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Berliner Stimme Nr. 2 2018

Text Dilek Kolat Foto

Text Dilek Kolat Foto Privat Berlin – Stadt der Frauen Drei Themen sind für die Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat besonders wichtig, damit Berlin eine Stadt der Frauen bleibt. „Was für ein Jahr für Feministen! Was für ein Jahr für ihre Hasser!“, schrieb die Süddeutsche Zeitung Anfang dieses Jahres in ihrem Rückblick auf das Jahr 2017. Frauen stehen auf – Frauen wehren sich, aber die Gegner der Gleichstellung von Frauen und Männern formieren sich ebenfalls. Die Debatte hat einen bislang nicht gekanntes Ausmaß und einen erschreckenden Radikalisierungsgrad erreicht: Frauen, die unter #metoo oder „Nein heißt Nein“ über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung – oder über Schlimmeres – berichten, werden verlacht oder gar bedroht. Es ist noch nicht lange her, dass Feminismus bei vielen als Schimpfwort galt. Und nun wird er sogar für Hetzte gegen Geflüchtete instrumentalisiert. Für mich ist heute aber Feminismus Ausdruck einer Geisteshaltung, die jedem Menschen wertschätzend entgegenblickt, egal woher er oder sie kommt oder an was er oder sie glaubt. P O S I T I O N 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist der Frauenanteil im Bundestag auf 31 Prozent gesunken. Angesichts dessen müssen wir Frauen besonders geschlossen dafür kämpfen, dass unsere gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben die Normalität wird. Leider ist das noch keine Selbstverständlichkeit. 20 BERLINER STIMME

LINKS Dilek Kolat ist Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und Kreisvorsitzende der SPD Tempelhof- Schöneberg Welche Themen müssen wir politisch besonders in den Fokus nehmen? Eines ist die Teilzeitarbeit: Sie ist Fluch und Segen zugleich. Insgesamt zwei Drittel aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Zum einen ermöglicht Teilzeitarbeit Frauen, am Arbeitsleben teilzunehmen und gleichzeitig Zeit für Kinder und zu pflegende Angehörige zu haben. Andererseits aber ist sie oftmals eine Falle, aus der Frauen schwer wieder herauskommen und die direkt in die Altersarmut führt. Wer seine Arbeitszeit vorübergehend reduziert, darf nicht ungewollt in der Teilzeit hängenbleiben. Für Beschäftigte des Landes Berlin gibt es ein Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeit, das haben wir im Landesgleichstellungsgesetz festgelegt. Letztlich müssen wir aber dafür sorgen, dass alle Teilzeitkräfte gefragt werden, ob sie ihre Arbeitszeit ausweiten wollen. Ich praktiziere das seit einigen Jahren in meiner Verwaltung. Das kommt gerade Frauen zugute. Ein zweites wichtiges Thema sind die Alleinerziehenden. Hier liegt der Frauenanteil bei knapp 90 Prozent. Sie müssen auf ihren individuellen Wegen unterstützt werden. Oft kommen hier viele verschiedene Problemlagen zusammen. Berlin baut dafür die erfolgreiche Hilfeinfrastruktur weiter aus und schafft Anlaufstellen in mehreren Bezirken. Unabdingbare Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ist ein Leben frei von Gewalt und mit der Möglichkeit, selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können. Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen bildet daher seit langem einen frauenpolitischen Schwerpunkt. Allein für Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen stellen wir im Doppelhaushalt 2018/19 des Landes Berlin 2,5 Mio. Euro mehr zur Verfügung. Diese drei Maßnahmen zeigen: Wir müssen geschlossen und solidarisch dafür kämpfen, dass Berlin die Stadt der Frauen bleibt. P O S I T I O N BERLINER STIMME 21