Stahlreport 2016.11

markushuneke

Das Magazin des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel für die Stahldistribution

71. Jahrgang | November 2016

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

11|16

Perspektive 2017 – Weiter gut abschneiden


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

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27. Auflage

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Dipl.-Ing. Jochen Adams

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Dipl.-Ing. Jochen Adams,

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Dipl.-Ing. Jochen Adams, Dr. rer. nat. Peter

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BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel – www.stahlhandel.com


„Weiter gut abschneiden“

EDITORIAL

INHALT

Liebe Leserinnen und

Leser,

wer seit einiger Zeit Tagungen,

Seminare oder andere

berufliche Veranstaltungen

besucht – es reicht auch, nur

ein Fachmagazin aufzuschlagen

–, wird danach mit großer

Wahrscheinlichkeit etwas über Digitalisierungsstrategien,

Industrie 4.0 und Vernetzung gehört haben. Je nach Vortragston

und eigener Gemütslage könnte es sein, dass man daraufhin für

die gefühlt nächsten zwanzig Jahre mal wieder genug von dem

Thema hat.

Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Vernetzung

unsere Gesellschaft und das Wirtschaften in ihr unsere

Welt allem Anschein nach tatsächlich radikal verändern wird.

Daher birgt der Digitalisierungshype, weil er hier und da lästig

ist, auch die Gefahr, sich mit den eigentlich relevanten Entwicklungen

der Digitalisierung möglicherweise nicht so zu beschäftigen,

wie es eigentlich angezeigt wäre.

Dass der Stahlhandel als Branche hierbei auf einem guten Weg

ist, zeigen viele kleine und große, interne wie externe Projekte (z.B.

die neue Stahlhalle mit Anarbeitung der Gebr. Lotter KG, S. 6). Doch

dem Hype um die Digitalisierung mag man Tür und Tor lieber nicht

ganz öffnen – auch und eigentlich gerade, wenn zuweilen der baldige

Untergang im Falle skeptischen Abwägens in Aussicht gestellt

wird. Schließlich ist man – und sind Unternehmen – am Ende

doch immer noch der besten Experte für die eigenen Belange.

So hat der Vorstand des BDS, Oliver Ellermann, auf den diesjährigen

Gebietsversammlungen des Verbands u.a. auch dafür

geworben, das Thema „Industrie 4.0 im Stahlhandel“ mit Augenmaß

anzugehen (S. 30). Dass nicht nur Technik und Technologie

die Branche voranbringen, sondern allen voran die Mitarbeiter dies

tun, zeigt der Bericht über den Stahlhandel Meinolf Gockel GmbH

& Co. KG (S. 8).

Unsere Schwerpunkte Aluminium und in der Rubrik „Messen“

zur IAA Nutzfahrzeuge wie zur Arbeitsschutz Aktuell filtern

einiges für den Stahlhandel Relevante.

Ganz undigital berichtet BDS-Bereichsleiter Research Jörg

Feger wieder über den aktuellen Lagerabsatz (S. 28).

Wir wünschen Ihnen weiterhin immer gutes Abschneiden,

real wie im übertragenen Sinn!

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

MARKTPARTNER

6 Lotter: neue Stahlhalle eingeweiht

8 Meinolf Gockel: Menschen machen Erfolge

14 Kerschgens: Schifftstour mit Mannschaft

WERKSTOFFE & PRODUKTE

16 Schwerpunkt: Aluminium

18 Flotte Hochzeit von Stahl und Beton

MESSEN UND MÄRKTE

20 Schwerpunkt IAA Nutzfahrzeuge

23 Arbeitsschutz Aktuell

BDS

26 Research: Lagerabsatz auf Vorjahresniveau

28 Kommunikation: Gebietsversammlungen 2016

32 Recht: Kollateralschaden bei der Lieferung

36 Berufsbildung: Neuordnung der Ausbildung

37 Vorschau Betonstahltag 2017

VERBÄNDE UND ORGANISATIONEN

38 38. Deutscher Stahlbautag

42 WSM Stahltag 2016

43 Impressum

WISSENSWERTES

44 Schule und Ausbildung

LIFESTEEL

46 u.a. Neue Reussbrücke Gnadenthal, The Slide

Dr. Ludger Wolfgart

Chefredakteur Stahlreport

Markus Huneke

Redakteur Stahlreport

NACHGEHAKT

50 Rainer Langelüddecke zur Stufenausbildung

Stahlreport 11|16

3


Persönliches

Kurznachrichten

Fotos: MPIE

Bernhard Reiling

ist alter und neuer Präsident des Bundesverbands

Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

(bvse). Die Mitgliederversammlung des Verbands

hat den Chef der Reiling-Gruppe unter

Leitung von bvse-

Hauptgeschäftsführer

Eric Rehbock

Ende September bei

der Wahl eines neuen

Präsidiums im Amt

bestätigt. Auch Björn

Becker (becker + brügesch

Entsorgungs

GmbH) als vertretungsberechtigter

Vizepräsident und Hans Willy Fahnenbruck

(Bruckmann Entsorgung GmbH) als Schatzmeister

wurden erneut gewählt. Neu ins Präsidium

wurde Werner Steingaß (UNIROH

GmbH) für den Fachverband Papierrecycling

gewählt. Sebastian Will (Heinz Will GmbH &

Co. KG) vertritt künftig den Fachverband

Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling, Martin

Dinier (REISSWOLF Bonn AKTEX GmbH) ist

neuer Vizepräsident für den Fachverband

Akten- und Datenträgervernichtung, und Martin

Wittmann (Fa. Lorenz Wittmann GmbH)

wurde vom Fachverband Textilrecycling in das

Präsidium entsandt.

Martin Diehl und

Hauke Springer

sind Materialwissenschaftler am Düsseldorfer

Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE).

Sie wurden von der Deutschen Gesellschaft

für Materialkunde (DGM) für ihre Forschungsarbeiten

ausgezeichnet. Dr. Martin Diehl,

Postdoktorand in der Gruppe „Theorie und

Simulation“, wurde der Nachwuchspreis der

DGM verliehen. Diehl ist Maschinenbauer und

beschäftigt sich mit der Mechanik von Kristallen

und dem computergestützten Design

neuer Werkstoffe. Dabei trug er maßgeblich

Dr. Martin Diehl (rechts). Das Foto zeigt ihn mit

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Hirsch (links), DGM-Vorstandsvorsitzender

und anderen Gewinnern des

diesjährigen Nachwuchspreises bei der Preisverleihung

in Darmstadt.

Foto: bvse

Fotos: MPIE

dazu bei eine zu entwickeln, mit deren Hilfe

Wissenschaftler weltweit das Verformungsverhalten

komplexer Mikrostrukturen vorhersagen

können. Die DGM hat zudem Dr. Hauke

Springer, Leiter der Gruppe „Kombinatorische

Metallurgie und Prozesstechnik“ mit dem Werner-Köster-Preis

ausgezeichnet. Der Werner-

Köster-Preis wird jährlich an die Autoren einer

herausragenden Publikation im Bereich der

Metallkunde verliehen, die im vorangegangenen

Jahr in der Zeitschrift für Metallkunde

(IJMR) erschienen ist. Dr. Springer und seine

Co-Autoren, Prof. Dr. Dierk Raabe, Direktor

am MPIE, und Prof. Dr. Cem Tasan, ehemals

Gruppenleiter am MPIE und jetzt am Massachusetts

Institute of Technology, USA, erhielten

den Preis für ihre Publikation über ein

neuartiges Verfahren zur

Herstellung von mehrphasigen Strukturwerkstoffen

mit kontrolliertem Aufbau zur vereinfachten

Untersuchung und effizienteren Weiterentwicklung

von hochfesten Stählen.

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Hirsch (r.), Vorstandsvorsitzender

der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde,

übergibt Dr.-Ing. Hauke Springer (m.) und

Prof. Dr.-Ing. Dierk Raabe den Werner-Köster-

Preis.

Fabio Graw

ist vom Forum DistancE Learning in dem

Wettbewerb „Fernlerner des Jahres“ nominiert

worden und fährt mit seiner Frau zur

Verleihungsgala am 14.11.16 in Berlin. Der 29-

Jährige ist nach drei Jahren Fernstudium im

Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS)

seit Juni 2016 „Betriebswirt Stahlhandel

(BDS)“ und arbeitet für die Salzgitter Mannesmann

Stahlservice GmbH in Schwerte. Von

den BDS-Fachbereichsleitern war er für die

Ehrung vorgeschlagen

worden, weil insbesondere

seine Studienarbeit

in

hervorragender

Weise die Handlungsorientierung

des BDS-Weiterbildungsangebots

und

damit die Zukunftsfä-

Foto: Salzgitter

higkeit dieser Maßnahme zum Ausdruck

gebracht habe. Neben der fachlichen Qualifikation

sei er aber auch auszeichnungswürdig,

weil er in den Jahren des Studiums Bildung,

Beruf und Familie in bemerkenswert miteinander

kombiniert habe. Söhnchen Matteo

(1) darf allerdings noch nicht mit in die

Hauptstadt fahren, muss sich später davon

erzählen lassen.

Patrick Telders

gehört zu dem Typ von Praktikanten, die

später in leitender Funktion in das entsprechende

Unternehmen zurückkehren. Der

29-Jährige Bachelor

of Science nimmt

nämlich seit kurzem

bei der imess Optische

Mess- und

Prüfanlagen gmbH

in Witten als Vertriebsingenieur

Foto: Imess

nationale und internationale

Aufgaben

wahr. Nach dem

Abschluss seines Studiums der Elektrotechnik

an der TU Dortmund war er bereits

Anfang 2013 als Projektingenieur für Softwareentwicklung

in das Unternehmen eingetreten.

Imess entwickelt als herstellerunabhängiger

Engineering-Dienstleister

innovative, maßgeschneiderte Konzepte zur

schnellen und hochpräzisen Qualitätssicherung

mit Kamera- und Lasersystemen – wie

sie auch für Metalloberflächen immer häufiger

erforderlich werden.

Dieter Brucklacher

ist im September im Alter von 77 Jahren verstorben.

Der Familienunternehmer und

Seniorchef der Oberkochener Leitz-Gruppe

war Vorstandsvorsitzender des VDMA in

Baden-Württemberg (1997 bis 2004) und von

2004 bis 2007 Präsident im Verband Deutscher

Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

In diesen Zeiten, so schrieb der Verband in

seinem Nachruf, sei ihm insbesondere die

Nachwuchsgewinnung für den Maschinenbau

eine Herzensangelegenheit gewesen – eine

Aufgabe, der sich Dr. Dieter Brucklacher auch

in den Jahren danach als Kuratoriumsvorsitzender

(bis 2014) und Kuratoriumsmitglied

der IMPULS-Stiftung unermüdlich gestellt

habe. „Bildung ist mir ein besonderes Anliegen“,

hatte er anlässlich einer Impuls-Studie

zu den Karriereperspektiven im Maschinenbau

geschrieben.

4 Stahlreport 11|16


Foto: Südstahl

Werner Käuferle

ist Geschäftsführender Gesellschafter der

Südstahl GmbH & Co. KG in Mertingen und

hat jetzt fünf neuen Lehrlingen Karrieremöglichkeiten

in Sachen Stahl aufgezeigt: Die

Berufseinsteiger erwarte eine umfassende

Ausbildung. „Unsere erfahrenen und kompetenten

Ausbilder begleiten sie dabei, sodass

jeder die bestmöglichen Ergebnisse erzielen

kann“, sagte der Chef von Südstahl, das damit

nun insgesamt 21 Auszubildende beschäftigt,

auf alle Lehrjahre verteilt. Von den Neuen

werden drei Zerspanungsmechaniker, einer

lernt Metallbau, und eine Industriekauffrau ist

dabei. Südstahl ist mittelständischer Spezialist

für die Verarbeitung von Stahl sowie Lieferant

für den Anlagen-, Maschinen-, Werkzeugund

Vorrichtungsbau. Das Unternehmen bietet:

thermisches Trennen von Stahl und Aluminium

(Autogen-, Plasma -und Lasertechnik),

Entgraten, Glühen, Richten, Strahlen, Kanten

und Schweißen sowie die spanende Bearbeitung

mit CNC-gesteuerten Anlagen.

Oliver Bludau

hat im Sommer dieses Jahres als CEO der

Berghoff Group auch die Geschäftsführung

der Karl Krämer Maschinenfabrik GmbH & Co.

KG in Bergisch Gladbach übernommen. Karl

Krämer ist seit gut einem Jahr Teil der Berghoff

Group und hat sich dort als Spezialist im

Bereich anspruchsvoller Schweißbaugruppen

zu einem festen Bestandteil des um den

Bereich der Schweißkompetenz erweiterten

Leistungsportfolios der Berghoff Group entwickelt.

Die Berghoff Group bezeichnet sich als

Weltmarktführer in der mechanischen Bearbeitung

hochkomplexer Komponenten und

Baugruppen aus Titan, Wolfram, Aluminium,

Kupfer, Stahl, Werkzeugstahl, hochlegiertem

Stahl, Edelstahl und Guss „Nach gut einem

Jahr hat sich gezeigt, wie wertvoll es für

unsere anspruchsvollen Kunden aus aller Welt

ist, dass Berghoff dank der Karl Krämer

Maschinenfabrik sein Portfolio um die Kompetenzen

Schweißen und Lackieren erweitert

hat …“, so Oliver Bludau. Gemeinsam sei man

stärker.

Foto: Deutsche Messe AG

Hartmuth Müller

freut sich, in diesen Wochen dem Technischen

Komitee der Internationalen Organisation

für Standardisierung (ISO) eine Lösung

vorlegen zu können, mit der Roboter oder

andere Werkstück-Trägersysteme einfacher

in ein Fertigungssystem integriert werden

sollen. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe

„Schnittstelle Werkzeugmaschine – Automation“,

die den Standard im Verein Deutscher

Werkzeugmaschinenfabriken

(VWD)

mit Sitz in Frankfurt/M.

in diesem

Sommer erarbeitet

hatte. „Damit leiten

wir die erste weltweit

gültige Norm für

Schnittstellen in

automatisierten Fertigungssystemen

in

die Wege“, freute sich Dr. Hartmuth Müller in

diesem Zusammenhang. Erst im Juni hatte

der Verband sein 125-jähriges Bestehen

gefeiert und aus diesem Anlass u.a. nach der

Werkzeugmaschinenwelt im Jahr 2041

gefragt.

Foto: VDW

Takeshi Yagi und

Oliver Frese

haben in Hannover das „Memorandum of

Cooperation“ unterzeichnet, das Japan zum

Partnerland der kommenden Computermesse

CeBIT von 20. bis 24. März 2017 in

der niedersächsischen Landeshauptstadt

macht. In diesem Zusammenhang verweisen

der japanische Botschafter in Deutschland

und der Vorstand der Deutschen Messe AG

darauf, dass kaum ein Land so technikaffin

ist wie der asiatische Inselstaat. Durchschnittlich

gebe jeder Japaner pro Jahr umgerechnet

1.500 € für IT und Telekommunikation

aus.

Matthias Putz

kümmert sich in den kommenden drei Jahren

darum, dass mittelständische Unternehmen

in Sachsen bei der

Digitalisierung der

Produktion unterstützt

werden. Professor

Putz ist Leiter

des Fraunhofer-Instituts

für Werkzeugmaschinen

und

Umformtechnik IWU

und mit ihm speziell

für den Maschinenbau Partner in dem interdisziplinären

Forschungsprojekt. Ziel des

Vorhabens ist es, den sächsischen Mittelstand

durch Seminare, Workshops und

Online-Angebote zu sensibilisieren, einzubinden

und fit zu machen. Bisher würden die

Potenziale der vierten industriellen Revolution

für Mehrwert zu wenig genutzt, erklärte

Matthias Putz.

Iris von Rottenburg

ist zur Stellvertretenden Pressesprecherin

des BGA ernannt worden. Sie arbeitet seit elf

Jahren beim Bundesverband Großhandel,

Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in der

Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dort gibt es eine weitere Beförderung;

nämlich die von Meike Bährens zur Referentin.

Im BGA mit Sitz in Berlin sind mehrere

Dutzend Branchen des Groß- und Außenhandels

verbandlich organisiert.

Dirk Engelhardt

wird ab dem 1.1.2017 als Hauptgeschäftsführer

den Bundesverband Güterkraftverkehr

Logistik und Entsorgung leiten. Prof. Dr. Dirk

Engelhardt folgt auf

Prof. Dr. Karlheinz

Schmidt, der den

Verband nach über

39-jähriger Tätigkeit

als Präsident und

Geschäftsführendes

Präsidialmitglied zum

31.12.2016 verlassen

wird.

Foto: Fraunhofer

Foto: BGL

John Ferriola

ist zum neuen Präsidenten des Weltstahlverbands

worldsteel gewählt worden. Der 63-

jährige CEO des US-amerikanischen Stahlherstellers

Nucor hat auf dem

Jahreskongress des Verbands in Dubai die

Nachfolge von Wolfgang Eder, CEO von Voestalpine,

angetreten. Das Mandat ist jeweils

auf zwei Jahre begrenzt.

Stahlreport 11|16

5


Marktpartner

Bericht

Wesentlicher Teil

der Erweiterung der

Gebr. Lotter KG am

Standort Ludwigsburg

sind die beiden

Säge- sowie eine

Strahl- und Konservierungsanlage.

Fotos: Gebr. Lotter KG

Lotter weitet Dienstleistungsangebot aus

Neue Stahlhalle eingeweiht

Anfang Oktober hat die Gebr. Lotter KG in Ludwigsburg unmittelbar neben ihrem bisherigen

Stahllager eine neue Halle zur Lagerung und Anarbeitung von Walzwerkserzeugnissen

eröffnet. Das Unternehmen will dort nicht nur ein breiteres Warensortiment, sondern auch

verbesserte Dienstleistungen im Anarbeitungsbereich anbieten – neben dem Zuschneiden

insbesondere das Strahlen und Konservieren von Profilen und Blechen.

Nach fast eineinhalb Jahren

Bauzeit wurde der Betrieb der neuen

Lager- und Anarbeitungshalle in Ludwigsburg

nun aufgenommen. Zur

feierlichen Inbetriebnahme der Anlagen

waren Anfang Oktober rd. 350

geladene Gäste, Vertreter der Stadt,

Lieferanten und Kunden sowie Mitarbeiter

und Freunde des Hauses

gekommen.

Mit dem neuen Gebäude hat die

Gebr. Lotter KG mit dem Hallenneubau

die Lagerflächen für Walzstahl

von fast 20.000 m² auf 26.000 m² aufgestockt.

Das Familienunternehmen

hat mit dieser Investition einen weiteren

wichtigen Schritt im Geschäftsbereich

Walzstahl getätigt und sich

damit auch nachhaltig zum Standort

in Ludwigsburg bekannt. „Wir

freuen uns darauf, unseren Kunden

neue Leistungen und eine Erweiterung

im Walzstahlsortiment anzubieten“,

sagte der persönlich haftende

Gesellschafter Helmut Ernst.

Hoher Automationsgrad beim

Sägen und Strahlen

Für den Ausbau des Leistungsangebotes

hat das Stahlhandelsunternehmen

zwei neue Behringer-Sägean-

lagen sowie eine Strahl- und Konservierungsanlage

von Rösler angeschafft.

Die neue Anlage zeichnet

sich durch ihren hohen Automatisierungsgrad

und ihre integrierte

Markier- und Etikettiereinrichtung

aus.

Die weitere Verarbeitung des

Materials wird künftig softwaregesteuert

ablaufen. Der Einsatz der

ausgefeilten Software sei eine

wesentliche Erleichterung für die

Mitarbeiter, zugleich würden mögliche

Unfallgefahren während der

Anarbeitung nahezu ausgeschlossen,

so das Unternehmen.

Mit der Behringer GmbH als

Haupt-Projektierungspartner sei es

gelungen, ein System zu entwickeln,

das in einem Durchlauf den gesamten

Materialfluss sowie die Bearbeitungsschritte

zur Anarbeitung

zentral steuert. Der Sägemaschinenhersteller

aus dem baden-württembergischen

Kirchardt lieferte zudem

die gesamte Anlagentechnik, inklusive

der softwareseitigen Einbindung

in das ERP-System. Das

Gesamtkonzept der Anlage sei „wegweisend

als Perspektive für den

Stahlhandel von Morgen“, die Anlagen

zählten zu „den modernsten

ihrer Art für den Stahlhandel“, sagte

Christian Behringer, Geschäftsführer

der Behringer GmbH, anlässlich

der Inbetriebnahme.

Zentrale Einheit der beiden Behringer-Anlagen

ist ein mit dem

Warenwirtschaftssystem gekoppeltes

Produktions-Planungs-System,

das bis zum Profil auf der Maschine

Aufträge auf den Weg bringt, verfolgt,

rückverfolgt und dokumentiert.

Auch die Markier- und Etikettiereinrichtung,

die für eine zweifelsfreie

Identifizierung der Teile

sorgt, ist in dieses System integriert.

Die digitale Arbeitsweise soll vor

allem Transparenz schaffen und die

Durchlaufzeiten senken, sowohl in

der Produktion als auch in den administrativen

Bereichen.

Informations- zu

Wertschöpfungsströmen

Der stetige Datenaustausch der Systeme

sorge dafür, dass Bearbeitungsprozesse

in Gang gesetzt und aus

reinen Informationsströmen Wertschöpfungsströme

würden. Vom Rohmateriallager

bis zum fertig gesäg-

6 Stahlreport 11|16


ten, gestrahlten und konservierten

Teil in der Kommissionierzone, das

auf den bereits wartenden Lkw verladen

wird, sollen die Anlagen einen

effizienten Durchfluss, die Rückverfolgbarkeit

sowie die Dokumentation

für die verschiedenen betrieblichen

Ebenen liefern.

Gehrungsbandsägen

im Zentrum

Jede der beiden Bearbeitungslinien

bei Lotter besteht aus einer Gehrungsbandsägeanlage

HBP510-923G

mit automatischer Positioniereinrichtung

und Abschnittsortierung

für Kurzteile und Anschnitte. Zudem

hat jede Linie eine Einlagerstation

sowie vier Kommissionierplätze für

Teile von 1.200 bis 16.500 mm Länge.

Zwischen den beiden Sägeanlagen

werden hauptzeitparallel Reststücke

ins Lager zurückgeführt, ohne

den Ablauf zu unterbrechen.

Die Strahl- und Konservierungslinie

der Rösler Oberflächentechnik

GmbH aus Untermerzbach, einem

langjährigen Partner der Behringer

GmbH im Rahmen der Kooperation

Partners4Steel (P4S), sorgt für eine

bedarfsgerechte Nachbehandlung

der fertig konfektionierten Teile. Sie

fasst mit einer Breite von 1.600 mm

drei HEB300 Profile gleichzeitig bei

einem Durchlauf. Vor der Verladung

durchlaufen einige Profile auftragsgemäß

das Strahlhaus und werden

anschließend lackiert und getrocknet.

Reibungslos laden

Um einen möglichst reibungslosen

Ladeverkehr zu gewährleisten, wurden

die neuen Hallen mit einem Tunnel

direkt durch ein dazwischen stehendes,

historisches Kasernengebäude

mit den alten Walzstahlhallen

verbunden, so dass die Fahrzeuge

ohne Umwege von den neuen in die

alten Hallen gelangen können.

Verantwortliches Handeln –

dafür stehe Lotter auch bei den Themen

Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

„Wir haben bei der Planung und

während des Baus nachhaltige Konzepte

verfolgt und realisiert“, erklärte

Geschäftsführer Dr. Ralf von Briel.

So werden mit der 5.000 m² großen

Inbetriebnahme auf Knopfdruck (v.l.n.r.): Dr. Ralf von Briel

(Mitglied der Geschäftsleitung der Gebr. Lotter KG), Helmut Ernst

(persönlich haftender Gesellschafter der Gebr. Lotter KG), Rainer

Wolf (verantwortlicher Architekt, Büro Knecht Ludwigsburg

Planungs- und Bauleitungsgesellschaft mbH), Christian Behringer

(Geschäftsführender Gesellschafter der Behringer GmbH) und

Werner Spec (Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg).

Photovoltaikanlage auf dem Hallendach

Teile des Strombedarfs gedeckt.

Zudem setzt das gewählte LED-Lampenkonzept

voll auf Energieeinsparung

durch individuelle Lichtanpassung

pro Lampe und sei dadurch

effizienter als herkömmliche Be -

leuchtungssysteme. Die nicht von

der Photovoltaikanlage beanspruchte

Dachfläche wurde begrünt. 2

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Marktpartner

Bericht

Bietet Kunden ein

„Rundum-Sorglos-

Paket“ aus Stahlprodukten,

Anarbeitung,

Handwerks- und

Industriebedarf: das

Team des Produktionsverbindungshandels

Meinolf Gockel

GmbH & Co. KG.

Fotos: Meinolf Gockel GmbH & Co. KG

„Region plus X“-Unternehmen Meinolf Gockel

Menschen machen Erfolge

Ein erfolgreiches Unternehmen braucht gute Ideen, gute Produkte, gute Kunden. Vor allen Dingen

braucht es aber gute Mitarbeiter. Auch beim Produktionsverbindungshandel Meinolf Gockel im westfälischen

Warburg sind die Mitarbeiter ein entscheidender Teil des unternehmerischen Erfolgs. Das ist

kein Zufall. Für Meinolf Gockel, gleichnamiger Inhaber und Geschäftsführer des Familienunternehmens

in fünfter Generation, ist die Wertschätzung seiner Mitarbeiter tägliche Praxis. Sorgen macht

dem Unternehmer auf lange Sicht jedoch der fehlende Nachwuchs in der Region. Dabei hat der Kreis

Höxter in Sachen Lebensqualität einiges zu bieten.

Meinolf Gockel ist erfolgreich

in die Fußstapfen seines Vaters und

Großvaters getreten. Als Systemanbieter

erhalten Kunden der Meinolf

Gockel GmbH & Co. KG ein „Rundum-

Sorglos-Paket“ an Produkten, Service

und Dienstleistungen. Im Fachbereich

Stahl des Unternehmens

wird nicht nur ein breites Sortiment

von Lang- und Flachprodukten verkauft.

Zum Angebot gehört neben

Anarbeitungsdienstleistungen wie

Sägen, Schneiden, Brennen, Bohren,

Biegen, Strahlen und Konservieren

zudem der Handel mit Handwerksund

Industriebedarf.

Auch wenn das Unternehmen

auf eine 90-jährige Historie zurückschaut

– der Blick in die Zukunft

gehört seit jeher zu den unbedingten

Pflichten des Unternehmers. Um

für die Zukunft weiter gerüstet zu

sein, hat Meinolf Gockel daher in

den vergangenen zwei Jahren mehr

als 2,5 Mio. € in das Unternehmen

investiert.

Vertrauen ist eine Währung

Wenn die Gepflogenheiten der

Unternehmenskommunikation

heute auch oft das gut vernehmbare

Mitarbeiterlob empfehlen, für

den Mittelständler ist diese Wertschätzung

gelebte Alltagspraxis. So

legt er großen Wert auf die Beziehungspflege

auf der beruflichen

Ebene und kennt etwa seine 124

Mitarbeiter allesamt mit Namen.

Für direkte Gespräche mit dem Chef

hat Meinolf Gockel immer ein offenes

Ohr, Mitarbeiter können mit

Verständnis und Unterstützung

rechnen. Das honoriere die Gockel-

Mannschaft mit hoher Loyalität und

Einsatzbereitschaft.

In der Region wisse man, dass in

dem Unternehmen einerseits hart

gearbeitet werde. Zugleich erhielten

die Mitarbeiter neben Lohn und

Gehalt noch eine weitere Währung:

Vertrauen. Dieses hohe Gut schätzten

die Mitarbeiter hoch. Der gemeinsame

Wille, etwas zu bewirken, trage

zu einem besonders guten Arbeitsklima

bei.

Arbeiten und Leben

in der X-Region

Der Firmensitz Warburg liegt im östlichen

Teil Nordrhein-Westfalens, im

Kreis Höxter – ein ländlich geprägter

Raum mit rund 140.000 Einwohnern,

in dem sich zehn Städte verteilen.

„Die Menschen, die im Kreis

Höxter leben, leben gern hier – egal

ob hier aufgewachsen oder zugezogen“,

erzählt Meinolf Gockel.

Doch der demografische Wandel

und die Tatsache, dass immer mehr

junge Menschen den Kreis verlassen,

um andernorts zu studieren

oder eine Ausbildung zu absolvieren,

machen ihm Sorgen. Dabei ist

die Region in vieler Hinsicht überaus

lebenswert. Insbesondere für

Familien biete sie ein lebenswertes

Umfeld: es lasse sich dort etwa kostengünstig

Wohnen, in Dorfgemeinschaften

mit einer funktionierenden

8 Stahlreport 11|16


Ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter: Inhaber und Geschäftsführer

Meinolf Gockel.

Seit mehr als 30 Jahren beim Unternehmen Meinolf Gockel:

der Leiter des Lager- und Logistikbereichs Michael Kohaupt

(mit dem Logo der Kampagne „Region plus X).

Infrastruktur aus Kindergärten,

Schulen, Einkaufsmöglichkeiten,

Arztpraxen und Apotheken.

Auch wenn seine eigene Ausbildungsquote

noch sehr gut ist und

derzeit bei 10 % liegt, weiß Meinolf

Gockel, dass die Höxteraner Unternehmen

für die Zukunft agieren

müssen. Aus diesem Grunde engagiert

er sich im Arbeitskreis „Standortmarketing

der Wirtschaftsinitiative

im Kreis Höxter“, die als

Kooperationspartnerin der Gesellschaft

für Wirtschaftsförderung im

Kreis Höxter (GfW) das Projekt „Kreis

Höxter – Die Region plus X“ ins Leben

gerufen hat (siehe Kasten).

Karriere im Kreis Höxter

Die Kampagne will dazu beitragen,

den Kreis Höxter nicht nur als Kulturland,

sondern auch als Wirtschaftsstandort

bekannt zu machen.

„Wir haben ca. 6.000 Unternehmen

im Kreis, darunter sowohl bekannte

Markennamen als auch ,Hidden

champions‘. Die Unternehmen sind

von westfälischer Bodenständigkeit

geprägt und zeichnen sich gleichzeitig

durch eine hohe Innovationskraft

aus“, erzählt Heiko Böddeker,

verantwortlich für Standortmarketing

bei der GfW des Kreises Höxter.

Beim Projekt der X-Region schickt

Meinolf Gockel gleich vier seiner Mitarbeiter

als Botschafter für die Region

ins Rennen (siehe Kasten). Alle vier

haben ihre Ausbildung bei Meinolf

Gockel absolviert und sich über die

Jahre in verantwortungsvolle Positionen

hochgearbeitet. Karriere im

Kreis Höxter ist also möglich. 2

Das Herz hängt an der X-Region

Michael Kohaupt blickt auf eine über 30-jährige

Betriebszugehörigkeit beim Systemlieferanten Meinolf

Gockel in Warburg zurück. Schon die Ausbildung als

Groß- und Außenhandelskaufmann absolvierte er im

Unternehmen, nach seiner Wehrpflicht kehrte er wieder

zurück. „Hier bekommen Mitarbeiter seit jeher

eine Chance, an ihren Aufgaben zu wachsen. Das fand

ich damals spannend und so bin ich dem Betrieb seit

Jahrzehnten treu geblieben.“

Mittlerweile leitet Michael Kohaupt den Lager- und

Logistikbereich. Hier lagen schon immer seine Stärken

und hier konnte er sich bestens nach seinen Fähigkeiten

einbringen. Er organisiert die Lagerhaltung von

rund 25.000 Produkten und koordiniert den Fuhrpark.

Im Betrieb herrscht ein kollegiales Klima, das Verhältnis

zu den Kunden ist vertrauensvoll. „Die Kunden wissen,

dass wir hier so ziemlich alles möglich machen,

was möglich ist. Das schafft langfristig eine Vertrauensbasis,

die eine enge Zusammenarbeit fördert“,

erzählt der 49-jährige Logistikleiter.

„Ich konnte im Laufe der Jahre an allen Themen mitarbeiten,

die schwierig umzusetzen waren. Wir hatten dabei in

der Gestaltung ziemlich freie Hand, und das Unternehmen

hat das immer honoriert und gefördert.“ Schnelle

Entscheidungen, Integration der Mitarbeiter in die

Abläufe und ein gutes Arbeitsklima: das macht die Unternehmenskultur

der Meinolf Gockel GmbH & Co. KG aus.

Doch nicht nur der Umgang auf der Arbeitsebene

gefällt Michael Kohaupt. Aus eigener Erfahrung weiß

er, wie fürsorglich die Geschäftsleitung agiert, wenn es

z.B. um familiäre Schicksalsschläge geht. „Das Verständnis

des Chefs hilft in schwierigen Zeit sehr und

entlastet enorm, wenn man in solchen Phasen einfach

mehr Freiraum für die Familie braucht“, berichtet

Michael Kohaupt.

Michael Kohaupt hat sich mit seiner Frau und seinen

beiden Kindern ein gutes Leben aufgebaut. „Wir

leben in einer schönen Landschaft, die geprägt ist

von vielen kleinen Städten, mit einer guten Verkehrsanbindung

und einer ordentlichen Infrastruktur. Überall

nette Menschen, wohin man sieht,“ zwinkert

Kohaupt. Ein Leben in der Großstadt kann er sich nicht

vorstellen: viel zu eng und anonym. So sind es auch im

privaten Bereich die sozialen Kontakte, die für ihn das

Wohnen im 1.000 Einwohner zählenden Bonenburg so

wertvoll machen.

[ Info ]

Ausführliche Portraits aller „X-Region-Botschafter“

sind auf der Webseite der Kampagne unter

www.xregion.de zu finden.

Die Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter präsentiert sich

unter www.wih-hx.de

Stahlreport 11|16

9


Marktpartner

Bericht

Der Stahl- und Systemlieferant

Marks

setzt bei der Sägetechnik

durchgängig

auf Anlagen aus dem

Hause Kasto.

Fotos: Kasto

Werkzeugbau-Zulieferer setzt voll auf Kasto

Für jeden Schnitt die richtige Säge

Ein umfangreiches Lagersortiment im Rohmaterialbereich, Präzisionsflachstahl und Norm-P-Platten,

kurzfristige Lieferungen auch in kleinen Mengen sowie umfangreiche Anarbeitungs-Möglichkeiten

mit modernster Fertigungstechnik: Das ist das Erfolgsrezept des Thüringer Stahl- und System -

lieferanten MARKS. Um seinen Kunden jederzeit ein breites Materialspektrum in unterschiedlichsten

Abmessungen bieten zu können, setzt Marks seit vielen Jahren auf Sägetechnik von Kasto.

Der Thüringer Stahl- und Systemlieferant

mit Sitz in Eisenberg nahe

Leipzig besetzt mit seinem Produktspektrum

eine Nische, die für große Lieferanten

nicht lukrativ erscheint – und

ist gerade deshalb deutschlandweit

sehr gefragt. Der Fachlieferant für den

Werkzeug- und Maschinenbau bietet

seinen Kunden in ganz Deutschland

ein einmalig breites Sortiment verschiedenster

Rohmaterialien, darunter

Präzisionsflachstahl, Werkzeugund

Nirostähle, Aluminium, Erodierkupfer,

Grauguss, Graphite, Rotguss-

Bronze oder Messing.

1992 von Lothar Marks im thüringischen

Eisenberg gegründet, ist das

einstige Einzelunternehmen mittlerweile

zu einer familiengeführten Firmengruppe

mit 45 Mitarbeitern herangewachsen.

Breites Sortiment,

hohe Fertigungstiefe

Die Marks GmbH versteht sich als

Systemlieferant für den Werkzeugund

Formenbau, den Maschinenbau

sowie für Lohnfertiger. Das Portfolio

umfasst Rohmaterial, Normalien und

Führungselemente, Formeinsätze, Fixzuschnitte

und komplett vorgefertigte

Bauteile. „Unser umfangreiches Lagersortiment

und unsere hohe Fertigungstiefe

sind unsere größten Stärken“,

erklärt Firmenchef Lothar

Marks.

Das Unternehmen bedient damit

äußerst erfolgreich einen Markt, den

die großen Werkzeugstahlhändler

zumeist vernachlässigen: kleine und

mittelständische Unternehmen, die

auf unterschiedliche Materialien in

geringen Mengen angewiesen sind –

dies aber innerhalb kürzester Zeit.

„Die meisten Händler setzen auf

immer niedrigere Lagerbestände und

sind bei Bestellungen ihrerseits auf

Zulieferer angewiesen. Da kann die

Auslieferung schon mal ein paar Tage

dauern, manchmal sogar Wochen“,

schildert Marks. „Wir dagegen haben

mehr als 3.000 t Rohmaterial auf Lager

und versenden Bestellungen von

Lagerartikeln in der Regel noch am

gleichen Tag, Zuschnitte meist innerhalb

von 24 h.“

Über 300 Anfragen pro Tag

Über den firmeneigenen Online-Shop

können die Kunden die mehr als

70.000 Lagerstücke jederzeit einsehen

und haben damit sofort einen

Überblick, welcher Werkstoff in welcher

Menge und Qualität verfügbar

Gründer und Senior-Chef Lothar Marks (Mitte) mit Sohn André

Marks und Tochter Heike Marks-Serfling, die beide ebenfalls als

Geschäftsführende Gesellschafter tätig sind.

70.000 Lagerstücke – das Sortiment von Marks umfasst ein großes Materialspektrum

für den Werkzeug- und Formenbau.

10 Stahlreport 11|16


ist. Bestellt wird direkt über den Shop,

per E-Mail oder am Telefon. Über 300

Anfragen gehen auf diesen Wegen täglich

ein, elf Mitarbeiter sind allein mit

dem Verkauf beschäftigt.

Das Unternehmen verfügt neben

einem hochmodernen CAD/CAM-System

zur Verarbeitung der Bauteiledaten

auch über einen bemerkenswert

umfangreichen Maschinenpark: u.a.

neun CNC-Bearbeitungszentren für

die Fräsbearbeitung, vier Tieflochbohrmaschinen,

die Werkstücke bis zu

10 t fassen, sowie Anlagen zum Wasserstrahlschneiden

und Flachschleifen.

„Diese Anarbeitungsvielfalt ist in

Deutschland einzigartig“, so Marks.

„Damit können wir unseren Kunden

auch in der CNC-Sonderbearbeitung

deutlich kürzere Liefertermine als der

Wettbewerb bieten.“

Marks setzt voll auf Kasto

Bei der Sägetechnik setzt das Unternehmen

seit vielen Jahren auf Anlagen

aus dem Hause KASTO Maschinenbau

GmbH & Co. KG. Zwar hat der

Unternehmer in den Anfangsjahren

Anlagen auch von anderen Herstellern

gekauft. Langfristig überzeugt

haben ihn letztendlich aber die

Maschinen des badischen Maschinenbauunternehmens.

Insgesamt zehn

Kasto-Sägen umfasst der Maschinenpark

bei Marks, Wettbewerbsprodukte

sucht man dort vergeblich.

Die neueste Anschaffung ist

eine Blockbandsäge vom Typ KASTO -

bloc U 5. Mit einer Schnitthöhe bis

580 mm und einer Schnittlänge bis

3.100 mm ist sie ideal für kleinere Blöcke

und Platten geeignet. Sie bringt

eine hohe Zerspanungsleistung und

Schnittgenauigkeit mit und bietet

zugleich eine gute Zugänglichkeit:

„Dank des großzügig dimensionierten

Materialauflagetischs können wir

sämtliche Abmessungen gut handhaben“,

bemerkt André Marks, der Sohn

des Unternehmensgründers und,

zusammen mit seiner Schwester Heike

Marks-Serfling, ebenfalls als Ge -

schäfts führende Gesellschafter tätig.

Direkt neben der Blockbandsäge

steht in der Werkhalle ein Spezialist

für die wirklich großen Abmessungen

– eine KASTOcross A 4 x 12. Mit

ihr sägt das Unternehmen u.a. Stahl -

bleche im Standardformat 1.000 x

Kasto feierte Jubiläum in Schalkau

Die auf Sägeanlagen und Lagerlösungen spezialisierte Kasto Maschinenbau

GmbH & Co. KG hat im September das 25jährige Bestehen ihres Standorts

in Schalkau gefeiert. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im badenwürttembergischen

Achern-Gamshurst hat das Jubiläum mit einem Tag der

offenen Tür für Mitarbeiter, Angehörige und Gäste begangen.

Dabei erinnerte der Geschäftsführende Gesellschafter Armin Stolzer an

die Anfänge des Zweigewerks in Thüringen: „Ende der 1980er-Jahre

waren unsere Kapazitäten in Achern an ihre Grenzen gestoßen. Außerdem

planten wir, zu expandieren und den vielversprechenden Markt in

den neuen Bundesländern zu erschließen. Dafür war eine Niederlassung

in der Region Voraussetzung.“

1991 erfolgte der Spatenstich für das neue Werk, das seitdem kontinuierlich

gewachsen ist. 2001 und 2006 erweiterte Kasto jeweils seine Fertigungskapazitäten,

erst in diesem Jahr sind neue Büroräume dazugekommen.

„Wir bekennen uns ganz klar zum Standort Schalkau und werden

hier auch in Zukunft investieren“, betonte Armin Stolzer.

2.000 mm sowie Blöcke und Platten

bis maximal 410 x 1.270 mm. Die minimale

Plattenhöhe beträgt gerade

einmal 10 mm, so dass die Hochleistungs-Bandsäge

für ein breites Einsatzspektrum

geeignet ist.

Von kleineren Platten

bis zum Massenschnitt

Zum Trennen kleinerer Platten bis

200 mm stehen zwei halbautomatische

Vertikal- Bandsägemaschinen

vom Typ KASTOvertical zur Verfügung.

Diese sind mit ihrer Langschnitt-

Arbeitsweise ideal dafür geeignet,

unterschiedliche Querschnittmaße

aus kleineren Walzblöcken und -platten

sowie Vierkant- und Flachmaterialien

zu konfektionieren.

Immer wieder sind bei Marks

auch Massenschnitte für Großserien

gefragt. Für solche Fälle besitzt der

Spezialist eine vollautomatische,

CNC-gesteuerte Kreissäge vom Typ

KASTOvariospeed C 15. Mit einem

Schnittbereich bis zu 152 mm bei

Rund-, 155 x 120 mm bei Flach- und

135 x 135 mm bei Vierkantmaterial

ist diese zum Trennen von Vollmaterial,

Profilen und Rohren in allen Qualitäten,

einschließlich schwer zerspanbarer

Werkstoffe geeignet.

Hohe Kapazität, hohe Flexibilität

Doch damit ist der Marks‘sche Maschinenpark

in Sachen Kasto-Sägen noch

nicht komplett. Weitere Bandsägeautomaten

wie die KASTOtec oder die

KASTOtwin, aber auch kleinere

Modelle wie die KASTOssb A 2, sind

bei dem Unternehmen im Einsatz.

Diese Vielfalt bietet gleich mehrere

Vorteile: „Zum einen haben wir immer

genügend Kapazitäten frei“, schildert

André Marks. Dies ist besonders wichtig,

um die kurzen Lieferzeiten sicherzustellen,

mit denen sich Marks vom

Wettbewerb abhebt.

Außerdem ergibt sich so eine

große Fertigungsflexibilität: „Wir können

sämtliche Materialien in allen

erdenklichen Größen sägen und finden

auch für Sonderschnitte immer

eine optimale Lösung“, betont Senior-

Chef Lothar Marks. „Bei unserem breiten

Produktportfolio ist diese Fähigkeit

von zentraler Bedeutung.“

Entscheidend ist für den Werkzeugbau-Zulieferer

aber auch der

Kasto-Service. Da lange Reaktionszeiten

im Service-Fall die Fertigung empfindlich

durcheinander bringen können,

ist das Unternehmen auf einen

Ansprechpartner angewiesen, der entsprechend

schnell reagiert. Mit Kasto

hat Marks zum einen einen Ansprechpartner

für die gesamte Sägetechnik.

Hinzu kommt der Umstand, dass dieser

nur einige Kilometer entfernt positioniert

ist. Denn Kasto betreibt seit

mittlerweile 25 Jahren ein Zweigwerk

im thüringischen Schalkau. „Bei

Bedarf sind die Techniker in kürzester

Zeit bei uns vor Ort – diese Reaktionsschnelligkeit

kann ich etwa von

einem chinesischen Hersteller nicht

unbedingt erwarten“, lacht Lothar

Marks. In Anspruch nehmen musste

er diese Dienstleistung jedoch noch

nicht oft, betont er. 2

Stahlreport 11|16

11


Marktpartner

Bericht

Logistik 4.0 im Stahlhandel

Algorithmus sei Dank

Im Stahlhandel ruhen entlang der Prozesskette zwischen Einlagern und Ausliefern große Einsparpotenziale,

die mit Hilfe der Digitalisierung und Logistik 4.0 gehoben werden können. So lautet die

Einschätzung des Softwarehauses Wanko Informationslogistik. Basis dafür ist eine per Algorithmus

optimierte Tourenplanung. Eine zukünftige Logistiklösung für den Stahlhandel integriert jedoch

sämtliche Produktions- und Kommissionierschritte, sagt Wanko-Berater Marco Lang.

Sobald Marco Lang die Halle

eines Stahlhändlers betritt, beginnt in

seinem Kopf die Analyse der dortigen

Logistikprozesse. Lagerbestände,

Artikel, Krane, Sägen, Bohrer und

Lkw setzt der Berater des Softwarehauses

Wanko fast aus dem Stand zu

einem Gesamtbild zusammen. „Ich

kann meinen Kunden sehr schnell

sagen, ob und wie sie ihre Logistikkosten

reduzieren können“, stellt der

53jährige fest, der vor rund zwei Jahren

die Seiten gewechselt hat.

Zuvor war der Hüne 15 Jahre als

Logistikleiter im Stahlhandel aktiv

und hat in dieser Zeit die Abläufe entlang

„seiner“ Lieferkette mehrmals

gestrafft und beschleunigt. „Die Digitalisierung

spielte dabei eine zentrale

Rolle“, erinnert sich der Praktiker,

der damals seinen heutigen Arbeitgeber

aus der Kundenperspektive kennenlernte.

Die Wanko Informationslogistik

GmbH aus Ainring hat sich

auf Software für Tourenoptimierung,

Lagerverwaltung und Telematik spezialisiert.

Die Stahlbranche zählt zu

den Schwerpunkten des inhabergeführten

Unternehmens.

Schnell amortisiert

„Auf dem Weg zu Logistik 4.0 bildet

ein Tourenplanungssystem die Basis“,

sagt Lang. Allein durch die verbesserte

Auslastung der eigenen Lkw bei

maximaler Lieferfähigkeit mache sich

die Lösung schnell bezahlt. „Die Software

liefert auf Basis der hinterlegten

Kriterien zur Ladekapazität der

Lkw und den kundenseitig vorhandenen

Abladebedingungen optimierte

Tourenvorschläge. Ebenfalls in die

Planung einbezogen werden die unterschiedlichen

Ladestellen für Bewehrungsstahl

und Walzstahl. Die Algorithmen

zum Berechnen der wirtschaftlichsten

oder schnellsten Strecke

bilden dabei das Herzstück der

Software, die sich mit zahlreichen

Parametern feinjustieren lässt.

Aus eigener Erfahrung weiß Lang,

dass sich mit einem Tourenplanungssystem

nicht nur die Auslastung der

eigenen Fahrzeuge optimieren, sondern

auch der Einsatz von Spediteuren

minimieren lässt. „In früheren

Zeiten hatten wir rund 15 % unserer

Aufträge an Transporteure vergeben,

was uns monatlich sehr hohe Kosten

verursachte“, erzählt Lang. Nach Einführung

der Tourenplanung wurden

90 % der Auftragsmenge mit der eigenen

Flotte bewältigt. „Allein dadurch

Foto: Wanko

„Ich kann meinen Kunden sehr schnell

sagen, ob und wie sie ihre Logistikkosten

reduzieren können.“

Marco Lang, Berater beim Softwarehaus Wanko

12 Stahlreport 11|16


NUR FÜR DEN FACHHANDEL

hatte sich damals die Lösung innerhalb des ersten Jahres

amortisiert“, so Lang.

Erhöhte Transparenz

Neben den Kostenvorteilen führt ein Tourenplanungssystem

vor allem zu mehr Transparenz. Die Disponenten

können sich zu jeder Zeit einen schnellen Überblick

über die aktuellen Touren und Beladezustände der eigenen

Lkw verschaffen. Für jeden einzelnen Auftrag lässt

sich in Echtzeit erkennen, ob dieser bereits kommissioniert

oder sogar schon verladen wurde. Somit kann meist

noch am Telefon mit dem Kunden geklärt werden, ob sich

ein zusätzlicher Auftrag noch für den nächsten Tag realisieren

lässt.

Als weiteren Optimierungsschritt sieht Lang die Anbindung

der Tourenplanung an das Warenwirtschaftssystem.

Damit bekommen auch Vertrieb und Geschäftsleitung

einen direkten Zugang zur Logistik, was die

Kommunikation wesentlich vereinfacht.

Apropos Kommunikation: Eine integrierte Telematiklösung

ermöglicht innerhalb des Gesamtsystems den

digitalen Austausch von Informationen und Auftragsdaten

zwischen Lkw und Zentrale. Tourdaten werden per

Knopfdruck direkt aus dem Planungssystem zum Fahrer

gesendet, der dafür über ein mobiles Endgerät wie ein

Smartphone verfügt. In Verbindung mit einer Ortungsfunktion

können Disponenten den tatsächlichen Tourfortschritt

verfolgen und Anfragen der Empfänger nach

dem voraussichtlichen Liefertermin ohne Rückfragen

beim Fahrer beantworten.

Weiteres Einsparpotenzial

Für die Zukunft sieht Lang aber noch weiteres Einsparpotenzial:

Ihm schwebt eine Logistiklösung vor, die sämtliche

Produktions- und Kommissionierschritte wie Sägen,

Bohren, Sandstrahlen oder Grundieren in einem einzigen

System in die Berechnungen einbezieht. „Der Disponent

sieht dann auf einen Blick, zu welchem Zeitpunkt er das

Kommissionieren anstoßen muss, damit die Ware pünktlich

zum Verladen bereit steht“, erklärt Lang.

Für diesen Zweck müssten sämtliche Arbeitszeitwerte

ermittelt und im System hinterlegt werden. Für eine optimierte

Schnittplanung würde die Software dann auf die

gelagerten Mengen und Sorten mit den entsprechenden

Abmessungen zugreifen und auf dieser Basis das Entstehen

unverkäuflicher Reststücke minimieren. Zudem wäre

sofort ersichtlich, welche Abmessungen man sich künftig

sparen könne. Ganz klar: Wenn sich der Einkauf auf

weniger Sorten und Längen konzentriert, ergibt sich ein

weiterer Kostenvorteil.

Als weiteren Nebeneffekt erfüllt eine derart integrierte

Lösung sogar die DIN EN 1090 für das Inverkehrbringen

von tragenden Stahlkonstruktionen. „Schließlich

lässt sich im Zuge der Digitalisierung aller

Warenbewegungen jedes einzelne Stück Stahl zusammen

mit den zugehörigen Werkszeugnissen lückenlos

rückverfolgen“, weiß Lang, der seine Vision von „Stahlhandel

4.0“ umsetzen möchte. Bei Wanko sitzt er dafür

an der richtigen Stelle. 2

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Marktpartner

Bericht/Nachrichten

Fotos: Kerschgens

Boarding: 170 Mitarbeiter und Pensionäre betreten das Schiff zur Feier des

Kerschgens-Firmenjubiläums.

Geschäftsführer Manfred Kerschgens

und Heinz Herbort erhielten als Dank für

die von ihnen entgegengebrachte Wertschätzung

von der Belegschaft eine maßgefertigte

Skulptur.

Höhepunkt des Kerschgens-Jubiläumsjahrs

Schifftstour mit Mannschaft

Für rund 170 Mitarbeiter und Pensionäre der Firma Kerschgens Werkstoffe & Mehr GmbH hieß es

Anfang September „Leinen los und volle Kraft voraus!“ In Remich, Luxemburg, an der Mosel

legte die Belegschaft zu einer Dreiländereck-Schiffstour ab, die flussaufwärts bis ins französische

Sierck-Les-Bains und zurück führte. Anlass war das 140-jährige Jubiläum des Familienunternehmens,

das 2016 gefeiert wird.

Aus Unternehmenssicht wurden

die Leinen bereits 1876 losgeworfen.

„Volle Kraft voraus“ könnte man seit

dem Jahr der Gründung als eines der

Leitmotive des Unternehmens bezeichnen.

Kerschgens hat sich in den 140

Jahren von einer kleinen Metallwarenhandlung

zu einem der größten familiengeführten

Stahlgroßhändler und

schließlich zu einem Dienstleister rund

um Stahl, Edelstahl, NE-Metalle und

Lochbleche mit rund 230 Mitarbeitern

entwickelt.

Heute ist das Unternehmen vom

Saarland und dem südlichen Rheinland-

Pfalz über die Eifel, den Aachener Raum

und das westliche Rheinland bis an den

Niederrhein sowie in den angrenzenden

Regionen von Frankreich, Luxemburg,

Belgien sowie den Niederlanden aktiv

und erzielt einen Jahresumsatz von

rund 100 Mio. €.

Kleines Jubiläum on top

Im Juni dieses Jahres fand bereits die offizielle

Feier mit Kunden, Partnern sowie

Vertretern aus Wirtschaft, Verbänden

und Politik statt. Den Höhepunkt der

Feierlichkeiten stellte aber die Mitarbei-

terfeier auf der Mosel dar. Zusätzlich

zum 140-jährigen Firmenjubiläum

wurde dabei auch das 10-jährige Bestehen

des Kerschgens-Standortes in Bitburg

gefeiert. Bei perfektem Sommerwetter

wurden beide Jubiläen gebührend

begangen. „Wir Mitarbeiter stehen

seit jeher im Mittelpunkt der Firmenphilosophie

von Kerschgens“, bekräftigte

Prokurist und Ein-/Verkaufsleiter Pièrre

Schlüper. Das spüre man zum einen an

der Art und Weise, wie in dem Unternehmen

miteinander umgegangen

werde, und zum anderen an solchen

Anlässen wie dieser Jubiläumsfeier.

Neben aktiven Mitarbeitern waren

auch zahlreiche Mitarbeiter an Bord,

die bereits im Ruhestand sind – auch

eine Tradition bei Kerschgens. Viele

„Ehemalige“ halten immer noch regelmäßigen

Kontakt zum Unternehmen

und werden über das Mitarbeitermagazin

weiterhin über die Entwicklung

des Unternehmens informiert.

Elefantenrunde

Die Belegschaft bedankte sich für die

ihr entgegengebrachte Wertschätzung

mit einem ganz besonderen Jubiläumsgeschenk:

Eine Metallskulptur des Markenzeichens

von Kerschgens, einem

Elefanten, komplett gefertigt aus unterschiedlichen

Werkstoffen aus dem

Kerschgens-Lagersortiment, wurde den

Geschäftsführern Manfred Kerschgens

und Heinz Herbort während der Schiffstour

überreicht.

Die Ideen für die Gestaltung wurden

von einem „geheimen“ Projektteam

zusammengetragen und umgesetzt.

Nicht nur, dass die Geschäftsleitung von

den Aktivitäten nichts mitbekommen

durfte, auch der Transport auf das Schiff

gestaltete sich nicht ganz einfach. Die

Skulptur wiegt zwar nicht so viel wie

ein echter Elefant, aber immerhin 75kg.

Diese musste unbemerkt zunächst im

Bus vom Standort Stolberg an die Mosel

und dort auf das Schiff gebracht werden.

100 % Teamgeist ist aber eines der

Kerschgens-Credos. Und so wurde auch

diese Herausforderung gemeinsam

gemeistert, zur großen Überraschung

der beiden Geschäftsführer bei der feierlichen

Übergabe. Auch bei der Party

bewiesen die Kerschgens-Mitarbeiter

Ausdauer und Teamgeist und feierten

bis tief in die Nacht. 2

14 Stahlreport 11|16


EDE setzt auf Wachstum

Neue Stahlhandelsgesellschaft gegründet

Die Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler

GmbH (EDE) hat zum 1. Oktober

den bisherigen Geschäftsbereich UNION

STAHL-HANDEL in die ESH EURO STAHL-

Handel GmbH & Co. KG ausgegründet.

Damit setze die Wuppertaler Verbundgruppe

den Kurs auf Wachstum und forciere

die strategische Entwicklung im Stahlbereich,

hieß es.

Ein Schwerpunkt der neuen Gesellschaft ist

dem EDE zufolge die internationale Perspektive.

Man wolle den europäisch und weltweit

agierenden Lieferanten auf Augenhöhe

begegnen. „Der Blick über die Grenzen wird

auch im Stahlhandel, insbesondere im Einkauf

immer wichtiger. Mit unseren Partnern

werden wir ab sofort in europäischen

Dimensionen denken und handeln“, sagte

Joachim Hiemeyer, Mitglied der EDE-

Geschäftsführung.

Heinz-Alfred Liebig, bisher Geschäftsbereichsleiter

UNION STAHL-HANDEL und

neben Hiemeyer nun Co-Geschäftsführer

der ESH, ergänzte: „Wir müssen über unseren

nationalen Tellerrand schauen. Die Konsolidierung

im Stahlgeschäft schreitet voran.

Das kann man als Einkaufsverbund nicht

ignorieren. Sich international aufzustellen,

ist hier eine notwendige Option.“

Mit Gründung der ESH forciere das EDE

zudem die Ausweitung der Produktkompetenz.

Neben Betonstahl und Baustahlmatten

werde der Fokus künftig stärker auch auf

Formstahl und Trägern, Rohren, Flachprodukten

sowie Stabstahl liegen.

Weitere Möglichkeiten eröffneten sich für

die Mitglieder dem EDE zufolge durch die

100-%-Tochter ETRIS BANK. Neben der Delkredere-

und Zahlungsabwicklung bediene sie

den steigenden Bedarf von Mitgliedern bei

der Deckung von Finanzierungslücken, um

größere Tonnagen und Verträge mit langen

Lieferzeiten zu ermöglichen. Auch bei Investitionen

sei die ETRIS BANK ein kompetenter

Partner, der nicht nur aus Finanzierersicht,

sondern aus Unternehmenssicht agiere.

Dem Stahlbereich kämen ebenfalls die digitalen

Kompetenzen des EDE zugute. Lösungen

rund um Datenmanagement und E-Commerce

würden den Mitgliedern zur Verfügung

gestellt.

Bonusabsicherung Stahl kommt an

Die Bonusabsicherung im Nordwest-Geschäftsbereich Stahl, welche die Verbundgruppe

bereits seit zwei Jahren anbietet, wird dem Unternehmen zufolge von den Handelspartnern

sehr gut angenommen. Mit dem von Nordwest entwickelten Modell haftet der Verband für

die Bonusansprüche seiner Fachhandelspartner bei der Industrie. In Zeiten von Überkapazitäten

und einem volatilen Marktumfeld sei dies für die Nordwest-Handelspartner eine

sichere Methode, ihre Lieferantenboni zu erhalten. „Das Modell war in der Verbandslandschaft

das erste seiner Art und nimmt bis heute eine wegweisende Position ein. Mit unserer

Nordwest Bonusabsicherung Stahl ausgestattet, sind unsere Händler wirtschaftlich bestens

für die Zukunft gerüstet“, so Michael Mann, Nordwest-Geschäftsbereichsleiter Stahl.

Weltweit größte Automotive-Platinen-Produktion eröffnet

Die voestalpine Automotive Components Linz GmbH hat in Linz nach einer Bauzeit von nur

knapp über einem Jahr im September ein neues Werk zur Herstellung von hochqualitativen

Platinen für Automobilkomponenten eröffnet. Linz ist dem Unternehmen zufolge nunmehr

der weltweit größte Produktionsstandort für lasergeschweißte Platinen aus höchstfesten

Stählen. In dem Werk sollen künftig insgesamt 20 Mio. Stück pro Jahr hergestellt und in

alle Welt exportiert werden. Mit der Investition von knapp 30 Mio. € wurden rund 70 neue

Arbeitsplätze geschaffen. Durch die Produktion von jährlich 5 Mio. zusätzlichen lasergeschweißten

Platinen im neuen Werk (bisher wurden 15 Mio. Stück jährlich gefertigt) soll der

Umsatz in den nächsten Jahren zudem von aktuell 113 auf über 160 Mio. € jährlich steigen.






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Werkstoffe

und Produkte

Schwerpunkt Aluminium

Im Fokus der Werkstoffhändler

Messe und Kongress

Die Aluminiummesse Ende November/Anfang Dezember (28.11.-1.12.) dieses Jahres in Düsseldorf

lenkt einmal mehr die Aufmerksamkeit auch des gesamten Werkstoffgroßhandels auf dieses leichte

Material und auf die große Familie der NE-Metalle.

Die ALUMINIUM 2016 gilt als

die Weltmesse der Aluminiumindustrie

und wird von einem Kongress

begleitet. Rund 900 Aussteller aus

mehr als 40 Ländern zeigen auf der

Messe tausende von Produktneuheiten,

technologische Weiterentwicklungen

und innovative Trends rund um

die Aluminiumindustrie sowie die

Anwendungen dieses Werkstoffs. Bei

dem Kongress kann man noch mehr

über neueste Trends erfahren und mit

den Experten der Branche über die

Themen diskutieren, welche die Aluminiumindustrie

bewegen.

Zu den Ausstellern gehören Anbieter

von Rohmaterialien, Halbzeugen,

Endprodukten und aus der Oberflä-

chenbehandlung. Zu sehen gibt es ferner

Maschinen, Anlagen und Zubehör

für die Produktion, Weiterverarbeitung

und Veredelung von Aluminiumerzeugnissen.

Bei den entsprechend

vertretenen Ausrüstern fällt den Stahlhändlern

auf, dass diese häufig in mehreren

Werkstoffbranchen unterwegs

sind. Beispiele dafür sind etwa die

Häuser Kasto und Remmert sowie Behringer

(vgl. nebenstehenden Bericht).

Regelmäßig vertreten auf der

Messe sind auch die Fachverbände der

Branche, allen voran der Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug

(WGM), mit dem zusammen der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS) in einem dreijährigen Fernstudium

berufsbegleitend Betriebswirte

weiterbildet – entweder für den Metallhandel

oder für den Stahlhandel. Dritter

Akteur in diesem Verbund ist der

Verband Deutscher Metallhändler

(VDM). Hintergrund dieser Kooperation

ist, dass viele der Mitgliedsunternehmen

in diesen Verbänden hinsichtlich

der von ihnen vertriebenen

Werkstoffe sehr breit aufgestellt sind.

Angesichts dieser Interessenlage

des Großhandels ist die Düsseldorfer

Messe auch immer ein Anlass zur Veröffentlichung

aktueller Marktdaten.

Insbesondere darüber wird diese Fachzeitschrift

auch in ihrem Konjunkturschwerpunkt

im ersten Heft 2017

berichten. 2

Vom Fügen unterschiedlichen Materials

Hybridkonstruktionen für den Schiffbau

Leicht, ressourcenschonend und gleichzeitig belastbar – was für

den Leichtbau im Automobilbereich gilt, ist ebenso wichtig für

die Konstruktion von Schiffen. Stahl-Aluminium-Verbindungen

werden deshalb auch dafür eingesetzt. Bei diesen kommen jedoch

gänzlich andere Materialstärken zum Tragen. Zehn Verbundpartner

unter Leitung des Laser Zentrums Hannover haben sich deshalb

im vergangenen Jahr zum Ziel gesetzt, einen robusten Laserstrahlschweißprozess

für die maritime Fertigung zu entwickeln.

Laserschweißen von Stahl an Aluminium.

Foto: LZH

In Zeiten knapper werdender Ressourcen ist es

auch im Schiffbau wichtig, den Kraftstoffverbrauch zu

senken sowie den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und damit

die Belastung für die Umwelt zu verringern. Dafür werden

bereits Bauteile aus gewichtsreduzierenden Stahl-

Aluminium-Verbindungen gefertigt: etwa der Schiffsrumpf

aus Stahl und die Aufbauten aus Aluminium. Solche

Hybridwerkstoffkombinationen senken zudem den

Schwerpunkt des Schiffs und stabilisieren es damit. Verbunden

wurden die unterschiedlichen Metalle in der

Vergangenheit über ein Adapterstück. Dieses wird durch

Sprengplattieren, ein aufwändiges und kostenintensives

Fügeverfahren, hergestellt.

Dieses Bauteil wollen die Wissenschaftler und Industriepartner

des Verbundprojekts ersetzen. Mit Hilfe eines

Laserbearbeitungskopfs mit Einschweißtiefenkontrolle

wurde begonnen, unter Laborbedingungen einen innovativen

Laserstrahlschweißprozess zu entwickeln, um

ihn anschließend in die Anwendung zu übertragen.

Das Problem: Grundsätzlich entstehen beim thermischen

Fügen von Stahl an Aluminium spröde intermetallische

Phasen, sodass es unter Belastung zu einem

frühzeitigen Versagen der Verbindungen kommt. Die

Eigenschaften der Schweißnähte lassen sich jedoch durch

das Mischungsverhältnis der Metalle beziehungsweise

die Einschweißtiefe optimieren.

Bei erfolgreicher Entwicklung könnte der Prozess

auch für andere großbauteilige Branchen, etwa für den

Waggon- oder den Nutzfahrzeugbau, interessant werden.

2

16 Stahlreport 11|16


Fotos, 2: Behringer

Die VA-L560 NC2 der

Behringer Eisele GmbH

Die HBM540A der

Behringer GmbH

Behringer positioniert sich

Sägeaufgaben

Behringer und Behringer Eisele gehören zu den Ausstellern auf der Messe Aluminium vom 28.11. bis

1.12.16 in Düsseldorf. Die auch im Stahlhandel bekannten und engagierten Ausrüster präsentieren sich

in der Rheinmetropole mit zwei Sägeanlagen für den Werkstoff Aluminium.

Mit der HBM540A stellt die

Behringer GmbH eine automatische

Bandsäge vor, die allen Ansprüchen

– sowohl an ein ansprechendes,

modernes Design als auch an eine

technisch ausgefeilte Funktionsweise

–gerecht werden will. Die Hochleistungsbandsäge

eignet sich nach

Anbieterangaben hervorragend zum

wirtschaftlichen und präzisen Trennen

unterschiedlichster Vollmaterialien,

Rohre oder Profile aus Metall.

Im Schnittbereich von 540 mm im

Rundmaterial, 540 x 540 mm im

Flachmaterial sowie unterschiedliche

Durchmesser und Wandstärken bei

Rohren säge die Maschine problemlos

und schnell mit Bimetall- aber

auch mit Hartmetall-Sägebändern.

Als wahrer Spezialist erweise

sich die HBM540A beim Sägen von

Aluminium. Dieser Werkstoff erfordere

eine besonders hohe Sägeleistung

und verursache zudem ein

erhebliches Spänevolumen, das möglichst

zügig und gründlich aus dem

Schnittfeld entsorgt werden muss.

Zwei sich selbst nachstellende Spänebürsten

beidseitig des Sägebandes

reinigen es deshalb während des

Bearbeitens von anhaftenden Spänen.

Zudem sind von vornherein

spezielle Rollenführungen an Stelle

von Gleitführungen beim Alusägen

vorgesehen. Diverse Zusatzfunktionen

in der elektrischen Steuerung

der Maschine, wie etwa die reduzierte

Geschwindigkeit zu Schnittbeginn

beim Einsägen ins Schneidgut,

sorgten für perfekte Schnitte im Aluminium.

Hohe Ausbringung

Speziell zur Aluminiumzerspanung

hat die Behringer Eisele GmbH mit

der VA-L560 NC2 eine Sägeanlage

konzipiert, die Maßstäbe setzen will:

Sowohl im Vollmaterial als auch bei

Rohren und Profilen mit anspruchsvoller

Querschnittgeometrie punktet

die Maschine nach Herstellerangaben

mit konkurrenzlos hoher Ausbringung.

Sie ist ausgelegt für den

Einsatz hartmetallbestückter Kreissägeblätter

im Durchmesserbereich

500 bis 560 mm. Mit dem Erweiterungspaket

ist es möglich, mit einem

620 mm-Sägeblatt einen Durchmesser

bis 240 mm rund beziehungsweise

340 x 175 mm im Rechteckmaterial

zu bearbeiten. Als Ergänzung

zum XL-Paket gibt es optional

eine Lagenspanneinrichtung. Mit

ihr können mehrere Profile in einer

Lage gesägt werden.

Mit konstantem oder dynamischem

Sägevorschub könnten deutlich

höhere Schnittleistungen erzielt

werden. Durch die genaue Positionierung

des Sägekopfes verringerten

sich die Nebenzeiten. In Kombination

mit einer pneumatischen Materialspannung

erlaube der servomotorische

Vorschub einen völligen

Verzicht auf Maschinenhydraulik.

Damit könne ein nachhaltiges

Umweltmanagement denkbar einfach

realisiert werden. Für schweres

Material gibt es bei der VA-L weiterhin

die Möglichkeit einer hydraulischen

Spannung. 2

Stahlreport 11|16

17


Werkstoffe

und Produkte

Berichte/Nachricht

Die komplexe Stahlkonstruktion ruht auf Betonstützen.

Der „Schuppen 8“ nach seiner Fertigstellung.

Im Kieler Hafen ist eine ungewöhnliche Halle entstanden

Eine flotte Hochzeit von Stahl und Beton

Der „Schuppen 8“ im Kieler Hafen war eine große Herausforderung: Kurze sechs Monate Bauzeit

für 68.500 m 3 umbauten Raum, und das trotz großer Herausforderungen in puncto Konstruktion,

Geometrie sowie Baugrund. Entsprechend stolz sind die Ausführenden nach der Fertigstellung.

Sie berichten über eine flotte Hochzeit von Stahl und Beton.

Rund 1,5 m hoch

sind die Stahlprofile

für die Rahmenkonstruktion

der

Lagerhalle.

Fotos, 3: Atlas

dungs- und Bodenverhältnisse, u.a.

stieg das unebene Gelände auf der

8.000 m 2 großen Hallengrundfläche

um über 1 m an.

Errichtet wurde eine Stahlkonstruktion,

die auf hoch aufragenden

Stahlbetonstützen ruht und die Halle

an ihrem niedrigsten Punkt auf 8,20 m

Höhe bringt. Die über 30 Stützen wurden

tief im Boden versenkt, wodurch

relativ wenig Erdaushub anfiel. Bauzeit

und Kosten sparte auch die Vorfertigung

der Stützen, zudem erfüllt

deren Ausführung mit Beton Brandschutzbestimmungen

und widersteht

möglichen Anpralllasten infolge von

Ladeverkehr in der Halle.

Der Stahlaufbau von Atlas Ward

beeindruckt nicht nur mit 123 m

Länge, 84 m maximaler Breite und

einem Rahmen aus 1,5 m hohen Stahlprofilen.

Er musste konstruktiv und

umsetzungstechnisch auch an die

unterschiedlich langen Stützen und

die komplexe Hallengeometrie präzise

angepasst werden, damit die Verbindung

von Stahl und Betonkonstruktion

einwandfrei klappen konnte. Dabei

galt es, die an den Stützenköpfen einwirkenden

Kräfte zu minimieren, um

das tragende Fundament zu entlasten

und dessen Konstruktion möglichst

schlank ausführen zu können.

Alle Bauteile des 220 t schweren

Stahlaufbaus erhielten einen beson-

Bauherr und Auftraggeber war

der Seehafen Kiel (Port of Kiel), der

das Gebäude am Ostuferhafen zu

einem fixen Termin schlüsselfertig

benötigte, damit ein neuer Kunde verschifftes

Papiergut rechtzeitig dort

einlagern konnte. Den ausführenden

Hallenbaupartnern – der Kieler Bauunternehmung

Heinrich Karstens und

Atlas Ward, einem weltweit tätigen

Stahlhallenhersteller – bescherte der

Auftrag kurz vor Weihnachten 2015

einige Kopfschmerzen. In kürzester

Zeit sollte die Halle in geometrisch

recht ungewöhnlicher Kubatur entstehen,

weil das Gebäude in eine von

Gleisanlagen begrenzte, segelförmige

Freifläche einzupassen war. Dort

herrschten zudem schwierige Gründeren

Korrosionsschutz gegen die salzhaltige

Luft am Seehafen.

Vorgabe des Bauherrn war außerdem,

dass die Stahlkonstruktion einen

späteren Rückbau der seeabgewandten

Wand ohne großen Aufwand

ermöglichen soll. Dies könnte eine

Zufahrt auch über die Rückseite erlauben,

falls dies aufgrund veränderter

Lagerplanung künftig nötig werden

sollte. Gelöst wurde diese Herausforderung

durch Ausbildung eines Kragdaches,

an dem im Fall der Fälle nur

die Pendelstützen abzumontieren

sind. Das Hallendachsystem selbst

wurde aus 40-mm-Trapezblech gefertigt,

das Wandsystem aus 35- mm-

Trapezblech.

„Wir sind mit dem Ergebnis sehr

zufrieden. Die bauliche und terminliche

Umsetzung klappte sehr gut“, resümierte

Jan Conrad, Abteilung Technik

des Port of Kiel. Das Lob gilt einer

Gruppenarbeit, an der auch das Kieler

Ingenieurteam Trebes und das BWS

Betonwerk Schwerin Anteil hatten. Für

Jan Karstens, Geschäftsführer des

Generalunternehmers Heinrich Karstens,

ist das Projekt ein weiterer Beleg

für das bereichernde Partnerkonzept

mit Atlas Ward: „Wir erstellen zusammen

einige Hallen pro Jahr, aber einen

solch besonderen Bau im Stahl-Beton-

Mix haben wir, zumal in der Größenordnung,

noch nicht gemacht.“ 2

18 Stahlreport 11|16


Forschungsprojekt soll Wartungskosten senken

Den weißen Rissen

im Stahl auf der Spur

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt ein

Projekt zur Entwicklung eines neuen Stahls am Düsseldorfer

Max-Planck-Institut für Eisenforschung mit 1,5 Mio. €. Es geht um

ein Material in Windkraftanlagen, das gegen bisher unvermeidbare

Risse resistent ist. Diesen White Etching Cracks ist Dr. Michael

Herbig auf der Spur.

Fotos: Michael Herbig, Ankit Kumar, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Die Risse treten z.B. sowohl bei

Windkraftturbinen, die jetzt im Mittelpunkt

des Forschungsinteresses stehen,

als auch bei Eisenbahnen auf. Unterschiedlicher

könnten Anlagen kaum

sein und doch weisen sie eine Gemeinsamkeit

auf: weiß anätzende Risse (englisch:

White Etching Cracks) – ein weitgehend

unverstandener Schadensmechanismus,

der zu einem bisher nicht

vorhersagbaren Zeitpunkt an mechanischen

Kontaktpunkten auftritt und jährlich

enorme Wartungskosten verursacht.

So werden Bahnschienen weltweit in

regelmäßigen Intervallen abgeschliffen,

um solche Schäden zu vermeiden. Noch

gravierender ist die Situation bei Windkraftanlagen,

die ähnliche Risse aufweisen

und deren Getriebe nur mit großem

Aufwand gewechselt werden können.

Der Bildungsprozess dieser Risse

erfolgt auf derart kleinen Längenskalen,

sodass sie bisher selbst mit den

modernsten Mikroskopen nicht untersucht

werden konnten. Michael Herbig,

Projektgruppenleiter in der Abteilung

„Mikrostrukturphysik und Legierungsdesign“

am Düsseldorfer Max-Planck-

Institut für Eisenforschung (MPIE), ist

Entwickler einer Methode, die der

Schlüssel zum Verständnis dieses Scha-

densmechanismus sein könnte. Ihm

gelang die Kombination zweier hochmoderner

Charakterisierungsmethoden,

welche die Messung einzelner

Atome inklusive der Elementart und

deren dreidimensionaler Anordnung

ermöglicht.

Herbig plant, zuerst dem Problem

auf den Grund zu gehen, um dann in

einem weiteren Schritt einen widerstandsfähigen

Stahl zu entwickeln. Die

bisherigen Erklärungsversuche für die

Entstehung der Risse sind vielfältig: Versprödung

durch Wasserstoff, Korrosionsermüdung

oder das Zusammenwachsen

von Hohlräumen im Stahl werden

als mögliche Ursachen der Rissbildung

verantwortlich gemacht. Wissenschaftlich

belegt ist das nicht. Bei der Rissbildung

in der Praxis wirken viele Effekte

gleichzeitig, was das Verständnis

erschwert.

Mit einer speziell angefertigten

Rollkontaktermüdungsmaschine werden

Herbig und sein Team den Prozess

der Rissbildung unter genau kontrollierten

Laborbedingungen nachbilden.

Dies ermöglicht, einzelne Effekte anund

auszuschalten und somit klare

Rückschlüsse auf deren Einfluss zu

ziehen. 2

Die Untersuchung von weiß anätzenden Rissen, illustriert am Beispiel von Bahnschienen.

Um den zugrunde liegenden Mechanismus dieser Risse zu verstehen, muss das

Phänomen auf allen Längenskalen gemessen werden, von der Bauteilgröße bis hinab zur

atomaren Skala. Die Forschungsgruppe von Herbig am Max-Planck-Institut für Eisenforschung

in Düsseldorf wird sich in den kommenden fünf Jahren dieser Aufgabe widmen.

Basierend auf den neu gewonnenen Erkenntnissen sollen effektive Maßnahmen gegen

diesen kostspieligen Schadensmechanismus entwickelt werden.

Foto: Betafence

Dank der Verstärkungssicke sollen die

Nylofor 3D-Gittermattenzäune von

Betafence deutlich wirtschaftlicher als

klassische Doppelstabzäune sein.

Dreidimensionale Zäune

Neue Gittermatten

von Betafence

Als Alternative zur klassischen

Doppelstabmatte bietet Betafence für

Zaunanlagen einen Gittermattentypen

mit dreidimensionalen Verstärkungsprofilen

an. Das Programm umfasst sechs

Ausführungen, die unterschiedliche Anforderungen

in Industrie, Gewerbe und

öffentlichem Sektor abdecken sollen.

Je nach Ausführung und eingesetzem

Pfostensystem liegen die Kosten für

den laufenden Meter Zaun nach Herstellerangaben

bis zu 35 % unter dem

herkömmlicher Doppelstabzäune. Für

die Montage der Nylofor 3D-Matten

bietet Betafence fünf unterschiedliche

Pfostentypen, passende Flügel- und

Schiebetore sowie weitere Zutrittskontrolllösungen

an.

Die erforderliche Stabilität wird bei

den dreidimensionalen Matten nicht

durch eine zweite Querverstrebung,

sondern durch Verstärkungssicken

erzielt. Besonders wirtschaftlich sei

bei langen Zaunstrecken die Ausführung

Nylofor 3D Pro XL. Durch die 3

statt 2,50 m breiten Matten lassen sollen

sich 20 % Pfosten, Fundamente

und Montageaufwand einsparen lassen.

[ Info ]

Eine Übersicht über das gesamte Nylofor-

Programm gibt eine Broschüre, die auf der

Betafence-Website zum Download bereit-

Stahlreport 11|16

19


Messen

und Märkte

Berichte

Zur 66. IAA Nutzfahrzeuge waren im September rund 250.000 Besucher nach Hannover gekommen.

Foto: BDS/mh

Messe übertrifft Erwartungen

IAA Nutzfahrzeuge 2016

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Internationale Automobilausstellung für Nutzfahrzeuge

(IAA Nfz) so etwas wie die kleine Schwester der „großen“ IAA, auf der Personentransport im

Mittelpunkt steht. Doch auch die „kleine“ IAA in Hannover im September konnte mit großen

Zahlen aufwarten. Die drei Hauptthemen der Messe –Elektromobilität, Digitalisierung, urbane

Logistik – haben das Interesse von knapp 250.000 Besuchern gefunden.

Das passte: Während der

Nutzfahrzeugmarkt im September

erneut deutlich zulegte, hat zeitgleich

eine der wichtigsten Messen

der Automobilbranche, die IAA Nutzfahrzeuge

(IAA Nfz) in Hannover,

die Erwartungen des Veranstalters

übertroffen.

„Über das hohe Besucherinteresse

sind wir sehr glücklich, qualitativ

und quantitativ“, sagte Matthias

Wissmann, Präsident des veranstaltenden

Verbandes der Automobilindustrie

(VDA) im Nachgang. „Wir

freuen uns über nahezu 250.000

Besucher, ein sehr, sehr gutes Ergebnis.

Wir haben damit – trotz der kürzeren

Dauer der Messe – das Niveau

des Jahres 2014 übertroffen.“

Elektromobilität, Digitalisierung,

urbane Logistik

Drei Themen standen im Mittelpunkt

der Messe: Elektromobilität, Digitalisierung

und urbane Logistik. So

gut wie jeder Hersteller von Stadtbussen

und Vans hatte Modelle mit

Elektro- und Hybridantrieb im Portfolio,

MAN zeigte etwa den vollelek-

trischen Lion’s City Gelenkbus, ein

„modulares Konzeptfahrzeug“. Daneben

wurde auch eine Sattelzugmaschine

mit Elektroantrieb für Einsätze

in der innerstädtischen Nachtbelieferung

gezeigt.

Die Digitalisierung ist auch für

die Nutzfahrzeugbranche ein Megathema.

So hat der zum VW-Konzern

gehörende Nutzfahrzeughersteller

MAN auf der IAA Nfz die Plattform

„RIO“ vorgestellt – eine digitale Plattform

für das „Ökosystem Transport

& Logistik“. Nach Vorstellungen des

Unternehmens soll RIO unterschiedlichste

Datenquellen der verschiedenen

Beteiligten der Logistikkette

aggregieren – u.a. Informationen über

Zugmaschine, Trailer, Aufbauten, Fahrer

und Auftrag. Das System ermittelt

aus den Daten in Kombination

mit externen Informationen (z.B. Wetter-

und Verkehrsdaten) konkrete

Handlungsempfehlungen in Echtzeit.

Dadurch sollen Transport- und

Umschlagprozesse deutlich verbessert

werden. Die RIO-Plattform soll

unabhängig von der Fahrzeugmarke

und dem jeweiligen Telematiksystem

einsetzbar sein. Geld verdienen

möchte der Konzern mit dem Verkauf

von „RIO-Services“, die bisher jedoch

noch nicht weiter definiert sind. Jeder

Teilnehmer des Systems soll zudem

eine Nutzungsgebühr entrichten.

Mehr Zulassungen

Gut für die Stimmung war auf der

Messe, dass das Marktumfeld der

Branche positive Zahlen zu vermelden

hatte. So wurden auf dem Nutzfahrzeugmarkt

im September in

Deutschland erneut deutlich mehr

Fahrzeuge zugelassen. Gegenüber

dem Vorjahresmonat legte der Wert

um 5 % auf 28.700 Einheiten zu,

Neuzulassungen von Bussen und

Trailern stiegen sogar zweistellig.

Matthias Wissmann betonte: „Die

Nachfrage nach neuen Lkw, Bussen

und Anhängern in Deutschland

bleibt stark. Der Nutzfahrzeugmarkt

profitiert weiter von der gesunden

Inlandskonjunktur. Außerdem beflügelt

offenbar die erfolgreiche IAA

Nutzfahrzeuge mit ihren vielen Weltpremieren

die Stimmung bei Herstellern

und Kunden zusätzlich.“ 2

20 Stahlreport 11|16


VarioFRAME-Aufsatz von Elting

Ladungssicherung schon integriert

Ein Stahlauflieger mit integriertem Ladungssicherungssystem stand im Fokus des Messeauftritts

von Elting Metalltechnik auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016. Der auf Basis des Fahrzeugbausatzes

VarioFRAME gefertigte Auflieger mit dem integrierten Ladungssicherungssystem VarioSAVE ist

durch die Bausatzkonstruktion wirtschaftlich attraktiv und bietet dem Unternehmen zufolge bei

typischen Ladungssituation im Stahlbereich viele Vorteile.

Foto: Elting

„Mit der Kombination aus

unserem VarioFRAME-Bausatz und

der formschlüssigen VarioSAVE-

Ladungssicherung lassen sich im

Ladungsalltag viele Synergien

heben“, so Guido Elting, Geschäftsführer

der Elting Geräte- und Apparatebau

GmbH & Co. KG.

Schon beim Aufbau in der eigenen

Werkstatt profitierten Anwender

vom hohen Vormontagegrad und

konstanter Qualität des Bausatzes.

Denn einfache Montageverfahren

bedeuteten geringere Anpassungs-

arbeiten und kürzere Durchlaufzeiten.

VarioSAVE: Formschlüssige Ladungssicherung verkürzt Rüst- und Standzeiten.

Mischladung

ohne Spanngurte sichern

Im Stahltransport profitieren Speditionen

dem Unternehmen zufolge von

kurzen Rüstzeiten durch die formschlüssige

Ladungssicherung. „Mit

VarioSAVE kann ich eine komplette

Mischladung aus Blechen, Formstahl

und Stabmaterial ohne einen einzigen

Spanngurt sichern“, sagte Elting.

Zudem zahle sich dabei die hohe Stabilität

des Bausatzes aus. Mit weiteren

Ausstellungsstücken präsentierte

Elting auf der Messe sein gesamtes

Bausatzspektrum.

Sicherheit und Funktionalität zu

vereinen, verspricht auch der DEKRAzertifizierte

VarioSAVE-Ladebalken:

Der Balken werde bei nicht-palettierfähigem

Stückgut zwischen Ladegut

und Ladefläche oder einzelnen

Ladungsebenen eingesetzt und halte

problemlos hohen Belastung stand.

Weiterhin hat Elting in Hannover

neue Varianten der VarioSAVE-

Schiene vorgestellt. Hierzu gehören

Schienen, die auf eine maximale Ladebreite

optimiert sind. „Die Schiene

erlaubt es, Rungen ganz weit nach

außen zu stecken, sodass im Innenraum

die maximale Ladebreite entsteht“,

erläuterte Elting.

Ebenfalls neu ist ein schräger

Außenrahmen, der um einen speziell

verbauten Zurrbügel erweitert wurde.

Dadurch lassen sich überbreite Ladungen

einfach und sicher verzurren, so das

Unternehmen. Der Außenrahmen ist

sowohl als konventionelle Bausatzkomponente

als auch in Schraubbauweise

und damit kompatibel zu VarioFRAME

verfügbar. Auch für diesen Außenrahmen

stehen passende VarioSAVE

Ladungssicherungstraversen bereit.2

Stahlreport 11|16

21


Messen

und Märkte

Bericht/Nachrichten

EMPFANGSGERÄT TFT TFT TFT TFT TFT TFT

Ladungssicherung 4.0

Zurrsystem sendet Daten

in die Fahrerkabine

SpanSet hat auf der IAA die Studie

eines neuen Telematiksystems vorgestellt.

Das System kontrolliert und überwacht während

der Fahrt kontinuierlich die Sicherungskraft

der verwendeten Zurrsysteme und gibt

regelmäßig Rückmeldung an das Führerhaus

des Fahrzeugs.

Das neue Telematiksystem Tension Force

Transponder (TFT) soll die Ladungssicherung

mit Zurrgurten bei Sicherheit, Handhabung

und Dokumentation auf ein neues Niveau

heben.

Der neue TFT ist die elektronische Weiterentwicklung

der speziell für Zurrgurte entwickelten,

mechanischen Vorspannkraftanzeige

TFI (Tension Force Indicator).

Der TFI, ein kleines und leichtes Bauteil, das

fest in die Spannelemente des Zurrgurtes

verbaut ist, zeigt die tatsächlich eingebrachte

Vorspannkraft und macht sie damit

nachweisbar. Werden in der Praxis höhere

Der Tension Force Transponder (TFT) von SpanSet sendet Zurrsystemdaten drahtlos in die Fahrerkabine.

Vorspannkräfte als die auf dem Label ausgewiesene

Standard Tension Force (STF)

erreicht, können diese in die Berechnung der

Ladungssicherung einfließen. Das heißt, die

notwendige Vorspannkraft könne mit weniger

Ratschen erreicht werden, was gleichzeitig

auch die Arbeitszeit reduziere.

Der TFI vereinfache die Berechnung und

Dokumentation der Sicherungskräfte und

erhöhe damit die Wirtschaftlichkeit. Kundenwunsch

sei zudem, die Sicherungskraft aller

verwendeten Zurrsysteme in bestimmten

Zeitabständen und über den gesamten

Transport hinweg erfassen, übermitteln und

mit einem Sollwert vergleichen zu können.

Der TFT dokumentiert jedoch nicht nur die

Sicherungskräfte, sondern sendet die Daten

auch drahtlos ins Führerhaus des Transportfahrzeugs.

Dazu wird ein aktiver Transponder

im Kern des TFI mit einer Empfangseinheit

per Funkverbindung im Führerhaus

gekoppelt. So können die Sicherungskräfte

der Zurrsysteme in definierten Zeiteinheiten

aufgenommen, gespeichert und grafisch dargestellt

werden.

Fällt die Sicherungskraft eines Spannelementes

während des Transports unter den

Sollwert ab, kann nun sofort nachgespannt

werden. Die Datenübertragung sei über eine

Strecke von bis zu 20 m unproblematisch

und werde auch durch Bordwände und Ladegüter

nicht behindert.

Foto: SpanSet

Korrekte Zurrwinkel mit RUD-App

Mit dem richtigen Winkel sollst du laden

Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im

Straßengüterverkehr setzen eine optimale

Ladungssicherung voraus. Doch das Thema

„Zurrwinkel“ werde häufig unterschätzt, so

der Anschlag- und Zurrmittel-Hersteller RUD.

Das Unternehmen hat auf der IAA Nutzfahrzeuge

2016 darüber informiert, auf was Verlader

beim Thema Zurrwinkel achten müssen.

So gibt es beim Diagonalzurren zum einen

den Vertikalwinkel α zwischen Zurrstrang

und Ladefläche. Dieser Winkel sollte möglichst

flach sein. Zum anderen gibt es den

Horizontalwinkel β zwischen einer gedachten

Linie in Fahrtrichtung und dem Zurrstrang.

Ideal ist, wenn dieser Winkel zwischen 20°

und 45° liegt. Die Zurrwinkel können beispielsweise

mit der RUD-Lashing-Card oder

mit der RUD-Zurrmittel-App gemessen werden

(erhältlich für Apple-, Microsoft- und

Android-Geräte).

Welche Rolle der Zurrwinkelt in der Praxis

hat, zeigt eine Beispielrechnung: Beträgt der

Horizontalwinkel z.B. β = 75°, ergibt sich

eine erforderliche Aufnahmekapazität des

Zurrmittels (Lashing-Capacity, LC) von

30.000 Dekanewton (daN) – also eine Verdreifachung.

Doch Zurrmittel mit einer solch

hohen LC, bzw. Fahrzeuge, die eine solche

Krafteinleitung durch den Zurrpunkt zulassen,

existieren nicht. Mit anderen Worten:

Der Zurrwinkel ist für die ordnungsgemäße

Ladungssicherung ein entscheidender Faktor.

Oft könne zudem durch die richtige Wahl des

Zurrwinkels ein leichteres Zurrmittel eingesetzt

werden. Eine andere Möglichkeit, leichtere

Zurrmittel einzusetzen, sei der

Gebrauch moderner Zurrketten der Güteklasse

12.

Korrekt gesicherter Bagger mit modernster

Zurrkettentechnologie aus dem Hause RUD

Zum Einsatz kann etwa die Güteklasse ICE

120 kommen, die über 60 % mehr Zurrkraft

verfügt als die herkömmlichen Güteklasse-8-

Zurrketten nach DIN EN 12195-3. Beim Einsatz

dieser besonders starken, zähen und

verschleißfesten Kettengüte könne die Nenndicke

gegenüber Güteklasse 8 grundsätzlich

um eine Nenngröße reduziert werden. Das

heißt: Eine Ladung von 24 t könne mit 10-

mm-Zurrketten gesichert werden. 10-mm-

ICE-Zurrketten verfügen ebenfalls über eine

LC von 10.000 daN und sind dabei jedoch

ca. 40 % leichter als entsprechende 13-mm-

Güteklasse-8-Ketten.

Foto: RUD

22 Stahlreport 11|16


Messe und Kongress „Arbeitsschutz Aktuell“

Sicher arbeiten

Das Präventionsforum „Arbeitsschutz Aktuell“ haben im Oktober

rund 10.000 Fachbesucher genutzt. Auf der Fachmesse rund um

den Arbeitsschutz in den Hamburger Messehallen hatten etwa

270 Aussteller aus 15 Nationen ihre neuesten Entwicklungen und

Produkte gezeigt. Das Forum hat gezeigt: Arbeitsschutz ist ein

aktuelles Thema, dem sich Unternehmen sorgfältig widmen sollten.

Zu den zentralen Themen der

Messe und des zeitgleich stattfindenden

Kongresses gehörte – wie

derzeit in beinahe jeder Branche –

die Vernetzung und Digitalisierung

der Arbeitswelt. Höhepunkte des

dreitägigen Kongresses waren die

Diskussionen zur aktuellen Kampagne

der Deutschen Gesetzlichen

Unfallversicherung (DGUV) „Kultur

der Prävention“, zum Thema Verkehrssicherheit

und zur DGUV-Vorschrift

2, die den Arbeitsschutz für

den öffentlichen Dienst und den

gewerblichen Sektor vereinheitlicht.

Von der trendigen, von „ziviler“

Kleidung oft nicht mehr zu unterscheidenden

„Workwear“ über

ausgeklügelte Produkte und Dienstleistungen

für ergonomischeres

Arbeiten bis hin zu Corporate Health,

Sicherheit im Betrieb und Verkehrssicherheit,

reichte das Angebot der

Aussteller auf der „Arbeitsschutz

Aktuell“.

Psychische Belastungen

mehr beachten

Dass Arbeitsschutzthemen immer

auch Veränderungen unterliegen,

hat dabei ein Hinweis von Cornelia

Prüfer-Storcks, Senatorin für Gesundheit

und Verbraucherschutz der

Freien und Hansestadt Hamburg,

deutlich gemacht. So komme der

psychischen Gesundheit derzeit am

Arbeitsplatz noch zu wenig Beachtung

zu.

Tatsächlich ist der Zusammenhang

zwischen Arbeitsbedingungen

und psychischen Störungen in den

letzten Jahren verstärkt in den Fokus

von Wissenschaft, Öffentlichkeit

und Politik gerückt. Die Annahme,

dass immer mehr Erwerbstätige

durch steigende berufliche Belastung

an psychischen Beschwerden

leiden und infolgedessen erkranken,

hatte die Bundesanstalt für

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

in einem „Stressreport“ bereits 2012

untersucht.

Im Bericht zeigte sich, dass es

dabei seit der letzten Befragung von

2005/2006 kaum Veränderungen

gab. Von einer Entwarnung könne

jedoch nicht gesprochen werden.

Denn die Anforderungen hätten sich

z. T. auf hohem Niveau stabilisiert.

Zudem haben dem Bericht zufolge

die subjektiv wahrgenommenen

Belastungen weiter zugenommen,

ebenso auch die Beschwerden.

Auch dabei ist Arbeitsschutz

Aktuell mit gutem Beispiel zumindest

im Kleinen vorangegangen:

Gestresste Messebesucher konnten

sich auf einladenden Sitzpolstern

entspannt massieren lassen. Die

nächste „Arbeitsschutz Aktuell“ wird

vom 23. bis 25. Oktober 2018 in Stuttgart

zu Gast sein. 2

Stahlreport 11|16

23

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Messen

und Märkte

Nachrichten

Hochleistungsfasern für die Ladungssicherung

Textile Zurrkette fünfzehnmal leichter als Stahl

Eine Kombination einer bewährten

Spannzurrkette mit textilen Hochleistungsfasern

hat das Unternehmen Dolezych GmbH

& Co. KG anlässlich der IAA-Nutzfahrzeuge

im September gezeigt. Die „PowerLash“-

Kette mit einer Aufnahmekapazität (Lashing-

Capacity, LC) von 5.000 Dekanewton (daN)

wird vollständig aus Gurtband aus Dyneema,

einer ultraleichten Polyethylenfaser, gefertigt.

Anwendertests hätten gezeigt, dass selbst

bei Kettenlängen von 20 m und mehr die

Ladungssicherungsmittel mühelos und

schnell von nur einer Person angelegt werden

konnten. Sehr einfach sei auch die Verkürzungsmöglichkeit

des Systems, bei empfindlichen

Ladungen könne die weiche

Zurrkette sogar ohne weitere Schutzmaßnahmen

(z.B. gegen Kratzer) über die Last

gezogen werden.

Die textile PowerLash-Kette von Dolezych nimmt

es an Bruchkraft und Haltbarkeit mit Ketten aus

hochfestem Stahl auf, ist dabei aber bis zu 85 %

leichter, verspricht der Hersteller.

Foto: Dolezych

Mehrere Lagen des Gewebes werden zu Kettengliedern

gewickelt und vernäht. Das

Ergebnis nimmt es an Bruchkraft und Haltbarkeit

mit Ketten aus hochfestem Stahl auf

und ist dabei bis zu 85 % leichter, verspricht

das Unternehmen. Die Faser sei 15mal fester

als Qualitätsstahl und bis zu 40 % fester

als Aramidfasern.

Die neuartige textile Zurrkette ist das Resultat

einer Zusammenarbeit zwischen den

Unternehmen DSM Dyneema und Dolezych.

DSM Dyneema hat die UHMWPE-Faser (Ultra

High Molecular Weight PolyEthylene – Polyethylen

ultrahoher Molmasse) entwickelt, die

unter der Marke „Dyneema“ hergestellt und

vermarktet wird.

Für die Verarbeitung der Faser sorgt die Firma

Dolezych GmbH & Co. KG . Dolezych bietet die

„PowerLash with Dyneema“-Zurrkette als Baukastensystem

an, das für den jeweiligen Einsatzzweck

konfiguriert werden kann. Erhältlich

ist das System ausschließlich beim

Hersteller Dolezych.

Software vermittelt

Arbeitsschutz-Know-how

Sicherheit im Online-Überblick

Foto: Honeywell

Die neuen Vertigo-Check-&-Go-Handschuhe von Honeywell sind zur einfachen optischen

Erkennung des Schnittschutzlevels farblich sowie mit Ziffern gekennzeichnet.

Neue Schutzhandschuh-Serie von Honeywell

Schnittschutz sichtbar

Der französische Spezialist für

Arbeitsschutzausrüstung Honeywell hat auf

der „Arbeitsschutz Aktuell“ eine neue Serie

extrem robuster und gleichzeitig leichter

Schnittschutzhandschuhe für Anwender u.a.

in der Automobil-, und Logistikindustrie

gezeigt. Die neuen Vertigo-Check-&-Go-

Handschuhe kombinieren eine Polyethylen-

Hochleistungsfaser (HPPE) mit der Check-&-

Go-Farb- und Zifferncodierung zur

einfachen optischen Erkennung des Schnittschutzlevels.

So sollen die Handschuhe für

optimale Sicherheit, Komfort und Haltbarkeit

sorgen.

Dank der Gestaltung von Vertigo Check &

Go können Sicherheitsfachkräfte gewährleisten,

dass alle Anwender den passenden

Schutz für ihr jeweiliges Schnittverletzungsrisiko

erhalten. Die Handschuhe sind verstärkt

mit der innovativen Spectra-Faser

von Honeywell, einer der derzeit festesten

und leichtesten künstlichen Fasern, die bisher

z.B. für hochfeste Angelschnüre und

kugelsichere Schutzwesten verwendet

wird.

Zur Serie gehören auch die neuen Vertigo-

Check-&-Go-Black-Handschuhe, die speziell

für Arbeiten in schmutzigen Umgebungen

entwickelt wurden. Sie erfüllen die wachsende

Nachfrage nach Handschuhen in

einer dunklen Farbe mit Schnittschutzlevel

3 beziehungsweise 5. Schnittschutzhandschuhe

der Vertigo-Check-&-Go-Serie sind

zudem auch mit weißem Trikot erhältlich –

mit Polyurethan- (für trockene Umgebungen)

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24 Stahlreport 11|16


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BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Lagerabsatz auf Vorjahresniveau

Das erste Halbjahr 2016 bescherte dem lagerhaltenden Stahlhandel etwas mehr Menge als im

Vorjahr und sicherlich auch den meisten Unternehmen zufriedenstellende Erlöse. Der Lagerabsatz

im Juli verlief hingegen enttäuschend. Im August konnte er wiederum zulegen. In der Summe

aller Walzstahlfertigerzeugnisse bewegten sich die Verkaufsvolumina in den ersten acht Monaten

des Jahres 2016 auf Vorjahresniveau. Trotz nachlassender Preise in den vergangenen Wochen liegt

das Preisniveau nach wie vor über dem des Spätsommers 2015.

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS), berichtet

zusammenfassend angesichts der

ihm für die ersten acht Monate des

Jahres vorliegenden Zahlen. Wie

üblich, hat er seinen monatlichen

und kommentierenden Bericht

anhand der Kriterien Lagerabsatz, -

bestand, -reichweite und -verkaufspreise

gegliedert.

Lagerabsatz

Der Lagerabsatz gestaltete sich nach

einem enttäuschenden Vormonat im

August recht erfreulich. Es wurden

897.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt. Dies ist ein Plus von 4 %

im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Insgesamt wurden in den ersten acht

Monaten des Jahres durchschnittlich

rund 912.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

von den Lägern in der

Bundesrepublik Deutschland abgesetzt.

Das ist ziemlich genau das

Volumen, das auch im Vorjahreszeitraum

verzeichnet wurde.

Zuwächse gab es bei kaltgewalzten

und oberflächenveredelten Blechen

sowie Bandblechen. Träger, Stabstahl

und Quartobleche zeigten sich

im Lagerabsatz rückläufig, Betonstahl

stagnierte auf einem sehr

hohen Niveau.

Lagerbestand

Zu Anfang des Jahres war der Lagerbestand

im deutschen Stahlhandel

sehr niedrig. Seitdem wurden die

Läger Monat für Monat aufgebaut.

Ende Juli wurde mit 2,43 Mio. t der

bisherige Höchststand gemeldet. Dann

setzte der übliche Bestandsabbau in

der zweiten Jahreshälfte ein.

Ende August wurden knapp 2,36

Mio. t bevorratet. Das sind 2,5 % mehr

als im Vorjahresmonat gemeldet wurden.

Lagerreichweite

Die mit 2,8 Monaten hohe Lagerreichweite

im Juli konnte im August

reduziert werden. Gestiegene

Absätze und niedrigere Bestände

führten zu einer Lagerreichweite

von 2,6 Monaten bzw. 78 Tagen.

Die Reichweite lag damit knapp unter

dem Vorjahreswert (vgl. Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge wurden erstmals

seit vielen Monaten im März

bei fast allen Produkten steigende

Preise verzeichnet. Im April und Mai

hat diese Dynamik dann spürbar

zugelegt. Bei allen Produkten wurden

teilweise kräftige Preiserhöhungen

gemeldet. Im Juni war dazu eine

gewisse Beruhigung zu spüren.

Im Juli und August waren die

meisten Verkaufspreise ruckläufig.

Dieser Trend konnte stärker bei

Langprodukten als bei Flachprodukten

festgestellt werden. (vgl. Abb. 2

und 3). 2

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

26 Stahlreport 11|16


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

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Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

94 91 92 89 92 87

92 95 92

95 96 99

86 91

89

85

61

90

200

180

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60

40

84 81 84 78 78 81 75 72 72 102 78 75 72 72 81 72 84 78

20

0

Ø

2012

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Aug.

2015

Sep.

2015

Okt.

2015

Nov.

2015

Dez.

2015

Jan.

2016

Feb.

2016

März

2016

Apr.

2016

Mai

2016

Juni

2016

Juli

2016

Aug.

2016

1. Q. 2010

1. Q. 2010

2. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

1. Q. 2011

2. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

1. Q. 2012

2. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

1. Q. 2013

2. Q. 2013

2. Q. 2013

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

3. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

1. Q. 2014

2. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

1. Q. 2015

2. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

1. Q. 2016

2. Q. 2016

2. Q. 2016

Lagerabsatz und

Lagerreichweite der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 11|16

27


BDS

Gebietsversammlungen

BDS-Gebietsversammlungen 2016

Herausforderung Stahldistribution

Nicht himmelhochjauchzend, doch ordentlich: Das Marktumfeld für die Stahldistribution in

Deutschland ist im verbleibenden wie voraussichtlich auch im kommenden Jahr von soliden

Wirtschaftsindikatoren geprägt. Trotz durchweg auskömmlicher Mengen bleiben die Margen

jedoch weiterhin das Sorgenkind der Branche. Dabei ist der Stahlhandel ein unverzichtbares

Glied der Lieferkette und von seinen Kunden hoch geschätzt. Das machte BDS-Vorstand

Oliver Ellermann auf den Gebietsversammlungen Ende September deutlich, zu denen die

Unternehmen turnusgemäß zusammenkamen.

Netzwerken ist eine Tugend:

Alle zwei Jahre lädt der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS)

seine Mitgliedsunternehmen zu

gemeinsamen Gebietsversammlungen

ein. An fünf Veranstaltungsorten,

verteilt über die ganze Bundesrepublik,

kommen die im BDS organisierten

Unternehmen dann turnusgemäß

zu einem „internen“

Branchentreff zusammen, um sich

über aktuelle Themen zu informieren

und sich untereinander auszutauschen.

In diesem Jahr hatte der BDS

Ende September zu den fünf jeweils

halbtätigen Veranstaltungen geladen.

Auf dem Programm standen

dabei insgesamt drei Referate zu

aktuellen Stahlhandelsthemen.

Wichtigster Punkt war dabei der

Bericht von BDS-Vorstand Oliver

Ellermann zur gegenwärtigen Konjunktursituation

der Branche. Wie

wird das laufende Jahr abschließen?

Wie verläuft das nächste Jahr? Welche

Risiken könnten die Branche

beeinflussen?

Der zweite Vortrag von Bernd

Krause, Geschäftsführer der Krause

Maschinenhandels & Service GmbH,

hatte den Fokus auf ein im ersten

Moment vielleicht eher abseitiges

Thema gelegt, das aber bei näherem

Hinsehen durchaus Bedeutung

hat: die korrekte Wartung des eigenen

Maschinenparks.

Dritter und letzter Beitrag auf den

Gebietsversammlungen war der

Vortrag über „Aktuelle Rechtsprechung

und Rechtsfragen im Stahlhandel“

von RA Tim Lieber, Kanzlei

Henseler & Partner und Referatsleiter

Recht im BDS – ebenfalls

ein Thema mit Daueraktualität.

Kunden, Hersteller, Handel

Dass sich der Stahlhandel nicht erst

seit jüngster Zeit in einem herausfordernden,

um nicht zu sagen

schwierigen Marktumfeld bewegt,

ist keine Neuigkeit. So hatte der

Eröffnungsbeitrag von BDS-Vorstand

Oliver Ellermann den Fokus

auf die Herausforderungen gelegt,

mit denen die Branche derzeit zu

tun hat – unterteilt in die Trias Kunden,

Hersteller, Handel.

Die konjunkturelle Großwetterlage

sei derzeit und auf Sicht auch

für die kommenden Monate in Ordnung,

sagte Ellermann. Die Vorhersagen

der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute

(der

Bundesregierung, einer Reihe von

Wirtschaftsverbänden ebenso wie

die der Bundesbank) für die Entwicklung

des EU-28-Bruttoinlandsprodukts

(BIP) für 2017 seien solide

und sagen ein Wachstum zwischen

1,0 und 1,7 % voraus – wobei sich

das Mittel dieser Spanne in der oberen

Hälfte der der Differenz einpendelt.

Angesichts der Korrelation zwischen

BIP-Wachstum und dem Stahlverbrauch

in der EU 28 seien diese

Zahlen „zwar nicht herausragend,

aber in Ordnung“, sagte Ellermann.

Eine Unwägbarkeit auf der konjunkturellen

Landkarte stelle der

von Großbritannien beschlossene

Austritt aus der EU, der Brexit, dar.

Baubranche läuft gut

Der Blick auf die wichtigsten Abnehmergruppen

des Stahlhandels zeige

ebenfalls solide Entwicklungen, bei

denen böse Überraschungen derzeit

eher nicht zu erwarten seien.

Im Gegenteil: So sei der Auftragseingang

im Bauhauptgewerbe in

Deutschland in den ersten sechs

Monaten 2016 gegenüber demselben

Zeitraum 2015 um 18,1 %

gewachsen, betonte Ellermann.

Und auch die Prognosen für die

Baubranche für 2017 lassen den Mut

nicht sinken: So sehen die meisten

Vorhersagen, u.a. der Bundesregierung

und des Rheinisch-West -

fälischen Instituts für Wirtschaftsforschung,

eine Zunahme der Bauinvestitionen

um bis zu 3 % im Vergleich

zum Vorjahr.

Auch der Konstruktive Stahlbau

habe im Vorjahresvergleich ein starkes

erstes Quartal 2016 hingelegt

und einen Zuwachs von etwa mehr

als 20 % aufzuweisen. Allerdings

liegt die Gesamtprognose 2016 (Statistisches

Bundesamt, Bauforum-

28 Stahlreport 11|16


BDS-Vorstand Oliver

Ellermann informierte

Vertreter der Mitgliedsunternehmen

auf den Gebietsversammlungen

2016.

Fotos, Grafiken: BDS

stahl) für diesen Bereich mit 1.975

Mio. t, wenn auch nur knapp, unter

dem Vorjahresergebnis.

Der Maschinenbau zeige einen

branchenüblichen Verlauf und

warte mit keinen Überraschungen

auf. Nach einem guten ersten Halbjahr

2016 mit einer knappen Steigerung

der Produktion um 1,1 %

musste die Branche dann im Sommer

einen deutlichen Rückgang hinnehmen.

Allerdings seien, wie aus

der Branche zu vernehmen, am

Ende des Jahres die Chancen gut,

ein ausgeglichenes Ergebnis im Vergleich

zum Vorjahr zu erzielen.

Auch der Automobilmarkt, der

zwar für die Stahldistribution nicht

unmittelbar von Bedeutung ist, sei

gleichwohl interessant. Die Nutzfahrzeugbranche

etwa meldete

jüngst positive Zahlen: So sind im

Sommer die Zahlen der Neuzulassungen

von Nutzfahrzeugen über

alle Segmente in Deutschland deutlich

zweistellig gewachsen.

Robust ist der konjunkturelle

Verlauf über alle Segmente der

Stahlverarbeiter hinweg. Nach Zahlen

des Statistischen Bundesamts

hat der Auftragseingang von Januar

bis Juli 2016 um 2,5 % über dem

Vorjahresniveau gelegen. Ein Indikator

für die solide Lage ist immer

wieder auch der Geschäftsklimaindex

des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung

an der Universität

München e.V. (ifo Institut),

unterstrich Ellermann. Im September

hatte der Index zwar nur leicht

zugelegt, doch war in dem Monat ein

Anstieg des Erwartungsindikators

Aktuelle Lage der Stahlverarbeiter

125

120

115

110

105

100

95

90

85

80

75

Gewerbliche Wirtschaft 1) , September 2016

Indexwerte, 2005 = 100, saisonbereinigt mit X-13ARIMA-SEATS

ifo Geschäftsklima

ifo Konjunkturtest

Beurteilung der Geschäftslage

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

1) Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Groß- und Einzelhandel.

Quelle: ifo Konjunkturtest.

Geschäftserwartungen

125

120

115

110

105

100

95

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85

80

75

Stahlreport 11|16

29


BDS

Gebietsversammlungen

Quelle: BDS Jahresmeldung 2015

von 10,8 Punkten zu verzeichnen –

dies war zuletzt kurz nach der

Finanz- und Wirtschaftskrise der

Fall.

Stahlhersteller im Krisenmodus

Der Blick auf die Situation der Stahlhersteller

bot ein eher düsteres

Panorama. Der Krisenmodus in der

weltweiten Stahlindustrie bleibt

bestehen, machte Ellermann deutlich.

Sorge bereiten weltweit u.a.

die Überkapazitäten am Markt.

Während die Produktionskapazitäten

global immer noch steigen (auf

mittlerweile deutlich über insgesamt

2,2 Mrd. t), bewegt sich die

Nachfrage dagegen eher nur lateral

(derzeit knapp über 1,6 Mrd. t,

Zahlen von worldsteel, OECD).

Die Auslastung der globalen

Kapazitäten ist im Schnitt seit etwa

2011 deutlich gesunken (von 82 %

auf jetzt rund 72 %). Dass sich an

dem Aufbau der Kapazitäten kurzfristig

etwas ändere, sah Ellermann

angesichts des hohen politischen

Interesses an der Erhaltung von

Stahlproduktionsstandorten dabei

eher skeptisch.

Mit Blick auf die europäischen

Produzenten müssten zudem

zusätzliche Herausforderungen in

Rechnung gestellt werden. Während

z.B. andere internationale

Märkte den Zugang durch Importzölle

oder andere Instrumente vielfach

stark beschränken, bleibe die

EU weiterhin ein offener Markt –

und damit ein Ziel von Importen.

„Ich bin sehr für eine starke Stahlerzeugung

in Europa und in

Deutschland“, sagte Ellermann.

„Stahl ist ein Innovationsträger. Je

mehr Stahlerzeugung wir hier

haben, desto mehr Know-how in

Technologie und Werkstoffwissenschaften

haben wir. Das benötigen

wir auch in der Distribution“, sagte

Ellermann.

Wertbasierte Preisbildung

Der Stahlhandel in Deutschland

hatte bis Ende August 2016 bei den

Absatzmengen gute Zahlen zu verzeichnen,

bilanzierte Ellermann.

Stand Ende September bewegten

sich die Absätze etwa auf Vorjahresniveau.

Das ergebe sich aus der vom

BDS erhobenen Stahlhandelsstatistik.

„Mengenmäßig läuft der Stahlhandel

in Deutschland derzeit in

der Spur“, unterstrich der BDS-Vorstand.

„Bei den Margen sieht das

allerdings anders aus“, so Ellermann

weiter.

Seit Anfang 2011 seien über alle

Produkte hinweg, vom Formstahl

über Beton- und Stabstahl, Bleche

und Rohre, zum Teil enorme Preisrückgänge

zu verzeichnen gewesen.

Erst Anfang 2016 habe ein kurzfristiger

Anstieg wieder zu höheren

Preisen geführt.

Das Geschäftsmodell des lagerhaltenden

Stahlhandels sei nach

wie vor zukunftsfähig, sagte Ellermann.

Als Versorger der kleinen

Abnehmergruppen der Stahldistribution in Deutschland

Angaben in Prozent

EBM

Maschinenbau

Sonstige

14

16

12

19

20

19

Stahlbau

Fahrzeugbau

Bauwirtschaft

und mittelständischen Verarbeiter

sei die Branche nach wie vor unverzichtbar.

Das in der Regel von kleinlosigen

Aufträgen geprägte Geschäft

sei ein notwendiges Glied in der

Versorgungskette, das auch auf längere

Sicht nicht ersetzbar sei.

Der Stahlhandel ist bei seinen

Kunden hoch geschätzt. „Das ist

angesichts des überaus breiten Produktspektrums,

vielfältigster Anarbeitungsmöglichkeiten

und hoher

Liefertreue auch nicht verwunderlich“,

betonte Ellermann.

Zugleich appellierte der BDS-

Chef, die Leistungen des Stahlhandels

ihrem Wert entsprechend zu

bepreisen – auch in Krisenzeiten.

„Die übliche Denkweise ist: Die Marge

ergibt sich aus dem Materialpreis

mal Menge minus Kosten“, sagte

Ellermann. „Wir müssen aber auch

die Leistungen des Stahlhandels

konsequent in Rechnung stellen“,

unterstrich Ellermann. Anarbeitung,

Verpackung, Bescheinigungen, La -

dungssicherung – all das müsse als

wertige Leistung bewusst gemacht

und dann auch abgerechnet werden.

Stahlhandel 4.0?

Für Entspannung warb Ellermann

angesichts des aktuellen Megathemas

„Industrie 4.0“. Zwar gelte es,

die technologische Entwicklung,

insbesondere die der Vertriebswege

– Stichwort Webshop und Online-

Portal – genau zu beobachten. Sich

jedoch aus der Erwartung einer

kurzfristigen, völligen Umgestaltung

bisheriger Verkaufskanäle zu

eigenen, ähnlich revolutionären

Handlungen motivieren zu lassen

– davon riet Ellermann ab.

„Unsere Kunden, die kleinen

und mittelständischen Unternehmen,

sind nicht durchgängig digitalisiert,

im Gegenteil“, so Ellermann.

Die Studie „Industrie 4.0 –

Wie verändern sich die IT-Systeme

in Einkauf und SCM“ der Universität

Würzburg zusammen mit dem

Bundesverband Materialwirtschaft,

Einkauf und Logistik e.V. (BME)

sowie dem österreichischen Pendant

BMÖ habe aktuell gezeigt, dass

z.B. die Verarbeitung von Geschäftsdokumenten

in kleinen und mittelständischen

Firmen, aber auch in

30 Stahlreport 11|16


Großunternehmen der Industrie zu

großen Teilen nicht oder nur teilweise

elektronisch erfolgt.

Weiterhin erwartet die überwiegende

Mehrheit der Studie zufolge

erst mittel- bis langfristig, dass

Industrie-4.0-induzierte Veränderungen

in ihrem wirtschaftlichen

Umfeld greifen.

Eine der Stärken der Stahldistribution

liege darin, ihre Kunden

individuell und passgenau zu bedienen.

Das bedeute eben auch, die

üblichen Vertriebskanäle der Kunden

weiter zu bedienen – und seien

es handgeschriebene, jeder elektronischen

Datenverarbeitung spottende

Auftragszettel per Fax.

Richtig warten lohnt sich

Thema des zweiten Vortrags war

die korrekte und sorgfältige Wartung

der Maschinen in Stahlhandelsunternehmen.

Zwar sollte die

sorgfältige Wartung eigentlich eine

Selbstverständlichkeit sein. Dass

dem in der Praxis durchaus nicht

so ist, berichtete Bernd Krause,

Geschäftsführer der Krause Maschinenhandels

& Service GmbH.

In einer Beispielrechnung auf

Basis einer Bandsägeanlage mit

einem Schnittbereich über 530 mm

machte der Gebrauchtmaschinenexperte

deutlich, dass sich die Wartungskosten,

die sich durch unsachgemäße

Pflege bzw. Nichtpflege der

Maschine summieren, auf bis zu

über 6.000 € pro Jahr belaufen können.

Übliche vermeidbare Schäden

seien z.B. Getriebeschäden oder ein

Schaden am Verstellantrieb.

Die Ursache solcher Schäden

sah Krause vor allem in der mangelhaften

Aufmerksamkeit im

Unternehmen für die korrekte

Maschinenwartung bzw. in der

Unkenntnis ihrer Folgen. Die richtige

Wartung der Maschinen sei

unbedingt ein Managementthema

und müsse organisatorisch verankert

werden.

Oft fehle Bedienern das richtige

Bewusstsein für die Auswirkungen

mangelhafter Wartung. Es helfe,

z.B. Wartungsbücher für jede

Maschine zu führen, Wartungspläne

aufzustellen und konsequent zu

befolgen, auch regelmäßige Schulungen

der Bediener trügen zur richtigen

Maschinenpflege bei – und

damit zum kostenbewussten

Umgang mit den Unternehmensressourcen.

Mängel richtig rügen

Über aktuelle, für den Stahlhandel

relevante Rechtsthemen hat RA Tim

Lieber, Kanzlei Henseler & Partner

und Referatsleiter Recht im BDS,

berichtet. Themen seines Beitrags

waren die Mängelrüge, die Herstellerzertifizierung

nach DIN EN 1090

sowie die richtige Einbeziehung von

Allgemeinen Geschäftsbedingungen

(AGB) bei Geschäftsabschlüssen.

Immer wieder kommt es im

Stahlhandel zu mangelbehafteten

Lieferungen. Um die daraus folgenden

Rechtsansprüche zu bewahren,

muss der Käufer dem Verkäufer den

Mangel im Rahmen einer korrekten

Mängelrüge anzeigen.

Je nach Art des Mangels, ob es

um einen offenen oder verdeckten

Mangel geht, müssen dabei

bestimmte Anzeigefristen eingehalten

werden. Das Problem dabei ist,

die jeweils notwendigen Prüfungen

der gelieferten Güter fristgemäß

durchzuführen. Denn wird die Rügefrist

versäumt, gilt die Ware trotz

Mangel als genehmigt – es sein

denn, es liegt ein arglistiges Verschweigen

des Lieferanten vor.

Ob offener oder versteckter Mangel

– für beide gilt, dass sie unverzüglich

(nach Auslieferung bzw.

nach Entdeckung) zu rügen sind.

Was dabei „unverzüglich“ konkret

bedeutet, regelt das Gesetz aber

nicht im Detail. Das Gericht muss

daher einzelne Fälle individuell

bewerten. „Krankheit eines Mitarbeiters

und regionale Feiertage, z.B.

Karneval im Rheinland, gelten i.d.R.

nicht als Grund, die Anzeigefrist

für die Mängelrüge zu verlängern“,

so Tim Lieber.

Seit der Einführung der DIN EN

1090 bestellen Stahlbaukunden häufig

Material gemäß dieser Stahlbaunorm.

Zur Vorsicht mahnte Tim Lieber

aber bei einer Zertifizierung

nach DIN EN 1090 als Stahlhändler.

„Die Zertifizierung nach DIN

EN 1090 können für Stahlhändler

rechtliche Risiken bergen“, so Tim

Lieber.

Denn im Falle einer mangelhaften

Lieferung kann der Abnehmer möglicherweise

geltend machen, dass die

Stahlhandelsunternehmen infolge

ihrer Zertifizierung als Hersteller

auch wie ein Hersteller haften müssen.

Je nach Auftrag komme es im

Einzelfall dann darauf an, was im

Unternehmen tatsächlich mit der

Ware geschehen ist. Laut einem neueren

Urteil reiche jedoch allein die Zertifizierung

eines Stahlhändlers nicht

aus, um diesem eine Herstellerhaftung

aufzuerlegen. „Das Landesgericht

Erfurt z.B. hat in einem entsprechenden

Fall geurteilt, dass die

Zertifizierung allein das Unternehmen

noch nicht zum Hersteller

mache“, so Lieber.

Ein weiterer Fallstrick, über den

Stahlhandelsunternehmen juristisch

stolpern können, ist das korrekte

Handling der AGB bei einem Vertragsabschluss.

So gilt zwar für

Geschäfte innerhalb Deutschlands

schon der Hinweis auf die AGBs als

ausreichend. Anders sieht das aber

bei internationalen Abschlüssen aus.

Hier ist es aufgrund anderer gesetzlicher

Vorgaben regelmäßig erforderlich,

auf die AGBs mit dem Vertragsabschluss

nicht nur hinzuweisen,

sondern sie auch gleich komplett dem

Vertragspartner zu Verfügung zu stellen,

am besten in der Vertragssprache

und/oder auf englisch.

Unaufmerksamkeit kann hier

gravierende Folgen nach sich ziehen,

etwa die fehlende Bestimmung

des anwendbaren Rechts oder des

Gerichtsstands – mit der Folge der

Geltung eines unbekannten ausländischen

Rechts oder der Zuständigkeit

ausländischer Gerichte.

Zu guter Letzt dankte Oliver

Ellermann den Vertretern der im

BDS organisierten Unternehmen

für ihr Engagement. Auch im kommenden

Jahr lädt der BDS wieder

zu einer Reihe interessanter Veranstaltungen

ein, allen voran zum

Stahlhandelstag im September 2017,

aber auch zu weiteren Tagungen

wie dem Betonstahltag (12.1.2017,

Darmstadt), Q&E-Tag (9.2.2017, Düsseldorf)

oder dem Flachtag (30.03.,

Düsseldorf). 2

Stahlreport 11|16

31


BDS

Recht

Der neueste Rechtsfall aus dem Stahlhandel

Kollateralschaden

bei der Lieferung

Eine ordnungsgemäße Ladungssicherung schließt sicheres

Be- und Entladen ein und ist somit ein facettenreiches

Themengebiet. Rechtsanwalt Alexander Bartsch, Partner der

Kanzlei Henseler & Partner Rechtsanwälte mbB/Düsseldorf,

erläutert nachfolgend in einem neuen Rechtsfall die

Haftungsverteilung für einen bei der Materialentladung

entstandenen Schaden am Transportfahrzeug.

Foto: BDS

Rechtsanwalt

Alexander Bartsch

Das Stahlhandelsunternehmen

Stahl & Co. steht in Geschäftsbeziehung

zur Stahlbau GmbH. Im März

2016 bestellt Herr Schmitt, Einkäufer

bei der Stahlbau GmbH, telefonisch

1.800 kg Stabstahl bei Stahl & Co. Die

Preisstellung soll „franko“ Anlieferung

bei der Steel Machining oHG

erfolgen, welche die Stangen für die

Stahlbau GmbH bearbeiten soll. Am

Folgetag bestätigt der zuständige Vertriebsmitarbeiter

von Stahl & Co. die

Bestellung per Telefax an die Stahlbau

GmbH. Die Auftragsbestätigung

enthält zudem einen Verweis auf die

Allgemeinen Verkaufsbedingungen

von Stahl & Co., die über die Internetseite

von Stahl & Co. abrufbar sind.

Bei Anlieferung der gesamten

Materialmenge durch Stahl & Co. mit

eigenem Lkw auf dem Betriebsgelände

der Steel Machining oHG übergibt

der Fahrer Müller dem zuständigen

Lagermitarbeiter der Steel

Machining oHG Meier den Lieferschein.

Als Müller sieht, dass Meier

die Stangen mit einem kleineren

Gabelstapler abladen will, weist Müller

noch einmal auf das verhältnismäßig

hohe Gesamtgewicht des Bundes

hin. Meier entgegnet: „Ach, kein

Problem!“ – und es kommt, wie es

kommen musste:

Der Gabelstapler kippt nach Anheben

des Materials beim Zurücksetzen

nach vorne, der Bund fällt von

der Gabel herunter und verursacht

am Lkw von Stahl & Co. einen Reparaturschaden

von 2.000 €.

Stahl & Co. möchte nun von der

Steel Machining oHG den Schaden

ersetzt haben. Steel Machining oHG

schaltet „auf Durchzug“. Daher ruft

der Geschäftsführer von Stahl & Co.

nun bei seinen Rechtsanwälten an

und bittet diese um eine Einschätzung

des Falles.

Lösung

Neben der Frage,

z ob ein Anspruch auf Ersatz des Schadens

besteht, ist auch und vor allem

zu klären,

z gegen wen Stahl & Co. seinen

Anspruch richten muss.

z Beides ergibt sich letztlich aus derselben

Erwägung: Wer war/ist für

die Entladung vom Stahl & Co.-Lkw

verantwortlich?

Die Antwort hierauf steht in den Allgemeinen

Verkaufsbedingungen von

Stahl & Co.:

Diese sind zunächst wirksam in

den Kaufvertrag mit der Stahlbau

GmbH einbezogen. So hat der Einkäufer

Schmitt nach Erhalt der schriftlichen

Auftragsbestätigung zu seiner

telefonischen Bestellung insbesondere

nicht der Geltung der Bedingungen

von Stahl & Co. widersprochen.

Dort heißt es unter Ziff. 7.3: „Die

Pflicht und die Kosten der Entladung

gehen zu Lasten des Käufers.“ – die

Entladung war laut Vertrag also Sache

der Stahlbau GmbH.

Diese muss die Entladung dann

natürlich so gestalten, dass keine

Sach- oder Personenschäden entstehen.

Indem der Fahrer Müller dem

Lagermitarbeiter Meier auch noch

mitgeteilt hat, dass „der Bund aber

schwer“ sei, also der Stapler seiner

Einschätzung nach für das Gewicht

zu „schwach auf der Brust“ ist, hat

Stahl & Co. zudem adäquat gewarnt,

also auch keine etwaigen Beratungspflichten

verletzt.

Wenn also Stahl & Co. alles richtig

gemacht hat, muss doch die Steel

Machining oHG zahlen, oder? Nein!

Zwar ist Stahl & Co. der Schaden zu

ersetzen, aber nicht von der Steel

Machining oHG sondern von seiner

Vertragspartnerin, der Stahlbau

GmbH. So entlud die Steel Machining

oHG im Verhältnis zu Stahl &

Co. lediglich als sog. Erfüllungsgehilfin

der Stahlbau GmbH. Alleinige

Vertragspartnerin und in diesem

Rahmen „Entladeverpflichtete“ bleibt

die Stahlbau GmbH. Dass diese im

sog. Innenverhältnis zur Steel Machining

oHG einen Regressanspruch

hat, ist für Stahl & Co. nicht von

Belang.

Fazit und Merkposten

z Schadensersatzansprüche bestehen

grundsätzlich entlang der Vertragskette,

d.h. unter den jeweiligen

Vertragspartnern.

z Wem die Pflicht zur Entladung

zufällt, richtet sich nach der konkreten

Fallkonstellation, v.a. nach

der jeweiligen vertraglichen Vereinbarung.

z Unklarheiten bei der Frage, wem die

Pflichten – und damit auch die Risiken

– der Entladung zufallen, können

AGB-mäßig geregelt werden.

z Die Einbeziehung von Allgemeinen

Geschäftsbedingungen erfolgt mittels

Verweis auf die Geltung der eigenen

AGB und die Ermöglichung einer

problemlosen Kenntnisnahme durch

den Vertragspartner. Eine Einbeziehung

scheitert wiederum, wenn der

Vertragspartner – z.B. durch Verweis

auf die „Exklusivgeltung“ seiner

Einkaufsbedingungen – der Geltung

der AGB widerspricht. 2

32 Stahlreport 11|16


Einführung eines vorläufigen Antidumpingzolls

Warmgewalzte Flacherzeugnisse aus China

Die EU-Kommission hat mit Wirkung vom 8.10.16 für einen Zeitraum von höchstens sechs

Monaten einen vorläufigen Antidumpingzoll auf die Einfuhren bestimmter flachgewalzter

Erzeugnisse aus Eisen, nicht legiertem Stahl oder legiertem Stahl, auch in Rollen (Coils)

(auch zugeschnittene Waren und Schmalband („narrow strip“)), nur warmgewalzt, weder

plattiert noch überzogen, mit Ursprung in der Volksrepublik China eingeführt.

Von der Maßnahme nicht

betroffen sind Erzeugnisse aus:

z nicht rostendem Stahl und kornorientiertem

Siliciumelektrostahl,

z Werkzeug- und Schnellarbeitsstahl

und

z Erzeugnisse, nicht in Rollen, ohne

Oberflächenmuster, mit einer Dicke

von mehr als 10 mm und einer

Breite von 600 mm oder mehr, sowie

z Erzeugnisse, nicht in Rollen, ohne

Oberflächenmuster, mit einer Dicke

von 4,75 mm oder mehr, aber nicht

mehr als 10 mm, und einer Breite

von 2.050 mm oder mehr.

Die von der vorläufigen Maßnahme

betroffenen Waren werden derzeit

unter den folgenden KN-Codes eingereiht:

72081000, 72082500, 72082600,

72082700, 72083600, 72083700,

72083800, 72083900, 72084000,

72085210, 72085299, 72085310,

72085390, 72085400, 72111300,

72111400, 72111900, ex 72251910

(TARIC-Code 7225191090),

72253090, ex72254060 (TARIC-Code

7225406090), 72254090, ex

72261910 (TARIC-Code 226191090),

72269191 und 72269199.

Für die betroffene und von den

nachstehend aufgeführten Unternehmen

hergestellte Ware gelten folgende

vorläufigen Antidumpingzollsätze

auf den Nettopreis frei Grenze der

Union, unverzollt (siehe Tabelle).

Die Anwendung der unternehmensspezifischen

Zollsätze für die

vorgenannten Unternehmen setzt

voraus, dass den Zollbehörden der

Mitgliedstaaten eine gültige Handelsrechnung

vorgelegt wird, die eine

Erklärung in folgender Form enthält,

welche von einer zuständigen Person

des Unternehmens, das die Handelsrechnung

ausgestellt hat, unter

Angabe ihres Namens und ihrer

Funktion datiert und unterzeichnet

worden ist:

„Der/Die Unterzeichnete versichert,

dass die auf dieser Rechnung

aufgeführten und zur Ausfuhr in die

Europäische Union verkauften [Mengenangabe]

[betroffene Ware] von

[Name und Anschrift des Unternehmens]

([TARIC-Zusatzcode]) in

[betroffenes Land] hergestellt wurden

und dass die Angaben auf dieser

Rechnung vollständig und richtig

sind.“

Wird keine solche Handelsrechnung

vorgelegt, findet der für alle

übrigen Unternehmen geltende Zollsatz

Anwendung.

Die Überführung der genannten

Ware in den zollrechtlich freien Verkehr

in der Union ist außerdem von

der Leistung einer Sicherheit in Höhe

des vorläufigen Zolls abhängig.

Unternehmen Vorläufiger TARIC-

Zollsatz (in %) Zusatzcode

Bengang Steel Plates Co., Ltd. 17,1 % C157

Handan Iron & Steel Group Han-Bao Co., Ltd. 13,2 % C158

Hebei Iron & Steel Co., Ltd. Tangshan Branch 13,2 % C159

Hebei Iron & Steel Co., Ltd. Chengde Branch 13,2 % C160

Zhangjiagang Hongchang Plate Co., Ltd. 22,6 % C161

Zhangjiagang GTA Plate Co., Ltd. 22,6 % C162

Andere, im Anhang des Amtsblatts 18,0 % siehe Anhang

aufgeführte mitarbeitende Unternehmen

im Amtsblatt

Alle übrigen Unternehmen 22,6 % C999

Hintergrund der vorläufigen Maßnahme

sind die bisher gemachten Feststellungen

im Rahmen der von der

Europäischen Kommission am 13.2.16

eingeleiteten Untersuchung zu Antidumpingvermutungen

betreffend die

Einfuhren bestimmter warmgewalzter

Flacherzeugnisse aus Eisen, nicht

legiertem Stahl oder legiertem Stahl

mit Ursprung in der VR China (Einleitungsbekanntmachung

veröffentlicht

im ABl. C 58 vom 13.2.2016, S. 9.).

Das Verfahren geht auf einen

Antrag des Verbandes der Europäischen

Stahlhersteller, European Steel

Association („Eurofer“), zurück – im

Namen von Herstellern, auf die

zusammen mehr als 90 % der gesamten

Unionsproduktion bestimmter

warmgewalzter Flacherzeugnisse aus

Eisen, nicht legiertem Stahl oder

legiertem Stahl entfallen.

Parallel zu dem vorstehenden

Antidumpingverfahren hat die EU-

Kommission folgende weiteren Untersuchungen

eingeleitet:

z am 13. Mai 2016 (ABl. C 172 vom

13.5.2016, S. 29) eine Antisubventionsuntersuchung

betreffend die

Einfuhren der gleichen Ware mit

Ursprung in der Volksrepublik

China

z und am 7. Juli 2016 (Bl. C 246 vom

7.7.2016, S. 7) eine Antidumpinguntersuchung

betreffend die Einfuhren

der gleichen Ware mit Ursprung in

Brasilien, Iran, Russland, Serbien

und der Ukraine.

[ Quellen ]

Germany Trade and Invest – Gesellschaft

für Außenwirtschaft und Standortmarketing

GmbH (GTAI) und Durchführungsverordnung

(EU) 2016/1778 der Kommission

vom 6. Oktober 2016 zur Einführung

eines vorläufigen Antidumpingzolls auf

die Einfuhren bestimmter warmgewalzter

Flacherzeugnisse aus Eisen, nicht legiertem

Stahl oder legiertem Stahl mit

Ursprung in der Volksrepublik China;

ABl. L 272 vom 7.10.2016, S. 33.

Stahlreport 11|16

33


BDS

Recht/Berufsbildung

Antidumpingzoll statt zollamtlicher Erfassung

Bestimmte Grobbleche aus China

Die EU-Kommission hat mit Wirkung vom 8.10.16 für einen Zeitraum

von höchstens sechs Monaten einen vorläufigen Antidumpingzoll

auf die Einfuhren von Flacherzeugnissen aus nicht legiertem

oder anderem legierten Stahl (ausgenommen rostfreier Stahl,

Silicium-Elektrostahl, Werkzeugstahl und Schnellarbeitsstahl),

warmgewalzt, nicht plattiert oder überzogen, nicht in Rollen, entweder

mehr als 10 mm dick und mindestens 600 mm breit oder mindestens

4,75 mm, aber höchstens 10 mm dick und mindestens

2.050 mm breit, mit Ursprung in der Volksrepublik China eingeführt.

Die von der vorläufigen Maßnahme

betroffenen Waren werden

derzeit unter den folgenden KN-

Codes eingereiht:

ex 72085120, ex 72085191,

ex 72085198, ex 72085291,

ex 72089020, ex 72089080,

72254040, ex 72254060 und

ex72259900 (TARIC-Codes:

7208512010, 7208519110,

7208519810, 7208529110,

7208902010, 7208908020,

7225406010, 7225990030).

Für die betroffene und von den

nachstehend aufgeführten Unternehmen

hergestellte Ware gelten folgende

vorläufigen Antidumpingzollsätze

auf den Nettopreis frei Grenze

der Union, unverzollt (siehe Tabelle).

Die Überführung der genannten

Ware in den zollrechtlich freien Verkehr

in der Union ist außerdem von

der Leistung einer Sicherheit in Höhe

des vorläufigen Zolls abhängig.

Die mit der Durchführungsverordnung

(EU) Nr. 2016/1357 (ABl. L

215 vom 10.8.2016, S. 23) angeordnete

zollamtliche Erfassung der Einfuhren

der betroffenen Waren wird

eingestellt.

Hintergrund der vorläufigen

Maßnahme sind die bisher gemachten

Feststellungen im Rahmen der

von der Europäischen Kommission

am 13.2.16 eingeleiteten Untersuchung

zu Antidumpingvermutungen

betreffend die Einfuhren von

Flacherzeugnisse aus nicht legiertem

oder anderem legierten Stahl

(ausgenommen rostfreier Stahl, Silicium-Elektrostahl,

Werkzeugstahl

und Schnellarbeitsstahl), warmgewalzt,

nicht plattiert oder überzogen,

nicht in Rollen, entweder mehr

als 10 mm dick und mindestens 600

mm breit oder mindestens 4,75 mm,

aber höchstens 10 mm dick und mindestens

2.050 mm breit mit

Ursprung in der Volksrepublik China

(Einleitungsbekanntmachung veröffentlicht

im ABl. C 58 vom

13.2.2016, S. 20). Das Verfahren geht

auf einen Antrag des Verbandes der

Europäischen Stahlhersteller, European

Steel Association („Eurofer“),

im Namen von Herstellern, auf die

mehr als 25 % der Unionsgesamtproduktion

von Grobblechen entfallen,

zurück.

[ Quellen ]

Germany Trade and Invest – Gesellschaft

für Außenwirtschaft und Standortmarketing

GmbH (GTAI) und Durchführungsverordnung

(EU) 2016/1777 der Kommission

vom 6.10.16 zur Einführung eines

vorläufigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren

bestimmter Grobbleche aus nicht

legiertem oder anderem legierten Stahl

mit Ursprung in der Volksrepublik China;

ABl. L 272 vom 7.10.16, S. 5.

Unternehmen Vorläufiger Anti- TARICdumpingzoll

(in %) Zusatzcode

Nanjing Iron and Steel Co., Ltd. 73,1 % C143

Minmetals Yingkou Medium Plate Co., Ltd 65,1 % C144

Wuyang Iron and Steel Co., Ltd and Wuyang

New Heavy & Wide Steel Plate Co., Ltd 73,7 % C145

andere im Anhang des Amtsblatts aufgeführte

mitarbeitende Unternehmen 70,6 %

alle übrigen Unternehmen 73,7 % C999

Digitalisierung

Beirat für das Fernstudium

konstituiert

Der Beirat für das Fernstudium,

das ab dem kommenden Jahr (1.7.17)

mit einem neuen Jahrgang digitalisiert

angeboten wird, hat sich Ende Oktober

in Köln offiziell konstituiert. Mit dabei

waren Vertreter alles drei beteiligten

Verbände: BDS, VDM und WGM.

Im Rahmen des dreijährigen berufsbegleitenden

Fernstudiums zur Betriebswirtin/zum

Betriebswirt werden die

Varianten „Stahlhandel BDS“, „Metallhandel

VDM“ und „Metallhandel WGM“

angeboten. Deshalb sind in dem neuen

Studienbeirat die Geschäftsführungen

bzw. Vorstände des Bundesverbands

Deutscher Stahlhandel (BDS), des Verbands

Deutscher Metallhändler (VDM)

und der Wirtschaftsvereinigung Großhandel

Metallhalbzeug (WGM) vertreten

sowie von ihnen ernannten Fachbereichsleiter

zu den Themen der Technik,

der Wirtschaft und der Methoden.

Diese Fachleute werden aktiv die bis

zum Start am 1. Juli 2017 anstehende

Digitalisierung begleiten, durch die –

nach Abschluss der Umstellung – alle

Beteiligte sämtliche Informationen sowie

die Kommunikation und Administration

über die Elektronische Bildungsplattform

OLAT abwickeln sollen. In diesem

Zusammenhang entstehen beispielsweise

aus den bisher ausgedruckt zur

Verfügung gestellten Studienbriefen kleinere

elektronische Lerneinheiten – die

sogenannten Studienmodule.

Auch das neue System muss von der

Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU) zugelassen werden, weshalb

die beteiligten Verbände erst ab dem

kommenden Jahr verbindliche Anmeldungen

für den neuen Jahrgang entgegennehmen

können. Ebenfalls bleibt es

dabei, dass das Fernstudium dem Qualitätsmanagement

des zu diesen Fragen

zertifizierten BDS unterworfen bleibt.

Und auch die Markenrechte für die

Betriebswirts-Abschlüsse werden weiterhin

von den drei beteiligten Verbänden

gehalten.

34 Stahlreport 11|16


Tagungsvorbereitung

Werkzeuge der Digitalisierung

in der Berufsbildung

Im Zusammenhang mit der Vorbereitung

der kommenden Jahrestagung

der kaufmännischen Ausbildungsleiter

hat der BDS im Gespräch mit seinen

Kooperationspartnern zu diesem Event

am 26./27.4.17 im mittelbadischen

Achern seine Position zur Digitalisierung

in Sachen Berufsbildung formuliert.

Der aktuelle Megatrend der Digitalisierung

im Sinne der vierten industriellen

Revolution konkretisiere sich auch hinsichtlich

„Arbeit 4.0“ und damit auch

bezüglich „Ausbildung 4.0“. Angesichts

dieser Vernetzungen stehen nach

Ansicht des Bundesverbands Deutscher

Stahlhandel (BDS) drei besonders geeignete

Instrumente zur Bewältigung der

entsprechenden Herausforderungen zur

Verfügung: die Möglichkeiten des elektronisch

gestalteten Fernunterrichts, die

durchgängige Bildungssystematik des

Deutschen Qualifikationsrahmens und

das prozessgestaltende Qualitätsmanagement.

Deshalb sollten diese drei

Werkzeuge bei der anstehenden Tagung

eine besondere Rolle spielen, so wie

auch in der Berufsbildung des Stahlhandels.

Dr. Ludger Wolfgart, BDS-Bereichsleiter

Berufsbildung, vertrat diese Ansicht im

Gespräch mit den Kooperationspartnern

für die Tagung,

z dem Kuratorium der Deutschen Wirtschaft

für Berufsbildung (KWB),

z dem im kommenden Jahr gastgebenden

Ausrüster KASTO,

z dem ebenfalls beteiligten Stahlhandelsunternehmen

Schwarzwaldeisen

sowie

z der kooperierenden Industrie- und

Handelskammer Mittlerer Oberrhein

mit Sitz in Offenburg.

Bei der Tagung soll es um kaufmännische

Karrieren im Zeitalter der Digitalisierung

gehen. Die offizielle Ausschreibung

zur Teilnahme wird Anfang des

kommenden Jahres erfolgen.

Das Seminarangebot und die Winterpause

Von Ladungen

und Einladungen

Für den Stahlhandel geht das branchenbezogene Seminarjahr

2016 bis Mitte Dezember zu Ende, und ab März 2017 wird das

entsprechende Angebot nach der Winterpause fortgesetzt: mit der

Veranstaltung „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen im

Stahlhandel“, die in diesem Herbst verschoben werden musste.

Nachfolgend geht es vor diesem Hintergrund um Ladungen und

Einladungen.

Das erste Seminarthema des

neuen Jahres steht für eine äußerst

komplexe Herausforderung, geht es

bei der Ladungssicherung in den

Unternehmen des Stahlhandels doch

sowohl um wirtschaftliche als auch

um technische sowie um juristische

Aspekte (vgl. z.B. den neuesten

„Rechtsfall aus dem Stahlhandel“ in

diesem Heft) und daher um eine

breit aufgestellte Zielgruppe für entsprechende

Schulungen – von der

Geschäftsleitung bis zum Team im

Lager.

Das BDS-Seminar „Ladungssicherung

auf Straßenfahrzeugen im

Stahlhandel“ findet am 7. und 8.

März 2017 in Selm und damit am

nördlichen Stadtrand von Dortmund

statt – im Forschungs- und Technologiezentrum

Ladungssicherung

Selm gGmbH, in dem theoretische

Inhalte auch in der Praxis deutlich

gemacht werden können. Das dortige

Team steht der Seminargruppe

ebenso zur Verfügung wie Referent

Ludwig Felser, Autor des Fachbuchs

zur Ladungssicherung, das der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS) veröffentlicht hat.

Zum Abschluss des Seminarjahres

2016 stehen noch vier Themen auf

der Tagesordnung des BDS:

z Um „Rohre aus Edelstählen“ geht

es vom 14.-15.11.16 in Monschau in

der Eifel.

z „Prüfbescheinigungen“ stehen

unter technischen und juristischen

Aspekten am 24.11.16 in Düsseldorf

auf dem Programm.

z Schließlich geht es um Fein- und

Grobbleche sowie Oberflächenveredelung,

wenn vom 12.-13.12.16 in

Duisburg „Flachprodukte“ anstehen.

z Zweiteilig sind die letzten Veranstaltungen

des Jahres zum Verkaufsthema:

„Neue A-Kunden

gewinnen und Anfragen professionell

managen“ am 7./8.11.16 in Düsseldorf

und „Mehr Aufträge durch

professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung“

am 5./6.12.16 in Mannheim. 2

[ Info ]

Eine Übersicht zu allen Veranstaltungen,

die der BDS gegenwärtig in Planung hat,

findet sich am Ende dieses Heftes. Auskünfte

und Anmeldungen sind möglich

über: Wynands-BDS@stahlhandel.com.

Neue Mitgliedschaft und Jubiläum

Aus dem bayerischen Marktoberdorf stammt das jüngste Mitglied im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS). Wie der BDS mitgeteilt hat, ist die

Eisen Fendt GmbH in den Verband aufgenommen worden. Sie hat ihren Firmensitz

in 87616 Marktoberdorf, Siemensring 1.

Unterdessen konnte ein anderes Mitgliedsunternehmen des BDS ein Jubiläum

feiern: Das Ingenieurbüro Roth ist seit fünf Jahren dabei. Das Unternehmen

hat seinen Sitz in der Haldenstraße 11 in 74199 Unterheinriet.

Stahlreport 11|16

35


BDS

Berufsbildung/Kommunikation

Was die Ausbildungsneuordnung auch im Stahlhandel abbilden muss

Sich verändernde Wertschöpfungsketten

Im Zusammenhang mit der zur Ausbildung von Kaufleuten im Groß- und Außenhandel geplanten

Neuordnung, die durch die fortschreitende Digitalisierung ausgelöst worden ist, hatte der BGA

auch beim BDS notwendige Veränderungen abgefragt. Die brachte dieser auf der Basis zahlreicher

Gespräche in den Sommermonaten inzwischen in die Beratungen des Berufsbildungsausschusses

ein, der zuletzt im Oktober in Berlin getagt hat. Das Verbindende der notwendigen Innovationen:

sich verändernde Wertschöpfungsketten.

Die angesprochenen Umwälzungen

haben im Ergebnis nicht nur

für neue Geschäftsmodelle gesorgt,

mit denen sich die Berufsbildung

auch im Bereich des Bundesverbandes

Deutscher Stahlhandel (BDS)

auseinanderzusetzen hat. Im Rahmen

dieser bestehenden und sich

entwickelnden Strukturen habe

zudem die Bedeutung von Marketing-

und Logistikinhalten zugenommen,

unterstrich BDS-Fachbereichsleiter

Dr. Ludger Wolfgart im Rahmen

der Beratungen beim Bundesverband

Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA). In diesen

Zusammenhängen unterstützte er

zudem die Aufnahme neuer Lerninhalte

z.B. zu Nachhaltigkeit, Globalisierung

und Compliance.

Weitergehende Veränderungsvorschläge

aus dem BDS dürften in

dem gerade erst begonnenen Verfahren

keine Chance auf Berücksichtigung

haben. Die beziehen sich

zum einen auf einen Paradigmenwechsel

bei der Neuordnung selber

und zum anderen auf eine veränderte

Einordnung in den Deutschen

Qualifikationsrahmen. „Die Ausbildung

im Stahlhandel muss einem

kontinuierlichen Verbesserungsprozess,

wie wir ihn aus dem Qualitätsmanagement

kennen, unterworfen

und nicht nur im Rhythmus

von Jahrzehnten angepasst werden.

Dann würden auch die Chancen

steigen, im Deutschen Qualifikationsrahmen

einer höheren Niveaustufe

zugeordnet zu werden und im

Wettbewerb mit Bildungsalternativen

zu punkten“, fasste Wolfgart

zusammen.

Auf fruchtbaren Boden fallen

dürfte auch nicht die Anregung, eine

verbindliche Lernzieltaxonomie zu

entwickeln. Dabei geht es um Fragen,

wann ein Lernender etwas nur

„nennen“ oder „kennen“ und wann

er etwas „erklären“ oder „anwenden“

können muss.

Noch nicht entschieden ist dagegen

über die Ideen einer attraktiveren

Bezeichnung für den dann neu

geordneten Ausbildungsberuf, der

seit Jahrzehnten als „Kauffrau/-

mann im Groß- und Außenhandel“

geführt wird. Der BDS befürwortet

in diesen Zusammenhängen Vorschläge,

die – unter Beibehaltung

des kaufmännischen Ansatzes – in

Richtung „Großhandelsmanagement“

bzw. „Außenhandelsmanagement“

gehen, um die erweiterte Komplexität

der Lernziele zu unterstreichen.

Da Veränderungen durch das

„E-Business“ Auslöser der Neuordnung

waren, sind allerdings auch

entsprechende Zusätze bei der

Bezeichnung in der Diskussion. Hintergrund

dafür ist zudem, dass es

demnächst zum E-Commerce einen

ganz neuen Ausbildungsberuf geben

wird, der branchenübergreifend entwickelt

und stark auch vom Einzelhandel

unterstützt worden ist.

Für den neu geordneten Ausbildungsberuf

im Groß- und Außenhandel,

wie auch immer er dann

genannt werden wird, zeichnet sich

im Übrigen eine gestreckte

Abschlussprüfung ab. Das jedenfalls

ergab sich als Mehrheitsmeinung

aus Umfragen in den zum BGA gehörenden

Fach- bzw. Landesverbänden.

Die nächste Sitzung des BGA-

Berufsbildungsausschusses, der traditionell

am selben Tag auch gemeinsam

mit dem entsprechenden

Gremium des Einzelhandels tagt,

findet am 6. März 2017 in Berlin

statt. 2

36 Stahlreport 11|16


Betonstahltag in Darmstadt

Präzisiertes Programm

BDS und ISB haben das Programm zum Betonstahltag am 12.1.17 in Darmstadt präzisiert bzw.

komplettiert und bewerben die Veranstaltung inzwischen intensiv. In deren Fokus stehen

wirtschaftliche, technische und rechtliche Informationen zu diesem traditionsreichen Produkt

des Stahlhandels. Der Kommunikation der entsprechend engagierten Marktpartner dient ein

Vorabend-Get-Together, bei dem sich auch Absolventen des Fernstudiums treffen sollen.

Die insgesamt sechs Vorträge,

über die in der Ausgabe 1/2

2017 des Stahlreport berichtet werden

wird, beginnen nun geändert

mit einem Beitrag von Dipl.-Oec.

Heinrich Weitz (Hauptverband der

Deutschen Bauindustrie), der aus

der Sicht seiner Branche die „Baukonjunktur

2017“ zum Thema hat.

Vier eher technisch orientierte

Beiträge folgen:

z Zur „EN 10080“ spricht zunächst

und wie auch ursprünglich geplant

Dr.-Ing. Jörg Moersch (Max Aicher

GmbH & Co. KG).

z „Entschärfung der Zusatzregeln

für große Stabdurchmesser“ lautet

nun präzisiert das Thema von

Dipl.-Ing. Janna Schoening (RWTH

Aachen).

z Mit dem „Biegen bei tiefen Temperaturen“

setzt sich Prof.-Dr.-Ing.

Wolfgang Breit (Technische Universität

Kaiserslautern) auseinander.

Sein Untertitel: „Anforderungen

Regelwerk vs. Praxis“.

z Schließlich geht es mit Dipl.-Ing.

Patrick Düren-Rost (Institut Feuerverzinken)

um das „Feuerverzinken

von Betonstahl“. Er präsentiert

– nun gemeinsam mit

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Breit (Technische

Universität Kaiserslautern)

– „Grundlagen und neue Forschungsergebnisse“.

Geblieben ist es beim letzten Veranstaltungsbeitrag.

Die „Aktuelle

Rechtsprechung zu den Vertragsbeziehungen

zwischen Biegebetrieben

und deren Kunden“ greift

abschließend Rechtsanwalt Tim Lieber

(Henseler & Partner) auf.

Eröffnet wird der Betonstahltag

um 9:00 Uhr von Oliver Ellermann,

Vorstand des Bundesverbands Deutscher

Stahlhandel (BDS). Gemeinsam

mit dem ebenfalls in Düsseldorf

ansässigen Institut für Stahlbetonbewehrung

(ISB) veranstaltet der

das Branchenevent, das am 12.

Januar gegen 15:45 Uhr enden soll.

Zu dem „Betonstahltag“ gehört

am Tagungsort, dem Kongresszentrum

„Darmstadtium“, auch eine

Posterausstellung für Ausrüster. Sie

wird in besonderer Weise von dieser

Fachzeitschrift begleitet, die

dazu im Dezemberheft 2016 einen

Schwerpunkt veröffentlicht.

Damit es ausreichend Zeit für

die Branchenkommunikation gibt,

haben ISB und BDS am Vorabend

der Tagung im Restaurant „Calla“

des Darmstadtiums reserviert. Dort

soll am 11.1. ab 18 Uhr ein deftiges

Buffet bereitstehen.

Organisatorisches

Für die Kongressteilnehmer haben

ISB und BDS im Darmstädter „Welcome

Hotel“ für die Nacht vom 11.

auf den 12.1. ein Zimmerkontingent

zu Vorzugskonditionen reserviert,

aus dem spätestens bis zum 31.12.16

abgerufen werden kann.

Quelle: BDS

Die Anmeldungen von Kongressteilnehmern

erbitten die beiden veranstaltenden

Verbände auf einem

Formular des Flyers zum Betonstahltag

2017 – per Telefax an

0211/86497-22 oder per E-Mail an

mail@isb-ev.de bzw. info-bds@stahlhandel.com.

Die Teilnahme am Kongress kostet

für Verbandsmitglieder 175 €/

Person, Nicht-Mitglieder bezahlen

275 €/Person. Diese Gebühr umfasst

die Teilnahme an der Tagung, die

Konferenzgetränke, das Mittag essen

und die Pausenverpflegungen.

Über nachtungen im Welcome Hotel

(www.welcome-hotels.com/welcomehotel-darmstadt/ino/,

Stichwort

„Betonstahltag“) und die Teilnahme

am Get-Together des Vorabends im

Restaurant „Calla“ (www.darmstadtium.de/fuer-besucher/restaurant-calla)

buchen die Teilnehmer

auf eigene Rechnung. 2

12. Januar 2017

Darmstadtium in Darmstadt

Einladung

Eine Kooperationsveranstaltung von ISB und BDS

2017

Mit diesem Flyer

werben ISB und

BDS für den Betonstahltag

2017 am

12.1. in Darmstadt.

Stahlreport 11|16

37


Verbände und

Organisationen

Bericht

38. Deutscher Stahlbautag

Titel, Thesen, Stahlbauthemen

Rund 800 Experten und Entscheider der Stahlbaubranche trafen sich am 6. und 7. Oktober in

Würzburg. Anlass war der 38. Deutsche Stahlbautag, den das Bauforumstahl im zweijährlichen Turnus

organisiert. Im Rahmen einer dreizügigen Vortragsreihe wurden Innovationen der Stahlbaubranche

diskutiert. Der zweite Tag der Veranstaltung gehörte traditionsgemäß der Stahl-Architektur.

Der Deutsche Stahlbautag ist

seinem hohen Anspruch an Interdisziplinarität

auch in diesem Jahr

rundum gerecht geworden, stellte

der Veranstalter Bauforumstahl nach

Abschluss des Kongresses fest. Auf

dem Programm des 38. Deutschen

Stahlbautages standen tatsächlich

thematisch breit gefächerte Beiträge,

die in drei Vortragsreihen aufgeteilt

waren.

Breites Vortragsspektrum

Zu der Agenda gehörten Vorträge

zu Neuem aus Forschung, Entwicklung

und Normung, zu aktuellen

Entwicklungen des Stahlbaues und

schließlich zu Aktuellem aus Wirtschaft

und Recht. Konkrete Themen

waren etwa „Schwingungsmessungen

an Stahlkonstruktionen“

oder „Veränderungen in der

Vertragsgestaltung für Stahlbauleistungen“

sowie viele weitere –

darunter auch ein Beitrag zur

„Industrie 4.0 im Stahlbau“ über

die Verzahnung modernster Infor-

Voller Erfolg: Rund 800 Teilnehmer informierten sich auf dem Deutschen

Stahlbautag 2016 – u.a. zum Thema Building Information Modeling (BIM).

Begleitende Fachausstellung: Über 40 Unternehmen

zeigten ihr Portfolio auf dem Stahlbautag in Würzburg.

Fotos: Bauforumstahl

38 Stahlreport 11|16


mations- und Kommunikationstechnik

im Stahlbau.

Nach einer Reise durch die

Geschichte des Stahlbaus erläuterten

dabei die Referenten Stefan Stiegeler

(Kaltenbach), Stanislav Wiens

(Kemppi) und Peter Zeman (Zeman)

anhand praxisnaher Beispiele, welche

Schritte die Softwareentwicklung

gehen muss, damit ein Handling der

Datenflut und eine sinnvolle Datenfilterung

ermöglicht werden können,

um die robotergestützte, automatische

Fertigung zu optimieren.

„Das Thema Digitalisierung

beschäftigt die gesamte Stahlbaubranche.

Um die notwendigen Normen

für diese Prozesse zu schaffen,

wird noch viel Weiterentwicklung

im Normungsbereich notwendig

sein, die wir mit unserem Verband

in zahlreichen Ausschüssen unterstützten“,

betonte Volker Hüller,

Geschäftsführer bauforumstahl und

dort zuständig für den Bereich Technik.

Auszeichnung des

Deutschen Stahlbaues

Den Abschluss des ersten Veranstaltungstages

bildete das Stahlbau -

forum mit einem großen Abendempfang

und den „Auszeichnungen des

Deutschen Stahlbaues 2016“. Präsident

Ralf Luther übergab die Auszeichnung

an Hans-Ulrich Batzke,

Geschäftsführender Gesellschafter

des reprivatisierten VEB Stahlbau

Rudolstadt und ehemaliger Vizepräsident

des Deutschen Stahlbauverbands

(DSTV). Mit dem Preis würdigte

der Verband das Lebenswerk

Batzkes, die intensive und zielstrebige

Entwicklung seines Stahlbauunternehmens

mit zukunftsfähiger

Strategie und sein Engagement in

der Verbandsarbeit.

Highlight am Tag der Stahl.Architektur: Architekt Mike Schlaichs

kurzweilige Einführung in Speichenrad-Dachkonstruktionen

Tag der Stahl.Architektur

Am Tag der Stahl.Architektur kam

die internationale Architekturszene

zu Wort. Erstmalig präsentierten

sich die Bjarke Ingels Group (BIG)

aus Kopenhagen mit ausgewählten

Projekten. Ein Vortrag von „schlaich

bergermann und partner“ aus Berlin

zeigte die konstruktiven Aspekte

und Möglichkeiten beim Entstehen

von Stahlarchitektur.

Weitere Programmpunkte waren

die Verleihung des Förderpreises

des Deutschen Stahlbaues und des

neuen Forschungspreises des Deutschen

Ausschusses für den Stahlbau

(DASt) für den Nachwuchs.

Höhepunkt war die Verleihung

des Deutschen Stahlbaupreises 2016

und des Sonderpreises des Bundesministeriums

für Umwelt, Naturschutz,

Bau und Reaktorsicherheit

(BMUB) für nachhaltige Stahlarchitektur

durch Staatssekretär Gunther

Adler. Ausgezeichnet wurde der

Umbau des Gerling-Hochhauses in

Köln.

Den Preis des Deutschen Stahlbaues

2016 hat das Büro Ackermann

Architekten erhalten. „Das Architekturbüro

Ackermann hat mit dem

Serviceteilecenter der Firma Rational

in Landsberg am Lech ein Stück

Stahl-Architekturgeschichte ge -

schrie ben“, betonte Dr. Bernhard

Hauke, Sprecher und Geschäftsführer

bauforumstahl, bei der feierlichen

Übergabe in Würzburg.

„Das Gebäude überzeugte die

Jury durch seine klar ablesbaren

Volumina, seine schlüssige Fassadengestaltung

und die Gestaltung

seines Stahltragwerks, das formgebend

für das Gebäude ist, kurze Bauzeiten

ermöglicht und alle Anforderungen

an den Brandschutz erfüllt.

Sollte das Gebäude nicht mehr benötigt

werden, ist es einfach demontierbar

und die Stahlbauteile können

wiederverwendet werden“, unterstrich

Jurypräsident Prof. Eckhard

Gerber.

Die besten Projekte aus dem Wettbewerb

mit Förderpreis und Ingenieurpreis

zeigt das Bauforumstahl

übrigens in dem Dokumentationsband

„Ausgezeichneter Stahlbau

2016“, der über die Webseite des Verbands

kostenpflichtig bestellt werden

kann (www.bauforumstahl.de).

Branche präsentiert sich

auf Fachausstellung

Neben den Vortragsreihen und dem

Tag der Stahl.Architektur war wie

üblich auch eine Fachausstellung

mit diesmal über 40 Ausstellern Teil

des Deutschen Stahlbautages. U.a.

hat dort ArcelorMittal Europe – Long

Products die Vorteile neuartiger

Stahlprodukte im Bauwesen präsentiert.

So seien durch den Einsatz von

Walzträgern der Güte S355 und

hochfestem S460 wirtschaftlichere

Stahlkonstruktionen möglich. Baustoffe

mit höherer Festigkeit machen

es ArcelorMittal zufolge möglich,

mit weniger Material und damit deutlich

kostengünstiger zu bauen. Den

hochfesten Stahl S460 sieht der Hersteller

dabei als Schlüssel zu weiterem

Kostensenkungspotenzial. Stahlgüten

bis einschließlich S355 würden

bereits standardmäßig hergestellt

und seien ab Werk sehr gut

verfügbar, sagte Alain Witry,

Geschäftsführer der ArcelorMittal

Commercial Long GmbH.

Der nächste Stahlbautag findet

am 10. und 11. Oktober 2018 in Duisburg

statt. 2

Stahlreport 11|16

39


Verbände und

Organisationen

Bericht/Nachrichten

Die Lehren aus dem 11. MBI Stahl Tag

Märkte, Brexit, Industrie 4.0

Zum elften Mal fand Ende September die von MBI, Martin Brückner Infosource (vormals Dow

Jones), organisierte Branchenveranstaltung in Frankfurt am Main statt. Die von Oliver Ellermann

und Jörg Feger, Bundesverband Deutscher Stahlhandel, moderierte Konferenz befasste sich mit

aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten, der Stahlherstellerseite, der Stahldistribution

und -beschaffung. Ein besonderer Fokus lag auf der Digitalisierung und den möglichen Folgen

eines Brexit für die Stahlmärkte.

Moderierten den MBI

Stahl Tag: Oliver

Ellermann (Vorstand

BDS, links) und Jörg

Feger, Bereichsleiter

Research BDS

Foto: BDS

Zum Themenkomplex Rohstoffe

äußerte sich Eugen Weinberg,

Head of Commodity Research der

Commerzbank AG. Seiner Ansicht

nach war die Baisse am Aktienmarkt

am Anfang dieses Jahres ein entscheidender

Faktor für die unerwartet

stark gestiegenen Stahlpreise. So

wurde in China in großem Stil Geld

aus dem Aktienmarkt gezogen und

in den Stahl- und Eisenerzfutures

platziert.

An manchen Tagen habe das Handelsvolumen

dieser Futures an den

Börsen in Dalian und Schanghai das

Zwanzigfache des Üblichen betragen.

Als Resultat dieser Bewegungen seien

nicht nur die Preise für Erz, Schrott

und Stahl sprunghaft gestiegen. Auch

einige zu Beginn des Jahres in China

heruntergefahrenen Produktionskapazitäten

für Stahl wurden wiederbelebt,

da sie nun halbwegs profitabel

betrieben werden konnten. Ein absehbares

Ende der Überkapazitäten auf

den weltweiten Stahlmärkten erwartete

Weinberg nicht. Auch bei Eisenerz

sah der Experte zu hohe Kapazitäten

und eine Fortsetzung des

Preiskampfs.

EU-Austritt

Um die Folgen des Brexit für die Stahlmärkte

kümmerte sich auf der Veranstaltung

Dr. Heinz-Jürgen Büchner,

Managing Direktor Industrials,

Automotives, Services bei der IKB

Deutsche Industriebank AG. Unabhängig

vom EU-Austritt sei festzustellen,

dass die britische Stahlindustrie

vor großen Herausforderungen

und Umwälzungen steht. Vor allem

durch Werksstillegungen sei die

Stahlproduktion in Großbritannien

in den ersten sieben Monaten des

Jahres um über ein Drittel zurückgegangen.

In Sachen Stahl sei das Vereinigte

Königreich stärker auf die EU angewiesen

als anders herum. So stammten

70 % der Importe aus Ländern

der EU. Dabei handele es sich vor

allem um höherwertige Fertigerzeugnisse,

während Vormaterial in Form

von Halbzeug einen großen Teil der

UK-Exporte in die EU ausmachten.

Sollte es einen „harten Brexit“

geben, also einen Austritt ohne weitere

Handelsabkommen und Arbeitnehmerfreizügigkeit,

könnte die

britische Stahlindustrie davon profitieren,

dass strenge Umweltauflagen,

z.B. Emissionsregelungen, aber auch

Subventionsverbote, gelockert werden.

Dies könnte die Stahlherstellung

auf der Insel verbilligen. Ohne Handelshemmnisse

seitens der EU wäre

40 Stahlreport 11|16


das ein erheblicher Wettbewerbsvorteil

zu auf dem Kontinent hergestelltem

Stahl. Problematisch wäre jedoch

die wegfallende Arbeitnehmerfreizügigkeit,

da viele Facharbeiter, auch

in der britischen Stahlindustrie, aus

anderen europäischen Ländern stammen.

Eine für alle Beteiligten bessere

Lösung sieht Büchner in dem Modell,

das auch die Schweiz und Norwegen

mit der EU praktizieren. Die britischen

Unternehmen behielten ihren

Zugang zum freien Binnenmarkt. In

Umkehr müssten aber auch Zahlungen

nach Brüssel fließen und die

Arbeitnehmerfreizügigkeit garantiert

werden.

Produktion

Daran, dass Stahl nach wie vor der

industrielle Werkstoff Nr. 1 ist, hoch

innovativ sowie konkurrenzfähig,

erinnerte Dr. Jens Lauber, Managing

Director Distribution Mainland

Europe von Tata Steel Europe. So

seien weltweit im vergangenen Jahr

knapp 1,52 Mrd. t Stahl produziert

worden. Bei Aluminium seien es

58Mio. t und bei kohlefaserverstärkten

Kunststoffen 49.000 t gewesen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit weiter

zu erhalten und zu verbessern

werde Tata Steel am Standort Ijmuiden

in den Niederlanden in den kommenden

zwei Jahren rund 200 Mio.€

in den Bau einer neuen Stranggussanlage

investieren. Damit wolle man

u.a. die technischen Möglichkeiten

für die Herstellung von hochfesten

Stählen für die Automobilindustrie

stärken. So seien weitere Gewichtseinsparungen

möglich. Im Bereich

Oberflächentechnik und Elektromobilität

gebe es ebenfalls Potenziale.

Auch das Thema Digitalisierung stehtlaut

Lauber bei Tata Steel oben auf

der Agenda.

Distribution

Wie man in der Stahldistribution auf

dem Gebiet der Digitalisierung effektiven

Kundennutzen schaffen kann,

stellte Jens Rojahn vor, Geschäftsführer

der Salzgitter Mannesmann Stahlhandel

GmbH. Dabei seien digitale

Angebote nicht als ein Angriff auf

etablierte Geschäftsmodelle zu verstehen.

Vielmehr wolle man den Kunden

einen Mehrwert schaffen. Mittels

e-CONNECT könne der Händlerkunde

in Echtzeit die Lagerbestände des

Salzgitter Mannesmann Stahlhandels

sehen und werde somit in die

Lage versetzt, seinem eigenen Kunden

ohne Zeitverlust auch das Material

anbieten zu können, das er nicht

selbst lagert. Lieferung per Spediteur

und Rechnungsstellung könnten

auf Wunsch direkt vom Salzgitter

Mannesmann Stahlhandel erfolgen.

Dies steigere u.a. die Liquidität

und reduziere die Kosten entlang der

Lieferkette. Um auch außerhalb der

üblichen Bürozeiten für Kunden

erreichbar zu sein, habe man außerdem

vor kurzer Zeit einen Webshop,

e-SHOP genannt, eingerichtet. 2

Spundwandseminar

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl führt auch im Jahr 2016 ein Seminar in der Reihe „Stahlspundwände

– Neues für Planung und Anwendung“ durch. Auf dem Programm stehen am

8.12. in Lübeck Themen wie:

z Biegetragverhalten von Spundwänden unter Berücksichtigung von Lageimperfektionen,

z Innovationen in der Spundwand-Presstechnik,

z Planung und Ausführung von Hochwasserschutzprojekten im Raum Magdeburg.

z Baustellenberichte aus der Praxis runden das Schulungsangebot ab.

[ Info ]

Interessierte finden das Programm, weitergehende Informationen und das Anmeldeformular unter

http://www.stahl-online.de/index.php/veranstaltungen/spundwandseminar-2016/.

Energiewende

Gießer fordern alternative Finanzierung

Der BDG macht sich bereits seit

mehreren Jahren gemeinsam mit anderen

mittelständischen Verbänden für eine alternative

Finanzierung der Energiewende aus

Haushaltsmitteln stark. Jetzt sieht sich der

Verband durch ein aktuelles Gutachten des

IW bestätigt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

mit Sitz in Köln habe nach Ansicht des Bundesverbands

der Deutschen Gießerei-Industrie

(BDG) in Düsseldorf nachgewiesen,

dass die gewohnte Finanzierung sämtlicher

Energiewendekosten über die Stromrechnung

nicht funktionieren könne. Weder die

neu geregelten Auktionsverfahren noch das

Förderende für die ersten Windräder und

Solaranlagen aus dem Jahr 2000 könnten

demnach zu einer Absenkung der Energiekosten

führen, allenfalls könne eine Stabilisierung

auf (zu) hohem Niveau eintreten.

Vielmehr sei davon auszugehen, dass die

Umlage nach dem Erneuerbare Energien

Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2014 von heute

6,35 Ct pro Kwh bis zum Jahr 2020 auf 7,5

bis 9,7 Ct ansteigt. Im besten Fall könne die

Umlage bis zum Jahr 2025 bei 7,5 Ct stagnieren,

im ungünstigsten Fall auf bis zu

10,2 Ct klettern. Die jährlichen Gesamtkosten

könnten entsprechend von heute 23,1

Mrd. € auf 24,8 bis 31,8 Mrd. € oder sogar

auf 32,9 Mrd. € steigen. Kostensteigerungen

durch andere Umlagen oder sich erhöhende

Netzentgelte seien da noch nicht eingerechnet,

warnt der BDG.

Bereits heute belaste die EEG-Umlage vor

allem mittelständische Unternehmen immer

stärker und habe eine Höhe erreicht, die

stromintensive, elektrisch schmelzende Gießereien

existentiell gefährde, aber auch

weniger stromintensive Gießereien hoch

belaste.

Der BDG vertritt die Interessen von rund

600 Eisen-, Stahl- und Nichteisen-Metallgießereien

mit ca. 80.000 Mitarbeitern. Die

Gießerei-Industrie ist überwiegend mittelständisch

strukturiert.

[ Info ]

Organisatorisches zu der Veranstaltung:

hassmann@zdb.de

Stahlreport 11|16

41


Verbände und

Organisationen

Bericht/Nachrichten

WSM Stahltag 2016

Abnehmerdiskussion

Die verlässliche Versorgung mit dem Vormaterial Stahl ist für die stahl- und metallverarbeitenden

Unternehmen entscheidend. Kommt es in der Zulieferung zu Unstimmigkeiten, ist die gesamte

nachgelagerte Produktion betroffen. Die Qualität des Materials ist wie eine reibungslose Logistik entscheidend.

Wie es in der Prozesskette derzeit aussieht, hat der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung

e.V. auf seinem Stahltag 2016 im September mit hochkarätigen Referenten diskutiert.

Diskussion der aktuellen

Situation in der

Lieferkette Stahl:

der WSM Stahltag

2016 im September

in Düsseldorf

Foto: BDS/mh

Das erste Wort auf dem WSM-

Stahltag hatten die Stahlhersteller. „Wir

befinden uns in einer Zeit, in der die

großen Strukturprobleme der Stahlindustrie

die konjunkturellen Entwicklungen

überlagern“, sagte Dr. Martin Theuringer,

Leiter Wirtschaft der Wirtschaftsvereinigung

Stahl, auf dem

WSM-Jahrestreffen – und bezog sich

damit auf die weltweit vorhandenen

Überkapazitäten der Branche, vor allem

auf die Rolle Chinas in diesem Zusammenhang.

Auf Deutschland bezogen seien die

Perspektiven der Stahlindustrie für

2017 dabei aber durchaus positiv, so

Theuringer. Die Stahlindustrie verzeichne

eine verbesserte Auftragslage,

in der sich die bislang robuste Entwicklung

der Stahlverarbeiter 2016 widerspiegele.

Hinzu komme, dass nach den

Verwerfungen zum Jahresende 2015

im ersten Halbjahr des laufenden Jahres

Lagerbestände bei Händlern und

Verarbeitern wieder aufgefüllt worden

seien.

Handelsschutzinstrumente

gefordert

Die Situation bleibe jedoch vor dem

Hintergrund der nach wie vor ungelösten

Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt

herausfordernd. Geeignetes Instrument,

um den europäischen Markt vor unter

Preis angebotenem Stahl, vor allem aus

China, zu schützen, seien Antidumpingmaßnahmen,

sagte Theuringer.

Dem pflichtete der Chief Commercial

Officer von Tata Steel Europe, Dr.

Henrik Adam, bei. „Wenn man die Produktionsketten

in Europa erhalten will,

muss man das Thema Handelsbarrieren

ernst nehmen“, so der Tata-Manager.

Denn die europäische Stahlindustrie

differenziere sich hauptsächlich

über innovative Produkte gegenüber

Importen.

Verarbeiter für offene Märkte

Die Stahl- und Metallverarbeiter, das

machte der Moderator der Veranstaltung,

Dr. Matthias Gierse, Geschäftsführer

der C.D. Wälzholz KG, deutlich,

beurteilen die Situation jedoch unter

anderen Prioritäten. So seien Handelsschutzinstrumente

nicht im Sinne der

Globalisierung, die einen offenen Weltmarkt

anstrebe. Zudem befürchteten

die Unternehmen der Stahl- und Metallverarbeiter

im Falle einer Abschottung

des europäischen Marktes die handelspolitische

Antwort Chinas.

Digitalisierung besser mit Augenmaß

Auch für den lagerhaltenden Stahlhandel

ist die Digitalisierung eine wichtige

Strategie bei der Gestaltung der

Vertriebskanäle. Dass man dabei aber

mit Augenmaß vorgehen und die

Befindlichkeiten sowohl von Kunden

als auch die der eigenen Mitarbeiter

berücksichtigen müsse, betonte Jens

Rojahn, Geschäftsführer der Salzgitter

Mannesmann Stahlhandel GmbH. Digitalisierungsprojekte

dürften kein Selbstzweck

sein, sondern müssten vor allem

Nutzen bringen. Dazu gehöre zudem

eine größere Bereitschaft, sich einander

mehr „in die Karten sehen“ zu lassen.

So biete der Salzgitter Mannesmann

Stahlhandel anderen Händlern mit dem

Service eConnect eine Schnittstelle an,

über die sie auf das Salzgitter Mannesmann

Stahlhandel-Lager zugreifen

könnten. „So können sie einen Auftrag

von dritter Seite möglicherweise annehmen,

den sie vorher ablehnen mussten,

weil sie nicht alle Positionen zusagen

konnten“, sagte Rojahn.

Weiteres Thema auf dem WSM-

Stahltag war die Beschaffungspraxis

großer Stahlverwender. So berichteten

der Vice President Corporate Purchasing

der Schaeffler Technologies AG &

Co. KG, Michael Schmitt, sowie der

Director Purchasing Global Raw-Material

der Kirchhoff Automotive GmbH,

Uwe Hadwich, über die jeweilige

Beschaffungspraxis für Stahlprodukte.

Deutlich wurde dabei, dass die Beschaffung

heute ein fortwährender Anpassungsprozess

in Hochdruck-Umgebung

ist, bei dem die Stellschrauben, etwa im

Lieferantenmanagement, beständig

nachjustiert werden müssen.

Und auch in der Diskussion um

EU-Handelsschutzinstrumente für u.a.

die Stahlindustrie hatte die Beschaffungsseite

eine Meinung. So befürchtete

Michael Schmitt, dass ein Schutz

der Industrie zwar gut sei, doch nicht

dazu führen dürfe, dass die Innovationskraft

verloren gehe. 2

42 Stahlreport 11|16


Partielle Bauteilreinigung

Tagesveranstaltung in Ulm

Zahlreiche Fertigungsprozesse – wie

beispielsweise das Beschichten, Kleben,

Schweißen, Bonden, Abdichten, optische

Messen oder das Montieren – erfordern

häufig partiell sehr saubere Bauteilbereiche.

Mit welchen neuen technischen Lösungen

für eine partielle Bauteilreinigung sich bei

steigendem Automatisierungsgrad in

Sachen dieser Sauberkeit eine stabile Qualität

erzielen lässt, thematisiert die Fachtagung

„Partielle Bauteilreinigung an Funktions-

und Verbindungsflächen“. Sie wird am

24.11.16 in der Messe Ulm durchgeführt.

Neue Werkstoffe und Materialkombinationen,

effizientere Produktions-, Füge- und

Montageprozesse, höhere Anforderungen

an die Qualität von Funktionsflächen sowie

innovative dekorative beziehungsweise

funktionelle Beschichtungen stellen meist

besondere Anforderungen an die relevanten

Bereiche von Bauteiloberflächen. Sie müssen

üblicherweise einen deutlich höheren

Sauberkeitsgrad aufweisen als der Rest des

Interessante Themen

Deutscher Handelskongress in Berlin

In Zeiten der Veränderungen zwischen B2C und B2B schauen auch die Großhändler

interessierter auf das Geschehen im Einzelhandel. Ein wichtiges Event dieser Branche findet

am 16./17.11.16 in Berlin statt: der Deutsche Handelskongress und die Retail World.

Alle Handelsbranchen interessierende Themen des Kontakts sowohl zu den Konsumenten

(B2C) als auch zu anderen Unternehmen (B2B) werden insbesondere in den Plenumsveranstaltungen

aufgegriffen: Diese Top-Themen des Programms sind beispielsweise

z „Disruption als Innovationsquelle“ für neue Geschäftsmodelle,

z „Strategischer Einsatz von Big Data“ als innovative Rohstoffquelle,

z „Unternehmenskultur und Mitarbeiterqualifikation im Multichannel Zeitalter“ oder

z „Handel & Politik im Dialog“, zu dem für beide Tage aufgerufen wird.

Höchstrangiger einladender Verbandsvertreter ist Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes

Deutschland (HDE). Die begleitende Kongressmesse Retail World mit rund

50 Partnern des Handels ist an beiden Veranstaltungstagen geöffnet.

[ Info ]

Werkstücks. Unternehmen stehen diesbezüglich

vor der Frage, wie sich die erforderliche

partielle Sauberkeit stabil und gleichzeitig

effizient erreichen lässt.

Der erste Vortragsblock beschäftigt sich

u.a. mit den Anforderungen an partiell zu

beschichtende Oberflächen aus Sicht des

physikalisch-technischen Aufbaus, der Bauteilverschmutzung

und der Folgeverfahren.

In der zweiten Session geht es um die Auswahl

der zweckmäßigen Reinigungstechnologie.

Es werden dabei die Grundlagen,

Funktionsprinzipien sowie Möglichkeiten

und Grenzen der Laserstrahl- und Plasmareinigung

präsentiert. Im dritten Themenblock

schließlich berichten Anwender über

ihre Erfahrungen.

[ Info ]

Weitere Informationen, das komplette Programm

und die Referenten sowie Anmeldeunterlagen

sind unter www.fairXperts.de zu finden.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter www.handelskongress.de.

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

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Anzeigen:

Ksenija Sandek

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Verlag:

BDS AG

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Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland zuzüglich

Versandspesen und Mehrwertsteuer. Abbestellungen

sind lediglich unter Einhaltung einer dreimonatigen

Kündigungsfrist zum Jahres ende möglich. Für die Mitglieder

des BDS und die Teilnehmer im BDS-Fernstudium

ist der Bezug eines Exemplars der Fachzeitschrift

Stahlreport“ im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien -

gebühr enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis: Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 31.

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übernehmen Herausgeber, Redaktion und Verlag keine

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ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem Papier

hergestellt.

Beilagenhinweis: Diesem Heft liegt eine Beilage des

ISB und BDS bei.

Stahlreport 11|16

43


XXXXXXXXXX

Wissenswertes

Bericht/Nachrichten

Stahlbauanschlüsse

Workshops zum Eurocode

Für die Bemessung von Stahlbauanschlüssen

gibt es den Eurocode 3,

Bemessungshilfen, Fachbücher und

Seminare. Doch die Praxis zeigt: Die

Tücke liegt im Detail. Das bauforumstahl

hat zu diesem Thema deshalb ein neues

iforum entwickelt, das die Teilnehmer

praxisnah und dreiteilig an das Thema

heranführen soll.

Tagung zur Integration zeigte Dimensionen der Inklusion auf

Schule und Ausbildung

„Integration durch Bildung. Im Fokus: Schule und Ausbildung.“

Schon das Tagungsthema vermittelte direkt bzw. indirekt gleich

zwei Botschaften: Schule und Ausbildung gehören zusammen.

Und: Integration ist ein Aspekt von Bildung, der zum Megatrend

Inklusion gehört. Veranstalter des Treffens war die Friedrich Ebert-

Stiftung, Ort der Zusammenkunft deren Zentrale in Berlin.

Es waren sowohl politische als

auch pädagogische Botschaften, die

durch die Konferenz deutlich wurden.

Das machten bereits die einleitenden

Vorträge deutlich:

z Die durch Migration ausgelöste Notwendigkeit

von Integration ist eine

Chance für Deutschland und habe

zudem Tradition. Das vermittelte Ties

Rabe, Hamburger Senator für Schule

und Berufsbildung, indem er ausdrücklich

auf die nachhaltige Integrationskraft

von Arbeitswelten verwies.

Auf die sei Deutschland ökonomisch

angewiesen, ökologische Werte könnten

vermittelt und sozialer Friede

könne geschaffen werden. Voraussetzung

dafür sei ein gelungenes Zusammenspiel

von Schule und Ausbildung.

z Welche pädagogischen Herausforderungen

das mit sich bringt, war Thema

von Prof. Dr. Kai Maaz, der unter der

Überschrift „Bildung und Migration“

neueste Untersuchungsergebnisse vorstellte.

Der Leiter des Deutschen Instituts

für Internationale Pädagogische

Forschung fasste seinen „Bildungsbericht

2016“ mit der Feststellung zusammen,

dass die dort dokumentierten

Fortschritte über weiter existierende

Defizite nicht hinwegtäuschen dürften.

Von besonderer Bedeutung blieben

in diesem Zusammenhängen die

Schnittstellen individueller Bildungsverläufe

zwischen Schule und Beruf.

Damit baute er eine Brücke zu dem

Thema, das die eintägige Konferenz

im Hintergrund begleitete: der Zusammenhang

zwischen Integration und

Inklusion. Letztere wird nach Volkes

Meinung oft nur für die Defizite aus

der Integration von Behinderten insbesondere

in die Schulsysteme verantwortlich

gemacht.

Die Tagung der Friedrich Ebert-

Stiftung aber machte einmal mehr

den viel weitergehenden Ansatz von

Inklusion deutlich. Danach nimmt

inklusive Bildung die Schüler und

Auszubildenden in ihrer Gesamtheit

in den Blick. Dabei wird nicht in Gruppen

eingeteilt. Stattdessen werden die

individuellen Bedürfnisse der einzelnen

Menschen berücksichtigt. Das

war, ist und bleibt eine große Herausforderung

für die kollektiv organisierten

Systeme in Schule bzw. Ausbildung.

An Lösungen wurde im Rahmen

der Tagung u.a. in vier Fachforen gearbeitet.

2

Das Referententeam vermittelt zunächst

das notwendige Grundwissen. In diesem

ersten Workshop wird zunächst ein Überblick

über den Inhalt der in Deutschland

gültigen Norm und der zugehörigen deutschen

Nationalen Anhänge gegeben. Ein

weiteres Schwerpunktthema sind die

gelenkigen Anschlüsse.

z 11./12.11.16, Düsseldorf

z 18./19.11.16, Mannheim

z 2./3.12.16, Leipzig

In der Fortsetzung stehen im zweiten

Workshop momententragfähige

Anschlüsse und Fachwerkkonstruktionen

im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt

sind die Berechnung von Hohlprofilknoten

und von Fachwerkkonstruktionen.

z 7.2.17, Düsseldorf

z 14.2.17, Mannheim

z 21.2.17, Leipzig

Der dritte Workshop befasst sich mit vertiefenden

Fragestellungen und ausführlichen

Beispielen.

z 8.2.17, Düsseldorf

z 15.2.17, Mannheim

z 22.2.17, Leipzig

Den Teilnehmern aller Seminare wird

während der Workshops Software zur

Verfügung gestellt, mit der auf den eigenen

Laptops gearbeitet werden kann.

[ Info ]

Weitere Informationen gibt es unter:

www.bauforumstahl.de.

Kupferausstellung

„Heavy Metal – wie Kupfer die Welt veränderte“

ist der Titel einer Ausstellung

bis zum 14. Januar 2018 im Südtiroler

Archäologiemseum in Bozen. Dort gibt es

übrigens auch eine Schau zu Ötzi, dem

„Mann aus dem Eis“ (www.iceman.it).

44 Stahlreport 11|16


Nur vordergründige Entwarnung

Der Ausbildungsmarkt schwächelt

Zur aktuellen Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat die BA zum Herbstbeginn nur vordergründig

Entwarnung gegeben. Tiefergehende Analysen weisen auf erhebliche Probleme

im Detail hin. Davon ist auch der Einzelhandel betroffen.

Fortgesetzte Forschung

Digitalisierung im Business

Digitalisierung im Handel war

lange nur ein Thema für die Geschäfte

vor allem des Einzelhandels mit den Endverbrauchern.

Zu diesem B2C (Business

to Consumer) sind inzwischen längst aber

auch die 4.0-Vertriebskanäle der Firmenkunden

untereinander (B2B) getreten.

Dieser Wandel auch im Großhandel ist

2015 an der Universität Regensburg mit

der Studie „Online-Kaufverhalten im B2B-

E-Commerce“ erforscht worden. Dazu ist

jetzt eine Fortsetzung geplant und der

BDS um Unterstützung gebeten.

Im Rahmen dieses neuen Projektes führt

die ibi research an der Universität

Regensburg GmbH u.a. eine Unternehmensumfrage

durch. Deren Ziel ist neben

der Ermittlung des Status quo beim Einund

Verkaufsverhalten von Unternehmen

auch die Ableitung von Handlungsempfehlungen

für den Aufbau und Betrieb

einer B2B-Online-Lösung (Online-Shops

und/oder Marktplätze). Dazu sollen mittels

einer Expertenbefragung Aspekte wie

Motivation oder auch technische Voraussetzungen

analysiert werden.

Um die Studie über die digitalen Beziehungen

im Bereich Business to Business

(B2B) möglichst breitenwirksam durchführen

zu können, suchen die Verantwortlichen

aktuell Verbände, Kammern und

weitere Multiplikatoren, die bei der

Bewerbung der Umfrage unterstützen –

so auch beim Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS). Geplant ist es, die

Studienergebnisse für die Beteiligten kostenlos

zum Jahresbeginn 2017 zu veröffentlichen.

[ Info ]

Interessenten an der Unternehmensbefragung,

die aus dem Stahlgroßhandel kommen,

können sich beim BDS melden: Wolfgart-

BDS@stahlhandel.com.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben sich von Oktober 2015 bis August

2016 rund 530.000 Bewerber für eine Berufsausbildung gemeldet. Das waren ähnlich viele

wie im Vorjahreszeitraum (-3.000). Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen liegt

mit 527.000 Plätzen allerdings deutlich über der des Vorjahres (+15.000).

Bundesweit zeigt sich der Ausbildungsmarkt damit rechnerisch nahezu ausgeglichen. Es

bestehen aber nach wie vor erhebliche regionale, berufsfachliche und qualifikatorische

Ungleichgewichte. Davon ist vor allem auch der Einzelhandel betroffen: 20.000 noch unbesetzte

Stellen in den beiden wichtigsten Ausbildungsberufen. Zugleich geht die Zahl der

Bewerber zurück. Über den Groß- und Außenhandel liegen aus dieser Statistik noch keine

aussagekräftigen Zahlen vor.

Neue Töne von der OECD

Lob für die Berufliche Bildung

Die OECD hat gegenüber früheren

Jahren umgesteuert – und lobt nun auch die

Berufsbildung in Deutschland. Deren Nutzern

wurde in der Vergangenheit ein sozialer

Abstieg attestiert – sofern sie aus Akademikerfamilien

stammten und nicht

studierten.

Der jährliche Bericht der Organisation für

wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit

(OECD) „Education at a glance –

Bildung auf einen Blick“ konstatiert 2016

ein hohes Niveau des deutschen Bildungssystems

und eine im Ergebnis, der Sicherung

von Beschäftigungs- und Karrierechancen,

überaus erfolgreiche Berufsbildung.

Das gut entwickelte Berufsbildungssystem

in Deutschland stärke die Beschäftigungsfähigkeit

und spiele im deutschen Bildungssystem

eine entscheidende Rolle. Die

Arbeitslosenquote unter Erwachsenen mit

einem Berufsabschluss zähle zu den niedrigsten

in den OECD-Ländern.

Mehr als die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen

wähle diesen Weg als Einstieg in die qualifizierte

Berufstätigkeit – gegenüber 26 % im

OECD-Schnitt. Der Übergang ins Erwerbsleben

verlaufe für Männer und Frauen reibungslos.

Allerdings würden viermal so viele Männer

wie Frauen einen Abschluss im Bereich

Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen

im Tertiärbereich erwerben. Dort lägen

noch ungenutzte Potenziale. Mehr junge

Frauen für den MINT-Bereich zu gewinnen,

sei daher nach wie vor eine wichtige Aufgabe.

[ Info ]

Den Länderbericht zu Deutschland gibt es im

Netz unter: www.oecd.org.

Schmelztauchveredelt überarbeitet

Die Broschüre Charakteristische Merkmale „Schmelztauchveredeltes

Band und Blech“ ist grundlegend überarbeitet worden. Darauf hat die Wirtschaftsvereinigung

Stahl hingewiesen. Die Aktualisierung berücksichtigt

die Überarbeitung der DIN EN 10346 im Jahr 2015. Die Schrift gibt eine

Übersicht über den aktuellen Stand der Liefermöglichkeiten von schmelztauchveredelten

Flacherzeugnissen. Sie enthält Auszüge aus den Normen

DIN EN 10143 und DIN EN 10346. Neu ist eine Tabelle, die Stahlsorten

nach DIN EN 10346 denen nach Werkstoffdatenblatt VDA 239-100 gegenüberstellt.

Die 60seitige Broschüre kann in Einzelexemplaren

kostenfrei bestellt werden und steht im Internet unter www.stahl-online.de

zum Download bereit.

Quelle: WV Stahl

Aktualisiert überarbeitet:

Broschüre

„Schmelztauchveredeltes

Band und

Blech“

Stahlreport 11|16

45


Lifesteel

Bericht

Visualisierung der

neuen Reussbrücke

Grafik: Bänziger Partner AG

Modernes Infrastrukturprojekt: Die neue Reussbrücke Gnadenthal

Herausforderung für

Konstruktion und Logistik

Zahlreiche Schaulustige verfolgten wie unser Autor Klaus Vollrath im März 2016 die Vorgänge an

der Baustelle für die neue Reussbrücke zwischen den Gemeinden Stetten und Niederwil (Schweiz),

wo ein stattlicher Autokran die drei riesigen Segmente einer insgesamt 100 m langen Brücke

nacheinander in Position brachte. Zunächst wurden die beiden Seitenteile mit Längen von je gut

40 m und einem Gewicht von fast 70 t an ihre Positionen auf je einem Widerlager am Ufer und

einem Pfeiler im Flussbett gehievt, bevor dann das fast 40 t schwere Mittelteil in Millimeterarbeit

dazwischen gehoben und mit dem Rest der Brücke verbunden wurde. Schon vier Wochen später

konnte die für den Stahlbau zuständige Tuchschmid AG ihre Arbeiten abschließen und den Platz

für die nächste Firma freimachen, welche die Betonplatte für die Fahrbahn aufbrachte.

Die neue Konstruktion ersetzt

eine mehr als 100 Jahre alte, völlig veraltete

Nietenkonstruktion mit einspuriger

Fahrbahn, einem nachträglich

seitlich angeflanschten Fußweg und

einer Tragfähigkeit von nur noch 3,5t.

Damit genügte sie nicht mehr den heutigen

Verkehrsanforderungen, benötigte

zudem einen nicht mehr vertretbaren

Wartungsaufwand und entsprach

auch nicht mehr den Vorschriften des

Hochwasserschutzes.

Rund 70 m flussabwärts der alten Brücke

entstand bis August 2016 eine

moderne, zweispurige Stahl-Beton-Verbundbrücke

mit integriertem Rad- und

Fußgängerweg. Die neue, rund 100 m

lange Brücke besteht aus einem zweifach

gekrümmten, als Schweißkonstruktion

ausgeführten Hohlkastenträger,

der die Fahrbahnplatte aus Beton

trägt. Dieser als Trog ausgeführte Träger

ruht auf zwei im Fluss gegründeten

Y-förmigen Betonpfeilern sowie auf

Widerlagern auf beiden Flussufern.

Als Werkstoff wurde ein wetterfester

Stahl (S355W) gewählt, der aufgrund

seiner Rostträgheit keinen Anstrich

benötigt. Dies wirkt sich sehr positiv

auf den künftigen Wartungsaufwand

aus.

Doppelt gekrümmt

„Verglichen mit anderen Brücken ist

dieses Bauwerk zwar nicht unbedingt

riesig, weist aber dafür Besonderhei-

Das Einheben des

Mittelteils bildete

den Höhepunkt der

Montagearbeiten

(links).

In der Werkstatt

wurde an mehreren

Brückensegmenten

gleichzeitig gearbeitet

(rechts).

Fotos, 3: Tuchschmid AG

46 Stahlreport 11|16


ten auf, die die Realisierung zu einer

nicht alltäglichen und interessanten

Aufgabe machten“, sagt Dipl.-Bauing.

Urs Kern, Projektleiter der Tuchschmid

AG in Frauenfeld.

An erster Stelle ist dazu die doppelte

Krümmung des Bauwerks zu nennen:

Die Brücke ist um ihre Längsachse

sowohl seitlich als auch vertikal

gebogen. Die Berücksichtigung dieser

Krümmungen erforderte einen entsprechend

höheren Aufwand sowohl

beim Zuschneiden der einzelnen Blechteile

als auch bezüglich der Vorrichtungen

und Stützkonstruktionen, die für

das Verschweißen in korrekter Lage

erforderlich waren.

Die Stahlkonstruktion musste mit

einer zusätzlichen Überhöhung von

bis zu 140 mm ausgeführt werden,

damit sich die vom Architekten

gewünschte Geometrie erst dann einstellt,

wenn die rund 350 t schwere

Fahrbahnplatte aus Beton aufgebracht

ist.

Hinzu kam die logistische Herausforderung,

denn die rund 100 m lange

Gesamtkonstruktion war so groß, dass

sie in der Werkstatt gar nicht im Ganzen

hätte gefertigt werden können.

Zudem wäre der Einsatz eines Krans,

der ein solches Monstrum in einem

Stück hätte bewältigen können, viel zu

teuer geworden.

Die Gesamtkonstruktion wurde

daher aus insgesamt fünf einzelnen

Segmenten gefertigt, die auf der Baustelle

zunächst zu insgesamt drei größeren

Teilstücken verschweißt wurden.

Anschließend wurden zunächst

die beiden Seitenteile mit dem Kran eingehoben

und verankert. Krönender

Abschluss war dann das Einheben des

Mittelteils, das in Millimeterarbeit an

Qualitätssicherung: Der einwandfreie

Zustand der Schweißnähte wurde anhand

eines genauen Prüfplans mithilfe von

Ultraschallmessungen dokumentiert.

Ort und Stelle gebracht und anschließend

mit den beiden anderen Teilstücken

zu einem durchgehenden Träger

verschweißt wurde.

Hunderte Einzelteile

„Der trogförmige Träger der Brücke

muss natürlich durch eine Reihe von

Rippen, Verstrebungen und Verstärkungen

ausgesteift werden“, so Urs

Kern. Zu den Beanspruchungen der

Brücke gehören neben den eigentlichen

Belastungen durch den Verkehr

und die Eigenlast auch die thermischen

Spannungen, da sich das Material der

Brücke durch Temperaturänderungen

ausdehnt bzw. zusammenzieht. Deshalb

wird auf dem Untergurt beispielsweise

mittig eine durchgehende Längsaussteifung

gegen Beulung eingeschweißt,

die im Bereich der Pfeiler

noch um zwei weitere Aussteifungen

ergänzt wird.

Insgesamt besteht die Brücke aus

einem regelrechten Puzzle von mehreren

hundert Blechteilen mit Wanddicken

zwischen 15 und 50 mm. Diese

Einzelteile wurden von einem spezialisierten

Zulieferer mithilfe von Autogen-

bzw. Plasmabrennern exakt auf

Maß geschnitten und die Kanten nach

Vorgabe vorbereitet bzw. angefast.

In der Werkstatt der Tuchschmid

AG begann dann im November 2015

die genau auf den geplanten Baufortschritt

abgestimmte Fertigstellung der

insgesamt fünf einzelnen Baugruppen

mit Längen von bis zu 25 m und

Gewichten von bis zu knapp 40 t. Die

Arbeiten im Werk dauerten bis zum

März 2016. Fertige Baugruppen wurden

anschließend mit Spezialfahrzeugen

just in time an die Baustelle geliefert.

Schweißtechnische Fleißarbeit

„Die Ausführung der eigentlichen

Schweißarbeiten stellte von der verwendeten

Technologie her keine besonderen

Herausforderungen dar“, verrät

Urs Kern. Beim Großteil der Nähte handelte

es sich um die „klassische“ V-

Naht, ergänzt durch eine gewisse

Anzahl an X-, K- und Blechnähten. Zum

Einsatz kam das seit Jahrzehnten

bewährte Metall-Aktivgas(MAG)-

Schweißen mit auf den Konstruktionswerkstoff

abgestimmtem Drahtmaterial.

Die Herausforderungen lagen eher in

der sachgerechten Organisation der

Arbeitsabläufe sowie der entsprechenden

Logistik sowie in der Sicherung

und Dokumentation der geforderten

Qualität. Dazu mussten entsprechende

Prüfpläne erstellt, die geeigneten Prüfmittel

– insbesondere Ultraschallprüfsysteme

– eingesetzt und die Prüfungen

einschließlich der entsprechenden

Dokumentation mit der erforderlichen

Sorgfalt durchgeführt werden.

Hierfür wurde auch auf die Leistungen

des externen Prüfinstituts Qualitech

AG zurückgegriffen. Wie umfangreich

die Schweißarbeiten letztlich ausfielen,

kann man daran erkennen, dass

insgesamt 2,5 bis 3 t Schweißdraht

verarbeitet wurden.

Herausforderung CAD/CAM

„Eine große Herausforderung bestand

für uns darin, die bereits erwähnte

elastische Formänderung der Stahlkonstruktion

nach Aufbringen der

Fahrbahn zu kompensieren“, erläutert

der Projektleiter von Tuchschmid, Urs

Kern. Dazu mussten die Einzelteile –

vor allem die seitlichen Stege – mit

einer präzise berechneten Krümmungsüberhöhung

zugeschnitten werden.

Beim Schweißen mussten dann auch

die Lehren bzw. Stützkonstruktionen

die entsprechende Geometrie vorgeben.

Die Auslegung erfolgte so, dass

sich die vom Architekten gewünschte

Sollkontur erst nach Zusammenbau

aller Elemente und dem Aufbringen

der rund 350 t schweren Betondecke

nebst Fahrbahn aufgrund der Verformung

durch das aufgebrachte Gewicht

einstellte.

Mithilfe des CAD-Programms

HiCAD hat die Tuchschmid AG die entsprechenden

Geometriedaten ermittelt

und sie anschließend in das CAD-

Programm Tekla „übersetzt“, um die

Stegbleche passend herzustellen. „Die

korrekte Einhaltung dieser Vorgaben

schon beim Ausbrennen der Blechteile

und auch später beim Vorbereiten der

Fasen und dem eigentlichen Schweißen

war eine wirklich spannende Aufgabe“,

erinnert sich Projektleiter Kern.

Dank seiner Erfahrung auf diesem

Gebiet ist es dem Stahlbauunternehmen

gelungen, alle zeitlichen Vorgaben

einzuhalten und die fertige Stahlkonstruktion

pünktlich zu übergeben. 2

Stahlreport 11|16

47


Lifesteel

Berichte

Neue Riesen-Stahlrutsche in London

The Slide

Die gut 114 m hohe Stahlskulptur The Orbit neben dem Olympiastadion in London hat

Zuwachs bekommen: Besucher können nun durch eine Röhre nach unten rutschen.

Peter Becker hat sich die Sache mit aller Vorsicht und aus der Distanz angeschaut.

Man könnte meinen, da wäre

eine genmanipulierte Efeu-Pflanze

aus dem Ruder gelaufen, hätte ihre

Farbe ins Rote verändert und einen

gut 30 Stockwerke hohen Turm wild

umwuchert: Seit Juni hat das seltsame

Gestänge im Londoner Queen

Elizabeth Olympic Park noch zusätzlich

ein silbern glänzendes Rohr, das

sich seinerseits von der Spitze bis

zum Boden windet.

Die Rede ist vom ArcelorMittal

Orbit, einer 114,5 m hohen Stahl -

skulptur der beiden Künstler Sir

Anish Kapoor und Cecil Balmond.

Sie war als eine der Attraktionen zu

den Olympischen Spielen 2012 direkt

Rücksturz zur Erde durch die Tunnelrutsche.

neben dem neuen Stadion errichtet

worden und hat nun The Slide dazubekommen:

eine Tunnelrutsche über

die gesamte Höhe, auf der die Besucher

mit Geschwindigkeiten von bis

zu 24 km/h in die Tiefe sausen.

Auf welche Weise es zu dem Edelstahlrohr

als Zugabe zum rot lackierten

Stahlgerüst kam, wollen wir nicht

verschweigen: der ArcelorMittal

Orbit, gedacht als Aussichtsturm mit

einem wirklich großartigen Blick

über Londons Innenstadt, brachte

nicht das erhoffte Eintrittsgeld ein –

der Guardian berichtet von rund

10.000 GBP Verlust pro Woche im

Jahr 2014.

Boris Johnsons Rutsche

Also kam der damalige Bürgermeister

Boris Johnson auf die Idee, zum

Turm die weltweit höchste und längste

(178 m) Rutsche ihrer Art hinzuzufügen.

Der deutsche Künstler Carsten

Höller, Spezialist für solche Spaßkonstruktionen,

übernahm die Planung.

Süffisant zitierte im April dieses

Jahres der Guardian den Deutschen:

„Wir hoffen, dass Boris als erster auf

die abschüssige Rampe geht und dass,

wenn er unten ankommt, Großbritannien

noch Mitglied der EU ist.“ Wir

erinnern uns: Johnson war einer der

vehementesten Befürworter des Brexit

gewesen. Nach dem Votum für den

Ausstieg ist er nun Außenminister im

Kabinett der neuen Premierministerin

Theresa May.

Die Idee zu Orbit war bei einem

Gespräch des umtriebigen Bürgermeisters

Johnson mit Lakshmi Mittal

geboren worden. Der Vorstandsvorsitzende

des indischen Stahlgiganten

erkannte die Möglichkeit, sein Material

in Szene zu setzen. In einer Pressemitteilung

des Konzerns heißt es:

„Die Firma sieht Stahl als ,Stoff des

Lebens‘, weil viel von dem, was uns

im Alltag als normal begegnet, aus

dem Metall gefertigt ist: von den Fahrzeugen,

in denen wir reisen, über die

Maschinen, mit denen wir waschen,

oder den Gebäuden, in denen wir

The Orbit, noch ohne Rutsche, nebenan

das Olypiastadion

Fotos: ArcelorMittal

48 Stahlreport 11|16


leben und arbeiten, bis hin zum

Besteck, mit dem wir essen.“

Von den Kosten der insgesamt

22,3 Mio. GBP übernahm ArcelorMittal

19,2 Mio. Den Rest trug die Stadt.

2.000 t Stahl wurden für The Orbit

verbaut. Eine Pressemitteilung rechnete

das gleich bildlich um in Material

für 265 Doppeldecker-Busse.

Skulptur-Turm aus Stahl

Im Zentrum der Konstruktion stehen

fünf Hauptschleifen eines dreidimensionalen

Knotens, welche die Schächte

für die beiden Aufzüge, die Aussichtsplattformen

und die Wendeltreppen

tragen. Wie ein Stativ berühren sie an

drei Punkten den Boden. Für Stabilität

sorgt als Massenausgleich ein Pendel.

Es ist 2,8 m lang und wiegt 40 t.

Kapoor und Balmond wollten mit

dem Kunstwerk nicht nur für den

klassischen Turm eine neue Form

erfinden, wie sie sagen, sondern mit

dem Stahlgewirr auch die Dynamik

der Hauptstadt an der Themse ausdrücken

und den Leistungen der Olympioniken

Respekt zollen.

Stahl kam u.a. bei einer Installation

von Anish Kapoor auf der unteren

Aussichtsplattform zum Einsatz:

Dort gibt es hochglanzpolierte Edelstahlplatten

mit gerundeter Oberfläche,

die das Spiegelbild der City of

London verzerrt widergeben.

Corten prägt den Zugangsbereich

zu den Aufzügen, so dass die Fahrt

nach oben wie ein Aufstieg aus dem

Dunkeln ins Licht erlebt wird, so die

Künstler.

Der Turm ist behindertenfreundlich

angelegt. Jedoch wünschen sich

die Künstler, dass die Besucher nach

unten den Weg über die 455 Stufen

der Wendeltreppe wählen und den

Rundumblick zum Beispiel auf St.

Paul’s Cathedral genießen. 12 GBP

kostet aktuell der Eintritt. 5 GBP kommen

für die Rutsche dazu.

Zum Schluss: Anfangs war The

Orbit als „Boris’ folly“ (die Verrücktheit

von Boris) verspottet worden.

Inzwischen wird der Turm auch für

private Veranstaltungen genutzt, gelegentlich

lässt sich auch mal eine

Gruppe von Kletterern an Seilen von

oben herab. Das englische Wort für

solch Tun ist zauberhaft und soll nicht

verschwiegen werden: to abseil. 2

Ortstermin an

der A44: Politikvertreter

und

Projektbeteiligte

aus Wissenschaft,

Stahlund

Feuerverzinkungsindustrie,

Bauplanung und

-ausführung

begutachteten

die erste fertiggestellte

feuerverzinkte

Stahl-

Verbundbrücke

in Deutschland.

Erste feuerverzinkte Stahl-Verbundbrücke fertiggestellt

Brückentermin an der A44

Gegen Korrosion beschichtete Stahl-Verbundbrücken müssen bei

den üblichen 100 Jahren erwarteter Lebensdauer mehrmals neu

beschichtet werden. Feuerverzinkte Stahl-Verbundbrücken sind

demgegenüber deutlich wartungsärmer – und für eine zyklische

Belastung ebenso geeignet, wie Untersuchungen dem Industrieverband

Feuerverzinken zufolge gezeigt haben. Im September wurde

nun die erste fertiggestellte feuerverzinkte Stahl-Verbundbrücke

Deutschlands an der A44 begutachtet.

Dr. Gero Marzahn, Technischer

Regierungsdirektor und Deutschlands

oberster Brückenbauverantwortlicher

im Bundesministerium für Verkehr

und digitale Infrastruktur, sprach bei

seiner Eröffnungsrede von einer „Initialzündung“

für den Brückenbau –

und damit allen Anwesenden aus dem

Herzen. Mehr als 30 Projektbeteiligte

aus Politik, Wissenschaft, Stahl- und

Feuerverzinkungsindustrie, Bauplanung

und -ausführung folgten der Einladung

der DEGES (Deutsche Einheit

Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH)

zu einem gemeinsamen Ortstermin

am 20. September 2016 um Deutschlands

erste fertiggestellte feuerverzinkte

Stahl-Verbundbrücke zu begutachten.

Vom Forschungsvorhaben

zum Pilotprojekt

Die Brücke an der A44 ist ein Pilotprojekt,

in das aktuelle wissenschaftliche

Untersuchungen eingeflossen

sind, die belegen, dass die Feuerverzinkung

auch für den Einsatz an

zyklisch belasteten Brückenbauteilen

geeignet ist und eine Korrosionsschutzdauer

von 100 Jahren ohne Wartung

erreichen kann, so der Industrieverband

Feuerverzinken e.V.

Für Brückenbauwerke wird in der

Regel eine Lebensdauer von mindestens

100 Jahren gefordert. Werden Stahl- und

Verbundbrücken durch Beschichten vor

Korrosion geschützt, dann ist die Beschichtung

erfahrungsgemäß nach rund 25 bis

30 Jahren zu erneuern. Bezogen auf 100

Jahre sind neben einer Erstbeschichtung

mehrmals Erneuerungsbeschichtungen

erforderlich, die nicht nur hohe Kosten,

sondern oft erhebliche Verkehrsstörungen

in Verbindung mit zusätzlichen

Umweltbelastungen verursachen.

Mark Huckshold, Geschäftsführer

des Industrieverbandes Feuerverzinken,

dankte in seiner Rede allen Projektbeteiligten,

insbesondere Dr. Stefan Franz, als

Verantwortlichen bei der DEGES, für das

außergewöhnliche Engagement um dieses

Pilotprojekt in die Praxis zu überführen

und berichtete nicht ohne Stolz, dass

sich derzeit bereits weitere feuerverzinkte

Verbundbrücken in der Planung, Ausschreibung

bzw. im Bau befinden. Das

Feuerverzinken sei somit nicht nur dabei,

sich im Brückenbau zu etablieren, sondern

auch dabie zum Korrosionsschutz

der ersten Wahl zu werden. 2

Foto: Industrieverband Feuerverzinken

Stahlreport 11|16

49


Interview

Interview

Warum Rainer Langelüddecke das Duale System verbessern will

Nachgehakt: Stufenausbildung

Die viel gelobte Duale Ausbildung in Deutschland kann/muss verbessert werden. Dieses Tabuthema

hat Rainer Langelüddecke bewusst als Privatmann aufgegriffen (vgl. 10/16, S. 5) – mit neuen Lernzielen

für junge Flüchtlinge und andere in ihrem Leistungspotenzial begrenzte Nachwuchskräfte. Für den

Stahlreport war das Anlass, bei dem Geschäftsführer des Fachverbands Werkzeugindustrie in Sachen

Stufen- bzw. Teilzeitausbildung noch einmal nachzuhaken.

Stahlreport: Überall in der Welt

wird das Duale System der Ausbildung

im Betrieb einer- und in der

Berufsschule andererseits gelobt.

Und jetzt kommen Sie, um eine radikale

Änderung zu fordern.

Rainer Langelüddecke: Ja, denn

die herkömmliche Ausbildung taugt

nicht für die niedrige Qualifikation,

die ein Großteil der Flüchtlinge mitbringt.

Sie taugt aber auch nicht für

die spezielle Situation der Migranten.

Sie meinen Spracherwerb und Langeweile?

Genau! Von den derzeit rund

600.000 Flüchtlingen sind zwei Drittel

funktionale Analphabeten. Sie

besuchen deshalb vormittags entsprechende

Kurse und sind nachmittags

zum Nichtstun verdammt. Deshalb

brauchen wir in Deutschland

eine Teilzeitausbildung. Morgens lernen,

nachmittags arbeiten – oder

andersherum.

Stoßen Sie denn die richtigen Ak -

teure an? Wie reagieren Arbeitgeber

und Gewerkschaften?

Die Spitzenverbände der Arbeitgeber

und die großen Industrieverbände

reagieren positiv und sehen

Veränderungsbedarf. Der Gewerkschaftsbund

stärkt ausschließlich das

tradierte Duale System. Das Handwerk

hält sich mit Stellungnahmen

stark zurück. Was zu bedauern ist,

zeigt es doch Widerstände auf.

Berufsschulen und Arbeitgeber sind

wahrscheinlich von Ihrem Vorschlag

ganz begeistert.

Natürlich nicht. Es gibt zwar entsprechende

Reformansätze, aber immer

auch noch starke Widerstände.

Und woran liegt das Ihrer Meinung

nach?

An mangelnder Flexibilität. Die

Berufsschulen beispielsweise müssten

sich flexibel neu organisieren.

Es müssten Halbtagsklassen oder

Lerngruppen für Wochenabschnitte

eingerichtet werden. Außerdem ist

der Spracherwerb deutlich stärker

zu fordern und zu fördern. Entsprechend

beweglich müssten sich natürlich

auch die Ausbildungsbetriebe

zeigen – und die anderen Akteure,

insbesondere aus Politik und Gewerkschaften.

Das ist die zeitlich-organisatorische

Flexibilität. Dazu müsste aber auch

noch die inhaltlich Variante kommen.

Das stimmt. Zwar diskutiert man

schon seit 40 Jahren eine Stufenausbildung,

also einer Lehre mit einem

ersten Abschluss nach einem Jahr

und weiteren Leistungsnachweisen

nach zwei bzw. drei Jahren. Aber

Arbeitgeber und Gewerkschaften

haben bisher die Chance vertan, auch

Schwächere wenigstens ein wenig zu

qualifizieren. Stattdessen hält man

bis heute daran fest, jedem das gleiche

Wissen in der gleichen Zeit beizubringen.

Das bedeutet …

…, dass die Einheitsausbildung

kein Tabu mehr sein darf!

Das sind wenige Worte für einen großen

Schritt.

Foto: Fachverband Werkzeugindustrie

Rainer Langelüddecke ist Geschäftsführer

des Fachverbands Werkzeugindustrie

e.V. sowie im Verband der Deutschen

Pinsel- und Bürstenhersteller e.V. Seine

Ausführungen zu einer Ausbildungsreform

für junge Flüchtlinge und Landzeitarbeitslose

bezeichnet er allerdings bewusst als

persönliche Überlegungen.

Simmt! Trotzdem bin ich davon überzeugt,

dass diese Reform aus modularen

Ausbildungsteilen und Teilzeitausbildung

in einem Zeitraum von

zehn Jahren als Parallelsystem für

Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose

erfolgreich eingesetzt werden kann.

Das bewährte Duale Ausbildungssystem

wird dadurch übrigens nicht tangiert.

Aber das neue System ist eine

sinnvolle Ergänzung für die, die sonst

scheitern.

Danke für das Gespräch und dazu das

Angebot, in zwei bis drei Jahren über

Reformerfolge zu berichten …

… oder über den erfolgreichen

Widerstand des Systems.

50 Stahlreport 11|16


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2016

Seminarthema Termin Tagungsort

Neue A-Kunden gewinnen und Anfragen

professionell managen (Verkauf I) (Seminar) 07.-08.11 Düsseldorf

Rohre aus Edelstählen (Rohre III) (Seminar) 14.-15.11. Monschau

Stahleinkauf (Kooperation) 22.-23.11. Duisburg

Prüfbescheinigungen (Seminar) 24.11. Düsseldorf

Mehr Aufträge durch professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung (Verkauf II) (Seminar) 05.-06.12. Mannheim

Flachprodukte – Feinbleche, Grobbleche,

Oberflächenveredelung (Seminar) 12.-13.12. Duisburg

2017

Betonstahltag 12.01. Darmstadt

Q & E- Tag 09.02. Düsseldorf

Ladungssicherung (Seminar) 07.-08.03. Lünen/Selm

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.03. Dortmund

Betonstahl (Seminar) 27.-28.03. Kehl

Flachtag 30.03. Düsseldorf

Rohre (Seminar) 03.-05.04. Paderborn

Tagung der Kaufmännischen Ausbildungsleiter

(Kooperation) 26.-27.04. Achern/Offenburg

Blankstahl (Seminar) 09.-10.05. Bietigheim-Bissingen

Qualitäts- und Edelstahl (Seminar) 01.-02.06. Lüneburg

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Max-Planck-Straße 1 · 40237 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

E-MAIL: WYNANDS-BDS@STAHLHANDEL.COM


12. Januar 2017 in Darmstadt

Jetzt anmelden!

Weitere Informationen unter

www.stahlhandel.com/betonstahltag2017

Eine Kooperationsveranstaltung von ISB und BDS

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