese Aussage zutrifft und für rund

21 % trifft sie eher zu. 177

Hier gibt es auch einen schw achen Zusammenhang nach Altersgruppen. Für rund 36 % der

Altersgruppe bis 15 Jahre trifft es zu, dass sie sich über „Wählen mit 16 freuen“,

bei der Altersgruppe ab 16 Jahre sind es rund 18 %. 178

Schließlich konnte mittels einer freien Texteingabe geäußert w erden, w elche Wünsche an

PolitikerInnen der eigenen Gemeinde man habe. Diese Möglichkeit w urde von 50 Personen

ergriffen, w obei 6 Personen keine näheren angaben machten sondern vielmehr mit „nichts“,

oder „w eiß nicht“ antw orteten.

Zum einen kreisen die Eingaben um den Wunsch einer größeren Einbindung und Beachtung

der Interessen von Jugendlichen seitens der PolitikerInnen w ie z. B.:

„Die Jugend mehr miteinbeziehen“

„Kommunikation mit Jugendlichen“

„Dass sie die Wünsche von Jugendlichen ernst nehmen.“

„Mehr Einsatz für die Jugend“

„Dass sie mehr für Jugendliche bestimmen.“

„Dass sie mal an uns Kinder denken und nicht immer an sich selbst“

Dass für eine vermehrte Einbeziehung auch „politische Bildung“ an allen Schulen, besonders

auch an der AHS, vonnöten sei, haben ebenfalls zw ei Befragte erkannt.

Zum anderen geht es den Jugendlichen, die hier eine Angabe machten, um

Ehrlichkeit/Aufrichtigkeit und Engagement seitens der PolitikerInnen:

„Alle Versprechen halten“

„Dass sie ihre Wahlversprechen halten“

„Nicht so viele Machtkämpfe“

„mehr Engagement“

177 Somers’d 0,387(mittlerer proportionaler Zusammenhang, hoch signifikant)

178 Somers’d 0,271 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

152


„mehr Volksnähe - auf BürgerInnen hören; Audienzen, nicht so erz-konservativ sein, nicht

immer an alten Normen festhalten“

Aber auch mehr Freizeitmöglichkeiten w ünschen sich einige Lungauer SchülerInnen, w obei

es auch zu konkreten Nennungen kam w ie:

„Sportplatz“, „Volleyballplatz“, „Exerzierplatz“

„Mehr Orte, an denen sich Jugendliche treffen können. Nicht so "streng" sein.“

Ferner sind ein McDonalds und ein Kino noch immer ein Thema unter Lungauer Befragten:

Einen McDonalds im Lungau!

„Dass man - anstatt das Geld für die "Sanierung" des Marktplatzes [Anm. in Tamsw eg] zu

verpulvern - z. B. ein Kino bauen lässt, oder für den Bau einer Wirtschaftskammer

verw endet.“

(Detailauflistung der Nennungen siehe Anhang „qualitative Tabellen“)

Zusammenfassend kann man das Kapitel Jugend und Politik mit folgendem Zitat schließen:

„Die Jugend hat sich nicht deshalb von der traditionellen Politik zurückgezogen, w eil sie vom

Konsumkapitalismus korrumpiert w urde und w eil für sie nur mehr Hedonismus und High Life

zählt. [...] Der Grund für Politikskepsis und Vertrauenskrise steckt in den politischen

Institutionen selbst. Sie sind so, w ie sie immer w aren. Verstehen sich selbst als die

hyperklugen Masterminds der Gesellschaft, die hinter dem Rücken der Menschen die Fäden

ziehen [...]. Dieses Manipulationskonzept hat in der guten alten Zeit durchaus funktioniert. Bei

einer gebildeten, medienerfahrenen und selbstbew ussten Jugend gehen die alten Strategien

aber nicht mehr auf.“ 179

Angesichts einiger der hier gemachten Feststellungen, die sich auch in der vorliegenden

Studie ablesen lassen, ist es aber umso w ichtiger, in Bildungsinstitutionen politisches Wissen

als Grundbestandteil von Allgemeinw issen zu verankern. Ein besseres Verständnis von

politischen Institutionen und den darin und zw ischen ihnen ablaufenden Prozessen sind

Voraussetzung auch dafür, kein illusionäres Bild von Politik und ihren Akteuren zu entw erfen

– auch dies ist in einer komplexer w erdenden Gesellschaft ein zu betonender Punkt. Aufgabe

des Vermittelns von Wissen über Politik muss auch sein, die w ahrgenommene Abstraktheit

ihrer Bedeutung in eine solche für den Einzelnen erkennbaren umzuw andeln.

179 Vgl. Heinzlmaier 2000, 54.

153


3.2.11 Werteorientierung bei Jugendlichen

Unter Werte generell versteht man einen Maßstab, der das Handeln lenkt. Bezieht man den

Begriff „Werte“ auf Gesellschaft, spricht man auch von einer Werteorientierung, w as soviel

bedeutet w ie „die dauerhafte Orientierung einer Person im Hinblick auf das sozial

Erw ünschte“ 180 . Somit unterscheiden sich Werteorientierungen von spontanen Wünschen

und Bedürfnissen. 181

In vorliegender Studie ging es den Autorinnen vor allem darum, die Einstellungen Jugendlicher

in Bezug auf Gesellschaft abzufragen, indem versucht w urde Werte w ie persönliche Freiheit,

Unabhängigkeit, Leistungsorientierung, Pluralismus, Toleranz, Solidarität, Konformität,

Wohltätigkeit, Familie, Tradition, Glaube, Sicherheit, Nationalstolz, Natur und Umw elt usw . in

verständliche Sätze mit teilw eise aktuellen Bezügen zu formulieren, um diese dann von den

Befragten bew erten zu lassen, inw iefern diese Aussagen für sie zutreffen bzw . nicht

zutreffen.

Die Autorinnen haben sich bew usst gegen eine w eit verbreitete klassische Werteabfrage (z.

B. Shell-Jugendstudie) entschieden, zumal sie ihnen als w eniger geeignet erschien, um

Einstellungen Jugendlicher gegenüber der Gesellschaft herauszufiltern, da es sich bei zitierter

Werteanalyse vorw iegend um sehr persönlichen Werte w ie Treue, Ehrlichkeit, Harmonie in

der Partnerschaft usw . handelt. Es w urde auch vermieden, ähnliche Werte zu Wertegruppen

zusammenzufassen, somit steht jeder Wert für sich. Dies w urde ausdrücklich vom

Auftraggeber Akzente so gew ünscht.

180 Pappi, F. U. (2004, 1110)

181 Vgl. eb. da

154


Wie würdest du folgende Aussagen beurteilen? (in %)

155


Aussage n zu zu zu zu

Ich bin für strengere Asylgesetze 156 31,4 24,4 25,6 18,6

Ich bin stolz, dem österreichischen Volk anzugehören 153 54,2 32 8,5 5,2

Ich habe Angst, dass AusländerInnen den

ÖsterreicherInnen Jobs w egnehmen

155 37,4 20,6 23,9 18,1

Ich w ünsche mir eine starke Hand, die gegen die

steigende Kriminalität durchgreift

159 49,1 36,5 11,9 2,5

Für mich ist meine Familie das Wichtigste 157 50,3 36,9 8,3 4,5

Für mich ist Tradition und Brauchtum w ichtig 159 24,5 34,6 29,6 11,3

Ich finde, dass sich die Welt zu schnell verändert 159 32,7 32,1 27,7 7,5

Mir ist Glaube (an Gott...) w ichtig 154 21,4 37,7 24,7 16,2

Wenn ich fleißig und ehrgeizig bin, w erde ich Erfolg

haben

159 58,5 32,7 7,5 1,3

Für mein Leben ist es das Wichtigste, meine Wünsche

durchzusetzen

158 37,3 41,1 18,4 3,2

Ich finde es gut, w enn Menschen unterschiedliche

Meinungen haben

156 67,9 28,8 3,2 0

Die PolitikerInnen sollen sich nicht in mein Leben

einmischen

159 24,5 39 25,8 10,7

Wenn ich zu einer Gruppe gehöre, geht es mir besser 158 49,4 35,4 12,0 3,2

Die PolitikerInnen sollen mich dabei unterstützen, ein

gutes Leben zu führen

159 30,2 41,5 17,6 10,7

Ich w ill, dass die Starken die Schw achen unterstützen

müssen

158 38 43 13,9 5,1

Ich bin bereit auf etw as zu verzichten, damit es anderen

besser geht

Ich unterstütze die Arbeit von z. B. Greenpeace,

156 32,1 40,4 21,8 5,8

amnesty international, WWF, "Vier Pfoten" oder Global

2000

154 9,7 21,4 24,0 44,8

Ich finde, dass Schw ule/Lesben und AusländerInnen

dieselben Rechte w ie die anderen haben sollen

158 41,1 31,6 13,3 13,9

Mir sind Umw elt-, Klima- und Tierschutz w ichtig 154 51,3 36,4 9,1 3,2

Für mich sind fremde Kulturen in meinem Land eine

Bereicherung

153 26,8 34 24,8 14,4

156

trifft

trifft

eher

trifft

eher

nicht

trifft

nicht


Im Lungau finden es über zw ei Drittel (67,9 %) der Befragten gut, dass Menschen

unterschiedliche Meinung haben.

Für über die Hälfte ist es jew eils zutreffend, dass sie durch Fleiß Erfolg haben w erden (58,5

%), dass sie stolz sind, dem österreichischen Volk anzugehören (54,2 %), dass ihnen

Umw elt-, Klima- und Tierschutz (51,3 %) sow ie Familie (50,3 %) am Herzen liegen.

Für etw as w eniger als die Hälfte der Befragten (49 %) hat „Sicherheit und Ordnung“ einen

hohen Stellenw ert, indem sie sich eine „starke Hand“ w ünschen. Ebenso über 49 % stehen

einer Gruppenzugehörigkeit positiv gegenüber.

Über 41 % empfinden es als zutreffend, dass Schw ule/Lesben und AusländerInnen

dieselben Rechte haben sollen und stehen somit für Toleranz gegenüber „anderen“.

Für etw as mehr als ein Viertel stellen fremde Kulturen im eigenen Land eine Bereicherung dar.

Glaube an Gott fanden rund 21 % und Tradition und Brauchtum rund 25 % w ichtig.

Am w enigsten Zustimmung (9,7 %) bekam die Aussage „Ich unterstütze die Arbeit von z. B.

Greenpeace, amnesty international, WWF, "Vier Pfoten" oder Global 2000.

157


Zusammenhänge nach Geschlecht:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

männl.

WERTE: Nach Geschlecht

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

158

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu

Wie würdest du folgende Aussagen zum

trifft

Thema "Werte" beurteilen? Nach

trifft eher trifft

Geschlecht

trifft eher nicht nicht

(in %) Geschl. n zu zu zu zu

(1) Ich bin für strengere Asylgesetze (n = 152)

männl.

w eibl.

68 29,4 30,9 19,1 20,6

84 31 20,2 32,1 16,7

(2) Ich bin stolz, dem österreichischen Volk männl. 66 50 33,3 6,1 10,6

anzugehören (n = 149) w eibl. 83 56,6 32,5 9,6 1,2

(3) Ich habe Angst, dass AusländerInnen den männl. 69 31,9 24,6 24,6 18,8

ÖsterreicherInnen Jobs w egnehmen (n = 152) w eibl. 83 41 18,1 24,1 16,9

(4) Ich w ünsche mir eine starke Hand, die männl. 69 42 40,6 14,5 2,9

gegen die steigende Kriminalität durchgreift (n =

156) w eibl.

87 55,2 33,3 10,3 1,1

(5) Für mich ist meine Familie das Wichtigste (n männl. 67 44,8 40,3 9 6

= 153) w eibl. 86 52,3 36 8,1 3,5

(6) Für mich ist Tradition und Brauchtum w ichtig männl. 69 21,7 37,7 23,2 17,4


(n = 155) w eibl. 86 26,7 32,6 33,7 7

(7) Ich finde, dass sich die Welt zu schnell männl. 69 27,5 36,2 27,5 8,7

verändert (n = 155) w eibl. 86 36 29,1 27,9 7

(8) Mir ist Glaube (an Gott) w ichtig (n = 151)

männl.

w eibl.

68 19,1 39,7 23,5 17,6

83 20,5 37,3 26,5 15,7

(9) Wenn ich fleißig und ehrgeizig bin, w erde männl. 69 56,5 27,5 14,5 1,4

ich Erfolg haben (n = 155) w eibl. 86 61,6 36 2,3 0

(10) Für mein Leben ist es das Wichtigste, männl. 68 32,4 54,4 10,3 2,9

meine Wünsche durchzusetzen (n = 154) w eibl. 86 40,7 30,2 25,6 3,5

(11) Ich finde es gut, w enn Menschen

männl. 69 59,4 36,2 4,3 0

unterschiedliche Meinungen haben (n = 154) w eibl. 85 74,1 23,5 2,4 0

(12) Die PolitikerInnen sollen sich nicht in mein männl. 69 29 34,8 29 7,2

Leben einmischen (n = 155) w eibl. 86 22,1 41,9 23,3 12,8

(13) Wenn ich zu einer Gruppe gehöre, geht es männl. 69 49,3 36,2 11,6 2,9

mir besser (n = 155) w eibl. 86 48,8 36 12,8 2,3

(14) Die PolitikerInnen sollen mich dabei männl. 69 30,4 43,5 14,5 11,6

unterstützen, ein gutes Leben zu führen (n =

155) w eibl.

86 29,1 39,5 20,9 10,5

(15) Ich w ill, dass die Starken die Schw achen männl. 68 30,9 48,5 11,8 8,8

unterstützen müssen (n = 154) w eibl. 86 43 38,4 16,3 2,3

(16) Ich bin bereit auf etw as zu verzichten, männl. 69 20,3 42 29 8,7

damit es anderen besser geht (n = 153) w eibl. 84 40,5 39,3 16,7 3,6

(17) Ich unterstütze die Arbeit von z. B. männl. 67 7,5 23,9 22,4 46,3

Greenpeace, amnesty international, WWF, "Vier

Pfoten" oder Global 2000 (n = 150) w eibl.

83 12 18,1 25,3 44,6

(18) Ich finde, dass Schw ule/Lesben und männl. 69 26,1 30,4 18,8 24,6

AusländerInnen dieselben Rechte w ie die

anderen haben sollen (n = 154) w eibl.

85 54,1 30,6 9,4 5,9

(19) Mir sind Umw elt-, Klima- und Tierschutz männl. 68 48,5 35,3 11,8 4,4

w ichtig (n = 151) w eibl. 83 53 37,3 7,2 2,4

(20) Für mich sind fremde Kulturen in meinem männl. 67 23,9 38,8 20,9 16,4

Land eine Bereicherung (n = 150) w eibl. 83 27,7 31,3 27,7 13,3

Betrachtet man die Zusammenhänge nach Geschlecht so ergeben sich bei zw ei Aussagen

eine deutliche Signifikanz w o jew eils junge Frauen dominieren.

159


Die Aussage „Ich finde, dass Schw ule/Lesben und AusländerInnen dieselben Rechte w ie die

anderen haben sollen“ finden über die Hälfte der jungen Frauen (54,1 %) und etw as mehr als

ein Viertel der jungen Männer (26,1 %) als zutreffend. 182

Ebenso sind mehr junge Frauen bereit auf etw as zu verzichten, damit es anderen besser

geht. Diese Aussage finden rund 41 % der jungen Frauen und rund 20 % der jungen Männer

als zutreffend. 183

Zusammenfassend dominieren junge Frauen besonders bei Werten w ie Wohltätigkeit bzw .

Verzicht zugunsten anderer und Toleranz gegenüber anderen.

Zusammenhänge nach Bildungstypen:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

Typ II

Typ I

WERTE: Nach Bildungstypen

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

182 Somer’s d -0,379 (mittlerer Zusammenhang, hoch signifikant)

183 Somer’s d -0,269 (schwache Signifikanz, sehr signifikant)

160

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu


Wie würdest du folgende Aussagen zum Thema "Werte" beurteilen? Nach

Bildungstypen (in %)

trifft

Aussage:

B-

trifft eher trifft

trifft eher nicht nicht

Typ n zu zu zu zu

(1) Ich bin für strengere Asylgesetze (n = 156)

Typ I 69 30,4

Typ II 87 32,2

17,4

29,9

20,3

29,9

31,9

8

(2) Ich bin stolz, dem österreichischen Volk (n = Typ I 67 67,2 23,9 4,5 4,5

153) Typ II 86 44,2 38,4 11,6 5,8

(3) Ich habe Angst, dass AusländerInnen den Typ I 68 50 22,1 10,3 17,6

ÖsterreicherInnen Jobs w egnehmen (n = 155) Typ II 87 27,6 19,5 34,5 18,4

(4) Ich w ünsche mir eine starke Hand, die gegen die Typ I 70 61,4 32,9 2,9 2,9

steigende Kriminalität durchgreift (n = 159) Typ II 89 39,3 39,3 19,1 2,2

(5) Für mich ist meine Familie das Wichtigste (n = Typ I 68 52,9 38,2 5,9 2,9

157) Typ II 89 48,3 36 10,1 5,6

(6) Für mich ist Tradition und Brauchtum w ichtig (n = Typ I 69 37,7 31,9 18,8 11,6

159) Typ II 90 14,4 36,7 37,8 11,1

(7) Ich finde, dass sich die Welt zu schnell verändert Typ I 70 40 35,7 18,6 5,7

(n = 159) Typ II 89 27 29,2 34,8 9

(8) Mir ist Glaube (an Gott) w ichtig (n = 154)

Typ I 66 31,8

Typ II 88 13,6

37,9

37,5

19,7

28,4

10,6

20,5

(9) Wenn ich fleißig und ehrgeizig bin, w erde ich Typ I 70 65,7 27,1 5,7 1,4

Erfolg haben (n = 159) Typ II 89 52,8 37,1 9 1,1

(10) Für mein Leben ist es das Wichtigste, meine Typ I 69 46,4 36,2 11,6 5,8

Wünsche durchzusetzen (n = 158) Typ II 89 30,3 44,9 23,6 1,1

(11) Ich finde es gut, w enn Menschen

Typ I 68 66,2 26,5 7,4 0

unterschiedliche Meinungen haben (n = 156) Typ II 88 69,3 30,7 0 0

(12) Die PolitikerInnen sollen sich nicht in mein Leben Typ I 70 27,1 34,3 24,3 14,3

einmischen (n = 159) Typ II 89 22,5 42,7 27 7,9

(13) Wenn ich zu einer Gruppe gehöre, geht es mir Typ I 69 53,6 30,4 11,6 4,3

besser (n = 158) Typ II 89 46,1 39,3 12,4 2,2

(14) Die PolitikerInnen sollen mich dabei

Typ I 69 34,8 40,6 11,6 13

unterstützen, ein gutes Leben zu führen (n = 159) Typ II 90 26,7 42,2 22,2 8,9

(15) Ich w ill, dass die Starken die Schw achen Typ I 69 43,5 42 10,1 4,3

unterstützen müssen (n = 158) Typ II 89 33,7 43,8 16,9 5,6

(16) Ich bin bereit auf etw as zu verzichten, damit es Typ I 68 36,8 41,2 16,2 5,9

161


anderen besser geht (n = 156) Typ II 88 28,4 39,8 26,1 5,7

(17) Ich unterstütze die Arbeit von z. B.

Typ I 66 9,1 22,7 24,2 43,9

Greenpeace, amnesty international, WWF, "Vier

Pfoten" oder Global 2000 (n = 154)

10,2

Typ II 88

20,5 23,9 45,5

(18) Ich finde, dass Schw ule/Lesben und

Typ I 69 37,7 33,3 14,5 14,5

AusländerInnen dieselben Rechte w ie die anderen

haben sollen (n = 158)

43,8

Typ II 89

30,3 12,4 13,5

(19) Mir sind Umw elt-, Klima- und Tierschutz w ichtig Typ I 67 56,7 29,9 7,5 6

(n = 154) Typ II 87 47,1 41,4 10,3 1,1

(20) Für mich sind fremde Kulturen in meinem Land Typ I 66 31,8 30,3 19,7 18,2

eine Bereicherung (n = 153) Typ II 87 23 36,8 28,7 11,5

Es konnten folgende schw ache Zusammenhänge nach Bildungstypen festgestellt w erden:

Den Wunsch nach einer „starken Hand“ bzw . „Sicherheit und Ordnung“ finden über 61 % des

Bildungstyps I und über 39 % des Bildungstyps II für sich als zutreffend. 184

Glaube ist rund 32 % der Befragten innerhalb der Gruppe des Bildungstyps I und rund 14 %

innerhalb der Gruppe des Bildungstyps II w ichtig. 185

Rund 38 % der Befragten innerhalb der Gruppe des Bildungstyps I und über 14 % innerhalb

der Gruppe des Bildungstyps II sind Tradition und Brauchtum w ichtig. 186

Die Angst, dass AusländerInnen ÖsterreicherInnen Jobs w egnehmen könnten, empfinden 50

% der Gruppe des Bildungstyps I und 28 % der Gruppe des Bildungstyps II als berechtigt und

somit zutreffend. 187

Über zw ei Drittel (67,2 %) des Bildungstyps I und rund 44 % des Bildungstyps II finden es

zutreffend, dass sie stolz auf ihre Zugehörigkeit zum österreichischen Volk sind. 188

Für 40 % aus der Gruppe des Bildungstyps I und 27 % aus der Gruppe des Bildungstyps II ist

es zutreffend, dass sich die Welt zu schnell verändert. 189

184 Somers’d 0,264 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

185 Somers’d 0,263 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

186 Somers’d 0,254 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

187 Somers’d 0,244 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

188 Somers’d 0,234 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

189 Somers’d 0,213 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

162


Der Bildungstyp I dominiert somit eher bei Werten w ie Nationalstolz, Glaube, „Sicherheit und

Ordnung“, Tradition.

Einstellungen zu dem Thema In-/AusländerInnen

Im politischen Bezirk Tamsw eg leben 1.415 190 Personen (bzw . 6,7 %) mit

Migrationshintergrund. Der Begriff Personen mit Migrationshintergrund 191 ist ein w eitgefasster,

darunter versteht man sow ohl „AusländerInnen, jene die im Ausland geboren w urden und

bereits die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, als auch Personen, die in Österreich

geboren w urden, bereits im Besitz einer österreichischen Staatsbürgerschaft sind jedoch

eine andere Umgangssprache als Deutsch haben (und keiner anerkannten

Minderheitenvolksgruppe angehören).

Es w ar nicht ganz leicht sich an dieses sehr mit Emotionen beladene Thema anzunähern.

Einerseits ist man als Autorin selbst stets bemüht eine Diktion der „political correctness“ an

den Tag zu legen, andererseits soll man auch die Alltagssprache von Jugendlichen treffen.

Somit w urde der umgangssprachliche Ausdruck „AusländerInnen“ für Menschen mit

Migrationshintergrund verw endet. Es w ar den AutorInnen durchaus bew usst, dass viele

Menschen auch dann noch immer als „AusländerInnen“ bezeichnet w erden, w enn sie schon

längst im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft sind, oder w ie es gerade bei

Kindern und Jugendlichen oft der Fall ist, bereits in Österreich geboren w urden.

Aus einer Studie im vergangen Jahr w urden sehr direkte eigenständige Meinungen und

Äußerungen von Salzburger Jugendlichen zum Thema „In-/AusländerInnen“ an die Autorin

herangetragen 192 . Diese Äußerungen haben den Vorteil, dass sie direkt von Jugendlichen

stammen und die Dinge (ohne Berücksichtigung von „political correctness“) direkt beim Namen

nennen. Somit gingen die Autorinnen her und griffen die häufigsten Nennungen auf

formulierten sie so um, dass sie für eine Erhebung verw ertbar w urden und versuchten die

Aussagen in ein ausgeglichenes Verhältnis zu stellen. Die Antw ortkategorien w urden im

w esentlichen in zw ei Gruppen gefasst, eine beinhaltet Aussagen die eine kritische bis

„ausländerfeindliche“ Einstellung bezeugen und die andere zeugt von Problembew usstsein in

Bezug auf Rassismus und Gew alt gegenüber AusländerInnen sow ie einer

„ausländerfreundlichen“ Gesinnung.

190 BMI (2007/2008, 215)

191 BMI (2007/2008, 27)

192 Maier-Rabler/Hartwig (2007)

163


Ich habe in meinem Freundeskreis In- und AusländerInnen (n = 153)

InländerInnen behandeln AusländerInnen abwertend (n = 154)

Mich interessieren/ich lerne gerne von Menschen, die eine fremde Kultur

haben (n = 155)

Es gibt viel Rassismus in meiner Umgebung (n = 152)

AusländerInnen sollen in Österreich wählen dürfen (n = 154)

Es gibt zu viele Konflikte/Gewalt zwischen In- und AusländerInnen (n = 156)

Ich habe Probleme mit fremder Kultur/Religion (n = 155)

AusländerInnen grenzen sich von InländerInnen ab (n = 153)

Es gibt zu viele AusländerInnen, die auf unsere Kosten leben (n = 157)

Ausländische Burschen/Männer behandeln Mädchen/Frauen schlecht (n =

152)

Es gibt zu viele AusländerInnen in Österreich (n = 157)

Bewertung von Aussagen zum Thema "In- und AusländerInnen"

In- und AusländerInnen sollen tolerant sein (n = 150)

AusländerInnen passen sich zu wenig an (n = 157)

Ich bin für Einwanderungsstopp in Österreich (n =154)

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Wie würdest du folgende Aussagen zum Thema "In- und AusländerInnen" beurteilen? (in %)

164

trifft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu

Aussagen

n

trifft

zu

trifft

eher

zu

trifft

eher

nicht

zu

trifft

nicht

zu

Es gibt zu v iele AusländerInnen in Österreich 157 49 21 22,3 7,6

Ich bin f ür Einwanderungsstopp in Österreich 154 37,7 15,6 27,3 19,5

Ausländische Burschen/Männer behandeln Mädchen/Frauen schlecht 152 38,8 33,6 21,7 5,9

Es gibt zu v iele AusländerInnen, die auf unsere Kosten leben 157 50,3 22,9 15,9 10,8

AusländerInnen passen sich zu wenig an 157 40,8 28 20,4 10,8

AusländerInnen grenzen sich v on InländerInnen ab 153 41,8 34 17,6 6,5

Ich habe Probleme mit f remder Kultur/Religion 155 12,3 12,3 44,5 31,0

Es gibt zu v iele Konf likte/Gewalt zwischen In- und AusländerInnen 156 52,6 34,6 10,9 1,9

AusländerInnen sollen in Österreich wählen dürf en 154 11,7 14,3 29,2 44,8

In- und AusländerInnen sollen tolerant sein 150 37,3 35,3 15,3 12

Es gibt v iel Rassismus in meiner Umgebung 152 24,3 23 34,2 18,4

Mich interessieren/ich lerne gerne v on Menschen, die eine f remde Kultur

haben

155 21,9 26,5 30,3 21,3

InländerInnen behandeln AusländerInnen abwertend 154 31,8 35,7 26 6,5

Ich habe in meinem Freundeskreis In- und AusländerInnen 153 26,1 13,1 19 41,8


Von einigen Befragte im Lungau dürfte die Länge des Fragebogens unterschätzt w orden

sein, w eil sie nicht bis zur letzten Fragebatterie gelangten. Somit liegen bei dieser

Fragenbatterie die „Missing-Werte“ zw ischen 8 und 12 %.

Die höchste Zustimmung (rd. 53 % zutreffend/ rd. 35 % eher zutreffend) findet die Aussage

„Es gibt zu viele Konflikte/Gew alt zw ischen In- und AusländerInnen“, gefolgt von „Es gibt zu

viele AusländerInnen, die auf unsere Kosten leben“ (rd. 50 % zutreffend/ 23 % eher

zutreffend). Fast die Hälfte (49 %) finden es zutreffend, dass es in Österreich zu viele

AusländerInnen gibt.

Die größte Ablehnung gibt es für „AusländerInnen sollen in Österreich w ählen dürfen“ (45 %

trifft nicht zu/ 29 % trifft eher nicht zu) gefolgt von „Ich habe in meinem Freundeskreis In- und

AusländerInnen“ (41,8 % trifft nicht zu). Folglich haben rund 26 % der Lungauer Befragten Inund

AusländerInnen im Freundeskreis.

Obw ohl prozentuell betrachtet im Lungau verglichen zum restlichen Bundesland Salzburg

relativ w enig MigrantInnen leben, existiert doch eine sehr skeptische Haltung gegenüber dem

„Fremden“.

Auf Grund der geringen Stichprobenanzahl (n = 13), w urde die Fragebatterie, die sich speziell

an „AusländerInnen“ richtet, gesondert dargestellt.

Zusammenfassend kann festgestellt w erden, dass sich der Großteil der AusländerInnen im

Lungau bzw . in Salzburg recht w ohl und sich auch von „InländerInnen“ nicht schlecht

behandelt fühlt. Gleichzeitig lehnt der Großteil der MigrantInnen die Aussage, dass sich

AusländerInnen an die österreichische Kultur und Sitten anpassen sollen, ab.

Aufgrund der geringen Stichprobengröße können diese Aussagen nicht als repräsentativ

betrachtet w erden.

165


Ich bin selbst AusländerIn und finde, dass

sich AusländerInnen an die österreichische

Kultur und Sitten anpassen müssen

Aussagen, die von AusländerInnen bewertet wurden

Ich bin AusländerIn und fühle mich in

Salzburg wohl

Ich bin AusländerIn und fühle mich von

InländerInnen schlecht behandelt

16,7

38,5

8,3

166

76,9

33,3

30,8

41,7

30,8

15,4

7,7

0% 20% 40% 60% 80% 100%

(n = 13)

tirfft zu

trifft eher zu

trifft eher nicht zu

trifft nicht zu

Aussagen, die von AusländerInnen bew ertet w urden (in absoluten Zahlen)

trifft

trifft trifft eher trifft

Aussagen

Ich bin AusländerIn und fühle mich von

n zu eher zu nicht zu nicht zu

InländerInnen schlecht behandelt

Ich bin AusländerIn und fühle mich in Salzburg

12 2 1 4 5

w ohl

Ich bin selbst AusländerIn und finde, dass sich

AusländerInnen an die österreichische Kultur und

13 10 2 0 1

Sitten anpassen müssen 13 5 0 4 4

Zusammenhänge nach Geschlecht, die sich als signifikant erw eisen, konnten im Lungau keine

festgestellt w erden. Somit w ird an dieser Stelle nur die Tabelle dargestellt und auch nicht

w eiter kommentiert.


Einstellung gegenüber "AusländerInnen": Nach Geschlecht (in %)

kritische

bis

ausländerfeindliche

Einstellung

Problembew

usstsein

bzügl.

Rassismus

u. Gew alt

bis

ausländerfreundliche

Gesinnung

Aussage Geschlecht n zu zu zu zu

(1) Es gibt zu viele männl. 69 49,3 24,6 18,8 7,2

AusländerInnen in

Österreich w eibl.

86 47,7 18,6 25,6 8,1

(2) Ich bin für

männl. 68 41,2 19,1 20,6 19,1

Einw anderungsstopp in

Österreich w eibl.

84 33,3 13,1 33,3 20,2

(3) Ausländische

Burschen/Männer

männl. 65 36,9 32,3 21,5 9,2

behandeln

85 38,8 35,3 22,4 3,5

Mädchen/Frauen schlecht w eibl.

(4) Es gibt zu viele männl. 69 52,2 21,7 14,5 11,6

AusländerInnen, die auf

unsere Kosten leben w eibl.

86 47,7 24,4 17,4 10,5

(5) AusländerInnen männl. 69 46,4 27,5 17,4 8,7

passen sich zu w enig an w eibl. 86 34,9 29,1 23,3 12,8

(6) AusländerInnen männl. 66 50 28,8 16,7 4,5

grenzen sich von

InländerInnen ab w eibl.

85 34,1 38,8 18,8 8,2

(7) Ich habe Probleme mit männl. 69 15,9 15,9 40,6 27,5

fremder Kultur/Religion w eibl. 84 8,3 9,5 47,6 34,5

(8) Es gibt zu viele

Konflikte/Gew alt

männl. 68 47,1 42,6 8,8 1,5

zw ischen In- und

86 55,8 29,1 12,8 2,3

AusländerInnen w eibl.

(9) AusländerInnen sollen männl. 68 16,2 8,8 26,5 48,5

in Österreich w ählen

dürfen w eibl.

84 8,3 19 32,1 40,5

(10) In- und

männl. 67 40,3 34,3 13,4 11,9

AusländerInnen sollen

tolerant sein w eibl.

81 34,6 37 17,3 11,1

(11) Es gibt viel

männl. 68 23,5 30,9 29,4 16,2

Rassismus in meiner

Umgebung w eibl.

82 23,2 17,1 39 20,7

167

tirfft

trifft

eher

trifft

eher

nicht

trifft

nicht


(12) Mich interessieren/ich

lerne gerne von

männl. 69 24,6 21,7 27,5 26,1

Menschen, die eine

84 19 31 32,1 17,9

fremde Kultur haben w eibl.

(13) InländerInnen männl. 65 38,5 32,3 24,6 4,6

behandeln AusländerInnen

abw ertend w eibl.

86 25,6 38,4 27,9 8,1

(14) Ich habe in meinem männl. 66 24,2 15,2 19,7 40,9

Freundeskreis In- und

AusländerInnen w eibl.

84 27,4 11,9 19 41,7

Zusammenhänge nach Bildungstypen:

Einstellung gegenüber "AusländerInnen": Nach

Bildungstyp (in %)

Bildungs-

Aussage

typ n

168

tirfft

zu

trifft

eher

trifft

eher

trifft

nicht


zu nicht zu

zu

(1) Es gibt zu viele

AusländerInnen in

Typ I 69 56,5 13 21,7 8,7

Österreich Typ II 88 43,2 27,3 22,7 6,8

(2) Ich bin für

Einw anderungsstopp in

Typ I 68 44,1 11,8 23,5 20,6

Österreich Typ II 86 32,6 18,6 30,2 18,6

(3) Ausländische

Burschen/Männer behandeln

Typ I 68 52,9 23,5 16,2 7,4

Mädchen/Frauen schlecht Typ II 84 27,4 41,7 26,2 4,8

(4) Es gibt zu viele

AusländerInnen, die auf

Typ I 69 53,6 21,7 11,6 13

unsere Kosten leben Typ II 88 47,7 23,9 19,3 9,1

(5) AusländerInnen passen Typ I 69 47,8 17,4 17,4 17,4

sich zu w enig an Typ II 88 35,2 36,4 22,7 5,7

kritische bis (6) AusländerInnen grenzen Typ I 67 49,3 25,4 14,9 10,4

ausländer- sich von InländerInnen ab Typ II 86 36 40,7 19,8 3,5

feindliche (7) Ich habe Probleme mit Typ I 68 17,6 14,7 36,8 30,9

Einstellung fremder Kultur/Religion Typ II 87 8 10,3 50,6 31

(8) Es gibt zu viele

Konflikte/Gew alt zw ischen

Typ I 69 58 26,1 13 2,9

In- und AusländerInnen Typ II 87 48,3 41,4 9,2 1,1

(9) AusländerInnen sollen in Typ I 69 17,4 8,7 18,8 55,1

Österreich w ählen dürfen Typ II 85 7,1 18,8 37,6 36,5

(10) In- und AusländerInnen Typ I 65 32,3 38,5 10,8 18,5

sollen tolerant sein Typ II 85 41,2 32,9 18,8 7,1

(11) Es gibt viel Rassismus Typ I 65 27,7 18,5 27,7 26,2

in meiner Umgebung Typ II 87 21,8 26,4 39,1 12,6

Problem- (12) Mich interessieren/ich Typ I 67 22,4 23,9 29,9 23,9

bewusstsein lerne gerne von Menschen,

Typ II

bzügl. die eine fremde Kultur haben

88 21,6 28,4 30,7 19,3

Rassismus (13) InländerInnen

Typ I 68 36,8 33,8 20,6 8,8

u. Gew alt behandeln AusländerInnen

bis

abw ertend Typ II 86 27,9 37,2 30,2 4,7

ausländer- (14) Ich habe in meinem Typ I 69 23,2 8,7 14,5 53,6

freundliche Freundeskreis In- und

Gesinnung AusländerInnen Typ II 84 28,6 16,7 22,6 32,1

169


Folgende Zusammenhänge zw ischen Bildungstypen und Antw ortverhalten, die signifikant

sind, konnten festgestellt w erden:

Die Aussage „Ausländische Burschen/Männer behandeln Mädchen/Frauen schlecht“ 193

finden über die Hälfte (53 %) aus der Gruppe des Bildungstyps I und über ein Viertel (27,4 %)

aus der Gruppe des Bildungstyps II zutreffend. Hingegen finden rund 42 % aus der Gruppe

des Bildungstyps II und rund 24 % aus der Gruppe des Bildungstyps I diese Aussage eher

zutreffend.

Rund 48 % aus der Gruppe des Bildungstyps I und 35 % aus der Gruppe des Bildungstyps II

finden es zutreffend, dass sich AusländerInnen zu w enig anpassen 194 . Rund 36 % aus der

Gruppe des Bildungstyps II und rund 17 % aus der Gruppe des Bildungstyps I finden, dass

dies eher zutrifft.

Auch bei dieser Aussage ist zu erkennen, dass der Großteil des Bildungstyps II sich im

mittleren Feld der Antw ortkategorien bew egt, w ährend Bildungstyp I eher die „Schw arz-

Weiß-Positionen“ belegt.

Ähnlich sieht es bei der Aussage „AusländerInnen grenzen sich von InländerInnen ab“,

aus 195 .

Für fast die Hälfte aus der Gruppe des Bildungstyps I und 36 % aus der Gruppe des

Bildungstyps II ist diese Aussage zutreffend, für rund ein Viertel des Bildungstyps I und über

40 % des Bildungstyps II ist diese Aussage eher zutreffend.

Rund 55 % aus der Gruppe des Bildungstyps I und rund 37 % aus der Gruppe des

Bildungstyps II lehnen es ab, dass AusländerInnen in Österreich w ählen dürfen. 196 Rund 38 %

aus der Gruppe des Bildungstyps II und rund 19 % aus der Gruppe des Bildungstyps I lehnen

ein Wahlrecht für AusländerInnen eher ab.

Bei der Bejahung der Aussage „Ich habe in meinem Freundeskreis In- und AusländerInnen“ 197

dominiert die Gruppe des Bildungstyps II mit rund 29 % (Bildungstyp I: 23 %).

Es besteht eine Tendenz, dass der Bildungstyp II sich vermehrt zu Antw ortkategorien im

Mittelfeld „trifft eher zu/ trifft eher nicht zu“ hingezogen fühlt, w ährend sich Bildungstyp I eher

für die Antw ortkategorien „trifft zu bzw . trifft nicht zu“ entscheidet.

193 Somers’d 0,219 (schwacher indirekt proportionaler Zusammenhang, signifikant)

194 Cramer’s V 0,275 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

195 Cramer’s V 0,221 (schwacher Zusammenhang, signifikant)

196 Cramer’s V 0,299 (schwacher Zusammenhang, sehr signifikant)

197 Somers’d -0,194 (sehr schwacher indirekt proportionaler Zusammenhang, signifikant)

170


Im Rahmen der Befragung stand es den Jugendlichen offen in Form einer freien Eingabe zu

der Frage „Was ist dir beim Thema „In- und AusländerInnen“ w ichtig, w elche Wünsche hast

du?“ Stellung zu nehmen. 62 Personen schrieben ihre Gedanken zu dieser Thematik nieder,

w obei 17 Personen sich w eniger AusländerInnen in Österreich/Lungau bzw . keine w eitere

Zuw anderung mehr bis hin zu Abschiebung w ünschen w ie z. B.:

„Sie sollten nicht in unser Land einw andern dürfen“

„Dass alle mit allen gut auskommen und dass nicht so viele Ausländer nach Lungau kommen!!“

„Abschiebung! Einw anderungsstopp!“

„Die, die ein Verbrechen begehen, sollen sofort abgeschoben w erden.“

„Ich möchte in Österreich nicht so viele Ausländer haben.“

„Ausländer sollen bleiben, w o sie geboren sind!“

Siebzehn Nennungen haben vor allem Anpassung von AusländerInnen an die österreichische

Kultur, Sitten aber auch Religion sow ie das Lernen der deutschen Sprache zum Inhalt:

„Ausländer sollen sich an Inländer anpassen, nicht umgekehrt --> dann kommt man gut mit

ihnen aus!“

„Dass sie zumindest Deutsch lernen müssen“

„Dass sich die Ausländer an unsere Kultur/Sitten anpassen und nicht umgekehrt.“

„Dass sie sich benehmen sollten, w enn sie schon hier w ohnen w ollen.“

„Die AusländerInnen sollten sich an die Religion des Landes anpassen und sie nicht

ignorieren.“

„Ich w ünsche mir, dass sie schnell integriert w erden und unsere Sprache lernen, somit sie

eigentlich keine Ausländer mehr sind.“

Sechzehn Nennungen kreisen um die Schlagw örter w ie (gegenseitige bzw . mehr) Toleranz,

keine Diskriminierung, gleich behandeln bzw . Gleichberechtigung, auf einander zugehen und

w eniger Rassismus.

„Mehr Toleranz, keine Panikmache“

„Integration, Toleranz, Aufeinanderzugehen“

„Jeder soll gleich behandelt w erden.“

„Gleichberechtigung, Ausländer sollen arbeiten gehen.“

„Keine Diskriminierung“

„Weniger Rassismus“

„Dass w ir alle gleich behandelt w erden.“(Bosnierin)

Unter Einzelnennungen fallen noch Aussagen w ie:

171


„Gew alt“

„Dass das Asylgesetz so streng w ird w ie in der Schw eiz“

„In ihren Ländern nicht so viele Kriege führen.“

„Jobregelung (genug Arbeitsplätze für Inländer nicht zu viele Jobs für Ausländer!)“

„Weniger Ausländerförderung, mehr Inländerförderung“

„Dass die Ausländer zusammenhalten (SLO)“

„Dass sie nicht so schlecht behandelt w erden.“

Es gibt viele skeptische Stimmen gegenüber AusländerInnen.

Dennoch zeigt sich der Großteil, der im Lungau Befragten, gegenüber AusländerInnen

versöhnlich, w enn diese gew isse Bedingungen w ie Anpassung an die österreichische Kultur

und Sitten, Integration, Beherrschung der deutschen Sprache, arbeiten gehen usw . erfüllen.

Dann w ird von einigen auch ein Miteinander und nicht nur ein Nebeneinander angestrebt.

„Integration! Es muss einen Mittelw eg zw ischen Anpassung und Beibehaltung von eigener

Kultur gefunden w erden. Immigranten dürfen sich nicht abschotten. Es geht um ein

Miteinander - kein Nebeneinander.“ (BG Oberst. Schüler, 17 Jahre)

172


3.3 Auswertung der ExpertInnenrunde

Bei den ExpertInnenrunden sollten verschiedene Themen durch spezifische Fragestellungen

vertieft w erden. Anhand eines Interview -Leitfadens w urden vor allem die für eine

Verbesserung der verschiedenen Formen der Jugendarbeit sow ie Partizipationsmöglichkeiten

w ichtigen Themenblöcke Jugend und Politik, Jugendarbeit sow ie Alkohol/Drogen einbezogen.

Befragt w urden hier Personen, die in verschiedenen Jugendeinrichtungen tätig sind und

unterschiedliche Formen der Jugendarbeit betreiben bzw . auch ein Vertreter aus der Politik:

Wolfgang Eder, Bürgermeister von Mauterndorf, Heidi Fuchs, ehemalige Regionalstellenleiterin

Akzente Lungau, Barbara Dippler, Jugendtreff-Betreuerin in Tamsw eg und St. Margarethen

und Ehrentraud Bimmer, Sozialarbeiterin beim Jugendamt.

Thema Jugend und Politik: Dahinter steht das Gefühl, dass Dinge, die von/in einer Gemeinde

angeboten w erden, kaum angenommen w erden. Qualitative Ergebnisse w eisen darauf hin,

dass der Wissensstand in Bezug auf das politische System von den SchülerInnen selbst als

gering eingestuft w ird. Daher w ird die Hemmschw elle eventuell zu groß, sich an

verschiedenen Angeboten zu beteiligen. Andererseits ging es auch darum zu eruieren, ob

Politik nicht schlicht zu w eit w eg vom Lebensumfeld der Jugendlichen geschieht, aber auch

die kritische Hinterfragung von Politikverdrossenheit als Mediendebatte.

Im Lungau beurteilen die DiskutantInnen das Thema unterschiedlich, w as mit den jew eiligen

Erfahrungen in unterschiedlichen Funktionen und Rollen der befragten ExpertInnen zu tun hat.

Generell w ird jedoch von einem gering ausgeprägten politischen Interesse gesprochen.

Themen w ie Freizeit oder der Umgang mit der eigenen Person befinden sich näher an der

Lebensw elt der Jugendlichen und spielen deshalb eine größere Rolle. Von politischer Seite

kommt Enttäuschung über mangelndes Wissen und Interesse für politische Zusammenhänge

zum Ausdruck, vor allem in der Gemeindepolitik. Bemerkt w ird jedoch auch ein Stadt-Land-

Unterschied in dieser Hinsicht. Vor allem die Kommunikation zw ischen politischen

173


VertreterInnen der Gemeinde und Jugendlichen als Grundlage für eine Integration von

Jugendlichen in politische Zusammenhänge scheint in kleinen Gemeinden besser zu

funktionieren als in Zentren w ie beispielsw eise Tamsw eg. Jugendgespräche sind dabei nur

eine Möglichkeit neben anderen Partizipationsprojekten, den Dialog zw ischen Politik und

Jugend zu fördern. Dies ist insbesondere dann gefragt, w enn es um die Realisierbarkeit von

Projekten für die jugendliche Zielgruppe in einer Gemeinde geht. Das Wissen um politische

Zusammenhänge und Entscheidungsprozesse ist deshalb w ichtig, und hierfür w iederum ist

es nötig, Jugendliche entsprechend einzubinden.

„Gerade Kino und McDonalds sind immer w ieder ein Thema, das nicht rein an den

Entscheidungsträgern in der Politik der Region liegt, sondern einfach am Wirtschaftlichen; hier

w erden einfach Bedarfsanalysen gemacht: „Kann man das machen?“ „Ist das für uns tragbar

oder nicht?“ Momentan geht der Entw icklungstrend eher dahin, dass sogar McDonalds-Filialen

schließen, das heißt es ist einfach sehr unattraktiv eine McDonalds-Filiale im Lungau zu

betreiben. Und so etw as den Jugendlichen zu erklären ist einfach w ichtig, zu fragen „w as ist

der Hintergrund, w arum w ir immer noch keinen McDonalds haben?“ Oder „w arum haben w ir

noch immer kein Kino?“ Und so w eiter, und das hat einfach seine Gründe und Jugendliche

verstehen das auch, aber es muss ihnen einfach jemand erklären. Es ist also nicht so, w eil

ein Bürgermeister das nicht w ill, da spielen sehr viele Faktoren mit, w arum manche Sachen

nicht realisierbar sind.“ (Heidi Fuchs, ehemals Akzente Lungau)

Beim Thema Jugendarbeit ging es vor allem um die Rolle von Jugendzentren. Diese w erden

von nur w enigen der befragten Jugendlichen besucht, und es herrschen bisw eilen Vorurteile

über eine spezifische Gruppenbildung in Jugendzentren. Diesbezüglich geben sich die

DiskutantInnen jedoch recht gelassen: Gruppenbildungen entstünden immer w ieder, aber dies

variiere auch sehr stark von Gemeinde zu Gemeinde (bzw . mit der Größe eines Ortes), es

w urden diesbezüglich kaum negative Erfahrungen gemacht. Das Jugendzentrum w ird

hauptsächlich als eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung gesehen neben anderen. Die mobile

Jugendarbeit hingegen, w ie beispielsw eise das Streetw orking, hat andere Zielgruppen und

einen anderen Anspruch. Die ExpertInnen aus der Jugendarbeit sow ie Sozialarbeit berichten

von w enigen negativen Erfahrungen der Gruppenbildung. Bemerkt w ird eher ein mangelnder

Austausch zw ischen unterschiedlichen „Bildungsgruppen“, d. h. die Vermischung von

BerufsschülerInnen und GymnasiastInnen in einem Jugendzentrum ist eher die Ausnahme,

w obei es aus dem Jugendtreff in Tamsw eg anderslautende Erfahrungen gibt.

„Also das ist zu meiner Zeit schon nicht zusammengegangen und ich glaube, dass das immer

sehr schw ierig sein w ird. Und alleine dadurch gibt es schon zw ei große Gruppen, die man

w ahrscheinlich nie w irklich zusammenbringen w ird, es sei denn eben in Vereinen oder zum

Beispiel bei der Musik w o irgendetw as im Vordergrund ist, das alle betrifft und w o alles

andere w egfällt. Aber ich glaube in einem offenen Zentrum w ird man es nie schaffen, dass

174


man derart große Gruppen zusammenbringt.“ (Ehrentraud Bimmer, Sozialarbeiterin beim

Jugendamt)

Bekräftigt w ird auch die Rolle des Jugendzentrums als eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung

speziell für junge Menschen, die sich zw ischen dem Anspruch erklärter

Partizipationsförderung und einem „Laissez-faire“ andererseits bew egt. Auch die

Jugendarbeit ist immer w ieder Spannungen zw ischen diesen Polen ausgesetzt.

„Ich erreiche auch nie immer alle Erw achsenen in bestimmten Themen. Alle... das kann ich nie

machen. Aus unterschiedlichsten Gründen. Es liegt an der Bereitschaft der Jugendlichen, und

vielleicht ist es der falsche Zeitpunkt für gew isse Angebote. Ich kann nur Angebote setzen,

aber w ahrnehmen müssen sie die Jugendlichen selbst. Ich kann sie nicht zw ingen gemäß

„Bitte mach’ bei dem Projekt jetzt mit w eil ich brauche eine entsprechende Statistik dazu“, dass

das Projekt erfolgreich ist. Es ist auch legitim, w enn einmal etw as scheitert. Wir haben zum

Beispiel sehr viele Pendler. Jugendliche Pendler, die zum Teil sogar täglich nach Salzburg ausund

einfahren – da kann ich von einem Jugendlichen nicht verlangen, um sieben bei meinem

Projekt mitzumachen. Also das w ürde ich selbst nicht machen, w eil ich am Abend vielleicht

fertig bin, w eil ich müde bin, ich noch zu lernen habe, Hausaufgaben und so w eiter. Ich

glaube, dass manchmal zu viel verlangt w ird von Jugendlichen. Jede Freizeitminute muss

gefüllt sein. Was in einem Jugendtreff auch vielleicht einmal w ieder gelernt w erden muss ist,

dass man mal nichts tut. Das ist legitim, aber es w ird Jugendlichen oft nicht zugestanden.“

(Heidi Fuchs, ehemals Akzente Lungau)

Für die Jugendarbeit im Lungau scheint es auch w eiterhin Bedarf an Jugendeinrichtungen w ie

beispielsw eise Jugendtreffs zu geben. Bemerkt w ird auch, dass eine Veränderung der

Familienstrukturen in dem Bezirk mehr spezifische Einrichtungen für Jugendliche benötigt und

dies auch im Bildungssystem seinen Niederschlag finden muss.

„Wir haben festgestellt, dass sich jetzt auch im Lungau sehr viel verändert, also

Familienstrukturen, d. h. zum Beispiel immer mehr berufstätige Mütter, Kinder sind sehr viel

alleine; auf der anderen Seite haben w ir oft das Gefühl, es w ird zu w enig darauf reagiert,

gerade in Schulen. Also da läuft es immer noch nach dem alten Schema, obw ohl sich sehr

viel verändert hat.“ „Es gibt auch in fast keinen Schulen soziales Lernen und solche Sachen“.

(Ehrentraud Bimmer, Sozialarbeiterin beim Jugendamt)

Es w urde auch festgestellt, dass die Zahl der Jugendlichen mit psychischen Problemen im

Lungau zunimmt, somit besteht auch ein dringender Wunsch nach therapeutisch-ambulanten

Betreuungsplätzen (TAF).

175


„Was uns ganz dringend abgeht sind Einrichtungen, also w ir haben das Gefühl, dass die

psychischen Probleme der Jugendlichen immer mehr zunehmen und es gibt zu w enig

Einrichtungen dafür also es gibt bei uns zu w enig TAF-Plätze, also therapeutisch-ambulante

Betreuungsplätze. Es gibt eigentlich überhaupt keine Einrichtung, w o man psychisch kranke

Jugendliche unterbringen kann; also nicht nur im Lungau, sondern in ganz Österreich. Also

das sind momentan so unsere dringendsten Wünsche, in diese Richtung. (Ehrentraud Bimmer,

Sozialarbeiterin beim Jugendamt)

Den Hintergrund beim Thema Alkohol/Drogen bildete die Diskussion um das „Komatrinken“,

w elches viele SchülerInnen der vorliegenden Studie selbst als Trend angaben. Die zentralen

Fragen an die DiskutantInnen w aren hier zum einen jene nach dem Verhältnis von realem und

von Medien mitverursachtem Trend, zum anderen die Frage nach den Ursachen von

exzessivem Alkoholkonsum Jugendlicher.

Relativ einhellig w ird hier den Medien die Rolle der „Unw ahrscheinlichkeitsverstärker“

zugeschrieben. Demnach handele es sich real w eniger um einen deutlichen Anstieg des

Alkoholkonsums bei Jugendlichen, als vielmehr um eine Konzentration und ständige

Wiederholung von extremen Einzelfallberichten in den Medien. Man geht sogar so w eit,

Medien als Ursache dieses Phänomens auszumachen. Es w ird eingeräumt, dass der

übermäßige Alkoholkonsum jedoch ein generelles Problem darstellt, das sich aus dem

Zusammenw irken verschiedener Faktoren speist und nicht nur Jugendliche betrifft;

besonders bei Angeboten zum „Flatrate-Trinken“ jedoch ist diese Zielgruppe besonders

gefährdet. Hier machen die DiskutantInnen die besonderen Zusammenhänge von

w irtschaftlichem Profitstreben durch Gastw irte, dem Verhalten der Eltern sow ie eine

gesellschaftlich akzeptierte Trinkkultur als folgenreiches Wechselw irkungsbündnis aus.

„Ich sehe, dass die Medien da schon einen großen Anteil haben. Wenn die Jugendlichen

selbst „Komasaufen“ als Trend angeben, dann nicht unbedingt w eil sie es selbst tun, sondern

w eil es ihnen quasi aufgedrückt w ird: „die Jugendlichen sind alle Komasäufer“. Also ich habe

das auch bei anderen Fragebögen so erlebt – in Gesprächen, nachdem sie das

hingeschrieben hatten.“ (Barbara Dippler, Jugendtreff-Betreuerin Tamsw eg/St. Margarethen)

„Ich glaube schon, dass es ein bisschen hochgepuscht w ird von den Medien aber es gibt sie

[KomatrinkerInnen, Anm.], also ich meine ich w ürde sie nicht zu sehr runterspielen. Die andere

Seite ist, dass auch Geschäft gemacht w ird damit. Gerade erst haben w ir auf eine

Aussendung einer sehr renommierten Bar reagiert, in der sich sehr viele Jugendliche

aufhalten und die eben Werbung macht mit „Saufen bis zum Umfallen um 10 Euro“ und solche

Geschichten. Hier w eiß man genau, das betrifft am ehesten natürlich Jugendliche, w eil diese

sind natürlich auch dort, und sie haben am w enigsten Geld... hierauf muss man reagieren.

176


Und das kommt nicht von den Jugendlichen sondern von den Erw achsenen.“ (Ehrentraud

Bimmer, Sozialarbeiterin beim Jugendamt)

„Also Alkohol ist nach w ie vor ein Riesenthema – das ist im Prinzip eine legalisierte Droge.

Jeder trinkt und es ist okay und es w ird auch erw artet, dass man w as trinkt. Mit dem Projekt

„b.rauschend“ w aren w ir deshalb gerade auch in Vereinen, umso schw ieriger w ar es hier

auch. Gerade in Vereinen ist das w ie eine Initiation für die Jugendlichen – mit dem ersten

Rausch gehörst du dann quasi zu uns. Alkohol ist einfach eine gesellschaftlich anerkannte

Droge, das w issen w ir alle. Was leben uns die Erw achsenen vor? Da muss nach w ie vor

Bew usstseinsbildung passieren. Dennoch hat mich vor Kurzem das Ergebnis unseres letzten

Projektes im Rahmen der Kampagne „nachdenken statt nachschenken“ überrascht. Hier

w urden im Lungau und Pongau Testeinkäufe von Jugendlichen in Geschäften oder

Tankstellen durchgeführt: 90 Prozent der Geschäfte gaben keinen Alkohol an die 14-jährigen

Burschen aus. Doch auch w enn das ein gutes Ergebnis ist, es braucht noch immer

Bew usstseinsbildung auf Seiten der Erw achsenen, permanent.“ (Heidi Fuchs, ehemalige

Regionalstellenleiterin Akzente Lungau)

Für Ursachen und Gründe von Komatrinken bei Jugendlichen w erden verschiedene

psychosoziale Argumente gebracht. Schw erw iegende und sich bedingende Probleme im

privaten/familiären w ie auch schulischen Bereich bilden in solchen Fällen meist den

Hintergrund.

An die Medien w ird der Wunsch gerichtet, auch einmal eine Story darüber zu bringen, w ie es

den „Komasäufern“ am Tag danach erging, um jungen Menschen zu vermitteln, dass das

dann gar nicht mehr so „cool“ ist.

„Das w äre eben interessant – w as man im Prinzip in den Medien oder ich halt zumindest noch

nicht gehört habe – „w ie geht’s den Komasäufern danach?“ Also ich habe nie ein Interview

von einem Komasäufer gehabt oder w as machen die, w ie reagiert der jetzt? Wie geht es dem

jetzt? Schämt sich der? Ist der stolz? Prahlt der in der Schule und/oder im Freundeskreis? Weil

ich glaube nämlich nicht, dass dem so gut ist und da w ären für mich Ansätze für die Medien

zu sagen „He bringt mal rüber, w ie geht es dem jetzt? Weil ich glaube nicht, dass es dem gut

geht.“ (Heidi Fuchs, ehemalige Regionalstellenleiterin Akzente Lungau)

Klare Vorstellungen hat man bezüglich Wünschen für die Jugendarbeit bzw . für den

gesellschaftlichen Umgang mit jungen Menschen. Diese ernst zu nehmen und den Dialog zu

fördern ist allen ein w ichtiges Anliegen. Partizipationsprojekte, in denen Jugendliche selbst als

Akteure die Ziele bestimmen können, scheinen letztlich zielführender als konkrete Vorgaben,

die durch mangelnde Identifikation mit dem Vorhaben als Motivationsbremse w irken können.

177


4. Zusammenfassung der Ergebnisse

In der vorliegenden Studie w urden neun Themenbereiche abgefragt, die die w esentlichen

Aspekte jugendlicher Lebensw elt abdecken sollten. Dazu gehören die Wohnverhältnisse der

befragten SchülerInnen, Schule, Arbeit, Mobilität, Freizeit, Jugendeinrichtungen bzw .

Jugendzentren als Teil der Jugendarbeit, Alkohol/Drogen sow ie Gesundheit, Konsum und

Finanzen, Jugend und Politik sow ie Wertvorstellungen.

Die häufigste Wohnform der befragten Jugendlichen im Lungau stellt für 85 % das Elternhaus

dar. Andere Wohnformen folgen mit großem Abstand, davon ist die am stärksten vertretene

(knapp 8 %) das Wohnen bei der Mutter. Der Großteil der Jugendlichen äußert sich zufrieden

mit der Wohnsituation (über 90 %).

Bei der Wahl einer Schule spielen nicht nur persönliches Interesse und Zukunftsplanung eine

Rolle, sondern auch Sachzw änge w ie z. B. die Erreichbarkeit. Nach Bildungstypen ergaben

sich folgende Zusammenhänge: Für rund Dreiviertel des Bildungstyps II ist das persönliche

Interesse für die Schulwahl ausschlaggebend gew esen (Bildungstyp I rund 43 %).

Hingegen ist es beim Bildungstyp I (20 %) noch w ichtiger, dass der beste Freund bzw . die

beste Freundin die Schule besucht, als beim Bildungstyp II (6 %).

Das Bildungsangebot in der Nähe w ird naturgemäß vom Bildungstyp I positiver bew ertet als

vom Bildungstyp II, der durchaus Defizite feststellt. Es stehen vor allem Schultypen w ie HTL,

HBLA bzw . eine Tourismusfachschule für den Lungau auf dem Wunschzettel der Befragten.

Eindeutig ist das Ergebnis beim Thema Schule: Fast 38 % zählen Leistungsdruck/ Schulstress

zu den größten Störfaktoren. Doch auch Probleme mit LehrerInnen und eine ungerechte

Benotung betreffen jew eils mehr als ein Fünftel. Probleme mit MitschülerInnen in Form von

Mobbing sind für mindestens jede/n Zehnte/n ein Thema.

Rund ein Viertel ist mit allem an der Schule zufrieden. Wünsche kreisen vor allem um die

inhaltliche Gestaltung des Unterrichts, vor allem Praxisbezug und Wahlfächer

(Fremdsprachen, kreative Fächer, div. Sportarten…) sind hier ein Thema, w obei dies für den

Bildungstyp II noch bedeutender ist.

Sehr positiv beurteilen die SchülerInnen den Umgang mit Problemen an der Schule: In den

meisten Fällen sprechen LehrerInnen und SchülerInnen gemeinsam darüber.

Über die Hälfte der SchülerInnen geben an, bereits Joberfahrungen (Lehrstelle, Praktikum,

Ferialjob) zu haben. Sehr unterschiedlich w ird der Informationsstand zu verschiedenen

Themen eingeschätzt: Über verschiedene Berufsmöglichkeiten sow ie Aus- und

Weiterbildungsmöglichkeiten geben sich die meisten SchülerInnen gut informiert. Weniger

178


informiert zeigt man sich über Arbeitsmöglichkeiten im Ausland, dies stößt aber auch auf

w eniger Interesse. Größere Informationsdefizite gibt es beim Arbeitsrecht. Die Hälfte des

Bildungstyps I fühlt sich über offene Lehrstellen eher gut informiert, dennoch gibt es nicht

w enige (37 %), die sich eher schlecht informiert fühlen.

Bildungstyp I (HS, BS, Poly, BMS) schätzt sich vor allem bei verschiedenen

Berufsmöglichkeiten und Berufsberatungsstellen als w esentlich besser informiert ein im

Vergleich zu Bildungstyp II (AHS, BHS).

Als Informationsquellen w erden das Arbeitsmarktservice (AMS, 53 %) sow ie FreundInnen

(45 %) bevorzugt, w obei AMS sow ie Schule und LehrerInnen vor allem für Bildungstyp I eine

Rolle spielen und der Bildungstyp II informiert sich mehr bei FreundInnen.

Die Einschätzung der Arbeitsmarktsituation in der Umgebung anhand der Indikatoren

„genügend Aufstiegschancen“, „w enig Arbeitslose“, „genügend Ferialjobs/Praktika“, „großes

Angebot an verschiedenen Berufen“ und „genügend Jobs“ fällt ambivalent aus. Im Lungau

spiegelt sich die w irtschaftliche Lage, die im Vergleich zu den anderen Bezirken auf Grund

verschiedener Faktoren (siehe Einleitung) benachteiligt ist, in den Einschätzungen der

Jugendlichen w ider.

Generell kann hier von einem recht negativen Bild gesprochen w erden. Die Aussagen

„genügend Jobs“, „genügend Aufstiegschancen“, „genügend Lehrstellen“, „großes Angebot

an verschiedenen Berufen“ sow ie „genügend Ferialjobs/Praktika“ w erden mit deutlicher

Mehrheit (zw ischen 45 % und 63 %) verneint. Bei „w enig Arbeitslose“ verteilen sich

Zustimmung und Ablehnung auf jew eils über 30 %.

Sehr hoch ist auch der Anteil derer, die nicht w issen, w ie sie die Situation einschätzen

können/w ollen. Für den Bildungstyp II sind die Zukunftschancen im Lungau eher gering, über

70 % aus dieser Gruppe verneinten die Aussage, dass es ein großes Angebot an

verschiedenen Berufen gäbe.

Der Bus ist das w ichtigste Verkehrsmittel für die Mobilitätsbedürfnisse der Jugendlichen im

Lungau. Etw a zw ei Drittel benutzen den Bus häufig. Der Zug spielt im Lungau kaum eine Rolle,

die Gebirgsregion ist auch kaum durch ein Schienennetz erschlossen. Das Fahrrad ist das

zw eitw ichtigste Fortbew egungsmittel für die Lungauer Befragten.

Die öffentlichen Verkehrsmittel w urden auch anhand verschiedener Aussagen hinsichtlich

Verbindung, Anschlüsse sow ie anderer qualitativer Aspekte w ie z. B. Fahrpläne, Preise und

Personal bew ertet. Eine gute Verbindung zu Schule und Arbeit w ird noch w eitgehend positiv

bew ertet, vor allem vom Bildungstyp I. Etw as schlechter sieht es schon bei den

Anschlussmöglichkeiten und genügend öffentliche Verkehrsmittel am Tag aus. Rund 45 % der

Befragten beklagen sich über oft überfüllte Fahrzeuge und Mangel an Sitzplätzen. Mehrheitlich

w ird auch ein Mangel öffentlicher Verkehrsmittel am Abend beklagt.

179


Insgesamt fällt das Urteil der Lungauer Befragten über die öffentlichen Verkehrsmittel aber

schlecht aus: Nur rund ein Drittel findet die Aussage „ich fahre gerne mit Öffis“

zutreffend/eher zutreffend. Der Großteil gibt an, dass er mit den Öffis unterw egs ist, w eil er

muss bzw . keine andere Möglichkeit hat.

Zu berücksichtigen ist, dass die Gruppe des Bildungstyps II oft w eitere Strecken mit

öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Schule zurückzulegen haben als die Gruppe des

Bildungstyps I und dementsprechend auch die Unzufriedenheit zunimmt.

Als häufigste Freizeitaktivitäten w erden genannt: Musik hören, Fernsehen, Internetsurfen,

Styling (hauptsächlich junge Frauen), Faulenzen, FreundInnen treffen und Sport

(hauptsächlich junge Männer). Während junge Männer in ihrer Freizeit vermehrt Sport und

Computerspiele betreiben, bevorzugen junge Frauen vermehrt Musik hören und selbst

musizieren, Styling, Shoppen, Fernsehen und FreundInnen treffen.

Teilt man die Befragten nach Bildungstypen so geht Bildungstyp I mehr Shoppen und

Bildungstyp II surft mehr im Internet.

Computer- und Konsolenspiele erfreuen sich zunehmender Beliebtheit unter Jugendlichen,

w obei bei einzelnen Spielen die Shooter/Kriegs-/Strategiespiele „Counterstrike“ und „World of

Warcraft“ sow ie „Die Stämme“ dominieren. Die anderen Angaben bilden vor allem einen Mix

aus Sport-, anderen Kriegs-/Strategie- und Abenteuerspielen (Motorradrennen, Autorennen,

„Singstar“, Formel 1, „Tarock”, „Super Mario“, Billard, Schach). Ferner w urden auch beliebte

Spieleportale im Internet w ie z. B. „miniclip.com“, „codespiele.de“, „spele.nl“ genannt.

Zur Freizeitkultur gehört auch Vereinsmitgliedschaft. Sportvereine kommen mit rund 25 % und

großem Abstand auf den höchsten Wert (vor allem männliche Schüler).

Rund 15 % der Befragten im Lungau gaben an Mitglied in einer Musikkapelle bzw . in einem

Brauchtumsverein zu sein. Rund 10 % der befragten sind Mitglied bei der Landjugend, über 6

% bei der Freiw illigen Feuerw ehr, über 5 % beim Jugendrotkreuz und knapp 5 % bei den

Naturfreunden bzw . Alpenverein. Was Vereine für Jugendliche primär attraktiv macht sind vor

allem „der Zusammenhalt zw ischen den Mitgliedern“ und „interessantes Freizeitprogramm“.

Das Freizeitangebot von Lungauer Gemeinden w ird allerdings von fast Dreiviertel der

Befragten als nicht zufrieden stellend beurteilt. Den Jugendlichen fehlen vor allem mehr

Sportangeboten und Möglichkeiten, w o man sich treffen kann, aber auch kulturelle Angebote

w ie Kino, Tanzkurse, Tanzabende, Theatergruppen, und Konzerte. Einige w ünschen sich

auch ein Shoppingcenter oder einen McDonalds für den Lungau.

Bezüglich des eingeschätzten Informationsstandes zu verschiedenen jugendspezifischen

(Freizeit-)Angeboten zeigen sich die befragten Jugendlichen vor allem hinsichtlich

Veranstaltungen in der Nähe gut informiert. Beratungsstellen erreichen über die Hälfte der

Befragten.

Spezielle Angebote in Sport oder Kultur bzw . öffentliche Verkehrsmittel haben dagegen eine

geringere Reichw eite und über die Arbeit der Jugendinformationsstelle in der Nähe herrscht

180


ein noch größeres Informationsdefizit. Am w enigsten informiert fühlen sich die befragten

LungauerInnen über spezielle Angebote von Akzente (S-Pass, Euro


Von den verschiedenen Alkoholika w ird Bier in Summe am häufigsten konsumiert, gefolgt von

Cocktails und Mixgetränke sow ie Alcopops. Bei Bier dominieren die Burschen und bei

Alcopops sow ie Wein/Sekt und Cocktails und Mixgetränken mehr die Mädchen. Am meisten

w ird Bier aber auch Spirituosen w ie Schnaps, Wodka, Rum im Lungau konsumiert.

Über 60 % der Befragten hatten in ihrem Leben bereits einen Rausch. Im Durchschnitt haben

die meisten Jugendlichen mit 14 Jahren ihren ersten Rausch auf Grund von Alkoholkonsum.

Von all jenen, die bereits eine Rauscherfahrung hatte, hatten in den letzten 30 Tagen fast 69

% zumindest einen Rausch.

Rund 34 % der Befragten rauchen Zigaretten, w obei dies mehr Mädchen als Burschen

betrifft. Fast Dreiviertel der RaucherInnen können der Kategorie „schw acher Raucher“ (1-9

Zigaretten pro Tag) zugew iesen w erden.

Es w urde im Bereich Gesundheit auch nach Tabletten und Drogenkonsum gefragt w obei sich

für den Lungau folgendes Bild ergab: Schmerzmittel w erden von rund 42 %, Aufputschmittel

von rund 19 % und Beruhigungsmittel von rund 6 % der Befragten öfter konsumiert. Rund 7 %

schnüffeln Gas und Kleber öfter und Cannabis liegt bei ca. 4 %. Bei Schmerzmittel dominieren

junge Frauen und bei Gas und Kleber eher junge Burschen und von der Gruppe des

Bildungstyps II konsumieren mehr Aufputschmittel als in der Gruppe des Bildungstyps I.

Es w urde auch nach dem subjektiven Wohlbefinden gefragt.

Interessant ist, dass obw ohl ein Großteil das subjektive Wohlbefinden generell positiv

einschätzt, doch rund 53 % der Befragten gesundheitliche Beschw erden angeben unter

denen sie leiden. Zu den fünf häufigsten Beschw erden zählen Stress (über 52 %), Müdigkeit

trotz genügend Schlaf, Konzentrationsschwierigkeiten, Liebeskummer, und Schlafstörungen.

Unter dem Kapitel Gesundheit w urde auch nach der Handynutzung gefragt. Auch w enn sich

die ExpertInnen noch darüber streiten, w elche gesundheitlichen Langzeitfolgen, die Immission

von elektromagnetischen Feldern verursacht durch Handys haben können, ist gerade in

Bezug auf Kinder und Jugendliche besondere Vorsicht geboten.

Von den Befragten nutzen 93 % ein Handy, w obei das durchschnittliche Einstiegsalter im

Lungau bei 11,37 Jahren liegt. Rund 24 % telefonieren täglich länger als eine Stunde und rund

15 % telefonieren immerhin noch bis zu einer Stunde mit ihrem Handy, w obei junge Frauen

noch mehr als junge Männer telefonieren.

Die Vielfalt der Konsummöglichkeiten spiegelt sich in Jugendkulturen deutlich w ider, und immer

mehr w erden diese an den Konsum bestimmter Lebensstile oder „Lifestyles“ geknüpft.

Wenn nicht zw ischen SchülerInnen und Lehrlingen unterschieden w ird, so können im Lungau

die Befragten über ein durchschnittliches Monatsgeld von 93,88 Euro verfügen. Der

Durchschnittsw ert bei den befragten Lehrlingen im Lungau liegt bei 411,-- Euro und bei den

SchülerInnen bei 47,40 Euro, w obei Mädchen etw as w eniger zur Verfügung haben.

182


Für folgende fünf Dinge investieren die meisten Befragten im Lungau ihr Geld:

Fortgehen (rd. 48 %), Kleidung/Mode (rd. 46 %), Handy (rd. 41 %), Kosmetik (34,5 %) und

CDs/DVDs (28 %). Junge Frauen dominieren bei den Geldausgaben für Kosmetik/Make up,

Kleidung/Mode, Fortgehen, Handy und Fortgehen und junge Burschen bei Ausgaben für

Sportausrüstung und technische Geräte w ie MP3-Player, Computer, i-Pod, DVD-Player usw .

Rund 22 % geben an, schon einmal Schulden gehabt zu haben, w obei diese meist dadurch

zustande kamen, dass man das Geld vergessen oder zuw enig mit hatte und sich folglich

etw as leihen musste. Der Großteil kommt für seine Schulden selbst auf. Bei rund 15 % stehen

Eltern oder Verw andte dafür gerade und ebenso viele w issen nicht, w ie sie ihre Schulden

begleichen sollen. Auch w enn die Befragten ihren beurteilen Umgang mit Geld durchw egs

positiv und verantw ortungsbew usst beurteilen, w äre es dennoch für rund 48 % von Vorteil,

w enn sie ihr Konto nicht überziehen dürften, w obei dies den Bildungstyp I noch mehr betrifft.

Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass sich im Bildungstyp I auch Lehrlinge befinden,

die bereits über ein eigenes Gehaltskonto verfügen.

Insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund der Senkung des Wahlalters in Österreich auf 16

Jahre, gew innt das Wissen um die Möglichkeiten der Einbeziehung von Jugendlichen in

demokratische Willensbildungsprozesse an Bedeutung, somit w ar auch „Jugend und Politik“

ein Thema dieser Studie. Der Partizipationsgrad ist bei Schulprojekten mit 59 % Beteiligten am

höchsten. Gefolgt von einer Partizipationsform, die einen sehr geringen Aufw and mit sich

bringt, nämlich der Internetabstimmung (42,1 %). Rund 29 % haben sich bereits bei einer

Kinder- und Jugendbefragung beteiligt und rund 22 % w aren bereits in einer Spiel- und

Sportplatzplanung involviert. Diskussionsangebote w urden im Durchschnitt immerhin noch von

mehr als 10 % der Befragten genutzt. Darunter fallen vor allem Jugenddiskussionen (z. B.

Bezirksjugendgespräche) (15,6 %), Jugendstammtisch (13,3 %) und Kinder- und

Jugendforum (12,6 %). Schulparlament und Jugendhomepages in den Gemeinden w eisen

einen Beteiligungsgrad von über 6 % auf. Den geringsten Beteiligungsgrad w eisen Angebote

w ie Kinder- oder Jugendgemeinderat und Kinder-/Jugendbeauftragte mit jew eils unter 2 %

auf. Den geringsten Bekanntheitsgrad w eisen BürgermeisterInnen-Sprechstunde und

Jugendhomepages in den Gemeinden auf. Dies kann einerseits mit einem tatsächlich

fehlenden Angebot oder aber mit einer mangelnden Kommunikation über bestehende

Angebote zusammenhängen.

Im Lungau fühlt sich die Mehrheit der Befragten relativ gut informiert über

Jugendschutzbestimmung, ihre Rechte und Pflichten als StaatsbürgerInnen und auch der

Schule w ird von der Mehrheit ein gutes Zeugnis als Vermittlerin politischen Wissens

ausgestellt. Für fast ein Drittel der Befragten ist es nicht zutreffend und für 19 % ist es eher

nicht zutreffend, dass sie Politik nicht interessiert – das heißt, diese Jugendlichen w ären

generell an Politik interessiert.

183


Ein Informationsdefizit kann hingegen bei Gemeindepolitik, und Wissen über die Arbeit von

Jugendbeauftragten festgestellt w erden. So ist es für über die Hälfte der Lungauer Befragten

nicht zutreffend (14 %) bzw . eher nicht zutreffend (38 %), dass sie gut über aktuelle Dinge in

der Gemeinde informiert sind.

Rund 26 % geben auch an, dass sie nicht w issen, ob die Jugendbeauftragten die Interessen

der Jugendlichen gut vertreten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es im Lungau lediglich in

zw ei Gemeinden Jugendbeauftragte gab, die zum Zeitpunkt der Befragung aber nicht mehr

aktiv w aren. Damit ist dieser geringe Wert auch zum Teil zu erklären. Der Großteil der

Befragten hat auch nicht das Gefühl, dass Probleme und Wünsche von Jugendlichen in der

Gemeinde ernst genommen w erden. Dementsprechend gestalten sich auch die Wünsche der

Jugendlichen indem sie mehr Einbeziehung Kommunikation und Engagement für Jugendliche

von GemeindepolitikerInnen einfordern.

In vorliegender Studie ging es auch darum, die Einstellungen Jugendlicher in Bezug auf

Gesellschaft abzufragen, indem versucht w urde, Werte w ie persönliche Freiheit,

Unabhängigkeit, Leistungsorientierung, Pluralismus, Toleranz, Solidarität, Konformität,

Wohltätigkeit, Familie, Tradition, Glaube, Sicherheit, Nationalstolz, Natur und Umw elt usw . in

verständlichen Sätzen mit teilw eise aktuellen Bezügen zu formulieren, um diese dann von den

Befragten bew erten zu lassen, inw iefern diese Aussagen für sie zutreffen bzw . nicht

zutreffen.

Im Lungau finden es über zw ei Drittel (67,9 %) der Befragten gut, dass Menschen

unterschiedliche Meinung haben. Für über die Hälfte ist es jew eils zutreffend, dass sie durch

Fleiß Erfolg haben w erden (58,5 %), dass sie stolz sind, dem österreichischen Volk

anzugehören (54,2 %), dass ihnen Umw elt-, Klima- und Tierschutz (51,3 %) sow ie Familie

(50,3 %) am Herzen liegen. Für etw as w eniger als die Hälfte der Befragten (49 %) hat

„Sicherheit und Ordnung“ einen hohen Stellenw ert, indem sie sich eine „starke Hand“

w ünschen. Ebenso über 49 % stehen einer Gruppenzugehörigkeit positiv gegenüber.

Über 41 % empfinden es als zutreffend, dass Schw ule/Lesben und AusländerInnen

dieselben Rechte haben sollen und stehen somit für Toleranz gegenüber „anderen“.

Für etw as mehr als ein Viertel stellen fremde Kulturen im eigenen Land eine Bereicherung dar.

Glaube an Gott fanden rund 21 % und Tradition und Brauchtum rund 25 % w ichtig.

Am w enigsten Zustimmung (9,7 %) bekam die Aussage „Ich unterstütze die Arbeit von z. B.

Greenpeace, amnesty international, WWF, "Vier Pfoten" oder Global 2000.

Junge Frauen dominieren bei Werten w ie Wohltätigkeit bzw . Verzicht zugunsten anderer und

Toleranz gegenüber anderen. Der Bildungstyp I dominiert eher bei Werten w ie Nationalstolz,

Glaube, „Sicherheit und Ordnung“, Tradition.

Unter dem Kapitel Werte w urde auch eine eigene Fragebatterie zum Thema „In-/und

AusländerInnen integriert, die folgende Ergebnisse für den Lungau erbrachte:

Die höchste Zustimmung findet die Aussage „Es gibt zu viele Konflikte/Gew alt zw ischen Inund

AusländerInnen“, gefolgt von „Es gibt zu viele AusländerInnen, die auf unsere Kosten

184


leben“. Fast die Hälfte findet es zutreffend, dass es in Österreich zu viele AusländerInnen

gibt. Die größte Ablehnung gibt es für „AusländerInnen sollen in Österreich w ählen dürfen“

gefolgt von „Ich habe in meinem Freundeskreis In- und AusländerInnen“ (41,8 % trifft nicht

zu). Folglich haben rund 26 % der Lungauer Befragten In- und AusländerInnen im

Freundeskreis.

Obw ohl prozentuell betrachtet im Lungau verglichen zum restlichen Bundesland Salzburg

relativ w enig MigrantInnen leben, existiert doch eine sehr skeptische Haltung gegenüber dem

„Fremden“.

Um diesem Kapitel einen positiveren Abschluss zu geben, sollte ein Zitat von einem

Gymnasiasten herangezogen w erden, das gleich mehrere Aspekte zur In-und

AusländerInnen-Thematik auf den Punkt bringt, langfristig geht es um ein Miteinander, das

aber nur durch ein beidseitiges Aufeinanderzugehen erreicht w erden kann.

„Integration! Es muss einen Mittelw eg zw ischen Anpassung und Beibehaltung von eigener

Kultur gefunden w erden. Immigranten dürfen sich nicht abschotten. Es geht um ein

Miteinander – kein Nebeneinander.“ (BG Oberst. Schüler, 17 Jahre)

5. Empfehlungen der Studienautorin 198

Wohnen

Mit der Wohnsituation w ar der Großteil (rd. 91 %) der Befragten im Lungau zufrieden.

Lediglich vier Personen, beklagten „keinen Platz zu haben, an dem sich Jugendliche treffen

bzw . aufhalten können“. Folglich ist dies im Lungau kein vordringliches Problem, im Vergleich

zu Ballungszentren in anderen Salzburger Bezirken.

198

Die Empfehlungen resultieren aus der Forschungsarbeit und beziehen sich auf die Einschätzung der

Studienautorin.

185


Schule – Leistungsdruck/Stress

Zur Schulthematik gibt es reichliche Diskussionen in Österreich, in die PädagogInnen,

WissenschafterInnen und PolitikerInnen involviert sind. Somit möchte die Autorin sich nicht in

diese laufende Diskussion einmischen, sondern vielmehr Ergebnisse des Kapitels 3.2.3

„Schule“ zusammenfassen und nochmals w iederholen, um all jene zu bestätigen, die von

starren Lehrplänen w eg w ollen. Wir leben zunehmend in einer individualisierten Gesellschaft

mit einer vielfältigen Berufsw elt, w o es darum geht, möglichst verschiedene Talente zu

entdecken, motivieren und zu fördern. Diesen Anforderungen w ird man in Zukunft am

ehesten mit flexibleren Lehrplänen, mit „Schw erpunkt-Wahlmöglichkeiten“ und

unterschiedlichen Wahlfächern sow ie fächerübergreifendem Projekt-Unterricht gerecht

w erden.

Den vermehrten Wunsch nach Praxisbezug (rd. 31 %) könnte durch vermehrte Einbindung

von externen ExpertInnen und Einrichtungen im Rahmen von Projekten Rechung getragen

w erden.

Es gibt einen generellen Wunsch nach mehr Wahlpflichfächern, w obei unter dem Begriff

Wahlfächern innerhalb der Studie sehr häufig nach verschiedenen Fremdsprachen (allen

voran Spanisch aber auch Portugiesisch, Französisch, Russisch) aber auch nach kreativen

Fächern (Bildnerische Erziehung, Musik/Chor, Tanz, Theater, Werken) und vermehrten

Sportangeboten (Turnen, Volleyball) verlangt w urde. Eine Einzelnennung, die aber dennoch

für viele GymnasiastInnen von Bedeutung ist, betrifft das Fach „Politische Erziehung“ gerade

in Bezug auf „Wählen mit 16“ und „Jugend und Politik“.

Man konnte auch erkennen, dass die Hauptschule im Lungau nicht diesen (negativ

behafteten) selektiven Charakter besitzt w ie es in der Stadt oft der Fall ist, da sehr w ohl auch

Jugendliche diesen Schultyp besuchen, die die Hauptschule als gute Vorbereitung für eine

höhere Schule betrachten: Bei der Frage, w as man an der Hauptschule besonders gut findet,

kamen Aussagen w ie „die Zukunftschancen“, „sehr gute Berufsorientierung“ und „guten Ruf

der Schule“. Hier bedarf es also keinem Modell der Gesamtschule, da die Hauptschule de

facto diese Funktion im Lungau offensichtlich erfüllen kann.

Rund ein Viertel findet das Schulangebot im Lungau eher schlecht und über 4 % sogar

schlecht. Falls es die Mittel zulassen so w äre im Lungau offensichtlich am meisten Bedarf an

einer HTL, mit größerem Abstand gefolgt von einer HBLA bzw . einer Tourismusfachschule.

Es gab auch noch einen Wunsch nach einer Medizinisch-Technische-Schule, Modeschule,

Kunst-Theater-Schauspielschule, Schule mit Sportschw erpunkt. Hier w ird allerdings noch

eine vertiefende Bedarfserhebung empfohlen.

186


Der Leistungsdruck und Schulstress ist für rund 38 % der SchülerInnen das primäre Problem

an der Schule, w obei junge Frauen tendenziell und SchülerInnen aus der Gruppe des

Bildungstyp II signifikant mehr darunter leiden.

Der steigende Leistungsdruck, dem Jugendlichen in der Schule ausgesetzt sind, ist

offensichtlich und w ird auch immer w ieder in einschlägigen Studien 199 thematisiert und

bestätigt. In unserer „Leistungsgesellschaft“ gibt es jedoch eine w eitgehende Akzeptanz des

„Leistungsprinzips“, auch unter den befragten Lungauer Jugendlichen.

So bew erteten rund 59 % im Kapitel 3.2.11 „Werteorientierung“ die Aussage „Wenn ich fleißig

und ehrgeizig bin, w erde ich Erfolg haben“ als zutreffend.

Obw ohl der Großteil angab, dass er sich w ohl bzw . eher w ohl fühlt, gab es dennoch rund

53 % der befragten Jugendlichen im Lungau, die gesundheitliche Beschw erden quälen. Von

diesen 53 % leiden alleine rund 52 % unter Stress, jew eils rund 39 % fühlen sich müde trotz

ausreichendem Schlaf bzw . können sich nicht konzentrieren, rund 31 % können nicht

schlafen, und rund 30 % leiden an Kopfschmerzen.

Leistungsdruck und Stress 200 in der Schule bzw . im Beruf, aber auch in der Freizeit nicht

mehr die notw endigen Erholungsphasen zu finden bzw . nicht mehr „abschalten“ können,

indem dem Gefühl „ständig aktiv sein zu müssen“ nachgegeben w ird, kann auch mit ein Grund

für exzessiven Alkoholkonsum unter Jugendlichen sein.

In vorliegender Studie gab zw ar der Großteil der Befragten als Hauptgrund für exzessiven

Alkoholkonsum unter Jugendlichen einen gesellschaftlichen Druck an w ie „sie w ollen cool

sein“, sie w ollen dazugehören“ aber auch Gruppenzw ang.

Es stellt sich nur die Frage, w ie es zu diesem gesellschaftlichen Druck kam und w arum

exzessiver Alkoholkonsum Teil einer „Jugendkultur“ w urde? Soll man sich damit zufrieden

geben, dass es Jugendliche nur den Erw achsenen gleichtun w ollen? Ist es nur der generell

etw as leichtfertig gehandhabte Umgang mit Alkohol in der österreichischen Gesellschaft?

Oder w urde exzessiver Alkoholkonsum für Jugendliche (aber natürlich nicht nur) auch eine

extreme Form der „Stressbew ältigung“? Diese Mutmaßung könnte auf Grund der Tatsache

gerechtfertigt sein, dass jene Jugendliche, die exzessiven Alkoholkonsum betreiben, oft

darauf abzielen, möglichst schnell die Kontrolle über sich zu verlieren. Ein Ausklinken aus der

Leistungsgesellschaft? Immerhin geben rund 44 % der Befragten als mögliche Motive für

„Betrinken bis zur Bew usstlosigkeit“, das Vergessen von privaten Problemen an.

ExpertInnen im Bereich Jugendarbeit schätzen dies ähnlich ein:

199 Z. B.: Heinzelmaier, B. (2007): Jugend unter Druck. TIMESCOUT Welle 12 (2007):

200 Stress entsteht einerseits durch Erschöpfung des Organismus durch Überbelastung und andererseits durch

fehlende Erholungsmöglichkeiten in der Freizeit. (Vgl. Moser, M. (2005) S.7)

187


„Ich frage mich oft w arum trinken die Jugendlichen? Haben die Kinder so viel Stress, dass

man sich jedes Wochenende zusaufen muss? Wahrscheinlich ja“ (Heidi Fuchs 201 ).

„Es kommt halt bei vielen, also zumindest bei jenen, die zu uns kommen, dann schon auch

immer w ieder raus, dass sie halt Probleme haben. Also vorher schon Probleme gehabt haben,

Probleme runtersaufen und ja. Und Alkohol als gängiges Mittel zum Problemlösen sehen.“

(Ehrentraud Bimmer 202 )

Jugendliche sind oft mehreren Belastungsfaktoren gleichzeitig ausgesetzt. Sie sind mit

Entw icklungsaufgaben (z. B. Geschlechtsrollenidentifikation, soziale Kooperation, ... )

konfrontiert. Hier spielt ebenso eine Rolle, dass der Großteil der Befragten die Aussage

„Jugendliche haben immer früher Sex“ als zutreffend empfand. Somit müssten auch die

Entw icklungsaufgaben immer schneller bew ältigt w erden.

Dann gibt es alltägliche Belastungen w ie Stress in der Familie (Beziehungsmangel,

Überforderung durch Mehrfachbelastungen von AlleinerzieherInnen…), Stress im Beruf,

Stress in der Schule w ie z. B. schulhygienische Belastungsfaktoren (Beleuchtung in der

Schule, Lärm, schlechte Luft im Klassenzimmer, Ausstattung Klassen- und Raumgröße ...)

und soziale Belastungsfaktoren (Schüler-Schüler-Konflikt; Schüler-Lehrer-Konflikt) und

natürlich auch in Leistungsdruck und Prüfungsstress. Ebenso zu alltäglichen Belastungen

zählen eine Reizüberflutung durch digitale und multimediale Informations- und

Kommunikationstechnologie (Handy, MP3-Player, Computer usw .)

Ferner können Jugendliche auch noch kritische Lebensereignisse w ie z. B. Scheidung der

Eltern, Tod eines nahen Verw andten usw . besonders belasten.

Typische Stresssymptome bei Jugendlichen sind Kopfschmerzen, Erschöpfung,

Schlafschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten usw . All jene Symptome, die unter den

Befragten doch relativ häufig als gesundheitliche Probleme genannt w urden.

Daher w ird von der Autorin empfohlen, diesen Stress-Symptomen unter Jugendlichen durch

w eiterführende interdisziplinäre Studien (z. B. medizinisch-psychologisch-pädagogisch)

vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Wesentlich ist, dass auch die vermehrte Stressanfälligkeit von Mädchen berücksichtigt w ird,

die sow ohl vorliegende als auch andere Studien w ie z .B. jener von Hampel et al. (2005)

ergab. Begründet w ird dies damit, dass „besonders Mädchen als Risikogruppe angesehen

201 Siehe Anhang: ExpertInnen-Interview

202 ebd.

188


w erden müssen, da sie neben einem erhöhten Stresserleben und erhöhten

Beanspruchungssymptomen auch eine schlechtere Stressverarbeitung zeigen“. 203

Somit spielen nicht vorw iegend die Häufigkeit, Dauer und Schw ere von Stressepisoden eine

Rolle in Bezug auf soziale Anpassung und Gesundheit, sondern vor allem die

Stressverarbeitung und ob die dafür nötigen Strategien zur Verfügung stehen.

Diese Strategien zur Stressverarbeitung könnten im Bereich „Soziales Lernen“ oder in Form

von Workshops oder im Rahmen eines Projekts in Kooperation mit externen ExpertInnen

vermittelt und gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet w erden. Im Lungau w ird das Lernen von

Stressbew ältigungsmethoden vor allem für Höherbildende Schulen empfohlen.

Arbeit – Beruf

Der subjektive Informationsstand über „offene Lehrstellen“ ist, bei SchülerInnen der

Berufsschule, des Polytechnikums und der Hauptschule, also SchülerInnen, die primär davon

betroffen sind, verbesserungsw ürdig. Lediglich rund 6 % dieser Schülergruppe gaben an,

dass sie sehr gut über offene Lehrstellen informiert sind und die Hälfte gibt an, dass sie eher

gut informiert ist, konterkariert aber durch nicht w enige (rd. 38 %), die sich eher schlecht

informiert fühlen. Bezüglich Berufsmöglichkeiten und Berufsberatungsstellen fühlt sich

naturgemäß der Bildungstyp I noch besser informiert, da offensichtlich für SchülerInnen des

Bildungstyps II die längere schulische Laufbahn noch w eniger die Auseinandersetzung mit

arbeitsmarktspezifischen Fragen erfordert. Über Jobs im Ausland gibt es so gut w ie kein

Wissen und auch eher ein geringes Interesse, beim Arbeitsrecht und über

Berufsberatungsstellen gibt es ebenso ein w esentliches Informationsdefizit.

Dieses Informationsdefizit bezüglich verschiedener Berufe spiegelt sich auch bei den

Berufsw ünschen w ieder. Der Großteil machte diesbezüglich gar keine Angabe und der Rest

nannte bekannte Berufe w ie Einzelhandelskauffrau bzw . Verkäuferin, Fliesenleger,

Maschinenbauer, HTL-Maschinentechniker, Arbeit mit Computer. Für GymnasiastInnen ist ein

Studium, das erstrebensw erte Ziel, w obei es bis auf w enige Ausnahmen (Medizin,

Dolmetscher, Kommunikationsw issenschaft) die meisten noch nicht näher benennen können.

Eine HAK-Schülerin hat noch Management als Berufsziel.

Eine vermehrte Informationsoffensive im Bereich Beruf/Arbeit w ie z. B. über seltenere Berufe

und Berufe, die bereits mit Nachw uchsschwierigkeiten kämpfen, w ird folglich als notwendig erachtet. Diese sollte von externen ExpertInnen, die einen Überblick über den Arbeitsmarkt

haben (z. B. AMS, Jugendinfo, aber auch VertreterInnen von w eniger bekannten Berufen), an

Schulen angeboten w erden können, oder aber bei Job-Infomessen.

203 Hampel, Kümmel, Meier, Desman & Dickow, 2005 In: Moser (2005), 13

189


Öffentliche Verkehrsmittel

Gerade im Bereich der Versorgung durch öffentliche Verkehrsmittel ist der Lungau durch

seine exponierte Lage eindeutig einer der benachteiligsten Bezirke Salzburgs. Der

Schienenverkehr spielt im Lungau kaum eine Rolle, somit konzentriert sich alles auf den Bus

bzw . Schulbus. Rund 43 % fahren täglich und rund 23 % fahren mehrmals in der Woche mit

dem Bus. Es gibt sow ohl zuw enig Busse am Tag als auch besonders am Abend und folglich

w urde auch kritisiert, dass vor allem zu Stosszeiten die Busse oft überfüllt sind und es keine

freien Sitzplätze gibt. Die Gruppe des Bildungstyps II steht den öffentlichen Verkehrsmitteln

naturgemäß noch skeptischer gegenüber. Einerseits w eil sie meist w eitere Strecken zu ihrer

Schule in Kauf nehmen muss bzw . auch Nachmittagsunterricht hat und andererseits, w eil sie

schon älter ist und gerne am Abend fortgehen w ürden, sich aber meist noch kein Auto leisten

kann. Insgesamt fällt das Urteil der Lungauer SchülerInnen über die öffentlichen

Verkehrsmittel aber schlecht aus: Nur rund ein Drittel findet die Aussage „ich fahre gerne mit

Öffis“ zutreffend/eher zutreffend. Der Großteil gibt an, dass er mit den Öffis unterw egs ist,

w eil er muss bzw . keine andere Möglichkeit hat.

Was das mangelhafte Angebot an Nachttaxis betrifft, so w urden bereits erste Maßnahmen

ergriffen, die in den Ergebnissen dieser Studie keinen Eingang mehr fanden, w eil die

Erhebung bereits im Sommer 2007 stattgefunden hat. Für den Sommer 2008 w urde bereits die

Lungauer Nachttaxisflotte aufgestockt 204 . Somit bedarf es einer w eiteren und vertiefenden

Bedarfserhebung, w as die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Lungau betrifft.

Als allgemeine Empfehlung kann gelten, dass es in Zukunft vermehrt zu Abstimmungen

zw ischen Schulbeginnzeiten und Fahrplänen kommen sollte, um Überfüllungen zu Stosszeiten

und Anschlussschwierigkeiten zu vermeiden.

Freizeit

Innerhalb der Studie w urde festgestellt, dass sich Computerspiele vor allem unter männlichen

Jugendlichen des Bildungstyps I zunehmender Beliebtheit erfreuen. Burschen sind

vorw iegend von Kriegsspielen fasziniert. Somit w ird es in der Zukunft auch notw endig sein,

auf diesen Trend pädagogisch zu reagieren. Denn w enn verschiedene Komponenten w ie

eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur, Beziehungsdefizite, Probleme usw . zusammenfallen,

kann das Spiel zur Realitätsflucht und folglich zur Sucht w erden und auch zu auffälligen

psychischen Verhalten führen.

204 Lüf tenegger, Maria (15. Juli 2008) Presseinf ormation Akzente Lungau

190


Was das Freizeitangebot in ihrer Heimatgemeinde betrifft, so w aren fast 74 % der Lungauer

Befragten damit unzufrieden. Die Wunschliste der Jugendlichen bezüglich Freizeitangeboten

ist dementsprechend lange und es gibt kaum etw as, das ausgelassen w urde.

Die Sportbegeisterung spiegelt sich nicht nur bei der Vereinsmitgliedschaft (rund 25 %) w ider,

w obei signifikant mehr junge Männer in Sportvereinen sind, sondern auch bei den Wünschen

bezüglich Freizeitangeboten in Gemeinden, w ie Sportanlagen, öffentlicher Fußballplatz,

Tennisplatz, Skaterplatz bzw . -park, (Beach-)Volleyballplatz, Fitnessstudio usw . Gleichzeitig

gibt es auch einen vermehrten Wunsch nach einem Kino, gefolgt von einer

Shoppingmöglichkeit für junge Leute (trendige Mode zu günstigen Preise w ie H&M usw .). Es

fehlt auch an Veranstaltungen, Konzerten, Tanzabenden (-kursen), Theater, mehr

Möglichkeiten zum Fortgehen, Discotheken, Jugendzentren und Jugendtreffs.

Da diese Wünsche von Jugendlichen aus den verschiedensten Gemeinden geäußert w urden,

ist eine Pauschalempfehlung kaum möglich, außer dass es generell Plätzen bzw . Orten

bedarf, w o sich Jugendliche treffen können.

GemeindevertreterInnen sollten sich gerade für die Sommerferien bemühen gemeinsam mit

Jugendlichen Feste zu veranstalten oder Konzerte zu organisieren. Was konkretere Wünsche

betrifft, sind GemeindevertreterInnen gut beraten mit Jugendbeauftragten, Schulen und

Jugendlichen ihrer Gemeinde Kontakt aufzunehmen, um den Bedarf abzuklären und um

gemeinsame Projekte zu initiieren.

Bezüglich des eingeschätzten Informationsstandes zu verschiedenen jugendspezifischen

(Freizeit-)Angeboten zeigen sich die befragten Jugendlichen vor allem hinsichtlich

Veranstaltungen in der Nähe gut informiert zu fühlen (rund 57 % gut/eher gut). Über ein Drittel

allerdings auch schlecht/eher schlecht. Beratungsstellen erreichen die Jugendlichen zu fast

55 % gut/eher gut.

Spezielle Angebote in Sport oder Kultur bzw . öffentliche Verkehrsmittel haben dagegen eine

geringere Reichw eite, rund 33 % fühlen sich eher gut informiert, knapp 39 % eher schlecht,

über 16 % sogar schlecht bzw . gar nicht.

Über die Arbeit der Jugendinformationsstelle in der Nähe herrscht ein noch größeres

Informationsdefizit, fast 55 % fühlen sich schlecht/eher schlecht informiert, fast 13 % gar

nicht.

Am w enigsten informiert fühlen sich die befragten LungauerInnen über spezielle Angebote

von Akzente (S-Pass, Euro


Wäre letzteres der Fall, so müsste Akzente selbst durch Informationskampagnen bekannter

gemacht w erden.

Jugendzentren und aufsuchende Jugendarbeit

Rund 10 % der Befragten besuchen im Lungau ein Jugendzentrum. Dieser Prozentsatz fällt

einerseits so gering aus, w eil viele oft gar nicht w issen, w o sich ein Jugendzentrum befindet,

bzw . gibt es keines in der Nähe und andererseits gibt es große Vorurteile gegenüber

Jugendzentren w ie da mag man nicht hingehen, w eil sich dort eh nur AusländerInnen

befinden, oder das ist unterstes Niveau usw . Folglich leiden Jugendzentren zunehmend unter

dem „Ingroup-Outgroup“-Phänomen, w as auch JugendbetreuerInnen durchaus bestätigen:

„Ja, es ist momentan in Tamsw eg schon so, dass 80 Prozent Ausländer-Kinder gekommen

sind. Wobei ich aber jetzt gerade eine Schultour gemacht habe und den Jugendtreff w ieder

neu vorgestellt habe, und da bin ich draufgekommen, dass einfach viele Leute gar nicht

w issen, dass es das gibt, und auch desw egen nicht kommen. Teilw eise in den Schulen

w issen die Lehrer das nicht einmal, dass es das gibt und die können das dann auch nicht

w eitersagen. Und da sind aber nachher schon auch neue Kids w ieder gekommen und die

haben sich da nicht so gestört gefühlt, dass da jetzt viele Ausländer sind oder so. …Es sind

halt dann zw ei Gruppen herinnen gew esen….Es w ar zw ar am Anfang für die Stammgruppe

sozusagen schon ein bisschen komisch, dass da jetzt neue Leute herinnen sind, aber es sind

halt einfach voll viele Gespräche notw endig, dass das nicht ihr Jugendzentrum ist, sondern

es für alle da ist und sie akzeptieren das auch, also es ist auch okay für sie.“ (Barbara

Dippl 205 )

Als Empfehlung gilt hier, dass unbedingt darauf geachtet w erden muss, dass nicht eine

Gruppe das Jugendzentrum „beherrscht“ und alle anderen hinausmobbt. Hier sollte den

JugendarbeiterInnen auch die Instrumente des interkulturellen Konfliktmanagements zur

Verfügung gestellt w erden bzw . diese auch zum Einsatz kommen. Ferner sollte vermehrt für

Jugendtreffs gew orben w erden, dass der Bekanntheitsgrad steigt und es letztendlich auch

mehr Informationen darüber gibt, w elche Aktivitäten angeboten w erden und w as dort w irklich

abläuft, um mit diversen Gerüchten aufzuräumen.

Eine mobile Betreuung w ar im Lungau jetzt von den ExpertInnen her nicht so sehr ein Thema,

man w ill viel eher versuchen, die verschiedenen Gruppen versöhnlich in Jugendtreffs

zusammenzuführen bzw . gibt es im Lungau im Vergleich zu anderen Bezirken auch noch

mehr Jugendliche, die einen Teil ihrer Freizeit in Vereinen verbringen. Vermutlich ist auf Grund

der Abgelegenheit und dem Mangel an mobiler Jugendbetreuung, gerade für den Lungau von

205 ExpertInnen-Interview (siehe Anhang)

192


esonderer Bedeutung, dass Angebote w ie „Call & Mail“ einen breiten Bekanntheitsgrad

erlangen.

Im Lungau besteht laut ExpertInnen-Interview hingegen mehr Bedarf an therapeutischambulanten

Betreuungsplätzen für Jugendliche mit psychischen Problemen.

„Was uns ganz dringend abgeht sind Einrichtungen, also w ir haben das Gefühl, dass die

psychischen Probleme der Jugendlichen immer mehr zunehmen es gibt zu w enig

Einrichtungen dafür also es gibt bei uns zu w enig TAF-Plätze, also therapeutisch-ambulante

Betreuungsplätze, es gibt eigentlich überhaupt keine Einrichtung; also nicht jetzt nur im Lungau

sondern in ganz Österreich, w o man psychisch kranke Jugendliche unterbringen kann, also

das sind momentan so unsere dringendsten Wünsche, in diese Richtung. Die Ursachen sind

sicher w eit gestreut, also w as w ir gerade jetzt einmal festgestellt haben, ist, dass sich jetzt

auch im Lungau sehr viel verändert, also auch Familienstrukturen, immer mehr berufstätige

Mütter, Kinder sind unglaublich viel alleine, also diese auf der einen Seite und auf der anderen

Seite haben w ir oft das Gefühl, es w ird darauf zu w enig reagiert, gerade in Schulen zum

Beispiel. Also da läuft es immer noch nach dem alten Schema obw ohl sich sehr viel verändert

hat.“ (Ehrentraud Bimmer 206 )

Auch von dieser Seite w urde der Wunsch nach einem Fach „soziales Lernen“ an den

Schulen geäußert, da die Schule zunehmend mit Erziehungsaufgaben konfrontiert ist.

Alkohol-Drogen

Alkohol ist nach w ie vor ein Thema und dies unabhängig von der Medienberichterstattung

über so genannte „Komasäufer“. Nachdem als primäre Gründe für exzessiven Alkoholkonsum

ein gew isser sozialer Druck und Alkohol als „Problemlöser“ von den Befragten genannt

w urden, bedarf es langfristiger Projekte, die ein Umdenken ermöglichen, dass auch der oder

die cool sein kann, der/die w enig oder gar keinen Alkohol trinkt und dass mit Stress und

Problemen auf konstruktivere Art und Weise umgegangen w erden kann als „Festplatte am

Wochenende löschen“. Dem sozialen Druck kann man am besten mit Primärprävention

(sachliche Information) im Kindesalter und Maßnahmen zur Förderung von

Selbstverantw ortung und Selbstbestimmung sow ie der Stärkung der Widerstandskraft

entgegenw irken. Bei Jugendlichen sollte unbedingt die Peer-Group-Education 207 weiter

verfolgt und ausgew eitet w erden. Das Projekt „b.rauschend“ fand laut Bürgermeister Eder im

Lungau großen Anklang. Ebenso die Mixw erkstatt, w obei SchülerInnen beraten w urden w ie

man nicht-alkoholische Mixgetränke zubereitet, um diese dann auf Matura- und

Abschlussbällen anzubieten. Es gibt auch ein Bestreben, diese Aktion auf Lokale

206

ExpertInnen-Interview siehe Anhang

207

z. B. Akzenteprojekte wie „b.rauschend – Empowerment mit Jugendlichen“ und „FeierFest! Freizeit- und

Partykultur mit Jugendlichen“

193


auszuw eiten, w obei es vor allem bei Wirten noch viel Überzeugungsarbeit bedarf. Da es von

dieser Seite immer w ieder einmal zu Aktionen w ie „Saufen bis zum Umfallen um 10 Euro“

kommt, aber auch die Jugendschutzbestimmungen bezüglich Alkohols nicht (immer)

eingehalten w erden. Im Gegensatz dazu vielen diverse Aktionen und Aufklärungskampagnen

beim Einzelhandel schon eher auf fruchtbaren Boden, hier w ird bereits vermehrt nach

Ausw eisen beim Kauf von Alkoholikern verlangt. Es w erden somit verstärkt gezielte

Kampagnen in Richtung Lokalbesitzer empfohlen. Es sollte so w eit kommen, dass sie eher um

ihr Geschäft bzw . ihren guten Ruf fürchten müssen, w enn sie an Jugendliche unter 16

Jahren Alkohol ausschenken, als dass sie befürchten, dass sie an Geschäft verlieren, w enn

sie den Jungen nun keinen Alkohol ausschenken. Es gibt leider eine viel zu große Akzeptanz

von Seiten der Erw achsenen. Somit bedarf es auch einem Umdenken in der

Erw achsenenw elt, w o man ebenfalls ansetzen muss.

„Ja, es ist ja teilw eise leider nicht einmal so, dass die Jugendlichen nicht saufen dürfen,

sondern es ist ja einfach viel zu viel schon so, dass teilw eise sogar schon die Akzeptanz von

den Eltern da ist, indem diese meinen „Ist ja nicht so schlimm.“ (Ehrentraud Bimmer 208 )

Wenn Erw achsene und Eltern eine exzessive Trinkkultur vorleben, w ird es sehr schw ierig

Jugendliche davon abzuhalten. „Junge Leute brauchen lebens- und liebesfähige Erw achsene,

die Jugendlichen Freiraum geben und Orientierung bieten – unter anderem im vernünftigen

Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln und riskanten Verhaltensw eisen.“ 209

Somit muss man auch Erw achsene und v. a. Eltern in die Präventionsmaßnahmen

miteinbinden.

Da es unter den Befragten auch über ein Drittel RaucherInnen gab, bedarf es auch noch nach

w ie vor Anti-RaucherInnen-Kampagnen.

Konsum – Finanzen

Es konnte ein Zusammenhang zw ischen Bildungstypen und der Zustimmung zufolgender

Aussage „Für mich w äre es gut, dass ich mein Konto nicht überziehen darf“, festgestellt

w erden, der signifikant ist. Diese Aussage ist für rund 41 % des Bildungstyps I und für rund

23 % des Bildungstyps II zutreffend. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass sich

im Bildungstyp I auch Lehrlinge befinden, die bereits über ein eigenes Gehaltskonto verfügen.

Hier bedarf es einer Kontaktaufnahme mit Bankern, um Jugendlichen entw eder gar keine oder

w ann, dann nur sehr geringe Überziehungsrahmen bei Giro-Konten einzuräumen.

Jugend – Politik

208 siehe ExpertInnen-Interview im Anhang

209 Rögl, Nicol (Fachstellenleiterin Suchtprävention/Akzente) (22. Sep. 2008) (E-Mail-Stellungnahme)

194


Etw as w eniger als zw ei Drittel geben an, dass es für sie folgende Aussage „Ich w eiß über

meine Rechte/Pflichten als StaatsbürgerIn Bescheid“ zutreffend (28 %) bzw . eher zutreffend

(36 %) ist. Rund ein Drittel hätte hier noch Informationsbedarf. Vor allem GymnasiastInnen

kritisieren, dass ihnen das Fach „politische Bildung“ an ihrer Schule abgeht.

Längerfristig könnte mit dessen Einführung das Informationsdefizit w esentlich verringert

w erden, kurzfristig könnte man auch außerschulische Informationsveranstaltungen anbieten.

Ein Informationsdefizit kann ebenso bei der Gemeindepolitik festgestellt w erden. Die Meisten

der Befragten haben auch nicht das Gefühl, dass Probleme und Wünsche von Jugendlichen

in der Gemeinde ernst genommen w erden.

Aufgrund von Schul- und Freizeitstress ist allerdings auch die Zeit, die Jugendliche bereit

sind, für zusätzliches Engagement aufzubringen, sehr begrenzt. Folglich kann man sie

höchstens für kurzfristige Projekte, die ihnen zugute kommen, begeistern, w o sie von Anfang

bis Ende eingebunden w erden und w o die Kommunikation darüber auch nicht abbricht. So

gab es z. B. bei Spiel- und Sportplatzprojekten bereits einen relativ hohen Beteiligungsgrad,

w o z. B. fast 30 % der männlichen Befragten angaben, daran bereits teilgenommen zu haben.

Dieses quantitative Ergebnis konnte auch im Rahmen des ExpertInnen-Interview s von

Bürgermeister Eder bestätigt w erden:

„Natürlich, Sachen w o es um den Sport geht, da sind die Jugendlichen auch sehr interessiert

und tragen ihre Ideen auch an die Gemeinde heran. Mein Problem ist, dass ich mit den

Jugendlichen sehr viel diskutiere und auch versuche sie zu überzeugen, dass sie sich …

nicht nur dieser Themen annehmen sollen, sondern dass sie auch einer Gemeindesitzung

beiw ohnen und zuhören sollen, nicht nur das w as sie betrifft und danach gleich w ieder

gehen, sondern sie sollten auch die Gesamtproblematik einer Gemeindevertretung oder einer

Gemeinde kennen lernen. Und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Interesse relativ

gering ist, also nur w as sie selbst betrifft und darüber hinaus eher w eniger.“

Generell sind Jugendliche gegenüber PolitikerInnen eher skeptisch eingestellt. Hier

Empfehlungen abzugeben fällt sehr schw er, w ürde es doch einem völlig andern

PolitikerInnentyp bedürfen, um Jugendliche ansprechen zu können. Es gibt jedoch nicht nur bei

Jugendlichen diese PolitikerInnen-Verdrossenheit. Jugendliche möchten trotz allem in

PolitikerInnen Vorbilder erkennen, die „Wahlversprechen halten“, die ihre Energie „nicht in so

vielen Machtkämpfen“ vergeuden, sondern in „mehr Engagement“ und „mehr Volksnähe“

investieren, die in Kommunikation mit Jugendlichen treten, diese mehr einbeziehen und ihre

Wünsche ernst nehmen.

„Dass sie mal an uns Kinder denken und nicht immer an sich selbst“

195


Auch Bürgermeister Eder kann aus seiner Erfahrung heraus bestätigen, dass der Dialog

zw ischen PolitikerInnen und Jugendlichen verbesserungsw ürdig ist, w obei dieser in kleineren

Gemeinden noch besser funktioniere als in größeren:

„Grundsätzlich ist der Dialog zw ischen Gemeindevertretung und Bürgermeistern und

Gemeindevertretung zu den Jugendlichen verbesserungsfähig, das gebe ich auch zu. Mag

durchaus sein, dass das an den Gemeindevertretern, an den Bürgermeistern liegt. Um näher

an die Jugendlichen zu kommen, w erden w ir uns einige Dinge einfallen lassen.“

Dieser Vorschlag kann von der Autorin nur begrüßt und auch unterstützt w erden.

Der Partizipationsgrad ist bei Schulprojekten ist hingegen mit 59 % Beteiligten am höchsten.

Doch auch w enn sich die Beteiligung vorw iegend auf die Schule konzentriert, so ist das

ebenso als positives Signal zu w erten. Würde man Jugendliche in Schulentscheidungen, die

sie ja unmittelbar betreffen, mehr einbinden, könnte auch das Interesse sich auch auf

kommunaler Ebene zu engagieren, gew eckt w erden. Laut partizipatorischer

Demokratietheorie ist es w ichtig, dass auf möglichst vielen Gesellschaftsebenen Partizipation

aus Gründen des „social training“ stattfindet. 210

Ferner gibt es im Lungau einen Mangel an Jugendbeauftragten. Hier sollte vermehrt informiert

und gew orben w erden, damit sich zukünftig VertreterInnen für Jugendthemen in der

Gemeindepolitik w ieder finden und Jugendliche in ihnen hilfreiche AnsprechpartnerInnen

haben.

Um den Kommunikationsprozess zw ischen Jugendbeauftragten und Jugendlichen zu

unterstützen, w äre zukünftig auch anzuraten, dass Jugendbeauftragte einen eigenen Web-

Blog führen, w o sie über ihre Erfahrungen berichten und den Fortschritt von Projekten

dokumentieren. Dieser Blog sollte so viele Jugendliche w ie möglich mittels RSS-Feed

erreichen, so dass alle Jugendlichen, die diesen abonniert haben, automatisch eine E-Mail

oder eine SMS auf ihr Handy erhalten, w enn w ieder ein neuer Eintrag vom

Jugendbeauftragten auf dem Blog stattgefunden hat. Weil Internetabstimmungen neben der

Schule mit über 42 % den höchsten Partizipationsgrad aufw eisen, könnten Jugendliche in

Zukunft auch über diesen Weg vermehrt in das Geschehen der Gemeindepolitik einbezogen

w erden. Trotz aller Technikaffinität von Jugendlichen, ist festzustellen, dass sie es nicht

unbedingt lieben nach Informationen zu suchen (folglich w ird eine Jugendseite auf der

Gemeindehomepage eher seltener frequentiert), sondern diese müssen sie unaufgefordert

und sehr bequem erreichen.

210 Pateman (1970, 42) „..for maximum participation by all the people at that level socialisation, or „social training“,

for democracy must take place in other spheres [not just in representative institutions at national levels] in order

that the necessary individual attitudes and psychological qualities can be developed.”

196


In- und AusländerInnen

Obw ohl der Lungau die geringste Migrationsrate von allen Salzburger Bezirken aufw eist,

konnten auch hier gew isse Ressentiments vor allem gegenüber jenen MigrantInnen

festgestellt w erden, die sich nicht anpassen w ollen, die die deutsche Sprache nicht lernen

w ollen usw . Auch w urde von über der Hälfte (rd. 53 %) der Jugendlichen es als zutreffend

erachtet, dass es viele Konflikte und viel Gew alt zw ischen In- und AusländerInnen gibt.

Hier bedarf es vermehrten Integrationsprojekten und zw ar auch dahingehend, dass man

MigrantInnen Sprachkompetenz vermittelt und so w ie in Schw eden Einführungskurse über

Geschichte, Sitten, Gebräuche, Kultur, demokratische Werte und Normen des Gastlandes

anbietet. In Schw eden w erden MigrantInnen u. a. in Heimatmusen geführt, um dieses Wissen

zu vermitteln.

Jeder Konzern investiert in interkulturelles Training, für Manager, die in ein Gastland gesandt

w erden, damit diese dann vor Ort erfolgreich sein können. Dabei w erden vor allem neben

Sprachkompetenz „cross-cultural competence“ und „cross-cultural-aw arness“ vermittelt.

Jeder hat seit seiner Geburt unbew usste Denk- und Handlungsmuster seiner Kultur in sich

aufgenommen und man möchte so agieren w ie man sozialisiert ist. Umgekehrt möchte man

auch die fremde Kultur respektieren, dadurch entstehen Konflikte zw ischen eigener und

fremder Kultur und deren Normen, w as oft zu Handlungsfehlern, Verw irrungen, Unsicherheit,

Missverständnisse usw . führt. Dadurch tendieren dann viele dazu die eigene Kultur hoch zu

preisen und sie als „die einzige“ und „die beste“ zu definieren (= Ethonzentrismus). 211

Eben dieses Verhalten möchte man durch gezieltes Training im Wirtschaftsleben vermeiden,

daher w ird interkulturelle Kompetenz trainiert.

Dies bedeutet das Wahrnehmen und Bew erkstelligen von kulturellen Differenzen, der Erw erb

von Wissen und das Entw ickeln von Offenheit und kultureller Sensibilität, w obei Methoden

w ie Fallstudien, Simulationen, Rollenspiele, usw . zum Einsatz kommen. 212

Den MigrantInnen hingegen w ird dieses Wissen vorenthalten. In der eigenen Familie w ird die

Kultur des Heimatlandes gepflegt und im Gastland w ird dies offensichtlich nicht ausreichend

vermittelt oder der Wert dieses Wissens bezüglich Berufs- und Aufstiegschancen w ird nicht

erkannt. Wenn jemand die Sprache, Sitten und Gebräuche eines Landes versteht und seine

Geschichte kennt, w ird er sich im täglichen Leben auch w ohler fühlen, w eil er dadurch viele

Dinge besser begreifen kann.

Als primäres Ziel sollte schon gelten, w enn MigrantInnen in einem Land leben w ollen, sie die

Sitten und Gebräuche dieses Land respektieren sollen und nicht umgekehrt erw arten können,

dass sich das Gastland an die Kultur der MigrantInnen anpasst. Als Beispiele seien hier die

Kopftuchdiskussionen, das Verbot des Besuchs an Schw imm- und Turnunterricht für

211 Fischlmayr, Iris (2002)

212 ebda.

197


islamische Mädchen usw . genannt. Ebenso verhält es sich mit den Errungenschaften der

w estlichen Demokratie w ie Meinungsfreiheit, Gleichstellung von Mann und Frau usw . diese

Werte sollen von allen hochgehalten w erden.

198


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204


Jugendpolitik

Politikverdrossenheit – Mediendebatte:

Interviewleitfaden

Haben Jugendliche neben Schule, Freizeitaktivitäten etc. Zeit, sich aktiv politisch

zu betätigen? (an Jugendbetreuer)

Ist unser politisches System bereit, Jugendliche in Entscheidungsprozessen

einzubinden? Welche Erfahrungen haben Sie (positive und negative)? (Inw iefern

w erden also z. B. Vorschläge im Rahmen von Jugendbeteiligungsmodellen w ie

Bezirksgespräche, Jugendgemeinderat/-landtag berücksichtigt)

Welche Anregungen und Wünsche haben Sie diesbezüglich für die Zukunft?

Jugendliche haben schlechtes Bild von PolitikerInnen; Wunsch an PolitikerInnen - w enn

überhaupt: Ehrlichkeit, sollen Versprechen einhalten usw .

Jugendarbeit

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Standards einer modernen Jugendarbeit aus?

(z. B. Sinn und Zw eck der einzelnen Einrichtungen?? Jugendzentren als Wärmestuben oder

aktive Beschäftigung?)

Aufgrund unserer Studienerfahrungen haben wir den Eindruck gewonnen, dass

Jugendzentren sehr oft für Jugendliche mit Migrationshintergrund, relativ junge –

11-13 Jahre – und Bildungstyp 1 (Hauptschüler, Poly), (Hiphopper) attraktiv sind.

Dadurch entstehen manchmal Vorurteile bei den so genannten „anderen“

Jugendlichen gegenüber Jugendzentren.

Sehen Sie das ähnlich bzw. wie gehen Sie damit um?

Muss Jugendarbeit differenzierter und „mobiler“ werden? (Jugendbetreuer suchen

Jugendliche an ihren Treffpunkten auf, gab es Entw icklung dahin?) GRUPPENBILDUNG

Alkohol/Drogen

205


Jugendliche haben Komatrinken selbst als Trend angegeben.

Ist das auf Grund Ihrer Erfahrungen ein realer Trend oder von Medien

mitverursacht?

Was sind Ihrer Meinung nach Ursachen von exzessivem Alkoholkonsum

Jugendlicher? (private Probleme, cool sein…als Ergebnisse unserer Studie)

Erfahrungen mit anderen Drogen: Cannabis, Schnüffelzeug, Aufputschmittel usw …

206


ExpertInnen-Interviews

Bezirksjugendstudie 2007 – Lungau

Expertenrunde im Lungau (Bezirkshauptmannschaft Lungau,

Tamsw eg)

Interview partner:

Wolfgang Eder, Bürgermeister von Mauterndorf

Heidi Fuchs, ehemalige Regionalstellenleiterin Akzente Lungau

Barbara Dippl, Jugendtreff-Betreuerin in Tamsw eg und St. Margarethen

Ehrentraud Bimmer, Sozialarbeiterin beim Jugendamt

Interview leitung: Christiana Hartw ig

Vorstellungsrunde:

Bürgermeister: Gern. Danke für die Einladung zu dem netten Gespräch. Mein Name ist

Wolfgang Eder, ich bin Bürgermeister der Marktgemeinde Mauterndorf und gleichzeitig auch

Obmann des Regionalverbandes Lungau. Der Regionalverband Lungau betreibt nicht, aber ist

Auftraggeber der Jugendtreffs in Tamsw eg und in St. Margarethen. Wir sind auch in der

Gemeinde Mur unterstützend finanziell tätig w as den Jugendtreff anbelangt, und sind auf

Bürgermeisterebene immer im Gespräch, ob es in den verschiedenen Gemeinden für die

Jugendlichen Einrichtungen geben soll die w ir nicht von der Gemeinde aus alleine sondern

regional fördern und unterstützen können.

Heidi Fuchs: Mein Name ist Heidi Fuchs. Ich arbeite bei Akzente Salzburg, derzeit in

Mutterschutz, und ja, ich glaube Akzente ist bekannt.

Interview erin: Und Sie sind für den Lungau zuständig?

Fuchs: Genau.

Barbara Dippler: Ich bin die Dippler Barbara, ich betreue die zw ei Jugendtreffs in Tamsw eg

und St. Margarethen seit September.

Ehrentraud Bimmer: Ehrentraud Bimmer, ich bin Sozialarbeiterin beim Jugendamt. Und betreue

einen Teil von Tamsw eg und ja so die „rechte Seite“ vom Lungau, die Täler bis also dann noch

w eiter Mariapfarr, Mauterndorf, Obertauern da.

Bimmer: Die ganze Richtung.

Bürgermeister: Ist eh für uns auch zuständig in Mauterndorf. Sehr gut.

207


Interview erin: Gut, ein Schw erpunktthema w äre für uns eben Jugend und Politik in Bezug

auf „Wählen mit 16“ und dass man eben Jugendliche mehr in Entscheidungsprozesse auch

einbinden möchte. Wir haben sozusagen bereits bestehende Beteiligungsmöglichkeiten

abgefragt, ob sich Jugendliche an diesen Dingen bereits beteiligt haben, und da schaut es

eher mit der Beteiligung eher schlecht aus. Viele kennen diese Einrichtungen auch gar nicht -

w ie zum Beispiel bei Gemeinderatssitzungen dabei zu sein oder Bürgermeistergespräch oder

Jugendbeauftragter oder w as auch immer. Der Partizipationsgrad ist sozusagen noch am

höchsten w enn es um Schulprojekte geht. Jetzt ist die Frage, w elche Erfahrungen haben Sie?

Werden Jugendliche eingebunden? Wollen sie eingebunden w erden? Wie schaut es eigentlich

aus, w erden auch Ideen von Jugendlichen im politischen Entscheidungsprozess direkt

aufgegriffen? Und können diese einfließen? Oder funktioniert das noch nicht?

Bürgermeister: Das ist sicherlich von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. In den größeren

Gemeinden ist das w ahrscheinlich besser organisiert als w ie in den kleineren Gemeinden.

Grundsätzlich ist der Dialog zw ischen Gemeindevertretung und Bürgermeistern und

Gemeindevertretung zu den Jugendlichen verbesserungsfähig, das gebe ich auch zu. Bei

verschiedenen speziellen Themen in den Gemeinden gibt es natürlich die Diskussion mit den

Jugendlichen. Sie haben es auch richtig gesagt, w as schulische Probleme oder schulische

Sachen, sind eben in den größeren Gemeinden w o eben die Schulen sind, in einer kleinen

Gemeinde, die eine vierklassige Volksschule hat, ist das relativ gering. Ah natürlich Sachen

w o es um den Sport geht, da sind die Jugendlichen auch sehr interessiert und bringen ihre

Ideen auch an die Gemeinde, mein Problem ist, dass ich mit den Jugendlichen sehr viel

diskutiere und auch versuche sie zu überzeugen, dass sie sich auch so eben nicht nur dieser

Themen annehmen sollen sondern dass sie auch so in einer Gemeindesitzung zuhören gehen

sollen, nicht gleich das w as sie betrifft und nachher w ieder gehen sondern sie sollten auch

die Gesamtproblematik einer Gemeindevertretung oder einer Gemeinde kennen lernen. Und da

habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Interesse relativ gering ist, also nur w as sie selbst

betrifft und darüber hinaus eher w eniger.

Interview erin: Woran glauben Sie liegt das?

Bürgermeister: Mag durchaus sein dass das an den Gemeindevertretern, an den

Bürgermeistern liegt, um näher an die Jugendlichen zu kommen w erden w ir uns einige Dinge

einfallen lassen. Auf der anderen Seite haben w ir ja Akzente Lungau, das sehr gut

funktioniert. Ah w o eben die Frau Fuchs in der Vergangenheit alle Gemeinden besucht hat,

auch ihren Dienst angeboten hat, auch die verschiedenen Jugendlichen eingeladen hat mit

den Gemeindevertretern mit den Bürgermeistern und ja das sollte halt immer w eiter betrieben

w erden. Eine oder zw ei Veranstaltungen die relativ gut besucht w erden, ah müssen halt

w eiter betreut w erden um das nicht abebben zu lassen.

Interview erin: Und haben Sie das Gefühl, dass Jugendliche genügend über das politische

System oder überhaupt über Politik w issen?

Bürgermeister: Naja, ich bin kein Pädagoge nicht und natürlich aus meiner Sicht heraus habe

ich das Gefühl, dass sie fast gar nichts w issen. Aber w enn man das vielleicht von der

208


pädagogischen Seite sehen w ürde kann man das anders beurteilen. Natürlich, ein so ein

Wissen w ie so einer hat der schon so lange in der Kommunalpolitik ist, kann ein Jugendlicher

absolut nicht haben und darum tu ich mir da ein bisschen schw er mit der Bew ertung. Das

einzuschätzen.

Interview ern: Wie sehen Sie das?

Bürgermeister: Das-

Interview erin: Wo Sie mit Jugendlichen tagtäglich zu tun haben? Gibt es dieses Wissen? Oder

beziehungsw eise auch die Bereitschaft sich da zu beteiligen?

Dippler: Also die Bereitschaft sich zu beteiligen, glaube ich, ist eher nicht so da. Also w as ich

so mitkriege im Jugendtreff, es sind großteils Ausländer da – also Migranten, Migrantinnen, sie

w issen schon also sie kennen sich schon aus bei den Parteien und so und vor allem w elche

Partei quasi gut für sie ist und w elche nicht so gut für sie ist. Also w elche mehr für Migranten

tun und w elche nicht, so kennen sie sich schon aus. Aber - also Interesse hm, nicht w irklich.

Dass sie sich da beteiligen täten.

Interview erin: Wie w ürden Sie es beurteilen?

Fuchs: (lacht) Ja ich kann da grundsätzlich einmal dem Wolfgang zustimmen, dass die – dass

Jugend und Politik je kleiner die Gemeinde ist, umso besser funktioniert das. Ah also der

Bürgermeister kennt die Jugendlichen, und auch umgekehrt. Ah w o es leichter ist mit der

Gemeinde in Kontakt zu treten, also Tamsw eg ist da im Prinzip schon eine größere Gemeinde,

ah da ist es einfach schw ieriger und w enn ich mich selber an die Jugendzeit zurückerinnere

ahm das ist alles so fern also Gemeindearbeit oder Politik das ist jetzt gar nicht so das

Interesse, in erster Linie, aber sofern es dann selber betrifft, ah ist es anders. Also das geht

mit Wählen ab 16, das sind Themen w ie Komasaufen und das sind Themen w ie Führerschein

und so w eiter, also da w o sie schon ein reges Interesse haben aber w as mich nicht betrifft

mmh, ist auch verständlich – also, ist auch im Alltag eines Erw achsenen oft so, dass w enn

mich etw as nicht betrifft mit dem beschäftige ich mich auch nicht so. Ja.

Interview erin: Ja, also w ir haben dann auch natürlich gefragt, das ist jetzt von den ganzen

verschiedenen Gemeinden, aus denen natürlich die Jugendlichen kommen, also es bezieht

sich jetzt nicht nur auf Tamsw eg, w as sie sich von den Politikern und Politikerinnen von ihrer

Gemeinde w ünschen, und da steht immer „mehr Einsatz für die Jugend“ „mehr Interesse“ „alle

Versprechen halten“; manche sind dann so frustriert, dass sie sagen „gar nichts“, andere

w iederum, die zählen ihre ganzen Freizeits- also Freizeiteinrichtungen auf w ie zum Beispiel

„Sportplatz, Volleyball“ und so w eiter. Ja und „der McDonalds im Lungau w äre natürlich auch

ganz toll“ und (Gelächter) – und, ja „Kino“ und eben w ie gesagt immer w ieder ist eben „mehr

Engagement auch Förderung von Jugendpolitikern“ erw ähnt w orden und eben

„Wahlversprechen halten“ und so w eiter. Also man sieht dass Jugendlichen teilw eise doch

sehr skeptisch der Politik gegenüber stehen, sie w ollen einfach, dass Versprechen die ihnen

gegenüber gemacht w erden, eingehalten w erden und dass eben Leute die Politik betreiben,

ihnen gegenüber ehrlich sind und, also da gibt es teilw eise offensichtlich schon gew isse

Frustrationserlebnisse oder einfach auch Skepsis, die von zu Hause schon mitgegeben

209


w orden ist. Wie glauben Sie, dass man das verändern kann, dass das Verhältnis besser w ird

oder dass das Interesse größer w ird?

Bürgermeister: Da müsste man jetzt differenzieren; ich w eiß nicht w ie das bei der

Fragestellung ah herauskommt; ah von den Wahlversprechen und der Ehrlichkeit; es gibt ja

verschiedene Studien w o eben ganz klar herauskommt, dass die Akzeptanz in den

Gemeinden w esentlich größer ist als w ie bei allen anderen politischen Ebenen und das glaube

ich muss auch – w ird auch bei den Jugendlichen so sein. Wenn man natürlich generell das

nachredet w as man daheim hört oder auch über die Medien dass Politik ah mehr oder w eniger

– ja eine Show ist ohne die genannten Versprechen einzuhalten dann gebe ich ihnen recht.

Aber konkrete Probleme in den Gemeinden die mit den Gemeindevertretern beschlossen

w erden die mit einem Bürgermeister beredet w erden, kann ich mir nicht vorstellen, dass es da

nachher irgendw elche Versprechen gibt die nicht eingehalten w erden. Es w erden natürlich

Wünsche nicht alle erfüllbar sein, das ist schon richtig, aber das sagt man auch den

Jugendlichen; und übrigens bei den Bezirksjugendgesprächen die es ja jedes Jahr gibt und

w ofür ich auch Akzente dankbar bin, w erden diese Themen mit den Jugendlichen dauernd

thematisiert und auch diskutiert, und das Thema ah McDonalds und Kino ist ein nicht Neues,

sondern ein immer w ieder kehrendes Thema, und da muss man ganz klar sagen ah, dass ist

im Lungau derzeit so als Wunsch nicht erfüllbar.

Interview erin: Da habe ich übrigens ganz w as Konkretes zu Tamsw eg; das ist mir jetzt

gerade aufgefallen w egen Kino; „dass man anstatt das Geld für die Sanierung des

Marktplatzes zu verpulvern zum Beispiel ein Kino bauen lässt oder für den Bau einer

Wirtschaftskammer verw endet“. (lacht)

Hintergrund: Für w as? Für eine Wirtschaftskammer?

Interview erin: Ja, für eine Wirtschaftskammer. (Gelächter)

Interview erin: Es gibt lustige Sachen.

Bürgermeister: Ich bin jetzt nicht der Bürgermeister von Tamsw eg und ich brauche jetzt auch

nicht Tamsw eger Geimeindepolitik

Interview erin: Nur w eil ich da gerade Kino gehört habe also das dürfte da-

Bürgermeister: Ich brauche jetzt nicht Tamsw eger Gemeindepolitik betreiben, das ist auch

richtig so, dass es manchmal den Anschein hat, dass für scheinbar nicht so w ichtige Dinge

mehr Geld ausgegeben w ird als für Jugendliche, aus der Sicht der Jugendlichen w ichtigere

Dinge. Ah w as gerade ah den Bau der Wirtschaftskammer anbelangt so glaube ich, dass das

auch für die Jugendlichen eine ganz innovative Einrichtung ist, es ist auch österreichw eit

einmalig, dass Wirtschaftskammer, AMS und Bildungsverbund – in einem Haus gemeinsam

sind, dass sich die nicht konkurrenzieren und das die intensivst zusammenarbeiten, und das

glaube ich ist auch von allen bestätigt w orden die sich dieser Sache annehmen, und dass das

eine sehr w ohl funktionierende Einrichtung ist und dass die finanziellen Mittel die da eingesetzt

w orden sind ah zurecht eingesetzt w orden sind. Was die Gestaltung des Marktplatzes in

Tamsw eg anbelangt da bin ich jetzt nicht der richtige Ansprechpartner aber auf alle Fälle

gehe ich einmal davon aus, dass es ein Sicherheitsproblem w ar; w enn man nach Tamsw eg

210


gefahren ist hat man gesehen, dass dieser Marktplatz sehr löcherig w ar und dass

verschiedene ahm - w eiß ich nicht w as das w aren, ein paar Steine gefehlt haben-

Interview erin: Ja w ie gesagt das hätte nur ein Beispiel sein sollen, dass Jugendliche sich

doch auch mit Gemeindepolitik konkret auseinandersetzen.

Bürgermeister: Ja. Dann hätte ich die Bitte, dass man das auch so w eiterleitet; das ist ganz

gut, dass man das jetzt da hört; dass diese ah Anliegen der Jugendlichen auch direkt an die

Gemeindevertretung oder an den Bürgermeister gerichtet w erden, w eil der kann ihnen

nachher auch dementsprechend Auskunft erteilen. Ich kann jetzt das nicht genau w as

Tamsw eg betrifft...das steht mir auch nicht zu. Das ist-

Interview erin: Nein, aber ich w ollte auch nur sagen, Jugendliche nehmen schon Anteil an der

Gemeindepolitik also und sie w issen auch, w as ihnen daran gefällt oder nicht gefällt und das

haben sie uns eigentlich auch mitgeteilt, w ie kann man das Verhältnis Jugend – Politik

verändern, in positiver Weise? Oder-

Fuchs: Ja also immer w ieder durch Dialog ah oder Möglichkeiten, dass Jugendliche mit der

Gemeinde in Kontakt treten; da gibt es verschiedenste Möglichkeiten dafür, ganz ein

klassisches ist auch das Jugendgespräch, w ie w ir es in verschiedenen Gemeinden auch

schon gehabt haben, und gerade das Thema Kino und McDonalds ist immer w ieder ein Thema

w as jetzt w irklich nicht rein an den Entscheidungsträgern in der Politik in der Region liegt

sondern einfach am Wirtschaftlichen; zum Beispiel gerade McDonalds die machen einfach die

Bedarfsanalysen, „kann man das machen?“ „Ist das für uns das tragbar oder nicht?“

Momentan geht der Entw icklungstrend eher dahin, dass sogar McDonalds Filialen schließen,

das heißt es ist einfach total unattraktiv eine McDonalds-Filiale im Lungau zu betreiben. Und so

etw as den Jugendlichen zu erklären, ah ist einfach w ichtig, dass man sagt „Ja w arum?“

„Was ist der Hintergrund, w arum w ir immer noch keinen McDonalds haben?“ Oder „w arum

haben w ir noch immer kein Kino?“ Und so w eiter, und das hat einfach seine Gründe und

Jugendliche verstehen das auch, aber nur es muss ihnen einfach jemand erklären und da

geht es nicht darum w eil ah ein Bürgermeister das nicht w ill; ahm ich sage jetzt mal teilw eise

oft, manchmal ist man w irklich nicht überzeugt als Bürgermeister oder als sonst irgendeine

Person im Lungau herinnen, aber da sind – da spielen sehr viele Faktoren mit dass manche

Sachen nicht realisierbar sind ja.

Interview erin: Wie erleben Sie das Verhältnis Politik und Jugend?

Bimmer: Ich meine Politik und Jugend, kann ich jetzt nicht so gut sagen von unserer Arbeit her,

ich meine w as w ir sehen ist, dass genau w ie die Heidi schon gesagt hat, w enn sie selber

betroffen sind, dann ist das Interesse natürlich größer, man sieht es auch bei uns gerade im

Rechtsbereich oder so – ah, dass da schon oft sehr großes Interesse da ist, auch sehr

w enig Wissen, und zur Verbesserung kann ich nur von unserer Seite her sagen, also w ir, ich

meine Jugendamt ist ja teilw eise auch sehr negativ besetzt und eben w enn man immer w ieder

den Dialog sucht und das merken w ir schon auch, ah w enn w ir auf die Jugendlichen

zugehen mit ihnen reden über verschiedene Sachen dann kommt immer w ieder so das Aha-

211


Erlebnis ‚ja w ir sind ja eh nicht so die Bösen’, und inzw ischen kommen auch schon relativ

viele Jugendliche von sich aus w enn sie Probleme haben oder Fragen haben.

Interview erin: Mhm. Also Sie sind praktisch jetzt auch schon mehr eine Beratungsstelle für

Jugendliche gew orden?

Bimmer: Genau.

Interview erin: .Also nicht mehr so w ie früher, w o alle dachten, es w ird immer ganz schlimm,

w enn das Jugendamt eingeschaltet w ird.

Bimmer: Doch, also und das funktioniert im Lungau w irklich sehr gut; also gerade im Verhältnis

zur Stadt sieht man es auch; bei uns kommen w irklich sehr viele also Eltern und auch Kinder

und Jugendliche von sich aus.

Interview erin: Und die fragen dann um bestimmte Informationen?

Bimmer: Die lassen sich informieren, bitten um Hilfe oder Sonstiges ja.

Interview erin: Auch aus finanziellen Gründen oder?

Bimmer: Teilw eise ja. Aber nicht nur finanzielle Gründe aber auch ja. Weil sie nicht mehr

w eiter w issen, ja.

Interview erin: Rechtlich sozusagen auch?

Bimmer: Rechtlich oder, einfach so Hilfsangebote, Beratungsangebote, Therapien oder w as

auch immer.

Fuchs: Darf ich da noch etw as ergänzen, also gerade aus der Erfahrung aus den

Jugendgesprächen raus, ahm w ar es Jugendlichen einfach auch w ichtig, w ar es den

PolitikerInnen auch w ichtig die Jugendlichen zu informieren, w as sind die Hintergründe w arum

etw as nicht funktioniert. Und sehr oft scheitert es; also ich sage jetzt mal bei 80 Prozent der

Fälle scheitert es einfach an den finanziellen Kostenpunkten. Ah w as einzeln, gerade im

Freizeitbereich, Schw immbäder kommt immer w ieder, sie w ünschen sich einen Drei-Meter-

Turm oder sonst irgendw as und w as das alles kostet, und w arum manche Sachen nicht

möglich sind, da ist dann sehr viel Verständnis auch da also sie verstehen es w irklich. Und

manchmal sehen die Jugendlichen selber „aha um Gottes Willen ma das kostet jetzt soviel

Geld eine Skaterrampe um 15.000 Euro das – w ie bezahlt man so etw as?“ Und da liegt es halt

schon auch daran irgendw o einmal den Jugendlichen auf der einen Seite zu zeigen „Wir

w ollen für euch w as machen. Wir interessieren uns für euch und eure Freizeitanliegen“ und

auf der anderen Seite aber einen Kompromiss zu finden also gegenseitig und nicht nur sagen

„nein das ist so teuer das können w ir uns nicht leisten“, mit dem können, geben sich die

Jugendlichen nicht zufrieden w eil w enn man das Verhältnis sieht Marktplatz und Skaterpark

oder so dann ist schon einmal ein großer Unterschied. Und da fühlen sich dann die

Jugendlichen irgendw ann schon einmal verarscht, also w o ich unter Anführungszeichen

w eil, ah für Jugendliche überhaupt nichts da ist manchmal w ie es den Anschein hat und

manchmal aber sehr viel Geld für sehr viele andere Sachen...und ja. Von dem her sind sie

manchmal auch sehr enttäuscht und – vielleicht kann man da vermehrt irgendw ie in diese

Richtung gehen, ja? Jugendliche haben einfach ein großes Interesse an dem Thema Freizeit,

212


w as auch im Lungau immer w ieder sich bei den Bezirksjugendgesprächen zeigt. Das ist jetzt

nicht nur Kino und McDonalds, absolut nicht sondern, aber es ist ja auch verständlich.

Interview erin: Nein, also ich habe eine ganze Liste w as man gerne hätte w ie – Sportplatz,

Volleyballplatz – sogar einen Exerzierplatz. (Hintergrund: Gelächter Mhm, aja)

Interview erin: Ja, w eil der bei den Schützen ist, und da braucht er einen Exerzierplatz.

(Hintergrund: Gelächter) Also es gibt da eine lange Wunschliste, aber es gibt auch solche

Sachen w ie „alles ist okay“; also das kommt durchaus auch vor. und auch ein Wunsch w o

ich mir denke das ist sicher w ichtig: „in allen Schulen politische Bildung“. Weil in der AHS zum

Beispiel ist das nicht der Fall und das ist sicher-

Fuchs: Also immer in Kombination mit dem Thema Wählen ab 16 ja, sind w ir dafür aber w ir

brauchen einfach einen Grundstock, w ir müssen...um w as geht es? Wie funktioniert Politik?

Eben da ist einfach sehr viel Nichtw issen da und dann die Entscheidung zu treffen „w elche

Partei w ähle ich jetzt?“ ist natürlich schw ierig. Ja?

Interview erin: Nein und vor allem auch w ie gesagt, also nachdem ich Politologin bin liegt mir

das besonders am Herzen, w enn ich Jugendliche frage, „Was versteht ihr unter Demokratie?“

tun sich die meisten schw er damit, aber es tun sich auch teilw eise die Erw achsenen schw er.

Also ich w ill das jetzt gar nicht auf Jugendliche beziehen. Bürgermeister: Also das ist etw as

w as ich nicht verstehe w eil es, sag ich einfach, ich kann es mir nicht vorstellen aber es ist

halt so. Leider!

Interview erin: Wie gesagt ich habe schon solche Erfahrungen gemacht. Gut. Dann ganz ein

w ichtiges Thema ist natürlich die Jugendarbeit. Also w ir haben eben herausgefunden, als

w ir über Jugendzentren gefragt haben, dass es da bei vielen Jugendlichen ein gew isses

Vorurteil gegenüber Jugendzentren gibt, dass eben ein großer Prozentsatz von Jugendlichen

gar nicht in ein Jugendzentrum gehen möchte. Ein Teil hat natürlich gar nicht die Möglichkeit,

dass er in ein Jugendzentrum gehen kann - gerade im Lungau, w eil es gibt entw eder kein

Jugendzentrum, oder es ist sehr w eit w eg, oder sie w issen gar nicht w o das nächste ist,

oder man muss w as w eiß ich w ie viele Minuten mit dem Auto fahren, dass man überhaupt

zum nächsten kommt. Also das ist eben auch ein Problem, dass die Erreichbarkeit von

Jugendzentren im Lungau teilw eise nicht gegeben ist. Und das andere sind w ie gesagt

sogenannte Vorurteile gegenüber den Menschen, die dort in den Jugendzentren sind. Und da

steht dann z. B. „nein w eil es nur eines gibt und da befinden sich meist nur Ausländer“, „w eil

dort nur kleine Kinder und Ausländer sind“, „w eil da immer Kids - so 13-Jährige herumrennen,

zu viele Ausländer“ und „die Leute dort sind einfach sinnlos“, also „komische Leute“, „ich mag

die Atmosphäre dort nicht“, „das ist unterstes Niveau“, „unsympathische Personen“; „es sind

die falschen Menschen drinnen“ und „w eil ich da milde ausgedrückt nichts zu suchen habe“,

also das geht so dahin durch die ganze Bandbreite. Jetzt, w ie geht man damit um, w enn man

ein Jugendzentrum führt und eigentlich schon so eine große Ablehnung von einem Großteil

der Jugendlichen hat, ist es w irklich so, dass das Jugendzentrum von einer Gruppe mehr

oder minder in Anspruch genommen w ird? Dass sich andere Gruppen dort nicht mehr

213


hinw agen? Oder dass die nicht miteinander kompatibel sind? Und ist da diese Tendenz da,

dass die Jugendlichen in immer mehr Gruppen sich aufteilen? Und sich auch irgendw o anders

dann ihre Treffpunkte suchen, w eil sie eben mit den Leuten, die in den Jugendzentren sind,

nichts zu tun haben w ollen? Brauchen w ir dafür dann sogar mehr mobile Jugendarbeit, um in

die Bereiche zu kommen, w o sich Jugendliche treffen, die nicht ins Jugendzentrum gehen?

Dippler: Das w aren jetzt viele Fragen. (Hintergrund: Gelächter)

Interview erin: Also ich kann es aufteilen, w ie geht ihr überhaupt im Jugendzentrum mit

dominierenden Gruppen, sagen w ir mal so, um?

Dippler: Ja, also es ist momentan in Tamsw eg schon so, dass 80 Prozent Ausländer-Kinder

gekommen sind. Wobei ich aber jetzt gerade eben eine Schultour gemacht habe und den

Jugendtreff w ieder neu vorgestellt habe, und da bin ich draufgekommen, dass einfach viele

Leute gar nicht w issen, dass es das gibt, und auch desw egen nicht kommen. Teilw eise in

den Schulen w issen die Lehrer das nicht einmal, dass es das gibt und die können das dann

auch nicht w eitersagen. Und da sind aber nachher schon auch neue Kids w ieder gekommen

und die haben sich da nicht so gestört gefühlt, dass da jetzt viele Ausländer sind oder so.

Das ist ihnen also sie sind auch, es sind halt dann zw ei Gruppen herinnen gew esen. Oder es

sind halt zw ei Gruppen jetzt herinnen.

Interview erin: Und das geht?

Dippler: Es geht ja. Es w ar zw ar am Anfang von der – Stammgruppe sozusagen schon ein

bisschen, komisch, dass da jetzt neue Leute herinnen sind, aber es sind halt einfach voll viele

Gespräche halt notw endig, dass das nicht ihr Jugendzentrum, sondern es für alle da ist und

sie akzeptieren das auch, also es ist auch okay für sie.

Interview erin: Das funktioniert? Weil ich habe dann auch teilw eise so Meldungen gelesen,

w enn man reingehen w ill und da dominiert schon eine Gruppe, dass man dann auch

rausgemobbt w ird.

Dippler: Also das habe ich jetzt eben noch nicht festgestellt. Ich bin jetzt noch nicht so lange

dort, ich bin jetzt seit September da – und eben jetzt die, die neu hereingekommen sind, die

sind eigentlich schon aufgenommen w orden. Weil sie sich ja auch teilw eise von der Schule

kennen und es w ar eigentlich nicht so ein Problem. Und eben w as ich schon ein bissl, also ich

sehe das jetzt nicht so als Problem, dass da viele Ausländerkinder sind, w eil ich denke mir,

dass sie w ahrscheinlich auch ihren Platz brauchen. Und Kinder die, ah w ie soll ich sagen,

Kinder von Tamsw egern zum Beispiel, die sind ja oft in irgendw elchen Vereinen schon

drinnen, bei der Musik oder bei der Feuerw ehr oder sonst, die haben schon ihre Gruppe und

die brauchen auch nicht so unbedingt vielleicht den Jugendtreff. Um sich zu treffen.

Interview erin: Also ich muss sagen, Vereinsorganisation ist ziemlich gering eigentlich auch,

also, eher Sportverein noch, aber Jugendliche, die sich w irklich Vereinen anschließen, das ist

eigentlich gar nicht so ein großer Prozentsatz und sind meist Burschen.

(Durcheinandergerede)

Bürgermeister: Was ist das für eine Altersgruppe die Sie da-

214


Interview erin: Wir haben 13- bis 18-Jährige, 20-Jährige teilw eise sogar, w eil in den

Berufsschulen manchmal sogar 20-jährige sind.

Bürgermeister: Ja, aber w ir schon – w enn w ir schon in unserer Jugendfeuerw ehr 16, 17

Jugendliche haben, bis 14 Jahre ist man in der Jugendfeuerw ehr, dann ist man... der ganze

Ort hat 1.800 Einw ohner, dann sind ah 20 Leute, die in der Musik verankert sind und die sehr

viele – ja – Proben haben und eben w eitergebildet w erden, also kann ich mir das nicht

vorstellen, dass ein so ein Riesenprozentsatz nicht in den Vereinen tätig ist und die Vereine

nicht annehmen, das ist mir jetzt total neu; w as für mich auch, w as mich auch sehr

nachdenklich stimmt, w as Sie jetzt gesagt haben, ist ah, dass gerade die jungen Leute die

Ausländer so vehement ablehnen. Ich habe mir eigentlich gedacht, dass die jungen Leute die

Toleranten sein w erden, die Jugendlichen anders als die Erw achsenen, w enn das der Fall,

w enn das nicht der Fall ist, dann ist das natürlich schlimm. Weiß ich nicht w ie man das in

Zukunft ah besser machen kann auch von der politischen Seite her-

Interview erin: Also das Thema Inländer/AusländerInnen ist-

Bürgermeister:...das ist w eil mir w ird immer gesagt gerade in der Schule im Kindergarten

passiert überall die Integration, da gehen sie miteinander, w arum soll das nachher nicht

funktionieren? Also gerade die Jugendlichen müssten aus meiner Sicht viel toleranter sein als

w ie die Erw achsenen. Und ich w eiß nicht, das ist-

Interview erin: Wir sind mit diesen Aussagen konfrontiert w orden.

Bürgermeister: Ich glaube es Ihnen, mich überrascht das. Das ist ah-

Interview erin: Ich glaube es lernen viele vielleicht Political Correctness und w enn so eine

anonyme Befragung ist, dann kommt vielleicht heraus, w as w irklich sich der eine oder andere

denkt oder zu Hause hört.

Bürgermeister: Darum macht man ja die Integration in den Kindergärten schon von Klein auf,

überall, dass das Problem nicht zu krass ist von den Jungen. Wenn man das hört, dass so

viele einfach sagen „Da gehe ich nicht rein, w eil so viele Ausländer drinnen sind“ das ist

schlimm.

Interview erin: Aber ich muss sagen, es gibt andere Bezirke, w o das noch viel krasser

ausfällt, also ich meine, da ist Lungau noch w irklich harmlos - also w enn ich mir den

Tennengau anschaue – da sind w ir mit ganz anderen Aussagen noch konfrontiert. Und ja. Es

ist ein Thema und ich glaube, es ist auch eine gew isse Frustration bei den Jugendlichen, da

gegenüber jenen Migranten und Migrantinnen, die nicht bereit sind, die deutsche Sprache zu

lernen. Ich habe immer w ieder gerade bei dem Thema In- und AusländerInnen gelesen - „sie

sollen sich anpassen“, „sie sollen die Deutsche Sprache lernen“, also w enn die Bereitschaft

da ist, dass man sich sozusagen versucht zu integrieren und in gew isser Weise

anzupassen, dann ist auch die Bereitschaft da, dass man den/die andere/n auch aufnimmt

und akzeptiert. Wenn aber irgendw ie von beiden Seiten auf stur geschalten w ird, da kann es

nicht funktionieren und w as auch im Tennengau zum Beispiel ganz stark vorgekommen ist,

das w ar „es gibt zu viele Konflikte zw ischen In- und AusländerInnen und auch Gew alt“. Also

das ist auch sehr auffällig gew esen. Wie gesagt im Lungau w ar es jetzt nicht so dramatisch

215


aber – je mehr sie eigentlich auch konfrontiert sind miteinander, desto mehr kommt man

vielleicht darauf, dass man sich doch oft nicht versteht oder dass man

Verständigungsschwierigkeiten hat oder – ich w eiß es nicht, auf jeden Fall das Problem ist da

und mit dem muss man umgehen, und zw ar auf beiden Seiten glaube ich.

Bürgermeister: Naja es bringt eh nichts w enn die öffentliche Hand, w enn die Gemeinden für

jede Gruppe, für jedes Grüppchen, das sich da bildet, die einen eigenen Treff haben w ollen,

das ist ja auch nicht vom Erzieherischen, vom Pädagogischen her, das Richtige, sondern w ir

w ollen die alle ja zusammenführen, nicht das es jetzt von den Jugendlichen verschiedene

Interessen gibt und jede Interessensgruppe braucht einen eigenen Treff. Ich glaube, dass das

auch nicht zielführend ist und das sollte man auch den Leuten sagen, also unser Ziel muss es

sein, dass sich die miteinander verstehen und nicht dass die Gruppenbildung bei den Treffs

schon forciert w ird. Da ist die Gruppe drinnen, da ist die Gruppe drinnen und da ist die

Gruppe drinnen, w enn die zusammenkommen dann gibt es einen Crash, das kann es ja nicht

sein, das ist glaube ich nicht w as w ir alle miteinander haben w ollen.

Interview erin: Nein, sicher nicht. Nur ich glaube, w enn die Jugendlichen einfach w egbleiben

von den Zentren, w o Betreuung auch angeboten w ird und das sind vielleicht Jugendliche, die

eine Betreuung benötigen, dann ist es halt auch keine Lösung. Weil, die sind dann nicht mehr

greifbar, die sind dann sozusagen nur mehr durch mobile Betreuung greifbar.

(Durcheinandergerede)

Bimmer: Also ich glaube schon, dass gerade genau die, die es am dringendsten brauchen die

sind eh im Jugendzentrum. Also da bin ich schon davon überzeugt, und ich glaube w as nicht

funktioniert und das ist, ich glaube das ist auch ganz ganz schw ierig zu machen, dass sich

jetzt also w irklich ganz...also ich meine ich kenne es noch von meiner Jugend her; ah ganz

schw ierig ist die Vermischung zum Beispiel von Gymnasiumschülern, Oberstufen und

Studierenden und ah – und die ja, also jetzt ah – Lehrlinge. Also das ist zu meiner Zeit schon

nicht zusammengegangen und ich glaube, dass das immer sehr schw ierig sein w ird. Und ah

ich glaube, dass alleine von dem her schon zw ei große Gruppen da sind, die man

w ahrscheinlich nie w irklich jetzt zusammenbringen w ird, es sei denn eben in Vereinen oder

zum Beispiel bei der Musik, w o irgendetw as im Vordergrund ist, das alle betrifft und w o alles

andere w egfällt. Aber ich glaube, so in einem offenen Zentrum w ird man das nie schaffen,

dass man so ganz große Gruppen zusammenbringt.

Dippler: Wobei ich sagen muss in Tamsw eg im Jugendtreff gibt es schon eigentlich von allen –

da gibt es Hauptschüler, es gibt ah AHS-Schüler, es gibt ah Gymnasium- Oberstufenschüler

es gibt HAK-Schüler, HASCH-Schüler es gibt Lehrlinge. Es gibt eigentlich alles. Es ist alles

vertreten eigentlich. Dadurch dass w ir eigentlich eine große Gruppe haben von 12 bis 18, das

deckt eigentlich ziemlich viel ab und sie kommen auch-

Interview erin: Und untereinander?

Dippler: Es gibt eigentlich auch keine Probleme jetzt zw ischen den Schülern und zw ischen

den Lehrlingen. Also gar nicht.

216


Bimmer: Aha, also das ist nicht? Das ist ja eh super. Ich kann mich erinnern das w ar zu

unserer Zeit ganz schw ierig.

Fuchs: Also ich denke auch, dass da oft ah je mehr man es oft thematisiert, ja vorher w ar das

Komasaufen und jetzt haben w ir gerade in den Medien die Gew alt unter Migranten, ahm noch

einmal verstärkt, und dass es erst recht jetzt Thema w ird. Sozusagen. Und ich sehe das ganz

gleich, ah es ist w ichtig, dass genau diese Jugendlichen auch in einen Jugendtreff gehen,

w eil sie es brauchen, sonst w ären sie nicht dort, und mich überrascht das Ergebnis dass,

also ich traue mich das blind zu sagen, dass w ahnsinnig viele Jugendliche bei uns noch im

aktiven Vereinsw esen (Bürgermeister: Genau.) drinnen sind, also da ist die Feuerw ehr, da ist

der Alpenverein, da ist die Musi, das und das; ich habe es selber immer w ieder erlebt in einem

Riesenprojekt; w ie schw ierig Jugendliche oft greifbar w aren, w eil die einen Terminkalender

gehabt haben, ahm, das unglaublich ist, w o ich mich gefragt habe, w ie schaffen die das

immer? Und von dem her also haben die oft gar nicht so den Bedarf, nicht die Möglichkeit in

einen Jugendtreff zu gehen oder auch nicht den Wunsch oder das Bedürfnis, und das ist

auch legitim. Also w enn jetzt achzig Prozent Ausländer sind. Ich denke w ir reden immer noch

von Tamsw eg oder? (Hintergrund: Ja.) Ah w ie ist denn das in St. Margarethen? Also ich

traue mich zu sagen, dass da das Problem unter Anführungszeichen es ist kein Problem,

dass das nicht ist.

(Hintergrund: Genau, ja ist so.)

Bürgermeister: Ja, w enn die Studie aussagt, dass 80 Prozent der Jugendlichen in keinem

Verein ist, dann ist das ja falsch. Im Lungau ist es eher umgekehrt.

Interview erin: Ich habe jetzt nicht gesagt 80 Prozent. Die Prozentzahlen habe ich-

Bürgermeister: Nein überw iegend haben sie gesagt sehr viele, das ist absolut nicht die

Realität also das können Sie uns glauben. Das ist-

Interview erin 2: Nein, ich glaube, da gibt es sehr viele regionale Unterschiede desw egen finde

ich das auch interessant-

Bürgermeister: Nein w ir reden vom Lungau nicht jetzt von anderen Bezirken. Interview erin 2:

Ja, ja eben w ir reden vom Lungau-

Bürgermeister: Wenn das jetzt von anderen Bezirken ist, darf man das jetzt nicht auf den

Lungau beziehen.

Interview erin: Also das sind die Aussagen vom Lungau, also ich habe keine anderen da, also

ich habe jetzt w irklich die Aussagen von unserer Studie vom Lungau herausgenommen. Also,

ich vermische da nicht die Bezirke.

Bürgermeister: Untersteh dich / (Interview erin: Lacht)

Fuchs: Was mich auch irgendw o gew undert hat zum Beispiel auch die Aussage, dass also

da sind 13- bis 20-Jährige befragt w orden in dieser Studie; ahm dass eben die Jugendlichen,

die in ein Jugendtreff gehen plötzlich sich beschw eren, dass da noch Kinder drinnen sind.

Also, ihr habt Kinder von 12 bis 18 Jahren im Jugendtreff drinnen und w enn da ein 16-

Jähriger da ist, der sich beschw ert über einen 12-Jährigen, das sind die üblichen Phänomene

im Jugendtreff, das ist einfach so. Und es ist auch gut, dass genau die 12- bis 15- oder 16-

217


Jährigen da drinnen sind, w eil speziell! für diese Altersgruppe gibt es kein Angebot. Ab 16

darf man fortgehen, ab 16 darf man den Mopedführerschein machen, da ist man dann mobil,

kann man herumfahren, kann man das und das und das, ist man schon, ah für viele Sachen...

w as man halt schon machen darf. Und die darunter fallen eigentlich durch den Rost. Sie

dürfen eigentlich nicht mehr w irklich Kinder sein, sollten schon mehr Erw achsene sein, ah „Ja

w as machen w ir mit denen?“ Und die können aber nirgends hingehen. Im Park sind sie

unerw ünscht; ahm natürlich w eil da w ird ja immer gesoffen, unter Anführungszeichen; w ohin

mit denen? Und die fallen irgendw ie durch den Rost. Und es ist gut, dass genau diese

Altersgruppe in ein Jugendtreff geht. Und sie kommen dann ja auch dann immer w ieder, man

sieht das auch w enn sie schon rausgew achsen sind sie kommen immer w ieder zurück in den

Jugendtreff und ich meine schw elgen in Erinnerungen w as sie da alles Nettes da erlebt

haben. Und ich glaube auch, dass also w as sich in meiner Zeit, halt als ich noch bei Akzente

gearbeitet habe, habe ich das natürlich auch mitgekriegt; dass die Jugendtreffs sehr gut

besucht sind und da kann man w irklich gut und stolz darauf sein dass das errichtet w orden

ist, und dass das natürlich die richtige Entscheidung damals gew esen ist. Und ausbaufähig

ist. (lacht)

Bürgermeister: Sind w ir auch bereit dazu, sind w ir auch bereit dazu.

Fuchs: Wie immer natürlich.

Interview erin: Also, Sie glauben, Sie erreichen alle Jugendlichen, die Sie benötigen? Sagen

wir mal so.

Fuchs: Ja, alle...alle kann man nie erreichen. Ich erreiche auch nie immer alle Erw achsenen in

bestimmten Themen, also. Alle...das kann ich nie machen, nein. Aus unterschiedlichsten

Gründen also auch die, es liegt an der Bereitschaft der Jugendlichen es liegt auch

an...vielleicht ist es der falsche Zeitpunkt für gew isse Angebote, und sofort. Also, natürlich

kann ich sie nie erreichen, ich kann nur Angebote setzen, aber w ahrnehmen müssen sie die

Jugendlichen selber. Ich kann sie nicht zw ingen „Bitte mach bei dem Projekt jetzt mit w eil ich

brauche eine entsprechende Statistik dazu“, dass man ahm, dass das Projekt erfolgreich ist.

Es ist auch legitim w enn einmal etw as scheitert ja? Oder jetzt eine Zeit lang mal nicht so gut

funktioniert w eil dann kann man erstens das w as gut funktioniert w ieder schätzen, und

zw eitens muss man das auch akzeptieren dass manche Sachen nicht möglich sind. Wir

haben zum Beispiel auch sehr viele Pendler. Ah jugendliche Pendler die, zum Teil sogar täglich

aus- und einfahren nach Salzburg, also ich kann von einem Jugendlichen dann nicht

verlangen, dass der um sieben bei meinem Projekt mitmacht. Also das w ürde ich selber nicht

machen, w eil ich am Abend vielleicht fertig bin w eil ich müde bin, ich noch zu lernen habe,

Hausaufgaben und so w eiter also, ich glaube das manchmal auch sehr, ein bisschen zu viel

verlangt w ird von Jugendlichen. Eben immer jede Freizeitminute muss gefüllt sein w eil sonst

ist so quasi ja, bin ich ein schlechter Jugendlicher und, ja. Also das darf man ihnen auch

zugestehen eben, w as in einem Jugendtreff auch einmal vielleicht auch gelernt w erden muss

w ieder, dass man mal nichts tut. Und das ist auch voll legitim; w enn ich von der Arbeit heim

komme haue ich mich auch mal eine Stunde vorn Fernseher hin, damit ich mal abschalten lerne

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und zur Ruhe komme und mich dann w ieder anderen Sachen w idme. Und das w ird

Jugendlichen oft nicht zugestanden, und das ja. Also da ist schon massiv also „Druck...press“

und irgendw o braucht man sich dann auch nicht w undern. Und irgendw o äußert sich das

dann in, vielleicht Gew alt, Hass auf Ausländer die nicht arbeiten ja? Oder w as auch immer.

Interview erin: So und zur nächsten Frage, also um das Thema Jugendarbeit irgendw ie

abzuschließen, w as w ürden Sie sich jetzt für den Lungau und auch speziell für Ihren

Wirkungsbereich w ünschen? Also w enn Sie einen Wunsch offen hätten. Was soll verbessert

w erden? Wie soll es in der Zukunft w eitergehen?

Bimmer: Ja, ich meine w ir w ünschen uns ganz (lacht) w ahrscheinlich ganz andere Sachen

als die restlichen da, ich meine, also w ir sehen natürlich eher nur die Spitze. Was uns ganz

dringend abgeht sind Einrichtungen, also w ir haben das Gefühl, dass die psychischen

Probleme der Jugendlichen immer mehr zunehmen es gibt zu w enig Einrichtungen dafür also

es gibt bei uns zu w enig TAF-Plätze, also therapeutisch-ambulante Betreuungsplätze, ahm es

gibt eigentlich überhaupt keine Einrichtung; also nicht jetzt nur im Lungau sondern in ganz

Österreich, w o man psychisch kranke Jugendliche unterbringen kann, also das sind

momentan so unsere dringendsten Wünsche, in diese Richtung.

Interview erin: Und w o sehen Sie die Ursache dafür dass psychische Probleme immer mehr

zunehmen bei Jugendlichen?

Bimmer: Die Ursachen sind sicher w eit gestreut, also w as w ir gerade jetzt einmal festgestellt

haben, ist, dass sich jetzt auch im Lungau sehr viel verändert, also Familienstrukturen, ah

immer mehr berufstätige Mütter, Kinder sind unglaublich viel alleine, ahm also diese auf der

einen Seite und auf der anderen Seite haben w ir oft das Gefühl, w ird zu w enig reagiert

darauf, gerade in Schulen zum Beispiel. Also da läuft es immer noch nach dem alten Schema

obw ohl sich sehr viel verändert hat.

Interview erin: Also das heißt, die Schule ist nur da, um Lehrstoff zu vermitteln und die

privaten Probleme oder persönlichen Probleme w erden nicht w ahrgenommen, w eil es dafür

eh die Familie gibt.

Bimmer: Genau. Genau. Also das ist zum Beispiel sicher eines, also das ist sicher nicht die

einzige Ursache, aber von unserer Arbeit her haben w ir festgestellt, ist das sicher mit ein

Grund, es gibt auch in fast keinen Schulen soziales Lernen und solche Sachen.

Interview erin: Also da ist Nachholbedarf auf Seiten der Schulen?

Bimmer: Sicher, ja.

Interview erin: Gut, w as w ünschen Sie sich?

Barbara: Ahm. Also w as ich mir jetzt für den Jugendtreff St. Margarethen zum Beispiel

w ünsche das w äre, in der Gemeinde und von den ganzen Bew ohnern von St. Margarethen

mehr Akzeptanz für den Jugendtreff, w eil ich immer ahm – immer öfter merke, dass der

Jugendtreff voll also bei...auch bei den Eltern und so irgendw ie nicht erw ünscht ist oder

schon erw ünscht aber, ah voll den schlechten Ruf hat und...also da kannst du noch so viel,

noch so oft etw as in die Zeitung stellen oder so, es ist irgendw ie...kommen dann so Sachen

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dass Eltern eben die Kinder auch nicht hinschicken, w eil es laut ist oder keine Ahnung mit

w as herumgespritzt w ird. Solche Sachen. Ja. Das fällt mir jetzt ein, sonst...

Fuchs: Ja, Wünsche gibt es viele. Ich w ünsche mir; also w as auch in Angriff genommen

w ird, der Jugendtreff in St. Michael, ich glaube da ist ein großer Bedarf noch da und das sind

auch die Bemühungen da, dass dieser umgesetzt w ird in den nächsten Jahren. Unsere Arbeit

richtet sich natürlich immer nach den Wünschen der Jugendlichen, bis auf Kino und

McDonalds kann man relativ viel machen. Ahm, und ja, also da sind natürlich Ergebnisse von

Bezirksjugendstudien oder Bezirksjugendgesprächen aber auch Jugendgesprächen immer

w ieder Thema also das richtet sich nach den Jugendlichen auch.

Interview erin: Was erw arten Sie sich?

Bürgermeister: Ich w ünsche mir einiges. Vor allen Dingen w ünsche ich mir, dass die

Verantw ortlichen, die für die Jugendlichen im Bezirk tätig sind, in Zukunft das gleiche

Engagement haben w ie bisher, dass diejenigen die zu den Jugendlichen einen besseren

Zugang haben als vielleicht der Bürgermeister – nicht w eil sie die Bürgermeister nicht w ollen

aber w eil es einfach eine gew isse Hemmschw elle gibt...gut in kleinen Gemeinden w eniger - in

großen halt mehr - zu einem Bürgermeister – dass so w ie die Heidi, ihre Nachfolgerin, alle die

für die Jugendarbeit zuständig sind, im Lungau, intensiv mit den Gemeinden

zusammenarbeiten so w ie bisher, die Probleme erkennen, gemeinsam mit den Gemeinden

versuchen die Probleme zu lösen, mit dem Regionalverband, und persönlich w ünsche ich mir,

dass in den jew eils einzelnen Gemeinden sich die Jugendlichen mehr fürs

Gemeindegeschehen interessieren mögen, nicht nur für ihre eigenen Wünsche und Probleme

sondern fürs Gesamte. Den Wunsch w erde ich nicht aufgeben und den habe ich immer

w ieder.

Interview erin: Gut, fein. Ja, jetzt fällt mir die Überleitung ein bisschen schwer, aber w ir hätten

eben noch ein Thema gehabt, und das ist eben, das leidige Thema Komasaufen, Alkohol,

Drogen. Ahm - im Lungau haben w ir dann auch noch „Angel Dust“, „Chrystal Meth“,

„Wasserpfeife“ – und zum Schnüffeln Benzin und Wasserpfeife. Also das w aren nur so

separate Nennungen, die außerhalb von unserer Palette w aren. Ja w ie gesagt, das sind

keine dramatischen Ergebnisse, also gerade bei härteren Drogen, muss ich sagen, ist es

unauffällig und auch Cannabis ist eigentlich auch unterm österreichischen Durchschnitt. Aber

w elche Erfahrungen haben Sie - vor allem w as Komatrinken betrifft? Weil das eben so

thematisiert w orden ist? Ist dies ein Trend? Die Jugendlichen haben das als Trend bezeichnet.

Wir haben ihnen frei gestellt „Nenne drei Trends, die du als Jugendtrend bezeichnen w ürdest“

und da haben sie mit Abstand an erster Stelle Komasaufen als Jugendtrend selbst

bezeichnet. Die Frage ist jetzt, haben da Medien auch das mitverursacht, dass Jugendliche

das als Trend erkennen? Oder ist es w irklich so?

Bimmer: An mich?

Interview erin: An alle die direkt mit Jugendlichen zu tun haben.

Bimmer: Ahm ja. Also ich sehe da einen großen Teil auch bei den Medien, dass es verbreitet

w orden ist, es gibt Komasaufen und, um Gottes Willen ein neuer Trend auf den springt man

220


auf oder, ah da ist man jetzt in, auf alle Fälle! Natürlich. Ah momentan haben w ir überhaupt

keine Komasäufer mehr, ist jetzt der Trend vorbei oder? Ahm (Gelächter) man hat vor zw ei

Monaten direkt aufs Wochenende gew artet, damit die Medien w ieder einen Bericht schon

einen vorgefassten vielleicht, ah hineinstellen können, dass es w ieder ein Komasaufen

gegeben hat. Ahm die Zahlen vom Lungau sind die, dass es jetzt nicht merklich zugenommen

hat also Leute, die im Krankenhaus schlussendlich gelandet sind, sind jetzt nicht dramatisch

höher als w ie vor zw ei Jahren gew esen, es gibt halt immer w ieder Komaleichen und das ist

ein w underschöner Begriff, den man super vermarkten kann, Komasaufen, ahm, ja. Also man

muss es nicht überdramatisieren und darf es aber auch nicht vertuschen oder aber- also jetzt

sagen, dass das nicht w ichtig ist; jeder Komasäufer ist einer zu viel, jeder Alkoholsünder im

Straßenverkehr ist einer zu viel, und dagegen muss immer w ieder w as unternommen

w erden.

Dippler: Ja, ich sehe das auch so, eben dass die Medien da schon einen großen Anteil haben,

w enn sie das da hinschreiben „Komasaufen“ dann nicht unbedingt desw egen, w eil sie es

selber tun, sondern w eil eben ihnen das quasi raufgedrückt w ird „die Jugendlichen sind alle

Komasäufer“ und darum „w ir sind das und darum schreiben w ir das da auch hin“. Also ich

habe das auch so erlebt bei den Fragebögen – in Gesprächen nachdem sie das

hingeschrieben haben – also.

Interview erin: Also haben die SchülerInnen das per Gaudi reingeschrieben oder?

Dippler: Ja, per Gaudi auch nicht-

Bürgermeister: Ein Jugendlicher schreibt rein w as in ist. Was in den Medien ist und w as

gerade aktuell ist.

Interview erin: Sie w ollten w as sagen.

Bimmer: Nein, ich w ollte eben auch sagen, ich meine, ich glaube schon, dass es ein bisschen

hochgepuscht w ird von den Medien, aber es gibt sie, und es gibt sie gar nicht so; also ich

meine ich w ürde sie nicht zu sehr runterspielen; es gibt sie immer w ieder und nach w ie vor;

und also w ir haben jetzt zum Beispiel gerade auch w ieder reagiert und das ist die andere

Seite also es w ird auch Geschäft gemacht damit, also w ir haben jetzt gerade ahm vor zw ei

Monaten reagiert, w eil eine Aussendung gekommen ist, von einer sehr renommierten Bar, w o

sich sehr viele Jugendliche aufhalten, die eben Werbung machen. Mit „Saufen bis zum

Umfallen um 10 Euro“ und solche Geschichten, w o man genau w eiß, ich meine das betrifft am

ehesten natürlich die Jugendlichen, w eil die sind natürlich auch dort, die haben das w enigste

Geld, ich meine, mit solchen Sachen w ird Geschäft gemacht und da muss man eben schon

auch aufpassen und auch reagieren darauf. Und das kommt nicht von den Jugendlichen

sondern das kommt von den Erw achsenen und da w ird ein Geschäft daraus gemacht.

Bürgermeister: Und w oher kommt es, dass das alles so populär ist. Weil das so populär

gemacht w urde und das ist natürlich, das sind die Ausw üchse. Es ist eh w ahrscheinlich

dass-

Bimmer: Aber es kommt nicht von der Jugend sondern eher von der anderen Seite.

221


Interview erin: Es w ird nach w ie vor Flatrate-Trinken angeboten. Also es ist auch aus der

Studie hervorgegangen, dass es noch immer angeboten w ird.

Bürgermeister: Es ist zum Verurteilen, also w enn in den Gemeinden...da sind sich die

Bürgermeister alle einig, w enn in einer Gemeinde so etw as angeboten oder ausgeschrieben

w ird, da ist ja der Bürgermeister von Tamsw eg enorm tätig gew orden in dieser Sache, w ir

kennen die Geschichte eh und das ist nachher mehr oder w eniger zurückgenommen w orden.

Wobei der betreffende Wirt nachher seine Zahlen uns genannt hat w as ein anderer der das

gemacht hat für einen Umsatz gemacht hat und der das nicht gemacht hat nichts los gew esen

ist. Aber bitte das ist- (lacht)

Bimmer: Ja, eben das ist das Traurige w as ich meine.

Bürgermeister: Aber nur w enn ich- Ja.

Bimmer: Natürlich, w en muss man da jetzt verteufeln? Also die Eltern, die eigentlich auf ihre

Kinder schauen sollten? Die Politik? Also die Politik oder den Wirt? Oder die Jugendlichen

selber? Da spielen alle Faktoren einfach zusammen. Ich verstehe natürlich den Gastw irt auch

der ein Geschäft machen w ill, ah der mit enormer Konkurrenz zu tun hat aber ah eine Flatrate-

Party muss heutzutage w irklich nicht mehr sein. Ja w eil ich w eiß nicht, ob das Geschäft –

man muss vielleicht ein bisschen innovativer sein und ah andere Möglichkeiten finden ohne

dass man jetzt ah Tequila um einen Euro ausschenkt, also das, es blutet mein Herz immer

w ieder, w enn ich so etw as sehe natürlich ja. Und natürlich, die Konsequenz Komasäufer.

Ja? Und Alkoholleichen.

Bürgermeister: Ich glaube es funktioniert bei uns im Lungau sehr gut, bei uns gibt es w ie

w ahrscheinlich bei anderen Bezirken auch diesen Suchtgiftbeirat, der zw eimal mindestens,

w enn Bedarf ist, öfter, im Jahr tagt, w o man eben ah intensiv auf eben solche aktuellen

Sachen eingehen kann, w o man auch im Vorfeld schon einiges ah nachher w ieder, steuern

kann dass es nicht so arg ist oder dass w ieder etw as zurück genommen w ird, und gerade

heute also im Vorfeld auch von dieser Ausschreibung hat es eben einen Suchgiftbeirat

gegeben und der hat natürlich auch sehr viele Aktivitäten die, und ich glaube, dass das nicht

der Fall ist, dass das nicht gemacht w ird, w obei, ja – ah Suchtgift natürlich auch im Lungau

ein Thema ist, es ist ja nicht so, dass es bei uns keines ist, das w issen w ir auch, und

versuchen natürlich auch, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, w eil ich meine

Suchtgift sind ja nicht Alkohol, die Heidi hat ja eh ein tolles Projekt gehabt „berauschend“, von

Akzente, das w as eh in den Medien w ar - w as auch sehr gut angenommen w orden ist und

w as auch im Lungau gut eingeschlagen hat und ich glaube, solche Aktionen sollten in Zukunft

auch verstärkt w ieder gemacht w erden. Ah w ünschte ich mir in anderen Regionen auch,

dass das auch so perfekt gemacht w ird, es hängt immer an den handelnden Personen ob

w as funktioniert. Ob man es alibihaft macht oder ob man es ernst macht jede Aktion – die man

unterstützen muss und das ist w ie gesagt, ich w ünsche mir auch, dass in Zukunft das so

w eitergeht w obei ich überzeugt bin.

Fuchs: Bestimmt ja.

Bürgermeister: Ist das auch bei der Arbeit?

222


Fuchs: Mhm, ja. -

Interview erin: Ja w ie gesagt, man kann nicht nur von jenen reden, die es bis zum Koma

schaffen, sondern man sollte w ahrscheinlich auch die berücksichtigen, die halt jedes

Wochenende einen Rausch haben, aber halt nicht bis zum Koma kommen. Wir haben eben bei

der Frage, „Wird in deinem Freundeskreis viel oder eher viel getrunken?“ oder „nichts

beziehungsw eise w enig“, gesehen - dass die meisten doch eher immer bei dem Bereich „es

w ird eher viel oder viel an Alkohol getrunken“ sind. Also, w ie gesagt, es muss ja nicht

unbedingt bis zum Exzess führen, aber ich glaube, der Alkoholkonsum ist generell ein Thema.

Fuchs: Also Alkohol ist nach w ie vor ein Riesenthema, also das ist im Prinzip eine legalisierte

Droge. Jeder trinkt und es ist okay und es w ird auch erw artet, dass man w as trinkt ahm;

gerade da zum Beispiel dadurch w aren w ir mit „berauschend“ auch in den Vereinen, umso

schw ieriger w ar es auch, gerade in den Vereinen lernen Jugendliche zu trinken oder es ist

die Initiation für die Jugendlichen, einmal mit dem ersten Rausch, da gehörst du dann dazu so

quasi zu uns. Ah, Alkohol ist einfach eine gesellschaftlich anerkannte Droge, das w issen w ir

eh alle, ahm und da liegt es nicht nur an den Jugendlichen selber. Ich frage mich oft w arum

trinken die Jugendlichen? Haben die Kinder so viel Stress, dass man sich jedes Wochenende

zusaufen muss? Wahrscheinlich ja – ah aber auch natürlich die Erw achsenen, w as leben

uns die Erw achsenen vor? Ja w as denn und das ist natürlich nicht w enig. Ich schlage die

Zeitung auf vom Wochenende und lese w elcher Mann seine Frau umgebracht hat unter

Alkoholeinfluss w eil sie gerade gestritten haben oder sonst irgendetw as, da schreibt man

nicht „Nein, diese schlimmen Erw achsenen und so“. Aber, ah da muss nach w ie vor

Bew usstseinsbildung passieren w eiterhin, da kann man glaube ich nie aufhören, und w as

mich jetzt also sehr überrascht hat w ar das Ergebnis der...ah w ir haben, das w aren unsere

letzten Projekte, im Rahmen der Kampagne „nachdenken statt nachschenken“ vom

Bundesministerium haben w ir im Lungau und Pongau „Mystery shoppings“ durchgeführt,

Testeinkäufe von Jugendlichen in Einkaufsgeschäften oder Tankstellen, und das w ar also

entw eder im Lungau da haben w ir es flächendeckend gemacht; es w ar für mich ein sehr

überraschendes Ergebnis, dass 90 Prozent der Geschäfte keinen Alkohol an die 14-jährigen

Burschen ausgegeben haben. Bier. Also sie haben überall Bier gekauft und Chips und so und

es w urde Ausw eis verlangt also das, mit dem hätte ich absolut nicht gerechnet mit diesem

Ergebnis; es hat mich sogar ein bisschen stolz gemacht. (lacht). Aber ich denke mir, auch

w enn das ein gutes Ergebnis ist, es gehört immer noch Bew usstseinsbildung ah auf Seiten

der Erw achsenen gemacht w eiterhin, permanent.

Bimmer: Wobei ich glaube, dass das die Geschäfte sind; da fällt es mir regelmäßig auf w enn

ich einkaufe; aber ich glaube die Wirte sind noch mal eine ganz andere Geschichte und mir

fällt es regelmäßig auf. ganz egal w o ich bin, dass neben mir Jugendliche Alkohol

konsumieren, w o ich mir ziemlich sicher bin die sind noch nicht so alt, ich mische mich auch

zeitw eise ein und sage dann zum Wirt ah „Der darf das nicht“ und ich kriege sehr oft die

Antw ort ahm, „Wenn ich da jetzt genauer schaue ich meine dann fürchte ich um mein

Geschäft“, also das ist w irklich nach w ie vor.

223


Bürgermeister: In den Wirtshäusern w art ihr mit dem Projekt aber schon auch? In den

Wirtshäusern, in den Gasthäusern.

(Durcheinandergerede)

Bimmer: Auch von den Eltern teilw eise, also da fängt es ja schon an. Also das ist nach w ie

vor ein großes Problem die Akzeptanz der Erw achsenen. In allen Bereichen.

Dippler: Genau. Die Jugendlichen dürfen nicht saufen, aber selber kippe ich mir gerade ein

Achterl runter. -

Bimmer: Ja, es ist ja teilw eise leider nicht einmal so, dass die Jugendlichen nicht saufen

dürfen sondern es ist ja einfach viel zu viel schon, sogar schon teilw eise die Akzeptanz

sogar schon von den Eltern da „Ist ja nicht so schlimm.“

Bürgermeister: Leider ja.

Hintergrund: Mhm. -

Fuchs: Die Frage, also w ir haben uns immer bemüht ein Bew usstsein zu schaffen in Richtung

Risikominimierung, also eben „fahre nicht w enn du trinkst“, „bleib daheim oder ah steig nicht

ins Auto ein w enn du trinkst“, „schau dass deine Freunde gut heimkommen und nicht-“. Das

sind halt die Sachen w enn jemand sich betrinkt und liegt dann in einer Ecke und keiner schaut

mehr darauf, der erstickt dann an seinem Erbrochenen. Ahm so quasi „schau auf deine

Freunde, w ie geht es denen gerade?“, „trink zw ischendurch mal w as anderes“ ah „trink jetzt

nicht so schnell“ und so w eiter. Also das sind alles so, ich sag einmal Trinken muss man fast

lernen und nicht ah sinnlos sich runterschütten damit ich meine Freizeit jetzt mit irgendetw as

füllen muss. Es ist nach w ie vor ein Thema oder ein Problem ja.

Bürgermeister: Das w ird immer ein Thema bleiben das w ar zu meiner Zeit; jetzt bin ich 58

Jahre; ah w enn ich so zurückdenke an meine Jugend, ah – ja w ir w aren auch keine

Waisenknaben und da w enn ich jetzt dran denke dass jetzt der Großteil meiner Freunde von

damals jetzt keine Alkoholiker gew orden sind. Aber auf alle Fälle w ird das immer w ieder ein

Thema sein und natürlich w aren bei uns die Eltern ganz anders dahinter; da gebe ich Ihnen

recht, w eil heutzutage, w enn die Eltern das sogar sagen „Ist nicht so arg“ dann ist das viel

schlimmer; und w as ich nicht verstehe, w enn ich einmal einen Rausch gehabt habe, dann ist

mir so schlecht gew esen am nächsten Tag, dass ich mal ein halbes Jahr überhaupt nicht

daran gedacht habe w ieder einen Alkohol zu trinken und die so komasaufen, denen muss es

ja am nächsten Tag oder über Tage lang so schlecht gehen, dass die dann w ieder trinken,

dass ist für mich total...entw eder, ich w eiß es nicht w as es da für eine Motivation gibt das

w ieder zu tun. Ich meine, dass man das auslotet w ie w eit darf man gehen? Was vertrage

ich? Das ist bei Jugendlichen immer so. Das brauchen w ir ja gar nicht - das brauchen w ir ja

gar nicht irgendw ie vertuschen, das ist so, w aren w ir so und das w ird immer so sein, aberdas

ist mir ein Rätsel, dem muss so letz sein, w enn der ins Spital eingeliefert w ird, der kann

am nächsten Tag w ieder gehen und das w eiß ich nicht w as da, keine Ahnung vielleicht, gibt

es irgendw elche Medikamente damit die nachher nichts mehr spüren, aber das ist halt auch

falsch. (Gelächter)

224


Fuchs: Das w äre eben interessant w as man im Prinzip in den Medien oder ich halt zumindest

nicht gehört habe „w ie geht’s den Komasäufern danach?“ Also ich habe nie ein Interview von

einem Komasäufer gehabt oder w as machen die, w ie reagiert der jetzt? Wie geht es dem

jetzt? Schämt sich der? Ist der stolz? Prahlt der in der Schule und/oder im Freundeskreis? Weil

ich glaube nämlich nicht, dass dem so gut ist und da w ären für mich Ansätze für die Medien

zu sagen „He bringt mal rüber w ie geht es dem jetzt? Weil ich glaube nicht, dass es dem voll

gut geht.

Bimmer: Und es kommt – also w ir führen ja regelmäßig Gespräche mit solchen. Ah und es

kommt halt bei vielen, also zumindest die, die zu uns kommen, kommt dann schon auch immer

w ieder raus, dass sie halt Probleme haben. Also vorher schon Probleme gehabt haben,

Probleme runtersaufen und ja. Und das als gängiges ahm Mittel zum Problemlösen sehen.

Interview erin: Und kann man die Probleme eher so im privaten Bereich ansiedeln? Oder kann

man auch sagen dass der enorme Leistungsdruck und Schulstress für viele auch schon zum

Problem w ird?

Bimmer: Unterschiedlich. Ganz unterschiedlich. Also im privaten Bereich ah schulisch also

das ist, haben w ir schon verschiedenste Antw orten gehabt. Aber es ist fast immer so, dass

massive Probleme da sind und dass halt dann so zum Runterschw emmen kommt.

Interview erin: Was auch überall im Fernsehen so dargestellt w ird...

(Durcheinandergerede) -

Bimmer: Es ist so, ja.

Interview erin: Gut. Ahm w as möchten Sie uns jetzt zum Abschluss noch auf den Weg mit

nach Salzburg geben? Was w ir beim Lungau berücksichtigen sollen oder w as sich im Lungau

positiv verändern soll? Was w ir auch in dem Bericht mit aufnehmen als Anregung für

zukünftige Jugendarbeit für zukünftige politische Entscheidungen. Am besten w ir machen da

eine schöne Abschlussrunde. Darf ich bei Ihnen anfangen?

Bimmer: Ja, ich meine. ich habe es eh vorhin schon gesagt, also w ichtig finde ich immer und

das merken w ir, Dialog suchen, Gespräche suchen, die Jugendlichen ernst nehmen mit ihren

Vorstellungen, Wünschen und Problemen - ja. Also das ist, glaube ich die w ichtigste

Geschichte.

Dippler: Ja also ich finde es auch w ichtig die Jugendlichen ernst nehmen und, ahm, nicht

immer das Negative so hervorkehren sondern auch positive Sachen einfach von den

Jugendlichen zu berichten. Sachen, die sie gut machen.

Interview erin: Und persönlich eine kleine positive PR-Kampagne für St. Margarethen oder?

Dippler: Ja, das auch. (Interview erin: lacht) -

Fuchs: Ja, also spontan fällt mir jetzt ein, ich w ünsche mir w eiterhin viele viele w irkliche,

echte Partizipationsprojekte, w o Jugendliche beteiligt sind. Nicht dass ahm, auch w enn diese

Zeit aufw ändiger und viel intensiver ist als w enn Erw achsene Jugendlichen ein Projekt

hinstellen und sagen „Da, jetzt haben w ir w as gemacht für euch“ und sich dann w undern

w arum es nicht angenommen w ird, oder nicht so gut angenommen w ird w ie man vielleicht

225


erw artet, sondern w irklich echte Partizipationsprojekte, dass man das auch w ieder verstärkt

auch aufnimmt und auch w eiterführt und, ja. Das ist immer so mein Anliegen ein bisschen.

Interview erin: Was w äre so ein Beispiel für ein echtes Partizipationsprojekt?

Fuchs: Ahm das kommt darauf an, also das dürfen durchaus auch Jugendliche entscheiden

also einfach in meiner Arbeit mit den Jugendlichen, es w ar immer die Erfahrung da w enn ich

den Jugendlichen w as vorsetzte habe ich mit der halben Motivation zu tun und muss selber

viel mehr Energie reinstecken sie zu motivieren „macht doch da w eiter“ „ hört’s nicht auf“, vor

allem bei längerfristigen Projekten. Aber w enn ich den Spieß umdrehe, und sage „Ja w as

w ollt ihr, w as ist das w as ihr machen w ollt?“ Ahm – dann ist die Motivation ganz eine andere,

es ist aber im Endeffekt w irklich aufw ändiger aber viel zielführender und so w eiter. Also das

können die unterschiedlichsten Projekte sein sei es Migration; w o ich denke also Akzente w ird

sicher ab dem nächsten Jahr verstärkt in Richtung Migration gehen; und da ist Partizipation ein

Riesenthema auch, also jetzt für mich aber auch für Akzente dass man sagt, da müssen die

Jugendlichen von sich aus dabei sein w eil ja w ir sind dann eh alle so akzeptiert und integriert

und das ist es nicht und umso w ichtiger w ird da die Partizipation. Im Bereich Migrationsarbeit.

Und - ja. Ich glaube das w ar es einmal, so w eit.

Bürgermeister: Ich w ünsche mir, dass der eingeschlagene Weg im Lungau fortgesetzt w ird,

dass die Zusammenarbeit w eiterhin so gut funktioniert, dass verschiedene Jugendtreffs, die

eben jetzt in Diskussion sind realisiert w erden können, und dass eben mit Akzente und dem

Regionalverband Lungau mit den Jugendtreffs und mit allen die in der Jugendarbeit tätig sind

bei uns im Lungau, die Kommunikation funktioniert, w eil nur so können w ir dann auch

dementsprechend auch Sachen unterstützen und fördern. Und w as ich mir ganz besonders

w ünsche ist, dass die Jugendlichen mehr sich für die Gemeindearbeit interessieren.

Interview erin: Ja. Gut, das w erden w ir w eitergeben. (Lachen) Dann sage ich herzlichen Dank

in die Runde für das Gespräch, und danke auch der Gastgeberin, dass w ir da sein durften –

und w ir w erden w ie gesagt diese Impulse in unseren Bericht einfließen lassen, und sie

w erden sicher alle informiert w erden w ann das Werk dann fertig ist und w ann Akzente das

dann praktisch druckfrisch verteilen kann.

Bürgermeister: Bin schon gespannt.

(Gelächter)

226


Qualitative Eingaben: Lungau

2. Wohnen

FB-

Geschlecht

m=1 Geb.

Wo wohnst du die meiste Zeit

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule PLZ über? Anderes:

21 1 1994 Österr. HS 5571 Freund oder Eltern

56 2 1987 Österr. LBS 5580 Bei meinem Freund

175 2 1992 Bosnien Poly 5581 Bei der Isi

176 2 1992 Österr. AHS- 5581 Bei der Halbschw ester

Geschlecht

FB- m=1 Geb.

Was stört dich an deiner

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule PLZ Wohnsituation? Sonstiges:

Probleme mit der Nachbarschaft: ich

muss mit 2 Nachbarn in der selben

Klasse sein und es müssen gerade die

21 1 1994 Österr. HS 5571 sein, die ich nicht mag

Probleme mit Nachbarschaft:

27 1 1994 Österr. HS

Streitigkeiten

Nachbarschaft: Kinder schreien immer

101 2 1993 Österr. BG Unterst. 5592 am Wochenende

Nachbarschaft: Streit w egen dem Lärm,

121 1 1992 Österr. HAK 5583 den w ir machen

128 1 1991 Österr. HAK Sonstiges: Keine Jugendeinrichtungen

FS St.

Schlechte Rechtslage, unfähige

162 1 1987 Österr. Margarethen Heimbetreuer

3. Schule

FB-

Nr.

Geschlecht

m=1

w=2

Geb.

Jahr Herkunft Schule PLZ.

227

Warum hast du deine Schule

gewählt? Sonstiges


8 1 1992 Österr. HS

Ich w erde demnächst die HTL in

Saalfelden besuchen

Ich besuche im Herbst die HTL-

Salzburg, w eil es für meinen

10 1 1992 Österr. HS 5571 Berufsw unsch w ichtig ist.

Mein Vater hat schon diese Schule

23 1 1994 Österr. HS 5570 besucht

LBS

Bin Lehrling und kann im Heimatort in

51 2 1990 Österr.

5580 die Berufschule gehen.

57 2 1988 Österr. LBS 5580 w eil ich muss!

58 1 1988 Österr. LBS 5580 Pflichtschule

64 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 w usste nicht w ohin sonst

68 2 1990 Österr. BG Oberst. 8854 Geschw ister w aren auch hier

72 1 1990 Deutschland BG Oberst. 8861 Weg von VS-Kollegen

73 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 gute Schule

82 1 1989 Österr. BG Oberst. 5580 Studiumsvorbereitung

84 1 1990 Österr. BG Oberst. 5582 Beste Schule in Umgebung

BG Unterst.

Bessere Chancen an einer anderen

103 1 1993 Österr.

Schule aufgenommen zu w erden.

105 1 1993 Österr. BG Unterst. 8863 Meine Schw ester geht auch dort hin

BG Unterst.

Vater hat auch diese Schule

107 2 1993 Österr.

8862 besucht

108 2 1993 Österr. BG Unterst. keine Leistungsgruppen

110 2 1993 Österr. BG Unterst. 5582 gute Bildung, keine Leistungsstufen

BG Unterst.

gute Allgemeinbildung, nette

111 1 1993 Österr.

5582 Mitschüler

Wegen Matura, viele

141 2 1992 Österr. HAK 5582 Berufsmöglichkeiten

Da ich Lehrer körperlich nicht

158 2 1991 Österr. HASCH

FS St.

5591 geschafft habe

169 2 1987 Österr. Margarethen

HS mit IT-

5588 Matura

179 2 1992 Bosnien Schw erpunkt 5580 geile Cafeteria

FB-

Nr.

Geschlecht

m=1

Geb.

Jahr Herkunft Schule PLZ

228

Warum hast du deine Schule

gewählt? Wichtige

Voraussetzung für meinen


w=2 Berufswunsch:

3 1 1993 Österr. HS 5570 Fliesenleger

6 1 1992 Österr. HS 5570 Maschinenbauer

10 1 1992 Österr. HS 5571 Im Herbst:HTL-Maschinentechnik;

21 1 1994 Österr. HS 5571 eine w eitergehende Schule evt. HTL

44 2 1990 Österr. LBS 5591 Einzelhandelskauffrau

47 2 1988 Österr. LBS 5580 Einzelhandelskauffrau

59 2 1989 LBS 5570 Verkäuferin

65 2 1990 Österr. BG Oberst. 8853 Sprachen

66 2 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Studium

80 2 1988 BG Oberst. 5580 Studium

81 1 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Vorbereitung für Studium

89 2 1990 Österr. BG Oberst. 5585 Ärztin

91 1 1989 Österr. BG Oberst. 5570 Journalist, Dolmetscher

94 2 1993 Österr. BG Unterst. 5582 Matura

100 2 1992 Österr. BG Unterst. 5585 Matura

Deutsch- BG Unterst.

102 2 1992 Österreich

5585 Sprachen

109 2 1992 Österr. BG Unterst. Studium

117 2 1991 Österr. HAK 8853 Richtung Management

129 2 1991 Österr. HAK 5583 Managerin

153 2 1990 Österr. HASCH 5580 Computer

FB-

Geschlecht

m=1 Geb.

Was findest du an deiner

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule PLZ Schule besonders gut?

1 1 1991 Österr. HS 5571 die Menschen

2 1 1992 Österr. HS 5571 die Menschen

3 1 1993 Österr. HS 5570 die Zukunftschancen

4 2 1993 Österr. HS 5571 keine Probleme mit Gew alt etc.

5 1 1992 Österr. HS 5571 Sehr gute Berufsorientierung

HS

die Werkräume und den guten Ruf

6 1 1992 Österr.

5570 der Schule

7 1 1992 HS Manche Lehrer

HS

Dass sie nächstes Jahr renoviert

13 1 1993 Österr.

5570 wird.

15 1 1993 Österr. HS nicht viel

229


HS

Die Lehrer sind sehr streng,

16 2 1993 Österr.

5570 unterrichten sehr gut!!!

HS

Die nette Zusammenarbeit

zw ischen Schülern, w enn man

etw as nicht w eiß, w ird einem

17 2 1993 Österr.

5570 schnell geholfen.

18 1 1993 Österr. HS nicht viel

19 1 1994 Österr. HS 5570 Dass ich Freunde habe

21 1 1994 Österr. HS 5571 Sommerferien

HS

Wir machen viele Projekte und

22 1 1994 Österr.

5570 Ausflüge

24 1 1993 Österr. HS 5570 nichts

HS

Sie ist groß und der Unterricht ist

26 1 1994 Österr.

nicht so schwer HS

Die Lehrer sind ganz okay bis auf

27 1 1994 Österr.

einen. Es ist viel Grünfläche.

28 1 1994 Österr. HS 5571 Die Lehrer sind fast alle sehr nett.

29 2 1994 Österr. HS Nette Mitschüler, nette Lehrer

30 2 1993 Österr. HS 5571 gar nichts

HS

Man kann mit dem Rad hinfahren

und man muss nicht unbedingt mit

dem Bus. Man lernt sehr viel in

31 1 1993 Österr.

5571 dieser Schule.

32 1 1993 Österr. HS 5571 gar nichts

33 2 1993 Österr. HS 5571 Die Abw echslung

35 1 1993 Österr. HS 5570 Dass sie RENOVIERT w ird

HS

Eigentlich gar nichts, w eil es ein

altes Schulgebäude ist. Dass sie in

37 2 1994 Österr.

5571 der Nähe ist.

40 2 1994 Österr. HS 5570 Dass sie bald renoviert w ird

50 2 1990 Österr. LBS 5580 WVP

LBS

Dass ich nur 1 x in der Woche in die

51 2 1990 Österr.

5580 Schule muss.

52 2 1990 Österr. LBS 5580 WVP mit Kamera

53 2 1987 LBS 5580 die Computerräume

56 2 1987 Österr. LBS 5580 nette Lehrer

57 2 1988 Österr. LBS 5580 Dass sie in der Nähe ist!

58 1 1988 Österr. LBS 5580 EDV-Ausstattung, Praxisbezug,

230


231

Flexibilität, Freundlichkeit

60 1 1988 Österr. LBS Kleine Schule, gute Informatikräume

63 2 1990 BG Oberst. 5580 Fremdsprachen

65 2 1990 Österr. BG Oberst. 8853 Sprachen, Allgemeinausbildung

66 2 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Allgemeinausbildung, Sprachen

BG Oberst.

Vielzahl an Sprachen w erden

67 2 1990 Österr.

5582 angeboten

BG Oberst.

viele verschiedene Fremdsprachen,

generell gute Ausbildung,

68 2 1990 Österr.

8854 Allgemeinbildung

69 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 Viele Sprachen w erden angeboten

BG Oberst.

Viele Sprachen, gute Ausstattung,

70 1 1990 Österr.

5580 innen schön.

71 2 1990 Österr. BG Oberst. Niveau

BG Oberst.

höheres Niveau als HS oder HAK &

HIT, einige Lehrer, guter Direktor,

72 1 1990 Deutschland

8861 neu, Toleranz

73 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 gute Schule, lerne viel

78 1 1990 Ungarn BG Oberst. 5580 Allgemeinbildung

79 2 1988 BG Oberst. 5581 Wahlpflichtfächer

81 1 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Allgemeinbildung; Sprachen

84 1 1990 Österr. BG Oberst. 5582 Klima an der Schule

85 2 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Allgemeinbildung

BG Oberst.

Schulgebäude, gute

86 2 1989 Österr.

5570 Allgemeinbildung

89 2 1990 Österr. BG Oberst. 5585 Allgemeinbildung

Allgemeinbildung, Vorbereitung auf

90 2 1989 Österr. BG Oberst. 5580 Studium

93 1 1993 Österr. BG Unterst. 5581 Schöne Klassenzimmer

BG Unterst.

Schüler helfen Schüler = Nachhilfe;

94 2 1993 Österr.

5582 Aufenthaltsraum für Schüler

BG Unterst.

innen schön, tolle Leute an der

95 2 1992 Österr.

5582 Schule

BG Unterst.

Dass sie innen sehr schön

angestrichen ist, dass sich die

Lehrer sehr bemühen, dass man

viel lernt, dass es Skiw ochen,

96 2 1993 Österr.

5582 Sportw ochen etc. gibt,….


BG Unterst.

97 2 1993 Österr.

8863 Mitschüler

98 2 1992 Österr. BG Unterst. 8863 Meine Mitschüler

BG Unterst.

die Lehrer, den Unterricht, das

99 2 1993 Österr.

8863 Gebäude

BG Unterst.

Dass w ir nur einmal in der Woche

100 2 1992 Österr.

5585 Nachmittagsunterricht haben.

BG Unterst.

Meine Freunde und manche Lehrer,

die nett und aufgeschlossen sind

und momentane Problematik in den

101 2 1993 Österr.

5592 Unterricht einbauen (z. B. GSK,…)

Deutsch- BG Unterst.

102 2 1992 Österreich

5585 Gustl, der Schulw art

103 1 1993 Österr. BG Unterst. Buffet, Ruheecke

104 1 1993 Österr. BG Unterst. 5582 Buffet, Aktion "Bew egte Schule"

BG Unterst.

Schulw art, Buffet, Disziplin der

105 1 1993 Österr.

8863 Schüler, Projekte

BG Unterst.

Neue, moderne Einrichtung; keine

Leistungsgruppen; Lehrer/Direktorin

für Vorschläge (z. B.

107 2 1993 Österr.

8862 Veränderungen) offen.

108 2 1993 Österr. BG Unterst. Aussehen der Schule von Innen

BG Unterst.

groß, hell, Klassenzimmer sind

meist groß genug; Schulbuffet mit

großer Ausw ahl auch an gesunden

Lebensmitteln, w eitläufige Gänge,

109 2 1992 Österr.

schön gestaltetes Schulgebäude

BG Unterst.

gemütliche Innenräume, viele

zusätzliche Dinge z. B. Schullauf,

Schulband, Ruheraum; gute Bildung,

110 2 1993 Österr.

5582 viele Möglichkeiten für die Zukunft.

111 1 1993 Österr. BG Unterst. 5582 keine Gew alt

BG Unterst.

das besonders schöne und neue

112 1 1992 Österr.

Schulgebäude

113 1 1993 Österr. BG Unterst. 5582 Angebot an freiw illigen Fächern.

Österr.- BG Unterst.

114 1 1991 Niederlande

8854 Kantine, Lehrpersonal

BG Unterst.

Aussehen des Gebäudes,

115 1 1991 Österr.

8850 Lehrpersonal

232

Lernen von Fremdsprachen, meine


117 2 1991 Österr. HAK 8853

Die Leute sind locker und lustig aber

trotzdem ernst w enn es sein muss

und w egen Spanisch.

HAK

sehr modern, in jedem

Klassenzimmer ein Computer und

118 Österr.

Beamer. 4 Computerräume.

119 1 1991 Österr. HAK 8861 Einrichtung

120 2 1992 Österr. HAK 5580 moderne Einrichtung

HAK

Dass man viel mit dem Computer

124 2 1992 Österr.

8843 arbeitet.

125 1 1992 Österr. HAK 5580 Unterrichtsfächer

126 2 1991 Österr. HAK 8843 gutes Schulklima, schöne Schule

128 1 1991 Österr. HAK die Lehrerschaft

129 2 1991 Österr. HAK 5583 Lehrer-Schüler-Verhältnis

130 1 1991 Österr. HAK 5581 Laptop-Klassen

131 1 1992 Österr. HAK Laptop

132 2 1992 Österr. HAK 5583 Meine Freunde

133 2 1992 Österr. HAK Meine Freunde

135 2 1991 Österr. HAK 8844 manche Lehrer, Atmosphäre

137 2 1992 Österr. HAK Arbeitsklima

139 2 1991 Österr. HAK 5580 Management

HAK

Dass man die Matura machen kann

und damit viele Berufe erlernen

141 2 1992 Österr.

5582 kann und studieren kann.

143 2 1992 Österr. HAK 5582 Die Leute in meiner Klasse

145 2 1991 Österr. HAK 5582 Dass sie so hell ist

Die Lehrer sind nett; die Technik ist

147 1 1990 Russland HASCH 5582 modern

HASCH

Das Schulgebäude und fast alle

148 1 1992 SLO

5582 Lehrer kommen gut mit mir aus.

149 Bosnien HASCH 5580 die Cafeteria

150 1 1992 Bosnien HASCH 5582 Die Lehrer

151 2 1992 Bosnien HASCH 5580 Die Lehrer und die Cafeteria

Kroatien- HASCH

Dass sie nicht so schwer ist. Und

152 1 1991 Bosnien

5582 für jedermann zu schaffen.

153 2 1990 Österr. HASCH 5580 Mitschüler

154 2 1992 Österr. HASCH 5580 Nichts, außer manche Lehrer

155 2 1992 Österr. HASCH 8842 Mitschüler

233


156 2 1991 Österr. HASCH Mitschüler

158 2 1991 Österr. HASCH 5591 Interessanter Unterricht

160 2 1988 Österr.

FS St.

Margarethen 5582 Die freundliche Sekretärin

Die technische Ausrüstung und die

FS St.

Unterstützung von zw ei bis drei

162 1 1987 Österr. Margarethen Lehrern.

FS St.

Praktische Anw endung und

163 2 1988 SLO Margarethen

FS St.

5581 Umgang mit ADOBE-Programmen

165 2 1989 Österr. Margarethen

FS St.

5133 Arbeiten mit Apple!

167 1 1987 Österr. Margarethen den Fachbereich

174 2 HS

AHSnichts

176 2 1992 Österr. Unterstufe

HS mit IT-

5581 nichts

177 2 1993 Österr. Schw erpunkt

HS mit IT-

5580 Cafeteria

179 2 1992 Bosnien Schw erpunkt 5580 Die Leute sind cool, Cafeteria

FB-

Geschlecht

m=1 Geb.

Was stört dich besonders an

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule PLZ deiner Schule: Sonstiges

sie ist sehr w eit w eg (Anm. schon in

3 1 1993 Österr. HS 5570 Bezug auf BS)

4 2 1993 Österr. HS 5571 altes Gebäude

HS

Schule ist im sehr schlechten

9 1 1992 Österr.

5571 Zustand

13 1 1993 Österr. HS 5570 Sehr schlechter Zustand der Schule

18 1 1993 Österr. HS Schulgebäude

21 1 1994 Österr. HS 5571 meine 2 Nachbarn

28 1 1994 Österr. HS 5571 sie ist sehr alt

35 1 1993 Österr. HS 5570 nie Fußball

37 2 1994 Österr. HS 5571 Dass sie alt ist.

50 2 1990 Österr. LBS 5580 Unterforderung!

51 2 1990 Österr. LBS 5580 Langw eiliger Unterricht

234


52 2 1990 Österr. LBS 5580 Unterforderung

60 1 1988 Österr. LBS w enig Jungs

63 2 1990 BG Oberst. 5580 Aussehen

72 1 1990 Deutschland BG Oberst. 8861 Konservativer SGA (Lehrer & Eltern)

92 1 1989 Österr. BG Oberst. 5580 Inkompetenz der Lehrer (nicht alle)

95 2 1992 Österr. BG Unterst. 5582 -> grau!

107 2 1993 Österr. BG Unterst 8862 Aussehen des Gebäudes von außen.

Irgendw ie stirbt sie aus - die beste

Lehrerin, Prof. Schw arz, soll

angeblich gehen sollen und viele

117 2 1991 Österr. HAK 8853 Freunde sind sitzen geblieben.

119 1 1991 Österr. HAK

FS St.

8861 Mittw och bis 16.30 Uhr

162 1 1987 Österr. Margarethen

AHS-

Die Ausbeutung der Schüler.

176 2 1992 Österr. Unterstufe 5581 Drogen/Alkohol

235

nichts stört, außer der Farbe außen -

Ge-

Wenn es Probleme an deiner

schlecht

Schule gibt, wie wird damit

FB- m=1 Geb.

umgegangen? Auf sonstige

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule PLZ Weise:

21 1 1994 Österr. HS 5571 ist mir noch nie passiert

HS

Probleme w erden auch von vielen

37 2 1994 Österr.

5571 ignoriert

64 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 eigentlich gar nicht

BG Oberst. Schüler w ollen darüber sprechen -->

(gew isse) Lehrer nehmen es

73 2 1990 Österr.

5580 persönlich

BG Oberst. Gew isse Probleme mit Lehrern

w erden ignoriert, w eil "daran nichts

82 1 1989 Österr.

5580 ändern kann"…

105 1 1993 Österr. BG Unterst. 8863 Gew alt als Lösung

BG Unterst. Lehrer, Schüler und Direktor arbeiten

109 2 1992 Österr.

an einer Lösung des Problems.

110 2 1993 Österr. BG Unterst. 5582 Die Lehrer reden mit den Eltern

117 2 1991 Österr. HAK 8853 es ist noch nichts passiert


FB-

Geschlecht

m=1 Geb.

Was wünscht du dir an deiner

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule Postl. Schule: Sonstiges

keine Aufnahmsprüfung (Anm. schon

3 1 1993 Österr. HS 5570 in Bezug auf BS)

19 1 1994 Österr. HS 5570 Nicht so strenge Lehrer

HS

Die Schule soll endlich saniert

w erden. Sie lasse es schon seit 2

21 1 1994 Österr.

5571 Jahren aufstauen

45 2 1990 Österr. LBS 5570 Lehrer

51 2 1990 Österr. LBS 5580 mehr Pausen

59 2 1989 LBS 5570 Etw as Überdachtes für Raucher

64 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 mehr Sport

65 2 1990 Österr. BG Oberst. 8853 kein Latein, mehr Sport

BG Oberst. größeres Angebot an

Wahlpflichtfächern, evt. mehr

70 1 1990 Österr.

5580 Sprachen.

BG Oberst. Mehr Rechte für Schüler & Mitsprache

72 1 1990 Deutschland

8861 --> Demokratie

BG Oberst. Freifächer, z. B. Theater, Tanz,

73 2 1990 Österr.

5580 Sprachen usw .

BG Oberst. Viel mehr Sprachstunden (es kommt

mir jedenfalls nicht so vor als ob diese

76 1 1990 Ungarn

5580 Schule "sprachorientiert" w äre)

98 2 1992 Österr. BG Unterst. 8863 Mehr Projekte

108 2 1993 Österr. BG Unterst. Pausenhof

BG Unterst. Räume, die kleiner sind als der

Pausenraum, in denen man mit

MitschülerInnen auch nachmittags

109 2 1992 Österr.

gemeinsam lernen kann.

113 1 1993 Österr. BG Unterst. 5582 Teilw eise nettere Lehrer

119 1 1991 Österr. HAK 8861 Nicht 10 Stunden

132 2 1992 Österr. HAK 5583 mehr kreative Fächer

143 2 1992 Österr. HAK 5582 mehr Kreativfächer

einen Aufenthaltsraum, w eil in

unserem Raum kann man nur unten

148 1 1992 SLO HASCH 5582 sein.

236


FB-

Geschlecht

m=1 Geb.

Was wünscht du dir an deiner

Nr. w=2 Jahr Herkunft Schule

HS (ab

Herbst HTL-

PLZ Schule: Wahlfächer

10 1 1992 Österr. Salzburg,) 5571 Spanisch, Französisch, Russisch

16 2 1993 Österr. HS 5570 Turnkurse, Volleyball

65 2 1990 Österr. BG Oberst. 8853 Spanisch

66 2 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Spanisch, Portugiesisch

67 2 1990 Österr. BG Oberst. 5582 Spanisch

68 2 1990 Österr. BG Oberst. 8854 Spanisch

69 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 Kochen, Spanisch

71 2 1990 Österr. BG Oberst. Spanisch

72 1 1990 Deutschland BG Oberst. 8861 Wünsche der Schüler

73 2 1990 Österr. BG Oberst. 5580 Spanisch --> mehr Sprachen

75 1 1990 Österr. BG Oberst. Spanisch, Volleyball

BG Oberst. Bei Ausw ahl kein Problem….aber

jeder Einzelne sollte ein Fach w ählen

76 1 1990 Ungarn

5580 können, das ihm gefällt!

83 1 1989 Österr. BG Oberst. 5580 einfach mehr

84 1 1990 Österr. BG Oberst. 5582 Chor, Theatergruppen

85 2 1990 Österr. BG Oberst. 5571 Spanisch

86 2 1989 Österr. BG Oberst. 5570 Spanisch

90 2 1989 Österr. BG Oberst. 5580 Sport, Kreatives (BE, Chor)

105 1 1993 Österr. BG Unterst. 8863 Werken

mehr Geschichte (politische Bildung

111 1 1993 Österr. BG Unterst. 5582 v. a. w egen Wahlalter 16)

117 2 1991 Österr. HAK 8853 Sprachen!!!! (Sport)

138 2 1991 Österr. HAK 5580 Theater, Bildnerische Erziehung

139 2 1991 Österr. HAK 5580 Bildnerische Erziehung

145 2 1991 Österr. HAK

FS St.

5582 Bildnerische Erziehung, Musik

167 1 1987 Österr. Margarethen

AHS-

Turnen

176 2 1992 Österr. Unterstufe 5581 Werken

FB- Ge- Geb. Herkunft Schule PLZ Geht dir ein Schultyp ab?

237


Nr. schlecht

Jahr