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E_1931_Zeitung_Nr.067

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1» AUTOMOBIL-REVUE —

1» AUTOMOBIL-REVUE — REVUE AUTOMOBILE 1931 — 67 gerade bei der äusserst unübersichtlichen Route dem Comersee entlang zu grösster Vorsicht beim Fahren zwang. Die Konkurrenten, welche die einzelnen unter sich distanzierten Gruppen anführten, gaben sich aber immer wieder die Mühe, entgegenfahrenden Velocipedisten oder Fuhrleuten mit Zeichen anzudeuten, dass noch weitere Wagen folgen werden. Wenn vor Kontrollen, Etappenzielen oder an besonders schönen Aussichtspunkten, die sich gerade für einen Zwischenhalt eigneten, eine kurze Fahrpause eingeschaltet wurde, so hatte sich immer bald eine ganze Anzahl von Fahrern dort eingefunden und gegenseitig die Erfahrungen des Tages ausgetauscht. Keine Eigenbrötelei, keine übertriebene Aengstlichkeit, der andere könnte irgendwie einen Vorteil herausschinden, trübte auch nur für kurze Zeit die kameradschaftliche Atmosphäre. Fäden zu Kameradschaften wurden hier von einem Lager ins andere, von einer Nation zur andern gesponnen, wie sie die Diplomaten am grünen Tisch mit aller Kunst kaum besser aufnehmen können. Der Automobilsport als völkerverbindendes Medium ist während den verschiedenen offiziellen Anlässen vielfach gefeiert worden. Es blieb aber nicht bei den leeren Worten, die Wohltat dieses internationalen Ausgleiches hat sich unter der Fahrergemeinde bald geltend gemacht. Es war geradezu rührend, wie die weniger sprachgewandten Teilnehmer sich bemühten, sich in der Sprache des Kollegen auszudrücken und verständlich zu mache.n. Alle organisatorischen Vorarbeiten zusammen und die Summe aller Anstrengungen wird bei sportlichen Anlässen von derartigen Ausmassen nie durch einen restlosen Erfolg gekrönt werden können, wenn nicht auch ein guter Stern über dem Ganzen waltet. Und den schienen die Organisatoren auf sechs Tage ganz für sich 'gepachtet zu haben! Mit einer einzigen Ausnahme nichts als Sonnentage, entsprechend bessere Sicht und sicherere Strassen. Bei allen kumulierten Möglichkeiten von Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen auf ungesperrten Strecken, kein einziger folgenschwerer Zusammenstoss, bei aller Gefahr auf den ungenügend überwachten Alpen- Der Fordfahrer Sintenis revidiert seinen Wagen auf der Höhe des ColdeBruis. W Sintenis, sur Ford, revise sa voiture au sommet du col de Bruis. (Photo «Automobil-Revue».) strassen Frankreichs auf einer Strecke mit keiner Ausweichmöglichkeit einem anderen Vehikel zu begegnen, auf der ganzen Nachtfahrt kein einziges derartiges Hindernis. Ein fahrender Schaubudenbesitzer mit zwei schweren Wagen hatte zwar die angesichts der schwierigen Strasse geradezu tolle Absicht gehabt, in der Nacht mit seinen beiden schweren Wohn- und Budenwagen über den Col de Vars zu ziehen. Das hätte einen bedenklichen Salat abgesetzt, wenn ihn die Kolonne auf halber Höhe erreicht und versucht hätte, ihn zu passieren. Aber der Zufall wollte es, das er gleich am Beginn der Bergstrasse wegen Panne aufsass und die Wagen mit Hilfe der ersten Fahrer genügend auf die Seite geschoben werden konnten, um freie Passage zu gewähren. Steine von verschiedenen Dimensionen, welche verschiedentlich die Strasse belagerten, erinnerten an die an diesen Orten herrschende Steinschlaggefahr. Aber auch nicht ein Kiesel hätte sich in der Zeit gelöst, da die Alpenfahrt im Gange war. Wie sehr die Alpenstrassen immer wieder der rohen Gewalt der Natur ausgesetzt sind, hat der vor wenigen Tagen stattgefundenen Erdrutsch am Stilfserjoch bewiesen, der für wenigstens 48 Stunden den durchgehenden Verkehr vollständig lahmlegte. Aber ausgerechnet erst vier Tage nachdem die Alpenfahrer das Stilfserjoch überquert haben, setzt diese Katastrophe ein. Bei der Talfahrt vom Col du Galibier nach St. Michei de Maurienne trafen wir ganze Arbeiterkolonnen am Werk, welche die Strasse von den Folgen einer 'kürzlich stattgehabten Ueberschwemmung säuberten. Auch hier hätte ein späteres Einsetzen der Naturlaunen den Weg versperren und die Organisation vor neue schwierige Aufgaben gestellt. Auch die Ausdauer der Fahrer, ihre Geistesgegenwart und Fahrkunst hat nie und in keiner Situation versagt und so sind Teilnehmer und Organisatoren von allen jenen Zufälligkeiten verschont geblieben, welche zwar bei ihrem Eintreffen niemanden hätten zur Last gelegt werden können, die aber doch den Erfolg der Veranstaltung überschattet haben müssten. So wird sich die Erinnerung an die Alpenfahrt zu einem einzigen Gefühl der hohen Befriedigung und Anerkennung ver- Bfadley, Redaktor am engl. «Autocar» und Mitkonkurrent auf Armstrong- Siddeley am Pas de Morgins. W. F Bradley, sur Armstrong-Siddeley, participe ä la Coupe des Alpes a la fois comme r£dacteur du Journal anglais « 1/Autocar » et comme concurrent. Le voici au Pas de Morgins. (Photo «Automobil-Revue».) dichten und sicher werden alle näher oder entfernter Beteiligten mit dem nämlichen Entschluss die Heimreise von Bern angetreten haben, mit welchem sich ein dieses Jahr weniger erfolgreicher englischer Fahrer von uns verabschiedete: «Wf shall try again next time!», wir werden es eben das nächste Mal wieder versuchen! b. Technische Schlussbetrachtungen. Die 2347 Kilometer Gesamtstrecke, oder Tagesdurchschnitte von 390 Kilometern, die auf der Alpenfahrt zurückzuliegen wareji> mögen, manchem Automobilisten nicht sonderlich lang erscheinen. An sich sind' sie es gewiss nicht, und auf Reisen lassen sie sich mit manchem stärkeren Wagen leicht herausfahren Für die Alpenfahrer hatte aber die sonst harmlose Angelegenheit einige recht fühlbare Hake». Einmal konnte er nicht einfach die schönsten Strassen aussuchen,, die im «Europa-Touring> zu finden sind, sondern er wurde über Routen dirigiert, die ausgesuchte Schwierigkeiten der mannigfachsten Art aufwiesen. Wir haben in un- AUSTRO-DAIMLER STEYR erringen an der INTERN. ALPEN FAHRT 1931 durch DESIDERIUS von BITZY auf 6 Zyl. ADR Bergmeister 18/120 PS PHILIPP von SCHOELLER auf 6 Zyl. ADR Sport GRAF SPIEGEL-DIESENBERG auf 6 Zyl. ADR Sport 15/100 PS 15/100 PS DREI ERSTE PREISE ohne Strafpunkte, bieten die beste Durchschnittsleistung aller beteiligten Marken und beweisen, dass sie für unsere Bodenverhältnisse die geeignetsten Konstruktionen sind. V E R T R I E B S - A K T I E N G E S E L L S C H A F T DER AUSTRO-DAIMLER- PUCH-Werke A.G. und STEYR-Werke A.G. ZÜRICH, Albisriederplatz 3

N° 67 - 1081 REVUE AUTOMOBILE - AUTOMOBIL-REVUE 19 Tanken der Fahrer nach der Nachtfahrt 6 Uhr morgens in Briancon vor dem Anstieg zum Col de Galibier. Die Wagen sammeln sich alle bei den beiden einzigen Benzinpumpen des Städtchens. Le ravitaillement apres l'etape de nuit ä 6 h. ä Briangon avant l'ascension du col du Galibier. Les voitures s'assemblont autour des deux distributeurs de benzine. (Photo «Automobil-Revue».) Die Spitze der Kolonne der Alpenfahrer trifft bei der Zielkontrolle in Bern ein. Von rechts nach links: Dir. Walder, Bern; A. Toendury, Fahrtleiter. Am Lenkrad Healey auf Invicta. der während der ganzen Fahrt fast immer in Front lag, HH. Meyer, Bern, und Dr. Mende, Zentralpräsident. La pointe de Ja colonne des conourrents ä la Coupe des Alpes atteint le contröle d'arrivee ä Berne. De droite ä Bruche : Directeur Walder, de Berne, A. Toendury, directeur de la course ; au volant Healey, sur Invicta, qui fut toujours en tete de la colonne , M. Meyer, Berne; et M. le Dr E. Mende, president central de l'A. C. S.). (Photo «Automobil-Revue».) Offizielle erwarten die Konkurrenten vor Menton. Von links nach rechts: zwei französische Kommissäre, die Herren Ing. Briiderlin. B. Piorrehumbt?!, Frau Jonasz, die Herren Decrauzat, Jonasz und ein weiterer franzosischer Funktionär. Les officieJs attendent les concurrents avant Menton. De gauche ä droite: deux commissaires francais, MM. Bruderlin, ingenieur et B. Pierrehumbert. Mme Jonasz et MM. Decrauzat, Jonasz et quelaues commissaires francais. (Photo «Automobil-Revue»). Die französischen Kommissäre kleben noch wenige Minuten vor dem Eintreffen der Fahrer bei Menton die notwendigen Wegbezeichnungen an. Ganz links: Ingenieur Jonasz, Pressechef: Les commissaires francais, quelques minutes avant l'arrivee des concurrents ä Menton, procedent au flechage. Tout ä gauche. M. Jonasz, ingenieur, chef du Service de presse. (Photo «Automobil-Revue».) 99 mmvfrmhMmmm HUILES MINERALES S.A.. CAROUGE-GENEVE