Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.055

E_1934_Zeitung_Nr.055

26 AUTOMOBIL-REVUE

26 AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N° 55 los. Einige frühere Anführer wurden erkannt sage wäre ihr Leben verwirkt. Wongpehund verfolgt. Sie verrieten nichts. Kein Wun- mais Agenten arbeiten beinahe so prompt der, denn wenige Minuten nach ihrer Aus- wie die Hafenarbeiter und Kulis. Das Wallis war von jeher ein Passland. Schon im Mittelalter, ja sogar schon zur Zeit der Römer, wurde dem Land am Oberlauf der Rhone die Rolle eines Durchgangstals zugeteilt. Die Geschichte des Kantons liefert dafür unzweideutige Beweise. Seiner Tradition bewusst ist sich auch das Wallis unserer Zeit. Seit Jahrzehnten sind im Land der Rhone Kräfte am Werk, die mit beispielloser Unternehmungslust und bahnbrechendem Sinn für Fortschritt den grossen Kanton verbessern und ausbauen. Das Rhonetal spricht am besten für die grosse Arbeit, die hier geleistet worden ist. Wer aufmerksam dem Rhonelauf folgt, der sieht, dass heute an den Hängen und auf den Feldern Kulturen edelster Art gedeihen; es fällt einem wahrhaftig schwer, zu glauben, dass noch vor Tourtsmus Das Wallis baut Strässen Partie aus dem Aletsch-Wald. gar nicht so langer Zeit die Vegetation im Rhonetal ein kümmerliches Zufallsdasein fristete. Vor einigen Jahren hat der Walliser Grosse Rat die Strassenfrage aufs Korn genommen. Der Umstand, dass bis dahin annähernd ein Fünftel der Bevölkerung abseits von fahrbaren Strässen seiner Arbeit nachgehen musste, hatte zu weitgehenden Plänen führen müssen, denen seit Mai 1927 ein Gesetz zugrunde liegt. Dass dabei in erster Linie die wirtschaftlichen Verhältnisse ausschlaggebend sein mussten und die touristischen Interessen eine sekundäre Rolle spielten, wird man wohl begreifen. Man ist im Wallis aber weitblickend genug und dem Verkehr genügend günstig gesinnt, um die viel Geld verschlingenden Strässen nicht nur für die Maultiere, Leiterwagen und lokalen Camions vorzusehen. Man dachte auch an die Autos der Touristen und hat bei der Festlegung der Projekte darauf Bedacht genommen. Sieben neue Strässen sind es, die gegenwärtig im Vordergrund stehen. Da ist einmal, im Unterwalüs, die kürzlich fertig gewordene i j m^ii/Pki „Weber-Stumpen sind einzigartig!' Restaurant MUGGENBÜHL, Zürich 2 schöner Ausflugsort. (Parkplatz.) autgeführtes Haus. Inhaber: Frel-Heusser. BUCHANAN'S BLACK & WHITE General vertretu ng für die Schweiz Fred. NAVAZZA, Genf Strasse Martigny-Salvan. Man sieht das unterste Stück dieses keck an den Berghang geklebten Weges gut, wenn man von Vernayaz nach Martigny fährt. Die Strasse hat eine Länge von 7 km und ist im allgemeinen 3,5 m breit. Zahlreiche Ausweichstellen und gute Verbauungen machen die an und für sich pikant angelegte Strecke für jeden geübten Automobilisten passierbar. Dass diese neue kostspielige Strasse ins Trienttal — bei welcher der Kilometer durchschnittlich auf 140 000 Franken zu stehen kam — auch zu touristischer Bedeutung gelangen wird, dafür sorgt schon die mächtige Trientbrücke, die unter die berühmtesten Brücken Europas einzuordnen ist. Jawohl, das Wallis kann sich rühmen, Europas höchste Brücke zu besitzen. Dieses Brückenwunder hat eine Länge von 163 Metern und überspannt den tosenden Bergbach in nicht weniger als 188 Meter Höhe. Im Oberwallis macht die Strasse nach Saas-Fee am meisten von sich reden. Man weiss, dass im Nikolai- und Saastal etwas sonderbare Verkehrsverhältnisse sind. Zermatt, der Weltfremdenplatz, hat seit 40 Jahren eine Bahn, eine flotte elektrische Bergbahn sogar. Daneben aber gibt's zwischen Stalden und St. Nikiaus nur einen holperigen Saumweg und von St. Nikiaus bis an den Fuss des Matterhorns ein kleines Strässchen, das fürs Auto gesperrt ist. Es wäre übrigens für die Herrschaften, die im Automobil nach Zermatt wollten, zu schmal, um als eigentliche Autostrasse ernstlich in Betracht zu kommen. Das nachbarliche Saastal hingegen hat weder Bahn noch Strasse; niemand wird Lust haben, im Saastal Geleise zu legen und eine Stalden-Saas-Fee-Bahn zu finanzieren. Wer bislang nach dem prächtigen Gletscherdorf wollte, der musste in Stalden seine diversen Koffern und Hutschachteln den Mauleseln anvertrauen und sich selbst wandernderweise in fünf Stunden an die Sommerfrische bringen, es sei denn, dass man seine Haut dem Rücken eines Mulets anzuvertrauen vorzog. Jetzt ist es ein bischen anders geworden. Weil das Saastal keine Bahn hat und wahrscheinlich nie eine zu erwarten hat, so wird es nun doch bald seine Strasse bekommen. Zermatt die Bahn, Saas die Strasse! Das ungefähr wird in zwei bis drei Jahren die Devise sein. Auf halbem Weg zwischen Stalden und Saas-Qrund liegt das Wirtshäuschen « Hutegg », wo die Mulets jeweils Halt machen, der Postillon wahrscheinlich einen Zweier Fendant zu sich nimmt und der Wanderer, der nach Fee will, desgleichen zu tun pflegt. Bis zu diesem Gasthöfchen führt heuer die Strasse. Man kann also schon fast halbwegs nach Saas-Fee im Auto fahren. Die Arbeiten sind in den letzten zwei Jahren ziemlich rasch vorwärts gegangen. Wenn es so weiter geht, dann kann man vielleicht im Jahre 1937 im Auto nach Saas-Fee in die Ferien. Es wird das im Saastal ein Fest sein wie anno 1891 im Nikolaital, als das erste Bähnlein nach Zermatt fuhr. Es sind 23 Kilometer von Stalden nach Fee. Auch hier kommt der Kilometer auf fast 100 000 Franken zu stehen, rechnet man doch mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Franken. Es sind viele Stimmen gegen die Ausführung dieser Strasse laut geworden. Man hat sich gegen die langsam dahingehende Postpoesie gewehrt: man wollte auch den romantischen Saumweg verteidigen und das herrliche Fee am Fusse des blendend weissen Feegletschers nicht so ohne weiteres dem knatternden Automobil preisgeben. Es sind gegenseitig Konzessionen gemacht worden. Die Romantik mit den Postmulets, die zweimal im Tag den Postdienst versehen, wird allerdings bald ihr Ende nehmen. An ihre Stelle treten die gelben Benzinwagen, die das Tal in einer guten Stunde durchfahren und die Koffern und Hutschachteln etwas sorgsamer in die Sommerfrische befördern, als es die Maulesel zu tun imstande waren. Auch die Hohe Stiege, das Juwel von Saas, wird verschont bleiben; vielleicht kommt hie und da der Laut eines Autosignals vom andern Hang herüber, das einem anfänglich etwas sonderbar anmuten mag. Aber die liebe Hohe Stiege wird deswegen ihren Reiz nicht verlieren, ganz sicher nicht. Wenn trotz alledem die Stimmen gegen diese Strasse immer noch nicht ganz zur Ruhe gekommen sind, so soll man in diesen Kreisen doch bedenken, was es für ein Dorf auf 1800 Meter heisst, sozusagen alles, was man braucht, fünf Stunden weit auf Mauleselrücken hergeschickt zu bekommen. Das Menü im Hotel ist von der Maggisuppe bis hinunter zur Banane und zum Emmentaler den langen, holperigen Weg hinaufgetragen worden. Ein Tal wie das Saastal hat weiss Gott Anrecht auf eine Fahrstrasse. Noch drei andere Strässen sind in der Umgebung von Visp im Bau: Visp-Bürchen, Visp-Visperterminen und Stalden-Grächen. Bürchen und Visperterminen sind zwei echte Walliser Dörfer, an denen der Fremdenverkehr anstandslos vorüber gegangen ist. Visperterminen, das hoch über Stalden am Südhang sitzt, ist das Dorf der Heidenreben, der höchstgelegenen Reben Europas. Man sieht die Hänge gut am Weg zwischen Visp und Stalden. Der Wein, der hierzulande gekeltert wird, soll die Eigenschaft haben, die Geniesser überaus mutig und gescheit zu machen. Es heisst wenigstens so in einer alten Chronik. Automobilisten seien, in Anbetracht der neuen, voraussichtlich nicht sehr breiten Strasse, lediglich vorsorglicher- und warnenderweise darauf aufmerksam gemacht; denn es ist wohl anzunehmen, dass der « Heida » noch eine dritte Eigenschaft in sich hat, die sich auf der Rückfahrt nach Visp hinunter geltend machen könnte. Hoch über dem Nikolaital, zwei Fussgängerstunden von St. Nikiaus, liegt eines der originellsten Walliser Dörfer: Grächen. Das prächtige Nest ist vom grossen Fremdenstrom nur unbedeutend berührt worden. Hier hat das Volk noch seine im Freien stehenden Backöfen, wo alle paar Monate einmal das « Tätschbrot» gebacken wird. Dann aber ist Schaff hausen A.c. und Soeiserestaurant Oberhof, T.C.S. Neuest eingerichtete Morgenthaler-Kegelbahn. Bestbekannte Küche, la. Schaff hauser. Weine. Mit höfl. Empfehlung: II. Schiltknecht, K'chef. Raucht die altbewährten Stumpen Gelbes Päckli 70 Cts Rotes „ 80 „ Havanna gepresst und rund Fr. 1.— Grächen auch landschaftlich ein gesegnetes Stück Erde. Man wohnt hier Wand an Wand mit dem prächtigen Weisshorn, dessen untrügliche Gestalt Tag und Nacht über Grächen wacht. Und dieses landschaftlich reich begüterte Nest wird nun 'auch seine Strasse haben. Sie nimmt in Stalden ihren Anfang, macht ein paar hundert Meter mit der Saaser Strecke gemeinsame Sache, um dann, ennet der Visp, ins Nikolaital vorzudringen. In Kalpetran ist die Freude vorderhand zu Ende. In ein bis spätestens zwei Jahren aber wird man in einer schwachen Stunde aus dem sommerlichen Ofen des Rhonetals die Terrasse von Grächen erreichen, und wer bis dahin noch nicht wusste, dass das Wallis das Land sein muss, wo sogar der Herrgott seine Ferien verbringt, der wird sich davon in Grächen überzeugen können. Von grossem Interesse für den touristischen Automobilverkehr ist die kürzlich fertig gewordene Fahrstrasse von Naters bei Brig nach Blatten hinauf. Man sieht in Brig hoch oben das Hotel auf Beialp, ein prächtig hingeworfener Höhepunkt über dem Rhonetal. Es verhielt sich mit dieser Kurstation bis jetzt ungefähr wie mit Saas-Fee. Höchstens der Maulesel konnte den vierstündigen Gang vom Tal hinauf ersparen. Die neue 7,5 km lange Strasse, die fast eine halbe Million Franken gekostet hat, kürzt den Aufstieg nunmehr um die Hälfte. So hat denn dieser unvergleichlich schöne Sitz am Aletschgletscher eine Zufahrtsstrasse erhalten, die vielleicht weniger seinetwegen als vielmehr dem auch wirtschaftlich wertvollen Naterserberg zuliebe aufs Walliser Strassenbauprogramm genommen worden ist. Aber auch das Goms hat man nicht vergessen. Das grösste und bedeutendste linke Seltental, das der Binna, bekommt nun eine regelrechte Fahrstrasse. Im Binntal, das sich bei Lax unterhalb Fiesch öffnet, hat sich, wie so mancherorts in den Alpen, die Abwanderung, der Auszug in weniger entlegene Täler und in die Städte je länger je mehr bemerkbar gemacht. Der schwere Zugang war daran in erster Linie schuld. Die Strasse, die zur Zeit angelegt wird und im Herbst 1935 ferti' ' sein dürfte, trägt diesem Umstand Rechnung.* Sie ist diesen Sommer bereits bis zwei Kilometer vor dem Dorf Binn fahrbar und in ihrer Anlage überaus romantisch. Der Bund hat sich an den auf 700 000 Franken veranschlagten Kosten in erhöhtem Masse beteiligt, da der Binntalstrasse nicht nur wirtschaftlich und touristisch, sondern auch strategisch einige Bedeutung zukommt. In ganz wenigen Jahren wird das Wallis mehr als ein halbes Dutzend neuer Strässen haben. Strässen nicht alltäglicher Art werden es sein. Sie sind Symbole für die Tatkraft und den Willen eines Volkes, dem Land eine erspriessliche Entwicklung zu sichern, auch wenn dies die Gemeinwesen und damit den einzelnen stark beansprucht. Man möge dies bedenken, wenn man über den Schotter der neuen Walliser Bergstrassen rollt. Walter Schmid. Fahrt durchs Bündnerland Im Bündnerland trifft der Automobilist eine Fülle landschaftlicher 'Schönheiten, wie sie in dieser Reichhaltigkeit in wenigen Touristengebieten Europas vorzufinden sind. Als Stützpunkte können Orte wie St. Moritz, Pontresina, Davos, Arosa und Flims genannt werden; aber selbstverständlich besitzt das Bündnerland ausser diesen noch eine grosse, stattliche Anzahl bestbekannter und vielbesuchter Sommerfrischen, die in reizvoller Umgebung, oft mit modernsten Strandbädern ausgestattet, dem Touristen Buhe und Erholung bieten. Wie unvergleichlich sich das Bündnerland gerade als Ferienland und Weekendziel eignet, be- Oöschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tapreszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhaltnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner. IN LAUSANNE oTEIOEN SIE HOTEL EXCELSIOR ab. Avenue Juste-Olivler (6 Min. vom Bahnhof). Teleph. 24.716 - Zimmer mit fliessendem Wasser, Frühstück und Bedienung inbegriffen, Fr. 5.50 pro Person. Restauration. Kurhaus Schonenboden Wildhaus in der Nähe des Strandbades, idyllischer vvochenendund Ferien-Aufenthalt. Prima Küche und Weine. Mittagessen und VesperplättJi. Pensionspreis Fr. 6.50 bis 7.50. Garage, fl. Wasser, prachtv. Aussichts-Terrasse. Besitzer: U. Künzler-Strässll Gut essen und trinken im RESTAURANT BÜRGLI Zürich -Wolliphofen Kilchbergstr. 15 - TeL 50.460 HeimeligeLokalitäten für Sitzungen, Hochzeiten etc. Es empfiehlt sich: Chs. Eichenberger. -Günstige Parkierung bei der Kirche. IM

BERN, Freitag, 6. Juli 1934 V. Blatt der Automobil-Revue N° 55 Selbstverständlich ist es, dass man eine Ferienreise unternimmt. Ein paar Wochen oder auch nur ein paar Tage kann jeder erübrigen, um sich einmal frei zu machen von den Sorgen des Alltags. Einmal muss jeder ausspannen, muss tun und lassen dürfen, was ihm beliebt, um wieder neue Spannkräfte zu bekommen für weitere Arbeit. Reisen ist ein Allerweltsheilmittel, Reisen bedeutet Erholung nach angestrengter Arbeit, ist Abwechslung, bringt neue Eindrücke, neue Menschen, neue Landschaften, überhaupt neue Umwelt, und das ist ja gerade was wir brauchen. Wie gut hat es der Automobilist, der eine Ferienreise plant. Er ist vollständig frei, ist fahrplanlos, kann seine Abreise, seine Weiterfahrt, seine Ankunft ganz so festlegen wie es ihm beliebt. Er hat keine Fahrkarte, die ihm vorschreibt, bis wohin er zu fahren hat, sondern er fährt eben dorthin, wo es ihm gefällt. Eines mag schwer fallen vor Antritt einer Ferienfahrt: die Auswahl der Reiseroute, weil man doch nicht einfach nur so ins Blaue hinausgondeln möchte. Doch wird man den Entscheid leicht treffen, wenn man sich an die Regel hält, dass hübsch eines nach dem andern kommt. Also dies Jahr einmal ins Bündnerland und über seine Alpenpässe, ein ander Jahr Tessin oder Genfersee, letztes war's Berner Oberland oder Vierwaldstättersee oder die Nord-Ost Schweiz und so lernt man alle schönen Ecken unseres Landes kennen. Und wer meint, er kenne schon die ganze Schweiz wie seine eigene Hosentasche, dem sei geraten, doch wieder ihm scheinbar altebekannte Orte zu besuchen. Er findet sicher überall und immer wieder Neues. Wer's also noch nicht getan, der schmiede " Sofort seine Reisepläne, denn dass wir reisen, ist selbstverständlich. Lr. Passfahrten Früher einmal, da war es noch eine grosse Sache, wenn man eine Passreise unternehmen wollte. Grosse Vorbereitungen mussten getroffen werden und Zeit, viel Zeit musste zur Verfügung stehen. Auch war es empfehlenswert sich mit der nötigen Dosis Geduld zu wappnen, denn man konnte nie wissen ob man nicht irgendwann, irgendwo ein bisschen unprogrammässig stecken blieb. Mehr als ein Pass war an einem Tag kaum zu bewältigen. Auch wenn man Frühaufsteher war und schon bei aufgehender Sonne bergwärts fuhr, wurde es meistens Abend bis die andere Talstation erreicht war. Zudem kam man meistens recht müde, geschüttelt und gerüttelt im Quartier an, denn auf j^jummirädern liefen die alten Alpenposten nicht. Und Tieute, in ein paar wenigen Tagen ist es möglich, die sämtlichen schweizerischen Alpenstrassen abzufahren. Mühelos trägt einem das Auto aus den Tälern auf die Höhen bis hinauf zu den gleissenden Gletschern. Müde wird man erst recht nicht mehr, denn es reist sich im weichen Polster so bequem. Etappen und Aufenthaltsorte sind nicht mehr an Zeit und Verkehrsvehikel gebunden, sondern man schiebt seinen Halt eben dann ein, wenns einem passt. 23 Alpenstrassen durchqueren die Schweizer Alpen in allen Richtungen. Leicht und mühelos sind sie alle zu befahren und bei strahlendem Sommerwetter sind sie auch alle gleich schön. Freilich zeitlich ist eine Einschränkung notwendig, denn im Spätherbst, Winter und Frühjahr sind unsere Alpenstrassen, d. h wenigstens die meisten, nicht fahrbar. (Eine löbliche Ausnahme machen Julier und Malojapass, die das ganze Jahr fahrbar sind.) Jetzt mitten im Sommer zeigen sich unsere Alpen in ihrer ganzen Schönheit, jetzt ist die Zeit, um in die Berge zu fahren. Also rasch einen Entsehluss gefasst, und die Schweizer Passfahrt hat schon begonnen. Aber nicht im Renntempo bitte, sondern hübsch beschaulich sei die Fahrt. Es eilt ja nie so sehr, als wie man glaubt und in den Ferien ja schon gar nicht, und wenn man wirklich etwas sehen und erleben will, dann nehme maus gemütlich auch mit dem Auto. Wie man auf einer Fahrt alle Schweizerpässe kennen lernen kann, das möchten Sie wissen. Freilich, soll die Route abwechslungsreich und ohne Wiederholungen festgelegt werden, dann geht es nicht ohne kleinere Abstecher ins Ausland. Aber das macht ja nichts, denn auch die zu erledigenden Grenzformalitäten sind heute recht einfach und kaum mehr ein Reisehindernis. Nun aber wo unsere Tour beginnen ? Der Möglichkeiten gibt es natürlich ungezählte, aber wir wollen uns doch auf einen Vorschlag einigen, der freilich nicht Anspruch erheben will, der absolut beste und schönste zu sein. Aber gibt es überhaupt etwas absolut Schönstes. Wohl kaum, alles, auch selbst die Schönheit, ist relativ, denn jeder schaut mit seinen eigenen Augen, fühlt mit seinem eigenen Herzen. Start: Irgendwo am Vierwaldstättersee — Axenstrasse, Flüelen, Altdorf, und schon diese ersten paar Namen enthalten ein ganzes Programm. Und wenn Sie nur die kurze Strecke von Brunnen nach Altdorf, die etwa 15 km misst, fahren, so können Sie das nicht in 20 Minuten erledigen, sondern Sie brauchen das Zehnfache dafür, wenn Sie wirklich gemessen wollen. Schon in Brunnen müssen Sie Halt machen, um den prachtvollen Blick über den See hinein ins Urnerland in sich aufzunehmen, dann fahren Sie ganz langsam über die Axenstrasse, machen eventuell einen Abstecher hinauf zum Axenstein, Hospental am Kreuzungspunkt von Gotthard- und Furkastrasse. werfen einen Blick hinüber zum Schillerstein, ,grussen über den See das Rütli und bei dem hübschen Sisikon möchten Sie doch auch nicht einfach durchsausen. Dann kommt noch die Teilskapelle, dann das reizend am See gelegene Flüelen und Altdorf mit seinen Sehenswürdigkeiten mannigfacher Art. Und wenn Sie das alles wirklich recht eingehend betrachtet haben, dann werden Sie begreifen dass die 15 km von Brunnen nach Altdorf nicht in 20 Minuten zu erledigen sind. Nun freilich, in solch epischer Breite können wir hier unsere Passfahrt nicht durchführen, denn sonst müssten wir unserem Reiseblatt noch einige Seiten anbauen und es ist auch sehr zu bezweifeln, ob eine so nicht endenwollende Reisebeschreibung überhaupt gelesen würde. Aber wenn Sie eine Fahrt unternehmen, dann reisen Sie ruhig so beschaulich und betrachten alles, links und rechts der Strasse, wie es oben gezeigt wurde. Sie werden einen doppelten Genuss von Ihrer Fahrt haben. Doch nun sind wir in Altdorf und wollen über den Klausen und ins Glarnerland, machen eventuell einen Abstecher mit der Bergbahn nach Braunwald, fahren dann der Linth entlang talauswärts, besichtigen in Näfels den Freulerpalast und gelangen über den Kerenzerberg ins St. Galler-Oberland und über die Tardisbrücke nach Graubünden. A propos Tardisbrücke : wenn ein Bündner aus seinem geliebten Kanton kommt und die Brücke überfährt, so schaut er noch einmal zurück um von seiner Heimat Abschied zu nehmen, denn nun beginnt für ihn das Ausland. Für uns fängt jetzt erst das eigentliche Kreuz und Quer über all die Alpenpässe an. Durchs Prättigau, Davos erreicht man über den Flüela das Engadin. Ueber den Ofenpass durch den Nationalpark gelangt man ins Münstertal und von Stä. Maria ziehen sich die Kehren des Umbrail hinauf gegen die italienische Grenze. Die Stilfserjochpasshöhe besuchen wir im Vorbeigehen, fahren hinunter nach Tirano um bei Campocologno wieder Schweizerboden zu betreten. Puschlav, Berninapass, Pontresina sind die nächsten Etappen und schon sind wir wieder im Engadin. Dann kommt der Albula an die Reihe, bei Tiefenkastei zweigt's ab zum Julier, zum dritten Mal sind wir im Engadin und über dem Maloja gelangt man nach Chiavenna wieder auf italienisches Gebiet. Der Splügenpass führt auf heimatlichen Boden und der St. Bernhardinpass (vorläufig noch ohne Strassentunnel) bringt uns ins Tessin. Es reihen sich nun in bunter Folge Lukmanier, Oberalp und Gotthardpass ein und tessinabwärts über Bellinzona, Locarno durchs Centovalli erreicht man das italienische Domodossola. Der Simplon führt uns ins Wallis, diie Furkastrasse weiter nach Andermatt und reusstalabwärts erreichen wir wieder den Vierwaldstättersee, den Ausgangspunkt unserer Tour. Die Fähre führt uns von Gersau nach Beckenried und über Stans, Samen erreichen wir den Brünig, dann das Haslital und über die Grimsel sind wir glücklich wieder im Wallis gelandet. Es bleiben noch die westschweizerischen Alpenpässe, die wir doch bei unserer Passfahrt auch noch berühren möchten. Also fahren wir über Brig, Siders, Sitten nach Martigny über den Grossen St. Bernhard nach Aosta in Italien, über den Kleinen St. Bernhard betreten wir erstmals französischen Boden. Moutiers, Albertville, Sallanches, Chamonix sind weitere Etappen und über den Col de la Forclaz fahren wir wieder nach Martigny. Den Col de Morgins nehmen wir im Vorbeiweg, indem wir von Monthey bis zur Morginspasshöhe und wieder zurück nach Monthey fahren. Anschliessend unternehmen wir eine Rundtour von Aigle über den Col des Mosses ins Pays d'Enhaut nach Saanen, Gstaad, Gsteig und über den Col de Pillon wieder zurück nach Aigle. Den Genfersee müssen wir auch noch besuchen; fahren durch Montreux und Vevey nach Chätel Feuilleton Die Alpen Wir entnehmen das nachfolgende Kapitel dem «Automobilführer durch die Alpen», der im Verlag Hallwag A. G. Bern erschienen ist. Dieser Führer enthält für jeden, der die Alpenpässe zwischen der französischen Riviera und Wien befährt, eine Fülle des Interessanten. Hunderte von Alpenetrassen sind darin beschrieben und abgebildet, eine grosse Menge von Tourenvorschlägen stellt die schönsten Rundfahrten im ganzen Alpengebiet zusammen und ein vorzügliches Kartenmatcrial weist sicher den Weg über alle Strassen des gesamten Alpengebietes. Red. Unendlich unfassbar sind die Zeiträume, in denen die Alpen entstanden sind. Nicht Jahrmillionen, sondern Jahrmilliarden liegt das gewaltige Geschehen zurück, das unsere heutigen Alpen entstehen Hess. Kräfte von nicht messbarer Gewalt, einzig in ihrer gigantischen Auswirkung, waren durch unendliche Zeiten am Werke, um den Alpenwall zu schaffen. Flachgelagerte Gesteinsschichten wurden zusammengeschoben, aufgestaut, hochgehoben, überkippten und legten sich eine über die andere, gleich wie wenn man eine Tischdecke zusammenschiebt und die Tuchfalten sich aufkrümmen und übereinanderlegen. Und während dieses Faltungsprozesses waren schon wieder andere Kräfte am Werke, die die aufgetürmten Felsmauern zerstörten. Regen und Schnee, Frost und Hitze wirkten unaufhaltsam an den übereinanderlagernden Gesteinsfolgen. Die Flüsse sägten tiefe Täler aus, Wind und Wetter nagten an den Zacken und Graten, zermürbten sie, Hessen sie einstürzen, und aus diesem Zerstörungswerk entstanden unsere Alpen, die sich in ihrer heutigen Form als eigentliche Ruinen darstellen. Dieser Prozess geht weiter; Bergstürze und Steinschlag, Lawinen, Gletscher und Flüsse arbeiten auch heute noch im grossen Werk der Natur langsam aber unentwegt an der Zermürbung des Alpenwalles. Und einmal stiegen die Gletscher herunter aus ihren Höhen, bahnten sich einen Weg hinaus durch die Täler und überfluteten mit mächtigen Eismassen die den Alpen vorgelagerten Ebenen. Das war die Zeit, da das Mammut in mächtigen Herden über unser Land zog. Nach Jahrtausenden bildeten sich die Gletscher zurück, stiessen dann wieder vor, zogen sich wieder zurück und wiederholten dies mehrmals, bis sie heute nur noch als kümmerliche Reste einstmaliger Grosse sich in den höchsten Höhen festgelegt haben. Die Alpen sind das Trümmerfeld eines einst riesig dimensionierten Gebäudes. * * * Drohend und furchtgebietend erschienen' die Alpen dem Menschen des Altertums. Bevölkert von unheimlichen Geistern, nichts als Gefahren bergend, waren sie ein verwunschenes Gebiet, das zu betreten nur der Kühne wagte. Legion sind die Sagen, die davon Kunde geben, wie der allzu Dreiste vernichtet wurde, der sich in den Bereich der Eisriesen und düsteren Felskolosse wagte. Unendliche Einsamkeit, ungestörte Stille lag über' dem Alpenwall. Nordwärts und südwärts der Alpen lebten die Völker. Sie wuchsen, dehnten sich aus, sie fuhren über die Meere, lernten sich kennen und wussten sich zu Lande nahe und doch getrennt durch die Felsen der Alpen. Langsam besiedelten sich die untersten Alpentäler weiter und weiter hinauf, höher und höher zog es den Menschen, es kam die Zeit, wo er die Wasserscheiden überschritt und zaghaft sich ein Verkehr von Nord nach Süd über die Berge zu entwickeln begann. * * * Mächtig blühte das alte römische Reich. Weltbeherrschend, rund um das Mittelmeer, suchte es in ungebremster Expansionskraft sich auszudehnen. Und diesen Kräften gegenüber konnten auch auf die Dauer die Alpen keinen Widerstand bieten. Römische Händler und Kaufleute zogen über die Gebirge, lernten die Völker des Nordens kennen und traten mit ihnen in Handelsbeziehungen. Dem Kaufmann folgte der Feldherr, die römische Heermacht stiess ihre Vorposten vor bis an den Rhein und noch darüber hinaus bis tief in die deutschen Wälder, um sich dort an dem Grenzwall, dem Limes, ein festes Bollwerk nach Norden zu schaffen. Die Verbindung dieser römischen Vorposten mit dem Mutterland war schwierig. Ueber die Alpen führten schwer gangbare, schmale und gefährliche Pfade, die einen reibungslosen Verkehr verunmöglichten. Römischer Wille und römische Tatkraft überwanden aber auch dieses Hindernis, die Strassenbauer der Cäsiren zogen hinauf in die Berge und bauten vorzügliche Strassen, die einen Verkehr sogar mit Wagen ermöglichten; sie bauten so gut und dauerhaft, dass heute, nach 2000 Jahren, die Strassenreste, noch gut erhalten, sich überall im Alpengebiete finden. Ueber diese steingepflasterten Für Alpenfahrten Zu beziehen in allen grösse- ren Buchhandlungen und beim Automobilführer durdt di« Alpen VERLAG HALLWAG, BERN