Berliner Zeitung 18.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

WieJuan Moreno den Fall Relotius aufdeckte: Ein Interview – Feuilleton Seite 22

Ramona Pop

auf Tour in

NewYork

Seite 9

7°/13°

Sonne und Wolken

Wetter Seite 2

Nichts röhrt mehr: Neuer

Trend auf dem Automarkt

Wirtschaft Seite 7

www.berliner-zeitung.de

Union und Hertha:

die Fußballkolumne

Sport Seite 20

Mittwoch, 18. September 2019 Nr.217 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Sorgen um Sanssouci: Die

Parkbäume sterben

Seite 3

Eine neue

Partei als

Traumprojekt

VonRegina Kerner

Den Rechtspopulisten Matteo

Salvini will er bekämpfen und

dessen Wiederaufstieg verhindern.

Das könne er viel besser, wenn er

nicht ständig aus der eigenen Partei

beschossen werde, sagt der Ex-Premier

und frühere Chef der italienischen

Sozialdemokraten, Matteo

Renzi. Die seien nur noch ein Sammelbecken

verschiedener Strömungen

und hätten

keine Zukunftsvision.

Deshalb

trete er nun aus

und gründe

seine eigene politische

Bewe-

Matteo Renzi

kehrtden Sozialdemokraten

den Rücken.

Italien

gung, erklärte

Renzi. Klar ist: 30

Abgeordnete

und zwei Minister

aus der

neuen Regierungskoalition

von PD und Fünf

Sternen werden ihm folgen.

Für die gerade erst formierte

Mannschaft von Premier Giuseppe

Conte sind das keine guten Aussichten,

auch wenn Renzi beschwichtigt.

Die Regierung werde er unterstützen.

Immerhin gilt er als Urheber des

Bündnisses der Sozialdemokraten

mit dem früheren Feind Fünf Sterne.

Auf das „Meisterwerk“, Salvini so in

die Opposition gedrängt zu haben,

sei er stolz, sagt Renzi mit der ihm eigenen

Eitelkeit.

Der heute 44 Jahre alte frühere

Bürgermeister von Florenz war von

2014 bis 2016 Regierungschef, der

jüngste in Italiens Nachkriegsgeschichte.

Als selbst ernannter „Verschrotter“

der alten Eliten des

Landes und der Altlinken seiner Partei

und mit großen Reformversprechen

galt er als Hoffnungsträger. Bei

der Europawahl 2014 holte er für die

PD mehr als 40 Prozent. Doch überdimensionierter

Ehrgeiz, Großspurigkeit

und die Angewohnheit, sich

mit einem Zirkel Getreuer zu umgeben,

machten ihn zunehmend unbeliebt,

in der eigenen Partei wie in

der Bevölkerung. Am Ende stolperte

er über ein Verfassungsreferendum,

das er zum Votum über sich selbst

deklariert hatte. Auch als Parteichef

musste er abtreten. Inzwischen ist er

Italiens unpopulärster Politiker.

Aber Renzi liegt es nicht, lange im

Hintergrund zu bleiben. DieAbspaltung

von der PD ist ein Schachzug,

sich wieder Macht und Einfluss zu sichern.

Seine Parlamentarier werden

bei Abstimmungen im Parlament

das Zünglein an der Waage sein. Die

Regierung wird auf ihn angewiesen

sein, um ihre Gesetze durchzubringen.

Entsprechend irritiert und wütend

sei Conte,hieß es.

Renzi wird versuchen, die Mitte

rechts vonder PD zu besetzen, gemäßigte

Wähler und Überläufer der Berlusconi-Partei

Forza Italia zu gewinnen.

Seine Strategie und den Namen

der neuen Bewegung will er im Oktober

präsentieren. Sie werde jung und

innovativ sein, verspricht er: „Wir

werden Ideen und Träume für das Italien

vonmorgen vorstellen.“

Neben zwei oberirdischen sind auch zwei unterirdische Geschosse für das neue Museum der Moderne geplant. 2026 soll es fertig sein.

VonUlrich Paul

Schön teuer

Das Berliner Museum der Moderne im Kulturforum soll doppelt

so viel kosten wie ursprünglich geplant. Ist es das wert?

Für das Museum der Moderne

im Kulturforum soll

noch in diesem Herbst der

erste Spatenstich getan

werden. Mit der Fertigstellung des

Gebäudes wird 2026 gerechnet. Das

sagte der Präsident der Stiftung

Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann

Parzinger,amDienstag bei der

Vorstellung der Pläne.

Weil Kulturstaatsministerin Monika

Grütters (CDU) zuvor verkündet

hatte, dass sich die zunächst auf

200 Millionen Euro veranschlagten

Ausgaben für das Projekt nun auf 450

Millionen Euro erhöhen, geriet die

Präsentation der Pläne zur Rechtfertigung

der Kostensteigerung. Parzinger

sagte,dass der Bund das Geld für

den Neubau investieren wolle, sei

„ein großartiges Zeichen für die Kulturnation

Deutschland und auch für

den Museumsstandort Berlin“. Die

Baukosten beliefen sich auf 364 Millionen

Euro. Hinzu kämen 52,2 Millionen

Euro,die für künftige Baukostenerhöhungen

eingeplant würden

sowie eine Risikovorsorge in Höhe

von33,8 Millionen Euro.Die Summe

von 200 Millionen Euro sei vor fünf

Jahren genannt worden, als es noch

keinen Entwurf für das neue Museum

und damit keine Berechnungsgrundlage

für den Bau gegeben

habe, führte Parzinger ins Feld.

Auch zu den 200 Millionen Euro hätten

steigende Baukosten und eine

Risikovorsorge hinzugerechnet werden

müssen.

„Dennoch, es ist eine Menge

Geld, ganz klar“, räumte Parzinger

ein. Deswegen sei eswichtig, deutlich

zu machen, warum der Baunotwendig

sei. Da in der benachbarten

Neuen Nationalgalerie nur ein

Bruchteil der Sammlung der Moderne

des 20. Jahrhunderts dauerhaft

gezeigt werden könne, sei der

Neubau erforderlich. Die Neue Nationalgalerie

und das Museum der

Moderne sollen unterirdisch miteinander

verbunden werden. „Unsere

Sammlung hat sich seit den 1960er-

Jahren durch die Zusammenlegung

der Sammlungen aus Ost und West,

durch zahlreiche Ankäufe und

Schenkungen mindestens verdreifacht,

aber sie ist zerrissen, über viele

Standorte verteilt und aus Platzgründen

immer nur in Ausschnitten zu

sehen“, sagte der Leiter der Neuen

Nationalgalerie, Joachim Jäger. Vieles

schlummereimDepot.

„Es wirdmit dem Neubau möglich

sein, die Kunst des 20. Jahrhunderts

von Max Beckmann zu Bruce Nauman,

von Kurt Schwitters zu Jason

Rhoades als Kontinuum zu erfahren“,

so Jäger. „Der künftige Standort für

die Kunst des 20. Jahrhunderts wird

nicht nur die Neue Nationalgalerie

mit dem Neubau verbinden, auch die

Werkkonvolute der Sammlungen Pietzsch,

Marx und Marzona erhalten

ideale Präsentationsräume“, sagte Jäger.

Überdies habe auch der Maler

GerhardRichter zugesagt, eine große

Zahl von Werken für das neue Haus

zurVerfügung zu stellen. Arbeiten aus

dem Kupferstichkabinett und der

„Uns wurde eine günstige ,Scheune‘ für

200 Millionen Euro versprochen und wir

bekommen jetzt ein Museum,für das wir auch

ein neues Schloss bauen könnten.“

Gesine Lötzsch, Berliner Bundestagsabgeordnete der Linken

Kunstbibliothek sollen die Präsentation

abrunden.

DieLinke im Bundestag mag sich

trotz großer Künstlernamen nicht

einfach mit der Kostensteigerung

abfinden. „Uns wurde eine günstige

,Scheune‘ für 200 Millionen Euro

versprochen und wir bekommen

jetzt ein Museum, für das wir auch

ein neues Schloss bauen könnten“,

sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete

Gesine Lötzsch in Anspielung

auf die Architektur, die manchen

Kritiker an eine Lagerhalle in

der Landwirtschaft erinnert. „Es

kann nicht sein, dass sich der Preis

noch vor dem ersten Spatenstich

mehr als verdoppelt“, stellt die Linken-Abgeordnete

fest. „Darüber

werden wir im Haushaltsausschuss

sprechen müssen.“

Der Neubau für das Museum der

Moderne soll nach Plänen des

Schweizer Architekturbüros Herzog

&deMeuron entstehen, die durch

den Umbau der Tate Gallery ofModern

Art in London im Jahr 2000 international

bekannt wurden. Sie haben

sich 2016 mit ihrem Entwurf für

einen hallenähnlichen Bau mit

Spitzdach durchgesetzt, der auf einem

freien Grundstück zwischen der

St.Matthäus-Kirche und der Potsdamer

Straße geplant ist. Auf dem

STIFTUNG PREUSSISCHER KULTURBESITZ

10 200 Quadratmeter großen Baugrundstück

soll laut SPK eine Nutzfläche

von 16000 Quadratmetern

entstehen, davon rund 9000 Quadratmeter

Ausstellungsflächen.

Architekt Jacques Herzog verteidigte

am Dienstag die neue Preiskalkulation.

Ein großer Teil der Kosten

habe mit dem hohen Aufwand zur

Klimatisierung und dem Schutz der

Räume zu tun, sagte er. Aber nicht

nur die Preise haben sich geändert.

Die Architekten mussten auch die

Grundfläche um rund 15 Prozent

verkleinern, um den Abstand zur St.

Matthäus-Kirche und zu der als Naturdenkmal

geschützten Platane an

dem Standortzuvergrößern.

Um die benötigten Museumsflächen

unterbringen zu können, soll

nun mehr in die Tiefe gebaut werden.

Neben zwei oberirdischen sind

zwei unterirdische Geschosse geplant.

Architekt Herzog interpretiert

die Anordnung der Geschosse auf

ganz eigene Weise. „Das eigentliche

Raumkonzept des Gebäudes ist ein

Haus alsein Raum“, sagteer. Es gebe

also nicht, „wie kolportiert wurde“,

Tiefgeschosse. Alles sei oben. „Du

befindest dich, auch wenn du unten

bist, in diesem einen Raum“, sagte

er.Zur Erklärung fügte Herzog hinzu:

„Künstler haben es gar nicht gern,

wenn sie an weniger guten Orten

sind.“ Arno Lederer, der Vorsitzende

der Jury,die den Entwurfvon Herzog

&deMeuron 2016 zum Sieger kürte,

spart nicht mit Lob für das Projekt.

Die Fassade sei „sehr, sehr fein gearbeitet“.

Der Bau konkurriere nicht

mit Mies vander RohesNeuer Nationalgalerie

und nicht mit Hans Scharoun,

dem Architekten der Philharmonie.Die

einfache Form des Museums

der Moderne könne „wahrscheinlich

am leichtesten“ zwischen

In eigener Sache

Die Berliner

Zeitung hat

neue Besitzer

Nach zehn Jahren in der Unternehmensgruppe

DuMont erhält

der Berliner Verlag neue Eigentümer:

Das Berliner Ehepaar Silke

und Holger Friedrich übernimmt

den Verlag, in dem die Berliner Zeitung

erscheint. Silke und Holger

Friedrich sehen im Fokus der künftigen

Ausrichtung des Berliner Verlags

die Stärkung des Unternehmensprofils

und die digitale Weiterentwicklung

seiner Titel. „Wir möchten den

gesellschaftlichen Diskurs für Berlin

und aus Berlin heraus bereichern“,

betont Holger Friedrich. (BLZ)

Tagesthema Seite 2

USA: Angriff

wurde vom Iran

aus verübt

Merkel warnt vor einer

Eskalation in der Golfregion

D

ie Luftangriffe auf saudische Öl-

Anlagen sind nach US-Erkenntnissen

von iranischem Boden aus

verübt worden. Dassagte ein US-Regierungsmitarbeiter

am Dienstag.

Dabei seien Marschflugkörper eingesetzt

worden. Zu den Attacken

vom Sonnabend hatten sich die

Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt,

die vomIranunterstützt werden.

Nach Angaben des US-Regierungsmitarbeiters,

der nicht namentlich

genannt werden wollte,

trägt Washington Beweismaterial zu

den Angriffen zusammen, das der

internationalen Gemeinschaft und

besonders den europäischen Verbündeten

am Rande der UN-Vollversammlung

vorgelegt werden soll.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

betonte am Dienstag die Notwendigkeit

einer politischen Lösung für den

Iran-Konflikt sowie von Mäßigung

angesichts der jüngsten Eskalation

in der Golfregion. Deutschland

werde „immer auf der Seite der Deeskalation

stehen und sehr deutlich

machen, dass langfristige Lösungen

nur politisch möglich sind“, sagte sie

nach einem Gespräch mit dem jordanischen

König Abdullah II. (AFP,

dpa) PolitikSeite 4

Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin

Redaktion: (030) 63 33 11-457

(Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499;

leser-blz@dumont.de

Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76;

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Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97;

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Entgelt bezahlt

den Häusernvermitteln, sagte er. 4 194050 501603

31038


2 Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Tagesthema

In eigener Sache

Die Unternehmer Silke und Holger Friedrich kaufen den Berliner Verlag, in dem die Berliner Zeitung erscheint.

Sie wollen ein Zeichen setzen für zivilgesellschaftliches Engagement und Verantwortung in bewegten Zeiten

Die Biografien

Zwei

Experten

Der Verlag

Vier

Marken

Der Berliner Verlag steht

für vier starke Marken in

der Hauptstadt: Berliner Zeitung,

Berliner Kurier,Berliner

Abendblatt und Berlin.de sowie

für weitereOnlineportale

und Magazine.

DieBerliner Zeitung ist die

reichweitenstärkste Abonnementzeitung

in Berlin. Sie

wurde im Mai 1945 in Berlin

gegründet.

Darüber hinaus bietet der

Berliner Verlag Services in

den Bereichen Vermarktung,

Corporate Media, Content

Marketing und Event an. Der

Verlag sitzt heute in Berlin-

Kreuzberg im Feratti-Gebäude

–genau dort, wo früher

die Mauer die Stadt in Ost

und West geteilt hat.

Holger und SilkeFriedrich vor dem Haus des Berliner Verlags: „Wir möchten den gesellschaftlichen Diskursfür Berlin und aus Berlin heraus bereichern.“ BLZ/MARKUS WÄCHTER (3)

Nach zehn Jahren in der

Unternehmensgruppe

DuMont erhält der Berliner

Verlag neue Eigentümer:Das

Berliner Ehepaar Silke und

Holger Friedrich übernimmt den

Verlag mit Berliner Zeitung, Berliner

KURIER und Berliner Abendblatt,

deren Digitalangeboten, BerlinOnline,

dem Corporate Publisher

mdsCreative und der Berliner Zeitungsdruckerei.

Silke und Holger

Friedrich sehen im Fokus der künftigen

Ausrichtung des Berliner Verlags

die Stärkung des Unternehmensprofils

und die digitale Weiterentwicklung

seiner Titel. Der Verkauf steht

unter dem Vorbehalt der Zustimmung

durch das Bundeskartellamt.

Konsequent digital

Berliner Verlag

in

Berliner Händen

Isabella Neven DuMont, Holger Friedrich, SilkeFriedrich, Christian DuMont Schütte.

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Team.“ Empfang im Berliner Verlag.

Mit der gestern andie Mitarbeiter

verkündeten Übernahme geht der

Berliner Verlag nach über zehn Jahren

aus dem Verbund von DuMont

an die neuen Eigentümer Silke und

Holger Friedrich. Sie werden den

Verlag in die Holding der Familie

Friedrich überführen und haben

sich langfristige Ziele gesetzt.

„Wir möchten das Profil des Berliner

Verlags stärken und mit einer

sachlichen, faktenbasierten Berichterstattung

den politischen und gesellschaftlichen

Diskurs für Berlin

und aus Berlin heraus bereichern“,

betont Holger Friedrich.

Dazu gehören die durchgängige

Digitalisierung der Angebote genauso

wie die Ausrichtung des Verlages

auf zukunftsfähige Formate.„Mit

konsequent digital ausgerichteten

Angeboten und einer tiefgehenden

Aufarbeitung gesellschaftlich relevanter

Themen möchten wir ein

breiteres Publikum ansprechen und

mit den Lesern stärker in Kontakt

treten, als dies bisher der Fall ist“, ergänzt

Holger Friedrich. Mit seiner

Technologie-Kompetenz und Erfahrung

in der IT-Branche bringt Friedrich

für die zukünftigen Herausforderungen

eine wichtige Expertise in

den Verlag ein.

Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender

von DuMont,

fasst zusammen: „Das Team in Berlin

hat in den vergangenen zehn Jahren

innovativeLösungen für den Medienmarkt

der Hauptstadt entwickelt. Wir

freuen uns, den Verlag jetzt in die

Hände von Berlinern zuübergeben,

die diese Arbeit mit dem Team fortführen

und weiter in die Zukunft des

Verlages investieren wollen.“ Dr.

Christoph Bauer, CEO von DuMont,

ergänzt: „Unser Ziel ist es, die beste

Lösung für unsereMitarbeiter,unsere

Publikationen und die Standorte zu

erarbeiten. Dass die neuen Eigentümer

den Berliner Verlag nachhaltig

fortführen und weiterentwickeln wollen,

hat uns überzeugt und final den

Ausschlag gegeben.“

Begeisterung übertragen

Silke Friedrich fasst die Motivation

für den Kauf zusammen:„Wir verstehen

diesen Schritt als zivilgesellschaftliches

Engagement in bewegten

Zeiten und freuen uns auf diese

Aufgabe sowie die Zusammenarbeit

mit dem Team.“ Silke und Holger

Friedrich sehen die vor ihnen liegende

Aufgabe als eine inhaltlich sowie

technologisch motivierte Transformation.

„Wenn wir als Team ausVerlegern

und Journalisten die Freude am Diskurs

als Herausforderung annehmen,

wirdesuns gelingen, diese Begeisterung

auf unsereLeser zu übertragen“,

umreißt Silke Friedrich die

Idee der künftigen Zusammenarbeit

zwischen Neueigentümern und bestehendem

Team.

Silke Friedrich hat nach

dem Abitur und einer

kaufmännischen Ausbildung

an der Universität der Künste

in Berlin Gesellschafts- und

Wirtschaftskommunikation

studiert. Gemeinsam mit Ralf

Regitz, Gründungsmitglied

und Organisator der Loveparade,

hat sie das Berliner

ewerk revitalisiert und erfolgreich

am Markt positioniert.

Sieleitet die Berlin MetropolitanSchool,

die mit über 1000

Schülern die größte internationale

Schule Berlins und zudem

die älteste international

orientierte Bildungseinrichtung

im Ostteil der Stadtist.

Holger Friedrich, ein

Technologie-Experte,

studierte nach dem Abitur

und einer Berufsausbildung

Germanistik und Informatik

an der Universität Potsdam.

Nach seinem Studium etablierte

er ein Software-Technologieunternehmen,

das

2003 von SAP akquiriert

wurde. Von SAP wechselte er

als Partner zu McKinsey &

Company und nachfolgend

als Vorstand zur SoftwareAG.

2009 gründete er den Technology

Think Tank CORE,der

laut Lünendonk-Report zu

den schnellst wachsenden

Institutionen seiner Branche

gehört.

Silke und Holger Friedrich

sind verheiratet und haben

drei gemeinsame Kinder.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint bei bewölktem Himmel immer wieder die Sonne. Die Temperaturen

erreichen 13bis 15 Grad, und der Wind weht mäßig, in Böen

frisch aus Nordwest. In der Nacht pendeln sich die Tiefsttemperaturen bei

6bis 2Grad ein. Dazu ist der Sternenhimmel zeitweise durch Wolken getrübt.

Biowetter: Die aktuelle Witterung

bringt eine erhöhte Erkältungsgefahr,

verstärkt rheumatische Beschwerden

sowie Gelenk- und

Gliederschmerzen. Die Atemwege

werden oftmals gereizt.

Pollenflug: Die Konzentration von

Ambrosiapollen ist nur gering.

Gefühlte Temperatur: maximal 13Grad.

Wind: mäßig aus Nordwest.

Wittenberge

6°/13°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

5°/15° 7°/13°

Luckenwalde

5°/13°

Cottbus

6°/14°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

heiter stark bewölkt heiter

6°/17° 7°/15° 10°/22°

Prenzlau

8°/14°

Frankfurt

(Oder)

6°/14°

In breitem Strom dringt polare Kaltluft über Skandinavien und die Nordsee südostwärts

zu den Alpen und zum Schwarzen Meer vor. Dies ist vom nördlichen

Mitteleuropa bis nach Nordwestrussland mit Schauerwetter verbunden, ebenso

im Südalpenraum. AmMittelmeer ist es weiterhin hochsommerlich warm und

sonnig.

Sylt

10°/12°

Hannover

7°/14°

Köln

6°/16°

Saarbrücken

6°/19°

Konstanz

9°/18°

Hamburg

8°/14°

Erfurt

4°/14°

Frankfurt/Main

5°/20°

Stuttgart

6°/18°

Rügen

Rostock

8°/13°

11°/12°

Magdeburg

7°/15°

Nürnberg

3°/17°

München

5°/17°

Dresden

6°/14°

Deutschland: Heute wird die Sonne

stellenweise von Wolken verschleiert.

Dabei werden im Tagesverlauf 12 bis

20 Grad erreicht, nachts kühlt es

dann auf 9bis 2Grad ab. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus Nordwest.

Morgen gibt es stellenweise

Wolken. Zuweilen scheint jedoch die

Sonne, und es ist mit Höchstwerten

von 13 bis 19 Grad zu rechnen. Der

Wind weht nur schwach aus Nord.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 14°-16°

Nordsee: 15°-18°

Mittelmeer: 22°-30°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 22.09. 28.09. 05.10. 13.10.

Sonnenaufgang: 06:44 Uhr Sonnenuntergang: 19:15 Uhr Mondaufgang: 21:11 Uhr Monduntergang: 10:57 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

25°

Madrid

29°

Reykjavik

10°

Dublin

18°

London

20°

Paris

20°

Bordeaux

29°

Palma

31°

Algier

34°

Nizza

25°

Trondheim

10°

Oslo

15°

Stockholm

13°

Kopenhagen

16°

Berlin

13°

Mailand

25°

Tunis

32°

Rom

27°

Warschau

15°

Wien

18° Budapest

18°

Palermo

29°

Kiruna


Oulu

10°

Dubrovnik

27°

Athen

32°

St. Petersburg

10°

Wilna

12°

Kiew

13°

Odessa

21°

Varna

33°

Istanbul

30°

Iraklio

27°

Archangelsk


Moskau

13°

Ankara

29°

Antalya

31°

Acapulco 31° Schauer

Bali 37° heiter

Bangkok 34° Gewitter

Barbados 30° wolkig

Buenos Aires 19° sonnig

Casablanca 22° wolkig

Chicago 29° wolkig

Dakar 31° wolkig

Dubai 38° heiter

Hongkong 34° heiter

Jerusalem 33° sonnig

Johannesburg 29° sonnig

Kairo 35° sonnig

Kapstadt 22° wolkig

Los Angeles 23° sonnig

Manila 29° Schauer

Miami 33° heiter

Nairobi 31° wolkig

Neu Delhi 34° heiter

New York 22° wolkig

Peking 26° sonnig

Perth 20° Schauer

Phuket 31° Gewitter

Rio de Janeiro 39° sonnig

San Francisco 20° wolkig

Santo Domingo 32° wolkig

Seychellen 27° Schauer

Singapur 32° Gewitter

Sydney 14° Regen

Tokio 25° bewölkt

Toronto 21° sonnig


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 3 *

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Seite 3

Sorgen um Sanssouci

Sterbende Rotbuchen im Park von Sanssouci.

STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN

Die ersten toten Bäume stehen

gleich vor der Tür. Sie säumen

die Allee „Am grünen Gitter“, an

deren Ende sich über den Weinbergterrassen

das Schloss Sanssouci erhebt.

Die Rinde grau, die Blätter bräunlich, die

Äste stummelig. „Diesen Sommer ist es noch

schlimmer als im vergangenen Jahr“, sagt

Michael Rohde,seit 15 Jahren Gartendirektor

der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Berlin-Brandenburg (SPSG). Die zwei

vertrockneten Kastanien stehen direkt vor

den gelben Bauten, in denen schon der

oberste Hofgärtner Friedrich des Großen

und seine Nachfolger ihren Sitz hatten. Michael

Rohdes Aufgabe ist es,ihrehistorische

Landschaftskunst, seit 1990 Unesco-Weltkulturerbe,

für die Nachwelt zu erhalten.

Doch das fällt ihm zunehmend schwerer.

Wenn der große Mann im dunkelblauen

Anzug, 60 Jahrealt, derzeit durch die Gärten

von Sanssouci läuft, spricht er von seinen

Bäumen wie ein Arzt über Patienten auf der

Intensivstation. „Der hat es nicht geschafft“,

sagt er und zeigt auf eine meterhohe Rotbuche,

inderen Krone große Löcher klaffen.

Gleich daneben steht der nächste Kranke:

„Der sieht auch schlecht aus, erwirft seine

Äste ab,aber er kämpft noch.“ Zwei trockene

Jahrehintereinander waren für etliche Pflanzen

inden historischen Gärten zu viel. Sie

leiden unter Wassermangel und Hitze. Allein

in Sanssouci waren um die 750 Bäume nicht

mehr zu retten, darunter auch solche,die an

die 200 Jahrealt waren. Um die 2000 Bäume

haben in den gesamten 15 Gärten und Parks

der SPSG derzeit starke Schäden, etwa die

Hälfte davon ist ganz abgestorben.

Dünne Baumkronen

Dürre, Hitze, Schädlinge –Hunderte Bäume sind diesen Sommer in den

historischen Gärten in Berlin und Brandenburg abgestorben.

Der Klimawandel ist für die Erhaltung des Weltkulturerbes eine große

Herausforderung. Ein Rundgang im Park des Preußen-Schlosses, der sich

in den nächsten Jahren deutlich verändern wird.

Werandiesem Spätsommertag zum ersten

MalSchloss Sanssouci, eine der beliebtesten

Sehenswürdigkeiten Deutschlands,besucht,

wird das auf den ersten Blick vielleicht gar

nicht merken. Die Fontäne vor dem Schloss

sprudelt munter in die Höhe, die Blumenbeete

sind bunt, Touristen aus aller Welt machen

auf den Stufen vordem gelben Rokoko-

Palast Selfies. Doch wie es den Gärten wirklich

geht, sieht man, wenn man nach oben

schaut. Viele Baumkronen sind ausgedünnt

und haben wenig Laub mit teils verfärbten

Blättern, die Triebe fehlen, die schützende

Rinde schält sich ab, die Stämme haben

Risse wie offene Wunden, in die Schädlinge

einfallen. Manche Wipfel sind noch vom

letzten Sturmverdreht. Schilder im Park warnen

die Besucher, dass wegen der großen

Trockenheit Äste abbrechen könnten.

Ohne Sorge kann Michael Rohde schon

lange nicht mehr durch Sanssouci gehen. In

den vergangenen drei Jahren hat er kurz

hintereinander alle Wetterextreme erlebt,

die durch den Klimawandel auch in Zukunft

häufiger werden. Im Juni 2017 überschwemmte

Starkregen den Park, aneinem

Tagfiel fast halb so viel Regen wie sonst das

ganzeJahr,imHerbst 2017 tobte Sturm„Xavier“,

2018 herrschte schon ab Maiwochenlang

Dürre. Und auch diesen Sommer gab

es zu wenig Regen, dazu an die 40 Grad.

„Solche Temperaturen hatten wir früher

überhaupt nicht“, sagt der Gartendirektor.

Mit den Folgen der extremen Wetterereignisse

haben die Gärtner so viel zu tun, dass

vieles andere liegen bleibt. „Immer öfter

müssen die Gärtner zusätzliche Aufgaben

der Verkehrssicherung, Schadensbeseitigung

und Instandsetzung übernehmen“,

sagt Michael Rohde. Dabei arbeiten sie an

einem lebendigen Kunstwerk, das wächst

und welkt und niemals fertig wird. Ständig

muss es neu gepflanzt und zugeschnitten

werden. Einbisschen weniger Pflege,schon

verwildertes.

Unter den extremen Wetterbedingungen

leiden vorallem typisch einheimische Arten.

Bäume, die jeder, der in Deutschland lebt,

ganz selbstverständlich mit Heimat verbindet:

Eichen, Buchen, Linden, von Dichtern

und Musikern seit Jahrhunderten beschrieben

und besungen. Verlässliche Begleiter am

Wegesrand. Derzeit halten sie es hier kaum

noch aus. Sie kämpfen um ihr Überleben.

Besonders Bäumen mit flachen Wurzeln

geht es schlecht. Sinkt das Grundwasser ab,

weil zu wenig Regen fällt, kommen sie nicht

mehr an die lebenswichtige Flüssigkeit.

„Selbst wenn wir sie gießen, schaffen sie es

nicht“, sagt Michael Rohde.Die SPSG hat nur

ein begrenztes Kontingent an Brauchwasser,

das sie aus der Havel inden Park pumpen

darf. DieWasserkünste,Fontänen und Brunnen,

werden in Trockenzeiten deshalb zeitweise

abgestellt.

Im Zuge des Klimawandels, fürchtet Michael

Rohde, könnten viele Bäume und andere

Pflanzen durch stressresistentere Alternativen

ersetzt werden müssen. DieFrage ist

aber, obder Park dann historisch noch authentisch

ist. Eigentlich soll Michael Rohde

ähnlich wie der Restaurator eines Gemäldes

die Landschaftsbilder möglichst so erhalten,

wie sie im 18. und 19. Jahrhundert ausgesehen

haben. Er hat es dabei nicht mit Ölfarben

und Leinwand zu tun, sondernmalt mit

Bäumen, Büschen und Blumen. Nach den

historischen Bestandsplänen und Befunden

im Gelände soll er an derselben Stelle immer

VonAlice Ahlers, Potsdam

wieder dieselbe Gattung, Artund Sortenachpflanzen.

Doch das ist teilweise schon gar

nicht mehr möglich.

Das liegt auch an der wachsenden Zahl

vonSchädlingen. An einem geschwungenen

Wegbleibt Michael Rohde an einem der letzten

Buchsbäume stehen. Er bückt sich, zieht

mit den Fingern die bräunlichen Äste auseinander,

lugt dazwischen in das Innere der

Pflanze. „Irgendwo sitzt hier bestimmt eine

dicke Raupe“, sagt er. Vor einigen Jahren

wanderte der Buchsbaumzünsler aus Asien

ein und verwandelte die bisher immergrünen

Bäumchen in trockene Gerippe. Seitdem

gibt es im Park fast keinen Buchsbaum

mehr, ein Gewächs, das man eigentlich wie

kein anderes mit Schlossgärten verbindet.

Michael Rohde befasst sich seit zehn

Jahren mit dem Klimawandel.

PRIVAT

Kaum ein Märchen- oder Historienfilm, in

dem Prinzessinnen oder andere Edelleute

nicht zwischen exakt zugeschnittenen grünen

Skulpturen, Kegeln, Kugeln oder Labyrinthen

aus Buchsbaum umherwandeln.

Doch nicht nur diesen trifft es. „Fast jede

Baumart ist mittlerweile von Schädlingen

befallen“, sagt Michael Rohde. Durch Hitze

und Trockenheit geschwächt, sind die

Bäume noch anfälliger. „Auch Kastanien

können wir kaum noch nachpflanzen, weil

entweder die Miniermotte oder ein Bakterium

daran ist.“

Der Buchsbaum wird jetzt durch Stechpalme

oder Heidelbeere ersetzt. Doch was

wirdaus dem preußischen Kulturerbe,wenn

zukünftig noch mehr Pflanzen im Park durch

robustere Arten ausgetauscht werden müssen?

Ist das nicht so, als ob man der Mona

Lisa einen anderen Haarton verpassen

würde? Oder einem historischen Gebäude

eine neue Tür? Manche Arten haben in der

Gartenkunst auch eine symbolische Bedeutung.„Wenn

ich an einem Ort, der sentimental

wirken soll, keine Trauerweide mehr

pflanzen könnte, macht Denkmalpflege nur

noch wenig Sinn“, sagt Michael Rohde. Die

einstigen Gartenkünstler Peter Joseph Lenné

oder Fürst Hermann von Pückler-Muskau

haben sich schließlich etwas dabei gedacht,

als sie ausgewählte Pflanzen auf eine bestimmte

Artund Weise komponierten.

Werdurch die Gärten vonSanssouci spaziert,

wird immer wieder von neuen Ausblicken

überrascht. Bäume wirken wie Kulissen,

schaffen Sichtachsen, ihre Äste umrahmen

Szenen mit Wiesen, Wasserläufen und

Skulpturen. Dieharmonischen Landschaftsbilder

entstehen, indem bestimmte Bäume

in bestimmtem Abstand zueinander gruppiert

sind. „Wenn mehrere davon wegbrechen,

verlieren die Raumbilder ihre Wirkung“,

sagt Michael Rohde. Bis die Nachpflanzungen

so groß sind, dass die ursprünglichen

Naturbilder wieder hergestellt sind,

dauertes10bis 20 Jahre.

Doch wie erhält man einen historischen

Garten, der zu seiner Entstehungszeit auf klimatische

Verhältnisse ausgerichtet war, die

es in Zukunft nicht mehr geben wird? Schon

vor mehr als zehn Jahren begann sich Michael

Rohde mit dieser Frage zu beschäftigen.

Während andere damals noch zweifelten,

ob an den Prognosen zur globalen Erwärmung

überhaupt etwas dran sei, wurde

er aktiv.Ertauscht sich mit Experten aus,hält

Vorträge, versucht, der Politik das Problem

zu vermitteln. 2014 organisierte er einen internationalen

Kongress mit dem Titel „Klimawandel

in historischen Gärten –Empfehlungen

zur Bewahrung“, zu dem Denkmalpfleger

aus Frankreich, Österreich, England

oder Italien nach Potsdam kamen.

Zudem arbeitet er mit Naturwissenschaftlern

zusammen –unter anderem von

derTechnischen Universität Berlin (TU). Auf

demGebietdes Schlossparks sind Versuchsflächen

entstanden, auf denen erforscht

wird, wie sich Pflanzen für den Klimawandel

fit machen lassen. Es geht auch darum, wie

sich die Böden, die in Brandenburgsosandig

sind, dass sie kaum Wasser halten, verbessernlassen.

DasErfahrungswissen der Gärtner

und die Expertise der Wissenschaftler

kommen hier zusammen. So haben sie beispielsweise

eine Technik namens TerraPreta

getestet, die schon die Indios in Südamerika

vor Jahrhunderten nutzten, um die Erde im

Regenwald ergiebiger zu machen. Dazu vermischten

die Ureinwohner organisches Material

wie Essensabfälle mit Resten von

Kohle. Die schwarze Erde kann besonders

gut Wasser und Nährstoffe speichern. „Wir

haben festgestellt, dass Biokohle, eine moderne

Variante von„TerraPreta“, einen positiven

Einfluss hat“, sagt Norbert Kühn, Professor

für Vegetationstechnik an der TU Berlin.

„Die Pflanzen wachsen besser und sind

bei Trockenheitwiderstandsfähiger.“

Mediterrane Pflanzen statt Fichten

Trotzdem werde esinden nächsten Jahren

einen großen Wandel geben, sagt der Forscher.

Wenn schon im Frühjahr die Niederschläge

ausblieben, also genau zu dem Zeitpunkt,

wenn die Pflanzen zum Wachsen am

meisten Wasser brauchen, könnten einige

einheimische Bäume nicht mehr bestehen.

„Schwierig wird es auch für Nadelgehölze

wie die Fichte“, sagt Norbert Kühn. „In Zukunft

wirdman sie wohl vermehrtdurch unempfindlichereBäume

aus dem Mittelmeerraum

ersetzen müssen.“ Undumzuverhindern,

dass Schädlinge eingeschleppt werden,

experimentieren die Parkleiter

inzwischen mit dem Saataufwuchs vor Ort,

um vor allem einheimische Gehölze wieder

in eigenen Baumschulen zu kultivieren.

Im Herbst startet in Kooperation mit dem

Potsdamer Nachhaltigkeitsinstitut IASS ein

neues Projekt, beidem es um die Bedeutung

der historischen Parks inunserer Zeit gehen

soll. Das Kolloquium „Historische Gärten

und Gesellschaft. Kultur –Natur –Verantwortung“

wird von der Deutschen Bundesstiftung

Umwelt (DBU) gefördert. Die Ergebnisse

werden im nächsten Jahr auf einer

gleichnamigen internationalen Konferenz in

Sanssouci vorgestellt. „Gärten sind ein uralter

Kulturausdruck des Menschen“, sagt Michael

Rohde. „Sie zeugen vom Wandel des

Naturverständnisses, bilden Gesellschaftsmodelle

ab,sind Orte derBildung undErholung.“

Auch fürdie Biodiversität in denStädten

spielen sie eine große Rolle. Viele gute

Gründe, sie zu erhalten. Deshalb wird Michael

Rohdeauchweiterhin um jedenBaum

kämpfen.

Alice Ahlers

fände es schade, wenn historische

Parks verschwinden.


4* Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Angriff auf Rollstuhlfahrer

aus Libyen in Chemnitz

Einals rechtsradikal bekannter junger

Mann hat in Chemnitz einen 31-

jährigen Rollstuhlfahrer aus Libyen

geschlagen und rassistisch beleidigt.

DerVerdächtige hat das Opfer nach

ersten Ermittlungen aus dem Rollstuhl

gestoßen und attackiert, wie ein

Polizeisprecher am Dienstag mitteilte.Der

Libyerwurde leicht verletzt.

„Der Tatverdächtige ist in der Polizei

bekannt im Zusammenhang mit Körperverletzungsdelikten

und rechtsmotivierten

Straftaten“, so der Sprecher.Gegen

den 22-Jährigen werde

wegen Beleidigung und gefährlicher

Körperverletzung ermittelt. (dpa)

Lübcke-Mord: Vorwürfe

gegen Markus H.

Derals mutmaßlicher Mörder des

Kasseler RegierungspräsidentenWalter

Lübcke in Untersuchungshaft sitzende

Stephan E. hat laut Bundesgerichtshof

stärkereUnterstützung gehabt

als bisher bekannt. Markus H.,

der wegen desVerdachts der Beihilfe

in Untersuchungshaft sitzt, habe E.

nicht nur den Kontakt zumWaffenhändler

vermittelt, sondernaus Gesprächen

vonden Plänen gewusst, etwas

gegen Lübcke zu unternehmen.

Dasgeht aus einem BGH-Beschluss

zur Haftbeschwerde hervor. (dpa)

Viele Tote bei Anschlägen

in Afghanistan

Beizweischweren Anschlägen der

radikalislamischen Taliban in Afghanistan

sind am Dienstag mindestens

48 Menschen getötet worden. Beieinem

Selbstmordattentat auf eine

Wahlkampfveranstaltung des Präsidenten

Aschraf Ghani in Tscharikar

kamen mindestens 26 Menschen

ums Leben, darunter vier Soldaten.

Ghani selbst blieb unverletzt. Zwei

Stunden später wurden in Kabul

weitere22Menschen getötet. (dpa)

Der Tonwird schärfer

Halbzeit im Ringenumden SPD-Parteivorsitz: DiesiebenBewerberduos habensich der Berliner Basis gestellt

VonAndreas Niesmann

Eines ist sicher: Das Ringen

um die Parteispitze der

SPD ist kein Sprint, sondern

ein Langstreckenlauf.

WeramEnde die Nase vorn haben

möchte, der braucht nicht nur Charisma

und eine kluge Strategie, sonder

auch jede Menge Ausdauer und

Puste. Rund 4500 Kilometer kreuz

und quer durch Deutschland haben

die Bewerber zur Halbzeit der Vorstellungsrunden

zurückgelegt. Zwölf

von 23 Regionalkonferenzen sind

vorbei, 7500 SPD-Mitglieder schauten

persönlich vorbei, mehr als

220 000 Menschen verfolgten die

Veranstaltungen per Stream im Netz.

Am Dienstagabend machte die

Casting-Tour Station in Berlin, im

Willy-Brandt-Haus in Kreuzberg. Der

Andrang war riesengroß, die Sympathien

klar verteilt. Bundesfinanzminister

Olaf Scholz und die frühereGeneralsekretärin

der Brandenburger

SPD, Klara Geywitz, hatten eine

schweren Stand. Ex-NRW-Finanzminister

NorbertWalter-Borjans und die

Bundestagsabgeordnete Saskia Esken

lagen vorn –gemessen am Beifall.

Vorallem aus den Reihen der Berliner

Jusos kam viel Applaus für jenes Duo,

das auch Juso-Bundeschef Kevin

Kühnertunterstützt.

Auffällig war, dass die Debatten

inzwischen an Schärfe gewonnen

haben. Verdi-Mann Dierk Hirschel

etwa griff Finanzminister Olaf Scholz

für dessen Politik des ausgeglichenen

Haushalts frontal an. Angesichts

der negativen Zinsen könne der

Bund durch das Aufnehmen von

Schulden noch Geld verdienen,

sagte Ökonom Hirschel. „Das Geld

liegt auf der Straße, und der Olaf

müsste es nur aufheben, aber er

macht das einfach nicht.“ Manhätte

gerne eine Erwiderung von Scholz

auf diesen Vorwurf gehört, aber eine

solche lässt das Format nicht zu.

Gute Laune reicht nicht

Andere Kandidaten äußerten ihre

Kritik an den Kontrahenten indirekt

–ohne Namen zu nenne. Die SPD-

Linke Hilde Mattheis sagte:„Wenn es

einfach wäreund man die Partei nur

mit guter Laune wieder aufrichten

könnte, hätten wir 24 Stunden gute

Laune.“ Walter-Borjans betonte,

Grüße an die Basis: Olaf Scholz am Dienstagabend im Willy-Brandt-Haus.

„Das Geld liegt auf der Straße,

und der Olaf müsste es

nur aufheben,

aber er macht das einfach nicht.“

Dierk Hirschel über den Bundesfinanzminister Olaf Scholz,

gegen den er im Rennen um den SPD-Parteivorsitz antritt

DPA/KAY NIETFELD

dass die SPD „in den Rückspiegel

schauen“ müsse, umzuerkennen,

warum sie vom richtigen Kurs abgekommen

sei. Beide Aussagen sind

versteckte Angriffe auf Christina

Kampmann und Michael Roth, die

sich bei zurückliegenden Konferenzen

als Team der guten Laune präsentiert

und angekündigt hatten,

nach vorne und nicht immer in den

Rückspiegel schauen zu wollen.

Schöner bunter Pulli

Überhaupt hatte es das Überraschungsteam

Kampmann/Roth in

Berliner schwerer als bei zurückliegenden

Veranstaltungen. Die beiden

werden inzwischen ernster genommen.

DieFragen fallen kritischer aus.

Ein Genosse etwa fragte den im Europa-Hoodie

angetretenen Staatsminister

Roth nach dessen europapolitischer

Bilanz. „Duhast einen schönen

bunten Pulli an, aber was hast du

durchgesetzt für Europa?“ Roth versuchte

gar nicht erst, die Europapolitik

der Großen Koalition schönzureden.

„Ich teile Deine Enttäuschung“,

sagte er.Wenn sich CDU und CSU in

Fragen der EU-Reformnicht bald bewegten,

sei die Große Koalition die

falsche Regierung.

Einen besseren Auftritt als zuletzt

hatte das Duo Boris Pistorius und

Petra Köpping. Beide betonten

mehrfach, dass sie die kommunalpolitische

Verankerung in der SPD

stärken wollten, und präsentierten

sich als Brückenbauer – Köpping

zwischen Ost und West, Pistorius

zwischen dem linken und rechten

Flügel der SPD.„Wir müssen aufhören,

immer erst zu überlegen, wereinen

Vorschlag gemacht hat und was

er oder sie damit bezwecken will“,

appellierte Pistorius.

Nina Scheer und Karl Lauterbach

nutzten ihren Auftritt, um klarzustellen,

dass sie nicht nur so schnell wie

möglich die große Koalition verlassen

wollen, sondern dass sie auch

den sich abzeichnenden Klimakompromiss

zwischen CDU, CSU und

SPD ablehnen. Es drohe ein bürokratisches

Monster,dass am Ende nicht

wirken werde, sagte Scheer.„Da dürfen

wir nicht mitmachen.“

An diesem Mittwoch gastiert der

SPD-Zirkus in Hamburg. Dort darf

Ex-Bürgermeister Scholz wohl auf

ein Heimspiel hoffen.

Aroundtown

weiter

intransparent

Ein ARD-Film geht auf

Spurensuche in Zypern

VonGabriela Keller und Kai Schlieter

Eine komplex verschachtelte Firmenstruktur

mit Anwälten auf

Zypern, die als Treuhänder agieren –

die unübersichtliche Firmenstruktur

des Immobilienkonzerns Aroundtown

stößt weiter auf Kritik. Im Juni

hatte die Firmengruppe auf eine Anfrage

der Berliner Zeitung hin künftig

mehr Transparenz versprochen: Als

Ergebnis seiner Unternehmenspolitik

„des Zuhörens“ beabsichtige der

Konzern, in Zukunft „die direkten

Gesellschafter der jeweiligen Tochtergesellschaften

der Aroundtown

SA in Zypern“ einzutragen.

Doch davon kann bisher keine

Rede sein: Aroundtown – Hauptsponsor

vonUnion Berlin –hält weiter

an seiner Offshore-Struktur fest,

aus der die Eigentumsverhältnisse

für die Öffentlichkeit nicht ersichtlich

sind. Nach außen treten die Anwaltskanzleien

in Erscheinung.

Ende Juni hatte die Berliner Zeitung

erstmals das verwirrende Firmengeflecht

vonAroundtown analysiertund

dabei die Treuhänderstruktur

in Zypern enthüllt. Für eine Kooperation

von Berliner Zeitung und

dem Südwestdeutschen Rundfunk

(SWR) ging jetzt ein Team vonReporterninZypernauf

Spurensuche.

Die Holdingstruktur der Firmengruppe

ist aufschlussreich, weil

Aroundtown an der Börse notiert ist

und mit Vermögenswerten nach eigenen

Angaben in Höhe vonüber 22

Milliarden Euro zu den größten Besitzern

von Gewerbeimmobilien in

Europa zählt.

Ein Wähler gibt seine Stimme in einem

Wahllokal in Bnei Berak ab.

DPA

Knappes Rennen bei

Wahl in Israel

Beider Parlamentswahl in Israel

zeichnete sich am Dienstagabend

ein knappes Rennen ab.Wie schon

vorfünf Monaten lagen die beiden

führenden Parteien fast gleichauf:

DieLikud-Partei des Ministerpräsidenten

Benjamin Netanjahu erhielt

nach den TV-Prognosen 31 bis 33

Mandate,das Mitte-Bündnis vonEx-

Militärchef Benny Gantz rund 32 bis

34. Weder das linke noch das rechte

Lager erreichten eine Mehrheit, da

der ultrarechte Ex-Verteidigungsminister

Avigdor Lieberman Netanjahu

seine Unterstützung entzogen hatte.

Offizielle Ergebnisse wurden für

Mittwochmorgen erwartet. (dpa)

Britisches Gericht berät

über Zwangspause

VonProtesten begleitet hat am Dienstag

vordem obersten britischen Gericht

die Anhörung zu der vonPremier

BorisJohnson auferlegten

Zwangspause des Parlaments begonnen.

ElfRichter des Supreme Court

müssen entscheiden, ob das Gericht

zuständig ist und, falls sie diese Frage

bejahen, ob Johnson mit der Schließung

des Parlaments gegen dieVerfassung

verstoßen hat. (dpa)

Merkels Machtwort

Auch nach Anschlägen auf eine Ölraffinerie: Der Rüstungsexportstopp für Saudi-Arabien wird vermutlich verlängert

VonDaniela Vates

Zwei Wochen sind es noch bis

zum Stichtag, aber bevor es nun

doch wieder ewig hin und her geht

hat Bundeskanzlerin Angela Merkel

hat ein Machtwort gesprochen: „Ich

sehe keine Voraussetzungen für eine

veränderte Haltung der Bundesregierung“,

hat sie am Dienstag gesagt.

Das heißt wohl: Der Rüstungsexportstopp

für Saudi-Arabien, den die

Koalition im vergangenen Jahr nach

dem Mord an dem saudischen Journalisten

Jamal Khashoggi verhängt

hatte, wird nochmals verlängert,

über den 30. September hinaus.

Damit hat sie wohl verhindert,

dass sich die Koalition erneut öffentlich

über das Thema streitet –wie bei

der ersten Verlängerung Anfang des

Jahres. Und ihrer eigenen Partei hat

sie einen klaren Hinweis gegeben.

Denn dortist die Positionierung alles

andere als klar: Nach den Angriffen

auf eine saudische Ölraffinerie plädierte

zunächst der außenpolitische

Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen

Hardt, Rüstungsexporte wieder zu

genehmigen: „Eine Aufhebung der

Exportsperre für defensive Waffensysteme

ist in unserem strategischen

Interesse“, sagte er der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland).

Schließlich gehe es um den

Selbstschutz Saudi-Arabiens und der

Für Saudi-Arabien bestimmte Patrouillenboote auf der Peene-Werft in Wolgast.

Vereinigten Arabischen Emirate.Der

Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses,

Norbert Röttgen (CDU),

widersprach im Deutschlandfunk:

„Ich bin für die Verlängerung dieses

Exportstopps.“ Die Gründe für den

Stopp bestünden weiterhin. Außerdem

sei die Lage vor Ort enorm zugespitzt,

auch nach den Angriffen

auf Saudi-Arabien, deren Drahtzieher

noch nicht zweifelsfrei feststünden.

Es bestehe Kriegsgefahr.Und in

einer solchen Lage seien deutsche

Waffenlieferungen„nicht richtig und

nicht zu rechtfertigen“. In Saudi-

Arabien gebe es „keinen Mangel an

Waffen“. Das Land sei hoch gerüstet

DPA

und bekomme Waffen unter anderemaus

den USA. „Ein paar zusätzliche

Waffen für Saudi-Arabien seien

nicht „von irgendeiner Bedeutung

für die Stabilität“.

Dagegen positionierte sich wiederum

der Vize-Vorsitzende der

Unions-Fraktion, Johann Wadephul.

„Die neue Lage hat gezeigt, dass

Saudi-Arabien Probleme hat, sich

selbst zu verteidigen“, sagte er. Dem

Koalitionspartner empfahl er: „Die

SPD sollte erkennen, dass es im

deutschen und europäischen Interesse

ist, dass der Konflikt nicht weitergeht.“

Zumindest die Lieferung

defensiver Waffen sollte erlaubt wer-

den. Gestoppt worden ist unter anderem

die Lieferung vonPatrouillenbooten

an Saudi-Arabien. Die SPD

hatte sich ähnlich wie Röttgen positioniert:

„Wo Krieg geführt wird, gehören

keine deutschen Waffen hin.

Der Exportstopp an Saudi Arabien

muss über den 30. September hinaus

verlängertwerden“, sagte FraktionsvizeSören

Bartol.

Die Rolle des Koalitionsfriedens

Über die Verlängerung des Exportstopps

muss nun noch das Bundessicherheitskabinett

entscheiden, in

dem neben der Kanzlerin auch Außenminister

Heiko Maas (SPD), Verteidigungsministerin

Annegret

Kramp-Karrenbauer (CDU) und

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

(CDU) vertreten sind.

Inwieweit der Koalitionsfrieden

bei der Entscheidung eine Rolle

spielt, ist offen. Ein Gegengeschäft,

bei dem die Union einem weiteren

Exportstopp zustimmt und die SPD

dafür der Verlängerung des Bundeswehr-Mandats

für den Irak und Jordanien,

gebe es nicht, wirdinder Koalition

versichert. Der kommissarische

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich

war von seinem ursprünglich

klaren Nein zur Mandatsverlängerung

abgerückt. An diesem Mittwoch

soll die Verlängerung vom Kabinett

beschlossen werden.

Zum Portfolio von Aroundtown gehörtauch

„Der Clou“ in Reinickendorf. IMAGO IMAGES

Der Konzern verweist darauf,

dass er als börsennotierte Gesellschaft

strengen kapitalrechtlichen

Regulierungen unterliegt und somit

vollständig transparent sei. Durch

die Holdinggesellschaften auf Zypernergäben

sich „keine Steuervorteile,

daalle deutschen Immobilien

nach deutschem Steuerrecht besteuert“

würden. Tatsächlich aber

lassen sich mit derartigen Strukturen

gut Steuern einsparen – und

zwar ganz legal.

Der Europaabgeordnete und Finanzexperte

der Grünen, Sven Giegold,

sieht daher vor allem die Gesetzgeber

in der Pflicht: „Wir haben

einen Binnenmarkt in Europa ohne

eine gemeinsame Steuergesetzgebung.

Wir brauchen europäische

Mindeststeuersätze, wir brauchen

Einstimmigkeit und wir brauchen

eine Bundesregierung, die sich nicht

länger ausbeuten lässt, steuerlich.“

Kritisch sieht die Konzernstruktur

von Aroundtown auch Christoph

Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit.

Obwohl der Konzern in

Luxemburg sitze, sei er zwar in

Deutschland steuerpflichtig. „Was

sie aber machen können, ist, sie können

ihre Gewinne in Deutschland

künstlich klein rechnen, indem sie

Zinsen und Gebühren sich selbst in

Rechnung stellen aus Luxemburg

oder aus Zypern, und damit dafür

sorgen, dass die deutschen Gewinne

möglichst klein sind.“

DerBeitragläuft an diesemMittwoch um 21.45

Uhr bei Plusminus in der ARD.


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 5

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Hauptstadt

Größte CO2-Verursacher

Top Ten weltweit,

in Millionen Tonnen 2017

China

10 877

USA

5107

EU

3548

Indien

2455

Russland

1765

Japan

1321

Deutschland

796

Südkorea

673

Iran

671

Saudi Arabien

639

Treibhausgas-Emissionen

gerundet in Millionen Tonnen

Kohlendioxid-Äquivalente*

*Erderwärmungspotenzial von Treibhausgasen

umgerechnet in die entsprechende

Menge Kohlendioxid

F-Gase gesamt (Schätzung 2018,

Emissionen für F-Gase gesamt)

Stickstofftrifluorid (NF3)

Schwefelhexafluorid (SF6)

Perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW)

Wasserstoffhaltige Fluorchlorkohlenwasserstoffe

(H-FKW)

Distickstoffoxid (Lachgas, N2O)

Methan (CH4)

Kohlendioxid (CO2)

1200

Gesamt

1251

1204

Für die Bundeskanzlerin und

sechs Bundesminister

dürfte der kommende Freitag

einer der wichtigsten

Arbeitstage in dieser Legislaturperiode

werden: In zwei Tagen will das

Klimakabinett die Ergebnisse seiner

Beratungen vorlegen. Dann wird

sich zeigen, ob Deutschland wirklich

„den Turbo einlegt“, so wie es die

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-

Karrenbauer vor einigen Tagen verlangt

hat.

Nötig wäre es: Die Grafik auf dieser

Seite zeigt, dass die Reduzierung

des CO 2 -Ausstoßes vor allem unter

dem Prinzip „Hoffen auf die Zukunft“

funktioniert. Seit vielen Jahren

sind die Werte relativ gleich. Wer

Durchstarten fürs Klima

Dreimal hat das Klimakabinett hinter verschlossenen Türen getagt. Am Freitag soll es Ergebnisse geben. Die Erwartungen sind hoch

VonChristine Dankbar

sich ansieht, wie rasant die Reduzierung

nun bis 2050 vonstatten gehen

soll, kann nichts anderes erwarten

als einen kompletten Paradigmenwechsel

in der Klimapolitik. „Nachdem

die Regierung zehn Jahre Klimapolitik

komplett verschlafen hat,

muss jetzt etwas richtig Großes passieren“,

sagt dieVorsitzende des Umweltausschusses

im Bundestag, Sylvia

Kotting-Uhl (Grüne). „Ansonsten

haben wir ein richtiges, massives

Problem.“ Sie selbst sagt, sie wisse

nicht, wie die Verhandlungen bisher

gelaufen seien. Dreimal hat das Klimakabinett

getagt, im April, im Mai

und im Juli, und dann immer hinter

verschlossenen Türen. Auch die

Statements, die die Politiker abgaben,

waren eher dürftig. Als Ausgleich

dafür kursierten gerade in den

vergangenen Tagen eine Menge Vorschläge

durch die Medien –allesamt

von Politikern, die dem Klimakabinett

nicht angehören.

DieCSU, derenVorsitzender Markus

Söder seine zutiefst grüne Seele

entdeckt hat, schlug vor, Billigflüge

mit Strafsteuern zu belegen. Die

CDU setzte sich für die Erhöhung

der Luftverkehrssteuer ein, die SPD

lehnte das ab. Klar scheint zu sein,

dass der Ausstoß von Kohlendioxid

verteuert werden soll, doch wie, ist

ebenfalls noch nicht abzusehen. Betont

wird aber immer wieder, dass

der Normalverbraucher finanziell

nicht weiter belastet werden sollte.

Im Gegenteil: Wer CO 2 spart, soll

künftig Geld sparen können. Für die

Grünen ist das ein netter Versuch,

der längst nicht weit genug reicht.

„Man schafft die Klimawende nicht

ohne Ordnungspolitik“, sagt Kotting-Uhl.

„Wenn man nur über SparanreizeVerhaltensänderungen

erreichen

will, dann wird man weder bei

den Bürgern noch in der Wirtschaft

die notwendigen Ziele erreichen.“

Mankann sich das beim Auto mal

durchdenken. Das ist mehr denn je

der Deutschen liebstes Statussymbol.

Nach einer aktuellen Datenauswertung

des Spiegel kommen hierzulande

auf 1000 Einwohner 567

Pkw, die meisten natürlich mit Verbrennungsmotoren.

Verkehrswende

nicht in Sicht. Eigentlich sollten in

Deutschland im Jahr 2020 eine Million

E-Autos fahren. Derzeit sind es

rund 80 000. Ladepunkte dafür gibt

es weniger als 20 000. Ernüchternd.

Doch klar ist immerhin, dass das

Thema Klimaschutz in der Politik

angekommen ist und ernst genommen

wird–allerdings mit deutlichen

Unterschieden bei den Ressorts.„Im

Umweltausschuss ist allen klar, dass

etwas getan werden muss“, sagt Kotting-Uhl.

„Im Wirtschaftsausschuss

hören Sie dann eher den Hinweis,

dass Klimaschutz unseren Wohlstand

inGefahr bringt.“ Noch zwei

Tage, dann erfahren die Bürger, ob

das Klimakabinett eine Antwortdarauf

hat.

1154 1145 1126 1123 1141 1106

1081

1047 1045 1060 1039 1036 1019 993 1001

974 976

1000

908

943 920 925 942 903 907 911

907

866

(geschätzt)

800

751

600

563

400

200

Ziele 2020

bis 2050:

weitgehende

Klimaziele

Treibhausgasder

Bundesregierung

Neutralität

(2010)

0

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2020 2030 2040 2050

375

QUELLE: UMWELTBUNDESAMT, KLIMAFAKTEN.DE

PLATZ DER REPUBLIK

So mookt

wi dat

Tobias Miller

lernt, dass auch im Norden Wein angebaut wird.

Abendtermine im Regierungsviertel

müssen nicht langweilig sein.

Meist finden sie an interessanten Orten

statt, die man sonst nicht so ohne

weiteres betreten kann. An diesem

Abend war es der Bundesrat in der

Leipziger Straße. Inder Regel trifft

man interessante Menschen, unterhält

sich gut, knüpft am Netzwerk,

und im besten Fall lernt man auch

noch was.Zum Beispiel, dass Schleswig-Holstein

ein Weinland ist. Kaum

vorstellbar,oder?

Es war der Presseabend des Bundesratspräsidenten.

Derzeit ist das

Daniel Günther,imBrotberuf Ministerpräsident

von Schleswig-Holstein.

Jeweils für ein Jahr übernimmt

einer der 16 Länderchefs die Aufgabe,

der Länderkammer vorzustehen;

nach Bundespräsident, Bundestagspräsident

und Kanzlerin immerhin

das vierthöchste Amt im

Land. Das machen die Ministerpräsidenten

alle gern. Die Bühne ist

dann doch meist ein wenig größer

und glamouröser als zuhause. Da

wird man gerne beim Ortstermin

auch mal nach dem Planungsstand

der Ortsumgehungsstraße gefragt

oder nach der fehlenden Schaukel

auf dem Spielplatz.

Günthers Präsidenten-Jahr geht

langsam zu Ende.Also Zeit, ein bisschen

Bilanz zu ziehen. Das Jazz-Trio

in der Ecke legt für einen Moment

die Instrumente zur Seite. Großartige

Erfahrung, tolle Reisen, sagt

Günther. Ein bisschen stolz ist er,

dass er die elektronische Abstimmung

im Bundesrat durchsetzte.

Beim Handauszählen sei es ja nicht

immer einfach, den Überblick zu

wahren. „In den Ländern gibt es inzwischen

13 verschiedene Koalitionen“,

sagt Günther. Inihren Vorbesprechungen

tun SPD und CDU aber

immer noch so, als ob Voten allein

von ihnen abhängen, wundert er

sich ein wenig.

Während er redet, bringen

freundliche Kellner natürlich Flensburger

Pils (das mit dem Plopp) und

Grauburgunder. „Dabei hat Schleswig-Holstein

einen eigenen Wein“,

sagt Günther. Seit immerhin zehn

Jahren wird imhohen Norden Wein

angebaut. Damals hat man Rheinland-Pfalz

von den deutschen Anbauflächen

zehn Hektar abgeluchst.

EinBlick ins Netz: Vorallem die Rebsorte

Solaris wird angebaut, bei der

sind laut Wiki „die Lageansprüche

sehr gering“. RauerNorden eben.

Seit etwa zwei, drei Jahren sei das

Ergebnis sogar sehr gut trinkbar,

versichert Günther. Man könnte

also sagen, seit er Ministerpräsident

ist. EinPolitiker,der aus PlörreWein

machen kann? In der CDU gilt Günther

als Mann mit Zukunft. Vielleicht

liegt es beim Wein dann aber

doch eher am Klimawandel. Das

Statistische Bundesamt registriert

in seinem Weinmost-Bericht zwar

keine Einträge in den Sparten Qualitäts-

oder Prädikatswein, aber den

Landwein hätte man schon gerne

probiert.

DerWein nennt sich„Somookt wi

dat“. Nun sind noch mal vier Hektar

dazugekommen, erzählt Justizministerin

Sabine Sütterlin-Waack, die

als Verbraucherschutzministerin für

den Wein zuständig ist. Sie hat Günther

nach Berlin begleitet. Und so

langsam werde es schwierig in

Schleswig-Holstein mit dem Wein,

sagt sie. „Uns gehen die Hanglagen

aus.“


6* Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

18.6.19

18.6.19

MÄRKTE

▼ 12372,61 (–0,06 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

18.6.19

Stand der Daten: 17.09.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

17.9.19

▼ 64,12 (–5,73 %)

17.9.19

▼ 1,1026 (–0,05 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom17.09.zum Vortag

SartoriusVz. 174,40 +3,69 WWWWW

Puma 68,25 +2,71 WWWW

Carl Zeiss Meditec 102,00

+2,67 WWWW

Vonovia NA 43,10 +2,57 WWWW

Nemetschek 47,42 +2,37 WWW

LEG Immobilien 101,25 +2,23 WWW

Verlierer

17.9.19

ausDAX und MDAXvom 17.09. zumVortag

Zalando 41,00 WWWWWWWWWWW –9,83

Commerzbank 5,65 WWWWW –3,70

United Internet NA 33,42 WWWW –3,05

ProSiebenSat.1 13,55 WWWW –3,04

Dürr 25,43 WWWW –2,94

K+SNA 14,84 WWWW –2,56

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 17.09. ±% z. 16.09.

Euro Stoxx 50(EU) +0,08

3574/2909 3521,26

CAC 40(FR) +0,24

5673/4556 5615,51

S&P UK(UK) +0,01

1562/1323 1479,52

RTS (RU) – 1,05

1414/1033 1381,50

IBEX (ES) –0,53

9665/8286 9004,20

Dow Jones (US) +0,08

27399/21713 27097,48

Bovespa (BR) +0,29

106650/77005103979,30

Nikkei (JP) +0,06

24448/18949 22001,32

Hang Seng (HK) –1,28

30280/24541 26744,78

Stx Singap. 20 (SG) –1,20

1657/1350 1582,75

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängig bzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,89 2,89 2,89

PSD Bank Nürnberg

psd-nuernberg.de 2,93 2,93 2,93

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,49 3,49 3,49

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

Commerzbank

069/98660966 3,74 4,98 4,74

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,89 3,89 3,89

Targobank

targobank.de 3,95 3,95 3,95

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,49 3,69

Pax-Bank

pax-bank.de 3,99 3,99 3,99

ABK Allgemeine Beamten Bank

030/28535200 4,49 4,49 3,39

BBBank

030 202480 5,82 5,61 5,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 3,88 3,95 4,07

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Das marode Gleisnetz muss mit Milliardenaufwand saniertwerden.

Von Burkhard Fraune

Billigere Fahrkarten und

mehr Züge, besserer Service

und größere Pünktlichkeit:

Die Deutsche

Bahn hat kostspielige Ziele – aber

auch hohe Schulden und eine große

Finanzlücke. An diesem Mittwoch

überlegt der Aufsichtsrat, woher frisches

Geld kommen kann und wo

noch Risiken schlummern. EinÜberblick

über die Baustellen des Staatskonzerns:

Finanzlücke: Allein in diesem Jahr

fehlen der Bahn knapp 3Milliarden

Euro, darauf hat der Bundesrechnungshof

jüngst aufmerksam gemacht.

Sein Bericht für den Bundestag

steht nicht auf der Tagesordnung

des Aufsichtsrats, doch erfasst das

Dilemma des Staatskonzerns zusammen:

Der Gewinn sinkt, die Investitionen

ins marode Netz müssen

wachsen, denn der Bund will, dass

die Fahrgastzahlen deutlich steigen.

Deshalb sollen in den nächsten

zehn Jahren 86 Milliarden Euro in das

Netz fließen –deutlich mehr als bisher.

Davon soll die Bahn 24 Milliarden

selbst tragen. Sie hat allerdings

ihre Schuldenobergrenze schon erreicht,

inklusiveLeasingverbindlichkeiten

sind es rund 25 Milliarden

Euro. Was nun? Der Bund verlangt

vomAufsichtsrat klareAntworten.

Tafelsilber verkaufen: Mehrere Milliarden

Euro könnte die Bahn durch

Arbeitgeber laufen Sturm gegen Heil

Der Minister will mit seinem Gesetzentwurf für bessere Arbeitsbedingungen in der Paketbranchesorgen

Von Rasmus Buchsteiner

Die Arbeitgeber laufen Sturm

gegen die Gesetzespläne von

Bundesarbeitsminister Hubertus

Heil (SPD) für die Paketbranche, die

an diesem Mittwoch vomBundeskabinett

auf den Weggebracht werden

sollen. „Das Gebot der Stunde sollte

nicht mehr Bürokratie sein, sondern

weniger“, sagte Steffen Kampeter,

Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung

der Deutschen Arbeitgeberverbände

(BDA), dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND).

„Die neuen Gesetzespläne sind ein

weiteres Beispiel dafür, staatliches

Kontrollversagen in den privaten Bereich

zu verschieben. Wenn der Staat

seiner Aufgabe zur Überwachung der

Einhaltung des Mindestlohns nicht

Mehr Geld für mehr Bahn

Der Aufsichtsratbefasst sichmit den Finanzlöchern des Staatskonzerns

Ehrgeiziges Ziel: Der sogenannte

Deutschland-Takt der

Bahn soll die Umsteigeverbindungen

besser synchronisieren

und so für pünktlichere

Zügeund kürzere Reisezeiten

sorgen. Angepeilt

wird außerdem eine Verdoppelung

der Fahrgastzahlen.

Vorknapp einem Jahr wurde

das Projekt mit einem Modellfahrplan

für das Jahr

2030 präsentiert.

den Verkauf ihrer britischen Tochtergesellschaft

DB Arriva einnehmen.

DerKonzern macht nur noch 40 Prozent

des Umsatzes in Deutschland

und soll sich nun wieder stärker auf

den Heimatmarkt konzentrieren. Mit

53000 Beschäftigten betreibt Arriva

Busse und Regionalzüge in 14 europäischen

Ländern. Es ist die Rede davon,

dass das profitable Geschäft

3bis 4MilliardenEurobringen könnte.

Interessenten soll es geben, konkrete

Angebote sind bisher nicht bekannt.

Klappt kein Komplettverkauf,

soll Arrivaandie Börse gehen.

Der Rechnungshof empfiehlt,

dass sich die Bahn auch Gedanken

darüber macht, die internationale

ausreichend nachkommt, kann er

diese Pflicht nicht einfach bei Unternehmen

abladen.“ Kampeter sagte,

Heils Pläne seien „lediglich ein Ver-

DEUTSCHLAND-TAKT

Zähe Umsetzung: Die Kosten

für das Projekt sind immer

noch unklar.Das geht

aus Antworten des Bahnbeauftragten

der Bundesregierung,EnakFerlemann,

auf

eine Grünen-Anfragehervor.

Wieviele zusätzliche Gleise

dafür notwendig sind, werde

derzeit geprüft, der Finanzbedarf

sei noch unbekannt.

Der Zielfahrplan soll Anfang

2020 fertig sein.

such, sich mit einem bürokratischen,

aber praxisfernen Regelwerkaus der

Verantwortung zu stehlen“. Für die

betroffenen Firmen bedeute dies

„unverhältnismäßige Haftungsrisiken“.

Stattdessen sollte der Staat seine

eigenen Kontrollmechanismen

Kritik der Opposition: „Das

schleppende Vorankommen

beim Deutschland-Takt hinterlässt

Zweifel am Umsetzungswillen

der Bundesregierung“,

kritisierte der Grünen-Sprecher

für Bahnpolitik,

Matthias Gastel. Es werde

schlicht ein fiktiver Zielfahrplan

aktualisiert. „Wir

brauchen ein klares Finanzkonzept

zum Deutschland-

Takt, und zwar jetzt.“

Logistiktochter Schenker zu verkaufen

–was der Vorstand bislang ablehnt.

Stuttgart 21: Die schwierige Großbaustelle

ist regelmäßig Thema im

Kontrollgremium. 8,2 Milliarden

Euro waren zuletzt veranschlagt, und

sie werden wohl gebraucht. Der

Bahnhof soll Ende 2025 fertig sein.

Bei Baubeginn 2010 hatte das Kostenlimit

für den unterirdischen

Bahnhof und die Anschlussstrecken

bei 4,5 Milliarden Euro gelegen.

„Das ist ein praxisfernes Regelwerk.“

Steffen Kampeter, BDA-Hauptgeschäftsführer

verbessern, wenn er Handlungsbedarf

sehe. „Wir brauchen ein Belastungsmoratorium

für die Wirtschaft.

Dazu gehörtganz besonders der Verzicht

auf neue Beschränkungen bei

Befristungen und Arbeitszeit.“

Heil will für bessereArbeitsbedingungen

in der Paketbranche sorgen.

Laut Arbeitsministerium geben inzwischen

viele Paketdienste einen

Teil ihrer Aufträge an Subunterneh-

FOTO: JULIAN STRATENSCHULTE/DPA

Beraterverträge: Hat die Bahn Geld

für Berater ohne angemessene

Gegenleistung gezahlt? Die Prüfungsgesellschaft

EY hat Beraterverträge

mit früheren Bahnmanagern

aus den Jahren 2010 bis 2018 unter

die Lupe genommen und dem Vernehmen

nach in elf Fällen Verstöße

gegen das Aktienrecht festgestellt.

Die Prüfer werden im Aufsichtsrat

Bericht erstatten.

Die Überprüfung betraf nach

Bahnangaben auch Beraterverträge

mit dem früheren nordrhein-westfälischen

Ministerpräsidenten Jürgen

Rüttgers; der CDU-Politiker ließ Anfragen

zu dem Thema unbeantwortet.

Wie in Aufsichtsratskreisen zu

hören war, prüft der Konzern die

Möglichkeit, frühere Vorstände zur

Kasse zu bitten.

Personalmangel: Mit der Schaffung

neuer Stellen ist es nicht getan. Die

Bahn kann viele Stellen nicht besetzen,

vor allem Lokführer fehlen. Der

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

(VDV), in dem auch die

Deutsche Bahn Mitglied ist, warnt

davor, dass der Personalmangel das

Wachstum bei Busund Bahn gefährde.

„Es fallen –wenn auch glücklicherweise

nur vereinzelt –schon jetzt

Fahrten aus,weil Personal fehlt“, berichtete

VDV-Präsident Ingo Wortmann

am Dienstag. Für den nötigen

Ausbau des Angebots bräuchten die

Unternehmen in den nächsten fünf

Jahren 50000 neue Mitarbeiter, vor

allem im Fahrdienst. Die Branche

wirbt seit Dienstag mit einer bundesweiten

Onlinestellenbörse für Jobs

im Schienenverkehr. (dpa)

mer ab,umdie gestiegenen Auftragszahlen

überhaupt bewältigen zu

können. Dabei komme es unter anderem

zu Verstößen gegen das

Arbeitszeit- und das Mindestlohngesetz

sowie teilweise zu Schwarzgeldzahlungen,

Sozialleistungs- und Sozialversicherungsbetrug.

Eine bundesweite

Razzia des Zolls im Februar

2019 habe gezeigt, dass jedes sechste

überprüfte Beschäftigungsverhältnis

tendenziell kritisch einzuordnen ist.

DiePlänedes Arbeitsministers sehen

vor, in der Branche wie in der Bauund

Fleischwirtschaft eine Nachunternehmerhaftung

einzuführen.

Nach diesem Prinzip haftet derjenige,

der einen Auftrag annimmt und

an einen Nachunternehmer weitergibt,

für die abzuführenden Sozialversicherungsbeiträge.

Brüssel erlaubt

Deal zwischen

RWEund Eon

Kritik von

Verbraucherschützern

Von Alkimos Sartoros

Die EU-Wettbewerbshüter haben

den umstrittenen Stromdeal der

deutschen Marktführer RWE und

Eon unter Auflagen erlaubt. Er führe

nicht zu weniger Auswahl und höheren

Preisen, teilte die Brüsseler Behörde

am Dienstag mit. Damit können

Eon und RWE den deutschen

Strommarkt umkrempeln. Eon-Chef

Johannes Teyssen sagte,man sei„erleichtert,

stolz, aber auch ein bisschen

demütig“.

Die beiden Essener Konzerne

werden die RWE-Tochter Innogy zerschlagen

und ihre Geschäftsfelder

komplett neu aufteilen. Dies wird

nach Teyssens Worten nun zügig geschehen.

Eon soll die Netze und das

Endkundengeschäft von Innogy erhalten,

RWE die erneuerbaren Energien

vonInnogy und Eon. DenRWE-

Teil des Deals hatte EU-Wettbewerbskommissarin

MargretheVestager

bereits durchgewinkt.

Die langjährigen Rivalen wollen

sich nicht mehr in die Quere kommen.

RWE wird zum Produzenten

und Großhändler von Strom. Eon,

künftig ohne eigene Kraftwerke, will

sich auf den Transport und Verkauf

von Strom, Gas und Energiedienstleistungen

an Haushalte und Unternehmen

konzentrieren.

Eon wird mit der Innogy-Übernahme

zum mit weitem Abstand

größten Stromversorger in Deutschland.

Zusammen mit den bisherigen

Innogy-Kunden kommt der Energiekonzern

künftig auf rund 14 Millionen

Kunden. In Europa wirdEon sogar

rund 50 Millionen Kunden mit

Stromund Gasbeliefern.

„Wahlfreiheiteingeschränkt“

„Privat- und Geschäftskunden in

Europa müssen Strom und Gas zu

wettbewerbsfähigen Preisen beziehen

können“, sagte Vestager. „Wir

können heute die Übernahme von

Innogy durch Eon genehmigen, weil

die Verpflichtungszusagen von Eon

sicherstellen, dass der Zusammenschluss

in den Ländern, in denen diese

Unternehmen tätig sind, nicht zu

einer geringeren Auswahl und höherenPreisen

führen wird.“

Zu den Auflagen gehörtnun,dass

Eonunter anderem 34 Ladestationen

für Elektroautos an deutschen Autobahnen

sowie das Tschechien-Geschäft

abgeben muss. Die Ladestationen

sollen künftig von einem

Drittanbieter betrieben werden. Zudem

muss Eon die Verträge mit den

meisten seiner Heizstromkunden in

Deutschland abgeben.

Daran gibt es allerdings Kritik.

„Die Auflagen sind zu weich –dass

Eonkeine ihrerzweiDiscounttöchter

verkaufen und auch keine Beteiligung

an Stadtwerken oder Regionalanbietern

aufgeben muss, überrascht“,

sagte UdoSieverding, Energieexperte

der Verbraucherzentrale

Nordrhein-Westfalen. Auflagen wie

der Verkauf vonLadestationen seien

hingegen kaum spürbar für den Konzern.

Die Grünen-Europaabgeordnete

Jutta Paulus sagte: „Die Wahlfreiheit

wirddurch die Fusion eingeschränkt

und die Liberalisierung des

Strommarkts unterlaufen.“

„Erleichtertund stolz“:Eon-Chef Johannes

Teyssen.

FOTO: MARCEL KUSCH/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 7 *

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Wirtschaft

Apple und EU

kämpfen um

Milliarden

Streit um Steuern

vor Gericht

Von Andrej Sokolow

Die Entscheidung von Margrethe

Vestager machte 2016 Schlagzeilen:

Die EU-Wettbewerbskommissarin

forderte Irland auf, von

Apple 13 Milliarden Euro Steuern

nachzufordern. Das EU-Land lockt

internationale Konzerne mit extrem

niedrigen Steuersätzen, die nach

Überzeugung Brüssels jedoch gegen

EU-Recht verstoßen. Nun wird der

Streit vordem EU-Gericht in Luxemburgausgetragen.

Apple bekräftigte zum Auftakt am

Dienstag, dass die Erträge von zwei

irischen Tochterfirmen vor allem in

den USA zu versteuern gewesen seien.

Die Kommission warf Apple dagegen

vor, nur Verwirrung zu stiften.

Sie betonte ihre Sichtweise, dass Irland

die Steuernzuniedrig angesetzt

habe. Der iPhone-Hersteller fühlt

sich dagegen doppelt zur Kasse gebeten:

„Apple zahlt jetzt rund 20 Milliarden

Euro Steuerninden USA auf dieselben

Gewinne, die laut der Kommission

auch in Irland besteuertwerden

müssten“, erklärte der US-Konzern.

Bei dem Streit geht es nicht nur

umvielGeld.Um dieEU-Pläne,internationale

Digitalkonzerne höher

und vor allem effektiver zu besteuern,

gibt es erheblichen Streit mit der

US-Regierung. Für Apple geht es

auch um den Ruf: Der iPhone-Hersteller

will sich nicht als Steuerflüchtling

und Trickser bezeichnen lassen.

Und auch für Margrethe Vestager

steht einiges auf dem Spiel: Eine Niederlage

bei einer ihrer wichtigsten

Entscheidungen würde die frischgebackene

Vizepräsidentin der EU-

Kommission erheblich schwächen.

Apple argumentiert, die irische

Tochter Apple Sales International

(ASI)seilediglichfürdenVertriebvon

Geräten des Konzerns außerhalb

Nord- und Südamerikas zuständig

gewesen, während die eigentlichen

Werte vorallem in denUSA geschaffen

worden seien. Deswegen wärees

falsch, auf die Gewinne aus dem

internationalen Geschäft, die sich in

Irland ansammelten, Steuernindem

Land zu bezahlen. Irland habe zu

Recht nur den Teil der Gewinne besteuert,

der auf Aktivitäten in dem

Land zurückging.

Die Kommission bestritt am

Dienstag nicht, dass ein Großteil des

intellektuellen Eigentums bei Apple

in den Vereinigten Staaten entstehe.

Allerdings habe die irische Steuerbehörde

nicht die notwendigen Analysen

der Geldflüsse innerhalb des

Apple-Konzerns durchgeführt, um

entscheiden zu können, zu welchen

Anteilen die Gewinne wo versteuert

werden müssten.

Rund um den Streit kochten immer

wieder die Emotionen hoch. So

hatte Apple-Chef TimCook die Kritik

Vestagers, Apple habe in Irland im

Jahr 2014 eine Körperschaftssteuer

von nur 0,005 Prozent bezahlt, als

„politischen Dreck“ bezeichnet. Die

Kommission muss in Luxemburg

unter anderem nachweisen, dass

Apple in Irland Sonderkonditionen

bekam, die für andereUnternehmen

nicht verfügbar waren. (dpa)

Margrethe Vestager wirft Irland Steuerdumping

vor.

FOTO: NIETFELD/DPA

Nichts röhrt

Die Autokonzerne bringen jetzt viele Plug-in-Hybride an den Start. Kritiker sprechen vonMogelpackungen

Von Frank-Thomas Wenzel

Dieses Kraftfahrzeug ist

definitiv nichts für Auto-

Poser. Springt die Ampel

auf Grün, setzt es sich

beinahe geräuschlos in Bewegung.

Ebenso zurückhaltend schnurrt es

mit seinen fast zwei Tonnen Gewicht

durch den Stadtverkehr. Dank des

Elektromotors.Selbstbei einem kurzenZwischensprint

gibt sich der Wagen

eher zurückhaltend, da röhrt

nichts, obwohl die vier Zylinder des

Dieselmotors dazu geschaltet werden.

DerMercedes C300 de gehörtzur

neuesten Generation der sogenannten

Plug-in-Hybride.Zuseinem Verbrenner

kommt ein elektrisches Aggregat,

dessen Batterie mittels dickem

Kabel aufladen werden kann.

Eine „Systemleistung“ von 306 PS

kommt da zusammen. Aufder IAA in

Frankfurt fährt Daimler eine ganze

Flottille vonPlug-ins auf, über fast alle

Modellkategorien hinweg. Und

Daimler ist nicht allein. An den Ständen

auf der Frankfurter Automesse

werden die Doppelherz-Pkw weit

vorn präsentiert –bei den deutschen

Herstellern sowieso. Aber auch beispielsweise

Renault zeigt auf dem

IAA-Außengelände das hybridangetriebene

Kompakt-SUV Captur.

Ziemlichausgereift

Mercedes präsentiertindes in seiner

Halle stolz ein 1:1-Modell des kombinierten

Antriebsstrangs. Das sei

schon ein ausgefeiltes Gebilde, sagt

ein Mercedes-Mitarbeiter. Verbrenner,

eine doppelte Kupplung,

Elektromotor und ein Neun-Gang-

Automatikgetriebesindhintereinander

geschaltet. Hinzu kommt ein Gewirr

aus orangefarbenen Kabeln, die

die Stromversorgung und die Steuerung

organisieren. Es gehe darum,

ein optimales Zusammenspiel der

beiden Maschinen zu erreichen. Bei

einer Testfahrtmit dem C300 de wird

deutlich, dass dies schon ziemlich

ausgereift ist. Rund 50 Kilometer hält

der Wagen rein elektrisch durch,

wenn es darauf ankommt. Er kann

aber auch nahtlos vonE-auf Dieselantrieb

hin- und herschalten, und

beide Motoren zusammen können

für heftigen Vortrieb sorgen (das maximale

Drehmoment liegt bei

700 Newtonmeter).

Der Autoexperte Stefan Bratzel

hat die Plug-in-Konfigurationen in

die Nähe von Kunstwerken gerückt.

Fest stehen dürfte,dass sie die komplexestenAntriebeinderAutomobilgeschichte

sein werden. Dabei spielenderartigePkwaufdemAutomarkt

bislang nur eine sehr bescheidende

Nebenrolle. Inden ersten acht Monaten

dieses Jahres kamen laut Kraftfahrt-Bundesamt

gerade einmal

22915 Exemplare auf die Straßen,

das entspricht einem Marktanteil

voneinem Prozent. Doch da soll sich

im nächsten Jahr nach Einschätzung

vieler Experten schlagartig einiges

ändern.

Die Brüsseler Denkfabrik Transport

&Environment (T&E) hat die

Von Theresa Münch

Hunderttausende

Dieselfahrer

warten auf diesen Tag: Am

30. Septemberwirddie großeVerbraucherklage

gegen Volkswagen erstmals

vor Gericht verhandelt. Der Bundesverband

der Verbraucherzentralenwill

VW das Fürchten lehren, fast

440000 Autobesitzerhaben sich in der

Hoffnung auf Schadensersatz angeschlossen.

DochselbstdieAnwälte, diedieVerbraucherschützer

vor Gericht vertreten,

raten einigen, wieder auszusteigen.

Montage eines Mercedesder C-KlasseimWerkBremen.

CO 2 -Ausstoß: Die Europäische Union

schreibt vor, den Ausstoß des klimaschädlichen

CO 2 der Neuwagen auf durchschnittlich

95 Gramm pro Kilometer zu senken –wobei

dies 2020 nur für 95 Prozent der jeweiligen

Herstellerflotte und erst von2021 an für

100 Prozent gilt.

Wasist das für eineKlage?

Die Musterfeststellungsklage ist

eine Art„Einer für alle“-Klage;bei ihrer

Einführung vor nicht einmal einem

Jahr hatteman denFall VW im Hinterkopf.

Verbraucherschutzverbände klagendabeifürGruppenvonBetroffenen

–mit wenigerAufwand und Risikofür

denEinzelnen.

BRÜSSELER VORSCHRIFTEN

FOTO: CARMEN JASPERSEN/DPA

Herstellerwert: Dabei wird fürjeden Autobauer

ein eigener Wert errechnet, der vom

Gewicht der verkauften Fahrzeugeabhängig

ist. So muss Daimler von133 Gramm (2018)

auf 102 Gramm in zwei Jahren herunterkommen.

Branchenprimus VW hat eine Reduktion

von122 auf 96 Gramm zu schaffen.

Dieselfahrer brauchen langen Atem

Ende Septemberwird die große Verbraucherklage gegen VW vorGericht verhandelt

Waskann dabeirauskommen?

Letztlich hoffendie Dieselfahrer auf

Schadensersatz – doch den wird es

nichtdirekt geben.Bei dem Verfahren

geht es nurdarum, ob Volkswagenunrechtmäßig

gehandelt hat. Den Kunden

wird kein individueller Anspruch

aufGeldodereineRückabwicklungdes

Kaufvertrags zugesprochen. StattdessenmüssensiemitdemMusterurteilin

derTaschenocheinmalvorGerichtziehen.

Ist auch ein Vergleich möglich?

Ja,erwürde zwischenVWund dem

Verbraucherzentralenverband geschlossen,

aber für alle angemeldeten

Verbraucher gelten. VW hält diese

Möglichkeit wegender hohen Zahl der

Mitkläger und ihrer unterschiedlichen

Fallkonstellationen jedoch für „kaum

vorstellbar“.

Ankündigungen und Pläne der in der

EU aktiven Autobauer ausgewertet.

DasErgebnis der Studie: Derzeit sind

55 verschiedene Modelle auf dem

Markt. Ihre Zahl soll sich 2020 auf 100

fast verdoppeln. Der Kunde werde

2025 sogar die Auswahl aus mehr als

140 verschiedenen Modellen haben.

Mit wachsender Vielfalt werde auch

die Stückzahlen kontinuierlich steigen.

2025 würden 1,8 Millionen

Autos mit dem Doppelantrieb und

der Steckdose in Europa produziert.

Der Grund für den geplanten

Boom liegt auf der Hand: Dieneuen

CO 2 -Grenzwerte der EU. Der Ausstoß

des klimaschädlichen Gases der

Neuwagen soll bis 2021 auf durchschnittlich

95 Gramm proKilometer

gesenkt. Und das auffälligste Merkmal

der Plug-ins ist ihr geringer

Normverbrauch. Für den C300 de

zum Beispiel gibt Mercedes 1,6 bis

1,4 Liter Diesel an. Das entspricht

einem CO 2 -Ausstoß von 42 bis

38 Gramm pro Kilometer. Zum Vergleich:

Der C300 dkommt mit seinem

konventionellen Dieselantrieb

auf offiziell 142 bis 129 Gramm.

Doch wie ist das mit der Plug-in-

Funktion? Wernicht in der eigenen

Garage oder amArbeitsplatz Strom

tanken kann, muss sich eine öffentliche

Ladestation suchen. Der Fahrtest

mit dem Mercedes zeigte, dass

dies gar nicht so einfach ist. Fünf Versuche

in der Frankfurter Innenstadt

scheiterten. Entweder die Ladesäulen

waren belegt oder durch einen

Verbrenner blockiertoder außer Betrieb.

Die Folge: Ohne Stromzufuhr

vonaußen wirdder Ladezustand des

Akkus im C300 de auf einem Minimalniveau

gehalten. DerVerbrenner

übernimmt einen Großteil der Antriebsarbeit.

Bei einer Fahrt von

Frankfurtnach Hamburgund zurück

ergab sich dann ein Verbrauch laut

BordcomputervonknappsechsLiter

Diesel. Daimler teilte dazu auf Anfrage

mit: „Jekürzerdie Fahrtstrecke bis

zum erneuten Aufladen ist, desto höher

fallen der relativereinelektrische

Anteil und damit der Verbrauchsvorteil

des Fahrzeuges aus.“

„Reine Energiefresser“

Der alternative Verkehrsclub VCD

warnt indes vorder Plug-in-Technologie:

Sie sei „kein Teil der Lösung,

sondern eine Mogelpackung“, so

Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer

Sprecher des Clubs. Er

bezeichnet die Autos als „reine

Energiefresser“. Umweltschützer

kritisieren überdies, dass die Fahrzeuge

durch ihr hohes Gewicht auffallen

–der C300 de ist rund 300 Kilo

schwerer als der C300 d. BeiWagen

mit großen Batterien kommt hinzu,

dass für deren Herstellung schon

große Mengen Energie benötigt

werden.

Christian Hochfeld, Direktor der

Denkfabrik Agora Energiewende,

weist darauf hin, dass die Fahrer womöglich

auf das externe Laden aus

freien Stücken verzichten werden,

weil es ihnen schlicht zu mühsam

sei und weil das Auto dank seines

Verbrenners dennoch mobil bleibe.

Wie groß sinddie

Chancen aufErfolg?

Die Anwälte sind sehr zuversichtlich,

VW dagegen sieht wenig Aussichten.Die

AutosseientrotzderimDieselskandal

aufgeflogenen AbschalteinrichtungderAbgasreinigungtechnisch

sicher und würden im Verkehr genutzt,

argumentiertdas Unternehmen. Kunden

hätten „keinen Schaden erlitten“.

Egal, wie es ausgeht: Das Prozesskostenrisiko

trägt allein der Bundesverband

der Verbraucherzentralen. Wenn

er verliert, sind allerdings alle, die im

Klageregister stehen, an diese Entscheidunggebunden.

NACHRICHTEN

EU-Parlament

stimmt für Lagarde

DasEuropaparlament hat derNominierung

vonChristineLagarde als

Präsidentin der EuropäischenZentralbank

(EZB) zugestimmt. 394 Abgeordnete

votierten am Donnerstag

in Straßburgdafür,dass die 63-Jährige

die EZB acht Jahrelang führtund

206 dagegen. 49 enthielten sich. Lagarde

war vergangene Woche von

ihrem Chefposten beim Internationalen

Währungsfonds zurückgetreten.

Ihrneues Amt soll sie am 1. November

antreten. Siehat sich für die

expansiveGeldpolitikihres Amtsvorgängers

beider EZB,Mario Draghi,

ausgesprochen, die aus Deutschland

kritisiert worden ist. (dpa)

Konjunkturerwartungen

verbessern sich

Nach vier Rückgängen in Folge haben

sich die Konjunkturerwartungen

deutscher Finanzexperten im

September aufgehellt. DerIndikator

des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung

(ZEW)stieg um

21,6 Punkte auf minus 22,5 Zähler,

wie das ZEWmitteilte.Der Anstieg

warstärker als erwartet. „Die Zunahme

bedeutet keine Entwarnung

bezüglich der Entwicklung im kommenden

halben Jahr“, sagte ZEW-

Präsident Achim Wambach. Es hätten

sich aber die „starken Befürchtungen“

über eine Verschärfung des

Handelskonflikts zwischen den USA

und China nicht bewahrheitet. (dpa)

Behörde testet erneut

Boeing 737 Max

Dutzende737 Max warten beiBoeingin

Seattle auf ihreAuslieferung. FOTO: IMAGO

DerChef der US-Flugaufsicht will

die Anpassungen an der umstrittenen

Boeing-Modellreihe 737 Max

höchstpersönlich testen, ehe über

eine Aufhebung des Startverbots

entschieden wird. Dazu werdeer

sich in dieser Woche in Seattle in

einen Flugsimulator begeben, kündigte

Behördenleiter Stephen Dickson

an. Er erwarte auch, dass Boeing

in den kommenden Tagen eine

Sicherheitsanalyse zu den Softwareänderungen

an der 737 Maxvorlegt.

Dickson ist neuer Chef der Luftfahrtbehörde

FAA. Siebelegte die 737-

Max-Jets im Märznach dem Absturz

einer Maschine des Flugzeugtyps in

Äthiopien mit einem Startverbot.

Zuvorhatte es im Oktober 2018 in

Indonesien ein Flugzeugunglück

mit der Modellreihe gegeben. (dpa)

Weltbank

kritisiert China

DieWeltbank drängt China zur Öffnung

seiner Hochtechnikmärkte.

DieRegierung solle Subventionen

kürzenund vonPlänenAbstand

nehmen, die Technikentwicklung

selbst voranzutreiben, heißt es in

einem Bericht der Weltbank und

einer chinesischen Regierungsbehörde.Eine

Beteiligung der Regierung

an Technikindustrien könne

deren Entwicklung eher behindern

als fördern. DerBericht wurde vor

drei Jahren in Auftrag gegeben, als es

noch keine große Handelsauseinandersetzung

zwischen China und den

USA gab.Der Handelsstreit zwischen

beiden Ländernwirdindem

Dokument nicht erwähnt. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Meinung

Verkehrssicherheit

ZITAT

Wir brauchen mehr

Schutz für Fußgänger

Elmar Schütze

erlebt die Stadt immer noch im

Schockzustand.

„Es ist ein #DatenSuperGau

für die Intim- und

Privatsphäre von

Millionen von Menschen.“

Die Beklemmung lässt einfach nicht

nach. Der tödliche SUV-Unfall von

Mitte ist fast zwei Wochen her und immer

noch nicht restlos aufgeklärt. Inzwischen

verhärtet sich der Verdacht, dass der Fahrer,

der vier unbeteiligte Fußgänger in den

Tod riss, erhebliche medizinische Probleme

gehabt hat.

Gleichzeitig berichten die Pfarrer der

Elisabeth-Kirche direkt neben dem Unfallortvon

einem ungebrochenen Bedürfnis

vieler Anwohner aus dem Kiez, gemeinsam

zu trauern, den Angehörigen ihr

Beileid auszusprechen, sich einfach zu

treffen und zu reden. DasQuartier ist immer

noch in innerem Aufruhr.

Mitten in diese Phase der anhaltenden

Erstarrung, des Schocks hinein stellt Verkehrssenatorin

Regine Günther ihre Gesetzesvorlage

zur zukünftigen Fußverkehrspolitik

in Berlin vor. Die Stadt soll

durch die Verbesserung der Infrastruktur

für Fußgänger sicherer werden, sagt die

Grünen-Politikerin. Die Grünphasen für

Fußgänger sollen verlängert, die Bürgersteige

insgesamt sicherer werden. Gleichzeitig

soll der Autoverkehr in der Innenstadt

wirksam eingedämmt werden. Das

ist gut und notwendig.

Doch genau so sicher ist, dass das

beste Gesetz nichts nützen wird, wenn wir

unsere Lebensgewohnheiten nicht endlich

der wachsenden Stadt anpassen. Womit

wir wieder bei der Debatte um eine

mögliche Verbannung von SUV aus der

Innenstadt sind. Doch am Ende werden

wir nur gut miteineinander leben können,

wenn alle mehr Rücksicht nehmen.

Wasden fürchterlichen Unfall in Mitte

angeht, wirdamEnde ein Gericht über die

Schuld und die Schuldfähigkeit des Fahrers

befinden müssen. Und genau so soll

es ja auch sein.

Datenschutz

Spahn muss

umdenken

Timot Szent-Ivanyi

fordertvom Gesundheitsminister

mehr Schutz für Gesundheitsdaten.

Fluch und Segen liegen oft beieinander.

Nicht anders ist es bei der Digitalisierung.

So groß die Vorteile von Klinik-Datenbanken,

elektronischen Patientenakten,

Online-Rezepten oder Fitness-Trackernsein

mögen, darfeines nicht vergessen

werden: Es gibt kaum sensiblere

Daten als die über den eigenen Gesundheitszustand.

Für Arbeitgeber, Versicherungen

oder Banken sind diese Informationen

Gold wert.Stelle ich jemanden ein,

der laut Tracker-Daten schon beim Treppensteigen

einen Puls von200 hat? Istein

Antragsteller kreditwürdig, der wegen eines

Selbstmordversuchs in der Psychiatrie

war? Selbstverständlich ist eine Nutzung

von Gesundheitsdaten auf diese

Weise illegal. Doch das bedeutet keinen

Schutz vor Missbrauch. Undder ist leicht

zu bewerkstelligen, wie der gerade aufgedeckte

Fall vonungeschützten Klinik-Daten

mit Millionen vonRöntgen- und MRT-

Aufnahmen zeigt.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat

sich beimThema Datenschutz bisher nicht

hervorgetan. „Datenschutz ist was für Gesunde“,

heißt seine Devise, die er zuerst

2016 in einem Buch vertreten hatte.Dabei

wirdsogetan, als könnten Kranke vonder

Digitalisierung nur profitieren, wenn sie

den Schutz eigener Daten hintenan stellen.

Doch gerade für Gesundheitsinformationen

müssen extrem hohe Schutzstandards

gelten. Hier bestehen in Deutschland

erhebliche Lücken. Das ist fatal, weil

die Kassen ab 2021 jedem Versicherten

eine elektronische Patientenakte anbieten

müssen, die mit hochsensiblen Daten gefüllt

werden soll. Spahn muss dringend

umdenken und praktikable Lösungen liefern,

wie Digitalisierung und Datenschutz

miteinander vereint werden können.

Wir meinen alle: Digitalsüchtig,

das sind die anderen. Doch wir

hängen mehr am Handy rum

als an unserem echten Leben.

Wieviel Mensch wollen wir bleiben?

Ich will ein Leben nach dem Internet.

Mehr Lebendigkeit in einer immer saubereren,

leiseren, zwischen 0und 1trennenden,

digitalenWelt. Mehr echte zwischenmenschliche

Nähe, eine Pause von meiner kuratierten,

zweiten, digitalen Identität.

Ich fordere eine echte Debatte über die

Chancen und die Schattenseiten der Digitalisierung.

Mehr kritische Fragen dazu, was

das ständige Online-Leben mit unserem

Menschsein macht. Dass wir anfangen, hinzuschauen,

warum Angststörungen massiv

zunehmen, warum die Leute am Arbeitsplatz

ausgebrannt sind, warum so viele Jugendliche

mit zappelnden Gliedern imMinutentakt

nach ihren Smartphones greifen.

Ich will, dass wir das Narrativ hinterfragen,

das Politik und Wirtschaft uns fast schon

ideologisch einflüstern: Digitalisierung ist

die Zukunft, reiner Fortschritt, alles ist damit

einfacher, günstiger, effizienter. Die Digitalisierung,

vor allem, seit sie über das Smartphone

24 Stunden täglich an uns haftet, verändertunser

Menschsein. DieArt und Weise,

wie wir fühlen, lieben, kommunizieren, bewerten.

Beim Sexwirdder gleiche Botenstoff

ausgeschüttet wie bei einem Like im Internet,

wir klicken mehr und schlafen weniger

miteinander,weil wir im Bett stärker dem Risiko

ausgesetzt sind, zurückgewiesen zu werden,

als online.Wenn wir rund um die Uhrerreichbar

sind und uns alle zehn Minuten, wie

Studien zeigen, von unserer eigentlichen Arbeit

abwenden, um am Smartphone rumzudrücken,

müssen wir uns der Tatsache stellen,

dass wir an einem Tagmit acht Stunden

Arbeit kein einziges Mal ineinen Flow-Zustand

gekommen sind, der für Kreativität

und das Gefühl vonGlück zentral ist.

Wir müssten darüber reden, dass so viele

Menschen sich einsam fühlen und psychisch

Staatsfrauen und -männer, die in die Geschichte

eingehen wollen, brauchen vor

allem eines: eine Krise. Eine richtige, handfeste,vor

allem aber meisterbareKrise,inder

sie glänzen können. Ersatzweise tut es auch

eine Katastrophe. Sie muss allerdings ein

medienwirksames Ausmaß erreichen. Eine

Überflutung von Land, besser aber noch

Stadt, weil es dann mehr Menschen mitbekommen;

Brände sind auch nicht schlecht,

Orkane haben das Zeug für einen echten

Aufschlag, sind aber nur von kurzer Dauer,

was geringere Zeit auf den Screens bedeutet

und damit auch weniger Zeit zum Glänzen.

Jede Sekunde ist kostbar, inder man unter

Beweis stellen kann, dass man die Krise nicht

nur managen, sondern auch die Dinge zum

Besseren wenden kann.

Helmut Schmidt etwa war nur ein weiterer

Innensenator in der langen Geschichte der

Hansestadt Hamburg, als ihn eine der Jahrhundertfluten

die Chance zur Bewährung

bot. Als Sozi in Gestalt eines schneidigen

Leutnants machte er sich zum „Herrn der

Flut“ (Spiegel), setzte sich an die Spitze aller

Krisenstäbe und vermarktete seine Rolle.Kein

Wunder, dass er später Willy Brandt an der

Spitze der Bundesrepublik ablöste. Brandt

hatte vielleicht den Friedensnobelpreis gewonnen,

aber die Rettung einer Stadt vordem

Absaufen fand sich nicht in seinem Portfolio.

Fluten scheinen sowieso eine Spezialität

der Sozis zu sein. Gerhard Schröder bekam

dank eines Gummistiefel-Einsatzes an der

Elbe eine zweite Amtszeit als Kanzler ge-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieviel Computer braucht der Mensch?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Daddelt

nicht, lebt!

Anna Miller

schreibt gerade an einem Buch über Digitalisierung und

Menschsein. Letzteres, so sagt sie, kommt häufig zu kurz.

KOLUMNE

Die

genialste

Krise

Volker Heise

Filmemacher und Autor

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

überfordert sind wie noch nie zuvor. Dass

ständige Bestätigung im Netz die Frustrationstoleranz

schwächt. Ständiges Gamen, wo

kein echtes Gegenüber mal die Regeln bricht

oder an den Haaren zieht, das Kind sozial

nicht wachsen lässt.

Wir stecken mittendrin. Jeder, der morgens

um sieben Uhrmal in einen deutschen

Zug gestiegen ist, weiß, dass dort niemand

mehr wirklich anwesend ist, weil alle in ihre

digitalen Welten abdriften, die wir aber immer

stärker der echten Welt vorziehen. Weil

das einfacher ist, weil alles mit einem Klick

erledigt scheint. Weil es eben einfach anstrengender

ist, im echten Leben mit Widerstand,

anderen Meinungen, heißen Tagen

und kalten Gefühlen umgehen zu müssen.

Dann melden wir uns beim Iron Mananoder

buchen eine Kräuterwandern-Auszeit, weil

wir uns wieder mal spüren wollen.

Dabei werden wir in diesen Zeiten dazu angehalten,

aus allem eine Privatsache zu machen,

weil wir doch unseres Glückes Schmied

sind und das Kollektiv sowieso nicht mehr

existiert. Wenn du ein Opfer der Digitalisierung

bist, nur noch am Handy hängst, in einem

Unternehmen arbeitest, das dich dazu

drängt, bis abends um halb zwölf deine Mails

zu beantworten, und wenn du denkst, dein Po

sei zu groß, weil du zu vielen dünnen und trainierten

Mädchen auf Instagram folgst, dann

bist du eben einfach selber schuld. Geh meditieren,

hol mehr aus dir raus,dannklapptdas

schon mit der Abgrenzung.

Dabei sind wir nicht allein in diesem Boot.

Wirsind Millionen.Wirhaben unsvom Internet,

von dieser Welt der unendlichen Möglichkeiten

einsaugen lassen. Wiralle.Esist an

der Zeit, uns unser Leben wieder zurückzuholen.

Ja, digital ist genial. Wissen wir alle.

Wollen wir alle.Ist auch in Ordnung. Doch es

ist Zeit, aus diesem Daddel-Spiel, das Stunden

und Tage und Jahre unserer Lebenszeit

stiehlt, das uns kreativ,menschlichund geistig

verkümmern lässt, wieder auszusteigen.

Weniger Bildschirm, mehr Leben.

schenkt und Matthias Platzeck hätte als

„Deichgraf“ (Märkische Allgemeine, RBB,

Spiegel) erster Kanzler aus Ostdeutschland

werden können nach der ersten Kanzlerin.

Die wiederum hatte das Pech, mit der

Flüchtlingskrise eine Aufgabe gestellt zu bekommen,

die erst in Jahrzehnten gewürdigt

werden kann, was auf ein anderes Merkmal

der optimalen Fit-für-die-Geschichte-Krise

hinweist: sie muss schnell und positiv abgeschlossen

werden können, jedenfalls für die

Öffentlichkeit und bis zur nächsten Wahl.

Dumm ist hingegen, wenn man zwar Politiker

ist, sich aber noch keine Krise bot, in der

man zur wahren Größe aufsteigen konnte.

Bisher schob einen die Geschichte dann in

einer Art und Weise auf das Abstellgleis, die

nachfolgende Generationen darüber rätseln

ließ, wie das Gesicht auf dem Bild in der Ahnengalerie

gleich noch hieß. Nunaber gibt es

eine Lösung für diese hoffnungslosen Fälle.

Sie heißt Boris Johnson und beruht auf einem

Prinzip, dass man als „Phoenix aus der

eigenen Brandstiftung“ bezeichnen kann.

Der britische Premier hat nicht abgewartet,

bis sich eine Krise bot, sondernsie in der

Erwartung historischer Bedeutung selbst

verursacht. Er übersieht nicht das Chaos,das

auf sein Land nach dem Brexit wartet, er

sehnt es sich herbei. Wenn erst die Lieferketten

zusammenbrechen, die Medikamente

knapp werden und das Pfund auf Talfahrt

geht, bieten sich jede Menge Möglichkeiten,

Krisenstäbe einzurichten, Notmaßnahmen

zu ergreifen und Pressekonferenzen zu geben.

Churchill hatte Dünkirchen, Johnson

bekommt Lkw-Staus am Kanal-Tunnel. Außerdem

wird erals „Drama-King“ in die Geschichte

eingehen und mit Sicherheit Nachfolger

finden in zukünftige Generationen

geltungsbedürftiger Persönlichkeiten. Die

gute Nachricht aber im laufenden Jahr der

frohen Kolumne lautet: es gibt immer etwas

Neues auf der Welt. Ob es auch funktioniert,

ist eine andereFrage.

Konstantin von Notz,

Bundestagsabgeordneter der Grünen, über

ein jetzt bekannt gewordenes Datenleck,

durch das Millionen von Datensätzen von

Patienten in 50 Ländern frei zugänglich

im Netz verfügbar waren.

AUSLESE

Johnsons

Mission

Boris Johnsons Besuch bei Jean-Claude

Juncker beschäftigt die Kommentatoren.

„In Wahrheit geht es Johnson nur

noch darum, Sündenböcke für das Brexit-

Chos zu finden“, schreibt das Straubinger

Tagblatt.„DieEU, das Parlament, die Opposition,

das Polit-Establishment inWestminster.Sie

will er an den Pranger stellen,

wenn es nach dem Austritt zu dem kaum

vermeidlichen Chaos kommt.“

Die italienische Zeitung La Stampa

kommentiert Johnsons Fernbleiben bei

einer Pressekonferenz in Luxemburg.

„Am Ende ist der Mann, der sich selbst als

‚Unglaublicher Hulk‘ definiert hat, zum

Unsichtbaren geworden“, heißt es dort.

„Luxemburgs Premier Xavier Bettel lächelt

in die Kameras und zeigt resigniert

aufdas leerePodium. Hier hätte der britische

Premier stehen sollen, der aber vor

Protestierenden vorzeitig geflohen ist. Es

ist eine Demütigung an jenem Tag, an

dem das x-te Mal schwarzer Rauch bei

den Brexit-Verhandlungen mit der EU

aufgestiegen ist.“

„Boris Johnsons Treffen mit Jean-

Claude Juncker in Luxemburg diente natürlich

nicht dazu, eine Einigung aus dem

Hut zuzaubern“, meint dagegen die tageszeitung.„Aber

es markierte die öffentliche

Abkehr von der bisherigen EU-Linie,

wonach Nachverhandlungen über den

Brexit ausgeschlossen seien. Das war sowieso

immer eine untragbare Position.“

Vielleicht gibt es also doch noch einen Erfolg

für Johnson. Christine Dankbar

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Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Das Forschungsschiff

„Polarstern“ startet

genNordpol

Seite 17

Erleben Sie unsere neue App „Berliner Zeitung 3D“ Seite 10

Licht aus! Der Ufa-Filmpalast wurde vor 100 Jahren eröffnet Seite 14

Stadtbild

Nur nicht so

defensiv

Torsten Landsberg

fürchtet die

Dunkelheit.

Jetzt, da es wieder zeitig dunkel

wird, heißt es, noch besser aufzupassen

bei der frühabendlichen

Fahrt mit dem Rad. Bei schlechten

Sichtbedingungen kann schnell unerwartet

ein Auto auftauchen oder

man selbst übersehen werden. Also:

Gewissenhafter Schulterblick und

Handzeichen vordem Passieren des

in zweiter Reihe abgestellten Autos

eines Pizzafahrers und ebenso vor

dem Einlenken auf die Linksabbiegerspur.

Dort holt ein anderer Radfahrer

auf, der die selbstverständlichen Manöver

von hinten beobachtet haben

muss.Jedenfalls sagt er,Mitte 50, mit

drahtiger Figur und verwegenem

Grinsen:„Dumusst nicht so ängstlich

sein!“ Er sieht wohl das Fragezeichen

im Gesicht und legt nach: „Die müssen

warten, Du musst nicht so defensiv

fahren!“

VonFremden auf der Straße belehrt

zuwerden, ist für sich genommen

ja schon nichts, worauf man

den ganzen Tag wartet. Potenziert

wirddiese Malaise,wenn die Predigt

aus purem Unsinn besteht. Anstelle

eines unverbindlichen und einer

Fortsetzung vorbeugenden „Okay“

rutscht als Entgegnung leider heraus,

dass es schon stimme mit den

gleichen Rechten für Radler, was

aber auch gleiche Pflichten bedeute

und einschließe, einen Fahrbahnwechsel

anzuzeigen, statt einfach

die Spur zu ändern, damit womöglich

anderezueinerVollbremsung zu

zwingen und potenziell alle in Gefahr

zu bringen.

Er schüttelt den Kopf, hebt einen

Zeigefinger in die Luft und schließt

dabei die Augen wie eine altkluge

Comicfigur.„Nein“, sagt er und setzt

eine dramatische Pause, „DIE müssen

aufpassen!“ Da sei was dran,

folgt die Gegenrede,denn aufpassen

müssten alle, erst recht bei einem

Wechsel in die Spur anderer Verkehrsteilnehmer.

Abgesehen davon mache es keine

Mühe und was spreche überhaupt für

den Verzicht der Geste, wenn doch

nichts zu gewinnen sei, dafür aber die

Aussicht bestehe, dank einer hemmungslosen

Fahrweise selbst im

Krankenhaus zu landen?

Ein Fragezeichen nun auf seinem

Gesicht. Er schüttelt noch einmal

leicht den Kopf, sein Grinsen ist mittlerweile

verächtlich. Den Hinweis,

dass am Konkurrenzdenken des alltäglichen

Straßenverkehrs schon

auch manche Radfahrer ihren Anteil

trügen, würdigt er nicht mal mehr mit

einem Kopfschütteln.

DieAmpel zeigt Grün. Lieber noch

mal ein Handzeichen geben.

Kein Spaß: Radfahren in Berlin in der

Dämmerung.

IMAGO IMAGES

NewYorkist Berlin in vielem ähnlich, aber doch ganz anders: Blick aus Brooklyn auf die Manhattan Bridge.

Brooklyn liebt Berlin

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop will stärker mit Verwaltung und Wirtschaft in New York kooperieren

VonMelanie Reinsch

Es war ein Kompliment, das

runterging wie Öl: „Brooklyn,

das ist das Berlin Amerikas“,

sagte Eric Adams,

erster schwarzer Bürgermeister

Brooklyns, bei der Eröffnung des

Berlin-New York Business Forums in

New York amMontag. Heißt wohl:

jung und hipp,mit viel Grün, Kreativität

und Technologie.Und vielleicht

cool –Brooklyn ist auch bekannt für

seine Kunst- und Musikszene. Ein

bisschen wie Berlin eben. Nur dass

allein im Stadtteil Brooklyn schon 2,5

Millionen Menschen leben.

Aber da ist noch mehr,als nur ein

diffuses Gefühl von Verbundenheit.

Um Gemeinsamkeiten und Kooperationen

zwischen den beiden Metropolen

soll es bei dem Austausch

an der Ostküste der USA gehen, zu

dem Wirtschaftssenatorin Ramona

Pop (Grüne) und eine rund 50-köpfige

Berliner Delegation in dieser

Woche gereist sind, um mit lokalen

Partnernund Akteuren in Kontakt zu

kommen.

Brücken statt Mauern

„Visionäre Städte und gemeinsame

Lösungen“ – unter diesem Motto

wollen Berlin und NewYork voneinander

lernen. Denn wie die meisten

Großstädte stehen auch sie in Sachen

Klimaschutz, Verkehr oder Digitalisierung

vor ähnlichen Herausforderungen

und Veränderungen,

die Chancen und Risiken gleichermaßen

bergen. „Unsere Städte sind

in vielerlei Sicht vergleichbar“, sagte

Pop in ihrem Eingangsstatement

beim Forum. Auch wenn Berlin natürlich

viel kleiner sei als New York,

seien es doch ähnliche Themen, die

beide Städte verbinden –etwa im Bereich

Technologie,Künstlicher Intelligenz,

Cybersicherheit, Finanztechnologie

oder Biowissenschaft. Der

Besuch in NewYorksei ein wichtiger

Schritt, sich vor allem im Bereich

Wirtschaft noch stärker zu vernetzen

und noch besser miteinander zu kooperieren.„Darum

haben wir für unseren

Besuch New York ausgewählt,

wir wollen Brücken bauen, statt

Mauernzuerrichten“, erklärte Pop.

Ramona Popund Eric Adams. M. REINSCH

„Visionäre Städte und

gemeinsame Lösungen“ –

unter diesem Motto wollen Berlin

und New York voneinander lernen.

Sie stehen vor ähnlichen

Herausforderungen.

Auch wenn Brooklyns große

Schwester Manhattan klarer Spitzenreiter

in Sachen Technologie ist –

83 Prozent aller Tech-Jobs befinden

sich dort –, ist Brooklyn das am

schnellsten wachsende Tech-Areal

der Stadt. Auch Ramona Pop betonte,

wie wichtig der Sektor in Berlin

sei. Hier wird alle 14 Stunden ein

Start-up gegründet. Die Stadt gilt als

Gründungshauptstadt Deutschlands,

auch wenn mittlerweile Regionen

wie das Ruhrgebiet deutlich

aufholen. Doch Berlin will mehr, als

nur geistig mit NewYorkund Brooklyn

verbunden sein.

Pop warb am Montag dafür, dass

die erfolgreiche NewYorker Start-up-

Plattform New Lab ein Headquarter

in Berlin eröffnet. MehrereStädte haben

sich dafür beworben. NewLab ist

nicht irgendwer. 130 Start-ups arbeiten

in der riesigen, eindrucksvollen

Halle, tüfteln an Innovationen und

neuen Produkten, entwerfen Prototypen.

DieWarteliste ist lang, nur zehn

Prozent der Bewerber bekommen

den Zuschlag, hier überhaupt arbeiten

zu dürfen. Auch die rotenUber-E-

Fahrräder „Jump“, die in Berlin fahren,

wurden in dieser kreativen Erfinderwerkstatt

entwickelt.

Zwei Kooperationsverträge wurden

zudem am Montag in NewYork

unterschrieben. So wollen der Verband

der Digitalwirtschaft in Berlin

und BrandenburgSIBB und die amerikanisch-israelische

Innovationsplattform

Sosa ihre transatlantische

Zusammenarbeit der IT-Industrie

auf beiden Seiten stärken. Sosa ist

ein globales Netzwerk mit Sitz in Tel

Aviv und NewYork, das 15 000 Startups

und rund 250 Investoren unter

einem Dach vereint.

Auch zwischen der Tegel Projekt

GmbH, Berlin Partner und der New

York University wurde eine Kooperationsvereinbarung

geschlossen.

Schwerpunkt ist der Austausch bei

IMAGO IMAGES

Themen rund um Blockchain,

Künstlicher Intelligenz und Daten.

Aber natürlich eint die beiden

Städte noch mehr.Während in Berlin

Verkehrssenatorin Regine Günther

(Grüne) am Montag eine Studie präsentierte,

die den Ausstieg aus der

Kohle bis 2030 für möglich hält, hat

auch NewYork sich mit dem „Green

New Deal“ strenge Klimaschutzziele

gesetzt. So will die Stadt bis 2030

mindestens 30 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen

gesenkt haben.

Wichtiger Bestandteil dieses Plans

sind die Auflagen zur energieeffizienten

Sanierung der vielen Wolkenkratzer

der Stadt. IHK-Präsidentin

Beatrice Kramm hofft, dass bei den

Ausschreibungen zur Gebäudesanierung

auch die Berliner Wirtschaft

zum Zuge kommt, „schließlich haben

die Berliner Unternehmen viel

Know-how bei der energetischen

Gebäudesanierung“.

Staus gehören zum Alltag

Beim Spaziergang mit Eric Adams,

der genau wie Pop als nächster Anwärter

für das Amt des Bürgermeisters

im Gespräch ist, erkennt man

aber auch schnell, wie unterschiedlich

Städte wie NewYork und Berlin

dann eben doch sind. Adams schlängelt

sich lässig durch den Verkehr.

Der Tross eilt hinterher, leicht gestresst

vomChaos der hupenden Autos,den

schrillen Sirenen der Polizeiautos

und vorbeifahrenden Radfahrern,

für die Protected Bike Lanes –

geschützte Radwege –wohl klingen

müssen wie Geschichten vonfernen

Planeten.

Alles wirkt unübersichtlich,

Adams dagegen gelassen. Der Verkehr

kommt in NewYork fast immer

zum Erliegen. Stau gehört hier zum

Alltag. „Am Morgen, am Nachmittag,

am Abend“, erzählt ein Taxifahrer einer

der berühmten Yellow Cabs, die

hier in der Stadt herumfahren. Der

Berliner Verkehr –erwürde wohl von

Adams nur belächelt werden.

Melanie Reinsch

reiste mit der Berliner

Delegation nach NewYork.

NACHRICHTEN

Land baut weitere

Flüchtlingsunterkünfte

Berlin plant in mehreren Bezirken

neue Flüchtlingsunterkünfte.Für

sechs Standorte mit rund 1150 Plätzenwürden

kurzfristig Bauanträge

eingereicht, teilte das Landesamt für

Flüchtlingsangelegenheiten (LAF)

mit. DieUnterkünfte entstehen

demnach in der Rauchstraße 22

(Spandau/300 Plätze), Kirchstraße

69 (Pankow/320 Plätzen), Bohnsdorfer

Weg109-119 (Treptow-Köpenick/270

Plätze) und Ratiborstraße

14 c-g (Friedrichshain-Kreuzberg/250

Plätze). Für weitereStandorte

seien Bauanträge in Vorbereitung:

Fröbelstraße 15 (Pankow), Zossener

Straße 156 (Marzahn-Hellersdorf),Rudower

Straße 184

(Neukölln), Hassoweg 8(Treptow-

Köpenick), Askanierring 70-108A

(Spandau) und Rheinpfalzallee 83,

91, 93 (Lichtenberg). (dpa)

Rettungswagen stößt mit

Auto zusammen

Beim Zusammenstoß eines Autos

und eines Rettungswagens sind am

Dienstag in Weißensee drei Männer

verletzt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen

fuhr das Auto auf der

Berliner Allee in den mit Blaulicht

und Martinshornfahrenden Rettungswagen,

als dieser nach links in

die Indira-Gandhi-Straße abbiegen

wollte,wie die Berliner Polizei mitteilte.Der

38-jährige Fahrer kam mit

schweren Verletzungen in eine Klinik.

DieInsassen des Rettungsfahrzeugs

wurden wegen leichter Verletzungen

ambulant behandelt. (dpa)

Feuerwehrwartwegen

Missbrauchs verurteilt

Einehemaliger Feuerwehrmann, zuletzt

Landesjugendfeuerwehrwart

der Freiwilligen Feuerwehren Berlins,ist

wegen jahrelangen Kindesmissbrauchs

zu zwei Jahren und

sechs Monaten Gefängnis verurteilt

worden. 43 Übergriffe auf einen Jungen

im Zeitraum von2008 bis 2013

hätten zu dem Schuldspruch geführt,

begründete das Amtsgericht

Tiergarten am Dienstag. Der60-Jährige

soll an den Geschädigten ein

Schmerzensgeld von25000 Euro

zahlen. (dpa)

Landesbeschäftigte dürfen

am Klimastreik teilnehmen

DieBerliner Landesbeschäftigten

dürfen sich am Klimastreik am Freitag

beteiligen. Ihnen sei freigestellt,

ihreKernarbeitszeit an dem Tagin

Absprache mit ihren Vorgesetzten

aufzuheben, teilte Umweltsenatorin

Regine Günther (Grüne) am Dienstag

mit. Siemüssten diese Fehlzeit

aber nacharbeiten. (dpa)

Auch Berliner Beschäftigte dürfen bei

„Fridays for Future“ mitdemonstrieren. DPA


10 Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Berlin

Eine Biomüll-Anlage der BSR.

BSR

Faulige Zukunft

Zu Besuch in einer Biogasanlage in Ruhleben, wo aus organischem Abfall Energie gewonnen wird

VonPaul Linke

Es stinkt, es stinkt wirklich

sehr, erdig, faulig, stechend.

Ich halte mir Mund

und Nase zu, aber Nichtatmen

ist keine dauerhafte Option. Ich

schnappe wieder nach Luft und

habe plötzlich das Gefühl, winzige

Teilchen zu inhalieren, eine unsichtbare

Fruchtfliegenfamilie vielleicht,

eine,die schmeckt, als würde sie vergorene

Milch transpirieren. Ekel

steigt in mir auf, mein Magen bebt,

verlangt danach sich zu entleeren.

Störstoffe entfernt

Ichwürge,will gleich wieder raus aus

der Annahmehalle,wosich –zumindest

auf den ersten Blick –ein paar

Bioabfallladungen mit Grünzeug

und Essensresten zu einem Berg türmen,

in den ein Bagger jetzt seine

Schaufel gräbt.

Bevor der Biomüll als breiige

Masse in den Fermentern landet, in

zwei Riesentöpfen mit Deckel, wo

die Vergärungsprozesse einsetzen,

muss alles aufgearbeitet werden. Es

wird erst einmal getrennt, was nicht

zusammengehört, es müssen all die

Störstoffe entfernt werden. So nennen

sie das bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben

(BSR).

Ich bin zu Besuch in der Biogasanlage

in Ruhleben, wo fast der gesamte

Bioabfall der Stadt landet. Wo

aus Müll flüssige und trockene Gärreste

entstehen, die in der Landwirtschaft

als Düngemittel genutzt werden.

Und Methangas, das sich einspeisen

oder vertanken lässt. DieAnlage

läuft rund um die Uhr, es gibt

dreizehn Mitarbeiter, sechs pro

Schicht. Zum Betriebsstart 2013 hat

jeder eine Porzellankuh geschenkt

bekommen.

Der Anlagenchef sieht da durchaus

Parallelen zwischen Futterverdauung

und Abfallvergärung. Nur

Milch entsteht hier wirklich nicht.

Tipp: WerinTegel abhebt und einen

Fensterplatz links reserviert hat,

wirdkeinen Pansen oder Blättermagen

erkennen, kann aber nach einem

Hallenkomplex in Grün und

Orange Ausschau halten.

In ihreBiotonnen schmeißen die

Berliner also nicht nur Laub oder

Blumen, Eierschalen oder Hähnchenkeulen,

welke Salatblätter oder

ausgepresste Orangenhälften, die

über Förderbänder abtransportiert

werden. Da sind auch mal Baumstümpfe

dabei, dazu Dosen, Besteck,

Bierdeckel, Gartenscheren,

Fahrradschlösser, seltener auch

Bremsscheiben oder ein Computer

–als wäre ein ausrangierter Apple

eine amerikanische Obstsorte.Und:

immer wieder Plastik. Und übrigens:

Die imSupermarkt als „kompostierbar“

angepriesenen Plastikbeutel

haben Biomülltonnenverbot!

All das muss nämlich ausgesiebt

werden, und das meiste fällt auch

durchs Sieb.Ich sehe eine Trommel,

groß wie ein Betonmischer, darin

Hunderte Löcher mit sieben Zenti-

Entwicklung der Bioabfälle in Berlin

Weihnachtsbäume

Laub (lose+Säcke)

160 000

140 000

120 000

100 000

80 000

60 000

40 000

20 000

Baum- und Strauchschnitt

Biogut

0

’00 ’02 ’04 ’06 ’08 ’10 ’12 ’14 ’16’17

BLZ/GALANTY; QUELLE: BSR

DER KLIMASTREIK UND DIE APP

Die BerlinerZeitung erscheint am 20. September,demTagdesWeltklimastreiks,

mit einer Sonderausgabe, die mehr kann als einenormale

Zeitung.Viele Seiten können Sie mit unsererApp „Berliner Zeitung 3D“

zum Leben erwecken. DieApp steht bereits jetzt kostenlos fürAndroidund

iOS-Geräte zurVerfügung.Einfach runterladen,

App starten, Zugriff auf die Kamera gestatten und das

Smartphone über die mit diesem Smartphone-Logo

gekennzeichneten Seiten undArtikel halten.Ausprobieren

können Sie dieApp gleich auf dieser Seite.

metern Durchmesser – was nicht

durchpasst, kommt erst mal weg,

wird nicht in den Fermenter geleitet,

wo Milliarden Bakterien auf

Nahrung warten. Bakterien haben

immer Hunger,erfahreich. Ichhabe

keinen. Aber immerhin beruhigt

mich die monoton rotierende

Trommelbewegung ein wenig. Nach

ein paar Minuten habe ich den Ekel

verdaut, die imaginären Fruchtfliegen

verscheucht, kann wieder normal

atmen, klarer denken.

Die Umwelt ist uns wichtig, für

Umweltschutz gehen wir auf die

Straße. Wir prangern nicht immer

zu Unrecht eine Industrie an, die

kurzfristig an Profit denkt und langfristige

Klimafolgen ausblendet.

Müllsünder werden ignoriert

Wir informieren uns erst über Feinstaub,

müssen dann etwas über

Stickoxide lernen. Wir empören uns

immer lauter über eine Politik, die

sich zu Klimazielen bekennt, aber

schon am Startblock hängenbleibt.

Wir sind kritische Verbraucher geworden.

Und werfen trotzdem Metall

in die braune Tonne. Vier bis

fünf Prozent beträgt der Störstoffanteil

im Berlin Biomüll. DieBSR ist

trotzdem zufrieden mit der Trenndisziplin

ihrer Kunden.

Es gibt Gemeinden, die sind das

weniger oder gar nicht. Sogenannte

Müllsünder werden von

den lokalen Entsorgern ignoriert,

ihre Tonnen bleiben stehen, wenn

sich da zu viel Verpackungsmaterial

anhäuft. Um die Menschen für

das Thema Biomülltrennung zu

sensibilisieren werden auch mal

Aufkleber an die Tonnen geheftet.

In einigen Landkreisen, wo der

Störstoffanteil im zweistelligen

Prozentbereich liegt, werden bereits

Bußgelder verhängt. Ein verordneter

Trennungsschmerz. Zum

Ende des Rundgangs noch schnell

drei Quizfragen. Erstens: Hat es

sich gelohnt, Wechselklamotten

mitzubringen? Ja! Der erdige, faulige,

stechende Geruch hätte sich

sonst festgebissen, hätte begründetes

Naserümpfen hervorgerufen

in der Redaktion. Es gab schon mal

BSR-Mitarbeiter, die nach einem

Biogasanlagenbesuch in der Betriebskantine

aufgetaucht sind,

sich Beschwerden anhörten, selbst

in entfernter Tischnachbarschaft.

Zweitens: Wie lange braucht es,

um aus Merlottrauben einen guten

Rotwein zu machen? Drei Wochen.

Genauso lange, erfahre ich, und da

ist schon Stolzdabei, wirdauchder

braune Biobrei in Ruhleben fermentiert,

bei 55 Grad Celsius, die

Bakterien mögen es warm.

Drittens: Wann hat der Anlagenchef

am meisten zu tun? Nach

Weihnachten, wenn abgeknabberte

Gänsekeulen und Rotkraut in

den Biotonnenlanden. Essensreste

haben eine hohe Gasbildungsrate.

Dann stinkt es noch mehr. Man

kann das auch mal selbst erfahren.

In Einzelfällen erlaubt die BSR

Gruppenführungen.

Green University

Die TU Berlin will zum Vorreiter für Klimaneutralität bei öffentlichen Gebäuden werden. Ein Projekt hat tausend Maßnahmen für den Wegdorthin erarbeitet

VonMechthild Henneke

Auf dem Dach der gemeinsamen

Bibliothek von TU Berlin und

Universität der Künste (UdK) an der

Fasanenstraße in Charlottenburg ist

es kalt und zugig, doch an einer Stelle

gibt es warme Luft wie im Sommer:

EinKühlwasser-Rückkühler stößt sie

aus. Wie eine überdimensionale

Drohne thront er im Kies.Für Martin

Kriegel, Leiter des Fachgebietes Gebäude-Energie-Systeme

an der TU

Berlin, besitzt die warme Luft aus

dem Gebläse ungeheures Potenzial:

„Sie könnte aufgefangen und wieder

ins Gebäude geleitet werden“, sagt

er.

Kriegel leitet das Forschungsprojekt

„Energieeffizienter Hochschulcampus

Berlin-Charlottenburg“, gefördert

vom Bundesministerium für

Wirtschaft und Energie; er ist der Mr.

Green Energy der Universität. Seit

2016 beschäftigt er sich damit, wie

die TU Berlin die sogenannte Wärmewende

schaffen kann. Das heißt,

Martin Kriegel, Leiter des Fachgebietes Gebäude-Energie-Systeme an der TU.

S. GUDATH

wie Wärme- und Kälteversorgung

vonLaboren, Büros und Hörsälen zu

mindestens 80 Prozent vonerneuerbaren

Energien geleistet wird. Bei

der Elektrizität hat die TU schon zu

100 Prozent auf Ökostrom umgestellt.

Inzwischen hat Kriegel den gesamten

Campus von TUBerlin und

UdK Berlin, also die insgesamt 49

Gebäude zwischen Landwehrkanal,

Ernst-Reuter-Platz und S-Bahntrasse

in Tiergarten analysiert. Rund

tausend Einzelmaßnahmen haben

sein Team und er erarbeitet. Diese

sollen jetzt nach und nach umgesetzt

werden.

Diebeiden größten Sorgenkinder

sind das Haus der Physik und das

Mathegebäude.Beide wurden in den

achtziger Jahren errichtet und haben

große Fensterfronten. „Diese galten

damals als günstig zur Einsparung

von Wärmeenergiekosten, weil sie

viel Sonneneinstrahlung zulassen“,

sagt Kriegel. Temperaturen im Innenraum

vonbis zu 40 Grad im Somnung

auffangen und nutzen würde.

„Mit einer Investition von 500 000

Euro könnten wir vier GW/h Wärme

einsparen –das ist die Hälfte desVerbrauchs“,

sagt er. TU-Präsident

Christian Thomsen begleitet Kriegel

an diesem Tag auf seinem Rundgang,

um sich vor Ort zu informiemer

und große Kälte im Winter sind

die Folge.ImHaus der Physik an der

Hardenbergstraße mit seinen vielen

Laboren undVersuchseinrichtungen

ist die Temperaturregulierung

höchst aufwendig. Große Mengen an

Abwärme entstehen, die Kriegel gern

im Rahmen der Wärmerückgewinren.

„Das Klimathema wird jetzt

durch die Fridays-for-Future-Bewegung

vorangetrieben“, sagt Thomsen

und fügt hinzu, dass die TU

durch das Hochschulprojekt einen

Vorsprung von drei Jahren gegenüber

anderen Institutionen habe,die

erst jetzt beginnen, ihre Energieeffizienz

zu untersuchen.

Thomsen hat den Ehrgeiz, den

TU-Campus-Nord zum Modell für

Klimaneutralität in öffentlichen Gebäuden

werden zu lassen. Bis 2024

wollen die Wissenschaftler auf dem

Campus demonstrieren, wie das

Energiewendeziel auf dem Campus

von TUBerlin und UdK umgesetzt

werden kann. Die Umsetzung soll

2030 abgeschlossen sein.

Doch die TU stößt an viele Grenzen.

Dazu zählen vor allem Gesetze

und Verordnungen, die aus Zeiten

stammen, als Klimaneutralität noch

nicht so hoch auf der politischen

Agenda stand. Als Beispiel nennt

Kriegel die Energieeinsparverordnung,

die ihren Ursprung in der Zeit

der Ölkrise 1976 hat. Einzelmaßnahmen,

zum Beispiel zur Rückgewinnung

von Abwärme können häufig

nur in Verbindung mit größeren Eingriffen

wie Sanierungen stattfinden.

„Das blockiert teilweise die Prozesse“,

sagt Kriegel.

„Ich wünsche mir eine Entflechtung

von Regularien, die nicht mehr

zeitgemäß sind“, sagt Thomsen. Der

Senat fördere bereits Projekte zum

Klimaschutz an der TU, doch die gesetzlichen

Grundlagen müssten

ebenfalls überarbeitet werden. Die

TU Berlin ist als öffentliche Einrichtung

auf die Kooperation des Senats

angewiesen, weil sie die Maßnahmen

nicht aus eigener Kraft finanzieren

kann. Der Klimaschutz zahle sich jedoch

binnen kurzerZeitaus.„Wenige

Jahre nach der Investition hat sich

diese bereits amortisiert und wir beginnen

massiv zu sparen“, sagt

Thomsen. Rund zehn Millionen Euro

betragen die Betriebskosten der TU

jährlich. Eine Einsparung von 5Millionen

Euro sei durchaus realistisch.


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 11 *

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Berlin

Ein Gesetz für die schwächsten Verkehrsteilnehmer

Längere Grünphasen, sicherere Kreuzungen, abgesenkte Bürgersteige: Senatorin Regine Günther will Rechte für Fußgänger festschreiben

VonElmar Schütze

Jeder ist einmal Fußgänger –und damit der am wenigsten geschützte Verkehrsteilnehmer.

Esgibt Momente,daist es sicher

kein Vergnügen, im

Senat zuständig für Verkehr

zu sein. Da kann Senatorin

Regine Günther (Grüne) noch so eindringlich

voneiner Mobilitätswende

sprechen –esgibt immer Menschen,

denen der Umbau nicht schnell genug

geht. Vonden anderen, die die

Grünen-Verkehrspolitik für Anti-Autofahrer-Ideologie

halten, ganz zu

schweigen. Es gibt aber auch Momente,

daist es praktisch, für Verkehr

zuständig zu sein. So einer war

am Dienstag: Da tagte erst am Vormittag

der Senat im Rahmen seiner

Bezirketour im Rathaus Marzahn-

Hellersdorf amAlice-Salomon-Platz

–eine Stunde nach Ende der Sitzung

saß Regine Günther bereits im Roten

Rathaus (Luftlinie 16 Kilometer) und

stellte ihre Pläne zum Fußverkehr in

Berlin vor. Mit der U-Bahn waren

beide Termine ganz knapp unter einen

Hut zubringen, die Verkehrssenatorin

ließ sich mit dem Auto fahrenund

war bequem früh genug da.

Das Kapitel Fußverkehr ist Teil 4

des Mobilitätsgesetzes – eines der

wichtigsten Vorhaben der rot-rotgrünen

Koalition. Ein allgemeiner

Teil, einer über den Radverkehr und

einer über den öffentlichen Personennahverkehr

sind bereits verabschiedet.

Im Fußverkehrsteil sollen

nun Regelungen verankert werden

für eine Reduzierung von Umwegen

und Wartezeiten an Ampeln, bessere

Querungsmöglichkeiten, für mehr

Sicherheit und Aufenthaltsqualität

auf Gehwegen, eine Verbesserung

der Barrierefreiheit sowie den Ausbau

der Schulwegsicherheit.

Geplant ist unter anderem, dass

die Bürgersteige frei von Hindernissen

bleiben. Doch auch eine prinzipielle

Absenkung der Bordsteinkante

und den Einbau sogenannter

taktiler Schwellen, die auch Blinden

und Sehbehinderten das Ende des

Fußgängerbereichs signalisieren,

steht im Gesetzesentwurf.

Das Gesetz muss zunächst den

Senat und den Ratder Bürgermeister

passieren, ehe es ins Abgeordnetenhaus

kommt. Senatorin Günther

rechnet damit, dass es im Februar

nächsten Jahres verabschiedet wird

und dann in Kraft tritt. Sollte dies

erst geschehen sein, habe Berlin die

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

bundesweit „ersten gesetzlichen Regelungen

für eine Förderung des

Fußverkehrs“, so Günther. Sie sehe

darin ein „zentrales Element, Berlin

zu einer lebenswerten Stadt auszubauen“.

Große Worte.

Einer der Schwerpunkte soll eine

Verlängerung der Grünphasen bei

Ampeln betreffen –von jeher ein Ärgernis

für Fußgänger.„Durchdas Gesetz

erreichen wir längere Grünphasen“,

sagte Günther, „rein rechnerisch

werden sie um 50 Prozent länger“.

Selbst Straßen mit Mittelinseln

sollen in einem Schwung überquert

werden können.

Das klingt gut, doch der Teufel

steckt im Detail. So sei es kompliziert,

Ampelphasen zu verändern

und dann aufeinander abzustimmen,

sagte Günther, doch das neue

Gesetz helfe, weil es Druck aufbaue.

Auf eine Prognose, wann alle Ampeln

Berlins tatsächlich fußgängerfreundlich

geschaltet sind, wollte

sich die Senatorin aber nicht einlassen.

Nursoviel:„Inzehn Jahren sieht

das schon ganz anders aus.“

Ähnlich lange dauert der Umbau

einer jahrzehntelang autogerecht

ausgebauten Stadt. Das betrifft vor

allem Sicherheitsmaßnahmen für

die schwächsten Verkehrsteilnehmer,

Fußgänger und Radfahrer.„Wir

bauen eine andereInfrastruktur auf,

aber wir werden nicht alle Unfälle

vermeiden können“, sagte sie. Man

sorge aber Stück für Stück dafür,

„dass der Schutz im Sinne der Vision

Zero erhöht wird“. Vision Zero, also

das Ziel vonnullVerkehrstoten, steht

im Koalitionsvertrag. Konkret heißt

das zum Beispiel: Im Jahr 2018 gab es

acht Kilometer Grünmarkierung an

fünf Radfahrstreifen, dieses Jahr bereits

rund 18 Kilometer an neun

Radfahrstreifen.

Diejenigen, denen es mit dem

Umbau hin zu mehr Fußgängeraber

auch Fahrradfreundlichkeit

nicht schnell genug geht, bittet Günther

um Geduld. DerSenat habe viel

erreicht in den vergangen zweieinhalb

Jahren, „aber die Verkehrswende

gibt es nicht auf Knopfdruck“,

sagte sie. Solange es etwa

noch immer keine landesweite Datenbank

über Verlauf, Zustand und

Planungsstand von Radwegen gebe,

sei jede Koordination mühsam. Im

Jahr 2020 soll die Datenbank fertiggestellt

und im Netz verfügbar sein.

Berlin-Brandenburg 2070: Wiesoll das weitergehen?

Vor100 Jahren entstand Groß-Berlin, man plante weit voraus. Jetzt drängen die Wachstumsschmerzen der Metropole zu neuen Überlegungen über die Stadtgrenzen hinaus

VonMaritta Tkalec

Berlin wächst. Aus einer fast 20

Jahre währenden Schrumpfung

recht plötzlich erwacht, reckt und

streckt sich die Stadt, stößt an an ihre

Grenzen und ächzt unter Dehnungsschmerzen.

Wersehen will, der sieht

vor allem ungeordnetes Wachsen.

Kein Plan nirgends. Hier mal ein

Wohngebiet, dort was anderes. Hingebaut,

wo Platz ist oder der Widerstand

gering oder ein spezielles lokales

Interesse besteht.

Es fehlt ein Bild davon, wie diese

Millionenstadt in 50 Jahren aussehen

soll, und das Unbehagen an diesem

Mangel wächst. Deshalb richtet

der Architekten- und Ingenieur-Verein

zu Berlin (AIV) einen internationalen

städtebaulichen Wettbewerb

aus.Esgeht um Ideen, wie die Großstadtregion

lebenswert gestaltet

werden soll. Es geht um alles: Bauen,

Wohnen, Verkehr, Grün und Klima,

Versorgung, Entsorgung, Digitalisierung,

Freizeit.

Auf einer Pressekonferenz am

Dienstag im Kronprinzenpalais

machte die Stadtforscherin Johanna

Sonnenburg klar, dass man keine

Fachdebatte auslösen will, sondern

umfassende zivilgesellschaftliche

Beteiligung anstrebt. Der Stadtplaner

Harald Bodenschatz hatte zuvor

ein wesentliches Element dafür vorgestellt:

eine über Jahre entwickelte

Ausstellung, die die großen Themenkomplexe

aufzeigt und Grundlagen

für die Debatte bietet. Sie wird von

Oktober bis Dezember im Kronprinzenpalais

der Öffentlichkeit zugäng-

Stadtlandschaft im Südosten Berlins (Aquarell, mit Müggelsee, Wald- und Grünflächen),

Beitrag von AlbertGessner für den Wettbewerb Groß-Berlin 1910.

AMTUB

lich sein. Bodenschatz erinnerte an

die historische gewachsene Struktur

der ins Umland ausgreifenden metropolitanen

Struktur:den Siedlungsstern.

Die radialen Straßen und

Bahnstrecken aus Berlin heraus ins

Umland bilden die Strahlen dieses

Sterns. Entlang dieser Strecken verlaufen

die verkehrstechnisch erschlossenen

Bereiche. Dort liegen

auch die Siedlungen der Zukunft.

Die Räume dazwischen sollen grün

bleiben –großzügige Erholungsflächen

für die Menschen.

Die Expansion der Stadt soll also

geordnet dort stattfinden, wo Menschen

günstig ihreWege zurücklegen

können, zum Beispiel entlang der

Regionalbahn-Linien – also richte

man seinen Blick nach Luckenwalde,Luckau

oder Eberswalde.

Als 1920 sieben Städte,59Landgemeinden

und 27 Gutsbezirke fusionierten,

leisteten viele im Umland

Widerstand. „Es schützeuns des Kaisers

Hand vor Groß-Berlin und

Zweckverband“, wird der Spandauer

Stadtrat Emil Müller zitiert. DasKonfliktpotenzial

ist auch heute groß, obwohl

eine Eingemeindung des Speckgürtels

nicht zur Debatte steht. Jan

Drews von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung

Berlin-Brandenburg

erinnert daran: Brandenburg

sei kein unbesiedeltes Land,

kein weißer Fleck. Würden die Ängste

vor dem Moloch Berlin nicht beachtet,

säße man in der Falle.

Also: Alles offen für die Diskussion

über ein regionales Leitbild, das

weit über die Kiez- oder Gemeindeperspektivehinausreicht.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Berlin

Eine Analyse von DNA-Spuren: In vielen Gerichtsprozessen gehören die winzigen Zellspuren seit Jahren dazu.

ZENTRALBILD

Verräterische Spur am Kleidersaum

Vor32Jahren wurde eine junge Mutter in Neukölln vor den Augen ihres Kindes getötet. Das Landgericht verhängt nun lebenslange Haft

VonUta Eisenhardt

Als Klaus R. hört, dass ihn

das Berliner Landgericht

wegen Mordes aus niedrigen

Beweggründen zu einer

lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt,

schüttelt er den Kopf. Der61-

Jährige trägt ein kurzärmliges weißes

Hemd. Auf seinem linken Unterarm

prangen großflächige Tätowierungen.

Man erkennt einen Drachen,

vielleicht ist es auch ein Krake.

„Sie sind Onkel Degake“, sagt der

Vorsitzende Richter Matthias

Schertz in Richtung des Angeklagten.

Diesen Namen, möglicherweise

inspiriert von den Tattoos, hatte der

nicht einmal drei Jahrealte Christian

dem Mann gegeben, der vor seinen

Augen seine Mutter ermordet hatte.

Daswar am 18. September 1987, fast

auf den Taggenau vor 32Jahren. So

lange hatte man darüber gerätselt,

werdamit gemeint sein konnte.

AufR.kam man erst im vergangenen

Jahr, nachdem forensische Genetiker

die Kleidung der ermordeten

Annegret W. auf DNA-Spuren untersucht

hatten. Dabei fanden sie „eine

Superspur“ mit 600 Zellen an der Innenseite

vom Saum des geblümten

Jersey-Kleides,das die 30-jährige Sozialhilfeempfängerin

an ihrem Todestag

getragen hatte. Auch an dem

weißen Pullover, mit dem sie getötet

worden war,befand sich DNA vonR.

Aber aus welchem Grund hatte

der vorbestrafte Räuber und Vergewaltiger

eine Frau ermordet, die

selbst kaum Geld hatte und sexuell

als sehr offen galt? An dieser Stelle

half der Angeklagte dem Gericht: In

der Untersuchungshaft hatte er sich

nämlich mit seinem Zellennachbarn

Olaf S. unterhalten, dem einzigen

Deutschen auf seinem Gang. R. erzählte

dem Zellennachbarn, dass er

Annegret über eine Anzeige kennengelernt,

sich mehrmals mit ihr getroffen

und Sex gehabt habe. Doch

dann verlangte sie Geld dafür. Sie

stritten darüber,auch am Tagder Tat.

Ob sie dabei telefonischen oder persönlichen

Kontakt hatten, vermochte

Olaf S. nicht genau zu sagen,

als er zwei Polizeibeamten von dem

Gespräch mit R. berichtete und den

Richterndamit die Grundlage für ihr

Urteil lieferte.

An ihrem Todestag war Annegret

W. gemeinsam mit ihrem jüngsten

Kind gegen 10.30 Uhr inihre Wohnung

zurückgekehrt. Dort empfing

sie R. Christian kannte den „Onkel“

vom Sehen, seinen Namen muss

ihm die Mutter absichtlich verschwiegen

haben, argumentiert der

Vorsitzende.„Das wäre vielleicht gefährlich

worden, wenn der Junge das

ausgeplaudert hätte.“ Zumal der Lebensgefährte

von W. bereits misstrauisch

geworden war.

Die Erwachsenen tranken Bier,

dann begaben sie sich ins Schlafzimmer.

Der knapp Dreijährige wurde

vor dem Fernseher geparkt. Als Annegret

weiterhin auf einer Bezahlung

für den Sex bestand, wurde R.

aggressiv.„So ein Ausbruch passt zur

„Soein Ausbruch passt zur damaligen Persönlichkeit

des Angeklagten. Wenn es nicht nach

ihm geht, wird ergewalttätig.“

Matthias Schertz, Vorsitzender Richter bei der Urteilsverkündung

damaligen Persönlichkeit des Angeklagten“,

sagt der Richter. „Wenn es

nicht nach ihm geht, wird ergewalttätig.“

Einmal, so hatte es seine ehemalige

Lebensgefährtin im Prozess

berichtet, habe R. in seiner Unbeherrschtheit

so stark gegen eine

Wand geschlagen, dass er sich dabei

einen Knochen brach.

Weil R. nicht einsah, dass er den

Sexnicht mehr umsonst bekommen

sollte, würgte er Annegret W..Erverknotete

die Ärmel ihres weißen Pullovers

fest hinter ihrem Nacken und

dann noch einmal vorn am Hals.

Den vorderen Knoten stopfte er ihr

tief in den Mund. Sie starb an „einer

Kompression der Halsweichteile“.

Weil der Mörder ganz sicher gehen

wollte,holte er aus der Küche ein Tomatenmesser

und stach es durch

den Pullover in ihren Hals. Die

Rechtsmediziner zählten fünf Stiche.

Diese müssen im Beisein des kleinen

Christian erfolgt sein, der später berichtete:

„Onkel Degake hat Messer

in Hals vonMama gemacht.“

Nach seiner Tatnahm der Mörder

noch das Portemonnaie seines Opfers

an sich. Das Kind ließ er allein

mit seiner toten Mutter zurück.

In einer knappen, vonseinemVerteidiger

verlesenen Einlassung hatte

R. zugegeben, die Tote in einem Park

kennengelernt zu haben. Sie hätten

sich mehrfach getroffen, das letzte

Malein oder zwei Tage vorihrem Tod.

Sie hätten niemals Sex miteinander

gehabt, es habe nur Gespräche und

ein „Techtelmechtel“ gegeben. „Zwei

Dreißigjährige tätscheln da rum wie

zwei Teenager, das können Sie keinem

erzählen“, sagt der Richter.Auch

die übrigen Argumente der Verteidigung

zerpflückt er. Das Sperma mit

der Blutgruppe Null, das definitiv

nicht das des Angeklagten sein

konnte,aber im Mund der Toten und

an ihrer Schambehaarung gefunden

wurde? Kamesvon einem unbekannten

Dritten? Aber dann hätte der

Kleine von zwei Männern berichtet.

Es könnte von Annegrets Lebensgefährten

stammen.

Unddie Möglichkeit, dass sich der

Mitgefangene seine belastenden Angaben

nur ausgedacht hatte, umbei

seiner eigenen Verurteilung besser

wegzukommen? Nein, meint das Gericht:

Olaf S. hätte vonseiner Aussage

nicht profitiert, sondern sei im Gegenteil

deswegen bedroht und verletzt

worden. Außerdem habe er zu

viele Details angeführt, etwa die

Freude des Angeklagten darüber,

dass man seine DNA nicht am Messer

und in der Scheide der Toten gefunden

habe.

Sollte der Bundesgerichtshof bei

der Überprüfung des Urteils keine

Fehler entdecken, wird esR.wahrscheinlich

wie seinem zwei JahreälterenBruder

Hansjoachim gehen. Dieser

war im Dezember 1988 der erste

Deutsche, der mit Hilfe der DNA-

Spuren-Analyse überführt wurde: Er

hatte eine 21-Jährige vergewaltigt

und erdrosselt. Im März 2013 war

Hansjoachim R. in der Sicherungsverwahrung

an Krebs gestorben.

Wichtige Information für unsere Anzeigenkunden:

Vorgezogener

Anzeigenschluss

3. Oktober 2019

Erscheinungstag Anzeigenschluss Rubrik

Mittwoch, 02.10.2019 Montag, 30.09., 16 Uhr Veranstaltungen, Kulturkalender

Freitag, 04.10.2019 Mittwoch, 02.10., 10 Uhr alle Rubriken

Sonnabend, 05.10.2019 Mittwoch, 02.10., 10 Uhr Automarkt &Boote

Mittwoch, 02.10., 12 Uhr

Mittwoch, 02.10., 15 Uhr

Stellenmarkt

Reisemarkt

Bildungsmarkt

Immobilienmarkt

Freitag, 04.10., 10 Uhr Bauen, Dienstleistungen u. a.

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Am 03. Oktober 2019

erscheint die

Berliner Zeitung nicht

Die Suche nach der Krankenakte

Ermittler wollen herausfinden, ob der SUV-Fahrer von seiner Fahruntüchtigkeit wusste

Nach dem Verkehrsunfall mit vier

Toten in Mitte erhärten sich die

Hinweise darauf, dass der Fahrer des

Porsche Macan ein akutes Gesundheitsproblem

hatte.

Inzwischen überbrachte der Anwalt

des 42-jährigen Unfallfahrers der

Staatsanwaltschaft eine erste Stellungnahme.

„Die Hinweise, wie sie

vonAnfang an bestanden, haben sich

derzeit weiter konkretisiert“, sagte

der Sprecher der Staatsanwaltschaft,

Martin Steltner,amDienstag. DerAnwalt

habe bestätigt, dass eine akute

gesundheitliche Problematik Ursache

des Unfall gewesen sein könnte.

Einen Hinweis auf einen möglichen

epileptischen Anfall hatte bereits die

Beifahrerin kurznach dem Unfall der

Polizei gegeben.

Der 42-Jährige macht allerdings

auf Anraten seines Anwaltes von seinem

Schweigerecht Gebrauch. Die

Staatsanwaltschaft will herausfinden,

ob Michael M. aus gesundheitlichen

Gründen kein Fahrzeug hätte führen

dürfen. „Ein gesundheitliches Problem

kann jeden am Steuer treffen“,

sagte Steltner.„Strafrechtlich relevant

wird es, wenn jemand von einer

Grunderkrankung wusste und damit

rechnen musste, dass er einen Anfall

bekommen kann.“

Immer mehr Blumen und Briefe werden an

der Unfallstelle abgelegt.

GETTY IMAGES

Einen ähnlichen Fall hatte es 2012

in Hamburggegeben. Damals war ein

40-jähriger Epileptiker nach einem

Unfall mit vier Toten zu dreieinhalb

Jahren Haft verurteilt worden. Der

Mann war trotz der Erkrankung Auto

gefahren. Steltners Behörde konnte

jedoch die Patientenakte des Unfallfahrers

nicht beschlagnahmen. Denn

bei Berufsgeheimnisträgern, zu denen

Ärzte gehören, besteht ein Beschlagnahmeverbot.

Deshalb durchsuchte

die Polizei am Freitag in Mitte

die Wohnung des Fahrers – in der

Hoffnung, Hinweise auf eine Erkrankung

zu finden, etwa entsprechende

Medikamente oder Kopien der Krankenakte.

Die Beamten stellten Beweismittel

sicher. Deren Auswertung

soll laut Staatsanwaltschaft klären, ob

sich die Hinweise auf eine „unfallursächliche,

akute gesundheitliche

Notlage“ wie einen epileptischen Anfall

konkretisieren lassen.

Der Fahrer war am 6. September

mit seinem Porsche Macan an der

Kreuzung Invaliden-, Ecke Ackerstraße

auf der Gegenfahrbahn in

Richtung Kreuzung zugerast. Das

Auto rammte mehrereinden Gehweg

eingelassene Poller, prallte gegen einen

Ampelmast und durchbrach

schließlich einen Bauzaun. Vier Menschen

starben auf dem Gehweg. Unter

den Todesopfern war auch ein

dreijähriger Junge. Die Mutter des

Kindes und ihr sechsjähriger Sohn

waren Zeugen des Unfalls.

An der Unfallstelle befindet sich

derzeit ein Blumenmeer. Noch immer

legen Menschen dort zum Gedenken

an dieToten Blumen und Kerzen

ab. Bereits Stunden nach dem

Unfall forderten Fußgänger- und

Fahrradverbände, SUV wie den Porsche

Macan in der Berliner Innenstadt

zu verbieten. (kop.)


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 13 *

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Berlin

Marian Gold und Heiner Knapp bei der Veranstaltung

„Knapp daneben“. SABINE GUDATH

Nobelpreis der Künste: Anne-Sophie Mutter erhält den Praemium Imperiale.

SABINE GUDATH

Klötzchenspiel für Große: CathyHummels

und Jochen Schropp. SABINE GUDATH

ANNE-SOPHIE MUTTER

muss sich und anderen längst nichts

mehr beweisen, auch wenn sie das

immer wieder tut. Am Dienstag um

11 Uhr, als die diesjährigen Preisträger

des Praemium Imperiale im Musikinstrumentenmuseum

bekanntgegeben

wurden, passierte es wieder.

Nicht einmal drei volle Tage,

nachdem sie in München ein Open-

Air-Konzert mit Filmmusik gegeben

hatte,was Jünger der reinen Klassik-

Lehre jaschnell mal als Abweg bezeichnen,

erfuhr die Welt, dass

Anne-Sophie Mutter in diesem Jahr

die oft als Nobelpreis der Künste bezeichnete

Auszeichnung der Japan

ArtAssociation in der Kategorie Musik

erhalten wird. DieViolinistin mit

einer großen Affinität zu Japan –sogar

Sumo-Ringkämpfe mag sie –

freute sich, nachdem sie jahrelang

als Beraterin der Preisstifter andere

Künstler vorgeschlagen hatte: „Ich

hätte nicht in Jahrhunderten gedacht,

dass ich diesen wunderbaren

Preis bekomme.“ Dieweiteren Preise

des Jahres 2019 werden am 16. Oktober

in Tokio an William Kentrige

(Malerei), Mona Hatoum (Skulptur),

TodWilliams und Billie Tsien (Archi-

tektur) sowie Bando Tamasaburo

(Theater) überreicht. Aus dem deutschen

Beratergremium des Praemium

Imperiale hat sich gerade Regisseur

Volker Schlöndorff verabschiedet,

dessen Platz der ehemalige

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick

einnimmt. Durchsage des Neuen:

„Die Präsentkörbe ab sofort an

mich!“ Der Preis macht seine Träger

übrigens zu Multimillionären –allerdings

nur in der japanischen Währung

Yen. Davon gibt es je 15 Millionen,

was nach aktuellem Kurs immerhin

126 000 Euro sind.

MARIAN GOLD

hat nicht ganz den Coolnessfaktor

erreicht, den Harald Schmidts

Selbstbezichtigung, ein „Mensch

mit abgeschlossener Vermögensbildung“

zu sein, entfaltet. Aber Golds

„Ich bin finanziell unabhängig“

klingt ja auch nicht schlecht, gell?!

Er kann sogar das Jahr benennen, in

dem er diesen Status erreichte:

1984. Da kamen die drei großen Hits

seiner Band Alphaville heraus: „Big

in Japan“, „Forever Young“ und

„Sounds Like aMelody“. Vondenen

lebt es sich auch heute noch gut.

Mutter irrt sich

und bekommt

einen Preis

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Praemium Imperiale für

Anne-Sophie Mutter,MarianGold

plaudert und Cathy Hummels auf

der Hebebühne

Sieben Kinder (von vier Frauen)

später geht Marian Gold weiter auf

Tournee. AmDienstagabend hatte

er eine besondere Verabredung. Im

Kleinen Sendesaal im Haus des

Rundfunks an der Masurenallee traf

er sich zu „Knapp daneben“ mit

Heiner Knapp von Radio rbb 88.8

und plauderte über die Musik und

sein Leben. Für Gold ging es auf und

ab –vor dem großen Erfolg gab es

anderthalb Jahre, in denen der Unternehmersohn

obdachlos in Berlin

lebte: „Das hallt extrem in mir nach

und hat mich für die Probleme anderer

Menschen sensibel gemacht.“

Er erzählte von den zwei Seiten des

Marian Gold: „Im Studio werde ich

zum Autisten, wenn ich auf der

Bühne stehe, will ich geliebt werden.“

Bei Auftritten hilft dem 65-

Jährigen inzwischen ein großer

Bildschirm über auftretende Textschwächen

hinweg. Darauf haben

ihn vor Jahren die Fans gebracht:

„Nachdem ich immer mal ähnlich

klingende Zeilen verwechselt hatte,

hielten die plötzlich in Konzerten

Transparente mit dem Liedtext

hoch.“

CATHY HUMMELS &

JOCHEN SCHROPP

durften als erste auf die Hebebühne.

Die steht an der Fassade des Hauses

Mühlenstraße 6gegenüber der East

Side Gallery, das gerade von einem

riesigen, gebrochenen Herz dominiert

wird. WasReklame für schwer

vermittelbare Singles mit angeblichem

Niveau sein könnte,ist tatsächlich

ein Motiv der aktuellen Kampagne

der dänischen Bausteinfirma

Lego. Unter dem Motto „Rebuilt the

World“ kann bis zum Sonnabend, 20

Uhr, jeder kleine und großeBaumeister

miteinem Baustein derFirma die

Hebebühne erklimmen und seinen

Beitrag dazu leisten, diebeiden Herzhälften

zu vereinigen. DasModel und

der Moderator haben damit am

Dienstag zur Mittagsstunde schon

mal angefangen. WobeiSchropp sich

an seinen Höhepunkt des Weihnachtsfestes

1988 erinnerte:„Das war

die Lego Space Classic Monorail-

Bahn, die immer noch zu Hause bei

meiner Mama steht und nach wie vor

Modernität ausstrahlt.“ Irgendwann

will er die mal seinen Nichten und

Neffen schenken.Vielleicht …

„Überdurchschnittlich

oft alkoholisiert“

Viele Unfälle mit E-Tretrollern, weil Fahrer oft betrunken

Seit 15. Juni kam es in Berlin zu 74 Unfällen

mit E-Rollern.

IMAGO IMAGES

Fahrer von E-Tretrollern sind in

Berlin häufig Verursacher von

Unfällen und zudem abends und

nachts öfter betrunken unterwegs.

Das geht aus einer Bilanz der Berliner

Polizei für die ersten drei Monate

seit der Erlaubnis für die Roller hervor,

die am Dienstag veröffentlicht

wurde.

Seit dem 15. Juni registrierte die

Polizei demnach 74 Unfälle vonRollerfahrern.

Dabei wurden 16 Menschen

schwer und 43 leicht verletzt.

Die häufigsten Ursachen für die Unfälle

waren Fehler beim Fahren, unzulässige

Benutzung von Gehwegen

und Alkohol.

In 65 der 74 Fälle waren die Fahrer

der E-Scooter schuld an dem Unfall.

27 Mal war niemand anderes beteiligt,

sondernder Rollerfahrer stürzte

von selbst. In 19 Fällen ermittelt die

Polizei wegen Unfallflucht.

Die Polizei leitete 87 Ermittlungsverfahren

gegen Fahrer ein. In

65 Fällen ging es um Trunkenheit

im Straßenverkehr. „Der festgestellte

Höchstwertlag hier bei rund

2,78 Promille.“ Besonders bei Kontrollen

am Abend und in der Nacht

seien die Fahrer „überdurchschnittlich

oft alkoholisiert“ gewesen,

hieß es. Die Polizei verhängte

233 Bußgelder, vor allem wegen

Fahrens auf dem Gehweg, zu zweit

oder mit einem Telefon in der

Hand.

Die Unfallzahlen der E-Tretroller

sind schlecht vergleichbar mit

entsprechenden Zahlen etwa von

Radfahrern, weil die Anzahl der

Fahrer, ihr Alter und die zurückgelegten

Strecken sehr unterschiedlich

sind. E-Scooter sind besonders

beliebt bei Touristen und jüngeren

Menschen. Sie werden vor allem in

der Innenstadt und da besonders

in den Ausgeh-Vierteln benutzt. In

Berlin sollen etwa 9000 E-Scooter

zum Verleih stehen.

Die Polizei betonte: „E-Scooter

sind kein Spielzeug, es sind Kraftfahrzeuge.“

Fahrer sollten zu ihrer

eigenen Sicherheit immer einen

Schutzhelm tragen, auch wenn das

nicht vorgeschrieben sei. Strenge

Gesetze gelten auch für das Fahren

nach dem Trinken. „Bereits ab 0,3

Promille kann bei einem Unfall Ihr

Führerschein in Gefahr sein. Für

Fahranfängerinnen und -anfänger

oder Personen unter 21 Jahre gelten

0,0 Promille.“

Bei intensiven Kontrollen an

drei Tagen der vergangenen Woche

fielen neben Scooterfahrern aber

auch besonders Fahrradfahrer und

Autofahrer durch Verstöße auf. Von

317 Verkehrsteilnehmern, die rote

Ampeln ignorierten, waren 208

Radfahrer, 92Autofahrer und nur 7

Rollerfahrer. 145 Autofahrer fielen

durch falsches Abbiegen auf. Außerdem

erwischte die Polizei 273

Auto- und Radfahrer,die ihr Handy

benutzten. (dpa)

Die besten Hits aller Zeiten

Berlin 1985: „Daddy Cool“

RADIO

AN!


14 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Berlin

Der Palast der Weimarer Republik

Am 18. September vor 100 Jahren eröffnete der Ufa-Palast am Zoo –damals Deutschlands aufregendstes Lichtspieltheater

VonMichael Ossenkopp

Vor 100 Jahren, am 18. September

1919, wurde mit

der glanzvollen Premiere

des Ernst-Lubitsch-Films

„Madame Dubarry“ der Ufa-Palast

am Zooeröffnet. DasBerliner Kino

war bis zu seiner Zerstörung im

Zweiten Weltkrieg das bedeutendste

Uraufführungsfilmtheater

Deutschlands. Anseiner Stelle gegenüber

der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

entstand 1957 der

„Zoo-Palast“. In der jungen Weimarer

Republik begann die Zeit

der großen Filmtheater, ein Kinobesuch

wurde fester Bestandteil

des gesellschaftlichen Lebens. Mit

mehr als 400 Lichtspielhäusern

avancierte Berlin in den Goldenen

Zwanziger Jahren zur internationalen

Kinohauptstadt. Alles was in

Film, Kunst, Theater und Literatur

Rang und Namen hatte, traf sich

im „Romanischen Café“ am Auguste-Viktoria-Platz

(heute: Breitscheidplatz),

dem damals bekanntesten

Künstlertreff der deutschen

Metropole.

In dem nur einen Katzensprung

entfernten Ufa-Palast fanden zwischen

1919 und 1943 insgesamt 44

verschiedene Uraufführungen

statt. Regisseur Fritz Lang zeigte

hier 1927 erstmals „Metropolis“

und 1931 „M“, im März 1943 feierte

„Münchhausen“ Premiere.

Das Werk war zum 25-jährigen Jubiläum

der Universum Film AG

(Ufa) –ein im Dezember 1917 gegründeter

Zusammenschluss privater

Filmfirmen –von Reichspropagandaminister

Joseph Goebbels

in Auftrag gegeben worden.

Das Drehbuch stammte von

Erich Kästner, der aber auf Anweisung

von Goebbels nicht genannt

werden durfte. Kästner hatte jede

Menge subversive Kritik in den

Film geschmuggelt. „Der Filmauftrag

kam vom größten Lügner der

Welt. Weshalb sollten wir also

nicht einen Film über den Lügner,

der ihm am nächsten kommt, Baron

Münchhausen, machen?“, fragte

Kästner später.

An der Hardenbergstraße 29A zwischen

Bahnhof Zoound der Gedächtniskirche

waren in den Jahren 1905

und 1906 nach Entwürfen des Architekten

Carl Gause Ausstellungshallen

–auch Wilhelmshallen genannt –im

neoromanischen Stil erbaut worden.

Unter anderem hatte Gause auch die

Baupläne für das Hotel Adlon entworfen.

1912 wurde der westliche Teil der

Hallen umgebaut, 1913 erhielt ein

Varieté mit Lichtspielvorführungen

einen Raum mit Bildwerfer (eine

kleine Kabine mit großem Sichtfenster).

Berlin bei Nacht: Der Ufa-Palast wargerade ein Jahr alt, da wurde er auf einer kolorierten

Postkarte aus dem Jahr 1920 verewigt.

PICTURE-ALLIANCE AKG-IMAGES

1919 vergrößertder Architekt Max

Bischoff das Kino im Auftrag der Ufa

auf 1740 Sitzplätze. 1925 wurde die

Kapazität auf 2165 Sitzplätze erweitert.

Damit war der Berliner Ufa-Palast

bis zur Eröffnung seines Pendants

1929 in Hamburg mit 2200 Plätzen

das größte Filmtheater Deutschlands.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatten

Kinos einen enormen Popularitätsschub

erhalten. Zum Motor der heimischen

Filmbranche entwickelte

sich die Ufa –auch dank eines beträchtlichen

staatlichen Startkapitals.

Mitder Machtübernahme der Nationalsozialisten

1933 verkam der

Ufa-Palast im gleichgeschalteten

Deutschland zur Propagandakulisse,

in dem das Regime seine „großdeutschen“

Träume auf die Leinwand

brachte. Während der Nazi-Herrschaft

wurde die Fassade des Kinos

zunächst durch Lichtinszenierungen

und großflächige Plakate genutzt,

später auch mit fantastischen Temporärbauten.

Anlässlich der Olympischen

Spiele 1936 ließ hier der Berliner

Generalbauinspektor und Rüstungsminister

Albert Speer eine monumentale

Blendfassade installieren.

Am 23. November 1943 erlitt der

große Kinosaal des Ufa-Palasts durch

Luftangriffe der Alliierten schwere

Beschädigungen. Danach fand Kino

nur noch als Notbetrieb in einem Seitenflügel

statt, Grundstücksreste

wurden bis 1955 abgetragen. Mit

Blick auf die Internationale Bauausstellung

im modern-schlichten, an

das Bauhaus angelehnten Architekturstil,

wurde als Nachfolgebau an

gleicher Stelle der Zoo-Palast errichtet.

Dasneue Lichtspielhaus eröffnete

im Beisein von Hauptdarstellerin Liselotte

Pulver am 28. Mai 1957 mit

dem Helmut-Käutner-Film „Die Zürcher

Verlobung“. Der kubische Bau

über einem trapezförmigen Grundriss

schloss die Lücke zwischen Zoohochhaus

und Bikinikomplex. Rasch

galt das Gebäude mit seiner gelb gekachelten

Keramikplattenverkleidung

alsWahrzeichen.

Der Zoo-Palast war von 1957 bis

1999 Hauptspielort der Berlinale

und das wichtigste Premierenkino

West-Berlins. ImJahr 2000 zog die

Berlinale an den Potsdamer Platz,

am alten Spielortblieben die Sektionen

Panorama und Generation. Seit

2014 ist das Kino aber wieder wichtiger

Bestandteil der Berliner Filmfestspiele.

Auf den Taggenau 100 Jahre nach

der Premiereerinnernder ZooPalast

und das Metropolis Orchester Berlin

an die Lubitsch-Uraufführung und

präsentieren gemeinsam am 18. September

um 19.30 Uhr noch einmal

den einzigartigen Stummfilm. Der

Eintritt beträgt 35 Euro.

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Die Redaktion behält sich das Recht

sinnwahrender Kürzungen vor.

Denkmal, das Steuergelder

sinnlos verschaukelt

Berlin: „150 Tonnen auf dem Mühlengraben“

von Maritta Tkalec

(16. September)

Steuergelder werden verschaukelt!

Nicht nur für uns Berliner, sondern

auch für Besucher aus aller Welt ist

das Brandenburger Tordas Sinnbild

der Trennung und Vereinigung

Deutschlands. Wir brauchen kein

Denkmal, mit dem unsereSteuergelder

sinnlos verschaukelt werden.

Familie Stege, Berlin-Köpenick

Individueller Mensch besaß

keinen besonderen Wert

Seite 3: „Fremde Leben“ von Regine

Sylvester

(12. September)

Jeder,der mit glühendem Herzen der

kommunistischen Idee der Menschheitsbefreiung

von Hunger, Not und

Unterdrückung durch Beseitigung

des Privateigentums an Produktionsmitteln

und Errichtung der Herrschaft

einer einzigen, mit wissenschaftlichem

Programm ausgestatteten

Partei anhing und dafür als

junger Revolutionär alles geben

wollte, kommt irgendwann an den

bitteren Punkt der Selbstbefragung.

Warum überzogen gerade die

machthabenden Träger solcher hohen

Ideale ihreeigenen Glaubensgenossen

zu Hunderttausenden mit

Misstrauen. Die Antwort ist wohl,

dass der individuelle Mensch selbst

in den eigenen Reihen keinen besonderen

Wert besaß.

Sven Hüber,

per E-Mail

SoziologeSteffen Mau, Professor an der Humboldt-Universität Berlin

Eine positive Zukunft für die jüngeren Männer

Verbotswahnsinn führtineine tief gespaltene Gesellschaft

Magazin: „Die Stunde der Öko-Wächter“

von Maxim Leo

(14. September)

Wo führt uns dieser ganze Verbotswahnsinn

noch hin? In eine tief gespaltene

Gesellschaft scheint mir.

Diejenigen, die am lautesten ihre

Meinung artikulieren, setzen ihre

Anliegen durch. Das können viele

Menschen nicht verstehen und

nachvollziehen. Baut den ÖPNV aus,

verdichtet die Taktzeiten, schafft

bessere Umsteigeverbindungen mit

weniger Wartezeit und es werden

mehr Menschen mit dem ÖPNV in

die Stadt fahren. Baut endlich vernünftige

P+R Parkplätze, die nicht

schon um 7 Uhr voll sind. Viele

Grüße aus Berlin-Bohnsdorf, wo die

Busse (Linie 163) abends nach 19

Uhr und am Wochenende nur noch

alle halbe Stunde fahren.

Karsten Eckert, per E-Mail

Sie drücken sich wie ein beleidigtes

Kind aus. Ich gehe mit Ihnen konform,

dass man ein Verbot der SUV s

nicht an diesem Unglück festmachen

kann. Aber ansonsten haben

Sie diese „Angeberautos“ und deren

beträchtlichen Beitrag an der Vergiftung

unseres Klimas sehr oberflächlich

dargestellt.

Klaus Schepull, Berlin-Köpenick

Zur Zeit entwickeln Klima-Massenhysterie

und Neid-Debatte beängstigende

Kraft. Sie läuft Gefahr, mehr

Schaden anzurichten, als dem Klimaschutz

tatsächlich wirksam zu

dienen. Ichmache mir ernsthaft Sorgen

um unsere Zukunft und dieses

Land. Ein gegensteuerndes Rezept

habe ich aber leider auch nicht.

Klaus-Michael Baltruschat,

Berlin-Wilmersdorf

Der Unfall war alles andere als „tragisch“.

Das Fahrzeug ist wohl von

dem Todesfahrer bei seinem mörderischen

Überholmanöver auf die Gegenfahrbahn

gelenkt worden. War

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Magazin: „Die Vereinigung warein Karriereschub für Westdeutsche“ von

Sabine Rennefanz

(7. September)

Vieles der Ausführungen von Steffen Mau erinnert tatsächlich an die

Kolonialisierungspraktiken der europäischen Imperien.Vongroßer Bedeutung

erscheint mir jetzt das geschilderte Problem von der erheblichen

Überzahl der männlichen Bevölkerung mit weniger hohem Ausbildungslevel

in Ostdeutschland. Istdamit nicht die dringende Aufgabe

verbunden, aus diesen Erkenntnissen einen wirkungsvollen Lösungsansatz

zu entwickeln, der wenigstens den jüngeren Männern noch

Wege für eine positiv gestaltbare Zukunft zeigt? Als wirksames Instrument

gegen weitere und ansonsten anscheinend unaufhaltsame

rechtsradikale Beeinflussung?

Eva König-Werner,Berlin-Charlottenburg

dieser Porschefahrer nicht gewillt,

sich hinten anzustellen in die Reihe

der an der Ampel wartenden Fahrzeuge?

Hat erbrachial aufs Gas getreten

und den Wagen mit irrer Beschleunigung

und Geschwindigkeit

auf die Gegenfahrbahn gesteuert,

um den Pulk derWartenden zu überholen

und hinter sich zu lassen?

York Zebuhr,Berlin-Tempelhof

Hoch interessant, wie das, was uns

Männern bislang so wichtig war wie

das Auto,nun nichts mehr zählt. Was

bleibt noch? Weiter machen in der

Selbstdestruktion.

Frithjof Hager,per E-Mail

Die Facebook-Diskussion:

BVGtestet Verkehrswende

Facebook: „BVGtestet Verkehrswende“

von Annika Leister

(17. September)

Das Problem ist nicht der Preis für

die BVG, sondern dass sie unzuverlässig

ist! Daranmuss gearbeitet werden.

Als Verbraucher habe ich nichts

davon, dass das Ticket billig ist, aber

die Tram fährt, wie sie will.

Josephine Charlott

Das wird leider nur bedingt etwas

bringen, denn die S-Bahn spielt ja

nicht mit.

Madlin Chojne

Sinnlos. Autobesitzern geht es nicht

ums Geld.

Mai AWuschken

Warum nicht mal eine Woche lang

und im fettesten Berufsverkehr?

Jana Schmidt

In den nächsten Monaten muss ich

wieder mit Öffis fahren, mich graut

es jetzt schon davor.

Anne Schwalbe

Verkehrswende sonntags? Genau

mein Humor.

Thomas Plaster

Wenn dann auch noch die Geschäfte

offen sind, würde es sich lohnen.

Angelika Sieling

Warum nicht an einem Wochentag?

Weil man dann feststellen würde,

wie schnell der ÖVPN an seine Grenzen

stößt? Man zugeben müsste,

dass der Individualverkehr unausweichlich

ist?

Kurt Helmut Neumann

Eine Maßnahme wie Schall und

Rauch! Stefan Müller

Ich hoffe, dass viele mitmachen!

Man kommt auch ohne Auto ans

Ziel!

Daniel Lemitz

Berlin hat eine Fläche von ca. 900

Quadratkilometern! Je nach Wohnlage

kann man bei Benutzung des

ÖPNV täglich bis zu vier Stunden damit

verbringen, zur Arbeit und wieder

zurück nach Hause zu kommen!

Jetzt denken Sie noch mal über Ihre

Aussage nach!

Wanja Nedev

Ichhatte auch schon 1,5 Stunden hin

und 1,5 Stunden zurück, na und?

Kopfhörer auf und gut ist! Wenn man

will, geht alles! Die meisten wollen

nur nicht oder sind zu faul dazu!

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Frankfurt(Oder) stärkt

das Ehrenamt

Als zweite Kommune in Brandenburghat

Frankfurt(Oder) künftig einen

Anlaufpunkt für Menschen, die

sich ehrenamtlich engagieren. Oberbürgermeister

René Wilke (Linke)

und Staatskanzleichef Martin Gorholt

unterzeichneten am Dienstag

eine Kooperationsvereinbarung zur

Schaffung und Finanzierung eines

Engagement-Stützpunktes.Dazu

gehörtauch eine Regelung zur Auszahlung

des neuen Mobilitätszuschusses

für Ehrenamtliche.

Neben Frankfurt(Oder) wirdPotsdam-Mittelmarkbereits

seit diesem

Monat gefördert. DerLandkreis

Uckermarkstartet im Oktober.Inden

kommenden Jahren sollen vier weitereEngagement-Stützpunkte

eingerichtet

werden. In Brandenburgengagieren

sich 843 000 Bürgerinnen

und Bürger ehrenamtlich. (dpa)

Keine Lösung zur Zukunft

des Baumblütenfestes

Auch nach einem zweiten Gespräch

über die Zukunft des Baumblütenfestes

in Werder zwischen Obstbauernund

Stadt ist nicht klar,wie es mit

der Veranstaltung weitergeht. „Wir

haben alle versucht, Lösungen zu

finden“, aber man komme nicht zueinander,sagte

Obstbauer Michael

Schulz am Dienstag .Die Stadt wollte

sich auf Anfrage nicht äußern. Sprecher

HenryKlix sagte zunächst nur:

„Wir sind mit Obstbauernund Obstweinproduzenten

weiter im Gespräch.“

DieStadt Werder hatte vor

einer Woche mitgeteilt, dass es im

nächsten und im darauffolgenden

Jahr kein Baumblütenfest geben

wird. EinVergabeverfahren endete

ohne Erfolg. DieObstbauernwerfen

der Stadt vor, erst aus den Medien

vonder Absage erfahren zu haben.

Siewollen auch deshalb an diesem

Donnerstag vordas Rathaus ziehen.

Wieviel Obstbauernsich an der Demonstration

beteiligen, konnte

Schulz zunächst nicht sagen. Die

SPD in Werder sowie die Wählergruppe

Stadtmitgestalter fordertinzwischen

den Rücktritt vonBürgermeisterin

Manuela Saß(CDU). (dpa)

Grüne diktieren neuen Verhandlungsstil

Die Parteien eilen in Brandenburg zur Regierungsbildung. Gleichzeitig wird von Anfang an hart gefochten

VonJens Blankennagel, Potsdam

Noch ist alles ziemlich offen

bei der Regierungsbildung

im Land Brandenburg.

Unklar ist, ob

die siegreiche SPD und die Grünen

mit den Linken eine Regierung bilden

– eine rot-grün-rote Koalition

hätte nur eine Stimme Mehrheit und

wäre schwach. Oder aber SPD und

Grüne koalieren doch noch mit der

CDU –diese Regierung hätte immerhin

fünf Stimmen Mehrheit.

Die Zeit drängt durchaus ein wenig,

denn die Landesverfassung

schreibt nun mal vor, dass die Regierung

bis zum 25. Dezember stehen

muss.Sonst stünden Neuwahlen an.

Brandenburg hat es also viel eiliger

als die auch in diesem Fall durchaus

gemütlicheren Sachsen. Dort wurde

ebenfalls am 1. September ein neuer

Landtag gewählt, aber die Sondierungsgespräche

in Dresden haben

erst an diesem Montag begonnen.

Die Roten Linien der Grünen

Da ist Brandenburg sehr viel weiter.

Dorthat die SPD in zwei Runden einzeln

mit den jeweiligen möglichen

Partnern von der CDU, den Grünen

und den Linken gesprochen. Danach

gab es zwei Sondierungen im

größeren Kreis, also Dreier-Runden

für Rot-Schwarz-Grün und Rot-

Grün-Rot. Eigentlich sollte alles

noch schneller gehen: Ursprünglich

wollte die SPD bereits am Dienstag

beschließen, mit wemsie Koalitionsgespräche

führt. Doch die Debatten

in den Dreier-Konstellationen sind

sehr viel härter als die Zweier-Runden

bei früheren Regierungsbildungen.

Nun soll bis Donnerstag weiter

verhandelt werden –Ergebnis offen.

Viele politische Beobachter sehen

es eher so,dass die Linken raus sind.

Der Linken-Fraktionsvorsitzende

Sebastian Walter sagte am Dienstag:

„Wir haben bewiesen, dass wir beides

können: Regierung und Opposition.

Beides können wir sehr gut.“

Andererseits gab sich am Montag

der CDU-Chef Michael Stübgen eher

pessimistisch. Er gehe davon aus,

dass die Grünen eher zu Rot-Grün-

Rot tendierten. Doch dann folgten

Ursula Nonnemacher,die starke Frau der Brandenburger Grünen.

weitere Sondierungen. Und so betonte

CDU-Fraktionschef Jan Redmann

am Dienstag die Gemeinsamkeiten

mit den Grünen. Beide hätten

in der vergangenen Legislatur in der

Opposition etliche gemeinsame Initiativen

gestartet. „In den Gesprächen

gab es nun durchaus eine Annäherung“,

sagte er. „Vor allem in

Feldern, wo Grüne und CDU sehr

weit auseinander liegen. Es wurde

klar, dass Einigungen auch in konfliktbeladenen

Fällen möglich sind.“

DPA/PATRICK PLEUL

Konflikte bei diesen beiden gibt

es vor allem bei der Inneren Sicherheit

und der Asylpolitik. Ein großer

Knackpunkt für die Koalitionsbildung

ist ein Abschiebegefängnis für

Flüchtlinge, das CDU und SPD fordern,

die Grünen aber ablehnen.

Der andere Punkt ist der Ausstieg

aus der Kohleverstromung. „Der Klimaschutz

wird ein sehr wichtiger

Punkt für die künftige Brandenburger

Regierung sein“, sagte AxelVogel,

der alte und neue Fraktionschef der

Grünen. „Für uns gibt es eine ganz

klareRote Linie für mögliche Koalitionsverhandlungen:

Es darf keine

neuen Tagebaue geben, auch keine

Erweiterung von Tagebauen, und in

der Lausitz darf kein Dorf mehr abgebaggert

werden.“ Vogel sagte

auch, dass es noch nicht um Personalien

ging. „Es wurde mit niemandem

über Minister-oder Ministerinnenposten

geredet.“

Die Co-Vorsitzende Ursula Nonnemacher

sagte: „Wir sondieren so

intensiv, dass ich unter erheblichem

Schlafmangel leide. Wir sind optimistisch,

dass wir die Gespräche am

Donnerstag abschließen können.“

Aus den anderen Parteien heißt

es,dass die Grünen die Sondierungsgespräche

durch hartnäckige Debatten

gehörig umkrempeln. Nonnemacher

bestätigt dies: „Bisher haben

sich immer zwei oder drei Leute ein

paar Mal zum Kaffee getroffen und

dann wurde festgelegt, mit welcher

Partei es Koalitionsgespräche gibt“,

erzählt sie. Die ehemalige Ärztin

sagte, dass die neue Verhandlungsführung

am offenen Herzen entstehe.„DaswirdMaßstäbe

setzen für

die Zukunft.“ DieGrünen sehen sich

als Schrittmacher dafür,dass die bislang

im Land dominante SPD nun

mit den anderen gleichberechtigt

spreche.

Als Präsidentin nominiert

„Es war bisher nicht üblich, dass in

die Tiefe sondiertwird, dass Arbeitsgruppen

gebildet werden und dass

am Ende ein entsprechendes Papier

über die Ergebnisse unterschrieben

wird“, sagte Nonnemacher.

Dies ist der neue Stil mit den Grünen,

der eher für eine Regierung mit

der CDU spricht –also eine „Kenia-

Koalition“ –,dadort die Gräben tiefer

sind als mit den Linken.

Als recht sicher gilt immerhin,

dass die Abgeordnete Ulrike Liedke

ins formal höchste Amt des Landes

gewählt wird. Die 60-Jährige wurde

vonihrer SPD-Fraktion als Landtagspräsidentin

nominiert. Die promovierte

Musikwissenschaftlerin war

schon Vorsitzende des RBB-Rundfunkrates

und ist aktuell Vizepräsidentin

des Deutschen Kulturrates.

Vermieter

gegen

Mietendeckel

Verband hält Regelung für

verfassungswidrig

Inder Debatte um den Mietendeckel

hat der Immobilienverband

BFW seine Ablehnung der geplanten

Regelung bekräftigt. „Wir sind überzeugt:

Der Mietendeckel ist verfassungswidrig,

er blockiert Investitionen

in der Hauptstadt, schadet dem

Wirtschaftsstandort und schafft

keine einzige neue Wohnung in Berlin“,

erklärte BFW-Geschäftsführerin

Susanne Klabe am Dienstag. Das

Land Berlin habe keine Kompetenz

für ein eigenes Gesetz, argumentiert

der BFW unter Berufung auf ein Gutachten

der Rechtsanwaltskanzlei

GreenbergTraurig. Im Zuge der Verbände-Anhörung

hat der BFW seine

Bedenken jetzt vorgetragen.

Der BFW attestiert dem Referentenentwurffür

den Mietendeckel zugleich

„schwere handwerkliche Fehler“.

So beziehe sich dieser auf die

Angebotsmieten in Berlin. Damit

werde vom Senat eine falsche Bezugsgröße

gewählt, um eine angebliche

Mietenexplosion zu begründen.

Lediglich 50 000Wohnungen, die auf

Internet-Portalen angeboten wurden,

seien dabei zur Berechnungsgrundlage

gemacht worden. Dem

stünden 1,5 Millionen Mietwohnungen

gegenüber, die im Mietspiegel

2019 erfasst, gewichtet und bewertet

worden seien. Der BFW will am

Mietspiegel festhalten. (ulp.)

Wohnungen: Um die Regulierung der Mieten

wird gestritten.

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Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 17 *

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Wissenschaft

Bedenkliche

Substanz in

E-Zigaretten

Geschmacksstoff Pulegon ist

vermutlich krebserregend

Wissenschaftler haben in E-Zigaretten

und Kautabak, die in

den USA verkauft werden, einen

möglicherweise krebserregenden

Geschmacksstoff entdeckt – und

zwar in Konzentrationen, die den

Angaben zufolge besorgniserregend

sind. Die Substanz Pulegon sei in

Produkten mit Minz- und Mentholgeschmack

enthalten, berichteten

die Wissenschaftler um Sven-Eric

Jordt von der Duke University in

Durham im US-Bundesstaat North

Carolina im Fachjournal Jama Internal

Medicine. Als Geschmackszusatzstoff

in Lebensmitteln habe die

zuständige US-Behörde sie bereits

im vergangenen Jahr verboten, für E-

Zigaretten und Kautabak sei die Chemikalie

jedoch nicht reguliert.

Gemeinsam mit Kollegen untersuchte

Jordt mehrere Marken von

Menthol-Zigaretten, drei E-Zigaretten-Marken

und eine Kautabak-

Marke, die alle Pulegon enthalten.

Sowohl bei den E-Zigaretten als auch

beim Kaubatak war die Konzentration

den Experten zufolge besorgniserregend,

bei den Menthol-Zigaretten

lag sie unter dem Schwellenwert.

Es sei allerdings nicht ganz klar,

wie sich die Aufnahme von Pulegon

unterscheide, wenn es nicht geraucht,

sondernper E-Zigarette konsumiertwerde,hieß

es.Sie forderten

die US-Regulierungsbehörde FDA

auf, Maßnahmen zu ergreifen, um

das Risiko der Pulegon-Aufnahme zu

mindern.

Keine Fälle in Deutschland

Ob und wenn ja in welchem Ausmaß

diese Substanzen auch in Produkten

auf dem deutschen Markt enthalten

sind, sei nicht klar, sagte Michal

Dobrajc vomVerband des E-Zigarettenhandels.

„Als Branchenverband

ist es uns nicht möglich, einen detaillierten

Einblick in Zusammensetzung

der vielfältigen Liquids zu bekommen,

da die einzelnen Rezepturen

der Hersteller dem Geschäftsgeheimnis

unterliegen.“ Die

Verbandsmitglieder würden nun

aber dahingehend befragt.

Aufgrund der bestehenden Regulierungen

für den deutschen Markt,

wo unter anderem alle Inhaltsstoffe

gemeldet werden müssten, gehe er

davon aus, dass alle Marktteilnehmer

und die zuständigen Behörden

ihren Pflichten nachkämen.

Nach mehreren Todes- und vielen

Krankheitsfällen –esgeht um ungeklärte

Lungenerkrankungen –inZusammenhang

mit E-Zigaretten war

in den USA zuletzt eine Diskussion

entbrannt. Ausgefallene Geschmacksrichtungen

für E-Zigaretten

sollen nach dem Willen der US-

Regierung in denVereinigten Staaten

nun verboten werden.

Präsident Donald Trump hatte in

der vergangenen Woche sehr strenge

Vorschriften für Hersteller angekündigt

und die Nutzung von E-Zigaretten

als großes Problem bezeichnet.

In Deutschland oder Europa ist allerdings

bislang kein ähnlicher Anstieg

solcher spezieller Krankheitsfälle bekannt.

Die Beschwerden scheinen

sich auf Benutzer vonE-Zigaretten in

den Vereinigten Staaten zu beschränken.

(dpa)

Dampfen mit Risiko: In Produkten mit

Minzgeschmack fand sich Pulegon.

DPA

Bohrungen, um die Meereisdickezubestimmen, werden auch die Teilnehmer der Mosaic-Expedition in der Arktis vornehmen. MARIO HOPPMANN (2)

Festfrieren und abwarten

Es wird die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: Das Forschungsschiff „Polarstern“ startet gen Nordpol

VonKerstin Viering

So viel Kopfschütteln hatte

Fridtjof Nansen selten geerntet.

Kurz vorseinem Aufbruch

ins Unbekannte

musste sich der norwegische Polarforscher

1893 allerlei unerfreuliche

Kommentare von seinen Kollegen

anhören. Waservorhatte, war revolutionär:

Mit dem eigens für diesen

Zweck gebauten Schiff „Fram“ und

zwölf Mann Besatzung wollte er sich

im arktischen Packeis einfrieren lassen,

um so zum damals noch unerreichten

Nordpol zu driften.

Zwar habe er für diesen Plan

durchaus Unterstützung bekommen,

schrieb er später in seinem Reisebericht.

„Aber wie zu erwarten

stand, stieß er meistens auf Widerspruch,

auch außerhalb Norwegens,

und die Mehrzahl der Polarreisenden

und der arktischen Autoritäten

erklärten mehr oder weniger offen,

dass es der reine Wahnsinn sei.“ Der

Gewalt des Eises könne kein Schiff

widerstehen, hieß es damals. Die

„Fram“ werde als ein Haufen Kleinholz

enden und vonihrer Besatzung

aus größenwahnsinnigen Verrückten

werde man höchstwahrscheinlich

nie wieder etwas hören.

Aufden Spuren Fridtjof Nansens

Das sollte sich als Irrtum erweisen.

Nach Jahren im Eis kam die Crew

samt Schiff zurück. Zwar ohne den

Nordpol erreicht zu haben, dafür aber

mit ganz neuen wissenschaftlichen

Erkenntnissen. „Nansen hat in seiner

spektakulären Expedition zum ersten

Mal gezeigt, dass es die Eisdrift tatsächlich

gibt“, sagt Markus Rex vom

Alfred-Wegener-Institut (AWI), dem

Helmholtz-Zentrum für Polar- und

Meeresforschung in Potsdam. Er und

seine Kollegen rüsten sich derzeit für

die größte Arktis-Expedition aller Zeiten.

Mosaic (Multidisciplinary drifting

Observatoryfor the Study of Arctic

Climate) heißt das Vorhaben, an

dem 600 Menschen aus 17 Ländern

teilnehmen. Gemeinsam wollen sie

neue Erkenntnisse über den Ozean

und das Eis, die Atmosphäreund das

Leben im bisher kaum erforschten

Herzen der Arktis gewinnen.

Am Freitag geht es los. Dann

sticht der AWI-Forschungseisbrecher

„Polarstern“ mit hundert Männern

und Frauen an Bord vom norwegischen

Tromsø aus in See. Zunächst

nimmt er Kurs auf das Meer

vor Sibirien, auf dem zu dieser Jahreszeit

nur eine dünne Eisdecke

schwimmt. „Dort suchen wir uns

eine stabile Scholle, ander wir das

Schiff festmachen können und mit

der wir dann festgefroren durch die

zentrale Arktis driften“, erklärtExpeditionsleiter

Markus Rex.

Den genauen Kurs werden die

Kräfte von Eis und Meer, Strömung

Die Teilnehmer: Unter Leitung

des Alfred-Wegener-Instituts,

des Helmholtz-Zentrums

für Polar- und Meeresforschung,inBremerhaven

und Potsdam beteiligen sich

Wissenschaftler,Techniker,

Logistiker und andere Fachleute

aus 17 Ländernander

Mosaic-Expedition.

und Wind bestimmen –nicht anders

als zu Nansens Zeiten vor126 Jahren.

Für den Norweger war das damals

ein unberechenbares Spiel, das ihn

immer wieder zwischen Hoffnung

und Enttäuschung hin und her katapultierte.Schließlich

wollte er unbedingt

zum Pol. Mitunter ging es aber

wochenlang nicht vorwärts.

Auch Markus Rex stellt sich auf

solche Situationen ein:„Es wirdauch

für uns eine ganz neue psychologische

Erfahrung sein, dass wir so

lange im Eis festsitzen.“ Es sei wichtig,

dass das Team inmitten von Eis,

Kälte und Polarnacht bei Stimmung

bleibe. Doch er ist sicher, dass das

kein großes Problem sein wird. Zumal

niemand ein ganzes Jahr an

Bord bleiben muss. Insgesamt fünfmal

werden die 100 Wissenschaftler,

Techniker und Crewmitglieder zwischendurch

ausgetauscht.

DieAblösung kommt mit einer internationalen

Flotte von Versorgungsfahrzeugen.Vier

Eisbrecher aus

Russland, China und Schweden werden

die Scholle mehrmals anlaufen,

um Treibstoff und Vorräte zu bringen.

Bis Mitte Februar dürfte das noch

möglich sein. Wenn das Eis anschließend

zu dick für die Schiffe wird, sollen

große Transportflugzeuge wie

russische Antonovs die Versorgung

übernehmen. Dafür wirddie Mosaic-

Crew mit Hilfe von großen Fräsen

DIE MOSAIC-EXPEDITION

Die Kosten vonmehr als

120 Millionen Euro trägt zu

90 Prozent das Bundesministerium

für Bildung und

Forschung,den Rest steuern

die internationalen Partner

bei. Die „Polarstern“ soll

350 Tage durchs Eis driften

und dabei etwa 2500 Kilometer

zurücklegen.

Die Etappen: Die „Polarstern“

wird etwa sieben Kilometer

pro Tagtreiben. 60 bis

90 Tage lang wird sie weniger

als 200 Kilometer vomNordpol

entfernt sein. Nach einem

Jahr soll das Schiff

dann die Framstraße zwischen

Grönland und Spitzbergen

erreichen.

Erprobt: Das Forschungsschiff „Polarstern“ im Weddellmeer in der Antarktis.

eine mindestens 1800 Meter lange

und 42 Meter breite Landebahn auf

dem Eisbauen.

Falls diese Flugzeuge wegen widriger

Bedingungen nicht landen

können, kommen stattdessen Langstrecken-Hubschrauber

zum Einsatz,

die in eigens angelegten Treibstoffdepots

auf entlegenen Inseln im

Polarmeer aufgetankt werden. Und

sollte auch das nicht klappen, hat die

Polarstern genügend Vorräte an

Bord, umbis Juni 2020 auch allein

durchzuhalten. Dann sollten die Eisbrecher

wieder fahren können.

Von solchen logistischen Möglichkeiten

konnten Fridtjof Nansen

und seine Männer nur träumen.

Doch auch sie waren sehr gut vorbereitet.

In seinem Reisebericht betont

der Norweger immer wieder,wie behaglich

das Leben auf der„Fram“ sei.

„Man höre nur das Menü unsers

heutigen Diners“, schrieb er am ersten

Weihnachtstag 1893. „Ochsenschwanzsuppe,

Fischpudding mit

Kartoffeln und geschmolzener Butter,

Rentierbraten mit Erbsen, französischen

Bohnen, Kartoffeln und

eingemachten Kronsbeeren, Moltebeeren

mit Sahne,Kuchen und Marzipan

…Ist das die richtige Art von

Diner für Leute, die sich gegen die

Schrecken der Polarnacht abhärten

sollen?“ Einige Monate später gab es

dann aber doch Grund zu klagen:

„Heute haben wir bei Tische die

letzte Flasche Ringnes-Bier getrunken“,

notierte der Expeditionsleiter

am 5. Februar 1894. „Trauertag.“

Solche Entbehrungen dürften der

Polarstern-Crew erspart bleiben. Sie

ist vor allem gespannt auf die Erlebnisse

im hohen Norden.„Wir werden

in Gebiete kommen, die jenseits unserer

Vorstellungskraft liegen“, sagt

Rex. „Denn bisher ist im Winter so

gut wie niemand dortgewesen.“

Diemeiste Zeit wirddie Polarstern

nördlich des 87. Breitengrades verbringen,

wo das Eis imWinter selbst

für Eisbrecher zu dick ist.Werdorthin

will, muss sich der Drift im Eisanvertrauen.

Das haben seit Nansens Zeiten

nur wenige Menschen getan. So

gab es mehrere kleine Forschungscamps,

indenen russische Wissenschaftler

die Polarnacht in einfachen

Hütten auf Eisschollen verbrachten.

Undvon 2006 bis 2008 ließ die achtköpfige

Besatzung das kleine französische

Forschungsschiff „Tara“ nördlich

des sibirischen Hafens Tiksi festfrieren,

um die Auswirkungen des Klimawandels

zu untersuchen.

Das nun geplante Unterfangen

aber hat ganz andere Dimensionen.

„Wir wiederholen Nansens Expedition

zum ersten Mal mit einem großen

und gut ausgerüsteten Forschungsschiff“,

sagt Rex. „Und wir

haben die beste Messtechnik dabei,

die die Welt heute zu bieten hat.“

Daten sammeln für Klimamodelle

All die Unterwasserfahrzeuge,Messtürme,

Wetterballons und sonstigen

Gerätschaften werden direkt auf

dem Eiszum Einsatz kommen. Rings

um die „Polarstern“ werden mehrere

Forschungscamps entstehen, in denen

Meteorologen und Klimaforscher,Meeresbiologen

und Eisexperten

den Geheimnissen der Arktis

nachspüren können. Weitere Daten

soll ein Netz von automatischen

Messstationen sammeln, die bis zu

50 Kilometer vomSchiff entfernt das

Wetter und die Wasserverhältnisse

beobachten werden. Vonall diesen

Bemühungen erhoffen sich die Forscher

ein ganz neues Bild davon, was

im Herzen der winterlichen Arktis

vorsich geht.

Das ist zum Beispiel wichtig, um

realistischere Modelle für das Klima

der Zukunft zu entwickeln – und

zwar nicht nur für das in der Arktis

selbst, die sich in den letzten Jahrzehnten

so schnell erwärmt hat wie

keine andere Region auf der Erde.

„DieVorgänge dortoben haben auch

einen entscheidenden Einfluss auf

die Klimaentwicklung in unseren

Breiten“, betont Rex. Umso wichtiger

sei es, die komplexen Wechselwirkungen

zwischen Atmosphäre,

Eisund Ozean vorOrt zu erforschen.

„Denn was in der Arktis passiert,

bleibt nicht in der Arktis.“

Ärzte fordern

Register zu

Fehlbildungen

Es soll bei der Analyse der

seltenen Fälle helfen

Nach einer Häufung von Handfehlbildungen

bei Neugeborenen

in einer Gelsenkirchener Klinik

gibt es Forderungen nach einem

bundesweiten Register. Der Berufsverband

der Kinder- und Jugendärzte

(BVKJ) verweist darauf, dass

Fehlbildungen bei Neugeborenen

sehr unterschiedliche Ursachen haben

können, und dass dazu eine sehr

sorgfältige Analyse erforderlich ist.

„Ein Register würde uns auf jeden

Fall weiterhelfen“, sagt der BVKJ-

Bundessprecher Hermann Josef

Kahl.

Auch die Chefärztin der Handchirurgie

des Katholischen Kinderkrankenhauses

Wilhelmstift Hamburg,

Wiebke Hülsemann, hält ein Register

für sinnvoll. „In Deutschland gibt es

keine Meldepflicht und kein Fehlbildungsregister.

Das ist aber Voraussetzung

für einen Vergleich, ob die

Fehlbildungen eventuell durch eine

Noxe –also Medikamente oder Umwelteinflüsse

–gehäuft neu entstanden

sind“, sagt sie. Man könne bisher

nur schätzen, dass etwa eins von

1000 Lebendgeborenen eine Handveränderung

aufweist. Diese reiche

von einem kleinen Ausmaß bis hin

zu einer schweren Fehlbildung.

Im Sankt-Marien-Hospital Buer

waren in einem Zeitraum von zwölf

Wochen drei Kinder mit fehlgebildeten

Händen geboren worden. „Das

mehrfache Auftreten jetzt mag auch

eine zufällige Häufung sein. Wir finden

jedoch den kurzen Zeitraum, in

dem wir jetzt diese drei Fälle sehen,

auffällig“, hatte die Klinik mitgeteilt.

Fehlbildungen dieser Art habe man

in der Klinik viele Jahre nicht gesehen.

DieKlinik hat nach eigenen Angaben

Kontakt mit Fachleuten der Berliner

Charité aufgenommen. „Aktuell

liegen keine ausreichenden Informationen

vor, um diesen Sachverhalt

qualifiziert beurteilen zu

können“, sagte eine Sprecherin der

Charité. Auf die Fälle in Gelsenkirchen

und weitere hatten Hebammenvertreterinnen

aufmerksam gemacht.

Das NRW-Gesundheitsministerium,

das alle Geburtskliniken

des bevölkerungsreichsten Bundeslandes

zu Fehlbildungen bei Säuglingen

abfragt, hofft Ende nächster

Woche auf Ergebnisse. (dpa)

Zweitwärmster

August seit fast

140 Jahren

Weltweit im Durchschnitt

16,52 Grad Celsius

D

er vergangene Monat ist nach

Messungen der US-Klimabehörde

NOAA der zweitwärmste August

seit Beginn der Aufzeichnungen

im Jahr 1880 gewesen. Die Durchschnittstemperatur

über Land- und

Ozeanflächen habe mit 16,52 Grad

Celsius um 0,92 Grad Celsius über

dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts

von15,6 Grad gelegen, teilte

die NOAA jetzt mit. Damit lag der August

2019 gleichauf mit den gleichen

Monaten der Jahre 2015 und 2017.

DenRekordals wärmster August hält

weiter der des Jahres 2016, der im

Durchschnitt noch einmal um 0,06

Grad Celsius wärmer war.

Besonders warm war es unter anderem

im nördlichen Kanada, in Teilen

der USA, Zentraleuropa sowieTeilen

Russlands und des südlichen Afrikas.InDeutschland

betrug die durchschnittliche

Temperatur im August 19

Grad Celsius.Das sind nach Angaben

des Deutschen Wetterdienstes 2,5

Grad mehr als die Durchschnittstemperatur

der Jahre1961 bis 1990. (dpa)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Sport

Ein Kaiserreich für das Ei

Am Freitag beginnt in Japan die Rugby-WM. Das Turnier gilt als Soundcheck für Olympia 2020, soll zudem zur kulturellen Öffnung des Landes beitragen

VonFelix Lill, Tokio

Es gebe riesige Erwartungen

an uns, sagte Jamie Joseph

Ende August in Tokio vor

der versammelten Presse

des Landes. Gerade hatte seine

Truppe den mäßig wichtigen Pacific

Nations Cupgewonnen. Demgebürtigen

Neuseeländer Joseph aber, der

seit drei Jahren die japanische Nationalmannschaft

betreut, machte das

Resultat Mut:„Bei derWM wollen wir

jetzt das Viertelfinale erreichen.“

Und was für die vergleichsweise

junge Rugbynation ein historischer

Erfolg wäre, schätzt der Trainer,wird

vom heimischen Publikum mittlerweile

fast erwartet. „Wir verstehen,

welche Verantwortung wir als Gastgeber

tragen“, sagte Joseph noch.

Dabei ist es eine Verantwortung

auf mehreren Ebenen. MitderWM im

Rugby steigt vom 20. September bis

zum 2. November eine der größten

Sportveranstaltungen der Welt. Der

Dachverband World Rugby versucht

das Turnier seit mehreren Jahren als

global drittgrößtes Event hinter den

Olympischen Spielen und der Fußball-WM

zu vermarkten. Unddadies

höchstens durch eine kreative Zählkombination

aus teilnehmenden

Ländern, verkauften Tickets und TV-

Zuschauern zutrifft, stehen die Veranstalter

gegenüber ihren Sponsoren

unter Druck. Die Rugby-WM, die

Werbung für ihren Sportmachen soll,

muss beeindruckende Momente liefern,

emotionale Geschichten und

packendenWettkampf.

Spiele fast ausverkauft

Dem Gastgeber kommt dabei eine

besondere Rolle zu. Einerseits wird

vonJapan ein reibungsloser Ablauf in

neuen Stadien erwartet, der Fans vor

Ortund am Bildschirmfür den Sport

begeistert. Für die Organisatoren ist

die WM auch ein Soundcheck für die

Olympischen Spiele 2020, die ein

knappes Dreivierteljahr später in Tokio

beginnen. Undbisher deutet alles

auf Spektakel hin: Fast alle der 1,8 Millionen

Stadiontickets für 48 Begegnungen

sind verkauft, in den 16 über

das Land verteilten Public-Viewing-

Zonen wird eine weitere Million Zuschauer

erwartet. An den Straßen

hängen schon seit letztem Jahr Plakate,die

das Turnier bewerben.

Rugby boomt in Japan. Zwar

wurde das rustikale Spiel schon um

die Wende zum 20. Jahrhundert an

Universitäten betrieben, als sich Japan

nach einer 250 Jahrelangen Isolationsperiode

gerade derWelt geöffnet

hatte. Aber große mediale Aufmerksamkeit

kam erst vor vier Jahren.

Bei der WM 2015 in England

In Japan wird in den nächsten sieben Wochen nicht nur in den Einkaufscenterndas Rugby-Fieber ausbrechen.

hatte der Underdog Japan, der in seinerWM-Historie

bis dato nur einmal

1991 gegen Simbabwe gewonnen

hatte, den Turniermitfavoriten Südafrika

mit 34:32 besiegt. Die Tageszeitung

Nikkei jubelte das Ergebnis

zu „einer der größten Überraschungen

der Geschichte“ herauf. Obwohl

Japan einige Tage später trotz zwei

weiterer Siege in der Gruppenphase

ausschied, überschlugen sich Erfolgsmeldungen.

Mit der Aussicht,

dass 2019 die WM ins eigene Land

kommen würde, wurde die Öffentlichkeit

hellhörig.

Zumal die „Brave Blossoms“, wie

sich die Nationalmannschaft nennt,

sogar als Symbol für ein modernes,

weltoffenes Japan herhalten können.

DasLand hat sich bisher als vorallem

homogene Gesellschaft begriffen, in

der alle gleich seien. Angesichts eines

Ausländeranteils vonkaum zwei Prozent

und strenger Immigrationspolitik

hat dies auch rassistische Vorurteile

manifestiert. Fremd aussehenden

Personen, die keine Touristen

sind, begegnet man häufig mit Interesse,aber

auch Skepsis.

Japans WM-Kader im Rugby wird

nicht nur von einem gebürtigen

Neuseeländer beaufsichtigt. Er zählt

Fukuoka

Kumamoto

Oita

100 km

BLZ/GALANTY

Kobe

Higashiosaka

Austragungsorte

der Rugby-WM

Toyota

Fukuroi

Pazifik

Sapporo

JAPAN

Kumagaya

Chofu

Yokohama

Hokkaido

Kamaishi

AFP/KAZUHIRO NOGI

unter den 31 Spielern auch 15,

die ausländische Elternteile

haben oder selbst im Ausland

geboren wurden. Führungsspieler

Ayumu Goromaru twitterte deshalb

schon nach dem Überraschungssieg

über Südafrika: „Diese

Spieler haben sich dafür entschieden,

für Japan zu spielen und nicht

für ein anderes Land. Sie sind die

besten Freunde, die wir haben.“ Mit

einiger Erwartung werden diese Athleten,

die Ursprünge in Tonga, Neuseeland,

Südafrika, Korea oder Australien

haben, derzeit tatsächlich

weitgehend als Freunde Japans gehandelt.

So trägt Rugbyzur kulturellen Öffnung

eines Landes bei: Es sind solche

Geschichten, die der Weltverband

World Rugbysucht, um im globalen

Wettrennen mit Fußball, Tennis

oder Cricket um Beliebtheit und

Sponsorengeldern mitzuhalten. Das

macht Japan zu einem Schlüsselland

im Sport. Wirklich beliebt ist Rugby

nämlich bisher, neben einigen Ausnahmen,

nur in den britisch geprägten

Ländern des Commonwealth.

Mit positiven Bildern aus Ostasien

soll nun ein ganzer Kontinent weiter

erschlossen werden. „Die erste

Rugby-WM in Asien wird Rekorde

brechen“, erwartet der World Rugby-

Vorsitzende Bill Beaumont. In Japans

Bevölkerung etwa wüssten laut

Umfragen schon drei Viertel der Bevölkerung,

also fast 100 Millionen

Menschen, über das Turnier Bescheid.

Es ist diese enorme Aufmerksamkeit

im Land, die dem Gastgeber

auch Einfluss über die Kultur des

Spiels an sich gibt, und damit einer

allzu weiten Öffnung Japans etwas

entgegenwirkt. Auf eine Weise fremdelt

die japanische Gesellschaft mit

diesem vermeintlich derben Sport

nämlich doch. Während Tätowierungen

weltweit unter Spielern und

Fans im Rugby fast schon die Norm

sind, gelten sie in Japan traditionell

als Kennzeichen der Yakuza, der japanischen

Mafia. Und weil so ein

Einblick japanische Zuschauer in

Unruhe versetzen könnte, hat der

Weltverband eingewilligt, sowohl die

Athleten als auch das Publikum dringend

darum zu bitten, sich ihreTattoos

abzukleben.

Sumo klagt über Nachwuchsmangel

Bei den rund 400 000 aus dem Ausland

anreisenden Zuschauern dürfte

die Sache für Irritationen sorgen.

Dem weiteren Wachstum des Sports

in Japan aber, dem Rugby-LeuchtturminAsien,wirdsie

wohl behilflich

sein. Das wiederum könnte anderen

DisziplinenimLand zu schaffen machen,

so etwa der Traditionssportart

Sumo. Seit Jahren klagen die Sumoställe,indenen

Athleten unter strenger

Leitung wohnen und trainieren, über

Nachwuchsmangel. Die Kinder von

heute,sobedauertman in der Szene,

finden Sumo eher altmodisch als

cool. Immer seltener wollen sie so

aussehen wie die wuchtigen, halbnackten

Ringer. Anden Wänden der

Kinderzimmer hängen immer häufiger

Poster von Fußballern und Baseballspielern.

Um sich in diesen zwei beliebtesten

Sportarten des Landes durchzusetzen,

fehlt kräftig gebauten Kindern

häufig die körperlichen Eigenschaften.

Rugby aber, in dem vor allem

schwer bepackte Athleten Erfolg haben,

wäre bei entsprechendem Training

eine neumodische Alternative.

Damit sich viele Kinder vom

Rugby-Sport angesprochen fühlen,

schätzt auch Nationaltrainer Jamie

Joseph, wäre eine Wiederholung des

japanischen Überraschungserfolgs

von 2015 hilfreich. Allerdings ging

die Generalprobe ordentlich schief.

Im letzten Vorbereitungsspiel trat Japan,

wohl mit der Sensation der letzten

WM im Hinterkopf, gegen Südafrika

an. Undverlormit 7:41.

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Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 19 *

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Sport

VomKüken

zur

Stammkraft

Ruben Schott überzeugt bei

der Volleyball-EM

VonAnnika Schultz

Ruben Schott, der 1,92 Meter

große Außenangreifer,ist bei den

Medienvertreternindiesen Tagen ein

gefragter Mann. In Belgien, Frankreich,

den Niederlanden und Slowenien

finden derzeit die Vorrundenspiele

der Europameisterschaft statt,

und Schott zählt zu den Leistungsträgern

inder Auswahl des deutschen

Volleyball-Verbandes. Schon bei der

0:3-Niederlage zum Auftakt gegen

Serbien war er einer der wenigen

Lichtblicke, beim 2:3 gegen Belgien

führte seine Einwechslung dazu, dass

Deutschland noch einmal zurück ins

Spiel fand. Undbeim Spiel gegen Österreich

überzeugte er im Besonderen

mit wirkungsvollen Aufschlägen.

„Ich versuche zu helfen, wo ich kann

und viel Energie ins Spiel zu bringen.

Bisher bin ich mit meiner Leistung

zufrieden“, sagt Schott.

Schon seit 2016 gehört er zum

Kreis der Nationalmannschaft und

war ein Jahr später Teil des Teams,das

die Silbermedaille bei der EM holte –

da fungierte er aber hauptsächlich als

Einwechselspieler.Auch weil mit Moritz

Karlitzek, Denis Kaliberda und

Moritz Reichert drei seiner Konkurrenten

verletzungsbedingt noch

nicht in Topformsind, könnte das bei

der diesjährigen Ausgabe anders werden.

Zuletzt schenkte Bundestrainer

Andrea Giani dem 25-Jährigen das

Vertrauen, das er zurückzahlte.

Nach dem Sieg gegen Österreich

rangieren die deutschen Volleyballer

in der Gruppe Bauf dem vierten Platz,

der zum Weiterkommen berechtigen

würde.Gegen die Außenseiter aus der

Slowakei

(Mittwoch/17.30

Uhr/Sport1+) und Spanien (Donnerstag/17.30

Uhr/Sport1+) sollen

zwei weitere Siege folgen, um Selbstvertrauen

für die K.-o.-Runde zu tanken,

wie Schott sagt.

Wichtiger Faktor im deutschen Spiel:

Ruben Schott.

IMAGO IMAGES/CONNY KURTH

Seine Entwicklung zum Leistungsträger

ist nur konsequent. Über die

Ausbildungsvereine VC Olympia Berlin

und CV Mitteldeutschland avancierte

der Berliner in seiner Zeit bei

den Volleys zum Stammspieler. 2017

verabschiedete sich Schott aus seiner

Heimatstadt, wagte den Schritt ins

Ausland. „Ich komme aus Berlin, bin

da aufgewachsen“, erzählt er am Telefon,

„da war es für mich persönlich

wichtig, mal weg von zuhause, von

meiner Familie und meinen Freunden

zu kommen, und ganz auf sich alleine

gestellt zu sein.“

Sportlich lief es bei seiner ersten

Auslandsstation in Mailand noch

durchwachsen, Schott erhielt nur wenig

Einsatzzeiten. Er wechselte an die

Ostsee, zuTrefl Gdansk. Beim polnischen

Champions-League-Vertreter

spielte Schott fast ausschließlich

durch. „Das hat mir Selbstvertrauen

gegeben“, sagt er, „in Berlin war ich

immer das Küken und konnte befreit

aufspielen. In Danzig wird mehr erwartet,

da ist der Druck größer.“

Druck, den er gerne annimmt: „Ich

möchte die letzte Saison noch einmal

bestätigen und konstant auf einem

guten Niveau spielen. Damit auch andere

Vereine wissen, was sie an mir

haben könnten.“ Es wäreder nächste

Schritt auf der Karriereleiter.

Eine besondere Pointe

Plötzlich hat der kritisch beäugte Jérôme Boateng beim FC Bayern die Chance zur Rehabilitierung

VonMaik Rosner,München

Zubehaupten, Jérôme Boateng

friste seit einiger Zeit

ein unauffälliges Dasein

beim FC Bayern, wäre

Wahrheit undVerfälschung zugleich.

Sportlich stimmt es ja durchaus,dass

der Innenverteidiger in den vergangenen

Monaten eher nicht für Aufsehen

gesorgt hat, was schon allein

daran lag, dass er von Trainer Niko

Kovac kaum Gelegenheit dazu bekam.

Dennoch zogBoateng viel Aufmerksamkeit

auf sich, allerdings vor

allem mit Lifestyle-Aktivitäten, die

den Nachteil hatten, dass sie seinen

sportlichen Stellenwert weiter minderten,

jedenfalls aus Sicht der Entscheider.

„Dem würde ich empfehlen,

den Verein zu verlassen. Ich

glaube,erbraucht eine neue Herausforderung“,

rief ihm Präsident Uli

Hoeneß trotz des Vertrages bis 2021

auf der Double-Feier im Mai nach,

„im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper.

Als Freund würde ich ihm

empfehlen, sich einen neuen Verein

zu suchen.“ Das muss man erst einmal

hinbekommen: Keine Rolle

mehr zu spielen und trotzdem in aller

Munde zu sein. EinWechsel kam

jedoch nicht zustande,auch nicht zu

Juventus Turin, das kurz vor Transferschluss

Interesse anmeldete, dieses

aber rasch zurückzog.

An diesem Mittwochabend startet

der FC Bayern gegen das international

eher zweitklassige Roter Stern

Belgrad in die neue Saison der

Champions League, und eine der

spannenden Fragen zum Auftakt ist,

wie sehr das Schicksal des unauffällig

auffälligen Boateng dabei mit

dem des Trainers verknüpft sein

wird. Das Aus im Achtelfinale der

Vorsaison gegen den späteren Titelgewinner

FC Liverpool haben sie in

München ja noch immer nicht ganz

verwunden. Vor allem wegen des

Rückspiels (1:3), nach dem Kovac

eine zu mutlose Taktik vorgeworfen

worden war. Besonders von Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge,

verbunden mit seinem Auftrag,

in dieser Saison „die ein oder

andereRunde mehr“ zu erreichen.

Mit Boateng hatte das zuletzt

frühe Aus nichts zu tun, er saß im

März90Minuten auf der Bank. Zum

0:0 im Hinspiel war er wegen eines

Magen-Darm-Infekts gar nicht mitgereist.

Das machte aber nur insofern

einen Unterschied, dass er sich

auf seine Laufwege zwischen Bett

oder Sofa und Toilette in München

konzentrieren musste,statt in einem

Darf auf einen Einsatz in der Champions League hoffen: Jérôme Boateng. GETTY /HASSENSTEIN

„Ich möchte noch einmal meine Klasse

nachweisen nach den Enttäuschungen

dieser Saison und zeigen, dass ich zu den

drei Top-Innenverteidigern

der Welt gehöre.“

Jérôme Boateng hatte sich schon im Mai dieses Jahres ein ambitioniertes Ziel gesetzt.

So attraktiv wie gefährlich

Liverpooler Hotelzimmer oder gar

zwischen Bank und Stadion-WC.

Nun könnte es allerdings gut sein,

dass es wieder um seine Laufwege

auf dem Platz geht. Wiebeim 1:1 am

Sonnabend bei RB Leipzig, als Boateng

kurzfristig in die Startelf gerutscht

war, weil sich David Alaba

beim Aufwärmen einen Muskelfaserriss

in den Adduktoren zugezogen

hatte.

Es gilt nun als mögliche Variante,

dass der Weltmeister von2014 gegen

Belgrad wie in Leipzig neben Niklas

Süle verteidigt und Lucas Hernández

erneut Alabas Part übernimmt, auf

der der Franzose „Weltmeister geworden

ist“, wie Kovac am Dienstag

erinnerte. Denkbar ist auch, dass

Benjamin Pavard von hinten rechts

nach innen einrückt. In diesem Fall

hätte Boateng das Nachsehen, trotz

seiner starken Spieleröffnungen und

insgesamt souveränen 90 Minuten

in Leipzig. Als „sehr gut, top und

klasse“ stufte Kovac Boatengs Auftritt

ein und kündigte an: „Er wird

weiterhin seine Möglichkeiten bekommen.“

Für den Marktpositionieren

Alabas Verletzung ist demnach eine

Chance für den kritisch Beäugten, in

den kommenden Wochen und auch

am 1. Oktober im zweiten Gruppenspiel

bei Tottenham Hotspur auf der

größten Bühne des Vereinsfußballs

auf sich aufmerksam zu machen und

sich damit womöglich auch für den

Transfermarkt im Winter zu positionieren.

Vorallem das Spiel beim Vorjahresfinalisten

könnte schon ein

bisschen über die Zukunft des ebenfalls

kritisch beäugten Kovac mitentscheiden.

Ohne ein besseres Abschneiden

in der Champions League

als in seinem ersten Amtsjahr wären

seine Tage in München wohl gezählt,

und mit einer Niederlage in London

geriete bereits der angestrebte Gruppensieg

und damit die wohl bessere

Ausgangslage fürs Achtelfinale in

Gefahr.

Setzt Kovac nun vorerst verstärkt

auf Boateng, könnte sein Schicksal

also durchaus eng mit dem des 31-

Jährigen verknüpft sein. Das wäre

eine besondere Pointe eines Jahres,

das für Boateng neben der Ausbootung

aus der Nationalmannschaft

und aus der Stammelf beim FC Bayern

auch eine Anklage wegen des

Verdachts der gefährlichen Körperverletzung

an seiner ehemaligen Lebensgefährtin

bereithielt. Positive

sportliche Schlagzeilen kämen ihm

da gelegen –und damit auch Kovac.

Warum Bayer Leverkusen schon zum Auftakt der Champions League enorm unter Druck steht

Das vermeintlich leichteste

Gruppenspiel zum Auftakt

bringt Bayer Leverkusen in der

Champions League gefühlt schon in

eine Alles-oder-Nichts-Situation. Im

Falle eines Sieges am Mittwoch (21

Uhr/DAZN) gegen den russischen

Pokalsieger Lokomotive Moskau

könnte der Fußball-Bundesligist

selbstbewusst in die folgenden Auswärtsspiele

bei den Favoriten Juventus

Turin (1. Oktober) und Atlético

Madrid (22. Oktober) fahren. Im

Falle einer Niederlage wäre der

Traum vom Weiterkommen fast

schon beendet.

Gute Bilanz

Das Ziel ist trotz der schweren

Gruppe mit Atlético als Nummer

zwei der Uefa-Rangliste und Juve als

Nummer fünf klar für die an Position

27 notierten Leverkusener. „Das ist

eine hochattraktive, aber natürlich

auch extrem schwereGruppe“, sagte

Sportchef Rudi Völler:„Aber wir werden

alles geben, um das Achtelfinale

zu erreichen.“ Dasschaffte der Finalist

von 2002 bei acht Teilnahmen

bisher immerhin sieben Mal.

Leverkusen-Trainer Bosz musste die Dortmund-Niederlage verarbeiten.

Das Spiel gegen die Nummer 40

der Rangliste um den früheren Weltmeister

Benedikt Höwedes siehtVöller

als „Möglichkeit, schnell in die

Spur zu finden“. Sportdirektor Simon

Rolfes betonte: „Wir müssen

versuchen, mit einem Sieg in die

Gruppenphase zu starten.“ Zumal

der Vergleich zwischen Leverkusen

und Moskau am Ende zumindest

über das Überwinterninder Europa

BONGARTS

League entscheiden könnte, falls

sich der Finalist von2017 (Juve) und

der von2014 und 2016 (Atlético) tatsächlich

als zu starkerweisen sollten.

Für den ehemaligen Schalker Höwedes,

der trotz einer im Spiel gegen

Sotschi erlittenen Platzwunde unbedingt

spielen will, ist es jedenfalls das

Duell der „krassen Außenseiter“.

Leverkusen will den Tabellen-

Fünften der russischen Liga nicht

auf die leichte Schulter nehmen.„Du

darfst Moskau nicht unterschätzen“,

mahnte Rolfes. Zumal das 0:4 am

Sonnabend bei Borussia Dortmund

nicht gerade das eigene Selbstbewusstsein

gestärkt hat. „Wir waren

am Ende keine Mannschaft mehr“,

hatte Trainer Peter Bosz später kritisch

analysiert. UndTorhüter Lukas

Hradecky erklärte gar: „Wenn es

noch zehn Minuten länger gegangen

wäre, wäreesauch noch 5:0 oder 6:0

ausgegangen.“

Deutliche Worte

Auch Kapitän Lars Bender und sein

Zwillings-Bruder Sven fanden nach

dem Spiel intern schon mal deutliche

Worte, schauen nun aber schon

wieder nach vorne. „Mein Bruder

und ich sind so aufgewachsen, uns

gegenseitig auch mal verbal die

Schnauze einzuhauen. Das ist aber

fünf Minuten später auch vergessen“,

sagte Lars. Und Sven freut sich

gar, den Frust nicht bis zum Wochenende

rumtragen zu müssen:

„Das Schöne an Englischen Wochen

ist, dass man schnell etwas korrigierenkann.“

(dpa)

NACHRICHTEN

29 russische Sportler

starten in Doha

LEICHTATHLETIK. Russland wird

bei den Leichtathletik- Weltmeisterschaften

in Katar mit 29 Athleten unter

neutraler Flagge antreten. Der

wegen Dopingvorwürfen gesperrte

russische Verband RUSAF veröffentlichte

am Dienstag in Moskau eine

Liste mit den Sportlern. Siedürfen

bei den am 27. September in der

Hauptstadt Doha beginnenden

Wettkämpfen dabei sein.

Tour-Sieger Bernal fährt

nicht bei Weltmeisterschaft

RAD.DieWeltmeisterschaft inYorkshirefindet

überraschend ohne Tourde-France-Sieger

Egan Bernal statt.

Wieder kolumbianische Radsport-

Verband am Dienstag mitteilte,habe

der Profi vomTeam Ineos die Nominierung

abgelehnt. Eine Begründung

für die Absage teilte derVerband nicht

mit. Der22-Jährige wirdimkolumbianischen

Aufgebot durch Carlos

Bentancur (Movistar) ersetzt. DieTitelkämpfe

in Großbritannien finden

vom22. bis 29. September statt.

Miriam Neureuther beendet

Leistungssport-Karriere

WINTERSPORT. Dieehemalige Langläuferin

und Biathletin Miriam Neureuther

hat ihreKarriereimLeistungssportbeendet.„Ich

glaube,dass

sich das Thema bei mir definitiv erledigt

hat“, sagte sie am Dienstag in

München. Die29-Jährige,die vorihrerHochzeit

mit dem langjährigen

Skirennfahrer Felix Neureuther Gössner

hieß, erwartet ihr zweites Kind

und will sich auf die Familie konzentrieren.„Ich

habe gemerkt, dass es für

mich wichtigereDinge gibt“, sagte die

frühereBiathlon-Weltmeisterin bei

derVorstellung eines Kinderbuchs

über gesunde Ernährung, das sie mit

ihrem Mann geschrieben hatte.

ZAHLEN

Fußball

Champions League, 1. Spieltag

Gruppe E

SSC Neapel -FCLiverpool 2:0 (0:0)

RB Salzburg -KRC Genk 6:2 (5:1)

Gruppe F

Inter Mailand -Slavia Prag 1:1 (0:0)

Borussia Dortmund -FCBarcelona 0:0

Gruppe G

Olympique Lyon -Zenit St. Petersburg 1:1 (0:1)

Benfica Lissabon -RBLeipzig 1:2 (0:0)

Gruppe H

FC Chelsea -FCValencia 0:1 (0:0)

Ajax Amsterdam -OSC Lille 3:0 (1:0)

Gruppe A

FC Brügge-GalatasarayIstanbul Mi., 18.55

Paris St. Germain -Real Madrid Mi., 21.00

Gruppe B

Olympiakos Piräus -Tottenham Hotspur Mi., 18.55

Bayern München -Roter SternBelgrad Mi., 21.00

Gruppe C

Dinamo Zagreb -Atalanta Bergamo Mi., 21.00

Schachtjor Donezk -Manchester City Mi., 21.00

Gruppe D

BayerLeverkusen -Lok. Moskau Mi., 21.00

Atlético Madrid -Juventus Turin Mi., 21.00

Zweite Liga, 6. Spieltag

FC St. Pauli -Hamburger SV 2:0 (1:0)

1. VfB Stuttgart 6 11: 7 14

2. Hamburger SV 6 13: 5 13

3. Arminia Bielefeld 6 14: 8 12

4. SpVgg Fürth 6 9: 7 11

5. ErzgebirgeAue 6 8: 6 11

6. SV Sandhausen 6 7: 5 10

7. VfL Osnabrück 6 3: 5 9

8. Karlsruher SC 6 10:12 9

9. 1. FC Heidenheim 6 11: 9 8

10. FC St. Pauli 6 10:10 8

11. 1. FC Nürnberg 6 9:12 8

12. Jahn Regensburg 6 12:9 7

13. Dynamo Dresden 6 9:11 6

14. Darmstadt 98 6 6: 9 6

15. Hannover96 6 6: 9 5

16. Holstein Kiel 6 5:10 5

17. VfL Bochum 6 10:14 3

18. SV Wehen Wiesbaden 6 7:18 1


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 – S eite 20 *

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Sport

Neymar

Der sich selbst

im Wegsteht

Der Weisheit letzter Schuss

Von

terStegen

entschärft

Matti Lieske

bedauert, dass Neymar gegenReal

nicht spielen wird.

Eigentlich läuft momentan alles

ziemlich gut für Neymar. Abgesehen

davon natürlich, dass er immer

noch in Paris lebt. Manche sagen, es

gibt Schlimmeres. Bei seinem Comeback

in der brasilianischen Nationalmannschaft

schoss er gleich ein Tor,

ebenso bei seinem Comeback im

Team vonParis St.Germain. Einwunderschönes

dazu, Fallrückzieher in der

Nachspielzeit zum 1:0 gegen Straßburg.

Um ein Haar hätten die Fans

dem 27-Jährigen in diesem Moment

sogar verziehen, dass er im Sommer so

emsig einen Wechsel zum FC Barcelona

betrieben hatte,aber das mit der

Vergebung wirdwohl noch dauern. Jedes

Spiel im Prinzenpark sei nun wie

ein Auswärtsspiel für ihn, ahnt Neymar,

der mit wütenden Buhrufen begleitet

wurde.Das Gerede,Brasilien sei

ohne ihn besser dran, ist jedoch verstummt,

in Paris hatte Ähnliches ohnehin

keiner zu äußern gewagt, nach

51 Torenin58Spielen.

Zu guter Letzt verkürzte gestern

auch noch der Internationale Sportgerichtshof

Neymars Champions-

League-Sperre von drei auf zwei

Spiele. Die Strafe hatte er sich eingehandelt,

weil er nach dem Achtelfinal-

Aus gegen Manchester United durch

einen späten Handelfmeter die

Schiedsrichter via Social Media

schmähte. Mitgespielt hatte er wegen

Verletzung nicht, und mitspielen wird

er auch heute gegen Real Madrid wegen

der Sperreleider nicht. Einechter

Knüller zum Auftakt, wie ihn sich die

Uefa und die großen Klubs wünschen,

wäre danicht der moderate Wettbewerbscharakter.Anders

als imVorjahr,

als PSG mit Liverpool und Neapel heftig

um das Weiterkommen kämpfen

musste,wirddiesmal vonBrügge und

Galatasaray Istanbul wenig Ärger für

die beiden Gruppenfavoriten erwartet,

was trotz des Prestige-Potenzials

für eine entspannte Herangehensweise

spricht. Die echten Thriller gibt

es dann ab Februar.

Durchaus möglich, dass Neymar

dann tatsächlich weg ist. PSG-Sportchef

Leonardo will das nicht ausschließen,

bittet aber, ein bisschen spät,

darum, doch keine „mexikanische Telenovela“

aus der Sache zu machen.

Neymar habe sich vorbildlich verhalten,

pünktlich und fleißig, seit sein Abschied

scheiterte,lobt Leonardo.Sollte

er bis Saisonende bleiben, sind die

Chancen auf den ersehnten Champions-League-Gewinn

jedenfalls

deutlich gestiegen. Nunmuss ihnTrainer

Thomas Tuchel nur noch möglichst

bald in einem Gruppenspiel einsetzen.

Dann wäreNeymar bei einem

Transfer imWinter in der Königsklasse

nicht mehr spielberechtigt und

könnte die Pariser wenigstens nicht in

bewährter Manier mit dem FC Barcelona

rauswerfen. So wie im März2017

beim 6:1 im Camp Nou, bis heute erklärtermaßen

sein schönstes Erlebnis

als Fußballer.

Nur noch Auswärtsspiele:

Neymar.

AFP/BUREAU

Ein klares Ja zu

Covic, aber …

VonMichael Jahn

Diese Hertha-Mannschaft

treibt mich noch in die

Arme eines Kardiologen.

Warum? Ganz einfach:

Wenn man Spiele im Liveticker verfolgt,

so wie ich es zuletzt beim Duell

in Mainz getan habe, durchlebt man

viele emotionale Phasen, die ans Herz

gehen. Es begann mit „maßloser Enttäuschung“

nach der Mainzer Führung,

über „innerlichen Jubel“, als

Marko Grujic der Ausgleich gelang,

bis hin zu „Frust und Wut“ wegen der

späten Niederlage beim 1:2. Es folgten

schlechte Laune

und ein Dejà-vu.

Freunde, die Hertha

eher mit viel Distanz

betrachten, konfrontierten

mich mit einem

alten, längst vergessenen

Spruch: „Willst Du

Hertha oben sehen,

musst Du die Tabelle

drehen!“

Zuletzt traf dieser

hämische Slogan auf

„Manager

Preetz wirder

nicht

blauäugig

sein und die

Lage etwa

unterschätzen.“

die Abstiegssaison

2009/10 zu, als Hertha

am 6. Spieltag ganz unten

gelandet war und

Tabellenplatz 18 bis

zum 34. Spieltag nicht

mehr loswurde. Und

nun? In den sozialen

Netzwerken, wo vorallem

über den Trainer diskutiert wird,

gehen die Meinungen weit auseinander.

„Ganz schnell Covic von seinen

Aufgaben entbinden“, schreibt ein

User, ein anderer meint: „Lasst den

Trainer in Ruhe arbeiten. Er ist doch

die ärmste Sau!“

Fakt ist, die sehr hohe Erwartungshaltung

vor dieser Saison auf der einen

Seite und ein in der Bundesliga

noch unerfahrener Trainer auf der

anderen Seite passten bislang noch

nicht recht zusammen. Nachdem

Manager Michael Preetz dank des

neuen Investors insgesamt die Rekordsumme

von 33,7 Millionen Euro

für neue Spieler ausgeben durfte,

träumten viele schon vonder Europa

League und glanzvollen Zeiten.

Bleibt die Frage: Weiter mit Ante

Covic? Ichsage Ja!Der Bundesliganovizehatte

ja den Auftrag erhalten, vor

allem attraktiven Fußball spielen zu

lassen. Und das ist ein Prozess, der

Zeit erfordert. Allerdings halte ich die

Situation dennoch für gefährlich.

Nach zwei Abstiegen seit 2010 sollte

man bei Hertha wissen, dass es in dieser

Bundesliga, wo jeder jeden schlagen

kann, äußerst schwer ist, aus der

Abstiegszone herauszukommen. Die

Spieler sind nun zuvorderst gefragt,

endlich ihr sicher großes Potenzial

abzurufen, denn einen Trainer zu

wechseln, ist immer ein sehr schwerwiegender

Schritt.

Ich selbst habe in meiner Zeit als

Reporter seit 1989/90

bei Hertha BSC 22 Trainer

erlebt. Nur zwei

durften dabei die

Mannschaft über einen

längeren Zeitraum

führen. Das waren Jürgen

Röber und PalDardai.

Beide prägten jeweils

eine Ära. Lucien

Favre hob das Team

wenigstens zwei Jahre

auf eine qualitativ höhere

Stufe, ehe er

scheiterte.HansMeyer

war einst der perfekte

Retter in einer äußerst

prekären Situation.

AndereTrainerwechsel

brachten keinen nachhaltigen

Effekt. Und

der Verschleiß von jeweils

gleich vier Fußballlehrern in

den Spielzeiten 1990/91 und 2011/12

endete mit dem Abstieg.

Preetz und dieVereinsführung stehen

voll hinter demTrainerCovic.Der

Manager hatte sich im Mainachdem

Ausloten anderer Optionen, also der

eventuellenVerpflichtung eines möglichst

renommierten Trainers vonaußen,

für die interne Lösung mit Covic

entschieden. Dazu steht er nun fest,

was gut zu verstehen ist. Dennoch

wird ernicht blauäugig sein und die

Lage etwa unterschätzen.

Die Fans pendeln zwischen Frust

und Hoffnung, Häme und Ironie.Ein

Anhänger wandelte einen offiziellen

Slogan der Hertha originell ab und

twitterte: „In Berlin kannst Du alles

sein –auch Tabellenletzter!“ Mein Zusatz:

Bittenicht zu lange!

Ein klares Nein

zum VAR

VonAndreas Baingo

Lange habe ich gebraucht,

um das Kürzel VAR schon

beim ersten Mal richtig zu

deuten. Es ist mir seit Kindertagen

geläufig, genau seit den

Olympischen Sommerspielen 1964 in

Tokio. Als nämlich die Fußballer, die

in der damals gesamtdeutschen

Mannschaft aus der DDR-Oberliga

kamen (sie hatten sich in der innerdeutschen

Qualifikation gegen die

West-Amateuredurchgesetzt), mit einem

3:1 im Spiel um Platz 3Bronze

gewannen, hieß der Gegner VAR. Obwohl

es das kleine Finale

gegen Ägypten

war,musste ich lernen,

wie der offizielle Name

war: Vereinigte Arabische

Republik, die VAR

eben undsomit –weiblich!

Leicht zu verstehen

war das für mich als

Achtklässler nicht.

Nicht nur deshalb

tue ich mich schwer,

dieses Kürzel auch

beim zweiten Mal nah

an mich ranzulassen

und dem VAR, diesmal

Zwei Berliner Teams in der

Bundesliga, zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und

Andreas Baingogeben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Michael Jahn für Hertha BSC, seine Hertha,

die er seit mehr als zwei Jahrzehnten

als Reporter begleitet.

Und Andreas Baingofür den 1. FC Union,

seine Eisernen, für die er selbst früher am Ball war.

Vordem fünften Spieltag geht es um eine frühe

Trainerdiskussion und den Ärger mit dem VAR.

„Womöglich

gehört

die ganze

Chose

sogar

zurück

in die

Mottenkiste.“

GETTY

männlich, weil Video

Assistant Referee,Gutes

abzugewinnen. Na ja,

als jemand, dem der 1.

FC Union nicht ganz

schnuppe ist, hat dieser neue VARin

meinem Leben seit dem 27. Maidieses

Jahres einen gut. Als er gleich zu Beginn

des Relegationsrückspiels gegen

Stuttgart, als der Ball bei einem VfB-

Freistoß in den Union-Kasten geflogen

war,den Finger hob und meldete:

Abseits und damit keinTor! Da war mir

der VARsympathisch. Um ehrlich zu

sein, zum einzigen Mal.

Wie das so ist mit Sympathien, sie

können flüchtig sein. Manchmal geht

das sogar ziemlich flott. Vorallem an

solchen Tagen wie beim 1:2 gegen

Werder Bremen. Weil sich dieser VAR

in Dinge einmischt, die ihn, wie der

Dreier von Rafal Gikiewicz, Davy

Klaassen und Christopher Lenz, der

zum ersten Elfmeter für Werder geführt

hat, nichts angehen und er die

ganzeSache mit seinem Dazwischenfunken

nur unnötig verkompliziert.

Wo nichts ist, da ist nichts.Punkt.Oder

sollteVARindiesem Fall heißen:VeralbertAlle

Richtig!?

Nur gut, dass sie es beim 1.FC

Union sportlich nehmen, die Fehler in

erster Linie bei sich selbst suchen und

die am Sonnabend in Leverkusen

schon nicht mehr machen wollen.

Natürlich ist heute alles professioneller

und auch gestylter. Auch weil

viel mehr Geld eine Rolle spielt und

Entscheidungen in manchen Fällen

über viele Millionen Euro den Daumen

senken oder heben. Wohl deshalb

urteilen die Unparteiischen inzwischen

nahezu in

Mannschaftsstärke

über dies und das, solches

und jenes. Was

bringt’s? Zu oft eben

eklatante Fehler wie in

derAlten Försterei. Nur,

und dabeißt sich die

Katze inden Schwanz:

Um Fehler zu machen,

braucht es keiner Hilfe

ausirgendeinem Keller.

Diefabriziertman ganz

gut auch ohne fremdes

Zutun. Dann knöpft

man sich denjenigen

malkurzvor undgut ist.

Aber wie nur will man

dem Mann im Untergrund

an die Brosche

schweben?

Wasist die Lösung?

Oder wiekönnte sie wenigstens aussehen?

Vielleicht so: Nurmelden, wenn

man sich seiner Sache tatsächlich sicher

ist. Den Schiri nur dann anpiepen,

wenn, wie so oft schon passiert,

alle im Stadionesgesehen haben, nur

einer nicht.

Womöglichgehörtdie ganzeChose

sogar zurück in die Mottenkiste. Die

VAR, wie ich sie einst kennengelernt

habe, also das Zusammengehen von

Ägypten und Syrien,hatte kein langes

Leben. Sie löste sich 1961 nach nur

drei Jahren auf und bestand bis 1972

lediglich der Formhalber.DerVAR, wie

er zuletzt in Köpenick für Stirnrunzeln,

Kopfschütteln, Unverständnis und

blankes Entsetzen gesorgt hat, sollte

besser auch nicht lange bestehen. Er

verdient, das ist bei groben Vergehen

nunmal so,die Rote Karte.

BVB muss sich gegen Barça

mit einem 0:0 begnügen

Der deutsche Nationalkeeper

Marc-André ter Stegen hat Borussia

Dortmund um einen Coup gegen

den FC Barcelona gebracht. Zum

Start in die Champions League

musste sich der Bundesliga-Zweite

am Dienstag gegen den spanischen

Meister um den eingewechselten

Lionel Messi trotz starker Leistung

mit einem 0:0 begnügen. Vor69099

Zuschauern im ausverkauften Borussen-Park

vergab BVB-Kapitän

Marco Reus die größte Chance auf

den Siegtreffer, als er mit einem

Foulelfmeter an ter Stegen scheiterte

(57. Minute).

Und nicht nur das: Ter Stegen

brachte den in der zweiten Halbzeit

furios aufspielenden BVB mit zahlreichen

starken Paraden um den

Lohn für eine couragierte Leistung.

Der 27Jahre alte Keeper rettete ein

ums andereMal gegen die starke Borussia,

die sich einen Sieg verdient

hätte. Mit einem Erfolg am 2. Oktober

bei Slavia Prag könnte der BVB

seine Ausgangslage inder schweren

Gruppe Fnun deutlich verbessern.

Der tschechische Meister erkämpfte

sich zuvor ein 1:1 bei Inter Mailand.

Ein Offensivspektakel erlebten

die Zuschauer zunächst nicht. Beide

Mannschaften scheuten aus Respekt

voreinander das Risiko.Die Borussia

hatte Mitte der erste Halbzeit allerdings

die bis dahin beste Chance der

Partie. Nach Pass von Thorgan Hazardtauchte

Reus vorter Stegen auf,

scheiterte aber.

DieChance war für die Gastgeber

offenbar ein Mutmacher. Im Spiel

nach vorn lief der Ball bei den

Schwarzgelben wieder flüssiger, der

BVB entwickelte in dieser Phase

mehr Torgefahr als der spanische

Meister. Zudem stand die BVB-Defensive

um Mats Hummels sicher

und trat sehr diszipliniertauf.

Nach Balleroberung von Reus

vergab Jadon Sancho aus aussichtsreicher

Position die nächste gute

Chance (40.). Der BVB drängte nun

auf die Führung, Hummels köpfte

nach einem Freistoß von Raphael

Guerreiro amTor vorbei (54.). Die

Riesen-Chance vergab dann Reus.

Nationalkeeper ter Stegen hielt seinen

Foulelfmeter, nachdem Nelson

Semedo im Strafraum Sancho auf

den Fußgetreten war (57.).

Barça-Trainer Ernesto Valverde

brachte nach einer Stunde Messi für

den diesmal blassen 16 Jahre alten

Ansu Fati, der als bislang jüngster

Barça-Profi sein Champions-

League-Debüt gab.Dochauch gegen

Messi spielte in der hochklassigen

zweiten Hälfte vorallem der BVB. Ein

Schuss von Reus wurde abgefälscht

(64.), Paco Alcácer brachte den Ball

wenige Minuten später aus kurzer

Distanz nicht auf das Tor. Und der

eingewechselte Julian Brandt setzte

einen fulminanten Schuss nur an die

Latte (77.), auch die Schlussoffensive

des BVBverpuffte auch dank ter Stegen

wirkungslos.

Einmal mehr überragend: Barcelonas

Marc André ter Stegen.

DPA/BECKER


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Peter Uehling leitet

durch die Klassikkonzerte

dieser Woche

Seiten 24 und 25

„Bei Relotius wurde es nie grau.“

Juan Moreno im Gespräch über seine Geschichte der Aufdeckung des Fälschungsskandals beim Magazin Der Spiegel. Seite 22

Haus der Statistik

Mit Bienen

träumen

Ingeborg Ruthe spürtim

Statista-Areal plötzlich den

Aufbruchgeist der Neunziger

ImInnenhof türmen sich Schuttberge

– daneben suggeriert eine

alte Autoscooter-Rampe einen lustigen

Rummelplatz, derweil Bauarbeiter

mit der Entkernung der trostlosen

Ruine am Alex begonnen haben.

Endlich passiert was, weht der

Wind eines neuen Anfangs durchs

Geister-Haus mit DDR-Geschichte

an der Karl-Marx-Allee. Erinnerungen

an die frühen 90er-Jahrewerden

wach, als noch alles möglich schien,

die Claims noch nicht abgesteckt,

Berlins Tafelsilber noch nicht versetzt

war. Die rotweiß flatternden

Absperrbänder vor den leeren Fensterhöhlen

besagen, dass in den Etagen

keiner mehr herumkletterndarf.

Werwissen will, was hier losgeht,

informiertsich am Eingang: DieAusstellung

„Statista“, gestaltet von

hochmotivierten Stadt-Aktivisten,

offeriert Zukunft. Das solange entseelte

Haus auf einem 46 000-Quadratmeter-Gelände,

einst DDR-Amt

für Statistik, soll nach einem Vierteljahrhundert

neues Leben eingehaucht

bekommen: Kulturleben,

Kunstleben, Familienleben, ein kreatives,soziales

Miteinander.

Und als bräuchte dieses hehre

Ziel, das die Grundlagen der kapitalistischen

Marktwirtschaft erschüttert,

ausgerechnet in Mitte, diesem

Groß-Tatort der Gentrifizierung,

eine starke Symbolik, haben Künstler

in einem Zwischenbau Bienenstöcke

angesiedelt: Das soziale Leben

der zu rettenden Bienen als

grüne Metapher.Viel wird jetzt über

das „Statista“-Projekt geredet und

geschrieben. Und seit der Berlin Art

Week vor einigen Tagen, als Tausende

von Neugierigen durchs Areal

zogen –auch der Bienen wegen –,

wird noch intensiver über die Stadt,

die Kunst, den öffentlichen Raum

debattiert –und vor allem fröhlich

nachgedacht, singend, streitend,

spielend.

Über dem Ruinen-Look trägt der

Bau von 1972 eine optimistisch

bunte Bauchbinde und auf dem

Dach demonstrativeLettern: ALLES-

ANDERSPLATZ. In der Tatsoll alles

anders werden. Das Land Berlin

kaufte das Ensemble vom Bund, in

einigen Jahren sollen hier Räume für

Kultur, Kunst, Soziales, bezahlbare

Ateliers, Werkstätten, Wohnungen,

Ausstellungs- und Gemeinschaftsräume

entstehen. Auch das Rathaus

Mitte wirdirgendwann einziehen. In

Paris, NewYork, London staunen die

Medien, dass in Berlins Mitte so etwas

noch möglich ist. Hier indessen

überwiegt die Skepsis.

Propheten gelten im eigenen

Lande bekanntlich nichts.

Statista, der „Allesandersplatz“

DPA

Im Juni 2017 geriet im Londoner

Stadtteil North Kensington

ein 24-geschossiges Hochhaus

in Brand, der Grenfell Tower.

Einkaputter Kühlschrank im vierten

Stock war der Auslöser für das Feuer,

das dann mehr als 24 Stunden lang

loderte und bis zu 80 Menschen das

Leben kostete. Möglicherweise war

der Brand hinter der Fassadenverkleidung

angefacht worden wie in einem

Kamin. Bewohner hatten schon

seit 2012 auf mangelnde Brandschutzmaßnahmen

hingewiesen,

waren von den Behörden aber nicht

gehört worden. Auf die nahe liegende

Frage, warum nicht, antwortet

der schottische Rapper, Schriftsteller

und Sozialexperte Darren

McGarvey in seinem Buch „Armutssafari“:

Weil es die Bewohner des

Grenfell Towers waren, die die Mängel

berichteten. Leute aus der Unterschicht.

Die, die ihr Leben nicht in

den Griff kriegen. Die, die immer

selbst das Problem sind, das sie haben.

DieArmen. Die, denen geholfen

werden muss.Von anderen.

Darren McGarvey, ein Mann, der

heute in seinen Dreißigernist, wuchs

in Pollok auf, einem Stadtteil von

Glasgow, in dem man mit Arbeitslosigkeit,

Alkoholismus und verwahrlosten

Schulkindern Erfahrung hat.

Seine drogensüchtige Mutter verließ

die Familie,als er zehn war,sie starb

wenige Jahre später. Erselbst ging

durch mehrere Süchte und promovierte

sich gleichzeitig zum Experten

seiner eigenen Situation.

Als Unterschichtskind mit Neugier,

analytischen Fähigkeiten und

einer sprachlichen Begabung fiel er

erst den Lehrern, dann den Medien

auf und erzählte erst wieder und

wieder seine eigene Geschichte, bevorerbemerkte,dass

sich die Öffentlichkeit

mehr für das Problem als für

die Ideen zu seiner Lösung interessierte.Abdarecherchierte

er im eigenen

Auftrag –inGefängnissen, wo er

Rap-Workshops gab oder in Jugendeinrichtungen,

wo er hospitierte.

Wessen Meinung zählt

Das Problem

ist die Lösung

Der schottische Rapper und Sozialexperte

Darren McGarvey alias Loki rechnet mit

der staatlichen „Armutsindustrie“ ab

VonPetraKohse

Am 14. Juni 2017 brannte in London der Grenfell Tower.

DAS BUCH

Darren McGarvey: Armutssafari.

Vonder Wutder abgehängten Unterschicht

Ausdem Englischen vonKlaus Berr, 314 Seiten,

Luchterhand Verlag,München 2019, 15 Euro

IMAGO IMAGES

„Armutssafari“ ist ein Buch, das es

eigentlich gar nicht geben dürfte,gemessen

daran, dass Menschen aus

den Vierteln, in denen die Brandschutzverordnungen

peinlich genau

eingehalten werden, Menschen mit

Ausbildungen und gut bezahlten

Jobs, davon ausgehen, dass Leute,

die auf staatliche Unterstützung angewiesen

sind, keine Stimme und

keine Meinung haben –oder wenn,

dann bestimmt nicht die richtige.

Tatsächlich hätte McGarvey diese

Projektion auf sich und seinesgleichen

selbst fast geglaubt. Bücher faszinierten

ihn als Kind, aber er ging

nicht davon aus, dass er sie bewältigen

könnte. Lange Zeit fiel ihm das

Lesen längerer Passagen schwer.

Undals Loki, der schottische Rapper,

textete und performte er zwar schon

in jungen Jahren. Dass er sich aber

zum Schreiben dieses 300-seitigen

Buches aufgerafft hat, liegt vorallem

daran, dass er wusste, dass man es

braucht.

Und man braucht es wirklich.

McGarvey erklärt nicht nur, dass es

tatsächlich eine Unterschicht gibt,

auch wenn Leute aus der Mittelschicht

annehmen, jeder wäresowie

sie, nur vielleicht etwas ärmer. Sondern

ererklärt auch, warum diese

Unterschicht so wütend ist. Weil sie

nämlich von jenen, die das betreiben,

was er die „Armutsindustrie“

nennt, für unmündig erklärt würden.

Künste, Medien, Wohltätigkeitsorganisationen

und NGOs würden

sich „wie eine Kolonialmacht

verhalten; ärmere Gemeinden werden

als primitive Kulturen gesehen,

die modernisiert, neu ausgerüstet

und qualifiziert werden müssen“.

Undwährend solche Sozialmaßnahmen

liefen, die stets als Projekte angelegt

seien, die von außen an eine

Community herangetragen werden,

sei jeweils nur eine Sache gesichert:

der Jobdes Sozialarbeiters.

Im Prinzip hat McGarvey drei

Botschaften. Erstens: Chancengleichheit

ist praktisch eine Illusion.

Zweitens: Sogenannte Sozialarbeit

ist größtenteils eine Anmaßung,

denn die Leute wissen selbst am besten,

was sie brauchen. Unddrittens:

Jeder kann und muss sich selbst retten.

Reißt euch zusammen, Leute!

ruft er in die Viertel hinein. Glaubt

nicht, was die Mittelschicht über

euch sagt, nehmt euer Leben selbst

in die Hand! Wie esW.E.B. DuBois

über das doppelte Bewusstsein der

unterdrückten Schwarzen gesagt

hat, dass nämlich deren eigenes Bild

von sich von dem überlagert werde,

das ihreUnterdrücker vonihnen haben,

so leiden McGarvey zufolge Angehörige

der Unterschicht ganz wesentlich

daran, dass ihnen nichts zugetraut

wird–und richtensich selbst

entsprechend zu. Ein Teufelskreis,

der sich in der Wut ausdrückt, im

Selbsthass, der nach außen projeziertwird.

Brandbrief und Rezept

„Armutssafari“ ist Brandbrief und

Rezept zugleich. Leicht verständlich,

und sehr, sehr deutlich. Eine mit

zahlreichen Praxisbeobachtungen

und biografischen Erlebnissen erläuterte

(vielleicht etwas längliche)

Analyse, aus der geradezu naturgemäß

eine Generalabrechnung mit

der politischen Linken ersteht, in der

er sozialisiertwurde.Inihrem Bemühen,

finanziell Schwächeren Gutes

zu tun, entmündige die Linke diese

nicht nur permanent, sondern manifestiere

auch die schlechten Verhältnisse

mit dem ständigen Verweis

darauf, dass nur ein Systemwechsel

dauerhaft Verbesserung herbeiführen

könne. Es sei Demagogie,

schreibt McGarvey, Kapitalismus

und Neoliberalismus zu verdammen

und dabei nicht anzuerkennen, dass

billige Fitness-Clubs und Informationen

via Internet für viele Menschen

mit geringem Einkommen

durchaus Vorteile schaffen.

Wobei dieses Buch umgekehrt

auch nicht die Sache der Rechten

verteidigt. Zwar fordert McGarvey

Respekt dafür, dass diejenigen, die

sich als abgehängt empfinden, mit

den Feinden ihrer Feinde sympathisieren,

und dass sie dafür nicht sofort

wieder abgemahnt werden dürfen.

Aber gleichzeitig will er über das

Lagerdenken weit hinaus.Auf keinen

Fall dürfe das Recht auf positive

Selbstdefinition Rechten überlassen

werden. Er glaubt an ein authentisches

Empowerment, das nicht auf

den Rücken der noch Schwächeren

ausgetragen wird.

DieÄhnlichkeiten mit real existierenden

Verhältnisse in anderen Ländern

sind nicht zu ignorieren.

McGarvey schreibt über Großbritannien,

aber er trifft auch ins Herz der

hiesigen Verhältnisse. Teilhabe ist

das Zauberwort.Die „Armutsindustrie“

stoppen und nicht in Projekte,

sonderninInfrastruktur investieren.

Diejenigen, die ein Problem haben,

auch mal als Experten für dessen Lösung

ansehen. Loslassen also, Deutungshoheit

abgeben. Ertragen lernen,

dass andere Menschen andere

Wege gehen. Unddas Teilen vonPrivilegien

nicht als Gnade,sondernals

Zurückgeben von etwas zu betrachten,

dasden anderen zusteht. Dasihnen

schon immer genauso gehört

hatwie einemselbst.

PetraKohse

hält dieses Buch für

eine Pflichtlektüre.

NACHRICHTEN

Grüttersvergibt ersten

Deutschen Verlagspreis

Kulturstaatsministerin Monika Grütters

(CDU) will auf der Frankfurter

Buchmesse den ersten Deutschen

Verlagspreis vergeben. DerPreis soll

kleine und unabhängige Verlage

würdigen. Ausgezeichnet werden 66

Verlagshäuser,darunter der Berliner

Verbrecher Verlag, der Reclam Verlag

und die Frankfurter Verlagsanstalt.

Welche drei Verlage die mit jeweils

60 000 Euro dotierten Hauptpreise

bekommen, soll bei der Verleihung

am 18. Oktober bekanntgegeben

werden. Andereerhalten eine Prämie

von15000 Euro,dreiHäuser mit

höherem Jahresumsatz bekommen

ein undotiertes Siegel. (dpa)

Philosophieprofessorin Lisa

Herzog ausgezeichnet

DieHamburger Max-Uwe-Redler-

Stiftung vergibt ihren mit 100 000

Euro dotierten Preis für Philosophie

und Sozialethik in diesem Jahr an die

35-jährige Professorin Lisa Herzog.

Sieerhalte die Auszeichnung für ihre

Bücher „Die Freiheit gehörtnicht

nur den Reichen“ (2014) und „Die

Rettung der Arbeit“ (2019). „Lisa

Herzog setzt sich ökonomisch kompetent

und ideengeschichtlich fundiertmit

den aktuellen Entwicklungen

vonMärkten und deren Auswirkungen

auf liberale Gesellschaften

auseinander“, erklärte der Stiftungsvorsitzende

Jürgen Lüthje die Entscheidung

der Jury.Herzogwar zuletzt

Professorin für Politische Philosophie

und Theorie an der Technischen

Universität München und

lehrtabdem Wintersemester an der

Universität Groningen. DerPreis soll

am 28. Oktober in der Universität

Hamburgüberreicht werden. (dpa)

Zu ersteigern: Banksys

Schimpansen im Unterhaus

Einriesiges Leinwand-Gemälde des

berühmten Streetart-Künstlers

Banksy,das das britische Unterhaus

voller Schimpansen zeigt, soll Anfang

Oktober in London versteigert

werden. Das2009 entstandene Werk

mit dem Titel „Devolved Parliament“

(Dezentralisiertes Parlament)

könnte mehr als 1,5 Millionen Pfund

(rund 1,7 Millionen Euro)einbringen,

teilte das Auktionshaus Sotheby's

mit. DasWerkgilt mit einer

Breite von4,5 Meternund einer

Höhe vonfast 2,8 Meternals das

größte bekannte Leinwandgemälde

Banksys.Der Verkauf ist für den 3.

Oktober geplant –rundein Jahr,

nachdem Banksy selbst in eine Sotheby's-Auktion

in London eingegriffen

hatte,indem er sein Gemälde

„Girl with aBalloon“ per Schredder

zerstörte; und nur wenige Wochen

vordem geplanten Brexit-Termin

Ende Oktober. (dpa)

Das Banksy-WerkimBristol Museum. DPA


22 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Feuilleton

„Ich stand vor dem beruflichen und sozialen Ruin“

Voreinem Jahr entlarvte Juan Moreno den Starreporter Claas Relotius als Betrüger und wurde als Held gefeiert. Heute sagt er,erhätte auf all das gerne verzichtet

Über Jahre konnte der

Journalist Claas Relotius

Geschichten fälschen

oder frei erfinden, ohne

dass es jemandem auffiel. Ganz im

Gegenteil wurde er mit Preisen überhäuft

und stieg zum Starreporter des

Spiegel auf. Vergangenen Herbst jedoch

fielen seinem Kollegen Juan

Moreno Ungereimtheiten in einer

gemeinsamen Reportage auf. Gegen

Widerstände im eigenen Haus ging

er der Sache nach –und deckte den

größten Skandal in der Geschichte

des Magazins auf. Jetzt hat er ein

Buch darüber geschrieben.

Herr Moreno,wie fühlen Siesich?

Wenn ich es könnte,würde ich sofort

ein Jahr zurückgehen. Ich hätte

wie damals ein paar Fragen an einen

Text, den Relotius mit mir geschrieben

hat. Die Redaktion hätte sie geklärt,

und ich wäreraus gewesen.

Die Redaktion hat sie aber nicht geklärt,

und deshalb sind Sie der Sache

selbst nachgegangen.

Das war am Anfang eine reine

Vorsorgemaßnahme. Ich war ja der

Co-Autor der Geschichte. Ich war

mit der Karawane unterwegs, die

sich vonMittelamerika aus Richtung

USA aufgemacht hatte, Relotius

sollte zeitgleich eine der paramilitärischen

Bürgerwehren begleiten, die

den Treck an der Grenzeerwartet. In

dem Part, den mir Relotius dann

schickte, damit ich meine Passagen

entsprechend ausrichte und einfüge,

sind mir dann ein paar Ungereimtheiten

aufgefallen. Mehr war erst

nicht. Aber es würde mein Name

über der Geschichte stehen, deshalb

wollte ich, dass sie stimmte. Und

dann hat das eine Dynamik angenommen,

die ich komplett unterschätzt

hatte.

Sie waren plötzlich der Schurke, der

einen allseits beliebten und vielfach

preisgekrönten Kollegen anschwärzenwill.

Es war absurd. Undeswurde immer

schlimmer. Bei jeder neuen

Mail, bei jedem neuen Anruf, jedes

Mal dachte ich: So, das war es doch

jetzt, ich übergebe den Ball, und den

Rest macht ihr. Das ging, wie gesagt,

mit ein paar Fragen los, und es war

lange noch nicht vorbei, als mir klar

war, mit der Geschichte gibt es ein

massives Problem.

In einer Szene beschreiben Sie, wie Sie

mit Ihrem Vorgesetzten telefonieren,

um ihm Ihre Probleme mit der Geschichte

zu erläutern, aber er will es

nicht hören. Sie schreiben: „Das Telefonat,

das war mir sofort klar, hatte

mein Leben zerstört.“

Das war sonnenklar. Ich würde

gefeuert und stünde in der Branche

da als der Schuft, der dem Starautor

vom Spiegel was anhängen wollte.

Da kriegst du kein Bein mehr auf den

Boden. Dasist der berufliche und gesellschaftliche

Ruin. Und dann bist

du am Telefon und musst deine

Schwiegermutter beruhigen, du

seist doch auch ein guter Handwerker

–das Holzdeck, das du zu deiner

Hochzeit gebaut hast, das Häuschen,

das du gerade renovierst. Und

dann sprichst du wirklich mit deinem

rumänischen Handwerkerfreund,

und er meint, er habe Arbeit

für dich, falls das mit dem Schreiben

vorbei sein sollte. Das ist kein Witz.

Daswar eine sehr reale Situation.

Siedeuten im Buch an, dass auch Ihre

Familie darunter gelitten hat.

Als ich weinend vor meiner Frau

stand, war auch ihr klar: Hier kippt

was, und zwar fundamental: der

Mann, den sie kannte, das Leben,

das wir hatten. Ichhabe vier Töchter,

und irgendwann stand die älteste,

sie ist 15, in der Küche und meinte zu

mir: Ich will unsere Familie zurück.

Ich war ein Tyrann, ich war obsessiv

mit diesem Thema, weil ich auch immer

wieder an den Punkt kam: Irgendwo

habe ich einen Fehler gemacht,

irgendwas habe ich übersehen.

„Es gibt bei allem eine Grenze. Und die eine Grenze, die nie zur Debatte steht, ist die Grenze der Wahrheit“: Juan Moreno am Dienstag in Prenzlauer Berg,woerwohnt.

Sie haben es bis zuletzt für möglich

gehalten, dass Sie sich verrannt haben?

Sicher, als klar war, woRelotius

abgeschrieben hatte, woerBiografien

verfälscht oder frei erfunden

hatte,woDinge einfach so nicht passiert

sein können wie in der Geschichte,dadachte

ich: okay,Wahnsinn!

Das hat er gemacht. Gleichzeitig

dachte ich aber auch: Daskann er

nicht im Spiegel gemacht haben. Das

kann nicht sein.

Irgendwann hatten Sie aber den entscheidenden

Beweis.

Ja, aber der nächste Gedanke ist:

Wie erzählst du jemandem so was?

Wie präsentierst du einem Kollegen

den Beweis dafür, dass er sich eine

Geschichte ausgedacht hat? Darüber

habe ich die ganze lange Autofahrt

durch Arizona nachgedacht. Siekennen

das Spiegel-Gebäude? Man betritt

es durch ein Atrium, dreißig Meter

hoch. Das Büro unserer Ressortleiter

ist im 13. Stock. Da darfdas Gespräch

mit Relotius auf keinen Fall

stattfinden, sonst stürzt er sich da

runter.Wir müssen es in der Kantine

machen. Solche Gedanken machst

du dir dann auch.

Haben Sieseit dem Skandal noch mal

mit Relotius gesprochen?

Ichhatte ihn kontaktiertüber seinen

Anwalt. Ja, was wollen Sie denn

überhaupt wissen, sagt der? Ichsage:

vieles.

Washaben Siefür Fragen an ihn?

Jeder hat Fragen an Claas Relotius.Ich

glaube,die kann man subsumieren

unter der einen Frage:

Warum?

Meinen Sie, dass Sieirgendwann mal

zusammensitzen können und über

alles reden?

Ich weiß es nicht. Das ist mir so

fremd alles, die Heftigkeit der Lügen.

Ich verstünde, wenn er hier mal was

weggelassen, da mal was geschönt

hätte, weil die Geschichte sonst halt

nicht ganz so rund gelaufen wäre.

Aber wie weit wegmuss man sein, um

seine komplette Existenz auf Lügen

aufzubauen. Das ging ja schon bei

seiner Einstellung beim Spiegel los.

Sie meinen, dass er das erste Angebot

ablehnte mit der Begründung, er

müsse seine krebskranke Schwester

pflegen.

Er hat gar keine Schwester.

Ihr Buch liest sich wie ein Krimi: Ein

kleiner Reporter bringt gegen alle Widerstände

den Schurken zur Strecke.

Wenn Sie entschuldigen –das hätte

man sich nicht besser ausdenken

können.

Dashat mein Freund auch gesagt,

der Fotograf MircoTaliercio, der mit

mir in den USA war,umRelotius hinterherzurecherchieren:

Der Sohn eines

andalusischen Bauern und der

Sohn eines Neapolitaners überführen

einen hanseatischen Aufschneider.Guter

Plot.

JUAN MORENO ...

... wurde 1972 in Huérca-Overa in Spanien geboren. Seine Elternwaren andalusische Bauersleute,

die in den 70er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Moreno studierte

Volkswirtschaft und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seit 2007 ist er

freier Reporter beim Spiegel. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

... überführte 2018 den Spiegel-Kollegen und Fälscher Claas Relotius fast im Alleingang und

unter Einsatz seiner eigenen beruflichen Existenz. Wieerdabei vorging,schilderterindem

Buch „Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus“, das diese

Woche erschienen ist (Rowohlt Berlin, 288 S.,18Euro).

Die Plotmäßigkeit der Geschichte ist

tatsächlich erstaunlich. Sie erhalten

in den USA den entscheidenden Beweis,

zeitgleich bekommt Relotius in

Deutschland den Reporterpreis …

Ja, das ist absurd, sogar von der

Uhrzeit verlaufen die Dinge gegen

Ende hin nahezu synchron. Wobei

sich dieser Thrill erst jetzt über die

Geschichte legt, wo man weiß, wie

sie ausgeht. Denn dieser Beweis war

ja immer noch nicht das Ende: ein

Video,indem ein Mann namens Maloof,

Chef jener Bürgerwehr, die Relotius

angeblich begleitet hat …

…der ominöse „Jaeger“ aus der Geschichte,

die dann unter dem Titel

„Jaegers Grenze“ im Spiegel erschien.

Aber er hieß nicht Jaeger,sondern

Maloof, und er versicherte in dem

Video, dass Relotius nie da war,

nichts von dem, was in der Geschichte

stand, hatte je stattgefunden.

Aber wie gesagt, auch dieses Video

war noch nicht das Ende. Stattdessen

hieß es, ich hätte den Mann

womöglich geschmiert.

BLZ/PONIZAK

Es wundert einen, warum sich Relotius

darauf eingelassen hat, mit Ihnen

zu arbeiten. Sie würden als Co-

Autor doch selbstverständlich Fragen

an seinen Part haben …

Ich weiß es nicht. Ich frage mich,

hätte er das auch so gemacht, wenn

der Co-Autor eine Lichtgestalt wie

Alexander Osang gewesen wäre?

Möglicherweise ja. Er war ja sehr

selbstsicher. Esgab zuvor schon einen

Fall. Da hatte er eine Geschichte

geschrieben über eine Frau, die

durch die USA reist und Hinrichtungen

beobachtet, um über den ungesühnten

Mord an ihrem Mann und

ihrem Sohn hinwegzukommen. Filmisch

gesehen ein guter Plot, aber

natürlich komplett ausgedacht. Da

bekam er einen Leserbrief von einer

Frau, die über die Todesstrafe in den

USA forscht und die vieles an der Geschichte

für unplausibel hielt. Für

die hatte er eine so überzeugende Argumentationskette

parat, dass sie

keine Fragen mehr hatte.

Er galt ja als sehr charmant, aufmerksam,

bescheiden.

Er war zurückhaltend, interessiert,

hat zugehört, und am Ende

meist das bestätigt, was der andere

zuvor gesagt hatte.Ich bin erst später

darauf gekommen, dass dies klassisches

Hochstaplerverhalten ist, das

sich letztlich ja auch in seinen Texten

spiegelt.

Leuten sagen, was sie hören wollen?

Im Schweizer Magazin Reportagen,

interessanterweise das Magazin,

in dem Relotius seine Karriere

startete,schrieb der Schriftsteller Linus

Reichlin mal einen Essay mit

dem Titel „Anleitung für Fälscher“.

Da heißt es sinngemäß: Du musst

fragen, was die Leute wollen, worauf

sich ihre Sehnsucht richtet. Du

musst für sie ein Bild malen, auf das

sie lange gewartet haben. So sehr haben

sie es sich gewünscht, dass sie

es, wenn der Wunsch wahr geworden

ist, gegen jeden Zweifel verteidigen

werden. Sie wollen, dass es echt

ist. So hat Relotius gearbeitet.

Welche Sehnsüchte befriedigte Relotius

mit seinen Geschichten?

Dass die Welt doch nicht so kompliziert

ist, wie sie ist. Dass auch die

großen Zusammenhänge in griffigen,

anrührenden Geschichten erklärt

werden können. Der Syrienkrieg?

Da war ein kleiner Junge, der

hat ein Graffito gemalt, das führte zu

einem Aufstand, und der Aufstand

mündete in einen Bürgerkrieg. Sie

kennen die Geschichte. Relotius hat

dafür den Reporterpreis bekommen.

DerRassismus in den USA? Da ist ein

Schreiner aus Kalifornien, der leider

den Fehler begeht, drei Kolumbianer

anzustellen, denn sie verkaufen der

Tochter Drogen, und jetzt ist sie ein

Wrack. Deshalb hasst er Hispanics,

patrouilliert an der mexikanischen

Grenze und schießt auf alles, was

sich bewegt. Auch die Geschichte

kennen Sie. „Jaegers Grenze“. Beide

sind frei erfunden.

Sielasen sich gut.

Klar,die Kausalität ist komplett da.

Wenn der Typeinfach so rumballern

würde, dann würde es unheimlich

werden. Dann weißt du nicht mehr,

warum ist der böse. Dann wird es

kompliziert, dann wird esgrau. Bei

Relotius wurde es nie grau. Das las

sich gut und hatte was Beruhigendes.

Der Subtext seiner Geschichten lautete

stets: Lieber Spiegelleser, heimlich

weißt du, wie die Welt ist, und

wenn ich dich gewinnen will, dann

bestätige ich dir das gern.

Für die AfD war der Fall ein gefundenes

Fressen: „Lügenpresse“ war gerade

zum Unwort des Jahres gekürt

worden, als der Skandal aufflog.

Ja, der Fall wurde als Beleg dafür

genommen, wie eine linksverblendete,

ideologische Medienlandschaft

die Leute an der Nase herumführt.

Aber der Vorwurfist falsch. Relotius

hat auch für Cicero geschrieben,

für die Weltwoche in der

Schweiz, konservative Blätter. Denen

servierte er dann zum Beispiel

eine Geschichte aus Albanien über

Blutrache und Stammesfehden.

Auch die Geschichte war ein Märchen,

aber genau das Märchen, das

die Leser dieser Blätter hören wollen.

Relotius hatte keine politische

Agenda. Seine Agenda war er selbst.

Gerade das wird jetzt, da der Wert eines

Textes an Klickzahlen bemessen

wird, von den Verlagen gefordert: erspüren,

was der Leser will, ihn nicht

irritieren, komplexe Sachverhalte

emotional am Menschen erzählen.

Aber es gibt bei allem eine

Grenze. Unddie eine Grenze, die nie

zur Debatte steht, ist die Grenze der

Wahrheit. Ich bin ein großer Verteidiger

der Reportage, weil sie dir die

Konflikte dieser Welt näher bringen

kann als alles andere. Natürlich versuchst

du immer, diese Konflikte

aufzudröseln und am besten anhand

einer Person, einer Begebenheit zu

erklären. Manchmal stößt du auf so

eine Begebenheit, das sind die seltenen

Siege. Relotius lieferte diese Begebenheiten

in einer Dichte, dass es

dir die Hosen ausgezogen hat.

Wissen Sie, wie es ihm geht?

Er hat Kontakt zu Kollegen, ja.

Und?

Ein Kollege sprach mit ihm, da

war er in einer Klinik in Süddeutschland.

Behauptete er. Und dass er auf

dem Wegder Besserung sei, woran

ich allerdings so meine Zweifel habe.

Warum?

Anderntags sprach diesen Kollegen

eine Spiegel-Sekretärin an:

Weißt du, wen ich gerade gesehen

habe? Claas Relotius. Er radelte

durch Hamburg.

DasGespräch führten Christian Seidl

und PetraAhne


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 23

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Feuilleton

Höchststrafe

für

Heulsusen

Hans Werner Olm bei den

Wühlmäusen

Da waren

es noch

sechs

Die Shortlist zum Deutschen

Buchpreis steht fest

VonTorsten Wahl

Erfeiert sich als Außenseiter der

Szene, als Mann, der längst über

den Dingen steht. Über das aktuelle

Kleinkunstfestival, das zwei Tage zuvor

imselben Haus abgehalten worden

war,kann Hans Werner Olmnur

müde lachen. Der Berlin-Preis, den

„ein Typmit Mütze auf der Glatze“

bekommen hat (Torsten Sträter), der

steht bei ihm seit 2011 im Keller –

und er bringt die metallene Wühlmäuse-Figur

tatsächlich mit, um

vorzuführen, wie schwer und unhandlich

sie ist. Für die Kabarett-Abteilung

sei er nicht politisch korrekt

genug. Bei der obligatorischen „Gesinnungsprüfung“

sei er durchgefallen

und zur Bewährung in der„Wortdrechselei“

verurteilt worden.

Eigentlich sollte Hans Werner

Olm ein neues Programm namens

„Shownungslos“ vorführen, mit dem

er laut Annotation einen satirischen

Abstecher in eine egozentrische und

durchgeknallte Bespaßungsindustrieunternehmen

wollte.Aber entweder

war ihm das nicht mehr interessant

genug, oder er ist mit dem Programm

einfach nicht fertig geworden.

Jedenfalls spielt er ein buntes

Potpourri aus neueren und älteren

Nummern, das einen harten Kern

hat: OLM –das steht bei dem 64-Jährigen

immer noch für „Ordentlich

Liebe machen“.

Gern präsentiertersich mit tiefer

Stimme als „Anachronismus auf

zwei Beinen“, der zwar von seinen

alten Zoten nicht lassen kann, nach

den Lachern aber gespielt selbstkritisch

anfügt: „Darf man heute eigentlich

nicht mehr bringen“. Einer

längeren Passage über hysterische

junge Eltern, deren gemeinsames

Hecheln beim Geburtsvorbereitungskurs

ihn an „Porno-Karaoke“

erinnert, stellt er Erinnerungen an

die eigene Kindheit gegenüber. Damals

hätte der Vater vor der Geburt

noch in der Kneipe gesessen und

den Sohn eben etwas später begrüßt

– zur Einschulung. Dabei bewegt

sich Hans Werner OlmimZwischenraum

zwischen einem Rollenspiel als

selbstgefälliger Macho und der höhnischen

Abrechnung mit den „Weicheiern“

von heute. InZeiten aufgeregter

Genderdebatten ist das durchaus

befreiend –und am lautesten lachen

übrigens die Frauen.

Alles, wasSpaß macht: Ein Potpourri von

Hans Werner Olm.

JAN DUEFELSIEK

Zu einem Abend, an dem er einfach

spielt, was ihm am meisten

Spaß macht, gehört die Musik –der

frisch nach Berlin gekommene Bochumer

Olm gehörte ja 1976 zu den

Gründern der „Gebrüder Blattschuss“

mit ihrem Hit „Kreuzberger

Nächte“. Auch heute feiert er die

Musik der Siebziger,spielt mit seinen

zwei Gitarren-Begleitern gekonnt

Favoriten wie „Thick As ABrick“ von

Jethro Tull oder „50 Ways To Leave

Your Lover“ von Paul Simon. Außerdem

Parodien auf Reinhard Mey,

HerbertGrönemeyer und Peter Maffay.

Die aktuellen Heulsusen und

Weicheier wie Philipp Poisel, Tim

Bendzko und Revolverheld findet er

dagegen so peinlich und langweilig,

dass er sie nicht mal parodieren

möchte.Das ist die Höchststrafe.

In der Eskalationsspirale: Benni (Helene Zengel)

Gegen die Glaswand

Nora Fingscheidts Film „Systemsprenger“ über eine Neunjährige, die kein Heim mehr nehmen will

VonKarsten Munt

Wer „Systemsprenger“

sieht, ohne sich einen

Reim auf den Titel machen

zu können, bekommt

bereits in der ersten Szene

eine ziemlich prägnante Erklärung

entgegengeworfen –inForm eines

Bobby-Cars. Kaum ist das Spielauto

krachend an der Panzerglas-Scheibe

abgeprallt, hinter die sich ein paar

Erzieher in Sicherheit gebracht haben,

holt Benni (Helena Zengel)

schon zum nächsten Wurf aus. Ihr

Tobsuchtanfall ist erst zu Ende, als

sich ein tiefer Riss in der Scheibe abzeichnet

und sie sediert und gefesselt

auf der Trage in der psychiatrischen

Anstalt liegt.

Unbändige Energie

Es ist das vorübergehende Ende eines

Kreislaufs, den das kleine Mädchen,

die Systemsprengerin, bereits

so oft durchlaufen hat, dass kein Jugendheim

im Umland mehr gewillt

ist, sie aufzunehmen. Alle Strukturen,

die Benni auffangen sollten,

sind bereits von ihrer unbändigen

Energie gesprengt worden. Es ist

diese Energie, die den Film antreibt.

Die Regisseurin Nora Fingscheidt

wendet den Blick dabei aber nicht

primär auf die zerstörerischen Folgen

vonBennis Episoden, sie ist ihrer

Hauptfigur gegenüber immer empathisch.

Fliegende Bobby-Cars,Tänze

auf dem Esstisch, Pommes-Fontänen,

Angriffe auf Erzieher und nicht

enden wollende Umarmungen sind

in „Systemsprenger“ nicht nur bitteres

Sozialdrama, sondern auch bunter

Punkrock.

Wenn Benni also mal schreiend,

mal schimpfend, mal um sich schlagend,

Liebe einfordernd und Liebe

zurückweisend durch den Film poltert,

pendelt der Tonwild zwischen

beiden Extremen hin und her. Mit

der gleichen Intensität prallt die

Protagonistin von einer Station an

die nächste,ohne eine Chance,zum

Stehen zu kommen: vonder Kinderauffangstelle

in die Schule, von der

Schule ins Jugendheim und von

dort wieder zurück in die Kinderpsychiatrie.

In dieser unaufhaltsamen Eskalationsspirale

sammelt sich sukzessive

ein ganzer Krisenstab von Fachkräften.

Entsprechend voll ist die Sitzung,

in der über das weitereSchicksal

des kleinen Mädchens entschieden

werden soll: Psychotherapeutin,

Sozialarbeiterin, Schulbegleiter,

Heimleiter und ihre Lehrerin sitzen

an einem großen Tisch zusammen.

Nur der Platz von Bennis Mutter

(Lisa Hagmeister) bleibt leer. Trotz

Sprache schafft Wirklichkeit

aller Bitten der Erzieher und Hilferufe

der Tochter bleibt sie ein Schatten,

dem Benni und ihreSozialarbeiterin

(Gabriela MariaSchmeide) verzweifelt

nachjagen, ohne sie je wirklich

zu fassen zu bekommen. Benni

selbst beobachtet die Sitzungen, von

denen es noch viele geben wird,

durch die Außenscheibe. Ihr Wesen

scheint, aller Maßnahmen zum

Trotz, nie vereinbar mit der Gesellschaft,

die versucht, sie wieder zurückzugewinnen.

Benni kämpft auf ihre Art um einen

Platz in der Welt. Sie flieht aus

dem Heim, um in die Wohnung ihrer

Mutter einzudringen; sie klammert

sich an die Erzieher,die sie mag und

versucht die Scheiben zu zertrümmern,

die sie von der Welt trennen,

die sie gerne hätte –notfalls auch

einfach mit dem Kopf. „Systemsprenger“

erzählt die Unvereinbarkeit

zwischen Benni und der Gesellschaft

dabei stets aus der Unmittelbarkeit

der Gegenwart und damit

aus Bennis Perspektive. Das Mädchen

ist nicht nur unaufhaltsam, unerziehbar

und unnachgiebig, sie ist

auch als Zentrum des Films unverzichtbar.

Keine Szene kann ohne sie

als Gravitationszentrum bestehen.

Als einzige pädagogische und

dramaturgische Maßnahme bleibt

also nur der Versuch, Bennis Energie

etwas entgegenzusetzen. Der

kürzlich angeheuerte Schulbegleiter

Mischa (Albrecht Schuch) stellt

sich als der einzige heraus, der dieser

Rolle gerecht werden könnte.

Tatsächlich baut der reformierte Ex-

Jugendstraftäter und Anti-Gewalt-

Trainer, der Jugendliche mit Boxtraining,

direkter Sprache und stoischer

Gelassenheit auf den Pfad der

Tugend bringt, ein besonderes Verhältnis

zu Benni auf, dem der Film

einen Großteil seiner Laufzeit

schenkt.

Unerschütterlicher Ruhepol

So trifft unerschöpfliche Energie auf

einen unerschütterlichen Ruhepol.

Ein Ereignis, das Fingscheidts Erzählstruktur

ein gewisses Dilemma

beschert: Ist Benni tatsächlich „geheilt“

oder ruhig, verliertder Film die

Energie, die er über seine gesamte

Laufzeit angezapft hat. Tobt Benni

mit der gleichen Kraft weiter,drehen

dem Film langsam die Räder durch.

Einen Ausweg findet die Regisseurin

nicht. Aber im Zweifel bekommt

auch das stärkste Glas Risse, wenn

man nur lang genug draufschlägt.

Systemsprenger Deutschland2019. Regie &

Buch: Nora Fingscheidt;Darsteller:Helena Zengel,

Albrecht Schuch,Gabriela Maria Schmeide,

Lisa Hagmeister,u.a.; 118 Min.; Farbe. FSK 12

Der Schriftsteller und Grünen-Politiker Robert Habeck trat zweimal beim Internationalen Literaturfestival auf

VonSabine Rohlf

AmMontagabend ging es beim Literaturfestival

im HAU1 nicht

um Literatur,sondernumPolitik, genauer,

Bündnis 90/Die Grünen. Neben

Robert Habeck, der zehn Jahre

lang hauptberuflich Schriftsteller

war, saß Joschka Fischer auf der

Bühne, der, soweit man weiß, keine

Romane verfasste. Ein aufgehender

Stern und ein weltberühmtes Urgestein

der Grünen, die beiden hatten

sich, so Festivaldirektor Ulrich

Schreiber, zuvor erst einmal auf einem

Podium getroffen.

Sieließen zusammen mit Journalistin

Anke Plättner grüne Geschichte

Revue passieren –von Fischers

Turnschuhen und dem Farbbeutel

an seinem Ohr bis zur Wahl

Habecks und Annalena Baerbocks

zu Parteivorsitzenden, aber es ging

auch um die Gegenwart von Klimakrise

bis Höcke. Fischer gab sich abwechselnd

staatsmännisch ruppig,

zur AfD meinte er:„Siereden wie Nazis,

sie riechen wie Nazis und wir

nennen sie Rechtspopulisten“.

Habeck war wie immer prägnant,

eingängig, ja mitreißend. Er weiß,

wie man etwas anschaulich macht

und Gefühle evoziert, bestimmt hilft

da sein erster Beruf, die Schriftstellerei.

Die beiden waren nicht immer

einer Meinung, vertrugen sich aber

gut, offenbar erkennt Fischer in Habeck

einen würdigen neuen Alpha-

Grünen. Derweiß natürlich, dass das

eine wirklich gestrige Rolle ist und

legte seinem Ex-Kollegen Astrid

Lindgrens „Ronja Räubertochter“

ans Herz. Um dessen Spektrum

„weiblicher Role Models“ zu erweitern,

wie er sagte. Nach Frauen als

Vorbild gefragt, war Fischer nämlich

nach sehr langem Nachdenken nur

Madeleine Albright eingefallen.

Das besonders Schöne am Internationalen

Literaturfestival ist ja,

dass seine Gäste sich auch voreinem

jugendlichen Publikum beweisen

können, Habeck tat dies am nächsten

Morgen in der mit Schulklassen

prall gefüllten James-Simon-Galerie.

Es ging um sein jüngstes Buch „Wer

wir sein könnten. WarumunsereDemokratie

offene und vielfältige Sprache

braucht“. Nachdem die SchülerinHenny

Zimmermann ihr preisgekröntes

Theaterstück über Europa

vorgetragen hatte, startete Moderator

Philip Geisler das Gespräch mit

einer Frage nach Habecks literaturästhetischer

Doktorarbeit.

Habeck umriss sein wissenschaftliches

Werk und erklärte, dass Sprache

Wirklichkeit nicht abbilde, sondern

schaffe, darum gehe es ja auch

in seinem aktuellen Buch. Er illustrierte

dies mit der These, dass

Harry-Potter-Lektüre womöglich

Klima-Aktivisten hervorbringe. Anstatt

dies weiterzuverfolgen, lenkte

der Moderator das Gespräch auf die

PORT-PRINCE.DE

politischen Herausforderungen der

Gegenwart und die Feinheiten grüner

Politik. Mit der Zeit fragte man

sich, ob er all die Schülerinnen und

Schüler im Publikum vergessen

hatte,aber sie blieben leise und konzentriert.

Als sie endlich zu Wort kamen,

hatten sie jede Menge Fragen.

Sieerkundigten sich nach außenpolitischen

Spielräumen bei der Regenwaldrettung,

sie fragten, ob Habeck

die Bedrohung der Sprache von

Seiten digitaler Medien und künstlicher

Intelligenz nicht unterschätze.

Einer stellte fest, dass dessen Buch

für die Menschen, die es eigentlich

erreichen müsste,viel zu abgehoben

geschrieben sei. Es war erfrischend,

sich all diese Fragen, Einwände und

Habecks Antworten darauf anzuhören.

Die Jugendlichen wollten wirklich

etwas wissen und man hätte zu

gern gewusst, welche Romane sie

bisher so gelesen haben. Harry Potter

ist bestimmt dabei.

VonJudith von Sternburg

Der Paritätismus der Shortlist für

den Deutschen Buchpreis ist

kaum zu übertreffen. Wer seit Wochen

an der Longlist nagt, für den

rückt allerdings zuerst noch etwas

anderes in denVordergrund, das hier

noch einmal stehen muss: Wie ist es

möglich, zwanzig Titel für das laufende

Buchpreisjahr zu benennen

und Sibylle Bergs krasser, fast total

gegenwärtiger, nur wenige Jahre in

der Zukunft spielender Roman

„GRM“ ist nicht dabei? Nun gehört

die Wendung „wie ist es möglich“ zu

Recht verboten, denn offenbar ist es

ja möglich. Kritikerinnen und Kritikern

ist das geläufig: Wie ist es möglich,

dass Sie dieses entsetzliche

Stück gut fanden, dieses herrliche

Buch nicht verstanden haben etc.?

Und noch schlimmer soll es ja sein,

wenn man in der Buchpreis-Jury

sitzt.

Vier Juroren und drei Jurorinnen

haben stattdessen Folgendes herausgearbeitet:

Drei Autorinnen, drei

Autoren, drei Debüts, sechs Verlage,

darunter ein kleines Wiener Haus.

Interessante Familienkonstellationen

fallen auf,

unter besonderer

Berücksichtigung

vonirritierten,

in ihrem

Rollenbild jedenfalls

herausgeforderten

Die Shortlist fürs

Männern, wie Regal

etwa in Miku Sophie

Kühmels erstem Roman „Kintsugi“

(S. Fischer), in dem drei überwiegend

homosexuelle Männer und

die Tochter des einen in einem kuriosen,

wohl aus Wahlverwandtschaften

heraus zu erklärenden

Quartett miteinander umgehen,

aber vielleicht tun sie das bald nicht

mehr. „Kintsugis“ tatsächlich ziemlich

durchschlagender Erfolg bekommt

beim Lesen seinerseits eine

irritierende Note. Oder in Tonio

Schachingers Romandebüt, der Fußballer-Geschichte

„Nicht wie ihr“

(Kremayr &Scheriau). Oder in Jackie

Thomaes „Brüder“ (Hanser Berlin),

die vonzweiungleichen Brüdernerzählt,

die die dunkle Hautfarbe eint.

Sind Männer bessereIndikatoren für

eine Desorientierung?

Die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft,

die nicht mehr ganz versteht,

was los ist, spielt auch in Sasa

Stanisics Buch „Herkunft“ (Luchterhand)

eine Rolle,dem einzigen Frühjahrstitel,

der es bis hierhin geschafft

hat. Norbert Scheuers „Winterbienen“

(Beck) ist ein feiner, kluger Roman

über die späte Kriegszeit, ein

klassischer Scheuer. Raphaela Edelbauer

wiederum, die noch nicht

klassisch sein kann, machte 2018

beim Klagenfurter Literaturwettbewerb

auf sich aufmerksam und jetzt

erst recht mit ihrem Debüt „Das flüssige

Land“ (Klett-Cotta). Womöglich

ist nun –ohne „GRM“ –ihr Buch der

literarisch originellste Beitrag auf der

Liste.

XDPA

TOP 10

Montag,16. September

1 Tagesschau ARD 4,94 17 %

2 Wer wird Millionär? RTL 4,62 15 %

3 Jenseits der Angst ZDF 4,30 14 %

4 heute ZDF 3,63 16 %

5 heute-journal ZDF 3,28 12 %

6 SokoMünchen ZDF 3,08 17 %

7 RTL aktuell RTL 3,08 15 %

8 GZSZ RTL 2,90 11 %

9 Gefragt –gejagt ARD 2,67 15 %

10 Hirschhausen im ... ARD 2,60 8%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.00: La forza del destino

20.00 Tischlerei: Wolfsschlucht

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.30: CryBaby

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00: Tagebuch eines Wahnsinnigen

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Schlagersüsstafel

HfS Ernst Busch (✆ 75 54 17 -0)

20.00 UNTEN: Omid–Der Spiegel und die Asche

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Schachnovelle

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Hase Hase

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Third Generation –NextGeneration

20.00: Verrücktes Blut

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Casting Clara

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel–Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30: ProfessorBernhardi

20.00: Der Fremde

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

19.30 Festsaal: This Is Me (Fleischlin/Meser)

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Berliner Geschichten: Der Buddha vom

Alexanderplatz

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: MichaelKohlhaas

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

21.00 Grüner Salon:AnEvening with Dan Bodan &

Tarren Johnson

KABARETT/VARIETÉ

Acud (✆ 44 35 94 97)

19.00: Yacine Belhousse

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: 25 Lieder aus25Jahren (Sebastian Krämer)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Fly,Edith, Fly –Vom Ballermann zum BER

(Ades Zabel &Company)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Berlin 24/7 (7BIM Ensemble)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Wohin mit Mutti?

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: West Side Story

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Lohrbär (Ulli Lohr und Gäste)

ScheinbarVarieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (RüdigerRudolph (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Jubel, Trubel, Heiserkeit (Johann König)

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Musikinstrumenten-Museum (✆ 25 48 11 78)

15.30: Jour fixe –MusikamNachmittag

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

19.15: Einführung (Karajan-Akademie)

20.00: Stipendiaten der Karajan-Akademie der BerlinerPhilharmoniker,Ltg.Susanna

Mälkki, Emmanuel

Pahud (Flöte), Juliet Fraser (Sopran), Musikfest Berlin,

OlgaNeuwirth: „Aello –ballet mécanomorphe“ für

Flöte solo, 2gedämpfte Trompeten, Streichensemble,

Synthesizer und Schreibmaschine; Gérard Grisey:

„Quatre chants pour franchir le Seuil“ für Sopran und

15 Instrumentalisten

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Zeltbühne: Zwei für mich, einer fürdich, (ab

3J.)

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

15.00: Offenes Atelier(ab 6J.)

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(✆ 54 08 69 48) 17.00: Feldspiele –Ein Festival

zwischen den Generationen: PlayDate, Daniella

Strasfogel (Violine), Konzertzum Mitmachen mit

Gebärdenübersetzung (ab 8J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00 Studio: Mathilde, die Mathe-Ratte, RobertMetcalf,

mathemusische Lesungzum Mitmachen(ab 5J.)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

10.30: Die kleine Wolke, Figurentheater (ab4bis

7J.)

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Die LückeimBauzaun (ab 6J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: VonDinos, Seehundenund Kamelen, Theater

Jaro, Puppen undSchauspiel(ab 2bis 7J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00, 16.30: Wettlauf zwischen Hase undIgel

Schaubude (✆ 423 43 14)

10.00: Der kleine Wassermann, ZirkusMaria, Puppentheater

mitLive-Musik (ab 4bis 7J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Himpelchen und Pimpelchen, lingulino –

Kindertheater (ab 4J.)

theater strahl (✆ 69 59 92 22)

11.00: Genau wie immer:Alles anders (ab 12 J.)

Theater Zitadelle (✆ 335 37 94)

10.00: Däumelinchen, Gastspiel Theater Melanic

Ancic (ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Instituto Cervantes (✆ 257 61 80)

21.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Niemand

weint um mich“, Sergio Ramírez, Lesung und

Gespräch

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Das literarische Trio. Sechs Bücher und ein

Gast, Jörg Magenau und FraukeMeyer-Gosauim

Gespräch mitElkeHeidenreich

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

12.30: Brown Bag Lunch: Zum 150. Geburtstag von

Else Lasker-Schüler,Mit MeikeFeßmann und Judith

Kuckart

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Im Zweifel links –Vom

aufhaltsamen Untergang des Abendlandes,Jakob

Augstein, Buchpremiere

Silent Green Kulturquartier (✆ 46 06 73 24)

9.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Hello,

Universe“, Erin Entrada Kelly,Lesung und Gespräch

11.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Liccle

Bit –Der Kleine aus Crongton“, Alex Wheatle, Lesung

und Gespräch

18.00: 19. Internationales Literaturfestival: Schwules

Begehren: „Call Me By Your Name“, André Aciman,

Lesung und Gespräch

19.30: 19. Internationales Literaturfestival: „Petit

Piment“, Alain Mabanckou, Lesung und Gespräch

21.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Auf

Erden sind wir kurz grandios“, Ocean Vuong,Lesung

und Gespräch

Künstliche Intelligenz

Noch ist der

Diskurs in

Menschenhand

Inder Akademie der Künste

bekommt eine Diskussion

über das Verhältnis von Kunst

und Künstlicher Intelligenz

gleich einen existenziellen

Drive − weil dann irgendwann

vielleicht auch begabte

Roboter oder andersartige

schöpferische Systeme in

Kunstakademien berufen

werden, an gesellschaftspolitischen,

kulturtheoretischen

und zivilisationsskeptischen

Diskussionen teilnehmen.

Unausbleiblich wäre dann

auch, dass sie sich zur Wahl

stellen, wenn es um das Amt

des Akademiepräsidenten

geht. Noch ist es nicht so weit.

Die Amtsinhaberin Jeanine

Meerapfel spricht heute mit

dem Künstler Jake Elwes und

der Technikforscherin Maya

Indira Ganesh. Alles echte

Menschen! Illustriert wird die

Veranstaltung mit einer Bildsequenz,

die die Menschwerdung

des Affen zeigt. Wardas

nur eine Phase? Ulrich Seidler

Akademiegespräch:Kunst +KI?

20 Uhr,Akademied.Künste, Pariser Platz

Finnischer Strawinsky

Zu wenig Zusammenhang wie beim zu Ende

gehenden Musikfest irritiert, zu viel Zusammenhang ist auch nicht gut.

Gehen wir lieber zu einer Gala …

Der 33-jährige finnische Dirigent und Perkussionist Santtu-Matias Rouvali ist Chefdirigent des Philharmonischen OrchestersTampere und de

Heute spielen die Karajan-

Akademisten der Philharmoniker

Werke von

Olga Neuwirth und Gerard

Grisey, morgen führt das Deutsche

Symphonie-Orchester unter

Leitung seines Chefdirigenten Robin

Ticciati Antonín Dvoraks Oper „Rusalka“

auf –und das Musikfest Berlin

2019 ist vorbei.Warumausgerechnet

Dvoraks Oper zum Schlussstück dieses

Musikfests wird, ist rätselhaft,

wie überhaupt die musikgeschichtlichen

Perspektiven dieses Musikfests

eher labyrinthisch als klar waren. Interessant

waren eher einzelne

Schwerpunkte wie sie von den Programmen

des Pianisten Pierre-Laurent

Aimard oder von den Werken

Olga Neuwirths gebildet wurden –

der eine stellt Moderne und Repertoire

auf herausfordernde Weise nebeneinander,

die andere ist, wie fast

alle interessanten Komponisten, in

Berlin unterrepräsentiert. Aber dass

sich zwischen alldem ein Zusammenhang

aufgedrängt hätte, kann

man kaum behaupten.

Aber was sich aufdrängt, ist uns in

unserer dekadenten Verwöhntheit

wieder nicht raffiniert genug. Das

Peter Uehling

will Musik hören und keine Interpreten.

Im Berliner Musikleben sucht er nach

Veranstaltungen, die musikalische

Erfahrungen bieten könnten –neuartige,

begeisternde, interessante oder

herzerwärmende. Ob sie sich

tatsächlich einstellen, ist allerdings eine

Fragedes Glücks.

Konzerthausorchester spielt unter

Leitung seines inoffiziellen Hauptdirigenten

Juraj Valcuha folgendes

Programm:„Die Toteninsel“ vonSergej

Rachmaninow, Frank Martins

„Jedermann“-Monologe mit Florian

Boesch und Modest Mussorgskys

„Bilder einer Ausstellung“. Musik

nach Bildernvon den Russen,Musik

über den Todinjedem Falle –auch

Mussorgskys Bilderzyklus: Ungefähr

im Goldenen Schnitt steht das„Katakomben“-Stück,

am Ende das „Tor

vonKiew“, das wie eine Imagination

vonAuferstehungklingt. In so einem

Programm wirddas Ästhetische vom

Inhalt geradezu verdrängt.

Weniger auf einen Inhalt als auf

einen kulturellen Kontrast ist das

Programm gestellt, das die Berliner

Philharmoniker den jungen Finnen

Santtu-Matias Rouvalidirigieren lassen.

Natürlich muss die unterstellte

landsmannschaftliche Kompetenz

abgefragt werden mit zwei Werken

von Jean Sibelius und Uuno Klami,

dazwischen gibt es Maurice Ravels

mittlerweile reichlich abgedroschenes

G-Dur-Klavierkonzert mit Alice

Sara Ott als Solistin. Nun ist Finne

nicht gleich Finne. Jean Sibelius hat

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 8551) Late Night –Die

Show ihres Lebens 14.15; Once Upon aTime in...

Hollywood 16.30; Simon &Garfunkel „Live at the

Central Park“ 20.00

CinemaParis (✆ 881 31 19) Ein leichtes Mädchen

15.50, 20.30; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 18.10

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Und der Zukunft

zugewandt 15.15,17.50, 20.30

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 14.20, 16.40, 19.00,

21.20; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

16.50, 20.15; Synonymes 15.20, 18.00, 20.40;

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 17.30, 21.00;

Frau Stern 15.00,19.40; Synonymes (OmU) 17.00,

21.30; Diego Maradona (OmU) 15.15, 18.00,

20.45; Die Agentin 14.00, 16.40; Und wer nimmt

den Hund? 14.40, 19.15; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 15.00, 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Idioten der Familie

18.00; Mein Leben mit Amanda 20.15; Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen 17.45; Das

Wunder im Meer von Sargasso 20.00

Kant Kino (✆ 319 9866) Gut gegen Nordwind

15.00,17.45, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.40; Gloria: Das Leben wartet

nicht 17.30; Wer 4sind –Die Fantastischen Vier

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.20;

Das zweite Leben des Monsieur Alain 16.15; Die

Wurzeln des Glücks 18.30; Petting statt Pershing

20.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.40, 15.15; Leid und Herrlichkeit 20.00; Late

Night –Die ShowihresLebens 15.30, 17.45, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Playmobil: Der

Film 14.45; Madame Dubarry 19.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.30; Es: Kapitel

II 17.00, 20.45; Gut gegen Nordwind 14.10; Once

Upon a Time in... Hollywood 17.00, 20.30; Der

König der Löwen 14.30, 17.15; Angel Has Fallen

20.00; Es: Kapitel II 22.50; Die drei !!! 14.45; Gut

gegen Nordwind 17.15, 20.10; Once Upon aTime

in... Hollywood 23.00; Yesterday 14.20; Angel Has

Fallen17.00; DerKönig der Löwen 19.45; Es:Kapitel

II 22.30; Gloria: Das Leben wartet nicht 13.25,

15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

18.05; Late Night –Die Show ihres Lebens 20.30;

Angel Has Fallen 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 11.00; Ramen Shop –

Ramen Teh (OmU) 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.30; Es: Kapitel II 17.05,

20.00; Crawl (OF) 22.45; Cleo (OmenglU) 11.00;

Berlin, ILove You (OmU) 12.45; Die Agentin –The

Operative (OmU) 14.45; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 16.45; Mein Leben mit Amanda

(OmU) 18.45; The Dead Don‘t Die (OmU) 20.35;

Spider-Man: Far From Home (OF) 22.30; Der Goldene

Handschuh (DFmenglU) 11.00; Sunset –

Napszallta (OmU) 12.45; Schwimmen (DFmenglU)

15.15; Once Upon aTime in... Hollywood 17.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 19.45;

Idioten der Familie (DFmenglU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Frau Stern

14.15, 17.45; Und wer nimmt den Hund? 16.00;

Synonymes (OmU) 19.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 21.45; Carmine Street Guitars

(OmU) 14.00; Super Friede Liebe Love 15.45; Thinking

Like aMountain (OmU) 17.30; Über Grenzen

–Der Film einerlangen Reise19.15;The Whale and

the Raven (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Once Upon aTime

in... Hollywood 13.45, 16.30, 20.30; IMAX 3D:

Der König der Löwen 13.45; Aladdin 13.45; Stuber

–5Sterne Undercover14.00, 21.10; Gut gegen

Nordwind 14.00, 17.15, 20.15; Good Boys 14.00,

17.15, 21.00; Playmobil: Der Film 14.15; Es: Kapitel

II14.30, 16.15, 18.30, 20.15; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.45, 18.15;

Der König der Löwen 14.45; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.45, 16.45, 19.50; Meine

geliebte Unbekannte–Mon Inconnue (OmU) 15.00;

Good Boys (OF) 15.00; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 15.00, 18.00, 19.40; Late Night –Die Show

ihres Lebens 16.45; IAmMother 17.00; Angel Has

Fallen 17.20, 20.15; Spider-Man: Far From Home

17.40; 3D: Der König der Löwen 17.45, 20.40;

Once Upon aTime in... Hollywood (OF) 19.15; Es:

Kapitel II –It: Chapter Two(OF) 19.15; Crawl 21.10

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 23.00; Synonymes(OmU) 18.00; Frau Stern

20.20; Endzeit (OmenglU) 22.00

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 0200) Gut gegen Nordwind

13.30, 16.30, 19.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 13.30, 17.00; Pets II 13.45;

MeinLotta-Leben –Alles Bingomit Flamingo! 13.50;

Der König der Löwen 14.00, 16.20; Playmobil: Der

Film 14.10, 16.50; Es: Kapitel II 15.15, 16.00,

19.15, 19.45; Good Boys 16.40, 20.10; Once

Upon aTime in...Hollywood 19.20; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.30; Angel Has Fallen 19.40

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Und wer nimmt den

Hund? 14.00; Die drei !!! 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Leberkäsjunkie 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Gut gegen

Nordwind 14.15, 17.45, 20.20; Es: Kapitel II

14.15, 16.45, 19.30, 20.00; Playmobil: Der Film

14.20, 17.10; 3D: Der König der Löwen 14.30,

17.20; Good Boys 14.40, 17.40, 19.50; 3D: AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.45; Der

König der Löwen 14.50, 17.00, 20.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30; Mein

Lotta-Leben–Alles Bingomit Flamingo!15.10; Und

der Zukunft zugewandt 17.30, 20.10; Schmetterling

und Taucherglocke 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.40;Angel Has Fallen 20.30

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; B Ein leichtes

Mädchen –Une fille facile (OmU) 17.15, 19.30,

21.45

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Prelude

17.45; Golden Twenties 18.00, 22.15; Synonymes

(OmU) 19.45,21.45; Die untergegangene Familie –

Familia sumergida (OmU) 20.00

Moviemento (✆ 6924785) OnceUpon aTimein...

Hollywood (OmU) 10.00, 20.00; Ein leichtes Mädchen

13.15; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in

die Charts (OmU) 15.30; Frau Stern 18.00;Tel Aviv

On Fire (OmU) 23.15; Benjamin Blümchen 13.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

16.00; Prelude 18.15; Ein leichtes Mädchen –Une

fille facile (OmU) 20.30,22.45;MeinLotta-Leben –

Alles Bingomit Flamingo! 10.15; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 12.30,15.45, 22.00

Sputnik (✆ 694 1147) Cleo (OmenglU) 16.15;

Mein Leben mit Amanda (OmU) 18.00; Idioten der

Familie (DFmenglU) 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 22.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht –Gloria Bell (OmU) 16.15; Paranza: Der Clan

der Kinder –Laparanza dei bambini (OmU) 18.00;

DasWunder im Meer von Sargasso 20.00; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 22.15; Kinobar

im Sputnik Open Screening 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Mein Lotta-Leben 14.45;

Ein leichtes Mädchen 17.45, 21.50; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.00; New Und der Zukunft

zugewandt 15.20,17.00, 19.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Good Boys 14.30,

17.45; Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.15;

Playmobil: Der Film 15.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.15, 17.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.30; Es: Kapitel

II 16.45,19.45; Und der Zukunft zugewandt 17.30,

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00;

Angel Has Fallen 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Petting statt

Pershing 10.00, 18.30; Über Grenzen –Der Film

einer langen Reise 10.15; Mein Leben mit Amanda

10.30, 20.00; Und der Zukunft zugewandt 13.00,

20.30; Die Agentin 13.30, 18.00; Aladdin 15.15;

Und wer nimmt den Hund? 15.30; Der König der

Löwen 16.00; Late Night –Die Show ihres Lebens

17.45

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Gut

gegenNordwind 14.00, 16.45, 19.45,22.45;Good

Boys 14.00, 17.20, 20.15; Der König der Löwen

14.00, 16.55; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 17.15; Playmobil 14.15; Benjamin

Blümchen 14.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.30; Es: Kapitel II 14.30, 16.15,

18.30, 20.15, 22.30; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw16.45, 19.45,23.00; AngelHas Fallen17.15,

20.00, 23.00; Once Upon aTime in... Hollywood

19.45, 22.30; 3D: Der König der Löwen 19.45

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 17.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 19.00; ShortsAttack –Sundance

Shorts 2019 (OmenglU) 21.15; Cleo (OmenglU)

18.00; Das Wunder im Meer von Sargasso –Tothavma

tis thalassas ton Sargasson: The Miracle ofthe

Sargasso Sea (OmU) 20.00; Die untergegangene

Familie –Familia sumergida (OmU) 22.15

Babylon (✆ 242 59 69) KinderWagenKino: The

Dead Don‘t Die (OmU) 11.00; 60‘s Italia: China

ist nahe –LaCina evicina (OmenglU) 17.45; 60‘s

Italia: Mafioso (OmenglU) 18.00; 60‘s Italia: Liebe

‚62 –L‘eclisse (OmenglU) 19.30; Woodstock 50!:

Woodstock (OF) 20.00; 60‘s Italia: Mamma Roma

(OmU) 20.00; 60‘s Italia: Die rote Wüste –Ildeserto

rosso (OmenglU) 22.00; 60‘s Italia: Blow Up

(OF) 22.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 10.30, 13.45,

17.00, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 12.15, 16.30; Yesterday (OmU) 14.15,

21.00; Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU)

18.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Benjamin

Blümchen 11.00; Playmobil: Der Film 11.10,

14.10; Gut gegen Nordwind 11.15, 13.50, 16.45,

19.40, 22.40; Die drei !!! 11.15; Spider-Man: Far

From Home 11.20; AToy Story:Alles hört auf kein

Kommando 11.30, 14.00, 16.40; Der König der

Löwen 12.10, 14.20, 16.30, 19.15; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.20; Es: Kapitel

II 12.30,15.15, 16.15,19.00,20.00, 22.10,

22.50; Pets II 13.30, 15.45; Once Upon aTime

in... Hollywood 13.45, 17.00, 19.30, 22.50; Good

Boys 14.40, 17.30, 20.30; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.10, 19.50, 23.10; 3D:AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 18.00; Angel Has Fallen

20.15, 23.15; Crawl 20.40, 23.15; 3D: Der König

der Löwen 23.00

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen –Tell It to the Bees (OmU) 17.00;

Premiere: Ein Licht zwischen den Wolken –Streha

mes reve (OmU; m. Gästen) 19.30; Gloria: Das Leben

wartet nicht –Gloria Bell (OmU) 22.15; Frau

Stern (DFmenglU) 14.45; Idioten der Familie (DFmenglU)

16.45, 19.00; Liberte (OmenglU) 21.15;

Paranza: Der Clan der Kinder – La paranza dei

bambini (OmU) 14.15; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 16.45, 20.00; Blinded by the Light

(OmU) 14.30; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 17.00, 21.15; LateNight–Die Showihres

Lebens (OmU) 19.00; Golden Twenties (DFmenglU)

14.45; Und der Zukunft zugewandt 16.45, 19.00;

Once Upon aTime in...Hollywood (OmU) 21.15

International (✆ 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 14.00, 16.30

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Es: Kapitel II 14.00, 16.45, 19.30, 20.30; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.00,16.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.10; Gut gegen Nordwind 14.10, 17.00, 19.55;

Spider-Man: Far From Home 14.15; Der König der

Löwen 14.15, 17.40, 20.15; Playmobil: Der Film

14.20,17.00; Pets II14.30;

Geheimnis eines Lebens 15.00; Aladdin 16.35;

Angel Has Fallen 16.50; Good Boys 17.05, 19.50;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 17.15,19.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.30; Es: Kapitel II –

It: Chapter Two(OF) 19.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 20.30

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Die Agentin –The Operative

(OmU) 10.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

y gloria (OmU) 12.10; Mein Leben mit Amanda

(OmU) 14.15; Diego Maradona (OmU) 16.20; Synonymes

(OmU) 18.40; Preview: Euphorie –Euforia

(OmU) 20.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.50

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 17.00, 20.20; Gut gegen Nordwind

17.30,20.00; Frau Stern 16.40; Diego Maradona

(OmU) 18.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 17.00, 20.30; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 17.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 19.30, 22.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 17.45, 21.15;

Synonymes (OmenglU) 18.00, 20.50; Late Night –

Die Show ihres Lebens (OmU) 17.45, 20.00, 22.15

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Good Boys 14.00,17.25;AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.50; Der König der Löwen

14.10, 17.00; Playmobil: Der Film 14.20; Gut

gegen Nordwind 14.35, 16.30, 19.50; Es: Kapitel II

15.00, 16.15,19.00, 20.00; 3D: Der König der Löwen

19.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.40;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.10

Wolf (✆ 921 03 93 33) Synonymes (OmenglU)

12.00; Ein leichtes Mädchen – Une fille facile

(OmU) 12.00, 19.10; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 13.50; Ich war zuhause, aber...

(OmenglU) 14.30; Kiriku und die Zauberin 16.10;

Das Wunder im Meer von Sargasso –Tothavma tis

thalassas ton Sargasson: The Miracle of the Sargasso

Sea (OmU) 16.40; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU)18.00; Synonymes (OmU) 21.10;

Liberte (OmenglU) 21.20

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Und der

Zukunft zugewandt 18.00,20.30


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 25

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Tagestipp

KALENDER

r Göteborger Symphoniker.

sich nach Studien in Berlin undWien

bewusst des urbanen Raffinements

begeben und seine Symphonik der

nordischen Identitätsbeglaubigung

gewidmet, gerade in der Ersten Symphonie

sind die Einflüsse aus der finnischen

Epik atmosphärisch überdeutlich.

Der 35Jahre jüngere Uuno Klami

dagegen brachte aus seiner Studienzeit

in Paris, wo er auch Ravelbegegnete,

Eindrücke heim, die er auch

zur symphonischen Vertonung des

finnischen Kalevala-Epos gebrauchen

konnte –das klingt wie finnischer

Strawinsky. Sein Werk steht

vermittelnd zwischen der zurückgedrängten

Raffinesse von Sibelius’

landschaftlich geprägter Erster und

Ravels großstädtisch-raffiniertem

Klavierkonzert. Der1960 gestorbene

Klami, dessen Musik vermutlich

zum ersten Mal auf den philharmonischen

Notenpulten steht, war in

Finnland ein großer Name;wie Sibelius

erhielt er eine Staatspension, um

ungestörtkomponieren zu können.

Etwas ganz anderes: Am Sonnabend

werden im Konzerthaus erstmals

die „Oper! Awards“ verliehen.

Oper!ist eine relativ neue Zeitschrift,

KLASSIK

Akademisten: 18.9., 20 Uhr,Kammermusiksaal,

Herbert-von-Karajan-Str.1

Rusalka: 19.9., 19 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Str.1

Rachmaninow &Mussorgksy:

19., 20 .&21.9., 20 Uhr,Konzerthaus

am Gendarmenmarkt

Klami &Sibelius: 20. &22.9., 20 Uhr,

21.9., 19 Uhr,Philharmonie

Oper! Awards: 21.9., 19 Uhr,

Konzerthaus

KAAPO KAMU

die neben der hochkompetenten,

aber zuweilen etwas trockenen

Opernwelt auch etwas vom Glanz

der Gattungvermitteln will, ohne dabei

den fachlichen Anspruch niedriger

zu hängen. Und sobegnügt sich

der Chefredakteur Ulrich Ruhnke

nicht wie die Opernwelt mit der

staubig-schriftlichen Mitteilung, wer

sich denn laut Umfrage unter Journalisten

„Opernhaus des Jahres“

oder „Regisseur des Jahres“ nennen

darf. Hier wird eine Jury namhafter

Journalisten tätig, und die Preisträger

in den übrigens weitgehend gleichen

Kategorien werden öffentlich

im Rahmen einer Gala geehrt–sodie

Absicht, der kleine Werner-Otto-Saal

im Konzerthaus ist nicht der glamouröseste

Ortdes Hauses.

Nicht nur kann man nun interessante

Vergleiche anstellen zwischen

den Preisträgern von Oper! und

Opernwelt. Wenn der deutsche Film

im Rahmen der Filmpreis-Verleihung

mit allem Pomp seine Kümmerlichkeit

bemänteln darf, dann ist

eine glamouröse Preisverleihung zur

Darstellung der einzigartigen deutschen

Opernlandschaft nur angemessen

und überfällig.

Pop

Reifezeit

einer

Nomadin

Görlitzer Bahnhof, Kreuzberger

Hinterhöfe, Berliner

U-Bahn-Waggons. Das Video

zu Bülows Hit„NotALove

Song“ transportiert die Szene-

Atmosphäre der Metropole, in

die die junge Sängerin Megan

Bülow vor zwanzig Jahren hineingeboren

wurde. Was jedoch

folgte, war das nomadische

Leben einer Jugendlichen.

Bülow wuchs in Großbritannien,

Kanada und den

USA auf, ihren Schulabschluss

absolvierte sie in Den Haag.

Vielleicht ist das nur eine Einbildung,

aber ihr hingehauchter

Elektro-Pop scheint diese

polyglotte Weltläufigkeit mit

jedem Synthie-Ton auszuatmen.

Mankönnte ihr Erscheinungsbild

als jugendlich abgeklärt

beschreiben. Aber in

„Not A Love Song“ schildert

sie ganz authentisch die erste

Begegnung mit einem Jungen,

ehe sie für sich bemerkt,

dass sie noch nicht reif für

mehr ist. HarryNutt

Bülow Auster Club, 20 Uhr,

Pückler Straße34

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Spielleute-Session

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Frank Diez +Colin Hodgkinson, Special Guest:

HubertHofherr

Auster Club (✆ 611 33 02)

20.00: bülow

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Robins NestJam Session

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Will Jacobs BluesBand, Blue Wednesday

Show

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: K-Trap

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: SYML

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Jeannette Urzendowsky (Gesang) &Stan

Juraschewski (Piano)

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.00: The DeltaRiggs

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: OlgaAmelchenko, ONA Series

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: Islandman

Immanuelkirche (✆ 442 26 16)

19.00: Musiker der Gruppe Herbst in Peking,30

Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Justin Jesso

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Miss June

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: The Rubens

20.00: Betraying the Martyrs, special guests. Underside

&Shrezzers

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: LukeWinslow-King

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Jovi’sMainstream Session –Rock &Pop,

Gast: Hayley Reardon

Anzeige

Santtu-Matias Rouvali

Dirigent

Alice Sara Ott Klavier

Werkevon Ravel,

Klami und Sibelius

20.09.19/20Uhr

21.09.19/19Uhr

22.09.19/20Uhr

Philharmonie Berlin

Tickets: 030/25488999

berliner-philharmoniker.de

Foto:Heribert Schindler

Sally Bowles (✆ 92 27 77 35)

20.00: Lia Andes (voc./ piano/ comp.), Martin Lillich

(Basselo), Reggie Moore (Piano),Carmelo Leotta (Bass)

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Susie Asado +Zoe Boekbinder

SO36 (✆ 61 40 13 06)

21.00: La Vela Puerca

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Gitte Haenning &Band, Still crazy ...

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Adam Sikora Blues Trio

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: Super Funky Soul Wednesdays feat. Dorrey

L. Lyles

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Bass Station, Bassstation Berlin, Selekta Mik

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Slowmotor,Jiony, Señora

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Subsikus, Carlo Cattano, Hypnoiz, Jagg

Barcelona, Pitch!

Mokum (Danziger Str.56)

19.00: MokumHotshots Geburtstagsparty,Burnout

Bruno

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: Wayback Wednesday,

Fortune Taylor

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces –hosted by Dinamite,

Miragliotta, SLV

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchen swingt, Evan &Friends

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.00: El Ocaso –TangoArgentino

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Argentinischer Tango, Michael Rühl &friends

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.30 Roter Salon: Tangonacht

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Gut gegen

Nordwind 15.00, 17.40, 20.20; Und der Zukunft

zugewandt 15.30, 18.00, 20.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.15; Ein leichtes

Mädchen 17.20, 19.30, 21.30; Once Upon aTime

in... Hollywood 16.40,20.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.00; Und wer nimmt den

Hund? 17.15

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Der König der Löwen 13.45, 17.20; Gut gegen

Nordwind 13.50, 16.40, 19.30, 22.40; Mein Leben

mit Amanda (OmU) 14.00,19.00; Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 14.00; Die Wurzeln des

Glücks–Holy Lands (OmU) 14.15; AToy Story: Alles

hörtauf kein Kommando 14.20, 16.30; MeinLotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.30, 16.30;

Playmobil: Der Film 14.45; Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees (OmU)

16.30; Und der Zukunft zugewandt 16.40, 19.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.45,

20.15; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 16.50,

20.30, 21.50; Once Upon aTime in... Hollywood

19.00; Ein leichtes Mädchen – Une fille facile

(OmU) 19.00; Es: Kapitel II20.00, 22.20; Der König

der Löwen –The Lion King (OmU) 21.20; Leid

und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 21.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Über Grenzen –Der Film

einer langen Reise 19.00; Frau Stern 21.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Luft zum Atmen

–40Jahre Opposition bei Opel in Bochum 17.30;

Schwimmen (OmenglU) 18.45; Ich war zuhause,

aber... 20.30; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 22.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Gut

gegenNordwind 14.15, 17.05, 20.00, 22.45; Good

Boys 14.15, 16.50, 19.45, 22.40; Benjamin Blümchen

14.15; Der König der Löwen 14.25, 17.10;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.00, 19.55; Playmobil: Der Film 14.40;

Es: Kapitel II14.40, 16.25, 18.30, 19.40, 22.20;

Die drei !!! 14.45; Once Upon aTime in... Hollywood

14.50, 16.30, 19.10, 22.25; Spider-Man:

Far From Home 17.05; Late Night –Die Show ihres

Lebens 17.10, 20.00; 3D: Der König der Löwen

19.35; Angel Has Fallen 19.50, 22.45; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 20.05, 22.30; Crawl 22.40;

Little Monsters 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Late Night –Die Show ihres Lebens 15.00, 20.05;

Und der Zukunft zugewandt 17.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Yesterday 18.00; Leid

und Herrlichkeit 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00

Urania-Filmbühne (✆ 218 90 91) Papua-Neuguinea

–eine Filmreise: Vortrag mit Filmbeispielen (m.

Pause) 16.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees (OmU)

18.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) Playmobil:

Der Film 10.00, 11.55; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.00; Der

König der Löwen 10.00, 12.05, 14.45, 20.00;

Benjamin Blümchen 10.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 10.00, 12.30, 14.15, 17.30;

Pets II 12.30; Gut gegen Nordwind 14.15, 17.15,

20.00; Geheimnis eines Lebens 15.00; Es: Kapitel

II 15.10, 16.45, 19.00, 20.30; Good Boys 17.10;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.30

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Und

wer nimmt den Hund? 16.00; Leid und Herrlichkeit

18.00; Sowie du mich willst 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Gut gegen Nordwind

14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

Playmobil: Der Film 10.00, 12.10, 17.55; Pets II

10.00,12.30,14.40; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 10.00, 11.55, 14.15; Die drei !!!

10.00, 12.00; Der König der Löwen 10.00, 14.15,

16.30, 20.40; Benjamin Blümchen 10.00, 12.05;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 10.00,

12.25, 14.50, 17.20; Good Boys 11.55, 14.15,

16.55, 19.30, 23.00; Es: Kapitel II 14.15, 16.40,

19.30, 20.15, 23.00; Geheimnis eines Lebens

15.00; Spider-Man: Far From Home 16.55; Once

Upon aTime in... Hollywood 17.05, 20.30, 22.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.55; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two(OF) 20.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Mein Lotta-

Leben –AllesBingomit Flamingo!15.00;Der König

der Löwen 15.30, 18.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.45, 18.00; Es: Kapitel II 17.00, 20.30;

Gut gegen Nordwind 18.00, 20.30; Once Upon a

Time in...Hollywood 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Gesellschaft für Fantastikforschung:

Die unendliche Geschichte (m.

Gästen) 19.00; Magical History Tour: Besprechung

20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Spider-Man: Far From Home 12.30, 14.50, 19.20,

22.30; Gut gegen Nordwind 12.30, 14.00, 16.30,

19.45, 23.00; Es: Kapitel II 12.30, 14.00, 16.00,

17.15, 19.00, 20.15, 21.15, 22.10; Der König

der Löwen 12.30, 14.00, 17.10, 19.00; 3D: Der

König der Löwen 13.00, 16.20, 19.30, 22.30;

Drei Schritte zu Dir 13.10; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 13.30, 17.00, 20.30, 22.40; Angel Has

Fallen 13.30, 16.30, 19.30, 22.40; Good Boys

13.50, 16.50, 19.40, 23.00; Pets II 14.00; Ein

leichtes Mädchen 14.00, 17.30, 20.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.00, 19.30;

Gloria: Das Leben wartet nicht 14.10; Playmobil:

Der Film 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

15.40, 16.30, 18.15, 20.15, 22.30; Aladdin

15.45, 19.30; Der Honiggarten: Das Geheimnis der

Bienen 16.15; K-12 (OmU) 16.40; Und der Zukunft

zugewandt 16.45, 19.40; 3D:AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 17.00; Paranza: Der Clan der

Kinder 17.10; Die Agentin 19.20; Yesterday 20.00,

23.00; Late Night –Die Show ihres Lebens 20.10;

Stuber – 5 Sterne Undercover 22.00; Avengers:

Endgame 22.10; Crawl 22.20; John Wick: Kapitel

III 22.40; Annabelle III 22.45; IAmMother 22.50

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Late Night –Die Show ihres Lebens (OF) 13.30,

19.45; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 13.30,

16.30, 20.15, 22.45; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando –Toy Story IV(OF) 13.50, 17.00,

20.25; Playmobil: Der Film –Playmobil: The Movie

(OF) 14.15; Der König der Löwen –The Lion King

(OF) 14.15, 19.30; Good Boys (OF) 14.30, 17.15;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 15.00,

17.45, 19.00, 21.45, 23.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw (OF) 16.15, 22.30; Angel Has Fallen (OF)

19.45, 22.50; 3D: Der König der Löwen –The Lion

King (OF) 22.30

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 11.00, 15.00, 22.50; Es:

Kapitel II 19.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Frau Stern

(OmenglU) 18.00; Congo Calling (OmU) 19.45; Synonymes

(OmU) 21.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Playmobil: Der Film 10.00,

12.00, 14.00, 16.00; Good Boys 10.00, 12.00,

16.00, 18.00, 20.15, 22.30; Es: Kapitel II10.00,

16.30, 18.00, 20.15, 22.00; Angel Has Fallen

10.00,18.00,20.00, 22.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 10.00, 12.15, 14.30, 17.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 16.00; Benjamin Blümchen 14.00; Pets II

14.30; Once Upon aTime in...Hollywood 20.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Gloria: Das Leben

wartet nicht 16.00; Cleo 18.15; Mein Leben mit

Amanda 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Good Boys 14.00, 17.15, 20.10; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.00, 16.30; Und der

Zukunft zugewandt 14.15, 17.30, 19.45; Gut gegen

Nordwind 14.15, 16.50, 19.50; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.20; Der König der

Löwen 14.25, 16.45, 20.10; Playmobil: Der Film

14.30; Es: Kapitel II15.00, 16.15, 19.00, 20.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 15.30, 19.15;

Angel Has Fallen 17.05, 19.50; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.05

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Der

König der Löwen 14.00, 17.45, 19.30; Playmobil:

Der Film 14.10; Es: Kapitel II 14.10, 16.45, 19.30,

20.20; Gut gegen Nordwind 14.15, 17.30, 20.20;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.15,

16.50; Geheimnis eines Lebens 15.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw16.30; Angel HasFallen16.30,

20.30;GoodBoys17.00, 19.15; Once UponaTime

in...Hollywood 19.30

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) La tete

haute –Standing Tall (OmenglU) 19.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) The Whale and the

Raven (OmU) 19.00; DasWunder imMeer von Sargasso

–Tothavma tis thalassas ton Sargasson: The

Miracle of the Sargasso Sea (OmU) 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00)Und der Zukunft zugewandt

12.15; Gut gegen Nordwind 14.45, 17.30,

20.15; Gut gegen Nordwind 10.45; Benjamin

Blümchen 13.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.45; Und der Zukunft zugewandt

18.00,20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Prelude

16.00; Diego Maradona 18.00; Synonymes 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Deraltedeutsche

Film: Der Reigen 15.45; The Whale and the Raven

(OmU) 18.00; Leid und Herrlichkeit 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78)Das zweite Lebendes Monsieur

Alain 18.00; Das Ende der Wahrheit 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und der Zukunft zugewandt

15.45,20.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15

FREILUFTKINOS

Open-Air-KinoSchlossparkBiesdorf (✆ 998 74 81)

Und wer nimmt den Hund? 20.05

Openair Kino Spandau (✆ 333 6081) Cleo 20.15

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Der

Junge muss an die frische Luft 17.00; Die rote Linie

–Widerstand im Hambacher Forst (m. Gästen u.

Gespräch) 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Und der

Zukunft zugewandt 13.45, 16.00, 18.15, 20.45;

The Whaleand the Raven(OmU) 14.00;Gloria:Das

Leben wartet nicht 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.45; Über Grenzen –Der

Film einer langen Reise 16.15,20.45;ImLandmeinerKinder

16.15; Frau Stern 16.45;Und wernimmt

den Hund? 18.30; Idioten der Familie 18.30; Zu

jeder Zeit: Lernwege in derPflege18.45;OnceUpon

aTime in... Hollywood (OmU) 20.30; Mein Leben

mitAmanda 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 13.40;

Der König der Löwen 13.45, 16.35; Benjamin

Blümchen 13.50; Playmobil: Der Film 13.55; Gut

gegen Nordwind 14.00, 17.00, 19.55; Good Boys

14.10, 16.50, 19.40; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.20; Es: Kapitel II 14.20,

16.10,19.00, 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

16.15, 19.50; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

16.30, 19.30; Angel Has Fallen 17.00, 20.00; 3D:

Der König der Löwen 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Geheimnis

eines Lebens 15.00; Gut gegen Nordwind 17.10,

20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Und der Zukunft zugewandt 17.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Playmobil:

Der Film 14.30, 17.00; Pets II 14.30; Es: Kapitel

II 14.30, 16.45, 19.30, 20.15; 3D: Der König der

Löwen 14.30, 17.15, 19.50; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.30, 17.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.40, 17.00; Die

drei !!! 14.40; Gut gegen Nordwind 14.45, 16.50,

20.20; Good Boys 15.00, 18.15, 20.30; Der König

der Löwen 15.00, 17.40; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.00, 20.10; Angel Has Fallen 17.30,

20.20; 3D: Avengers: Endgame 19.30; Once Upon

aTime in...Hollywood 19.40; Stuber –5Sterne Undercover

20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 15.00;

Playmobil: Der Film 15.15; Der König der Löwen

15.30;Es: KapitelII17.00, 20.15; Gutgegen Nordwind

17.30, 20.30; Good Boys 18.15; Once Upon

aTime in...Hollywood 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Der König der Löwen 14.45, 17.15; Playmobil: Der

Film 15.00; Gut gegen Nordwind 15.10, 17.30,

20.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.15; Es: Kapitel II 17.00, 20.00; Undder Zukunft

zugewandt 17.45; Angel Has Fallen 19.45; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 20.20

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 15.45;

DieFrau des Nobelpreisträgers17.45; Once Upona

Time in... Hollywood 19.45

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.45; Der König

der Löwen 15.30; EsII17.00, 20.30; Good Boys

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/84 75 84)

3D: Der König der Löwen 16.00; Gloria: Das Leben

wartet nicht 18.15; Und der Zukunft zugewandt

20.15

Scala KulturpalastWerder (✆ 033 27/462 31 75)

Playmobil: DerFilm14.15; Gloria: DasLebenwartet

nicht 16.15; Leberkäsjunkie 18.15; Late Night–Die

Show ihres Lebens 20.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Kleiner

Aladinund der Zauberteppich 16.30;Die Kinder der

Utopie 18.15;ÜberGrenzen–DerFilmeiner langen

Reise 20.15


26 * Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019

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Netzwerk

WERKSTATT

Das

kindersichere

Smartphone

VonDaniel Dangelmaier

Mobilgeräte gehören heute zum

Alltag und es wäre falsch, vernunftbegabten

Kindern den Zugang

zu Smartphones und Tablet-PCs zu

verweigern. Allerdings sollte der

Nachwuchs schnell lernen, dass moderne

Technik kein Spielzeug ist. Mit

wenigen Bildschirmberührungen

sind Dateien gelöscht, kostenpflichtige

Abos abgeschlossen oder anstößige

Seiten aufgerufen. Um dies zu

verhindern, können Eltern den Zugriff

auf Apps, Internetseiten und

Funktionen mit Hilfe des Betriebssystems

einschränken.

Bei Android-Tablets ist dies beispielsweise

in den „Einstellungen“

unter „Profile“ möglich. Dort lässt

sich ein„eingeschränktes Profil“ einrichten,

das nur zuvor ausgesuchte

Apps öffnet. Auf Geräten mit Android

5und höher findet sich im Bereich„Sicherheit“

außerdem der Menüpunkt

„Bildschirmanheften“ bzw.

„Bildschirmfixierung“. Ist diese Option

aktiviert, kann das Kind ausschließlich

die gepinnte Appnutzen.

Das System wird erst nach der Eingabe

einer abgespeicherten Tastenkombination

wieder freigeschaltet.

ImVergleich zu Googles Basisprogramm

bietet Apples iOS deutlich

mehr Bordmittel. Über „Bildschirmzeit“

lassen sich eine ganze Reihe

von Limits festlegen. Fast alle Funktionen

inklusive In-App-Käufe und

Kamera sind zu- und abschaltbar.

Darüber hinaus blockiert iOS auf

Wunsch auch gespeicherte Medien,

lässt anstößige Angebote aus dem

iTunes- oder TV-Storeverschwinden

und sperrtden Zugang zu jugendgefährdenden

Webseiten. Besonders

praktisch: Durch die Auszeit lässt

sich die Nutzungszeit auf ein vernünftiges

Maßbeschränken.

Anwender, denen die Androidoder

iOS-eigenen Möglichkeiten zur

Kindersicherung nicht weit genug

gehen, können zusätzlich spezielle

Apps installieren. Die von vielen Experten

empfohlene „Kids Place“-

Software von Kiddoware etwa kappt

sämtliche Funkverbindungen, um

die Strahlenbelastung des genutzten

Geräts niedrig zu halten. Diekostenpflichtige

Version der ansonsten gratis

erhältlichen Android-App ist den

Entwicklern zufolge manipulationssicher

und verfügt über einen Tagestimer

für einzelne Apps.

Für „Kidoz: Sicheres Spielen mit

Freispielen“ stehen ebenfalls zusätzliche

Inhalte wie ein Kinder-Browser

in Form von In-App-Käufen bereit.

Mehrere Dutzend Spiele, Lern-Apps

und Media-Funktionen stehen in

der Kidoz-Softwareohnehin zur Verfügung.

Aus aktuellen Bewertungen

geht jedoch hervor, dass die Software

mit älteren Android-Versionen Probleme

hat.

Umfangreiche Kostenlos-Apps

suchen Besitzer von Apple-Produkten

vergebens.Doch mit der„Kidslox

Kindersicherungs-App“ übernehmen

Eltern die volle Kontrolle über

Einschaltzeiten, Tageslimits und

Web-Filter. Sogar Fernzugriffe über

zuvor gekoppelte iPhones erlaubt

das Programm. Die allumfassende

Überwachung muss Erziehungsberechtigten

allerdings 40,99 Euro pro

Jahr wert sein.

Daniel Dangelmaier

schreibt seit 17 Jahren

über Digitales.

Röntgenaufnahme nach einer Operation der Halswirbelsäule.

Ohne Schutz im Krankenbett

Weltweit stehen Millionen Gesundheitsdaten offen im Netz. Auch deutsche Patienten sind betroffen

VonTim Szent-Ivanyi

Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder,

Röntgenaufnahmen

eines Brustkorbs

– Millionen hochsensibler

Datensätze von Patienten

aus aller Welt, darunter auch aus

Deutschland, sollen seit Jahrefreiim

Internet zugänglich sein. Das haben

Recherchen des Bayerischen Rundfunks

(BR) und der US-amerikanischen

Rechercheorganisation Pro-

Publica aufgedeckt. Das für IT-Sicherheit

zuständige Bundesamt für

Sicherheit in der Informationstechnik

(BSI) bestätigte die Datenlecks.

In Deutschland sind laut BR-Recherchen

mehr als 13 000 Datensätze

von Patienten betroffen. Sie

waren noch bis vergangene Woche

zugänglich und stammen von mindestens

fünf verschiedenen Standorten.

Der größte Teil der Datensätze

entfällt auf Patienten aus dem Raum

Ingolstadt und aus Kempen in Nordrhein-Westfalen.

Gezielte Suche

Untersuchung: Wenn Patienten

in einer MRT-Röhre untersucht

werden, entstehen

zwei- und dreidimensionale

Bilder vomKörperinneren.

Diese werden auf einen speziellen

Servergeschickt, der

für die Bildarchivierung verwendet

wird.

Weltweit soll die Dimension deutlich

größer sein, Server auf der ganzen

Welt seien ungeschützt: In rund 50

Ländern von Brasilien über die Türkei

bis Indien sollen 16 Millionen

Datensätze offen im Netz sein. Besonders

betroffen sind Patienten aus

den USA. Allein bei einem einzelnen

Anbieter für radiologische Untersuchungen

lagen nach einer Auswertung

von ProPublica mehr als eine

Million Datensätze von Patienten

vor.

Das Problem sind den Recherchen

zufolge spezielle Computersysteme,

in denen die Bilddaten von

MRT-,Sonografie- oder Röntgengeräten

abgespeichert werden. Diese

Server sind durch Netzwerke mit anderen

Klinikabteilungen verbunden,

damit diese auf die Daten zugreifen

können. Um einen Zugriff über das

Internet zu verhindern, müssen die

Server eigentlich besonders gesichert

werden, etwa durch Passwörter.Das

war aber nicht der Fall.

Den Stein ins Rollen brachte ein

deutscher Computerexperte, der offenbar

gezielt nach Sicherheitslücken

bei den Klinikservern gesucht

hatte.Nach Angaben vonProPublica

fand er neben fünf offenen Servern

in Deutschland insgesamt 187 ungeschützte

Systeme in den USA. „Daist

nicht einmal Hacken nötig, das ist

wie eine offene Tür“, zitiert ProPublica

einen US-Sicherheitsexperten.

Das Problem ist allerdings nicht

neu: Bereits 2016 veröffentlichte ein

Professor der Harvard Medical

School eine Studie zu ungeschütz-

DATENQUELLEN

Archivierung: In diesem sogenannten

Picture Archiving

and Communication System“

(PACS) landen auch

Röntgenaufnahmen und Bilder

aus der Computertomografie

auf diesen Servern,

wie der Bayerische Rundfunk

berichtete.

Gefahr: Sind die Servernicht

ausreichend gesichert, sei es

sehr einfach, an die Daten

heranzukommen, sagte der

Expertefür Informationssicherheit,Dirk

Schrader,dem

Sender. Schraderhatte weltweit

mehr als 2300 Rechner

mitDatensätzengefunden.

ten Bild-Servern in Kliniken. Damals

hatte er weltweit 2700 offene

Systeme ausfindig machen können.

Das führte aber nicht zu Konsequenzen.

Wichtig zu wissen: ProPublica erklärte,keine

Beweise dafür gefunden

zu haben, dass Patientendaten aus

den offenen Datenbanken kopiert

und an anderer Stelle veröffentlicht

worden seien. Auch das deutsche

BSI erklärte,eslägen keine Informationen

darüber vor, „dass die Patientendaten

tatsächlich in krimineller

Absicht abgeflossen sind. “Das BSI

kritisierte,der Zugriff sei möglich, da

„einfachste IT-Sicherheitsmaßnahmen

wie ein Zugriffsschutz durch

Nutzername und Passwortoder Verschlüsselung“

nicht eingesetzt worden

seien.

Das BSI war von dem deutschen

Computerexperten informiert worden.

DieBehörde hat daraufhin nach

eigenen Angaben die betroffenen

medizinischen Einrichtungen in

Die Zukunft des Sex

Deutschland sowie 46 internationale

Partnerorganisationen über das Datenleck

informiert. „Wenn selbst bei

so sensiblen Daten wie Röntgenaufnahmen,

Mammografien oder MRT-

Bilderngrundlegende IT-Sicherheitsmaßnahmen

missachtet werden,

zeigt das,dassIT-Sicherheit noch immer

nicht den Stellenwerteinnimmt,

den sie verdient“, beklagte BSI-Präsident

Arne Schönbohm.

Ungesicherte Server

Bundesgesundheitsminister Jens

Spahn (CDU) forderte ebenfalls die

Brancheauf,dem DatenschutzPriorität

einzuräumen. Zu viele nähmen

das Thema noch „zu sehr auf die

leichte Schulter“. Höchster Datenschutz

sei aber wichtig, um Vertrauen

auch in das digitale Gesundheitswesen

zu erhalten. Die Deutsche

Krankenhausgesellschaft

(DKG) ging in ihrer Stellungnahme

nicht darauf ein, warum Kliniken die

Server ungesichert ließen. DKG-

Hauptgeschäftsführer Georg Baum

erklärte nur, die Krankenhäuser

seien sich der Verantwortung für die

Patientensicherheit bewusst. Er forderte

zugleich mehr Geld für die

Krankenhäuser,umdie Cybersicherheit

zu gewährleisten.

Die Grünen mahnten an, die Datenschutzbehörden

besser auszustatten,

um „schnell und vielleicht

sogar präventiv“ auf solche Vorkommnisse

reagieren zu können.

„Datenschutz und Datensicherheit

müssen in unserem Gesundheitswesen

so selbstverständlich werden wie

Händewaschen“, verlangte die Grünen-Gesundheitspolitikerin

Maria

Klein-Schmeink.

Es geht um Identität, Gesundheit und Missbrauch: Wassich bei der Technik für die Intimzone tut

VonSteffen Herrmann

Fast jeder ist fast überall online –

im Büro, auf der Couch oder in

der Sporthalle. Auch die Liebe ist

vom digitalen Umbruch nicht verschont

geblieben: Man lernt sich

über Dating-Apps kennen, schickt

sich Liebesgrüße via Whatsapp und

dokumentiert das Liebesglück auf

Instagram.

Die Digitalisierung von Sex spielt

dagegen in der öffentlichen Wahrnehmung

bislang kaum eine Rolle.

Doch Bryony Cole ist sich sicher,

dass genau das der nächste Schritt ist

–die Verzahnung von Sex, Intimität

und Technologie. Die Amerikanerin

ist Chefin des Unternehmens Future

of Sex.

Sex-Tech sei mehr als bloß eine

fantastische Idee, sagt Cole auf der

Me Convention in Frankfurt am

Main. „Es geht um alles: sexuelle

Identität, Gesundheit, aber auch

Missbrauch.“ Neue Technologien

seien eine große Chance, das zu verbessern,

was manchmal schlecht

laufe.Ein Beispiel, wie Sex-Tech neue

Wege von Intimität schaffe, sei etwa

Kissinger. Die App will Küssen via

Smartphone möglich machen. Dabei

wird ein Aufsatz auf das Smartphone

gesetzt. Darin sind Sensoren, die Berührungen

wahrnehmen und an den

Empfänger eins zu eins weitergeben.

Man muss zum Küssen also nicht

mehr im selben Raum sein.

Viele Firmen haben sich dem

Schutz von Frauen verschrieben. In

den überfüllten U-Bahnen Japans

nutzen Männer immer wieder die

Enge aus, um Frauen zu begrapschen.

Hunderttausende Mal luden

japanische Frauen deshalb die App

Diggi Police auf ihre Smartphones.

Werden sie betatscht, können sie einen

Alarmton aktivieren, auf dem

Display erscheint ein Hilferuf, den

die Frauen herumzeigen können.

In Südafrika gibt es wiederum

schon seit fast zehn Jahren ein Antivergewaltigungskondom.

Rapeaxe

wird wie ein Tampon eingeführt.

Wird ein Mann übergriffig, bohren

sich kleineWiderhaken in dessen Penis,

die nur ein Arzt lösen kann, der

es dann der Polizei meldet. „Ich war

geschockt, als ich davon erfahren

habe“, sagt Cole.Aber Sex-Tech biete

faszinierende Wege, auch Probleme

mit sexueller Gewalt zu lösen.

Wasnicht funktioniert

IMAGO IMAGES

Ein Konzept lehnt Cole aber rigoros

ab: Apps, mit denen sich Menschen

vordem Geschlechtsverkehr ihr Einverständnis

versichern. „Das funktioniert

nicht“, sagt Cole. Sex sei

schließlich ein Prozess, das Ok

müsse immer wieder neu gegeben

werden. EinJazuallem sei Unsinn.

Ohne

Lokführer,aber

nicht autonom

Die TU Chemnitz testet den

Bahnverkehr der Zukunft

ImErzgebirge ist erstmals ein Zug

mit Fernsteuerung über den

neuen Mobilfunkstandard5Ggefahren.

Auf der Versuchsstrecke zwischen

Annaberg-Buchholz und

Schwarzenberg absolvierte der Laborzug

„Lucy“ am Dienstag am

Bahnhof Schlettau eine Aus- und

eine Einfahrt. „Es ist weltweit das

erste Mal, dass ein Zug teleoperiert

über 5G gefahren ist“, sagte Sören

Claus, Technischer Leiter des Projekts

„Smart Rail Connectivity Campus“

(SRCC).

Am SRCC in Annaberg-Buchholz

forschen unter Leitung der TU

Chemnitz rund 120 Partner ausWirtschaft

und Wissenschaft zum Bahnverkehr

der Zukunft. Unterstützt

wird die Forschung vom Bund über

das Förderprogramm „WIR! –Wandel

durch Innovation in der Region“

und vomFreistaat Sachsen.

Steuerung ausdem Koffer

Für das Forschungsprojekt hatte

das Telekommunikationsunternehmen

Vodafone kürzlich einen

mobilen Gittermast mit zwei 5G-

Antennen errichtet. Über Kameras

wurde das Signal aus dem Triebwagen

zu einem Fahrzeug des Deutschen

Zentrums für Luft- und

Raumfahrt (DLR) übertragen. Dort

saß der Lokführer an einem ausgelagerten

Führerstand –einem Koffer

mit Bildschirmund Schaltknöpfen

–und steuerte die Fahrt wie bei

einer Modelleisenbahn aus der

Ferne. (dpa)

Die Tests im Erzgebirge werden durch

Bund und Freistaat Sachsen gefördert. DPA

Erschöpft am

heimischen

Schreibtisch

Arbeit im Homeoffice bringt

mehr psychische Belastung

Arbeit im Homeoffice birgt einer

Studie zufolge neben einer hohen

Flexibilität auch eine Reihe von

Nachteilen. Nach einer am Dienstag

vorgestellten AOK-Befragung fühlten

sich 73,4 Prozent derjenigen, die

häufig im Homeoffice arbeiten, in

den vergangenen zwölf Monaten erschöpft.

Bei denen, die ausschließlich

im Büro tätig sind, waren es 66

Prozent. Befragt wurden 2000 Beschäftigte

zwischen 16 und 65 Jahren.

Auch über Wut und Verärgerung

klagten im Homeoffice mehr

Beschäftigte (69,8 Prozent gegenüber

58,6 Prozent), bei Nervosität

und Reizbarkeit waren 67,5 Prozent

imVergleich zu 52,7 Prozent, wieder

AOK-Bundesverband mitteilte. „Im

Homeoffice verschwimmt die

Grenze zwischen Job und Privatleben

stärker“, erklärte Helmut

Schröder vom Wissenschaftlichen

Institut der AOK (WidO). „Damit

wächst das Risiko, dass Erholungsphasen

schrumpfen.“ Trotz der höheren

psychischen Belastung haben

Beschäftigte,die häufig im Homeoffice

arbeiten, geringere Fehlzeiten

(7,7 Tage), als solche, die nur am

Unternehmenssitz tätig sind (11,9

Tage). (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)

Meister desAlltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG)Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG)Verrückt nach Meer 17.00 (für

HG) Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 (für HG)

Gefragt –Gejagt 18.50 (für HG) Hubertund

Staller. Haus am See 19.45 (für HG) Wissen vor

acht –Werkstatt 19.55 (für HG) Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Hanne

TV-Drama,D2018

Mit Iris Berben, Petra Kleinert, Herbert

Knaup, Trystan Pütter u.a.

21.45 (für HG) Plusminus

Das Wirtschaftsmagazin

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Maischberger

Die unheimliche Weltmacht: Wie

bedrohlich ist China?

0.00 (für HG) Nachtmagazin

0.20 (für HG) Hanne

TV-Drama,D2018

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report. Mutter findet blutverschmiertes

Laken /Verprügelte Prostituierte

12.00 Punkt 12. Moderation: Roberta Bieling

14.00 Die Superhändler–4Räume, 1Deal

15.00 Die Superhändler–4Räume, 1Deal

16.00 Mensch Papa!Väter allein zu Haus 17.00

Herz über Kopf. Krimiserie 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG)Alles was zählt. Soap 19.40 (für

HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Die 25... Unglaublichsten Storys, die

sie garantiert weitererzählen werden-

Diskussionsthema kinderloses

Restaurant auf Rügen /Grabverlosung

/Bester Sohn der Welt

Moderation: Sonja Zietlow

22.15 sternTV

Ungewöhnliche Häufung? Was steckt

hinter den Geburten von Kindern mit

Fehlbildungen?

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der

Spur Sackgasse. Krimiserie

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

Maße: 16,5 ×30,5 ×9,5 cm (B/H/T)

MDR WDR Arte

14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR

um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00 MDR

Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für

HG) Tierisch, tierisch 20.15 (für HG) Exakt

20.45 (für HG) Exakt –Die Story 21.15 (für

HG) Echt 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für

HG) Tatort. Auge um Auge.TV-Kriminalfilm, D

2017 23.33 (für HG) Lammerts Leichen 23.40

(für HG) Kanzleramt Pforte D 0.25 (für HG)

extra 3 1.10 (für HG) Lindenstraße

Bayern

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Stationen 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Münchner Runde 21.00 (für HG) Kontrovers

21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Der große Run auf die Berge –

Neue Herausforderungen für die Retter 22.45

(für HG) Mount Everest –Der letzte Schritt

23.45 kinokino 0.00 (für HG) Verfehlung. Drama,

D2015 1.35 (für HG) Dahoam is Dahoam

Vox

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

Die schönste Braut 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00

Das perfekte Dinner –Wer ist der Profi? 20.00 Prominent!

20.15 (für HG) The Good Doctor 21.15

(für HG) The Good Doctor 22.10 (für HG)Chicago

Med 23.05 (für HG) ChicagoMed 0.00 nachrichten

0.20 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Kindheitstrauma

Super RTL

14.25 Zak Storm –Super Pirat 14.55 Dragons

–Auf zu neuen Ufern 15.20 Mr.Bean –

Die Cartoon-Serie 15.50 ALVINNN!!! und die

Chipmunks 16.20 Zig &Sharko –Meerjungfrauen

frisst man nicht! 16.45 Hotel Transsilvanien

–Die Serie 17.15 Inspector Gadget

17.45 Zak Storm –Super Pirat 18.15 Die Tom

und Jerry Show 18.45 Woozle Goozle 19.15

ALVINNN!!! und die Chipmunks 19.45 Angelo!

20.15 (für HG) Dr.House 21.10 (für HG) Dr.

House 22.00 (für HG) Dr.House 22.55 (für

HG) Dr.House 23.50 Comedy total

Sport1

15.30 StorageHunters. Wüstengold 16.00 StorageHunters.

Schweiß und Schweißgeräte

16.30 StorageWars –Geschäfte in Kanada.

Roys Rollenspiel 17.00 StorageWars –Geschäfte

in Kanada. Lagerverkauf 17.30 Poker 18.30

Scooore! –Internationales Fußball-Magazin

19.15 Sport1News 19.30 FC Bayern Inside

20.00 Fantalk. Moderation: Laura Papendick,

Valentina Maceri. Gäste: Peter Neururer,Olaf

Thon, Oliver Pocher,Hartwig Thöne,Thomas Herrmann

23.15 Sport1 News 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Liebe

deinen Nächsten 11.15 (für HG)SOKOWismar.

Hundeleben 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute

–inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heuteXpress 15.05 (für HG) Bares

für Rares 16.00 (für HG) heute–inEuropa

16.10 (für HG) DieRosenheim-Cops. Erst reich,

dann tot 17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SOKO Wismar. Todesstrafe 19.00

(für HG)heute 19.25 (für HG) DieSpezialisten –

Im Namen derOpfer. Gespenster

20.15 (für HG) Aktenzeichen XY ... ungelöst

Mysteriöser Vermisstenfall /

Schrecklicher Verdacht /Trio überfällt

zwei Paare /Gezielter Angriff /Der XY-

Preis 2019.Moderation: Rudi Cerne

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 auslandsjournal

22.45 (für HG) Boeings Todesmaschinen

Der Skandal um die 737 Max

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Syriens Herrscher –Das HausAssad

Arabischer Frühling und Bürgerkrieg

5.30 Frühstücksfernsehen. Christoph Scheermann.

Moderation: Marlene Lufen, Daniel Boschmann

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen

für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas,Alexander

Stephens, Isabella Schulien 11.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie! Mit Alexander

Hold, StephanLucas,Alexander Stephens, Isabella

Schulien 12.00 Anwälte im Einsatz 13.00

Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife.Reportagereihe

15.00 AufStreife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.00 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer 18.00 Die Ruhrpottwache

19.00 Genial daneben –Das Quiz

19.55 Nachrichten

20.15 Plötzlich arm, plötzlich reich –das

Tauschexperiment

VomAutokönig zum Altenpfleger

Kandidaten: Andreas Hofele (280-Quadratmeter-Villa),

Karsten Schöne

(60-Quadratmeter-Wohnung)

22.25 SAT.1 Reportage

In der Schuldenfalle –Der Haftbefehl

23.25 SpiegelTV–Reportage Brennpunkt –

Die Feuerwehr Berlin-Neukölln

0.30 Plötzlich arm, plötzlich reich –das

Tauschexperiment

VomAutokönig zum Altenpfleger

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Markt 21.00 (für HG) Doc Esser 21.45 (für

HG) Aktuell 22.10 (für HG) Klima retten –und

die Welt verändern? 22.55 (für HG) sport inside

23.25 (für HG) Das Bonn-Berlin Duell

0.10 (für HG) Maischberger 1.25 (für HG) Unterwegs

im Westen

NDR

16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für

HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Wie geht das? 18.45

(für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Expeditionen

ins Tierreich 21.00 (für HG) Helgoland...

mit Judith Rakers 21.45 (für HG) aktuell

22.00 (für HG) Großstadtrevier. Und bist du

nicht willig... 22.50 (für HG) extra 3Spezial

23.20 (für HG) Zapp 23.50 (für HG) 7Tage ...

0.20 Kümo „Henriette”. Seemann ist nicht

Seemann 0.45 (für HG) Visite

Kabel eins

8.25 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.20 Navy CIS: L.A. 10.15 Navy CIS 11.05

Without aTrace 12.00 Numb3rs 13.00 Castle

13.55 The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal,Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Quiz mit Biss 20.15

Bundespolizei LIVE: Großkontrolle ander Grenze.

Live 22.30 Achtung Kontrolle Spezial.

Blaulicht Zoll 0.20 Bundespolizei LIVE: Großkontrolle

an der Grenze 2.20 Late News 2.25

Achtung Kontrolle Spezial. Blaulicht Zoll

RTL 2

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Family Stories 16.00 Der Trödeltrupp

–Fundstücke 17.00 News 17.05 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.00 Love Island Flash 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Die Wollnys –Eine schrecklich

große Familie! 21.15 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 22.15 Love Island –

Heiße Flirts und wahre Liebe 23.15 Wild im

Wald 0.15 Love Island –Heiße Flirts und wahre

Liebe 1.15 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

15.00 Radsport:Grand Prix de Wallonie. Eintagesrennen

in Belgien 17.25 Kanu: Sprint-Supercup

18.00 Ringen: Weltmeisterschaften 18.30

Test DriveMagazin 18.45 Tourenwagen: Weltcup

19.15 Tourenwagen: Weltcup 19.40 Eurosport

News 19.45 Golf: US PGA Tour 20.45 My Game –

TigerWoods 21.00 Golf: Solheim Cup 22.05 Tennis:

US Open 23.05 Eurosport News 23.15 Radsport:

Grand Prix de Wallonie 0.00 Olympische

Spiele. Legenden hautnah 0.30 Olympische Spiele.

Camps to Champs 1.00 WATTS

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DAS ERSTE, 20.15 UHR TV-DRAMA

Hanne

Hanne Dührsen (Iris Berben) will ihren wohlverdienten Ruhestand antreten,

doch gleich der erste Tagals Rentnerin stellt für die Frau einen heftigenLebenseinschnittdar:Dennbei

der Pensionärin werden erhöhte Leukozytenwerte

festgestellt.Esbesteht der Verdachtauf Leukämie.Dochbis die genaueDiagnose

gestellt werden kann, bleibt Hanne noch ein ganzes Wochenende,indem sie mit

sichund ihrer Angstallein ist. Siebeschließt, niemandem davonzuerzählen und

fährtineine fremde Stadt,wosie die lebensfrohe Dessousverkäuferin Ulikennenlerntund

aufihreStudentenliebe Heiner trifft.Bald erkenntHanne,dassman

das Lebenmit beiden Händen festgreifen sollte, wo immer es sich zeigt. Regisseur

Dominik Graf inszenierte ein leises Drama, das ohne Klischees auskommt.

Seine Premierefeierte der Film aufFilmfest München 2018.

(Dtl./2018)

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Saar, Elbe, Wolga u. v. m.

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9 2 8

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SUDOKU

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VOM 17. 9. 2019

SCHWER

5.30 Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause

in berlin &brandenburg 7.20 Brisant 8.00

Brandenburg aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft 10.30

Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Julia

–Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24

13.10 Verrückt nach Meer 14.00 Treckerfahrer

dürfen das! 14.45 Wie geht das? 15.15 Unser

Westen 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn

sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 rbb Praxis WeißerHautkrebs –wie eine

Hautverpflanzung nachder OP helfenkann

21.15 Die rbb-Reporter Ohne Polen läuft hier

nix! –24Stunden Putzen, Singen,

Lehren. Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Überleben Eine Zuflucht finden

22.45 Expeditionen insTierreich

Wilde Azoren –Wunderwelt im Atlantik

23.30 Talk aus Berlin

0.00 rbb Praxis

Weißer Hautkrebs –wie eine Hautverpflanzung

nach der OP helfen kann

ProSieben

12.00 2Broke Girls. Junge oder Mädchen/Das

Hintertürchen 12.55 Mom. Unmut schützt vor

Strafe nicht 13.20 Twoand aHalf Men. Ich

kann im Dunkeln pinkeln/Fragen Sie Ihren

Bruder/Wollmäuse und Kuhpuppen. Comedyserie

14.45 The Middle. Die Stromrechnung/

Der Sorgendienst. Comedyserie 15.40 The Big

Bang Theory. Der Cooper-Hofstadter-Antagonismus/Loobenfelds

Netz der Lügen/Alles

fließt. Comedyserie 17.00 taff. Liebe aus dem

Warenkorb –Ukraine. Moderation: Viviane Geppert,

Christian Düren 18.00 Newstime 18.10

Die Simpsons. Rinderwahn/Down by Lisa. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Border Angels vs.

Border Patrol. Moderation: Stefan Gödde

20.15 9-1-1 Notruf L.A.

Unter Druck. Krimiserie

Mit Angela Bassett, Peter Krause,

Jennifer Love Hewitt u.a.

21.15 9-1-1 Notruf L.A.

Erdbeben. Krimiserie

22.15 Atlanta Medical

Stromausfall. Arztserie

23.10 Atlanta Medical

Geld oder Leben. Arztserie

0.05 Two and aHalf Men

Wer kriegt die Verrückte? /Wer kriegt

die Verrückte? Comedyserie

13.00 Stadt Land Kunst 13.45 Goldene Hochzeit

mit Handicap. TV-Komödie, F2019 15.20

Wie das Land, so der Mensch 15.50 24 Stunden

16.40 (für HG) X:enius 17.10 Wie das

Land, so der Mensch 17.40 Grönland –Ein

Dorf am Ende der Welt 18.35 Wundersame

Wanderungen 19.20 Arte Journal 19.40 Re:

20.15 (für HG) Miss Mobbing. Drama, F2017

21.45 Die Supersammler 22.40 Der Ornithologe.

Drama, P/F/BRA 2016 0.35 Arte Journal

0.55 (für HG) Konzerne als Retter? Dokumentarfilm,

D2017

3Sat

14.45 (für HG) Land im Gezeitenstrom 15.45

(für HG) Land im Gezeitenstrom 16.45 (für

HG) Land im Gezeitenstrom 17.45 (für HG)

mareTV 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Mein Schloss: Spielplatz für Selfmade-

Millionäre 21.05 Mein Schloss: Ein Leben für

die Tradition 21.55 (für HG) Schlossherren des

21. Jahrhunderts 22.25 (für HG) Hin und weg.

TV-Drama, D 2014 23.55 (für HG) Spur des

Terrors –Die Dokumentation 0.25 10vor10

0.55 ECO 1.25 (für HG) Panorama

Phoenix

15.00 phoenix plus. Die Zukunft der Wirtschaft

16.00 Tourismus-Kollaps 16.45 Europas letzte

Sherpas 17.30 phoenix der tag 18.00 Unsere

Welt in Zukunft 18.15 Smart Farming –Die

Digitalisierung der Landwirtschaft 18.30

Kunstfleisch 19.15 Wie werden wir morgen

alle satt? 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

Terra X21.00 (für HG) DerAufstand der Wale

21.45 (für HG) heute-journal 22.15 phoenix

runde 23.00 phoenix der tag 0.00 phoenix

runde 0.45 Terra X1.30 (für HG) Der Aufstand

der Wale

Kika

13.05 (für HG) Insectibles 13.25 4½Freunde

13.50 (für HG) Die Regeln von Floor 14.10

Schloss Einstein 15.00 Jamie Johnson 16.00

Ein Fall für TKKG 16.25 (für HG) Lenas Ranch

17.10 Kein Keks für Kobolde 17.35 (für HG)

Belle und Sebastian 18.00 Der kleine Nick

18.15 Kleine lustige Krabbler 18.35 Elefantastisch!

18.50 Sandmann 19.00 (für HG) Robin

Hood –Schlitzohr von Sherwood 19.25 (für

HG) Die Kamerahelden –Deine Schule, deine

Fotos 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG)

KiKA Live 20.10 Und jetzt sind wir hier

Dmax

16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 Border Control –

Spaniens Grenzschützer 20.15 Auction Hunters

–ZweiAsse machen Kasse 20.45 Hardcore

Pawn: Das härteste Pfandhaus Detroits 21.15

BaggageBattles –Die Koffer-Jäger (1) 21.45

BaggageBattles–Die Koffer-Jäger (2) 22.15

Shark Tank –Die Business-Profis 23.15 DMAX

News 23.18 Shark Tank –Die Business-Profis

0.15 DMAX News 0.18 Bad Buddies –Echte

Schadenfreu(n)de 1.05 ZerstörtinSekunden

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Menschen hautnah

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 Wenn Orte

Angst machen 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Markt 20.00 Tagesschau

20.15 ReportMünchen 20.45 Panorama –die

Reporter 21.17 Münchner Runde 22.00 Markt

22.45 DieTagesschau vor20Jahren 23.00 Tages

themen 23.30 Kontrovers 0.15 defacto 1.00

Nachtmagazin 1.20 extra 3Spezial 1.50 Abendschau

2.20 Sachsen-Anhalt Heute 2.50 Extra

3.02 AktuelleStunde 3.47 Extra 4.02 Brandenburg

aktuell 4.30 buten un binnen

ONE

13.30 Um Himmels Willen 14.20 DerRekordbeob

achter. TV-Romanze, D2012 15.50 Großstadtrevier

16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich

18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe

20.15 Agatha Christies Poirot. DasRätsel von

Cornwall. TV-Kriminalfilm, GB 1990 21.00 Agatha

Christies Poirot. Mord ohne Leiche.TV-Kriminalfilm

GB 1990 21.50 kinokino shortcuts 22.00 Cotton

Club. Drama, USA 1984 0.00 Hot in Cleveland

0.20 Hot in Cleveland 0.40 Agatha Christies

Poirot. Das Rätsel von Cornwall. TV-Kriminalfilm,

GB 1990 1.25 AgathaChristiesPoirot. Mord ohne

Leiche.TV-Kriminalfilm,GB1990

ZDF NEO

6.10 TerraXpress 6.40 TerraX7.20 TerraX8.05

Topfgeldjäger 9.00 Lafer! Lichter! Lecker! 9.45

Bares fürRares 10.35 Bares für Rares 11.30 Bares

fürRares–Lieblingsstücke 12.15 Monk 12.5

Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 15.00 Monk

15.40 Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45

Bares für Rares –Lieblingsstücke 18.30 Bares fü

Rares 19.20 Bares fürRares 20.15 (fürHG) Wilsberg.

Frischfleisch. TV-Kriminalfilm, D2011 21.45

(für HG)Ein starkesTeam. Das große Fressen.

TV-Kriminalfilm, D2009 23.10 Aktenzeichen XY ..

ungelöst 0.40 (fürHG) Wilsberg. Frischfleisch.

TV-Kriminalfilm, D2011 2.10 TerraX2.55 Terra X

3.40 TerraX4.25 TerraX

ZDF INFO

11.00 Mördernauf der Spur 12.30 ZDF-History

17.50 Leschs Kosmos 18.15 (für HG) planet e.

18.45 Dirty Dollars 19.30 Vergiftete Flüsse. Doku

mentarfilm, USA 2017 20.15 Apokalypse Abfall –

Deutscher Müll für die Welt 21.15 Die Plastik-Inva

sion –Coca-Cola und der vermüllte Planet. Dokumentarfilm,F2018

21.55 (für HG) planet e.

22.25 Leschs Kosmos 23.20 (für HG) Klimawandel

–Die Fakten mit Harald Lesch 0.05 Mysterien

des Weltalls 0.45 (für HG) heute-journal 1.15 Auf

stieg undFall des Kommunismus 2.00 Aufstieg

und Fall desKommunismus 2.45 Aufstiegund Fa

des Kommunismus 3.30 Aufstiegund Fall des

Kommunismus

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Opernführer Charles Gounod: „Romeo und

Julia”. Mit Matthias Käther,ca. 56 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chor.com Die Kunst der Motette mit Werken

von Schelle, J.S. Bach, Brahms,ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik spezial Immer Ärger mit den Alten

Monteverdis Madrigal-Revolution,ca. 56 Min.

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Alte Musik Wie Lametta am Tannenbaum.

Bachs Choralkantaten-Jahrgang., ca. 30 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielweisen Heimspiel –Die Deutschlandradio

Orchester und -Chöre. 25 Jahre Rundfunk Orchester

und Chöre GmbH Berlin., ca. 45 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik Wittener Tage für neue Kammermusik,

ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(8/29). Es liest Johann von Bülow, ca. 30 Min

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesezeit Katja Oskamp liest aus ihrem Buch

„Marzahn,mon amour” (1/2), ca. 30 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Zeugnis ablegen” Die Tagebücher des Victor

Klemperer. Dritter Teil: Die Jahre 1937-1938.

Mit Udo Samel, ca. 57 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Länderzeit Das Ende der Pflegenoten. Die Qualitä

vonPflegeheimen wird neu bewertet., ca. 80 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Alte Töne, neues Zuhause. Wie

das Berliner Lautarchiv sich auf den Umzug

ins Humboldt Forum vorbereitet., ca. 26 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Feature Das geheime Tonband von Pannach,

Fuchs und Kunert., ca. 56 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Gilberto Gil., ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart International Rostrum of

Composers 2019. Organisiertvom International

Music Council und mit finanzieller Unterstützung

der teilnehmenden Rundfunkanstalten findet in

jedem Jahr das Internationale Rostrum of Composers

statt., ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Querköpfe Kabarett, Comedy &schräge Lieder.,

ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 217 · M ittwoch, 18. September 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

Liam Gallagher (46) hat voretlichen

Jahren einen Weggefunden, sich

dauerhaft im Gespräch zu halten,

selbst dann, wenn es künstlerisch

gerade nicht so rund läuft: DerEx-

Oasis-Gitarrist streitet sich öffentlich

mit seinem Bruder Noel (52), dem

Ex-Oasis-Sänger.Nur zu Erinnerung:

DielegendäreBritpop-Band Oasis

löste sich 2009 nach 18 Jahren des

hasserfüllten Bruderzwistes auf, da

hatte Noel wegen „verbaler und gewalttätiger

Einschüchterungen“

durch Liam das Weite gesucht. Und

so geht es streiterfüllt bis heute weiter.Neueste

Wendung: Liam will

Noel zu seiner Hochzeit im kommenden

Jahr einladen. So sagte er es

dem Boulevardblatt Sunday Mirror.

VonVersöhnung allerdings keine

Spur,denn freiwillig war die Einladung

nicht: „Meine Mama sagte mir:

,Dumusst ihn einladen.‘ Unddas

werdeich machen.“ Wunderbar,ein

kleiner,aber feiner Stich.

Elon Musk (48) redet sich gernum

Kopf und Kragen. DerTesla-Chef

hatte im Sommer 2018 ja den britischen

Höhlenforscher Vernon Unsworth

(64) als „Pädo-Typen“ beleidigt.

ZurErinnerung: Unsworth war

an der Rettung einer thailändischen

Jungen-Fußballmannschaft aus einer

Höhle beteiligt und hatte ein von

Musk angebotenes Mini-U-Boot mit

dem rustikalen Hinweis abgelehnt,

das sei ein„PR-Trick“ und Musk solle

sich das Boot„dorthin stecken, wo es

wehtut“. Daraufhin sagte Musk das

Pädo-Wortund beschimpfte Unsworth

noch als „Kindervergewaltiger“,

der seine aus Thailand stammende

Ehefrau als Zwölfjährige geheiratet

habe.Unsworth verklagte

Musk daraufhin wegen Verleumdung.

Nunreichte Musk bei dem zuständigen

Gericht in Los Angeles

eine Erklärung ein, wonach Pädo-

Wortewährend seiner Kindheit in

Südafrika übliche Schimpfworte gewesen

seien. Wer’sglaubt … (schl.)

Teilt gernaus und greift dabei auch in die

unterste Schublade: Elon Musk. IMAGO IMAGES

TIERE

Halbstarke mit Fell: Auch Meerschweinchen

pubertieren.

DPA

Lass mich!!! Siehaben ein Meerschweinchen

zu Hause und wundern

sich? Über Stimmungsschwankungen

und eine gewisse Launenhaftigkeit,

die sich im Käfig breitmacht?

Stellt das liebeVieh gar Ihre Autorität

in Frage? Seien Sieunbesorgt, es gibt

eine ganz einfache Erklärung vomIndustrieverband

Heimtierbedarf:

Auch Meerschweinchen kommen in

die Pubertät. Sietesten Grenzen aus

und schwanken zwischen Übermut

und Unsicherheit, wenn sie zwischen

sechs und neun Monate alt sind. Da

hilft nur eins:Verständnis zeigen und

liebevoll bleiben. Denn eigentlich

möchte Ihnen IhrNager doch nur eines

sagen:„Halt mich fest!“ (avo.)

Café au weh

Paris ist für traditionsreiche Kaffeehäuser bekannt. Doch moderne Ketten machen ihnen den Rang streitig

VonBirgit Holzer,Paris

Wenn ich Heimweh

nach Kanada habe,

komme ich hierher

und fühle mich wie in

Toronto.“ Brian sitzt vorseinem Laptop

im hell beleuchteten Compagnie

du Café, einem In-Laden in einem

In-Viertel von Paris, südlich des

Montmartre. DerKäsekuchen, so der

Mittdreißiger, schmecke hier so cremig-süß

wie zu Hause, die Kellner

sprächen Englisch und die Stimmung

sei so relaxt wie auf der anderen

Seite des Ozeans. Auf der Karte

stehen Crêpes, die hier Pancakes

heißen, oder Avocado-Toast. Und

den frisch gerösteten Kaffee gibt es

auch zum Mitnehmen.

Läden wie die Compagnie du

Café schießen seit einigen Jahren wie

Pilze aus dem Boden der französischen

Hauptstadt. DasDesign skandinavisch-schlicht,

das Publikum

überwiegend jung, hip und mit Laptops

ausgerüstet. Zu den vielfältigen

Kaffeesorten gibt es nicht obligatorisch,

aber oft vegane Bio-Speisen

ohne Gluten, dafür mit Körnernoder

Superfood. Berlinern dürfte dieser

Trend nicht unbekannt sein.

Alle Schichten der Gesellschaft

Mitdem typischen Eck-Bistrojedenfalls,woder

Espresso noch 1,20 Euro

kostet, haben die neuen Pariser Cafés

jedenfalls wenig gemein. Damit

erwachse ihm eine Konkurrenz, die

ihn zunehmend unter Druck setze,

räumt Titi Semroud ein, Besitzer des

Le Titi Parisien, das zwischen Nordund

Ostbahnhof liegt. „Ich bin vielleicht

nicht sehr modern, aber Traditionen

muss man doch wahren.“ Er

setze deshalb weiter auf den typischen

Pariser Café-Stil mit rustikalen

Holztischen und Klassikern wie

Toast Croque-Monsieur und Omelette

auf der Karte. In einem Körbchen

hält er bis zum Nachmittag

buttrige Croissants bereit.

VordemVerschwinden der klassischen

Kaffeehäuser und Bistros

warnt auch Clément Leonnard vom

Les Funambules im elften Bezirk.

Diese Läden empfingen seit jeher

alle Schichten der Gesellschaft, sagt

der üppig tätowierte Gastwirt: Morgens

kommen die ersten Kunden für

den schnellen Kaffee am Tresen, mittags

wird das Tagesgericht bestellt,

abends der Aperitif serviert. „Es ist

ein Ortder Begegnung, wo sich jeder

zu Hause fühlen darf. Für viele Leute

aus dem Viertel ist ein Besuch bei

uns ein wichtiges Ritual.“

Bereits 2015, in Folge der Pariser

Terroranschläge, als viele nicht

mehr ausgehen wollten, habe das

Les Funambules einen Einbruch

Ein großer Name seit 1887: das Café de Flore am Boulevard Saint-Germain.

Schöne neue Welt: das Compagnie du Café serviertPancakestatt Crêpe. COMPAGNIE DU CAFÉ

Bloß weg hier!

BIRGIT HOLZER

der Gästezahlen gespürt. Nun

werde esdurch den Vormarsch moderner

Ketten zusätzlich herausgefordert.

„Für uns traditionelle Häuser

bedeutet das, dass wir uns in

Frage stellen, unsere Menükarten

erneuern und die Servicequalität

verbessern müssen“, so Leonnard.

Pariser Kellner könnten sich künftig

kaum mehr ihre legendäre Unfreundlichkeit

oder die Weigerung

leisten, andere Sprachen als die

französische auch nur anzuhören.

Er sagt es mit einem Schmunzeln:

Ihn betraf der Vorwurf der Unfreundlichkeit

ohnehin kaum.

Wohlklingende Namen

Anders ist die Lage der Pariser Grand

Cafés,jene geschichtsträchtige Häuser,

deren hohe Wände mit Spiegeln

verziert sind und in denen sich früher

die intellektuelle Bohème traf.

Besonders berühmt: das Café de

Floreund das Deux Magots.Woeinst

Simone de Beauvoir und Jean-Paul

Sartre komplette Tage verbrachten,

kommen noch immer viele Prominente

–oder Besucher,die des Flairs

wegen exorbitante Kaffeepreise hinnehmen.

Immerhin ist das immer

noch billiger als eine Theaterkarte –

und bietet dem Besucher durchaus

ein vergleichbares Spektakel.

In dieser Liga spielt auch das

Café de la Paix gegenüber der Alten

Oper. Oscar Wilde und Émile Zola

gingen hier ein und aus, auf seine

Geschichte beruft sich das Café

noch heute. „Durch sie heben wir

uns ab: Wir haben unsere eigene

Identität und den Auftrag, die Seele

des Hauses zu bewahren“, sagt Küchenchef

Laurent André. Das ziehe

die Kunden an, von denen gut die

Hälfte Touristen seien. Die Wände

und Säulen in dem Bauwerk sind

denkmalgeschützt, die Beleuchtung

ist gedämpft –man fühlt sich

hier wie aus der Zeit gefallen.

Trotzdem könne man sich nicht

auf dem Namen ausruhen, müsse

sich stetig erneuern, so André. Er

setzt auf die sogenannte Bistronomie:

Man bewahrt traditionelle Gerichte

wie Weinbergschnecken oder

Zwiebelsuppe,servierezugleich aber

in modernem Geschirr und inKombination

mit leichten Gerichten. Das

Barsch-Tatar gibt’s mit einer Wasabi-

Guacamole,die Stopfleber mit Chutney

aus grünen Tomaten. Frischer,

cooler, leichter – dieser Trend berührtalle

PariserCafés,die althergebrachten

wiedie neue Garde.

Die Internet-Seite „Paris, ich verlasse dich“ berät alle, die eine Alternative suchen –mit Erfolg

AmWochenende gehen wir oft an

der Küste spazieren, in Ouistreham,

dem nächstgelegenen Strand.“

Das berichtet Carole, die 13 Jahre in

Parislebte,bevor sie in die Normandie

zog: In Caen fanden sie und ihr

Freund eine Wohnung, die doppelt

so groß ist und ihrem kleinen Sohn

ein ruhigeres Umfeld bietet. Auch

Sandra hat Paris verlassen, weil sie

nicht länger drei Stunden täglich in

öffentlichenVerkehrsmitteln zubringen

wollte und sich nach den Terroranschlägen

im Jahr 2015 nicht mehr

wohl fühlte. InLyon machte sie ihr

eigenes Yoga-Studio auf: „Das Leben

hier ist tausendmal angenehmer.“

Über ihren Wegberichten beide

jungen Frauen auf der Internet-Seite

„Paris, ich verlasse dich“

(paris-jetequitte.com) –das

Portal macht all jenen Mut,

die Frankreichs Hauptstadt

den Rücken kehren wollen.

Es gibt Hilfe bei der Vermittlung

von Wohnungen

und Jobs, Tipps zur Unter-

Alles viel zu teuer

hier!

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nehmensgründung oder

zur Beantwortung der

grundsätzlichen Frage: Wo

ist der ideale Ortfür mich?

„Wenn man ins Berufsleben

startet, ist Paris gut. Aber

schnell fragt man sich, was danach

kommen kann“, sagt die 30-jährige

Kelly Simon, eine der vier Mitbegründer

der Seite, deren Betreuung

seit 2017 ein Vollzeit-Job für sie darstellt.

Dazu gehört auch

die Beratung von Unternehmen

in der „Provinz“,

die Führungskräfte anziehen

wollen.

Mit mehr als zwei Millionen

Einwohnernauf 105

Quadratmetern, welche innerhalb

des als Stadtgrenze

dienenden Autobahnrings

„Boulevard périphérique“

liegen, gehört Paris zu den

am dichtesten besiedelten

Städten der Welt. Im Großraum leben

gut zwölf Millionen Menschen. Beieinem

durchschnittlichen Quadratmeterpreis

von über 10000 Euro ist gerade

für Familien das Wohnen im

Zentrum unerschwinglich. Und für

Birgit Holzer wünscht sich,

dassTraditionelles und

Neueszusammengehen.

viele zieht das stundenlanges Pendeln

nach sich und ein Leben nach

dem verhasst-berüchtigten Rhythmus:

„metro –boulot –dodo“, also

„Metro–Arbeit –Schlafengehen“.

Während die französische Bevölkerung

insgesamt seit Jahren wächst,

sinkt dem nationalen Statistikamt Insee

zufolge die Einwohnerzahl in Paris:

Zwischen 2011 und 2016 nahm sie

demnach um rund 300000 Menschen

ab. Ihm sei der Wechsel nach

Rennes nicht schwer gefallen, berichtet

Jean-François: „Wer einmal eine

Wohnung in Paris gesucht hat, für

den ist es hier ein Kinderspiel.“ Selbst

einen interessanten Job habe ergefunden

–den er sich selbst schuf, als

Firmengründer. Birgit Holzer

NACHRICHTEN

Explosion in einem

russischen Biolabor

Beieiner Explosion während Bauarbeiten

in einem staatlichen Bioforschungslabor

in Russland ist in Sibirien

ein Mensch verletzt worden.

DieGasexplosion hätte sich in einem

oberen Stockwerkdes Stahlbetongebäudes

ereignet, teilte das Labor

Vektor mit. DasLabor im Ort

Kolzowoinder Nähe vonNowosibirsk

gilt als führend bei der Erforschung

lebensgefährlicher Viren.

Unter anderem entwickelt es Impfstoffe

gegen Hepatitis und Grippe.

Es testet auch einen Impfstoff gegen

das HI-Virus.Esseien keine gefährlichen

Substanzen ausgetreten,

sagte der Bürgermeister des Ortes

Kolzowoder staatlichen Agentur

Tass zufolge. (dpa)

300 Touristen sitzen beim

Mount Everest fest

Mehr als 300 Touristen sitzen wegen

schlechten Wetters seit fünf Tagen in

einem kleinen Dorfinder Nähe des

Mount Everests fest. Diemeisten

Flüge des nahe gelegenen Flughafens

in Lukla (Nepal) seien gestrichen

worden, sagte Fluglotse Rohit

KarnaamDienstag. Nurfünf Maschinen

hätten am Sonnabend abheben

können. DerFlughafen inmitten

vonnepalesischen Bergen auf einer

Höhe vonmehr als 2800 Metern

gilt als einer der gefährlichsten der

Welt. DieFlugzeuge haben lediglich

rund 500 Meter Start- und Landebahn

und diese liegt an einem steilen

Abhang. (dpa)

Rekord: Frau durchschwimmt

viermal den Ärmelkanal

Viermal hin und her:Sarah Thomas machte

beim Schwimmen keine Pause. AP

Eine US-Amerikanerin hat britischen

Medien zufolge als erster

Mensch gleich viermal ohne Unterbrechung

den Ärmelkanal durchschwommen.

Die37-jährige Sarah

Thomas war bis voreinem Jahr noch

wegen Brustkrebs in Behandlung.

Siewidmete ihren RekordamDienstag

an der englischen Küste „allen

Überlebenden da draußen“. DieUltra-Marathon-Schwimmerin

startete

am frühen Sonntag und beendete

ihren Rekordnach 54 Stunden

im britischen Dover, wie der britische

Sender BBC berichtete.Zur Begrüßung

gab es Champagner und

Schokolade. (dpa)

Deutschland wirbt für Prinz

Harrys„Invictus Games“

London, Toronto,Sydney –und bald

Düsseldorf? Dienordrhein-westfälische

Landeshauptstadt will die„Invictus

Games“ der Stiftung des britischen

Prinzen Harry2022 ausrichten.

Für die offizielle Bewerbung reist eine

Delegation inklusivemehrererGeneräle,Verteidigungsstaatssekretär

PeterTauber(CDU)

undDüsseldorfs

Oberbürgermeister Thomas Geisel

(SPD) am Dienstag nach London.

Eine Entscheidung wirdfür den

Herbst erwartet. Die„Invictus Games“

sind einparalympischerWettbewerb

für im Einsatz verletzte Soldatinnen

und Soldaten. (dpa)


STIL

DASWOHNMAGAZIN

Anzeigen-Sonderveröffentlichung Nr. 44

18. September 2019

www.berliner-zeitung.de/sonderbeilagen

Es wird bunt

Seite 04

Grau hat die Chance, das neue Weiß im Bad

zu werden. Auch Schwarz und Rot ziehen ein.

Tapetentrends

Seite 10

Gegensätze ziehen Wände an –die neuen

Kollektionen bieten Spannung und Ruhe.

Modern Glamour

Die Trends im Interiordesign sind vielseitig.

Vonschlicht bis opulent –esgibt viel zu entdecken.

Bild: DeutschesTapeten-Institut


02

Anzeigen-Sonderveröffentlichung ◆18. September 2019

Raum

für den

eigenen Stil

Minimalismus oder

Modern Glamour,Industrial Chic

oder rustikal –esgibt kein

Designdiktat, dafür ein

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angegebenen Preise in Euro. Irrtümer vorbehalten. J) 145 Jahre Höffner –das ist eine einmalige Erfolgsgeschichte: 1874 legte der Tischlermeister Rudolf Höffner mit seiner kleinen Berliner Möbeltischlerei den Grundstein für eines der erfolgreichsten deutschen Möbelunternehmen

überhaupt. Heute betreibt Höffner deutschlandweit 20 Einrichtungszentren. Und natürlich werden wir auch in Zukunft alles dafür tun, unsere Kunden glücklich zu machen.


STIL –DAS WOHNMAGAZIN

03

Natürliche und helle Farben – wer im Interiordesign

vorn mitspielen will, der sollte auf diesen Zug

aufspringen. Auch das Material der Möbel sollte

möglichst naturbelassen sein. Ob Holz, Leder, Leinen

oder Baumwolle: Diese Werkstoffe lassen sich in diversen

Varianten kombinieren und sind zeitlos schön. Dazu können

Dekoelemente und Lampen mit organischen Formen

kombiniert werden. Dies baut auf den minimalistisch und

ungekünstelt gehaltenen Looks der vergangenen Jahre auf

und erlaubt ein wenig mehr Spiel und Gemütlichkeit in den

heimischen vier Wänden.

VomMinimalismus zum Modern Glamour

Auch wenn hier der Begriff Glamour fällt, können die barocken

Möbel und feinsten Engelchen vorerst im Speicher

der Großeltern verweilen. Modern Glamour kombiniert

den Purismus der vergangenen Jahre mit luxuriösen Elementen.

Sofas aus Samt, kupferne Lampen und vergoldete

Accessoires können mit schlichten Holztischen und hellen

Wandfarben kombiniert werden. Diese Kombination ergibt

einen Kontrast, der dennoch harmonisch wirkt.

Industrial Chic und rustikale Möbel

Die Elemente des Modern Glamour lassen sich auch hervorragend

mit rustikalen Möbeln im Shabby-Chic-Style

kombinieren. Alternativ setzt sich bei den Wohnaccessoires

2019 auch der Industrial Chic durch, der anstelle der elegant

gehaltenen Dekoelemente des Modern Glamour eingesetzt

werden kann, um der Wohnung einen Hauch von industriellem

Charme zu verleihen. Besonders in Verbindung

mit abgenutztem Holz und Leder erhält der Wohnraum

hierdurch einen leichten Industriehallencharakter.

Wandteppich –der Sprung in die Vertikale

Ein besonderer Wohntrend 2019 ist der Wandteppich. Diese

extravagante Deko erfreut sich immer größerer Beliebtheit

und erreicht 2019 den großen Durchbruch. Die Teppiche

können außerordentliche wie auch schlichte Muster

tragen –jenachdem, ob sie das Highlight eines Raumes

sind oder lediglich atmosphärische Akzente setzen sollen.

Die Wandteppiche sollten allerdings nicht zu schwer

sein, daher eignen sich besonders Flachgewebeteppiche als

Wandschmuck. Eine besonders schöne Abwandlung des

Wandteppichs ist das Makramee, dessen Name auf der besonderen

Makrameewebtechnik beruht. Das Makramee

besteht aus Baumwolle und sticht durch seine einzigartigen

Webmuster hervor.

Lampen in besonderen Formen

Licht ist essenziell für eine schöne Atmosphäre. Es setztAkzente

und kann gezielt dazu eingesetzt werden, bestimmte

Elemente der Inneneinrichtung hervorzuheben. Neben großen

Fenstern und den klassischen Lampen an Wand und

Decke erweitert sich stetig die Palette an außergewöhnlichen

Designerlampen, die bewusst dazu eingesetzt werden

können, den Stil eines Raumes zu bestimmen. Auch die Art

des Lichtes kann dank LED-Leuchten individuell auf den

Raum abgestimmt werden.

SmarteMöbel sind weiterhin im Kommen

Auch 2019 können die Möbel gern das ein oder andere

Gimmick verstecken. Wichtig ist nur, dass sie schlicht und

funktional sind. Gerade auf kleinem Wohnraum machen

sich vielseitig einsetzbare Möbel bewährt. Ideal sind beispielsweise

Beistelltische, die auch als Hocker oder Regale

einsetzbar sind und sich problemlos und ohne Platzverlust

unter dem Couchtisch verstauen lassen.

Unabhängig von den allgemeinen Trends ist es wichtig, die

Wohnung auch nach dem eigenen Charakter und dem eigenen

Stil zu gestalten, damit die heimischen vier Wände nicht

wie ein Ausstellungsraum im nahe gelegenen Möbelhaus

wirken. Denn ausgelebte Trends können zwar vielleicht die

skeptischen Freunde und Nachbarn überzeugen, entsprechen

aber nicht zwangsweise den eigenen Vorstellungen

von Gemütlichkeit.

// dpa

WIR FEIERN

JAHRE

J

Bilder: VDM

GRÜNE WELLE

Nachhaltiges Einrichten setzt langlebiges Möbeldesign

voraus. Laut der Wohnstudie des Instituts

für Demoskopie Allensbach achten zwei

Drittel der befragten Möbelkäufer ganz besonders

auf eine gute Verarbeitung. Rund der

Hälfte der Befragten ist es besonders wichtig,

dass die Möbel unempfindlich und strapazierfähig

sind. Als wichtigstes Kaufkriterium gaben

73 Prozent an, dass ihnen das Design und

die Form gefallen müssen. „Die Optik eines

Möbelstücks lässt sich einfach bewerten: Es gefällt

oder es gefällt nicht. Anders ist das bei der

Möbelqualität“, so der Geschäftsführer der

Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM),

Jochen Winning. Hier könnten allein objektive

Qualitätskontrollen dem Möbelkäufer vorab

zusichern, dass er sich für ein hochwertiges und

langlebiges Produkt entscheidet. Daher zeichne

die DGM umfassend qualitätsgeprüfte Möbel

mit dem „Goldenen M“ aus und ermögliche

Endverbrauchern so eine fundierte und nachhaltige

Kaufentscheidung.

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