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Berliner Stimme Nr. 2 2018

T I T E L gemeinsam

T I T E L gemeinsam kämpfen. Das Besondere der Erklärung ist auch, dass das Thema „Frauen in Führungspositionen“ über die Privatwirtschaft hinausgedacht wurde. Frauen in Führungspositionen ist mehr als ein Wirtschaftsthema. Es ist auch ein Verwaltungsthema, ein Politikthema, ein Wissenschaftsthema, ein Thema im Bereich Kultur und Medien. Cansel Kiziltepe: Ich war eine der ersten Unterzeichnerinnen der Berliner Erklärung. Wir müssen ein nachhaltiges Zeichen für mehr Gleichberechtigung setzen. Ohne gleiche Teilhabe, gleiche Bezahlung, ohne ein stetiges Monitoring von Gleichstellungspolitik werden wir den Anteil von Frauen im Bundestag nicht ändern. Die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl sagte zum Thema Quote: „Eine fähige Frau braucht die Quote wie ein Walfisch eine Kapuze“. Andere argumentieren, dass gut ausgebildete, toughe Frauen keine Quote brauchen. Was sagen Sie dazu? Dr. Uta Kletzing: Wir müssen von den Entweder-oder-Debatten wegkommen. Wir dürfen nicht in die Schiene „Kulturwandel, oder Quote“, „Empowerment, oder Quote“ kommen. Es ist immer ein sowohl als auch. Leider muss man erkennen, dass Leistung die notwendige Voraussetzung ist, aber nicht reicht, um in Führungspositionen zu kommen. Wir hören immer wieder Geschichten von Frauen, dass sie ausgebremst werden. Diese Geschichten sollten wir nicht mehr erzählen müssen. Das „Ausbremsen“ und „Verhindern“ sind Mechanismen in Kulturen und Strukturen, die immer wieder für den „Normalfall Mann“ sorgen. Im politischen Bereich, etwa bei den Bürgermeisterinnen, können wir beobachten, dass genau dann Frauen ausgesucht werden, wenn kein Mann will. Dann dürfen wir Frauen. Das sind dann die sogenannten „Verlegenheitskandidatinnen“. Cansel Kiziltepe: Interessant ist auch, dass viele nicht mehr das Etikett „Feministin“ tragen wollen. Ich trage es beispielsweise auch nicht vor mir her, dass ich eine Frau bin. Ich will gar nicht in die „Frauenschublade“. Ich bin im sehr männerdominierten Finanzausschuss, weil ich davon überzeugt bin dass wir gerade in den harten Bereichen sensibilisieren müssen. Das Gender Budgeting im Finanzausschuss etwa möchte, dass die Ausgaben eines Staates aufgeschlüsselt werden nach frauen- und männerpolitischen Maßstäben. In Berlin funktioniert das bereits. So kann man sehen, was Politik für die Gleichstellung tut. Ein Beispiel: Wenn man sich etwa ansieht, was der Staat für öffentliche Verkehrsmittel und Autobahnen ausgibt, kann man eine Aussage über die Geschlechtergerechtigkeit treffen. Frauen nutzen beispielsweise mehr den ÖPNV. Wenn der Staat dann aber mehr in Autobahnen investiert, ist das nicht geschlechtergerecht. So kann man viele Haushaltstitel aufschlüsseln. Dafür stehe ich. Dr. Uta Kletzing: Und was man ja etwa von anderen Berliner Politikerinnen, wie Dilek Kolat lernen kann: Man sollte sich früh, in Netzwerken verbünden. Gerne auch mit Männern. 10 BERLINER STIMME

Text Christiane Benner & Regina Katerndahl Fotos Annette Hornischer / IG Metall & Christian von Polentz / transitfoto.de Schritt für Schritt nach vorn Nur mit Tarifverträgen, engagierten Betriebsräten und fortschrittlichen Gesetzen werden wir Gleichstellung erreichen LINKS Christiane Benner ist Zweite Vorsitzende der IG Metall Vor 100 Jahren haben Frauen in Deutschland das Wahlrecht für sich erkämpft. Das war ein wichtiger Schritt im Kampf für Gleichstellung, der auch heute noch lange nicht zu Ende ist. Ginge es im bisherigen Tempo weiter, würde es nach Berechnungen des Global Gender Gap Report 2017 weitere 100 Jahre dauern, bis Gleichstellung weltweit erreicht ist. So lange werden und wollen wir nicht warten! Darum erhöhen wir das Tempo. Knapp 680.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich 2017 an der Beschäftigten-befragung der IG Metall beteiligt. Ein Ergebnis war: Für Männer und Frauen ist es ein Kraftakt, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren. Viele Beschäftigte wünschen sich, ihre Arbeitszeit temporär absenken zu können. T I T E L BERLINER STIMME 11