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Die Malteser-Zeitung 1/2019

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2019

MALTESER-Pilgerfahrt ins Heilige Land

Welttag der Armen

Integration durch Empowerment


INHALT

IMFOKUS

04 Malteser-Pilgerfahrt ins Heilige Land

06 Gedanken zum Wallfahren

09 „Wallfahren ist das Jahresservice für die Seele“

10 „Nächstes Jahr in Jerusalem!“

VORBILDER

12 Wirtschaft hilft

14 Franz Harnoncourt-Unverzagt: Demütig dienen

und beispielhaft vorangehen

MALTESERWELTWEIT

15 Weltweiter Kampf gegen Lepra

16 Grenzenlos helfen: Die Malteser in Tschechien

18 Nothilfe-Team bereit für den Einsatz

20 Wiederaufbau und Versöhnung

für die Menschen in der Ninewa-Ebene

04 16

23 Weltkindertag 2018

24 Internationale Netzwerk der Malteser-Jugend

25 Welttag der Armen

MEDIZINAKTUELL

26 Wenn zu viel Lärm krank macht

28 Exoskelett – Erstmals bahnbrechende Therapie

LEBENSWERT

30 „Der liebe Gott hat uns Feli nur geborgt“

32 „Standing Ovation“ – Mit der eigenen Erfindung

zurück ins Berufsleben

34 Roboter „vertritt“ kranke Kinder im Klassenzimmer

MALTESERORDEN

36 Neue Botschafterin beim Heiligen Stuhl und

beim SMRO

MALTESERÖSTERREICH

38 Berichte aus den Bundesländern:

Vielfältige Initiativen und Dienste

30

36

RUNDSCHAU

52 Integration durch Empowerment

53 Großzügige Hilfe des Landes Steiermark

54 Der Druck der Männlichkeit

55 Ein Fest für alle

56 Eine Fluchtgeschichte mit Happy End

57 Alter(n)sgerechteres Leben durch

„Mobilitäts-Scouts“

58 Mehr Zeit für freiwilliges Engagement

59 Gewärmt durch die Liebe, die zurückkommt

GELESENEMPFOHLEN

60 Interessante Neuerscheinungen

38 52

TAGEBUCH

65 Ehrung und Auszeichnung

66 Nekrolog

ÜBERBLICK

67 Termine und Kontakte

2

DIE MALTESER 1/2019


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“,

heißt es bei Matthias Claudius. Fragen wir uns: Was können

wir erzählen, wenn wir auf Wallfahrt gehen? Viele machen

sich auf, um ihre innere Ruhe zu finden. Das ist einfacher gesagt,

als getan, denn der Weg ist oft steinig und beschwerlich.

Leicht ist man verleitet, bei der ersten Schwierigkeit wieder

umzudrehen.

So entziehen wir uns auch auf unserem Lebensweg immer

wieder Schwierigkeiten, dem Unbekannten, oder hasten von

einem Ziel zum nächsten, um letztlich nirgendwo so richtig

anzukommen. Wir sind in unserer durchökonomisierten,

rationalisierten Welt stark auf Ziele fixiert, die wir mit möglichst

geringem Aufwand möglichst rasch erreichen wollen.

Dabei verlieren wir den Weg, unser Leben, aus den Augen.

Wie viel entgeht uns an wahrhaftem Erleben, an echten

Begegnungen mit Menschen, wenn wir uns immer nur auf

das Ankommen konzentrieren?

Versuchen wir, den Fokus auf das „Dazwischen“, den Weg,

zu legen. Bei einer Wallfahrt wie im ganzen Leben kommen

immer wieder Phasen der Anstrengung. Immer wieder gibt

es einen Punkt, an dem wir meinen, an unserer Grenze an-

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2,

Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: presse@malteser.at.

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren

dieser Ausgabe: Eugenio Ajroldi di Robbiate, Claudia Auzinger,

Sara Brandauer, Katharina Brandner, Susanna Cho, Ursula Czernin,

Edith Holzer, Franziska Honsowitz, Jörg Jakobljevich, Martina Kaps,

Naomi Kienreich, Markus Kirchschlager, Kristina Krumpholz, Lukas

Krupitza, Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Anton Kühnelt-Leddihn,

Stefanie Lanzdorf, Maria Lettner, Helmut Lutz, Georg Male, Melanie

Manner, Richard Mischak, Hansjörg Nagelschmidt, Stefan Pleisnitzer,

Martin Prohaska-Marchried, Georg Reichlin-Meldegg, Konstantin

Spiegelfeld, Richard Steeb, Miriam Weigel, Manuel Weinberger,

Susanne Wick, Thierry Zen Ruffinen, Elke Ziegler

Fotos: Farid Bouhatta, Katharina Brandner, Brotherhood of Blessed

Gerard, Ciomal, Hinterramskogler/dm, Emily Kinskey/Malteser

gelangt zu sein. Wir fühlen uns allein gelassen, sind verunsichert,

verzweifelt. Doch dann treffen wir andere Reisende,

die uns im Augenblick der Not wieder Kraft und Halt geben.

Das lässt uns mit neuem Mut weitergehen.

Das bevorstehende Osterfest ist ein wunderbares Beispiel

dafür: Nach dem Tod, einem Ende, folgt die Auferstehung,

ein Neubeginn. Am Ostermontag begegneten die Jünger

Jesus auf dem Weg nach Emmaus. Zuerst erkannten sie

ihn nicht, obwohl er mit ihnen ging und ihnen die gesamte

Schrift darlegte. Erst nachdem er mit ihnen bei Tische saß,

den Lobpreis sprach und das Brot brach, gingen ihnen die

Augen auf. Sie erkannten Christus und verkündeten die

Auferstehung des Herrn.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Osterfest.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

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Malta, PKPA, Franz Josef Rupprecht/kathbild.at, Katharina Schiffl/

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Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für

beiderlei Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050

Wien. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung

der Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: März 2019

DIE MALTESER 1/2019 3


IMFOKUS

MARANATHA

„UNSER HERR, KOMM!“

Unter diesem Motto reisten Ende November 2018 knapp 90 Pilger, darunter 13 im Rollstuhl, mit den MALTESERN ins

Heilige Land.

Von Manuel Weinberger

Israel, dieses einzigartige Land, die heiligsten Stätten

der Christenheit im Laufe unseres Lebens zu besuchen

– wenn auch nur einmal – war schon immer ein Ziel der

Christen. Speziell für uns Malteser ist es aber mehr – es

ist auch eine Reise zu unseren Wurzeln, eine Reise auf

den Spuren unseres Ordens. Vor nahezu 1000 Jahren

wurde in Jerusalem der Ursprung unseres Ordens gelegt.

In dieser außergewöhnlichen Stadt, in der gleich drei

Weltreligionen neben- und miteinander bestehen, wurde

mit dem damals größten Spital der Welt ein sichtbares

Zeichen der christlichen Nächstenliebe geschaffen. Sie ist

bis heute die Grundlage all unseres Tuns.

Dem Herren Kranken dienen

So kann auch das Motto der Wallfahrt – „Maranatha“ –

als Zeichen dieser Nächstenliebe verstanden werden. Es

heißt in der ersten Ordensregel, dass wir „dem Herrn

Kranken“ dienen sollen. Das ist ein Ziel, das bis heute

jeder Malteser verfolgt. Gemeint ist damit, dass wir den

Bedürftigen, gleich woher sie kommen, mit all unserer

Hingabe, all unserer Liebe, wie unserem Herrn dienen

sollen und wir – noch viel wichtiger – in jedem Menschen

ein Abbild Gottes, unseres Herrn, erkennen sollen.

Es war also selbstverständlich, dass auch auf dieser

Wallfahrt, wie auf jeder Fahrt mit den Maltesern, vielen

betreuungsbedürftigen Personen die Reise ermöglicht

wurde. Und gerade diese Reise war ein schönes Zeichen

dafür, welche Barrieren überwunden, welche Mauern

eingerissen werden können, wenn alle gemeinsam mithelfen,

das Unmögliche möglich zu machen. Denn die

bei uns vielgepriesene Barrierefreiheit und Fußläufig-

4

DIE MALTESER 1/2019


IMFOKUS

keit endet in Israel zwar noch nicht am Flughafen, aber

jedenfalls bei den Pilgerstätten danach. Sei es die Altstadt

von Jerusalem, die Geburtsgrotte in Bethlehem,

die Wüste beim St. Georgs-Kloster, die Taufstelle Jesu

am Jordan oder die Festung in Akkon – überall galt es,

zahlreiche Stufen, Engpässe oder sonstige Unwägbarkeiten

zu überwinden.

Eintauchen in eine andere Welt

Eine Fahrt ins Heilige Land ist eine Pilgerreise zu den

Heiligen Orten unseres Glaubens, von denen jeder seine

eigenen Vorstellungen hat: Nazareth, Bethlehem, der Ölberg.

Seit unserer frühesten Kindheit verbinden wir mit

diesen Orten Geschichten, Bilder, Empfindungen. Diese

spürbar und erfahrbar zu machen, war eines der Ziele unserer

Fahrt.

Eine Reise ins Heilige Land ist aber auch ein Eintauchen

in eine andere Welt, eine andere Kultur. Mit dem Rollstuhl

durch den Basar von Jerusalem oder Akkon ist

ein besonderes Erlebnis, das man so in Europa gar nicht

haben könnte. Die gemeinsamen Gebete und Messfeiern,

die tiefen, bedeutsamen Momente der Ruhe, des Eintauchens

in den Glauben, des Miteinander und Füreinander,

die vielen Köstlichkeiten der lokalen Küche, die zahlreichen

Sehenswürdigkeiten – es ist diese unvergleichliche

Mischung aus spirituellen und weltlichen gemeinschaftlichen

Momenten, die unsere Wallfahrt nach Israel immer

wieder aufs Neue unbeschreiblich und einzigartig gemacht

haben.

Dankbar für das Besondere

Wir durften in einer ganz besonderen Gemeinschaft bewegende

und gnadenreiche Tage im Heiligen Land verbringen,

die Atmosphäre der Orte auf uns wirken lassen,

unsere Sorgen und Anliegen mit Freunden teilen und

ihnen anvertrauen. Und wir dürfen dankbar sein für all

die Erfahrungen, Eindrücke und Begegnungen, die uns

– längst zurück in unserem Alltag – weiterhin begleiten

und erfüllen.

DIE MALTESER 1/2019 5


IMFOKUS

GEDANKEN ZUM WALLFAHREN

von Betreuern und Betreuten. Wir haben einige von ihnen gefragt, warum sie wallfahren. Ihre Antworten berühren und

laden zum Nachdenken ein.

„Wallfahren bedeutet für mich, mir bewusst

ein paar Tage Zeit zu nehmen, um mich

außerhalb des gewohnten Alltags gemeinsam

mit Anderen auf Gott zu konzentrieren.“

„Für mich ist das Besondere an einer

Malteser-Wallfahrt, dass sie nicht von unbekannten

Personen oder einem Reisebüro

organisiert wird, sondern von Maltesern,

die selbst ehrenamtlich in ihrer Freizeit bei

dieser Wallfahrt mitfahren.“

„An Malteser-Wallfahrten nehme ich gerne

teil, weil das schöne Gelegenheiten für mich

sind, den Glauben zu vertiefen und gleichzeitig

als Betreuer mitzuhelfen, dass auch

Menschen mit Krankheit oder Behinderung

an dieser Wallfahrt teilnehmen können.“

„Neben der perfekten Organisation der Reise

beeindruckt immer wieder, mit welchem

Engagement sich die Malteser um jeden

einzelnen kümmern und durch persönliche

Gespräche das Schicksal der Betroffenen

erleichtern.“

6

DIE MALTESER 1/2019

„Bei jeder Wallfahrt, an der ich bisher teilnehmen

durfte, konnte ich erleben, wie die

von uns betreuten Mitreisenden sich langsam

öffnen und aufblühen. Etwas Schöneres

gibt es gar nicht!“


IMFOKUS

„Verzeiht mir, wenn ich sage, dass mir eine

Wallfahrt an einen speziellen Ort nicht

so viel bedeutet – die äußeren Umstände

bedeuten mir wenig. Die Menschen und die

Gemeinschaft bedeuten mir dagegen sehr

viel!“

„Bei den Maltesern kann man auch mit einem

großen Hilfebedarf an einer Wallfahrt

teilnehmen. Die Gesellschaft der Malteser

strahlt sehr viel Menschlichkeit, Liebe und

Freude aus.“

Die spirituelle Begleitung lässt alle zu

einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

Gerade für Behinderte, die nicht mehr in

ein geregeltes Pfarrleben eingebunden sind,

bedeuten die regelmäßigen Messen, Gebete

und Lieder ein Wiedererleben religiöser

Erfahrungen.“

„Im Leben gibt es etwas, das über mich

hinausgeht, das größer ist als ich selbst

und mein eigener Horizont. Die Suche nach

Gott an Orten, die besondere Bedeutung für

den Glauben haben. So kommen Reise und

Wallfahrt zusammen.“

„Wallfahrten sind für mich die schönsten

Malteser-Dienste, vor allem weil hier so

deutlich wird, dass wir Malteser uns von

unseren Betreuten nicht unterscheiden.

Wir alle nehmen unser „Päckchen“ mit auf

eine Wallfahrt, kommen mit Anliegen und

Sorgen hin und erfahren viel Freude.“

„Wallfahren bedeutet für mich Dank

sagen und bitten.“

DIE MALTESER 1/2019 7


IMFOKUS

MORITZ RÖTTINGER, EIN MALTESER, ZUR FRAGE: WALLFAHREN – WARUM?

„Wir sind ständig unterwegs, auf dem Weg, unserem Lebensweg.

Pilgern – Wallfahren – ist Unterwegs-Sein,

sich einlassen auf den Weg, auf die Reise“, antwortet

Moritz Röttinger auf diese schlichte Frage. „Wie das

Leben ein göttliches Ziel und einen Endpunkt hat, so hat

auch eine Wallfahrt ein Ziel. Und wenn wir auf unserem

Lebensweg oder zumindest in der täglichen Routine

unser letztliches Ziel – Gott – bisweilen vernachlässigen, so

ist eine Wallfahrt das geeignete Mittel, sich auf dieses Ziel zu

konzentrieren, die Begegnung mit Gott intensiver als sonst

zu suchen, das Unwichtige und oft Überschätzte beiseite zu

lassen, sich von allem störenden Ballast zu trennen und den

Weg mit Gott bewusst zu gehen.“

Für Moritz Röttinger ist Pilgern aber nicht nur Innehalten:

„Pilgern ist auch nach vorne schauen und den richtigen

Weg suchen. Pilgern ist in erster Linie die Begegnung

mit dem Herrn, das Sich-Einlassen auf ihn ohne

die Ablenkungen unseres Alltags, das Hören auf den

Herrn. Wallfahren ist Besinnung und Gebet, Wallfahren

ist auch das Teilen von Sorgen und Freuden, das Zuhören

und Stützen der Mitpilger, die Freude an der Gemeinschaft.

Wo zwei oder drei Pilger in Gottes Namen beisammen

sind, ist es weniger wichtig, das Ziel der Wallfahrt

zu erreichen, als den Weg gut zu pilgern. Das ist auch der

Unterschied zur Wanderung oder zur Fernreise.“

Und einen wichtigen praktischen Punkt spricht Moritz

Röttinger zum Abschluss an: „Wallfahren braucht Zeit und

Geduld – Zeit zum Eintauchen und Vorbereiten, Zeit zum

Besinnen und (Eucharistie) Feiern, Zeit zum Danken und

Zeit zur Rückkehr in den Alltag. Wir sind keine Mönche oder

Nonnen, die ihr Leben ganz und ausschließlich Gott zur Verfügung

gestellt haben, deren ganzes Leben Pilgern ist. Umso

mehr hilft uns eine Wallfahrt, Kraft und Freude zu schöpfen,

Vertrauen und Liebe zu tanken, Gott zu loben und uns wieder

auf den Herrn auszurichten. Und manchmal gibt es auch

besondere Höhepunkte und Fügungen für das ganze Leben

– es ist schon vorgekommen, dass man auf einer Pilgerfahrt

seinen Ehepartner findet.“

„Land der Mönche“

eine Pilgerreise nach Schottland

www.myhighlands.de

Von 27. August bis 3. September 2019

veranstaltet die Delegation Kärnten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens diese von

Monsignore Emmanuel Longin geistlich begleitete Reise. Es sind noch Restplätze frei.

Auskunft: Simone Pargfrieder/Moser Reisen • Tel. 0732 / 2240 - 16 • E-Mail: pargfrieder@moser.at

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DIE MALTESER 1/2019


IMFOKUS

„WALLFAHREN IST

DAS JAHRESSERVICE FÜR DIE SEELE“

Auf einer Wallfahrt haben wir die Chance, Abstand zum Alltag zu gewinnen und zu einem Gebet zu finden. Beten ist

dabei nicht das Aufsagen von Texten, sondern das Gespräch mit Gott und seinen Heiligen.

Von Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Eine Wallfahrt ist eine Gelegenheit, einen besseren Überblick

über das eigene Leben zu gewinnen, das Leben zu

ändern – es muss ja nicht gleich radikal sein, oft genügt

eine Kurskorrektur. Wenn wir unsere gewohnte Umgebung

verlassen und uns auf den Weg machen, dann kann

eine Wallfahrt einen Neuanfang mit wenig Altlasten bringen.

Wir dürfen allerdings nicht auf Pilgerreise gehen,

um ein Wunder, ein Zeichen zu sehen, damit wir glauben

können. Es gibt auch unter den Kranken einige, die fest

mit einem großen Wunder an sich selbst rechnen, die mit

Gott um dieses Wunder streiten und dann auf ihn schlecht

zu sprechen sind, wenn es nicht eintritt. Vielmehr sind

es die kleinen Wunder: Die Begegnung mit besonderen

Menschen, die Erleichterung, die sich breit macht nach

dem Abladen der Sorgen am Wallfahrtsort, die Erkenntnis,

dass die eigenen Probleme im Angesicht der größeren

Probleme des Nächsten an Bedeutung verlieren, weil wir

Gottes Heilsplan einfach nicht durchschauen können.

Sich selbst annehmen

Der Herr selbst hat uns das Gebot „Liebe Deinen Nächsten,

er ist wie Du“ gegeben. Pinchas Lapide schreibt: „Wie soll

man aber den Nächsten lieben, wenn man sich selbst

nicht liebt, wenn man mit sich selbst unzufrieden ist?

Sich selbst annehmen heißt „ja“ zu sich sagen, obwohl

man so ist, wie man ist und eigentlich gar nicht sein

möchte. Sein Versagen eingestehen und dennoch weder

in Schuldgefühlen noch in Selbstmitleid ertrinken; seine

Körpergestalt und seine Anlagen ertragen und von dem

heldenhaften Wunschbild Abschied nehmen, das man

von sich selbst entworfen hat; die Richtung und die

Grenzen der eigenen Begabung erkennen und nichts Unmögliches

von sich verlangen, denn Selbstüberforderung

kann rasch in Selbstverachtung münden, die letztendlich

alles Lieben verlernen lässt.“

Aufbrechen, um weiterzukommen

Wallfahrt ist eine Zeit, um sich über sein Leben klar zu

werden, eine Zeit zur Aussprache mit Freunden, aber natürlich

in erster Linie mit Gott – sei es im Gebetsgespräch

oder mit seinem Mittelsmann, dem Priester. Wallfahrt ist

ein Danke und ein Bitte, sie bringt Zufriedenheit. Wallfahren

ist ein Jahresservice für die Seele. All das und noch

viel mehr steckt in der Wallfahrt. Aber am Beginn muss

die Bereitschaft zum Aufbruch stehen, nur dann kann

man auch weiterkommen.

DIE MALTESER 1/2019 9


IMFOKUS

„NÄCHSTES JAHR

IN JERUSALEM!“

In Jerusalem erlebt man die Gläubigen der drei monotheistischen

Religionen, die dieselbe Stadt aufsuchen und dort zu unterschiedlichen

Orten gehen, um durch Gott ihr Leben erneuern zu lassen.

Von Konstantin Spiegelfeld

„Nächstes Jahr in Jerusalem!“ ist der traditionelle

Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends und des

Versöhnungstags Jom Kippur. In allen Kulturen der Welt

gibt es Stätten, Orte des Heils, die Menschen aller Zeiten

aufsuchten und hofften, damit ihren Lebensweg günstig

zu beeinflussen. Im ersten Bund des Volkes Israel war es

Pflicht, dreimal im Jahr zu Fuß nach Jerusalem zu gehen.

Auch die Heilige Familie hielt sich an diesen Brauch. Er erinnerte

das Volk Israel an sein unstetes Nomadenleben in

der Folge Abrahams und an das Umherirren in der Wüste,

wo Gott Mose unterwies. Im Islam gibt es den Haddsch

als eine der vorgeschriebenen Wallfahrten zur Kaaba in

Mekka. Hindus suchen bekannterweise Städte entlang

des Ganges auf, etwa Varanasi. Buddhisten pilgern zu den

Heiligen Stätten des Lebens von Buddha.

Eine besondere Form des „Peregrinus“-Gedankens

Wie aber hat sich die katholische Wallfahrt entwickelt?

Die ersten Apostel, besonders der Heilige Paulus, haben

große Distanzen überwunden, Gefahren auf sich genommen,

um die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verbreiten,

zu verkünden und zu bezeugen. Seit dem ersten

Jahrhundert waren die Gräber der Apostel, vor allem

in Rom, Ziel von Wallfahrten. Später haben iroschottische

Asketen vom sechsten bis zum achten und im elften

Jahrhundert auf ihren lebenslangen Wegen durch

West- und Zentraleuropa eine ganz besondere Form des

„Peregrinus“-Gedankens verwirklicht, nämlich die einsame

Pilgerschaft des Fremdseins auf Erden um Christi

Willen.

Ein bedeutender Einschnitt entstand in der ersten Hälfte

des elften Jahrhunderts. Die hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse

Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum

Jakobusgrab in Santiago de Compostela in Galicien führt,

wird als Jakobsweg bezeichnet. 1211 wurde die große

Kathedrale geweiht. Im Mittelalter pilgerten unzählige

Menschen auf den vielen Wegen quer durch Europa nach

Spanien. Die Jakobsmuschel wurde zum wichtigsten Erkennungszeichen

dieser Pilger. Diese Bewegung hatte für

die kirchliche, geistige und kulturelle Entwicklung des

Kontinents eine enorme nachhaltige Bedeutung. Ab 1970

wurden die Pilgerrouten wiederbelebt.

Betreutes Wallfahrts- und Prozessionswesen

Nachdem in der Zeit der Reformation alle Prozessionen,

Reliquienkulte und Ablasstage in Europa in Frage

gestellt und zum Teil verboten wurden, stellte die katholische

Kirche in der katholischen Gegenreformation

ein gezielt betreutes Wallfahrts- und Prozessionswesen

in den Dienst der Volkskatechese und des öffentlichen

Bekentnisses des katholischen Glaubens. Nach teilweisen

Verboten von Wallfahrten, etwa durch Kaiser Joseph II.,

ist seit dem 19. Jahrhundert wieder ein steter Anstieg

der Pilgerreisen und Wallfahrten zu beobachten. Zahlreiche

Marienwallfahrtsorte, wie zum Beispiel Mariazell,

10

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

Guadalupe, Fatima, Lourdes, Kevelaer, Tschenstochau

oder Medjugorje, üben teilweise durch vorangegangene

Marien-Erscheinungen oder Gnadenbilder und Gnadenstatuen

eine enorme Anziehungskraft aus.

Was steht heute im Mittelpunkt? Wir alle sind suchende

Menschen, die für ihr Leben und das Leben der Mitmenschen

Heil für Seele und Leib suchen. Das Verständnis

unseres Menschseins ist geprägt von einem Ursprung

– jeder und jede ist von Gott geliebt und gewollt – und

einer Ausrichtung auf die letzte Erfüllung, das Ziel, bei

Gott zu Hause zu sein. Auf dieser Welt sind wir auf „Wanderschaft“,

auf der uns Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die

Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6). Himmlische Freunde,

die Mutter Gottes Maria, Heilige, Engel, Frauen und

Männer begleiten uns.

Sich in innerer Freiheit zum Guten entscheiden

Als Malteser entdecken wir immer wieder, wie beglückend

es sein kann, mit Betreuten unterwegs zu sein, wenn wir

einander Ermutigung, Ermöglichung und Stütze auf dem

Weg sind und füreinander sorgen. Gott kann uns durch

die Vergebung, durch das vertrauensvolle Gebet, das stille

Verweilen, das Hören auf ihn, die Feier der Eucharistie,

die Gemeinschaft der Kirche und vieles mehr befähigen,

uns in voller innerer Freiheit zum Guten zu entscheiden

und auf diese Weise zum Segen für andere Menschen zu

werden. Dadurch sind wir selbst glückliche Menschen!

PSALM 122:

EIN LIED ZUR WALLFAHRT

NACH JERUSALEM

Ich freute mich, als man mir sagte:

„Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“

Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:

Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut

und fest gefügt.

Dorthin ziehen die Stämme hinauf,

die Stämme des Herrn,

wie es Israel geboten ist,

den Namen des Herrn zu preisen.

Denn dort stehen Throne bereit für

das Gericht, die Throne des Hauses David.

Erbittet für Jerusalem Frieden!

Wer dich liebt, sei in dir geborgen.

Friede wohne in deinen Mauern,

in deinen Häusern Geborgenheit.

Wegen meiner Brüder und Freunde

will ich sagen: In dir sei Friede.

Wegen des Hauses des Herrn,

unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen.

DIE MALTESER 1/2019 11


VORBILDER

SOZIALES ENGAGEMENT

MIT DOPPELTEM MEHR-

WERT

Die eigenen Mitarbeiter aktiv in nachhaltige Aktivitäten außerhalb des

Unternehmens einzubinden, birgt enormes Potenzial für unsere Gesellschaft

und erhöht die Motivation der Mitarbeiter.

Von Anton Kühnelt-Leddihn

STEIERMARK

GRAZER FAMILIEN-

UNTERNEHMEN

RÄDER NAIS

SPENDIERT NEUE

WINTERREIFEN

Lokal ist es uns bei Philips Austria wichtig, dass wir – über die finanzielle

Unterstützung hinaus – auch selbst aktiv werden. So war es möglich,

dem Hilde Umdasch Haus ein modernes Patienten-Monitoring

zur Verfügung zu stellen. Dazu haben sich unsere Service-Mitarbeiter

neben ihren beruflichen Aufgaben ehrenamtlich um die

Installation gekümmert.

Beeindruckt, begeistert, berührt

Ein besonderes Highlight für zehn Mitarbeiter war die Teilnahme

am Internationalen Malteser Sommercamp 2017 in Salzburg. Als

freiwillige Helfer haben sie hier die außergewöhnliche Arbeit der

Malteser und die völlig neuen Begegnungen erlebt. Die Rückmeldungen

waren unglaublich – begeistert, berührt, vor allem aber nachhaltig

beeindruckt. Ein Unternehmen, das sozial verantwortlich sein

möchte, sollte deshalb immer versuchen, die eigenen Mitarbeiter zu

involvieren. Das Potenzial ist groß, die Freude und Begeisterung sind

oft noch viel größer.

Sicherheit auf der Straße ist das Um und

Auf für Rettungsfahrzeuge, und ohne gute

Reifen ginge das nicht. In einer großzügigen

Sponsoring-Aktion wurden dem Rettungsauto

der Malteser in der Steiermark brandneue

Winterreifen erster Klasse spendiert

und gleich aufgezogen. Dadurch war für die

rein ehrenamtliche Sanitäts- und Behindertenarbeit

der Malteser in der Steiermark in

diesem Winter eine sichere Fahrt gewährleistet.

12

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

dm UNTERSTÜTZT

DIE MALTESER KINDERHILFE

Viele Unternehmen engagieren sich in der Gesellschaft und erreichen damit Gutes. Dieses Engagement ist unverzichtbar, aber

oft zeitlich begrenzt und an Kampagnen gebunden. Nicht so bei dm.

Von Sara Brandauer

Wie schafft es ein Unternehmen, vorbildliches Wirken

dauerhaft in der Gesellschaft zu verankern? Wie schafft

es ein Unternehmen, dass sich Mitarbeiter oder Kunden

auch privat für eine Initiative einsetzen? „Mit Projekten,

die das persönliche Engagement der Menschen – insbesondere

der Mitarbeiter und Kunden – anregen und unterstützen“,

ist dm-Geschäftsführer Harald Bauer überzeugt.

„dm {miteinander}“ und der „mehr vom leben tag“

Miteinander mehr erreichen – das ist das Ziel aller Initiativen

unter dem {miteinander} Dach von dm drogerie

markt. Unterstützt werden vor allem Projekte im Umfeld

von dm Filialen. „Wir wählen Themen und Anliegen, die

unseren Kunden und Mitarbeitern besonders nahestehen.

So schaffen wir persönliches Interesse und haben

gemeinsam bereits viel erreicht“, so Harald Bauer zur

Auswahl von {miteinander} Initiativen.

Ergänzend erhalten dm Mitarbeiter einmal im Jahr einen

zusätzlichen bezahlten Urlaubstag: Den „mehr vom leben

tag“, an dem sie sich für ein soziales oder ökologisches

Projekt einsetzen können. Dieser Tag wird oft im

Rahmen von {miteinander} Projekten genutzt. Eines

davon ist beispielsweise der Kinderhilfelauf zugunsten

des Hilde Umdasch Hauses der Malteser Kinderhilfe in

Amstetten.

Unterstützung für das Hilde Umdasch Haus

Die Kooperation mit dem Hilde Umdasch Haus besteht

seit Beginn der {miteinander} Initiative, die 2016 anlässlich

des 40-jährigen Firmenjubiläums von dm ins

Leben gerufen wurde. Im vergangenen Jahr unterstützte

dm das Hilde Umdasch Haus als finanzieller Partner

für den Lauf der „Knirpse U8“ und durch den tatkräftigen

Einsatz zahlreicher Mitarbeiter vor Ort. Die Filialmitarbeiterinnen

der dm Filialen in Amstetten versorgten

die Kinder und Sportler entlang der Strecke mit Getränken,

frischem Obst und selbstgebackenem Kuchen.

Sie nutzten für die Unterstützung des Kinderhilfelaufes

ihren „mehr vom leben tag“ und engagieren sich seither

immer wieder auch privat für das Projekt – eine gelungene

Verbindung aus unternehmerischer Verantwortung,

die in privates Engagement mündet.

Die MALTESER sagen danke!

Dass sich Unternehmen wie dm für die Kinderhilfe engagieren,

ist nicht selbstverständlich. An dieser Stelle

daher nochmal ein großes Dankeschön der Malteser für

die wunderbare Unterstützung! Wir denken, dass dieser

außerberufliche, freiwillige Einsatz der dm Mitarbeiter

auch einen wertvollen Beitrag im Unternehmen leisten

kann, indem die Motivation der Mitarbeiter und das

Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen gestärkt wird.

DIE MALTESER 1/2019 13


VORBILDER

DEMÜTIG DIENEN

UND BEISPIELHAFT

VORANGEHEN

Franz Harnoncourt-Unverzagt

Porträt eines Vorbilds: Kaum ein anderes Mitglied unseres Großpriorats war in den vergangenen Jahrzehnten in so vielen verantwortungsvollen

Funktionen für den Malteserorden tätig wie Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt.

Der ausgebildete Jurist und erfolgreiche Wirtschaftsmanager

ist seit 1983 Mitglied des Ordens und hat

seither zahlreiche leitende Positionen innerhalb der

Gemeinschaft bekleidet. Unter anderem diente er

als Rezeptor des Großpriorats von Österreich, war

Präsident des Communication Boards und des Rechnungshofs

in Rom und ist bis heute Mitglied im Regierungsrat

beim Großmagisterium in Rom. Zahlreiche

Auszeichnungen begleiten seinen Weg. Zuletzt wurde

dem Oboedienz-Ritter 2015 das Großkreuz „Pro

Merito Melitensi“ verliehen, 2017 wurde er in den

Rang eines Bailli erhoben.

„Franz Harnoncourt-Unverzagt ist einer jener weltoffenen

und direkten Menschen, denen es sofort gelingt, mit Anderen

in Kontakt zu treten. Wegen seines wachen Geistes, seines

wirklichen Interesses am Gegenüber und seiner einnehmenden

und aufrichtigen Art wird er allseits sehr geschätzt. Besonders

zeichnet ihn aus, dass er immer für die Menschen und für ein

gedeihliches Miteinander eintritt. Sein tiefer Glaube und

seine Familie bieten ihm bei seinem vielfachen Engagement

in Wirtschaft, Kultur, in der Öffentlichkeit und beim Malteserorden

Zuversicht und Rückhalt. Den Malteserorden hat er

über Jahrzehnte in hohen Leitungsfunktionen in Österreich

und in Rom mitgeprägt, und dankbar dürfen wir auf seinen

Rat und seine Erfahrung auch heute noch bauen.“

Norbert Salburg-Falkenstein, Prokurator

Begeistert für den Dienst am Nächsten

Dass sich Franz Harnoncourt sein ganzes Leben intensiv

in den Malteserorden einbringen würde, war ihm praktisch

in die Wiege gelegt – waren doch schon sein Ur-Ur-

Großvater und sein Großvater im Dienst der Malteser

tätig. Auch sein Vater war für die Bedürftigen im Einsatz,

wenngleich nicht bei den Maltesern, sondern im Auftrag

der Ritter vom Heiligen Grab. Für Kuno Spiegelfeld, damals

Malteser-Delegat für die Steiermark, war es also Anfang

der 1980er Jahre ein Leichtes, Franz Harnoncourt

für den Orden zu gewinnen. „Kunos gelebtes Beispiel im

Dienst an den Armen und Kranken hat mich überzeugt

und begeistert“, erinnert sich Harnoncourt.

Aus dieser Begeisterung entwickelte sich ein völlig

neuer Lebensabschnitt, kamen doch von nun

an sehr verantwortungsvolle und fordernde Verpflichtungen

auf den gebürtigen Grazer zu. Dabei

hat Harnoncourt niemals das Wichtigste aus dem

Blick verloren – nämlich der klaren Aufgabe des

Ordens, den Charismen „Tuitio fidei et obsequium

pauperum“, gerecht zu werden.

Eine Reform von unten

Neben dem Bezeugen des Glaubens und der Hilfe

für Bedürftige liegt dem Malteser ein weiterer

Aspekt am Herzen. „Wir müssen ganz besonders

auf die Entwicklung unserer Ordensmitglieder

achten. Das sollte auch ein wichtiger Bestandteil

der Ordensreform sein. Jedes Ordensmitglied

14

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

sollte die Reform zuerst bei sich selbst in

Angriff nehmen. Wenn wir „bottom up“ reformieren,

und vor allem das von Ordensprälat

Monsignore Laffitte vorbereitete Gebet

täglich beten, 13.500 Ordensmitglieder

im gleichen Anliegen mit den gleichen

Worten vereint, gibt das unserer so großartigen

Gemeinschaft gewaltige Kraft zur Erneuerung“,

sagt Harnoncourt eindringlich.

Der hochrangige Malteser weiß genau, wovon

er spricht. Im Zuge seiner Visitationen

in den vergangenen fünf Jahren und der

vielen Seminare, die er in den letzten fast

20 Jahren mitorganisieren und -gestalten

durfte, seien ihm doch auch Ordensmitglieder

überall auf der Welt begegnet, denen

nicht klar gewesen ist, worauf sie sich eingelassen

hatten. Harnoncourt: „Da müssen

wir noch viel unternehmen und demütig

dienen. Wir müssen unseren Ordensbrüdern

und Ordensdamen beispielhaft vorleben,

was unser Ordensauftrag ist, und sie

auf diesem Weg mitnehmen in brüderlicher

Gemeinschaft.“

WELTWEITER KAMPF

GEGEN LEPRA

Lepra, so sollte man meinen, sei längst ausgestorben. Leider ist dem nicht

so. Das Internationale Komitee des Malteserordens gegen Lepra, kurz CI-

OMAL, kämpft nach wie vor gegen diese Krankheit.

Von Thierry Zen Ruffinen, Präsident der CIOMAL-Stiftung

CIOMAL wurde im Jahr 1958 im Anschluss an eine vom Großmagisterium

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens organisierte internationale

Konferenz ins Leben gerufen. Ziel der Konferenz: Die Verteidigung

und soziale Rehabilitierung von Leprakranken. 1966 war

CIOMAL eines der Gründungsmitglieder der Internationalen Vereinigung

der Leprakrankenverbände (ILEP). Der Dachverband koordiniert

weltweit 15 Organisationen, die in insgesamt 67 Ländern aktiv sind.

Herz und Sinne offen halten

Durch seine verschiedenen Funktionen im

Großpriorat von Österreich und im Großmagisterium

in Rom habe Harnoncourt

mehr und mehr erkannt, wie wichtig und

erfolgreich der Orden weltweit im Kampf

gegen die acht Elende ist, und über welch

großes Potential die Malteser verfügen, um

an vorderster Stelle zu helfen, zu lindern,

zu trösten, neue Kraft zu spenden. „Es gibt

keinen Bereich auf der Welt, in dem nicht Not

und Elend auftreten können. Wir müssen

das Herz und alle Sinne offen halten, ganzheitlich

denken und wirken, im privaten wie

im beruflichen Leben“, bringt es Harnoncourt

abschließend auf den Punkt.

Beispiel Kambodscha

CIOMAL finanziert und verwaltet – im Einverständnis mit der Regierung

des jeweiligen Landes – Projekte zur medizinischen Betreuung,

DIE MALTESER 1/2019 15


MALTESERWELTWEIT

sozialen Rehabilitierung und Ausbildung des

behandelnden Personals. Einer dieser Projektschauplätze

ist Kambodscha. Dort betreibt

CIOMAL eine Anlaufstelle zur Früherkennung

der Leprakrankheit, um die irreversiblen

Folgeschäden so weit wie möglich zu vermeiden.

Die Erkrankten werden professionell behandelt

und mit individueller Physiotherapie

versorgt. Bei Bedarf werden Prothesen bzw.

Orthesen angepasst.

Soziale und wirtschaftliche Reintegration

Über CIOMAL haben Lepra-Patienten, die

oftmals von der Gesellschaft ausgegrenzt werden,

die Möglichkeit, sich wieder in ihre lokalen

Gemeinschaften einzugliedern und einer

Arbeit nachzugehen. CIOMAL unterstützt die

berufliche Grundausbildung und die Entwicklung

von wirtschaftlichen Mikroaktivitäten.

Seit Ende 2018 hat CIOMAL Beraterstatus

beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten

Nationen (ECOSOC).

Nähere Informationen: http://ciomal.org

Was ist Lepra?

Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit,

die durch Bakterien ausgelöst

wird. Bei dieser Krankheit sterben die

Nerven ab, Arterien und Venen verstopfen

durch eine Verdickung des Blutes. Die

Erkrankten verlieren meist das Gefühl

für Kälte, Wärme und Schmerz, weshalb

Wunden oft unbehandelt bleiben. In der

Folge können sich die betroffenen Körperteile

entzünden und absterben. Die

Krankheit ist nur schwach ansteckend.

Die Ursache für Neuerkrankungen liegt

zumeist in mangelnder Hygiene, Unterernährung

und einem geschwächten

Immunsystem.

GRENZENLOS HELFEN:

Unter dem Titel „Grenzenlos helfen“ berichten wir ab sofort regelmäßig

über das Engagement der MALTESER in anderen Ländern.

Gerade der Blick über den lokalen und nationalen Tellerrand hinaus

kann uns helfen, unsere Gemeinschaft weiter zu stärken, neue

Impulse für unsere Arbeit zu gewinnen und neue Freundschaften zu

knüpfen. Diesmal im Porträt: Die MALTESER in Tschechien.

Von Ursula Czernin

Ein Schlüsseljahr in der Geschichte der böhmischen Malteser war 1938.

Beim Versuch, das tschechoslowakische Ordensvermögen vor den

Nazis zu schützen, wurde das altehrwürdige Großpriorat Böhmen

in die zwei unabhängigen Großpriorate Böhmen und Österreich geteilt.

Die bitteren Jahre des zweiten Weltkrieges und die Herrschaft

des Kommunismus überdauerten die Großpriorate im Exil. Als das

Jahr 1989 den Fall des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei

einleitete, begannen in Prag fast augenblicklich die Vorbereitungen

zur Wiederaufnahme der Tätigkeiten des Malteserordens.

Neben der Erneuerung der diplomatischen Beziehungen und der Sorge

um die Restitution und Verwaltung des Prager Palais und der Kirche

wurde umgehend mit den karitativen und humanitären Aktivitäten

des Ordens begonnen. Der Anfang war schwierig, vor allem die Entwicklung

der professionellen und Freiwilligenarbeit. So waren die ersten

Jahre nach der samtenen Revolution von ebenso viel Enthusiasmus

wie von Rückschlägen geprägt.

Zuverlässig und kompetent

Mehr als 25 Jahre später wachsen die Werke des Großpriorats nun

stetig. Ziel ist es, sich in der Bevölkerung und bei den staatlichen Behörden

weiterhin als zuverlässiger, kompetenter Partner zu etablieren.

Mittlerweile sind innerhalb des Großpriorats viele verschiedene

Hilfsorganisationen und Freiwilligengruppierungen erfolgreich tätig.

Hier ein kleiner Überblick:

Die Malteser Hilfe (Maltézská Pomoc) ist die wichtigste und größte

Hilfsorganisation. 2017 verfügte die Maltézská Pomoc über 215

Angestellte und 499 Freiwillige, die sich in zwölf Zentren in Prag, in

der Mittelböhmischen Region und in Mähren der Arbeit mit Menschen

mit Behinderungen, älteren Menschen, Obdachlosen und sozial

schwachen Familien am Rande der Gesellschaft widmen.

16

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

DIE MALTESER IN TSCHECHIEN

Die Böhmische Malteser Hilfe (Česká Maltézská

Pomoc), die Schwesternorganisation der Maltézská

Pomoc, ist seit den Neunzigerjahren in Südböhmen

für Senioren und sozial schwache Familien tätig. Eine

ihrer wichtigsten Aufgaben ist der tägliche Transport

von Kindern mit Behinderungen in Sonderschulen und

Tagesstätten.

• Programm für christliche Flüchtlinge aus dem Irak:

Trotz oder gerade wegen des politischen Unwillens in

Tschechien, sich aktiv mit der Flüchtlingsproblematik

auseinander zu setzen, leitet das Großpriorat ein Pilotprojekt,

in dem 22 christliche Flüchtlinge aus dem Irak

betreut werden.

• Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft – in der

Kirche, in der Gesellschaft und im Orden. Immer wieder

weist die Ordensleitung auf diese Tatsache hin, ebenso

wie auf die Notwendigkeit, mit jungen Menschen zu arbeiten

und ihnen im Charisma des Ordens und in seiner

Spiritualität Sinn und Ausrichtung für ihr eigenes

Leben zu bieten. Aus diesem Grund ist das Großpriorat

auch Träger von drei Schulen. In der Grundschule in

Kladno, im Gymnasium in Skuteč mit einer angeschlossenen

Berufsschule für Sicherheitskräfte sowie in der

Höheren Fachschule für Krankenpflege in Prag wird

größter Wert auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung

gelegt.

• Im Lichte der verstärkten Jugendarbeit ist auch die im

Vorjahr gegründete Malteser Jugend (Česká Maltézská

Mládež) zu sehen, die eine Dachorganisation für alle

von jungen Ordensmitgliedern und Freiwilligen initiierten

Projekten darstellt. Mit Enthusiasmus und Einfallsreichtum

entwickeln die Mitglieder der Malteser

Jugend immer neue Aktivitäten, um ihren kranken und

bedürftigen Altersgenossen jede erdenkliche Hilfe zu

bieten.

• Initiativen der Ordensmitglieder: Wallfahrten, die Verantwortung

für die Krankenhaus-Seelsorge am Universitätsklinikum

Vinohrady in Prag, der Begleitdienst

bei großen kirchlichen Veranstaltungen sowie das

Ausschenken von Suppe an die Obdachlosen in Prag

während der Wintermonate tragen dazu bei, dass der

Malteserorden sowohl in der Kirche als auch im Land

präsent und sichtbar wird und bleibt.

Nähere Informationen:

http://cvp.maltezskyrad.cz

DIE MALTESER 1/2019 17


MALTESERWELTWEIT

MALTESER INTERNATIONAL

NOTHILFE-TEAM BEREIT FÜR DEN EINSATZ

Mit dem internationalen humanitären Hilfswerk Malteser International setzen sich die MALTESER auch weltweit für Menschen

in Not ein. Aktuell betreut Malteser International Hilfsprojekte in 29 krisengebeutelten Ländern in Afrika, Asien, Latein- und

Südamerika sowie Europa.

Von Susanna Cho

Mehr als 900 internationale Experten sorgen in den verschiedenen

Programmen weltweit für ein besseres Leben,

insbesondere durch eine verbesserte Grundversorgung

in den Bereichen Medizin und Gesundheit, Ernährung

sowie Wasser und Hygiene. In vielen Ländern arbeitet

Malteser International eng mit lokalen Partnerorganisationen

zusammen, um von ihren Kenntnissen der

örtlichen Besonderheiten zu profitieren und um die Hilfe

auch langfristig vor Ort zu verankern.

Bei akuten Naturkatastrophen und gewaltsamen Konflikten

kann Malteser International schnell und effektiv

Nothilfe zu den Menschen bringen. Viele der über 100

Projekte weltweit sind jedoch langfristig angelegt und

zielen darauf ab, die Kapazitäten der lokalen Gemeinden

nachhaltig zu stärken.

nach dem Ausbruch einer Epidemie – Unterstützung von

Malteser International anfordern kann.

Das EMT besteht aus Ärzten, Pflegern, Hebammen, Logistikern

sowie Experten für Wasser und Hygiene. Die für

den Katastropheneinsatz entwickelte Zeltklinik und das

Equipment entsprechen der Klasse „EMT Type 1 Fixed“:

In nur wenigen Stunden aufgebaut, können in der Klinik

rund 100 Patienten täglich versorgt werden. Spätestens

72 Stunden nach einer Anfrage durch die WHO kann das

Team im Katastrophengebiet eintreffen. Die Helfer sind

zwischen vier und acht Wochen im Einsatz. In den ersten

kritischen Tagen sind sie darauf geschult, sich autark

versorgen zu können, damit die lokalen Strukturen nicht

zusätzlich belastet werden.

Nach dem verheerenden Erdbeben 2010 in Haiti hatte

eine Arbeitsgruppe der WHO Minimumstandards für medizinische

Teams entwickelt, um die Qualität und Koordination

medizinischer Nothilfe-Einsätze zu verbessern.

Seit der Veröffentlichung dieser Minimumstandards im

Jahr 2015 können medizinische Teams ihre Qualitätsstandards

von der WHO überprüfen und zertifizieren

lassen. Malteser International ist weltweit das 22. zertifizierte

medizinische Nothilfe-Team.

WELTGESUNDHEITSORGANISATION

Medizinisches Nothilfe-Team einsatzbereit

Das medizinische Nothilfe-Team von Malteser International

(Emergency Medical Team, EMT) ist seit der

Zertifizierung durch die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) im November vollständig einsatzbereit. Mit der

Zertifizierung wurde das EMT Mitglied im medizinischen

Nothilfe-Pool der Vereinten Nationen, so dass die WHO

im Fall einer Naturkatastrophe – wie zum Beispiel nach

einem Tsunami, einem Erdbeben, einer Überflutung oder

INDONESIEN

Tsunami-Nothilfe kurz vor Weihnachten

Nur knapp drei Monate nach dem schweren Erdbeben und

Tsunami Ende September 2018 wurden Teile Indonesiens

erneut von einem Tsunami überrollt. Der Tsunami, der

dieses Mal kurz vor Weihnachten durch einen Vulkanausbruch

und einen darauffolgenden Erdrutsch unter

Wasser ausgelöst wurde, forderte 437 Tote. Er war ohne

Vorwarnung über Küstenregionen und Touristenstrände

an der Meerenge von Sunda hereingebrochen. Malteser

International stellte Soforthilfe bereit und ließ über die

18

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

lokale Partnerorganisation PKPA dringend benötigte

Güter wie Hygienekits, Küchenutensilien und Unterrichtsmaterial

für Kinder an die Menschen verteilen. Die Begünstigten

der Hilfsaktion waren besonders betroffene Personengruppen

wie Kinder, schwangere und stillende Frauen,

ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

IRAK

Rehabilitierung für traumatisierte Frauen

Im Irak-Krieg wurden viele Frauen und Mädchen Opfer

brutaler Straftaten. Sie erlebten Entführungen, Vergewaltigungen,

Folter und Missbrauch durch den Islamischen

Staat. Heute benötigen die Frauen und Mädchen

dringend spezielle Betreuung. Malteser International unterstützt

ein Frauen-Center in Dohuk, in dem die Frauen

Therapieangebote, berufliche Weiterbildungen sowie

Sport- und Freizeitangebote wahrnehmen können. „Die

Frauen können gemeinsam ihre Erlebnisse verarbeiten

und sich gegenseitig stärken. Wir wollen ihnen helfen,

den Weg zurück in den Alltag und in das gesellschaftliche

Leben zu finden“, so Stefanie Heil, Programm-Managerin

von Malteser International.

TÜRKEI

Berufliche Perspektiven für syrische Geflüchtete

Schneiderei, Modedesign, Friseurlehre, Handywartung,

IT- und Kochkurse: Mit der Vermittlung dieser Fertigkeiten

will Malteser International syrischen Geflüchteten in

Istanbul die Integration in den türkischen Arbeitsmarkt

ermöglichen. „Viele der Geflüchteten in Istanbul sind arbeitslos

und der Armut ausgesetzt. Neben mangelnden

Sprachkenntnissen und fehlenden Qualifizierungen wissen

die Geflüchteten zu wenig über den türkischen Arbeitsmarkt

und die Möglichkeiten, ihre Perspektiven zu

verbessern“, erklärt Theresa Tesan, Programm-Managerin

bei Malteser International. Das Programm wird von der lokalen

Partnerorganisation The Orient Face durchgeführt.

MYANMAR

Inklusive Katastrophenvorsorge

Wie können sich Menschen, die durch Behinderungen

eingeschränkt sind, effektiv vor einer Naturkatastrophe

schützen? Was sich nach einer schwierigen Aufgabe anhört,

kann meist mit simplen Maßnahmen gelöst werden.

Nach sechs Jahren hat Malteser International das

Partnerprojekt zur inklusiven Katastrophenvorsorge

und Anpassung an den Klimawandel im Rakhine-Staat

in Myanmar erfolgreich abgeschlossen. Die Partnerorganisation

Community Empowerment and Resilience

Association (CERA) entwickelte im Zuge des Programms

ein inklusives Maßnahmenpaket für 68.000 Menschen

in 66 Gemeinden. Der Film „Storm Watchers“ dokumentiert

das Projekt und ist online zu sehen unter:

http://bit.ly/MI-Myanmar-Storm-Watchers

DIE MALTESER 1/2019 19


MALTESERWELTWEIT

IRAK

WIEDERAUFBAU UND

VERSÖHNUNG FÜR DIE

MENSCHEN IN DER

NINEWA-EBENE

Von Stefan Pleisnitzer

Stefan Pleisnitzer ist gebürtiger

Österreicher und Programmverantwortlicher

für den Wiederaufbau

in der Ninewa-Ebene

„Am besten wenden Sie sich an Samaritan’s Purse! Diese Organisation können

wir sehr empfehlen.“ Wir hatten den muslimischen Bürgermeister von Bartella,

einer Kleinstadt in der nordirakischen Ninewa-Ebene, gebeten, uns zuverlässige

Kontakte speziell für den Wiederaufbau zerstörter Häuser und Infrastruktur

in der Region zu geben. Dass er uns in einer Region, die von ethnischen und

religiösen Spannungen geprägt ist, eine christliche Hilfsorganisation nannte,

hat mich gleich zu Beginn unseres Wiederaufbauprogramms beeindruckt und

positiv überrascht.

Irak: Rückkehr in die Ninewa-Ebene

Die Ausgangslage:

Tausende Bewohner der Ninewa-Ebene waren bis zum Ende der Kämpfe im Juli 2017 vor dem IS

geflohen. Sie gingen ins Ausland oder leben in Vertriebenencamps im Irak. Viele sehen sich nicht in

der Lage, nach Hause zurückzukehren.

Wohnen

Einkommen

Bildung

Umfeld

Perspektiven

Die Hindernisse

zurückzukehren

sind vielfältig:

Viele Häuser wurden im

Krieg beschädigt und

zerstört. Die Menschen

haben kein Geld für

Reparaturen und Wiederaufbau.

Nach dem Krieg sind

Lebensgrundlagen und

Einkommensquellen kaum

mehr vorhanden.

Viele Schulen wurden im

Krieg zerstört und die

Ausbildung der Lehrer

genügt den besonderen

Anforderungen traumatisierter

Kinder nicht.

Noch immer gibt es soziokulturelle

und religiöse

Konflikte zwischen den

Bevölkerungsgruppen.

Jugendliche aller Bevölkerungsgruppen

sehen für

sich keine Perspektiven.

Häuserreparatur

& Wiederaufbau

Arbeitsplätze

& Wirtschaftsförderung

Schule

& Erziehung

Nachbarschaft

& Versöhnung

Freizeit

& Ausbildung

Unser Hilfspaket

umfasst vielfältige

Maßnahmen, die

die Ninewa-Ebene

wieder zu einem

attraktiven Zuhause

machen:

Wir reparieren

beschädigte Häuser

Wir bauen komplett zerstörte

Häuser wieder auf

Dabei arbeiten wir eng

mit den Eigentümern

und den Gemeinden zusammen

Wir bilden aus, in Handwerk

und modernen

Berufen

Wir setzen Geflügelhöfe

instand

Wir richten Oliven- und

Obsthaine wieder her

Wir rehabilitieren Brunnen

und Bewässerungsanlagen

Wir unterstützen Landwirte

beim Getreideanbau

und in der Tierhaltung

Wir reparieren Schulgebäude

und erweitern sie

Wir bilden Lehrer, die

oftmals selbst vom Krieg

traumatisiert sind, mit

dem Schwerpunkt auf

psychosoziale Hilfe und

auf gewaltfreie Konfliktlösung

aus

Wir bieten Nachhilfeunterricht

Wir richten Gemeinschaftszentren

ein

Wir organisieren kulturelle

Events, bei denen sich

die Gruppen kennenlernen

und austauschen

können

In unseren Weiterbildungskursen

erlernen

Menschen verschiedener

Bevölkerungsgruppen

gemeinsam Neues

Wir bauen Jugendzentren

und Sportplätze

Wir bieten den Jugendlichen

Weiterbildungen an

(z.B. IT, Englisch, moderne

Landwirtschaft)

© Malteser International

20

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

„Nach dem Krieg“ heißt „Vor dem Wiederaufbau“

Täglich erleben wir in unserer Arbeit Beispiele dafür,

wie sich die Menschen in der Ninewa-Ebene über religiöse

und ethnische Grenzen hinweg verständigen und

sich gemeinsam für ihre Zukunft einsetzen. Seit Oktober

vergangenen Jahres unterstützt Malteser International

den Wiederaufbau der Region mit dem Ziel, den

vom Krieg gezeichneten und vertriebenen Menschen

wieder ein Leben in ihrer Heimat zu ermöglichen.

Der Irak-Krieg und die Kämpfe mit dem Islamischen

Staat (IS) hatten große Teile der Ninewa-Ebene verwüstet.

Die Region im Norden des Iraks, flächenmäßig kaum

größer als das Burgenland, wurde von einer Vielzahl ethnischer

Minderheiten bewohnt – unter ihnen die im Irak

verbliebenen Christen. Während der Kämpfe mit dem IS

verloren viele Einwohner ihr Leben, Tausende flohen vor

der Gewalt. Sie kamen entweder in Vertriebenencamps

unter, bei Verwandten im Land oder flüchteten ins Ausland.

Im Juli 2017 wurde die Region schließlich vom IS

befreit. Nun sollen die zerstörten und teils leergefegten

Dörfer und Städte wiederbelebt werden.

Sich zu Hause wieder sicher fühlen –

Das geht nur mit Frieden, Arbeit und Schulen

Um den Menschen nach ihrer Rückkehr eine echte Zukunftsperspektive

zu bieten, haben wir ein ganzheitliches

Programm entwickelt: Reparierte Häuser allein

bleiben nur Steine, wenn es sonst keine Sicherheit, keine

Einkommensmöglichkeiten und keine Infrastruktur für

Familien gibt. Erst wenn wieder ein nachbarschaftliches

und friedliches Miteinander gelebt wird, die Eltern zur

Arbeit und die Kinder zur Schule gehen können, kann

die verlassene Heimat wieder ein Zuhause sein, das den

Menschen Perspektiven bietet.

Auf Initiative unseres Partners Kirche in Not und mit

Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entwickelten

wir ein Wiederaufbauprogramm, das auf eine Vielfalt

von untereinander abgestimmten Akzenten für Wiederaufbau

und Versöhnung setzt. Stand am Anfang die

Reparatur von zerstörten oder beschädigten Gebäuden

im Vordergrund, so wurden darüber hinaus seit Jänner

2019 auch Maßnahmen für die Förderung der lokalen

Wirtschaft, für die Bildung sowie für die Förderung des

soziokulturellen Zusammenhalts und interreligiösen

Dialogs gestartet.

Unsere wirtschaftsfördernden Maßnahmen sehen unter

anderem Investitionen in landwirtschaftliche und

verarbeitende Klein- und Mittelbetriebe, Reparaturen

an Bewässerungssystemen sowie die Schaffung von Ausbildungsplätzen

vor. Im Bildungssektor werden Schulen

und Kindergärten repariert und ausgebaut. Die Lehrer

erhalten zudem Fortbildungen, in denen sie speziell den

pädagogischen Umgang mit Schulkindern erlernen, die

durch ihre Erfahrungen mit Krieg, Gewalt und Vertreibung

Traumata erlitten haben.

DIE MALTESER 1/2019 21


MALTESERWELTWEIT

Mit einem breit gefächerten Kursangebot in Gemeinde-

und Jugendzentren werden wir darüber hinaus den

Austausch zwischen den verschiedenen Religionen und

Ethnien sowie das friedliche Zusammenleben der Menschen

weiter fördern. In den Zentren sollen sie regelmäßig

zusammenkommen und gemeinsam Sport- und

Kulturangebote wahrnehmen sowie neue Kenntnisse

und Fertigkeiten für ihre berufliche Zukunft erlernen.

Es ist erfreulich, zu sehen, dass es unter allen Gruppen

Menschen gibt, die offen auf die anderen zugehen wollen

– auch wenn der Weg zur Versöhnung noch weit und

steinig ist.

Das Wiederaufbauprogramm ist zwar noch jung, aber wir

sehen bereits erste Fortschritte und Erfolge. Unser Team

vor Ort ist mittlerweile auf 15 hochmotivierte und kompetente

Mitarbeiter angewachsen. Auch die ersten Rückmeldungen

aus der Bevölkerung bestätigen unseren Ansatz

der interreligiösen Versöhnung: Die muslimischen Familien,

deren Häuser unsere kirchlichen und andere Partner

derzeit reparieren, zeigen sich gerührt.

Wie kann sich eine zerstörte Heimat wieder in eine sichere und attraktive Region für Rückkehrer wandeln? Malteser

International hat ein integriertes Wiederaufbau-Programm für die Ninewa-Ebene im Irak entwickelt. Bei der Umsetzung

arbeiten die Malteser eng mit lokalen und internationalen Partner-NGOs zusammen.

22

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

WELTKINDERTAG 2018

Der 20. November ist ein wichtiger Tag für Kinder auf der ganzen Welt. An diesem besonderen Tag besuchte Botschafter

Prof. Dr. Günther A. Granser die Organisation der MALTESER in Shkodër, Albanien.

Von Katharina Stögner

Prof. Granser war von 1994 bis 2010 Botschafter des

Souveränen Malteserordens in Albanien. Seit 2010 ist

Botschafter Granser Chef der Permanent Mission des

Souveränen Malteserordens bei den Vereinten Nationen

und anderen Internationalen Organisationen in Wien.

Im Jahr 2010 war Botschafter Granser gemeinsam mit

Malteser Austria Initiator des Bildungsprojekts „Kindergarten

für Kinder mit sozioökonomischen Problemen“

in Albanien. Nach acht Jahren kehrte er wieder in den

Kindergarten zurück und spendete 3.000 Euro für

didaktisches Material. Des Weiteren wurde er über die

neuen Programme und Projekte informiert, welche die

albanischen Malteser derzeit vor Ort entwickeln.

Während seiner Tätigkeit als „Ständiger Beobachter“

des Ordens bei den Vereinten Nationen in Wien unterstützte

Botschafter Granser auch andere Programme

im Bereich der Gesundheitserziehung in Albanien.

Eines davon war das PACT-Programm „Prevention of

breast cancer“ in enger Zusammenarbeit mit der IAEA

(International Atomic Energy Agency). Er betonte die

Wichtigkeit dieses Projekts und erklärte sich bereit,

diese Aktivität auch im Jahr 2019 fortzusetzen.

2019 wird auch ein weiteres Programm des Souveränen

Malteserordens in Albanien im Bereich der Jugend

unterstützt. Botschafter Granser hob hervor, dass „die

jungen freiwilligen Helfer ein wichtiges Sprachrohr sind,

um der jungen Generation bürgerliche Werte zu vermitteln.

Im März 2019 wird daher eine junge albanische

Malteser-Helferin an dem von der Mission des Ordens

geförderten UNODC (United Nations Office on Drugs

and Crime) Jugend Forums der Vereinten Nationen

in Wien, das am Rande der hochrangigen Konferenz

Commission on Narcotic Drugs stattfindet, teilnehmen.

Während der 16 Jahre als Botschafter des Souveränen

Malteserordens in der Republik Albanien hat

Prof. Günther A. Granser als Vorbild einen wesentlichen

Beitrag für Albanien geleistet. Dabei hat er sowohl seine

als auch die Werte des Malteserordens weitergegeben.

Er wurde von der Universität von Shkodër für die

große Unterstützung bei der Entwicklung und Zusammenarbeit

in verschiedenen Bereichen Albaniens mit

dem Titel „Honorary Professor“ ausgezeichnet. Er ist

außerdem Ehrenpräsident der Albanischen Organisation

des Malteserordens.

DIE MALTESER 1/2019 23


MALTESERWELTWEIT

DENN SIE MACHEN EINEN UNTERSCHIED

Nach einem Netzwerktreffen im Oktober 2018 in Wien geht das Internationale Netzwerk der MALTESER-Jugend (MYIN)

die nächsten Schritte. Langfristiges Ziel ist die nachhaltige Stärkung der Jugendarbeit in Zentral- und Osteuropa.

Das Internationale Netzwerk der Malteser

Jugend (MYIN) wurde 2013 gegründet,

um die bestehende Jugendarbeit im

Rahmen der Hilfswerke des Ordens in

Zentral- und Osteuropa zu verbessern

und auszuweiten. Aktuell sind Jugendliche

aus neun Ländern im MYIN vertreten.

Sie stammen aus Albanien, der

Tschechischen Republik, Deutschland,

Ungarn, Litauen, Polen, Rumänien, der

Slowakei und der Ukraine.

Von Katharina Stögner

Durch sinnvolle

Tätigkeiten begeistern

Sie alle brennen für ein Ziel: Sie wollen

ihre auf dem christlichen Glauben basierende

Jugend- und Freiwilligenarbeit für

die Ordenswerke durch internationale

Partnerschaften weiter voranbringen und

mit ihrer Tätigkeit einen Unterschied in der Welt machen.

Das Motto „Inspire youth work that matters“ ist dabei

Programm, eine Vielzahl an Maßnahmen sind bereits geplant.

Im Mittelpunkt stehen der länderübergreifende Erfahrungs-

und Wissensaustausch, das Übertragen von Erfolgsmodellen

in der Jugendarbeit auf andere Länder und

Organisationen, das qualitative Verbessern der Jugendund

Freiwilligenarbeit auf nationaler Ebene und das gegenseitige

Unterstützen von Mitgliedern des Netzwerks.

Vorbereitungen auf das erste

MYIN Jugendsommerlager

Viele Projekte von MYIN wurden bereits erfolgreich

umgesetzt – etwa die „World Youth Days“, der

Malteser Youth International Wheelmap Day“, das

Erasmus+ „Skilful Youth Worker: The Best Motivation

For Your Volunteers“-Programm oder auch „Media In

Volunteering“. Als nächstes ist für 2019 die Organisation

des ersten internationalen Jugendsommerlagers geplant.

24

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERWELTWEIT

WELTTAG DER ARMEN:

„SOLANGE LAZARUS VOR

UNSERER HAUSTÜR LIEGT“

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Grund genug für die Regierung

des Malteserordens in Rom, am „Welttag der Armen“ mit internationalen Aktionen das Bewusstsein

für die Not Bedürftiger zu schärfen und zu lernen, wieder „richtig zuzuhören“ – auch in Österreich.

Der katholische „Welttag der Armen“ wird jeweils Mitte

November begangen. Papst Franziskus hatte ihn 2016,

zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, eingeführt.

Gleich 2017, anlässlich der Vorbereitungen zum

ersten Welttag, richtete Großhospitalier Dominique de la

Eugenio Ajroldi di Robbiate

für die Armen zu zeigen und zu kommunizieren. Ich bitte

Sie, sich an diesem Tag aktiv zu beteiligen, indem Sie besondere

Aktivitäten organisieren und so das Charisma des

Ordens „Obsequium Pauperum“ und sein internationales

Engagement für die Bedürftigen bezeugen.“

Rochefoucauld-Montbel ein Schreiben an alle Großpriorate,

nationalen Assoziationen und Hilfsdienste. Darin

forderte er besondere Anstrengungen, um auf die Initiative

des Papstes zu reagieren. Der von Papst Franziskus

begründete „Welttag der Armen“ ziele darauf ab, „den

Gemeinschaften und jedem Getauften zu helfen, über die

Armut im Herzen des Evangeliums nachzudenken und

darüber, dass es, solange Lazarus vor unserer Haustür

liegt, keine Gerechtigkeit und keinen sozialen Frieden geben

kann“, hieß es in dem Schreiben von 2017.

Global denken, lokal handeln

Im Oktober 2018 wandte sich der Großhospitalier erneut

an alle Organisationen des Malteserordens auf allen fünf

Kontinenten: „Ich möchte, dass der „Welttag der Armen“

von jeder Organisation des Malteserordens angenommen

wird“, schrieb der Großhospitalier, „um unser Engagement

Fast zur gleichen Zeit begann das Kommunikationsbüro

des Großmagisteriums

eine Informationskampagne zu entwickeln,

die in Zusammenarbeit mit den Delegierten

für Kommunikation des Malteserordens

auf der ganzen Welt gemeinsam

verbreitet werden sollte. Es wurden Bilder

und ein Video erstellt, sowie eine Pressemitteilung

in allen Landessprachen entworfen

und an die Medien verteilt. Die Kommunikatoren

des Ordens wurden eingeladen, Interviews mit den lokalen

Medien zu organisieren.

Essen, Medikamente und Lebensnotwendiges

Der Appell wurde mit großer Beteiligung angenommen:

Auf lokaler Ebene wurden zahlreiche Initiativen gestartet,

um der eindrücklichen Botschaft des Papstes zu folgen

und zu zeigen, dass sie gelebt wird. Am 18. November

2018 wurden mehr Mahlzeiten, Medikamente und

lebensnotwendige Güter als sonst verteilt. Auch medizinische

und soziale Hilfeleistungen sowie die Unterstützung

benachteiligter, behinderter, armer und älterer

Menschen wurden intensiviert.

Auch der Großmeister, Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio

di Sanguinetto, wollte persönlich an den Aktivitäten

DIE MALTESER 1/2019 25


MALTESERWELTWEIT

zum „Welttag der Armen“ teilnehmen. Wie so oft im Laufe

des Jahres ging er auch am 18. November mit den Freiwilligen

des Malteserordens, die Mahlzeiten an Obdachlose

verteilen, zur Station Tiburtina in Rom.

„Mit der Armut ist es wie mit der Liebe“

Mehr als acht Prozent der Weltbevölkerung leben unterhalb

der Armutsgrenze. Hilfe bedeutet für sie sowohl materielle

Unterstützung als auch Ausdruck von Brüderlichkeit und

geistiger Nähe. Der Malteserorden folgt hier dem Denken des

Heiligen Vaters: „Der ‚Welttag der Armen‘ soll eine kleine Antwort

der katholischen Kirche für die Armen aller Art und jedes

Landes sein, damit sie nicht glauben, dass ihr Schrei nicht

gehört wird.“ Gefahr, dass der Hilferuf untergeht, bestehe

laut Graham Bell von der Vatikanbehörde für Neuevangelisierung,

die den Welttag organisiert, nicht. Mit der Armut sei es

nämlich so wie mit der Liebe. Beide seien schwer zu definieren,

aber wenn man ihnen begegne, wisse man es.

Vor allem komme es darauf an, so die Botschaft von Papst

Franziskus, Betroffenen wirklich zuzuhören. Der Welttag

sei somit ein guter Anlass, um uns selbst die Frage zu stellen,

ob wir tatsächlich fähig sind, auf die Armen zu hören.

Viele Menschen seien Gefangene einer egozentrischen

Kultur und meinen, dass eine Geste der Selbstlosigkeit

bereits ausreiche, um zufrieden zu sein, ohne sich direkt

verpflichten zu lassen.

Eine perfekt Ergänzung

Die Malteser verpflichten sich in ihrem Wirken durchaus

persönlich und sehr direkt. Der „Welttag der Armen“ ist in

dieser Hinsicht nur eine perfekte Ergänzung zum täglichen

Engagement und zur traditionellen Mission des Malteserordens.

Weltweit sind mehr als 80.000 Freiwillige, rund

13.500 Mitglieder und 42.000 Mitarbeiter der Malteser an

365 Tagen im Jahr in 120 Ländern für Arme, Kranke und

Bedürftige im Einsatz. In Österreich engagieren sich mehr

als 2.000 ehrenamtliche Mitglieder für die Betreuung behinderter

Menschen, sie leisten Besuchsdienste bei kranken

und einsamen Menschen, unterstützen HIV-Betroffene

und begleiten sterbenskranke Menschen und deren

Angehörige. Jungen Menschen geben sie Impulse und Halt

durch gemeinsame spirituelle und karitative Aktivitäten.

WENN ZU VIEL

Immer mehr Geräusche umgeben uns im Alltag. Und

immer mehr Menschen wird das alles zu viel. Sie

klagen über Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Herzund

Kreislaufbeschwerden.

Von Kristina Krumpholz

Im Kaufhaus und Restaurant tönt Unterhaltungsmusik

aus den Lautsprechern, auf der Straße rauscht der

Verkehrslärm, im Großraumbüro klingeln die Telefone,

am Arbeitsplatz werden Bau- und Maschinenlärm

zur Dauerbelastung, in der U-Bahn hört das Ohr die

Gespräche der Mitreisenden, im Auto läuft das Radio,

zuhause der Fernseher.

Unser Umfeld ist die meiste Zeit mit Geräuschen aller

Art gefüllt, unser Ohr wird viele Stunden täglich

beschallt. Es kommt praktisch nie zur Ruhe, denn

selbst im Schlaf arbeitet es. Es lässt sich nicht einfach

Die Lautstärke wird in Dezibel angegeben:

0 dB = unhörbar

20 dB = sehr leise (tickende Armbanduhr)

30 dB = leise (Blätterrauschen)

40 dB = leise (ruhiges Büro)

60 dB = laut (belebtes Büro)

80-100 dB = sehr laut (starker Straßenverkehr)

120 dB = unerträglich (Presslufthammer)

140 dB = gehörschädigend (Flugzeugtriebwerk)

26

DIE MALTESER 1/2019


MEDIZINAKTUELL

LÄRM KRANK MACHT

schließen wie die Augen. Jeder Schalleindruck wird verarbeitet

und ans Gehirn weitergeleitet. Jeder Ton gelangt

über das Mittelohr weiter zum Innenohr, wo in der

sogenannten Schnecke alle Töne an bestimmten Orten

weiterverarbeitet werden.

Wenn nie wirklich Stille herrscht

Die Übertragung der hohen Töne erfolgt an der Basis

der Schnecke, die tiefen Töne werden in den oberen

Windungen übertragen. Somit kommt jede Schallwelle

an der Basis vorbei, wo die mikroskopisch kleinen Härchen

an den Zellen bewegt und mit der Zeit abgenützt

werden. Man kann sich diese Härchen wie die oberen

Äste eines Baumes vorstellen. Bei Wind bewegen sie

sich, bei Windstille erholen sie sich. Ist es allerdings nie

windstill, weht ständig ein Lüftchen, dann werden diese

feinen Ästchen permanent bewegt und mit der Zeit immer

dünner.

Werden die Härchen im Ohr ständig beschallt, funktionieren

sie mit der Zeit weniger gut, und es kommt zu

einer fehlerhaften Reizübertragung. So entsteht Tinnitus.

Tinnitus heißt übersetzt eigentlich nur „Ohrgeräusch“

und ist eine rein subjektive Empfindung. Das

bedeutet, man hört eigentlich etwas, das man gar nicht

hört. Diese Art von Tinnitus ist noch nicht wirklich behandelbar

und kann einen enormen Leidensdruck auslösen.

Bislang gibt es lediglich Therapieansätze, die dem

Patienten helfen, besser mit dem Tinnitus umzugehen.

Heilbar ist er (noch) nicht.

Acht Stunden Lärm, acht Stunden Ruhe

Bei durchschnittlicher Lärmbelastung im Alltag ist

nicht gleich eine Tinnitus-Erkrankung zu erwarten,

doch bei einem Lärmberuf, wie zum Beispiel Schlosser

oder Tischler, sollte ein entsprechender Gehörschutz

getragen werden. Grundsätzlich gilt die Regel, dass bei

einer Lärmbelastung mit 80 Dezibel über die Dauer von

Kristina Krumpholz,

HNO-Ärztin

acht Stunden dann auch

acht Stunden Ruhe für das

Ohr folgen sollten. Wichtig

zu beachten ist außerdem,

dass der Schutz durch Ohrstöpsel

nicht ausreicht. Die Schallübertragung findet

auch über den Schädelknochen neben der Ohrmuschel

statt.

Viele Menschen unterschätzen die Folgen von Lärm, da

sie sich oft erst nach vielen Jahren bemerkbar machen.

Insbesondere Jugendliche, die regelmäßig über Kopfhörer

laut Musik hören, unterschätzen diese Gefahr.

Die Zahl von Jugendlichen mit Hörminderungen und/

oder Tinnitus steigt kontinuierlich. Selbst gelegentliche

Disco- und Konzertbesuche können vorübergehend zu

Hörminderungen und Tinnitus führen – man spricht

dann von einem Lärmtrauma. Junge Menschen erholen

sich in 80 Prozent der Fälle wieder von selbst, sofern

dem Ohr entsprechend lange Ruhe gegönnt wird.

Ruheoasen schaffen

Eine Dauerbeschallung führt zu einer dauernden Überlastung

des Systems und setzt den Körper unter Stress.

In der Folge werden Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin

und Cortisol gebildet, Blutdruck und Herzfrequenz

steigen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge

sein. Bei Kindern führt zu viel Lärm zu Konzentrationsstörungen,

weshalb sich die Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktionen

verschlechtern können.

Wichtig ist daher, zwischenzeitlich immer wieder bewusst

Ruheoasen zu schaffen – das heißt: Kein Radio

im Auto oder zuhause, nicht permanent den Fernseher

laufen zu lassen, keine Dauerbeschallung über Kopfhörer,

sondern bewusst Orte der Stille schaffen. Ohr,

Gehirn und Körper werden Ihnen diese Ruhepausen

zwischendurch danken!

DIE MALTESER 1/2019 27


MEDIZINAKTUELL

v.l.n.r. Hinten: PremiQaMed-Vorstandsvorsitzender

J. M. Hadschieff; B. Glatz-

Kremsner; M. Schramböck; D. Veit;

S. Kuhn; Dr. S. Meryn; M. Seitlinger

Vorne: M. Pölzl und G. Demblin

EXOSKELETT – ERSTMALS BAHN-

BRECHENDE THERAPIE FÜR MENSCHEN

MIT LÄHMUNG IN ÖSTERREICH

tech2people-Gründer Gregor Demblin hat das erste österreichische Therapieprogramm mit Exoskelett gestartet, unterstützt

von Saturn Österreich, den Österreichischen Lotterien, der Kapsch AG und dem Bundesministerium für Digitalisierung und

Wirtschaftsstandort. Im nächsten Schritt werden Spender und Sponsoren gesucht: Das Exoskelett soll für alle leistbar werden!

Von Melanie Manner

35 Menschen mit Lähmung und anderen Beeinträchtigungen

der Gehfähigkeit hatten 2018 erstmals die Möglichkeit,

das Exoskelett auszuprobieren und mithilfe des

bionischen Anzugs zum ersten Mal wieder eigene Schritte

zu machen. „Das Ergebnis war überwältigend“, sagt Initiator

Gregor Demblin. Der Wiener Unternehmensberater,

selbst querschnittgelähmt, bringt mit seiner Initiative

tech2people Technologien nach Österreich, um das Leben

von Menschen mit Behinderung zu verändern. „Wir haben

fünfmal so viele Anmeldungen erhalten, als es Plätze zur

Verfügung gab, und wir haben ein unglaubliches Interesse

aller Österreicher erlebt. Wir haben daher im Dezember

2018 das erste Exoskelett-Therapieprogramm in Österreich

aus der Taufe gehoben“, sagt Demblin, der nun stolz

ist, die ersten Erfahrungen zu präsentieren.

Das Exoskelett der US-Firma Ekso Bionics ist ein batteriebetriebener,

über der Kleidung tragbarer bionischer „Anzug“.

Es wiegt 27 Kilogramm. Seine elektrischen Motoren

bewegen die Beine und ergänzen oder ersetzen Muskelfunktionen.

tech2people stellt es in den Räumlichkeiten

des Ordinationszentrums der Privatklinik Döbling für ambulante

Trainings mit Physiotherapeuten allen Menschen

mit eingeschränkter Gehfähigkeit zur Verfügung.

Gemeinsam für alle leistbar: EUR 300.000,- an

Sponsoringgeldern erforderlich

Zu den Hauptsponsoren zählen das Bundesministerium

für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, Saturn

Österreich, die Kapsch AG und – als Partner der ersten

Stunde – die Österreichischen Lotterien.

Demblin: „Dank ihres Supports können wir diese bahnbrechende

Therapie zur Verfügung stellen. Nun geht es

darum, sie zu einem für alle leistbaren Preis anzubieten.“

Insgesamt werden EUR 300.000,- benötigt, damit

tech2people die Therapieeinheit zwei Jahre lang zu

einem Preis von EUR 90,- statt um mehr als EUR 200,-

anbieten kann. Mehr als die Hälfte der Summe konnte

bereits mithilfe der Hauptsponsoren eingenommen

werden. „Derzeit bieten wir die Therapie bereits um 90

Euro an, und der Ansturm ist riesengroß. Damit wir

das auch zwei Jahre lang können, rufen wir alle Österreicher

auf: Bitte tragt mit Spenden und Sponsoringbeiträgen

dazu bei, dass dieses Angebot für alle leistbar

wird.“

Weitere Informationen: www.tech2people.at

28

DIE MALTESER 1/2019


MEDIZINAKTUELL

MEINUNGEN &

ERFAHRUNGSBERICHTE

Mediziner Siegfried Meryn, Professor an der Medizinischen

Universität Wien: „Die Bewegung ist für den

menschlichen Körper lebenswichtig – er ist dafür ausgelegt.

Deswegen ist neben dem Muskelschwund auch der

Knochenabbau im Laufe der Zeit ein typisches Symptom

bei Menschen mit Lähmung und beeinträchtigter Gehfähigkeit.

Aber auch die Funktion der inneren Organe,

etwa des Magens oder des Darms, leidet, und der Kreislauf

wird beeinträchtigt. Die ambulante Therapie mit dem

Exoskelett ist daher nicht nur ein psychisch ‚bewegendes‘

Erlebnis – sie hält auch gesund.“ Besonders hilfreich ist

die Therapie auch für die große Zielgruppe der Schlaganfallpatienten,

die damit wieder gehen lernen können.

Der querschnittgelähmte Student Maximilian Pölzl ist

Teilnehmer am Therapieprogramm – und war von der ersten

Stunde an begeistert. „Es ist ein wirklich tolles Gefühl

– auch ziemlich anstrengend. Ich merke, dass sich vor allem

meine Ausdauer gebessert hat. Am Anfang konnte

ich 2.000 Schritte setzen, mittlerweile bereits 4.000!“

Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung

und Wirtschaftsstandort, sagt: „Für mich hat

dieses Projekt nicht nur eine zutiefst emotionale Komponente,

sondern auch einen digitalen, innovativen und

gesellschaftspolitischen Hintergrund. Es ist ein gutes

Beispiel dafür, wie digitale Innovationen und Fortschritte

das Leben der Menschen nachhaltig verbessern können.

Die Technologie des Exoskeletts ist ein Gamechanger, der

Menschen mit Behinderung ein einfacheres und selbstbestimmteres

Leben ermöglicht. Ich freue mich, dass wir als

Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort

dieses Projekt mit 60.000 Euro unterstützen.“

Thomas Pöcheim, Chief Category Officer von

MediaMarktSaturn Österreich, erklärt: „Wir verstehen

uns als Unternehmen, das Innovationen und zukunftsorientierte

Lösungen zu den Menschen bringt und dadurch

das tägliche Leben erleichtert. Bei Saturn steht daher

alles unter dem Motto ‚Du kannst mehr‘. Österreichs

Technikplanet feiert dieses Jahr sein 25-Jahr-Jubiläum

Therapieteilnehmer Maximilian Pölzl im

Exoskelett mit Physiotherapeut Dennis

Veit, Mitinitiator von tech2people

und setzt auch deshalb ein Zeichen. Wir sind davon überzeugt,

dass moderne Technik in vielen Lebensbereichen

und allen Menschen – unabhängig von ihrem Alter oder

ihren Bedürfnissen – vieles ermöglicht. Die Initiative von

Gregor Demblin macht das deutlich sichtbar und spürbar.

Dies unterstützen und fördern wir. Wir möchten dazu

beitragen, diesen zukunftsweisenden Therapieansatz allen

betroffenen Menschen in Österreich zu ermöglichen,

sodass ‚Du kannst mehr‘ in direkter Verbindung mit Lebensqualität

in einer digitalen Zeit steht.“

Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsdirektorin der

Österreichischen Lotterien, betont: „Es ist unglaublich

aufregend, wenn man als Unternehmen mithelfen kann,

solch eine bahnbrechende Technologie nach Österreich

zu holen. Mit dem Exoskelett wird Menschen mit eingeschränkter

Gehfähigkeit physisch eine neue Perspektive

eröffnet und psychisch neue Hoffnung gegeben. Wir sind

sehr stolz darauf, Partner der ersten Stunde zu sein.“

„Es geht hier um viel mehr als eine bahnbrechende Therapiemaßnahme

für Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit.

Mit dem Exoskelett geben wir Hoffnung und

die Möglichkeit auf ein einfacheres und selbstbestimmtes

Leben. Ich bin stolz darauf, bei diesem mutigen und visionären

Projekt mitwirken zu dürfen“, so Georg Kapsch,

Kapsch AG.

DIE MALTESER 1/2019 29


LEBENSWERT

„DER LIEBE GOTT HAT UNS

FELI NUR GEBORGT“

Katharina Brandner, bischöfliche Medienreferentin der Diözese St. Pölten, verlor im Dezember 2016 ihre zehn Monate

alte Tochter Felicitas. Für „Kirche bunt“ schreibt sie vom Leben mit ihrer Tochter und der Trauer um sie.

Von Katharina Brandner

Es gibt einen uralten Cartoon von Snoopy und Charlie

Brown, die am Steg sitzen, und Charlie Brown sagt:

„Eines Tages werden wir sterben“ und Snoopy antwortet

ihm: „Ja, aber an allen anderen Tagen werden wir leben!“.

Vor zwei Jahren ist unsere kleine Tochter Felicitas im Alter

von zehn Monaten gestorben, in meinen Armen. Aus einem

Kind, dem Ärzte zu Beginn keine Chance gegeben hatten,

wurden zehn Monate Leben. Ein langes Leben, das doch

so kurz war. Wir haben mit ihr gelebt, im Wissen um ihren

baldigen Tod. Und die Tage waren trotzdem voller Leben.

„Alle tun, was sie können“

Es ist ein wunderbarer und ungewöhnlich warmer Februartag

im Jahr 2016, als unsere Tochter nach einer unkomplizierten

Schwangerschaft zur Welt kommt. Während

draußen die gleißende Februarsonne leuchtet, kämpfen

drinnen, nach dem Notkaiserschnitt, Ärzte um ihr Leben.

An eines erinnere ich mich sehr konkret: Dass sich im OP,

als es ganz still wird und geschäftiges Treiben rund um

mich losgeht, die Hebamme mit Mundschutz und Haube

über mich beugt und mit fester Stimme sagt: „Alle tun,

was sie können“. Dann endet meine Erinnerung an die

Geburt unserer Tochter.

Als ich wieder aufwache, sehen wir den Ärzten beim Kopfschütteln

zu, tagelang. Keiner kann so recht sagen, was

los ist, was passiert ist, nur eines ist klar: Unsere Tochter

wurde lange reanimiert. Und sie hatte bei ihrer Geburt

körperlich sichtbare massive Behinderungen, die sich im

Laufe der ersten Lebenswochen recht vielfältig manifestieren.

In ihren ersten Lebenswochen nehmen wir die

Tage und Momente, wie sie kommen, immer in der Sorge,

dass jeder Alarm der letzte sein könnte. Mitten in die

Aufregung einer Intensivstation hinein lassen wir sie an

ihrem 5. Lebenstag taufen. Ein Moment, der etwas in uns

macht: Wir spüren physisch und eindringlich, dass wir

nicht allein für sie da sein müssen. Dass Er uns hilft, und

da ist. In ihr ist.

„Wieso gerade ihr?“, das habe ich oft gehört, in den Tagen

nach ihrer Geburt, als wäre das Bestreben, ein halbwegs

geordnetes und gläubiges Leben zu führen irgendwie Garant

dafür, vor allem Unheil verschont zu bleiben. „Wieso

nicht auch wir?“, war dann immer meine Antwort.

Er will Liebe, nicht Leistung

Die große Ruhe, die ich immer hatte, kam auch aus

meiner Gewiss heit, dass Felicitas’ Dasein genau so ist,

wie Er sich das ausgedacht hatte. Sie war und ist genauso

gewollt, geschaffen, geliebt, nach Seinem Abbild, wie

wir alle. Ich glaube schlicht, Gott denkt nicht in so weltlichen

Kategorien wie wir. Funktionierendes Kleinhirn,

Lidschluss, vegetatives Nervensystem,… – wir brauchen

diesen Körper nur einen kurzen Moment unseres Seins in

Gottes Hand. Und ich glaube, er will unser Dasein, nicht unsere

Fähigkeiten. Er will Liebe, nicht Leistung. Er ist Liebe.

Ihr Körper war nicht für diese Welt gemacht, sie war von

Anfang an, sehr sichtbar, und für uns Eltern oft auch sehr

schmerzhaft, ganz Sein Kind. So wie wir alle – nur vergessen

wir selbst das im Zuge unserer Fähigkeiten, unserer

Ambitionen, unserer Bedürfnisse. Wenn Menschen zu

mir gesagt haben: „Das ist jetzt eine große Prüfung“, bin

ich immer innerlich zusammengezuckt. Wie sollte mich

Er, der mich gerade so trug, prüfen wollen? Als wäre es

eine Belohnung, gesund und munter zu sein. Was für ein

Gottesbild ist das? Ein prüfender Gott! Gesundheit als

Belohnung? Krankheit als Konsequenz für Unglauben? Er

will, dass wir in Fülle leben, mit allem, was dazugehört. Er

will, dass das Gebet kein Funktionalismus ist, und trotz-

30

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

Mag. Katharina Brandner

ist seit 2014 bischöfliche

Medienreferentin im

Kommunikationsreferat

der Diözese St. Pölten.

Neben und nach ihrem

Studium der Politik- und

Sozialwissenschaft und Ausbildungen in Pressearbeit

und Public Affairs arbeitete sie zehn Jahre im

PR-Bereich großer Interessenvertretungen wie der

Wirtschaftskammer, der Papierindustrie und einer

Nicht-Regierungsorganisation. Sie ist verheiratet

und Mutter zweier Kinder.

dem die größte Kraft ist, die wir Christen zur Verfügung

haben. Eine Wunderwaffe, die ankommt, die

wirkt, rund um einen und in einem selbst.

Während des vielen Betens am Bett meiner Tochter,

deren Zustand sich nicht änderte, deren Wunderheilung

ausblieb, deren Verfassung mal stabiler, mal instabiler

war, wurde mir jedoch eines klar: Wir wurden alle geheilt

– wenn auch nicht sichtbar und physisch. Wir haben

Ruhe und Frieden gefunden, um mit diesem Leben, dieser

Situation umgehen zu können. Unsere Wunderheilung war

eine Wundenheilung.

Unser Sohn Nikolaus – der vier Jahre alt war, als seine kleine

Schwester starb – hat einmal gesagt, als ich wieder einmal

versucht habe, ihm zu erklären, dass sie sterben wird: „Ah!

Jetzt weiß ich, was du meinst! Der liebe Gott hat uns Feli

nur geborgt. Und irgendwann will er sie zurück. Und dann

müssen wir sie ihm geben, weil sie ihm gehört und nicht

uns.“ Wir sind die Eltern von zwei wundervollen Kindern:

Eines fest an der Hand, das andere fest im Herzen.

Nicht aufhören, über Felicitas zu sprechen

Das wichtigste Ritual ist für uns, nicht aufzuhören, über

Felicitas zu sprechen. Ich empfinde es schmerzhafter, nicht

von ihr zu erzählen, als über sie zu sprechen. Nicht nach

ihr gefragt zu werden, empfinde ich als belas tend, denn ihr

Tod ist, egal wohin ich komme, ohnehin der „Elefant im

Raum“. Die Trauer um Kinder mit Behinderungen stößt

ohnehin auf viel Unverständnis. Wenn nach Felicitas’ Tod

Menschen zu mir gesagt haben, dass sie nun erlöst sei und

sie es nun besser habe im Himmel, hat mich das wirklich

sehr getroffen. Als müsste ich froh sein, dass sie gestorben

ist, weil sie eine Behinderung hatte. Dabei war das das einzige

Leben, das sie hatte und das wir mit ihr hatten.

Ihr Fehlen jeden Tag aushalten

Wir sollten uns von der Vorstellung befreien, dass nur das

Leben gut ist, das der Norm entspricht. Dass nur ein Leben

lebenswert ist, das frei von Schmerzen und Leid ist.

Ihre Behinderung war ein Faktum, aber kein Maßstab.

„Felicitas fehlt überall“, sage ich oft. Die Trauer um sie

bedeutet für uns, ihr Fehlen jeden Tag aufs Neue auszuhalten,

jeden Tag aufs Neue in unser Leben zu integrieren.

Trauer bedeutet eben nicht, eine Zeit lang in einer Ecke

zu sitzen und zu weinen, und irgendwann wird das besser

und man hat es „hinter sich gebracht“. Das ist eine völlig

falsche Vorstellung von Trauer. Auch der Glaube an die

Auferstehung, an ihre Auferstehung, heißt nicht, dass ihr

Fehlen auf dieser Welt nicht an manchen Tagen unerträglich

ist. Traurig zu sein, heißt nicht, kein guter Katholik zu

sein. Getröstet zu sein, heißt ja nicht, nicht mehr traurig

zu sein. Sondern den Schmerz auszuhalten. Trauer ist Liebe,

die nirgends hin kann.

Es liegt eine ungeheure Kraft darin, dem Tod ins Auge zu

blicken. Bis zum Schluss. Wir haben ihm nicht die Kontrolle

über uns überlassen. Er ist Teil unseres Lebens geworden,

aber nicht mehr. Felicitas ist unser Schatz bei

Gott. Wo sie ist, ist unser Himmel.

Ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt

und die mich gebar wurde auch nicht gefragt

bei ihrer Geburt niemand wurde gefragt

außer dem Einen und der sagte Ja.

(Kurt Marti)

DIE MALTESER 1/2019 31


LEBENSWERT

„STANDING OVATION“ – MIT DER

EIGENEN ERFINDUNG ZURÜCK

INS BERUFSLEBEN

Peter Lammer ist Vollblutgastronom. Wenn er von seiner Arbeit in der kleinen Küche des „Johanneskeller“ in der Salzburger

Altstadt unweit der Linzer Gasse erzählt, spürt man die riesengroße Begeisterung für seinen Beruf, der in seinem

Fall Berufung ist.

Von Hansjörg Nagelschmidt

Fast hätte ein schwerer Motorradunfall im Jahr 2010

seine beruflichen Träume zunichte gemacht. Eine Vielzahl

an schweren Knochenbrüchen in den Beinen erforderte

eine langwierige Reha und unzählige Operationen.

Ärzte und Betreuer legten Peter Lammer nahe, ernsthaft

über eine Umschulung nachzudenken, da an eine Rückkehr

in seinen ursprünglichen Beruf, der ja stehend zu

verrichten ist, nicht wirklich zu denken sei. Nicht mehr

in seiner geliebten Küche werken zu können, war aber für

Peter Lammer keine wirkliche Alternative und so kehrte

er nach 650 Krankenstands-Tagen und zehn Operationen

an seine Wirkungsstätte zurück.

Der Wiedereinstieg war sehr hart, denn aufgrund großer

Schmerzen in den Beinen war es Peter Lammer nicht

möglich, acht Stunden am Stück in der Küche zu stehen.

Seine Beine schwollen an und er benötigte eine große

Dosis an Schmerzmitteln, um irgendwie durchzuhalten.

Zudem benötigte er stets Hilfe von Kollegen beim Hantieren

mit schweren Töpfen. 2016 war für ihn dann quasi

die „Schmerzgrenze überschritten“. Für Lammer war klar

„so macht das keinen Spaß, so ist der Alltag unerträglich“,

und er begann darüber nachzudenken, wie er seinen

Arbeitsalltag erleichtern könnte.

Tüfteln für maximale Entlastung

Mit seinem technisch bewanderten Freund Bernhard

Tichy begann er, an einer Lösung zu tüfteln, die seine

Beine entlasten würde. Erste Versuche mit Klettergurten

verliefen nicht optimal, bereits nach kurzer Zeit traten

Einschnürungen und Durchblutungsstörungen in den

Beinen auf. Eine völlig schmerzfreie Nutzung war daher

nicht möglich.

Es dauerte aber nicht allzu lange, bis die neue Grundidee

feststand. Die Umsetzung folgte sogleich: An der

Decke der Küche wurde ein Schienensystem eingebaut,

an dem ein Bügel mit einem Fahrradsattel hängt. Auf

dem Sattel sitzend ist mit wenig Kraftaufwand die Bewegung

in alle Richtungen quasi federleicht und schwebend

möglich – und die Beine können je nach Einstellung

wenig bis maximal entlastet werden. Zudem ist

der Nutzer nicht permanent an das Gerät gebunden

und kann sich daher über größtmögliche Flexibilität

im Einsatz freuen.

Gründung des Unternehmens „sitworxx“

Lammer und Tichy nannten ihre Erfindung „Standing

Ovation“, gründeten das Start-Up-Unternehmen

„Sitworxx“ und meldeten auch gleich das österreichische

sowie das internationale Patent an. Mittlerweile ist ihre

Erfindung als „Medizingerät“ zertifiziert. Das österreichische

Patent wurde eingetragen und finalisiert. Damit

sollten sich auch die Chancen für das noch laufende Verfahren

für das internationale Patent wesentlich verbessert

darstellen.

Innerhalb kurzer Zeit nach Installierung von „Standing

Ovation“ konnte Peter Lammer seine Schmerzmittel

drastisch reduzieren. Dies trug zu einer deutlich verbesserten

Lebensqualität für ihn und sein Umfeld bei.

Er fühlte, endlich wieder einen „klaren Kopf“ zu haben.

32

DIE MALTESER 1/2019


LEBENSWERT

Und das Wichtigste: Er konnte wieder in seiner Küche

schalten und walten, die schweren Kochtöpfe selbst von

da nach dort heben – ohne die Unterstützung von Mitarbeitern

– „und ich war sogar schneller als jemals zuvor“,

freut er sich.

Arbeit wichtig für das Selbstwertgefühl

„Berufstätigkeit und ein erfülltes Arbeitsleben sind ein

wichtiger Bestandteil für ein zufriedenes Leben“, ist Peter

Lammer überzeugt. Deshalb hat der vierfache Familienvater

auch niemals an Frühpensionierung gedacht

– sicher auch aus finanziellen Gründen, aber nicht ausschließlich:

Die Teilhabe am Arbeitsleben ist auch für

das Selbstwertgefühl eines Menschen ganz wesentlich.“

Er selbst hat sich in der Zeit der Unsicherheit über seine

berufliche Zukunft oft niedergeschlagen gefühlt – deshalb

empfindet er nun „Standing Ovation“ und die Möglichkeit,

in seinem Restaurant wieder voll einsatzfähig zu

sein, als seinen „persönlichen Lotto-Sechser“.

Die beiden Unternehmensgründer glauben fest daran,

dass ihre Erfindung auch vielen anderen Menschen

in stehenden Berufen eine große Erleichterung bieten

könnte – sowohl beim Wiedereinstieg nach Unfällen als

auch ganz grundsätzlich. Auch mit „gesunden“ Beinen ist

ein stehender Beruf mitunter sehr anstrengend – insbesondere,

wenn man nicht mehr 20 Jahre jung ist – „Standing

Ovation“ könnte hier wertvolle Unterstützung bieten,

um den Arbeitstag besser und weniger anstrengend

zu bewältigen und vielleicht sogar Folgeerkrankungen

vorzubeugen.

„Standing Ovation“ im Reha-Einsatz

Peter Lammer und Bernhard Tichy sehen zudem auch

die Einsatzmöglichkeit als unterstützendes Instrument

in Reha-Prozessen. Aktuell wird das Gerät „Standing

Ovation-Konstruktion“ zu Testzwecken im Reha-Zentrum

Bad Häring der AUVA verwendet, die sich sehr für das

Gerät interessierte. Das deckenmontierte Gerät wird

in der Ergotherapie verwendet und ermöglicht es zwei

Patienten gleichzeitig, sich auf 50 m 2 frei zu bewegen.

Das Duo würde sich sehr freuen, wenn seine Erfindung

vielen Menschen bei ihrem Rehabilitationsprozess helfen

könnte – vor allem, wenn herkömmliche Methoden zur

Entlastung der Beine, wie beispielsweise die Wassertherapie,

nicht angewendet werden können oder durch ein

zu hohes Sturzrisiko alternativ außer Betracht gezogen

werden müssen. „Wir werden sehen, was die Zukunft

diesbezüglich bringt.“

Die beiden „Erfinder“ sind von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

von „Standing Ovation“, wie beispielsweise

in der Physiotherapie, überzeugt. Insbesondere

durch das neu konstruierte „freistehende“ Gerät lässt

sich nahezu jeder Arbeitsplatz – unabhängig von Bausubstanz

und Deckenhöhe – leicht adaptieren. Auch

anderen Personen könnte „Standing Ovation“ bei

der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit von

Nutzen sein. „Die Konstruktion, die mir in meiner

Küche so sehr hilft, könnte auch vielen anderen Menschen

da draußen helfen – entweder Rehaunterstützend

oder, um ihren Beruf möglichst lange ausüben zu können“,

fasst Peter Lammer zusammen. Für die Zukunft

DIE MALTESER 1/2019 33


LEBENSWERT

ç

ROBOTER „VERTRITT“

Wenn Kinder chronisch krank werden, laufen sie Gefahr, den

Anschluss an den Unterricht zu verlieren. Viele fühlen sich

einsam, vermissen ihre Freunde. Ein norwegisches Unternehmen

hat einen Roboter entwickelt, der kranke Kinder im

Unterricht „vertritt“.

Von Elke Ziegler

wäre es jedenfalls wünschenswert, wenn es für die Installation

von „Standing Ovation“ am Arbeitsplatz eine

Förderung geben würde, um mehr Menschen eine Rückkehr

ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

Für Peter Lammer, dem ein Ärztegremium im Prinzip

bescheinigt hatte, dass er einen „stehenden Beruf“

nicht mehr ausüben könne, ist es heute eine besondere

Genugtuung, es aus eigener Kraft doch geschafft

zu haben und mit seinem „Johanneskeller“ von den

Nutzern auf der Tourismus-Bewertungs-Plattform

TripAdvisor unter die Top 10 der Salzburger Restaurants

gewählt wurde. „Eine bessere und schönere Anerkennung

kann es nicht geben!“

Informationen sowie ein Video von Standing Ovation:

www.sitworxx.at

Dieser Artikel ist zuerst in der Ausgabe 3/2018 des

ÖZIV INKLUSIV erschienen. Der ÖZIV (Österreichweite

zukunftsorientierte Interessenvertretung)

ist ein seit 1962 tätiger Behindertenverein, dessen

Mitglieds organisationen selbständige Vereine in den

einzelnen Bundesländern sind.

www.oeziv.org

Er ist zirka 30 Zentimeter groß, besteht aus einem Kopf

mit freundlichen Augen, in seinem Rumpf befindet sich ein

Lautsprecher. „Solange ein Kind krank ist, sitzt AV1, so der

Name des kleinen Roboters, in der Klasse“, erklärt Karen

Dolva, Geschäftsführerin des 2015 gegründeten norwegischen

Start-ups „No Isolation“, das aus einem Forschungsprojekt

entstanden ist: „Er ist dort, wo das Kind selbst

nicht sein kann. Der Roboter dient dem Kind als Augen und

Ohren.“

Über den Roboter kann ein Kind zuhause oder im

Krankenhaus sehen und hören, was gerade in der

Schule geübt wird.

Das Kind steuert den Roboter von zuhause oder aus dem

Krankenhaus. Via Smartphone oder Tablet bestimmt es,

wohin er schaut. Es kann über Lautsprecher mit Freunden

sprechen und durch ein eingebautes Mikrofon hören, was

sie sagen. Die Kommunikation ist verschlüsselt, die Informationen

fließen nur nach Eingabe eines Passworts und nur

zwischen Kind und Roboter.

Erweiterung des kindlichen „Ich“

AV1 ist ein sehr unpersönlicher Name, dabei bleibt es aber

meist nicht lange. Die Kinder machen den Roboter zu einem

Teil ihrer selbst, setzen ihm Kappen auf, binden ihm einen

Schal um oder bekleben ihn mit Sticker. „Er wird zu einer

Erweiterung des Ich“, so Karen Dolva.

34

DIE MALTESER 1/2019


LEBENSWERT

KRANKE KINDER IM KLASSENZIMMER

807 Roboter befinden sich bereits in Klassenräumen,

vor allem in Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden.

„Laut Schätzungen gibt es in Europa eine halbe

Million chronisch kranke Kinder – Kinder mit Krebs,

Autoimmunerkrankungen oder Behinderungen. Sie alle

wollen wir erreichen.“ Ein Hindernis könnten die Kosten

sein – die Eltern müssen für Roboter und Wartung zahlen,

außer die Schule übernimmt die monatlichen Kosten

von rund 200 Euro pro Roboter. Auch in Österreich verhandle

man schon mit ersten Schulen, heißt es seitens

„No Isolation“.

Computer für Senioren

Aufbauend auf den Erfahrungen mit Kindern bietet das

Unternehmen auch Senioren technologische Unterstützung

an, in Form eines bewusst einfach gehaltenen Computers:

„Wir haben einen Computer entwickelt, den auch Menschen

mit beginnender Demenz, mit Einschränkungen beim Sehen

oder Hören benutzen können.“

Es gibt nur einen großen Knopf, um den Tablet-ähnlichen

Computer zu bedienen, die Stimme ist laut und klar, es

gibt keinen Touchscreen, keine komplizierte Navigation.

Über eine App können Fotos und Videos mit Familie

und Freunden ausgetauscht werden. Technologie ist für

Karen Dolva alles – von einer Schere über eine Waschmaschine

bis hin eben zu Computer und Roboter. Es

komme immer darauf an, was die Menschen daraus

machen – und da seien die Möglichkeiten besonders

für Menschen mit Einschränkungen noch nicht ausgeschöpft,

ist die norwegische Forscherin überzeugt.

www.noisolation.com

Quelle: science.ORF.at vom 6.12.2018

NUR EINE VERTRETUNG, KEIN ERSATZ!

Von Katharina Stögner

Natürlich sehen wir Malteser den Einsatz von

Robotern im sozialen Umfeld mit einem äußerst

kritischen Auge. Aber ganz ehrlich: Könnte er in

bestimmten Fällen nicht auch eine Erleichterung

bringen? Denken wir an die Kinder mit lebensverkürzender

Diagnose im Hilde Umdasch Haus, an

die vielen Kinder und Jugendlichen mit chronischen

Erkrankungen und Behinderungen, die wir

im Rahmen unserer Inklusionscamps und Wildwassercamps

betreuen. Sie könnten vom gezielten

Einsatz eines Roboters bei kleinen, einfachen

Hilfsdiensten durchaus profitieren – und hätten

womöglich auch noch großen Spaß dabei! Auch

für einsame, ältere Menschen, die wir im Rahmen

unserer Besuchsdienste nicht rund um die Uhr

begleiten können, wäre ein Roboter gelegentlich

eine willkommene Abwechslung. Natürlich soll

eine Maschine den zwischenmenschlichen Kontakt

nicht ersetzen, aber sie könnte den Kontakt

vielleicht im einen oder anderen Fall erleichtern ...

DIE MALTESER 1/2019 35


MALTESERORDEN

NEUE BOTSCHAFTERIN BEIM

HEILIGEN STUHL UND BEIM SMRO

Am 4. Dezember 2018 hat Dr. Franziska Honsowitz-Friessnigg in Rom ihr Beglaubigungsschreiben an Großmeister

Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto überreicht. Sie ist damit die erste Frau, die von Österreich mit der

Vertretung Österreichs beim Heiligen Stuhl und beim Souveränen Malteser-Ritter-Orden betraut wurde. Die promovierte Juristin,

die auch Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch spricht, arbeitet seit 1984 im österreichischen diplomatischen

Dienst. Ihre bisherigen Auslandseinsätze führten sie zu den Vereinten Nationen nach New York, als Botschaftsrätin für Presse

und Information nach Bonn und zuletzt als Botschafterin nach Algerien.

Frau Dr. Franziska Honsowitz-Friessnigg, wie kam

es dazu, dass Sie sich beruflich für eine Laufbahn

im diplomatischen Dienst entschieden haben? Wie

sehen Sie Ihre neue Aufgabe?

Ich habe meine Tätigkeit im diplomatischen Dienst stets

als große Bereicherung empfunden. Insbesondere die

Kontakte mit Menschen und die Vielfältigkeit der Arbeit,

sei es im Einsatz für österreichische Unternehmen oder

die Verbreitung des Wissens über unser Land und unsere

Kultur, waren für mich immer sehr wichtig. Dialog und

Gesprächsbereitschaft stehen im Zentrum meiner Arbeit.

Die Botschaft beim Heiligen Stuhl und beim Souveränen

Malteser-Ritter-Orden in Rom sehe ich daher als eine

Plattform des Gesprächs, bei welcher ich mich besonders

über Kontakte mit Besucher- und Pilgergruppen aus

Österreich sehr freue.

Was verbindet Sie mit dem Malteserorden und

welche Berührungspunkte mit dem Orden gab es

bereits in der Vergangenheit?

Bei den Vereinten Nationen und im Außenministerium

bin ich wiederholt mit der wertvollen Arbeit von Organisationen

mit humanitärer Mission, wie dem Malteser

Hospitaldienst Austria, dem Roten Kreuz und anderen,

in Berührung gekommen.

Wichtig war mir immer das ehrenamtliche Engagement.

Dabei hat mich der freiwillige soziale Einsatz von so vielen

jungen Menschen besonders beeindruckt. Ich hoffe,

dass es in Zukunft die Möglichkeit geben wird, dieses

Dr. Franziska Honsowitz-Friessnigg ist die neue österreichische

Botschafterin beim Heiligen Stuhl und beim SMRO, sowie auch

bei der Republik San Marino.

36

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERORDEN

freiwillige Engagement beim Malteserorden auch auf Einsätze

im Ausland auszudehnen und dadurch Jugendlichen

entsprechende Auslandserfahrungen zu ermöglichen.

Ihre beruflichen Stationen sind auf der ganzen Welt

zu finden – unterschiedlichste Kulturen, verschiedene

Religionen und Sprachen. Ich habe gelesen,

Sie bezeichnen sich selbst als neugierig und weltoffen

und sprechen vier Sprachen, das kommt Ihnen

im diplomatischen Dienst bestimmt zugute? Aber

spielt Religion im diplomatischen Dienst eine Rolle?

Neugier, Weltoffenheit und das Einlassen auf das Gastland

sind gute und auch notwendige Voraussetzungen

für erfolgreiche diplomatische Arbeit. Auch Kommunikationsfähigkeit

in möglichst vielen Sprachen ist sehr

hilfreich bei der Herstellung von guten persönlichen Beziehungen

und soliden Arbeitskontakten. Darüber hinaus

sind für die diplomatische Tätigkeit beim Heiligen

Stuhl profunde Kenntnisse von religiösen Hintergründen

und Zusammenhängen unerlässlich.

Vergangenen Dezember hat Papst Franziskus für

österreichisches Medienecho gesorgt, als er sagte,

dass das Lied „Stille Nacht“ sein Lieblingsweihnachtslied

sei und es eine tiefe Friedensbotschaft

in sich trägt. Sie haben das Lied sogar mit dem

Heiligen Vater gemeinsam angestimmt und in der

Botschaft eine Ausstellung darüber initiiert. Kennt

man österreichische Weihnachtsbräuche in Rom?

Ich habe den 200. Jahrestag des Liedes „Stille Nacht“ als

Chance gesehen, österreichische Kultur und österreichisches

Brauchtum auch in Rom und beim Vatikan noch

besser bekannt zu machen. Die von der „Stille Nacht Gesellschaft“

in Oberndorf erstellte Ausstellung über die

Entstehung und Verbreitung dieses Weihnachtsliedes,

das als Friedensbotschaft von Österreich aus um die

Welt ging, ist auf sehr großes Interesse gestoßen. Der

Vortrag des Liedes durch die Salzburger Sängerin Martina

Mathur vor Papst Franziskus und anschließend auch

zur Ausstellungseröffnung vor einer großen Zahl von

Geistlichen und Diplomaten war sehr berührend.

Sie haben Ihren Dienst in Rom erst kürzlich angetreten.

Welche Pläne haben Sie für Ihre Mission und

was kann Ihrer Meinung nach der Malteserorden zu

einem besseren Ganzen in der Welt beitragen?

Ich sehe mit dem Heiligen Stuhl und dem Souveränen

Malteser-Ritter-Orden, die ja beide weltweit engagiert

sind, auf der Grundlage gemeinsamer Werte und Interessen

Potential zur Zusammenarbeit in globalen Fragen.

Dazu zählen Klima- und Umweltschutz, humanitäre

Hilfe und die Wahrung der Menschenrechte.

GRATIS,

aber leider nicht kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und

soll es auch bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen,

Sie über unsere Arbeit umfassend zu informieren.

Doch die Produktion und der Versand sind leider

nicht kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2018

Spatenstich:

MALTESER Ordenshaus – Wohnen wie Zuhause

Wirtschaft hilft – Das Wirken von Engeln

20. MALTESER Wildwassercamp

Die Malteser-Zeitung 21_11 ok.indd 1 23.11.18 14:00

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2018

80. Großmeister: Fra` Giacomo Dalla

Torre del Tempio die Sanguinetto

Libanon: Karawane der Nächstenliebe

„Gaudete et exsultate“

Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

Die Malteser-Zeitung 2_2018_2806_ok.indd 1 29.06.18 07:45

Konto lautend auf MALTESER Hospitaldienst Austria,

Kennwort „Zeitung“ AT65 2011 1800 8087 0800

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst sind von der Steuer absetzbar!

senden wir Ihnen die Zeitung

gerne regelmäßig zu.

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@malteser.at

DIE MALTESER 1/2019 37


XXXXX MALTESERÖSTERREICH

EIN BAYER MIT HERZ FÜR SÜDAFRIKA

Pater Gerhard Lagleder gründete und leitet die größte katholische Hilfsorganisation im südlichsten Land Afrikas – die

Südafrikanischen MALTESER, die sich dort „Brotherhood of Blessed Gérard“ nennen und ein Hospiz betreiben, in dem

größtenteils AIDS-Kranke behandelt und gepflegt werden. Aus Österreich bekam er zuletzt prominente Unterstützung

durch eine Benefizveranstaltung der ganz besonderen Art.

Von Katharina Stögner

„Derzeit halten sich in Südafrika die Zahl der AIDS-

Neuerkrankungen und die Zahl der Todesfälle die Waage“,

sagt Gerhard Lagleder. Der in Regensburg geborene

Benediktiner ist seit 1994 Mitglied im Malteserorden

und seit 1987 als Missionar in Südafrika tätig. 1992 hat

er in der Provinz KwaZulu-Natal die Hilfsorganisation

„Brotherhood of Blessed Gérard“ ins Leben gerufen. Sie

ist nach dem Gründer des Malteserordens, dem Seligen

Gerhard, benannt und betreut vor allem HIV-Infizierte

und AIDS-Kranke.

Die Tatsache, dass die Neuinfektionsrate nicht weiter

steigt, ist der großen Zahl an AIDS-Kranken zu verdanken,

die in hochaktiver antiretroviraler Therapie, kurz

HAART, sind. „Werden die Medikamente regelmäßig

und ohne Unterbrechung eingenommen, dauert es etwa

ein halbes Jahr, bis die Virenbelastung von ein bis eineinhalb

Millionen Viruskopien pro Kubikmillimeter auf

unter 50 – und damit unter die Nachweisgrenze – gefallen

ist. Damit ist der Patient nicht mehr infektiös und

kann andere nicht anstecken. Wir hatten in unserem

Programm deshalb auch noch nie eine HIV-Übertragung

einer Mutter zum Kind, weil wir rechtzeitig die Virenbelastung

unter die Nachweisgrenze senken“, erklärt Pater

Gerhard. Weniger AIDS-Patienten gebe es deshalb aber

nicht, weil alle Erkrankten bis an ihr Lebensende nach

wie vor AIDS-Patienten bleiben, selbst wenn sie aufgrund

der erfolgreichen Behandlung durch die tägliche

Medikamenten-Einnahme nicht mehr ansteckend sind

und sich durchaus wohlfühlen.

Ganzheitliches Hilfssystem

Das AIDS-Behandlungsprogramm erschöpft sich nicht allein

in der Medikamenten-Ausgabe an die rund 700 AIDS-

Patienten, welche die Brotherhood aktuell betreut. Es ist

vielmehr ein ganzheitliches System, das die Diagnose, die

Therapievorbereitung, die Behandlung opportunistischer

Infektionen und Krebserkrankungen, die antiretrovirale

Therapie, die Therapiebegleitung und die soziale Rehabilitation

sowie Existenzsicherung der Patienten und oft auch

deren Angehöriger einschließt. „Außerdem behandeln und

pflegen wir in unserem stationären Hospiz mit 40 Betten

AIDS-Patienten, die wegen Resistenz oder zu weit fortgeschrittener

Infektionskrankheiten nicht mehr gesund

werden können. Dasselbe machen wir im ambulanten

Hospiz mit 364 Patienten pro Jahr“, so Pater Gerhard. Zusätzlich

betreibt die Bruderschaft einen Kindergarten und

eine Kinderklinik, in der sie sich vor allem unterernährter

38

DIE MALTESER 1/2019


Kleinkinder annimmt. Für mehr als hundert Schüler und

Studenten wird eine Schul- bzw. Berufsausbildung finanziert.

Bei ihrer Arbeit ist die Brotherhood ausschließlich auf

Spendengelder angewiesen. Rund 20 Prozent davon kommen

aus Südafrika, die restlichen 80 Prozent stammen aus

Deutschland und Österreich. Anlässlich des Welt-AIDS-Tages

Ende November 2018 wurden im Rahmen einer ganz

besonderen Benefizveranstaltung im Wiener Stephansdom

rund 70.000 Euro eingespielt. Besonders war die Veranstaltung

nicht nur aufgrund der hochkarätigen Besetzung,

sondern auch wegen der ungemein raschen Reaktion

und Einsatzbereitschaft der Gastgeber und Organisatoren

des Abends.

„Jedermann im Dom“

Die Vorgeschichte: Im September 2018 hatte Kardinal

Schönborn der Hilferuf von Pater Gerhard Lagleder aus

Südafrika erreicht. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten

der staatlichen Behörden musste das Hospiz einen Teil

der für die Patienten überlebensnotwendigen Medikamente

vier Monate lang selber beschaffen und bezahlen.

Kardinal Schönborn wandte sich umgehend an Gery

Keszler, den Gründer des Vereins LIFE+, um gemeinsam

nach möglichen Lösungen zu suchen. Wie es der Zufall

wollte, hatte Gery Keszler tags zuvor den Schauspieler

und „Jedermann“-Darsteller Philipp Hochmair kennengelernt.

Innerhalb eines einzigen Tages war die Idee zur

Veranstaltung „Jedermann im Dom“ geboren. Die Einnahmen

aus dem Ticketverkauf und weiteren Spenden

entsprechen den Ausgaben, die notwendig sind, um die

gesamte umfassende Versorgung der rund 700 Patienten

in AIDS-Therapie einen Monat lang sicherzustellen.

Die Rechnung ging auf. Die Vorstellung, zu der Kardinal

Dr. Christoph Schönborn gemeinsam mit Prokurator

Norbert Salburg-Falkenstein und Gery Keszler luden,

war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Mit stehenden

Ovationen bedankte sich das begeisterte Publikum bei

Hochmair und seiner Band, der „Elektrohand Gottes“, sowie

den mitwirkenden Gaststars Ulrike Beimpold (Buhlschaft),

Sunnyi Melles (Gott und Teufel), Erni Mangold

(Gute Werke), Konstanze Breitebner (Mutter und Glaube)

und dem Nachwuchstalent Siya Urbanitsch-Schlacher

(Tod). Auch Pater Lagleder war an diesem besonderen

Abend anwesend und nahm den Spendenscheck in der

Höhe von € 68.448,– dankbar entgegen.

Ob der Benediktinermönch seine Entscheidung, nach Südafrika

zu gehen, jemals bereut hat? „Keine Sekunde. Damit

ist ein Lebenstraum von mir erfüllt“, so Pater Gerhard.

FACTBOX

Organisation: Brotherhood of Blessed Gérard

Gründung und Sitz: 1992, KwaZulu-Natal/Südafrika

Mitglieder: 2584, damit größte katholische

Hilfsorganisation Südafrikas

Sozialarbeiter-Konsultationen: 6926

Hausbesuche durch AIDS-Therapieberater: 3328

Pflegerische Hausbesuche: 1308

Patienten im AIDS-Behandlungsprogramm: 703

Hospiz/neue ambulante Patienten: 488

* Angaben 2018, Quelle: Jahresbericht der Brotherhood of Blessed Gérard

Nähere Informationen: www.bsg.org.za

DIE MALTESER 1/2019 39


MALTESERÖSTERREICH

STRASSEN-

SAMMLUNG 2018

Ein herzliches Vergelt’s Gott für die Unterstützung und

Wertschätzung zum Auftakt der jährlichen Straßensammlung,

der größten Spendenaktion für die Malteser

in der Bundeshauptstadt.

40

DIE MALTESER 1/2019


Herzliche Einladung

AUFNAHME 2019

SALZBURG

STILLE NACHT

Auf den Spuren des weltberühmten Weihnachtsliedes,

dessen Zauber seit 200 Jahren ungebrochen ist. Eines Liedes,

das Trost verspricht und Hoffnung schenkt. Immer

und immer wieder. Der Teilnehmer des Malteser Deutschkurses

besuchten die 200 Jahre „Stille Nacht! Heilige

Nacht!“-Ausstellung in der Residenz Salzburg. Die Gäste

waren begeistert, denn dieses Lied ist auch in deren Ländern

sehr bekannt. Was jedoch keiner wusste, war dass

es aus Salzburg stammt. Anschließend gab es traditionell

einen Punsch am Salzburger „Christkindlmarkt“.

© Steirische Museen MUSIS

SPENDE SICHERT

AUSBILDUNG

Spenden in die Zukunft investieren: Der Malteserorden

unterstützte eine Schülerin in Kooperation mit der Wiener

Kinder- und Jugendhilfe (MAG ELF). Die engagierte

Schülerin benötigte für ihre Schul- und Berufsausbildung

einen Laptop, den sich die Familie nicht leisten konnte.

Jetzt kann sie ihre Ausbildung fortsetzen und hoffentlich

schon bald abschließen. Wir danken den Spendern für die

Unterstützung und wünschen der Familie alles Gute, insbesondere

der jungen Dame beruflich viel Erfolg.

Wir freuen uns, zur Aufnahme

unserer neuen Mitglieder in die

Steiermark einzuladen.

Samstag, 22. Juni 2019

11 Uhr HL. MESSE

in der Stiftskirche Leoben-Göss

Glück auf – Gott gebs!

DIE MALTESER 1/2019 41


XXXXX

TIROL

HL. MESSE

Einen besonderen Gast durften die Malteser in Innsbruck bei ihrer Monatsmesse begrüßen: Mit ihnen feierte Bischof

Hermann Glettler die Monatsmesse am 2. November.

WIEN

HOFBURG

Die Malteser zu Besuch bei NAbg. General Karl Mahrer am Heldenplatz, mit einer anschließenden Führung in den

Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg. Wunderschön das ehemalige Schlafzimmer von Kaiserin Maria Theresia, welches

heute als Empfangsraum des Präsidenten genutzt wird. Großartig, das Probesitzen auf dem berühmten roten Sofa.

STEIERMARK

KÄLTETELEFON

Grazer Malteser helfen, das Kältetelefon der Caritas im Dezember rund um die Uhr zu besetzen.

42

DIE MALTESER 1/2019


1. 2. 3.

XXXX

1. Gemeinsamer Spaß bei Punsch und vorweihnachtlichem Stöbern mit den Bewohnern des Hauses Malta und Betreuten

des Bereiches Burgenland 2. OÖ: Linzer Musiktheater „Ein Amerikaner in Paris“ 3. Nikolo Steiermark 4. Musik für den

guten Zweck in Ebergassing 5. Nikolofeier in Wien 6. Oberösterreich: Gemeinsam auf dem Weihnachtsmarkt

4. 5. 6.

TAG DES EHRENAMTS

Seit 1986 wird an jedem 5. Dezember der internationale

Tag des Ehrenamts begangen. Die Malteser haben diesen

Tag zum Anlass genommen, einmal mehr ein Zeichen zu

setzen – ein sichtbares Zeichen dafür, wie wichtig Freiwilligenarbeit

für unsere Gesellschaft ist. So wurden österreichweit

besondere Ausflüge und Weihnachtsmarktbesuche

initiiert. Die Malteser sind rund um die Uhr, das

ganze Jahr über, für die Not der Menschen ehrenamtlich

im Einsatz. Als eine der größten rein ehrenamtlichen

Organisationen Österreichs engagieren sie sich in der Betreuung

alter und kranker Menschen, im Rettungsdienst,

mit regelmäßigen Besuchsdiensten, sozialer Unterstützung

von Bedürftigen und in der Jugendarbeit. Sie stehen

jederzeit bereit, um dort zu helfen, wo sie gebraucht

werden. Für die Malteser ist eben jeder Tag ein Tag des

Ehrenamtes.

7. 8. 9.

7. Burgenland: Punschtrinken 8. Oberösterreich: Christkindlmarkt Linz 9. Rettungsteam am Tag des Ehrenamts, so

wie immer einsatzbereit.

DIE MALTESER 1/2019 43


MALTESERÖSTERREICH

FONDS SOZIALES WIEN (FSW) UNTER

NEUER FÜHRUNG

Im Mai 2018 wurde Anita Bauer einstimmig an die Spitze des FSW gewählt und ist somit die erste Frau, die den FSW –

das Herzstück der Wiener Sozialpolitik – als Geschäftsführerin leitet. Helmut Lutz im Gespräch mit Anita Bauer.

Frau Bauer, Sie betreten mit Ihrer Funktion kein

Neuland, da Sie ja bereits seit der Gründung des

FSW für die verschiedensten Bereiche des FSW in

führender Funktion tätig waren und als stellvertretende

Geschäftsführerin den FSW auch über den

jeweiligen eigenen Wirkungsbereich hinaus mitgestalten

konnten.

Den FSW zu übernehmen, war für mich eine Bauchentscheidung.

Es ist eine enorme Verantwortung und bedarf

viel Kraft, aber es ist eine sehr schöne Aufgabe und eine

Ehre, es machen zu dürfen. Ich werde von einem so tollen

Team unterstützt, da sind so viele engagierte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, die mit Herzblut bei der Sache

sind.

Wie sehen Sie Ihre zukünftigen Aufgaben? Gibt es

Bereiche, die Ihnen besonders am Herzen liegen,

oder in denen Sie künftig einen noch höheren Unterstützungsbedarf

sehen?

Wir erleben gerade, dass es für alle unsere Zielgruppen

schwieriger wird. Gerade im Bereich der Pflege werden in

den kommenden Jahren noch mehr Menschen in Wien

Unterstützung brauchen. Das heißt, wir brauchen gut

ausgebildete Fachkräfte in den verschiedensten Bereichen.

Dafür benötigt es neben den finanziellen Mitteln

auch die politischen Rahmenbedingungen.

In Anbetracht des demographischen Wandels, einer immer

älter werdenden Gesellschaft, der Veränderung unserer

Gesellschafts- und Familienstrukturen, zunehmender

Urbanisierung und Migration wird eine Organisation

wie der FSW zukünftig mit großen Herausforderungen

konfrontiert sein.

Sehen Sie den FSW dafür gut gerüstet bzw. was ist

aus Ihrer Sicht unbedingt noch zusätzlich zu tun?

Mit dem Strategiekonzept „Pflege 2030“ ist Wien gut aufgestellt.

Dennoch müssen wir natürlich weiterhin flexibel

mit den sich ändernden Rahmenbedingungen umgehen.

Wien ist eine Stadt der Vielfalt. Was wir brauchen, sind

qualitätsvolle, individuelle und flexible Angebote, die vielen

Menschen zur Verfügung stehen. Wir benötigen innovative

Lösungen im Hinblick auf eine immer älter werdende

Gesellschaft. Zielgruppen müssen aber auch neu

definiert werden. Unser Bild vom Alter ändert sich: 60 ist

das neue 50. Und durch die Digitalisierung sinkt zum Beispiel

die Nachfrage nach klassischen Angeboten wie der

Heimhilfe. Welche Angebote braucht die Zielgruppe zwischen

60 und 80 Jahren von der Stadt? Ab wann brauchen

wir welche Pflege- und Betreuungsleistungen und für wie

viele Menschen? Wie viele Spezialangebote werden benötigt

werden? Allein der Bereich Demenz ist ein Kapitel

für sich. Die unterschiedlichsten Disziplinen müssen sich

mit dem Thema des Alterns auseinandersetzen.

Um den künftigen Herausforderungen im sozialen

Bereich begegnen zu können, werden wir eine

noch größere Solidarität, mehr Kooperationen und

mehr ehrenamtliches Engagement benötigen. Der

FSW verfügt bereits jetzt über eine hohe Anzahl an

Partnerorganisationen – auch der Souveräne Malteser-Ritter-Orden

ist seit vielen Jahren mit dem

Haus Malta, Seniorenwohnsitz der Malteser, als an-

44

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERÖSTERREICH

Geschäftsführerin des Fonds Soziales Wien (FSW) Anita Bauer im Gespräch mit Helmut Lutz, Geschäftsführer von Malteser Care,

über die Herausforderungen im Bereich der Pflege und Betreuung in Wien.

erkannte Einrichtung des FSW Teil dieses Partnernetzwerkes.

Derzeit entsteht im dritten Bezirk ein

neues Ordenshaus des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens, welches 2021 bezugsfertig sein soll. Dieses

Haus wird rund 70 Bewohnern Platz bieten.

Begrüßen Sie solche „privaten“ Initiativen, und

können diese aus Ihrer Sicht Vorbildwirkung haben?

Ja unbedingt, denn je mehr unterschiedliche Köpfe sich

Gedanken über eine Herausforderung machen, desto

eher wird sich eine Lösung finden. Um den Anforderungen

unserer Zeit gerecht zu werden, müssen wir die Solidarität

und die Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft

fördern und stärken, damit diejenigen, die Hilfe und

Unterstützung benötigen, diese auch bekommen. Dafür

braucht es professionelle und qualitätsgeprüfte Angebote.

Ehrenamtliches Engagement kann eine wertvolle Ergänzung

sein und eine Leistung abrunden. Ich bin davon

überzeugt, dass das neue Ordenshaus des Malteserordens

diese Komponenten bestens vereinen wird.

Viele pflege- und betreuungsbedürftige Menschen

ziehen es vor, in ihrem eigenen zu Hause betreut

und gepflegt zu werden. Wie sehen Sie die zukünftige

Entwicklung im Bereich der mobilen Dienste?

Der Wunsch geht eindeutig in die Richtung, bis ins hohe

Alter zu Hause bleiben zu können. Somit wird weiterhin

ein Fokus auf die mobile Betreuung zu Hause zu legen

sein. Hier werden wir zukünftig einen noch größeren

Angebotsmix, wie zum Beispiel mehrstündige Alltagsbegleitung,

benötigen. Aber vor allem brauchen wir noch

bessere Entlastungs- und Unterstützungsangebote für

pflegende Angehörige, die ja die große Mehrheit der Pflegenden

darstellen und durch ihren Einsatz das System

enorm entlasten. Und pflegende Kinder und Jugendliche

sollte es bei uns gar nicht geben – diese Verantwortung

darf nicht auf den Schultern von Minderjährigen lasten.

Malteser Care, ein weiteres Hilfswerk des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens, welches individuelle Pflege

und Betreuung für Menschen zu Hause organisiert

und sicherstellt, wird auch immer wieder als

Lösungspartner bei komplexen Problemstellungen

kontaktiert. Wie sehen Sie die Rolle solcher Organisationen,

wie Malteser Care in der künftigen Landschaft

der Angebote des FSW im mobilen Bereich?

Gerade im mobilen Bereich brauchen Einzelfälle oft ein

spezielles Angebot. Eine kleinere aber hochqualifizierte

Organisation wie Malteser Care kann hier flexiblere Lösungen

anbieten, was immer benötigt werden wird, wie

uns die Erfahrung bereits mehrmals gezeigt hat. Darauf

beruht auch unsere Partnerschaft.

Nähere Informationen:

www.malteser.care

www.fsw.at

DIE MALTESER 1/2019 45


MALTESERKINDERHILFE

EIN TAG MIT

EINER CASE UND CARE MANAGERIN

Um den Arbeitsalltag einer Case und Care Managerin live mitzuerleben, habe ich Schwester Mirna einen Tag lang in Wien

begleitet. Hut ab vor den Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Helferinnen!

Von Susanne Wick

Geplant war, gemeinsam in der Früh zu starten. Doch

es kommt anders: Eine telefonische Neuanfrage einer

verzweifelten Angehörigen landet bei Schwester Mirna –

ein dringender Notfall! Selbstverständlich hat das Erstgespräch

vor Ort Vorrang. In der Folge muss Mirna alle

weiteren Termine für den Tag neu organisieren. Schließlich

hat jeder Klient unterschiedliche Tagesabläufe, die

sich ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen richten.

Darauf ist bei der Planung der Besuche ganz besonders

zu achten. Hier sind enormes Organisationstalent

und Flexibilität gefordert.

Gegen Mittag geht unsere gemeinsame Einsatztour

los. Unser erstes Ziel liegt im zweiten Bezirk. Auf

dem Weg dorthin habe ich, zwischen den Anrufen,

die Schwester Mirnas Handy immer wieder läuten lassen,

die Gelegenheit, die engagierte Helferin nach ihrer

eigenen Geschichte zu befragen. Mirna ist sowohl

diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin als

auch diplomierte Kinderkrankenschwester. Für Malteser

Care betreut sie eine Vielzahl von hochbetagten

Klienten sowie sechs Familien mit chronisch kranken

Kindern. Das bedeutet wöchentliche Betreuungs- bzw.

Pflegevisiten vor Ort.

„Am Ende überwiegt das Positive“

Mirna ist verheiratet und selbst Mutter von zwei Kindern

im Alter von sechs und neun Jahren. „Warum hast

du ausgerechnet diesen extrem herausfordernden Beruf

gewählt?“, frage ich sie. Mirna lächelt nur. Für sie seien

immer schon die Menschen mit ihren Bedürfnissen im

Mittelpunkt gestanden. „In meinen 15 Jahren als Krankenschwester

habe ich sehr viele schöne, aber oft auch

sehr schwierige Betreuungssituationen erlebt. Am Ende

überwiegt aber immer das Positive, das zurückkommt“,

sagt Mirna fröhlich.

Es braucht definitiv ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen,

viel Verständnis, aber vor allem auch sehr gute

Nerven, um immer professionell den täglichen und unterschiedlichsten

Anforderungen in der Betreuung der

Klienten gerecht zu werden. Wie wichtig dies ist, erlebe

ich beim Besuch unseres ersten Klienten an diesem Tag:

Es ist Herr P., ein 95-jähriger Witwer, den wir gerade bei

der Nachspeise stören. Wir begrüßen seine Tochter, die

zu Besuch ist, und seine Personenbetreuerin. Die erste

Frage gilt dem Gesundheitszustand von Herrn P., die

er gleich selbst beantwortet. Dank seiner fürsorglichen

„Perlen“ Ionela und Gabriela-Maria, die sich im vierzehn-

46

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERÖSTERREICH

tägigen Rhythmus abwechseln, und „seiner lieben Case

und Care Managerin Mirna“ gehe es ihm sehr gut.

Das war freilich nicht immer so. Während Mirna die

Pflegedokumentation kontrolliert und die Personenbetreuerin

instruiert, erzählt mir Herr P., dass er nach einem

Krankenhausaufenthalt nicht mehr allein bleiben

konnte. Er hatte plötzliche Ohnmachtsanfälle. Dank der

professionellen und stabilen Betreuungssituation durch

Malteser Care seit fast zwei Jahren sei er aber sehr glücklich

darüber, in seinem eigenen Zuhause mit allen seinen

Erinnerungen leben zu können.

Ein eingespieltes Team

Auf dem Weg zu unserem nächsten Termin hört Mirna

die Nachrichten auf ihrer Mobilbox ab. Es geht um organisatorische

Fragen einer Angehörigen zu Anträgen von

Heilmittelbehelfen und den Formularen für die Personenbetreuerinnen.

Dann meldet sich eine Personenbetreuerin,

die erkrankt ist und nicht zu ihrem geplanten

Einsatz kommen kann. Eine weitere Anfrage betrifft

Informationen zum Familienentlastungsdienst. Soweit

es am Telefon möglich ist, erledigt Schwester Mirna die

dringendsten Anfragen sofort, um den Rest kümmert sie

sich später im Büro.

Unser nächster Termin ist in der Brigittenau. Auf uns

wartet Herr B., ein sehr fröhlicher 82-jähriger Herr mit

einer ebenso fröhlichen Betreuerin und einer sehr guten

Freundin, die seinerzeit mit Malteser Care Kontakt aufgenommen

hatte, als Herr B. dringend eine Betreuung

benötigte. Herr B. leidet seit vielen Jahren an schweren

und sehr schmerzhaften, chronischen Rückenschmerzen

und kann sich nur eingeschränkt bewegen. Dank der

fürsorglichen Betreuung durch seine „beiden Damen“ –

Emanuela-Alexandra und Valeria, Mutter und Tochter

aus Rumänien – ist vieles leichter geworden.

Liebe, Engagement und voller Einsatz

Zurück im Büro muss Schwester Mirna noch die Einsatzplanung

für die nächste Woche mit ihren Kolleginnen

besprechen, die Pflegedokumentation des Tages ins elektronische

System eintragen, zahlreiche E-Mails beantworten,

einen Ersatz für die erkrankte Personenbetreuerin

suchen, Termine für Erstgespräche mit Angehörigen

für die nächste Woche vereinbaren und sich dann noch

beeilen, um ihre Kinder von der Nachmittagsbetreuung

in der Schule abzuholen …

Ich bin beeindruckt von der umsichtigen, einfühlsamen

und ruhigen Art und Weise, wie Mirna ihren Job

erledigt. Und sie ist nicht die Einzige: Schwester Mirna

steht für alle Case und Care Managerinnen von Malteser

Care, die sich täglich in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich,

Salzburg und der Steiermark mit viel Liebe,

Engagement und vollem Einsatz um das Wohlbefinden

unserer Klienten bemühen. Ihnen allen ein herzliches

Danke!

3.

KINDERHILFELAUF

AMSTETTEN

29. September 2019

DIE MALTESER 1/2019 47


MALTESERKINDERHILFE

DIE HILFE

MIT DER

MAUS

Eine Theatergruppe, rund 100 Gäste, mehr als 4.300 Euro Spendenerlöse und eine blaue Maus: Das sind die Zutaten eines

überaus gelungenen Benefiz-Abends zugunsten des Hilde Umdasch Hauses.

Von Katharina Stögner

Der 13. November 2018 war ein besonderer Tag für die

Theatergruppe Gaflenz. Vor 40 Jahren gegründet, durfte

die Laiengruppe an diesem Abend aus ganz speziellem

Anlass für rund 100 Gäste aus dem Bezirk Amstetten

spielen. Sie alle waren extra angereist, um das Ensemble

in „Die Blaue Maus“, einem Dreiakter nach einem

Schwank von Carl Laufs, Curt Kraatz und Hugo Wiener,

live zu erleben. Die Einnahmen des Abends kamen der

Malteser Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus zugute.

Die Gesamtsumme von rund 4.300 Euro wurde Mitte

Jänner 2019 im Rahmen einer kleinen Feier im Hilde

Umdasch Haus überreicht.

Wenn eine Ärztin und ein Pharmareferent

miteinander reden ...

„Wir wollten zum 40-jährigen Jubiläum unserer Theatergruppe

„etwas Gutes“ tun, daher die Benefiz-Veranstaltung

zugunsten der Malteser Kinderhilfe“, erzählt

Hans-Peter Weiler, Obmann des Theatervereins. Das

Hilde Umdasch Haus als Spendenziel war nicht zufällig

gewählt. Hans-Peter Weiler ist beruflich mit Silvia

Reisner-Reininger, einer Kinderärztin aus Amstetten,

die sich ehrenamtlich um die Betreuung der Kinder im

Hilde Umdasch Haus kümmert, bekannt.

„Frau Dr. Reisner hat mich einmal gefragt, ob sich die Theatergruppe

Gaflenz vorstellen könnte, für die Malteser

Kinderhilfe zu spielen. Dieser Gedanke hat uns nicht mehr

losgelassen“, so Weiler, im Hauptberuf Pharmareferent,

„nach einem Vorgespräch und zwei Besuchen im Hilde

Umdasch Haus stand dann schnell fest, dass wir die Einladung

zu einer Sonderaufführung sehr gerne annehmen.“

Heiteres und Nachdenkliches

Bei der Wahl des Stückes fiel die Entscheidung rasch für

Die Blaue Maus“, ein sehr heiteres Stück. Hans-Peter Weiler:

„Wir spielen hauptsächlich heitere Stücke, wagen uns

aber immer wieder einmal auch ins ernste und kritische

Lager mit „Besuchszeit“ von Felix Mitterer oder „Amanita“

von Ingo Sax, wo es um Missbrauch und dessen Auswirkungen

in der Familie geht.“

Die Malteser Kinderhilfe und die Theatergruppe Gaflenz

bedanken sich an dieser Stelle ganz besonders bei folgenden

Spendern, welche die Benefiz-Veranstaltung zugunsten

des Hilde Umdasch Hauses ermöglicht haben: Generali

Versicherung, Raiffeisenbank Amstetten, Hotel-Restaurant

Juwel, Autohaus Slawitscheck und Bionorica ethics.

Nähere Infos: www.theatergruppe-gaflenz.com

48

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERÖSTERREICH

SCHÜLERINNEN UNTER-

STÜTZEN DIE MALTESER

KINDERHILFE

Immer wieder hört man: „Was kann ich denn schon ausrichten

oder verändern?“ Nicht so fünf Schülerinnen der

Neuen Mittelschule Seitenstetten. Sie wollten helfen und

etwas bewegen. Also haben sie im Rahmen eines Schulprojekts

einen Weihnachtsbasar organisiert. Der Reinerlös

von 620 Euro kam zur Gänze der Malteser Kinderhilfe

zugute. Mit diesem Spendengeld wurde ein höhenverstellbarer

Spezialduschsessel für die Kinder im Hilde Umdasch

Haus angeschafft. Damit können die Kinder noch besser

bei der Körperpflege unterstützt werden, ihre Selbständigkeit

wird gefördert. Ein herzliches Dankeschön für diese

großartige Initiative!

FRISCHER ANSTRICH – FIT FÜR DEN FRÜHLING

Das Malteser Kinderhilfe-Team tauscht kurzfristig die Pflegekleidung gegen den Blaumann und verpasst einigen Zimmern

einen neuen und farbenfrohen Anstrich. Für die Kinder war es ein riesiger Spaß, gleichzeitig strahlten sie über das ganze

Gesicht, als sie ihre neu ausgemalten Zimmer beziehen konnten.

KEKSE FÜR DEN GUTEN ZWECK

Von Katharina Stögner

Olivier Loudon und Petra Hellmich, Geschäftsführer

der Malteser Kinderhilfe, waren mehr als überrascht

und emotional berührt, als ihnen die Spendensumme

aus dem alljährlichen Weihnachtskekseverkauf

im Hilde Umdasch Haus überreicht wurde. Diesmal

war eine neue Rekordsumme zusammengekommen.

Insgesamt wurden 3.959,59 Euro von zahlreichen

Schulen, Unternehmen und ehrenamtlichen

Helfern „erbacken“. Die Spende wurde feierlich in

Anwesenheit von Landtagsabgeordneter Michaela

Hinterholzer und Ursula Puchebner, Bürgermeisterin

von Amstetten, überreicht. Sie kommt zu 100

Prozent der Malteser Kinderhilfe zugute.

Ein herzliches Dankeschön allen Mitwirkenden und größte Hochachtung,

ein wunderbarer Erfolg und eine wichtige Hilfe für unsere

Kinder.

DIE MALTESER 1/2019 49


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

FUNKELNDER ADVENT

Von Naomi Kienreich

Ausflug nach Nechelheim

Bei Tee, Keksen und adventlichen Liedern wurde in der

Obersteiermark das erste Adventwochenende genossen.

Die malerische Kulisse von Schloss Nechelheim war am

Abend auch Treffpunkt für eine Adventkranzweihe.

Nikolauskränzchen

Im Zuge des „Café Malta“ am Tag des Ehrenamts – am

Vorabend zum Fest des Heiligen Nikolaus – trafen sich

Betreute und Malteser zu Punsch und Lebkuchen in der

Zentrale. Nach einigen vorweihnachtlichen Geschichten

und Gedichten besuchte uns pünktlich zur letzten Strophe

von „Lasst uns froh und munter sein“ der Heilige Nikolaus.

Dieser brachte Säckchen gefüllt mit Schokolade,

Nüssen und Mandarinen. Die Freude und Überraschung

über so hohen und großzügigen Besuch war groß!

Bastelworkshop

Die Tischdekoration für die Weihnachtsfeier wurde im

Zuge eines Bastelworkshops von unseren Betreuten ge-

fertigt. An diesem Nachmittag war die Werkstatt des

Christkinds wohl in Graz zu finden. Mit süßer Stärkung,

heißen Getränken und passender Musik wurden Materialien

aus der Natur wie Misteln, Zapfen und Zweige

zu glitzernder Tischdekoration für die nahende Weihnachtsfeier

zusammengefügt.

Weihnachtsfeier

Die Malteser durften auch

2018 ihre Weihnachtsfeier

im Refektorium des bischöflichen

Seminares der Diözese

Graz-Seckau veranstalten.

Nach der feierlichen Messe

im Dom zu Graz wurden die

Gäste – Betreute, Ordensmitglieder,

Bewohner des

betreuten Wohnheimes der

Elisabethinen in Graz sowie zahlreiche Malteser – bereits

vom Duft des Malteser-Punsches und von Weihnachtsliedern

im prachtvollen Saal erwartet.

Für viele unserer betreuten Freunde war diese Weihnachtsfeier

die einzige bzw. familiärste, zu der sie geladen

waren. Aus diesem Grund durfte an diesem späten

Nachmittag im Advent „Stille Nacht“ gesungen werden

und eine Bescherung stattfinden. Vor einem liebevoll geschmückten

und hell erleuchteten Baum befanden sich

verpackte Weihnachtsgeschenke, die von den jüngsten

Gästen verteilt wurden. Das Christkind hat auch im vergangenen

Jahr wieder alle bedacht und sorgfältig über

die Nöte und Bedürfnisse des Beschenkten nachgedacht.

Nach einem dreigängigen, festlichen Essen, der Bescherung

und Punsch verabschiedete sich die Bereichsleitung

im Namen aller Malteser mit einer extra für die Weihnachtsfeier

eingekochten Hagebuttenmarmelade aus

dem Stift Admont und – bereits in jahrzehntelanger Tradition

– mit einem Zyklamenstöcken, einer Spende aus

den eigenen Reihen.

50

DIE MALTESER 1/2019


MALTESERÖSTERREICH

BURGENLAND

BENEFIZLESUNG

Im November fand im Erzbischöflichen Palais in Wien eine Lesung mit Burgschauspieler

Peter Matić zugunsten der Malteser im Burgenland statt. Die Zuhörer,

unter ihnen auch Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein und Kommandant

Richard Wittek-Saltzberg, kamen in den Genuss einer Reihe heiterer Texte von

Kishon bis Roda Roda. Vorgetragen und interpretiert von einer wohl unverkennbaren

Stimme. Die großzügigen Spenden leisten einen wichtigen Beitrag für die

Arbeit mit den Betreuten.

WIEN/NIEDERÖSTERREICH

RIEGELHOF

Ausflug der Delegation Wien/Niederösterreich

und des Johanniterordens für insgesamt 27 betagte

Gäste nach Prein an der Rax zum Riegelhof,

dem Sommerhaus des Heimito von Doderer.

Der Hausherr sowie Doderer-Forscherin Claudia

Girardi führten durch das Haus. Auch ein Film

wurde gezeigt, dazu wurden Texte von Heimito

von Doderer gelesen. Bei einem Gläschen Wein

und köstlichen Brötchen genossen alle das Ambiente

des rückrenovierten Anwesens, mitten im

Wald, mit seinem imposanten Blick auf die Rax.

DIE MALTESER 1/2019 51


RUNDSCHAU

INTEGRATION DURCH EMPOWERMENT

Dank der Unterstützung der MALTESER Sprachkurse und des MALTESER Jobnetzwerks haben in den vergangenen drei

Jahren viele Flüchtlinge aus Krisengebieten Deutsch gelernt und einen Job in Österreich gefunden.

Von Martin Prohaska-Marchried und Markus Kirchschlager

Wir alle haben noch die Bilder der Flüchtenden im Kopf. Zu

Hunderttausenden verließen sie 2015/16 ihre vom Krieg

gebeutelte Heimat. Einige von ihnen fanden Aufnahme in

Österreich – und mit Hilfe des Netzwerkes der Malteser

einen Job. Es war Bärbl Bauer, die sehr bald die Idee hatte,

Deutschkurse für Flüchtlinge anzubieten, denn: Ohne

Deutschkenntnisse kein Job, ohne Job keine Zukunft. Aus

dieser Initiative ist das Malteser Jobnetzwerk entstanden,

im Rahmen dessen Malteser ihre Netzwerk-Kontakte einsetzen,

um für betreute, insbesondere syrische Flüchtlinge,

Kontakte zu Unternehmen herzustellen.

Vom Lebenslauf bis zum Bewerbungsgespräch

Das Malteser Jobnetzwerk bietet Feedback und Hilfe

beim Aufbereiten von Bewerbungsunterlagen, individuelles

Coaching, Kontaktherstellung zu Unternehmen sowie

laufende Begleitung in Bewerbungsprozessen und bei Bewerbungsgesprächen.

Wie läuft das konkret ab?

Die in den Sprachkursen betreuten Teilnehmer übermitteln

ihre Lebensläufe, die Daten werden im Zuge

eines persönlichen Gespräches ergänzt.

Die Lebensläufe werden einem professionellen

Screening unterzogen.

Die Mitglieder des Malteser Jobnetzwerks sprechen

über ihre persönlichen Kontakte Unternehmen an,

dafür stehen DSGVO-konforme Textvorlagen zur

Verfügung.

• Bei Bedarf wird nachtelefoniert, um Vorstellungstermine

zu vereinbaren.

• Und, wo notwendig, begleitet ein Malteser den

Teilnehmer zum Vorstellungstermin.

Die Bilanz dieser ehrenamtlichen Tätigkeit bis heute:

Mehr als 560 Dienststunden, 240 betreute und aktualisierte

Lebensläufe, 140 Teilnehmende und ein starkes

Netzwerk an Partnern: u.a. NESPRESSO Österreich, BDO

Consulting, MABA Fertigteilindustrie, Austria Trend Hotels

(Lassallestrasse) mit einem Programm zur Unterstützung

der Malteser Jobnetzwerk-Teilnehmer bei berufsbegleitender

Lehre, Raiffeisen Bank International, Deloitte,

Österreichischer Integrationsfonds, Caritas/Erzdiözese

Wien, TEDi Warenhandels GmbH, FRONIUS International

GmbH und Kirchdorfer Industrieholding GmbH.

Nächste Schritte und Termine

Als nächstes sollen die bestehenden Ressourcen erweitert

werden. Dazu wird es in Kürze eine einfach verständliche

Broschüre mit den wichtigsten „To do’s für die gelingende

Integration“ geben. Weiters wurde das Malteser Jobnetzwerk

im Rahmen eines Delegationsabends der Delegation

Wien/Niederösterreich am 19. März 2019 präsentiert. In

Kürze wird das als Bundesdienst eingerichtete Malteser

Jobnetzwerk auf die Steiermark und Oberösterreich ausgedehnt.

In Wien findet der Sprachkurs und das Jobnetzwerk

an einem Samstag im Monat in der Burggasse 37 statt.

Der Sprachkurs wird von Elisabeth Varga geleitet, die

Ende 2018 die Koordination der Deutschkurse von Bärbl

Bauer übernommen hat. An dieser Stelle ein herzliches

Dankeschön an Bärbl für ihre wertvolle Aufbauarbeit und

ihr enormes Engagement. Wer Fragen dazu hat oder sich

aktiv in diesen Dienst einbringen möchte, wendet sich in

einer kurzen E-mail an: jobnetzwerk@malteser.at

52

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

(v.l.n.r.): Gem.-Rat P. Stöckler,

Bailli Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt,

Landeshauptfrau a.D. W. Klasnic,

KR M. Auer, Mag. J. Gruchmann-Bernau,

BM Univ.-Prof. Mag. Dr. J. Bogner-Strauß,

Bischofsvikar Domprobst Dr. H. Schnuderl,

P. Mag. C. Grill OSB, P. Stellnberger

GROSSZÜGIGE HILFE DES

LANDES STEIERMARK

Am 17. November 2018 fand unter dem Ehrenschutz von Landeshauptmann

Hermann Schützenhöfer der Benefizabend der Delegation Steiermark

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens statt. Rund 300 Ehren- und

Festgäste folgten der Einladung in die Aula der Alten Universität Graz.

Zu den Gästen zählten unter anderem Bundesministerin Juliane Bogner-

Strauß, Bischofsvikar Heinrich Schnuderl, Gemeinderat Peter Stöckler

und Mitglied des Regierungsbeirates der Ordensregierung Bailli Franz

Harnoncourt-Unverzagt. Der Reinerlös des Abends kam ausschließlich

der ehrenamtlichen Arbeit der Malteser des Bereichs Steiermark zugute.

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für die großzügige Unterstützung!

DIE MALTESER 1/2019 53


RUNDSCHAU

DER DRUCK DER

MÄNNLICHKEIT

Das Männergesundheitszentrum MEN in Wien arbeitet beim Thema Flüchtlingshilfe eng mit den MALTESERN zusammen.

Dazu haben wir bereits für unsere Ausgabe 2/2018 mit MEN-Leiter Romeo Bissuti gesprochen. Anlass für das aktuelle

Interview: Die Betreuungsmöglichkeiten für Männer in Not sind längst noch nicht dort, wo sie sein sollten.

Von Katharina Stögner

In Zeiten steigender Gewalttaten gegenüber Frauen

reden wir hier über Hilfe für Männer. Übersehen

wir etwas in der Diskussion?

Ganz im Gegenteil. Gerade Männer mit Fluchthintergrund

schleppen viele unbearbeitete Themen mit sich herum,

die sich eben aus dem Kontext Flucht oder Kriegstraumatisierung

ergeben. Diese Männer sind durch

äußerst ungewisse Zukunftsperspektiven stark belastet.

Psychische Erkrankungen sind von außen meist nicht

sichtbar, behindern die Menschen aber oft in gleicher

Weise wie schwere Verletzungen oder schmerzhafte chronische

körperliche Erkrankungen. Oft muss darüber hinaus

erst ein Bewusstsein für das Vorhandensein einer

psychischen Erkrankung bei den Betroffenen erzeugt

werden. Hier sind Scham und Unwissenheit die größten

Hürden.

Generell scheinen Männer eher seltener psychologische

Hilfe in Anspruch zu nehmen als Frauen. Woran

könnte das liegen?

Ich denke, dass dies am Männlichkeitsbild liegt. In bestimmten

Gesellschaften und sozialen Schichten herrscht

immer noch die Idealvorstellung einer sehr dominanten

Männlichkeit. Viele Männer leiden unter dem Druck, so

einem Männlichkeitsbild entsprechen zu müssen. Die

meisten unserer männlichen Klienten sind von Gewalt

betroffen und verarbeiten dieses Gewalterlebnis wiederum

in Gewaltausübung, um nie wieder in die Opferrolle

zu gelangen. Diese Männer landen dann aber eher bei der

Polizei als beim Therapeuten.

Wie viele Klienten betreut MEN durchschnittlich

pro Jahr?

Wir können etwa 300 bis 400 Therapiestunden pro Jahr

dank der Unterstützung durch die Malteser ermöglichen.

Das bedeutet eine enorme Hilfe für die Männer, gerade

weil die muttersprachliche psychologische Hilfe rar ist.

Damit ist aber oft auch nur das Notwendigste getan. Der

Bedarf und die Anfragen liegen um ein Vielfaches höher.

Wie viele Männer würden Hilfe brauchen, können

aber aufgrund der fehlenden Ressourcen nicht behandelt

werden?

Wir machen die Erfahrung, dass die Nachfrage mit dem

Angebot steigt und es auch bei einem Ausbau der Angebote

zu einer gleich bleibend langen Warteliste kommt.

Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an psychologischer

Hilfe auf Grund der prekären Lebenssituation der Zielgruppe

auch noch in den kommenden Jahren sehr hoch

sein wird.

Wie groß ist die Chance, dass Klienten von MEN

eine Arbeitsstelle finden?

Damit die Integration am Arbeitsplatz gelingt, ist zuerst

der erfolgreiche Besuch eines Deutschkurses oder

einer Bildungsmaßnahme erforderlich. Für Menschen

mit Panikattacken, Angststörungen, Depressionen oder

posttraumatischen Belastungsstörungen ist das kaum

möglich. Sie müssen zuerst ihre Geschichte bearbeiten,

bevor sie in der Lage sind, zu lernen und einen Kurs positiv

abzuschließen. Wenn das aber gelingt, eröffnen sich

54

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

plötzlich neue Perspektiven, von denen nicht

nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren

persönliches und familiäres Umfeld profitieren.

Betreut MEN nur Männer oder können sich

auch Frauen an MEN wenden?

In der Praxis kommen durchaus auch immer wieder

Frauen zu uns – etwa wenn es um Familienthemen

oder Erziehungsfragen mit Söhnen geht.

EIN FEST FÜR ALLE

Von Lukas Krupitza

Am 8. Dezember 2018 feierte die Diözese Feldkirch mit einer Messe

im Dom St. Nikolaus ihr 50-jähriges Bestehen. Besonders eindrucksvoll

war die Lesung, welche von einer blinden Frau – unterstützt

durch ein Lektionar in Brailleschrift – vorgetragen wurde. Unter

den Gästen waren zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen

Lebens sowie Vertreter wichtiger Organisationen und Vereine aus

Vorarlberg. Im Anschluss an die Messe folgte die Festgesellschaft

der Einladung von Bischof Benno Elbs zur Agape ins Montforthaus.

Gemeinsam mit dem Apostolischen Nuntius Exzellenz Dr. Peter S.

Zurbriggen, einem langjährigen Freund der Malteser in Tirol und

Vorarlberg, durften wir uns dort stärken und über einen Rosenkranz

aus dem Vatikan als besonderes Geschenk freuen.

Terminvorschau: Am 21. April 2019 feiern wir um 10:30 Uhr

in der Pfarrkirche St. Martin in Dornbirn unsere Monatsmesse

im Ländle.

ÜBER MEN

Das Männergesundheitszentrum MEN ist eine

niederschwellige Beratungsstelle für Männer,

mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Sie wurde

2002 gegründet. Im Zentrum stehen gesundheitsfördernde

Aktivitäten und Angebote für

sozial benachteiligte männliche Zielgruppen,

da diese die höchsten Gesundheitsrisiken aufweisen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im

Bereich der psychischen Gesundheit und Beratung

in mehreren Sprachen. Das MEN bildet

gemeinsam mit den Frauengesundheitszentren

FEM und FEM Süd das Institut für Frauen- und

Männergesundheit. Seit 2017 besteht eine Kooperation

mit den Maltesern, die in menschlicher

und finanzieller Hinsicht eine unverzichtbare

und entscheidende Hilfe darstellt.

Nähere Informationen: www.men-center.at

DIE MALTESER 1/2019 55


RUNDSCHAU

EINE FLUCHTGESCHICHTE MIT HAPPY END

Nastaran und Daniel kommen aus dem Iran. Mit Hilfe der MALTESER, viel Fleiß und Durchhaltevermögen ist ihnen der

Neustart in Österreich geglückt.

Von Stefanie Lanzdorf

Im Sommer 2016 beschloss die junge Iranerin Nastaran,

ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Die Wunden einer

schweren Verbrennung waren verheilt, die seelischen

Wunden nicht. Das Ziel war Deutschland, die Flucht endete

allerdings in Österreich. Vier Monate verbrachte die

junge Frau im Aufnahmelager der Asfinag in Salzburg.

Im Jänner 2017 lernte sie Daniel kennen. Er stammte

aus dem Nordiran und lebte nun in Linz. Trotz einiger

Widerstände gelang sein Transfer nach Salzburg. Das

junge Paar hoffte hier auf ein Leben zu zweit. Dank dem

Kontakt zu „Bauern helfen Bauern“ über Doraja Eberle

konnten sie schließlich ein Zimmer im Kolpinghaus beziehen.

Zwei positive Asylbescheide, eine Hochzeit und

ein Baby

Im Iran hatte Nastaran das Studium der Molekularbiologie

abbrechen müssen. Um hier in Österreich etwas

Gleichwertiges beginnen zu können, war ein Deutschzertifikat

der Stufe B2 oder C1 erforderlich. Damit begann

ein langer Lernweg. Die Malteser sponserten schließlich

die A2-Prüfung. Im November 2017 fand das von Nastaran

und Daniel gefürchtete Asylinterview statt. Nach fünfeinhalb

Stunden war klar, dass es gut ausgehen würde.

Nastaran fand schnell eine Stelle in der Gastronomie

und konnte mit Daniel ihre erste kleine Wohnung beziehen.

Daniel besuchte einen Spezialkurs, um die Voraussetzungen

für ein österreichisches Zeugnis in seinem

Beruf als gelernter Schweißer zu erwerben. Nach

erfolgreichem Abschluss bekam Daniel sehr rasch Arbeit

als Containerschweißer. Der nächste Schritt folgte

am 17. November 2018: An diesem Tag gab sich das

junge Paar, mittlerweile zum katholischen Glauben

übergetreten, das Ja-Wort. 2019 wird nicht nur das

erste Baby zur Welt kommen, auch eine kirchliche

Trauung ist geplant.

56

DIE MALTESER 1/2019


RUNDSCHAU

ALTER(N)SGERECHTERES LEBEN

DURCH „MOBILITÄTS-SCOUTS“

Für Wiener Senioren gibt es jetzt die Möglichkeit, ihren Lebensraum aktiv mitzugestalten: Als Mobilitäts-Scouts setzen

sie Projekte um, die dazu beitragen, den öffentlichen Raum im Grätzel oder im Bezirk im Sinne älterer Menschen zu

verbessern.

Von Claudia Auzinger

Möglichst lange aktiv und mobil zu sein und im vertrauten

Umfeld leben zu können – das wünschen sich die

meisten von uns. Dafür braucht es jedoch auch eine Lebenswelt,

die Menschen aller Altersgruppen gut nutzen

können. Das Team von queraum. kultur- und sozialforschung

führt deshalb in Wien das Projekt „Mobilitäts-

Scouts“ durch. Ziel ist es, den urbanen Raum alter(n)sgerechter

zu gestalten.

Senioren als Mobilitäts-Scouts

Ältere Menschen übernehmen dabei selbst eine entscheidende

Rolle: Als Mobilitäts-Scouts führen sie gemeinsam

mit anderen Senioren und in Kooperation mit lokalen

Institutionen Projekte zur Erkundung, Thematisierung

und Gestaltung des öffentlichen Raums durch. Als Betroffene

wissen sie am besten, wie Dienstleistungen und

öffentliche Räume gestaltet und organisiert werden sollten,

damit die aktive Teilhabe und das Engagement von

Älteren möglich ist. Mobilitäts-Scouts sind ältere Frauen

und Männer, die Freude und Interesse daran haben, sich

in ihrem Lebensumfeld zu engagieren und dazu beizutragen,

dieses Umfeld für ihre Generation lebenswerter zu

gestalten. In kostenlosen Mobilitäts-Scouts-Trainings erhalten

sie Informationen zu Themen wie Barrierefreiheit,

Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung sowie einen

Überblick über relevante lokale Ansprechpartner. Außerdem

werden die Teilnehmer dabei unterstützt, im Rahmen

des Trainings selbst Projekte zu entwickeln.

Nächster Trainingsdurchgang ab März 2019

Zwischen Februar und September 2018 wurde bereits

ein erstes Mobilitäts-Scouts-Training angeboten. Insgesamt

nahmen 13 Personen daran teil. Sie sind auch

weiterhin als Mobilitäts-Scouts aktiv. Ein weiterer Trainingsdurchlauf

findet an fünf Terminen zwischen März

und Juli 2019 statt.

Nähere Informationen:

per E-Mail an auzinger@queraum.org oder im Internet

www.queraum.org

DIE MALTESER 1/2019 57


RUNDSCHAU

MEHR ZEIT FÜR

FREIWILLIGES ENGAGEMENT

Maria Lettner

Referentin für Jugendpolitik und Mitgliedsorganisationen im Büro der BJV

50% der Jugendlichen in Österreich engagieren sich freiwillig

und leisten damit einen wichtigen gesellschaftspolitischen

Beitrag. Besonders die außerschulische

Jugendarbeit hat einen enormen Wert für die Gesellschaft.

Ihr Beitrag zu nicht-formaler und informeller

Bildung ist dabei ebenso wichtig, wie ihre Bedeutung

für die persönliche Entwicklung von jungen Menschen.

Jugendarbeit fördert das Engagement, die Partizipation

und den sozialen Zusammenhalt. Vor allem Kinderund

Jugendorganisationen leben vom freiwilligen

Engagement, welches auch der zentrale Motor der

Bundesjugendvertretung (BJV, www.bjv.at) ist.

Die BJV denkt an einen gesetzlich verankerten Sonderurlaub

für Arbeitnehmer von bis zu fünf Tagen für

nachweisbares freiwilliges Engagement. Einen Rechtsanspruch

auf Sonderfreistellung für freiwillig Engagierte

gibt es in Österreich derzeit nicht. Bei einer Erhebung

des Sozialministeriums hat fast die Hälfte all jener, die

keine Freiwilligenarbeit leisten, angegeben, diese mit

dem Beruf nicht vereinbaren zu können.

Vorbildhaft sieht die BJV die Rahmenbedingungen in

Deutschland, wo es solche Regelungen bereits in fast al-

len Bundesländern gibt, in Bayern sogar seit 1958. Die

BJV hat daher den Experten Martin Holzner vom Bayerischen

Jugendring (www.bjr.de) im November 2018 zu

einem Pressegespräch nach Wien eingeladen. Holzner

stellt Best Practice-Regelungen aus Deutschland vor,

die eine zusätzliche Freistellung für freiwilliges Engagement

im Bereich Jugendarbeit ermöglichen. In Bayern

haben Arbeitnehmer, die sich in Jugend- und Wohlfahrtsverbänden

freiwillig engagieren, demnach einen

Rechtsanspruch auf bis zu 15 Freistellungstage pro Jahr

und können sich ihren Lohnausfall teilweise auch rückerstatten

lassen.

Der BJV geht es vor allem um „eine Diskussion über

mögliche gesetzliche Regelungen in Österreich als ersten

wichtigen Schritt, um die Sichtbarkeit der Freiwilligenarbeit

zu erhöhen“, erklärt BJV-Vorsitzende Martina

Tiwald. Aus Sicht der BJV würde eine gesetzlich

verankerte Freistellungsmöglichkeit, wie es sie in fast

allen deutschen Bundesländern gibt, auch in Österreich

maßgeblich zur Anerkennung und Förderung von

freiwilligem Engagement in der außerschulischen Kinder-

und Jugendarbeit beitragen.

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DIE MALTESER 1/2019


RUNDSCHAU

GEWÄRMT DURCH

DIE LIEBE, DIE

ZURÜCKKOMMT

Mitglieder des MALTESER Hospitaldienstes haben

Schwester Bernarda vor mehr als 25 Jahren kennengelernt.

Wir erinnern uns an einen besonders warmherzigen

Menschen, der uns allen ein großes Vorbild war.

Von Miriam Weigel

Die heutige Bereichsleiterin des Alten- und Krankendienstes,

Anni Schlanitz, erlebte Schwester Bernarda,

Ordensfrau bei Sta. Christiana, zum ersten Mal im Mai

1992. Damals ging ihr Sohn zur Erstkommunion, deren

musikalische Vorbereitung Schwester Bernarda innehatte.

Kurz zuvor hatte Bernarda einen Schlaganfall erlitten,

durch den sie teilweise gelähmt blieb. Anni Schlanitz holte

daraufhin Schwester Bernarda immer wieder von ihrer

Wohnung im Heim Mater Salvatoris in Pitten ab, um sie

nach Wien zu bringen. Schwester Bernarda nahm an den

monatlichen Jausen für die Betreuten am Kaasgraben

und an allen Ein- und Mehrtagesausflügen des Alten- und

Krankendienstes teil. Während dieser Frühsommerfahrten,

bei denen Anni Schlanitz oft ihre persönliche „Zimmerbetreuerin“

sein durfte, vertiefte sich ihre Bekanntschaft.

Gerne hörte sie Bernarda zu, wenn sie von Musik

erzählte, die neben ihrem Glauben ihr Leben erfüllt hatte.

Als ausgebildete Musikpädagogin hatte sie Kindern Flöten-

und Klavierunterricht gegeben, als Kantorin gewirkt

und Chöre geleitet.

Gelebte Demut und ein starker Glaube

Obwohl Bernarda aufgrund der Verkrampfung ihrer

rechten Hand und der leichten Lähmung ihres rechten

Beines stark beeinträchtigt war und immer wieder

Schmerzen hatte, wusch und kleidete sie sich jeden

Morgen selbstständig und ließ sich nur dort helfen, wo

es nötig war. Es fiel ihr nicht leicht, behindert und auf

andere Menschen angewiesen zu sein. Doch ihre gelebte

Demut und ihr Glaube halfen ihr, es ohne Verbitterung

zu akzeptieren.

Mit dieser Haltung war Schwester Bernarda für Anni

Schlanitz und alle in ihrer Gruppe stets ein großes Vorbild.

Mit Menschen wie Bernarda zusammenzukommen,

die durch das Schicksal von Krankheit oder Armut getroffen

im Leben benachteiligt sind, ihnen zuzuhören,

sie durch Anteilnahme ein wenig aufzumuntern, ihnen

mit ein paar Handgriffen zu helfen, ist für die Malteser

immer eine Bereicherung. Es eröffnen sich Einblicke in

gelebte Schicksale, und die Menschen werden seelisch

durch die Liebe gewärmt, die zurückkommt.

DIE MALTESER 1/2019 59


GELESENEMPFOHLEN

DER BLAUE HIMMEL TRÜGT

80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs bleibt es geboten, die Erinnerung an die Folgen des nationalsozialistischen

Terrorregimes wach zu halten. „Der blaue Himmel trügt“ von Bischof Reinhold Stecher ist ein wichtiger Beitrag

dazu.

Von Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn

„Wenn man mit den Erinnerungen in die unselige Zeit

von 1938 bis 1945 zurückgreift, hat man fast das Bedürfnis,

sich entschuldigen zu müssen. Man fühlt sich

wie ein redseliger Veteran. Und ich bin mir bewusst, dass

diese Zeit, die für mich in der Gesamtbilanz persönlich,

familiär, gesellschaftlich und politisch schrecklich war,

kein Altgold heroischer Verklärung verdient. Aber andererseits

gibt es heute so viele, die wissenschaftlich,

literarisch oder journalistisch über diese Zeiten schreiben.

Und es gibt viele wirklichkeitsverzerrende Filter,

die da über die Darstellungen gelegt werden. Also ist es

vielleicht auch berechtigt, wenn einer der noch verbleibenden

Zeitzeugen das eine oder andere festhält.“

Mit diesen Worten aus der Feder des ehemaligen Bischofs

von Innsbruck wird der Bogen der Erinnerungen

von der „Reichskristallnacht“ des Jahres 1938 bis zur

Kriegsgefangenschaft in Trondheim 1945 gespannt.

Kein Epos eigener oder fremder Heldentaten hat der

ehemalige Schüler Stechers als Herausgeber zusammengestellt,

vielmehr Streiflichter, die die Fratze der

Tyrannis, den Schrecken und die Sinnlosigkeit von

Kriegen im Allgemeinen und des zweiten Weltkrieges

im Besonderen beleuchten.

„Warum ich nicht?“

Nicht Hass oder Zorn haben hier die Feder geführt,

vielmehr die Frage „Warum ich nicht?“. Warum wird

der Autor von der Liste für den Transport ins KZ gestrichen?

Warum wird der Kamerad, der freiwillig an Stelle

eines anderen das Brot für die Einheit geholt hat, beim

Sprung in den schützenden Graben von einer Kugel ins

Herz getroffen? Warum fällt der Sanitäter, der sich liebevoll

der Verletzten annimmt? Warum hat mich der

eigene Schutzengel vor dem „Heldentod“ bewahrt, an-

dere aber nicht? Die sanften, wohlgesetzten Worte des

Seelenhirten lenken das Augenmerk auf die barmherzige

Hand Gottes inmitten des von Menschen verursachten

Grauens.

Respekt vor dem Anderen

Ein angenehm zu lesendes, aber nicht minder beeindruckendes,

wichtiges Buch in Zeiten, in denen versucht

wird, christliche Grundsätze wie die Nächstenliebe zugunsten

materieller Überlegungen aus dem christlichen

Abendland wegzudiskutieren, in denen nach dem Grauen

geborene Politiker sich eine Zigarette neben einem

Pulverfass anzünden, statt die Bevölkerung aufzuklären,

dass Friede nicht geschaffen werden kann durch

„wir zuerst“, sondern nur durch Respekt vor dem Anderen,

durch die offene Hand und nicht die geballte Faust.

Reinhold Stecher, Der blaue Himmel trügt, Erinnerungen

an Diktatur und Krieg, mit Zeichnungen und Aquarellen des

Autors, Hrsg. Paul Ladurner, Tyrolia Verlag 2018, 160 Seiten,

ISBN: 978 3 7022 3687 8, 19,95 Euro

60

DIE MALTESER 1/2019


GELESENEMPFOHLEN

EIN LEBEN ZWISCHEN WELT

UND KLOSTER

Nicht eine bloße Laune oder gar eine verfrühte Midlife Crisis führten ihn nach Heiligenkreuz, sondern der überzeugte

Glaube an Gott. So erzählt es das Buch von Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck.

Von Georg Reichlin-Meldegg

Menschen, die den Glaubensverlust um sich als schmerzliches

Manko empfinden, ihr Lebensglück aber nicht in

Gott, sondern in esoterischen Heilslehren oder weltlichem

Hedonismus suchen.

Von Schlesien über Kärnten nach Heiligenkreuz

So kam es, dass Henckel-Donnersmarck am 15. November

1977 in das Stift Heiligenkreuz eintrat und dort den

Ordensnamen Gregor annahm. Nach dem Studium an der

Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz

wurde er Magister der Theologie, am 1. August 1982 erhielt

er in der Stiftskirche durch Bischof Maximilian Aichern von

Linz die Priesterweihe. Außerhalb der Klostermauern von

Stift Heiligenkreuz wirkte Gregor Henckel-Donnersmarck

u.a. als „Trouble Shooter“ im Stift Rein, bei der Missio Österreich

und schließlich auch als Spiritual des Großpriorats

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in Österreich.

Zu diesem 190 Seiten starken Band drängt sich gleich zu

Beginn eine ganz besondere Frage auf: Was bewegt einen

durchaus erfolgreichen Manager, der sich in der dynamischen

Speditionsbranche ausgezeichnet und ein – grosso

modo – sorgenfreies, selbstbestimmtes Leben geführt hat,

dazu, alles Bisherige über Bord zu werfen und ein Klosterleben

zu führen?

Gregor Henckel-Donnersmarck antwortet auf diese Frage

ganz offen verneinend: Es sei weder eine Sinnkrise oder

unglückliche Liebe, noch eine göttliche Eingebung oder Erleuchtung

gewesen. Vielmehr: In einer Zeit, in der Klöster

geschlossen werden, und in einem Land, in dem nur noch

jeder zehnte Katholik regelmäßig die Sonntagsmesse besucht,

bestehe Handlungsbedarf: Es gelte, ein Zeichen der

Solidarität mit der Kirche und dem Papsttum zu setzen.

Der Glaube sollte wieder attraktiviert werden – für all jene

Im Buch von Henckel-Donnersmarck entdeckt der Leser

ein faszinierendes Leben zwischen Welt und Kirche, zwischen

Ökonomie und Theologie, zwischen Gesellschaft und

Kloster. In der Person des heutigen Altabts der Zisterzienser

in Heiligenkreuz werden aber auch eine charismatische

Persönlichkeit und eine faszinierende Lebensgeschichte

sichtbar: In eine schlesische Adelsfamilie hineingeboren,

landete der Autor als Flüchtlingskind 1945 in Kärnten.

Mit Eloquenz und wirtschaftlichem Geschick machte er

als Diplomkaufmann weltliche Karriere. Doch er wurde ein

den Menschen zugewandter Vermittler geistiger Inhalte –

somit ein „himmlisches Buch“ von einem Spediteur Gottes

mit Bodenhaftung.

Gregor Henckel-Donnersmarck, Der Spediteur Gottes, Carl

Ueberreuter Verlag 2018, 192 Seiten, ISBN: 978 3 8000 7706 9,

24,95 Euro

DIE MALTESER 1/2019 61


GELESENEMPFOHLEN

DIE SEHNSUCHT NACH

EINER GEGENWELT

Prof. Heinz Nußbaumer fand auf dem Hl. Berg Athos Stille und Zeitlosigkeit. Die

erfolgreiche Suche nach dem Ich ist nun durch eine Neuauflage seines Buches

„Der Mönch in mir“ neu zu entdecken oder wieder nachzulesen. Ein Gespräch

mit dem Autor bringt das Wesentliche auf den Punkt

Das Gespräch führte Georg Reichlin-Meldegg

Du fährst schon seit vielen Jahren als Pilger auf den

Berg Athos. Was war Dein Beweggrund?

Heinz Nußbaumer: Zunächst war es Flucht aus dem Alltag

– und ein Stück Überlebens-Strategie. Als langjähriger

weltreisender Journalist und später Sprecher zweier

Bundespräsidenten war ich auf dauernde Erreichbarkeit

programmiert. Mit bösen gesundheitlichen Folgen. Also

habe ich einen Platz gesucht, der mir zumindest kurzzeitig

erlaubt hat, nicht erreichbar zu sein. Es macht nämlich

einen gewaltigen Unterschied, ob schon ein Anruf

genügt, um den Tag zum Entgleisen zu bringen oder ob

man sich auf Stille und Zeitlosigkeit einlassen kann.

Die eigentliche Faszination kam für mich erst später: Die

wunderbare Athos-Landschaft, die gewaltigen Klosterbauten,

das ruhige Gleichmaß des Mönchslebens – und

dann die Freundschaft mit „meinen“ Mönchen. Seit nunmehr

32 Jahren ist dort mein „Ruheplatz am Wasser“.

Welche Erfahrungen und Erlebnisse sind es, die diese

Pilgerreisen zu einem so wesentlichen Bestandteil

Deines Lebens gemacht haben?

Gibt es da eine Antwort in der notwendigen Kürze? Wohl

kaum. Ich habe darüber ein ganzes Buch geschrieben –

und auch das beleuchtet bestenfalls die „Außenseite der

Innenseite“. Hier also nur Stichworte, was ich am Athos

unter anderem kennengelernt habe: Die „Heimkehr in die

Stille“. Das „Aus-der-Zeit-Treten“. Das „Ganz-im-Hierund-Jetzt-leben“.

Die Entzauberung des aufgeblähten

Ichs. Das „Alles-mit-dem-ganzen-Ich-Tun“. Die Dankbarkeit

für Schöpfung, Leben und Glauben. Den Wert

des Gebets, der festen Bräuche und Riten. Den Vorrang

des Herzens vor dem Kopf und vieles mehr. Alles wichtige

Wegweiser hin zu einem erfüllten Leben – und eine

ständige Erinnerung daran, wie klein „Der Mönch in mir“

noch immer ist.

Dein Buch ist soeben wieder einmal neu aufgelegt

und in viele Fremdsprachen übersetzt worden. Wie

ist diese Faszination erklärbar?

Schwierige Frage. Zunächst glaube ich, dass es den

„Mönch“, die „Nonne“ in jedem von uns gibt – als eine

tiefe Sehnsucht nach Staunen, Freude und Dankbarkeit

in einer Gegenwelt der Orientierung und Vereinfachung.

Diese Suche nach krisensicheren Haltegriffen bleibt in

unserer unübersichtlich gewordenen Lebenswirklichkeit

trotz der vielfach diagnostizierten „Verdunstung des Religiösen“

weitgehend unberührt.

Natürlich faszinieren auch die Abgeschiedenheit und

Fremdartigkeit des Athos. Alles, was kaum erreichbar ist,

findet bei uns besondere Aufmerksamkeit. Allein, dass

dort mehr als 2.000 Männer für ihren Glauben leben, die

alle keine schrägen Typen oder religiösen Spinner sind,

macht neugierig.

Noch etwas: Viele Menschen suchen heute nach Antworten,

aber sie scheuen die großen sinnstiftenden Institutionen

– in der Angst, überfordert zu werden. Das erklärt

möglicherweise, wieso Pilger wie ich mit der ganzen Einfachheit

ihrer Erfahrungen manchen Lesern näher sind

62

DIE MALTESER 1/2019


XXXX

als viele enorm gescheite, theologisch oder psychologisch

profunde Autoren. Ich habe das in den vergangenen Jahren

immer wieder aus den Reaktionen – Briefen, Anrufen,

Mails – erfahren: Wie sehr Menschen im Lesen nach

„Andockplattformen“ für ihre eigenen existentiellen Fragen

suchen, ohne sich dabei einem „professionellen Urteil“

auszuliefern.

Und was war für Dich das schönste Zeichen der Zustimmung?

Spontan fällt mir dazu ein Wiener Leser ein. Mehrfach

hat er um die Signierung von Büchern gebeten und

sie dann weiter geschenkt. Auf meine Nachfrage, warum

er ein so großzügiger Käufer sei, hat er einen sehr

spannenden Satz gesagt:

„Ihr Buch weckt eine

Sehnsucht in mir – aber

es vereinnahmt mich

nicht!“ Ich halte diesen

Satz für einen tollen

Befund über unsere

Zeit: Viele Menschen

tun sich heute mit Institutionen

und Weltanschauungen schwer,

haben sich aber ein suchendes Herz bewahrt.

Heinz Nußbaumer, Der Mönch in mir, Styria Verlag 2017,

144 Seiten, ISBN 978-3-222-13578-1, 18,00 Euro

DIE MALTESER 1/2019 63


GELESENEMPFOHLEN

KULINARISCHER

WEGBEGLEITER

Wallfahrten sind in letzter Zeit wieder in Mode gekommen. Allerdings

darf auf dem Weg zur inneren Einkehr die kulinarische Einkehr

nicht auf der Strecke bleiben.

Von Richard Mischak

Das Buch mit dem vielversprechenden Titel „Wallfahrtsküche –

kulinarische Entdeckungen am Weg nach Mariazell“ beschreibt

drei von Wien ausgehende Pilgerwege und stellt insgesamt elf

Gasthöfe entlang der Routen vor. Dabei erfährt der Leser, wo

jeder Wirt das Kochen gelernt hat, welche seine Lieblingsspeise

ist und wo sich die besten Inspirationen für neue Küchen-Kreationen

finden lassen.

Das Buch ist bereits das vierte der beiden Autoren, die sich mit

Leib und Seele dem Thema „Küche und Kochen“ verschrieben

haben. Liebevoll werden die Köche und Köchinnen der Gasthöfe

porträtiert und besondere Speisen und kulinarische Spezialitäten

als Rezepte in Wort und Bild festgehalten. Die Berichte

über die Gasthofsbesuche sind sehr persönlich und humorvoll

geschrieben. Der sich wiederholende Fragebogen ist kurz, doch

INDIVIDUELLE PFLEGE UND

BETREUUNG ZU HAUSE

www.malteser.care

erlaubt er ausreichend Einsicht in den „Charakter“

der Gastgeber.

Den Schluss bildet eine nette Zusammenstellung

für die Leser aus der Bundesrepublik Deutschland:

Da werden der Aprikose, der Konfitüre und dem

Pfannkuchen die Marille, die Marmelade und die

Palatschinke gegenübergestellt. Alles in allem ein

sehr schön gestaltetes Buch, das einlädt, die Rezepte

auszuprobieren und – natürlich! – auch die

Pilgerreise nach Mariazell

zu wagen. Wunderbare

Landschaftsaufnahmen

des Ötschers sowie von

Wiesen und Waldlichtungen

lockern die Optik des

Buches auf. Nicht nur als

Geschenk an andere zu

empfehlen!

Bernhard Wieser/Michael

Rathmayer, Wallfahrtsküche –

Kulinarische Entdeckungen am

Weg nach Mariazell,

Pichler Verlag 2018, 160 S.,

ISBN: 978 3 222 14017 4,

26 Euro

64

DIE MALTESER 1/2019


TAGEBUCH

EHRUNG, AUSZEICHNUNG UND PROMESSE

(v.l.n.r.): S.E. Willem Baron Van de Voorde, Botschafter

des Königreichs Belgien in der Bundesrep.

Deutschland; Cornelius Fritzen; Dr. Christof Maria

Fritzen; CMF; S.E. Dr. Peter Huber, Botschafter der

Rep. Österreich in der Bundesrep. Deutschland;

Dr. Gerhard Enver Schrömbgens, Botschafter a.D.,

Berlin; S.E. Maciej Tadeusz Baron Heydel, Botschafter

des SMRO in der Bundesrep. Deutschland; Frank

Schira, Beauftragter in Berlin der Geschäftsführung

der Malteser Deutschland GmbH.

Überreichung des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich am Bande an Dr. Christof Maria

Fritzen, verliehen vom Österreichischen Bundespräsidenten am 8. Mai 2018 und übergeben von S.E. Dr. Peter Huber,

Botschafter der Republik Österreich in der Bundesrepublik Deutschland am 16. November 2018 in der Österreichischen

Botschaft in Berlin.

Am 15. Februar 2019 hat sich DDr. Johannes Brücke im Rahmen einer feierlichen Heiligen

Messe in der Malteserkirche in Wien mit der Ablegung der Promesse näher an den Orden

gebunden. Mit dem Gehorsamsversprechen gegenüber dem Ordensoberen ist er damit in den

Zweiten Stand des Ordens, den die Mitglieder in Oboedienz bilden, aufgenommen worden.

Für seine besonderen

Leistungen

für den Souveränen

Malteser-Ritter-

Orden wurde der Kärntner Delegationsseelsorger

Monsignore Emmanuel Longin mit dem Verdienstkreuz

„pro piis meritis“ ausgezeichnet.

Die Auszeichnung „pro piis meritis“ ist eine Ehrung, die

jenen Geistlichen vorbehalten ist, die sich in besonderer

Weise um Ehre und Ansehen des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens verdient gemacht haben. Der Orden besteht

aus dem Kreuz unter einer goldenen Krone und

wird an einem schwarz-roten Band getragen. Die Verleihung

durch Delegat Ulrich Glaunach-Kazenstain fand

Mitte Oktober 2018 im Rahmen des Festgottesdienstes

zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Soldatenkirche

zum Heiligen Kreuz in der Klagenfurter Khevenhüller-

WIR GRATULIEREN HERZLICH!

Kaserne statt. Unter den Festgästen waren u. a. Militärbischof

Werner Freistetter, Landeshauptmann Peter Kaiser,

Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler,

Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz sowie etliche

Ordensritter und -damen.

Vorrang der christlichen Nächstenliebe

„Verlässlichst hast Du jede der monatlichen Hausmessen

der Delegation würdevoll gestaltet. Du hast die spirituelle

Sorge für das Inklusionsreitercamp in Sankt Paul getragen.

Dabei ist uns besonders Dein liebevoller Umgang

mit den Kindern zum Vorbild geworden. Die jährliche

Wallfahrt der Delegation hast Du zu einem erhebenden

Erlebnis für alle Teilnehmer gemacht. Wir schätzen es

so sehr, dass Du – in jeder Situation – klarmachst, dass

es die christliche Nächstenliebe ist, die den Vorrang verdient“,

so Delegat Ulrich Glaunach-Kazenstain in seiner

Ansprache.

DIE MALTESER 1/2019 65


WIR TRAUERN UM

=

+ 29.01.2019

Alina Katharina Takatsch

Betreute des MHDA in Salzburg

MALTESER

Friedhofsbegleitdienst

Die ehrenamtliche Friedhofsbegleitung

richtet sich (zunächst in Wien) an ältere

Menschen, die sich auf dem Weg zum

Friedhof unsicher fühlen und niemanden

haben, der sie begleitet.

Die MALTESER begleiten Sie ehrenamtlich

und kostenlos auf den Friedhof.

Wir holen Sie von zu Hause ab, begleiten Sie

auf den Friedhof, verweilen mit Ihnen am

Grab, sind beim Blumentausch und beim Kerzenanzünden

behilflich. Danach bringen wir

Sie wieder zurück nach Hause.

Tel. +43 664 11 88 180

info@friedhofsbegleitdienst.at

Weitere Informationen:

www.friedhofsbegleitdienst.at

Unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich

und spenden ihre Zeit, um anderen Menschen

ein Stück Lebensalltag zu schenken. Mit

Ihrer Spende unterstützen Sie die ehrenamtlichen

Hilfsprojekte der MALTESER in Österreich.

MALTESER Hospitaldienst Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWWXXX

Informationen über die MALTESER unter

www.malteser.at • www.malteserorden.at

+ 27.01.2019

Elisabeth Herzer

Langjährige Betreute des MBD

+ 21.01.2019

Ernst Graf von Waldstein,

Herr von Wartenberg

Ehren- und Devotionsritter in

Oboedienz

+ 08.01.2019

Erzbischof Msgr.

Dr. Georg Zur,

em. Apostolischer Nuntius

Konventualkaplan Großkreuz

ad Honorem

+ 24.12.2018

Arthur Trolf

Betreuter des MHDA in Tirol

+ 15.12.2018

Sr. Bernarda – Maria Bloms

Langjährige Betreute des

MAKD

+ 13.12.2018

Johann Ulrich

Graf von Goëss

Ehren- und Devotionsritter

66

DIE MALTESER 1/2019


ÜBERBLICK

Termine 2019

MAI 2019

1-2 Generalkapitel Rom SMRO

2-6 Lourdes-Wallfahrt SMRO/MHDA

5 Kassiansprozession Brixen Delegation T/Vbg

24 Lange Nacht der Kirchen SMRO

JUNI 2019

10 Wallfahrt zur Wallfahrtskirche

St. Antonius und St. Leonhard

SMRO/Delegation Ktn

22 Aufnahme in Göss bei Leoben SMRO/MHDA

JULI 2019

21 Wallfahrt Altötting MHDA Sbg

AUGUST 2019

1-4 21. Wildwassercamp MHDA

3-10 Int. Malteser Sommerlager SMRO/MHDA

27-3.9 Pilgerreise „Land der Mönche“ Schottland

SMRO/Delegation Ktn

SEPTEMBER 2019

27-29 Malteser Bundesübung Oberösterreich MHDA

29 3. Kinderhilfelauf Amstetten

MALTESER Kinderhilfe

OKTOBER 2019

26-2.11 Reise nach Rhodos SMRO/MHDA

NOVEMBER 2019

30-1.12 Sammeln Halbturn MHDA Bgld

DEZEMBER 2019

7-8 Sammeln Halbturn MHDA Bgld

14 Punsch und Kekserlmarkt Amstetten

MALTESER Kinderhilfe

14-15 Sammeln Halbturn MHDA Bgld

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

GF Olivier Loudon

Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Marie Czernin

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

DIE MALTESER 1/2019 67


Kommt alle zu mir

LOURDES 2019

AUSTRIA

AUSTRIA

OURDES 2019

Kommt alle zu mir

2.- 6. Mai 2019

Schenken Sie

Lebensfreude mit

Ihrer Spende für die

LOURDES

WALLFAHRT 2019

Der MALTESER Hospitaldienst organisiert auch

dieses Jahr eine Pilgerreise nach Lourdes. Das

Miteinander von Pilgern, Betreuungsbedürftigen

und Maltesern sowie die Gnaden des südfranzösischen

Marienheiligtums machen diese

Wallfahrt zu einem einzigartigen Erlebnis.

lourdes.malteser.at

Gemeinsam Lourdes erleben!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

zentrale@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

68

DIE MALTESER 1/2019

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