CRUISER im September 2016

cruisermagazin

Gender-Marketing: Wie unser Umfeld uns Geschlechterrollen zuweist. Ausserdem: Die ausführliche Buchrenzension von Sunil Manns neustem Buch, Ellen DeGenres im grossen Interview und...was macht eigentlich "The Nanny" Fran Drescher?

cruiser

DAS

september 2016 CHF 7.50

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SCHWEIZER

GAY-MAGAZIN

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XXX

1

Von Superhelden

und Prinzessinnen.

Wie unser Umfeld uns

Geschlechterrollen

zuweist.

Exklusiv im Interview

Ellen DeGeneres

Gayromeo, Grindr & Co.

Was es für Alternativen gibt

Sunil Mann

Sein neues Buch


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3

Editorial

Liebe Leser

In neuer Frische von der Sommerpause zurück! Wir haben die Sommermonate genutzt, um den

«Cruiser» noch spannender und gehaltvoller zu machen, daher werden wir ab dieser Ausgabe noch

mehr auf fesselnde Reportagen rund ums Gay-Life setzen. Neu sind beispielsweise auch unsere

Buchrezensionen, welche wir ab dieser Ausgabe regelmässig veröffentlichen werden.

Spannend in der Sommerpause war für uns das Interview mit Ellen DeGeneres. Dass die Frau reden kann, wissen wir spätestens

seit ihrer gleichnamigen Talkshow. Dass sie aber auch was zu sagen hat, wird auf Seite 8 deutlich. Ellen ist nicht nur eine

Persönlichkeit, sie hat auch eine. Viel Spass mit dem neuen Cruiser!

Herzlich; Haymo Empl

Chefredaktor

inhalt

4 Thema Gender-Marketing

8 Interview Ellen DeGeneres

11 Kultur Update

12 News National & International

14 Kultur Sunil Mann

16 Kultur Buchrezension

17 Kolumne Mirko!

18 Kolumne Bötschi klatscht

19 News International & National

22 Cruiser bei Männerzone

24 Kolumne Michi Rüegg

26 Serie Sexualität in

Geschichte & Literatur

29 Ratgeber Dr. Gay

30 Kolumne Thommen meint

31 Serie Ikonen von Damals

34 Reportage Begegnung

schwuler Männer

36 Reportage Gay-Cruises

impressum

CRUISER MAGAZIN PRINT

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269 (1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch

Chefredaktor Haymo Empl | Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl

Bildredaktion Haymo Empl, Nicole Senn

Bilder Bilddatenbank. Alle Bilder, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber.

Art Direktion Nicole Senn | www.nicolesenn.ch

Redaktion Print Vinicio Albani, Anne Andresen, Thomas Borgmann, Bruno Bötschi,

Andreas Faessler, Mirko, Moel Maphy, Michi Rüegg, Alain Sorel, Peter Thommen.

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch | Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare

Druck Druckerei Konstanz GmbH

Wasserloses Druckverfahren

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE

empl.media, Haymo Empl

Winterthurerstrasse 76, 8006 Zürich

redaktion@cruisermagazin.ch

Telefon 044 586 00 44 (vormittags)

CRUISER MAGAZIN ONLINE

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Online-Redaktion online@cruisermagazin.ch

Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende

Angaben auf www.cruisermagazin.ch

Der nächste Cruiser erscheint am 7. Oktober

CRUISER september 2016

10:16


4 Thema

Gender-Marketing

Sind wir nicht alle

ein bisschen rosa?

Gender-Marketing macht schon

aus Jungen Superhelden und aus

Mädchen Prinzessinnen. Denn

die Klischees sind so allgegenwärtig,

dass wir sie bewusst kaum

wahrnehmen.

CRUISER september 2016


Thema

Gender-Marketing

5

VON Anne Andresen

S

ein Shampoo fragt ihn: Wie willst du

dich heute fühlen? Und es verspricht,

dass er durch die Dusche die pulsierende

Kraft spüren werde, die in seinem

Körper steckt. Wenn das kein guter Anfang

für einen Tag ist! Mir als Frau hingegen wird

von meinem Shampoo empfohlen, mich zurückzulehnen,

mich zu entspannen und mal

so richtig verwöhnen zu lassen. Auch nicht

schlecht. Aber was, wenn ich heute ein Meeting

habe? Ich fände es schön, würde mein

Shampoo mir auch mal einen Energiekick

verschaffen, aber dann müsste ich zu dem

markant-männlichem Duft greifen. Will ich

aber nicht.

Nun ist es so, dass man meinen könnte,

geschicktes Marketing fängt seine Kunden

da ab, wo es sie erreichen kann. Männer wollen

doch männlich, Frauen weiblich sein –

oder etwa nicht? Stopp: Was bedeutet denn

männlich, was weiblich? Ist es in meine Gene

geschrieben, dass ich mich entspannen will?

Was daraus resultiert, dass ich zur rosa Flasche

gegriffen habe? Ist es so, dass ich Pastelltöne

und Pink bevorzuge? Warum? Noch

Anfang des letzten Jahrhunderts war rosa

die traditionelle Farbe für Buben – bereits

vor einigen Jahren berichteten sowohl «Die

Welt» als auch die «Süddeutsche Zeitung»

darüber. Einmal mehr zeigt das: Auch bei

Geschlechterfragen ist nichts in Stein gemeisselt.

Und doch bemüht man sich allerorts

und besonders in der Werbung penetrant,

gerade die Geschlechtsidentität und

mit ihr bestimmte Eigenschaften und Vorlieben

als naturgegeben zu betrachten. Weil

es sich gut verkauft.

Dank Gender-Marketing weiss er, dass sein Shampoo pulsierende Kraft in ihm wecken wird.

Wo wir schon bei der Natur sind: Es ist

wie mit dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst

da: Das Bedürfnis oder der Slogan? Als

das erste Deodorant verkauft werden sollte –

für Männer wie für Frauen – wurde den Menschen

überhaupt erst bewusst, dass nasse Flecken

unter den Armen unansehnlich sind.

Davor – man glaubt es bei aller Aufregung

um Jogi Löws Achselschweiss bei der Europameisterschaft

kaum – war es völlig ok mit

durchnässten Achseln herumzulaufen, weil

es draussen einfach verdammt heiss war an

diesem Tag. Und nichts schafft es so gut wie

die Werbung, die von ihr in uns geweckten

Bedürfnisse zu Natur zu machen. Bevor es

ein Produkt gab, war mir meist nicht bewusst,

dass ich es brauchen würde – doch als

es dann da war, schien es sonnenklar: Wie

konnte ich all die Jahre mit einem Kugelschreiber

schreiben, der für Männerhände

designt war? (Für alle, die eine Erklärung

wollen, sei Ellen DeGeneres Beitrag zu den

«Bic Pens for women» dazu wärmstens empfohlen.)

Und als ich in einer Frauenzeitschrift

von diesem genialen Werkzeug in

pinkem Blümchendesign erfuhr, da fiel es ➔

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6

Thema

Gender-Marketing

mir wie Schuppen von den Augen warum ich

vordem nie einen Nagel in die Wand geschlagen

hatte. Und doch möchte man einräumen:

Jaja, aber, es gibt doch Unterschiede zwischen

Männern und Frauen im Verhalten, und man

sieht es doch auch tatsächlich schon bei Jungen

und Mädchen. Zunächst einmal kommen

wir alle nackt und mit einem winzig

kleinen Unterschied zur Welt (die meisten

zumindest). Wir bringen ein paar Fähigkeiten

wie schreien, essen und verdauen mit.

Was dann kommt, ist ein Lernprozess. Forscher

unterscheiden deshalb zwischen «sex»,

dem biologischen Geschlecht, und «gender»,

dem sozialen Geschlecht. Ausser dem winzigen

Unterschied ist alles Weitere demnach

nicht Natur, sondern gesellschaftliche Norm.

Und unsere Umwelt ist nun einmal so strukturiert,

dass sie einen grossen Unterschied

zwischen den Geschlechtern macht.

«Du hast aber hübsche Haare,

wie eine Prinzessin!»

jetzt Ärztin geworden!»), wird auch das Intimleben,

das eigentlich zunächst einmal jedem

privat gehört, ganz automatisch vom

Umfeld nach natürlichen Ursachen durchforscht.

Aus unserer Perspektive kopiert

dann nicht etwa das Mädchen Minnie

Mouse’s Pose aus der Müslischale, sondern

es bekommt am nächsten Geburtstag wieder

Minnie Mouse geschenkt, weil diese genauso

ist «wie Mädchen eben so sind». Und wir

vergessen dabei, wie früh wir schon als Kinder

sozialisiert werden.

Das Baby isst dann aus einer Müslischale,

aus der ihm Minnie Mouse in

schüchtern-aufreizender Pose entgegenlächelt,

während bei seinem Geschwisterchen

Spiderman die Milchtasse hochklettert. Es

hört von überall: «Du hast aber hübsche

Haare, wie eine Prinzessin!», während sein

Geschwisterchen fleissig übt, gegen den

Fussball zu treten, den es geschenkt bekommen

hat. Und wenn ein Junge gern mit Puppen

spielt, ertappen sich die Eltern dabei,

wie sie ihm zu Weihnachten eine Werkbank

schenken, damit er das auch mit auf

den Weg bekommt.

Rückblickend betrachtet hört man

über schwule Kollegen dann von Verwandten:

«Ja doch, er war schon als Kind anders,

er hatte so eine blühende Phantasie.» Wie

auch die Berufswahl gerne im Nachhinein

durch frühe Neigungen in der Kindheit glorifiziert

wird («Sie hat schon immer ihre Kuscheltiere

untersucht, kein Wunder, ist sie

Spezielles Werkzeug im Blümchendesign für

Frauen soll ihnen Lust aufs Handwerkern

und aufs Kaufen machen.

CRUISER september 2016


Thema

Gender-Marketing

7

Natürlich sind Menschen unterschiedlich.

Und das Geschlecht ist sicher

ein Faktor, wie viele andere winzige Unterschiede,

die zwischen Menschen bestehen:

Der eine ist eben eher ein Draufgänger,

während der andere ruhig und besonnen

handelt. Das Problem sind nicht allein

die Schubladen, sondern dass diese dann

noch mit allem anderen möglichen

Krimskrams gefüllt werden, der da nicht

hinein gehört: So wird die Jungenschublade

aussen blau angepinselt und mit Spiderman

und anderen Muskelpaketen befüllt,

die ihm sagen: Sei kräftig, sei mutig, sei

draufgängerisch, trau dich etwas. Ist dann

das Fächlein für Schwule einfach aussen

genauso blau, innen aber mit Plüschtieren

und Barbies gefüllt? So einfach kann die

Welt sein. Organisationen wie «pinkstinks»

setzen sich dafür ein, dass Mädchen

und Jungen gleichberechtigt spielen

und aufwachsen können. Dabei geht es

nicht darum, dass jeder Junge gerne mit

Puppen spielen muss, sondern dass er ganz

einfach auch die Möglichkeit dazu bekommt,

das für sich auszuprobieren.

Heute gibt es genug Menschen, die in

keine Kategorie passen wollen und ihrer aufgeräumten

Umwelt damit das Leben schwer

machen: Wohin mit dem Zeug, das in keine

Schublade passt, wenn man sein Oberstübchen

doch nur mit Kommoden ausgestattet

hat? Man könnte entrümpeln und mal vernünftige

Möbel anschaffen, anstatt weitere

Kommoden zu kaufen, auf deren Kästchen

dann bi- ,trans-, cis-, pan- und anderes steht.

Doch solange die Welt aus Schubladen besteht,

muss man wohl wenigstens für diese

erst einmal Aufkleber besorgen.

Es gibt Menschen, die in keine Kategorie passen wollen.

Denn gleichzeitig suchen wir alle nach

unserem Platz in der Welt. Wo Schubladen

und Kategorien fehlen, finden wir keinen

Halt. Wer sind wir denn noch, wenn wir

uns keiner Gruppe mehr zugehörig fühlen

können? Wir definieren uns dann zur Not

einfach selbst: Nicht nur in unserer Sexualität,

sondern auch in unserem Lifestyle:

Wir sind queer, wir sind vegan, wir sind

pansexuell, wir sind analog, statt digital

und wir sind Buddhisten, statt Christen.

Wir sind Frauen, aber Familienernährer

und wir sind Hausmänner. Wir sind Mädchen

und spielen Fussball, wir sind trotzdem

nicht lesbisch. Oder aber wir sind es,

aber das Eine hat mit dem Anderen nichts

zu tun. In etwas hineingeboren zu sein, gilt

nicht mehr – per Definition lässt sich alles

ändern. Bis wir irgendwann feststellen,

dass dies in neuem Durcheinander endet.

Und endlich andere Möbel kaufen, die keine

Schubladen mehr haben. Ein Grossteil

der Menschen rennt aber auch heute noch

in das Spielwarengeschäft Franz Carl Weber,

um dort gefragt zu werden: «Für ä

Bub oder für äs Meitli?» Man antwortet:

«Äh, eigentlich egal, lieber weder rosa noch

blau.» Und entweder der Verkäufer ist ratlos,

weil er nicht weiss, in welche Richtung

er einen schicken soll, oder man bekommt

dann zur Antwort: «Grün und gelb haben

wir nicht.» Ach so.

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8

Interview

Ellen DeGeneres

«Trump ist

ein Rüpel»

Cruiser durfte Pop-Ikone Ellen DeGeneres interviewen. Die Gallionsfigur der

LGBT-Bewegung über Jetlag, Fische, kurze Haare und die aktuelle Politik in

den USA.

Von Team Cruiser

«

Ich glaube, ich habe meinen Jetlag in

diesem Moment überwunden. Bei all

den anderen Journalisten sind mir

fast die Augen zugefallen. Sie haben

Glück!», beginnt Ellen das Gespräch. Eigentlich

sollte DeGeneres ihren Film

«Dory» promoten, welcher in Europa eben

angelaufen ist. Aber sie scheint auch offen

für andere Fragen zu sein.

Irgendwie ist die Situation surreal: Da

sitzt 1000 Kilometer entfernt eine Frau vor

Skype, eine Popkultur-Ikone, eine Frau, die

mit ihrem Coming-Out in den 1990er Jahren

eine Vorreiterin der Lesben- und

Schwulenbewegung war. Eine Frau, deren

Karriere durch dieses Coming-Out massiv

eingebrochen ist und die dann ein grandioses

Comeback gefeiert hat mit einer Talkshow,

deren Einschaltquoten einst «Oprah»

Konkurrenz machten.

Und jetzt, wo Oprah Winfrey Geschichte

ist, ist Ellen wahrscheinlich die

mächtigste Person im Fernsehgeschäft. Ihr

YouTube-Kanal, «Ellen Tube», kann mehr

als 8 Milliarden Zugriffe verzeichnen. Ob

ernst zu nehmende und weniger ernst zu

nehmende Celebrities – alle lieben Ellen

und wollen unbedingt neben ihr auf der

Couch sitzen.

Aber die 58-Jährige ist nun eben auch

auf der Kinoleinwand präsent, als Stimme

von «Dorie», dem liebenswerten Doktorfisch.

Bereits 2003 war «Dorie» beziehungsweise

Ellen der eigentliche Star des Pixar-

Kinohits «Findet Nemo».

Da sitzt nun also Ellen; sie sieht sehr

stylish aus in ihrer knittrigen Paisley-Bluse

und Jeans. Und auch wenn wir eigentlich

über einen Fisch reden (müssen, so wollte

es eigentlich das Management) – letztendlich

schafft es Ellen trotzdem, hoch politisch

zu werden.

CRUISER september 2016


Interview

Ellen DeGeneres

9

ihre Herkunft. Das ist auch eine ganz organische

Weiterführung, denn im ersten Film

ging es ja darum, Nemo zu finden. Jetzt erfahren

wir mehr über sie, wo kommt sie her,

wie wurde sie zu der Person, die sie ist –

hilfsbereit, immer um andere besorgt. In

diesem Film geht es um ihre ganz persönliche

Reise: Wo ist meine Heimat? Warum

bin ich hier? Jeder von uns möchte irgendwo

hingehören, wir möchten wissen, wo

unsere Wurzeln sind, unseren Platz in der

Welt finden. Dorie lernt sehr viel über sich.

Das ist lustig, süss und berührend.

«Eine Frau mit schlecht

geschnittenen Haaren

soll eine Lesbe sein?»

Cruiser: Ellen, warum hat es eigentlich so

lange gedauert, bis eine Fortsetzung von

«Findet Nemo» realisiert wurde?

DEGENERES: Das habe ich mich auch gefragt.

Alle anderen Pixar-Filme bekamen

eine, nur «Nemo» nicht.

Hast du damit gerechnet, deinen eigenen

Film zu kriegen?

DEGENERES: Das habe ich nicht erwartet.

Ich habe nie gross dafür gekämpft – zumindest

nicht öffentlich [sie lacht], nur hinter

den Kulissen. Nein, im Ernst, ich wollte immer

wissen, wie es mit Marlin, Nemo und

Dorie weitergeht, aber ich hätte nie gedacht,

dass es einen Film geben wird, der sich um

Dorie dreht.

Ich finde es toll, dass sich der Film auf

Dorie konzentriert, auf ihre Geschichte,

Der Film erscheint zu einem perfekten Zeitpunkt

– mit allem, was in der Welt gerade

passiert. Wir alle brauchen eine Dosis Dorie.

Wir müssen die Welt mit ihren Augen sehen,

mit diesem staunenden Optimismus. Hat das

die Arbeit an dem Film zu etwas Besonderem

gemacht?

DEGENERES: Absolut, gerade bei allem,

was derzeit passiert, ist ein Film mit einer

positiven Botschaft genau das, was wir brauchen.

Ein Film, der uns alles Schlimme da

draussen vielleicht etwas vergessen lässt.

Wenigsten im Kino …

Dorie ist perfekt. Sie ist optimistisch,

hat keine Vorurteile, sie ist süss, empathisch

und sie hat Freunde, die ganz anders aussehen

als sie selbst. Solche schönen Sachen eben. ➔

CRUISER september 2016


10

Interview

Ellen DeGeneres

Es wurde ja viel über die angeblich schwulen

und oder lesbischen Charaktere in Pixar-

Filmen gesprochen. Wir vom Cruiser haben

das aber nie so wirklich sehen oder spüren

können. Denkst du, dass wir irgendwann

in Zukunft einen «Gay-Charakter» in einem

Pixar-Film sehen?

DEGENERES: Es könnte bereits schwule

Charaktere gegeben haben. «Es könnte» –

wohlgemerkt. Aber ich glaube nicht, dass es

die Frau mit den kurzen Haaren war. Das

war einfach eine Frau mit kurzen Haaren –

und schon behauptete jemand, sie sei lesbisch.

Ich kenne Lesben – und das war keine.

[lacht] Ich denke, ich weiss, wovon ich rede.

Ich habe das zunächst auch nie so gesehen.

Als von dem lesbischen Paar gesprochen

wurde, habe ich mir den Film noch

einmal angeschaut. Und alles was ich sehen

konnte, war eine Frau mit kurzen – schlecht

geschnittenen – Haaren. Ich war echt entsetzt.

Ist es so, wie die Welt Lesben sieht?

Vielleicht waren das einfach zwei Frauen,

die nebeneinandergestanden haben, vielleicht

waren es Freundinnen, vielleicht waren

ihre Ehemänner gerade unterwegs und

haben das getan, was Ehemänner halt so tun.

Ich habe auch Männer gesehen, die beieinanderstanden,

vielleicht waren es schwule

Männer. Ich hoffe nur, dass es in diesen Filmen

viele unterschiedliche Arten von Paaren

gibt und viele unterschiedliche Formen

von Sexualität, sodass alle repräsentiert sind.

Apropos unterschiedliche Formen der

Sexualität: Ellen, wir sind hier in Europa

etwas beunruhigt über Donald Trump. Es ist

ja erschreckend, wie populär er bei euch da

drüben ist.

DEGENERES: Ja, das ist wirklich schockierend.

Was wäre, wenn er Präsident würde?

DEGENERES: Das wäre möglicherweise das

Schlimmste, was unserem Land seit langem

passiert ist. Es wäre eine echte Katastrophe,

wenn ein tyrannischer Rüpel an die Macht

käme. Und genau das ist er, ein tyrannischer

Rüpel, das ist vielleicht ein harter Ausdruck,

aber er ist wahr. Er behauptet, er sagt, was er

denkt, und dass er sich nur gegen Angriffe

und Beschuldigungen verteidigt. Aber das

nehme ich ihm nicht ab. Und ich bezweifle

sehr stark, dass er der nächste Präsident der

Vereinigten Staaten sein wird.

«Dass wir damals Bush

gewählt haben, war

eine unverantwortliche

Dummheit.»

Na ja, das Land hat ja auch Bush gewählt,

oder?

DEGENERES: Das war eine unverantwortliche

Dummheit auf einem ganz anderen Niveau.

Ich glaube nicht, dass die Menschen so

dumm sind und das noch einmal tun. Ich bin

ziemlich sicher, dass die nächste Präsidentin

im Weissen Haus Hillary Clinton heisst.

Die erste lesbische Frau in einem Pixar-Film?

Ellen bezweifelt das.

Und wenn nicht? Er hat ja eine grosse

Anhängerschaft.

DEGENERES: Sie muss gewinnen. So einfach

ist das. Sie muss gewinnen oder wir haben

ein echtes Problem.

Was für eine Präsidentin wäre Hillary? Sie

kennen sie.

DENEGERES: Ich kenne sie nicht sehr gut,

aber soweit ich das sehe, ist sie ideal für den

Job geeignet. Sie hat Erfahrung. Sie weiss viel

und sie ist intelligent. Bill ist übrigens auch

erstaunlich talentiert und clever (lacht).

Würdest du denn für ein politisches Amt

kandidieren? Die Menschen hören dir zu,

du bist für viele ein Vorbild.

DEGENERES: Ich kann mir nichts Schlimmeres

vorstellen. Das wird nie, nie passieren.

© COURTESY OF DISNEY

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KULTUR

Update

11

© COURTESY OF DISNEY

KULTUR

Bob Mizer versüsst uns den Spätsommer

Im Jahr 1945 begann Bob Mizer, stramme

junge Männer am «Muscle Beach» im kalifornischen

Venice zu fotografieren. Im Dezember

des gleichen Jahres gründete er die

Athletic Model Guild, um seine Fotografien

zu vermarkten. Damit begann die Glanzzeit

der sogenannten «physique photography».

Auch vor Mizer gab es bereits Bodybuilder

deutige Schwulenmagazin Amerikas, mit

dem er seine Fotos von heterosexuellen Bodybuildern

einer dankbaren Leserschaft in

aller Welt nahebrachte. Ende der fünfziger

Jahre hatte Mizer über tausend Männer fotografiert

und war vom Strand in ein grosszügig

eingerichtetes Atelier in Los Angeles

umgezogen, wo er seine Modelle mit Rückprojektionen

und Requisiten wie griechischen

Säulen, römischem Kopfschmuck

und dem berühmten Glasgeschirr seiner

Mutter effektvoll nach Hollywood-Manier

in Szene setzte. Im Jahr 1957 brachte er einen

Katalog mit all seinen Männern unter

dem Titel «1000 Model Directory» heraus.

Im Jahr 1968 folgte ein zweiter Band. Die

kleinen 98-Seiten-Büchlein wurden umgehend

zu Sammlerstücken, doch die Fotos –

ein Dutzend je Seite – waren so klein, dass

es ebenso frustrierend wie erregend war, sie

zu betrachten.

Bob Mizer. AMG: 1000 Model Directory. Hrsg.

Dian Hanson. Erschienen im Verlag TASCHEN

als Hardcover in zwei Bänden (im Schuber mit

DVD), 1048 Seiten. ISBN 978-3-8365-5029-1

(Deutsch, Englisch, Französisch). Beispielsweise

bei Orell-Füssli für CHF 94.90

Relaunch der Website schwulengeschichte.ch

Seit einigen Wochen erscheint die Website

schwulengeschichte.ch in neuem Gewand, optisch

und inhaltlich. Damit hat die Website

nach fast sieben Jahren einen völlig neuen

Look bekommen.

Mit Hilfe des neuen und frischen Erscheinungsbildes,

mit der Einbindung von sozialen

Netzwerken, mit der inhaltlichen Erweiterung

und mit neuen Biografien von

Persönlichkeiten der Schweizer Schwulengeschichte

will der Verein nicht nur bisherige

Zielgruppen verstärkt erreichen, sondern auch

eine breitere Öffentlichkeit und vermehrt auch

junge Schwule ansprechen. Dadurch soll das

persönliche und gesellschaftliche Bewusstsein

und Männer, die sie fotografierten, doch die

AMG-Fotos waren anders, unterschwellig

provokant und eindeutig an ein schwules

Publikum gerichtet. Die Kerle waren nicht

gänzlich nackt, aber sie zeigten so viel, wie es

die Gesetze 1945 zuliessen.

1951 hob Mizer das «Physique

Pictorial» aus der Taufe, das erste unzweifür

die Vielfalt an Lebensentwürfen von

Schwulen und für die Entwicklung schwulen

Lebens in der Schweiz geschärft werden. Der

finanzielle Aufwand für die Neuerungen beläuft

sich auf rund 50 000 Franken. Davon

konnten bis jetzt gut 10 Prozent aufgebracht

werden. Die bisherigen ungedeckten Kosten

sind durch ein zinsloses, rückzahlbares Darlehen

gesichert. Will heissen: schwulengeschichte.ch

brauch dringend Geld.

Wie toll die Seiten geworden sind und wie

wichtig die Inhalte, gibt’s unter

www.schwulengeschichte.ch zu sehen.

Dort kann auch direkt gespendet werden.

Kennst du deine Geschichte?

Die Website schwulengeschichte.ch erzählt die Geschichte

der Emanzipation homosexueller Menschen

in der Schweiz. Auf über 1800 Seiten gibt es viel zu

lesen und zu entdecken.

Hilf mit, diese Geschichte fortzuschreiben und lebendig

zu erhalten. Mit deiner Unterstützung können wir

die Webseite weiterführen und erweitern.

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Postcheckkonto: 85-160557-0

IBAN: CH25 0900 CRUISER 0000 8516 september 0557 0 2016

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12

NEWS

National & International

NEWS

Neue «Stop Syphilis»-Kampagne Macho City-Shop wird 30

Noch immer nehmen die Syphilis-Fälle in

der Schweiz kontinuierlich zu. Viele der

bestätigten Meldungen betreffen Männer,

die Sex mit Männern (MSM) haben. Aus

diesem Grund führt die Aids-Hilfe

Schweiz im Oktober 2016 zum vierten Mal

eine Gratis-Syphilis-Testaktion in der

Gay-Community durch. Wir vom Cruiser

weisen schon jetzt darauf hin, damit man

sich rechtzeitig im Oktober einen Termin

frei nehmen kann. Denn: Seit 2006 verzeichnet

die Schweiz einen stetigen Anstieg

der bestätigten Syphilis-Fälle. Im

Jahr 2014 z. B. gingen 1057 Syphilis-

Meldungen ein.

Auch in Deutschland sieht es nicht besser

aus: Syphilis-Infektionen haben 2015 in

Deutschland einen neuen Höchststand erreicht.

Das Berliner Robert Koch-Institut

registrierte 6834 diagnostizierte Fälle. Das

seien 19 Prozent mehr als im Vorjahr (5722

Fälle), heisst es dort im Infektionsepidemiologischen

Jahrbuch des Instituts.

Über die Hälfte davon wurden auf sexuelle

Kontakte unter Männern zurückgeführt.

Frühzeitig erkannt ist Syphilis gut

heilbar. Männer, die Sex mit Männern haben,

sind besonders gefährdet und sollten

sich regelmässig testen lassen. Das geht

schnell, anonym und ist im Oktober bei

ausgewählten Teststellen gratis.

Mehr auf www.aids.ch.

Es ist schon eine Leistung, wenn ein Laden

30 Jahre überlebt. Das funktioniert nur,

wenn dahinter viel Herzblut, Können und

Biss steckt. Der Macho City-Shop hat das

alles und noch mehr. Daher beginnen auch

ab September diverse Aktionen und Festivitäten,

um den runden Geburtstag zu feiern.

Die Machos und die Cruisers sind geschichtlich

miteinander eng verbunden,

denn vor 30 Jahren entstand aus der Not

eine Tugend: Da Markus Christen & Co.

vom Macho in der damaligen Zeit nur

schwer Insertionsmöglichkeiten fanden,

haben die Herren seinerzeit den Cruiser auf

die Beine gestellt. Mehr dazu und ein ausführliches

Gespräch folgt in der Cruiser

Ausgabe «November».

Ikone Bruce Weber dreht Werbefilm für neues Parfum

Dylan Blue heisst der neue Duft aus dem

Hause Versace Pour Homme. Und weil man

mit reinen Geruchsbeschreibungen wenig

anfangen kann, hat Versace Bruce Weber für

den Werbespot verpflichtet. Weber ist international

bekannt für seine Werbekampagnen

für Calvin Klein, Abercrombie & Fitch

oder beispielsweise Ralph Lauren. Bruce

Weber über seine Kampagne: «Ich habe gerade

in letzter Zeit viele Martial Arts-Filme

Das allererste Inserat vom Macho in der

allerersten Cruiser-Ausgabe von 1986.

gesehen. Es scheint, als ob die Akteure ständig

miteinander konkurrieren, sich gegenseitig

immer beweisen wollen (…) Ich dachte,

es wäre doch eine interessante Idee, Fotos

oder auch einen Film über diese Art von Beziehung

zu machen».

Der Duft ist ab sofort im Handel erhältlich, den

heissen Clip gibt’s beispielsweise auf Youtube:

youtu.be/OVO_csTNuqI

STOP

SYPHILIS

IM OKTOBER ZUM GRATISTEST

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Für Männer, die Sex mit Männern haben

Vom 1. bis 31. Oktober 2016

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CRUISER september 2016


NEWS

National & International

13

Start Up sagt den grossen

Klingenherstellern den

Kampf an

Beinahe jeden von uns hat schon mal der

Schlag getroffen. Nämlich immer dann,

wenn es darum geht, Ersatzklingen für

einen Markenrasierer zu kaufen. Gut 20

Franken kosten beim Grossverteiler acht

Stück der Gillette-Mach-3-Klingen, jene

des Modells Fusion Pro Glide mit fünf

Klingen rund 40 Franken.

Als Konsument blieb und bleibt einem

also nichts anderes übrig, als die teueren

Produkte zu kaufen. Webshops wie der von

Shavemaster gehen aber nun einen anderen

Weg. «Shavemaster»- Gründer Thomas

Gmünder hat monatelang diverse Klingenhersteller

kontaktiert und rasiert, was das

Zeug hält. Gmünder: 20 «Freiwillige» testeten

die Dinger einen Monat lang. Und eindeutig

gewonnen hat dann die zukünftige

Shavemasterklinge.

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14

Kultur

Sunil Mann

Von eifrigen Detektiven und frechen

Schutzengeln

Er nimmt’s im Leben

gerne gemütlich und

mag’s harmonisch.

Aber wenn es ums

Schreiben geht, brennt

in ihm der pure Ehrgeiz.

Sunil Mann ist unter

anderem mehrfach ausgezeichneter

Krimiautor

aus Zürich und legt die

Handlungen im Milieu

fest, in dem er selbst

viele Jahre gelebt hat.

© Andreas Faessler

Von Andreas Faessler

N

ein, wie ein bodenständiger Berner

Oberländer sieht Sunil Mann nicht

aus. Der Buchautor klingt auch nicht

so, aber er kann. Und das nicht zu knapp.

Sunils Eltern waren aus Indien in die Schweiz

gezogen und haben sich im Kanton Bern niedergelassen.

Geboren ist Sunil in Zweisimmen

und aufgewachsen in Spiez am Thunersee.

Doch ist der urchige Oberländer-Dialekt

schon lange abgeebbt – der heute 44-Jährige

lebt seit bald drei Jahrzehnten in Zürich. Am

Kreuzplatz im Kreis 8 teilt er sich mit seinem

Partner Piero, mit dem er seit sechs Jahren liiert

ist, eine Wohnung. Zuvor hatte Sunil

knapp 20 Jahre im Chreis Cheib verbracht, hat

die Zürcher Club- und Gay-Szene in ihrer

Hochblüte miterlebt oder besser gesagt mitgemacht.

Viele Zürcher, die heute in ihren 30ern

und 40ern sind, erinnern sich noch lebhaft an

die Laby- oder Aera-Zeiten. So auch Sunil.

«Ich bin froh, dass ich Zürich noch so erlebt

habe. Damals war hier einiges los.» Aus den

Erfahrungen dieser Lebensphase schöpft

Sunil immer wieder gerne für sein leidenschaftliches

Hobby, das zugleich Berufung

Erfolgs-Autor Sunil Mann über den Dächern von Zürich im Kreis 4.

und Beruf ist: Der ambitionierte Schriftsteller

lässt seine Geschichten fast immer ausgehend

vom Kreis 4 spielen. Figuren, Orte, Handlungen,

ja gar subtile Feinheiten sind häufig von

seiner Zeit im Langstrassenquartier inspiriert.

Der Raum, den er braucht

Doch erstmal von vorn: Seine Liebe zum

Schreiben scheint Sunil direkt in die Wiege

geplumpst zu sein – selbstredend wurde es

zu seinem stärksten und meistgeliebten

Schulfach. Seine begonnenen Studien in Zürich

nach der Matura brach Sunil schnell

wieder ab, doch um nicht ohne Abschluss zu

bleiben, absolvierte er die Belvoirpark-Hotelfachschule.

Doch ein Beruf im Gastgewerbe

oder in einem Hotelbetrieb stand für ihn

weitgehend ausser Frage – wie sollte ihm so

ein Job das ausgiebige Schreiben ermöglichen,

dem er sich bereits seit seiner Mittelschulzeit

in Interlaken verschrieben hatte?

Eine passende Zweitbeschäftigung

fand Sunil bei der Swiss als Cabin Crew

Member. Die langen Pausen zwischen den

Flugsegmenten und auch die Aufenthalte an

den Destinationen gewährten ihm von Anfang

an den Raum, den er für seine Passion

als Schriftsteller benötigt. «Wenn es nämlich

ums Schreiben geht, dann bin ich richtig

ehrgeizig», betont Sunil, der sich sonst

als gemütlichen Typ beschreibt, welcher

sein Leben lieber auf einem «Easy going»-

Level hält und gelegentlich manche Dinge

mit einer eher laschen Haltung angeht – das

Schreiben wohlbemerkt ausgenommen.

Sunil selbst zeichnet gar das Bild eines

Lebensstils, der zumindest vordergründig

unaufgeregt klingt, beschreibt seine solide

Beziehung, bei der beide fest im Leben stehen

und ihren Jobs nachgehen. «Das klingt

vielleicht etwas langweilig», schmunzelt er.

«Aber es stimmt für uns beide genau so,

CRUISER september 2016


Kultur

Sunil Mann

15

© Andreas Faessler

wie’s ist.» Wir erinnern uns: Seine Zürcher

Partyzeit hat er eh hinter sich gelassen, «je

ne regrette rien», und das sei gut so, sagt er

dazu. Ihm bleibt jetzt auch im Privatleben

der Raum, den er braucht, um zu schreiben.

Und wenn mal wieder eine Story fertig ist,

so ist sein Freund Piero der erste, der sie zu

lesen kriegt. «Er muss, ob er will oder

nicht», sagt Sunil und grinst. «Piero dürfte

allerdings manchmal ruhig etwas kritischer

sein», findet er.

Den Chreis Cheib abgebildet

Wer Sunil Mann schon gelesen hat, weiss,

worum es in seinen Geschichten geht. Sein

«Steckenpferd» – wenn man es denn so nennen

will – ist eine Krimireihe mit dem indischstämmigen

Privatdetektiv Vijay als

Protagonisten, der seine Detektei selbstverständlich

im Kreis 4 hat. Und hier laufen alle

Handlungsstränge immer wieder zusammen,

selbst wenn die Exkurse bis nach Indien

reichen. Üblicherweise läuft alles ohne

blutige Horrorszenarien und brachiale Gewalt

ab. Oft spielt der Autor mit süffiger Witzigkeit,

Schalk und Sarkasmus. Landläufige

Vorurteile und Klischees werden bewusst

bedient oder auch entkräftet.

«Der Kreis 4 eignet sich natürlich bestens

als Schauplatz für Kriminalgeschichten.

Die sozialen Strukturen sind hier besonders

ausgeprägt, Kulturen aus aller Welt leben

hier nebeneinander. Ich habe sehr gerne hier

gewohnt.» So erkennt der Leser in den Schilderungen

auch viele Lokale und Schauplätze,

ja gar real existierende Figuren. So beispielsweise

die Männerzone an der

Kernstrasse. Der Laden heisst natürlich anders

im Buch, und auch aus dem Inhaber

Melchior wird kurzerhand ein Balthasar.

Doch jeder, der hier schon mal war, erkennt

die Männerzone sofort. Sunils Kriminalromane

geben ein authentisches Abbild des

Zürcher Stadtkreises 4 und der dortigen

kunterbunten gesellschaftlichen Verhältnisse,

dabei berücksichtigt er gar deren Wandel

in den letzten Jahren.

Naturgegeben vermittelt Sunil Mann

den multikulturellen Hintergrund der

Hauptfigur besonders glaubhaft. «Allerdings

ist Vijay fünf Jahre jünger als ich», sagt Sunil

mit grossem Augenzwinkern. Den ersten

Vijay-Kriminalroman «Fangschuss» brachte

Sunil Mann 2010 auf den Markt. Ein Volltreffer

– er bedeutete seinen Durchbruch.

Jährlich folgte ein weiteres Buch mit Vijays

aufregenden Fällen, jeweils vom Dortmunder

Grafit-Verlag herausgegeben. Nun liegt

mit «Schattenschnitt» der sechste Teil dieser

Romanreihe vor (siehe Rezension auf Seite 16).

«Dass das Vorbild der Figur

Vijay sein Schöpfer selbst

ist, liegt auf der Hand.»

Ein Kinderbuch-Debut

Probiert habe er in seiner Autorenlaufbahn

bereits alle erdenklichen Stilrichtungen,

sagt Sunil, «doch das Krimi-Genre liegt mir

einfach», zieht er den Schluss. Auch werde

er die Bücherreihe mit Vijay für unbestimmte

Zeit weiterführen. Sein Ziel: jährlich

eine neue Ausgabe. «Ich brauche einen

gewissen Druck, der mich vorantreibt.» Er

wolle dauernd gefordert sein. «Also, jedenfalls

wenn es ums Schreiben geht», präzisiert

er.

Doch sich einzig Vijays Abenteuern

zu widmen, wäre irgendwann selbst einem

leidenschaftlichen Krimiautoren wie Sunil

Mann zu eintönig. Fast zeitgleich mit

«Schattenschnitt» erscheint Manns erstes

Kinderbuch. Auch wenn er selbst keine

möchte – «ich habe Kinder gerne», sagt der

44-Jährige. «In meiner Familie gibt es Kinder.

Und in mir selbst steckt auch eins. Das

habe ich jetzt ausgegraben.» Dieses bei

Orell-Füssli erscheinende Kinderbuch ist

Manns Erstling dieser Art. Es handelt von

einem frechen Schutzengel, der lernen

muss, wie man Verantwortung übernimmt.

«Ich bin sehr gespannt, wie es ankommt»,

sagt Sunil. Und wer weiss, vielleicht gibt es

dereinst gar einen Familienroman von

Sunil Mann. «Sowas kann ich mir nämlich

durchaus vorstellen. Dicke Bücher für ältere

Frauen.» Denn erstaunlicherweise fänden

sich bei seinen Lesungen jeweils auffallend

viele Damen reifen Alters. Ob’s

wirklich an seinen Büchern liegt oder einfach

an seiner sympathischen Ausstrahlung

und seinem Charme?

Jetzt aber stehen erstmal mehrere

Lesungen aus «Schattenschnitt» auf dem

Programm. In Berlin, Hamburg und Frankfurt.

«Ich möchte noch mehr Fuss fassen in

Deutschland», sagt Sunil zuversichtlich.

Schattenschnitt ist ab sofort im Handel

erhältlich. Cruiser verlost sechs Exemplare

auf www.cruisermagazin.ch

Eine ausführliche Buchkritik gibt’s auf der Seite 8.

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CRUISER september 2016


16

Kultur

Buchrezension

Weniger ist manchmal

mehr

Von Birgit Kawohl

M

it «Schattenschnitt» legt Sunil

Mann im August 2016 bereits seinen

sechsten Roman um seinen

sympathischen Protagonisten Vijay Kumar

vor. (Siehe Artikel auf Seite 15) Sunil Mann,

in dessen Adern ebenso indisches Blut fliesst

wie in denen seines Helden, hat sich dieses

Mal viel vorgenommen, zu viel vielleicht?

Zur Story: Vijay, bei dem es im Privaten

zur Zeit nicht optimal läuft – sein dementer

Vater kann von seiner Mutter nicht mehr zu

Hause versorgt werden und muss in ein Zürcher

Pflegeheim, die Beziehung zu seiner

Freundin Manju scheint sich auf einem Tiefpunkt

zu befinden – stolpert einmal mehr

über ein Verbrechen und somit über einen

neuen Fall. Bei der auf offener Strasse Überfallenen

handelt es sich um die Filmemacherin

Pina Gilardi, die offenbar für einen Dokumentarfilm

ein zu heisses Eisen angefasst hat.

Nach und nach stossen der Privatdetektiv,

unterstützt von seinem Freund, dem Journalisten

José, und Miranda, seiner brasilianischen

Freundin, in die Untiefen eines Medikamentenskandals,

der seine Kreise von Zürich

bis nach Indien zieht. So weit, so gut.

«Einmal mehr gelingt es

Sunil Mann, das LGBT*-Milieu

Zürichs, insbesondere

des Kreis 4, in seinen

vielen Facetten lebendig

darzustellen.»

Einmal mehr gelingt es Sunil Mann,

das LGBT*-Milieu Zürichs, insbesondere

des Kreis 4, in seinen vielen Facetten lebendig

darzustellen. Trotzdem hat man als Leser

schnell das Gefühl der Überfrachtung,

denn nicht nur, dass die Tote natürlich in

einer lesbischen Beziehung lebt, nein, selbst

bei seinem Ausflug nach Indien trifft Kumar

auf seine Cousine, die seine Mutter als

CRUISER september 2016

Ehefrau für ihn auserkoren hat, und diese

Cousine ist, tatarata: lesbisch, wagt dies

aber nicht ihren Eltern zu sagen und ist somit

heilfroh, dass Vijay nicht an ihr interessiert

ist.

Überhaupt der Trip nach Indien. Kumar

hält es für dringend notwendig, sich die

Orte, an denen die Tote recherchiert hat,

selbst anzusehen und fliegt dafür kurzfristig

nach Indien. Das gelingt ihm allerdings nur,

weil die Tochter der Angestellten der Botschaft

in Bern ein riesiger Fan von ihm ist.

Eines Zürcher Detektivs, der in einem winzigen

Büro hockt, das er zudem noch mit

seiner Freundin als Wohnung nutzt?

Den Hintergrund für die ganze Geschichte

bilden übrigens die Hijras, das so

genannte dritte Geschlecht in Indien. Hiermit

greift Mann einmal mehr und sehr folgerichtig

ein Thema der Gesellschaftspolitik

auf. Aber muss er dafür so grosse Kreise

ziehen? Den meisten Lesern wird es bekannt

sein, dass es in jeder Gesellschaft

Ausgrenzungen von andersartigen und

speziellen Lebens- und Daseinsformen gibt.

Dass dies in Ländern, die zum Teil noch

durch sehr strenge gesellschaftlichen Regularien

bestimmt sind, wie zum Beispiel Indien

mit seinem weiterhin existenten Kastensystem,

zu teilweise lebensbedrohenden

Diskriminierungen führt, ist sicherlich

auch kein Geheimnis. Eine Verknüpfung

von Pharmaskandal und dem Schicksal der

Hijras, gepaart mit aufklärerischen Ansprüchen,

nimmt dem Roman leider einen

Grossteil der Leichtigkeit, die man sonst

von Sunil Manns Romanen gewohnt ist. Es

ist sicherlich etwas Ehrenwertes, sich um

die Rechte von Unterdrückten zu kümmern

und ihnen eine Plattform zu geben. Dies ist

allerdings nicht unbedingt das, was – vor

allem in diesem Umfang – der Leser von

einem Kriminalroman erwartet.

Fazit: Der Roman hält den Ansprüchen

stand, wenn es um die Schilderungen

des Zürcher Milieus geht. Er ist sicherlich

auch gut recherchiert, was die Hintergrundgeschichte

angeht. Insgesamt wirkt

das Ganze aber durch das Aufgreifen zu

vieler relevanter Themen (HIV-Positive,

medizinische Versuche, Übergriff auf eine

Lesbe, Hijras, indische Mafia) zu konstruiert

und unglaubwürdig. Das ist schade,

denn an vielen Stellen, z. B. als es um die

Schilderung der Schwierigkeiten des Vaters

im Heim geht oder auch bei der Beschreibung

der ziemlich abgefuckten, aber immer

interessanten Randgestalten im Kreis 4,

gelingt es Mann, den Leser auf eine kurzweilige

Art zu unterhalten.

Buchtipp

Sunil Mann: Schattenschnitt. Ca. CHF 15.90

(Kindle-Edition: 9,99 €). 320 Seiten.

ISBN 9783894254766.

Cruiser verlost sechs Bücher; Alle Infos

auf www.cruisermagazin.ch


KOLUMNE

Mirko!

17

Ich heisse Mirko und ich bleib

no nes bitzli!

Mirko ist der neue Cruiser-Kolumnist.

Temperamentvoll, direkt und – nun ja:

aus Dietikon.

VON Mirko

D

a les ich, dass die Schweizer voll auf

Balkan-Sound abfahren, und ich

denke: Hab’ ich was verpasst? Ja,

war cool, dass an der Pride Züri eüsi DJ

Countessa auf dem Wagen von #undetectable

für die Balkanbeats sorgte. Die Frau kann

öppis. Ha. Übrigens habe ich am Anfang

schon ein bisschen schräg geschaut wegen

dem #undetectable. Aber denn hanis

tschecket. Die Message war ja nicht zu

übersehen und eüse Sound ned züberhöre.

Da haben auch noch einige gelernt, was

Spass macht.

Wenn wir schon dabei sind: Ich habe

also begriffen, Positive ausgrenzen geht gar

nicht, schon alleine weil’s einfach keinen

Sinn macht. Aber vom Ausgegrenztsein

weiss ich auch etwas. Die blöden Witze über

die Trainerhosen der Jugos damals, als ich

noch Kind war und die Schweizer alle in

Schwarz rumliefen und sich supercool fanden,

das habe ich schon noch nicht vergessen.

Gerade darum dachte ich, als ich das las,

wie geil die Schweizer auf Balkan-Sound

sind: Habe ich etwas verpasst? Dann kam

das Züri Fäscht und ich hörte das Jammern

von ein paar Schwulen, dass sie auf der Strasse

dumm angemacht worden seien. Und ich

hörte die Kommentare und da waren sie wieder,

man schimpfte über die Jugos und die

Agglo. Am Züri Fäscht seien sowieso nur die

«Nicht jeder, der dich

anlacht, findet dich toll.»

und die seien halt hinterm Mond und pöbelten

rum. Als ob das so einfach wäre. Ich

arbeite im Büro, meine Mutter arbeitet an

der Kasse im Migros und mein Vater hat ein

Hauswartsbetrieb. Aber bei uns sagen die

Menschen noch, was sie denken. Ich höre

die Sachen noch tagtäglich, die die anderen

da schiints nur am Züri Fäscht hören. Das

geht voll ab. Und weglose kann ich nicht.

Ich bin mittendrin. Das ist mein Leben.

Real Life, äbe. Ich schau’ auch drauf, dass

an der Arbeit und zuhause nicht zu viel von

meinem Freizeitvergnügen mit andern

Jungs bekannt wird. Und das sind sicher

nöd nur Jugos, chasch mir glaube! Ja, ich

fahr’ jeden Abend in die Agglo. In der Stadt

kann ich mir nichts leisten. Also, tschecksch

ou öppis? Es ist nämlich ziemlich spiessig

und protzig, wenn ihr über die Agglo

schimpft. Das nur näbebii. Was ich hier

loswerden wollte: Es ist nicht alles nur

superschön und supernett. Nicht jeder, der

dich anlacht, findet dich toll. Nur weil er

nicht sagt, was er über dich denkt, heisst

das noch lange nicht, dass er dich mag. Und

nur weil alle deine Facebook-Freunde jeden

Mist liken, den du postest, heisst das noch

nicht, dass die Welt so denkt wie du. Ich

find’s gut, dass ich noch live höre, wie andere

denken. Dann bleib ich wach.

Ach, wer ich bin? Ich heisse Mirko, lebe

bei meinen Eltern in Dietikon und bin gerne

hier, gerne in Dietikon und gerne in Züri mit

euch. Den Rest verzell ich euch in den nächsten

Monaten. Denn ich glaube, ich bleibe

noch ein bisschen hier im Cruiser!

CRUISER september 2016


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KOLUMNE

Bötschi klatscht

Lesben sind

doof

Lesben sind doof, wird oft behauptet. Sogar

die Lesben selber sagen es. Bleibt die Frage:

Warum ist das so?

VON BRUNO BÖTSCHI

V

or ein paar Wochen war ich zu einer

Lesben-Party eingeladen. Ich traf

wunderbare Freundinnen, coole

Frauen, einen hässigen Boxer und zwei, drei

giftige Blicke. Wir tanzten die halbe Nacht.

Das Verhältnis zwischen Lesben und

Schwulen war noch nie so entspannt wie

heute. Trotzdem wurde ich vor der Party

ausdrücklich gewarnt, was dort alles Schlimmes

passieren könne. Ha, die Lesben bekommen

sich immer irgendwann in die Haare.

Mir wollte das nicht mehr aus dem

Kopf gehen. Hetis reden schlecht über Lesben.

Schwule reden schlecht über Lesben.

Lesben reden schlecht über Lesben. Irgendwann

wurde ich hässig und fing an zu

recherchieren. Im Internet fand ich folgenden

Text:

«Lesben sind doof, unsozial, tauchen

aber trotzdem ausschliesslich in Gruppen ab

zehn auf, motzen nur rum, ziehen sich hässlich

an, haben wahlweise hässliche Frisuren

oder gar keine …

…und humorlos sind Lesben auch.

Trotzdem lachen sie sehr laut. Und auch

sonst sind sie laut und ungehobelt. Manieren

haben sie nicht …»

Während ich den Blogeintrag mit dem

Titel «Lesben sind doof» las, fuhr es mir kalt

den Rücken hinunter. Vorurteil reihte sich

an Vorurteil:

«…Lesben lieben Tiere mehr als Menschen.

Vor allem finden sie Menschen doof,

die keine Lesben sind und sich weigern, wel-

CRUISER september 2016

che zu werden. Lesben haben bei allen möglichen

Themen einen Beissreflex …

…Ich weiss gar nicht, warum ich mich

mit denen überhaupt abgebe und beschäftige.

Ach so, bin auch eine. Hm. Scheisse. Und nun?»

Ja, was nun? – Wir sind weiter als vor

30 Jahren. Viele Menschen haben aber immer

noch Vorurteile im Kopf – gegenüber Lesben

sowieso. Lea DeLaria, lesbischer Star der

TV-Serie «Orange Is the New Black», sagte im

«Spiegel»: «Sexualität hat damit zu tun, wer

wir sind. Und wenn das fremd erscheint oder

anders, ist es bedrohlich.»

«Lesben und Schwule

müssen bis heute gegen

Vorurteile und

Diskriminierung ankämpfen.»

Vorurteile sind bequem. Wenn wir Menschen

begegnen, die uns auf den ersten Blick

fremd erscheinen, macht uns das unsicher. Mit

Vorurteilen lässt sich das überspielen.

Lesben und Schwule müssen bis heute

gegen Vorurteile und Diskriminierung ankämpfen.

Wir dürfen vieles nicht, was für

Heteros Alltag ist. Das Kind der Partnerin/

des Partners dürfen wir nicht adoptieren.

Wer als Schwuler Blut spenden will, muss

beweisen, dass er ein Jahr lang wie ein

Mönch gelebt hat. Händchen halten wird

Lesben und Schwulen – sogar in Zürich –

nicht ohne vorhergehendes Prüfen der Umgebung

empfohlen.

Jetzt könnte man vielleicht glauben,

wer weiss, wie sich Diskriminierung anfühlt,

habe weniger Vorurteile. Stimmt aber

nicht. Dass Minderheiten gegen Minderheiten

mit Schuhen treten, ist nichts Neues.

«Wir denken nicht im Traum daran,

Homosexualität als etwas Normales zu akzeptieren»,

sagte die deutsche Fernsehmoderatorin

und lesbische Feministin

Bettina Böttinger kürzlich im «Stern».

Und das Schreckliche: Hetis akzeptieren

es nicht, aber auch viele Lesben und

Schwulen tun es nicht.

Schwule machen Lesben nieder. Lesben

motzen über Lesben, Lesben über

Schwule. Mich macht das traurig. Gopferdorri!

Warum machen wir uns das Leben

gegenseitig schwer? Warum ignorieren wir

unsere Belange?

Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, dass

ich künftig lautstark ausrufen werde, wenn

wieder irgendjemand über diese ach so doofen

Lesben motzt. Und wenn die Person danach

immer noch keine Ruhe geben will, werde

ich sie niederschreien. Lesben sind cool.

www.brunoboetschi.ch

Der ganzen Text «Lesben sind doof» kann auf der

Blogseite www.schrankgeschichten.wordpress.com

nachgelesen werden.


NEWS

National & International

19

NEWS

Picknick-Erlebnis in Zürich

Wir vom Cruiser fanden die Idee noch witzig

und daher stellen wir sie vor:

Sei es zum Hochzeitstag, Heiratsantrag

oder als einzigartiges Geschenk – das

stilvolle Butler-Picknick am Zürichsee lässt

Männerherzen garantiert höherschlagen.

Und so funktioniert es: Ein professioneller

Butler chauffiert die Gäste in der Limousine

an ihren Wunschort am Zürichsee. Während

diese einen Champagner-Apéro mit

Amuse-Bouche geniessen, schafft er ein

stimmungsvolles Ambiente. (Wie das genau

aussieht, ist dann Sache des Butlers,

aber er lässt sich natürlich auch von euch

inspirieren …)

Aus dem Picknickkorb zaubert der

Butler exquisite Köstlichkeiten aus dem Restaurant

Opera wie etwa ein Duo von Morchel-

und Gemüseterrine serviert mit Chutney

oder schottischen Rauchlachs mit

Meerrettich auf Pumpernickelbrot. Das hat

schon beinahe etwas Königliches, finden

wir. Denn: Stets in der Nähe, jedoch mit der

Diskretion eines Royal Guards, erfüllt der

persönliche Bedienstete während des Picknicks

jeden Wunsch und sorgt für ein unvergleichlich

romantisches Sommererlebnis.

Billig ist das alles natürlich nicht

(ab CHF 495.– für zwei Personen), aber

einzigartig und originell. Das Angebot gibt’s

noch bis Ende September. Weitere unter

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CRUISER september 2016


20 NEWS

National & International

Maskennacht im «Renos Relax»

Manche mögen es gerne unerkannt; dies

kann einen besonderen Reiz haben. Im

«Renos Zürich» fallen am 5. Oktober die

Hüllen - dafür werden Masken übergezogen.

Nicht die venezianischen Firlefanzmasken,

wie man sie beispielsweise aus dem Film

«Eyes Wide Shut» sondern die praktischen

Staubmützen.

Also die, die auch gerne bei Banküberfällen

getragen werden. Soweit wird es aber

nicht kommen, im Gegenteil: Man darf eine

sehr entspannende Atmosphäre erwarten.

Ab 18.00 Uhr geht’s los und wie schon

in anderen Jahren zuvor wird Wert aufs Ambiente

gelegt.

Maske ist Pflicht, ergo herrscht an diesem

Abend auch kein regulärer Saunabetrieb. Wer

keine Maske hat, kann diese am Empfang

beziehen. Zusätzlich wird die ganze Sauna

noch verdunkelt, damit sich alle, die wollen,

auch ohne Handtuch bewegen können.

Übrigens: man kann sich auch direkt finden

und via Webseite von Renos einen Termin über

doodle abmachen. So geht das Erkennen –

wenn man denn will – auch mit Maske etwas

leichter.

Renos Relax, Kernstrasse 57, 8004 Zürich

www.renos-relax.ch

Mittwoch

5. Oktober

18 - 24 Uhr

Maske ist Pflicht ab 18 Uhr

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NEWS

National & International

21

Wonderworld Club Edition Vol. 3

Bereits zum dritten Mal präsentiert das

Wonderworld-Team seine Partyreihe

Club-Edition in der alten Kaserne in

Zürich.

Die DJ’s Ambient P., Vasco und Bobby

Bellai sorgen dabei mit ihren Beats für

den passenden Sound. Mit einem perfekten

Mix aus Progressive, Techhouse und

Tribalhouse heizen sie das Partyvolk

mächtig auf und bringen die Tanzfläche

zum Kochen.

Eine grandiose Lichtshow, umwerfende

Deko und heisse Tänzer kompletieren

das Party-Erlebnis.

Wonderworld am 24. Sept. in der alten Kaserne.

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CO_P

22

Cruiser zu Besuch bei …

Männerzone

Die Zeiten ändern sich, die

Bedürfnisse nicht

Die Männerzone ist längst eine Institution in Zürich geworden. Aber wer steckt

eigentlich dahinter? Cruiser wollte mehr wissen.

Von Team Cruiser in Zusammenarbeit mit «Männerzone»

S

eit 2003 wird die Erfolgsgeschichte

der «Männerzone» geschrieben. Betritt

man den Laden an der Kernstrasse

in Zürich, fällt einem sofort das enorme

Sortiment auf, aber auch die gute Laune von

Pius und/oder Melchior. Die beiden sind die

Seele der «Männerzone» und betreiben den

Laden und die gleichnamige Bar mit einer

Leichtigkeit, die unangestrengt und natürlich

wirkt. Aber dahinter steht ein hartes

Stück Arbeit. «Wir hatten so um 2002 die

Idee einer neuen Bar. Der legendäre «Barfüsser»

wurde damals wegen Umbau geschlossen

und es entstand eine Art Vakuum für

das Stammpublikum des «Barfüsser», erinnert

sich Melchior. Und Pius ergänzt: «Es

sollte eigentlich nichts Grosses sein, einfach

was Gemütliches für Freunde und Bekannte.»

Es wurden aber schnell mehr als nur ein

paar «Freunde und Bekannte» und: man

hatte damals keine Bewilligung für einen

kommerziellen Barbetrieb. «Das wurde

dann im Sommer zum Problem, denn es

wurden einerseits immer mehr Leute, andererseits

standen diese an den warmen Tagen

auf der Strasse. Und im Kreis 4 kann man

einen solchen Betrieb sowieso nicht lange

geheim halten», so Melchior weiter. Ergo war

man schnell auf der Suche nach einer neuen

Lokalität – die Kombi «Laden und Bar»

wollte man beibehalten – grösser sollte es

sein. Und eben: legal.

«Man wählte uns aus über 20 Bewerbern

für ein neues Lokal aus», erinnert sich

Melchior. Der Rest ist schnell erzählt – die

«Männerzone» wurde ein Erfolg; so sehr,

dass das damalige Trio Melchior, Pius und

Andy überrollt wurden. Schnell war der Barbetrieb

aus dem Zürcher Nightlife nicht

CRUISER september 2016

mehr wegzudenken. Und auch das Sortiment

des Ladens konnte sich etablieren.

Kommerziell wichtiger ist denn auch der

Shop: «Wir sind bei der Bar immer noch

enorm günstig, ein Bier kostet in der

«Männerzone»-Bar CHF 5.50. Es müssen

also sehr viele Getränke verkauft werden,

damit sich der Aufwand lohnt.» Gut also,

«Wir wurden vom Erfolg der

Männerzone überrollt.»

dass der «Männerzone»-Shop nach wie vor

ein Hotspot ist. Woran liegt das? Die Antwort

wird beim Cruiser -Besuch gerade nonverbal

von Pius geliefert: Ein Paar interessiert

sich für ein Leder-Outfit und probiert

dieses an. Pius bringt den beiden charmant

aber bestimmt bei, dass eine Nummer grösser

wohl besser wäre. «Und das ist genau der

Unterschied zum Online-Shopping: Viele

Kleider und Outfits müssen einfach anprobiert

werden», sagt Melchior. «Es gibt

manchmal Kunden, die zielstrebig auf die

Kleidergrösse «S» zusteuern. Wir müssen

dann eingreifen, weil wir ja wollen, dass sich

der Kunde in unseren Outfits wohlfühlt und

gut aussieht. Da kommt Melchior letztendlich

auch seine Tätigkeit im Bereich «Mode»

zugute; er war vor seinem Leben in der

«Männerzone» nämlich einst bei einem Herrenmodeausstatter

tätig. Apropos Mode:

Wer setzt denn eigentlich die Trends? «Der

Markt an sich ist ja eher klein. Daher können

Pius und Melchior vor ihrem Shop an

der Kernstrasse.

unsere Lieferanten auch auf unsere Inputs

reagieren, die wir wiederum teilweise von

den Kunden erhalten.» Ausserdem würde

man sich dann und wann auch auf Messen

inspirieren lassen, fügt Pius an.

Während des Gesprächs mit dem Cruiser

in der Männerzone fällt auf, wie viele

Kunden Pius und Melchior beim Namen

kennen (und umgekehrt) – in vielen Fällen

herrscht beinahe eine gewisse Vertrautheit.

In der «Männerzone» werden Fetischartikel

verkauft, das hat notabene etwas Intimes.

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Cruiser zu Besuch bei …

Männerzone

23

«Sexualität ist etwas sehr Persönliches, oft

hören wir natürlich auch, was im Schlafzimmer

oder wo auch immer läuft. Oder

eben nicht. Daher gilt bei uns quasi schon

fast ein ärztliches Schweigegelübde», sagt

Pius. Und Melchior ergänzt: «Was in der

«Männerzone» passiert, bleibt in der

«Männerzone».» Früher gab es in Zürich

für sämtliche Vorlieben Treffpunkte und

entsprechende Partys. Heute ist das anders:

Gleichgesinnte finden sich in Internetforen,

Dates werden online vereinbart. Stirbt die

Fetischszene aus? «Wir beobachten, dass

sich die Vorlieben etwas geändert haben»,

sagt Melchior. «Früher kaufte man sich

beispielsweise ein komplettes Lederoutfit

inklusive Krawatte. Heute kauft sich der

«junge Ledermann» oft nur noch eine Lederhose

/ Harness und kombiniert dann

selbst. Unser Hauptlieferant ist Mister B.

ein Label aus Amsterdam. Das gleiche gilt

für Sportsgear: Man will die Klamotten

auch auf der Strasse oder im Gym tragen

können.» Entsprechend haben die Jungs

von der Männerzone auf die Nachfrage reagiert.

«Barcode Berlin beispielsweise

«Wir wissen, was im

Schlafzimmer läuft.

Oder eben nicht.»

kommt bei uns sehr gut an und die haben ihr

Angebot klar auf die «Sports-Fetisch-

Kunden» ausgerichtet. Und schon wieder

kommt ein Kunde in die «Männerzone» …

Es sieht ganz danach aus, als ob die Erfolgsgeschichte

weitergeschrieben wird.

Im Sortiment ist beispielsweise auch

«Blackstyle» und «Cellblock13» zu finden.

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Gayc

24

KOLUMNE

MICHI RÜEGG

Körperkontakt als Ausdruck

von Höflichkeit

Michi Rüegg nimmt eine gewisse physische

Annährungen unter Männern als solche wahr.

CRUISER september 2016

VON Michi Rüegg

D

ie arktischen Inuit – wie man Eskimos

zur Zeit nennt, in denen wir

nichttranssexuellen Menschen «cisgender»

heissen – diese Inuit begrüssen einander

mit gegenseitigem Nasenspitzenreiben.

Das hat praktische Gründe. Wenn

nämlich der gesamte Körper mit Eisbärenund

Babyrobbenfell bedeckt ist, stellt die

Nase die einzige Möglichkeit des Hautkontaktes

dar. Das Prinzip Haut-auf-Haut findet

sich bei den meisten Begrüssungsritualen

wieder – allen voran dem hierzulande verbreiteten

Händeschütteln.

In meiner Jugend reichte als Begrüssung

zwischen zwei männlichen Teenagern

ein angedeutetes Kopf-nach-hinten-Werfen.

Wer intime Nähe zu seinen Freunden demonstrieren

wollte, konnte kurz seine Faust

gegen die fremde Faust drücken.

Küssen tat man als Teenager eh nicht.

Vielleicht die Mutter, wenn’s sein musste.

Aber das war irgendwie eklig. Heterosexuelle

Klassenkameraden küssten manchmal

Mädchen, aber die meisten schafften auch

das nicht. Männer, die andere Männer küssten,

kannte ich bis dahin nur von Feiern mit

Blutsverwandten.

Während meiner ersten Ausflüge ins

schwule Zürich Ende der Neunzigerjahre

bemerkte ich, dass Männer sich dreimal auf

die Wange küssen. Links, rechts, links. Wurde

man hernach nicht gerade von einer Jugendbande

verprügelt, konnte man nach

dem Küsschen-Küsschen-Küsschen durchaus

ein gepflegtes Gespräch führen. Die Küsserei

hatte insofern nur eine sexuelle Komponente,

als dass sie ein Ausdruck der

sexuellen Identität war.

Zwei Jahre darauf wagte ich mich vom

schwulen Zürich ins schwule Amerika. Meine

Versuche, neue Bekannte dreimal abzuküssen,

gelangen mir dort nicht immer.

Häufiger setzten amerikanische Männer zu

einer sanften Umarmung an. Ich hatte den

«hug» kennengelernt.

Nachdem englische Profifussballer

und ihre Nachfahren im Geiste erfolgreich

die Metrosexualität etabliert und den durchschnittlichen

Heteromann mit einer Wahrnehmung

für den eigenen Körper ausgestattet

hatten, änderte sich auch hierzulande

vieles. Der heterosexuelle Durchschnittsmann

begann, auf sein Äusseres zu achten,

erwarb teure Haarschnitte und beschritt

erstmals Parfumabteilungen in Kaufhäusern.

In der Folge entkrampfte sich das Verhältnis

des Mannes zu seinem eigenen Körper

und er begann, nicht nur sich selber im

Spiegel zu betrachten, sondern auch andere

Männer. Vor allem solche, die (Phase 1)

mehr Muskeln, (Phase 2) den schöner betonten

Körper und (Phase 3) die effektiveren

Körperbehaarungsmethoden hatten. Gewisse

Männer begannen in der Folge, andere

Männer genauso intensiv zu betrachten wie

Frauen, wenn auch mit noch mehrheitlich

unterschiedlichen Absichten.

Im Wissen um diese Entwicklungen,

deren Zeugen wir in den vergangenen zwanzig

Jahren geworden sind, können wir nun

die zeitgenössischen Begrüssungsrituale

besser verstehen. Dafür müssen wir aber erst

festhalten, dass das Dreierküssli unter

Schwulen zwar noch existiert, aber eher altbacken

wirkt. Wie Küss-die-Hand in Österreich.

Wie Halloween und der Santa Claus

ist auch der «hug» als populärkulturelles Importgut

über den Ozean zu uns gewandert.

Heute huggen wir viel mehr als früher. Und

wer dem Hug eine intimere Note verleihen

möchte, der ergänzt ihn um einen singulären

sanften Wangenkuss.

Der Hug ist dermassen populär und sexuell

unverfänglich geworden, dass mittlerweile

auch Teenager jedwelchen Geschlechts sich

gegenseitig huggen, ohne von ihren Altersgenossen

verprügelt zu werden. Neulich war ich

bei Bekannten zu Besuch, die zwei Söhne im

Teenager-Alter haben. Beide haben mich herzlich

zur Begrüssung umarmt. Ohne mir heftig

auf den Rücken zu hauen, sondern ganz liebevoll.

Das macht man jetzt offenbar so.

«Wer heute noch dreimal

küsst, outet sich als

Traditionalist.

Die Fortsetzung der körperlichen Annährung

zwischen sexuell unverfänglichen

Teenagern findet ihren Ausdruck übrigens in

bemerkenswerten Ritualen. So weiss ich von

jungen, an sich heterosexuellen Männern, die

mit ihren besten männlichen Freunden

durchaus mal vor dem Fernseher kuscheln.

Was Mädchen schon lange durften, ist also

mittlerweile auch ein Männerrecht.

Es ist schön, dass die Gleichberechtigung

der Geschlechter in beide Richtungen

Früchte trägt.


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CRUISER september 2016


26 SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

Kapitän hatte nur Augen für den

tropfnassen

Passagier …

CRUISER september 2016

Das Schiff kenterte und riss den jungen

Passagier Sebastian ins Meer. Nur gut,

dass unweit davon ein anderer Kapitän

exakt auf Kurs war: Antonio. Der Dramatiker

William Shakespeare war in seinen

Werken nicht nur Schöpfer heterosexueller

Liebespaare wie Romeo und Julia, sondern

auch von schwulen Figuren, so in seiner

Komödie «Was ihr wollt».


SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

27

VON ALAIN SOREL

S

ebastian sah die Riesenwelle heranrollen.

Er war etwas über zwanzig,

topfit und reaktionsschnell. Er band

sich an einen Mast. Als der Segler auseinanderbrach,

trug der Balken Sebastian durch

die Fluten. Damit war er zwar noch längst

nicht gerettet, aber die Angst, die ihn beherrschte,

galt weniger der eigenen Person

als seiner Zwillingsschwester Viola, die mit

ihm an Bord gewesen war. Sie waren sich innig

zugetan, was sich auch äusserlich zeigte,

glichen sie sich doch wie ein Ei dem andern.

Hatte sie überlebt?

Retter in der Not

Von Viola sah Sebastian weit und breit keine

Spur. Er schloss verzweifelt die Augen und

liess sich treiben. Da drang plötzlich ein anderes

Geräusch an sein Ohr, ein Geräusch

wie das Klatschen von Rudern. Als er aufblickte,

sah er ein Boot auf sich zuhalten, das

sich winzig ausnahm vor einem hoch aufragenden

Frachter. Starke Arme hoben Sebastian

in den Kahn. Auf dem Mutterschiff

wurde er vor den Kapitän geführt, der sich

als Antonio vorstellte. Er habe Trümmer im

Wasser entdeckt und beim Näherkommen

auch den Menschen am Mast. Sebastian

spürte, dass er seinem Lebensretter gegenüberstand,

der die richtigen Worte fand, um

den Schiffbrüchigen zu trösten. Gleichzeitig

geschah noch etwas ganz anderes: Bei Antonio

schlug die Liebe ein wie der Blitz.

Die Begegnung zwischen Antonio

und Sebastian in William Shakespeares

1601/1602 uraufgeführter Komödie «Was ihr

wollt» war wie geschaffen, um eine homoerotische

Komponente einzubauen. Die

passte zu diesem Schauspiel der Maskeraden,

Spiegelfechtereien und verwischten

Identitäten der Geschlechter. Der englische

Dramatiker war ein Meister der Verklausulierungen

und Anspielungen. Sie kamen ihm

umso mehr zustatten, als er in der Epoche

der mächtigen Königin Elisabeth I. lebte. In

ihrer Ära war es zweckmässig, die eigenen

Worte genau abzuwägen.

2016 ist das Jahr von Shakespeare: Er

starb vor 400 Jahren 52-jährig in Stratfordupon-Avon

(Warwickshire, England). Er hat

noch viel berühmtere dichterische Geschöpfe

geschaffen als Antonio und Sebastian: ausser

Romeo und Julia auch etwa den eifersüchtigen

Othello oder die teuflische Lady Macbeth.

Eine Kabine genügt

Der schwule Antonio handelte in seinem Leben

auch erotisch stets nach dem Motto

«Volle Kraft voraus». Immer wieder hatte er

den einen oder anderen Matrosen in seine

Kabine bekommen. Aber keiner dieser Burschen,

so dünkte ihn, konnte sich mit dem

messen, den er vor dem Tod bewahrt hatte.

Die klatschnasse Kleidung, die an Sebastians

Leib klebte, machte ihn für Antonio nur

noch anziehender. Am liebsten hätte er jetzt

an einer einsamen Insel angelegt, einer Insel

nur für sie zwei, und seine Besatzung weiterfahren

lassen. Das machte er nicht, aber immerhin:

Drei Monate blieben die zwei nun

zusammen, Tag und Nacht, wie Antonio

später einmal sagte. So unbegrenzt war das

Meer, aber für zwei Männer, die sich gern

haben, ist Raum in der kleinsten Kabine …

Für den Kapitän hätte dieser Zustand

ewig währen dürfen. Aber schliesslich

William Shakespeare liebte es eindeutig

zweideutig.

brachte er Sebastian aufs Festland, nach Illyrien,

das von Herzog Orsino regiert wurde.

Bei aller Zuneigung zu Antonio: Sebastian

wollte Nachforschungen nach seiner Schwester

Viola anstellen, für die er sich verantwortlich

fühlte, und deshalb den Hof Orsinos

aufsuchen. Für Antonio wäre es riskant

gewesen, Sebastian zu begleiten, weil er damit

rechnen musste, von der Polizei des

Fürsten festgenommen zu werden. Denn da

war noch eine alte Rechnung offen aus den

Zeiten des Seekriegs, in dem Antonio gegen

die Galeeren des Herzogs gekämpft hatte. So

nahmen sie Abschied voneinander. ➔

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CRUISER september 2016


28

SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

Das Stück «Was ihr wollt» wird seit Dekaden

erfolgreich im Theater aufgeführt.

Mehr als nur Triebe

In seinem Stück zeichnete Shakespeare Antonio

als einen Mann, dem der Sinn nicht

nach weiteren Auseinandersetzungen mit

den Leuten des Herzogs stand. Aber gleichzeitig

war seine Liebe zum Freund stärker als

alle Bedenken und so eilte er ihm

nach – im festen Willen, ihn notfalls in der

Hauptstadt zu beschützen. Was Antonio anspornte,

auf sich selbst keine Rücksicht zu

nehmen, waren tiefe Gefühle und «nicht

bloss Trieb … (obschon genug, / Um mich

auf einen längern Weg zu ziehn)», wie es in

der alten deutschen Übertragung bezeichnenderweise

heisst. Der Trieb spielte schon

ein wenig mit, wie das die Klammerbemerkung

ohne Weiteres einräumt. Aber die

Worte darin dachte Antonio nur, sie wären

ihm nie über die Lippen gekommen.

In der Stadt angekommen, trennten

sich die beiden Freunde für ein paar Stunden.

Antonio wollte – wen wundert es – vorab

ein Nachtquartier für sie beide auskundschaften.

Sebastian lieh er einen Beutel Geld

für Einkäufe seiner Wahl.

«In der kleinsten Kabine ist

Raum für zwei Männer.»

Als Antonio Minuten später jenen jungen

Mann bedroht sah, von dem er sich

selbst über alle Massen geliebt wähnte, eilte

er ihm mit seinem Degen sofort zu Hilfe.

Dabei wurde der Kapitän von Polizisten erkannt

und dingfest gemacht. Notgedrungen

bat er den andern um die Rückgabe des

Geldbeutels, doch der schien von der Börse

nichts zu wissen, ja Antonio nicht einmal zu

kennen. Der Kapitän fühlte sich von Sebastian

schmählich verleugnet. Als jedoch Antonio

vor den Herzog geführt wurde, tauchte

plötzlich Sebastian auf, eilte freudestrahlend

auf Antonio zu und bekannte sich vor versammeltem

Hofstaat zu dieser Freundschaft.

Antonio war total verwirrt.

Aber nur kurz, denn ihm und allen anderen

fiel nun etwas auf: eine frappante

Ähnlichkeit zwischen Sebastian und dem

Herold des Herzogs, Cesario. Der Herold

war aber niemand anderes als – Viola, die

wie ihr Zwillingsbruder Sebastian aus dem

Meer gerettet worden war, es dann aber für

sicherer gehalten hatte, in Männerkleidern

und unter dem Namen Cesario in den Dienst

des Herzogs zu treten.

Antonio hatte in der fälschlichen Annahme,

er habe Sebastian vor sich, Viola mit

dem Degen verteidigt gegen einen Angreifer,

der felsenfest davon überzeugt gewesen war,

er habe Cesario gestellt und könne ihm einer

privaten Angelegenheit wegen endlich

einen Denkzettel verpassen. Selbstverständlich

hatte Viola/Cesario den Kapitän nie gesehen

und deshalb gar nicht kennen können.

Frau wird Mann wird Frau … Man

kann sich vorstellen, wie Shakespeare beim

Schreiben schmunzelte.

Bruder und Schwester fielen sich in die

Arme. Seine eigene Zukunft sah Sebastian

ohne grosse Euphorie an der Seite einer Gräfin.

Konventionen halt, Standesregeln. So

sticht in der Komödie als Verfremdung eine

tragische Figur hervor: der alleingelassene

Antonio, den einsamen Homosexuellen verkörpernd,

wie es ihn bis auf den heutigen

Tag gibt.

Homosexualität in Geschichte

und Literatur

Mehr oder weniger versteckt findet sich das

Thema Männerliebe in der Weltgeschichte, der

Politik, in antiken Sagen und traditionellen Märchen

– aber auch in Wissenschaft, Technik,

Computerwelt. Cruiser greift einzelne Beispiele

heraus, würzt sie mit etwas Fantasie, stellt

sie in zeitgenössische Zusammenhänge und

wünscht bei der Lektüre viel Spass – und hie

und da auch neue oder zumindest aufgefrischte

Erkenntnisse. In dieser Folge: eine dramatische

Rettung auf hoher See – und ihre Folgen.

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RATGEBER

Dr. Gay

29

Dr. Gay

VON Vinicio Albani

Er will sich nicht binden

Seit einiger Zeit bin ich in einen

Mann verliebt, der sich nicht

binden will. Wir sind oft gemeinsam

unterwegs, haben Sex,

machen gemeinsam Ferien und

geniessen die Zweisamkeit. Er

sagt, dass wir vielleicht in ein paar

Jahren den nächsten Schritt

planen können, momentan möchte

er es aber so belassen. Es läge

nicht an mir. Mir ist klar, dass

ich nichts erzwingen kann, aber

ich merke, dass ich ihm viel

bedeute. Wie kann ich das Warten

erträglicher machen?

Samuel (29)

Wie gefährlich ist

ein Gloryhole?

Vor kurzem war ich in einem

Sexkino. Dort hatte es in einer

Kabine ein Loch in der Wand.

Ich steckte meinen Penis durch

und derjenige auf der anderen

Seite hat mich geblasen. Nun

habe ich Angst, mich mit HIV

infiziert zu haben. Vielleicht hatte

er noch Spermareste im Mund?

Muss ich mir Sorgen machen?

Patrick (25)

Hallo Samuel

Das klingt für mich so, als hättet ihr bereits

eine Beziehung. Ihr unternehmt viel gemeinsam

und geniesst die Zweisamkeit.

Sogar der Sex kommt nicht zu kurz. Wenn

er noch Zeit braucht und sich momentan

nicht binden will, liegt es an dir, ob du ihm

diese geben willst oder nicht. Es ändert

aber nichts daran, dass ihr beide viel zusammen

seid. Und das scheint dir im

Grunde ganz gut zu gefallen. Ist es für dich

wichtig, eurer gemeinsamen Zeit den Beziehungsstempel

aufzudrücken? Versuche

es zu geniessen, ohne die Frage, ob ihr nun

ein Paar seid oder nicht. Wenn er bereit ist,

wird er auf dich zukommen. Sollte dich der

momentane Zustand aber belasten, wäre

vielleicht etwas Abstand angebracht. Die

Frage ist, was du willst. Wie du dich auch

entscheidest: rede mit deinem Angebeteten

und involviere ihn in deine Entscheidung,

ohne ihn zu bedrängen oder unter Druck

zu setzen.

Alles Gute, Dr. Gay

Hallo Patrick

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.

Sich blasen lassen, birgt kein HIV-Risiko,

auch nicht durch ein sogenanntes Gloryhole.

Selbst wenn der Bläser Spermareste im

Mund gehabt hätte, wäre die Menge zu

klein und zu verdünnt für eine HIV-Infektion.

Blasen kann aber ein Risiko für andere

sexuell übertragbaren Infektionen (STI)

wie z.B. Syphilis, Chlamydien, Tripper oder

Hepatitis bedeuten. Lass dich darum gegen

Hepatitis A und B impfen und gehe bei Anzeichen

von Brennen, Juckreiz oder Ausfluss

im Anal- oder Genitalbereich zum

Arzt. Es kommt vor, dass STI auch ohne

Symptome auftreten. Je nach dem, wie dein

Sexleben aussieht, kann daher eine regelmässige

Routinekontrolle Sinn machen.

Auf drgay.ch findest du unter «Deine

Gesundheit» Testempfehlungen. Die

Checkpoints sind eine gute Adresse für

Tests, Impfungen und persönliche Beratung.

Infos findest du unter mycheckpoint.ch.

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Dr. Gay ist eine Dienstleistung der Aids-Hilfe

Schweiz. Die Fragen werden online auf

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Beratern beantwortet dort deine Fragen,

welche in Auszügen und anonymisiert im

«cruiser» abgedruckt werden.

CRUISER september 2016


30

KOLUMNE

Thommen meint

Niemand hat etwas gegen

Homosexuelle!

Interessant ist, dass es immer wieder Leute gibt, die öffentlich gegen

uns schimpfen, aber «persönlich nichts» gegen uns haben.

VON PETER THOMMEN

E

ine Cousine von mir ist von einer

Freikirche zur anderen bei den

«Mennoniten» angekommen, einer

Glaubensgemeinschaft aus der Täuferbewegung

des 16. Jahrhunderts. Ihr Sohn hat

mit 30 sein Coming-out gewagt. Als ich ihr

theologisch-liberale Texte zur Homosexualität

zusandte, schrieb sie mir genervt zurück,

sie brauche sowas nicht, «als Mutter

hätte sie damit kein Problem». Frau «unterwirft

sich» also einer Sekte und hat gleichzeitig

«als Mutter» kein Problem mit der

Homosexualität ihres Sohnes?

Ich habe schon früher hier darauf hingewiesen,

dass die meisten Leute, die Sex mit

dem gleichen Geschlecht haben, ebenso

«einfach» und «separat» denken wie die

meisten heterosexuell Orientierten. Denen

genügt das. Bei homosexuellen Jungs von

Zugewanderten ist mir schon immer aufgefallen,

dass ihre Kultur das eine, aber ihre

Orientierung hier «etwas ganz anderes» ist.

Magnus Hirschfeld wies schon 1914 in

seinem Buch mit dem Kapitel über die Geschichte

der religiösen Verfolgung darauf hin,

dass die anti-homosexuellen Gesetze ursprünglich

nicht gegen Homosexuelle gerichtet

waren, sondern darauf, die «Heterosexuellen»

vor «solchen Handlungen zu bewahren».

Denn eine «homosexuelle Identität» gab es in

vorgeschichtlicher Zeit gar noch nicht. Es war

einfach «Männerliebe».

CRUISER september 2016

An einer Diskussion kürzlich in Zürich

meinte ein Junghomo, er wolle nicht mehr

«schwuler Wichser» genannt werden, sondern

«nur noch Wichser, wie alle anderen

auch». Er weiss natürlich nicht, dass diese

Bezeichnung für sich allein vor mehr als

hundert Jahren für homosexuell tätige Männer

verwendet wurde. Sie war eine der gegenseitigen

Praktiken, die in alten Gesetzen

nicht bestraft wurde, diese verboten nur den

Analverkehr.

«Wir sollten generell bei

ethnologisch-kulturellen

Vergleichen vorsichtig sein.»

Wir sollten generell bei ethnologischkulturellen

Vergleichen vorsichtig sein, mit

der Interpretation des jeweiligen Homosexualitätstabus

und dem öffentlichen Umgang

damit. Bei Hermann Tertilts Studie

einer Jugendbande (1) bin ich auf die

guppenspezifische Funktion der (öffentlichen)

Zuschreibung von Homosexualität

anderen gegwenüber gestossen. Sie dient der

sozialen Dominanz über und Unterwerfung

untereinander, so etwa wie der SM-Kult

unter gewissen Homosexuellen und dieser

ist sogar zwischen Männern und Frauen

teilweise üblich. Das sei aber «nicht ernst gemeint«,

heisst es jeweils.

Alles heute «zum Fetisch Erklärte» hat

eine psychische, soziale und historische Vergangenheit,

die auch fürderhin beachtet

werden sollte. Viele «einfach Denkende» haben

mir immer wieder vorgeworfen, ich solle

mir «nicht so einen Kopf» darüber machen.

Die Differenz zwischen dem kulturellen

und dem persönlichen Anspruch der

Homosexuellendiskriminierung kann aber

mit diesen Kenntnissen verständlicher werden.

Dass Reggae-, Dancehall- und andere

Musiker mit alten Drohungen in ihren öffentlichen

Auftritten heute wieder «spielen»

heisst aber nicht, dies zu entschuldigen. So

ist Capleton 2008 in Basel in ein Wespennest

getreten, als er wie gewohnt AUCH über das

Feuer und das Verbrennen von Schwulen

singen wollte – offiziell «nicht ernst gemeint»

(stopmurdermusic.ch). Einige Jahre vor seinem

Auftritt in Basel war nämlich ein

Schwuler in einer WC-Kabine mit Benzin

übergegossen und wirklich grausam angezündet

worden. Damals hatte sich die ganze

Stadt und Politik darüber öffentlich empört.

Aber das hatten die jungen, un-verantwortlich

Organisierenden nicht gewusst. So kurz

ist eben ein «kollektives Gedächtnis» – selbst

in einer Stadt. Bestimmte «kulturelle Vorstellungen»

in eine andere Kultur hinein zu

tragen, kann Probleme aufflammen lassen.

Es ist schwer, die breite Strasse des einfachen

Denkens zu verlassen – ich weiss.

Aber genauso, wie die Heterosexuellen ihren

«Fortpflanzungs- und Ehekult» demografisch

überdenken müssen, muss auch in der

Homosexualität, an der auch viele andere

noch beteiligt sind, immer wieder einiges

überdacht werden – auch in der Hierarchie

unter Diskriminierten oder Emigrierten.

Wer erinnert sich noch an den Überfall

im Admirals Pub in London 1999? Oder an

den Angriff auf die Bar Noar in Tel Aviv

2009? Oder an Überfälle in Argentinien in

den 80ern? Wer kennt die Repressionen unter

dem Franco-Regime in Spanien? (Alles

recherchierbar im Internet.)

1) Tertilt, Hermann: Türkish Power Boys.

Ethnographie einer Jugendbande, st 2501, 1996,

260 S. (siehe besonders ab Seite 189)


IKONEN

VON DAMALS

31

Ikonen von

damals

In unserer Serie stellen

wir Ikonen aus vergangenen

Dekaden vor,

berichten über gefallene

Helden und hoffnungsvolle

Skandalsternchen

aus längst vergangenen

(Gay-)Tagen. Fran

Drescher ist weder

«gefallen» noch

«vergangen». Und

längst eine Ikone.

VON Haymo Empl

W

ir erinnern uns: In den 90ern hallte

der Schlachtruf «Miss Fiiiiine»

durch die Sitcom-Landschaft und

irgendwie mochten wir alle «Die Nanny».

Sofort wurde klar, dass Fran Drescher – die

Darstellerin von «Die Nanny» – definitiv

den «Gay-Factor» hatte. Auch wenn damals

noch nicht so ganz klar war, weshalb. Aber

der Reihe nach:

«Fran Drescher war nicht

nur Hauptdarstellerin,

sondern auch Produzentin

und Autorin»

17 Jahre ist es inzwischen her, dass die

letzte Klappe in den Culver Studios in Washington

fiel. Die Sitcom wurde vor Livepublikum

aufgezeichnet und das Ende von

«Die Nanny» war sehr dramatisch: Fran ➔

CRUISER september 2016


32

IKONEN

VON DAMALS

Drescher schliesst die Tür und aus war’s. In

über 146 Folgen entzückte sie die Fans: Fran

Drescher war nicht nur Hauptdarstellerin,

sondern auch Produzentin und Autorin der

Kultserie und war für 13 (!) Emmy Awards

nominiert. Fran spielte die Rolle einer Kosmetikverkäuferin,

die sich durch Zufall einen

Job im Haus des Broadway-Produzenten

Maxwell Sheffield angeln konnte. Als Kindermädchen

war sie für die drei Kinder Maggie,

Brighton und Grace verantwortlich – buhlte

aber hauptberuflich um den Hausherrn.

Seit «Die Nanny» 1999 abgesetzt wurde,

hat sich im Leben von Fran Drescher viel

getan. Eben feierte sie bei der New York Fashion

Week Herbst/Winter 2016/17 ihr Laufstegdebüt.

In einem bodenlangen, roten

Abendkleid von «La Petite Robe di Chiarra

Boni» machte sie im Namen der «American

Heart Association’s Go Red For Women Red

Dress Collection» darauf aufmerksam, dass

es viele Frauen gibt, die von einem Herzleiden

betroffen sind und dies nicht wissen.

Am Event sah die Schauspielerin gut aus.

Das war nicht immer so, denn privat musste

sich Fran Drescher nicht nur mit einem

Krebsleiden kämpfen und ist daher auch im

Bereich der Krebsvorsorge aktiv. Und zuvor:

Scheidung. Und hier erklärt sich nun auch

der «Gay-Factor» von «Die Nanny»: Ihr Ehemann

Marc Peter Jacobson schrieb unter anderem

die Drehbücher und war – so stellte er

selbst dann relativ spät fest – schwul. Was

natürlich für einen ziemlichen Wirbel sorgte.

In einem Interview sagte Fran Drescher:

«Wir waren bei der Heirat gerad’ etwas über

Fran Drescher zeigt sich aus Instagram gerne mit ihrem Ex-Mann, der sich 1999 als schwul outetete …

…und er wiederum zeigt sich selbst auch gerne mit ihr …

CRUISER september 2016

…und was er hat.

Bilder: Instagram


IKONEN

VON DAMALS

33

20 Jahre alt, also eigentlich noch Kinder und

wussten nicht, wer wir wirklich sind. Wir

haben aber in unserer Ehe viel zusammen

erlebt und es war eine gute Zeit.» Weniger

gut war ein traumatiserendes Erlebnis im

Jahr 1985: Damals drangen bewaffnete Einbrecher

in ihr Zuhause in Los Angeles ein.

Einer räumte die Wohnung leer, der andere

vergewaltigte Drescher vor den Augen ihres

gefesselten Mannes. Über dieses Erlebnis berichtet

sie unter anderem in ihrer Autobiographie

«Enter Whining» von 1996.

Marc Peter outete sich nach der Scheidung

im Jahr 1999 und lebt nun offen gay. Es

folgte daraus die Sitcom «Happily Divorced» –

Fran verarbeitet dort in zwei Staffeln die Trennung

von ihrem schwulen Ehemann, mit welchem

sie in der Sitcom aus finanziellen

Gründen unter einem Dach leben muss. Auch

hier haben – wie bei der «Nanny» – die beiden

das Drehbuch geschrieben. Dass Fran Drescher

und Marc Peter Jacobson auch heute noch bestens

befreundet sind, sieht man anhand der

zahlreichen Instagram-Fotos. Drescher ist dort

«Fran Drescher und Marc

Peter Jacobson auch heute

noch bestens befreundet.»

mehr mit Marc Peter zu sehen (und ihrem

Hund) als mit dem aktuellen Partner. Überhaupt

weiss man von der aktuellen Beziehung

wenig. Wikipedia hält sich ebenfalls zurück:

On September 7, 2014, Drescher and

scientist, entrepreneur Shiva Ayyadurai

participated in a ceremony at Drescher›s

beach house. Both tweeted that they had

gotten married, and the event was widely

reported as such. Ayyadurai later said it

was not «a formal wedding or marriage»,

but a celebration of their «friendship in a

spiritual ceremony with close friends and

her family».

Ob nun verheiratet oder nicht, wissen

wir also nicht wirklich. Tatsache ist

aber, dass Fran Drescher auf ihren Fotos

in den sozialen Medien äusserst bodenständig

und fröhlich wirkt (und ein

bisschen geliftet). Und genau das scheint

das Erfolgsgeheimnis der lebenslustigen

Schauspielerin zu sein. Also das Bodenständige,

nicht das Lifting …

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Bilder: Instagram


34

Reportage

BSM

Begegnungen jenseits von Gayromeo,

Grindr und Co.

Einfach zusammen sein, gemeinsam eine entspannte Zeit verbringen mit

persönlichem Austausch und bei unterschiedlichen Aktivitäten – in der

Gruppe «Begegnung Schwuler Männer» (BSM) treffen Gleichgesinnte auf

«althergebrachtem» Weg aufeinander. Dies seit 30 Jahren.

Von Andreas Faessler

H

omosexuelle Männer treffen sich

heute hauptsächlich im Internet,

unverbindlich, oberflächlich, kurzfristig.

Wer diesem Trend lieber entsagt,

geht auf einschlägige Partys, nimmt an

Clubbings teil oder setzt sich – so richtig

«altmodisch» – in eine Gaybar. Manche suchen

Gleichgesinnte diskret nachts in

Parks, auf öffentlichen Toiletten oder an

Autobahnrastplätzen. Man nennt all das

schlicht «Szene». Fast kriegt man den Eindruck,

schwule Männer würden heutzutage

nur mehr über die genannten Kanäle

und Wege Kontakt zueinander finden, dabei

spielen sexuelle Absichten oft eine nicht

unwesentliche Rolle. Einen ganz anderen

Weg geht BSM, die Gruppe «Begegnung

Schwuler Männer». Sinn und Zweck sind

bereits im Namen definiert: Homosexuelle

(und auch bisexuelle) Männer treffen sich,

um gemeinsam allerlei Aktivitäten nachzugehen.

Ohne konkretes Ziel begegnet man

einander, tauscht sich aus, kommt ins Gespräch,

unternimmt gemeinsam etwas –

kurzum: Man ist einfach unter sich und verbringt

eine gemeinsame Zeit.

1987 gegründet

Die BSM-Gruppe ist 1987 entstanden, als es

freilich noch kaum interaktive Möglichkeiten

für das Networking gab. Das einstige reformierte

Zentrum Leuenberg im Kanton

Baselland, heute Seminarhotel, war erste

Heimstätte für die Begegnung schwuler und

bisexueller Männer. Seit 2001 ist die Organisation

als Verein eingetragen, und ab 2003

hat diese im von Jesuiten geführten Lassalle-

Haus in Bad Schönbrunn oberhalb der Stadt

Zug einen neuen Ort für die jährlichen

Begegnungstage gefunden.

Nun mag man sich fragen, warum homosexuelle

Menschen sich ausgerechnet ein

«Man ist einfach unter

sich und verbringt eine

gemeinsame Zeit.»

religiöses Zentrum für ihre Treffen aussuchen.

«Die Initiantin des ersten BSM-Treffens

vor 30 Jahren war Seminarleiterin der

reformierten Heimstätte Leuenberg. Sie hatte

erkannt, wie viel unsägliches Leid durch

christliche Institutionen an homosexuell

empfindenden Menschen zu verantworten

war», erklärt Daniel Frey, Sprecher BSM.

«Sie persönlich sorgte dafür, dass das erste

Treffen der neu gegründeten Gruppe auf

einem ‹kirchlichen Boden› stattfindet.» Damals

sei es für die Teilnehmenden besonders

CRUISER september 2016


Reportage

BSM

35

Raum für Austausch

Seit jeher sind es jährlich zwischen 70 bis

100 Männer, welche sich für die Begegnungstage

anmelden, sagt Daniel Frey. Diese

Zahl sei seit Jahren mehr oder weniger

stabil. «Wir machen die Erfahrung, dass

die Männer es schätzen, sich genau so geben

zu können, wie sie sind. Sie erleben ein

Wochenende, an dem sie ausschliesslich

mit Männern zusammen sind.» Ihnen gefalle

vor allem, nicht etwa in der virtuellen

Welt, sondern in der Realität einander zu

begegnen, sich zu unterhalten und gemeinsam

Aktivitäten nachzugehen.

Das Programm umfasst neben

Spielabenden und einer Wanderung diverse

Workshops wie eine Fotowerkstatt, Theater,

Tanz, Singen, aber auch Sinnliches wie Yoga,

Meditation und Berührung. «Lebensfreude

und Spass kommen nicht zu kurz. Es bleibt

für die Teilnehmenden genügend Raum für

den gegenseitigen Austausch und für persönliche

Kontakte», erklärt Daniel Frey. Und

aus diesen Begegnungstagen sind auch schon

Paare hervorgegangen, weiss er.

«Analoge» Begegnungen: Bei BSM trifft man sich ganz klassisch. Und das macht

einen Riesenspass.

wichtig gewesen, sich mit Homosexualität in

der Gesellschaft und der eigenen schwulen

Identität auseinanderzusetzen, so Frey weiter.

Und auch wenn heute vor allem das Zusammensein

von Gleichgesinnten im Vordergrund

stehe, gebe es noch immer

Teilnehmer, die Verletzungen durch Glaubensgemeinschaften

ausgesetzt sind oder

zunächst versucht haben, ihre homosexuellen

Anteile zu verdrängen, um der Erwartungshaltung

ihres Umfeldes zu entsprechen.

Somit würden diese bei BSM einen

geschützten Rahmen finden, wo sie in lockerer

Atmosphäre mit anderen Männern in

Kontakt kommen könnten, welche selbstbewusst

im Leben stehen und nicht den gesellschaftlichen

Vorurteilen entsprechen. Und

mit dem katholischen Lassalle-Haus Bad

Schönbrunn habe man eine Lokalität gefunden,

wo die Teilnehmer von BSM herzlich

aufgenommen würden.

Voneinander lernen

Die diesjährigen Begegnungstage im Oktober

werden mit einer Plauderrunde eröffnet, welche

ein besonders wichtiges Thema aufgreift,

nämlich, dass Jung und Alt voneinander viel

lernen können. «Vor allem, wenn die Männer

akzeptieren, dass sie in ganz verschiedenen

Lebensphasen mit anderen Aufgaben stehen»,

führt Frey aus. Beispielsweise könnten die Älteren

lernen, dass sie die heutige Jugend ihre

eigenen Erfahrungen machen lassen müssen

und dass diese ein anderes Lebensumfeld und

Kommunikationsverhalten hat. «Für den

überwiegenden Teil der Schwulen unter 30

hingegen sind die Freiheiten, die sie haben,

selbstverständlich», erklärt Frey weiter. «Ihnen

ist nicht bewusst, dass die ältere Generation

dies hart erkämpfen musste.»

Die 30. BSM findet am Wochenende vom

21., 22. und 23. Oktober statt. Alle Details zum

Programm und Anmeldung unter bsm-info.ch.

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36

Reportage

Gay-Cruises

Gay Cruises sind

im Trend

Früher eher unspektakulär, heute beinahe ein

«Must». Cruiser sticht in See und entschuldigt

sich für das Wortspiel.

Auf den Gay-Cruises wird allerhand geboten; natürlich auch diverse Motto-Partys. Jeder kann,

muss aber nicht mitmachen. Leben und leben lassen ist das Motto auf hoher See.

Von Briand Bedford

D

ie jährliche «The Cruise», die von den

Partybetreibern des «La Demence»-

Club in Brüssel organisiert wird, ist

2016 bereits zum sechsten Mal in Folge in See

gestochen. Es war tatsächlich eine ganz besondere

und magische Zeit, die ich mit weit

über 2000 Passagieren verbringen durfte. Die

meisten gay, im bunten Altersmix zwischen

18 und 65 Jahren. Genauso gemischt die Nationalitäten:

83 Staaten waren vertreten – ein

absoluter Rekord für «The Cruise». Die grösste

Gruppe an Bord kam aus Frankreich,

gefolgt von Deutschland und Belgien. Sogar

Homosexuelle aus dem Iran und Saudi-

Arabien, also Ländern, in denen es unmöglich

ist, offen homosexuell zu leben und zu überleben,

waren auf dieser Kreuzfahrt vertreten,

die an der spanischen Küste entlangführte.

In diesem Jahr startete die siebentägige

Reise von Barcelona und führte mit Tagesbesuchen

über Malaga, Cadiz, Ibiza, Valencia

wieder zurück nach Barcelona. Die Route

ändert sich jährlich, liegt jedoch grösstenteils

im Mittelmeer.

Unser Schiff, die «Sovereign of the

Seas», wurde in Frankreich 1989 als ein Teil

der «Royal Caribbean»-Line gebaut. Zu dieser

Zeit war die «Sovereign» das grösste

Kreuzfahrtschiff überhaupt. 2008 kaufte das

Unternehmen Pullmantur die «Sovereign».

Das Schiff mit seinen 820 Besatzungsmitgliedern

kann bis zu 2324 Passagiere in

1162 Kabinen beherbergen.

Die Partys an Bord sind legendär

Die nachmittäglichen T-Dances und

nächtlichen Partys an Bord sind legendär.

Das jeweilige Motto dieser Veranstaltungen

wird den Passagieren ein paar Monate

vor der Abfahrt bekanntgegeben. Im Gegensatz

zur sich ständig wechselnden Route

der Cruise wiederholen sich die beliebtesten

Mottopartys wie «Wo kommst Du

her?» jedes Jahr und bieten eine ausgezeichnete

Gelegenheit, um mit den Erstteilnehmern

an Bord in Kontakt zu kommen

und die Freunde von vorherigen

Reisen wiederzusehen. Weitere Themen

sind Klassiker wie «White Party» und

«Disco Party» sowie der legendäre

«Ladies-T-Dance».

CRUISER september 2016


Reportage

Gay-Cruises

37

Viele Passagiere erzählten mir, dass sie

ungefähr 200 Euro für ihre Kostüme ausgegeben

haben, die sie eigens für diese Kreuzfahrt

besorgten, unabhängig davon, ob sie

als gestandene Kreuzfahrtpassagiere oder

als Neulinge dabei waren. Bei allen Events

stellt man fest, wie sehr sich die Passagiere

mit ihren Kostümen Mühe geben und daher

geht für viele die Magie, die von «The Cruise»

ausgeht, bereits zu Hause mit den Vorbereitungen

los. Klar, dass man an Bord denn

auch zuerst von einer waschechten Dragqueen

begrüsst wird, in unserem Fall war

das «Miss Koka», ein Naturtalent, unglaublich

amüsant. Sie war einer meiner persönlichen

Lieblinge an Bord.

Essen als fester Programmpunkt

Der zweite Tag dieser Vergnügungsreise war

ein Seetag, und fast alle Passagiere waren auf

dem Deck und genossen die Sonne, die

Schwimmbäder und die grandiose Lounge-

Musik von DJ Dikky Vendetta aus den

Niederlanden. Ich fing den Tag mit einem

entspannten Frühstück im Restaurant an.

Das Buffet-Frühstück im Panorama-

Restaurant auf dem Deck 11 war immer sehr

voll, aber für Leute wie mich eine ideale Gelegenheit,

die Mitreisenden beim Essen zu

beobachten. Was sie essen und auswählten

war sehr interessant, denn es ist nicht einfach,

einem Haufen schwuler Männer aus 83

Nationen mit ihren Sonderwünschen das

Richtige zu servieren. Mich auf jeden Fall

überzeugte das Angebot an Bord, es gab sogar

zuckerfeie Desserts.

Essen war wichtig an Bord, aber auch

die Kommunikation: Für viele wohl die

Hauptbeschäftigung schelchthin. Überhaupt

war eine grosse «Einigkeit» an ➔

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Reportage

Gay-Cruises

Auf den Gay-Cruises wird allerhand geboten; natürlich auch diverse Motto-Partys. Jeder kann, muss aber nicht mitmachen. Leben und leben

lassen ist das Motto auf hoher See.

Bord zu beobachten … Warum kann die

schwule Welt nicht immer so vereint und

sorgsam sein?

Internationale Verbundenheit

Man konnte diese Harmonie unter den Passagieren

beispielsweise auch während des

«T-Dances» am zweiten Nachmittag unter

dem Motto «Wo kommst Du her?» beobachten.

Unglaublich viele sehr kreative und

fantasievolle Schwule an Bord zeigten sensationelle

Kostüme.Diese Party war ein Eisbrecher

zwischen den Nationen und zugleich

ein Freundefinder.

Es folgten noch viele weitere Partys in

dieser Woche und natürlich war auch am

Abend immer etwas los; beispielsweise mit

LaDiva. Sie war ein weiteres Juwel an Bord

und ist eine der wenigen Drag Queens, die ich

kenne, die tatsächlich sehr gut singen kann.

Nach den Shows folgten dann jeweils die Mitternachts-Specials

und natürlich durfte auch

ein ‹Dark-Room› nicht fehlen; eine Art Freiluftdunkelkammer

auf Deck 11. Nach dem

Sonnenuntergang packte das Schiffspersonal

die Sonnenliegen in vertikalen Stapeln weg

und bedeckte sie mit Tarnnetzen und kreierte

so ein völlig einzigartiges Dunkelkammer-Areal.

Die Unkompliziertheit, das «Miteinander»

und das «unter sich Sein» ist ein

schönes Gefühl. Man(n) kann sich kleiden,

wie man will – egal, ob ein komisches Kostüm

passend zum jeweiligen Motto oder aber

ein Latex Jockstrap oder einfach Sportsgear –

das ist alles okay, denn man gehört zu einer

grossen Familie und dies ist auf die netteste

Art gemeint, die man sich vorstellen kann.

Ich fühlte mich während meiner besten Woche

des Jahres genauso und kann es nicht erwarten,

meine Koffer für «The Cruise 2017»

endlich erneut zu packen!

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Hinweis

Es werden diverse Kreuzfahrten für Gays angeboten.

Am besten lässt man sich bei Pink Cloud

beraten: www.pinkcloud.ch

BEGEGNUNG SCHWULER MÄNNER

22. und 23. Oktober 2016 | Infos: bsm-info.ch

CRUISER september 2016


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Ab November 2016 ist es soweit!

Cruiser und Mannschaft Magazin bündeln die Kräfte für

ihre Werbepartner und bilden die erste medienübergreifende

Kooperation der Schweizer LGBT-Medien.

Redaktionell bleiben beide Magazine unabhängig.

Cruiser und Mannschaft Magazin starten

ihre Zusammenarbeit

Ab November 2016 können Werbeformate in beiden Publikationen

platziert werden. Eine einheitliche Preisstruktur,

attraktive Kombi-Packages und ein Ansprechpartner für beide

Magazine ermöglichen eine landesweite Abdeckung,

ohne doppelten Aufwand. Mit Mannschaft Magazin als

führendes Lifestyle-Magazin und Cruiser als erfolgreiches

Zürcher Magazin wird eine Auflage von 22 000 Exemplaren

erreicht.

Beide Magazine bleiben weiterhin

redaktionell unabhängig

Die Zusammenarbeit fokussiert ausschliesslich auf den Bereich

des Medienmarketings – redaktionelle Inhalte sowie die

unabhängige, inhaltliche Ausrichtung der beiden Magazine

bleiben bestehen.

Mit Mannschaft Magazin als

zuverlässigen Partner im Bereich

Inseratemanagement freuen wir

uns auf eine spannende und erfolgreiche

Zusammenarbeit. Dabei

bleiben die Werte jedes Magazins

bestehen – und unsere Leser

können sich weiterhin auf die bekannten

Inhalte freuen»


Haymo Empl

Geschäftsführer und Chefredaktor Cruiser

Mannschaft Magazin ist neu Ihr Ansprechpartner

für beide Magazine und Sie können von Kombi-

Angeboten profitieren. Die Medientarife für beide

Publikationen sind ab Mitte September verfügbar.

Beide Magazine können weiterhin auch separat

gebucht werden.

KONTAKT

Christina Kipshoven


+41 (0) 31 534 18 30

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Ich suche nicht irgendwen,

daher suche ich auch nicht irgendwo.

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